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-The Project Gutenberg eBook of Die Radierung, by Alois Leopold
-Seibold
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-using this eBook.
-
-Title: Die Radierung
- Ein Leitfaden und Ratgeber
-
-Author: Alois Leopold Seibold
-
-Illustrator: Alois Leopold Seibold
-
-Release Date: August 12, 2022 [eBook #68735]
-
-Language: German
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG ***
-
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
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-
-Die Radierung.
-
-[Illustration: Christnacht
-
-Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
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-
- Die Radierung
-
- Ein Leitfaden und Ratgeber
-
- von
-
- Professor Alois Leopold Seibold
-
- Maler und Radierer in Wien
-
- Vierte vermehrte und verbesserte Auflage
-
- Mit 10 Kunstbeilagen und
- 16 Abbildungen im Text
-
- [Illustration]
-
- Eßlingen a. N.
- Paul Neff Verlag (Max Schreiber)
- 1922
-
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-
-
-Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N.
-
-
-
-
-Meinem hochgeschätzten Meister,
-
-Professor Viktor Jasper in Wien
-
-in dankbarer Verehrung zugeeignet
-
- _Alois L. Seibold_
-
-
-
-
-Vorwort zur ersten Auflage.
-
-
-Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch zu schreiben, da
-war es vor allem der Wunsch, nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise
-mitzuteilen, und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiete
-zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch immerhin sein mögen,
-doch berufen sein dürften, wo immer nur möglich bei den anfänglichen
-Versuchen die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich vor
-Entmutigung zu bewahren.
-
-Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt wird, der Ausdruck
-der freischaffenden Künstlerseele ist und mit ihren Mitteln geeignet
-und berufen erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden
-ihrer Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik an sich auf
-Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, deren sich die Hand zum
-Niederschreiben des Erschauten, des innerlich Erlebten bedient.
-
-Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich ist, war mein Bestreben
-dahin gerichtet, das rein künstlerische Moment als das leitende
-erscheinen zu lassen und den Anfänger an der Hand eines gesichteten
-Materiales unmittelbar ins Praktische dieser Kunstweise einzuführen,
-ohne ihn erst mit viel theoretischem Ballast zu beschweren.
-
-Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich schriebe -- der Erste -- über
-die Radierung, bedarf wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die
-Zahl (allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur auf diesem
-Gebiete aufzuweisen hat.
-
-Im allgemeinen muß ich mich auch an diese halten; denn das Um und Auf
-der Radierung ist ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan;
-die Methode aber, mit der dem Schüler die Wege zu weisen sind, ist es,
-die das Vertrauensamt hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, auf
-daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen Weg bezeichne.
-
-Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist mir umso lieber, da
-ich gewiß zu sein glaube, mit dieser meiner bescheidenen Arbeit einer
-Kunstweise, welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den
-graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und Schätzer geworben zu
-haben.
-
-Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen vergönnt, dann soll es mir
-zu ehrender Genugtuung gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum
-Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik beigetragen zu
-haben.
-
- Prag, im September 1909.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Vorwort zur 3. und 4. Auflage.
-
-
-Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not und Verwirrung, die uns
-die letzten Jahre gebracht, geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren
-sicheren Weg.
-
-Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am Schönen, können im gesunden
-Volke nicht untergraben werden; das sind unverlierbare Schätze,
-Quellen, die immer fließen.
-
- * * * * *
-
-Nach kaum drei Jahren -- es waren bisher die ärgsten -- ward die dritte
-Auflage notwendig, nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist
-klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist groß und stolz.
-
-Und nun zum viertenmal hinaus!
-
-In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und Schaffenslust!
-
-Und das Weggeleit ist die verständnisvolle Freundschaft, die dem
-Büchlein beschieden ist; möge sie ihm erhalten bleiben!
-
- Wien, im Juni 1922.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- _Vorwort_
-
- Seite
-
- 1. _Über das Wesen der Radierung_ 1
-
- 2. _Vorbereitung zum Arbeiten_ 6
-
- ~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung 6
-
- ~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes 8
-
- ~c~) Das Grundieren der Kupferplatte 11
-
- ~d~) Das Anrauchen 15
-
- 3. _Das eigentliche Radieren_ 20
-
- ~a~) Von der Wahl des Motives 20
-
- ~b~) Das Aufbringen der Konturen 21
-
- ~c~) Die Radiernadeln 24
-
- ~d~) Über die Führung der Nadel 25
-
- 4. _Der Ätzprozeß_ 28
-
- ~a~) Die Bereitung des Ätzwassers 28
-
- ~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen 31
-
- ~c~) Die Bereitung von Ätzwachs 34
-
- ~d~) Die erste Ätzung 35
-
- ~e~) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis) 38
-
- ~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme 41
-
- ~g~) Das Reinigen der Platte 43
-
- 5. _Das Abdrucken von der Platte_ 45
-
- ~a~) Über die Bedeutung des Handabdrucks 45
-
- ~b~) Das Druckpapier 46
-
- ~c~) Die Druckfarbe 48
-
- ~d~) Das Einschwärzen der Platte 50
-
- ~e~) Der Abdruck 52
-
- ~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege 57
-
- 6. _Retouche-Arbeiten_ 62
-
- 7. _Über Mißerfolge_ 68
-
- 8. _Abschleifen der Platte_ 74
-
- 9. _Strich und Ton_ 77
-
- 10. _Wege und Ziele_ 84
-
- 11. _Das fertige Blatt_ 92
-
- _Schlußwort_ 94
-
- _Alphabetisches Verzeichnis_ 100
-
-
-
-
-Kunstbeilagen.
-
-
-Original-Radierungen von Alois L. Seibold.
-
- I. »Christnacht« Titelbild
-
- II. »Das Gehölz« S. 40/41
-
- III. »Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe
- eines mit dem Beinstab
- gewonnenen Plattenabzuges S. 56/57
-
- IV. »Motiv aus Obersteiermark« S. 60/61
-
- V. »Bildnisstudie« S. 68/69
-
- VI. »Karlskirche in Wien« S. 80/81
-
- VII. »Überfahrt« S. 84/85
-
- VIII. »Pieta« S. 88/89
-
- IX. »Im Sturm« S. 92/93
-
- X. »Der heilige Franziskus« S. 96/97
-
-
-
-
-1. Über das Wesen der Radierung.
-
-
-Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von Salpetersäure aufgelöst
-wird. Es geht mit ihr eine Verbindung ein, welche in Wasser leicht
-löslich ist und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig
-steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von Gasbläschen auf. (Giftige
-Dämpfe!)
-
-(3~Cu~+8~HNO~_{3} = 3~Cu~(~NO~_{3})_{2}+4~H~_{2}~O~+2~NO~.)
-
-Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage der Radierung. Das Kupfer
-kommt hierbei in Form von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis
-zur feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält nun
-einen dünnen säurefesten Überzug von eigens hierzu bereitetem Firnis,
-welcher die darunterliegende Kupferfläche vor Zerstörung durch die
-Salpetersäure schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener
-Form, der sogenannten _Radiernadeln_, wird nun eine Zeichnung in
-diesen Firnis geritzt, so daß das Kupfer an den betreffenden Stellen
-frei zutage tritt. Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen
-ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung. Diese rein
-künstlerische Tätigkeit nennt man das »_Radieren_«; nach ihr hat die
-ganze Technik überhaupt ihren Namen »_Radierung_« erhalten.
-
-Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt, so kann letztere ihre
-Wirkung nur an jenen Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet;
-es sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den Firnisüberzug
-gerissen hat. Diese Striche haben in den meisten Fällen das Kupfer
-gar nicht geritzt, sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses
-unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und das Niveau der blanken
-Kupferplatte wird dadurch an diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung
-der Säure aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso
-größer, je länger der chemische Prozeß andauert. Diesen Vorgang nennt
-man den »_Ätzprozeß_« oder die »_Ätzung_«. Beendet wird dieser Prozeß
-dadurch, daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser von der
-letzten Spur der Säure befreit wird. Sobald die Platte trocken ist,
-wird der Firnis mit Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt
-nun, nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde, wieder ihre
-blanke Oberfläche; aus den Strichen der Zeichnung aber sind infolge
-der Wirkung der Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die Platte
-gegen das Licht gehalten wird, dunkel von der glänzenden Fläche
-abheben. Diese Rinnen nun sind weit verschieden von solchen, welche in
-die Platte mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert worden
-wären; denn während die auf letzterem Wege erzeugte Furche infolge der
-glättenden Wirkung der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche
-zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung, sondern was sehr
-wichtig ist für die resultierende Bildwirkung, eine Aufrauhung der
-vertieften Rinne an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche.
-
-Wird eine also behandelte Kupferplatte mit Kupferdruckschwärze
-eingerieben, so füllen sich die vertieften Striche mit Farbe, während
-diese über das blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht
-allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte abgewischt werden,
-in den Strichen sitzt sie fest.
-
-Also vorbereitet, wird die Platte mit einem Blatt gefeuchteten
-Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier, belegt; auf dieses kommt
-noch ein Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun zwischen zwei
-Stahlwalzen[1] unter großem Drucke durchgezogen, so daß das feuchte
-Papier mittelst des weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten
-Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen des Druckpapieres haftet
-die Farbe auf dem Papier und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der
-Druck ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser Schärfe,
-jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt, ein Umstand, der beim
-Entwerfen der Zeichnung auf der Platte bereits berücksichtigt werden
-muß, wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter Form aus dem
-Druck hervorgehen soll.
-
- [1] In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung.
-
-Das von der Platte gelieferte Bild heißt _Abzug_, _Druck_ oder zur
-Spezifizierung der Art, in der es hergestellt wurde, »_Radierung_«.
-Das ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »_Tiefdruckes_«, eine
-Bezeichnung für alle diejenigen graphischen Techniken, bei deren
-Ausübung die bilderzeugenden Elemente (Striche, Punkte und dergl.) in
-die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle Vorrichtung zur
-Herstellung aller Arten des Tiefdruckes heißt »_Kupferdruckpresse_«,
-das handwerkliche Verfahren: »der _Kupferdruck_«. Den Gegensatz dazu
-bildet der »_Hochdruck_«. Obwohl er eigentlich in den Rahmen dieser
-Arbeit nicht gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das
-vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser Druckart bleiben die
-Striche der Zeichnung auf der Platte erhaben, während alles, was weiß
-bleiben soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend vertieft
-wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche durch kräftiges Reiben mit
-Druckfarbe gefüllt, so genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken
-des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise ein
-Übergehen desselben mit einer Farbwalze, um alle Striche zu schwärzen.
-
-Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen Tiefdruck und
-Hochdruck wieder deutlich: Während beim Tiefdruck das Papier in
-die Striche hineingepreßt werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein
-einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten Druckstockes das
-Abfärben auf das Papier und somit die Bilderzeugung.
-
-Zur ersten Gattung gehören: der _Kupferstich_, der _Stahlstich_
-in allen seinen Abarten, die _Radierung_ und andere Verfahren,
-die jedoch mit unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf
-den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure) und sich von
-künstlerischen Fertigkeiten in den Mitteln wesentlich unterscheiden.
-(Zum »_Hochdruck_« gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der
-Stempeldruck, die Zinkhochätzung, Autotypie -- Zinkotypie -- u. s.
-w.)[2].
-
- [2] Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei
- Kampmann’s »Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf
- das angelegentlichste empfohlen.
-
-
-
-
-2. Vorbereitung zum Arbeiten.
-
-
-~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung.
-
-Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine besondere liebe Aufgabe
-ist, den Anfänger unmittelbar ins Praktische der Technik einzuführen
-und ihn mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer
-entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig ist, zu verschonen.
-Deshalb auch habe ich es vermieden, mich in langen technologischen
-Abhandlungen über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei den
-heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich nicht schwer, zu der
-einwandfreien Reinheit und Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu
-haben. Nun zur Sache!:
-
-Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die _Kupferplatte_
-anzusehen. Sie wird in größeren Metallhandlungen aus gewalzten
-Kupferplatten geschnitten und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt.
-Um den Anfänger gleich hier zu orientieren, sei folgendes erwähnt:
-
-1. Die Platte soll etwa 1½--3 ~mm~ dick sein.
-
-2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format ist 13 × 18 ~cm~.
-Dem Anfänger ist dringend zu raten, bei seinen ersten Versuchen über
-dieses Maß nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte Bequemlichkeit
-bei allen folgenden Hantierungen bietet. Bei erlangter Sicherheit
-steigert sich von selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal ja
-die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage ohnehin nicht mit dem
-ersten Versuch erreicht (und auch gar nicht bezweckt) wird.
-
-3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten schwankt und
-beträgt ungefähr 8·7--8·9. Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes
-der Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 ~cm~, 3 ~mm~ dick, wiegt also:
-
- 13 × 18 × 0·3 × 8·9
- 104
- ---
- 234 × 0·3
- ----
- 70·2 × 8·9
- ----
- 5616
- 6318
- ------
- 624·78; das sind also 624·78 Gramm.
- =======
-
-Der Preis des Kupfers schwankt stetig im Handel. Nach obigen Daten und
-Kenntnis des Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen
-Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun einem geschickten
-Kupferschmied oder noch besser einer Plattieranstalt übergeben. Hier
-wird die Platte »gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden
-nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung der Schräge
-soll ungefähr 45° betragen; je dicker die Platte ist, desto flacher
-muß diese Neigung sein, damit die Oberwalze beim Drucken die Platte
-leicht anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt, daß das
-Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger Platte zerschnitten wird.
-Die Ecken können abgerundet werden. Diese Schräge heißt _Facette_, die
-Arbeit: das _Facettieren_. Die Bildfläche soll den feinsten Schliff --
-frei von jeder Spur eines Ritzes -- zeigen, vor allzu spiegelglatter
-_Polierung_ ist jedoch zu warnen, da eine solche Fläche für das
-spätere Arbeiten zuweilen Ursache von Mißlichkeiten werden kann (siehe
-Mißerfolge).
-
-Hat man die Platte in diesem Zustand, so überzeuge man sich durch
-vorsichtiges Auflegen derselben auf eine Spiegelscheibe, von ihrer
-wirklichen Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und läßt sie
-sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben, dann wird dieses
-Zurückfallen lautlos, ohne Klappern, erfolgen. Um sie vor dem
-Zerkratztwerden zu schützen, lege man in eine flache Schachtel ein
-Flanelltuch und auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten.
-
-Man bekommt fertig hergerichtete Platten in allen gangbaren Formaten in
-größeren Mal- und Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese
-Beschaffung aber etwas teurer stellen.
-
-
-~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes.
-
-Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung dieses wichtigen
-Materials gibt, will ich dennoch von ihrer Anführung absehen, um
-nicht durch verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit
-hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein der Wahl zu überlassen,
-wenn ein erprobtes Rezept ihm gutes Gelingen gewährleistet!
-
-Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen:
-
- 1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten Säuren;
-
- 2. leichte Schmelzbarkeit;
-
- 3. festes Haften an der Metallfläche;
-
- 4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis nicht
- zersplittern, sondern ihn nur glatt durchschneiden.
-
-Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch Asphalt, die zweite
-durch Bienenwachs, die dritte durch Mastix, die vierte durch ganz
-homogenes Gefüge des Gemisches. Dieses wird nach folgendem Rezept
-bereitet:
-
-weißes Wachs 3 } Mastix 2 } Gewichtsteile. echter _Syrischer_ Asphalt 4
-}
-
-Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto härter und
-wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund, aber auch desto
-undurchsichtiger. Deshalb setzt man dort, wo man auf dessen
-Durchsichtigkeit Gewicht legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem
-Rezept etwa 2 Gewichtsteile.)
-
-Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich, welche ja nicht zu klein
-gewählt werden dürfen. Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute
-Dienste. Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde, jedoch hübsch
-abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet werden kann. Eine Zange oder ein
-feuchtes Tuch liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe.
-
-Die runden Körnchen des Mastix werden mit dem zerstoßenen Kolophonium
-zuerst geschmolzen; erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für
-Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit einem Blechlöffel oder
-dergl. bewirkt die vollkommene Mischung. Man darf den Topf auch nicht
-aus den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem Rauchen das Gemisch
-sofort von der Hitze wegrücken. Das Rauchen ist übrigens schon ein
-bedenkliches Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame Behandlung
-überhaupt vermieden werden. Diese Masse läßt man nun bei etwa 100°
-Celsius abseits stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls
-klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß. Unter großer Vorsicht
-und stetem Umrühren gießt man das Gemisch in einigen Absätzen in den
-bereits vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das Ganze bei sehr
-mäßiger Hitze noch etwa 5 bis 10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte
-Homogenität der Masse ganz sicher erreicht werde. Hierauf gießt man
-die flüssige Masse in ein großes Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier
-erstarrt sie sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem Wasser
-lassen sich diese wie Teig kneten und die Finger fühlen leicht jedes
-Knötchen oder Körnchen, welches sich vielleicht noch in der Masse
-befindet; alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse entfernt
-werden; dann werden aus dem also gereinigten Ätzgrund Walzen oder
-Kugeln geformt und erkalten gelassen.
-
-Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen länglichen Blechbüchsen
-aufbewahrt, wie man sie mit diversen Pulvern oder dergl. in den
-Geschäften als Verpackung bekommt.
-
-Man hüte sich die Masse trocken, also außer Wasser zu lange zu kneten,
-da sie sonst an der Hand festklebt und diese nur durch energisches
-Reiben mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann.
-
-
-~c~) Das Grundieren der Kupferplatte.
-
-Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist zur Aufnahme des
-Ätzgrundes noch nicht geeignet, da sie noch einen Hauch von Fett
-besitzt, welcher den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis nicht
-zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte Wasser auf, so sehen wir,
-daß es wie Quecksilber in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch
-ein Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu entfernen, bereiten
-wir in einer Schale einen Brei von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton
-mit Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch auf der
-Platte tüchtig aufgerieben und bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist
-dieser Anstrich trocken geworden, so wird er mit einem ganz trockenen,
-frischgewaschenen Leinwandlappen von der Platte abgerieben. Die
-Schlemmkreide hat alles Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum
-Grundieren bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da ihre Unterlassung
-später ein Abblättern des Firnisses leicht zur Folge haben könnte.
-(Siehe »Über Mißerfolge« Nr. 8, Ursache ~b~).
-
-[Illustration: Abb. 1. Rost aus starkem Draht ohne Überkreuzungen,
-damit die Platte flach darauf liegen kann.]
-
-Es handelt sich nun darum, den Ätzgrund in feiner Schicht auf die
-Platte zu bringen. Man nennt diesen Vorgang das »Aufbringen« des
-Ätzgrundes; er wird damit eingeleitet, daß die Platte gleichmäßig und
-gelinde über einer Spiritus- oder Gasflamme erhitzt wird. Zum bequemen
-Halten der Platte dient eine Beißzange oder eine Feilklobe, welche man
-in die Platte festschrauben kann. Gegen das Zerkratzen des Kupfers
-schützt eine zwischen den Angriffsstellen angebrachte Einlage von
-mehrfach gefaltetem Filtrierpapier oder dickem, weichem Leder. Man kann
-sich auch aus sehr starkem Draht einen Rost mit Handhabe machen lassen
-(Abb. 1). Die Kupferplatte wird -- Schliff nach oben -- darauf gelegt
-und so über die Flamme gehalten.
-
-Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte zu bewirken, bewege
-man sie über der Flamme hin und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers
-zu dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt; länger darf
-man nicht warten, denn das bald eintretende Farbenspiel von Orange,
-Karminrot bis Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung und
-ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren Platten erzielt man eine
-ausreichende Erhitzung, wenn man sie etwa 5 ~cm~ über den Zylinder
-einer brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch auf ein sehr
-reines Brett gelegt (Schliffläche oben) und mit der Asphaltmasse erst
-vorsichtig am Rande hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja
-nicht zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre ein sicheres
-Zeichen von Überhitzung! In einem solchen Falle muß ein Sinken der
-Hitze abgewartet werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der Masse
-über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch nicht zu reichlich, ein
-vollkommenes Bestreichen der Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig;
-man streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei großen Platten
-eventuell noch zwischen ihnen ein paar Striche. Der geschmolzene
-Ätzgrund wird nun mit der Grundierwalze (Abb. 2) auf der ganzen Fläche
-ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende Haut auf dem Kupfer
-in gleichmäßiger Feinheit erscheint.
-
-[Illustration: Abb. 2. Grundierwalze.]
-
-Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder von etwa 5 ~cm~ Länge
-und 3 ~cm~ Durchmesser, welcher mit dünnem, glattem Leder derart
-überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit). Denselben
-Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen, doch ist Leder unbedingt
-vorzuziehen. Diese Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um ihre
-Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei ist darauf zu achten, daß
-die Schraubenköpfe ~A~ und ~B~ die Walze daran verhindern müssen, mit
-der _Gabel_ in Berührung zu kommen, weil sie sonst stecken bliebe,
-wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten tritt. Deshalb muß überhaupt
-auch ein genügender Raum beiderseits zwischen Walze und Gabel frei
-bleiben. Man erhält Grundierwalzen auch gebrauchsfertig zu kaufen.
-(Große Platten erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.)
-Ist die Walze neu, so tut man gut daran, sie erst auf irgend einem
-heißen Blech mit Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte
-zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende Ätzgrund wird nie
-davon entfernt, bei kleineren Platten genügt dieser oft allein zum
-Grundieren. Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht weggelegt
-werden, da sie infolge des noch klebrigen Ätzgrundes überall haften und
-Staub und dergl. an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf einen
-Gegenstand so, daß die Walze frei in der Luft bleibt.
-
-[Illustration: Abb. 3. ~ABCD~ Kupferplatte.]
-
-
-~d~) Das Anrauchen.
-
-Die Platte ist nun bereits vor Einwirkung der Säure geschützt. Der
-Metallglanz des Kupfers schimmert jedoch noch durch und würde den
-Augen des Radierers beim Arbeiten sehr unangenehm, ja unerträglich
-werden. Zur Abhilfe dessen wird die noch warme Platte mittelst einer
-Wachsfackel angerußt. Auf das Brett, auf dem sie liegt, wird sie mit
-starken Reißnägeln (2 an jeder Ecke) befestigt, jedoch nicht in der
-Mitte des Brettes, sondern an einem Ende. (Abb. 3). Das Brett wird nun
-derart auf einen Kasten oder auf ein sonstiges hohes Möbelstück gelegt,
-daß die Platte nach unten kommt und frei in die Luft ragt; ein schwerer
-Gegenstand verhindert das Herunterfallen des Brettes (Abb. 4). Man kann
-auch in den Kasten oben einen Haken einschrauben; dann schiebt man das
-Brett bei Bedarf einfach darunter, ohne es erst beschweren zu müssen.
-Aus drei oder vier Wachsstocksträngen wird nun eine Fackel gedreht und
-diese angezündet. Sie beginnt zu rußen und wird unter der Platte in
-entsprechender Entfernung hin- und hergeführt wie ein Anstreichpinsel.
-Dabei sind folgende Vorsichtsmaßregeln zu treffen:
-
- 1. Die Luft im Zimmer muß absolut ruhig sein. Zugluft,
- Herumgehen anderer Personen in der Nähe der Fackel,
- Türenöffnen oder -Schließen ist unbedingt zu vermeiden, weil
- man der Rauchsäule dann nicht die gewünschte Richtung geben
- kann.
-
- 2. Nur der Ruß, nicht aber die Flamme darf die Platte berühren.
-
- 3. An einer Stelle darf nicht lange verweilt werden.
-
-[Illustration: Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.]
-
-Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren roten Glanz verliert und
-sich schwärzt. Ist dies an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit
-vollendet. Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man das Brett mit
-der Platte auf den Tisch, so sieht man auf ihr einen braunschwarzen,
-matt glänzenden und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten sehr
-angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des Anrauchens darf dieser Überzug
-nach dem Erkalten nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen,
-daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel bringt nämlich den
-Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen; der Ruß wird durch den weichen
-Firnis in beschränkter Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen lassen
-sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen abwischen; das darf
-selbstverständlich nur auf gänzlich erkalteter Platte geschehen, da die
-Firnisschicht im warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt
-irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so heißt es die Platte mit
-Terpentin abwaschen, entfetten und mit Grundieren und Rauchen von neuem
-beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart bleiben dürfte, da hier
-Übung die Hauptsache ist; also nicht den Mut verlieren!
-
-Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige und dabei
-säurefeste Substanz (zum Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das
-Anrauchen erspart bleibe.
-
-Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige Mischung dieser
-zwei Stoffe schwer möglich ist. Und wenn auch, -- die Graphitstäubchen
-rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn diese Körnchen werden
-von der Nadel aus dem Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen
-Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver verwendete. Eine
-starke Lupe wird den Unterschied der Probestriche auf den beiden
-Ätzgründen deutlich zeigen. Übrigens ist auch die Dichtheit des
-Überzuges durch solche Beimengungen in Frage gestellt.
-
-Die vollkommen kalte Platte wird wieder in die früher erwähnte
-Schachtel mit Flanellboden gelegt, falls sie nicht gleich in Verwendung
-genommen wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund in dünner
-Schichte nicht unbegrenzt lange seine Festigkeit gegen Säure bewahrt;
-er beginnt unter dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern.
-Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst kurz vor der Inangriffnahme
-der Arbeit zu grundieren und auch während derselben keine allzugroßen
-(wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen.
-
-Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte, so kann man ihn
-dadurch regenerieren, daß man die Platte von unten her gelinde
-erhitzt. Dieses neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig
-und erspart das neuerliche Grundieren. Daß man diese Prozedur bei
-einer bereits angefangenen Arbeit nicht unternehmen darf, ist
-selbstverständlich; der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits
-radierten Striche wieder schließen.
-
-
-
-
-3. Das eigentliche Radieren.
-
-
-~a~) Von der Wahl des Motives.
-
-Für den Anfänger ist es keine leichte Sache, einen geeigneten Stoff für
-seine ersten Versuche zu wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage
-etwas verweilen.
-
-Vor allem Andern muß betont werden, daß die Radierung sich auf den
-Strich aufbaut; Tonqualitäten können erst bei einiger Übung angestrebt
-werden und erfordern schon eine weitergehende Schulung und Erfahrung.
-Das Dankbarste für den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei
-einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger und ausdrucksvoller
-die Formen, je geschlossener die darin vorkommenden Flächen, desto
-besser für die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend ans
-Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren wollen!« Bald nach den
-ersten Strichen würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und dem
-Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen. Gewiß hat jeder meiner
-lieben Lernbegierigen genug flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen
-von selbst geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind recht
-dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten und dürften in den
-wenigsten Fällen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja
-zunächst einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut werden und
-beabsichtigen keine Bilder zu schaffen, denen man das mühevolle und
-angestrengte Arbeiten schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt
-_vieles_ Radieren, Abwechslung in den Vorlagen zur Tüchtigkeit.
-
-
-~b~) Das Aufbringen der Konturen.
-
-Wenn wir auch nicht daran denken, unsere Kunstweise zu Kopierzwecken
-herabzuwürdigen, so geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch
-selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in Feder oder Kreide
-ist meistens Vorlage für die Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf
-den Ätzgrund mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem Bleistift
-wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt. Ein Stück weißes, dünnes
-Schreibpapier wird auf eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit
-weichem Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen; nach
-vollendeter Arbeit wird das überschüssige, noch am Papier liegende
-Rötelpulver abgestaubt, denn es würde sich beim Aufbringen der
-Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar machen. Überdies reibt
-man das aufgestrichene Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier.
-Die Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln befestigt.
-Darüber wird die gepauste Zeichnung, Bildseite nach unten, gelegt,
-ihre Lage auf der Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an
-_einer_ Seite befestigt, damit man beim Pausen immer nachsehen kann.
-Das Rötelpapier wird dann zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite
-nach unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage nicht genau
-fixiert zu werden. Mit einem mittelharten Bleistift, einem Holz- oder
-Beingriffel erfolgt nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund.
-Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem Grund sichtbar.
-
-Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund einen mehr oder weniger
-dichten Schleier von Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung
-undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit einem sehr weichen
-Lappen, einem Stückchen Flanell oder Watte leicht wegwischen, die
-Zeichnung hält fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage.
-
-Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann das Pauspapier
-erspart werden. Man zeichnet dann die Konturen auf deren Rückseite
-durchs Fenster nach. Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren
-Gelatineblättern, kann die Pause hergestellt werden. Hier werden die
-Konturen nicht gezeichnet, sondern mit scharfer Radiernadel eingeritzt.
-Diese geritzte Zeichnung wird dann mit Rötelpulver eingerieben und
-blankgewischt. Sodann legt man sie -- Bildseite nach unten -- auf die
-grundierte Platte, legt zähes graphitiertes Papier darauf und reibt mit
-dem Beinstab kräftig (Abb. 13), oder läßt Platte mit Pause und Papier
-durch die Walzen gehen bei schwach gestellter Spannung. Das Resultat
-dieses Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen
-Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit. Wer radieren will, muß
-eben ein kundiger Zeichner sein, und dem wird das Pausen gewiß keine
-Schwierigkeit bereiten.
-
-Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch außerordentliche
-Genauigkeit aus und sind dann notwendig, wenn eine sehr komplizierte
-Zeichnung mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie,
-Landkarten und dergl.)
-
-Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die Platte übertragen und zwar
-wie folgt: Man stellt das Bild -- ohne viel Detail -- auf glattem
-Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her; dabei zeichne man
-alles sehr kräftig und präzis, vermeide jede Verschwommenheit und
-sehe auf klare Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem Gummi
-und etwas Seife reibt man die grundierte Platte ein und beeilt sich,
-auf diese noch feuchte Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung --
-Bildseite nach unten -- draufzulegen. Sofort wird damit begonnen, die
-Rückseite der Zeichnung mit dem Beinstab (Abb. 13) zu reiben. Dieser
-Vorgang liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises Spiegelbild unserer
-Vorlage; man kann daran ohne weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei
-reiner Linienzeichnung schummert man das Naturpapier vorerst ganz mit
-weißer Kreide an und zeichnet mit schwarzer Fettkreide auf diesen
-weißlichen Grund. Die Seifen-Gummischicht muß _sehr_ dünn, gleichsam
-wie ein Hauch auf der Platte sein.
-
-
-~c~) Die Radiernadeln.
-
-[Illustration: Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)]
-
-Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des künstlerischen Teiles
-der Radierung ist die Radiernadel. Sie muß aus gutem Stahl und darf
-nicht so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken schon
-biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste leisten Nähnadeln von
-mittlerer Stärke. Sie sind so hart, daß sie eher brechen als sich
-biegen und schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein. Zwei
-solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere, genügen für den Anfang
-vollkommen. Sie werden in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre
-Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche Radiernadel hat dann
-das Aussehen eines feingespitzten Bleistiftes, dessen Dicke das Heft
-auch nicht übertreffen soll. (Abb. 5.) Wichtig ist, daß die Nadel fest
-und ohne zu wackeln oder zu »federn« im Holze sitze. Die Brauchbarkeit
-der Spitze prüft man, indem man auf einer anderen Kupferplatte (ein
-Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren von Nadel und Ätzwasser)
-krumme Linien nach allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne
-daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe zur Arbeit
-brauchbar; im andern Falle muß die Nadel erst durch Wetzen auf glattem
-Holz, Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In Fachgeschäften erhält
-man Radiernadeln gebrauchsfertig zu kaufen.
-
-
-~d~) Über die Führung der Nadel.
-
-Für den Anfänger ist es ratsam, bei seinen Erstlingsarbeiten sich
-bloß _einer_ Nadel zu bedienen. Diese sei nicht allzu dünn, damit die
-Strichführung nicht kleinlich und zaghaft werde.
-
-Man kann mit der Durchzeichnung der Umrisse beginnen, damit sie nicht
-durch Verwischen verloren gehen. Ein leichter Druck der steilgehaltenen
-Nadel wird den Ätzgrund sicher bis zur Bloßlegung des Kupfers
-durchschneiden; mehr soll auch gar nicht angestrebt werden, also nicht
-»_gravieren_« wollen, das Vertiefen der Striche besorgt schon die Säure!
-
-Man vermeide es, die Hand auf den Ätzgrund zu legen, da sie ihn
-erwärmen und verwischen würde. Man lege ein Stück Pauspapier unter die
-Hand.
-
-Von den Konturen geht man dann allmählich zu Strichlagen über. Hier
-ist Vorsicht geboten. Die radierte Zeichnung gibt dem Auge des
-unerfahrenen Radierers fast gar keine Anhaltspunkte zur Abschätzung der
-im angestrebten Bilde beabsichtigten Dunkelheit des Tons. Der Anfänger
-ist leicht verleitet, mit allzu großer Kraft in die Schattenpartien
-hineinzuarbeiten, aus dem Radieren wird ein Gravieren, die offene
-Strichlage geht verloren und mit ihr die Aussicht auf einen guten
-Abdruck.
-
-Nicht umsonst möchte ich mich bei diesem wichtigen Absatz länger
-aufhalten, denn hier sind die ersten ernsteren Gefahren zu bestehen,
-hier ist die Quelle so manches Mißerfolges zu suchen.
-
-Der Anfänger bedenke Folgendes:
-
-Druckfarbe kann nur in einer schmalen Vertiefung sitzen bleiben, von
-wo sie mit der Hand oder dem Wischballen nicht herausgewischt werden
-kann. Wird also infolge zu dichter und gekreuzter Strichlagen eine
-ganze Fläche vom Ätzgrund befreit, so frißt die Säure an dieser Stelle
-nicht voneinander getrennte, vertiefte Furchen, sondern eine Grube ein,
-der Form der Fläche entsprechend. Der Boden dieser Grube ist aber nicht
-fähig, Farbe an sich zu halten, dieselbe wird beim Abziehen der Platte
-einfach weggewischt. Ein Abzug von dieser Platte zeigt dann an der
-betreffenden Stelle einen schmutzigen, flauen Fleck und die Arbeit ist
-verdorben.
-
-Die Strichlagen müssen also offen gehalten bleiben, d. h. es muß dafür
-gesorgt werden, daß zwischen den Strichen auch genügend breit der
-Ätzgrund bleibt; denn Erfahrung ist, daß die Säure nicht nur nach der
-Tiefe, sondern selbstredend auch seitlich ätzt; die Folge davon ist
-ein Breiterwerden des radierten Strichs. Es ist nun einleuchtend, daß
-zwei allzu nahestehende Striche auf diese Art ihren »Steg« (das ist
-die vom Ätzgrund geschützte Fläche zwischen beiden) verlieren können;
-man nennt diese Erscheinung das »Unterfressenwerden« der Stege. Solche
-Stellen bilden im Abdrucke unerfreuliche Flecke (sogenannte »Nester«).
-Will der Anfänger schon jetzt an besonders zart zu gebenden Stellen
-eine feinere Radiernadel neben der stärkeren mit verwenden, so ist
-dagegen nichts einzuwenden. Nur darf nicht Zartheit mit Helligkeit
-verwechselt werden. Die Zartheit hängt von der Feinheit der Nadel ab,
-die Tonverschiedenheiten aber fast ausschließlich von der verschiedenen
-tiefen Ätzung. Ein haardünner Strich kann infolge tiefer Ätzung im
-Bilde sehr dunkel sein, hingegen aber ein mit grober Nadel erzeugter
-infolge _schwacher_ Ätzung ganz hell und duftig kommen. Diese
-Wechselbeziehungen zwischen Nadel und Ätzwasser bestimmen den Charakter
-des resultierenden Bildes, und schon bei der Anlage der ersten
-Strichlagen muß der Radierer sein Endziel klar vor Augen haben, wenn
-es ihm mit der Erreichung seiner künstlerischen Endabsicht ernst ist
-und er den Erfolg seiner Mühen nicht dem blinden Zufall überlassen will
-mit einem leichtsinnigen »Wird’s wie’s wird!« Denn darin liegt ja der
-Genuß, die Freude an dieser edlen Technik, daß sie alle künstlerischen
-Intellekte vereint; Geschmack in der Form, in der Raumverteilung und
-in der Verteilung der Tonqualitäten, diese vereint mit den nun erst zu
-erwerbenden technischen Erfahrungen führen dann zur Meisterschaft.
-
-
-
-
-4. Der Ätzprozeß.
-
-
-~a~) Die Bereitung des Ätzwassers.
-
-Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von Ätzwässern, doch will ich
-auch hier meinem Vorsatz treu bleiben und einfach nur _ein_, allerdings
-wohlerprobtes, Rezept anführen, mit dem der Anfänger, wie auch der
-Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen wird.
-
-Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die Salpetersäure. Sie
-ist in jeder feineren Drogerie in einwandfreier Reinheit erhältlich
-und gewöhnlich 40 -- seltener 42 -- prozentig. Diese konzentrierte
-(rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr bereitete Ätzwasser
-muß unbedingt in Flaschen mit eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten
-Säureflaschen) aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk des
-Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind zum bequemen, sicheren
-Arbeiten sehr wünschenswert. Eine in Kubikzentimeter eingeteilte
-zylindrische Glasmensur dient zu den verschiedenen Messungen, welche
-zum richtigen Mischen notwendig sind.
-
-Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali; zum Lösen beider
-dient abgekochtes oder destilliertes kaltes Wasser. Das Ätzwasser
-soll nicht mehr als 17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes
-Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung mit der
-Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll sich bei mittlerer
-Zimmertemperatur nach etwa 30 bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen
-belegen.
-
-Recht bequem ist folgender Vorgang:
-
-In 100 ~cm~³ reinem (destill.) Wasser werden 2 Gramm chlorsaures
-Kali vollständig gelöst. In diese Lösung gießt man sehr langsam nach
-und nach im ganzen 100 ~cm~³ konzentrierte Säure. Hierbei tritt eine
-Erwärmung des Gemisches ein. Nach dessen Erkalten schüttelt man bei
-geschlossener Flasche tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige
-Mischung erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und sinkt vor der
-gänzlichen Lösung darin unter.) Diese Lösung ist jetzt (genau kennt
-der Händler den Prozentgehalt seiner Säure meistens nicht, und die
-Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht notwendig) _ungefähr_
-20prozentig, also wahrscheinlich zu stark. Wir gießen nun in die
-Glasmensur genau 10 ~cm~³ unseres Ätzwassers und heben mittelst eines
-Glasröhrchens einen Tropfen Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte
-und entfettete Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung zu bald und
-zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu stark. Wir gießen nun etwa 1 ~cm~³
-(destill.) Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst die Probe
-wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser auf 10 ~cm~³ ergänzen. Eine
-zweite Probe auf Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen
-der Energie bekunden. Dies setzt man fort, bis die Flüssigkeit in der
-Mensur den gewünschten Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach Zugießen
-des 3. ~cm~³ erfolgt, so heißt das: 3 ~cm~³ Wasser zu 10 ~cm~³ Lösung
-gibt den gewünschten Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen des Ätzwassers
-muß noch Wasser zugegossen werden. Hat man nun 200 ~cm~³ Lösung
-angesetzt, so bedarf sie noch 60 ~cm~³ Wasser, um den erwünschten Grad
-zu erreichen.
-
-Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert, ist auch angezeigt, wenn
-man ein zu schwach geratenes Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu
-Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter Säure verstärken
-will.
-
-Statt der Probeplatte kann man sich auch eines blanken Probestreifens
-aus Kupferblech bedienen. Man senkt ihn in die mit dem fraglichen
-Ätzwasser gefüllte Mensur.
-
-Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers nicht unumgänglich
-notwendig, jedoch als Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit
-einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden Wirkung dieser
-Substanz sehr angenehm und der Ätzeffekt viel harmonischer ist.
-Die Konzentration des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung
-erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art berücksichtigt
-werden muß. Für besonders tiefe sammetartige Töne erhöhen wir den
-Säuregehalt, soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit
-des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und duftige Partien bedürfen
-hinwiederum eines stark verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß
-mit größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt werden, wie
-sie bei dünnerem Agens entsprechend verlängert werden muß.
-
-Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen für Stoffe und dergl.
-sehr verderblich werden können, daß die Hände vor Berührung mit
-ihr sorgfältig zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges
-gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen zu retten sind,
-ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen Säure auf ein Tuch, so kann
-unverzügliches Übergießen oder reichliches Betupfen mit gesättigter
-Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen vor Schaden
-bewahren.
-
-
-~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.
-
-Es handelt sich nun darum, die radierte Platte für die Ätzung derart
-auszurüsten, daß zuverlässig nur die Zeichnung der Wirkung der Säure
-ausgesetzt werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber, namentlich
-die Rückseite davor geschützt sei. Der Mittel hierzu gibt es einige,
-sie seien hier der Vollständigkeit wegen alle behandelt.
-
-1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern noch heute angewendet,
-besteht darin, daß man um die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa
-daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert, welcher mit der Platte
-zusammen eine Art rechteckiger Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa
-10--15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich muß vor dem
-Eingießen der Säure die Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale
-erst sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden.
-
-2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man die ganze Platte
-(mit Ausnahme des zu ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack
-bestreicht. Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden, kann
-die Ätzung in einer photographischen Schale aus Porzellan oder Glas
-geschehen.
-
-Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast nur Schattenseiten: Ist
-schon das Aufmodellieren des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist
-das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen des Ätzwassers
-in die Flasche aber trotz einer in die Wachsmasse eingedrückten
-Ausflußdille geradezu problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die
-Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung mit Nadel und
-Pinsel weiter bearbeitet werden soll, daß hierauf abermaliges Ätzen und
-abermaliges Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da mit der Nadel
-und dem Pinsel vielleicht über den weichen klebrigen Wachsrand hinweg
-arbeiten, oder gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen und nach
-erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung ihn wieder aufmodellieren?
-
-Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie nichts einzuwenden. In der
-Praxis zeigt sich jedoch, daß der Asphaltlack an den Kanten und
-Ecken durch Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst wenn der
-Anstrich noch so dick wäre. Auf der Rückseite ist derselbe fortwährend
-Beschädigungen infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten
-»Schadenätzungen« Anlaß geben.
-
-Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem Ausweg geführt. Hierzu ist
-bloß eine stärkere Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 ~cm~ größer
-sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem Falle wäre die Platte
-13 × 18; dann müßte die Glastafel 16 × 21 ~cm~ messen.
-
-Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter jede Ecke ein
-erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt und die Platte mittelst dieser
-Klümpchen an der Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt,
-daß _erstens_ die Klümpchen ganz flach gequetscht werden, _zweitens_,
-daß die Kupferplatte in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß
-ein 1½ ~cm~ breiter Rand freien Glases um die Platte herumläuft. Mit
-einem geeigneten Modellierholz werden nun die Fugen zwischen Kupfer und
-Glas mit Ätzwachs _wasserdicht_ verschmiert, damit ja kein Ätzwasser
-an die Hinterfläche der Kupferplatte gelangen kann. Das gelingt nur,
-wenn Kupfer und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit kann
-jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese bis an die Bildgrenze)
-mit Asphaltlack bestrichen werden. (Abb. 6.) Eine also ausgerüstete
-Platte bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern auch
-zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch immer bereit zu sein; ein
-Zerstören des Schutzüberzuges an den Kanten ist hier ausgeschlossen.
-Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur einer einzigen Ätzung zu
-tun, so genügt das unter P. 2 beschriebene Verfahren.
-
-[Illustration:
-
- -- . -- . -- . ~Platte~
- ////////////// ~Wasserdichter Wachsrand~
- ~G~ ~Glasrand~
-
-Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.]
-
-
-~c~) Die Bereitung von Ätzwachs.
-
-Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges Quantum schwarzen Ätzgrund
-(siehe Bereitung Seite 7) bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs
-und Unschlitt hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht mehr ganz
-erstarrt, sondern die Konsistenz von Modellierton behält. Ein Zusatz
-von Brennöl ist vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht
-eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung der Methode mit der
-Glastafel braucht man übrigens nicht viel von dieser Masse zu bereiten.
-Am besten schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des Ätzwachses,
-wenn man es in eine hölzerne oder blecherne Salbendose eingießt und
-darin erstarren läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit dem
-Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, namentlich im Sommer, gar
-zu weich und klebrig sein, so setze man ihm, indem man es wieder
-einschmilzt, noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber wieder allein
-geschmolzen und dann erst mit der andern Masse gemischt werden.
-
-
-~d~) Die erste Ätzung.
-
-Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte Platte, Bildseite
-nach oben, in eine der Größe entsprechende photographische Schale
-aus Glas oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp sein, da
-sonst das Herausnehmen der Platte aus dem Ätzbade schwierig ist. Auf
-das radierte Bild gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 ~cm~
-hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich entwickelnden
-gesundheitsschädigenden Gases soll das Ätzen nicht in einem Wohnraum
-vorgenommen werden. Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man ein
-offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu.
-
-Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man bemerken, daß die bis
-dahin rotgoldschimmernden Striche der Zeichnung an Glanz verlieren
-und weiß werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen hat.
-Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung zuerst an den kräftig
-radierten Stellen, also meistens in den Schattenpartien. Allmählich
-steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien in Bläschen. Bis
-zu diesem Zeitpunkt muß die Platte unbedingt im Ätzbade verweilen.
-Mit einer Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen von der
-Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung von denselben nicht
-aufgehalten werde. Hat man eine recht tiefe Schale, so neigt man sie
-derart, daß die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn dann
-nach einigen Augenblicken die Bläschen von den radierten Strichen
-gänzlich verschwunden sind, läßt man durch Wagrechtstellen der Schale
-das Ätzwasser wieder über die Platte. Das sich entwickelnde Gas ist --
-eingeatmet -- gesundheitsschädlich; längeres Verweilen mit dem Gesicht
-über der Schale ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, die
-Schale mit einer größeren Glastafel während der Ätzungen bedeckt zu
-halten.
-
-_J. Roller_ empfiehlt in seinem Buche »_Technik der Radierung_«
-(Wien, Hartleben) u. a. das Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da
-damit der Ätzprozeß ohne schädliche Gasentwicklung vor sich geht:
-10 Gewichtsteile rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser +
-2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. Mir kommt jedoch dieses
-Ätzwasser ein wenig zu schwach, also langsam wirkend und minder
-energisch vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch ist es
-wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen.
-
-Die erste Ätzung kann in 5--10 Minuten beendet sein. Ihre Wirkung soll
-für die lichtesten und zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit
-einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen hebt man nun die
-Platte, bei der Glaskante fassend, empor, nimmt sie vollends heraus
-und spült sie sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem großen
-Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder sie unter der Wasserleitung
-abbraust. _Ausgiebiges Spülen der Platte ist unerläßlich_, da in den
-feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure sitzen bleiben und sich
-schädlich bemerkbar machen kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt
-man durch Andrücken, (_nicht Wischen!_) reiner trockener Leinwand
-oder eines Filtrierpapiers. Man kann jetzt an einer minder wichtigen
-Stelle, am besten an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund
-entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung genügend tief gegriffen hat.
-Soll weitergeätzt werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis
-wieder sorgfältig gedeckt (siehe Seite 40). Die Striche werden mit sehr
-spitziger Nadel nachradiert.
-
-
-~e~) =Abgestuftes Ätzen= (Pinselfirnis.)
-
-Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle gleich tief. Da nun die
-Dunkelheit des Striches im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt,
-so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß alle Striche der
-Zeichnung im fertigen Druck die gleiche Intensität haben werden. Das
-ist aber nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von unsrer Platte,
-in ihrem jetzigen Zustand, würde ein eintöniges, flaues und mageres
-Aussehen haben, Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten.
-
-Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine Landschaft mit geschlossen
-im Ton wirkenden Laubmassen, Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer
-und bewölktem Himmel, so ergeben sich für uns drei Tonwerte: Die
-dunkle Laubmasse (und vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der
-Mittelton des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit den Flecken
-weißen Gemäuers. Die erste Ätzung geschieht wie vorhin beschrieben;
-sie muß der Helligkeit des Gewölkes und des Gemäuers angemessen sein.
-Zur weiteren Behandlung der _trockenen_ Platte bereiten wir uns
-»_Deckfirnis_« auf folgende Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger
-Hitze geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz zugesetzt,
-daß dieser Firnis in kaltem Zustand nicht mehr stockt, sondern
-dickflüssig bleibt. Ein geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt
-ein rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke »Pinselfirnis«
-oder »Deckfirnis« wird in einem Fläschchen, gut verkorkt, an einem
-kühlen Orte in Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine Stockung
-eintreten, so stellt man das Fläschchen eine Weile in warmes Wasser.
-Der Firnis hält sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei dieser
-Gelegenheit kann man auch noch Terpentin unter kräftigem Schütteln
-zusetzen.
-
-Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in ein Porzellanschälchen
-und decken mittelst eines elastischen Pinsels (am besten Marder-
-oder Fischpinsel) alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr
-zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies die Luft und
-das lichte Gemäuer. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß der
-Firnis auch wirklich in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte
-Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden. Nachdem dieser
-Pinselfirnis vollkommen getrocknet ist, kommt die Platte zum
-zweitenmale in die Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird auch
-die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende geführt. Dabei muß der Gang
-des Prozesses sorgfältig überwacht werden, damit nicht die auf Seite 27
-schon erwähnten Stege unterfressen werden. Ist der Ätzgrund gut, das
-Ätzwasser nicht zu stark und die Zimmertemperatur normal, so wird dies
-auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung durch sofortiges
-Herausnehmen der Platte und Spülen derselben im Wasser zu unterbrechen.
-
-Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte gespült und getrocknet
-und die weitere Abdeckung mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der
-dritten Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten der Säure
-ausgesetzt und sind somit am tiefsten geätzt. Es versteht sich von
-selbst, daß die Zahl der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers
-anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß _nicht_ hinausgehen
-wird, ist einleuchtend, denn Kontrastwirkungen gehören eben zu den
-dankbarsten Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht.
-Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum Wohle seiner Arbeit,
-nicht über drei Teilätzungen versteigen.
-
-Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung beim Abdecken Striche mit
-Firnis gedeckt, welche noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach
-dem Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert; sie sind, da sie
-infolge der früheren Ätzung schon vertieft sind, unter dem Firnis ganz
-gut sichtbar. Auch fehlerhafte Striche (welche vor der _ersten_ Ätzung
-schon richtig gestellt werden müssen) deckt man mit Pinselfirnis,
-ebenso alle Verletzungen, welche während des Arbeitens im Firnis
-entstanden sind, sowie die freigelegten Probestellen.
-
-[Illustration: »Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden, damit der Firnis sich auf
-der Platte nicht in unerwünschter Weise ausbreite und Striche verdecke,
-die weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der Pinsel mit Terpentin
-oder Seife gründlich gereinigt.
-
-
-~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme.
-
-Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll sich der Radierer eine klare
-Disposition für den Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er
-seine Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition ist
-hauptsächlich abhängig und bestimmt von der beabsichtigten Bildwirkung.
-Diese verlangt oft nach einem dem Gegenstande eigens angepaßten
-Arbeitsprogramm, nach welchem allein oft den verschiedentlichen
-technischen Schwierigkeiten beizukommen ist.
-
-Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum, dessen dunkle Silhouette
-sich in zerrissenen Konturen von lichtem Hintergrunde abhebt.
-
-Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung das Decken mit
-Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken erfordern! In allen solchen
-Fällen wird man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar drei
-Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt wird. Die Aufmachung
-der Platte auf der Glastafel gestaltet ein solches Abwechseln von
-Radier- und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen Partien des
-Vordergrundes werden zuerst radiert und gleich tief -- jedoch mit
-Rücksichtnahme auf die noch folgenden Ätzungen -- geätzt. Über die
-geätzten Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt darüber
-gegangen werden, da solche Striche den ohnehin tiefen Ton der früher
-geätzten Flächen nicht verändern.
-
-Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel aufgemacht ist, genügt
-eine Unterlage aus Pauspapier für die Hand nicht mehr, weil das Papier
-an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen uns deshalb ein Bänkchen
-aus einem Holzbrettchen und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die
-Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so dick sein, daß der
-Ätzgrund vom darüberliegenden Brettchen _nicht_ berührt wird. Glasdicke
-+ Plattendicke + etwa 3 ~mm~ ergibt die Höhe der Füßchen. Das Bänkchen
-muß auch genügend lang sein, damit man es in beliebigen Lagen über
-der Platte verwenden kann. Auch muß das Brettchen so stark sein, daß
-es nicht vom Gewicht der Hand auf den Ätzgrund niedergedrückt werde.
-(Abb. 7.)
-
-Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und geätzt werden;
-dann muß aber zwecks weiterer Arbeit die Platte neu grundiert
-werden. Auf dem neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so
-komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten. Diese kann
-selbstverständlich für sich wieder in Teilätzungen behandelt werden,
-nur ist in diesem Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach der
-ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte Aufmachen auf die
-Glastafel lästig und gestaltet den Gang der Arbeit etwas schleppend.
-
-Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist, bietet diese Technik eine
-Fülle der Mannigfaltigkeit in der Behandlung, wie sie kaum eine andere
-aufzuweisen hat. Deshalb auch wird sie immer mehr der treue Spiegel
-der Persönlichkeit des Radierers, denn bei solcher Mannigfaltigkeit der
-Ausdrucksmittel ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise in immer
-neuer Art aus der Hand des Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt.
-
-[Illustration: Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.]
-
-
-~g~) Das Reinigen der Platte.
-
-Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich gespült, getrocknet,
-und mit dem Modellierholz langsam und vorsichtig von der Glastafel
-abgehoben, dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen, denn
-das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel zur Folge. Das
-Ätzwachs wird, soweit es angeht, abgenommen und in die Vorratdose
-zurückgestrichen. Die Platte selbst wird, auf einem Brette liegend,
-mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit. Hierzu eignet sich ein Bausch
-von Zeitungspapier. Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die
-Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem ganz reinen Lappen
-(am besten aus Leinwand oder Baumwolle) solange gescheuert, bis die
-letzte Spur von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint. Solange der
-weiße Lappen sich noch schwärzt, muß gescheuert werden. Ein Zeichen der
-gründlich erfolgten Reinigung ist es, wenn die radierten Striche in
-hellrotem Kupferglanz schimmern.
-
-Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs nicht zu entfernen; eine
-zweite Glastafel, darübergelegt, schützt das Wachs vor Staub und uns
-selbst vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen sich in
-einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz bequem aufbewahren.
-
-
-
-
-5. Das Abdrucken von der Platte.
-
-
-~a~) Über die Bedeutung des Handabdruckes.
-
-Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger
-dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte
-Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der
-Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht
-an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter
-Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst
-unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen
-Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt
-der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen
-Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger
-reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so
-viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren
-Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und
-beherrschen lernt.
-
-Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das
-geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen: _Wir
-dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen
-mittelst Walzenpresse gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung
-führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse
-hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind._ (Siehe
-sämtliche Kunstbeilagen.)
-
-Unsre erste Sorge richtet sich auf
-
-
-~b~) Das Druckpapier.
-
-Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein.
-
-Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen;
-um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es
-auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie
-»Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre
-Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet.
-Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr
-licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik
-Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch
-»Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes
-Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von
-Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten
-Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.
-
-Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der
-Kupferplatte entspricht. Es soll um ein _Beträchtliches_ größer sein
-als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.
-
-Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem
-Wasser liegen.[3] Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht
-aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben
-könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und
-wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann
-überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto
-länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere
-badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man
-mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier,
-dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei
-Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen _mehrere_ Filtrierblätter ab.
-Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig
-gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig
-verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und
-beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart
-und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten,
-welches ein wenig _kleiner_ als die Kupferplatte sein muß. Dann
-werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das
-Japanpapier kommt sodann in _trockenem_ Zustand zwischen die feuchten
-Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier;
-sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.
-
- [3] Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.
-
-Bretter aus Holz dürfen zum Pressen _nicht_ verwendet werden, weil
-sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man
-zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech
-überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den
-zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten.
-
-Am andern Tage ist das Papier meist schon zum Drucken geeignet. Es muß
-seine matte, _glanzlose_ Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und
-zur Verwendung noch nicht tauglich. In einem solchen Falle lege man
-trockene Filtrierblätter ein.
-
-Das Papier verliert nur sehr langsam von seiner Feuchtigkeit unter der
-Presse; eventuell können beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier
-mit dem Schwamm nachgefeuchtet werden.
-
-
-~c~) Die Druckfarbe.
-
-Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen Firnisfarbe, der sogenannten
-»Kupferdruckfarbe«. Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht
-allzuschwierig und stellt sich recht billig. Es führt sie nicht jede
-Farbenhandlung -- in kleineren Städten wird sie überhaupt nicht zu
-haben sein; deshalb halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung
-hier einzugehen:
-
-Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich eine spezielle Farbe zu
-nennen) Kasslerbraun, ein Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und
-Kupferdruckfirnis mittelst eines Spachtels zu einem Teig verarbeitet.
-Das Verreiben geschieht mittelst eines Stein- oder Glasläufers, bis der
-Brei recht glatt ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa
-die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt und neuerdings
-innig verrieben. Die Farbe darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß
-die Konsistenz einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls verreibt
-man noch etwas trockenes Farbenpulver bis zur gewünschten Festigkeit.
-Bei dieser Gelegenheit kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz
-(Pulverfarbe) zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz dem vielleicht
-allzurötlichen Braun vorzieht.
-
-Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den Zweck, das Haften der
-Ölfarbe am feuchten Papier zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe
-beim Einschwärzen nicht zäh über die Kupferplatte, sondern läßt sich
-von den blanken Stellen glatt wegwischen, während sie die Striche
-füllt. Die Druckfarbe ist, wie der Fachausdruck lautet: »streng«
-oder »kurz«. Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine
-Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem Deckel eingefüllt.
-Kupferdruckfarbe ist in Tuben oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und
-wird in Geschäften für Malerrequisiten geführt.
-
-
-~d~) Das Einschwärzen der Platte.
-
-[Illustration: Abb. 8. Der Druckballen (der untere Teil im
-Längsschnitt.)]
-
-Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas angewärmt und auf
-ein Brett gelegt. Mit einem schmalen Spachtel nimmt man etwas
-Kupferdruckfarbe auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird sie mit
-dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. Auf der Bildfläche der
-Kupferplatte verreibt man ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit
-dem Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung weiterschiebt und
-dabei auch tüchtig niederdrückt, bis die ganze Platte schwarz ist.
-Einen solchen Ballen stellt man sich auf folgende Weise her:
-
-Auf einer kreisförmigen, dicken Holzscheibe (Durchmesser etwa 8 ~cm~)
-wird im Mittelpunkte ein zylindrisches Holzstück, (eine lange Spule
-oder dergl.) befestigt; dann wird ein Säckchen mit Wolle gefüllt und
-so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung auf das Holz
-zu liegen kommt, während die andere Seite des Säckchens eine pralle
-Halbkugelfläche bildet. Über das Säckchen und die Scheibe spannt man
-nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, schwarzes Chevreauxleder
-(Glanzseite außen) und bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in
-vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. Den Durchschnitt dieses
-Druckballens zeigt Abb. 8, die Anwendung Abb. 9.
-
-[Illustration: Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)]
-
-Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen werden, damit
-die Farbe alle Furchen auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht,
-dann wird die Platte unter leichtem Druck mit einem trockenen Lappen
-blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke eignen sich am besten dazu;
-sehr brauchbar sind die Reste von alten Spitzenvorhängen. Besonders
-reine Drucke erzielt man, wenn man nach erfolgtem Blankwischen den
-Handballen in Schlemmkreide taucht und die Platte damit noch sehr
-sanft überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, so wird dieses
-Abwischen meist zu viel Farbe von der Platte wegnehmen. Es müßte dann
-umso kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um den Erfolg zu
-erzielen, den der gewaltige Druck der Stahlwalzen bringt. Da ist es
-besser, die Farbe von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten
-Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in ähnlicher Weise wie
-man Paletten reinigt (Abb. 10). Die Schneide muß ganz gerade und an
-den Ecken abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht steil gehalten
-werden! Jeder Zug geschieht mit erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt
-diese Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das schwarze Bild
-vollends klar sichtbar ist.
-
-[Illustration: Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.]
-
-(Nicht für Anfänger!)
-
-
-~e~) Der Abdruck.
-
-Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem sauberen Lappen an
-den Kanten bis scharf an die Bildränder geputzt, um die letzte
-Spur von Farbe davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker
-Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte (Bildseite nach
-oben!) Das gefeuchtete Druckpapier wird vorerst mit einer milden
-Borstenbürste auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung
-wird die Papierfläche für die Druckfarbe empfänglicher. Das Papier
-wird dann mit der gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit
-Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte gelegt, indem
-man es an zwei diagonalliegenden Ecken anfaßt und langsam niedersenkt.
-Man faßt das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen mit zwei aus
-dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten Blättchen an, damit es von
-den Fingern nicht durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze
-beschmutzt werde. Vorher schon wurde ein Rahmen aus starker
-Pappe geschnitten, in den die Platte _locker_ hineinpaßt, dessen
-ausgeschnittene Rechteckseiten also um 2 ~mm~ größer sind als die
-Plattenkanten. Der Rand des Rahmens muß sehr breit sein; er soll das
-Druckpapier ganz verdecken. (Abb. 11).
-
-[Illustration:
-
- ~ABCD~ ~Rahmenausschnitt u. Plattengrösse~
- //////// ~Spannrahmen~
- -- -- -- ~Druckpapier~
-
-Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.]
-
-Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres
-von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt
-wird. (Abb. 12). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar
-aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten
-Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte.
-Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher
-die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat.
-
-[Illustration:
-
- ~A~ - ~B~ = ~Arbeitsbrett~
- ########### ~Druckplatte~
- -- -- -- -- ~Druckpapier~
- ~R~________ ~Reibpapier~
- /////////// ~Spannrahmen~
-
-Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)]
-
-Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck, von 2 ~cm~ : 1 ~cm~
-Seitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet,
-damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im
-Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz
-denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.
-
-Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach
-an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer
-Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens
-derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben
-muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in
-die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigt
-Abb. 13. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der
-Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen
-weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts
-nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel
-dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend
-verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier
-nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die
-Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert
-auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch
-ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo
-nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle
-Teile des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier
-erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim
-Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch
-Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen
-muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte
-der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres
-mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn
-man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.
-
-[Illustration: Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.]
-
-Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite
-gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest an
-der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in
-die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte
-streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon
-der beste sein, aber das, _was_ erreicht wurde, wird, so mangelhaft es
-auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen
-aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen
-beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des
-Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht
-zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu
-dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig,
-oder zu kräftig --?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten
-wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier
-heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von
-fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist --
-wer möcht’ es leugnen?!
-
-[Illustration: »Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold
-
-Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges]
-
-Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und
-zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die
-Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine
-kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann
-leicht und ohne zu reißen abheben.
-
-
-~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege.
-
-Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich
-lediglich auf ein Arbeiten im stillen Kämmerlein, und wenn auch die
-Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht
-werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht
-nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren
-Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage
-von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für
-Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse. Abb. 14. Das
-Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen
-des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen
-besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die
-Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem
-Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine
-dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke
-Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für
-verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird
-von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4]
-
- [4] Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem
- Holze hergestellten Walzen.
-
-Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte,
-die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit
-dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr
-nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer
-Spannung der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere
-Tischblatt nimmt dasselbe auf.
-
-[Illustration:
-
- ================== ~A~ ~Auflagetuch~
- ~D~ -- -- -- -- -- ~D~ ~Druckpapier~
- ###################### ~Druckplatte~
- ~L~ |============| ~B~ ~Auflagebrett~
- ~T~_1 ---- ~T~_2 ~Tischblätter~
-
-Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.]
-
-Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung
-in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können
-wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen
-Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird,
-kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man
-erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit
-dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker
-gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt
-sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton,
-der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird.
-
-Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den
-Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen beseelen soll. Darum lernen wir
-ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der
-Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische
-Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln
-und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner
-bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn
-wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte
-überdies zu »_bemalen_«, bevor wir sie abdrucken?
-
-Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte blankgewischt, damit,
-Druckfarbe als mehr oder minder tiefen Farbenton auf die Platte zu
-bringen. Dort wo das technische Können oder die Geduld des Radierers
-versagt, muß der Drucker nachhelfen und Töne auf die Platte bringen
--- womöglich noch in verschiedenen Farben -- um über die Kargheit,
-über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. Das ist Verwilderung
-des Stiles, die sich in letzter Zeit namentlich auf dem Gebiete der
-Radierung breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien verblüffen
-will. Ein Auge, das im Genießen von Radierungen geschult ist, wird auf
-den ersten Blick diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse
-einer reinen Technik zu unterscheiden wissen.
-
-[Illustration: »Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois
-L. Seibold]
-
-Zum Technischen muß noch erwähnt werden, daß die Zahl der möglichen
-Abdrücke von einer Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist.
-200 Abdrücke wird gewiß jede Platte zu liefern im stande sein.
-Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 bis 400 von noch gutem
-Ansehen. Die Ätzung schleift sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen
-langsam ab und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien und das
-Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge.
-
-Ein »Aufätzen«[5] der Platte bringt nicht selten eine Störung der
-harmonischen Tonwirkung mit sich.
-
- [5] d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.
-
-Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst der galvanischen
-Verstählung der Platte hinweg.
-
-Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf das Kupfer
-niedergeschlagenem Eisen schützt die Platte vor allzufrüher Abnützung
-und gestattet eine Auflage von etwa 2000 Abdrücken.
-
-Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf galvanoplastischem Wege
-ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung der Auflage von Radierungen;
-bei dem heutigen Stande der galvanoplastischen Technik sind solche
-Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe.
-
-In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden sein, in geradezu
-fabrikmäßiger Weise vervielfältigt zu werden. Ich möchte sogar meinen,
-daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein wenig heruntergedrückt
-wird, denn es wird sich nie vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie
-der Auflage Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern fehlen. Die
-intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, die jeder einzelne
-Abzug verlangt, ist nicht gut vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist
-der Holzschnitt, die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze.
-
-
-
-
-6. Retouche-Arbeiten.
-
-
-Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin gebracht haben, einen in
-allen Strichen scharfen Abdruck zu erzielen, haben wir Gelegenheit,
-uns von dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich
-wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität der einzelnen
-Flächen zu richten haben: Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu
-seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen Striche zu
-scharf hervor; hier wieder hat eine Ätzung vielleicht noch gar nicht
-gegriffen, und die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist
-dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff genug zum Nachdenken,
-teils über die Ursachen, teils über die Art einer allfälligen Abhilfe.
-Ohne Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in zwei große
-Gruppen teilen können: »Entweder es wurde zu tief oder zu wenig geätzt.«
-
-Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine Art Nachradieren, indem
-wir die Platte von neuem mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe
-von der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen mit siedendem
-Wasser (besser noch Sodalösung oder Ätzlauge) gereinigt werden. Das
-Grundieren ist jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte. Es
-muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf der erhitzten Platte in
-alle Ritzen eindringe, sonst würde an solch’ mangelhaft grundierten
-Stellen die Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb erhitze
-man die Platte von unten her ein wenig, damit der Ätzgrund schmilzt
-und in die Striche vollends einsinken kann. _Geraucht_ wird die Platte
-nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß. Solche Platten
-grundiert man am besten mittelst des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie
-folgt hergestellt: Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann abseits
-vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt, daß das Gemisch im
-kalten Zustand leichtflüssig bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem
-Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange kräftig geschüttelt.
-Zum Auftragen dieses Firnisses dient ein breiter flacher Haarpinsel.
-Nach dem Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten etwas, damit der
-Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle. Dieser Ätzgrund kann auch auf der
-blanken, neuen Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig
-wie der gewalzte und erspart das Anrauchen. Aufgetragen wird er immer
-auf der kalten Platte; bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben
-verschwindet jede allfällige, durch schlechte Pinselführung entstandene
-Streifung des Aufstriches.
-
-Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf aufmerksam gemacht
-werden, daß sie mit allem künstlerischen Takt und zielbewußt
-vorgenommen werden muß. Oft genügt das Herausholen einer brillanten
-Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende Tonmassen mit einer
-verbindenden Strichlage zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja
-nur ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere Abdrücke
-hergestellt, so kann man mittelst Feder oder schwarzen Stifts an ihnen
-versuchsweise eine oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst
-wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte Drucke geben dann
-wieder Vorlagen für die weitere Behandlung der Platte ab.
-
-[Illustration: Abb. 15. Schneidefeder.]
-
-Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen Radiernadel ist es
-oft schwer, die Richtung der beabsichtigten Striche beizubehalten,
-weil sie von den geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte,
-Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu diesem Zweck die
-Anwendung der sogenannten »photographischen Beschneidefeder«, welche
-in allen photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat die
-Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und wird in einem Federstiele
-steckend in einfachster Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie
-die Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen, dessen
-Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche wieder in eine Spitze
-auslaufen. (Abb. 15). Die aus sehr hartem Stahl bestehende Feder
-erzeugt, steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht nur
-den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden, eine Eigenschaft, die,
-wenn es sich um saftige Tiefen handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist
-noch, daß die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt, in der
-Ebene des Schildchens liegen muß, da die Feder sonst nicht schneidet,
-sondern kratzt.
-
-Ist das Nachradieren vollendet, so wird die Ätzung wieder in der
-bereits beschriebenen Weise durchgeführt. Um den Fortschritt der
-Arbeit auf der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich von
-jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl reiner Abzüge zu nehmen
-und sie eventuell mit bezüglichen Notizen versehen in einer Mappe
-aufzubewahren. Eine solche Sammlung von Abdrücken, in der auch nicht
-die am ärgsten mißlungene Platte fehlen darf, hat soviel Lehrreiches
-für den Radierer, sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang
-bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein ernstes, zielbewußtes
-Streben zur Meisterschaft gelangt.
-
-Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann, wenn zu tief geätzt
-wurde, wenn also Stellen, welche duftig beabsichtigt waren, im Abzug
-zu derb, zu kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses Mißgeschick
-meistens, wenn er, die Wirkung des Ätzwassers unterschätzend, lichte
-und zarte Partien zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht
-dadurch gut machen, daß man die benachbarten dunklen Stellen durch
-Nachradieren und Nachätzen verstärkt und somit den Kontrast zu heben
-sucht, dann muß die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden.
-Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft sich einen solchen
-von außerordentlicher Härte, indem man eine prismatische Feile mit
-dreieckigem Querschnitt einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag
-übergibt, die Flächen am vorderen Ende in sanfter Schwingung derart
-zu schleifen, daß sie mit den drei Kanten zusammen in eine Spitze
-auslaufen. Kanten und Spitze müssen abgerundet und das Instrument in
-seinem geschwungenen Teile noch überdies feinst poliert werden.
-
-Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen Stellen auspoliert.
-Durch den Druck des Polierstahles werden die Stege zwischen den
-Furchen geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge der
-Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann im Abdruck dünner und
-duftiger, weil die scharfen Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich
-gehalten, jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des Polierstahles ist
-umso energischer, je steiler man eine seiner Kanten über die Platte
-führt. Zum Schluß soll jedoch immer mit der _Fläche_ des Werkzeugs
-poliert werden, um etwaige feine Streifen, welche während des Arbeitens
-entstanden sein mögen, auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren,
-den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten. Außer Gebrauch muß der
-Polierstahl vor Feuchtigkeit sorgfältigst bewahrt werden; vor allen
-Verletzungen ist das polierte Ende in einer Scheide aus dickem Leder
-geschützt.
-
-Sollten beim Polieren auf der Platte graue Streifen entstanden sein,
-so putzt man mit etwas Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem
-man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten Lappen reibt und
-trocken nachwischt. Nach einer solchen Behandlung muß die Bildfläche
-mit Terpentin noch gründlich gereinigt werden.
-
-Nach allen derartigen Prozeduren holen wir uns durch Abdrücke Auskunft
-über das Gelingen des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen durch
-den interessanten Vergleich der im Bilde deutlich wiedergegebenen
-Plattenzustände.
-
-Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja schließlich zu dem einen
-Ziele führen: unsre Erfahrung und Technik derart vervollkommnet zu
-haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit _auf einen Wurf_ zu Ende zu
-führen.
-
-
-
-
-7. Über Mißerfolge.
-
-
-Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut der Technik gelten;
-ich fühle mich daher auch bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes
-Ganzes zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis
-abzuschließen, da es ja einen Führer durch all’ die Fährlichkeiten
-bilden soll, welche dem Anfänger in den Weg treten. Zur leichten
-Orientierung finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate in
-chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich eben in den
-einzelnen Arbeitsphasen einstellen.
-
-[Illustration: »Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-
-Beim Grundieren.
-
- 1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, welche trotz
- wiederholter Behandlung mit der Walze nicht verschwinden
- wollen.
-
- Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden auf zu heißer
- Platte aufgetragen, der Firnis ist an diesen Stellen
- verbrannt.
-
- Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und neuerliches
- Grundieren bei gelinder Hitze.
-
- 2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt sich beim Drehen
- schwer los und läßt den Ätzgrund mit rauher Oberfläche
- zurück.
-
- Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr heiß genug.
-
- Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst Gas- oder
- Spirituslampe.
-
- 3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte trotz sanften
- Abwischens mit Watte eine schmutziggraue statt der
- tiefbraunen, matten Oberfläche.
-
- Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen die Platte
- gestreift oder ist dem Firnis mindestens zu nahe gekommen.
-
- Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches
- Grundieren und Rauchen.
-
-
-Beim Radieren.
-
- 4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, namentlich an
- den Rändern.
-
- Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur
- überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt im Ätzgrund.
-
- Abhilfe:
-
- ~a~) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, Anwendung des
- Handbänkchens.
-
- ~b~) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt und Ätzgrund wieder
- jeden einzeln schmelzen und dann mischen und kneten.)
-
- 5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter der Nadel.
-
- Ursache:
-
- ~a~) Zuviel Asphalt im Ätzgrund;
-
- ~b~) Platte war nicht gut entfettet;
-
- ~c~) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht homogen gemischt.
-
- ~d~) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine zu heiße Platte oder
- beim Anrauchen verbrannt (siehe bei 3).
-
- Abhilfe:
-
- für ~a~) Zusatz von Wachs und Mastix;
-
- für ~b~) Selbstverständlich;
-
- für ~c~) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix
- zusetzen;
-
- für ~d~) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes auf der
- ganzen Bildfläche verbreitet, dann muß dieser entfernt
- und die Platte neuerlich grundiert und geraucht werden.
- Handelt es sich jedoch um einzelne Stellen, so kann man
- die schlechten Partien mit einem kantig geschliffenen
- Beinstäbchen wegschaben und die offenen Stellen mit
- Deckfirnis wieder schließen.
-
-
-Beim Ätzen.
-
- 6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt bei allzuhoher
- Glätte der Platte vor).
-
- Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und oft
- gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht bei zu großer
- Kälte (im Winter).
-
- Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem gemischt
- oder reine Säure zugegossen (siehe Seite 29.)
-
- 7. _Heftiges Aufschäumen_ der Platte hat zur
-
- Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur desselben.
-
- Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser oder mit
- Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. Die Arbeit kann durch
- unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch gerettet
- werden.
-
- 8. _Abblättern des Ätzgrundes_ (Begleiterscheinung des in 7.
- Angeführten).
-
- Ursache:
-
- ~a~) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit;
-
- ~b~) Mangelhafte Entfettung der Platte, so daß die Säure
- zwischen Firnisschicht und Platte eindringen und den
- schützenden Firnis infolge Bläschenbildung sprengen und zum
- Abschwimmen bringen kann.
-
- ~c~) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen).
-
- Abhilfe:
-
- für ~a~) (siehe in 7.)
-
- für ~b~) Gründliches Entfetten der Platte (siehe Seite 11).
-
- für ~c~) Auch hier läßt sich die Arbeit durch unverzügliches
- Zugießen von reinem Wasser noch retten, vorausgesetzt, daß
- das Abblättern nicht schon zu arg geworden.
-
-
-Beim Drucken.
-
- 9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens mit dem
- Beinstab nicht auf’s Papier.
-
- Ursache:
-
- ~a~) Das Papier ist zu trocken;
-
- ~b~) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife beigemischt;
-
- ~c~) Das Papier eignet sich überhaupt nicht zum Kupferdruck; es
- saugt nicht.
-
- Ist kräftig genug gerieben worden, so muß sich am Papier, wenn
- es auch weiß geblieben, deutlich das Strichrelief des
- Bildes zeigen (Untersuchung mit der Lupe).
-
- Abhilfe:
-
- für ~a~) Einige Blätter Filtrierpapier werden frisch gefeuchtet
- zwischen den Vorrat eingelegt; einen Tag später werden die
- Druckversuche wieder aufgenommen;
-
- für ~b~) Einarbeiten von Schmierseife in die vorrätige
- Druckfarbe;
-
- für ~c~) Selbstverständlich.
-
- 10. Der Druck zerfließt und wird klecksig.
-
- Ursache: Zu nasses Druckpapier.
-
- Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen
- aussetzen, bis das Papier unter der Presse etwas trockener
- geworden. Oder Einlegen von trockenem Filtrierpapier in den
- gefeuchteten Vorrat.
-
- 11. An _flauen Flecken_ und blinden Stellen, deren Ursachen
- auf S. 26, Z. 9 von oben, erläutert wurden, ist nicht der
- Abdruck, sondern das Radieren und Ätzen schuld. Eine
-
- Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht oder doch
- nicht mit befriedigendem Erfolg geschaffen werden. Für
- den Anfänger ist hier Abschleifen der Platte und Beginnen
- einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur soll nicht vergessen
- werden, sich vorher noch einige scharfe reine Abzüge von
- der verdorbenen Platte zu nehmen, um solche Drucke als
- Anhaltspunkte für das weitere Arbeiten bereit zu haben.
-
-Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß genommen, über das
-Abschleifen der Platte im folgenden Abschnitt eingehend zu sprechen.
-
-
-
-
-8. Abschleifen der Platte.
-
-
-Die erste Bearbeitung der Platte muß energisch eingeleitet werden,
-soll die ganze Prozedur nicht allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Bei
-kleineren Platten ist es am besten, wenn man die ganze Arbeit mit
-einer breiten Schlichtfeile von mittelfeinem Hieb abfeilt; das geht
-sehr rasch und schadet der Platte bei geschickter Hantierung nicht.
-Die Länge der Feile muß die Platte beträchtlich überragen, damit man
-sie bequem handhaben kann. Bei richtiger Führung der Feile ist eine
-vom Feilenhieb herrührende Riefung der Oberfläche des Kupfers nicht
-zu befürchten. Ätzungen auf größeren Platten würden zum Ausfeilen
-sehr langer Feilen bedürfen; hier arbeitet man besser mit dem
-Schabeisen. Man beschafft es sich, indem man wieder eine Dreikantfeile
-(siehe Seite 67) kauft und sie in der schon beschriebenen Weise vom
-Messerschmied schleifen läßt, jedoch nicht wie beim Polierstahl mit
-abgerundeten, sondern mit scharfen Kanten. Hohlschliff ist nicht
-notwendig, ebensowenig ein Polieren des Werkzeuges. Mit den Kanten
-dieses Instrumentes wird die Ätzung ausgeschabt, jedoch darf nicht
-vergessen werden, große glatte Stellen (z. B. die Luft und dergl.)
-auch zu bearbeiten, da sonst die Platte ungleich dick aus der Arbeit
-hervorgehen würde. Ist die letzte Spur der Striche von der Platte
-verschwunden, so wird die Arbeit des Schleifens mit Blaustein[6]
-begonnen. Es ist dies ein in jeder Werkzeughandlung erhältlicher
-Stein von prismatischer Form, die eine Fläche, mit der man arbeitet,
-muß absolut eben sein. Neue Steine erfüllen diese Forderung meist
-nicht, sie müssen erst auf einer anderen, harten Fläche ausgearbeitet
-werden. Beabsichtigt man im Anfang eine energischere Wirkung, so kann
-der Blaustein erst mit feinem Bimssteinpulver angewendet werden.
-Schleift man die Kupferplatte jedoch mit Bimsstein vor, so ist die
-separate Anschaffung von Bimssteinpulver überflüssig. Das Schleifen
-mit Bimsstein und Blaustein geschieht auf einem starken Brett
-mit reichlichem Zuguß von Wasser parallel den Kanten der Platte.
-Schließlich kommt der Blaustein allein zur Anwendung und die Glätte
-kann bis zu einem recht hohen Grade getrieben werden; dabei muß die
-Platte fleißig gespült werden, damit man das gänzliche Verschwinden
-sämtlicher Ritzen und Kratzer sicher beobachten kann. Der Blaustein
-wird seiner Längsachse parallel über die Platte geführt und zwar mit
-einer seiner beiden Breitseiten. Schließlich wird die Platte endgültig
-gespült und abgetrocknet.
-
- [6] Am schnellsten geht diese Arbeit mit einem prismatischen
- Karborundstein von statten.
-
-Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun dieselbe -- im rechten
-Winkel zur letzten Schliffrichtung -- mit einer Bürste aus feinem
-Stahldraht (erhältlich in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. (Abb. 16).
-
-Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet werden. Die Glätte der
-Platte steigert sich nun zusehends und kann durch die Anwendung des
-flachgehaltenen Polierstahles noch gehoben werden; er wird in einer zu
-sich stets parallelbleibenden, eventuell einer zweiten dazu senkrechten
-Richtung über die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst
-dichte Strichlage.
-
-[Illustration: Abb. 16. Stahldrahtbürste.]
-
-Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem man die Platte
-mittelst eines mit Filz überspannten Brettchens, einer sogenannten
-Filzfeile, unter Anwendung von Globuspasta[7] poliert.
-
- [7] In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus Öl mit
- Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver.
-
-Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf aber behufs Aufbringen
-des Ätzgrundes noch einer auf Seite 11 beschriebenen gründlichen
-Entfettung.
-
-Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit nicht verrichten kann,
-der lasse seine Kupferplatte bei einem Messerschmied oder in einer
-Plattier-Anstalt blank schleifen.
-
-
-
-
-9. Strich und Ton.
-
-
-So sehr auch zugegeben werden muß, daß unsere Technik in ihrer
-bisher beschriebenen Ausübung geeignet erscheint, dem Künstler ein
-Ausdrucksmittel zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes vor dem
-Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich heute nicht mehr die
-Nadel allein das ganze Rüstzeug des Radierers.
-
-Freilich, der Anfänger wird mit verdienter Freude seine Fortschritte
-mit der Nadel begrüßen und es wäre falsch, wollte man behaupten, daß
-der Nadel allein höhere künstlerische Wirkungen und der Ausdruck der
-Stimmungen versagt seien.
-
-Schon der Anfänger, wenn er das erste Herzklopfen überstanden hat, wird
-mit seiner Nadel einer beabsichtigten Wirkung beizukommen suchen, indem
-er ihre Handhabung solange verändert, bis ihre Wirkung seinem Empfinden
-entspricht, und darin liegt schon soviel Persönlichkeit! Bald führt er
-die Nadel, namentlich die Beschneidfeder, nach Art der kalten Nadel
-Furchen schneidend über die Fläche, bald läßt er sie, steilgehalten, in
-Punktreihen, statt in kontinuierlichem Strich über das Kupfer springen.
-Hierin hat er schon ein Mittel in der Hand, in Ton zu arbeiten, denn
-eine gekreuzte Strichlage wird bei springend geführter Nadel nicht
-störend empfunden. Und Ton ist ja das Endziel jedes malerisch, also
-farbig Empfindenden.
-
-Denn wenn auch -- technisch -- eine Arbeit mit der Nadel rein in
-Konturen denkbar ist, die Ziele der Radierung liegen doch fernab von
-trockenem Zeichnen in Umrissen und magerem Schatten in Strichlagen.
-
-Wenn der Anfänger die ersten Beweise steigenden Könnens begrüßt hat,
-empfindet er in der Ausdrucksweise eine Lücke, die auszufüllen ihn
-verlangt. Zahllos schier sind die Mittel, die uns zu Gebote stehen,
-die Kupferfläche derart zu bearbeiten, daß uns der Abdruck nicht als
-Skelett der Zeichnung allein, sondern den verbindenden Ton grauer
-Flächen bringt.
-
-In den Tiefen zuerst verlangt es uns nach sammetartig homogenem Ton.
-So dicht auch die Strichlage hier gehalten werden kann, immer und
-namentlich bei Flächen größerer Ausdehnung entsprechen den notwendigen
-Stegen, die die Striche trennen müssen, im Abdrucke lichten Stellen,
-die sogenannten Flammen, die oft recht störend wirken können. Bei
-Flächen von schmälerer Gestalt hilft man sich bisweilen mit der
-»springenden Nadel«, wenn man diese mit tüchtigem Nachdruck führt.
-Auch die Schneidefeder leistet vorzügliche Dienste. Größere Flächen
-werden mittelst Beizemitteln getont. Zu solchen Beizemitteln zählt
-die Schwefelmilch, ein lichtgelbes feines Mehl, welches jede Drogerie
-vorrätig hat. Dieses Mehl wird mit Öl zu einem Brei verrieben und
-auf die zu tonende Fläche aufgetragen. Das Auftragen kann mit einem
-Haarpinsel erfolgen; rascher und intensiver zeigt sich die Wirkung,
-wenn man, mit sorgfältiger Achtnahme auf die Begrenzung der zu
-tonenden Fläche, den Brei mit einem Leinwandfleckchen, welches um den
-Zeigefinger gespannt ist, auf der betreffenden Stelle verreibt. Bei
-Flächen von bestimmter Begrenzung arbeitet man am besten mit einem
-Papierwischer (Kreidewischer). Die Wirkung dieser Beize besteht in
-einer infolge schwacher Ätzung erzielten feinen Aufrauhung der allzu
-glatten Stellen des Kupfers. Sofort nach erreichter Wirkung muß diese
-Beize mit reinem Öl vom Kupfer entfernt werden.
-
-Alle solche Beizmittel sind eigentlich nur als eine ergänzende
-Nacharbeit des Hauptvorganges aufzufassen, denn sie sind ihrer Natur
-entsprechend nicht dazu angetan, den Gesamtcharakter, den Aufbau einer
-Radierung, wesentlich zu verändern.
-
-Anders sieht es mit den sogenannten maschinellen Mitteln der Ätzkunst
-aus. Ihre Anwendung bestimmt von vornherein die Stimmung, den Charakter
-des Werkes, und von ihrer zielbewußten, taktvollen Anwendung hängt der
-künstlerische Wert einer Arbeit vornehmlich ab.
-
-Hier möchte ich der Meinung entgegentreten, daß maschinelle Mittel bei
-einer Radierung von der Hand zu weisen wären, »weil sie unkünstlerisch
-seien.«
-
-Ein Beispiel: Ein Porträt, eine Landschaft, ist auf getontem
-Naturpapier gearbeitet, die Lichter in Weiß aufgesetzt. Ja noch mehr:
-die Farbe des Papiers ist sogar der Stimmung des Bildes angepaßt. --
-Und dieser Farbenton des Papiers, ist er vielleicht nicht auch ein
-maschinelles Mittel, das dem Künstler fertig zu Gebote steht? Und ihrer
-Anwendung wegen vielleicht das Beginnen unkünstlerisch? Wenn nicht,
-dann wird auch der Radierung ein solches Mittel nicht verwehrt werden
-dürfen, wenn es die Ausdrucksfähigkeit der Technik erhöht. Freilich
-muß künstlerischer Geschmack bei einer solchen Arbeit Pate gestanden
-sein, freilich muß der Radierer schon lange _vor_ Beginn seiner Arbeit
-über die Anwendung seiner Mittel im Klaren sein, soll das Ende vom
-wohlüberlegten und trefflich disponierten Anfang, von zielbewußtem
-Aufbau uns erzählen! Dieses Ziel besteht eben in der harmonischen
-Verquickung der beiden Begriffe: Strich und Ton. Eine Radierung kann
-gewiß auf den Strich allein aufgebaut sein; dann ist es ein Motiv,
-welches des Tons nicht bedarf. Ebenso kann eine Arbeit auch auf die
-Wirkung des Tones berechnet sein. (Man denke nur an eine Nebelstimmung
-oder eine trübe Winterlandschaft und dgl.) In der Mitte der beiden
-Extreme jedoch steht die Arbeit, welche auf das gegenseitig ergänzende
-Zusammenwirken von Strich und Ton berechnet ist; sei es, daß der
-Ton die Zeichnung als eine Art graue Lasur überzieht, oder, daß ein
-hauptsächlich in Tonqualitäten wirkendes Bild mittelst der Nadel
-bloß an markanten Stellen in seiner Wirkung gehoben wird. -- Welche
-Fülle von Wegen zum Ziele!
-
-[Illustration: Karlskirche in Wien
-
-Original-Radierung von Alois Seibold]
-
-Unter maschinellen Mitteln verstehen wir Mittel, welche uns gestatten,
-über die Platte einen gleichmäßigen Ton von verschiedener Textur
-auszubreiten. Die Elemente können Punkte oder Striche sein, je nach der
-Entstehungsart des erzielten Effektes. Bei der Radierung in unserem
-Sinne beschränkten sich die dazu erforderlichen Arbeiten auf eine
-zweckmäßige Behandlung des auf der Platte befindlichen Ätzgrundes.
-
-Eine der ältesten Arten in Ton zu arbeiten besteht darin, daß man auf
-die grundierte, heißgehaltene Platte mittelst eines Siebes Steinsalz
-streut. Die feinen Körnchen bleiben am weichen Ätzgrund kleben
-und sinken bei weiterer Erhitzung der Platte in der geschmolzenen
-Firnisschicht bis auf das blanke Kupfer. Die wieder erkaltete Platte
-gelangt nun in ein Gefäß mit Wasser. Die Salzkörnchen werden hierin
-ausgelaugt und lassen in der Firnisschicht feine Löcher zurück, welche
-bis aufs Kupfer reichen und dem Ätzwasser später Zutritt auf die blanke
-Platte gewähren. (»Aquatinta«).
-
-Eine ähnliche Wirkung hat Schmirgelpapier, welches in der Art, wie wir
-unsre Probedrucke herstellen, mit dem Beinstab an die grundierte Platte
-gedrückt wird. (Abb. 13). Die scharfkantigen Körnchen durchlöchern in
-zahllosen Stichen den Ätzgrund und legen das Kupfer für die Ätzung
-bloß.
-
-Wohl noch wenig bekannt ist das Tonen mit der Stahldrahtbürste.
-(Abb. 16).
-
-Die grundierte, kalte Platte wird auf den Tisch gelegt und mit einer
-gestielten feinen Stahldrahtbürste (siehe Abb. 16) sachte geschlagen,
-wobei die Kupferplatte mit der linken Hand fortwährend zu drehen ist,
-damit die Wirkung gleichmäßig erfolge. Die Verletzungen des Ätzgrundes
-haben nämlich die Form zarter kurzer Strichelchen von bestimmter
-Richtung. Das Drehen der Platte mit der linken Hand soll also das
-Vorherrschen einer gewissen Richtung der Strichelchen verhüten.
-
-Eine derart behandelte Platte kann nun eventuell noch vor der Ätzung
-auch mit der Nadel bearbeitet werden. Lichter sind selbstverständlich
-vorher mit Pinselfirnis zu decken (sogenannte »Reservagemethode«).
-Abgestuftes Ätzen mittelst Deckfirnis erlaubt dann noch einen Reichtum
-an Tonstärken zu entwickeln, doch soll auch hier ein gewisses Maß
-nicht überschritten werden, damit der Reiz der Kontraste dadurch nicht
-verschleiert werde.
-
-Das fertige Blatt wird von manchem Radierer noch weiter »bearbeitet«.
-Die noch weiche, verwischbare Druckfarbe wird mit Wischern an gewissen
-Stellen vertrieben, verwischt, die Striche auseinandergeschmiert,
-um so etwas wie »_Ton_« zu erzielen; doch nicht genug damit: Mit
-dem Radiergummi werden auf dem fertigen Blatt lichte Wolken --
-hervorgezaubert. Was bleibt da noch übrig von der Schönheit dieser
-Technik? Dem Laien, der in die Geheimnisse dieser Kunstweise nicht
-eingeweiht, ist es nicht zur Last zu legen, daß solche Blätter mit
-Erfolg kursieren können. Wenn aber der Berufene selbst um eines groben
-Effektes willen die Reinheit des Stiles hingibt und an der Verwilderung
-einer Technik arbeitet, die in ihren _echten_ Mitteln ohnehin so
-unerschöpflich reich und schön ist, so ist dies ein bedauernswerter,
-von vielen Kunsthändlern protegierter Tiefstand, dem der Einzelne durch
-konsequente Pflege des reinen Stiles entgegenarbeiten kann und muß.
-
-
-
-
-10. Wege und Ziele.
-
-
-Wie mannigfaltig sich das Arbeiten gestalten kann, das haben wir bei
-verschiedenen Gelegenheiten ersehen können, und je mehr der Radierer
-mit ernstem Fleiß alle Ausdrucksweisen sich zu eigen zu machen sucht,
-desto vielverzweigter sieht er die Wege sich auftun, die zum Ziele
-führen.
-
-Vor allem ist es das _Wie_, mit welchem wir ringen in heißem Bemühen.
-Grundfalsch wäre es, wollte ich wähnen, erschöpfend über diese
-Technik geschrieben zu haben, denn verschieden wie die Gesichter der
-Menschen sind die Ausdrucksweisen, sie sind eben der treue Spiegel der
-Persönlichkeit.
-
-Als die Radierung noch ein Reproduktionsverfahren war, dem es zukam,
-Kunstwerke größeren Stiles einem weiteren Publikum zugänglich zu
-machen, da lag ihre Ausübung in strengen Normen und es mußte so sein;
-was sollte auch dort ein persönlicher Ausdruck, wo es galt, eine
-Aufgabe zu erfüllen, die heute der photographischen Kamera zufällt!
-Da mußte der Radierer selbstlos zurücktreten und seine Art hinter der
-Aufgabe verbergen. Es lag viel Handwerkliches in dieser Kunst, die so
-willig war, fremdes Licht leuchten zu lassen mit ihren Mitteln, die
-dazu berufen sind, eine ganz eigene Sprache zu reden, eine Sprache, die
-dem Künstler aus dem Herzen kommt. An diese Erkenntnis knüpft sich
-der Aufschwung der modernen Radierung; sie wurde Selbstzweck und jeder
-Strich, früher vom Zwange einer notwendigen Norm dirigiert, er wird zum
-Wort, zum trotzigen, eigensinnigen vielleicht, das uns aber der Seele
-des Künstlers, seinem Empfinden nachfühlen läßt.
-
-[Illustration: »Überfahrt«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Wer wollte da noch von Arbeitsregeln sprechen, wer die Hände über dem
-Kopf zusammenschlagen, wenn er erfährt, daß der Meister vielleicht,
-einer Empfindung folgend, die gewöhnliche Schreibfeder zum Radieren
-benutzt oder mit den scharfen Kanten einer abgebrochenen Nadel
-arbeitet? Nimmer kann ein Lehrbuch über irgend eine Kunsttechnik
-mehr wollen als »Gehen lehren«; der es gelernt hat, wird seinen Weg
-finden, wenn ernstes Streben ihn beseelt. Es soll ja damit gewiß nicht
-gesagt sein, daß der Anfänger sich sobald als möglich nach einer recht
-»originellen« Ausdrucksweise umsehen soll; das wäre erbärmlicher
-Manierismus, weitab von jener Liebe zur Natur, die darzustellen, wie
-sie sich in unsrer Seele spiegelt, unsere höchste Aufgabe sein soll.
-Ohne äußeres Hinzutun wird die künstlerische Ader sich regen und der
-Hand, ihr unbewußt, Gesetze diktieren, nach denen sie arbeite. Denn
-bei fast keiner anderen Technik kann das Inhaltliche so unabhängig von
-manueller Fertigkeit zu uns sprechen als bei der Radierung.
-
-Und das Inhaltliche ist es auch, welches der ganzen Technik Seele
-verleihen soll; denn wie hier die Ausdrucksform vom _rein Malerischen_
-beherrscht werden muß, so ist das _Erzählende_ das Impuls gebende
-Moment für das _Inhaltliche_.
-
-Kein Zufall ist es, daß unsre größten Radierer auch die größten Grübler
-waren, vom Forschergeiste Dürers, vom Altmeister Rembrandt herauf bis
-zu unserer Modernsten einem.
-
-Und soviel auch errungen, jeder macht’s für sich noch einmal mit, und
-jemehr er nach Ausdruck ringt, umso lieber wird ihm diese trotzige,
-spröde Technik, die sich ihre Geheimnisse von jedem ihrer Pfleger
-neu abringen läßt und dies mit so manchem Goldkörnchen einer neuen
-Ausdrucksmöglichkeit lohnt.
-
-Wenn die Arbeit disponiert, was gibt es da nicht noch alles zu
-denken, zu überlegen! Schon beim Grundieren fragen wir uns: »Was für
-Druckfarbe? Was für Papierfarbe?« Da heißt’s schon beim ersten Strich
-allen diesen Faktoren Rechnung zu tragen und die Arbeit dem Endzweck
-anzupassen! Wie anders muß gearbeitet werden für getontes als für
-weißes Papier, für warmtonige als für kühlwirkende Druckfarbe!
-
-Man versuche es nur einmal, eine für weißes Papier berechnete Platte
-auf farbiggetontem abzudrucken oder umgekehrt!
-
-Und doch ist das Wie noch nicht allein der Endzweck, das Ziel! Was
-dem Pinsel oft versagt bleibt zu bilden mit seinen reichen Mitteln,
-das wird auf der Kupferplatte zu reinem Erguß, das offenbart sich
-in der Lapidarschrift der Nadel mit überzeugender Kraft und Wärme.
-Menschenbeobachtung, dieses hehre Problem, es zeigt uns stets neue
-Ziele; und wieder ist es die Radierung, die das _Momentane_ des
-Erschauten festzuhalten berufen ist. Und wenn nun auch die Hand des
-Einen mit plebeischer Derbheit zugreift, das Erschaute zu bilden, wenn
-das weichere Naturell des Andern mildere Töne anzuschlagen weiß, immer
-fühlen wir den Reiz eines intimeren Verkehrs mit dem Künstler auf uns
-wirken, wenn wir uns in die Anschauung solcher Blätter versenken.
-
-Eines möchte ich auch gern dem Lernenden mit auf den Weg geben und wie
-ich glaube, wird mir jeder künstlerisch Empfindende zustimmen: »_Nie
-soll das Radieren eine Kopierarbeit sein, nie sollen die Mittel ihrer
-Sprache einer andern als ihrer eigenen Sache dienen!_« Ich habe den
-Anfänger vor dem Kopieren von Photographien gewarnt, (siehe Seite 20),
-es hat seine triftigen Gründe: Mit ihren ungezählten Abstufungen in den
-Tonstärken ist sie wirklich nicht geeignet, Klarheit in das Arbeiten
-des Anfängers zu bringen; ihn verwirrt die Vielheit, zumal er den Ton,
-auf den ja jedes Lichtbild aufgebaut ist, in ein System von Strichen
-bringen müßte, eine Sache, die die Schwierigkeiten, die bei den ersten
-Versuchen zu überwinden sind, nur vermehren würde.
-
-Denn wenn auch die Bildidee, der Impuls zu einem Kunstwerk, aus einer
-_Anschauung_ entspringen kann, das Denken an die Bewältigung mit dem
-_Material_ ist doch erst das eigentlich Schöpferische.
-
- * * * * *
-
-_Schönheit in der Natur -- Schönheit des Materials -- es sind zwei
-Welten; sie zusammenzwingen in ein Menschenwerk, das ist »Kunst«, und
-daß mit dem geeigneten Material der erschöpfende Ausdruck für den
-Impuls gefunden werde._ Ist es nicht denkbar, daß ein an und für sich
-herrliches Motiv, -- sei es landschaftlicher oder figuraler Art --, zur
-bitteren Enttäuschung des mit sich selbst Gerechten und Strengen trotz
-meisterhafter Technik nicht jene Erfüllung bringt, die er sich von ihm
-versprach? Wie oft ist ein Werk allein wegen unrichtiger Formatwahl
-verfehlt! Es gibt Motive, die durchgeführt in kleinen Dimensionen zum
-köstlichen Juwel werden können, und die auf großem Format all’ ihren
-Reiz verlieren würden. Aber mehr noch als dieses bestimmt die _Wahl des
-Materials_ das Schicksal des Werkes.
-
-Nicht jedes Motiv, nicht jede Bildidee eignet sich gleich gut für eine
-Durchführung in Aquarell, in Holzschnitt, für eine Radierung oder für
-ein Ölgemälde. Für den Radierer ergibt sich daraus der Schluß, daß
-er nicht ohne Überlegung an sein Werk gehen darf. Linienschönheit,
-Tonschönheit, das sind die Mittel, mit denen die Radierung arbeitet.
-Sie wird zum erschöpfenden Ausdruck, wenn sie im Motiv, in der Idee,
-Verwandtes findet und dieses mit ihren Mitteln also zu einer höheren
-Einheit erheben kann.
-
-[Illustration: Pieta
-
-Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Dann wird neben der Idee auch das Material zu uns sprechen wie eine
-lebendige Sprache. Dann genießen wir nicht als Nebensache den feinen,
-matten Strich, den beruhigenden Ton und -- nicht zuletzt auch den
-Reiz des eigenartigen Glanzes, den die Metallfläche dem Druckpapier
-verleiht --, die Freude am schönen Material.
-
-Beantwortet sich aus diesen Betrachtungen nicht wie von selbst die
-Frage nach der zulässigen Größe einer Radierung.
-
-Man sieht in Ausstellungen hie und da Radierungen, deren eine Bildkante
-fast einen Meter erreicht! Sind solche Riesenformate -- Bravourarbeiten
--- künstlerisch gerechtfertigt? Ist der zarte Ton der Druckfarbe
-geeignet, in solchen Dimensionen zu wirken? Das geheimnisvolle
-Weben, dem nachzugehen vielleicht den Hauptreiz bei der Betrachtung
-von Radierungen bildet, erstirbt, wenn man von einem Werk dieser
-Technik zurücktritt -- und zurücktreten muß man, wenn ein Bild einmal
-80 × 100 ~cm~ mißt. Wenn wir eine Radierung betrachten, dann wollen wir
-in dem Blatte lesen, im wahrsten Sinne des Wortes, lesen all’ das, was
-der Künstler mit der Nadel ins Metall geschrieben, lesen, wie ihm dabei
-war, alle Leidenschaftlichkeit, alle Schaffenslust; und Strich für
-Strich mitfühlen, was da geschrieben steht von einer in Arbeitsfreude
-vibrierenden Hand!
-
-Dabei wollen wir aber doch auch nicht den steten Überblick über das
-Ganze missen; ergeben sich da bei Rücksichtnahme auf den Bau und die
-Fähigkeiten des menschlichen Auges die Grenzen der Bildgröße nicht von
-selbst? --
-
-Ein Ölgemälde 30 × 40 ~cm~ nennen wir ein »Bildchen«. Eine Radierung
-von derselben Bildgröße nennen wir ein »großes Blatt« -- wie
-kommt das? Oder wie kommt das, daß eine Radierung in bescheidenen
-Dimensionen fesselnd, wuchtig und kraftstrotzend wirken kann und eine
-Riesenradierung daneben schlaff und leer?
-
-Wer sein Material kennt, dessen Schönheit versteht, seine Vorzüge und
-Schwächen, dem wird es nicht widerfahren, daß er es an Aufgaben zwingt,
-vor denen es versagen oder doch zum mindesten die Eigenart einbüßen muß.
-
- * * * * *
-
-Ich habe an früheren Stellen empfohlen, bei der Arbeit auf
-Kontrastwirkungen Bedacht zu nehmen.
-
-Dem Anfänger muß neben der Schulung der Technik an sich auch
-diejenige des Auges angelegen sein. Es muß sich an die Wirkungen der
-verschiedenen Materialmöglichkeiten gewöhnen, soll es imstande sein,
-scharf zu urteilen und Gutes von Unbrauchbarem -- wie doch beides der
-Werdegang des Radierers notwendig mit sich bringt -- zu scheiden.
-Solches wird bei kontrastreichem Vortrag besser als bei einer mehr
-flachen Ausdrucksweise erreicht. Daß damit nicht etwa gesagt sein
-soll, daß eine Radierung unter allen Umständen Kontrastwirkung
-aufweisen muß, ist wohl einleuchtend; denn eine schleierige
-Wirkung kann ja gegebenenfalls zur beabsichtigten Stimmung gerade
-erforderlich sein. Doch das sind Dinge, über die man Bücher schreiben
-möchte -- oder nichts --; Hier hört das Lehren auf, hier tritt das
-künstlerisch-schöpferische Empfinden in sein unantastbares Recht.
-
-
-
-
-11. Das fertige Blatt.
-
-
-Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den für die
-Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es
-auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren
-zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer
-Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen
-oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße,
-Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich
-in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben
-Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das
-Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das
-Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle
-macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen
-Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand
-eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich
-stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um
-die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier
-kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit
-den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es
-einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder
-Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand
-um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz
-bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt
-und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf
-kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen
-kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage.
-Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt
-Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers
-kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und
-geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton
-schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand
-des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_
-diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das
-Ansehen einer Radierung außerordentlich.
-
-[Illustration: »Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche
-entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben.
-Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr
-vornehm.
-
-Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck
-unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung
-»Originalradierung von N. N.« enthält.
-
-
-
-
-Schlußwort.
-
-
-Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude
-nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen,
-in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer
-Kunstbetätigung.
-
-Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der
-Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem
-Lernenden so bald als möglich zu gute komme.
-
-Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre
-von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen
-anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern
-aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als
-wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem
-Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente,
-wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in
-technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit
-künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will.
-
-Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte
-Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen
-Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese
-entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die
-Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das
-Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht,
-oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten
-der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer
-solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver,
-gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und
-Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den
-Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung
-ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.
-
-Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt,
-da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten
-Platte ist.
-
-Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig
-sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder
-leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen
-Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten
-Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei,
-daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als
-die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen
-muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner
-harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt
-neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten,
-die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit
-der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde
-beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige
-Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen
-mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur
-Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen,
-sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde.
-
- * * * * *
-
-Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die
-Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln
-betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im
-Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung
-unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser
-muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes
-Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine
-_gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt
-gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen
-aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute
-mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen
-Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird
-dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem
-Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf
-Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets
-ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet).
-
-[Illustration: Der heilige Franziskus
-
-Original-Radierung von Alois Seibold]
-
-Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine
-glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser
-bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung
-auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in
-Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja
-nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll
-doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen,
-ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.
-
-Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit
-einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir
-das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen
-Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber,
-die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit
-begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und
-Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist
-nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn
-nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, --
-vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind
-Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden
-soll!
-
-Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar
-zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt,
-selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr
-zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein
-vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche
-Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern
-mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen
-wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen
-Achsenlager nicht vergessen werden.
-
-Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die
-Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien.
-
- * * * * *
-
-Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche
-Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei,
-allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren
-ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand
-des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum
-Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen,
-nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß
-dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren
-berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.
-
-
-
-
-Alphabetisches Verzeichnis.
-
-
- Abblättern des Ätzgrundes 12, 71
-
- Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82
-
- Abfärben der Rauchschicht 18
-
- Abgestuftes Ätzen 38, 82
-
- Abschleifen der Platte 74
-
- Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15
-
- Aquatinta 81, 95
-
- Arbeitsprogramme 41
-
- Asphalt 9
-
- Asphaltlack 32, 33, 63
-
- Ätzdamm 31
-
- Ätzgruben-»Nester« 27
-
- Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8
-
- Ätzprozeß 2, 28
-
- Ätzschalen 32, 35
-
- Ätzwachs 34
-
- Ätzwasser für Kupfer 28, 37
-
- Ätzwasser für Zink 96
-
- Aufätzen 61
-
- Aufpausen der Zeichnung 21
-
- Aufbewahren von Ätzgrund 11
-
- Aufbewahren von Ätzwachs 35
-
- Aufbewahren von Druckfarbe 49
-
- Aufbewahren von Pinselfirnis 39
-
- Aufbewahren der Platten 8, 19
-
- Aufbewahren des Polierstahls 67
-
- Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62
-
- Aufbringen der Konturen 21
-
- Auflagetuch (Abb. 14) 59
-
- Aufmachen des fertigen Bildes 93
-
- Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97
-
-
- Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81
-
- Beißzange 12
-
- Beizemittel 78
-
- Bequeme Plattengröße 6
-
- Bienenwachs 9, 35
-
- Bildgröße 89, 92
-
- Bimsstein 75
-
- Blasenbildung 36, 71
-
- Blattrand und Blattgröße 92
-
- Blaustein 75
-
- Böttchers Ätzwasser 37
-
- Brennöl 35
-
-
- Chlorsaures Kali 29, 37
-
-
- Deckfirnis 38, 70, 82
-
- Druck 45
-
- Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51
-
- Drucken (maschinelles) 57
-
- Druckfarbe 48
-
- Druckpapier 46
-
- Duplikatplatten 61
-
-
- Einleiten der Ätzung 35
-
- Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50
-
- Engelrot 76
-
- Entfetten 11
-
-
- Facette, Facettieren 8
-
- Farbkissen 4
-
- Feilklobe 12
-
- Fetthauch auf der Platte 11
-
- Fettrötel 21
-
- Filtrierpapier 37, 46, 47, 72
-
- Filzfeile 76
-
- Fisch- oder Marderpinsel 39
-
- »Flammen« 78
-
- Flanelltuch 8, 19, 58
-
- Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73
-
- Flüssiger Ätzgrund 63
-
- Führung der Nadel 25, 65
-
- Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56
-
- Führung des Druckballens (Abb. 9) 51
-
-
- Gänsefeder 36
-
- Gasentwicklung (schädliche) 36
-
- Glasmensur 29
-
- Glastafelmethode (Abb. 6) 33
-
- Globuspasta 67, 76
-
- Graphische Künste 5
-
- Graphit 18, 56
-
- Grate 96
-
- Gravieren 25
-
- Griffel zum Pausen 22
-
- Grundieren 11, 68
-
- Grundierwalze (Abb. 2) 14
-
-
- Handabzug 45
-
- Handbänkchen (Abb. 7) 43
-
- Handwalzenpresse 98
-
- Herrichten und Prüfen der Nadeln 24
-
- Hochdruck 4, 61
-
-
- Japanpapier 47, 93
-
-
- Kalte Nadel 95
-
- Kampmann: »Die graphischen Künste« 5
-
- Karborundstein 75
-
- Klecksige Abzüge 72
-
- Kochsalz 96
-
- Kolophonium 9
-
- Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10
-
- Kupferdruckfarbe 48
-
- Kupferdruckfirnis 49
-
- Kupferdruckpapier 46
-
- Kupferplatte 6
-
-
- Leinöl 49
-
-
- Manierismus 85
-
- Marder- oder Fischpinsel 39
-
- Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57
-
- Maschinelle Tonungsmittel 79
-
- Mastix 9, 70
-
- Mißerfolge 68
-
- Modellierholz 33
-
-
- Nadelführung 25, 64
-
- Nadel (Herrichten und Prüfen) 24
-
- »Nester« = Ätzgruben 27
-
-
- Offenhalten der Strichlagen 26
-
-
- Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54
-
- Pausen 21
-
- Photographie 20, 87
-
- Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
-
- Pinselfirnis 38, 70, 82
-
- Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12
-
- Plattieranstalt 7, 76
-
- Polieren 8, 66
-
- Polierpasta 78
-
- Polierstahl 66
-
- Probedrucke 65, 67
-
-
- Radiernadel (Abb. 5) 24
-
- Reinigen der Platte 43
-
- Retouche-Arbeiten 62
-
- Rezept für Ätzgrund 8
-
- Rezept für Ätzwachs 34
-
- Rezept für Ätzwasser 28
-
- Rezept für Deckfirnis 38
-
- Rezept für Druckfarbe 48
-
- Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12
-
-
- Salpetersäure 28
-
- Salzsäure 37, 96
-
- Säureflaschen 28
-
- Schabeisen 74
-
- Schadenätzungen 33, 63
-
- Schlemmkreide 11
-
- Schlichtfeile 74
-
- Schmierseife 49
-
- Schmirgelpapier 81
-
- Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
-
- Schräge -- Facette 8
-
- Schreibfeder 85
-
- Schwefelmilch 78
-
- Sodalösung 31
-
- Spachtel (Abb. 10) 52
-
- »Springende Nadel« 77, 78
-
- Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82
-
- Steinsalzmethode 81
-
- Strichlagen 26
-
- Strich und Ton 77
-
-
- Teilätzungen 38, 40, 82
-
- Terpentin 38, 44
-
- Terpentinessenz 38
-
- Tiefdruck 3
-
- Tonen beim Drucken 61
-
- Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81
-
-
- Überhitzen der Platte 13
-
- Unschlitt 35
-
- Unterfressen der Stege 27, 71
-
- Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27
-
-
- Verstählen 62
-
- Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10
-
- Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16
-
- Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31
-
-
- Wachsfackel 16
-
- Wahl des Motivs 20
-
- Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14
-
- Walzendruck 58
-
- Walzenpresse 59, 99
-
- Wasserdichter Ätzdamm 31
-
- Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34
-
- Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und
- Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27
-
- Weißer Ton 11
-
- Wischer 59
-
-
- Zahl der erreichbaren Abzüge 61
-
- Zahl der Teilätzungen 40
-
- Zeitungspapier 44
-
- Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18
-
-
-
-
-Raum für Bemerkungen.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
- wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt.
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-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG ***
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
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