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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die Radierung - Ein Leitfaden und Ratgeber - -Author: Alois Leopold Seibold - -Illustrator: Alois Leopold Seibold - -Release Date: August 12, 2022 [eBook #68735] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - -Die Radierung. - -[Illustration: Christnacht - -Original-Radierung von Alois L. Seibold] - - - - - Die Radierung - - Ein Leitfaden und Ratgeber - - von - - Professor Alois Leopold Seibold - - Maler und Radierer in Wien - - Vierte vermehrte und verbesserte Auflage - - Mit 10 Kunstbeilagen und - 16 Abbildungen im Text - - [Illustration] - - Eßlingen a. N. - Paul Neff Verlag (Max Schreiber) - 1922 - - - - -Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N. - - - - -Meinem hochgeschätzten Meister, - -Professor Viktor Jasper in Wien - -in dankbarer Verehrung zugeeignet - - _Alois L. Seibold_ - - - - -Vorwort zur ersten Auflage. - - -Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch zu schreiben, da -war es vor allem der Wunsch, nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise -mitzuteilen, und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiete -zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch immerhin sein mögen, -doch berufen sein dürften, wo immer nur möglich bei den anfänglichen -Versuchen die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich vor -Entmutigung zu bewahren. - -Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt wird, der Ausdruck -der freischaffenden Künstlerseele ist und mit ihren Mitteln geeignet -und berufen erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden -ihrer Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik an sich auf -Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, deren sich die Hand zum -Niederschreiben des Erschauten, des innerlich Erlebten bedient. - -Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich ist, war mein Bestreben -dahin gerichtet, das rein künstlerische Moment als das leitende -erscheinen zu lassen und den Anfänger an der Hand eines gesichteten -Materiales unmittelbar ins Praktische dieser Kunstweise einzuführen, -ohne ihn erst mit viel theoretischem Ballast zu beschweren. - -Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich schriebe -- der Erste -- über -die Radierung, bedarf wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die -Zahl (allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur auf diesem -Gebiete aufzuweisen hat. - -Im allgemeinen muß ich mich auch an diese halten; denn das Um und Auf -der Radierung ist ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan; -die Methode aber, mit der dem Schüler die Wege zu weisen sind, ist es, -die das Vertrauensamt hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, auf -daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen Weg bezeichne. - -Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist mir umso lieber, da -ich gewiß zu sein glaube, mit dieser meiner bescheidenen Arbeit einer -Kunstweise, welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den -graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und Schätzer geworben zu -haben. - -Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen vergönnt, dann soll es mir -zu ehrender Genugtuung gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum -Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik beigetragen zu -haben. - - Prag, im September 1909. - - =Der Verfasser.= - - - - -Vorwort zur 3. und 4. Auflage. - - -Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not und Verwirrung, die uns -die letzten Jahre gebracht, geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren -sicheren Weg. - -Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am Schönen, können im gesunden -Volke nicht untergraben werden; das sind unverlierbare Schätze, -Quellen, die immer fließen. - - * * * * * - -Nach kaum drei Jahren -- es waren bisher die ärgsten -- ward die dritte -Auflage notwendig, nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist -klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist groß und stolz. - -Und nun zum viertenmal hinaus! - -In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und Schaffenslust! - -Und das Weggeleit ist die verständnisvolle Freundschaft, die dem -Büchlein beschieden ist; möge sie ihm erhalten bleiben! - - Wien, im Juni 1922. - - =Der Verfasser.= - - - - -Inhalt. - - - _Vorwort_ - - Seite - - 1. _Über das Wesen der Radierung_ 1 - - 2. _Vorbereitung zum Arbeiten_ 6 - - ~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung 6 - - ~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes 8 - - ~c~) Das Grundieren der Kupferplatte 11 - - ~d~) Das Anrauchen 15 - - 3. _Das eigentliche Radieren_ 20 - - ~a~) Von der Wahl des Motives 20 - - ~b~) Das Aufbringen der Konturen 21 - - ~c~) Die Radiernadeln 24 - - ~d~) Über die Führung der Nadel 25 - - 4. _Der Ätzprozeß_ 28 - - ~a~) Die Bereitung des Ätzwassers 28 - - ~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen 31 - - ~c~) Die Bereitung von Ätzwachs 34 - - ~d~) Die erste Ätzung 35 - - ~e~) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis) 38 - - ~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme 41 - - ~g~) Das Reinigen der Platte 43 - - 5. _Das Abdrucken von der Platte_ 45 - - ~a~) Über die Bedeutung des Handabdrucks 45 - - ~b~) Das Druckpapier 46 - - ~c~) Die Druckfarbe 48 - - ~d~) Das Einschwärzen der Platte 50 - - ~e~) Der Abdruck 52 - - ~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege 57 - - 6. _Retouche-Arbeiten_ 62 - - 7. _Über Mißerfolge_ 68 - - 8. _Abschleifen der Platte_ 74 - - 9. _Strich und Ton_ 77 - - 10. _Wege und Ziele_ 84 - - 11. _Das fertige Blatt_ 92 - - _Schlußwort_ 94 - - _Alphabetisches Verzeichnis_ 100 - - - - -Kunstbeilagen. - - -Original-Radierungen von Alois L. Seibold. - - I. »Christnacht« Titelbild - - II. »Das Gehölz« S. 40/41 - - III. »Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe - eines mit dem Beinstab - gewonnenen Plattenabzuges S. 56/57 - - IV. »Motiv aus Obersteiermark« S. 60/61 - - V. »Bildnisstudie« S. 68/69 - - VI. »Karlskirche in Wien« S. 80/81 - - VII. »Überfahrt« S. 84/85 - - VIII. »Pieta« S. 88/89 - - IX. »Im Sturm« S. 92/93 - - X. »Der heilige Franziskus« S. 96/97 - - - - -1. Über das Wesen der Radierung. - - -Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von Salpetersäure aufgelöst -wird. Es geht mit ihr eine Verbindung ein, welche in Wasser leicht -löslich ist und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig -steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von Gasbläschen auf. (Giftige -Dämpfe!) - -(3~Cu~+8~HNO~_{3} = 3~Cu~(~NO~_{3})_{2}+4~H~_{2}~O~+2~NO~.) - -Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage der Radierung. Das Kupfer -kommt hierbei in Form von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis -zur feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält nun -einen dünnen säurefesten Überzug von eigens hierzu bereitetem Firnis, -welcher die darunterliegende Kupferfläche vor Zerstörung durch die -Salpetersäure schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener -Form, der sogenannten _Radiernadeln_, wird nun eine Zeichnung in -diesen Firnis geritzt, so daß das Kupfer an den betreffenden Stellen -frei zutage tritt. Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen -ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung. Diese rein -künstlerische Tätigkeit nennt man das »_Radieren_«; nach ihr hat die -ganze Technik überhaupt ihren Namen »_Radierung_« erhalten. - -Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt, so kann letztere ihre -Wirkung nur an jenen Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet; -es sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den Firnisüberzug -gerissen hat. Diese Striche haben in den meisten Fällen das Kupfer -gar nicht geritzt, sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses -unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und das Niveau der blanken -Kupferplatte wird dadurch an diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung -der Säure aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso -größer, je länger der chemische Prozeß andauert. Diesen Vorgang nennt -man den »_Ätzprozeß_« oder die »_Ätzung_«. Beendet wird dieser Prozeß -dadurch, daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser von der -letzten Spur der Säure befreit wird. Sobald die Platte trocken ist, -wird der Firnis mit Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt -nun, nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde, wieder ihre -blanke Oberfläche; aus den Strichen der Zeichnung aber sind infolge -der Wirkung der Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die Platte -gegen das Licht gehalten wird, dunkel von der glänzenden Fläche -abheben. Diese Rinnen nun sind weit verschieden von solchen, welche in -die Platte mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert worden -wären; denn während die auf letzterem Wege erzeugte Furche infolge der -glättenden Wirkung der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche -zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung, sondern was sehr -wichtig ist für die resultierende Bildwirkung, eine Aufrauhung der -vertieften Rinne an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche. - -Wird eine also behandelte Kupferplatte mit Kupferdruckschwärze -eingerieben, so füllen sich die vertieften Striche mit Farbe, während -diese über das blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht -allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte abgewischt werden, -in den Strichen sitzt sie fest. - -Also vorbereitet, wird die Platte mit einem Blatt gefeuchteten -Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier, belegt; auf dieses kommt -noch ein Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun zwischen zwei -Stahlwalzen[1] unter großem Drucke durchgezogen, so daß das feuchte -Papier mittelst des weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten -Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen des Druckpapieres haftet -die Farbe auf dem Papier und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der -Druck ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser Schärfe, -jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt, ein Umstand, der beim -Entwerfen der Zeichnung auf der Platte bereits berücksichtigt werden -muß, wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter Form aus dem -Druck hervorgehen soll. - - [1] In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung. - -Das von der Platte gelieferte Bild heißt _Abzug_, _Druck_ oder zur -Spezifizierung der Art, in der es hergestellt wurde, »_Radierung_«. -Das ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »_Tiefdruckes_«, eine -Bezeichnung für alle diejenigen graphischen Techniken, bei deren -Ausübung die bilderzeugenden Elemente (Striche, Punkte und dergl.) in -die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle Vorrichtung zur -Herstellung aller Arten des Tiefdruckes heißt »_Kupferdruckpresse_«, -das handwerkliche Verfahren: »der _Kupferdruck_«. Den Gegensatz dazu -bildet der »_Hochdruck_«. Obwohl er eigentlich in den Rahmen dieser -Arbeit nicht gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das -vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser Druckart bleiben die -Striche der Zeichnung auf der Platte erhaben, während alles, was weiß -bleiben soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend vertieft -wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche durch kräftiges Reiben mit -Druckfarbe gefüllt, so genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken -des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise ein -Übergehen desselben mit einer Farbwalze, um alle Striche zu schwärzen. - -Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen Tiefdruck und -Hochdruck wieder deutlich: Während beim Tiefdruck das Papier in -die Striche hineingepreßt werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein -einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten Druckstockes das -Abfärben auf das Papier und somit die Bilderzeugung. - -Zur ersten Gattung gehören: der _Kupferstich_, der _Stahlstich_ -in allen seinen Abarten, die _Radierung_ und andere Verfahren, -die jedoch mit unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf -den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure) und sich von -künstlerischen Fertigkeiten in den Mitteln wesentlich unterscheiden. -(Zum »_Hochdruck_« gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der -Stempeldruck, die Zinkhochätzung, Autotypie -- Zinkotypie -- u. s. -w.)[2]. - - [2] Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei - Kampmann’s »Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf - das angelegentlichste empfohlen. - - - - -2. Vorbereitung zum Arbeiten. - - -~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung. - -Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine besondere liebe Aufgabe -ist, den Anfänger unmittelbar ins Praktische der Technik einzuführen -und ihn mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer -entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig ist, zu verschonen. -Deshalb auch habe ich es vermieden, mich in langen technologischen -Abhandlungen über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei den -heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich nicht schwer, zu der -einwandfreien Reinheit und Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu -haben. Nun zur Sache!: - -Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die _Kupferplatte_ -anzusehen. Sie wird in größeren Metallhandlungen aus gewalzten -Kupferplatten geschnitten und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt. -Um den Anfänger gleich hier zu orientieren, sei folgendes erwähnt: - -1. Die Platte soll etwa 1½--3 ~mm~ dick sein. - -2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format ist 13 × 18 ~cm~. -Dem Anfänger ist dringend zu raten, bei seinen ersten Versuchen über -dieses Maß nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte Bequemlichkeit -bei allen folgenden Hantierungen bietet. Bei erlangter Sicherheit -steigert sich von selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal ja -die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage ohnehin nicht mit dem -ersten Versuch erreicht (und auch gar nicht bezweckt) wird. - -3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten schwankt und -beträgt ungefähr 8·7--8·9. Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes -der Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 ~cm~, 3 ~mm~ dick, wiegt also: - - 13 × 18 × 0·3 × 8·9 - 104 - --- - 234 × 0·3 - ---- - 70·2 × 8·9 - ---- - 5616 - 6318 - ------ - 624·78; das sind also 624·78 Gramm. - ======= - -Der Preis des Kupfers schwankt stetig im Handel. Nach obigen Daten und -Kenntnis des Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen -Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun einem geschickten -Kupferschmied oder noch besser einer Plattieranstalt übergeben. Hier -wird die Platte »gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden -nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung der Schräge -soll ungefähr 45° betragen; je dicker die Platte ist, desto flacher -muß diese Neigung sein, damit die Oberwalze beim Drucken die Platte -leicht anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt, daß das -Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger Platte zerschnitten wird. -Die Ecken können abgerundet werden. Diese Schräge heißt _Facette_, die -Arbeit: das _Facettieren_. Die Bildfläche soll den feinsten Schliff -- -frei von jeder Spur eines Ritzes -- zeigen, vor allzu spiegelglatter -_Polierung_ ist jedoch zu warnen, da eine solche Fläche für das -spätere Arbeiten zuweilen Ursache von Mißlichkeiten werden kann (siehe -Mißerfolge). - -Hat man die Platte in diesem Zustand, so überzeuge man sich durch -vorsichtiges Auflegen derselben auf eine Spiegelscheibe, von ihrer -wirklichen Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und läßt sie -sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben, dann wird dieses -Zurückfallen lautlos, ohne Klappern, erfolgen. Um sie vor dem -Zerkratztwerden zu schützen, lege man in eine flache Schachtel ein -Flanelltuch und auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten. - -Man bekommt fertig hergerichtete Platten in allen gangbaren Formaten in -größeren Mal- und Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese -Beschaffung aber etwas teurer stellen. - - -~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes. - -Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung dieses wichtigen -Materials gibt, will ich dennoch von ihrer Anführung absehen, um -nicht durch verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit -hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein der Wahl zu überlassen, -wenn ein erprobtes Rezept ihm gutes Gelingen gewährleistet! - -Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen: - - 1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten Säuren; - - 2. leichte Schmelzbarkeit; - - 3. festes Haften an der Metallfläche; - - 4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis nicht - zersplittern, sondern ihn nur glatt durchschneiden. - -Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch Asphalt, die zweite -durch Bienenwachs, die dritte durch Mastix, die vierte durch ganz -homogenes Gefüge des Gemisches. Dieses wird nach folgendem Rezept -bereitet: - -weißes Wachs 3 } Mastix 2 } Gewichtsteile. echter _Syrischer_ Asphalt 4 -} - -Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto härter und -wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund, aber auch desto -undurchsichtiger. Deshalb setzt man dort, wo man auf dessen -Durchsichtigkeit Gewicht legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem -Rezept etwa 2 Gewichtsteile.) - -Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich, welche ja nicht zu klein -gewählt werden dürfen. Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute -Dienste. Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde, jedoch hübsch -abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet werden kann. Eine Zange oder ein -feuchtes Tuch liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe. - -Die runden Körnchen des Mastix werden mit dem zerstoßenen Kolophonium -zuerst geschmolzen; erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für -Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit einem Blechlöffel oder -dergl. bewirkt die vollkommene Mischung. Man darf den Topf auch nicht -aus den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem Rauchen das Gemisch -sofort von der Hitze wegrücken. Das Rauchen ist übrigens schon ein -bedenkliches Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame Behandlung -überhaupt vermieden werden. Diese Masse läßt man nun bei etwa 100° -Celsius abseits stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls -klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß. Unter großer Vorsicht -und stetem Umrühren gießt man das Gemisch in einigen Absätzen in den -bereits vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das Ganze bei sehr -mäßiger Hitze noch etwa 5 bis 10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte -Homogenität der Masse ganz sicher erreicht werde. Hierauf gießt man -die flüssige Masse in ein großes Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier -erstarrt sie sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem Wasser -lassen sich diese wie Teig kneten und die Finger fühlen leicht jedes -Knötchen oder Körnchen, welches sich vielleicht noch in der Masse -befindet; alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse entfernt -werden; dann werden aus dem also gereinigten Ätzgrund Walzen oder -Kugeln geformt und erkalten gelassen. - -Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen länglichen Blechbüchsen -aufbewahrt, wie man sie mit diversen Pulvern oder dergl. in den -Geschäften als Verpackung bekommt. - -Man hüte sich die Masse trocken, also außer Wasser zu lange zu kneten, -da sie sonst an der Hand festklebt und diese nur durch energisches -Reiben mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann. - - -~c~) Das Grundieren der Kupferplatte. - -Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist zur Aufnahme des -Ätzgrundes noch nicht geeignet, da sie noch einen Hauch von Fett -besitzt, welcher den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis nicht -zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte Wasser auf, so sehen wir, -daß es wie Quecksilber in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch -ein Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu entfernen, bereiten -wir in einer Schale einen Brei von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton -mit Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch auf der -Platte tüchtig aufgerieben und bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist -dieser Anstrich trocken geworden, so wird er mit einem ganz trockenen, -frischgewaschenen Leinwandlappen von der Platte abgerieben. Die -Schlemmkreide hat alles Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum -Grundieren bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da ihre Unterlassung -später ein Abblättern des Firnisses leicht zur Folge haben könnte. -(Siehe »Über Mißerfolge« Nr. 8, Ursache ~b~). - -[Illustration: Abb. 1. Rost aus starkem Draht ohne Überkreuzungen, -damit die Platte flach darauf liegen kann.] - -Es handelt sich nun darum, den Ätzgrund in feiner Schicht auf die -Platte zu bringen. Man nennt diesen Vorgang das »Aufbringen« des -Ätzgrundes; er wird damit eingeleitet, daß die Platte gleichmäßig und -gelinde über einer Spiritus- oder Gasflamme erhitzt wird. Zum bequemen -Halten der Platte dient eine Beißzange oder eine Feilklobe, welche man -in die Platte festschrauben kann. Gegen das Zerkratzen des Kupfers -schützt eine zwischen den Angriffsstellen angebrachte Einlage von -mehrfach gefaltetem Filtrierpapier oder dickem, weichem Leder. Man kann -sich auch aus sehr starkem Draht einen Rost mit Handhabe machen lassen -(Abb. 1). Die Kupferplatte wird -- Schliff nach oben -- darauf gelegt -und so über die Flamme gehalten. - -Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte zu bewirken, bewege -man sie über der Flamme hin und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers -zu dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt; länger darf -man nicht warten, denn das bald eintretende Farbenspiel von Orange, -Karminrot bis Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung und -ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren Platten erzielt man eine -ausreichende Erhitzung, wenn man sie etwa 5 ~cm~ über den Zylinder -einer brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch auf ein sehr -reines Brett gelegt (Schliffläche oben) und mit der Asphaltmasse erst -vorsichtig am Rande hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja -nicht zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre ein sicheres -Zeichen von Überhitzung! In einem solchen Falle muß ein Sinken der -Hitze abgewartet werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der Masse -über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch nicht zu reichlich, ein -vollkommenes Bestreichen der Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig; -man streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei großen Platten -eventuell noch zwischen ihnen ein paar Striche. Der geschmolzene -Ätzgrund wird nun mit der Grundierwalze (Abb. 2) auf der ganzen Fläche -ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende Haut auf dem Kupfer -in gleichmäßiger Feinheit erscheint. - -[Illustration: Abb. 2. Grundierwalze.] - -Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder von etwa 5 ~cm~ Länge -und 3 ~cm~ Durchmesser, welcher mit dünnem, glattem Leder derart -überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit). Denselben -Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen, doch ist Leder unbedingt -vorzuziehen. Diese Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um ihre -Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei ist darauf zu achten, daß -die Schraubenköpfe ~A~ und ~B~ die Walze daran verhindern müssen, mit -der _Gabel_ in Berührung zu kommen, weil sie sonst stecken bliebe, -wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten tritt. Deshalb muß überhaupt -auch ein genügender Raum beiderseits zwischen Walze und Gabel frei -bleiben. Man erhält Grundierwalzen auch gebrauchsfertig zu kaufen. -(Große Platten erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.) -Ist die Walze neu, so tut man gut daran, sie erst auf irgend einem -heißen Blech mit Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte -zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende Ätzgrund wird nie -davon entfernt, bei kleineren Platten genügt dieser oft allein zum -Grundieren. Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht weggelegt -werden, da sie infolge des noch klebrigen Ätzgrundes überall haften und -Staub und dergl. an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf einen -Gegenstand so, daß die Walze frei in der Luft bleibt. - -[Illustration: Abb. 3. ~ABCD~ Kupferplatte.] - - -~d~) Das Anrauchen. - -Die Platte ist nun bereits vor Einwirkung der Säure geschützt. Der -Metallglanz des Kupfers schimmert jedoch noch durch und würde den -Augen des Radierers beim Arbeiten sehr unangenehm, ja unerträglich -werden. Zur Abhilfe dessen wird die noch warme Platte mittelst einer -Wachsfackel angerußt. Auf das Brett, auf dem sie liegt, wird sie mit -starken Reißnägeln (2 an jeder Ecke) befestigt, jedoch nicht in der -Mitte des Brettes, sondern an einem Ende. (Abb. 3). Das Brett wird nun -derart auf einen Kasten oder auf ein sonstiges hohes Möbelstück gelegt, -daß die Platte nach unten kommt und frei in die Luft ragt; ein schwerer -Gegenstand verhindert das Herunterfallen des Brettes (Abb. 4). Man kann -auch in den Kasten oben einen Haken einschrauben; dann schiebt man das -Brett bei Bedarf einfach darunter, ohne es erst beschweren zu müssen. -Aus drei oder vier Wachsstocksträngen wird nun eine Fackel gedreht und -diese angezündet. Sie beginnt zu rußen und wird unter der Platte in -entsprechender Entfernung hin- und hergeführt wie ein Anstreichpinsel. -Dabei sind folgende Vorsichtsmaßregeln zu treffen: - - 1. Die Luft im Zimmer muß absolut ruhig sein. Zugluft, - Herumgehen anderer Personen in der Nähe der Fackel, - Türenöffnen oder -Schließen ist unbedingt zu vermeiden, weil - man der Rauchsäule dann nicht die gewünschte Richtung geben - kann. - - 2. Nur der Ruß, nicht aber die Flamme darf die Platte berühren. - - 3. An einer Stelle darf nicht lange verweilt werden. - -[Illustration: Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.] - -Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren roten Glanz verliert und -sich schwärzt. Ist dies an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit -vollendet. Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man das Brett mit -der Platte auf den Tisch, so sieht man auf ihr einen braunschwarzen, -matt glänzenden und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten sehr -angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des Anrauchens darf dieser Überzug -nach dem Erkalten nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen, -daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel bringt nämlich den -Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen; der Ruß wird durch den weichen -Firnis in beschränkter Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen lassen -sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen abwischen; das darf -selbstverständlich nur auf gänzlich erkalteter Platte geschehen, da die -Firnisschicht im warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt -irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so heißt es die Platte mit -Terpentin abwaschen, entfetten und mit Grundieren und Rauchen von neuem -beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart bleiben dürfte, da hier -Übung die Hauptsache ist; also nicht den Mut verlieren! - -Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige und dabei -säurefeste Substanz (zum Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das -Anrauchen erspart bleibe. - -Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige Mischung dieser -zwei Stoffe schwer möglich ist. Und wenn auch, -- die Graphitstäubchen -rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn diese Körnchen werden -von der Nadel aus dem Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen -Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver verwendete. Eine -starke Lupe wird den Unterschied der Probestriche auf den beiden -Ätzgründen deutlich zeigen. Übrigens ist auch die Dichtheit des -Überzuges durch solche Beimengungen in Frage gestellt. - -Die vollkommen kalte Platte wird wieder in die früher erwähnte -Schachtel mit Flanellboden gelegt, falls sie nicht gleich in Verwendung -genommen wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund in dünner -Schichte nicht unbegrenzt lange seine Festigkeit gegen Säure bewahrt; -er beginnt unter dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern. -Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst kurz vor der Inangriffnahme -der Arbeit zu grundieren und auch während derselben keine allzugroßen -(wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen. - -Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte, so kann man ihn -dadurch regenerieren, daß man die Platte von unten her gelinde -erhitzt. Dieses neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig -und erspart das neuerliche Grundieren. Daß man diese Prozedur bei -einer bereits angefangenen Arbeit nicht unternehmen darf, ist -selbstverständlich; der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits -radierten Striche wieder schließen. - - - - -3. Das eigentliche Radieren. - - -~a~) Von der Wahl des Motives. - -Für den Anfänger ist es keine leichte Sache, einen geeigneten Stoff für -seine ersten Versuche zu wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage -etwas verweilen. - -Vor allem Andern muß betont werden, daß die Radierung sich auf den -Strich aufbaut; Tonqualitäten können erst bei einiger Übung angestrebt -werden und erfordern schon eine weitergehende Schulung und Erfahrung. -Das Dankbarste für den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei -einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger und ausdrucksvoller -die Formen, je geschlossener die darin vorkommenden Flächen, desto -besser für die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend ans -Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren wollen!« Bald nach den -ersten Strichen würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und dem -Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen. Gewiß hat jeder meiner -lieben Lernbegierigen genug flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen -von selbst geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind recht -dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten und dürften in den -wenigsten Fällen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja -zunächst einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut werden und -beabsichtigen keine Bilder zu schaffen, denen man das mühevolle und -angestrengte Arbeiten schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt -_vieles_ Radieren, Abwechslung in den Vorlagen zur Tüchtigkeit. - - -~b~) Das Aufbringen der Konturen. - -Wenn wir auch nicht daran denken, unsere Kunstweise zu Kopierzwecken -herabzuwürdigen, so geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch -selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in Feder oder Kreide -ist meistens Vorlage für die Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf -den Ätzgrund mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem Bleistift -wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt. Ein Stück weißes, dünnes -Schreibpapier wird auf eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit -weichem Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen; nach -vollendeter Arbeit wird das überschüssige, noch am Papier liegende -Rötelpulver abgestaubt, denn es würde sich beim Aufbringen der -Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar machen. Überdies reibt -man das aufgestrichene Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier. -Die Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln befestigt. -Darüber wird die gepauste Zeichnung, Bildseite nach unten, gelegt, -ihre Lage auf der Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an -_einer_ Seite befestigt, damit man beim Pausen immer nachsehen kann. -Das Rötelpapier wird dann zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite -nach unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage nicht genau -fixiert zu werden. Mit einem mittelharten Bleistift, einem Holz- oder -Beingriffel erfolgt nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund. -Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem Grund sichtbar. - -Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund einen mehr oder weniger -dichten Schleier von Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung -undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit einem sehr weichen -Lappen, einem Stückchen Flanell oder Watte leicht wegwischen, die -Zeichnung hält fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage. - -Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann das Pauspapier -erspart werden. Man zeichnet dann die Konturen auf deren Rückseite -durchs Fenster nach. Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren -Gelatineblättern, kann die Pause hergestellt werden. Hier werden die -Konturen nicht gezeichnet, sondern mit scharfer Radiernadel eingeritzt. -Diese geritzte Zeichnung wird dann mit Rötelpulver eingerieben und -blankgewischt. Sodann legt man sie -- Bildseite nach unten -- auf die -grundierte Platte, legt zähes graphitiertes Papier darauf und reibt mit -dem Beinstab kräftig (Abb. 13), oder läßt Platte mit Pause und Papier -durch die Walzen gehen bei schwach gestellter Spannung. Das Resultat -dieses Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen -Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit. Wer radieren will, muß -eben ein kundiger Zeichner sein, und dem wird das Pausen gewiß keine -Schwierigkeit bereiten. - -Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch außerordentliche -Genauigkeit aus und sind dann notwendig, wenn eine sehr komplizierte -Zeichnung mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie, -Landkarten und dergl.) - -Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die Platte übertragen und zwar -wie folgt: Man stellt das Bild -- ohne viel Detail -- auf glattem -Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her; dabei zeichne man -alles sehr kräftig und präzis, vermeide jede Verschwommenheit und -sehe auf klare Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem Gummi -und etwas Seife reibt man die grundierte Platte ein und beeilt sich, -auf diese noch feuchte Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung -- -Bildseite nach unten -- draufzulegen. Sofort wird damit begonnen, die -Rückseite der Zeichnung mit dem Beinstab (Abb. 13) zu reiben. Dieser -Vorgang liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises Spiegelbild unserer -Vorlage; man kann daran ohne weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei -reiner Linienzeichnung schummert man das Naturpapier vorerst ganz mit -weißer Kreide an und zeichnet mit schwarzer Fettkreide auf diesen -weißlichen Grund. Die Seifen-Gummischicht muß _sehr_ dünn, gleichsam -wie ein Hauch auf der Platte sein. - - -~c~) Die Radiernadeln. - -[Illustration: Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)] - -Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des künstlerischen Teiles -der Radierung ist die Radiernadel. Sie muß aus gutem Stahl und darf -nicht so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken schon -biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste leisten Nähnadeln von -mittlerer Stärke. Sie sind so hart, daß sie eher brechen als sich -biegen und schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein. Zwei -solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere, genügen für den Anfang -vollkommen. Sie werden in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre -Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche Radiernadel hat dann -das Aussehen eines feingespitzten Bleistiftes, dessen Dicke das Heft -auch nicht übertreffen soll. (Abb. 5.) Wichtig ist, daß die Nadel fest -und ohne zu wackeln oder zu »federn« im Holze sitze. Die Brauchbarkeit -der Spitze prüft man, indem man auf einer anderen Kupferplatte (ein -Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren von Nadel und Ätzwasser) -krumme Linien nach allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne -daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe zur Arbeit -brauchbar; im andern Falle muß die Nadel erst durch Wetzen auf glattem -Holz, Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In Fachgeschäften erhält -man Radiernadeln gebrauchsfertig zu kaufen. - - -~d~) Über die Führung der Nadel. - -Für den Anfänger ist es ratsam, bei seinen Erstlingsarbeiten sich -bloß _einer_ Nadel zu bedienen. Diese sei nicht allzu dünn, damit die -Strichführung nicht kleinlich und zaghaft werde. - -Man kann mit der Durchzeichnung der Umrisse beginnen, damit sie nicht -durch Verwischen verloren gehen. Ein leichter Druck der steilgehaltenen -Nadel wird den Ätzgrund sicher bis zur Bloßlegung des Kupfers -durchschneiden; mehr soll auch gar nicht angestrebt werden, also nicht -»_gravieren_« wollen, das Vertiefen der Striche besorgt schon die Säure! - -Man vermeide es, die Hand auf den Ätzgrund zu legen, da sie ihn -erwärmen und verwischen würde. Man lege ein Stück Pauspapier unter die -Hand. - -Von den Konturen geht man dann allmählich zu Strichlagen über. Hier -ist Vorsicht geboten. Die radierte Zeichnung gibt dem Auge des -unerfahrenen Radierers fast gar keine Anhaltspunkte zur Abschätzung der -im angestrebten Bilde beabsichtigten Dunkelheit des Tons. Der Anfänger -ist leicht verleitet, mit allzu großer Kraft in die Schattenpartien -hineinzuarbeiten, aus dem Radieren wird ein Gravieren, die offene -Strichlage geht verloren und mit ihr die Aussicht auf einen guten -Abdruck. - -Nicht umsonst möchte ich mich bei diesem wichtigen Absatz länger -aufhalten, denn hier sind die ersten ernsteren Gefahren zu bestehen, -hier ist die Quelle so manches Mißerfolges zu suchen. - -Der Anfänger bedenke Folgendes: - -Druckfarbe kann nur in einer schmalen Vertiefung sitzen bleiben, von -wo sie mit der Hand oder dem Wischballen nicht herausgewischt werden -kann. Wird also infolge zu dichter und gekreuzter Strichlagen eine -ganze Fläche vom Ätzgrund befreit, so frißt die Säure an dieser Stelle -nicht voneinander getrennte, vertiefte Furchen, sondern eine Grube ein, -der Form der Fläche entsprechend. Der Boden dieser Grube ist aber nicht -fähig, Farbe an sich zu halten, dieselbe wird beim Abziehen der Platte -einfach weggewischt. Ein Abzug von dieser Platte zeigt dann an der -betreffenden Stelle einen schmutzigen, flauen Fleck und die Arbeit ist -verdorben. - -Die Strichlagen müssen also offen gehalten bleiben, d. h. es muß dafür -gesorgt werden, daß zwischen den Strichen auch genügend breit der -Ätzgrund bleibt; denn Erfahrung ist, daß die Säure nicht nur nach der -Tiefe, sondern selbstredend auch seitlich ätzt; die Folge davon ist -ein Breiterwerden des radierten Strichs. Es ist nun einleuchtend, daß -zwei allzu nahestehende Striche auf diese Art ihren »Steg« (das ist -die vom Ätzgrund geschützte Fläche zwischen beiden) verlieren können; -man nennt diese Erscheinung das »Unterfressenwerden« der Stege. Solche -Stellen bilden im Abdrucke unerfreuliche Flecke (sogenannte »Nester«). -Will der Anfänger schon jetzt an besonders zart zu gebenden Stellen -eine feinere Radiernadel neben der stärkeren mit verwenden, so ist -dagegen nichts einzuwenden. Nur darf nicht Zartheit mit Helligkeit -verwechselt werden. Die Zartheit hängt von der Feinheit der Nadel ab, -die Tonverschiedenheiten aber fast ausschließlich von der verschiedenen -tiefen Ätzung. Ein haardünner Strich kann infolge tiefer Ätzung im -Bilde sehr dunkel sein, hingegen aber ein mit grober Nadel erzeugter -infolge _schwacher_ Ätzung ganz hell und duftig kommen. Diese -Wechselbeziehungen zwischen Nadel und Ätzwasser bestimmen den Charakter -des resultierenden Bildes, und schon bei der Anlage der ersten -Strichlagen muß der Radierer sein Endziel klar vor Augen haben, wenn -es ihm mit der Erreichung seiner künstlerischen Endabsicht ernst ist -und er den Erfolg seiner Mühen nicht dem blinden Zufall überlassen will -mit einem leichtsinnigen »Wird’s wie’s wird!« Denn darin liegt ja der -Genuß, die Freude an dieser edlen Technik, daß sie alle künstlerischen -Intellekte vereint; Geschmack in der Form, in der Raumverteilung und -in der Verteilung der Tonqualitäten, diese vereint mit den nun erst zu -erwerbenden technischen Erfahrungen führen dann zur Meisterschaft. - - - - -4. Der Ätzprozeß. - - -~a~) Die Bereitung des Ätzwassers. - -Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von Ätzwässern, doch will ich -auch hier meinem Vorsatz treu bleiben und einfach nur _ein_, allerdings -wohlerprobtes, Rezept anführen, mit dem der Anfänger, wie auch der -Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen wird. - -Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die Salpetersäure. Sie -ist in jeder feineren Drogerie in einwandfreier Reinheit erhältlich -und gewöhnlich 40 -- seltener 42 -- prozentig. Diese konzentrierte -(rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr bereitete Ätzwasser -muß unbedingt in Flaschen mit eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten -Säureflaschen) aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk des -Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind zum bequemen, sicheren -Arbeiten sehr wünschenswert. Eine in Kubikzentimeter eingeteilte -zylindrische Glasmensur dient zu den verschiedenen Messungen, welche -zum richtigen Mischen notwendig sind. - -Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali; zum Lösen beider -dient abgekochtes oder destilliertes kaltes Wasser. Das Ätzwasser -soll nicht mehr als 17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes -Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung mit der -Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll sich bei mittlerer -Zimmertemperatur nach etwa 30 bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen -belegen. - -Recht bequem ist folgender Vorgang: - -In 100 ~cm~³ reinem (destill.) Wasser werden 2 Gramm chlorsaures -Kali vollständig gelöst. In diese Lösung gießt man sehr langsam nach -und nach im ganzen 100 ~cm~³ konzentrierte Säure. Hierbei tritt eine -Erwärmung des Gemisches ein. Nach dessen Erkalten schüttelt man bei -geschlossener Flasche tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige -Mischung erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und sinkt vor der -gänzlichen Lösung darin unter.) Diese Lösung ist jetzt (genau kennt -der Händler den Prozentgehalt seiner Säure meistens nicht, und die -Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht notwendig) _ungefähr_ -20prozentig, also wahrscheinlich zu stark. Wir gießen nun in die -Glasmensur genau 10 ~cm~³ unseres Ätzwassers und heben mittelst eines -Glasröhrchens einen Tropfen Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte -und entfettete Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung zu bald und -zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu stark. Wir gießen nun etwa 1 ~cm~³ -(destill.) Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst die Probe -wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser auf 10 ~cm~³ ergänzen. Eine -zweite Probe auf Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen -der Energie bekunden. Dies setzt man fort, bis die Flüssigkeit in der -Mensur den gewünschten Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach Zugießen -des 3. ~cm~³ erfolgt, so heißt das: 3 ~cm~³ Wasser zu 10 ~cm~³ Lösung -gibt den gewünschten Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen des Ätzwassers -muß noch Wasser zugegossen werden. Hat man nun 200 ~cm~³ Lösung -angesetzt, so bedarf sie noch 60 ~cm~³ Wasser, um den erwünschten Grad -zu erreichen. - -Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert, ist auch angezeigt, wenn -man ein zu schwach geratenes Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu -Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter Säure verstärken -will. - -Statt der Probeplatte kann man sich auch eines blanken Probestreifens -aus Kupferblech bedienen. Man senkt ihn in die mit dem fraglichen -Ätzwasser gefüllte Mensur. - -Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers nicht unumgänglich -notwendig, jedoch als Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit -einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden Wirkung dieser -Substanz sehr angenehm und der Ätzeffekt viel harmonischer ist. -Die Konzentration des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung -erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art berücksichtigt -werden muß. Für besonders tiefe sammetartige Töne erhöhen wir den -Säuregehalt, soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit -des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und duftige Partien bedürfen -hinwiederum eines stark verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß -mit größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt werden, wie -sie bei dünnerem Agens entsprechend verlängert werden muß. - -Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen für Stoffe und dergl. -sehr verderblich werden können, daß die Hände vor Berührung mit -ihr sorgfältig zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges -gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen zu retten sind, -ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen Säure auf ein Tuch, so kann -unverzügliches Übergießen oder reichliches Betupfen mit gesättigter -Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen vor Schaden -bewahren. - - -~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen. - -Es handelt sich nun darum, die radierte Platte für die Ätzung derart -auszurüsten, daß zuverlässig nur die Zeichnung der Wirkung der Säure -ausgesetzt werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber, namentlich -die Rückseite davor geschützt sei. Der Mittel hierzu gibt es einige, -sie seien hier der Vollständigkeit wegen alle behandelt. - -1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern noch heute angewendet, -besteht darin, daß man um die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa -daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert, welcher mit der Platte -zusammen eine Art rechteckiger Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa -10--15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich muß vor dem -Eingießen der Säure die Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale -erst sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden. - -2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man die ganze Platte -(mit Ausnahme des zu ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack -bestreicht. Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden, kann -die Ätzung in einer photographischen Schale aus Porzellan oder Glas -geschehen. - -Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast nur Schattenseiten: Ist -schon das Aufmodellieren des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist -das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen des Ätzwassers -in die Flasche aber trotz einer in die Wachsmasse eingedrückten -Ausflußdille geradezu problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die -Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung mit Nadel und -Pinsel weiter bearbeitet werden soll, daß hierauf abermaliges Ätzen und -abermaliges Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da mit der Nadel -und dem Pinsel vielleicht über den weichen klebrigen Wachsrand hinweg -arbeiten, oder gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen und nach -erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung ihn wieder aufmodellieren? - -Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie nichts einzuwenden. In der -Praxis zeigt sich jedoch, daß der Asphaltlack an den Kanten und -Ecken durch Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst wenn der -Anstrich noch so dick wäre. Auf der Rückseite ist derselbe fortwährend -Beschädigungen infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten -»Schadenätzungen« Anlaß geben. - -Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem Ausweg geführt. Hierzu ist -bloß eine stärkere Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 ~cm~ größer -sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem Falle wäre die Platte -13 × 18; dann müßte die Glastafel 16 × 21 ~cm~ messen. - -Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter jede Ecke ein -erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt und die Platte mittelst dieser -Klümpchen an der Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt, -daß _erstens_ die Klümpchen ganz flach gequetscht werden, _zweitens_, -daß die Kupferplatte in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß -ein 1½ ~cm~ breiter Rand freien Glases um die Platte herumläuft. Mit -einem geeigneten Modellierholz werden nun die Fugen zwischen Kupfer und -Glas mit Ätzwachs _wasserdicht_ verschmiert, damit ja kein Ätzwasser -an die Hinterfläche der Kupferplatte gelangen kann. Das gelingt nur, -wenn Kupfer und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit kann -jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese bis an die Bildgrenze) -mit Asphaltlack bestrichen werden. (Abb. 6.) Eine also ausgerüstete -Platte bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern auch -zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch immer bereit zu sein; ein -Zerstören des Schutzüberzuges an den Kanten ist hier ausgeschlossen. -Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur einer einzigen Ätzung zu -tun, so genügt das unter P. 2 beschriebene Verfahren. - -[Illustration: - - -- . -- . -- . ~Platte~ - ////////////// ~Wasserdichter Wachsrand~ - ~G~ ~Glasrand~ - -Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.] - - -~c~) Die Bereitung von Ätzwachs. - -Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges Quantum schwarzen Ätzgrund -(siehe Bereitung Seite 7) bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs -und Unschlitt hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht mehr ganz -erstarrt, sondern die Konsistenz von Modellierton behält. Ein Zusatz -von Brennöl ist vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht -eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung der Methode mit der -Glastafel braucht man übrigens nicht viel von dieser Masse zu bereiten. -Am besten schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des Ätzwachses, -wenn man es in eine hölzerne oder blecherne Salbendose eingießt und -darin erstarren läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit dem -Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, namentlich im Sommer, gar -zu weich und klebrig sein, so setze man ihm, indem man es wieder -einschmilzt, noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber wieder allein -geschmolzen und dann erst mit der andern Masse gemischt werden. - - -~d~) Die erste Ätzung. - -Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte Platte, Bildseite -nach oben, in eine der Größe entsprechende photographische Schale -aus Glas oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp sein, da -sonst das Herausnehmen der Platte aus dem Ätzbade schwierig ist. Auf -das radierte Bild gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 ~cm~ -hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich entwickelnden -gesundheitsschädigenden Gases soll das Ätzen nicht in einem Wohnraum -vorgenommen werden. Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man ein -offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu. - -Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man bemerken, daß die bis -dahin rotgoldschimmernden Striche der Zeichnung an Glanz verlieren -und weiß werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen hat. -Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung zuerst an den kräftig -radierten Stellen, also meistens in den Schattenpartien. Allmählich -steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien in Bläschen. Bis -zu diesem Zeitpunkt muß die Platte unbedingt im Ätzbade verweilen. -Mit einer Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen von der -Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung von denselben nicht -aufgehalten werde. Hat man eine recht tiefe Schale, so neigt man sie -derart, daß die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn dann -nach einigen Augenblicken die Bläschen von den radierten Strichen -gänzlich verschwunden sind, läßt man durch Wagrechtstellen der Schale -das Ätzwasser wieder über die Platte. Das sich entwickelnde Gas ist -- -eingeatmet -- gesundheitsschädlich; längeres Verweilen mit dem Gesicht -über der Schale ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, die -Schale mit einer größeren Glastafel während der Ätzungen bedeckt zu -halten. - -_J. Roller_ empfiehlt in seinem Buche »_Technik der Radierung_« -(Wien, Hartleben) u. a. das Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da -damit der Ätzprozeß ohne schädliche Gasentwicklung vor sich geht: -10 Gewichtsteile rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser + -2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. Mir kommt jedoch dieses -Ätzwasser ein wenig zu schwach, also langsam wirkend und minder -energisch vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch ist es -wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen. - -Die erste Ätzung kann in 5--10 Minuten beendet sein. Ihre Wirkung soll -für die lichtesten und zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit -einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen hebt man nun die -Platte, bei der Glaskante fassend, empor, nimmt sie vollends heraus -und spült sie sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem großen -Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder sie unter der Wasserleitung -abbraust. _Ausgiebiges Spülen der Platte ist unerläßlich_, da in den -feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure sitzen bleiben und sich -schädlich bemerkbar machen kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt -man durch Andrücken, (_nicht Wischen!_) reiner trockener Leinwand -oder eines Filtrierpapiers. Man kann jetzt an einer minder wichtigen -Stelle, am besten an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund -entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung genügend tief gegriffen hat. -Soll weitergeätzt werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis -wieder sorgfältig gedeckt (siehe Seite 40). Die Striche werden mit sehr -spitziger Nadel nachradiert. - - -~e~) =Abgestuftes Ätzen= (Pinselfirnis.) - -Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle gleich tief. Da nun die -Dunkelheit des Striches im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt, -so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß alle Striche der -Zeichnung im fertigen Druck die gleiche Intensität haben werden. Das -ist aber nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von unsrer Platte, -in ihrem jetzigen Zustand, würde ein eintöniges, flaues und mageres -Aussehen haben, Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten. - -Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine Landschaft mit geschlossen -im Ton wirkenden Laubmassen, Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer -und bewölktem Himmel, so ergeben sich für uns drei Tonwerte: Die -dunkle Laubmasse (und vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der -Mittelton des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit den Flecken -weißen Gemäuers. Die erste Ätzung geschieht wie vorhin beschrieben; -sie muß der Helligkeit des Gewölkes und des Gemäuers angemessen sein. -Zur weiteren Behandlung der _trockenen_ Platte bereiten wir uns -»_Deckfirnis_« auf folgende Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger -Hitze geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz zugesetzt, -daß dieser Firnis in kaltem Zustand nicht mehr stockt, sondern -dickflüssig bleibt. Ein geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt -ein rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke »Pinselfirnis« -oder »Deckfirnis« wird in einem Fläschchen, gut verkorkt, an einem -kühlen Orte in Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine Stockung -eintreten, so stellt man das Fläschchen eine Weile in warmes Wasser. -Der Firnis hält sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei dieser -Gelegenheit kann man auch noch Terpentin unter kräftigem Schütteln -zusetzen. - -Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in ein Porzellanschälchen -und decken mittelst eines elastischen Pinsels (am besten Marder- -oder Fischpinsel) alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr -zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies die Luft und -das lichte Gemäuer. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß der -Firnis auch wirklich in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte -Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden. Nachdem dieser -Pinselfirnis vollkommen getrocknet ist, kommt die Platte zum -zweitenmale in die Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird auch -die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende geführt. Dabei muß der Gang -des Prozesses sorgfältig überwacht werden, damit nicht die auf Seite 27 -schon erwähnten Stege unterfressen werden. Ist der Ätzgrund gut, das -Ätzwasser nicht zu stark und die Zimmertemperatur normal, so wird dies -auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung durch sofortiges -Herausnehmen der Platte und Spülen derselben im Wasser zu unterbrechen. - -Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte gespült und getrocknet -und die weitere Abdeckung mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der -dritten Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten der Säure -ausgesetzt und sind somit am tiefsten geätzt. Es versteht sich von -selbst, daß die Zahl der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers -anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß _nicht_ hinausgehen -wird, ist einleuchtend, denn Kontrastwirkungen gehören eben zu den -dankbarsten Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht. -Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum Wohle seiner Arbeit, -nicht über drei Teilätzungen versteigen. - -Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung beim Abdecken Striche mit -Firnis gedeckt, welche noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach -dem Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert; sie sind, da sie -infolge der früheren Ätzung schon vertieft sind, unter dem Firnis ganz -gut sichtbar. Auch fehlerhafte Striche (welche vor der _ersten_ Ätzung -schon richtig gestellt werden müssen) deckt man mit Pinselfirnis, -ebenso alle Verletzungen, welche während des Arbeitens im Firnis -entstanden sind, sowie die freigelegten Probestellen. - -[Illustration: »Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden, damit der Firnis sich auf -der Platte nicht in unerwünschter Weise ausbreite und Striche verdecke, -die weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der Pinsel mit Terpentin -oder Seife gründlich gereinigt. - - -~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme. - -Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll sich der Radierer eine klare -Disposition für den Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er -seine Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition ist -hauptsächlich abhängig und bestimmt von der beabsichtigten Bildwirkung. -Diese verlangt oft nach einem dem Gegenstande eigens angepaßten -Arbeitsprogramm, nach welchem allein oft den verschiedentlichen -technischen Schwierigkeiten beizukommen ist. - -Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum, dessen dunkle Silhouette -sich in zerrissenen Konturen von lichtem Hintergrunde abhebt. - -Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung das Decken mit -Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken erfordern! In allen solchen -Fällen wird man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar drei -Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt wird. Die Aufmachung -der Platte auf der Glastafel gestaltet ein solches Abwechseln von -Radier- und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen Partien des -Vordergrundes werden zuerst radiert und gleich tief -- jedoch mit -Rücksichtnahme auf die noch folgenden Ätzungen -- geätzt. Über die -geätzten Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt darüber -gegangen werden, da solche Striche den ohnehin tiefen Ton der früher -geätzten Flächen nicht verändern. - -Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel aufgemacht ist, genügt -eine Unterlage aus Pauspapier für die Hand nicht mehr, weil das Papier -an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen uns deshalb ein Bänkchen -aus einem Holzbrettchen und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die -Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so dick sein, daß der -Ätzgrund vom darüberliegenden Brettchen _nicht_ berührt wird. Glasdicke -+ Plattendicke + etwa 3 ~mm~ ergibt die Höhe der Füßchen. Das Bänkchen -muß auch genügend lang sein, damit man es in beliebigen Lagen über -der Platte verwenden kann. Auch muß das Brettchen so stark sein, daß -es nicht vom Gewicht der Hand auf den Ätzgrund niedergedrückt werde. -(Abb. 7.) - -Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und geätzt werden; -dann muß aber zwecks weiterer Arbeit die Platte neu grundiert -werden. Auf dem neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so -komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten. Diese kann -selbstverständlich für sich wieder in Teilätzungen behandelt werden, -nur ist in diesem Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach der -ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte Aufmachen auf die -Glastafel lästig und gestaltet den Gang der Arbeit etwas schleppend. - -Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist, bietet diese Technik eine -Fülle der Mannigfaltigkeit in der Behandlung, wie sie kaum eine andere -aufzuweisen hat. Deshalb auch wird sie immer mehr der treue Spiegel -der Persönlichkeit des Radierers, denn bei solcher Mannigfaltigkeit der -Ausdrucksmittel ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise in immer -neuer Art aus der Hand des Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt. - -[Illustration: Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.] - - -~g~) Das Reinigen der Platte. - -Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich gespült, getrocknet, -und mit dem Modellierholz langsam und vorsichtig von der Glastafel -abgehoben, dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen, denn -das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel zur Folge. Das -Ätzwachs wird, soweit es angeht, abgenommen und in die Vorratdose -zurückgestrichen. Die Platte selbst wird, auf einem Brette liegend, -mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit. Hierzu eignet sich ein Bausch -von Zeitungspapier. Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die -Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem ganz reinen Lappen -(am besten aus Leinwand oder Baumwolle) solange gescheuert, bis die -letzte Spur von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint. Solange der -weiße Lappen sich noch schwärzt, muß gescheuert werden. Ein Zeichen der -gründlich erfolgten Reinigung ist es, wenn die radierten Striche in -hellrotem Kupferglanz schimmern. - -Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs nicht zu entfernen; eine -zweite Glastafel, darübergelegt, schützt das Wachs vor Staub und uns -selbst vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen sich in -einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz bequem aufbewahren. - - - - -5. Das Abdrucken von der Platte. - - -~a~) Über die Bedeutung des Handabdruckes. - -Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger -dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte -Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der -Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht -an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter -Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst -unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen -Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt -der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen -Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger -reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so -viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren -Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und -beherrschen lernt. - -Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das -geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen: _Wir -dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen -mittelst Walzenpresse gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung -führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse -hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind._ (Siehe -sämtliche Kunstbeilagen.) - -Unsre erste Sorge richtet sich auf - - -~b~) Das Druckpapier. - -Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein. - -Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen; -um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es -auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie -»Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre -Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet. -Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr -licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik -Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch -»Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes -Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von -Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten -Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht. - -Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der -Kupferplatte entspricht. Es soll um ein _Beträchtliches_ größer sein -als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand. - -Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem -Wasser liegen.[3] Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht -aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben -könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und -wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann -überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto -länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere -badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man -mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier, -dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei -Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen _mehrere_ Filtrierblätter ab. -Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig -gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig -verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und -beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart -und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten, -welches ein wenig _kleiner_ als die Kupferplatte sein muß. Dann -werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das -Japanpapier kommt sodann in _trockenem_ Zustand zwischen die feuchten -Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier; -sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern. - - [3] Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein. - -Bretter aus Holz dürfen zum Pressen _nicht_ verwendet werden, weil -sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man -zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech -überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den -zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten. - -Am andern Tage ist das Papier meist schon zum Drucken geeignet. Es muß -seine matte, _glanzlose_ Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und -zur Verwendung noch nicht tauglich. In einem solchen Falle lege man -trockene Filtrierblätter ein. - -Das Papier verliert nur sehr langsam von seiner Feuchtigkeit unter der -Presse; eventuell können beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier -mit dem Schwamm nachgefeuchtet werden. - - -~c~) Die Druckfarbe. - -Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen Firnisfarbe, der sogenannten -»Kupferdruckfarbe«. Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht -allzuschwierig und stellt sich recht billig. Es führt sie nicht jede -Farbenhandlung -- in kleineren Städten wird sie überhaupt nicht zu -haben sein; deshalb halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung -hier einzugehen: - -Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich eine spezielle Farbe zu -nennen) Kasslerbraun, ein Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und -Kupferdruckfirnis mittelst eines Spachtels zu einem Teig verarbeitet. -Das Verreiben geschieht mittelst eines Stein- oder Glasläufers, bis der -Brei recht glatt ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa -die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt und neuerdings -innig verrieben. Die Farbe darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß -die Konsistenz einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls verreibt -man noch etwas trockenes Farbenpulver bis zur gewünschten Festigkeit. -Bei dieser Gelegenheit kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz -(Pulverfarbe) zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz dem vielleicht -allzurötlichen Braun vorzieht. - -Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den Zweck, das Haften der -Ölfarbe am feuchten Papier zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe -beim Einschwärzen nicht zäh über die Kupferplatte, sondern läßt sich -von den blanken Stellen glatt wegwischen, während sie die Striche -füllt. Die Druckfarbe ist, wie der Fachausdruck lautet: »streng« -oder »kurz«. Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine -Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem Deckel eingefüllt. -Kupferdruckfarbe ist in Tuben oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und -wird in Geschäften für Malerrequisiten geführt. - - -~d~) Das Einschwärzen der Platte. - -[Illustration: Abb. 8. Der Druckballen (der untere Teil im -Längsschnitt.)] - -Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas angewärmt und auf -ein Brett gelegt. Mit einem schmalen Spachtel nimmt man etwas -Kupferdruckfarbe auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird sie mit -dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. Auf der Bildfläche der -Kupferplatte verreibt man ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit -dem Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung weiterschiebt und -dabei auch tüchtig niederdrückt, bis die ganze Platte schwarz ist. -Einen solchen Ballen stellt man sich auf folgende Weise her: - -Auf einer kreisförmigen, dicken Holzscheibe (Durchmesser etwa 8 ~cm~) -wird im Mittelpunkte ein zylindrisches Holzstück, (eine lange Spule -oder dergl.) befestigt; dann wird ein Säckchen mit Wolle gefüllt und -so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung auf das Holz -zu liegen kommt, während die andere Seite des Säckchens eine pralle -Halbkugelfläche bildet. Über das Säckchen und die Scheibe spannt man -nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, schwarzes Chevreauxleder -(Glanzseite außen) und bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in -vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. Den Durchschnitt dieses -Druckballens zeigt Abb. 8, die Anwendung Abb. 9. - -[Illustration: Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)] - -Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen werden, damit -die Farbe alle Furchen auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht, -dann wird die Platte unter leichtem Druck mit einem trockenen Lappen -blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke eignen sich am besten dazu; -sehr brauchbar sind die Reste von alten Spitzenvorhängen. Besonders -reine Drucke erzielt man, wenn man nach erfolgtem Blankwischen den -Handballen in Schlemmkreide taucht und die Platte damit noch sehr -sanft überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, so wird dieses -Abwischen meist zu viel Farbe von der Platte wegnehmen. Es müßte dann -umso kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um den Erfolg zu -erzielen, den der gewaltige Druck der Stahlwalzen bringt. Da ist es -besser, die Farbe von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten -Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in ähnlicher Weise wie -man Paletten reinigt (Abb. 10). Die Schneide muß ganz gerade und an -den Ecken abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht steil gehalten -werden! Jeder Zug geschieht mit erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt -diese Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das schwarze Bild -vollends klar sichtbar ist. - -[Illustration: Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.] - -(Nicht für Anfänger!) - - -~e~) Der Abdruck. - -Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem sauberen Lappen an -den Kanten bis scharf an die Bildränder geputzt, um die letzte -Spur von Farbe davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker -Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte (Bildseite nach -oben!) Das gefeuchtete Druckpapier wird vorerst mit einer milden -Borstenbürste auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung -wird die Papierfläche für die Druckfarbe empfänglicher. Das Papier -wird dann mit der gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit -Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte gelegt, indem -man es an zwei diagonalliegenden Ecken anfaßt und langsam niedersenkt. -Man faßt das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen mit zwei aus -dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten Blättchen an, damit es von -den Fingern nicht durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze -beschmutzt werde. Vorher schon wurde ein Rahmen aus starker -Pappe geschnitten, in den die Platte _locker_ hineinpaßt, dessen -ausgeschnittene Rechteckseiten also um 2 ~mm~ größer sind als die -Plattenkanten. Der Rand des Rahmens muß sehr breit sein; er soll das -Druckpapier ganz verdecken. (Abb. 11). - -[Illustration: - - ~ABCD~ ~Rahmenausschnitt u. Plattengrösse~ - //////// ~Spannrahmen~ - -- -- -- ~Druckpapier~ - -Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.] - -Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres -von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt -wird. (Abb. 12). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar -aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten -Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte. -Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher -die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat. - -[Illustration: - - ~A~ - ~B~ = ~Arbeitsbrett~ - ########### ~Druckplatte~ - -- -- -- -- ~Druckpapier~ - ~R~________ ~Reibpapier~ - /////////// ~Spannrahmen~ - -Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)] - -Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck, von 2 ~cm~ : 1 ~cm~ -Seitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet, -damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im -Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz -denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein. - -Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach -an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer -Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens -derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben -muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in -die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigt -Abb. 13. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der -Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen -weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts -nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel -dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend -verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier -nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die -Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert -auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch -ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo -nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle -Teile des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier -erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim -Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch -Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen -muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte -der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres -mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn -man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht. - -[Illustration: Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.] - -Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite -gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest an -der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in -die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte -streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon -der beste sein, aber das, _was_ erreicht wurde, wird, so mangelhaft es -auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen -aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen -beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des -Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht -zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu -dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig, -oder zu kräftig --?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten -wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier -heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von -fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist -- -wer möcht’ es leugnen?! - -[Illustration: »Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold - -Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges] - -Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und -zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die -Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine -kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann -leicht und ohne zu reißen abheben. - - -~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege. - -Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich -lediglich auf ein Arbeiten im stillen Kämmerlein, und wenn auch die -Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht -werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht -nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren -Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage -von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für -Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse. Abb. 14. Das -Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen -des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen -besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die -Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem -Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine -dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke -Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für -verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird -von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4] - - [4] Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem - Holze hergestellten Walzen. - -Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte, -die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit -dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr -nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer -Spannung der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere -Tischblatt nimmt dasselbe auf. - -[Illustration: - - ================== ~A~ ~Auflagetuch~ - ~D~ -- -- -- -- -- ~D~ ~Druckpapier~ - ###################### ~Druckplatte~ - ~L~ |============| ~B~ ~Auflagebrett~ - ~T~_1 ---- ~T~_2 ~Tischblätter~ - -Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.] - -Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung -in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können -wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen -Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird, -kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man -erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit -dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker -gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt -sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton, -der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird. - -Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den -Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen beseelen soll. Darum lernen wir -ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der -Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische -Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln -und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner -bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn -wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte -überdies zu »_bemalen_«, bevor wir sie abdrucken? - -Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte blankgewischt, damit, -Druckfarbe als mehr oder minder tiefen Farbenton auf die Platte zu -bringen. Dort wo das technische Können oder die Geduld des Radierers -versagt, muß der Drucker nachhelfen und Töne auf die Platte bringen --- womöglich noch in verschiedenen Farben -- um über die Kargheit, -über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. Das ist Verwilderung -des Stiles, die sich in letzter Zeit namentlich auf dem Gebiete der -Radierung breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien verblüffen -will. Ein Auge, das im Genießen von Radierungen geschult ist, wird auf -den ersten Blick diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse -einer reinen Technik zu unterscheiden wissen. - -[Illustration: »Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois -L. Seibold] - -Zum Technischen muß noch erwähnt werden, daß die Zahl der möglichen -Abdrücke von einer Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist. -200 Abdrücke wird gewiß jede Platte zu liefern im stande sein. -Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 bis 400 von noch gutem -Ansehen. Die Ätzung schleift sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen -langsam ab und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien und das -Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge. - -Ein »Aufätzen«[5] der Platte bringt nicht selten eine Störung der -harmonischen Tonwirkung mit sich. - - [5] d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte. - -Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst der galvanischen -Verstählung der Platte hinweg. - -Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf das Kupfer -niedergeschlagenem Eisen schützt die Platte vor allzufrüher Abnützung -und gestattet eine Auflage von etwa 2000 Abdrücken. - -Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf galvanoplastischem Wege -ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung der Auflage von Radierungen; -bei dem heutigen Stande der galvanoplastischen Technik sind solche -Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe. - -In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden sein, in geradezu -fabrikmäßiger Weise vervielfältigt zu werden. Ich möchte sogar meinen, -daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein wenig heruntergedrückt -wird, denn es wird sich nie vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie -der Auflage Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern fehlen. Die -intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, die jeder einzelne -Abzug verlangt, ist nicht gut vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist -der Holzschnitt, die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze. - - - - -6. Retouche-Arbeiten. - - -Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin gebracht haben, einen in -allen Strichen scharfen Abdruck zu erzielen, haben wir Gelegenheit, -uns von dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich -wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität der einzelnen -Flächen zu richten haben: Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu -seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen Striche zu -scharf hervor; hier wieder hat eine Ätzung vielleicht noch gar nicht -gegriffen, und die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist -dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff genug zum Nachdenken, -teils über die Ursachen, teils über die Art einer allfälligen Abhilfe. -Ohne Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in zwei große -Gruppen teilen können: »Entweder es wurde zu tief oder zu wenig geätzt.« - -Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine Art Nachradieren, indem -wir die Platte von neuem mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe -von der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen mit siedendem -Wasser (besser noch Sodalösung oder Ätzlauge) gereinigt werden. Das -Grundieren ist jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte. Es -muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf der erhitzten Platte in -alle Ritzen eindringe, sonst würde an solch’ mangelhaft grundierten -Stellen die Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb erhitze -man die Platte von unten her ein wenig, damit der Ätzgrund schmilzt -und in die Striche vollends einsinken kann. _Geraucht_ wird die Platte -nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß. Solche Platten -grundiert man am besten mittelst des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie -folgt hergestellt: Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann abseits -vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt, daß das Gemisch im -kalten Zustand leichtflüssig bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem -Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange kräftig geschüttelt. -Zum Auftragen dieses Firnisses dient ein breiter flacher Haarpinsel. -Nach dem Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten etwas, damit der -Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle. Dieser Ätzgrund kann auch auf der -blanken, neuen Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig -wie der gewalzte und erspart das Anrauchen. Aufgetragen wird er immer -auf der kalten Platte; bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben -verschwindet jede allfällige, durch schlechte Pinselführung entstandene -Streifung des Aufstriches. - -Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf aufmerksam gemacht -werden, daß sie mit allem künstlerischen Takt und zielbewußt -vorgenommen werden muß. Oft genügt das Herausholen einer brillanten -Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende Tonmassen mit einer -verbindenden Strichlage zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja -nur ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere Abdrücke -hergestellt, so kann man mittelst Feder oder schwarzen Stifts an ihnen -versuchsweise eine oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst -wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte Drucke geben dann -wieder Vorlagen für die weitere Behandlung der Platte ab. - -[Illustration: Abb. 15. Schneidefeder.] - -Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen Radiernadel ist es -oft schwer, die Richtung der beabsichtigten Striche beizubehalten, -weil sie von den geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte, -Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu diesem Zweck die -Anwendung der sogenannten »photographischen Beschneidefeder«, welche -in allen photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat die -Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und wird in einem Federstiele -steckend in einfachster Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie -die Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen, dessen -Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche wieder in eine Spitze -auslaufen. (Abb. 15). Die aus sehr hartem Stahl bestehende Feder -erzeugt, steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht nur -den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden, eine Eigenschaft, die, -wenn es sich um saftige Tiefen handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist -noch, daß die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt, in der -Ebene des Schildchens liegen muß, da die Feder sonst nicht schneidet, -sondern kratzt. - -Ist das Nachradieren vollendet, so wird die Ätzung wieder in der -bereits beschriebenen Weise durchgeführt. Um den Fortschritt der -Arbeit auf der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich von -jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl reiner Abzüge zu nehmen -und sie eventuell mit bezüglichen Notizen versehen in einer Mappe -aufzubewahren. Eine solche Sammlung von Abdrücken, in der auch nicht -die am ärgsten mißlungene Platte fehlen darf, hat soviel Lehrreiches -für den Radierer, sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang -bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein ernstes, zielbewußtes -Streben zur Meisterschaft gelangt. - -Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann, wenn zu tief geätzt -wurde, wenn also Stellen, welche duftig beabsichtigt waren, im Abzug -zu derb, zu kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses Mißgeschick -meistens, wenn er, die Wirkung des Ätzwassers unterschätzend, lichte -und zarte Partien zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht -dadurch gut machen, daß man die benachbarten dunklen Stellen durch -Nachradieren und Nachätzen verstärkt und somit den Kontrast zu heben -sucht, dann muß die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden. -Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft sich einen solchen -von außerordentlicher Härte, indem man eine prismatische Feile mit -dreieckigem Querschnitt einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag -übergibt, die Flächen am vorderen Ende in sanfter Schwingung derart -zu schleifen, daß sie mit den drei Kanten zusammen in eine Spitze -auslaufen. Kanten und Spitze müssen abgerundet und das Instrument in -seinem geschwungenen Teile noch überdies feinst poliert werden. - -Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen Stellen auspoliert. -Durch den Druck des Polierstahles werden die Stege zwischen den -Furchen geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge der -Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann im Abdruck dünner und -duftiger, weil die scharfen Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich -gehalten, jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des Polierstahles ist -umso energischer, je steiler man eine seiner Kanten über die Platte -führt. Zum Schluß soll jedoch immer mit der _Fläche_ des Werkzeugs -poliert werden, um etwaige feine Streifen, welche während des Arbeitens -entstanden sein mögen, auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren, -den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten. Außer Gebrauch muß der -Polierstahl vor Feuchtigkeit sorgfältigst bewahrt werden; vor allen -Verletzungen ist das polierte Ende in einer Scheide aus dickem Leder -geschützt. - -Sollten beim Polieren auf der Platte graue Streifen entstanden sein, -so putzt man mit etwas Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem -man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten Lappen reibt und -trocken nachwischt. Nach einer solchen Behandlung muß die Bildfläche -mit Terpentin noch gründlich gereinigt werden. - -Nach allen derartigen Prozeduren holen wir uns durch Abdrücke Auskunft -über das Gelingen des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen durch -den interessanten Vergleich der im Bilde deutlich wiedergegebenen -Plattenzustände. - -Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja schließlich zu dem einen -Ziele führen: unsre Erfahrung und Technik derart vervollkommnet zu -haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit _auf einen Wurf_ zu Ende zu -führen. - - - - -7. Über Mißerfolge. - - -Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut der Technik gelten; -ich fühle mich daher auch bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes -Ganzes zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis -abzuschließen, da es ja einen Führer durch all’ die Fährlichkeiten -bilden soll, welche dem Anfänger in den Weg treten. Zur leichten -Orientierung finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate in -chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich eben in den -einzelnen Arbeitsphasen einstellen. - -[Illustration: »Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - - -Beim Grundieren. - - 1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, welche trotz - wiederholter Behandlung mit der Walze nicht verschwinden - wollen. - - Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden auf zu heißer - Platte aufgetragen, der Firnis ist an diesen Stellen - verbrannt. - - Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und neuerliches - Grundieren bei gelinder Hitze. - - 2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt sich beim Drehen - schwer los und läßt den Ätzgrund mit rauher Oberfläche - zurück. - - Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr heiß genug. - - Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst Gas- oder - Spirituslampe. - - 3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte trotz sanften - Abwischens mit Watte eine schmutziggraue statt der - tiefbraunen, matten Oberfläche. - - Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen die Platte - gestreift oder ist dem Firnis mindestens zu nahe gekommen. - - Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches - Grundieren und Rauchen. - - -Beim Radieren. - - 4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, namentlich an - den Rändern. - - Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur - überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt im Ätzgrund. - - Abhilfe: - - ~a~) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, Anwendung des - Handbänkchens. - - ~b~) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt und Ätzgrund wieder - jeden einzeln schmelzen und dann mischen und kneten.) - - 5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter der Nadel. - - Ursache: - - ~a~) Zuviel Asphalt im Ätzgrund; - - ~b~) Platte war nicht gut entfettet; - - ~c~) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht homogen gemischt. - - ~d~) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine zu heiße Platte oder - beim Anrauchen verbrannt (siehe bei 3). - - Abhilfe: - - für ~a~) Zusatz von Wachs und Mastix; - - für ~b~) Selbstverständlich; - - für ~c~) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix - zusetzen; - - für ~d~) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes auf der - ganzen Bildfläche verbreitet, dann muß dieser entfernt - und die Platte neuerlich grundiert und geraucht werden. - Handelt es sich jedoch um einzelne Stellen, so kann man - die schlechten Partien mit einem kantig geschliffenen - Beinstäbchen wegschaben und die offenen Stellen mit - Deckfirnis wieder schließen. - - -Beim Ätzen. - - 6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt bei allzuhoher - Glätte der Platte vor). - - Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und oft - gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht bei zu großer - Kälte (im Winter). - - Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem gemischt - oder reine Säure zugegossen (siehe Seite 29.) - - 7. _Heftiges Aufschäumen_ der Platte hat zur - - Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur desselben. - - Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser oder mit - Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. Die Arbeit kann durch - unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch gerettet - werden. - - 8. _Abblättern des Ätzgrundes_ (Begleiterscheinung des in 7. - Angeführten). - - Ursache: - - ~a~) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit; - - ~b~) Mangelhafte Entfettung der Platte, so daß die Säure - zwischen Firnisschicht und Platte eindringen und den - schützenden Firnis infolge Bläschenbildung sprengen und zum - Abschwimmen bringen kann. - - ~c~) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen). - - Abhilfe: - - für ~a~) (siehe in 7.) - - für ~b~) Gründliches Entfetten der Platte (siehe Seite 11). - - für ~c~) Auch hier läßt sich die Arbeit durch unverzügliches - Zugießen von reinem Wasser noch retten, vorausgesetzt, daß - das Abblättern nicht schon zu arg geworden. - - -Beim Drucken. - - 9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens mit dem - Beinstab nicht auf’s Papier. - - Ursache: - - ~a~) Das Papier ist zu trocken; - - ~b~) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife beigemischt; - - ~c~) Das Papier eignet sich überhaupt nicht zum Kupferdruck; es - saugt nicht. - - Ist kräftig genug gerieben worden, so muß sich am Papier, wenn - es auch weiß geblieben, deutlich das Strichrelief des - Bildes zeigen (Untersuchung mit der Lupe). - - Abhilfe: - - für ~a~) Einige Blätter Filtrierpapier werden frisch gefeuchtet - zwischen den Vorrat eingelegt; einen Tag später werden die - Druckversuche wieder aufgenommen; - - für ~b~) Einarbeiten von Schmierseife in die vorrätige - Druckfarbe; - - für ~c~) Selbstverständlich. - - 10. Der Druck zerfließt und wird klecksig. - - Ursache: Zu nasses Druckpapier. - - Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen - aussetzen, bis das Papier unter der Presse etwas trockener - geworden. Oder Einlegen von trockenem Filtrierpapier in den - gefeuchteten Vorrat. - - 11. An _flauen Flecken_ und blinden Stellen, deren Ursachen - auf S. 26, Z. 9 von oben, erläutert wurden, ist nicht der - Abdruck, sondern das Radieren und Ätzen schuld. Eine - - Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht oder doch - nicht mit befriedigendem Erfolg geschaffen werden. Für - den Anfänger ist hier Abschleifen der Platte und Beginnen - einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur soll nicht vergessen - werden, sich vorher noch einige scharfe reine Abzüge von - der verdorbenen Platte zu nehmen, um solche Drucke als - Anhaltspunkte für das weitere Arbeiten bereit zu haben. - -Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß genommen, über das -Abschleifen der Platte im folgenden Abschnitt eingehend zu sprechen. - - - - -8. Abschleifen der Platte. - - -Die erste Bearbeitung der Platte muß energisch eingeleitet werden, -soll die ganze Prozedur nicht allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Bei -kleineren Platten ist es am besten, wenn man die ganze Arbeit mit -einer breiten Schlichtfeile von mittelfeinem Hieb abfeilt; das geht -sehr rasch und schadet der Platte bei geschickter Hantierung nicht. -Die Länge der Feile muß die Platte beträchtlich überragen, damit man -sie bequem handhaben kann. Bei richtiger Führung der Feile ist eine -vom Feilenhieb herrührende Riefung der Oberfläche des Kupfers nicht -zu befürchten. Ätzungen auf größeren Platten würden zum Ausfeilen -sehr langer Feilen bedürfen; hier arbeitet man besser mit dem -Schabeisen. Man beschafft es sich, indem man wieder eine Dreikantfeile -(siehe Seite 67) kauft und sie in der schon beschriebenen Weise vom -Messerschmied schleifen läßt, jedoch nicht wie beim Polierstahl mit -abgerundeten, sondern mit scharfen Kanten. Hohlschliff ist nicht -notwendig, ebensowenig ein Polieren des Werkzeuges. Mit den Kanten -dieses Instrumentes wird die Ätzung ausgeschabt, jedoch darf nicht -vergessen werden, große glatte Stellen (z. B. die Luft und dergl.) -auch zu bearbeiten, da sonst die Platte ungleich dick aus der Arbeit -hervorgehen würde. Ist die letzte Spur der Striche von der Platte -verschwunden, so wird die Arbeit des Schleifens mit Blaustein[6] -begonnen. Es ist dies ein in jeder Werkzeughandlung erhältlicher -Stein von prismatischer Form, die eine Fläche, mit der man arbeitet, -muß absolut eben sein. Neue Steine erfüllen diese Forderung meist -nicht, sie müssen erst auf einer anderen, harten Fläche ausgearbeitet -werden. Beabsichtigt man im Anfang eine energischere Wirkung, so kann -der Blaustein erst mit feinem Bimssteinpulver angewendet werden. -Schleift man die Kupferplatte jedoch mit Bimsstein vor, so ist die -separate Anschaffung von Bimssteinpulver überflüssig. Das Schleifen -mit Bimsstein und Blaustein geschieht auf einem starken Brett -mit reichlichem Zuguß von Wasser parallel den Kanten der Platte. -Schließlich kommt der Blaustein allein zur Anwendung und die Glätte -kann bis zu einem recht hohen Grade getrieben werden; dabei muß die -Platte fleißig gespült werden, damit man das gänzliche Verschwinden -sämtlicher Ritzen und Kratzer sicher beobachten kann. Der Blaustein -wird seiner Längsachse parallel über die Platte geführt und zwar mit -einer seiner beiden Breitseiten. Schließlich wird die Platte endgültig -gespült und abgetrocknet. - - [6] Am schnellsten geht diese Arbeit mit einem prismatischen - Karborundstein von statten. - -Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun dieselbe -- im rechten -Winkel zur letzten Schliffrichtung -- mit einer Bürste aus feinem -Stahldraht (erhältlich in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. (Abb. 16). - -Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet werden. Die Glätte der -Platte steigert sich nun zusehends und kann durch die Anwendung des -flachgehaltenen Polierstahles noch gehoben werden; er wird in einer zu -sich stets parallelbleibenden, eventuell einer zweiten dazu senkrechten -Richtung über die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst -dichte Strichlage. - -[Illustration: Abb. 16. Stahldrahtbürste.] - -Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem man die Platte -mittelst eines mit Filz überspannten Brettchens, einer sogenannten -Filzfeile, unter Anwendung von Globuspasta[7] poliert. - - [7] In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus Öl mit - Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver. - -Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf aber behufs Aufbringen -des Ätzgrundes noch einer auf Seite 11 beschriebenen gründlichen -Entfettung. - -Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit nicht verrichten kann, -der lasse seine Kupferplatte bei einem Messerschmied oder in einer -Plattier-Anstalt blank schleifen. - - - - -9. Strich und Ton. - - -So sehr auch zugegeben werden muß, daß unsere Technik in ihrer -bisher beschriebenen Ausübung geeignet erscheint, dem Künstler ein -Ausdrucksmittel zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes vor dem -Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich heute nicht mehr die -Nadel allein das ganze Rüstzeug des Radierers. - -Freilich, der Anfänger wird mit verdienter Freude seine Fortschritte -mit der Nadel begrüßen und es wäre falsch, wollte man behaupten, daß -der Nadel allein höhere künstlerische Wirkungen und der Ausdruck der -Stimmungen versagt seien. - -Schon der Anfänger, wenn er das erste Herzklopfen überstanden hat, wird -mit seiner Nadel einer beabsichtigten Wirkung beizukommen suchen, indem -er ihre Handhabung solange verändert, bis ihre Wirkung seinem Empfinden -entspricht, und darin liegt schon soviel Persönlichkeit! Bald führt er -die Nadel, namentlich die Beschneidfeder, nach Art der kalten Nadel -Furchen schneidend über die Fläche, bald läßt er sie, steilgehalten, in -Punktreihen, statt in kontinuierlichem Strich über das Kupfer springen. -Hierin hat er schon ein Mittel in der Hand, in Ton zu arbeiten, denn -eine gekreuzte Strichlage wird bei springend geführter Nadel nicht -störend empfunden. Und Ton ist ja das Endziel jedes malerisch, also -farbig Empfindenden. - -Denn wenn auch -- technisch -- eine Arbeit mit der Nadel rein in -Konturen denkbar ist, die Ziele der Radierung liegen doch fernab von -trockenem Zeichnen in Umrissen und magerem Schatten in Strichlagen. - -Wenn der Anfänger die ersten Beweise steigenden Könnens begrüßt hat, -empfindet er in der Ausdrucksweise eine Lücke, die auszufüllen ihn -verlangt. Zahllos schier sind die Mittel, die uns zu Gebote stehen, -die Kupferfläche derart zu bearbeiten, daß uns der Abdruck nicht als -Skelett der Zeichnung allein, sondern den verbindenden Ton grauer -Flächen bringt. - -In den Tiefen zuerst verlangt es uns nach sammetartig homogenem Ton. -So dicht auch die Strichlage hier gehalten werden kann, immer und -namentlich bei Flächen größerer Ausdehnung entsprechen den notwendigen -Stegen, die die Striche trennen müssen, im Abdrucke lichten Stellen, -die sogenannten Flammen, die oft recht störend wirken können. Bei -Flächen von schmälerer Gestalt hilft man sich bisweilen mit der -»springenden Nadel«, wenn man diese mit tüchtigem Nachdruck führt. -Auch die Schneidefeder leistet vorzügliche Dienste. Größere Flächen -werden mittelst Beizemitteln getont. Zu solchen Beizemitteln zählt -die Schwefelmilch, ein lichtgelbes feines Mehl, welches jede Drogerie -vorrätig hat. Dieses Mehl wird mit Öl zu einem Brei verrieben und -auf die zu tonende Fläche aufgetragen. Das Auftragen kann mit einem -Haarpinsel erfolgen; rascher und intensiver zeigt sich die Wirkung, -wenn man, mit sorgfältiger Achtnahme auf die Begrenzung der zu -tonenden Fläche, den Brei mit einem Leinwandfleckchen, welches um den -Zeigefinger gespannt ist, auf der betreffenden Stelle verreibt. Bei -Flächen von bestimmter Begrenzung arbeitet man am besten mit einem -Papierwischer (Kreidewischer). Die Wirkung dieser Beize besteht in -einer infolge schwacher Ätzung erzielten feinen Aufrauhung der allzu -glatten Stellen des Kupfers. Sofort nach erreichter Wirkung muß diese -Beize mit reinem Öl vom Kupfer entfernt werden. - -Alle solche Beizmittel sind eigentlich nur als eine ergänzende -Nacharbeit des Hauptvorganges aufzufassen, denn sie sind ihrer Natur -entsprechend nicht dazu angetan, den Gesamtcharakter, den Aufbau einer -Radierung, wesentlich zu verändern. - -Anders sieht es mit den sogenannten maschinellen Mitteln der Ätzkunst -aus. Ihre Anwendung bestimmt von vornherein die Stimmung, den Charakter -des Werkes, und von ihrer zielbewußten, taktvollen Anwendung hängt der -künstlerische Wert einer Arbeit vornehmlich ab. - -Hier möchte ich der Meinung entgegentreten, daß maschinelle Mittel bei -einer Radierung von der Hand zu weisen wären, »weil sie unkünstlerisch -seien.« - -Ein Beispiel: Ein Porträt, eine Landschaft, ist auf getontem -Naturpapier gearbeitet, die Lichter in Weiß aufgesetzt. Ja noch mehr: -die Farbe des Papiers ist sogar der Stimmung des Bildes angepaßt. -- -Und dieser Farbenton des Papiers, ist er vielleicht nicht auch ein -maschinelles Mittel, das dem Künstler fertig zu Gebote steht? Und ihrer -Anwendung wegen vielleicht das Beginnen unkünstlerisch? Wenn nicht, -dann wird auch der Radierung ein solches Mittel nicht verwehrt werden -dürfen, wenn es die Ausdrucksfähigkeit der Technik erhöht. Freilich -muß künstlerischer Geschmack bei einer solchen Arbeit Pate gestanden -sein, freilich muß der Radierer schon lange _vor_ Beginn seiner Arbeit -über die Anwendung seiner Mittel im Klaren sein, soll das Ende vom -wohlüberlegten und trefflich disponierten Anfang, von zielbewußtem -Aufbau uns erzählen! Dieses Ziel besteht eben in der harmonischen -Verquickung der beiden Begriffe: Strich und Ton. Eine Radierung kann -gewiß auf den Strich allein aufgebaut sein; dann ist es ein Motiv, -welches des Tons nicht bedarf. Ebenso kann eine Arbeit auch auf die -Wirkung des Tones berechnet sein. (Man denke nur an eine Nebelstimmung -oder eine trübe Winterlandschaft und dgl.) In der Mitte der beiden -Extreme jedoch steht die Arbeit, welche auf das gegenseitig ergänzende -Zusammenwirken von Strich und Ton berechnet ist; sei es, daß der -Ton die Zeichnung als eine Art graue Lasur überzieht, oder, daß ein -hauptsächlich in Tonqualitäten wirkendes Bild mittelst der Nadel -bloß an markanten Stellen in seiner Wirkung gehoben wird. -- Welche -Fülle von Wegen zum Ziele! - -[Illustration: Karlskirche in Wien - -Original-Radierung von Alois Seibold] - -Unter maschinellen Mitteln verstehen wir Mittel, welche uns gestatten, -über die Platte einen gleichmäßigen Ton von verschiedener Textur -auszubreiten. Die Elemente können Punkte oder Striche sein, je nach der -Entstehungsart des erzielten Effektes. Bei der Radierung in unserem -Sinne beschränkten sich die dazu erforderlichen Arbeiten auf eine -zweckmäßige Behandlung des auf der Platte befindlichen Ätzgrundes. - -Eine der ältesten Arten in Ton zu arbeiten besteht darin, daß man auf -die grundierte, heißgehaltene Platte mittelst eines Siebes Steinsalz -streut. Die feinen Körnchen bleiben am weichen Ätzgrund kleben -und sinken bei weiterer Erhitzung der Platte in der geschmolzenen -Firnisschicht bis auf das blanke Kupfer. Die wieder erkaltete Platte -gelangt nun in ein Gefäß mit Wasser. Die Salzkörnchen werden hierin -ausgelaugt und lassen in der Firnisschicht feine Löcher zurück, welche -bis aufs Kupfer reichen und dem Ätzwasser später Zutritt auf die blanke -Platte gewähren. (»Aquatinta«). - -Eine ähnliche Wirkung hat Schmirgelpapier, welches in der Art, wie wir -unsre Probedrucke herstellen, mit dem Beinstab an die grundierte Platte -gedrückt wird. (Abb. 13). Die scharfkantigen Körnchen durchlöchern in -zahllosen Stichen den Ätzgrund und legen das Kupfer für die Ätzung -bloß. - -Wohl noch wenig bekannt ist das Tonen mit der Stahldrahtbürste. -(Abb. 16). - -Die grundierte, kalte Platte wird auf den Tisch gelegt und mit einer -gestielten feinen Stahldrahtbürste (siehe Abb. 16) sachte geschlagen, -wobei die Kupferplatte mit der linken Hand fortwährend zu drehen ist, -damit die Wirkung gleichmäßig erfolge. Die Verletzungen des Ätzgrundes -haben nämlich die Form zarter kurzer Strichelchen von bestimmter -Richtung. Das Drehen der Platte mit der linken Hand soll also das -Vorherrschen einer gewissen Richtung der Strichelchen verhüten. - -Eine derart behandelte Platte kann nun eventuell noch vor der Ätzung -auch mit der Nadel bearbeitet werden. Lichter sind selbstverständlich -vorher mit Pinselfirnis zu decken (sogenannte »Reservagemethode«). -Abgestuftes Ätzen mittelst Deckfirnis erlaubt dann noch einen Reichtum -an Tonstärken zu entwickeln, doch soll auch hier ein gewisses Maß -nicht überschritten werden, damit der Reiz der Kontraste dadurch nicht -verschleiert werde. - -Das fertige Blatt wird von manchem Radierer noch weiter »bearbeitet«. -Die noch weiche, verwischbare Druckfarbe wird mit Wischern an gewissen -Stellen vertrieben, verwischt, die Striche auseinandergeschmiert, -um so etwas wie »_Ton_« zu erzielen; doch nicht genug damit: Mit -dem Radiergummi werden auf dem fertigen Blatt lichte Wolken -- -hervorgezaubert. Was bleibt da noch übrig von der Schönheit dieser -Technik? Dem Laien, der in die Geheimnisse dieser Kunstweise nicht -eingeweiht, ist es nicht zur Last zu legen, daß solche Blätter mit -Erfolg kursieren können. Wenn aber der Berufene selbst um eines groben -Effektes willen die Reinheit des Stiles hingibt und an der Verwilderung -einer Technik arbeitet, die in ihren _echten_ Mitteln ohnehin so -unerschöpflich reich und schön ist, so ist dies ein bedauernswerter, -von vielen Kunsthändlern protegierter Tiefstand, dem der Einzelne durch -konsequente Pflege des reinen Stiles entgegenarbeiten kann und muß. - - - - -10. Wege und Ziele. - - -Wie mannigfaltig sich das Arbeiten gestalten kann, das haben wir bei -verschiedenen Gelegenheiten ersehen können, und je mehr der Radierer -mit ernstem Fleiß alle Ausdrucksweisen sich zu eigen zu machen sucht, -desto vielverzweigter sieht er die Wege sich auftun, die zum Ziele -führen. - -Vor allem ist es das _Wie_, mit welchem wir ringen in heißem Bemühen. -Grundfalsch wäre es, wollte ich wähnen, erschöpfend über diese -Technik geschrieben zu haben, denn verschieden wie die Gesichter der -Menschen sind die Ausdrucksweisen, sie sind eben der treue Spiegel der -Persönlichkeit. - -Als die Radierung noch ein Reproduktionsverfahren war, dem es zukam, -Kunstwerke größeren Stiles einem weiteren Publikum zugänglich zu -machen, da lag ihre Ausübung in strengen Normen und es mußte so sein; -was sollte auch dort ein persönlicher Ausdruck, wo es galt, eine -Aufgabe zu erfüllen, die heute der photographischen Kamera zufällt! -Da mußte der Radierer selbstlos zurücktreten und seine Art hinter der -Aufgabe verbergen. Es lag viel Handwerkliches in dieser Kunst, die so -willig war, fremdes Licht leuchten zu lassen mit ihren Mitteln, die -dazu berufen sind, eine ganz eigene Sprache zu reden, eine Sprache, die -dem Künstler aus dem Herzen kommt. An diese Erkenntnis knüpft sich -der Aufschwung der modernen Radierung; sie wurde Selbstzweck und jeder -Strich, früher vom Zwange einer notwendigen Norm dirigiert, er wird zum -Wort, zum trotzigen, eigensinnigen vielleicht, das uns aber der Seele -des Künstlers, seinem Empfinden nachfühlen läßt. - -[Illustration: »Überfahrt«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Wer wollte da noch von Arbeitsregeln sprechen, wer die Hände über dem -Kopf zusammenschlagen, wenn er erfährt, daß der Meister vielleicht, -einer Empfindung folgend, die gewöhnliche Schreibfeder zum Radieren -benutzt oder mit den scharfen Kanten einer abgebrochenen Nadel -arbeitet? Nimmer kann ein Lehrbuch über irgend eine Kunsttechnik -mehr wollen als »Gehen lehren«; der es gelernt hat, wird seinen Weg -finden, wenn ernstes Streben ihn beseelt. Es soll ja damit gewiß nicht -gesagt sein, daß der Anfänger sich sobald als möglich nach einer recht -»originellen« Ausdrucksweise umsehen soll; das wäre erbärmlicher -Manierismus, weitab von jener Liebe zur Natur, die darzustellen, wie -sie sich in unsrer Seele spiegelt, unsere höchste Aufgabe sein soll. -Ohne äußeres Hinzutun wird die künstlerische Ader sich regen und der -Hand, ihr unbewußt, Gesetze diktieren, nach denen sie arbeite. Denn -bei fast keiner anderen Technik kann das Inhaltliche so unabhängig von -manueller Fertigkeit zu uns sprechen als bei der Radierung. - -Und das Inhaltliche ist es auch, welches der ganzen Technik Seele -verleihen soll; denn wie hier die Ausdrucksform vom _rein Malerischen_ -beherrscht werden muß, so ist das _Erzählende_ das Impuls gebende -Moment für das _Inhaltliche_. - -Kein Zufall ist es, daß unsre größten Radierer auch die größten Grübler -waren, vom Forschergeiste Dürers, vom Altmeister Rembrandt herauf bis -zu unserer Modernsten einem. - -Und soviel auch errungen, jeder macht’s für sich noch einmal mit, und -jemehr er nach Ausdruck ringt, umso lieber wird ihm diese trotzige, -spröde Technik, die sich ihre Geheimnisse von jedem ihrer Pfleger -neu abringen läßt und dies mit so manchem Goldkörnchen einer neuen -Ausdrucksmöglichkeit lohnt. - -Wenn die Arbeit disponiert, was gibt es da nicht noch alles zu -denken, zu überlegen! Schon beim Grundieren fragen wir uns: »Was für -Druckfarbe? Was für Papierfarbe?« Da heißt’s schon beim ersten Strich -allen diesen Faktoren Rechnung zu tragen und die Arbeit dem Endzweck -anzupassen! Wie anders muß gearbeitet werden für getontes als für -weißes Papier, für warmtonige als für kühlwirkende Druckfarbe! - -Man versuche es nur einmal, eine für weißes Papier berechnete Platte -auf farbiggetontem abzudrucken oder umgekehrt! - -Und doch ist das Wie noch nicht allein der Endzweck, das Ziel! Was -dem Pinsel oft versagt bleibt zu bilden mit seinen reichen Mitteln, -das wird auf der Kupferplatte zu reinem Erguß, das offenbart sich -in der Lapidarschrift der Nadel mit überzeugender Kraft und Wärme. -Menschenbeobachtung, dieses hehre Problem, es zeigt uns stets neue -Ziele; und wieder ist es die Radierung, die das _Momentane_ des -Erschauten festzuhalten berufen ist. Und wenn nun auch die Hand des -Einen mit plebeischer Derbheit zugreift, das Erschaute zu bilden, wenn -das weichere Naturell des Andern mildere Töne anzuschlagen weiß, immer -fühlen wir den Reiz eines intimeren Verkehrs mit dem Künstler auf uns -wirken, wenn wir uns in die Anschauung solcher Blätter versenken. - -Eines möchte ich auch gern dem Lernenden mit auf den Weg geben und wie -ich glaube, wird mir jeder künstlerisch Empfindende zustimmen: »_Nie -soll das Radieren eine Kopierarbeit sein, nie sollen die Mittel ihrer -Sprache einer andern als ihrer eigenen Sache dienen!_« Ich habe den -Anfänger vor dem Kopieren von Photographien gewarnt, (siehe Seite 20), -es hat seine triftigen Gründe: Mit ihren ungezählten Abstufungen in den -Tonstärken ist sie wirklich nicht geeignet, Klarheit in das Arbeiten -des Anfängers zu bringen; ihn verwirrt die Vielheit, zumal er den Ton, -auf den ja jedes Lichtbild aufgebaut ist, in ein System von Strichen -bringen müßte, eine Sache, die die Schwierigkeiten, die bei den ersten -Versuchen zu überwinden sind, nur vermehren würde. - -Denn wenn auch die Bildidee, der Impuls zu einem Kunstwerk, aus einer -_Anschauung_ entspringen kann, das Denken an die Bewältigung mit dem -_Material_ ist doch erst das eigentlich Schöpferische. - - * * * * * - -_Schönheit in der Natur -- Schönheit des Materials -- es sind zwei -Welten; sie zusammenzwingen in ein Menschenwerk, das ist »Kunst«, und -daß mit dem geeigneten Material der erschöpfende Ausdruck für den -Impuls gefunden werde._ Ist es nicht denkbar, daß ein an und für sich -herrliches Motiv, -- sei es landschaftlicher oder figuraler Art --, zur -bitteren Enttäuschung des mit sich selbst Gerechten und Strengen trotz -meisterhafter Technik nicht jene Erfüllung bringt, die er sich von ihm -versprach? Wie oft ist ein Werk allein wegen unrichtiger Formatwahl -verfehlt! Es gibt Motive, die durchgeführt in kleinen Dimensionen zum -köstlichen Juwel werden können, und die auf großem Format all’ ihren -Reiz verlieren würden. Aber mehr noch als dieses bestimmt die _Wahl des -Materials_ das Schicksal des Werkes. - -Nicht jedes Motiv, nicht jede Bildidee eignet sich gleich gut für eine -Durchführung in Aquarell, in Holzschnitt, für eine Radierung oder für -ein Ölgemälde. Für den Radierer ergibt sich daraus der Schluß, daß -er nicht ohne Überlegung an sein Werk gehen darf. Linienschönheit, -Tonschönheit, das sind die Mittel, mit denen die Radierung arbeitet. -Sie wird zum erschöpfenden Ausdruck, wenn sie im Motiv, in der Idee, -Verwandtes findet und dieses mit ihren Mitteln also zu einer höheren -Einheit erheben kann. - -[Illustration: Pieta - -Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Dann wird neben der Idee auch das Material zu uns sprechen wie eine -lebendige Sprache. Dann genießen wir nicht als Nebensache den feinen, -matten Strich, den beruhigenden Ton und -- nicht zuletzt auch den -Reiz des eigenartigen Glanzes, den die Metallfläche dem Druckpapier -verleiht --, die Freude am schönen Material. - -Beantwortet sich aus diesen Betrachtungen nicht wie von selbst die -Frage nach der zulässigen Größe einer Radierung. - -Man sieht in Ausstellungen hie und da Radierungen, deren eine Bildkante -fast einen Meter erreicht! Sind solche Riesenformate -- Bravourarbeiten --- künstlerisch gerechtfertigt? Ist der zarte Ton der Druckfarbe -geeignet, in solchen Dimensionen zu wirken? Das geheimnisvolle -Weben, dem nachzugehen vielleicht den Hauptreiz bei der Betrachtung -von Radierungen bildet, erstirbt, wenn man von einem Werk dieser -Technik zurücktritt -- und zurücktreten muß man, wenn ein Bild einmal -80 × 100 ~cm~ mißt. Wenn wir eine Radierung betrachten, dann wollen wir -in dem Blatte lesen, im wahrsten Sinne des Wortes, lesen all’ das, was -der Künstler mit der Nadel ins Metall geschrieben, lesen, wie ihm dabei -war, alle Leidenschaftlichkeit, alle Schaffenslust; und Strich für -Strich mitfühlen, was da geschrieben steht von einer in Arbeitsfreude -vibrierenden Hand! - -Dabei wollen wir aber doch auch nicht den steten Überblick über das -Ganze missen; ergeben sich da bei Rücksichtnahme auf den Bau und die -Fähigkeiten des menschlichen Auges die Grenzen der Bildgröße nicht von -selbst? -- - -Ein Ölgemälde 30 × 40 ~cm~ nennen wir ein »Bildchen«. Eine Radierung -von derselben Bildgröße nennen wir ein »großes Blatt« -- wie -kommt das? Oder wie kommt das, daß eine Radierung in bescheidenen -Dimensionen fesselnd, wuchtig und kraftstrotzend wirken kann und eine -Riesenradierung daneben schlaff und leer? - -Wer sein Material kennt, dessen Schönheit versteht, seine Vorzüge und -Schwächen, dem wird es nicht widerfahren, daß er es an Aufgaben zwingt, -vor denen es versagen oder doch zum mindesten die Eigenart einbüßen muß. - - * * * * * - -Ich habe an früheren Stellen empfohlen, bei der Arbeit auf -Kontrastwirkungen Bedacht zu nehmen. - -Dem Anfänger muß neben der Schulung der Technik an sich auch -diejenige des Auges angelegen sein. Es muß sich an die Wirkungen der -verschiedenen Materialmöglichkeiten gewöhnen, soll es imstande sein, -scharf zu urteilen und Gutes von Unbrauchbarem -- wie doch beides der -Werdegang des Radierers notwendig mit sich bringt -- zu scheiden. -Solches wird bei kontrastreichem Vortrag besser als bei einer mehr -flachen Ausdrucksweise erreicht. Daß damit nicht etwa gesagt sein -soll, daß eine Radierung unter allen Umständen Kontrastwirkung -aufweisen muß, ist wohl einleuchtend; denn eine schleierige -Wirkung kann ja gegebenenfalls zur beabsichtigten Stimmung gerade -erforderlich sein. Doch das sind Dinge, über die man Bücher schreiben -möchte -- oder nichts --; Hier hört das Lehren auf, hier tritt das -künstlerisch-schöpferische Empfinden in sein unantastbares Recht. - - - - -11. Das fertige Blatt. - - -Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den für die -Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es -auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren -zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer -Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen -oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße, -Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich -in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben -Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das -Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das -Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle -macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen -Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand -eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich -stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um -die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier -kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit -den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es -einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder -Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand -um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz -bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt -und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf -kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen -kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage. -Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt -Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers -kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und -geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton -schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand -des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_ -diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das -Ansehen einer Radierung außerordentlich. - -[Illustration: »Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche -entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben. -Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr -vornehm. - -Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck -unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung -»Originalradierung von N. N.« enthält. - - - - -Schlußwort. - - -Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude -nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen, -in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer -Kunstbetätigung. - -Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der -Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem -Lernenden so bald als möglich zu gute komme. - -Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre -von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen -anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern -aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als -wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem -Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente, -wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in -technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit -künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will. - -Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte -Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen -Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese -entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die -Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das -Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht, -oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten -der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer -solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver, -gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und -Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den -Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung -ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden. - -Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt, -da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten -Platte ist. - -Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig -sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder -leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen -Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten -Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, -daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als -die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen -muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner -harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt -neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, -die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit -der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde -beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige -Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen -mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur -Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen, -sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde. - - * * * * * - -Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die -Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln -betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im -Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung -unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser -muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes -Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine -_gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt -gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen -aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute -mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen -Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird -dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem -Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf -Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets -ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet). - -[Illustration: Der heilige Franziskus - -Original-Radierung von Alois Seibold] - -Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine -glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser -bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung -auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in -Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja -nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll -doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen, -ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet. - -Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit -einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir -das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen -Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber, -die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit -begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und -Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist -nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn -nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, -- -vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind -Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden -soll! - -Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar -zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt, -selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr -zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein -vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche -Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern -mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen -wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen -Achsenlager nicht vergessen werden. - -Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die -Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien. - - * * * * * - -Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche -Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei, -allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren -ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand -des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum -Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen, -nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß -dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren -berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen. - - - - -Alphabetisches Verzeichnis. - - - Abblättern des Ätzgrundes 12, 71 - - Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82 - - Abfärben der Rauchschicht 18 - - Abgestuftes Ätzen 38, 82 - - Abschleifen der Platte 74 - - Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15 - - Aquatinta 81, 95 - - Arbeitsprogramme 41 - - Asphalt 9 - - Asphaltlack 32, 33, 63 - - Ätzdamm 31 - - Ätzgruben-»Nester« 27 - - Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8 - - Ätzprozeß 2, 28 - - Ätzschalen 32, 35 - - Ätzwachs 34 - - Ätzwasser für Kupfer 28, 37 - - Ätzwasser für Zink 96 - - Aufätzen 61 - - Aufpausen der Zeichnung 21 - - Aufbewahren von Ätzgrund 11 - - Aufbewahren von Ätzwachs 35 - - Aufbewahren von Druckfarbe 49 - - Aufbewahren von Pinselfirnis 39 - - Aufbewahren der Platten 8, 19 - - Aufbewahren des Polierstahls 67 - - Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62 - - Aufbringen der Konturen 21 - - Auflagetuch (Abb. 14) 59 - - Aufmachen des fertigen Bildes 93 - - Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97 - - - Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81 - - Beißzange 12 - - Beizemittel 78 - - Bequeme Plattengröße 6 - - Bienenwachs 9, 35 - - Bildgröße 89, 92 - - Bimsstein 75 - - Blasenbildung 36, 71 - - Blattrand und Blattgröße 92 - - Blaustein 75 - - Böttchers Ätzwasser 37 - - Brennöl 35 - - - Chlorsaures Kali 29, 37 - - - Deckfirnis 38, 70, 82 - - Druck 45 - - Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51 - - Drucken (maschinelles) 57 - - Druckfarbe 48 - - Druckpapier 46 - - Duplikatplatten 61 - - - Einleiten der Ätzung 35 - - Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50 - - Engelrot 76 - - Entfetten 11 - - - Facette, Facettieren 8 - - Farbkissen 4 - - Feilklobe 12 - - Fetthauch auf der Platte 11 - - Fettrötel 21 - - Filtrierpapier 37, 46, 47, 72 - - Filzfeile 76 - - Fisch- oder Marderpinsel 39 - - »Flammen« 78 - - Flanelltuch 8, 19, 58 - - Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73 - - Flüssiger Ätzgrund 63 - - Führung der Nadel 25, 65 - - Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56 - - Führung des Druckballens (Abb. 9) 51 - - - Gänsefeder 36 - - Gasentwicklung (schädliche) 36 - - Glasmensur 29 - - Glastafelmethode (Abb. 6) 33 - - Globuspasta 67, 76 - - Graphische Künste 5 - - Graphit 18, 56 - - Grate 96 - - Gravieren 25 - - Griffel zum Pausen 22 - - Grundieren 11, 68 - - Grundierwalze (Abb. 2) 14 - - - Handabzug 45 - - Handbänkchen (Abb. 7) 43 - - Handwalzenpresse 98 - - Herrichten und Prüfen der Nadeln 24 - - Hochdruck 4, 61 - - - Japanpapier 47, 93 - - - Kalte Nadel 95 - - Kampmann: »Die graphischen Künste« 5 - - Karborundstein 75 - - Klecksige Abzüge 72 - - Kochsalz 96 - - Kolophonium 9 - - Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10 - - Kupferdruckfarbe 48 - - Kupferdruckfirnis 49 - - Kupferdruckpapier 46 - - Kupferplatte 6 - - - Leinöl 49 - - - Manierismus 85 - - Marder- oder Fischpinsel 39 - - Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57 - - Maschinelle Tonungsmittel 79 - - Mastix 9, 70 - - Mißerfolge 68 - - Modellierholz 33 - - - Nadelführung 25, 64 - - Nadel (Herrichten und Prüfen) 24 - - »Nester« = Ätzgruben 27 - - - Offenhalten der Strichlagen 26 - - - Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54 - - Pausen 21 - - Photographie 20, 87 - - Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95 - - Pinselfirnis 38, 70, 82 - - Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12 - - Plattieranstalt 7, 76 - - Polieren 8, 66 - - Polierpasta 78 - - Polierstahl 66 - - Probedrucke 65, 67 - - - Radiernadel (Abb. 5) 24 - - Reinigen der Platte 43 - - Retouche-Arbeiten 62 - - Rezept für Ätzgrund 8 - - Rezept für Ätzwachs 34 - - Rezept für Ätzwasser 28 - - Rezept für Deckfirnis 38 - - Rezept für Druckfarbe 48 - - Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12 - - - Salpetersäure 28 - - Salzsäure 37, 96 - - Säureflaschen 28 - - Schabeisen 74 - - Schadenätzungen 33, 63 - - Schlemmkreide 11 - - Schlichtfeile 74 - - Schmierseife 49 - - Schmirgelpapier 81 - - Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95 - - Schräge -- Facette 8 - - Schreibfeder 85 - - Schwefelmilch 78 - - Sodalösung 31 - - Spachtel (Abb. 10) 52 - - »Springende Nadel« 77, 78 - - Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82 - - Steinsalzmethode 81 - - Strichlagen 26 - - Strich und Ton 77 - - - Teilätzungen 38, 40, 82 - - Terpentin 38, 44 - - Terpentinessenz 38 - - Tiefdruck 3 - - Tonen beim Drucken 61 - - Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81 - - - Überhitzen der Platte 13 - - Unschlitt 35 - - Unterfressen der Stege 27, 71 - - Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27 - - - Verstählen 62 - - Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10 - - Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16 - - Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31 - - - Wachsfackel 16 - - Wahl des Motivs 20 - - Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14 - - Walzendruck 58 - - Walzenpresse 59, 99 - - Wasserdichter Ätzdamm 31 - - Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34 - - Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und - Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27 - - Weißer Ton 11 - - Wischer 59 - - - Zahl der erreichbaren Abzüge 61 - - Zahl der Teilätzungen 40 - - Zeitungspapier 44 - - Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18 - - - - -Raum für Bemerkungen. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. 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General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
