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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Reisen durch die Inselwelt der Südsee - -Author: Max Prager - -Release Date: June 1, 2022 [eBook #68221] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN DURCH DIE INSELWELT -DER SÜDSEE *** - - +-------------------------------------------------------------------+ - | | - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden | - | übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden | - | korrigiert. | - | | - | Die Markierung mit der Tilde (~) zeigt eine "gesperrte" Phrase | - | an, das Einfassen mit dem Sonderzeichen (") eine kleinere | - | Schriftgröße für biografische Einschübe im Original. | - | Mit dem Sonderzeichen (•) wird Fettdruck angezeigt. | - | | - +-------------------------------------------------------------------+ - - - - - Reisen - - [Illustration: Rosette] - - durch die - - Inselwelt der Südsee. - - Mit einer kartographischen Skizze. - - Von - •M. Prager•, Kapitän. - - [Illustration: Trennstrich] - - Kiel. - Verlag von ~Carl Jansen~. - Kommissions-Verlag für den Buchhandel: ~Robert Cordes~, Kiel. - - - - -Vorwort. - - -In nachfolgender Schilderung ist versucht worden, dem geneigten Leser -zwar ein beschränktes, aber doch möglichst anschauliches Bild über die -Eigenart, Sitten und Gebräuche ihm unbekannter oder wenig gekannter -Völker zu geben. Nicht minder ist die Entstehung der Koralleninseln, -die Beschaffenheit hoher vulkanischer Berge und Inselmassen, sowie -die in der Südsee entfaltete reiche Pflanzenwelt besprochen worden. -Heftige Ausbrüche thätiger Vulkane, Stromverhältnisse des Ozeans und -Wirbelstürme sind, soweit darüber persönliche Erfahrungen gesammelt -werden konnten, in die Aufzählung der eigenen Erlebnisse des Verfassers -mit hineingezogen. - -Die so große, vielgestaltige und fruchtbare Inselwelt des Stillen -Ozeans zeigt dem Beobachter in allen Formen ein anmuthiges Bild, -zu dem er sich hingezogen fühlt, und das, soweit eigenes Können es -vermag, in einfacher Erzählung wiederzugeben versucht ist. Die Gefahren -mancher Art, wie solche auch dem Seemanne zwischen den gefährlichen -Koralleninseln auflauern, sind an gehöriger Stelle eingefügt. - -Sollte es mir gelingen, den Blick für die Werthschätzung auswärtiger -Besitzungen zu schärfen, die Theilnahme für die kolonialen Bestrebungen -der Reichsregierung zu mehren, so würde ich darin schon eine -Anerkennung meiner Arbeit finden. - - Der Verfasser. - - - - -I. Samoa. Land und Volk. - - -Tief im Süden des Indischen Ozeans, auf jenen Breiten, wo der weite -Weg nach Australien durch die Kugelform unserer Erde verkürzt wird -und meistens günstige, westliche Winde die Fahrt eines Schiffes -beschleunigen, zog im Jahre 1884 einsam ein deutsches Barkschiff seines -Weges dem fernen Ziele entgegen. - -Monde waren hingegangen, ehe mit Hülfe wechselnder Winde der -Atlantische Ozean von Nord bis Süd durchzogen war; die Hälfte des -nahezu 14000 Seemeilen langen Weges, von der deutschen Küste bis -zu den Gestaden Australiens, war ungefähr zurückgelegt, als der -Längengrad vom Kap der guten Hoffnung 18° 29' Ost von Greenwich auf -etwa 44° Süd Breite passirt wurde und das schöne Passatwetter, das -bis zu der Insel Tristan d'Acunha vorherrschend gewesen, überging -zu kühlerem und unfreundlicherem. Der Winter war auf der südlichen -Halbkugel hereingebrochen; je tiefer südlich das Schiff vor umlaufenden -westlichen Winden lief, desto kälter, ungemüthlicher wurde das Wetter. - -Hohe schaumgekrönte Wogen, die zischend längs den Borden des in -bewegter See schwer rollenden Schiffes aufliefen und im wilden -Wettlauf dieses überholten, fegten, vom Winde gepeitscht, ihren Gischt -über das Deck. Kurz waren die Tage und nur selten blickten aus dem -drohenden Gewölk, wenn es plötzlich zerrissen erschien, ein belebender -Sonnenstrahl; die tiefe Bläue des Himmelsgewölbes Tage und Tage lang -nicht gesehen, war dann für den einsam auf dem Weltmeer Hinziehenden -ein Hoffnungsschimmer. - -Endlos scheint der Ozean, kein Schiff, kein Segel auf der weiten, -wildbewegten Wasserwüste ist zu entdecken, ebenso einsam scheint der -gewaltige Meerbewohner, der Walfisch, durch die Fluthen zu ziehen, -der von Zeit zu Zeit die warme Athemluft aus seinem einfachen oder -doppelten Spritzloch hervorstößt, um darauf, so lange es ihm an der -Oberfläche gefällt, wieder frische Luft in die Lungen einzuziehen. -In der kälteren Atmosphäre verdichtet sich die ausgestoßene feuchte -Athemluft und bleibt um so länger sichtbar, je kälter die Temperatur -auf der Oberfläche des Meeres ist. Mächtige Thiere sind es, in den sich -überstürzenden Wogen kaum sichtbar, ihre Größe läßt sich nur ungefähr -schätzen, wenn kurz nach dem Sichtbarwerden des Wasserdampfes das Thier -in die Tiefe schießt und über die Wogenkämme emporragend, der Schwanz -durch die Fluthen peitscht. - -Die Habsucht des Menschen hat in wenigen Jahrzehnten ungezählte -Schaaren dieser nützlichen Thiergattung vernichtet, selten findet man -heute noch eine Anzahl der mächtigen Thiere beisammen, die einsam über -die gewaltige Meerestiefe hinziehen, welche einst von Abertausenden -belebt war, denen sie reiche Nahrung geboten. - -Wind und Wogen sind in den Monaten Juli und August auf diesen südlichen -Breiten meistens immer im Aufruhr; so setzte diesmal auf der Höhe der -Krozet-Inseln ein äußerst schwerer, westlicher Sturm ein. Das Schiff, -von den Fittichen des Windes getrieben, floh vor der brüllenden, wilden -See; aber ob auch den Masten die denkbar größte Last aufgebürdet wurde, -mußten doch nach und nach mit der wachsenden Kraft des Sturmes die -Segel gekürzt werden und acht Tage lang lief das Schiff, während in -der Luft die schwarzen Wolkenmassen dahinjagten wie ein gehetztes Wild, -vor seinen dichtgerefften Sturmsegeln dahin, von den Wellen geschoben, -die Bergen gleich von hinten heranrollten und deren Schaumkronen sich -vernichtend über das in allen Fugen erzitternde Schiff ergossen. -Uebermächtig war die Gewalt der Elemente, und hätte es ohne große -Gefahr für Schiff und Mannschaft geschehen können, so würde der -wilde Lauf vor solcher gefährlichen See durch Beidrehen an den Wind -aufgegeben worden sein. - -Jedoch ein guter Renner war die Bark, saß ihr auch die wilde See -drohend und verderbenbringend auf den Fersen, die sie, tief ins -Wogenthal getaucht, kaum abzuschütteln vermochte, so hob sie sich doch -immer wieder siegreich empor, hinjagend durch Nacht und Schrecken. - -Weit über den 80. Längengrad hinaus führte der erlahmende Sturm -das wackere Schiff und mit von Norden bis Süd-Westen umspringenden -steifen Winden wurde nach monatelanger Fahrt wieder Land, die Südküste -Australiens, gesichtet. - -Im sicheren Hafen von Melbourne, jener jungen, aufblühenden Stadt der -Paläste -- australischen Goldfeldern und dem Strome des Edelmetalls, -der hier sich staute, verdankt sie ihr schnelles Wachsthum -- wurde, um -die werthvolle Ladung zu entlöschen, wochenlang Rast gehalten. - -Das Goldfieber, das schon viel Tausende zur Pflichtverletzung -trieb, übte auch auf die Mannschaft des deutschen Schiffes seinen -verderblichen Einfluß aus, und die Hälfte derselben folgte dem -lockenden Rufe nach goldenen Schätzen, den gewissenlose Agenten ertönen -ließen. Gleich vielen anderen folgten die Bethörten und vertauschten -den harten Seemannsberuf mit dem eines Diggers, um unter Entbehrungen, -in harter Arbeit, fern in den wegelosen Steppen des wasserarmen Innern -Australiens nach den begehrlichen Schätzen der Erde zu graben. - -Bitter Enttäuschte, die viel ärmer als sie einst ausgezogen, zur Küste -zurückgekehrt waren und nur von Hunger, Durst und schlimmen Erfahrungen -zu erzählen wußten (kaum daß sie im Stande gewesen, das äußerst theure -Leben in der Wildniß zu fristen, so wenig hold war ihnen das Glück -gewesen, so spärlich nur hatten sie Gold gefunden), ersetzten zum Theil -die Flüchtigen. Froh noch konnte mancher Schiffsführer sein, wenn es -ihm gelang, mit Angehörigen anderer Nationen sein Schiff wieder zu -besetzen, da fast ohne Ausnahme jedem, wenn nicht die ganze, so doch -ein Theil der Schiffsbesatzung entlaufen war. So mußten denn ebenfalls -auf dem deutschen Schiffe Norweger, Schweden oder Engländer als Ersatz -mit landesüblicher hoher Löhnung angenommen werden und das Kommando, -sonst im biederen Plattdeutsch geführt, machte nothgedrungen dem -englischen Platz. - -Das Schiff, auf welchem sich der Schreiber dieser Zeilen als Reisender -befand, war gleich vor Beginn der Fahrt nach den Samoa-Inseln im -Stillen Ozean bestimmt, und Ende Oktober des Jahres 1884 lichteten wir -die Anker, um von Melbourne weiter die Fahrt nach Apia fortzusetzen. -Widrige Winde in der Baßstraße, zwischen dem Festlande von Australien -und der Insel Tasmanien, unfreundliches Wetter mit kalten Regenschauern -erschwerten das Aufkreuzen in derselben, bis nach Tagen schließlich -raumer Wind das Passiren der in dem östlichen Theile dieser Straße -liegenden Inseln und Felsenrocks möglich machte. - -Als wir dann den freien Ozean gewonnen hatten, war es nothwendig, -möglichst weit nach Osten aufzusegeln, und selbst als wir dicht -unter der Nordspitze von Neu-Seeland gekommen waren und die drei -König-Inseln sichteten, wurde noch immer der Kurs mehr östlich als -nördlich gehalten, damit, wenn wir die Region des Süd-Ost-Passatwindes -erreicht hätten, mit freiem Winde nordwärts gesteuert werden konnte. -Schon auf der Höhe der Kermadec-Inseln wurde das Schiff von Windstillen -befallen, die zeitweilig, von schweren Regenböen unterbrochen, nur -ein sprungweises Vorwärtskommen gestatteten, bis auch dieser Gürtel -unbeständiger Winde passirt war und auf etwa 25° S. Br. der Passatwind -kräftig einsetzte. - -Jetzt hatte die langdauernde Stille, bei der die Segel in eintöniger -Weise an die Masten klappten, auf einmal ein Ende; die spiegelglatten -Fluthen des Ozeans durch aufspringende Böen zeitweilig aufgeregt, -sprangen übermüthig die Schaumkronen der Wellen an der Bordwand -des Schiffes empor, das unter voller Segelkraft mit schneller Fahrt -dahineilte. - -Als wir östlich von den Tonga- (Freundschafts-) Inseln nordwärts -steuerten, war das erste Land, welches in Sicht kam, die Insel Niue, -aber zwei Tage später schon tauchte am Horizonte des tiefblauen -Tropenhimmels die gebirgige Inselmasse der Samoagruppe klar und -deutlich empor, immer höher aus den Fluthen des im Sonnenglanze -blinkenden Meeres aufsteigend, je näher sich beflügelten Laufes das -Schiff seinem endlichen Ziele näherte. - -Zur Rechten die Insel Tutuila mit ihren zerrissenen Bergen, einst -thätigen Vulkanen, hebt sich zuerst, wenn man der Straße zwischen der -Insel Upolu und Tutuila zusteuert, die über 30 Seemeilen breit ist, -die mächtige Bergmasse aus den blauen Fluthen des Ozeans, während die -langgestreckte Insel Upolu, massiver und höher, aus der Ferne wie -in weißen Nebel getaucht erscheint, über der die blauen Bergkuppen -vereinzelt emporragen. Immer deutlicher jedoch tritt auch hier das -Unterland hervor, und die hochragenden Kronen der Kokospalmen, einen -Kranz um alles sichtbare Land bildend, erscheinen wie ein endloser -Wald, der sich längs dem Ufer hinstreckt. Sobald auch die Ufer ganz -sichtbar geworden, zieht sich weit von Land ein weißer Silbergürtel -hin, erzeugt durch die das Ufer umsäumenden Korallenriffe, an welchen -sich wilddonnernd die ziemlich bewegte See unablässig bricht. - -Ein eigenartiges Bild blühender Tropenlandschaft bietet das Ganze, -man fühlt sich unwillkürlich versucht, anzunehmen, unter diesem blauen -Himmelsdome, unter den im Winde wogenden Palmenkronen müsse ein ewiger -Friede wohnen, müsse die Natur ein Paradies geschaffen haben. - -Vorüber ziehen an der Ostseite der nach dem Innern immer höher -sich aufthürmenden Berge dieser Insel, die mächtigen abgesprengten -Rocks gleichenden Inseln Nuulua und Nuutele, und weiter, sobald -nach Nord-Westen das Auge wieder den freien Ozean erblickt, die -riffumkränzte Insel Fanuatapu. Wenn diese umsegelt ist, läuft das -Schiff vor dem Winde nahezu westwärts längs der von Korallenriffen -reinen Küste, und nur die reiche Tropenwelt vom Strande aufwärts bis -zu den sanften Höhen zeigt sich im ewig grünen Schmucke, kein kahles -Gestein wird sichtbar, dicht mit Busch und Wald scheint Thal und Hügel -bedeckt -- als ein gesegnetes Land hebt sich diese Insel aus der Tiefe -des mächtigen Ozeans. Hin und wieder treten zwischen den hohen Stämmen -der schlanken Palmen am Strande wie dunklere Punkte die Hütten der -Eingebornen, am steilen Ufer erbaut, von der grünschimmernden See ab, -ebenso gleitet zeitweilig über eine tiefere Bucht ein Kanoe eilend hin, -von kräftigen Armen vorwärts getrieben, obschon von den Insassen bei so -großem Abstande nichts Genaues zu sehen ist. - -Ist man zwölf Seemeilen längs der Nord-Ostküste gesegelt, so öffnet -sich hinter der Nannivi-Spitze der Hafen von Falisa, von hier aber -läuft an der Küste weiter ein mächtiges Korallenriff, an dessen Kante -die See schäumt und brandet. Das Land erhebt sich im Innern der Insel -höher und höher, über die welligen Bergmassen ragt der Berg Fao spitz -empor; ein Bergrücken durchschneidet die ganze Insel von Ost bis -West, dessen einzelne Ausläufer nur hier und dort bis an die Küste -vordringen. - -Ist die dem Lande vorgelagerte Riffmasse passirt, so öffnet sich der -von Korallenbänken und Riffen umgebene sichere Hafen von Saluafata, -der zu dieser Zeit schon von den deutschen Kriegsschiffen als bester -Depotplatz und Gesundheitsstation anerkannt und benutzt wurde. Alle -Riffe, von See aus gesehen, scheinen direkt mit dem Lande verbunden -zu sein, wenigstens läßt das grünschimmernde Wasser, sobald die -ausgedehnten Bänke damit bedeckt sind, solches anfänglich vermuthen, -in der That aber bilden diese häufig ein zwar vielfach geformtes, -doch getrenntes Ganze für sich, so daß selbst bei der Ebbe es für -ein Boot möglich ist, dicht unter Land oder in geringer Entfernung -davon innerhalb der Riffe im ruhigen Wasser zu fahren. Selbst die -Kriegskanoes der Eingeborenen, 40 und mehr Mann fassend, benutzen nur -diese Wasserstraßen, um von Ort zu Ort zu gelangen, obwohl diese sich -auch nicht scheuen, mit den leichtgebauten Fahrzeugen auf die offene -See hinauszurudern, wenn das Meer ruhig ist und eine Nothwendigkeit -dazu vorliegt. - -Angebracht scheint es mir hier, gleich über die Entstehung, -Fortpflanzung und Bildung der Korallenbänke eine kurze Beschreibung -zu geben, weil im Laufe dieser Erzählung vielfach der gefährlichen -Korallenbänke wird Erwähnung gethan werden. - -Die Koralle, eine Polypenart, siedelt sich am häufigsten in den -tropischen Gegenden an, an geschützten Küsten oder auf nicht tiefer als -50 Meter liegendem Meeresgrunde, sind die Bedingungen zur Fortpflanzung -günstig, d. h. reichliche Nahrung und eine nicht unter 18° C. sinkende -Wassertemperatur vorhanden, so breiten sie sich sehr schnell aus -und bilden durch das Absterben der Milliarden kalkhaltiger Thiere -allmählich eine feste steinige Masse. - -Sie wächst bis zur Ebbegrenze, d. h. bis zum niedrigsten Stande des -Meeresspiegels, dann hört aus Mangel an genügender Nahrungszufuhr ihr -Wachsthum auf, dafür aber dehnen sie sich nach der offenen See mehr und -mehr aus, selbst die schweren, auf solchem Randriff brechenden Wogen -hindern die Thierchen nicht am Weiterbau. Lücken, durch sehr schwere -Brandung hervorgerufen, füllen sie schnell wieder. Meistens bildet der -äußere Rand eines Riffes eine steile Wand, was namentlich der Fall ist, -wenn an solchem die Wassertiefe schon beträchtlich ist. - -Um es zu verstehen, daß selbst auf abschüssigem Grunde ein Korallenriff -an Ausdehnung gewinnen kann, muß man bedenken, wie die Korallenthiere -bis zu der Tiefe von 50 Meter immer weiter an gebildeten Bänken -fortbauen, so über großen Tiefen frei hängende Massen bilden, die -schließlich durch die Gewalt der See oder ihrer eigenen Schwere -abbrechen und versinken. Solche abgestürzten Massen aber, im Laufe -der Zeiten übereinander gethürmt, geben den Thieren immer neue -Ansiedelungspunkte und die Folge ist, daß an vielen Riffen eine steile, -senkrechte Wand gefunden wird, die aus einer Tiefe von mehreren hundert -Fuß bis zur Oberfläche des Meeres aufragt. - -Eine eigenthümliche Erscheinung ist ferner, daß an der Mündung von -Bächen und Flüssen die Koralle sich nicht ausbreitet, es erklären -sich hierdurch die kleineren oder größeren Riffpassagen, die man -bei Wallriffen unter Inseln oder Festland immer findet. Der Grund -dafür ist, daß den Korallenthieren durch das Süßwasser die benöthigte -Nahrung entzogen wird und sie naturgemäß absterben, oder, wo durch -brandende See ihnen solche doch noch zugeführt wird, sich nur äußerst -langsam ausdehnen. Ebenso werden die Thierchen an der gedeihlichen -Fortpflanzung unter Land auch dadurch gehindert, daß, während schon an -und für sich das Meer ihnen geringere Nahrung zuführt, die Landwinde -vom Ufer vielen feinen Staub abwehen. Dadurch erklärt es sich, wie -häufig in der Nähe des Landes die Koralle das Weiterbauen eingestellt -hat und Durchfahrten für Boote und Kanoes freigeblieben sind. Orte, -wo die Koralle im Meere nicht gedeiht, sich vielleicht überhaupt nicht -angesiedelt hat, wie man solchen Vorgang an Inseln beobachten kann -- -eine Seite derselben ist mit Riffen eingefaßt, die andere nicht -- ist -fast immer auf eine kältere Meeresströmung zurückzuführen, die unter -Küsten oder Inseln hinzieht. - -Das ausgedehnte Gebiet des Großen Ozeans, dessen weitverzweigte -Inselwelt vielfach heute noch ein Vulkanheerd ist, bringt hin und -wieder plötzliche Veränderungen hervor, für Jahrtausende beständig -gebliebene Riffe versinken oder heben sich. Tritt solche Verschiebung -ein, sinkt z. B. ein Riff unter die Meeresoberfläche, so baut sich die -Koralle ungemein schnell auch auf schon erstorbenen Flächen wieder an -und führt das Riff zur Meeresoberfläche; hingegen heben sich unter -Wasser gebildete Bänke, was zur Folge hat, daß im größeren Umkreise -auch der Meeresboden gehoben wird, so nimmt die Koralle am Randriff -ihre Arbeit wieder auf, da sie auf einer Tiefenlinie von ungefähr -2000 Meter nicht weiter bauen kann, weil der in solcher Tiefe große -Kohlensäuregehalt des Meerwassers einen Weiterbau verhindert. - -Was die Bildung der Korallen-Inseln anbetrifft, so entstehen solche -nur durch Anhäufung losgelöster Korallenblöcke, die durch schwere Seen -bei Stürmen oder Orkanen auf das Riff getragen werden. Ueberwiegt auch -am Riffrande das Wachsthum der Koralle den Verlust, welcher durch die -unablässig anbrandenden Wogen entsteht, die solche Theile und Theilchen -loslösen und auf dem Riffe ebenfalls ablagern, so tragen doch diese -dazu bei, schon etwa über Fluthhöhe angehäufte harte Korallenmassen -zu verbinden und heftige Winde thun das Ihre, zu Zeiten der Ebbe den -leichten Korallenmörtel immer höher aufzuhäufen. Dann fehlt nur noch -die Vegetation; angeschwemmte Kokosnuß und Pandanuß finden fruchtbaren -Boden; Samen, von Seevögeln oder den Wogen zugetragen, keimen auf der -kleinen Fläche, die hierdurch auch immer mehr an Ausdehnung gewinnt, -bis im Laufe der Zeiten Inseln von beträchtlichem Umfange entstehen. - -Bei der Beschreibung des Marschall-Atolls und anderer werde ich auf -deren muthmaßliche Bildung zurückkommen, obgleich die Entstehung der -heutigen Inselgruppe auf ganz gleiche Vorgängen zurückzuführen ist. - -Sieben Seemeilen weiter westlich von dem, dem Hafen von Saluafata -vorgelagerten Riffe -- die Küste zeigt auf dieser Strecke nur wenig -Korallenbildungen -- erhebt sich von der Vailele-Bai erst wieder das -massive, von hier die ganze Küste westwärts umfassende Korallenriff. -Die brandenden Wogen an denselben mahnen zur Vorsicht, man ist deshalb -gewohnt, einen größeren Abstand zu halten, als bei günstigem Winde -nöthig wäre, da die Wassertiefe fast überall bis dicht unter das Riff -beträchtlich ist. - -Erschwert wird daher auch das Auffinden der Einfahrt, die zum Hafen -von Apia führt; namentlich für einen mit den Verhältnissen und den -Strömungen nicht vertrauten Schiffsführer hat die erste Ansegelung -etwas Schwieriges. Wohl geben der Apia-Berg, ferner auf diesem und -die an dessen Fuße auf dem kleineren Waea-Hügel errichtete Baken und -Feuer ein gutes Merkzeichen, doch diese sind nicht immer, wenn Dünste -und feuchte Nebel darüber lagern und tiefhängende schwere Regenwolken -das Innere der Insel verhüllen, aus größerer Entfernung sichtbar und -selbst der Hafenlootse kann sich bei bewegter See auch nicht immer -weit aus dem Schutze der Riffe herauswagen, um dem irrenden Schiffe als -Wegweiser zu dienen. Dazu kommt, daß der nach Westen setzende Strom ein -Schiff leicht über die Peilrichtung der gegebenen Zeichen hinaustreibt, -und manchem Führer geht es so wie es auch mir ergangen ist, daß er, -gegen schwachen Ostwind kreuzend, weit fortgetrieben wird und er Tage -braucht, ehe er die Höhe des Hafens wieder erreicht. - -Man bezeichnet auch den durch den im Apia-Hafen mündenden -Vaisigano-Fluß gebildeten Wasserfall, der landeinwärts bei dem Dorfe -Maniani liegt, als gutes Merkzeichen, da er im Sonnenlichte hell -blinkend seine Wasser aus beträchtlicher Höhe abstürzt und auch -weit von See aus sichtbar ist; allein da solche Fälle bei günstiger -Beleuchtung an der Nordseite der Insel mehrere zu sehen sind, so ist -der Vaisigano-Wasserfall kein untrügliches Zeichen. In den Monaten Mai -bis November wird man indes hier meistens immer klares Wetter antreffen -und es dann nicht schwierig sein, die Einfahrt in den gut geschützten -Hafen zu finden. - -Es war am 19. November 1884 als wir, schon nach hereingebrochener -Dunkelheit, den sicheren Hafen erreichten und ich nach einer Reise -von 175 Tagen (der Aufenthalt in Melbourne eingerechnet) das Land -betrat, wo für mich eine jahrelange Thätigkeit im Dienste der deutschen -Handels- und Plantagen-Gesellschaft vorgesehen war. Dem Fremdartigen, -das einem in fern entlegenen Ländern entgegentritt, wendet man -anfänglich seine ganze Aufmerksamkeit zu; so fühlte man sich auch hier, -wo schon die reiche Tropenwelt, die ganze Großartigkeit der Scenerie -die Sinne gefangen nahm, versucht, die gewonnenen Eindrücke auf sich -wirken zu lassen, und das Wohlgefälligste, was dem Beobachter hier in -diesem schönen Erdenparadiese entgegentritt, sind die Bewohner dieses -gesegneten Landes selbst. - -Stolze, stattliche Gestalten sind die Männer, groß und schlank gebaut, -Klugheit und Kraft verrathend, soweit letztere aus dem stolzen Gang und -dem wohlgenährten Körper ersichtlich ist. Der Körper ist bis auf den -Lendenschurz, den Lava-Lava, den sie gefällig um die Hüften tragen, -nackt, die Beine fast bis zum Unterleib tätowirt, stechen die blauen -Streifen oder Ringe von der lichtbraunen Farbe des Körpers auffällig -ab. Die Frauen sind selten über Mittelgröße, haben hübsche, anmuthige -Gestalten, zeigen Sanftmuth und gefälliges Wesen, vor allem, wenn noch -Jugendreiz sie schmückt und sie ihre Schönheit durch die duftenden -Kinder der hier üppig blühenden Flora zu heben bemüht sind, die sie -kranzartig sich in das starke, mähnenartige, schwarze Haar einflechten. - -Ein sorglos glücklich Volk, dem die Natur ihre reichen Schätze ohne -Arbeit und Müh in den Schooß wirft, scheinen diese Ureinwohner zu sein. -Wohin man den Blick wendet, Früchte beladene Kokospalmen, vereinzelt -oder in großen Gruppen, Apfelsinen und Brotfruchtbäume neben der -zuckersüßen Banane, der wohlschmeckenden, nahrhaften Yamswurzel, -dem Zuckerrohr und der Taroknolle, machen die Hauptbestandtheile -der Nahrung der Eingeborenen aus, nur die letzten Arten bedürfen -der Anpflanzung und sehr geringer Pflege. Der Palmenbaum, der Milch, -Oel und saftigen Kern giebt, Gewebe und wohlschmeckendes Getränk, um -Dörfer und Hütten gepflanzt, genügte allein schon den Eingebornen zu -sättigen und zu befriedigen. Nicht die Größe des Flächenraumes schätzt -dieser deshalb hoch, sondern die Zahl der Palmenbäume, die ihm zu eigen -gehören. - -Der große Hafen von Apia, durch die vorspringende Matautuspitze und die -weitgestreckte schmale Landzunge Mulinun gebildet, durch die weit in -See sich erstreckenden Riffe eingeengt und eigentlich erst geschaffen, -bietet genügenden Raum und Wassertiefe für eine ganze Anzahl großer -Schiffe; der kleinere Hafen hingegen ist etwas beengt, bietet aber -für jedes Schiff, wenn solches wegen seines Tiefganges nicht im großen -verbleiben muß, eine noch gesichertere Lage. Uebrigens ist der kleine -Hafen eigentlich nur der Ankerplatz für die der Plantagen-Gesellschaft -zugehörenden Schiffe. - -Auffällig und sofort ins Auge fallend sind die großen Bauten der -Deutschen Handels-Gesellschaft, vor allem das gefällige Hauptgebäude, -das in seiner Ausdehnung nicht bloß die Kontore, sondern auch die -Wohnung des derzeitigen Chefs, des Herrn Konsuls Weber, sowie aller im -Innern-Dienst Angestellten enthält. - -Das Innere des großen Quadrats nimmt ein gefälliger Ziergarten ein, -dessen Bäume und Pflanzen viel dazu beitragen, die heiße Schwüle der -Abende zu mildern und erfrischende Kühle verbreiten. Alle Häuser der -Europäer, aus Holz erbaut, das nach Bedarf von amerikanischen Schiffen -eingeführt wird, stehen um einige Fuß über dem Erdboden erhöht meistens -auf gemauerten Korallenpfeilern. Es ist dies insofern eine zwingende -Nothwendigkeit, als, abgesehen davon, daß während der Regenzeit -vom November bis April, die Feuchtigkeit fern gehalten wird, dem -zahlreichen Ungeziefer nach Möglichkeit gewehrt werden muß. - -Ratten in Unmenge, Ameisen zu Milliarden bürgern sich in den Häusern -gar zu gerne ein und namentlich gegen letztere, die durchaus nichts, -was eßbar ist, verschonen, kämpft hier der Mensch vergeblich an. -Um diese kleinen geschäftigen Thierchen, die unter Dielen, in den -Holzfüllungen ihre Heimstätte aufschlagen, nur einigermaßen vom -Genießbaren fernzuhalten, müssen Tischbeine, überhaupt alle Gefäße, -die Eßbares enthalten, in Wasserbehälter gestellt werden, das ist die -einzige Methode, mit einigem Erfolge Speisen, Früchte u. s. w. vor -Verderben durch Ameisen zu schützen. - -Ein wahres Heer voll Ungeziefer aber beherbergen die Kopraschuppen, -jene Gebäude, welche aufgespeicherte Vorräthe an getrockneter Kokosnuß -enthalten. Kopra ist der in Stücke geschnittene und an der Sonne -getrocknete Kern der Nuß, jenes werthvolle Erzeugniß, das in Europa -die feinsten Oele, Seifen, Säuren u. s. w. giebt und jederzeit hoch -im Preise steht. In solchen Gebäuden wimmelt es von Ratten, Käfern, -Kakerlaken und Ameisen, die hier überreiche Nahrung finden, Tausendfuß -und anderes gefährlicheres Gewürm, selbst den Skorpion habe ich -zuweilen an anderen Orten bemerkt. - -Eine langandauernde Lagerung des Kopras, dessen reicher Oelgehalt -bedeutende Wärme erzeugt, bringt durch Eintrocknen schon einen -Gewichtsverlust mit sich, mehr aber verliert die Güte desselben -durch die erwähnten Thierarten. Bei der Verschiffung des Kopras wird -natürlich solch lästiges Gewürm mit in das Schiff übergeführt und -monatelanges Lagern großer Mengen Kopra in einem Schiffsraume hat zur -Folge, daß namentlich Ameisen und Kakerlaken sich einbürgern, gegen -deren Vertilgung nordische Kälte nur das einzige durchgreifende Mittel -abgiebt. - -Die ausgedehnten Bauten der deutschen Factorei und das dazu gehörige -Gelände trägt den Namen „Savala“, die langgestreckte Landzunge, auf -welcher sich mehrere kleinere Dörfer als „Songi“ und ganz am Ende die -Wohnung des derzeitigen Königs „Maliatoa“ befindet, heißt „Mulinuu“. -Gebüsch, Palmen und Brotfruchtbäume bedecken diese Landfläche, die im -Hintergrunde ein dichter Mangrovensumpf umsäumt, die Brutstätte der -lästigen Mosquitos und des zu Zeiten austretenden Malariafiebers. - -Das Klima der meerumrauschten Insel ist im Allgemeinen als ein gesundes -zu bezeichnen; wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hat der Europäer, -den tödtliches Fieber befällt, es meist immer selbst verschuldet und -zwar dadurch, daß er die in den Zimmern herrschende drückend heiße -Luft durch Oeffnen von Thür und Fenstern während des Schlafes in der -thaukalten Nacht zu mildern sucht, deren feuchte Luft zwar angenehm den -Körper kühlt, aber auch eine verderbliche Einwirkung auf die Gesundheit -ausübt. Wenige Monate nach meiner Ankunft (ein längerer Aufenthalt am -Lande war mir vorgeschrieben) hatte ich durch solche Unachtsamkeit mir -ein schlimmes Fieber zugezogen; zwischen Tod und Leben rang ich lange, -bis doch die Natur, unterstützt durch die Kunst der Aerzte, Sieger -blieb. - -Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen, das bestätigt sich auch -hier selbst bei den Eingebornen; unter anderen Krankheiten sei nur die -den Körper verunstaltende Elephantiasis angeführt. Häufig tritt diese -Krankheit auf, und wenn sie auch im ersten Stadium noch schmerzlos ist, -so schleppt doch der Betroffene ein meistens sehr dick angeschwollenes -Bein, das ihm äußerst lästig und am Gehen hinderlich ist, herum, selbst -langansässige Europäer befällt zuweilen dieses unangenehme Leiden. - -Von der äußersten Spitze der Landzunge Mulinuu führt ein bequemer Weg -rings um die Bai nach Matautu, der als eine eigentliche Straße aber -erst von der deutschen Factorei an zu betrachten ist. Zur Rechten -liegen dort einige gefällige Cottages, im Styl englischer Landhäuser -erbaut, mit vorliegenden Gärten und dem freien Ausblick auf den -Hafen; die Straße selbst wird von hohen Apfelsinenbäumen beschattet, -deren kugelrunde noch unreife Früchte den jungen Samoanerknaben als -Spielbälle dienen, indem diese sich die fast nackende, lebhafte Schaar -mit Geschick zuwirft. - -Weiterhin erst im eigentlichen Matafele, wie die Hauptansiedelung -der Europäer benannt wird, reihen sich Häuser zu beiden Seiten der -Straße, Hotels, Gastwirthschaften und Privatwohnungen, hinter diesen -das Samoanerdorf Matafele. Dem Durstigen winkt hier in den geräumigen -Wirthschaften ein kühler Trunk, durch künstliches Eis gekühlt; denn -Durst, durch die Sonnengluth erzeugt, hat Jedermann, auch stehen neben -Versandbier, das ausnahmslos deutsches Erzeugniß ist, Spirituosen, ja -die theuersten Sorten edlerer Getränke jedem zur Verfügung, sofern der -dafür geforderte hohe Preis nicht den Geldbeutel zu bedenklich leert, -da unter einem Sixhenie, d. h. 50 Pfennigen, nichts erhältlich ist, -eine Flasche Bier aber schon zwei Mark kostet und Weine noch bedeutend -höher im Preise stehen. - -An Vergnügungen fehlt es auch nicht, die meisten Wirthe, dazumal -vornehmlich Deutsche, haben neben einem Tanzsaal, wo gelegentlich -zum Klavier oder Harmonika jeder mit den hübschen Samoanerinnen, -die leidenschaftlich dem Tanze und Spiel sich hingeben, tüchtig das -Tanzbein schwingen kann, auch für Liebhaber des Kegelsports gute -Bahnen eingerichtet, und diese werden von dem zahlreichen Personal der -Factorei und sonstigen Deutschen auch tüchtig benutzt. - -Damit freilich sind die hauptsächlichsten Vergnügungen lokaler Art -erschöpft, Jagdliebhabern bietet sich solches in anderer Weise, -da zahlreiche wilde Tauben und Hühner, selbst verwilderte Schweine -in den Bergen zu finden sind; auch sonntägliche Reitausflüge nach -den Plantagen Vailele, Vaivase, Vaitele, selbst bis nach Molefenua -ausgedehnt, finden viele Theilnehmer, besonders aber sind Picknicks mit -Damen, den Kindern einiger langansässiger Europäer, und Samoanerinnen, -die ihre lichtbraunen Schwestern oftmals noch an Schönheit übertreffen, -für die Jüngeren ein beliebtes Vergnügen, zu deren Veranstaltung -Ausflüge in die schönsten Orte der Umgebung von Apia gemacht werden. - -Hierbei fehlt, was ich gleich erwähnen will, gewöhnlich nicht der -bei den Samoanern so beliebte Schweinebraten, und wenn auch sonst der -stolze Eingeborne sich nicht herbei läßt, eine Handreichung zu thun, so -übernehmen bei solcher Gelegenheit die Aufgeforderten doch gerne das -Amt eines Mundschenks und bereiten eigenhändig nach ihrer Weise den -köstlich duftenden Braten. - -Nach der Anzahl der Theilnehmer wird ein mittelgroßes Schwein vorher -geschlachtet, sehr sauber gereinigt und zerschnitten bereit gelegt. In -einer Grube, die rings mit Steinen ausgefüllt ist, werden diese durch -ein in derselben entzündetes Feuer glühend heiß gemacht, das Schwein in -große Bananenblätter fest eingewickelt, wird nach Verlöschen des Feuers -dasselbe dann in die Grube gebettet und auch mit ebenso heißen Steinen -zugedeckt, worüber dann Erde geschüttet werden muß, um zu verhindern, -daß die Hitze entweicht. - -Von Kraft und Fettgehalt gar nichts verloren, wird nach Verlauf -mehrerer Stunden der äußerst zarte Braten behutsam herausgenommen und -auf frische Bananenblätter gelegt, dann reißt der Vertheiler mit den -Händen das Schwein auf. Allen im Kreise umhersitzenden Theilnehmern am -Mahle sind vorher Bananenblätter als Teller vorgelegt worden. Auf diese -wirft mit vielem Geschick der eine oder andere Gehülfe des Mundschenks -die von diesem mit den Händen in Stücke zerrissenen Fleischtheile, -dabei jedesmal den bezeichnend, dem sein Antheil zugeworfen werden -soll. - -Nach unsern verfeinerten Begriffen ist solche Behandlung des Fleisches -sowohl, wie auch der ganze Vorgang etwas unappetitlich, indes stößt man -sich weniger daran, da vor den eigenen Augen alles mit peinlichster -Sauberkeit vorgenommen wird, auch liegt ein gewisser Reiz darin, -Unbekanntes und Eigenartiges kennen zu lernen. So viel ist gewiß, -ein jeder läßt sich das zarte Fleisch eines so bereiteten Schweines, -das nachträglich mit Salz gewürzt wird, vortrefflich schmecken, dazu -die zarten Yamswurzeln und Bananen, duftende Ananas und Orangen als -Nachtisch. So wird solches Essen ein lukullisches Mahl, das mit Bier, -Whisky und Sodawasser heruntergespült wird. - -Gewöhnlich aber haben die theilnehmenden Samoanerinnen noch etwas -zur Ueberraschung vorbereitet: nämlich das beliebte, pikante -Palisami. In junge Bananenblätter mehrfach eingehüllt, liegt eine -weiche, weiße Masse, unsern Windbeuteln vergleichbar, die, von den -zartesten Blüthenblättern des Kokosbaumes umgeben, einen scharfen, -aber angenehmen Geschmack hat, erzeugt durch die feinen Blättchen, -die mit gegessen werden. Das Ganze besteht aus ganz fein geriebenen -Kokosnußkernen, durchsetzt mit der weißen Kokosmilch. Der eintretende -Säureprozeß trägt viel zum Wohlgeschmack bei. - -Die Fröhlichkeit wird dann durch die ungemein wohlklingenden Gesänge -der blumengeschmückten Samoanerinnen eingeleitet. Einer Vorsängerin, -die Melodien und Text angiebt, folgt der ganze Chor mit einer -auffallenden Richtigkeit, die anmuthigen Bewegungen, das taktmäßige -Wiegen des Oberkörpers nach dem Rhythmus, das Klatschen der Hände auf -den Beinen, Armen, Schultern und Kopf geschieht mit solcher Präzision, -daß nur ein angeborenes Talent solche Fertigkeit hervorbringen kann. -Nicht minder interessant sind die Tänze; wie auf Kommando bewegen sich -die Füße und Gliedmaßen, das Aufreihen und Schließen einer Kette oder -Ringes geschieht mit unfehlbarer Sicherheit, dazu kommt der melodische -Gesang, kurz, es ist ein Genuß, den Bewegungen der graziösen Gestalten -zuzusehen. - -Oft habe ich in den Hütten der Eingebornen, wo gerne Gastfreundschaft -geübt wird, bei kredenztem Kavatrunk Tanz und Spiel zusehen können -und über die Sorglosigkeit der Eingebornen Betrachtungen anzustellen -Gelegenheit gehabt, mit welcher die gütige Natur dieses glückliche -Volk ausgestattet hat, das durch schöne Gestalt und heiteren Sinn ganz -besonders bevorzugt ward. - -Bei solchen Vergnügungen sowohl, wie bei einem Besuch in der -schmucklosen Hütte des Eingebornen, wird der Nationaltrunk -herumgereicht und ist dieser in folgender Weise zubereitet: die grüne -Kavawurzel, sonst giftig, wird vollständig an der Sonne getrocknet, -bis sie gelb und die Fasern spröde geworden sind, wodurch sie ihre -schädlichen Eigenschaften vollständig verliert. Die eigentliche und bei -den Samoanern beliebte Zubereitung nun ist: es kauen die jungen Mädchen -nach vorgenommener Reinigung des Mundes Theile dieser Wurzel mit ihrem -vorzüglichen Gebiß klein, rollen solche in Kügelchen und legen diese -in die Kavaschale, eine aus dem Holze des Brotfruchtbaumes künstlich -geschnitzte und auf kurzen Füßen ruhende Mulde. Dann werden die -Wasserbehälter, vollständige, möglichst große Kokosnüße, die so lange -in Seewasser gelegen haben oder mit solchem angefüllt gewesen sind, -bis der schmackhafte Kern in derselben sich aufgelöst hat und durch -die kleinen Keimlöcher entfernt ist, herbeigebracht, die nach Bedarf -vorräthig in oder außerhalb der Hütte hängen und nach vorgenommener -Reinigung der Hände wird von ihnen so viel Wasser in die Schale -gegossen, als erforderlich erscheint. - -Die den Kavatrank bereitende Frau rührt nun mit einem bereitgehaltenen -Büschel feiner Fasern von der Banane das Ganze durcheinander, bis -das Gebräu eine schmutzig-bräunlich-gelbe Färbung angenommen hat, -dabei ist sie mit dem Büschel bemüht, auch das kleinste Fäserchen -der aufgelösten Kavawurzel zu entfernen. Ist der Trank bereitet, was -durch Händeklatschen den Anwesenden kundgethan wird, so bezeichnet -der Hausherr den vornehmsten Gast durch Aufruf und eines der jungen -Mädchen hält, sich erhebend, eine durch vielen Gebrauch schön polirte -Kokosnußschale über den Kavabehälter und läßt sich den ausgeschwenkten -und wieder eingetauchten Faserbüschel darin ausdrücken, oder richtiger, -das oft über einen halben Liter fassende Gefäß mit dem Getränke -volllaufen. In graziöser Bewegung schreitet das Mädchen dann auf den -Bezeichneten zu und kredenzt, vor dem Sitzenden sich neigend, das -Getränk. - -Hierbei ist es Regel (soll in einer Nichtannahme keine Beleidigung -des Wirthes gefunden werden), daß die Schale geleert oder doch daraus -getrunken wird, den Rest kann man seitwärts oder über den Kopf hinweg -ausschütten und dann das leere Gefäß dem wartenden Mädchen zurückgeben. -So geht es in der Runde fort, oft wird auch die große Schale nach -Bedarf mehrmals aufs Neue gefüllt. Gesang, an welchem auch die Männer -sich betheiligen, hilft ein solches Trinkgelage verschönern. - -Die Kavawurzel besitzt auch die Eigenschaft, einem kranken und -ermatteten Körper Ruhe zu geben, sowie eine schmerzstillende Wirkung -auszuüben, sie hat deshalb weite Verbreitung als Genußmittel auch bei -den übrigen Südseeinsulanern gefunden. - -In größeren Mengen genossen, wirkt der Kavatrank aber doch berauschend, -und bei vollständig klarem Kopfe hat man das Gefühl, als weiche der -Erdboden unter den Füßen, eine Art Gefühllosigkeit macht sich in den -Beinen bemerkbar und kaum spürt man die Berührung mit dem Boden. -Bei einem Ausfluge zu einem landeinwärts lebenden Europäer, wo in -Ermangelung von Bier und anderen Getränken von den gefälligen Samoanern -reichlich Kava kredenzt wurde und ich als Neuling schließlich auch -Gefallen an dem eigenartigen Getränke fand, dessen Wirkung ich nicht -kannte, machte ich auf dem langen Heimwege in dunkler Nacht dann die -Erfahrung, daß ein neckischer Kobold sein Spiel mit mir zu treiben -versuche. - -Das Kauen der Kavawurzel ist, wie erwähnt, im Allgemeinen gebräuchlich, -doch bürgert sich, wenigstens wo ein häufigerer Verkehr mit Europäern -stattfindet, mehr und mehr die Methode ein, diese Wurzel zwischen -Steine zu zerklopfen und das unappetitliche Zerkauen mit den Zähnen -unterbleibt. Die Zubereitung des Trankes bleibt sonst dieselbe. - -Wie bei den meisten Naturvölkern, so herrscht auch bei den Samoanern -keine strenge Sittlichkeit, doch darf als Beweis die Veranstaltung des -Festes angesehen werden, welches zu Ehren der unbescholtenen Jungfrauen -gefeiert wird. Bei diesem folgt Alt und Jung dem Zuge, an dessen Spitze -die jungen Mädchen im reichsten Blumenschmuck einherschreiten. So -allgemein ist diese Sitte, daß das Fest in jedem großen Dorfe begangen -wird. Die Anwesenheit der Europäer ist bei solcher großen Festlichkeit -sehr erwünscht, sind sie vorhanden, so wird ihnen der Ehrensitz an der -Seite der Jungfrauen zutheil. - -In gleicher Weise wie bei den geschilderten Picknicks wird auch -hierbei, nur im großartigeren Maßstab, ein opulentes Mahl im grünen -Grase unter den Wipfeln rauschender Palmen abgehalten, dem Gesang und -Tanz folgt ein Schauspiel in dieser herrlichen, pittoresken Gegend -und Umgebung, wie solches eindrucksvoller und natürlicher von den -frohsinnigen Kindern eines gesegneten Fleckchen Erde nicht vorgeführt -werden kann. - -Reinlichkeit des Körpers ist eine Tugend des samoanischen Volkes, -hervorgerufen durch die Anschauung, daß dadurch allerlei Krankheiten -fern gehalten werden, zu jeder Tageszeit in den kühleren Stunden findet -man an den Ufern der aus den Bergen kommenden Flüße und Bäche badende -Mädchen und Frauen; ja dies ist so zu einem Bedürfnisse geworden, daß -selbst Kranke sich zu den erfrischenden Wassern schleppen. - -Um Haut und Körper geschmeidig zu erhalten, reiben namentlich Frauen -und Mädchen sich mit Kokosnußöl ein, welches dem Braun der Hautfarbe -etwas Glänzendes giebt; gleichwohl geht auch ein scharfer Geruch von -ihnen aus, der ein empfindliches Riechorgan beleidigen kann; auch eine -aneinandergereihte haselnußgroße Frucht, mit Vorliebe neben Muscheln -und Blumenranken als Schmuck getragen, vermehrt den scharfen Geruch des -Oels, die Gegenwart eines weiblichen Wesens macht sich sofort dadurch -bemerkbar. - -Bei beiden Geschlechtern ist das Kopfhaar auffallend stark, andere -Haare am Körper, selbst oft der sprießende spärliche Bart des Mannes, -werden durch Ausreißen entfernt und wo sie sich dennoch zeigen, solche -mit scharfen Glasscherben oder Muscheln abrasirt. Während die Männer -sich nach und nach den ganzen Unterkörper tätowiren, haben die Frauen -nur einzelne Punkte auf der Brust, und ich muß sagen, erstere müssen -bei dem schmerzhaften Verfahren recht starke, wenig empfindliche -Nerven besitzen, denn eine Anzahl dicht aneinandergereihter Nadeln, die -bis auf eine gewisse Länge in die Haut eindringen, werden, befestigt -an einem Holzstück, mit leichten Schlägen eines kleinen Holzhammers -eingetrieben und auf diese Weise die einfache Zeichnung ausgeführt. - -Das Kopfhaar der Samoaner ist stark und schwarz; findet man bei den -Männern rothes, so ist dies künstlich erzeugt und beweist einen -gewissen Grad von Eitelkeit. Schlanke Jünglinge, selbst Männer, -erscheinen häufig am frühen Morgen mit einer eigenartig weißen -Perrücke geschmückt, bis über die Schläfe hinaus ist der ganze Kopf -in eine starre, weiße Kalkmasse eingehüllt, was den Trägern solcher -Kopfbedeckung ein eigenthümliches Aussehen giebt. Dabei sind sie auch -noch darauf bedacht, ihre Frisur vor Verletzungen und Unordnung zu -schützen. - -Die Folge ist, daß unter beständiger Einwirkung von Kalk, der hier -leicht aus gebrannten Korallensteinen zu gewinnen ist, das Haar -allmählich bleicht und schließlich roth wird, neuer Nachwuchs muß -natürlich immer auf gleiche Weise behandelt werden und die Eitelkeit -legt dadurch dem sonst trägen und zur Arbeit wenig geneigten Samoaner -doch gewisse Beschränkungen auf. Uebrigens ist ein Unterschied in der -Sprache wie in der Bekleidung vorhanden. Während nämlich die Taimua, d. -h. die Vornehmen, sich einer besonderen Sprache bedienen, im Gegensatz -zu der der Faipule, d. h. des gemeinen Volkes, so ist es nur den -Häuptlingen und den Mitgliedern einer Königsfamilie gestattet, weiße -Lava-Lava, d. h. Lendenschurze zu tragen. - -Als um das Jahr 1830 die ersten Europäer sich hier festgesetzt und -allmählich der Handel an Ausdehnung gewann, war die Ausfuhr nach Europa -vornehmlich Kokosnußöl, welches die Eingebornen in größerer Menge -bereiteten, davon ist man aber längst abgekommen und führt die viel -billigere Kopra unter Ausnutzung ihrer reichhaltigen Stoffe, die bei -der ursprünglichen Oelgewinnung vergeudet wurden, lieber in Mengen aus. - -Die Oelbereitung geschah, wie früher so auch heute noch, auf folgende -Weise: die reife Kokosnuß wird aufgespalten und von der äußeren -fasrigen Hülle befreit, so daß der ölhaltige Kern nur noch von der -harten festen Schale umgeben bleibt, der Kern wird dann durch Hin- und -Herscheuern auf einem wie eine Säge ausgezackten Stück Bandeisen oder -hartem, schmalen Holz klein gerieben und die gewonnene Maße dann in -eine Mulde oder alten Kanoe geschüttet. Dann wird sie mit Seewasser -übergossen und dem Gährungsprozesse überlassen. Das Oel sammelt -sich überm Wasser und kann leicht abgeschöpft werden. Es ist sehr -säurehaltig, wird deshalb leicht ranzig und eignet sich schlecht zum -Gebrauch, der widrige Geruch hat auch etwas unangenehm Belästigendes an -sich. - -Um zu dem schon erwähnten Palisami oder zu einer Reisspeise, -selbst Hühnersuppe, die benöthigte weiße Milch zu erhalten, braucht -die kleingeriebene Kernmasse nur in einem Stückchen Zeug oder in -Ermangelung dessen in einer weichen, feingewobenen Matte ausgedrückt -zu werden, der weiße, wohlschmeckende Saft fließt durch das Gewebe ab, -der Rest dient den Hühnern und Schweinen als Nahrung, die sehr gierig -nach solchem Futter sind; namentlich muß vor letzteren die auf Matten -ausgelegte Kopra geschützt werden, denn mit besonderer Vorliebe eignen -sich diese Thiere den wohlschmeckenden, ihnen so mundgerecht gelegten -Vorrath an. - -Die Kokospalme ist überhaupt der von der gütigen Natur für viele -Volksstämme gespendete Universal-Baum; diese erhabene, majestätische -Bauart, die vielfältig dem Menschen Nahrung, Kleidung und Obdach -giebt, hat auch den zivilisirten Europäer nach Gegenden gezogen, die -ein einsam freudloses Dasein bieten, wo er oft mit wilden, selbst -kannibalischen Stämmen, schwere Kämpfe bestehen mußte, ehe ein -Tauschhandel um die werthvolle Kokosnuß eingeleitet werden konnte. - -Die Kokospalme wächst überall in den Tropen, auf Korallen, wo sonst -kein Gras noch Strauch zu sehen ist, senkt sie ihre Wurzeln tief ins -Gestein und saugt das für sie nöthige Wasser auf, auch auf Hügeln und -Bergen, wo der Boden gut ist und genügend Feuchtigkeit halten kann, -findet man sie bis zu 500 Fuß überm Meeresspiegel. Auf verwittertem -Lavagrunde gedeiht der Baum am besten; ist genügend Raum zur Ausdehnung -vorhanden, so erreicht der astlose, schlanke Stamm oft eine Höhe von 90 -Fuß, über dem sich die mächtige frucht- und blätterreiche Krone stolz -in den Lüften wiegt. - -Auf den Plantagen geht man in einem Tempel, der scheinbar endlos -sein grünes Dach über viel Tausend Säulen wölbt; man ist wie in einem -hehren, mächtigen Dome, unter dessen Wölbung ein reiner, stiller Friede -waltet, ein Etwas, das jedem die Majestät der schaffenden Natur vor -Augen führt. - -Die Blätter der Palme, bis zu 30 Fuß Länge reichend, dienen, ineinander -geflochten und schichtweise aufeinander gelegt, dem Eingebornen zur -Bedachung seiner Hütten, die meistens rund oder oval nur aus einer -Anzahl in den Boden gesetzter Palmenstämme bestehen, in der Mitte -ist ein höherer Stamm, der das schräge Dach zu unterstützen hat. -Die Wandbekleidung sind aufrollbare Matten, die Nachts, wenn der -mattenbelegte Raum als Schlafstätte benutzt wird, niedergelassen -werden, höchstens giebt es ein abgetrenntes Heiligthum in jeder Hütte, -das Schätze birgt und profanen Blicken nicht zugänglich ist, sonst ist -bei Tage das Innere einer Hütte meist immer sichtbar. - -Große Geschicklichkeit zeigen die Samoaner im Flechten der Matten, -ihrer praktischen Fächer u. s. w. Auch hierfür giebt ihnen die -Palme wieder das Material. Die feinen Blätter werden aufgerollt, -eine zeitlang gut gewässert, und dann mit einem flachen Stein oder -Holz geklopft. Dann verliert sich die Sprödigkeit und jedes Blatt, -selbst zu feinen Streifchen leicht auftrennbar, giebt einen weichen, -handlichen Stoff. Körbe zum Heimschleppen etwaiger Feldfrüchte oder -Nüsse verfertigt sich der Samoaner erst an Ort und Stelle, ein Theil -des gewaltigen Palmenblattes genügt dazu, und zwar reißt er die starke -Mittelrippe des Blattes so auf, daß er zwei Theile erhält, flicht die -schmalen Blättchen in einander, so daß beide Theile nun ein Ganzes -bilden, biegt die geschmeidigen Rippen, befestigt sie und in wenig -Minuten ist ein starker, fester Korb hergestellt. - -Die zähen, biegsamen Rippen der schmalen, langen Blattstreifen werden -auch nicht verworfen, sondern dienen, in Bündel gebunden, als Besen. -In Ermangelung besserer habe ich mir häufig solche zum Schiffsgebrauch -anfertigen lassen, die sich auch gut bewährten. - -Die Blüthe der Palme tritt unterhalb der Blätterkrone in länglicher -blattähnlicher Form am Stamme hervor, in ihr sammelt sich der süße Saft -und zwar in solchen Massen, daß, wenn die Blüthe angeschnitten wird und -man die Wunde nicht vernarben läßt, weit über die Dauer der Wachszeit -hinaus der Saft fortwährend läuft. Solch ein Baum, dessen Blüthen zur -Gewinnung dieses Saftes einmal angeschnitten sind, bringt in Folge -davon keine Früchte, giebt aber den wohlschmeckenden, süßen Stoff -„Toddy“, den jeder gerne trinkt; frisch ist er ein angenehm kühles -Getränk, in Gährung übergegangen, was bald geschieht, wirkt er aber -stark berauschend. - -Der Palmenbaum wird durch die Entziehung des Saftes natürlich -geschädigt, und wenn mit Nachlässigkeit verfahren wird, kann man sagen -verblutet sich derselbe und stirbt langsam ab. Meistens werden immer -dieselben Bäume zur Gewinnung des Toddy verwendet, da der Eingeborne -den Werth der Palme ebenso wie der Europäer wohl zu schätzen weiß, auch -ist das Toddystehlen, wozu der Samoaner große Neigung hat, arg verpönt -und wird ein Europäer dadurch geschädigt, steht auf Toddy-Raub eine -empfindliche Strafe. - -Die junge Kokospalme bedarf eines fünfjährigen Wachsthums, ehe sie -Früchte bringt, und auch dann muß der Boden gut sein; auf Korallengrund -gepflanzt, entwickelt sie sich langsamer und braucht etwa sieben Jahre. -Von dieser Zeit aber an trägt sie auch immerwährend Nüsse, obwohl man -eigentlich bei den zwei Mal im Jahr eintretenden Haupternten den Ertrag -des einzelnen Baumes auf durchschnittlich 100 Nüsse rechnen kann. Drei -Nüsse werden gemeinhin auf ein Pfund Kopra gerechnet. - -Reife, abgefallene Nüsse treiben, wenn sie längere Zeit unbeachtet -bleiben, leicht Keime. Häufig sah ich Haufen Nüsse, die mit jungen -Schößlingen bedeckt waren, auf freier Erde liegen, es bedurfte nur -einer Auspflanzung und der Entwicklung der anspruchslosen Pflanze stand -nichts im Wege. Regel ist, daß jeder Baum 30 Fuß Spielraum erhält, -aufeinandergedrängt entwickeln die Palmen sich schwerer, wenigstens ist -der Ertrag kein guter. Jung und grün gepflückt ist die äußere Schale -der Nuß noch verhältnißmäßig weich und inwendig ganz mit farbloser, -wohlschmeckender Milch gefüllt. - -Diese, wohlschmeckend, kühl und angenehm, stillt zwar den Durst, doch -darf man nicht zu viel und zu häufig davon trinken, da sich dann leicht -Unterleibsbeschwerden einstellen. Das innere, zarte Fleisch der Nuß, -der in der Bildung begriffene Kern, ist für Mensch und Thier nicht -minder angenehm. - -Zur Zeit der Fruchtbildung, wenn die Faserhülle noch weich und -dünn ist, machen sich mit Vorliebe die Ratten daran, die die Bäume, -namentlich die etwas geneigten, selbst die höchsten, erklimmen und die -Nüsse anschneiden und der angerichtete Schaden ist ganz beträchtlich. -Gegen diese Nagethiere vermag der Pflanzer die Früchte nur dadurch -einigermassen zu schützen, daß er seine Bäume mit Blechstreifen, über -welche die Ratten schlecht hinwegkommen, benagelt, auch gefallene Nüsse -möglichst schnell aufsammelt, da die scharfen Zähne der Ratten selbst -die zähe Faserhülle und die äußerst harte Schale der Nuß durchzufressen -vermögen. Ein Laie, der in den Besitz einer beinahe reifen Nuß gelangt -ist, wird schwerlich solche leicht öffnen können, da das Durchschneiden -der zähen Faserhülle selbst mit einem scharfen Messer kaum möglich ist. - -Der Eingeborne bedient sich dazu eines 2-3 Fuß langen Stockes, den -er an beiden Enden zugespitzt hat; dann stößt er das eine Ende in die -Erde, faßt die Nuß mit beiden Händen und schlägt damit gegen die Spitze -des Stockes, sodaß dieser tief in die äußere Hülle eindringt. Alsdann -bricht er, mit der linken Hand den Stock festhaltend, mit der anderen -die Schale auf indem er die Nuß kräftig zur Seite biegt; wenige Schläge -genügen, und die Nuß ist von der zähen Hülle befreit. Um nun auch die -harte innere Schale zu öffnen, schlägt man mit einem Stein oder Messer -oder einer anderen Nuß dagegen, dann springt an der getroffenen Stelle -die spröde Schale leicht auf, Kern und Milch wird frei. - -Soll die fasrige Hülle zu Matten oder Tauwerk verwendet werden, so -wird solche für längere Zeit in einen Frischwassertümpel gelegt; -die Fasern lösen sich dann auf und lassen sich, gereinigt, leicht -auseinander ziehen. Gewöhnlich spinnen die Eingeborenen daraus den -Cajar, einen zweidrilligen Faden, aber auch starkes, zähes Tauwerk, -jener dient ihnen namentlich dazu, ihre Hütten zu befestigen, die mit -Cajar gebunden, selbst vom wirbelnden Orkan nicht leicht niedergefegt -werden können. Zuletzt sei noch die harte Kernschale erwähnt, diese, -an und für sich nicht weiter verwendbar, wird zur Feuerung benutzt. Sie -entwickelt, da sie leicht brennbar ist, eine ganz beträchtliche Hitze. - -Lehrreich ist es, zu beobachten, wie gewandt der Samoaner selbst die -höchsten Palmen zu erklimmen vermag und die hochhängenden Früchte -dieses Baumes zu erlangen versteht. Ein Hinaufklettern ist es freilich -eigentlich nicht, eher ein Vorwärtsschieben des Körpers mit Händen -und Füßen. Dabei weiß der Eingeborne sich auf eine einfache Weise -zu helfen. Der Stamm der Palme, obgleich ziemlich glatt, hat doch -eine beträchtliche Zahl leicht vorstehender Ringe, die ehemaligen -Blätteransätze, diese geben dem Kletternden dann einen gewünschten -Halt, wenn er sich mit dem erwähnten Cajar die Knöchel der Füße -so verbindet, daß vielleicht sechs Zoll Abstand bleibt. Wird die -Fußsohle gegen den Stamm gedrückt, so findet dieses kurze Tau an -den vorspringenden Ringen Halt; mit den Händen immer höher greifend, -schiebt sich der Körper bis zur schwankenden Höhe hinauf. - -Der hohe Werth der Kokospalme, den auch der Europäer sehr zu schätzen -weiß, läßt sich aus dem Gesagten entnehmen; kein größerer Schade kann -daher dem Eingebornen zugefügt werden, als wenn man seine Palmen -vernichtet, was leider die Samoaner unter sich bei ihren häufigen -Parteikämpfen nicht unterlassen. Der siegende Theil schlägt, wenn er -Zeit findet, die Anpflanzungen der Besiegten nieder und fügt dadurch -dem Unterliegenden einen unersetzlichen Verlust zu. - -Auffallend schnell hat der Samoaner sich dem Christenthume -zugeneigt, da er sehr empfänglich für das Neue und mit schnellem -Auffassungsvermögen ausgestattet ist. Das evangelische und katholische -Bekenntniß zählt zahlreiche Anhänger, man kann sagen, dem Namen nach -sind die meisten Bewohner der Samoagruppe Christen. - -Um so leichter hat der Eingeborne die göttliche Lehre angenommen, als -er in ein Labyrinth von Göttern und Götzen gerathen war, aus dem ihm -selbst seine reiche Phantasie durch Umstürzen alter und Aufstellung -neuer Götter schwer einen Ausweg schuf. Im Allgemeinen war die -Anschauung der Allbeseelung der Naturwelt und der Menschen in ihm -lebendig. - -Etwas eigenartig liegen die politischen Verhältnisse auf Samoa. -Das tapfere Volk, in Stämme und Parteien getheilt, schwingt trotz -seiner monarchischen Staatsverfassung immer aufs Neue die Fackel des -Bruderkrieges, schnell ist es zum Kampf bereit, schnell auch wieder zur -Versöhnung, die es durch großartige Feste feiert. Den Frieden aber, der -eigentlich nur ein Waffenstillstand ist, können geringfügige Vorfälle -leicht wieder stören. - -Die Kriege sind, als noch Lanzen, Keulen und Schlachtbeile mehr im -Gebrauch waren, wohl nie sehr blutig gewesen, da Mann gegen Mann -gefochten wurde und schon bei einem geringen Verluste die schwächere -Partei das Feld räumte, die erbeuteten Köpfe der gefallenen Krieger -nahm der Sieger als Trophäe mit und legte sie seinem Oberhäuptling oder -dem Könige zu Füßen. - -Von dieser scheußlichen Gewohnheit, den Todten und Verwundeten die -Köpfe abzuschneiden, lassen die Samoaner auch heute noch nicht, -zum mindesten wird, wenn keine Zeit vorhanden ist, die Schändung -vorzunehmen, schnell ein Ohr abgeschnitten, dann hat nämlich der Kopf -für einen anderen keinen Werth mehr. Missionare und strenge Gesetze -sind machtlos dagegen; von der Gewohnheit ihrer Vorfahren, solche -Trophäen heimzubringen, wollen sie durchaus nicht lassen. - -Besser wurde die Lage auf Samoa auch nicht nach der Ansiedelung -der Europäer, und haben die Deutschen als die ersten auch großen -Einfluß gewonnen, so hat doch die Nebenbuhlerschaft der Engländer und -Amerikaner das Parteiwesen nur verschlimmert. Die Einfuhr von Waffen, -namentlich des Winchester Gewehrs, haben den begabten Samoaner, der -Landbesitz und große Mengen Kopra für die Erlangung solcher Waffe -hergab, zu einem nicht zu verachtenden Gegner gemacht. - -Ja der Haß der Fremden gegen die Deutschen, welche den werthvollsten -Theil der Insel Upolu in ihren Besitz gebracht hatten, ging so -weit, daß sie trotz ihrer geringen Anzahl offen Partei gegen unsere -Landsleute nahmen und die Samoaner gegen ihre einstigen Freunde -aufstachelten, wodurch deutsches Eigenthum schwere Schädigung erlitt. - -Es ist genugsam bekannt, wie thatkräftig die Regierungen eingreifen -mußten, um die blutigen Fehden einzuschränken, die blinder Haß und -Neid entfacht hatte. Da der deutsche Reichstag im Jahre 1878 den Plan -des eisernen Kanzlers, die Samoa-Inseln an Deutschland zu bringen, -zunichte machte, als diese noch herrenlos und durch politische Wirren -geschwächt waren, hat uns später viel Blut und Leben gekostet; damals -war es eine geringe Summe, um welche es sich handelte, hätte man sie -bewilligt, die Perle des Großen Ozeans wäre deutsch gewesen! - -Unsere aufblühenden Kolonien, die kaum ein Jahrzehnt in deutschem -Besitz sind, haben gezeigt, daß der Deutsche auch in seinem eigenen -außereuropäischen Besitzthum der rechte Mann der That sein kann, also -nicht bloß versteht, anderen Nationen die leicht erworbenen Länder zu -bebauen und zur Größe und zum Wohlstand zu verhelfen. Wahrlich genug -deutsche Kraft und Einsicht ist anderen Völkern zu gut gekommen, so daß -es fürwahr an der Zeit war, dem erstarkten deutschen Volksbewußtsein -weitere Kreise zu ziehen, wie es der Begründer des neuen Reiches als -ernste Nothwendigkeit erkannte; hemmen läßt sich der gewaltige Trieb -einer aufflammenden Volkskraft wohl, aber niederhalten, in andere -Bahnen lenken, niemals! Wie später die deutschen Pioniere in Afrika -alles daransetzten, für ihr deutsches Vaterland das zu schützen, was -das Schwert erkämpft hatte, so würde damals ein gut bebautes, reiches -Land schnell unter den Fittichen des deutschen Aars den Frieden und das -Volk die Ruhe nach langem Hader und blutigen Kämpfen gefunden haben. - -Dagegen wurde den drei betheiligten Mächten Deutschland, England, -Amerika die Oberhoheit zugesprochen, dem kleinen Volke aber die -Selbständigkeit gelassen. Ohne Zweifel ging das Bestreben dahin, auf -diese Weise dem Volke den Frieden zu geben aber die Eifersucht der -Fremden vereitelte die gute Absicht. Vor allem gönnten die Engländer -und Amerikaner, so geringen Antheil sie auch an Samoa hatten, den -Deutschen nicht die Früchte ihrer Mühen, und was im hohen Rathe der -Mächte eine Möglichkeit schien, Land und Volk den Frieden zu geben, -vereitelte auf Samoa selbst die Eifersucht der Ansiedler. Willkommen -war jeder Anlaß, dem vorherrschenden deutschen Einflusse den Boden zu -entziehen und dessen Ansehen zu schädigen. - -Fürsten und Volk der Samoaner lauschten den Einflüsterungen -übelgesinnter Eingewanderter, welche den Zwiespalt der Parteien schlau -benutzten und die Fackel des Aufruhrs und der Widersetzlichkeit -entflammten. Daß die Deutschen endlich dieses Treibens müde wurden -und 1885 auf Mulinuu, dem Gebiete des übel berathenen und feindlich -gesinnten Königs Maliatoa, die deutsche Reichsflagge hißten, war -ein Akt zwingender Nothwendigkeit. Standen auch 2000 Krieger um Apia -bereit, die Flagge niederzureißen und die erklärte Schutzherrschaft -aufzuheben, so wurden diese doch durch die Geschütze der deutschen -Kriegsschiffe und die beträchtliche Zahl der bewaffneten Deutschen von -einem Angriffe zurückgehalten. - -Wie jubelten wir alle der stolzen Flagge zu! Ein großer Festtag war es, -als, geschützt durch Wall und Graben, durch die Waffen der deutschen -Matrosen das Reichspanier sich hoch am schlanken Maste entfaltete. -Jener 6. Januar 1885 schien endlich das Sehnen der Deutschen auf Samoa -erfüllt zu haben. - -Es kam wirklich nach Hissung der Flagge ein kurzer Zeitabschnitt, -wo Ruhe und Friede auf der Insel Upolu einzukehren schien; das -thatkräftige Einschreiten der deutschen Beamten, der einheitliche -Wille, der den Verhältnissen voll gewachsen war, sowie die entfaltete -Macht, die den Eingebornen Achtung einflößte, schien bessere -Verhältnisse herbeizuführen. Aber anders war es im Völkerrathe -beschlossen. Kurz war die Freude aller Deutschen, kurz der Traum von -Ruhe und Frieden. Muthlosigkeit, bittere Enttäuschung erfüllte alle, -aussichtslos war der weitere Kampf, die Freudigkeit am Ringen um den -Preis so hohen Gutes war dahin, als die deutsche Flagge niederging. - -Der Versuch, den deutschen Einfluß, der einst die ganze Inselwelt -der Südsee beherrschte, zu brechen, war gelungen, wohl niemals wieder -werden wir uns denselben in der ganzen Größe und dem ganzen Umfange wie -einst erringen können. Die feste Hand, der starke Wille, dem Fürst und -Volk Samoas allein sich unterordnen, fehlt hinfort und fehlt bis heute. -Welche Kämpfe gefolgt sind -- keinem System, als dem der unbeschränkten -Macht wird der Samoaner sich beugen -- hat die Folgezeit gezeigt. - -Um der Todten, um des deutschen Blutes willen, das den Boden Samoas -getränkt, möge noch einmal die Zeit kommen, in welcher kräftig und -dauernd der deutsche Aar sein Kleinod festhält und es niemals wieder -fahren läßt. - - - - -II. Reisen durch die Samoa- und Tonga-Inseln. - - -Das im vorigen Kapitel Gesagte ist das Ergebniß solcher Beobachtungen, -die zu machen ein Aufenthalt am Lande, oder im Hafen von Apia mir -ermöglichte. Viele weitere Einzelheiten, deren Kenntniß der Verkehr -mit den Samoanern und langansässigen Europäern mit sich bringt, -verdienten zwar noch der Erwähnung, indes, da ich in großen Zügen nur -meine Erlebnisse in der Südsee schildern will, muß Unwesentlicheres -zurücktreten; darum sehe ich auch von der Beschreibung einzelner -Fahrten und Reisen durch dieses weite Gebiet ab. - -Alle mit mir zugleich auf demselben Segelschiffe angekommenen -Passagiere, die, wie ich, sich auf 3 Jahre der Plantagen-Gesellschaft -verpflichtet hatten, wurden bald nach unser Ankunft ans Land beordert -und nahmen die ihnen zugewiesene Beschäftigung auf. Meine Bestimmung -dagegen lautete, sogleich an Bord des Schooners „Hapai“ zu gehen und -dort vorläufig den Dienst des ersten Steuermanns zu versehen. - -Zwei Tage später schon lichteten wir Anker und segelten nach Matautu, -dem Haupthafen der Insel Savai, von dort sollten wir schnell das -daselbst lagernde Kopra, wie solches auf den verschiedensten Inseln von -den Händlern der Gesellschaft aufgekauft wird, abholen. - -Auf Savai, das nur durch die Straße von Apolima von Upolu getrennt -ist, erhebt sich die dunkle Bergmasse, gleich der auf Upolu, hoch und -mächtig; ja, aus der Ferne gesehen, scheint ein gewaltiger Höhenrücken -die ganze Insel auszumachen. 4000 Fuß hoch, die höchsten Krater -auf Upolu, den Tofua, Maugalaila, Taitoelau und Sigaele um 1000 Fuß -überragend, erhebt sich diese Kraterregion gleich einer Scheidewand, -die zwar von reichem Pflanzenwuchse bedeckt, aber wenig bevölkert ist; -nur einzelne Pfade führen durch Urwälder und tropische Wildniß über -die von Lava starrenden wildzerklüfteten Berge. Jungfräulicher Boden, -der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt und für Kaffee, Vanille, -Baumwolle geeignet ist, liegt brach und unbenutzt, denn es herrscht -vollständiger Mangel an gut geschützten Häfen. - -Weniger als auf Upolu bildet das die Insel umgebende Korallenriff -gesicherte Einfahrten, auch die größte vor Matautu wird durch schwer -anrollende See gefährdet. Wohl vertraut mit der nicht so leicht -aufzufindenden Durchfahrt im Riffe, führte mit günstigem Winde der -Führer der „Hapai“ sein Schiff längs der schwer aufrollenden Grundsee -am langgestreckten Riffe hin; die wild schäumende Brandung brach sich -donnernd auf diesem, und die mächtigen Wogen schienen das Schiff dem -Verderben zutragen zu wollen. Ich selber hielt es für sehr gewagt, so -nahe dem gefährlichen Riffe zu laufen, jedoch als wir die Einfahrt nach -Matautu gewonnen hatten, ließen wir bald die wilde Brandung hinter uns. - -Weit von Land ankernd, ist es Regel hier, da der Ankerplatz nur ein -tiefer liegendes Riff ist, auf welchem sich einrollende See brechen -kann, weit vom Lande zu ankern und muß man in der unbeständigen -Jahreszeit immer bereit zum Auslaufen sein, sobald westlicher oder -nordwestlicher Wind aufspringt, denn gefährlich würde jedem Schiffe die -direkt einlaufende See werden. - -In Hast und Eile ging denn auch das Einschiffen der Ladung vor sich, -da Wind und Wetter wenig Beständigkeit versprach; wohl 70 Savaileute -brachten mit großen Brandungsbooten die oft von der am Strande -laufenden See durchnäßte Ladung an Bord. Längsseit des Schiffes -schöpften die Boote oft noch Wasser, so unruhig war selbst im Hafen -noch die See; wildes Halloh erhoben die Kerle, die höchstens mit einem -Grasschurze bekleidet waren, wenn sie der Länge nach niederstürzten -und es auch deshalb vorzogen, auf das vor seinen Ankern schwer -rollende Schiff zu springen. So kostete es mich viel Mühe, die braunen, -zügellosen Kerle, deren Sprache ich noch nicht verstand, zur Arbeit -anzuhalten. - -Obgleich die Bewohner Savai's gleicher Abstammung wie die Upolu-Leute -sind, so herrscht doch zwischen der Bevölkerung beider Inseln -fast immer Hader und Streit. Die Savai-Leute, vielleicht kühner im -Angriffe, bemannen oft genug ihre großen Kriegskanoes und versuchen -einen Ueberfall auf Upolu, um sich gelegentlich für die Schimpfworte, -„Schweine von Savai“, bitter zu rächen. - -Schnell nach Apia zurückgekehrt, erhielt das Schiff Weisung, schon am -24. November wieder in See zu gehen und zwar nach der einsamen Insel -Niue, von wo ebenfalls Kopra und ein größerer Segelkutter, der in der -schlechten Jahreszeit für den dortigen Händler nicht recht verwendbar -und an der steilen Küste gefährdet war, abgeholt werden sollte. -Aufkreuzend gegen wieder vorherrschenden Südost-Wind erreichten wir -die Insel erst nach zehn Tagen. Als wir in deren Nähe kamen, waren -die ersten Häuser, die wir sahen, das Missionshaus und die Kirche, -die zurückliegenden Hütten der Eingebornen ließen sich, weil sie durch -Busch und Palmen verdeckt waren, nicht unterscheiden. In einer kleinen -Einbuchtung, wo ein Spalt in der steilen Uferwand allenfalls das Landen -gestattete, 100 Fuß von Land dicht vor der Brandung -- ein Schwingen -des Schiffes vor seinen Ankern war nicht möglich -- ankerten wir am -steilen Korallenriff. - -Von der auffallenden Erscheinung, daß durch vulkanische Kräfte -ganze Inseln gehoben werden, giebt die Insel Niue einen Beweis, mir -war sie um so bemerkenswerther, als es die erste war, an welcher -ich die unterseeische Korallenformation erkennen konnte. Wohl 30 -Fuß hoch zeigen die Uferwände der Insel die gewaltige Arbeit der -Korallenpolypen, die von neuem, seit der vielleicht viele Jahrhunderte -schon zurückliegenden Hebung dieser Insel, am steilabfallenden -Meeresgrunde weitergebaut und an vielen Stellen wieder ein -zusammenhängendes Riff aufgeführt haben. Später, als ich selbst mit -eigenen Augen die ungeheure vulkanische Kraft, die zeitweise auf diesem -ausgedehnten Kratergebiet in Erscheinung tritt, gesehen, war es mir -klar, daß die schlummernde Naturkraft nicht bloß die Erdrinde und das -Meer zu erschüttern vermag, sondern spielend Inseln hebt. - -Die wenigen Tage, die wir vor Niue zu Anker lagen, war eine Zeit -ängstlichen Hastens, weil wir so schnell als möglich mit der aus Kopra, -Fungos, einer Pilzart, und der aus Arrowroot-Wurzeln bestehenden -Ladung fertig werden mußten, denn mit Gefahr für Boot und Ladung war -eine jedesmalige Landung verbunden, da fast in der Brandung jedes Boot -beladen werden mußte. Für das Schiff war Gefahr insofern vorhanden, -als dieses durch auflandigen Wind trotz der Anker leicht aufs Riff -getrieben werden konnte, wir also immer bereit sein mußten, bei einem -Wechsel des Windes, wenn nöthig, schnell die Anker zu schlippen und -die offene See zu gewinnen. Drohende Anzeichen für schlechtes Wetter -gingen aber glücklicher Weise vorüber; übrigens war dieses die letzte -glücklich vollbrachte Reise des Schiffes überhaupt, wenige Monate -später schon lag es zerschellt auf einem Riffe der Neu-Hebriden. - -Die Bewohner dieser Insel Niue, ein kräftiger, stattlich gebauter -Menschenschlag, der zwar der Samoa- und Tonga-Rasse an Gestalt und -hohem Wuchs nicht gleichkommt, jedoch mehr Temperament als diese zeigt, -auch Schlaffheit und Unlust zur Arbeit bemerkt man weniger an ihnen. -Als tüchtige Seefahrer, welchem Gewerbe sie mit Vorliebe zugethan -sind, werden sie in Apia, wo mit der Zeit eine Ansiedelung derselben -stattgefunden, gerne als Matrosen angenommen, wenigstens dem Samoaner -bei weitem vorgezogen. - -Savages-Eiland, Insel der Wilden, ist die Insel Niue, ihre Heimath, -benannt worden, und soweit meine persönlichen Erfahrungen reichen, -verdienen sie beinahe diesen Namen, als ich bei einem Streite mit ihnen -beinahe das Leben hätte lassen müssen und nur ein Zufall mich aus den -Händen dieser leicht erregbaren Menschen befreite. - -Da sie von hellerer Farbe als die Samoaner, stammen sie vermuthlich von -einer weit östlich liegenden Inselbevölkerung ab. Die ersten Ansiedler, -wahrscheinlich vor langer Zeit von ihrem Heimathlande verschlagen, -fanden das rettende Eiland und bevölkerten es allmählich. Der Trieb, -die unbekannte Welt kennen zu lernen, die im Schoße des mächtigen -Ozeans für die fernen Inselbewohner verborgen lag, läßt sie noch heute -oftmals das Wagniß unternehmen, sich mit ihren leichten Kanoes auf die -unendliche See hinauszuwagen. Die Gewalt des Windes und der Strömungen -unterschätzten sie und haben sie einmal Land aus Sicht verloren, sind -sie den Elementen hülflos preisgegeben, so zahlten sie ihre Kühnheit -mit einem qualvollen Sterben, wenn nicht ein gütiges Geschick nach -schrecklichen Leiden sie Land finden läßt. - -Die Rettung von 16 solcher vertriebenen Menschenkinder, die ich in -den Karolinen-Inseln auffand und Hülfe brachte, werde ich später -eingehender erzählen. - -Mit Vorliebe tragen die Niue-Leute reichen Goldschmuck und zwar als -Ohrgehänge; massive Goldstücke hämmern sie aus und befestigen solche -geschickt an den Ohrlappen; das verdiente Goldgeld wird häufig dazu -verwandt. - -Der ganze Südseehandel beschränkt sich in der Hauptsache auf Tabak, -Seife und Zeug, namentlich für Volksstämme, die erst wenig mit dem -weißen Manne in Berührung gekommen sind. So boten auch hier für ein -Geringes die Eingebornen Speere, Muscheln und Nüsse feil, vor allem -war Tabak der begehrteste Artikel. Im Gegensatze zu den Booten der -Samoaner, die solche sich von ganz beträchtlicher Ausdehnung erbauen, -sind die Kanoes dieser Niue-Leute nur klein und behende, aber nett mit -Muscheln und anderem Zierrath ausgeschmückt, der vornehmlich rings -um die Bordwand befestigt ist; auch sind diese Fahrzeuge vorne und -hinten überdeckt, um das Einschlagen der See, wenn sie, zum Fischen -ausziehend, die Brandung passiren müssen, zu verhindern. - -Sehr fischreich sind namentlich die Gestade aller Inseln, und wie ich -gelegentlich anführen werde, wissen ihre Bewohner sich mit besonderem -Geschick der wohlschmeckenden, fliegenden Fische zu bemächtigen. Auf -freier See aber herrscht sehr zahlreich der gefürchtete und gefährliche -Hai, ein Zeichen, daß derselbe auch im tiefen Wasser reichlich Nahrung -findet, und solche sich nicht nur in Buchten oder in der Nähe des -Landes zu suchen braucht. - -Auf der Rückreise, die durch Windstillen verzögert ward, fanden -wir immer den Hai als treuen Begleiter, und war die See ruhig, die -Fahrt des Schiffes gering, so kamen langsam die Haie durch die klare -Fluth heran, das Schiff nach Beute umkreisend. Wenn wir einen dieser -gefährlichen Gesellen fangen wollten, so wurde die Lockspeise, ein -Stück Fleisch, an starker Leine ins Meer geführt, und war der Hai -hungrig, besann er sich nicht lange, sondern faßte, sich auf den Rücken -legend, gierig zu. War Fleisch und Haken verschluckt, so gab es keine -Möglichkeit mehr für ihn, sich zu befreien; von Schmerz gepeinigt, -peitschte der Hai mit dem kraftvollen Schwanze die Fluthen und es hatte -dann seine Schwierigkeit, das gefangene 8-10 Fuß lange Thier an Deck -zu bringen und nicht eher gelang es, bis es erschöpft war und auch -der Schwanz fest in einer Schlinge lag. An Deck geschafft, peitschte -der Hai die Planken, daß diese erzitterten, und rathsam war es nicht, -sich in seine gefährliche Nähe zu wagen. Erst ein Axthieb, der die -Schwanzflosse vom Rumpfe trennte, führte die Verblutung herbei und -allmählich entfloh das zähe Leben des Thieres. - -Auch mit der Schlinge, auf deren Handhabung ich zurückkommen werde, -habe ich viele Haifische gefangen, namentlich wenn ich Samoaner als -Besatzung an Bord hatte, für die der Hai eine Leckerspeise ist, nahm -ich mir dazu die Zeit und fing zuweilen 2-4 Stück hintereinander. -Auffällig war mir dabei, daß die Leute immer erst die Leber eines -getödteten Haies untersuchten; war diese nach ihrer Ansicht zu groß -oder zeigte sie sonst besondere Eigenheiten, so wurde das Thier -nicht gegessen, sondern über Bord geworfen. Aber nicht bloß bei -den Samoanern, auch bei den benachbarten Insulanern fand ich solche -auffällige Untersuchung der Leber des Haifisches. Mitunter wurden -eingehende Betrachtungen über die Lage und Länge derselben vorgenommen; -entstanden Zweifel und Meinungsverschiedenheiten darüber, so war meist -immer der endgültige Beschluß, daß das Thier verworfen wurde. - -Fast bin ich jetzt geneigt, da ich nicht dahinter kommen konnte, -was solche Untersuchung zu bedeuten habe, anzunehmen, daß ein -weitverbreiteter Aberglaube damit in Verbindung gebracht, oder daß -der Leber des Haies eine medizinische Eigenschaft zugesprochen wird. -Vielleicht auch erkennen die Eingebornen an bestimmten Zeichen, ob -das Thier gesund oder krank gewesen ist. In den Fällen, wo ich mir -Klarheit darüber zu verschaffen suchte, erreichte ich solche nicht, -möglicherweise aus dem Grunde, weil ich nicht der verschiedenen -Sprachen mächtig genug war, um die Auseinandersetzung zu verstehen. - -Die treuen Begleiter der Haie, die Lotsenfische, schön gezeichnete -Thierchen von der Größe eines Makrels, schwimmen gewöhnlich, 2-4 an -der Zahl, über dem Hai, sie suchen, wie angenommen wird, für diesen -Nahrung auf und kehren stets in dessen sichern Schutz zurück. Ein jeder -Hai soll solche Führer haben; indes so häufig ich auch solche gesehen -habe, ebenso oft fand ich, namentlich wenn mehrere Haie beisammen, -diese ohne ihre Begleiter. So viel ist gewiß, der Hai, mag er noch so -hungrig sein, wird sich doch nicht an seinen Wegweisern vergreifen; -zum schnellen Schwimmen selbst zu träge, überläßt er vermuthlich es -den flinken Fischen, für ihn Nahrung zu suchen. Wohl bekannt ist es -den Seeleuten, daß der Pilotenfisch sehr schmackhaft ist, indes nur -einmal war es mir möglich, einen solchen mit Mühe zu erlangen, obwohl -dieselben längere Zeit noch beim Schiffe verbleiben, nachdem der Hai, -den sie begleiteten, weggefangen worden. An Köder beißen die Piloten -nicht, höchstens gelingt es ihrer mit dem Elker, d. h. Wurfeisen, -habhaft zu werden. - -Im Anfang des Jahres 1885 mit der Führung eines der kleineren der -Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffes betraut, wurde ich -beordert, eine Reise durch die gesammte Tonga-Gruppe, den sogenannten -Freundschafts-Inseln, zu unternehmen. Im Augenblick der Abreise wäre -mir aus Mangel an Raum im kleinen Hafen (Apia) bald die Riffspitze -Kap Horn, worunter vier Jahre später das deutsche Kriegsschiff „Eber“ -mit seiner braven Besatzung versank, verhängnißvoll geworden. Durch -die Strömung wurde das Schiff aus seiner Richtung gedrängt, von der -einlaufenden See, gegen welche die Kraft der das Schiff bugsirenden -Mannschaft zu schwach war, nach dem Kap hingeworfen und nur ein schnell -Hülfe leistendes Boot verhinderte die Katastrophe. Da wir schon zu nahe -dem Riff waren, so hätte ein Aufstoß genügt, Ruder und Hintersteven -des Schiffes, schwerbeladen wie es war, auf den Korallensteinen zu -zertrümmern und aus der gurgelnden Tiefe des hier weit unterhöhlten -Riffes hätte es für Schiff und Mannschaft keine Rettung gegeben -- aber -zufällige Hülfe kam zur rechten Zeit. - -Nachdem wir die offene See gewonnen hatten, verlor ich mit umlaufenden -Winden, wie sie in dieser Jahreszeit häufig sind, ostwärts steuernd, -bald die in dichten Wolkenschleier gehüllte Insel Upolu aus Sicht. -Bestrebt, westlich von der Tonga-Gruppe zu laufen und so Tonga-tabu zu -erreichen, da der vorherrschend westliche Wind eine schnelle Reise in -Aussicht stellte, hatte ich am dritten Tage bereits die Vulkan-Insel -Amargura gesichtet, eine namentlich an der Süd- und Südostseite steile -Insel mit dem 375 Meter hohen Krater, an dessen Abhängen leichte -Rauchwolken hervorquollen, ein Zeichen, daß er nicht ganz erloschen -ist. Da sprang mit schweren Gewittern und harten Windböen der Wind -südlicher und zwang mich, der zehn Seemeilen südöstlich liegenden 30-40 -Meter hohen Insel Toku auszuweichen. Als der Wind immer härter wehte -und schließlich bis zum Sturm wuchs, hatte ich noch Zeit, Schutz unter -der hohen Insel Vavau zu suchen, ehe das Schiff von der wildlaufenden -See zum Beidrehen gezwungen wurde. - -Unter dichtgerefften Segeln wurde eine schlimme Nacht verbracht, mit -dem neuen Morgen aber brach sich die Gewalt des Sturmes und eine starke -Nordwestbrise trieb das Schiff durch die wilde See nach Süden, östlich -der Hapai-Gruppe, an den langgestreckten Korallen-Inseln Haano, Foua, -Lefuka und Ouia entlang. Die vielen gefährlichen Riffe dieser Gruppe -meidend, kam am 7. Tage früh die hohe Vulkan-Insel Eoua in Sicht. -Nachdem wir darauf die gleichartige kleine Insel Enaigee erreicht -hatten, kreuzte ich die tiefe östliche Einfahrt, welche zwischen der -großen Insel Tonga-tabu und den vorgelagerten Korallenpatschen und -Inseln hindurchführt, auf und gelangte sicher zum Hafen von Nukualofa. - -Im Schmucke immergrüner Palmen liegt die flache, wenige Erhebungen -aufweisende Insel langgestreckt vor den Augen des Beobachters. Kultur -und fortschreitende Gesittung haben auch hier festen Fuß gefaßt, hoch -über die Wipfel der Palmen ragt die Kirche empor; großartig ist der -Königspalast; freundlich aber und heimisch erscheinen die vom Strande -zurückliegenden europäischen Gebäude und bekunden, daß auch hier eine -Stätte regen Handels und Verkehrs geschaffen wurde. - -Vor allem ist es die deutsche Factorei, geleitet vom deutschen Konsul -Herrn v. Treskow, die sofort ins Auge fällt; auf Pfeilern errichtet, -wie alle Tropengebäude hier, war derzeit dieses Haus mit seinem -freundlichen Wirth das besuchteste. - -Sämmtliche Tonga-Inseln, mit Ausnahme der meist hohen Vulkan-Inseln, -sind Korallengebilde, einige sind von großer Ausdehnung, wie die -Tonga-tabu und die schon erwähnten Haano und Foua. Diese haben -eine fruchtbare Erdschicht und ein reiches Pflanzenleben hat sich -darauf entwickelt; neben der stolzen Palme sind Brotfruchtbäume, -Papiermaulbeerbäume, die den Bewohnern ihre Bekleidung, Tapa genannt, -liefern, Zuckerrohr, Bananen, selbst Baumwollen- und Feigenbäume zu -erwähnen. - -Die Eingebornen, derselben Rasse wie die Samoaner zugehörig, zeigen -mehr Verständniß für Landbau und Fischfang, als diese, freilich können -diese Inseln auch nicht mit Samoa einen Vergleich bestehen. - -Kein Naturvolk hat so schnell und leicht das Christenthum angenommen -wie diese Tonga-Insulaner, rasch gewannen die Missionare großen -Einfluß, Schulen und Bildungsanstalten förderten das Werk. Das Volk, -bildungsfähig und begabt, hatte bald eigene Lehrer aufzuweisen; -oft habe ich eingeborne Missionare von Insel zu Insel gebracht. Da -die Kirchen und Schulen immer gut besucht, so ist ein Fortschritt -in der Bildung dieses Volkes leicht erklärlich. Was aber leider -ernste Besorgniß erwecken kann, ist der Umstand, daß verschiedene -Religionssekten mit gleichem Eifer bestrebt sind, unter der nicht -zahlreichen Bevölkerung ihren Glauben zu verbreiten. Es ist zu -befürchten, daß auf diese Weise Spaltungen im Volke entstehen, die üble -Folgen haben können. - -Der ehemalige englische Missionar Baker, langjähriger Premierminister -des Königs Georg I., entging zwar dem Angriffe einer fanatischen Horde -in Nukualofa, seine erwachsene Tochter aber, die die tödtliche Waffe -traf, ward ein Krüppel. Soweit ich unterrichtet, war dieser Anschlag -eine Ausgeburt wilden Hasses, gerichtet gegen den Vertreter einer -großen Kirchengemeinde, den gefürchteten und gehaßten Staatsmann. - -Die ganze weitverzweigte Tonga-Gruppe bildet ein einheitliches Reich, -das damals von dem alten Könige Georg regirt wurde. Neben unserm -ehrwürdigen deutschen Kaiser Wilhelm der älteste Monarch, steht dem -Herrscher eine gesetzgebende Versammlung von angesehenen Häuptlingen -zur Seite, die auch als Statthalter die verschiedenen zum Reiche -gehörenden Inselgruppen verwalten. Sitz der Regierung und Residenz des -Königs ist Nukualofa. - -Ein Freundschaftsvertrag ist mit dem deutschen Reiche am 1. November -1876 vom Könige Georg abgeschlossen. Trotz des englischen Einflusses -hätte wohl erwartet werden können, daß die so erworbenen Vorrechte -gewahrt bleiben würden, aber wie in Samoa, so ging auch hier der einst -mächtige deutsche Einfluß allmählich verloren, englische Politik wand -den Deutschen einen fast sicheren Besitz aus den Händen. - -Stolz prangt im Königspalaste zu Nukualofa das Reiterstandbild unseres -großen Kaisers in natürlicher Größe, und nicht unbekannt sind diesem -Volke dessen Thaten geblieben; auf dieses Bild sah mit Bewunderung -jeder Insulaner und pries den großen, mächtigen Herrscher der -Deutschen. - -Tags zuvor, ehe ich in Tonga-tabu eingelaufen, war der Sohn des Königs -Georg, der Thronfolger, gestorben und große, allgemeine Landestrauer -herrschte überall. Alle Vornehmen des Volkes, soviel ihrer nur die -königlichen Schiffe zu fassen vermochten, waren nach der Insel Ouia, -dem Begräbnißplatze der Königsfamilie, abgesegelt. Der deutsche -Konsul, dem kein eigenes Schiff zur Verfügung stand, unmöglich aber als -Europäer auf den überfüllten kleinen Segelfahrzeugen der Eingebornen -die lange Reise unternehmen konnte, beeilte sich sehr, als sich nun -doch noch Gelegenheit fand, mit meinem Schiffe die Reise zu machen, das -Schiff abzufertigen und nach eintägigem Aufenthalt verließ ich, mit der -Familie des Konsuls an Bord, nordwärts steuernd, Tonga-tabu. - -Günstiger, frischer Wind konnte es allein möglich machen, am -Begräbnißtage Ouia noch zu erreichen. Aber obwohl ich den Weg zu -kürzen suchte und durch mir unbekannte Korallenbänke lief, so kam doch -erst am Abend des zweiten Tages Ouia in Sicht. Da ich inmitten von -Korallenriffen nirgends sicheren Ankerplatz fand, die Insel selbst aber -zu weit entfernt war, als daß ich solche gegen Ostwind aufkreuzend, -in der Nacht erreichen konnte, so wurde ich gezwungen, die freie See -wieder aufzusuchen. In dunkler Nacht die gewaltigen Krater-Inseln Kao -(5000 Fuß) und Tasoa (etwa 2500 Fuß), nur durch eine schmale Straße -von einander getrennt, als weit sichtbare Punkte im Auge haltend, -suchte ich das Schiff in der Nähe der Außenriffe zu halten, um mit -Tagesanbruch aufs Neue nach Ouia aufzukreuzen oder wenigstens die -südliche Einfahrt durch die Hapai-Gruppe zu gewinnen. - -Während sonst die Tropennächte in der guten Jahreszeit einen -herrlichen Anblick bieten, wenn das Sternenheer magisches Licht -über die weiten bewegten Fluthen streut, drohten in dieser Nacht -gewitterschwere, unheilkündende Wolken und bald nach Mitternacht -umfing uns rabenschwarze Dunkelheit. Dann brach das Unwetter über -uns mit plötzlicher Gewalt herein, als wollte der furchtbare Wind -das kleine Schiff niederpressen. Die heftigsten Stöße fegten von den -hohen Vulkan-Inseln herab. Im Schiffe wurde alles, was nicht niet- und -nagelfest war, durcheinander geworfen und das Fahrzeug schwer auf die -Seite gedrückt; die schnell aufgewühlte See that das Ihre dazu, die -Lage, namentlich für die Familie des Konsuls, recht ungemüthlich zu -machen. - -In Lee waren die gefährlichen Riffe, von denen freizukommen die -erste Sorge sein mußte, deshalb bot ich allmählich dem Winde wieder -so viel Leinewand, als das Schiff zu tragen vermochte. Sobald ich -frei von der Insel Kao war, hielt ich nördlicheren Kurs und obgleich -die See schwerer wurde, so konnte ich doch mit volleren Segeln durch -die Wogen pressen und größeren Abstand von den auch mehr ostwärts -abfallenden Riffen gewinnen. Der neue Morgen fand uns westlich von der -niedrigen Insel Otolonga, die, nördlich umsegelt, zur Nordeinfahrt der -Hapai-Gruppe führte. - -Als ich nahe genug dieser Insel gekommen war, der einzuschlagende Kurs -bedingte dies, wurde eine ehemalige Niederlassung der Walfischfänger -sichtbar, die vor Zeiten in diesen Gewässern ertragreiche Beute -gefunden, aber auch bald genug die Schaar der gewaltigen Meerbewohner -so gelichtet hatten, daß ein Kreuzen auf Beute zwecklos war. Die -Station wurde deshalb aufgegeben, ihre Trümmer am öden Korallenstrand -sind jetzt werthlos und verkommen. - -Der Kurs nach Lefuka führte uns zwischen Inseln und Korallenpatschen -hindurch. Erst am Nachmittage dieses Tages konnten wir die der Insel -Lefuka vorgelagerten Riffe passiren und vor der deutschen Station zu -Anker gehen. - -Solch ungünstiger Wind und zum Theil schlechtes Wetter hatten natürlich -den Zweck der Reise vereitelt, noch nach Ouia zu laufen und an dem dort -stattfindenden großartigen Todtenfeste theilzunehmen, war zwecklos. So -entschied sich der deutsche Konsul, hier die Ankunft des Königs Georg -abzuwarten und mit diesem dann die Rückreise nach Nukualofa anzutreten. - -Die Insel Lefuka, im Verhältniß zu ihrer Länge nur schmal, zeigt an der -Ostseite, gegen welche der freie Ozean seine gewaltigen Wogen donnernd -wirft, ein Riff übereinandergethürmter Korallenblöcke und Steine; -man sieht hier so recht, wie die Gewalt der Wasser einen Schutzwall -aufgeworfen, der das flachere Land selbst gegen die furchtbarste See -zu schützen vermag. Immer weiter aber baut die Koralle in die offene -See hinaus, immer breiter wird das Trümmerfeld, bis dieses auch durch -Zersetzung zu anbauungsfähigem Lande umgestaltet wird. - -Die Erzeugnisse, die Tonga-tabu aufweist, sind hier auch vertreten, -namentlich ist der Ertrag an Kokosnüssen groß auf dieser Insel. Was -ich aber hier zuerst gesehen, war die Zubereitung des Tapa, jenes -Stoffes, welches den Eingebornen zur Bekleidung dient, der schön -gefärbt und gezeichnet ist. Selbst große Stücke, umfangreichen Decken -ähnlich, werden aus dem Papiermaulbeerbaum angefertigt, dessen Bast -dazu verwendet wird. Und zwar werden lappenförmige Streifen im feuchten -Zustand aufeinander angelegt und dann tüchtig geklopft, hierdurch -wird der Stoff geschmeidig und fest; ist dieser in gewünschter Größe -fertiggestellt, wird der Stoff im Schatten getrocknet und nachher mit -brauner oder schwarzer Naturfarbe reichlich bemalt. - -Fernhin hört man die Tapa klopfenden Weiber, die mit wuchtigen Schlägen -den Bast bearbeiten; erklärlich ist dieses Geräusch, da sie meistens -auf dem Boden eines umgekehrten Kanoes diese Arbeit vornehmen, wodurch -die dumpf dröhnenden, lauten Schläge hervorgebracht werden. - -Wie bei fast allen Naturvölkern, bei denen der Aberglaube weiteste -Verbreitung gefunden, so ist auch namentlich bei den Südsee-Insulanern -das Zauberwort „Tabu“ in allgemeine Anwendung gekommen. Dieses -Wort, eine Macht, ersetzt, möchte man sagen, die in zivilisirten -Ländern nothwendige Sicherheitspolizei. Wenn eine als „tabut“, d. h. -unverletzliche Person, z. B. ein König oder ein Häuptling, irgend etwas -als tabut erklärt, so wird kein Rassenangehöriger es wagen, Person oder -Sache anzurühren, oder eine Oertlichkeit, Haus oder Hütte, zu betreten. - -Im Allgemeinen aber findet das Tabu Anwendung, wenn irgend ein -Gegenstand vor Berührung, Wegnahme u. s. w. geschützt werden soll, dann -wird unter bestimmten Zeremonien dieser mit einer Schnur, in der Knoten -mit oder ohne Zaubereien eingeknüpft sind, umgrenzt oder umwunden. Die -Ueberzeugung, daß jedem, der es wagen würde, dieses Schutzmittel zu -entfernen, alle Uebel unfehlbar zustoßen, welche der Knotenschürzer -hineingeknüpft, hält jede unbefugte Verletzung fern. Mehrfach, und -hauptsächlich auf dieser Insel Lefuko, wurden mir Gegenstände, Baum -oder Hütte gezeigt, die so durch das „Tabu“ geschützt waren. - -Geschickte Fischer sind die Eingebornen. Sie brachten, ehe der Europäer -ihnen seine Angelhaken zugeführt, folgende Methode in Anwendung: Aus -einer dicken Perlmutterschale verfertigten sie sich durch festes -Verbinden einzelner zurechtgeschliffener Stücke starke Fanghaken, -die, mit einem Bastbüschelchen versehen, an langer Leine hinter -Kanoes geschleppt wurden. Die wie Silber im klaren Wasser schwimmende -Perlmutter lockt größere Fische an, die gierig, vermeinend eine Beute -zu haschen, den Haken verschlucken und so gefangen sind. Heute noch -sind diese Haken im Gebrauch, nur mit dem Unterschied, daß im Büschel -verborgen sich jetzt ein scharfer, eiserner Angelhaken befindet, der -dem Fische ein Losreißen nicht mehr gestattet. - -In Mengen halten sich Fische unter den Riffen auf, wo sie Nahrung -suchen und finden, namentlich befinden sich unter diesen zahlreiche -fliegende. Um nun diese flinken Meerbewohner, welche die Natur so -ausgestattet hat, daß sie durch die Größe ihrer Seitenflossen im -Stande sind, eine beträchtliche Strecke über dem Wasser zu fliegen und -dadurch ihren Vorfolgern zu entgehen, auf leichtere Art und Weise, als -mit großen Netzen zu fangen, wendet der Eingeborne folgende Fangart -an: Nachdem die leichten, flinken Kanoes bemannt sind, ziehen die -Eingebornen in dunkler Abendstunde oft in beträchtlicher Zahl ins -tiefe Wasser zum Riffe hinaus. Bald flammen, hell leuchtend, die aus -den Blattrippen des Kokosbaumes verfertigten Fackeln auf; die Kanoes, -bald hier- bald dorthin eilend, schwirren, von kräftiger Hand durchs -Wasser getrieben, als sollte das Schauspiel eines Fackelreigens dort -aufgeführt werden, im Kreise oder durcheinander umher. Die Fische, -bekanntlich durch Feuerschein leicht angelockt, werden durch die grell -leuchtenden Fackeln verwirrt, springen oder fliegen nach diesen, und -sehr gewandt, mit nur kleinem Handnetze versehen, weiß der Fischer sich -die Beute zu sichern. - -Meistens, wenn die Fackeln niedergebrannt sind, kehren die Kanoes -zurück, und war der Fang lohnend, bringt jedes reiche Beute heim. -Für wenig Tabak oder Geld bekam ich mitunter so viele von diesen -wohlschmeckenden Fischen, daß es zuweilen der Schiffsbesatzung nicht -gelang, alle aufzuzehren. - -Der Ankerplatz vor der Insel Lefuka (die Rhede von Pangal) ist durch -die ringsum liegenden Riffe gut geschützt, aber schwer zugänglich für -größere Segelschiffe; das meistens gegen konträren Wind nothwendige -Einkreuzen in den schmalen, gewundenen Riffeinfahrten ist zudem nicht -ungefährlich und erfordert die ganze Thatkraft einer Schiffsbesatzung. -Die Tonga-Gruppe ist häufiger den verheerenden Orkanen und zeitweiligen -Erschütterungen durch plötzlich in Thätigkeit tretende Vulkane -ausgesetzt, erstere treten namentlich im Süden der Gruppe, um -Tonga-tabu, fast alljährlich einmal auf; zieht, was freilich selten -geschieht, das Zentrum solches furchtbaren Wirbelsturmes direkt über -die Inseln, so ist die ganze Kultur auf Jahre hinaus vernichtet. Nicht -Haus, nicht Hütte, weder Baum noch Strauch verschont der furchtbare -Wirbelsturm; den Weg, den er mit rasender Schnelle genommen, bezeichnen -unzählige Trümmer. - -Nach Norden zu werden solche atmosphärischen Erscheinungen seltener. -Hat die Samoa-Gruppe ein Orkan heimgesucht, so herrscht bei den -Eingebornen die Annahme vor, daß erst nach Verlauf von sieben Jahren -ein neuer zu erwarten ist. Solche Voraussetzungen aber sind durchaus -nicht zutreffend; die Orkane treten viel häufiger auf, und je nachdem -sie in näherer oder weiterer Entfernung vorüberziehen, äußert sich ihre -Gewalt mehr oder weniger. - -Da mein Aufenthalt in Lefuka nur von kurzer Dauer war, setzte ich, -nachdem Güter u. s. w. gelandet und neue Passagiere für Vavau und -Niuatobutabu an Bord gekommen waren, die Reise fort nach Neiafu, dem -Haupthandelsplatz in der Vavau-Gruppe, diese besteht aus vielen und zum -Theil hohen Inseln, die von Riffen umgeben und hierdurch untereinander -verbunden sind, auch zeigt sich hier auffällig die einstige Thätigkeit -der Vulkane. Steile hochaufstrebende Massen sind die meisten dieser -eng aneinander gelagerten Inseln; nur die Hauptinsel Vavau, nach -allen Seiten steil abfallend, ist eine Hochfläche, auf welcher auf -verwitterter Lava eine unglaublich reiche Pflanzenwelt Fuß gefaßt -und sich entwickelt hat. Dies ist das fruchtbarste Land, abgesehen -vielleicht von der Insel Niua-fu, im ganzen Königreiche Tonga. -Apfelsinenbäume, schwer beladen mit goldgelben Früchten, ausgedehnte -Palmenwälder u. s. w., überhaupt alle herrlichen Tropengewächse der -Südsee sind hier reich vertreten. Dazu giebt die im Sonnenglanze -ausgebreitet liegende Bai, umgeben von hohen Inseln, dem ganzen -Panorama so recht den Anblick einer echten Tropenlandschaft. - -Die Einfahrt befindet sich an der westlichen Seite zwischen den Inseln -Hounga und Vavau. Die schmale aber tiefe Wasserstraße windet sich -zwischen den hohen Inseln hin, und dicht unter den steil anstrebenden, -mit Busch und Baum bedeckten Massen, kann man ungefährdet mit einem -Schiffe segeln. Inmitten der Einfahrt nur liegt ein mächtiger -Felsblock, der hunderte Fuß hoch ist und steil aus großer Tiefe -aufragt, auch bemerkt man an diesem, welche zerstörende Einwirkung -die Meereswogen selbst am harten Gestein ausüben können. Sie haben -den Felsen tief unterwaschen und große Spalten ausgehöhlt. In diesen -Höhlen und Riffen braust und zischt selbst die leicht wogende See. -Das Geräusch wächst aber zum Donnern an, wenn sie ihre ganze Wucht -gegen den starren Felsen anbranden läßt, der dann durch den gewaltigen -Anprall wohl in seinen Grundfesten erschüttert werden mag. - -Ganz schmal, wenigstens für ein aufkreuzendes Schiff recht beengt, wird -die Straße, sobald die weite Bai vor dem Dorfe Neiafu sichtbar geworden -ist, die wie ein herrlicher, von allen Seiten geschützter Hafen, -geräumig daliegt. Indes nur wenig Raum hat die Koralle übrig gelassen, -die geschäftig fast die ganze Bai aufgefüllt hat und wo tiefes Wasser -vorhanden, ist der Ankergrund schlecht, so daß größere Schiffe es -vorziehen, wollen sie nicht auf 200 Fuß Wassertiefe vor Anker gehen, -inmitten der Fahrstraße vor der Station Tuanuku zu ankern. - -Nach wenig Tagen schon verließ ich, da ich allen diesen Stationen in -der Tonga-Gruppe neue europäische Waaren und Proviant zu bringen hatte, -Ladung aber noch nicht einnehmen sollte -- die Hauptstationen, als -Vavau, Lefuka und Tonga-tabu verschiffen direkt Kopra, Baumwolle u. -s. w. nach Europa -- den Hafen von Neiafu, und segelte nordwärts nach -Niuatobutabu (Keppels Eiland), das 180 Seemeilen entfernt ist. - -Begünstigt von Wind und Wetter, bekam ich am zweiten Tage bereits die -2000 Fuß hohe Insel Boskaven in Sicht, welcher südwärts davon und durch -eine Straße von etwa einer Seemeile Breite getrennt, die niedrige -Korallen-Insel Niuatobutabu vorgelagert ist. Diese langgestreckte -Insel umgiebt namentlich an der Nord- und Westseite ein mächtiges, 5-7 -Kilometer breites Riff, auf derselben sind zwei Kraterkegel, etwa 200 -Fuß hoch, die einzig nennenswerthen Erhöhungen. - -Nur eine einzige, sehr gewundene und gefährliche Einfahrt, führte -von Norden durch das Riff, und zwar nur eine Strecke weit bis zu -einem tieferen Becken, in welchem aber ein kleineres Schiff geschützt -und sicher liegt. Da der Verkehr mit dem Lande allein zur Zeit des -Hochwassers möglich, der Ankerplatz vor dem Riffe nur in der guten -Jahreszeit einigermaßen sicher ist, suchte ich auf Anrathen des Lotsen, -eines Eingebornen, doch lieber den kleinen gesicherten Hafen auf, -obwohl das Durchbringen des Schiffes, das mehrfach auf Korallenblöcke -fest kam, keine leichte und gefahrlose Arbeit war. - -Daß ich es gethan, war ein Glück, denn ein heftiger, plötzlich in -einer der ersten Nächte aufspringenden Nordwestwind hätte das Schiff -im Verein mit der hohen See sicher aufs Riff geworfen und zerschellt; -ein Versuch, in tiefdunkler Nacht die offene See zu gewinnen und gegen -den starken, auflandigen Wind von den Riffen freizukreuzen, wäre schier -unmöglich gewesen. - -Nicht minder einsam wie diese Insel im weiten Ozean war das Leben, -welches hier zwei Europäer (ein Deutscher und ein Engländer) führten, -die nur mit der Außenwelt in Verbindung traten, wenn nach langer Zeit -ein Schiff vor der Insel zu Anker ging. Freilich ist an Verkehr mit -Menschen kein Mangel, nur kommt in Betracht, daß die Eingebornen für -einen Europäer doch kein rechter Umgang sind; so freundlich gesinnt, -friedfertig und zum Theil lernbegierig sie sich auch zeigen, so -stehen sie dennoch auf einer zu tiefen Bildungsstufe. Zwar paßt sich -ein einsam lebender Mensch schnell genug den Verhältnissen an, und -in der Folge habe ich ja so viele gefunden, die, obgleich sie noch -abgeschlossener von der Welt lebten, mit ihrem Loose ganz zufrieden -waren. Hier aber kommt dem Europäer das zu statten, daß er hier ein -bildungsfähiges, strebsames Volk um sich hat, dessen Häuptlinge und -Lehrer nach Aufklärung trachten und stundenlang dem weißen Manne -zuhören, wenn er ihnen von anderen Ländern und Völkern erzählt. - -So oft ich auch nach dieser Insel beordert worden war, konnte ich -jedesmal die Beobachtung machen, mit wie großem Interesse alle -Neuigkeiten aufgenommen wurden; hatte ich eingeborne Passagiere mit -an Bord, so wurden diese sogleich nach der Landung von den Häuptlingen -begrüßt und ausgefragt. Sonst kamen die Häuptlinge entweder insgesammt -zum Hause der erwähnten Europäer oder luden uns zu sich ein, damit wir -ihnen Abends bei einer Schale Kava Auskunft über etwaige Vorgänge im -Tongareiche gaben. - -In langer, vielleicht gänzlicher Unthätigkeit verharren die kleinen, -wohl für immer erloschenen Krater auf dieser Insel, sonst wären sie -eine gefährliche Nachbarschaft, denn eine erhebliche Erschütterung -würde genügen, die Insel in die Tiefe versinken zu lassen. Wo man auch -immer auf der gut bewachsenen Insel geht, klingt jeder Fußtritt hohl -und man gewinnt die Ueberzeugung, daß nur eine verhältnißmäßig dünne -Schicht über wahrscheinlich ausgedehnte Höhlen gelagert liegt. - -Nirgendwo sonst auf Korallen-Inseln, deren Fundamente naturgemäß stets -fest aufgebaut sind, habe ich solche Wahrnehmung wieder gemacht; würden -hier nicht die beiden Kraterhügel eine genügende Erklärung für solche -Erscheinung abgeben, ließe sich schwerlich die Ursache dafür ergründen. -Das Eine scheint sicher (wie ich in diesem selben Jahre als Augenzeuge -an einer anderen Stelle feststellen konnte), es sind am Rande eines -hier schon vorhandenen Korallenriffes plötzlich unterseeische Vulkane -in Thätigkeit getreten, die mit sich das Riff emporgehoben haben und -dann nach einiger Zeit erloschen sind. - -Außerdem giebt eine vorhandene schmale, aber tiefe Frischwasserrinne, -die im festen Korallengrund eingebettet ist und tieferliegend als -der Meeresspiegel, einen neuen Beweis, daß die Insel hohl ist. Das -Süßwasser in dieser Rinne ist natürlich durch Korallen filtrirtes -Seewasser, aber der Zufluß erfolgt unterirdisch aus dem Innern der -Insel; derselbe soll zu Zeiten stärker, zu Zeiten schwächer sein. -Uebrigens beschleicht den Wanderer, namentlich in stiller Nachtzeit, -ein eigenthümliches Gefühl, wenn jeder Tritt so hohl und dumpf -wiedertönt und ihm zum Bewußtsein bringt, daß er auf einem Boden -wandelt, der über Höhlen oder gar über tiefe Wasserbecken gewölbt -liegt. - -Insbesondere weicht die Insel Niuatobutabu in nichts von anderen gut -bewachsenen Koralleninseln ab, mit dem Unterschiede nur, daß auf -dem verwitterten Lavagrunde eine überaus reiche Pflanzenwelt sich -entwickelt hat. Salze und andere Chemikalien, die in der Lava enthalten -sind, scheinen für die Entwicklung des Pflanzenlebens ungemein viel -beizutragen, auch sonst, wo ich im weiten Inselmeer des Stillen Ozeans -vulkanischen Grund betreten, fand ich dies ausnahmslos bestätigt. - -Das Thierreich auf allen Inseln ist sehr schwach vertreten, Schweine, -Hühner und Tauben sind fast die einzigen Arten, indes fand ich -auf Niuatobutabu außerdem noch eine große Fledermausgattung, den -fliegenden Fuchs. Da jeder von der Nützlichkeit und noch mehr von der -Harmlosigkeit dieser Thiere überzeugt war, belästigt dieselben niemand, -kein Eingeborner verscheucht sie. Vielleicht kommt auch noch der -Umstand hinzu, daß diesen lautlos erscheinenden Thieren ein gewisser -Aberglaube anhaftet, denn wer nicht mit ihrer Eigenart, unhörbar und -schnell durch die Dunkelheit zu fliegen, vertraut ist, dem wird ein -gewisses Unbehagen zuerst nicht erspart bleiben. Vornehmlich fand -ich diese Füchse in Sträuchern, wo sie sich, Schatten findend, an -dünnen Zweigen an den Hinterfüßen aufgehängt hatten. Den Kopf nach -unten gebogen, umschließen sie mit der großen Flughaut den Körper und -verblieben in dieser Stellung, bis die Dämmerung der nach ganz kurzer -Dauer die Nacht folgt, hereinbricht, dann erst werden sie munter und -suchen, die Luft gleich gespenstigen Schatten durchfliegend, sich ihre -Nahrung. Werden sie am Tage gestört oder berührt man mit der Hand ihr -sammetweiches Fell, schauen die schwarzen, erbsengroßen Augen den -Störenfried wohl an, scheinen aber geblendet zu sein, denn obwohl -unruhig geworden, wagt das Thier doch keinen Flug, verändert seine -Stellung auch nicht und wollte man die Hinterfüße lösen, müßte Gewalt -angewendet werden. Ein Weibchen, das seine beiden Jungen wohlgeborgen -an der Brust hängen hat, die diesen Platz nie verlassen, auch während -des Fluges nicht, wird, wenn es gestört worden, leichter erregt und -beißt wohl mit den kleinen, nadelspitzen Zähnen um sich. So sind -in Folge davon, weil diesen Thieren nie etwas zu Leide geschieht, -dieselben zutraulich und oft habe ich sie, selbst in der Nähe der -Hütten der Eingebornen und vor den Wohnungen der Weißen in Menge -vorgefunden. - -Höchst lästig und oft zu einer großen Plage werden hier Schaaren von -Fliegen. In des Wortes vollster Bedeutung kann man sagen, es wimmelt -davon. Ist in Europa die Hausfliege dreist und störend, ist sie dort, -wo die Natur ihr den Tisch gedeckt, unglaublich lästig, und das vor -allem zu der Zeit, wenn die Früchte des Brotfruchtbaumes reif geworden -sind. Diese Früchte, an und für sich sehr schmackhaft, werden, sobald -sie überreif geworden sind, eine wahre Brutstätte für Fliegen. Sind sie -ausgeflogen, so ist jeder Ort, selbst Gras und Busch, dicht von ihnen -besetzt; schon ihr Schwirren und Surren ist höchst lästig. - -Sind die Ameisen, vor denen nur mit Mühe Genießbares geschützt werden -kann, schon unangenehm, so treiben es die Fliegen noch zehnfach ärger, -in Wahrheit muß man diesen Plagegeistern jeden Bissen erst streitig -machen, der gegessen werden soll, vornehmlich von solchen Speisen, -die Zucker und andere leicht flüssige Stoffe enthalten, wie Reis, -Brotfrucht, Ananas u. s. w. - -Geradezu eine Fliegenwolke schwebt über solchen aufgetragenen -Speisen, selbst fortwährendes Abwehren scheucht diese gierigen -Insekten nicht fort; machte es nicht die Gewohnheit und schließlich -die Gleichgültigkeit, müßte sich Ekel und Widerwillen einstellen, -Nahrung zu genießen, weil diese vom Unrath der Fliegen durchaus nicht -freizuhalten ist. - -Die Insel Boskaven, ein mächtiger, unzugänglicher Bergkegel, ist aller -Wahrscheinlichkeit nach, gleich den anderen Inseln, wie Lette, Kao -u. a., ein erloschener Krater, der in der Neuzeit jedenfalls noch in -Thätigkeit gewesen ist. Menschen wohnen darauf nicht, auch hat wohl -noch keines Menschen Fuß den steilen Gipfel dieser Insel erklommen. -An der Südostseite soll im Schutze eines kleinen Riffes an einer -vorspingenden Felsenkante eine schwierige Landung möglich sein und -Fischer von Niuatobutabu wagen es, zu Zeiten sich dort aufzuhalten, -nachdem sie mit ihren leichten Kanoes den breiten Meeresarm, der beide -Inseln trennt, durchquert haben. - -Basaltmassen, aus denen sie aufgebaut ist, steigen gleich steilen -Wänden aus dem Meere auf, unterspült zum Theil von den brandenden -Wogen, darüber aber, wo der das Pflanzenleben vernichtende Staubregen -des Salzwassers nicht mehr hinaufreicht, hat sich an den sehr schrägen -Flächen des Kegels ein starker Pflanzenwuchs entwickelt, welcher -die Form und Lagerung der Gesteinmassen verdeckt, ein Zeichen, daß -Eruptionen seit langer Zeit nicht mehr stattgefunden haben. - -Mein Schiff war, wie erwähnt, inmitten des Riffes, in dem beschränkten -Wasserbecken, gut verankert worden und lag wohl geschützt gegen die -am Außenriff brüllende See. Aber da nach Verlauf von sieben Tagen der -starke, nordwestliche Wind erst nachließ, der die ganze Osterwoche -hindurch geweht hatte, durfte ich, obwohl längst segelfertig, es doch -nicht wagen, in See zu gehen. Erst als günstiger Wind einsetzte, -der stark genug war, das Schiff gegen die draußen anlaufende See -durchzubringen, mußte ich Anstalten treffen und versuchen, die freie -See zu gewinnen. Ohne Anstoßen am Korallenriff ging es in der engen -Durchfahrt freilich nicht ab; eine unberechenbare Strömung, durch die -einlaufenden Seen hervorgerufen, vereitelte alle Vorsicht. Dennoch -gewann ich ohne Beschädigung das offene Meer, habe aber den Versuch nie -wiederholt, sondern lieber vor dem Riffe mit zwei Ankern, diese klar -zum Schlippen, Wind und See ausgeritten, um das Schiff nicht an den -harten Kanten des Korallenriffes zu gefährden. - -Von Niuatobutabu hatte ich weiter nach Niua-fu zu segeln, einer hohen -Vulkan-Insel, die in etwa West-Nord-West-Richtung 120 Seemeilen von -hier entfernt liegt. Es war mir schon in Apia mitgetheilt worden, -daß das Auffinden des Ankerplatzes und der Station vor Niua-fu seine -Schwierigkeit habe; auch soll man sofort absegeln, wenn nördlicher Wind -und Seegang einsetze, da dort auf hartem Lavagrund die Anker nicht -genügend Halt finden und ein Freikommen von der Küste sehr schwierig -sei. - -Vollauf fand ich denn auch diese Angaben bestätigt, als ich wenige -Tage später unter der steilen, an Stellen mehrere hundert Fuß hohen -Küste entlang segelte und hinter der etwas vorspringenden Nordost-Ecke -nach der sehr hoch gelegenen Station nach einem Ankerplatz suchte. In -der guten Jahreszeit, d. h. wenn der Süd-Ost-Passat weht, hat es keine -besondere Gefahr, so nahe der Küste zu ankern; werden doch selbst große -Segelschiffe hierher beordert, ihre Ladung Kopra aufzufüllen, allein in -den Monaten Januar bis April machen häufig nördliche Winde ein Ankern -und Landen hier unmöglich. - -Diese Insel ist etwa 550 Fuß hoch und in ihrer ganzen Ausdehnung ein -vollständiges Lavafeld; man sieht vom Meeresspiegel, wie sich Schicht -über Schicht die fließende Masse gelagert hat und wie steile Abhänge -gebildet wurden, indem die schon erkaltete Lava abgesprengt oder als -noch zähe Masse übereinander geschoben wurde. Unregelmäßig, bald hier, -bald dort, scheinen die Lavaströme sich aufgestaut oder über steile -Abhänge ergossen zu haben, denn nach Gestalt und Form der Abhänge und -Wände zu urtheilen, hat die glühende Masse sich nur langsam fortbewegt. -Auch scheint die Ausdehnung und Dicke der fließenden Lava nur eine -geringe gewesen, dafür aber desto häufiger vorgekommen zu sein. Der -ganzen Natur nach müssen, da der Hauptkrater meiner Schätzung nach -mit dem Meeresspiegel fast gleich liegt, die verschiedenen Ausflüsse -und die Anhäufung der Lava von einer Anzahl parasitischer Seitenkrater -herrühren, die von Zeit zu Zeit, da die ganze Insel als ein Vulkan zu -betrachten ist, hier oder dort die Lavakruste sprengten und flüßige -Massen ausströmten. Es muß dies als feststehend angenommen werden, denn -heute noch befürchten die Eingebornen, es könne sich überall der Boden -plötzlich öffnen; ich selbst habe Stellen gefunden und zwar nahe der -deutschen Station, wo die fließende Lava die starken Kokosbäume mehr -als sechs Fuß hoch umschlossen und vernichtet hatte. - -Wie hier in der Nähe der deutschen Station, so habe ich auch an -der Westseite der Insel Stellen gesehen, wo ebenfalls die blühende -Pflanzenwelt zerstört wurde. Auch wird diese Insel sehr häufig von -starken Erschütterungen heimgesucht, so daß die Eingebornen in steter -Sorge leben müssen (die Alten erzählen von schrecklichen Zeiten, -die sie durchgemacht haben). Etwas Unheimlicheres giebt es kaum, -als zu fühlen, wie der Erdboden, auf dem man geht, durch heftige -Erschütterungen wankt, also auf einem thätigen Vulkan zu leben, der -mit furchtbarer Gewalt die Erdkruste zu spalten, Verderben und Tod -auszustreuen im Stande ist. - -Der letzte große Ausbruch hatte um das Jahr 1870 stattgefunden, -wohlbebaute Flächen und Dörfer auf dieser etwa eine deutsche -Quadratmeile große Insel wurden zerstört; die Bevölkerung, auch hier -Tonga-Insulaner, ersuchte, von Furcht erfüllt, selbst vorüberfahrende -Schiffe, sie aufzunehmen. Es sind auf der Insel keine, höchstens ein -paar elende Kanoes vorhanden, mit denen auf der fast immer erregten See -kaum eine Fahrt unternommen werden kann. Bin ich recht unterrichtet, -so gab es sogar ein Verbot, das der Bevölkerung geradezu untersagte, -sich Kanoes zu halten, denn es war vorgekommen, daß bei einem Ausbruche -viele Bewohner sich aufs offene Meer hinauswagten, um dem Verderben -zu entfliehen und da sie mit ihren gebrechlichen Nußschalen kein Land -auffinden konnten, ausnahmslos ein Opfer ihrer Angst und Tollkühnheit -wurden. Den schwankenden, von heftigen Stößen erzitternden Boden ihrer -Insel verließen sie, um einen langsamen, qualvollen Tod auf dem Meere -zu finden. - -Daß dennoch Niua-fu gut bevölkert ist (es sollen 1200 Tonganer hier -leben), muß der überaus reichen Vegetation zugeschrieben werden; -ist doch die Fruchtbarkeit der verwitterten Lava so ungeheuer, daß -überall, wo nicht jüngere Eruptionen weite Strecken zerstört haben, die -Pflanzenwelt im reichsten Maße sich entwickelt hat, besonders gedeiht -die Kokospalme hier in vorzüglicher Güte. Die größten Kokosnüße, die -ich je gesehen habe, wachsen hier, deshalb ist der Ertrag an Kopra auch -so bedeutend. Thatsache ist indes, daß die Furcht vor einem Ausbruche, -dessen Ausdehnung niemand wissen kann, die Insel zeitweilig entvölkert, -doch kehren die Einwohner immer wieder zurück, sobald die unheimliche -Naturkraft ausgetobt hat und wieder Ruhe eingetreten ist. - -Meine Ordre lautete dahin, hier auf dieser Insel das Schiff mit Kopra -aufzufüllen und nach Samoa (Apia) zurückzukehren. Ich hatte demnach -also den Versuch zu machen, trotz der ziemlich unruhigen See, eine -Landung ins Werk zu setzen. Ein Eingeborner, der es gewagt hatte, mit -einem kleinen Kanoe abzukommen, aber kenterte, erreichte schwimmend das -Schiff und zeigte mir alsdann den sicheren Ankerplatz. - -Der einzige Landungsplatz an dieser steilen, unzugänglichen Küste -ist ein tiefer Spalt in den massiven Lava-Felsen, den rechts und im -Hintergrunde hohe, senkrechte Wände umschließen, gegen welche die -einlaufende See wild aufschäumt, während zur Linken eine zwar steile, -aber niedrigere Wand mit einer Versenkung diesen einfaßt. - -Da der Spalt nur so breit ist, daß ein Boot einfahren kann, so muß -dieses stets an einem sicheren Tau, welches vor der Mündung verankert -und hinten an der Lavawand um einen Felsblock befestigt wird, mit der -See eingeführt werden. Zwei Mann haben nur darauf zu achten, daß sie -das Boot stets recht auf der mit wilder Macht eindringenden Woge halten -und ebenso, daß das mit großem Getöse zurückfluthende Wasser das Boot -nicht herumreißt und zum Kentern bringt. - -Ein vorspringender Lavablock an der linken Seite, längst von den ihn -immerwährend umspülenden Fluthen geglättet und abgeschliffen, dient als -Landungsplatz, auf den man aber ohne Hülfe nicht hinauf gelangen kann, -außer wenn man den Sprung wagt, sobald eine einlaufende See das Boot so -hoch gehoben hat, daß es mit dem Block in gleicher Höhe sich befindet. -Wenn das Boot am starken Tau festgehalten wird, ist es natürlich, -daß die See es mit Gewalt gegen den Block preßt und ein unablässiges -Aufpassen der Leute ist nöthig, um ein Kentern zu verhindern. Halb am -Felsen hängend, müßte sich sonst das Boot seitwärts umlegen, sobald die -Woge, welche es gehoben, wieder niedersinkt. - -Ein wildes Donnern und Brausen (man kann mitunter sein eigenes Wort -nicht verstehen) erfüllte den Spalt und wie ein mächtiger Sprühregen -fällt der hochaufspritzende Gischt mancher Woge von der Felswand -zurück, an welcher sie ohnmächtig zerstäubt ist, um immer wieder das -Spiel zu erneuern. - -Will man zu dem etwa 350 Fuß überm Meeresspiegel liegenden Hause des -deutschen Agenten gelangen, muß man auf Zickzackwegen die steile Höhe -erklimmen; oben angelangt, kann der Blick frei über das endlose Meer -schweifen, während zu Füßen die gewaltigen Formen erstarrter Lavamassen -aufgehäuft liegen, bedeckt mit Aschenstaub oder sprießendem Gras. -Große Erwartungen darf man an die Behausung eines so einsam lebenden -Europäers nicht stellen. Ein solches Gebäude, nur aus Holz hergestellt, -ist, dem Klima entsprechend, luftig und bequem, sonst aber baar aller -Bequemlichkeit. Die einzigen Möbel sind ein paar Stühle und ein Tisch, -alles andere hat sich der mehr oder weniger geschickte Bewohner aus -Kisten und Kasten zusammengezimmert. - -Die gefüllten Koprasäcke von solcher Höhe herabzutragen wäre sehr -mühevoll, man pflegt sich aber damit zu helfen, daß über Einsenkungen -und Vorsprünge des Felsbodens hinweg eine Lattenbahn zur Tiefe geführt -wird, auf der, wegen ihrer Steilheit, die Säcke leicht niedergleiten -können. - -Ein unverzügliches Angreifen der Arbeit nach Ankunft eines Schiffes -ist unter den obwaltenden Umständen hier eine Nothwendigkeit, man weiß -nicht, was die nächsten Stunden bringen; eine nur gering zunehmende -See macht oft der Arbeit ein Ende. Schwierig und namentlich für die -Besatzung des Bootes gefährlich ist das Einschiffen der Ladung. Sicher -sind die Leute erst, wenn die Oeffnung des Spaltes erreicht ist, -denn oft genug wird das Boot von den einlaufenden Seen überschwemmt, -und ist oft halb mit Wasser angefüllt, ehe es zum Schiffe gelangt. -Gewohnheit aber macht ein Unternehmen weniger gefahrvoll. Um so -mehr war ich erstaunt, daß anfangs meine Boote glücklich aus dem -zischenden, brausenden Schlund herauskamen, mancher Zentner Kopra war -bereits verschifft, da brachte mir unerwartet ein Bote die Nachricht, -Boot und Ladung seien verloren. Sofort von der Höhe herab eilend, -sah ich, wie frei von den Klippen die Mannschaft mit dem gekenterten -Boote umherschwamm und bemüht war, dasselbe so längsseit des Schiffes -zu bringen, was den Leuten auch nach langer Zeit gelang; in den -Felsenspalt selbst aber tauchten die Eingebornen auf und nieder, um die -gesunkene Bootsladung wieder heraufzuholen, indes gelang ihnen dies -nur halb, da die einlaufenden Seen die Säcke gegen die Felsenwände -warfen und diese sich öffneten oder zerrissen wurden. Veranlassung -zum Kentern gab eine schwere See; das Boot wurde gegen den Felsblock -gedrängt und schlug, während das Tau durch die Gewalt des Wassers den -Händen des Mannes entrissen wurde, quer und war im nächsten Moment mit -der Mannschaft und Ladung von der zischenden Wassermasse im brodelnden -Kessel überspült. Das Boot zu retten, ehe es an die Felsenwand -geschleudert und zerschellt wurde, war das Einzige, was die Leute thun -konnten. - -Da die Bevölkerung der Insel Niua-fu aus lauter Christen besteht, so -ist die Heilighaltung der Sonn- und Festtage auch hier eingeführt und -die Arbeit ruht. So konnte ich ungehindert dem Wunsche, diese Insel -näher kennen zu lernen und namentlich den im Innern tiefliegenden -Krater zu besuchen, nachkommen. In früher Morgenstunde, die -erfrischende Kühle benutzend, stiegen mit mir der deutsche Agent und -einige Eingeborne bergaufwärts. Wir folgten den Windungen der breiten, -festen Wege, auf denen nur das Eine unangenehm war, der pulverisirte, -feine Aschenstaub, der überall dick lagert und bei jedem Schritte -aufwirbelte. Auf der Höhe fand ich die Kokosbäume nicht besonders -schlank gewachsen, vielmehr hatten viele Stämme eine mehr oder weniger -starke Neigung nach Westen, was auf den Einfluß des mitunter recht -stark wehenden Südostpassates zurückzuführen ist, sonst war der Anblick -der zahllosen Palmen, die Höhen und Abgründe bedeckten, großartig. - -Der Weg führte uns bald am Rande eines senkrecht steilen Abgrundes -hin, der hunderte Fuß tief, aber so mit Buschwerk bewachsen war, daß -man nicht bis auf den Grund hinabsehen konnte. Nur eine Stelle gab es, -wo man mühsam, an Gestein und Strauch sich haltend, hinabzusteigen -vermochte, und als diese erreicht war, übernahmen die Eingebornen -die Führung, denen wir, rückwärts rutschend, zu folgen hatten. In der -Tiefe angelangt, zeigte sich ein großartiges Panorama, ringsum steile, -unzugängliche Felswände. Inmitten dieses Randgebirges, wenn ich so -die 4-500 Fuß steilen Wände bezeichnen darf, aber liegt ein weiter, -tiefer See, aus dem sich drei Bergkegel erheben, die leicht rauchenden, -zuweilen in Dampf gehüllten Krater. - -Kann diese so ausgedehnte Senkung, in die wir hinabgestiegen waren, -auch als der eigentliche Kraterkessel bezeichnet werden und jene drei -Hügel als die thätigen Vulkane in demselben, so steht doch außer Frage, -daß größere Ausbrüche seit langer Zeit nicht mehr stattgefunden haben, -sondern höchstens starker Aschenregen ausgeworfen ist, der, wie wir -gefunden, überall vertheilt lag. Bei einem stattfindenden heftigen -Ausbruche würde die fließende Lava keinen Schaden thun können, diese -würde vielmehr in den den weiten Krater umgebenden See fließen. - -Betrachtet man diesen großen Kraterkessel mit seinen steilen Wänden, -in welchem wir in aller Seelenruhe gemüthlich umherspazirten und uns -am breiten, flachliegenden Ufer des Sees tummelten, so kann man nicht -annähernd die gewaltige Kraft ermessen, die diese Wände aufgebaut hat, -die hier einst gewaltet und alles verändern und zerstören wird, sobald -sie sich hier im Centralpunkt äußern sollte. - -Man muß wirklich die unheimliche Gewalt thätiger Krater gesehen, an -solchen mit Schwefeldünsten und mächtigen Rauchwolken gefüllten Kesseln -gestanden haben, um sich ein Bild davon machen zu können, mit welcher -Furchtbarkeit auch hier Feuersäulen, Rauch und Gase emporgeschleudert -worden sind. Was nun diesen salz- und schwefelhaltigen See anbelangt, -dessen Wasser bitter und von keinem organischen Wesen belebt ist -- -so weit ich bei meiner flüchtigen Beobachtung das behaupten kann -- so -hat er einst bis an die steilen Lavawände herangereicht; ob aber allein -Verdunstungen oder andere Umstände den Rücktritt der Wasser verursacht -haben, mag dahin gestellt sein. Soviel ist erwiesen, daß die jetzt mit -Strauch und Buschwerk bewachsenen Flächen unter Wasser gestanden haben, -denn feines Geröll, abgestürzte Lavablöcke geben den Beweis dafür. - -Es liegt eine wunderbare Kraft im Walten der Natur! Man glaubt todte, -starre Oede dort zu finden, wo giftige Gase fast ununterbrochen den -Schlünden thätiger Krater entströmen; hier aber blüht und wächst durch -der Sonne Gluth, durch periodisch stark fallenden Regen, erfrischt -durch nächtlichen, schweren Tau, selbst auf dem salzhaltigen, -freigelegten Seegrunde eine üppige Vegetation. Das ganze Panorama, -den See zu Füßen, dessen Wasser im Sonnenlicht wie flüssiges -Silber glänzen, durch die Palmen gekrönten Höhen, den steilen, -dichtbewachsenen Wänden, wird durch diese tropische Ueppigkeit ungemein -verschönt. Das sonst schauerliche Empfinden, welches den Menschen -befällt, wenn er sich hineinwagt in die Werkstätten der furchtbarsten -Naturkraft, deren Hauch Land und Wasser erzittern macht, schwindet hier -beim Anblick thätigen, blühenden Lebens. - -Die Heilkraft des Wassers, von der die Eingebornen erzählten, wollte -ich auch nicht unversucht lassen; schnell folgten wir Europäer dem -Beispiele unserer nackten Begleiter und tummelten uns in dem warmen -Bade, bis eine wohlthuende Ermattung eintrat; daß den beiden Hunden, -die wir mit uns hatten, das Bad ebenso gut bekam, will ich nicht -behaupten; den Thieren, die mehrfach in das Wasser geschickt wurden, um -ein weit weggeworfenes Holzstück zurückzubringen, schien wenigstens der -bittere Geschmack desselben nicht besonders zu behagen. - -Bei näherer Untersuchung habe ich gefunden, daß die Wassertiefe -dieses Sees überall schnell zunahm und nach der Schräge des Bodens zu -urtheilen bis zur Mitte eine ganz beträchtliche sein muß, auch die -Eingebornen bestätigten dies, sie gaben an, es sei in nicht großer -Entfernung vom Ufer in weiter Runde kein Grund mehr zu finden, demnach -wären also die drei Kraterhügel nur die über Wasser ragenden Kuppen -vielleicht gewaltiger Vulkane. - -In tiefster Ruhe, im Sonnenglanz gebadet, liegt der weite See, in ihm -schlummern Gigantenkräfte! Wann werden diese wieder erwachen, Menschen -zittern und Felsen erbeben machen! Wir standen hier auf einem Vulkan, -wir wußten das, aber nicht, daß unter uns, rings in der Runde, die -unterirdischen Geister erwacht waren, die die Feuer schürten, um solche -wenige Monate später schon mit verheerender Gewalt über diese Insel -auszuspeien. - -Nicht so friedfertigen Sinnes wie heute waren die Tonga-Insulaner, -als sie zuerst mit den weißen Männern in nähere Berührung kamen. Die -erste Entdeckung dieser Insel erfolgte im Jahre 1643, dann wurden sie -erst wieder 1773, also über ein Jahrhundert später, von dem berühmten -Entdecker Cook aufgefunden, in der Folge dann von mehreren kühnen -Forschern besucht, denen aber ihr langer Aufenthalt an einzelnen dieser -Inseln, wie Tongatabu, Lefuka u. a. verhängnißvoll wurde. - -Im Vertrauen auf die freundliche Gesinnung dieser Insulaner wurden -die Europäer zu sorglos, dahingegen die Eingebornen aber, welche die -Schwächen der weißen Männer bald genug erkannten, planten Tod und -Verderben. Wohl entgingen viele Europäer dem geplanten Anschlag auf -ihr Leben und waren noch stark genug, ihre Schiffe zu schützen und zu -fliehen, manche aber haben ihre Achtlosigkeit mit Verlusten von Gut und -Leben büßen müssen. Heute hat Gesittung den verrätherischen Sinn der -Eingebornen geändert, sie kennen zur Genüge die Macht des weißen Mannes -und diese Erkenntniß ist der beste Schutz. - - - - -III. König Maliatoa. Olosinga. Der Ausbruch eines unterseeischen -Vulkans und die Entstehung einer neuen Insel. - - -Bei meiner Rückkehr nach Samoa waren die politischen Verhältnisse -auf Upolu noch verwickelter als früher und für die deutschen Beamten -eine stete, ernste Sorge, namentlich da die ansässigen Amerikaner -und Engländer ihre Wühlerei unvermindert fortsetzten. Mir, als einem -Uneingeweihten, fehlt die genaue Kenntniß, um ein anschauliches Bild -der politischen Wirren, der feindlichen Kundgebungen wahrheitsgetreu -wiedergeben zu können -- viel Gutes wäre, nebenbei gesagt, nicht zu -berichten gewesen -- nur so viel sei erwähnt, hätte gehandelt werden -dürfen, wie es uns Deutschen hier zu jener Zeit ums Herz war, mit der -kleinen Zahl jener Abenteurer, die desto lauter schrieen, je mehr sie -beachtet wurden, wäre bald genug aufgeräumt worden; es wäre ein Glück -für Land und Volk, eine wahre Wohlthat für uns Deutsche gewesen! - -Es lag mir viel daran, den Mann gelegentlich kennen zu lernen, in -dessen schwachen Händen das Geschick Samoas lag, um dessen Gunst so -viel Ausländer buhlten, dessen Macht ein Schein, dem nur sein Anhang -- -die stolzen, selbstbewußten Häuptlinge -- die Königskrone sicherten. -Der Zufall fügte es, daß ich auf einem Spaziergange nach Mulinuu -einen langansässigen Deutschen traf, der mir behülflich sein wollte, -den König sprechen zu dürfen. Während kein Samoaner wagen darf, ohne -Erlaubniß den geheiligten Grund zu betreten, auf welchem sein König -wohnt und auch dann nur unter Beobachtung gewisser Zeremonien, fanden -wir dort ungehinderten Zutritt und, ohne nach unserm Begehr gefragt zu -sein, näherten wir uns dem im Schatten seines Hauses sitzenden Könige -Maliatoa. - -Die Gastfreundschaft der Samoaner ist bekannt, und ihr König ist nicht -minder bestrebt, solche seinen Gästen gegenüber auszuüben. Seine braune -Majestät hieß uns willkommen und führte uns in den großen Vorraum -des mit vielem Kunstsinn aufgeführten Palastes und lud uns ein, auf -den mit Matten bedeckten Holzkisten Platz zu nehmen. Darauf rief der -König dienstbare Geister, wohlgenährte Samoanerinnen erschienen und -ließen sich geschäftig im Hintergrunde des Zimmers nieder. Schnell -waren Steine, Becken und Wasser herbeigeschafft, das Zerklopfen der -Kavawurzel begann und nach kurzer Zeit schon wurde durch Händeklatschen -das Zeichen gegeben, daß der Trank bereitet sei. - -Mit vieler Grandezza sich auf ein Knie niederlassend, reichte eine junge -Maid dem Könige zuerst die Kokosschale, wurde aber bedeutet, diese -seinen Gästen erst zu reichen. Da nahm ich sie in die Hände und leerte -sie mit einem Zuge, obgleich sie wohl einen halben Liter faßte; das -Wort „_fafataii_“, d. h. danke, war ich kaum im Stande, vernehmbar -auszusprechen, so hatte das etwas starke Getränk mir den Athem -genommen. Während dessen setzte sich der König würdevoll nach samoaner -Art mit untergeschlagenen Beinen, auf weichen, feinen Matten vor uns -nieder und eröffnete erst die Unterhaltung, als auch er die Schale -geleert und seinen Gästen Bescheid gethan hatte. - -Mit ausgesuchter Höflichkeit lenkte Maliatoa, nachdem er erfahren, -daß nur der Wunsch uns hergeführt hatte, ihn kennen zu lernen (was -besonders auf mich Bezug hatte), das Gespräch auf unsern großen Kaiser, -er stand auch auf und holte unter anderen Sachen ein wohlgelungenes -Bildniß des Kaiser Wilhelms herbei und fragte uns, ob der mächtige, -deutsche Kaiser mit diesem Bilde sprechende Aehnlichkeit habe, wie -ihm versichert worden sei. Unsere Bestätigung befriedigte ihn, und -für einen Augenblick im Anschauen des Bildes versunken, fragte er dann -plötzlich, wann ich eingelaufen sei und von welcher Insel ich gekommen -wäre. Als ich Niua-fu erwähnte, lobte er die dort wachsenden großen -Kokosnüsse; er wäre immer bestrebt, sagte er, solche zu bekommen und -benutze sie gewöhnlich zur Auspflanzung, wenn anders nicht seine Frauen -dieselben wegnähmen und zu Wasserbehältern oder Kavaschalen benutzten. -Schiffsführer, die Niua-fu anliefen, brächten ihm mitunter schöne, -große Nüsse mit, es wäre aber selten der Fall, weil dort wohl nur -wenige Schiffe zu Anker gingen. - -Das Letzte war mehr eine Frage an mich, und die Höflichkeit gebot, -diese so zu verstehen, als sei es ein ausgesprochener Wunsch, darum -erbot ich mich sofort, diesen zu erfüllen, sobald mir Gelegenheit dazu -gegeben wäre; ich wüßte zwar nicht, wohin ich beordert werden würde, -aber solcher geringen Mühe wollte ich mich gerne unterziehen und -gelegentlich Nüsse mitbringen. Dankend nahm Maliatoa das Anerbieten an. -Dann wurde uns auf seinen Wink die zweite Schale Kava von schöner Hand -gereicht, worauf wir uns bald vom Könige verabschiedeten. - -Während der kurzen Unterhaltung war es nicht uninteressant, zu -beobachten, wie der König in nichts von den Gewohnheiten seiner -Unterthanen abwich. Wie der Samoaner setzte er sich auf den mit Matten -belegten Erdboden, stützte gewohnheitsgemäß den Oberkörper auf einen -Arm oder gab bei nach vorne geneigter Haltung seinem Körper dadurch -einen festen Stützpunkt, indem er die Ellbogen auf die fast flach -am Boden liegenden Knie setzte. Bei solcher Haltung bleiben dann die -Hände zur Vornahme beliebiger Verrichtungen frei. Wiewohl nach unseren -Begriffen in der Haltung des Königs nicht allzuviel Majestätisches zu -finden war, so gestehe ich doch offen, daß die ganze Erscheinung den -Herrscher verrieth, dessen Blick Gehorsam zu heischen schien. - -Einige Monate später, ich war über Niuatobutabu nach Niua-fu beordert -worden, löste ich meine Zusage ein, und kaufte dort die größten Nüsse, -welche ich mit Hülfe des deutschen Agenten auftreiben konnte, für den -König Maliatoa auf. Nach Apia zurückgekehrt, traf ich leider den König -nicht in seinem Palaste bei Mulinuu an, ich gab daher die Kokosnüsse an -anwesende Häuptlinge ab, die solche sogleich den aufwartenden Weibern -einhändigten, somit mag der König wohl Recht haben, daß ihm geschenkte -Nüsse meistens zu anderen Zwecken, als zur Auspflanzung Verwendung -finden. - -Bei weiteren Reisen in der Südsee war ich insofern vom Glück -begünstigt, als mir Gelegenheit gegeben wurde, auch die entlegensten -Inseln der Samoa-Gruppe kennen zu lernen und dort Beobachtungen über -Land und Bewohner zu machen. Auf solchen Fahrten zeigte freilich oft -genug der gepriesene Stille Ozean ein recht unfreundliches Gesicht; -widrige, stürmische Winde, gefährliche See, straften solche Bezeichnung -Lügen. Ist man aber mit der wechselnden Eigenart der Witterung erst -vertraut geworden, namentlich mit der unbeständigen, sogenannten -schlechten Jahreszeit, so nimmt der Seemann alles ruhig mit in den -Kauf und sucht dem Unfreundlichsten noch eine gemüthliche Seite -abzugewinnen. - -In freier See, wenn dem Schiffe keine Gefahren weiter drohten, als -durch Wind und Wetter, war ich immer zufrieden, hier war des Menschen -Können den Elementen gewachsen, wenn diese es nicht gar zu böse -meinten, hingegen vor gefährlichen Riffen auf schlechtem Ankergrunde, -wo das Schiff gefährdet lag, schlich sich recht oft die Sorge bei mir -ein. - -Kräftig hatte der Südost-Passat wieder eingesetzt, vor dessen Hauch -das düstere Gewölk entfloh, das regenschwer oft genug über Land und -Ozean gebreitet lag; ein dauernd heiterer Himmel lachte auf die blaue -Fluth hernieder, deren schaumgekrönte Wellen sich im lustigen Spiele -endlos jagten. Aufkreuzend gegen solchen steifen Wind und einer in -Folge dessen recht bewegten See, brauchte ich, nach der Manua-Gruppe -bestimmt, acht Tage, um die 130 Seemeilen lange Strecke von Apia bis -zur Insel Ofu und Olosinga aufzusegeln; in Wirklichkeit aber hatte das -Schiff annähernd 800 Seemeilen im Zickzackkurse zurückgelegt, ehe das -Ziel erreicht war. - -Durchzieht die langgestreckte Insel Tutuila ein mächtiger Höhenrücken, -der wegen seiner Form und Steilheit unübersteiglich ist, eine -Basaltformation von solcher Zerrissenheit darstellend, daß thatsächlich -zwischen der Nord- und Südküste keine Verbindung besteht, so bieten die -beiden kleinen Inseln Ofu und Olosinga fast noch ein verzerrteres Bild -vulkanischer Wildheit dar. Die Massen dieser Inseln, steil und hoch, -gleich senkrechten Wänden aus der Tiefe des Meeres aufragend, zeigen -nicht die stumpfe Kegelform vulkanischer Bildung, sondern die zackigen -Bergspitzen sind hier und dort durchbrochen und getrennt, als wären -diese durch Gigantenhände aufgethürmt worden, sie scheinen das Ergebniß -übergewaltiger Eruptionen zu sein. Diese unzugänglichen Spitzen -und Zacken, gesprengte Lavablöcke, ragen fast 3000 Fuß hoch über -dem Meeresspiegel empor, in Wirklichkeit starre Zeugen einer längst -entschwundenen Zeit, die auch hier einst die unterirdischen Gewalten -schaffen und zerstören sah. - -An der Südseite der Insel Olosinga öffnet sich eine von Korallenriffen -eingeengte Bucht, die durch vielzackige sehr steile Basaltfelsen -abgeschlossen wird, namentlich sind drei spitze zusammenstehende Kegel -auffallend und geben ein gutes Merkzeichen. Die große Wassertiefe in -dieser Bucht bedingte es, daß ich sehr weit hineinlaufen mußte und -erst ganz in deren Nähe Ankergrund fand; fast blieb für das Schiff -kein genügender Raum frei von diesen zu schwingen, so nahe der Brandung -war ich zu ankern gezwungen. Zudem war die Verbindung zwischen Schiff -und Land nur zur Zeit des Hochwassers herzustellen, da das Riff ganz -trocken fällt und nur während weniger Stunden des Tages, ebenso wie der -Nacht, konnte Ladung an Bord geschafft werden. - -Eine schmale Fläche Landes liegt nur zwischen Strand und steiler -Felswand, noch dazu bedeckt mit großen abgestürzten Lavablöcken, -zwischen denen die Hütten der wenigen Bewohner dieser Insel zerstreut -errichtet sind; aber wie drohend und kahl auch die gewaltigen -Felsmassen von der Höhe herabschauen, ihnen zu Füßen auf fruchtbarster -Erde, ja selbst aus jedem Felsspalt blüht und sprießt eine reiche -Vegetation. Vornehmlich gedeihen hier der Kokosbaum und die Bananen -vortrefflich, jener der genügsam ist, reckt am Felsengrat sowohl wie am -Strande seine stolze Krone in die Lüfte und das in solcher Zahl, daß es -sich verlohnt hatte hier eine kleine Handelsstation anzulegen. - -Die Händler an solchen entlegenen Orten, meistens Mischlinge, tauschen -für geringe Waare den Ueberschuß an Nüssen von den Eingebornen ein -und erzielen durch die Verarbeitung derselben zu Kopra für sich einen -Gewinn, der ihnen sogar ermöglicht Ersparnisse zu machen, da ihre -Bedürfnisse sehr gering sind. Zwei höchstens drei mal im Jahre versieht -ein Schiff die Händler mit Tauschartikeln und holt die erhandelten -Erzeugnisse ab, daher ist denn auch das Einlaufen eines Fahrzeuges -immer ein Ereigniß von Bedeutung, sowohl für den Händler wie für die -Eingebornen. In der Station Olosinga, die seit Kurzem durch einen von -der Insel Tau hierher übergesiedelten Zwischenhändler errichtet war, -schien hier ein weißer Mann kaum je gesehen worden zu sein, denn sowohl -der älteste Greis wie der jüngste Sproß waren am Strande versammelt -als ich landete und Neugierde mit auffallender Scheu gepaart, ließ sie -die fremde Erscheinung anstarren; namentlich die Kinderschaar fürchtete -sich und anfänglich genügte eine rasche Bewegung meinerseits schon die -neugierige Menge auseinander zu treiben. Das kleine Haus des Händlers, -mit dem ich den geschäftlichen Theil abzuwickeln hatte, war schon, noch -ehe ich eintrat, voll von Menschen, so daß die Jüngeren herausgetrieben -werden mußten, um Raum zu schaffen. - -Angenehm ist solches Anstarren und Umdrängtwerden nicht, und mancher -würde es höchst lästig finden; weiß man aber, daß barsche Worte wenig -nützen, zumal den Erwachsenen gegenüber nicht, so erduldet man schon -solche Unbequemlichkeit, bald kommt man auch zu der Ueberzeugung -wie vortheilhaft es ist, da bald die Neugierde dieser Naturvölker -gestillt ist, Vertrauen erweckt zu haben. Frauen und Kinder laufen -nicht ängstlich davon, Männer gehen nicht mit scheelen Blicken an einem -vorüber, das „_talofa, ali_,“ guten Tag, Herr, hat einen freundlicheren -Klang; ich muß sagen, natürliche oder sogar erzwungene Ruhe, die ein -Europäer zeigt, imponirt den Eingebornen am meisten. - -In diesem Falle war es ein kurzer Sprung von auffälliger Scheu bis -zur Vertraulichkeit. Der Händler wurde von allen Seiten mit Fragen -bestürmt, seine Angaben schienen einigen Erwachsenen aber nicht zu -genügen; diese wollten durchaus wissen, ob ich auf der Brust ebenso -weiß sei wie im Gesicht und obwohl die Frage eigenthümlich genug klang, -so war sie doch ernst gemeint, denn sie öffneten mein weißes Hemde und -überzeugten sich selbst davon -- das war ihnen genügend, befriedigt -gingen sie fort. Nun war nach Verlauf einer halben Stunde die erst so -große Neugierde aller gestillt; ein Anstarren, geschweige denn eine -Belästigung kam nicht mehr vor, höchstens trat ein kleiner Bursche noch -heran und wagte mich um ein Stückchen Tabak anzusprechen. - -Zu den Pflichten eines Schiffsführers gehört es, stets für den Empfang -einer Schiffsladung die Ladescheine zu zeichnen; so war es auch hier -(gleichwie an anderen Orten war ich der einzige Europäer), es war -meine Aufgabe, die zu empfangende Menge Kopra abzuwiegen. Schon um den -Aufenthalt hier unter den gefährlichen Riffen abzukürzen, wurde die -Verschiffung der Ladung auch während der Nacht bei lodernden Feuern, -die immer von Neuem mit trockenen Palmenrippen angefacht wurden, -ausgeführt. Dabei nun leisteten uns einige Kinder Gesellschaft, die -es vorzogen wach zu bleiben, um die Feuer zu unterhalten. Unter diesen -war ein etwa siebenjähriges Mädchen von auffallender Schönheit, wie ich -noch keins unter farbigen Völkern gesehen; es mag sein, daß die leicht -gebräunte Hautfarbe dies Kindergesicht so anziehend und interessant -machte, so viel wenigstens kann ich behaupten, dieses Naturkind konnte -mit seinen weißen Schwestern wetteifern und sich den Hübschesten seines -Geschlechts an die Seite stellen. Manches hübsche Mädchen habe ich -zwar unter den Samoanerinnen gesehen, ein solches aber, wie dieses in -dieser weltentlegenen Gegend aufgewachsen, nicht wieder. Unter anderem -erhielt ich noch Kenntniß von einem unterseeischen Vulkan, der sich an -der Ostseite der Insel Olosinga befindet. Ich zog darüber Erkundigungen -ein, erfuhr aber nur Folgendes: Die älteren Bewohner haben vor einer -Reihe von Jahren einen Ausbruch desselben beobachtet, dabei aber -nur leichte Erschütterungen des Bodens, sonst nichts Auffallendes -wahrgenommen, und seit jener Zeit sei an der bezeichneten Stelle im -Ozean weiter kein Ausbruch erfolgt. Immerhin ist das Vorhandensein -eines solchen Vulkans, auch wenn ihn die Fluthen des Meeres bedecken, -eine gefährliche Nachbarschaft und ein Zeichen, daß die Naturkraft -fortbesteht, die diese gewaltigen Basaltmassen aufgethürmt hat, wenn -auch längst die Krater dieser Inseln erloschen sind. - -Die größte der Inseln in der Manua-Gruppe ist Tau, ebenfalls -vulkanischen Ursprungs, an Umfang aber viel bedeutender noch als Ofu -und Olosinga zusammen genommen; in der Mitte dieser Insel erheben -sich gegen 3000 Fuß hohe Krater, deren Umgebung indeß weniger wild -und zerrissen erscheint, da sie von der Hügel- zur Bergform übergeht -und ausgedehntes Vorland die ganze Erhebung umgiebt. Fraglos ist -es, daß auf gehobenem Korallengrunde im Laufe der Zeiten die flachen -Landstrecken gebildet wurden, die wiederum ein weites Riff umgiebt, -das stetig an Ausdehnung durch den Fortbau der Korallenpolype gewinnt. -Nimmt auch die Kratergegend den bei weitem größten Flächenraum -dieser 16 Seemeilen im Umfang großen Inseln ein, so hat sich doch auf -verwittertem Lavagrunde eine reiche Pflanzenwelt entfaltet und von -See aus gesehen erscheint dieselbe sich bis zu den hohen Bergkuppen -ausgedehnt zu haben; vor allem sind die Umgebungen der Dörfer Tau, -Siufanga, Faleasao an der West- und Nordwestseite von ausgedehnten -Kokospflanzungen umgeben. Bestimmt von Olosinga zunächst nach Tau zu -segeln, mußte ich hier, nachdem mit Schwierigkeit Waaren gelandet, -auch der Vertreter der deutschen Handelsgesellschaft abgeholt war, -nach Faleasao weiter fahren, wo in der guten Jahreszeit der sicherste -Ankerplatz sein sollte. Hier befand sich auch der Hauptstapelplatz -für Kopra. Als ich vor Faleasao ankam, schien mir dort der Ankerplatz -nahe dem Riffe einigermaßen sicher und ein Landen nicht zu schwierig -zu sein. Weht der Südostwind, so hat Faleasao wohl den Vorzug der -gesichertste Ort für ein Schiff zu sein, da sich hier ausgedehnte -Korallenflächen unter Wasser hinstrecken, wenn auch bei schnell -zunehmender Tiefe; weht derselbe aber östlicher, wie ich es fand, so -läuft die schwere See längs der kreisförmigen Insel auf und erzeugt -selbst hier noch eine gefährliche Brandung. - -Von einem Schiffe aus gesehen scheint freilich eine Brandung nie so -schwer als sie in Wirklichkeit ist, befindet man sich aber mit einem -Boote in derselben, erkennt man erst die gewaltige Kraft der mit großer -Geschwindigkeit heranrollenden und sich überstürzenden Wogen. - -Genöthigt zu warten bis Hochwasser eingetreten war, wodurch am -Riffe die Brandung vermindert wurde, machten wir doch beim ersten -Landungsversuch eine unliebsame Bekanntschaft mit derselben. Obgleich -die Bootsbesatzung tüchtig und geübt war, überlief uns dennoch die -See; in dem Augenblicke, wo es galt, mit aller Kraft zu rudern, um -die hinter uns brechende Woge nicht über das Boot stürzen zu lassen, -unterlief die Kraft der neben dem Boote aufrollenden Vorwelle den -Riemen (Ruder) eines Mannes, den dieser nicht schnell genug zu heben -vermocht hatte. Trotz der Anstrengung des Steuerers wirbelte im -Augenblick das Boot herum, die Welle brach über das breitseits liegende -Boot herein, überschlug dasselbe, und Menschen, Boot und dessen Inhalt -bildeten ein Chaos, daß die brüllende Woge strandaufwärts trug. Weil -ich selbst kein Schwimmer war, und keinen Grund unter den Füßen fand, -so wurde für mich die Lage bald bedenklich, zumal da ich nichts zu -sehen im Stande war, und nur donnerndes Brausen mir in den Ohren -gellte. Ein Spielball des Wassers, mußte ich das Schlimmste befürchten, -wenn die rücklaufende Welle mich mit sich riß; aber plötzlich fühlte -ich einen Halt, ein Eingeborner der Bootsbesatzung hatte mich gefaßt, -ehe es zu spät gewesen, ich fand auch gleich wieder Grund und tummelte -fort, nur beschleunigte die nächste Welle mein Bestreben, den Strand -zu gewinnen dermaßen, daß ich durch den heftigen Stoß ziemlich unsanft -auf die spitzen Korallen geworfen wurde; aber abgesehen von einigen -Verletzungen an den Händen kam ich noch glimpflich davon. Weitere -Verwundung erhielt keiner, nur der Mann, dessen Ungeschick alles -verschuldet hatte, hatte sich den Kopf verletzt. Zum Glück war auch das -große von Tau mitgenommene Brandungsboot unbeschädigt geblieben, die -Besatzung desselben, an solche Fahrten gewöhnt und aus guten Schwimmern -bestehend, wußte mit Geschick einen verderblichen Aufstoß des Bootes -auf den harten Korallengrund zu vermeiden. Schnell war das Mißgeschick -vergessen. Das Boot wurde ausgeschöpft und flott gemacht, dann mit dem -Verschiffen der Ladung begonnen. Freilich manchmal glaubten wir Boot -und Ladung nicht wieder zu sehen, wenn es in der Brandung verschwand -oder in Gefahr war, von einer steilen Woge überworfen zu werden. - -Soweit die Leute Grund unter den Füßen hatten, schoben sie das Boot -stets hinaus, dann wurde gewartet, bis drei schwere Seen herangelaufen -waren, sofort aber hinter der dritten schwang sich die Besatzung in das -Boot und ruderte mit aller Kraft der vierten, gewöhnlich schwächsten -Woge entgegen, die passirt sein mußte, ehe sie sich brach; gelang dies -nicht, kam häufig das Boot fast sinkend längsseit des Schiffes und es -entstand dadurch eine Verzögerung. - -Dem Manne, der mich flüchtig gestützt, als ich kraftlos ein Spiel -der Wogen gewesen, gab ich auf Anrathen des Händlers eine Hand voll -Stangentaback, kaum aber hatte derselbe begriffen, daß solcher sein -Eigenthum sein solle, als er wie besessen umhersprang, immer wieder -sein „_fafataii_“, danke, brüllend, bis sich seine Genossen um ihn -geschaart und er schnell die Hälfte seines Geschenkes los geworden war. - -Das Rauchen ist unter den Eingebornen der Südsee stark verbreitet, -daher ist eigens für sie zubereiteter, kräftiger Taback ein bedeutender -Tauschgegenstand geworden. Selten nur findet man die Tabackpfeife in -Gebrauch, dagegen kommt allgemein die Cigarette in Anwendung, die mit -Vorliebe von beiden Geschlechtern geraucht wird. Sehr oft habe ich -mich ebenfalls derselben bedient und gefunden, daß der Europäer in -der Hütte des Eingebornen stets willkommen ist, der seinen Vorrath mit -ihnen theilt, wenigstens aber so viel abgiebt, um das augenblickliche -Bedürfniß zum Rauchen zu befriedigen. Einfach genug ist die Herstellung -einer Cigarette, als Umhüllung dient ein Streifen vom getrockneten -Bananenblatt; der Taback, aus zusammengepreßten Blättern bestehend -und meistens feucht, wird nach Bedarf auseinander gewickelt, über ein -entzündetes Streichholz oder eine kleine Flamme, auch über Kohlengluth -etwas angeröstet, eigentlich nur dadurch betrocknet und dann in den -bereitgehaltenen Streifen eingewickelt. Auf diese Weise ist eine -Cigarette schnell genug angefertigt; diese geht dann von Hand zu -Hand und hat Jeder durch einige Züge das augenblickliche Verlangen -befriedigt, so wird der Rest der Cigarette von einem der Anwesenden -hinter der Ohrmuschel so lange aufbewahrt, bis sich wieder das -Bedürfniß zum Rauchen einstellt. - -Es erwies sich übrigens als leichter, mit einem schwerbeladenen Boote -gegen die starke Brandung zu rudern, als mit dem leeren vor derselben -zu laufen, im letzteren Falle meistens von dem Kamme einer Woge -riffaufwärts getragen, wird das Boot von ihr schließlich überlaufen und -die darauf folgende gefährdet es. Zweimal geschah es während der 60-70 -Fahrten, welche das Boot zum Schiffe hin und zurück machen mußte, daß -dieses in der Brandung überworfen wurde, jedoch ohne weiter Schaden -zu nehmen. Ich habe manche Brandung an Korallenriffen mit weniger -tüchtiger Mannschaft und schwächeren Booten passirt, bin aber niemals -später genöthigt gewesen, wie hier, bei so hohem Seegange Ladung -abzunehmen. Diese See, eigentlich nur längs und auf das Riff laufende -Roller, war schon schwer genug; eine Möglichkeit hätte es aber nicht -mehr gegeben, durch die Brandung zu kommen, wenn auch nur ein leichter -Wind die Wogen verstärkt hätte; diese sind übrigens desto gefährlicher, -je weiter vom Strande entfernt abflachender Grund der Wassermasse -gestattet sich aufzurollen. - -Des Ungeziefers, welches mit einer Kopraladung an Bord gebracht wird -und sich dort schnell einnistet, habe ich früher Erwähnung gethan, -namentlich der Ameisen und der Kakerlaken. Mich jener zu erwehren, -wenigstens sie möglichst aus der Kajüte zu vertreiben, wurden Fugen -und Ritzen im Holz mit Petroleum angefeuchtet oder gut verkittet; -solche Mittel lohnten zwar nicht viel, aber eine Zeit lang wenigstens -etwas; hingegen die Kakerlaken zu vertreiben, wollte nichts verfangen. -Unglaublich vermehren sich die bis zu 1½ Zoll und darüber wachsenden -Thiere; da sie an feuchten Stellen mit Vorliebe sich aufhalten, ist -ihnen zwischen den Rippen des Schiffes nicht beizukommen. Selbst wenn -ich zeitweilig eine Ausräucherung des ganzen Schiffes mit Kohlengas -vornahm, um die nicht minder lästigen Ratten zu vertilgen, gelang -es wohl, die schlimmen Nager zu tödten, die meistens in der Nähe -der erloschenen Kohlenbecken, wo sie wegen des hierher strömenden -Sauerstoffes am längsten zu leben vermochten, aufgefunden wurden; den -Kakerlaken hingegen schadete solche Ausräucherung nichts. - -Bei Tage nicht sichtbar, kommen die Kakerlaken Abends aus ihren -Verstecken hervor, dann aber ist es in geschlossenen Räumen nicht -auszuhalten, so groß ist die Menge der Thiere. Sehr lebhaft aber werden -sie und die, welche fliegen können, schwirren umher, sobald sich eine -Aenderung im Wetter bemerkbar macht; ich beobachtete, daß jedesmal -Regen eintrat, wenn die Kakerlaken zu fliegen begannen. - -Doch nicht nur sehr unangenehm und widerwärtig sind diese Thiere, -sondern sie sind auch im Stande, empfindlichen Schaden anzurichten; -man darf kein unreines Zeug oder Leibwäsche frei liegen lassen, soll -solche nicht angefressen werden. Anfänglich, ehe ich dahinter kam, maß -ich den Ratten die Schuld bei, wenn mir gute wollene Hemden verdorben -wurden. Glücklicherweise gab mir der Zufall ein Mittel an die Hand, -diese Kakerlaken nach Möglichkeit zu vernichten. Eine entleerte Flasche -Bier war unabsichtlich in eine leere Koje gesetzt worden und zwar so, -daß es den durch den Biergeruch angelockten Thieren möglich geworden -war, den Hals der Flasche zu erreichen und hinein zu kriechen. Einmal -hinein gab es kein Zurück mehr, und ich fand, einem widerlichen Geruch -nachspürend, diese Flasche ganz angefüllt mit todten Kakerlaken. - -Später ließ ich denn auch frisch geleerte Bierflaschen aufstellen -und konnte bald, da oft Hunderte in einer Nacht gefangen wurden, eine -Abnahme bemerken. Auf längeren Reisen, wenn der geringe Vorrath an Bier -ausgetrunken war, setzte ich entweder eine Schüssel mit Seifenwasser -oder mit einem Zusatz von Syrup den Kakerlaken hin und richtete es -so ein, daß sie bequem hineinkommen konnten; war es auf solche Weise -auch nicht möglich, die Thiere auszurotten, weil sie sich zu stark -vermehrten, so wurde doch ihre Zahl sehr vermindert. - -In späterer Zeit hatte ich leider nie wieder Gelegenheit, die -Manua-Gruppe anzusegeln und meine Beobachtungen zu vervollständigen, -dagegen wurde ich mit den Tonga-Inseln, ihrer Beschaffenheit und -Bevölkerung, vertrauter, da ich meistens längere Reisen durch diese -ausgedehnte Gruppe zu machen hatte. - -Der bereits geschehenen Erwähnung, daß in freier See sowohl, wie unter -den zahlreichen Inseln, eine große Zahl Haifische zu finden ist, wollte -ich noch näher darauf eingehen, in welcher Weise es mir gelang, eine -beträchtliche Anzahl dieser gefährlichen Meerbewohner zu fangen, die -zum Theil dann von meiner Schiffsbesatzung verzehrt wurde. Möglich -ist der Fang des Haifisches nur bei ruhiger See und bei Windstille; -er wird um so leichter, wenn der Hai hungrig ist und nach allem gierig -schnappt, was über Bord geworfen wird. War also Windstille eingetreten, -wiegte das Schiff sich steuerlos auf der blauen Fluth, so währte es -gewöhnlich nicht lange und die Rückenflosse eines oder mehrerer Haie -wurde sichtbar, die langsam näher kamen und entweder hinter dem Schiffe -verblieben, wenn dessen Fahrt vielleicht noch gering war, oder sonst um -dieses herumschwammen. - -Kamen die Thiere nicht nahe genug heran, so wurde eine Lockspeise an -dünner Leine befestigt, jedoch so, daß diese der Hai wohl befühlen, -aber nicht erfassen konnte; die Leine wurde nämlich schnell eingeholt, -sobald der Hai sich auf den Rücken legte und zuschnappen wollte. -War der Hai erst gierig gemacht, so folgte er dem Köder schneller, -besonders, wenn es ihm doch gelungen war, ein Stückchen Fleisch zu -erfassen. - -Auf diese Weise bis dicht unter das Heck des Schiffes gelockt, schwamm -der Hai achtlos auf die Gefahr, welche ihm drohte, in die weit in -das Wasser reichende Schlinge hinein, schnell diese fallen gelassen -und zusammengeholt, war solch großer Fisch immer gefangen, weil ein -Uebergleiten der Schlinge wegen der unbiegsamen Schwanzflosse nicht -mehr möglich war. Bot sich eine Gelegenheit in der Nähe der Insel Upolu -einige Haie zu fangen, und war das Schiff nicht allzufern dem Hafen von -Apia, gestattete ich der Besatzung meistens die Fische aufzubewahren, -die dann außenbords in den Rüsten oder unter dem Bugspriet aufgehängt -wurden, denn der Fischgeruch war nicht besonders angenehm. Verzögerte -sich die Ankunft aber und hatte die heiße Sonne schon zersetzend -eingewirkt, ließ ich die Haie losschneiden, was von den Samoanern immer -bedauert wurde; hingegen, wenn wirklich ein todter Hai mitgebracht -werden konnte, gab es einen Festschmaus bei den Anverwandten am Lande. - -Anstoß an dem strengen, widerlichen Geruch des Fisches nahmen die -Samoaner nicht, vielmehr durch eingetretene Zersetzung ward das Fleisch -desselben mürbe, das sonst hart, zähe und trocken ist. Aus Noth habe -ich auch einmal versucht, das zubereitete Fleisch eines jungen, frisch -gefangenen Haies zu essen, aber es wollte selbst gebraten nicht munden, -obgleich sicher ein gewisser Widerwille das meiste dazu beitragen -mochte. - -Das Gebiß eines großen Haifisches ist furchtbar, die vorderen festen -Zähne im Unter- und Oberkiefer sind an der Wurzel breit und flach -und scharf wie ein Messer, die Zähne fassen so ineinander, daß alles, -was der Hai erfaßt, von diesen durchschnitten wird. Hinter den festen -Vorderzähnen liegen noch sechs Reihen ebensolcher, jede kleiner als die -andere und in den Rachenmuskeln beweglich. Faßt der Hai eine Beute, -ist er nicht im Stande, solche wieder fahren zu lassen; die hinteren -Zahnreihen richten sich auf und geben einmal Gefaßtes schwerlich wieder -frei. - -Einmal, in der nördlichen Einfahrt von Tongatabu (ich war zwischen den -Riffen von Windstille befallen worden) hielten sich schon längere Zeit -zwei mächtige Haie von seltener Größe beim Schiffe auf. Schließlich -machte ich mich daran, da diese Thiere ohne Scheu längsseit kamen, -einen mit der Schlinge zu fangen. Ohne daß Köder angewandt war, -hatte sich bald eines der Unthiere in der Schlinge festgelaufen; am -Schwanz gefangen, peitschte der Hai wüthend das Wasser und die Leute -hatten zu thun, das starke Thier zu halten, das erst jeden weiteren -Versuch sich zu befreien aufgab, als es ermattet an der Schiffsseite -hochgezogen war. - -Der zweite Hai, der anfänglich gleich verschwunden, kam bald wieder zum -Vorschein und so nahe an seinen gefangenen Gefährten heran, daß auch -er nach einigen Versuchen demselben Schicksal verfallen war. Die Leute -sollten nun den zweiten nicht zu nahe dem schon hochgezogenen aufholen, -aber in ihrer Hast zogen sie das heftig um sich schlagende Thier doch -nahe an dem ersten Hai vorbei und dieser, ebenfalls unruhig gemacht, -wohl auch von dem Schwanze des zweiten getroffen, schwang seinen -Oberkörper im Wasser hin und her, dabei den mächtigen Rachen auf- und -zuschnappend. - -Solange der Hai noch im Wasser war, sträubte er sich mit seiner ganzen -Kraft und folgte nur widerwillig der angewendeten Gewalt, er entriß -auch den Händen der Leute das Tau, ehe dasselbe befestigt werden konnte -und schoß seitwärts in die Tiefe. Indeß da das Tau, womit der Hai -gefangen worden war, zum Aufhissen eines der Vordersegel diente und an -diesem befestigt war, so vermochte er nicht zu entkommen. Als er wieder -herangeholt war, sollte gewartet werden, bis er sich müde gearbeitet -hätte; aber übereifrig geworden, zogen die Leute weiter und als sie -unachtsam wieder dem ersten Hai zu nahe gekommen waren, hielten sie -plötzlich das lose Tau in Händen. Der hängende Hai hatte nämlich nach -dem Schwanze des zweiten geschnappt, die halbe Flosse mitsammt dem -starken Tau durchbissen und so seinem Gefährten die Freiheit gegeben. -Ein kurzer, aber gewaltiger Schlag war es, den dieser Hai führte, als -er gebissen sich zur Wehr setzte, doch bald schoß er frei mit einer -Geschwindigkeit hinweg, wie man solche diesen sonst trägen Thieren -nicht zutrauen sollte. - -Um nun den gefangenen Hai, dessen Körper noch halb im Wasser -niederhing, sicher an Deck zu bringen, mußte ihm eine zweite Schlinge -oberhalb der Rückenflosse umgelegt werden; an dieser wurde das Thier -dann hochgezogen, der Schwanzwirbel durchgeschlagen und erst, als es -sich verblutet hatte, an Deck genommen. Das Thier maß etwas über 13 -Fuß und hatte ein furchtbares Gebiß. Dieses sollte später ein Tonganer -für mich präpariren und reinigen, nachdem der Kopf wochenlang in -Salz-Seewasser gelegen und alles Fleisch sich abgelöst hatte; ich sah -aber nie etwas davon wieder, es hieß, die Kiste mitsammt dem Kopfe des -Haies, die am Riffe versenkt worden war, sei verschwunden. - -Auf meiner zweiten Reise, von Apia nach Tongatabu, lief ich, von -Vavau kommend, westlich von der ganzen Tongagruppe, und befand mich -eines Tages im Mai 1885, als voraus die Basaltkegel Hunga-hapei und -Hunga-tonga gut in Sicht gekommen waren, nicht allzufern von den in der -Karte angeführten Culebrasriffen. Mein Kurs, der südwärts gerichtet -war, mußte mich gerade darauf führen. Aber als ich die hohen Inseln -Kao und Tofua in Deckung gebracht hatte -- die Kreuzpeilung von der -Insel Namuka und Hunga-tonga ergab, ich müsse zwischen den Riffen mich -befinden -- wollte von den Riffen nichts sichtbar werden. Vergeblich -hielt ich selbst von den Masten aus Umschau, ich konnte weit in der -Runde kein Riff, noch flacheres Wasser sehen und ebensowenig die noch -schärferen Augen meiner Leute. - -Fünf Monate später bekam ich auf ebensolcher Reise, die Hapai-Gruppe -anlaufend, in Lefuka einen Lootsen als Passagier an Bord, der sich -erbot, mir den Weg durch die Riffe der Kotu- und Namuka-Gruppe zu -zeigen. Ich nahm das Anerbieten an, schon weil der Weg kürzer war -und ich auch wußte, dieser Mann kenne die Durchfahrten ganz genau. Es -war am Nachmittage des 12. October 1885, die Insel Namuka in Sicht, -hielt ich den Kurs nach der freien See zu, um nicht während der Nacht -zwischen gefährlichen Riffen laviren zu müssen. - -Westwärts mit freiem, leichtem Winde zog das Schiff, ich konnte hoffen, -ehe die Nacht hereinbrach, die freie See zu gewinnen, bevor, wie -ich fürchtete, westlicher Wind, der in der Ferne mächtige, drohende -Wolkenmassen aufballte, mein Vorhaben, Namuka zu umsegeln, vereitelte. -Keiner anderen Annahme konnte ich Raum geben, so ungewöhnlich in dieser -Jahreszeit mir auch eine Aenderung in der Witterung erscheinen wollte, -als der, es müsse ein schwerer Sturm heraufziehen. Das schönste Wetter -war um uns, der Himmel blau und klar, ich konnte nicht verstehen, -da auch das Barometer immer noch keine Aenderung zeigen wollte, -was im Westen das Anstürmen der Wolkenmassen, die dunkel wie die -heraufziehende Nacht waren, zu bedeuten habe. - -Unverändert, den ganzen Horizont im Südwesten bedeckend, blieb diese -Erscheinung. Wider Erwarten entwickelte sich nicht ein heraufziehender -Sturm, auch nicht das Gewölk, welches ein solcher vor sich hertreibt. -Ein Räthsel war es, dessen Lösung ich nicht fand. - -Die Nacht brach herein, herrlich glänzte über uns der Sternenhimmel -einer friedevollen Tropennacht. Nur von den Riffen, die die Insel -umgeben, schallten vereinzelte Stimmen über das stille Gewässer, -dort rüsteten sich die Bewohner zum Fischfange, und bald leuchteten -die Kokosfackeln in den zahlreichen Kanoes auf, eine Beleuchtung, -wie solche stimmungsvoller nicht der ganzen Umgebung angepaßt werden -konnte. - -Aber auch die tiefdunkle Nacht in der Ferne wurde erleuchtet, -Feuergarben zuckten zum Himmel empor, momentan die dunkle Masse wie -mit magischem Lichte erhellend. Unerklärlich, wußte ich doch, daß -dorthin auf hunderte Seemeilen kein Land zu finden war; die kleinen -Felseninseln Hunga-tonga und Hunga-hapai lagen südlicher. Es war nicht -der Blitz, der durch die Wolken zuckte, aus der Tiefe des Meeres herauf -glühte es, sekundenlang immer wieder mit graufahlem Schimmer, mit -blitzendem Feuerschein, den Horizont durchleuchtend. - -Nichts veränderte sich während dieser Nacht, das Phänomen blieb sich -gleich, auch trotz der größer werdenden Entfernung, bemerkte ich keine -wesentliche Veränderung; erst der neue Tag bleichte den Feuerschein, -der, was ich schließlich als positiv habe annehmen müssen, nur von -einem zum Ausbruch gelangten Vulkan herrühren konnte. In Nukualofa -eingelaufen, erfuhr ich, daß am 11. Oktober ein zeitweise heftiges -Erdbeben die Insel Tongatabu erschüttert habe, und die Feuergarben, die -ich gesehen hatte, waren auch hier beobachtet worden. - -Natürlich war jedermann auf Tongatabu in Spannung versetzt, als nach -meinen Angaben, die ich zu machen im Stande gewesen, kein Zweifel -blieb, daß nördlich der Inseln Hunga-tonga und Hunga-hapai der Ausbruch -eines unterseeischen Vulkans stattgefunden habe; das Erdbeben also -hiermit in Verbindung zu bringen sei. Selbst begierig, den näheren -Zusammenhang zu erfahren, kam ich mit Herrn von Treskow überein, das -Schiff so schnell wie möglich abzufertigen, und ich nahm mir vor, so -eingehend als möglich zu erforschen, welche Bewandtniß es mit dieser -Erscheinung habe. - -Am 14. Oktober früh, nach eintägigem Aufenthalt, segelte ich wieder -ab, und meinen Kurs direkt auf jene Gegend setzend, fand ich am -Nachmittage, sobald die Felseninsel Hunga-tonga querab lag, daß in -nordwestlicher Richtung eine neue Insel entstanden war, genau auf -derselben Stelle, wo ich vor 5 Monaten vergeblich das in der Karte -angegebene Culebrasriff gesucht hatte. Der frisch wehende Südost-Passat -trieb das Schiff schnell vor sich her und ehe der Abend hereinbrach, -war ich keine halbe deutsche Meile von dieser Insel und dem in -furchtbarer Thätigkeit befindlichen Vulkan entfernt. An der Ostseite -dieser neuentstandenen Erhebung, die etwa 300 Fuß hoch und ¾ deutsche -Meile im Umfang haben mochte, befand sich ziemlich in der Mitte dicht -am Strande der Krater. Am Südende der Insel stieg eine etwa 40 Fuß -hohe, weiße Dampfsäule ebenfalls unmittelbar am Strande auf, die wie -ein mächtiger Springbrunnen ununterbrochen emporschoß, und soweit ich -es unterscheiden konnte, war es heißes Wasser. - -Hatte der Anblick dieser entfesselten Naturgewalt schon etwas -Furchtbares, so wurde das grollende Rauschen, der gewaltigsten -Brandung, dem dumpfen Rollen entfernter Donnerwogen vergleichbar, fast -unheimlich. Meine Leute, Eingeborne der Samoa-Gruppe und der Insel -Niue, erzitterten, und ich selbst konnte mich eines Schauders nicht -erwehren. Die Sprache, möcht' ich sagen, ist zu arm, um das Empfinden -bei solchem Anblicke wiedergeben zu können. - -Jede Minute brachen fünf gewaltige Rauchmassen aus dem tiefen Schlunde -herauf, abwechselnd ein schwererer, dann ein etwas leichterer Ausbruch, -unter diesen war immer einer, der mit solcher Gewalt zum Himmel fuhr, -daß erst in gewaltiger Höhe die geballte Rauchmasse sich vertheilte; -kaum daß der starke Wind seinen Einfluß ausgeübt hatte, war schon die -nächste aus dem rauschenden, zischenden Schlunde emporgefahren. - -Mit diesem günstigen Südost-Winde, der mich, das wußte ich wohl, nicht -im Stiche ließ, hätte ich es gewagt, so nahe als möglich heranzusegeln, -obgleich die See, durch den starken Wind erregt, um mich schäumte und -brüllte; es waren keine langgestreckten Wellen mehr, sondern ein Chaos -weißköpfiger, tummelnder Wogen. Aber wie wohl ich bis zum Strande -nirgends Brandung sah, fürchtete ich schließlich doch, daß mit der -Insel auch Untiefen, die dem tiefgehenden Schiffe verderblich werden -können, gehoben sein möchten. - -Ich stand hoch oben im Vordermast und schaute scharf voraus, bis -plötzlich ein Blick unter mir auf die brausende See mich erschauern -machte; einer gewaltigen Stromkabelung nämlich gleich war die See, -durch welche mit schneller Fahrt das Schiff sich Bahn brach. Noch -wartete ich, obgleich ich nicht mehr als eine Seemeile vom Krater -entfernt war, da geschah ein furchtbarer Ausbruch, um den Krater, -der noch immer die schwarzen Massen scheinbar direkt aus der See -herausschleuderte, hoben sich die Wogen, was ich mit einem guten Glase -deutlich unterscheiden konnte, als wallten sie auf von einer gewaltigen -Kraft zurückgeschleudert, das Meer erzitterte, und ich fühlte das Beben -des Schiffskörpers. Nun war es genug, die Unruhe meiner Leute war zu -groß, ich mußte fürchten, ein plötzlicher Befehl würde ungeschickt -ausgeführt werden -- in so unheimlicher Nähe einer solchen Naturgewalt -hätten auch wohl andere Herzen gezittert -- und „hart an den Wind“ -durch das Zischen der See, durch das Brausen der Eruption, rief ich -das Kommando. Da ich schwerlich von den Leuten verstanden wurde, war -eine Handbewegung bezeichnender, unter dem Druck seiner Segel fuhr das -Schiff herum und stampfte, seine Fahrt vermindernd, auf und nieder in -dieser wild durcheinander laufenden Wassermasse. - -Als ich aber die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß keine Gefahr -vorhanden, die Erschütterung nur durch den heftigen Ausbruch verursacht -worden war, vergrößerte ich den Abstand nicht, und hielt, überall -frei Wasser auch vor mir sehend, wieder nach Norden ab, nur lief ich -nicht näher heran. Bald wurde um das Schiff die See wieder ruhiger, -lief wenigstens gleichmäßiger und als ich die Nordspitze bei gleichem -Abstande umsegelte, hatte ich große Lust, hier im ruhigen Wasser, an -der Westseite zu landen. Doch freiwillig wäre keiner meiner Leute -in das Boot gegangen und, da ich als einziger Europäer -- meinen -Steuermann hatte ich in Apia für ein anderes Schiff abgeben müssen --- mein Schiff nicht verlassen durfte, hätte der Anbruch des nächsten -Tages abgewartet werden müssen, um eine genaue Ortsbestimmung vornehmen -zu können, für diesen Tag war es zu spät. - -Mit dem Lothe die Tiefe zu sondiren und vorsichtig heranzulaufen hätte -uns solche Untersuchung, obgleich auf einer Seemeile Abstand noch -kein Grund gefunden wurde, viel Zeit weggenommen; auch lag eine tiefe -Dämmerung, verursacht durch die über die Insel getriebenen Rauchwolken, -an der Westseite. Einer tiefschwarzen Nacht fuhr ich entgegen, es war, -als läge in ihr das Verderben vor uns. - -Diesen Plan gab ich auf, wendete und fuhr, beim Winde haltend, so -weit wieder ostwärts, daß der Krater in seiner unheimlichen Schönheit -vor Augen blieb. Bald kam der Abend, bald entzog die dunkle Nacht, da -ich nun den richtigen Kurs wieder aufgenommen hatte, die Insel unsern -Augen; nur der Krater spie fort und fort seine dunklen Massen empor, -aber nicht mehr wie am Tage, wo das unterseeische Feuer nur hellgrau -den Fuß der emporgeschleuderten Massen färbte, sondern jetzt glühte es, -als wenn ein undenkbar gewaltiger Schlot seine Feuergarben zum Himmel -sendete. - -Wie schnell das Schiff auch vor dem Winde seines Weges zog, so -verminderte sich doch nicht diese gewaltige Erscheinung, und während -dieser langen Nacht wandte ich kein Auge von diesem grausig schönem -Schauspiele. Erst die im Osten aufsteigende Morgenröthe eines neuen -Tages, die, wer sie einmal in ihrer Pracht auf dem endlosen Meere -gesehen, nie vergißt, und immer wieder sehen möchte, bleichte den -Schimmer der Feuersäule und in der hier friedevollen Natur zogen wir -beflügelt unseres Weges dem fernen Ziele entgegen. - -Andere Schiffe nach mir haben diese Insel in Sicht gelaufen, aber viel -größeren Abstand gehalten, nach den Berichten ist, soweit ich solche -verfolgen kann, die Landmasse noch weiter gehoben worden, und der -Krater noch lange in Thätigkeit gewesen; auch wird berichtet, daß am -Südende später drei Dampfsäulen gesehen worden sind. Sehr leid hat es -mir nachher gethan, daß ich nicht den nächsten Tag abgewartet und nach -einer Möglichkeit gesucht habe, an der Nordwestseite eine Landung zu -versuchen, nicht dem ersten Drange, die deutsche Flagge dort aufstecken -zu lassen, gefolgt bin. - -Meinem Berichte über den Ausbruch dieses unterseeischen Vulkans und -die Entstehung dieser neuen Insel, scheint das deutsche Konsulat in -Apia keine Bedeutung beigemessen zu haben, bekannt geworden sind nur -Berichte von englischer Seite und der des deutschen Kriegsschiffes -„Albatros“, das wenige Monate nach mir, am 21. Januar 1886, die neu -entstandene Insel sichtete. Direkt von Tongatabu nach der Insel Niua-fu -bestimmt, fand ich dort die ganze Bevölkerung in großer Aufregung, denn -heftige Erdbeben hatten zur selben Zeit auch diese Insel erschüttert; -ein Ausbruch wurde erwartet. Der Hauptkrater, die drei Hügel im See, -rauchten heftiger, dennoch wurde hier kein Ausbruch vorausgesetzt, -vielmehr befürchtet, an irgend einer anderen Stelle würde ein solcher -erfolgen. - -Eine Beruhigung für alle war die Kunde, die ich hierher gebracht, daß -im Süden ein gewaltiger Ausbruch stattgefunden habe, die Annahme, -ein Ausgleich der Naturkräfte hätte sich dadurch ergeben, wirkte -beruhigend auf die Gemüther, zumal da schon während der letzten Tage -die Erschütterungen auf Niua-fu immer schwächer geworden waren. - -Aber mag auch der Ausbruch jenes unterseeischen Vulkans ein Ableiter -gewesen sein, am Ende des Jahres 1885 mehrten sich doch wieder die -Anzeichen einer drohenden Gefahr; die heftigen Erschütterungen mehrten -sich, bis plötzlich am Südende von Niua-fu ein sehr starker Ausbruch -erfolgte, und ob ich auch nie wieder diese Insel betreten habe, hörte -ich doch in den fernen Marschallinseln, daß die Verheerung durch -fließende Lava auf Niua-fu furchtbar gewesen sein soll. - -Ein beschränktes Feld nur ist es, im Verhältniß zur ausgedehnten -Inselwelt des großen Ozeans, dessen ich hier Erwähnung gethan, und doch -im Gegensatz zu den einzelnen, erwähnten Inselgruppen, den niedrigen -Koralleninseln, muß die beträchtliche Anzahl erloschener, und zum -Theil noch thätiger Vulkane auffällig erscheinen. Sie alle aufzuzählen -scheint mir unnöthig, zumal jede hohe Insel vulkanischen Ursprungs ist, -fast ohne Ausnahme ließen sich auf allen erloschene Krater nachweisen. - -Bedenkt man nun, daß schon dieses kleine Gebiet seit grauer Vorzeit -ein ausgedehnter Kraterheerd gewesen ist, worauf der Einfluß der stets -thätigen Naturkraft Veränderungen hervorgerufen haben mag, deren -Größe und Bedeutung wir heute kaum zu ermessen im Stande sind, so -tritt, wenn wir die ganze ausgedehnte Inselwelt in Bereich der Frage -ziehen, welchem Ursprung entstammen diese Ländermassen, unwillkürlich -beim Nachdenken die Möglichkeit heran, wir könnten es hier mit einem -ehemaligen, versunkenen Festlande zu thun haben. Und ganz erklärlich -muß dies erscheinen, sofern nur in Betracht gezogen wird, daß -bedeutende Umwälzungen und Veränderungen auf unserer Erdoberfläche -stattgefunden haben, ehe die heutige Lage und Gestaltung stetig -geworden ist. Wir wissen, daß die Festlande aus der Tiefe der Ozeane -gehoben wurden, die mächtigen Gebirge als vereinzelte Inseln oder -Inselmassen über die Oberfläche der Wasser hervorragten an denen sich -dieselben Vorgänge, während zehn Jahrtausenden vielleicht abspielten, -wie an den Vulkaninseln des heutigen stillen Ozeans. - -Fußen wir auf diese Theorie, dann sind die vereinzelten und -zusammenhängenden Bergmassen im großen Ozean, die höchsten Punkte -eines versunkenen, gewaltigen Festlandes deren vulkanischer Charakter -im Laufe der Zeiten zur Erhöhung durch häufige, heftige Ausbrüche viel -beigetragen hat. Die Koralleninseln, ebenfalls unter der Meeresfläche -gesunkene Gebirgsrücken, auf denen es der Korallenpolype ermöglicht -wurde sich anzubauen, haben die Thierchen trotz des langsamen, -allmählichen Sinkens der Ländermassen immer höher und höher zur -Meeresoberfläche gebaut, bis auch hier Stetigkeit eingetreten ist und -ausgedehnte Inseln gebildet wurden. - -Die Tiefenverhältnisse im großen Ozean ergeben ein Bild, wonach -mächtige Gebirgszüge diesen durchziehen, ausgedehnte Thäler -umschließend, und zum Theil sehr steil anstreben bis zu 18000 Fuß und -darüber; hohe Inseln im Ozean kämen demnach unsern höchsten Bergen -gleich. - -Die Annahme nun, daß die ganze große Inselwelt ehemals eine -zusammenhängende Landmasse gewesen, führt dahin, daß diese auch von -verschiedenen Völkerstämmen bewohnt worden ist; streng geschiedene -Rassen, vielleicht getrennt durch natürliche Grenzen, haben hierauf -weite Strecken bewohnt. Im Westen die schwarze, die Papuarasse, ganz -Melanesien umfassend, östlich davon die kupferfarbene, die Polynesier, -und im Norden von beiden, Mikronesien, Mischarten der Malaien. -Kann angenommen werden, daß die heutige Bevölkerung Ueberreste der -Urbewohner sind, die durch Versinken der Landmassen isolirt wurden, -wäre die Erklärung dafür gefunden, wie allmählich selbst die niedrigen -Koralleninseln bevölkert worden sind. Denn der Drang nach Ausdehnung, -Aufsuchen neuer Wohnsitze, kann nach ostwärts nur im beschränkten Maaße -stattgefunden haben, die Strom- und Windverhältnisse im Ozean mußten -Versuche auf großen Wasserflächen vereiteln, hingegen nach Westen -begünstigen, zumal da bessere Verkehrsmittel als die heutigen Kanoes -schwerlich den einzelnen Stämmen zur Verfügung gestanden haben. - -Der in früherer Zeit bei diesen Rassen und einzelnen Stämmen -gebräuchliche Kannibalismus hat alle Spuren vertilgt, die über die -Verbreitung derselben Aufschluß geben könnten, es bleibt also nur die -Gewißheit übrig, daß die einzelnen Rassen ihr ursprünglich bewohntes -Gebiet heute noch innehaben, was namentlich auf die Polynesier und -Melanesier Bezug hat. - - - - -IV. Die Marschall-Inseln. - - -Sowie im Bereich der deutschen Handelsgesellschaft die ausgedehnte -Tonga-Gruppe, früher auch die Vitji-Inseln, gezogen wurden, sind -nördlich und westlich von Samoa in der Phoenix, Ellis, Gilbert-Gruppe, -auf Una und Rotomah Handelsbeziehungen eröffnet worden und die Schiffe -der Gesellschaft hielten auf diesem weiten Gebiet den Verkehr aufrecht. -Verbindungen mit den Neu-Hebriden und Salomon-Inseln wurden ferner zu -dem Zwecke unterhalten, um dort die Anwerbungen der so sehr benöthigten -Plantagenarbeiter vorzunehmen, da der träge Samoaner sich zur dauernden -Arbeit nicht bereit finden läßt. Ein Gemisch verschiedener Stämme, -zu denen Rotumah- und Tapituwea-Leute (Gilbert-Inseln), sowie auch -Marschall-Insulaner sich gesellen, findet man auf den deutschen -Plantagen, und doch genügt oft die Arbeitskraft nicht, da nicht immer -für heimbeförderte Arbeiter, nach Ablauf ihres dreijährigen Vertrages -hinreichender Ersatz geschafft werden kann. - -Die Marschall-Inseln und, im Zusammenhang mit diesen, die weite -Karolinen-Gruppe und die Gilbert-Inseln bildeten in den achtziger -Jahren getrennte Niederlagen für sich, gleichwie ein solches auch -in Matupi (Neu-Pommern) errichtet war, unter Leitung von Beamten -der deutschen Gesellschaft. Den Handelsverkehr hielten auf diesen -Stationen, ebenso wie in Apia, die daselbst stationirten Schiffe -aufrecht. Ablösungen der Schiffe erfolgten je nach Maßgabe der -Verhältnisse, oder sobald sie reparaturbedürftig geworden waren, dem -nur in Apia, der Hauptstation, abgeholfen werden konnte. - -Aus dem Grunde schon, um meine Kenntniß über die Inselwelt des stillen -Ozeans zu bereichern, begrüßte ich freudig die Weisung, mit einem -anderen Schiffe auf den Marschall-Inseln stationirt zu werden, und -im Anfang Januar 1886 segelte ich von Apia nach Jaluit, um erst nach -Verlauf von zwei Jahren nach Samoa zurückzukehren. - -Ziemlich nordwärts durch die Phönix-Gruppe ging mein Kurs, dem -zu Folge die Marschall-Inseln weit westlich bleiben mußten, wenn -keine oder nur schwache Aequatorialströmung vorhanden gewesen wäre; -auch war es nöthig, wegen des nördlich vom Aequator zu erwartenden -Nordost-Passatwindes, möglichst östlich von der Gilbert-Gruppe zu -bleiben, um, sobald dieser einsetzen würde, mit freiem Winde die Fahrt -des Schiffes zu beschleunigen; denn wenn diese Inseln in Lee blieben, -wäre es zwecklos gewesen, gegen den starken Strom und Wind nordwärts zu -kreuzen. - -Wider Erwarten fand ich schon nördlich der Phönix-Gruppe einen starken -Strom, der in 24 Stunden das Schiff 70-80 Seemeilen nach Westen -versetzte, dessen Gürtel so schnell als möglich passirt werden mußte, -wollte ich nicht in absehbarer Zeit gezwungen werden, mir durch die -Gilbert-Gruppe hindurch einen Weg zu suchen. Zum Glück aber trat -keine Windstille ein, der östliche Wind blieb beständig, wenn auch -leicht, bis ich aus dem stärksten Strom heraus mit immer nördlichem -Kurs die Insel Milli sichtete; ich hatte also in Wirklichkeit durch -die Stromversetzung einen nordwestlichen Kurs gesegelt. Gerade drei -Wochen waren vergangen, als ich den Bestimmungsort Jaluit erreichte, -und begünstigt von anhaltend schönem Wetter die 1800 Seemeilen lange -Entfernung in dieser Zeit zurückgelegt hatte. - -Zum allgemeinen bessern Verständniß und, ehe ich zu einzelnen -bemerkenswerthen Reisen durch die Marschall-Gruppe übergehe, scheint -es mir angebrachter, vorher schon eine kurz gefaßte Uebersicht von -diesen Inseln und deren Bevölkerung zu geben, um so mehr als besondere -Eigenthümlichkeiten in der Bildung und Entstehung dieser Inseln zu -erwähnen sind. Eine Gruppe verschieden geformter Atolls, oft von -beträchtlicher Ausdehnung, umfassen, vom 4-12° nördlicher Breite und -166-172° östlicher Länge, die Marschall-Inseln ein weites Gebiet. Ihrer -Bauart nach, sind es Randriffe der verschiedensten Bildung, die ein -mehr oder weniger tiefes Korallenbett umschließen. Und wenn ich auf -ihre Entstehung hinweisen soll, so haben wir die viel tausendjährige -Arbeit der Korallenpolypen vor uns, die aus großer Tiefe Schicht auf -Schicht bis zur Meeresfläche aufgebaut haben, und schwere See, Wind und -Witterungseinfluß haben mit der Zeit zwar schmale, aber langgestreckte -Inseln in beträchtlicher Zahl auf den Randriffen gebildet. - -Die eigentliche Bezeichnung dieser Randriffe wäre Korallenwälle, da -diese sehr steil bis zu einer großen Tiefe abfallen, und jeder Atoll -erscheint wie ein langgestreckter, steiler Bergrücken, in einzelnen -Fällen auch wie eine Bergkuppe, sofern man sich die thatsächliche -Bildung des Meeresbodens vergegenwärtigt. Da nun die Koralle nicht -tiefer als etwa 200 Fuß zu bauen beginnt, müssen in der That diese -Erhebungen gleich Bergkuppen aus der Tiefe des Meeres aufragen, worauf -als Grundlage die Polypen ihre Werke aufgebaut haben. Aber erwiesen -ist es, daß die Korallenwälle viel hundert Fuß tief sich unter der -Meeresfläche erstrecken, mithin kann der schichtweise Aufbau aus so -bedeutender Tiefe nicht begonnen worden sein. - -Es bleibt also nur die Annahme übrig, fast die Gewißheit, daß auch -hier versunkene Höhen, besser gesagt Gebirgskuppen, das Fundament -abgegeben haben, auf welchem die Koralle sich ansiedelte. Hätte nun -nach erfolgtem Verschwinden der höchsten Bergspitzen ein Tiefersinken -der Landmassen nicht stattgefunden, würden feste Riffflächen -entstanden sein, auf denen sich im Laufe der Zeiten niedrige Inseln -gebildet hätten, eine Bildung der heutigen Atolle würde naturgemäß -dann nicht möglich gewesen sein. Einen anderen Anschein hingegen -gewinnt es, sofern man der Vermuthung Folge giebt, daß, worauf ich -schon hingewiesen, die ganze ausgedehnte Inselwelt des stillen Ozeans -einst aus verschiedenen mächtigen Gebirgszügen, mit sehr zahlreichen -thätigen Vulkanen bestanden hat, deren Kratersenkungen oft einen sehr -bedeutenden Umfang gehabt haben müssen. - -Wird dieses als erwiesen betrachtet, dann sind sämmtliche Atolls einst -für lange Zeit noch über die Meeresfläche ragende Krater gewesen, -Inseln, an deren Rändern die Koralle fortgebaut hat. Je tiefer die -Kraterinseln langsam versanken und ein gänzliches Erlöschen der -Vulkane die Folge war, ebenso schnell baute die Koralle fort und -füllte schließlich die weiten Oeffnungen aus. Die Randriffe schon weit -im Vorsprung konnten diese durch die bessere Ernährung der Polypen -auch schneller anwachsen, aber der innere Aufbau und die allmähliche -Auffüllung blieb zurück, was natürlich war, sobald das allmähliche -Sinken der Landmassen aufgehört hatte, denn jetzt gestatteten die -zusammenhängenden Randriffe den bauenden Polypen nicht mehr oder -doch zum Theil nur, durch die von der Strömung offen gehaltenen -Durchfahrten, die Zufuhr frischen Meerwassers und mit diesem frische -Nahrung. - -Die eine Gewißheit aber liegt bestimmt vor, ehe die heutige -Beschaffenheit der Atolle herbeigeführt worden ist, sind große -Zeiträume hingegangen, die alle Spuren der Entstehung verwischt haben. - -Geht man von der Annahme aus, daß auffallende Veränderungen nicht mehr -stattfinden, vor allem ein weiteres Sinken seit vielen Jahrhunderten -unterblieben ist, dann müssen, da kein Stillstand im Schaffen -der Natur eintreten kann, der einst sämmtliche Atolls durch die -theils an der Innenseite, theils an den Außenriffen weiter bauenden -Korallen geschlossen werden, wie es bei zwei kleineren Atolls in der -Marschall-Gruppe bereits geschehen ist. Es werden, wenn dadurch auch -der innere Aufbau der Korallen zum Stillstand gekommen ist, mehr oder -weniger tiefe Wasserbecken zurückbleiben, die naturgemäß versumpfen -müssen, sobald der vordringende Pflanzenwuchs festen Fuß faßt. Es ist -erwiesen, daß starke Strömungen, wie solche durch den gleichmäßigen -Wechsel von Ebbe und Fluth hervorgerufen werden, der Koralle am -Weiterbau hinderlich sind, wenigstens nur langsame Fortschritte -gestatten, dagegen findet man bei solchen Atolls, wo nur noch durch -enge Zufahrten ein Zugang möglich, daß die Koralle diese von innen -zu verbauen sucht. Begünstigt durch die immerwährend frische Zufuhr -an reichhaltigen Nährstoffen, führen die Polypen in der Nähe der -Durchfahrten allmählich kleinere Bänke auf, und bauen so weiter, bis -jede Oeffnung im Randriff schließlich verschlossen wird, was bei den -südlich liegenden Atolls zunächst zu erwarten ist. - -Die Marschall-Gruppe bildet zwei nahezu parallel laufende Ketten -von Insel-Atolls in Nord-Nord-West- und Süd-Süd-Ost-Richtung, die -östliche die Ratock-, die westliche die Ralik-Gruppe; die Bezeichnung -beider Ketten ist der Sprache der Marschall-Insulaner entlehnt. Die -Ralik-Kette zählt 15, die Ratock- 14 Korallengruppen, unter denen sich -einige kleinere Inseln befinden, die keine Atolle sind. - -Soweit die geschichtliche Kunde reicht, soll bereits im Jahre 1529 -der spanische Kommandant Alvaro de Saavedra einige Atolls gesehen und -besucht haben; nähere Nachrichten liegen aber erst seit 1788 vor und -zwar von den englischen Befehlshabern Marschall und Gilbert, nach denen -auch die beiden großen Inselgruppen benannt worden sind. Trotzdem nun -in den folgenden Jahrzehnten der stille Ozean mehr und mehr von Kriegs- -und Kauffahrteischiffen befahren und erforscht wurde, sind doch nur -spärliche Nachrichten von jener fernen Inselwelt zu uns gekommen; -bisweilen meldeten sie auch von dort verschollenen oder ermordeten -Schiffsbesatzungen. - -So befand sich im Jahre 1824 der amerikanische Walfischfänger „Globe“ -in der Nähe der Insel Milli, wo der größte Theil der Besatzung -dieses Schiffes meuterte und landete. Es gelang zwar einigen von der -zahlreichen Mannschaft, die gezwungen den Meuterern hatten folgen -müssen, ihr Schiff wieder zu erreichen und die offene See zu gewinnen, -auch waren diese, obschon es ihnen an Offizieren fehlte im Stande -die Sandwich-Inseln zu erreichen; auf ihren Bericht hin wurde dann -im folgenden Jahre der Schooner „Delphin“ ausgesandt, um wenn möglich -die Meuterer zu ergreifen. Aber nur zwei ganz junge Leute, die keinen -Antheil an der Meuterei gehabt, wurden noch lebend vorgefunden, alle -übrigen waren von den Eingebornen erschlagen worden, weil diese die -ihnen überlassenen Frauen roh behandelt hatten, sie verfielen der Rache -der Eingebornen und ernteten so den Lohn ihrer Thaten. - -1834 landete Kapitän Dowsett auf den Marschall-Inseln. Dieser -unterhielt freundlichen Verkehr mit den Eingebornen und nichts -befürchtend, landete er eines Tages, und ging allein in ein Dorf, nicht -ahnend, daß inzwischen seine Mannschaft am Strande ermordet worden war. -Die an Bord zurückgebliebenen, die den Vorgang mit ansahen, waren der -Meinung, ihr Führer sei auch erschlagen worden. Sie lichteten sofort -die Anker und entflohen. Als das Schiff nach Honolulu zurückgekehrt -war, wurde sogleich die „Waverley“ ausgerüstet, um nach Kapitän -Dowsett oder dessen Schicksal zu forschen. Es wurde aber nichts weiter -gefunden, als einige dem verschollenen Kapitän gehörende Sachen, und -sein, in die Rinde verschiedener Bäume eingeschnittener Name. Die -Eingebornen, mit denen wohl schwer eine Verständigung erzielt werden -konnte, erzählten, der Kapitän sei mit seinem Boote in See gegangen; -jedoch der Führer des „Waverley“ glaubte ihnen nicht und ließ eine -ganze Anzahl niederschießen. Darauf segelte das Schiff weiter nach -Ponape, der größten Insel der Karolinengruppe, und lief auch die -östlichste dieser Inseln, „Kusai“ an, hier aber ereilte alle das -Schicksal, das Schiff wurde von den Eingebornen genommen und die ganze -Besatzung getödtet. Späteren Nachrichten zu Folge hat Kapitän Dowsett -noch im Jahre 1843 auf einer Insel in der Ralikkette, die er mit -seinem Boote erreichte, gelebt, wahrscheinlich aber hat er von hier die -Karolinen erreicht und ist auf einer dieser Inseln getödtet worden. - -Ich könnte noch mehrere solcher Fälle anführen, wo an verschiedenen -Inseln Schiffe genommen, oder der Versuch dazu gemacht wurde, selbst -schiffbrüchige Seeleute wurden nicht verschont; noch im Jahre 1852 -wurde vor der Insel Ebon ein Schiff erobert, dessen Besatzung der Rache -der Eingebornen verfiel, weil Jahre vorher dort von Weißen ein großer -Häuptling getödtet worden war. - -Selbst auf Jaluit, der heutigen Hauptinsel, wurde, wie ich aus -sicherster Quelle erfahren, wenige Jahre später ein amerikanisches -Handelsschiff die „See-Nymphe“ genommen. Es ankerte in der Lagune unter -der Insel „Medjado“, und, hier mit den Bewohnern Tauschhandel treibend, -ließ sich der Führer hinreißen, einen Häuptling thätlich zu beleidigen. -Die Folge war, daß dieser mit seinen Verwandten und seinem Anhang -einen Ueberfall plante, der, sobald die Mannschaft des Schiffes wieder -landete, ins Werk gesetzt wurde. Es heißt, der damals noch junge Kabua, -der jetzige König in der Ralik-Kette, habe selbst den nichtsahnenden -Schiffsführer auf seinen Schultern über das Riff getragen, andere -Eingeborne trugen auf gleiche Weise die Besatzung zum Lande. Weit -genug vom Schiffe entfernt, wehrlos in die Gewalt der Eingebornen -gegeben, wurden die Ahnungslosen auf ein gegebenes Zeichen hinterrücks -niedergeschlagen. Das Schiff wurde darauf ausgeraubt und es entging -keiner dem Tode. - -Die Ursache dieser Metzeleien, der so viele Unschuldige zum Opfer -gefallen sind, ist in der Roheit zu suchen, welche die Führer -amerikanischer Walfischfänger, die in diesem Gebiete reiche Beute -erjagten, an Eingebornen verübt haben. Sie litten es, daß oft mit -Gewalt den Eingebornen die Weiber entrissen wurden, auch verhängten sie -ungerechte Strafen. Mehr aber noch haben die zügellosen Mannschaften -solcher Schiffe, deren brutales Auftreten die Führer nicht zu hindern -vermochten, verschuldet, und bitteren Haß gegen den weißen Mann in die -Herzen der Inselbewohner gesät. - -Schlimmer noch, sie hinterließen scheußliche Krankheiten, die sich -von Geschlecht zu Geschlecht vererbten, tausende hinwegrafften und ein -gesundes Volk zur Verzweiflung brachten. Erst nachdem die Meerbewohner -vernichtet, die Walfischjagden nicht mehr lohnend genug geworden -waren, wurden die Marschall-Insulaner seltener belästigt. Als dann die -Missionare kamen, (zuerst 1857 auf der Insel Ebon) predigten diese das -Evangelium und fanden willige Hörer bei denen, die so oft ihre Hände -in das Blut des weißen Mannes getaucht hatten; eifrig befolgten die -Eingebornen die göttliche Lehre und vergaßen ihre Rachsucht. - -Heute, unter deutschen Schutz gestellt, mögen diese Insulaner, die so -manche gute Eigenschaft besitzen, aufathmen, und sich in Sicherheit, -ihres Daseins freuen; aber leider ward mit der Zivilisation auch der -Todeskeim ausgestreut, langsam, aber sicher geht diese Menschenrasse -dem endlichen Verfall entgegen. - -Sowie geographisch der Marschall-Archipel in zwei Gruppen getheilt -wird, so kann dies auch in Bezug auf Bevölkerung und politische -Verhältnisse geschehen, denn sowohl die Ralik- als auch die Ratak-Kette -ist in dieser Beziehung jede für sich als ein getrenntes Ganzes zu -betrachten. Schon die Sprache beider Gruppen ist verschieden, nicht in -ihrem Bau, vielmehr im Dialekt, und gleiche Unterschiede zeigen sich in -den politischen Verhältnissen der Bewohner. Während auf der Ratak-Kette -fast jeder Atoll von einem, oder mehreren Häuptlingen beherrscht -wird, die oft in gegenseitiger Fehde leben und sich der Herrschaft zu -bemächtigen trachten, selbst zur Eroberung anderer Gruppen (Atolls) -lang vorbereitete Kriegszüge unternehmen, liegt die ganze Macht auf der -Ralik-Kette in den Händen eines Königs, jenes schon erwähnten Kabua, -besser gesagt, in den Händen seiner Familie. - -Die Macht richtet sich hier nach Besitz und Anhang, und obgleich Kabua -nicht der reichste der Häuptlinge, ist er doch als der älteste als -König anerkannt worden, zumal da die Besitzungen seiner Stiefsöhne -und deren Einfluß sein Ansehn erhöhte. Sein Stiefsohn Nelu (Lojab), -dessen Bruder Lagajime, Litokua und neben diesen Launa sind die -einflußreichsten Häuptlinge auf der Ralik-Kette; namentlich Nelu, seine -Brüder und seinen Anhang habe ich häufig an Bord gehabt und mit diesen -Reisen von Atoll zu Atoll gemacht. - -Bei den meisten ungebildeten, sogenannten wilden Völkern findet man, -daß das Weib nicht als gleichberechtigt angesehen wird, vielmehr -die Sklavin des Mannes ist, auf deren Schulter alle Lasten und Mühen -abgewälzt werden. Doch die Polynesier zeichnen sich darin aus, daß -sie das Weib höher stellen, mehr noch ist dieses bei den Mikronesiern -der Fall; vor allem bei den Marschall-Insulanern, bei welchen es volle -Gleichberechtigung hat, d. h. keine Beschränkung im Handeln, in Haus -und Hütte, und soweit des Weibes Einfluß reicht, der, da Rang und Würde -nur vom weiblichen Geschlechte abgeleitet wird, häufig groß ist. - -Die Bevölkerung ist zum großen Theil besitzlos, aller Landbesitz -liegt in den Händen der Häuptlinge, deshalb ist es den Bewohnern nur -gestattet, eine Frau zu haben, wo hingegen die Häuptlinge mehrere -haben dürfen, doch bleibt die erste Frau, sofern sie Kinder hat, die -rechtmäßige; sie ist bei den Vornehmen gewöhnlich die Tochter eines -Besitzenden. Steht die Frau im Range höher als der Mann, so erhält -dieser auch eine höhere Würde, nur über das Eigenthum der Frau hat -er kein Verfügungsrecht, das verbleibt als mütterliches Erbtheil den -Kindern. Die Tochter eines Häuptlings kann einen gewöhnlichen Mann -heirathen, durch diese Verbindung wird derselbe ebenfalls in den -Häuptlingsrang erhoben, auch auf die Kinder geht diese Würde über. -Dem Häuptlinge steht es frei, sich die Frau eines seiner Untergebenen -anzueignen, nie aber kann ein Besitzloser sich wiederum eine -Häuptlingsfrau (also Wittwe) zum Weibe nehmen. - -Etwas auffallend will es mir scheinen, daß nach meiner eigenen -Wahrnehmung selbst im Innern Afrikas, bei den Völkern am Nyassa-See -und oberen Schire, die ganz gleiche Einrichtung der weiblichen -Erbfolge besteht, nur daß dort nicht direkt der Sohn als Nachfolger -bestimmt wird, sondern der Neffe, und trotz des dem Weibe zugestandenen -Vorrechtes, dieses doch nur sehr gering geachtet und mehr als Sklavin -betrachtet wird. - -Die Ehe bei den Marschall-Insulanern ist nur ein lockeres Band, -leicht geschlossen und leicht gelöst. Der Eingeborne nimmt sich das -Mädchen zur Frau, die ihm gefällt, sofern die Eltern desselben damit -einverstanden sind, gefällt sie ihm aber nicht mehr, so schickt er -sie einfach fort und sucht sich eine andere. Zwar hat wie in anderen -Gewohnheiten auch hierin der Einfluß der Missionare Wandel geschaffen, -namentlich auf den südlicheren Atolls, wo das Christenthum große -Verbreitung gefunden hat, doch hat auf Gesittung die neue Lehre wenig -Einfluß gehabt; Keuschheit ist keine Tugend der Insulaner, schon sehr -jung verkehren, ohne daran gehindert zu werden, die Geschlechter mit -einander und üble Folgen bleiben nicht aus, ebenso ist selbst die -nächste Verwandtschaft kein Hinderungsgrund für solchen Umgang. - -Als Beweis recht lockerer Sitten gilt der Umstand, daß es keiner Frau -verargt wird, wenn sie sich einen anderen Verkehr sucht, sobald der -Mann auf längere Zeit abwesend ist oder sich auf Reisen befindet; -indeß schwinden solche Gewohnheiten immer mehr und mehr, häufiger -trifft man sie nur noch auf den nördlicheren Atolls an. Von Erziehung -kann eigentlich keine Rede sein, den Kindern wird in jeder Hinsicht -volle Freiheit gelassen, Arbeit lernen die Kinder nicht kennen, das -einzige was ihnen vielleicht von Seiten der Eltern beigebracht wird, -ist die Einübung der Tänze und Gesänge. Auffallend ist auch die große -Sterblichkeit unter den Kindern, wohl eine Folge zu geringer Aufsicht -und schon früh entwickelter Krankheitskeime; die stetige Abnahme der -Bevölkerung ist darauf zurückzuführen. - -Der Körperbau der Männer überschreitet selten das Mittelmaß; die Weiber -sind durchweg von kleinerem Wuchse. Diese verlieren auch schnell ihre -Reize, schon im Alter von zwanzig Jahren ist alle Schönheit vergangen, -wenn überhaupt von solcher die Rede sein kann, obgleich im jugendlichen -Alter vielen der Reiz der Anmuth eigen ist, aber im Alter werden sie -recht häßlich. - -Daß auf den nördlichen Atolls sich ein kräftiger Menschenschlag -erhalten hat, liegt wohl daran, daß dieser mit einer etwas rauheren -Natur zu kämpfen, auch weniger durch die von Weißen eingeführten -Krankheiten zu leiden gehabt hat. Auch zeichnen sich hier die Könige -und Häuptlinge meistens von ihren Untergebenen durch eine stattlichere -Gestalt aus, weil sie bemüht sind, möglichst reines Blut in ihrem -Kreise zu erhalten, wovon freilich der bereits erwähnte große Häuptling -Nelu eine Ausnahme macht, denn fast klein und schwächlich gebaut, hat -er durchaus nichts Achtunggebietendes an sich. - -Um Sitten und Gewohnheiten dieser Insulaner zu erforschen, muß man -sich zu solchen Inseln und Atolls wenden, wo noch nicht der Einfluß -der Zivilisation bemerkbar geworden ist, was besonders in Bezug auf -Trachten der Fall. So tragen auch heute noch sowohl Männer als Frauen -langes Haar, das stark und schwarz, von jenen am Hinterkopfe in einem -Büschel oder Knoten zusammengebunden wird, die Frauen tragen es dagegen -lose. Als besonderen Schmuck bei feierlichen Gelegenheiten, Tänzen -und auch Kriegszügen, bedienen sich die Männer der Hühnerfedern; die -tätowirten Gestalten mit aufrechtstehenden Federn in den Haaren, und -oft unnatürlich erweiterten Ohrlappen geben sich dadurch ein wildes, -Furcht erweckendes Aussehen. - -Die Tätowirung ist allgemein und wurde früher mit Festlichkeiten -verbunden, heute, wer die Kosten erschwingen kann, läßt solche ohne -weiteres vornehmen, und entspricht eine solche dem Stande, welchem -der Mann angehört. Dieses schmerzhafte Verfahren -- ich habe oft, -wenn hunderte Nadelstiche in die Haut getrieben wurden, die Nerven -der Eingebornen bewundert -- wird nach und nach auf dem ganzen Körper -vorgenommen, sodaß die eigentlich helle Kupferfarbe der Haut unter den -blauen Streifen verschwindet, sogar die Ohren, Augenlider, selbst -die Finger werden tätowirt. Die Zeichnung ist immer streifenförmig, -die Striche sind auf einem bestimmten Körpertheil stets gleichmäßig, -entweder wagrecht oder senkrecht; auf Brust und Rücken laufen die -Streifen meistens unter einem Winkel zusammen. - -Wie bei den Samoanern, so benutzt man auch hier ein Instrument, das aus -vielen Nadeln zusammengesetzt ist und die Breite der Streifen hat. Die -Häuptlinge sind auch im Gesicht tätowirt und haben auf den Schultern -undeutliche verschwommene Zeichnungen. Die Frauen sind weniger -gezeichnet, in gleicher Weise höchstens an den Beinen, die Arme und die -Brust werden seltener tätowirt. - -Nicht zufrieden mit solcher langwierigen, schmerzhaften Operation, -setzten diese Insulaner einen gewissen Stolz darin, unnatürlich -erweiterte Ohrlappen auf künstlichem Wege herzustellen. Schon von -früher Jugend an wird in beide Ohrlappen ein Loch geschnitten -und dieses durch Einzwängen von einem Streifen des dehnbaren -Pandanusblattes allmählich erweitert. Auf diese Weise wird das Loch im -Ohrlappen bis vier Zentimeter und darüber lang, genügt dies nicht, wird -der Fleischring dicht an der Backe abgeschnitten und mit einem Schnitt -im Backenfleisch weiter unterhalb des Ohres verwachsen gelassen. -Ist die Heilung erfolgt, so wird nun im Backenfleische selbst weiter -geschnitten, bis ein Ring entstanden ist, durch den man bequem die Hand -hindurchstecken könnte. Wird solches Loch nun mit einem aufgerollten -Pandanusblatte ausgedehnt, so gewinnt es den Anschein, als hingen zwei -hohle Röhren an den Backen herunter, was freilich etwas besonderes -vorstellen soll, aber gewiß nichts zur Schönheit, vor allem nicht beim -weiblichen Geschlechte beiträgt, bei alten Frauen und auch Männern -sogar recht widerlich aussieht. - -Uebrigens habe ich solche Erweiterung der Ohrlappen nur bei ganz alten -Leuten gefunden, ein Zeichen, daß die Operation seit vielen Jahren -fortgesetzt wurde; gewöhnlich aber ist das Loch nur einige Zentimeter -groß und dient als Aufbewahrungsort für Schmuckgegenstände, als -Muscheln, Blätter und Blumen, namentlich einer lilienartigen Blüthe, -auch für Tabak, Pfeifen u. a. - -Die Willkürherrschaft der Häuptlinge, unter denen der reichste auch -der mächtigste ist, hat dahin geführt, daß, wie schon erwähnt, die -Bevölkerung nur in zwei Klassen, die Besitzenden und Besitzlosen, -zerfällt und der großen Masse eigentlich nichts gehört, diese vielmehr -vollständig von den Landbesitzern abhängig ist. Ein solcher giebt dem -Besitzlosen ein Stück seines Landes, auf welchem jener seine Hütte -erbauen, sowie die Erzeugnisse, als Pandanus, Brotfrucht und Taro -verwerthen kann, nur die Kokospalmen gehören ihm nicht. - -Für Land, Schutz und Obdach ist der Besitzlose verpflichtet, gemeinhin -sechs Monate zu arbeiten und zwar während dieser Zeit die Kokosnüsse -für den Besitzer einzuernten, den Ertrag der Palmen in der anderen -Jahreshälfte kann er für sich selbst verwenden, aber, da die Kokosnuß -so gut wie baar Geld im Tauschhandel ist, muß er häufig noch seinen -Antheil abgeben und ihm verbleibt nur wenig. - -Dennoch kennt der Eingeborne keine Nahrungssorgen, und will er nur -verwenden, was die Natur so reichlich ihm zugedacht hat, so kann er -mit geringer Müh' und Arbeit sich ein sorgenloses Dasein schaffen, -Bequemlichkeit, oft Gleichgültigkeit jedoch verhindern ihn daran, -er ißt, was er gerade hat und sobald er das Bedürfniß fühlt, sich zu -sättigen, ihm genügen schon die Milch und der Kern einer Kokosnuß, oder -die süße Pandanus. - -Letztere Frucht, die ich überall auf den Marschall-Inseln gefunden -habe, dient namentlich zur Zeit der Reife als ein Hauptnahrungsmittel. -Sehr zuckerhaltig, wird der süße Saft aus der fasrigen, prismatisch -geformten Frucht, aufgesogen und da dieser nahrhaft genug ist, genügt -er schon zur Sättigung. Mehr aber noch eignet sich der darin enthaltene -Zuckerstoff zur dauernden Erhaltung einer Art Speise Pyru genannt. -Dieselbe wird aus der Arrowroot-Wurzel, Brotfrucht und Kokosnuß -hergestellt; auf heißen Steinen gebacken, durch den reichlichen Zusatz -von Pandanussaft äußerst dauerhaft gemacht, hat sie einen der Feige -ähnlichen Geschmack. Die Masse wird in etwa Zolldicke auf Blättern -zubereitet, fertiggestellt wird sie dann aufgerollt und sehr dicht in -trockenen Pandanusblättern eingepackt und mit dem schon beschriebenen -Cajar kunstvoll verschnürt. So erhält man eine angenehme Dauerspeise, -die jahrelang sich hält, selbst im Wasser nicht verdirbt. - -Die so verfertigten Rollen, von gewöhnlich einem Meter Länge und -fünfzehn Zentimeter Durchmesser, haben ein beträchtliches Gewicht, -sie werden im Haushalte nur verbraucht, wenn Mangel an anderen -Nahrungsmitteln eintritt; gewöhnlich aber dient diese Speise dazu, um -auf weiten Seereisen oder an entlegenen Orten, wo nichts Genießbares -erhältlich ist, die benöthigte Nahrung zu ersetzen. - -Der Pandanusbaum, ein schlanker, fester Stamm, der zuweilen die Höhe -einer mittelhohen Palme erreicht, trägt eine Blätterkrone, deren -Zweige ähnlich den einzelnen Blattstreifen einer Kokospalme, tief -herabhängen; die Frucht, ein bis 70 Pfund schwerer Kolben besteht aus -vielen prismatisch geformten, nach innen spitz zulaufenden, faustgroßen -Fruchtkernen, die, gut gereift, sich leicht loslösen lassen. - -Für die Marschall-Insulaner, kann man sagen, ist dieser Baum fast -werthvoller als die Kokospalme; mit den Blättern deckt er das -Dach seiner Hütte, der Stamm giebt ihm die Stützen, die Frucht -nahrhafte Speisen, und aus dem Blatte verfertigt er sich seine -kunstvoll gearbeitete Kleidung, dazu geben Handstöcke und Knüttel -die Luftwurzeln. Das Pandanusblatt läßt sich, wenn es getrocknet -ist, nach Belieben in ganz feine Streifen zertheilen; um diesem aber -die Sprödigkeit zu nehmen, wird das Blatt erst für längere Zeit -in Frischwassertümpel gelegt, dann aufgerollt und feucht tüchtig -geklopft. Dadurch gewinnt der Eingeborne einen dauerhaften Stoff zu -seinem Mattengewebe und zu Hüten die dem echten Panama an Güte fast -gleich kommen und lange halten. Ueberhaupt entwickeln die Frauen im -Handflechten eine Geschicklichkeit, die kaum übertroffen werden möchte. - -Sucht sich der Mann keine angemessene Beschäftigung -- Trägheit ist -ihm angeboren -- so hilft er den Frauen beim Flechten der Matten, oder -bereitet das Material dazu vor, auch übernimmt er wohl selbst solche -Arbeit. Hierbei bedienen sie sich nicht allein der Hände, sondern auch -die Füße müssen helfen, und zwar dienen die beweglichen Zehen dazu, die -Gewebe fest und straff zu halten. - -Die Tracht der Frauen ist einfach genug, ihre ganze Bekleidung -besteht bei Erwachsenen aus zwei lang herunterhängenden Matten, -von denen eine vorne, die andere hinten angebracht ist und zwar so, -daß sie übereinander fassen und mittels eines Gürtels um die Hüften -festgehalten werden. Dieser Gurt, ein weiß und schwarz gesprenkeltes -dünnes Tau, häufig mehrere Meter lang, wird um den Leib gewickelt und -der obere Theil der Matten um dieses eingesteckt, so bleibt von diesem -nichts sichtbar. Junge Mädchen tragen eine kürzere, ebenso befestigte -Matte, aber nur nach vorne und je nach Alter und Größe ist eine solche -breiter oder schmäler; der Oberkörper bleibt unbedeckt, Kinder sind -ganz nackt. Aehnlich wie die Samoaner, tragen auch die Männer einen -Bastrock, verfertigt aus den Fasern des Boa-Busches, indeß ist die -Herstellung eines solchen kostspielig und seltener habe ich solche -Bekleidung gefunden; gewöhnlich macht eine zwischen die Beine gelegte -und um den Leib mit einer Schnur befestigten Matte den ganzen Anzug des -Mannes aus. Von meiner Schiffsbesatzung, die meistens nur aus diesen -Insulanern bestand, hatten die meisten selten mehr in ihrem Besitz als -solch Bekleidungsstück und eine Schlafmatte; liebten es aber, sobald -ihr Verdienst groß genug geworden, der gewöhnlich 52-60 Mark monatlich -betrug, sich nach europäischer Art, mit Hose und Hemd zu bekleiden. - -Was den Bau der Wohnungen der Marschall-Insulaner anbetrifft, so findet -man sowohl recht ärmlich und einfach, als auch großartig und kunstvoll -aufgeführte Bauten. Oft genügen ihnen als Aufenthaltsort sogar die -denkbar einfachsten Hütten; ein schrägliegendes Dach, das vorne auf -Stützen, hinten auf der Erde ruht, und mit Wänden aus Flechtwerk -hergestellt ist. Dennoch ist die Bauart der Hütten und Häuser auf -einigen Atolls verschieden, nicht in der Form vielmehr in der Größe -und Festigkeit, größere Häuser sind mit bemerkenswerthem Geschick -erbaut. Das Dach, das gewöhnlich aus einem Geflecht von Pandanus- oder -Kokosblättern wasserdicht hergestellt wird, ist eine feine Arbeit. -Man findet das Innere eines Hauses meistens reinlich und sauber, -oft auch mit feinen Matten ausgeschmückt; der Boden ist mit kleinen -Korallensteinen bedeckt und gewöhnlich mit großen, reinlichen Matten -belegt. Auch die nähere Umgebung zeugt von einem Sinn für Reinlichkeit, -der Erdboden ist ringsum geebnet und ebenfalls mit kleinen Steinen -besät. Man kann sagen, je nach Zahl der Familienglieder begnügt sich -der Eingeborne entweder mit einer unscheinbaren Hütte oder er baut sich -ein stattliches Haus. - -In größeren Bauten ist meistens auf den Sparren noch eine besondere -Schlafstätte für das Ehepaar oder vornehmere Gäste errichtet, sonst -schlafen alle durcheinander auf dem mit Matten bedecktem Fußboden. -War ich gelegentlich gezwungen die Gastfreundschaft der Eingeborenen -in Anspruch zu nehmen, dann wurde stets ein besonderes Lager für mich -hergestellt. - -Geschick und Kunstfertigkeit der Insulaner lassen sich erst recht -beurtheilen, wenn man in ihre Kirchen eintritt; alles Schöne, was -sie durch ihrer Hände Arbeit herzustellen im Stande sind, ist darin -vereinigt und eine wahre Ausstellung weisen die langen Wände auf, -die ganz mit feinen, in Form und Muster verschiedenen Matten behängt -sind. Es finden sich darunter Gewebe, die Zeugniß ablegen von großer -Geschicklichkeit und außerordentlichem Fleiße. - -Die Lebensweise der Eingebornen ist ein sorgloses Dahinträumen, das -nur unterbrochen wird, wenn sie sich gelegentlich zur ernsten Arbeit -aufraffen. Vor Tagesanbruch, wenn noch frische Kühle über Meer und -Land gebreitet liegt, sorgt der Insulaner schon für den täglichen -Unterhalt, d. h. er erklettert die hohe Palme und bricht genügend Nüsse -ab oder schafft andere Lebensmittel herbei; er liebt nicht die heißen -Sonnenstrahlen und sucht Kühlung und Schatten unter seiner Hütte oder -unter breitästigen Bäumen. Auch mehrmaliges Baden am Tage in der See -ist ihm zur Gewohnheit geworden, als tüchtiger Schwimmer und Taucher -scheut er selbst nicht vor schwerer Brandung zurück. Sonst, wenn keine -Nothwendigkeit zur Arbeit vorliegt, verträumt er den Tag, und essen, -schlafen, rauchen, gelegentliche Handreichung, füllt die Tagesstunden -aus. Lebendig und lebhaft wird er erst, sobald das Tagesgestirn zur -Rüste geht, der Hauch vom endlosen Ozean ihm Kühlung zufächelt, auch -sucht er erst zur späten Nachtstunde sein Lager auf; vor allem liebt -er es in mondhellen Nächten im Kreise Vertrauter zu rauchen und zu -plaudern, wobei es recht laut und lebhaft hergeht. Für den Europäer, -der die Ruhe der Nacht nicht gestört wissen will und gerne schlafen -möchte, was oft Mosquitos und drückende Schwüle verhindern, sind solche -Ausführungen, Gesang und Tänze, nächtlicher Weile, manchmal recht -unangenehm. - -Die Gesänge sind eintönig und wenig melodienreich; im Chor gesungen, -werden sie stets langsam und halblaut begonnen, allmählich aber lauter -und schneller, begleitet mit Händeklatschen und dem taktmäßigen Wiegen -des Oberkörpers, bis sie schließlich zu einem Tempo übergehen, das -mehr Aehnlichkeit mit Schreien als mit Singen hat. Vor allem haben die -Frauen große Fertigkeit darin, und jede Bewegung mit der Hand oder dem -Körper wird stets sorgfältig ausgeführt, genau wie bei den Samoanern; -freilich habe ich auf diesen Inseln die Frauen nie tanzen sehen, -nur Männer zuweilen, mit Federbusch, Muscheln und sonstigem Zierrath -geschmückt, führten vor meinen Augen Tänze auf, zu denen die Frauen im -Chor sangen. - -Anlaß zu Tänzen und Aufführungen giebt jedes geringe Vorkommniß, z. B. -das Eintreffen eines Europäers, eines Schiffes u. a.; der Vorsänger -erzählt darüber, was ihm gerade in den Sinn kommt, oft den tollsten -Unsinn, und zwar in kurzen Sätzen, hinter denen der Chor irgend einen -Kehrreim unermüdlich absingt, bis der Gegenstand erschöpft ist und der -Schluß durch lautes Klatschen schon allseitige Zustimmung gefunden hat. - -Auch von Häuptlingen aufgeführte Einzeltänze sind nicht selten, solche -haben aber immer ein kriegerisches Gepräge; wilde Geberden, Sprünge, -Gliederverrenkungen, ein möglichst wildes Aussehen gehören dazu und -können bei dem Zuschauer das Gefühl erwecken, als würde man es im -Ernstfalle mit einem furchtbaren Gegner zu thun haben. Der Gesang ist -mehr Geheul, ein Rühmen nie ausgeführter Thaten, zu dem ein Chor von -Männern und auch Frauen ein entsprechendes Lied oder den passenden -Kehrreim absingen. - -Eine Eigenthümlichkeit dieser Insulaner ist ferner, daß sie ihre Todten -nicht der Erde, sondern dem Meere übergeben, wobei sie eine Ausnahme -mit den Häuptlingen machen. Ist ein gewöhnlicher Mann gestorben, wird -er in Matten fest eingehüllt und bereits am zweiten Tage mit einem -Kanoe in die See hinaus geführt, wo, fern dem Lande unter Beobachtung -einiger Zeremonien der Todte den Wellen übergeben wird. Ans Land wird -die Leiche wohl sehr selten wieder angeschwemmt, dafür sorgen schon -die zahlreichen Haie, welche diese als willkommene Beute ansehen und -schnell genug damit aufräumen. - -So lange die Beerdigung am Lande oder in der See nicht erfolgt ist, -werden Klagelieder um den Todten gesungen, auch Tänze aufgeführt, dann -aber ist es Sitte, daß die Verwandten die Hinterbliebenen besuchen und -beschenken. - -Die Grabstätten der Häuptlinge werden gewöhnlich außerhalb eines -Dorfes angelegt, wenn möglich in Korallensand gegraben; ist das Grab -zugeschüttet, wird der Hügel abgeflacht und mit Steinen glatt bedeckt. -Unter Palmen und Gebüsch liegen solche Stätten, oft nur noch erkennbar -an den Steinhaufen, aus denen als einziges Zeichen verwitterte -Kanoe-Paddeln hervorragen, die der Todte einst geführt oder angefertigt -hat. Einem Todten wird alles mögliche mit in das Grab gelegt, Eßwaaren, -Tabak, Pfeifen, u. a. m., damit derselbe auf der langen Reise, die er -angetreten hat, nichts entbehrt. Auf frischen Gräbern habe ich fast -immer Tabak und Nahrungsmittel vorgefunden, die dem Todten gespendet -waren, sie dienen freilich nur dazu, die zahllosen Ratten, die gierig -über solche Speisen herfallen zu sättigen. - -Eine gewisse Scheu hat der Eingeborne auch davor, die Gräber der -Verstorbenen zu öffnen; da er glaubt, der Geist des Todten könne ihm -Uebels thun, so läßt er sich nicht dazu bewegen. So ist die deutsche -Station auf der Insel Jabor (Jaluit) auf einem verfallenen Kirchhofe -erbaut worden, die Zeit hat aber alle äußeren Spuren verwischt -und nichts mehr deutet darauf hin, daß hier vor langen Jahren die -Angesehensten und Vornehmsten der Bevölkerung begraben worden sind. -Ich wußte es auch nicht eher, als bis ich, mit der Aufrichtung eines -hohen Flaggenmastes betraut, mit meiner Mannschaft die nöthigen -Vorbereitungen dazu treffen wollte. Die Leute weigerten sich aus den -angeführten Gründen, an der bezeichneten Stelle eine Grube zu graben, -und, unnöthiger Weise einen Zwang befürchtend, entfernten sie sich, -und kehrten erst zum Schiffe und ihrer Pflicht zurück, nachdem der -Flaggenmast errichtet war. Sie ernstlich zu tadeln wäre thöricht -gewesen, da sie sonst stets willig und gehorsam waren, und nur -abergläubische Furcht sie hinweggetrieben hatte, worauf eben Rücksicht -genommen werden mußte. - -Als die Ausschachtung von Arbeitern der Station -(Neu-Hebriden-Insulanern) vorgenommen ward, in der eine feste Mauerung -aufgeführt werden sollte, um das Grundwasser vom Fuß des Mastes -fernzuhalten, stießen diese auf ein Grab; vorsichtig ließ ich das -gefundene Skelett freilegen und gedachte den Schädel zu erhalten, -aber das vermoderte Knochengerüst fiel zusammen und da nichts -davon verwendbar war, wurden die Ueberreste an einer anderen Stelle -vergraben. - -Wie im weiten Ozean, und namentlich unter den Riffen und Inseln -viele Fischarten angetroffen werden, so sind auch die Lagunen sehr -fischreich. Schillernd in den schönsten Farben findet man hier die -merkwürdigsten Arten und Größen. Aber leider was das Auge erfreut, ist -dem Magen nicht dienlich, der Genuß solcher schönen Meerbewohner bringt -dem Menschen den Tod oder langes Siechthum. - -Durch das klare Meerwasser bis auf den Grund schauend, sieht man auf -wachsenden Korallenriffen ein wunderbares Gebilde, bunte Sträucher, -kleine Bäume, schöne Blumen, ein bunter, blühender Garten dehnt sich -in der Tiefe aus; Gewächse in einer Mannigfaltigkeit, wie sie auf -der Erdoberfläche schwerlich könnten zusammengestellt werden. Und -alles dies ist nur das Werk der unscheinbaren Korallenpolype, die -die wunderbarsten Gebilde auf dem tiefen Grunde erbaut. Ein reges, -ungeahntes und nie geschautes Leben herrscht weiter unten, vieltausend -Thiere, nicht sichtbar für des Menschen Auge leben und weben in -dieser verborgenen Welt. Stahlblaue Fischlein spielen umher, bald hier -bald dort an einem Strauche oder einer Blume naschend; naht sich ein -größerer Fisch oder erschreckt sie irgend etwas, fliehen sie im Nu in -das Labyrinth der Pflanzenwelt, oder suchen Schutz und Deckung zwischen -den Zweigen, unter den Aesten der vielgestaltigen Korallenformen, wohin -kein Feind ihnen zu folgen vermag. - -Das Wenige, was in dieser unterseeischen Welt sichtbar ist, die -Schönheit derselben und ihre Bewohner, kann keine Feder schildern, -selbst wenn man die Phantasie zu Hilfe nähme, würde man hinter der -Wirklichkeit zurückbleiben. Stundenlang über den Bord meines Bootes -geneigt, achtlos die Angel in der Hand, trieb ich oft über ein -Korallenfeld, und ward gefesselt von der Schönheit dessen, was ich -unter mir vorüberziehen sah. Geradezu Wunderwerke erbaut die Koralle, -die nicht vergehen und die Zeit die rastlose Schaffenskraft der Natur, -selbst zu Inseln gestaltet, auf denen der vergängliche Mensch, der -Schöpfung vollkommenstes Wesen, leben und auch leiden kann -- die Werke -von Menschenhand verfallen, die der winzigen Polype bleiben bestehen! - -Nicht selten ist unter dem Schönen und Schönsten, was die Natur -erschaffen, ein bitterer Kern, ein Tropfen Gift enthalten; so birgt -auch die Koralle, unter einer schönen Hülle, ein tödtliches Gift, das -den Meerbewohnern, den bunt schillernden Fischen nichts schadet, diese -selbst aber giftig und gefährlich macht. So finden sich denn unter -der großen Zahl von Fischen viele Arten, die nicht gegessen werden -dürfen; stets muß ein gemachter Fang dem Gutachten eines erfahrenen -Eingeborenen unterbreitet werden, will der Europäer nicht Gefahr -laufen, Gesundheit und Leben zu gefährden. - -Trotzdem machen die Eingebornen den Versuch, die Beschaffenheit eines -ihnen unbekannten Fisches durch Essen zu erproben, bezahlen diesen -aber, da sie keine Gegenmittel haben, oft mit dem Leben. - -Tüchtige Fischer sind aber diese Insulaner doch, durch Erfahrung -klug gemacht, stellen sie gewöhnlich nur solchen Fischen nach, die -ungefährlich sind, unter anderen einem der Sardine ähnlichen Fische, -der in größeren Schwärmen in den Lagunen angetroffen wird. Ist ein -solcher Schwarm entdeckt und nahe genug dem Lande, treiben sie ihn -mit Kanoes allmählich dem Strande zu; schnell werden dann Matten -und Schnüre zwischen den einzelnen Fahrzeugen ausgespannt, der Kreis -immer dichter gezogen, und die Fische, durch Geschrei, Schlagen mit -den Paddeln gezwungen, in Massen auf ein Riff oder dem flachen Lande -zu laufen, wo sie mit Matten, Körben und Händen leicht eingefangen -werden können. - -Beim Einzelfang auf großer Tiefe bedienen sie sich ihrer aus Perlmutter -gefertigten Haken, die denen der Samoaner ähnlich sind; tauschen sich -aber mit Vorliebe auch von den Weißen eiserne Angelhaken ein, die dem -Zwecke besser entsprechen. Den fliegenden Fisch, der seltener in den -Lagunen zu finden ist, fangen sie sich außerhalb der Riffe in ganz -gleicher Weise wie ich es bei den Polynesiern gesehen und beschrieben -habe. - -Seit jeher waren die Marschall-Insulaner kühne entschlossene Seefahrer -und verdienten den Namen „Schiffer“ eher, als die Samoaner. Sie sind -nicht bloß in den Grenzen ihrer Inselwelt geblieben, sondern weit -über diese hinaus, haben sie sich dem trügerischen Meer anvertraut und -namentlich mit den Bewohnern der Karolinengruppe Verbindungen gesucht. -Welch ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Volksstämmen bestanden -haben mag, die in Sprache, Gebräuchen und Sitten sehr vieles gemeinsam -haben, ist schwer zu sagen. - -Am glaubwürdigsten scheint es, daß durch Wind und Strömungen große -Kanoes (Proas) von den Marschall-Inseln verschlagen wurden, deren -Insassen dann auch glücklich Land gefunden haben. So soll noch im -Jahre 1855 eine kleine Flotte die östlichste der Karolinen-Inseln -„Kusai“ erreicht haben und nach monatelangem Aufenthalt wieder nach den -Marschall-Inseln zurückgekehrt sein; auch noch größere Entfernungen, -wie berichtet, sollen sie zurückgelegt und glücklich ihr Heimathland -wieder gefunden haben. Aber so einsichtig und wagemuthig in dieser -Hinsicht der Eingeborne auch ist, so ist doch anzunehmen, daß nur -glückliche Zufälle es gewesen sind, die ihn nach langer Irrfahrt haben -Land finden lassen. Darnach zu urtheilen, daß sie oft viele Wochen -gebraucht haben, um von einer Insel zur anderen zu gelangen, müssen -ihre Kenntnisse in der Seefahrt doch recht bescheidene sein; was aber -jedenfalls für viele verderblich geworden, ist die Gewohnheit, sobald -sie nach längerem Suchen ihr Ziel nicht finden können, die Segel -niederzuführen und sich ihrem Schicksale zu überlassen. - -Besondere Beachtung nun verdienen die Fahrzeuge, mit denen der -Inselbewohner sich auf den gefährlichen Ozean hinauswagt. Den -Kanoebau muß man entschieden als ihre bedeutendste Leistung ansehen, -Geschick, ja Kunstfertigkeit ist ihnen dabei nicht abzusprechen. -Schon die Anforderungen, die sie an ihre größeren Fahrzeuge stellen, -bedingen eine eigenartige Bauart; ihnen genügen nicht mehr ausgehöhlte -Baumstämme, wie sich andere Völker solcher bedienen, hier gilt es -vielmehr einen regelrechten Bau aufzuführen. Und zieht man in Betracht, -daß früher (und heute noch vielfach) ihre einzigen Werkzeuge die -Meermuschel und die Fischgräte waren, und das mit Geschick verwendete -Feuer bei solcher Arbeit ihr bester Helfer ist, so kann man sich -vergegenwärtigen, was es heißt, solche Fahrzeuge, die oft 50 und mehr -Menschen zu fassen vermögen, herzustellen. - -Ihre Geschicklichkeit und Ausdauer finden deshalb staunende Anerkennung -bei den Fremden, ja ich möchte den Europäer sehen, der an die Stelle -der Eingebornen gestellt, sich mittelst Feuer und Muscheln aus einem -dicken Baumstamm eine Planke verfertigen könnte! - -Die Kanoes, zu deren Bau das nicht sehr harte Holz des Brotfruchtbaumes -verwendet wird, sind aus verschiedenen Theilen zusammengesetzt. Der -Kiel wird aus einem Stücke gefertigt, dies ist so ausgehöhlt, daß er an -und für sich schon ein kleines Kanoe bilden würde; auf diesem werden -dann die scharfen Vorder- und Hintertheile aufgesetzt, und dazwischen -wieder die oft aus mehreren Stücken bestehenden Seitenwände eingefügt; -die Höhe eines mittelgroßen Kanoes beträgt etwa 4 Fuß. - -Alle Theile werden stumpf auf- und aneinander gesetzt; aber um die -dauernde Befestigung derselben, die Dauerhaftigkeit des Ganzen zu -erreichen, dazu gehört eine wahre Engelsgeduld, denn um dieses zu -erreichen müssen durch zolldicke Wände oft viele hundert Löcher -mittelst Fischgräten oder Knochen gebohrt werden, die nahe aneinander, -in den einzelnen Theilen sich stets gegenüber liegen. - -Naturgemäß können mit so unvollkommenen Instrumenten, Werkzeugen -gearbeitete, stumpf aufeinander stoßende Hölzer nicht dicht halten, -auch glatte Flächen sind damit nicht herzustellen; um aber dennoch -eine gewisse Dichtigkeit zu erzielen, werden die Nähte mit zwischen -gelegten trockenen Pandanusblättern ausgefüllt, dann werden durch die -einander gegenüber liegenden Löcher Cajarfäden eingezogen und diese -sehr fest angeholt. Die große Zahl solcher Laschungen ermöglicht -es, jeden Theil des Kanoes dauernd und gut zu befestigen, und was -Menschenkraft nicht fertig bringt, thut das Wasser, indem durchnäßt, -sowohl die Pandanusblätter aufquellen, als auch die Cajarfäden sich -zusammenziehen. - -Finden sich sichtbare Undichtigkeiten, namentlich in den Löchern, so -bereitet sich der Erbauer aus fein geriebenem Holz und dem klebrigen -Safte der Pandanusfrucht eine Art Kitt, mit dem er gefundene lecke -Stellen zustopft und verkittet. Da unbedingte Dichtigkeit natürlich -nicht herzustellen ist, so lecken ohne Ausnahme alle Kanoes ziemlich -stark, indeß mit einer aus demselben Holze hergestellten Mulde, -einer Art Schöpfkelle, die der Eingeborne geschickt zu handhaben -weiß, bewältigt ein Mann bequem ohne sonderliche Anstrengung das -eingedrungene Wasser leicht; auch Kokosnußschalen, Blechbüchsen, selbst -die hohlen Handflächen dienen ihm als geeignete Schöpfgefäße. - -Alle Kanoes haben an einer Seite einen Ausleger, ein dem Kanoe parallel -gelegtes und dem Bau desselben entsprechendes Stück Holz, mit diesem -durch eine Anzahl biegsamer Zweige, die über beide Seitenwände des -Kanoes hinreichen, verbunden ist. Weit genug abstehend, dient dieser -als eine Art Schwebe, ein Kentern der scharf gebauten Fahrzeuge wird -dadurch verhindert; namentlich beim Segeln giebt er ein Gegengewicht -ab. Bei großen Kanoes liegt der Ausleger oft 6-8 Fuß von der Bordseite -entfernt und besteht aus einem schweren Holzstücke, das, an sich -möglichst stark, durch Träger und schräg liegende Gegenstützen, -am Kanoe befestigt ist. Auf solchen Trägern, d. h. den einzelnen -Verbindungen mit deren Ausleger, die unter sich ebenfalls gut verbunden -sind, findet man oft noch eine kleine Hütte erbaut, worin für mehrere -Mann Raum vorhanden ist, sie dient dem angesehensten der Besatzung -gewöhnlich als Aufenthalt. Auch wenn befürchtet wird, der starke Wind -könnte durch seinen Druck auf das Segel das Kanoe trotz des Auslegers -zum Kentern bringen, setzen sich außerhalb der Bordwand mehrere -Insassen auf das Flechtwerk des Trägers, so daß durch ihr Körpergewicht -ein gewisser Gegendruck erzielt wird. - -Im ruhigen Wasser, oder in leicht bewegter See, sind diese Kanoes -sehr schnelle Fahrzeuge. Ein europäisch gebautes Boot muß sehr gute -Eigenschaften haben, wenn es eine Wettfahrt mit ihnen aufnehmen will, -würde aber stets, sobald ein Ziel windwärts erreicht werden sollte, -also ein Aufkreuzen gegen den Wind nöthig wäre, glänzend geschlagen -werden; denn die scharf gebauten Kanoes mit ihren Mattensegeln -liegen so dicht am Winde und werden dennoch so schnell durchs Wasser -getrieben, wie es mit einem gewöhnlichen Boote nicht möglich ist. -Ich habe in den großen Lagunen, Majuro, Arno, Malonlab u. a., wenn -ich auf entfernteren Inseln in solchen Atolls kleinere Aufkäufe an -Kopra oder Nüssen machen wollte, des öfteren diese Kanoes benutzt -und muß bezeugen, flinkere Fahrzeuge habe ich bei keinem ungesitteten -Volksstamme gefunden. - -So praktisch der Ausleger aber auch ist, ja so nothwendig für größere -Fahrzeuge, um das Segeln mit diesen zu ermöglichen, so wird er doch -auf freier und bewegter See oft verhängnißvoll. Obgleich er nach -Möglichkeit zwar festgefügt und durch Cajar mit dem Kanoe verbunden -ist, so löst er sich doch und bricht jede Verbindung leicht und geht, -wenn die Wellen unablässig diesen hin und her zerren, verloren. Da -eine Ausbesserung kaum vorgenommen werden kann, so ist, sobald diese -Stütze verloren gegangen, das Schicksal der Insassen eines Kanoes auch -besiegelt. Und diese Gefahr liegt immer vor, sie wächst mit dem Winde -und den Wellen. - -Ich habe erwähnt, daß diese Proas sehr scharf gebaut sind, sie sind es -aber nicht nur vorne und hinten, sondern auch längs des ganzen Kiels; -was aber besonders von Verständniß und Nachdenken zeugt, ist die Form, -welche solchen Kanoes gegeben wird. Beim Vorwärtstreiben durch Wind -und Paddeln ist der Ausleger, der zwar ebenso scharf geformt ist, doch -naturgemäß ein Hinderniß und würde ein Kanoe immer nach der Seite -hin abweichen, an welcher sich dieser befindet. Diesem Uebelstande -abzuhelfen, baut nun der Insulaner sein Kanoe so, daß die Seite, an -welcher der Ausleger nicht angebracht werden soll, vom Kiel aufwärts -bis zur Bordwand fast ganz flach verläuft, die andere dagegen ist -erhaben ausgebaut. Natürlich ergiebt sich daraus, daß im Verhältniß zur -Länge ein Kanoe nur sehr schmal sein kann, aber durch die flache Seite -wird der Vortheil gewonnen, das tiefgehende Kanoe kann beim Segeln am -Winde nicht oder nur sehr wenig abgedrängt werden. - -Zudem bleibt der Ausleger stets an der Windseite, andernfalls würde -durch den Druck des Segels das Kanoe sofort kentern; ein wenden, -wenn eine andere Kursrichtung genommen werden soll, geschieht nicht, -vielmehr wird das gehißte Segel nur von vorne nach hinten oder -umgekehrt geschiftet. Der Mast, in der Mitte des Kanoes in einer Spur -feststehend, wird vom Ausleger aus durch Cajartaue gehalten, ist aber -beweglich, so daß er nach vorne oder hinten geneigt werden kann, was -stets beim Umschiften des immer in der Spitze festgesetzten Segels -geschehen muß. Das Tau, mit dem das an langer Raa befestigte Segel -gehißt ist, dient gewöhnlich nach hinten zu dem Maste als Stütze, -seltener sind noch Hilfstaue angebracht. - -Ein Reffen, d. h. verkleinern der Mattensegel, sowie diese gebildet -sind, ist nicht wohl angängig; wird der Wind zu stark oder überrascht -eine starke Böe ein Kanoe, kann man nichts weiter thun, als das Segel -einfach niederzuführen, oder frei im Winde peitschen zu lassen. Im -ersteren Falle kommt es oft vor, daß das vom Winde aufgebauschte -Segel ins Wasser zu liegen kommt, und wüßten die Eingebornen nicht -so geschickt mit den Fahrzeugen umzugehen, müßte häufig genug, wenn -die nicht selten äußerst heftigen Windböen einfallen, ein Unglück -eintreten. Für einen Europäer wäre das Kentern eine unangenehme -Sache, der Eingeborne dagegen macht sich nicht viel daraus, er bringt -schwimmend sein gekentertes Kanoe wieder in Ordnung. - -Die Mattensegel, stets dreieckig, sind aus einem Geflecht von -Pandanusblättern hergestellt, das aus etwa zehn Zentimeter breiten -Streifen besteht, die sauber zusammengenäht, dicht und biegsam sind. - -Von Religion kann bei diesen Inselbewohnern eigentlich keine Rede -sein; sie haben nur eine unbestimmte Vorstellung von einem höheren -Wesen, welches ihnen Gutes und Böses zufügen kann, sonst sind sie -wie alle ungesitteten Völker dem Aberglauben verfallen. Da sie nur -wenige Ueberlieferungen besitzen, so beschränkt sich ihr Gottesdienst -lediglich auf einige Gebräuche. Gewöhnlich wenn ein Unternehmen -geplant ist, z. B. eine Reise, ein Kriegszug, wahrsagen weise Männer -aus loderndem Feuer und das gute oder böse Vorzeichen ist für die -Ausführung oder Unterlassung maßgebend; auch wird zum Weissagen ein -zusammengefaltetes Pandanusblatt angewandt, man fängt an dem einen Ende -zu kniffen an und benutzt die so gewonnene Breite als Maßstab für die -übrige Blattlänge, bleibt nichts übrig, so ist es ein gutes Zeichen, im -anderen Falle ein schlechtes. - -Erklärlich ist, da Götter und Gottheiten nicht vorhanden, die Insulaner -nur eine sehr beschränkte Vorstellung von einem höheren Wesen hatten, -daß sie, als die Missionare unter ihnen erschienen, willig der neuen -Lehre lauschten, und sich zu ihr bekannten. Das Ansehen der Missionare -war groß; diese verwandten dann ihren Einfluß dazu, der Unsittlichkeit, -der Vielweiberei und anderen Lastern entgegen zu treten, sie haben aber -nur dort Erfolg gehabt, wo sie selbst ansässig waren, d. h. auf den -südlicheren Atolls, als Ebon, Jaluit und Milli. - -Anscheinend ist das Begriffsvermögen des Eingebornen nicht groß, -er erfaßt bei weitem nicht alles, was ihm gelehrt wird, auch hat -er nur eine unklare Vorstellung von allem, was außerhalb seines -Gesichtskreises liegt, und nur das natürliche Empfinden von Recht und -Unrecht ist bei ihm geschärft worden; er folgt zwar aus Furcht vor -einer strafenden Gerechtigkeit nicht so willig mehr den natürlichen -Trieben, erliegt aber trotzdem leicht einer Versuchung. - -Ausgebildete einheimische Missionszöglinge sind heute die eigentlichen -Lehrer, und es ist zu hoffen, daß unter dem Schutze der deutschen -Verwaltung das Christenthum mehr und mehr an Ausbreitung gewinnt, das -ist um so eher zu erwarten, wenn erst die Häuptlinge bekehrt sind und -durch maßvolles Vorgehen, unparteiische Rechtspflege, das Vertrauen der -Eingebornen ganz gewonnen ist. - -Da die Marschall-Inseln heute deutsches Besitzthum, die Bewohner also -in gewissem Sinne unsere Landsleute sind, so mag es vielleicht an der -Stelle sein, hier in ihrer Sprache das Gebet des Herrn, das „Vater -unser“, anzuführen. - -_Yememuij i lon, en kwojarjar etom. Ea itok am ailin. Yen komonmon -ankil am i lol enwot dri lon._ - -_Ranin, letok non kim kijim ranin: Im jolok annuij jerawiwi, enwot -kimuij jolok an armij jerawiwi jen kim. Im jab tellok non mon, ak -drebij kim jennana, Bwe am ailin, im kajur, im wijaak in driv._ - -Erwähnt habe ich bereits, daß eine Stammverwandtschaft zwischen den -Bewohnern der Marschall-Inseln und der Karolinen-Gruppe besteht, ihre -Sprache und Sitten in vielen übereinstimmen. Deshalb will ich das -gleiche Gebet auch in der Sprache dieser Inselbewohner, mit denen -ich oft genug zusammengekommen und die auch zu jener Zeit, leider nur -vorübergehend, unter dem Schutze der deutschen Flagge gestanden haben, -hier anführen. Es lautet: - -_Papa tumus su in kosav, E'los val payi. Pogasai lalos tuku. Orek ma nu -fwalu, ou elos oru in kosav. Frite kit len si ini ma kut mono misini: -et nunok munas nu seske ma koluk las, oanu kut nunok munas sin met orek -ma kuluk nu ses. A tie kot kit kut in mel, a es kit la liki ma koluk, -tu togusai lalos, a ku, a mwolanu, ma patpat._ - -Mit dem Versuche, in obiger Schilderung ein anschauliches Bild von den -Marschall-Inseln zu geben, möchte ich noch gleichzeitig eine wichtige -Frage, nämlich die Deportationsfrage, verbinden. - -Unzweifelhaft wird auch in unserem Vaterlande einst entschieden -werden müssen, ob Deutschland nicht auch, wie seit langem Rußland -und Frankreich, die Deportation als ein Mittel ansehen muß, um sich -der Elemente der Bevölkerung zu entledigen, die heute die Zucht- und -Gefängnißhäuser anfüllen, wenigstens die unverbesserlichen Individuen -und schweren Verbrecher auszustoßen und solche, so der menschlichen -Gesellschaft, ihrer Gefährlichkeit halber, zu entziehen. Zwar wird in -Deutschland wohl nur die zwingende Nothwendigkeit dahin führen die -Deportation rechtskräftig zu machen, zumal die Ansicht, mit dieser -sei sowohl das geistige wie körperliche Verderben eines Individuums -verbunden, noch eine allgemeine ist. Indeß man kann doch zu einer -anderen Beurtheilung der Frage gelangen, wenn zugleich mit der -zweifellos harten aber gerechten Strafe die Menschlichkeit durchaus -gewahrt wird und ein Deportirter nicht als ein bereits dem Tode -Verfallener anzusehen ist, eher noch die Möglichkeit vorliegt, ein -solcher kann der menschlichen Gesellschaft wieder als ein nützliches -Mitglied zugeführt werden. - -Wohl zu berücksichtigen ist natürlich bei einer in Frage kommenden -Deportation, daß eine der Hauptbedingungen, der nöthige Abschluß -von jeder Gesellschaft ist und dabei doch, anders als in Zucht- und -Gefängnißhäusern, den Verurtheilten ein bestimmtes Maß der Freiheit -gegeben wird. Das Nächstliegende, um solche unerläßliche Vorbedingung zu -erfüllen, wird immer das sein, daß man naturgemäß einsame, dem Verkehr -entzogene Landstrecken, wie es größere oder kleinere Inselgruppen -sind, dazu in Aussicht nimmt. Und nicht mit Unrecht, denn der schwer -zu bändige Trieb nach persönlicher Freiheit wohnt jedem Wesen inne und -wird daher bei verwegenen Naturen weit eher zum Durchbruch kommen. - -Indeß, ist eine natürliche, unübersteigliche Grenze gezogen, stellt -dem menschlichen Willen und Wollen sich ein Element, der Ozean, -entgegen, ist die Folge, daß bei nicht gänzlich empfindungslosen -Naturen schon der großartige Anblick des Weltmeers, die ruhige oft aber -wildgrollende Sprache des Ozeans, eine wirksame Besserung im Naturell -eines Verbannten erwarten läßt. Und fraglos werden demjenigen, dessen -Gesichtskreis nicht enge Zellen beschränken, sondern dem sich die -Wunder der Natur, der Ozean und das Firmament, in ihrer erhabensten -Schönheit zeigen, sich Empfindungen aufdrängen, die schließlich die -Erkenntniß herbeiführen, daß der Mensch dazu berufen ist, im Einzelnen, -wie in der Gesammtheit einem höheren Zwecke zu dienen. - -Wohl läßt sich erwarten, daß prinzipielle Fragen sich einer -gesetzlichen Deportation entgegen stellen werden, indeß, mögen sich -auch noch so große Einwendungen dagegen erheben lassen, eines ist -sicher, dem in Freiheit gebornen, wenn auch verbrecherisch veranlagten -Menschen, bringt nicht die Strafe, bringt nicht die enge Zellenhaft, -sondern die goldene, wenn auch beschränkte Freiheit zur besseren -Erkenntniß. Um nun zu begründen inwiefern die Deportationsfrage -nicht so ohne weiteres als unausführbar abzuweisen ist, ziehe ich -die Möglichkeit in Betracht, daß die einsamen sehr wenig bevölkerten -und dem Weltverkehr entlegenen Marschall-Inseln als eine Heimstätte -für schwerer Verbrechen wegen Verbannte angesehen werden könnten und -zwar aus triftigen Gründen 1. als das Klima auf diesen Inseln als ein -gesundes anzusehen ist; 2. die Ernährung, selbst für eine große Zahl, -mit Leichtigkeit durchzuführen ist; 3. die Bewachung auf so einsamen -von jeder Verbindung abgeschlossenen Inseln keine strenge zu sein -braucht; 4. Feste Häuser unnöthig sind und nur Baracken des milden -Klimas wegen in Frage kommen können. Sollten aber dennoch feste Häuser -nothwendig sein, sind solche leicht durch das im Ueberfluß vorhandene -Korallenmaterial herzustellen; 5. geregelte Thätigkeit wird durch -Anbau von Kokosplantagen, Anpflanzung tropischer Gewächse als Taro, -Arrowroot etc. der Züchtung von Schweinen und Hühnern und schließlich -Bereitung der Kopra, der Herstellung von Matten und Tauwerk aus den -Fasern der Kokosnuß etc. für zahlreiche Verbannte vorhanden sein und -mit der Zeit sich aus Anpflanzungen Erträge ergeben, die die zweifellos -anfänglich erheblichen Kosten reichlich decken werden. - -Was speziell die Ernährung anbetrifft, die für einen Europäer -besondere Beachtung verdient, so würde solche durch Zufuhr geeigneter -Nahrungsmittel in Verbindung mit den leicht zu züchtenden und zu -erhaltenden Schweinen und Hühnern eine ausreichende sein, zudem bietet -der Ozean selbst durch seinen überaus großen Fischreichthum eine -beliebige Abwechslung dar, und für keinen Kenner jener Koralleninseln -kann ein Zweifel bestehen, daß dort nicht ausreichende gesunde -Nahrungsmittel vorhanden sind. Anders freilich würde die Frage betreffs -des guten Trinkwassers zu lösen sein, da das gefundene Grundwasser -(durch Korallen filtrirtes Seewasser) auf die Dauer doch schädlich sein -könnte, auch angelegte Cisternen in regenarmer Zeit nicht ausreichen -möchten. Jedoch die Anlage von Condensatoren, die Seewasser in -Süßwasser verwandeln, das auf großen Passagierschiffen fast ausnahmslos -verwendet wird, würde jeden Bedarf decken. - -Der berechtigte Einwand, den auf tiefer Kulturstufe stehenden -Eingebornen sollte man nicht, um nicht das Ansehen der Europäer zu -schädigen, den Transport gefangen gehaltener Weißer vor Augen führen, -wird bei der Anlage einer Verbrecherstation auf den gedachten Inseln -hinfällig. Denn wie erwähnt ist die Bevölkerung eine geringe und manche -Korallen-Inseln sind fast unbewohnt auf denen aber nicht minder die -Anlage von ausgedehnten Kokosplantagen möglich ist. Zieht man das -Facit, so kann der Gedanke, auf einsamen Inseln der Marschall- resp. -Browns-Gruppe Deportirte unterzubringen, durchaus nichts abschreckendes -haben, zumal alle Vorbedingungen gegeben sind und neben der großen -Entlastung der Zellengefängnisse käme der Vortheil dazu, daß mit einer -verhältnißmäßig billigen Arbeitskraft ein Kulturwerk gefördert würde, -das die Eingebornen niemals zu vollbringen im Stande sein werden; -auf solche Weise der Werth der Marschall-Inseln für Deutschland ganz -besonders gesteigert werden würde. - - - - -V. Reisen durch die Marschall- und Karolinengruppe. - - -Wie erwähnt, weisen sämmtliche Atolls der Marschall-Gruppe dieselbe -Eigenthümlichkeit auf, nur in Form und Größe sind sie verschieden; -auffallend aber ist, daß fast bei allen die Leeseite der Atolle, d. h. -also die, welche dem schweren Anprall der Ozeanwogen, die der oft sehr -starke Nordost-Passat an diese Gestade treibt, nicht ausgesetzt sind, -größere Landmassen aufweisen, hingegen an der Luv, d. h. Nordostseite, -nur dort sich Anhäufungen von Sand und kleine oder größere Inseln -sich finden, wo die Koralle ein weites mächtiges Riff erbaut hat. Ich -habe nachgewiesen, daß Korallen-Inseln allein nur durch losgelöste -Rifftheile entstanden sind, naturgemäß also die Wind- oder Wetterseite -zuerst solche aufweisen müßte, daß dies nun auf diesen Atolls -weniger der Fall, liegt daran, daß der starke Wind den von den Wellen -gebildeten Korallensand hinwegfegt, über die Lagunen treibt und eine -Anhäufung an der Leeseite begünstigt. Deshalb sind auch, mit wenigen -Ausnahmen alle Stationen und Ansiedelungen der Weißen dort angelegt, -zumal da dort bequeme Zugänge zu den Lagunen sich befinden, theils für -die Schiffahrt günstiger Ankergrund vorhanden ist. - -Da die Lagunen eine ganz beträchtliche Ausdehnung haben, zwischen 5 -bis 70 Seemeilen lang sind, wird es erklärlich, daß in den Einfahrten -sowohl bei Fluth, als auch Ebbe, eine starke und unter Umständen sehr -starke Strömung vorhanden ist. Die Einfahrten im Jaluit-Atoll und auch -in anderen sind gewöhnlich, weil sie nur schmal, für ein Segelschiff -nicht zu passiren, so lange der Strom mit großer Kraft ein- oder -ausläuft; erst kurz vor oder nach eingetretenen Stillstand, d. h. -wenn Fluth oder Ebbe wechselt, sucht man ein- oder auszulaufen; und am -besten ist es, wenn Durchfahrten auch bei niedrigstem Wasserstand noch -tief genug sind, mit steigendem Wasser dies zu unternehmen; man sieht -dann die Riffe besser und läuft auch keine Gefahr, wenn das Schiff an -oder auf einem Riffe festkommen sollte, sitzen zu bleiben. - -Im Jaluit-Atoll wird meistens die zwischen den Inseln Jabor und -Enübor befindliche Südost-Passage, als Einfahrt, und die von hier nach -Südwesten, zwischen Ai und Medjerrurik, liegende Passage, als Ausfahrt -benutzt, seltener die Nordost-Passagen. Gegen widrige Winde diese engen -Fahrstraßen zu benutzen ist für ein größeres Schiff schier unmöglich, -ich habe es mit einlaufendem Strome öfter versucht, nie aber gewagt ein -großes Segelschiff auf diese Weise, wenn ich in Jaluit anwesend, und -zeitweilig als Lootse thätig war, ein- oder auszubringen. - -Sehr häßlich ist es, wenn zwischen zwei Inselspitzen der vorher starke -Wind plötzlich abflaut, oder sogar für den Augenblick entgegengesetzt -weht; hat dann das Schiff keine genügende Fahrt oder ist sogar -Gegenstrom vorhanden, ist die Lage für einen Führer oder Lootsen -geradezu peinlich. Für den Schiffsführer der aus der Südwest-Ausfahrt -von Jaluit segeln will, bedarf es einer genauen Kenntniß der -Oertlichkeit, vor allem namentlich am Nachmittage, wo er die Sonne -recht voraus hat, die das Wasser wie eine Silberfluth erscheinen läßt. - -Als ich einst beordert war eine Bark hier hinaus zu lootsen, wurde -der Wind zwischen den Inseln Ai und Medjerrurik still, die Untersegel -schlugen back, während die Oberbramsegel noch den vollen Wind hatten -und das Schiff trieb dem nahen Riffe zu. Nichts war dagegen zu -machen, da aber jede Zögerung die Gefahr vergrößerte, so gab ich kurz -entschlossen die nöthigen Befehle. Die Raaen flogen an den Wind, die -klar gehaltenen Boote rauschten ins Wasser und wurden schnell voraus -gebracht, nachdem das Schiff mit Tauen an ihnen befestigt war, ruderten -kräftige Seemannsfäuste aus Leibeskräften, um das steuerlose Schiff -wieder in Fahrt zu bringen. Bald half der stoßweise umspringende Wind, -bald hemmte er, doch ging es langsam vorwärts, bis die Brise wieder mit -voller Kraft einfiel und es ermöglichte, das Schiff zu regieren. - -Als ich mit meinem Boote zurückkehrte, hoffte ich die zehn Seemeilen -weite Entfernung bis Jabor aufkreuzen zu können, da brach aber in -einer Böe der Mast, und die zwei Mann im Boote konnten gegen Strom -und Wind nicht vorwärts kommen. Nirgends war wegen der Riffe Land -zu erreichen, so mußten wir ohne Wasser und Lebensmittel wachend -die Nacht verbringen. Am nächsten Vormittage mußte irgendwo Land -aufgesucht werden, wir landeten auch an einer unbewohnten Stelle, wo -wir, nachdem meine Leute aufgefundene Kokospalmen erklettert hatten, -Durst und Hunger an jungen Nüssen stillen konnten. Darnach als hiervon -genügend Vorrath eingesammelt war, ruderten wir in heißer Sonnengluth -längs der Riffe weiter, erreichten aber die Station erst in der frühen -Morgenstunde des dritten Tages. - -Die erste Reise im Marschall-Archipel hatte ich nach Ebon, Namorik, -Kili u. a. zu unternehmen und besuchte auf dieser zuerst die kleinsten, -aber auch fruchtbarsten Atolle. Die einzige Einfahrt in der Ebon-Lagune -liegt an der Südwestseite zwischen den Inseln Juridi und Meidj, diese -ist zwar tief, aber sehr schmal und ausgedehnte Riffpatschen nach innen -machen diese sehr schwer zugänglich, dazu läuft ein wirbelnder Strom -ein und aus, der einem Schiffe gefährlich werden kann, wenn dieser in -voller Stärke einsetzt, ehe frei Wasser gewonnen ist. - -Der Wind ist zum Durchsegeln dieser Einfahrt selten günstig, ein -Ankern außerhalb am Riffe nicht immer rathsam, und so begegnete es mir -beim Einkreuzen, daß der über das Riff auslaufende Strom das Schiff -innerhalb der langen Einfahrt an das Riff trieb, und dieses auf der -schräg abfallenden Korallenwand sitzen blieb. Das Wasser fiel und, kam -ich nicht frei, mußte das Schiff schließlich sich auf die Seite legen, -umfallen und volllaufen. Deshalb wurde schnell ein Anker ausgebracht, -der auf hundert Fuß Wassertiefe erst den Grund erreichte, und nun -versucht, das Schiff abzuwinden; allein die starke Leine riß sehr bald -von scharfen Korallen durchschnitten entzwei, und der Anker, an dem -die Bojenleine zu kurz gewesen, war verloren. In Ermangelung eines -schweren geeigneten Ankers, wurde nun als letzter Versuch schnell -einer der Buganker zum gegenüber liegenden Riffe gebracht und gut -hinter Korallensteine versenkt, dann versuchten wir aufs neue, das sich -langsam neigende Schiff mit aller Gewalt abzubringen, und es gelang. - -Wäre diese Anordnung erfolglos geblieben oder nochmals die Leine -gerissen, so hätte ich nur noch versuchen können, schnell Gaffeln oder -Segelbäume abzutakeln von den Masten, und senkrecht an der gefährdeten -Seite im Wasser aufzustellen; wären diese an der Bordwand festgebunden -worden, so wäre vielleicht durch solche Stützen, wenn das Wasser nicht -zu tief fiel, ein Unglück vermieden worden sein. - -Ich war fast jedesmal gezwungen, in der Ebon-Lagune einzulaufen, selbst -später mit dem größten Schiffe der Gesellschaft und bin immer ohne -besondere Schaden weggekommen. Nur einmal in dunkler Abendstunde in -der Ost-Durchfahrt, der kleineren, aufkreuzend, lief ich noch, von den -Riffen frei, auf Anrathen eines guten Lootsen, den der König von Ebon, -der Häuptling Nelu, mir gestellt hatte, der mit seinem ganzen Gefolge -sich an Bord befand, weiter nach der Insel Eninaitok, zwischen vielen -Riffpatschen und Untiefen hindurch. Als die Insel in Sicht kam, war -wegen der Dunkelheit der Abstand vom Lande schwer zu schätzen, und -hätte ich mich nur auf die Kenntniß des Lootsen verlassen, und nicht -lothen lassen, würde dieser mir das Schiff mit voller Fahrt aufs Riff -gesetzt haben. Plötzlich nur drei Meter Wassertiefe findend, jagte -ich gerade noch zur rechten Zeit das Schiff in den Wind und brachte es -zum Stillstand; darauf segelte ich vom Lande ab und ging auf größerer -Tiefe zu Anker, mich wenig daran kehrend, daß nun die Häuptlinge etwas -länger im Boote sitzen mußten und die Ausschiffung länger dauerte. Um -die schon tagelang an Bord befindlichen Eingebornen noch ans Land zu -bringen, hätte ich, vertrauend der besseren Kenntniß derselben, bald -mein Schiff arg gefährdet gesehen. - -Manchem anderen Schiffe ist es beim Einkreuzen in dieser Lagune nicht -sonderlich gut ergangen, Beschädigungen am Schiffsboden, leichter -oder schwererer Art, waren nicht selten, und wer nicht durchaus hinein -segeln mußte, vielleicht nicht unter der Insel Juridi ankern durfte, -kreuzte lieber tagelang vor der Einfahrt hin und her; was ich mitunter -auch that, wenn in der schlechten Jahreszeit die See am Riffe zu schwer -oder nur wenig Ladung zu landen oder abzunehmen war. - -Die Lagune selbst bietet, sobald man die schlechte Durchfahrt -durchsegelt hat, einem Schiffe überall sichern Ankergrund; ein -geschützter Hafen ist das weite Becken, in welchem heftiger Wind nur -selten das ruhige klare Gewässer erregen kann. - -Ein flüchtiger Ueberblick auf dieses weite Becken läßt vermuthen, -daß nur noch wenig Riffe mehr, außer den der Ausfahrt vorgelagerten, -vorhanden sind, und doch befindet sich eine große Zahl kleiner und -größerer Riffpatschen in demselben; die Thätigkeit der bauenden -Koralle, welche im Laufe der Zeit diese Lagune verschließen wird, -ist in vollem Gange. Recht in die Augen fallend erweist sich diese -Thatsache, langsam zwar, aber immer weiter bauen die Polypen, und -nach menschlicher Voraussicht wird sich hier von allen offenen Atolls -zuerst der Vorgang abspielen, daß diese Lagune für jeden Schiffsverkehr -durch die unzerstörbare Arbeit der winzigen Thierchen geschlossen -wird. Fahrten durch die ganze Lagune von Insel zu Insel bestätigten -mir diese Annahme, da ich unter Land sowohl wie auch im großen freien -Wasserbecken weit ausgedehnte Riffe vorfand. - -Die meisten der langgestreckten Inseln dieses Atolls sind flach und -ohne besondere Erhebungen, der Unterbau, Korallensteine, die aber -schon so hoch mit einer Humusschicht bedeckt sind, daß solche wenig -sichtbar werden, auch hat die reiche Vegetation, das Eindringen der -Pflanzen im Gestein, das ihre zur Verwitterung desselben beigetragen. -Ueberhaupt habe ich kaum auf einem anderen Atoll so dichtes Gebüsch, -hohe Bäume und wuchernde Pflanzen angetroffen, wie auf Ebon; anzunehmen -ist, daß dazu der reichlich fallende Regen, der die Verwesung in der -Pflanzenwelt befördert, viel beigetragen hat. - -Vor allem erwähnenswerth ist hier neben den sehr zahlreichen -Kokospalmen der mächtige Brotfruchtbaum, dessen schmackhafte Frucht -eine Hauptnahrung der Eingebornen ist. Der Baum wird über 60 Fuß -hoch und trägt auf hohem Stamme, der oft mehrere Fuß im Durchmesser -hat, eine gewaltige Krone, er könnte in seinem Bau mit unserer Eiche -verglichen werden. Seine Früchte, am Ende der Zweige hängend, haben -eine länglich runde Form und werden ein bis zwei Pfund schwer. Sie -werden gewöhnlich zwischen heißen Steinen oder am Feuer geröstet und -bieten selbst dem weißen Manne einen Ersatz für Brot und Kartoffeln, -vor allem auf Inseln, wo die Jamswurzel oder Taro nicht erhältlich -sind. - -Hier auf Ebon, wo ich öfter an den Mahlzeiten der Eingebornen -theilnehmen mußte, lernte ich eine neue Art der Zubereitung dieser -Brotfrucht kennen, wodurch dieselbe ganz besonders schmackhaft gemacht -wurde. Das Herz der Frucht wird mit einem Stückchen Holz oder mit den -Fingern entfernt, in die entstandene Höhlung dann weiße Kokosnußmilch -gefüllt, und so in Blätter eingewickelt, zwischen heißen Steinen -gebacken. Das goldgelbe Fleisch, dessen Nährgehalt durch die Milch noch -erhöht ist, wird so ein noch vorzüglicheres Nahrungsmittel. Auf anderen -Inseln wo man diese Art der Zubereitung nicht kannte, fanden alle -vereinzelt lebenden weißen Händler stets ganz besonderes Wohlgefallen -an der auf diese Weise zubereiteten Brotfrucht. - -Aeußerst fischreich ist auch die Ebon-Lagune, namentlich in der -starken Strömung der Einfahrt hält sich ein wohlschmeckender, -giftfreier Fisch auf, ähnlich unserem Blei. Um solche Fische nun zu -erhalten, die weder nach der Weise der Eingebornen, noch mit Angeln zu -fangen sind, benutzen hier die Händler von San Franzisko eingeführte -Dynamitpatronen, die angezündet und zur rechten Zeit ins Wasser -geworfen, durch Zerspringen alle am Orte befindlichen Fische betäuben. -Diese kommen dann für wenige Minuten an die Oberfläche und werden, ehe -sie wieder sinken, in die Kanoes oder Boote schnell eingesammelt; ist -das Wasser nicht zu tief, werden die Fische durch Taucher vom Grunde -heraufgeholt. - -Die Verwendung solcher Patronen bedingt aber große Vorsicht; ein -Verpassen des rechten Augenblickes, eine fehlerhafte Zusammenstellung -des Sprengstoffes, bringt immer große Gefahr für den, der nicht -ganz genau mit der Anwendung Bescheid weiß. Mehrfach habe ich Leute -getroffen, denen durch das explodirende Dynamit, wenn eine solche -Patrone nicht gut geladen war, mehrere Finger weggerissen waren, einige -aber auch, die ihre Unkenntniß oder Ungeschick mit dem Verluste der -rechten Hand bezahlt haben. - -Als ich einst unter der Insel Juridi vor Ebon zu Anker lag, erbat sich -mein Steuermann Kitimatu, ein Japaner, die Erlaubniß, mit dem Boote -fischen zu dürfen. Da mir unbekannt war, daß derselbe sich von einem -Händler Dynamitpatronen gekauft hatte -- übrigens eine verbotene Waare, -die nur im Geheimen zur Einführung gelangt -- wurde ich erst durch -den dumpfen Knall darauf aufmerksam gemacht. Bald sah ich, wie die -Besatzung des Bootes in das Wasser sprang und eine beträchtliche Menge -großer Fische in dasselbe hineinwarf. Der Japaner, ein vorzüglicher -Taucher, holte vom Grunde immer mehr herauf, so daß nach der Zahl der -angesammelten Fische zu urtheilen, mehrere hundert derselben betäubt -oder getödtet sein mußten. - -Dulden durfte ich nicht, daß fernerhin solche Art von Fischerei -betrieben wurde, vor allem nicht die Mitführung des gefährlichen -Dynamits an Bord, und obwohl mir, wie auch der Mannschaft, die große -Menge schöner Fische nicht unwillkommen war, so mußte für die Folge -doch die Verwendung solcher Patronen unterbleiben. Ziemlich erstaunt -war daher der Japaner und die Freude seines Erfolges gedämpft, als ich -vor seinen Augen die mir ausgehändigten übrigen Patronen über Bord -warf; es wollte ihm nicht recht einleuchten, wie ein so nützlicher -Gegenstand anderen gefährlich werden könne. - -Ehe ich meine Angaben über den Ebon-Atoll schließe, will ich noch -eines Vorganges erwähnen, der mir später an den Außenriffen leicht -den Verlust des Schiffes „Futuna“ eingetragen hätte. Leichter, -südwestlicher Wind wehte, als ich einst in der schlechten Jahreszeit, -im Anfang Oktober, vor Ebon anlangte und wegen einiger Bootsladungen -Güter nicht erst einlaufen wollte, sondern die Boote an Land sandte und -durch den Steuermann das Geschäftliche erledigen ließ. Darauf segelte -ich, da ich von hier nach den Karolineninseln beordert war, beim Winde -liegend längs der Riffe nordwestwärts; zwar nahe dem Riffe, jedoch frei -genug, um gegebenen Falls ein Segelmanöver ausführen zu können. Querab -der Insel Toka aber, als ich schon hoffen konnte das Riff nach kurzer -Entfernung mehr nach rechts abfallen zu sehen, wurde das Schiff von -einer unerwarteten Strömung dem Riffe, auf welchem eine mittelmäßige -Brandung lief, zugedrängt und erkennend, ich würde nicht frei davon -kommen, gab ich Befehl zum wenden. - -Nie hatte der Schooner, selbst in gefährlichen Engen, eine Wendung -versagt, jetzt aber ging er nicht durch den Wind. Ein zweiter Versuch, -mit ganzer seemännischer Geschicklichkeit ausgeführt, schlug wieder -fehl; einen dritten wagen, da ich schon der Brandung sehr nahe gekommen -war und der sicher fehl gehen mußte, da das Schiff nicht mehr Raum -genug hatte um gute Fahrt zu gewinnen, hieß es geradezu aufs Riff -setzen. Verloren schien das Schiff auf jeden Fall, da ich wegen des -kurzen Abstandes vom Riffe keine Möglichkeit mehr sah, dieses vor den -Wind herumzubringen, welches ja das einzige Manöver ist, wenn Strömung -und schwerer Seegang ein Wenden verhindern. Doch um alles zu thun, -mußte ich auch dies wagen; wie ich auf das Riff kam, angetrieben, oder -mit vollen Segeln vor dem Winde, war jetzt gleichgültig; einmal in -der Brandung mußte das Schiff doch nach kurzer Zeit am steilen Riff -zerschlagen und in die Tiefe sinken; die einzige Aussicht war, daß sich -die Mannschaft noch unter Umständen retten könnte. - -Es ist ein Haupterforderniß für den Seemann auch in der gefahrvollsten -Lage nicht den Kopf zu verlieren, sondern entschlossen zu handeln, so -gab auch ich ohne Besinnen ehe noch das Schiff durch den Druck seiner -Segel wieder an den Wind gekommen war, den Befehl, das Ruder hart -Backbord zu legen, die Raasegel vierkant zu führen, alle Schooten der -Schratsegel los zu werfen, und siehe wie ein Schwan mit ausgespannten -Fittichen lief das Schiff mit schneller Fahrt seinem Verderben -entgegen. Noch aber war seine Stunde nicht gekommen; das wackere -Schiff, mit dem ich noch manche Noth und Sturm durchkämpfen sollte, -ehe es in diesem Ozean an einer anderen Insel „Kili“ in die Tiefe sank, -gehorchte über Erwarten gut dem Steuer. Die 150 Fuß, die das Schiff vom -Riffe entfernt gewesen, hatte es noch nicht durchlaufen, als es durch -den Druck der sehr schnell hantirten Segel wieder an den Wind gebracht -war. Zwar lief die hohle See schon unter dem Kiel und hob das Schiff -zum vernichtenden Stoße, -- keine zehn Fuß hinter dem Heck donnerten -die Schaumkronen der Brandung -- und doch, mit freiem Winde die Fahrt -beschleunigend, entkam ich dem sicher erwarteten Verderben. - -Auf einer Fahrt von Jaluit nach Ebon und zurück, traf ich in der -Ebon-Lagune den Häuptling Launa mit einigen seiner Proas an, mit -denen er, zur Abreise nach Jaluit gerüstet, nur auf gutes Wetter -wartete. Da die Gelegenheit günstig war, mit dem deutschen Schiffe nun -die Ueberfahrt zu machen, trat Launa mit mir in Unterhandlung wegen -des Fahrgeldes, dessen Höhe ihm zwar gut genug bekannt, das er aber -herabgesetzt wissen wollte. Als ich darauf nicht eingehen konnte, -erklärte er mir, dann solle auch keiner seiner Leute mit mir fahren, -er segele mit seinen Kanoes billiger. Thatsächlich ging er am Abend -desselben Tages in See und erreichte glücklich Jaluit. - -Die Kunst, mit Geschick und Verständniß, solche nicht ungefährliche -Fahrten in leicht zerbrechlichen Kanoes zu unternehmen, ist heute nur -noch wenig Inselbewohnern eigen, obwohl sie früher im Bereich dieses -Archipels nichts Ungewöhnliches waren. In der Nalik-Kette bedienen sich -die Häuptlinge aber mehr der europäischen Segelschiffe, auch besitzt -der König Kabua, eigentlich Nelu, ein solches, mit dem sie von Insel zu -Insel fahren und es auch selber, ohne Hilfe eines Weißen führen. - -Dieses Verständniß der Navigirung nur war einst ein streng gehütetes -Geheimniß erfahrener Häuptlinge. Der es den Weißen verrieth, büßte es -mit dem Tode. Obgleich die Inselbewohner sich auf ihren Fahrten nach -dem Stand der Sonne und des Nachts nach den Sternen richten, worüber -sie zu ihrem Zwecke genügend Bescheid wissen, haben sie sich doch eine -Seekarte angefertigt, die unzweifelhaft beweißt, daß sie über die -Lage der einzelnen Gruppen sowohl, wie über Wind und Strömungen gut -unterrichtet waren. - -Diese Karte besteht nur aus geraden oder gebogenen dünnen untereinander -verbundenen Stäben, auf denen an bestimmten Stellen die einzelnen -Inseln durch kleine Muscheln oder Steine angezeigt werden, die -gebogenen Stäbe geben den Strom oder auch den Seegang an, was -gleichbedeutend mit der Windrichtung sein würde. Alle Atolle sind -auf diese Weise bezeichnet, und die Abstände derselben von einander -verhältnißmäßig ziemlich genau angegeben. Hieraus ersieht man, daß -in früheren Zeiten ein reger Verkehr im Bereiche dieses Archipels -stattgefunden hat, die Eingebornen von Insel zu Insel segelten und so -ihre Kenntnisse erweiterten; die vor sehr langer Zeit einfach genug -gewesen sind, z. Z. als die heutigen Atolle noch nicht vorhanden waren, -oder doch deren Ränder noch hohe zusammenhängende Landmassen bildeten, -die im Laufe der Zeiten erst gesunken. Keine oder nur sagenhafte -Ueberlieferungen haben diese Eingebornen, von denen die eine Beachtung -verdient, daß nach der vor langer, langer Zeit an Stelle der jetzigen -Atolle hohe Inseln gestanden haben, aber welche Veränderungen hier -stattgefunden, was ihre Vorfahren geschaut, darüber schweigt ihr Mund! - -Der Namorik-Atoll, in Nordwest-Richtung etwa 70 Seemeilen von -Ebon entfernt, ist einer der wenigen, die durch die Korallen schon -geschlossen sind. Nur zwei langgestreckte Inseln, von einander durch -Riffe getrennt, die früher den Zugang zur Lagune gestatteten, bilden -die ganze Landmasse, sind aber ebenso fruchtbar und ertragreich, wie -die Inseln des Ebon-Atolls. - -Steile Korallenwände, an denen kein Ankergrund gefunden werden kann, -heben sich aus großer Tiefe empor. Und wenig angenehm ist es für einen -Schiffsführer, sich stets unter Segel hier halten zu müssen; oft habe -ich daselbst tagelang an der Westseite unter Land kreuzen müssen, ehe -mit Booten, die häufig am steilen Strande gefährdet sind, die Ladung -abgenommen war. Wohl ist heute noch das Wasser in der Lagune klar -und rein, da von außen über die Riffe hinweg der Ozean seine Wogen -hineinspült und damit der noch langsam bauenden Koralle frische Nahrung -zuführt; wird dies aber einst durch Anhäufungen von Gestein und Sand -unmöglich, so muß durch die heiße Sonne eine Verdunstung und damit eine -Versumpfung eintreten. - -Diesen Prozeß hat bereits die von Namorik in Ost-Richtung etwa 65 -Seemeilen entfernt liegende Insel „Kili“ durchgemacht. Eine Seemeile -lang, ist die kleine Lagune schon vollständig umschlossen und ein -großer Sumpf, in welchem die Pflanzenwelt Fuß gefaßt hat und überreich -wuchert. Anfänglich war das Eiland unbewohnt, weil Kokospalmen und -Pandanus nur spärlich vorhanden waren und einzig wilde Hühner und -Schweine dort ungestört hausten; jetzt hat man mit der Lichtung -des wilden Busches begonnen, und die Anpflanzung einer ausgedehnten -Kokosplantage verspricht einen lohnenden Ertrag. - -Die Insel ist ebenso steil und unzugänglich wie Namorik, nur am Südende -erstreckt sich ein langes Riff in die See hinein, auf welchem stets -schwere Brandung steht und beim Kreuzen unter Land einem Schiffe -gefährlich werden kann. Auf diesem ging auch der, einst von mir -geführte Schooner „Futuna“ gänzlich in einer dunklen Nacht verloren. - -Solche Schiffsverluste sind gewöhnlich auf unbekannte Strömungen -zurückzuführen, die vorherrschend sind oder zeitweise auch von den -Winden hervorgerufen werden. Muß man sich des Nachts unter Land halten, -um nicht zu weit abzutreiben und dadurch Zeit zu verlieren, so ist -es immer nöthig, sich über die Stromverhältnisse erst Gewißheit zu -verschaffen. - -In dieser Hinsicht ist die auf 0° 25' Süd-Breite und 167° 10' -Ost-Länge liegende Insel „Pleasant-Eiland“ besonders bemerkenswerth, -da dort der starke Aequatorialstrom, sobald der Wind nachläßt, jedes -Schiff hinwegführt und Tage auch Wochen hingehen, ehe die Insel -wieder erreicht werden kann. Fast jedem Schiffe, das dorthin Reisen -unternommen hat, ist diese Strömung verhängnißvoll geworden, auch -mir, unter den sechs Malen, daß ich dort habe anlaufen müssen, in zwei -Fällen. - -Anfang April 1886 nach Pleasant-Eiland beordert, erreichte ich die -Insel mit günstigem Winde schnell. Da auch hier nirgends Ankergrund -gefunden wird, ist es Gebrauch, sich Tag und Nacht ganz dicht unter -Land zu halten, vor allem nicht nord- oder südwärts über die Insel -hinauszusegeln, sonst führt der starke Strom das Schiff mit sich fort -und kann nur bei frischem Winde und ein guter Segler den verlorenen -Abstand wieder gewinnen. - -Die Insel ist sehr fruchtbar, daher auch die Kopraausfuhr recht -bedeutend; aber eigenthümliche Verhältnisse unter der Bevölkerung -schädigen den Handel sehr, da zwischen den Bewohnern der elf Bezirke -fast fortwährend gekämpft wird, und das Niederschlagen der Palmen durch -den Sieger, das Aufblühen dieses gesegneten Ländchens verhindert. Die -Eingebornen waren anfänglich den Fremden feindlich gesinnt und haben -lange der Niederlassung europäischer Händler widerstanden; erst als -ihnen die Wirkung der Feuerwaffen, die namentlich von Amerikanern -eingeführt wurden, bekannt war, gelang es einzelnen Fremden, dort Fuß -zu fassen. - -Im Innern dieser etwa 15 Seemeilen im Umfange haltenden Insel erheben -sich zwei kegelförmige Krater, einige hundert Fuß hoch, die längst -erloschen sind und auf deren verwitterten Lavafeldern sich eine überaus -reiche Pflanzenwelt entfaltet hat. Selbst ein Kratersee ist vorhanden, -in dem die Eingebornen Fische züchten; auch Höhlen sollen vorhanden -sein, die wahrscheinlich durch vulkanische Erhebungen entstanden sind. - -An jenem Tage, als ich die Nordspitze zum ersten Male umsegelte und -dicht unter dem etwa 200 Meter breiten Riffe mich aufhielt, hörte man -am Nordende der Insel fortwährendes Gewehrfeuer. Die Eingebornen waren -wieder in einen Kampf verwickelt. Zum Glück wußte ich wie harmlos im -Grunde genommen solche Kämpfe sind, daß es in der Hauptsache dabei -nur auf zweckloses Knallen, wildes Geschrei und lautes Geschimpfe -ankommt. Selten fällt ein Gegner, auch genügen einige Verwundungen, um -die Kampflust zu befriedigen, und bald beenden feierliche Verträge, -die nie gehalten werden, die Raufereien. Das Schlimmste dabei ist, -daß die anfänglich zügellose Wuth dieser wilden Menschen den Europäer -gefährdet, daher ist dessen Haus gewöhnlich eine kleine Festung, -geeignet, im Nothfall sich dahinter zu vertheidigen; sie fürchten aber -auch die Treffsicherheit des weißen Mannes und wagen es daher selten, -Wunden oder Tod sich durch einen Angriff zu holen. - -Ist ein Kampf eröffnet, so nimmt der ganze Stamm daran theil; auch wenn -der Europäer selbst nicht gefährdet ist, kann er zu solcher Zeit keine -Arbeiter erhalten, um Ladung in Empfang zu nehmen oder zu verschiffen. - -So war es auch an diesem Tage. Der Superkargo, Herr Tuchtfeldt, ein -Beamter der Gesellschaft, den ich abgesetzt hatte, theilte mir mit, -daß nichts zu machen sei; ich hatte also zu warten, und unablässig -mit vollen Segeln auf- und abkreuzend d. h. ich ließ das Schiff eine -gewisse Strecke treiben und segelte dann wieder dem Lande zu. Als nun -die dunkle Nacht hereinbrach, deren Schatten die Insel den Blicken -entzog und es schwer wurde, den sichern Abstand vom Lande zu schätzen -auch vor Mitternacht noch die Kraft des Windes nachließ, erkannte ich -bald, daß die Fahrt des Schiffes geringer sei als der entgegenlaufende -Strom. - -Mehr und mehr verschwanden die dunklen Umrisse der Insel, und als -der Morgen tagte, sah ich nichts mehr von dieser, nur vom hohen Maste -aus entdeckte ich, weit im Osten noch einen dunklen Punkt. Fünfzehn -Seemeilen hatte der Strom das Schiff schon nach Westen getrieben, -und Tage, dachte ich, würden hingehen, ehe ich diese Entfernung mit -frischem Winde wieder aufgekreuzt hätte. Ich konnte über Backbord -Bug am meisten Ost gewinnen, deshalb segelte ich 24 Stunden in -Südost-Richtung fort. - -Hatte ich aber geglaubt, südlich weniger Strom zu finden, so war dies -eine bittere Täuschung, denn ich ermittelte am nächsten Mittag, daß -das Schiff einen Grad in Südsüdwest-Richtung versetzt worden war, -mithin ein Strom von vier Seemeilen in der Stunde nach Westen lief. -Eine solche Stärke des Stromes von dessen Vorhandensein ich ja Kenntniß -hatte, kam mir unerwartet, doch brachte sie mich nicht in Verlegenheit, -besonders da nichts zu ändern war. - -Unter den Schiffsführern, die bereits abgetrieben waren, war wie ich -später erfuhr die Ansicht verbreitet, daß man in solchem Falle nicht -gegen den Strom kreuzen dürfte, sondern sofort über den Aequator -hinauszukommen suchen müsse, weil man erst auf 4 bis 5 Grad nördlicher -Breite mit dem Gegenstrome erfolgreich nach Osten aufsegeln könne. Daß -ich dies nicht wußte, hat mir großen Nachtheil gebracht, denn als ich -nun überzeugt, daß ich auf südlichem Kurse nichts gewinnen würde und -wieder nordwärts auf Nordnordwest Kurs beim Winde lag, wurde dieser -immer schwächer, so daß ich nur wenig Nord gewann. Am dritten Tage erst -hatte ich wieder den Breitengrad der Insel Pleasant-Eiland erreicht, -befand mich aber bereits 70 Seemeilen weit von dieser entfernt; was -ich befürchtet und in dieser Gegend nicht selten ist, traf ein, der -Wind wurde ganz still und auf dem spiegelglatten Meere, das kaum -eine langgezogene Dünung bewegte, trieben wir unter der brennenden -Sonnengluth immer weiter westwärts, mit einer Geschwindigkeit von -durchschnittlich 72 Seemeilen in 24 Stunden. - -Jeden Lufthauch, der hin und wieder aufsprang nutzte ich aus, um bloß -aus dieser häßlichen Lage herauszukommen, denn am zehnten Tage (die -Linie war wieder passirt) war das Schiff bereits 750 Seemeilen von -der Insel abgetrieben worden. Am 14. Tage auf etwa ein Grad nördlicher -Breite angelangt, fand ich keinen oder nur noch sehr geringen Strom, -aber kein Wind wollte aufkommen; was aber das Schlimmste war, der -Wasservorrath ging zu Ende; das Tagesmaß war längst schon so weit -herabgesetzt worden, daß jeder Mann nur einen Tassenkopf voll per Tag -empfing, und nach einigen Tagen war kein Tropfen mehr an Bord. - -Der Grund, daß dieser Mangel eintreten konnte, war folgender: es hatte -in Jaluit längere Zeit nicht geregnet, die Wasserbehälter, die das von -den Dächern abfließende Wasser auffangen, waren fast leer, so ging -ich mit wenig Wasser in See, fest darauf rechnend, in der Nähe des -Aequators Regen anzutreffen. Die Wassernoth an Bord wurde schließlich -sehr groß, hatte ich doch außer der Mannschaft noch 6 Eingeborne von -Pleasant-Eiland mit mir, die während der Ladezeit als Arbeiter helfen -sollten und vom Händler, damit er dieser Leute sicher wäre, sofort mit -dem ersten Boote abgeschickt worden waren. - -Um die Qual des Durstes zu stillen, durchsuchten die Leute alle -Räumlichkeiten des Schiffes, wo eine Kokosnuß verborgen sein konnte, -und in der höchsten Noth war ein Tropfen halb verdorbener Kokosmilch -ein Labsal für uns alle. Die nächste Insel „Greenwich-Eiland“ sollte -etwa 120 Seemeilen östlich von uns liegen, aber auch wenn ich Wind -gehabt, hätte ich Tage gebraucht, diese niedrige Koralleninsel zu -erreichen. So von Tag zu Tag hoffend, daß endlich eine Aenderung -eintreten oder doch Regen kommen werde, suchte ich mit den schwachen -Lüften, die das Schiff kaum eine Seemeile in der Stunde durchs Wasser -trieben, nur nördlich zu kommen. War ich erst hoch genug und ständiger -Wind wieder vorherrschend, konnte ich die nächste Insel in der -Karolinen-Gruppe aufsuchen, fand ich voraussichtlich dort auch kein -Wasser, so würden doch Kokosnüsse zu erhalten gewesen sein. - -Regenschwere Wolken hingen am Horizonte schon tagelang, und wie -sehnsuchtsvoll nach dem Himmelsnaß ausgeschaut wurde, daß jene Wolken -heraufkommen und sich öffnen möchten, kann nur der ermessen, der -qualvollen Durst gelitten hat und bereits die Verzweiflung in den Augen -der Gefährten blitzen sah, die lechzend nach Wasser riefen. - -Doch Gottes Hilfe ist am nächsten, wenn die Noth am größten. Drei -Wochen waren hingegangen, da setzte ein frischer Ostwind ein, neue -Hoffnung beseelte uns, in 36 Stunden konnte ich die Mortlok-Inseln -erreichen, und alle Noth hatte ein Ende. Aber noch gnädiger war der -Himmel, nach dem Winde kam bald der Regen und so reichlich, daß alle -Behälter gefüllt werden konnten; die furchtbare Qual des Durstes war -vorüber. An der Grenze der äquatorialen Gegenströmung, mit der ich -jetzt auf etwa 4 Grad nördlicher Breite schneller ostwärts zu kommen -suchte, fand ich verhältnißmäßig schlechtes und kühles Wetter vor, -schwere Regenböen nöthigten mich häufig nur gereffte Segel zu führen. - -Ueber fünf Wochen waren hingegangen, ehe ich wieder Pleasant-Eiland -sichtete und diesmal mich drei Tage dort halten konnte. Ein besserer -Segler, ein amerikanischer Schooner, war bald nach mir eingetroffen, -derselbe trieb auch in den ersten Nächten ab, kehrte aber in drei -Wochen wieder zurück und, da dies das einzige Schiff blieb, welches in -diesem Zeitraum die Insel angelaufen, hatte der Vertreter der Firma -dasselbe nicht zur Rückreise nach Jaluit benutzt, sondern auf meine -Rückkehr gewartet. Somit fand ich denselben wohlbehalten dort wieder -vor, wiewohl sich schon bei den Weißen die Ueberzeugung Bahn gebrochen, -es müsse meinem Schiffe etwas zugestoßen sein; auch nach Jaluit -zurückgekehrt, fand ich dort die Nachricht verbreitet, ich sei verloren -gegangen. - -Weitere Reisen nach der Ratak-Kette, zunächst nach dem Milli-Atoll, -machten mich auch dort mit den staatlichen Verhältnissen bekannt. -Bald sah ich, daß die Bewohner weniger Nutzen von der vordringenden -Civilisation gehabt hatten, als die der Ralik-Kette. Während erstere -die monarchische Regierungsform zur Einigung geführt und Auflehnungen -einzelner Häuptlinge verhindert hat, hat auf der Ratak-Kette die -Herrschsucht der Häuptlinge viele Unzuträglichkeiten geschaffen, vor -allen wenn zwei oder mehrere sich in den Landbesitz eines Atolls zu -theilen hatten. - -Vielfach fand ich auch um Dörfer und an den Grenzen einzelner -Besitzungen, gerade oder in Kreisform aus Korallensteinen aufgeführte -Mauern. Diese bilden die Grenzscheide, wo gelegentlich Belagerer, die -immer die stärkeren sind, und Belagerte zusammentreffen. Es ist kein -Kriegführen, nur ein Zerstören, als das Gebiet des Unterliegenden -außerhalb der Mauer vernichtet wird. Selten, wiewohl die Eingebornen -bereits europäische Waffen in Menge besitzen, selbst die Häuptlinge -die besten Hinterlader haben, fällt aus Zufall ein Gegner von einer -verirrten Kugel getroffen. Fertigkeit im Zielen haben sie noch nicht -erlangt, was ein Glück ist, denn hätten sie diese, so würden sie, mit -ihrem scharfen Gesicht sehr gefährliche Gegner sein. - -Eigenthümlich ist, daß der Belagerer fast nie die Mauer zu nehmen wagt -und ein Handgemenge möglichst vermeidet, eher versucht der Belagerte -nächtliche Ausfälle, freilich ohne dabei etwas zu gewinnen. Der -Streit endet gewöhnlich durch Uebergabe oder Aushungern, auch durch -freiwilliges Abziehen des Stärkeren, der bei der Zerstörung der Palmen -und Pandanusbäume sein Müthchen gekühlt hat; nicht selten aber auch -durch so unvernünftige Handlungen eine Hungersnoth heraufbeschwört. - -Helden sind die Männer alle nicht, sinn- und zweckloses Schießen ist -ihnen die Hauptsache, mehr noch das gegenseitige Beschimpfen und die -Aufführung kriegerischer Tänze. Nicht genug aber, daß verschiedene -Häuptlinge sich auf einem Atoll bekriegen, sie rüsten sich auch mit -ihren Proas Kriegszüge nach anderen Atolls zu unternehmen. Noch im -Jahre 1885 zogen von Majuro 16 Kanoes mit 300 Mann unter Lailik aus um -einen Häuptling auf Aurh zu bekriegen. Diese große Zahl Menschen ist -aber niemals dort angekommen, obwohl der Abstand beider Atolle nicht -besonders groß ist, sondern nur etwa 70 Seemeilen beträgt, es müssen -Wind und Strömungen sie vertrieben haben, wenigstens wurde nie wieder -etwas über das Schicksal dieser Schaar bekannt. Ich fand einmal sechs -Monate nach jenem Aufbruche zwischen den nördlichen Atolls einen Theil -eines großen Kriegskanoes treiben, theilte dieses den Händlern später -auf Majuro mit und die Eingebornen entnahmen aus dieser Mittheilung, -daß sie nun völlig ihre Angehörigen als verloren zu betrachten hätten. - -Unter den Häuptlingen der Ratak-Kette war der angesehenste der -verstorbene Kaibuke, dessen Neffe Leaugnat über Milli herrschte, -andere, der junge Kaibuke, neben dem Häuptling Jiberik herrschte -auf Majuro, auf Maloebab, Murijil; außer diesen war noch eine ganze -Anzahl kleinerer Despoten vorhanden, die durch persönliche Zänkereien -die Entwicklung der Inseln hinderten und auf einem Atoll oft -solche Zustände schufen, daß jahrelang ein Verkehr einzelner Stämme -untereinander unmöglich ward. - -Zwar ist nach der Besitzergreifung der Marschall-Atolle durch -Deutschland entschieden Wandel geschaffen worden, das Erscheinen der -großen Kriegsschiffe, oft innerhalb der ausgedehnten mit Untiefen -besäeten Lagunen, hat gewaltigen Eindruck gemacht. Jetzt, wo eine neue -Obrigkeit vorhanden, haben die Privatkriege zu unterbleiben, jetzt gilt -nicht mehr das Recht des Stärkeren, sondern die Streitigkeiten müssen -vor das deutsche Gericht gebracht werden. Mancher Häuptling, der die -Einmischung der Weißen in seine Angelegenheiten, d. h. in die eines -muthwillig herbeigeführten Streites, unbequem fand und widersetzlich -wurde, hat zum eigenen Nachtheil empfinden müssen, daß Verletzung der -Pflichten und Gewaltthätigkeiten schwer geahndet werden. - -Von Apia aus hatte ich einen langjährigen Diener des Herrn Konsuls -Weber an Bord, ein Marschall-Insulaner, mit Namen Angenang, der in -seine Heimat zurückbefördert werden sollte und so lange an Bord die -Pflichten eines Kochs zu versehen hatte, bis sich Gelegenheit gefunden, -ihn auf Milli abzusetzen. Es hatte diesem im Dienste der deutschen -Gesellschaft so gut gefallen, daß er mit dem Plane umging, seine ganze -Verwandtschaft zu beeinflußen, ebenfalls auf drei Jahre sich nach Samoa -zu verpflichten. Als sich nun die Gelegenheit bot, den Milli-Atoll -anzulaufen, erhielt ich Weisung die Anwerbung der freiwillig sich -Meldenden an Bord vorzunehmen. Mehrere Tage in der Milli-Lagune hin -und her segelnd, (es waren allerlei Förmlichkeiten mit einzelnen -Häuptlingen zu erledigen) landete ich schließlich im Nordosten unter -der Insel Ennanlik. Nicht lange währte es, bis sich einige Familien, -Männer und Frauen, im ganzen 26 Personen, bereit fanden, auf einige -Jahre nach einem fernen, unbekannten Lande auszuwandern, das freilich -im Gegensatz zur öden, wenig fruchtbaren Korallen-Insel ein Paradies -war. - -Den Abschied zu verkürzen, der endlos zwischen den Scheidenden und -den Zurückbleibenden zu werden drohte -- viel Herzlichkeit, wie ich -solche den Eingebornen kaum zugetraut, zeigten sie gegen Verwandte und -Eltern -- beschleunigte ich die Abreise und befand mich am ersten Abend -bereits weit von Milli entfernt, als sich ein Vorfall ereignete, der -Schiff und Mannschaft, sowie Fahrgästen einen schrecklichen Tod hätte -bereiten können. - -Da wenig Ladung Kopra im Raum war, hatte ich, um die kaum bekleideten -Menschen Nachts nicht unnütz an Deck frieren zu lassen, auf alten -Segeln eine Lagerstatt bereiten lassen. Aber anstatt die Ruhe zu -suchen, unterhielten sie sich nach alter Gewohnheit, dabei war ihnen -die Dunkelheit im Schiffsraume wohl nicht genehm, sie suchten also -aus ihrem wenigen Gepäck eine einfache Petroleumlampe, von deren -Vorhandensein ich nichts wußte, hervor und zündeten sie an. Lampe -und Brennmaterial war recht schlechte Waare, von Händlern auf Milli -eingetauscht, von deren Gefährlichkeit diese Naturkinder natürlich -keine Ahnung hatten, und so kam es, daß die auf den Kopra gesetzte -Lampe umfiel und explodirte. - -Schon waren nach 8 Uhr Abends längst die Wachen abgelöst. Die Wache -an Deck hatte ihre Posten, Ausguck und Ruder bezogen, und unter dem -sternenklaren Himmel einer friedevollen Nacht herrschte völlige Ruhe -auf dem einsam durch den Ozean ziehenden Schiffe. Da plötzlich ein -gellender Aufschrei, ein helles Aufblitzen einer Feuerwelle -- wie ich -vom Hinterdeck aufgesprungen bin und im Augenblick die Größe der Gefahr -erkannt habe, wußte ich nachher selber nicht. Die Männer, welche vor -den Frauen die befestigte Leiter emporkletterten, stieß ich mit Gewalt -zurück und sprang, der von allen Seiten herbeistürzenden Mannschaft -befehlend, mir zu folgen, mitten unter die vor Schrecken gelähmten -Menschen. - -Zum Glück war nur die Hauptluke geöffnet geblieben, kein Luftzug -regte die Flammen an, der von hinten wehende Wind trieb den schnell -entwickelten beißenden Qualm zum leeren Vorraum; da glücklicher Weise -die Lampe auf unbedeckten Kopra, von den Sachen und der Schlafstätte -der Leute, weit entfernt aufgestellt gewesen war, so brannte auch erst -das umhergespritzte Petroleum allein und von diesem mit entzündet der -oelhaltige Kopra. Als einziger Europäer an Bord, (ich hatte nur einen -Insulaner als Bootsmann, Lajibid, da es eigentliche Steuerleute nicht -gab, vielmehr oft genug solchen Posten irgendwo entlaufene Matrosen, -die das Schicksal bis hierher verschlagen, ausfüllen mußten) galt es -zuerst die im Hinterraum zusammengedrängten Frauen herauszubringen, -was ich schnell dem Lajibid übertrug, während ich mit den inzwischen -ebenfalls herabgesprungenen Leuten die Schlafmatten ergriff, und -solche ausgebreitet in das Feuer schleuderte, um es etwas zu dämpfen. -So erreichte ich es, daß die nackten Leute, welche sich sonst der -entwickelten Gluth nicht nähern konnten, muthig vordrangen und so -schnell Matte auf Matte deckten, daß diese selbst nicht anbrennen -konnten, auf die Weise wurde das Feuer erstickt. - -Ueber dem Feuerheerde wurden dann alte Segel ganz ausgebreitet und -nun, da hilfreiche Hände genug vorhanden waren, (den Milli-Leuten ließ -ich nicht lange Zeit sich zu besinnen) wurden Ströme Wasser mit Eimern -oder mit dem was gerade zur Hand war ausgegossen. Nachdem dann dem -furchtbaren Rauche durch Oeffnen aller Luken Abzug geschafft war, wurde -schnell mit Schaufeln, freiliegende Kopra haufenweise über Segel und -Matten aufgeschüttet; als auch diese wieder durchnäßt war, war nach -mehrstündiger Arbeit jede Gefahr beseitigt. - -Welch ein Schicksal aber wäre uns beschieden gewesen, wenn wir des -furchtbaren Elementes nicht Herr geworden wären! Nicht die Hälfte der -Leute hätte ich retten können, das einzige Boot würde mit 20 Menschen -schon bei bewegtem Seegange überladen gewesen sein und ehe es möglich -geworden wäre Land zu erreichen, -- Jaluit lag noch annähernd 120 -Meilen vor uns, zurück gegen Wind und See zu rudern war ausgeschlossen --- wären wir sicher eine Beute der Haie geworden wie alle anderen. - -Selbst für den mit allen Gefahren der See vertrauten Seemann -- -Gefahren von denen der Landbewohner sich nichts träumen läßt -- sind -solche Augenblicke schrecklich, vor allem für einen Führer, der weiß, -daß Menschenkraft im Kampfe gegen drei Elemente erliegen muß. Er selber -harrt auf seinem Posten aus und stirbt, wenn er das Schicksal der ihm -anvertrauten Wesen nicht mehr wenden kann, aber er weiß auch, daß die, -die sich vielleicht auf Trümmern gerettet, einem grausamen Geschick -verfallen sind. - -Solche Gedanken geben einem Menschen übernatürliche Kräfte und -Fähigkeiten -- die Gefahr liegt vor ihm, Tod oder Leben hängt von -seiner Entschlossenheit und seinem Können ab -- und mit dem Muthe der -Verzweiflung stürzt er sich ihr entgegen, um die Planke zu schützen, -auf der er steht, die ihn und die Gefährten über die blau schimmernde -Tiefe, über den Ozean trägt. - -Nach Jaluit zurückgekehrt, fand ich dort mein früher geführtes Schiff, -das von Apia hierher beordert worden war, als Ablösung vor und hoffte -schon die Milli-Leute nach Samoa bringen zu können; indeß ich hatte nur -die Schiffe zu wechseln und befand mich bald wieder auf einer Monate -langen Reise durch die Karolinen-Gruppe. Da die Mannschaft, Niue-Leute, -für längere Zeit an Bord zu verbleiben verpflichtet war, so hatte ich -nun wieder eine geübte Besatzung. - -Ich muß mich darauf beschränken von dieser ausgedehnten Gruppe hoher -Vulkan-Inseln und zahlreicher Korallen-Atolle ein begrenztes Bild zu -entwerfen und kann nur aufrichtig bedauern, daß den zur Kolonialarbeit -wenig tauglichen Spaniern diese reiche Inselwelt zurückgegeben war und -über ein zukunftreiches Gebiet die entfaltete deutsche Flagge wieder -eingezogen wurde. Die Atolle der Karolinen, zwar nicht an Umfang -denen der Marschall-Inseln gleich, sind aber doch ebenso reich an -Erzeugnissen wie diese, auch meist in größerer Ausdehnung bebaut, da -die Bevölkerung zahlreicher ist. - -Die hohen Basalt-Inseln wie Yap, Ruk, Ponapè, und Kufat, Stammvesten -der Bevölkerung, sind dagegen in Wahrheit Edelsteine im weiten Ozean, -die an Fruchtbarkeit in nichts den Samoa-Inseln nachstehen, vielmehr -diese noch übertreffen. Die überreiche Natur wartet nur der fleißigen -Hand, welche die aufgespeicherten Schätze heben soll. Soll man ein -Urtheil über die gesammte Gruppe abgeben, so trifft noch immer der von -früheren Entdeckern gethane Ausspruch zu „Das ganze Meer ist besät mit -Edelsteinen, gerade wie der Spiegel des sternenbesäten Himmels über -diesem.“ „_The whole is studded with ocean gems, as if the mirror of -the starry sky above it._“ - -Wenn ich hauptsächlich bei den östlichen Inseln verweile, so geschieht -es darum, weil auch ich mit diesen besser bekannt geworden und hier -zum Theil Augenzeuge von Vorgängen gewesen bin, die wenigen noch in der -Erinnerung, vielen nie wahrheitsgemäß geschildert worden sind. - -Zunächst nach Ponapè bestimmt, sah ich diese weithin sichtbare große -Insel bereits am sechsten Tage. Einen hochwillkommenen Anblick boten -die hohen Felsenmassen dem einsam auf weitem Meere hinziehenden -Schiffer; geschmückt mit ewigen Grün vom höchsten Bergesgipfel bis -zum blauen Ozean, breitete sie sich gleich einem Paradiese aus vor -den staunenden Augen, wie solches von der Hand der Natur nicht schöner -geschaffen, wie es einem sorglos glücklichen Volke nicht besser geboten -werden kann. - -Wie ausgestorben, scheinbar unbewohnt, liegt im smaragdenen Kleide -im Ozean gebettet die Insel da, nichts als das Laub zahlloser Bäume -ist sichtbar, aus dem vom Strande aufwärts die hochragenden Palmen -sich vereinzelt oder in Massen abheben. Wenn man dicht unter die weit -abliegenden Riffe, die mit schmalen Inseln besät sind, vorübersegelt, -erblickt man hinter diesen ein weites ruhiges Becken, das von den -draußen stürmenden Wogen des Ozeans nicht im geringsten bewegt wird -und, wie weit man auch an diesem Riffe und Inselkranze entlang segelt, -sich immer gleich bleibt. Zwischen dem dichten Laube der Bäume wird -keine Hütte sichtbar, doch Rauch steigt hier und dort auf; unter -den steilen Felswänden zieht phantastisch ein Kanoe, um bald zu -verschwinden. - -Ein bloßer Punkt auf meiner Karte, war diese 60 Seemeilen im Umfang -große Insel. Sie war nur nicht genau bekannt, auch wußte ich nicht wo -ich die Einfahrt zur deutschen Station zu suchen hatte, darum lief ich -unter der Ostküste nach Süden und suchte westwärts weiter nach einer -Durchfahrt. Da das Wasser still war, wagte ich es als ich gegen Abend -eine ganz schmale Durchfahrt zwischen zwei Riffinseln fand, für mein -Schiff gerade breit und tief genug, einzulaufen. Zwar lagen anfänglich -schlecht sichtbare Riffpatschen umher, die gefährlich werden konnten, -doch näher dem Lande verschwanden auch diese, und bald lag wie im -sichersten Hafen das Schiff ruhig vor seinem Anker. - -War vorher nichts von Menschen sichtbar gewesen, so erschien jetzt -bald hier und dort ein Kanoe, und nicht lange währte es, dann lag eine -Anzahl derselben längsseit; Hühner, Eier, Yams, Ananas, Bananen, -Fische und Kokosnüsse, sowie Perlmutterschalen u. s. w. wurden zum -Kaufe angeboten, gegen wenig Tabak konnten von den nackten Eingebornen -die wohlschmeckenden Erzeugnisse dieses reichen Landes eingetauscht -werden. Lungur-Eiland, den Bestimmungsort, mir zu zeigen, ließen sich -willig einige Leute gegen geringes Entgelt bereit finden, sie meinten -eine freie Durchfahrt führe innerhalb der Riffe dahin. - -Wohl segelte ich am anderen Morgen einige Stunden weiter nördlich im -ganz stillen Wasser, doch unter der 1000 Fuß hohen senkrechten Felswand -von Jocoits an der Nordseite, fand ich zwischen den hier zahlreichen -großen und ausgedehnten Riffen nur schmale gewundene Engen, die mit -konträrem Winde nicht gut zu durchsegeln waren. Ich nahm deshalb -das Kanoe der Eingebornen an Deck, und suchte durch eine Oeffnung -im Hauptriffe wieder die freie See auf, um so nach der eigentlichen -Jocoits-Einfahrt zu gelangen. In der That wurde bald Lungur-Eiland und -die Station erreicht. - -Durch dieses theilweise Umsegeln der ganzen Insel, ward mir die -Gelegenheit gegeben, die mächtigen Felsenpyramiden sowohl, wie auch -die überaus reiche Pflanzenwelt aus der Nähe zu beobachten; machte -ich mich später auch mit dem Innern der Insel näher bekannt und sah -die Großartigkeit der Natur in ihrer vollen Pracht und Wildheit, so -schwächte dies doch nicht den zuerst gewonnenen Eindruck ab. - -Die Insel muß in früherer Zeit eine öde Felsenmasse gewesen sein, bis -die allmähliche Zersetzung der Lava und Basaltmassen auf der Oberfläche -für das Pflanzenleben fruchtbaren Boden geliefert hat. Heute krönt -die Höhen ein fast undurchdringlicher Urwald, reicher Humus hat sich -abgelagert, die Verwesung der Pflanzen, die gestürzten Baumriesen -erzeugten ihn, hohe Schichten der fruchtbarsten Erde deckten Thal und -Höhen überall. Kurze reißende Ströme, aus tausend Quellen genährt, -stürzen zu Thal, an ihren Mündungen weite Flächen abgeschwemmtes -Land wieder ablagernd, das oft weithin bis zum Fuße der Felsen mit -Seewasser überdeckt wird und doch dem Mangroven-Baum und vielen anderen -ein Fortkommen gestattet, so daß, gleichwie in der Höhe, auch hier, -mächtige Wälder sich ausgebreitet haben. - -Silberklar und kühl ist das herrliche Wasser dieser Flüsse, oft -bin ich, so weit ich nur mit einem Boote kommen konnte, diese -hinaufgefahren, um die Großartigkeit der Urnatur zu betrachten; selbst -im Innern des dunklen Erdtheils (Afrika) habe ich in den jungfräulichen -Urwäldern kaum solche eigenartige Schönheit der Natur gefunden, wie sie -sich hier auf so kleinem Raume dem Auge darbot. Gestürzte Baumriesen -lagen, gestützt auf ihre mächtigen Zweige, von Ufer zu Ufer, Brücken, -auf denen die zahllosen Insekten hin und her wanderten; auch See- und -bunt gefiederte Singvögel liefen ohne Scheu auf solchen auf und ab. -Tausende von Luftwurzeln, Lianen und Schmarotzerpflanzen strebten von -den Bäumen herab zur Erde, um sich wieder in endloser unentwirrbarer -Kette zu heben. Girrend lockt die Taube überall, nicht erkennbar wegen -ihres dunklen Gefieders, im dichten Laub der Bäume, und nur das scharfe -Auge des Eingebornen weiß sie zu finden und mit sicherem, unfehlbarem -Schusse aus der luftigen Höhe herab zu holen. - -Die Arten der Pflanzen und Bäume mit ihren Abarten, die Nahrung und -Kleidung geben, sind sehr zahlreich; hauptsächlich aber sind es von den -Bäumen Brotfrucht, Pandanus, Kokosnuß und Bananen, von den Erdpflanzen -Yams, Taro, Ananas und andere, die ohne jegliche Pflege überall wachsen -bis weit hinaus auf dem Inselkranz, woran gleich einer schäumenden -weißen Linie die Wogen des Ozeans sich unablässig brechen. - -In geologischer Hinsicht weist Ponapè besondere Merkmale auf. Der -Unterbau ist fester Basalt, darüber thürmen sich aus gleichem Gesteine -2-3000 Fuß hohe Bergkuppen und Höhenzüge auf und darauf wieder -vielfach schichtweise gelagerte Lavamassen. Ebenso fand ich auch im -südlichen Theil der Insel, nahe dem Kiti-Hafen, als ich zu den schwer -zugänglichen Höhen aufstieg, zu Tage tretenden rothen Lehm in ziemlich -starken Schichten abgelagert vor, sicher ein Erzeugniß vulkanischer -Ausbrüche. Auffallend aber ist, daß das Berggefüge in seiner Masse -sowohl, wie in einzelnen Theilen, ein Spielball furchtbarster -Naturkräfte gewesen zu sein scheint, denn entkleidet des überaus -reichen Pflanzenwuchses böte sich dem Auge des Beobachters ein Gemenge -übereinander gethürmter Felsen und Gesteine dar. Nicht die alles -zersetzende Zeit allein hat ihnen hier ihren Stempel aufgedrückt, -vielmehr sind die zahllosen Sprengstücke, mit denen die ganze Insel -besät ist, sicher nur Erzeugnisse der gewaltigsten Erschütterungen und -Umwälzungen schon erstarrt gewesener Massen. - -Der Hauptheerd der vulkanischen Thätigkeit muß an der Nord- und -Nordostseite gelegen haben, da hier eine Reihe kleinerer und größerer -Inseln, die getrennt von der gewaltigen Masse der Insel Ponapè liegen, -sich als muthmaßliche Krater erwiesen haben. So die Inseln Mutok, -Yokocts, 800-1000 Fuß hoch, Yarum, Momts, Takain und Lungur. Die -genannten sind alle Basaltgebilde, oft steil und schwer zugänglich, -und steigen bis zu 300 Fuß und darüber. Allerdings habe ich keine -Krateröffnungen gefunden, wohl aber Lavageschiebe, wenn auch nur in -geringerer Menge. - -Eine von Fachleuten unternommene Durchforschung der Inselgruppe -dürfte zur Bestätigung meiner Ansicht führen. Diese stützt sich auch -namentlich darauf, daß Lungur ein stumpfer von allen Seiten steil -abfallender Kegel ist (ich habe ihn öfter an steiler Wand erklettert) -und oben im Gestein eine geschlossene kahle Vertiefung zu Tage tritt. -Auch ist das weite fruchtbare Vorland mit mächtigen Felsblöcken -bedeckt, die von der Hauptmasse eine gewaltige Kraft abgesprengt haben -muß. - -Auffallend ist die oft bedeutende Tiefe innerhalb des mächtigen -Riffes, welches die ganze Insel in einem Umkreise von 60 Seemeilen -umgiebt; einzig erklärlich dadurch, daß in früherer Zeit ein Sinken der -Gebirgsmasse stattgefunden hat, ein neuer Anbau der Korallen aber durch -das frische Wasser der Flüsse verhindert wurde und nur dort die Polypen -den äußeren Riffwall schaffen konnten, wo ihnen der Ozean reichlich -Nahrung bot, so daß schließlich um die ganze Insel Ponapè eine Lagune -entstanden ist. - -Das Innere der Insel mit seinen Urwäldern ist zum Theil selbst für -den Eingeborenen noch unzugänglich und unbekannt, nur wenige schmale -Thäler, gebildet von steilen Felswänden, führen durch die einzelnen -Gebirgspartien; auch längs der Flüsse, deren Wasserkraft sich im -Gestein breite Wege gebahnt hat, ist ein Aufstieg zu den steilen Höhen -möglich. Aber der Eingeborene trägt kein Verlangen, sich in der Wildniß -umzuschauen, überall in gleich großartiger Weise tritt sie hervor. -Am Strande wie auch am Fuße der unzugänglichen Höhen und verborgen im -Gebüsch, an Felswänden, im Schatten gewaltiger Bäume hat er sich seine -Dörfer erbaut. - -Die Entdeckung der Karolinen-Inseln ist den Spaniern zuzuschreiben -und zwar soll Quirosa bereits im Jahre 1595 Ponapè gesehen haben. -Versuche der Spanier im 17. Jahrhundert, auf den westlichen Inseln Fuß -zu fassen, scheiterten aber gänzlich an der Wildheit der Eingebornen, -die stets die Priester und Kolonisten ermordeten. Die Folge war, daß -das weite Gebiet bis zum 19. Jahrhundert fast ein unbekanntes Land -geblieben ist. Jedenfalls war der Anspruch der Spanier auf diese reiche -Inselgruppe unberechtigt, da sie sich nie darum bekümmert haben, auch -kaum Kenntniß von dem dort verborgenen Reichthum hatten. Deutschen und -Amerikanern blieb es überlassen diesen Völkern die Gesittung zu bringen -und sie an den Anblick des weißen Mannes zu gewöhnen. - -Ueberfälle und Wegnahme einzelner Schiffe haben auch hier wie anderswo -in früherer Zeit stattgefunden. Die Eingeborenen, lüstern nach -fremden Schätzen, bemächtigten sich meist durch Verrath der fremden -Fahrzeuge, nachdem ihrer Uebermacht die Besatzungen erlegen waren. -Nach Ueberlieferungen haben die Spanier mehrmals Ponapè besucht, sind -aber, da sie den Eingebornen vertrauten, in deren Hände gefallen und -niedergemacht. Unter anderen soll im Süden der Insel, wahrscheinlich -im Kiti-Hafen, ein Schiff genommen sein, dessen Leute nicht anders -getödtet werden konnten, als dadurch, daß man ihnen die Augen ausstach; -sie hätten eine solche feste Haut gehabt, daß sie vor jeder Verletzung -geschützt gewesen wären. Unzweifelhaft sind es in Panzern gehüllte -Spanier gewesen, die hier der Uebermacht erlagen. - -Auch im Metalanim-Hafen soll ein Schiff gestrandet sein und die -ersten Hühner zu dieser Insel gebracht haben. Die Angabe scheint -richtig zu sein, denn man fand später in den Händen der Eingebornen -eine Messingkanone, ein silbernes Kruzifix, einen kupfernen Kessel, -spanisches Geld u. a. m. Die eigentliche Entdeckung Ponapès -erfolgte aber erst im Jahre 1828 durch die russische Korvette -„Seniavina“ (Commandant Lutke) und die genauere Kenntniß verdanken wir -amerikanischen Walfischfängern und den Missionaren. - -Die Bewohner Ponapès, deren Zahl 5000 nicht überschreiten mag, sind, -soweit ich sie kennen gelernt, im Umgange ein friedliches Völkchen, -gefällig und gastfreundlich; trotzdem zeigen sie dem Europäer gegenüber -eine gewisse Zurückhaltung im Benehmen. Etwas Lauerndes liegt in ihrem -Gesichtsausdrucke, sie verleugnen das malayische Blut nicht, das, zum -Theil wenigstens, durch ihre Adern rollt. Es ist die gezähmte Wildheit, -die in dem funkelnden Blick der schwarzen Augen liegt; wie dem Malayen -gegenüber hat der Fremde das unbestimmte Gefühl, als hätte er es mit -einer Katzennatur zu thun und die scharfen Krallen könnten unerwartet -den Arglosen packen. - -Der freie Mann duldet kein Unrecht, Blut allein ist die Sühne dafür; -bin ich recht unterrichtet, so ist unter diesen Eingeborenen die -Blutrache weit verbreitet, auch heute noch ersteht in manchen Familien -immer wieder ein Rächer für die beleidigte Ehre oder für das einst -vergossene Blut. - -Unter sich, im Verkehr mit einander und im Familienleben sind die -Eingeborenen gütig und liebevoll, ganz anders als im Verkehr mit dem -Fremden, dem gegenüber sie nicht selten sich unfreundlich und abstoßend -zeigen; sie haben nur zu wohl dessen Selbstsucht begriffen, daher -treten sie auch kalt und zurückhaltend ihm entgegen. Wohl findet der -Europäer überall in den Hütten Schutz und Obdach, Speise und Trank und -konnte zu jener Zeit unbelästigt wandern, wohin er wollte, aber solche -geübte Gastfreundschaft ist nicht selbstlos, der Gastgeber erwartet -stets eine Entschädigung, die seiner Mühe entsprechend ausfallen muß, -und zwar ein Gegengeschenk, das in seinen Augen werthvoll genug ist. - -Von kräftigem Körperbau, stehen die Männer nach Gestalt dem Weißen -nicht nach, ebenso ist Klugheit ihnen nicht abzusprechen; auch -gewisser Wissensdurst macht sich bei ihnen bemerkbar, und solche, die -Gelegenheit gefunden, andere Länder und Völker zu sehen, stehen bei -ihnen in hoher Achtung. Dennoch scheint die eingedrungene Gesittung -niederdrückend auf das jetzige Geschlecht eingewirkt zu haben, sei -es auch nur, daß sie mehr und mehr grollend, sich in sich selbst -zurückziehen. Die große Fruchtbarkeit, welche diese hohen vulkanischen -Inseln aufweisen, ist durch reichlichen Regenfall bedingt. Ueber -der Gebirgsmasse lagert sehr oft ein dichter Wolkenschleier, der -vorübergehend heftige Regenschauer herabsendet. Im Jahresdurchschnitt -sollen nur 97 schöne, klare Tage vorkommen, 155 bedeckt mit -Regenschauer und 72 Tage ständiger Regen. - -Selten sind elektrische Ansammlungen, Blitz und Donner, und nach dem -Glauben der Eingeborenen besucht dann ihr Gott „Ani“ die Insel und -kündet seine Nähe durch zuckende Blitze und rollenden Donner an. - -Ganz auffallend ist, wie wenig Ueberlieferung bei diesen Volksstämmen -vorgefunden wird, nichts vernimmt man von großen Thaten, nichts von -hervorragenden Häuptlingen; das Leben und Wirken früherer Geschlechter -ist einfach ausgewischt, selbst im Gedächtnisse der Alten. Ob so -geringe Theilnahme vorhanden, ob wirklich nichts Wichtiges in Sagen -und Gesängen zu überliefern war, steht dahin, jedenfalls ist das, -was an Ueberlieferungen vorhanden ist, so gering und unbestimmt, daß -kein Schluß daraus auf das Vorleben dieser Stämme zu machen ist. Nur -die Steine reden, wo der Menschen Mund schweigt -- gewaltige Bauten, -heute noch ausgedehnte Ruinen, stehen als Wahrzeichen einer längst -entschwundenen Zeit und bezeugen die Thatkraft und Klugheit, welche -den vergangenen Geschlechter innegewohnt hat. Woher sie stammen, -darüber fehlt jede Spur; so staunend der Europäer die gewaltigen von -Menschenhand errichteten Werke betrachtet, ebenso kopfschüttelnd -und zweifelnd steht der heutige Eingeborene vor den Werken seiner -Vorfahren. Die Antwort, die ich auf meine Frage erhielt, wer diese -gewaltigen Mauern und Bauten aufgeführt habe, wie es möglich gewesen -sei, Felsblöcke so übereinander zu thürmen und genau in passende Lage -zu bringen, war; daß habe Niemand gethan; vor langer, langer Zeit habe -ein schöner junger Mensch, ein Gott, in den Bergen gewohnt, der habe -zu den Steinen gesagt, sie sollten sich aufeinander legen und so wären -diese Mauern und Bauten entstanden. - -Ich ging durch die Ruinen von Kusai, als ich diese Antwort erhielt; -der Eingeborne, der sie mir gab, schien mir einer der aufgeweckteren zu -sein, überzeugen aber ließ er sich von der Nichtigkeit seiner Angaben -nicht und ich erhielt damit den Beweis, daß diese von den Vorfahren -aufgeführten Werke heute von den Nachkommen als etwas Unnatürliches -angesehen werden. - -Aus gleicher Veranlassung müssen sowohl auf Ponapè wie auf Kusai vor -Jahrhunderten diese Bauten errichtet worden sein und demselben Zweck -gedient haben, da die Lage und Wahl des Ortes auf beiden Insel die -gleiche ist. Diese am Metalanim-Hafen auf Ponapè und im Lela-Hafen auf -Kusai liegenden Ruinen erzählen eine Geschichte, mit Felsentrümmern -aufgeführt, mit Steinen geschrieben und sind eine Ueberlieferung aus -der großen längst entschwundenen Zeit eines einsichtigen Volkes. Die -Eingebornen, von einem einheitlichen Willen einst beherrscht und -geleitet, haben wahrscheinlich diese sowohl zur Vertheidigung wie -zum Wohnsitz geeigneten Bauten aufgeführt. Weniger auffällig wäre -es, wenn aus kleinerem Gestein solche mächtigen Mauern, die große -Quadrate umschließen, aufgeführt worden wären. Das ist aber nicht der -Fall, Felsstücke von ungeheurem Gewichte sind aufeinander gethürmt; -Zwischenräume mit kleineren ausgefüllt; 20 Fuß hoch und 12 Fuß breit -liegen Gesteinmassen in dieser Höhe, die mit ungewöhnlichem Aufwand von -Kraft und Geschick hinaufgeschafft sein müssen. - -Selbst wenn man annimmt, die mächtigen Blöcke seien auf schrägliegender -Unterlage aufgerollt worden, so fehlt doch die Erklärung dafür, auf -welche Art diese an Stelle geschafft wurden, zumal da auf der Insel -Lela die Steine erst über eine weite Wasserfläche haben geschafft -werden müssen. Möglich ist auch, daß die Eingeborenen die so großen -und schweren Felsstücke auf Flöße gerollt und weiter geschafft haben, -aber dann müssen solche auch eine ganz bedeutende Tragfähigkeit -besessen haben. Jedenfalls muß der Gedanke, daß dies alles ohne unsere -heutigen Hülfsmittel ausgeführt ist, jeden, der diese Bauten gesehen, -in höchstes Erstaunen versetzen. Jedes Quadrat in den Ruinen ist durch -Gänge mit einander verbunden, es führen lange Kanäle zum Wasser, und -an der Südseite von Lela münden diese in eine Art von künstlichen -Hafen, dessen Umrisse zwar noch erkennbar, doch zum größten Theil -durch Anschwemmungen verwischt und mit Mangrovengebüsch bedeckt sind. -Uebrigens, als der Aufbau dieser Steinmassen vor nicht festzustellenden -Jahrhunderten begonnen, ist die heute verschwemmte weite Bucht des -Lelahafens bis zum Fuße der Bergmassen auf der Insel Kusai frei -gewesen, heute erstrecken sich dagegen in der Runde große ausgedehnte -Mangrovensümpfe, durch die nur einige wenige Wasserstraßen führen, und -sind höchstens mit einem Kanoe bis zum festen Lande befahrbar. - -Ein Beweis dafür, welch ein gewaltiger Zeitraum hingegangen ist, seit -diese Werke ausgeführt wurden, ist, daß das Innere der Ruinen sowohl, -wie selbst die Steinwälle vollständig überwuchert sind. Hohe Bäume -stehen auf den Mauern, tief sind deren Wurzel ins Gestein eingedrungen -und haben selbst die mächtigen Blöcke durch ihr Wachsthum auseinander -gesprengt. Wie lange diese Ruinen als einstige Residenz der Könige -gedient haben, sei dahingestellt, sie wurden schließlich ein Mausoleum -der großen Todten und sind heute noch die Grabstätte der „Tokesau“ -(Häuptlinge). - -* * * * * - -Die Insel Kusai, die östlichste der Karolinen-Gruppe, unterscheidet -sich von Ponapè nach Form und Größe, sowie dadurch, daß das diese -Insel umgebende Riff bei weitem nicht die lagunenartige Bildung -aufweist, sondern mit dem Lande mehr verbunden bleibt, und nur größere -Ausdehnung an der Nordwest, Nord und Nordostseite hat. An der ersteren, -durch einen Durchbruch im Riff, wird dort der Coquille-Hafen, an -der letzteren durch die Insel Lela „Nin-molchon“ von den Eingebornen -genannt, der Lelahafen gebildet, während im Süden durch Inselchen auf -dem Riffe selbst, durch eine Einbuchtung der Felsenmassen, die hiervon -umgeben sind, der kleine aber sichere Lottin-Hafen entstanden ist. - -In jeder Hinsicht stimmen sonst die beiden Inseln überein, was von -der einen gesagt, gilt auch von der anderen; dieselbe Großartigkeit -der wilden Natur, dieselbe Unzugänglichkeit zu dem Innern und zu den -steilen Bergen, wie auch dieselbe furchtbare einstige vulkanische -Thätigkeit. - -Vorauszusetzen ist, daß auf dieser so fruchtbaren Insel eine ebenso -zahlreiche Bevölkerung gelebt hat, wie auf Ponapè; selbst im ersten -Drittel dieses Jahrhunderts war die Zahl der Bewohner noch mehr als -doppelt so groß wie heute. Früher sollen sogar nach Angabe der ältesten -Eingebornen viel tausende rings auf der Insel gelebt und gewohnt haben. -Die einst zahlreich genug waren, stark bemannte Schiffe zu nehmen, und -im heißen Kampfe die gut bewährten weißen Männer zu überwältigen, sind -heute nur noch ein kleines Häuflein Menschen, 300 an Zahl. - -Furchtbar hat eine schreckliche Seuche, eingeschleppt durch -amerikanische Walfischfänger, unter dieser Bevölkerung besonders -gehaust. In absehbarer Zeit wird auch der letzte Bewohner Kusais bei -seinen Vätern versammelt sein, denn keine menschliche Hilfe kann dem -Aussterben derselben mehr halt gebieten. - -Schrecklich war es solche Kranke zu sehen, noch schrecklicher ihnen -mit Rath und That beizustehen. Manchem verband ich die Wunden, andere -lehrte ich wie solche rein zu halten und zu behandeln sind. Dafür waren -sie auch sehr erkenntlich; lag ich im Hafen von Lela, wurde mir von -Fischen, Schweinen und Schildkröten immer ein Antheil vom Könige Keru, -der mit christlichem Namen Georg II. hieß, an Bord gesandt. Es ist -nämlich Gebrauch, daß alle Speisen für den König sowohl, wie für die -Angesehensten insgesammt, bereitet werden, diese werden dann vor das -Haus des Königs gebracht und dieser bestimmt jedem seinen Theil. - -Sehr unterwürfig sind die Unterthanen gegen ihren mit unbeschränkter -Gewalt ausgerüsteten König, keiner wird unaufgefordert dessen -hochgelegenes und kunstvoll aufgebautes Haus betreten, tief verneigt -sich jeder Vorübergehende; hat einer aber ein persönliches Anliegen, -kniet er auf der untersten Stufe der Treppe, die zum Hause hinaufführt -nieder und bringt in solcher Stellung sein Anliegen vor. Des Königs -Ausspruch ist Gesetz; so oft ich auch bei solcher Gelegenheit im -Königshause anwesend war, fand ich dies bestätigt. - -Durch beiderseitiges Entgegenkommen stand ich mit dem Könige und den -Häuptlingen auf besonders gutem Fuße, was darauf zurückzuführen war, -daß ich auch ihnen unentgeltlich Arznei gab, ihre Wunden verband -und Schmerzen linderte. Sie lohnten mir dafür mit den Erzeugnissen -des Landes, oft brachten sie mir so viel, daß meine Leute kaum -alle Nahrungsmittel zu verzehren im Stande waren. Bei einer solchen -Gelegenheit erhielt ich Kenntniß von einem merkwürdigen Aberglauben. -Ich war im Lelahafen eingelaufen, und da ich Wassermangel an Bord -hatte, fuhr ich sofort mit einem Boote durch das Mangrovengebüsch den -Fluß hinauf zum festen Lande um die mitgenommenen Fässer auffüllen zu -lassen. Im Flußbett bemerkte ich auf klarem sandigen Grunde viele Aale, -die aber zu gewandt waren, als daß sie mit den Händen zu greifen waren, -nur ein mächtiges Thier von 4 Fuß Länge, dessen Schwanz wahrscheinlich -von einem Hai abgebissen war, konnte sich nur mühsam fortbewegen. -Diesen Aal im flachen Wasser zu ergreifen wäre zwecklos gewesen, -deshalb befestigte ich, um ihn doch zu erhalten, ein starkes Messer an -einer Stange, stieß dieses dem Aale durch den Kopf und nagelte ihn am -Grunde fest. Bald waren die Kräfte des Thieres erschöpft, und es gelang -die Beute zu sichern. - -Zurückgekehrt zum Schiffe, fand ich dort eine ganze Zahl Eingeborner, -auch Häuptlinge versammelt, die wieder Geschenke gebracht hatten; kaum -aber hatten die Niue-Leute den großen Aal, den sie essen wollten, an -Deck gebracht und aufgehängt, als die Eingebornen zum großen Theil -auffällig verschwanden, ohne ihr Anliegen vorgebracht zu haben. Ich -las in aller Mienen Abscheu und Furcht, und einen Häuptling befragend, -warum sie sich vor solchem todten Thiere fürchteten, sagte er mir, -daß in den Aalen, die von niemand gegessen werden, der böse Geist sich -aufhalte, und wer solches Thier tödtet oder gar davon ißt, wird sicher -gestraft. - -Dieser Ausspruch war genügend, um die gewiß von thörichtem Aberglauben -erfüllten Niue-Leute stutzig zu machen; sie ließen den Aal, dem sie die -Haut schon abgezogen hängen, und wiewohl ich sie thöricht und unklug -schalt, wollte doch keiner mehr etwas damit zu thun haben, viel weniger -davon essen; es blieb nichts anderes übrig als den „bösen Geist“ -über Bord zu werfen, worauf dann erst die in ihren Kanoes wartenden -Eingebornen an Bord zurückkehrten. - -Bemerkenswerth ist, daß Hundefleisch als besonderer Leckerbissen auf -Ponapè gilt und werden Hunde dort gerne eingetauscht und gemästet. -Ich hatte gelegentlich einmal einen elenden alten Hund, der mir von -Eingebornen der Marschall-Inseln angeboten wurde, angenommen, um das -Thier nicht elendiglich verkommen zu lassen; da es aber gar nichts -werth, dazu bissig und häßlich war, so nahm ich in Ponapè das Angebot, -es für zwei große Schweine abzugeben, an, zufrieden auf solche Weise -den Hund loszuwerden, dem keiner nahen durfte und der mit Vorliebe -seine Zähne in die nackten Beine der Leute einzugraben liebte. - -Zeigen die Marschall-Insulaner im Flechten der Matten u. a. ganz -besonderes Geschick, so übertreffen die Frauen und Mädchen auf Kusai -in einer Hinsicht diese dennoch. Auf einem kleinen Webestuhle, -der eigenartig gebaut ist, weben sie aus feinem Baumbast sehr -kunstvolle Lendengurte, so fein und sauber -- die Zeichnungen und die -Zusammenstellung der verschiedenen Farben sind sorgfältig ausgeführt --- wie es die kunstfertige Hand einer europäischen Dame nicht -fertigbringen würde. Als Schere, um die oft kaum zolllangen Fädchen -abzuschneiden, bedienen sie sich der messerscharfen Kante einer kleinen -Seemuschel. - -Staunend habe ich oft in ihren Hütten dieser kunstvollen mühseligen -Arbeit zugeschaut. Wie der Knabe von Jugend auf sich mit dem Speere -übt, den schnellen Fisch im Wasser zu tödten, so sitzen die Mädchen -im jugendlichen Alter schon flechtend und webend, um ihre einfache -Kleidung so schön wie möglich zu schmücken, denn wie alle Evastöchter -sind auch diese einfachen Naturkinder nicht gänzlich frei von -Eitelkeit. - -Daß früher schon die Bewohner Kusais unter sich nicht allein -Tauschhandel getrieben, sondern eine Art Werthgegenstand als Geld -benutzten, gleichwie afrikanische Völker die Kauri-Muschel, ist -erwiesen, und zwar haben sie die werthvolle Perlmutterschale dazu -benutzt, die auf tiefem Korallengrunde, namentlich in Ponapè häufig -gefunden wird. Von einer großen, sauber bearbeiteten Schale hatte -das Kernstück, nach Größe und Breite, einen entsprechenden Werth, -ein solches, etwa zwei Zoll breit und 6 bis 7 Zoll lang, wurde einem -Arbeiter als Tagelohn ausbezahlt, die kleineren Stücke galten weniger. -Wann aber dieses Geld, von dem ich einige Stücke noch in Lottin-Hafen -bekam, in Kurs gewesen, darüber konnte ich gewisses nicht erfahren. - -Einst nach längerer Abwesenheit nach Jaluit zurückgekehrt, erfuhr -ich, daß in der Zwischenzeit, ein mir auch bekannter Europäer am -Strande ermordet worden sei. In dunkler Abendstunde aus einer der -Wirthschaften, deren zwei vorhanden waren, heraustretend, sei er von -Malayen die irgend ein Schiff zurückgelassen, überfallen und getödtet -worden. Ein Racheakt sei es gewesen und eine Verwechslung habe in -der Dunkelheit stattgefunden, und ihr sei dieser junge Mann zum Opfer -gefallen. - -Der Mörder und seine Mitschuldigen waren schnell gefaßt und dem -eingelaufenen deutschen Kriegsschiffe „Bismarck“ ausgeliefert worden; -der Thäter büßte seine Schuld mit dem Leben. - -Am Abend jenes Tages, an welchem ich in Jaluit eingelaufen war, folgte -ich der Aufforderung des Leiters unserer Gesellschaft, den Abend -mit Billardspielen gemeinschaftlich hinzubringen. Um diese Absicht -auszuführen begaben wir uns zu dem Hause des deutschen Wirthes, das -gewöhnlich von den Europäern besucht wurde. Nicht weit davon lag die -Wirthschaft eines Schwarzen, der mehr Zuspruch von den zu Zeiten im -Hafen anwesenden Schiffsbesatzungen hatte; hier pflegte es öfter auch -recht lebhaft zuzugehen. Es mochte etwa 9 Uhr abends geworden sein, als -ein wilder Lärm von jenem Hause herüberschallte, unter anderen hörte -ich die lärmenden Stimmen meiner Niue-Leute heraus. Daß einige an Land -gegangen waren wußte ich, ich hatte ihnen selber Urlaub gegeben, daß -aber der Steuermann, ein von mir in Ponapè aufgenommener Matrose, der -dort von einem Schiffe krank zurückgelassen worden war, ein Norweger, -entgegen meiner Weisung die ganze Besatzung an Land gelassen und ihr -noch dazu Geld zu Schnaps gegeben hatte, ahnte ich nicht. - -Sogleich unterbrach ich das Spiel und eilte in der Meinung meine Leute -seien mit anderen in Händel gerathen, zu dem anderen Wirthshause. Als -ich schnell das Haus erreicht, fand ich in der Schenkstube eintretend -allerlei Volk vor, darunter meine ganze Besatzung. Alle waren -angetrunken und zwei Parteien befanden sich im heftigen Streite, der -augenblicklich verstummte, als ich meinen Leuten befahl, sofort an Bord -zu gehen. Aber nur einige waren vernünftig und folgten der Weisung, -vier weigerten sich entschieden zu gehorchen; als sie auch einer -zweiten Aufforderung nicht Folge leisteten, faßte ich schließlich, -durch die Widersetzlichkeit aufgebracht, einen an, und schob ihn der -Thüre zu. Kaum aber war meine Absicht den Umstehenden klar, als ich -von hinten gefaßt und mit Faustschlägen zu Boden gestreckt wurde; -im Fallen riß ich den Angefaßten mit mir, der auf mich fiel, dieser -Umstand rettete mich, denn so kurz die Zeit auch war, bis der Mann aus -meinen Händen befreit werden konnte, sie genügte um die Schaar, welche -mit gezückten Messern und dem Rufe „tödtet den weißen Mann“ „_kill the -white man_“, von der Mordthat zurückzuhalten. - -Wider Erwarten war ich plötzlich frei und von dem Eigenthümer des -Hauses, einem riesigen Neger, aufgerichtet sah ich, wie ein Weißer -einen wuchtigen Stock auf die Köpfe der braunen Gesellen niedersausen -ließ, die durch Fenster und Thüren entflohen. Der Retter in der Noth -war ein amerikanischer Schiffsführer, von Honolulu, der gegen Abend -noch in den Hafen eingelaufen, hier zufällig vorbeigekommen und mit -angesehen hatte, wie ich niedergeschlagen wurde. - -Meine Leute, soviel ich gesehen, waren es nicht gewesen, welche -die Messer gezogen, die Uebelthäter aber wollten oder konnten sie -nicht nennen, wenigstens konnten diese nicht ermittelt werden. Der -deutsche Konsul mußte sich also damit begnügen die vier Mann, die -Widersetzlichkeit gezeigt, dafür drei Tage lang in Eisen zu legen. - -Nicht lange nach diesem Vorfall war mein Schiff wieder segelfertig, um -eine Reise nach den Karolinen anzutreten; ich wurde von verschiedenen -Seiten gewarnt, mit solcher Besatzung wieder in See zu gehen, denn dem -rachsüchtigen Charakter der Niue-Leute sei nicht zu trauen. Indes ich -verließ mich darauf, daß es keiner wagen würde, eine Meuterei an Bord -auszuführen, da sie wohl wußten, daß sie vielleicht elendig auf See -verhungern müßten, wenn sie ihren Führer überfallen und tödten würden. -Wieder ging ich, ohne einen Europäer an Bord zu haben (der vorige wurde -nach jenem Vorfall an Land sofort abbezahlt) in See, machte dafür aber -einen der Niue-Leute jetzt zum Bootsmann, und als am Horizonte das -letzte Land verschwunden war, rief ich die Leute alle zusammen und -machte ihnen den Standpunkt klar. - -Ihr vier, Bela, Sepona, Fiticefu und Mißcoffi, erklärte ich, seid dafür -bestraft worden, was ihr in der Trunkenheit an Land begangen habt, -zehnfach härter aber fällt die Strafe aus, wenn ihr ein Gleiches an -Bord versuchen solltet. Für mich ist die Sache abgethan und ich hoffe -für euch ebenfalls, doch, da ich euch nicht unbedingt vertrauen kann, -so bin ich auf alles gefaßt und vorbereitet; zeigt ihr Ungehorsam oder -gar Widersetzlichkeit, dann fallen die Folgen auf euch, also thut wie -früher eure Pflicht. - -Und die Leute thaten sie. Ich hatte nicht zu klagen, es schien als -wollten sie durch Willfährigkeit gut machen, was sie in einer schwachen -Stunde, als sie nicht Herr ihrer Sinne mehr gewesen, begangen hatten. - -Auf dieser Reise nun lief ich die Insel Kusai zuerst an, um dann über -Ponapè nach dem Providenz-Atoll weiterzusegeln. Nach erfolgter Ankunft -im Lela-Hafen kamen am anderen Morgen 16 Eingeborene der Gilbert-Gruppe -mit einem großen Brandungsboote zu mir an Bord und baten, ich möchte -sie nach Jaluit mitnehmen. - -Sie wären, erzählten sie, vor wenigen Tagen auf Kusai gelandet, nachdem -sie zehn Tage auf dem Ozean zugebracht, kraftlos und nahezu verhungert, -hätten sie die größten Qualen erduldet, ehe sie an dieser Insel in -dunkler Nacht angetrieben wären. Ihre Heimath, die Insel Apamama, -hätten sie mit ihrem Boote verlassen, um nach der nördlicher gelegenen -Insel Maiana zu segeln, der starke Aequatorialstrom aber hätte sie -weggeführt. - -Bis ihre letzten Kräfte erschöpft gewesen, so lange hätten sie -verzweifelt gegen Strom und Wogen angekämpft, dann aber, als die -wenigen im Boot befindlichen Kokosnüsse aufgezehrt waren, Hunger und -Durst sich eingestellt, hätten sie ihr Segel gesetzt und wären immer -vor dem Winde laufend, nach Westen gesegelt, wo, wie sie früher gehört, -große Inseln liegen sollten. Einsam auf dem unendlichen Ozean in einem -offenen Boote fahrend, den schrecklichsten Leiden preisgegeben, hätten -sie keine andere Hoffnung gehegt, als die, vielleicht im fernen Westen -Land zu finden. Aber nie hätten sie Land angetroffen. Da alle zum Tode -erschöpft waren, so würden sie so, wenn sie nur wenige Meilen südlich -von Kusai, vorbeigetrieben wären, in wenig Tagen schon dem Hunger und -Durst erlegen sein. - -Welche Qualen diese 10 Männer und 6 Frauen erduldet hatten konnte man -daran sehen, daß die Hölzer im Boot mit den Zähnen angebissen waren; -das Grüne, welches sich durch faulendes Wasser im Boot angesetzt hatte, -war mit den Fingernägeln ausgekratzt worden, selbst ihre mangelhafte -Bekleidung aus Grasschurzen bestehend, hatten sie aufgegessen und damit -den furchtbaren Hunger zu stillen versucht. Daß das Boot am Riffe in -der Brandung nicht zerschlagen, die zum Tode erschöpften Menschen nicht -am sicheren Gestade zu Grunde gingen, hatten sie einzig dem Zufall zu -danken. Todesmatt waren sie von Bewohnern Kusais aufgefunden, gespeist -und getränkt, nicht nach Art eines barbarischen Volkes als Feinde -angesehen worden; sie wurden zum König nach Lela gebracht, der ihnen -Speisen geben und eine Wohnstätte auf der Hauptinsel anweisen ließ, wo -sie warten könnten, bis ein Schiff sie mitnehmen würde. Ihren Wunsch -gleich mitgenommen zu werden mußte ich freilich auch abschlagen, da -ich noch eine weite Fahrt vor mir hatte, allein ich versprach, sie auf -meiner Rückreise von den Providenz-Inseln, abzuholen, und verwandte -mich beim König Keru für sie, daß derselbe sie auf einige Wochen noch -behalten möchte. - -Von Ponapè segelte ich weiter nach Ujelang, der Hauptinsel im -Providenz-Atoll, die etwa 240 Seemeilen nordost von der hohen -Karolinen-Insel entfernt liegt, hier auf diesem einsamen Atoll fand -ich nur etwa 40 Menschen vor, weißköpfige Greise unter ihnen, die -erzählten, daß ihre Voreltern von den Marschall-Inseln mit Kanoes -vertrieben seien, diese wären einst auf der einsamen Insel gelandet und -hätten viele, viele Jahre verlassen gelebt, bis der weiße Mann gekommen -sei und sich hier niedergelassen habe. - -Einsam und trostlos genug fließt die Zeit und das Leben den wenigen -Bewohnern auf dieser weltentlegenen Insel hin, vor allem für den -Europäer, einem Deutschen, der höchstens alle acht Monate einmal, wenn -ein Schiff einläuft, sich mit einem gebildeten Menschen unterhalten und -freuen kann. Die Aufgabe die diesem Manne gestellt, ist nicht leicht, -ein arbeitsames Leben muß ihn vor Schwermuth bewahren; die eigentliche -Kultur soll er hier einführen und auf dem steinigen Korallenboden -Kokosplantagen anlegen, deren Ertrag in späterer Zeit die aufgewendete -Müh' und Arbeit lohnen soll. - -Alle Bewohner dieser Insel leben nahe der deutschen Station und -arbeiten für diese und von Fleiß und stetiger Arbeit zeugt es, -daß 70000 Kokosnüsse und junge Bäume in weniger als zwei Jahren -ausgepflanzt worden sind. Heute stehen auf einst ödem Korallengrunde -Palmenhaine, deren Wipfel stolz im Winde rauschen, ein melodischer -Gesang zu der donnernden Woge, die sich ewig in ohnmächtiger Wuth an -diesen Gestaden bricht. Auch hier werden in ferner Zukunft einst, wenn -die jetzt schon mit Korallenpatschen dicht besäte Lagune geschlossen -worden ist, sich ausgedehnte Landflächen bilden, auf denen die -Tropenwelt ihre ganze Pracht entfalten kann. Der Lebensunterhalt der -wenigen Bewohner besteht aus der Kokosnuß, Taro, Fischen und Hühnern, -letztere sind in großer Zahl vorhanden, ebenso Enten, die, da kein -Eingeborner auf allen diesen Koralleninseln die Eier als Nahrung -betrachtet, sich stark vermehren können. Jedesmal erhielt ich in -Ujelang hunderte in Seesalz aufbewahrte Eier, die mir stets willkommen -waren. - -An solchen einsamen Gestaden halten sich auch mit Vorliebe die -mächtigen Riesenschildkröten auf, um zur Brutzeit am Strande ihre Eier -im Korallensande einzuscharren, die allein die heißen Strahlen der -Sonne auszubrüten vermag. In der Brutzeit kommt das Weibchen dreimal -an's Land und setzt jedesmal etwa 140 Eier ab, hält sich aber stets in -der Nähe auf, um die aufgekommenen Jungen, die instinktmäßig dem Wasser -zustreben, zu schützen. Wie mir versichert wurde, lauert das Männchen -der jungen Brut auf und frißt eine große Zahl der jungen Thierchen, -denen außerdem auch von großen Seevögeln viele Gefahren drohen, in -Wirklichkeit gelangen aus der großen Anzahl Eier nur verhältnißmäßig -wenige zur Entwicklung. - -Der Fang solcher Riesenschildkröten, der in mondhellen Nächten -ausgeführt wird, ist nicht so ganz ungefährlich, gewandt und schnell -muß man dabei verfahren, das Thier von der Seite am Panzer zu fassen -suchen und es auf den Rücken werfen. Um nicht durch Bisse oder die -scharfen Krallen verwundet zu werden, bedienen sich die Eingebornen -gewöhnlich bei großen Thieren starker Stöcke, die sie unter den -Brustpanzer schieben und so das Thier umzuwerfen versuchen, das auf -ebenen Boden dann unfähig ist, sich wieder umzuwälzen und zu entkommen. - -Bei Gelegenheit meiner zweiten Anwesenheit auf Ujelang wurde einer -großen Schildkröte nächtlicherweile aufgelauert, deren Brutstätte -bekannt geworden war, es gelang uns wirklich, das mächtige Thier -abzufangen. Nachdem das Thier mit schweren Knütteln getödtet war, wurde -ihm der Brustpanzer mit scharfen Messern abgelöst; neben dem fetten -wohlschmeckenden Fleische fanden wir 140 reife Eier vor, die kugelrund -und mit einer weichen, lederartigen Schale umgeben sind. Letztere -werden als besondere Leckerbissen angesehen, doch fand ich, daß sie, -gekocht oder gebraten, einen etwas strengen Geschmack haben; wenn auch -sehr nahrhaft, so sind sie doch nicht frischen Hühner- oder Enteneiern -gleichzustellen. Diese Schildkröte wog etwas über 500 Pfund, doch waren -auf Ujelang schon größere und schwerere gefangen worden. Zieht man bei -solchen Thieren ihr langsames Wachsthum in Betracht, so müssen solche -Meerbewohner ein hohes Alter erreichen. - -In keinem Atoll habe ich so viele ausgedehnte Riffpatschen gefunden wie -gerade hier, deshalb hat das Hindurchwinden mit einem Schiffe seine -Schwierigkeit, ehe man von der Hauptdurchfahrt aus die Insel Ujelang -erreicht. Mir fehlte es stets an Zeit und Gelegenheit nachzuforschen, -ob die Angaben der Bewohner, im Westen der 12 Seemeilen langen Lagune -steigen zeitweilig heiße Dämpfe auf, wahr seien, was auf vulkanische -Thätigkeit schließen lassen würde. Daß solchen Angaben etwas -Richtiges zu Grunde liegen müsse, daran zweifelte auch der deutsche -Händler nicht, besonders deshalb, weil die Bewohner nur ungern den -westlichen Theil der Lagune aufsuchten; hat dort jedoch wirklich eine -unterseeische Kraft sich geäußert, so liegt ein stattgehabter Ausbruch -doch jedenfalls eine Reihe von Jahren zurück. - -Von Ujelang segelte ich geradewegs nach Kusai zurück, holte dort die 16 -vertriebenen Gilbert-Insulaner ab und brachte sie mit ihrem Boote nach -Jaluit, von wo sie später mit einem anderen Schiffe in ihre Heimath -zurückbefördert wurden. - -Es war gegen Ende des Jahres 1886, als ich von der Karolinengruppe -zurückkommend Kusai auf dem Rückwege anzulaufen hatte, um dort vom -Könige Georg eine alte Schuld einzufordern, die aus einem Quantum -von 20000 Pfund Kopra bestand. Ich lag allein im Lela-Hafen und -weilte gerade auf dem höchsten Punkte der Insel, Nin-moschon, als von -Eingebornen der Ruf erscholl ein „Schiff in Sicht“. Wirklich kam von -Norden mit schneller Fahrt ein in diesen Gewässern nicht oft gesehenes -Fahrzeug, ein Dampfer, heran. Als dieser näher gekommen war, erkannte -ich ein deutsches Kriegsschiff, das dem Anscheine nach im Lela-Hafen -einlaufen wollte. Ehe ich aber vom Berge herab an Bord meines Schiffes -gelangen konnte, hatte es vor der Einfahrt beigedreht und nur ein -niedergeführter Kutter nahte sich mit raschen Ruderschlägen. Das -Boot fuhr geradezu zum Hause des Königs, es landete ein Offizier mit -mehreren der Bootsbesatzung und, noch erstaunt, was der plötzliche -Besuch zu bedeuten habe, sah ich bald nach kurzer Verhandlung mit dem -Könige und den Häuptlingen, wie mit kräftigen Axtschlägen das deutsche -Protektoratsschild niedergeschlagen wurde. - -Für uns Deutsche in dieser weltentlegenen Inselwelt, die stets der -Ansicht waren, daß die einmal gehißte stolze deutsche Flagge nimmermehr -würde niedergeholt, die reichen Karolinen-Inseln für alle Zukunft -ein Theil des deutschen Reiches bleiben würden, war die unerwartete -Rückgabe derselben an ein Volk, das sich nie um den beanspruchten -Besitz und um sein zweifelhaftes Recht gekümmert hatte, ein harter -Schlag. Wie auf Samoa, so mußten auch hier die Deutschen ihr kühnes -Hoffen, auf deutschem Grund und Boden zu streben und zu ringen, so -bald zu Grabe tragen. Ja, was ich später erfuhr, auf Ponapè haben -die weißen Händler, als das Niederholen der Flagge angekündigt war, -trauernd am Fuße des Flaggenmastes auf Lungur-Eiland gestanden und -über sich die Flagge halbstocks wehen lassen, aus Leid darüber, daß die -lange, friedevolle Zeit vorüber, daß ein Volk, dessen Ansprüche keiner -begreifen konnte, fortan hier herrschen sollte. - -Und es kam der gefürchtete Kampf, furchtbar und ernst, verhängnißvoll -für die, welche ein freies unabhängiges Volk geknechtet, das noch -nie den Weißen hatte gehorchen gelernt, unheilvoll auch für die, die -Jahrzehnte schon in Frieden hier gelebt hatten. - -Der kommandirende Offizier kam später zu mir an Bord und ich vernahm -die traurige Nachricht, daß von nun an die Karolinen-Inseln unter -spanischer Oberhoheit gestellt seien. Nach kaum zwei Stunden zog der -„Albatros“, der auf allen Inseln die deutsche Flagge niedergeholt -hatte, seines Weges weiter, und das, was wir Deutsche mit Stolz unser -genannt, es war dahin! -- - -Noch am selben Abend besuchte ich den König, um das Nähere wegen der -Einschiffung der Ladung mit ihm zu verabreden, doch kam ich jetzt bei -diesem schön an, er weigerte sich entschieden, die Schuld zu bezahlen, -unter dem Vorwand, er stünde nicht mehr unter deutscher, sondern -spanischer Protektion. Eine Verständigung über den streitigen Punkt war -nicht möglich, der sonst immer freundlich und entgegenkommende König -kehrte plötzlich ganz andere Seiten heraus, mir blieb nichts übrig, -als die Forderung fallen zu lassen und unverrichteter Dinge abzusegeln. -Aber daß der König und seine Häuptlinge ein volles Verständniß von dem -Protektoratswechsel gehabt haben, bezweifele ich -- doch wie so bald -sollten sie den Unterschied kennen lernen. - -Dahin war die Zeit friedevoller Ruhe, dahin die Zeit, wo wir Weiße -sicher in den Hütten der Eingebornen aus- und eingehen konnten, der -besten Gastfreundschaft, des Schutzes und der Führung gewiß. Was die -neuen Herren ihnen angethan, das reizte sie zur hellen Empörung, weckte -die schlummernde Rache, und nicht diese allein sollten dem Verderben -geweiht werden, sondern auch alle Fremden, weiße oder braune. - - - - -VI. Der Aufstand und Kampf auf Ponapè. - - -Schnell, als wollten die Spanier sich ihres neuen Besitzes auf alle -Fälle sichern, und was sie in Jahrhunderten versäumt hatten, jetzt -plötzlich nachholen, entfalteten sie ihre Macht auf allen Mittelpunkten -d. h. auf den Inseln Yap, Ruck, Ponapè und anderen. Wenig Rücksicht -nahmen sie auf die Gefühle bisher ganz unabhängiger Stämme, sie führten -jene bekannte Gewaltherrschaft ein, durch welche Spanien im Laufe der -Zeiten sich um seine blühendsten Kolonien gebracht hat. Durch Militär- -und Priesterherrschaft sollte die Kultur dem freien Volke aufgedrängt -werden. - -Da den Eingebornen keine Zeit gelassen ward sich allmählich an die -neuen Verhältnisse zu gewöhnen, so fühlten sie den ihnen auferlegten -Zwang doppelt hart. Die Strenge, die angewendet wurde, sie zum -Gehorsam und zur Ergebenheit zu zwingen empörte sie; Wege und andere -Bauten auszuführen, wie sie es für die langansässigen, amerikanischen -Missionare freiwillig gethan, weigerten sie sich, sie fügten sich auch -nicht gutwillig der Forderung, umsonst schwere Tagesarbeit zu leisten. -Grollend zogen sich die Eingebornen zurück, im Herzen Wuth und Rache -schnaubend. Ganz sorglos müssen die Spanier gewesen sein, oder sie -haben gar zu gering einen möglichen Widerstand geachtet, sonst hätten -sie den Anzeichen eines kommenden Sturmes, der warnenden Stimme eines -hier ansässigen spanischen Abkömmlings von der Insel Guam, Manuel de -Tores, mehr Beachtung geschenkt. - -So nahte das Verhängniß, durch Gewalt und Ungerechtigkeit -heraufbeschworen. Die beleidigten Häuptlinge, der zumeist betroffenen -Bezirke im Norden von Ponapè, nämlich Jokoits, Nut, Mants, Tohuak und -andere, sammelten ihre Schaaren, und es wurde beschlossen die Spanier -einfach aus dem Lande zu jagen. Festgesetzt als Tag der Rache wurde der -vierte Juli 1887; also nach nur wenigen Monaten hatten die Spanier sich -schon so verhaßt gemacht, daß die Eingebornen verzweifelt zu den Waffen -griffen und sich ihre Freiheit um jeden Preis erkaufen wollten. - -Gegenüber der Insel Lungur, der deutschen Station, nach Süden am festen -Lande war das spanische Regierungsgebäude errichtet worden und war in -gewisser Hinsicht durch die Kanonen der im Hafen liegenden spanischen -Korvette „Maria de Melina“ gedeckt, obwohl 130 Soldaten, meistens -Malayen von den Philippinen-Inseln, als persönliche Bedeckung dem -Statthalter zur Verfügung standen. - -Am 1. Juli 1887 (vorher war schon manche Versammlung der Eingebornen -verboten und zersprengt worden) sandte der Statthalter zum gleichen -Zwecke eine Abtheilung unter den Offizieren Don Ricardo Martinez und -Don Alferes ab, um abermals eine große Versammlung aufzulösen, auch -hatten die Führer wohl den Auftrag, den Häuptling des Bezirks mit -sich zu bringen. Auf welcher Seite nun die Schuld gewesen, das bleibe -dahingestellt; die Eingebornen sagen, wie mir später ein Theilnehmer -erzählte, die Spanier hätten auf sie gefeuert, wenn dies der Fall -gewesen, so war es das Signal für die zu hunderten versammelten -Bewohner, den Kampf schon jetzt zu eröffnen. - -Wer diese Schluchten und Berge gesehen, die oft mit undurchdringlichem -Gebüsche bewachsen sind, worin jedes Felsstück jeder Baum einen -Hinterhalt bietet, kann sich denken, daß ein Widerstand gegen diese -einsichtigen, gut bewaffneten Bewohner vergeblich war. - -In kurzer Zeit endete der Kampf mit der gänzlichen Vernichtung der -Spanier, auch der den Eingebornen auf Ponapè und uns Weißen so wohl -bekannte Dolmetscher Manuel de Tores fiel; ihm, einem langjährigen, mit -allem wohl vertrauter Händler, war bittere Rache zugeschworen worden, -weil er sich in die Dienste der Spanier gestellt; er wurde buchstäblich -in Stücke gehauen. - -Nur zwei verwundete Malayen entkamen dem Blutbade und brachten die -Schreckenskunde von der Niedermetzelung der Abtheilung zum Fort. Zur -Stunde, als im Fort noch nichts über diese Vorgänge bekannt geworden, -weilte der Vertreter der deutschen Plantagen-Gesellschaft Herr Ruß beim -Gouverneur, der ihn zu sich gebeten, um über die gefährliche Lage, die -keinem unbekannt geblieben, zu berathen; auch sollte Herr Ruß so viele -Gewehre und Schießbedarf übersenden, als er irgend entbehren konnte. -Da traf die schlimme Kunde ein. Herr Ruß übernahm es, dem Kommandanten -des Kriegsschiffes die traurige Botschaft zu bringen, deren Tragweite -keiner ermessen konnte, und der ersucht wurde die nothwendigen -Maßregeln sofort zu treffen; Herr Ruß aber fuhr zu seiner Station und -übersandte dem Gouverneur das Gewünschte. - -Die Eingebornen, durch den ersten Erfolg kühn gemacht, und längst -vorbereitet, den verderblichen Schlag zu führen, stürmten nun bald zu -tausenden nach dem Fort, und umstellten es so, daß kein Entkommen mehr -möglich war. Ihre Führer waren der Häuptling Lab in Nut und Nanamariki -von Jokoits. - -Der Kommandant der „Maria de Melina“ führte sofort, auf die ihm -gewordene Nachricht, fast seine ganze Besatzung (nur 28 Mann blieben -an Bord zurück), in sämmtlichen Boten dem Statthalter zu Hilfe, aber -die flinken Eingebornen hatten das Fort schon umzingelt und warteten im -sichern Hinterhalt nur, so lange bis alle Boote in Schußweite gekommen, -um die Besatzung niederschießen zu können. - -Kein Einziger der Offiziere und Soldaten kam mit dem Leben davon, die -meisten lagen alle todt in ihren Booten und die, welche schwimmend sich -zu retten suchten, traf die tödtliche Kugel im Wasser. Die Gemahlin -des Kommandanten, die sich an Bord befand, wurde durch solchen Anblick -tief erschüttert und vor Angst wahnsinnig. Der überraschende Erfolg -mochte wohl die Aufständigen stutzig gemacht haben oder sie waren über -die Zahl der Besatzung der „Melina“ ungenügend unterrichtet, denn sie -führten ihren Plan, das Schiff zuerst zu nehmen, nicht aus. Wären sie -gleich in der entstandenen Verwirrung mit ihrer Uebermacht vorgegangen, -würde es ihnen ein leichtes gewesen sein das Schiff zu nehmen. - -So aber langwierige Berathungen pflegend, ließen sie den Ueberlebenden -an Bord Zeit, sich so zu verschanzen, daß ein Angriff auf das Schiff -nur unter schweren Verlusten noch möglich war. - -Das Boot, welches Herr Ruß von Lungur mit Waffen und Munition -abgesandt, wurde auf dem Wege zum Fort angehalten und weggenommen, -dadurch bekamen die Häuptlinge den Beweis in die Hände, daß der -angesehenste aller Händler auf Ponapè die Spanier unterstützt hatte; -deshalb beschlossen sie, auch die Deutschen, welche auf ihrer Station -bisher nicht gefährdet waren, nieder zu machen. - -Noch aber war das Fort erst umschlossen, in welchem eine kleine Schaar -sich vorbereitete, ihr Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Hätten -die Feinde es unternommen am Tage die leichte Feste zu nehmen, wären -die Eingeschlossenen nicht ungerächt gefallen, so aber wählte der -verschlagene Feind die Nacht zum Angriffe, und nahm den größten Theil -der Befestigungen ein, nur wenige der Eingeschlossenen sahen den neuen -Morgen wieder, doch auch diese kleine Zahl sank vom tödtlichen Blei -getroffen, ehe aufs Neue Dunkelheit die Erde deckte. - -Einen letzten verzweifelten Ausfall mit denen die die Schreckensnacht -überstanden hatten, unternahm der Statthalter am 2. Juli. Priester und -Klosterbrüder voran, verließen alle die unhaltbare Feste, um sich zum -Strande durchzuschlagen, aber der hinter Stein und Baum gedeckte Feind -mähte fast alle bis auf die durch ihre Kleidung kenntlichen Priester -nieder. Nur der Statthalter mit wenigen erreichte den Strand, fand aber -den Tod mit den letzten Getreuen, ehe er ein rettendes Boot erreichen -konnte, und wurde, ebenso wie der Dolmetscher de Tores, in Stücke -gehauen. - -Später sah ich selbst die Klosterbrüder, die keine Waffe geführt und -deshalb unbelästigt das Schiff erreicht hatten, an Bord der „Melina“, -und ich muß sagen, auf ihren bleichen Gesichtern waren noch nicht alle -Spuren jener schrecklichen Tage und Stunden verwischt. - -Der Eingeborne scheut den offenen Kampf, seine liebsten Waffen sind -Verschlagenheit und List. Das bewies auch die Botschaft, welche -die Häuptlinge am 2. Juli nach Lungur sandten, die die Zusicherung -enthielt, den Deutschen würde nichts geschehen. Wenn die Spanier -alle todt wären, wollten sie kommen und die deutsche Flagge wieder -aufhissen, es solle wieder so wie früher sein. Doch aus anderen -Nachrichten, welche überbracht wurden, war mit Sicherheit zu schließen, -daß alles nur ein Vorwand wäre, sogar, daß der Häuptling Lojap auf -Lungur schon Befehl erhalten hätte, die Station zu nehmen, keinesfalls -aber die Umschlossenen fliehen zu lassen. - -Um das zu verstehen, muß man die Sinnesart der Eingebornen -berücksichtigen, Verschwiegenheit, auf die bei einem planmäßigen -Vorgehen gegen Feinde alles ankommt, kennen sie nicht, sie verrathen -sich und ihre Absichten selbst. So soll es auch ein offenes Geheimniß -gewesen sein, daß am 4. Juli ein Ueberfall auf die Melina geplant -war, der den Aufstand einleiten sollte; sie wollten wie sonst mit -Tauschgegenständen an Bord fahren, nur in größerer Zahl, und im -gegebenen Augenblick die ahnungslose Besatzung überwältigen. - -Wären sie so vorgegangen, so hätten die Spanier unverzeihlich sorglos -sein müssen, wenn sie nicht im Kampfe Sieger geblieben wären und -die unbewaffneten Eingebornen von Bord geschlagen hätten. Dann -hätte der Aufstand auch einen ganz anderen, für die Spanier sicher -vortheilhafteren Ausgang genommen; ihr Verderben war jene erzwungene -Auflösung der am 1. Juli stattgehabten Versammlung. - -Wie vorbereitet der Aufstand war, ist daraus zu schließen, daß selbst -die Bewohner der Inselgruppe Parkim, die 26 Seemeilen von Ponapè in -WNW.-Richtung gelegen ist, sich daran betheiligen wollten und alle -Vorbereitungen trafen, zum bestimmten Tage auf Ponapè einzutreffen. - -Der deutsche Händler auf jenen Inseln Namens Schmidt, fuhr aber -unauffällig, wie schon sehr oft, als wüßte er nichts von allem, in -der Nacht zum 2. Juli ab und traf mit seinem Boote und seiner Familie -auf Lungur ein, gerade als Herr Ruß die bedenkliche Botschaft der -Häuptlinge empfangen hatte. Jetzt zu dreien auf der Station mit einer -Anzahl nicht einheimischer Arbeiter beschlossen diese, wenn möglich, -die Station zu halten. Doch am nächsten Tage wurde ihre Lage sehr -ernst, nach vollbrachter Niedermetzelung der Spanier, sammelten sich -die Aufständigen, um den Deutschen dasselbe Schicksal zu bereiten. Alle -anderen Händler auf Ponapè in den verschiedenen Häfen als Mants, Kiti -und anderen ansässig, waren gleich auf die Nachricht hin, die Spanier -seien alle gefallen mit ihren Booten auf die weite See entflohen, -mit Recht befürchtend, sie würden demselben Schicksal und der Rache -der Eingebornen verfallen, die jetzt, bis auf die amerikanischen -Missionare, jeden Fremden tödten wollten und sich bemühten, völligen -Kehraus zu halten. - -Daß der Häuptling Lojap allein nicht einen Angriff auf die deutsche -Station unternommen hatte, lag daran, daß er wußte, wie gefährlich -im offenen Kampf die Waffe in der Hand der Deutschen war und, daß sie -die Drohung, auf jeden, der sich nähern würde, zu feuern, wahr machen -würden. Hatte er doch häufig genug unsern Schießübungen beigewohnt, -wenn wir auf bewegtem Wasser Flaschen oder andere Gegenstände -zerschossen und selten nur das Ziel verfehlten. - -Die Häuser der Station, nur aus Holz erbaut, waren freilich -insofern ein ungenügender Schutz, als jede Kugel die schwachen Wände -durchschlagen mußte und so war die erste gemeinsam durchwachte Nacht -aufregend genug, da die Umschlossenen wohl bemerkten, wie die Feinde zu -ihrer Orientirung umherschlichen, ohne jedoch zum Angriff überzugehen. - -Jene erwähnte Eigenschaft der Eingeborenen, nichts geheim halten zu -können, versetzte die Eingeschlossenen in die Lage, durch Kundschaft -die Absichten ihrer Feinde kennen zu lernen und zwar wurde die Frau -des Händlers Schmidt, eine Eingeborene von Ponapè am nächsten Morgen -ausgesandt, um sichere Nachrichten einzuholen. Dieselbe brachte denn -auch die Gewißheit, daß in der kommenden Nacht der erwartete Angriff -würde ausgeführt werden -- die Eingeborenen sammelten sich am Ostende -der Insel Lungur. - -Dem gewissen Tode zu entgehen gab es jetzt nur noch eine Möglichkeit -- -es mußte versucht werden, mit den Booten die offene See zu erreichen, -und wenn das gelungen war, dem Schicksale vertraut werden. Die drei -Deutschen, zwar bereit zu kämpfen, hatten doch aber auch Weiber und -Kinder zu schützen und sahen wohl ein, daß es ein Unding sei, die -große Station gegen eine hundertfache Uebermacht zu halten. Darum -wurden so geheim als möglich alle Vorbereitungen getroffen, um mit der -hereinbrechenden Dunkelheit die Flucht zu wagen. - -Da die deutsche Station ziemlich frei gelegen war, konnte ungesehen -so leicht keiner herankommen, auch war es möglich, mit Schußwaffen -alle Seiten zu bestreichen. So führten denn die Arbeiter ungehindert -die Aufträge ihres Herrn aus und brachten so unauffällig als möglich -Lebensmittel u. s. w. zum Werfthause und legten Bootsgeschirr, Segel -und Ruder bereit. - -Aber trotzdem wurde dies alles doch vom Feinde bemerkt und die Absicht -erkannt. Da die Werft ganz links von der Station lag, so konnte -nicht bemerkt werden, wie einige durchs Gebüsch und durchs Wasser -längs derselben sich hinschlichen und sämmtliche Boote, drei an Zahl, -losschnitten und treiben ließen. Die Bedrängten, die nun ihre letzte -Hoffnung schwinden sahen, setzten, als der Vorgang gleich darauf -bemerkt wurde, alles daran, die Boote wieder zu erhalten und einige -Arbeiter, tüchtige Schwimmer, brachten denn auch nach vieler Mühe zwei -derselben zurück. - -Die Boote wurden nun auf dem Riffe gegenüber der Station im Bereich -der Waffen festgelegt, aber da man nicht daran gedacht hatte, daß -sie mit der ablaufenden Ebbe festkommen mußten, so kostete es viel -Zeit und Mühe, als um 8 Uhr Abends alles bereit war, nur eins der -Boote wieder abzubringen, und dieses, zum Ende der Werft gerudert, -sollte dort bemannt werden. Mit größter Vorsicht wurden die Frauen und -Kinder dorthin gebracht, die Männer trugen Geld, Bücher und Waffen -hin und fast schien es, als würden sie unbelästigt entkommen. Herr -Ruß aber, der als der letzte das Wohnhaus verschloß und zwei Behälter -mit Trinkwasser dann zum Boote schleppen wollte, wurde von einem -Kundschafter gestellt und angehalten, der schnell erkennend, was hier -vorging, seine Genossen durch einen lauten Ruf herbeizulocken suchte. - -Wie groß die Gefahr, sah Herr Ruß schnell ein, er setzte also -die Behälter schnell nieder, und zwang mit gezogenem Revolver den -Verräther, der unbewaffnet war, dies Wasser selber in schnellster -Gangart zum Boote zu tragen. In größter Eile wurde darauf ins Boot -geworfen, was zur Hand war, vor allem Korallensteine aus der Werft -gerissen, um das Boot zu beschweren, dann sprangen die Nahestehenden -hinein und losgeschnitten trieb das Boot in die Nacht hinaus. Die -meisten der Arbeiter, die zurückbleiben mußten, sprangen seitwärts auf -das Riff und flohen strandaufwärts. - -Keine Minute zu früh waren die Flüchtlinge entkommen, denn von allen -Seiten stürmten die Feinde heran; schnell folgten flinke Kanoes -den Fliehenden, die aber den Vorsprung ausnutzend und mit rasch -entfaltetem Segel vor dem Winde laufend, durch die Riffenge die offene -See gewannen, wo im bewegtem Wasser kein Kanoe ihnen mehr zu folgen -vermochte. - -Man könnte fragen, warum die Deutschen sich nicht auf die „Maria -de Melina“ geflüchtet haben. Solcher Versuch aber wäre wohl -fehlgeschlagen, denn die Spanier hätten höchst wahrscheinlich auf das -in der Dunkelheit sich nähernde Boot Feuer gegeben. So würden sie den -Feinden entronnen, von Freunden niedergeschossen worden sein. Auch war -ihnen bekannt, daß in dieser Nacht der Versuch gemacht werden sollte, -die so schwach vertheidigte Korvette zu nehmen. Daß dieses unterblieb, -das hatte die schwache Besatzung der geglückten Flucht der Deutschen -zu danken, denn da diese nun den Händen der Aufständigen entgangen -waren, so wurde die Unschlüssigkeit unter den Häuptlingen wieder groß, -die vermeiden wollten, daß über die Vorgänge auf Ponapè irgend welche -Nachricht verbreitet würde. Sobald die Deutschen die freie See gewonnen -und keine Verfolgung mehr zu befürchten war, wurde beschlossen nach -der 75 Seemeilen von Ponapè in Südwest-Richtung liegenden Inselgruppe -Ngatik zu segeln, dem nächsten Land außer Parkim. Sie wurden aber durch -die Verhältnisse gezwungen diesen Plan aufzugeben, denn wie gut nämlich -auch alles vorher bedacht und überlegt worden war, in der Hast war -im letzten Augenblicke nicht darauf geachtet worden, was in das Boot -hineingeworfen wurde und nun stellte sich, als auf bewegtem Meere eine -Untersuchung vorgenommen wurde, zum allgemeinen Schrecken heraus, daß -nur sehr wenig Mundvorrath im Boote war. - -Es blieb also nichts übrig, als den Kurs nach Parkim zu nehmen, wo es -vielleicht noch möglich war, aus dem Hause des Händlers Lebensmittel zu -holen, sofern die Eingeborenen es noch nicht erbrochen und ausgeraubt -hatten. Der frische Wind trieb das schnelle Boot durch die Wogen und -schon nach Mitternacht fanden die Flüchtlinge sich in der Nähe der -Station. Hier ließen Ruß und Schmidt ihr Boot mit seinen Insassen -zurück und gingen mit einigen Leuten auf Kundschaft aus; der dritte -Deutsche und ein Eingeborener von Guam (Marianen-Archipel) San Jago, -der mit den Deutschen alle Gefahren redlich theilte, blieben im Boote -zurück und bewachten einen der Parkim-Leute, der zur Bootsbesatzung -des Herrn Schmidt gehörte, und da ihm nicht zu trauen war, nicht -freigelassen werden durfte. - -Was Eßbares noch im unversehrten Hause vorgefunden wurde (wenig genug -war es), wurde so schnell und geräuschlos als möglich fortgeschafft, -ebenfalls noch frische Kopra und zahlreiche Kokosnüsse. Alles ging gut, -in früher Morgenstunde konnte wieder abgesegelt werden, um jetzt den -Kurs südwärts nach Ngatik zu richten. Der gefangen gehaltene Mann wurde -vorher frei gelassen, schon um einen Esser weniger zu haben, es waren -ihrer im Boote doch genug. - -Es war ein gefährliches Unternehmen. Die in dieser Jahreszeit -eintretenden Windstillen, die unbekannten Meeresströmungen, sowie -öfters sturmartige Böen von langer Dauer machten es mehr als -zweifelhaft, ob es den Seefahrern überhaupt gelingen würde, so -niedriges Land, wie die kleinen Koralleninseln es sind, aufzufinden; -doch im schlimmsten Falle konnte man das hohe Land von Ponapè immer -wieder aufsuchen, das bei klarem Wetter doch beinahe 60 Seemeilen weit -sichtbar blieb. - -Mit dem seetüchtigen Boote war es auch nicht so sehr gefährlich -große Strecken zu machen, dennoch mag ihnen allen nicht sonderlich zu -Muthe gewesen sein, da keiner auf dem Ozean die Wege, die zu Land und -friedlichen Menschen führten, kannte. - -So kam der Tag mit seiner Gluth, einsam zogen sie auf weitem Meere -dahin -- es kam die Nacht und brachte einen Gewittersturm, der sie -weit aus ihrem Kurs verschlug -- und wieder kam trostlos ein Tag für -sie; nun wußte keiner mehr wohin, auf bewegtem Ozean irrten sie umher, -kein Land in weiter Runde -- die Inselgruppe Ngatik fanden sie nicht -und mußten nun, um bloß zu wissen, wo sie sich befanden, nach Osten -gegen den Wind aufkreuzen. Tage sahen sie kommen und gehen, bis endlich -Ponapè wieder in Sicht kam. - -Der Insel nahe, erkannte Herr Ruß, daß sie sich an der Südseite von -Ponapè befanden und wollte nun versuchen, in Kiti-Hafen einzulaufen, -wo, wie er wußte, im Hause des dort ansässig gewesenen amerikanischen -Händlers sich eine Seekarte befand, die, wenn noch vorhanden, ihnen -wenigstens einen Anhalt bot, wo sie weiter Land finden könnten. Wohl -erinnerte sich Herr Ruß, daß ich ihm den genauen Kurs nach Mokil, der -nächsten östlich von Ponapè liegenden Insel, einst angegeben hatte, -aber muthlos geworden, mit wenig Mundvorrath im Boote -- Wasser hatten -sie sich bei verschiedenen Regengüssen mit ihrem Segel aufgefangen -- -mochte keiner mehr zu einer neuen Irrfahrt rathen. - -Im Kiti-Hafen eingelaufen, bemerkten sie, daß die dortigen Bewohner, -die längst das sich nahende Boot erkannt, die Absicht hatten, mit -Kanoes ihnen den Weg zu verlegen, und nur mit genauer Noth entgingen -sie zum zweiten Male ihren Verfolgern. Auf Ponapè durften sie also -nirgends landen, sie segelten deshalb wieder nordwärts unter dem -Außenriffe hin und suchten die Parkim-Inseln abermals auf. - -Ueberrascht, am Strande vor der Station das Boot des Herrn Schmidt -zu finden, erfuhren sie bald, daß die auf Ponapè zurückgebliebenen -Arbeiter noch in derselben Nacht, als sie selbst geflohen waren, dem -Beispiel ihres Herrn gefolgt und das zweite Boot mit steigender Fluth -vom Riffe frei gemacht hatten, um ihr Heil auf dem Meere zu suchen; ein -ungewisses Schicksal zogen die Leute dem gewissen Tode von der Hand der -erbitterten Feinde vor. - -Die Deutschen fanden die Hauptinsel gänzlich verlassen, die Eingebornen -waren mit ihren Kanoes abgesegelt, nachdem sie die Station gänzlich -ausgeraubt hatten, um sich am Aufstand auf Ponapè zu betheiligen. So -konnten sie denn in Ruhe sich nach Lebensmitteln umsehen, sie fanden -fast nur Kokosnüsse und Brotfrucht, doch gelang es ihnen auch noch -einige Schweine zu schießen und Hühner einzufangen, die sie zubereitet -mit sich nahmen. - -So ausgerüstet, wollte Herr Ruß zum zweiten Male versuchen Ngatik -aufzufinden. Auf Parkim durften sie nicht bleiben; die siegestrunkenen -Eingebornen hätten sie nach ihrer Rückkehr sicher nicht geschont. Sie -segelten also mit beiden Booten wieder ab und vertrauten sich abermals -dem Ozean an. Aber als der zweite Tag anbrach, fanden sie wieder -kein Land -- schon muthlos, zum Theil verzweifelt, wollten sie jetzt -das Boot westwärts laufen lassen, auf gut Glück einem unbestimmten -Schicksal entgegen gehen. - -Doch nur kurze Zeit hielten sie diesen Kurs, da entdeckte einer -ihrer Leute, der auf den schwankenden Mast geklettert war, mit seinen -scharfen Augen in weiter Ferne südwärts die Kronen hoher Palmenbäume -über den im Sonnenlicht glitzernden Wogen, sein Ruf „Land, Land“ riß -alle aus ihrer Versunkenheit empor -- nach Stunden schon lag vor ihnen -das ersehnte und so vergeblich gesuchte Ziel -- hier wenigstens waren -sie sicher vor ihren einst so guten Freunden, nun aber um so mehr -erbitterten Feinden. -- - - - - -VII. Das Auffinden der Entflohenen. Rückreise nach Samoa. Ende. - - -Die geschilderten Vorgänge sind die wortgetreue Wiedergabe dessen, -was mir die später Aufgefundenen erzählt haben und ich überzeugte mich -selber davon, daß alle Angaben der Wahrheit entsprachen, ja selbst, daß -die Irrenden auf weitem Meer viel Härteres erduldet hatten, als sie zu -berichten imstande waren. - -Von jenen Ereignissen auf Ponapè, insonderheit davon, daß ein Aufstand -dort befürchtet wurde, ahnte auf den Marschall-Inseln Niemand -etwas. Ich lag mit meinem Schiffe „Futuna“ bereit, in wenig Tagen -über Pleasant-Eiland nach Ponapè abzusegeln, ebenso der deutsche -Dreimast-Schooner „Brigitta“, der, wie bestimmt, mit mir zusammen -dort eintreffen sollte. Es war am 6. Juli um die Mittagsstunde, als, -wie gewöhnlich, wenn ein Schiff in Sicht gekommen, das laute „Sail -ho“ von den Eingebornen auf Jaluit gerufen wurde und von den hohen -Schiffsmasten über die niedrige Insel hinweg auf den Ozean schauend, -erkannte man bald, daß das Missionsschiff, der Dampfer „Morningstar“ -auf die Südostdurchfahrt von Jaluit abhielt. Doch wie sonst lief das -Schiff nicht in den Hafen ein, sondern drehte bei und sandte nur ein -Boot hinein, das geradewegs zum deutschen Reichskommissar fuhr und -diesem wichtige Nachrichten überbrachte. - -Ohne Verweilen fuhr das Boot wieder ab; bald hatte sich die Kunde wie -ein Lauffeuer verbreitet, auf Ponapè hätten die Eingebornen unter den -Spaniern ein furchtbares Blutbad angerichtet, die deutschen und anderen -Händler seien diesem zwar glücklich entronnen, irrten aber auf dem -weiten Meere umher, dem sie sich in leichten Booten anvertraut hätten. -Alle Schiffe, die in Ponapè einliefen, ließen die Bewohner nicht wieder -fort, um zu verhindern, daß nach Westen den Spaniern Nachricht über den -Aufstand gebracht würde. - -Welche Gefahr für die deutschen Stationen auf Ponapè entstanden war, -ließ sich gar nicht beurtheilen, vielleicht war der ganze Handel auf -dieser reichen Insel zerstört, vielleicht durch Vernichtung der Bauten -und Güter, der Gesellschaft ein ungeheurer Schaden zugefügt worden. - -Leider war die mir gegebene Weisung, daß ich zuerst nach -Pleasant-Eiland laufen sollte, nicht mehr zu ändern, so wurden denn -schleunigst Waffen und Schießbedarf an Bord geschafft, damit wir, wenn -nöthig, uns vertheidigen könnten. In aller Frühe des 7. Juli verließ -ich den Hafen von Jaluit mit der Weisung, die Reise nach Möglichkeit -zu beschleunigen und, wenn ich Ponapè erreicht hätte, vorerst nach den -Entflohenen zu suchen; in dem Hafen dort aber nicht eher einzulaufen, -als bis ich mich vergewissert, ob solches ohne große Gefährdung für -Schiff und Mannschaft geschehen könne. - -Nach Pleasant-Eiland, von welcher Insel ich eine beträchtliche Menge -Kopra für die „Brigitta“ abzuholen und auf welcher ich auch viel -Ladung, Güter und Holz, zu landen hatte, gelangte ich schon nach -wenigen Tagen und kreuzte hier unablässig drei Tage und Nächte. Schon -war am vierten Tage die Ladung zum größten Theil an Bord gebracht, -als der Wind plötzlich schwächer wurde, der Abstand von der Insel -vergrößerte sich immer mehr und sah ich ein, daß ich gegen den -Strom mich nicht mehr halten würde, deshalb Signale für den an Land -befindlichen Geschäftsführer aufhißend, kam dieser schließlich ab; -brachte jedoch den deutschen Händler ebenfalls mit, weil er mit diesem -noch nicht alles Geschäftliche erledigt hatte. - -In der Voraussetzung, der Wind würde wieder stärker werden, blieb der -Händler auf Anrathen des Geschäftsleiters an Bord und ließ sein Boot -zur Insel zurückfahren; aber die Hoffnung erwies sich als trügerisch, -der Wind wurde ganz still und am nächsten Morgen war kein Land mehr in -Sicht. Ob das Boot, da der Abstand zwischen Land und Schiff schon ganz -beträchtlich gewesen war, die Insel wieder erreicht hat, darüber habe -ich Gewisses nie erfahren können. - -Wie verhängnißvoll der Strom für die Insassen eines Bootes werden kann, -zeigt folgender Vorfall, der sich im Jahre 1889 zutrug und den auf -Pleasant-Eiland ansässigen Europäern, die mir persönlich wohl bekannt -waren, nebst ihren Leuten das Leben kostete. - -Im Juli 1889 wurde im Bismarck-Archipel die Nachricht verbreitet, es -seien auf der Insel Tatan drei Weiße und eine Anzahl Kanaken von den -dortigen Eingebornen ermordet worden. Da S. M. Schiffe „Alexandrine“ -und „Sophie“, im Bismarck-Archipel anwesend waren, unternahm die -„Sophie“ es, nähere Erkundigungen einzuziehen und es bestätigte sich, -daß zwar keine Europäer, aber sieben Eingeborne von Pleasant-Eiland, -sowie zwei Frauen erschlagen waren, zwei Frauen aber noch lebten, von -denen eine, ein junges Mädchen, Irivon mit Namen, ermittelt werden -konnte und auf ihren Wunsch an Bord des Kriegsschiffes nach Matupi -gebracht wurde. - -Der dort ansässige Vertreter der Firma Hernsheim & Co., Herr Thiel, der -mehrere Jahre auf den Marschall-Inseln (Jaluit) gelebt hatte und die -Sprache dieser Insulaner verstand, erfuhr aus dem Munde des Mädchens -Folgendes: - -Sie selbst sei einst mit dem Schooner „Mangaribien“ (Kapt. Reiher) von -Pleasant-Eiland nach Likieb gekommen und habe dort gearbeitet, später -sei sie längere Zeit auf Jaluit thätig gewesen, dann aber, als sich -Gelegenheit geboten, in ihre Heimath zurückkehren, habe sie sich mit -noch drei anderen Weibern auf einem nach Pleasant-Eiland bestimmten -Fahrzeuge eingeschifft. Als die Insel schon in Sicht war, sei dieses -wahrscheinlich vom harten Strom gefaßt, und abgetrieben worden. Vorher -aber sei noch ein Boot mit den Europäern von der Insel gekommen, die -Waaren aufgekauft hätten; es waren dies die Händler Harris, van Been -(ein Holländer) und Bair, begleitet von dem Häuptlinge Banegain und 6 -Kanaken. - -Diese nun hätten sie und die anderen Weiber zu ihrer Freude mit in das -Boot genommen, doch wegen des zu starken Stromes, den zu überwinden -die Mannschaft zu schwach gewesen, hätten sie die Insel nicht erreicht -sondern wären drei Monate auf dem Ozean umher getrieben; das Leben -hätten sie von den aufgekauften Lebensmitteln, Hartbrod und Reis -gefristet. Nach entsetzlichen Leiden wären dann zuerst Bair, dann van -Been, zuletzt Harris gestorben, wohl aus Mangel an Wasser. Längere Zeit -nach dem Tode der Weißen wären sie an eine Insel angetrieben, auf der -sie sich für den im Boote befindlichen Taback Kokosnüsse hätten kaufen -wollen. - -Sie hätten auch Nüsse erhalten, darauf aber wären die Eingeborenen in -das Boot gekommen und hätten mit Tomahawks die sieben männlichen Kanaken -und zwei Weiber erschlagen. Sie selbst und ein Weib, Namens Bananie, -waren ins Wasser gesprungen und weggeschwommen. Aus dem Wasser hätten -die Eingeborenen Papilin und Mamalu sie gezogen und vor der Wuth der -anderen dadurch gerettet, daß sie sie in ihre Hütten aufnahmen und zu -ihren Frauen machten. - -In ähnlicher Weise wie das erwähnte Schiff war auch ich wieder von -dieser Insel abgetrieben und hatte keine Aussicht schnell dorthin -zurückzukehren, um wenigstens den Händler wieder abzusetzen; versuchte -ich es, konnten Wochen hingehen, ehe es mir gelang, die Insel zu -erreichen, was mit meiner Weisung, schnell nach Ponapè zu segeln, nicht -zu vereinbaren war. Deshalb besann ich mich nicht lange, als jede -Aussicht auf frischen Wind geschwunden war, sondern ließ das Schiff -nordwärts vom schwachen Windhauch langsam durch die spiegelglatte See -treiben, um aus dem widrigen Strom herauszukommen; viel nöthiger schien -es mir, den von Ponapè Entflohenen Hilfe zu bringen, als unersetzliche -Zeit zu opfern, um Pleasant-Eiland wieder aufzusuchen. - -48 Stunden waren hingegangen, als gegen Abend wie gewöhnlich die Pumpen -untersucht wurden, weil das im Schiffe angesammelte Wasser ausgepumpt -werden sollte. Da fand sich, daß über 3 Fuß Wasser im Schiffsraum war. -Bald wurde es zur Gewißheit, daß wir uns auf einem leckenden Schiffe -befanden, denn obgleich unablässig die Nacht hindurch gepumpt wurde, -war erst gegen Morgen das Wasser bewältigt. - -Unter anderen Verhältnissen wäre es, wenn nicht die dringende Sorge um -die von Ponapè geflüchteten Deutschen mich gezwungen hätte, die Reise -fortzusetzen, meine Pflicht gewesen, wieder nach Jaluit zu segeln, -da ich nicht wissen konnte, ob ich in der Folge mit der Mannschaft -würde das Schiff halten können. So wurde der Kurs nicht geändert -- -aber es war, als sollten wir nicht vorwärts kommen, denn selbst in -den äquatorialen Gegenstrom gelangt, fanden wir wenig Wind und trieben -eigentlich mehr nach Westen, als daß wir segelten. - -Die Ursache, daß das Schiff leck geworden, war der Seewurm gewesen, -der an einer vom Kupfer entblößten Stelle nahe am Kiel zwei Planken -durchfressen hatte. Dieser Wurm bohrt sich als unscheinbares Thierchen -in das Holz hinein, wächst darin bis zur Fingerstärke, und wenn eine -Planke ganz durchbohrt ist, genügt ein größeres Loch, das Schiff in -ernstliche Gefahr zu bringen. - -Als ich im Januar 1887 das von Apia gekommene Schiff übernahm, wurde -mir nicht bekannt gegeben, daß dieses vorher auf einer Reise nach der -Gilbert-Gruppe in der Lagune von Tapetuea auf ein Riff gerathen war -und dort wahrscheinlich am Kupfer Beschädigungen erlitten hatte; wären -diese gleich in Apia in Stand gesetzt, d. h. das beschädigte Kupfer -ausgebessert worden, so hätte das sonst so gute Schiff der Seewurm -nicht durchfressen können. Doch es war geschehen und vorläufig nichts -weiter zu machen, als durch ständiges Pumpen das Schiff über Wasser zu -halten. - -Es ist übrigens eine besondere Vorsicht nöthig, wenn man die nicht mit -Kupfer oder Zink beschlagenen Fahrzeuge, wie Boote, aussetzen will, -denn sehr zahlreich bohren sich diese kleinen Würmer ein und sind im -Stande, Bootsplanken von ½ bis 1 Zoll Stärke schon nach mehreren Wochen -völlig zu zerstören. Darum dürfen selbst mit Kohlentheer bestrichene -Boote nie lange im Wasser liegen bleiben, sondern müssen stets aufs -Land geholt werden, sobald sie außer Gebrauch gesetzt sind. - -Auch die Eingebornen im weiten Ozean auf jeder Insel befolgen diese -Regel, ob ihre Kanoes klein oder groß sind, stets holen sie diese nach -dem Gebrauche aufs trockene Land. - -Meine Absicht war, zuerst die Insel Mokil anzulaufen, da ich vermuthen -konnte, daß dorthin die von Ponapè entkommenen Händler geflohen wären, -oder wenigstens von mehreren der Versuch gemacht sein würde diese Insel -zu erreichen, da es für sie dort eher möglich war, ein vorübersegelndes -oder dort anlaufendes Schiff anzutreffen. Aber trotzdem, daß tagelang -die Insel in Sicht war, konnte ich wegen Windstille doch nicht -herankommen, und als endlich wieder leichter Wind aufsprang, war ich zu -weit entfernt, so daß es besser war, geradewegs nach Ponapè zu laufen. - -Vor der Nordeinfahrt angekommen sah ich die „Brigitta“ im Hafen liegen, -nicht weit entfernt vom spanischen Kriegsschiff, und als ich auch -Boote zwischen beiden Schiffen verkehren sah, hielt ich jede Gefahr für -ausgeschlossen und lief hinein. - -Die „Brigitta“, später von Jaluit abgegangen, hatte zwar leichten aber -ständig guten Wind auf ihrem viel nördlicheren Kurse gefunden, hatte -auch Mokil angelaufen und einige dorthin geflüchtete amerikanische -Händler gesprochen, dieselben waren aber vollständig unwissend über -das Schicksal der Deutschen. Das Schiff umsegelte darauf Ponapè, lief -nach Parkim und Ngatik, fand aber auf letzterer Gruppe die Geflüchteten -nicht mehr vor. Diese hatten dort, entblößt von allen Mitteln, kaum -ihr Leben fristen können und, als der Zeitpunkt gekommen, wo Herr -Ruß ein Schiff erwarten konnte, daß von Jaluit nach Ponapè unterwegs -wäre, hatte er es mit den Gefährten gewagt, ihm nach Mokil entgegen zu -segeln. - -Dort angelangt hörte er, daß die „Brigitta“ vor kurzem ihn dort gesucht -hätte und nochmals dieserhalb nach Ngatik gesegelt wäre. Da sich gerade -günstige Gelegenheit bot schleunigst dem Schiffe zu folgen, nahm er -einen Platz auf einem amerikanischen Schooner und ließ sich auf Ngatik, -wo er sein zweites Boot zurückgelassen hatte, wieder absetzen. Aber -auch hier kam er wieder zu spät an und mußte sich nun zum zweiten Male -mit seinem Boote der trügerischen See anvertrauen. Doch als er abermals -Mokil erreicht hatte, war die Brigitta, die ihn vergeblich gesucht, vor -ihm zu dieser Insel zurückgekehrt, hatte sein großes Boot mitgenommen -und war nach Ponapè weiter gegangen. - -Diese langwierigen und im offenen Boote nicht ungefährlichen Reisen -hatte denn auch die Umherirrenden stark mitgenommen; vor allem hatte -die seit langen Wochen schlechte Ernährung ihr körperliches Befinden -schädlich beeinflußt. Doch nichts anderes blieb übrig, als nochmals -dem Schiffe zu folgen; endlich wurde es an der Nordseite von Ponapè -umhertreibend aufgefunden. - -Seit dem 2. Juli bis zu dem Tage, an welchem die deutschen Schiffe -eingelaufen waren (ich traf etwa 36 Stunden nach der „Brigitta“ ein) -war inzwischen ein spanischer Kriegsdampfer, der während des Aufstandes -schon auf der Reise nach Ponapè gewesen, angekommen, hatte die fast -verlassene „Maria de Melina“ neu besetzt und war dann mit der traurigen -Nachricht von der Niedermetzlung der Garnison und der Schiffsbesatzung -schnell nach Manilla zurückgedampft. - -Unter dem Schutze des jetzt wieder starken Kriegsschiffes konnten wir -auf Lungur landen; doch wie verändert war dort alles! Wo einst schöne -Wege, wucherten Gras und Unkraut, was in schönster Ordnung gewesen, -war verfallen. Zwar hatten die Eingebornen die Station nicht zerstört, -sondern nur erbrochen und Waffen und Munition herausgeholt, auch sonst -mitgehen heißen, was ihnen nützlich schien, doch war der Schaden und -die Zerstörung groß genug. - -Nachdem die „Maria de Melina“ Verstärkung erhalten, eröffnete der neue -Kommandant Jose de Concha sehr bald die Beschießung, alle im Bereiche -der Geschütze liegenden Inseln und Ortschaften wurden unter Feuer -genommen; doch, da diese eine ausrangirte Segelkorvette mit alten -Vorderladern war, die ihren Ankerplatz nicht verlassen konnte, blieb -die Beschießung so gut wie erfolglos. - -Wie die Eingebornen erzählten und auch von anderer Seite verbürgt -wurde, sind sie, sobald ein Geschoß eingeschlagen hingelaufen und -haben, überzeugt von seiner Gefahrlosigkeit, den Zünder herausgerissen; -der solches unternahm, dem gehörte dann auch das in dem Halbgeschosse -enthaltene Pulver. Nur eine Kugel, die auf solche Weise erlangt -wurde, platzte, als ein Verwegener die Lunte fassen wollte, und -riß ihm beide Beine weg. So unglaublich dies auch klingen mag, so -ist es doch wahrscheinlich, denn die jedenfalls längst nicht mehr -zeitgemäßigen Geschütze und die ganz veralteten Geschosse waren zu -einer erfolgreichen Beschießung nicht mehr geeignet. - -Der Verkehr mit den spanischen Offizieren, während unserer Anwesenheit -auf Lungur, war recht freundlich, sie zeigten sich uns in jeder Weise -gefällig, auch hatten sie keinen anderen Verkehr und konnten mit -Sicherheit nur auf der Insel Lungur landen, da jedes Betreten der -Hauptinsel selbst ihnen mit Waffengewalt von den Eingebornen verwehrt -wurde. In welcher Weise die Spanier, wenn die erwartete Verstärkung -von Manilla eingetroffen sei, vorgehen würden, darüber äußerte sich der -Kommandant Jose de Concha folgendermaßen: - -Es sollten rund um Ponapè befestigte Stationen unter dem Schutze -mehrerer dort stationirter Kriegsschiffe errichtet werden und würden -dann tausend Mann genügen, bei allmählichem Vordringen die Aufständigen -zu Paaren zu treiben. Namentlich sollten die Bezirke Jokoits, Nut, Aru, -Mants und Tahunk gesäubert werden. Wären einmal die Eingebornen in das -unwirthliche Innere der Insel getrieben, würden sie durch Hunger und -Mangel an Schießbedarf genöthigt, bald genug zu Kreuze kriechen. - -Doch die Erwartungen, die dieser Kommandant gehegt, haben sich nicht -erfüllt, Spanien konnte vorläufig solche Macht nicht entfalten und -als diese später zur Stelle war, mußte es sich mit der Bestrafung der -Hauptbetheiligten begnügen, denn inzwischen waren auch die Bewohner von -Ruk und Yab in den Aufstand eingetreten, und bald versuchten auf der -ganzen Gruppe der Karolinen im Osten wie im Westen fast gleichzeitig -die kriegerischen Stämme, sich von dem ihnen auferlegten Zwange zu -befreien. - -Es ist eine Eigenthümlichkeit der Spanier, daß sie so schnell zu -strengen Maßregeln in neuerworbenen Ländern den Eingebornen gegenüber -schreiten und immer geschritten sind und so wenig ihre Gebräuche und -Sitten berücksichtigen. Und gerade auf den Karolinen war Gewalt am -wenigsten angebracht, hier, wo diese Völker noch nie die Hand einer -stärkeren Macht gefühlt, wo sie unabhängig, frei und zufrieden lebten. - -Unausgesetzte Kämpfe werden die Spanier, so lange diese Inseln in ihren -Händen verbleiben, führen müssen, bis der letzte Rest dieses begabten -Volkes dem Verderben geweiht ist, bis die weiten blühenden Fluren, auf -denen hundertfacher Segen die geringe Arbeit lohnt, Brandstätten und -Trümmer geworden sind; die Spanier werden endlich Sieger bleiben, aber -um welchen Preis! - -Die Kulturarbeit auf diesen Inseln wird ein ander Volk, wenn das jetzt -dort lebende Geschlecht in seinem Heimathlande begraben und vergessen -ist, zum späteren Segen vollbringen müssen. -- - -Sobald beide Schiffe segelfertig waren, verließen wir die deutsche -Station auf Lungur: Herrn Ruß nahm ich mit nach Jaluit, er durfte -nicht zurückbleiben, über kurz oder lang wäre er doch der Rache der -Eingebornen verfallen. Die „Brigitta“ steuerte westwärts nach Yab, wo -sie vollständig verloren ging, mit der „Futuna“ aber ging ich nordwärts -nach dem Providenz-Atoll. Obgleich das Schiff noch immer stark leckte, -die Pumpen zu bestimmten Stunden bei Tag und Nacht stets in Betrieb -gehalten werden mußten, so hatten doch tüchtige Taucher dem Schlimmsten -durch Uebernageln eines Stückes Kupfer am Schiffsboden abgeholfen, und -da ich auch u. A. für den einsam auf jenem Atoll lebenden Deutschen -Proviant an Bord hatte, wo seit 8 Monaten kein Schiff erschienen war, -hielt ich es für nothwendig auch dort noch einzulaufen. - -Von Ujelang segelte ich zurück nach Pingelap, einer zwischen Ponapè -und Kusai liegenden Insel; dort holte ich mir von dieser eine neue -Besatzung, Leute die ich mir erst auszubilden hatte, welche aber wegen -geringerer Heuer eine Ersparniß ermöglichten, und kehrte von hier -geradenwegs nach Jaluit zurück. - -Die „Futuna“ war in den Marschall-Inseln nicht auszubessern, darum -beschloß der Vertreter der Gesellschaft, Herr Brandt, dieselbe nach -Apia zu senden; doch mußten vorerst noch sämmtliche Stationen mit -Handelsgegenständen versehen werden, und auf dieser langen Rundreise -durch die Marschall-Gruppe lernte ich verschiedene mir noch nicht -bekannte Atolle kennen. - -Was die Kulturfrage anbelangt, die das deutsche Reich auf diesen fernen -Inseln besonders berücksichtigen muß, so kann ich erwähnen, daß die -Ertragfähigkeit noch einer ganz bedeutenden Steigerung fähig ist, -sofern der Sinn der einheimischen Bevölkerung für den Handel immer mehr -geweckt und diese angeleitet wird, mehr zu erzielen als bisher, was -darauf hinausläuft, die vielen brachliegenden Inseln mit Kokosbäumen -zu bepflanzen. Dadurch würde nicht bloß ein greifbarer Vortheil -erzielt, sondern auch der Gefahr vorgebeugt, daß die Wogen des Ozeans -zeitweilige Zerstörungen auf diesen niedrigen Koralleninseln anrichten -können. Findet doch jede hier wachsende Baumart, vornehmlich die -Kokospalme, selbst auf steinigen Korallengrund, einen dankbaren Boden -und gutes Fortkommen. - -Im Begriffe nach Samoa abzusegeln, mußte ich meinen Obersteuermann -Kannegießer, der die Führung des Schooners „Ebon“ erhielt, welches -Schiff dem König Kabua und Nelu gehörte, zurücklassen, und an seiner -Stelle den Japanesen Kitimatu nehmen. Kannegießer, der auf den -Marschall-Inseln seit jener Zeit verblieben ist, wurde 1894 auf der -Insel Butaritari (Gilbert-Gruppe) von den Eingebornen dort, die im -Verkehr viel unzugänglicher sind als die Marschall-Insulaner, ermordet. -In den letzten Tagen des Jahres 1887 verließ ich Jaluit; gegen starken -östlichen Wind aufkreuzend, hoffte ich östlich von der Gilbert- und -Ellis-Gruppe nach Süden segeln zu können, fand aber noch nördlich vom -Aequator wieder solchen starken Strom, daß ich gezwungen war, diesen -Plan aufzugeben, und zwischen 8 bis 12 Grad nördlicher Breite fortan -Ost zu gewinnen suchte. - -Oft genug hatte ich die Erfahrung gemacht, daß, während im südlichen -Theil der Marschall-Inseln gutes Wetter vorherrschend war, im -nördlichen zur Zeit des Nordost-Passates starke Winde wehten, so daß -an den Gestaden der nördlichsten Atolle sich eine schwere See brach; ob -die Annahme, jene Atolle sinken noch langsam, erwiesen ist oder nicht, -steht dahin, soviel aber ist sicher, daß die nördlichsten Atolle wegen -der immer weiter vordringenden See von ihren Bewohnern haben verlassen -werden müssen und die wenigen noch über dem Meere liegenden Inseln -heute unbewohnt sind. - -Auf 176 Grad westlicher Länge, nahe der Linie, die ich in wenig -Stunden zu passiren erwarten konnte, sahen wir, als die Sonne in -ihrer wunderbaren Schönheit über den endlosen Ozean aufgegangen war, -plötzlich wenige Seemeilen voraus eine niedrige, unbewachsene und -unbewohnte kleine Insel. Als wir näher gekommen waren und dieser -auf der Westseite vorüberfuhren -- ich hatte schon tags vorher weit -nördlicher erwartet eine Insel zu sehen und war überrascht jetzt noch -eine unerwartet in Sicht zu laufen -- sah ich, daß nahe derselben eine -große Menge Haifische umherschwamm, auf dem niedrigen Sande aber saßen -abertausend Seevögel, die noch mit ihrer Morgentoilette beschäftigt -sich erst in Schwärmen erhoben, als der ungewohnte Anblick des immer -näher kommenden Schiffes sie aufscheuchte. - -Nicht das geringste war auf diesem öden Sand weiter zu entdecken, -nur hin und wieder leuchteten im Sonnenstrahl weiße Flecken auf, -es waren die angehäuften Ausleerungen der Seevögel, die in Schaaren -noch saßen oder mit krächzendem Geschrei in der Luft umherschwirrten. -Die Gelegenheit wäre günstig gewesen, hier frische Eier in Mengen zu -erhalten, doch sah ich nirgends an der Westseite flacheren Grund und -erst ganz dicht heranzulaufen und danach zu suchen schien mir der Mühe -nicht werth. So segelte ich weiter, zufrieden, daß die im direkten Kurs -gelegene Insel erst am frühen Morgen in Sicht gekommen und nicht, als -noch Dunkelheit herrschte, von uns getroffen war, denn dann hätte sie -uns und dem Schiffe verhängnißvoll werden können. - -Uebrigens war ich auf alle Möglichkeiten vorbereitet, wenn das -schon stark leckende Schiff nicht mehr zu halten gewesen wäre -- die -Mannschaft konnte nichts weiter thun, als nur die Segel bedienen und -unablässig jede halbe Stunde pumpen, -- dann hätte ich dieses mit den -bereit gehaltenen Booten, in denen für Wochen Mundvorrath und Wasser -bereit lag, verlassen. - -Schon darum war ich soweit nach Osten aufgesegelt und suchte, als der -Aequatorialstrom schwächer geworden, noch immer etwas Ost zu gewinnen, -damit ich die Phönix-Gruppe durchschneiden oder in Lee von mir zu -liegen hatte. Wäre auch keine große Gefahr damit verbunden gewesen, mit -den guten Booten auf freiem Meer vor dem Winde zu segeln und Land zu -suchen, so wäre solche Fahrt für zwei Frauen, Samoanerinnen, die ich -als Fahrgäste an Bord hatte, doch recht unangenehm geworden. - -Die Walfischfänger, die in früheren Jahrzehnten so zahlreich diesen -Theil des Ozeans durchkreuzt und reiche Beute fanden, haben wenige der -gewaltigen Meerbewohner verschont, und doch sah ich hin und wieder noch -einige riesige Walfische in der dunkelblauen Fluth sich tummeln. - -Mit langsamer Fahrt nach Süden segelnd, (die Phönix-Gruppe lag hinter -uns) wurden wir eines Tages von einem, jungen Walfisch begleitet, -dem es Vergnügen zu bereiten schien bald vor, bald mit dem Schiffe -zu laufen, und gar leicht wäre es gewesen, dem Thiere in den dicken, -plumpen Körper eine Harpune hineinzuwerfen, doch sah ich ein, daß, -wenn wir auch wirklich mit sicherem Wurfe das Thier hätten tödten -können, wir schwerlich einen Nutzen davon gehabt hätten, und Harpune -und Leine wollte ich nicht darum opfern. Doch versessen darauf, den -Walfisch zu erlangen, oder wenigstens den Versuch zu machen, bot der -Steuermann Kitimatu mir immer wieder, wenn der Fisch dem Schiffe recht -nahe gekommen, seine werthvolle Harpune an. Er wollte diese verlieren, -sollte der Fisch entkommen, nur möchte ich ihm gestatten, eine der -besten langen Leinen zu nehmen. Schließlich selbst neugierig gemacht, -wie wohl der Fang verlaufen würde, ließ ich alle Vorbereitungen -dazu treffen und um sicher zu gehen, damit der harpunirte Fisch die -gute Leine nicht zerreißen könnte, beauftragte ich Kitimatu, diese, -solange der Wal in die Tiefe schießen sollte, immer weiter auslaufen -zu lassen. Ich selbst ging auf den Klüverbaum hinaus und unter diesem -am Stammstocke Fuß fassend, durch eine Brustleine gut gehalten, daß -beide Arme frei blieben, wartete ich auf den Augenblick, wann der -Wal wurfgerecht wieder vor dem Schiffe laufen würde, um dann die -bleibeschwerte Harpune dem Thiere in oder neben das Spritzloch mit -voller Wucht zuzuwerfen. - -Nicht lange brauchte ich zu warten, der Wal kam heran und mit sicherem -Wurfe geschleudert, fuhr ihm die tödtliche Harpune seitwärts unter -dem Spritzloch tief in den Leib. Zu Tode getroffen, den Schwanz hoch -über Wasser schnellend, schoß das Thier mit gewaltiger Kraft in die -Tiefe. Die starke Leine fuhr rauchend hinterher; um den Spillkopf zum -Wegführen belegt, war sie, da Kitimatu sie nicht fahren lassen wollte, -mit furchtbarer Geschwindigkeit um dieses Holzstück herumgerissen -worden, sodaß Rauch und Feuer heraussprangen und die Leine zum Theil -verbrannt war. Kitimatu, dessen Hände ebenfalls verbrannt wurden in -Folge der Reibung, konnte nicht mehr festhalten. Schon war ich selbst -inzwischen an Deck gekommen und hatte das Messer gezogen, um diese zu -kappen, als plötzlich die Leine aufhörte, weiter auszulaufen. Die Kraft -des Thieres war gebrochen oder es kam herauf, um Luft zu schöpfen, die -ihm aus der tödtlichen Wunde schnell entflohen sein mochte, -- doch -diese schnelle Fahrt in die Tiefe war sein Todeslauf gewesen. Weit -entfernt an der Steuerbordseite -- die ganze 450 Fuß lange Leine war -fast ausgelaufen -- kam der Wal hoch, Blut und Wasser spritzte er in -die Luft, in Strömen floß sein Blut aus der klaffenden Wunde und färbte -rings um ihn das Meerwasser roth. - -Sich hin und her wälzend, peitschte er noch mit letzter Kraft einige -Male das Wasser mit dem Schwanze, dann lag er still. Das Schiff, an -den Wind gebracht, trieb mit backgebrassten Raaen; darauf ward der Wal -herangeholt, und lag bald in Schlingen aufgefangen sicher längsseit. -Nun war die Frage, wie wohl das schwere Thier an Deck gehißt werden -könnte, nicht, weil wir nicht gewußt hätten, wie das anzufangen wäre, -sondern es fragte sich, ob die stärksten Takel (Flaschenzüge) an Bord -ausreichend sein würden. - -Im Großtop wurde das stärkste Takel aufgebracht, dann wurde der todte -Wal am Schwanze, mit Hilfe unserer Winde hochgeholt, doch der Körper -erwies sich, als die Tragfähigkeit des Wassers aufgehoben, zu schwer. -Ihn fahren lassen wollten wir nicht, deshalb wurde, um das Gewicht -des Körpers zu erleichtern, der ganze Leib, soweit anzukommen war, -aufgeschnitten, der Inhalt entfernt, und der Wal schließlich so hoch -gewunden, daß sein Uebergewicht über Deck zu liegen kam. Jetzt wurde -ein anderes Takel vom Vortop an der Harpune befestigt -- am Kopfe war -durchaus keine festsitzende Schlinge anzubringen, zumal da dieser -nicht frei vom Wasser zu bringen war -- an Bord sicher festgelegt, -dann stürzte, indem wir plötzlich das Hintertakel fahren ließen, mit -gewaltigem Krach der schwere Körper, 22 Fuß lang, über die Regeling -(Bordwand) weggleitend, an Deck. Obgleich wir unvollkommene Mittel an -Bord hatten, um den nicht besonders dicken Speck des Wals auszulassen, -wurden dennoch gegen hundert Liter Thran gewonnen, vom Fleische -jedoch wurde soviel als die Leute irgend unterbringen konnten, in -Salzlacke gelegt, dann in Streifen geschnitten und an der heißen Sonne -getrocknet. Der Vorrath war so groß, daß die Mannschaft noch in Apia -damit Tauschhandel trieb. - -Da beim schönsten Wetter mit leichtem Ostwind die östlichste Insel -der Unionsgruppe in Sicht gekommen war, konnte ich darauf rechnen, in -einigen Tagen die hohen Berge von Upolu nach zwei Jahren wiederzusehen. -Wir erübrigten uns trotz des häufigen Pumpens die Zeit, dem Schiffe -ein schmuckes Aussehen zu geben und arbeiteten fleißig um die Takelage -sauber in Stand zu setzen. - -Schon war die Arbeit beendet, und ich freute mich darüber ohne zu -ahnen, daß alles vergeblich gewesen, und obwohl ich wußte, wie leicht -in dieser schlechten Jahreszeit südlich vom Aequator stürmische -Westwinde plötzlich auftreten, dachte ich doch nicht daran, nur noch -200 Seemeilen von Samoa entfernt, von einem Sturm überrascht zu werden. - -Am Morgen des 25. Januars 1888, der ebenso golden und friedlich -angebrochen, wie seit Wochen schon ein jeder Tag, fand ich eine -Aenderung am Aneroid-Barometer, der langsam fallend auf ungewöhnliche -Vorgänge in der Atmosphäre hinzuweisen schien, obgleich kein Wölkchen -am azurblauen Himmelsgewölbe sich zeigte. Zog weit vom Standorte des -Schiffes ein Sturm oder gar ein Orkan vorüber? Das konnte ich noch -nicht wissen, ist doch der Umkreis des letzteren oft gewaltig groß. -Doch das Barometer sank mehr und mehr, der leichte Ostwind ward ganz -still, und auf der spiegelglatten Fluth wiegte sich das Schiff. Der -Mittag kam und noch dieselbe Ungewißheit blieb, nur im Nordwest und -Norden kamen am Horizonte weiße Wölkchen auf, näherten sich mit großer -Geschwindigkeit, als fegten sie, leichten Federn gleich, vor einem -entfesselten Sturm dahin! - -Die Gewißheit jedoch erhielt ich bald, mehr und immer drohender kam -schweres Gewölk herauf, die Luft, bisher klar und rein, ging in ein -fahles Graugelb über, kein Zweifel war mehr, daß ein Orkan heranziehe, -der, wenn wir ihm nicht entfliehen konnten, seine Mitte sich nach -Osten fortschiebe, uns mit seinen wirbelnden Armen erfassen und in die -schweigende Tiefe des Ozeans unfehlbar ziehen würde. - -Was geschehen konnte, geschah, obwohl ich überzeugt war, daß das schwer -lecke Schiff kaum einen heftigen, anhaltenden Sturm überdauern würde. - -Sehr erstaunt war die in solchen Dingen unerfahrene Mannschaft, als -während der tiefsten Stille, -- kein Windhauch regte sich, -- der -Befehl zum Dichtreffen sämmtlicher Segel gegeben wurde, und nach kurzer -Zeit lag das Schiff unter Sturmsegeln, selbst die Zeit fand ich noch, -ein neues Vorstagsegel, das auf der Reise fertig geworden, anschlagen -(anbinden) zu lassen. - -Da kam von Norden her, (am wirbelnden Wasser, das mit tausend kleinen -Wellen und weißen Köpfen wie tanzenden Kobolden aufwallte, war es schon -von weitem erkennbar,) der erste heftige Windstoß. In immer kürzeren -Pausen mit immer wachsender Gewalt, kam der Sturm daher und trieb trotz -der wenigen Segel das Schiff vor sich her, durch die immer wilder und -höher schäumende Fluth. - -Ich befand mich in dem äußern Kreise des wirbelnden Sturmes, der von -Stunde zu Stunde wuchs; wohin aber zog die Mitte? Ihr mußte ich mit -aller Gewalt entfliehen, so lange es noch eine Möglichkeit dazu gab. -Mit großer Besorgniß beobachtete ich das Barometer, das bis 5½ Uhr -Nachmittags ständig fiel, dann stand es, der Sturm hatte seine höchste -Gewalt erreicht. - -Ich wußte nun, da der Wind von Zeit zu Zeit in der nördlichen Richtung, -woher er wehte, wenig hin und her umsprang, daß der Orkan nach Süden -zog, seine Mitte vielleicht sehr weit entfernt im Westen lag. Aber -doch war seine Gewalt so furchtbar, daß er den Athem benahm, und die -See so wild und furchtbar, wie ich sie selten gesehen. Das Schiff -ächzte in allen Fugen, den Kopf niedergedrückt in die brandenden -Wogen, raste es vor dem heulenden Sturm dahin. Die Leute, zitternd und -unfähig ernstlich noch zu kämpfen, festgebunden an den Pumpen, damit -die überbrechenden Seen sie nicht mit fortrissen, arbeiteten, doch -vergeblich; denn die Pumpen warfen kein Wasser auf, obgleich durch die -donnernden Wogen, durch den heulenden Wind, das unheimliche Geräusch -davon zu vernehmen war, wie die Wassermassen im Raume hin und her -spülten; wenn das Schiff ein Spielball der Wogen recht schwer rollte, -wollte es mir scheinen, als könne es sich nur schwer wieder aufrichten, -die große Wassermasse im Raume drückte es auf die Seite und wenn diese -reißend anwuchs, konnte es geschehen, daß das sinkende Schiff sich auf -die Seite legte, um sich nie mehr aufzurichten. - -Mit andern Mitteln dem Verderben zu wehren war unmöglich, keine Luke -konnte geöffnet werden, denn fußhoch spülten die Wellen über das Deck, -die Wassergewalt war so groß, daß an beiden Seiten die Verschanzung zum -Theil weggerissen war, und jede von hinten oder seitwärts aufstauende -See fegte Wasserberge über das Schiff. - -So konnte es nicht weiter gehen, ich sah den Untergang vor Augen, -nicht die wilde See und den rasenden Sturm fürchtete ich, vielmehr das -steigende Wasser im Schiffsraume, das in absehbarer Zeit uns in die -Tiefe des brüllenden Ozeans ziehen mußte. Das Schiff an den Wind zu -bringen, war das einzige, was noch geschehen konnte, aber ob es nicht -schon zu spät, ob bei dem Versuche nicht eine einzige wilde See, die -mit voller Gewalt beim Anluven sich über das Schiff brechen mußte, -genügte, dasselbe auf die Seite zu drücken und es mit allen an Bord -verschwinden ließ! Das ließ sich nicht sagen. Das Untermarssegel stand -noch immer wie ein Brett geschanzt, dahinter setzte sich der Sturm -und so klein auch die Fläche Leinewand war, mit größerer Gewalt und -Geschwindigkeit war das Schiff noch nie durch die Fluthen getrieben -worden. Dies Segel mußte verschwinden wollte ich das gefährliche -Manöver noch ausführen, solch Oberdruck, wenn erst der Wind von einer -Seite einfiel, mußte verderblich werden. Der Gedanke, das Segel noch -aufgeien und bergen zu können, wäre thöricht gewesen, keiner meiner -Leute, mit denen, vom Japanesen abgesehen, gar nichts mehr anzufangen -war, hätte auch nur den Versuch gemacht, den wie eine Gerte hin und her -schwankenden Mast zu erklettern. - -Ein matter Tagesschimmer lag noch über dem erregten Ozean, den -furchtbaren Kampf der Elemente verdeckte noch nicht die dunkle Nacht --- so durfte ich denn nicht mehr zögern, vielleicht beschleunigte ich -das unabwendbare Schicksal, vielleicht auch, war das Manöver, wenn es -gelang, unsere Rettung. - -Mit Kitimatu besprach ich das Nothwendigste, er sollte mit einigen -Leuten vorne im Schiff aufpassen, vorerst die Schoten des Marssegels -fliegen lassen, damit dieses in Stücke peitschen könne, dann das -dichtgereffte Vorstagsegel setzen, während ich hinten ein wenig das -Großsegel anhissen lassen wollte, um durch dessen Druck das Schiff -schnell an den Wind zu bringen. Ehe aber die Mannschaft verzweifelt -und muthlos, wie es kaum anders von solchen braunen Menschen erwartet -werden konnte auf ihren Posten stand, fegte plötzlich der Sturm mit -seiner wildesten Gewalt daher, die See war nur ein Schaum, keine -hohe Welle hob sich -- es war, als hielt der Druck der Atmosphäre -die schäumenden Wogen nieder -- da, ein furchtbares Krachen, das den -heulenden Sturm übertönte, das Marssegel, gespalten und mit wenigen -Schlägen aus seinen Tauen geflogen, flog im Winde wie leichtes Papier -dahin. Vor Top und Takel lief jetzt das Schiff. Hatte es aber vorher -den von hinten heranstürmenden Wogen entrinnen können, so drohten diese -nun, da die Geschwindigkeit vermindert worden, über das Heck herein zu -brechen. - -Kaum hatte ich diese Gefahr in den wenigen Augenblicken erkannt, so -rollte auch schon eine furchtbare Woge heran, die grüne Kopfmasse -glitzerte selbst schon im Abenddunkel -- das Herz im Leibe machte -die Erwartung, was die nächste Sekunde bringen mußte, stille stehen --- den unvermeidlichen Tod, wenn diese Woge das Schiff überlief. Als -wollte das Schiff sich in seine Länge überwerfen, so hoch auf dem Kamm -der Woge hob sich das Hintertheil, dann brach die See. Instinktmäßig -sprang jeder fußhoch in die Wanten, um von der brüllenden Gischt nicht -fortgerissen zu werden, das Deck war sogleich von der See überspielt, -daß nur die Masten, das Karten- und Deckhaus hervorragten. Krachend -waren beide Boote unter ihre Träger gepreßt, die Böden eingedrückt -worden und vollgefüllt mit Wasser waren die starken Befestigungen wie -Bindfaden zerrissen. - -Eine zweite See, eine dritte kam heran, gleich drohend und -verderbenbringend, dann war es still, als hätte die Wuth des Meeres -ausgetobt -- jetzt oder nie war der Augenblick gekommen, das Schiff an -den Wind zu bringen. Indem ich Kitimatu das Zeichen gab, sein Segel -zu hissen, und selbst den letzten Halt des Großsegels fahren ließ, -dem Manne am Ruder den Befehl gab, das Steuer nach Backbord zu legen, -wirbelte unter dem Drucke der Leinewand das Schiff herum, und die -nächste See schon, wie ein Wasserberg herankommend, faßte es von vorne. - -Doch war die Gewalt des Windes groß, als wir vor der See liefen, war -diese, von vorne kommend, derart, daß man den Kopf wegwenden mußte, um -geduckt hinter der Verschanzung, nur athmen zu können. Mit dem letzten -harten Stoße hatte sich der Wind etwas nach Osten gedreht und da dort -der Kopf des Schiffes den Wellen zugekehrt war, so brachen diese nicht -so schwer über das stampfende Fahrzeug. Aber schlimmer kam es. Das -Vorsegel nicht ganz aufgehißt, holte zu furchtbaren Schlägen aus; ehe -ich selbst bei der jetzt herrschenden Dunkelheit nach vorne gekommen, -war schon das Vorstag gebrochen; das neue Segel an seiner Schot nur -noch gehalten, wehte, auf die heranrollenden Seen peitschend, in Lee. -Dieses bargen wir; doch was schlimm war, der Vordermast hatte seinen -besten Halt verloren, und, konnte der Schaden nicht ausgebessert -werden, so brachen die stehenden schwächeren Befestigungen, brach auch -durch das furchtbare Arbeiten des Schiffes der Mast und mußte, um das -Schlimmste zu verhindern, gekappt werden. - -Hatte der Japaner in den Stunden der höchsten Gefahr gezeigt, daß er -nicht nur ein unerschrockener Seemann war, so zeigte er jetzt kühnen -Muth und Verachtung jeder Gefahr, ohne diesen Helfer wäre mir nichts -gelungen. Die Pingelap-Leute hielten sich nur fest und kein Zureden, -kein Schelten half -- der böse Geist, sagten sie, sei gekommen und -würde sie alle holen. -- - -Da keine Mittel zur Hand waren, in solcher Dunkelheit die nothwendige -Arbeit auszuführen, so wurde zunächst das große zerschlagene Boot an -Deck geführt, die Taljen abgenommen und mit diesen und dem zerrissenen -Stag eine vorläufige Verbindung zwischen Mast und Bugspriet hergestellt, -die stark genug war, dem Maste den verlorenen Halt wieder zu geben. - -Als dies gethan war, mußte Wind und Wellen anheimgegeben werden, was -ihre Gewalt uns noch Schlimmes zufügen wollte. In all der Noth dieser -Stunden, in dem verzweifelten Kampfe mit den Elementen, hatte keiner -mehr darauf geachtet, daß eigentlich um eine sinkende Planke gerungen -wurde, bis der Augenblick gekommen, wo wir uns wieder darauf besinnen -konnten und das im Schiffsraum so unheimlich spülende Wasser uns an die -Gefährlichkeit unserer Lage mahnte. - -Mit beiden Pumpen, die jetzt Wasser warfen, wurde unablässig -fortgepumpt, standen wir auch bis zum Halse im Wasser, drohten die Seen -uns wegzuspülen, wir mußten ausharren und die letzten Kräfte einsetzen. -Es war ungefähr 10 Uhr Abends geworden, rabenschwarze Nacht umgab uns, -bei der Arbeit war der Nebenmann nicht zu sehen, nur fühlen oder durch -Anruf konnte man sich überzeugen, ob keiner fehlte, da öffneten sich -die Schleusen des Himmels, eine Regenfluth stürzte herab, wie solche -kein Wolkenbruch furchtbarer ausgießen kann. - -Waren wir aber nicht im Stande gewesen, uns Lichter anzuzünden, so -leuchteten plötzlich, gleich einer magischen Erscheinung, solche an -den Enden jeder Raa auf, flüchtig erscheinend und schwindend. Es waren -die Elmsfeuer, die durch Ausgleichung entgegengesetzter Elektrizitäten -entstehen. So lange der furchtbare Regen anhielt, zeigten diese sich -bald einzeln, auch zu mehreren, nur sekundenlang waren sie auf allen -Raaen zugleich sichtbar. - -Eine wunderbare Wirkung übte aber der strömende Regen; die See, so wild -und furchtbar, beruhigte sich sehr schnell, das Zischen der weißen -Schaumkronen verstummte allmählich und gegen Mitternacht, da auch -in gleicher Weise der Sturm sich gelegt, hoben nur noch langlaufende -Wellen das Schiff auf ihren Rücken, es war, als wenn der im wildesten -Aufruhr tobende Ozean wieder ruhig zu athmen begann. Der goldene -Morgen kam, so freundlich grüßte die Sonne vom wolkenlosen azurblauen -Himmelszelt hernieder, als hätte sie nichts vom Verzweiflungskampfe -der Menschen mit den entfesselten Naturkräften gesehen. Fast hätte man -aus diesem Frieden, der wieder über den breiten Ozean gebreitet lag, -schließen mögen, daß jener heiße Kampf um das Leben, nur ein böser, -schrecklicher Traum gewesen sei, wenn nicht jeder Blick über das arg -zugerichtete Schiff das Gegentheil bewiesen hätte. - -36 Stunden unausgesetzter, schwerer Arbeit waren hingegangen, als -endlich das Wasser im Schiff, das durch den verwaschenen Ballast nicht -zu den Pumpen gelangen konnte und mit Eimern ausgeschöpft werden mußte, -bewältigt war und auch so viel Segel wieder gesetzt waren, daß das -Schiff langsam mit wieder leichtem Ostwinde durch die Fluthen zog. Am -30. Januar 1888 erreichte ich wohlbehalten den Hafen von Apia. - -Unverändert in der äußeren Erscheinung fluthete auf Samoa das Leben, -nichts verrieth, welche Kämpfe in einem Zeitraum von zwei Jahren hier -gewüthet hatten, welch' Parteizwist die Bevölkerung zu blutigen Kriegen -verleitet hatte. König Maliatoa war entthront und verbannt, Tamasessi, -König von Samoa, gegen den aber, als Schützling der Deutschen, die -feindlich gesinnten Häuptlinge zu Felde zogen, deren großer Zahl -dieser König auch erliegen mußte, für die deutsche Sache floß selbst -das Blut der deutschen Marine-Matrosen, die im heldenhaften Kampfe der -Uebermacht erliegen mußten! - -Schlimmer aber als früher war der Konkurrenzneid entfacht, die -Parole war „gegen die Deutschen“. Weigerte sich schon der Samoaner -der betreffenden Behörde, damals der deutschen, die geringe Steuer -zu zahlen, welche für den Kopf einen Dollar betrug, so war es um so -bedauerlicher, wenn auch Weiße durch ihre Weigerung den Eingebornen zu -noch größerem Widerstand aufreizten. - -Eines Falles will ich nur Erwähnung thun: Im Frühjahr 1888 wurde von -der damals deutschen Munizipalität einem in Apia ansässigen Franzosen, -der jede Steuerzahlung verweigert, mehrere Kisten mit Getränken -gepfändet und ihm in Folge dessen die Schankgerechtigkeit entzogen. -Amerikaner und Engländer, die, wo es sich gegen Deutsche handelte, -stets alles in Bewegung setzten, was nur irgend zu Schwierigkeiten -führen konnte, hatten sich vorgenommen, am Tage der Versteigerung, -die in den Räumen des deutschen Konsulats stattfinden sollte, einen -Putsch zu veranstalten, der zu Thätlichkeiten führen sollte. Auch -standen hinter ihnen eine Anzahl Halb-Samoaner, meistens Abkömmlinge -von Engländern, eine Menschensorte, die alle Untugenden der Weißen und -Eingebornen in sich vereinigt. - -Diese löbliche Absicht war jedoch nicht geheim genug geblieben und -so fanden sich am festgesetzten Tage der größte Theil der in Apia -anwesenden Deutschen ebenfalls zur Versteigerung ein. Es war ein -stilles Uebereinkommen unter allen, das bedrohte deutsche Ansehen zu -schützen, auch, wenn nöthig, die Beamten vor Beleidigungen zu bewahren. - -Doch die verhältnißmäßig große Zahl von Deutschen, die wir erschienen, -sowie der strömende Tropenregen kühlten wunderbar schnell die Rauflust -der Gegenpartei ab, die, weil in der Minderzahl, keine Bekanntschaft -mehr mit den deutschen Fäusten zu machen wünschte und alles verlief zur -vollsten Zufriedenheit. Daß bei einem Straßenkampfe vor dem deutschen -Konsulat, der durch das Eingreifen der aufgehetzten Eingebornen große -Ausdehnung annehmen konnte, die deutschen Kriegsschiffe im Hafen nicht -unthätig bleiben würden, wußten wir, denn der angesammelte Groll war -so groß, daß aus einer kleinen Reiberei sich schnell ein ernster Kampf -entwickelt hätte. - -Noch waren die Vorbereitungen, die „Futuna“ zur eingehensten -Ausbesserung aufs Land zu holen, nicht beendet, als eines Tages Ende -Februar die untrüglichen Anzeichen eines Orkans sich bemerkbar machten. - - -Blutroth stand die Sonne am Himmel, ihre Strahlen durchdrangen nicht -mehr das dichte Dunstgebilde, immer drohender wurde die Luft, die, -schließlich eine gelbe Dunstmasse bildend, den ganzen Horizont umzog. - -Wie furchtbar frühere Orkane gewüthet hatten, davon zeugten an den -Riffen die zahlreichen zerschmetterten Schiffskörper, die selbst von -der furchtbaren See bis zum festen Lande geschleudert worden waren. -Gefahr beim Ausbruch eines Wirbelsturms war hauptsächlich für die im -Hafen liegenden Schiffe, unter denen sich die deutschen Kriegsschiffe -„Olga“, „Adler“ und „Eber“ befanden und für die Sicherung dieser -Fahrzeuge unterblieb wohl nichts, was in der Möglichkeit menschlichen -Könnens lag. - -Mein Schiff zu sichern, mit dem ich unter dem Schutze des -vorspringenden Korallenriffes „Kap Horn“ lag, brachte ich vier Anker -aus mit so viel Kette, als es der beschränkte Raum gestattete. Vor -mir lag mit ihrem Heck, dem genannten Riffe zugekehrt, die „Olga“ und -dampfte, als die einlaufende See immer höher und wilder wurde, gegen -diese an zu dem Zwecke, ihre aufs Aeußerste angespannten Ankerketten zu -entlasten. - -Berge gleich rollte die See in den Hafen und es war ein großartiger, -wenn auch wenig erhebender Anblick, die Schiffe mit der immer mehr -zunehmenden See kämpfen zu sehen. - -Furchtbar arbeitete die „Olga“; im Wellenthal, wenn zwischen meinem -Schiffe und diesem ein Wasserberg heranrollte, der sich mit donnernder -Gewalt auf dem Riffe brach, sah ich mitunter nichts weiter von dem -Kriegsschiffe als dessen obere Masten und Marsraaen, so hoch, so -gewaltig war die See. Wirbelnd, ohne Widerstand zu finden, raste -die Schraube jedesmal in freier Luft, wenn der Bug des Schiffes tief -hinabsank, das Heck dagegen von anlaufender See hochgehoben wurde. - -Die in den Hafen aus nordöstlicher Richtung einlaufenden Wassermassen -mußten naturgemäß sich einen Abfluß suchen und fanden diesen, einen -wirbelnden Strom verursachend, unter Land nach der See zu auslaufend. -Dieser Strom, oft so breit wie das ganze Riff und namentlich im kleinen -Hafen sich verbreitend, hatte zur Folge, daß die in diesem liegenden -Schiffe dessen ganzer Gewalt ausgesetzt waren und ein Spiel der See und -des Stromes wurden. - -Aengstlich wartete jeder auf den Ausbruch des Orkans; die wilde See -kam bei vollständiger Windstille heran, aber so schwer und hoch, daß, -hätte hinter dieser die Gewalt des Windes sich gesetzt, das Unglück -jetzt schon eingetreten wäre, das ein Jahr später so vielen Schiffen -verderblich geworden ist und hunderten deutscher Seeleute ein frühes -Grab bereitete. Wo an diesem Tage die „Olga“ mit Erfolg der wilden See -widerstand, sank 1889 der „Eber“ mit seiner ganzen braven Besatzung, -von den Wogen hinabgerissen unter das hohle Riff, das selbst die Todten -nicht zurückgab. - -Ein Schiff nur widerstand der Gewalt der Seen nicht; im großen Hafen an -jener Stelle, wo keine steinigen Riffe das Ufer umsäumen, wurde es hoch -auf den Strand geworfen, es ist dies derselbe Ort, auf welchen 1889 die -„Olga“, nachdem ihre Ankerketten zerrissen, von den Wogen geschleudert -worden ist, der einzige Punkt, wo es möglich ist, ein gestrandetes -Schiff wieder flott zu machen. - -Die gefürchtete Nacht kam mit ihren Schrecken -- doch der erwartete -Orkan blieb aus, wo dieser geweht, welche Inseln er mit seiner -verheerenden Gewalt heimgesucht, wer konnte das sagen! Samoa verschonte -er dieses Mal, um dafür ein Jahr später desto furchtbarer zu wüthen, -mit seinem mächtigen Arme die stolzen Schiffe und ihre braven -Besatzungen in den Grund, in den Tod zu wirbeln. -- - -Meine Absicht, die deutsche Heimath nach langer Abwesenheit wieder -aufzusuchen, konnte erst im Monat Mai zur Ausführung gelangen und, da -in Apia Mangel an Schiffsführern war, mußte ich die Aufsicht über die -Ausbesserung der „Futuna“ aufgeben und mehrmals noch kürzere Fahrten -nach Tutuila und anderen Orten unternehmen. Unter anderem hatte ich -im Monat März nach den Tonga-Inseln zu segeln; als ich am 27. März -im Hafen von Vavau „Neiafu“ zu Anker lag, lief dort ein englisches -Segelschiff, von den australischen Kolonien kommend, ein, dieses -brachte die Trauerkunde von dem Ableben unseres Heldenkaisers „Wilhelm -des Großen“, der am 9. März seine irdische Laufbahn vollendet hatte. - -Ich konnte diese Kunde nicht sofort nach Samoa bringen, weil ich erst -nach den Keppels-Inseln, Niuatobutabu, segeln mußte, deshalb setzte das -englische Schiff seine Fahrt nach Samoa fort. - -Auf Niuatobutabu angelangt, senkte sich dort, sobald der Tod des -deutschen Kaisers bekannt geworden, die Flagge des Königs Georg von -Tonga, als Zeichen der Trauer für den ruhmgekrönten, edlen Herrscher. -War doch sein Name und seine Thaten selbst diesem weltentlegenen -Inselvolke nicht unbekannt geblieben; unter ihnen lebende Deutsche -hatten in mancher Mußestunde den staunenden Eingebornen von dem -mächtigen Volke erzählt, über das der große Kaiser geherrscht, das er -zu großen Thaten, zu ungeahnter Höhe geführt. - -So lange ich auf Niuatobutabu weilte, drei Tage, wehten die -Trauerflaggen sowohl an Land wie an Bord des außen am Riffe in bewegter -See verankerten Schiffes. - -Auch diese Inseln sah ich zum letzten Mal. Nachdem ich Abschied -genommen, segelte ich am dritten Tage in später Nachmittagsstunde -weiter, jedoch frei von den Riffen, begann das Schiff durch die -querlaufende See heftig zu rollen -- ich suchte westlich von Boskaven -zu passiren, um nicht gegen Wind und See zu kreuzen, da ich hoffen -konnte, den freien Ozean zu gewinnen ehe die Nacht hereinbrach. - -Nachdem an Deck vorher alles gut zur Reise versichert war, ließ der -Obersteuermann Goede noch die Pumpen ansetzen, ehe die Mannschaft, -Niueleute, theils auf ihren Posten, theils zur Ruhe ging. Da plötzlich --- ich war in die Kajüte hinabgegangen die Papiere zu ordnen -- -erscholl der Schreckensruf „Mann über Bord“ und an Deck springend, -sah ich eine Schiffslänge hinter dem Schiffe den Obersteuermann noch -auftauchen. - -Mit starrem Blicke, in dem die Todesangst geschrieben, schaute er -dem enteilenden Schiffe nach -- die nächste Woge bedeckte ihn und wir -sahen nichts mehr. Eine Rettungsboje ergreifend und über Bord werfend, -das Schiff in den Wind jagend, war das Werk weniger Sekunden -- so -furchtbar vom starken Winde auch die Segel gepeitscht wurden, das -Schiff stand und ging durch den Wind -- es mußte der Stelle zutreiben, -wo der Steuermann zuletzt gesehen wurde. - -Auf den Befehl „ein Ausguck in die Masten“ enterten vier eingeborene -Passagiere auf, sie sahen die treibende Rettungsboje, aber nicht mehr -den Steuermann. Das nächste war, das an Deck befestigte Boot über Bord -zu setzen; ohne Rücksicht wurden die Befestigungen durchschnitten, das -Boot nur vorne hoch gehißt, halb über die Verschanzung geschwungen, -wurde dieses von der ganzen Besatzung an Deck hochgehoben und im -gegebenen Augenblick mit aller Kraft in die unruhige See geworfen; -mitunter bei schwerem Seegange die einzige Art ein Boot von der -Schiffsseite freizuhalten, ehe es an dieser zerschlagen und unbrauchbar -wird. Vier Mann sprangen mit kühnem Satze von der Regeling sogleich -hinterher ins Boot, das, sobald die haltende lange Leine losgeworfen -war, nach hinten trieb. Die Richtung, wohin die Leute, die in der -hohen See nicht um sich sehen konnten -- das Boot war bald vom Schiffe -aus nur hin und wieder sichtbar, wenn es hoch auf dem Kamm einer -Woge tanzte -- zu rudern hatten, wurde von den Leuten in den Masten -angegeben. - -In drei Minuten war das Boot über Bord und bemannt, doch suchte dieses -vergeblich in der hohen See hin und her, die Boje wurde gefunden aber -der Steuermann war und blieb verschwunden. Wie furchtbar solch' ein -Augenblick, weiß nur der, welcher einen Kameraden von seiner Seite in -den jähen Tod gerissen sieht und doch nicht helfen, nicht retten kann! - -Lange, bis zur schnell hereinbrechenden Dunkelheit, trieb ich mit dem -Schiffe umher, dem Boote folgend, das vom Schiffe aus geleitet, immer -größere Kreise zog, in der eitlen Hoffnung, es könnte doch noch etwas -vom Steuermann gesehen werden, obgleich ich wußte, daß alles längst -vorbei war; hatte der Verunglückte mir doch selbst gesagt, er könne -nicht schwimmen und wenn auch, in solcher See wäre die Kraft des besten -Schwimmers bald erlahmt. - -Erst als alles nutzlos war, als die Nacht hereinbrach und die -Mannschaft im Boote äußerst ermüdet sein mußte, nahm ich dieses wieder -auf und jetzt die nördliche Durchfahrt wegen dort liegender unbekannter -Riffe nicht mehr als sicher ansehend, kreuzte ich die ganze Nacht -zwischen Boskaven und den gefährlichen Riffen von Niuatobutabu, um den -freien Ozean zu gewinnen. - -Nach Aussage der Mannschaft wollte der Steuermann, nachdem das Pumpen -beendet, nach dem Hinterdeck gehen, das Schiff schwer rollend, habe -er jeden Halt auf dem freien Deck verloren und sei, mit voller Wucht -gegen die Verschanzung fahrend, über diese hinweggestürzt, eine schnell -geworfene Leine ergriff er nicht mehr. So fand er den Seemannstod, im -weiten Ozean ein stilles, unbekanntes Grab, die donnernde Woge sang ihm -hier sein letztes Schlummerlied. -- - -[Illustration: Schlussstrich] - -[Illustration: Kartenskizze] - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN DURCH DIE INSELWELT DER -SÜDSEE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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Prager</span>, Kapitän. -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/zierstrich.jpg" alt="zierstrich" /> -</div> - -<p class="fs120 center fett abst0-o3"> -Kiel. -</p> -<p class="center"> -Verlag von <em class="gesperrt">Carl Jansen</em>.<br /> -Kommissions-Verlag für den Buchhandel: <em class="gesperrt">Robert Cordes</em>, Kiel. -</p> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -Vorwort. -</h2> -</div> - -<p class="chap-cap"> -In nachfolgender Schilderung ist versucht worden, dem geneigten -Leser zwar ein beschränktes, aber doch möglichst anschauliches Bild -über die Eigenart, Sitten und Gebräuche ihm unbekannter oder -wenig gekannter Völker zu geben. Nicht minder ist die Entstehung -der Koralleninseln, die Beschaffenheit hoher vulkanischer Berge und -Inselmassen, sowie die in der Südsee entfaltete reiche Pflanzenwelt -besprochen worden. Heftige Ausbrüche thätiger Vulkane, Stromverhältnisse -des Ozeans und Wirbelstürme sind, soweit darüber -persönliche Erfahrungen gesammelt werden konnten, in die Aufzählung -der eigenen Erlebnisse des Verfassers mit hineingezogen. -</p> - -<p> -Die so große, vielgestaltige und fruchtbare Inselwelt des -Stillen Ozeans zeigt dem Beobachter in allen Formen ein anmuthiges -Bild, zu dem er sich hingezogen fühlt, und das, soweit -eigenes Können es vermag, in einfacher Erzählung wiederzugeben -versucht ist. Die Gefahren mancher Art, wie solche auch dem -Seemanne zwischen den gefährlichen Koralleninseln auflauern, sind -an gehöriger Stelle eingefügt. -</p> - -<p> -Sollte es mir gelingen, den Blick für die Werthschätzung -auswärtiger Besitzungen zu schärfen, die Theilnahme für die -kolonialen Bestrebungen der Reichsregierung zu mehren, so würde -ich darin schon eine Anerkennung meiner Arbeit finden. -</p> - -<div class="ralign"> -<p> -Der Verfasser. -</p> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -I. Samoa. Land und Volk. -</h2> -</div> - -<hr class="chapend" /> - -<p> -Tief im Süden des Indischen Ozeans, auf jenen Breiten, -wo der weite Weg nach Australien durch die Kugelform unserer -Erde verkürzt wird und meistens günstige, westliche Winde die -Fahrt eines Schiffes beschleunigen, zog im Jahre 1884 einsam ein -deutsches Barkschiff seines Weges dem fernen Ziele entgegen. -</p> - -<p> -Monde waren hingegangen, ehe mit Hülfe wechselnder Winde -der Atlantische Ozean von Nord bis Süd durchzogen war; die -Hälfte des nahezu 14000 Seemeilen langen Weges, von der -deutschen Küste bis zu den Gestaden Australiens, war ungefähr -zurückgelegt, als der Längengrad vom Kap der guten Hoffnung -18° 29' Ost von Greenwich auf etwa 44° Süd Breite passirt -wurde und das schöne Passatwetter, das bis zu der Insel Tristan -d'Acunha vorherrschend gewesen, überging -zu kühlerem und unfreundlicherem. -Der Winter war auf der südlichen Halbkugel hereingebrochen; -je tiefer südlich das Schiff vor umlaufenden westlichen -Winden lief, desto kälter, ungemüthlicher wurde das Wetter. -</p> - -<p> -Hohe schaumgekrönte Wogen, die zischend längs den Borden -des in bewegter See schwer rollenden Schiffes aufliefen und im -wilden Wettlauf dieses überholten, fegten, vom Winde gepeitscht, -ihren Gischt über das Deck. Kurz waren die Tage und nur selten -blickten aus dem drohenden Gewölk, wenn es plötzlich zerrissen -erschien, ein belebender Sonnenstrahl; -die tiefe Bläue des Himmelsgewölbes -Tage und Tage lang nicht gesehen, war dann für den -einsam auf dem Weltmeer Hinziehenden ein Hoffnungsschimmer. -</p> - -<p> -Endlos scheint der Ozean, kein Schiff, kein Segel auf der -weiten, wildbewegten Wasserwüste ist zu entdecken, ebenso einsam -scheint der gewaltige Meerbewohner, der Walfisch, durch die Fluthen -zu ziehen, der von Zeit zu Zeit die warme Athemluft aus seinem -einfachen oder doppelten Spritzloch hervorstößt, um darauf, so lange -es ihm an der Oberfläche gefällt, wieder frische Luft in die Lungen -einzuziehen. In der kälteren Atmosphäre verdichtet sich die ausgestoßene -<span class="pagenum"><a id="Page_2" name="Page_2" href="#Page_2">[2]</a></span> -feuchte Athemluft und bleibt um so länger sichtbar, je -kälter die Temperatur auf der Oberfläche des Meeres ist. Mächtige -Thiere sind es, in den sich überstürzenden Wogen kaum sichtbar, -ihre Größe läßt sich nur ungefähr schätzen, wenn kurz nach dem -Sichtbarwerden des Wasserdampfes das Thier in die Tiefe schießt -und über die Wogenkämme emporragend, der Schwanz durch die -Fluthen peitscht. -</p> - -<p> -Die Habsucht des Menschen hat in wenigen Jahrzehnten -ungezählte Schaaren dieser nützlichen Thiergattung vernichtet, selten -findet man heute noch eine Anzahl der mächtigen Thiere beisammen, -die einsam über die gewaltige Meerestiefe hinziehen, welche einst -von Abertausenden belebt war, denen sie reiche Nahrung geboten. -</p> - -<p> -Wind und Wogen sind in den Monaten Juli und August -auf diesen südlichen Breiten meistens immer im Aufruhr; so setzte -diesmal auf der Höhe der Krozet-Inseln ein äußerst schwerer, -westlicher Sturm ein. Das Schiff, von den Fittichen des Windes -getrieben, floh vor der brüllenden, wilden See; aber ob auch den -Masten die denkbar größte Last aufgebürdet wurde, mußten doch -nach und nach mit der wachsenden Kraft des Sturmes die Segel -gekürzt werden und acht Tage lang lief das Schiff, während in -der Luft die schwarzen Wolkenmassen dahinjagten wie ein gehetztes -Wild, vor seinen dichtgerefften Sturmsegeln dahin, von den Wellen -geschoben, die Bergen gleich von hinten heranrollten und deren -Schaumkronen sich vernichtend über das in allen Fugen erzitternde -Schiff ergossen. Uebermächtig war die Gewalt der Elemente, und -hätte es ohne große Gefahr für Schiff und Mannschaft geschehen -können, so würde der wilde Lauf vor solcher gefährlichen See -durch Beidrehen an den Wind aufgegeben worden sein. -</p> - -<p> -Jedoch ein guter Renner war die Bark, saß ihr auch die -wilde See drohend und verderbenbringend auf den Fersen, die sie, -tief ins Wogenthal getaucht, kaum abzuschütteln vermochte, so hob -sie sich doch immer wieder siegreich empor, hinjagend durch Nacht -und Schrecken. -</p> - -<p> -Weit über den 80. Längengrad hinaus führte der erlahmende -Sturm das wackere Schiff und mit von Norden bis Süd-Westen -umspringenden steifen Winden wurde nach monatelanger Fahrt -wieder Land, die Südküste Australiens, gesichtet. -</p> - -<p> -Im sicheren Hafen von Melbourne, jener jungen, aufblühenden -Stadt der Paläste — australischen Goldfeldern und dem Strome -des Edelmetalls, der hier sich staute, verdankt sie ihr schnelles -Wachsthum — wurde, um die werthvolle Ladung zu entlöschen, -wochenlang Rast gehalten. -</p> - -<p> -Das Goldfieber, das schon viel Tausende zur Pflichtverletzung -trieb, übte auch auf die Mannschaft des deutschen Schiffes seinen -verderblichen Einfluß aus, und die Hälfte derselben folgte dem -lockenden Rufe nach goldenen Schätzen, den gewissenlose Agenten -<span class="pagenum"><a id="Page_3" name="Page_3" href="#Page_3">[3]</a></span> -ertönen ließen. Gleich vielen anderen folgten die Bethörten und -vertauschten den harten Seemannsberuf mit dem eines Diggers, -um unter Entbehrungen, in harter Arbeit, fern in den wegelosen -Steppen des wasserarmen Innern Australiens nach den begehrlichen -Schätzen der Erde zu graben. -</p> - -<p> -Bitter Enttäuschte, die viel ärmer als sie einst ausgezogen, -zur Küste zurückgekehrt waren und nur von Hunger, Durst und -schlimmen Erfahrungen zu erzählen wußten (kaum daß sie im -Stande gewesen, das äußerst theure Leben in der Wildniß zu -fristen, so wenig hold war ihnen das Glück gewesen, so spärlich -nur hatten sie Gold gefunden), ersetzten zum Theil die Flüchtigen. -Froh noch konnte mancher Schiffsführer sein, wenn es ihm gelang, -mit Angehörigen anderer Nationen sein Schiff wieder zu besetzen, -da fast ohne Ausnahme jedem, wenn nicht die ganze, so doch ein -Theil der Schiffsbesatzung entlaufen war. So mußten denn ebenfalls -auf dem deutschen Schiffe Norweger, Schweden oder Engländer -als Ersatz mit landesüblicher hoher Löhnung angenommen -werden und das Kommando, sonst im biederen Plattdeutsch geführt, -machte nothgedrungen dem englischen Platz. -</p> - -<p> -Das Schiff, auf welchem sich der Schreiber dieser Zeilen als -Reisender befand, war gleich vor Beginn der Fahrt nach den -Samoa-Inseln im Stillen Ozean bestimmt, und Ende Oktober des -Jahres 1884 lichteten wir die Anker, um von Melbourne weiter -die Fahrt nach Apia fortzusetzen. Widrige Winde in der Baßstraße, -zwischen dem Festlande von Australien und der Insel Tasmanien, -unfreundliches Wetter mit kalten Regenschauern erschwerten -das Aufkreuzen in derselben, bis nach Tagen schließlich raumer -Wind das Passiren der in dem östlichen Theile dieser Straße -liegenden Inseln und Felsenrocks möglich machte. -</p> - -<p> -Als wir dann den freien Ozean gewonnen hatten, war es -nothwendig, möglichst weit nach Osten aufzusegeln, und selbst als -wir dicht unter der Nordspitze von Neu-Seeland gekommen waren -und die drei König-Inseln sichteten, wurde noch immer der Kurs -mehr östlich als nördlich gehalten, damit, wenn wir die Region des -Süd-Ost-Passatwindes erreicht hätten, mit freiem Winde nordwärts -gesteuert werden konnte. Schon auf der Höhe der Kermadec-Inseln -wurde das Schiff von Windstillen befallen, die zeitweilig, von -schweren Regenböen unterbrochen, nur ein sprungweises Vorwärtskommen -gestatteten, bis auch dieser Gürtel unbeständiger Winde -passirt war und auf etwa 25° S. Br. der Passatwind kräftig einsetzte. -</p> - -<p> -Jetzt hatte die langdauernde Stille, bei der die Segel in -eintöniger Weise an die Masten klappten, auf einmal ein Ende; -die spiegelglatten Fluthen des Ozeans durch aufspringende Böen -zeitweilig aufgeregt, sprangen übermüthig die Schaumkronen der -Wellen an der Bordwand des Schiffes empor, das unter voller -Segelkraft mit schneller Fahrt dahineilte. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_4" name="Page_4" href="#Page_4">[4]</a></span> -Als wir östlich von den Tonga- (Freundschafts-) Inseln -nordwärts steuerten, war das erste Land, welches in Sicht kam, -die Insel Niue, aber zwei Tage später schon tauchte am Horizonte -des tiefblauen Tropenhimmels die gebirgige Inselmasse der Samoagruppe -klar und deutlich empor, immer höher aus den Fluthen des -im Sonnenglanze blinkenden Meeres aufsteigend, je näher sich -beflügelten Laufes das Schiff seinem endlichen Ziele näherte. -</p> - -<p> -Zur Rechten die Insel Tutuila mit ihren zerrissenen Bergen, -einst thätigen Vulkanen, hebt sich zuerst, wenn man der Straße -zwischen der Insel Upolu und Tutuila zusteuert, die über 30 Seemeilen -breit ist, die mächtige Bergmasse aus den blauen Fluthen -des Ozeans, während die langgestreckte Insel Upolu, massiver und -höher, aus der Ferne wie in weißen Nebel getaucht erscheint, über -der die blauen Bergkuppen vereinzelt emporragen. Immer deutlicher -jedoch tritt auch hier das Unterland hervor, und die hochragenden -Kronen der Kokospalmen, einen Kranz um alles sichtbare -Land bildend, erscheinen wie ein endloser Wald, der sich längs -dem Ufer hinstreckt. Sobald auch die Ufer ganz sichtbar geworden, -zieht sich weit von Land ein weißer Silbergürtel hin, erzeugt durch -die das Ufer umsäumenden Korallenriffe, an welchen sich wilddonnernd -die ziemlich bewegte See unablässig bricht. -</p> - -<p> -Ein eigenartiges Bild blühender Tropenlandschaft bietet das -Ganze, man fühlt sich unwillkürlich versucht, anzunehmen, unter -diesem blauen Himmelsdome, unter den im Winde wogenden -Palmenkronen müsse ein ewiger Friede wohnen, müsse die Natur -ein Paradies geschaffen haben. -</p> - -<p> -Vorüber ziehen an der Ostseite der nach dem Innern immer -höher sich aufthürmenden Berge dieser Insel, die mächtigen abgesprengten -Rocks gleichenden Inseln Nuulua und Nuutele, und -weiter, sobald nach Nord-Westen das Auge wieder den freien -Ozean erblickt, die riffumkränzte Insel Fanuatapu. Wenn diese -umsegelt ist, läuft das Schiff vor dem Winde nahezu westwärts -längs der von Korallenriffen reinen Küste, und nur die reiche -Tropenwelt vom Strande aufwärts bis zu den sanften Höhen -zeigt sich im ewig grünen Schmucke, kein kahles Gestein wird -sichtbar, dicht mit Busch und Wald scheint Thal und Hügel bedeckt -— als ein gesegnetes Land hebt sich diese Insel aus der Tiefe -des mächtigen Ozeans. Hin und wieder treten zwischen den hohen -Stämmen der schlanken Palmen am Strande wie dunklere Punkte -die Hütten der Eingebornen, am steilen Ufer erbaut, -von der grünschimmernden -See ab, ebenso gleitet zeitweilig über eine tiefere -Bucht ein Kanoe eilend hin, von kräftigen Armen vorwärts getrieben, -obschon von den Insassen bei so großem Abstande nichts -Genaues zu sehen ist. -</p> - -<p> -Ist man zwölf Seemeilen längs der Nord-Ostküste gesegelt, -so öffnet sich hinter der Nannivi-Spitze der Hafen von Falisa, von -<span class="pagenum"><a id="Page_5" name="Page_5" href="#Page_5">[5]</a></span> -hier aber läuft an der Küste weiter ein mächtiges Korallenriff, an -dessen Kante die See schäumt und brandet. Das Land erhebt sich -im Innern der Insel höher und höher, über die welligen Bergmassen -ragt der Berg Fao spitz empor; ein Bergrücken durchschneidet -die ganze Insel von Ost bis West, dessen einzelne Ausläufer -nur hier und dort bis an die Küste vordringen. -</p> - -<p> -Ist die dem Lande vorgelagerte Riffmasse passirt, so öffnet -sich der von Korallenbänken und Riffen umgebene sichere Hafen -von Saluafata, der zu dieser Zeit schon von den deutschen Kriegsschiffen -als bester Depotplatz und Gesundheitsstation anerkannt und -benutzt wurde. Alle Riffe, von See aus gesehen, scheinen direkt -mit dem Lande verbunden zu sein, wenigstens läßt das grünschimmernde -Wasser, sobald die ausgedehnten Bänke damit bedeckt -sind, solches anfänglich vermuthen, in der That aber bilden diese -häufig ein zwar vielfach geformtes, doch getrenntes Ganze für sich, -so daß selbst bei der Ebbe es für ein Boot möglich ist, dicht unter -Land oder in geringer Entfernung davon innerhalb der Riffe im -ruhigen Wasser zu fahren. Selbst die Kriegskanoes der Eingeborenen, -40 und mehr Mann fassend, benutzen nur diese Wasserstraßen, -um von Ort zu Ort zu gelangen, obwohl diese sich auch -nicht scheuen, mit den leichtgebauten Fahrzeugen auf die offene -See hinauszurudern, wenn das Meer ruhig ist und eine Nothwendigkeit -dazu vorliegt. -</p> - -<p> -Angebracht scheint es mir hier, gleich über die Entstehung, -Fortpflanzung und Bildung der Korallenbänke eine kurze Beschreibung -zu geben, weil im Laufe dieser Erzählung vielfach der -gefährlichen Korallenbänke wird Erwähnung gethan werden. -</p> - -<p> -Die Koralle, eine Polypenart, siedelt sich am häufigsten in -den tropischen Gegenden an, an geschützten Küsten oder auf nicht -tiefer als 50 Meter liegendem Meeresgrunde, sind die Bedingungen -zur Fortpflanzung günstig, d. h. reichliche Nahrung und eine nicht -unter 18° C. sinkende Wassertemperatur vorhanden, so breiten sie -sich sehr schnell aus und bilden durch das Absterben der Milliarden -kalkhaltiger Thiere allmählich eine feste steinige Masse. -</p> - -<p> -Sie wächst bis zur Ebbegrenze, d. h. bis zum niedrigsten -Stande des Meeresspiegels, dann hört aus Mangel an genügender -Nahrungszufuhr ihr Wachsthum auf, dafür aber dehnen sie sich -nach der offenen See mehr und mehr aus, selbst die schweren, auf -solchem Randriff brechenden Wogen hindern die Thierchen nicht -am Weiterbau. Lücken, durch sehr schwere Brandung hervorgerufen, -füllen sie schnell wieder. Meistens bildet der äußere Rand -eines Riffes eine steile Wand, was namentlich der Fall ist, wenn -an solchem die Wassertiefe schon beträchtlich ist. -</p> - -<p> -Um es zu verstehen, daß selbst auf abschüssigem Grunde ein -Korallenriff an Ausdehnung gewinnen kann, muß man bedenken, -wie die Korallenthiere bis zu der Tiefe von 50 Meter immer -<span class="pagenum"><a id="Page_6" name="Page_6" href="#Page_6">[6]</a></span> -weiter an gebildeten Bänken fortbauen, so über großen Tiefen frei -hängende Massen bilden, die schließlich durch die Gewalt der See -oder ihrer eigenen Schwere abbrechen und versinken. Solche abgestürzten -Massen aber, im Laufe der Zeiten übereinander gethürmt, -geben den Thieren immer neue Ansiedelungspunkte und die Folge -ist, daß an vielen Riffen eine steile, senkrechte Wand gefunden -wird, die aus einer Tiefe von mehreren hundert Fuß bis zur -Oberfläche des Meeres aufragt. -</p> - -<p> -Eine eigenthümliche Erscheinung ist ferner, daß an der -Mündung von Bächen und Flüssen die Koralle sich nicht ausbreitet, -es erklären sich hierdurch die kleineren oder größeren Riffpassagen, -die man bei Wallriffen unter Inseln oder Festland immer -findet. Der Grund dafür ist, daß den Korallenthieren durch das -Süßwasser die benöthigte Nahrung entzogen wird und sie naturgemäß -absterben, oder, wo durch brandende See ihnen solche doch -noch zugeführt wird, sich nur äußerst langsam ausdehnen. Ebenso -werden die Thierchen an der gedeihlichen Fortpflanzung unter Land -auch dadurch gehindert, daß, während schon an und für sich das -Meer ihnen geringere Nahrung zuführt, die Landwinde vom Ufer -vielen feinen Staub abwehen. Dadurch erklärt es sich, wie häufig -in der Nähe des Landes die Koralle das Weiterbauen eingestellt -hat und Durchfahrten für Boote und Kanoes freigeblieben sind. -Orte, wo die Koralle im Meere nicht gedeiht, sich vielleicht überhaupt -nicht angesiedelt hat, wie man solchen Vorgang an Inseln -beobachten kann — eine Seite derselben ist mit Riffen eingefaßt, -die andere nicht — ist fast immer auf eine kältere Meeresströmung -zurückzuführen, die unter Küsten oder Inseln hinzieht. -</p> - -<p> -Das ausgedehnte Gebiet des Großen Ozeans, dessen weitverzweigte -Inselwelt vielfach heute noch ein Vulkanheerd ist, bringt -hin und wieder plötzliche Veränderungen hervor, für Jahrtausende -beständig gebliebene Riffe versinken oder heben sich. Tritt solche -Verschiebung ein, sinkt z. B. ein Riff unter die Meeresoberfläche, -so baut sich die Koralle ungemein schnell auch auf schon erstorbenen -Flächen wieder an und führt das Riff zur Meeresoberfläche; -hingegen heben sich unter Wasser gebildete Bänke, was zur -Folge hat, daß im größeren Umkreise auch der Meeresboden gehoben -wird, so nimmt die Koralle am Randriff ihre Arbeit wieder -auf, da sie auf einer Tiefenlinie von ungefähr 2000 Meter nicht -weiter bauen kann, weil der in solcher Tiefe große Kohlensäuregehalt -des Meerwassers einen Weiterbau verhindert. -</p> - -<p> -Was die Bildung der Korallen-Inseln anbetrifft, so entstehen -solche nur durch Anhäufung losgelöster Korallenblöcke, die durch -schwere Seen bei Stürmen oder Orkanen auf das Riff getragen -werden. Ueberwiegt auch am Riffrande das Wachsthum der -Koralle den Verlust, welcher durch die unablässig anbrandenden -Wogen entsteht, die solche Theile und Theilchen loslösen und auf -<span class="pagenum"><a id="Page_7" name="Page_7" href="#Page_7">[7]</a></span> -dem Riffe ebenfalls ablagern, so tragen doch diese dazu bei, schon -etwa über Fluthhöhe angehäufte harte Korallenmassen zu verbinden -und heftige Winde thun das Ihre, zu Zeiten der Ebbe den leichten -Korallenmörtel immer höher aufzuhäufen. Dann fehlt nur noch -die Vegetation; angeschwemmte Kokosnuß und Pandanuß finden -fruchtbaren Boden; Samen, von Seevögeln oder den Wogen zugetragen, -keimen auf der kleinen Fläche, die hierdurch auch immer -mehr an Ausdehnung gewinnt, bis im Laufe der Zeiten Inseln -von beträchtlichem Umfange entstehen. -</p> - -<p> -Bei der Beschreibung des Marschall-Atolls und anderer werde -ich auf deren muthmaßliche Bildung zurückkommen, obgleich die -Entstehung der heutigen Inselgruppe auf ganz gleiche Vorgänge -zurückzuführen ist. -</p> - -<p> -Sieben Seemeilen weiter westlich von dem, dem Hafen von -Saluafata vorgelagerten Riffe — die Küste zeigt auf dieser Strecke -nur wenig Korallenbildungen — erhebt sich von der Vailele-Bai -erst wieder das massive, von hier die ganze Küste westwärts umfassende -Korallenriff. Die brandenden Wogen an denselben mahnen -zur Vorsicht, man ist deshalb gewohnt, einen größeren Abstand zu -halten, als bei günstigem Winde nöthig wäre, da die Wassertiefe -fast überall bis dicht unter das Riff beträchtlich ist. -</p> - -<p> -Erschwert wird daher auch das Auffinden der Einfahrt, die -zum Hafen von Apia führt; namentlich für einen mit den Verhältnissen -und den Strömungen nicht vertrauten Schiffsführer hat -die erste Ansegelung etwas Schwieriges. Wohl geben der Apia-Berg, -ferner auf diesem und die an dessen Fuße auf dem kleineren -Waea-Hügel errichtete Baken und Feuer ein gutes Merkzeichen, -doch diese sind nicht immer, wenn Dünste und feuchte Nebel darüber -lagern und tiefhängende schwere Regenwolken das Innere der -Insel verhüllen, aus größerer Entfernung sichtbar und selbst der -Hafenlootse kann sich bei bewegter See auch nicht immer weit aus -dem Schutze der Riffe herauswagen, um dem irrenden Schiffe als -Wegweiser zu dienen. Dazu kommt, daß der nach Westen setzende -Strom ein Schiff leicht über die Peilrichtung der gegebenen Zeichen -hinaustreibt, und manchem Führer geht es so wie es auch mir -ergangen ist, daß er, gegen schwachen Ostwind kreuzend, -weit fortgetrieben -wird und er Tage braucht, ehe er die Höhe des Hafens -wieder erreicht. -</p> - -<p> -Man bezeichnet auch den durch den im Apia-Hafen mündenden -Vaisigano-Fluß gebildeten Wasserfall, der landeinwärts bei -dem Dorfe Maniani liegt, als gutes Merkzeichen, da er im Sonnenlichte -hell blinkend seine Wasser aus beträchtlicher Höhe abstürzt -und auch weit von See aus sichtbar ist; allein da solche Fälle bei -günstiger Beleuchtung an der Nordseite der Insel mehrere zu sehen -sind, so ist der Vaisigano-Wasserfall kein untrügliches Zeichen. In -den Monaten Mai bis November wird man indes hier meistens -<span class="pagenum"><a id="Page_8" name="Page_8" href="#Page_8">[8]</a></span> -immer klares Wetter antreffen und es dann nicht schwierig sein, -die Einfahrt in den gut geschützten Hafen zu finden. -</p> - -<p> -Es war am 19. November 1884 als wir, schon nach hereingebrochener -Dunkelheit, den sicheren Hafen erreichten und ich nach -einer Reise von 175 Tagen (der Aufenthalt in Melbourne eingerechnet) -das Land betrat, wo für mich eine jahrelange Thätigkeit -im Dienste der deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft vorgesehen -war. Dem Fremdartigen, das einem in fern entlegenen -Ländern entgegentritt, wendet man anfänglich seine ganze Aufmerksamkeit -zu; so fühlte man sich auch hier, wo schon die reiche -Tropenwelt, die ganze Großartigkeit der Scenerie die Sinne gefangen -nahm, versucht, die gewonnenen Eindrücke auf sich wirken -zu lassen, und das Wohlgefälligste, was dem Beobachter hier in -diesem schönen Erdenparadiese entgegentritt, sind die Bewohner -dieses gesegneten Landes selbst. -</p> - -<p> -Stolze, stattliche Gestalten sind die Männer, groß und schlank -gebaut, Klugheit und Kraft verrathend, soweit letztere aus dem -stolzen Gang und dem wohlgenährten Körper ersichtlich ist. Der -Körper ist bis auf den Lendenschurz, den Lava-Lava, den sie gefällig -um die Hüften tragen, nackt, die Beine fast bis zum Unterleib -tätowirt, stechen die blauen Streifen oder Ringe von der lichtbraunen -Farbe des Körpers auffällig ab. Die Frauen sind selten -über Mittelgröße, haben hübsche, anmuthige Gestalten, zeigen Sanftmuth -und gefälliges Wesen, vor allem, wenn noch Jugendreiz sie -schmückt und sie ihre Schönheit durch die duftenden Kinder der -hier üppig blühenden Flora zu heben bemüht sind, die sie kranzartig -sich in das starke, mähnenartige, schwarze Haar einflechten. -</p> - -<p> -Ein sorglos glücklich Volk, dem die Natur ihre reichen -Schätze ohne Arbeit und Müh in den Schooß wirft, scheinen diese -Ureinwohner zu sein. Wohin man den Blick wendet, Früchte -beladene Kokospalmen, vereinzelt oder in großen Gruppen, Apfelsinen -und Brotfruchtbäume neben der zuckersüßen Banane, der -wohlschmeckenden, nahrhaften Yamswurzel, dem Zuckerrohr und der -Taroknolle, machen die Hauptbestandtheile der Nahrung der Eingeborenen -aus, nur die letzten Arten bedürfen der Anpflanzung -und sehr geringer Pflege. Der Palmenbaum, der Milch, Oel und -saftigen Kern giebt, Gewebe und wohlschmeckendes Getränk, um -Dörfer und Hütten gepflanzt, genügte allein schon den Eingebornen -zu sättigen und zu befriedigen. Nicht die Größe des Flächenraumes -schätzt dieser deshalb hoch, sondern die Zahl der Palmenbäume, -die ihm zu eigen gehören. -</p> - -<p> -Der große Hafen von Apia, durch die vorspringende Matautuspitze -und die weitgestreckte schmale Landzunge Mulinun gebildet, -durch die weit in See sich erstreckenden Riffe eingeengt und eigentlich -erst geschaffen, bietet genügenden Raum und Wassertiefe für eine -ganze Anzahl großer Schiffe; der kleinere Hafen hingegen ist etwas -<span class="pagenum"><a id="Page_9" name="Page_9" href="#Page_9">[9]</a></span> -beengt, bietet aber für jedes Schiff, wenn solches wegen seines -Tiefganges nicht im großen verbleiben muß, eine noch gesichertere -Lage. Uebrigens ist der kleine Hafen eigentlich nur der Ankerplatz -für die der Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffe. -</p> - -<p> -Auffällig und sofort ins Auge fallend sind die großen Bauten -der Deutschen Handels-Gesellschaft, -vor allem das gefällige Hauptgebäude, -das in seiner Ausdehnung nicht bloß die Kontore, sondern -auch die Wohnung des derzeitigen Chefs, des Herrn Konsuls -Weber, sowie aller im Innern-Dienst Angestellten enthält. -</p> - -<p> -Das Innere des großen Quadrats nimmt ein gefälliger -Ziergarten ein, dessen Bäume und Pflanzen viel dazu beitragen, -die heiße Schwüle der Abende zu mildern und erfrischende Kühle -verbreiten. Alle Häuser der Europäer, aus Holz erbaut, das nach -Bedarf von amerikanischen Schiffen eingeführt wird, stehen um -einige Fuß über dem Erdboden erhöht meistens auf gemauerten -Korallenpfeilern. Es ist dies insofern eine zwingende Nothwendigkeit, -als, abgesehen davon, daß während der Regenzeit vom -November bis April, die Feuchtigkeit fern gehalten wird, dem zahlreichen -Ungeziefer nach Möglichkeit gewehrt werden muß. -</p> - -<p> -Ratten in Unmenge, Ameisen zu Milliarden bürgern sich in -den Häusern gar zu gerne ein und namentlich gegen letztere, die -durchaus nichts, was eßbar ist, verschonen, kämpft hier der Mensch -vergeblich an. Um diese kleinen geschäftigen Thierchen, die unter -Dielen, in den Holzfüllungen ihre Heimstätte aufschlagen, nur -einigermaßen vom Genießbaren fernzuhalten, müssen Tischbeine, -überhaupt alle Gefäße, die Eßbares enthalten, in Wasserbehälter -gestellt werden, das ist die einzige Methode, mit einigem Erfolge -Speisen, Früchte u. s. w. vor Verderben durch Ameisen zu schützen. -</p> - -<p> -Ein wahres Heer voll Ungeziefer aber beherbergen die Kopraschuppen, -jene Gebäude, welche aufgespeicherte Vorräthe an getrockneter -Kokosnuß enthalten. Kopra ist der in Stücke geschnittene -und an der Sonne getrocknete Kern der Nuß, jenes werthvolle -Erzeugniß, das in Europa die feinsten Oele, Seifen, Säuren u. s. w. -giebt und jederzeit hoch im Preise steht. In solchen Gebäuden -wimmelt es von Ratten, Käfern, Kakerlaken und Ameisen, die hier -überreiche Nahrung finden, Tausendfuß und anderes gefährlicheres Gewürm, -selbst den Skorpion habe ich zuweilen an anderen Orten bemerkt. -</p> - -<p> -Eine langandauernde Lagerung des Kopras, dessen reicher -Oelgehalt bedeutende Wärme erzeugt, bringt durch Eintrocknen -schon einen Gewichtsverlust mit sich, mehr aber verliert die Güte -desselben durch die erwähnten Thierarten. Bei der Verschiffung -des Kopras wird natürlich solch lästiges Gewürm mit in das -Schiff übergeführt und monatelanges Lagern großer Mengen Kopra -in einem Schiffsraume hat zur Folge, daß namentlich Ameisen und -Kakerlaken sich einbürgern, gegen deren Vertilgung nordische Kälte -nur das einzige durchgreifende Mittel abgiebt. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_10" name="Page_10" href="#Page_10">[10]</a></span> -Die ausgedehnten Bauten der deutschen Factorei und das -dazu gehörige Gelände trägt den Namen „Savala“, die langgestreckte -Landzunge, auf welcher sich mehrere kleinere Dörfer als -„Songi“ und ganz am Ende die Wohnung des derzeitigen Königs -„Maliatoa“ befindet, heißt „Mulinuu“. Gebüsch, Palmen und -Brotfruchtbäume bedecken diese Landfläche, die im Hintergrunde ein -dichter Mangrovensumpf umsäumt, die Brutstätte der lästigen -Mosquitos und des zu Zeiten austretenden Malariafiebers. -</p> - -<p> -Das Klima der meerumrauschten Insel ist im Allgemeinen -als ein gesundes zu bezeichnen; wie ich aus eigener Erfahrung -weiß, hat der Europäer, den tödtliches Fieber befällt, es meist -immer selbst verschuldet und zwar dadurch, daß er die in den -Zimmern herrschende drückend heiße Luft durch Oeffnen von Thür -und Fenstern während des Schlafes in der thaukalten Nacht zu -mildern sucht, deren feuchte Luft zwar angenehm den Körper kühlt, -aber auch eine verderbliche Einwirkung auf die Gesundheit ausübt. -Wenige Monate nach meiner Ankunft (ein längerer Aufenthalt -am Lande war mir vorgeschrieben) hatte ich durch solche Unachtsamkeit -mir ein schlimmes Fieber zugezogen; zwischen Tod und -Leben rang ich lange, bis doch die Natur, unterstützt durch -die Kunst der Aerzte, Sieger blieb. -</p> - -<p> -Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen, das bestätigt -sich auch hier selbst bei den Eingebornen; unter anderen Krankheiten -sei nur die den Körper verunstaltende Elephantiasis angeführt. -Häufig tritt diese Krankheit auf, und wenn sie auch im -ersten Stadium noch schmerzlos ist, so schleppt doch der Betroffene -ein meistens sehr dick angeschwollenes Bein, das ihm äußerst lästig -und am Gehen hinderlich ist, herum, selbst langansässige Europäer -befällt zuweilen dieses unangenehme Leiden. -</p> - -<p> -Von der äußersten Spitze der Landzunge Mulinuu führt ein -bequemer Weg rings um die Bai nach Matautu, der als eine -eigentliche Straße aber erst von der deutschen Factorei an zu betrachten -ist. Zur Rechten liegen dort einige gefällige Cottages, im -Styl englischer Landhäuser erbaut, mit vorliegenden Gärten und -dem freien Ausblick auf den Hafen; die Straße selbst wird von -hohen Apfelsinenbäumen beschattet, deren kugelrunde noch unreife -Früchte den jungen Samoanerknaben als Spielbälle dienen, indem -diese sich die fast nackende, lebhafte Schaar mit Geschick zuwirft. -</p> - -<p> -Weiterhin erst im eigentlichen Matafele, wie die Hauptansiedelung -der Europäer benannt wird, reihen sich Häuser zu -beiden Seiten der Straße, Hotels, Gastwirthschaften und Privatwohnungen, -hinter diesen das Samoanerdorf Matafele. Dem -Durstigen winkt hier in den geräumigen Wirthschaften ein kühler -Trunk, durch künstliches Eis gekühlt; denn Durst, durch die Sonnengluth -erzeugt, hat Jedermann, auch stehen neben Versandbier, das -ausnahmslos deutsches Erzeugniß ist, Spirituosen, ja die theuersten -<span class="pagenum"><a id="Page_11" name="Page_11" href="#Page_11">[11]</a></span> -Sorten edlerer Getränke jedem zur Verfügung, sofern der dafür -geforderte hohe Preis nicht den Geldbeutel zu bedenklich leert, da -unter einem Sixhenie, d. h. 50 Pfennigen, nichts erhältlich ist, -eine Flasche Bier aber schon zwei Mark kostet und Weine noch -bedeutend höher im Preise stehen. -</p> - -<p> -An Vergnügungen fehlt es auch nicht, die meisten Wirthe, -dazumal vornehmlich Deutsche, haben neben einem Tanzsaal, wo -gelegentlich zum Klavier oder Harmonika jeder mit den hübschen -Samoanerinnen, die leidenschaftlich dem Tanze und Spiel sich hingeben, -tüchtig das Tanzbein schwingen kann, auch für Liebhaber -des Kegelsports gute Bahnen eingerichtet, und diese werden von -dem zahlreichen Personal der Factorei und sonstigen Deutschen -auch tüchtig benutzt. -</p> - -<p> -Damit freilich sind die hauptsächlichsten Vergnügungen lokaler -Art erschöpft, Jagdliebhabern bietet sich solches in anderer Weise, -da zahlreiche wilde Tauben und Hühner, selbst verwilderte Schweine -in den Bergen zu finden sind; auch sonntägliche Reitausflüge nach -den Plantagen Vailele, Vaivase, Vaitele, selbst bis nach Molefenua -ausgedehnt, finden viele Theilnehmer, besonders aber sind Picknicks -mit Damen, den Kindern einiger langansässiger Europäer, und -Samoanerinnen, die ihre lichtbraunen Schwestern oftmals noch an -Schönheit übertreffen, für die Jüngeren ein beliebtes Vergnügen, -zu deren Veranstaltung Ausflüge in die schönsten Orte der Umgebung -von Apia gemacht werden. -</p> - -<p> -Hierbei fehlt, was ich gleich erwähnen will, gewöhnlich nicht -der bei den Samoanern so beliebte Schweinebraten, und wenn -auch sonst der stolze Eingeborne sich nicht herbei läßt, -eine Handreichung -zu thun, so übernehmen bei solcher Gelegenheit die Aufgeforderten -doch gerne das Amt eines Mundschenks und bereiten -eigenhändig nach ihrer Weise den köstlich duftenden Braten. -</p> - -<p> -Nach der Anzahl der Theilnehmer wird ein mittelgroßes -Schwein vorher geschlachtet, sehr sauber gereinigt und zerschnitten -bereit gelegt. In einer Grube, die rings mit Steinen ausgefüllt -ist, werden diese durch ein in derselben entzündetes Feuer glühend -heiß gemacht, das Schwein in große Bananenblätter fest eingewickelt, -wird nach Verlöschen des Feuers dasselbe dann in die Grube -gebettet und auch mit ebenso heißen Steinen zugedeckt, worüber -dann Erde geschüttet werden muß, um zu verhindern, daß die Hitze -entweicht. -</p> - -<p> -Von Kraft und Fettgehalt gar nichts verloren, wird nach -Verlauf mehrerer Stunden der äußerst zarte Braten behutsam -herausgenommen und auf frische Bananenblätter gelegt, dann -reißt der Vertheiler mit den Händen das Schwein auf. Allen im -Kreise umhersitzenden Theilnehmern am Mahle sind vorher Bananenblätter -als Teller vorgelegt worden. Auf diese wirft mit vielem -Geschick der eine oder andere Gehülfe des Mundschenks die von -<span class="pagenum"><a id="Page_12" name="Page_12" href="#Page_12">[12]</a></span> -diesem mit den Händen in Stücke zerrissenen Fleischtheile, dabei -jedesmal den bezeichnend, dem sein Antheil zugeworfen werden soll. -</p> - -<p> -Nach unsern verfeinerten Begriffen ist solche Behandlung des -Fleisches sowohl, wie auch der ganze Vorgang etwas unappetitlich, -indes stößt man sich weniger daran, da vor den eigenen Augen -alles mit peinlichster Sauberkeit vorgenommen wird, auch liegt ein -gewisser Reiz darin, Unbekanntes und Eigenartiges kennen zu -lernen. So viel ist gewiß, ein jeder läßt sich das zarte Fleisch -eines so bereiteten Schweines, das nachträglich mit Salz gewürzt -wird, vortrefflich schmecken, dazu die zarten Yamswurzeln und -Bananen, duftende Ananas und Orangen als Nachtisch. So wird -solches Essen ein lukullisches Mahl, das mit Bier, Whisky und -Sodawasser heruntergespült wird. -</p> - -<p> -Gewöhnlich aber haben die theilnehmenden Samoanerinnen -noch etwas zur Ueberraschung vorbereitet: nämlich das beliebte, -pikante Palisami. In junge Bananenblätter mehrfach eingehüllt, -liegt eine weiche, weiße Masse, unsern Windbeuteln vergleichbar, -die, von den zartesten Blüthenblättern des Kokosbaumes umgeben, -einen scharfen, aber angenehmen Geschmack hat, erzeugt durch die -feinen Blättchen, die mit gegessen werden. Das Ganze besteht -aus ganz fein geriebenen Kokosnußkernen, durchsetzt mit der weißen -Kokosmilch. Der eintretende Säureprozeß trägt viel zum Wohlgeschmack -bei. -</p> - -<p> -Die Fröhlichkeit wird dann durch die ungemein wohlklingenden -Gesänge der blumengeschmückten Samoanerinnen eingeleitet. -Einer Vorsängerin, die Melodien und Text angiebt, folgt der ganze -Chor mit einer auffallenden Richtigkeit, die anmuthigen Bewegungen, -das taktmäßige Wiegen des Oberkörpers nach dem Rhythmus, das -Klatschen der Hände auf den Beinen, Armen, Schultern und Kopf -geschieht mit solcher Präzision, daß nur ein angeborenes Talent -solche Fertigkeit hervorbringen kann. Nicht minder interessant sind -die Tänze; wie auf Kommando bewegen sich die Füße und Gliedmaßen, -das Aufreihen und Schließen einer Kette oder Ringes geschieht -mit unfehlbarer Sicherheit, dazu kommt der melodische -Gesang, kurz, es ist ein Genuß, den Bewegungen der graziösen -Gestalten zuzusehen. -</p> - -<p> -Oft habe ich in den Hütten der Eingebornen, wo gerne -Gastfreundschaft geübt wird, bei kredenztem Kavatrunk Tanz und -Spiel zusehen können und über die Sorglosigkeit der Eingebornen -Betrachtungen anzustellen Gelegenheit gehabt, mit welcher die gütige -Natur dieses glückliche Volk ausgestattet hat, das durch schöne -Gestalt und heiteren Sinn ganz besonders bevorzugt ward. -</p> - -<p> -Bei solchen Vergnügungen sowohl, wie bei einem Besuch in -der schmucklosen Hütte des Eingebornen, wird der Nationaltrunk -herumgereicht und ist dieser in folgender Weise zubereitet: die grüne -Kavawurzel, sonst giftig, wird vollständig an der Sonne getrocknet, -<span class="pagenum"><a id="Page_13" name="Page_13" href="#Page_13">[13]</a></span> -bis sie gelb und die Fasern spröde geworden sind, wodurch sie -ihre schädlichen Eigenschaften vollständig verliert. Die eigentliche -und bei den Samoanern beliebte Zubereitung nun ist: es kauen -die jungen Mädchen nach vorgenommener Reinigung des Mundes -Theile dieser Wurzel mit ihrem vorzüglichen Gebiß klein, rollen -solche in Kügelchen und legen diese in die Kavaschale, eine aus -dem Holze des Brotfruchtbaumes künstlich geschnitzte und auf kurzen -Füßen ruhende Mulde. Dann werden die Wasserbehälter, vollständige, -möglichst große Kokosnüße, die so lange in Seewasser -gelegen haben oder mit solchem angefüllt gewesen sind, bis der -schmackhafte Kern in derselben sich aufgelöst hat und durch die -kleinen Keimlöcher entfernt ist, herbeigebracht, die nach Bedarf -vorräthig in oder außerhalb der Hütte hängen und nach vorgenommener -Reinigung der Hände wird von ihnen so viel Wasser -in die Schale gegossen, als erforderlich erscheint. -</p> - -<p> -Die den Kavatrank bereitende Frau rührt nun mit einem -bereitgehaltenen Büschel feiner Fasern von der Banane das Ganze -durcheinander, bis das Gebräu eine schmutzig-bräunlich-gelbe -Färbung angenommen hat, dabei ist sie mit dem Büschel bemüht, -auch das kleinste Fäserchen der aufgelösten Kavawurzel zu entfernen. -Ist der Trank bereitet, was durch Händeklatschen den -Anwesenden kundgethan wird, so bezeichnet der Hausherr den vornehmsten -Gast durch Aufruf und eines der jungen Mädchen hält, -sich erhebend, eine durch vielen Gebrauch schön polirte Kokosnußschale -über den Kavabehälter und läßt sich den ausgeschwenkten -und wieder eingetauchten Faserbüschel darin ausdrücken, oder -richtiger, das oft über einen halben Liter fassende Gefäß mit dem -Getränke volllaufen. In graziöser Bewegung schreitet das Mädchen -dann auf den Bezeichneten zu und kredenzt, vor dem Sitzenden sich -neigend, das Getränk. -</p> - -<p> -Hierbei ist es Regel (soll in einer Nichtannahme keine Beleidigung -des Wirthes gefunden werden), daß die Schale geleert -oder doch daraus getrunken wird, den Rest kann man seitwärts -oder über den Kopf hinweg ausschütten und dann das leere Gefäß -dem wartenden Mädchen zurückgeben. So geht es in der -Runde fort, oft wird auch die große Schale nach Bedarf mehrmals -aufs Neue gefüllt. Gesang, an welchem auch die Männer -sich betheiligen, hilft ein solches Trinkgelage verschönern. -</p> - -<p> -Die Kavawurzel besitzt auch die Eigenschaft, einem kranken -und ermatteten Körper Ruhe zu geben, sowie eine schmerzstillende -Wirkung auszuüben, sie hat deshalb weite Verbreitung als Genußmittel -auch bei den übrigen Südseeinsulanern gefunden. -</p> - -<p> -In größeren Mengen genossen, wirkt der Kavatrank aber -doch berauschend, und bei vollständig klarem Kopfe hat man das -Gefühl, als weiche der Erdboden unter den Füßen, -eine Art Gefühllosigkeit -macht sich in den Beinen bemerkbar und kaum spürt -<span class="pagenum"><a id="Page_14" name="Page_14" href="#Page_14">[14]</a></span> -man die Berührung mit dem Boden. Bei einem Ausfluge zu -einem landeinwärts lebenden Europäer, wo in Ermangelung von -Bier und anderen Getränken von den gefälligen Samoanern reichlich -Kava kredenzt wurde und ich als Neuling schließlich auch Gefallen -an dem eigenartigen Getränke fand, dessen Wirkung ich nicht kannte, -machte ich auf dem langen Heimwege in dunkler Nacht dann die -Erfahrung, daß ein neckischer Kobold sein Spiel mit mir zu treiben -versuche. -</p> - -<p> -Das Kauen der Kavawurzel ist, wie erwähnt, im Allgemeinen -gebräuchlich, doch bürgert sich, wenigstens wo ein häufigerer Verkehr -mit Europäern stattfindet, mehr und mehr die Methode ein, -diese Wurzel zwischen Steine zu zerklopfen und das unappetitliche -Zerkauen mit den Zähnen unterbleibt. Die Zubereitung des -Trankes bleibt sonst dieselbe. -</p> - -<p> -Wie bei den meisten Naturvölkern, so herrscht auch bei den -Samoanern keine strenge Sittlichkeit, doch darf als Beweis die -Veranstaltung des Festes angesehen werden, welches zu Ehren der -unbescholtenen Jungfrauen gefeiert wird. Bei diesem folgt Alt -und Jung dem Zuge, an dessen Spitze die jungen Mädchen im -reichsten Blumenschmuck einherschreiten. So allgemein ist diese -Sitte, daß das Fest in jedem großen Dorfe begangen wird. Die -Anwesenheit der Europäer ist bei solcher großen Festlichkeit sehr -erwünscht, sind sie vorhanden, so wird ihnen der Ehrensitz an der -Seite der Jungfrauen zutheil. -</p> - -<p> -In gleicher Weise wie bei den geschilderten Picknicks wird -auch hierbei, nur im großartigeren Maßstab, ein opulentes Mahl -im grünen Grase unter den Wipfeln rauschender Palmen abgehalten, -dem Gesang und Tanz folgt ein Schauspiel in dieser herrlichen, -pittoresken Gegend und Umgebung, wie solches eindrucksvoller und -natürlicher von den frohsinnigen Kindern eines gesegneten Fleckchen -Erde nicht vorgeführt werden kann. -</p> - -<p> -Reinlichkeit des Körpers ist eine Tugend des samoanischen -Volkes, hervorgerufen durch die Anschauung, daß dadurch allerlei -Krankheiten fern gehalten werden, zu jeder Tageszeit in den kühleren -Stunden findet man an den Ufern der aus den Bergen kommenden -Flüße und Bäche badende Mädchen und Frauen; ja dies ist so zu -einem Bedürfnisse geworden, daß selbst Kranke sich zu den erfrischenden -Wassern schleppen. -</p> - -<p> -Um Haut und Körper geschmeidig zu erhalten, reiben namentlich -Frauen und Mädchen sich mit Kokosnußöl ein, welches dem -Braun der Hautfarbe etwas Glänzendes giebt; gleichwohl geht auch -ein scharfer Geruch von ihnen aus, der ein empfindliches Riechorgan -beleidigen kann; auch eine aneinandergereihte haselnußgroße -Frucht, mit Vorliebe neben Muscheln und Blumenranken als Schmuck -getragen, vermehrt den scharfen Geruch des Oels, die Gegenwart -eines weiblichen Wesens macht sich sofort dadurch bemerkbar. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_15" name="Page_15" href="#Page_15">[15]</a></span> -Bei beiden Geschlechtern ist das Kopfhaar auffallend stark, -andere Haare am Körper, selbst oft der sprießende spärliche Bart -des Mannes, werden durch Ausreißen entfernt und wo sie sich -dennoch zeigen, solche mit scharfen Glasscherben oder Muscheln -abrasirt. Während die Männer sich nach und nach den ganzen -Unterkörper tätowiren, haben die Frauen nur einzelne Punkte auf -der Brust, und ich muß sagen, erstere müssen bei dem schmerzhaften -Verfahren recht starke, wenig empfindliche Nerven besitzen, denn eine -Anzahl dicht aneinandergereihter Nadeln, die bis auf eine gewisse -Länge in die Haut eindringen, werden, befestigt an einem Holzstück, -mit leichten Schlägen eines kleinen Holzhammers eingetrieben und -auf diese Weise die einfache Zeichnung ausgeführt. -</p> - -<p> -Das Kopfhaar der Samoaner ist stark und schwarz; findet -man bei den Männern rothes, so ist dies künstlich erzeugt und -beweist einen gewissen Grad von Eitelkeit. Schlanke Jünglinge, -selbst Männer, erscheinen häufig am frühen Morgen mit einer -eigenartig weißen Perücke geschmückt, bis über die Schläfe hinaus -ist der ganze Kopf in eine starre, weiße Kalkmasse eingehüllt, was -den Trägern solcher Kopfbedeckung ein eigenthümliches Aussehen -giebt. Dabei sind sie auch noch darauf bedacht, ihre Frisur vor -Verletzungen und Unordnung zu schützen. -</p> - -<p> -Die Folge ist, daß unter beständiger Einwirkung von Kalk, -der hier leicht aus gebrannten Korallensteinen zu gewinnen ist, das -Haar allmählich bleicht und schließlich roth wird, neuer Nachwuchs -muß natürlich immer auf gleiche Weise behandelt werden und die -Eitelkeit legt dadurch dem sonst trägen und zur Arbeit wenig geneigten -Samoaner doch gewisse Beschränkungen auf. Uebrigens ist -ein Unterschied in der Sprache wie in der Bekleidung vorhanden. -Während nämlich die Taimua, d. h. die Vornehmen, sich einer -besonderen Sprache bedienen, im Gegensatz zu der der Faipule, -d. h. des gemeinen Volkes, so ist es nur den Häuptlingen und den -Mitgliedern einer Königsfamilie gestattet, weiße Lava-Lava, d. h. -Lendenschurze zu tragen. -</p> - -<p> -Als um das Jahr 1830 die ersten Europäer sich hier festgesetzt -und allmählich der Handel an Ausdehnung gewann, war die -Ausfuhr nach Europa vornehmlich Kokosnußöl, welches die Eingebornen -in größerer Menge bereiteten, davon ist man aber längst -abgekommen und führt die viel billigere Kopra unter Ausnutzung -ihrer reichhaltigen Stoffe, die bei der ursprünglichen Oelgewinnung -vergeudet wurden, lieber in Mengen aus. -</p> - -<p> -Die Oelbereitung geschah, wie früher so auch heute noch, -auf folgende Weise: die reife Kokosnuß wird aufgespalten und von -der äußeren fasrigen Hülle befreit, so daß der ölhaltige Kern nur -noch von der harten festen Schale umgeben bleibt, der Kern wird -dann durch Hin- und Herscheuern auf einem wie eine Säge ausgezackten -Stück Bandeisen oder hartem, schmalen Holz klein gerieben -<span class="pagenum"><a id="Page_16" name="Page_16" href="#Page_16">[16]</a></span> -und die gewonnene Maße dann in eine Mulde oder alten -Kanoe geschüttet. Dann wird sie mit Seewasser übergossen und -dem Gährungsprozesse überlassen. Das Oel sammelt sich überm -Wasser und kann leicht abgeschöpft werden. Es ist sehr säurehaltig, -wird deshalb leicht ranzig und eignet sich schlecht zum Gebrauch, -der widrige Geruch hat auch etwas unangenehm Belästigendes -an sich. -</p> - -<p> -Um zu dem schon erwähnten Palisami oder zu einer Reisspeise, -selbst Hühnersuppe, die benöthigte weiße Milch zu erhalten, -braucht die kleingeriebene Kernmasse nur in einem Stückchen Zeug -oder in Ermangelung dessen in einer weichen, feingewobenen Matte -ausgedrückt zu werden, der weiße, wohlschmeckende Saft fließt durch -das Gewebe ab, der Rest dient den Hühnern und Schweinen als -Nahrung, die sehr gierig nach solchem Futter sind; namentlich muß -vor letzteren die auf Matten ausgelegte Kopra geschützt werden, -denn mit besonderer Vorliebe eignen sich diese Thiere den -wohlschmeckenden, -ihnen so mundgerecht gelegten Vorrath an. -</p> - -<p> -Die Kokospalme ist überhaupt der von der gütigen Natur -für viele Volksstämme gespendete Universal-Baum; diese erhabene, -majestätische Bauart, die vielfältig dem Menschen Nahrung, Kleidung -und Obdach giebt, hat auch den zivilisirten Europäer nach Gegenden -gezogen, die ein einsam freudloses Dasein bieten, wo er oft -mit wilden, selbst kannibalischen Stämmen, schwere Kämpfe bestehen -mußte, ehe ein Tauschhandel um die werthvolle Kokosnuß eingeleitet -werden konnte. -</p> - -<p> -Die Kokospalme wächst überall in den Tropen, auf Korallen, -wo sonst kein Gras noch Strauch zu sehen ist, senkt sie ihre Wurzeln -tief ins Gestein und saugt das für sie nöthige Wasser auf, auch -auf Hügeln und Bergen, wo der Boden gut ist und genügend -Feuchtigkeit halten kann, findet man sie bis zu 500 Fuß überm -Meeresspiegel. Auf verwittertem Lavagrunde gedeiht der Baum -am besten; ist genügend Raum zur Ausdehnung vorhanden, so -erreicht der astlose, schlanke Stamm oft eine Höhe von 90 Fuß, -über dem sich die mächtige frucht- und blätterreiche Krone stolz in -den Lüften wiegt. -</p> - -<p> -Auf den Plantagen geht man in einem Tempel, der scheinbar -endlos sein grünes Dach über viel Tausend Säulen wölbt; man -ist wie in einem hehren, mächtigen Dome, unter dessen Wölbung -ein reiner, stiller Friede waltet, ein Etwas, das jedem die Majestät -der schaffenden Natur vor Augen führt. -</p> - -<p> -Die Blätter der Palme, bis zu 30 Fuß Länge reichend, -dienen, ineinander geflochten und schichtweise aufeinander gelegt, -dem Eingebornen zur Bedachung seiner Hütten, die meistens rund -oder oval nur aus einer Anzahl in den Boden gesetzter Palmenstämme -bestehen, in der Mitte ist ein höherer Stamm, der das -schräge Dach zu unterstützen hat. -Die Wandbekleidung sind aufrollbare Matten, -<span class="pagenum"><a id="Page_17" name="Page_17" href="#Page_17">[17]</a></span> -die Nachts, wenn der mattenbelegte Raum als -Schlafstätte benutzt wird, niedergelassen werden, höchstens giebt es -ein abgetrenntes Heiligthum in jeder Hütte, das Schätze birgt und -profanen Blicken nicht zugänglich ist, sonst ist bei Tage das Innere -einer Hütte meist immer sichtbar. -</p> - -<p> -Große Geschicklichkeit zeigen die Samoaner im Flechten der -Matten, ihrer praktischen Fächer u. s. w. Auch hierfür giebt ihnen -die Palme wieder das Material. Die feinen Blätter werden aufgerollt, -eine zeitlang gut gewässert, und dann mit einem flachen -Stein oder Holz geklopft. Dann verliert sich die Sprödigkeit und -jedes Blatt, selbst zu feinen Streifchen leicht auftrennbar, giebt einen -weichen, handlichen Stoff. Körbe zum Heimschleppen etwaiger -Feldfrüchte oder Nüsse verfertigt sich der Samoaner erst an Ort -und Stelle, ein Theil des gewaltigen Palmenblattes genügt dazu, -und zwar reißt er die starke Mittelrippe des Blattes so auf, daß -er zwei Theile erhält, flicht die schmalen Blättchen in einander, so -daß beide Theile nun ein Ganzes bilden, biegt die geschmeidigen -Rippen, befestigt sie und in wenig Minuten ist ein starker, fester -Korb hergestellt. -</p> - -<p> -Die zähen, biegsamen Rippen der schmalen, langen Blattstreifen -werden auch nicht verworfen, sondern dienen, in Bündel -gebunden, als Besen. In Ermangelung besserer habe ich mir -häufig solche zum Schiffsgebrauch anfertigen lassen, die sich auch -gut bewährten. -</p> - -<p> -Die Blüthe der Palme tritt unterhalb der Blätterkrone in -länglicher blattähnlicher Form am Stamme hervor, in ihr sammelt -sich der süße Saft und zwar in solchen Massen, daß, wenn die -Blüthe angeschnitten wird und man die Wunde nicht vernarben -läßt, weit über die Dauer der Wachszeit hinaus der Saft fortwährend -läuft. Solch ein Baum, dessen Blüthen zur Gewinnung -dieses Saftes einmal angeschnitten sind, bringt in Folge davon -keine Früchte, giebt aber den wohlschmeckenden, süßen Stoff „Toddy“, -den jeder gerne trinkt; frisch ist er ein angenehm kühles Getränk, -in Gährung übergegangen, was bald geschieht, wirkt er aber stark -berauschend. -</p> - -<p> -Der Palmenbaum wird durch die Entziehung des Saftes -natürlich geschädigt, und wenn mit Nachlässigkeit verfahren wird, -kann man sagen verblutet sich derselbe und stirbt langsam ab. -Meistens werden immer dieselben Bäume zur Gewinnung des -Toddy verwendet, da der Eingeborne den Werth der Palme ebenso -wie der Europäer wohl zu schätzen weiß, auch ist das Toddystehlen, -wozu der Samoaner große Neigung hat, arg verpönt und wird -ein Europäer dadurch geschädigt, steht auf Toddy-Raub eine -empfindliche Strafe. -</p> - -<p> -Die junge Kokospalme bedarf eines fünfjährigen Wachsthums, -ehe sie Früchte bringt, und auch dann muß der Boden gut sein; -<span class="pagenum"><a id="Page_18" name="Page_18" href="#Page_18">[18]</a></span> -auf Korallengrund gepflanzt, entwickelt sie sich langsamer und braucht -etwa sieben Jahre. Von dieser Zeit aber an trägt sie auch immerwährend -Nüsse, obwohl man eigentlich bei den zwei Mal im Jahr -eintretenden Haupternten den Ertrag des einzelnen Baumes auf -durchschnittlich 100 Nüsse rechnen kann. Drei Nüsse werden gemeinhin -auf ein Pfund Kopra gerechnet. -</p> - -<p> -Reife, abgefallene Nüsse treiben, wenn sie längere Zeit unbeachtet -bleiben, leicht Keime. Häufig sah ich Haufen Nüsse, die -mit jungen Schößlingen bedeckt waren, auf freier Erde liegen, es -bedurfte nur einer Auspflanzung und der Entwicklung der anspruchslosen -Pflanze stand nichts im Wege. Regel ist, daß jeder -Baum 30 Fuß Spielraum erhält, aufeinandergedrängt entwickeln -die Palmen sich schwerer, wenigstens ist der Ertrag kein guter. -Jung und grün gepflückt ist die äußere Schale der Nuß noch -verhältnißmäßig -weich und inwendig ganz mit farbloser, wohlschmeckender -Milch gefüllt. -</p> - -<p> -Diese, wohlschmeckend, kühl und angenehm, stillt zwar den -Durst, doch darf man nicht zu viel und zu häufig davon trinken, -da sich dann leicht Unterleibsbeschwerden einstellen. Das innere, -zarte Fleisch der Nuß, der in der Bildung begriffene Kern, ist für -Mensch und Thier nicht minder angenehm. -</p> - -<p> -Zur Zeit der Fruchtbildung, wenn die Faserhülle noch weich -und dünn ist, machen sich mit Vorliebe die Ratten daran, die die -Bäume, namentlich die etwas geneigten, selbst die höchsten, erklimmen -und die Nüsse anschneiden und der angerichtete Schaden -ist ganz beträchtlich. Gegen diese Nagethiere vermag der Pflanzer -die Früchte nur dadurch einigermassen zu schützen, daß er seine -Bäume mit Blechstreifen, über welche die Ratten schlecht hinwegkommen, -benagelt, auch gefallene Nüsse möglichst schnell aufsammelt, -da die scharfen Zähne der Ratten selbst die zähe Faserhülle und -die äußerst harte Schale der Nuß durchzufressen vermögen. Ein -Laie, der in den Besitz einer beinahe reifen Nuß gelangt ist, wird -schwerlich solche leicht öffnen können, da das Durchschneiden der -zähen Faserhülle selbst mit einem scharfen Messer kaum möglich ist. -</p> - -<p> -Der Eingeborne bedient sich dazu eines 2-3 Fuß langen -Stockes, den er an beiden Enden zugespitzt hat; dann stößt er das -eine Ende in die Erde, faßt die Nuß mit beiden Händen und -schlägt damit gegen die Spitze des Stockes, sodaß dieser tief in -die äußere Hülle eindringt. Alsdann bricht er, mit der linken -Hand den Stock festhaltend, mit der anderen die Schale auf indem -er die Nuß kräftig zur Seite biegt; wenige Schläge genügen, und -die Nuß ist von der zähen Hülle befreit. Um nun auch die harte -innere Schale zu öffnen, schlägt man mit einem Stein oder Messer -oder einer anderen Nuß dagegen, dann springt an der getroffenen -Stelle die spröde Schale leicht auf, Kern und Milch wird frei. -</p> - -<p> -Soll die fasrige Hülle zu Matten oder Tauwerk verwendet -<span class="pagenum"><a id="Page_19" name="Page_19" href="#Page_19">[19]</a></span> -werden, so wird solche für längere Zeit in einen Frischwassertümpel -gelegt; die Fasern lösen sich dann auf und lassen sich, gereinigt, -leicht auseinander ziehen. Gewöhnlich spinnen die Eingeborenen -daraus den Cajar, einen zweidrilligen Faden, aber auch starkes, -zähes Tauwerk, jener dient ihnen namentlich dazu, ihre Hütten zu -befestigen, die mit Cajar gebunden, selbst vom wirbelnden Orkan -nicht leicht niedergefegt werden können. Zuletzt sei noch die harte -Kernschale erwähnt, diese, an und für sich nicht weiter verwendbar, -wird zur Feuerung benutzt. Sie entwickelt, da sie leicht brennbar -ist, eine ganz beträchtliche Hitze. -</p> - -<p> -Lehrreich ist es, zu beobachten, wie gewandt der Samoaner -selbst die höchsten Palmen zu erklimmen vermag und die hochhängenden -Früchte dieses Baumes zu erlangen versteht. Ein -Hinaufklettern ist es freilich eigentlich nicht, -eher ein Vorwärtsschieben -des Körpers mit Händen und Füßen. Dabei weiß der -Eingeborne sich auf eine einfache Weise zu helfen. Der Stamm -der Palme, obgleich ziemlich glatt, hat doch eine beträchtliche Zahl -leicht vorstehender Ringe, die ehemaligen Blätteransätze, diese geben -dem Kletternden dann einen gewünschten Halt, wenn er sich mit -dem erwähnten Cajar die Knöchel der Füße so verbindet, daß -vielleicht sechs Zoll Abstand bleibt. Wird die Fußsohle gegen den -Stamm gedrückt, so findet dieses kurze Tau an den vorspringenden -Ringen Halt; mit den Händen immer höher greifend, schiebt sich -der Körper bis zur schwankenden Höhe hinauf. -</p> - -<p> -Der hohe Werth der Kokospalme, den auch der Europäer -sehr zu schätzen weiß, läßt sich aus dem Gesagten entnehmen; kein -größerer Schade kann daher dem Eingebornen zugefügt werden, -als wenn man seine Palmen vernichtet, was leider die Samoaner -unter sich bei ihren häufigen Parteikämpfen nicht unterlassen. Der -siegende Theil schlägt, wenn er Zeit findet, die Anpflanzungen der -Besiegten nieder und fügt dadurch dem Unterliegenden einen unersetzlichen -Verlust zu. -</p> - -<p> -Auffallend schnell hat der Samoaner sich dem Christenthume -zugeneigt, da er sehr empfänglich für das Neue und mit schnellem -Auffassungsvermögen ausgestattet ist. Das evangelische und -katholische Bekenntniß zählt zahlreiche Anhänger, man kann sagen, -dem Namen nach sind die meisten Bewohner der Samoagruppe -Christen. -</p> - -<p> -Um so leichter hat der Eingeborne die göttliche Lehre angenommen, -als er in ein Labyrinth von Göttern und Götzen -gerathen war, aus dem ihm selbst seine reiche Phantasie durch -Umstürzen alter und Aufstellung neuer Götter schwer einen Ausweg -schuf. Im Allgemeinen war die Anschauung der Allbeseelung der -Naturwelt und der Menschen in ihm lebendig. -</p> - -<p> -Etwas eigenartig liegen die politischen Verhältnisse auf Samoa. -Das tapfere Volk, in Stämme und Parteien getheilt, schwingt trotz -<span class="pagenum"><a id="Page_20" name="Page_20" href="#Page_20">[20]</a></span> -seiner monarchischen Staatsverfassung immer aufs Neue die Fackel -des Bruderkrieges, schnell ist es zum Kampf bereit, schnell auch -wieder zur Versöhnung, die es durch großartige Feste feiert. Den -Frieden aber, der eigentlich nur ein Waffenstillstand ist, können -geringfügige Vorfälle leicht wieder stören. -</p> - -<p> -Die Kriege sind, als noch Lanzen, Keulen und Schlachtbeile -mehr im Gebrauch waren, wohl nie sehr blutig gewesen, da Mann -gegen Mann gefochten wurde und schon bei einem geringen Verluste -die schwächere Partei das Feld räumte, die erbeuteten Köpfe -der gefallenen Krieger nahm der Sieger als Trophäe mit und legte -sie seinem Oberhäuptling oder dem Könige zu Füßen. -</p> - -<p> -Von dieser scheußlichen Gewohnheit, den Todten und Verwundeten -die Köpfe abzuschneiden, lassen die Samoaner auch heute -noch nicht, zum mindesten wird, wenn keine Zeit vorhanden ist, -die Schändung vorzunehmen, schnell ein Ohr abgeschnitten, dann -hat nämlich der Kopf für einen anderen keinen Werth mehr. -Missionare und strenge Gesetze sind machtlos dagegen; von der -Gewohnheit ihrer Vorfahren, solche Trophäen heimzubringen, wollen -sie durchaus nicht lassen. -</p> - -<p> -Besser wurde die Lage auf Samoa auch nicht nach der Ansiedelung -der Europäer, und haben die Deutschen als die ersten -auch großen Einfluß gewonnen, so hat doch die Nebenbuhlerschaft -der Engländer und Amerikaner das Parteiwesen nur verschlimmert. -Die Einfuhr von Waffen, namentlich des Winchester Gewehrs, -haben den begabten Samoaner, der Landbesitz und große Mengen -Kopra für die Erlangung solcher Waffe hergab, zu einem nicht zu -verachtenden Gegner gemacht. -</p> - -<p> -Ja der Haß der Fremden gegen die Deutschen, welche den -werthvollsten Theil der Insel Upolu in ihren Besitz gebracht hatten, -ging so weit, daß sie trotz ihrer geringen Anzahl offen Partei -gegen unsere Landsleute nahmen und die Samoaner gegen ihre -einstigen Freunde aufstachelten, wodurch deutsches Eigenthum schwere -Schädigung erlitt. -</p> - -<p> -Es ist genugsam bekannt, wie thatkräftig die Regierungen -eingreifen mußten, um die blutigen Fehden einzuschränken, die -blinder Haß und Neid entfacht hatte. Da der deutsche Reichstag -im Jahre 1878 den Plan des eisernen Kanzlers, die Samoa-Inseln -an Deutschland zu bringen, zunichte machte, als diese noch -herrenlos und durch politische Wirren geschwächt waren, hat uns -später viel Blut und Leben gekostet; damals war es eine geringe -Summe, um welche es sich handelte, hätte man sie bewilligt, die -Perle des Großen Ozeans wäre deutsch gewesen! -</p> - -<p> -Unsere aufblühenden Kolonien, die kaum ein Jahrzehnt in -deutschem Besitz sind, haben gezeigt, daß der Deutsche auch in seinem -eigenen außereuropäischen Besitzthum der rechte Mann der That -sein kann, also nicht bloß versteht, anderen Nationen die leicht -<span class="pagenum"><a id="Page_21" name="Page_21" href="#Page_21">[21]</a></span> -erworbenen Länder zu bebauen und zur Größe und zum Wohlstand -zu verhelfen. Wahrlich genug deutsche Kraft und Einsicht -ist anderen Völkern zu gut gekommen, so daß es fürwahr an der -Zeit war, dem erstarkten deutschen Volksbewußtsein weitere Kreise -zu ziehen, wie es der Begründer des neuen Reiches als ernste -Nothwendigkeit erkannte; hemmen läßt sich der gewaltige Trieb einer -aufflammenden Volkskraft wohl, aber niederhalten, in andere -Bahnen lenken, niemals! Wie später die deutschen Pioniere in -Afrika alles daransetzten, für ihr deutsches Vaterland das zu -schützen, was das Schwert erkämpft hatte, so würde damals ein -gut bebautes, reiches Land schnell unter den Fittichen des deutschen -Aars den Frieden und das Volk die Ruhe nach langem Hader -und blutigen Kämpfen gefunden haben. -</p> - -<p> -Dagegen wurde den drei betheiligten Mächten Deutschland, -England, Amerika die Oberhoheit zugesprochen, dem kleinen Volke -aber die Selbständigkeit gelassen. Ohne Zweifel ging das Bestreben -dahin, auf diese Weise dem Volke den Frieden zu geben -aber die Eifersucht der Fremden vereitelte die gute Absicht. Vor -allem gönnten die Engländer und Amerikaner, so geringen Antheil -sie auch an Samoa hatten, den Deutschen nicht die Früchte ihrer -Mühen, und was im hohen Rathe der Mächte eine Möglichkeit -schien, Land und Volk den Frieden zu geben, vereitelte auf Samoa -selbst die Eifersucht der Ansiedler. Willkommen war jeder Anlaß, -dem vorherrschenden deutschen Einflusse den Boden zu entziehen -und dessen Ansehen zu schädigen. -</p> - -<p> -Fürsten und Volk der Samoaner lauschten den Einflüsterungen -übelgesinnter Eingewanderter, welche den Zwiespalt der Parteien -schlau benutzten und die Fackel des Aufruhrs und der Widersetzlichkeit -entflammten. Daß die Deutschen endlich dieses Treibens -müde wurden und 1885 auf Mulinuu, dem Gebiete des übel -berathenen und feindlich gesinnten Königs Maliatoa, die deutsche -Reichsflagge hißten, war ein Akt zwingender Nothwendigkeit. -Standen auch 2000 Krieger um Apia bereit, die Flagge niederzureißen -und die erklärte Schutzherrschaft aufzuheben, so wurden -diese doch durch die Geschütze der deutschen Kriegsschiffe und die -beträchtliche Zahl der bewaffneten Deutschen von einem Angriffe -zurückgehalten. -</p> - -<p> -Wie jubelten wir alle der stolzen Flagge zu! Ein großer -Festtag war es, als, geschützt durch Wall und Graben, durch die -Waffen der deutschen Matrosen das Reichspanier sich hoch am -schlanken Maste entfaltete. Jener 6. Januar 1885 schien endlich -das Sehnen der Deutschen auf Samoa erfüllt zu haben. -</p> - -<p> -Es kam wirklich nach Hissung der Flagge ein kurzer Zeitabschnitt, -wo Ruhe und Friede auf der Insel Upolu einzukehren -schien; das thatkräftige Einschreiten der deutschen Beamten, der -einheitliche Wille, der den Verhältnissen voll gewachsen war, sowie -<span class="pagenum"><a id="Page_22" name="Page_22" href="#Page_22">[22]</a></span> -die entfaltete Macht, die den Eingebornen Achtung einflößte, schien -bessere Verhältnisse herbeizuführen. Aber anders war es im Völkerrathe -beschlossen. Kurz war die Freude aller Deutschen, kurz der -Traum von Ruhe und Frieden. Muthlosigkeit, bittere Enttäuschung -erfüllte alle, aussichtslos war der weitere Kampf, die Freudigkeit -am Ringen um den Preis so hohen Gutes war dahin, als die -deutsche Flagge niederging. -</p> - -<p> -Der Versuch, den deutschen Einfluß, der einst die ganze -Inselwelt der Südsee beherrschte, zu brechen, war gelungen, wohl -niemals wieder werden wir uns denselben in der ganzen Größe -und dem ganzen Umfange wie einst erringen können. Die feste -Hand, der starke Wille, dem Fürst und Volk Samoas allein sich -unterordnen, fehlt hinfort und fehlt bis heute. Welche Kämpfe -gefolgt sind — keinem System, als dem der unbeschränkten Macht -wird der Samoaner sich beugen — hat die Folgezeit gezeigt. -</p> - -<p> -Um der Todten, um des deutschen Blutes willen, das den -Boden Samoas getränkt, möge noch einmal die Zeit kommen, in -welcher kräftig und dauernd der deutsche Aar sein Kleinod festhält -und es niemals wieder fahren läßt. -</p> - -<hr class="chapend" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -II. Reisen durch die Samoa- und -Tonga-Inseln. -</h2> -</div> - -<p> -Das im vorigen Kapitel Gesagte ist das Ergebniß solcher -Beobachtungen, die zu machen ein Aufenthalt am Lande, oder im -Hafen von Apia mir ermöglichte. Viele weitere Einzelheiten, deren -Kenntniß der Verkehr mit den Samoanern und langansässigen -Europäern mit sich bringt, verdienten zwar noch der Erwähnung, -indes, da ich in großen Zügen nur meine Erlebnisse in der Südsee -schildern will, muß Unwesentlicheres zurücktreten; darum sehe ich -auch von der Beschreibung einzelner Fahrten und Reisen durch -dieses weite Gebiet ab. -</p> - -<p> -Alle mit mir zugleich auf demselben Segelschiffe angekommenen -Passagiere, die, wie ich, sich auf 3 Jahre der Plantagen-Gesellschaft -verpflichtet hatten, wurden bald nach unser Ankunft ans -Land beordert und nahmen die ihnen zugewiesene Beschäftigung -auf. Meine Bestimmung dagegen lautete, sogleich an Bord des -Schooners „Hapai“ zu gehen und dort vorläufig den Dienst des -ersten Steuermanns zu versehen. -</p> - -<p> -Zwei Tage später schon lichteten wir Anker und segelten -nach Matautu, dem Haupthafen der Insel Savai, von dort sollten -wir schnell das daselbst lagernde Kopra, wie solches auf den verschiedensten -Inseln von den Händlern der Gesellschaft aufgekauft -wird, abholen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_23" name="Page_23" href="#Page_23">[23]</a></span> -Auf Savai, das nur durch die Straße von Apolima von -Upolu getrennt ist, erhebt sich die dunkle Bergmasse, gleich der auf -Upolu, hoch und mächtig; ja, aus der Ferne gesehen, scheint ein -gewaltiger Höhenrücken die ganze Insel auszumachen. 4000 Fuß -hoch, die höchsten Krater auf Upolu, den Tofua, Maugalaila, -Taitoelau und Sigaele um 1000 Fuß überragend, erhebt sich diese -Kraterregion gleich einer Scheidewand, die zwar von reichem -Pflanzenwuchse bedeckt, aber wenig bevölkert ist; nur einzelne Pfade -führen durch Urwälder und tropische Wildniß über die von Lava -starrenden wildzerklüfteten Berge. Jungfräulicher Boden, der zu -den schönsten Hoffnungen berechtigt und für Kaffee, Vanille, Baumwolle -geeignet ist, liegt brach und unbenutzt, denn es herrscht vollständiger -Mangel an gut geschützten Häfen. -</p> - -<p> -Weniger als auf Upolu bildet das die Insel umgebende -Korallenriff gesicherte Einfahrten, auch die größte vor Matautu -wird durch schwer anrollende See gefährdet. Wohl vertraut mit -der nicht so leicht aufzufindenden Durchfahrt im Riffe, führte mit -günstigem Winde der Führer der „Hapai“ sein Schiff längs der -schwer aufrollenden Grundsee am langgestreckten Riffe hin; die -wild schäumende Brandung brach sich donnernd auf diesem, und -die mächtigen Wogen schienen das Schiff dem Verderben zutragen -zu wollen. Ich selber hielt es für sehr gewagt, so nahe dem gefährlichen -Riffe zu laufen, jedoch als wir die Einfahrt nach -Matautu gewonnen hatten, ließen wir bald die wilde Brandung -hinter uns. -</p> - -<p> -Weit von Land ankernd, ist es Regel hier, da der Ankerplatz -nur ein tiefer liegendes Riff ist, auf welchem sich einrollende See -brechen kann, weit vom Lande zu ankern und muß man in der -unbeständigen Jahreszeit immer bereit zum Auslaufen sein, sobald -westlicher oder nordwestlicher Wind aufspringt, denn gefährlich -würde jedem Schiffe die direkt einlaufende See werden. -</p> - -<p> -In Hast und Eile ging denn auch das Einschiffen der Ladung -vor sich, da Wind und Wetter wenig Beständigkeit versprach; wohl -70 Savaileute brachten mit großen Brandungsbooten die oft von -der am Strande laufenden See durchnäßte Ladung an Bord. -Längsseit des Schiffes schöpften die Boote oft noch Wasser, so -unruhig war selbst im Hafen noch die See; wildes Halloh erhoben -die Kerle, die höchstens mit einem Grasschurze bekleidet waren, -wenn sie der Länge nach niederstürzten und es auch deshalb vorzogen, -auf das vor seinen Ankern schwer rollende Schiff zu springen. -So kostete es mich viel Mühe, die braunen, zügellosen Kerle, deren -Sprache ich noch nicht verstand, zur Arbeit anzuhalten. -</p> - -<p> -Obgleich die Bewohner Savai's gleicher Abstammung wie -die Upolu-Leute sind, so herrscht doch zwischen der Bevölkerung beider -Inseln fast immer Hader und Streit. Die Savai-Leute, vielleicht -kühner im Angriffe, bemannen oft genug ihre großen Kriegskanoes -<span class="pagenum"><a id="Page_24" name="Page_24" href="#Page_24">[24]</a></span> -und versuchen einen Ueberfall auf Upolu, um sich gelegentlich für -die Schimpfworte, „Schweine von Savai“, bitter zu rächen. -</p> - -<p> -Schnell nach Apia zurückgekehrt, erhielt das Schiff Weisung, -schon am 24. November wieder in See zu gehen und zwar nach -der einsamen Insel Niue, von wo ebenfalls Kopra und ein größerer -Segelkutter, der in der schlechten Jahreszeit für den dortigen -Händler nicht recht verwendbar und an der steilen Küste gefährdet -war, abgeholt werden sollte. Aufkreuzend gegen wieder vorherrschenden -Südost-Wind erreichten wir die Insel erst nach zehn -Tagen. Als wir in deren Nähe kamen, waren die ersten Häuser, -die wir sahen, das Missionshaus und die Kirche, die zurückliegenden -Hütten der Eingebornen ließen sich, weil sie durch Busch und -Palmen verdeckt waren, nicht unterscheiden. In einer kleinen Einbuchtung, -wo ein Spalt in der steilen Uferwand allenfalls das -Landen gestattete, 100 Fuß von Land dicht vor der Brandung -— ein Schwingen des Schiffes vor seinen Ankern war nicht -möglich — ankerten wir am steilen Korallenriff. -</p> - -<p> -Von der auffallenden Erscheinung, daß durch vulkanische -Kräfte ganze Inseln gehoben werden, giebt die Insel Niue einen -Beweis, mir war sie um so bemerkenswerther, als es die erste -war, an welcher ich die unterseeische Korallenformation erkennen -konnte. Wohl 30 Fuß hoch zeigen die Uferwände der Insel die -gewaltige Arbeit der Korallenpolypen, die von neuem, seit der -vielleicht viele Jahrhunderte schon zurückliegenden Hebung dieser -Insel, am steilabfallenden Meeresgrunde weitergebaut und an -vielen Stellen wieder ein zusammenhängendes Riff aufgeführt haben. -Später, als ich selbst mit eigenen Augen die ungeheure vulkanische -Kraft, die zeitweise auf diesem ausgedehnten Kratergebiet in -Erscheinung tritt, gesehen, war es mir klar, daß die schlummernde -Naturkraft nicht bloß die Erdrinde und das Meer zu erschüttern -vermag, sondern spielend Inseln hebt. -</p> - -<p> -Die wenigen Tage, die wir vor Niue zu Anker lagen, war -eine Zeit ängstlichen Hastens, weil wir so schnell als möglich mit -der aus Kopra, Fungos, einer Pilzart, und der aus Arrowroot-Wurzeln -bestehenden Ladung fertig werden mußten, denn mit Gefahr -für Boot und Ladung war eine jedesmalige Landung verbunden, -da fast in der Brandung jedes Boot beladen werden -mußte. Für das Schiff war Gefahr insofern vorhanden, als dieses -durch auflandigen Wind trotz der Anker leicht aufs Riff getrieben -werden konnte, wir also immer bereit sein mußten, bei einem -Wechsel des Windes, wenn nöthig, schnell die Anker zu schlippen -und die offene See zu gewinnen. Drohende Anzeichen für schlechtes -Wetter gingen aber glücklicher Weise vorüber; übrigens war dieses -die letzte glücklich vollbrachte Reise des Schiffes überhaupt, wenige -Monate später schon lag es zerschellt auf einem Riffe der Neu-Hebriden. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_25" name="Page_25" href="#Page_25">[25]</a></span> -Die Bewohner dieser Insel Niue, ein kräftiger, stattlich gebauter -Menschenschlag, der zwar der Samoa- und Tonga-Rasse -an Gestalt und hohem Wuchs nicht gleichkommt, jedoch mehr -Temperament als diese zeigt, auch Schlaffheit und Unlust zur -Arbeit bemerkt man weniger an ihnen. Als tüchtige Seefahrer, -welchem Gewerbe sie mit Vorliebe zugethan sind, werden sie in -Apia, wo mit der Zeit eine Ansiedelung derselben stattgefunden, -gerne als Matrosen angenommen, wenigstens dem Samoaner bei -weitem vorgezogen. -</p> - -<p> -Savages-Eiland, Insel der Wilden, ist die Insel Niue, ihre -Heimath, benannt worden, und soweit meine persönlichen Erfahrungen -reichen, verdienen sie beinahe diesen Namen, als ich bei einem -Streite mit ihnen beinahe das Leben hätte lassen müssen und nur -ein Zufall mich aus den Händen dieser leicht erregbaren Menschen -befreite. -</p> - -<p> -Da sie von hellerer Farbe als die Samoaner, stammen sie -vermuthlich von einer weit östlich liegenden Inselbevölkerung ab. -Die ersten Ansiedler, wahrscheinlich vor langer Zeit von ihrem -Heimathlande verschlagen, fanden das rettende Eiland und bevölkerten -es allmählich. Der Trieb, die unbekannte Welt kennen -zu lernen, die im Schoße des mächtigen Ozeans für die fernen -Inselbewohner verborgen lag, läßt sie noch heute oftmals das -Wagniß unternehmen, sich mit ihren leichten Kanoes auf die unendliche -See hinauszuwagen. Die Gewalt des Windes und der -Strömungen unterschätzten sie und haben sie einmal Land aus -Sicht verloren, sind sie den Elementen hülflos preisgegeben, so zahlten -sie ihre Kühnheit mit einem qualvollen Sterben, wenn nicht ein -gütiges Geschick nach schrecklichen Leiden sie Land finden läßt. -</p> - -<p> -Die Rettung von 16 solcher vertriebenen Menschenkinder, die -ich in den Karolinen-Inseln auffand und Hülfe brachte, werde ich -später eingehender erzählen. -</p> - -<p> -Mit Vorliebe tragen die Niue-Leute reichen Goldschmuck und -zwar als Ohrgehänge; massive Goldstücke hämmern sie aus und -befestigen solche geschickt an den Ohrlappen; das verdiente Goldgeld -wird häufig dazu verwandt. -</p> - -<p> -Der ganze Südseehandel beschränkt sich in der Hauptsache -auf Tabak, Seife und Zeug, namentlich für Volksstämme, die erst -wenig mit dem weißen Manne in Berührung gekommen sind. So -boten auch hier für ein Geringes die Eingebornen Speere, Muscheln -und Nüsse feil, vor allem war Tabak der begehrteste Artikel. Im -Gegensatze zu den Booten der Samoaner, die solche sich von ganz -beträchtlicher Ausdehnung erbauen, sind die Kanoes dieser Niue-Leute -nur klein und behende, aber nett mit Muscheln und anderem -Zierrath ausgeschmückt, der vornehmlich rings um die Bordwand -befestigt ist; auch sind diese Fahrzeuge vorne und hinten überdeckt, -<span class="pagenum"><a id="Page_26" name="Page_26" href="#Page_26">[26]</a></span> -um das Einschlagen der See, wenn sie, zum Fischen ausziehend, -die Brandung passiren müssen, zu verhindern. -</p> - -<p> -Sehr fischreich sind namentlich die Gestade aller Inseln, und -wie ich gelegentlich anführen werde, wissen ihre Bewohner sich mit -besonderem Geschick der wohlschmeckenden, fliegenden Fische zu -bemächtigen. Auf freier See aber herrscht sehr zahlreich der gefürchtete -und gefährliche Hai, ein Zeichen, daß derselbe auch im -tiefen Wasser reichlich Nahrung findet, und solche sich nicht nur in -Buchten oder in der Nähe des Landes zu suchen braucht. -</p> - -<p> -Auf der Rückreise, die durch Windstillen verzögert ward, -fanden wir immer den Hai als treuen Begleiter, und war die -See ruhig, die Fahrt des Schiffes gering, so kamen langsam die -Haie durch die klare Fluth heran, das Schiff nach Beute umkreisend. -Wenn wir einen dieser gefährlichen Gesellen fangen -wollten, so wurde die Lockspeise, ein Stück Fleisch, an starker Leine -ins Meer geführt, und war der Hai hungrig, besann er sich nicht -lange, sondern faßte, sich auf den Rücken legend, gierig zu. War -Fleisch und Haken verschluckt, so gab es keine Möglichkeit mehr -für ihn, sich zu befreien; von Schmerz gepeinigt, peitschte der Hai -mit dem kraftvollen Schwanze die Fluthen und es hatte dann seine -Schwierigkeit, das gefangene 8-10 Fuß lange Thier an Deck zu -bringen und nicht eher gelang es, bis es erschöpft war und auch -der Schwanz fest in einer Schlinge lag. An Deck geschafft, peitschte -der Hai die Planken, daß diese erzitterten, und rathsam war es -nicht, sich in seine gefährliche Nähe zu wagen. Erst ein Axthieb, -der die Schwanzflosse vom Rumpfe trennte, führte die Verblutung -herbei und allmählich entfloh das zähe Leben des Thieres. -</p> - -<p> -Auch mit der Schlinge, auf deren Handhabung ich zurückkommen -werde, habe ich viele Haifische gefangen, namentlich wenn ich -Samoaner als Besatzung an Bord hatte, für die der Hai eine -Leckerspeise ist, nahm ich mir dazu die Zeit und fing zuweilen -2-4 Stück hintereinander. Auffällig war mir dabei, daß die -Leute immer erst die Leber eines getödteten Haies untersuchten; -war diese nach ihrer Ansicht zu groß oder zeigte sie sonst besondere -Eigenheiten, so wurde das Thier nicht gegessen, sondern über Bord -geworfen. Aber nicht bloß bei den Samoanern, auch bei den -benachbarten Insulanern fand ich solche auffällige Untersuchung der -Leber des Haifisches. Mitunter wurden eingehende Betrachtungen -über die Lage und Länge derselben vorgenommen; entstanden -Zweifel und Meinungsverschiedenheiten darüber, so war meist -immer der endgültige Beschluß, daß das Thier verworfen wurde. -</p> - -<p> -Fast bin ich jetzt geneigt, da ich nicht dahinter kommen konnte, -was solche Untersuchung zu bedeuten habe, anzunehmen, daß ein -weitverbreiteter Aberglaube damit in Verbindung gebracht, oder -daß der Leber des Haies eine medizinische Eigenschaft zugesprochen -wird. Vielleicht auch erkennen die Eingebornen an bestimmten -<span class="pagenum"><a id="Page_27" name="Page_27" href="#Page_27">[27]</a></span> -Zeichen, ob das Thier gesund oder krank gewesen ist. In den -Fällen, wo ich mir Klarheit darüber zu verschaffen suchte, erreichte -ich solche nicht, möglicherweise aus dem Grunde, weil ich nicht der -verschiedenen Sprachen mächtig genug war, um die Auseinandersetzung -zu verstehen. -</p> - -<p> -Die treuen Begleiter der Haie, die Lotsenfische, schön gezeichnete -Thierchen von der Größe eines Makrels, schwimmen -gewöhnlich, 2-4 an der Zahl, über dem Hai, sie suchen, wie angenommen -wird, für diesen Nahrung auf und kehren stets in dessen -sichern Schutz zurück. Ein jeder Hai soll solche Führer haben; -indes so häufig ich auch solche gesehen habe, ebenso oft fand ich, -namentlich wenn mehrere Haie beisammen, diese ohne ihre Begleiter. -So viel ist gewiß, der Hai, mag er noch so hungrig sein, wird sich -doch nicht an seinen Wegweisern vergreifen; zum schnellen Schwimmen -selbst zu träge, überläßt er vermuthlich es den flinken Fischen, für -ihn Nahrung zu suchen. Wohl bekannt ist es den Seeleuten, daß -der Pilotenfisch sehr schmackhaft ist, indes nur einmal war es mir -möglich, einen solchen mit Mühe zu erlangen, obwohl dieselben -längere Zeit noch beim Schiffe verbleiben, nachdem der Hai, den -sie begleiteten, weggefangen worden. An Köder beißen die Piloten -nicht, höchstens gelingt es ihrer mit dem Elker, d. h. Wurfeisen, -habhaft zu werden. -</p> - -<p> -Im Anfang des Jahres 1885 mit der Führung eines der -kleineren der Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffes betraut, -wurde ich beordert, eine Reise durch die gesammte Tonga-Gruppe, -den sogenannten Freundschafts-Inseln, zu unternehmen. Im Augenblick -der Abreise wäre mir aus Mangel an Raum im kleinen -Hafen (Apia) bald die Riffspitze Kap Horn, worunter vier Jahre später -das deutsche Kriegsschiff „Eber“ mit seiner braven Besatzung versank, -verhängnißvoll geworden. Durch die Strömung wurde das -Schiff aus seiner Richtung gedrängt, von der einlaufenden See, -gegen welche die Kraft der das Schiff bugsirenden Mannschaft zu -schwach war, nach dem Kap hingeworfen und nur ein schnell Hülfe -leistendes Boot verhinderte die Katastrophe. Da wir schon zu nahe -dem Riff waren, so hätte ein Aufstoß genügt, Ruder und Hintersteven -des Schiffes, schwerbeladen wie es war, auf den Korallensteinen -zu zertrümmern und aus der gurgelnden Tiefe des hier -weit unterhöhlten Riffes hätte es für Schiff und Mannschaft keine -Rettung gegeben — aber zufällige Hülfe kam zur rechten Zeit. -</p> - -<p> -Nachdem wir die offene See gewonnen hatten, verlor ich -mit umlaufenden Winden, wie sie in dieser Jahreszeit häufig sind, -ostwärts steuernd, bald die in dichten Wolkenschleier gehüllte Insel -Upolu aus Sicht. Bestrebt, westlich von der Tonga-Gruppe zu -laufen und so Tonga-tabu zu erreichen, da der vorherrschend westliche -Wind eine schnelle Reise in Aussicht stellte, hatte ich am -dritten Tage bereits die Vulkan-Insel Amargura gesichtet, eine -<span class="pagenum"><a id="Page_28" name="Page_28" href="#Page_28">[28]</a></span> -namentlich an der Süd- und Südostseite steile Insel mit dem -375 Meter hohen Krater, an dessen Abhängen leichte Rauchwolken -hervorquollen, ein Zeichen, daß er nicht ganz erloschen ist. Da -sprang mit schweren Gewittern und harten Windböen der Wind -südlicher und zwang mich, der zehn Seemeilen südöstlich liegenden -30-40 Meter hohen Insel Toku auszuweichen. Als der Wind -immer härter wehte und schließlich bis zum Sturm wuchs, hatte -ich noch Zeit, Schutz unter der hohen Insel Vavau zu suchen, -ehe das Schiff von der wildlaufenden See zum Beidrehen gezwungen -wurde. -</p> - -<p> -Unter dichtgerefften Segeln wurde eine schlimme Nacht verbracht, -mit dem neuen Morgen aber brach sich die Gewalt des -Sturmes und eine starke Nordwestbrise trieb das Schiff durch die -wilde See nach Süden, östlich der Hapai-Gruppe, an den langgestreckten -Korallen-Inseln Haano, Foua, Lefuka und Ouia entlang. -Die vielen gefährlichen Riffe dieser Gruppe meidend, kam am -7. Tage früh die hohe Vulkan-Insel Eoua in Sicht. Nachdem -wir darauf die gleichartige kleine Insel Enaigee erreicht hatten, -kreuzte ich die tiefe östliche Einfahrt, welche zwischen der großen -Insel Tonga-tabu und den vorgelagerten Korallenpatschen und -Inseln hindurchführt, auf und gelangte sicher zum Hafen von -Nukualofa. -</p> - -<p> -Im Schmucke immergrüner Palmen liegt die flache, wenige -Erhebungen aufweisende Insel langgestreckt vor den Augen des -Beobachters. Kultur und fortschreitende Gesittung haben auch hier -festen Fuß gefaßt, hoch über die Wipfel der Palmen ragt die Kirche -empor; großartig ist der Königspalast; freundlich aber und heimisch -erscheinen die vom Strande zurückliegenden europäischen Gebäude -und bekunden, daß auch hier eine Stätte regen Handels und Verkehrs -geschaffen wurde. -</p> - -<p> -Vor allem ist es die deutsche Factorei, geleitet vom deutschen -Konsul Herrn v. Treskow, die sofort ins Auge fällt; auf Pfeilern -errichtet, wie alle Tropengebäude hier, war derzeit dieses Haus -mit seinem freundlichen Wirth das besuchteste. -</p> - -<p> -Sämmtliche Tonga-Inseln, mit Ausnahme der meist hohen -Vulkan-Inseln, sind Korallengebilde, einige sind von großer Ausdehnung, -wie die Tonga-tabu und die schon erwähnten Haano und -Foua. Diese haben eine fruchtbare Erdschicht und ein reiches -Pflanzenleben hat sich darauf entwickelt; neben der stolzen Palme -sind Brotfruchtbäume, Papiermaulbeerbäume, die den Bewohnern -ihre Bekleidung, Tapa genannt, liefern, Zuckerrohr, Bananen, selbst -Baumwollen- und Feigenbäume zu erwähnen. -</p> - -<p> -Die Eingebornen, derselben Rasse wie die Samoaner zugehörig, -zeigen mehr Verständniß für Landbau und Fischfang, als -diese, freilich können diese Inseln auch nicht mit Samoa einen -Vergleich bestehen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_29" name="Page_29" href="#Page_29">[29]</a></span> -Kein Naturvolk hat so schnell und leicht das Christenthum -angenommen wie diese Tonga-Insulaner, rasch gewannen die -Missionare großen Einfluß, Schulen und Bildungsanstalten förderten -das Werk. Das Volk, bildungsfähig und begabt, hatte bald eigene -Lehrer aufzuweisen; oft habe ich eingeborne Missionare von Insel -zu Insel gebracht. Da die Kirchen und Schulen immer gut besucht, -so ist ein Fortschritt in der Bildung dieses Volkes leicht erklärlich. -Was aber leider ernste Besorgniß erwecken kann, ist der Umstand, -daß verschiedene Religionssekten mit gleichem Eifer bestrebt sind, -unter der nicht zahlreichen Bevölkerung ihren Glauben zu verbreiten. -Es ist zu befürchten, daß auf diese Weise Spaltungen -im Volke entstehen, die üble Folgen haben können. -</p> - -<p> -Der ehemalige englische Missionar Baker, langjähriger Premierminister -des Königs Georg I., entging zwar dem Angriffe einer -fanatischen Horde in Nukualofa, seine erwachsene Tochter aber, die -die tödtliche Waffe traf, ward ein Krüppel. Soweit ich unterrichtet, -war dieser Anschlag eine Ausgeburt wilden Hasses, gerichtet gegen -den Vertreter einer großen Kirchengemeinde, den gefürchteten und -gehaßten Staatsmann. -</p> - -<p> -Die ganze weitverzweigte Tonga-Gruppe bildet ein einheitliches -Reich, das damals von dem alten Könige Georg regirt -wurde. Neben unserm ehrwürdigen deutschen Kaiser Wilhelm der -älteste Monarch, steht dem Herrscher eine gesetzgebende Versammlung -von angesehenen Häuptlingen zur Seite, die auch als Statthalter -die verschiedenen zum Reiche gehörenden Inselgruppen verwalten. -Sitz der Regierung und Residenz des Königs ist Nukualofa. -</p> - -<p> -Ein Freundschaftsvertrag ist mit dem deutschen Reiche am -1. November 1876 vom Könige Georg abgeschlossen. Trotz des -englischen Einflusses hätte wohl erwartet werden können, daß die -so erworbenen Vorrechte gewahrt bleiben würden, aber wie in -Samoa, so ging auch hier der einst mächtige deutsche Einfluß -allmählich verloren, englische Politik wand den Deutschen einen fast -sicheren Besitz aus den Händen. -</p> - -<p> -Stolz prangt im Königspalaste zu Nukualofa das Reiterstandbild -unseres großen Kaisers in natürlicher Größe, und nicht unbekannt -sind diesem Volke dessen Thaten geblieben; auf dieses Bild sah -mit Bewunderung jeder Insulaner und pries den großen, mächtigen -Herrscher der Deutschen. -</p> - -<p> -Tags zuvor, ehe ich in Tonga-tabu eingelaufen, war der -Sohn des Königs Georg, der Thronfolger, gestorben und große, -allgemeine Landestrauer herrschte überall. Alle Vornehmen des -Volkes, soviel ihrer nur die königlichen Schiffe zu fassen vermochten, -waren nach der Insel Ouia, dem Begräbnißplatze der Königsfamilie, -abgesegelt. Der deutsche Konsul, dem kein eigenes Schiff -zur Verfügung stand, unmöglich aber als Europäer auf den überfüllten -kleinen Segelfahrzeugen der Eingebornen die lange Reise -<span class="pagenum"><a id="Page_30" name="Page_30" href="#Page_30">[30]</a></span> -unternehmen konnte, beeilte sich sehr, als sich nun doch noch Gelegenheit -fand, mit meinem Schiffe die Reise zu machen, das Schiff -abzufertigen und nach eintägigem Aufenthalt verließ ich, mit der -Familie des Konsuls an Bord, nordwärts steuernd, Tonga-tabu. -</p> - -<p> -Günstiger, frischer Wind konnte es allein möglich machen, -am Begräbnißtage Ouia noch zu erreichen. Aber obwohl ich den -Weg zu kürzen suchte und durch mir unbekannte Korallenbänke lief, -so kam doch erst am Abend des zweiten Tages Ouia in Sicht. -Da ich inmitten von Korallenriffen nirgends sicheren Ankerplatz -fand, die Insel selbst aber zu weit entfernt war, als daß ich solche -gegen Ostwind aufkreuzend, in der Nacht erreichen konnte, so wurde -ich gezwungen, die freie See wieder aufzusuchen. In dunkler Nacht -die gewaltigen Krater-Inseln Kao (5000 Fuß) und Tasoa (etwa -2500 Fuß), nur durch eine schmale Straße von einander getrennt, -als weit sichtbare Punkte im Auge haltend, suchte ich das Schiff -in der Nähe der Außenriffe zu halten, um mit Tagesanbruch aufs -Neue nach Ouia aufzukreuzen oder wenigstens die südliche Einfahrt -durch die Hapai-Gruppe zu gewinnen. -</p> - -<p> -Während sonst die Tropennächte in der guten Jahreszeit -einen herrlichen Anblick bieten, wenn das Sternenheer magisches -Licht über die weiten bewegten Fluthen streut, drohten in dieser -Nacht gewitterschwere, unheilkündende Wolken und bald nach Mitternacht -umfing uns rabenschwarze Dunkelheit. Dann brach das -Unwetter über uns mit plötzlicher Gewalt herein, als wollte der -furchtbare Wind das kleine Schiff niederpressen. Die heftigsten -Stöße fegten von den hohen Vulkan-Inseln herab. Im Schiffe -wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, durcheinander -geworfen und das Fahrzeug schwer auf die Seite gedrückt; die -schnell aufgewühlte See that das Ihre dazu, die Lage, namentlich -für die Familie des Konsuls, recht ungemüthlich zu machen. -</p> - -<p> -In Lee waren die gefährlichen Riffe, von denen freizukommen -die erste Sorge sein mußte, deshalb bot ich allmählich dem Winde -wieder so viel Leinewand, als das Schiff zu tragen vermochte. -Sobald ich frei von der Insel Kao war, hielt ich nördlicheren -Kurs und obgleich die See schwerer wurde, so konnte ich doch -mit volleren Segeln durch die Wogen pressen und größeren Abstand -von den auch mehr ostwärts abfallenden Riffen gewinnen. Der -neue Morgen fand uns westlich von der niedrigen Insel Otolonga, -die, nördlich umsegelt, zur Nordeinfahrt der Hapai-Gruppe führte. -</p> - -<p> -Als ich nahe genug dieser Insel gekommen war, der einzuschlagende -Kurs bedingte dies, wurde eine ehemalige Niederlassung -der Walfischfänger sichtbar, die vor Zeiten in diesen Gewässern -ertragreiche Beute gefunden, aber auch bald genug die Schaar der -gewaltigen Meerbewohner so gelichtet hatten, daß ein Kreuzen auf -Beute zwecklos war. Die Station wurde deshalb aufgegeben, ihre -Trümmer am öden Korallenstrand sind jetzt werthlos und verkommen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_31" name="Page_31" href="#Page_31">[31]</a></span> -Der Kurs nach Lefuka führte uns zwischen Inseln und -Korallenpatschen hindurch. Erst am Nachmittage dieses Tages -konnten wir die der Insel Lefuka vorgelagerten Riffe passiren und -vor der deutschen Station zu Anker gehen. -</p> - -<p> -Solch ungünstiger Wind und zum Theil schlechtes Wetter -hatten natürlich den Zweck der Reise vereitelt, noch nach Ouia zu -laufen und an dem dort stattfindenden großartigen Todtenfeste -theilzunehmen, war zwecklos. So entschied sich der deutsche Konsul, -hier die Ankunft des Königs Georg abzuwarten und mit diesem -dann die Rückreise nach Nukualofa anzutreten. -</p> - -<p> -Die Insel Lefuka, im Verhältniß zu ihrer Länge nur schmal, -zeigt an der Ostseite, gegen welche der freie Ozean seine gewaltigen -Wogen donnernd wirft, ein Riff übereinandergethürmter Korallenblöcke -und Steine; man sieht hier so recht, wie die Gewalt der -Wasser einen Schutzwall aufgeworfen, der das flachere Land selbst -gegen die furchtbarste See zu schützen vermag. Immer weiter aber -baut die Koralle in die offene See hinaus, immer breiter wird -das Trümmerfeld, bis dieses auch durch Zersetzung zu anbauungsfähigem -Lande umgestaltet wird. -</p> - -<p> -Die Erzeugnisse, die Tonga-tabu aufweist, sind hier auch -vertreten, namentlich ist der Ertrag an Kokosnüssen groß auf dieser -Insel. Was ich aber hier zuerst gesehen, war die Zubereitung des -Tapa, jenes Stoffes, welches den Eingebornen zur Bekleidung -dient, der schön gefärbt und gezeichnet ist. Selbst große Stücke, -umfangreichen Decken ähnlich, werden aus dem Papiermaulbeerbaum -angefertigt, dessen Bast dazu verwendet wird. Und zwar werden -lappenförmige Streifen im feuchten Zustand aufeinander angelegt -und dann tüchtig geklopft, hierdurch wird der Stoff geschmeidig -und fest; ist dieser in gewünschter Größe fertiggestellt, wird der -Stoff im Schatten getrocknet und nachher mit brauner oder schwarzer -Naturfarbe reichlich bemalt. -</p> - -<p> -Fernhin hört man die Tapa klopfenden Weiber, die mit -wuchtigen Schlägen den Bast bearbeiten; erklärlich ist dieses Geräusch, -da sie meistens auf dem Boden eines umgekehrten Kanoes -diese Arbeit vornehmen, wodurch die dumpf dröhnenden, lauten -Schläge hervorgebracht werden. -</p> - -<p> -Wie bei fast allen Naturvölkern, bei denen der Aberglaube -weiteste Verbreitung gefunden, so ist auch namentlich bei den -Südsee-Insulanern das Zauberwort „Tabu“ in allgemeine Anwendung -gekommen. Dieses Wort, eine Macht, ersetzt, möchte man -sagen, die in zivilisirten Ländern nothwendige Sicherheitspolizei. -Wenn eine als „tabut“, d. h. unverletzliche Person, z. B. ein -König oder ein Häuptling, irgend etwas als tabut erklärt, so wird -kein Rassenangehöriger es wagen, Person oder Sache anzurühren, -oder eine Oertlichkeit, Haus oder Hütte, zu betreten. -</p> - -<p> -Im Allgemeinen aber findet das Tabu Anwendung, wenn -<span class="pagenum"><a id="Page_32" name="Page_32" href="#Page_32">[32]</a></span> -irgend ein Gegenstand vor Berührung, Wegnahme u. s. w. geschützt -werden soll, dann wird unter bestimmten Zeremonien dieser mit -einer Schnur, in der Knoten mit oder ohne Zaubereien eingeknüpft -sind, umgrenzt oder umwunden. Die Ueberzeugung, daß jedem, -der es wagen würde, dieses Schutzmittel zu entfernen, alle Uebel -unfehlbar zustoßen, welche der Knotenschürzer hineingeknüpft, hält -jede unbefugte Verletzung fern. Mehrfach, und hauptsächlich auf -dieser Insel Lefuko, wurden mir Gegenstände, Baum oder Hütte -gezeigt, die so durch das „Tabu“ geschützt waren. -</p> - -<p> -Geschickte Fischer sind die Eingebornen. Sie brachten, ehe -der Europäer ihnen seine Angelhaken zugeführt, folgende Methode -in Anwendung: Aus einer dicken Perlmutterschale verfertigten sie -sich durch festes Verbinden einzelner zurechtgeschliffener Stücke starke -Fanghaken, die, mit einem Bastbüschelchen versehen, an langer Leine -hinter Kanoes geschleppt wurden. Die wie Silber im klaren -Wasser schwimmende Perlmutter lockt größere Fische an, die gierig, -vermeinend eine Beute zu haschen, den Haken verschlucken und so -gefangen sind. Heute noch sind diese Haken im Gebrauch, nur mit -dem Unterschied, daß im Büschel verborgen sich jetzt ein scharfer, -eiserner Angelhaken befindet, der dem Fische ein Losreißen nicht -mehr gestattet. -</p> - -<p> -In Mengen halten sich Fische unter den Riffen auf, wo sie -Nahrung suchen und finden, namentlich befinden sich unter diesen -zahlreiche fliegende. Um nun diese flinken Meerbewohner, welche -die Natur so ausgestattet hat, daß sie durch die Größe ihrer -Seitenflossen im Stande sind, eine beträchtliche Strecke über dem -Wasser zu fliegen und dadurch ihren Vorfolgern zu entgehen, auf -leichtere Art und Weise, als mit großen Netzen zu fangen, wendet -der Eingeborne folgende Fangart an: Nachdem die leichten, flinken -Kanoes bemannt sind, ziehen die Eingebornen in dunkler Abendstunde -oft in beträchtlicher Zahl ins tiefe Wasser zum Riffe hinaus. -Bald flammen, hell leuchtend, die aus den Blattrippen des Kokosbaumes -verfertigten Fackeln auf; die Kanoes, bald hier- bald dorthin -eilend, schwirren, von kräftiger Hand durchs Wasser getrieben, -als sollte das Schauspiel eines Fackelreigens dort aufgeführt werden, -im Kreise oder durcheinander umher. Die Fische, bekanntlich durch -Feuerschein leicht angelockt, werden durch die grell leuchtenden -Fackeln verwirrt, springen oder fliegen nach diesen, und sehr gewandt, -mit nur kleinem Handnetze versehen, weiß der Fischer sich -die Beute zu sichern. -</p> - -<p> -Meistens, wenn die Fackeln niedergebrannt sind, kehren die -Kanoes zurück, und war der Fang lohnend, bringt jedes reiche -Beute heim. Für wenig Tabak oder Geld bekam ich mitunter so -viele von diesen wohlschmeckenden Fischen, daß es zuweilen der -Schiffsbesatzung nicht gelang, alle aufzuzehren. -</p> - -<p> -Der Ankerplatz vor der Insel Lefuka (die Rhede von Pangal) -<span class="pagenum"><a id="Page_33" name="Page_33" href="#Page_33">[33]</a></span> -ist durch die ringsum liegenden Riffe gut geschützt, aber schwer -zugänglich für größere Segelschiffe; das meistens gegen konträren -Wind nothwendige Einkreuzen in den schmalen, gewundenen Riffeinfahrten -ist zudem nicht ungefährlich und erfordert die ganze -Thatkraft einer Schiffsbesatzung. Die Tonga-Gruppe ist häufiger -den verheerenden Orkanen und zeitweiligen Erschütterungen durch -plötzlich in Thätigkeit tretende Vulkane ausgesetzt, erstere treten -namentlich im Süden der Gruppe, um Tonga-tabu, fast alljährlich -einmal auf; zieht, was freilich selten geschieht, das Zentrum solches -furchtbaren Wirbelsturmes direkt über die Inseln, so ist die ganze -Kultur auf Jahre hinaus vernichtet. Nicht Haus, nicht Hütte, -weder Baum noch Strauch verschont der furchtbare Wirbelsturm; -den Weg, den er mit rasender Schnelle genommen, bezeichnen unzählige -Trümmer. -</p> - -<p> -Nach Norden zu werden solche atmosphärischen Erscheinungen -seltener. Hat die Samoa-Gruppe ein Orkan heimgesucht, so herrscht -bei den Eingebornen die Annahme vor, daß erst nach Verlauf von -sieben Jahren ein neuer zu erwarten ist. Solche Voraussetzungen -aber sind durchaus nicht zutreffend; die Orkane treten viel häufiger -auf, und je nachdem sie in näherer oder weiterer Entfernung vorüberziehen, -äußert sich ihre Gewalt mehr oder weniger. -</p> - -<p> -Da mein Aufenthalt in Lefuka nur von kurzer Dauer war, -setzte ich, nachdem Güter u. s. w. gelandet und neue Passagiere -für Vavau und Niuatobutabu an Bord gekommen waren, die Reise -fort nach Neiafu, dem Haupthandelsplatz in der Vavau-Gruppe, -diese besteht aus vielen und zum Theil hohen Inseln, die von -Riffen umgeben und hierdurch untereinander verbunden sind, auch -zeigt sich hier auffällig die einstige Thätigkeit der Vulkane. Steile -hochaufstrebende Massen sind die meisten dieser eng aneinander gelagerten -Inseln; nur die Hauptinsel Vavau, nach allen Seiten -steil abfallend, ist eine Hochfläche, auf welcher auf verwitterter Lava -eine unglaublich reiche Pflanzenwelt Fuß gefaßt und sich entwickelt -hat. Dies ist das fruchtbarste Land, abgesehen vielleicht von der -Insel Niua-fu, im ganzen Königreiche Tonga. Apfelsinenbäume, -schwer beladen mit goldgelben Früchten, ausgedehnte Palmenwälder -u. s. w., überhaupt alle herrlichen Tropengewächse der Südsee sind -hier reich vertreten. Dazu giebt die im Sonnenglanze ausgebreitet -liegende Bai, umgeben von hohen Inseln, dem ganzen Panorama -so recht den Anblick einer echten Tropenlandschaft. -</p> - -<p> -Die Einfahrt befindet sich an der westlichen Seite zwischen -den Inseln Hounga und Vavau. Die schmale aber tiefe Wasserstraße -windet sich zwischen den hohen Inseln hin, und dicht unter -den steil anstrebenden, mit Busch und Baum bedeckten Massen, -kann man ungefährdet mit einem Schiffe segeln. Inmitten der -Einfahrt nur liegt ein mächtiger Felsblock, der hunderte Fuß hoch -ist und steil aus großer Tiefe aufragt, auch bemerkt man an diesem, -<span class="pagenum"><a id="Page_34" name="Page_34" href="#Page_34">[34]</a></span> -welche zerstörende Einwirkung die Meereswogen selbst am harten -Gestein ausüben können. Sie haben den Felsen tief unterwaschen -und große Spalten ausgehöhlt. In diesen Höhlen und Riffen -braust und zischt selbst die leicht wogende See. Das Geräusch -wächst aber zum Donnern an, wenn sie ihre ganze Wucht gegen -den starren Felsen anbranden läßt, der dann durch den gewaltigen -Anprall wohl in seinen Grundfesten erschüttert werden mag. -</p> - -<p> -Ganz schmal, wenigstens für ein aufkreuzendes Schiff recht -beengt, wird die Straße, sobald die weite Bai vor dem Dorfe -Neiafu sichtbar geworden ist, die wie ein herrlicher, von allen Seiten -geschützter Hafen, geräumig daliegt. Indes nur wenig Raum hat -die Koralle übrig gelassen, die geschäftig fast die ganze Bai aufgefüllt -hat und wo tiefes Wasser vorhanden, ist der Ankergrund -schlecht, so daß größere Schiffe es vorziehen, wollen sie nicht auf -200 Fuß Wassertiefe vor Anker gehen, inmitten der Fahrstraße -vor der Station Tuanuku zu ankern. -</p> - -<p> -Nach wenig Tagen schon verließ ich, da ich allen diesen -Stationen in der Tonga-Gruppe neue europäische Waaren und -Proviant zu bringen hatte, Ladung aber noch nicht einnehmen -sollte — die Hauptstationen, als Vavau, Lefuka und Tonga-tabu -verschiffen direkt Kopra, Baumwolle u. s. w. nach Europa — den -Hafen von Neiafu, und segelte nordwärts nach Niuatobutabu -(Keppels Eiland), das 180 Seemeilen entfernt ist. -</p> - -<p> -Begünstigt von Wind und Wetter, bekam ich am zweiten -Tage bereits die 2000 Fuß hohe Insel Boskaven in Sicht, welcher -südwärts davon und durch eine Straße von etwa einer Seemeile -Breite getrennt, die niedrige Korallen-Insel Niuatobutabu vorgelagert -ist. Diese langgestreckte Insel umgiebt namentlich an der -Nord- und Westseite ein mächtiges, 5-7 Kilometer breites Riff, -auf derselben sind zwei Kraterkegel, etwa 200 Fuß hoch, die einzig -nennenswerthen Erhöhungen. -</p> - -<p> -Nur eine einzige, sehr gewundene und gefährliche Einfahrt, -führte von Norden durch das Riff, und zwar nur eine Strecke -weit bis zu einem tieferen Becken, in welchem aber ein kleineres -Schiff geschützt und sicher liegt. Da der Verkehr mit dem Lande -allein zur Zeit des Hochwassers möglich, der Ankerplatz vor dem -Riffe nur in der guten Jahreszeit einigermaßen sicher ist, suchte -ich auf Anrathen des Lotsen, eines Eingebornen, doch lieber den -kleinen gesicherten Hafen auf, obwohl das Durchbringen des Schiffes, -das mehrfach auf Korallenblöcke fest kam, keine leichte und gefahrlose -Arbeit war. -</p> - -<p> -Daß ich es gethan, war ein Glück, denn ein heftiger, plötzlich -in einer der ersten Nächte aufspringenden Nordwestwind hätte -das Schiff im Verein mit der hohen See sicher aufs Riff geworfen -und zerschellt; ein Versuch, in tiefdunkler Nacht die offene -<span class="pagenum"><a id="Page_35" name="Page_35" href="#Page_35">[35]</a></span> -See zu gewinnen und gegen den starken, auflandigen Wind von -den Riffen freizukreuzen, wäre schier unmöglich gewesen. -</p> - -<p> -Nicht minder einsam wie diese Insel im weiten Ozean war -das Leben, welches hier zwei Europäer (ein Deutscher und ein -Engländer) führten, die nur mit der Außenwelt in Verbindung -traten, wenn nach langer Zeit ein Schiff vor der Insel zu Anker -ging. Freilich ist an Verkehr mit Menschen kein Mangel, nur -kommt in Betracht, daß die Eingebornen für einen Europäer doch -kein rechter Umgang sind; so freundlich gesinnt, friedfertig und zum -Theil lernbegierig sie sich auch zeigen, so stehen sie dennoch auf -einer zu tiefen Bildungsstufe. Zwar paßt sich ein einsam lebender -Mensch schnell genug den Verhältnissen an, und in der Folge habe -ich ja so viele gefunden, die, obgleich sie noch abgeschlossener von -der Welt lebten, mit ihrem Loose ganz zufrieden waren. Hier -aber kommt dem Europäer das zu statten, daß er hier ein bildungsfähiges, -strebsames Volk um sich hat, dessen Häuptlinge und Lehrer -nach Aufklärung trachten und stundenlang dem weißen Manne zuhören, -wenn er ihnen von anderen Ländern und Völkern erzählt. -</p> - -<p> -So oft ich auch nach dieser Insel beordert worden war, -konnte ich jedesmal die Beobachtung machen, mit wie großem -Interesse alle Neuigkeiten aufgenommen wurden; hatte ich eingeborne -Passagiere mit an Bord, so wurden diese sogleich nach der -Landung von den Häuptlingen begrüßt und ausgefragt. Sonst -kamen die Häuptlinge entweder insgesammt zum Hause der erwähnten -Europäer oder luden uns zu sich ein, damit wir ihnen -Abends bei einer Schale Kava Auskunft über etwaige Vorgänge -im Tongareiche gaben. -</p> - -<p> -In langer, vielleicht gänzlicher Unthätigkeit verharren die -kleinen, wohl für immer erloschenen Krater auf dieser Insel, sonst -wären sie eine gefährliche Nachbarschaft, denn eine erhebliche Erschütterung -würde genügen, die Insel in die Tiefe versinken zu lassen. -Wo man auch immer auf der gut bewachsenen Insel geht, klingt -jeder Fußtritt hohl und man gewinnt die Ueberzeugung, daß nur -eine verhältnißmäßig dünne Schicht über wahrscheinlich ausgedehnte -Höhlen gelagert liegt. -</p> - -<p> -Nirgendwo sonst auf Korallen-Inseln, deren Fundamente -naturgemäß stets fest aufgebaut sind, habe ich solche Wahrnehmung -wieder gemacht; würden hier nicht die beiden Kraterhügel eine genügende -Erklärung für solche Erscheinung abgeben, ließe sich -schwerlich die Ursache dafür ergründen. Das Eine scheint sicher -(wie ich in diesem selben Jahre als Augenzeuge an einer anderen -Stelle feststellen konnte), es sind am Rande eines hier schon vorhandenen -Korallenriffes plötzlich unterseeische Vulkane in Thätigkeit -getreten, die mit sich das Riff emporgehoben haben und dann nach -einiger Zeit erloschen sind. -</p> - -<p> -Außerdem giebt eine vorhandene schmale, aber tiefe Frischwasserrinne, -<span class="pagenum"><a id="Page_36" name="Page_36" href="#Page_36">[36]</a></span> -die im festen Korallengrund eingebettet ist und tieferliegend -als der Meeresspiegel, einen neuen Beweis, daß die Insel -hohl ist. Das Süßwasser in dieser Rinne ist natürlich durch -Korallen filtrirtes Seewasser, aber der Zufluß erfolgt unterirdisch -aus dem Innern der Insel; derselbe soll zu Zeiten stärker, zu -Zeiten schwächer sein. Uebrigens beschleicht den Wanderer, -namentlich in stiller Nachtzeit, ein eigenthümliches Gefühl, wenn -jeder Tritt so hohl und dumpf wiedertönt und ihm zum Bewußtsein -bringt, daß er auf einem Boden wandelt, der über Höhlen oder -gar über tiefe Wasserbecken gewölbt liegt. -</p> - -<p> -Insbesondere weicht die Insel Niuatobutabu in nichts von -anderen gut bewachsenen Koralleninseln ab, mit dem Unterschiede -nur, daß auf dem verwitterten Lavagrunde eine überaus reiche -Pflanzenwelt sich entwickelt hat. Salze und andere Chemikalien, -die in der Lava enthalten sind, scheinen für die Entwicklung des -Pflanzenlebens ungemein viel beizutragen, auch sonst, wo ich im -weiten Inselmeer des Stillen Ozeans vulkanischen Grund betreten, -fand ich dies ausnahmslos bestätigt. -</p> - -<p> -Das Thierreich auf allen Inseln ist sehr schwach vertreten, -Schweine, Hühner und Tauben sind fast die einzigen Arten, indes -fand ich auf Niuatobutabu außerdem noch eine große Fledermausgattung, -den fliegenden Fuchs. Da jeder von der Nützlichkeit und -noch mehr von der Harmlosigkeit dieser Thiere überzeugt war, belästigt -dieselben niemand, kein Eingeborner verscheucht sie. Vielleicht -kommt auch noch der Umstand hinzu, daß diesen lautlos erscheinenden -Thieren ein gewisser Aberglaube anhaftet, denn wer nicht mit -ihrer Eigenart, unhörbar und schnell durch die Dunkelheit zu fliegen, -vertraut ist, dem wird ein gewisses Unbehagen zuerst nicht erspart -bleiben. Vornehmlich fand ich diese Füchse in Sträuchern, wo sie -sich, Schatten findend, an dünnen Zweigen an den Hinterfüßen -aufgehängt hatten. Den Kopf nach unten gebogen, umschließen sie -mit der großen Flughaut den Körper und verblieben in dieser -Stellung, bis die Dämmerung der nach ganz kurzer Dauer die -Nacht folgt, hereinbricht, dann erst werden sie munter und suchen, -die Luft gleich gespenstigen Schatten durchfliegend, sich ihre Nahrung. -Werden sie am Tage gestört oder berührt man mit der Hand ihr -sammetweiches Fell, schauen die schwarzen, erbsengroßen Augen den -Störenfried wohl an, scheinen aber geblendet zu sein, denn obwohl -unruhig geworden, wagt das Thier doch keinen Flug, verändert -seine Stellung auch nicht und wollte man die Hinterfüße lösen, -müßte Gewalt angewendet werden. Ein Weibchen, das seine -beiden Jungen wohlgeborgen an der Brust hängen hat, die diesen -Platz nie verlassen, auch während des Fluges nicht, wird, wenn -es gestört worden, leichter erregt und beißt wohl mit den kleinen, -nadelspitzen Zähnen um sich. So sind in Folge davon, weil diesen -Thieren nie etwas zu Leide geschieht, dieselben zutraulich und oft -<span class="pagenum"><a id="Page_37" name="Page_37" href="#Page_37">[37]</a></span> -habe ich sie, selbst in der Nähe der Hütten der Eingebornen und -vor den Wohnungen der Weißen in Menge vorgefunden. -</p> - -<p> -Höchst lästig und oft zu einer großen Plage werden hier -Schaaren von Fliegen. In des Wortes vollster Bedeutung kann -man sagen, es wimmelt davon. Ist in Europa die Hausfliege -dreist und störend, ist sie dort, wo die Natur ihr den Tisch gedeckt, -unglaublich lästig, und das vor allem zu der Zeit, wenn die -Früchte des Brotfruchtbaumes reif geworden sind. Diese Früchte, -an und für sich sehr schmackhaft, werden, sobald sie überreif geworden -sind, eine wahre Brutstätte für Fliegen. Sind sie ausgeflogen, -so ist jeder Ort, selbst Gras und Busch, dicht von ihnen -besetzt; schon ihr Schwirren und Surren ist höchst lästig. -</p> - -<p> -Sind die Ameisen, vor denen nur mit Mühe Genießbares -geschützt werden kann, schon unangenehm, so treiben es die Fliegen -noch zehnfach ärger, in Wahrheit muß man diesen Plagegeistern -jeden Bissen erst streitig machen, der gegessen werden soll, vornehmlich -von solchen Speisen, die Zucker und andere leicht flüssige -Stoffe enthalten, wie Reis, Brotfrucht, Ananas u. s. w. -</p> - -<p> -Geradezu eine Fliegenwolke schwebt über solchen aufgetragenen -Speisen, selbst fortwährendes Abwehren scheucht diese -gierigen Insekten nicht fort; machte es nicht die Gewohnheit und -schließlich die Gleichgültigkeit, müßte sich Ekel und Widerwillen einstellen, -Nahrung zu genießen, weil diese vom Unrath der Fliegen -durchaus nicht freizuhalten ist. -</p> - -<p> -Die Insel Boskaven, ein mächtiger, unzugänglicher Bergkegel, -ist aller Wahrscheinlichkeit nach, gleich den anderen Inseln, wie -Lette, Kao u. a., ein erloschener Krater, der in der Neuzeit jedenfalls -noch in Thätigkeit gewesen ist. Menschen wohnen darauf -nicht, auch hat wohl noch keines Menschen Fuß den steilen Gipfel -dieser Insel erklommen. An der Südostseite soll im Schutze eines -kleinen Riffes an einer vorspingenden Felsenkante eine schwierige -Landung möglich sein und Fischer von Niuatobutabu wagen es, -zu Zeiten sich dort aufzuhalten, nachdem sie mit ihren leichten -Kanoes den breiten Meeresarm, der beide Inseln trennt, durchquert -haben. -</p> - -<p> -Basaltmassen, aus denen sie aufgebaut ist, steigen gleich -steilen Wänden aus dem Meere auf, unterspült zum Theil von -den brandenden Wogen, darüber aber, wo der das Pflanzenleben -vernichtende Staubregen des Salzwassers nicht mehr hinaufreicht, -hat sich an den sehr schrägen Flächen des Kegels ein starker -Pflanzenwuchs entwickelt, welcher die Form und Lagerung der -Gesteinmassen verdeckt, ein Zeichen, daß Eruptionen seit langer -Zeit nicht mehr stattgefunden haben. -</p> - -<p> -Mein Schiff war, wie erwähnt, inmitten des Riffes, in dem -beschränkten Wasserbecken, gut verankert worden und lag wohl -geschützt gegen die am Außenriff brüllende See. Aber da nach -<span class="pagenum"><a id="Page_38" name="Page_38" href="#Page_38">[38]</a></span> -Verlauf von sieben Tagen der starke, nordwestliche Wind erst nachließ, -der die ganze Osterwoche hindurch geweht hatte, durfte ich, -obwohl längst segelfertig, es doch nicht wagen, in See zu gehen. -Erst als günstiger Wind einsetzte, der stark genug war, das Schiff -gegen die draußen anlaufende See durchzubringen, mußte ich -Anstalten treffen und versuchen, die freie See zu gewinnen. Ohne -Anstoßen am Korallenriff ging es in der engen Durchfahrt freilich -nicht ab; eine unberechenbare Strömung, durch die einlaufenden -Seen hervorgerufen, vereitelte alle Vorsicht. Dennoch gewann ich -ohne Beschädigung das offene Meer, habe aber den Versuch nie -wiederholt, sondern lieber vor dem Riffe mit zwei Ankern, diese -klar zum Schlippen, Wind und See ausgeritten, um das Schiff -nicht an den harten Kanten des Korallenriffes zu gefährden. -</p> - -<p> -Von Niuatobutabu hatte ich weiter nach Niua-fu zu segeln, -einer hohen Vulkan-Insel, die in etwa West-Nord-West-Richtung -120 Seemeilen von hier entfernt liegt. Es war mir schon in -Apia mitgetheilt worden, daß das Auffinden des Ankerplatzes und -der Station vor Niua-fu seine Schwierigkeit habe; auch soll man -sofort absegeln, wenn nördlicher Wind und Seegang einsetze, da -dort auf hartem Lavagrund die Anker nicht genügend Halt finden -und ein Freikommen von der Küste sehr schwierig sei. -</p> - -<p> -Vollauf fand ich denn auch diese Angaben bestätigt, als ich -wenige Tage später unter der steilen, an Stellen mehrere hundert -Fuß hohen Küste entlang segelte und hinter der etwas vorspringenden -Nordost-Ecke nach der sehr hoch gelegenen Station nach einem -Ankerplatz suchte. In der guten Jahreszeit, d. h. wenn der Süd-Ost-Passat -weht, hat es keine besondere Gefahr, so nahe der Küste -zu ankern; werden doch selbst große Segelschiffe hierher beordert, -ihre Ladung Kopra aufzufüllen, allein in den Monaten Januar -bis April machen häufig nördliche Winde ein Ankern und Landen -hier unmöglich. -</p> - -<p> -Diese Insel ist etwa 550 Fuß hoch und in ihrer ganzen -Ausdehnung ein vollständiges Lavafeld; man sieht vom Meeresspiegel, -wie sich Schicht über Schicht die fließende Masse gelagert -hat und wie steile Abhänge gebildet wurden, indem die schon erkaltete -Lava abgesprengt oder als noch zähe Masse übereinander -geschoben wurde. Unregelmäßig, bald hier, bald dort, scheinen die -Lavaströme sich aufgestaut oder über steile Abhänge ergossen zu -haben, denn nach Gestalt und Form der Abhänge und Wände zu -urtheilen, hat die glühende Masse sich nur langsam fortbewegt. -Auch scheint die Ausdehnung und Dicke der fließenden Lava nur -eine geringe gewesen, dafür aber desto häufiger vorgekommen zu -sein. Der ganzen Natur nach müssen, da der Hauptkrater meiner -Schätzung nach mit dem Meeresspiegel fast gleich liegt, die verschiedenen -Ausflüsse und die Anhäufung der Lava von einer Anzahl -parasitischer Seitenkrater herrühren, die von Zeit zu Zeit, da die -<span class="pagenum"><a id="Page_39" name="Page_39" href="#Page_39">[39]</a></span> -ganze Insel als ein Vulkan zu betrachten ist, hier oder dort die -Lavakruste sprengten und flüßige Massen ausströmten. Es muß -dies als feststehend angenommen werden, denn heute noch befürchten -die Eingebornen, es könne sich überall der Boden plötzlich -öffnen; ich selbst habe Stellen gefunden und zwar nahe der -deutschen Station, wo die fließende Lava die starken Kokosbäume -mehr als sechs Fuß hoch umschlossen und vernichtet hatte. -</p> - -<p> -Wie hier in der Nähe der deutschen Station, so habe ich -auch an der Westseite der Insel Stellen gesehen, wo ebenfalls die -blühende Pflanzenwelt zerstört wurde. Auch wird diese Insel sehr -häufig von starken Erschütterungen heimgesucht, so daß die Eingebornen -in steter Sorge leben müssen (die Alten erzählen von -schrecklichen Zeiten, die sie durchgemacht haben). Etwas Unheimlicheres -giebt es kaum, als zu fühlen, wie der Erdboden, auf dem -man geht, durch heftige Erschütterungen wankt, also auf einem -thätigen Vulkan zu leben, der mit furchtbarer Gewalt die Erdkruste -zu spalten, Verderben und Tod auszustreuen im Stande ist. -</p> - -<p> -Der letzte große Ausbruch hatte um das Jahr 1870 stattgefunden, -wohlbebaute Flächen und Dörfer auf dieser etwa eine -deutsche Quadratmeile große Insel wurden zerstört; die Bevölkerung, -auch hier Tonga-Insulaner, ersuchte, von Furcht erfüllt, selbst -vorüberfahrende Schiffe, sie aufzunehmen. Es sind auf der Insel -keine, höchstens ein paar elende Kanoes vorhanden, mit denen -auf der fast immer erregten See kaum eine Fahrt unternommen -werden kann. Bin ich recht unterrichtet, so gab es sogar ein -Verbot, das der Bevölkerung geradezu untersagte, sich Kanoes zu -halten, denn es war vorgekommen, daß bei einem Ausbruche viele -Bewohner sich aufs offene Meer hinauswagten, um dem Verderben -zu entfliehen und da sie mit ihren gebrechlichen Nußschalen kein -Land auffinden konnten, ausnahmslos ein Opfer ihrer Angst und -Tollkühnheit wurden. Den schwankenden, von heftigen Stößen -erzitternden Boden ihrer Insel verließen sie, um einen langsamen, -qualvollen Tod auf dem Meere zu finden. -</p> - -<p> -Daß dennoch Niua-fu gut bevölkert ist (es sollen 1200 -Tonganer hier leben), muß der überaus reichen Vegetation zugeschrieben -werden; ist doch die Fruchtbarkeit der verwitterten Lava -so ungeheuer, daß überall, wo nicht jüngere Eruptionen weite -Strecken zerstört haben, die Pflanzenwelt im reichsten Maße sich -entwickelt hat, besonders gedeiht die Kokospalme hier in vorzüglicher -Güte. Die größten Kokosnüße, die ich je gesehen habe, -wachsen hier, deshalb ist der Ertrag an Kopra auch so bedeutend. -Thatsache ist indes, daß die Furcht vor einem Ausbruche, dessen -Ausdehnung niemand wissen kann, die Insel zeitweilig entvölkert, -doch kehren die Einwohner immer wieder zurück, sobald die unheimliche -Naturkraft ausgetobt hat und wieder Ruhe eingetreten ist. -</p> - -<p> -Meine Ordre lautete dahin, hier auf dieser Insel das Schiff -<span class="pagenum"><a id="Page_40" name="Page_40" href="#Page_40">[40]</a></span> -mit Kopra aufzufüllen und nach Samoa (Apia) zurückzukehren. Ich -hatte demnach also den Versuch zu machen, trotz der ziemlich unruhigen -See, eine Landung ins Werk zu setzen. Ein Eingeborner, -der es gewagt hatte, mit einem kleinen Kanoe abzukommen, aber -kenterte, erreichte schwimmend das Schiff und zeigte mir alsdann -den sicheren Ankerplatz. -</p> - -<p> -Der einzige Landungsplatz an dieser steilen, unzugänglichen -Küste ist ein tiefer Spalt in den massiven Lava-Felsen, den rechts -und im Hintergrunde hohe, senkrechte Wände umschließen, gegen -welche die einlaufende See wild aufschäumt, während zur Linken -eine zwar steile, aber niedrigere Wand mit einer Versenkung diesen -einfaßt. -</p> - -<p> -Da der Spalt nur so breit ist, daß ein Boot einfahren kann, -so muß dieses stets an einem sicheren Tau, welches vor der -Mündung verankert und hinten an der Lavawand um einen Felsblock -befestigt wird, mit der See eingeführt werden. Zwei Mann -haben nur darauf zu achten, daß sie das Boot stets recht auf der -mit wilder Macht eindringenden Woge halten und ebenso, daß das -mit großem Getöse zurückfluthende Wasser das Boot nicht herumreißt -und zum Kentern bringt. -</p> - -<p> -Ein vorspringender Lavablock an der linken Seite, längst von -den ihn immerwährend umspülenden Fluthen geglättet und abgeschliffen, -dient als Landungsplatz, auf den man aber ohne Hülfe -nicht hinauf gelangen kann, außer wenn man den Sprung wagt, -sobald eine einlaufende See das Boot so hoch gehoben hat, daß -es mit dem Block in gleicher Höhe sich befindet. Wenn das Boot -am starken Tau festgehalten wird, ist es natürlich, daß die See es -mit Gewalt gegen den Block preßt und ein unablässiges Aufpassen -der Leute ist nöthig, um ein Kentern zu verhindern. Halb am -Felsen hängend, müßte sich sonst das Boot seitwärts umlegen, -sobald die Woge, welche es gehoben, wieder niedersinkt. -</p> - -<p> -Ein wildes Donnern und Brausen (man kann mitunter sein -eigenes Wort nicht verstehen) erfüllte den Spalt und wie ein -mächtiger Sprühregen fällt der hochaufspritzende Gischt mancher -Woge von der Felswand zurück, an welcher sie ohnmächtig zerstäubt -ist, um immer wieder das Spiel zu erneuern. -</p> - -<p> -Will man zu dem etwa 350 Fuß überm Meeresspiegel -liegenden Hause des deutschen Agenten gelangen, muß man auf -Zickzackwegen die steile Höhe erklimmen; oben angelangt, kann der -Blick frei über das endlose Meer schweifen, während zu Füßen -die gewaltigen Formen erstarrter Lavamassen aufgehäuft liegen, -bedeckt mit Aschenstaub oder sprießendem Gras. Große Erwartungen -darf man an die Behausung eines so einsam lebenden Europäers -nicht stellen. Ein solches Gebäude, nur aus Holz hergestellt, ist, -dem Klima entsprechend, luftig und bequem, sonst aber baar aller -Bequemlichkeit. Die einzigen Möbel sind ein paar Stühle und ein -<span class="pagenum"><a id="Page_41" name="Page_41" href="#Page_41">[41]</a></span> -Tisch, alles andere hat sich der mehr oder weniger geschickte Bewohner -aus Kisten und Kasten zusammengezimmert. -</p> - -<p> -Die gefüllten Koprasäcke von solcher Höhe herabzutragen -wäre sehr mühevoll, man pflegt sich aber damit zu helfen, daß -über Einsenkungen und Vorsprünge des Felsbodens hinweg eine -Lattenbahn zur Tiefe geführt wird, auf der, wegen ihrer Steilheit, -die Säcke leicht niedergleiten können. -</p> - -<p> -Ein unverzügliches Angreifen der Arbeit nach Ankunft eines -Schiffes ist unter den obwaltenden Umständen hier eine Nothwendigkeit, -man weiß nicht, was die nächsten Stunden bringen; -eine nur gering zunehmende See macht oft der Arbeit ein Ende. -Schwierig und namentlich für die Besatzung des Bootes gefährlich -ist das Einschiffen der Ladung. Sicher sind die Leute erst, wenn -die Oeffnung des Spaltes erreicht ist, denn oft genug wird das -Boot von den einlaufenden Seen überschwemmt, und ist oft halb -mit Wasser angefüllt, ehe es zum Schiffe gelangt. Gewohnheit -aber macht ein Unternehmen weniger gefahrvoll. Um so mehr war -ich erstaunt, daß anfangs meine Boote glücklich aus dem zischenden, -brausenden Schlund herauskamen, mancher Zentner Kopra war -bereits verschifft, da brachte mir unerwartet ein Bote die Nachricht, -Boot und Ladung seien verloren. Sofort von der Höhe herab -eilend, sah ich, wie frei von den Klippen die Mannschaft mit dem -gekenterten Boote umherschwamm und bemüht war, dasselbe so längsseit -des Schiffes zu bringen, was den Leuten auch nach langer -Zeit gelang; in den Felsenspalt selbst aber tauchten die Eingebornen -auf und nieder, um die gesunkene Bootsladung wieder heraufzuholen, -indes gelang ihnen dies nur halb, da die einlaufenden Seen die -Säcke gegen die Felsenwände warfen und diese sich öffneten oder -zerrissen wurden. Veranlassung zum Kentern gab eine schwere -See; das Boot wurde gegen den Felsblock gedrängt und schlug, -während das Tau durch die Gewalt des Wassers den Händen des -Mannes entrissen wurde, quer und war im nächsten Moment mit -der Mannschaft und Ladung von der zischenden Wassermasse im -brodelnden Kessel überspült. Das Boot zu retten, ehe es an die -Felsenwand geschleudert und zerschellt wurde, war das Einzige, -was die Leute thun konnten. -</p> - -<p> -Da die Bevölkerung der Insel Niua-fu aus lauter Christen -besteht, so ist die Heilighaltung der Sonn- und Festtage auch hier -eingeführt und die Arbeit ruht. So konnte ich ungehindert dem -Wunsche, diese Insel näher kennen zu lernen und namentlich den -im Innern tiefliegenden Krater zu besuchen, nachkommen. In -früher Morgenstunde, die erfrischende Kühle benutzend, stiegen mit -mir der deutsche Agent und einige Eingeborne bergaufwärts. Wir -folgten den Windungen der breiten, festen Wege, auf denen nur -das Eine unangenehm war, der pulverisirte, feine Aschenstaub, der -überall dick lagert und bei jedem Schritte aufwirbelte. Auf der Höhe -<span class="pagenum"><a id="Page_42" name="Page_42" href="#Page_42">[42]</a></span> -fand ich die Kokosbäume nicht besonders schlank gewachsen, vielmehr -hatten viele Stämme eine mehr oder weniger starke Neigung -nach Westen, was auf den Einfluß des mitunter recht stark wehenden -Südostpassates zurückzuführen ist, sonst war der Anblick der -zahllosen Palmen, die Höhen und Abgründe bedeckten, großartig. -</p> - -<p> -Der Weg führte uns bald am Rande eines senkrecht steilen -Abgrundes hin, der hunderte Fuß tief, aber so mit Buschwerk -bewachsen war, daß man nicht bis auf den Grund hinabsehen -konnte. Nur eine Stelle gab es, wo man mühsam, an Gestein -und Strauch sich haltend, hinabzusteigen vermochte, und als diese -erreicht war, übernahmen die Eingebornen die Führung, denen -wir, rückwärts rutschend, zu folgen hatten. In der Tiefe angelangt, -zeigte sich ein großartiges Panorama, ringsum steile, unzugängliche -Felswände. Inmitten dieses Randgebirges, wenn ich so -die 4-500 Fuß steilen Wände bezeichnen darf, aber liegt ein -weiter, tiefer See, aus dem sich drei Bergkegel erheben, die leicht -rauchenden, zuweilen in Dampf gehüllten Krater. -</p> - -<p> -Kann diese so ausgedehnte Senkung, in die wir hinabgestiegen -waren, auch als der eigentliche Kraterkessel bezeichnet werden und -jene drei Hügel als die thätigen Vulkane in demselben, so steht -doch außer Frage, daß größere Ausbrüche seit langer Zeit nicht -mehr stattgefunden haben, sondern höchstens starker Aschenregen -ausgeworfen ist, der, wie wir gefunden, überall vertheilt lag. Bei -einem stattfindenden heftigen Ausbruche würde die fließende Lava -keinen Schaden thun können, diese würde vielmehr in den den -weiten Krater umgebenden See fließen. -</p> - -<p> -Betrachtet man diesen großen Kraterkessel mit seinen steilen -Wänden, in welchem wir in aller Seelenruhe gemüthlich umherspazirten -und uns am breiten, flachliegenden Ufer des Sees -tummelten, so kann man nicht annähernd die gewaltige Kraft -ermessen, die diese Wände aufgebaut hat, die hier einst gewaltet -und alles verändern und zerstören wird, sobald sie sich hier im -Centralpunkt äußern sollte. -</p> - -<p> -Man muß wirklich die unheimliche Gewalt thätiger Krater -gesehen, an solchen mit Schwefeldünsten und mächtigen Rauchwolken -gefüllten Kesseln gestanden haben, um sich ein Bild davon -machen zu können, mit welcher Furchtbarkeit auch hier Feuersäulen, -Rauch und Gase emporgeschleudert worden sind. Was nun diesen -salz- und schwefelhaltigen See anbelangt, dessen Wasser bitter und -von keinem organischen Wesen belebt ist — so weit ich bei meiner -flüchtigen Beobachtung das behaupten kann — so hat er einst bis -an die steilen Lavawände herangereicht; ob aber allein Verdunstungen -oder andere Umstände den Rücktritt der Wasser verursacht haben, -mag dahin gestellt sein. Soviel ist erwiesen, daß die jetzt mit -Strauch und Buschwerk bewachsenen Flächen unter Wasser gestanden -<span class="pagenum"><a id="Page_43" name="Page_43" href="#Page_43">[43]</a></span> -haben, denn feines Geröll, abgestürzte Lavablöcke geben den Beweis -dafür. -</p> - -<p> -Es liegt eine wunderbare Kraft im Walten der Natur! -Man glaubt todte, starre Oede dort zu finden, wo giftige Gase -fast ununterbrochen den Schlünden thätiger Krater entströmen; hier -aber blüht und wächst durch der Sonne Gluth, durch periodisch -stark fallenden Regen, erfrischt durch nächtlichen, schweren Tau, -selbst auf dem salzhaltigen, freigelegten Seegrunde eine üppige -Vegetation. Das ganze Panorama, den See zu Füßen, dessen -Wasser im Sonnenlicht wie flüssiges Silber glänzen, durch die -Palmen gekrönten Höhen, den steilen, dichtbewachsenen Wänden, -wird durch diese tropische Ueppigkeit ungemein verschönt. Das -sonst schauerliche Empfinden, welches den Menschen befällt, wenn -er sich hineinwagt in die Werkstätten der furchtbarsten Naturkraft, -deren Hauch Land und Wasser erzittern macht, schwindet hier beim -Anblick thätigen, blühenden Lebens. -</p> - -<p> -Die Heilkraft des Wassers, von der die Eingebornen erzählten, -wollte ich auch nicht unversucht lassen; schnell folgten -wir Europäer dem Beispiele unserer nackten Begleiter und tummelten -uns in dem warmen Bade, bis eine wohlthuende Ermattung eintrat; -daß den beiden Hunden, die wir mit uns hatten, das Bad -ebenso gut bekam, will ich nicht behaupten; den Thieren, die mehrfach -in das Wasser geschickt wurden, um ein weit weggeworfenes -Holzstück zurückzubringen, schien wenigstens der bittere Geschmack -desselben nicht besonders zu behagen. -</p> - -<p> -Bei näherer Untersuchung habe ich gefunden, daß die Wassertiefe -dieses Sees überall schnell zunahm und nach der Schräge des -Bodens zu urtheilen bis zur Mitte eine ganz beträchtliche sein -muß, auch die Eingebornen bestätigten dies, sie gaben an, es sei -in nicht großer Entfernung vom Ufer in weiter Runde kein Grund -mehr zu finden, demnach wären also die drei Kraterhügel nur die -über Wasser ragenden Kuppen vielleicht gewaltiger Vulkane. -</p> - -<p> -In tiefster Ruhe, im Sonnenglanz gebadet, liegt der weite -See, in ihm schlummern Gigantenkräfte! Wann werden diese -wieder erwachen, Menschen zittern und Felsen erbeben machen! -Wir standen hier auf einem Vulkan, wir wußten das, aber nicht, -daß unter uns, rings in der Runde, die unterirdischen Geister -erwacht waren, die die Feuer schürten, um solche wenige Monate -später schon mit verheerender Gewalt über diese Insel auszuspeien. -</p> - -<p> -Nicht so friedfertigen Sinnes wie heute waren die Tonga-Insulaner, -als sie zuerst mit den weißen Männern in nähere -Berührung kamen. Die erste Entdeckung dieser Insel erfolgte im -Jahre 1643, dann wurden sie erst wieder 1773, also über ein -Jahrhundert später, von dem berühmten Entdecker Cook aufgefunden, -in der Folge dann von mehreren kühnen Forschern besucht, -<span class="pagenum"><a id="Page_44" name="Page_44" href="#Page_44">[44]</a></span> -denen aber ihr langer Aufenthalt an einzelnen dieser Inseln, wie -Tongatabu, Lefuka u. a. verhängnißvoll wurde. -</p> - -<p> -Im Vertrauen auf die freundliche Gesinnung dieser Insulaner -wurden die Europäer zu sorglos, dahingegen die Eingebornen aber, -welche die Schwächen der weißen Männer bald genug erkannten, -planten Tod und Verderben. Wohl entgingen viele Europäer dem -geplanten Anschlag auf ihr Leben und waren noch stark genug, -ihre Schiffe zu schützen und zu fliehen, manche aber haben ihre -Achtlosigkeit mit Verlusten von Gut und Leben büßen müssen. -Heute hat Gesittung den verrätherischen Sinn der Eingebornen -geändert, sie kennen zur Genüge die Macht des weißen Mannes -und diese Erkenntniß ist der beste Schutz. -</p> - -<hr class="chapend" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -III. König Maliatoa. Olosinga. -<br />Der Ausbruch eines unterseeischen Vulkans -<br />und die Entstehung einer neuen Insel. -</h2> -</div> - -<p> -Bei meiner Rückkehr nach Samoa waren die politischen Verhältnisse -auf Upolu noch verwickelter als früher und für die deutschen -Beamten eine stete, ernste Sorge, namentlich da die ansässigen -Amerikaner und Engländer ihre Wühlerei unvermindert fortsetzten. -Mir, als einem Uneingeweihten, fehlt die genaue Kenntniß, um ein -anschauliches Bild der politischen Wirren, der feindlichen Kundgebungen -wahrheitsgetreu wiedergeben zu können — viel Gutes -wäre, nebenbei gesagt, nicht zu berichten gewesen — nur so viel -sei erwähnt, hätte gehandelt werden dürfen, wie es uns Deutschen -hier zu jener Zeit ums Herz war, mit der kleinen Zahl jener -Abenteurer, die desto lauter schrieen, je mehr sie beachtet wurden, -wäre bald genug aufgeräumt worden; es wäre ein Glück für Land -und Volk, eine wahre Wohlthat für uns Deutsche gewesen! -</p> - -<p> -Es lag mir viel daran, den Mann gelegentlich kennen zu -lernen, in dessen schwachen Händen das Geschick Samoas lag, um -dessen Gunst so viel Ausländer buhlten, dessen Macht ein Schein, -dem nur sein Anhang — die stolzen, selbstbewußten Häuptlinge — -die Königskrone sicherten. Der Zufall fügte es, daß ich auf einem -Spaziergange nach Mulinuu einen langansässigen Deutschen traf, -der mir behülflich sein wollte, den König sprechen zu dürfen. -Während kein Samoaner wagen darf, ohne Erlaubniß den geheiligten -Grund zu betreten, auf welchem sein König wohnt und -auch dann nur unter Beobachtung gewisser Zeremonien, fanden -wir dort ungehinderten Zutritt und, ohne nach unserm Begehr -gefragt zu sein, näherten wir uns dem im Schatten seines Hauses -sitzenden Könige Maliatoa. -</p> - -<p> -Die Gastfreundschaft der Samoaner ist bekannt, und ihr -<span class="pagenum"><a id="Page_45" name="Page_45" href="#Page_45">[45]</a></span> -König ist nicht minder bestrebt, solche seinen Gästen gegenüber auszuüben. -Seine braune Majestät hieß uns willkommen und führte -uns in den großen Vorraum des mit vielem Kunstsinn aufgeführten -Palastes und lud uns ein, auf den mit Matten bedeckten Holzkisten -Platz zu nehmen. Darauf rief der König dienstbare Geister, wohlgenährte -Samoanerinnen erschienen und ließen sich geschäftig im -Hintergrunde des Zimmers nieder. Schnell waren Steine, Becken -und Wasser herbeigeschafft, das Zerklopfen der Kavawurzel begann -und nach kurzer Zeit schon wurde durch Händeklatschen das Zeichen -gegeben, daß der Trank bereitet sei. -</p> - -<p> -Mit vieler Grandezza sich auf ein Knie niederlassend, reichte -eine junge Maid dem Könige zuerst die Kokosschale, wurde aber -bedeutet, diese seinen Gästen erst zu reichen. Da nahm ich sie in -die Hände und leerte sie mit einem Zuge, obgleich sie wohl einen -halben Liter faßte; das Wort „<em class="itals">fafataii</em>“, d. h. danke, war ich -kaum im Stande, vernehmbar auszusprechen, so hatte das etwas -starke Getränk mir den Athem genommen. Während dessen setzte -sich der König würdevoll nach samoaner Art mit untergeschlagenen -Beinen, auf weichen, feinen Matten vor uns nieder und eröffnete -erst die Unterhaltung, als auch er die Schale geleert und seinen -Gästen Bescheid gethan hatte. -</p> - -<p> -Mit ausgesuchter Höflichkeit lenkte Maliatoa, nachdem er erfahren, -daß nur der Wunsch uns hergeführt hatte, ihn kennen zu -lernen (was besonders auf mich Bezug hatte), das Gespräch auf -unsern großen Kaiser, er stand auch auf und holte unter anderen -Sachen ein wohlgelungenes Bildniß des Kaiser Wilhelms herbei -und fragte uns, ob der mächtige, deutsche Kaiser mit diesem Bilde -sprechende Aehnlichkeit habe, wie ihm versichert worden sei. Unsere -Bestätigung befriedigte ihn, und für einen Augenblick im Anschauen -des Bildes versunken, fragte er dann plötzlich, wann ich eingelaufen -sei und von welcher Insel ich gekommen wäre. Als ich Niua-fu -erwähnte, lobte er die dort wachsenden großen Kokosnüsse; er wäre -immer bestrebt, sagte er, solche zu bekommen und benutze sie gewöhnlich -zur Auspflanzung, wenn anders nicht seine Frauen dieselben -wegnähmen und zu Wasserbehältern oder Kavaschalen benutzten. -Schiffsführer, die Niua-fu anliefen, brächten ihm mitunter -schöne, große Nüsse mit, es wäre aber selten der Fall, weil dort -wohl nur wenige Schiffe zu Anker gingen. -</p> - -<p> -Das Letzte war mehr eine Frage an mich, und die Höflichkeit -gebot, diese so zu verstehen, als sei es ein ausgesprochener -Wunsch, darum erbot ich mich sofort, diesen zu erfüllen, sobald -mir Gelegenheit dazu gegeben wäre; ich wüßte zwar nicht, wohin -ich beordert werden würde, aber solcher geringen Mühe wollte ich -mich gerne unterziehen und gelegentlich Nüsse mitbringen. Dankend -nahm Maliatoa das Anerbieten an. Dann wurde uns auf seinen -<span class="pagenum"><a id="Page_46" name="Page_46" href="#Page_46">[46]</a></span> -Wink die zweite Schale Kava von schöner Hand gereicht, worauf -wir uns bald vom Könige verabschiedeten. -</p> - -<p> -Während der kurzen Unterhaltung war es nicht uninteressant, -zu beobachten, wie der König in nichts von den Gewohnheiten -seiner Unterthanen abwich. Wie der Samoaner setzte er sich auf -den mit Matten belegten Erdboden, stützte gewohnheitsgemäß den -Oberkörper auf einen Arm oder gab bei nach vorne geneigter -Haltung seinem Körper dadurch einen festen Stützpunkt, indem er -die Ellbogen auf die fast flach am Boden liegenden Knie setzte. -Bei solcher Haltung bleiben dann die Hände zur Vornahme beliebiger -Verrichtungen frei. Wiewohl nach unseren Begriffen in -der Haltung des Königs nicht allzuviel Majestätisches zu finden -war, so gestehe ich doch offen, daß die ganze Erscheinung den -Herrscher verrieth, dessen Blick Gehorsam zu heischen schien. -</p> - -<p> -Einige Monate später, ich war über Niuatobutabu nach -Niua-fu beordert worden, löste ich meine Zusage ein, und kaufte -dort die größten Nüsse, welche ich mit Hülfe des deutschen Agenten -auftreiben konnte, für den König Maliatoa auf. Nach Apia zurückgekehrt, -traf ich leider den König nicht in seinem Palaste bei -Mulinuu an, ich gab daher die Kokosnüsse an anwesende Häuptlinge -ab, die solche sogleich den aufwartenden Weibern einhändigten, -somit mag der König wohl Recht haben, daß ihm geschenkte Nüsse -meistens zu anderen Zwecken, als zur Auspflanzung Verwendung -finden. -</p> - -<p> -Bei weiteren Reisen in der Südsee war ich insofern vom -Glück begünstigt, als mir Gelegenheit gegeben wurde, auch die -entlegensten Inseln der Samoa-Gruppe kennen zu lernen und dort -Beobachtungen über Land und Bewohner zu machen. Auf solchen -Fahrten zeigte freilich oft genug der gepriesene Stille Ozean ein -recht unfreundliches Gesicht; widrige, stürmische Winde, gefährliche -See, straften solche Bezeichnung Lügen. Ist man aber mit der -wechselnden Eigenart der Witterung erst vertraut geworden, -namentlich mit der unbeständigen, sogenannten schlechten Jahreszeit, -so nimmt der Seemann alles ruhig mit in den Kauf und sucht -dem Unfreundlichsten noch eine gemüthliche Seite abzugewinnen. -</p> - -<p> -In freier See, wenn dem Schiffe keine Gefahren weiter -drohten, als durch Wind und Wetter, war ich immer zufrieden, -hier war des Menschen Können den Elementen gewachsen, wenn -diese es nicht gar zu böse meinten, hingegen vor gefährlichen Riffen -auf schlechtem Ankergrunde, wo das Schiff gefährdet lag, schlich -sich recht oft die Sorge bei mir ein. -</p> - -<p> -Kräftig hatte der Südost-Passat wieder eingesetzt, vor dessen -Hauch das düstere Gewölk entfloh, das regenschwer oft genug über -Land und Ozean gebreitet lag; ein dauernd heiterer Himmel lachte -auf die blaue Fluth hernieder, deren schaumgekrönte Wellen sich -im lustigen Spiele endlos jagten. Aufkreuzend gegen solchen steifen -<span class="pagenum"><a id="Page_47" name="Page_47" href="#Page_47">[47]</a></span> -Wind und einer in Folge dessen recht bewegten See, brauchte ich, -nach der Manua-Gruppe bestimmt, acht Tage, um die 130 Seemeilen -lange Strecke von Apia bis zur Insel Ofu und Olosinga -aufzusegeln; in Wirklichkeit aber hatte das Schiff annähernd 800 -Seemeilen im Zickzackkurse zurückgelegt, ehe das Ziel erreicht war. -</p> - -<p> -Durchzieht die langgestreckte Insel Tutuila ein mächtiger -Höhenrücken, der wegen seiner Form und Steilheit unübersteiglich -ist, eine Basaltformation von solcher Zerrissenheit darstellend, daß -thatsächlich zwischen der Nord- und Südküste keine Verbindung -besteht, so bieten die beiden kleinen Inseln Ofu und Olosinga fast -noch ein verzerrteres Bild vulkanischer Wildheit dar. Die Massen -dieser Inseln, steil und hoch, gleich senkrechten Wänden aus der -Tiefe des Meeres aufragend, zeigen nicht die stumpfe Kegelform -vulkanischer Bildung, sondern die zackigen Bergspitzen sind hier und -dort durchbrochen und getrennt, als wären diese durch Gigantenhände -aufgethürmt worden, sie scheinen das Ergebniß übergewaltiger -Eruptionen zu sein. Diese unzugänglichen Spitzen und Zacken, -gesprengte Lavablöcke, ragen fast 3000 Fuß hoch über dem Meeresspiegel -empor, in Wirklichkeit starre Zeugen einer längst entschwundenen -Zeit, die auch hier einst die unterirdischen Gewalten -schaffen und zerstören sah. -</p> - -<p> -An der Südseite der Insel Olosinga öffnet sich eine von -Korallenriffen eingeengte Bucht, die durch vielzackige sehr steile -Basaltfelsen abgeschlossen wird, namentlich sind drei spitze zusammenstehende -Kegel auffallend und geben ein gutes Merkzeichen. Die -große Wassertiefe in dieser Bucht bedingte es, daß ich sehr weit -hineinlaufen mußte und erst ganz in deren Nähe Ankergrund fand; -fast blieb für das Schiff kein genügender Raum frei von diesen -zu schwingen, so nahe der Brandung war ich zu ankern gezwungen. -Zudem war die Verbindung zwischen Schiff und Land nur zur -Zeit des Hochwassers herzustellen, da das Riff ganz trocken fällt -und nur während weniger Stunden des Tages, ebenso wie der -Nacht, konnte Ladung an Bord geschafft werden. -</p> - -<p> -Eine schmale Fläche Landes liegt nur zwischen Strand und -steiler Felswand, noch dazu bedeckt mit großen abgestürzten Lavablöcken, -zwischen denen die Hütten der wenigen Bewohner dieser -Insel zerstreut errichtet sind; aber wie drohend und kahl auch die -gewaltigen Felsmassen von der Höhe herabschauen, ihnen zu Füßen -auf fruchtbarster Erde, ja selbst aus jedem Felsspalt blüht und -sprießt eine reiche Vegetation. Vornehmlich gedeihen hier der -Kokosbaum und die Bananen vortrefflich, jener der genügsam ist, -reckt am Felsengrat sowohl wie am Strande seine stolze Krone in -die Lüfte und das in solcher Zahl, daß es sich verlohnt hatte hier -eine kleine Handelsstation anzulegen. -</p> - -<p> -Die Händler an solchen entlegenen Orten, meistens Mischlinge, -tauschen für geringe Waare den Ueberschuß an Nüssen von den -<span class="pagenum"><a id="Page_48" name="Page_48" href="#Page_48">[48]</a></span> -Eingebornen ein und erzielen durch die Verarbeitung derselben zu -Kopra für sich einen Gewinn, der ihnen sogar ermöglicht Ersparnisse -zu machen, da ihre Bedürfnisse sehr gering sind. Zwei -höchstens drei mal im Jahre versieht ein Schiff die Händler -mit Tauschartikeln und holt die erhandelten Erzeugnisse ab, daher -ist denn auch das Einlaufen eines Fahrzeuges immer ein Ereigniß -von Bedeutung, sowohl für den Händler wie für die Eingebornen. -In der Station Olosinga, die seit Kurzem durch einen von der -Insel Tau hierher übergesiedelten Zwischenhändler errichtet war, -schien hier ein weißer Mann kaum je gesehen worden zu sein, -denn sowohl der älteste Greis wie der jüngste Sproß waren am -Strande versammelt als ich landete und Neugierde mit auffallender -Scheu gepaart, ließ sie die fremde Erscheinung anstarren; namentlich -die Kinderschaar fürchtete sich und anfänglich genügte eine -rasche Bewegung meinerseits schon die neugierige Menge auseinander -zu treiben. Das kleine Haus des Händlers, mit dem ich -den geschäftlichen Theil abzuwickeln hatte, war schon, noch ehe ich -eintrat, voll von Menschen, so daß die Jüngeren herausgetrieben -werden mußten, um Raum zu schaffen. -</p> - -<p> -Angenehm ist solches Anstarren und Umdrängtwerden nicht, -und mancher würde es höchst lästig finden; weiß man aber, daß -barsche Worte wenig nützen, zumal den Erwachsenen gegenüber -nicht, so erduldet man schon solche Unbequemlichkeit, bald kommt -man auch zu der Ueberzeugung wie vortheilhaft es ist, da bald -die Neugierde dieser Naturvölker gestillt ist, Vertrauen erweckt zu -haben. Frauen und Kinder laufen nicht ängstlich davon, Männer -gehen nicht mit scheelen Blicken an einem vorüber, das „<em class="itals">talofa, -ali</em>,“ guten Tag, Herr, hat einen freundlicheren Klang; ich muß -sagen, natürliche oder sogar erzwungene Ruhe, die ein Europäer -zeigt, imponirt den Eingebornen am meisten. -</p> - -<p> -In diesem Falle war es ein kurzer Sprung von auffälliger -Scheu bis zur Vertraulichkeit. Der Händler wurde von allen -Seiten mit Fragen bestürmt, seine Angaben schienen einigen Erwachsenen -aber nicht zu genügen; diese wollten durchaus wissen, -ob ich auf der Brust ebenso weiß sei wie im Gesicht und obwohl -die Frage eigenthümlich genug klang, so war sie doch ernst gemeint, -denn sie öffneten mein weißes Hemde und überzeugten sich -selbst davon — das war ihnen genügend, befriedigt gingen sie -fort. Nun war nach Verlauf einer halben Stunde die erst so -große Neugierde aller gestillt; ein Anstarren, geschweige denn eine -Belästigung kam nicht mehr vor, höchstens trat ein kleiner Bursche -noch heran und wagte mich um ein Stückchen Tabak anzusprechen. -</p> - -<p> -Zu den Pflichten eines Schiffsführers gehört es, stets für -den Empfang einer Schiffsladung die Ladescheine zu zeichnen; -so war es auch hier (gleichwie an anderen Orten war ich der -einzige Europäer), es war meine Aufgabe, die zu empfangende Menge -<span class="pagenum"><a id="Page_49" name="Page_49" href="#Page_49">[49]</a></span> -Kopra abzuwiegen. Schon um den Aufenthalt hier unter den -gefährlichen Riffen abzukürzen, wurde die Verschiffung der Ladung -auch während der Nacht bei lodernden Feuern, die immer von -Neuem mit trockenen Palmenrippen angefacht wurden, ausgeführt. -Dabei nun leisteten uns einige Kinder Gesellschaft, die es vorzogen -wach zu bleiben, um die Feuer zu unterhalten. Unter -diesen war ein etwa siebenjähriges Mädchen von auffallender -Schönheit, wie ich noch keins unter farbigen Völkern gesehen; es -mag sein, daß die leicht gebräunte Hautfarbe dies Kindergesicht so -anziehend und interessant machte, so viel wenigstens kann ich -behaupten, dieses Naturkind konnte mit seinen weißen Schwestern -wetteifern und sich den Hübschesten seines Geschlechts an die Seite -stellen. Manches hübsche Mädchen habe ich zwar unter den -Samoanerinnen gesehen, ein solches aber, wie dieses in dieser -weltentlegenen Gegend aufgewachsen, nicht wieder. Unter anderem -erhielt ich noch Kenntniß von einem unterseeischen Vulkan, der sich -an der Ostseite der Insel Olosinga befindet. Ich zog darüber -Erkundigungen ein, erfuhr aber nur Folgendes: Die älteren -Bewohner haben vor einer Reihe von Jahren einen Ausbruch -desselben beobachtet, dabei aber nur leichte Erschütterungen des -Bodens, sonst nichts Auffallendes wahrgenommen, und seit jener -Zeit sei an der bezeichneten Stelle im Ozean weiter kein Ausbruch -erfolgt. Immerhin ist das Vorhandensein eines solchen Vulkans, -auch wenn ihn die Fluthen des Meeres bedecken, eine gefährliche -Nachbarschaft und ein Zeichen, daß die Naturkraft fortbesteht, die -diese gewaltigen Basaltmassen aufgethürmt hat, wenn auch längst -die Krater dieser Inseln erloschen sind. -</p> - -<p> -Die größte der Inseln in der Manua-Gruppe ist Tau, -ebenfalls vulkanischen Ursprungs, an Umfang aber viel bedeutender -noch als Ofu und Olosinga zusammen genommen; in der Mitte -dieser Insel erheben sich gegen 3000 Fuß hohe Krater, deren -Umgebung indeß weniger wild und zerrissen erscheint, da sie von -der Hügel- zur Bergform übergeht und ausgedehntes Vorland die -ganze Erhebung umgiebt. Fraglos ist es, daß auf gehobenem -Korallengrunde im Laufe der Zeiten die flachen Landstrecken -gebildet wurden, die wiederum ein weites Riff umgiebt, das stetig -an Ausdehnung durch den Fortbau der Korallenpolype gewinnt. -Nimmt auch die Kratergegend den bei weitem größten Flächenraum -dieser 16 Seemeilen im Umfang großen Inseln ein, so hat -sich doch auf verwittertem Lavagrunde eine reiche Pflanzenwelt -entfaltet und von See aus gesehen erscheint dieselbe sich bis zu -den hohen Bergkuppen ausgedehnt zu haben; vor allem sind die -Umgebungen der Dörfer Tau, Siufanga, Faleasao an der West- -und Nordwestseite von ausgedehnten Kokospflanzungen umgeben. -Bestimmt von Olosinga zunächst nach Tau zu segeln, mußte ich -hier, nachdem mit Schwierigkeit Waaren gelandet, auch der Vertreter -<span class="pagenum"><a id="Page_50" name="Page_50" href="#Page_50">[50]</a></span> -der deutschen Handelsgesellschaft abgeholt war, nach Faleasao -weiter fahren, wo in der guten Jahreszeit der sicherste Ankerplatz -sein sollte. Hier befand sich auch der Hauptstapelplatz für Kopra. -Als ich vor Faleasao ankam, schien mir dort der Ankerplatz nahe -dem Riffe einigermaßen sicher und ein Landen nicht zu schwierig -zu sein. Weht der Südostwind, so hat Faleasao wohl den Vorzug -der gesichertste Ort für ein Schiff zu sein, da sich hier ausgedehnte -Korallenflächen unter Wasser hinstrecken, wenn auch bei -schnell zunehmender Tiefe; weht derselbe aber östlicher, wie ich es -fand, so läuft die schwere See längs der kreisförmigen Insel auf -und erzeugt selbst hier noch eine gefährliche Brandung. -</p> - -<p> -Von einem Schiffe aus gesehen scheint freilich eine Brandung -nie so schwer als sie in Wirklichkeit ist, befindet man sich aber -mit einem Boote in derselben, erkennt man erst die gewaltige -Kraft der mit großer Geschwindigkeit heranrollenden und sich überstürzenden -Wogen. -</p> - -<p> -Genöthigt zu warten bis Hochwasser eingetreten war, wodurch -am Riffe die Brandung vermindert wurde, machten wir doch -beim ersten Landungsversuch eine unliebsame Bekanntschaft mit -derselben. Obgleich die Bootsbesatzung tüchtig und geübt war, -überlief uns dennoch die See; in dem Augenblicke, wo es galt, -mit aller Kraft zu rudern, um die hinter uns brechende Woge -nicht über das Boot stürzen zu lassen, unterlief die Kraft der -neben dem Boote aufrollenden Vorwelle den Riemen (Ruder) -eines Mannes, den dieser nicht schnell genug zu heben vermocht -hatte. Trotz der Anstrengung des Steuerers wirbelte im Augenblick -das Boot herum, die Welle brach über das breitseits liegende -Boot herein, überschlug dasselbe, und Menschen, Boot und dessen -Inhalt bildeten ein Chaos, daß die brüllende Woge strandaufwärts -trug. Weil ich selbst kein Schwimmer war, und keinen Grund -unter den Füßen fand, so wurde für mich die Lage bald bedenklich, -zumal da ich nichts zu sehen im Stande war, und nur -donnerndes Brausen mir in den Ohren gellte. Ein Spielball des -Wassers, mußte ich das Schlimmste befürchten, wenn die rücklaufende -Welle mich mit sich riß; aber plötzlich fühlte ich einen -Halt, ein Eingeborner der Bootsbesatzung hatte mich gefaßt, ehe -es zu spät gewesen, ich fand auch gleich wieder Grund und -tummelte fort, nur beschleunigte die nächste Welle mein Bestreben, -den Strand zu gewinnen dermaßen, daß ich durch den heftigen -Stoß ziemlich unsanft auf die spitzen Korallen geworfen wurde; -aber abgesehen von einigen Verletzungen an den Händen kam ich -noch glimpflich davon. Weitere Verwundung erhielt keiner, nur -der Mann, dessen Ungeschick alles verschuldet hatte, hatte sich den -Kopf verletzt. Zum Glück war auch das große von Tau mitgenommene -Brandungsboot unbeschädigt geblieben, die Besatzung -desselben, an solche Fahrten gewöhnt und aus guten Schwimmern -<span class="pagenum"><a id="Page_51" name="Page_51" href="#Page_51">[51]</a></span> -bestehend, wußte mit Geschick einen verderblichen Aufstoß des -Bootes auf den harten Korallengrund zu vermeiden. Schnell war -das Mißgeschick vergessen. Das Boot wurde ausgeschöpft und -flott gemacht, dann mit dem Verschiffen der Ladung begonnen. -Freilich manchmal glaubten wir Boot und Ladung nicht wieder -zu sehen, wenn es in der Brandung verschwand oder in Gefahr -war, von einer steilen Woge überworfen zu werden. -</p> - -<p> -Soweit die Leute Grund unter den Füßen hatten, schoben -sie das Boot stets hinaus, dann wurde gewartet, bis drei schwere -Seen herangelaufen waren, sofort aber hinter der dritten schwang -sich die Besatzung in das Boot und ruderte mit aller Kraft der -vierten, gewöhnlich schwächsten Woge entgegen, die passirt sein -mußte, ehe sie sich brach; gelang dies nicht, kam häufig das Boot -fast sinkend längsseit des Schiffes und es entstand dadurch eine -Verzögerung. -</p> - -<p> -Dem Manne, der mich flüchtig gestützt, als ich kraftlos ein Spiel -der Wogen gewesen, gab ich auf Anrathen des Händlers eine Hand -voll Stangentaback, kaum aber hatte derselbe begriffen, daß solcher -sein Eigenthum sein solle, als er wie besessen umhersprang, immer -wieder sein „<em class="itals">fafataii</em>“, danke, brüllend, bis sich seine Genossen um -ihn geschaart und er schnell die Hälfte seines Geschenkes los -geworden war. -</p> - -<p> -Das Rauchen ist unter den Eingebornen der Südsee stark -verbreitet, daher ist eigens für sie zubereiteter, kräftiger Taback -ein bedeutender Tauschgegenstand geworden. Selten nur findet -man die Tabackpfeife in Gebrauch, dagegen kommt allgemein die -Cigarette in Anwendung, die mit Vorliebe von beiden Geschlechtern -geraucht wird. Sehr oft habe ich mich ebenfalls derselben bedient -und gefunden, daß der Europäer in der Hütte des Eingebornen -stets willkommen ist, der seinen Vorrath mit ihnen theilt, wenigstens -aber so viel abgiebt, um das augenblickliche Bedürfniß zum Rauchen -zu befriedigen. Einfach genug ist die Herstellung einer Cigarette, -als Umhüllung dient ein Streifen vom getrockneten Bananenblatt; -der Taback, aus zusammengepreßten Blättern bestehend und -meistens feucht, wird nach Bedarf auseinander gewickelt, über ein -entzündetes Streichholz oder eine kleine Flamme, auch über Kohlengluth -etwas angeröstet, eigentlich nur dadurch betrocknet und dann -in den bereitgehaltenen Streifen eingewickelt. Auf diese Weise ist -eine Cigarette schnell genug angefertigt; diese geht dann von Hand -zu Hand und hat Jeder durch einige Züge das augenblickliche -Verlangen befriedigt, so wird der Rest der Cigarette von einem -der Anwesenden hinter der Ohrmuschel so lange aufbewahrt, bis -sich wieder das Bedürfniß zum Rauchen einstellt. -</p> - -<p> -Es erwies sich übrigens als leichter, mit einem schwerbeladenen -Boote gegen die starke Brandung zu rudern, als mit -dem leeren vor derselben zu laufen, im letzteren Falle meistens -<span class="pagenum"><a id="Page_52" name="Page_52" href="#Page_52">[52]</a></span> -von dem Kamme einer Woge riffaufwärts getragen, wird das -Boot von ihr schließlich überlaufen und die darauf folgende -gefährdet es. Zweimal geschah es während der 60-70 Fahrten, -welche das Boot zum Schiffe hin und zurück machen mußte, daß -dieses in der Brandung überworfen wurde, jedoch ohne weiter -Schaden zu nehmen. Ich habe manche Brandung an Korallenriffen -mit weniger tüchtiger Mannschaft und schwächeren Booten -passirt, bin aber niemals später genöthigt gewesen, wie hier, bei -so hohem Seegange Ladung abzunehmen. Diese See, eigentlich -nur längs und auf das Riff laufende Roller, war schon schwer -genug; eine Möglichkeit hätte es aber nicht mehr gegeben, durch -die Brandung zu kommen, wenn auch nur ein leichter Wind die -Wogen verstärkt hätte; diese sind übrigens desto gefährlicher, je -weiter vom Strande entfernt abflachender Grund der Wassermasse -gestattet sich aufzurollen. -</p> - -<p> -Des Ungeziefers, welches mit einer Kopraladung an Bord -gebracht wird und sich dort schnell einnistet, habe ich früher Erwähnung -gethan, namentlich der Ameisen und der Kakerlaken. Mich -jener zu erwehren, wenigstens sie möglichst aus der Kajüte zu vertreiben, -wurden Fugen und Ritzen im Holz mit Petroleum angefeuchtet -oder gut verkittet; solche Mittel lohnten zwar nicht viel, -aber eine Zeit lang wenigstens etwas; hingegen die Kakerlaken -zu vertreiben, wollte nichts verfangen. Unglaublich vermehren sich -die bis zu 1½ Zoll und darüber wachsenden Thiere; da sie an -feuchten Stellen mit Vorliebe sich aufhalten, ist ihnen zwischen den -Rippen des Schiffes nicht beizukommen. Selbst wenn ich zeitweilig -eine Ausräucherung des ganzen Schiffes mit Kohlengas -vornahm, um die nicht minder lästigen Ratten zu vertilgen, gelang -es wohl, die schlimmen Nager zu tödten, die meistens in der Nähe -der erloschenen Kohlenbecken, wo sie wegen des hierher strömenden -Sauerstoffes am längsten zu leben vermochten, aufgefunden wurden; -den Kakerlaken hingegen schadete solche Ausräucherung nichts. -</p> - -<p> -Bei Tage nicht sichtbar, kommen die Kakerlaken Abends aus -ihren Verstecken hervor, dann aber ist es in geschlossenen Räumen -nicht auszuhalten, so groß ist die Menge der Thiere. Sehr lebhaft -aber werden sie und die, welche fliegen können, schwirren umher, -sobald sich eine Aenderung im Wetter bemerkbar macht; ich beobachtete, -daß jedesmal Regen eintrat, wenn die Kakerlaken zu -fliegen begannen. -</p> - -<p> -Doch nicht nur sehr unangenehm und widerwärtig sind diese -Thiere, sondern sie sind auch im Stande, empfindlichen Schaden -anzurichten; man darf kein unreines Zeug oder Leibwäsche frei -liegen lassen, soll solche nicht angefressen werden. Anfänglich, ehe -ich dahinter kam, maß ich den Ratten die Schuld bei, wenn mir -gute wollene Hemden verdorben wurden. Glücklicherweise gab mir -der Zufall ein Mittel an die Hand, diese Kakerlaken nach Möglichkeit -<span class="pagenum"><a id="Page_53" name="Page_53" href="#Page_53">[53]</a></span> -zu vernichten. Eine entleerte Flasche Bier war unabsichtlich -in eine leere Koje gesetzt worden und zwar so, daß es den durch -den Biergeruch angelockten Thieren möglich geworden war, den -Hals der Flasche zu erreichen und hinein zu kriechen. Einmal hinein -gab es kein Zurück mehr, und ich fand, einem widerlichen Geruch -nachspürend, diese Flasche ganz angefüllt mit todten Kakerlaken. -</p> - -<p> -Später ließ ich denn auch frisch geleerte Bierflaschen aufstellen -und konnte bald, da oft Hunderte in einer Nacht gefangen -wurden, eine Abnahme bemerken. Auf längeren Reisen, wenn der -geringe Vorrath an Bier ausgetrunken war, setzte ich entweder -eine Schüssel mit Seifenwasser oder mit einem Zusatz von Syrup -den Kakerlaken hin und richtete es so ein, daß sie bequem hineinkommen -konnten; war es auf solche Weise auch nicht möglich, die -Thiere auszurotten, weil sie sich zu stark vermehrten, so wurde -doch ihre Zahl sehr vermindert. -</p> - -<p> -In späterer Zeit hatte ich leider nie wieder Gelegenheit, die -Manua-Gruppe anzusegeln und meine Beobachtungen zu vervollständigen, -dagegen wurde ich mit den Tonga-Inseln, ihrer Beschaffenheit -und Bevölkerung, vertrauter, da ich meistens längere -Reisen durch diese ausgedehnte Gruppe zu machen hatte. -</p> - -<p> -Der bereits geschehenen Erwähnung, daß in freier See sowohl, -wie unter den zahlreichen Inseln, eine große Zahl Haifische -zu finden ist, wollte ich noch näher darauf eingehen, in welcher -Weise es mir gelang, eine beträchtliche Anzahl dieser gefährlichen -Meerbewohner zu fangen, die zum Theil dann von meiner Schiffsbesatzung -verzehrt wurde. Möglich ist der Fang des Haifisches -nur bei ruhiger See und bei Windstille; er wird um so leichter, -wenn der Hai hungrig ist und nach allem gierig schnappt, was -über Bord geworfen wird. War also Windstille eingetreten, wiegte -das Schiff sich steuerlos auf der blauen Fluth, so währte es gewöhnlich -nicht lange und die Rückenflosse eines oder mehrerer Haie -wurde sichtbar, die langsam näher kamen und entweder hinter dem -Schiffe verblieben, wenn dessen Fahrt vielleicht noch gering war, -oder sonst um dieses herumschwammen. -</p> - -<p> -Kamen die Thiere nicht nahe genug heran, so wurde eine -Lockspeise an dünner Leine befestigt, jedoch so, daß diese der Hai -wohl befühlen, aber nicht erfassen konnte; die Leine wurde nämlich -schnell eingeholt, sobald der Hai sich auf den Rücken legte und -zuschnappen wollte. War der Hai erst gierig gemacht, so folgte er -dem Köder schneller, besonders, wenn es ihm doch gelungen war, -ein Stückchen Fleisch zu erfassen. -</p> - -<p> -Auf diese Weise bis dicht unter das Heck des Schiffes gelockt, -schwamm der Hai achtlos auf die Gefahr, welche ihm drohte, -in die weit in das Wasser reichende Schlinge hinein, schnell diese -fallen gelassen und zusammengeholt, war solch großer Fisch immer -gefangen, weil ein Uebergleiten der Schlinge wegen der unbiegsamen -<span class="pagenum"><a id="Page_54" name="Page_54" href="#Page_54">[54]</a></span> -Schwanzflosse nicht mehr möglich war. Bot sich eine Gelegenheit -in der Nähe der Insel Upolu einige Haie zu fangen, und -war das Schiff nicht allzufern dem Hafen von Apia, gestattete ich -der Besatzung meistens die Fische aufzubewahren, die dann außenbords -in den Rüsten oder unter dem Bugspriet aufgehängt wurden, -denn der Fischgeruch war nicht besonders angenehm. Verzögerte -sich die Ankunft aber und hatte die heiße Sonne schon zersetzend -eingewirkt, ließ ich die Haie losschneiden, was von den Samoanern -immer bedauert wurde; hingegen, wenn wirklich ein todter Hai -mitgebracht werden konnte, gab es einen Festschmaus bei den Anverwandten -am Lande. -</p> - -<p> -Anstoß an dem strengen, widerlichen Geruch des Fisches -nahmen die Samoaner nicht, vielmehr durch eingetretene Zersetzung -ward das Fleisch desselben mürbe, das sonst hart, zähe und trocken -ist. Aus Noth habe ich auch einmal versucht, das zubereitete -Fleisch eines jungen, frisch gefangenen Haies zu essen, aber es -wollte selbst gebraten nicht munden, obgleich sicher ein gewisser -Widerwille das meiste dazu beitragen mochte. -</p> - -<p> -Das Gebiß eines großen Haifisches ist furchtbar, die vorderen -festen Zähne im Unter- und Oberkiefer sind an der Wurzel breit -und flach und scharf wie ein Messer, die Zähne fassen so ineinander, -daß alles, was der Hai erfaßt, von diesen durchschnitten -wird. Hinter den festen Vorderzähnen liegen noch sechs Reihen -ebensolcher, jede kleiner als die andere und in den Rachenmuskeln -beweglich. Faßt der Hai eine Beute, ist er nicht im Stande, solche -wieder fahren zu lassen; die hinteren Zahnreihen richten sich auf -und geben einmal Gefaßtes schwerlich wieder frei. -</p> - -<p> -Einmal, in der nördlichen Einfahrt von Tongatabu (ich war -zwischen den Riffen von Windstille befallen worden) hielten sich -schon längere Zeit zwei mächtige Haie von seltener Größe beim -Schiffe auf. Schließlich machte ich mich daran, da diese Thiere -ohne Scheu längsseit kamen, einen mit der Schlinge zu fangen. -Ohne daß Köder angewandt war, hatte sich bald eines der Unthiere -in der Schlinge festgelaufen; am Schwanz gefangen, peitschte -der Hai wüthend das Wasser und die Leute hatten zu thun, das -starke Thier zu halten, das erst jeden weiteren Versuch sich zu befreien -aufgab, als es ermattet an der Schiffsseite hochgezogen war. -</p> - -<p> -Der zweite Hai, der anfänglich gleich verschwunden, kam -bald wieder zum Vorschein und so nahe an seinen gefangenen Gefährten -heran, daß auch er nach einigen Versuchen demselben -Schicksal verfallen war. Die Leute sollten nun den zweiten nicht -zu nahe dem schon hochgezogenen aufholen, aber in ihrer Hast -zogen sie das heftig um sich schlagende Thier doch nahe an dem -ersten Hai vorbei und dieser, ebenfalls unruhig gemacht, wohl auch -von dem Schwanze des zweiten getroffen, schwang seinen Oberkörper -<span class="pagenum"><a id="Page_55" name="Page_55" href="#Page_55">[55]</a></span> -im Wasser hin und her, dabei den mächtigen Rachen auf- -und zuschnappend. -</p> - -<p> -Solange der Hai noch im Wasser war, sträubte er sich mit -seiner ganzen Kraft und folgte nur widerwillig der angewendeten -Gewalt, er entriß auch den Händen der Leute das Tau, ehe dasselbe -befestigt werden konnte und schoß seitwärts in die Tiefe. -Indeß da das Tau, womit der Hai gefangen worden war, zum -Aufhissen eines der Vordersegel diente und an diesem befestigt war, -so vermochte er nicht zu entkommen. Als er wieder herangeholt -war, sollte gewartet werden, bis er sich müde gearbeitet hätte; -aber übereifrig geworden, zogen die Leute weiter und als sie unachtsam -wieder dem ersten Hai zu nahe gekommen waren, hielten -sie plötzlich das lose Tau in Händen. Der hängende Hai hatte -nämlich nach dem Schwanze des zweiten geschnappt, die halbe -Flosse mitsammt dem starken Tau durchbissen und so seinem Gefährten -die Freiheit gegeben. Ein kurzer, aber gewaltiger Schlag -war es, den dieser Hai führte, als er gebissen sich zur Wehr setzte, -doch bald schoß er frei mit einer Geschwindigkeit hinweg, wie man -solche diesen sonst trägen Thieren nicht zutrauen sollte. -</p> - -<p> -Um nun den gefangenen Hai, dessen Körper noch halb im -Wasser niederhing, sicher an Deck zu bringen, mußte ihm eine -zweite Schlinge oberhalb der Rückenflosse umgelegt werden; an -dieser wurde das Thier dann hochgezogen, der Schwanzwirbel -durchgeschlagen und erst, als es sich verblutet hatte, an Deck genommen. -Das Thier maß etwas über 13 Fuß und hatte ein -furchtbares Gebiß. Dieses sollte später ein Tonganer für mich -präpariren und reinigen, nachdem der Kopf wochenlang in Salz-Seewasser -gelegen und alles Fleisch sich abgelöst hatte; ich sah -aber nie etwas davon wieder, es hieß, die Kiste mitsammt dem -Kopfe des Haies, die am Riffe versenkt worden war, sei verschwunden. -</p> - -<p> -Auf meiner zweiten Reise, von Apia nach Tongatabu, lief -ich, von Vavau kommend, westlich von der ganzen Tongagruppe, -und befand mich eines Tages im Mai 1885, als voraus die -Basaltkegel Hunga-hapei und Hunga-tonga gut in Sicht gekommen -waren, nicht allzufern von den in der Karte angeführten Culebrasriffen. -Mein Kurs, der südwärts gerichtet war, mußte mich gerade -darauf führen. Aber als ich die hohen Inseln Kao und -Tofua in Deckung gebracht hatte — die Kreuzpeilung von der -Insel Namuka und Hunga-tonga ergab, ich müsse zwischen den -Riffen mich befinden — wollte von den Riffen nichts sichtbar -werden. Vergeblich hielt ich selbst von den Masten aus Umschau, -ich konnte weit in der Runde kein Riff, noch flacheres Wasser sehen -und ebensowenig die noch schärferen Augen meiner Leute. -</p> - -<p> -Fünf Monate später bekam ich auf ebensolcher Reise, die -Hapai-Gruppe anlaufend, in Lefuka einen Lootsen als Passagier -<span class="pagenum"><a id="Page_56" name="Page_56" href="#Page_56">[56]</a></span> -an Bord, der sich erbot, mir den Weg durch die Riffe der Kotu- -und Namuka-Gruppe zu zeigen. Ich nahm das Anerbieten an, -schon weil der Weg kürzer war und ich auch wußte, dieser Mann -kenne die Durchfahrten ganz genau. Es war am Nachmittage des -12. October 1885, die Insel Namuka in Sicht, hielt ich den Kurs -nach der freien See zu, um nicht während der Nacht zwischen gefährlichen -Riffen laviren zu müssen. -</p> - -<p> -Westwärts mit freiem, leichtem Winde zog das Schiff, ich -konnte hoffen, ehe die Nacht hereinbrach, die freie See zu gewinnen, -bevor, wie ich fürchtete, westlicher Wind, der in der Ferne mächtige, -drohende Wolkenmassen aufballte, mein Vorhaben, Namuka zu umsegeln, -vereitelte. Keiner anderen Annahme konnte ich Raum geben, -so ungewöhnlich in dieser Jahreszeit mir auch eine Aenderung in -der Witterung erscheinen wollte, als der, es müsse ein schwerer -Sturm heraufziehen. Das schönste Wetter war um uns, der Himmel -blau und klar, ich konnte nicht verstehen, da auch das Barometer -immer noch keine Aenderung zeigen wollte, was im Westen das -Anstürmen der Wolkenmassen, die dunkel wie die heraufziehende -Nacht waren, zu bedeuten habe. -</p> - -<p> -Unverändert, den ganzen Horizont im Südwesten bedeckend, -blieb diese Erscheinung. Wider Erwarten entwickelte sich nicht ein -heraufziehender Sturm, auch nicht das Gewölk, welches ein solcher -vor sich hertreibt. Ein Räthsel war es, dessen Lösung ich nicht fand. -</p> - -<p> -Die Nacht brach herein, herrlich glänzte über uns der Sternenhimmel -einer friedevollen Tropennacht. Nur von den Riffen, die -die Insel umgeben, schallten vereinzelte Stimmen über das stille -Gewässer, dort rüsteten sich die Bewohner zum Fischfange, und bald -leuchteten die Kokosfackeln in den zahlreichen Kanoes auf, eine -Beleuchtung, wie solche stimmungsvoller nicht der ganzen Umgebung -angepaßt werden konnte. -</p> - -<p> -Aber auch die tiefdunkle Nacht in der Ferne wurde erleuchtet, -Feuergarben zuckten zum Himmel empor, momentan die dunkle -Masse wie mit magischem Lichte erhellend. Unerklärlich, wußte ich -doch, daß dorthin auf hunderte Seemeilen kein Land zu finden -war; die kleinen Felseninseln Hunga-tonga und Hunga-hapai lagen -südlicher. Es war nicht der Blitz, der durch die Wolken zuckte, -aus der Tiefe des Meeres herauf glühte es, sekundenlang immer -wieder mit graufahlem Schimmer, mit blitzendem Feuerschein, den -Horizont durchleuchtend. -</p> - -<p> -Nichts veränderte sich während dieser Nacht, das Phänomen -blieb sich gleich, auch trotz der größer werdenden Entfernung, bemerkte -ich keine wesentliche Veränderung; erst der neue Tag bleichte -den Feuerschein, der, was ich schließlich als positiv habe annehmen -müssen, nur von einem zum Ausbruch gelangten Vulkan herrühren -konnte. In Nukualofa eingelaufen, erfuhr ich, daß am 11. Oktober -ein zeitweise heftiges Erdbeben die Insel Tongatabu erschüttert -<span class="pagenum"><a id="Page_57" name="Page_57" href="#Page_57">[57]</a></span> -habe, und die Feuergarben, die ich gesehen hatte, waren auch hier -beobachtet worden. -</p> - -<p> -Natürlich war jedermann auf Tongatabu in Spannung versetzt, -als nach meinen Angaben, die ich zu machen im Stande -gewesen, kein Zweifel blieb, daß nördlich der Inseln Hunga-tonga -und Hunga-hapai der Ausbruch eines unterseeischen Vulkans stattgefunden -habe; das Erdbeben also hiermit in Verbindung zu bringen -sei. Selbst begierig, den näheren Zusammenhang zu erfahren, kam -ich mit Herrn von Treskow überein, das Schiff so schnell wie -möglich abzufertigen, und ich nahm mir vor, so eingehend -als möglich zu erforschen, welche Bewandtniß es mit dieser Erscheinung -habe. -</p> - -<p> -Am 14. Oktober früh, nach eintägigem Aufenthalt, segelte ich -wieder ab, und meinen Kurs direkt auf jene Gegend setzend, fand -ich am Nachmittage, sobald die Felseninsel Hunga-tonga querab -lag, daß in nordwestlicher Richtung eine neue Insel entstanden war, -genau auf derselben Stelle, wo ich vor 5 Monaten vergeblich das -in der Karte angegebene Culebrasriff gesucht hatte. Der frisch -wehende Südost-Passat trieb das Schiff schnell vor sich her und ehe der -Abend hereinbrach, war ich keine halbe deutsche Meile von dieser -Insel und dem in furchtbarer Thätigkeit befindlichen Vulkan entfernt. -An der Ostseite dieser neuentstandenen Erhebung, die etwa 300 Fuß -hoch und ¾ deutsche Meile im Umfang haben mochte, befand sich -ziemlich in der Mitte dicht am Strande der Krater. Am Südende -der Insel stieg eine etwa 40 Fuß hohe, weiße Dampfsäule ebenfalls -unmittelbar am Strande auf, die wie ein mächtiger Springbrunnen -ununterbrochen emporschoß, und soweit ich es unterscheiden konnte, -war es heißes Wasser. -</p> - -<p> -Hatte der Anblick dieser entfesselten Naturgewalt schon etwas -Furchtbares, so wurde das grollende Rauschen, der gewaltigsten -Brandung, dem dumpfen Rollen entfernter Donnerwogen vergleichbar, -fast unheimlich. Meine Leute, Eingeborne der Samoa-Gruppe -und der Insel Niue, erzitterten, und ich selbst konnte mich eines -Schauders nicht erwehren. Die Sprache, möcht' ich sagen, ist zu -arm, um das Empfinden bei solchem Anblicke wiedergeben zu können. -</p> - -<p> -Jede Minute brachen fünf gewaltige Rauchmassen aus dem -tiefen Schlunde herauf, abwechselnd ein schwererer, dann ein etwas -leichterer Ausbruch, unter diesen war immer einer, der mit solcher -Gewalt zum Himmel fuhr, daß erst in gewaltiger Höhe die geballte -Rauchmasse sich vertheilte; kaum daß der starke Wind seinen Einfluß -ausgeübt hatte, war schon die nächste aus dem rauschenden, -zischenden Schlunde emporgefahren. -</p> - -<p> -Mit diesem günstigen Südost-Winde, der mich, das wußte -ich wohl, nicht im Stiche ließ, hätte ich es gewagt, so nahe als -möglich heranzusegeln, obgleich die See, durch den starken Wind -erregt, um mich schäumte und brüllte; es waren keine langgestreckten -<span class="pagenum"><a id="Page_58" name="Page_58" href="#Page_58">[58]</a></span> -Wellen mehr, sondern ein Chaos weißköpfiger, tummelnder Wogen. -Aber wie wohl ich bis zum Strande nirgends Brandung sah, -fürchtete ich schließlich doch, daß mit der Insel auch Untiefen, die -dem tiefgehenden Schiffe verderblich werden können, gehoben sein -möchten. -</p> - -<p> -Ich stand hoch oben im Vordermast und schaute scharf voraus, -bis plötzlich ein Blick unter mir auf die brausende See mich erschauern -machte; einer gewaltigen Stromkabelung nämlich gleich -war die See, durch welche mit schneller Fahrt das Schiff sich Bahn -brach. Noch wartete ich, obgleich ich nicht mehr als eine Seemeile -vom Krater entfernt war, da geschah ein furchtbarer Ausbruch, um -den Krater, der noch immer die schwarzen Massen scheinbar direkt -aus der See herausschleuderte, hoben sich die Wogen, was ich mit -einem guten Glase deutlich unterscheiden konnte, als wallten sie -auf von einer gewaltigen Kraft zurückgeschleudert, das Meer erzitterte, -und ich fühlte das Beben des Schiffskörpers. Nun war es genug, -die Unruhe meiner Leute war zu groß, ich mußte fürchten, ein -plötzlicher Befehl würde ungeschickt ausgeführt werden — in so -unheimlicher Nähe einer solchen Naturgewalt hätten auch wohl -andere Herzen gezittert — und „hart an den Wind“ durch das -Zischen der See, durch das Brausen der Eruption, rief ich das -Kommando. Da ich schwerlich von den Leuten verstanden wurde, -war eine Handbewegung bezeichnender, unter dem Druck seiner -Segel fuhr das Schiff herum und stampfte, seine Fahrt vermindernd, -auf und nieder in dieser wild durcheinander laufenden Wassermasse. -</p> - -<p> -Als ich aber die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß keine -Gefahr vorhanden, die Erschütterung nur durch den heftigen Ausbruch -verursacht worden war, vergrößerte ich den Abstand nicht, -und hielt, überall frei Wasser auch vor mir sehend, wieder nach -Norden ab, nur lief ich nicht näher heran. Bald wurde um das -Schiff die See wieder ruhiger, lief wenigstens gleichmäßiger und -als ich die Nordspitze bei gleichem Abstande umsegelte, hatte ich -große Lust, hier im ruhigen Wasser, an der Westseite zu landen. -Doch freiwillig wäre keiner meiner Leute in das Boot gegangen -und, da ich als einziger Europäer — meinen Steuermann hatte -ich in Apia für ein anderes Schiff abgeben müssen — mein Schiff -nicht verlassen durfte, hätte der Anbruch des nächsten Tages abgewartet -werden müssen, um eine genaue Ortsbestimmung vornehmen -zu können, für diesen Tag war es zu spät. -</p> - -<p> -Mit dem Lothe die Tiefe zu sondiren und vorsichtig heranzulaufen -hätte uns solche Untersuchung, obgleich auf einer Seemeile -Abstand noch kein Grund gefunden wurde, viel Zeit weggenommen; -auch lag eine tiefe Dämmerung, verursacht durch die über die Insel -getriebenen Rauchwolken, an der Westseite. Einer tiefschwarzen -Nacht fuhr ich entgegen, es war, als läge in ihr das Verderben -vor uns. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_59" name="Page_59" href="#Page_59">[59]</a></span> -Diesen Plan gab ich auf, wendete und fuhr, beim Winde -haltend, so weit wieder ostwärts, daß der Krater in seiner unheimlichen -Schönheit vor Augen blieb. Bald kam der Abend, bald -entzog die dunkle Nacht, da ich nun den richtigen Kurs wieder -aufgenommen hatte, die Insel unsern Augen; nur der Krater spie -fort und fort seine dunklen Massen empor, aber nicht mehr wie -am Tage, wo das unterseeische Feuer nur hellgrau den Fuß der -emporgeschleuderten Massen färbte, sondern jetzt glühte es, als wenn -ein undenkbar gewaltiger Schlot seine Feuergarben zum Himmel -sendete. -</p> - -<p> -Wie schnell das Schiff auch vor dem Winde seines Weges -zog, so verminderte sich doch nicht diese gewaltige Erscheinung, und -während dieser langen Nacht wandte ich kein Auge von diesem -grausig schönem Schauspiele. Erst die im Osten aufsteigende -Morgenröthe eines neuen Tages, die, wer sie einmal in ihrer Pracht -auf dem endlosen Meere gesehen, nie vergißt, und immer wieder -sehen möchte, bleichte den Schimmer der Feuersäule und in der -hier friedevollen Natur zogen wir beflügelt unseres Weges dem -fernen Ziele entgegen. -</p> - -<p> -Andere Schiffe nach mir haben diese Insel in Sicht gelaufen, -aber viel größeren Abstand gehalten, nach den Berichten ist, soweit -ich solche verfolgen kann, die Landmasse noch weiter gehoben worden, -und der Krater noch lange in Thätigkeit gewesen; auch wird berichtet, -daß am Südende später drei Dampfsäulen gesehen worden -sind. Sehr leid hat es mir nachher gethan, daß ich nicht den -nächsten Tag abgewartet und nach einer Möglichkeit gesucht habe, -an der Nordwestseite eine Landung zu versuchen, nicht dem ersten -Drange, die deutsche Flagge dort aufstecken zu lassen, gefolgt bin. -</p> - -<p> -Meinem Berichte über den Ausbruch dieses unterseeischen -Vulkans und die Entstehung dieser neuen Insel, scheint das deutsche -Konsulat in Apia keine Bedeutung beigemessen zu haben, bekannt -geworden sind nur Berichte von englischer Seite und der des -deutschen Kriegsschiffes „Albatros“, das wenige Monate nach mir, -am 21. Januar 1886, die neu entstandene Insel sichtete. Direkt -von Tongatabu nach der Insel Niua-fu bestimmt, fand ich dort -die ganze Bevölkerung in großer Aufregung, denn heftige Erdbeben -hatten zur selben Zeit auch diese Insel erschüttert; ein Ausbruch -wurde erwartet. Der Hauptkrater, die drei Hügel im See, rauchten -heftiger, dennoch wurde hier kein Ausbruch vorausgesetzt, vielmehr -befürchtet, an irgend einer anderen Stelle würde ein solcher erfolgen. -</p> - -<p> -Eine Beruhigung für alle war die Kunde, die ich hierher -gebracht, daß im Süden ein gewaltiger Ausbruch stattgefunden -habe, die Annahme, ein Ausgleich der Naturkräfte hätte sich dadurch -ergeben, wirkte beruhigend auf die Gemüther, zumal da schon -während der letzten Tage die Erschütterungen auf Niua-fu immer -schwächer geworden waren. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_60" name="Page_60" href="#Page_60">[60]</a></span> -Aber mag auch der Ausbruch jenes unterseeischen Vulkans -ein Ableiter gewesen sein, am Ende des Jahres 1885 mehrten -sich doch wieder die Anzeichen einer drohenden Gefahr; die heftigen -Erschütterungen mehrten sich, bis plötzlich am Südende von Niua-fu -ein sehr starker Ausbruch erfolgte, und ob ich auch nie wieder diese -Insel betreten habe, hörte ich doch in den fernen Marschallinseln, -daß die Verheerung durch fließende Lava auf Niua-fu furchtbar -gewesen sein soll. -</p> - -<p> -Ein beschränktes Feld nur ist es, im Verhältniß zur ausgedehnten -Inselwelt des großen Ozeans, dessen ich hier Erwähnung -gethan, und doch im Gegensatz zu den einzelnen, erwähnten Inselgruppen, -den niedrigen Koralleninseln, muß die beträchtliche Anzahl -erloschener, und zum Theil noch thätiger Vulkane auffällig erscheinen. -Sie alle aufzuzählen scheint mir unnöthig, zumal jede hohe Insel -vulkanischen Ursprungs ist, fast ohne Ausnahme ließen sich auf -allen erloschene Krater nachweisen. -</p> - -<p> -Bedenkt man nun, daß schon dieses kleine Gebiet seit grauer -Vorzeit ein ausgedehnter Kraterheerd gewesen ist, worauf der Einfluß -der stets thätigen Naturkraft Veränderungen hervorgerufen -haben mag, deren Größe und Bedeutung wir heute kaum zu ermessen -im Stande sind, so tritt, wenn wir die ganze ausgedehnte -Inselwelt in Bereich der Frage ziehen, welchem Ursprung entstammen -diese Ländermassen, unwillkürlich beim Nachdenken die Möglichkeit -heran, wir könnten es hier mit einem ehemaligen, versunkenen -Festlande zu thun haben. Und ganz erklärlich muß dies erscheinen, -sofern nur in Betracht gezogen wird, daß bedeutende Umwälzungen -und Veränderungen auf unserer Erdoberfläche stattgefunden haben, -ehe die heutige Lage und Gestaltung stetig geworden ist. Wir -wissen, daß die Festlande aus der Tiefe der Ozeane gehoben wurden, -die mächtigen Gebirge als vereinzelte Inseln oder Inselmassen über -die Oberfläche der Wasser hervorragten an denen sich dieselben -Vorgänge, während zehn Jahrtausenden vielleicht abspielten, wie -an den Vulkaninseln des heutigen stillen Ozeans. -</p> - -<p> -Fußen wir auf diese Theorie, dann sind die vereinzelten und -zusammenhängenden Bergmassen im großen Ozean, die höchsten -Punkte eines versunkenen, gewaltigen Festlandes deren vulkanischer -Charakter im Laufe der Zeiten zur Erhöhung durch häufige, heftige -Ausbrüche viel beigetragen hat. Die Koralleninseln, ebenfalls unter -der Meeresfläche gesunkene Gebirgsrücken, auf denen es der Korallenpolype -ermöglicht wurde sich anzubauen, haben die Thierchen trotz -des langsamen, allmählichen Sinkens der Ländermassen immer -höher und höher zur Meeresoberfläche gebaut, bis auch hier Stetigkeit -eingetreten ist und ausgedehnte Inseln gebildet wurden. -</p> - -<p> -Die Tiefenverhältnisse im großen Ozean ergeben ein Bild, -wonach mächtige Gebirgszüge diesen durchziehen, ausgedehnte Thäler -umschließend, und zum Theil sehr steil anstreben bis zu 18000 -<span class="pagenum"><a id="Page_61" name="Page_61" href="#Page_61">[61]</a></span> -Fuß und darüber; hohe Inseln im Ozean kämen demnach unsern -höchsten Bergen gleich. -</p> - -<p> -Die Annahme nun, daß die ganze große Inselwelt ehemals -eine zusammenhängende Landmasse gewesen, führt dahin, daß diese -auch von verschiedenen Völkerstämmen bewohnt worden ist; streng -geschiedene Rassen, vielleicht getrennt durch natürliche Grenzen, -haben hierauf weite Strecken bewohnt. Im Westen die schwarze, -die Papuarasse, ganz Melanesien umfassend, östlich davon die kupferfarbene, -die Polynesier, und im Norden von beiden, Mikronesien, -Mischarten der Malaien. Kann angenommen werden, daß die -heutige Bevölkerung Ueberreste der Urbewohner sind, die durch -Versinken der Landmassen isolirt wurden, wäre die Erklärung dafür -gefunden, wie allmählich selbst die niedrigen Koralleninseln bevölkert -worden sind. Denn der Drang nach Ausdehnung, Aufsuchen neuer -Wohnsitze, kann nach ostwärts nur im beschränkten Maaße stattgefunden -haben, die Strom- und Windverhältnisse im Ozean mußten -Versuche auf großen Wasserflächen vereiteln, hingegen nach Westen -begünstigen, zumal da bessere Verkehrsmittel als die heutigen -Kanoes schwerlich den einzelnen Stämmen zur Verfügung gestanden -haben. -</p> - -<p> -Der in früherer Zeit bei diesen Rassen und einzelnen Stämmen -gebräuchliche Kannibalismus hat alle Spuren vertilgt, die über die -Verbreitung derselben Aufschluß geben könnten, es bleibt also nur -die Gewißheit übrig, daß die einzelnen Rassen ihr ursprünglich -bewohntes Gebiet heute noch innehaben, was namentlich auf die -Polynesier und Melanesier Bezug hat. -</p> - -<hr class="chapend" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -IV. Die Marschall-Inseln. -</h2> -</div> - -<p> -Sowie im Bereich der deutschen Handelsgesellschaft die ausgedehnte -Tonga-Gruppe, früher auch die Vitji-Inseln, gezogen -wurden, sind nördlich und westlich von Samoa in der Phoenix, -Ellis, Gilbert-Gruppe, auf Una und Rotomah Handelsbeziehungen -eröffnet worden und die Schiffe der Gesellschaft hielten auf diesem -weiten Gebiet den Verkehr aufrecht. Verbindungen mit den Neu-Hebriden -und Salomon-Inseln wurden ferner zu dem Zwecke -unterhalten, um dort die Anwerbungen der so sehr benöthigten -Plantagenarbeiter vorzunehmen, da der träge Samoaner sich zur -dauernden Arbeit nicht bereit finden läßt. Ein Gemisch verschiedener -Stämme, zu denen Rotumah- und Tapituwea-Leute (Gilbert-Inseln), -sowie auch Marschall-Insulaner sich gesellen, findet man auf den -deutschen Plantagen, und doch genügt oft die Arbeitskraft nicht, -da nicht immer für heimbeförderte Arbeiter, nach Ablauf ihres -dreijährigen Vertrages hinreichender Ersatz geschafft werden kann. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_62" name="Page_62" href="#Page_62">[62]</a></span> -Die Marschall-Inseln und, im Zusammenhang mit diesen, -die weite Karolinen-Gruppe und die Gilbert-Inseln bildeten in -den achtziger Jahren getrennte Niederlagen für sich, gleichwie ein -solches auch in Matupi (Neu-Pommern) errichtet war, unter Leitung -von Beamten der deutschen Gesellschaft. Den Handelsverkehr hielten -auf diesen Stationen, ebenso wie in Apia, die daselbst stationirten -Schiffe aufrecht. Ablösungen der Schiffe erfolgten je nach Maßgabe -der Verhältnisse, oder sobald sie reparaturbedürftig geworden -waren, dem nur in Apia, der Hauptstation, abgeholfen werden konnte. -</p> - -<p> -Aus dem Grunde schon, um meine Kenntniß über die Inselwelt -des stillen Ozeans zu bereichern, begrüßte ich freudig die -Weisung, mit einem anderen Schiffe auf den Marschall-Inseln -stationirt zu werden, und im Anfang Januar 1886 segelte ich von -Apia nach Jaluit, um erst nach Verlauf von zwei Jahren nach -Samoa zurückzukehren. -</p> - -<p> -Ziemlich nordwärts durch die Phönix-Gruppe ging mein -Kurs, dem zu Folge die Marschall-Inseln weit westlich bleiben -mußten, wenn keine oder nur schwache Aequatorialströmung vorhanden -gewesen wäre; auch war es nöthig, wegen des nördlich -vom Aequator zu erwartenden Nordost-Passatwindes, möglichst -östlich von der Gilbert-Gruppe zu bleiben, um, sobald dieser einsetzen -würde, mit freiem Winde die Fahrt des Schiffes zu beschleunigen; -denn wenn diese Inseln in Lee blieben, wäre es zwecklos gewesen, -gegen den starken Strom und Wind nordwärts zu kreuzen. -</p> - -<p> -Wider Erwarten fand ich schon nördlich der Phönix-Gruppe -einen starken Strom, der in 24 Stunden das Schiff 70-80 Seemeilen -nach Westen versetzte, dessen Gürtel so schnell als möglich -passirt werden mußte, wollte ich nicht in absehbarer Zeit gezwungen -werden, mir durch die Gilbert-Gruppe hindurch einen Weg zu -suchen. Zum Glück aber trat keine Windstille ein, der östliche -Wind blieb beständig, wenn auch leicht, bis ich aus dem stärksten -Strom heraus mit immer nördlichem Kurs die Insel Milli sichtete; -ich hatte also in Wirklichkeit durch die Stromversetzung einen nordwestlichen -Kurs gesegelt. Gerade drei Wochen waren vergangen, -als ich den Bestimmungsort Jaluit erreichte, und begünstigt von -anhaltend schönem Wetter die 1800 Seemeilen lange Entfernung -in dieser Zeit zurückgelegt hatte. -</p> - -<p> -Zum allgemeinen bessern Verständniß und, ehe ich zu einzelnen -bemerkenswerthen Reisen durch die Marschall-Gruppe übergehe, -scheint es mir angebrachter, vorher schon eine kurz gefaßte Uebersicht -von diesen Inseln und deren Bevölkerung zu geben, um so -mehr als besondere Eigenthümlichkeiten in der Bildung und Entstehung -dieser Inseln zu erwähnen sind. Eine Gruppe verschieden -geformter Atolls, oft von beträchtlicher Ausdehnung, umfassen, -vom 4-12° nördlicher Breite und 166-172° östlicher Länge, -die Marschall-Inseln ein weites Gebiet. Ihrer Bauart nach, sind -<span class="pagenum"><a id="Page_63" name="Page_63" href="#Page_63">[63]</a></span> -es Randriffe der verschiedensten Bildung, die ein mehr oder weniger -tiefes Korallenbett umschließen. Und wenn ich auf ihre Entstehung -hinweisen soll, so haben wir die viel tausendjährige Arbeit der -Korallenpolypen vor uns, die aus großer Tiefe Schicht auf Schicht -bis zur Meeresfläche aufgebaut haben, und schwere See, Wind -und Witterungseinfluß haben mit der Zeit zwar schmale, aber -langgestreckte Inseln in beträchtlicher Zahl auf den Randriffen -gebildet. -</p> - -<p> -Die eigentliche Bezeichnung dieser Randriffe wäre Korallenwälle, -da diese sehr steil bis zu einer großen Tiefe abfallen, und -jeder Atoll erscheint wie ein langgestreckter, steiler Bergrücken, in -einzelnen Fällen auch wie eine Bergkuppe, sofern man sich die -thatsächliche Bildung des Meeresbodens vergegenwärtigt. Da nun -die Koralle nicht tiefer als etwa 200 Fuß zu bauen beginnt, müssen -in der That diese Erhebungen gleich Bergkuppen aus der Tiefe -des Meeres aufragen, worauf als Grundlage die Polypen ihre -Werke aufgebaut haben. Aber erwiesen ist es, daß die Korallenwälle -viel hundert Fuß tief sich unter der Meeresfläche erstrecken, -mithin kann der schichtweise Aufbau aus so bedeutender Tiefe nicht -begonnen worden sein. -</p> - -<p> -Es bleibt also nur die Annahme übrig, fast die Gewißheit, -daß auch hier versunkene Höhen, besser gesagt Gebirgskuppen, das -Fundament abgegeben haben, auf welchem die Koralle sich ansiedelte. -Hätte nun nach erfolgtem Verschwinden der höchsten Bergspitzen -ein Tiefersinken der Landmassen nicht stattgefunden, würden feste -Riffflächen entstanden sein, auf denen sich im Laufe der Zeiten -niedrige Inseln gebildet hätten, eine Bildung der heutigen Atolle -würde naturgemäß dann nicht möglich gewesen sein. Einen anderen -Anschein hingegen gewinnt es, sofern man der Vermuthung Folge -giebt, daß, worauf ich schon hingewiesen, die ganze ausgedehnte -Inselwelt des stillen Ozeans einst aus verschiedenen mächtigen -Gebirgszügen, mit sehr zahlreichen thätigen Vulkanen bestanden -hat, deren Kratersenkungen oft einen sehr bedeutenden Umfang -gehabt haben müssen. -</p> - -<p> -Wird dieses als erwiesen betrachtet, dann sind sämmtliche -Atolls einst für lange Zeit noch über die Meeresfläche ragende -Krater gewesen, Inseln, an deren Rändern die Koralle fortgebaut -hat. Je tiefer die Kraterinseln langsam versanken und ein gänzliches -Erlöschen der Vulkane die Folge war, ebenso schnell baute -die Koralle fort und füllte schließlich die weiten Oeffnungen aus. -Die Randriffe schon weit im Vorsprung konnten diese durch die -bessere Ernährung der Polypen auch schneller anwachsen, aber der -innere Aufbau und die allmähliche Auffüllung blieb zurück, was -natürlich war, sobald das allmähliche Sinken der Landmassen aufgehört -hatte, denn jetzt gestatteten die zusammenhängenden Randriffe -den bauenden Polypen nicht mehr oder doch zum Theil nur, -<span class="pagenum"><a id="Page_64" name="Page_64" href="#Page_64">[64]</a></span> -durch die von der Strömung offen gehaltenen Durchfahrten, die -Zufuhr frischen Meerwassers und mit diesem frische Nahrung. -</p> - -<p> -Die eine Gewißheit aber liegt bestimmt vor, ehe die heutige -Beschaffenheit der Atolle herbeigeführt worden ist, sind große Zeiträume -hingegangen, die alle Spuren der Entstehung verwischt haben. -</p> - -<p> -Geht man von der Annahme aus, daß auffallende Veränderungen -nicht mehr stattfinden, vor allem ein weiteres Sinken -seit vielen Jahrhunderten unterblieben ist, dann müssen, da kein -Stillstand im Schaffen der Natur eintreten kann, der einst sämmtliche -Atolls durch die theils an der Innenseite, theils an den Außenriffen -weiter bauenden Korallen geschlossen werden, wie es bei -zwei kleineren Atolls in der Marschall-Gruppe bereits geschehen ist. -Es werden, wenn dadurch auch der innere Aufbau der Korallen -zum Stillstand gekommen ist, mehr oder weniger tiefe Wasserbecken -zurückbleiben, die naturgemäß versumpfen müssen, sobald der vordringende -Pflanzenwuchs festen Fuß faßt. Es ist erwiesen, daß -starke Strömungen, wie solche durch den gleichmäßigen Wechsel von -Ebbe und Fluth hervorgerufen werden, der Koralle am Weiterbau -hinderlich sind, wenigstens nur langsame Fortschritte gestatten, dagegen -findet man bei solchen Atolls, wo nur noch durch enge Zufahrten -ein Zugang möglich, daß die Koralle diese von innen zu -verbauen sucht. Begünstigt durch die immerwährend frische Zufuhr -an reichhaltigen Nährstoffen, führen die Polypen in der Nähe der -Durchfahrten allmählich kleinere Bänke auf, und bauen so weiter, -bis jede Oeffnung im Randriff schließlich verschlossen wird, was -bei den südlich liegenden Atolls zunächst zu erwarten ist. -</p> - -<p> -Die Marschall-Gruppe bildet zwei nahezu parallel laufende -Ketten von Insel-Atolls in Nord-Nord-West- und Süd-Süd-Ost-Richtung, -die östliche die Ratock-, die westliche die Ralik-Gruppe; -die Bezeichnung beider Ketten ist der Sprache der Marschall-Insulaner -entlehnt. Die Ralik-Kette zählt 15, die Ratock- 14 Korallengruppen, -unter denen sich einige kleinere Inseln befinden, die keine -Atolle sind. -</p> - -<p> -Soweit die geschichtliche Kunde reicht, soll bereits im Jahre -1529 der spanische Kommandant Alvaro de Saavedra einige -Atolls gesehen und besucht haben; nähere Nachrichten liegen aber -erst seit 1788 vor und zwar von den englischen Befehlshabern -Marschall und Gilbert, nach denen auch die beiden großen Inselgruppen -benannt worden sind. Trotzdem nun in den folgenden -Jahrzehnten der stille Ozean mehr und mehr von Kriegs- und -Kauffahrteischiffen befahren und erforscht wurde, sind doch nur -spärliche Nachrichten von jener fernen Inselwelt zu uns gekommen; -bisweilen meldeten sie auch von dort verschollenen oder ermordeten -Schiffsbesatzungen. -</p> - -<p> -So befand sich im Jahre 1824 der amerikanische Walfischfänger -„Globe“ in der Nähe der Insel Milli, wo der größte Theil -<span class="pagenum"><a id="Page_65" name="Page_65" href="#Page_65">[65]</a></span> -der Besatzung dieses Schiffes meuterte und landete. Es gelang -zwar einigen von der zahlreichen Mannschaft, die gezwungen den -Meuterern hatten folgen müssen, ihr Schiff wieder zu erreichen und -die offene See zu gewinnen, auch waren diese, obschon es ihnen -an Offizieren fehlte im Stande die Sandwich-Inseln zu erreichen; -auf ihren Bericht hin wurde dann im folgenden Jahre der Schooner -„Delphin“ ausgesandt, um wenn möglich die Meuterer zu ergreifen. -Aber nur zwei ganz junge Leute, die keinen Antheil an der Meuterei -gehabt, wurden noch lebend vorgefunden, alle übrigen waren von -den Eingebornen erschlagen worden, weil diese die ihnen überlassenen -Frauen roh behandelt hatten, sie verfielen der Rache der Eingebornen -und ernteten so den Lohn ihrer Thaten. -</p> - -<p> -1834 landete Kapitän Dowsett auf den Marschall-Inseln. -Dieser unterhielt freundlichen Verkehr mit den Eingebornen und -nichts befürchtend, landete er eines Tages, und ging allein in ein -Dorf, nicht ahnend, daß inzwischen seine Mannschaft am Strande -ermordet worden war. Die an Bord zurückgebliebenen, die den -Vorgang mit ansahen, waren der Meinung, ihr Führer sei auch -erschlagen worden. Sie lichteten sofort die Anker und entflohen. -Als das Schiff nach Honolulu zurückgekehrt war, wurde sogleich -die „Waverley“ ausgerüstet, um nach Kapitän Dowsett oder dessen -Schicksal zu forschen. Es wurde aber nichts weiter gefunden, als -einige dem verschollenen Kapitän gehörende Sachen, und sein, in -die Rinde verschiedener Bäume eingeschnittener Name. Die Eingebornen, -mit denen wohl schwer eine Verständigung erzielt werden -konnte, erzählten, der Kapitän sei mit seinem Boote in See -gegangen; jedoch der Führer des „Waverley“ glaubte ihnen nicht -und ließ eine ganze Anzahl niederschießen. Darauf segelte das -Schiff weiter nach Ponape, der größten Insel der Karolinengruppe, -und lief auch die östlichste dieser Inseln, „Kusai“ an, hier aber -ereilte alle das Schicksal, das Schiff wurde von den Eingebornen -genommen und die ganze Besatzung getödtet. Späteren Nachrichten -zu Folge hat Kapitän Dowsett noch im Jahre 1843 auf einer -Insel in der Ralikkette, die er mit seinem Boote erreichte, gelebt, -wahrscheinlich aber hat er von hier die Karolinen erreicht und -ist auf einer dieser Inseln getödtet worden. -</p> - -<p> -Ich könnte noch mehrere solcher Fälle anführen, wo an verschiedenen -Inseln Schiffe genommen, oder der Versuch dazu gemacht -wurde, selbst schiffbrüchige Seeleute wurden nicht verschont; noch -im Jahre 1852 wurde vor der Insel Ebon ein Schiff erobert, -dessen Besatzung der Rache der Eingebornen verfiel, weil Jahre -vorher dort von Weißen ein großer Häuptling getödtet worden war. -</p> - -<p> -Selbst auf Jaluit, der heutigen Hauptinsel, wurde, wie ich -aus sicherster Quelle erfahren, wenige Jahre später ein amerikanisches -Handelsschiff die „See-Nymphe“ genommen. Es ankerte in der -<span class="pagenum"><a id="Page_66" name="Page_66" href="#Page_66">[66]</a></span> -Lagune unter der Insel „Medjado“, und, hier mit den Bewohnern -Tauschhandel treibend, ließ sich der Führer hinreißen, einen Häuptling -thätlich zu beleidigen. Die Folge war, daß dieser mit seinen -Verwandten und seinem Anhang einen Ueberfall plante, der, sobald -die Mannschaft des Schiffes wieder landete, ins Werk gesetzt wurde. -Es heißt, der damals noch junge Kabua, der jetzige König -in der Ralik-Kette, habe selbst den nichtsahnenden Schiffsführer -auf seinen Schultern über das Riff getragen, andere Eingeborne -trugen auf gleiche Weise die Besatzung zum Lande. Weit genug -vom Schiffe entfernt, wehrlos in die Gewalt der Eingebornen -gegeben, wurden die Ahnungslosen auf ein gegebenes Zeichen -hinterrücks niedergeschlagen. Das Schiff wurde darauf ausgeraubt -und es entging keiner dem Tode. -</p> - -<p> -Die Ursache dieser Metzeleien, der so viele Unschuldige zum -Opfer gefallen sind, ist in der Roheit zu suchen, welche die Führer -amerikanischer Walfischfänger, die in diesem Gebiete reiche Beute -erjagten, an Eingebornen verübt haben. Sie litten es, daß oft -mit Gewalt den Eingebornen die Weiber entrissen wurden, auch -verhängten sie ungerechte Strafen. Mehr aber noch haben die -zügellosen Mannschaften solcher Schiffe, deren brutales Auftreten -die Führer nicht zu hindern vermochten, verschuldet, und bitteren -Haß gegen den weißen Mann in die Herzen der Inselbewohner gesät. -</p> - -<p> -Schlimmer noch, sie hinterließen scheußliche Krankheiten, die -sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbten, tausende hinwegrafften -und ein gesundes Volk zur Verzweiflung brachten. Erst nachdem -die Meerbewohner vernichtet, die Walfischjagden nicht mehr lohnend -genug geworden waren, wurden die Marschall-Insulaner seltener -belästigt. Als dann die Missionare kamen, (zuerst 1857 auf der -Insel Ebon) predigten diese das Evangelium und fanden willige -Hörer bei denen, die so oft ihre Hände in das Blut des weißen -Mannes getaucht hatten; eifrig befolgten die Eingebornen die göttliche -Lehre und vergaßen ihre Rachsucht. -</p> - -<p> -Heute, unter deutschen Schutz gestellt, mögen diese Insulaner, -die so manche gute Eigenschaft besitzen, aufathmen, und sich in -Sicherheit, ihres Daseins freuen; aber leider ward mit der -Zivilisation auch der Todeskeim ausgestreut, langsam, aber sicher -geht diese Menschenrasse dem endlichen Verfall entgegen. -</p> - -<p> -Sowie geographisch der Marschall-Archipel in zwei Gruppen -getheilt wird, so kann dies auch in Bezug auf Bevölkerung und -politische Verhältnisse geschehen, denn sowohl die Ralik- als auch -die Ratak-Kette ist in dieser Beziehung jede für sich als ein getrenntes -Ganzes zu betrachten. Schon die Sprache beider Gruppen -ist verschieden, nicht in ihrem Bau, vielmehr im Dialekt, und gleiche -Unterschiede zeigen sich in den politischen Verhältnissen der Bewohner. -Während auf der Ratak-Kette fast jeder Atoll von einem, oder -<span class="pagenum"><a id="Page_67" name="Page_67" href="#Page_67">[67]</a></span> -mehreren Häuptlingen beherrscht wird, die oft in gegenseitiger Fehde -leben und sich der Herrschaft zu bemächtigen trachten, selbst zur -Eroberung anderer Gruppen (Atolls) lang vorbereitete Kriegszüge -unternehmen, liegt die ganze Macht auf der Ralik-Kette in den -Händen eines Königs, jenes schon erwähnten Kabua, besser gesagt, -in den Händen seiner Familie. -</p> - -<p> -Die Macht richtet sich hier nach Besitz und Anhang, und -obgleich Kabua nicht der reichste der Häuptlinge, ist er doch als -der älteste als König anerkannt worden, zumal da die Besitzungen -seiner Stiefsöhne und deren Einfluß sein Ansehn erhöhte. Sein -Stiefsohn Nelu (Lojab), dessen Bruder Lagajime, Litokua und neben -diesen Launa sind die einflußreichsten Häuptlinge auf der Ralik-Kette; -namentlich Nelu, seine Brüder und seinen Anhang habe ich -häufig an Bord gehabt und mit diesen Reisen von Atoll zu Atoll -gemacht. -</p> - -<p> -Bei den meisten ungebildeten, sogenannten wilden Völkern -findet man, daß das Weib nicht als gleichberechtigt angesehen wird, -vielmehr die Sklavin des Mannes ist, auf deren Schulter alle -Lasten und Mühen abgewälzt werden. Doch die Polynesier zeichnen -sich darin aus, daß sie das Weib höher stellen, mehr noch ist dieses -bei den Mikronesiern der Fall; vor allem bei den Marschall-Insulanern, -bei welchen es volle Gleichberechtigung hat, d. h. keine Beschränkung -im Handeln, in Haus und Hütte, und soweit des Weibes Einfluß -reicht, der, da Rang und Würde nur vom weiblichen Geschlechte -abgeleitet wird, häufig groß ist. -</p> - -<p> -Die Bevölkerung ist zum großen Theil besitzlos, aller Landbesitz -liegt in den Händen der Häuptlinge, deshalb ist es den Bewohnern -nur gestattet, eine Frau zu haben, wo hingegen die -Häuptlinge mehrere haben dürfen, doch bleibt die erste Frau, sofern -sie Kinder hat, die rechtmäßige; sie ist bei den Vornehmen gewöhnlich -die Tochter eines Besitzenden. Steht die Frau im Range höher -als der Mann, so erhält dieser auch eine höhere Würde, nur über -das Eigenthum der Frau hat er kein Verfügungsrecht, das verbleibt -als mütterliches Erbtheil den Kindern. Die Tochter eines Häuptlings -kann einen gewöhnlichen Mann heirathen, durch diese Verbindung -wird derselbe ebenfalls in den Häuptlingsrang erhoben, -auch auf die Kinder geht diese Würde über. Dem Häuptlinge -steht es frei, sich die Frau eines seiner Untergebenen anzueignen, -nie aber kann ein Besitzloser sich wiederum eine Häuptlingsfrau -(also Wittwe) zum Weibe nehmen. -</p> - -<p> -Etwas auffallend will es mir scheinen, daß nach meiner -eigenen Wahrnehmung selbst im Innern Afrikas, bei den Völkern -am Nyassa-See und oberen Schire, die ganz gleiche Einrichtung -der weiblichen Erbfolge besteht, nur daß dort nicht direkt der Sohn -als Nachfolger bestimmt wird, sondern der Neffe, und trotz des -<span class="pagenum"><a id="Page_68" name="Page_68" href="#Page_68">[68]</a></span> -dem Weibe zugestandenen Vorrechtes, dieses doch nur sehr gering -geachtet und mehr als Sklavin betrachtet wird. -</p> - -<p> -Die Ehe bei den Marschall-Insulanern ist nur ein lockeres -Band, leicht geschlossen und leicht gelöst. Der Eingeborne nimmt -sich das Mädchen zur Frau, die ihm gefällt, sofern die Eltern -desselben damit einverstanden sind, gefällt sie ihm aber nicht mehr, -so schickt er sie einfach fort und sucht sich eine andere. Zwar hat -wie in anderen Gewohnheiten auch hierin der Einfluß der Missionare -Wandel geschaffen, namentlich auf den südlicheren Atolls, wo das -Christenthum große Verbreitung gefunden hat, doch hat auf Gesittung -die neue Lehre wenig Einfluß gehabt; Keuschheit ist keine -Tugend der Insulaner, schon sehr jung verkehren, ohne daran gehindert -zu werden, die Geschlechter mit einander und üble Folgen bleiben -nicht aus, ebenso ist selbst die nächste Verwandtschaft kein Hinderungsgrund -für solchen Umgang. -</p> - -<p> -Als Beweis recht lockerer Sitten gilt der Umstand, daß es -keiner Frau verargt wird, wenn sie sich einen anderen Verkehr sucht, -sobald der Mann auf längere Zeit abwesend ist oder sich auf -Reisen befindet; indeß schwinden solche Gewohnheiten immer mehr -und mehr, häufiger trifft man sie nur noch auf den nördlicheren -Atolls an. Von Erziehung kann eigentlich keine Rede sein, den -Kindern wird in jeder Hinsicht volle Freiheit gelassen, Arbeit lernen -die Kinder nicht kennen, das einzige was ihnen vielleicht von -Seiten der Eltern beigebracht wird, ist die Einübung der Tänze -und Gesänge. Auffallend ist auch die große Sterblichkeit unter -den Kindern, wohl eine Folge zu geringer Aufsicht und schon -früh entwickelter Krankheitskeime; die stetige Abnahme der Bevölkerung -ist darauf zurückzuführen. -</p> - -<p> -Der Körperbau der Männer überschreitet selten das Mittelmaß; -die Weiber sind durchweg von kleinerem Wuchse. Diese -verlieren auch schnell ihre Reize, schon im Alter von zwanzig Jahren -ist alle Schönheit vergangen, wenn überhaupt von solcher die Rede -sein kann, obgleich im jugendlichen Alter vielen der Reiz der Anmuth -eigen ist, aber im Alter werden sie recht häßlich. -</p> - -<p> -Daß auf den nördlichen Atolls sich ein kräftiger Menschenschlag -erhalten hat, liegt wohl daran, daß dieser mit einer etwas -rauheren Natur zu kämpfen, auch weniger durch die von Weißen -eingeführten Krankheiten zu leiden gehabt hat. Auch zeichnen sich -hier die Könige und Häuptlinge meistens von ihren Untergebenen -durch eine stattlichere Gestalt aus, weil sie bemüht sind, möglichst -reines Blut in ihrem Kreise zu erhalten, wovon freilich der bereits -erwähnte große Häuptling Nelu eine Ausnahme macht, denn fast -klein und schwächlich gebaut, hat er durchaus nichts Achtunggebietendes -an sich. -</p> - -<p> -Um Sitten und Gewohnheiten dieser Insulaner zu erforschen, -<span class="pagenum"><a id="Page_69" name="Page_69" href="#Page_69">[69]</a></span> -muß man sich zu solchen Inseln und Atolls wenden, wo noch nicht -der Einfluß der Zivilisation bemerkbar geworden ist, was besonders -in Bezug auf Trachten der Fall. So tragen auch heute noch -sowohl Männer als Frauen langes Haar, das stark und schwarz, -von jenen am Hinterkopfe in einem Büschel oder Knoten zusammengebunden -wird, die Frauen tragen es dagegen lose. Als besonderen -Schmuck bei feierlichen Gelegenheiten, Tänzen und auch Kriegszügen, -bedienen sich die Männer der Hühnerfedern; die tätowirten -Gestalten mit aufrechtstehenden Federn in den Haaren, und oft -unnatürlich erweiterten Ohrlappen geben sich dadurch ein wildes, -Furcht erweckendes Aussehen. -</p> - -<p> -Die Tätowirung ist allgemein und wurde früher mit Festlichkeiten -verbunden, heute, wer die Kosten erschwingen kann, läßt -solche ohne weiteres vornehmen, und entspricht eine solche dem -Stande, welchem der Mann angehört. Dieses schmerzhafte Verfahren -— ich habe oft, wenn hunderte Nadelstiche in die Haut -getrieben wurden, die Nerven der Eingebornen bewundert — wird -nach und nach auf dem ganzen Körper vorgenommen, sodaß die -eigentlich helle Kupferfarbe der Haut unter den blauen Streifen -verschwindet, sogar die Ohren, Augenlider, selbst die Finger werden -tätowirt. Die Zeichnung ist immer streifenförmig, die Striche sind -auf einem bestimmten Körpertheil stets gleichmäßig, entweder wagrecht -oder senkrecht; auf Brust und Rücken laufen die Streifen -meistens unter einem Winkel zusammen. -</p> - -<p> -Wie bei den Samoanern, so benutzt man auch hier ein -Instrument, das aus vielen Nadeln zusammengesetzt ist und die -Breite der Streifen hat. Die Häuptlinge sind auch im Gesicht -tätowirt und haben auf den Schultern undeutliche verschwommene -Zeichnungen. Die Frauen sind weniger gezeichnet, in gleicher -Weise höchstens an den Beinen, die Arme und die Brust werden -seltener tätowirt. -</p> - -<p> -Nicht zufrieden mit solcher langwierigen, schmerzhaften -Operation, setzten diese Insulaner einen gewissen Stolz darin, -unnatürlich erweiterte Ohrlappen auf künstlichem Wege herzustellen. -Schon von früher Jugend an wird in beide Ohrlappen ein Loch -geschnitten und dieses durch Einzwängen von einem Streifen des -dehnbaren Pandanusblattes allmählich erweitert. Auf diese Weise -wird das Loch im Ohrlappen bis vier Zentimeter und darüber -lang, genügt dies nicht, wird der Fleischring dicht an der Backe -abgeschnitten und mit einem Schnitt im Backenfleisch weiter unterhalb -des Ohres verwachsen gelassen. Ist die Heilung erfolgt, so -wird nun im Backenfleische selbst weiter geschnitten, bis ein Ring -entstanden ist, durch den man bequem die Hand hindurchstecken -könnte. Wird solches Loch nun mit einem aufgerollten Pandanusblatte -ausgedehnt, so gewinnt es den Anschein, als hingen zwei -<span class="pagenum"><a id="Page_70" name="Page_70" href="#Page_70">[70]</a></span> -hohle Röhren an den Backen herunter, was freilich etwas besonderes -vorstellen soll, aber gewiß nichts zur Schönheit, vor allem nicht -beim weiblichen Geschlechte beiträgt, bei alten Frauen und auch -Männern sogar recht widerlich aussieht. -</p> - -<p> -Uebrigens habe ich solche Erweiterung der Ohrlappen nur bei -ganz alten Leuten gefunden, ein Zeichen, daß die Operation seit -vielen Jahren fortgesetzt wurde; gewöhnlich aber ist das Loch nur -einige Zentimeter groß und dient als Aufbewahrungsort für -Schmuckgegenstände, als Muscheln, Blätter und Blumen, namentlich -einer lilienartigen Blüthe, auch für Tabak, Pfeifen u. a. -</p> - -<p> -Die Willkürherrschaft der Häuptlinge, unter denen der reichste -auch der mächtigste ist, hat dahin geführt, daß, wie schon erwähnt, -die Bevölkerung nur in zwei Klassen, die Besitzenden und Besitzlosen, -zerfällt und der großen Masse eigentlich nichts gehört, diese -vielmehr vollständig von den Landbesitzern abhängig ist. Ein -solcher giebt dem Besitzlosen ein Stück seines Landes, auf welchem -jener seine Hütte erbauen, sowie die Erzeugnisse, als Pandanus, -Brotfrucht und Taro verwerthen kann, nur die Kokospalmen -gehören ihm nicht. -</p> - -<p> -Für Land, Schutz und Obdach ist der Besitzlose verpflichtet, -gemeinhin sechs Monate zu arbeiten und zwar während dieser -Zeit die Kokosnüsse für den Besitzer einzuernten, den Ertrag der -Palmen in der anderen Jahreshälfte kann er für sich selbst verwenden, -aber, da die Kokosnuß so gut wie baar Geld im Tauschhandel -ist, muß er häufig noch seinen Antheil abgeben und ihm -verbleibt nur wenig. -</p> - -<p> -Dennoch kennt der Eingeborne keine Nahrungssorgen, und -will er nur verwenden, was die Natur so reichlich ihm zugedacht -hat, so kann er mit geringer Müh' und Arbeit sich ein sorgenloses -Dasein schaffen, Bequemlichkeit, oft Gleichgültigkeit jedoch verhindern -ihn daran, er ißt, was er gerade hat und sobald er das Bedürfniß -fühlt, sich zu sättigen, ihm genügen schon die Milch und der Kern -einer Kokosnuß, oder die süße Pandanus. -</p> - -<p> -Letztere Frucht, die ich überall auf den Marschall-Inseln -gefunden habe, dient namentlich zur Zeit der Reife als ein Hauptnahrungsmittel. -Sehr zuckerhaltig, wird der süße Saft aus der -fasrigen, prismatisch geformten Frucht, aufgesogen und da dieser -nahrhaft genug ist, genügt er schon zur Sättigung. Mehr aber -noch eignet sich der darin enthaltene Zuckerstoff zur dauernden -Erhaltung einer Art Speise Pyru genannt. Dieselbe wird aus -der Arrowroot-Wurzel, Brotfrucht und Kokosnuß hergestellt; auf -heißen Steinen gebacken, durch den reichlichen Zusatz von Pandanussaft -äußerst dauerhaft gemacht, hat sie einen der Feige ähnlichen -Geschmack. Die Masse wird in etwa Zolldicke auf Blättern zubereitet, -fertiggestellt wird sie dann aufgerollt und sehr dicht in -<span class="pagenum"><a id="Page_71" name="Page_71" href="#Page_71">[71]</a></span> -trockenen Pandanusblättern eingepackt und mit dem schon beschriebenen -Cajar kunstvoll verschnürt. So erhält man eine angenehme -Dauerspeise, die jahrelang sich hält, selbst im Wasser nicht -verdirbt. -</p> - -<p> -Die so verfertigten Rollen, von gewöhnlich einem Meter -Länge und fünfzehn Zentimeter Durchmesser, haben ein beträchtliches -Gewicht, sie werden im Haushalte nur verbraucht, wenn Mangel -an anderen Nahrungsmitteln eintritt; gewöhnlich aber dient diese -Speise dazu, um auf weiten Seereisen oder an entlegenen Orten, -wo nichts Genießbares erhältlich ist, die benöthigte Nahrung zu -ersetzen. -</p> - -<p> -Der Pandanusbaum, ein schlanker, fester Stamm, der zuweilen -die Höhe einer mittelhohen Palme erreicht, trägt eine Blätterkrone, -deren Zweige ähnlich den einzelnen Blattstreifen einer -Kokospalme, tief herabhängen; die Frucht, ein bis 70 Pfund -schwerer Kolben besteht aus vielen prismatisch geformten, nach innen -spitz zulaufenden, faustgroßen Fruchtkernen, die, gut gereift, sich -leicht loslösen lassen. -</p> - -<p> -Für die Marschall-Insulaner, kann man sagen, ist dieser -Baum fast werthvoller als die Kokospalme; mit den Blättern -deckt er das Dach seiner Hütte, der Stamm giebt ihm die Stützen, -die Frucht nahrhafte Speisen, und aus dem Blatte verfertigt er -sich seine kunstvoll gearbeitete Kleidung, dazu geben Handstöcke und -Knüttel die Luftwurzeln. Das Pandanusblatt läßt sich, wenn es -getrocknet ist, nach Belieben in ganz feine Streifen zertheilen; um -diesem aber die Sprödigkeit zu nehmen, wird das Blatt erst für -längere Zeit in Frischwassertümpel gelegt, dann aufgerollt und -feucht tüchtig geklopft. Dadurch gewinnt der Eingeborne einen -dauerhaften Stoff zu seinem Mattengewebe und zu Hüten die dem -echten Panama an Güte fast gleich kommen und lange halten. -Ueberhaupt entwickeln die Frauen im Handflechten eine Geschicklichkeit, -die kaum übertroffen werden möchte. -</p> - -<p> -Sucht sich der Mann keine angemessene Beschäftigung — -Trägheit ist ihm angeboren — so hilft er den Frauen beim Flechten -der Matten, oder bereitet das Material dazu vor, auch übernimmt -er wohl selbst solche Arbeit. Hierbei bedienen sie sich nicht allein -der Hände, sondern auch die Füße müssen helfen, und zwar dienen -die beweglichen Zehen dazu, die Gewebe fest und straff zu halten. -</p> - -<p> -Die Tracht der Frauen ist einfach genug, ihre ganze Bekleidung -besteht bei Erwachsenen aus zwei lang herunterhängenden -Matten, von denen eine vorne, die andere hinten angebracht ist -und zwar so, daß sie übereinander fassen und mittels eines Gürtels -um die Hüften festgehalten werden. Dieser Gurt, ein weiß und -schwarz gesprenkeltes dünnes Tau, häufig mehrere Meter lang, -wird um den Leib gewickelt und der obere Theil der Matten um -<span class="pagenum"><a id="Page_72" name="Page_72" href="#Page_72">[72]</a></span> -dieses eingesteckt, so bleibt von diesem nichts sichtbar. Junge -Mädchen tragen eine kürzere, ebenso befestigte Matte, aber nur -nach vorne und je nach Alter und Größe ist eine solche breiter -oder schmäler; der Oberkörper bleibt unbedeckt, Kinder sind ganz -nackt. Aehnlich wie die Samoaner, tragen auch die Männer einen -Bastrock, verfertigt aus den Fasern des Boa-Busches, indeß ist die -Herstellung eines solchen kostspielig und seltener habe ich solche -Bekleidung gefunden; gewöhnlich macht eine zwischen die Beine -gelegte und um den Leib mit einer Schnur befestigten Matte den -ganzen Anzug des Mannes aus. Von meiner Schiffsbesatzung, die -meistens nur aus diesen Insulanern bestand, hatten die meisten -selten mehr in ihrem Besitz als solch Bekleidungsstück und eine -Schlafmatte; liebten es aber, sobald ihr Verdienst groß genug -geworden, der gewöhnlich 52-60 Mark monatlich betrug, sich nach -europäischer Art, mit Hose und Hemd zu bekleiden. -</p> - -<p> -Was den Bau der Wohnungen der Marschall-Insulaner -anbetrifft, so findet man sowohl recht ärmlich und einfach, als auch -großartig und kunstvoll aufgeführte Bauten. Oft genügen ihnen -als Aufenthaltsort sogar die denkbar einfachsten Hütten; ein schrägliegendes -Dach, das vorne auf Stützen, hinten auf der Erde ruht, -und mit Wänden aus Flechtwerk hergestellt ist. Dennoch ist die -Bauart der Hütten und Häuser auf einigen Atolls verschieden, -nicht in der Form vielmehr in der Größe und Festigkeit, größere -Häuser sind mit bemerkenswerthem Geschick erbaut. Das Dach, -das gewöhnlich aus einem Geflecht von Pandanus- oder Kokosblättern -wasserdicht hergestellt wird, ist eine feine Arbeit. Man -findet das Innere eines Hauses meistens reinlich und sauber, oft -auch mit feinen Matten ausgeschmückt; der Boden ist mit kleinen -Korallensteinen bedeckt und gewöhnlich mit großen, reinlichen Matten -belegt. Auch die nähere Umgebung zeugt von einem Sinn für -Reinlichkeit, der Erdboden ist ringsum geebnet und ebenfalls mit -kleinen Steinen besät. Man kann sagen, je nach Zahl der Familienglieder -begnügt sich der Eingeborne entweder mit einer unscheinbaren -Hütte oder er baut sich ein stattliches Haus. -</p> - -<p> -In größeren Bauten ist meistens auf den Sparren noch eine -besondere Schlafstätte für das Ehepaar oder vornehmere Gäste -errichtet, sonst schlafen alle durcheinander auf dem mit Matten bedecktem -Fußboden. War ich gelegentlich gezwungen die Gastfreundschaft -der Eingeborenen in Anspruch zu nehmen, dann wurde -stets ein besonderes Lager für mich hergestellt. -</p> - -<p> -Geschick und Kunstfertigkeit der Insulaner lassen sich erst recht -beurtheilen, wenn man in ihre Kirchen eintritt; alles Schöne, was -sie durch ihrer Hände Arbeit herzustellen im Stande sind, ist darin -vereinigt und eine wahre Ausstellung weisen die langen Wände -auf, die ganz mit feinen, in Form und Muster verschiedenen Matten -<span class="pagenum"><a id="Page_73" name="Page_73" href="#Page_73">[73]</a></span> -behängt sind. Es finden sich darunter Gewebe, die Zeugniß ablegen -von großer Geschicklichkeit und außerordentlichem Fleiße. -</p> - -<p> -Die Lebensweise der Eingebornen ist ein sorgloses Dahinträumen, -das nur unterbrochen wird, wenn sie sich gelegentlich zur -ernsten Arbeit aufraffen. Vor Tagesanbruch, wenn noch frische -Kühle über Meer und Land gebreitet liegt, sorgt der Insulaner -schon für den täglichen Unterhalt, d. h. er erklettert die hohe Palme -und bricht genügend Nüsse ab oder schafft andere Lebensmittel -herbei; er liebt nicht die heißen Sonnenstrahlen und sucht Kühlung -und Schatten unter seiner Hütte oder unter breitästigen Bäumen. -Auch mehrmaliges Baden am Tage in der See ist ihm zur Gewohnheit -geworden, als tüchtiger Schwimmer und Taucher scheut -er selbst nicht vor schwerer Brandung zurück. Sonst, wenn keine -Nothwendigkeit zur Arbeit vorliegt, verträumt er den Tag, und -essen, schlafen, rauchen, gelegentliche Handreichung, füllt die Tagesstunden -aus. Lebendig und lebhaft wird er erst, sobald das Tagesgestirn -zur Rüste geht, der Hauch vom endlosen Ozean ihm Kühlung -zufächelt, auch sucht er erst zur späten Nachtstunde sein Lager auf; -vor allem liebt er es in mondhellen Nächten im Kreise Vertrauter -zu rauchen und zu plaudern, wobei es recht laut und lebhaft hergeht. -Für den Europäer, der die Ruhe der Nacht nicht gestört -wissen will und gerne schlafen möchte, was oft Mosquitos und -drückende Schwüle verhindern, sind solche Ausführungen, Gesang -und Tänze, nächtlicher Weile, manchmal recht unangenehm. -</p> - -<p> -Die Gesänge sind eintönig und wenig melodienreich; im Chor -gesungen, werden sie stets langsam und halblaut begonnen, allmählich -aber lauter und schneller, begleitet mit Händeklatschen und -dem taktmäßigen Wiegen des Oberkörpers, bis sie schließlich zu -einem Tempo übergehen, das mehr Aehnlichkeit mit Schreien als -mit Singen hat. Vor allem haben die Frauen große Fertigkeit -darin, und jede Bewegung mit der Hand oder dem Körper wird -stets sorgfältig ausgeführt, genau wie bei den Samoanern; freilich -habe ich auf diesen Inseln die Frauen nie tanzen sehen, nur -Männer zuweilen, mit Federbusch, Muscheln und sonstigem Zierrath -geschmückt, führten vor meinen Augen Tänze auf, zu denen die -Frauen im Chor sangen. -</p> - -<p> -Anlaß zu Tänzen und Aufführungen giebt jedes geringe -Vorkommniß, z. B. das Eintreffen eines Europäers, eines Schiffes -u. a.; der Vorsänger erzählt darüber, was ihm gerade in den -Sinn kommt, oft den tollsten Unsinn, und zwar in kurzen Sätzen, -hinter denen der Chor irgend einen Kehrreim unermüdlich absingt, -bis der Gegenstand erschöpft ist und der Schluß durch lautes -Klatschen schon allseitige Zustimmung gefunden hat. -</p> - -<p> -Auch von Häuptlingen aufgeführte Einzeltänze sind nicht -selten, solche haben aber immer ein kriegerisches Gepräge; wilde -<span class="pagenum"><a id="Page_74" name="Page_74" href="#Page_74">[74]</a></span> -Geberden, Sprünge, Gliederverrenkungen, ein möglichst wildes -Aussehen gehören dazu und können bei dem Zuschauer das Gefühl -erwecken, als würde man es im Ernstfalle mit einem furchtbaren -Gegner zu thun haben. Der Gesang ist mehr Geheul, ein -Rühmen nie ausgeführter Thaten, zu dem ein Chor von Männern -und auch Frauen ein entsprechendes Lied oder den passenden Kehrreim -absingen. -</p> - -<p> -Eine Eigenthümlichkeit dieser Insulaner ist ferner, daß sie -ihre Todten nicht der Erde, sondern dem Meere übergeben, wobei -sie eine Ausnahme mit den Häuptlingen machen. Ist ein gewöhnlicher -Mann gestorben, wird er in Matten fest eingehüllt und -bereits am zweiten Tage mit einem Kanoe in die See hinaus -geführt, wo, fern dem Lande unter Beobachtung einiger Zeremonien -der Todte den Wellen übergeben wird. Ans Land wird die Leiche -wohl sehr selten wieder angeschwemmt, dafür sorgen schon die -zahlreichen Haie, welche diese als willkommene Beute ansehen und -schnell genug damit aufräumen. -</p> - -<p> -So lange die Beerdigung am Lande oder in der See nicht -erfolgt ist, werden Klagelieder um den Todten gesungen, auch -Tänze aufgeführt, dann aber ist es Sitte, daß die Verwandten -die Hinterbliebenen besuchen und beschenken. -</p> - -<p> -Die Grabstätten der Häuptlinge werden gewöhnlich außerhalb -eines Dorfes angelegt, wenn möglich in Korallensand gegraben; -ist das Grab zugeschüttet, wird der Hügel abgeflacht und mit -Steinen glatt bedeckt. Unter Palmen und Gebüsch liegen solche -Stätten, oft nur noch erkennbar an den Steinhaufen, aus denen -als einziges Zeichen verwitterte Kanoe-Paddeln hervorragen, die -der Todte einst geführt oder angefertigt hat. Einem Todten wird -alles mögliche mit in das Grab gelegt, Eßwaaren, Tabak, Pfeifen, -u. a. m., damit derselbe auf der langen Reise, die er angetreten -hat, nichts entbehrt. Auf frischen Gräbern habe ich fast immer -Tabak und Nahrungsmittel vorgefunden, die dem Todten gespendet -waren, sie dienen freilich nur dazu, die zahllosen Ratten, die gierig -über solche Speisen herfallen zu sättigen. -</p> - -<p> -Eine gewisse Scheu hat der Eingeborne auch davor, die -Gräber der Verstorbenen zu öffnen; da er glaubt, der Geist des -Todten könne ihm Uebels thun, so läßt er sich nicht dazu bewegen. -So ist die deutsche Station auf der Insel Jabor (Jaluit) auf -einem verfallenen Kirchhofe erbaut worden, die Zeit hat aber alle -äußeren Spuren verwischt und nichts mehr deutet darauf hin, daß -hier vor langen Jahren die Angesehensten und Vornehmsten der -Bevölkerung begraben worden sind. Ich wußte es auch nicht eher, -als bis ich, mit der Aufrichtung eines hohen Flaggenmastes betraut, -mit meiner Mannschaft die nöthigen Vorbereitungen dazu treffen -wollte. Die Leute weigerten sich aus den angeführten Gründen, -<span class="pagenum"><a id="Page_75" name="Page_75" href="#Page_75">[75]</a></span> -an der bezeichneten Stelle eine Grube zu graben, und, unnöthiger -Weise einen Zwang befürchtend, entfernten sie sich, und kehrten erst -zum Schiffe und ihrer Pflicht zurück, nachdem der Flaggenmast -errichtet war. Sie ernstlich zu tadeln wäre thöricht gewesen, da -sie sonst stets willig und gehorsam waren, und nur abergläubische -Furcht sie hinweggetrieben hatte, worauf eben Rücksicht genommen -werden mußte. -</p> - -<p> -Als die Ausschachtung von Arbeitern der Station (Neu-Hebriden-Insulanern) -vorgenommen ward, in der eine feste -Mauerung aufgeführt werden sollte, um das Grundwasser vom -Fuß des Mastes fernzuhalten, stießen diese auf ein Grab; vorsichtig -ließ ich das gefundene Skelett freilegen und gedachte den Schädel -zu erhalten, aber das vermoderte Knochengerüst fiel zusammen und -da nichts davon verwendbar war, wurden die Ueberreste an einer -anderen Stelle vergraben. -</p> - -<p> -Wie im weiten Ozean, und namentlich unter den Riffen und -Inseln viele Fischarten angetroffen werden, so sind auch die Lagunen -sehr fischreich. Schillernd in den schönsten Farben findet man hier -die merkwürdigsten Arten und Größen. Aber leider was das Auge -erfreut, ist dem Magen nicht dienlich, der Genuß solcher schönen -Meerbewohner bringt dem Menschen den Tod oder langes Seichthum. -</p> - -<p> -Durch das klare Meerwasser bis auf den Grund schauend, -sieht man auf wachsenden Korallenriffen ein wunderbares Gebilde, -bunte Sträucher, kleine Bäume, schöne Blumen, ein bunter, blühender -Garten dehnt sich in der Tiefe aus; Gewächse in einer Mannigfaltigkeit, -wie sie auf der Erdoberfläche schwerlich könnten zusammengestellt -werden. Und alles dies ist nur das Werk der unscheinbaren -Korallenpolype, die die wunderbarsten Gebilde auf dem tiefen -Grunde erbaut. Ein reges, ungeahntes und nie geschautes Leben -herrscht weiter unten, vieltausend Thiere, nicht sichtbar für des -Menschen Auge leben und weben in dieser verborgenen Welt. -Stahlblaue Fischlein spielen umher, bald hier bald dort an einem -Strauche oder einer Blume naschend; naht sich ein größerer Fisch -oder erschreckt sie irgend etwas, fliehen sie im Nu in das Labyrinth -der Pflanzenwelt, oder suchen Schutz und Deckung zwischen den -Zweigen, unter den Aesten der vielgestaltigen Korallenformen, -wohin kein Feind ihnen zu folgen vermag. -</p> - -<p> -Das Wenige, was in dieser unterseeischen Welt sichtbar ist, -die Schönheit derselben und ihre Bewohner, kann keine Feder schildern, -selbst wenn man die Phantasie zu Hilfe nähme, würde man hinter -der Wirklichkeit zurückbleiben. Stundenlang über den Bord meines -Bootes geneigt, achtlos die Angel in der Hand, trieb ich oft über -ein Korallenfeld, und ward gefesselt von der Schönheit dessen, was -ich unter mir vorüberziehen sah. Geradezu Wunderwerke erbaut -die Koralle, die nicht vergehen und die Zeit die rastlose Schaffenskraft -<span class="pagenum"><a id="Page_76" name="Page_76" href="#Page_76">[76]</a></span> -der Natur, selbst zu Inseln gestaltet, auf denen der vergängliche -Mensch, der Schöpfung vollkommenstes Wesen, leben und -auch leiden kann — die Werke von Menschenhand verfallen, die -der winzigen Polype bleiben bestehen! -</p> - -<p> -Nicht selten ist unter dem Schönen und Schönsten, was die -Natur erschaffen, ein bitterer Kern, ein Tropfen Gift enthalten; -so birgt auch die Koralle, unter einer schönen Hülle, ein tödtliches -Gift, das den Meerbewohnern, den bunt schillernden Fischen nichts -schadet, diese selbst aber giftig und gefährlich macht. So finden -sich denn unter der großen Zahl von Fischen viele Arten, die nicht -gegessen werden dürfen; stets muß ein gemachter Fang dem Gutachten -eines erfahrenen Eingeborenen unterbreitet werden, will der -Europäer nicht Gefahr laufen, Gesundheit und Leben zu gefährden. -</p> - -<p> -Trotzdem machen die Eingebornen den Versuch, die Beschaffenheit -eines ihnen unbekannten Fisches durch Essen zu erproben, bezahlen -diesen aber, da sie keine Gegenmittel haben, oft mit dem Leben. -</p> - -<p> -Tüchtige Fischer sind aber diese Insulaner doch, durch Erfahrung -klug gemacht, stellen sie gewöhnlich nur solchen Fischen -nach, die ungefährlich sind, unter anderen einem der Sardine ähnlichen -Fische, der in größeren Schwärmen in den Lagunen angetroffen -wird. Ist ein solcher Schwarm entdeckt und nahe genug -dem Lande, treiben sie ihn mit Kanoes allmählich dem Strande -zu; schnell werden dann Matten und Schnüre zwischen den einzelnen -Fahrzeugen ausgespannt, der Kreis immer dichter gezogen, und die -Fische, durch Geschrei, Schlagen mit den Paddeln gezwungen, in -Massen auf ein Riff oder dem flachen Lande zu laufen, wo sie mit -Matten, Körben und Händen leicht eingefangen werden können. -</p> - -<p> -Beim Einzelfang auf großer Tiefe bedienen sie sich ihrer aus -Perlmutter gefertigten Haken, die denen der Samoaner ähnlich sind; -tauschen sich aber mit Vorliebe auch von den Weißen eiserne -Angelhaken ein, die dem Zwecke besser entsprechen. Den fliegenden -Fisch, der seltener in den Lagunen zu finden ist, fangen sie sich -außerhalb der Riffe in ganz gleicher Weise wie ich es bei den -Polynesiern gesehen und beschrieben habe. -</p> - -<p> -Seit jeher waren die Marschall-Insulaner kühne entschlossene -Seefahrer und verdienten den Namen „Schiffer“ eher, als die -Samoaner. Sie sind nicht bloß in den Grenzen ihrer Inselwelt -geblieben, sondern weit über diese hinaus, haben sie sich dem -trügerischen Meer anvertraut und namentlich mit den Bewohnern -der Karolinengruppe Verbindungen gesucht. Welch ein Zusammenhang -zwischen diesen beiden Volksstämmen bestanden haben mag, -die in Sprache, Gebräuchen und Sitten sehr vieles gemeinsam haben, -ist schwer zu sagen. -</p> - -<p> -Am glaubwürdigsten scheint es, daß durch Wind und -Strömungen große Kanoes (Proas) von den Marschall-Inseln verschlagen -<span class="pagenum"><a id="Page_77" name="Page_77" href="#Page_77">[77]</a></span> -wurden, deren Insassen dann auch glücklich Land gefunden -haben. So soll noch im Jahre 1855 eine kleine Flotte die östlichste -der Karolinen-Inseln „Kusai“ erreicht haben und nach -monatelangem Aufenthalt wieder nach den Marschall-Inseln zurückgekehrt -sein; auch noch größere Entfernungen, wie berichtet, sollen -sie zurückgelegt und glücklich ihr Heimathland wieder gefunden haben. -Aber so einsichtig und wagemuthig in dieser Hinsicht der Eingeborne -auch ist, so ist doch anzunehmen, daß nur glückliche Zufälle es gewesen -sind, die ihn nach langer Irrfahrt haben Land finden lassen. -Darnach zu urtheilen, daß sie oft viele Wochen gebraucht haben, -um von einer Insel zur anderen zu gelangen, müssen ihre Kenntnisse -in der Seefahrt doch recht bescheidene sein; was aber jedenfalls -für viele verderblich geworden, ist die Gewohnheit, sobald sie -nach längerem Suchen ihr Ziel nicht finden können, die Segel -niederzuführen und sich ihrem Schicksale zu überlassen. -</p> - -<p> -Besondere Beachtung nun verdienen die Fahrzeuge, mit denen -der Inselbewohner sich auf den gefährlichen Ozean hinauswagt. -Den Kanoebau muß man entschieden als ihre bedeutendste Leistung -ansehen, Geschick, ja Kunstfertigkeit ist ihnen dabei nicht abzusprechen. -Schon die Anforderungen, die sie an ihre größeren Fahrzeuge -stellen, bedingen eine eigenartige Bauart; ihnen genügen nicht -mehr ausgehöhlte Baumstämme, wie sich andere Völker solcher bedienen, -hier gilt es vielmehr einen regelrechten Bau aufzuführen. -Und zieht man in Betracht, daß früher (und heute noch vielfach) -ihre einzigen Werkzeuge die Meermuschel und die Fischgräte waren, -und das mit Geschick verwendete Feuer bei solcher Arbeit ihr bester -Helfer ist, so kann man sich vergegenwärtigen, was es heißt, solche -Fahrzeuge, die oft 50 und mehr Menschen zu fassen vermögen, -herzustellen. -</p> - -<p> -Ihre Geschicklichkeit und Ausdauer finden deshalb staunende -Anerkennung bei den Fremden, ja ich möchte den Europäer sehen, -der an die Stelle der Eingebornen gestellt, sich mittelst Feuer und -Muscheln aus einem dicken Baumstamm eine Planke verfertigen könnte! -</p> - -<p> -Die Kanoes, zu deren Bau das nicht sehr harte Holz des -Brotfruchtbaumes verwendet wird, sind aus verschiedenen Theilen -zusammengesetzt. Der Kiel wird aus einem Stücke gefertigt, dies -ist so ausgehöhlt, daß er an und für sich schon ein kleines Kanoe -bilden würde; auf diesem werden dann die scharfen Vorder- und -Hintertheile aufgesetzt, und dazwischen wieder die oft aus mehreren -Stücken bestehenden Seitenwände eingefügt; die Höhe eines mittelgroßen -Kanoes beträgt etwa 4 Fuß. -</p> - -<p> -Alle Theile werden stumpf auf- und aneinander gesetzt; aber -um die dauernde Befestigung derselben, die Dauerhaftigkeit des -Ganzen zu erreichen, dazu gehört eine wahre Engelsgeduld, denn -um dieses zu erreichen müssen durch zolldicke Wände oft viele -<span class="pagenum"><a id="Page_78" name="Page_78" href="#Page_78">[78]</a></span> -hundert Löcher mittelst Fischgräten oder Knochen gebohrt werden, -die nahe aneinander, in den einzelnen Theilen sich stets gegenüber -liegen. -</p> - -<p> -Naturgemäß können mit so unvollkommenen Instrumenten, -Werkzeugen gearbeitete, stumpf aufeinander stoßende Hölzer nicht -dicht halten, auch glatte Flächen sind damit nicht herzustellen; um -aber dennoch eine gewisse Dichtigkeit zu erzielen, werden die Nähte -mit zwischen gelegten trockenen Pandanusblättern ausgefüllt, dann -werden durch die einander gegenüber liegenden Löcher Cajarfäden -eingezogen und diese sehr fest angeholt. Die große Zahl solcher -Laschungen ermöglicht es, jeden Theil des Kanoes dauernd und -gut zu befestigen, und was Menschenkraft nicht fertig bringt, thut -das Wasser, indem durchnäßt, sowohl die Pandanusblätter aufquellen, -als auch die Cajarfäden sich zusammenziehen. -</p> - -<p> -Finden sich sichtbare Undichtigkeiten, namentlich in den Löchern, -so bereitet sich der Erbauer aus fein geriebenem Holz und dem -klebrigen Safte der Pandanusfrucht eine Art Kitt, mit dem er -gefundene lecke Stellen zustopft und verkittet. Da unbedingte -Dichtigkeit natürlich nicht herzustellen ist, so lecken ohne Ausnahme -alle Kanoes ziemlich stark, indeß mit einer aus demselben Holze -hergestellten Mulde, einer Art Schöpfkelle, die der Eingeborne geschickt -zu handhaben weiß, bewältigt ein Mann bequem ohne -sonderliche Anstrengung das eingedrungene Wasser leicht; auch -Kokosnußschalen, Blechbüchsen, selbst die hohlen Handflächen dienen -ihm als geeignete Schöpfgefäße. -</p> - -<p> -Alle Kanoes haben an einer Seite einen Ausleger, ein dem -Kanoe parallel gelegtes und dem Bau desselben entsprechendes -Stück Holz, mit diesem durch eine Anzahl biegsamer Zweige, die -über beide Seitenwände des Kanoes hinreichen, verbunden ist. -Weit genug abstehend, dient dieser als eine Art Schwebe, ein -Kentern der scharf gebauten Fahrzeuge wird dadurch verhindert; -namentlich beim Segeln giebt er ein Gegengewicht ab. Bei großen -Kanoes liegt der Ausleger oft 6-8 Fuß von der Bordseite entfernt -und besteht aus einem schweren Holzstücke, das, an sich -möglichst stark, durch Träger und schräg liegende Gegenstützen, am -Kanoe befestigt ist. Auf solchen Trägern, d. h. den einzelnen Verbindungen -mit deren Ausleger, die unter sich ebenfalls gut verbunden -sind, findet man oft noch eine kleine Hütte erbaut, worin -für mehrere Mann Raum vorhanden ist, sie dient dem angesehensten -der Besatzung gewöhnlich als Aufenthalt. Auch wenn befürchtet -wird, der starke Wind könnte durch seinen Druck auf das Segel -das Kanoe trotz des Auslegers zum Kentern bringen, setzen sich -außerhalb der Bordwand mehrere Insassen auf das Flechtwerk des -Trägers, so daß durch ihr Körpergewicht ein gewisser Gegendruck -erzielt wird. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_79" name="Page_79" href="#Page_79">[79]</a></span> -Im ruhigen Wasser, oder in leicht bewegter See, sind diese -Kanoes sehr schnelle Fahrzeuge. Ein europäisch gebautes Boot -muß sehr gute Eigenschaften haben, wenn es eine Wettfahrt mit -ihnen aufnehmen will, würde aber stets, sobald ein Ziel windwärts -erreicht werden sollte, also ein Aufkreuzen gegen den Wind nöthig -wäre, glänzend geschlagen werden; denn die scharf gebauten Kanoes -mit ihren Mattensegeln liegen so dicht am Winde und werden -dennoch so schnell durchs Wasser getrieben, wie es mit einem gewöhnlichen -Boote nicht möglich ist. Ich habe in den großen Lagunen, -Majuro, Arno, Malonlab u. a., wenn ich auf entfernteren Inseln -in solchen Atolls kleinere Aufkäufe an Kopra oder Nüssen machen -wollte, des öfteren diese Kanoes benutzt und muß bezeugen, flinkere -Fahrzeuge habe ich bei keinem ungesitteten Volksstamme gefunden. -</p> - -<p> -So praktisch der Ausleger aber auch ist, ja so nothwendig -für größere Fahrzeuge, um das Segeln mit diesen zu ermöglichen, -so wird er doch auf freier und bewegter See oft verhängnißvoll. -Obgleich er nach Möglichkeit zwar festgefügt und durch Cajar mit -dem Kanoe verbunden ist, so löst er sich doch und bricht jede Verbindung -leicht und geht, wenn die Wellen unablässig diesen hin und -her zerren, verloren. Da eine Ausbesserung kaum vorgenommen -werden kann, so ist, sobald diese Stütze verloren gegangen, das -Schicksal der Insassen eines Kanoes auch besiegelt. Und diese -Gefahr liegt immer vor, sie wächst mit dem Winde und den Wellen. -</p> - -<p> -Ich habe erwähnt, daß diese Proas sehr scharf gebaut sind, -sie sind es aber nicht nur vorne und hinten, sondern auch längs -des ganzen Kiels; was aber besonders von Verständniß und Nachdenken -zeugt, ist die Form, welche solchen Kanoes gegeben wird. -Beim Vorwärtstreiben durch Wind und Paddeln ist der Ausleger, -der zwar ebenso scharf geformt ist, doch naturgemäß ein Hinderniß -und würde ein Kanoe immer nach der Seite hin abweichen, an -welcher sich dieser befindet. Diesem Uebelstande abzuhelfen, baut -nun der Insulaner sein Kanoe so, daß die Seite, an welcher der -Ausleger nicht angebracht werden soll, vom Kiel aufwärts bis zur -Bordwand fast ganz flach verläuft, die andere dagegen ist erhaben -ausgebaut. Natürlich ergiebt sich daraus, daß im Verhältniß zur -Länge ein Kanoe nur sehr schmal sein kann, aber durch die flache -Seite wird der Vortheil gewonnen, das tiefgehende Kanoe kann -beim Segeln am Winde nicht oder nur sehr wenig abgedrängt werden. -</p> - -<p> -Zudem bleibt der Ausleger stets an der Windseite, andernfalls -würde durch den Druck des Segels das Kanoe sofort kentern; -ein wenden, wenn eine andere Kursrichtung genommen werden soll, -geschieht nicht, vielmehr wird das gehißte Segel nur von vorne -nach hinten oder umgekehrt geschiftet. Der Mast, in der Mitte des -Kanoes in einer Spur feststehend, wird vom Ausleger aus durch -Cajartaue gehalten, ist aber beweglich, so daß er nach vorne oder -<span class="pagenum"><a id="Page_80" name="Page_80" href="#Page_80">[80]</a></span> -hinten geneigt werden kann, was stets beim Umschiften des immer -in der Spitze festgesetzten Segels geschehen muß. Das Tau, mit -dem das an langer Raa befestigte Segel gehißt ist, dient gewöhnlich -nach hinten zu dem Maste als Stütze, seltener sind noch Hilfstaue -angebracht. -</p> - -<p> -Ein Reffen, d. h. verkleinern der Mattensegel, sowie diese -gebildet sind, ist nicht wohl angängig; wird der Wind zu stark -oder überrascht eine starke Böe ein Kanoe, kann man nichts weiter -thun, als das Segel einfach niederzuführen, oder frei im Winde -peitschen zu lassen. Im ersteren Falle kommt es oft vor, daß das -vom Winde aufgebauschte Segel ins Wasser zu liegen kommt, und -wüßten die Eingebornen nicht so geschickt mit den Fahrzeugen umzugehen, -müßte häufig genug, wenn die nicht selten äußerst heftigen -Windböen einfallen, ein Unglück eintreten. Für einen Europäer -wäre das Kentern eine unangenehme Sache, der Eingeborne dagegen -macht sich nicht viel daraus, er bringt schwimmend sein gekentertes -Kanoe wieder in Ordnung. -</p> - -<p> -Die Mattensegel, stets dreieckig, sind aus einem Geflecht von -Pandanusblättern hergestellt, das aus etwa zehn Zentimeter breiten -Streifen besteht, die sauber zusammengenäht, dicht und biegsam sind. -</p> - -<p> -Von Religion kann bei diesen Inselbewohnern eigentlich keine -Rede sein; sie haben nur eine unbestimmte Vorstellung von einem -höheren Wesen, welches ihnen Gutes und Böses zufügen kann, -sonst sind sie wie alle ungesitteten Völker dem Aberglauben verfallen. -Da sie nur wenige Ueberlieferungen besitzen, so beschränkt -sich ihr Gottesdienst lediglich auf einige Gebräuche. Gewöhnlich -wenn ein Unternehmen geplant ist, z. B. eine Reise, ein Kriegszug, -wahrsagen weise Männer aus loderndem Feuer und das gute oder -böse Vorzeichen ist für die Ausführung oder Unterlassung maßgebend; -auch wird zum Weissagen ein zusammengefaltetes Pandanusblatt -angewandt, man fängt an dem einen Ende zu kniffen an und benutzt -die so gewonnene Breite als Maßstab für die übrige Blattlänge, -bleibt nichts übrig, so ist es ein gutes Zeichen, im anderen -Falle ein schlechtes. -</p> - -<p> -Erklärlich ist, da Götter und Gottheiten nicht vorhanden, die -Insulaner nur eine sehr beschränkte Vorstellung von einem höheren -Wesen hatten, daß sie, als die Missionare unter ihnen erschienen, -willig der neuen Lehre lauschten, und sich zu ihr bekannten. Das -Ansehen der Missionare war groß; diese verwandten dann ihren -Einfluß dazu, der Unsittlichkeit, der Vielweiberei und anderen -Lastern entgegen zu treten, sie haben aber nur dort Erfolg gehabt, -wo sie selbst ansässig waren, d. h. auf den südlicheren Atolls, als -Ebon, Jaluit und Milli. -</p> - -<p> -Anscheinend ist das Begriffsvermögen des Eingebornen nicht -groß, er erfaßt bei weitem nicht alles, was ihm gelehrt wird, auch -<span class="pagenum"><a id="Page_81" name="Page_81" href="#Page_81">[81]</a></span> -hat er nur eine unklare Vorstellung von allem, was außerhalb -seines Gesichtskreises liegt, und nur das natürliche Empfinden von -Recht und Unrecht ist bei ihm geschärft worden; er folgt zwar aus -Furcht vor einer strafenden Gerechtigkeit nicht so willig mehr den -natürlichen Trieben, erliegt aber trotzdem leicht einer Versuchung. -</p> - -<p> -Ausgebildete einheimische Missionszöglinge sind heute die -eigentlichen Lehrer, und es ist zu hoffen, daß unter dem Schutze -der deutschen Verwaltung das Christenthum mehr und mehr an -Ausbreitung gewinnt, das ist um so eher zu erwarten, wenn erst -die Häuptlinge bekehrt sind und durch maßvolles Vorgehen, unparteiische -Rechtspflege, das Vertrauen der Eingebornen ganz gewonnen -ist. -</p> - -<p> -Da die Marschall-Inseln heute deutsches Besitzthum, die Bewohner -also in gewissem Sinne unsere Landsleute sind, so mag es -vielleicht an der Stelle sein, hier in ihrer Sprache das Gebet des -Herrn, das „Vater unser“, anzuführen. -</p> - -<p> -<em class="itals">Yememuij i lon, en kwojarjar etom. Ea itok am ailin. -Yen komonmon ankil am i lol enwot dri lon.</em> -</p> - -<p> -<em class="itals">Ranin, letok non kim kijim ranin: Im jolok annuij -jerawiwi, enwot kimuij jolok an armij jerawiwi jen kim. -Im jab tellok non mon, ak drebij kim jennana, Bwe am -ailin, im kajur, im wijaak in driv.</em> -</p> - -<p> -Erwähnt habe ich bereits, daß eine Stammverwandtschaft -zwischen den Bewohnern der Marschall-Inseln und der Karolinen-Gruppe -besteht, ihre Sprache und Sitten in vielen übereinstimmen. -Deshalb will ich das gleiche Gebet auch in der Sprache dieser -Inselbewohner, mit denen ich oft genug zusammengekommen und -die auch zu jener Zeit, leider nur vorübergehend, unter dem Schutze -der deutschen Flagge gestanden haben, hier anführen. Es lautet: -</p> - -<p> -<em class="itals">Papa tumus su in kosav, E'los val payi. Pogasai -lalos tuku. Orek ma nu fwalu, ou elos oru in kosav. -Frite kit len si ini ma kut mono misini: et nunok munas -nu seske ma koluk las, oanu kut nunok munas sin met orek -ma kuluk nu ses. A tie kot kit kut in mel, a es kit la -liki ma koluk, tu togusai lalos, a ku, a mwolanu, ma patpat.</em> -</p> - -<p> -Mit dem Versuche, in obiger Schilderung ein anschauliches -Bild von den Marschall-Inseln zu geben, möchte ich noch gleichzeitig -eine wichtige Frage, nämlich die Deportationsfrage, verbinden. -</p> - -<p> -Unzweifelhaft wird auch in unserem Vaterlande einst entschieden -werden müssen, ob Deutschland nicht auch, wie seit langem -Rußland und Frankreich, die Deportation als ein Mittel ansehen -muß, um sich der Elemente der Bevölkerung zu entledigen, die -heute die Zucht- und Gefängnißhäuser anfüllen, wenigstens die unverbesserlichen -Individuen und schweren Verbrecher auszustoßen und -solche, so der menschlichen Gesellschaft, ihrer Gefährlichkeit halber, -<span class="pagenum"><a id="Page_82" name="Page_82" href="#Page_82">[82]</a></span> -zu entziehen. Zwar wird in Deutschland wohl nur die zwingende -Nothwendigkeit dahin führen die Deportation rechtskräftig zu -machen, zumal die Ansicht, mit dieser sei sowohl das geistige -wie körperliche Verderben eines Individuums verbunden, noch -eine allgemeine ist. Indeß man kann doch zu einer anderen -Beurtheilung der Frage gelangen, wenn zugleich mit der zweifellos -harten aber gerechten Strafe die Menschlichkeit durchaus gewahrt -wird und ein Deportirter nicht als ein bereits dem Tode Verfallener -anzusehen ist, eher noch die Möglichkeit vorliegt, ein solcher kann -der menschlichen Gesellschaft wieder als ein nützliches Mitglied zugeführt -werden. -</p> - -<p> -Wohl zu berücksichtigen ist natürlich bei einer in Frage -kommenden Deportation, daß eine der Hauptbedingungen, der -nöthige Abschluß von jeder Gesellschaft ist und dabei doch, anders -als in Zucht- und Gefängnißhäusern, den Verurtheilten ein bestimmtes -Maß der Freiheit gegeben wird. Das Nächstliegende, um solche -unerläßliche Vorbedingung zu erfüllen, wird immer das sein, daß -man naturgemäß einsame, dem Verkehr entzogene Landstrecken, wie -es größere oder kleinere Inselgruppen sind, dazu in Aussicht nimmt. -Und nicht mit Unrecht, denn der schwer zu bändige Trieb nach -persönlicher Freiheit wohnt jedem Wesen inne und wird daher bei -verwegenen Naturen weit eher zum Durchbruch kommen. -</p> - -<p> -Indeß, ist eine natürliche, unübersteigliche Grenze gezogen, -stellt dem menschlichen Willen und Wollen sich ein Element, der -Ozean, entgegen, ist die Folge, daß bei nicht gänzlich empfindungslosen -Naturen schon der großartige Anblick des Weltmeers, die -ruhige oft aber wildgrollende Sprache des Ozeans, eine wirksame -Besserung im Naturell eines Verbannten erwarten läßt. Und fraglos -werden demjenigen, dessen Gesichtskreis nicht enge Zellen beschränken, -sondern dem sich die Wunder der Natur, der Ozean und das -Firmament, in ihrer erhabensten Schönheit zeigen, sich Empfindungen -aufdrängen, die schließlich die Erkenntniß herbeiführen, daß der -Mensch dazu berufen ist, im Einzelnen, wie in der Gesammtheit -einem höheren Zwecke zu dienen. -</p> - -<p> -Wohl läßt sich erwarten, daß prinzipielle Fragen sich einer -gesetzlichen Deportation entgegen stellen werden, indeß, mögen sich -auch noch so große Einwendungen dagegen erheben lassen, eines -ist sicher, dem in Freiheit gebornen, wenn auch verbrecherisch veranlagten -Menschen, bringt nicht die Strafe, bringt nicht die enge -Zellenhaft, sondern die goldene, wenn auch beschränkte Freiheit zur -besseren Erkenntniß. Um nun zu begründen inwiefern die Deportationsfrage -nicht so ohne weiteres als unausführbar abzuweisen -ist, ziehe ich die Möglichkeit in Betracht, daß die einsamen sehr -wenig bevölkerten und dem Weltverkehr entlegenen Marschall-Inseln -als eine Heimstätte für schwerer Verbrechen wegen Verbannte angesehen -<span class="pagenum"><a id="Page_83" name="Page_83" href="#Page_83">[83]</a></span> -werden könnten und zwar aus triftigen Gründen 1. als -das Klima auf diesen Inseln als ein gesundes anzusehen ist; 2. die -Ernährung, selbst für eine große Zahl, mit Leichtigkeit durchzuführen -ist; 3. die Bewachung auf so einsamen von jeder Verbindung abgeschlossenen -Inseln keine strenge zu sein braucht; 4. Feste Häuser -unnöthig sind und nur Baracken des milden Klimas wegen in -Frage kommen können. Sollten aber dennoch feste Häuser nothwendig -sein, sind solche leicht durch das im Ueberfluß vorhandene -Korallenmaterial herzustellen; 5. geregelte Thätigkeit wird durch -Anbau von Kokosplantagen, Anpflanzung tropischer Gewächse als -Taro, Arrowroot etc. der Züchtung von Schweinen und Hühnern -und schließlich Bereitung der Kopra, der Herstellung von Matten -und Tauwerk aus den Fasern der Kokosnuß etc. für zahlreiche -Verbannte vorhanden sein und mit der Zeit sich aus Anpflanzungen -Erträge ergeben, die die zweifellos anfänglich erheblichen Kosten -reichlich decken werden. -</p> - -<p> -Was speziell die Ernährung anbetrifft, die für einen Europäer -besondere Beachtung verdient, so würde solche durch Zufuhr geeigneter -Nahrungsmittel in Verbindung mit den leicht zu züchtenden -und zu erhaltenden Schweinen und Hühnern eine ausreichende sein, -zudem bietet der Ozean selbst durch seinen überaus großen Fischreichthum -eine beliebige Abwechslung dar, und für keinen Kenner -jener Koralleninseln kann ein Zweifel bestehen, daß dort nicht ausreichende -gesunde Nahrungsmittel vorhanden sind. Anders freilich -würde die Frage betreffs des guten Trinkwassers zu lösen sein, -da das gefundene Grundwasser (durch Korallen filtrirtes Seewasser) -auf die Dauer doch schädlich sein könnte, auch angelegte Cisternen -in regenarmer Zeit nicht ausreichen möchten. Jedoch die Anlage -von Condensatoren, die Seewasser in Süßwasser verwandeln, das -auf großen Passagierschiffen fast ausnahmslos verwendet wird, -würde jeden Bedarf decken. -</p> - -<p> -Der berechtigte Einwand, den auf tiefer Kulturstufe stehenden -Eingebornen sollte man nicht, um nicht das Ansehen der Europäer -zu schädigen, den Transport gefangen gehaltener Weißer vor Augen -führen, wird bei der Anlage einer Verbrecherstation auf den gedachten -Inseln hinfällig. Denn wie erwähnt ist die Bevölkerung -eine geringe und manche Korallen-Inseln sind fast unbewohnt auf -denen aber nicht minder die Anlage von ausgedehnten Kokosplantagen -möglich ist. Zieht man das Facit, so kann der Gedanke, -auf einsamen Inseln der Marschall- resp. Browns-Gruppe Deportirte -unterzubringen, durchaus nichts abschreckendes haben, zumal alle -Vorbedingungen gegeben sind und neben der großen Entlastung -der Zellengefängnisse käme der Vortheil dazu, daß mit einer verhältnißmäßig -billigen Arbeitskraft ein Kulturwerk gefördert würde, -das die Eingebornen niemals zu vollbringen im Stande sein -<span class="pagenum"><a id="Page_84" name="Page_84" href="#Page_84">[84]</a></span> -werden; auf solche Weise der Werth der Marschall-Inseln für -Deutschland ganz besonders gesteigert werden würde. -</p> - -<hr class="chapend" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -V. Reisen durch die Marschall- und -<br />Karolinengruppe. -</h2> -</div> - -<p> -Wie erwähnt, weisen sämmtliche Atolls der Marschall-Gruppe -dieselbe Eigenthümlichkeit auf, nur in Form und Größe sind sie -verschieden; auffallend aber ist, daß fast bei allen die Leeseite der -Atolle, d. h. also die, welche dem schweren Anprall der Ozeanwogen, -die der oft sehr starke Nordost-Passat an diese Gestade treibt, nicht -ausgesetzt sind, größere Landmassen aufweisen, hingegen an der -Luv, d. h. Nordostseite, nur dort sich Anhäufungen von Sand und -kleine oder größere Inseln sich finden, wo die Koralle ein weites -mächtiges Riff erbaut hat. Ich habe nachgewiesen, daß Korallen-Inseln -allein nur durch losgelöste Rifftheile entstanden sind, naturgemäß -also die Wind- oder Wetterseite zuerst solche aufweisen -müßte, daß dies nun auf diesen Atolls weniger der Fall, liegt -daran, daß der starke Wind den von den Wellen gebildeten Korallensand -hinwegfegt, über die Lagunen treibt und eine Anhäufung an -der Leeseite begünstigt. Deshalb sind auch, mit wenigen Ausnahmen -alle Stationen und Ansiedelungen der Weißen dort angelegt, -zumal da dort bequeme Zugänge zu den Lagunen sich befinden, -theils für die Schiffahrt günstiger Ankergrund vorhanden ist. -</p> - -<p> -Da die Lagunen eine ganz beträchtliche Ausdehnung haben, -zwischen 5 bis 70 Seemeilen lang sind, wird es erklärlich, daß in -den Einfahrten sowohl bei Fluth, als auch Ebbe, eine starke und unter -Umständen sehr starke Strömung vorhanden ist. Die Einfahrten -im Jaluit-Atoll und auch in anderen sind gewöhnlich, weil sie nur -schmal, für ein Segelschiff nicht zu passiren, so lange der Strom -mit großer Kraft ein- oder ausläuft; erst kurz vor oder nach eingetretenen -Stillstand, d. h. wenn Fluth oder Ebbe wechselt, sucht -man ein- oder auszulaufen; und am besten ist es, wenn Durchfahrten -auch bei niedrigstem Wasserstand noch tief genug sind, mit -steigendem Wasser dies zu unternehmen; man sieht dann die Riffe -besser und läuft auch keine Gefahr, wenn das Schiff an oder auf -einem Riffe festkommen sollte, sitzen zu bleiben. -</p> - -<p> -Im Jaluit-Atoll wird meistens die zwischen den Inseln Jabor -und Enübor befindliche Südost-Passage, als Einfahrt, und die von -hier nach Südwesten, zwischen Ai und Medjerrurik, liegende Passage, -als Ausfahrt benutzt, seltener die Nordost-Passagen. Gegen widrige -Winde diese engen Fahrstraßen zu benutzen ist für ein größeres -Schiff schier unmöglich, ich habe es mit einlaufendem Strome -öfter versucht, nie aber gewagt ein großes Segelschiff auf diese -<span class="pagenum"><a id="Page_85" name="Page_85" href="#Page_85">[85]</a></span> -Weise, wenn ich in Jaluit anwesend, und zeitweilig als Lootse -thätig war, ein- oder auszubringen. -</p> - -<p> -Sehr häßlich ist es, wenn zwischen zwei Inselspitzen der vorher -starke Wind plötzlich abflaut, oder sogar für den Augenblick -entgegengesetzt weht; hat dann das Schiff keine genügende Fahrt -oder ist sogar Gegenstrom vorhanden, ist die Lage für einen Führer -oder Lootsen geradezu peinlich. Für den Schiffsführer der aus -der Südwest-Ausfahrt von Jaluit segeln will, bedarf es einer -genauen Kenntniß der Oertlichkeit, vor allem namentlich am Nachmittage, -wo er die Sonne recht voraus hat, die das Wasser wie -eine Silberfluth erscheinen läßt. -</p> - -<p> -Als ich einst beordert war eine Bark hier hinaus zu lootsen, -wurde der Wind zwischen den Inseln Ai und Medjerrurik still, die -Untersegel schlugen back, während die Oberbramsegel noch den vollen -Wind hatten und das Schiff trieb dem nahen Riffe zu. Nichts -war dagegen zu machen, da aber jede Zögerung die Gefahr vergrößerte, -so gab ich kurz entschlossen die nöthigen Befehle. Die -Raaen flogen an den Wind, die klar gehaltenen Boote rauschten -ins Wasser und wurden schnell voraus gebracht, nachdem das Schiff -mit Tauen an ihnen befestigt war, ruderten kräftige Seemannsfäuste -aus Leibeskräften, um das steuerlose Schiff wieder in Fahrt zu -bringen. Bald half der stoßweise umspringende Wind, bald hemmte -er, doch ging es langsam vorwärts, bis die Brise wieder mit voller -Kraft einfiel und es ermöglichte, das Schiff zu regieren. -</p> - -<p> -Als ich mit meinem Boote zurückkehrte, hoffte ich die zehn -Seemeilen weite Entfernung bis Jabor aufkreuzen zu können, da -brach aber in einer Böe der Mast, und die zwei Mann im Boote -konnten gegen Strom und Wind nicht vorwärts kommen. Nirgends -war wegen der Riffe Land zu erreichen, so mußten wir ohne Wasser -und Lebensmittel wachend die Nacht verbringen. Am nächsten -Vormittage mußte irgendwo Land aufgesucht werden, wir landeten -auch an einer unbewohnten Stelle, wo wir, nachdem meine Leute -aufgefundene Kokospalmen erklettert hatten, Durst und Hunger an -jungen Nüssen stillen konnten. Darnach als hiervon genügend -Vorrath eingesammelt war, ruderten wir in heißer Sonnengluth -längs der Riffe weiter, erreichten aber die Station erst in der -frühen Morgenstunde des dritten Tages. -</p> - -<p> -Die erste Reise im Marschall-Archipel hatte ich nach Ebon, -Namorik, Kili u. a. zu unternehmen und besuchte auf dieser zuerst -die kleinsten, aber auch fruchtbarsten Atolle. Die einzige Einfahrt -in der Ebon-Lagune liegt an der Südwestseite zwischen den Inseln -Juridi und Meidj, diese ist zwar tief, aber sehr schmal und ausgedehnte -Riffpatschen nach innen machen diese sehr schwer zugänglich, -dazu läuft ein wirbelnder Strom ein und aus, der einem Schiffe -<span class="pagenum"><a id="Page_86" name="Page_86" href="#Page_86">[86]</a></span> -gefährlich werden kann, wenn dieser in voller Stärke einsetzt, ehe -frei Wasser gewonnen ist. -</p> - -<p> -Der Wind ist zum Durchsegeln dieser Einfahrt selten günstig, -ein Ankern außerhalb am Riffe nicht immer rathsam, und so begegnete -es mir beim Einkreuzen, daß der über das Riff auslaufende -Strom das Schiff innerhalb der langen Einfahrt an das Riff -trieb, und dieses auf der schräg abfallenden Korallenwand sitzen -blieb. Das Wasser fiel und, kam ich nicht frei, mußte das Schiff -schließlich sich auf die Seite legen, umfallen und volllaufen. Deshalb -wurde schnell ein Anker ausgebracht, der auf hundert Fuß -Wassertiefe erst den Grund erreichte, und nun versucht, das Schiff -abzuwinden; allein die starke Leine riß sehr bald von scharfen -Korallen durchschnitten entzwei, und der Anker, an dem die Bojenleine -zu kurz gewesen, war verloren. In Ermangelung eines -schweren geeigneten Ankers, wurde nun als letzter Versuch schnell -einer der Buganker zum gegenüber liegenden Riffe gebracht und -gut hinter Korallensteine versenkt, dann versuchten wir aufs neue, -das sich langsam neigende Schiff mit aller Gewalt abzubringen, -und es gelang. -</p> - -<p> -Wäre diese Anordnung erfolglos geblieben oder nochmals -die Leine gerissen, so hätte ich nur noch versuchen können, schnell -Gaffeln oder Segelbäume abzutakeln von den Masten, und senkrecht -an der gefährdeten Seite im Wasser aufzustellen; wären diese an -der Bordwand festgebunden worden, so wäre vielleicht durch solche -Stützen, wenn das Wasser nicht zu tief fiel, ein Unglück vermieden -worden sein. -</p> - -<p> -Ich war fast jedesmal gezwungen, in der Ebon-Lagune einzulaufen, -selbst später mit dem größten Schiffe der Gesellschaft und -bin immer ohne besondere Schaden weggekommen. Nur einmal in -dunkler Abendstunde in der Ost-Durchfahrt, der kleineren, aufkreuzend, -lief ich noch, von den Riffen frei, auf Anrathen eines guten Lootsen, -den der König von Ebon, der Häuptling Nelu, mir gestellt hatte, -der mit seinem ganzen Gefolge sich an Bord befand, weiter nach -der Insel Eninaitok, zwischen vielen Riffpatschen und Untiefen -hindurch. Als die Insel in Sicht kam, war wegen der Dunkelheit -der Abstand vom Lande schwer zu schätzen, und hätte ich mich -nur auf die Kenntniß des Lootsen verlassen, und nicht lothen lassen, -würde dieser mir das Schiff mit voller Fahrt aufs Riff gesetzt -haben. Plötzlich nur drei Meter Wassertiefe findend, jagte ich -gerade noch zur rechten Zeit das Schiff in den Wind und brachte -es zum Stillstand; darauf segelte ich vom Lande ab und ging auf -größerer Tiefe zu Anker, mich wenig daran kehrend, daß nun die -Häuptlinge etwas länger im Boote sitzen mußten und die Ausschiffung -länger dauerte. Um die schon tagelang an Bord befindlichen -Eingebornen noch ans Land zu bringen, hätte ich, vertrauend -<span class="pagenum"><a id="Page_87" name="Page_87" href="#Page_87">[87]</a></span> -der besseren Kenntniß derselben, bald mein Schiff arg -gefährdet gesehen. -</p> - -<p> -Manchem anderen Schiffe ist es beim Einkreuzen in dieser -Lagune nicht sonderlich gut ergangen, Beschädigungen am Schiffsboden, -leichter oder schwererer Art, waren nicht selten, und wer -nicht durchaus hinein segeln mußte, vielleicht nicht unter der Insel -Juridi ankern durfte, kreuzte lieber tagelang vor der Einfahrt hin -und her; was ich mitunter auch that, wenn in der schlechten Jahreszeit -die See am Riffe zu schwer oder nur wenig Ladung zu landen -oder abzunehmen war. -</p> - -<p> -Die Lagune selbst bietet, sobald man die schlechte Durchfahrt -durchsegelt hat, einem Schiffe überall sichern Ankergrund; ein geschützter -Hafen ist das weite Becken, in welchem heftiger Wind -nur selten das ruhige klare Gewässer erregen kann. -</p> - -<p> -Ein flüchtiger Ueberblick auf dieses weite Becken läßt vermuthen, -daß nur noch wenig Riffe mehr, außer den der Ausfahrt -vorgelagerten, vorhanden sind, und doch befindet sich eine große -Zahl kleiner und größerer Riffpatschen in demselben; die Thätigkeit -der bauenden Koralle, welche im Laufe der Zeit diese Lagune -verschließen wird, ist in vollem Gange. Recht in die Augen -fallend erweist sich diese Thatsache, langsam zwar, aber immer -weiter bauen die Polypen, und nach menschlicher Voraussicht wird -sich hier von allen offenen Atolls zuerst der Vorgang abspielen, -daß diese Lagune für jeden Schiffsverkehr durch die unzerstörbare -Arbeit der winzigen Thierchen geschlossen wird. Fahrten durch die -ganze Lagune von Insel zu Insel bestätigten mir diese Annahme, -da ich unter Land sowohl wie auch im großen freien Wasserbecken -weit ausgedehnte Riffe vorfand. -</p> - -<p> -Die meisten der langgestreckten Inseln dieses Atolls sind flach -und ohne besondere Erhebungen, der Unterbau, Korallensteine, die -aber schon so hoch mit einer Humusschicht bedeckt sind, daß solche -wenig sichtbar werden, auch hat die reiche Vegetation, das Eindringen -der Pflanzen im Gestein, das ihre zur Verwitterung desselben -beigetragen. Ueberhaupt habe ich kaum auf einem anderen -Atoll so dichtes Gebüsch, hohe Bäume und wuchernde Pflanzen -angetroffen, wie auf Ebon; anzunehmen ist, daß dazu der reichlich -fallende Regen, der die Verwesung in der Pflanzenwelt befördert, -viel beigetragen hat. -</p> - -<p> -Vor allem erwähnenswerth ist hier neben den sehr zahlreichen -Kokospalmen der mächtige Brotfruchtbaum, dessen schmackhafte -Frucht eine Hauptnahrung der Eingebornen ist. Der Baum wird -über 60 Fuß hoch und trägt auf hohem Stamme, der oft mehrere -Fuß im Durchmesser hat, eine gewaltige Krone, er könnte in seinem -Bau mit unserer Eiche verglichen werden. Seine Früchte, am -Ende der Zweige hängend, haben eine länglich runde Form und -<span class="pagenum"><a id="Page_88" name="Page_88" href="#Page_88">[88]</a></span> -werden ein bis zwei Pfund schwer. Sie werden gewöhnlich -zwischen heißen Steinen oder am Feuer geröstet und bieten selbst -dem weißen Manne einen Ersatz für Brot und Kartoffeln, vor -allem auf Inseln, wo die Jamswurzel oder Taro nicht erhältlich sind. -</p> - -<p> -Hier auf Ebon, wo ich öfter an den Mahlzeiten der Eingebornen -theilnehmen mußte, lernte ich eine neue Art der Zubereitung -dieser Brotfrucht kennen, wodurch dieselbe ganz besonders schmackhaft -gemacht wurde. Das Herz der Frucht wird mit einem -Stückchen Holz oder mit den Fingern entfernt, in die entstandene -Höhlung dann weiße Kokosnußmilch gefüllt, und so in Blätter -eingewickelt, zwischen heißen Steinen gebacken. Das goldgelbe -Fleisch, dessen Nährgehalt durch die Milch noch erhöht ist, wird so -ein noch vorzüglicheres Nahrungsmittel. Auf anderen Inseln wo -man diese Art der Zubereitung nicht kannte, fanden alle vereinzelt -lebenden weißen Händler stets ganz besonderes Wohlgefallen an -der auf diese Weise zubereiteten Brotfrucht. -</p> - -<p> -Aeußerst fischreich ist auch die Ebon-Lagune, namentlich in -der starken Strömung der Einfahrt hält sich ein wohlschmeckender, -giftfreier Fisch auf, ähnlich unserem Blei. Um solche Fische nun -zu erhalten, die weder nach der Weise der Eingebornen, noch mit -Angeln zu fangen sind, benutzen hier die Händler von San -Franzisko eingeführte Dynamitpatronen, die angezündet und zur -rechten Zeit ins Wasser geworfen, durch Zerspringen alle am Orte -befindlichen Fische betäuben. Diese kommen dann für wenige -Minuten an die Oberfläche und werden, ehe sie wieder sinken, in -die Kanoes oder Boote schnell eingesammelt; ist das Wasser nicht -zu tief, werden die Fische durch Taucher vom Grunde heraufgeholt. -</p> - -<p> -Die Verwendung solcher Patronen bedingt aber große Vorsicht; -ein Verpassen des rechten Augenblickes, eine fehlerhafte -Zusammenstellung des Sprengstoffes, bringt immer große Gefahr -für den, der nicht ganz genau mit der Anwendung Bescheid weiß. -Mehrfach habe ich Leute getroffen, denen durch das explodirende -Dynamit, wenn eine solche Patrone nicht gut geladen war, mehrere -Finger weggerissen waren, einige aber auch, die ihre Unkenntniß -oder Ungeschick mit dem Verluste der rechten Hand bezahlt haben. -</p> - -<p> -Als ich einst unter der Insel Juridi vor Ebon zu Anker -lag, erbat sich mein Steuermann Kitimatu, ein Japaner, die Erlaubniß, -mit dem Boote fischen zu dürfen. Da mir unbekannt -war, daß derselbe sich von einem Händler Dynamitpatronen gekauft -hatte — übrigens eine verbotene Waare, die nur im Geheimen -zur Einführung gelangt — wurde ich erst durch den dumpfen -Knall darauf aufmerksam gemacht. Bald sah ich, wie die Besatzung -des Bootes in das Wasser sprang und eine beträchtliche -Menge großer Fische in dasselbe hineinwarf. Der Japaner, ein -vorzüglicher Taucher, holte vom Grunde immer mehr herauf, so -<span class="pagenum"><a id="Page_89" name="Page_89" href="#Page_89">[89]</a></span> -daß nach der Zahl der angesammelten Fische zu urtheilen, mehrere -hundert derselben betäubt oder getödtet sein mußten. -</p> - -<p> -Dulden durfte ich nicht, daß fernerhin solche Art von Fischerei -betrieben wurde, vor allem nicht die Mitführung des gefährlichen -Dynamits an Bord, und obwohl mir, wie auch der Mannschaft, -die große Menge schöner Fische nicht unwillkommen war, so mußte -für die Folge doch die Verwendung solcher Patronen unterbleiben. -Ziemlich erstaunt war daher der Japaner und die Freude seines -Erfolges gedämpft, als ich vor seinen Augen die mir ausgehändigten -übrigen Patronen über Bord warf; es wollte ihm nicht recht einleuchten, -wie ein so nützlicher Gegenstand anderen gefährlich -werden könne. -</p> - -<p> -Ehe ich meine Angaben über den Ebon-Atoll schließe, will -ich noch eines Vorganges erwähnen, der mir später an den Außenriffen -leicht den Verlust des Schiffes „Futuna“ eingetragen hätte. -Leichter, südwestlicher Wind wehte, als ich einst in der schlechten -Jahreszeit, im Anfang Oktober, vor Ebon anlangte und wegen -einiger Bootsladungen Güter nicht erst einlaufen wollte, sondern -die Boote an Land sandte und durch den Steuermann das Geschäftliche -erledigen ließ. Darauf segelte ich, da ich von hier nach -den Karolineninseln beordert war, beim Winde liegend längs der -Riffe nordwestwärts; zwar nahe dem Riffe, jedoch frei genug, um -gegebenen Falls ein Segelmanöver ausführen zu können. Querab -der Insel Toka aber, als ich schon hoffen konnte das Riff nach -kurzer Entfernung mehr nach rechts abfallen zu sehen, wurde das -Schiff von einer unerwarteten Strömung dem Riffe, auf welchem -eine mittelmäßige Brandung lief, zugedrängt und erkennend, ich -würde nicht frei davon kommen, gab ich Befehl zum wenden. -</p> - -<p> -Nie hatte der Schooner, selbst in gefährlichen Engen, eine -Wendung versagt, jetzt aber ging er nicht durch den Wind. Ein -zweiter Versuch, mit ganzer seemännischer Geschicklichkeit ausgeführt, -schlug wieder fehl; einen dritten wagen, da ich schon der Brandung -sehr nahe gekommen war und der sicher fehl gehen mußte, da das -Schiff nicht mehr Raum genug hatte um gute Fahrt zu gewinnen, -hieß es geradezu aufs Riff setzen. Verloren schien das Schiff auf -jeden Fall, da ich wegen des kurzen Abstandes vom Riffe keine -Möglichkeit mehr sah, dieses vor den Wind herumzubringen, welches -ja das einzige Manöver ist, wenn Strömung und schwerer Seegang -ein Wenden verhindern. Doch um alles zu thun, mußte ich -auch dies wagen; wie ich auf das Riff kam, angetrieben, oder -mit vollen Segeln vor dem Winde, war jetzt gleichgültig; einmal -in der Brandung mußte das Schiff doch nach kurzer Zeit am -steilen Riff zerschlagen und in die Tiefe sinken; die einzige Aussicht -war, daß sich die Mannschaft noch unter Umständen retten könnte. -</p> - -<p> -Es ist ein Haupterforderniß für den Seemann auch in der -gefahrvollsten Lage nicht den Kopf zu verlieren, sondern entschlossen -<span class="pagenum"><a id="Page_90" name="Page_90" href="#Page_90">[90]</a></span> -zu handeln, so gab auch ich ohne Besinnen ehe noch das Schiff -durch den Druck seiner Segel wieder an den Wind gekommen -war, den Befehl, das Ruder hart Backbord zu legen, die Raasegel -vierkant zu führen, alle Schooten der Schratsegel los zu werfen, -und siehe wie ein Schwan mit ausgespannten Fittichen lief das -Schiff mit schneller Fahrt seinem Verderben entgegen. Noch aber -war seine Stunde nicht gekommen; das wackere Schiff, mit dem -ich noch manche Noth und Sturm durchkämpfen sollte, ehe es in -diesem Ozean an einer anderen Insel „Kili“ in die Tiefe sank, -gehorchte über Erwarten gut dem Steuer. Die 150 Fuß, die das -Schiff vom Riffe entfernt gewesen, hatte es noch nicht durchlaufen, -als es durch den Druck der sehr schnell hantirten Segel wieder -an den Wind gebracht war. Zwar lief die hohle See schon unter -dem Kiel und hob das Schiff zum vernichtenden Stoße, — keine -zehn Fuß hinter dem Heck donnerten die Schaumkronen der Brandung -— und doch, mit freiem Winde die Fahrt beschleunigend, entkam -ich dem sicher erwarteten Verderben. -</p> - -<p> -Auf einer Fahrt von Jaluit nach Ebon und zurück, traf ich -in der Ebon-Lagune den Häuptling Launa mit einigen seiner -Proas an, mit denen er, zur Abreise nach Jaluit gerüstet, nur -auf gutes Wetter wartete. Da die Gelegenheit günstig war, mit -dem deutschen Schiffe nun die Ueberfahrt zu machen, trat Launa -mit mir in Unterhandlung wegen des Fahrgeldes, dessen Höhe ihm -zwar gut genug bekannt, das er aber herabgesetzt wissen wollte. -Als ich darauf nicht eingehen konnte, erklärte er mir, dann solle -auch keiner seiner Leute mit mir fahren, er segele mit seinen Kanoes -billiger. Thatsächlich ging er am Abend desselben Tages in See -und erreichte glücklich Jaluit. -</p> - -<p> -Die Kunst, mit Geschick und Verständniß, solche nicht ungefährliche -Fahrten in leicht zerbrechlichen Kanoes zu unternehmen, -ist heute nur noch wenig Inselbewohnern eigen, obwohl sie früher -im Bereich dieses Archipels nichts Ungewöhnliches waren. In -der Nalik-Kette bedienen sich die Häuptlinge aber mehr der -europäischen Segelschiffe, auch besitzt der König Kabua, eigentlich -Nelu, ein solches, mit dem sie von Insel zu Insel fahren und -es auch selber, ohne Hilfe eines Weißen führen. -</p> - -<p> -Dieses Verständniß der Navigirung nur war einst ein streng -gehütetes Geheimniß erfahrener Häuptlinge. Der es den Weißen -verrieth, büßte es mit dem Tode. Obgleich die Inselbewohner -sich auf ihren Fahrten nach dem Stand der Sonne und des Nachts -nach den Sternen richten, worüber sie zu ihrem Zwecke genügend -Bescheid wissen, haben sie sich doch eine Seekarte angefertigt, die -unzweifelhaft beweißt, daß sie über die Lage der einzelnen Gruppen -sowohl, wie über Wind und Strömungen gut unterrichtet waren. -</p> - -<p> -Diese Karte besteht nur aus geraden oder gebogenen dünnen -untereinander verbundenen Stäben, auf denen an bestimmten Stellen -<span class="pagenum"><a id="Page_91" name="Page_91" href="#Page_91">[91]</a></span> -die einzelnen Inseln durch kleine Muscheln oder Steine angezeigt -werden, die gebogenen Stäbe geben den Strom oder auch den -Seegang an, was gleichbedeutend mit der Windrichtung sein würde. -Alle Atolle sind auf diese Weise bezeichnet, und die Abstände derselben -von einander verhältnißmäßig ziemlich genau angegeben. -Hieraus ersieht man, daß in früheren Zeiten ein reger Verkehr -im Bereiche dieses Archipels stattgefunden hat, die Eingebornen -von Insel zu Insel segelten und so ihre Kenntnisse erweiterten; -die vor sehr langer Zeit einfach genug gewesen sind, z. Z. als -die heutigen Atolle noch nicht vorhanden waren, oder doch deren -Ränder noch hohe zusammenhängende Landmassen bildeten, die im -Laufe der Zeiten erst gesunken. Keine oder nur sagenhafte Ueberlieferungen -haben diese Eingebornen, von denen die eine Beachtung -verdient, daß nach der vor langer, langer Zeit an Stelle der -jetzigen Atolle hohe Inseln gestanden haben, aber welche Veränderungen -hier stattgefunden, was ihre Vorfahren geschaut, darüber -schweigt ihr Mund! -</p> - -<p> -Der Namorik-Atoll, in Nordwest-Richtung etwa 70 Seemeilen -von Ebon entfernt, ist einer der wenigen, die durch die Korallen -schon geschlossen sind. Nur zwei langgestreckte Inseln, von einander -durch Riffe getrennt, die früher den Zugang zur Lagune gestatteten, -bilden die ganze Landmasse, sind aber ebenso fruchtbar und ertragreich, -wie die Inseln des Ebon-Atolls. -</p> - -<p> -Steile Korallenwände, an denen kein Ankergrund gefunden -werden kann, heben sich aus großer Tiefe empor. Und wenig angenehm -ist es für einen Schiffsführer, sich stets unter Segel hier -halten zu müssen; oft habe ich daselbst tagelang an der Westseite -unter Land kreuzen müssen, ehe mit Booten, die häufig am steilen -Strande gefährdet sind, die Ladung abgenommen war. Wohl ist -heute noch das Wasser in der Lagune klar und rein, da von außen -über die Riffe hinweg der Ozean seine Wogen hineinspült und -damit der noch langsam bauenden Koralle frische Nahrung zuführt; -wird dies aber einst durch Anhäufungen von Gestein und Sand -unmöglich, so muß durch die heiße Sonne eine Verdunstung und -damit eine Versumpfung eintreten. -</p> - -<p> -Diesen Prozeß hat bereits die von Namorik in Ost-Richtung -etwa 65 Seemeilen entfernt liegende Insel „Kili“ durchgemacht. -Eine Seemeile lang, ist die kleine Lagune schon vollständig umschlossen -und ein großer Sumpf, in welchem die Pflanzenwelt -Fuß gefaßt hat und überreich wuchert. Anfänglich war das Eiland -unbewohnt, weil Kokospalmen und Pandanus nur spärlich vorhanden -waren und einzig wilde Hühner und Schweine dort ungestört -hausten; jetzt hat man mit der Lichtung des wilden Busches -begonnen, und die Anpflanzung einer ausgedehnten Kokosplantage -verspricht einen lohnenden Ertrag. -</p> - -<p> -Die Insel ist ebenso steil und unzugänglich wie Namorik, nur -<span class="pagenum"><a id="Page_92" name="Page_92" href="#Page_92">[92]</a></span> -am Südende erstreckt sich ein langes Riff in die See hinein, auf -welchem stets schwere Brandung steht und beim Kreuzen unter Land -einem Schiffe gefährlich werden kann. Auf diesem ging auch der, -einst von mir geführte Schooner „Futuna“ gänzlich in einer dunklen -Nacht verloren. -</p> - -<p> -Solche Schiffsverluste sind gewöhnlich auf unbekannte -Strömungen zurückzuführen, die vorherrschend sind oder zeitweise -auch von den Winden hervorgerufen werden. Muß man sich des -Nachts unter Land halten, um nicht zu weit abzutreiben und dadurch -Zeit zu verlieren, so ist es immer nöthig, sich über die Stromverhältnisse -erst Gewißheit zu verschaffen. -</p> - -<p> -In dieser Hinsicht ist die auf 0° 25' Süd-Breite und 167° 10' -Ost-Länge liegende Insel „Pleasant-Eiland“ besonders bemerkenswerth, -da dort der starke Aequatorialstrom, sobald der Wind nachläßt, -jedes Schiff hinwegführt und Tage auch Wochen hingehen, -ehe die Insel wieder erreicht werden kann. Fast jedem Schiffe, -das dorthin Reisen unternommen hat, ist diese Strömung verhängnißvoll -geworden, auch mir, unter den sechs Malen, daß ich -dort habe anlaufen müssen, in zwei Fällen. -</p> - -<p> -Anfang April 1886 nach Pleasant-Eiland beordert, erreichte -ich die Insel mit günstigem Winde schnell. Da auch hier nirgends -Ankergrund gefunden wird, ist es Gebrauch, sich Tag und Nacht -ganz dicht unter Land zu halten, vor allem nicht nord- oder südwärts -über die Insel hinauszusegeln, sonst führt der starke Strom -das Schiff mit sich fort und kann nur bei frischem Winde und ein -guter Segler den verlorenen Abstand wieder gewinnen. -</p> - -<p> -Die Insel ist sehr fruchtbar, daher auch die Kopraausfuhr -recht bedeutend; aber eigenthümliche Verhältnisse unter der Bevölkerung -schädigen den Handel sehr, da zwischen den Bewohnern -der elf Bezirke fast fortwährend gekämpft wird, und das Niederschlagen -der Palmen durch den Sieger, das Aufblühen dieses gesegneten -Ländchens verhindert. Die Eingebornen waren anfänglich -den Fremden feindlich gesinnt und haben lange der Niederlassung -europäischer Händler widerstanden; erst als ihnen die Wirkung der -Feuerwaffen, die namentlich von Amerikanern eingeführt wurden, -bekannt war, gelang es einzelnen Fremden, dort Fuß zu fassen. -</p> - -<p> -Im Innern dieser etwa 15 Seemeilen im Umfange haltenden -Insel erheben sich zwei kegelförmige Krater, einige hundert Fuß -hoch, die längst erloschen sind und auf deren verwitterten Lavafeldern -sich eine überaus reiche Pflanzenwelt entfaltet hat. Selbst -ein Kratersee ist vorhanden, in dem die Eingebornen Fische züchten; -auch Höhlen sollen vorhanden sein, die wahrscheinlich durch vulkanische -Erhebungen entstanden sind. -</p> - -<p> -An jenem Tage, als ich die Nordspitze zum ersten Male -umsegelte und dicht unter dem etwa 200 Meter breiten Riffe mich -aufhielt, hörte man am Nordende der Insel fortwährendes Gewehrfeuer. -<span class="pagenum"><a id="Page_93" name="Page_93" href="#Page_93">[93]</a></span> -Die Eingebornen waren wieder in einen Kampf verwickelt. -Zum Glück wußte ich wie harmlos im Grunde genommen solche -Kämpfe sind, daß es in der Hauptsache dabei nur auf zweckloses -Knallen, wildes Geschrei und lautes Geschimpfe ankommt. Selten -fällt ein Gegner, auch genügen einige Verwundungen, um die -Kampflust zu befriedigen, und bald beenden feierliche Verträge, die -nie gehalten werden, die Raufereien. Das Schlimmste dabei ist, -daß die anfänglich zügellose Wuth dieser wilden Menschen den -Europäer gefährdet, daher ist dessen Haus gewöhnlich eine kleine -Festung, geeignet, im Nothfall sich dahinter zu vertheidigen; sie -fürchten aber auch die Treffsicherheit des weißen Mannes und -wagen es daher selten, Wunden oder Tod sich durch einen Angriff -zu holen. -</p> - -<p> -Ist ein Kampf eröffnet, so nimmt der ganze Stamm daran -theil; auch wenn der Europäer selbst nicht gefährdet ist, kann er -zu solcher Zeit keine Arbeiter erhalten, um Ladung in Empfang -zu nehmen oder zu verschiffen. -</p> - -<p> -So war es auch an diesem Tage. Der Superkargo, Herr -Tuchtfeldt, ein Beamter der Gesellschaft, den ich abgesetzt hatte, -theilte mir mit, daß nichts zu machen sei; ich hatte also zu warten, -und unablässig mit vollen Segeln auf- und abkreuzend d. h. ich -ließ das Schiff eine gewisse Strecke treiben und segelte dann wieder -dem Lande zu. Als nun die dunkle Nacht hereinbrach, deren -Schatten die Insel den Blicken entzog und es schwer wurde, den -sichern Abstand vom Lande zu schätzen auch vor Mitternacht noch -die Kraft des Windes nachließ, erkannte ich bald, daß die Fahrt -des Schiffes geringer sei als der entgegenlaufende Strom. -</p> - -<p> -Mehr und mehr verschwanden die dunklen Umrisse der Insel, -und als der Morgen tagte, sah ich nichts mehr von dieser, nur -vom hohen Maste aus entdeckte ich, weit im Osten noch einen -dunklen Punkt. Fünfzehn Seemeilen hatte der Strom das Schiff -schon nach Westen getrieben, und Tage, dachte ich, würden hingehen, -ehe ich diese Entfernung mit frischem Winde wieder aufgekreuzt -hätte. Ich konnte über Backbord Bug am meisten Ost -gewinnen, deshalb segelte ich 24 Stunden in Südost-Richtung fort. -</p> - -<p> -Hatte ich aber geglaubt, südlich weniger Strom zu finden, -so war dies eine bittere Täuschung, denn ich ermittelte am nächsten -Mittag, daß das Schiff einen Grad in Südsüdwest-Richtung versetzt -worden war, mithin ein Strom von vier Seemeilen in der -Stunde nach Westen lief. Eine solche Stärke des Stromes von -dessen Vorhandensein ich ja Kenntniß hatte, kam mir unerwartet, -doch brachte sie mich nicht in Verlegenheit, besonders da nichts zu -ändern war. -</p> - -<p> -Unter den Schiffsführern, die bereits abgetrieben waren, war -wie ich später erfuhr die Ansicht verbreitet, daß man in solchem -Falle nicht gegen den Strom kreuzen dürfte, sondern sofort über -<span class="pagenum"><a id="Page_94" name="Page_94" href="#Page_94">[94]</a></span> -den Aequator hinauszukommen suchen müsse, weil man erst auf -4 bis 5 Grad nördlicher Breite mit dem Gegenstrome erfolgreich -nach Osten aufsegeln könne. Daß ich dies nicht wußte, hat mir -großen Nachtheil gebracht, denn als ich nun überzeugt, daß ich auf -südlichem Kurse nichts gewinnen würde und wieder nordwärts auf -Nordnordwest Kurs beim Winde lag, wurde dieser immer schwächer, -so daß ich nur wenig Nord gewann. Am dritten Tage erst hatte -ich wieder den Breitengrad der Insel Pleasant-Eiland erreicht, -befand mich aber bereits 70 Seemeilen weit von dieser entfernt; -was ich befürchtet und in dieser Gegend nicht selten ist, traf ein, -der Wind wurde ganz still und auf dem spiegelglatten Meere, das -kaum eine langgezogene Dünung bewegte, trieben wir unter der -brennenden Sonnengluth immer weiter westwärts, mit einer Geschwindigkeit -von durchschnittlich 72 Seemeilen in 24 Stunden. -</p> - -<p> -Jeden Lufthauch, der hin und wieder aufsprang nutzte ich -aus, um bloß aus dieser häßlichen Lage herauszukommen, denn -am zehnten Tage (die Linie war wieder passirt) war das Schiff -bereits 750 Seemeilen von der Insel abgetrieben worden. Am -14. Tage auf etwa ein Grad nördlicher Breite angelangt, fand -ich keinen oder nur noch sehr geringen Strom, aber kein Wind -wollte aufkommen; was aber das Schlimmste war, der Wasservorrath -ging zu Ende; das Tagesmaß war längst schon so weit -herabgesetzt worden, daß jeder Mann nur einen Tassenkopf voll -per Tag empfing, und nach einigen Tagen war kein Tropfen mehr -an Bord. -</p> - -<p> -Der Grund, daß dieser Mangel eintreten konnte, war folgender: -es hatte in Jaluit längere Zeit nicht geregnet, die Wasserbehälter, -die das von den Dächern abfließende Wasser auffangen, waren fast -leer, so ging ich mit wenig Wasser in See, fest darauf rechnend, -in der Nähe des Aequators Regen anzutreffen. Die Wassernoth -an Bord wurde schließlich sehr groß, hatte ich doch außer der -Mannschaft noch 6 Eingeborne von Pleasant-Eiland mit mir, die -während der Ladezeit als Arbeiter helfen sollten und vom Händler, -damit er dieser Leute sicher wäre, sofort mit dem ersten Boote -abgeschickt worden waren. -</p> - -<p> -Um die Qual des Durstes zu stillen, durchsuchten die Leute -alle Räumlichkeiten des Schiffes, wo eine Kokosnuß verborgen sein -konnte, und in der höchsten Noth war ein Tropfen halb verdorbener -Kokosmilch ein Labsal für uns alle. Die nächste Insel „Greenwich-Eiland“ -sollte etwa 120 Seemeilen östlich von uns liegen, aber -auch wenn ich Wind gehabt, hätte ich Tage gebraucht, diese -niedrige Koralleninsel zu erreichen. So von Tag zu Tag hoffend, -daß endlich eine Aenderung eintreten oder doch Regen kommen -werde, suchte ich mit den schwachen Lüften, die das Schiff kaum -eine Seemeile in der Stunde durchs Wasser trieben, nur nördlich -zu kommen. War ich erst hoch genug und ständiger Wind wieder -<span class="pagenum"><a id="Page_95" name="Page_95" href="#Page_95">[95]</a></span> -vorherrschend, konnte ich die nächste Insel in der Karolinen-Gruppe -aufsuchen, fand ich voraussichtlich dort auch kein Wasser, so würden -doch Kokosnüsse zu erhalten gewesen sein. -</p> - -<p> -Regenschwere Wolken hingen am Horizonte schon tagelang, -und wie sehnsuchtsvoll nach dem Himmelsnaß ausgeschaut wurde, -daß jene Wolken heraufkommen und sich öffnen möchten, kann nur -der ermessen, der qualvollen Durst gelitten hat und bereits die -Verzweiflung in den Augen der Gefährten blitzen sah, die lechzend -nach Wasser riefen. -</p> - -<p> -Doch Gottes Hilfe ist am nächsten, wenn die Noth am -größten. Drei Wochen waren hingegangen, da setzte ein frischer -Ostwind ein, neue Hoffnung beseelte uns, in 36 Stunden konnte -ich die Mortlok-Inseln erreichen, und alle Noth hatte ein Ende. -Aber noch gnädiger war der Himmel, nach dem Winde kam bald -der Regen und so reichlich, daß alle Behälter gefüllt werden konnten; -die furchtbare Qual des Durstes war vorüber. An der Grenze -der äquatorialen Gegenströmung, mit der ich jetzt auf etwa 4 Grad -nördlicher Breite schneller ostwärts zu kommen suchte, fand ich -verhältnißmäßig schlechtes und kühles Wetter vor, schwere Regenböen -nöthigten mich häufig nur gereffte Segel zu führen. -</p> - -<p> -Ueber fünf Wochen waren hingegangen, ehe ich wieder -Pleasant-Eiland sichtete und diesmal mich drei Tage dort halten -konnte. Ein besserer Segler, ein amerikanischer Schooner, war -bald nach mir eingetroffen, derselbe trieb auch in den ersten Nächten -ab, kehrte aber in drei Wochen wieder zurück und, da dies das -einzige Schiff blieb, welches in diesem Zeitraum die Insel angelaufen, -hatte der Vertreter der Firma dasselbe nicht zur Rückreise -nach Jaluit benutzt, sondern auf meine Rückkehr gewartet. Somit -fand ich denselben wohlbehalten dort wieder vor, wiewohl sich schon -bei den Weißen die Ueberzeugung Bahn gebrochen, es müsse -meinem Schiffe etwas zugestoßen sein; auch nach Jaluit zurückgekehrt, -fand ich dort die Nachricht verbreitet, ich sei verloren -gegangen. -</p> - -<p> -Weitere Reisen nach der Ratak-Kette, zunächst nach dem -Milli-Atoll, machten mich auch dort mit den staatlichen Verhältnissen -bekannt. Bald sah ich, daß die Bewohner weniger Nutzen von -der vordringenden Civilisation gehabt hatten, als die der Ralik-Kette. -Während erstere die monarchische Regierungsform zur -Einigung geführt und Auflehnungen einzelner Häuptlinge verhindert -hat, hat auf der Ratak-Kette die Herrschsucht der Häuptlinge viele -Unzuträglichkeiten geschaffen, vor allen wenn zwei oder mehrere sich -in den Landbesitz eines Atolls zu theilen hatten. -</p> - -<p> -Vielfach fand ich auch um Dörfer und an den Grenzen -einzelner Besitzungen, gerade oder in Kreisform aus Korallensteinen -aufgeführte Mauern. Diese bilden die Grenzscheide, wo gelegentlich -Belagerer, die immer die stärkeren sind, und Belagerte zusammentreffen. -<span class="pagenum"><a id="Page_96" name="Page_96" href="#Page_96">[96]</a></span> -Es ist kein Kriegführen, nur ein Zerstören, als das Gebiet -des Unterliegenden außerhalb der Mauer vernichtet wird. Selten, -wiewohl die Eingebornen bereits europäische Waffen in Menge -besitzen, selbst die Häuptlinge die besten Hinterlader haben, fällt -aus Zufall ein Gegner von einer verirrten Kugel getroffen. Fertigkeit -im Zielen haben sie noch nicht erlangt, was ein Glück ist, -denn hätten sie diese, so würden sie, mit ihrem scharfen Gesicht -sehr gefährliche Gegner sein. -</p> - -<p> -Eigenthümlich ist, daß der Belagerer fast nie die Mauer zu -nehmen wagt und ein Handgemenge möglichst vermeidet, eher versucht -der Belagerte nächtliche Ausfälle, freilich ohne dabei etwas -zu gewinnen. Der Streit endet gewöhnlich durch Uebergabe oder -Aushungern, auch durch freiwilliges Abziehen des Stärkeren, der -bei der Zerstörung der Palmen und Pandanusbäume sein Müthchen -gekühlt hat; nicht selten aber auch durch so unvernünftige Handlungen -eine Hungersnoth heraufbeschwört. -</p> - -<p> -Helden sind die Männer alle nicht, sinn- und zweckloses -Schießen ist ihnen die Hauptsache, mehr noch das gegenseitige -Beschimpfen und die Aufführung kriegerischer Tänze. Nicht genug -aber, daß verschiedene Häuptlinge sich auf einem Atoll bekriegen, -sie rüsten sich auch mit ihren Proas Kriegszüge nach anderen Atolls -zu unternehmen. Noch im Jahre 1885 zogen von Majuro -16 Kanoes mit 300 Mann unter Lailik aus um einen Häuptling -auf Aurh zu bekriegen. Diese große Zahl Menschen ist aber niemals -dort angekommen, obwohl der Abstand beider Atolle nicht -besonders groß ist, sondern nur etwa 70 Seemeilen beträgt, es -müssen Wind und Strömungen sie vertrieben haben, wenigstens -wurde nie wieder etwas über das Schicksal dieser Schaar bekannt. -Ich fand einmal sechs Monate nach jenem Aufbruche zwischen den -nördlichen Atolls einen Theil eines großen Kriegskanoes treiben, -theilte dieses den Händlern später auf Majuro mit und die Eingebornen -entnahmen aus dieser Mittheilung, daß sie nun völlig -ihre Angehörigen als verloren zu betrachten hätten. -</p> - -<p> -Unter den Häuptlingen der Ratak-Kette war der angesehenste -der verstorbene Kaibuke, dessen Neffe Leaugnat über Milli herrschte, -andere, der junge Kaibuke, neben dem Häuptling Jiberik herrschte -auf Majuro, auf Maloebab, Murijil; außer diesen war noch eine -ganze Anzahl kleinerer Despoten vorhanden, die durch persönliche -Zänkereien die Entwicklung der Inseln hinderten und auf einem -Atoll oft solche Zustände schufen, daß jahrelang ein Verkehr einzelner -Stämme untereinander unmöglich ward. -</p> - -<p> -Zwar ist nach der Besitzergreifung der Marschall-Atolle durch -Deutschland entschieden Wandel geschaffen worden, das Erscheinen -der großen Kriegsschiffe, oft innerhalb der ausgedehnten mit Untiefen -besäeten Lagunen, hat gewaltigen Eindruck gemacht. Jetzt, -wo eine neue Obrigkeit vorhanden, haben die Privatkriege zu -<span class="pagenum"><a id="Page_97" name="Page_97" href="#Page_97">[97]</a></span> -unterbleiben, jetzt gilt nicht mehr das Recht des Stärkeren, sondern -die Streitigkeiten müssen vor das deutsche Gericht gebracht werden. -Mancher Häuptling, der die Einmischung der Weißen in seine Angelegenheiten, -d. h. in die eines muthwillig herbeigeführten Streites, -unbequem fand und widersetzlich wurde, hat zum eigenen Nachtheil -empfinden müssen, daß Verletzung der Pflichten und Gewaltthätigkeiten -schwer geahndet werden. -</p> - -<p> -Von Apia aus hatte ich einen langjährigen Diener des Herrn -Konsuls Weber an Bord, ein Marschall-Insulaner, mit Namen -Angenang, der in seine Heimat zurückbefördert werden sollte und -so lange an Bord die Pflichten eines Kochs zu versehen hatte, -bis sich Gelegenheit gefunden, ihn auf Milli abzusetzen. Es hatte -diesem im Dienste der deutschen Gesellschaft so gut gefallen, daß -er mit dem Plane umging, seine ganze Verwandtschaft zu beeinflußen, -ebenfalls auf drei Jahre sich nach Samoa zu verpflichten. -Als sich nun die Gelegenheit bot, den Milli-Atoll anzulaufen, erhielt -ich Weisung die Anwerbung der freiwillig sich Meldenden an -Bord vorzunehmen. Mehrere Tage in der Milli-Lagune hin und -her segelnd, (es waren allerlei Förmlichkeiten mit einzelnen Häuptlingen -zu erledigen) landete ich schließlich im Nordosten unter der -Insel Ennanlik. Nicht lange währte es, bis sich einige Familien, -Männer und Frauen, im ganzen 26 Personen, bereit fanden, auf -einige Jahre nach einem fernen, unbekannten Lande auszuwandern, -das freilich im Gegensatz zur öden, wenig fruchtbaren Korallen-Insel -ein Paradies war. -</p> - -<p> -Den Abschied zu verkürzen, der endlos zwischen den Scheidenden -und den Zurückbleibenden zu werden drohte — viel Herzlichkeit, -wie ich solche den Eingebornen kaum zugetraut, zeigten sie gegen -Verwandte und Eltern — beschleunigte ich die Abreise und befand -mich am ersten Abend bereits weit von Milli entfernt, als sich ein -Vorfall ereignete, der Schiff und Mannschaft, sowie Fahrgästen -einen schrecklichen Tod hätte bereiten können. -</p> - -<p> -Da wenig Ladung Kopra im Raum war, hatte ich, um -die kaum bekleideten Menschen Nachts nicht unnütz an Deck frieren -zu lassen, auf alten Segeln eine Lagerstatt bereiten lassen. Aber -anstatt die Ruhe zu suchen, unterhielten sie sich nach alter Gewohnheit, -dabei war ihnen die Dunkelheit im Schiffsraume wohl nicht genehm, -sie suchten also aus ihrem wenigen Gepäck eine einfache Petroleumlampe, -von deren Vorhandensein ich nichts wußte, hervor und -zündeten sie an. Lampe und Brennmaterial war recht schlechte -Waare, von Händlern auf Milli eingetauscht, von deren Gefährlichkeit -diese Naturkinder natürlich keine Ahnung hatten, und so kam es, -daß die auf den Kopra gesetzte Lampe umfiel und explodirte. -</p> - -<p> -Schon waren nach 8 Uhr Abends längst die Wachen abgelöst. -Die Wache an Deck hatte ihre Posten, Ausguck und Ruder -bezogen, und unter dem sternenklaren Himmel einer friedevollen -<span class="pagenum"><a id="Page_98" name="Page_98" href="#Page_98">[98]</a></span> -Nacht herrschte völlige Ruhe auf dem einsam durch den Ozean -ziehenden Schiffe. Da plötzlich ein gellender Aufschrei, ein helles -Aufblitzen einer Feuerwelle — wie ich vom Hinterdeck aufgesprungen -bin und im Augenblick die Größe der Gefahr erkannt habe, wußte -ich nachher selber nicht. Die Männer, welche vor den Frauen die -befestigte Leiter emporkletterten, stieß ich mit Gewalt zurück und -sprang, der von allen Seiten herbeistürzenden Mannschaft befehlend, -mir zu folgen, mitten unter die vor Schrecken gelähmten Menschen. -</p> - -<p> -Zum Glück war nur die Hauptluke geöffnet geblieben, kein -Luftzug regte die Flammen an, der von hinten wehende Wind -trieb den schnell entwickelten beißenden Qualm zum leeren Vorraum; -da glücklicher Weise die Lampe auf unbedeckten Kopra, von den -Sachen und der Schlafstätte der Leute, weit entfernt aufgestellt -gewesen war, so brannte auch erst das umhergespritzte Petroleum -allein und von diesem mit entzündet der oelhaltige Kopra. Als -einziger Europäer an Bord, (ich hatte nur einen Insulaner als -Bootsmann, Lajibid, da es eigentliche Steuerleute nicht gab, vielmehr -oft genug solchen Posten irgendwo entlaufene Matrosen, die -das Schicksal bis hierher verschlagen, ausfüllen mußten) galt es -zuerst die im Hinterraum zusammengedrängten Frauen herauszubringen, -was ich schnell dem Lajibid übertrug, während ich mit -den inzwischen ebenfalls herabgesprungenen Leuten die Schlafmatten -ergriff, und solche ausgebreitet in das Feuer schleuderte, um es -etwas zu dämpfen. So erreichte ich es, daß die nackten Leute, -welche sich sonst der entwickelten Gluth nicht nähern konnten, muthig -vordrangen und so schnell Matte auf Matte deckten, daß diese selbst -nicht anbrennen konnten, auf die Weise wurde das Feuer erstickt. -</p> - -<p> -Ueber dem Feuerheerde wurden dann alte Segel ganz ausgebreitet -und nun, da hilfreiche Hände genug vorhanden waren, -(den Milli-Leuten ließ ich nicht lange Zeit sich zu besinnen) wurden -Ströme Wasser mit Eimern oder mit dem was gerade zur Hand -war ausgegossen. Nachdem dann dem furchtbaren Rauche durch -Oeffnen aller Luken Abzug geschafft war, wurde schnell mit Schaufeln, -freiliegende Kopra haufenweise über Segel und Matten aufgeschüttet; -als auch diese wieder durchnäßt war, war nach mehrstündiger Arbeit -jede Gefahr beseitigt. -</p> - -<p> -Welch ein Schicksal aber wäre uns beschieden gewesen, wenn -wir des furchtbaren Elementes nicht Herr geworden wären! Nicht -die Hälfte der Leute hätte ich retten können, das einzige Boot -würde mit 20 Menschen schon bei bewegtem Seegange überladen -gewesen sein und ehe es möglich geworden wäre Land zu erreichen, -— Jaluit lag noch annähernd 120 Meilen vor uns, zurück gegen -Wind und See zu rudern war ausgeschlossen — wären wir sicher -eine Beute der Haie geworden wie alle anderen. -</p> - -<p> -Selbst für den mit allen Gefahren der See vertrauten Seemann -— Gefahren von denen der Landbewohner sich nichts träumen -<span class="pagenum"><a id="Page_99" name="Page_99" href="#Page_99">[99]</a></span> -läßt — sind solche Augenblicke schrecklich, vor allem für einen Führer, -der weiß, daß Menschenkraft im Kampfe gegen drei Elemente erliegen -muß. Er selber harrt auf seinem Posten aus und stirbt, -wenn er das Schicksal der ihm anvertrauten Wesen nicht mehr -wenden kann, aber er weiß auch, daß die, die sich vielleicht auf -Trümmern gerettet, einem grausamen Geschick verfallen sind. -</p> - -<p> -Solche Gedanken geben einem Menschen übernatürliche Kräfte -und Fähigkeiten — die Gefahr liegt vor ihm, Tod oder Leben -hängt von seiner Entschlossenheit und seinem Können ab — und -mit dem Muthe der Verzweiflung stürzt er sich ihr entgegen, um -die Planke zu schützen, auf der er steht, die ihn und die Gefährten -über die blau schimmernde Tiefe, über den Ozean trägt. -</p> - -<p> -Nach Jaluit zurückgekehrt, fand ich dort mein früher geführtes -Schiff, das von Apia hierher beordert worden war, als Ablösung -vor und hoffte schon die Milli-Leute nach Samoa bringen zu können; -indeß ich hatte nur die Schiffe zu wechseln und befand mich bald -wieder auf einer Monate langen Reise durch die Karolinen-Gruppe. -Da die Mannschaft, Niue-Leute, für längere Zeit an Bord zu -verbleiben verpflichtet war, so hatte ich nun wieder eine geübte -Besatzung. -</p> - -<p> -Ich muß mich darauf beschränken von dieser ausgedehnten -Gruppe hoher Vulkan-Inseln und zahlreicher Korallen-Atolle ein -begrenztes Bild zu entwerfen und kann nur aufrichtig bedauern, -daß den zur Kolonialarbeit wenig tauglichen Spaniern diese reiche -Inselwelt zurückgegeben war und über ein zukunftreiches Gebiet -die entfaltete deutsche Flagge wieder eingezogen wurde. Die Atolle -der Karolinen, zwar nicht an Umfang denen der Marschall-Inseln -gleich, sind aber doch ebenso reich an Erzeugnissen wie diese, auch -meist in größerer Ausdehnung bebaut, da die Bevölkerung zahlreicher -ist. -</p> - -<p> -Die hohen Basalt-Inseln wie Yap, Ruk, Ponapè, und Kufat, -Stammvesten der Bevölkerung, sind dagegen in Wahrheit Edelsteine -im weiten Ozean, die an Fruchtbarkeit in nichts den Samoa-Inseln -nachstehen, vielmehr diese noch übertreffen. Die überreiche Natur -wartet nur der fleißigen Hand, welche die aufgespeicherten Schätze -heben soll. Soll man ein Urtheil über die gesammte Gruppe abgeben, -so trifft noch immer der von früheren Entdeckern gethane -Ausspruch zu „Das ganze Meer ist besät mit Edelsteinen, gerade -wie der Spiegel des sternenbesäten Himmels über diesem.“ „<em class="itals">The -whole is studded with ocean gems, as if the mirror of the -starry sky above it.</em>“ -</p> - -<p> -Wenn ich hauptsächlich bei den östlichen Inseln verweile, so -geschieht es darum, weil auch ich mit diesen besser bekannt geworden -und hier zum Theil Augenzeuge von Vorgängen gewesen bin, die -wenigen noch in der Erinnerung, vielen nie wahrheitsgemäß geschildert -worden sind. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_100" name="Page_100" href="#Page_100">[100]</a></span> -Zunächst nach Ponapè bestimmt, sah ich diese weithin sichtbare -große Insel bereits am sechsten Tage. Einen hochwillkommenen -Anblick boten die hohen Felsenmassen dem einsam auf weitem Meere -hinziehenden Schiffer; geschmückt mit ewigen Grün vom höchsten -Bergesgipfel bis zum blauen Ozean, breitete sie sich gleich einem -Paradiese aus vor den staunenden Augen, wie solches von der -Hand der Natur nicht schöner geschaffen, wie es einem sorglos -glücklichen Volke nicht besser geboten werden kann. -</p> - -<p> -Wie ausgestorben, scheinbar unbewohnt, liegt im smaragdenen -Kleide im Ozean gebettet die Insel da, nichts als das Laub zahlloser -Bäume ist sichtbar, aus dem vom Strande aufwärts die -hochragenden Palmen sich vereinzelt oder in Massen abheben. -Wenn man dicht unter die weit abliegenden Riffe, die mit schmalen -Inseln besät sind, vorübersegelt, erblickt man hinter diesen ein weites -ruhiges Becken, das von den draußen stürmenden Wogen des -Ozeans nicht im geringsten bewegt wird und, wie weit man auch -an diesem Riffe und Inselkranze entlang segelt, sich immer gleich -bleibt. Zwischen dem dichten Laube der Bäume wird keine Hütte -sichtbar, doch Rauch steigt hier und dort auf; unter den steilen -Felswänden zieht phantastisch ein Kanoe, um bald zu verschwinden. -</p> - -<p> -Ein bloßer Punkt auf meiner Karte, war diese 60 Seemeilen -im Umfang große Insel. Sie war nur nicht genau bekannt, auch -wußte ich nicht wo ich die Einfahrt zur deutschen Station zu -suchen hatte, darum lief ich unter der Ostküste nach Süden und -suchte westwärts weiter nach einer Durchfahrt. Da das Wasser -still war, wagte ich es als ich gegen Abend eine ganz schmale -Durchfahrt zwischen zwei Riffinseln fand, für mein Schiff gerade -breit und tief genug, einzulaufen. Zwar lagen anfänglich schlecht -sichtbare Riffpatschen umher, die gefährlich werden konnten, doch -näher dem Lande verschwanden auch diese, und bald lag wie im -sichersten Hafen das Schiff ruhig vor seinem Anker. -</p> - -<p> -War vorher nichts von Menschen sichtbar gewesen, so erschien -jetzt bald hier und dort ein Kanoe, und nicht lange währte -es, dann lag eine Anzahl derselben längsseit; Hühner, Eier, Yams, -Ananas, Bananen, Fische und Kokosnüsse, sowie Perlmutterschalen -u. s. w. wurden zum Kaufe angeboten, gegen wenig Tabak -konnten von den nackten Eingebornen die wohlschmeckenden Erzeugnisse -dieses reichen Landes eingetauscht werden. Lungur-Eiland, den -Bestimmungsort, mir zu zeigen, ließen sich willig einige Leute -gegen geringes Entgelt bereit finden, sie meinten eine freie Durchfahrt -führe innerhalb der Riffe dahin. -</p> - -<p> -Wohl segelte ich am anderen Morgen einige Stunden weiter -nördlich im ganz stillen Wasser, doch unter der 1000 Fuß hohen -senkrechten Felswand von Jocoits an der Nordseite, fand ich -zwischen den hier zahlreichen großen und ausgedehnten Riffen nur -schmale gewundene Engen, die mit konträrem Winde nicht gut zu -<span class="pagenum"><a id="Page_101" name="Page_101" href="#Page_101">[101]</a></span> -durchsegeln waren. Ich nahm deshalb das Kanoe der Eingebornen -an Deck, und suchte durch eine Oeffnung im Hauptriffe wieder die -freie See auf, um so nach der eigentlichen Jocoits-Einfahrt zu -gelangen. In der That wurde bald Lungur-Eiland und die -Station erreicht. -</p> - -<p> -Durch dieses theilweise Umsegeln der ganzen Insel, ward -mir die Gelegenheit gegeben, die mächtigen Felsenpyramiden sowohl, -wie auch die überaus reiche Pflanzenwelt aus der Nähe zu -beobachten; machte ich mich später auch mit dem Innern der Insel -näher bekannt und sah die Großartigkeit der Natur in ihrer vollen -Pracht und Wildheit, so schwächte dies doch nicht den zuerst gewonnenen -Eindruck ab. -</p> - -<p> -Die Insel muß in früherer Zeit eine öde Felsenmasse gewesen -sein, bis die allmähliche Zersetzung der Lava und Basaltmassen -auf der Oberfläche für das Pflanzenleben fruchtbaren Boden geliefert -hat. Heute krönt die Höhen ein fast undurchdringlicher Urwald, -reicher Humus hat sich abgelagert, die Verwesung der Pflanzen, -die gestürzten Baumriesen erzeugten ihn, hohe Schichten der fruchtbarsten -Erde deckten Thal und Höhen überall. Kurze reißende -Ströme, aus tausend Quellen genährt, stürzen zu Thal, an ihren -Mündungen weite Flächen abgeschwemmtes Land wieder ablagernd, -das oft weithin bis zum Fuße der Felsen mit Seewasser überdeckt -wird und doch dem Mangroven-Baum und vielen anderen ein -Fortkommen gestattet, so daß, gleichwie in der Höhe, auch hier, -mächtige Wälder sich ausgebreitet haben. -</p> - -<p> -Silberklar und kühl ist das herrliche Wasser dieser Flüsse, -oft bin ich, so weit ich nur mit einem Boote kommen konnte, -diese hinaufgefahren, um die Großartigkeit der Urnatur zu betrachten; -selbst im Innern des dunklen Erdtheils (Afrika) habe ich -in den jungfräulichen Urwäldern kaum solche eigenartige Schönheit -der Natur gefunden, wie sie sich hier auf so kleinem Raume dem -Auge darbot. Gestürzte Baumriesen lagen, gestützt auf ihre mächtigen -Zweige, von Ufer zu Ufer, Brücken, auf denen die zahllosen Insekten -hin und her wanderten; auch See- und bunt gefiederte -Singvögel liefen ohne Scheu auf solchen auf und ab. Tausende -von Luftwurzeln, Lianen und Schmarotzerpflanzen strebten von -den Bäumen herab zur Erde, um sich wieder in endloser unentwirrbarer -Kette zu heben. Girrend lockt die Taube überall, -nicht erkennbar wegen ihres dunklen Gefieders, im dichten Laub -der Bäume, und nur das scharfe Auge des Eingebornen weiß sie -zu finden und mit sicherem, unfehlbarem Schusse aus der luftigen -Höhe herab zu holen. -</p> - -<p> -Die Arten der Pflanzen und Bäume mit ihren Abarten, die -Nahrung und Kleidung geben, sind sehr zahlreich; hauptsächlich -aber sind es von den Bäumen Brotfrucht, Pandanus, Kokosnuß -und Bananen, von den Erdpflanzen Yams, Taro, Ananas und -<span class="pagenum"><a id="Page_102" name="Page_102" href="#Page_102">[102]</a></span> -andere, die ohne jegliche Pflege überall wachsen bis weit hinaus -auf dem Inselkranz, woran gleich einer schäumenden weißen Linie -die Wogen des Ozeans sich unablässig brechen. -</p> - -<p> -In geologischer Hinsicht weist Ponapè besondere Merkmale -auf. Der Unterbau ist fester Basalt, darüber thürmen sich aus -gleichem Gesteine 2-3000 Fuß hohe Bergkuppen und Höhenzüge -auf und darauf wieder vielfach schichtweise gelagerte Lavamassen. -Ebenso fand ich auch im südlichen Theil der Insel, nahe dem Kiti-Hafen, -als ich zu den schwer zugänglichen Höhen aufstieg, zu Tage -tretenden rothen Lehm in ziemlich starken Schichten abgelagert vor, -sicher ein Erzeugniß vulkanischer Ausbrüche. Auffallend aber ist, -daß das Berggefüge in seiner Masse sowohl, wie in einzelnen -Theilen, ein Spielball furchtbarster Naturkräfte gewesen zu sein -scheint, denn entkleidet des überaus reichen Pflanzenwuchses böte -sich dem Auge des Beobachters ein Gemenge übereinander gethürmter -Felsen und Gesteine dar. Nicht die alles zersetzende Zeit -allein hat ihnen hier ihren Stempel aufgedrückt, vielmehr sind die -zahllosen Sprengstücke, mit denen die ganze Insel besät ist, sicher -nur Erzeugnisse der gewaltigsten Erschütterungen und Umwälzungen -schon erstarrt gewesener Massen. -</p> - -<p> -Der Hauptheerd der vulkanischen Thätigkeit muß an der -Nord- und Nordostseite gelegen haben, da hier eine Reihe kleinerer -und größerer Inseln, die getrennt von der gewaltigen Masse der -Insel Ponapè liegen, sich als muthmaßliche Krater erwiesen haben. -So die Inseln Mutok, Yokocts, 800-1000 Fuß hoch, Yarum, -Momts, Takain und Lungur. Die genannten sind alle Basaltgebilde, -oft steil und schwer zugänglich, und steigen bis zu 300 Fuß -und darüber. Allerdings habe ich keine Krateröffnungen gefunden, -wohl aber Lavageschiebe, wenn auch nur in geringerer Menge. -</p> - -<p> -Eine von Fachleuten unternommene Durchforschung der Inselgruppe -dürfte zur Bestätigung meiner Ansicht führen. Diese stützt -sich auch namentlich darauf, daß Lungur ein stumpfer von allen -Seiten steil abfallender Kegel ist (ich habe ihn öfter an steiler -Wand erklettert) und oben im Gestein eine geschlossene kahle Vertiefung -zu Tage tritt. Auch ist das weite fruchtbare Vorland mit -mächtigen Felsblöcken bedeckt, die von der Hauptmasse eine gewaltige -Kraft abgesprengt haben muß. -</p> - -<p> -Auffallend ist die oft bedeutende Tiefe innerhalb des mächtigen -Riffes, welches die ganze Insel in einem Umkreise von 60 Seemeilen -umgiebt; einzig erklärlich dadurch, daß in früherer Zeit ein -Sinken der Gebirgsmasse stattgefunden hat, ein neuer Anbau der -Korallen aber durch das frische Wasser der Flüsse verhindert wurde -und nur dort die Polypen den äußeren Riffwall schaffen konnten, -wo ihnen der Ozean reichlich Nahrung bot, so daß schließlich um -die ganze Insel Ponapè eine Lagune entstanden ist. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_103" name="Page_103" href="#Page_103">[103]</a></span> -Das Innere der Insel mit seinen Urwäldern ist zum Theil -selbst für den Eingeborenen noch unzugänglich und unbekannt, nur -wenige schmale Thäler, gebildet von steilen Felswänden, führen -durch die einzelnen Gebirgspartien; auch längs der Flüsse, deren -Wasserkraft sich im Gestein breite Wege gebahnt hat, ist ein Aufstieg -zu den steilen Höhen möglich. Aber der Eingeborene trägt -kein Verlangen, sich in der Wildniß umzuschauen, überall in gleich -großartiger Weise tritt sie hervor. Am Strande wie auch am -Fuße der unzugänglichen Höhen und verborgen im Gebüsch, an -Felswänden, im Schatten gewaltiger Bäume hat er sich seine -Dörfer erbaut. -</p> - -<p> -Die Entdeckung der Karolinen-Inseln ist den Spaniern zuzuschreiben -und zwar soll Quirosa bereits im Jahre 1595 Ponapè -gesehen haben. Versuche der Spanier im 17. Jahrhundert, auf -den westlichen Inseln Fuß zu fassen, scheiterten aber gänzlich an -der Wildheit der Eingebornen, die stets die Priester und Kolonisten -ermordeten. Die Folge war, daß das weite Gebiet bis zum -19. Jahrhundert fast ein unbekanntes Land geblieben ist. Jedenfalls -war der Anspruch der Spanier auf diese reiche Inselgruppe -unberechtigt, da sie sich nie darum bekümmert haben, auch kaum -Kenntniß von dem dort verborgenen Reichthum hatten. Deutschen -und Amerikanern blieb es überlassen diesen Völkern die Gesittung -zu bringen und sie an den Anblick des weißen Mannes zu gewöhnen. -</p> - -<p> -Ueberfälle und Wegnahme einzelner Schiffe haben auch hier -wie anderswo in früherer Zeit stattgefunden. Die Eingeborenen, -lüstern nach fremden Schätzen, bemächtigten sich meist durch Verrath -der fremden Fahrzeuge, nachdem ihrer Uebermacht die Besatzungen -erlegen waren. Nach Ueberlieferungen haben die Spanier -mehrmals Ponapè besucht, sind aber, da sie den Eingebornen vertrauten, -in deren Hände gefallen und niedergemacht. Unter anderen -soll im Süden der Insel, wahrscheinlich im Kiti-Hafen, ein Schiff -genommen sein, dessen Leute nicht anders getödtet werden konnten, -als dadurch, daß man ihnen die Augen ausstach; sie hätten eine -solche feste Haut gehabt, daß sie vor jeder Verletzung geschützt -gewesen wären. Unzweifelhaft sind es in Panzern gehüllte -Spanier gewesen, die hier der Uebermacht erlagen. -</p> - -<p> -Auch im Metalanim-Hafen soll ein Schiff gestrandet sein und -die ersten Hühner zu dieser Insel gebracht haben. Die Angabe -scheint richtig zu sein, denn man fand später in den Händen der -Eingebornen eine Messingkanone, ein silbernes Kruzifix, einen -kupfernen Kessel, spanisches Geld u. a. m. Die eigentliche Entdeckung -Ponapès erfolgte aber erst im Jahre 1828 durch die -russische Korvette „Seniavina“ (Commandant Lutke) und die genauere -Kenntniß verdanken wir amerikanischen Walfischfängern und -den Missionaren. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_104" name="Page_104" href="#Page_104">[104]</a></span> -Die Bewohner Ponapès, deren Zahl 5000 nicht überschreiten -mag, sind, soweit ich sie kennen gelernt, im Umgange ein friedliches -Völkchen, gefällig und gastfreundlich; trotzdem zeigen sie dem Europäer -gegenüber eine gewisse Zurückhaltung im Benehmen. Etwas Lauerndes -liegt in ihrem Gesichtsausdrucke, sie verleugnen das malayische -Blut nicht, das, zum Theil wenigstens, durch ihre Adern rollt. -Es ist die gezähmte Wildheit, die in dem funkelnden Blick der -schwarzen Augen liegt; wie dem Malayen gegenüber hat der -Fremde das unbestimmte Gefühl, als hätte er es mit einer Katzennatur -zu thun und die scharfen Krallen könnten unerwartet den -Arglosen packen. -</p> - -<p> -Der freie Mann duldet kein Unrecht, Blut allein ist die -Sühne dafür; bin ich recht unterrichtet, so ist unter diesen Eingeborenen -die Blutrache weit verbreitet, auch heute noch ersteht -in manchen Familien immer wieder ein Rächer für die beleidigte -Ehre oder für das einst vergossene Blut. -</p> - -<p> -Unter sich, im Verkehr mit einander und im Familienleben -sind die Eingeborenen gütig und liebevoll, ganz anders als im -Verkehr mit dem Fremden, dem gegenüber sie nicht selten sich -unfreundlich und abstoßend zeigen; sie haben nur zu wohl dessen -Selbstsucht begriffen, daher treten sie auch kalt und zurückhaltend -ihm entgegen. Wohl findet der Europäer überall in den Hütten -Schutz und Obdach, Speise und Trank und konnte zu jener Zeit -unbelästigt wandern, wohin er wollte, aber solche geübte Gastfreundschaft -ist nicht selbstlos, der Gastgeber erwartet stets eine -Entschädigung, die seiner Mühe entsprechend ausfallen muß, und -zwar ein Gegengeschenk, das in seinen Augen werthvoll genug ist. -</p> - -<p> -Von kräftigem Körperbau, stehen die Männer nach Gestalt -dem Weißen nicht nach, ebenso ist Klugheit ihnen nicht abzusprechen; -auch gewisser Wissensdurst macht sich bei ihnen bemerkbar, -und solche, die Gelegenheit gefunden, andere Länder und -Völker zu sehen, stehen bei ihnen in hoher Achtung. Dennoch -scheint die eingedrungene Gesittung niederdrückend auf das jetzige -Geschlecht eingewirkt zu haben, sei es auch nur, daß sie mehr und -mehr grollend, sich in sich selbst zurückziehen. Die große Fruchtbarkeit, -welche diese hohen vulkanischen Inseln aufweisen, ist durch -reichlichen Regenfall bedingt. Ueber der Gebirgsmasse lagert sehr -oft ein dichter Wolkenschleier, der vorübergehend heftige Regenschauer -herabsendet. Im Jahresdurchschnitt sollen nur 97 schöne, -klare Tage vorkommen, 155 bedeckt mit Regenschauer und 72 -Tage ständiger Regen. -</p> - -<p> -Selten sind elektrische Ansammlungen, Blitz und Donner, -und nach dem Glauben der Eingeborenen besucht dann ihr Gott -„Ani“ die Insel und kündet seine Nähe durch zuckende Blitze und -rollenden Donner an. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_105" name="Page_105" href="#Page_105">[105]</a></span> -Ganz auffallend ist, wie wenig Ueberlieferung bei diesen -Volksstämmen vorgefunden wird, nichts vernimmt man von großen -Thaten, nichts von hervorragenden Häuptlingen; das Leben und -Wirken früherer Geschlechter ist einfach ausgewischt, selbst im Gedächtnisse -der Alten. Ob so geringe Theilnahme vorhanden, ob -wirklich nichts Wichtiges in Sagen und Gesängen zu überliefern -war, steht dahin, jedenfalls ist das, was an Ueberlieferungen vorhanden -ist, so gering und unbestimmt, daß kein Schluß daraus -auf das Vorleben dieser Stämme zu machen ist. Nur die Steine -reden, wo der Menschen Mund schweigt — gewaltige Bauten, -heute noch ausgedehnte Ruinen, stehen als Wahrzeichen einer -längst entschwundenen Zeit und bezeugen die Thatkraft und Klugheit, -welche den vergangenen Geschlechter innegewohnt hat. Woher -sie stammen, darüber fehlt jede Spur; so staunend der Europäer -die gewaltigen von Menschenhand errichteten Werke betrachtet, -ebenso kopfschüttelnd und zweifelnd steht der heutige Eingeborene -vor den Werken seiner Vorfahren. Die Antwort, die ich auf -meine Frage erhielt, wer diese gewaltigen Mauern und Bauten -aufgeführt habe, wie es möglich gewesen sei, Felsblöcke so übereinander -zu thürmen und genau in passende Lage zu bringen, -war; daß habe Niemand gethan; vor langer, langer Zeit habe -ein schöner junger Mensch, ein Gott, in den Bergen gewohnt, -der habe zu den Steinen gesagt, sie sollten sich aufeinander legen -und so wären diese Mauern und Bauten entstanden. -</p> - -<p> -Ich ging durch die Ruinen von Kusai, als ich diese Antwort -erhielt; der Eingeborne, der sie mir gab, schien mir einer der aufgeweckteren -zu sein, überzeugen aber ließ er sich von der Nichtigkeit -seiner Angaben nicht und ich erhielt damit den Beweis, daß diese -von den Vorfahren aufgeführten Werke heute von den Nachkommen -als etwas Unnatürliches angesehen werden. -</p> - -<p> -Aus gleicher Veranlassung müssen sowohl auf Ponapè wie -auf Kusai vor Jahrhunderten diese Bauten errichtet worden sein -und demselben Zweck gedient haben, da die Lage und Wahl des -Ortes auf beiden Insel die gleiche ist. Diese am Metalanim-Hafen -auf Ponapè und im Lela-Hafen auf Kusai liegenden Ruinen erzählen -eine Geschichte, mit Felsentrümmern aufgeführt, mit Steinen -geschrieben und sind eine Ueberlieferung aus der großen längst entschwundenen -Zeit eines einsichtigen Volkes. Die Eingebornen, von -einem einheitlichen Willen einst beherrscht und geleitet, haben wahrscheinlich -diese sowohl zur Vertheidigung wie zum Wohnsitz geeigneten -Bauten aufgeführt. Weniger auffällig wäre es, wenn -aus kleinerem Gestein solche mächtigen Mauern, die große Quadrate -umschließen, aufgeführt worden wären. Das ist aber nicht der -Fall, Felsstücke von ungeheurem Gewichte sind aufeinander gethürmt; -Zwischenräume mit kleineren ausgefüllt; 20 Fuß hoch und -12 Fuß breit liegen Gesteinmassen in dieser Höhe, die mit ungewöhnlichem -<span class="pagenum"><a id="Page_106" name="Page_106" href="#Page_106">[106]</a></span> -Aufwand von Kraft und Geschick hinaufgeschafft -sein müssen. -</p> - -<p> -Selbst wenn man annimmt, die mächtigen Blöcke seien auf -schrägliegender Unterlage aufgerollt worden, so fehlt doch die Erklärung -dafür, auf welche Art diese an Stelle geschafft wurden, -zumal da auf der Insel Lela die Steine erst über eine weite -Wasserfläche haben geschafft werden müssen. Möglich ist auch, daß -die Eingeborenen die so großen und schweren Felsstücke auf Flöße -gerollt und weiter geschafft haben, aber dann müssen solche auch -eine ganz bedeutende Tragfähigkeit besessen haben. Jedenfalls -muß der Gedanke, daß dies alles ohne unsere heutigen Hülfsmittel -ausgeführt ist, jeden, der diese Bauten gesehen, in höchstes Erstaunen -versetzen. Jedes Quadrat in den Ruinen ist durch Gänge -mit einander verbunden, es führen lange Kanäle zum Wasser, und -an der Südseite von Lela münden diese in eine Art von künstlichen -Hafen, dessen Umrisse zwar noch erkennbar, doch zum größten -Theil durch Anschwemmungen verwischt und mit Mangrovengebüsch -bedeckt sind. Uebrigens, als der Aufbau dieser Steinmassen vor -nicht festzustellenden Jahrhunderten begonnen, ist die heute verschwemmte -weite Bucht des Lelahafens bis zum Fuße der Bergmassen -auf der Insel Kusai frei gewesen, heute erstrecken sich dagegen -in der Runde große ausgedehnte Mangrovensümpfe, durch -die nur einige wenige Wasserstraßen führen, und sind höchstens -mit einem Kanoe bis zum festen Lande befahrbar. -</p> - -<p> -Ein Beweis dafür, welch ein gewaltiger Zeitraum hingegangen -ist, seit diese Werke ausgeführt wurden, ist, daß das Innere der -Ruinen sowohl, wie selbst die Steinwälle vollständig überwuchert -sind. Hohe Bäume stehen auf den Mauern, tief sind deren Wurzel -ins Gestein eingedrungen und haben selbst die mächtigen Blöcke -durch ihr Wachsthum auseinander gesprengt. Wie lange diese -Ruinen als einstige Residenz der Könige gedient haben, sei dahingestellt, -sie wurden schließlich ein Mausoleum der großen Todten -und sind heute noch die Grabstätte der „Tokesau“ (Häuptlinge). -</p> - -<hr /> <!-- -<tb> - --> - -<p> -Die Insel Kusai, die östlichste der Karolinen-Gruppe, unterscheidet -sich von Ponapè nach Form und Größe, sowie dadurch, -daß das diese Insel umgebende Riff bei weitem nicht die lagunenartige -Bildung aufweist, sondern mit dem Lande mehr verbunden -bleibt, und nur größere Ausdehnung an der Nordwest, Nord und -Nordostseite hat. An der ersteren, durch einen Durchbruch im -Riff, wird dort der Coquille-Hafen, an der letzteren durch die -Insel Lela „Nin-molchon“ von den Eingebornen genannt, der -Lelahafen gebildet, während im Süden durch Inselchen auf dem -Riffe selbst, durch eine Einbuchtung der Felsenmassen, die hiervon -umgeben sind, der kleine aber sichere Lottin-Hafen entstanden ist. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_107" name="Page_107" href="#Page_107">[107]</a></span> -In jeder Hinsicht stimmen sonst die beiden Inseln überein, -was von der einen gesagt, gilt auch von der anderen; dieselbe -Großartigkeit der wilden Natur, dieselbe Unzugänglichkeit zu dem -Innern und zu den steilen Bergen, wie auch dieselbe furchtbare -einstige vulkanische Thätigkeit. -</p> - -<p> -Vorauszusetzen ist, daß auf dieser so fruchtbaren Insel eine -ebenso zahlreiche Bevölkerung gelebt hat, wie auf Ponapè; selbst -im ersten Drittel dieses Jahrhunderts war die Zahl der Bewohner -noch mehr als doppelt so groß wie heute. Früher sollen sogar -nach Angabe der ältesten Eingebornen viel tausende rings auf der -Insel gelebt und gewohnt haben. Die einst zahlreich genug waren, -stark bemannte Schiffe zu nehmen, und im heißen Kampfe die gut -bewährten weißen Männer zu überwältigen, sind heute nur noch -ein kleines Häuflein Menschen, 300 an Zahl. -</p> - -<p> -Furchtbar hat eine schreckliche Seuche, eingeschleppt durch -amerikanische Walfischfänger, unter dieser Bevölkerung besonders -gehaust. In absehbarer Zeit wird auch der letzte Bewohner Kusais -bei seinen Vätern versammelt sein, denn keine menschliche Hilfe -kann dem Aussterben derselben mehr halt gebieten. -</p> - -<p> -Schrecklich war es solche Kranke zu sehen, noch schrecklicher ihnen -mit Rath und That beizustehen. Manchem verband ich die Wunden, -andere lehrte ich wie solche rein zu halten und zu behandeln sind. -Dafür waren sie auch sehr erkenntlich; lag ich im Hafen von -Lela, wurde mir von Fischen, Schweinen und Schildkröten immer -ein Antheil vom Könige Keru, der mit christlichem Namen Georg II. -hieß, an Bord gesandt. Es ist nämlich Gebrauch, daß alle Speisen -für den König sowohl, wie für die Angesehensten insgesammt, -bereitet werden, diese werden dann vor das Haus des Königs -gebracht und dieser bestimmt jedem seinen Theil. -</p> - -<p> -Sehr unterwürfig sind die Unterthanen gegen ihren mit unbeschränkter -Gewalt ausgerüsteten König, keiner wird unaufgefordert -dessen hochgelegenes und kunstvoll aufgebautes Haus betreten, tief -verneigt sich jeder Vorübergehende; hat einer aber ein persönliches -Anliegen, kniet er auf der untersten Stufe der Treppe, die zum -Hause hinaufführt nieder und bringt in solcher Stellung sein Anliegen -vor. Des Königs Ausspruch ist Gesetz; so oft ich auch bei -solcher Gelegenheit im Königshause anwesend war, fand ich dies -bestätigt. -</p> - -<p> -Durch beiderseitiges Entgegenkommen stand ich mit dem -Könige und den Häuptlingen auf besonders gutem Fuße, was -darauf zurückzuführen war, daß ich auch ihnen unentgeltlich -Arznei gab, ihre Wunden verband und Schmerzen linderte. Sie -lohnten mir dafür mit den Erzeugnissen des Landes, oft brachten -sie mir so viel, daß meine Leute kaum alle Nahrungsmittel zu -verzehren im Stande waren. Bei einer solchen Gelegenheit erhielt -ich Kenntniß von einem merkwürdigen Aberglauben. Ich war im -<span class="pagenum"><a id="Page_108" name="Page_108" href="#Page_108">[108]</a></span> -Lelahafen eingelaufen, und da ich Wassermangel an Bord hatte, -fuhr ich sofort mit einem Boote durch das Mangrovengebüsch den -Fluß hinauf zum festen Lande um die mitgenommenen Fässer -auffüllen zu lassen. Im Flußbett bemerkte ich auf klarem sandigen -Grunde viele Aale, die aber zu gewandt waren, als daß sie mit -den Händen zu greifen waren, nur ein mächtiges Thier von 4 Fuß -Länge, dessen Schwanz wahrscheinlich von einem Hai abgebissen -war, konnte sich nur mühsam fortbewegen. Diesen Aal im flachen -Wasser zu ergreifen wäre zwecklos gewesen, deshalb befestigte ich, -um ihn doch zu erhalten, ein starkes Messer an einer Stange, stieß -dieses dem Aale durch den Kopf und nagelte ihn am Grunde fest. -Bald waren die Kräfte des Thieres erschöpft, und es gelang die -Beute zu sichern. -</p> - -<p> -Zurückgekehrt zum Schiffe, fand ich dort eine ganze Zahl -Eingeborner, auch Häuptlinge versammelt, die wieder Geschenke -gebracht hatten; kaum aber hatten die Niue-Leute den großen Aal, -den sie essen wollten, an Deck gebracht und aufgehängt, als die -Eingebornen zum großen Theil auffällig verschwanden, ohne ihr -Anliegen vorgebracht zu haben. Ich las in aller Mienen Abscheu -und Furcht, und einen Häuptling befragend, warum sie sich vor -solchem todten Thiere fürchteten, sagte er mir, daß in den Aalen, -die von niemand gegessen werden, der böse Geist sich aufhalte, und -wer solches Thier tödtet oder gar davon ißt, wird sicher gestraft. -</p> - -<p> -Dieser Ausspruch war genügend, um die gewiß von thörichtem -Aberglauben erfüllten Niue-Leute stutzig zu machen; sie ließen den -Aal, dem sie die Haut schon abgezogen hängen, und wiewohl ich -sie thöricht und unklug schalt, wollte doch keiner mehr etwas -damit zu thun haben, viel weniger davon essen; es blieb nichts -anderes übrig als den „bösen Geist“ über Bord zu werfen, worauf -dann erst die in ihren Kanoes wartenden Eingebornen an Bord -zurückkehrten. -</p> - -<p> -Bemerkenswerth ist, daß Hundefleisch als besonderer Leckerbissen -auf Ponapè gilt und werden Hunde dort gerne eingetauscht -und gemästet. Ich hatte gelegentlich einmal einen elenden alten -Hund, der mir von Eingebornen der Marschall-Inseln angeboten -wurde, angenommen, um das Thier nicht elendiglich verkommen -zu lassen; da es aber gar nichts werth, dazu bissig und häßlich -war, so nahm ich in Ponapè das Angebot, es für zwei große -Schweine abzugeben, an, zufrieden auf solche Weise den Hund -loszuwerden, dem keiner nahen durfte und der mit Vorliebe seine -Zähne in die nackten Beine der Leute einzugraben liebte. -</p> - -<p> -Zeigen die Marschall-Insulaner im Flechten der Matten u. a. -ganz besonderes Geschick, so übertreffen die Frauen und Mädchen -auf Kusai in einer Hinsicht diese dennoch. Auf einem kleinen -Webestuhle, der eigenartig gebaut ist, weben sie aus feinem Baumbast -sehr kunstvolle Lendengurte, so fein und sauber — die Zeichnungen -<span class="pagenum"><a id="Page_109" name="Page_109" href="#Page_109">[109]</a></span> -und die Zusammenstellung der verschiedenen Farben sind -sorgfältig ausgeführt — wie es die kunstfertige Hand einer -europäischen Dame nicht fertigbringen würde. Als Schere, um die -oft kaum zolllangen Fädchen abzuschneiden, bedienen sie sich der -messerscharfen Kante einer kleinen Seemuschel. -</p> - -<p> -Staunend habe ich oft in ihren Hütten dieser kunstvollen -mühseligen Arbeit zugeschaut. Wie der Knabe von Jugend auf -sich mit dem Speere übt, den schnellen Fisch im Wasser zu tödten, -so sitzen die Mädchen im jugendlichen Alter schon flechtend und -webend, um ihre einfache Kleidung so schön wie möglich zu schmücken, -denn wie alle Evastöchter sind auch diese einfachen Naturkinder -nicht gänzlich frei von Eitelkeit. -</p> - -<p> -Daß früher schon die Bewohner Kusais unter sich nicht allein -Tauschhandel getrieben, sondern eine Art Werthgegenstand als -Geld benutzten, gleichwie afrikanische Völker die Kauri-Muschel, ist -erwiesen, und zwar haben sie die werthvolle Perlmutterschale dazu -benutzt, die auf tiefem Korallengrunde, namentlich in Ponapè -häufig gefunden wird. Von einer großen, sauber bearbeiteten -Schale hatte das Kernstück, nach Größe und Breite, einen entsprechenden -Werth, ein solches, etwa zwei Zoll breit und 6 bis 7 -Zoll lang, wurde einem Arbeiter als Tagelohn ausbezahlt, die -kleineren Stücke galten weniger. Wann aber dieses Geld, von -dem ich einige Stücke noch in Lottin-Hafen bekam, in Kurs gewesen, -darüber konnte ich gewisses nicht erfahren. -</p> - -<p> -Einst nach längerer Abwesenheit nach Jaluit zurückgekehrt, -erfuhr ich, daß in der Zwischenzeit, ein mir auch bekannter Europäer -am Strande ermordet worden sei. In dunkler Abendstunde aus -einer der Wirthschaften, deren zwei vorhanden waren, heraustretend, -sei er von Malayen die irgend ein Schiff zurückgelassen, überfallen -und getödtet worden. Ein Racheakt sei es gewesen und eine Verwechslung -habe in der Dunkelheit stattgefunden, und ihr sei dieser -junge Mann zum Opfer gefallen. -</p> - -<p> -Der Mörder und seine Mitschuldigen waren schnell gefaßt -und dem eingelaufenen deutschen Kriegsschiffe „Bismarck“ ausgeliefert -worden; der Thäter büßte seine Schuld mit dem Leben. -</p> - -<p> -Am Abend jenes Tages, an welchem ich in Jaluit eingelaufen -war, folgte ich der Aufforderung des Leiters unserer -Gesellschaft, den Abend mit Billardspielen gemeinschaftlich hinzubringen. -Um diese Absicht auszuführen begaben wir uns zu -dem Hause des deutschen Wirthes, das gewöhnlich von den Europäern -besucht wurde. Nicht weit davon lag die Wirthschaft eines Schwarzen, -der mehr Zuspruch von den zu Zeiten im Hafen anwesenden -Schiffsbesatzungen hatte; hier pflegte es öfter auch recht lebhaft -zuzugehen. Es mochte etwa 9 Uhr abends geworden sein, als -ein wilder Lärm von jenem Hause herüberschallte, unter anderen -hörte ich die lärmenden Stimmen meiner Niue-Leute heraus. Daß -<span class="pagenum"><a id="Page_110" name="Page_110" href="#Page_110">[110]</a></span> -einige an Land gegangen waren wußte ich, ich hatte ihnen selber -Urlaub gegeben, daß aber der Steuermann, ein von mir in Ponapè -aufgenommener Matrose, der dort von einem Schiffe krank zurückgelassen -worden war, ein Norweger, entgegen meiner Weisung die -ganze Besatzung an Land gelassen und ihr noch dazu Geld zu -Schnaps gegeben hatte, ahnte ich nicht. -</p> - -<p> -Sogleich unterbrach ich das Spiel und eilte in der Meinung -meine Leute seien mit anderen in Händel gerathen, zu dem anderen -Wirthshause. Als ich schnell das Haus erreicht, fand ich in der -Schenkstube eintretend allerlei Volk vor, darunter meine ganze -Besatzung. Alle waren angetrunken und zwei Parteien befanden -sich im heftigen Streite, der augenblicklich verstummte, als ich -meinen Leuten befahl, sofort an Bord zu gehen. Aber nur einige -waren vernünftig und folgten der Weisung, vier weigerten sich -entschieden zu gehorchen; als sie auch einer zweiten Aufforderung -nicht Folge leisteten, faßte ich schließlich, durch die Widersetzlichkeit -aufgebracht, einen an, und schob ihn der Thüre zu. Kaum aber -war meine Absicht den Umstehenden klar, als ich von hinten gefaßt -und mit Faustschlägen zu Boden gestreckt wurde; im Fallen riß -ich den Angefaßten mit mir, der auf mich fiel, dieser Umstand -rettete mich, denn so kurz die Zeit auch war, bis der Mann aus -meinen Händen befreit werden konnte, sie genügte um die Schaar, -welche mit gezückten Messern und dem Rufe „tödtet den weißen -Mann“ „<em class="itals">kill the white man</em>“, von der Mordthat zurückzuhalten. -</p> - -<p> -Wider Erwarten war ich plötzlich frei und von dem Eigenthümer -des Hauses, einem riesigen Neger, aufgerichtet sah ich, wie -ein Weißer einen wuchtigen Stock auf die Köpfe der braunen -Gesellen niedersausen ließ, die durch Fenster und Thüren entflohen. -Der Retter in der Noth war ein amerikanischer Schiffsführer, von -Honolulu, der gegen Abend noch in den Hafen eingelaufen, hier -zufällig vorbeigekommen und mit angesehen hatte, wie ich niedergeschlagen -wurde. -</p> - -<p> -Meine Leute, soviel ich gesehen, waren es nicht gewesen, -welche die Messer gezogen, die Uebelthäter aber wollten oder konnten -sie nicht nennen, wenigstens konnten diese nicht ermittelt werden. -Der deutsche Konsul mußte sich also damit begnügen die vier Mann, -die Widersetzlichkeit gezeigt, dafür drei Tage lang in Eisen zu legen. -</p> - -<p> -Nicht lange nach diesem Vorfall war mein Schiff wieder -segelfertig, um eine Reise nach den Karolinen anzutreten; ich wurde -von verschiedenen Seiten gewarnt, mit solcher Besatzung wieder in -See zu gehen, denn dem rachsüchtigen Charakter der Niue-Leute -sei nicht zu trauen. Indes ich verließ mich darauf, daß es keiner -wagen würde, eine Meuterei an Bord auszuführen, da sie wohl -wußten, daß sie vielleicht elendig auf See verhungern müßten, -wenn sie ihren Führer überfallen und tödten würden. Wieder -ging ich, ohne einen Europäer an Bord zu haben (der vorige -<span class="pagenum"><a id="Page_111" name="Page_111" href="#Page_111">[111]</a></span> -wurde nach jenem Vorfall an Land sofort abbezahlt) in See, -machte dafür aber einen der Niue-Leute jetzt zum Bootsmann, -und als am Horizonte das letzte Land verschwunden war, rief ich -die Leute alle zusammen und machte ihnen den Standpunkt klar. -</p> - -<p> -Ihr vier, Bela, Sepona, Fiticefu und Mißcoffi, erklärte ich, -seid dafür bestraft worden, was ihr in der Trunkenheit an Land -begangen habt, zehnfach härter aber fällt die Strafe aus, wenn -ihr ein Gleiches an Bord versuchen solltet. Für mich ist die Sache -abgethan und ich hoffe für euch ebenfalls, doch, da ich euch nicht -unbedingt vertrauen kann, so bin ich auf alles gefaßt und vorbereitet; -zeigt ihr Ungehorsam oder gar Widersetzlichkeit, dann fallen -die Folgen auf euch, also thut wie früher eure Pflicht. -</p> - -<p> -Und die Leute thaten sie. Ich hatte nicht zu klagen, es schien -als wollten sie durch Willfährigkeit gut machen, was sie in einer -schwachen Stunde, als sie nicht Herr ihrer Sinne mehr gewesen, -begangen hatten. -</p> - -<p> -Auf dieser Reise nun lief ich die Insel Kusai zuerst an, um -dann über Ponapè nach dem Providenz-Atoll weiterzusegeln. Nach -erfolgter Ankunft im Lela-Hafen kamen am anderen Morgen 16 -Eingeborene der Gilbert-Gruppe mit einem großen Brandungsboote -zu mir an Bord und baten, ich möchte sie nach Jaluit mitnehmen. -</p> - -<p> -Sie wären, erzählten sie, vor wenigen Tagen auf Kusai gelandet, -nachdem sie zehn Tage auf dem Ozean zugebracht, kraftlos -und nahezu verhungert, hätten sie die größten Qualen erduldet, ehe -sie an dieser Insel in dunkler Nacht angetrieben wären. Ihre -Heimath, die Insel Apamama, hätten sie mit ihrem Boote verlassen, -um nach der nördlicher gelegenen Insel Maiana zu segeln, -der starke Aequatorialstrom aber hätte sie weggeführt. -</p> - -<p> -Bis ihre letzten Kräfte erschöpft gewesen, so lange hätten sie -verzweifelt gegen Strom und Wogen angekämpft, dann aber, als -die wenigen im Boot befindlichen Kokosnüsse aufgezehrt waren, -Hunger und Durst sich eingestellt, hätten sie ihr Segel gesetzt und -wären immer vor dem Winde laufend, nach Westen gesegelt, wo, -wie sie früher gehört, große Inseln liegen sollten. Einsam auf -dem unendlichen Ozean in einem offenen Boote fahrend, den -schrecklichsten Leiden preisgegeben, hätten sie keine andere Hoffnung -gehegt, als die, vielleicht im fernen Westen Land zu finden. Aber -nie hätten sie Land angetroffen. Da alle zum Tode erschöpft waren, -so würden sie so, wenn sie nur wenige Meilen südlich von Kusai, -vorbeigetrieben wären, in wenig Tagen schon dem Hunger und -Durst erlegen sein. -</p> - -<p> -Welche Qualen diese 10 Männer und 6 Frauen erduldet -hatten konnte man daran sehen, daß die Hölzer im Boot mit den -Zähnen angebissen waren; das Grüne, welches sich durch faulendes -Wasser im Boot angesetzt hatte, war mit den Fingernägeln ausgekratzt -worden, selbst ihre mangelhafte Bekleidung aus Grasschurzen -<span class="pagenum"><a id="Page_112" name="Page_112" href="#Page_112">[112]</a></span> -bestehend, hatten sie aufgegessen und damit den furchtbaren Hunger -zu stillen versucht. Daß das Boot am Riffe in der Brandung -nicht zerschlagen, die zum Tode erschöpften Menschen nicht am -sicheren Gestade zu Grunde gingen, hatten sie einzig dem Zufall -zu danken. Todesmatt waren sie von Bewohnern Kusais aufgefunden, -gespeist und getränkt, nicht nach Art eines barbarischen -Volkes als Feinde angesehen worden; sie wurden zum König nach -Lela gebracht, der ihnen Speisen geben und eine Wohnstätte auf -der Hauptinsel anweisen ließ, wo sie warten könnten, bis ein Schiff -sie mitnehmen würde. Ihren Wunsch gleich mitgenommen zu werden -mußte ich freilich auch abschlagen, da ich noch eine weite Fahrt -vor mir hatte, allein ich versprach, sie auf meiner Rückreise von -den Providenz-Inseln, abzuholen, und verwandte mich beim König -Keru für sie, daß derselbe sie auf einige Wochen noch behalten -möchte. -</p> - -<p> -Von Ponapè segelte ich weiter nach Ujelang, der Hauptinsel -im Providenz-Atoll, die etwa 240 Seemeilen nordost von der hohen -Karolinen-Insel entfernt liegt, hier auf diesem einsamen Atoll fand -ich nur etwa 40 Menschen vor, weißköpfige Greise unter ihnen, -die erzählten, daß ihre Voreltern von den Marschall-Inseln mit -Kanoes vertrieben seien, diese wären einst auf der einsamen Insel -gelandet und hätten viele, viele Jahre verlassen gelebt, bis der -weiße Mann gekommen sei und sich hier niedergelassen habe. -</p> - -<p> -Einsam und trostlos genug fließt die Zeit und das Leben -den wenigen Bewohnern auf dieser weltentlegenen Insel hin, vor -allem für den Europäer, einem Deutschen, der höchstens alle acht -Monate einmal, wenn ein Schiff einläuft, sich mit einem gebildeten -Menschen unterhalten und freuen kann. Die Aufgabe die diesem -Manne gestellt, ist nicht leicht, ein arbeitsames Leben muß ihn -vor Schwermuth bewahren; die eigentliche Kultur soll er hier einführen -und auf dem steinigen Korallenboden Kokosplantagen anlegen, -deren Ertrag in späterer Zeit die aufgewendete Müh' und -Arbeit lohnen soll. -</p> - -<p> -Alle Bewohner dieser Insel leben nahe der deutschen Station -und arbeiten für diese und von Fleiß und stetiger Arbeit zeugt es, -daß 70000 Kokosnüsse und junge Bäume in weniger als zwei -Jahren ausgepflanzt worden sind. Heute stehen auf einst ödem -Korallengrunde Palmenhaine, deren Wipfel stolz im Winde rauschen, -ein melodischer Gesang zu der donnernden Woge, die sich ewig in -ohnmächtiger Wuth an diesen Gestaden bricht. Auch hier werden -in ferner Zukunft einst, wenn die jetzt schon mit Korallenpatschen -dicht besäte Lagune geschlossen worden ist, sich ausgedehnte Landflächen -bilden, auf denen die Tropenwelt ihre ganze Pracht entfalten -kann. Der Lebensunterhalt der wenigen Bewohner besteht -aus der Kokosnuß, Taro, Fischen und Hühnern, letztere sind in -großer Zahl vorhanden, ebenso Enten, die, da kein Eingeborner -<span class="pagenum"><a id="Page_113" name="Page_113" href="#Page_113">[113]</a></span> -auf allen diesen Koralleninseln die Eier als Nahrung betrachtet, -sich stark vermehren können. Jedesmal erhielt ich in Ujelang hunderte -in Seesalz aufbewahrte Eier, die mir stets willkommen waren. -</p> - -<p> -An solchen einsamen Gestaden halten sich auch mit Vorliebe -die mächtigen Riesenschildkröten auf, um zur Brutzeit am Strande -ihre Eier im Korallensande einzuscharren, die allein die heißen -Strahlen der Sonne auszubrüten vermag. In der Brutzeit kommt -das Weibchen dreimal an's Land und setzt jedesmal etwa 140 Eier -ab, hält sich aber stets in der Nähe auf, um die aufgekommenen -Jungen, die instinktmäßig dem Wasser zustreben, zu schützen. Wie -mir versichert wurde, lauert das Männchen der jungen Brut auf -und frißt eine große Zahl der jungen Thierchen, denen außerdem -auch von großen Seevögeln viele Gefahren drohen, in Wirklichkeit -gelangen aus der großen Anzahl Eier nur verhältnißmäßig wenige -zur Entwicklung. -</p> - -<p> -Der Fang solcher Riesenschildkröten, der in mondhellen Nächten -ausgeführt wird, ist nicht so ganz ungefährlich, gewandt und schnell -muß man dabei verfahren, das Thier von der Seite am Panzer -zu fassen suchen und es auf den Rücken werfen. Um nicht durch -Bisse oder die scharfen Krallen verwundet zu werden, bedienen -sich die Eingebornen gewöhnlich bei großen Thieren starker Stöcke, -die sie unter den Brustpanzer schieben und so das Thier umzuwerfen -versuchen, das auf ebenen Boden dann unfähig ist, sich wieder umzuwälzen -und zu entkommen. -</p> - -<p> -Bei Gelegenheit meiner zweiten Anwesenheit auf Ujelang -wurde einer großen Schildkröte nächtlicherweile aufgelauert, deren -Brutstätte bekannt geworden war, es gelang uns wirklich, das -mächtige Thier abzufangen. Nachdem das Thier mit schweren -Knütteln getödtet war, wurde ihm der Brustpanzer mit scharfen -Messern abgelöst; neben dem fetten wohlschmeckenden Fleische fanden -wir 140 reife Eier vor, die kugelrund und mit einer weichen, -lederartigen Schale umgeben sind. Letztere werden als besondere -Leckerbissen angesehen, doch fand ich, daß sie, gekocht oder gebraten, -einen etwas strengen Geschmack haben; wenn auch sehr nahrhaft, -so sind sie doch nicht frischen Hühner- oder Enteneiern gleichzustellen. -Diese Schildkröte wog etwas über 500 Pfund, doch -waren auf Ujelang schon größere und schwerere gefangen worden. -Zieht man bei solchen Thieren ihr langsames Wachsthum in Betracht, -so müssen solche Meerbewohner ein hohes Alter erreichen. -</p> - -<p> -In keinem Atoll habe ich so viele ausgedehnte Riffpatschen -gefunden wie gerade hier, deshalb hat das Hindurchwinden mit -einem Schiffe seine Schwierigkeit, ehe man von der Hauptdurchfahrt -aus die Insel Ujelang erreicht. Mir fehlte es stets an Zeit und -Gelegenheit nachzuforschen, ob die Angaben der Bewohner, im -Westen der 12 Seemeilen langen Lagune steigen zeitweilig heiße -Dämpfe auf, wahr seien, was auf vulkanische Thätigkeit schließen -<span class="pagenum"><a id="Page_114" name="Page_114" href="#Page_114">[114]</a></span> -lassen würde. Daß solchen Angaben etwas Richtiges zu Grunde -liegen müsse, daran zweifelte auch der deutsche Händler nicht, besonders -deshalb, weil die Bewohner nur ungern den westlichen -Theil der Lagune aufsuchten; hat dort jedoch wirklich eine unterseeische -Kraft sich geäußert, so liegt ein stattgehabter Ausbruch doch -jedenfalls eine Reihe von Jahren zurück. -</p> - -<p> -Von Ujelang segelte ich geradewegs nach Kusai zurück, holte -dort die 16 vertriebenen Gilbert-Insulaner ab und brachte sie mit -ihrem Boote nach Jaluit, von wo sie später mit einem anderen -Schiffe in ihre Heimath zurückbefördert wurden. -</p> - -<p> -Es war gegen Ende des Jahres 1886, als ich von der -Karolinengruppe zurückkommend Kusai auf dem Rückwege anzulaufen -hatte, um dort vom Könige Georg eine alte Schuld einzufordern, -die aus einem Quantum von 20000 Pfund Kopra bestand. -Ich lag allein im Lela-Hafen und weilte gerade auf dem -höchsten Punkte der Insel, Nin-moschon, als von Eingebornen der -Ruf erscholl ein „Schiff in Sicht“. Wirklich kam von Norden -mit schneller Fahrt ein in diesen Gewässern nicht oft gesehenes -Fahrzeug, ein Dampfer, heran. Als dieser näher gekommen war, -erkannte ich ein deutsches Kriegsschiff, das dem Anscheine nach im -Lela-Hafen einlaufen wollte. Ehe ich aber vom Berge herab an -Bord meines Schiffes gelangen konnte, hatte es vor der Einfahrt -beigedreht und nur ein niedergeführter Kutter nahte sich mit raschen -Ruderschlägen. Das Boot fuhr geradezu zum Hause des Königs, -es landete ein Offizier mit mehreren der Bootsbesatzung und, noch -erstaunt, was der plötzliche Besuch zu bedeuten habe, sah ich bald -nach kurzer Verhandlung mit dem Könige und den Häuptlingen, -wie mit kräftigen Axtschlägen das deutsche Protektoratsschild niedergeschlagen -wurde. -</p> - -<p> -Für uns Deutsche in dieser weltentlegenen Inselwelt, die -stets der Ansicht waren, daß die einmal gehißte stolze deutsche -Flagge nimmermehr würde niedergeholt, die reichen Karolinen-Inseln -für alle Zukunft ein Theil des deutschen Reiches bleiben würden, -war die unerwartete Rückgabe derselben an ein Volk, das sich nie -um den beanspruchten Besitz und um sein zweifelhaftes Recht gekümmert -hatte, ein harter Schlag. Wie auf Samoa, so mußten -auch hier die Deutschen ihr kühnes Hoffen, auf deutschem Grund -und Boden zu streben und zu ringen, so bald zu Grabe tragen. -Ja, was ich später erfuhr, auf Ponapè haben die weißen Händler, -als das Niederholen der Flagge angekündigt war, trauernd am -Fuße des Flaggenmastes auf Lungur-Eiland gestanden und über -sich die Flagge halbstocks wehen lassen, aus Leid darüber, daß die -lange, friedevolle Zeit vorüber, daß ein Volk, dessen Ansprüche -keiner begreifen konnte, fortan hier herrschen sollte. -</p> - -<p> -Und es kam der gefürchtete Kampf, furchtbar und ernst, verhängnißvoll -für die, welche ein freies unabhängiges Volk geknechtet, -<span class="pagenum"><a id="Page_115" name="Page_115" href="#Page_115">[115]</a></span> -das noch nie den Weißen hatte gehorchen gelernt, unheilvoll auch -für die, die Jahrzehnte schon in Frieden hier gelebt hatten. -</p> - -<p> -Der kommandirende Offizier kam später zu mir an Bord und -ich vernahm die traurige Nachricht, daß von nun an die Karolinen-Inseln -unter spanischer Oberhoheit gestellt seien. Nach kaum zwei -Stunden zog der „Albatros“, der auf allen Inseln die deutsche -Flagge niedergeholt hatte, seines Weges weiter, und das, was -wir Deutsche mit Stolz unser genannt, es war dahin! — -</p> - -<p> -Noch am selben Abend besuchte ich den König, um das Nähere -wegen der Einschiffung der Ladung mit ihm zu verabreden, doch -kam ich jetzt bei diesem schön an, er weigerte sich entschieden, die -Schuld zu bezahlen, unter dem Vorwand, er stünde nicht mehr -unter deutscher, sondern spanischer Protektion. Eine Verständigung -über den streitigen Punkt war nicht möglich, der sonst immer freundlich -und entgegenkommende König kehrte plötzlich ganz andere Seiten -heraus, mir blieb nichts übrig, als die Forderung fallen zu lassen -und unverrichteter Dinge abzusegeln. Aber daß der König und -seine Häuptlinge ein volles Verständniß von dem Protektoratswechsel -gehabt haben, bezweifele ich — doch wie so bald sollten -sie den Unterschied kennen lernen. -</p> - -<p> -Dahin war die Zeit friedevoller Ruhe, dahin die Zeit, wo -wir Weiße sicher in den Hütten der Eingebornen aus- und eingehen -konnten, der besten Gastfreundschaft, des Schutzes und der -Führung gewiß. Was die neuen Herren ihnen angethan, das -reizte sie zur hellen Empörung, weckte die schlummernde Rache, -und nicht diese allein sollten dem Verderben geweiht werden, sondern -auch alle Fremden, weiße oder braune. -</p> - -<hr class="chapend" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -VI. Der Aufstand und Kampf auf Ponapè. -</h2> -</div> - -<p> -Schnell, als wollten die Spanier sich ihres neuen Besitzes -auf alle Fälle sichern, und was sie in Jahrhunderten versäumt -hatten, jetzt plötzlich nachholen, entfalteten sie ihre Macht auf allen -Mittelpunkten d. h. auf den Inseln Yap, Ruck, Ponapè und anderen. -Wenig Rücksicht nahmen sie auf die Gefühle bisher ganz -unabhängiger Stämme, sie führten jene bekannte Gewaltherrschaft -ein, durch welche Spanien im Laufe der Zeiten sich um seine blühendsten -Kolonien gebracht hat. Durch Militär- und Priesterherrschaft -sollte die Kultur dem freien Volke aufgedrängt werden. -</p> - -<p> -Da den Eingebornen keine Zeit gelassen ward sich allmählich -an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen, so fühlten sie den ihnen -auferlegten Zwang doppelt hart. Die Strenge, die angewendet -wurde, sie zum Gehorsam und zur Ergebenheit zu zwingen empörte -sie; Wege und andere Bauten auszuführen, wie sie es für die -langansässigen, amerikanischen Missionare freiwillig gethan, weigerten -<span class="pagenum"><a id="Page_116" name="Page_116" href="#Page_116">[116]</a></span> -sie sich, sie fügten sich auch nicht gutwillig der Forderung, umsonst -schwere Tagesarbeit zu leisten. Grollend zogen sich die Eingebornen -zurück, im Herzen Wuth und Rache schnaubend. Ganz sorglos -müssen die Spanier gewesen sein, oder sie haben gar zu gering -einen möglichen Widerstand geachtet, sonst hätten sie den Anzeichen -eines kommenden Sturmes, der warnenden Stimme eines hier ansässigen -spanischen Abkömmlings von der Insel Guam, Manuel de -Tores, mehr Beachtung geschenkt. -</p> - -<p> -So nahte das Verhängniß, durch Gewalt und Ungerechtigkeit -heraufbeschworen. Die beleidigten Häuptlinge, der zumeist betroffenen -Bezirke im Norden von Ponapè, nämlich Jokoits, Nut, -Mants, Tohuak und andere, sammelten ihre Schaaren, und es -wurde beschlossen die Spanier einfach aus dem Lande zu jagen. -Festgesetzt als Tag der Rache wurde der vierte Juli 1887; also -nach nur wenigen Monaten hatten die Spanier sich schon so verhaßt -gemacht, daß die Eingebornen verzweifelt zu den Waffen -griffen und sich ihre Freiheit um jeden Preis erkaufen wollten. -</p> - -<p> -Gegenüber der Insel Lungur, der deutschen Station, nach -Süden am festen Lande war das spanische Regierungsgebäude errichtet -worden und war in gewisser Hinsicht durch die Kanonen -der im Hafen liegenden spanischen Korvette „Maria de Melina“ -gedeckt, obwohl 130 Soldaten, meistens Malayen von den -Philippinen-Inseln, als persönliche Bedeckung dem Statthalter zur -Verfügung standen. -</p> - -<p> -Am 1. Juli 1887 (vorher war schon manche Versammlung -der Eingebornen verboten und zersprengt worden) sandte der -Statthalter zum gleichen Zwecke eine Abtheilung unter den Offizieren -Don Ricardo Martinez und Don Alferes ab, um abermals eine -große Versammlung aufzulösen, auch hatten die Führer wohl den -Auftrag, den Häuptling des Bezirks mit sich zu bringen. Auf -welcher Seite nun die Schuld gewesen, das bleibe dahingestellt; -die Eingebornen sagen, wie mir später ein Theilnehmer erzählte, -die Spanier hätten auf sie gefeuert, wenn dies der Fall gewesen, -so war es das Signal für die zu hunderten versammelten Bewohner, -den Kampf schon jetzt zu eröffnen. -</p> - -<p> -Wer diese Schluchten und Berge gesehen, die oft mit undurchdringlichem -Gebüsche bewachsen sind, worin jedes Felsstück -jeder Baum einen Hinterhalt bietet, kann sich denken, daß ein -Widerstand gegen diese einsichtigen, gut bewaffneten Bewohner -vergeblich war. -</p> - -<p> -In kurzer Zeit endete der Kampf mit der gänzlichen Vernichtung -der Spanier, auch der den Eingebornen auf Ponapè und -uns Weißen so wohl bekannte Dolmetscher Manuel de Tores fiel; -ihm, einem langjährigen, mit allem wohl vertrauter Händler, war -bittere Rache zugeschworen worden, weil er sich in die Dienste der -Spanier gestellt; er wurde buchstäblich in Stücke gehauen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_117" name="Page_117" href="#Page_117">[117]</a></span> -Nur zwei verwundete Malayen entkamen dem Blutbade und -brachten die Schreckenskunde von der Niedermetzelung der Abtheilung -zum Fort. Zur Stunde, als im Fort noch nichts über -diese Vorgänge bekannt geworden, weilte der Vertreter der deutschen -Plantagen-Gesellschaft Herr Ruß beim Gouverneur, der ihn zu sich -gebeten, um über die gefährliche Lage, die keinem unbekannt geblieben, -zu berathen; auch sollte Herr Ruß so viele Gewehre und -Schießbedarf übersenden, als er irgend entbehren konnte. Da traf -die schlimme Kunde ein. Herr Ruß übernahm es, dem Kommandanten -des Kriegsschiffes die traurige Botschaft zu bringen, deren -Tragweite keiner ermessen konnte, und der ersucht wurde die nothwendigen -Maßregeln sofort zu treffen; Herr Ruß aber fuhr zu -seiner Station und übersandte dem Gouverneur das Gewünschte. -</p> - -<p> -Die Eingebornen, durch den ersten Erfolg kühn gemacht, -und längst vorbereitet, den verderblichen Schlag zu führen, stürmten -nun bald zu tausenden nach dem Fort, und umstellten es so, daß -kein Entkommen mehr möglich war. Ihre Führer waren der -Häuptling Lab in Nut und Nanamariki von Jokoits. -</p> - -<p> -Der Kommandant der „Maria de Melina“ führte sofort, -auf die ihm gewordene Nachricht, fast seine ganze Besatzung (nur -28 Mann blieben an Bord zurück), in sämmtlichen Boten dem -Statthalter zu Hilfe, aber die flinken Eingebornen hatten das Fort -schon umzingelt und warteten im sichern Hinterhalt nur, so lange -bis alle Boote in Schußweite gekommen, um die Besatzung niederschießen -zu können. -</p> - -<p> -Kein Einziger der Offiziere und Soldaten kam mit dem -Leben davon, die meisten lagen alle todt in ihren Booten und die, -welche schwimmend sich zu retten suchten, traf die tödtliche Kugel -im Wasser. Die Gemahlin des Kommandanten, die sich an Bord -befand, wurde durch solchen Anblick tief erschüttert und vor Angst -wahnsinnig. Der überraschende Erfolg mochte wohl die Aufständigen -stutzig gemacht haben oder sie waren über die Zahl der -Besatzung der „Melina“ ungenügend unterrichtet, denn sie führten -ihren Plan, das Schiff zuerst zu nehmen, nicht aus. Wären sie -gleich in der entstandenen Verwirrung mit ihrer Uebermacht vorgegangen, -würde es ihnen ein leichtes gewesen sein das Schiff -zu nehmen. -</p> - -<p> -So aber langwierige Berathungen pflegend, ließen sie den -Ueberlebenden an Bord Zeit, sich so zu verschanzen, daß ein Angriff -auf das Schiff nur unter schweren Verlusten noch möglich war. -</p> - -<p> -Das Boot, welches Herr Ruß von Lungur mit Waffen und -Munition abgesandt, wurde auf dem Wege zum Fort angehalten -und weggenommen, dadurch bekamen die Häuptlinge den Beweis -in die Hände, daß der angesehenste aller Händler auf Ponapè -die Spanier unterstützt hatte; deshalb beschlossen sie, auch die -<span class="pagenum"><a id="Page_118" name="Page_118" href="#Page_118">[118]</a></span> -Deutschen, welche auf ihrer Station bisher nicht gefährdet waren, -nieder zu machen. -</p> - -<p> -Noch aber war das Fort erst umschlossen, in welchem eine -kleine Schaar sich vorbereitete, ihr Leben so theuer als möglich zu -verkaufen. Hätten die Feinde es unternommen am Tage die leichte -Feste zu nehmen, wären die Eingeschlossenen nicht ungerächt gefallen, -so aber wählte der verschlagene Feind die Nacht zum Angriffe, -und nahm den größten Theil der Befestigungen ein, nur -wenige der Eingeschlossenen sahen den neuen Morgen wieder, doch -auch diese kleine Zahl sank vom tödtlichen Blei getroffen, ehe aufs -Neue Dunkelheit die Erde deckte. -</p> - -<p> -Einen letzten verzweifelten Ausfall mit denen die die -Schreckensnacht überstanden hatten, unternahm der Statthalter am -2. Juli. Priester und Klosterbrüder voran, verließen alle die unhaltbare -Feste, um sich zum Strande durchzuschlagen, aber der -hinter Stein und Baum gedeckte Feind mähte fast alle bis auf -die durch ihre Kleidung kenntlichen Priester nieder. Nur der -Statthalter mit wenigen erreichte den Strand, fand aber den Tod -mit den letzten Getreuen, ehe er ein rettendes Boot erreichen -konnte, und wurde, ebenso wie der Dolmetscher de Tores, in -Stücke gehauen. -</p> - -<p> -Später sah ich selbst die Klosterbrüder, die keine Waffe geführt -und deshalb unbelästigt das Schiff erreicht hatten, an Bord -der „Melina“, und ich muß sagen, auf ihren bleichen Gesichtern -waren noch nicht alle Spuren jener schrecklichen Tage und Stunden -verwischt. -</p> - -<p> -Der Eingeborne scheut den offenen Kampf, seine liebsten -Waffen sind Verschlagenheit und List. Das bewies auch die Botschaft, -welche die Häuptlinge am 2. Juli nach Lungur sandten, -die die Zusicherung enthielt, den Deutschen würde nichts geschehen. -Wenn die Spanier alle todt wären, wollten sie kommen und die -deutsche Flagge wieder aufhissen, es solle wieder so wie früher -sein. Doch aus anderen Nachrichten, welche überbracht wurden, -war mit Sicherheit zu schließen, daß alles nur ein Vorwand wäre, -sogar, daß der Häuptling Lojap auf Lungur schon Befehl erhalten -hätte, die Station zu nehmen, keinesfalls aber die Umschlossenen -fliehen zu lassen. -</p> - -<p> -Um das zu verstehen, muß man die Sinnesart der Eingebornen -berücksichtigen, Verschwiegenheit, auf die bei einem planmäßigen -Vorgehen gegen Feinde alles ankommt, kennen sie nicht, -sie verrathen sich und ihre Absichten selbst. So soll es auch ein -offenes Geheimniß gewesen sein, daß am 4. Juli ein Ueberfall -auf die Melina geplant war, der den Aufstand einleiten sollte; -sie wollten wie sonst mit Tauschgegenständen an Bord fahren, -nur in größerer Zahl, und im gegebenen Augenblick die ahnungslose -Besatzung überwältigen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_119" name="Page_119" href="#Page_119">[119]</a></span> -Wären sie so vorgegangen, so hätten die Spanier unverzeihlich -sorglos sein müssen, wenn sie nicht im Kampfe Sieger geblieben -wären und die unbewaffneten Eingebornen von Bord -geschlagen hätten. Dann hätte der Aufstand auch einen ganz -anderen, für die Spanier sicher vortheilhafteren Ausgang genommen; -ihr Verderben war jene erzwungene Auflösung der am -1. Juli stattgehabten Versammlung. -</p> - -<p> -Wie vorbereitet der Aufstand war, ist daraus zu schließen, -daß selbst die Bewohner der Inselgruppe Parkim, die 26 Seemeilen -von Ponapè in WNW.-Richtung gelegen ist, sich daran -betheiligen wollten und alle Vorbereitungen trafen, zum bestimmten -Tage auf Ponapè einzutreffen. -</p> - -<p> -Der deutsche Händler auf jenen Inseln Namens Schmidt, -fuhr aber unauffällig, wie schon sehr oft, als wüßte er nichts von -allem, in der Nacht zum 2. Juli ab und traf mit seinem Boote -und seiner Familie auf Lungur ein, gerade als Herr Ruß die bedenkliche -Botschaft der Häuptlinge empfangen hatte. Jetzt zu -dreien auf der Station mit einer Anzahl nicht einheimischer Arbeiter -beschlossen diese, wenn möglich, die Station zu halten. Doch am -nächsten Tage wurde ihre Lage sehr ernst, nach vollbrachter Niedermetzelung -der Spanier, sammelten sich die Aufständigen, um den -Deutschen dasselbe Schicksal zu bereiten. Alle anderen Händler -auf Ponapè in den verschiedenen Häfen als Mants, Kiti und -anderen ansässig, waren gleich auf die Nachricht hin, die Spanier -seien alle gefallen mit ihren Booten auf die weite See entflohen, -mit Recht befürchtend, sie würden demselben Schicksal und der -Rache der Eingebornen verfallen, die jetzt, bis auf die amerikanischen -Missionare, jeden Fremden tödten wollten und sich bemühten, -völligen Kehraus zu halten. -</p> - -<p> -Daß der Häuptling Lojap allein nicht einen Angriff auf die -deutsche Station unternommen hatte, lag daran, daß er wußte, -wie gefährlich im offenen Kampf die Waffe in der Hand der -Deutschen war und, daß sie die Drohung, auf jeden, der sich nähern -würde, zu feuern, wahr machen würden. Hatte er doch häufig -genug unsern Schießübungen beigewohnt, wenn wir auf bewegtem -Wasser Flaschen oder andere Gegenstände zerschossen und selten -nur das Ziel verfehlten. -</p> - -<p> -Die Häuser der Station, nur aus Holz erbaut, waren freilich -insofern ein ungenügender Schutz, als jede Kugel die schwachen -Wände durchschlagen mußte und so war die erste gemeinsam durchwachte -Nacht aufregend genug, da die Umschlossenen wohl bemerkten, -wie die Feinde zu ihrer Orientirung umherschlichen, ohne -jedoch zum Angriff überzugehen. -</p> - -<p> -Jene erwähnte Eigenschaft der Eingeborenen, nichts geheim -halten zu können, versetzte die Eingeschlossenen in die Lage, durch -Kundschaft die Absichten ihrer Feinde kennen zu lernen und zwar -<span class="pagenum"><a id="Page_120" name="Page_120" href="#Page_120">[120]</a></span> -wurde die Frau des Händlers Schmidt, eine Eingeborene von -Ponapè am nächsten Morgen ausgesandt, um sichere Nachrichten -einzuholen. Dieselbe brachte denn auch die Gewißheit, daß in der -kommenden Nacht der erwartete Angriff würde ausgeführt werden -— die Eingeborenen sammelten sich am Ostende der Insel Lungur. -</p> - -<p> -Dem gewissen Tode zu entgehen gab es jetzt nur noch eine -Möglichkeit — es mußte versucht werden, mit den Booten die -offene See zu erreichen, und wenn das gelungen war, dem Schicksale -vertraut werden. Die drei Deutschen, zwar bereit zu kämpfen, -hatten doch aber auch Weiber und Kinder zu schützen und sahen -wohl ein, daß es ein Unding sei, die große Station gegen eine -hundertfache Uebermacht zu halten. Darum wurden so geheim als -möglich alle Vorbereitungen getroffen, um mit der hereinbrechenden -Dunkelheit die Flucht zu wagen. -</p> - -<p> -Da die deutsche Station ziemlich frei gelegen war, konnte -ungesehen so leicht keiner herankommen, auch war es möglich, mit -Schußwaffen alle Seiten zu bestreichen. So führten denn die -Arbeiter ungehindert die Aufträge ihres Herrn aus und brachten -so unauffällig als möglich Lebensmittel u. s. w. zum Werfthause -und legten Bootsgeschirr, Segel und Ruder bereit. -</p> - -<p> -Aber trotzdem wurde dies alles doch vom Feinde bemerkt -und die Absicht erkannt. Da die Werft ganz links von der -Station lag, so konnte nicht bemerkt werden, wie einige durchs -Gebüsch und durchs Wasser längs derselben sich hinschlichen und -sämmtliche Boote, drei an Zahl, losschnitten und treiben ließen. -Die Bedrängten, die nun ihre letzte Hoffnung schwinden sahen, -setzten, als der Vorgang gleich darauf bemerkt wurde, alles daran, -die Boote wieder zu erhalten und einige Arbeiter, tüchtige -Schwimmer, brachten denn auch nach vieler Mühe zwei derselben -zurück. -</p> - -<p> -Die Boote wurden nun auf dem Riffe gegenüber der -Station im Bereich der Waffen festgelegt, aber da man nicht -daran gedacht hatte, daß sie mit der ablaufenden Ebbe festkommen -mußten, so kostete es viel Zeit und Mühe, als um 8 Uhr Abends -alles bereit war, nur eins der Boote wieder abzubringen, und -dieses, zum Ende der Werft gerudert, sollte dort bemannt werden. -Mit größter Vorsicht wurden die Frauen und Kinder dorthin gebracht, -die Männer trugen Geld, Bücher und Waffen hin und -fast schien es, als würden sie unbelästigt entkommen. Herr Ruß -aber, der als der letzte das Wohnhaus verschloß und zwei Behälter -mit Trinkwasser dann zum Boote schleppen wollte, wurde -von einem Kundschafter gestellt und angehalten, der schnell erkennend, -was hier vorging, seine Genossen durch einen lauten Ruf -herbeizulocken suchte. -</p> - -<p> -Wie groß die Gefahr, sah Herr Ruß schnell ein, er setzte -also die Behälter schnell nieder, und zwang mit gezogenem Revolver -<span class="pagenum"><a id="Page_121" name="Page_121" href="#Page_121">[121]</a></span> -den Verräther, der unbewaffnet war, dies Wasser selber in -schnellster Gangart zum Boote zu tragen. In größter Eile wurde -darauf ins Boot geworfen, was zur Hand war, vor allem -Korallensteine aus der Werft gerissen, um das Boot zu beschweren, -dann sprangen die Nahestehenden hinein und losgeschnitten trieb -das Boot in die Nacht hinaus. Die meisten der Arbeiter, die -zurückbleiben mußten, sprangen seitwärts auf das Riff und flohen -strandaufwärts. -</p> - -<p> -Keine Minute zu früh waren die Flüchtlinge entkommen, -denn von allen Seiten stürmten die Feinde heran; schnell folgten -flinke Kanoes den Fliehenden, die aber den Vorsprung ausnutzend -und mit rasch entfaltetem Segel vor dem Winde laufend, durch -die Riffenge die offene See gewannen, wo im bewegtem Wasser -kein Kanoe ihnen mehr zu folgen vermochte. -</p> - -<p> -Man könnte fragen, warum die Deutschen sich nicht auf die -„Maria de Melina“ geflüchtet haben. Solcher Versuch aber -wäre wohl fehlgeschlagen, denn die Spanier hätten höchst wahrscheinlich -auf das in der Dunkelheit sich nähernde Boot Feuer -gegeben. So würden sie den Feinden entronnen, von Freunden -niedergeschossen worden sein. Auch war ihnen bekannt, daß in -dieser Nacht der Versuch gemacht werden sollte, die so schwach -vertheidigte Korvette zu nehmen. Daß dieses unterblieb, das -hatte die schwache Besatzung der geglückten Flucht der Deutschen -zu danken, denn da diese nun den Händen der Aufständigen entgangen -waren, so wurde die Unschlüssigkeit unter den Häuptlingen -wieder groß, die vermeiden wollten, daß über die Vorgänge auf -Ponapè irgend welche Nachricht verbreitet würde. Sobald die -Deutschen die freie See gewonnen und keine Verfolgung mehr zu -befürchten war, wurde beschlossen nach der 75 Seemeilen von -Ponapè in Südwest-Richtung liegenden Inselgruppe Ngatik zu -segeln, dem nächsten Land außer Parkim. Sie wurden aber -durch die Verhältnisse gezwungen diesen Plan aufzugeben, denn -wie gut nämlich auch alles vorher bedacht und überlegt worden -war, in der Hast war im letzten Augenblicke nicht darauf geachtet -worden, was in das Boot hineingeworfen wurde und nun stellte -sich, als auf bewegtem Meere eine Untersuchung vorgenommen -wurde, zum allgemeinen Schrecken heraus, daß nur sehr wenig -Mundvorrath im Boote war. -</p> - -<p> -Es blieb also nichts übrig, als den Kurs nach Parkim zu -nehmen, wo es vielleicht noch möglich war, aus dem Hause des -Händlers Lebensmittel zu holen, sofern die Eingeborenen -es noch nicht erbrochen und ausgeraubt hatten. Der frische -Wind trieb das schnelle Boot durch die Wogen und schon -nach Mitternacht fanden die Flüchtlinge sich in der Nähe der -Station. Hier ließen Ruß und Schmidt ihr Boot mit seinen Insassen -zurück und gingen mit einigen Leuten auf Kundschaft aus; -<span class="pagenum"><a id="Page_122" name="Page_122" href="#Page_122">[122]</a></span> -der dritte Deutsche und ein Eingeborener von Guam (Marianen-Archipel) -San Jago, der mit den Deutschen alle Gefahren redlich -theilte, blieben im Boote zurück und bewachten einen der Parkim-Leute, -der zur Bootsbesatzung des Herrn Schmidt gehörte, und -da ihm nicht zu trauen war, nicht freigelassen werden durfte. -</p> - -<p> -Was Eßbares noch im unversehrten Hause vorgefunden -wurde (wenig genug war es), wurde so schnell und geräuschlos -als möglich fortgeschafft, ebenfalls noch frische Kopra und zahlreiche -Kokosnüsse. Alles ging gut, in früher Morgenstunde konnte -wieder abgesegelt werden, um jetzt den Kurs südwärts nach Ngatik -zu richten. Der gefangen gehaltene Mann wurde vorher frei gelassen, -schon um einen Esser weniger zu haben, es waren ihrer im -Boote doch genug. -</p> - -<p> -Es war ein gefährliches Unternehmen. Die in dieser Jahreszeit -eintretenden Windstillen, die unbekannten Meeresströmungen, -sowie öfters sturmartige Böen von langer Dauer machten es mehr -als zweifelhaft, ob es den Seefahrern überhaupt gelingen würde, -so niedriges Land, wie die kleinen Koralleninseln es sind, aufzufinden; -doch im schlimmsten Falle konnte man das hohe Land -von Ponapè immer wieder aufsuchen, das bei klarem Wetter doch -beinahe 60 Seemeilen weit sichtbar blieb. -</p> - -<p> -Mit dem seetüchtigen Boote war es auch nicht so sehr gefährlich -große Strecken zu machen, dennoch mag ihnen allen nicht -sonderlich zu Muthe gewesen sein, da keiner auf dem Ozean die -Wege, die zu Land und friedlichen Menschen führten, kannte. -</p> - -<p> -So kam der Tag mit seiner Gluth, einsam zogen sie auf -weitem Meere dahin — es kam die Nacht und brachte einen -Gewittersturm, der sie weit aus ihrem Kurs verschlug — und -wieder kam trostlos ein Tag für sie; nun wußte keiner mehr -wohin, auf bewegtem Ozean irrten sie umher, kein Land in weiter -Runde — die Inselgruppe Ngatik fanden sie nicht und mußten -nun, um bloß zu wissen, wo sie sich befanden, nach Osten gegen -den Wind aufkreuzen. Tage sahen sie kommen und gehen, bis -endlich Ponapè wieder in Sicht kam. -</p> - -<p> -Der Insel nahe, erkannte Herr Ruß, daß sie sich an der Südseite -von Ponapè befanden und wollte nun versuchen, in Kiti-Hafen -einzulaufen, wo, wie er wußte, im Hause des dort ansässig -gewesenen amerikanischen Händlers sich eine Seekarte befand, die, -wenn noch vorhanden, ihnen wenigstens einen Anhalt bot, wo sie -weiter Land finden könnten. Wohl erinnerte sich Herr Ruß, daß -ich ihm den genauen Kurs nach Mokil, der nächsten östlich von -Ponapè liegenden Insel, einst angegeben hatte, aber muthlos geworden, -mit wenig Mundvorrath im Boote — Wasser hatten sie -sich bei verschiedenen Regengüssen mit ihrem Segel aufgefangen — -mochte keiner mehr zu einer neuen Irrfahrt rathen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_123" name="Page_123" href="#Page_123">[123]</a></span> -Im Kiti-Hafen eingelaufen, bemerkten sie, daß die dortigen -Bewohner, die längst das sich nahende Boot erkannt, die Absicht -hatten, mit Kanoes ihnen den Weg zu verlegen, und nur mit -genauer Noth entgingen sie zum zweiten Male ihren Verfolgern. -Auf Ponapè durften sie also nirgends landen, sie segelten deshalb -wieder nordwärts unter dem Außenriffe hin und suchten die Parkim-Inseln -abermals auf. -</p> - -<p> -Ueberrascht, am Strande vor der Station das Boot des -Herrn Schmidt zu finden, erfuhren sie bald, daß die auf Ponapè -zurückgebliebenen Arbeiter noch in derselben Nacht, als sie selbst -geflohen waren, dem Beispiel ihres Herrn gefolgt und das zweite -Boot mit steigender Fluth vom Riffe frei gemacht hatten, um ihr -Heil auf dem Meere zu suchen; ein ungewisses Schicksal zogen die -Leute dem gewissen Tode von der Hand der erbitterten Feinde vor. -</p> - -<p> -Die Deutschen fanden die Hauptinsel gänzlich verlassen, die -Eingebornen waren mit ihren Kanoes abgesegelt, nachdem sie die -Station gänzlich ausgeraubt hatten, um sich am Aufstand auf -Ponapè zu betheiligen. So konnten sie denn in Ruhe sich nach -Lebensmitteln umsehen, sie fanden fast nur Kokosnüsse und Brotfrucht, -doch gelang es ihnen auch noch einige Schweine zu schießen -und Hühner einzufangen, die sie zubereitet mit sich nahmen. -</p> - -<p> -So ausgerüstet, wollte Herr Ruß zum zweiten Male versuchen -Ngatik aufzufinden. Auf Parkim durften sie nicht bleiben; -die siegestrunkenen Eingebornen hätten sie nach ihrer Rückkehr -sicher nicht geschont. Sie segelten also mit beiden Booten wieder -ab und vertrauten sich abermals dem Ozean an. Aber als der -zweite Tag anbrach, fanden sie wieder kein Land — schon muthlos, -zum Theil verzweifelt, wollten sie jetzt das Boot westwärts -laufen lassen, auf gut Glück einem unbestimmten Schicksal entgegen -gehen. -</p> - -<p> -Doch nur kurze Zeit hielten sie diesen Kurs, da entdeckte -einer ihrer Leute, der auf den schwankenden Mast geklettert war, -mit seinen scharfen Augen in weiter Ferne südwärts die Kronen -hoher Palmenbäume über den im Sonnenlicht glitzernden Wogen, -sein Ruf „Land, Land“ riß alle aus ihrer Versunkenheit empor — -nach Stunden schon lag vor ihnen das ersehnte und so vergeblich -gesuchte Ziel — hier wenigstens waren sie sicher vor ihren einst -so guten Freunden, nun aber um so mehr erbitterten Feinden. — -</p> - -<hr class="chapend" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak"> -VII. Das Auffinden der Entflohenen. -<br />Rückreise nach Samoa. Ende. -</h2> -</div> - -<p> -Die geschilderten Vorgänge sind die wortgetreue Wiedergabe -dessen, was mir die später Aufgefundenen erzählt haben und ich -überzeugte mich selber davon, daß alle Angaben der Wahrheit entsprachen, -<span class="pagenum"><a id="Page_124" name="Page_124" href="#Page_124">[124]</a></span> -ja selbst, daß die Irrenden auf weitem Meer viel Härteres -erduldet hatten, als sie zu berichten imstande waren. -</p> - -<p> -Von jenen Ereignissen auf Ponapè, insonderheit davon, daß -ein Aufstand dort befürchtet wurde, ahnte auf den Marschall-Inseln -Niemand etwas. Ich lag mit meinem Schiffe „Futuna“ bereit, -in wenig Tagen über Pleasant-Eiland nach Ponapè abzusegeln, -ebenso der deutsche Dreimast-Schooner „Brigitta“, der, wie bestimmt, -mit mir zusammen dort eintreffen sollte. Es war am -6. Juli um die Mittagsstunde, als, wie gewöhnlich, wenn ein -Schiff in Sicht gekommen, das laute „Sail ho“ von den Eingebornen -auf Jaluit gerufen wurde und von den hohen Schiffsmasten -über die niedrige Insel hinweg auf den Ozean schauend, -erkannte man bald, daß das Missionsschiff, der Dampfer „Morningstar“ -auf die Südostdurchfahrt von Jaluit abhielt. Doch wie sonst -lief das Schiff nicht in den Hafen ein, sondern drehte bei und -sandte nur ein Boot hinein, das geradewegs zum deutschen Reichskommissar -fuhr und diesem wichtige Nachrichten überbrachte. -</p> - -<p> -Ohne Verweilen fuhr das Boot wieder ab; bald hatte sich -die Kunde wie ein Lauffeuer verbreitet, auf Ponapè hätten die -Eingebornen unter den Spaniern ein furchtbares Blutbad angerichtet, -die deutschen und anderen Händler seien diesem zwar -glücklich entronnen, irrten aber auf dem weiten Meere umher, dem -sie sich in leichten Booten anvertraut hätten. Alle Schiffe, die in -Ponapè einliefen, ließen die Bewohner nicht wieder fort, um zu -verhindern, daß nach Westen den Spaniern Nachricht über den -Aufstand gebracht würde. -</p> - -<p> -Welche Gefahr für die deutschen Stationen auf Ponapè -entstanden war, ließ sich gar nicht beurtheilen, vielleicht war der -ganze Handel auf dieser reichen Insel zerstört, vielleicht durch Vernichtung -der Bauten und Güter, der Gesellschaft ein ungeheurer -Schaden zugefügt worden. -</p> - -<p> -Leider war die mir gegebene Weisung, daß ich zuerst nach -Pleasant-Eiland laufen sollte, nicht mehr zu ändern, so wurden -denn schleunigst Waffen und Schießbedarf an Bord geschafft, damit -wir, wenn nöthig, uns vertheidigen könnten. In aller Frühe des -7. Juli verließ ich den Hafen von Jaluit mit der Weisung, die -Reise nach Möglichkeit zu beschleunigen und, wenn ich Ponapè erreicht -hätte, vorerst nach den Entflohenen zu suchen; in dem Hafen -dort aber nicht eher einzulaufen, als bis ich mich vergewissert, ob -solches ohne große Gefährdung für Schiff und Mannschaft geschehen -könne. -</p> - -<p> -Nach Pleasant-Eiland, von welcher Insel ich eine beträchtliche -Menge Kopra für die „Brigitta“ abzuholen und auf welcher -ich auch viel Ladung, Güter und Holz, zu landen hatte, gelangte -ich schon nach wenigen Tagen und kreuzte hier unablässig drei Tage -und Nächte. Schon war am vierten Tage die Ladung zum größten -<span class="pagenum"><a id="Page_125" name="Page_125" href="#Page_125">[125]</a></span> -Theil an Bord gebracht, als der Wind plötzlich schwächer wurde, -der Abstand von der Insel vergrößerte sich immer mehr und sah -ich ein, daß ich gegen den Strom mich nicht mehr halten würde, -deshalb Signale für den an Land befindlichen Geschäftsführer aufhißend, -kam dieser schließlich ab; brachte jedoch den deutschen Händler -ebenfalls mit, weil er mit diesem noch nicht alles Geschäftliche erledigt -hatte. -</p> - -<p> -In der Voraussetzung, der Wind würde wieder stärker werden, -blieb der Händler auf Anrathen des Geschäftsleiters an Bord und -ließ sein Boot zur Insel zurückfahren; aber die Hoffnung erwies -sich als trügerisch, der Wind wurde ganz still und am nächsten -Morgen war kein Land mehr in Sicht. Ob das Boot, da der -Abstand zwischen Land und Schiff schon ganz beträchtlich gewesen -war, die Insel wieder erreicht hat, darüber habe ich Gewisses nie -erfahren können. -</p> - -<p> -Wie verhängnißvoll der Strom für die Insassen eines Bootes -werden kann, zeigt folgender Vorfall, der sich im Jahre 1889 zutrug -und den auf Pleasant-Eiland ansässigen Europäern, die mir persönlich -wohl bekannt waren, nebst ihren Leuten das Leben kostete. -</p> - -<p> -Im Juli 1889 wurde im Bismarck-Archipel die Nachricht -verbreitet, es seien auf der Insel Tatan drei Weiße und eine Anzahl -Kanaken von den dortigen Eingebornen ermordet worden. -Da S. M. Schiffe „Alexandrine“ und „Sophie“, im Bismarck-Archipel -anwesend waren, unternahm die „Sophie“ es, nähere Erkundigungen -einzuziehen und es bestätigte sich, daß zwar keine -Europäer, aber sieben Eingeborne von Pleasant-Eiland, sowie zwei -Frauen erschlagen waren, zwei Frauen aber noch lebten, von denen -eine, ein junges Mädchen, Irivon mit Namen, ermittelt werden -konnte und auf ihren Wunsch an Bord des Kriegsschiffes nach -Matupi gebracht wurde. -</p> - -<p> -Der dort ansässige Vertreter der Firma Hernsheim & Co., -Herr Thiel, der mehrere Jahre auf den Marschall-Inseln (Jaluit) -gelebt hatte und die Sprache dieser Insulaner verstand, erfuhr aus -dem Munde des Mädchens Folgendes: -</p> - -<p> -Sie selbst sei einst mit dem Schooner „Mangaribien“ (Kapt. -Reiher) von Pleasant-Eiland nach Likieb gekommen und habe -dort gearbeitet, später sei sie längere Zeit auf Jaluit thätig gewesen, -dann aber, als sich Gelegenheit geboten, in ihre Heimath -zurückkehren, habe sie sich mit noch drei anderen Weibern auf -einem nach Pleasant-Eiland bestimmten Fahrzeuge eingeschifft. -Als die Insel schon in Sicht war, sei dieses wahrscheinlich vom -harten Strom gefaßt, und abgetrieben worden. Vorher aber sei -noch ein Boot mit den Europäern von der Insel gekommen, die -Waaren aufgekauft hätten; es waren dies die Händler Harris, -van Been (ein Holländer) und Bair, begleitet von dem Häuptlinge -Banegain und 6 Kanaken. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_126" name="Page_126" href="#Page_126">[126]</a></span> -Diese nun hätten sie und die anderen Weiber zu ihrer -Freude mit in das Boot genommen, doch wegen des zu starken -Stromes, den zu überwinden die Mannschaft zu schwach gewesen, -hätten sie die Insel nicht erreicht sondern wären drei Monate auf -dem Ozean umher getrieben; das Leben hätten sie von den aufgekauften -Lebensmitteln, Hartbrod und Reis gefristet. Nach entsetzlichen -Leiden wären dann zuerst Bair, dann van Been, zuletzt -Harris gestorben, wohl aus Mangel an Wasser. Längere Zeit -nach dem Tode der Weißen wären sie an eine Insel angetrieben, -auf der sie sich für den im Boote befindlichen Taback Kokosnüsse -hätten kaufen wollen. -</p> - -<p> -Sie hätten auch Nüsse erhalten, darauf aber wären die -Eingeborenen in das Boot gekommen und hätten mit Tomahawks -die sieben männlichen Kanaken und zwei Weiber erschlagen. Sie -selbst und ein Weib, Namens Bananie, waren ins Wasser gesprungen -und weggeschwommen. Aus dem Wasser hätten die -Eingeborenen Papilin und Mamalu sie gezogen und vor der -Wuth der anderen dadurch gerettet, daß sie sie in ihre Hütten -aufnahmen und zu ihren Frauen machten. -</p> - -<p> -In ähnlicher Weise wie das erwähnte Schiff war auch ich -wieder von dieser Insel abgetrieben und hatte keine Aussicht schnell -dorthin zurückzukehren, um wenigstens den Händler wieder abzusetzen; -versuchte ich es, konnten Wochen hingehen, ehe es mir gelang, -die Insel zu erreichen, was mit meiner Weisung, schnell -nach Ponapè zu segeln, nicht zu vereinbaren war. Deshalb besann -ich mich nicht lange, als jede Aussicht auf frischen Wind geschwunden -war, sondern ließ das Schiff nordwärts vom schwachen -Windhauch langsam durch die spiegelglatte See treiben, um aus -dem widrigen Strom herauszukommen; viel nöthiger schien es -mir, den von Ponapè Entflohenen Hilfe zu bringen, als unersetzliche -Zeit zu opfern, um Pleasant-Eiland wieder aufzusuchen. -</p> - -<p> -48 Stunden waren hingegangen, als gegen Abend wie gewöhnlich -die Pumpen untersucht wurden, weil das im Schiffe angesammelte -Wasser ausgepumpt werden sollte. Da fand sich, daß -über 3 Fuß Wasser im Schiffsraum war. Bald wurde es zur -Gewißheit, daß wir uns auf einem leckenden Schiffe befanden, -denn obgleich unablässig die Nacht hindurch gepumpt wurde, war -erst gegen Morgen das Wasser bewältigt. -</p> - -<p> -Unter anderen Verhältnissen wäre es, wenn nicht die -dringende Sorge um die von Ponapè geflüchteten Deutschen mich -gezwungen hätte, die Reise fortzusetzen, meine Pflicht gewesen, -wieder nach Jaluit zu segeln, da ich nicht wissen konnte, ob ich in -der Folge mit der Mannschaft würde das Schiff halten können. -So wurde der Kurs nicht geändert — aber es war, als sollten -wir nicht vorwärts kommen, denn selbst in den äquatorialen -<span class="pagenum"><a id="Page_127" name="Page_127" href="#Page_127">[127]</a></span> -Gegenstrom gelangt, fanden wir wenig Wind und trieben eigentlich -mehr nach Westen, als daß wir segelten. -</p> - -<p> -Die Ursache, daß das Schiff leck geworden, war der Seewurm -gewesen, der an einer vom Kupfer entblößten Stelle nahe -am Kiel zwei Planken durchfressen hatte. Dieser Wurm bohrt sich -als unscheinbares Thierchen in das Holz hinein, wächst darin bis -zur Fingerstärke, und wenn eine Planke ganz durchbohrt ist, genügt -ein größeres Loch, das Schiff in ernstliche Gefahr zu bringen. -</p> - -<p> -Als ich im Januar 1887 das von Apia gekommene Schiff -übernahm, wurde mir nicht bekannt gegeben, daß dieses vorher auf -einer Reise nach der Gilbert-Gruppe in der Lagune von Tapetuea -auf ein Riff gerathen war und dort wahrscheinlich am Kupfer -Beschädigungen erlitten hatte; wären diese gleich in Apia in Stand -gesetzt, d. h. das beschädigte Kupfer ausgebessert worden, so hätte -das sonst so gute Schiff der Seewurm nicht durchfressen können. -Doch es war geschehen und vorläufig nichts weiter zu machen, als -durch ständiges Pumpen das Schiff über Wasser zu halten. -</p> - -<p> -Es ist übrigens eine besondere Vorsicht nöthig, wenn man -die nicht mit Kupfer oder Zink beschlagenen Fahrzeuge, wie Boote, -aussetzen will, denn sehr zahlreich bohren sich diese kleinen Würmer -ein und sind im Stande, Bootsplanken von ½ bis 1 Zoll Stärke -schon nach mehreren Wochen völlig zu zerstören. Darum dürfen -selbst mit Kohlentheer bestrichene Boote nie lange im Wasser liegen -bleiben, sondern müssen stets aufs Land geholt werden, sobald sie -außer Gebrauch gesetzt sind. -</p> - -<p> -Auch die Eingebornen im weiten Ozean auf jeder Insel befolgen -diese Regel, ob ihre Kanoes klein oder groß sind, stets holen -sie diese nach dem Gebrauche aufs trockene Land. -</p> - -<p> -Meine Absicht war, zuerst die Insel Mokil anzulaufen, da -ich vermuthen konnte, daß dorthin die von Ponapè entkommenen -Händler geflohen wären, oder wenigstens von mehreren der Versuch -gemacht sein würde diese Insel zu erreichen, da es für sie dort -eher möglich war, ein vorübersegelndes oder dort anlaufendes -Schiff anzutreffen. Aber trotzdem, daß tagelang die Insel in -Sicht war, konnte ich wegen Windstille doch nicht herankommen, -und als endlich wieder leichter Wind aufsprang, war ich zu weit -entfernt, so daß es besser war, geradewegs nach Ponapè zu laufen. -</p> - -<p> -Vor der Nordeinfahrt angekommen sah ich die „Brigitta“ im -Hafen liegen, nicht weit entfernt vom spanischen Kriegsschiff, und -als ich auch Boote zwischen beiden Schiffen verkehren sah, hielt ich -jede Gefahr für ausgeschlossen und lief hinein. -</p> - -<p> -Die „Brigitta“, später von Jaluit abgegangen, hatte zwar -leichten aber ständig guten Wind auf ihrem viel nördlicheren Kurse -gefunden, hatte auch Mokil angelaufen und einige dorthin geflüchtete -amerikanische Händler gesprochen, dieselben waren aber vollständig -unwissend über das Schicksal der Deutschen. Das Schiff umsegelte -<span class="pagenum"><a id="Page_128" name="Page_128" href="#Page_128">[128]</a></span> -darauf Ponapè, lief nach Parkim und Ngatik, fand aber auf letzterer -Gruppe die Geflüchteten nicht mehr vor. Diese hatten dort, entblößt -von allen Mitteln, kaum ihr Leben fristen können und, als -der Zeitpunkt gekommen, wo Herr Ruß ein Schiff erwarten konnte, -daß von Jaluit nach Ponapè unterwegs wäre, hatte er es mit -den Gefährten gewagt, ihm nach Mokil entgegen zu segeln. -</p> - -<p> -Dort angelangt hörte er, daß die „Brigitta“ vor kurzem ihn -dort gesucht hätte und nochmals dieserhalb nach Ngatik gesegelt -wäre. Da sich gerade günstige Gelegenheit bot schleunigst dem -Schiffe zu folgen, nahm er einen Platz auf einem amerikanischen -Schooner und ließ sich auf Ngatik, wo er sein zweites Boot zurückgelassen -hatte, wieder absetzen. Aber auch hier kam er wieder zu -spät an und mußte sich nun zum zweiten Male mit seinem Boote -der trügerischen See anvertrauen. Doch als er abermals Mokil -erreicht hatte, war die Brigitta, die ihn vergeblich gesucht, vor ihm -zu dieser Insel zurückgekehrt, hatte sein großes Boot mitgenommen -und war nach Ponapè weiter gegangen. -</p> - -<p> -Diese langwierigen und im offenen Boote nicht ungefährlichen -Reisen hatte denn auch die Umherirrenden stark mitgenommen; -vor allem hatte die seit langen Wochen schlechte Ernährung ihr -körperliches Befinden schädlich beeinflußt. Doch nichts anderes -blieb übrig, als nochmals dem Schiffe zu folgen; endlich wurde -es an der Nordseite von Ponapè umhertreibend aufgefunden. -</p> - -<p> -Seit dem 2. Juli bis zu dem Tage, an welchem die deutschen -Schiffe eingelaufen waren (ich traf etwa 36 Stunden nach der -„Brigitta“ ein) war inzwischen ein spanischer Kriegsdampfer, der -während des Aufstandes schon auf der Reise nach Ponapè gewesen, -angekommen, hatte die fast verlassene „Maria de Melina“ neu -besetzt und war dann mit der traurigen Nachricht von der Niedermetzlung -der Garnison und der Schiffsbesatzung schnell nach Manilla -zurückgedampft. -</p> - -<p> -Unter dem Schutze des jetzt wieder starken Kriegsschiffes -konnten wir auf Lungur landen; doch wie verändert war dort -alles! Wo einst schöne Wege, wucherten Gras und Unkraut, was -in schönster Ordnung gewesen, war verfallen. Zwar hatten die -Eingebornen die Station nicht zerstört, sondern nur erbrochen und -Waffen und Munition herausgeholt, auch sonst mitgehen heißen, -was ihnen nützlich schien, doch war der Schaden und die Zerstörung -groß genug. -</p> - -<p> -Nachdem die „Maria de Melina“ Verstärkung erhalten, eröffnete -der neue Kommandant Jose de Concha sehr bald die Beschießung, -alle im Bereiche der Geschütze liegenden Inseln und -Ortschaften wurden unter Feuer genommen; doch, da diese eine -ausrangirte Segelkorvette mit alten Vorderladern war, die ihren -Ankerplatz nicht verlassen konnte, blieb die Beschießung so gut wie -erfolglos. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_129" name="Page_129" href="#Page_129">[129]</a></span> -Wie die Eingebornen erzählten und auch von anderer Seite -verbürgt wurde, sind sie, sobald ein Geschoß eingeschlagen hingelaufen -und haben, überzeugt von seiner Gefahrlosigkeit, den Zünder herausgerissen; -der solches unternahm, dem gehörte dann auch das in -dem Halbgeschosse enthaltene Pulver. Nur eine Kugel, die auf -solche Weise erlangt wurde, platzte, als ein Verwegener die Lunte -fassen wollte, und riß ihm beide Beine weg. So unglaublich dies -auch klingen mag, so ist es doch wahrscheinlich, denn die jedenfalls -längst nicht mehr zeitgemäßigen Geschütze und die ganz veralteten -Geschosse waren zu einer erfolgreichen Beschießung nicht mehr -geeignet. -</p> - -<p> -Der Verkehr mit den spanischen Offizieren, während unserer -Anwesenheit auf Lungur, war recht freundlich, sie zeigten sich uns -in jeder Weise gefällig, auch hatten sie keinen anderen Verkehr und -konnten mit Sicherheit nur auf der Insel Lungur landen, da jedes -Betreten der Hauptinsel selbst ihnen mit Waffengewalt von den -Eingebornen verwehrt wurde. In welcher Weise die Spanier, -wenn die erwartete Verstärkung von Manilla eingetroffen sei, vorgehen -würden, darüber äußerte sich der Kommandant Jose de -Concha folgendermaßen: -</p> - -<p> -Es sollten rund um Ponapè befestigte Stationen unter dem -Schutze mehrerer dort stationirter Kriegsschiffe errichtet werden und -würden dann tausend Mann genügen, bei allmählichem Vordringen -die Aufständigen zu Paaren zu treiben. Namentlich sollten die -Bezirke Jokoits, Nut, Aru, Mants und Tahunk gesäubert werden. -Wären einmal die Eingebornen in das unwirthliche Innere der -Insel getrieben, würden sie durch Hunger und Mangel an Schießbedarf -genöthigt, bald genug zu Kreuze kriechen. -</p> - -<p> -Doch die Erwartungen, die dieser Kommandant gehegt, haben -sich nicht erfüllt, Spanien konnte vorläufig solche Macht nicht entfalten -und als diese später zur Stelle war, mußte es sich mit der -Bestrafung der Hauptbetheiligten begnügen, denn inzwischen waren -auch die Bewohner von Ruk und Yab in den Aufstand eingetreten, -und bald versuchten auf der ganzen Gruppe der Karolinen im -Osten wie im Westen fast gleichzeitig die kriegerischen Stämme, sich -von dem ihnen auferlegten Zwange zu befreien. -</p> - -<p> -Es ist eine Eigenthümlichkeit der Spanier, daß sie so schnell -zu strengen Maßregeln in neuerworbenen Ländern den Eingebornen -gegenüber schreiten und immer geschritten sind und so wenig ihre -Gebräuche und Sitten berücksichtigen. Und gerade auf den Karolinen -war Gewalt am wenigsten angebracht, hier, wo diese Völker -noch nie die Hand einer stärkeren Macht gefühlt, wo sie unabhängig, -frei und zufrieden lebten. -</p> - -<p> -Unausgesetzte Kämpfe werden die Spanier, so lange diese -Inseln in ihren Händen verbleiben, führen müssen, bis der letzte -Rest dieses begabten Volkes dem Verderben geweiht ist, bis die -<span class="pagenum"><a id="Page_130" name="Page_130" href="#Page_130">[130]</a></span> -weiten blühenden Fluren, auf denen hundertfacher Segen die geringe -Arbeit lohnt, Brandstätten und Trümmer geworden sind; die -Spanier werden endlich Sieger bleiben, aber um welchen Preis! -</p> - -<p> -Die Kulturarbeit auf diesen Inseln wird ein ander Volk, -wenn das jetzt dort lebende Geschlecht in seinem Heimathlande -begraben und vergessen ist, zum späteren Segen vollbringen -müssen. — -</p> - -<p> -Sobald beide Schiffe segelfertig waren, verließen wir die -deutsche Station auf Lungur: Herrn Ruß nahm ich mit nach -Jaluit, er durfte nicht zurückbleiben, über kurz oder lang wäre er -doch der Rache der Eingebornen verfallen. Die „Brigitta“ steuerte -westwärts nach Yab, wo sie vollständig verloren ging, mit der -„Futuna“ aber ging ich nordwärts nach dem Providenz-Atoll. -Obgleich das Schiff noch immer stark leckte, die Pumpen zu bestimmten -Stunden bei Tag und Nacht stets in Betrieb gehalten -werden mußten, so hatten doch tüchtige Taucher dem Schlimmsten -durch Uebernageln eines Stückes Kupfer am Schiffsboden abgeholfen, -und da ich auch u. A. für den einsam auf jenem Atoll -lebenden Deutschen Proviant an Bord hatte, wo seit 8 Monaten -kein Schiff erschienen war, hielt ich es für nothwendig auch dort -noch einzulaufen. -</p> - -<p> -Von Ujelang segelte ich zurück nach Pingelap, einer zwischen -Ponapè und Kusai liegenden Insel; dort holte ich mir von dieser -eine neue Besatzung, Leute die ich mir erst auszubilden hatte, -welche aber wegen geringerer Heuer eine Ersparniß ermöglichten, -und kehrte von hier geradenwegs nach Jaluit zurück. -</p> - -<p> -Die „Futuna“ war in den Marschall-Inseln nicht auszubessern, -darum beschloß der Vertreter der Gesellschaft, Herr Brandt, -dieselbe nach Apia zu senden; doch mußten vorerst noch sämmtliche -Stationen mit Handelsgegenständen versehen werden, und auf -dieser langen Rundreise durch die Marschall-Gruppe lernte ich verschiedene -mir noch nicht bekannte Atolle kennen. -</p> - -<p> -Was die Kulturfrage anbelangt, die das deutsche Reich auf -diesen fernen Inseln besonders berücksichtigen muß, so kann ich -erwähnen, daß die Ertragfähigkeit noch einer ganz bedeutenden -Steigerung fähig ist, sofern der Sinn der einheimischen Bevölkerung -für den Handel immer mehr geweckt und diese angeleitet wird, -mehr zu erzielen als bisher, was darauf hinausläuft, die vielen -brachliegenden Inseln mit Kokosbäumen zu bepflanzen. Dadurch -würde nicht bloß ein greifbarer Vortheil erzielt, sondern auch -der Gefahr vorgebeugt, daß die Wogen des Ozeans zeitweilige -Zerstörungen auf diesen niedrigen Koralleninseln anrichten können. -Findet doch jede hier wachsende Baumart, vornehmlich die Kokospalme, -selbst auf steinigen Korallengrund, einen dankbaren Boden -und gutes Fortkommen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_131" name="Page_131" href="#Page_131">[131]</a></span> -Im Begriffe nach Samoa abzusegeln, mußte ich meinen -Obersteuermann Kannegießer, der die Führung des Schooners -„Ebon“ erhielt, welches Schiff dem König Kabua und Nelu gehörte, -zurücklassen, und an seiner Stelle den Japanesen Kitimatu -nehmen. Kannegießer, der auf den Marschall-Inseln seit jener -Zeit verblieben ist, wurde 1894 auf der Insel Butaritari (Gilbert-Gruppe) -von den Eingebornen dort, die im Verkehr viel unzugänglicher -sind als die Marschall-Insulaner, ermordet. In den -letzten Tagen des Jahres 1887 verließ ich Jaluit; gegen starken -östlichen Wind aufkreuzend, hoffte ich östlich von der Gilbert- und -Ellis-Gruppe nach Süden segeln zu können, fand aber noch nördlich -vom Aequator wieder solchen starken Strom, daß ich gezwungen -war, diesen Plan aufzugeben, und zwischen 8 bis 12 Grad nördlicher -Breite fortan Ost zu gewinnen suchte. -</p> - -<p> -Oft genug hatte ich die Erfahrung gemacht, daß, während -im südlichen Theil der Marschall-Inseln gutes Wetter vorherrschend -war, im nördlichen zur Zeit des Nordost-Passates starke Winde -wehten, so daß an den Gestaden der nördlichsten Atolle sich eine -schwere See brach; ob die Annahme, jene Atolle sinken noch langsam, -erwiesen ist oder nicht, steht dahin, soviel aber ist sicher, daß die -nördlichsten Atolle wegen der immer weiter vordringenden See von -ihren Bewohnern haben verlassen werden müssen und die wenigen -noch über dem Meere liegenden Inseln heute unbewohnt sind. -</p> - -<p> -Auf 176 Grad westlicher Länge, nahe der Linie, die ich in -wenig Stunden zu passiren erwarten konnte, sahen wir, als die -Sonne in ihrer wunderbaren Schönheit über den endlosen Ozean -aufgegangen war, plötzlich wenige Seemeilen voraus eine niedrige, -unbewachsene und unbewohnte kleine Insel. Als wir näher gekommen -waren und dieser auf der Westseite vorüberfuhren — ich -hatte schon tags vorher weit nördlicher erwartet eine Insel zu sehen -und war überrascht jetzt noch eine unerwartet in Sicht zu laufen -— sah ich, daß nahe derselben eine große Menge Haifische umherschwamm, -auf dem niedrigen Sande aber saßen abertausend Seevögel, -die noch mit ihrer Morgentoilette beschäftigt sich erst in -Schwärmen erhoben, als der ungewohnte Anblick des immer näher -kommenden Schiffes sie aufscheuchte. -</p> - -<p> -Nicht das geringste war auf diesem öden Sand weiter zu -entdecken, nur hin und wieder leuchteten im Sonnenstrahl weiße -Flecken auf, es waren die angehäuften Ausleerungen der Seevögel, -die in Schaaren noch saßen oder mit krächzendem Geschrei -in der Luft umherschwirrten. Die Gelegenheit wäre günstig gewesen, -hier frische Eier in Mengen zu erhalten, doch sah ich nirgends -an der Westseite flacheren Grund und erst ganz dicht heranzulaufen -und danach zu suchen schien mir der Mühe nicht werth. So segelte -ich weiter, zufrieden, daß die im direkten Kurs gelegene Insel erst -am frühen Morgen in Sicht gekommen und nicht, als noch Dunkelheit -<span class="pagenum"><a id="Page_132" name="Page_132" href="#Page_132">[132]</a></span> -herrschte, von uns getroffen war, denn dann hätte sie uns -und dem Schiffe verhängnißvoll werden können. -</p> - -<p> -Uebrigens war ich auf alle Möglichkeiten vorbereitet, wenn -das schon stark leckende Schiff nicht mehr zu halten gewesen wäre -— die Mannschaft konnte nichts weiter thun, als nur die Segel -bedienen und unablässig jede halbe Stunde pumpen, — dann hätte -ich dieses mit den bereit gehaltenen Booten, in denen für Wochen -Mundvorrath und Wasser bereit lag, verlassen. -</p> - -<p> -Schon darum war ich soweit nach Osten aufgesegelt und -suchte, als der Aequatorialstrom schwächer geworden, noch immer -etwas Ost zu gewinnen, damit ich die Phönix-Gruppe durchschneiden -oder in Lee von mir zu liegen hatte. Wäre auch keine -große Gefahr damit verbunden gewesen, mit den guten Booten -auf freiem Meer vor dem Winde zu segeln und Land zu suchen, -so wäre solche Fahrt für zwei Frauen, Samoanerinnen, die ich -als Fahrgäste an Bord hatte, doch recht unangenehm geworden. -</p> - -<p> -Die Walfischfänger, die in früheren Jahrzehnten so zahlreich -diesen Theil des Ozeans durchkreuzt und reiche Beute fanden, -haben wenige der gewaltigen Meerbewohner verschont, und doch -sah ich hin und wieder noch einige riesige Walfische in der dunkelblauen -Fluth sich tummeln. -</p> - -<p> -Mit langsamer Fahrt nach Süden segelnd, (die Phönix-Gruppe -lag hinter uns) wurden wir eines Tages von einem, -jungen Walfisch begleitet, dem es Vergnügen zu bereiten schien -bald vor, bald mit dem Schiffe zu laufen, und gar leicht wäre -es gewesen, dem Thiere in den dicken, plumpen Körper eine Harpune -hineinzuwerfen, doch sah ich ein, daß, wenn wir auch wirklich -mit sicherem Wurfe das Thier hätten tödten können, wir schwerlich -einen Nutzen davon gehabt hätten, und Harpune und Leine wollte -ich nicht darum opfern. Doch versessen darauf, den Walfisch zu -erlangen, oder wenigstens den Versuch zu machen, bot der Steuermann -Kitimatu mir immer wieder, wenn der Fisch dem Schiffe -recht nahe gekommen, seine werthvolle Harpune an. Er wollte -diese verlieren, sollte der Fisch entkommen, nur möchte ich ihm gestatten, -eine der besten langen Leinen zu nehmen. Schließlich -selbst neugierig gemacht, wie wohl der Fang verlaufen würde, -ließ ich alle Vorbereitungen dazu treffen und um sicher zu gehen, -damit der harpunirte Fisch die gute Leine nicht zerreißen könnte, -beauftragte ich Kitimatu, diese, solange der Wal in die Tiefe -schießen sollte, immer weiter auslaufen zu lassen. Ich selbst ging -auf den Klüverbaum hinaus und unter diesem am Stammstocke -Fuß fassend, durch eine Brustleine gut gehalten, daß beide Arme -frei blieben, wartete ich auf den Augenblick, wann der Wal wurfgerecht -wieder vor dem Schiffe laufen würde, um dann die bleibeschwerte -Harpune dem Thiere in oder neben das Spritzloch mit -voller Wucht zuzuwerfen. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_133" name="Page_133" href="#Page_133">[133]</a></span> -Nicht lange brauchte ich zu warten, der Wal kam heran und -mit sicherem Wurfe geschleudert, fuhr ihm die tödtliche Harpune -seitwärts unter dem Spritzloch tief in den Leib. Zu Tode getroffen, -den Schwanz hoch über Wasser schnellend, schoß das Thier -mit gewaltiger Kraft in die Tiefe. Die starke Leine fuhr rauchend -hinterher; um den Spillkopf zum Wegführen belegt, war sie, da -Kitimatu sie nicht fahren lassen wollte, mit furchtbarer Geschwindigkeit -um dieses Holzstück herumgerissen worden, sodaß Rauch und Feuer -heraussprangen und die Leine zum Theil verbrannt war. Kitimatu, -dessen Hände ebenfalls verbrannt wurden in Folge der Reibung, -konnte nicht mehr festhalten. Schon war ich selbst inzwischen an -Deck gekommen und hatte das Messer gezogen, um diese zu kappen, -als plötzlich die Leine aufhörte, weiter auszulaufen. Die Kraft -des Thieres war gebrochen oder es kam herauf, um Luft zu -schöpfen, die ihm aus der tödtlichen Wunde schnell entflohen sein -mochte, — doch diese schnelle Fahrt in die Tiefe war sein Todeslauf -gewesen. Weit entfernt an der Steuerbordseite — die ganze -450 Fuß lange Leine war fast ausgelaufen — kam der Wal -hoch, Blut und Wasser spritzte er in die Luft, in Strömen floß -sein Blut aus der klaffenden Wunde und färbte rings um ihn das -Meerwasser roth. -</p> - -<p> -Sich hin und her wälzend, peitschte er noch mit letzter Kraft -einige Male das Wasser mit dem Schwanze, dann lag er still. -Das Schiff, an den Wind gebracht, trieb mit backgebrassten Raaen; -darauf ward der Wal herangeholt, und lag bald in Schlingen -aufgefangen sicher längsseit. Nun war die Frage, wie wohl das -schwere Thier an Deck gehißt werden könnte, nicht, weil wir nicht -gewußt hätten, wie das anzufangen wäre, sondern es fragte sich, -ob die stärksten Takel (Flaschenzüge) an Bord ausreichend sein -würden. -</p> - -<p> -Im Großtop wurde das stärkste Takel aufgebracht, dann -wurde der todte Wal am Schwanze, mit Hilfe unserer Winde -hochgeholt, doch der Körper erwies sich, als die Tragfähigkeit des -Wassers aufgehoben, zu schwer. Ihn fahren lassen wollten wir -nicht, deshalb wurde, um das Gewicht des Körpers zu erleichtern, -der ganze Leib, soweit anzukommen war, aufgeschnitten, der Inhalt -entfernt, und der Wal schließlich so hoch gewunden, daß sein -Uebergewicht über Deck zu liegen kam. Jetzt wurde ein anderes -Takel vom Vortop an der Harpune befestigt — am Kopfe war -durchaus keine festsitzende Schlinge anzubringen, zumal da dieser -nicht frei vom Wasser zu bringen war — an Bord sicher festgelegt, -dann stürzte, indem wir plötzlich das Hintertakel fahren -ließen, mit gewaltigem Krach der schwere Körper, 22 Fuß lang, -über die Regeling (Bordwand) weggleitend, an Deck. Obgleich -wir unvollkommene Mittel an Bord hatten, um den nicht besonders -dicken Speck des Wals auszulassen, wurden dennoch gegen hundert -<span class="pagenum"><a id="Page_134" name="Page_134" href="#Page_134">[134]</a></span> -Liter Thran gewonnen, vom Fleische jedoch wurde soviel als die -Leute irgend unterbringen konnten, in Salzlacke gelegt, dann in -Streifen geschnitten und an der heißen Sonne getrocknet. Der -Vorrath war so groß, daß die Mannschaft noch in Apia damit -Tauschhandel trieb. -</p> - -<p> -Da beim schönsten Wetter mit leichtem Ostwind die östlichste -Insel der Unionsgruppe in Sicht gekommen war, konnte ich darauf -rechnen, in einigen Tagen die hohen Berge von Upolu nach zwei -Jahren wiederzusehen. Wir erübrigten uns trotz des häufigen -Pumpens die Zeit, dem Schiffe ein schmuckes Aussehen zu geben -und arbeiteten fleißig um die Takelage sauber in Stand zu setzen. -</p> - -<p> -Schon war die Arbeit beendet, und ich freute mich darüber -ohne zu ahnen, daß alles vergeblich gewesen, und obwohl ich -wußte, wie leicht in dieser schlechten Jahreszeit südlich vom -Aequator stürmische Westwinde plötzlich auftreten, dachte ich doch -nicht daran, nur noch 200 Seemeilen von Samoa entfernt, von -einem Sturm überrascht zu werden. -</p> - -<p> -Am Morgen des 25. Januars 1888, der ebenso golden und -friedlich angebrochen, wie seit Wochen schon ein jeder Tag, fand -ich eine Aenderung am Aneroid-Barometer, der langsam fallend -auf ungewöhnliche Vorgänge in der Atmosphäre hinzuweisen schien, -obgleich kein Wölkchen am azurblauen Himmelsgewölbe sich zeigte. -Zog weit vom Standorte des Schiffes ein Sturm oder gar ein -Orkan vorüber? Das konnte ich noch nicht wissen, ist doch der -Umkreis des letzteren oft gewaltig groß. Doch das Barometer -sank mehr und mehr, der leichte Ostwind ward ganz still, und auf -der spiegelglatten Fluth wiegte sich das Schiff. Der Mittag kam -und noch dieselbe Ungewißheit blieb, nur im Nordwest und Norden -kamen am Horizonte weiße Wölkchen auf, näherten sich mit großer -Geschwindigkeit, als fegten sie, leichten Federn gleich, vor einem -entfesselten Sturm dahin! -</p> - -<p> -Die Gewißheit jedoch erhielt ich bald, mehr und immer -drohender kam schweres Gewölk herauf, die Luft, bisher klar und -rein, ging in ein fahles Graugelb über, kein Zweifel war mehr, -daß ein Orkan heranziehe, der, wenn wir ihm nicht entfliehen -konnten, seine Mitte sich nach Osten fortschiebe, uns mit seinen -wirbelnden Armen erfassen und in die schweigende Tiefe des Ozeans -unfehlbar ziehen würde. -</p> - -<p> -Was geschehen konnte, geschah, obwohl ich überzeugt war, -daß das schwer lecke Schiff kaum einen heftigen, anhaltenden -Sturm überdauern würde. -</p> - -<p> -Sehr erstaunt war die in solchen Dingen unerfahrene Mannschaft, -als während der tiefsten Stille, — kein Windhauch regte -sich, — der Befehl zum Dichtreffen sämmtlicher Segel gegeben -wurde, und nach kurzer Zeit lag das Schiff unter Sturmsegeln, -<span class="pagenum"><a id="Page_135" name="Page_135" href="#Page_135">[135]</a></span> -selbst die Zeit fand ich noch, ein neues Vorstagsegel, das auf der -Reise fertig geworden, anschlagen (anbinden) zu lassen. -</p> - -<p> -Da kam von Norden her, (am wirbelnden Wasser, das mit -tausend kleinen Wellen und weißen Köpfen wie tanzenden Kobolden -aufwallte, war es schon von weitem erkennbar,) der erste heftige -Windstoß. In immer kürzeren Pausen mit immer wachsender -Gewalt, kam der Sturm daher und trieb trotz der wenigen Segel -das Schiff vor sich her, durch die immer wilder und höher -schäumende Fluth. -</p> - -<p> -Ich befand mich in dem äußern Kreise des wirbelnden -Sturmes, der von Stunde zu Stunde wuchs; wohin aber zog die -Mitte? Ihr mußte ich mit aller Gewalt entfliehen, so lange es -noch eine Möglichkeit dazu gab. Mit großer Besorgniß beobachtete -ich das Barometer, das bis 5½ Uhr Nachmittags ständig fiel, -dann stand es, der Sturm hatte seine höchste Gewalt erreicht. -</p> - -<p> -Ich wußte nun, da der Wind von Zeit zu Zeit in der -nördlichen Richtung, woher er wehte, wenig hin und her umsprang, -daß der Orkan nach Süden zog, seine Mitte vielleicht sehr weit -entfernt im Westen lag. Aber doch war seine Gewalt so furchtbar, -daß er den Athem benahm, und die See so wild und furchtbar, -wie ich sie selten gesehen. Das Schiff ächzte in allen Fugen, den -Kopf niedergedrückt in die brandenden Wogen, raste es vor dem -heulenden Sturm dahin. Die Leute, zitternd und unfähig ernstlich -noch zu kämpfen, festgebunden an den Pumpen, damit die überbrechenden -Seen sie nicht mit fortrissen, arbeiteten, doch vergeblich; -denn die Pumpen warfen kein Wasser auf, obgleich durch die -donnernden Wogen, durch den heulenden Wind, das unheimliche -Geräusch davon zu vernehmen war, wie die Wassermassen im Raume -hin und her spülten; wenn das Schiff ein Spielball der Wogen -recht schwer rollte, wollte es mir scheinen, als könne es sich nur -schwer wieder aufrichten, die große Wassermasse im Raume drückte -es auf die Seite und wenn diese reißend anwuchs, konnte es geschehen, -daß das sinkende Schiff sich auf die Seite legte, um sich -nie mehr aufzurichten. -</p> - -<p> -Mit andern Mitteln dem Verderben zu wehren war unmöglich, -keine Luke konnte geöffnet werden, denn fußhoch spülten -die Wellen über das Deck, die Wassergewalt war so groß, daß -an beiden Seiten die Verschanzung zum Theil weggerissen war, -und jede von hinten oder seitwärts aufstauende See fegte Wasserberge -über das Schiff. -</p> - -<p> -So konnte es nicht weiter gehen, ich sah den Untergang vor -Augen, nicht die wilde See und den rasenden Sturm fürchtete ich, -vielmehr das steigende Wasser im Schiffsraume, das in absehbarer -Zeit uns in die Tiefe des brüllenden Ozeans ziehen mußte. Das -Schiff an den Wind zu bringen, war das einzige, was noch geschehen -konnte, aber ob es nicht schon zu spät, ob bei dem Versuche -<span class="pagenum"><a id="Page_136" name="Page_136" href="#Page_136">[136]</a></span> -nicht eine einzige wilde See, die mit voller Gewalt beim Anluven -sich über das Schiff brechen mußte, genügte, dasselbe auf die Seite -zu drücken und es mit allen an Bord verschwinden ließ! Das ließ -sich nicht sagen. Das Untermarssegel stand noch immer wie ein -Brett geschanzt, dahinter setzte sich der Sturm und so klein auch -die Fläche Leinewand war, mit größerer Gewalt und Geschwindigkeit -war das Schiff noch nie durch die Fluthen getrieben worden. -Dies Segel mußte verschwinden wollte ich das gefährliche Manöver -noch ausführen, solch Oberdruck, wenn erst der Wind von einer -Seite einfiel, mußte verderblich werden. Der Gedanke, das Segel -noch aufgeien und bergen zu können, wäre thöricht gewesen, keiner -meiner Leute, mit denen, vom Japanesen abgesehen, gar nichts -mehr anzufangen war, hätte auch nur den Versuch gemacht, den -wie eine Gerte hin und her schwankenden Mast zu erklettern. -</p> - -<p> -Ein matter Tagesschimmer lag noch über dem erregten -Ozean, den furchtbaren Kampf der Elemente verdeckte noch nicht -die dunkle Nacht — so durfte ich denn nicht mehr zögern, vielleicht -beschleunigte ich das unabwendbare Schicksal, vielleicht auch, war -das Manöver, wenn es gelang, unsere Rettung. -</p> - -<p> -Mit Kitimatu besprach ich das Nothwendigste, er sollte mit -einigen Leuten vorne im Schiff aufpassen, vorerst die Schoten des -Marssegels fliegen lassen, damit dieses in Stücke peitschen könne, -dann das dichtgereffte Vorstagsegel setzen, während ich hinten ein -wenig das Großsegel anhissen lassen wollte, um durch dessen Druck -das Schiff schnell an den Wind zu bringen. Ehe aber die Mannschaft -verzweifelt und muthlos, wie es kaum anders von solchen -braunen Menschen erwartet werden konnte auf ihren Posten stand, -fegte plötzlich der Sturm mit seiner wildesten Gewalt daher, die -See war nur ein Schaum, keine hohe Welle hob sich — es war, -als hielt der Druck der Atmosphäre die schäumenden Wogen nieder -— da, ein furchtbares Krachen, das den heulenden Sturm übertönte, -das Marssegel, gespalten und mit wenigen Schlägen aus -seinen Tauen geflogen, flog im Winde wie leichtes Papier dahin. -Vor Top und Takel lief jetzt das Schiff. Hatte es aber vorher -den von hinten heranstürmenden Wogen entrinnen können, so -drohten diese nun, da die Geschwindigkeit vermindert worden, über -das Heck herein zu brechen. -</p> - -<p> -Kaum hatte ich diese Gefahr in den wenigen Augenblicken -erkannt, so rollte auch schon eine furchtbare Woge heran, die grüne -Kopfmasse glitzerte selbst schon im Abenddunkel — das Herz im -Leibe machte die Erwartung, was die nächste Sekunde bringen -mußte, stille stehen — den unvermeidlichen Tod, wenn diese Woge -das Schiff überlief. Als wollte das Schiff sich in seine Länge -überwerfen, so hoch auf dem Kamm der Woge hob sich das Hintertheil, -dann brach die See. Instinktmäßig sprang jeder fußhoch in die -Wanten, um von der brüllenden Gischt nicht fortgerissen zu werden, -<span class="pagenum"><a id="Page_137" name="Page_137" href="#Page_137">[137]</a></span> -das Deck war sogleich von der See überspielt, daß nur die Masten, -das Karten- und Deckhaus hervorragten. Krachend waren beide -Boote unter ihre Träger gepreßt, die Böden eingedrückt worden -und vollgefüllt mit Wasser waren die starken Befestigungen wie -Bindfaden zerrissen. -</p> - -<p> -Eine zweite See, eine dritte kam heran, gleich drohend und -verderbenbringend, dann war es still, als hätte die Wuth des -Meeres ausgetobt — jetzt oder nie war der Augenblick gekommen, -das Schiff an den Wind zu bringen. Indem ich Kitimatu das -Zeichen gab, sein Segel zu hissen, und selbst den letzten Halt des -Großsegels fahren ließ, dem Manne am Ruder den Befehl gab, -das Steuer nach Backbord zu legen, wirbelte unter dem Drucke der -Leinewand das Schiff herum, und die nächste See schon, wie ein -Wasserberg herankommend, faßte es von vorne. -</p> - -<p> -Doch war die Gewalt des Windes groß, als wir vor der -See liefen, war diese, von vorne kommend, derart, daß man den -Kopf wegwenden mußte, um geduckt hinter der Verschanzung, nur -athmen zu können. Mit dem letzten harten Stoße hatte sich der -Wind etwas nach Osten gedreht und da dort der Kopf des Schiffes -den Wellen zugekehrt war, so brachen diese nicht so schwer über -das stampfende Fahrzeug. Aber schlimmer kam es. Das Vorsegel -nicht ganz aufgehißt, holte zu furchtbaren Schlägen aus; -ehe ich selbst bei der jetzt herrschenden Dunkelheit nach vorne gekommen, -war schon das Vorstag gebrochen; das neue Segel an -seiner Schot nur noch gehalten, wehte, auf die heranrollenden -Seen peitschend, in Lee. Dieses bargen wir; doch was schlimm -war, der Vordermast hatte seinen besten Halt verloren, und, konnte -der Schaden nicht ausgebessert werden, so brachen die stehenden -schwächeren Befestigungen, brach auch durch das furchtbare Arbeiten -des Schiffes der Mast und mußte, um das Schlimmste zu verhindern, -gekappt werden. -</p> - -<p> -Hatte der Japaner in den Stunden der höchsten Gefahr -gezeigt, daß er nicht nur ein unerschrockener Seemann war, so -zeigte er jetzt kühnen Muth und Verachtung jeder Gefahr, ohne -diesen Helfer wäre mir nichts gelungen. Die Pingelap-Leute -hielten sich nur fest und kein Zureden, kein Schelten half — der -böse Geist, sagten sie, sei gekommen und würde sie alle holen. — -</p> - -<p> -Da keine Mittel zur Hand waren, in solcher Dunkelheit die -nothwendige Arbeit auszuführen, so wurde zunächst das große -zerschlagene Boot an Deck geführt, die Taljen abgenommen und -mit diesen und dem zerrissenen Stag eine vorläufige Verbindung -zwischen Mast und Bugspriet hergestellt, die stark genug war, dem -Maste den verlorenen Halt wieder zu geben. -</p> - -<p> -Als dies gethan war, mußte Wind und Wellen anheimgegeben -werden, was ihre Gewalt uns noch Schlimmes zufügen -wollte. In all der Noth dieser Stunden, in dem verzweifelten -<span class="pagenum"><a id="Page_138" name="Page_138" href="#Page_138">[138]</a></span> -Kampfe mit den Elementen, hatte keiner mehr darauf geachtet, -daß eigentlich um eine sinkende Planke gerungen wurde, bis der -Augenblick gekommen, wo wir uns wieder darauf besinnen konnten -und das im Schiffsraum so unheimlich spülende Wasser uns an -die Gefährlichkeit unserer Lage mahnte. -</p> - -<p> -Mit beiden Pumpen, die jetzt Wasser warfen, wurde unablässig -fortgepumpt, standen wir auch bis zum Halse im Wasser, -drohten die Seen uns wegzuspülen, wir mußten ausharren und -die letzten Kräfte einsetzen. Es war ungefähr 10 Uhr Abends -geworden, rabenschwarze Nacht umgab uns, bei der Arbeit war -der Nebenmann nicht zu sehen, nur fühlen oder durch Anruf konnte -man sich überzeugen, ob keiner fehlte, da öffneten sich die Schleusen -des Himmels, eine Regenfluth stürzte herab, wie solche kein Wolkenbruch -furchtbarer ausgießen kann. -</p> - -<p> -Waren wir aber nicht im Stande gewesen, uns Lichter anzuzünden, -so leuchteten plötzlich, gleich einer magischen Erscheinung, -solche an den Enden jeder Raa auf, flüchtig erscheinend und -schwindend. Es waren die Elmsfeuer, die durch Ausgleichung -entgegengesetzter Elektrizitäten entstehen. So lange der furchtbare -Regen anhielt, zeigten diese sich bald einzeln, auch zu mehreren, -nur sekundenlang waren sie auf allen Raaen zugleich sichtbar. -</p> - -<p> -Eine wunderbare Wirkung übte aber der strömende Regen; -die See, so wild und furchtbar, beruhigte sich sehr schnell, das -Zischen der weißen Schaumkronen verstummte allmählich und gegen -Mitternacht, da auch in gleicher Weise der Sturm sich gelegt, -hoben nur noch langlaufende Wellen das Schiff auf ihren Rücken, -es war, als wenn der im wildesten Aufruhr tobende Ozean wieder -ruhig zu athmen begann. Der goldene Morgen kam, so freundlich -grüßte die Sonne vom wolkenlosen azurblauen Himmelszelt hernieder, -als hätte sie nichts vom Verzweiflungskampfe der Menschen mit den -entfesselten Naturkräften gesehen. Fast hätte man aus diesem -Frieden, der wieder über den breiten Ozean gebreitet lag, schließen -mögen, daß jener heiße Kampf um das Leben, nur ein böser, -schrecklicher Traum gewesen sei, wenn nicht jeder Blick über das -arg zugerichtete Schiff das Gegentheil bewiesen hätte. -</p> - -<p> -36 Stunden unausgesetzter, schwerer Arbeit waren hingegangen, -als endlich das Wasser im Schiff, das durch den verwaschenen -Ballast nicht zu den Pumpen gelangen konnte und mit -Eimern ausgeschöpft werden mußte, bewältigt war und auch so -viel Segel wieder gesetzt waren, daß das Schiff langsam mit -wieder leichtem Ostwinde durch die Fluthen zog. Am 30. Januar 1888 -erreichte ich wohlbehalten den Hafen von Apia. -</p> - -<p> -Unverändert in der äußeren Erscheinung fluthete auf Samoa -das Leben, nichts verrieth, welche Kämpfe in einem Zeitraum von -zwei Jahren hier gewüthet hatten, welch' Parteizwist die Bevölkerung -zu blutigen Kriegen verleitet hatte. König Maliatoa war entthront -<span class="pagenum"><a id="Page_139" name="Page_139" href="#Page_139">[139]</a></span> -und verbannt, Tamasessi, König von Samoa, gegen den aber, als -Schützling der Deutschen, die feindlich gesinnten Häuptlinge zu Felde -zogen, deren großer Zahl dieser König auch erliegen mußte, für -die deutsche Sache floß selbst das Blut der deutschen Marine-Matrosen, -die im heldenhaften Kampfe der Uebermacht erliegen -mußten! -</p> - -<p> -Schlimmer aber als früher war der Konkurrenzneid entfacht, -die Parole war „gegen die Deutschen“. Weigerte sich schon der -Samoaner der betreffenden Behörde, damals der deutschen, die -geringe Steuer zu zahlen, welche für den Kopf einen Dollar betrug, -so war es um so bedauerlicher, wenn auch Weiße durch ihre -Weigerung den Eingebornen zu noch größerem Widerstand aufreizten. -</p> - -<p> -Eines Falles will ich nur Erwähnung thun: Im Frühjahr -1888 wurde von der damals deutschen Munizipalität einem in Apia -ansässigen Franzosen, der jede Steuerzahlung verweigert, mehrere -Kisten mit Getränken gepfändet und ihm in Folge dessen die -Schankgerechtigkeit entzogen. Amerikaner und Engländer, die, wo -es sich gegen Deutsche handelte, stets alles in Bewegung setzten, -was nur irgend zu Schwierigkeiten führen konnte, hatten sich vorgenommen, -am Tage der Versteigerung, die in den Räumen des -deutschen Konsulats stattfinden sollte, einen Putsch zu veranstalten, -der zu Thätlichkeiten führen sollte. Auch standen hinter ihnen eine -Anzahl Halb-Samoaner, meistens Abkömmlinge von Engländern, -eine Menschensorte, die alle Untugenden der Weißen und Eingebornen -in sich vereinigt. -</p> - -<p> -Diese löbliche Absicht war jedoch nicht geheim genug geblieben -und so fanden sich am festgesetzten Tage der größte Theil der in -Apia anwesenden Deutschen ebenfalls zur Versteigerung ein. Es -war ein stilles Uebereinkommen unter allen, das bedrohte deutsche -Ansehen zu schützen, auch, wenn nöthig, die Beamten vor Beleidigungen -zu bewahren. -</p> - -<p> -Doch die verhältnißmäßig große Zahl von Deutschen, die wir -erschienen, sowie der strömende Tropenregen kühlten wunderbar -schnell die Rauflust der Gegenpartei ab, die, weil in der Minderzahl, -keine Bekanntschaft mehr mit den deutschen Fäusten zu machen -wünschte und alles verlief zur vollsten Zufriedenheit. Daß bei -einem Straßenkampfe vor dem deutschen Konsulat, der durch das -Eingreifen der aufgehetzten Eingebornen große Ausdehnung annehmen -konnte, die deutschen Kriegsschiffe im Hafen nicht unthätig -bleiben würden, wußten wir, denn der angesammelte Groll war -so groß, daß aus einer kleinen Reiberei sich schnell ein ernster Kampf -entwickelt hätte. -</p> - -<p> -Noch waren die Vorbereitungen, die „Futuna“ zur eingehensten -Ausbesserung aufs Land zu holen, nicht beendet, als eines Tages -Ende Februar die untrüglichen Anzeichen eines Orkans sich bemerkbar -machten. -</p> - -<p> -<span class="pagenum"><a id="Page_140" name="Page_140" href="#Page_140">[140]</a></span> -Blutroth stand die Sonne am Himmel, ihre Strahlen durchdrangen -nicht mehr das dichte Dunstgebilde, immer drohender wurde -die Luft, die, schließlich eine gelbe Dunstmasse bildend, den ganzen -Horizont umzog. -</p> - -<p> -Wie furchtbar frühere Orkane gewüthet hatten, davon zeugten -an den Riffen die zahlreichen zerschmetterten Schiffskörper, die selbst -von der furchtbaren See bis zum festen Lande geschleudert worden -waren. Gefahr beim Ausbruch eines Wirbelsturms war hauptsächlich -für die im Hafen liegenden Schiffe, unter denen sich die -deutschen Kriegsschiffe „Olga“, „Adler“ und „Eber“ befanden und -für die Sicherung dieser Fahrzeuge unterblieb wohl nichts, was in -der Möglichkeit menschlichen Könnens lag. -</p> - -<p> -Mein Schiff zu sichern, mit dem ich unter dem Schutze des -vorspringenden Korallenriffes „Kap Horn“ lag, brachte ich vier -Anker aus mit so viel Kette, als es der beschränkte Raum gestattete. -Vor mir lag mit ihrem Heck, dem genannten Riffe zugekehrt, -die „Olga“ und dampfte, als die einlaufende See immer -höher und wilder wurde, gegen diese an zu dem Zwecke, ihre aufs -Aeußerste angespannten Ankerketten zu entlasten. -</p> - -<p> -Berge gleich rollte die See in den Hafen und es war ein -großartiger, wenn auch wenig erhebender Anblick, die Schiffe mit -der immer mehr zunehmenden See kämpfen zu sehen. -</p> - -<p> -Furchtbar arbeitete die „Olga“; im Wellenthal, wenn zwischen -meinem Schiffe und diesem ein Wasserberg heranrollte, der sich mit -donnernder Gewalt auf dem Riffe brach, sah ich mitunter nichts -weiter von dem Kriegsschiffe als dessen obere Masten und Marsraaen, -so hoch, so gewaltig war die See. Wirbelnd, ohne Widerstand -zu finden, raste die Schraube jedesmal in freier Luft, wenn -der Bug des Schiffes tief hinabsank, das Heck dagegen von anlaufender -See hochgehoben wurde. -</p> - -<p> -Die in den Hafen aus nordöstlicher Richtung einlaufenden -Wassermassen mußten naturgemäß sich einen Abfluß suchen und -fanden diesen, einen wirbelnden Strom verursachend, unter Land -nach der See zu auslaufend. Dieser Strom, oft so breit wie das -ganze Riff und namentlich im kleinen Hafen sich verbreitend, hatte -zur Folge, daß die in diesem liegenden Schiffe dessen ganzer Gewalt -ausgesetzt waren und ein Spiel der See und des Stromes -wurden. -</p> - -<p> -Aengstlich wartete jeder auf den Ausbruch des Orkans; die -wilde See kam bei vollständiger Windstille heran, aber so schwer -und hoch, daß, hätte hinter dieser die Gewalt des Windes sich gesetzt, -das Unglück jetzt schon eingetreten wäre, das ein Jahr später -so vielen Schiffen verderblich geworden ist und hunderten deutscher -Seeleute ein frühes Grab bereitete. Wo an diesem Tage die -„Olga“ mit Erfolg der wilden See widerstand, sank 1889 der -<span class="pagenum"><a id="Page_141" name="Page_141" href="#Page_141">[141]</a></span> -„Eber“ mit seiner ganzen braven Besatzung, von den Wogen hinabgerissen -unter das hohle Riff, das selbst die Todten nicht zurückgab. -</p> - -<p> -Ein Schiff nur widerstand der Gewalt der Seen nicht; im -großen Hafen an jener Stelle, wo keine steinigen Riffe das Ufer -umsäumen, wurde es hoch auf den Strand geworfen, es ist dies -derselbe Ort, auf welchen 1889 die „Olga“, nachdem ihre Ankerketten -zerrissen, von den Wogen geschleudert worden ist, der einzige -Punkt, wo es möglich ist, ein gestrandetes Schiff wieder flott zu -machen. -</p> - -<p> -Die gefürchtete Nacht kam mit ihren Schrecken — doch der -erwartete Orkan blieb aus, wo dieser geweht, welche Inseln er -mit seiner verheerenden Gewalt heimgesucht, wer konnte das sagen! -Samoa verschonte er dieses Mal, um dafür ein Jahr später desto -furchtbarer zu wüthen, mit seinem mächtigen Arme die stolzen -Schiffe und ihre braven Besatzungen in den Grund, in den Tod -zu wirbeln. — -</p> - -<p> -Meine Absicht, die deutsche Heimath nach langer Abwesenheit -wieder aufzusuchen, konnte erst im Monat Mai zur Ausführung -gelangen und, da in Apia Mangel an Schiffsführern war, mußte -ich die Aufsicht über die Ausbesserung der „Futuna“ aufgeben und -mehrmals noch kürzere Fahrten nach Tutuila und anderen Orten -unternehmen. Unter anderem hatte ich im Monat März nach den -Tonga-Inseln zu segeln; als ich am 27. März im Hafen von -Vavau „Neiafu“ zu Anker lag, lief dort ein englisches Segelschiff, -von den australischen Kolonien kommend, ein, dieses brachte die -Trauerkunde von dem Ableben unseres Heldenkaisers „Wilhelm des -Großen“, der am 9. März seine irdische Laufbahn vollendet hatte. -</p> - -<p> -Ich konnte diese Kunde nicht sofort nach Samoa bringen, -weil ich erst nach den Keppels-Inseln, Niuatobutabu, segeln mußte, -deshalb setzte das englische Schiff seine Fahrt nach Samoa fort. -</p> - -<p> -Auf Niuatobutabu angelangt, senkte sich dort, sobald der Tod -des deutschen Kaisers bekannt geworden, die Flagge des Königs -Georg von Tonga, als Zeichen der Trauer für den ruhmgekrönten, -edlen Herrscher. War doch sein Name und seine Thaten selbst -diesem weltentlegenen Inselvolke nicht unbekannt geblieben; unter -ihnen lebende Deutsche hatten in mancher Mußestunde den staunenden -Eingebornen von dem mächtigen Volke erzählt, über das der -große Kaiser geherrscht, das er zu großen Thaten, zu ungeahnter -Höhe geführt. -</p> - -<p> -So lange ich auf Niuatobutabu weilte, drei Tage, wehten -die Trauerflaggen sowohl an Land wie an Bord des außen am -Riffe in bewegter See verankerten Schiffes. -</p> - -<p> -Auch diese Inseln sah ich zum letzten Mal. Nachdem ich -Abschied genommen, segelte ich am dritten Tage in später Nachmittagsstunde -weiter, jedoch frei von den Riffen, begann das Schiff -durch die querlaufende See heftig zu rollen — ich suchte westlich -<span class="pagenum"><a id="Page_142" name="Page_142" href="#Page_142">[142]</a></span> -von Boskaven zu passiren, um nicht gegen Wind und See zu -kreuzen, da ich hoffen konnte, den freien Ozean zu gewinnen ehe -die Nacht hereinbrach. -</p> - -<p> -Nachdem an Deck vorher alles gut zur Reise versichert war, -ließ der Obersteuermann Goede noch die Pumpen ansetzen, ehe die -Mannschaft, Niueleute, theils auf ihren Posten, theils zur Ruhe -ging. Da plötzlich — ich war in die Kajüte hinabgegangen die -Papiere zu ordnen — erscholl der Schreckensruf „Mann über -Bord“ und an Deck springend, sah ich eine Schiffslänge hinter -dem Schiffe den Obersteuermann noch auftauchen. -</p> - -<p> -Mit starrem Blicke, in dem die Todesangst geschrieben, schaute -er dem enteilenden Schiffe nach — die nächste Woge bedeckte ihn -und wir sahen nichts mehr. Eine Rettungsboje ergreifend und -über Bord werfend, das Schiff in den Wind jagend, war das -Werk weniger Sekunden — so furchtbar vom starken Winde auch -die Segel gepeitscht wurden, das Schiff stand und ging durch den -Wind — es mußte der Stelle zutreiben, wo der Steuermann -zuletzt gesehen wurde. -</p> - -<p> -Auf den Befehl „ein Ausguck in die Masten“ enterten vier -eingeborene Passagiere auf, sie sahen die treibende Rettungsboje, -aber nicht mehr den Steuermann. Das nächste war, das an Deck -befestigte Boot über Bord zu setzen; ohne Rücksicht wurden die -Befestigungen durchschnitten, das Boot nur vorne hoch gehißt, halb -über die Verschanzung geschwungen, wurde dieses von der ganzen -Besatzung an Deck hochgehoben und im gegebenen Augenblick mit -aller Kraft in die unruhige See geworfen; mitunter bei schwerem -Seegange die einzige Art ein Boot von der Schiffsseite freizuhalten, -ehe es an dieser zerschlagen und unbrauchbar wird. Vier Mann -sprangen mit kühnem Satze von der Regeling sogleich hinterher ins -Boot, das, sobald die haltende lange Leine losgeworfen war, nach -hinten trieb. Die Richtung, wohin die Leute, die in der hohen -See nicht um sich sehen konnten — das Boot war bald vom -Schiffe aus nur hin und wieder sichtbar, wenn es hoch auf dem -Kamm einer Woge tanzte — zu rudern hatten, wurde von den -Leuten in den Masten angegeben. -</p> - -<p> -In drei Minuten war das Boot über Bord und bemannt, -doch suchte dieses vergeblich in der hohen See hin und her, die -Boje wurde gefunden aber der Steuermann war und blieb verschwunden. -Wie furchtbar solch' ein Augenblick, weiß nur der, -welcher einen Kameraden von seiner Seite in den jähen Tod gerissen -sieht und doch nicht helfen, nicht retten kann! -</p> - -<p> -Lange, bis zur schnell hereinbrechenden Dunkelheit, trieb ich -mit dem Schiffe umher, dem Boote folgend, das vom Schiffe aus -geleitet, immer größere Kreise zog, in der eitlen Hoffnung, es könnte -doch noch etwas vom Steuermann gesehen werden, obgleich ich -wußte, daß alles längst vorbei war; hatte der Verunglückte mir -<span class="pagenum"><a id="Page_143" name="Page_143" href="#Page_143">[143]</a></span> -doch selbst gesagt, er könne nicht schwimmen und wenn auch, in -solcher See wäre die Kraft des besten Schwimmers bald erlahmt. -</p> - -<p> -Erst als alles nutzlos war, als die Nacht hereinbrach und -die Mannschaft im Boote äußerst ermüdet sein mußte, nahm ich -dieses wieder auf und jetzt die nördliche Durchfahrt wegen dort -liegender unbekannter Riffe nicht mehr als sicher ansehend, kreuzte -ich die ganze Nacht zwischen Boskaven und den gefährlichen Riffen -von Niuatobutabu, um den freien Ozean zu gewinnen. -</p> - -<p> -Nach Aussage der Mannschaft wollte der Steuermann, nachdem -das Pumpen beendet, nach dem Hinterdeck gehen, das Schiff -schwer rollend, habe er jeden Halt auf dem freien Deck verloren -und sei, mit voller Wucht gegen die Verschanzung fahrend, über -diese hinweggestürzt, eine schnell geworfene Leine ergriff er nicht -mehr. So fand er den Seemannstod, im weiten Ozean ein stilles, -unbekanntes Grab, die donnernde Woge sang ihm hier sein letztes -Schlummerlied. — -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/schlussstrich.jpg" alt="schlussstrich" /> -</div> - -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/ganzekarte.jpg" alt="ganzekarte" /> -</div> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>REISEN DURCH DIE INSELWELT DER SÜDSEE</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/68221-h/images/cover.jpg b/old/68221-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index eb94f2a..0000000 --- a/old/68221-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68221-h/images/ganzekarte.jpg b/old/68221-h/images/ganzekarte.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f87ba6f..0000000 --- a/old/68221-h/images/ganzekarte.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68221-h/images/rosette.jpg b/old/68221-h/images/rosette.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f1baaf3..0000000 --- a/old/68221-h/images/rosette.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68221-h/images/schlussstrich.jpg b/old/68221-h/images/schlussstrich.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7935ff4..0000000 --- a/old/68221-h/images/schlussstrich.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68221-h/images/zierstrich.jpg b/old/68221-h/images/zierstrich.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d7dad00..0000000 --- a/old/68221-h/images/zierstrich.jpg +++ /dev/null |
