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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Reisen durch die Inselwelt der Südsee - -Author: Max Prager - -Release Date: June 1, 2022 [eBook #68221] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN DURCH DIE INSELWELT -DER SÜDSEE *** - - +-------------------------------------------------------------------+ - | | - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden | - | übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden | - | korrigiert. | - | | - | Die Markierung mit der Tilde (~) zeigt eine "gesperrte" Phrase | - | an, das Einfassen mit dem Sonderzeichen (") eine kleinere | - | Schriftgröße für biografische Einschübe im Original. | - | Mit dem Sonderzeichen (•) wird Fettdruck angezeigt. | - | | - +-------------------------------------------------------------------+ - - - - - Reisen - - [Illustration: Rosette] - - durch die - - Inselwelt der Südsee. - - Mit einer kartographischen Skizze. - - Von - •M. Prager•, Kapitän. - - [Illustration: Trennstrich] - - Kiel. - Verlag von ~Carl Jansen~. - Kommissions-Verlag für den Buchhandel: ~Robert Cordes~, Kiel. - - - - -Vorwort. - - -In nachfolgender Schilderung ist versucht worden, dem geneigten Leser -zwar ein beschränktes, aber doch möglichst anschauliches Bild über die -Eigenart, Sitten und Gebräuche ihm unbekannter oder wenig gekannter -Völker zu geben. Nicht minder ist die Entstehung der Koralleninseln, -die Beschaffenheit hoher vulkanischer Berge und Inselmassen, sowie -die in der Südsee entfaltete reiche Pflanzenwelt besprochen worden. -Heftige Ausbrüche thätiger Vulkane, Stromverhältnisse des Ozeans und -Wirbelstürme sind, soweit darüber persönliche Erfahrungen gesammelt -werden konnten, in die Aufzählung der eigenen Erlebnisse des Verfassers -mit hineingezogen. - -Die so große, vielgestaltige und fruchtbare Inselwelt des Stillen -Ozeans zeigt dem Beobachter in allen Formen ein anmuthiges Bild, -zu dem er sich hingezogen fühlt, und das, soweit eigenes Können es -vermag, in einfacher Erzählung wiederzugeben versucht ist. Die Gefahren -mancher Art, wie solche auch dem Seemanne zwischen den gefährlichen -Koralleninseln auflauern, sind an gehöriger Stelle eingefügt. - -Sollte es mir gelingen, den Blick für die Werthschätzung auswärtiger -Besitzungen zu schärfen, die Theilnahme für die kolonialen Bestrebungen -der Reichsregierung zu mehren, so würde ich darin schon eine -Anerkennung meiner Arbeit finden. - - Der Verfasser. - - - - -I. Samoa. Land und Volk. - - -Tief im Süden des Indischen Ozeans, auf jenen Breiten, wo der weite -Weg nach Australien durch die Kugelform unserer Erde verkürzt wird -und meistens günstige, westliche Winde die Fahrt eines Schiffes -beschleunigen, zog im Jahre 1884 einsam ein deutsches Barkschiff seines -Weges dem fernen Ziele entgegen. - -Monde waren hingegangen, ehe mit Hülfe wechselnder Winde der -Atlantische Ozean von Nord bis Süd durchzogen war; die Hälfte des -nahezu 14000 Seemeilen langen Weges, von der deutschen Küste bis -zu den Gestaden Australiens, war ungefähr zurückgelegt, als der -Längengrad vom Kap der guten Hoffnung 18° 29' Ost von Greenwich auf -etwa 44° Süd Breite passirt wurde und das schöne Passatwetter, das -bis zu der Insel Tristan d'Acunha vorherrschend gewesen, überging -zu kühlerem und unfreundlicherem. Der Winter war auf der südlichen -Halbkugel hereingebrochen; je tiefer südlich das Schiff vor umlaufenden -westlichen Winden lief, desto kälter, ungemüthlicher wurde das Wetter. - -Hohe schaumgekrönte Wogen, die zischend längs den Borden des in -bewegter See schwer rollenden Schiffes aufliefen und im wilden -Wettlauf dieses überholten, fegten, vom Winde gepeitscht, ihren Gischt -über das Deck. Kurz waren die Tage und nur selten blickten aus dem -drohenden Gewölk, wenn es plötzlich zerrissen erschien, ein belebender -Sonnenstrahl; die tiefe Bläue des Himmelsgewölbes Tage und Tage lang -nicht gesehen, war dann für den einsam auf dem Weltmeer Hinziehenden -ein Hoffnungsschimmer. - -Endlos scheint der Ozean, kein Schiff, kein Segel auf der weiten, -wildbewegten Wasserwüste ist zu entdecken, ebenso einsam scheint der -gewaltige Meerbewohner, der Walfisch, durch die Fluthen zu ziehen, -der von Zeit zu Zeit die warme Athemluft aus seinem einfachen oder -doppelten Spritzloch hervorstößt, um darauf, so lange es ihm an der -Oberfläche gefällt, wieder frische Luft in die Lungen einzuziehen. -In der kälteren Atmosphäre verdichtet sich die ausgestoßene feuchte -Athemluft und bleibt um so länger sichtbar, je kälter die Temperatur -auf der Oberfläche des Meeres ist. Mächtige Thiere sind es, in den sich -überstürzenden Wogen kaum sichtbar, ihre Größe läßt sich nur ungefähr -schätzen, wenn kurz nach dem Sichtbarwerden des Wasserdampfes das Thier -in die Tiefe schießt und über die Wogenkämme emporragend, der Schwanz -durch die Fluthen peitscht. - -Die Habsucht des Menschen hat in wenigen Jahrzehnten ungezählte -Schaaren dieser nützlichen Thiergattung vernichtet, selten findet man -heute noch eine Anzahl der mächtigen Thiere beisammen, die einsam über -die gewaltige Meerestiefe hinziehen, welche einst von Abertausenden -belebt war, denen sie reiche Nahrung geboten. - -Wind und Wogen sind in den Monaten Juli und August auf diesen südlichen -Breiten meistens immer im Aufruhr; so setzte diesmal auf der Höhe der -Krozet-Inseln ein äußerst schwerer, westlicher Sturm ein. Das Schiff, -von den Fittichen des Windes getrieben, floh vor der brüllenden, wilden -See; aber ob auch den Masten die denkbar größte Last aufgebürdet wurde, -mußten doch nach und nach mit der wachsenden Kraft des Sturmes die -Segel gekürzt werden und acht Tage lang lief das Schiff, während in -der Luft die schwarzen Wolkenmassen dahinjagten wie ein gehetztes Wild, -vor seinen dichtgerefften Sturmsegeln dahin, von den Wellen geschoben, -die Bergen gleich von hinten heranrollten und deren Schaumkronen sich -vernichtend über das in allen Fugen erzitternde Schiff ergossen. -Uebermächtig war die Gewalt der Elemente, und hätte es ohne große -Gefahr für Schiff und Mannschaft geschehen können, so würde der -wilde Lauf vor solcher gefährlichen See durch Beidrehen an den Wind -aufgegeben worden sein. - -Jedoch ein guter Renner war die Bark, saß ihr auch die wilde See -drohend und verderbenbringend auf den Fersen, die sie, tief ins -Wogenthal getaucht, kaum abzuschütteln vermochte, so hob sie sich doch -immer wieder siegreich empor, hinjagend durch Nacht und Schrecken. - -Weit über den 80. Längengrad hinaus führte der erlahmende Sturm -das wackere Schiff und mit von Norden bis Süd-Westen umspringenden -steifen Winden wurde nach monatelanger Fahrt wieder Land, die Südküste -Australiens, gesichtet. - -Im sicheren Hafen von Melbourne, jener jungen, aufblühenden Stadt der -Paläste -- australischen Goldfeldern und dem Strome des Edelmetalls, -der hier sich staute, verdankt sie ihr schnelles Wachsthum -- wurde, um -die werthvolle Ladung zu entlöschen, wochenlang Rast gehalten. - -Das Goldfieber, das schon viel Tausende zur Pflichtverletzung -trieb, übte auch auf die Mannschaft des deutschen Schiffes seinen -verderblichen Einfluß aus, und die Hälfte derselben folgte dem -lockenden Rufe nach goldenen Schätzen, den gewissenlose Agenten ertönen -ließen. Gleich vielen anderen folgten die Bethörten und vertauschten -den harten Seemannsberuf mit dem eines Diggers, um unter Entbehrungen, -in harter Arbeit, fern in den wegelosen Steppen des wasserarmen Innern -Australiens nach den begehrlichen Schätzen der Erde zu graben. - -Bitter Enttäuschte, die viel ärmer als sie einst ausgezogen, zur Küste -zurückgekehrt waren und nur von Hunger, Durst und schlimmen Erfahrungen -zu erzählen wußten (kaum daß sie im Stande gewesen, das äußerst theure -Leben in der Wildniß zu fristen, so wenig hold war ihnen das Glück -gewesen, so spärlich nur hatten sie Gold gefunden), ersetzten zum Theil -die Flüchtigen. Froh noch konnte mancher Schiffsführer sein, wenn es -ihm gelang, mit Angehörigen anderer Nationen sein Schiff wieder zu -besetzen, da fast ohne Ausnahme jedem, wenn nicht die ganze, so doch -ein Theil der Schiffsbesatzung entlaufen war. So mußten denn ebenfalls -auf dem deutschen Schiffe Norweger, Schweden oder Engländer als Ersatz -mit landesüblicher hoher Löhnung angenommen werden und das Kommando, -sonst im biederen Plattdeutsch geführt, machte nothgedrungen dem -englischen Platz. - -Das Schiff, auf welchem sich der Schreiber dieser Zeilen als Reisender -befand, war gleich vor Beginn der Fahrt nach den Samoa-Inseln im -Stillen Ozean bestimmt, und Ende Oktober des Jahres 1884 lichteten wir -die Anker, um von Melbourne weiter die Fahrt nach Apia fortzusetzen. -Widrige Winde in der Baßstraße, zwischen dem Festlande von Australien -und der Insel Tasmanien, unfreundliches Wetter mit kalten Regenschauern -erschwerten das Aufkreuzen in derselben, bis nach Tagen schließlich -raumer Wind das Passiren der in dem östlichen Theile dieser Straße -liegenden Inseln und Felsenrocks möglich machte. - -Als wir dann den freien Ozean gewonnen hatten, war es nothwendig, -möglichst weit nach Osten aufzusegeln, und selbst als wir dicht -unter der Nordspitze von Neu-Seeland gekommen waren und die drei -König-Inseln sichteten, wurde noch immer der Kurs mehr östlich als -nördlich gehalten, damit, wenn wir die Region des Süd-Ost-Passatwindes -erreicht hätten, mit freiem Winde nordwärts gesteuert werden konnte. -Schon auf der Höhe der Kermadec-Inseln wurde das Schiff von Windstillen -befallen, die zeitweilig, von schweren Regenböen unterbrochen, nur -ein sprungweises Vorwärtskommen gestatteten, bis auch dieser Gürtel -unbeständiger Winde passirt war und auf etwa 25° S. Br. der Passatwind -kräftig einsetzte. - -Jetzt hatte die langdauernde Stille, bei der die Segel in eintöniger -Weise an die Masten klappten, auf einmal ein Ende; die spiegelglatten -Fluthen des Ozeans durch aufspringende Böen zeitweilig aufgeregt, -sprangen übermüthig die Schaumkronen der Wellen an der Bordwand -des Schiffes empor, das unter voller Segelkraft mit schneller Fahrt -dahineilte. - -Als wir östlich von den Tonga- (Freundschafts-) Inseln nordwärts -steuerten, war das erste Land, welches in Sicht kam, die Insel Niue, -aber zwei Tage später schon tauchte am Horizonte des tiefblauen -Tropenhimmels die gebirgige Inselmasse der Samoagruppe klar und -deutlich empor, immer höher aus den Fluthen des im Sonnenglanze -blinkenden Meeres aufsteigend, je näher sich beflügelten Laufes das -Schiff seinem endlichen Ziele näherte. - -Zur Rechten die Insel Tutuila mit ihren zerrissenen Bergen, einst -thätigen Vulkanen, hebt sich zuerst, wenn man der Straße zwischen der -Insel Upolu und Tutuila zusteuert, die über 30 Seemeilen breit ist, -die mächtige Bergmasse aus den blauen Fluthen des Ozeans, während die -langgestreckte Insel Upolu, massiver und höher, aus der Ferne wie -in weißen Nebel getaucht erscheint, über der die blauen Bergkuppen -vereinzelt emporragen. Immer deutlicher jedoch tritt auch hier das -Unterland hervor, und die hochragenden Kronen der Kokospalmen, einen -Kranz um alles sichtbare Land bildend, erscheinen wie ein endloser -Wald, der sich längs dem Ufer hinstreckt. Sobald auch die Ufer ganz -sichtbar geworden, zieht sich weit von Land ein weißer Silbergürtel -hin, erzeugt durch die das Ufer umsäumenden Korallenriffe, an welchen -sich wilddonnernd die ziemlich bewegte See unablässig bricht. - -Ein eigenartiges Bild blühender Tropenlandschaft bietet das Ganze, -man fühlt sich unwillkürlich versucht, anzunehmen, unter diesem blauen -Himmelsdome, unter den im Winde wogenden Palmenkronen müsse ein ewiger -Friede wohnen, müsse die Natur ein Paradies geschaffen haben. - -Vorüber ziehen an der Ostseite der nach dem Innern immer höher -sich aufthürmenden Berge dieser Insel, die mächtigen abgesprengten -Rocks gleichenden Inseln Nuulua und Nuutele, und weiter, sobald -nach Nord-Westen das Auge wieder den freien Ozean erblickt, die -riffumkränzte Insel Fanuatapu. Wenn diese umsegelt ist, läuft das -Schiff vor dem Winde nahezu westwärts längs der von Korallenriffen -reinen Küste, und nur die reiche Tropenwelt vom Strande aufwärts bis -zu den sanften Höhen zeigt sich im ewig grünen Schmucke, kein kahles -Gestein wird sichtbar, dicht mit Busch und Wald scheint Thal und Hügel -bedeckt -- als ein gesegnetes Land hebt sich diese Insel aus der Tiefe -des mächtigen Ozeans. Hin und wieder treten zwischen den hohen Stämmen -der schlanken Palmen am Strande wie dunklere Punkte die Hütten der -Eingebornen, am steilen Ufer erbaut, von der grünschimmernden See ab, -ebenso gleitet zeitweilig über eine tiefere Bucht ein Kanoe eilend hin, -von kräftigen Armen vorwärts getrieben, obschon von den Insassen bei so -großem Abstande nichts Genaues zu sehen ist. - -Ist man zwölf Seemeilen längs der Nord-Ostküste gesegelt, so öffnet -sich hinter der Nannivi-Spitze der Hafen von Falisa, von hier aber -läuft an der Küste weiter ein mächtiges Korallenriff, an dessen Kante -die See schäumt und brandet. Das Land erhebt sich im Innern der Insel -höher und höher, über die welligen Bergmassen ragt der Berg Fao spitz -empor; ein Bergrücken durchschneidet die ganze Insel von Ost bis -West, dessen einzelne Ausläufer nur hier und dort bis an die Küste -vordringen. - -Ist die dem Lande vorgelagerte Riffmasse passirt, so öffnet sich der -von Korallenbänken und Riffen umgebene sichere Hafen von Saluafata, -der zu dieser Zeit schon von den deutschen Kriegsschiffen als bester -Depotplatz und Gesundheitsstation anerkannt und benutzt wurde. Alle -Riffe, von See aus gesehen, scheinen direkt mit dem Lande verbunden -zu sein, wenigstens läßt das grünschimmernde Wasser, sobald die -ausgedehnten Bänke damit bedeckt sind, solches anfänglich vermuthen, -in der That aber bilden diese häufig ein zwar vielfach geformtes, -doch getrenntes Ganze für sich, so daß selbst bei der Ebbe es für -ein Boot möglich ist, dicht unter Land oder in geringer Entfernung -davon innerhalb der Riffe im ruhigen Wasser zu fahren. Selbst die -Kriegskanoes der Eingeborenen, 40 und mehr Mann fassend, benutzen nur -diese Wasserstraßen, um von Ort zu Ort zu gelangen, obwohl diese sich -auch nicht scheuen, mit den leichtgebauten Fahrzeugen auf die offene -See hinauszurudern, wenn das Meer ruhig ist und eine Nothwendigkeit -dazu vorliegt. - -Angebracht scheint es mir hier, gleich über die Entstehung, -Fortpflanzung und Bildung der Korallenbänke eine kurze Beschreibung -zu geben, weil im Laufe dieser Erzählung vielfach der gefährlichen -Korallenbänke wird Erwähnung gethan werden. - -Die Koralle, eine Polypenart, siedelt sich am häufigsten in den -tropischen Gegenden an, an geschützten Küsten oder auf nicht tiefer als -50 Meter liegendem Meeresgrunde, sind die Bedingungen zur Fortpflanzung -günstig, d. h. reichliche Nahrung und eine nicht unter 18° C. sinkende -Wassertemperatur vorhanden, so breiten sie sich sehr schnell aus -und bilden durch das Absterben der Milliarden kalkhaltiger Thiere -allmählich eine feste steinige Masse. - -Sie wächst bis zur Ebbegrenze, d. h. bis zum niedrigsten Stande des -Meeresspiegels, dann hört aus Mangel an genügender Nahrungszufuhr ihr -Wachsthum auf, dafür aber dehnen sie sich nach der offenen See mehr und -mehr aus, selbst die schweren, auf solchem Randriff brechenden Wogen -hindern die Thierchen nicht am Weiterbau. Lücken, durch sehr schwere -Brandung hervorgerufen, füllen sie schnell wieder. Meistens bildet der -äußere Rand eines Riffes eine steile Wand, was namentlich der Fall ist, -wenn an solchem die Wassertiefe schon beträchtlich ist. - -Um es zu verstehen, daß selbst auf abschüssigem Grunde ein Korallenriff -an Ausdehnung gewinnen kann, muß man bedenken, wie die Korallenthiere -bis zu der Tiefe von 50 Meter immer weiter an gebildeten Bänken -fortbauen, so über großen Tiefen frei hängende Massen bilden, die -schließlich durch die Gewalt der See oder ihrer eigenen Schwere -abbrechen und versinken. Solche abgestürzten Massen aber, im Laufe -der Zeiten übereinander gethürmt, geben den Thieren immer neue -Ansiedelungspunkte und die Folge ist, daß an vielen Riffen eine steile, -senkrechte Wand gefunden wird, die aus einer Tiefe von mehreren hundert -Fuß bis zur Oberfläche des Meeres aufragt. - -Eine eigenthümliche Erscheinung ist ferner, daß an der Mündung von -Bächen und Flüssen die Koralle sich nicht ausbreitet, es erklären -sich hierdurch die kleineren oder größeren Riffpassagen, die man -bei Wallriffen unter Inseln oder Festland immer findet. Der Grund -dafür ist, daß den Korallenthieren durch das Süßwasser die benöthigte -Nahrung entzogen wird und sie naturgemäß absterben, oder, wo durch -brandende See ihnen solche doch noch zugeführt wird, sich nur äußerst -langsam ausdehnen. Ebenso werden die Thierchen an der gedeihlichen -Fortpflanzung unter Land auch dadurch gehindert, daß, während schon an -und für sich das Meer ihnen geringere Nahrung zuführt, die Landwinde -vom Ufer vielen feinen Staub abwehen. Dadurch erklärt es sich, wie -häufig in der Nähe des Landes die Koralle das Weiterbauen eingestellt -hat und Durchfahrten für Boote und Kanoes freigeblieben sind. Orte, -wo die Koralle im Meere nicht gedeiht, sich vielleicht überhaupt nicht -angesiedelt hat, wie man solchen Vorgang an Inseln beobachten kann -- -eine Seite derselben ist mit Riffen eingefaßt, die andere nicht -- ist -fast immer auf eine kältere Meeresströmung zurückzuführen, die unter -Küsten oder Inseln hinzieht. - -Das ausgedehnte Gebiet des Großen Ozeans, dessen weitverzweigte -Inselwelt vielfach heute noch ein Vulkanheerd ist, bringt hin und -wieder plötzliche Veränderungen hervor, für Jahrtausende beständig -gebliebene Riffe versinken oder heben sich. Tritt solche Verschiebung -ein, sinkt z. B. ein Riff unter die Meeresoberfläche, so baut sich die -Koralle ungemein schnell auch auf schon erstorbenen Flächen wieder an -und führt das Riff zur Meeresoberfläche; hingegen heben sich unter -Wasser gebildete Bänke, was zur Folge hat, daß im größeren Umkreise -auch der Meeresboden gehoben wird, so nimmt die Koralle am Randriff -ihre Arbeit wieder auf, da sie auf einer Tiefenlinie von ungefähr -2000 Meter nicht weiter bauen kann, weil der in solcher Tiefe große -Kohlensäuregehalt des Meerwassers einen Weiterbau verhindert. - -Was die Bildung der Korallen-Inseln anbetrifft, so entstehen solche -nur durch Anhäufung losgelöster Korallenblöcke, die durch schwere Seen -bei Stürmen oder Orkanen auf das Riff getragen werden. Ueberwiegt auch -am Riffrande das Wachsthum der Koralle den Verlust, welcher durch die -unablässig anbrandenden Wogen entsteht, die solche Theile und Theilchen -loslösen und auf dem Riffe ebenfalls ablagern, so tragen doch diese -dazu bei, schon etwa über Fluthhöhe angehäufte harte Korallenmassen -zu verbinden und heftige Winde thun das Ihre, zu Zeiten der Ebbe den -leichten Korallenmörtel immer höher aufzuhäufen. Dann fehlt nur noch -die Vegetation; angeschwemmte Kokosnuß und Pandanuß finden fruchtbaren -Boden; Samen, von Seevögeln oder den Wogen zugetragen, keimen auf der -kleinen Fläche, die hierdurch auch immer mehr an Ausdehnung gewinnt, -bis im Laufe der Zeiten Inseln von beträchtlichem Umfange entstehen. - -Bei der Beschreibung des Marschall-Atolls und anderer werde ich auf -deren muthmaßliche Bildung zurückkommen, obgleich die Entstehung der -heutigen Inselgruppe auf ganz gleiche Vorgängen zurückzuführen ist. - -Sieben Seemeilen weiter westlich von dem, dem Hafen von Saluafata -vorgelagerten Riffe -- die Küste zeigt auf dieser Strecke nur wenig -Korallenbildungen -- erhebt sich von der Vailele-Bai erst wieder das -massive, von hier die ganze Küste westwärts umfassende Korallenriff. -Die brandenden Wogen an denselben mahnen zur Vorsicht, man ist deshalb -gewohnt, einen größeren Abstand zu halten, als bei günstigem Winde -nöthig wäre, da die Wassertiefe fast überall bis dicht unter das Riff -beträchtlich ist. - -Erschwert wird daher auch das Auffinden der Einfahrt, die zum Hafen -von Apia führt; namentlich für einen mit den Verhältnissen und den -Strömungen nicht vertrauten Schiffsführer hat die erste Ansegelung -etwas Schwieriges. Wohl geben der Apia-Berg, ferner auf diesem und -die an dessen Fuße auf dem kleineren Waea-Hügel errichtete Baken und -Feuer ein gutes Merkzeichen, doch diese sind nicht immer, wenn Dünste -und feuchte Nebel darüber lagern und tiefhängende schwere Regenwolken -das Innere der Insel verhüllen, aus größerer Entfernung sichtbar und -selbst der Hafenlootse kann sich bei bewegter See auch nicht immer -weit aus dem Schutze der Riffe herauswagen, um dem irrenden Schiffe als -Wegweiser zu dienen. Dazu kommt, daß der nach Westen setzende Strom ein -Schiff leicht über die Peilrichtung der gegebenen Zeichen hinaustreibt, -und manchem Führer geht es so wie es auch mir ergangen ist, daß er, -gegen schwachen Ostwind kreuzend, weit fortgetrieben wird und er Tage -braucht, ehe er die Höhe des Hafens wieder erreicht. - -Man bezeichnet auch den durch den im Apia-Hafen mündenden -Vaisigano-Fluß gebildeten Wasserfall, der landeinwärts bei dem Dorfe -Maniani liegt, als gutes Merkzeichen, da er im Sonnenlichte hell -blinkend seine Wasser aus beträchtlicher Höhe abstürzt und auch -weit von See aus sichtbar ist; allein da solche Fälle bei günstiger -Beleuchtung an der Nordseite der Insel mehrere zu sehen sind, so ist -der Vaisigano-Wasserfall kein untrügliches Zeichen. In den Monaten Mai -bis November wird man indes hier meistens immer klares Wetter antreffen -und es dann nicht schwierig sein, die Einfahrt in den gut geschützten -Hafen zu finden. - -Es war am 19. November 1884 als wir, schon nach hereingebrochener -Dunkelheit, den sicheren Hafen erreichten und ich nach einer Reise -von 175 Tagen (der Aufenthalt in Melbourne eingerechnet) das Land -betrat, wo für mich eine jahrelange Thätigkeit im Dienste der deutschen -Handels- und Plantagen-Gesellschaft vorgesehen war. Dem Fremdartigen, -das einem in fern entlegenen Ländern entgegentritt, wendet man -anfänglich seine ganze Aufmerksamkeit zu; so fühlte man sich auch hier, -wo schon die reiche Tropenwelt, die ganze Großartigkeit der Scenerie -die Sinne gefangen nahm, versucht, die gewonnenen Eindrücke auf sich -wirken zu lassen, und das Wohlgefälligste, was dem Beobachter hier in -diesem schönen Erdenparadiese entgegentritt, sind die Bewohner dieses -gesegneten Landes selbst. - -Stolze, stattliche Gestalten sind die Männer, groß und schlank gebaut, -Klugheit und Kraft verrathend, soweit letztere aus dem stolzen Gang und -dem wohlgenährten Körper ersichtlich ist. Der Körper ist bis auf den -Lendenschurz, den Lava-Lava, den sie gefällig um die Hüften tragen, -nackt, die Beine fast bis zum Unterleib tätowirt, stechen die blauen -Streifen oder Ringe von der lichtbraunen Farbe des Körpers auffällig -ab. Die Frauen sind selten über Mittelgröße, haben hübsche, anmuthige -Gestalten, zeigen Sanftmuth und gefälliges Wesen, vor allem, wenn noch -Jugendreiz sie schmückt und sie ihre Schönheit durch die duftenden -Kinder der hier üppig blühenden Flora zu heben bemüht sind, die sie -kranzartig sich in das starke, mähnenartige, schwarze Haar einflechten. - -Ein sorglos glücklich Volk, dem die Natur ihre reichen Schätze ohne -Arbeit und Müh in den Schooß wirft, scheinen diese Ureinwohner zu sein. -Wohin man den Blick wendet, Früchte beladene Kokospalmen, vereinzelt -oder in großen Gruppen, Apfelsinen und Brotfruchtbäume neben der -zuckersüßen Banane, der wohlschmeckenden, nahrhaften Yamswurzel, -dem Zuckerrohr und der Taroknolle, machen die Hauptbestandtheile -der Nahrung der Eingeborenen aus, nur die letzten Arten bedürfen -der Anpflanzung und sehr geringer Pflege. Der Palmenbaum, der Milch, -Oel und saftigen Kern giebt, Gewebe und wohlschmeckendes Getränk, um -Dörfer und Hütten gepflanzt, genügte allein schon den Eingebornen zu -sättigen und zu befriedigen. Nicht die Größe des Flächenraumes schätzt -dieser deshalb hoch, sondern die Zahl der Palmenbäume, die ihm zu eigen -gehören. - -Der große Hafen von Apia, durch die vorspringende Matautuspitze und die -weitgestreckte schmale Landzunge Mulinun gebildet, durch die weit in -See sich erstreckenden Riffe eingeengt und eigentlich erst geschaffen, -bietet genügenden Raum und Wassertiefe für eine ganze Anzahl großer -Schiffe; der kleinere Hafen hingegen ist etwas beengt, bietet aber -für jedes Schiff, wenn solches wegen seines Tiefganges nicht im großen -verbleiben muß, eine noch gesichertere Lage. Uebrigens ist der kleine -Hafen eigentlich nur der Ankerplatz für die der Plantagen-Gesellschaft -zugehörenden Schiffe. - -Auffällig und sofort ins Auge fallend sind die großen Bauten der -Deutschen Handels-Gesellschaft, vor allem das gefällige Hauptgebäude, -das in seiner Ausdehnung nicht bloß die Kontore, sondern auch die -Wohnung des derzeitigen Chefs, des Herrn Konsuls Weber, sowie aller im -Innern-Dienst Angestellten enthält. - -Das Innere des großen Quadrats nimmt ein gefälliger Ziergarten ein, -dessen Bäume und Pflanzen viel dazu beitragen, die heiße Schwüle der -Abende zu mildern und erfrischende Kühle verbreiten. Alle Häuser der -Europäer, aus Holz erbaut, das nach Bedarf von amerikanischen Schiffen -eingeführt wird, stehen um einige Fuß über dem Erdboden erhöht meistens -auf gemauerten Korallenpfeilern. Es ist dies insofern eine zwingende -Nothwendigkeit, als, abgesehen davon, daß während der Regenzeit -vom November bis April, die Feuchtigkeit fern gehalten wird, dem -zahlreichen Ungeziefer nach Möglichkeit gewehrt werden muß. - -Ratten in Unmenge, Ameisen zu Milliarden bürgern sich in den Häusern -gar zu gerne ein und namentlich gegen letztere, die durchaus nichts, -was eßbar ist, verschonen, kämpft hier der Mensch vergeblich an. -Um diese kleinen geschäftigen Thierchen, die unter Dielen, in den -Holzfüllungen ihre Heimstätte aufschlagen, nur einigermaßen vom -Genießbaren fernzuhalten, müssen Tischbeine, überhaupt alle Gefäße, -die Eßbares enthalten, in Wasserbehälter gestellt werden, das ist die -einzige Methode, mit einigem Erfolge Speisen, Früchte u. s. w. vor -Verderben durch Ameisen zu schützen. - -Ein wahres Heer voll Ungeziefer aber beherbergen die Kopraschuppen, -jene Gebäude, welche aufgespeicherte Vorräthe an getrockneter Kokosnuß -enthalten. Kopra ist der in Stücke geschnittene und an der Sonne -getrocknete Kern der Nuß, jenes werthvolle Erzeugniß, das in Europa -die feinsten Oele, Seifen, Säuren u. s. w. giebt und jederzeit hoch -im Preise steht. In solchen Gebäuden wimmelt es von Ratten, Käfern, -Kakerlaken und Ameisen, die hier überreiche Nahrung finden, Tausendfuß -und anderes gefährlicheres Gewürm, selbst den Skorpion habe ich -zuweilen an anderen Orten bemerkt. - -Eine langandauernde Lagerung des Kopras, dessen reicher Oelgehalt -bedeutende Wärme erzeugt, bringt durch Eintrocknen schon einen -Gewichtsverlust mit sich, mehr aber verliert die Güte desselben -durch die erwähnten Thierarten. Bei der Verschiffung des Kopras wird -natürlich solch lästiges Gewürm mit in das Schiff übergeführt und -monatelanges Lagern großer Mengen Kopra in einem Schiffsraume hat zur -Folge, daß namentlich Ameisen und Kakerlaken sich einbürgern, gegen -deren Vertilgung nordische Kälte nur das einzige durchgreifende Mittel -abgiebt. - -Die ausgedehnten Bauten der deutschen Factorei und das dazu gehörige -Gelände trägt den Namen „Savala“, die langgestreckte Landzunge, auf -welcher sich mehrere kleinere Dörfer als „Songi“ und ganz am Ende die -Wohnung des derzeitigen Königs „Maliatoa“ befindet, heißt „Mulinuu“. -Gebüsch, Palmen und Brotfruchtbäume bedecken diese Landfläche, die im -Hintergrunde ein dichter Mangrovensumpf umsäumt, die Brutstätte der -lästigen Mosquitos und des zu Zeiten austretenden Malariafiebers. - -Das Klima der meerumrauschten Insel ist im Allgemeinen als ein gesundes -zu bezeichnen; wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hat der Europäer, -den tödtliches Fieber befällt, es meist immer selbst verschuldet und -zwar dadurch, daß er die in den Zimmern herrschende drückend heiße -Luft durch Oeffnen von Thür und Fenstern während des Schlafes in der -thaukalten Nacht zu mildern sucht, deren feuchte Luft zwar angenehm den -Körper kühlt, aber auch eine verderbliche Einwirkung auf die Gesundheit -ausübt. Wenige Monate nach meiner Ankunft (ein längerer Aufenthalt am -Lande war mir vorgeschrieben) hatte ich durch solche Unachtsamkeit mir -ein schlimmes Fieber zugezogen; zwischen Tod und Leben rang ich lange, -bis doch die Natur, unterstützt durch die Kunst der Aerzte, Sieger -blieb. - -Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen, das bestätigt sich auch -hier selbst bei den Eingebornen; unter anderen Krankheiten sei nur die -den Körper verunstaltende Elephantiasis angeführt. Häufig tritt diese -Krankheit auf, und wenn sie auch im ersten Stadium noch schmerzlos ist, -so schleppt doch der Betroffene ein meistens sehr dick angeschwollenes -Bein, das ihm äußerst lästig und am Gehen hinderlich ist, herum, selbst -langansässige Europäer befällt zuweilen dieses unangenehme Leiden. - -Von der äußersten Spitze der Landzunge Mulinuu führt ein bequemer Weg -rings um die Bai nach Matautu, der als eine eigentliche Straße aber -erst von der deutschen Factorei an zu betrachten ist. Zur Rechten -liegen dort einige gefällige Cottages, im Styl englischer Landhäuser -erbaut, mit vorliegenden Gärten und dem freien Ausblick auf den -Hafen; die Straße selbst wird von hohen Apfelsinenbäumen beschattet, -deren kugelrunde noch unreife Früchte den jungen Samoanerknaben als -Spielbälle dienen, indem diese sich die fast nackende, lebhafte Schaar -mit Geschick zuwirft. - -Weiterhin erst im eigentlichen Matafele, wie die Hauptansiedelung -der Europäer benannt wird, reihen sich Häuser zu beiden Seiten der -Straße, Hotels, Gastwirthschaften und Privatwohnungen, hinter diesen -das Samoanerdorf Matafele. Dem Durstigen winkt hier in den geräumigen -Wirthschaften ein kühler Trunk, durch künstliches Eis gekühlt; denn -Durst, durch die Sonnengluth erzeugt, hat Jedermann, auch stehen neben -Versandbier, das ausnahmslos deutsches Erzeugniß ist, Spirituosen, ja -die theuersten Sorten edlerer Getränke jedem zur Verfügung, sofern der -dafür geforderte hohe Preis nicht den Geldbeutel zu bedenklich leert, -da unter einem Sixhenie, d. h. 50 Pfennigen, nichts erhältlich ist, -eine Flasche Bier aber schon zwei Mark kostet und Weine noch bedeutend -höher im Preise stehen. - -An Vergnügungen fehlt es auch nicht, die meisten Wirthe, dazumal -vornehmlich Deutsche, haben neben einem Tanzsaal, wo gelegentlich -zum Klavier oder Harmonika jeder mit den hübschen Samoanerinnen, -die leidenschaftlich dem Tanze und Spiel sich hingeben, tüchtig das -Tanzbein schwingen kann, auch für Liebhaber des Kegelsports gute -Bahnen eingerichtet, und diese werden von dem zahlreichen Personal der -Factorei und sonstigen Deutschen auch tüchtig benutzt. - -Damit freilich sind die hauptsächlichsten Vergnügungen lokaler Art -erschöpft, Jagdliebhabern bietet sich solches in anderer Weise, -da zahlreiche wilde Tauben und Hühner, selbst verwilderte Schweine -in den Bergen zu finden sind; auch sonntägliche Reitausflüge nach -den Plantagen Vailele, Vaivase, Vaitele, selbst bis nach Molefenua -ausgedehnt, finden viele Theilnehmer, besonders aber sind Picknicks mit -Damen, den Kindern einiger langansässiger Europäer, und Samoanerinnen, -die ihre lichtbraunen Schwestern oftmals noch an Schönheit übertreffen, -für die Jüngeren ein beliebtes Vergnügen, zu deren Veranstaltung -Ausflüge in die schönsten Orte der Umgebung von Apia gemacht werden. - -Hierbei fehlt, was ich gleich erwähnen will, gewöhnlich nicht der -bei den Samoanern so beliebte Schweinebraten, und wenn auch sonst der -stolze Eingeborne sich nicht herbei läßt, eine Handreichung zu thun, so -übernehmen bei solcher Gelegenheit die Aufgeforderten doch gerne das -Amt eines Mundschenks und bereiten eigenhändig nach ihrer Weise den -köstlich duftenden Braten. - -Nach der Anzahl der Theilnehmer wird ein mittelgroßes Schwein vorher -geschlachtet, sehr sauber gereinigt und zerschnitten bereit gelegt. In -einer Grube, die rings mit Steinen ausgefüllt ist, werden diese durch -ein in derselben entzündetes Feuer glühend heiß gemacht, das Schwein in -große Bananenblätter fest eingewickelt, wird nach Verlöschen des Feuers -dasselbe dann in die Grube gebettet und auch mit ebenso heißen Steinen -zugedeckt, worüber dann Erde geschüttet werden muß, um zu verhindern, -daß die Hitze entweicht. - -Von Kraft und Fettgehalt gar nichts verloren, wird nach Verlauf -mehrerer Stunden der äußerst zarte Braten behutsam herausgenommen und -auf frische Bananenblätter gelegt, dann reißt der Vertheiler mit den -Händen das Schwein auf. Allen im Kreise umhersitzenden Theilnehmern am -Mahle sind vorher Bananenblätter als Teller vorgelegt worden. Auf diese -wirft mit vielem Geschick der eine oder andere Gehülfe des Mundschenks -die von diesem mit den Händen in Stücke zerrissenen Fleischtheile, -dabei jedesmal den bezeichnend, dem sein Antheil zugeworfen werden -soll. - -Nach unsern verfeinerten Begriffen ist solche Behandlung des Fleisches -sowohl, wie auch der ganze Vorgang etwas unappetitlich, indes stößt man -sich weniger daran, da vor den eigenen Augen alles mit peinlichster -Sauberkeit vorgenommen wird, auch liegt ein gewisser Reiz darin, -Unbekanntes und Eigenartiges kennen zu lernen. So viel ist gewiß, -ein jeder läßt sich das zarte Fleisch eines so bereiteten Schweines, -das nachträglich mit Salz gewürzt wird, vortrefflich schmecken, dazu -die zarten Yamswurzeln und Bananen, duftende Ananas und Orangen als -Nachtisch. So wird solches Essen ein lukullisches Mahl, das mit Bier, -Whisky und Sodawasser heruntergespült wird. - -Gewöhnlich aber haben die theilnehmenden Samoanerinnen noch etwas -zur Ueberraschung vorbereitet: nämlich das beliebte, pikante -Palisami. In junge Bananenblätter mehrfach eingehüllt, liegt eine -weiche, weiße Masse, unsern Windbeuteln vergleichbar, die, von den -zartesten Blüthenblättern des Kokosbaumes umgeben, einen scharfen, -aber angenehmen Geschmack hat, erzeugt durch die feinen Blättchen, -die mit gegessen werden. Das Ganze besteht aus ganz fein geriebenen -Kokosnußkernen, durchsetzt mit der weißen Kokosmilch. Der eintretende -Säureprozeß trägt viel zum Wohlgeschmack bei. - -Die Fröhlichkeit wird dann durch die ungemein wohlklingenden Gesänge -der blumengeschmückten Samoanerinnen eingeleitet. Einer Vorsängerin, -die Melodien und Text angiebt, folgt der ganze Chor mit einer -auffallenden Richtigkeit, die anmuthigen Bewegungen, das taktmäßige -Wiegen des Oberkörpers nach dem Rhythmus, das Klatschen der Hände auf -den Beinen, Armen, Schultern und Kopf geschieht mit solcher Präzision, -daß nur ein angeborenes Talent solche Fertigkeit hervorbringen kann. -Nicht minder interessant sind die Tänze; wie auf Kommando bewegen sich -die Füße und Gliedmaßen, das Aufreihen und Schließen einer Kette oder -Ringes geschieht mit unfehlbarer Sicherheit, dazu kommt der melodische -Gesang, kurz, es ist ein Genuß, den Bewegungen der graziösen Gestalten -zuzusehen. - -Oft habe ich in den Hütten der Eingebornen, wo gerne Gastfreundschaft -geübt wird, bei kredenztem Kavatrunk Tanz und Spiel zusehen können -und über die Sorglosigkeit der Eingebornen Betrachtungen anzustellen -Gelegenheit gehabt, mit welcher die gütige Natur dieses glückliche -Volk ausgestattet hat, das durch schöne Gestalt und heiteren Sinn ganz -besonders bevorzugt ward. - -Bei solchen Vergnügungen sowohl, wie bei einem Besuch in der -schmucklosen Hütte des Eingebornen, wird der Nationaltrunk -herumgereicht und ist dieser in folgender Weise zubereitet: die grüne -Kavawurzel, sonst giftig, wird vollständig an der Sonne getrocknet, -bis sie gelb und die Fasern spröde geworden sind, wodurch sie ihre -schädlichen Eigenschaften vollständig verliert. Die eigentliche und bei -den Samoanern beliebte Zubereitung nun ist: es kauen die jungen Mädchen -nach vorgenommener Reinigung des Mundes Theile dieser Wurzel mit ihrem -vorzüglichen Gebiß klein, rollen solche in Kügelchen und legen diese -in die Kavaschale, eine aus dem Holze des Brotfruchtbaumes künstlich -geschnitzte und auf kurzen Füßen ruhende Mulde. Dann werden die -Wasserbehälter, vollständige, möglichst große Kokosnüße, die so lange -in Seewasser gelegen haben oder mit solchem angefüllt gewesen sind, -bis der schmackhafte Kern in derselben sich aufgelöst hat und durch -die kleinen Keimlöcher entfernt ist, herbeigebracht, die nach Bedarf -vorräthig in oder außerhalb der Hütte hängen und nach vorgenommener -Reinigung der Hände wird von ihnen so viel Wasser in die Schale -gegossen, als erforderlich erscheint. - -Die den Kavatrank bereitende Frau rührt nun mit einem bereitgehaltenen -Büschel feiner Fasern von der Banane das Ganze durcheinander, bis -das Gebräu eine schmutzig-bräunlich-gelbe Färbung angenommen hat, -dabei ist sie mit dem Büschel bemüht, auch das kleinste Fäserchen -der aufgelösten Kavawurzel zu entfernen. Ist der Trank bereitet, was -durch Händeklatschen den Anwesenden kundgethan wird, so bezeichnet -der Hausherr den vornehmsten Gast durch Aufruf und eines der jungen -Mädchen hält, sich erhebend, eine durch vielen Gebrauch schön polirte -Kokosnußschale über den Kavabehälter und läßt sich den ausgeschwenkten -und wieder eingetauchten Faserbüschel darin ausdrücken, oder richtiger, -das oft über einen halben Liter fassende Gefäß mit dem Getränke -volllaufen. In graziöser Bewegung schreitet das Mädchen dann auf den -Bezeichneten zu und kredenzt, vor dem Sitzenden sich neigend, das -Getränk. - -Hierbei ist es Regel (soll in einer Nichtannahme keine Beleidigung -des Wirthes gefunden werden), daß die Schale geleert oder doch daraus -getrunken wird, den Rest kann man seitwärts oder über den Kopf hinweg -ausschütten und dann das leere Gefäß dem wartenden Mädchen zurückgeben. -So geht es in der Runde fort, oft wird auch die große Schale nach -Bedarf mehrmals aufs Neue gefüllt. Gesang, an welchem auch die Männer -sich betheiligen, hilft ein solches Trinkgelage verschönern. - -Die Kavawurzel besitzt auch die Eigenschaft, einem kranken und -ermatteten Körper Ruhe zu geben, sowie eine schmerzstillende Wirkung -auszuüben, sie hat deshalb weite Verbreitung als Genußmittel auch bei -den übrigen Südseeinsulanern gefunden. - -In größeren Mengen genossen, wirkt der Kavatrank aber doch berauschend, -und bei vollständig klarem Kopfe hat man das Gefühl, als weiche der -Erdboden unter den Füßen, eine Art Gefühllosigkeit macht sich in den -Beinen bemerkbar und kaum spürt man die Berührung mit dem Boden. -Bei einem Ausfluge zu einem landeinwärts lebenden Europäer, wo in -Ermangelung von Bier und anderen Getränken von den gefälligen Samoanern -reichlich Kava kredenzt wurde und ich als Neuling schließlich auch -Gefallen an dem eigenartigen Getränke fand, dessen Wirkung ich nicht -kannte, machte ich auf dem langen Heimwege in dunkler Nacht dann die -Erfahrung, daß ein neckischer Kobold sein Spiel mit mir zu treiben -versuche. - -Das Kauen der Kavawurzel ist, wie erwähnt, im Allgemeinen gebräuchlich, -doch bürgert sich, wenigstens wo ein häufigerer Verkehr mit Europäern -stattfindet, mehr und mehr die Methode ein, diese Wurzel zwischen -Steine zu zerklopfen und das unappetitliche Zerkauen mit den Zähnen -unterbleibt. Die Zubereitung des Trankes bleibt sonst dieselbe. - -Wie bei den meisten Naturvölkern, so herrscht auch bei den Samoanern -keine strenge Sittlichkeit, doch darf als Beweis die Veranstaltung des -Festes angesehen werden, welches zu Ehren der unbescholtenen Jungfrauen -gefeiert wird. Bei diesem folgt Alt und Jung dem Zuge, an dessen Spitze -die jungen Mädchen im reichsten Blumenschmuck einherschreiten. So -allgemein ist diese Sitte, daß das Fest in jedem großen Dorfe begangen -wird. Die Anwesenheit der Europäer ist bei solcher großen Festlichkeit -sehr erwünscht, sind sie vorhanden, so wird ihnen der Ehrensitz an der -Seite der Jungfrauen zutheil. - -In gleicher Weise wie bei den geschilderten Picknicks wird auch -hierbei, nur im großartigeren Maßstab, ein opulentes Mahl im grünen -Grase unter den Wipfeln rauschender Palmen abgehalten, dem Gesang und -Tanz folgt ein Schauspiel in dieser herrlichen, pittoresken Gegend -und Umgebung, wie solches eindrucksvoller und natürlicher von den -frohsinnigen Kindern eines gesegneten Fleckchen Erde nicht vorgeführt -werden kann. - -Reinlichkeit des Körpers ist eine Tugend des samoanischen Volkes, -hervorgerufen durch die Anschauung, daß dadurch allerlei Krankheiten -fern gehalten werden, zu jeder Tageszeit in den kühleren Stunden findet -man an den Ufern der aus den Bergen kommenden Flüße und Bäche badende -Mädchen und Frauen; ja dies ist so zu einem Bedürfnisse geworden, daß -selbst Kranke sich zu den erfrischenden Wassern schleppen. - -Um Haut und Körper geschmeidig zu erhalten, reiben namentlich Frauen -und Mädchen sich mit Kokosnußöl ein, welches dem Braun der Hautfarbe -etwas Glänzendes giebt; gleichwohl geht auch ein scharfer Geruch von -ihnen aus, der ein empfindliches Riechorgan beleidigen kann; auch eine -aneinandergereihte haselnußgroße Frucht, mit Vorliebe neben Muscheln -und Blumenranken als Schmuck getragen, vermehrt den scharfen Geruch des -Oels, die Gegenwart eines weiblichen Wesens macht sich sofort dadurch -bemerkbar. - -Bei beiden Geschlechtern ist das Kopfhaar auffallend stark, andere -Haare am Körper, selbst oft der sprießende spärliche Bart des Mannes, -werden durch Ausreißen entfernt und wo sie sich dennoch zeigen, solche -mit scharfen Glasscherben oder Muscheln abrasirt. Während die Männer -sich nach und nach den ganzen Unterkörper tätowiren, haben die Frauen -nur einzelne Punkte auf der Brust, und ich muß sagen, erstere müssen -bei dem schmerzhaften Verfahren recht starke, wenig empfindliche -Nerven besitzen, denn eine Anzahl dicht aneinandergereihter Nadeln, die -bis auf eine gewisse Länge in die Haut eindringen, werden, befestigt -an einem Holzstück, mit leichten Schlägen eines kleinen Holzhammers -eingetrieben und auf diese Weise die einfache Zeichnung ausgeführt. - -Das Kopfhaar der Samoaner ist stark und schwarz; findet man bei den -Männern rothes, so ist dies künstlich erzeugt und beweist einen -gewissen Grad von Eitelkeit. Schlanke Jünglinge, selbst Männer, -erscheinen häufig am frühen Morgen mit einer eigenartig weißen -Perrücke geschmückt, bis über die Schläfe hinaus ist der ganze Kopf -in eine starre, weiße Kalkmasse eingehüllt, was den Trägern solcher -Kopfbedeckung ein eigenthümliches Aussehen giebt. Dabei sind sie auch -noch darauf bedacht, ihre Frisur vor Verletzungen und Unordnung zu -schützen. - -Die Folge ist, daß unter beständiger Einwirkung von Kalk, der hier -leicht aus gebrannten Korallensteinen zu gewinnen ist, das Haar -allmählich bleicht und schließlich roth wird, neuer Nachwuchs muß -natürlich immer auf gleiche Weise behandelt werden und die Eitelkeit -legt dadurch dem sonst trägen und zur Arbeit wenig geneigten Samoaner -doch gewisse Beschränkungen auf. Uebrigens ist ein Unterschied in der -Sprache wie in der Bekleidung vorhanden. Während nämlich die Taimua, d. -h. die Vornehmen, sich einer besonderen Sprache bedienen, im Gegensatz -zu der der Faipule, d. h. des gemeinen Volkes, so ist es nur den -Häuptlingen und den Mitgliedern einer Königsfamilie gestattet, weiße -Lava-Lava, d. h. Lendenschurze zu tragen. - -Als um das Jahr 1830 die ersten Europäer sich hier festgesetzt und -allmählich der Handel an Ausdehnung gewann, war die Ausfuhr nach Europa -vornehmlich Kokosnußöl, welches die Eingebornen in größerer Menge -bereiteten, davon ist man aber längst abgekommen und führt die viel -billigere Kopra unter Ausnutzung ihrer reichhaltigen Stoffe, die bei -der ursprünglichen Oelgewinnung vergeudet wurden, lieber in Mengen aus. - -Die Oelbereitung geschah, wie früher so auch heute noch, auf folgende -Weise: die reife Kokosnuß wird aufgespalten und von der äußeren -fasrigen Hülle befreit, so daß der ölhaltige Kern nur noch von der -harten festen Schale umgeben bleibt, der Kern wird dann durch Hin- und -Herscheuern auf einem wie eine Säge ausgezackten Stück Bandeisen oder -hartem, schmalen Holz klein gerieben und die gewonnene Maße dann in -eine Mulde oder alten Kanoe geschüttet. Dann wird sie mit Seewasser -übergossen und dem Gährungsprozesse überlassen. Das Oel sammelt -sich überm Wasser und kann leicht abgeschöpft werden. Es ist sehr -säurehaltig, wird deshalb leicht ranzig und eignet sich schlecht zum -Gebrauch, der widrige Geruch hat auch etwas unangenehm Belästigendes an -sich. - -Um zu dem schon erwähnten Palisami oder zu einer Reisspeise, -selbst Hühnersuppe, die benöthigte weiße Milch zu erhalten, braucht -die kleingeriebene Kernmasse nur in einem Stückchen Zeug oder in -Ermangelung dessen in einer weichen, feingewobenen Matte ausgedrückt -zu werden, der weiße, wohlschmeckende Saft fließt durch das Gewebe ab, -der Rest dient den Hühnern und Schweinen als Nahrung, die sehr gierig -nach solchem Futter sind; namentlich muß vor letzteren die auf Matten -ausgelegte Kopra geschützt werden, denn mit besonderer Vorliebe eignen -sich diese Thiere den wohlschmeckenden, ihnen so mundgerecht gelegten -Vorrath an. - -Die Kokospalme ist überhaupt der von der gütigen Natur für viele -Volksstämme gespendete Universal-Baum; diese erhabene, majestätische -Bauart, die vielfältig dem Menschen Nahrung, Kleidung und Obdach -giebt, hat auch den zivilisirten Europäer nach Gegenden gezogen, die -ein einsam freudloses Dasein bieten, wo er oft mit wilden, selbst -kannibalischen Stämmen, schwere Kämpfe bestehen mußte, ehe ein -Tauschhandel um die werthvolle Kokosnuß eingeleitet werden konnte. - -Die Kokospalme wächst überall in den Tropen, auf Korallen, wo sonst -kein Gras noch Strauch zu sehen ist, senkt sie ihre Wurzeln tief ins -Gestein und saugt das für sie nöthige Wasser auf, auch auf Hügeln und -Bergen, wo der Boden gut ist und genügend Feuchtigkeit halten kann, -findet man sie bis zu 500 Fuß überm Meeresspiegel. Auf verwittertem -Lavagrunde gedeiht der Baum am besten; ist genügend Raum zur Ausdehnung -vorhanden, so erreicht der astlose, schlanke Stamm oft eine Höhe von 90 -Fuß, über dem sich die mächtige frucht- und blätterreiche Krone stolz -in den Lüften wiegt. - -Auf den Plantagen geht man in einem Tempel, der scheinbar endlos -sein grünes Dach über viel Tausend Säulen wölbt; man ist wie in einem -hehren, mächtigen Dome, unter dessen Wölbung ein reiner, stiller Friede -waltet, ein Etwas, das jedem die Majestät der schaffenden Natur vor -Augen führt. - -Die Blätter der Palme, bis zu 30 Fuß Länge reichend, dienen, ineinander -geflochten und schichtweise aufeinander gelegt, dem Eingebornen zur -Bedachung seiner Hütten, die meistens rund oder oval nur aus einer -Anzahl in den Boden gesetzter Palmenstämme bestehen, in der Mitte -ist ein höherer Stamm, der das schräge Dach zu unterstützen hat. -Die Wandbekleidung sind aufrollbare Matten, die Nachts, wenn der -mattenbelegte Raum als Schlafstätte benutzt wird, niedergelassen -werden, höchstens giebt es ein abgetrenntes Heiligthum in jeder Hütte, -das Schätze birgt und profanen Blicken nicht zugänglich ist, sonst ist -bei Tage das Innere einer Hütte meist immer sichtbar. - -Große Geschicklichkeit zeigen die Samoaner im Flechten der Matten, -ihrer praktischen Fächer u. s. w. Auch hierfür giebt ihnen die -Palme wieder das Material. Die feinen Blätter werden aufgerollt, -eine zeitlang gut gewässert, und dann mit einem flachen Stein oder -Holz geklopft. Dann verliert sich die Sprödigkeit und jedes Blatt, -selbst zu feinen Streifchen leicht auftrennbar, giebt einen weichen, -handlichen Stoff. Körbe zum Heimschleppen etwaiger Feldfrüchte oder -Nüsse verfertigt sich der Samoaner erst an Ort und Stelle, ein Theil -des gewaltigen Palmenblattes genügt dazu, und zwar reißt er die starke -Mittelrippe des Blattes so auf, daß er zwei Theile erhält, flicht die -schmalen Blättchen in einander, so daß beide Theile nun ein Ganzes -bilden, biegt die geschmeidigen Rippen, befestigt sie und in wenig -Minuten ist ein starker, fester Korb hergestellt. - -Die zähen, biegsamen Rippen der schmalen, langen Blattstreifen werden -auch nicht verworfen, sondern dienen, in Bündel gebunden, als Besen. -In Ermangelung besserer habe ich mir häufig solche zum Schiffsgebrauch -anfertigen lassen, die sich auch gut bewährten. - -Die Blüthe der Palme tritt unterhalb der Blätterkrone in länglicher -blattähnlicher Form am Stamme hervor, in ihr sammelt sich der süße Saft -und zwar in solchen Massen, daß, wenn die Blüthe angeschnitten wird und -man die Wunde nicht vernarben läßt, weit über die Dauer der Wachszeit -hinaus der Saft fortwährend läuft. Solch ein Baum, dessen Blüthen zur -Gewinnung dieses Saftes einmal angeschnitten sind, bringt in Folge -davon keine Früchte, giebt aber den wohlschmeckenden, süßen Stoff -„Toddy“, den jeder gerne trinkt; frisch ist er ein angenehm kühles -Getränk, in Gährung übergegangen, was bald geschieht, wirkt er aber -stark berauschend. - -Der Palmenbaum wird durch die Entziehung des Saftes natürlich -geschädigt, und wenn mit Nachlässigkeit verfahren wird, kann man sagen -verblutet sich derselbe und stirbt langsam ab. Meistens werden immer -dieselben Bäume zur Gewinnung des Toddy verwendet, da der Eingeborne -den Werth der Palme ebenso wie der Europäer wohl zu schätzen weiß, auch -ist das Toddystehlen, wozu der Samoaner große Neigung hat, arg verpönt -und wird ein Europäer dadurch geschädigt, steht auf Toddy-Raub eine -empfindliche Strafe. - -Die junge Kokospalme bedarf eines fünfjährigen Wachsthums, ehe sie -Früchte bringt, und auch dann muß der Boden gut sein; auf Korallengrund -gepflanzt, entwickelt sie sich langsamer und braucht etwa sieben Jahre. -Von dieser Zeit aber an trägt sie auch immerwährend Nüsse, obwohl man -eigentlich bei den zwei Mal im Jahr eintretenden Haupternten den Ertrag -des einzelnen Baumes auf durchschnittlich 100 Nüsse rechnen kann. Drei -Nüsse werden gemeinhin auf ein Pfund Kopra gerechnet. - -Reife, abgefallene Nüsse treiben, wenn sie längere Zeit unbeachtet -bleiben, leicht Keime. Häufig sah ich Haufen Nüsse, die mit jungen -Schößlingen bedeckt waren, auf freier Erde liegen, es bedurfte nur -einer Auspflanzung und der Entwicklung der anspruchslosen Pflanze stand -nichts im Wege. Regel ist, daß jeder Baum 30 Fuß Spielraum erhält, -aufeinandergedrängt entwickeln die Palmen sich schwerer, wenigstens ist -der Ertrag kein guter. Jung und grün gepflückt ist die äußere Schale -der Nuß noch verhältnißmäßig weich und inwendig ganz mit farbloser, -wohlschmeckender Milch gefüllt. - -Diese, wohlschmeckend, kühl und angenehm, stillt zwar den Durst, doch -darf man nicht zu viel und zu häufig davon trinken, da sich dann leicht -Unterleibsbeschwerden einstellen. Das innere, zarte Fleisch der Nuß, -der in der Bildung begriffene Kern, ist für Mensch und Thier nicht -minder angenehm. - -Zur Zeit der Fruchtbildung, wenn die Faserhülle noch weich und -dünn ist, machen sich mit Vorliebe die Ratten daran, die die Bäume, -namentlich die etwas geneigten, selbst die höchsten, erklimmen und die -Nüsse anschneiden und der angerichtete Schaden ist ganz beträchtlich. -Gegen diese Nagethiere vermag der Pflanzer die Früchte nur dadurch -einigermassen zu schützen, daß er seine Bäume mit Blechstreifen, über -welche die Ratten schlecht hinwegkommen, benagelt, auch gefallene Nüsse -möglichst schnell aufsammelt, da die scharfen Zähne der Ratten selbst -die zähe Faserhülle und die äußerst harte Schale der Nuß durchzufressen -vermögen. Ein Laie, der in den Besitz einer beinahe reifen Nuß gelangt -ist, wird schwerlich solche leicht öffnen können, da das Durchschneiden -der zähen Faserhülle selbst mit einem scharfen Messer kaum möglich ist. - -Der Eingeborne bedient sich dazu eines 2-3 Fuß langen Stockes, den -er an beiden Enden zugespitzt hat; dann stößt er das eine Ende in die -Erde, faßt die Nuß mit beiden Händen und schlägt damit gegen die Spitze -des Stockes, sodaß dieser tief in die äußere Hülle eindringt. Alsdann -bricht er, mit der linken Hand den Stock festhaltend, mit der anderen -die Schale auf indem er die Nuß kräftig zur Seite biegt; wenige Schläge -genügen, und die Nuß ist von der zähen Hülle befreit. Um nun auch die -harte innere Schale zu öffnen, schlägt man mit einem Stein oder Messer -oder einer anderen Nuß dagegen, dann springt an der getroffenen Stelle -die spröde Schale leicht auf, Kern und Milch wird frei. - -Soll die fasrige Hülle zu Matten oder Tauwerk verwendet werden, so -wird solche für längere Zeit in einen Frischwassertümpel gelegt; -die Fasern lösen sich dann auf und lassen sich, gereinigt, leicht -auseinander ziehen. Gewöhnlich spinnen die Eingeborenen daraus den -Cajar, einen zweidrilligen Faden, aber auch starkes, zähes Tauwerk, -jener dient ihnen namentlich dazu, ihre Hütten zu befestigen, die mit -Cajar gebunden, selbst vom wirbelnden Orkan nicht leicht niedergefegt -werden können. Zuletzt sei noch die harte Kernschale erwähnt, diese, -an und für sich nicht weiter verwendbar, wird zur Feuerung benutzt. Sie -entwickelt, da sie leicht brennbar ist, eine ganz beträchtliche Hitze. - -Lehrreich ist es, zu beobachten, wie gewandt der Samoaner selbst die -höchsten Palmen zu erklimmen vermag und die hochhängenden Früchte -dieses Baumes zu erlangen versteht. Ein Hinaufklettern ist es freilich -eigentlich nicht, eher ein Vorwärtsschieben des Körpers mit Händen -und Füßen. Dabei weiß der Eingeborne sich auf eine einfache Weise -zu helfen. Der Stamm der Palme, obgleich ziemlich glatt, hat doch -eine beträchtliche Zahl leicht vorstehender Ringe, die ehemaligen -Blätteransätze, diese geben dem Kletternden dann einen gewünschten -Halt, wenn er sich mit dem erwähnten Cajar die Knöchel der Füße -so verbindet, daß vielleicht sechs Zoll Abstand bleibt. Wird die -Fußsohle gegen den Stamm gedrückt, so findet dieses kurze Tau an -den vorspringenden Ringen Halt; mit den Händen immer höher greifend, -schiebt sich der Körper bis zur schwankenden Höhe hinauf. - -Der hohe Werth der Kokospalme, den auch der Europäer sehr zu schätzen -weiß, läßt sich aus dem Gesagten entnehmen; kein größerer Schade kann -daher dem Eingebornen zugefügt werden, als wenn man seine Palmen -vernichtet, was leider die Samoaner unter sich bei ihren häufigen -Parteikämpfen nicht unterlassen. Der siegende Theil schlägt, wenn er -Zeit findet, die Anpflanzungen der Besiegten nieder und fügt dadurch -dem Unterliegenden einen unersetzlichen Verlust zu. - -Auffallend schnell hat der Samoaner sich dem Christenthume -zugeneigt, da er sehr empfänglich für das Neue und mit schnellem -Auffassungsvermögen ausgestattet ist. Das evangelische und katholische -Bekenntniß zählt zahlreiche Anhänger, man kann sagen, dem Namen nach -sind die meisten Bewohner der Samoagruppe Christen. - -Um so leichter hat der Eingeborne die göttliche Lehre angenommen, als -er in ein Labyrinth von Göttern und Götzen gerathen war, aus dem ihm -selbst seine reiche Phantasie durch Umstürzen alter und Aufstellung -neuer Götter schwer einen Ausweg schuf. Im Allgemeinen war die -Anschauung der Allbeseelung der Naturwelt und der Menschen in ihm -lebendig. - -Etwas eigenartig liegen die politischen Verhältnisse auf Samoa. -Das tapfere Volk, in Stämme und Parteien getheilt, schwingt trotz -seiner monarchischen Staatsverfassung immer aufs Neue die Fackel des -Bruderkrieges, schnell ist es zum Kampf bereit, schnell auch wieder zur -Versöhnung, die es durch großartige Feste feiert. Den Frieden aber, der -eigentlich nur ein Waffenstillstand ist, können geringfügige Vorfälle -leicht wieder stören. - -Die Kriege sind, als noch Lanzen, Keulen und Schlachtbeile mehr im -Gebrauch waren, wohl nie sehr blutig gewesen, da Mann gegen Mann -gefochten wurde und schon bei einem geringen Verluste die schwächere -Partei das Feld räumte, die erbeuteten Köpfe der gefallenen Krieger -nahm der Sieger als Trophäe mit und legte sie seinem Oberhäuptling oder -dem Könige zu Füßen. - -Von dieser scheußlichen Gewohnheit, den Todten und Verwundeten die -Köpfe abzuschneiden, lassen die Samoaner auch heute noch nicht, -zum mindesten wird, wenn keine Zeit vorhanden ist, die Schändung -vorzunehmen, schnell ein Ohr abgeschnitten, dann hat nämlich der Kopf -für einen anderen keinen Werth mehr. Missionare und strenge Gesetze -sind machtlos dagegen; von der Gewohnheit ihrer Vorfahren, solche -Trophäen heimzubringen, wollen sie durchaus nicht lassen. - -Besser wurde die Lage auf Samoa auch nicht nach der Ansiedelung -der Europäer, und haben die Deutschen als die ersten auch großen -Einfluß gewonnen, so hat doch die Nebenbuhlerschaft der Engländer und -Amerikaner das Parteiwesen nur verschlimmert. Die Einfuhr von Waffen, -namentlich des Winchester Gewehrs, haben den begabten Samoaner, der -Landbesitz und große Mengen Kopra für die Erlangung solcher Waffe -hergab, zu einem nicht zu verachtenden Gegner gemacht. - -Ja der Haß der Fremden gegen die Deutschen, welche den werthvollsten -Theil der Insel Upolu in ihren Besitz gebracht hatten, ging so -weit, daß sie trotz ihrer geringen Anzahl offen Partei gegen unsere -Landsleute nahmen und die Samoaner gegen ihre einstigen Freunde -aufstachelten, wodurch deutsches Eigenthum schwere Schädigung erlitt. - -Es ist genugsam bekannt, wie thatkräftig die Regierungen eingreifen -mußten, um die blutigen Fehden einzuschränken, die blinder Haß und -Neid entfacht hatte. Da der deutsche Reichstag im Jahre 1878 den Plan -des eisernen Kanzlers, die Samoa-Inseln an Deutschland zu bringen, -zunichte machte, als diese noch herrenlos und durch politische Wirren -geschwächt waren, hat uns später viel Blut und Leben gekostet; damals -war es eine geringe Summe, um welche es sich handelte, hätte man sie -bewilligt, die Perle des Großen Ozeans wäre deutsch gewesen! - -Unsere aufblühenden Kolonien, die kaum ein Jahrzehnt in deutschem -Besitz sind, haben gezeigt, daß der Deutsche auch in seinem eigenen -außereuropäischen Besitzthum der rechte Mann der That sein kann, also -nicht bloß versteht, anderen Nationen die leicht erworbenen Länder zu -bebauen und zur Größe und zum Wohlstand zu verhelfen. Wahrlich genug -deutsche Kraft und Einsicht ist anderen Völkern zu gut gekommen, so daß -es fürwahr an der Zeit war, dem erstarkten deutschen Volksbewußtsein -weitere Kreise zu ziehen, wie es der Begründer des neuen Reiches als -ernste Nothwendigkeit erkannte; hemmen läßt sich der gewaltige Trieb -einer aufflammenden Volkskraft wohl, aber niederhalten, in andere -Bahnen lenken, niemals! Wie später die deutschen Pioniere in Afrika -alles daransetzten, für ihr deutsches Vaterland das zu schützen, was -das Schwert erkämpft hatte, so würde damals ein gut bebautes, reiches -Land schnell unter den Fittichen des deutschen Aars den Frieden und das -Volk die Ruhe nach langem Hader und blutigen Kämpfen gefunden haben. - -Dagegen wurde den drei betheiligten Mächten Deutschland, England, -Amerika die Oberhoheit zugesprochen, dem kleinen Volke aber die -Selbständigkeit gelassen. Ohne Zweifel ging das Bestreben dahin, auf -diese Weise dem Volke den Frieden zu geben aber die Eifersucht der -Fremden vereitelte die gute Absicht. Vor allem gönnten die Engländer -und Amerikaner, so geringen Antheil sie auch an Samoa hatten, den -Deutschen nicht die Früchte ihrer Mühen, und was im hohen Rathe der -Mächte eine Möglichkeit schien, Land und Volk den Frieden zu geben, -vereitelte auf Samoa selbst die Eifersucht der Ansiedler. Willkommen -war jeder Anlaß, dem vorherrschenden deutschen Einflusse den Boden zu -entziehen und dessen Ansehen zu schädigen. - -Fürsten und Volk der Samoaner lauschten den Einflüsterungen -übelgesinnter Eingewanderter, welche den Zwiespalt der Parteien schlau -benutzten und die Fackel des Aufruhrs und der Widersetzlichkeit -entflammten. Daß die Deutschen endlich dieses Treibens müde wurden -und 1885 auf Mulinuu, dem Gebiete des übel berathenen und feindlich -gesinnten Königs Maliatoa, die deutsche Reichsflagge hißten, war -ein Akt zwingender Nothwendigkeit. Standen auch 2000 Krieger um Apia -bereit, die Flagge niederzureißen und die erklärte Schutzherrschaft -aufzuheben, so wurden diese doch durch die Geschütze der deutschen -Kriegsschiffe und die beträchtliche Zahl der bewaffneten Deutschen von -einem Angriffe zurückgehalten. - -Wie jubelten wir alle der stolzen Flagge zu! Ein großer Festtag war es, -als, geschützt durch Wall und Graben, durch die Waffen der deutschen -Matrosen das Reichspanier sich hoch am schlanken Maste entfaltete. -Jener 6. Januar 1885 schien endlich das Sehnen der Deutschen auf Samoa -erfüllt zu haben. - -Es kam wirklich nach Hissung der Flagge ein kurzer Zeitabschnitt, -wo Ruhe und Friede auf der Insel Upolu einzukehren schien; das -thatkräftige Einschreiten der deutschen Beamten, der einheitliche -Wille, der den Verhältnissen voll gewachsen war, sowie die entfaltete -Macht, die den Eingebornen Achtung einflößte, schien bessere -Verhältnisse herbeizuführen. Aber anders war es im Völkerrathe -beschlossen. Kurz war die Freude aller Deutschen, kurz der Traum von -Ruhe und Frieden. Muthlosigkeit, bittere Enttäuschung erfüllte alle, -aussichtslos war der weitere Kampf, die Freudigkeit am Ringen um den -Preis so hohen Gutes war dahin, als die deutsche Flagge niederging. - -Der Versuch, den deutschen Einfluß, der einst die ganze Inselwelt -der Südsee beherrschte, zu brechen, war gelungen, wohl niemals wieder -werden wir uns denselben in der ganzen Größe und dem ganzen Umfange wie -einst erringen können. Die feste Hand, der starke Wille, dem Fürst und -Volk Samoas allein sich unterordnen, fehlt hinfort und fehlt bis heute. -Welche Kämpfe gefolgt sind -- keinem System, als dem der unbeschränkten -Macht wird der Samoaner sich beugen -- hat die Folgezeit gezeigt. - -Um der Todten, um des deutschen Blutes willen, das den Boden Samoas -getränkt, möge noch einmal die Zeit kommen, in welcher kräftig und -dauernd der deutsche Aar sein Kleinod festhält und es niemals wieder -fahren läßt. - - - - -II. Reisen durch die Samoa- und Tonga-Inseln. - - -Das im vorigen Kapitel Gesagte ist das Ergebniß solcher Beobachtungen, -die zu machen ein Aufenthalt am Lande, oder im Hafen von Apia mir -ermöglichte. Viele weitere Einzelheiten, deren Kenntniß der Verkehr -mit den Samoanern und langansässigen Europäern mit sich bringt, -verdienten zwar noch der Erwähnung, indes, da ich in großen Zügen nur -meine Erlebnisse in der Südsee schildern will, muß Unwesentlicheres -zurücktreten; darum sehe ich auch von der Beschreibung einzelner -Fahrten und Reisen durch dieses weite Gebiet ab. - -Alle mit mir zugleich auf demselben Segelschiffe angekommenen -Passagiere, die, wie ich, sich auf 3 Jahre der Plantagen-Gesellschaft -verpflichtet hatten, wurden bald nach unser Ankunft ans Land beordert -und nahmen die ihnen zugewiesene Beschäftigung auf. Meine Bestimmung -dagegen lautete, sogleich an Bord des Schooners „Hapai“ zu gehen und -dort vorläufig den Dienst des ersten Steuermanns zu versehen. - -Zwei Tage später schon lichteten wir Anker und segelten nach Matautu, -dem Haupthafen der Insel Savai, von dort sollten wir schnell das -daselbst lagernde Kopra, wie solches auf den verschiedensten Inseln von -den Händlern der Gesellschaft aufgekauft wird, abholen. - -Auf Savai, das nur durch die Straße von Apolima von Upolu getrennt -ist, erhebt sich die dunkle Bergmasse, gleich der auf Upolu, hoch und -mächtig; ja, aus der Ferne gesehen, scheint ein gewaltiger Höhenrücken -die ganze Insel auszumachen. 4000 Fuß hoch, die höchsten Krater -auf Upolu, den Tofua, Maugalaila, Taitoelau und Sigaele um 1000 Fuß -überragend, erhebt sich diese Kraterregion gleich einer Scheidewand, -die zwar von reichem Pflanzenwuchse bedeckt, aber wenig bevölkert ist; -nur einzelne Pfade führen durch Urwälder und tropische Wildniß über -die von Lava starrenden wildzerklüfteten Berge. Jungfräulicher Boden, -der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt und für Kaffee, Vanille, -Baumwolle geeignet ist, liegt brach und unbenutzt, denn es herrscht -vollständiger Mangel an gut geschützten Häfen. - -Weniger als auf Upolu bildet das die Insel umgebende Korallenriff -gesicherte Einfahrten, auch die größte vor Matautu wird durch schwer -anrollende See gefährdet. Wohl vertraut mit der nicht so leicht -aufzufindenden Durchfahrt im Riffe, führte mit günstigem Winde der -Führer der „Hapai“ sein Schiff längs der schwer aufrollenden Grundsee -am langgestreckten Riffe hin; die wild schäumende Brandung brach sich -donnernd auf diesem, und die mächtigen Wogen schienen das Schiff dem -Verderben zutragen zu wollen. Ich selber hielt es für sehr gewagt, so -nahe dem gefährlichen Riffe zu laufen, jedoch als wir die Einfahrt nach -Matautu gewonnen hatten, ließen wir bald die wilde Brandung hinter uns. - -Weit von Land ankernd, ist es Regel hier, da der Ankerplatz nur ein -tiefer liegendes Riff ist, auf welchem sich einrollende See brechen -kann, weit vom Lande zu ankern und muß man in der unbeständigen -Jahreszeit immer bereit zum Auslaufen sein, sobald westlicher oder -nordwestlicher Wind aufspringt, denn gefährlich würde jedem Schiffe die -direkt einlaufende See werden. - -In Hast und Eile ging denn auch das Einschiffen der Ladung vor sich, -da Wind und Wetter wenig Beständigkeit versprach; wohl 70 Savaileute -brachten mit großen Brandungsbooten die oft von der am Strande -laufenden See durchnäßte Ladung an Bord. Längsseit des Schiffes -schöpften die Boote oft noch Wasser, so unruhig war selbst im Hafen -noch die See; wildes Halloh erhoben die Kerle, die höchstens mit einem -Grasschurze bekleidet waren, wenn sie der Länge nach niederstürzten -und es auch deshalb vorzogen, auf das vor seinen Ankern schwer -rollende Schiff zu springen. So kostete es mich viel Mühe, die braunen, -zügellosen Kerle, deren Sprache ich noch nicht verstand, zur Arbeit -anzuhalten. - -Obgleich die Bewohner Savai's gleicher Abstammung wie die Upolu-Leute -sind, so herrscht doch zwischen der Bevölkerung beider Inseln -fast immer Hader und Streit. Die Savai-Leute, vielleicht kühner im -Angriffe, bemannen oft genug ihre großen Kriegskanoes und versuchen -einen Ueberfall auf Upolu, um sich gelegentlich für die Schimpfworte, -„Schweine von Savai“, bitter zu rächen. - -Schnell nach Apia zurückgekehrt, erhielt das Schiff Weisung, schon am -24. November wieder in See zu gehen und zwar nach der einsamen Insel -Niue, von wo ebenfalls Kopra und ein größerer Segelkutter, der in der -schlechten Jahreszeit für den dortigen Händler nicht recht verwendbar -und an der steilen Küste gefährdet war, abgeholt werden sollte. -Aufkreuzend gegen wieder vorherrschenden Südost-Wind erreichten wir -die Insel erst nach zehn Tagen. Als wir in deren Nähe kamen, waren -die ersten Häuser, die wir sahen, das Missionshaus und die Kirche, -die zurückliegenden Hütten der Eingebornen ließen sich, weil sie durch -Busch und Palmen verdeckt waren, nicht unterscheiden. In einer kleinen -Einbuchtung, wo ein Spalt in der steilen Uferwand allenfalls das Landen -gestattete, 100 Fuß von Land dicht vor der Brandung -- ein Schwingen -des Schiffes vor seinen Ankern war nicht möglich -- ankerten wir am -steilen Korallenriff. - -Von der auffallenden Erscheinung, daß durch vulkanische Kräfte -ganze Inseln gehoben werden, giebt die Insel Niue einen Beweis, mir -war sie um so bemerkenswerther, als es die erste war, an welcher -ich die unterseeische Korallenformation erkennen konnte. Wohl 30 -Fuß hoch zeigen die Uferwände der Insel die gewaltige Arbeit der -Korallenpolypen, die von neuem, seit der vielleicht viele Jahrhunderte -schon zurückliegenden Hebung dieser Insel, am steilabfallenden -Meeresgrunde weitergebaut und an vielen Stellen wieder ein -zusammenhängendes Riff aufgeführt haben. Später, als ich selbst mit -eigenen Augen die ungeheure vulkanische Kraft, die zeitweise auf diesem -ausgedehnten Kratergebiet in Erscheinung tritt, gesehen, war es mir -klar, daß die schlummernde Naturkraft nicht bloß die Erdrinde und das -Meer zu erschüttern vermag, sondern spielend Inseln hebt. - -Die wenigen Tage, die wir vor Niue zu Anker lagen, war eine Zeit -ängstlichen Hastens, weil wir so schnell als möglich mit der aus Kopra, -Fungos, einer Pilzart, und der aus Arrowroot-Wurzeln bestehenden -Ladung fertig werden mußten, denn mit Gefahr für Boot und Ladung war -eine jedesmalige Landung verbunden, da fast in der Brandung jedes Boot -beladen werden mußte. Für das Schiff war Gefahr insofern vorhanden, -als dieses durch auflandigen Wind trotz der Anker leicht aufs Riff -getrieben werden konnte, wir also immer bereit sein mußten, bei einem -Wechsel des Windes, wenn nöthig, schnell die Anker zu schlippen und -die offene See zu gewinnen. Drohende Anzeichen für schlechtes Wetter -gingen aber glücklicher Weise vorüber; übrigens war dieses die letzte -glücklich vollbrachte Reise des Schiffes überhaupt, wenige Monate -später schon lag es zerschellt auf einem Riffe der Neu-Hebriden. - -Die Bewohner dieser Insel Niue, ein kräftiger, stattlich gebauter -Menschenschlag, der zwar der Samoa- und Tonga-Rasse an Gestalt und -hohem Wuchs nicht gleichkommt, jedoch mehr Temperament als diese zeigt, -auch Schlaffheit und Unlust zur Arbeit bemerkt man weniger an ihnen. -Als tüchtige Seefahrer, welchem Gewerbe sie mit Vorliebe zugethan -sind, werden sie in Apia, wo mit der Zeit eine Ansiedelung derselben -stattgefunden, gerne als Matrosen angenommen, wenigstens dem Samoaner -bei weitem vorgezogen. - -Savages-Eiland, Insel der Wilden, ist die Insel Niue, ihre Heimath, -benannt worden, und soweit meine persönlichen Erfahrungen reichen, -verdienen sie beinahe diesen Namen, als ich bei einem Streite mit ihnen -beinahe das Leben hätte lassen müssen und nur ein Zufall mich aus den -Händen dieser leicht erregbaren Menschen befreite. - -Da sie von hellerer Farbe als die Samoaner, stammen sie vermuthlich von -einer weit östlich liegenden Inselbevölkerung ab. Die ersten Ansiedler, -wahrscheinlich vor langer Zeit von ihrem Heimathlande verschlagen, -fanden das rettende Eiland und bevölkerten es allmählich. Der Trieb, -die unbekannte Welt kennen zu lernen, die im Schoße des mächtigen -Ozeans für die fernen Inselbewohner verborgen lag, läßt sie noch heute -oftmals das Wagniß unternehmen, sich mit ihren leichten Kanoes auf die -unendliche See hinauszuwagen. Die Gewalt des Windes und der Strömungen -unterschätzten sie und haben sie einmal Land aus Sicht verloren, sind -sie den Elementen hülflos preisgegeben, so zahlten sie ihre Kühnheit -mit einem qualvollen Sterben, wenn nicht ein gütiges Geschick nach -schrecklichen Leiden sie Land finden läßt. - -Die Rettung von 16 solcher vertriebenen Menschenkinder, die ich in -den Karolinen-Inseln auffand und Hülfe brachte, werde ich später -eingehender erzählen. - -Mit Vorliebe tragen die Niue-Leute reichen Goldschmuck und zwar als -Ohrgehänge; massive Goldstücke hämmern sie aus und befestigen solche -geschickt an den Ohrlappen; das verdiente Goldgeld wird häufig dazu -verwandt. - -Der ganze Südseehandel beschränkt sich in der Hauptsache auf Tabak, -Seife und Zeug, namentlich für Volksstämme, die erst wenig mit dem -weißen Manne in Berührung gekommen sind. So boten auch hier für ein -Geringes die Eingebornen Speere, Muscheln und Nüsse feil, vor allem -war Tabak der begehrteste Artikel. Im Gegensatze zu den Booten der -Samoaner, die solche sich von ganz beträchtlicher Ausdehnung erbauen, -sind die Kanoes dieser Niue-Leute nur klein und behende, aber nett mit -Muscheln und anderem Zierrath ausgeschmückt, der vornehmlich rings -um die Bordwand befestigt ist; auch sind diese Fahrzeuge vorne und -hinten überdeckt, um das Einschlagen der See, wenn sie, zum Fischen -ausziehend, die Brandung passiren müssen, zu verhindern. - -Sehr fischreich sind namentlich die Gestade aller Inseln, und wie ich -gelegentlich anführen werde, wissen ihre Bewohner sich mit besonderem -Geschick der wohlschmeckenden, fliegenden Fische zu bemächtigen. Auf -freier See aber herrscht sehr zahlreich der gefürchtete und gefährliche -Hai, ein Zeichen, daß derselbe auch im tiefen Wasser reichlich Nahrung -findet, und solche sich nicht nur in Buchten oder in der Nähe des -Landes zu suchen braucht. - -Auf der Rückreise, die durch Windstillen verzögert ward, fanden -wir immer den Hai als treuen Begleiter, und war die See ruhig, die -Fahrt des Schiffes gering, so kamen langsam die Haie durch die klare -Fluth heran, das Schiff nach Beute umkreisend. Wenn wir einen dieser -gefährlichen Gesellen fangen wollten, so wurde die Lockspeise, ein -Stück Fleisch, an starker Leine ins Meer geführt, und war der Hai -hungrig, besann er sich nicht lange, sondern faßte, sich auf den Rücken -legend, gierig zu. War Fleisch und Haken verschluckt, so gab es keine -Möglichkeit mehr für ihn, sich zu befreien; von Schmerz gepeinigt, -peitschte der Hai mit dem kraftvollen Schwanze die Fluthen und es hatte -dann seine Schwierigkeit, das gefangene 8-10 Fuß lange Thier an Deck -zu bringen und nicht eher gelang es, bis es erschöpft war und auch -der Schwanz fest in einer Schlinge lag. An Deck geschafft, peitschte -der Hai die Planken, daß diese erzitterten, und rathsam war es nicht, -sich in seine gefährliche Nähe zu wagen. Erst ein Axthieb, der die -Schwanzflosse vom Rumpfe trennte, führte die Verblutung herbei und -allmählich entfloh das zähe Leben des Thieres. - -Auch mit der Schlinge, auf deren Handhabung ich zurückkommen werde, -habe ich viele Haifische gefangen, namentlich wenn ich Samoaner als -Besatzung an Bord hatte, für die der Hai eine Leckerspeise ist, nahm -ich mir dazu die Zeit und fing zuweilen 2-4 Stück hintereinander. -Auffällig war mir dabei, daß die Leute immer erst die Leber eines -getödteten Haies untersuchten; war diese nach ihrer Ansicht zu groß -oder zeigte sie sonst besondere Eigenheiten, so wurde das Thier -nicht gegessen, sondern über Bord geworfen. Aber nicht bloß bei -den Samoanern, auch bei den benachbarten Insulanern fand ich solche -auffällige Untersuchung der Leber des Haifisches. Mitunter wurden -eingehende Betrachtungen über die Lage und Länge derselben vorgenommen; -entstanden Zweifel und Meinungsverschiedenheiten darüber, so war meist -immer der endgültige Beschluß, daß das Thier verworfen wurde. - -Fast bin ich jetzt geneigt, da ich nicht dahinter kommen konnte, -was solche Untersuchung zu bedeuten habe, anzunehmen, daß ein -weitverbreiteter Aberglaube damit in Verbindung gebracht, oder daß -der Leber des Haies eine medizinische Eigenschaft zugesprochen wird. -Vielleicht auch erkennen die Eingebornen an bestimmten Zeichen, ob -das Thier gesund oder krank gewesen ist. In den Fällen, wo ich mir -Klarheit darüber zu verschaffen suchte, erreichte ich solche nicht, -möglicherweise aus dem Grunde, weil ich nicht der verschiedenen -Sprachen mächtig genug war, um die Auseinandersetzung zu verstehen. - -Die treuen Begleiter der Haie, die Lotsenfische, schön gezeichnete -Thierchen von der Größe eines Makrels, schwimmen gewöhnlich, 2-4 an -der Zahl, über dem Hai, sie suchen, wie angenommen wird, für diesen -Nahrung auf und kehren stets in dessen sichern Schutz zurück. Ein jeder -Hai soll solche Führer haben; indes so häufig ich auch solche gesehen -habe, ebenso oft fand ich, namentlich wenn mehrere Haie beisammen, -diese ohne ihre Begleiter. So viel ist gewiß, der Hai, mag er noch so -hungrig sein, wird sich doch nicht an seinen Wegweisern vergreifen; -zum schnellen Schwimmen selbst zu träge, überläßt er vermuthlich es -den flinken Fischen, für ihn Nahrung zu suchen. Wohl bekannt ist es -den Seeleuten, daß der Pilotenfisch sehr schmackhaft ist, indes nur -einmal war es mir möglich, einen solchen mit Mühe zu erlangen, obwohl -dieselben längere Zeit noch beim Schiffe verbleiben, nachdem der Hai, -den sie begleiteten, weggefangen worden. An Köder beißen die Piloten -nicht, höchstens gelingt es ihrer mit dem Elker, d. h. Wurfeisen, -habhaft zu werden. - -Im Anfang des Jahres 1885 mit der Führung eines der kleineren der -Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffes betraut, wurde ich -beordert, eine Reise durch die gesammte Tonga-Gruppe, den sogenannten -Freundschafts-Inseln, zu unternehmen. Im Augenblick der Abreise wäre -mir aus Mangel an Raum im kleinen Hafen (Apia) bald die Riffspitze -Kap Horn, worunter vier Jahre später das deutsche Kriegsschiff „Eber“ -mit seiner braven Besatzung versank, verhängnißvoll geworden. Durch -die Strömung wurde das Schiff aus seiner Richtung gedrängt, von der -einlaufenden See, gegen welche die Kraft der das Schiff bugsirenden -Mannschaft zu schwach war, nach dem Kap hingeworfen und nur ein schnell -Hülfe leistendes Boot verhinderte die Katastrophe. Da wir schon zu nahe -dem Riff waren, so hätte ein Aufstoß genügt, Ruder und Hintersteven -des Schiffes, schwerbeladen wie es war, auf den Korallensteinen zu -zertrümmern und aus der gurgelnden Tiefe des hier weit unterhöhlten -Riffes hätte es für Schiff und Mannschaft keine Rettung gegeben -- aber -zufällige Hülfe kam zur rechten Zeit. - -Nachdem wir die offene See gewonnen hatten, verlor ich mit umlaufenden -Winden, wie sie in dieser Jahreszeit häufig sind, ostwärts steuernd, -bald die in dichten Wolkenschleier gehüllte Insel Upolu aus Sicht. -Bestrebt, westlich von der Tonga-Gruppe zu laufen und so Tonga-tabu zu -erreichen, da der vorherrschend westliche Wind eine schnelle Reise in -Aussicht stellte, hatte ich am dritten Tage bereits die Vulkan-Insel -Amargura gesichtet, eine namentlich an der Süd- und Südostseite steile -Insel mit dem 375 Meter hohen Krater, an dessen Abhängen leichte -Rauchwolken hervorquollen, ein Zeichen, daß er nicht ganz erloschen -ist. Da sprang mit schweren Gewittern und harten Windböen der Wind -südlicher und zwang mich, der zehn Seemeilen südöstlich liegenden 30-40 -Meter hohen Insel Toku auszuweichen. Als der Wind immer härter wehte -und schließlich bis zum Sturm wuchs, hatte ich noch Zeit, Schutz unter -der hohen Insel Vavau zu suchen, ehe das Schiff von der wildlaufenden -See zum Beidrehen gezwungen wurde. - -Unter dichtgerefften Segeln wurde eine schlimme Nacht verbracht, mit -dem neuen Morgen aber brach sich die Gewalt des Sturmes und eine starke -Nordwestbrise trieb das Schiff durch die wilde See nach Süden, östlich -der Hapai-Gruppe, an den langgestreckten Korallen-Inseln Haano, Foua, -Lefuka und Ouia entlang. Die vielen gefährlichen Riffe dieser Gruppe -meidend, kam am 7. Tage früh die hohe Vulkan-Insel Eoua in Sicht. -Nachdem wir darauf die gleichartige kleine Insel Enaigee erreicht -hatten, kreuzte ich die tiefe östliche Einfahrt, welche zwischen der -großen Insel Tonga-tabu und den vorgelagerten Korallenpatschen und -Inseln hindurchführt, auf und gelangte sicher zum Hafen von Nukualofa. - -Im Schmucke immergrüner Palmen liegt die flache, wenige Erhebungen -aufweisende Insel langgestreckt vor den Augen des Beobachters. Kultur -und fortschreitende Gesittung haben auch hier festen Fuß gefaßt, hoch -über die Wipfel der Palmen ragt die Kirche empor; großartig ist der -Königspalast; freundlich aber und heimisch erscheinen die vom Strande -zurückliegenden europäischen Gebäude und bekunden, daß auch hier eine -Stätte regen Handels und Verkehrs geschaffen wurde. - -Vor allem ist es die deutsche Factorei, geleitet vom deutschen Konsul -Herrn v. Treskow, die sofort ins Auge fällt; auf Pfeilern errichtet, -wie alle Tropengebäude hier, war derzeit dieses Haus mit seinem -freundlichen Wirth das besuchteste. - -Sämmtliche Tonga-Inseln, mit Ausnahme der meist hohen Vulkan-Inseln, -sind Korallengebilde, einige sind von großer Ausdehnung, wie die -Tonga-tabu und die schon erwähnten Haano und Foua. Diese haben -eine fruchtbare Erdschicht und ein reiches Pflanzenleben hat sich -darauf entwickelt; neben der stolzen Palme sind Brotfruchtbäume, -Papiermaulbeerbäume, die den Bewohnern ihre Bekleidung, Tapa genannt, -liefern, Zuckerrohr, Bananen, selbst Baumwollen- und Feigenbäume zu -erwähnen. - -Die Eingebornen, derselben Rasse wie die Samoaner zugehörig, zeigen -mehr Verständniß für Landbau und Fischfang, als diese, freilich können -diese Inseln auch nicht mit Samoa einen Vergleich bestehen. - -Kein Naturvolk hat so schnell und leicht das Christenthum angenommen -wie diese Tonga-Insulaner, rasch gewannen die Missionare großen -Einfluß, Schulen und Bildungsanstalten förderten das Werk. Das Volk, -bildungsfähig und begabt, hatte bald eigene Lehrer aufzuweisen; -oft habe ich eingeborne Missionare von Insel zu Insel gebracht. Da -die Kirchen und Schulen immer gut besucht, so ist ein Fortschritt -in der Bildung dieses Volkes leicht erklärlich. Was aber leider -ernste Besorgniß erwecken kann, ist der Umstand, daß verschiedene -Religionssekten mit gleichem Eifer bestrebt sind, unter der nicht -zahlreichen Bevölkerung ihren Glauben zu verbreiten. Es ist zu -befürchten, daß auf diese Weise Spaltungen im Volke entstehen, die üble -Folgen haben können. - -Der ehemalige englische Missionar Baker, langjähriger Premierminister -des Königs Georg I., entging zwar dem Angriffe einer fanatischen Horde -in Nukualofa, seine erwachsene Tochter aber, die die tödtliche Waffe -traf, ward ein Krüppel. Soweit ich unterrichtet, war dieser Anschlag -eine Ausgeburt wilden Hasses, gerichtet gegen den Vertreter einer -großen Kirchengemeinde, den gefürchteten und gehaßten Staatsmann. - -Die ganze weitverzweigte Tonga-Gruppe bildet ein einheitliches Reich, -das damals von dem alten Könige Georg regirt wurde. Neben unserm -ehrwürdigen deutschen Kaiser Wilhelm der älteste Monarch, steht dem -Herrscher eine gesetzgebende Versammlung von angesehenen Häuptlingen -zur Seite, die auch als Statthalter die verschiedenen zum Reiche -gehörenden Inselgruppen verwalten. Sitz der Regierung und Residenz des -Königs ist Nukualofa. - -Ein Freundschaftsvertrag ist mit dem deutschen Reiche am 1. November -1876 vom Könige Georg abgeschlossen. Trotz des englischen Einflusses -hätte wohl erwartet werden können, daß die so erworbenen Vorrechte -gewahrt bleiben würden, aber wie in Samoa, so ging auch hier der einst -mächtige deutsche Einfluß allmählich verloren, englische Politik wand -den Deutschen einen fast sicheren Besitz aus den Händen. - -Stolz prangt im Königspalaste zu Nukualofa das Reiterstandbild unseres -großen Kaisers in natürlicher Größe, und nicht unbekannt sind diesem -Volke dessen Thaten geblieben; auf dieses Bild sah mit Bewunderung -jeder Insulaner und pries den großen, mächtigen Herrscher der -Deutschen. - -Tags zuvor, ehe ich in Tonga-tabu eingelaufen, war der Sohn des Königs -Georg, der Thronfolger, gestorben und große, allgemeine Landestrauer -herrschte überall. Alle Vornehmen des Volkes, soviel ihrer nur die -königlichen Schiffe zu fassen vermochten, waren nach der Insel Ouia, -dem Begräbnißplatze der Königsfamilie, abgesegelt. Der deutsche -Konsul, dem kein eigenes Schiff zur Verfügung stand, unmöglich aber als -Europäer auf den überfüllten kleinen Segelfahrzeugen der Eingebornen -die lange Reise unternehmen konnte, beeilte sich sehr, als sich nun -doch noch Gelegenheit fand, mit meinem Schiffe die Reise zu machen, das -Schiff abzufertigen und nach eintägigem Aufenthalt verließ ich, mit der -Familie des Konsuls an Bord, nordwärts steuernd, Tonga-tabu. - -Günstiger, frischer Wind konnte es allein möglich machen, am -Begräbnißtage Ouia noch zu erreichen. Aber obwohl ich den Weg zu -kürzen suchte und durch mir unbekannte Korallenbänke lief, so kam doch -erst am Abend des zweiten Tages Ouia in Sicht. Da ich inmitten von -Korallenriffen nirgends sicheren Ankerplatz fand, die Insel selbst aber -zu weit entfernt war, als daß ich solche gegen Ostwind aufkreuzend, -in der Nacht erreichen konnte, so wurde ich gezwungen, die freie See -wieder aufzusuchen. In dunkler Nacht die gewaltigen Krater-Inseln Kao -(5000 Fuß) und Tasoa (etwa 2500 Fuß), nur durch eine schmale Straße -von einander getrennt, als weit sichtbare Punkte im Auge haltend, -suchte ich das Schiff in der Nähe der Außenriffe zu halten, um mit -Tagesanbruch aufs Neue nach Ouia aufzukreuzen oder wenigstens die -südliche Einfahrt durch die Hapai-Gruppe zu gewinnen. - -Während sonst die Tropennächte in der guten Jahreszeit einen -herrlichen Anblick bieten, wenn das Sternenheer magisches Licht -über die weiten bewegten Fluthen streut, drohten in dieser Nacht -gewitterschwere, unheilkündende Wolken und bald nach Mitternacht -umfing uns rabenschwarze Dunkelheit. Dann brach das Unwetter über -uns mit plötzlicher Gewalt herein, als wollte der furchtbare Wind -das kleine Schiff niederpressen. Die heftigsten Stöße fegten von den -hohen Vulkan-Inseln herab. Im Schiffe wurde alles, was nicht niet- und -nagelfest war, durcheinander geworfen und das Fahrzeug schwer auf die -Seite gedrückt; die schnell aufgewühlte See that das Ihre dazu, die -Lage, namentlich für die Familie des Konsuls, recht ungemüthlich zu -machen. - -In Lee waren die gefährlichen Riffe, von denen freizukommen die -erste Sorge sein mußte, deshalb bot ich allmählich dem Winde wieder -so viel Leinewand, als das Schiff zu tragen vermochte. Sobald ich -frei von der Insel Kao war, hielt ich nördlicheren Kurs und obgleich -die See schwerer wurde, so konnte ich doch mit volleren Segeln durch -die Wogen pressen und größeren Abstand von den auch mehr ostwärts -abfallenden Riffen gewinnen. Der neue Morgen fand uns westlich von der -niedrigen Insel Otolonga, die, nördlich umsegelt, zur Nordeinfahrt der -Hapai-Gruppe führte. - -Als ich nahe genug dieser Insel gekommen war, der einzuschlagende Kurs -bedingte dies, wurde eine ehemalige Niederlassung der Walfischfänger -sichtbar, die vor Zeiten in diesen Gewässern ertragreiche Beute -gefunden, aber auch bald genug die Schaar der gewaltigen Meerbewohner -so gelichtet hatten, daß ein Kreuzen auf Beute zwecklos war. Die -Station wurde deshalb aufgegeben, ihre Trümmer am öden Korallenstrand -sind jetzt werthlos und verkommen. - -Der Kurs nach Lefuka führte uns zwischen Inseln und Korallenpatschen -hindurch. Erst am Nachmittage dieses Tages konnten wir die der Insel -Lefuka vorgelagerten Riffe passiren und vor der deutschen Station zu -Anker gehen. - -Solch ungünstiger Wind und zum Theil schlechtes Wetter hatten natürlich -den Zweck der Reise vereitelt, noch nach Ouia zu laufen und an dem dort -stattfindenden großartigen Todtenfeste theilzunehmen, war zwecklos. So -entschied sich der deutsche Konsul, hier die Ankunft des Königs Georg -abzuwarten und mit diesem dann die Rückreise nach Nukualofa anzutreten. - -Die Insel Lefuka, im Verhältniß zu ihrer Länge nur schmal, zeigt an der -Ostseite, gegen welche der freie Ozean seine gewaltigen Wogen donnernd -wirft, ein Riff übereinandergethürmter Korallenblöcke und Steine; -man sieht hier so recht, wie die Gewalt der Wasser einen Schutzwall -aufgeworfen, der das flachere Land selbst gegen die furchtbarste See -zu schützen vermag. Immer weiter aber baut die Koralle in die offene -See hinaus, immer breiter wird das Trümmerfeld, bis dieses auch durch -Zersetzung zu anbauungsfähigem Lande umgestaltet wird. - -Die Erzeugnisse, die Tonga-tabu aufweist, sind hier auch vertreten, -namentlich ist der Ertrag an Kokosnüssen groß auf dieser Insel. Was -ich aber hier zuerst gesehen, war die Zubereitung des Tapa, jenes -Stoffes, welches den Eingebornen zur Bekleidung dient, der schön -gefärbt und gezeichnet ist. Selbst große Stücke, umfangreichen Decken -ähnlich, werden aus dem Papiermaulbeerbaum angefertigt, dessen Bast -dazu verwendet wird. Und zwar werden lappenförmige Streifen im feuchten -Zustand aufeinander angelegt und dann tüchtig geklopft, hierdurch -wird der Stoff geschmeidig und fest; ist dieser in gewünschter Größe -fertiggestellt, wird der Stoff im Schatten getrocknet und nachher mit -brauner oder schwarzer Naturfarbe reichlich bemalt. - -Fernhin hört man die Tapa klopfenden Weiber, die mit wuchtigen Schlägen -den Bast bearbeiten; erklärlich ist dieses Geräusch, da sie meistens -auf dem Boden eines umgekehrten Kanoes diese Arbeit vornehmen, wodurch -die dumpf dröhnenden, lauten Schläge hervorgebracht werden. - -Wie bei fast allen Naturvölkern, bei denen der Aberglaube weiteste -Verbreitung gefunden, so ist auch namentlich bei den Südsee-Insulanern -das Zauberwort „Tabu“ in allgemeine Anwendung gekommen. Dieses -Wort, eine Macht, ersetzt, möchte man sagen, die in zivilisirten -Ländern nothwendige Sicherheitspolizei. Wenn eine als „tabut“, d. h. -unverletzliche Person, z. B. ein König oder ein Häuptling, irgend etwas -als tabut erklärt, so wird kein Rassenangehöriger es wagen, Person oder -Sache anzurühren, oder eine Oertlichkeit, Haus oder Hütte, zu betreten. - -Im Allgemeinen aber findet das Tabu Anwendung, wenn irgend ein -Gegenstand vor Berührung, Wegnahme u. s. w. geschützt werden soll, dann -wird unter bestimmten Zeremonien dieser mit einer Schnur, in der Knoten -mit oder ohne Zaubereien eingeknüpft sind, umgrenzt oder umwunden. Die -Ueberzeugung, daß jedem, der es wagen würde, dieses Schutzmittel zu -entfernen, alle Uebel unfehlbar zustoßen, welche der Knotenschürzer -hineingeknüpft, hält jede unbefugte Verletzung fern. Mehrfach, und -hauptsächlich auf dieser Insel Lefuko, wurden mir Gegenstände, Baum -oder Hütte gezeigt, die so durch das „Tabu“ geschützt waren. - -Geschickte Fischer sind die Eingebornen. Sie brachten, ehe der Europäer -ihnen seine Angelhaken zugeführt, folgende Methode in Anwendung: Aus -einer dicken Perlmutterschale verfertigten sie sich durch festes -Verbinden einzelner zurechtgeschliffener Stücke starke Fanghaken, -die, mit einem Bastbüschelchen versehen, an langer Leine hinter -Kanoes geschleppt wurden. Die wie Silber im klaren Wasser schwimmende -Perlmutter lockt größere Fische an, die gierig, vermeinend eine Beute -zu haschen, den Haken verschlucken und so gefangen sind. Heute noch -sind diese Haken im Gebrauch, nur mit dem Unterschied, daß im Büschel -verborgen sich jetzt ein scharfer, eiserner Angelhaken befindet, der -dem Fische ein Losreißen nicht mehr gestattet. - -In Mengen halten sich Fische unter den Riffen auf, wo sie Nahrung -suchen und finden, namentlich befinden sich unter diesen zahlreiche -fliegende. Um nun diese flinken Meerbewohner, welche die Natur so -ausgestattet hat, daß sie durch die Größe ihrer Seitenflossen im -Stande sind, eine beträchtliche Strecke über dem Wasser zu fliegen und -dadurch ihren Vorfolgern zu entgehen, auf leichtere Art und Weise, als -mit großen Netzen zu fangen, wendet der Eingeborne folgende Fangart -an: Nachdem die leichten, flinken Kanoes bemannt sind, ziehen die -Eingebornen in dunkler Abendstunde oft in beträchtlicher Zahl ins -tiefe Wasser zum Riffe hinaus. Bald flammen, hell leuchtend, die aus -den Blattrippen des Kokosbaumes verfertigten Fackeln auf; die Kanoes, -bald hier- bald dorthin eilend, schwirren, von kräftiger Hand durchs -Wasser getrieben, als sollte das Schauspiel eines Fackelreigens dort -aufgeführt werden, im Kreise oder durcheinander umher. Die Fische, -bekanntlich durch Feuerschein leicht angelockt, werden durch die grell -leuchtenden Fackeln verwirrt, springen oder fliegen nach diesen, und -sehr gewandt, mit nur kleinem Handnetze versehen, weiß der Fischer sich -die Beute zu sichern. - -Meistens, wenn die Fackeln niedergebrannt sind, kehren die Kanoes -zurück, und war der Fang lohnend, bringt jedes reiche Beute heim. -Für wenig Tabak oder Geld bekam ich mitunter so viele von diesen -wohlschmeckenden Fischen, daß es zuweilen der Schiffsbesatzung nicht -gelang, alle aufzuzehren. - -Der Ankerplatz vor der Insel Lefuka (die Rhede von Pangal) ist durch -die ringsum liegenden Riffe gut geschützt, aber schwer zugänglich für -größere Segelschiffe; das meistens gegen konträren Wind nothwendige -Einkreuzen in den schmalen, gewundenen Riffeinfahrten ist zudem nicht -ungefährlich und erfordert die ganze Thatkraft einer Schiffsbesatzung. -Die Tonga-Gruppe ist häufiger den verheerenden Orkanen und zeitweiligen -Erschütterungen durch plötzlich in Thätigkeit tretende Vulkane -ausgesetzt, erstere treten namentlich im Süden der Gruppe, um -Tonga-tabu, fast alljährlich einmal auf; zieht, was freilich selten -geschieht, das Zentrum solches furchtbaren Wirbelsturmes direkt über -die Inseln, so ist die ganze Kultur auf Jahre hinaus vernichtet. Nicht -Haus, nicht Hütte, weder Baum noch Strauch verschont der furchtbare -Wirbelsturm; den Weg, den er mit rasender Schnelle genommen, bezeichnen -unzählige Trümmer. - -Nach Norden zu werden solche atmosphärischen Erscheinungen seltener. -Hat die Samoa-Gruppe ein Orkan heimgesucht, so herrscht bei den -Eingebornen die Annahme vor, daß erst nach Verlauf von sieben Jahren -ein neuer zu erwarten ist. Solche Voraussetzungen aber sind durchaus -nicht zutreffend; die Orkane treten viel häufiger auf, und je nachdem -sie in näherer oder weiterer Entfernung vorüberziehen, äußert sich ihre -Gewalt mehr oder weniger. - -Da mein Aufenthalt in Lefuka nur von kurzer Dauer war, setzte ich, -nachdem Güter u. s. w. gelandet und neue Passagiere für Vavau und -Niuatobutabu an Bord gekommen waren, die Reise fort nach Neiafu, dem -Haupthandelsplatz in der Vavau-Gruppe, diese besteht aus vielen und zum -Theil hohen Inseln, die von Riffen umgeben und hierdurch untereinander -verbunden sind, auch zeigt sich hier auffällig die einstige Thätigkeit -der Vulkane. Steile hochaufstrebende Massen sind die meisten dieser -eng aneinander gelagerten Inseln; nur die Hauptinsel Vavau, nach -allen Seiten steil abfallend, ist eine Hochfläche, auf welcher auf -verwitterter Lava eine unglaublich reiche Pflanzenwelt Fuß gefaßt -und sich entwickelt hat. Dies ist das fruchtbarste Land, abgesehen -vielleicht von der Insel Niua-fu, im ganzen Königreiche Tonga. -Apfelsinenbäume, schwer beladen mit goldgelben Früchten, ausgedehnte -Palmenwälder u. s. w., überhaupt alle herrlichen Tropengewächse der -Südsee sind hier reich vertreten. Dazu giebt die im Sonnenglanze -ausgebreitet liegende Bai, umgeben von hohen Inseln, dem ganzen -Panorama so recht den Anblick einer echten Tropenlandschaft. - -Die Einfahrt befindet sich an der westlichen Seite zwischen den Inseln -Hounga und Vavau. Die schmale aber tiefe Wasserstraße windet sich -zwischen den hohen Inseln hin, und dicht unter den steil anstrebenden, -mit Busch und Baum bedeckten Massen, kann man ungefährdet mit einem -Schiffe segeln. Inmitten der Einfahrt nur liegt ein mächtiger -Felsblock, der hunderte Fuß hoch ist und steil aus großer Tiefe -aufragt, auch bemerkt man an diesem, welche zerstörende Einwirkung -die Meereswogen selbst am harten Gestein ausüben können. Sie haben -den Felsen tief unterwaschen und große Spalten ausgehöhlt. In diesen -Höhlen und Riffen braust und zischt selbst die leicht wogende See. -Das Geräusch wächst aber zum Donnern an, wenn sie ihre ganze Wucht -gegen den starren Felsen anbranden läßt, der dann durch den gewaltigen -Anprall wohl in seinen Grundfesten erschüttert werden mag. - -Ganz schmal, wenigstens für ein aufkreuzendes Schiff recht beengt, wird -die Straße, sobald die weite Bai vor dem Dorfe Neiafu sichtbar geworden -ist, die wie ein herrlicher, von allen Seiten geschützter Hafen, -geräumig daliegt. Indes nur wenig Raum hat die Koralle übrig gelassen, -die geschäftig fast die ganze Bai aufgefüllt hat und wo tiefes Wasser -vorhanden, ist der Ankergrund schlecht, so daß größere Schiffe es -vorziehen, wollen sie nicht auf 200 Fuß Wassertiefe vor Anker gehen, -inmitten der Fahrstraße vor der Station Tuanuku zu ankern. - -Nach wenig Tagen schon verließ ich, da ich allen diesen Stationen in -der Tonga-Gruppe neue europäische Waaren und Proviant zu bringen hatte, -Ladung aber noch nicht einnehmen sollte -- die Hauptstationen, als -Vavau, Lefuka und Tonga-tabu verschiffen direkt Kopra, Baumwolle u. -s. w. nach Europa -- den Hafen von Neiafu, und segelte nordwärts nach -Niuatobutabu (Keppels Eiland), das 180 Seemeilen entfernt ist. - -Begünstigt von Wind und Wetter, bekam ich am zweiten Tage bereits die -2000 Fuß hohe Insel Boskaven in Sicht, welcher südwärts davon und durch -eine Straße von etwa einer Seemeile Breite getrennt, die niedrige -Korallen-Insel Niuatobutabu vorgelagert ist. Diese langgestreckte -Insel umgiebt namentlich an der Nord- und Westseite ein mächtiges, 5-7 -Kilometer breites Riff, auf derselben sind zwei Kraterkegel, etwa 200 -Fuß hoch, die einzig nennenswerthen Erhöhungen. - -Nur eine einzige, sehr gewundene und gefährliche Einfahrt, führte -von Norden durch das Riff, und zwar nur eine Strecke weit bis zu -einem tieferen Becken, in welchem aber ein kleineres Schiff geschützt -und sicher liegt. Da der Verkehr mit dem Lande allein zur Zeit des -Hochwassers möglich, der Ankerplatz vor dem Riffe nur in der guten -Jahreszeit einigermaßen sicher ist, suchte ich auf Anrathen des Lotsen, -eines Eingebornen, doch lieber den kleinen gesicherten Hafen auf, -obwohl das Durchbringen des Schiffes, das mehrfach auf Korallenblöcke -fest kam, keine leichte und gefahrlose Arbeit war. - -Daß ich es gethan, war ein Glück, denn ein heftiger, plötzlich in -einer der ersten Nächte aufspringenden Nordwestwind hätte das Schiff -im Verein mit der hohen See sicher aufs Riff geworfen und zerschellt; -ein Versuch, in tiefdunkler Nacht die offene See zu gewinnen und gegen -den starken, auflandigen Wind von den Riffen freizukreuzen, wäre schier -unmöglich gewesen. - -Nicht minder einsam wie diese Insel im weiten Ozean war das Leben, -welches hier zwei Europäer (ein Deutscher und ein Engländer) führten, -die nur mit der Außenwelt in Verbindung traten, wenn nach langer Zeit -ein Schiff vor der Insel zu Anker ging. Freilich ist an Verkehr mit -Menschen kein Mangel, nur kommt in Betracht, daß die Eingebornen für -einen Europäer doch kein rechter Umgang sind; so freundlich gesinnt, -friedfertig und zum Theil lernbegierig sie sich auch zeigen, so -stehen sie dennoch auf einer zu tiefen Bildungsstufe. Zwar paßt sich -ein einsam lebender Mensch schnell genug den Verhältnissen an, und -in der Folge habe ich ja so viele gefunden, die, obgleich sie noch -abgeschlossener von der Welt lebten, mit ihrem Loose ganz zufrieden -waren. Hier aber kommt dem Europäer das zu statten, daß er hier ein -bildungsfähiges, strebsames Volk um sich hat, dessen Häuptlinge und -Lehrer nach Aufklärung trachten und stundenlang dem weißen Manne -zuhören, wenn er ihnen von anderen Ländern und Völkern erzählt. - -So oft ich auch nach dieser Insel beordert worden war, konnte ich -jedesmal die Beobachtung machen, mit wie großem Interesse alle -Neuigkeiten aufgenommen wurden; hatte ich eingeborne Passagiere mit -an Bord, so wurden diese sogleich nach der Landung von den Häuptlingen -begrüßt und ausgefragt. Sonst kamen die Häuptlinge entweder insgesammt -zum Hause der erwähnten Europäer oder luden uns zu sich ein, damit wir -ihnen Abends bei einer Schale Kava Auskunft über etwaige Vorgänge im -Tongareiche gaben. - -In langer, vielleicht gänzlicher Unthätigkeit verharren die kleinen, -wohl für immer erloschenen Krater auf dieser Insel, sonst wären sie -eine gefährliche Nachbarschaft, denn eine erhebliche Erschütterung -würde genügen, die Insel in die Tiefe versinken zu lassen. Wo man auch -immer auf der gut bewachsenen Insel geht, klingt jeder Fußtritt hohl -und man gewinnt die Ueberzeugung, daß nur eine verhältnißmäßig dünne -Schicht über wahrscheinlich ausgedehnte Höhlen gelagert liegt. - -Nirgendwo sonst auf Korallen-Inseln, deren Fundamente naturgemäß stets -fest aufgebaut sind, habe ich solche Wahrnehmung wieder gemacht; würden -hier nicht die beiden Kraterhügel eine genügende Erklärung für solche -Erscheinung abgeben, ließe sich schwerlich die Ursache dafür ergründen. -Das Eine scheint sicher (wie ich in diesem selben Jahre als Augenzeuge -an einer anderen Stelle feststellen konnte), es sind am Rande eines -hier schon vorhandenen Korallenriffes plötzlich unterseeische Vulkane -in Thätigkeit getreten, die mit sich das Riff emporgehoben haben und -dann nach einiger Zeit erloschen sind. - -Außerdem giebt eine vorhandene schmale, aber tiefe Frischwasserrinne, -die im festen Korallengrund eingebettet ist und tieferliegend als -der Meeresspiegel, einen neuen Beweis, daß die Insel hohl ist. Das -Süßwasser in dieser Rinne ist natürlich durch Korallen filtrirtes -Seewasser, aber der Zufluß erfolgt unterirdisch aus dem Innern der -Insel; derselbe soll zu Zeiten stärker, zu Zeiten schwächer sein. -Uebrigens beschleicht den Wanderer, namentlich in stiller Nachtzeit, -ein eigenthümliches Gefühl, wenn jeder Tritt so hohl und dumpf -wiedertönt und ihm zum Bewußtsein bringt, daß er auf einem Boden -wandelt, der über Höhlen oder gar über tiefe Wasserbecken gewölbt -liegt. - -Insbesondere weicht die Insel Niuatobutabu in nichts von anderen gut -bewachsenen Koralleninseln ab, mit dem Unterschiede nur, daß auf -dem verwitterten Lavagrunde eine überaus reiche Pflanzenwelt sich -entwickelt hat. Salze und andere Chemikalien, die in der Lava enthalten -sind, scheinen für die Entwicklung des Pflanzenlebens ungemein viel -beizutragen, auch sonst, wo ich im weiten Inselmeer des Stillen Ozeans -vulkanischen Grund betreten, fand ich dies ausnahmslos bestätigt. - -Das Thierreich auf allen Inseln ist sehr schwach vertreten, Schweine, -Hühner und Tauben sind fast die einzigen Arten, indes fand ich -auf Niuatobutabu außerdem noch eine große Fledermausgattung, den -fliegenden Fuchs. Da jeder von der Nützlichkeit und noch mehr von der -Harmlosigkeit dieser Thiere überzeugt war, belästigt dieselben niemand, -kein Eingeborner verscheucht sie. Vielleicht kommt auch noch der -Umstand hinzu, daß diesen lautlos erscheinenden Thieren ein gewisser -Aberglaube anhaftet, denn wer nicht mit ihrer Eigenart, unhörbar und -schnell durch die Dunkelheit zu fliegen, vertraut ist, dem wird ein -gewisses Unbehagen zuerst nicht erspart bleiben. Vornehmlich fand -ich diese Füchse in Sträuchern, wo sie sich, Schatten findend, an -dünnen Zweigen an den Hinterfüßen aufgehängt hatten. Den Kopf nach -unten gebogen, umschließen sie mit der großen Flughaut den Körper und -verblieben in dieser Stellung, bis die Dämmerung der nach ganz kurzer -Dauer die Nacht folgt, hereinbricht, dann erst werden sie munter und -suchen, die Luft gleich gespenstigen Schatten durchfliegend, sich ihre -Nahrung. Werden sie am Tage gestört oder berührt man mit der Hand ihr -sammetweiches Fell, schauen die schwarzen, erbsengroßen Augen den -Störenfried wohl an, scheinen aber geblendet zu sein, denn obwohl -unruhig geworden, wagt das Thier doch keinen Flug, verändert seine -Stellung auch nicht und wollte man die Hinterfüße lösen, müßte Gewalt -angewendet werden. Ein Weibchen, das seine beiden Jungen wohlgeborgen -an der Brust hängen hat, die diesen Platz nie verlassen, auch während -des Fluges nicht, wird, wenn es gestört worden, leichter erregt und -beißt wohl mit den kleinen, nadelspitzen Zähnen um sich. So sind -in Folge davon, weil diesen Thieren nie etwas zu Leide geschieht, -dieselben zutraulich und oft habe ich sie, selbst in der Nähe der -Hütten der Eingebornen und vor den Wohnungen der Weißen in Menge -vorgefunden. - -Höchst lästig und oft zu einer großen Plage werden hier Schaaren von -Fliegen. In des Wortes vollster Bedeutung kann man sagen, es wimmelt -davon. Ist in Europa die Hausfliege dreist und störend, ist sie dort, -wo die Natur ihr den Tisch gedeckt, unglaublich lästig, und das vor -allem zu der Zeit, wenn die Früchte des Brotfruchtbaumes reif geworden -sind. Diese Früchte, an und für sich sehr schmackhaft, werden, sobald -sie überreif geworden sind, eine wahre Brutstätte für Fliegen. Sind sie -ausgeflogen, so ist jeder Ort, selbst Gras und Busch, dicht von ihnen -besetzt; schon ihr Schwirren und Surren ist höchst lästig. - -Sind die Ameisen, vor denen nur mit Mühe Genießbares geschützt werden -kann, schon unangenehm, so treiben es die Fliegen noch zehnfach ärger, -in Wahrheit muß man diesen Plagegeistern jeden Bissen erst streitig -machen, der gegessen werden soll, vornehmlich von solchen Speisen, -die Zucker und andere leicht flüssige Stoffe enthalten, wie Reis, -Brotfrucht, Ananas u. s. w. - -Geradezu eine Fliegenwolke schwebt über solchen aufgetragenen -Speisen, selbst fortwährendes Abwehren scheucht diese gierigen -Insekten nicht fort; machte es nicht die Gewohnheit und schließlich -die Gleichgültigkeit, müßte sich Ekel und Widerwillen einstellen, -Nahrung zu genießen, weil diese vom Unrath der Fliegen durchaus nicht -freizuhalten ist. - -Die Insel Boskaven, ein mächtiger, unzugänglicher Bergkegel, ist aller -Wahrscheinlichkeit nach, gleich den anderen Inseln, wie Lette, Kao -u. a., ein erloschener Krater, der in der Neuzeit jedenfalls noch in -Thätigkeit gewesen ist. Menschen wohnen darauf nicht, auch hat wohl -noch keines Menschen Fuß den steilen Gipfel dieser Insel erklommen. -An der Südostseite soll im Schutze eines kleinen Riffes an einer -vorspingenden Felsenkante eine schwierige Landung möglich sein und -Fischer von Niuatobutabu wagen es, zu Zeiten sich dort aufzuhalten, -nachdem sie mit ihren leichten Kanoes den breiten Meeresarm, der beide -Inseln trennt, durchquert haben. - -Basaltmassen, aus denen sie aufgebaut ist, steigen gleich steilen -Wänden aus dem Meere auf, unterspült zum Theil von den brandenden -Wogen, darüber aber, wo der das Pflanzenleben vernichtende Staubregen -des Salzwassers nicht mehr hinaufreicht, hat sich an den sehr schrägen -Flächen des Kegels ein starker Pflanzenwuchs entwickelt, welcher -die Form und Lagerung der Gesteinmassen verdeckt, ein Zeichen, daß -Eruptionen seit langer Zeit nicht mehr stattgefunden haben. - -Mein Schiff war, wie erwähnt, inmitten des Riffes, in dem beschränkten -Wasserbecken, gut verankert worden und lag wohl geschützt gegen die -am Außenriff brüllende See. Aber da nach Verlauf von sieben Tagen der -starke, nordwestliche Wind erst nachließ, der die ganze Osterwoche -hindurch geweht hatte, durfte ich, obwohl längst segelfertig, es doch -nicht wagen, in See zu gehen. Erst als günstiger Wind einsetzte, -der stark genug war, das Schiff gegen die draußen anlaufende See -durchzubringen, mußte ich Anstalten treffen und versuchen, die freie -See zu gewinnen. Ohne Anstoßen am Korallenriff ging es in der engen -Durchfahrt freilich nicht ab; eine unberechenbare Strömung, durch die -einlaufenden Seen hervorgerufen, vereitelte alle Vorsicht. Dennoch -gewann ich ohne Beschädigung das offene Meer, habe aber den Versuch nie -wiederholt, sondern lieber vor dem Riffe mit zwei Ankern, diese klar -zum Schlippen, Wind und See ausgeritten, um das Schiff nicht an den -harten Kanten des Korallenriffes zu gefährden. - -Von Niuatobutabu hatte ich weiter nach Niua-fu zu segeln, einer hohen -Vulkan-Insel, die in etwa West-Nord-West-Richtung 120 Seemeilen von -hier entfernt liegt. Es war mir schon in Apia mitgetheilt worden, -daß das Auffinden des Ankerplatzes und der Station vor Niua-fu seine -Schwierigkeit habe; auch soll man sofort absegeln, wenn nördlicher Wind -und Seegang einsetze, da dort auf hartem Lavagrund die Anker nicht -genügend Halt finden und ein Freikommen von der Küste sehr schwierig -sei. - -Vollauf fand ich denn auch diese Angaben bestätigt, als ich wenige -Tage später unter der steilen, an Stellen mehrere hundert Fuß hohen -Küste entlang segelte und hinter der etwas vorspringenden Nordost-Ecke -nach der sehr hoch gelegenen Station nach einem Ankerplatz suchte. In -der guten Jahreszeit, d. h. wenn der Süd-Ost-Passat weht, hat es keine -besondere Gefahr, so nahe der Küste zu ankern; werden doch selbst große -Segelschiffe hierher beordert, ihre Ladung Kopra aufzufüllen, allein in -den Monaten Januar bis April machen häufig nördliche Winde ein Ankern -und Landen hier unmöglich. - -Diese Insel ist etwa 550 Fuß hoch und in ihrer ganzen Ausdehnung ein -vollständiges Lavafeld; man sieht vom Meeresspiegel, wie sich Schicht -über Schicht die fließende Masse gelagert hat und wie steile Abhänge -gebildet wurden, indem die schon erkaltete Lava abgesprengt oder als -noch zähe Masse übereinander geschoben wurde. Unregelmäßig, bald hier, -bald dort, scheinen die Lavaströme sich aufgestaut oder über steile -Abhänge ergossen zu haben, denn nach Gestalt und Form der Abhänge und -Wände zu urtheilen, hat die glühende Masse sich nur langsam fortbewegt. -Auch scheint die Ausdehnung und Dicke der fließenden Lava nur eine -geringe gewesen, dafür aber desto häufiger vorgekommen zu sein. Der -ganzen Natur nach müssen, da der Hauptkrater meiner Schätzung nach -mit dem Meeresspiegel fast gleich liegt, die verschiedenen Ausflüsse -und die Anhäufung der Lava von einer Anzahl parasitischer Seitenkrater -herrühren, die von Zeit zu Zeit, da die ganze Insel als ein Vulkan zu -betrachten ist, hier oder dort die Lavakruste sprengten und flüßige -Massen ausströmten. Es muß dies als feststehend angenommen werden, denn -heute noch befürchten die Eingebornen, es könne sich überall der Boden -plötzlich öffnen; ich selbst habe Stellen gefunden und zwar nahe der -deutschen Station, wo die fließende Lava die starken Kokosbäume mehr -als sechs Fuß hoch umschlossen und vernichtet hatte. - -Wie hier in der Nähe der deutschen Station, so habe ich auch an -der Westseite der Insel Stellen gesehen, wo ebenfalls die blühende -Pflanzenwelt zerstört wurde. Auch wird diese Insel sehr häufig von -starken Erschütterungen heimgesucht, so daß die Eingebornen in steter -Sorge leben müssen (die Alten erzählen von schrecklichen Zeiten, -die sie durchgemacht haben). Etwas Unheimlicheres giebt es kaum, -als zu fühlen, wie der Erdboden, auf dem man geht, durch heftige -Erschütterungen wankt, also auf einem thätigen Vulkan zu leben, der -mit furchtbarer Gewalt die Erdkruste zu spalten, Verderben und Tod -auszustreuen im Stande ist. - -Der letzte große Ausbruch hatte um das Jahr 1870 stattgefunden, -wohlbebaute Flächen und Dörfer auf dieser etwa eine deutsche -Quadratmeile große Insel wurden zerstört; die Bevölkerung, auch hier -Tonga-Insulaner, ersuchte, von Furcht erfüllt, selbst vorüberfahrende -Schiffe, sie aufzunehmen. Es sind auf der Insel keine, höchstens ein -paar elende Kanoes vorhanden, mit denen auf der fast immer erregten See -kaum eine Fahrt unternommen werden kann. Bin ich recht unterrichtet, -so gab es sogar ein Verbot, das der Bevölkerung geradezu untersagte, -sich Kanoes zu halten, denn es war vorgekommen, daß bei einem Ausbruche -viele Bewohner sich aufs offene Meer hinauswagten, um dem Verderben -zu entfliehen und da sie mit ihren gebrechlichen Nußschalen kein Land -auffinden konnten, ausnahmslos ein Opfer ihrer Angst und Tollkühnheit -wurden. Den schwankenden, von heftigen Stößen erzitternden Boden ihrer -Insel verließen sie, um einen langsamen, qualvollen Tod auf dem Meere -zu finden. - -Daß dennoch Niua-fu gut bevölkert ist (es sollen 1200 Tonganer hier -leben), muß der überaus reichen Vegetation zugeschrieben werden; -ist doch die Fruchtbarkeit der verwitterten Lava so ungeheuer, daß -überall, wo nicht jüngere Eruptionen weite Strecken zerstört haben, die -Pflanzenwelt im reichsten Maße sich entwickelt hat, besonders gedeiht -die Kokospalme hier in vorzüglicher Güte. Die größten Kokosnüße, die -ich je gesehen habe, wachsen hier, deshalb ist der Ertrag an Kopra auch -so bedeutend. Thatsache ist indes, daß die Furcht vor einem Ausbruche, -dessen Ausdehnung niemand wissen kann, die Insel zeitweilig entvölkert, -doch kehren die Einwohner immer wieder zurück, sobald die unheimliche -Naturkraft ausgetobt hat und wieder Ruhe eingetreten ist. - -Meine Ordre lautete dahin, hier auf dieser Insel das Schiff mit Kopra -aufzufüllen und nach Samoa (Apia) zurückzukehren. Ich hatte demnach -also den Versuch zu machen, trotz der ziemlich unruhigen See, eine -Landung ins Werk zu setzen. Ein Eingeborner, der es gewagt hatte, mit -einem kleinen Kanoe abzukommen, aber kenterte, erreichte schwimmend das -Schiff und zeigte mir alsdann den sicheren Ankerplatz. - -Der einzige Landungsplatz an dieser steilen, unzugänglichen Küste -ist ein tiefer Spalt in den massiven Lava-Felsen, den rechts und im -Hintergrunde hohe, senkrechte Wände umschließen, gegen welche die -einlaufende See wild aufschäumt, während zur Linken eine zwar steile, -aber niedrigere Wand mit einer Versenkung diesen einfaßt. - -Da der Spalt nur so breit ist, daß ein Boot einfahren kann, so muß -dieses stets an einem sicheren Tau, welches vor der Mündung verankert -und hinten an der Lavawand um einen Felsblock befestigt wird, mit der -See eingeführt werden. Zwei Mann haben nur darauf zu achten, daß sie -das Boot stets recht auf der mit wilder Macht eindringenden Woge halten -und ebenso, daß das mit großem Getöse zurückfluthende Wasser das Boot -nicht herumreißt und zum Kentern bringt. - -Ein vorspringender Lavablock an der linken Seite, längst von den ihn -immerwährend umspülenden Fluthen geglättet und abgeschliffen, dient als -Landungsplatz, auf den man aber ohne Hülfe nicht hinauf gelangen kann, -außer wenn man den Sprung wagt, sobald eine einlaufende See das Boot so -hoch gehoben hat, daß es mit dem Block in gleicher Höhe sich befindet. -Wenn das Boot am starken Tau festgehalten wird, ist es natürlich, -daß die See es mit Gewalt gegen den Block preßt und ein unablässiges -Aufpassen der Leute ist nöthig, um ein Kentern zu verhindern. Halb am -Felsen hängend, müßte sich sonst das Boot seitwärts umlegen, sobald die -Woge, welche es gehoben, wieder niedersinkt. - -Ein wildes Donnern und Brausen (man kann mitunter sein eigenes Wort -nicht verstehen) erfüllte den Spalt und wie ein mächtiger Sprühregen -fällt der hochaufspritzende Gischt mancher Woge von der Felswand -zurück, an welcher sie ohnmächtig zerstäubt ist, um immer wieder das -Spiel zu erneuern. - -Will man zu dem etwa 350 Fuß überm Meeresspiegel liegenden Hause des -deutschen Agenten gelangen, muß man auf Zickzackwegen die steile Höhe -erklimmen; oben angelangt, kann der Blick frei über das endlose Meer -schweifen, während zu Füßen die gewaltigen Formen erstarrter Lavamassen -aufgehäuft liegen, bedeckt mit Aschenstaub oder sprießendem Gras. -Große Erwartungen darf man an die Behausung eines so einsam lebenden -Europäers nicht stellen. Ein solches Gebäude, nur aus Holz hergestellt, -ist, dem Klima entsprechend, luftig und bequem, sonst aber baar aller -Bequemlichkeit. Die einzigen Möbel sind ein paar Stühle und ein Tisch, -alles andere hat sich der mehr oder weniger geschickte Bewohner aus -Kisten und Kasten zusammengezimmert. - -Die gefüllten Koprasäcke von solcher Höhe herabzutragen wäre sehr -mühevoll, man pflegt sich aber damit zu helfen, daß über Einsenkungen -und Vorsprünge des Felsbodens hinweg eine Lattenbahn zur Tiefe geführt -wird, auf der, wegen ihrer Steilheit, die Säcke leicht niedergleiten -können. - -Ein unverzügliches Angreifen der Arbeit nach Ankunft eines Schiffes -ist unter den obwaltenden Umständen hier eine Nothwendigkeit, man weiß -nicht, was die nächsten Stunden bringen; eine nur gering zunehmende -See macht oft der Arbeit ein Ende. Schwierig und namentlich für die -Besatzung des Bootes gefährlich ist das Einschiffen der Ladung. Sicher -sind die Leute erst, wenn die Oeffnung des Spaltes erreicht ist, -denn oft genug wird das Boot von den einlaufenden Seen überschwemmt, -und ist oft halb mit Wasser angefüllt, ehe es zum Schiffe gelangt. -Gewohnheit aber macht ein Unternehmen weniger gefahrvoll. Um so -mehr war ich erstaunt, daß anfangs meine Boote glücklich aus dem -zischenden, brausenden Schlund herauskamen, mancher Zentner Kopra war -bereits verschifft, da brachte mir unerwartet ein Bote die Nachricht, -Boot und Ladung seien verloren. Sofort von der Höhe herab eilend, -sah ich, wie frei von den Klippen die Mannschaft mit dem gekenterten -Boote umherschwamm und bemüht war, dasselbe so längsseit des Schiffes -zu bringen, was den Leuten auch nach langer Zeit gelang; in den -Felsenspalt selbst aber tauchten die Eingebornen auf und nieder, um die -gesunkene Bootsladung wieder heraufzuholen, indes gelang ihnen dies -nur halb, da die einlaufenden Seen die Säcke gegen die Felsenwände -warfen und diese sich öffneten oder zerrissen wurden. Veranlassung -zum Kentern gab eine schwere See; das Boot wurde gegen den Felsblock -gedrängt und schlug, während das Tau durch die Gewalt des Wassers den -Händen des Mannes entrissen wurde, quer und war im nächsten Moment mit -der Mannschaft und Ladung von der zischenden Wassermasse im brodelnden -Kessel überspült. Das Boot zu retten, ehe es an die Felsenwand -geschleudert und zerschellt wurde, war das Einzige, was die Leute thun -konnten. - -Da die Bevölkerung der Insel Niua-fu aus lauter Christen besteht, so -ist die Heilighaltung der Sonn- und Festtage auch hier eingeführt und -die Arbeit ruht. So konnte ich ungehindert dem Wunsche, diese Insel -näher kennen zu lernen und namentlich den im Innern tiefliegenden -Krater zu besuchen, nachkommen. In früher Morgenstunde, die -erfrischende Kühle benutzend, stiegen mit mir der deutsche Agent und -einige Eingeborne bergaufwärts. Wir folgten den Windungen der breiten, -festen Wege, auf denen nur das Eine unangenehm war, der pulverisirte, -feine Aschenstaub, der überall dick lagert und bei jedem Schritte -aufwirbelte. Auf der Höhe fand ich die Kokosbäume nicht besonders -schlank gewachsen, vielmehr hatten viele Stämme eine mehr oder weniger -starke Neigung nach Westen, was auf den Einfluß des mitunter recht -stark wehenden Südostpassates zurückzuführen ist, sonst war der Anblick -der zahllosen Palmen, die Höhen und Abgründe bedeckten, großartig. - -Der Weg führte uns bald am Rande eines senkrecht steilen Abgrundes -hin, der hunderte Fuß tief, aber so mit Buschwerk bewachsen war, daß -man nicht bis auf den Grund hinabsehen konnte. Nur eine Stelle gab es, -wo man mühsam, an Gestein und Strauch sich haltend, hinabzusteigen -vermochte, und als diese erreicht war, übernahmen die Eingebornen -die Führung, denen wir, rückwärts rutschend, zu folgen hatten. In der -Tiefe angelangt, zeigte sich ein großartiges Panorama, ringsum steile, -unzugängliche Felswände. Inmitten dieses Randgebirges, wenn ich so -die 4-500 Fuß steilen Wände bezeichnen darf, aber liegt ein weiter, -tiefer See, aus dem sich drei Bergkegel erheben, die leicht rauchenden, -zuweilen in Dampf gehüllten Krater. - -Kann diese so ausgedehnte Senkung, in die wir hinabgestiegen waren, -auch als der eigentliche Kraterkessel bezeichnet werden und jene drei -Hügel als die thätigen Vulkane in demselben, so steht doch außer Frage, -daß größere Ausbrüche seit langer Zeit nicht mehr stattgefunden haben, -sondern höchstens starker Aschenregen ausgeworfen ist, der, wie wir -gefunden, überall vertheilt lag. Bei einem stattfindenden heftigen -Ausbruche würde die fließende Lava keinen Schaden thun können, diese -würde vielmehr in den den weiten Krater umgebenden See fließen. - -Betrachtet man diesen großen Kraterkessel mit seinen steilen Wänden, -in welchem wir in aller Seelenruhe gemüthlich umherspazirten und uns -am breiten, flachliegenden Ufer des Sees tummelten, so kann man nicht -annähernd die gewaltige Kraft ermessen, die diese Wände aufgebaut hat, -die hier einst gewaltet und alles verändern und zerstören wird, sobald -sie sich hier im Centralpunkt äußern sollte. - -Man muß wirklich die unheimliche Gewalt thätiger Krater gesehen, an -solchen mit Schwefeldünsten und mächtigen Rauchwolken gefüllten Kesseln -gestanden haben, um sich ein Bild davon machen zu können, mit welcher -Furchtbarkeit auch hier Feuersäulen, Rauch und Gase emporgeschleudert -worden sind. Was nun diesen salz- und schwefelhaltigen See anbelangt, -dessen Wasser bitter und von keinem organischen Wesen belebt ist -- -so weit ich bei meiner flüchtigen Beobachtung das behaupten kann -- so -hat er einst bis an die steilen Lavawände herangereicht; ob aber allein -Verdunstungen oder andere Umstände den Rücktritt der Wasser verursacht -haben, mag dahin gestellt sein. Soviel ist erwiesen, daß die jetzt mit -Strauch und Buschwerk bewachsenen Flächen unter Wasser gestanden haben, -denn feines Geröll, abgestürzte Lavablöcke geben den Beweis dafür. - -Es liegt eine wunderbare Kraft im Walten der Natur! Man glaubt todte, -starre Oede dort zu finden, wo giftige Gase fast ununterbrochen den -Schlünden thätiger Krater entströmen; hier aber blüht und wächst durch -der Sonne Gluth, durch periodisch stark fallenden Regen, erfrischt -durch nächtlichen, schweren Tau, selbst auf dem salzhaltigen, -freigelegten Seegrunde eine üppige Vegetation. Das ganze Panorama, -den See zu Füßen, dessen Wasser im Sonnenlicht wie flüssiges -Silber glänzen, durch die Palmen gekrönten Höhen, den steilen, -dichtbewachsenen Wänden, wird durch diese tropische Ueppigkeit ungemein -verschönt. Das sonst schauerliche Empfinden, welches den Menschen -befällt, wenn er sich hineinwagt in die Werkstätten der furchtbarsten -Naturkraft, deren Hauch Land und Wasser erzittern macht, schwindet hier -beim Anblick thätigen, blühenden Lebens. - -Die Heilkraft des Wassers, von der die Eingebornen erzählten, wollte -ich auch nicht unversucht lassen; schnell folgten wir Europäer dem -Beispiele unserer nackten Begleiter und tummelten uns in dem warmen -Bade, bis eine wohlthuende Ermattung eintrat; daß den beiden Hunden, -die wir mit uns hatten, das Bad ebenso gut bekam, will ich nicht -behaupten; den Thieren, die mehrfach in das Wasser geschickt wurden, um -ein weit weggeworfenes Holzstück zurückzubringen, schien wenigstens der -bittere Geschmack desselben nicht besonders zu behagen. - -Bei näherer Untersuchung habe ich gefunden, daß die Wassertiefe -dieses Sees überall schnell zunahm und nach der Schräge des Bodens zu -urtheilen bis zur Mitte eine ganz beträchtliche sein muß, auch die -Eingebornen bestätigten dies, sie gaben an, es sei in nicht großer -Entfernung vom Ufer in weiter Runde kein Grund mehr zu finden, demnach -wären also die drei Kraterhügel nur die über Wasser ragenden Kuppen -vielleicht gewaltiger Vulkane. - -In tiefster Ruhe, im Sonnenglanz gebadet, liegt der weite See, in ihm -schlummern Gigantenkräfte! Wann werden diese wieder erwachen, Menschen -zittern und Felsen erbeben machen! Wir standen hier auf einem Vulkan, -wir wußten das, aber nicht, daß unter uns, rings in der Runde, die -unterirdischen Geister erwacht waren, die die Feuer schürten, um solche -wenige Monate später schon mit verheerender Gewalt über diese Insel -auszuspeien. - -Nicht so friedfertigen Sinnes wie heute waren die Tonga-Insulaner, -als sie zuerst mit den weißen Männern in nähere Berührung kamen. Die -erste Entdeckung dieser Insel erfolgte im Jahre 1643, dann wurden sie -erst wieder 1773, also über ein Jahrhundert später, von dem berühmten -Entdecker Cook aufgefunden, in der Folge dann von mehreren kühnen -Forschern besucht, denen aber ihr langer Aufenthalt an einzelnen dieser -Inseln, wie Tongatabu, Lefuka u. a. verhängnißvoll wurde. - -Im Vertrauen auf die freundliche Gesinnung dieser Insulaner wurden -die Europäer zu sorglos, dahingegen die Eingebornen aber, welche die -Schwächen der weißen Männer bald genug erkannten, planten Tod und -Verderben. Wohl entgingen viele Europäer dem geplanten Anschlag auf -ihr Leben und waren noch stark genug, ihre Schiffe zu schützen und zu -fliehen, manche aber haben ihre Achtlosigkeit mit Verlusten von Gut und -Leben büßen müssen. Heute hat Gesittung den verrätherischen Sinn der -Eingebornen geändert, sie kennen zur Genüge die Macht des weißen Mannes -und diese Erkenntniß ist der beste Schutz. - - - - -III. König Maliatoa. Olosinga. Der Ausbruch eines unterseeischen -Vulkans und die Entstehung einer neuen Insel. - - -Bei meiner Rückkehr nach Samoa waren die politischen Verhältnisse -auf Upolu noch verwickelter als früher und für die deutschen Beamten -eine stete, ernste Sorge, namentlich da die ansässigen Amerikaner -und Engländer ihre Wühlerei unvermindert fortsetzten. Mir, als einem -Uneingeweihten, fehlt die genaue Kenntniß, um ein anschauliches Bild -der politischen Wirren, der feindlichen Kundgebungen wahrheitsgetreu -wiedergeben zu können -- viel Gutes wäre, nebenbei gesagt, nicht zu -berichten gewesen -- nur so viel sei erwähnt, hätte gehandelt werden -dürfen, wie es uns Deutschen hier zu jener Zeit ums Herz war, mit der -kleinen Zahl jener Abenteurer, die desto lauter schrieen, je mehr sie -beachtet wurden, wäre bald genug aufgeräumt worden; es wäre ein Glück -für Land und Volk, eine wahre Wohlthat für uns Deutsche gewesen! - -Es lag mir viel daran, den Mann gelegentlich kennen zu lernen, in -dessen schwachen Händen das Geschick Samoas lag, um dessen Gunst so -viel Ausländer buhlten, dessen Macht ein Schein, dem nur sein Anhang -- -die stolzen, selbstbewußten Häuptlinge -- die Königskrone sicherten. -Der Zufall fügte es, daß ich auf einem Spaziergange nach Mulinuu -einen langansässigen Deutschen traf, der mir behülflich sein wollte, -den König sprechen zu dürfen. Während kein Samoaner wagen darf, ohne -Erlaubniß den geheiligten Grund zu betreten, auf welchem sein König -wohnt und auch dann nur unter Beobachtung gewisser Zeremonien, fanden -wir dort ungehinderten Zutritt und, ohne nach unserm Begehr gefragt zu -sein, näherten wir uns dem im Schatten seines Hauses sitzenden Könige -Maliatoa. - -Die Gastfreundschaft der Samoaner ist bekannt, und ihr König ist nicht -minder bestrebt, solche seinen Gästen gegenüber auszuüben. Seine braune -Majestät hieß uns willkommen und führte uns in den großen Vorraum -des mit vielem Kunstsinn aufgeführten Palastes und lud uns ein, auf -den mit Matten bedeckten Holzkisten Platz zu nehmen. Darauf rief der -König dienstbare Geister, wohlgenährte Samoanerinnen erschienen und -ließen sich geschäftig im Hintergrunde des Zimmers nieder. Schnell -waren Steine, Becken und Wasser herbeigeschafft, das Zerklopfen der -Kavawurzel begann und nach kurzer Zeit schon wurde durch Händeklatschen -das Zeichen gegeben, daß der Trank bereitet sei. - -Mit vieler Grandezza sich auf ein Knie niederlassend, reichte eine junge -Maid dem Könige zuerst die Kokosschale, wurde aber bedeutet, diese -seinen Gästen erst zu reichen. Da nahm ich sie in die Hände und leerte -sie mit einem Zuge, obgleich sie wohl einen halben Liter faßte; das -Wort „_fafataii_“, d. h. danke, war ich kaum im Stande, vernehmbar -auszusprechen, so hatte das etwas starke Getränk mir den Athem -genommen. Während dessen setzte sich der König würdevoll nach samoaner -Art mit untergeschlagenen Beinen, auf weichen, feinen Matten vor uns -nieder und eröffnete erst die Unterhaltung, als auch er die Schale -geleert und seinen Gästen Bescheid gethan hatte. - -Mit ausgesuchter Höflichkeit lenkte Maliatoa, nachdem er erfahren, -daß nur der Wunsch uns hergeführt hatte, ihn kennen zu lernen (was -besonders auf mich Bezug hatte), das Gespräch auf unsern großen Kaiser, -er stand auch auf und holte unter anderen Sachen ein wohlgelungenes -Bildniß des Kaiser Wilhelms herbei und fragte uns, ob der mächtige, -deutsche Kaiser mit diesem Bilde sprechende Aehnlichkeit habe, wie -ihm versichert worden sei. Unsere Bestätigung befriedigte ihn, und -für einen Augenblick im Anschauen des Bildes versunken, fragte er dann -plötzlich, wann ich eingelaufen sei und von welcher Insel ich gekommen -wäre. Als ich Niua-fu erwähnte, lobte er die dort wachsenden großen -Kokosnüsse; er wäre immer bestrebt, sagte er, solche zu bekommen und -benutze sie gewöhnlich zur Auspflanzung, wenn anders nicht seine Frauen -dieselben wegnähmen und zu Wasserbehältern oder Kavaschalen benutzten. -Schiffsführer, die Niua-fu anliefen, brächten ihm mitunter schöne, -große Nüsse mit, es wäre aber selten der Fall, weil dort wohl nur -wenige Schiffe zu Anker gingen. - -Das Letzte war mehr eine Frage an mich, und die Höflichkeit gebot, -diese so zu verstehen, als sei es ein ausgesprochener Wunsch, darum -erbot ich mich sofort, diesen zu erfüllen, sobald mir Gelegenheit dazu -gegeben wäre; ich wüßte zwar nicht, wohin ich beordert werden würde, -aber solcher geringen Mühe wollte ich mich gerne unterziehen und -gelegentlich Nüsse mitbringen. Dankend nahm Maliatoa das Anerbieten an. -Dann wurde uns auf seinen Wink die zweite Schale Kava von schöner Hand -gereicht, worauf wir uns bald vom Könige verabschiedeten. - -Während der kurzen Unterhaltung war es nicht uninteressant, zu -beobachten, wie der König in nichts von den Gewohnheiten seiner -Unterthanen abwich. Wie der Samoaner setzte er sich auf den mit Matten -belegten Erdboden, stützte gewohnheitsgemäß den Oberkörper auf einen -Arm oder gab bei nach vorne geneigter Haltung seinem Körper dadurch -einen festen Stützpunkt, indem er die Ellbogen auf die fast flach -am Boden liegenden Knie setzte. Bei solcher Haltung bleiben dann die -Hände zur Vornahme beliebiger Verrichtungen frei. Wiewohl nach unseren -Begriffen in der Haltung des Königs nicht allzuviel Majestätisches zu -finden war, so gestehe ich doch offen, daß die ganze Erscheinung den -Herrscher verrieth, dessen Blick Gehorsam zu heischen schien. - -Einige Monate später, ich war über Niuatobutabu nach Niua-fu beordert -worden, löste ich meine Zusage ein, und kaufte dort die größten Nüsse, -welche ich mit Hülfe des deutschen Agenten auftreiben konnte, für den -König Maliatoa auf. Nach Apia zurückgekehrt, traf ich leider den König -nicht in seinem Palaste bei Mulinuu an, ich gab daher die Kokosnüsse an -anwesende Häuptlinge ab, die solche sogleich den aufwartenden Weibern -einhändigten, somit mag der König wohl Recht haben, daß ihm geschenkte -Nüsse meistens zu anderen Zwecken, als zur Auspflanzung Verwendung -finden. - -Bei weiteren Reisen in der Südsee war ich insofern vom Glück -begünstigt, als mir Gelegenheit gegeben wurde, auch die entlegensten -Inseln der Samoa-Gruppe kennen zu lernen und dort Beobachtungen über -Land und Bewohner zu machen. Auf solchen Fahrten zeigte freilich oft -genug der gepriesene Stille Ozean ein recht unfreundliches Gesicht; -widrige, stürmische Winde, gefährliche See, straften solche Bezeichnung -Lügen. Ist man aber mit der wechselnden Eigenart der Witterung erst -vertraut geworden, namentlich mit der unbeständigen, sogenannten -schlechten Jahreszeit, so nimmt der Seemann alles ruhig mit in den -Kauf und sucht dem Unfreundlichsten noch eine gemüthliche Seite -abzugewinnen. - -In freier See, wenn dem Schiffe keine Gefahren weiter drohten, als -durch Wind und Wetter, war ich immer zufrieden, hier war des Menschen -Können den Elementen gewachsen, wenn diese es nicht gar zu böse -meinten, hingegen vor gefährlichen Riffen auf schlechtem Ankergrunde, -wo das Schiff gefährdet lag, schlich sich recht oft die Sorge bei mir -ein. - -Kräftig hatte der Südost-Passat wieder eingesetzt, vor dessen Hauch -das düstere Gewölk entfloh, das regenschwer oft genug über Land und -Ozean gebreitet lag; ein dauernd heiterer Himmel lachte auf die blaue -Fluth hernieder, deren schaumgekrönte Wellen sich im lustigen Spiele -endlos jagten. Aufkreuzend gegen solchen steifen Wind und einer in -Folge dessen recht bewegten See, brauchte ich, nach der Manua-Gruppe -bestimmt, acht Tage, um die 130 Seemeilen lange Strecke von Apia bis -zur Insel Ofu und Olosinga aufzusegeln; in Wirklichkeit aber hatte das -Schiff annähernd 800 Seemeilen im Zickzackkurse zurückgelegt, ehe das -Ziel erreicht war. - -Durchzieht die langgestreckte Insel Tutuila ein mächtiger Höhenrücken, -der wegen seiner Form und Steilheit unübersteiglich ist, eine -Basaltformation von solcher Zerrissenheit darstellend, daß thatsächlich -zwischen der Nord- und Südküste keine Verbindung besteht, so bieten die -beiden kleinen Inseln Ofu und Olosinga fast noch ein verzerrteres Bild -vulkanischer Wildheit dar. Die Massen dieser Inseln, steil und hoch, -gleich senkrechten Wänden aus der Tiefe des Meeres aufragend, zeigen -nicht die stumpfe Kegelform vulkanischer Bildung, sondern die zackigen -Bergspitzen sind hier und dort durchbrochen und getrennt, als wären -diese durch Gigantenhände aufgethürmt worden, sie scheinen das Ergebniß -übergewaltiger Eruptionen zu sein. Diese unzugänglichen Spitzen -und Zacken, gesprengte Lavablöcke, ragen fast 3000 Fuß hoch über -dem Meeresspiegel empor, in Wirklichkeit starre Zeugen einer längst -entschwundenen Zeit, die auch hier einst die unterirdischen Gewalten -schaffen und zerstören sah. - -An der Südseite der Insel Olosinga öffnet sich eine von Korallenriffen -eingeengte Bucht, die durch vielzackige sehr steile Basaltfelsen -abgeschlossen wird, namentlich sind drei spitze zusammenstehende Kegel -auffallend und geben ein gutes Merkzeichen. Die große Wassertiefe in -dieser Bucht bedingte es, daß ich sehr weit hineinlaufen mußte und -erst ganz in deren Nähe Ankergrund fand; fast blieb für das Schiff -kein genügender Raum frei von diesen zu schwingen, so nahe der Brandung -war ich zu ankern gezwungen. Zudem war die Verbindung zwischen Schiff -und Land nur zur Zeit des Hochwassers herzustellen, da das Riff ganz -trocken fällt und nur während weniger Stunden des Tages, ebenso wie der -Nacht, konnte Ladung an Bord geschafft werden. - -Eine schmale Fläche Landes liegt nur zwischen Strand und steiler -Felswand, noch dazu bedeckt mit großen abgestürzten Lavablöcken, -zwischen denen die Hütten der wenigen Bewohner dieser Insel zerstreut -errichtet sind; aber wie drohend und kahl auch die gewaltigen -Felsmassen von der Höhe herabschauen, ihnen zu Füßen auf fruchtbarster -Erde, ja selbst aus jedem Felsspalt blüht und sprießt eine reiche -Vegetation. Vornehmlich gedeihen hier der Kokosbaum und die Bananen -vortrefflich, jener der genügsam ist, reckt am Felsengrat sowohl wie am -Strande seine stolze Krone in die Lüfte und das in solcher Zahl, daß es -sich verlohnt hatte hier eine kleine Handelsstation anzulegen. - -Die Händler an solchen entlegenen Orten, meistens Mischlinge, tauschen -für geringe Waare den Ueberschuß an Nüssen von den Eingebornen ein -und erzielen durch die Verarbeitung derselben zu Kopra für sich einen -Gewinn, der ihnen sogar ermöglicht Ersparnisse zu machen, da ihre -Bedürfnisse sehr gering sind. Zwei höchstens drei mal im Jahre versieht -ein Schiff die Händler mit Tauschartikeln und holt die erhandelten -Erzeugnisse ab, daher ist denn auch das Einlaufen eines Fahrzeuges -immer ein Ereigniß von Bedeutung, sowohl für den Händler wie für die -Eingebornen. In der Station Olosinga, die seit Kurzem durch einen von -der Insel Tau hierher übergesiedelten Zwischenhändler errichtet war, -schien hier ein weißer Mann kaum je gesehen worden zu sein, denn sowohl -der älteste Greis wie der jüngste Sproß waren am Strande versammelt -als ich landete und Neugierde mit auffallender Scheu gepaart, ließ sie -die fremde Erscheinung anstarren; namentlich die Kinderschaar fürchtete -sich und anfänglich genügte eine rasche Bewegung meinerseits schon die -neugierige Menge auseinander zu treiben. Das kleine Haus des Händlers, -mit dem ich den geschäftlichen Theil abzuwickeln hatte, war schon, noch -ehe ich eintrat, voll von Menschen, so daß die Jüngeren herausgetrieben -werden mußten, um Raum zu schaffen. - -Angenehm ist solches Anstarren und Umdrängtwerden nicht, und mancher -würde es höchst lästig finden; weiß man aber, daß barsche Worte wenig -nützen, zumal den Erwachsenen gegenüber nicht, so erduldet man schon -solche Unbequemlichkeit, bald kommt man auch zu der Ueberzeugung -wie vortheilhaft es ist, da bald die Neugierde dieser Naturvölker -gestillt ist, Vertrauen erweckt zu haben. Frauen und Kinder laufen -nicht ängstlich davon, Männer gehen nicht mit scheelen Blicken an einem -vorüber, das „_talofa, ali_,“ guten Tag, Herr, hat einen freundlicheren -Klang; ich muß sagen, natürliche oder sogar erzwungene Ruhe, die ein -Europäer zeigt, imponirt den Eingebornen am meisten. - -In diesem Falle war es ein kurzer Sprung von auffälliger Scheu bis -zur Vertraulichkeit. Der Händler wurde von allen Seiten mit Fragen -bestürmt, seine Angaben schienen einigen Erwachsenen aber nicht zu -genügen; diese wollten durchaus wissen, ob ich auf der Brust ebenso -weiß sei wie im Gesicht und obwohl die Frage eigenthümlich genug klang, -so war sie doch ernst gemeint, denn sie öffneten mein weißes Hemde und -überzeugten sich selbst davon -- das war ihnen genügend, befriedigt -gingen sie fort. Nun war nach Verlauf einer halben Stunde die erst so -große Neugierde aller gestillt; ein Anstarren, geschweige denn eine -Belästigung kam nicht mehr vor, höchstens trat ein kleiner Bursche noch -heran und wagte mich um ein Stückchen Tabak anzusprechen. - -Zu den Pflichten eines Schiffsführers gehört es, stets für den Empfang -einer Schiffsladung die Ladescheine zu zeichnen; so war es auch hier -(gleichwie an anderen Orten war ich der einzige Europäer), es war -meine Aufgabe, die zu empfangende Menge Kopra abzuwiegen. Schon um den -Aufenthalt hier unter den gefährlichen Riffen abzukürzen, wurde die -Verschiffung der Ladung auch während der Nacht bei lodernden Feuern, -die immer von Neuem mit trockenen Palmenrippen angefacht wurden, -ausgeführt. Dabei nun leisteten uns einige Kinder Gesellschaft, die -es vorzogen wach zu bleiben, um die Feuer zu unterhalten. Unter diesen -war ein etwa siebenjähriges Mädchen von auffallender Schönheit, wie ich -noch keins unter farbigen Völkern gesehen; es mag sein, daß die leicht -gebräunte Hautfarbe dies Kindergesicht so anziehend und interessant -machte, so viel wenigstens kann ich behaupten, dieses Naturkind konnte -mit seinen weißen Schwestern wetteifern und sich den Hübschesten seines -Geschlechts an die Seite stellen. Manches hübsche Mädchen habe ich -zwar unter den Samoanerinnen gesehen, ein solches aber, wie dieses in -dieser weltentlegenen Gegend aufgewachsen, nicht wieder. Unter anderem -erhielt ich noch Kenntniß von einem unterseeischen Vulkan, der sich an -der Ostseite der Insel Olosinga befindet. Ich zog darüber Erkundigungen -ein, erfuhr aber nur Folgendes: Die älteren Bewohner haben vor einer -Reihe von Jahren einen Ausbruch desselben beobachtet, dabei aber -nur leichte Erschütterungen des Bodens, sonst nichts Auffallendes -wahrgenommen, und seit jener Zeit sei an der bezeichneten Stelle im -Ozean weiter kein Ausbruch erfolgt. Immerhin ist das Vorhandensein -eines solchen Vulkans, auch wenn ihn die Fluthen des Meeres bedecken, -eine gefährliche Nachbarschaft und ein Zeichen, daß die Naturkraft -fortbesteht, die diese gewaltigen Basaltmassen aufgethürmt hat, wenn -auch längst die Krater dieser Inseln erloschen sind. - -Die größte der Inseln in der Manua-Gruppe ist Tau, ebenfalls -vulkanischen Ursprungs, an Umfang aber viel bedeutender noch als Ofu -und Olosinga zusammen genommen; in der Mitte dieser Insel erheben -sich gegen 3000 Fuß hohe Krater, deren Umgebung indeß weniger wild -und zerrissen erscheint, da sie von der Hügel- zur Bergform übergeht -und ausgedehntes Vorland die ganze Erhebung umgiebt. Fraglos ist -es, daß auf gehobenem Korallengrunde im Laufe der Zeiten die flachen -Landstrecken gebildet wurden, die wiederum ein weites Riff umgiebt, -das stetig an Ausdehnung durch den Fortbau der Korallenpolype gewinnt. -Nimmt auch die Kratergegend den bei weitem größten Flächenraum -dieser 16 Seemeilen im Umfang großen Inseln ein, so hat sich doch auf -verwittertem Lavagrunde eine reiche Pflanzenwelt entfaltet und von -See aus gesehen erscheint dieselbe sich bis zu den hohen Bergkuppen -ausgedehnt zu haben; vor allem sind die Umgebungen der Dörfer Tau, -Siufanga, Faleasao an der West- und Nordwestseite von ausgedehnten -Kokospflanzungen umgeben. Bestimmt von Olosinga zunächst nach Tau zu -segeln, mußte ich hier, nachdem mit Schwierigkeit Waaren gelandet, -auch der Vertreter der deutschen Handelsgesellschaft abgeholt war, -nach Faleasao weiter fahren, wo in der guten Jahreszeit der sicherste -Ankerplatz sein sollte. Hier befand sich auch der Hauptstapelplatz -für Kopra. Als ich vor Faleasao ankam, schien mir dort der Ankerplatz -nahe dem Riffe einigermaßen sicher und ein Landen nicht zu schwierig -zu sein. Weht der Südostwind, so hat Faleasao wohl den Vorzug der -gesichertste Ort für ein Schiff zu sein, da sich hier ausgedehnte -Korallenflächen unter Wasser hinstrecken, wenn auch bei schnell -zunehmender Tiefe; weht derselbe aber östlicher, wie ich es fand, so -läuft die schwere See längs der kreisförmigen Insel auf und erzeugt -selbst hier noch eine gefährliche Brandung. - -Von einem Schiffe aus gesehen scheint freilich eine Brandung nie so -schwer als sie in Wirklichkeit ist, befindet man sich aber mit einem -Boote in derselben, erkennt man erst die gewaltige Kraft der mit großer -Geschwindigkeit heranrollenden und sich überstürzenden Wogen. - -Genöthigt zu warten bis Hochwasser eingetreten war, wodurch am -Riffe die Brandung vermindert wurde, machten wir doch beim ersten -Landungsversuch eine unliebsame Bekanntschaft mit derselben. Obgleich -die Bootsbesatzung tüchtig und geübt war, überlief uns dennoch die -See; in dem Augenblicke, wo es galt, mit aller Kraft zu rudern, um -die hinter uns brechende Woge nicht über das Boot stürzen zu lassen, -unterlief die Kraft der neben dem Boote aufrollenden Vorwelle den -Riemen (Ruder) eines Mannes, den dieser nicht schnell genug zu heben -vermocht hatte. Trotz der Anstrengung des Steuerers wirbelte im -Augenblick das Boot herum, die Welle brach über das breitseits liegende -Boot herein, überschlug dasselbe, und Menschen, Boot und dessen Inhalt -bildeten ein Chaos, daß die brüllende Woge strandaufwärts trug. Weil -ich selbst kein Schwimmer war, und keinen Grund unter den Füßen fand, -so wurde für mich die Lage bald bedenklich, zumal da ich nichts zu -sehen im Stande war, und nur donnerndes Brausen mir in den Ohren -gellte. Ein Spielball des Wassers, mußte ich das Schlimmste befürchten, -wenn die rücklaufende Welle mich mit sich riß; aber plötzlich fühlte -ich einen Halt, ein Eingeborner der Bootsbesatzung hatte mich gefaßt, -ehe es zu spät gewesen, ich fand auch gleich wieder Grund und tummelte -fort, nur beschleunigte die nächste Welle mein Bestreben, den Strand -zu gewinnen dermaßen, daß ich durch den heftigen Stoß ziemlich unsanft -auf die spitzen Korallen geworfen wurde; aber abgesehen von einigen -Verletzungen an den Händen kam ich noch glimpflich davon. Weitere -Verwundung erhielt keiner, nur der Mann, dessen Ungeschick alles -verschuldet hatte, hatte sich den Kopf verletzt. Zum Glück war auch das -große von Tau mitgenommene Brandungsboot unbeschädigt geblieben, die -Besatzung desselben, an solche Fahrten gewöhnt und aus guten Schwimmern -bestehend, wußte mit Geschick einen verderblichen Aufstoß des Bootes -auf den harten Korallengrund zu vermeiden. Schnell war das Mißgeschick -vergessen. Das Boot wurde ausgeschöpft und flott gemacht, dann mit dem -Verschiffen der Ladung begonnen. Freilich manchmal glaubten wir Boot -und Ladung nicht wieder zu sehen, wenn es in der Brandung verschwand -oder in Gefahr war, von einer steilen Woge überworfen zu werden. - -Soweit die Leute Grund unter den Füßen hatten, schoben sie das Boot -stets hinaus, dann wurde gewartet, bis drei schwere Seen herangelaufen -waren, sofort aber hinter der dritten schwang sich die Besatzung in das -Boot und ruderte mit aller Kraft der vierten, gewöhnlich schwächsten -Woge entgegen, die passirt sein mußte, ehe sie sich brach; gelang dies -nicht, kam häufig das Boot fast sinkend längsseit des Schiffes und es -entstand dadurch eine Verzögerung. - -Dem Manne, der mich flüchtig gestützt, als ich kraftlos ein Spiel -der Wogen gewesen, gab ich auf Anrathen des Händlers eine Hand voll -Stangentaback, kaum aber hatte derselbe begriffen, daß solcher sein -Eigenthum sein solle, als er wie besessen umhersprang, immer wieder -sein „_fafataii_“, danke, brüllend, bis sich seine Genossen um ihn -geschaart und er schnell die Hälfte seines Geschenkes los geworden war. - -Das Rauchen ist unter den Eingebornen der Südsee stark verbreitet, -daher ist eigens für sie zubereiteter, kräftiger Taback ein bedeutender -Tauschgegenstand geworden. Selten nur findet man die Tabackpfeife in -Gebrauch, dagegen kommt allgemein die Cigarette in Anwendung, die mit -Vorliebe von beiden Geschlechtern geraucht wird. Sehr oft habe ich -mich ebenfalls derselben bedient und gefunden, daß der Europäer in -der Hütte des Eingebornen stets willkommen ist, der seinen Vorrath mit -ihnen theilt, wenigstens aber so viel abgiebt, um das augenblickliche -Bedürfniß zum Rauchen zu befriedigen. Einfach genug ist die Herstellung -einer Cigarette, als Umhüllung dient ein Streifen vom getrockneten -Bananenblatt; der Taback, aus zusammengepreßten Blättern bestehend -und meistens feucht, wird nach Bedarf auseinander gewickelt, über ein -entzündetes Streichholz oder eine kleine Flamme, auch über Kohlengluth -etwas angeröstet, eigentlich nur dadurch betrocknet und dann in den -bereitgehaltenen Streifen eingewickelt. Auf diese Weise ist eine -Cigarette schnell genug angefertigt; diese geht dann von Hand zu -Hand und hat Jeder durch einige Züge das augenblickliche Verlangen -befriedigt, so wird der Rest der Cigarette von einem der Anwesenden -hinter der Ohrmuschel so lange aufbewahrt, bis sich wieder das -Bedürfniß zum Rauchen einstellt. - -Es erwies sich übrigens als leichter, mit einem schwerbeladenen Boote -gegen die starke Brandung zu rudern, als mit dem leeren vor derselben -zu laufen, im letzteren Falle meistens von dem Kamme einer Woge -riffaufwärts getragen, wird das Boot von ihr schließlich überlaufen und -die darauf folgende gefährdet es. Zweimal geschah es während der 60-70 -Fahrten, welche das Boot zum Schiffe hin und zurück machen mußte, daß -dieses in der Brandung überworfen wurde, jedoch ohne weiter Schaden -zu nehmen. Ich habe manche Brandung an Korallenriffen mit weniger -tüchtiger Mannschaft und schwächeren Booten passirt, bin aber niemals -später genöthigt gewesen, wie hier, bei so hohem Seegange Ladung -abzunehmen. Diese See, eigentlich nur längs und auf das Riff laufende -Roller, war schon schwer genug; eine Möglichkeit hätte es aber nicht -mehr gegeben, durch die Brandung zu kommen, wenn auch nur ein leichter -Wind die Wogen verstärkt hätte; diese sind übrigens desto gefährlicher, -je weiter vom Strande entfernt abflachender Grund der Wassermasse -gestattet sich aufzurollen. - -Des Ungeziefers, welches mit einer Kopraladung an Bord gebracht wird -und sich dort schnell einnistet, habe ich früher Erwähnung gethan, -namentlich der Ameisen und der Kakerlaken. Mich jener zu erwehren, -wenigstens sie möglichst aus der Kajüte zu vertreiben, wurden Fugen -und Ritzen im Holz mit Petroleum angefeuchtet oder gut verkittet; -solche Mittel lohnten zwar nicht viel, aber eine Zeit lang wenigstens -etwas; hingegen die Kakerlaken zu vertreiben, wollte nichts verfangen. -Unglaublich vermehren sich die bis zu 1½ Zoll und darüber wachsenden -Thiere; da sie an feuchten Stellen mit Vorliebe sich aufhalten, ist -ihnen zwischen den Rippen des Schiffes nicht beizukommen. Selbst wenn -ich zeitweilig eine Ausräucherung des ganzen Schiffes mit Kohlengas -vornahm, um die nicht minder lästigen Ratten zu vertilgen, gelang -es wohl, die schlimmen Nager zu tödten, die meistens in der Nähe -der erloschenen Kohlenbecken, wo sie wegen des hierher strömenden -Sauerstoffes am längsten zu leben vermochten, aufgefunden wurden; den -Kakerlaken hingegen schadete solche Ausräucherung nichts. - -Bei Tage nicht sichtbar, kommen die Kakerlaken Abends aus ihren -Verstecken hervor, dann aber ist es in geschlossenen Räumen nicht -auszuhalten, so groß ist die Menge der Thiere. Sehr lebhaft aber werden -sie und die, welche fliegen können, schwirren umher, sobald sich eine -Aenderung im Wetter bemerkbar macht; ich beobachtete, daß jedesmal -Regen eintrat, wenn die Kakerlaken zu fliegen begannen. - -Doch nicht nur sehr unangenehm und widerwärtig sind diese Thiere, -sondern sie sind auch im Stande, empfindlichen Schaden anzurichten; -man darf kein unreines Zeug oder Leibwäsche frei liegen lassen, soll -solche nicht angefressen werden. Anfänglich, ehe ich dahinter kam, maß -ich den Ratten die Schuld bei, wenn mir gute wollene Hemden verdorben -wurden. Glücklicherweise gab mir der Zufall ein Mittel an die Hand, -diese Kakerlaken nach Möglichkeit zu vernichten. Eine entleerte Flasche -Bier war unabsichtlich in eine leere Koje gesetzt worden und zwar so, -daß es den durch den Biergeruch angelockten Thieren möglich geworden -war, den Hals der Flasche zu erreichen und hinein zu kriechen. Einmal -hinein gab es kein Zurück mehr, und ich fand, einem widerlichen Geruch -nachspürend, diese Flasche ganz angefüllt mit todten Kakerlaken. - -Später ließ ich denn auch frisch geleerte Bierflaschen aufstellen -und konnte bald, da oft Hunderte in einer Nacht gefangen wurden, eine -Abnahme bemerken. Auf längeren Reisen, wenn der geringe Vorrath an Bier -ausgetrunken war, setzte ich entweder eine Schüssel mit Seifenwasser -oder mit einem Zusatz von Syrup den Kakerlaken hin und richtete es -so ein, daß sie bequem hineinkommen konnten; war es auf solche Weise -auch nicht möglich, die Thiere auszurotten, weil sie sich zu stark -vermehrten, so wurde doch ihre Zahl sehr vermindert. - -In späterer Zeit hatte ich leider nie wieder Gelegenheit, die -Manua-Gruppe anzusegeln und meine Beobachtungen zu vervollständigen, -dagegen wurde ich mit den Tonga-Inseln, ihrer Beschaffenheit und -Bevölkerung, vertrauter, da ich meistens längere Reisen durch diese -ausgedehnte Gruppe zu machen hatte. - -Der bereits geschehenen Erwähnung, daß in freier See sowohl, wie unter -den zahlreichen Inseln, eine große Zahl Haifische zu finden ist, wollte -ich noch näher darauf eingehen, in welcher Weise es mir gelang, eine -beträchtliche Anzahl dieser gefährlichen Meerbewohner zu fangen, die -zum Theil dann von meiner Schiffsbesatzung verzehrt wurde. Möglich -ist der Fang des Haifisches nur bei ruhiger See und bei Windstille; -er wird um so leichter, wenn der Hai hungrig ist und nach allem gierig -schnappt, was über Bord geworfen wird. War also Windstille eingetreten, -wiegte das Schiff sich steuerlos auf der blauen Fluth, so währte es -gewöhnlich nicht lange und die Rückenflosse eines oder mehrerer Haie -wurde sichtbar, die langsam näher kamen und entweder hinter dem Schiffe -verblieben, wenn dessen Fahrt vielleicht noch gering war, oder sonst um -dieses herumschwammen. - -Kamen die Thiere nicht nahe genug heran, so wurde eine Lockspeise an -dünner Leine befestigt, jedoch so, daß diese der Hai wohl befühlen, -aber nicht erfassen konnte; die Leine wurde nämlich schnell eingeholt, -sobald der Hai sich auf den Rücken legte und zuschnappen wollte. -War der Hai erst gierig gemacht, so folgte er dem Köder schneller, -besonders, wenn es ihm doch gelungen war, ein Stückchen Fleisch zu -erfassen. - -Auf diese Weise bis dicht unter das Heck des Schiffes gelockt, schwamm -der Hai achtlos auf die Gefahr, welche ihm drohte, in die weit in -das Wasser reichende Schlinge hinein, schnell diese fallen gelassen -und zusammengeholt, war solch großer Fisch immer gefangen, weil ein -Uebergleiten der Schlinge wegen der unbiegsamen Schwanzflosse nicht -mehr möglich war. Bot sich eine Gelegenheit in der Nähe der Insel Upolu -einige Haie zu fangen, und war das Schiff nicht allzufern dem Hafen von -Apia, gestattete ich der Besatzung meistens die Fische aufzubewahren, -die dann außenbords in den Rüsten oder unter dem Bugspriet aufgehängt -wurden, denn der Fischgeruch war nicht besonders angenehm. Verzögerte -sich die Ankunft aber und hatte die heiße Sonne schon zersetzend -eingewirkt, ließ ich die Haie losschneiden, was von den Samoanern immer -bedauert wurde; hingegen, wenn wirklich ein todter Hai mitgebracht -werden konnte, gab es einen Festschmaus bei den Anverwandten am Lande. - -Anstoß an dem strengen, widerlichen Geruch des Fisches nahmen die -Samoaner nicht, vielmehr durch eingetretene Zersetzung ward das Fleisch -desselben mürbe, das sonst hart, zähe und trocken ist. Aus Noth habe -ich auch einmal versucht, das zubereitete Fleisch eines jungen, frisch -gefangenen Haies zu essen, aber es wollte selbst gebraten nicht munden, -obgleich sicher ein gewisser Widerwille das meiste dazu beitragen -mochte. - -Das Gebiß eines großen Haifisches ist furchtbar, die vorderen festen -Zähne im Unter- und Oberkiefer sind an der Wurzel breit und flach -und scharf wie ein Messer, die Zähne fassen so ineinander, daß alles, -was der Hai erfaßt, von diesen durchschnitten wird. Hinter den festen -Vorderzähnen liegen noch sechs Reihen ebensolcher, jede kleiner als die -andere und in den Rachenmuskeln beweglich. Faßt der Hai eine Beute, -ist er nicht im Stande, solche wieder fahren zu lassen; die hinteren -Zahnreihen richten sich auf und geben einmal Gefaßtes schwerlich wieder -frei. - -Einmal, in der nördlichen Einfahrt von Tongatabu (ich war zwischen den -Riffen von Windstille befallen worden) hielten sich schon längere Zeit -zwei mächtige Haie von seltener Größe beim Schiffe auf. Schließlich -machte ich mich daran, da diese Thiere ohne Scheu längsseit kamen, -einen mit der Schlinge zu fangen. Ohne daß Köder angewandt war, -hatte sich bald eines der Unthiere in der Schlinge festgelaufen; am -Schwanz gefangen, peitschte der Hai wüthend das Wasser und die Leute -hatten zu thun, das starke Thier zu halten, das erst jeden weiteren -Versuch sich zu befreien aufgab, als es ermattet an der Schiffsseite -hochgezogen war. - -Der zweite Hai, der anfänglich gleich verschwunden, kam bald wieder zum -Vorschein und so nahe an seinen gefangenen Gefährten heran, daß auch -er nach einigen Versuchen demselben Schicksal verfallen war. Die Leute -sollten nun den zweiten nicht zu nahe dem schon hochgezogenen aufholen, -aber in ihrer Hast zogen sie das heftig um sich schlagende Thier doch -nahe an dem ersten Hai vorbei und dieser, ebenfalls unruhig gemacht, -wohl auch von dem Schwanze des zweiten getroffen, schwang seinen -Oberkörper im Wasser hin und her, dabei den mächtigen Rachen auf- und -zuschnappend. - -Solange der Hai noch im Wasser war, sträubte er sich mit seiner ganzen -Kraft und folgte nur widerwillig der angewendeten Gewalt, er entriß -auch den Händen der Leute das Tau, ehe dasselbe befestigt werden konnte -und schoß seitwärts in die Tiefe. Indeß da das Tau, womit der Hai -gefangen worden war, zum Aufhissen eines der Vordersegel diente und an -diesem befestigt war, so vermochte er nicht zu entkommen. Als er wieder -herangeholt war, sollte gewartet werden, bis er sich müde gearbeitet -hätte; aber übereifrig geworden, zogen die Leute weiter und als sie -unachtsam wieder dem ersten Hai zu nahe gekommen waren, hielten sie -plötzlich das lose Tau in Händen. Der hängende Hai hatte nämlich nach -dem Schwanze des zweiten geschnappt, die halbe Flosse mitsammt dem -starken Tau durchbissen und so seinem Gefährten die Freiheit gegeben. -Ein kurzer, aber gewaltiger Schlag war es, den dieser Hai führte, als -er gebissen sich zur Wehr setzte, doch bald schoß er frei mit einer -Geschwindigkeit hinweg, wie man solche diesen sonst trägen Thieren -nicht zutrauen sollte. - -Um nun den gefangenen Hai, dessen Körper noch halb im Wasser -niederhing, sicher an Deck zu bringen, mußte ihm eine zweite Schlinge -oberhalb der Rückenflosse umgelegt werden; an dieser wurde das Thier -dann hochgezogen, der Schwanzwirbel durchgeschlagen und erst, als es -sich verblutet hatte, an Deck genommen. Das Thier maß etwas über 13 -Fuß und hatte ein furchtbares Gebiß. Dieses sollte später ein Tonganer -für mich präpariren und reinigen, nachdem der Kopf wochenlang in -Salz-Seewasser gelegen und alles Fleisch sich abgelöst hatte; ich sah -aber nie etwas davon wieder, es hieß, die Kiste mitsammt dem Kopfe des -Haies, die am Riffe versenkt worden war, sei verschwunden. - -Auf meiner zweiten Reise, von Apia nach Tongatabu, lief ich, von -Vavau kommend, westlich von der ganzen Tongagruppe, und befand mich -eines Tages im Mai 1885, als voraus die Basaltkegel Hunga-hapei und -Hunga-tonga gut in Sicht gekommen waren, nicht allzufern von den in der -Karte angeführten Culebrasriffen. Mein Kurs, der südwärts gerichtet -war, mußte mich gerade darauf führen. Aber als ich die hohen Inseln -Kao und Tofua in Deckung gebracht hatte -- die Kreuzpeilung von der -Insel Namuka und Hunga-tonga ergab, ich müsse zwischen den Riffen mich -befinden -- wollte von den Riffen nichts sichtbar werden. Vergeblich -hielt ich selbst von den Masten aus Umschau, ich konnte weit in der -Runde kein Riff, noch flacheres Wasser sehen und ebensowenig die noch -schärferen Augen meiner Leute. - -Fünf Monate später bekam ich auf ebensolcher Reise, die Hapai-Gruppe -anlaufend, in Lefuka einen Lootsen als Passagier an Bord, der sich -erbot, mir den Weg durch die Riffe der Kotu- und Namuka-Gruppe zu -zeigen. Ich nahm das Anerbieten an, schon weil der Weg kürzer war -und ich auch wußte, dieser Mann kenne die Durchfahrten ganz genau. Es -war am Nachmittage des 12. October 1885, die Insel Namuka in Sicht, -hielt ich den Kurs nach der freien See zu, um nicht während der Nacht -zwischen gefährlichen Riffen laviren zu müssen. - -Westwärts mit freiem, leichtem Winde zog das Schiff, ich konnte hoffen, -ehe die Nacht hereinbrach, die freie See zu gewinnen, bevor, wie -ich fürchtete, westlicher Wind, der in der Ferne mächtige, drohende -Wolkenmassen aufballte, mein Vorhaben, Namuka zu umsegeln, vereitelte. -Keiner anderen Annahme konnte ich Raum geben, so ungewöhnlich in dieser -Jahreszeit mir auch eine Aenderung in der Witterung erscheinen wollte, -als der, es müsse ein schwerer Sturm heraufziehen. Das schönste Wetter -war um uns, der Himmel blau und klar, ich konnte nicht verstehen, -da auch das Barometer immer noch keine Aenderung zeigen wollte, -was im Westen das Anstürmen der Wolkenmassen, die dunkel wie die -heraufziehende Nacht waren, zu bedeuten habe. - -Unverändert, den ganzen Horizont im Südwesten bedeckend, blieb diese -Erscheinung. Wider Erwarten entwickelte sich nicht ein heraufziehender -Sturm, auch nicht das Gewölk, welches ein solcher vor sich hertreibt. -Ein Räthsel war es, dessen Lösung ich nicht fand. - -Die Nacht brach herein, herrlich glänzte über uns der Sternenhimmel -einer friedevollen Tropennacht. Nur von den Riffen, die die Insel -umgeben, schallten vereinzelte Stimmen über das stille Gewässer, -dort rüsteten sich die Bewohner zum Fischfange, und bald leuchteten -die Kokosfackeln in den zahlreichen Kanoes auf, eine Beleuchtung, -wie solche stimmungsvoller nicht der ganzen Umgebung angepaßt werden -konnte. - -Aber auch die tiefdunkle Nacht in der Ferne wurde erleuchtet, -Feuergarben zuckten zum Himmel empor, momentan die dunkle Masse wie -mit magischem Lichte erhellend. Unerklärlich, wußte ich doch, daß -dorthin auf hunderte Seemeilen kein Land zu finden war; die kleinen -Felseninseln Hunga-tonga und Hunga-hapai lagen südlicher. Es war nicht -der Blitz, der durch die Wolken zuckte, aus der Tiefe des Meeres herauf -glühte es, sekundenlang immer wieder mit graufahlem Schimmer, mit -blitzendem Feuerschein, den Horizont durchleuchtend. - -Nichts veränderte sich während dieser Nacht, das Phänomen blieb sich -gleich, auch trotz der größer werdenden Entfernung, bemerkte ich keine -wesentliche Veränderung; erst der neue Tag bleichte den Feuerschein, -der, was ich schließlich als positiv habe annehmen müssen, nur von -einem zum Ausbruch gelangten Vulkan herrühren konnte. In Nukualofa -eingelaufen, erfuhr ich, daß am 11. Oktober ein zeitweise heftiges -Erdbeben die Insel Tongatabu erschüttert habe, und die Feuergarben, die -ich gesehen hatte, waren auch hier beobachtet worden. - -Natürlich war jedermann auf Tongatabu in Spannung versetzt, als nach -meinen Angaben, die ich zu machen im Stande gewesen, kein Zweifel -blieb, daß nördlich der Inseln Hunga-tonga und Hunga-hapai der Ausbruch -eines unterseeischen Vulkans stattgefunden habe; das Erdbeben also -hiermit in Verbindung zu bringen sei. Selbst begierig, den näheren -Zusammenhang zu erfahren, kam ich mit Herrn von Treskow überein, das -Schiff so schnell wie möglich abzufertigen, und ich nahm mir vor, so -eingehend als möglich zu erforschen, welche Bewandtniß es mit dieser -Erscheinung habe. - -Am 14. Oktober früh, nach eintägigem Aufenthalt, segelte ich wieder -ab, und meinen Kurs direkt auf jene Gegend setzend, fand ich am -Nachmittage, sobald die Felseninsel Hunga-tonga querab lag, daß in -nordwestlicher Richtung eine neue Insel entstanden war, genau auf -derselben Stelle, wo ich vor 5 Monaten vergeblich das in der Karte -angegebene Culebrasriff gesucht hatte. Der frisch wehende Südost-Passat -trieb das Schiff schnell vor sich her und ehe der Abend hereinbrach, -war ich keine halbe deutsche Meile von dieser Insel und dem in -furchtbarer Thätigkeit befindlichen Vulkan entfernt. An der Ostseite -dieser neuentstandenen Erhebung, die etwa 300 Fuß hoch und ¾ deutsche -Meile im Umfang haben mochte, befand sich ziemlich in der Mitte dicht -am Strande der Krater. Am Südende der Insel stieg eine etwa 40 Fuß -hohe, weiße Dampfsäule ebenfalls unmittelbar am Strande auf, die wie -ein mächtiger Springbrunnen ununterbrochen emporschoß, und soweit ich -es unterscheiden konnte, war es heißes Wasser. - -Hatte der Anblick dieser entfesselten Naturgewalt schon etwas -Furchtbares, so wurde das grollende Rauschen, der gewaltigsten -Brandung, dem dumpfen Rollen entfernter Donnerwogen vergleichbar, fast -unheimlich. Meine Leute, Eingeborne der Samoa-Gruppe und der Insel -Niue, erzitterten, und ich selbst konnte mich eines Schauders nicht -erwehren. Die Sprache, möcht' ich sagen, ist zu arm, um das Empfinden -bei solchem Anblicke wiedergeben zu können. - -Jede Minute brachen fünf gewaltige Rauchmassen aus dem tiefen Schlunde -herauf, abwechselnd ein schwererer, dann ein etwas leichterer Ausbruch, -unter diesen war immer einer, der mit solcher Gewalt zum Himmel fuhr, -daß erst in gewaltiger Höhe die geballte Rauchmasse sich vertheilte; -kaum daß der starke Wind seinen Einfluß ausgeübt hatte, war schon die -nächste aus dem rauschenden, zischenden Schlunde emporgefahren. - -Mit diesem günstigen Südost-Winde, der mich, das wußte ich wohl, nicht -im Stiche ließ, hätte ich es gewagt, so nahe als möglich heranzusegeln, -obgleich die See, durch den starken Wind erregt, um mich schäumte und -brüllte; es waren keine langgestreckten Wellen mehr, sondern ein Chaos -weißköpfiger, tummelnder Wogen. Aber wie wohl ich bis zum Strande -nirgends Brandung sah, fürchtete ich schließlich doch, daß mit der -Insel auch Untiefen, die dem tiefgehenden Schiffe verderblich werden -können, gehoben sein möchten. - -Ich stand hoch oben im Vordermast und schaute scharf voraus, bis -plötzlich ein Blick unter mir auf die brausende See mich erschauern -machte; einer gewaltigen Stromkabelung nämlich gleich war die See, -durch welche mit schneller Fahrt das Schiff sich Bahn brach. Noch -wartete ich, obgleich ich nicht mehr als eine Seemeile vom Krater -entfernt war, da geschah ein furchtbarer Ausbruch, um den Krater, -der noch immer die schwarzen Massen scheinbar direkt aus der See -herausschleuderte, hoben sich die Wogen, was ich mit einem guten Glase -deutlich unterscheiden konnte, als wallten sie auf von einer gewaltigen -Kraft zurückgeschleudert, das Meer erzitterte, und ich fühlte das Beben -des Schiffskörpers. Nun war es genug, die Unruhe meiner Leute war zu -groß, ich mußte fürchten, ein plötzlicher Befehl würde ungeschickt -ausgeführt werden -- in so unheimlicher Nähe einer solchen Naturgewalt -hätten auch wohl andere Herzen gezittert -- und „hart an den Wind“ -durch das Zischen der See, durch das Brausen der Eruption, rief ich -das Kommando. Da ich schwerlich von den Leuten verstanden wurde, war -eine Handbewegung bezeichnender, unter dem Druck seiner Segel fuhr das -Schiff herum und stampfte, seine Fahrt vermindernd, auf und nieder in -dieser wild durcheinander laufenden Wassermasse. - -Als ich aber die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß keine Gefahr -vorhanden, die Erschütterung nur durch den heftigen Ausbruch verursacht -worden war, vergrößerte ich den Abstand nicht, und hielt, überall -frei Wasser auch vor mir sehend, wieder nach Norden ab, nur lief ich -nicht näher heran. Bald wurde um das Schiff die See wieder ruhiger, -lief wenigstens gleichmäßiger und als ich die Nordspitze bei gleichem -Abstande umsegelte, hatte ich große Lust, hier im ruhigen Wasser, an -der Westseite zu landen. Doch freiwillig wäre keiner meiner Leute -in das Boot gegangen und, da ich als einziger Europäer -- meinen -Steuermann hatte ich in Apia für ein anderes Schiff abgeben müssen --- mein Schiff nicht verlassen durfte, hätte der Anbruch des nächsten -Tages abgewartet werden müssen, um eine genaue Ortsbestimmung vornehmen -zu können, für diesen Tag war es zu spät. - -Mit dem Lothe die Tiefe zu sondiren und vorsichtig heranzulaufen hätte -uns solche Untersuchung, obgleich auf einer Seemeile Abstand noch -kein Grund gefunden wurde, viel Zeit weggenommen; auch lag eine tiefe -Dämmerung, verursacht durch die über die Insel getriebenen Rauchwolken, -an der Westseite. Einer tiefschwarzen Nacht fuhr ich entgegen, es war, -als läge in ihr das Verderben vor uns. - -Diesen Plan gab ich auf, wendete und fuhr, beim Winde haltend, so -weit wieder ostwärts, daß der Krater in seiner unheimlichen Schönheit -vor Augen blieb. Bald kam der Abend, bald entzog die dunkle Nacht, da -ich nun den richtigen Kurs wieder aufgenommen hatte, die Insel unsern -Augen; nur der Krater spie fort und fort seine dunklen Massen empor, -aber nicht mehr wie am Tage, wo das unterseeische Feuer nur hellgrau -den Fuß der emporgeschleuderten Massen färbte, sondern jetzt glühte es, -als wenn ein undenkbar gewaltiger Schlot seine Feuergarben zum Himmel -sendete. - -Wie schnell das Schiff auch vor dem Winde seines Weges zog, so -verminderte sich doch nicht diese gewaltige Erscheinung, und während -dieser langen Nacht wandte ich kein Auge von diesem grausig schönem -Schauspiele. Erst die im Osten aufsteigende Morgenröthe eines neuen -Tages, die, wer sie einmal in ihrer Pracht auf dem endlosen Meere -gesehen, nie vergißt, und immer wieder sehen möchte, bleichte den -Schimmer der Feuersäule und in der hier friedevollen Natur zogen wir -beflügelt unseres Weges dem fernen Ziele entgegen. - -Andere Schiffe nach mir haben diese Insel in Sicht gelaufen, aber viel -größeren Abstand gehalten, nach den Berichten ist, soweit ich solche -verfolgen kann, die Landmasse noch weiter gehoben worden, und der -Krater noch lange in Thätigkeit gewesen; auch wird berichtet, daß am -Südende später drei Dampfsäulen gesehen worden sind. Sehr leid hat es -mir nachher gethan, daß ich nicht den nächsten Tag abgewartet und nach -einer Möglichkeit gesucht habe, an der Nordwestseite eine Landung zu -versuchen, nicht dem ersten Drange, die deutsche Flagge dort aufstecken -zu lassen, gefolgt bin. - -Meinem Berichte über den Ausbruch dieses unterseeischen Vulkans und -die Entstehung dieser neuen Insel, scheint das deutsche Konsulat in -Apia keine Bedeutung beigemessen zu haben, bekannt geworden sind nur -Berichte von englischer Seite und der des deutschen Kriegsschiffes -„Albatros“, das wenige Monate nach mir, am 21. Januar 1886, die neu -entstandene Insel sichtete. Direkt von Tongatabu nach der Insel Niua-fu -bestimmt, fand ich dort die ganze Bevölkerung in großer Aufregung, denn -heftige Erdbeben hatten zur selben Zeit auch diese Insel erschüttert; -ein Ausbruch wurde erwartet. Der Hauptkrater, die drei Hügel im See, -rauchten heftiger, dennoch wurde hier kein Ausbruch vorausgesetzt, -vielmehr befürchtet, an irgend einer anderen Stelle würde ein solcher -erfolgen. - -Eine Beruhigung für alle war die Kunde, die ich hierher gebracht, daß -im Süden ein gewaltiger Ausbruch stattgefunden habe, die Annahme, -ein Ausgleich der Naturkräfte hätte sich dadurch ergeben, wirkte -beruhigend auf die Gemüther, zumal da schon während der letzten Tage -die Erschütterungen auf Niua-fu immer schwächer geworden waren. - -Aber mag auch der Ausbruch jenes unterseeischen Vulkans ein Ableiter -gewesen sein, am Ende des Jahres 1885 mehrten sich doch wieder die -Anzeichen einer drohenden Gefahr; die heftigen Erschütterungen mehrten -sich, bis plötzlich am Südende von Niua-fu ein sehr starker Ausbruch -erfolgte, und ob ich auch nie wieder diese Insel betreten habe, hörte -ich doch in den fernen Marschallinseln, daß die Verheerung durch -fließende Lava auf Niua-fu furchtbar gewesen sein soll. - -Ein beschränktes Feld nur ist es, im Verhältniß zur ausgedehnten -Inselwelt des großen Ozeans, dessen ich hier Erwähnung gethan, und doch -im Gegensatz zu den einzelnen, erwähnten Inselgruppen, den niedrigen -Koralleninseln, muß die beträchtliche Anzahl erloschener, und zum -Theil noch thätiger Vulkane auffällig erscheinen. Sie alle aufzuzählen -scheint mir unnöthig, zumal jede hohe Insel vulkanischen Ursprungs ist, -fast ohne Ausnahme ließen sich auf allen erloschene Krater nachweisen. - -Bedenkt man nun, daß schon dieses kleine Gebiet seit grauer Vorzeit -ein ausgedehnter Kraterheerd gewesen ist, worauf der Einfluß der stets -thätigen Naturkraft Veränderungen hervorgerufen haben mag, deren -Größe und Bedeutung wir heute kaum zu ermessen im Stande sind, so -tritt, wenn wir die ganze ausgedehnte Inselwelt in Bereich der Frage -ziehen, welchem Ursprung entstammen diese Ländermassen, unwillkürlich -beim Nachdenken die Möglichkeit heran, wir könnten es hier mit einem -ehemaligen, versunkenen Festlande zu thun haben. Und ganz erklärlich -muß dies erscheinen, sofern nur in Betracht gezogen wird, daß -bedeutende Umwälzungen und Veränderungen auf unserer Erdoberfläche -stattgefunden haben, ehe die heutige Lage und Gestaltung stetig -geworden ist. Wir wissen, daß die Festlande aus der Tiefe der Ozeane -gehoben wurden, die mächtigen Gebirge als vereinzelte Inseln oder -Inselmassen über die Oberfläche der Wasser hervorragten an denen sich -dieselben Vorgänge, während zehn Jahrtausenden vielleicht abspielten, -wie an den Vulkaninseln des heutigen stillen Ozeans. - -Fußen wir auf diese Theorie, dann sind die vereinzelten und -zusammenhängenden Bergmassen im großen Ozean, die höchsten Punkte -eines versunkenen, gewaltigen Festlandes deren vulkanischer Charakter -im Laufe der Zeiten zur Erhöhung durch häufige, heftige Ausbrüche viel -beigetragen hat. Die Koralleninseln, ebenfalls unter der Meeresfläche -gesunkene Gebirgsrücken, auf denen es der Korallenpolype ermöglicht -wurde sich anzubauen, haben die Thierchen trotz des langsamen, -allmählichen Sinkens der Ländermassen immer höher und höher zur -Meeresoberfläche gebaut, bis auch hier Stetigkeit eingetreten ist und -ausgedehnte Inseln gebildet wurden. - -Die Tiefenverhältnisse im großen Ozean ergeben ein Bild, wonach -mächtige Gebirgszüge diesen durchziehen, ausgedehnte Thäler -umschließend, und zum Theil sehr steil anstreben bis zu 18000 Fuß und -darüber; hohe Inseln im Ozean kämen demnach unsern höchsten Bergen -gleich. - -Die Annahme nun, daß die ganze große Inselwelt ehemals eine -zusammenhängende Landmasse gewesen, führt dahin, daß diese auch von -verschiedenen Völkerstämmen bewohnt worden ist; streng geschiedene -Rassen, vielleicht getrennt durch natürliche Grenzen, haben hierauf -weite Strecken bewohnt. Im Westen die schwarze, die Papuarasse, ganz -Melanesien umfassend, östlich davon die kupferfarbene, die Polynesier, -und im Norden von beiden, Mikronesien, Mischarten der Malaien. -Kann angenommen werden, daß die heutige Bevölkerung Ueberreste der -Urbewohner sind, die durch Versinken der Landmassen isolirt wurden, -wäre die Erklärung dafür gefunden, wie allmählich selbst die niedrigen -Koralleninseln bevölkert worden sind. Denn der Drang nach Ausdehnung, -Aufsuchen neuer Wohnsitze, kann nach ostwärts nur im beschränkten Maaße -stattgefunden haben, die Strom- und Windverhältnisse im Ozean mußten -Versuche auf großen Wasserflächen vereiteln, hingegen nach Westen -begünstigen, zumal da bessere Verkehrsmittel als die heutigen Kanoes -schwerlich den einzelnen Stämmen zur Verfügung gestanden haben. - -Der in früherer Zeit bei diesen Rassen und einzelnen Stämmen -gebräuchliche Kannibalismus hat alle Spuren vertilgt, die über die -Verbreitung derselben Aufschluß geben könnten, es bleibt also nur die -Gewißheit übrig, daß die einzelnen Rassen ihr ursprünglich bewohntes -Gebiet heute noch innehaben, was namentlich auf die Polynesier und -Melanesier Bezug hat. - - - - -IV. Die Marschall-Inseln. - - -Sowie im Bereich der deutschen Handelsgesellschaft die ausgedehnte -Tonga-Gruppe, früher auch die Vitji-Inseln, gezogen wurden, sind -nördlich und westlich von Samoa in der Phoenix, Ellis, Gilbert-Gruppe, -auf Una und Rotomah Handelsbeziehungen eröffnet worden und die Schiffe -der Gesellschaft hielten auf diesem weiten Gebiet den Verkehr aufrecht. -Verbindungen mit den Neu-Hebriden und Salomon-Inseln wurden ferner zu -dem Zwecke unterhalten, um dort die Anwerbungen der so sehr benöthigten -Plantagenarbeiter vorzunehmen, da der träge Samoaner sich zur dauernden -Arbeit nicht bereit finden läßt. Ein Gemisch verschiedener Stämme, -zu denen Rotumah- und Tapituwea-Leute (Gilbert-Inseln), sowie auch -Marschall-Insulaner sich gesellen, findet man auf den deutschen -Plantagen, und doch genügt oft die Arbeitskraft nicht, da nicht immer -für heimbeförderte Arbeiter, nach Ablauf ihres dreijährigen Vertrages -hinreichender Ersatz geschafft werden kann. - -Die Marschall-Inseln und, im Zusammenhang mit diesen, die weite -Karolinen-Gruppe und die Gilbert-Inseln bildeten in den achtziger -Jahren getrennte Niederlagen für sich, gleichwie ein solches auch -in Matupi (Neu-Pommern) errichtet war, unter Leitung von Beamten -der deutschen Gesellschaft. Den Handelsverkehr hielten auf diesen -Stationen, ebenso wie in Apia, die daselbst stationirten Schiffe -aufrecht. Ablösungen der Schiffe erfolgten je nach Maßgabe der -Verhältnisse, oder sobald sie reparaturbedürftig geworden waren, dem -nur in Apia, der Hauptstation, abgeholfen werden konnte. - -Aus dem Grunde schon, um meine Kenntniß über die Inselwelt des stillen -Ozeans zu bereichern, begrüßte ich freudig die Weisung, mit einem -anderen Schiffe auf den Marschall-Inseln stationirt zu werden, und -im Anfang Januar 1886 segelte ich von Apia nach Jaluit, um erst nach -Verlauf von zwei Jahren nach Samoa zurückzukehren. - -Ziemlich nordwärts durch die Phönix-Gruppe ging mein Kurs, dem -zu Folge die Marschall-Inseln weit westlich bleiben mußten, wenn -keine oder nur schwache Aequatorialströmung vorhanden gewesen wäre; -auch war es nöthig, wegen des nördlich vom Aequator zu erwartenden -Nordost-Passatwindes, möglichst östlich von der Gilbert-Gruppe zu -bleiben, um, sobald dieser einsetzen würde, mit freiem Winde die Fahrt -des Schiffes zu beschleunigen; denn wenn diese Inseln in Lee blieben, -wäre es zwecklos gewesen, gegen den starken Strom und Wind nordwärts zu -kreuzen. - -Wider Erwarten fand ich schon nördlich der Phönix-Gruppe einen starken -Strom, der in 24 Stunden das Schiff 70-80 Seemeilen nach Westen -versetzte, dessen Gürtel so schnell als möglich passirt werden mußte, -wollte ich nicht in absehbarer Zeit gezwungen werden, mir durch die -Gilbert-Gruppe hindurch einen Weg zu suchen. Zum Glück aber trat -keine Windstille ein, der östliche Wind blieb beständig, wenn auch -leicht, bis ich aus dem stärksten Strom heraus mit immer nördlichem -Kurs die Insel Milli sichtete; ich hatte also in Wirklichkeit durch -die Stromversetzung einen nordwestlichen Kurs gesegelt. Gerade drei -Wochen waren vergangen, als ich den Bestimmungsort Jaluit erreichte, -und begünstigt von anhaltend schönem Wetter die 1800 Seemeilen lange -Entfernung in dieser Zeit zurückgelegt hatte. - -Zum allgemeinen bessern Verständniß und, ehe ich zu einzelnen -bemerkenswerthen Reisen durch die Marschall-Gruppe übergehe, scheint -es mir angebrachter, vorher schon eine kurz gefaßte Uebersicht von -diesen Inseln und deren Bevölkerung zu geben, um so mehr als besondere -Eigenthümlichkeiten in der Bildung und Entstehung dieser Inseln zu -erwähnen sind. Eine Gruppe verschieden geformter Atolls, oft von -beträchtlicher Ausdehnung, umfassen, vom 4-12° nördlicher Breite und -166-172° östlicher Länge, die Marschall-Inseln ein weites Gebiet. Ihrer -Bauart nach, sind es Randriffe der verschiedensten Bildung, die ein -mehr oder weniger tiefes Korallenbett umschließen. Und wenn ich auf -ihre Entstehung hinweisen soll, so haben wir die viel tausendjährige -Arbeit der Korallenpolypen vor uns, die aus großer Tiefe Schicht auf -Schicht bis zur Meeresfläche aufgebaut haben, und schwere See, Wind und -Witterungseinfluß haben mit der Zeit zwar schmale, aber langgestreckte -Inseln in beträchtlicher Zahl auf den Randriffen gebildet. - -Die eigentliche Bezeichnung dieser Randriffe wäre Korallenwälle, da -diese sehr steil bis zu einer großen Tiefe abfallen, und jeder Atoll -erscheint wie ein langgestreckter, steiler Bergrücken, in einzelnen -Fällen auch wie eine Bergkuppe, sofern man sich die thatsächliche -Bildung des Meeresbodens vergegenwärtigt. Da nun die Koralle nicht -tiefer als etwa 200 Fuß zu bauen beginnt, müssen in der That diese -Erhebungen gleich Bergkuppen aus der Tiefe des Meeres aufragen, worauf -als Grundlage die Polypen ihre Werke aufgebaut haben. Aber erwiesen -ist es, daß die Korallenwälle viel hundert Fuß tief sich unter der -Meeresfläche erstrecken, mithin kann der schichtweise Aufbau aus so -bedeutender Tiefe nicht begonnen worden sein. - -Es bleibt also nur die Annahme übrig, fast die Gewißheit, daß auch -hier versunkene Höhen, besser gesagt Gebirgskuppen, das Fundament -abgegeben haben, auf welchem die Koralle sich ansiedelte. Hätte nun -nach erfolgtem Verschwinden der höchsten Bergspitzen ein Tiefersinken -der Landmassen nicht stattgefunden, würden feste Riffflächen -entstanden sein, auf denen sich im Laufe der Zeiten niedrige Inseln -gebildet hätten, eine Bildung der heutigen Atolle würde naturgemäß -dann nicht möglich gewesen sein. Einen anderen Anschein hingegen -gewinnt es, sofern man der Vermuthung Folge giebt, daß, worauf ich -schon hingewiesen, die ganze ausgedehnte Inselwelt des stillen Ozeans -einst aus verschiedenen mächtigen Gebirgszügen, mit sehr zahlreichen -thätigen Vulkanen bestanden hat, deren Kratersenkungen oft einen sehr -bedeutenden Umfang gehabt haben müssen. - -Wird dieses als erwiesen betrachtet, dann sind sämmtliche Atolls einst -für lange Zeit noch über die Meeresfläche ragende Krater gewesen, -Inseln, an deren Rändern die Koralle fortgebaut hat. Je tiefer die -Kraterinseln langsam versanken und ein gänzliches Erlöschen der -Vulkane die Folge war, ebenso schnell baute die Koralle fort und -füllte schließlich die weiten Oeffnungen aus. Die Randriffe schon weit -im Vorsprung konnten diese durch die bessere Ernährung der Polypen -auch schneller anwachsen, aber der innere Aufbau und die allmähliche -Auffüllung blieb zurück, was natürlich war, sobald das allmähliche -Sinken der Landmassen aufgehört hatte, denn jetzt gestatteten die -zusammenhängenden Randriffe den bauenden Polypen nicht mehr oder -doch zum Theil nur, durch die von der Strömung offen gehaltenen -Durchfahrten, die Zufuhr frischen Meerwassers und mit diesem frische -Nahrung. - -Die eine Gewißheit aber liegt bestimmt vor, ehe die heutige -Beschaffenheit der Atolle herbeigeführt worden ist, sind große -Zeiträume hingegangen, die alle Spuren der Entstehung verwischt haben. - -Geht man von der Annahme aus, daß auffallende Veränderungen nicht mehr -stattfinden, vor allem ein weiteres Sinken seit vielen Jahrhunderten -unterblieben ist, dann müssen, da kein Stillstand im Schaffen -der Natur eintreten kann, der einst sämmtliche Atolls durch die -theils an der Innenseite, theils an den Außenriffen weiter bauenden -Korallen geschlossen werden, wie es bei zwei kleineren Atolls in der -Marschall-Gruppe bereits geschehen ist. Es werden, wenn dadurch auch -der innere Aufbau der Korallen zum Stillstand gekommen ist, mehr oder -weniger tiefe Wasserbecken zurückbleiben, die naturgemäß versumpfen -müssen, sobald der vordringende Pflanzenwuchs festen Fuß faßt. Es ist -erwiesen, daß starke Strömungen, wie solche durch den gleichmäßigen -Wechsel von Ebbe und Fluth hervorgerufen werden, der Koralle am -Weiterbau hinderlich sind, wenigstens nur langsame Fortschritte -gestatten, dagegen findet man bei solchen Atolls, wo nur noch durch -enge Zufahrten ein Zugang möglich, daß die Koralle diese von innen -zu verbauen sucht. Begünstigt durch die immerwährend frische Zufuhr -an reichhaltigen Nährstoffen, führen die Polypen in der Nähe der -Durchfahrten allmählich kleinere Bänke auf, und bauen so weiter, bis -jede Oeffnung im Randriff schließlich verschlossen wird, was bei den -südlich liegenden Atolls zunächst zu erwarten ist. - -Die Marschall-Gruppe bildet zwei nahezu parallel laufende Ketten -von Insel-Atolls in Nord-Nord-West- und Süd-Süd-Ost-Richtung, die -östliche die Ratock-, die westliche die Ralik-Gruppe; die Bezeichnung -beider Ketten ist der Sprache der Marschall-Insulaner entlehnt. Die -Ralik-Kette zählt 15, die Ratock- 14 Korallengruppen, unter denen sich -einige kleinere Inseln befinden, die keine Atolle sind. - -Soweit die geschichtliche Kunde reicht, soll bereits im Jahre 1529 -der spanische Kommandant Alvaro de Saavedra einige Atolls gesehen und -besucht haben; nähere Nachrichten liegen aber erst seit 1788 vor und -zwar von den englischen Befehlshabern Marschall und Gilbert, nach denen -auch die beiden großen Inselgruppen benannt worden sind. Trotzdem nun -in den folgenden Jahrzehnten der stille Ozean mehr und mehr von Kriegs- -und Kauffahrteischiffen befahren und erforscht wurde, sind doch nur -spärliche Nachrichten von jener fernen Inselwelt zu uns gekommen; -bisweilen meldeten sie auch von dort verschollenen oder ermordeten -Schiffsbesatzungen. - -So befand sich im Jahre 1824 der amerikanische Walfischfänger „Globe“ -in der Nähe der Insel Milli, wo der größte Theil der Besatzung -dieses Schiffes meuterte und landete. Es gelang zwar einigen von der -zahlreichen Mannschaft, die gezwungen den Meuterern hatten folgen -müssen, ihr Schiff wieder zu erreichen und die offene See zu gewinnen, -auch waren diese, obschon es ihnen an Offizieren fehlte im Stande -die Sandwich-Inseln zu erreichen; auf ihren Bericht hin wurde dann -im folgenden Jahre der Schooner „Delphin“ ausgesandt, um wenn möglich -die Meuterer zu ergreifen. Aber nur zwei ganz junge Leute, die keinen -Antheil an der Meuterei gehabt, wurden noch lebend vorgefunden, alle -übrigen waren von den Eingebornen erschlagen worden, weil diese die -ihnen überlassenen Frauen roh behandelt hatten, sie verfielen der Rache -der Eingebornen und ernteten so den Lohn ihrer Thaten. - -1834 landete Kapitän Dowsett auf den Marschall-Inseln. Dieser -unterhielt freundlichen Verkehr mit den Eingebornen und nichts -befürchtend, landete er eines Tages, und ging allein in ein Dorf, nicht -ahnend, daß inzwischen seine Mannschaft am Strande ermordet worden war. -Die an Bord zurückgebliebenen, die den Vorgang mit ansahen, waren der -Meinung, ihr Führer sei auch erschlagen worden. Sie lichteten sofort -die Anker und entflohen. Als das Schiff nach Honolulu zurückgekehrt -war, wurde sogleich die „Waverley“ ausgerüstet, um nach Kapitän -Dowsett oder dessen Schicksal zu forschen. Es wurde aber nichts weiter -gefunden, als einige dem verschollenen Kapitän gehörende Sachen, und -sein, in die Rinde verschiedener Bäume eingeschnittener Name. Die -Eingebornen, mit denen wohl schwer eine Verständigung erzielt werden -konnte, erzählten, der Kapitän sei mit seinem Boote in See gegangen; -jedoch der Führer des „Waverley“ glaubte ihnen nicht und ließ eine -ganze Anzahl niederschießen. Darauf segelte das Schiff weiter nach -Ponape, der größten Insel der Karolinengruppe, und lief auch die -östlichste dieser Inseln, „Kusai“ an, hier aber ereilte alle das -Schicksal, das Schiff wurde von den Eingebornen genommen und die ganze -Besatzung getödtet. Späteren Nachrichten zu Folge hat Kapitän Dowsett -noch im Jahre 1843 auf einer Insel in der Ralikkette, die er mit -seinem Boote erreichte, gelebt, wahrscheinlich aber hat er von hier die -Karolinen erreicht und ist auf einer dieser Inseln getödtet worden. - -Ich könnte noch mehrere solcher Fälle anführen, wo an verschiedenen -Inseln Schiffe genommen, oder der Versuch dazu gemacht wurde, selbst -schiffbrüchige Seeleute wurden nicht verschont; noch im Jahre 1852 -wurde vor der Insel Ebon ein Schiff erobert, dessen Besatzung der Rache -der Eingebornen verfiel, weil Jahre vorher dort von Weißen ein großer -Häuptling getödtet worden war. - -Selbst auf Jaluit, der heutigen Hauptinsel, wurde, wie ich aus -sicherster Quelle erfahren, wenige Jahre später ein amerikanisches -Handelsschiff die „See-Nymphe“ genommen. Es ankerte in der Lagune unter -der Insel „Medjado“, und, hier mit den Bewohnern Tauschhandel treibend, -ließ sich der Führer hinreißen, einen Häuptling thätlich zu beleidigen. -Die Folge war, daß dieser mit seinen Verwandten und seinem Anhang -einen Ueberfall plante, der, sobald die Mannschaft des Schiffes wieder -landete, ins Werk gesetzt wurde. Es heißt, der damals noch junge Kabua, -der jetzige König in der Ralik-Kette, habe selbst den nichtsahnenden -Schiffsführer auf seinen Schultern über das Riff getragen, andere -Eingeborne trugen auf gleiche Weise die Besatzung zum Lande. Weit -genug vom Schiffe entfernt, wehrlos in die Gewalt der Eingebornen -gegeben, wurden die Ahnungslosen auf ein gegebenes Zeichen hinterrücks -niedergeschlagen. Das Schiff wurde darauf ausgeraubt und es entging -keiner dem Tode. - -Die Ursache dieser Metzeleien, der so viele Unschuldige zum Opfer -gefallen sind, ist in der Roheit zu suchen, welche die Führer -amerikanischer Walfischfänger, die in diesem Gebiete reiche Beute -erjagten, an Eingebornen verübt haben. Sie litten es, daß oft mit -Gewalt den Eingebornen die Weiber entrissen wurden, auch verhängten sie -ungerechte Strafen. Mehr aber noch haben die zügellosen Mannschaften -solcher Schiffe, deren brutales Auftreten die Führer nicht zu hindern -vermochten, verschuldet, und bitteren Haß gegen den weißen Mann in die -Herzen der Inselbewohner gesät. - -Schlimmer noch, sie hinterließen scheußliche Krankheiten, die sich -von Geschlecht zu Geschlecht vererbten, tausende hinwegrafften und ein -gesundes Volk zur Verzweiflung brachten. Erst nachdem die Meerbewohner -vernichtet, die Walfischjagden nicht mehr lohnend genug geworden -waren, wurden die Marschall-Insulaner seltener belästigt. Als dann die -Missionare kamen, (zuerst 1857 auf der Insel Ebon) predigten diese das -Evangelium und fanden willige Hörer bei denen, die so oft ihre Hände -in das Blut des weißen Mannes getaucht hatten; eifrig befolgten die -Eingebornen die göttliche Lehre und vergaßen ihre Rachsucht. - -Heute, unter deutschen Schutz gestellt, mögen diese Insulaner, die so -manche gute Eigenschaft besitzen, aufathmen, und sich in Sicherheit, -ihres Daseins freuen; aber leider ward mit der Zivilisation auch der -Todeskeim ausgestreut, langsam, aber sicher geht diese Menschenrasse -dem endlichen Verfall entgegen. - -Sowie geographisch der Marschall-Archipel in zwei Gruppen getheilt -wird, so kann dies auch in Bezug auf Bevölkerung und politische -Verhältnisse geschehen, denn sowohl die Ralik- als auch die Ratak-Kette -ist in dieser Beziehung jede für sich als ein getrenntes Ganzes zu -betrachten. Schon die Sprache beider Gruppen ist verschieden, nicht in -ihrem Bau, vielmehr im Dialekt, und gleiche Unterschiede zeigen sich in -den politischen Verhältnissen der Bewohner. Während auf der Ratak-Kette -fast jeder Atoll von einem, oder mehreren Häuptlingen beherrscht -wird, die oft in gegenseitiger Fehde leben und sich der Herrschaft zu -bemächtigen trachten, selbst zur Eroberung anderer Gruppen (Atolls) -lang vorbereitete Kriegszüge unternehmen, liegt die ganze Macht auf der -Ralik-Kette in den Händen eines Königs, jenes schon erwähnten Kabua, -besser gesagt, in den Händen seiner Familie. - -Die Macht richtet sich hier nach Besitz und Anhang, und obgleich Kabua -nicht der reichste der Häuptlinge, ist er doch als der älteste als -König anerkannt worden, zumal da die Besitzungen seiner Stiefsöhne -und deren Einfluß sein Ansehn erhöhte. Sein Stiefsohn Nelu (Lojab), -dessen Bruder Lagajime, Litokua und neben diesen Launa sind die -einflußreichsten Häuptlinge auf der Ralik-Kette; namentlich Nelu, seine -Brüder und seinen Anhang habe ich häufig an Bord gehabt und mit diesen -Reisen von Atoll zu Atoll gemacht. - -Bei den meisten ungebildeten, sogenannten wilden Völkern findet man, -daß das Weib nicht als gleichberechtigt angesehen wird, vielmehr -die Sklavin des Mannes ist, auf deren Schulter alle Lasten und Mühen -abgewälzt werden. Doch die Polynesier zeichnen sich darin aus, daß -sie das Weib höher stellen, mehr noch ist dieses bei den Mikronesiern -der Fall; vor allem bei den Marschall-Insulanern, bei welchen es volle -Gleichberechtigung hat, d. h. keine Beschränkung im Handeln, in Haus -und Hütte, und soweit des Weibes Einfluß reicht, der, da Rang und Würde -nur vom weiblichen Geschlechte abgeleitet wird, häufig groß ist. - -Die Bevölkerung ist zum großen Theil besitzlos, aller Landbesitz -liegt in den Händen der Häuptlinge, deshalb ist es den Bewohnern nur -gestattet, eine Frau zu haben, wo hingegen die Häuptlinge mehrere -haben dürfen, doch bleibt die erste Frau, sofern sie Kinder hat, die -rechtmäßige; sie ist bei den Vornehmen gewöhnlich die Tochter eines -Besitzenden. Steht die Frau im Range höher als der Mann, so erhält -dieser auch eine höhere Würde, nur über das Eigenthum der Frau hat -er kein Verfügungsrecht, das verbleibt als mütterliches Erbtheil den -Kindern. Die Tochter eines Häuptlings kann einen gewöhnlichen Mann -heirathen, durch diese Verbindung wird derselbe ebenfalls in den -Häuptlingsrang erhoben, auch auf die Kinder geht diese Würde über. -Dem Häuptlinge steht es frei, sich die Frau eines seiner Untergebenen -anzueignen, nie aber kann ein Besitzloser sich wiederum eine -Häuptlingsfrau (also Wittwe) zum Weibe nehmen. - -Etwas auffallend will es mir scheinen, daß nach meiner eigenen -Wahrnehmung selbst im Innern Afrikas, bei den Völkern am Nyassa-See -und oberen Schire, die ganz gleiche Einrichtung der weiblichen -Erbfolge besteht, nur daß dort nicht direkt der Sohn als Nachfolger -bestimmt wird, sondern der Neffe, und trotz des dem Weibe zugestandenen -Vorrechtes, dieses doch nur sehr gering geachtet und mehr als Sklavin -betrachtet wird. - -Die Ehe bei den Marschall-Insulanern ist nur ein lockeres Band, -leicht geschlossen und leicht gelöst. Der Eingeborne nimmt sich das -Mädchen zur Frau, die ihm gefällt, sofern die Eltern desselben damit -einverstanden sind, gefällt sie ihm aber nicht mehr, so schickt er -sie einfach fort und sucht sich eine andere. Zwar hat wie in anderen -Gewohnheiten auch hierin der Einfluß der Missionare Wandel geschaffen, -namentlich auf den südlicheren Atolls, wo das Christenthum große -Verbreitung gefunden hat, doch hat auf Gesittung die neue Lehre wenig -Einfluß gehabt; Keuschheit ist keine Tugend der Insulaner, schon sehr -jung verkehren, ohne daran gehindert zu werden, die Geschlechter mit -einander und üble Folgen bleiben nicht aus, ebenso ist selbst die -nächste Verwandtschaft kein Hinderungsgrund für solchen Umgang. - -Als Beweis recht lockerer Sitten gilt der Umstand, daß es keiner Frau -verargt wird, wenn sie sich einen anderen Verkehr sucht, sobald der -Mann auf längere Zeit abwesend ist oder sich auf Reisen befindet; -indeß schwinden solche Gewohnheiten immer mehr und mehr, häufiger -trifft man sie nur noch auf den nördlicheren Atolls an. Von Erziehung -kann eigentlich keine Rede sein, den Kindern wird in jeder Hinsicht -volle Freiheit gelassen, Arbeit lernen die Kinder nicht kennen, das -einzige was ihnen vielleicht von Seiten der Eltern beigebracht wird, -ist die Einübung der Tänze und Gesänge. Auffallend ist auch die große -Sterblichkeit unter den Kindern, wohl eine Folge zu geringer Aufsicht -und schon früh entwickelter Krankheitskeime; die stetige Abnahme der -Bevölkerung ist darauf zurückzuführen. - -Der Körperbau der Männer überschreitet selten das Mittelmaß; die Weiber -sind durchweg von kleinerem Wuchse. Diese verlieren auch schnell ihre -Reize, schon im Alter von zwanzig Jahren ist alle Schönheit vergangen, -wenn überhaupt von solcher die Rede sein kann, obgleich im jugendlichen -Alter vielen der Reiz der Anmuth eigen ist, aber im Alter werden sie -recht häßlich. - -Daß auf den nördlichen Atolls sich ein kräftiger Menschenschlag -erhalten hat, liegt wohl daran, daß dieser mit einer etwas rauheren -Natur zu kämpfen, auch weniger durch die von Weißen eingeführten -Krankheiten zu leiden gehabt hat. Auch zeichnen sich hier die Könige -und Häuptlinge meistens von ihren Untergebenen durch eine stattlichere -Gestalt aus, weil sie bemüht sind, möglichst reines Blut in ihrem -Kreise zu erhalten, wovon freilich der bereits erwähnte große Häuptling -Nelu eine Ausnahme macht, denn fast klein und schwächlich gebaut, hat -er durchaus nichts Achtunggebietendes an sich. - -Um Sitten und Gewohnheiten dieser Insulaner zu erforschen, muß man -sich zu solchen Inseln und Atolls wenden, wo noch nicht der Einfluß -der Zivilisation bemerkbar geworden ist, was besonders in Bezug auf -Trachten der Fall. So tragen auch heute noch sowohl Männer als Frauen -langes Haar, das stark und schwarz, von jenen am Hinterkopfe in einem -Büschel oder Knoten zusammengebunden wird, die Frauen tragen es dagegen -lose. Als besonderen Schmuck bei feierlichen Gelegenheiten, Tänzen -und auch Kriegszügen, bedienen sich die Männer der Hühnerfedern; die -tätowirten Gestalten mit aufrechtstehenden Federn in den Haaren, und -oft unnatürlich erweiterten Ohrlappen geben sich dadurch ein wildes, -Furcht erweckendes Aussehen. - -Die Tätowirung ist allgemein und wurde früher mit Festlichkeiten -verbunden, heute, wer die Kosten erschwingen kann, läßt solche ohne -weiteres vornehmen, und entspricht eine solche dem Stande, welchem -der Mann angehört. Dieses schmerzhafte Verfahren -- ich habe oft, -wenn hunderte Nadelstiche in die Haut getrieben wurden, die Nerven -der Eingebornen bewundert -- wird nach und nach auf dem ganzen Körper -vorgenommen, sodaß die eigentlich helle Kupferfarbe der Haut unter den -blauen Streifen verschwindet, sogar die Ohren, Augenlider, selbst -die Finger werden tätowirt. Die Zeichnung ist immer streifenförmig, -die Striche sind auf einem bestimmten Körpertheil stets gleichmäßig, -entweder wagrecht oder senkrecht; auf Brust und Rücken laufen die -Streifen meistens unter einem Winkel zusammen. - -Wie bei den Samoanern, so benutzt man auch hier ein Instrument, das aus -vielen Nadeln zusammengesetzt ist und die Breite der Streifen hat. Die -Häuptlinge sind auch im Gesicht tätowirt und haben auf den Schultern -undeutliche verschwommene Zeichnungen. Die Frauen sind weniger -gezeichnet, in gleicher Weise höchstens an den Beinen, die Arme und die -Brust werden seltener tätowirt. - -Nicht zufrieden mit solcher langwierigen, schmerzhaften Operation, -setzten diese Insulaner einen gewissen Stolz darin, unnatürlich -erweiterte Ohrlappen auf künstlichem Wege herzustellen. Schon von -früher Jugend an wird in beide Ohrlappen ein Loch geschnitten -und dieses durch Einzwängen von einem Streifen des dehnbaren -Pandanusblattes allmählich erweitert. Auf diese Weise wird das Loch im -Ohrlappen bis vier Zentimeter und darüber lang, genügt dies nicht, wird -der Fleischring dicht an der Backe abgeschnitten und mit einem Schnitt -im Backenfleisch weiter unterhalb des Ohres verwachsen gelassen. -Ist die Heilung erfolgt, so wird nun im Backenfleische selbst weiter -geschnitten, bis ein Ring entstanden ist, durch den man bequem die Hand -hindurchstecken könnte. Wird solches Loch nun mit einem aufgerollten -Pandanusblatte ausgedehnt, so gewinnt es den Anschein, als hingen zwei -hohle Röhren an den Backen herunter, was freilich etwas besonderes -vorstellen soll, aber gewiß nichts zur Schönheit, vor allem nicht beim -weiblichen Geschlechte beiträgt, bei alten Frauen und auch Männern -sogar recht widerlich aussieht. - -Uebrigens habe ich solche Erweiterung der Ohrlappen nur bei ganz alten -Leuten gefunden, ein Zeichen, daß die Operation seit vielen Jahren -fortgesetzt wurde; gewöhnlich aber ist das Loch nur einige Zentimeter -groß und dient als Aufbewahrungsort für Schmuckgegenstände, als -Muscheln, Blätter und Blumen, namentlich einer lilienartigen Blüthe, -auch für Tabak, Pfeifen u. a. - -Die Willkürherrschaft der Häuptlinge, unter denen der reichste auch -der mächtigste ist, hat dahin geführt, daß, wie schon erwähnt, die -Bevölkerung nur in zwei Klassen, die Besitzenden und Besitzlosen, -zerfällt und der großen Masse eigentlich nichts gehört, diese vielmehr -vollständig von den Landbesitzern abhängig ist. Ein solcher giebt dem -Besitzlosen ein Stück seines Landes, auf welchem jener seine Hütte -erbauen, sowie die Erzeugnisse, als Pandanus, Brotfrucht und Taro -verwerthen kann, nur die Kokospalmen gehören ihm nicht. - -Für Land, Schutz und Obdach ist der Besitzlose verpflichtet, gemeinhin -sechs Monate zu arbeiten und zwar während dieser Zeit die Kokosnüsse -für den Besitzer einzuernten, den Ertrag der Palmen in der anderen -Jahreshälfte kann er für sich selbst verwenden, aber, da die Kokosnuß -so gut wie baar Geld im Tauschhandel ist, muß er häufig noch seinen -Antheil abgeben und ihm verbleibt nur wenig. - -Dennoch kennt der Eingeborne keine Nahrungssorgen, und will er nur -verwenden, was die Natur so reichlich ihm zugedacht hat, so kann er -mit geringer Müh' und Arbeit sich ein sorgenloses Dasein schaffen, -Bequemlichkeit, oft Gleichgültigkeit jedoch verhindern ihn daran, -er ißt, was er gerade hat und sobald er das Bedürfniß fühlt, sich zu -sättigen, ihm genügen schon die Milch und der Kern einer Kokosnuß, oder -die süße Pandanus. - -Letztere Frucht, die ich überall auf den Marschall-Inseln gefunden -habe, dient namentlich zur Zeit der Reife als ein Hauptnahrungsmittel. -Sehr zuckerhaltig, wird der süße Saft aus der fasrigen, prismatisch -geformten Frucht, aufgesogen und da dieser nahrhaft genug ist, genügt -er schon zur Sättigung. Mehr aber noch eignet sich der darin enthaltene -Zuckerstoff zur dauernden Erhaltung einer Art Speise Pyru genannt. -Dieselbe wird aus der Arrowroot-Wurzel, Brotfrucht und Kokosnuß -hergestellt; auf heißen Steinen gebacken, durch den reichlichen Zusatz -von Pandanussaft äußerst dauerhaft gemacht, hat sie einen der Feige -ähnlichen Geschmack. Die Masse wird in etwa Zolldicke auf Blättern -zubereitet, fertiggestellt wird sie dann aufgerollt und sehr dicht in -trockenen Pandanusblättern eingepackt und mit dem schon beschriebenen -Cajar kunstvoll verschnürt. So erhält man eine angenehme Dauerspeise, -die jahrelang sich hält, selbst im Wasser nicht verdirbt. - -Die so verfertigten Rollen, von gewöhnlich einem Meter Länge und -fünfzehn Zentimeter Durchmesser, haben ein beträchtliches Gewicht, -sie werden im Haushalte nur verbraucht, wenn Mangel an anderen -Nahrungsmitteln eintritt; gewöhnlich aber dient diese Speise dazu, um -auf weiten Seereisen oder an entlegenen Orten, wo nichts Genießbares -erhältlich ist, die benöthigte Nahrung zu ersetzen. - -Der Pandanusbaum, ein schlanker, fester Stamm, der zuweilen die Höhe -einer mittelhohen Palme erreicht, trägt eine Blätterkrone, deren -Zweige ähnlich den einzelnen Blattstreifen einer Kokospalme, tief -herabhängen; die Frucht, ein bis 70 Pfund schwerer Kolben besteht aus -vielen prismatisch geformten, nach innen spitz zulaufenden, faustgroßen -Fruchtkernen, die, gut gereift, sich leicht loslösen lassen. - -Für die Marschall-Insulaner, kann man sagen, ist dieser Baum fast -werthvoller als die Kokospalme; mit den Blättern deckt er das -Dach seiner Hütte, der Stamm giebt ihm die Stützen, die Frucht -nahrhafte Speisen, und aus dem Blatte verfertigt er sich seine -kunstvoll gearbeitete Kleidung, dazu geben Handstöcke und Knüttel -die Luftwurzeln. Das Pandanusblatt läßt sich, wenn es getrocknet -ist, nach Belieben in ganz feine Streifen zertheilen; um diesem aber -die Sprödigkeit zu nehmen, wird das Blatt erst für längere Zeit -in Frischwassertümpel gelegt, dann aufgerollt und feucht tüchtig -geklopft. Dadurch gewinnt der Eingeborne einen dauerhaften Stoff zu -seinem Mattengewebe und zu Hüten die dem echten Panama an Güte fast -gleich kommen und lange halten. Ueberhaupt entwickeln die Frauen im -Handflechten eine Geschicklichkeit, die kaum übertroffen werden möchte. - -Sucht sich der Mann keine angemessene Beschäftigung -- Trägheit ist -ihm angeboren -- so hilft er den Frauen beim Flechten der Matten, oder -bereitet das Material dazu vor, auch übernimmt er wohl selbst solche -Arbeit. Hierbei bedienen sie sich nicht allein der Hände, sondern auch -die Füße müssen helfen, und zwar dienen die beweglichen Zehen dazu, die -Gewebe fest und straff zu halten. - -Die Tracht der Frauen ist einfach genug, ihre ganze Bekleidung -besteht bei Erwachsenen aus zwei lang herunterhängenden Matten, -von denen eine vorne, die andere hinten angebracht ist und zwar so, -daß sie übereinander fassen und mittels eines Gürtels um die Hüften -festgehalten werden. Dieser Gurt, ein weiß und schwarz gesprenkeltes -dünnes Tau, häufig mehrere Meter lang, wird um den Leib gewickelt und -der obere Theil der Matten um dieses eingesteckt, so bleibt von diesem -nichts sichtbar. Junge Mädchen tragen eine kürzere, ebenso befestigte -Matte, aber nur nach vorne und je nach Alter und Größe ist eine solche -breiter oder schmäler; der Oberkörper bleibt unbedeckt, Kinder sind -ganz nackt. Aehnlich wie die Samoaner, tragen auch die Männer einen -Bastrock, verfertigt aus den Fasern des Boa-Busches, indeß ist die -Herstellung eines solchen kostspielig und seltener habe ich solche -Bekleidung gefunden; gewöhnlich macht eine zwischen die Beine gelegte -und um den Leib mit einer Schnur befestigten Matte den ganzen Anzug des -Mannes aus. Von meiner Schiffsbesatzung, die meistens nur aus diesen -Insulanern bestand, hatten die meisten selten mehr in ihrem Besitz als -solch Bekleidungsstück und eine Schlafmatte; liebten es aber, sobald -ihr Verdienst groß genug geworden, der gewöhnlich 52-60 Mark monatlich -betrug, sich nach europäischer Art, mit Hose und Hemd zu bekleiden. - -Was den Bau der Wohnungen der Marschall-Insulaner anbetrifft, so findet -man sowohl recht ärmlich und einfach, als auch großartig und kunstvoll -aufgeführte Bauten. Oft genügen ihnen als Aufenthaltsort sogar die -denkbar einfachsten Hütten; ein schrägliegendes Dach, das vorne auf -Stützen, hinten auf der Erde ruht, und mit Wänden aus Flechtwerk -hergestellt ist. Dennoch ist die Bauart der Hütten und Häuser auf -einigen Atolls verschieden, nicht in der Form vielmehr in der Größe -und Festigkeit, größere Häuser sind mit bemerkenswerthem Geschick -erbaut. Das Dach, das gewöhnlich aus einem Geflecht von Pandanus- oder -Kokosblättern wasserdicht hergestellt wird, ist eine feine Arbeit. -Man findet das Innere eines Hauses meistens reinlich und sauber, -oft auch mit feinen Matten ausgeschmückt; der Boden ist mit kleinen -Korallensteinen bedeckt und gewöhnlich mit großen, reinlichen Matten -belegt. Auch die nähere Umgebung zeugt von einem Sinn für Reinlichkeit, -der Erdboden ist ringsum geebnet und ebenfalls mit kleinen Steinen -besät. Man kann sagen, je nach Zahl der Familienglieder begnügt sich -der Eingeborne entweder mit einer unscheinbaren Hütte oder er baut sich -ein stattliches Haus. - -In größeren Bauten ist meistens auf den Sparren noch eine besondere -Schlafstätte für das Ehepaar oder vornehmere Gäste errichtet, sonst -schlafen alle durcheinander auf dem mit Matten bedecktem Fußboden. -War ich gelegentlich gezwungen die Gastfreundschaft der Eingeborenen -in Anspruch zu nehmen, dann wurde stets ein besonderes Lager für mich -hergestellt. - -Geschick und Kunstfertigkeit der Insulaner lassen sich erst recht -beurtheilen, wenn man in ihre Kirchen eintritt; alles Schöne, was -sie durch ihrer Hände Arbeit herzustellen im Stande sind, ist darin -vereinigt und eine wahre Ausstellung weisen die langen Wände auf, -die ganz mit feinen, in Form und Muster verschiedenen Matten behängt -sind. Es finden sich darunter Gewebe, die Zeugniß ablegen von großer -Geschicklichkeit und außerordentlichem Fleiße. - -Die Lebensweise der Eingebornen ist ein sorgloses Dahinträumen, das -nur unterbrochen wird, wenn sie sich gelegentlich zur ernsten Arbeit -aufraffen. Vor Tagesanbruch, wenn noch frische Kühle über Meer und -Land gebreitet liegt, sorgt der Insulaner schon für den täglichen -Unterhalt, d. h. er erklettert die hohe Palme und bricht genügend Nüsse -ab oder schafft andere Lebensmittel herbei; er liebt nicht die heißen -Sonnenstrahlen und sucht Kühlung und Schatten unter seiner Hütte oder -unter breitästigen Bäumen. Auch mehrmaliges Baden am Tage in der See -ist ihm zur Gewohnheit geworden, als tüchtiger Schwimmer und Taucher -scheut er selbst nicht vor schwerer Brandung zurück. Sonst, wenn keine -Nothwendigkeit zur Arbeit vorliegt, verträumt er den Tag, und essen, -schlafen, rauchen, gelegentliche Handreichung, füllt die Tagesstunden -aus. Lebendig und lebhaft wird er erst, sobald das Tagesgestirn zur -Rüste geht, der Hauch vom endlosen Ozean ihm Kühlung zufächelt, auch -sucht er erst zur späten Nachtstunde sein Lager auf; vor allem liebt -er es in mondhellen Nächten im Kreise Vertrauter zu rauchen und zu -plaudern, wobei es recht laut und lebhaft hergeht. Für den Europäer, -der die Ruhe der Nacht nicht gestört wissen will und gerne schlafen -möchte, was oft Mosquitos und drückende Schwüle verhindern, sind solche -Ausführungen, Gesang und Tänze, nächtlicher Weile, manchmal recht -unangenehm. - -Die Gesänge sind eintönig und wenig melodienreich; im Chor gesungen, -werden sie stets langsam und halblaut begonnen, allmählich aber lauter -und schneller, begleitet mit Händeklatschen und dem taktmäßigen Wiegen -des Oberkörpers, bis sie schließlich zu einem Tempo übergehen, das -mehr Aehnlichkeit mit Schreien als mit Singen hat. Vor allem haben die -Frauen große Fertigkeit darin, und jede Bewegung mit der Hand oder dem -Körper wird stets sorgfältig ausgeführt, genau wie bei den Samoanern; -freilich habe ich auf diesen Inseln die Frauen nie tanzen sehen, -nur Männer zuweilen, mit Federbusch, Muscheln und sonstigem Zierrath -geschmückt, führten vor meinen Augen Tänze auf, zu denen die Frauen im -Chor sangen. - -Anlaß zu Tänzen und Aufführungen giebt jedes geringe Vorkommniß, z. B. -das Eintreffen eines Europäers, eines Schiffes u. a.; der Vorsänger -erzählt darüber, was ihm gerade in den Sinn kommt, oft den tollsten -Unsinn, und zwar in kurzen Sätzen, hinter denen der Chor irgend einen -Kehrreim unermüdlich absingt, bis der Gegenstand erschöpft ist und der -Schluß durch lautes Klatschen schon allseitige Zustimmung gefunden hat. - -Auch von Häuptlingen aufgeführte Einzeltänze sind nicht selten, solche -haben aber immer ein kriegerisches Gepräge; wilde Geberden, Sprünge, -Gliederverrenkungen, ein möglichst wildes Aussehen gehören dazu und -können bei dem Zuschauer das Gefühl erwecken, als würde man es im -Ernstfalle mit einem furchtbaren Gegner zu thun haben. Der Gesang ist -mehr Geheul, ein Rühmen nie ausgeführter Thaten, zu dem ein Chor von -Männern und auch Frauen ein entsprechendes Lied oder den passenden -Kehrreim absingen. - -Eine Eigenthümlichkeit dieser Insulaner ist ferner, daß sie ihre Todten -nicht der Erde, sondern dem Meere übergeben, wobei sie eine Ausnahme -mit den Häuptlingen machen. Ist ein gewöhnlicher Mann gestorben, wird -er in Matten fest eingehüllt und bereits am zweiten Tage mit einem -Kanoe in die See hinaus geführt, wo, fern dem Lande unter Beobachtung -einiger Zeremonien der Todte den Wellen übergeben wird. Ans Land wird -die Leiche wohl sehr selten wieder angeschwemmt, dafür sorgen schon -die zahlreichen Haie, welche diese als willkommene Beute ansehen und -schnell genug damit aufräumen. - -So lange die Beerdigung am Lande oder in der See nicht erfolgt ist, -werden Klagelieder um den Todten gesungen, auch Tänze aufgeführt, dann -aber ist es Sitte, daß die Verwandten die Hinterbliebenen besuchen und -beschenken. - -Die Grabstätten der Häuptlinge werden gewöhnlich außerhalb eines -Dorfes angelegt, wenn möglich in Korallensand gegraben; ist das Grab -zugeschüttet, wird der Hügel abgeflacht und mit Steinen glatt bedeckt. -Unter Palmen und Gebüsch liegen solche Stätten, oft nur noch erkennbar -an den Steinhaufen, aus denen als einziges Zeichen verwitterte -Kanoe-Paddeln hervorragen, die der Todte einst geführt oder angefertigt -hat. Einem Todten wird alles mögliche mit in das Grab gelegt, Eßwaaren, -Tabak, Pfeifen, u. a. m., damit derselbe auf der langen Reise, die er -angetreten hat, nichts entbehrt. Auf frischen Gräbern habe ich fast -immer Tabak und Nahrungsmittel vorgefunden, die dem Todten gespendet -waren, sie dienen freilich nur dazu, die zahllosen Ratten, die gierig -über solche Speisen herfallen zu sättigen. - -Eine gewisse Scheu hat der Eingeborne auch davor, die Gräber der -Verstorbenen zu öffnen; da er glaubt, der Geist des Todten könne ihm -Uebels thun, so läßt er sich nicht dazu bewegen. So ist die deutsche -Station auf der Insel Jabor (Jaluit) auf einem verfallenen Kirchhofe -erbaut worden, die Zeit hat aber alle äußeren Spuren verwischt -und nichts mehr deutet darauf hin, daß hier vor langen Jahren die -Angesehensten und Vornehmsten der Bevölkerung begraben worden sind. -Ich wußte es auch nicht eher, als bis ich, mit der Aufrichtung eines -hohen Flaggenmastes betraut, mit meiner Mannschaft die nöthigen -Vorbereitungen dazu treffen wollte. Die Leute weigerten sich aus den -angeführten Gründen, an der bezeichneten Stelle eine Grube zu graben, -und, unnöthiger Weise einen Zwang befürchtend, entfernten sie sich, -und kehrten erst zum Schiffe und ihrer Pflicht zurück, nachdem der -Flaggenmast errichtet war. Sie ernstlich zu tadeln wäre thöricht -gewesen, da sie sonst stets willig und gehorsam waren, und nur -abergläubische Furcht sie hinweggetrieben hatte, worauf eben Rücksicht -genommen werden mußte. - -Als die Ausschachtung von Arbeitern der Station -(Neu-Hebriden-Insulanern) vorgenommen ward, in der eine feste Mauerung -aufgeführt werden sollte, um das Grundwasser vom Fuß des Mastes -fernzuhalten, stießen diese auf ein Grab; vorsichtig ließ ich das -gefundene Skelett freilegen und gedachte den Schädel zu erhalten, -aber das vermoderte Knochengerüst fiel zusammen und da nichts -davon verwendbar war, wurden die Ueberreste an einer anderen Stelle -vergraben. - -Wie im weiten Ozean, und namentlich unter den Riffen und Inseln -viele Fischarten angetroffen werden, so sind auch die Lagunen sehr -fischreich. Schillernd in den schönsten Farben findet man hier die -merkwürdigsten Arten und Größen. Aber leider was das Auge erfreut, ist -dem Magen nicht dienlich, der Genuß solcher schönen Meerbewohner bringt -dem Menschen den Tod oder langes Siechthum. - -Durch das klare Meerwasser bis auf den Grund schauend, sieht man auf -wachsenden Korallenriffen ein wunderbares Gebilde, bunte Sträucher, -kleine Bäume, schöne Blumen, ein bunter, blühender Garten dehnt sich -in der Tiefe aus; Gewächse in einer Mannigfaltigkeit, wie sie auf -der Erdoberfläche schwerlich könnten zusammengestellt werden. Und -alles dies ist nur das Werk der unscheinbaren Korallenpolype, die -die wunderbarsten Gebilde auf dem tiefen Grunde erbaut. Ein reges, -ungeahntes und nie geschautes Leben herrscht weiter unten, vieltausend -Thiere, nicht sichtbar für des Menschen Auge leben und weben in -dieser verborgenen Welt. Stahlblaue Fischlein spielen umher, bald hier -bald dort an einem Strauche oder einer Blume naschend; naht sich ein -größerer Fisch oder erschreckt sie irgend etwas, fliehen sie im Nu in -das Labyrinth der Pflanzenwelt, oder suchen Schutz und Deckung zwischen -den Zweigen, unter den Aesten der vielgestaltigen Korallenformen, wohin -kein Feind ihnen zu folgen vermag. - -Das Wenige, was in dieser unterseeischen Welt sichtbar ist, die -Schönheit derselben und ihre Bewohner, kann keine Feder schildern, -selbst wenn man die Phantasie zu Hilfe nähme, würde man hinter der -Wirklichkeit zurückbleiben. Stundenlang über den Bord meines Bootes -geneigt, achtlos die Angel in der Hand, trieb ich oft über ein -Korallenfeld, und ward gefesselt von der Schönheit dessen, was ich -unter mir vorüberziehen sah. Geradezu Wunderwerke erbaut die Koralle, -die nicht vergehen und die Zeit die rastlose Schaffenskraft der Natur, -selbst zu Inseln gestaltet, auf denen der vergängliche Mensch, der -Schöpfung vollkommenstes Wesen, leben und auch leiden kann -- die Werke -von Menschenhand verfallen, die der winzigen Polype bleiben bestehen! - -Nicht selten ist unter dem Schönen und Schönsten, was die Natur -erschaffen, ein bitterer Kern, ein Tropfen Gift enthalten; so birgt -auch die Koralle, unter einer schönen Hülle, ein tödtliches Gift, das -den Meerbewohnern, den bunt schillernden Fischen nichts schadet, diese -selbst aber giftig und gefährlich macht. So finden sich denn unter -der großen Zahl von Fischen viele Arten, die nicht gegessen werden -dürfen; stets muß ein gemachter Fang dem Gutachten eines erfahrenen -Eingeborenen unterbreitet werden, will der Europäer nicht Gefahr -laufen, Gesundheit und Leben zu gefährden. - -Trotzdem machen die Eingebornen den Versuch, die Beschaffenheit eines -ihnen unbekannten Fisches durch Essen zu erproben, bezahlen diesen -aber, da sie keine Gegenmittel haben, oft mit dem Leben. - -Tüchtige Fischer sind aber diese Insulaner doch, durch Erfahrung -klug gemacht, stellen sie gewöhnlich nur solchen Fischen nach, die -ungefährlich sind, unter anderen einem der Sardine ähnlichen Fische, -der in größeren Schwärmen in den Lagunen angetroffen wird. Ist ein -solcher Schwarm entdeckt und nahe genug dem Lande, treiben sie ihn -mit Kanoes allmählich dem Strande zu; schnell werden dann Matten -und Schnüre zwischen den einzelnen Fahrzeugen ausgespannt, der Kreis -immer dichter gezogen, und die Fische, durch Geschrei, Schlagen mit -den Paddeln gezwungen, in Massen auf ein Riff oder dem flachen Lande -zu laufen, wo sie mit Matten, Körben und Händen leicht eingefangen -werden können. - -Beim Einzelfang auf großer Tiefe bedienen sie sich ihrer aus Perlmutter -gefertigten Haken, die denen der Samoaner ähnlich sind; tauschen sich -aber mit Vorliebe auch von den Weißen eiserne Angelhaken ein, die dem -Zwecke besser entsprechen. Den fliegenden Fisch, der seltener in den -Lagunen zu finden ist, fangen sie sich außerhalb der Riffe in ganz -gleicher Weise wie ich es bei den Polynesiern gesehen und beschrieben -habe. - -Seit jeher waren die Marschall-Insulaner kühne entschlossene Seefahrer -und verdienten den Namen „Schiffer“ eher, als die Samoaner. Sie sind -nicht bloß in den Grenzen ihrer Inselwelt geblieben, sondern weit -über diese hinaus, haben sie sich dem trügerischen Meer anvertraut und -namentlich mit den Bewohnern der Karolinengruppe Verbindungen gesucht. -Welch ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Volksstämmen bestanden -haben mag, die in Sprache, Gebräuchen und Sitten sehr vieles gemeinsam -haben, ist schwer zu sagen. - -Am glaubwürdigsten scheint es, daß durch Wind und Strömungen große -Kanoes (Proas) von den Marschall-Inseln verschlagen wurden, deren -Insassen dann auch glücklich Land gefunden haben. So soll noch im -Jahre 1855 eine kleine Flotte die östlichste der Karolinen-Inseln -„Kusai“ erreicht haben und nach monatelangem Aufenthalt wieder nach den -Marschall-Inseln zurückgekehrt sein; auch noch größere Entfernungen, -wie berichtet, sollen sie zurückgelegt und glücklich ihr Heimathland -wieder gefunden haben. Aber so einsichtig und wagemuthig in dieser -Hinsicht der Eingeborne auch ist, so ist doch anzunehmen, daß nur -glückliche Zufälle es gewesen sind, die ihn nach langer Irrfahrt haben -Land finden lassen. Darnach zu urtheilen, daß sie oft viele Wochen -gebraucht haben, um von einer Insel zur anderen zu gelangen, müssen -ihre Kenntnisse in der Seefahrt doch recht bescheidene sein; was aber -jedenfalls für viele verderblich geworden, ist die Gewohnheit, sobald -sie nach längerem Suchen ihr Ziel nicht finden können, die Segel -niederzuführen und sich ihrem Schicksale zu überlassen. - -Besondere Beachtung nun verdienen die Fahrzeuge, mit denen der -Inselbewohner sich auf den gefährlichen Ozean hinauswagt. Den -Kanoebau muß man entschieden als ihre bedeutendste Leistung ansehen, -Geschick, ja Kunstfertigkeit ist ihnen dabei nicht abzusprechen. -Schon die Anforderungen, die sie an ihre größeren Fahrzeuge stellen, -bedingen eine eigenartige Bauart; ihnen genügen nicht mehr ausgehöhlte -Baumstämme, wie sich andere Völker solcher bedienen, hier gilt es -vielmehr einen regelrechten Bau aufzuführen. Und zieht man in Betracht, -daß früher (und heute noch vielfach) ihre einzigen Werkzeuge die -Meermuschel und die Fischgräte waren, und das mit Geschick verwendete -Feuer bei solcher Arbeit ihr bester Helfer ist, so kann man sich -vergegenwärtigen, was es heißt, solche Fahrzeuge, die oft 50 und mehr -Menschen zu fassen vermögen, herzustellen. - -Ihre Geschicklichkeit und Ausdauer finden deshalb staunende Anerkennung -bei den Fremden, ja ich möchte den Europäer sehen, der an die Stelle -der Eingebornen gestellt, sich mittelst Feuer und Muscheln aus einem -dicken Baumstamm eine Planke verfertigen könnte! - -Die Kanoes, zu deren Bau das nicht sehr harte Holz des Brotfruchtbaumes -verwendet wird, sind aus verschiedenen Theilen zusammengesetzt. Der -Kiel wird aus einem Stücke gefertigt, dies ist so ausgehöhlt, daß er an -und für sich schon ein kleines Kanoe bilden würde; auf diesem werden -dann die scharfen Vorder- und Hintertheile aufgesetzt, und dazwischen -wieder die oft aus mehreren Stücken bestehenden Seitenwände eingefügt; -die Höhe eines mittelgroßen Kanoes beträgt etwa 4 Fuß. - -Alle Theile werden stumpf auf- und aneinander gesetzt; aber um die -dauernde Befestigung derselben, die Dauerhaftigkeit des Ganzen zu -erreichen, dazu gehört eine wahre Engelsgeduld, denn um dieses zu -erreichen müssen durch zolldicke Wände oft viele hundert Löcher -mittelst Fischgräten oder Knochen gebohrt werden, die nahe aneinander, -in den einzelnen Theilen sich stets gegenüber liegen. - -Naturgemäß können mit so unvollkommenen Instrumenten, Werkzeugen -gearbeitete, stumpf aufeinander stoßende Hölzer nicht dicht halten, -auch glatte Flächen sind damit nicht herzustellen; um aber dennoch -eine gewisse Dichtigkeit zu erzielen, werden die Nähte mit zwischen -gelegten trockenen Pandanusblättern ausgefüllt, dann werden durch die -einander gegenüber liegenden Löcher Cajarfäden eingezogen und diese -sehr fest angeholt. Die große Zahl solcher Laschungen ermöglicht -es, jeden Theil des Kanoes dauernd und gut zu befestigen, und was -Menschenkraft nicht fertig bringt, thut das Wasser, indem durchnäßt, -sowohl die Pandanusblätter aufquellen, als auch die Cajarfäden sich -zusammenziehen. - -Finden sich sichtbare Undichtigkeiten, namentlich in den Löchern, so -bereitet sich der Erbauer aus fein geriebenem Holz und dem klebrigen -Safte der Pandanusfrucht eine Art Kitt, mit dem er gefundene lecke -Stellen zustopft und verkittet. Da unbedingte Dichtigkeit natürlich -nicht herzustellen ist, so lecken ohne Ausnahme alle Kanoes ziemlich -stark, indeß mit einer aus demselben Holze hergestellten Mulde, -einer Art Schöpfkelle, die der Eingeborne geschickt zu handhaben -weiß, bewältigt ein Mann bequem ohne sonderliche Anstrengung das -eingedrungene Wasser leicht; auch Kokosnußschalen, Blechbüchsen, selbst -die hohlen Handflächen dienen ihm als geeignete Schöpfgefäße. - -Alle Kanoes haben an einer Seite einen Ausleger, ein dem Kanoe parallel -gelegtes und dem Bau desselben entsprechendes Stück Holz, mit diesem -durch eine Anzahl biegsamer Zweige, die über beide Seitenwände des -Kanoes hinreichen, verbunden ist. Weit genug abstehend, dient dieser -als eine Art Schwebe, ein Kentern der scharf gebauten Fahrzeuge wird -dadurch verhindert; namentlich beim Segeln giebt er ein Gegengewicht -ab. Bei großen Kanoes liegt der Ausleger oft 6-8 Fuß von der Bordseite -entfernt und besteht aus einem schweren Holzstücke, das, an sich -möglichst stark, durch Träger und schräg liegende Gegenstützen, -am Kanoe befestigt ist. Auf solchen Trägern, d. h. den einzelnen -Verbindungen mit deren Ausleger, die unter sich ebenfalls gut verbunden -sind, findet man oft noch eine kleine Hütte erbaut, worin für mehrere -Mann Raum vorhanden ist, sie dient dem angesehensten der Besatzung -gewöhnlich als Aufenthalt. Auch wenn befürchtet wird, der starke Wind -könnte durch seinen Druck auf das Segel das Kanoe trotz des Auslegers -zum Kentern bringen, setzen sich außerhalb der Bordwand mehrere -Insassen auf das Flechtwerk des Trägers, so daß durch ihr Körpergewicht -ein gewisser Gegendruck erzielt wird. - -Im ruhigen Wasser, oder in leicht bewegter See, sind diese Kanoes -sehr schnelle Fahrzeuge. Ein europäisch gebautes Boot muß sehr gute -Eigenschaften haben, wenn es eine Wettfahrt mit ihnen aufnehmen will, -würde aber stets, sobald ein Ziel windwärts erreicht werden sollte, -also ein Aufkreuzen gegen den Wind nöthig wäre, glänzend geschlagen -werden; denn die scharf gebauten Kanoes mit ihren Mattensegeln -liegen so dicht am Winde und werden dennoch so schnell durchs Wasser -getrieben, wie es mit einem gewöhnlichen Boote nicht möglich ist. -Ich habe in den großen Lagunen, Majuro, Arno, Malonlab u. a., wenn -ich auf entfernteren Inseln in solchen Atolls kleinere Aufkäufe an -Kopra oder Nüssen machen wollte, des öfteren diese Kanoes benutzt -und muß bezeugen, flinkere Fahrzeuge habe ich bei keinem ungesitteten -Volksstamme gefunden. - -So praktisch der Ausleger aber auch ist, ja so nothwendig für größere -Fahrzeuge, um das Segeln mit diesen zu ermöglichen, so wird er doch -auf freier und bewegter See oft verhängnißvoll. Obgleich er nach -Möglichkeit zwar festgefügt und durch Cajar mit dem Kanoe verbunden -ist, so löst er sich doch und bricht jede Verbindung leicht und geht, -wenn die Wellen unablässig diesen hin und her zerren, verloren. Da -eine Ausbesserung kaum vorgenommen werden kann, so ist, sobald diese -Stütze verloren gegangen, das Schicksal der Insassen eines Kanoes auch -besiegelt. Und diese Gefahr liegt immer vor, sie wächst mit dem Winde -und den Wellen. - -Ich habe erwähnt, daß diese Proas sehr scharf gebaut sind, sie sind es -aber nicht nur vorne und hinten, sondern auch längs des ganzen Kiels; -was aber besonders von Verständniß und Nachdenken zeugt, ist die Form, -welche solchen Kanoes gegeben wird. Beim Vorwärtstreiben durch Wind -und Paddeln ist der Ausleger, der zwar ebenso scharf geformt ist, doch -naturgemäß ein Hinderniß und würde ein Kanoe immer nach der Seite -hin abweichen, an welcher sich dieser befindet. Diesem Uebelstande -abzuhelfen, baut nun der Insulaner sein Kanoe so, daß die Seite, an -welcher der Ausleger nicht angebracht werden soll, vom Kiel aufwärts -bis zur Bordwand fast ganz flach verläuft, die andere dagegen ist -erhaben ausgebaut. Natürlich ergiebt sich daraus, daß im Verhältniß zur -Länge ein Kanoe nur sehr schmal sein kann, aber durch die flache Seite -wird der Vortheil gewonnen, das tiefgehende Kanoe kann beim Segeln am -Winde nicht oder nur sehr wenig abgedrängt werden. - -Zudem bleibt der Ausleger stets an der Windseite, andernfalls würde -durch den Druck des Segels das Kanoe sofort kentern; ein wenden, -wenn eine andere Kursrichtung genommen werden soll, geschieht nicht, -vielmehr wird das gehißte Segel nur von vorne nach hinten oder -umgekehrt geschiftet. Der Mast, in der Mitte des Kanoes in einer Spur -feststehend, wird vom Ausleger aus durch Cajartaue gehalten, ist aber -beweglich, so daß er nach vorne oder hinten geneigt werden kann, was -stets beim Umschiften des immer in der Spitze festgesetzten Segels -geschehen muß. Das Tau, mit dem das an langer Raa befestigte Segel -gehißt ist, dient gewöhnlich nach hinten zu dem Maste als Stütze, -seltener sind noch Hilfstaue angebracht. - -Ein Reffen, d. h. verkleinern der Mattensegel, sowie diese gebildet -sind, ist nicht wohl angängig; wird der Wind zu stark oder überrascht -eine starke Böe ein Kanoe, kann man nichts weiter thun, als das Segel -einfach niederzuführen, oder frei im Winde peitschen zu lassen. Im -ersteren Falle kommt es oft vor, daß das vom Winde aufgebauschte -Segel ins Wasser zu liegen kommt, und wüßten die Eingebornen nicht -so geschickt mit den Fahrzeugen umzugehen, müßte häufig genug, wenn -die nicht selten äußerst heftigen Windböen einfallen, ein Unglück -eintreten. Für einen Europäer wäre das Kentern eine unangenehme -Sache, der Eingeborne dagegen macht sich nicht viel daraus, er bringt -schwimmend sein gekentertes Kanoe wieder in Ordnung. - -Die Mattensegel, stets dreieckig, sind aus einem Geflecht von -Pandanusblättern hergestellt, das aus etwa zehn Zentimeter breiten -Streifen besteht, die sauber zusammengenäht, dicht und biegsam sind. - -Von Religion kann bei diesen Inselbewohnern eigentlich keine Rede -sein; sie haben nur eine unbestimmte Vorstellung von einem höheren -Wesen, welches ihnen Gutes und Böses zufügen kann, sonst sind sie -wie alle ungesitteten Völker dem Aberglauben verfallen. Da sie nur -wenige Ueberlieferungen besitzen, so beschränkt sich ihr Gottesdienst -lediglich auf einige Gebräuche. Gewöhnlich wenn ein Unternehmen -geplant ist, z. B. eine Reise, ein Kriegszug, wahrsagen weise Männer -aus loderndem Feuer und das gute oder böse Vorzeichen ist für die -Ausführung oder Unterlassung maßgebend; auch wird zum Weissagen ein -zusammengefaltetes Pandanusblatt angewandt, man fängt an dem einen Ende -zu kniffen an und benutzt die so gewonnene Breite als Maßstab für die -übrige Blattlänge, bleibt nichts übrig, so ist es ein gutes Zeichen, im -anderen Falle ein schlechtes. - -Erklärlich ist, da Götter und Gottheiten nicht vorhanden, die Insulaner -nur eine sehr beschränkte Vorstellung von einem höheren Wesen hatten, -daß sie, als die Missionare unter ihnen erschienen, willig der neuen -Lehre lauschten, und sich zu ihr bekannten. Das Ansehen der Missionare -war groß; diese verwandten dann ihren Einfluß dazu, der Unsittlichkeit, -der Vielweiberei und anderen Lastern entgegen zu treten, sie haben aber -nur dort Erfolg gehabt, wo sie selbst ansässig waren, d. h. auf den -südlicheren Atolls, als Ebon, Jaluit und Milli. - -Anscheinend ist das Begriffsvermögen des Eingebornen nicht groß, -er erfaßt bei weitem nicht alles, was ihm gelehrt wird, auch hat -er nur eine unklare Vorstellung von allem, was außerhalb seines -Gesichtskreises liegt, und nur das natürliche Empfinden von Recht und -Unrecht ist bei ihm geschärft worden; er folgt zwar aus Furcht vor -einer strafenden Gerechtigkeit nicht so willig mehr den natürlichen -Trieben, erliegt aber trotzdem leicht einer Versuchung. - -Ausgebildete einheimische Missionszöglinge sind heute die eigentlichen -Lehrer, und es ist zu hoffen, daß unter dem Schutze der deutschen -Verwaltung das Christenthum mehr und mehr an Ausbreitung gewinnt, das -ist um so eher zu erwarten, wenn erst die Häuptlinge bekehrt sind und -durch maßvolles Vorgehen, unparteiische Rechtspflege, das Vertrauen der -Eingebornen ganz gewonnen ist. - -Da die Marschall-Inseln heute deutsches Besitzthum, die Bewohner also -in gewissem Sinne unsere Landsleute sind, so mag es vielleicht an der -Stelle sein, hier in ihrer Sprache das Gebet des Herrn, das „Vater -unser“, anzuführen. - -_Yememuij i lon, en kwojarjar etom. Ea itok am ailin. Yen komonmon -ankil am i lol enwot dri lon._ - -_Ranin, letok non kim kijim ranin: Im jolok annuij jerawiwi, enwot -kimuij jolok an armij jerawiwi jen kim. Im jab tellok non mon, ak -drebij kim jennana, Bwe am ailin, im kajur, im wijaak in driv._ - -Erwähnt habe ich bereits, daß eine Stammverwandtschaft zwischen den -Bewohnern der Marschall-Inseln und der Karolinen-Gruppe besteht, ihre -Sprache und Sitten in vielen übereinstimmen. Deshalb will ich das -gleiche Gebet auch in der Sprache dieser Inselbewohner, mit denen -ich oft genug zusammengekommen und die auch zu jener Zeit, leider nur -vorübergehend, unter dem Schutze der deutschen Flagge gestanden haben, -hier anführen. Es lautet: - -_Papa tumus su in kosav, E'los val payi. Pogasai lalos tuku. Orek ma nu -fwalu, ou elos oru in kosav. Frite kit len si ini ma kut mono misini: -et nunok munas nu seske ma koluk las, oanu kut nunok munas sin met orek -ma kuluk nu ses. A tie kot kit kut in mel, a es kit la liki ma koluk, -tu togusai lalos, a ku, a mwolanu, ma patpat._ - -Mit dem Versuche, in obiger Schilderung ein anschauliches Bild von den -Marschall-Inseln zu geben, möchte ich noch gleichzeitig eine wichtige -Frage, nämlich die Deportationsfrage, verbinden. - -Unzweifelhaft wird auch in unserem Vaterlande einst entschieden -werden müssen, ob Deutschland nicht auch, wie seit langem Rußland -und Frankreich, die Deportation als ein Mittel ansehen muß, um sich -der Elemente der Bevölkerung zu entledigen, die heute die Zucht- und -Gefängnißhäuser anfüllen, wenigstens die unverbesserlichen Individuen -und schweren Verbrecher auszustoßen und solche, so der menschlichen -Gesellschaft, ihrer Gefährlichkeit halber, zu entziehen. Zwar wird in -Deutschland wohl nur die zwingende Nothwendigkeit dahin führen die -Deportation rechtskräftig zu machen, zumal die Ansicht, mit dieser -sei sowohl das geistige wie körperliche Verderben eines Individuums -verbunden, noch eine allgemeine ist. Indeß man kann doch zu einer -anderen Beurtheilung der Frage gelangen, wenn zugleich mit der -zweifellos harten aber gerechten Strafe die Menschlichkeit durchaus -gewahrt wird und ein Deportirter nicht als ein bereits dem Tode -Verfallener anzusehen ist, eher noch die Möglichkeit vorliegt, ein -solcher kann der menschlichen Gesellschaft wieder als ein nützliches -Mitglied zugeführt werden. - -Wohl zu berücksichtigen ist natürlich bei einer in Frage kommenden -Deportation, daß eine der Hauptbedingungen, der nöthige Abschluß -von jeder Gesellschaft ist und dabei doch, anders als in Zucht- und -Gefängnißhäusern, den Verurtheilten ein bestimmtes Maß der Freiheit -gegeben wird. Das Nächstliegende, um solche unerläßliche Vorbedingung zu -erfüllen, wird immer das sein, daß man naturgemäß einsame, dem Verkehr -entzogene Landstrecken, wie es größere oder kleinere Inselgruppen -sind, dazu in Aussicht nimmt. Und nicht mit Unrecht, denn der schwer -zu bändige Trieb nach persönlicher Freiheit wohnt jedem Wesen inne und -wird daher bei verwegenen Naturen weit eher zum Durchbruch kommen. - -Indeß, ist eine natürliche, unübersteigliche Grenze gezogen, stellt -dem menschlichen Willen und Wollen sich ein Element, der Ozean, -entgegen, ist die Folge, daß bei nicht gänzlich empfindungslosen -Naturen schon der großartige Anblick des Weltmeers, die ruhige oft aber -wildgrollende Sprache des Ozeans, eine wirksame Besserung im Naturell -eines Verbannten erwarten läßt. Und fraglos werden demjenigen, dessen -Gesichtskreis nicht enge Zellen beschränken, sondern dem sich die -Wunder der Natur, der Ozean und das Firmament, in ihrer erhabensten -Schönheit zeigen, sich Empfindungen aufdrängen, die schließlich die -Erkenntniß herbeiführen, daß der Mensch dazu berufen ist, im Einzelnen, -wie in der Gesammtheit einem höheren Zwecke zu dienen. - -Wohl läßt sich erwarten, daß prinzipielle Fragen sich einer -gesetzlichen Deportation entgegen stellen werden, indeß, mögen sich -auch noch so große Einwendungen dagegen erheben lassen, eines ist -sicher, dem in Freiheit gebornen, wenn auch verbrecherisch veranlagten -Menschen, bringt nicht die Strafe, bringt nicht die enge Zellenhaft, -sondern die goldene, wenn auch beschränkte Freiheit zur besseren -Erkenntniß. Um nun zu begründen inwiefern die Deportationsfrage -nicht so ohne weiteres als unausführbar abzuweisen ist, ziehe ich -die Möglichkeit in Betracht, daß die einsamen sehr wenig bevölkerten -und dem Weltverkehr entlegenen Marschall-Inseln als eine Heimstätte -für schwerer Verbrechen wegen Verbannte angesehen werden könnten und -zwar aus triftigen Gründen 1. als das Klima auf diesen Inseln als ein -gesundes anzusehen ist; 2. die Ernährung, selbst für eine große Zahl, -mit Leichtigkeit durchzuführen ist; 3. die Bewachung auf so einsamen -von jeder Verbindung abgeschlossenen Inseln keine strenge zu sein -braucht; 4. Feste Häuser unnöthig sind und nur Baracken des milden -Klimas wegen in Frage kommen können. Sollten aber dennoch feste Häuser -nothwendig sein, sind solche leicht durch das im Ueberfluß vorhandene -Korallenmaterial herzustellen; 5. geregelte Thätigkeit wird durch -Anbau von Kokosplantagen, Anpflanzung tropischer Gewächse als Taro, -Arrowroot etc. der Züchtung von Schweinen und Hühnern und schließlich -Bereitung der Kopra, der Herstellung von Matten und Tauwerk aus den -Fasern der Kokosnuß etc. für zahlreiche Verbannte vorhanden sein und -mit der Zeit sich aus Anpflanzungen Erträge ergeben, die die zweifellos -anfänglich erheblichen Kosten reichlich decken werden. - -Was speziell die Ernährung anbetrifft, die für einen Europäer -besondere Beachtung verdient, so würde solche durch Zufuhr geeigneter -Nahrungsmittel in Verbindung mit den leicht zu züchtenden und zu -erhaltenden Schweinen und Hühnern eine ausreichende sein, zudem bietet -der Ozean selbst durch seinen überaus großen Fischreichthum eine -beliebige Abwechslung dar, und für keinen Kenner jener Koralleninseln -kann ein Zweifel bestehen, daß dort nicht ausreichende gesunde -Nahrungsmittel vorhanden sind. Anders freilich würde die Frage betreffs -des guten Trinkwassers zu lösen sein, da das gefundene Grundwasser -(durch Korallen filtrirtes Seewasser) auf die Dauer doch schädlich sein -könnte, auch angelegte Cisternen in regenarmer Zeit nicht ausreichen -möchten. Jedoch die Anlage von Condensatoren, die Seewasser in -Süßwasser verwandeln, das auf großen Passagierschiffen fast ausnahmslos -verwendet wird, würde jeden Bedarf decken. - -Der berechtigte Einwand, den auf tiefer Kulturstufe stehenden -Eingebornen sollte man nicht, um nicht das Ansehen der Europäer zu -schädigen, den Transport gefangen gehaltener Weißer vor Augen führen, -wird bei der Anlage einer Verbrecherstation auf den gedachten Inseln -hinfällig. Denn wie erwähnt ist die Bevölkerung eine geringe und manche -Korallen-Inseln sind fast unbewohnt auf denen aber nicht minder die -Anlage von ausgedehnten Kokosplantagen möglich ist. Zieht man das -Facit, so kann der Gedanke, auf einsamen Inseln der Marschall- resp. -Browns-Gruppe Deportirte unterzubringen, durchaus nichts abschreckendes -haben, zumal alle Vorbedingungen gegeben sind und neben der großen -Entlastung der Zellengefängnisse käme der Vortheil dazu, daß mit einer -verhältnißmäßig billigen Arbeitskraft ein Kulturwerk gefördert würde, -das die Eingebornen niemals zu vollbringen im Stande sein werden; -auf solche Weise der Werth der Marschall-Inseln für Deutschland ganz -besonders gesteigert werden würde. - - - - -V. Reisen durch die Marschall- und Karolinengruppe. - - -Wie erwähnt, weisen sämmtliche Atolls der Marschall-Gruppe dieselbe -Eigenthümlichkeit auf, nur in Form und Größe sind sie verschieden; -auffallend aber ist, daß fast bei allen die Leeseite der Atolle, d. h. -also die, welche dem schweren Anprall der Ozeanwogen, die der oft sehr -starke Nordost-Passat an diese Gestade treibt, nicht ausgesetzt sind, -größere Landmassen aufweisen, hingegen an der Luv, d. h. Nordostseite, -nur dort sich Anhäufungen von Sand und kleine oder größere Inseln -sich finden, wo die Koralle ein weites mächtiges Riff erbaut hat. Ich -habe nachgewiesen, daß Korallen-Inseln allein nur durch losgelöste -Rifftheile entstanden sind, naturgemäß also die Wind- oder Wetterseite -zuerst solche aufweisen müßte, daß dies nun auf diesen Atolls -weniger der Fall, liegt daran, daß der starke Wind den von den Wellen -gebildeten Korallensand hinwegfegt, über die Lagunen treibt und eine -Anhäufung an der Leeseite begünstigt. Deshalb sind auch, mit wenigen -Ausnahmen alle Stationen und Ansiedelungen der Weißen dort angelegt, -zumal da dort bequeme Zugänge zu den Lagunen sich befinden, theils für -die Schiffahrt günstiger Ankergrund vorhanden ist. - -Da die Lagunen eine ganz beträchtliche Ausdehnung haben, zwischen 5 -bis 70 Seemeilen lang sind, wird es erklärlich, daß in den Einfahrten -sowohl bei Fluth, als auch Ebbe, eine starke und unter Umständen sehr -starke Strömung vorhanden ist. Die Einfahrten im Jaluit-Atoll und auch -in anderen sind gewöhnlich, weil sie nur schmal, für ein Segelschiff -nicht zu passiren, so lange der Strom mit großer Kraft ein- oder -ausläuft; erst kurz vor oder nach eingetretenen Stillstand, d. h. -wenn Fluth oder Ebbe wechselt, sucht man ein- oder auszulaufen; und am -besten ist es, wenn Durchfahrten auch bei niedrigstem Wasserstand noch -tief genug sind, mit steigendem Wasser dies zu unternehmen; man sieht -dann die Riffe besser und läuft auch keine Gefahr, wenn das Schiff an -oder auf einem Riffe festkommen sollte, sitzen zu bleiben. - -Im Jaluit-Atoll wird meistens die zwischen den Inseln Jabor und -Enübor befindliche Südost-Passage, als Einfahrt, und die von hier nach -Südwesten, zwischen Ai und Medjerrurik, liegende Passage, als Ausfahrt -benutzt, seltener die Nordost-Passagen. Gegen widrige Winde diese engen -Fahrstraßen zu benutzen ist für ein größeres Schiff schier unmöglich, -ich habe es mit einlaufendem Strome öfter versucht, nie aber gewagt ein -großes Segelschiff auf diese Weise, wenn ich in Jaluit anwesend, und -zeitweilig als Lootse thätig war, ein- oder auszubringen. - -Sehr häßlich ist es, wenn zwischen zwei Inselspitzen der vorher starke -Wind plötzlich abflaut, oder sogar für den Augenblick entgegengesetzt -weht; hat dann das Schiff keine genügende Fahrt oder ist sogar -Gegenstrom vorhanden, ist die Lage für einen Führer oder Lootsen -geradezu peinlich. Für den Schiffsführer der aus der Südwest-Ausfahrt -von Jaluit segeln will, bedarf es einer genauen Kenntniß der -Oertlichkeit, vor allem namentlich am Nachmittage, wo er die Sonne -recht voraus hat, die das Wasser wie eine Silberfluth erscheinen läßt. - -Als ich einst beordert war eine Bark hier hinaus zu lootsen, wurde -der Wind zwischen den Inseln Ai und Medjerrurik still, die Untersegel -schlugen back, während die Oberbramsegel noch den vollen Wind hatten -und das Schiff trieb dem nahen Riffe zu. Nichts war dagegen zu -machen, da aber jede Zögerung die Gefahr vergrößerte, so gab ich kurz -entschlossen die nöthigen Befehle. Die Raaen flogen an den Wind, die -klar gehaltenen Boote rauschten ins Wasser und wurden schnell voraus -gebracht, nachdem das Schiff mit Tauen an ihnen befestigt war, ruderten -kräftige Seemannsfäuste aus Leibeskräften, um das steuerlose Schiff -wieder in Fahrt zu bringen. Bald half der stoßweise umspringende Wind, -bald hemmte er, doch ging es langsam vorwärts, bis die Brise wieder mit -voller Kraft einfiel und es ermöglichte, das Schiff zu regieren. - -Als ich mit meinem Boote zurückkehrte, hoffte ich die zehn Seemeilen -weite Entfernung bis Jabor aufkreuzen zu können, da brach aber in -einer Böe der Mast, und die zwei Mann im Boote konnten gegen Strom -und Wind nicht vorwärts kommen. Nirgends war wegen der Riffe Land -zu erreichen, so mußten wir ohne Wasser und Lebensmittel wachend -die Nacht verbringen. Am nächsten Vormittage mußte irgendwo Land -aufgesucht werden, wir landeten auch an einer unbewohnten Stelle, wo -wir, nachdem meine Leute aufgefundene Kokospalmen erklettert hatten, -Durst und Hunger an jungen Nüssen stillen konnten. Darnach als hiervon -genügend Vorrath eingesammelt war, ruderten wir in heißer Sonnengluth -längs der Riffe weiter, erreichten aber die Station erst in der frühen -Morgenstunde des dritten Tages. - -Die erste Reise im Marschall-Archipel hatte ich nach Ebon, Namorik, -Kili u. a. zu unternehmen und besuchte auf dieser zuerst die kleinsten, -aber auch fruchtbarsten Atolle. Die einzige Einfahrt in der Ebon-Lagune -liegt an der Südwestseite zwischen den Inseln Juridi und Meidj, diese -ist zwar tief, aber sehr schmal und ausgedehnte Riffpatschen nach innen -machen diese sehr schwer zugänglich, dazu läuft ein wirbelnder Strom -ein und aus, der einem Schiffe gefährlich werden kann, wenn dieser in -voller Stärke einsetzt, ehe frei Wasser gewonnen ist. - -Der Wind ist zum Durchsegeln dieser Einfahrt selten günstig, ein -Ankern außerhalb am Riffe nicht immer rathsam, und so begegnete es mir -beim Einkreuzen, daß der über das Riff auslaufende Strom das Schiff -innerhalb der langen Einfahrt an das Riff trieb, und dieses auf der -schräg abfallenden Korallenwand sitzen blieb. Das Wasser fiel und, kam -ich nicht frei, mußte das Schiff schließlich sich auf die Seite legen, -umfallen und volllaufen. Deshalb wurde schnell ein Anker ausgebracht, -der auf hundert Fuß Wassertiefe erst den Grund erreichte, und nun -versucht, das Schiff abzuwinden; allein die starke Leine riß sehr bald -von scharfen Korallen durchschnitten entzwei, und der Anker, an dem -die Bojenleine zu kurz gewesen, war verloren. In Ermangelung eines -schweren geeigneten Ankers, wurde nun als letzter Versuch schnell -einer der Buganker zum gegenüber liegenden Riffe gebracht und gut -hinter Korallensteine versenkt, dann versuchten wir aufs neue, das sich -langsam neigende Schiff mit aller Gewalt abzubringen, und es gelang. - -Wäre diese Anordnung erfolglos geblieben oder nochmals die Leine -gerissen, so hätte ich nur noch versuchen können, schnell Gaffeln oder -Segelbäume abzutakeln von den Masten, und senkrecht an der gefährdeten -Seite im Wasser aufzustellen; wären diese an der Bordwand festgebunden -worden, so wäre vielleicht durch solche Stützen, wenn das Wasser nicht -zu tief fiel, ein Unglück vermieden worden sein. - -Ich war fast jedesmal gezwungen, in der Ebon-Lagune einzulaufen, selbst -später mit dem größten Schiffe der Gesellschaft und bin immer ohne -besondere Schaden weggekommen. Nur einmal in dunkler Abendstunde in -der Ost-Durchfahrt, der kleineren, aufkreuzend, lief ich noch, von den -Riffen frei, auf Anrathen eines guten Lootsen, den der König von Ebon, -der Häuptling Nelu, mir gestellt hatte, der mit seinem ganzen Gefolge -sich an Bord befand, weiter nach der Insel Eninaitok, zwischen vielen -Riffpatschen und Untiefen hindurch. Als die Insel in Sicht kam, war -wegen der Dunkelheit der Abstand vom Lande schwer zu schätzen, und -hätte ich mich nur auf die Kenntniß des Lootsen verlassen, und nicht -lothen lassen, würde dieser mir das Schiff mit voller Fahrt aufs Riff -gesetzt haben. Plötzlich nur drei Meter Wassertiefe findend, jagte -ich gerade noch zur rechten Zeit das Schiff in den Wind und brachte es -zum Stillstand; darauf segelte ich vom Lande ab und ging auf größerer -Tiefe zu Anker, mich wenig daran kehrend, daß nun die Häuptlinge etwas -länger im Boote sitzen mußten und die Ausschiffung länger dauerte. Um -die schon tagelang an Bord befindlichen Eingebornen noch ans Land zu -bringen, hätte ich, vertrauend der besseren Kenntniß derselben, bald -mein Schiff arg gefährdet gesehen. - -Manchem anderen Schiffe ist es beim Einkreuzen in dieser Lagune nicht -sonderlich gut ergangen, Beschädigungen am Schiffsboden, leichter -oder schwererer Art, waren nicht selten, und wer nicht durchaus hinein -segeln mußte, vielleicht nicht unter der Insel Juridi ankern durfte, -kreuzte lieber tagelang vor der Einfahrt hin und her; was ich mitunter -auch that, wenn in der schlechten Jahreszeit die See am Riffe zu schwer -oder nur wenig Ladung zu landen oder abzunehmen war. - -Die Lagune selbst bietet, sobald man die schlechte Durchfahrt -durchsegelt hat, einem Schiffe überall sichern Ankergrund; ein -geschützter Hafen ist das weite Becken, in welchem heftiger Wind nur -selten das ruhige klare Gewässer erregen kann. - -Ein flüchtiger Ueberblick auf dieses weite Becken läßt vermuthen, -daß nur noch wenig Riffe mehr, außer den der Ausfahrt vorgelagerten, -vorhanden sind, und doch befindet sich eine große Zahl kleiner und -größerer Riffpatschen in demselben; die Thätigkeit der bauenden -Koralle, welche im Laufe der Zeit diese Lagune verschließen wird, -ist in vollem Gange. Recht in die Augen fallend erweist sich diese -Thatsache, langsam zwar, aber immer weiter bauen die Polypen, und -nach menschlicher Voraussicht wird sich hier von allen offenen Atolls -zuerst der Vorgang abspielen, daß diese Lagune für jeden Schiffsverkehr -durch die unzerstörbare Arbeit der winzigen Thierchen geschlossen -wird. Fahrten durch die ganze Lagune von Insel zu Insel bestätigten -mir diese Annahme, da ich unter Land sowohl wie auch im großen freien -Wasserbecken weit ausgedehnte Riffe vorfand. - -Die meisten der langgestreckten Inseln dieses Atolls sind flach und -ohne besondere Erhebungen, der Unterbau, Korallensteine, die aber -schon so hoch mit einer Humusschicht bedeckt sind, daß solche wenig -sichtbar werden, auch hat die reiche Vegetation, das Eindringen der -Pflanzen im Gestein, das ihre zur Verwitterung desselben beigetragen. -Ueberhaupt habe ich kaum auf einem anderen Atoll so dichtes Gebüsch, -hohe Bäume und wuchernde Pflanzen angetroffen, wie auf Ebon; anzunehmen -ist, daß dazu der reichlich fallende Regen, der die Verwesung in der -Pflanzenwelt befördert, viel beigetragen hat. - -Vor allem erwähnenswerth ist hier neben den sehr zahlreichen -Kokospalmen der mächtige Brotfruchtbaum, dessen schmackhafte Frucht -eine Hauptnahrung der Eingebornen ist. Der Baum wird über 60 Fuß -hoch und trägt auf hohem Stamme, der oft mehrere Fuß im Durchmesser -hat, eine gewaltige Krone, er könnte in seinem Bau mit unserer Eiche -verglichen werden. Seine Früchte, am Ende der Zweige hängend, haben -eine länglich runde Form und werden ein bis zwei Pfund schwer. Sie -werden gewöhnlich zwischen heißen Steinen oder am Feuer geröstet und -bieten selbst dem weißen Manne einen Ersatz für Brot und Kartoffeln, -vor allem auf Inseln, wo die Jamswurzel oder Taro nicht erhältlich -sind. - -Hier auf Ebon, wo ich öfter an den Mahlzeiten der Eingebornen -theilnehmen mußte, lernte ich eine neue Art der Zubereitung dieser -Brotfrucht kennen, wodurch dieselbe ganz besonders schmackhaft gemacht -wurde. Das Herz der Frucht wird mit einem Stückchen Holz oder mit den -Fingern entfernt, in die entstandene Höhlung dann weiße Kokosnußmilch -gefüllt, und so in Blätter eingewickelt, zwischen heißen Steinen -gebacken. Das goldgelbe Fleisch, dessen Nährgehalt durch die Milch noch -erhöht ist, wird so ein noch vorzüglicheres Nahrungsmittel. Auf anderen -Inseln wo man diese Art der Zubereitung nicht kannte, fanden alle -vereinzelt lebenden weißen Händler stets ganz besonderes Wohlgefallen -an der auf diese Weise zubereiteten Brotfrucht. - -Aeußerst fischreich ist auch die Ebon-Lagune, namentlich in der -starken Strömung der Einfahrt hält sich ein wohlschmeckender, -giftfreier Fisch auf, ähnlich unserem Blei. Um solche Fische nun zu -erhalten, die weder nach der Weise der Eingebornen, noch mit Angeln zu -fangen sind, benutzen hier die Händler von San Franzisko eingeführte -Dynamitpatronen, die angezündet und zur rechten Zeit ins Wasser -geworfen, durch Zerspringen alle am Orte befindlichen Fische betäuben. -Diese kommen dann für wenige Minuten an die Oberfläche und werden, ehe -sie wieder sinken, in die Kanoes oder Boote schnell eingesammelt; ist -das Wasser nicht zu tief, werden die Fische durch Taucher vom Grunde -heraufgeholt. - -Die Verwendung solcher Patronen bedingt aber große Vorsicht; ein -Verpassen des rechten Augenblickes, eine fehlerhafte Zusammenstellung -des Sprengstoffes, bringt immer große Gefahr für den, der nicht -ganz genau mit der Anwendung Bescheid weiß. Mehrfach habe ich Leute -getroffen, denen durch das explodirende Dynamit, wenn eine solche -Patrone nicht gut geladen war, mehrere Finger weggerissen waren, einige -aber auch, die ihre Unkenntniß oder Ungeschick mit dem Verluste der -rechten Hand bezahlt haben. - -Als ich einst unter der Insel Juridi vor Ebon zu Anker lag, erbat sich -mein Steuermann Kitimatu, ein Japaner, die Erlaubniß, mit dem Boote -fischen zu dürfen. Da mir unbekannt war, daß derselbe sich von einem -Händler Dynamitpatronen gekauft hatte -- übrigens eine verbotene Waare, -die nur im Geheimen zur Einführung gelangt -- wurde ich erst durch -den dumpfen Knall darauf aufmerksam gemacht. Bald sah ich, wie die -Besatzung des Bootes in das Wasser sprang und eine beträchtliche Menge -großer Fische in dasselbe hineinwarf. Der Japaner, ein vorzüglicher -Taucher, holte vom Grunde immer mehr herauf, so daß nach der Zahl der -angesammelten Fische zu urtheilen, mehrere hundert derselben betäubt -oder getödtet sein mußten. - -Dulden durfte ich nicht, daß fernerhin solche Art von Fischerei -betrieben wurde, vor allem nicht die Mitführung des gefährlichen -Dynamits an Bord, und obwohl mir, wie auch der Mannschaft, die große -Menge schöner Fische nicht unwillkommen war, so mußte für die Folge -doch die Verwendung solcher Patronen unterbleiben. Ziemlich erstaunt -war daher der Japaner und die Freude seines Erfolges gedämpft, als ich -vor seinen Augen die mir ausgehändigten übrigen Patronen über Bord -warf; es wollte ihm nicht recht einleuchten, wie ein so nützlicher -Gegenstand anderen gefährlich werden könne. - -Ehe ich meine Angaben über den Ebon-Atoll schließe, will ich noch -eines Vorganges erwähnen, der mir später an den Außenriffen leicht -den Verlust des Schiffes „Futuna“ eingetragen hätte. Leichter, -südwestlicher Wind wehte, als ich einst in der schlechten Jahreszeit, -im Anfang Oktober, vor Ebon anlangte und wegen einiger Bootsladungen -Güter nicht erst einlaufen wollte, sondern die Boote an Land sandte und -durch den Steuermann das Geschäftliche erledigen ließ. Darauf segelte -ich, da ich von hier nach den Karolineninseln beordert war, beim Winde -liegend längs der Riffe nordwestwärts; zwar nahe dem Riffe, jedoch frei -genug, um gegebenen Falls ein Segelmanöver ausführen zu können. Querab -der Insel Toka aber, als ich schon hoffen konnte das Riff nach kurzer -Entfernung mehr nach rechts abfallen zu sehen, wurde das Schiff von -einer unerwarteten Strömung dem Riffe, auf welchem eine mittelmäßige -Brandung lief, zugedrängt und erkennend, ich würde nicht frei davon -kommen, gab ich Befehl zum wenden. - -Nie hatte der Schooner, selbst in gefährlichen Engen, eine Wendung -versagt, jetzt aber ging er nicht durch den Wind. Ein zweiter Versuch, -mit ganzer seemännischer Geschicklichkeit ausgeführt, schlug wieder -fehl; einen dritten wagen, da ich schon der Brandung sehr nahe gekommen -war und der sicher fehl gehen mußte, da das Schiff nicht mehr Raum -genug hatte um gute Fahrt zu gewinnen, hieß es geradezu aufs Riff -setzen. Verloren schien das Schiff auf jeden Fall, da ich wegen des -kurzen Abstandes vom Riffe keine Möglichkeit mehr sah, dieses vor den -Wind herumzubringen, welches ja das einzige Manöver ist, wenn Strömung -und schwerer Seegang ein Wenden verhindern. Doch um alles zu thun, -mußte ich auch dies wagen; wie ich auf das Riff kam, angetrieben, oder -mit vollen Segeln vor dem Winde, war jetzt gleichgültig; einmal in -der Brandung mußte das Schiff doch nach kurzer Zeit am steilen Riff -zerschlagen und in die Tiefe sinken; die einzige Aussicht war, daß sich -die Mannschaft noch unter Umständen retten könnte. - -Es ist ein Haupterforderniß für den Seemann auch in der gefahrvollsten -Lage nicht den Kopf zu verlieren, sondern entschlossen zu handeln, so -gab auch ich ohne Besinnen ehe noch das Schiff durch den Druck seiner -Segel wieder an den Wind gekommen war, den Befehl, das Ruder hart -Backbord zu legen, die Raasegel vierkant zu führen, alle Schooten der -Schratsegel los zu werfen, und siehe wie ein Schwan mit ausgespannten -Fittichen lief das Schiff mit schneller Fahrt seinem Verderben -entgegen. Noch aber war seine Stunde nicht gekommen; das wackere -Schiff, mit dem ich noch manche Noth und Sturm durchkämpfen sollte, -ehe es in diesem Ozean an einer anderen Insel „Kili“ in die Tiefe sank, -gehorchte über Erwarten gut dem Steuer. Die 150 Fuß, die das Schiff vom -Riffe entfernt gewesen, hatte es noch nicht durchlaufen, als es durch -den Druck der sehr schnell hantirten Segel wieder an den Wind gebracht -war. Zwar lief die hohle See schon unter dem Kiel und hob das Schiff -zum vernichtenden Stoße, -- keine zehn Fuß hinter dem Heck donnerten -die Schaumkronen der Brandung -- und doch, mit freiem Winde die Fahrt -beschleunigend, entkam ich dem sicher erwarteten Verderben. - -Auf einer Fahrt von Jaluit nach Ebon und zurück, traf ich in der -Ebon-Lagune den Häuptling Launa mit einigen seiner Proas an, mit -denen er, zur Abreise nach Jaluit gerüstet, nur auf gutes Wetter -wartete. Da die Gelegenheit günstig war, mit dem deutschen Schiffe nun -die Ueberfahrt zu machen, trat Launa mit mir in Unterhandlung wegen -des Fahrgeldes, dessen Höhe ihm zwar gut genug bekannt, das er aber -herabgesetzt wissen wollte. Als ich darauf nicht eingehen konnte, -erklärte er mir, dann solle auch keiner seiner Leute mit mir fahren, -er segele mit seinen Kanoes billiger. Thatsächlich ging er am Abend -desselben Tages in See und erreichte glücklich Jaluit. - -Die Kunst, mit Geschick und Verständniß, solche nicht ungefährliche -Fahrten in leicht zerbrechlichen Kanoes zu unternehmen, ist heute nur -noch wenig Inselbewohnern eigen, obwohl sie früher im Bereich dieses -Archipels nichts Ungewöhnliches waren. In der Nalik-Kette bedienen sich -die Häuptlinge aber mehr der europäischen Segelschiffe, auch besitzt -der König Kabua, eigentlich Nelu, ein solches, mit dem sie von Insel zu -Insel fahren und es auch selber, ohne Hilfe eines Weißen führen. - -Dieses Verständniß der Navigirung nur war einst ein streng gehütetes -Geheimniß erfahrener Häuptlinge. Der es den Weißen verrieth, büßte es -mit dem Tode. Obgleich die Inselbewohner sich auf ihren Fahrten nach -dem Stand der Sonne und des Nachts nach den Sternen richten, worüber -sie zu ihrem Zwecke genügend Bescheid wissen, haben sie sich doch eine -Seekarte angefertigt, die unzweifelhaft beweißt, daß sie über die -Lage der einzelnen Gruppen sowohl, wie über Wind und Strömungen gut -unterrichtet waren. - -Diese Karte besteht nur aus geraden oder gebogenen dünnen untereinander -verbundenen Stäben, auf denen an bestimmten Stellen die einzelnen -Inseln durch kleine Muscheln oder Steine angezeigt werden, die -gebogenen Stäbe geben den Strom oder auch den Seegang an, was -gleichbedeutend mit der Windrichtung sein würde. Alle Atolle sind -auf diese Weise bezeichnet, und die Abstände derselben von einander -verhältnißmäßig ziemlich genau angegeben. Hieraus ersieht man, daß -in früheren Zeiten ein reger Verkehr im Bereiche dieses Archipels -stattgefunden hat, die Eingebornen von Insel zu Insel segelten und so -ihre Kenntnisse erweiterten; die vor sehr langer Zeit einfach genug -gewesen sind, z. Z. als die heutigen Atolle noch nicht vorhanden waren, -oder doch deren Ränder noch hohe zusammenhängende Landmassen bildeten, -die im Laufe der Zeiten erst gesunken. Keine oder nur sagenhafte -Ueberlieferungen haben diese Eingebornen, von denen die eine Beachtung -verdient, daß nach der vor langer, langer Zeit an Stelle der jetzigen -Atolle hohe Inseln gestanden haben, aber welche Veränderungen hier -stattgefunden, was ihre Vorfahren geschaut, darüber schweigt ihr Mund! - -Der Namorik-Atoll, in Nordwest-Richtung etwa 70 Seemeilen von -Ebon entfernt, ist einer der wenigen, die durch die Korallen schon -geschlossen sind. Nur zwei langgestreckte Inseln, von einander durch -Riffe getrennt, die früher den Zugang zur Lagune gestatteten, bilden -die ganze Landmasse, sind aber ebenso fruchtbar und ertragreich, wie -die Inseln des Ebon-Atolls. - -Steile Korallenwände, an denen kein Ankergrund gefunden werden kann, -heben sich aus großer Tiefe empor. Und wenig angenehm ist es für einen -Schiffsführer, sich stets unter Segel hier halten zu müssen; oft habe -ich daselbst tagelang an der Westseite unter Land kreuzen müssen, ehe -mit Booten, die häufig am steilen Strande gefährdet sind, die Ladung -abgenommen war. Wohl ist heute noch das Wasser in der Lagune klar -und rein, da von außen über die Riffe hinweg der Ozean seine Wogen -hineinspült und damit der noch langsam bauenden Koralle frische Nahrung -zuführt; wird dies aber einst durch Anhäufungen von Gestein und Sand -unmöglich, so muß durch die heiße Sonne eine Verdunstung und damit eine -Versumpfung eintreten. - -Diesen Prozeß hat bereits die von Namorik in Ost-Richtung etwa 65 -Seemeilen entfernt liegende Insel „Kili“ durchgemacht. Eine Seemeile -lang, ist die kleine Lagune schon vollständig umschlossen und ein -großer Sumpf, in welchem die Pflanzenwelt Fuß gefaßt hat und überreich -wuchert. Anfänglich war das Eiland unbewohnt, weil Kokospalmen und -Pandanus nur spärlich vorhanden waren und einzig wilde Hühner und -Schweine dort ungestört hausten; jetzt hat man mit der Lichtung -des wilden Busches begonnen, und die Anpflanzung einer ausgedehnten -Kokosplantage verspricht einen lohnenden Ertrag. - -Die Insel ist ebenso steil und unzugänglich wie Namorik, nur am Südende -erstreckt sich ein langes Riff in die See hinein, auf welchem stets -schwere Brandung steht und beim Kreuzen unter Land einem Schiffe -gefährlich werden kann. Auf diesem ging auch der, einst von mir -geführte Schooner „Futuna“ gänzlich in einer dunklen Nacht verloren. - -Solche Schiffsverluste sind gewöhnlich auf unbekannte Strömungen -zurückzuführen, die vorherrschend sind oder zeitweise auch von den -Winden hervorgerufen werden. Muß man sich des Nachts unter Land halten, -um nicht zu weit abzutreiben und dadurch Zeit zu verlieren, so ist -es immer nöthig, sich über die Stromverhältnisse erst Gewißheit zu -verschaffen. - -In dieser Hinsicht ist die auf 0° 25' Süd-Breite und 167° 10' -Ost-Länge liegende Insel „Pleasant-Eiland“ besonders bemerkenswerth, -da dort der starke Aequatorialstrom, sobald der Wind nachläßt, jedes -Schiff hinwegführt und Tage auch Wochen hingehen, ehe die Insel -wieder erreicht werden kann. Fast jedem Schiffe, das dorthin Reisen -unternommen hat, ist diese Strömung verhängnißvoll geworden, auch -mir, unter den sechs Malen, daß ich dort habe anlaufen müssen, in zwei -Fällen. - -Anfang April 1886 nach Pleasant-Eiland beordert, erreichte ich die -Insel mit günstigem Winde schnell. Da auch hier nirgends Ankergrund -gefunden wird, ist es Gebrauch, sich Tag und Nacht ganz dicht unter -Land zu halten, vor allem nicht nord- oder südwärts über die Insel -hinauszusegeln, sonst führt der starke Strom das Schiff mit sich fort -und kann nur bei frischem Winde und ein guter Segler den verlorenen -Abstand wieder gewinnen. - -Die Insel ist sehr fruchtbar, daher auch die Kopraausfuhr recht -bedeutend; aber eigenthümliche Verhältnisse unter der Bevölkerung -schädigen den Handel sehr, da zwischen den Bewohnern der elf Bezirke -fast fortwährend gekämpft wird, und das Niederschlagen der Palmen durch -den Sieger, das Aufblühen dieses gesegneten Ländchens verhindert. Die -Eingebornen waren anfänglich den Fremden feindlich gesinnt und haben -lange der Niederlassung europäischer Händler widerstanden; erst als -ihnen die Wirkung der Feuerwaffen, die namentlich von Amerikanern -eingeführt wurden, bekannt war, gelang es einzelnen Fremden, dort Fuß -zu fassen. - -Im Innern dieser etwa 15 Seemeilen im Umfange haltenden Insel erheben -sich zwei kegelförmige Krater, einige hundert Fuß hoch, die längst -erloschen sind und auf deren verwitterten Lavafeldern sich eine überaus -reiche Pflanzenwelt entfaltet hat. Selbst ein Kratersee ist vorhanden, -in dem die Eingebornen Fische züchten; auch Höhlen sollen vorhanden -sein, die wahrscheinlich durch vulkanische Erhebungen entstanden sind. - -An jenem Tage, als ich die Nordspitze zum ersten Male umsegelte und -dicht unter dem etwa 200 Meter breiten Riffe mich aufhielt, hörte man -am Nordende der Insel fortwährendes Gewehrfeuer. Die Eingebornen waren -wieder in einen Kampf verwickelt. Zum Glück wußte ich wie harmlos im -Grunde genommen solche Kämpfe sind, daß es in der Hauptsache dabei -nur auf zweckloses Knallen, wildes Geschrei und lautes Geschimpfe -ankommt. Selten fällt ein Gegner, auch genügen einige Verwundungen, um -die Kampflust zu befriedigen, und bald beenden feierliche Verträge, -die nie gehalten werden, die Raufereien. Das Schlimmste dabei ist, -daß die anfänglich zügellose Wuth dieser wilden Menschen den Europäer -gefährdet, daher ist dessen Haus gewöhnlich eine kleine Festung, -geeignet, im Nothfall sich dahinter zu vertheidigen; sie fürchten aber -auch die Treffsicherheit des weißen Mannes und wagen es daher selten, -Wunden oder Tod sich durch einen Angriff zu holen. - -Ist ein Kampf eröffnet, so nimmt der ganze Stamm daran theil; auch wenn -der Europäer selbst nicht gefährdet ist, kann er zu solcher Zeit keine -Arbeiter erhalten, um Ladung in Empfang zu nehmen oder zu verschiffen. - -So war es auch an diesem Tage. Der Superkargo, Herr Tuchtfeldt, ein -Beamter der Gesellschaft, den ich abgesetzt hatte, theilte mir mit, -daß nichts zu machen sei; ich hatte also zu warten, und unablässig -mit vollen Segeln auf- und abkreuzend d. h. ich ließ das Schiff eine -gewisse Strecke treiben und segelte dann wieder dem Lande zu. Als nun -die dunkle Nacht hereinbrach, deren Schatten die Insel den Blicken -entzog und es schwer wurde, den sichern Abstand vom Lande zu schätzen -auch vor Mitternacht noch die Kraft des Windes nachließ, erkannte ich -bald, daß die Fahrt des Schiffes geringer sei als der entgegenlaufende -Strom. - -Mehr und mehr verschwanden die dunklen Umrisse der Insel, und als -der Morgen tagte, sah ich nichts mehr von dieser, nur vom hohen Maste -aus entdeckte ich, weit im Osten noch einen dunklen Punkt. Fünfzehn -Seemeilen hatte der Strom das Schiff schon nach Westen getrieben, -und Tage, dachte ich, würden hingehen, ehe ich diese Entfernung mit -frischem Winde wieder aufgekreuzt hätte. Ich konnte über Backbord -Bug am meisten Ost gewinnen, deshalb segelte ich 24 Stunden in -Südost-Richtung fort. - -Hatte ich aber geglaubt, südlich weniger Strom zu finden, so war dies -eine bittere Täuschung, denn ich ermittelte am nächsten Mittag, daß -das Schiff einen Grad in Südsüdwest-Richtung versetzt worden war, -mithin ein Strom von vier Seemeilen in der Stunde nach Westen lief. -Eine solche Stärke des Stromes von dessen Vorhandensein ich ja Kenntniß -hatte, kam mir unerwartet, doch brachte sie mich nicht in Verlegenheit, -besonders da nichts zu ändern war. - -Unter den Schiffsführern, die bereits abgetrieben waren, war wie ich -später erfuhr die Ansicht verbreitet, daß man in solchem Falle nicht -gegen den Strom kreuzen dürfte, sondern sofort über den Aequator -hinauszukommen suchen müsse, weil man erst auf 4 bis 5 Grad nördlicher -Breite mit dem Gegenstrome erfolgreich nach Osten aufsegeln könne. Daß -ich dies nicht wußte, hat mir großen Nachtheil gebracht, denn als ich -nun überzeugt, daß ich auf südlichem Kurse nichts gewinnen würde und -wieder nordwärts auf Nordnordwest Kurs beim Winde lag, wurde dieser -immer schwächer, so daß ich nur wenig Nord gewann. Am dritten Tage erst -hatte ich wieder den Breitengrad der Insel Pleasant-Eiland erreicht, -befand mich aber bereits 70 Seemeilen weit von dieser entfernt; was -ich befürchtet und in dieser Gegend nicht selten ist, traf ein, der -Wind wurde ganz still und auf dem spiegelglatten Meere, das kaum -eine langgezogene Dünung bewegte, trieben wir unter der brennenden -Sonnengluth immer weiter westwärts, mit einer Geschwindigkeit von -durchschnittlich 72 Seemeilen in 24 Stunden. - -Jeden Lufthauch, der hin und wieder aufsprang nutzte ich aus, um bloß -aus dieser häßlichen Lage herauszukommen, denn am zehnten Tage (die -Linie war wieder passirt) war das Schiff bereits 750 Seemeilen von -der Insel abgetrieben worden. Am 14. Tage auf etwa ein Grad nördlicher -Breite angelangt, fand ich keinen oder nur noch sehr geringen Strom, -aber kein Wind wollte aufkommen; was aber das Schlimmste war, der -Wasservorrath ging zu Ende; das Tagesmaß war längst schon so weit -herabgesetzt worden, daß jeder Mann nur einen Tassenkopf voll per Tag -empfing, und nach einigen Tagen war kein Tropfen mehr an Bord. - -Der Grund, daß dieser Mangel eintreten konnte, war folgender: es hatte -in Jaluit längere Zeit nicht geregnet, die Wasserbehälter, die das von -den Dächern abfließende Wasser auffangen, waren fast leer, so ging -ich mit wenig Wasser in See, fest darauf rechnend, in der Nähe des -Aequators Regen anzutreffen. Die Wassernoth an Bord wurde schließlich -sehr groß, hatte ich doch außer der Mannschaft noch 6 Eingeborne von -Pleasant-Eiland mit mir, die während der Ladezeit als Arbeiter helfen -sollten und vom Händler, damit er dieser Leute sicher wäre, sofort mit -dem ersten Boote abgeschickt worden waren. - -Um die Qual des Durstes zu stillen, durchsuchten die Leute alle -Räumlichkeiten des Schiffes, wo eine Kokosnuß verborgen sein konnte, -und in der höchsten Noth war ein Tropfen halb verdorbener Kokosmilch -ein Labsal für uns alle. Die nächste Insel „Greenwich-Eiland“ sollte -etwa 120 Seemeilen östlich von uns liegen, aber auch wenn ich Wind -gehabt, hätte ich Tage gebraucht, diese niedrige Koralleninsel zu -erreichen. So von Tag zu Tag hoffend, daß endlich eine Aenderung -eintreten oder doch Regen kommen werde, suchte ich mit den schwachen -Lüften, die das Schiff kaum eine Seemeile in der Stunde durchs Wasser -trieben, nur nördlich zu kommen. War ich erst hoch genug und ständiger -Wind wieder vorherrschend, konnte ich die nächste Insel in der -Karolinen-Gruppe aufsuchen, fand ich voraussichtlich dort auch kein -Wasser, so würden doch Kokosnüsse zu erhalten gewesen sein. - -Regenschwere Wolken hingen am Horizonte schon tagelang, und wie -sehnsuchtsvoll nach dem Himmelsnaß ausgeschaut wurde, daß jene Wolken -heraufkommen und sich öffnen möchten, kann nur der ermessen, der -qualvollen Durst gelitten hat und bereits die Verzweiflung in den Augen -der Gefährten blitzen sah, die lechzend nach Wasser riefen. - -Doch Gottes Hilfe ist am nächsten, wenn die Noth am größten. Drei -Wochen waren hingegangen, da setzte ein frischer Ostwind ein, neue -Hoffnung beseelte uns, in 36 Stunden konnte ich die Mortlok-Inseln -erreichen, und alle Noth hatte ein Ende. Aber noch gnädiger war der -Himmel, nach dem Winde kam bald der Regen und so reichlich, daß alle -Behälter gefüllt werden konnten; die furchtbare Qual des Durstes war -vorüber. An der Grenze der äquatorialen Gegenströmung, mit der ich -jetzt auf etwa 4 Grad nördlicher Breite schneller ostwärts zu kommen -suchte, fand ich verhältnißmäßig schlechtes und kühles Wetter vor, -schwere Regenböen nöthigten mich häufig nur gereffte Segel zu führen. - -Ueber fünf Wochen waren hingegangen, ehe ich wieder Pleasant-Eiland -sichtete und diesmal mich drei Tage dort halten konnte. Ein besserer -Segler, ein amerikanischer Schooner, war bald nach mir eingetroffen, -derselbe trieb auch in den ersten Nächten ab, kehrte aber in drei -Wochen wieder zurück und, da dies das einzige Schiff blieb, welches in -diesem Zeitraum die Insel angelaufen, hatte der Vertreter der Firma -dasselbe nicht zur Rückreise nach Jaluit benutzt, sondern auf meine -Rückkehr gewartet. Somit fand ich denselben wohlbehalten dort wieder -vor, wiewohl sich schon bei den Weißen die Ueberzeugung Bahn gebrochen, -es müsse meinem Schiffe etwas zugestoßen sein; auch nach Jaluit -zurückgekehrt, fand ich dort die Nachricht verbreitet, ich sei verloren -gegangen. - -Weitere Reisen nach der Ratak-Kette, zunächst nach dem Milli-Atoll, -machten mich auch dort mit den staatlichen Verhältnissen bekannt. -Bald sah ich, daß die Bewohner weniger Nutzen von der vordringenden -Civilisation gehabt hatten, als die der Ralik-Kette. Während erstere -die monarchische Regierungsform zur Einigung geführt und Auflehnungen -einzelner Häuptlinge verhindert hat, hat auf der Ratak-Kette die -Herrschsucht der Häuptlinge viele Unzuträglichkeiten geschaffen, vor -allen wenn zwei oder mehrere sich in den Landbesitz eines Atolls zu -theilen hatten. - -Vielfach fand ich auch um Dörfer und an den Grenzen einzelner -Besitzungen, gerade oder in Kreisform aus Korallensteinen aufgeführte -Mauern. Diese bilden die Grenzscheide, wo gelegentlich Belagerer, die -immer die stärkeren sind, und Belagerte zusammentreffen. Es ist kein -Kriegführen, nur ein Zerstören, als das Gebiet des Unterliegenden -außerhalb der Mauer vernichtet wird. Selten, wiewohl die Eingebornen -bereits europäische Waffen in Menge besitzen, selbst die Häuptlinge -die besten Hinterlader haben, fällt aus Zufall ein Gegner von einer -verirrten Kugel getroffen. Fertigkeit im Zielen haben sie noch nicht -erlangt, was ein Glück ist, denn hätten sie diese, so würden sie, mit -ihrem scharfen Gesicht sehr gefährliche Gegner sein. - -Eigenthümlich ist, daß der Belagerer fast nie die Mauer zu nehmen wagt -und ein Handgemenge möglichst vermeidet, eher versucht der Belagerte -nächtliche Ausfälle, freilich ohne dabei etwas zu gewinnen. Der -Streit endet gewöhnlich durch Uebergabe oder Aushungern, auch durch -freiwilliges Abziehen des Stärkeren, der bei der Zerstörung der Palmen -und Pandanusbäume sein Müthchen gekühlt hat; nicht selten aber auch -durch so unvernünftige Handlungen eine Hungersnoth heraufbeschwört. - -Helden sind die Männer alle nicht, sinn- und zweckloses Schießen ist -ihnen die Hauptsache, mehr noch das gegenseitige Beschimpfen und die -Aufführung kriegerischer Tänze. Nicht genug aber, daß verschiedene -Häuptlinge sich auf einem Atoll bekriegen, sie rüsten sich auch mit -ihren Proas Kriegszüge nach anderen Atolls zu unternehmen. Noch im -Jahre 1885 zogen von Majuro 16 Kanoes mit 300 Mann unter Lailik aus um -einen Häuptling auf Aurh zu bekriegen. Diese große Zahl Menschen ist -aber niemals dort angekommen, obwohl der Abstand beider Atolle nicht -besonders groß ist, sondern nur etwa 70 Seemeilen beträgt, es müssen -Wind und Strömungen sie vertrieben haben, wenigstens wurde nie wieder -etwas über das Schicksal dieser Schaar bekannt. Ich fand einmal sechs -Monate nach jenem Aufbruche zwischen den nördlichen Atolls einen Theil -eines großen Kriegskanoes treiben, theilte dieses den Händlern später -auf Majuro mit und die Eingebornen entnahmen aus dieser Mittheilung, -daß sie nun völlig ihre Angehörigen als verloren zu betrachten hätten. - -Unter den Häuptlingen der Ratak-Kette war der angesehenste der -verstorbene Kaibuke, dessen Neffe Leaugnat über Milli herrschte, -andere, der junge Kaibuke, neben dem Häuptling Jiberik herrschte -auf Majuro, auf Maloebab, Murijil; außer diesen war noch eine ganze -Anzahl kleinerer Despoten vorhanden, die durch persönliche Zänkereien -die Entwicklung der Inseln hinderten und auf einem Atoll oft -solche Zustände schufen, daß jahrelang ein Verkehr einzelner Stämme -untereinander unmöglich ward. - -Zwar ist nach der Besitzergreifung der Marschall-Atolle durch -Deutschland entschieden Wandel geschaffen worden, das Erscheinen der -großen Kriegsschiffe, oft innerhalb der ausgedehnten mit Untiefen -besäeten Lagunen, hat gewaltigen Eindruck gemacht. Jetzt, wo eine neue -Obrigkeit vorhanden, haben die Privatkriege zu unterbleiben, jetzt gilt -nicht mehr das Recht des Stärkeren, sondern die Streitigkeiten müssen -vor das deutsche Gericht gebracht werden. Mancher Häuptling, der die -Einmischung der Weißen in seine Angelegenheiten, d. h. in die eines -muthwillig herbeigeführten Streites, unbequem fand und widersetzlich -wurde, hat zum eigenen Nachtheil empfinden müssen, daß Verletzung der -Pflichten und Gewaltthätigkeiten schwer geahndet werden. - -Von Apia aus hatte ich einen langjährigen Diener des Herrn Konsuls -Weber an Bord, ein Marschall-Insulaner, mit Namen Angenang, der in -seine Heimat zurückbefördert werden sollte und so lange an Bord die -Pflichten eines Kochs zu versehen hatte, bis sich Gelegenheit gefunden, -ihn auf Milli abzusetzen. Es hatte diesem im Dienste der deutschen -Gesellschaft so gut gefallen, daß er mit dem Plane umging, seine ganze -Verwandtschaft zu beeinflußen, ebenfalls auf drei Jahre sich nach Samoa -zu verpflichten. Als sich nun die Gelegenheit bot, den Milli-Atoll -anzulaufen, erhielt ich Weisung die Anwerbung der freiwillig sich -Meldenden an Bord vorzunehmen. Mehrere Tage in der Milli-Lagune hin -und her segelnd, (es waren allerlei Förmlichkeiten mit einzelnen -Häuptlingen zu erledigen) landete ich schließlich im Nordosten unter -der Insel Ennanlik. Nicht lange währte es, bis sich einige Familien, -Männer und Frauen, im ganzen 26 Personen, bereit fanden, auf einige -Jahre nach einem fernen, unbekannten Lande auszuwandern, das freilich -im Gegensatz zur öden, wenig fruchtbaren Korallen-Insel ein Paradies -war. - -Den Abschied zu verkürzen, der endlos zwischen den Scheidenden und -den Zurückbleibenden zu werden drohte -- viel Herzlichkeit, wie ich -solche den Eingebornen kaum zugetraut, zeigten sie gegen Verwandte und -Eltern -- beschleunigte ich die Abreise und befand mich am ersten Abend -bereits weit von Milli entfernt, als sich ein Vorfall ereignete, der -Schiff und Mannschaft, sowie Fahrgästen einen schrecklichen Tod hätte -bereiten können. - -Da wenig Ladung Kopra im Raum war, hatte ich, um die kaum bekleideten -Menschen Nachts nicht unnütz an Deck frieren zu lassen, auf alten -Segeln eine Lagerstatt bereiten lassen. Aber anstatt die Ruhe zu -suchen, unterhielten sie sich nach alter Gewohnheit, dabei war ihnen -die Dunkelheit im Schiffsraume wohl nicht genehm, sie suchten also -aus ihrem wenigen Gepäck eine einfache Petroleumlampe, von deren -Vorhandensein ich nichts wußte, hervor und zündeten sie an. Lampe -und Brennmaterial war recht schlechte Waare, von Händlern auf Milli -eingetauscht, von deren Gefährlichkeit diese Naturkinder natürlich -keine Ahnung hatten, und so kam es, daß die auf den Kopra gesetzte -Lampe umfiel und explodirte. - -Schon waren nach 8 Uhr Abends längst die Wachen abgelöst. Die Wache -an Deck hatte ihre Posten, Ausguck und Ruder bezogen, und unter dem -sternenklaren Himmel einer friedevollen Nacht herrschte völlige Ruhe -auf dem einsam durch den Ozean ziehenden Schiffe. Da plötzlich ein -gellender Aufschrei, ein helles Aufblitzen einer Feuerwelle -- wie ich -vom Hinterdeck aufgesprungen bin und im Augenblick die Größe der Gefahr -erkannt habe, wußte ich nachher selber nicht. Die Männer, welche vor -den Frauen die befestigte Leiter emporkletterten, stieß ich mit Gewalt -zurück und sprang, der von allen Seiten herbeistürzenden Mannschaft -befehlend, mir zu folgen, mitten unter die vor Schrecken gelähmten -Menschen. - -Zum Glück war nur die Hauptluke geöffnet geblieben, kein Luftzug -regte die Flammen an, der von hinten wehende Wind trieb den schnell -entwickelten beißenden Qualm zum leeren Vorraum; da glücklicher Weise -die Lampe auf unbedeckten Kopra, von den Sachen und der Schlafstätte -der Leute, weit entfernt aufgestellt gewesen war, so brannte auch erst -das umhergespritzte Petroleum allein und von diesem mit entzündet der -oelhaltige Kopra. Als einziger Europäer an Bord, (ich hatte nur einen -Insulaner als Bootsmann, Lajibid, da es eigentliche Steuerleute nicht -gab, vielmehr oft genug solchen Posten irgendwo entlaufene Matrosen, -die das Schicksal bis hierher verschlagen, ausfüllen mußten) galt es -zuerst die im Hinterraum zusammengedrängten Frauen herauszubringen, -was ich schnell dem Lajibid übertrug, während ich mit den inzwischen -ebenfalls herabgesprungenen Leuten die Schlafmatten ergriff, und -solche ausgebreitet in das Feuer schleuderte, um es etwas zu dämpfen. -So erreichte ich es, daß die nackten Leute, welche sich sonst der -entwickelten Gluth nicht nähern konnten, muthig vordrangen und so -schnell Matte auf Matte deckten, daß diese selbst nicht anbrennen -konnten, auf die Weise wurde das Feuer erstickt. - -Ueber dem Feuerheerde wurden dann alte Segel ganz ausgebreitet und -nun, da hilfreiche Hände genug vorhanden waren, (den Milli-Leuten ließ -ich nicht lange Zeit sich zu besinnen) wurden Ströme Wasser mit Eimern -oder mit dem was gerade zur Hand war ausgegossen. Nachdem dann dem -furchtbaren Rauche durch Oeffnen aller Luken Abzug geschafft war, wurde -schnell mit Schaufeln, freiliegende Kopra haufenweise über Segel und -Matten aufgeschüttet; als auch diese wieder durchnäßt war, war nach -mehrstündiger Arbeit jede Gefahr beseitigt. - -Welch ein Schicksal aber wäre uns beschieden gewesen, wenn wir des -furchtbaren Elementes nicht Herr geworden wären! Nicht die Hälfte der -Leute hätte ich retten können, das einzige Boot würde mit 20 Menschen -schon bei bewegtem Seegange überladen gewesen sein und ehe es möglich -geworden wäre Land zu erreichen, -- Jaluit lag noch annähernd 120 -Meilen vor uns, zurück gegen Wind und See zu rudern war ausgeschlossen --- wären wir sicher eine Beute der Haie geworden wie alle anderen. - -Selbst für den mit allen Gefahren der See vertrauten Seemann -- -Gefahren von denen der Landbewohner sich nichts träumen läßt -- sind -solche Augenblicke schrecklich, vor allem für einen Führer, der weiß, -daß Menschenkraft im Kampfe gegen drei Elemente erliegen muß. Er selber -harrt auf seinem Posten aus und stirbt, wenn er das Schicksal der ihm -anvertrauten Wesen nicht mehr wenden kann, aber er weiß auch, daß die, -die sich vielleicht auf Trümmern gerettet, einem grausamen Geschick -verfallen sind. - -Solche Gedanken geben einem Menschen übernatürliche Kräfte und -Fähigkeiten -- die Gefahr liegt vor ihm, Tod oder Leben hängt von -seiner Entschlossenheit und seinem Können ab -- und mit dem Muthe der -Verzweiflung stürzt er sich ihr entgegen, um die Planke zu schützen, -auf der er steht, die ihn und die Gefährten über die blau schimmernde -Tiefe, über den Ozean trägt. - -Nach Jaluit zurückgekehrt, fand ich dort mein früher geführtes Schiff, -das von Apia hierher beordert worden war, als Ablösung vor und hoffte -schon die Milli-Leute nach Samoa bringen zu können; indeß ich hatte nur -die Schiffe zu wechseln und befand mich bald wieder auf einer Monate -langen Reise durch die Karolinen-Gruppe. Da die Mannschaft, Niue-Leute, -für längere Zeit an Bord zu verbleiben verpflichtet war, so hatte ich -nun wieder eine geübte Besatzung. - -Ich muß mich darauf beschränken von dieser ausgedehnten Gruppe hoher -Vulkan-Inseln und zahlreicher Korallen-Atolle ein begrenztes Bild zu -entwerfen und kann nur aufrichtig bedauern, daß den zur Kolonialarbeit -wenig tauglichen Spaniern diese reiche Inselwelt zurückgegeben war und -über ein zukunftreiches Gebiet die entfaltete deutsche Flagge wieder -eingezogen wurde. Die Atolle der Karolinen, zwar nicht an Umfang -denen der Marschall-Inseln gleich, sind aber doch ebenso reich an -Erzeugnissen wie diese, auch meist in größerer Ausdehnung bebaut, da -die Bevölkerung zahlreicher ist. - -Die hohen Basalt-Inseln wie Yap, Ruk, Ponapè, und Kufat, Stammvesten -der Bevölkerung, sind dagegen in Wahrheit Edelsteine im weiten Ozean, -die an Fruchtbarkeit in nichts den Samoa-Inseln nachstehen, vielmehr -diese noch übertreffen. Die überreiche Natur wartet nur der fleißigen -Hand, welche die aufgespeicherten Schätze heben soll. Soll man ein -Urtheil über die gesammte Gruppe abgeben, so trifft noch immer der von -früheren Entdeckern gethane Ausspruch zu „Das ganze Meer ist besät mit -Edelsteinen, gerade wie der Spiegel des sternenbesäten Himmels über -diesem.“ „_The whole is studded with ocean gems, as if the mirror of -the starry sky above it._“ - -Wenn ich hauptsächlich bei den östlichen Inseln verweile, so geschieht -es darum, weil auch ich mit diesen besser bekannt geworden und hier -zum Theil Augenzeuge von Vorgängen gewesen bin, die wenigen noch in der -Erinnerung, vielen nie wahrheitsgemäß geschildert worden sind. - -Zunächst nach Ponapè bestimmt, sah ich diese weithin sichtbare große -Insel bereits am sechsten Tage. Einen hochwillkommenen Anblick boten -die hohen Felsenmassen dem einsam auf weitem Meere hinziehenden -Schiffer; geschmückt mit ewigen Grün vom höchsten Bergesgipfel bis -zum blauen Ozean, breitete sie sich gleich einem Paradiese aus vor -den staunenden Augen, wie solches von der Hand der Natur nicht schöner -geschaffen, wie es einem sorglos glücklichen Volke nicht besser geboten -werden kann. - -Wie ausgestorben, scheinbar unbewohnt, liegt im smaragdenen Kleide -im Ozean gebettet die Insel da, nichts als das Laub zahlloser Bäume -ist sichtbar, aus dem vom Strande aufwärts die hochragenden Palmen -sich vereinzelt oder in Massen abheben. Wenn man dicht unter die weit -abliegenden Riffe, die mit schmalen Inseln besät sind, vorübersegelt, -erblickt man hinter diesen ein weites ruhiges Becken, das von den -draußen stürmenden Wogen des Ozeans nicht im geringsten bewegt wird -und, wie weit man auch an diesem Riffe und Inselkranze entlang segelt, -sich immer gleich bleibt. Zwischen dem dichten Laube der Bäume wird -keine Hütte sichtbar, doch Rauch steigt hier und dort auf; unter -den steilen Felswänden zieht phantastisch ein Kanoe, um bald zu -verschwinden. - -Ein bloßer Punkt auf meiner Karte, war diese 60 Seemeilen im Umfang -große Insel. Sie war nur nicht genau bekannt, auch wußte ich nicht wo -ich die Einfahrt zur deutschen Station zu suchen hatte, darum lief ich -unter der Ostküste nach Süden und suchte westwärts weiter nach einer -Durchfahrt. Da das Wasser still war, wagte ich es als ich gegen Abend -eine ganz schmale Durchfahrt zwischen zwei Riffinseln fand, für mein -Schiff gerade breit und tief genug, einzulaufen. Zwar lagen anfänglich -schlecht sichtbare Riffpatschen umher, die gefährlich werden konnten, -doch näher dem Lande verschwanden auch diese, und bald lag wie im -sichersten Hafen das Schiff ruhig vor seinem Anker. - -War vorher nichts von Menschen sichtbar gewesen, so erschien jetzt -bald hier und dort ein Kanoe, und nicht lange währte es, dann lag eine -Anzahl derselben längsseit; Hühner, Eier, Yams, Ananas, Bananen, -Fische und Kokosnüsse, sowie Perlmutterschalen u. s. w. wurden zum -Kaufe angeboten, gegen wenig Tabak konnten von den nackten Eingebornen -die wohlschmeckenden Erzeugnisse dieses reichen Landes eingetauscht -werden. Lungur-Eiland, den Bestimmungsort, mir zu zeigen, ließen sich -willig einige Leute gegen geringes Entgelt bereit finden, sie meinten -eine freie Durchfahrt führe innerhalb der Riffe dahin. - -Wohl segelte ich am anderen Morgen einige Stunden weiter nördlich im -ganz stillen Wasser, doch unter der 1000 Fuß hohen senkrechten Felswand -von Jocoits an der Nordseite, fand ich zwischen den hier zahlreichen -großen und ausgedehnten Riffen nur schmale gewundene Engen, die mit -konträrem Winde nicht gut zu durchsegeln waren. Ich nahm deshalb -das Kanoe der Eingebornen an Deck, und suchte durch eine Oeffnung -im Hauptriffe wieder die freie See auf, um so nach der eigentlichen -Jocoits-Einfahrt zu gelangen. In der That wurde bald Lungur-Eiland und -die Station erreicht. - -Durch dieses theilweise Umsegeln der ganzen Insel, ward mir die -Gelegenheit gegeben, die mächtigen Felsenpyramiden sowohl, wie auch -die überaus reiche Pflanzenwelt aus der Nähe zu beobachten; machte -ich mich später auch mit dem Innern der Insel näher bekannt und sah -die Großartigkeit der Natur in ihrer vollen Pracht und Wildheit, so -schwächte dies doch nicht den zuerst gewonnenen Eindruck ab. - -Die Insel muß in früherer Zeit eine öde Felsenmasse gewesen sein, bis -die allmähliche Zersetzung der Lava und Basaltmassen auf der Oberfläche -für das Pflanzenleben fruchtbaren Boden geliefert hat. Heute krönt -die Höhen ein fast undurchdringlicher Urwald, reicher Humus hat sich -abgelagert, die Verwesung der Pflanzen, die gestürzten Baumriesen -erzeugten ihn, hohe Schichten der fruchtbarsten Erde deckten Thal und -Höhen überall. Kurze reißende Ströme, aus tausend Quellen genährt, -stürzen zu Thal, an ihren Mündungen weite Flächen abgeschwemmtes -Land wieder ablagernd, das oft weithin bis zum Fuße der Felsen mit -Seewasser überdeckt wird und doch dem Mangroven-Baum und vielen anderen -ein Fortkommen gestattet, so daß, gleichwie in der Höhe, auch hier, -mächtige Wälder sich ausgebreitet haben. - -Silberklar und kühl ist das herrliche Wasser dieser Flüsse, oft -bin ich, so weit ich nur mit einem Boote kommen konnte, diese -hinaufgefahren, um die Großartigkeit der Urnatur zu betrachten; selbst -im Innern des dunklen Erdtheils (Afrika) habe ich in den jungfräulichen -Urwäldern kaum solche eigenartige Schönheit der Natur gefunden, wie sie -sich hier auf so kleinem Raume dem Auge darbot. Gestürzte Baumriesen -lagen, gestützt auf ihre mächtigen Zweige, von Ufer zu Ufer, Brücken, -auf denen die zahllosen Insekten hin und her wanderten; auch See- und -bunt gefiederte Singvögel liefen ohne Scheu auf solchen auf und ab. -Tausende von Luftwurzeln, Lianen und Schmarotzerpflanzen strebten von -den Bäumen herab zur Erde, um sich wieder in endloser unentwirrbarer -Kette zu heben. Girrend lockt die Taube überall, nicht erkennbar wegen -ihres dunklen Gefieders, im dichten Laub der Bäume, und nur das scharfe -Auge des Eingebornen weiß sie zu finden und mit sicherem, unfehlbarem -Schusse aus der luftigen Höhe herab zu holen. - -Die Arten der Pflanzen und Bäume mit ihren Abarten, die Nahrung und -Kleidung geben, sind sehr zahlreich; hauptsächlich aber sind es von den -Bäumen Brotfrucht, Pandanus, Kokosnuß und Bananen, von den Erdpflanzen -Yams, Taro, Ananas und andere, die ohne jegliche Pflege überall wachsen -bis weit hinaus auf dem Inselkranz, woran gleich einer schäumenden -weißen Linie die Wogen des Ozeans sich unablässig brechen. - -In geologischer Hinsicht weist Ponapè besondere Merkmale auf. Der -Unterbau ist fester Basalt, darüber thürmen sich aus gleichem Gesteine -2-3000 Fuß hohe Bergkuppen und Höhenzüge auf und darauf wieder -vielfach schichtweise gelagerte Lavamassen. Ebenso fand ich auch im -südlichen Theil der Insel, nahe dem Kiti-Hafen, als ich zu den schwer -zugänglichen Höhen aufstieg, zu Tage tretenden rothen Lehm in ziemlich -starken Schichten abgelagert vor, sicher ein Erzeugniß vulkanischer -Ausbrüche. Auffallend aber ist, daß das Berggefüge in seiner Masse -sowohl, wie in einzelnen Theilen, ein Spielball furchtbarster -Naturkräfte gewesen zu sein scheint, denn entkleidet des überaus -reichen Pflanzenwuchses böte sich dem Auge des Beobachters ein Gemenge -übereinander gethürmter Felsen und Gesteine dar. Nicht die alles -zersetzende Zeit allein hat ihnen hier ihren Stempel aufgedrückt, -vielmehr sind die zahllosen Sprengstücke, mit denen die ganze Insel -besät ist, sicher nur Erzeugnisse der gewaltigsten Erschütterungen und -Umwälzungen schon erstarrt gewesener Massen. - -Der Hauptheerd der vulkanischen Thätigkeit muß an der Nord- und -Nordostseite gelegen haben, da hier eine Reihe kleinerer und größerer -Inseln, die getrennt von der gewaltigen Masse der Insel Ponapè liegen, -sich als muthmaßliche Krater erwiesen haben. So die Inseln Mutok, -Yokocts, 800-1000 Fuß hoch, Yarum, Momts, Takain und Lungur. Die -genannten sind alle Basaltgebilde, oft steil und schwer zugänglich, -und steigen bis zu 300 Fuß und darüber. Allerdings habe ich keine -Krateröffnungen gefunden, wohl aber Lavageschiebe, wenn auch nur in -geringerer Menge. - -Eine von Fachleuten unternommene Durchforschung der Inselgruppe -dürfte zur Bestätigung meiner Ansicht führen. Diese stützt sich auch -namentlich darauf, daß Lungur ein stumpfer von allen Seiten steil -abfallender Kegel ist (ich habe ihn öfter an steiler Wand erklettert) -und oben im Gestein eine geschlossene kahle Vertiefung zu Tage tritt. -Auch ist das weite fruchtbare Vorland mit mächtigen Felsblöcken -bedeckt, die von der Hauptmasse eine gewaltige Kraft abgesprengt haben -muß. - -Auffallend ist die oft bedeutende Tiefe innerhalb des mächtigen -Riffes, welches die ganze Insel in einem Umkreise von 60 Seemeilen -umgiebt; einzig erklärlich dadurch, daß in früherer Zeit ein Sinken der -Gebirgsmasse stattgefunden hat, ein neuer Anbau der Korallen aber durch -das frische Wasser der Flüsse verhindert wurde und nur dort die Polypen -den äußeren Riffwall schaffen konnten, wo ihnen der Ozean reichlich -Nahrung bot, so daß schließlich um die ganze Insel Ponapè eine Lagune -entstanden ist. - -Das Innere der Insel mit seinen Urwäldern ist zum Theil selbst für -den Eingeborenen noch unzugänglich und unbekannt, nur wenige schmale -Thäler, gebildet von steilen Felswänden, führen durch die einzelnen -Gebirgspartien; auch längs der Flüsse, deren Wasserkraft sich im -Gestein breite Wege gebahnt hat, ist ein Aufstieg zu den steilen Höhen -möglich. Aber der Eingeborene trägt kein Verlangen, sich in der Wildniß -umzuschauen, überall in gleich großartiger Weise tritt sie hervor. -Am Strande wie auch am Fuße der unzugänglichen Höhen und verborgen im -Gebüsch, an Felswänden, im Schatten gewaltiger Bäume hat er sich seine -Dörfer erbaut. - -Die Entdeckung der Karolinen-Inseln ist den Spaniern zuzuschreiben -und zwar soll Quirosa bereits im Jahre 1595 Ponapè gesehen haben. -Versuche der Spanier im 17. Jahrhundert, auf den westlichen Inseln Fuß -zu fassen, scheiterten aber gänzlich an der Wildheit der Eingebornen, -die stets die Priester und Kolonisten ermordeten. Die Folge war, daß -das weite Gebiet bis zum 19. Jahrhundert fast ein unbekanntes Land -geblieben ist. Jedenfalls war der Anspruch der Spanier auf diese reiche -Inselgruppe unberechtigt, da sie sich nie darum bekümmert haben, auch -kaum Kenntniß von dem dort verborgenen Reichthum hatten. Deutschen und -Amerikanern blieb es überlassen diesen Völkern die Gesittung zu bringen -und sie an den Anblick des weißen Mannes zu gewöhnen. - -Ueberfälle und Wegnahme einzelner Schiffe haben auch hier wie anderswo -in früherer Zeit stattgefunden. Die Eingeborenen, lüstern nach -fremden Schätzen, bemächtigten sich meist durch Verrath der fremden -Fahrzeuge, nachdem ihrer Uebermacht die Besatzungen erlegen waren. -Nach Ueberlieferungen haben die Spanier mehrmals Ponapè besucht, sind -aber, da sie den Eingebornen vertrauten, in deren Hände gefallen und -niedergemacht. Unter anderen soll im Süden der Insel, wahrscheinlich -im Kiti-Hafen, ein Schiff genommen sein, dessen Leute nicht anders -getödtet werden konnten, als dadurch, daß man ihnen die Augen ausstach; -sie hätten eine solche feste Haut gehabt, daß sie vor jeder Verletzung -geschützt gewesen wären. Unzweifelhaft sind es in Panzern gehüllte -Spanier gewesen, die hier der Uebermacht erlagen. - -Auch im Metalanim-Hafen soll ein Schiff gestrandet sein und die -ersten Hühner zu dieser Insel gebracht haben. Die Angabe scheint -richtig zu sein, denn man fand später in den Händen der Eingebornen -eine Messingkanone, ein silbernes Kruzifix, einen kupfernen Kessel, -spanisches Geld u. a. m. Die eigentliche Entdeckung Ponapès -erfolgte aber erst im Jahre 1828 durch die russische Korvette -„Seniavina“ (Commandant Lutke) und die genauere Kenntniß verdanken wir -amerikanischen Walfischfängern und den Missionaren. - -Die Bewohner Ponapès, deren Zahl 5000 nicht überschreiten mag, sind, -soweit ich sie kennen gelernt, im Umgange ein friedliches Völkchen, -gefällig und gastfreundlich; trotzdem zeigen sie dem Europäer gegenüber -eine gewisse Zurückhaltung im Benehmen. Etwas Lauerndes liegt in ihrem -Gesichtsausdrucke, sie verleugnen das malayische Blut nicht, das, zum -Theil wenigstens, durch ihre Adern rollt. Es ist die gezähmte Wildheit, -die in dem funkelnden Blick der schwarzen Augen liegt; wie dem Malayen -gegenüber hat der Fremde das unbestimmte Gefühl, als hätte er es mit -einer Katzennatur zu thun und die scharfen Krallen könnten unerwartet -den Arglosen packen. - -Der freie Mann duldet kein Unrecht, Blut allein ist die Sühne dafür; -bin ich recht unterrichtet, so ist unter diesen Eingeborenen die -Blutrache weit verbreitet, auch heute noch ersteht in manchen Familien -immer wieder ein Rächer für die beleidigte Ehre oder für das einst -vergossene Blut. - -Unter sich, im Verkehr mit einander und im Familienleben sind die -Eingeborenen gütig und liebevoll, ganz anders als im Verkehr mit dem -Fremden, dem gegenüber sie nicht selten sich unfreundlich und abstoßend -zeigen; sie haben nur zu wohl dessen Selbstsucht begriffen, daher -treten sie auch kalt und zurückhaltend ihm entgegen. Wohl findet der -Europäer überall in den Hütten Schutz und Obdach, Speise und Trank und -konnte zu jener Zeit unbelästigt wandern, wohin er wollte, aber solche -geübte Gastfreundschaft ist nicht selbstlos, der Gastgeber erwartet -stets eine Entschädigung, die seiner Mühe entsprechend ausfallen muß, -und zwar ein Gegengeschenk, das in seinen Augen werthvoll genug ist. - -Von kräftigem Körperbau, stehen die Männer nach Gestalt dem Weißen -nicht nach, ebenso ist Klugheit ihnen nicht abzusprechen; auch -gewisser Wissensdurst macht sich bei ihnen bemerkbar, und solche, die -Gelegenheit gefunden, andere Länder und Völker zu sehen, stehen bei -ihnen in hoher Achtung. Dennoch scheint die eingedrungene Gesittung -niederdrückend auf das jetzige Geschlecht eingewirkt zu haben, sei -es auch nur, daß sie mehr und mehr grollend, sich in sich selbst -zurückziehen. Die große Fruchtbarkeit, welche diese hohen vulkanischen -Inseln aufweisen, ist durch reichlichen Regenfall bedingt. Ueber -der Gebirgsmasse lagert sehr oft ein dichter Wolkenschleier, der -vorübergehend heftige Regenschauer herabsendet. Im Jahresdurchschnitt -sollen nur 97 schöne, klare Tage vorkommen, 155 bedeckt mit -Regenschauer und 72 Tage ständiger Regen. - -Selten sind elektrische Ansammlungen, Blitz und Donner, und nach dem -Glauben der Eingeborenen besucht dann ihr Gott „Ani“ die Insel und -kündet seine Nähe durch zuckende Blitze und rollenden Donner an. - -Ganz auffallend ist, wie wenig Ueberlieferung bei diesen Volksstämmen -vorgefunden wird, nichts vernimmt man von großen Thaten, nichts von -hervorragenden Häuptlingen; das Leben und Wirken früherer Geschlechter -ist einfach ausgewischt, selbst im Gedächtnisse der Alten. Ob so -geringe Theilnahme vorhanden, ob wirklich nichts Wichtiges in Sagen -und Gesängen zu überliefern war, steht dahin, jedenfalls ist das, -was an Ueberlieferungen vorhanden ist, so gering und unbestimmt, daß -kein Schluß daraus auf das Vorleben dieser Stämme zu machen ist. Nur -die Steine reden, wo der Menschen Mund schweigt -- gewaltige Bauten, -heute noch ausgedehnte Ruinen, stehen als Wahrzeichen einer längst -entschwundenen Zeit und bezeugen die Thatkraft und Klugheit, welche -den vergangenen Geschlechter innegewohnt hat. Woher sie stammen, -darüber fehlt jede Spur; so staunend der Europäer die gewaltigen von -Menschenhand errichteten Werke betrachtet, ebenso kopfschüttelnd -und zweifelnd steht der heutige Eingeborene vor den Werken seiner -Vorfahren. Die Antwort, die ich auf meine Frage erhielt, wer diese -gewaltigen Mauern und Bauten aufgeführt habe, wie es möglich gewesen -sei, Felsblöcke so übereinander zu thürmen und genau in passende Lage -zu bringen, war; daß habe Niemand gethan; vor langer, langer Zeit habe -ein schöner junger Mensch, ein Gott, in den Bergen gewohnt, der habe -zu den Steinen gesagt, sie sollten sich aufeinander legen und so wären -diese Mauern und Bauten entstanden. - -Ich ging durch die Ruinen von Kusai, als ich diese Antwort erhielt; -der Eingeborne, der sie mir gab, schien mir einer der aufgeweckteren zu -sein, überzeugen aber ließ er sich von der Nichtigkeit seiner Angaben -nicht und ich erhielt damit den Beweis, daß diese von den Vorfahren -aufgeführten Werke heute von den Nachkommen als etwas Unnatürliches -angesehen werden. - -Aus gleicher Veranlassung müssen sowohl auf Ponapè wie auf Kusai vor -Jahrhunderten diese Bauten errichtet worden sein und demselben Zweck -gedient haben, da die Lage und Wahl des Ortes auf beiden Insel die -gleiche ist. Diese am Metalanim-Hafen auf Ponapè und im Lela-Hafen auf -Kusai liegenden Ruinen erzählen eine Geschichte, mit Felsentrümmern -aufgeführt, mit Steinen geschrieben und sind eine Ueberlieferung aus -der großen längst entschwundenen Zeit eines einsichtigen Volkes. Die -Eingebornen, von einem einheitlichen Willen einst beherrscht und -geleitet, haben wahrscheinlich diese sowohl zur Vertheidigung wie -zum Wohnsitz geeigneten Bauten aufgeführt. Weniger auffällig wäre -es, wenn aus kleinerem Gestein solche mächtigen Mauern, die große -Quadrate umschließen, aufgeführt worden wären. Das ist aber nicht der -Fall, Felsstücke von ungeheurem Gewichte sind aufeinander gethürmt; -Zwischenräume mit kleineren ausgefüllt; 20 Fuß hoch und 12 Fuß breit -liegen Gesteinmassen in dieser Höhe, die mit ungewöhnlichem Aufwand von -Kraft und Geschick hinaufgeschafft sein müssen. - -Selbst wenn man annimmt, die mächtigen Blöcke seien auf schrägliegender -Unterlage aufgerollt worden, so fehlt doch die Erklärung dafür, auf -welche Art diese an Stelle geschafft wurden, zumal da auf der Insel -Lela die Steine erst über eine weite Wasserfläche haben geschafft -werden müssen. Möglich ist auch, daß die Eingeborenen die so großen -und schweren Felsstücke auf Flöße gerollt und weiter geschafft haben, -aber dann müssen solche auch eine ganz bedeutende Tragfähigkeit -besessen haben. Jedenfalls muß der Gedanke, daß dies alles ohne unsere -heutigen Hülfsmittel ausgeführt ist, jeden, der diese Bauten gesehen, -in höchstes Erstaunen versetzen. Jedes Quadrat in den Ruinen ist durch -Gänge mit einander verbunden, es führen lange Kanäle zum Wasser, und -an der Südseite von Lela münden diese in eine Art von künstlichen -Hafen, dessen Umrisse zwar noch erkennbar, doch zum größten Theil -durch Anschwemmungen verwischt und mit Mangrovengebüsch bedeckt sind. -Uebrigens, als der Aufbau dieser Steinmassen vor nicht festzustellenden -Jahrhunderten begonnen, ist die heute verschwemmte weite Bucht des -Lelahafens bis zum Fuße der Bergmassen auf der Insel Kusai frei -gewesen, heute erstrecken sich dagegen in der Runde große ausgedehnte -Mangrovensümpfe, durch die nur einige wenige Wasserstraßen führen, und -sind höchstens mit einem Kanoe bis zum festen Lande befahrbar. - -Ein Beweis dafür, welch ein gewaltiger Zeitraum hingegangen ist, seit -diese Werke ausgeführt wurden, ist, daß das Innere der Ruinen sowohl, -wie selbst die Steinwälle vollständig überwuchert sind. Hohe Bäume -stehen auf den Mauern, tief sind deren Wurzel ins Gestein eingedrungen -und haben selbst die mächtigen Blöcke durch ihr Wachsthum auseinander -gesprengt. Wie lange diese Ruinen als einstige Residenz der Könige -gedient haben, sei dahingestellt, sie wurden schließlich ein Mausoleum -der großen Todten und sind heute noch die Grabstätte der „Tokesau“ -(Häuptlinge). - -* * * * * - -Die Insel Kusai, die östlichste der Karolinen-Gruppe, unterscheidet -sich von Ponapè nach Form und Größe, sowie dadurch, daß das diese -Insel umgebende Riff bei weitem nicht die lagunenartige Bildung -aufweist, sondern mit dem Lande mehr verbunden bleibt, und nur größere -Ausdehnung an der Nordwest, Nord und Nordostseite hat. An der ersteren, -durch einen Durchbruch im Riff, wird dort der Coquille-Hafen, an -der letzteren durch die Insel Lela „Nin-molchon“ von den Eingebornen -genannt, der Lelahafen gebildet, während im Süden durch Inselchen auf -dem Riffe selbst, durch eine Einbuchtung der Felsenmassen, die hiervon -umgeben sind, der kleine aber sichere Lottin-Hafen entstanden ist. - -In jeder Hinsicht stimmen sonst die beiden Inseln überein, was von -der einen gesagt, gilt auch von der anderen; dieselbe Großartigkeit -der wilden Natur, dieselbe Unzugänglichkeit zu dem Innern und zu den -steilen Bergen, wie auch dieselbe furchtbare einstige vulkanische -Thätigkeit. - -Vorauszusetzen ist, daß auf dieser so fruchtbaren Insel eine ebenso -zahlreiche Bevölkerung gelebt hat, wie auf Ponapè; selbst im ersten -Drittel dieses Jahrhunderts war die Zahl der Bewohner noch mehr als -doppelt so groß wie heute. Früher sollen sogar nach Angabe der ältesten -Eingebornen viel tausende rings auf der Insel gelebt und gewohnt haben. -Die einst zahlreich genug waren, stark bemannte Schiffe zu nehmen, und -im heißen Kampfe die gut bewährten weißen Männer zu überwältigen, sind -heute nur noch ein kleines Häuflein Menschen, 300 an Zahl. - -Furchtbar hat eine schreckliche Seuche, eingeschleppt durch -amerikanische Walfischfänger, unter dieser Bevölkerung besonders -gehaust. In absehbarer Zeit wird auch der letzte Bewohner Kusais bei -seinen Vätern versammelt sein, denn keine menschliche Hilfe kann dem -Aussterben derselben mehr halt gebieten. - -Schrecklich war es solche Kranke zu sehen, noch schrecklicher ihnen -mit Rath und That beizustehen. Manchem verband ich die Wunden, andere -lehrte ich wie solche rein zu halten und zu behandeln sind. Dafür waren -sie auch sehr erkenntlich; lag ich im Hafen von Lela, wurde mir von -Fischen, Schweinen und Schildkröten immer ein Antheil vom Könige Keru, -der mit christlichem Namen Georg II. hieß, an Bord gesandt. Es ist -nämlich Gebrauch, daß alle Speisen für den König sowohl, wie für die -Angesehensten insgesammt, bereitet werden, diese werden dann vor das -Haus des Königs gebracht und dieser bestimmt jedem seinen Theil. - -Sehr unterwürfig sind die Unterthanen gegen ihren mit unbeschränkter -Gewalt ausgerüsteten König, keiner wird unaufgefordert dessen -hochgelegenes und kunstvoll aufgebautes Haus betreten, tief verneigt -sich jeder Vorübergehende; hat einer aber ein persönliches Anliegen, -kniet er auf der untersten Stufe der Treppe, die zum Hause hinaufführt -nieder und bringt in solcher Stellung sein Anliegen vor. Des Königs -Ausspruch ist Gesetz; so oft ich auch bei solcher Gelegenheit im -Königshause anwesend war, fand ich dies bestätigt. - -Durch beiderseitiges Entgegenkommen stand ich mit dem Könige und den -Häuptlingen auf besonders gutem Fuße, was darauf zurückzuführen war, -daß ich auch ihnen unentgeltlich Arznei gab, ihre Wunden verband -und Schmerzen linderte. Sie lohnten mir dafür mit den Erzeugnissen -des Landes, oft brachten sie mir so viel, daß meine Leute kaum -alle Nahrungsmittel zu verzehren im Stande waren. Bei einer solchen -Gelegenheit erhielt ich Kenntniß von einem merkwürdigen Aberglauben. -Ich war im Lelahafen eingelaufen, und da ich Wassermangel an Bord -hatte, fuhr ich sofort mit einem Boote durch das Mangrovengebüsch den -Fluß hinauf zum festen Lande um die mitgenommenen Fässer auffüllen zu -lassen. Im Flußbett bemerkte ich auf klarem sandigen Grunde viele Aale, -die aber zu gewandt waren, als daß sie mit den Händen zu greifen waren, -nur ein mächtiges Thier von 4 Fuß Länge, dessen Schwanz wahrscheinlich -von einem Hai abgebissen war, konnte sich nur mühsam fortbewegen. -Diesen Aal im flachen Wasser zu ergreifen wäre zwecklos gewesen, -deshalb befestigte ich, um ihn doch zu erhalten, ein starkes Messer an -einer Stange, stieß dieses dem Aale durch den Kopf und nagelte ihn am -Grunde fest. Bald waren die Kräfte des Thieres erschöpft, und es gelang -die Beute zu sichern. - -Zurückgekehrt zum Schiffe, fand ich dort eine ganze Zahl Eingeborner, -auch Häuptlinge versammelt, die wieder Geschenke gebracht hatten; kaum -aber hatten die Niue-Leute den großen Aal, den sie essen wollten, an -Deck gebracht und aufgehängt, als die Eingebornen zum großen Theil -auffällig verschwanden, ohne ihr Anliegen vorgebracht zu haben. Ich -las in aller Mienen Abscheu und Furcht, und einen Häuptling befragend, -warum sie sich vor solchem todten Thiere fürchteten, sagte er mir, -daß in den Aalen, die von niemand gegessen werden, der böse Geist sich -aufhalte, und wer solches Thier tödtet oder gar davon ißt, wird sicher -gestraft. - -Dieser Ausspruch war genügend, um die gewiß von thörichtem Aberglauben -erfüllten Niue-Leute stutzig zu machen; sie ließen den Aal, dem sie die -Haut schon abgezogen hängen, und wiewohl ich sie thöricht und unklug -schalt, wollte doch keiner mehr etwas damit zu thun haben, viel weniger -davon essen; es blieb nichts anderes übrig als den „bösen Geist“ -über Bord zu werfen, worauf dann erst die in ihren Kanoes wartenden -Eingebornen an Bord zurückkehrten. - -Bemerkenswerth ist, daß Hundefleisch als besonderer Leckerbissen auf -Ponapè gilt und werden Hunde dort gerne eingetauscht und gemästet. -Ich hatte gelegentlich einmal einen elenden alten Hund, der mir von -Eingebornen der Marschall-Inseln angeboten wurde, angenommen, um das -Thier nicht elendiglich verkommen zu lassen; da es aber gar nichts -werth, dazu bissig und häßlich war, so nahm ich in Ponapè das Angebot, -es für zwei große Schweine abzugeben, an, zufrieden auf solche Weise -den Hund loszuwerden, dem keiner nahen durfte und der mit Vorliebe -seine Zähne in die nackten Beine der Leute einzugraben liebte. - -Zeigen die Marschall-Insulaner im Flechten der Matten u. a. ganz -besonderes Geschick, so übertreffen die Frauen und Mädchen auf Kusai -in einer Hinsicht diese dennoch. Auf einem kleinen Webestuhle, -der eigenartig gebaut ist, weben sie aus feinem Baumbast sehr -kunstvolle Lendengurte, so fein und sauber -- die Zeichnungen und die -Zusammenstellung der verschiedenen Farben sind sorgfältig ausgeführt --- wie es die kunstfertige Hand einer europäischen Dame nicht -fertigbringen würde. Als Schere, um die oft kaum zolllangen Fädchen -abzuschneiden, bedienen sie sich der messerscharfen Kante einer kleinen -Seemuschel. - -Staunend habe ich oft in ihren Hütten dieser kunstvollen mühseligen -Arbeit zugeschaut. Wie der Knabe von Jugend auf sich mit dem Speere -übt, den schnellen Fisch im Wasser zu tödten, so sitzen die Mädchen -im jugendlichen Alter schon flechtend und webend, um ihre einfache -Kleidung so schön wie möglich zu schmücken, denn wie alle Evastöchter -sind auch diese einfachen Naturkinder nicht gänzlich frei von -Eitelkeit. - -Daß früher schon die Bewohner Kusais unter sich nicht allein -Tauschhandel getrieben, sondern eine Art Werthgegenstand als Geld -benutzten, gleichwie afrikanische Völker die Kauri-Muschel, ist -erwiesen, und zwar haben sie die werthvolle Perlmutterschale dazu -benutzt, die auf tiefem Korallengrunde, namentlich in Ponapè häufig -gefunden wird. Von einer großen, sauber bearbeiteten Schale hatte -das Kernstück, nach Größe und Breite, einen entsprechenden Werth, -ein solches, etwa zwei Zoll breit und 6 bis 7 Zoll lang, wurde einem -Arbeiter als Tagelohn ausbezahlt, die kleineren Stücke galten weniger. -Wann aber dieses Geld, von dem ich einige Stücke noch in Lottin-Hafen -bekam, in Kurs gewesen, darüber konnte ich gewisses nicht erfahren. - -Einst nach längerer Abwesenheit nach Jaluit zurückgekehrt, erfuhr -ich, daß in der Zwischenzeit, ein mir auch bekannter Europäer am -Strande ermordet worden sei. In dunkler Abendstunde aus einer der -Wirthschaften, deren zwei vorhanden waren, heraustretend, sei er von -Malayen die irgend ein Schiff zurückgelassen, überfallen und getödtet -worden. Ein Racheakt sei es gewesen und eine Verwechslung habe in -der Dunkelheit stattgefunden, und ihr sei dieser junge Mann zum Opfer -gefallen. - -Der Mörder und seine Mitschuldigen waren schnell gefaßt und dem -eingelaufenen deutschen Kriegsschiffe „Bismarck“ ausgeliefert worden; -der Thäter büßte seine Schuld mit dem Leben. - -Am Abend jenes Tages, an welchem ich in Jaluit eingelaufen war, folgte -ich der Aufforderung des Leiters unserer Gesellschaft, den Abend -mit Billardspielen gemeinschaftlich hinzubringen. Um diese Absicht -auszuführen begaben wir uns zu dem Hause des deutschen Wirthes, das -gewöhnlich von den Europäern besucht wurde. Nicht weit davon lag die -Wirthschaft eines Schwarzen, der mehr Zuspruch von den zu Zeiten im -Hafen anwesenden Schiffsbesatzungen hatte; hier pflegte es öfter auch -recht lebhaft zuzugehen. Es mochte etwa 9 Uhr abends geworden sein, als -ein wilder Lärm von jenem Hause herüberschallte, unter anderen hörte -ich die lärmenden Stimmen meiner Niue-Leute heraus. Daß einige an Land -gegangen waren wußte ich, ich hatte ihnen selber Urlaub gegeben, daß -aber der Steuermann, ein von mir in Ponapè aufgenommener Matrose, der -dort von einem Schiffe krank zurückgelassen worden war, ein Norweger, -entgegen meiner Weisung die ganze Besatzung an Land gelassen und ihr -noch dazu Geld zu Schnaps gegeben hatte, ahnte ich nicht. - -Sogleich unterbrach ich das Spiel und eilte in der Meinung meine Leute -seien mit anderen in Händel gerathen, zu dem anderen Wirthshause. Als -ich schnell das Haus erreicht, fand ich in der Schenkstube eintretend -allerlei Volk vor, darunter meine ganze Besatzung. Alle waren -angetrunken und zwei Parteien befanden sich im heftigen Streite, der -augenblicklich verstummte, als ich meinen Leuten befahl, sofort an Bord -zu gehen. Aber nur einige waren vernünftig und folgten der Weisung, -vier weigerten sich entschieden zu gehorchen; als sie auch einer -zweiten Aufforderung nicht Folge leisteten, faßte ich schließlich, -durch die Widersetzlichkeit aufgebracht, einen an, und schob ihn der -Thüre zu. Kaum aber war meine Absicht den Umstehenden klar, als ich -von hinten gefaßt und mit Faustschlägen zu Boden gestreckt wurde; -im Fallen riß ich den Angefaßten mit mir, der auf mich fiel, dieser -Umstand rettete mich, denn so kurz die Zeit auch war, bis der Mann aus -meinen Händen befreit werden konnte, sie genügte um die Schaar, welche -mit gezückten Messern und dem Rufe „tödtet den weißen Mann“ „_kill the -white man_“, von der Mordthat zurückzuhalten. - -Wider Erwarten war ich plötzlich frei und von dem Eigenthümer des -Hauses, einem riesigen Neger, aufgerichtet sah ich, wie ein Weißer -einen wuchtigen Stock auf die Köpfe der braunen Gesellen niedersausen -ließ, die durch Fenster und Thüren entflohen. Der Retter in der Noth -war ein amerikanischer Schiffsführer, von Honolulu, der gegen Abend -noch in den Hafen eingelaufen, hier zufällig vorbeigekommen und mit -angesehen hatte, wie ich niedergeschlagen wurde. - -Meine Leute, soviel ich gesehen, waren es nicht gewesen, welche -die Messer gezogen, die Uebelthäter aber wollten oder konnten sie -nicht nennen, wenigstens konnten diese nicht ermittelt werden. Der -deutsche Konsul mußte sich also damit begnügen die vier Mann, die -Widersetzlichkeit gezeigt, dafür drei Tage lang in Eisen zu legen. - -Nicht lange nach diesem Vorfall war mein Schiff wieder segelfertig, um -eine Reise nach den Karolinen anzutreten; ich wurde von verschiedenen -Seiten gewarnt, mit solcher Besatzung wieder in See zu gehen, denn dem -rachsüchtigen Charakter der Niue-Leute sei nicht zu trauen. Indes ich -verließ mich darauf, daß es keiner wagen würde, eine Meuterei an Bord -auszuführen, da sie wohl wußten, daß sie vielleicht elendig auf See -verhungern müßten, wenn sie ihren Führer überfallen und tödten würden. -Wieder ging ich, ohne einen Europäer an Bord zu haben (der vorige wurde -nach jenem Vorfall an Land sofort abbezahlt) in See, machte dafür aber -einen der Niue-Leute jetzt zum Bootsmann, und als am Horizonte das -letzte Land verschwunden war, rief ich die Leute alle zusammen und -machte ihnen den Standpunkt klar. - -Ihr vier, Bela, Sepona, Fiticefu und Mißcoffi, erklärte ich, seid dafür -bestraft worden, was ihr in der Trunkenheit an Land begangen habt, -zehnfach härter aber fällt die Strafe aus, wenn ihr ein Gleiches an -Bord versuchen solltet. Für mich ist die Sache abgethan und ich hoffe -für euch ebenfalls, doch, da ich euch nicht unbedingt vertrauen kann, -so bin ich auf alles gefaßt und vorbereitet; zeigt ihr Ungehorsam oder -gar Widersetzlichkeit, dann fallen die Folgen auf euch, also thut wie -früher eure Pflicht. - -Und die Leute thaten sie. Ich hatte nicht zu klagen, es schien als -wollten sie durch Willfährigkeit gut machen, was sie in einer schwachen -Stunde, als sie nicht Herr ihrer Sinne mehr gewesen, begangen hatten. - -Auf dieser Reise nun lief ich die Insel Kusai zuerst an, um dann über -Ponapè nach dem Providenz-Atoll weiterzusegeln. Nach erfolgter Ankunft -im Lela-Hafen kamen am anderen Morgen 16 Eingeborene der Gilbert-Gruppe -mit einem großen Brandungsboote zu mir an Bord und baten, ich möchte -sie nach Jaluit mitnehmen. - -Sie wären, erzählten sie, vor wenigen Tagen auf Kusai gelandet, nachdem -sie zehn Tage auf dem Ozean zugebracht, kraftlos und nahezu verhungert, -hätten sie die größten Qualen erduldet, ehe sie an dieser Insel in -dunkler Nacht angetrieben wären. Ihre Heimath, die Insel Apamama, -hätten sie mit ihrem Boote verlassen, um nach der nördlicher gelegenen -Insel Maiana zu segeln, der starke Aequatorialstrom aber hätte sie -weggeführt. - -Bis ihre letzten Kräfte erschöpft gewesen, so lange hätten sie -verzweifelt gegen Strom und Wogen angekämpft, dann aber, als die -wenigen im Boot befindlichen Kokosnüsse aufgezehrt waren, Hunger und -Durst sich eingestellt, hätten sie ihr Segel gesetzt und wären immer -vor dem Winde laufend, nach Westen gesegelt, wo, wie sie früher gehört, -große Inseln liegen sollten. Einsam auf dem unendlichen Ozean in einem -offenen Boote fahrend, den schrecklichsten Leiden preisgegeben, hätten -sie keine andere Hoffnung gehegt, als die, vielleicht im fernen Westen -Land zu finden. Aber nie hätten sie Land angetroffen. Da alle zum Tode -erschöpft waren, so würden sie so, wenn sie nur wenige Meilen südlich -von Kusai, vorbeigetrieben wären, in wenig Tagen schon dem Hunger und -Durst erlegen sein. - -Welche Qualen diese 10 Männer und 6 Frauen erduldet hatten konnte man -daran sehen, daß die Hölzer im Boot mit den Zähnen angebissen waren; -das Grüne, welches sich durch faulendes Wasser im Boot angesetzt hatte, -war mit den Fingernägeln ausgekratzt worden, selbst ihre mangelhafte -Bekleidung aus Grasschurzen bestehend, hatten sie aufgegessen und damit -den furchtbaren Hunger zu stillen versucht. Daß das Boot am Riffe in -der Brandung nicht zerschlagen, die zum Tode erschöpften Menschen nicht -am sicheren Gestade zu Grunde gingen, hatten sie einzig dem Zufall zu -danken. Todesmatt waren sie von Bewohnern Kusais aufgefunden, gespeist -und getränkt, nicht nach Art eines barbarischen Volkes als Feinde -angesehen worden; sie wurden zum König nach Lela gebracht, der ihnen -Speisen geben und eine Wohnstätte auf der Hauptinsel anweisen ließ, wo -sie warten könnten, bis ein Schiff sie mitnehmen würde. Ihren Wunsch -gleich mitgenommen zu werden mußte ich freilich auch abschlagen, da -ich noch eine weite Fahrt vor mir hatte, allein ich versprach, sie auf -meiner Rückreise von den Providenz-Inseln, abzuholen, und verwandte -mich beim König Keru für sie, daß derselbe sie auf einige Wochen noch -behalten möchte. - -Von Ponapè segelte ich weiter nach Ujelang, der Hauptinsel im -Providenz-Atoll, die etwa 240 Seemeilen nordost von der hohen -Karolinen-Insel entfernt liegt, hier auf diesem einsamen Atoll fand -ich nur etwa 40 Menschen vor, weißköpfige Greise unter ihnen, die -erzählten, daß ihre Voreltern von den Marschall-Inseln mit Kanoes -vertrieben seien, diese wären einst auf der einsamen Insel gelandet und -hätten viele, viele Jahre verlassen gelebt, bis der weiße Mann gekommen -sei und sich hier niedergelassen habe. - -Einsam und trostlos genug fließt die Zeit und das Leben den wenigen -Bewohnern auf dieser weltentlegenen Insel hin, vor allem für den -Europäer, einem Deutschen, der höchstens alle acht Monate einmal, wenn -ein Schiff einläuft, sich mit einem gebildeten Menschen unterhalten und -freuen kann. Die Aufgabe die diesem Manne gestellt, ist nicht leicht, -ein arbeitsames Leben muß ihn vor Schwermuth bewahren; die eigentliche -Kultur soll er hier einführen und auf dem steinigen Korallenboden -Kokosplantagen anlegen, deren Ertrag in späterer Zeit die aufgewendete -Müh' und Arbeit lohnen soll. - -Alle Bewohner dieser Insel leben nahe der deutschen Station und -arbeiten für diese und von Fleiß und stetiger Arbeit zeugt es, -daß 70000 Kokosnüsse und junge Bäume in weniger als zwei Jahren -ausgepflanzt worden sind. Heute stehen auf einst ödem Korallengrunde -Palmenhaine, deren Wipfel stolz im Winde rauschen, ein melodischer -Gesang zu der donnernden Woge, die sich ewig in ohnmächtiger Wuth an -diesen Gestaden bricht. Auch hier werden in ferner Zukunft einst, wenn -die jetzt schon mit Korallenpatschen dicht besäte Lagune geschlossen -worden ist, sich ausgedehnte Landflächen bilden, auf denen die -Tropenwelt ihre ganze Pracht entfalten kann. Der Lebensunterhalt der -wenigen Bewohner besteht aus der Kokosnuß, Taro, Fischen und Hühnern, -letztere sind in großer Zahl vorhanden, ebenso Enten, die, da kein -Eingeborner auf allen diesen Koralleninseln die Eier als Nahrung -betrachtet, sich stark vermehren können. Jedesmal erhielt ich in -Ujelang hunderte in Seesalz aufbewahrte Eier, die mir stets willkommen -waren. - -An solchen einsamen Gestaden halten sich auch mit Vorliebe die -mächtigen Riesenschildkröten auf, um zur Brutzeit am Strande ihre Eier -im Korallensande einzuscharren, die allein die heißen Strahlen der -Sonne auszubrüten vermag. In der Brutzeit kommt das Weibchen dreimal -an's Land und setzt jedesmal etwa 140 Eier ab, hält sich aber stets in -der Nähe auf, um die aufgekommenen Jungen, die instinktmäßig dem Wasser -zustreben, zu schützen. Wie mir versichert wurde, lauert das Männchen -der jungen Brut auf und frißt eine große Zahl der jungen Thierchen, -denen außerdem auch von großen Seevögeln viele Gefahren drohen, in -Wirklichkeit gelangen aus der großen Anzahl Eier nur verhältnißmäßig -wenige zur Entwicklung. - -Der Fang solcher Riesenschildkröten, der in mondhellen Nächten -ausgeführt wird, ist nicht so ganz ungefährlich, gewandt und schnell -muß man dabei verfahren, das Thier von der Seite am Panzer zu fassen -suchen und es auf den Rücken werfen. Um nicht durch Bisse oder die -scharfen Krallen verwundet zu werden, bedienen sich die Eingebornen -gewöhnlich bei großen Thieren starker Stöcke, die sie unter den -Brustpanzer schieben und so das Thier umzuwerfen versuchen, das auf -ebenen Boden dann unfähig ist, sich wieder umzuwälzen und zu entkommen. - -Bei Gelegenheit meiner zweiten Anwesenheit auf Ujelang wurde einer -großen Schildkröte nächtlicherweile aufgelauert, deren Brutstätte -bekannt geworden war, es gelang uns wirklich, das mächtige Thier -abzufangen. Nachdem das Thier mit schweren Knütteln getödtet war, wurde -ihm der Brustpanzer mit scharfen Messern abgelöst; neben dem fetten -wohlschmeckenden Fleische fanden wir 140 reife Eier vor, die kugelrund -und mit einer weichen, lederartigen Schale umgeben sind. Letztere -werden als besondere Leckerbissen angesehen, doch fand ich, daß sie, -gekocht oder gebraten, einen etwas strengen Geschmack haben; wenn auch -sehr nahrhaft, so sind sie doch nicht frischen Hühner- oder Enteneiern -gleichzustellen. Diese Schildkröte wog etwas über 500 Pfund, doch waren -auf Ujelang schon größere und schwerere gefangen worden. Zieht man bei -solchen Thieren ihr langsames Wachsthum in Betracht, so müssen solche -Meerbewohner ein hohes Alter erreichen. - -In keinem Atoll habe ich so viele ausgedehnte Riffpatschen gefunden wie -gerade hier, deshalb hat das Hindurchwinden mit einem Schiffe seine -Schwierigkeit, ehe man von der Hauptdurchfahrt aus die Insel Ujelang -erreicht. Mir fehlte es stets an Zeit und Gelegenheit nachzuforschen, -ob die Angaben der Bewohner, im Westen der 12 Seemeilen langen Lagune -steigen zeitweilig heiße Dämpfe auf, wahr seien, was auf vulkanische -Thätigkeit schließen lassen würde. Daß solchen Angaben etwas -Richtiges zu Grunde liegen müsse, daran zweifelte auch der deutsche -Händler nicht, besonders deshalb, weil die Bewohner nur ungern den -westlichen Theil der Lagune aufsuchten; hat dort jedoch wirklich eine -unterseeische Kraft sich geäußert, so liegt ein stattgehabter Ausbruch -doch jedenfalls eine Reihe von Jahren zurück. - -Von Ujelang segelte ich geradewegs nach Kusai zurück, holte dort die 16 -vertriebenen Gilbert-Insulaner ab und brachte sie mit ihrem Boote nach -Jaluit, von wo sie später mit einem anderen Schiffe in ihre Heimath -zurückbefördert wurden. - -Es war gegen Ende des Jahres 1886, als ich von der Karolinengruppe -zurückkommend Kusai auf dem Rückwege anzulaufen hatte, um dort vom -Könige Georg eine alte Schuld einzufordern, die aus einem Quantum -von 20000 Pfund Kopra bestand. Ich lag allein im Lela-Hafen und -weilte gerade auf dem höchsten Punkte der Insel, Nin-moschon, als von -Eingebornen der Ruf erscholl ein „Schiff in Sicht“. Wirklich kam von -Norden mit schneller Fahrt ein in diesen Gewässern nicht oft gesehenes -Fahrzeug, ein Dampfer, heran. Als dieser näher gekommen war, erkannte -ich ein deutsches Kriegsschiff, das dem Anscheine nach im Lela-Hafen -einlaufen wollte. Ehe ich aber vom Berge herab an Bord meines Schiffes -gelangen konnte, hatte es vor der Einfahrt beigedreht und nur ein -niedergeführter Kutter nahte sich mit raschen Ruderschlägen. Das -Boot fuhr geradezu zum Hause des Königs, es landete ein Offizier mit -mehreren der Bootsbesatzung und, noch erstaunt, was der plötzliche -Besuch zu bedeuten habe, sah ich bald nach kurzer Verhandlung mit dem -Könige und den Häuptlingen, wie mit kräftigen Axtschlägen das deutsche -Protektoratsschild niedergeschlagen wurde. - -Für uns Deutsche in dieser weltentlegenen Inselwelt, die stets der -Ansicht waren, daß die einmal gehißte stolze deutsche Flagge nimmermehr -würde niedergeholt, die reichen Karolinen-Inseln für alle Zukunft -ein Theil des deutschen Reiches bleiben würden, war die unerwartete -Rückgabe derselben an ein Volk, das sich nie um den beanspruchten -Besitz und um sein zweifelhaftes Recht gekümmert hatte, ein harter -Schlag. Wie auf Samoa, so mußten auch hier die Deutschen ihr kühnes -Hoffen, auf deutschem Grund und Boden zu streben und zu ringen, so -bald zu Grabe tragen. Ja, was ich später erfuhr, auf Ponapè haben -die weißen Händler, als das Niederholen der Flagge angekündigt war, -trauernd am Fuße des Flaggenmastes auf Lungur-Eiland gestanden und -über sich die Flagge halbstocks wehen lassen, aus Leid darüber, daß die -lange, friedevolle Zeit vorüber, daß ein Volk, dessen Ansprüche keiner -begreifen konnte, fortan hier herrschen sollte. - -Und es kam der gefürchtete Kampf, furchtbar und ernst, verhängnißvoll -für die, welche ein freies unabhängiges Volk geknechtet, das noch -nie den Weißen hatte gehorchen gelernt, unheilvoll auch für die, die -Jahrzehnte schon in Frieden hier gelebt hatten. - -Der kommandirende Offizier kam später zu mir an Bord und ich vernahm -die traurige Nachricht, daß von nun an die Karolinen-Inseln unter -spanischer Oberhoheit gestellt seien. Nach kaum zwei Stunden zog der -„Albatros“, der auf allen Inseln die deutsche Flagge niedergeholt -hatte, seines Weges weiter, und das, was wir Deutsche mit Stolz unser -genannt, es war dahin! -- - -Noch am selben Abend besuchte ich den König, um das Nähere wegen der -Einschiffung der Ladung mit ihm zu verabreden, doch kam ich jetzt bei -diesem schön an, er weigerte sich entschieden, die Schuld zu bezahlen, -unter dem Vorwand, er stünde nicht mehr unter deutscher, sondern -spanischer Protektion. Eine Verständigung über den streitigen Punkt war -nicht möglich, der sonst immer freundlich und entgegenkommende König -kehrte plötzlich ganz andere Seiten heraus, mir blieb nichts übrig, -als die Forderung fallen zu lassen und unverrichteter Dinge abzusegeln. -Aber daß der König und seine Häuptlinge ein volles Verständniß von dem -Protektoratswechsel gehabt haben, bezweifele ich -- doch wie so bald -sollten sie den Unterschied kennen lernen. - -Dahin war die Zeit friedevoller Ruhe, dahin die Zeit, wo wir Weiße -sicher in den Hütten der Eingebornen aus- und eingehen konnten, der -besten Gastfreundschaft, des Schutzes und der Führung gewiß. Was die -neuen Herren ihnen angethan, das reizte sie zur hellen Empörung, weckte -die schlummernde Rache, und nicht diese allein sollten dem Verderben -geweiht werden, sondern auch alle Fremden, weiße oder braune. - - - - -VI. Der Aufstand und Kampf auf Ponapè. - - -Schnell, als wollten die Spanier sich ihres neuen Besitzes auf alle -Fälle sichern, und was sie in Jahrhunderten versäumt hatten, jetzt -plötzlich nachholen, entfalteten sie ihre Macht auf allen Mittelpunkten -d. h. auf den Inseln Yap, Ruck, Ponapè und anderen. Wenig Rücksicht -nahmen sie auf die Gefühle bisher ganz unabhängiger Stämme, sie führten -jene bekannte Gewaltherrschaft ein, durch welche Spanien im Laufe der -Zeiten sich um seine blühendsten Kolonien gebracht hat. Durch Militär- -und Priesterherrschaft sollte die Kultur dem freien Volke aufgedrängt -werden. - -Da den Eingebornen keine Zeit gelassen ward sich allmählich an die -neuen Verhältnisse zu gewöhnen, so fühlten sie den ihnen auferlegten -Zwang doppelt hart. Die Strenge, die angewendet wurde, sie zum -Gehorsam und zur Ergebenheit zu zwingen empörte sie; Wege und andere -Bauten auszuführen, wie sie es für die langansässigen, amerikanischen -Missionare freiwillig gethan, weigerten sie sich, sie fügten sich auch -nicht gutwillig der Forderung, umsonst schwere Tagesarbeit zu leisten. -Grollend zogen sich die Eingebornen zurück, im Herzen Wuth und Rache -schnaubend. Ganz sorglos müssen die Spanier gewesen sein, oder sie -haben gar zu gering einen möglichen Widerstand geachtet, sonst hätten -sie den Anzeichen eines kommenden Sturmes, der warnenden Stimme eines -hier ansässigen spanischen Abkömmlings von der Insel Guam, Manuel de -Tores, mehr Beachtung geschenkt. - -So nahte das Verhängniß, durch Gewalt und Ungerechtigkeit -heraufbeschworen. Die beleidigten Häuptlinge, der zumeist betroffenen -Bezirke im Norden von Ponapè, nämlich Jokoits, Nut, Mants, Tohuak und -andere, sammelten ihre Schaaren, und es wurde beschlossen die Spanier -einfach aus dem Lande zu jagen. Festgesetzt als Tag der Rache wurde der -vierte Juli 1887; also nach nur wenigen Monaten hatten die Spanier sich -schon so verhaßt gemacht, daß die Eingebornen verzweifelt zu den Waffen -griffen und sich ihre Freiheit um jeden Preis erkaufen wollten. - -Gegenüber der Insel Lungur, der deutschen Station, nach Süden am festen -Lande war das spanische Regierungsgebäude errichtet worden und war in -gewisser Hinsicht durch die Kanonen der im Hafen liegenden spanischen -Korvette „Maria de Melina“ gedeckt, obwohl 130 Soldaten, meistens -Malayen von den Philippinen-Inseln, als persönliche Bedeckung dem -Statthalter zur Verfügung standen. - -Am 1. Juli 1887 (vorher war schon manche Versammlung der Eingebornen -verboten und zersprengt worden) sandte der Statthalter zum gleichen -Zwecke eine Abtheilung unter den Offizieren Don Ricardo Martinez und -Don Alferes ab, um abermals eine große Versammlung aufzulösen, auch -hatten die Führer wohl den Auftrag, den Häuptling des Bezirks mit -sich zu bringen. Auf welcher Seite nun die Schuld gewesen, das bleibe -dahingestellt; die Eingebornen sagen, wie mir später ein Theilnehmer -erzählte, die Spanier hätten auf sie gefeuert, wenn dies der Fall -gewesen, so war es das Signal für die zu hunderten versammelten -Bewohner, den Kampf schon jetzt zu eröffnen. - -Wer diese Schluchten und Berge gesehen, die oft mit undurchdringlichem -Gebüsche bewachsen sind, worin jedes Felsstück jeder Baum einen -Hinterhalt bietet, kann sich denken, daß ein Widerstand gegen diese -einsichtigen, gut bewaffneten Bewohner vergeblich war. - -In kurzer Zeit endete der Kampf mit der gänzlichen Vernichtung der -Spanier, auch der den Eingebornen auf Ponapè und uns Weißen so wohl -bekannte Dolmetscher Manuel de Tores fiel; ihm, einem langjährigen, mit -allem wohl vertrauter Händler, war bittere Rache zugeschworen worden, -weil er sich in die Dienste der Spanier gestellt; er wurde buchstäblich -in Stücke gehauen. - -Nur zwei verwundete Malayen entkamen dem Blutbade und brachten die -Schreckenskunde von der Niedermetzelung der Abtheilung zum Fort. Zur -Stunde, als im Fort noch nichts über diese Vorgänge bekannt geworden, -weilte der Vertreter der deutschen Plantagen-Gesellschaft Herr Ruß beim -Gouverneur, der ihn zu sich gebeten, um über die gefährliche Lage, die -keinem unbekannt geblieben, zu berathen; auch sollte Herr Ruß so viele -Gewehre und Schießbedarf übersenden, als er irgend entbehren konnte. -Da traf die schlimme Kunde ein. Herr Ruß übernahm es, dem Kommandanten -des Kriegsschiffes die traurige Botschaft zu bringen, deren Tragweite -keiner ermessen konnte, und der ersucht wurde die nothwendigen -Maßregeln sofort zu treffen; Herr Ruß aber fuhr zu seiner Station und -übersandte dem Gouverneur das Gewünschte. - -Die Eingebornen, durch den ersten Erfolg kühn gemacht, und längst -vorbereitet, den verderblichen Schlag zu führen, stürmten nun bald zu -tausenden nach dem Fort, und umstellten es so, daß kein Entkommen mehr -möglich war. Ihre Führer waren der Häuptling Lab in Nut und Nanamariki -von Jokoits. - -Der Kommandant der „Maria de Melina“ führte sofort, auf die ihm -gewordene Nachricht, fast seine ganze Besatzung (nur 28 Mann blieben -an Bord zurück), in sämmtlichen Boten dem Statthalter zu Hilfe, aber -die flinken Eingebornen hatten das Fort schon umzingelt und warteten im -sichern Hinterhalt nur, so lange bis alle Boote in Schußweite gekommen, -um die Besatzung niederschießen zu können. - -Kein Einziger der Offiziere und Soldaten kam mit dem Leben davon, die -meisten lagen alle todt in ihren Booten und die, welche schwimmend sich -zu retten suchten, traf die tödtliche Kugel im Wasser. Die Gemahlin -des Kommandanten, die sich an Bord befand, wurde durch solchen Anblick -tief erschüttert und vor Angst wahnsinnig. Der überraschende Erfolg -mochte wohl die Aufständigen stutzig gemacht haben oder sie waren über -die Zahl der Besatzung der „Melina“ ungenügend unterrichtet, denn sie -führten ihren Plan, das Schiff zuerst zu nehmen, nicht aus. Wären sie -gleich in der entstandenen Verwirrung mit ihrer Uebermacht vorgegangen, -würde es ihnen ein leichtes gewesen sein das Schiff zu nehmen. - -So aber langwierige Berathungen pflegend, ließen sie den Ueberlebenden -an Bord Zeit, sich so zu verschanzen, daß ein Angriff auf das Schiff -nur unter schweren Verlusten noch möglich war. - -Das Boot, welches Herr Ruß von Lungur mit Waffen und Munition -abgesandt, wurde auf dem Wege zum Fort angehalten und weggenommen, -dadurch bekamen die Häuptlinge den Beweis in die Hände, daß der -angesehenste aller Händler auf Ponapè die Spanier unterstützt hatte; -deshalb beschlossen sie, auch die Deutschen, welche auf ihrer Station -bisher nicht gefährdet waren, nieder zu machen. - -Noch aber war das Fort erst umschlossen, in welchem eine kleine Schaar -sich vorbereitete, ihr Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Hätten -die Feinde es unternommen am Tage die leichte Feste zu nehmen, wären -die Eingeschlossenen nicht ungerächt gefallen, so aber wählte der -verschlagene Feind die Nacht zum Angriffe, und nahm den größten Theil -der Befestigungen ein, nur wenige der Eingeschlossenen sahen den neuen -Morgen wieder, doch auch diese kleine Zahl sank vom tödtlichen Blei -getroffen, ehe aufs Neue Dunkelheit die Erde deckte. - -Einen letzten verzweifelten Ausfall mit denen die die Schreckensnacht -überstanden hatten, unternahm der Statthalter am 2. Juli. Priester und -Klosterbrüder voran, verließen alle die unhaltbare Feste, um sich zum -Strande durchzuschlagen, aber der hinter Stein und Baum gedeckte Feind -mähte fast alle bis auf die durch ihre Kleidung kenntlichen Priester -nieder. Nur der Statthalter mit wenigen erreichte den Strand, fand aber -den Tod mit den letzten Getreuen, ehe er ein rettendes Boot erreichen -konnte, und wurde, ebenso wie der Dolmetscher de Tores, in Stücke -gehauen. - -Später sah ich selbst die Klosterbrüder, die keine Waffe geführt und -deshalb unbelästigt das Schiff erreicht hatten, an Bord der „Melina“, -und ich muß sagen, auf ihren bleichen Gesichtern waren noch nicht alle -Spuren jener schrecklichen Tage und Stunden verwischt. - -Der Eingeborne scheut den offenen Kampf, seine liebsten Waffen sind -Verschlagenheit und List. Das bewies auch die Botschaft, welche -die Häuptlinge am 2. Juli nach Lungur sandten, die die Zusicherung -enthielt, den Deutschen würde nichts geschehen. Wenn die Spanier -alle todt wären, wollten sie kommen und die deutsche Flagge wieder -aufhissen, es solle wieder so wie früher sein. Doch aus anderen -Nachrichten, welche überbracht wurden, war mit Sicherheit zu schließen, -daß alles nur ein Vorwand wäre, sogar, daß der Häuptling Lojap auf -Lungur schon Befehl erhalten hätte, die Station zu nehmen, keinesfalls -aber die Umschlossenen fliehen zu lassen. - -Um das zu verstehen, muß man die Sinnesart der Eingebornen -berücksichtigen, Verschwiegenheit, auf die bei einem planmäßigen -Vorgehen gegen Feinde alles ankommt, kennen sie nicht, sie verrathen -sich und ihre Absichten selbst. So soll es auch ein offenes Geheimniß -gewesen sein, daß am 4. Juli ein Ueberfall auf die Melina geplant -war, der den Aufstand einleiten sollte; sie wollten wie sonst mit -Tauschgegenständen an Bord fahren, nur in größerer Zahl, und im -gegebenen Augenblick die ahnungslose Besatzung überwältigen. - -Wären sie so vorgegangen, so hätten die Spanier unverzeihlich sorglos -sein müssen, wenn sie nicht im Kampfe Sieger geblieben wären und -die unbewaffneten Eingebornen von Bord geschlagen hätten. Dann -hätte der Aufstand auch einen ganz anderen, für die Spanier sicher -vortheilhafteren Ausgang genommen; ihr Verderben war jene erzwungene -Auflösung der am 1. Juli stattgehabten Versammlung. - -Wie vorbereitet der Aufstand war, ist daraus zu schließen, daß selbst -die Bewohner der Inselgruppe Parkim, die 26 Seemeilen von Ponapè in -WNW.-Richtung gelegen ist, sich daran betheiligen wollten und alle -Vorbereitungen trafen, zum bestimmten Tage auf Ponapè einzutreffen. - -Der deutsche Händler auf jenen Inseln Namens Schmidt, fuhr aber -unauffällig, wie schon sehr oft, als wüßte er nichts von allem, in -der Nacht zum 2. Juli ab und traf mit seinem Boote und seiner Familie -auf Lungur ein, gerade als Herr Ruß die bedenkliche Botschaft der -Häuptlinge empfangen hatte. Jetzt zu dreien auf der Station mit einer -Anzahl nicht einheimischer Arbeiter beschlossen diese, wenn möglich, -die Station zu halten. Doch am nächsten Tage wurde ihre Lage sehr -ernst, nach vollbrachter Niedermetzelung der Spanier, sammelten sich -die Aufständigen, um den Deutschen dasselbe Schicksal zu bereiten. Alle -anderen Händler auf Ponapè in den verschiedenen Häfen als Mants, Kiti -und anderen ansässig, waren gleich auf die Nachricht hin, die Spanier -seien alle gefallen mit ihren Booten auf die weite See entflohen, -mit Recht befürchtend, sie würden demselben Schicksal und der Rache -der Eingebornen verfallen, die jetzt, bis auf die amerikanischen -Missionare, jeden Fremden tödten wollten und sich bemühten, völligen -Kehraus zu halten. - -Daß der Häuptling Lojap allein nicht einen Angriff auf die deutsche -Station unternommen hatte, lag daran, daß er wußte, wie gefährlich -im offenen Kampf die Waffe in der Hand der Deutschen war und, daß sie -die Drohung, auf jeden, der sich nähern würde, zu feuern, wahr machen -würden. Hatte er doch häufig genug unsern Schießübungen beigewohnt, -wenn wir auf bewegtem Wasser Flaschen oder andere Gegenstände -zerschossen und selten nur das Ziel verfehlten. - -Die Häuser der Station, nur aus Holz erbaut, waren freilich -insofern ein ungenügender Schutz, als jede Kugel die schwachen Wände -durchschlagen mußte und so war die erste gemeinsam durchwachte Nacht -aufregend genug, da die Umschlossenen wohl bemerkten, wie die Feinde zu -ihrer Orientirung umherschlichen, ohne jedoch zum Angriff überzugehen. - -Jene erwähnte Eigenschaft der Eingeborenen, nichts geheim halten zu -können, versetzte die Eingeschlossenen in die Lage, durch Kundschaft -die Absichten ihrer Feinde kennen zu lernen und zwar wurde die Frau -des Händlers Schmidt, eine Eingeborene von Ponapè am nächsten Morgen -ausgesandt, um sichere Nachrichten einzuholen. Dieselbe brachte denn -auch die Gewißheit, daß in der kommenden Nacht der erwartete Angriff -würde ausgeführt werden -- die Eingeborenen sammelten sich am Ostende -der Insel Lungur. - -Dem gewissen Tode zu entgehen gab es jetzt nur noch eine Möglichkeit -- -es mußte versucht werden, mit den Booten die offene See zu erreichen, -und wenn das gelungen war, dem Schicksale vertraut werden. Die drei -Deutschen, zwar bereit zu kämpfen, hatten doch aber auch Weiber und -Kinder zu schützen und sahen wohl ein, daß es ein Unding sei, die -große Station gegen eine hundertfache Uebermacht zu halten. Darum -wurden so geheim als möglich alle Vorbereitungen getroffen, um mit der -hereinbrechenden Dunkelheit die Flucht zu wagen. - -Da die deutsche Station ziemlich frei gelegen war, konnte ungesehen -so leicht keiner herankommen, auch war es möglich, mit Schußwaffen -alle Seiten zu bestreichen. So führten denn die Arbeiter ungehindert -die Aufträge ihres Herrn aus und brachten so unauffällig als möglich -Lebensmittel u. s. w. zum Werfthause und legten Bootsgeschirr, Segel -und Ruder bereit. - -Aber trotzdem wurde dies alles doch vom Feinde bemerkt und die Absicht -erkannt. Da die Werft ganz links von der Station lag, so konnte -nicht bemerkt werden, wie einige durchs Gebüsch und durchs Wasser -längs derselben sich hinschlichen und sämmtliche Boote, drei an Zahl, -losschnitten und treiben ließen. Die Bedrängten, die nun ihre letzte -Hoffnung schwinden sahen, setzten, als der Vorgang gleich darauf -bemerkt wurde, alles daran, die Boote wieder zu erhalten und einige -Arbeiter, tüchtige Schwimmer, brachten denn auch nach vieler Mühe zwei -derselben zurück. - -Die Boote wurden nun auf dem Riffe gegenüber der Station im Bereich -der Waffen festgelegt, aber da man nicht daran gedacht hatte, daß -sie mit der ablaufenden Ebbe festkommen mußten, so kostete es viel -Zeit und Mühe, als um 8 Uhr Abends alles bereit war, nur eins der -Boote wieder abzubringen, und dieses, zum Ende der Werft gerudert, -sollte dort bemannt werden. Mit größter Vorsicht wurden die Frauen und -Kinder dorthin gebracht, die Männer trugen Geld, Bücher und Waffen -hin und fast schien es, als würden sie unbelästigt entkommen. Herr -Ruß aber, der als der letzte das Wohnhaus verschloß und zwei Behälter -mit Trinkwasser dann zum Boote schleppen wollte, wurde von einem -Kundschafter gestellt und angehalten, der schnell erkennend, was hier -vorging, seine Genossen durch einen lauten Ruf herbeizulocken suchte. - -Wie groß die Gefahr, sah Herr Ruß schnell ein, er setzte also -die Behälter schnell nieder, und zwang mit gezogenem Revolver den -Verräther, der unbewaffnet war, dies Wasser selber in schnellster -Gangart zum Boote zu tragen. In größter Eile wurde darauf ins Boot -geworfen, was zur Hand war, vor allem Korallensteine aus der Werft -gerissen, um das Boot zu beschweren, dann sprangen die Nahestehenden -hinein und losgeschnitten trieb das Boot in die Nacht hinaus. Die -meisten der Arbeiter, die zurückbleiben mußten, sprangen seitwärts auf -das Riff und flohen strandaufwärts. - -Keine Minute zu früh waren die Flüchtlinge entkommen, denn von allen -Seiten stürmten die Feinde heran; schnell folgten flinke Kanoes -den Fliehenden, die aber den Vorsprung ausnutzend und mit rasch -entfaltetem Segel vor dem Winde laufend, durch die Riffenge die offene -See gewannen, wo im bewegtem Wasser kein Kanoe ihnen mehr zu folgen -vermochte. - -Man könnte fragen, warum die Deutschen sich nicht auf die „Maria -de Melina“ geflüchtet haben. Solcher Versuch aber wäre wohl -fehlgeschlagen, denn die Spanier hätten höchst wahrscheinlich auf das -in der Dunkelheit sich nähernde Boot Feuer gegeben. So würden sie den -Feinden entronnen, von Freunden niedergeschossen worden sein. Auch war -ihnen bekannt, daß in dieser Nacht der Versuch gemacht werden sollte, -die so schwach vertheidigte Korvette zu nehmen. Daß dieses unterblieb, -das hatte die schwache Besatzung der geglückten Flucht der Deutschen -zu danken, denn da diese nun den Händen der Aufständigen entgangen -waren, so wurde die Unschlüssigkeit unter den Häuptlingen wieder groß, -die vermeiden wollten, daß über die Vorgänge auf Ponapè irgend welche -Nachricht verbreitet würde. Sobald die Deutschen die freie See gewonnen -und keine Verfolgung mehr zu befürchten war, wurde beschlossen nach -der 75 Seemeilen von Ponapè in Südwest-Richtung liegenden Inselgruppe -Ngatik zu segeln, dem nächsten Land außer Parkim. Sie wurden aber durch -die Verhältnisse gezwungen diesen Plan aufzugeben, denn wie gut nämlich -auch alles vorher bedacht und überlegt worden war, in der Hast war -im letzten Augenblicke nicht darauf geachtet worden, was in das Boot -hineingeworfen wurde und nun stellte sich, als auf bewegtem Meere eine -Untersuchung vorgenommen wurde, zum allgemeinen Schrecken heraus, daß -nur sehr wenig Mundvorrath im Boote war. - -Es blieb also nichts übrig, als den Kurs nach Parkim zu nehmen, wo es -vielleicht noch möglich war, aus dem Hause des Händlers Lebensmittel zu -holen, sofern die Eingeborenen es noch nicht erbrochen und ausgeraubt -hatten. Der frische Wind trieb das schnelle Boot durch die Wogen und -schon nach Mitternacht fanden die Flüchtlinge sich in der Nähe der -Station. Hier ließen Ruß und Schmidt ihr Boot mit seinen Insassen -zurück und gingen mit einigen Leuten auf Kundschaft aus; der dritte -Deutsche und ein Eingeborener von Guam (Marianen-Archipel) San Jago, -der mit den Deutschen alle Gefahren redlich theilte, blieben im Boote -zurück und bewachten einen der Parkim-Leute, der zur Bootsbesatzung -des Herrn Schmidt gehörte, und da ihm nicht zu trauen war, nicht -freigelassen werden durfte. - -Was Eßbares noch im unversehrten Hause vorgefunden wurde (wenig genug -war es), wurde so schnell und geräuschlos als möglich fortgeschafft, -ebenfalls noch frische Kopra und zahlreiche Kokosnüsse. Alles ging gut, -in früher Morgenstunde konnte wieder abgesegelt werden, um jetzt den -Kurs südwärts nach Ngatik zu richten. Der gefangen gehaltene Mann wurde -vorher frei gelassen, schon um einen Esser weniger zu haben, es waren -ihrer im Boote doch genug. - -Es war ein gefährliches Unternehmen. Die in dieser Jahreszeit -eintretenden Windstillen, die unbekannten Meeresströmungen, sowie -öfters sturmartige Böen von langer Dauer machten es mehr als -zweifelhaft, ob es den Seefahrern überhaupt gelingen würde, so -niedriges Land, wie die kleinen Koralleninseln es sind, aufzufinden; -doch im schlimmsten Falle konnte man das hohe Land von Ponapè immer -wieder aufsuchen, das bei klarem Wetter doch beinahe 60 Seemeilen weit -sichtbar blieb. - -Mit dem seetüchtigen Boote war es auch nicht so sehr gefährlich -große Strecken zu machen, dennoch mag ihnen allen nicht sonderlich zu -Muthe gewesen sein, da keiner auf dem Ozean die Wege, die zu Land und -friedlichen Menschen führten, kannte. - -So kam der Tag mit seiner Gluth, einsam zogen sie auf weitem Meere -dahin -- es kam die Nacht und brachte einen Gewittersturm, der sie -weit aus ihrem Kurs verschlug -- und wieder kam trostlos ein Tag für -sie; nun wußte keiner mehr wohin, auf bewegtem Ozean irrten sie umher, -kein Land in weiter Runde -- die Inselgruppe Ngatik fanden sie nicht -und mußten nun, um bloß zu wissen, wo sie sich befanden, nach Osten -gegen den Wind aufkreuzen. Tage sahen sie kommen und gehen, bis endlich -Ponapè wieder in Sicht kam. - -Der Insel nahe, erkannte Herr Ruß, daß sie sich an der Südseite von -Ponapè befanden und wollte nun versuchen, in Kiti-Hafen einzulaufen, -wo, wie er wußte, im Hause des dort ansässig gewesenen amerikanischen -Händlers sich eine Seekarte befand, die, wenn noch vorhanden, ihnen -wenigstens einen Anhalt bot, wo sie weiter Land finden könnten. Wohl -erinnerte sich Herr Ruß, daß ich ihm den genauen Kurs nach Mokil, der -nächsten östlich von Ponapè liegenden Insel, einst angegeben hatte, -aber muthlos geworden, mit wenig Mundvorrath im Boote -- Wasser hatten -sie sich bei verschiedenen Regengüssen mit ihrem Segel aufgefangen -- -mochte keiner mehr zu einer neuen Irrfahrt rathen. - -Im Kiti-Hafen eingelaufen, bemerkten sie, daß die dortigen Bewohner, -die längst das sich nahende Boot erkannt, die Absicht hatten, mit -Kanoes ihnen den Weg zu verlegen, und nur mit genauer Noth entgingen -sie zum zweiten Male ihren Verfolgern. Auf Ponapè durften sie also -nirgends landen, sie segelten deshalb wieder nordwärts unter dem -Außenriffe hin und suchten die Parkim-Inseln abermals auf. - -Ueberrascht, am Strande vor der Station das Boot des Herrn Schmidt -zu finden, erfuhren sie bald, daß die auf Ponapè zurückgebliebenen -Arbeiter noch in derselben Nacht, als sie selbst geflohen waren, dem -Beispiel ihres Herrn gefolgt und das zweite Boot mit steigender Fluth -vom Riffe frei gemacht hatten, um ihr Heil auf dem Meere zu suchen; ein -ungewisses Schicksal zogen die Leute dem gewissen Tode von der Hand der -erbitterten Feinde vor. - -Die Deutschen fanden die Hauptinsel gänzlich verlassen, die Eingebornen -waren mit ihren Kanoes abgesegelt, nachdem sie die Station gänzlich -ausgeraubt hatten, um sich am Aufstand auf Ponapè zu betheiligen. So -konnten sie denn in Ruhe sich nach Lebensmitteln umsehen, sie fanden -fast nur Kokosnüsse und Brotfrucht, doch gelang es ihnen auch noch -einige Schweine zu schießen und Hühner einzufangen, die sie zubereitet -mit sich nahmen. - -So ausgerüstet, wollte Herr Ruß zum zweiten Male versuchen Ngatik -aufzufinden. Auf Parkim durften sie nicht bleiben; die siegestrunkenen -Eingebornen hätten sie nach ihrer Rückkehr sicher nicht geschont. Sie -segelten also mit beiden Booten wieder ab und vertrauten sich abermals -dem Ozean an. Aber als der zweite Tag anbrach, fanden sie wieder -kein Land -- schon muthlos, zum Theil verzweifelt, wollten sie jetzt -das Boot westwärts laufen lassen, auf gut Glück einem unbestimmten -Schicksal entgegen gehen. - -Doch nur kurze Zeit hielten sie diesen Kurs, da entdeckte einer -ihrer Leute, der auf den schwankenden Mast geklettert war, mit seinen -scharfen Augen in weiter Ferne südwärts die Kronen hoher Palmenbäume -über den im Sonnenlicht glitzernden Wogen, sein Ruf „Land, Land“ riß -alle aus ihrer Versunkenheit empor -- nach Stunden schon lag vor ihnen -das ersehnte und so vergeblich gesuchte Ziel -- hier wenigstens waren -sie sicher vor ihren einst so guten Freunden, nun aber um so mehr -erbitterten Feinden. -- - - - - -VII. Das Auffinden der Entflohenen. Rückreise nach Samoa. Ende. - - -Die geschilderten Vorgänge sind die wortgetreue Wiedergabe dessen, -was mir die später Aufgefundenen erzählt haben und ich überzeugte mich -selber davon, daß alle Angaben der Wahrheit entsprachen, ja selbst, daß -die Irrenden auf weitem Meer viel Härteres erduldet hatten, als sie zu -berichten imstande waren. - -Von jenen Ereignissen auf Ponapè, insonderheit davon, daß ein Aufstand -dort befürchtet wurde, ahnte auf den Marschall-Inseln Niemand -etwas. Ich lag mit meinem Schiffe „Futuna“ bereit, in wenig Tagen -über Pleasant-Eiland nach Ponapè abzusegeln, ebenso der deutsche -Dreimast-Schooner „Brigitta“, der, wie bestimmt, mit mir zusammen -dort eintreffen sollte. Es war am 6. Juli um die Mittagsstunde, als, -wie gewöhnlich, wenn ein Schiff in Sicht gekommen, das laute „Sail -ho“ von den Eingebornen auf Jaluit gerufen wurde und von den hohen -Schiffsmasten über die niedrige Insel hinweg auf den Ozean schauend, -erkannte man bald, daß das Missionsschiff, der Dampfer „Morningstar“ -auf die Südostdurchfahrt von Jaluit abhielt. Doch wie sonst lief das -Schiff nicht in den Hafen ein, sondern drehte bei und sandte nur ein -Boot hinein, das geradewegs zum deutschen Reichskommissar fuhr und -diesem wichtige Nachrichten überbrachte. - -Ohne Verweilen fuhr das Boot wieder ab; bald hatte sich die Kunde wie -ein Lauffeuer verbreitet, auf Ponapè hätten die Eingebornen unter den -Spaniern ein furchtbares Blutbad angerichtet, die deutschen und anderen -Händler seien diesem zwar glücklich entronnen, irrten aber auf dem -weiten Meere umher, dem sie sich in leichten Booten anvertraut hätten. -Alle Schiffe, die in Ponapè einliefen, ließen die Bewohner nicht wieder -fort, um zu verhindern, daß nach Westen den Spaniern Nachricht über den -Aufstand gebracht würde. - -Welche Gefahr für die deutschen Stationen auf Ponapè entstanden war, -ließ sich gar nicht beurtheilen, vielleicht war der ganze Handel auf -dieser reichen Insel zerstört, vielleicht durch Vernichtung der Bauten -und Güter, der Gesellschaft ein ungeheurer Schaden zugefügt worden. - -Leider war die mir gegebene Weisung, daß ich zuerst nach -Pleasant-Eiland laufen sollte, nicht mehr zu ändern, so wurden denn -schleunigst Waffen und Schießbedarf an Bord geschafft, damit wir, wenn -nöthig, uns vertheidigen könnten. In aller Frühe des 7. Juli verließ -ich den Hafen von Jaluit mit der Weisung, die Reise nach Möglichkeit -zu beschleunigen und, wenn ich Ponapè erreicht hätte, vorerst nach den -Entflohenen zu suchen; in dem Hafen dort aber nicht eher einzulaufen, -als bis ich mich vergewissert, ob solches ohne große Gefährdung für -Schiff und Mannschaft geschehen könne. - -Nach Pleasant-Eiland, von welcher Insel ich eine beträchtliche Menge -Kopra für die „Brigitta“ abzuholen und auf welcher ich auch viel -Ladung, Güter und Holz, zu landen hatte, gelangte ich schon nach -wenigen Tagen und kreuzte hier unablässig drei Tage und Nächte. Schon -war am vierten Tage die Ladung zum größten Theil an Bord gebracht, -als der Wind plötzlich schwächer wurde, der Abstand von der Insel -vergrößerte sich immer mehr und sah ich ein, daß ich gegen den -Strom mich nicht mehr halten würde, deshalb Signale für den an Land -befindlichen Geschäftsführer aufhißend, kam dieser schließlich ab; -brachte jedoch den deutschen Händler ebenfalls mit, weil er mit diesem -noch nicht alles Geschäftliche erledigt hatte. - -In der Voraussetzung, der Wind würde wieder stärker werden, blieb der -Händler auf Anrathen des Geschäftsleiters an Bord und ließ sein Boot -zur Insel zurückfahren; aber die Hoffnung erwies sich als trügerisch, -der Wind wurde ganz still und am nächsten Morgen war kein Land mehr in -Sicht. Ob das Boot, da der Abstand zwischen Land und Schiff schon ganz -beträchtlich gewesen war, die Insel wieder erreicht hat, darüber habe -ich Gewisses nie erfahren können. - -Wie verhängnißvoll der Strom für die Insassen eines Bootes werden kann, -zeigt folgender Vorfall, der sich im Jahre 1889 zutrug und den auf -Pleasant-Eiland ansässigen Europäern, die mir persönlich wohl bekannt -waren, nebst ihren Leuten das Leben kostete. - -Im Juli 1889 wurde im Bismarck-Archipel die Nachricht verbreitet, es -seien auf der Insel Tatan drei Weiße und eine Anzahl Kanaken von den -dortigen Eingebornen ermordet worden. Da S. M. Schiffe „Alexandrine“ -und „Sophie“, im Bismarck-Archipel anwesend waren, unternahm die -„Sophie“ es, nähere Erkundigungen einzuziehen und es bestätigte sich, -daß zwar keine Europäer, aber sieben Eingeborne von Pleasant-Eiland, -sowie zwei Frauen erschlagen waren, zwei Frauen aber noch lebten, von -denen eine, ein junges Mädchen, Irivon mit Namen, ermittelt werden -konnte und auf ihren Wunsch an Bord des Kriegsschiffes nach Matupi -gebracht wurde. - -Der dort ansässige Vertreter der Firma Hernsheim & Co., Herr Thiel, der -mehrere Jahre auf den Marschall-Inseln (Jaluit) gelebt hatte und die -Sprache dieser Insulaner verstand, erfuhr aus dem Munde des Mädchens -Folgendes: - -Sie selbst sei einst mit dem Schooner „Mangaribien“ (Kapt. Reiher) von -Pleasant-Eiland nach Likieb gekommen und habe dort gearbeitet, später -sei sie längere Zeit auf Jaluit thätig gewesen, dann aber, als sich -Gelegenheit geboten, in ihre Heimath zurückkehren, habe sie sich mit -noch drei anderen Weibern auf einem nach Pleasant-Eiland bestimmten -Fahrzeuge eingeschifft. Als die Insel schon in Sicht war, sei dieses -wahrscheinlich vom harten Strom gefaßt, und abgetrieben worden. Vorher -aber sei noch ein Boot mit den Europäern von der Insel gekommen, die -Waaren aufgekauft hätten; es waren dies die Händler Harris, van Been -(ein Holländer) und Bair, begleitet von dem Häuptlinge Banegain und 6 -Kanaken. - -Diese nun hätten sie und die anderen Weiber zu ihrer Freude mit in das -Boot genommen, doch wegen des zu starken Stromes, den zu überwinden -die Mannschaft zu schwach gewesen, hätten sie die Insel nicht erreicht -sondern wären drei Monate auf dem Ozean umher getrieben; das Leben -hätten sie von den aufgekauften Lebensmitteln, Hartbrod und Reis -gefristet. Nach entsetzlichen Leiden wären dann zuerst Bair, dann van -Been, zuletzt Harris gestorben, wohl aus Mangel an Wasser. Längere Zeit -nach dem Tode der Weißen wären sie an eine Insel angetrieben, auf der -sie sich für den im Boote befindlichen Taback Kokosnüsse hätten kaufen -wollen. - -Sie hätten auch Nüsse erhalten, darauf aber wären die Eingeborenen in -das Boot gekommen und hätten mit Tomahawks die sieben männlichen Kanaken -und zwei Weiber erschlagen. Sie selbst und ein Weib, Namens Bananie, -waren ins Wasser gesprungen und weggeschwommen. Aus dem Wasser hätten -die Eingeborenen Papilin und Mamalu sie gezogen und vor der Wuth der -anderen dadurch gerettet, daß sie sie in ihre Hütten aufnahmen und zu -ihren Frauen machten. - -In ähnlicher Weise wie das erwähnte Schiff war auch ich wieder von -dieser Insel abgetrieben und hatte keine Aussicht schnell dorthin -zurückzukehren, um wenigstens den Händler wieder abzusetzen; versuchte -ich es, konnten Wochen hingehen, ehe es mir gelang, die Insel zu -erreichen, was mit meiner Weisung, schnell nach Ponapè zu segeln, nicht -zu vereinbaren war. Deshalb besann ich mich nicht lange, als jede -Aussicht auf frischen Wind geschwunden war, sondern ließ das Schiff -nordwärts vom schwachen Windhauch langsam durch die spiegelglatte See -treiben, um aus dem widrigen Strom herauszukommen; viel nöthiger schien -es mir, den von Ponapè Entflohenen Hilfe zu bringen, als unersetzliche -Zeit zu opfern, um Pleasant-Eiland wieder aufzusuchen. - -48 Stunden waren hingegangen, als gegen Abend wie gewöhnlich die Pumpen -untersucht wurden, weil das im Schiffe angesammelte Wasser ausgepumpt -werden sollte. Da fand sich, daß über 3 Fuß Wasser im Schiffsraum war. -Bald wurde es zur Gewißheit, daß wir uns auf einem leckenden Schiffe -befanden, denn obgleich unablässig die Nacht hindurch gepumpt wurde, -war erst gegen Morgen das Wasser bewältigt. - -Unter anderen Verhältnissen wäre es, wenn nicht die dringende Sorge um -die von Ponapè geflüchteten Deutschen mich gezwungen hätte, die Reise -fortzusetzen, meine Pflicht gewesen, wieder nach Jaluit zu segeln, -da ich nicht wissen konnte, ob ich in der Folge mit der Mannschaft -würde das Schiff halten können. So wurde der Kurs nicht geändert -- -aber es war, als sollten wir nicht vorwärts kommen, denn selbst in -den äquatorialen Gegenstrom gelangt, fanden wir wenig Wind und trieben -eigentlich mehr nach Westen, als daß wir segelten. - -Die Ursache, daß das Schiff leck geworden, war der Seewurm gewesen, -der an einer vom Kupfer entblößten Stelle nahe am Kiel zwei Planken -durchfressen hatte. Dieser Wurm bohrt sich als unscheinbares Thierchen -in das Holz hinein, wächst darin bis zur Fingerstärke, und wenn eine -Planke ganz durchbohrt ist, genügt ein größeres Loch, das Schiff in -ernstliche Gefahr zu bringen. - -Als ich im Januar 1887 das von Apia gekommene Schiff übernahm, wurde -mir nicht bekannt gegeben, daß dieses vorher auf einer Reise nach der -Gilbert-Gruppe in der Lagune von Tapetuea auf ein Riff gerathen war -und dort wahrscheinlich am Kupfer Beschädigungen erlitten hatte; wären -diese gleich in Apia in Stand gesetzt, d. h. das beschädigte Kupfer -ausgebessert worden, so hätte das sonst so gute Schiff der Seewurm -nicht durchfressen können. Doch es war geschehen und vorläufig nichts -weiter zu machen, als durch ständiges Pumpen das Schiff über Wasser zu -halten. - -Es ist übrigens eine besondere Vorsicht nöthig, wenn man die nicht mit -Kupfer oder Zink beschlagenen Fahrzeuge, wie Boote, aussetzen will, -denn sehr zahlreich bohren sich diese kleinen Würmer ein und sind im -Stande, Bootsplanken von ½ bis 1 Zoll Stärke schon nach mehreren Wochen -völlig zu zerstören. Darum dürfen selbst mit Kohlentheer bestrichene -Boote nie lange im Wasser liegen bleiben, sondern müssen stets aufs -Land geholt werden, sobald sie außer Gebrauch gesetzt sind. - -Auch die Eingebornen im weiten Ozean auf jeder Insel befolgen diese -Regel, ob ihre Kanoes klein oder groß sind, stets holen sie diese nach -dem Gebrauche aufs trockene Land. - -Meine Absicht war, zuerst die Insel Mokil anzulaufen, da ich vermuthen -konnte, daß dorthin die von Ponapè entkommenen Händler geflohen wären, -oder wenigstens von mehreren der Versuch gemacht sein würde diese Insel -zu erreichen, da es für sie dort eher möglich war, ein vorübersegelndes -oder dort anlaufendes Schiff anzutreffen. Aber trotzdem, daß tagelang -die Insel in Sicht war, konnte ich wegen Windstille doch nicht -herankommen, und als endlich wieder leichter Wind aufsprang, war ich zu -weit entfernt, so daß es besser war, geradewegs nach Ponapè zu laufen. - -Vor der Nordeinfahrt angekommen sah ich die „Brigitta“ im Hafen liegen, -nicht weit entfernt vom spanischen Kriegsschiff, und als ich auch -Boote zwischen beiden Schiffen verkehren sah, hielt ich jede Gefahr für -ausgeschlossen und lief hinein. - -Die „Brigitta“, später von Jaluit abgegangen, hatte zwar leichten aber -ständig guten Wind auf ihrem viel nördlicheren Kurse gefunden, hatte -auch Mokil angelaufen und einige dorthin geflüchtete amerikanische -Händler gesprochen, dieselben waren aber vollständig unwissend über -das Schicksal der Deutschen. Das Schiff umsegelte darauf Ponapè, lief -nach Parkim und Ngatik, fand aber auf letzterer Gruppe die Geflüchteten -nicht mehr vor. Diese hatten dort, entblößt von allen Mitteln, kaum -ihr Leben fristen können und, als der Zeitpunkt gekommen, wo Herr -Ruß ein Schiff erwarten konnte, daß von Jaluit nach Ponapè unterwegs -wäre, hatte er es mit den Gefährten gewagt, ihm nach Mokil entgegen zu -segeln. - -Dort angelangt hörte er, daß die „Brigitta“ vor kurzem ihn dort gesucht -hätte und nochmals dieserhalb nach Ngatik gesegelt wäre. Da sich gerade -günstige Gelegenheit bot schleunigst dem Schiffe zu folgen, nahm er -einen Platz auf einem amerikanischen Schooner und ließ sich auf Ngatik, -wo er sein zweites Boot zurückgelassen hatte, wieder absetzen. Aber -auch hier kam er wieder zu spät an und mußte sich nun zum zweiten Male -mit seinem Boote der trügerischen See anvertrauen. Doch als er abermals -Mokil erreicht hatte, war die Brigitta, die ihn vergeblich gesucht, vor -ihm zu dieser Insel zurückgekehrt, hatte sein großes Boot mitgenommen -und war nach Ponapè weiter gegangen. - -Diese langwierigen und im offenen Boote nicht ungefährlichen Reisen -hatte denn auch die Umherirrenden stark mitgenommen; vor allem hatte -die seit langen Wochen schlechte Ernährung ihr körperliches Befinden -schädlich beeinflußt. Doch nichts anderes blieb übrig, als nochmals -dem Schiffe zu folgen; endlich wurde es an der Nordseite von Ponapè -umhertreibend aufgefunden. - -Seit dem 2. Juli bis zu dem Tage, an welchem die deutschen Schiffe -eingelaufen waren (ich traf etwa 36 Stunden nach der „Brigitta“ ein) -war inzwischen ein spanischer Kriegsdampfer, der während des Aufstandes -schon auf der Reise nach Ponapè gewesen, angekommen, hatte die fast -verlassene „Maria de Melina“ neu besetzt und war dann mit der traurigen -Nachricht von der Niedermetzlung der Garnison und der Schiffsbesatzung -schnell nach Manilla zurückgedampft. - -Unter dem Schutze des jetzt wieder starken Kriegsschiffes konnten wir -auf Lungur landen; doch wie verändert war dort alles! Wo einst schöne -Wege, wucherten Gras und Unkraut, was in schönster Ordnung gewesen, -war verfallen. Zwar hatten die Eingebornen die Station nicht zerstört, -sondern nur erbrochen und Waffen und Munition herausgeholt, auch sonst -mitgehen heißen, was ihnen nützlich schien, doch war der Schaden und -die Zerstörung groß genug. - -Nachdem die „Maria de Melina“ Verstärkung erhalten, eröffnete der neue -Kommandant Jose de Concha sehr bald die Beschießung, alle im Bereiche -der Geschütze liegenden Inseln und Ortschaften wurden unter Feuer -genommen; doch, da diese eine ausrangirte Segelkorvette mit alten -Vorderladern war, die ihren Ankerplatz nicht verlassen konnte, blieb -die Beschießung so gut wie erfolglos. - -Wie die Eingebornen erzählten und auch von anderer Seite verbürgt -wurde, sind sie, sobald ein Geschoß eingeschlagen hingelaufen und -haben, überzeugt von seiner Gefahrlosigkeit, den Zünder herausgerissen; -der solches unternahm, dem gehörte dann auch das in dem Halbgeschosse -enthaltene Pulver. Nur eine Kugel, die auf solche Weise erlangt -wurde, platzte, als ein Verwegener die Lunte fassen wollte, und -riß ihm beide Beine weg. So unglaublich dies auch klingen mag, so -ist es doch wahrscheinlich, denn die jedenfalls längst nicht mehr -zeitgemäßigen Geschütze und die ganz veralteten Geschosse waren zu -einer erfolgreichen Beschießung nicht mehr geeignet. - -Der Verkehr mit den spanischen Offizieren, während unserer Anwesenheit -auf Lungur, war recht freundlich, sie zeigten sich uns in jeder Weise -gefällig, auch hatten sie keinen anderen Verkehr und konnten mit -Sicherheit nur auf der Insel Lungur landen, da jedes Betreten der -Hauptinsel selbst ihnen mit Waffengewalt von den Eingebornen verwehrt -wurde. In welcher Weise die Spanier, wenn die erwartete Verstärkung -von Manilla eingetroffen sei, vorgehen würden, darüber äußerte sich der -Kommandant Jose de Concha folgendermaßen: - -Es sollten rund um Ponapè befestigte Stationen unter dem Schutze -mehrerer dort stationirter Kriegsschiffe errichtet werden und würden -dann tausend Mann genügen, bei allmählichem Vordringen die Aufständigen -zu Paaren zu treiben. Namentlich sollten die Bezirke Jokoits, Nut, Aru, -Mants und Tahunk gesäubert werden. Wären einmal die Eingebornen in das -unwirthliche Innere der Insel getrieben, würden sie durch Hunger und -Mangel an Schießbedarf genöthigt, bald genug zu Kreuze kriechen. - -Doch die Erwartungen, die dieser Kommandant gehegt, haben sich nicht -erfüllt, Spanien konnte vorläufig solche Macht nicht entfalten und -als diese später zur Stelle war, mußte es sich mit der Bestrafung der -Hauptbetheiligten begnügen, denn inzwischen waren auch die Bewohner von -Ruk und Yab in den Aufstand eingetreten, und bald versuchten auf der -ganzen Gruppe der Karolinen im Osten wie im Westen fast gleichzeitig -die kriegerischen Stämme, sich von dem ihnen auferlegten Zwange zu -befreien. - -Es ist eine Eigenthümlichkeit der Spanier, daß sie so schnell zu -strengen Maßregeln in neuerworbenen Ländern den Eingebornen gegenüber -schreiten und immer geschritten sind und so wenig ihre Gebräuche und -Sitten berücksichtigen. Und gerade auf den Karolinen war Gewalt am -wenigsten angebracht, hier, wo diese Völker noch nie die Hand einer -stärkeren Macht gefühlt, wo sie unabhängig, frei und zufrieden lebten. - -Unausgesetzte Kämpfe werden die Spanier, so lange diese Inseln in ihren -Händen verbleiben, führen müssen, bis der letzte Rest dieses begabten -Volkes dem Verderben geweiht ist, bis die weiten blühenden Fluren, auf -denen hundertfacher Segen die geringe Arbeit lohnt, Brandstätten und -Trümmer geworden sind; die Spanier werden endlich Sieger bleiben, aber -um welchen Preis! - -Die Kulturarbeit auf diesen Inseln wird ein ander Volk, wenn das jetzt -dort lebende Geschlecht in seinem Heimathlande begraben und vergessen -ist, zum späteren Segen vollbringen müssen. -- - -Sobald beide Schiffe segelfertig waren, verließen wir die deutsche -Station auf Lungur: Herrn Ruß nahm ich mit nach Jaluit, er durfte -nicht zurückbleiben, über kurz oder lang wäre er doch der Rache der -Eingebornen verfallen. Die „Brigitta“ steuerte westwärts nach Yab, wo -sie vollständig verloren ging, mit der „Futuna“ aber ging ich nordwärts -nach dem Providenz-Atoll. Obgleich das Schiff noch immer stark leckte, -die Pumpen zu bestimmten Stunden bei Tag und Nacht stets in Betrieb -gehalten werden mußten, so hatten doch tüchtige Taucher dem Schlimmsten -durch Uebernageln eines Stückes Kupfer am Schiffsboden abgeholfen, und -da ich auch u. A. für den einsam auf jenem Atoll lebenden Deutschen -Proviant an Bord hatte, wo seit 8 Monaten kein Schiff erschienen war, -hielt ich es für nothwendig auch dort noch einzulaufen. - -Von Ujelang segelte ich zurück nach Pingelap, einer zwischen Ponapè -und Kusai liegenden Insel; dort holte ich mir von dieser eine neue -Besatzung, Leute die ich mir erst auszubilden hatte, welche aber wegen -geringerer Heuer eine Ersparniß ermöglichten, und kehrte von hier -geradenwegs nach Jaluit zurück. - -Die „Futuna“ war in den Marschall-Inseln nicht auszubessern, darum -beschloß der Vertreter der Gesellschaft, Herr Brandt, dieselbe nach -Apia zu senden; doch mußten vorerst noch sämmtliche Stationen mit -Handelsgegenständen versehen werden, und auf dieser langen Rundreise -durch die Marschall-Gruppe lernte ich verschiedene mir noch nicht -bekannte Atolle kennen. - -Was die Kulturfrage anbelangt, die das deutsche Reich auf diesen fernen -Inseln besonders berücksichtigen muß, so kann ich erwähnen, daß die -Ertragfähigkeit noch einer ganz bedeutenden Steigerung fähig ist, -sofern der Sinn der einheimischen Bevölkerung für den Handel immer mehr -geweckt und diese angeleitet wird, mehr zu erzielen als bisher, was -darauf hinausläuft, die vielen brachliegenden Inseln mit Kokosbäumen -zu bepflanzen. Dadurch würde nicht bloß ein greifbarer Vortheil -erzielt, sondern auch der Gefahr vorgebeugt, daß die Wogen des Ozeans -zeitweilige Zerstörungen auf diesen niedrigen Koralleninseln anrichten -können. Findet doch jede hier wachsende Baumart, vornehmlich die -Kokospalme, selbst auf steinigen Korallengrund, einen dankbaren Boden -und gutes Fortkommen. - -Im Begriffe nach Samoa abzusegeln, mußte ich meinen Obersteuermann -Kannegießer, der die Führung des Schooners „Ebon“ erhielt, welches -Schiff dem König Kabua und Nelu gehörte, zurücklassen, und an seiner -Stelle den Japanesen Kitimatu nehmen. Kannegießer, der auf den -Marschall-Inseln seit jener Zeit verblieben ist, wurde 1894 auf der -Insel Butaritari (Gilbert-Gruppe) von den Eingebornen dort, die im -Verkehr viel unzugänglicher sind als die Marschall-Insulaner, ermordet. -In den letzten Tagen des Jahres 1887 verließ ich Jaluit; gegen starken -östlichen Wind aufkreuzend, hoffte ich östlich von der Gilbert- und -Ellis-Gruppe nach Süden segeln zu können, fand aber noch nördlich vom -Aequator wieder solchen starken Strom, daß ich gezwungen war, diesen -Plan aufzugeben, und zwischen 8 bis 12 Grad nördlicher Breite fortan -Ost zu gewinnen suchte. - -Oft genug hatte ich die Erfahrung gemacht, daß, während im südlichen -Theil der Marschall-Inseln gutes Wetter vorherrschend war, im -nördlichen zur Zeit des Nordost-Passates starke Winde wehten, so daß -an den Gestaden der nördlichsten Atolle sich eine schwere See brach; ob -die Annahme, jene Atolle sinken noch langsam, erwiesen ist oder nicht, -steht dahin, soviel aber ist sicher, daß die nördlichsten Atolle wegen -der immer weiter vordringenden See von ihren Bewohnern haben verlassen -werden müssen und die wenigen noch über dem Meere liegenden Inseln -heute unbewohnt sind. - -Auf 176 Grad westlicher Länge, nahe der Linie, die ich in wenig -Stunden zu passiren erwarten konnte, sahen wir, als die Sonne in -ihrer wunderbaren Schönheit über den endlosen Ozean aufgegangen war, -plötzlich wenige Seemeilen voraus eine niedrige, unbewachsene und -unbewohnte kleine Insel. Als wir näher gekommen waren und dieser -auf der Westseite vorüberfuhren -- ich hatte schon tags vorher weit -nördlicher erwartet eine Insel zu sehen und war überrascht jetzt noch -eine unerwartet in Sicht zu laufen -- sah ich, daß nahe derselben eine -große Menge Haifische umherschwamm, auf dem niedrigen Sande aber saßen -abertausend Seevögel, die noch mit ihrer Morgentoilette beschäftigt -sich erst in Schwärmen erhoben, als der ungewohnte Anblick des immer -näher kommenden Schiffes sie aufscheuchte. - -Nicht das geringste war auf diesem öden Sand weiter zu entdecken, -nur hin und wieder leuchteten im Sonnenstrahl weiße Flecken auf, -es waren die angehäuften Ausleerungen der Seevögel, die in Schaaren -noch saßen oder mit krächzendem Geschrei in der Luft umherschwirrten. -Die Gelegenheit wäre günstig gewesen, hier frische Eier in Mengen zu -erhalten, doch sah ich nirgends an der Westseite flacheren Grund und -erst ganz dicht heranzulaufen und danach zu suchen schien mir der Mühe -nicht werth. So segelte ich weiter, zufrieden, daß die im direkten Kurs -gelegene Insel erst am frühen Morgen in Sicht gekommen und nicht, als -noch Dunkelheit herrschte, von uns getroffen war, denn dann hätte sie -uns und dem Schiffe verhängnißvoll werden können. - -Uebrigens war ich auf alle Möglichkeiten vorbereitet, wenn das -schon stark leckende Schiff nicht mehr zu halten gewesen wäre -- die -Mannschaft konnte nichts weiter thun, als nur die Segel bedienen und -unablässig jede halbe Stunde pumpen, -- dann hätte ich dieses mit den -bereit gehaltenen Booten, in denen für Wochen Mundvorrath und Wasser -bereit lag, verlassen. - -Schon darum war ich soweit nach Osten aufgesegelt und suchte, als der -Aequatorialstrom schwächer geworden, noch immer etwas Ost zu gewinnen, -damit ich die Phönix-Gruppe durchschneiden oder in Lee von mir zu -liegen hatte. Wäre auch keine große Gefahr damit verbunden gewesen, mit -den guten Booten auf freiem Meer vor dem Winde zu segeln und Land zu -suchen, so wäre solche Fahrt für zwei Frauen, Samoanerinnen, die ich -als Fahrgäste an Bord hatte, doch recht unangenehm geworden. - -Die Walfischfänger, die in früheren Jahrzehnten so zahlreich diesen -Theil des Ozeans durchkreuzt und reiche Beute fanden, haben wenige der -gewaltigen Meerbewohner verschont, und doch sah ich hin und wieder noch -einige riesige Walfische in der dunkelblauen Fluth sich tummeln. - -Mit langsamer Fahrt nach Süden segelnd, (die Phönix-Gruppe lag hinter -uns) wurden wir eines Tages von einem, jungen Walfisch begleitet, -dem es Vergnügen zu bereiten schien bald vor, bald mit dem Schiffe -zu laufen, und gar leicht wäre es gewesen, dem Thiere in den dicken, -plumpen Körper eine Harpune hineinzuwerfen, doch sah ich ein, daß, -wenn wir auch wirklich mit sicherem Wurfe das Thier hätten tödten -können, wir schwerlich einen Nutzen davon gehabt hätten, und Harpune -und Leine wollte ich nicht darum opfern. Doch versessen darauf, den -Walfisch zu erlangen, oder wenigstens den Versuch zu machen, bot der -Steuermann Kitimatu mir immer wieder, wenn der Fisch dem Schiffe recht -nahe gekommen, seine werthvolle Harpune an. Er wollte diese verlieren, -sollte der Fisch entkommen, nur möchte ich ihm gestatten, eine der -besten langen Leinen zu nehmen. Schließlich selbst neugierig gemacht, -wie wohl der Fang verlaufen würde, ließ ich alle Vorbereitungen -dazu treffen und um sicher zu gehen, damit der harpunirte Fisch die -gute Leine nicht zerreißen könnte, beauftragte ich Kitimatu, diese, -solange der Wal in die Tiefe schießen sollte, immer weiter auslaufen -zu lassen. Ich selbst ging auf den Klüverbaum hinaus und unter diesem -am Stammstocke Fuß fassend, durch eine Brustleine gut gehalten, daß -beide Arme frei blieben, wartete ich auf den Augenblick, wann der -Wal wurfgerecht wieder vor dem Schiffe laufen würde, um dann die -bleibeschwerte Harpune dem Thiere in oder neben das Spritzloch mit -voller Wucht zuzuwerfen. - -Nicht lange brauchte ich zu warten, der Wal kam heran und mit sicherem -Wurfe geschleudert, fuhr ihm die tödtliche Harpune seitwärts unter -dem Spritzloch tief in den Leib. Zu Tode getroffen, den Schwanz hoch -über Wasser schnellend, schoß das Thier mit gewaltiger Kraft in die -Tiefe. Die starke Leine fuhr rauchend hinterher; um den Spillkopf zum -Wegführen belegt, war sie, da Kitimatu sie nicht fahren lassen wollte, -mit furchtbarer Geschwindigkeit um dieses Holzstück herumgerissen -worden, sodaß Rauch und Feuer heraussprangen und die Leine zum Theil -verbrannt war. Kitimatu, dessen Hände ebenfalls verbrannt wurden in -Folge der Reibung, konnte nicht mehr festhalten. Schon war ich selbst -inzwischen an Deck gekommen und hatte das Messer gezogen, um diese zu -kappen, als plötzlich die Leine aufhörte, weiter auszulaufen. Die Kraft -des Thieres war gebrochen oder es kam herauf, um Luft zu schöpfen, die -ihm aus der tödtlichen Wunde schnell entflohen sein mochte, -- doch -diese schnelle Fahrt in die Tiefe war sein Todeslauf gewesen. Weit -entfernt an der Steuerbordseite -- die ganze 450 Fuß lange Leine war -fast ausgelaufen -- kam der Wal hoch, Blut und Wasser spritzte er in -die Luft, in Strömen floß sein Blut aus der klaffenden Wunde und färbte -rings um ihn das Meerwasser roth. - -Sich hin und her wälzend, peitschte er noch mit letzter Kraft einige -Male das Wasser mit dem Schwanze, dann lag er still. Das Schiff, an -den Wind gebracht, trieb mit backgebrassten Raaen; darauf ward der Wal -herangeholt, und lag bald in Schlingen aufgefangen sicher längsseit. -Nun war die Frage, wie wohl das schwere Thier an Deck gehißt werden -könnte, nicht, weil wir nicht gewußt hätten, wie das anzufangen wäre, -sondern es fragte sich, ob die stärksten Takel (Flaschenzüge) an Bord -ausreichend sein würden. - -Im Großtop wurde das stärkste Takel aufgebracht, dann wurde der todte -Wal am Schwanze, mit Hilfe unserer Winde hochgeholt, doch der Körper -erwies sich, als die Tragfähigkeit des Wassers aufgehoben, zu schwer. -Ihn fahren lassen wollten wir nicht, deshalb wurde, um das Gewicht -des Körpers zu erleichtern, der ganze Leib, soweit anzukommen war, -aufgeschnitten, der Inhalt entfernt, und der Wal schließlich so hoch -gewunden, daß sein Uebergewicht über Deck zu liegen kam. Jetzt wurde -ein anderes Takel vom Vortop an der Harpune befestigt -- am Kopfe war -durchaus keine festsitzende Schlinge anzubringen, zumal da dieser -nicht frei vom Wasser zu bringen war -- an Bord sicher festgelegt, -dann stürzte, indem wir plötzlich das Hintertakel fahren ließen, mit -gewaltigem Krach der schwere Körper, 22 Fuß lang, über die Regeling -(Bordwand) weggleitend, an Deck. Obgleich wir unvollkommene Mittel an -Bord hatten, um den nicht besonders dicken Speck des Wals auszulassen, -wurden dennoch gegen hundert Liter Thran gewonnen, vom Fleische -jedoch wurde soviel als die Leute irgend unterbringen konnten, in -Salzlacke gelegt, dann in Streifen geschnitten und an der heißen Sonne -getrocknet. Der Vorrath war so groß, daß die Mannschaft noch in Apia -damit Tauschhandel trieb. - -Da beim schönsten Wetter mit leichtem Ostwind die östlichste Insel -der Unionsgruppe in Sicht gekommen war, konnte ich darauf rechnen, in -einigen Tagen die hohen Berge von Upolu nach zwei Jahren wiederzusehen. -Wir erübrigten uns trotz des häufigen Pumpens die Zeit, dem Schiffe -ein schmuckes Aussehen zu geben und arbeiteten fleißig um die Takelage -sauber in Stand zu setzen. - -Schon war die Arbeit beendet, und ich freute mich darüber ohne zu -ahnen, daß alles vergeblich gewesen, und obwohl ich wußte, wie leicht -in dieser schlechten Jahreszeit südlich vom Aequator stürmische -Westwinde plötzlich auftreten, dachte ich doch nicht daran, nur noch -200 Seemeilen von Samoa entfernt, von einem Sturm überrascht zu werden. - -Am Morgen des 25. Januars 1888, der ebenso golden und friedlich -angebrochen, wie seit Wochen schon ein jeder Tag, fand ich eine -Aenderung am Aneroid-Barometer, der langsam fallend auf ungewöhnliche -Vorgänge in der Atmosphäre hinzuweisen schien, obgleich kein Wölkchen -am azurblauen Himmelsgewölbe sich zeigte. Zog weit vom Standorte des -Schiffes ein Sturm oder gar ein Orkan vorüber? Das konnte ich noch -nicht wissen, ist doch der Umkreis des letzteren oft gewaltig groß. -Doch das Barometer sank mehr und mehr, der leichte Ostwind ward ganz -still, und auf der spiegelglatten Fluth wiegte sich das Schiff. Der -Mittag kam und noch dieselbe Ungewißheit blieb, nur im Nordwest und -Norden kamen am Horizonte weiße Wölkchen auf, näherten sich mit großer -Geschwindigkeit, als fegten sie, leichten Federn gleich, vor einem -entfesselten Sturm dahin! - -Die Gewißheit jedoch erhielt ich bald, mehr und immer drohender kam -schweres Gewölk herauf, die Luft, bisher klar und rein, ging in ein -fahles Graugelb über, kein Zweifel war mehr, daß ein Orkan heranziehe, -der, wenn wir ihm nicht entfliehen konnten, seine Mitte sich nach -Osten fortschiebe, uns mit seinen wirbelnden Armen erfassen und in die -schweigende Tiefe des Ozeans unfehlbar ziehen würde. - -Was geschehen konnte, geschah, obwohl ich überzeugt war, daß das schwer -lecke Schiff kaum einen heftigen, anhaltenden Sturm überdauern würde. - -Sehr erstaunt war die in solchen Dingen unerfahrene Mannschaft, als -während der tiefsten Stille, -- kein Windhauch regte sich, -- der -Befehl zum Dichtreffen sämmtlicher Segel gegeben wurde, und nach kurzer -Zeit lag das Schiff unter Sturmsegeln, selbst die Zeit fand ich noch, -ein neues Vorstagsegel, das auf der Reise fertig geworden, anschlagen -(anbinden) zu lassen. - -Da kam von Norden her, (am wirbelnden Wasser, das mit tausend kleinen -Wellen und weißen Köpfen wie tanzenden Kobolden aufwallte, war es schon -von weitem erkennbar,) der erste heftige Windstoß. In immer kürzeren -Pausen mit immer wachsender Gewalt, kam der Sturm daher und trieb trotz -der wenigen Segel das Schiff vor sich her, durch die immer wilder und -höher schäumende Fluth. - -Ich befand mich in dem äußern Kreise des wirbelnden Sturmes, der von -Stunde zu Stunde wuchs; wohin aber zog die Mitte? Ihr mußte ich mit -aller Gewalt entfliehen, so lange es noch eine Möglichkeit dazu gab. -Mit großer Besorgniß beobachtete ich das Barometer, das bis 5½ Uhr -Nachmittags ständig fiel, dann stand es, der Sturm hatte seine höchste -Gewalt erreicht. - -Ich wußte nun, da der Wind von Zeit zu Zeit in der nördlichen Richtung, -woher er wehte, wenig hin und her umsprang, daß der Orkan nach Süden -zog, seine Mitte vielleicht sehr weit entfernt im Westen lag. Aber -doch war seine Gewalt so furchtbar, daß er den Athem benahm, und die -See so wild und furchtbar, wie ich sie selten gesehen. Das Schiff -ächzte in allen Fugen, den Kopf niedergedrückt in die brandenden -Wogen, raste es vor dem heulenden Sturm dahin. Die Leute, zitternd und -unfähig ernstlich noch zu kämpfen, festgebunden an den Pumpen, damit -die überbrechenden Seen sie nicht mit fortrissen, arbeiteten, doch -vergeblich; denn die Pumpen warfen kein Wasser auf, obgleich durch die -donnernden Wogen, durch den heulenden Wind, das unheimliche Geräusch -davon zu vernehmen war, wie die Wassermassen im Raume hin und her -spülten; wenn das Schiff ein Spielball der Wogen recht schwer rollte, -wollte es mir scheinen, als könne es sich nur schwer wieder aufrichten, -die große Wassermasse im Raume drückte es auf die Seite und wenn diese -reißend anwuchs, konnte es geschehen, daß das sinkende Schiff sich auf -die Seite legte, um sich nie mehr aufzurichten. - -Mit andern Mitteln dem Verderben zu wehren war unmöglich, keine Luke -konnte geöffnet werden, denn fußhoch spülten die Wellen über das Deck, -die Wassergewalt war so groß, daß an beiden Seiten die Verschanzung zum -Theil weggerissen war, und jede von hinten oder seitwärts aufstauende -See fegte Wasserberge über das Schiff. - -So konnte es nicht weiter gehen, ich sah den Untergang vor Augen, -nicht die wilde See und den rasenden Sturm fürchtete ich, vielmehr das -steigende Wasser im Schiffsraume, das in absehbarer Zeit uns in die -Tiefe des brüllenden Ozeans ziehen mußte. Das Schiff an den Wind zu -bringen, war das einzige, was noch geschehen konnte, aber ob es nicht -schon zu spät, ob bei dem Versuche nicht eine einzige wilde See, die -mit voller Gewalt beim Anluven sich über das Schiff brechen mußte, -genügte, dasselbe auf die Seite zu drücken und es mit allen an Bord -verschwinden ließ! Das ließ sich nicht sagen. Das Untermarssegel stand -noch immer wie ein Brett geschanzt, dahinter setzte sich der Sturm -und so klein auch die Fläche Leinewand war, mit größerer Gewalt und -Geschwindigkeit war das Schiff noch nie durch die Fluthen getrieben -worden. Dies Segel mußte verschwinden wollte ich das gefährliche -Manöver noch ausführen, solch Oberdruck, wenn erst der Wind von einer -Seite einfiel, mußte verderblich werden. Der Gedanke, das Segel noch -aufgeien und bergen zu können, wäre thöricht gewesen, keiner meiner -Leute, mit denen, vom Japanesen abgesehen, gar nichts mehr anzufangen -war, hätte auch nur den Versuch gemacht, den wie eine Gerte hin und her -schwankenden Mast zu erklettern. - -Ein matter Tagesschimmer lag noch über dem erregten Ozean, den -furchtbaren Kampf der Elemente verdeckte noch nicht die dunkle Nacht --- so durfte ich denn nicht mehr zögern, vielleicht beschleunigte ich -das unabwendbare Schicksal, vielleicht auch, war das Manöver, wenn es -gelang, unsere Rettung. - -Mit Kitimatu besprach ich das Nothwendigste, er sollte mit einigen -Leuten vorne im Schiff aufpassen, vorerst die Schoten des Marssegels -fliegen lassen, damit dieses in Stücke peitschen könne, dann das -dichtgereffte Vorstagsegel setzen, während ich hinten ein wenig das -Großsegel anhissen lassen wollte, um durch dessen Druck das Schiff -schnell an den Wind zu bringen. Ehe aber die Mannschaft verzweifelt -und muthlos, wie es kaum anders von solchen braunen Menschen erwartet -werden konnte auf ihren Posten stand, fegte plötzlich der Sturm mit -seiner wildesten Gewalt daher, die See war nur ein Schaum, keine -hohe Welle hob sich -- es war, als hielt der Druck der Atmosphäre -die schäumenden Wogen nieder -- da, ein furchtbares Krachen, das den -heulenden Sturm übertönte, das Marssegel, gespalten und mit wenigen -Schlägen aus seinen Tauen geflogen, flog im Winde wie leichtes Papier -dahin. Vor Top und Takel lief jetzt das Schiff. Hatte es aber vorher -den von hinten heranstürmenden Wogen entrinnen können, so drohten diese -nun, da die Geschwindigkeit vermindert worden, über das Heck herein zu -brechen. - -Kaum hatte ich diese Gefahr in den wenigen Augenblicken erkannt, so -rollte auch schon eine furchtbare Woge heran, die grüne Kopfmasse -glitzerte selbst schon im Abenddunkel -- das Herz im Leibe machte -die Erwartung, was die nächste Sekunde bringen mußte, stille stehen --- den unvermeidlichen Tod, wenn diese Woge das Schiff überlief. Als -wollte das Schiff sich in seine Länge überwerfen, so hoch auf dem Kamm -der Woge hob sich das Hintertheil, dann brach die See. Instinktmäßig -sprang jeder fußhoch in die Wanten, um von der brüllenden Gischt nicht -fortgerissen zu werden, das Deck war sogleich von der See überspielt, -daß nur die Masten, das Karten- und Deckhaus hervorragten. Krachend -waren beide Boote unter ihre Träger gepreßt, die Böden eingedrückt -worden und vollgefüllt mit Wasser waren die starken Befestigungen wie -Bindfaden zerrissen. - -Eine zweite See, eine dritte kam heran, gleich drohend und -verderbenbringend, dann war es still, als hätte die Wuth des Meeres -ausgetobt -- jetzt oder nie war der Augenblick gekommen, das Schiff an -den Wind zu bringen. Indem ich Kitimatu das Zeichen gab, sein Segel -zu hissen, und selbst den letzten Halt des Großsegels fahren ließ, -dem Manne am Ruder den Befehl gab, das Steuer nach Backbord zu legen, -wirbelte unter dem Drucke der Leinewand das Schiff herum, und die -nächste See schon, wie ein Wasserberg herankommend, faßte es von vorne. - -Doch war die Gewalt des Windes groß, als wir vor der See liefen, war -diese, von vorne kommend, derart, daß man den Kopf wegwenden mußte, um -geduckt hinter der Verschanzung, nur athmen zu können. Mit dem letzten -harten Stoße hatte sich der Wind etwas nach Osten gedreht und da dort -der Kopf des Schiffes den Wellen zugekehrt war, so brachen diese nicht -so schwer über das stampfende Fahrzeug. Aber schlimmer kam es. Das -Vorsegel nicht ganz aufgehißt, holte zu furchtbaren Schlägen aus; ehe -ich selbst bei der jetzt herrschenden Dunkelheit nach vorne gekommen, -war schon das Vorstag gebrochen; das neue Segel an seiner Schot nur -noch gehalten, wehte, auf die heranrollenden Seen peitschend, in Lee. -Dieses bargen wir; doch was schlimm war, der Vordermast hatte seinen -besten Halt verloren, und, konnte der Schaden nicht ausgebessert -werden, so brachen die stehenden schwächeren Befestigungen, brach auch -durch das furchtbare Arbeiten des Schiffes der Mast und mußte, um das -Schlimmste zu verhindern, gekappt werden. - -Hatte der Japaner in den Stunden der höchsten Gefahr gezeigt, daß er -nicht nur ein unerschrockener Seemann war, so zeigte er jetzt kühnen -Muth und Verachtung jeder Gefahr, ohne diesen Helfer wäre mir nichts -gelungen. Die Pingelap-Leute hielten sich nur fest und kein Zureden, -kein Schelten half -- der böse Geist, sagten sie, sei gekommen und -würde sie alle holen. -- - -Da keine Mittel zur Hand waren, in solcher Dunkelheit die nothwendige -Arbeit auszuführen, so wurde zunächst das große zerschlagene Boot an -Deck geführt, die Taljen abgenommen und mit diesen und dem zerrissenen -Stag eine vorläufige Verbindung zwischen Mast und Bugspriet hergestellt, -die stark genug war, dem Maste den verlorenen Halt wieder zu geben. - -Als dies gethan war, mußte Wind und Wellen anheimgegeben werden, was -ihre Gewalt uns noch Schlimmes zufügen wollte. In all der Noth dieser -Stunden, in dem verzweifelten Kampfe mit den Elementen, hatte keiner -mehr darauf geachtet, daß eigentlich um eine sinkende Planke gerungen -wurde, bis der Augenblick gekommen, wo wir uns wieder darauf besinnen -konnten und das im Schiffsraum so unheimlich spülende Wasser uns an die -Gefährlichkeit unserer Lage mahnte. - -Mit beiden Pumpen, die jetzt Wasser warfen, wurde unablässig -fortgepumpt, standen wir auch bis zum Halse im Wasser, drohten die Seen -uns wegzuspülen, wir mußten ausharren und die letzten Kräfte einsetzen. -Es war ungefähr 10 Uhr Abends geworden, rabenschwarze Nacht umgab uns, -bei der Arbeit war der Nebenmann nicht zu sehen, nur fühlen oder durch -Anruf konnte man sich überzeugen, ob keiner fehlte, da öffneten sich -die Schleusen des Himmels, eine Regenfluth stürzte herab, wie solche -kein Wolkenbruch furchtbarer ausgießen kann. - -Waren wir aber nicht im Stande gewesen, uns Lichter anzuzünden, so -leuchteten plötzlich, gleich einer magischen Erscheinung, solche an -den Enden jeder Raa auf, flüchtig erscheinend und schwindend. Es waren -die Elmsfeuer, die durch Ausgleichung entgegengesetzter Elektrizitäten -entstehen. So lange der furchtbare Regen anhielt, zeigten diese sich -bald einzeln, auch zu mehreren, nur sekundenlang waren sie auf allen -Raaen zugleich sichtbar. - -Eine wunderbare Wirkung übte aber der strömende Regen; die See, so wild -und furchtbar, beruhigte sich sehr schnell, das Zischen der weißen -Schaumkronen verstummte allmählich und gegen Mitternacht, da auch -in gleicher Weise der Sturm sich gelegt, hoben nur noch langlaufende -Wellen das Schiff auf ihren Rücken, es war, als wenn der im wildesten -Aufruhr tobende Ozean wieder ruhig zu athmen begann. Der goldene -Morgen kam, so freundlich grüßte die Sonne vom wolkenlosen azurblauen -Himmelszelt hernieder, als hätte sie nichts vom Verzweiflungskampfe -der Menschen mit den entfesselten Naturkräften gesehen. Fast hätte man -aus diesem Frieden, der wieder über den breiten Ozean gebreitet lag, -schließen mögen, daß jener heiße Kampf um das Leben, nur ein böser, -schrecklicher Traum gewesen sei, wenn nicht jeder Blick über das arg -zugerichtete Schiff das Gegentheil bewiesen hätte. - -36 Stunden unausgesetzter, schwerer Arbeit waren hingegangen, als -endlich das Wasser im Schiff, das durch den verwaschenen Ballast nicht -zu den Pumpen gelangen konnte und mit Eimern ausgeschöpft werden mußte, -bewältigt war und auch so viel Segel wieder gesetzt waren, daß das -Schiff langsam mit wieder leichtem Ostwinde durch die Fluthen zog. Am -30. Januar 1888 erreichte ich wohlbehalten den Hafen von Apia. - -Unverändert in der äußeren Erscheinung fluthete auf Samoa das Leben, -nichts verrieth, welche Kämpfe in einem Zeitraum von zwei Jahren hier -gewüthet hatten, welch' Parteizwist die Bevölkerung zu blutigen Kriegen -verleitet hatte. König Maliatoa war entthront und verbannt, Tamasessi, -König von Samoa, gegen den aber, als Schützling der Deutschen, die -feindlich gesinnten Häuptlinge zu Felde zogen, deren großer Zahl -dieser König auch erliegen mußte, für die deutsche Sache floß selbst -das Blut der deutschen Marine-Matrosen, die im heldenhaften Kampfe der -Uebermacht erliegen mußten! - -Schlimmer aber als früher war der Konkurrenzneid entfacht, die -Parole war „gegen die Deutschen“. Weigerte sich schon der Samoaner -der betreffenden Behörde, damals der deutschen, die geringe Steuer -zu zahlen, welche für den Kopf einen Dollar betrug, so war es um so -bedauerlicher, wenn auch Weiße durch ihre Weigerung den Eingebornen zu -noch größerem Widerstand aufreizten. - -Eines Falles will ich nur Erwähnung thun: Im Frühjahr 1888 wurde von -der damals deutschen Munizipalität einem in Apia ansässigen Franzosen, -der jede Steuerzahlung verweigert, mehrere Kisten mit Getränken -gepfändet und ihm in Folge dessen die Schankgerechtigkeit entzogen. -Amerikaner und Engländer, die, wo es sich gegen Deutsche handelte, -stets alles in Bewegung setzten, was nur irgend zu Schwierigkeiten -führen konnte, hatten sich vorgenommen, am Tage der Versteigerung, -die in den Räumen des deutschen Konsulats stattfinden sollte, einen -Putsch zu veranstalten, der zu Thätlichkeiten führen sollte. Auch -standen hinter ihnen eine Anzahl Halb-Samoaner, meistens Abkömmlinge -von Engländern, eine Menschensorte, die alle Untugenden der Weißen und -Eingebornen in sich vereinigt. - -Diese löbliche Absicht war jedoch nicht geheim genug geblieben und -so fanden sich am festgesetzten Tage der größte Theil der in Apia -anwesenden Deutschen ebenfalls zur Versteigerung ein. Es war ein -stilles Uebereinkommen unter allen, das bedrohte deutsche Ansehen zu -schützen, auch, wenn nöthig, die Beamten vor Beleidigungen zu bewahren. - -Doch die verhältnißmäßig große Zahl von Deutschen, die wir erschienen, -sowie der strömende Tropenregen kühlten wunderbar schnell die Rauflust -der Gegenpartei ab, die, weil in der Minderzahl, keine Bekanntschaft -mehr mit den deutschen Fäusten zu machen wünschte und alles verlief zur -vollsten Zufriedenheit. Daß bei einem Straßenkampfe vor dem deutschen -Konsulat, der durch das Eingreifen der aufgehetzten Eingebornen große -Ausdehnung annehmen konnte, die deutschen Kriegsschiffe im Hafen nicht -unthätig bleiben würden, wußten wir, denn der angesammelte Groll war -so groß, daß aus einer kleinen Reiberei sich schnell ein ernster Kampf -entwickelt hätte. - -Noch waren die Vorbereitungen, die „Futuna“ zur eingehensten -Ausbesserung aufs Land zu holen, nicht beendet, als eines Tages Ende -Februar die untrüglichen Anzeichen eines Orkans sich bemerkbar machten. - - -Blutroth stand die Sonne am Himmel, ihre Strahlen durchdrangen nicht -mehr das dichte Dunstgebilde, immer drohender wurde die Luft, die, -schließlich eine gelbe Dunstmasse bildend, den ganzen Horizont umzog. - -Wie furchtbar frühere Orkane gewüthet hatten, davon zeugten an den -Riffen die zahlreichen zerschmetterten Schiffskörper, die selbst von -der furchtbaren See bis zum festen Lande geschleudert worden waren. -Gefahr beim Ausbruch eines Wirbelsturms war hauptsächlich für die im -Hafen liegenden Schiffe, unter denen sich die deutschen Kriegsschiffe -„Olga“, „Adler“ und „Eber“ befanden und für die Sicherung dieser -Fahrzeuge unterblieb wohl nichts, was in der Möglichkeit menschlichen -Könnens lag. - -Mein Schiff zu sichern, mit dem ich unter dem Schutze des -vorspringenden Korallenriffes „Kap Horn“ lag, brachte ich vier Anker -aus mit so viel Kette, als es der beschränkte Raum gestattete. Vor -mir lag mit ihrem Heck, dem genannten Riffe zugekehrt, die „Olga“ und -dampfte, als die einlaufende See immer höher und wilder wurde, gegen -diese an zu dem Zwecke, ihre aufs Aeußerste angespannten Ankerketten zu -entlasten. - -Berge gleich rollte die See in den Hafen und es war ein großartiger, -wenn auch wenig erhebender Anblick, die Schiffe mit der immer mehr -zunehmenden See kämpfen zu sehen. - -Furchtbar arbeitete die „Olga“; im Wellenthal, wenn zwischen meinem -Schiffe und diesem ein Wasserberg heranrollte, der sich mit donnernder -Gewalt auf dem Riffe brach, sah ich mitunter nichts weiter von dem -Kriegsschiffe als dessen obere Masten und Marsraaen, so hoch, so -gewaltig war die See. Wirbelnd, ohne Widerstand zu finden, raste -die Schraube jedesmal in freier Luft, wenn der Bug des Schiffes tief -hinabsank, das Heck dagegen von anlaufender See hochgehoben wurde. - -Die in den Hafen aus nordöstlicher Richtung einlaufenden Wassermassen -mußten naturgemäß sich einen Abfluß suchen und fanden diesen, einen -wirbelnden Strom verursachend, unter Land nach der See zu auslaufend. -Dieser Strom, oft so breit wie das ganze Riff und namentlich im kleinen -Hafen sich verbreitend, hatte zur Folge, daß die in diesem liegenden -Schiffe dessen ganzer Gewalt ausgesetzt waren und ein Spiel der See und -des Stromes wurden. - -Aengstlich wartete jeder auf den Ausbruch des Orkans; die wilde See -kam bei vollständiger Windstille heran, aber so schwer und hoch, daß, -hätte hinter dieser die Gewalt des Windes sich gesetzt, das Unglück -jetzt schon eingetreten wäre, das ein Jahr später so vielen Schiffen -verderblich geworden ist und hunderten deutscher Seeleute ein frühes -Grab bereitete. Wo an diesem Tage die „Olga“ mit Erfolg der wilden See -widerstand, sank 1889 der „Eber“ mit seiner ganzen braven Besatzung, -von den Wogen hinabgerissen unter das hohle Riff, das selbst die Todten -nicht zurückgab. - -Ein Schiff nur widerstand der Gewalt der Seen nicht; im großen Hafen an -jener Stelle, wo keine steinigen Riffe das Ufer umsäumen, wurde es hoch -auf den Strand geworfen, es ist dies derselbe Ort, auf welchen 1889 die -„Olga“, nachdem ihre Ankerketten zerrissen, von den Wogen geschleudert -worden ist, der einzige Punkt, wo es möglich ist, ein gestrandetes -Schiff wieder flott zu machen. - -Die gefürchtete Nacht kam mit ihren Schrecken -- doch der erwartete -Orkan blieb aus, wo dieser geweht, welche Inseln er mit seiner -verheerenden Gewalt heimgesucht, wer konnte das sagen! Samoa verschonte -er dieses Mal, um dafür ein Jahr später desto furchtbarer zu wüthen, -mit seinem mächtigen Arme die stolzen Schiffe und ihre braven -Besatzungen in den Grund, in den Tod zu wirbeln. -- - -Meine Absicht, die deutsche Heimath nach langer Abwesenheit wieder -aufzusuchen, konnte erst im Monat Mai zur Ausführung gelangen und, da -in Apia Mangel an Schiffsführern war, mußte ich die Aufsicht über die -Ausbesserung der „Futuna“ aufgeben und mehrmals noch kürzere Fahrten -nach Tutuila und anderen Orten unternehmen. Unter anderem hatte ich -im Monat März nach den Tonga-Inseln zu segeln; als ich am 27. März -im Hafen von Vavau „Neiafu“ zu Anker lag, lief dort ein englisches -Segelschiff, von den australischen Kolonien kommend, ein, dieses -brachte die Trauerkunde von dem Ableben unseres Heldenkaisers „Wilhelm -des Großen“, der am 9. März seine irdische Laufbahn vollendet hatte. - -Ich konnte diese Kunde nicht sofort nach Samoa bringen, weil ich erst -nach den Keppels-Inseln, Niuatobutabu, segeln mußte, deshalb setzte das -englische Schiff seine Fahrt nach Samoa fort. - -Auf Niuatobutabu angelangt, senkte sich dort, sobald der Tod des -deutschen Kaisers bekannt geworden, die Flagge des Königs Georg von -Tonga, als Zeichen der Trauer für den ruhmgekrönten, edlen Herrscher. -War doch sein Name und seine Thaten selbst diesem weltentlegenen -Inselvolke nicht unbekannt geblieben; unter ihnen lebende Deutsche -hatten in mancher Mußestunde den staunenden Eingebornen von dem -mächtigen Volke erzählt, über das der große Kaiser geherrscht, das er -zu großen Thaten, zu ungeahnter Höhe geführt. - -So lange ich auf Niuatobutabu weilte, drei Tage, wehten die -Trauerflaggen sowohl an Land wie an Bord des außen am Riffe in bewegter -See verankerten Schiffes. - -Auch diese Inseln sah ich zum letzten Mal. Nachdem ich Abschied -genommen, segelte ich am dritten Tage in später Nachmittagsstunde -weiter, jedoch frei von den Riffen, begann das Schiff durch die -querlaufende See heftig zu rollen -- ich suchte westlich von Boskaven -zu passiren, um nicht gegen Wind und See zu kreuzen, da ich hoffen -konnte, den freien Ozean zu gewinnen ehe die Nacht hereinbrach. - -Nachdem an Deck vorher alles gut zur Reise versichert war, ließ der -Obersteuermann Goede noch die Pumpen ansetzen, ehe die Mannschaft, -Niueleute, theils auf ihren Posten, theils zur Ruhe ging. Da plötzlich --- ich war in die Kajüte hinabgegangen die Papiere zu ordnen -- -erscholl der Schreckensruf „Mann über Bord“ und an Deck springend, -sah ich eine Schiffslänge hinter dem Schiffe den Obersteuermann noch -auftauchen. - -Mit starrem Blicke, in dem die Todesangst geschrieben, schaute er -dem enteilenden Schiffe nach -- die nächste Woge bedeckte ihn und wir -sahen nichts mehr. Eine Rettungsboje ergreifend und über Bord werfend, -das Schiff in den Wind jagend, war das Werk weniger Sekunden -- so -furchtbar vom starken Winde auch die Segel gepeitscht wurden, das -Schiff stand und ging durch den Wind -- es mußte der Stelle zutreiben, -wo der Steuermann zuletzt gesehen wurde. - -Auf den Befehl „ein Ausguck in die Masten“ enterten vier eingeborene -Passagiere auf, sie sahen die treibende Rettungsboje, aber nicht mehr -den Steuermann. Das nächste war, das an Deck befestigte Boot über Bord -zu setzen; ohne Rücksicht wurden die Befestigungen durchschnitten, das -Boot nur vorne hoch gehißt, halb über die Verschanzung geschwungen, -wurde dieses von der ganzen Besatzung an Deck hochgehoben und im -gegebenen Augenblick mit aller Kraft in die unruhige See geworfen; -mitunter bei schwerem Seegange die einzige Art ein Boot von der -Schiffsseite freizuhalten, ehe es an dieser zerschlagen und unbrauchbar -wird. Vier Mann sprangen mit kühnem Satze von der Regeling sogleich -hinterher ins Boot, das, sobald die haltende lange Leine losgeworfen -war, nach hinten trieb. Die Richtung, wohin die Leute, die in der -hohen See nicht um sich sehen konnten -- das Boot war bald vom Schiffe -aus nur hin und wieder sichtbar, wenn es hoch auf dem Kamm einer -Woge tanzte -- zu rudern hatten, wurde von den Leuten in den Masten -angegeben. - -In drei Minuten war das Boot über Bord und bemannt, doch suchte dieses -vergeblich in der hohen See hin und her, die Boje wurde gefunden aber -der Steuermann war und blieb verschwunden. Wie furchtbar solch' ein -Augenblick, weiß nur der, welcher einen Kameraden von seiner Seite in -den jähen Tod gerissen sieht und doch nicht helfen, nicht retten kann! - -Lange, bis zur schnell hereinbrechenden Dunkelheit, trieb ich mit dem -Schiffe umher, dem Boote folgend, das vom Schiffe aus geleitet, immer -größere Kreise zog, in der eitlen Hoffnung, es könnte doch noch etwas -vom Steuermann gesehen werden, obgleich ich wußte, daß alles längst -vorbei war; hatte der Verunglückte mir doch selbst gesagt, er könne -nicht schwimmen und wenn auch, in solcher See wäre die Kraft des besten -Schwimmers bald erlahmt. - -Erst als alles nutzlos war, als die Nacht hereinbrach und die -Mannschaft im Boote äußerst ermüdet sein mußte, nahm ich dieses wieder -auf und jetzt die nördliche Durchfahrt wegen dort liegender unbekannter -Riffe nicht mehr als sicher ansehend, kreuzte ich die ganze Nacht -zwischen Boskaven und den gefährlichen Riffen von Niuatobutabu, um den -freien Ozean zu gewinnen. - -Nach Aussage der Mannschaft wollte der Steuermann, nachdem das Pumpen -beendet, nach dem Hinterdeck gehen, das Schiff schwer rollend, habe -er jeden Halt auf dem freien Deck verloren und sei, mit voller Wucht -gegen die Verschanzung fahrend, über diese hinweggestürzt, eine schnell -geworfene Leine ergriff er nicht mehr. So fand er den Seemannstod, im -weiten Ozean ein stilles, unbekanntes Grab, die donnernde Woge sang ihm -hier sein letztes Schlummerlied. -- - -[Illustration: Schlussstrich] - -[Illustration: Kartenskizze] - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN DURCH DIE INSELWELT DER -SÜDSEE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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