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-The Project Gutenberg eBook of Landesverein Sächsischer Heimatschutz
--- Mitteilungen Band XI, Heft 1-3, by Anonymous
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band XI,
- Heft 1-3
- Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege
-
-Author: Anonymous
-
-Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Release Date: May 1, 2022 [eBook #67949]
-
-Language: German
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER
-HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 1-3 ***
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- Anmerkungen zur Transkription
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- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder
- unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua
- gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so
- dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
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-
- Landesverein Sächsischer
- Heimatschutz
-
- Dresden
-
- Mitteilungen
- Heft
- 1 bis 3
-
- Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege
-
- Band XI
-
- _Inhalt_: Auf Grenzpfaden -- Bergwinter -- Deutsche Heimat,
- deutsches Lied -- Der müde Weber -- Denkmalpflege in Sachsen --
- Sturm um Rathausdach und Giebel oder Heimatschutz vor siebzig
- Jahren -- Drei Wandertage im Erzgebirge -- Bunte Gassen, helle
- Straßen -- Zur Geschichte des Storches in Westsachsen
-
- Einzelpreis dieses Heftes M. 20.--,
- Bezugspreis für einen Band (aus 12 Nummern bestehend) M. 35.--,
- für Behörden und Büchereien M. 25.--.
- Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos,
- _Mindest_jahresbeitrag M. 20.--,
- freiwillige Einschätzung erbeten
-
- Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24
-
- Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835
- Stadtgirokasse Dresden 610
-
- Dresden 1922
-
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-
-
-Heimatschutz-Vorträge
-
-1922
-
-
-=Dresdner= Reihen (Gewerbehaus)
-
-Erstmalig: 12., 19., 27. April, 3., 10., 17., 24., 31. Mai
-
-1. Wiederholung:
-
-8., 12., 15., 18., 22., 25., 29. Mai, 1. Juni
-
-
-=Leipziger= Reihen (Centraltheater)
-
-Erstmalig: 7., 14., 21., 28. April, 5., 12., 19. Mai
-
-1. Wiederholung:
-
-15., 22., 29. September, 6., 13., 20., 27. Oktober
-
-
-=Meißner= Reihe (Geipelburg)
-
-13., 20., 27. April, 4., 11., 18., 25. Mai
-
-
-Unsere werten Mitglieder werden durch Drucksachenkarten von den
-Vorträgen verständigt
-
-
-
-
- Band XI, Heft 1/3 1922
-
-[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Dresden]
-
-Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern
-herausgegeben
-
-Abgeschlossen am 1. März 1922
-
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-Auf Grenzpfaden
-
-Von _Curt Sippel_, Plauen
-
-Aufnahmen vom Verfasser
-
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-[Illustration: Abb. 1 =Fallend Laub=]
-
-Aus der vogtländischen Kreisstadt rollt der Zug elsteraufwärts in
-den herbstkühlen Sonntagsmorgen hinein. Dichter Reif bedeckt die
-Flur; aus silbergrauem Nebel dämmert der Tag heran und verspricht
-ein sonniger zu werden. Je öfter der Zug hält, um so mehr verliert
-sich die quetschende Enge in den Abteilen, scheiden die festlich
-geputzten Sonntagsgäste aus und bleiben nur noch die ins Gebirge
-strebenden schlichten Wanderer, deren liebstes Sonntagsgewand das
-abgenutzte Lodenkleid mit dem verwitterten Hut ist. Auffallend viel
-Vertreterinnen des schönen Geschlechts zeigen sich jetzt in dem Äußeren
-der Wanderzunft. Die früheren Lebensgewohnheiten der Frauenwelt haben
-in den letzten Jahren eine einschneidende Wandlung erfahren, haben
-mit den oberflächlichen Vergnügungen gebrochen und sich mehr einer
-selbständigen natürlichen Einfachheit zugewendet, haben zur Erkenntnis
-der, der großen herrlichen Heimatnatur innewohnenden Verjüngungskraft
-geführt. Gibt es für den naturliebenden Städter doch nichts schöneres,
-als am Sonntag hinauszuwandern, sich so recht zu erfreuen an all dem
-Reizvollen, das die Natur gerade in dem schönen Bergland des Vogtlandes
-so überreichlich darbietet. Welch großen Gewinn bringt doch eine solche
-Tageswanderung für Körper und Geist. Leider ist in dem sich von Tag
-zu Lag mehrenden Heer der Wanderer die ältere männliche Jugend in
-der Minderheit. Wenn die jungen Herren auch viel anderen Leibessport
-treiben, so dürfen sie daneben den vornehmsten, das Wandern, doch nicht
-vernachlässigen. Aus ihm erwächst Begeisterung für das Edle und Schöne,
-erglüht Heimatliebe und deutscher Geist.
-
-[Illustration: Abb. 2
-
-=Der Kegelberg= (755 ~m~) =und der Hohe Stein= (777 ~m~) =bei Erlbach=]
-
-[Illustration: Abb. 3 =Blick ins Landesgemeinder Tal=]
-
-[Illustration: Abb. 4 =Dreirainsteine=
-
-(746 ~m~ hoher Berg, auf dem die drei Waldgebiete Erlbach, Schönbach
-und Graslitz zusammenstoßen und über den die Reichsgrenze läuft.)]
-
-[Illustration: Abb. 5
-
-=Kirchberg= in der Hochfläche östlich des Hohen Steins]
-
-[Illustration: Abb. 6
-
-=Das klingende Tal= (Untersachsenberg)]
-
-[Illustration: Abb. 7
-
-=Der Aschberg= 936 ~m~ (sächs. Seite)]
-
-[Illustration: Abb. 8
-
-=Am Aschberg=]
-
-Im Spinnen der Gedanken ist die Zeit vergangen. Das Bähnle dampft
-bereits durchs Schwarzbachtal und hält zum letzten Male. Nur
-wenig Leute steigen aus; fast alle sind Wanderer, die nach allen
-Himmelsrichtungen frohgemut davon eilen. Einer wendet sich ostwärts,
-der Sonne entgegen, die schon über den Hohen Stein hereinlugt und mit
-den dichten Nebelmassen des Tales in heftigem Kampf liegt. Das graue
-Gewoge wallt durcheinander, zieht hierhin und dorthin, steigt
-empor, umhüllt die Bergwände, die Gipfel, wird von der Sonne wieder
-zurückgedrängt und muß sich zu guterletzt doch als überwunden erklären
-und sich als Tau im Tale niederschlagen. Die Erlbacher schlafen noch.
-Warum sollten sie’s auch nicht! Sie feiern eben den Sonntag auf ihre
-Art. Würden es ja doch nicht verstehen, daß so närrische Stadtleute
-schon in der Nacht sich auf und davon machen, um den Aufgang der Sonne,
-ihren Kampf mit den Nebelgeistern zu erleben. Nun schlaft nur zu! Um so
-feierlicher wird es droben im prächtigen Waldesdom sein, der so nahe
-schon seine Bogen schlägt und den Wanderer in sein geheimnisvolles
-Reich ladet. Der friedliche Marktflecken liegt zurück, der Wanderer
-zieht grüßend den Hut vor dem Hohen Brand und dem Kegelberg, den beiden
-Torwächtern zum engschluchtigen, weltabgeschiedenen Landesgemeinder
-Tal, Einlaß heischend. Steil steigt der Hochwald hinauf. In dusterem
-Schatten steht die Mühle, feiernd, und daneben ein moderner Bau,
-Holzbaracken als Unterkunft für erholungbedürftige Großstadtkinder.
-Ein Blick durch die angelaufenen Scheiben fällt noch auf schlafende
-Gesichter. Empfindliche Kühle herrscht im engen Tal, und der Mittag
-wird wohl herankommen, bis die Sonnenstrahlen hier unten den dicken
-weißen Reif auflecken werden. Das Auge wendet sich empor und sucht den
-Weg hinauf in sonnigere Höhen, dorthin, wo der Wald in den klarblauen
-Himmel ragt. Vom unteren Floßteich führt am Nordhang ein ansteigender
-Saumpfad über den Wettinhain zur Paßhöhe hin. Beim Emporkommen gibt
-der Wald ab und zu den Blick frei hinüber zu den südlichen Hängen und
-hinunter ins idyllische Tal, durch das der Fahrweg in großen Windungen
-sich bergwärts schlängelt und mit seinen Ebereschen einen gelbroten
-Saum in das dunkle Grün des jenseitigen Fichtenwaldes webt. Aber das
-dunkle Kleid zeigt jetzt auch im Innern viel Farbe. Verschwenderisch
-gibt sie der große Maler Herbst in allen Schattierungen von Gelb,
-Braun, Rot, Violett, und weckt ein ehrlich Entzücken. Alte prächtige
-Buchen stehen am Weg. Kräftige Silberstämme tragen wohlgeformte Kronen;
-kühn ragt ihr Gezweig gen Himmel, und ein Meer flüssigen Goldes und
-Silbers wogt im sonnenwärts gerichteten Blick. Schnell bereit ist
-die nie fehlende Begleiterin, die alte treue Strahlenfalle, zu einer
-Gegenlichtaufnahme. Leider noch unzulänglich ist die Silberplatte,
-vermag noch nicht das blendende Bunt wiederzugeben und verhilft
-nur zu einem Schwarzweißbild, aus dem man nur in der Phantasie die
-farbenprächtige Wirklichkeit erschauen kann. Lautlos fallen die
-Blätter, unablässig, immerzu; am Boden schichtet sich das dürre Laub,
-und raschelnd mahnt der Tritt an das große Sterben. Aber keine trüben
-Gedanken kommen auf, sind nur frohgestimmt und glückerfüllt von dem
-großen Wunder Natur, denken weiter, sehen auf dem kahlen Gezweig sich
-die weißen Flocken häufen, die Brillantsternchen blitzen, braune
-Knospen schwellen, gelbgrüne Seidenblätter werden, und hören das
-sommerlich geheimnisvolle Raunen des dichten Blätterdaches wieder, als
-wäre es heut. Herbst und Winter haben nichts Schreckhaftes mehr für
-den Naturfreund, werden beide neben ihren anderen Brüdern gleichviel
-geliebt.
-
-[Illustration: Abb. 9 =Der Kranichsee=[1] (930 ~m~)
-
-Soweit die verkrüppelten Sumpfkiefern wachsen, reicht das riesige
-Hochmoor an der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen, zwischen Erzgebirge
-und dem Vogtland]
-
-[Illustration: Abb. 10 =Baumatzengrund zum Silberbach=, von links nach
-rechts =Aschberg= (böhm. Seite) 936 ~m~ =Großer Rammelsberg= (963 ~m~)
-und =Großer Hirschberg= (942 ~m~)]
-
-[Illustration: Abb. 11
-
-=Silberbach und der Aschberg= (böhm. Seite) 936 ~m~]
-
-[Illustration: Abb. 12
-
-=Obersilberbach=, von links nach rechts =Eselsberg=, =Spitzberg= (995
-~m~), =Plattenberg=, =Härtelsberg= (986 ~m~), Pferdhuth]
-
-[Illustration: Abb. 13
-
-=Lichtung im Filzbruckwald. Der Zwieselbach=]
-
-Im Sinnen und Betrachten ist unmerklich die Höhe erklommen worden.
-Schon schimmern durch das lichtüberflutete Gehölz die Dreirainsteine.
-Geheimnisvoller Zauber webt um die alten Steine, liegt im
-morgenfrischen Wald. Sonnenstrahlen stehlen sich herein, spiegeln
-Regenbogenfarben in die nebeldampfende Luft und lassen im Gras und
-Beerengestrüpp Tautropfen diamanten sprühen. Und doch betritt der Fuß
-schon fremdes Land, erinnert der Wegebalken drohend, daß es noch gar
-nicht lange her ist, als hier im herrlichen Waldgebiet die verbündeten
-Wachtposten sich mißtrauisch gegenüberstanden, und niemand diese
-scheinbar unverständliche Maßnahme verstehen konnte. Der Sklavenvertrag
-hat die Binde von den Augen gerissen, Feindesland sollte das urdeutsche
-Gebiet werden, das deutscher noch als das eigene Vaterland, deutsch
-in seinen Ortsnamen, in seiner Bevölkerung, in seinem ganzen Wesen.
-Nun ihr Machthaber in Paris und wo sonst überall noch welche sitzen
-von unseren vielen Feinden auf der ganzen Welt, ihr habt euch alle
-verrechnet. Niemals wird uns Deutsch-Böhmen vergessen, wird nur stärker
-sein Deutschtum empfinden, und hoffen, hoffen!
-
-[Illustration: Abb. 14
-
-=Der Hausberg= (715 ~m~) =bei Graslitz=]
-
-[Illustration: Abb. 15
-
-=Das Markhausental=]
-
-[Illustration: Abb. 16
-
-=Blick auf Klingenthal vom Bartelsberg aus=]
-
-Der Wanderer schreitet hinüber, fühlt sich von unsichtbaren Fäden
-gezogen, empfindet so recht die lang entbehrten, altbekannten
-idyllischen Winkel. Der Ursprung wölbt sich sanft hinan und bereitet
-doch so prächtigen Blick nach allen Seiten. Waldreich ziehen sich
-die beiden Markhausen Täler hinab. Drüben nordwärts schimmern ab und
-zu die weißen Grenzsteine am Hang und lassen den reizenden Waldpfad
-gen Klingenthal ahnen. Im Osten wallt noch der Nebel, im Westen aber
-blinken die Häuser von Ursprung und Kirchberg im Sonnenschein und
-hält das Felsenriff des Hohen Steins Wacht. Weiter südwärts wendet
-sich der Wanderer, kreuz und quer durch Wald und Feld, naht sich dem
-Schönauer Berg. Nun wird auch die Ferne nebelfrei, immer deutlicher
-entschleiert sich das schöne Berggebiet. Tief unten dehnt sich der
-Leibtschgrund und südwärts im Osten türmen schwarzhäuptige Bergriesen
-eine wuchtige Horizontlinie auf. Liebe alte Bekannte sind es, Kiel,
-Aschberg, Rammelsberg, Grünberg, Eibenberg, Hausberg, Glasberg,
-Eselsberg, Plattenberg, Spitzberg, Muckenbühl, Härtelsberg und als
-blaue Nebelferne das gewaltige Massiv des Kaiserwaldes.
-
-[Illustration: Abb. 17
-
-=Herbststürme. Altensalz=, bekannt durch sein Salzlager]
-
-[Illustration: Abb. 18 =Steinkreuz aus der Franzosenzeit am Weg von
-Kemnitz nach Gutenfürst= (oberes Vogtland)]
-
-[Illustration: Abb. 19 =Waldinneres aus Hermann Vogels Reich=]
-
-Eine Waldblöße am sonnigen Steilhang mit dem Blick auf das dunkle
-Wäldermeer der Ferne ist der rechte Ort zum Rasten. Unter einer
-schlanken feingliedrigen Birke wird der Mittagstisch gedeckt; den
-Nachtisch liefert reichlich und billig der Wald. Erfrischend schmecken
-die so völlig ausgereiften Heidel- und Preiselbeeren. In dem Laubgold
-am weißen Stamm zu Häupten rauscht der Wind; so warm strahlt die
-Sonne. Schmeichelnd umzieht Altweibersommer das Gesicht; sommerlich
-lind und einschläfernd wirkt die Luft, daß der Wanderer ganz ungewollt
-eingeschlafen ist. Obs nur ein Viertelstündchen war? Aber plötzlich
-wird er wach, denn vor ihm steht ein junges Menschenkind, eine hübsche
-Wanderin mit schelmisch fragenden Augen. Viel Schalk sprüht daraus und
-ein wenig Spott über das unglaublich wirklichkeitszweifelnde Gesicht
-des erwachten Schläfers. Und die schöne Unbekannte hat eigentlich
-gar keinen Anlaß zum Spotten, hat sich im Wald verlaufen, weiß weder
-Weg noch Steg, und heischt Auskunft über Woher und Wohin. Nun, einer
-Dame den Weg zu zeigen, und dazu noch einer jungen, hübschen, fällt
-einem rechten Wanderer niemals schwer. Und die Aussicht, als Begleiter
-von so viel jugendfrischer Anmut nach dem Grenzstädtchen Klingenthal
-wandern zu sollen, kann auch den einsamen Wanderer von noch so gut
-ausgearbeiteten Wanderungen ablenken. Gar bald schwindet der Spott
-aus den hübschen Augen und macht viel Freude Platz über das von
-blendender Lichtfülle überstrahlte herrlich-schöne Landschaftsbild.
-Dankbar wird die Erklärung all der unzähligen Namen hingenommen und
-freudig werden Anstrengungen der Durchquerung tief eingeschnittener
-Seitentäler der Zwodau überwunden. Wenn es auch keine Kleinigkeit ist,
-bei sengenden Sonnenstrahlen vierhundert Meter tiefe, dachschräge
-Steilhänge hinabzuklettern, um sie drüben wieder emporzuklimmen, so
-ist es doch eine gute Kraftprobe und nötig, um auf geradem Weg noch
-rechtzeitig den letzten Zug von Klingenthal zu erreichen.
-
-[Illustration: Abb. 20 =Herbstsonne. Gutenfürst= (oberes Vogtland)]
-
-[Illustration: Abb. 21 =Hermann Vogels Märchenwald= (oberes Vogtland)]
-
-[Illustration: Abb. 22
-
-=Oelsnitz= (Vogtland)]
-
-Vom Falkenberg gleitet abschiednehmend der Blick hinüber in das
-altbekannte Bergland, wo droben auf den Spitzen die letzten
-Sonnenstrahlen feurig lohen, drunten in den Tälern aber schon die
-Dämmerung ihre Flügel ausbreitet. Dann heißt es gewaltsam sich
-losreißen von dem erhabenen Anblick. Eilend geht es tief hinab
-ins Markhausen-Tal gen Klingenthal. Ein hindernd im Weg stehender
-Gartenzaun muß überstiegen werden, denn der Zeiger der Uhr rückt
-unablässig weiter, und der Zug wartet nicht.
-
-Ein naturliebend Herz aber ward entflammt beim Schauen des Landes
-um Klingenthal und Graslitz und diesmal das einer jugendfrischen,
-lebensprühenden, gertenschlanken Wanderin.
-
- [1] Siehe Mitteilungen Heft 6, Band III: Das Kranichseemoor bei
- Carlsfeld im Erzgebirge, ein Naturschutzbezirk Sachsens von
- Professor ~Dr.~ Arno Naumann.
-
-
-
-
-Bergwinter
-
-Von _Curt Sippel_, Plauen
-
-
-Einem kurzen vorweihnachtlichen Winter folgte eine schneelose
-Jahreswende. Tagtäglich spannte sich blauer Himmel über der
-schlummernden Flur, lockten warme Sonnenstrahlen zu neuem Werden. Schon
-waren die linden Lüfte erwacht, standen frühlingsahnend die braunen,
-warmen Schollen, schmückten sich die Haselnußstauden mit gelben
-Gehängen und steckten die Weiden ihre weißbraun schimmernden dicken
-Kätzchen auf. Nun armes Herze sei nicht bang, es wird sich alles,
-alles wenden! Aber der Überkluge brachte es nicht zu dem neubelebendem
-Stimmungsaufschwung, den ihm sonst die ersten Frühlingsboten erregten.
-Zu bald noch; es kommt der Rückschlag, sagte ihm seine unfehlbar
-überlegene Vernunft. Und sie hatte wie immer recht. Der Himmel verlor
-sein blaues Leuchten, unter trübem Gewölk verkroch sich Frau Sonne,
-nach Norden sprangen die Wetterfahnen.
-
-Heimlich, über Nacht, ging das weiche Flockengeriesel, ununterbrochen
-millionenfach. Mit einem Schlage hatte der strenge alte Herr sein Reich
-wieder in Besitz genommen. Und darob kein Trauern. Denn auch der rechte
-Winter bringt der Freuden viele, und nicht zuletzt für die wandernden
-Heimatfreunde.
-
-Was gibt es wohl schöneres, als am Sonntag hinauszuwandern in das
-winterprächtige Gelände, um neue Kraft und neuen Mut für die Pflichten
-und Lasten der Werktage zu suchen?
-
-Zeigt sich der Winter im unteren und mittleren Vogtland zuweilen in
-voller Schönheit, so ist er doch da vielfach recht unzuverlässig
-und nicht zu vergleichen mit dem echten Bergwinter, der seine fünf
-bis sechs Monate regiert und nicht gleich von jedem milden Luftzug,
-jedem Sonnenstrahl in die Flucht geschlagen wird. Er wohnt so nahe
-vor Plauens Toren; drüben im südöstlichen Vogtland, wo sich die
-Westausläufer des Erzgebirges bis zu stolzen Höhen von fast tausend
-Metern emporrecken. Von dort leuchten die weißen Schneefelder lockend
-herüber, wenn hier schon längst der Schnee geschmolzen ist, und ziehen
-mit vielen unsichtbaren Fäden den Wanderer hinein in die so reizvolle
-Winterwelt.
-
-Wie leicht wiegt gegen solch köstliche Gaben wohl das bißchen unbequeme
-zweistündige Fahrt. Auch der Frühzug fünf Uhr acht Minuten wird
-gewählt, denn das Frühaufstehen, eine Selbstverständlichkeit des
-Wanderers, wird belohnt durch das erhebende Erleben des werdenden
-Tages, des Sonnenaufgangs draußen im heiligen Frieden stiller Höhen.
-
-Viel Wanderer schauen aus dem gen Muldenberg fahrenden Zug dem
-kommenden Tag entgegen. Hinter den Auerbacher Bergen überzieht sich
-der Nachthimmel mit dem kalten Schein des Morgendämmerns. Im schnell
-zunehmenden Licht verliert das einförmige Taktschlagen rollender Räder
-seine einschlummernde Wirkung. Die immer deutlicher hervortretende
-Landschaft fordert Beachtung. Wie der Zug die große Schleife um
-Falkenstein zurückgelegt hat und sich keuchend die Höhe nach Grünbach
-hinanwindet, flammt das goldene Leuchten der Sonne hinter den
-dunkelblauen Waldlinien der Schneeberge empor. Von den fernen, weißen
-Flächen herab geht ein blendendes Gleißen und in der Nähe erstrahlt das
-vom Licht getroffene pulvrische Weiß im glitzernden Funkengeriesel.
-Mit dem Blau des Winterhimmels ist das tiefeingeschnittene, noch im
-Schatten liegende Göltzschtal übergossen, kaltes Blau auch liegt im
-schattigen Hochwald, der nun den Zug umsäumt bis ihn die Wanderer
-in Muldenberg verlassen. Der Bahnhof und ein Wirtshaus sind in
-siebenhundert Meter Höhenlage die einzigen sichtbaren Siedlungen
-auf kleiner, hochwaldumgebener Fläche; majestätischer Winterwald
-schlägt seine Bogen. Da unterzutauchen, alles Häßliche, Leidvolle des
-Lebenskampfes vergessend, ist wie Erlösung.
-
-Sonnenüberstrahlt, lichtspiegelnd liegt das weiße Schneedach auf Baum
-und Strauch, weißzuckerig umschmiegen Reifgebilde Gestämm und Gezweig;
-blendende Helle herrscht im sonst so finsteren Wald; im Funkensprühen
-dehnt sich die weiße Decke am Boden. Staunend erfaßt das Auge das große
-Heer der sich aneinanderreihenden Stämme. Aber nicht immer ist diese
-märchenhafte Pracht, dieser stille Frieden im Winterwald. Erst im Kampf
-der Elemente sind sie geboren. Graue Wolken trug der Himmel, tief und
-schwer, schüttelte die Flocken dicht herab, daß sie des Tages Licht
-verfinsterten; Sturm griff hinein und peitschte die wirbelnden Massen
-dahin, türmte sie hoch im Walde. Wehe dem einsamen Wanderer, der sich
-verirrte, den die Kräfte verließen im Ringen mit dem weißen, weichen
-Hindernis! Gierig lauert darin der griffbereite Knochenmann; findet
-alljährlich seine Opfer.
-
-Schwer wuchtet die weiße Last auf den windgebeugten Wipfeln des
-Hochwalds. Ein Zittern geht durch die starken Stämme, manch kraftvoll
-ragender Baum knickt mitten entzwei, schlägt mit dumpfem Klang
-sein stolzes Haupt zur Erde. Mischt sich mit dem Ächzen der Bäume
-nicht unheimliches Gelächter? Der Wintersturm freut sich seines
-Vernichtungswerks, braust weiter, sucht neue Opfer. Als er sich
-ausgetobt, führen viel zersplittert ragende Baumstümpfe stumme Klage.
-Wanderer, auch hier im Zauberbann des Winterreichs das überall
-gewärtige ~memento mori~. Und wolltest doch vergessen das Schwere
-am Wege des Lebens. Ja heute ist Frieden, genieße drum; folge den
-lockenden Sonnenstrahlen.
-
-Mählich steigt das Gelände bergan. Längst zurück liegen die letzten
-Wegespuren. Knietief türmt sich der Schnee. Hindurch winden sich
-die Wanderer. Einer tritt Bahn, bis andere ihn ablösen, reihum,
-im Hochgefühl starker Einigkeit. In achthundert Meter Höhenlage
-strebt der Schneckenstein als schwer besteigbarer Eisblock aus dem
-Walde empor. Sonst bietet sich von ihm bei klarer Sicht ein Blick
-fast über das gesamte Vogtland und weiter bis hin zum Frankenwald
-und den Thüringer Bergen. Immer höher führt der Weg hinan, immer
-schöner wird die Winterpracht des Waldes. Am nördlichen Gipfel
-des neunhunderteinundvierzig Meter hohen Kiel zeigen sich wieder
-menschliche Wohnungen. Die windumtosten Häuser Winselburg sind es,
-von Reifgebilden umsponnen. Einsam liegen sie hier oben, stehen in
-unberührten Höhen, und ihre Fenster blicken hinaus auf ein prächtiges
-Gipfelland. Nordostwärts öffnet sich der Blick auf das Walddörfchen
-Gottesberg, bekannt durch seine Bingen, und die zerstreutliegenden
-Hütten von Mühlleithen, von winterlichen Berghäuptern umfriedet. Nach
-dreistündigem Weg winkt im Buschhaus erste Rast. Bald sind die Wanderer
-wieder unterwegs. Ostwärts, über bahnlose Schneeflächen, durch alten
-Hochwald, an verschneiten Bächen dahin, bergauf, bergab streben
-die Freunde und finden des Staunens kein Ende über den berückenden
-Zauber wintereinsamer Bergwälder. Steiler werden die Hänge, immer
-tiefer liegt der Schnee; mehrere Seitentäler vereinigen sich zu einem
-großen, dem des Heroldsbachs, der im raschen Lauf seine kristallenen
-Wässer der großen Pyra zuführt. Die Wanderer sind im Gebiet des
-großen Rammelsbergs (neunhundertfünfundsechzig Meter), des höchsten
-Bergs im Vogtland, und können seine mächtige Gestalt von dem einsamen
-Waldweiler Sachsengrund aus deutlich überschauen. Vergebens winkt am
-Wege das Wirtshaus. Weit noch ist der Pfad und beschwerlich, darum
-rüstig vorwärts. Das Niederschlagsgebiet des Markersbachs mit seinen
-beiden neunhundert Meter hohen Bergrücken ist noch zu überwinden. Dann
-wird die Grenze des Vogtlands überschritten und beim schneereichen
-Wintersportplatz Carlsfeld zum Wasser der Wilzsch hinabgestiegen, die
-wohlverdiente Mittagsrast bei Vater Arnold zu halten. Frohe Stimmung
-herrscht, als die dampfenden Schüsseln kreisen. Aber allzulang darf die
-Rast nicht dauern, noch ist das Ziel nicht erreicht, wenn es auch keine
-allzu großen Anforderungen mehr stellen wird. Auf gutgebahnter Straße
-nach Wildenthal wandert sichs leicht, nur der steile Zickzackaufstieg
-zum Auersberg von siebenhundert bis tausend Meter hinauf wird die
-letzte Prüfung sein.
-
-Es dunkelt bereits, als der Anstieg beginnt; und als die vielen
-zurückgelegten Wegewindungen endlich dem Gipfel zuführen, hat sich
-eine klare Winternacht auf die Natur herniedergesenkt. Sterne blitzen
-auf, und das Silberlicht des Mondes hebt die hohen Nachbarberge aus
-der Landschaft deutlich heraus, leuchtet hinunter auf das nach Norden
-ziehende tief eingeschnittene Tal der großen Bockau. Am Weg stehen
-wunderliche, tierähnliche Gestalten. Verschneite, eisbehangene,
-bereifte Bäume sind es, die Wächter des Berges. Plötzlich dringt durch
-den Wald aus der Ferne warmer Lichtschein, locken verheißend die
-Fenster des Berghauses. Glück auf zum Willkomm!
-
-Berghausstimmung! Welchen Wanderer hat wohl noch nicht das eigenartige
-Gefühl durchrieselt? Gedanken der Höhe! Stolze Berggipfel allein sind
-nahe, fern aber, drunten in den Tälern, ist der Menschenkampf. Kein
-Laut dringt von dort herauf. Kraftvoll entwickelt sich der Sinn zur
-Freude am Schönen und Edlen, und gut ist der Boden bereitet für die
-heimattreuen Lieder der Erzgebirgssöhne Günther und Soph. Nie werden
-die schlichten Volksweisen mit mehr Innigkeit gesungen, als droben auf
-den Berghäusern. Eigenartige Macht wohnt in ihnen, zwingt Heimische und
-Fremde in ihren Bann. Schwer nur reißen sich die schon zu einer großen
-Familie gewordenen fremden Gäste los, um zu ruhen.
-
-Bergwind rauscht ums Haus, singt das Schlaflied und gibt die Töne zu
-des Wanderers Traummotiv »’s is Feieromd, das Tagwerk is vollbracht«.
-
-Verstohlene Sonnenstrahlen dringen durch die Ritzen der Fensterläden
-ins Zimmer und bringen den Schläfer zum Erwachen. Wie schnell ist er
-da bei klaren Gedanken. Hei! Die Sonne scheint, da gibts Fernsicht!
-Ein Glück, das oft erst mit vielen vergeblichen Besuchen des Berges
-erkauft werden muß. So schnell wie heute hat er sich wohl lange nicht
-angekleidet. Auch die andern haben es eilig gehabt, sind schon im
-Gastzimmer versammelt. Schnell noch den Morgentrunk, dann aber hinaus
-zum rauhreifüberzogenen Turm und hinauf bis zum vereisten Eisengestänge.
-
-In eine Wunderwelt blicken Augen, in ihrem Zauber versinken Gedanken,
-nur Entzücken erweckt das sonnige Bild so vieler Berge und Täler, über
-denen sich von den weiten, weißen Horizontlinien herüber der tiefblaue
-Himmelsdom wölbt. Erhaben ist der Eindruck, unverwischbar prägt er sich
-im Gedächtnis ein, unvergessen wird er bleiben.
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-Nur schwer können sich die Wanderer von dem Ort des Erdenentrücktseins
-trennen. Doch sie tragen Freude mit heim und Stolz, daß deutsches Land
-so schön ist.
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-Deutsche Heimat -- deutsches Lied
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-Ein Beitrag für Beseelung der Zeit
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-Von _Max Zeibig_, Bautzen
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-Ein merkwürdig Jahr ist von uns gegangen und in das ewige Meer
-der Vergessenheit hinabgetaucht. Es strahlte Heiterkeit in einem
-sonnenhellen Frühling und brachte einen Sommer, der voll köstlicher
-Reife war. Der Herbst kam und stand in tiefem, lachenden Blau über uns,
-immer in Klarheit und Schönheit. Erst der späte November verhing den
-Himmel mit düstren Wolken, und die herbstlichen Schauer ließen daran
-denken, daß es ein dunkles, kummervolles, leiderfülltes Jahr gewesen.
-
-Das Neue kam mit Sturm und Regen, ganz, als wollte es bedeuten, daß
-deutsche Notzeit ist, sonnenarm und freudenleer.
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-Ein Wort genügt, um diese Stimmung zu rechtfertigen: Oberschlesien!
-Verlornes Land ringsum im deutschen Reiche, und das deutsche Volk wird
-von Erschütterung zu Erschütterung geworfen. Bricht ja einmal ein
-lichter Hoffnungsstrahl in das Dunkel der Zeit, so wird er nur zu bald
-wieder von düsteren Wolken verdämmt. Der Grundzug unseres Lebens aber
-bleibt Leid. Freilich sind der Tränen schon viel geweint, und eine
-stille Ergebung hat dem lauten Schmerz Platz gemacht. Hierin liegt
-allerdings die Gefahr, daß das Volk in seiner Gesamtheit apathisch
-wird. Dann führt das Leid zur Schwäche. Wir müssen darum Quellen des
-Trostes und der Kraft suchen und daraus schöpfen. Solche Quellen
-scheinen mir Heimat und Lied.
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-Es sind zwei Worte, die so schlicht und bescheiden klingen, und
-doch vermögen sie uns über die Armutei unseres Lebens zu erheben;
-denn sie haben etwas von jenem unverlierbaren Reichtum in sich, der
-seit Jahrhunderten in den deutschen Seelen lebte. Man kann reich
-sein und unendlich arm an Freuden, und man kann arm sein und großen
-Herzensreichtum besitzen; wir müssen nur das unsagbar große Glück
-erkennen, das im Kleinen verborgen ruht. Ein solches Glück ist uns in
-aller Not die Heimat.
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-Früher wanderten wir hinaus in die weite Welt, wohl gar um die
-ganze Welt; die Heimat selbst aber blieb uns oft ein verschlossenes
-Buch. Jetzt bannt uns die Not an die Scholle. Vielleicht liegt
-hier in allem Unglück ein Glück. Wir werden untereinander inniger
-zusammengeschmiedet. Es geht eben nicht mehr an, daß wir dem Volke
-Klassenhaß predigen, wenn anders wir uns nicht unser eigenes Grab
-graben wollen; wir werden fester im Boden verwurzelt und erkennen
-staunenden Auges die großen Schönheiten der Heimat. Als wir im Felde
-waren, brannten unsere Seelen in Heimweh, nun, da wir heimgekehrt sind
-aus Schlacht und Grauen schmeicheln wir dem schmerzensreichen Wort
-aus harten Kriegsjahren und erkennen in ihm den Garten glückseliger
-Kinderzeit und sehen in ihm die heilsame Trösterin bis in die
-Abendschatten unseres Menschenlebens. Und so liegt in dem Worte Heimat
-eine selige Hoffnung auf bessere Zeit.
-
-Unsere Kinder nehmen wir in frommer Andacht bei den Händen und erziehen
-sie im tieferen Sinne des Heimatschutzes, lehren sie über und hinter
-die Dinge sehen, bauen ihre Herzen zu Hütten, darinnen die Heimatliebe
-erblüht aus Freude an der Heimatschönheit und darinnen Heimattreue
-wächst als gesunde Frucht. Solche Heimatgefühle aber sind die besten
-Grundlagen zu einem bewußten Deutschtum, zu dem wir uns und unsere
-Jugend erziehen müssen, wenn wir endlich einmal aus all dem deutschen
-Leid heraus wollen.
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-Wo wir die Spuren der Heimat suchen und auf ihren Wegen gehen, ist uns
-im deutschen Lied ein treuer Begleiter zur Seite. Fremd ist der stillen
-schönen Heimat der Gassenhauer, jener Sang, der sich wie eine feile,
-geputzte Dirne buhlerisch aufdrängt, jener Sang, der immer geistloser
-und verblödeter wird und einer allgemeinen Entsittlichung nicht nur in
-der Großstadt, sondern auch auf dem einst so gesunden Lande den Weg
-liebedienerisch bereitet. Die Heimat will ein Volkslied, das in seiner
-Schlichtheit ist wie eine Blume im tiefen Wiesengrunde, das da klagt:
-
- »Es ist bestimmt in Gottes Rat,
- das man vom Liebsten, was man hat,
- muß scheiden,«
-
-das da scherzt:
-
- »Horch was kommt von draußen rein!
- Holla hi, holla ho,
- ist das nit mein Schätzelein?
- Holla hi, hallo,«
-
-das überhaupt für alle und jede Lebenslage, für alle und jeden Beruf
-ein rechtes, inniges Verstehen hat. Und man muß nicht etwa meinen, daß
-im deutschen Liede nur etwas Weiches, zum Sentimentalen Neigendes lebe,
-daß es etwa unmännlich sei. Wie sprudelt darin der Humor, wie lebt es
-von Trotz und Kraft! Und etwas Humor und Trotz und Kraft vor allen
-Dingen brauchen wir wieder, wir Männer, und ein kernhaft trotziges Wort
-dazu: _Und doch!_
-
-Wohl ist es wahr: das harte Zeitalter der Maschine hat uns gemütsärmer
-gemacht, Krieg und Revolution haben darüber manch frohen Mund
-verstummt. Tagtäglich schlagen harte Hammerschläge auf unser Herz,
-das oft nur noch zucken kann, wo es einst gejubelt hat. Die Ideale
-schwinden vor einem erschrecklichen Materialismus und Egoismus, daß wir
-schauernd vor diesem Antlitz des Lebens stehen.
-
-Besinnen, Einschau und Umkehr tuen not! Das deutsche Wesen, das
-Edeldeutsche muß wieder lebendig werden. Die Stillen und Feinen und
-Besten müssen sich vereinen, denn nur von innen heraus kann die
-deutsche Erneuerung kommen. Alles andere äußere Operieren wird Stück-
-und Flickwerk bleiben.
-
-Die Heimat, als seelischer Wert aufgefaßt, soll unser gemeinsamer Anker
-sein, der uns rettet; das Volkslied aber, aus der Gemeinschaft heraus
-geboren, soll uns wieder einen und versöhnen und zur wahren, echten
-deutschen Volksgemeinschaft führen. Die Heimat soll in uns lebendig
-werden, und die alten Lieder sollen von neuem heiß emporflammen,
-geschürt an heiligen Bränden, sollen leuchten und klingen dem
-Opferaltar des Vaterlandes, so, wie es der Dichter meint:
-
- »Der Kraftgesang soll himmelan
- mit Ungestüm sich reißen,
- und jeder echte deutsche Mann
- soll Freund und Bruder heißen!«
-
-
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-Der müde Weber
-
-Von _A. Eichhorn_, Glashütte
-
-
-Nicht Friedhof, sondern Gräbergarten sei das Stück Land genannt, wohin
-die Bewohner des Oberlausitzer Industrieortes Neugersdorf ihre Toten
-tragen. Ja ein Garten ist’s, darin alles Wohlmaß und Ordnung zeigt.
-Die Schönheit wacht hier an den Stätten der Entschlummerten. Gar
-seltsam überkommt es dem Wanderer in diesem Garten der Vollendeten.
-Das schaffen die ungezählten dunklen Lebensbäume, die hängenden
-Birkenzweige, durch die beim leisesten Lufthauch ein geheimnisvolles
-Zittern geht, die glänzenden Eichenblätter, die trauernden Weiden am
-Teiche, die Hecken und Gruppen von mancherlei Ziergesträuch. Und wenn
-an sonnigen Gilbhardtstagen sich abertausende Blätter verbluten, jedes
-Strauchwerk in einem anderen Farbenfeuer brennt, dann wird das Sinnen
-des Schauenden zum Höheren gelenkt. An einem Hügelabhang hinauf breitet
-sich der Totengarten. Ein junges Fichtenwäldchen begrünt den Hochpunkt.
-Jede Grabstätte ist ein Gärtlein für sich, fröhliches Schnabelvolk
-wohnt in der malumschließenden Hecke, dem Ruhenden das Schlummerlied
-singend. Wohl sind auch Reihengräber zu finden, doch liegen sie auf
-kunstvoll im Garten verteilten Wiesenplätzen, umschlossen von Strauch
-und niedrigem Baum.
-
-Und die Grabmale in diesem Gräbergarten? Gar viele sind, die allgemeine
-Sinnbilder tragen: Aus der Urne bricht die Flamme, der verrieselte Sand
-im Stundenglas kündet vom abgelaufenen Leben und die Flügel daran, daß
-sonnenhin die Seele schwebt. Efeuüberquollen liegen die Hügel, Rose
-und Lilie sprechen von Liebe und Unschuld, auch von süßem Schlummer.
-Kinderengel knien und beten. Weitesten Gedankenlauf lassen diese Male
-in dem Gedankenkampf um Bejahung und Verneinung, in dem sie Versöhner
-sein wollen. Aber es stehen auch Male am Hügelabhang, die der Künstler
-so formte, daß sie ein Stück Geschichte des Verschiedenen künden. Das
-Grabmal auf unserm Bilde erzählt dem Kundigen auch die Geschichte des
-Ortes, darin der Tote einst lebte.
-
-[Illustration: Abb. 1
-
-=Alte Weberleute am Webstuhl= (Gezehe) =und Spulrad=
-
-(Neugersdorf)]
-
-Von Strauchwerk beschattet, sitzt der müde Weber auf einem Steine.
-Schweiß rann über seine Stirne, darum legte er den Warensack, aus dem
-ein Warenballen heraussteht, neben sich, nahm seinen Hut ab, wählte
-einen Stein am Wege zum Ruheplatze, die Hände auf den Wanderstock
-stützend. Welche Geschichte spricht das eherne Mal? Der Vater des
-hier im Grabe Ruhenden war einer von den alten Weberfabrikanten, die
-mit vollgepacktem Warensack auf die Messe nach Leipzig »gingen« oder
-mit dem Schubkarren dorthin fuhren. Auch besuchten sie die Dresdner
-Märkte. Dann wurde der Weg mit eben genannter Ausrüstung an einem Tage
-zurückgelegt. Welche Leistung! Mitunter fuhren sie stückweise mit
-einem Fuhrwerke. Auch auf die Messen nach Frankfurt a. d. Oder und
-nach Breslau brachten die Fabrikanten die Neugersdorfer Webwaren. Ums
-Jahr 1780 meldet die alte Ortschronik den ersten Messebesucher. Weiter
-erzählt sie: »Ums Jahr 1810 gingen etwa sechs Fabrikanten nach Leipzig.
-Jetzt (1857) zählen wir deren an dreißig, welche in- und ausländische
-Messen besuchen und Tausenden Brot und Unterhalt geben.« Da waren gar
-oft in jener Zeit solche müde Weberfabrikanten am Wegrande zu schauen.
-
-[Illustration: Abb. 2
-
-=Ein Weberfabrikant der auf die Messe »geht« ruht auf einem Stein aus=
-
-(Grabmal auf dem neuen Friedhof in Neugersdorf)]
-
-Aber diese Männer waren nicht nur darauf bedacht, ihre Waren zu
-verkaufen, sondern sie brachten auch Neuerungen für den Webbetrieb mit
-nach Hause. So verbesserten sie die Webstühle, stellten Zwirn- und
-Treibmaschinen auf, waren diejenigen, die den Erfindungen ihrer Zeit
-sogleich die Tür zur Webstube, zum Websaal öffneten. Und als eines
-Tages im Dorfe der erste Dampfwebstuhl die Arbeit begann, da ahnten
-die Hauswebstühle nichts Gutes für sich. Mochten sich Hausweber und
-»Gezehe« auch noch so sehr anstrengen, sie vermochtens dem Neuling
-nicht gleichzutun. Beide wurden mit jedem Jahre lebensmüder. Bis zu
-dieser umgestaltenden Neuerung standen in mancher Lausitzer Wohnstube
-vier Gezehe, dazwischen Spulrad und Treibrad. Die ganze Familie
-war eine Arbeitsgemeinschaft. Es waren die kleinen Leute mit der
-überperlten Stirn. Früh um fünf Uhr begann das »Klappern«, abends um
-zehn Uhr wurde Feierabend gemacht. Zwei Taler acht Groschen konnten
-bei dieser täglichen Arbeitszeit in einer Woche »erklappert« werden.
-Kam Weihnachten, Ostern oder Pfingsten heran, dann wurde an den Tagen
-vorher bis ein oder zwei Uhr morgens »gewürkt«, um die feiernden
-Stunden wieder herauszuschinden. Doch waren die Leute zufrieden.
-Mancher Volksvers vom Lausitzer Weberleben spricht von Armut und
-Zufriedenheit. Der Dampfwebstuhl verdrängte einen Hauswebstuhl nach dem
-andern. Und wie die Haustreiberei in kurzer Zeit ausgelebt haben wird,
-so ist auch der Tag nahe gerückt, an dem der letzte Hauswebstuhl und
-sein Spulrad stillstehen.
-
-Während aber im Dorfe dreißig hohe Schornsteine qualmen neben
-mehrstöckigen langen Fabrikgebäuden, darinnen die Maschinen sausen,
-ununterbrochen die schweren Kohlenwagen über die Brücke knarren,
-darunter lange Güterzüge rollen, Lastautos und festgebaute Rollwagen
-die Kisten mit Hosen-, Blusen-, Hemden- und Kleiderstoffen, Webstühle
-und Maschinenteile zum Bahnhof bringen, aus den Essen der Kupolöfen in
-den Eisengießereien die Funken sprühen, steht der alte Dorfbewohner
-im stillen Gräbergarten vor diesem müden Weber und träumt von
-»Massegiehn«, »Gezehe«, »Spulradl« und »Treiberod«.
-
-
-
-
-Denkmalpflege in Sachsen
-
-Von ~Dr.~ _Bachmann_
-
-Mit Aufnahmen aus dem Denkmalsarchiv in Dresden
-
-
-Dem Beispiele der anderen Bundesstaaten folgend, hat nunmehr auch
-Sachsen seit September 1920 einen staatlichen Denkmalpfleger berufen.
-Nach der Verordnung des Ministeriums des Innern vom 10. August
-1920 besteht von da ab das Landesamt für Denkmalpflege aus dem
-Denkmalpfleger und dem Denkmalrat, welch letzterer in der Hauptsache
-seine alte Zusammensetzung behalten hat.
-
-Das Landesamt selbst hat seit dem Sommer dieses Jahres eigene
-Diensträume im alten Palais Wackerbarth (Dresden-N., Niedergraben
-5) bezogen, in denen nunmehr auch die Plan- und Bildsammlung des
-Denkmalarchivs untergebracht ist, für dessen öffentliche Benutzung ein
-Arbeitszimmer bereit gestellt wurde.
-
-Mit diesen Umgestaltungen hat die Denkmalpflege in Sachsen einen
-wichtigen Schritt nach vorwärts getan und eine breitere Grundlage für
-den weiteren Ausbau gewonnen. Daß dieser dringend nötig ist, haben ja
-die Erfahrungen der Jahre nach Kriegsende mit betrüblicher Deutlichkeit
-und Eindringlichkeit bewiesen. In unseren Tagen des ausgeprägten
-Materialismus, der Gleichgültigkeit und Verflachung des Empfindens
-gegenüber Kulturwerten in weitesten Kreisen, ist dem Kunstbesitz des
-Landes eine fast schwerere Gefahr entstanden, als sie je wohl ein Krieg
-innerhalb der Grenzen hätte mit sich bringen können. Weite Kreise, die
-früher mit Liebe und Verständnis sich ihres angestammten Kunstbesitzes
-annahmen und ihn als treue Hüter für ihre Nachkommen wahrten, sind
-durch die Not der Zeit gezwungen, ihn zu veräußern, oder aber ermangeln
-besten Falles der Mittel, ihn in guter Pflege zu erhalten.
-
-So erwächst der staatlichen Fürsorge die Aufgabe, für den übernommenen
-Kunstbesitz zu sorgen, in ständig erhöhtem Ausmaße, aber mehr denn
-bisher möchte hier neben die aufklärende und beratende Stimme der
-berufenen Helfer der Denkmalpflege die Hilfe durch die Tat seitens
-der verantwortlichen Stellen treten, soll nicht in absehbarer Zeit
-unendlicher Schaden an Sachsens Kulturgütern geschehen. Um der nach
-der Revolution in höchstem Maße gestiegenen Gefahr der Abwanderung
-und Verschiebung wertvollen und für die Heimat unersetzlichen
-Kunstbesitzes ins Ausland zu begegnen, wurde vom Reiche am 8. Mai 1920
-ein Kunstschutzgesetz erlassen, zu dem die Bundesstaaten, darunter
-Sachsen, noch ihre besonderen Ausführungsbestimmungen erlassen haben.
-Diese ergingen für unser Land am 1. April 1921 und sollten von allen
-Privatpersonen, Vereinen und Vereinigungen des Privatrechts, die sich
-im Besitze von Gegenständen befinden, »die einen geschichtlichen,
-wissenschaftlichen oder künstlerischen Wert haben, und deren Erhaltung
-im öffentlichen Interesse liegt«, wohl beachtet werden.
-
-Hierher gehört vor allem auch der reiche Kunstbesitz unserer
-Kirchgemeinden und der der alten Innungen. Für ersteren hat das
-evangelisch-lutherische Landeskonsistorium unter dem 1. Juli 1921
-noch besondere Ausführungsbestimmungen erlassen, wonach Verzeichnisse
-der in Frage kommenden Gegenstände aufzustellen und zeitweilig
-nachzuprüfen sind. Über den Vereins- und Innungsbesitz werden
-anderseits im Ministerium des Innern Listen nach Eintragsvorschlag der
-Kreishauptmannschaften und nach Gehör des Denkmalpflegers oder anderer
-Sachverständiger geführt.
-
-»Zuständig für die Genehmigung der Veräußerung, Verpfändung,
-wesentlichen Veränderung (Ortsveränderung!) oder Ausfuhr eines
-geschützten Gegenstandes ist das Ministerium des Innern, sofern es sich
-jedoch um Gegenstände im Besitz von Stadt- oder Landgemeinden handelt,
-die Kreishauptmannschaft.« (Absatz V der Ausführungsbestimmungen. --
-Sächs. Gesetzblatt 1921, S. 101.)
-
-Mag auch manchem zeitgemäß Denkenden ein solcher gesetzlich
-festgelegter Kunstschutz als Eingriff in private und angeerbte
-Rechte erscheinen, so wird doch jedem Freunde unserer Heimat und
-ihres Kulturbesitzes, der mit offenen Augen verfolgte, was in den
-letzten Jahren auf dem Kunstmarkte vorging, eine gesetzliche Handhabe
-willkommen sein, die hier ein Eingreifen gestattet und retten hilft, wo
-noch zu retten ist.
-
-Trotz seiner ständig schwieriger sich gestaltenden finanziellen Lage
-hat das Landesamt im Kriege und in den folgenden Jahren die Arbeit
-nicht ruhen lassen und es soll hier in Kürze den Freunden unserer
-Bestrebungen aus der Fülle des bearbeiteten Materials einiges im
-Beispiel geboten werden.
-
-Wie bisher, so lag auch in den vergangenen Jahren die praktische Arbeit
-des Landesamtes in der Hauptsache auf dem Gebiete der kirchlichen
-Kunst, und beträchtlich ist die Zahl der Ölgemälde, Altaraufsätze,
-Kruzifixe usw., die in dieser Zeit als Kranke und Invalide in die
-Werkstätte des Landesamtes eingeliefert wurden, und die nun wieder in
-alter Schönheit die Dorf- und Stadtkirchen unserer sächsischen Heimat
-zieren. Mannigfaltig und zahlreich sind diese Krankheiten, und die
-jahrzehntelange Übung und Erfahrung der Künstler und Restauratoren der
-Werkstätten gehört dazu, deren Ursachen richtig zu erkennen und die
-geeigneten Heilmittel dafür zu finden.
-
-Wie aber der kranke Mensch selten gut dabei fährt, wenn er einem
-Kurpfuscher sich anvertraut, so mag auch an dieser Stelle einmal
-eindringlich davor gewarnt werden, die Wiederherstellung kranker
-Kunstgegenstände Leuten anzuvertrauen, denen keine Erfahrung in diesen
-Dingen zugestanden werden kann. Gurlitts kleines Werk »Die Pflege der
-kirchlichen Kunstdenkmäler« kann hier ein guter Führer und Wegweiser
-sein.
-
-Im Kriege noch wurde der mächtige Altaraufsatz aus der Nikolaikirche in
-Döbeln, der dringend der Erneuerung bedürftig war, in die Werkstätten
-des Landesamtes überführt. Das in Holzplastik und Malerei auf das
-reichste ausgestattete Kunstwerk ist ein Flügelaltar aus katholischer
-Zeit, und gehört mit seinen Abmessungen von fast elf Meter Höhe und
-fünf Meter Breite zu den größten der in Sachsen noch erhaltenen
-Altarschreine. Der Meister, der dies Kunstwerk schuf, ist nicht
-bekannt, doch rät Steche auf einen Meister Hans Degen aus Dobeleyn, der
-auch den Hauptaltar der Kreuzkirche in Dresden in den Jahren 1513 bis
-1515 fertigte.
-
-Die kostspieligen und umfangreichen Erneuerungsarbeiten wurden von den
-Künstlern des Landesamtes mit bestem Erfolg durchgeführt und der Altar
-Pfingsten 1919 an Ort und Stelle wieder aufgerichtet.
-
-Der große, herrliche Altaraufsatz aus der Kirche zu Ehrenfriedersdorf,
-ein künstlerisch hoch zu bewertendes Werk des beginnenden sechzehnten
-Jahrhunderts, ist der Öffentlichkeit durch eine vieljährige Aufstellung
-in der Gemäldegalerie zu Dresden bekannt geworden. Auch dieser war
-dem Landesamt als dringend erneuerungsbedürftig anvertraut worden und
-wurde durch seine Werkstätten sachgemäß instand gesetzt. Jetzt ziert er
-nun wieder die malerische alte Kirche des Erzgebirgsstädtchens, deren
-massiver Turm noch heute das charakteristischste Wahrzeichen im Stadt-
-und Landschaftsbilde ist, wenn er auch seines hohen mittelalterlichen
-Wehraufbaues schon seit langem verlustig gegangen ist.
-
-Ein recht interessantes Stück sächsischer Plastik des Mittelalters
-stellt ein Flügelaltar vor, der für die Gemeinde zu Plohn im Vogtlande
-im Jahre 1918 in den Werkstätten wiederhergestellt wurde. Eine fein
-empfundene und gut durchgebildete Madonnenstatue der spätgotischen
-Zeit steht im Mittelschrein vom Strahlenkranze umgeben, in den Flügeln
-zu beiden Seiten die Figuren der heiligen Katharina und der heiligen
-Barbara. Deutlich läßt aber bei diesem Beispiel die Umrahmung des
-Schreines die Übergangszeit und die Formensprache der nunmehr neu
-auftretenden Renaissance erkennen. Noch späterer Zeit entstammt die
-zugefügte hölzerne Predella. Der Altar, der lange Jahre in einem Raume
-des Plohner Rittergutes aufbewahrt wurde, ist nach der Erneuerung
-wieder in der Dorfkirche zur Aufstellung gekommen.
-
-Die neue Jakobikirche zu Freiberg besitzt seit alters einen großen
-Schnitzaltar, den der Meister Bernhard Diterich, Bildhauer und
-Bildschnitzer zu Freiberg im Jahre 1610 anfertigte. Reich bewegte
-Reliefs in Holzschnitztechnik füllen hier die einzelnen Felder des
-architektonisch gegliederten Aufbaues. Das ganze Kunstwerk war
-jedoch derart vom Holzwurm zerfressen, daß eine durchgreifende
-Imprägnierung sich nötig machte, die im Herbst vergangenen Jahres
-durch die Werkstätten des Landesamtes mit vollem Erfolg und an Ort
-und Stelle durchgeführt wurde. Gleichzeitig wurde auch ein kleineres
-Schnitzaltarwerk desselben Meisters Diterich, das sich in der Kirche zu
-Kleinschirma befindet, erneuert.
-
-Noch viele andere Kunstwerke von Wert harren in den sächsischen
-Kirchen der dringend nötigen Auffrischung, aber zu gering sind leider
-diesen Anforderungen gegenüber die Mittel, die zur Verfügung gestellt
-werden. So muß sich die Konservierungstätigkeit des Landesamtes in der
-Hauptsache auf kleinere Stücke beschränken.
-
-[Illustration: Abb. 1
-
-=Plohn, Altar, geöffnet nach der Wiederherstellung=]
-
-Manch schönes Kunstwerk wäre da zu nennen, das im Laufe der letzten
-Jahre seine Auferstehung von einem Kirchenboden herab gefeiert hat.
-So hat unter anderem die große, freundliche Kirche zu Mildenau
-im Erzgebirge sich eine kleine »Pieta« von edler Formensprache
-wiedergeschenkt, die nun heute zusammen mit Teilen alter Flügelaltäre
-das Kircheninnere ziert. Eine größere, sehr schöne Beweinungsgruppe
-wurde in gleicher Weise für die Kirche zu Hilbersdorf wieder
-vorgerichtet, und es ist erfreulich zu bemerken, daß mehr und mehr doch
-gerade diesen, durch Tradition und Kunstwert gleichermaßen geadelten
-Erzeugnissen einer vergangenen Zeit wieder Liebe und Verständnis
-entgegengebracht wird. Freilich sind auch, trotz aller Bestrebungen
-von Denkmalpflege und Heimatschutz noch immer betrübliche Fälle
-von Vernachlässigung, Gleichgültigkeit, wenn nicht Schlimmerem zu
-verzeichnen.
-
-[Illustration: Abb. 2
-
-=Hilbersdorf, Gruppe der Pieta vor der Herstellung=]
-
-Mit der sich wieder regenden Bautätigkeit beginnt auch vielen Ortes
-wieder die Pflege der Kirchengebäude in Fluß zu kommen. Im Kriege noch
-wurde die kleine, reizvoll im Landschaftsbilde gelegene Kirche zu
-Harthau bei Chemnitz auf Anregung des Landesamtes erneuert und so vor
-dem Schicksal des Abbruchs, das ihr nach Errichtung der neuen Kirche
-drohte, glücklich gerettet. Noch während des Krieges trat man dem
-Gedanken näher, den stimmungsvollen Kirchenraum als Gedächtnishalle
-im Sinne einer Kriegerehrung auszugestalten und 1915 wurde bereits in
-diesen Blättern darauf eingegangen. Jetzt scheint der Gedanke Form zu
-gewinnen und seiner Verwirklichung entgegenzugehen.
-
-[Illustration: Abb. 3
-
-=Innenansicht der Kirche zu Großrückerswalde= (Zustand Mai 1921)]
-
-Die prachtvolle alte Wehrkirche zu Großrückerswalde bei Marienberg,
-eine der wenigen und schönsten der von ihrer Art in Deutschland
-überhaupt erhaltenen, hatte durch Wind und Wetter auf ihrer stolzen
-Höhe stark gelitten. Die Gemeinde hat sich nun in dankenswerter und
-nachahmenswürdiger Weise entschlossen, die für einen Kirchenneubau
-dereinst angesammelten Gelder für die Erhaltung des schönen, alten
-Gotteshauses auszugeben. Mit den Erneuerungsarbeiten ist bereits
-begonnen worden.
-
-Es wäre zu wünschen, daß dem guten Beispiel auch andern Ortes gefolgt
-würde. Manch unscheinbar gewordener alter Bau könnte so zu neuem Leben
-erwachen und mancher Zeuge vergangener großer Tage erhalten werden.
-
-[Illustration: Abb. 4
-
-=Frohnauer Hammer=]
-
-Nicht auf dem kirchlichen Gebiet allein liegt die Arbeit der
-Denkmalpflege, sie wendet ihre Fürsorge vielmehr auch allen
-anderen geschichtlich und künstlerisch wertvollen Bauwerken und
-Einzelkunstwerken zu. Um seines für sächsische Kultur und Volkskunst
-gleichermaßen hohen Wertes wurden im Jahre 1906 Schritte eingeleitet,
-den alten, malerisch gelegenen Frohnauer Hammer bei Annaberg der
-Nachwelt zu erhalten. Im Jahre 1908 trat der eigens für diesen Zweck
-geschaffene Hammerbund an Denkmalpflege und Heimatschutz mit der
-Bitte um Unterstützung heran, und es gelang auch das ganze Werk
-käuflich zu erwerben, so daß nunmehr Schritte zu dessen Erhaltung
-eingeleitet werden konnten. Noch ist hier freilich viel zu tun, soll
-das Hilfswerk zum erfolgreichen Abschluß kommen, und es sei darum auch
-hier noch einmal allen Freunden unserer Bestrebungen nahegelegt, für
-den Hammerbund und seine Ziele zu werben und damit beizutragen zur
-Erhaltung eines wertvollen Stückes alter sächsischer Kultur.
-
-[Illustration: Abb. 5
-
-=Altes Brauhaus in Hohnstein= (Sächs. Schweiz) =umgebaut zum Rathaus=
-
-(Architekt Woldemar Kandler, Klotzsche)]
-
-Das allen Besuchern der Sächsischen Schweiz wohlbekannte Städtchen
-Hohnstein hat eine stimmungsvolle Zierde durch sein neues Rathaus
-erhalten. Die Stadtverwaltung hatte im Jahre 1917 mit feinem
-Verständnis für die Schönheit des alten Ortsbildes beschlossen, ein
-altes und baufällig gewordenes Wohnhaus, das unweit des Marktes, neben
-dem ehemaligen Brauereigebäude steht, zu erwerben und den Zwecken eines
-Rathauses anzupassen. Die Aufgabe ist mit Unterstützung von Landesamt
-und Heimatschutz in glücklichster Weise gelöst worden. Freundlich
-und eindrucksvoll steht heute der hohe Fachwerkgiebel im Stadtbilde
-da, und ein kleiner, neu hinzugefügter Dachreiter betont allein den
-besonderen Charakter des erneuerten Gebäudes. Es wäre erfreulich, wenn
-dies vorbildliche Beispiel der Stadtgemeinde Hohnstein noch recht viele
-Nachahmer finden würde. Gelegenheit dazu ist ja gerade heute, wo die
-Erstellung großer Neubauten fast unmöglich geworden ist, zu Genüge
-geboten.
-
-Das mittelalterliche kleine Rathaus der Stadt Meerane, das von
-einem mächtigen Dachreiter bekrönt und mit einem reich gegliederten
-Renaissanceportal geschmückt ist, soll demnächst gleichfalls erneuert
-werden. Der häßliche, in Streifen ornamentierte Schieferbelag des
-Daches soll durch neuen, einfarbigen ersetzt werden und das sehr
-schadhafte Portal gründlich ausgebessert werden. Auch das kunst-
-und baugeschichtlich gleicherweise bekannte alte Rathaus in Plauen
-unterliegt zur Zeit einem Umbau. Dieser wird allerdings etwas
-gründlicher ausfallen, als es im Sinne der Denkmalpflege gelegen
-hätte. Die Stadt Plauen hat nun nach Abbruch des alten Schlosses Reusa
-und des Heynigschen Hauses nur noch wenig Reste alter wertvoller
-Baukunst sich bewahrt. Erfreulich ist in jedem Falle, daß das schöne
-Gösmannsche Haus mit seiner zum Teil ausgezeichnet erhaltenen und
-vornehmen Innenausstattung von der Stadt angekauft und als Ortsmuseum
-eingerichtet wurde. Plauen dürfte damit wohl eines der reizvollsten
-Ortsmuseen erhalten, die wir in Sachsen überhaupt besitzen.
-
-[Illustration: Abb. 6
-
-=Alter kathol. Friedhof in Dresden-Fr. Innenansicht der Kapelle mit der
-Kreuzabnahme von Permoser.=]
-
-In ganz ähnlicher Weise wäre aber, ohne große Schwierigkeiten, das
-jetzige Ortsmuseum der Stadt Zittau auszugestalten, wenn man sich
-entschließen könnte, die zur Verfügung stehenden Räume, Refektorium
-und zwei darübergelegene Säle des alten Franziskanerklosters rein
-für das Museum zu bestimmen und die Stadtbibliothek anderswo
-unterzubringen. Der an das Gebäude anstoßende alte Klosterfriedhof
-soll zudem nunmehr vom Refektorium aus direkt zugänglich gemacht und
-damit der Öffentlichkeit wiedergegeben werden. Wünschenswert wäre
-dann allerdings, daß auch für die Erhaltung der schönen barocken
-Gruftfassaden etwas getan würde.
-
-Den alten Friedhöfen hat das Landesamt von je auch, soweit es im Rahmen
-der verfügbaren Mittel möglich war, seine Fürsorge gewidmet.
-
-[Illustration: Abb. 7
-
-=Moritzburg, alte Postmeilensäule=]
-
-Der innere katholische Friedhof zu Dresden, der als solcher auf einem
-1721 von König August dem Starken angewiesenen Grundstück entstand,
-beherbergt eine ganze Anzahl wertvoller Grabdenkmäler des achtzehnten
-Jahrhunderts, die leider heute unter dem schädlichen Einfluß der rings
-entstandenen Fabriken und ihrer Verbrennungsprodukte schwer gefährdet
-erscheinen. Viele berühmte Dresdner sind hier zur Ruhe bestattet
-worden, von denen nur der Maler Casanova, Kügelgen, v. Schlegel und
-Permoser genannt seien. Des letzteren Grab zierte die von ihm selbst
-gebildete fast dreieinhalb Meter hohe Kreuzigungsgruppe in Sandstein,
-deren reine Formenschönheit bei der Art des verwendeten Materials
-besonders gelitten hatte. Es war darum ein glücklicher Gedanke, diese
-Gruppe in der erneuerten und zu dem Zwecke mit einem Nischenausbau
-versehenen Kapelle neu aufzustellen, wo sie jetzt im Rahmen der farbig
-gut abgestimmten Innenarchitektur auf das eindrucksvollste zur Geltung
-kommt. Auch diese Arbeiten wurden unter Förderung und mit Unterstützung
-der staatlichen Denkmalpflege durchgeführt. Doch welches Maß von Arbeit
-ist noch zu leisten, sollen auch nur die besten der vielen herrlichen
-Grabdenkmäler geschützt und erhalten werden, die Sachsens Friedhöfe,
-allen voran der alte Eliasfriedhof zu Dresden bergen!
-
-[Illustration: Abb. 8
-
-=Postsäule in Reichenbach i. V.=
-
-Aufnahme von Oktober 1921]
-
-Auch eine andere Art von Denkmälern aus alter Zeit hat von je unter dem
-Schutze der Denkmalpflege gestanden. Es sind das die Postmeilensäulen,
-die auf Veranlassung und nach Verordnung des Königs August des Starken
-vom Jahre 1722 an in ganz Sachsen errichtet wurden. Eine große Anzahl
-derselben hat sich bis in unsere Zeit erhalten, und bei dem gestiegenen
-Verständnis auch für diese anspruchslosen Zeugen der Vergangenheit,
-ist ein großer Teil derselben heute wieder als Schmuckdenkmal zu
-Ehren gekommen. Auch das Landesamt hat zur Erhaltung vieler solcher
-Säulen das seinige mit Rat und Tat beigetragen. So wurden auf seine
-Veranlassung unter anderem die beiden Postsäulen in Moritzburg
-wiederhergestellt, die am Eingang der Hauptallee zum Schlosse stehen.
-
-In der Hauptsache sind es die sogenannten Stadtsäulen, die hier in
-Frage kommen, wohingegen von den in der ersten Hälfte des achtzehnten
-Jahrhunderts gleichzeitig errichteten »Gantze-Meilensäulen« sich wohl
-nur wenige Stücke erhalten haben. Ein Exemplar einer solchen steht
-in Reichenbach auf der Kreuzleithe und wurde im Herbst dieses Jahres
-in dankenswerter Weise durch den dortigen Stadtrat aufgefrischt.
-Von der dritten noch kleineren Abart dieser Postsäulen, den
-»Einhalb-Meilensäulen« scheint nur noch ein Exemplar vorhanden zu sein,
-das im Wermsdorfer Revier unweit der Allee IV in Abteilung 10 steht.
-Vielleicht aber kann uns für weitere Stücke noch der oder jene Freund
-des Heimatschutzes einen Hinweis geben.
-
-Damit soll für diesmal die Reihe der Beispiele aus dem Arbeitsgebiet
-der Denkmalpflege geschlossen werden. Hoffen wir, daß es staatlicher
-und privater Fürsorge und Unterstützung auch in der Folgezeit gelingt,
-die kulturerhaltende Tätigkeit der sächsischen Denkmalpflege nicht nur
-auf dem jetzigen Standpunkte zu erhalten, das würde, wie die ständig
-wachsenden Anforderungen an das Landesamt beweisen, keinesfalls
-genügen, sondern weiter auszubauen zu Nutz und Frommen alter
-sächsischer Kultur und ihrer Denkmäler, zur Zufriedenheit aller Freunde
-unserer schönen Heimat.
-
-
-
-
-Sturm um Rathausdach und Giebel oder Heimatschutz vor siebzig Jahren
-
-Von Stadtbaurat _Rieß_, Freiberg
-
-
-Wie reich, wie schön wäre unsere Heimat, hätten wir den Heimatschutz
-schon vor fünfzig oder hundert Jahren gehabt!
-
-Herrliche Schätze an Kunst und Kulturbesitz wären vor dem Untergang und
-Vernichtung bewahrt geblieben. Als Zeugen alter Kunst deutschen Geistes
-und Lebens hätten sie eindringlich gemahnt und zielweisend das neue
-deutsche Leben geschaut, geschmückt, geläutert.
-
-Vielleicht wäre die ganze Kunstentwicklung in anderer Richtung
-gegangen, fortschreitend zu höheren Zielen in starkem, gleichmäßigem
-Vorwärtsdringen, weil das, was die Väter schufen und bodenständig im
-Heimatgrunde wurzelte, das was ihm eigen und schön war, oft besser
-erkannt und gewürdigt, besser gepflegt und erhalten und zur Grundlage
-und Ausgang neuen Schaffens gemacht worden wäre. Vielleicht hätten wir
-dann eine neue wirklich echt deutsche Kunst!
-
-Vielleicht wären die Gedanken und Ziele des Heimatschutzes dann
-jetzt schon lange Allgemeingut des Volkes geworden und zum
-selbstverständlichen Empfinden auch der Ahnungslosen, vielleicht
-hätten wir dann eine natürliche künstlerische Kultur, vielleicht -- --
-vielleicht wäre dann Heimatschutz nicht mehr nötig!
-
-Die Gedanken des Heimatschutzes sind jedoch nicht neu. Schon die alten
-Kulturvölker übten Heimatschutz als einen selbstverständlichen Ausfluß
-und Ausdruck ihres angeborenen künstlerischen Empfindens, welchem die
-Harmonie der Dinge ein Bedürfnis war.
-
-Als das Wort »Heimatschutz« aber geprägt und »Heimatschutz« als
-geistige Bewegung ausgelöst wurde durch tiefschauende Seher und
-tiefschürfende Arbeiter am deutschen Volke und an der Heimat, da war
-diese selbstverständliche Kultur längst verloren gegangen. Sie muß nun
-mühsam Schritt für Schritt wieder errungen werden. Doch der Weg führt
-empor und das tiefe Sehnen des Volkes sucht und findet im Heimatschutz
-Antwort. Doch auch in der Zeit des Niederganges der Heimatkultur sind
-solche Männer als Seher und Sorger für die Heimat aufgestanden und
-haben den Kampf gewagt, unverstanden und geschmäht, aber unverzagt und
-mit heißem Herzen!
-
-Wie solch ein Kampf des Heimatschutzes vor etwa siebzig Jahren
-in Freiberg um das altehrwürdige Rathaus sich abspielte, und wie
-Heimatschutzgedanken die Gemüter bewegten im erregten Für und
-Wider, wie damals die Leidenschaften und Schwächen des menschlichen
-Herzens sich zeigten und Stacheln und Dornen Wunden rissen, ohne die
-Selbstlosigkeit und Begeisterung des heimattreuen Sehers und Sorgers am
-Werke zu ertöten, das mag einmal auf Grund der Akten als ein typisches
-Beispiel geschildert werden.
-
-Es war im Jahre 1853. Das alte Rathaus gefiel den Freibergern mit einem
-Male nicht mehr. Viele Jahrhunderte hatte es den Stürmen schon Trotz
-geboten, hatte im Krieg und Frieden, bei Belagerungen und allerlei Not,
-aber auch bei rauschenden Festen der Bergknappschaft, der Bürgerschaft,
-dem Rate und ja, auch Herzog, Kaiser, König und Fürsten ein schützendes
-Dach geboten. Eine reiche, stolze Geschichte, die wir jetzt nicht
-weiter verfolgen wollen, hatte die alten starken Mauern, Ratsstuben
-und Gewölbe geweiht. Von Treue und von Bürgerstolz, von Tapferkeit und
-Aufopferung, von Blut und Tot, von jauchzendem Leben und Kerkernacht
-flüsterten und raunten die mächtigen Quadern der Wände, sang und
-stöhnte der Wind, wenn er um Turm und Dach und Giebel sauste. Aber doch
-gefiel das Rathaus dem Rate und den Bürgern nicht mehr. Ihre Ohren
-waren taub, ihre Augen stumpf geworden. Sie fühlten nicht mehr das
-geheimnisvolle Leben, die Seele, welche aus den ehrwürdigen Zügen des
-alten Bauwerkes sprach, das mit der alten Stadt jung gewesen war, und
-im Alter ihr diente wie einst in der Jugend.
-
-Auf der Marktseite hatten sich Verkaufsbuden, auf der Nordseite an der
-Burgstraße der Schuppen für die Feuerleitern angesiedelt und saßen
-wie Schmarotzerpflanzen am gesunden Stamm und zehrten von seiner
-Schönheit. Allerlei Unzuträglichkeiten waren entstanden durch die
-Begleiterscheinungen des Kramhandels, die der Würde des Rathauses
-nicht mehr entsprachen. Hier mußte Wandel geschaffen werden, darüber
-waren sich Rat und Bürgerschaft einig. Im Erdgeschoß am östlichen
-Giebel waren Räume, die nur untergeordneten Zwecken dienten. »Hier
-könnten wir Läden einbauen und schönen Mietzins lösen,« dachten
-die Stadtväter. »Für die Krambuden ist dann ein würdiger Ersatz
-geschaffen.« Außerdem war das Dach so hoch!! Mit seinem langen First
-und seiner riesigen Fläche schnitt es ein schönes Stück vom Himmel ab
-und die Verkaufsgewölbe der Nachbarhäuser an der Nordseite mußten sogar
-früher Licht anzünden als der Konkurrent am Obermarkt. Wo blieb da die
-Gerechtigkeit! --
-
-Prüfend blickten sie immer wieder auf das Dach und den gewaltigen
-Giebel mit seiner Blendnischenarchitektur, vier Bogenreihen
-übereinander. Da fand ein besonders interessiertes, kundiges, scharfes
-Auge, daß der Giebel nicht mehr ganz lotrecht stände, sondern nach
-innen sich neigte; ja im Mauerwerk wurden urplötzlich für sein Auge
-gefährliche Risse sichtbar! Ahnungslos hatte man vielleicht schon in
-der Gefahr geschwebt, von dem stürzenden Giebel erschlagen zu werden!
-Wollte man Läden dort bauen und Schaufenster ausbrechen, so war der
-Einsturz des Rathauses gewiß! --
-
-Herbei ihr Sachverständigen mit Rat und Tat! Rettet uns vor der
-furchtbaren Gefahr!
-
-Der Baumeister Leuthold aus Dippoldiswalde wurde berufen und mit der
-Fülle der angehäuften Wünsche und Anregungen überschüttet. Zeichnungen
-und Anschlag wurden von ihm angefertigt und mit einem ausführlichen
-Gutachten überreicht. Zwei Seelen leben in diesem Gutachten. Die Seele
-des unbefangenen Sachverständigen und die Seele des Mannes, der gern
-bauen und verdienen will.
-
-Im Anfang sagt er, daß »eine unbedingte Notwendigkeit« des Giebelbaues
-»für jetzt noch nicht« vorliege.
-
-»Die Neigung des Dachgiebels nach innen, ist allerdings eine nicht
-unbedeutende, jedoch sind in diesem selbst _nicht die geringsten Risse
-oder Sprünge_ wahrzunehmen, was einesteils auf die große Festigkeit und
-den innigen Zusammenhang des Mauerwerkes schließen läßt, anderenteils
-aber zu der Annahme berechtigt, daß diese Neigung sehr allmählich oder
-wenigstens sehr regelmäßig erfolgt sei. Die Sprünge, welche sich in der
-ersten Etage der Umfassungsmauer dieser Giebelseite allerdings zeigen,
-sind gegenwärtig noch nicht derart, daß sie zu einem ernsten Bedenken
-Veranlassung geben und bei der großen Stärke der Giebelmauer kann
-selbst bei deren großer Neigung ein Einsturz derselben zur Zeit noch
-nicht zu befürchten sein.«
-
-Gleichwohl kommt er zum Schluß, den Abbruch zu empfehlen, weil
-infolge »schiefen Druckes« doch einmal ein Einsturz erfolgen könne.
-Er empfiehlt eine umfassende Restauration des Gebäudes mit Neuaufbau
-des Giebels, Einbau der Läden, Änderungen an Fenstern und Räumen
-und dergleichen. Sehr wichtig nimmt er den Abputz, zu dem er »eine
-graubraune, aus lichtem Ocker, geschlemmter Umbra und Frankfurter
-Schwarz gemischte Kalkfarbe« nehmen würde, »um den Charakter und die
-Altertümlichkeit des Gebäudes zu bezeichnen«. Ein Dorn im Auge sind ihm
-die verschiedenartigen Fensterformen, die er möglichst »egalisieren«
-und »rektifizieren« möchte. »Schon die Vorderfronte noch mehr aber die
-Hinterfronte nämlich bietet hinsichtlich der architektonischen Formen
-und Gliederungen eine so bunte Mannigfaltigkeit, wie dieselbe mit dem
-ästhetischen Gefühl im allgemeinen und mit der Würde des Gebäudes
-in keinem Falle vereinbar ist.« »Die Hinterfronte repräsentiert
-eine wahre Musterkarte von allerhand Tür- und Fensterrahmen, die
-nach Herstellung des neuen Abputzes als solche nur noch mehr in die
-Augen fallen wird.« »Die Beseitigung dieser Verunstaltungen tut
-dringend not,« schreibt er in höchster ästhetischer Entrüstung.
-Die »Conzinnität« der »Fronte« muß hergestellt werden. Die Kosten
-berechnet er auf insgesamt rund 4370 Taler. In seiner Planung hatte
-er auf die Änderung der Fenster besonders hingearbeitet, ohne
-jedoch immer Rücksicht auf die dahinterliegenden Räume zu nehmen.
-Gleichwohl und trotz der hohen Kosten erklärt man sich im Rate mit
-den Plänen einverstanden, wobei man jedoch wiederholt die Wahrung des
-altertümlichen Charakters des Gebäudes betont.
-
-Man forderte in der Theorie das, was die eigenen Beschlüsse und
-praktischen Maßnahmen unbedingt zerstören mußten. War es ehrliche
-Unkenntnis oder Selbstbetrug oder naive Heuchelei? Vielleicht aus allen
-dreien gemischt!
-
-Als die Bauangelegenheit soweit gediehen war, es war im Mai 1855,
-da bekam das Ratsmitglied, welches die Finanzverwaltung hatte, doch
-Bedenken über die Aufbringung der Mittel und bittet auf Grund längerer
-Berechnungen und Ausführungen die endgültige Entschließung noch
-auszusetzen. Er weist auf die politische Lage Deutschlands hin, »welche
-noch immer darüber in Zweifel läßt, ob für das Land bald entweder die
-Ruhe und Sicherheit des Friedens oder die Lasten einer Mobilisierung
-der Armee und die Drangsale eines allgemeinen Krieges zu erwarten
-stehen,« sodann auf »die nun seit mehreren Jahren anhaltende Teuerung
-aller Lebensmittel, deren Fortdauer mit der größten Besorgnis für
-die Folgen erfüllt.« Diesen Bedenken schloß sich das Ratskollegium
-an und die Baufrage wurde einstweilen zurückgestellt bis auf die
-Beseitigung der hölzernen häßlichen Budenanbauten. Dieser Beschluß
-wurde im Juli 1855 gefaßt. Das Rathaus schien vor den Bauabsichten
-noch einmal gerettet zu sein. Bei allen diesen Beratungen hatte jedoch
-der Bürgermeister Clauß nicht mitgewirkt, der wohl beurlaubt oder
-noch nicht im Amte war. Unter dem 21. April 1856 schreibt er eine
-Denkschrift von zwölf enggeschriebenen Aktenseiten mit zierlich kleiner
-Schrift nieder, in welcher er alle Vorgänge zusammenfaßt, Kritik übt
-und Vorschläge macht.
-
-Er erklärt sich gegen den Einbau von Läden, »weil durch das
-Marchandieren Fremder im Rathause die Ruhe, Ordnung und Sicherheit
-desselben sehr beeinträchtiget und gefährdet werden würde, um so mehr
-als es eben an allen Neben- namentlich Hofräumen fehlt und nicht einmal
-~loca secreta~ vorhanden sind, mithin allerlei Allodria, Mitbenutzung
-der oberen Appartements und dergleichen mehr in die übrigen Räume des
-Rathauses sich verpflanzen und darin breit machen würden.«
-
-Er erklärt sich gegen die Änderung der Fenster, »weil dadurch die
-innere Symmetrie der betreffenden Räume gestört und auf Rechnung des
-Äußeren verunstaltet werden würden.« »Es möchte kaum zu verantworten
-sein, dem äußeren Ansehen die Zweckmäßigkeit der inneren Einrichtungen
-zu opfern.«
-
-Kann man ihm hier auch nach heutigen Anschauungen über Heimatschutz
-und Denkmalpflege nur zustimmen, so nimmt er doch zum Schlusse die
-Anregungen wieder auf, welche im Zusammenhang mit der Giebelfrage nicht
-wieder zur Ruhe kommen sollen, sondern wie ein Gift weiterfraßen und
-dem äußeren Ansehen des Rathauses verderblich wurden.
-
-Er schreibt: »Unterzeichneter mag nicht verhehlen, daß es nach seiner
-Ansicht das Beste wäre, das ganze Dach mit einem modernen niedrigeren
-zu vertauschen, weil so die _immense_ und _überflüssige_ Belastung
-des Rathauses beseitigt, brauchbare und angemessene Dachräume
-erlangt, die Rauchfangunterhaltungen wesentlich vermindert, die
-Gefahr bei Feuerunglück -- wo durch die jetzige ungeheure Last des
-Daches die unteren Räume erdrückt zu werden bedroht sind, -- bei
-weitem verringert, auch die Dachgiebelfrage auf leichteste Weise mit
-erledigt würde.« Allein er enthält sich, »darauf abzielende Vorschläge
-zu eröffnen, wohl wissend und ahnend, daß solche im weiteren Kreise
-nicht leicht Annahme und Anhänger finden werden, obgleich die Kosten
-dieser Veränderung großenteils durch den Gewinn überflüssigen,
-guten und gesunden Holzes ausgewogen werden würden, neues Holz- und
-Ziegelmaterial wohl gar nicht nötig wären.«
-
-Auf Grund dieser Denkschrift beschloß man, daß »die Restauration des
-Rathauses nicht allzulange mehr verschoben werden möchte.« Einige
-Monate ruht scheinbar die Sache, wenigstens in den Akten, wenn auch
-vielleicht die Frage das tägliche Gespräch gewesen sein mag. Da tritt
-die Baudeputation mit neuem Antrag auf -- und sagt unter anderem: »Wenn
-sich aber nun unmöglich verhehlen läßt, daß das derzeitige Äußere des
-Rathauses zu Freiberg ein würdiges nicht genannt werden kann, ja daß
-es kaum den bescheidensten Anforderungen des ~decorum~ entspricht, und
-daß einzelne Partien desselben sogar einen widrigen Eindruck auf den
-Beschauer hervorbringen, überhaupt aber der Gesamteindruck desselben
-nur in dem hohen Alter des Bauwerks einige Beschönigung finden kann,
-... so hält sich die Deputation gerechtfertigt, wenn sie auch diesen
-Aufwand bevorwortet.«
-
-Diese von jedem Verständnis der Altertumswerte und der Charakterzüge
-des ehrwürdigen Rathauses weit entfernten Vorschläge wurden nun von
-den städtischen Kollegien zum Beschluß erhoben, ihre Ausführung aber
-noch einstweilen aufgeschoben, weil die Jahreszeit schon zu weit
-vorgeschritten war und weil »der neugewählte Stadtbaumeister erst im
-Monat Oktober d. J. sein Amt antreten wird, inmittelst aber es an
-gehöriger Bauleitung fehlen würde.«
-
-Das Urteil über das alte ehrwürdige Rathaus war gesprochen, man wartete
-nur noch auf den amtlich bestellten Scharfrichter zu seiner Hinrichtung
-und benutzte die Zwischenzeit zu vielerlei Einzelberatungen.
-
-Das neue Jahr 1857 rückte heran, da entstand in dem Wachtlokal im
-Erdgeschoß des Turmes, das durch ungeheure starke Mauern und Gewölbe
-vom übrigen Rathause abgeschlossen ist, ein an sich ganz ungefährlicher
-Stubenbrand. Brand im Rathaus! Das war für die Freunde des Umbaues ein
-willkommenes Mittel und Schlagwort für ihre Ziele!
-
-Das war der Anlaß nunmehr den Abbruch des hohen Daches mit Macht zu
-betreiben. Das Dach, welches Jahrhunderten standgehalten und die
-Stürme der Schwedenbelagerung mit ihren Brandbomben, zahlreiche
-Stadtbrände, die Schlacht bei Freiberg und die Gefahren der Zeit
-Napoleons unbeschädigt überstanden hatte, wurde angeblich plötzlich zu
-einer furchtbaren Gefahr für die Stadt, weil es »eine sehr bedeutende
-Quantität feuergefährlichen Holzwerkes« enthielt.
-
-Bei dem neuen Stadtbaumeister Weber wurde ein Gutachten bestellt.
-Dieses Gutachten fiel den Weisungen entsprechend aus. Es lag ja
-nahe, daß der neue Baumeister bauen und seine Kunst und Tüchtigkeit
-zeigen wollte. Das war ein willkommener Auftrag, sein Licht leuchten
-zu lassen! Mit einer gewissen Überlegenheit und Geringschätzung
-spricht er von dem »alten sehr fehlerhaft konstruierten Dach, das
-im hohen Grade baufällig ist,« von mangelnden Längsverbänden,
-fehlerhaften Querverbänden, Verschiebungen, ungleichen Senkungen, von
-gebrochenen Verbänden und dergleichen. Der Giebel, 1¾ Ellen stark,
-hinge gefahrdrohend nach dem Gebäude zu über. »Der bei einem Brande
-unvermeidliche Einsturz des überhängenden Giebels würde selbst die
-zunächst daran befindlichen festen Gewölbe sowohl in der Etage als
-im Erdgeschosse gänzlich vernichten.« Dachziegel und Essen seien
-völlig schadhaft und dem Einsturz nahe. Er schlug vor, ein neues
-Dach von englischem Schiefer mit leichtem offenem Dachstuhl mit
-möglichst flacher Neigung von etwa 30 Grad herzustellen, obschon
-rings der ganze Marktplatz und die ganze alte Stadt, nur hohe steile
-Ziegeldächer hatte. Den Kostenaufwand dürfe man nicht scheuen, um »den
-mit der Feuergefährlichkeit des alten Daches verbundenen unabsehbaren
-allgemeinen Schaden, möglichst bald zu verhindern.«
-
-Zu diesem für Rathausdach und Giebel vernichtenden Urteil kam
-gleichzeitig eine Eingabe von Anwohnern des Rathauses. Ob diese etwa
-bestellt war, geht natürlich nicht aus den Akten hervor, jedoch klingt
-es fast wie ein Echo des Gutachtens des Stadtbaumeisters, nur daß
-hier die angebliche Gefahr des Brandes und Einsturzes bereits auf die
-ganze Nachbarschaft, »auf einen großen Teil des belebtesten Teils der
-Stadt« ausgedehnt wird. Dreißig Bürger hatten unterschrieben. Die drei
-ersten sind drei brave Bäckermeister. Die Frage war nun »brennend«
-geworden. Die finanziellen Bedenken mußten verstummen, und einmütig
-wurde nach dem Vorschlage des Stadtbaumeisters beschlossen, nur mit
-der Abänderung, auf Anregung aus der Mitte des Rates, daß das Dach um
-zwei Ellen gegenüber der Planung erhöht werden solle, so daß also statt
-einer Neigung von dreißig Grad eine solche von sechsunddreißig Grad
-gesichert wurde.
-
-Der Stadtbaumeister gibt darauf selbst zu: »Nicht zu verkennen ist
-übrigens, daß durch die beantragte Erhöhung des Daches der Schiefer
-an Haltbarkeit gewinnt, hauptsächlich aber ein besserer Prospekt
-erlangt wird. Ein flacheres Dach will nicht recht zu dem altertümlichen
-Charakter des Rathauses passen.« Aus dieser Bemerkung vom 1. März
-1857 ergibt sich, daß der Stadtbaumeister bei seinem Vorschlage ohne
-jede Rücksicht auf künstlerische Bedenken, völlig skrupellos und ohne
-Gefühl für die historischen Altertums- und Schönheitswerte, ohne
-jedes Verständnis für die städtebauliche Bedeutung des Rathauses im
-Marktbilde und Stadtbilde geurteilt hatte, so daß er erst durch die
-Anregungen von Laien auf diese Frage zwar gestoßen wird, und auch
-seinen ursprünglichen Vorschlag aufgibt, aber dennoch ohne weitere
-künstlerische Prüfung alle Bedenken bei Seite setzt und einfach die
-vorgeschlagenen laienhaften zwei Ellen zusetzt. Hätte man eine Elle
-oder drei Ellen vorgeschlagen, so wäre er auch wohl damit zufrieden
-gewesen.
-
-So fiel das alte schöne Rathaus in die Hände eines künstlerisch völlig
-unfähigen und verständnislosen Mannes, obgleich in Freiberg ein fein
-empfindender künstlerisch hervorragender Architekt lebte, der Professor
-für Baukunst an der Bergakademie Professor Eduard Heuchler.
-
-Er hatte sich bereits einen Namen gemacht durch die wundervollen
-Zeichnungen zum Bergmannsleben, die heute noch durch ihre hohe
-Bedeutung für bergmännische Volkskunde und Volkskunst und durch ihren
-künstlerischen Reiz besondere bewunderte Schätze des Freiberger
-Altertumsmuseums bilden und durch seine ausgeführten feinempfundenen
-architektonischen Werke. Seine grundlegenden Forschungen am Freiberger
-Dom sind ja heute noch von Bedeutung.
-
-Dieser Mann hörte mit Schmerz und Zorn von dem Schicksal, das dem
-ehrwürdigen Rathause bevorstand. In letzter Stunde suchte er es noch
-zu retten und wendete sich mit scharfer Feder gegen diesen Plan und
-suchte die Öffentlichkeit aufzuklären und in Bewegung zu setzen. In
-einem Aufsatz vom 21. März im »Freiberger Anzeiger« zieht er vom Leder.
-Er weist daraufhin, daß der Stadtrat schon seit vielen Jahren »einen
-sogenannten Bauinspektor« und seit 1830 sogar eine Baudeputation gehabt
-habe. »Eine große Verantwortlichkeit müßte auf die beaufsichtigende
-Behörde fallen, wenn sie gerade das wichtigste Gebäude der Stadtkommune
-in seiner Unterhaltung so vernachlässigt hätte, daß nun mit einem Male
-_keine_ Reparatur mehr möglich ist, und ein neues Dach aufgesetzt
-werden muß!« Weiter sagt er dann: »Es ist aber eine bekannte Sache, daß
-flache Dächer, und wenn man sie auch mit Schiefer oder Metall eindeckt,
-in unseren Gegenden keinen Vorteil gewähren und die Reparaturen
-nicht aufhören. Aber auch abgesehen von dieser Erfahrung, so ist es
-unbegreiflich, wie ein flaches Dach zum Stil des alten ernsten Gebäudes
-und seiner Umgebung passen soll! -- Es kommt mir vor, als wenn man
-einem geharnischten Ritter ein Käppi aufsetzen wollte.« Er schlägt
-dann vor, das Gutachten eines »unparteiischen renommierten auswärtigen
-Baumeisters« einzuholen, »denn die Leistungen des neuen Herrn
-Stadtbaumeisters, denen ich übrigens nicht zu nahe treten will, sind
-hier doch zu unbekannt und die Deputationsmitglieder des Stadtrates und
-der Stadtverordneten sind keine Sachverständigen von Profession, um
-sich auf dieses Urteil hin einseitig und beifällig bestimmen zu lassen.«
-
-»Vielleicht wären die vorgenannten auswärtigen Baumeister weniger
-baulustig gewesen und hätten uns einen Rat gegeben, wie wir unser
-altes, dem tiefen Gebäude angemessenes Rathausdach noch einmal tüchtig
-zusammenflicken könnten.« »Und hätten nun auch diese auswärtigen
-Baumeister einen Neubau des Rathausdaches jetzt als unabweisbar
-erkannt, dann würden sie sicher _nicht_ vorgeschlagen haben, das alte
-ehrwürdige wenn auch architektonisch gerade nicht ausgezeichnete
-Gebäude durch ein _modernes flaches_ zu dem Stil desselben _schlecht
-passendes_ Dach zu verunstalten. Alle Gebäude des Marktes sind zwei-
-und dreistöckig und mit hohen Ziegeldächern versehen, es müßte
-also schon des Gesamteindruckes wegen ein flaches Dach auf dem
-nur einstöckigen Rathause als eine Kuriosität im großen Maßstabe
-erscheinen.«
-
-Klingen diese letzteren Ausführungen nicht, als wären sie aus einem
-Gutachten des Heimatschutzes in neuester Zeit entnommen? Heuchler
-sieht, seiner Zeit vorauseilend, nicht nur das einzelne Bauwerk als
-Individuum und losgelöst von der Umgebung, sondern als ein Glied des
-großen Ganzen, er sieht und beurteilt den Wert des Einzelbauwerkes im
-Zusammenhange mit der Umgebung, mit dem Platzbilde, mit dem Stadtbilde.
-
-Doch für derartige Anschauungen war seine Zeit noch nicht reif! Auch
-heute über sechzig Jahre später ist diese Anschauung noch keineswegs
-Allgemeingut geworden. Jeder, der in der Heimatschutzbewegung und
-Bauberatung tätig ist, kennt die Kämpfe, die aus diesem Widerstreit
-erwachsen.
-
-Auch hier lehnt der Rat kühl die Vorschläge ab, da man sich von der
-Einholung eines »Supergutachtens« »einen andern Erfolg als den, welchen
-das Gutachten des Herrn Stadtbaumeisters Weber bereits gehabt hat,
-nicht zu versprechen vermag«, es solle vielmehr nun »unverzüglich« mit
-dem Bau vorgegangen werden. --
-
-Und so geschah es! --
-
-Doch unser wackerer Heuchler forcht sich nit und ließ sich nicht
-entmutigen im Kampfe für das Rathaus gegen die hohen Herren im Rathause.
-
-Unter dem 14. Juni 1857 richtet er unter Beifügung von Zeichnungen
-(vgl. Abb. 1) eine Eingabe an die Königliche Hohe Kreisdirektion zu
-Dresden. Er bittet einen höheren Sachverständigen zur Untersuchung
-zu entsenden, da das Abtragen des Daches bereits begonnen habe, um
-die Stadt Freiberg »vor Verunstaltung ihres Rathauses und Marktes« zu
-schützen.
-
-»Seit dreißig Jahren war ich bemüht, meine Geburtsstadt Freiberg
-in seinen öffentlichen Anlagen durch kleine Monumente und durch
-einige Privatbauten vor den Toren zu verschönern. Die ... möge aus
-dieser freimütigen Behelligung meinen Eifer für die Ehre Freibergs
-hochgeneigtest erkennen.«
-
-In der Zeichnung wird von ihm durch die in das Dach eingezeichnete
-unterste Firstlinie die Höhe des künftigen flachen Daches angedeutet.
-
-Auf diese Eingabe erging sofort Anordnung an den Stadtrat, den Bau
-einzustellen.
-
-Am 19. Juni bereits fand außerordentliche Ratssitzung statt, in welcher
-es Heuchler nicht gut gegangen sein mag. Sofortiger Bericht wurde
-beschlossen und die Reise des Bürgermeisters und Stadtbaumeisters
-nach Dresden, um mit dem Kreisdirektor und dem Landbaumeister Hänel
-Rücksprache zu nehmen, da es »nicht nur im Interesse des Baues, sondern
-auch _vornämlich zur Wahrung der obrigkeitlichen Autorität_ dringend
-wünschenswert erscheint, die Entscheidung herbeizuführen.«
-
-Nicht mehr der unbeschädigte Wert des Baues, sondern die unbeschädigte
-Autorität von nicht sachverständigen Laien wurde als Banner im Kampfe
-aufgepflanzt.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Das Freiberger Rathaus mit dem alten hohen
-Ziegeldach vor 1857.= (Skizze nach Heuchler)]
-
-Dieser Bericht ist acht enggeschriebene Seiten lang und ist ein Zeugnis
-für die Bewegung, welche das Vorgehen Heuchlers im Ratskollegium
-bewirkt hatte. Die Schäden des Rathauses werden natürlich gewaltig
-übertrieben. Dann aber strotzt der Bericht von persönlichen Angriffen
-auf Heuchler, die jede Sachlichkeit vermissen lassen. Sein Vorgehen
-wird hämisch, ungehörig, gehässig genannt. Es wird angezweifelt,
-daß er »wirklich von lauteren Triebfedern beseelt und von wahrhaftem
-Eifer für die Sache und von aufrichtigem Sinne für das Gemeinwohl
-erfüllt wäre.« Es wird ihm vorgeworfen, daß er nicht vorher sich an
-den Stadtrat gewendet habe. »Wir müssen hiernach annehmen, daß er sich
-absichtlich der Wahrheit verschloß, um so desto sicherer mit seinen
-hinterrücklingen Plänen und ungescheuter zur Unzeit hervortreten zu
-können.« Seine Eingabe sei nur »das Produkt gekränkten Ehrgeizes oder
-sonstiger damit verwandter Seelenaffektion.«
-
-Heuchler sei eine »Persönlichkeit, die eine fremde Ansicht nicht
-anerkennt und sich über alle durch die Gesetze gebotenen Formen
-solche nicht anerkennend, erhebt.« Es wird ironisch »seiner Talenten
-im Baufache, namentlich im Zeichnen und Ornamentenfache bis zu einem
-gewissen Grade gern alle Anerkennung« gezollt, nachdem er vorher als
-geschäftlich unzuverlässig hingestellt ist. An der Zeichnung wird
-bemängelt, daß das alte Dach zu niedrig gezeichnet sei. Der alte
-First läge in der Höhe der oberen Linie ~c. d.~, der neue in Höhe der
-mittleren Linie. Zum Schluß wird baldige Entschließung erbeten, damit
-»das Ansehen der Behörde und Gemeindeorgane durch dergleichen unwürdige
-und unlautere Mittel nicht gelähmt und in den Augen des hiesigen
-Publikums, dem schon lange zuvor -- wahrscheinlich aus derselben
-unlauteren Quelle -- die Nachricht einer verhangenen Baususpension
-erzählt worden ist, geschmälert« werde.
-
-Dieses unsachliche Schreiben wurde nun in Dresden überreicht und
-mündlich erläutert. Die Entscheidung erfolgte sofort, _ohne_ daß ein
-Sachverständiger nach Freiberg geschickt und _ohne_ daß Heuchler
-auch nur noch einmal gehört worden wäre und zu den Anwürfen sich
-hätte äußern können, denn, wie es in dem Bescheide vom 27. Juni 1857
-heißt, es sei dem Stadtrat nicht entgegenzutreten gewesen, »als
-ohnehin das Rathaus zu Freiberg keineswegs in einem solchen reinen
-Baustile ausgeführt ist, daß auf seine unveränderte Erhaltung vom
-architektonischen Gesichtspunkte aus ein ... überwiegendes Gewicht
-gelegt werden könnte.«
-
-Man erkennt auch hier wieder die einseitige Beschränktheit der
-Anschauung von der »Stilreinheit«, welche für so zahlreiche
-Baudenkmäler und alte Kunst des Vaterlandes verderblich gewesen
-ist, unersetzliche Kunstgüter vernichtet hat, die völlige
-Verständnislosigkeit für die Stimmungswerte und die Heimatwerte, welche
-im Gewachsenen und Gewordenen, aber nie im Gemachten und Gekünstelten
-liegen. Die langweilige Schablone, das geistlose Schema wird über den
-wertvollen eigenwilligen Charakter gesetzt.
-
-Die Zeichnungen des Stadtbaumeisters Weber waren dem Landbaumeister
-Hänel vorgelegt worden und hatten eine Reihe von Korrekturen
-der Architekturformen erhalten, durch welche Hänel eine feinere
-und reichere Gliederung des Daches und des Giebels bezweckte.
-Alle diese Veränderungen bis auf den Aufbau von vier stehenden
-Renaissance-Dachfenstern auf jeder Dachseite von Hänels Hand wurden
-jedoch von der Baudeputation am 30. Juni abgelehnt und dem Vorschlage
-Webers beigetreten, das Dach noch um dreieinhalb Ellen zu erhöhen. Es
-wirkt wie ein trauriges Possenspiel, daß Weber wenige Tage zuvor in
-Dresden gegen Heuchler mit vergifteten Waffen kämpft und siegt, und
-dann selbst aus Heuchlerischen Gedankengängen heraus eine derartige
-Steigerung der Dachhöhe nachträglich vorschlägt. Es sind nun schon
-fünfeinhalb Ellen, um welche das Dach höher wird gegenüber seinem
-ersten Vorschlage mit dreißig Grad Dachneigung! Auch dieser Vorschlag
-wurde genehmigt.
-
-Heuchler wurde kurz vom Rate beschieden und der Bau wurde fortgesetzt.
-
-Wenige Tage vergingen, da geschah etwas Furchtbares!
-
-Der Polizeidiener Hopperdiezel hatte mit dem Herrn Professor
-ein altes Hühnchen zu rupfen, denn der Herr Professor war ihm
-nach einer polizeilichen pflichtschuldigen Anzeige wegen einer
-»Polizeiwidrigkeit«, die dem Herrn Professor einen »noch sehr
-glimpflichen Verweis« eingetragen hatte, »hinterher mit ungeziemenden
-Redensarten auf offener Straße begegnet.«
-
-Dieser diensteifrige Hüter der Ordnung fand am 4. Juli »zufällig« bei
-dem Lohnschreiber Wohlgemuth in der Stadt ein von der Hand Professor
-Heuchlers herrührendes Konzept einer Eingabe an das Königl. Ministerium
-des Innern in betreff des Rathausbaues, die Wohlgemuth unter
-ausdrücklicher Verpflichtung der Geheimhaltung zur Reinschrift erhalten
-hatte.
-
-Der gesinnungstüchtige Scherge des Rechts hatte dies
-herausgeschnüffelt, nahm widerrechtlich sofort das Schriftstück an
-sich und eilte mit dem Schritte des Retters und Rächers auf das
-Kapitol zum gestrengen Herrn Bürgermeister mit der Meldung, daß
-dieses Schriftwerk heimlich vom Klempnermeister Holzhausen unter den
-Bürgern zur Unterschrift in Umlauf gesetzt werden solle. Es habe ihn,
-Hopperdiezel, sogar der Holzhausen im Vertrauen gefragt, ob er ihm
-nicht einen verschwiegenen Mann zur Unterschriftensammlung nennen
-könne, der weder den Urheber der Eingabe noch den, der sie in Bewegung
-setze, verraten würde. -- Holzhausen wurde sofort vor das gestrenge
-Stadtoberhaupt herbeigeholt und scharf verhört. Er gab zu, daß er in
-Heuchlers Auftrage die Abschrift veranlaßt habe, um ihm einen Gefallen
-zu tun. Hopperdiezel habe er gefragt, weil dieser einmal als Soldat bei
-ihm in Quartier gelegen habe und sein Gevatter sei. »Ihm sei die ganze
-Sache fatal, er sei immer mit jedermann guter Freund und so sei er auch
-zu diesem ihm nur ärgerlichen Auftrage gekommen.«
-
-Der gestrenge Herr Bürgermeister verwarnte ihn, geriet in den
-sachgemäßen Zorn und scheute sich nicht, sofort von dem durch
-Vertrauensbruch erlangten Schreiben eine Abschrift nehmen zu lassen,
-ehe er sie dem Lohnschreiber wieder zustellte.
-
-Es ist bezeichnend bei allen diesen Vorgängen, daß niemals mit Heuchler
-persönlich oder mündlich verhandelt worden ist. War es Autoritätsdünkel
-oder Furcht vor der sachlichen oder persönlichen Überlegenheit?
-
-Und was war der Inhalt der Eingabe?
-
-Eine Bitte an das Ministerium des Innern, einen höheren
-Bausachverständigen zur Nachprüfung an Ort und Stelle zu entsenden mit
-einer völlig sachlichen Begründung und Angabe des Tatbestandes. Es
-werden acht Fragen zur Beantwortung vorgelegt: 1. Ist das Dachgebälk
-wirklich in so gefahrdrohendem Zustand? 2. Ist die Feuersgefahr
-im steilen Dach höher als im flachen? 3. Ist ein Ziegeldach
-feuergefährlicher als ein Schieferdach? 4. Ist die Unterhaltung
-eines Ziegeldaches teurer als die eines Schieferdaches? 5. Ist mit
-Rücksicht auf die Umgebung und die Größe des Hauses die Höhe eines
-Daches gleichgültig? 6. Sind Fenster und Hauptgesimsformen so wenig
-zu beachten, daß man beim Dach und Giebel ganz nach Willkür verfahren
-kann? 7. Ist es dem jetzigen Stand der Baukunst angemessen zu den
-alten Fehlern im Baustil neue zu bringen und das Gebäude zu einer
-Musterkarte von Baustilen zu machen? 8. Ist es endlich im bezug auf
-den dominierenden spätgotischen Baustil des Gebäudes zulässig auf
-dasselbe bei einer Tiefe von achtundzwanzig Ellen mit einer senkrechten
-Dachhöhe von zehn Ellen einen Giebel im Renaissancestile aufzuführen,
-da nirgends ein Beispiel dieser Mißgestalt angezogen werden kann?
-
-[Illustration: Abb. 2
-
-=Rathaus zu Freiberg mit flachem Schieferdach 1857--1920=]
-
-Man sieht aus diesen scharf zugespitzten Fragen, wie weit Heuchler
-seinen Zeitgenossen in Freiberg voraus war, indem er in der Harmonie
-der Gesamterscheinung unabhängig von den Einzelformen, und in der
-Harmonie mit der Umgebung die künstlerische Lösung suchte und sah. Das
-ganze alte Freiberg hatte hohe _steile Ziegel_dächer. Da mußte auf ihn
-das neue _flache Schiefer_dach ausgerechnet auf dem Hauptgebäude der
-Stadt, dem Rathause, wie ein Faustschlag wirken, gegen den er sich in
-starkem Idealismus des Heimatschutzes wehrte (Abb. 2).
-
-Er wurde jedoch nicht verstanden, sondern noch persönlich verunglimpft
-und blieb ohne Erfolg.
-
-Der Bürgermeister setzte sich sofort noch an demselben 4. Juli hin
-und entwarf einen Bericht über den Vorgang an die Kreisdirektion, um
-der Eingabe zuvorzukommen, der von persönlichen Angriffen strotzt.
-Heuchler wird »niedriger Machinationen« bezichtigt. Er »wühle« und
-»wiegele die Bürger auf«, scheue dazu keine Mittel, zeige sich gehässig
-usw. Seine Handlungsweise sei nur von »Persönlichkeit gegen den neuen
-Stadtbaumeister« geleitet und dergleichen vergiftete Pfeile werden
-gespitzt.
-
-Dieser Bericht wurde jedoch auf Beschluß des Ratskollegiums nicht
-abgeschickt, sondern zunächst das weitere abgewartet.
-
-Gleichzeitig mit diesen Vorgängen hatte Heuchler auch einen Aufsatz im
-»Freiberger Anzeiger« erscheinen lassen, in dem er in völlig sachlicher
-Form auf die Geschichte des Rathauses eingeht und die allmähliche
-Entwicklung durch die verschiedenen Stilperioden zu seiner jetzigen
-Gestalt kurz erläutert. »Knüpfen sich also so wichtige historische
-Erinnerungen der Stadt und des Landes an dieses Gebäude, so trägt sich
-auch die Achtung und Liebe zu demselben auf seine äußere Gestalt über
-und aus Pietät für dasselbe ändert man nicht ohne Not seine uns lieb
-gewordene äußere Erscheinung, mag sie nun schön sein oder nicht!«
-
-Sind das nicht Worte echter Heimatschutzgesinnung und eines
-Verständnisses für den eigentlichen Sinn und Wert eines Denkmals, das
-seiner Zeit weit vorauseilt? Er bestreitet weiter diese dringende Not,
-spricht für die Erhaltung des hohen Daches und Giebels und sagt zum
-Schluß:
-
-»Es besteht daher die Aufgabe des beigezogenen Baumeisters nur
-darin, »das Rathaus würdig zu restaurieren«, aber nicht den ohnedies
-schon am unrechten Orte angebrachten verschiedenen Baustilen noch
-neue beizufügen, wozu ein flaches Dach mit einem Rokokogiebel und
-dergleichen mehr gehören und die Physiognomie des Gebäudes so
-verändert, daß kein Freiberger sein altes Rathaus wiedererkennen wird.«
-
-Auf diese sachlichen Ausführungen erfolgte in der Zeitung eine
-Erwiderung der Gegenseite voll von persönlichen Anzüglichkeiten:
-»Traue doch der Herr Gegner, der den Umbau ausführenden Persönlichkeit
-auch Geschmacks- und Schönheitssinn zu! Oder will derselbe Herr diese
-Eigenschaft nur für sich allein in Anspruch nehmen? Das wäre doch
-mindestens lächerlich, um nicht zu sagen: arrogant!« Er würde kein
-Wort gegen den beabsichtigten Umbau gefunden haben, »wenn nämlich
-derselbe in _seine_ Hand gelegt worden wäre! Wer also zwischen den
-Zeilen zu lesen versteht, wird sofort ohne Mühe herausgefunden haben:
-Es gibt nur _Einen_ in Freibergs Mauern, der dieses alte Gebäude und
-in einem würdigen Stile umzuwandeln versteht, aber Freiberg ist leider
-entsetzlich _blind_, diesen _Einen_ zu finden! Will sich denn der Herr
-Gegner als das _Orakel_ der Baukunst für Freiberg betrachtet wissen?«
-Weiter wird dann noch von seinen »Machinationen« gesprochen. -- Man
-vergesse nicht, daß Heuchler nur die persönliche Besichtigung und
-Begutachtung durch höhere Autoritäten verlangt hatte! Nichts weiter!
-Darauf diese Verdächtigungen und Entstellungen! --
-
-Heuchler erwidert auf diesen Erguß nur kurz, treffend und vornehm:
-»... Daß man nunmehro diesem Dache fünf Ellen mehr Höhe geben will,
-als es nach dem ersten Bauplan projektiert gewesen sein soll -- Beweis
-genug -- daß dem Plane keine bestimmten architektonischen Regeln zu
-Grunde liegen konnten.«
-
-Später scheint Heuchler in der Zeitung noch eine längere Betrachtung
-mit technischen Bemängelungen des neuen Dachstuhles und im allgemeinen
-des »Kommunbauwesens« gegeben zu haben, die jedoch nicht in den Akten
-vorhanden ist. Nur die Erwiderung des Stadtbaumeisters liegt vor,
-welche in sachlicher Form und längeren technischen Ausführungen seinen
-Standpunkt und seine Arbeiten vertritt.
-
-[Illustration: Abb. 3
-
-=Rathaus von Freiberg seit 1920=
-
-(Umbau von Stadtbaurat Rieß)]
-
-Damit nimmt dieser Sturm im Städtchen, der Rathausdach und Giebel
-hinwegfegte, ein aktenmäßig Ende. Heuchler sah wohl die Erfolglosigkeit
-seiner Bemühungen, da wohl inzwischen das hohe alte Dach abgebrochen
-war, ein und war der Verunglimpfungen müde geworden. -- Was in den
-Akten steht, ist ja sozusagen nur die Inhaltsangabe eines Buches aus
-dem Leben der Stadt, in dem viele ungeschriebene Seiten voll sind von
-menschlichen Leidenschaften und Schwächen. Was mag bei dem dichten
-Beieinanderwohnen und den engen Verhältnissen, wo es noch keine
-Bahnverbindung gab, wo Reibungsflächen zahlreich waren, dieser Funke
-umhergefressen haben, bis er aufloderte. Was mögen für Kränkungen
-und Verhetzungen, für Entstellungen und »Machinationen« im Gange
-gewesen sein, die dem wackeren alten Vorkämpfer des Heimatschutzes vor
-sechzig Jahren das Leben verbitterten. Er wurde spöttisch »Orakel«
-genannt. Nun, der Spott wurde Wahrheit, denn seine Weissagung über
-das Urteil der Nachwelt hat sich erfüllt. _Seine_ Anschauung hat
-sich durchgerungen. Die Anschauungen seiner Gegner sind als falsch
-und verderblich, als Schaden für unseren vaterländischen Kunstbesitz
-erkannt worden, der nie wieder gut zu machen ist.
-
-Als im Jahre 1919 zur Schaffung von neuen Diensträumen das Dach
-ausgebaut und umgebaut werden mußte, wurde als erste Lösung die
-Wiederherstellung des alten hohen Daches vom Verfasser in Aussicht
-genommen und auch später vom Landesamt für Denkmalpflege durch
-Geheimrat Gurlitt empfohlen. Leider scheiterte dies an der Kostenfrage
-und an der Schwierigkeit für die Diensträume und Sitzungssäle genügend
-Licht und Fenster zu schaffen.
-
-Das alte hohe geschlossene, steile Dach mit seiner ruhigen, feierlichen
-Wirkung hätte doch nicht wieder geschaffen werden können, sondern
-wäre durch Fensterreihen zerrissen worden. Es wäre auch nicht bei ihm
-möglich gewesen, der Art und Bedeutung der eingebauten Diensträume und
-Sitzungszimmer nach außen Ausdruck zu geben, ohne wesentliche Änderung
-des ganzen Bildes.
-
-Neue Aufgaben verlangen neue Lösungen. Diese neue Lösung mit dem Alten
-zu verschmelzen zu einer Harmonie nicht altertümelnd, sondern aus
-der Aufgabe heraus entwickelnd, das ist das Ziel der neuzeitlichen
-Denkmalpflege und des Heimatschutzes.
-
-Bei dem Neubau ist versucht worden in diesem Sinne aus dem Geiste des
-Alten heraus unter sorgfältiger Schonung des altehrwürdigen Baues
-und Betonung besonderer Eigenarten und Schönheiten diesem Ziele
-nahezukommen, die »Sünden der Väter« wieder gut zu machen und dem
-Rathaus seine frühere städtebauliche und künstlerische Bedeutung im
-Marktbilde wiederzugeben (vgl. Abb. 3).
-
-Wenn Heuchlers Geist zu mitternächtiger Stunde aus seinem Grabe auf
-dem Donatsfriedhofe sich erhebt und durch die alten vertrauten Gassen
-schreitet, dann wird er zwar mit Schmerz empfinden, daß der Bergbau,
-den sein Zeichenstift in vielen köstlichen Blättern so liebevoll in
-seiner Glanzzeit geschildert, zur Rüste gegangen und die letzte Schicht
-verfahren ist. Aber dann wird sein Auge leuchten, denn eine neue Zeit
-ist heraufgestiegen, in welcher seine Gedanken Gestalt gewannen und
-das, wofür er kämpfte und lebte, sicherer Besitz werden soll, nämlich
-durch Heimatschutz zur Heimatliebe zu dringen, zur Ehrfurcht vor
-dem, was die Väter schufen, zur Wahrung und Neubelebung aller echten
-Heimatwerte, daß sie dem Heimatvolke wahrhaft inneres Glück und Gut
-werden mögen.
-
-
-
-
-Drei Wandertage im Erzgebirge
-
-Von _Gerhard Platz_, Weißer Hirsch
-
-
-Der Preßnitzer Paß -- welche Wolke von Brandgeruch und Blutdunst haftet
-für jeden an diesem Begriff, der die Geschichte unsres Erzgebirges
-zur Zeit der dreißig Kriegsjahre kennt! Heraus und herein zogen hier
-die Mordbanden durch’s unglückselige Meißner Land -- zuerst die
-Kaiserlichen, nach dem Prager Frieden die Schweden; und alle taten ihr
-Bestes, daß dem Bauern und Bergmann möglichst nichts blieb von dem, was
-er mit seinen schwieligen Fäusten erworben. -- Heut’ merke ich nichts
-von dieser grausigen Vergangenheit, wie ich von Wolkenstein aus in der
-Kleinbahn an der Preßnitz entlang fahre. Lachend liegen die herrlichen
-Wiesen zu beiden Seiten der Linie; wie Silber blinken die Wellen des
-Flüßchens. -- Nichts tröstlicheres gibt es, als den Juni im Bergland.
-Alles verklärt er -- die düstern Wälder schmückt er mit hellgrünem
-Jungwuchs, die Felder und Fluren mit einer Pracht ohnegleichen. Der
-Schwarzdorn ist eben erblüht, die Fliedersträucher im Giebelgärtchen
-hängen dicht voller Dufttrauben. Einen zweiten Frühling im gleichen
-Jahr kann der Tieflandbewohner feiern, der sich jetzt aufmacht --
-hinauf auf die Berge.
-
-Da ist nun die Haltestelle Schmalzgrube. Der Rucksack fliegt auf den
-Rücken; voller Wanderlust spring’ ich hinab auf den Bahnsteig. Nur ein
-paar Minuten flußauf habe ich hier zu gehen, und dann wird vor mir auf
-grüner Matte die mächtige Anlage des alten, außer Betrieb gesetzten
-Hammerwerkes liegen, der zuliebe ich den Umweg hierher gemacht habe.
-Denn mit einem tiefen, vollen Akkord aus guter, ja aus wirklich guter
-alter Zeit soll mich mein Erzgebirge heute begrüßen! Wohl -- die Matte
-ist da. Schöner als je ist sie heute geziert, aber der Hammer -- --!
-Du lieber Gott, was hat die Zeit sich da wieder einmal geleistet. Von
-der ganzen großartigen Siedlung, die vor fünfzehn Jahren noch in ihrer
-wuchtigen Geschlossenheit -- wenn auch schon damals mit geborstenen
-Mauern -- einen so prachtvollen Anblick gewährte, sind jetzt im
-ganzen noch drei Gebäude erhalten. Ein Arbeiterhaus, ein Schuppen
-und das Herrenhaus sind übriggeblieben; alles andere abgebrochen und
-weggekarrt. Freilich, auch diese geringen Reste noch lassen die Pracht
-der ursprünglichen Anlage ahnen. Es ist ein wirklicher Genuß, jene
-Spuren alten heimischen Bauenkönnens zu betrachten. Daß wenigstens das
-Herrenhaus noch unter dem Geretteten sich befindet, ist ein Glück. Mehr
-noch, der Besitzer hat sich entschlossen, es wieder in Verwendung zu
-nehmen; es neu vorzurichten und auszubauen. So wird uns der schöne Bau
-erhalten bleiben mit seinem Mansardendach und dem entzückenden Türmchen
-darüber, mit seinem breiten Türsturz, darauf die zwei steinernen Löwen
-schmunzelnd das grüne Bäumchen betrachten, das vorwitzig zwischen
-ihren gewaltigen Tatzen emporsprießt. Wir werden uns weiter erfreuen
-können an dem prächtigen Schindelwerke der drei Dächer, die mir damit
-bekleidet hier oben sicher köstlicher dünken, als die smaragdenen
-Kupferdächer von Pillnitz. Ein böses Sandkorn zwischen den Zähnen
-bedeutet für den Heimatfreund ja freilich das neue Wohnhaus, das
-allzunahe an die alte Handwerkspracht herangerückt ist. Aber wir sind
-ja bescheiden geworden, wir Freunde des Alten in unsern Tagen! Ich
-wähle eben meinen Standpunkt so, daß ich nur die drei alten Häuser ins
-Auge bekomme und sieh da -- ein wenig Freude kommt doch noch über mich.
-
-Und auch du bist geblieben, du starker trotziger Bergwald, der du jetzt
-neben mir hergehst und mir gut zusprichst mit deinem Wipfelrauschen.
--- Hei, rennt das Jöhstadter Schwarzwasser durch den Wiesengrund dort
-hinab. Nimm dir doch Zeit, törichtes Mägdlein; so wohl wie daheim
-wird dir’s nicht wieder, so lange du lebst! Wüßtest du’s hier schon,
-wie’s draußen aussieht in der Welt, du machtest’s wie ich und stiegst
-ihn wieder hinauf, deinen Berg. -- Wie schön ist die geheimnisvolle
-Ebereschenallee, die dichtbelaubt nun hinanführt, bis ich in Jöhstadt
-stehe, der Stadt, da der Besucher vom Bahnhof bis zum Rathaus etwa
-hundertundvierzig Meter Steigung zu überwinden hat.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Schmalzgrube, Hammerwerk, Arbeitshaus=
-
-Hofphotograph Meiche, Annaberg]
-
-Trotz aller Nüchternheit des Wiederaufbaues nach großen Feuersbrünsten,
-die fast alle unsre Bergstädte unglücklicherweise gerade in den
-sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts befielen,
-atmet dies Städtlein doch ganz den Zauber unsrer erzgebirgischen
-Heimat. Was bewirkt ihn doch eigentlich, diesen Reiz? -- Ich glaube
-fast, es ist der Duft, der durch die stillen Gassen zieht, dieser
-Hauch von Waldluft, Holzfeuer und Kuhstall! Vereint mit dem Bilde der
-grünen Schöpfung, die von allen Seiten hereinschaut, läßt einem dies
-Heimatweben alle Not der öden Bauweise vergessen. -- Welche Summe
-von Fuhrmannsnot mag mit der steilen Hauptstraße verbunden sein. Denn
-in früheren Zeiten knarrten auch durch Jöhstadt die schweren Erzwagen
--- die Gemeinde genoß seit 1655 die Rechte einer freien Bergstadt.
-Vorher soll ein Dorf an ihrer Stelle gestanden haben, Gießdorf, das
-von den Hussiten wüste gelegt ward. Der Name Jöhstadt geht auf den
-heiligen Nährvater Joseph zurück, der hier verehrt ward und von dem
-Reliquien vorhanden gewesen sein sollen, »unbekannt ob seine Hosen oder
-sein Zimmerhäckel«, wie einer in der Reformationszeit despektierlich
-schreibt.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Schwarzwassertal=
-
-Phot. Landgraf, Zwickau]
-
-Lange hielt der Bergbau hier nicht vor. Annaberg hätte nicht so
-heftig gegen die Verleihung der Stadtgerechtigkeit zu protestieren
-gebraucht -- im Jahre 1817 gab es überhaupt nur noch zwei Bergleute
-hier. Daß Jöhstadt trotzdem so eifrig an seiner Würde als freie
-Bergstadt festhielt und sogar noch in unsern Tagen mit einem gewissen
-Stolz einen bescheidenen bergmännischen Prunk veranstaltet (siehe
-das köstliche Kapitel »Jöhstadter Bergparade« in Oskar Seyfferts
-»Dorf und Stadt«), hat wohl seinen Grund in den Vorteilen des freien
-Handelns und Hausierens gehabt, die den Bürgern einer Bergstadt
-zustanden. Denn noch weit ins neunzehnte Jahrhundert hinein betrieben
-die Jöhstadter einen schwunghaften Handel mit Arzneimitteln aus den
-Kräutern des Gebirges. Als sogenannte Laboranten brauten sie Heiltränke
-ungeheuerlicher Art und Menge, die sie dann weit ins Reich, ja bis
-nach Schweden und die Türkei hineintrugen. Noch 1843 ging der fünfte
-Teil der Einwohnerschaft als »Landraasende« auf den Handel. Dann aber
-mischte sich die Medizinalbehörde hemmend in das Geschäft; die Neuzeit
-mochte die Kurpfuscherei nicht mehr dulden. Politisch verbittert ward
-die Bürgerschaft dadurch jedoch nicht. Als 1858 König Johann durch
-Jöhstadt reiste, da war die Stadt »glänzend« illuminiert und über eines
-Fleischhauers Hause prangte der kraftvolle transparente Spruch:
-
- »Wer nicht lieb hat seinen Fürst
- Den hack’ ich in die Leberwürst!«
-
-Zur Beruhigung des Lesers schaltet der Festberichterstatter hier ein:
-»Er hat indes nur gedroht. Niemals würde er es wahr gemacht haben.«
-
-[Illustration: Abb. 3 =Jöhstadt=
-
-Phot. Landgraf, Zwickau]
-
-Daß Jöhstadt auch sein berühmtes Stadtkind hat, besagt die Tafel
-am Gotteshaus. Im Jahre 1723 ward hier als Sohn des Stadtpfarrers
-der berühmte Theologe Johann Andreas Cramer geboren. Schon als
-Studiosus war er Mitarbeiter der »Bremischen Beiträge«, der Gründung
-des Literaten Karl Christian Gärtner aus Freiberg, der es verstand,
-Rabener, Gellert und Klopstock für seine Kampfschöpfung gegen
-Gottscheds Oberherrschaft zu gewinnen. Auf Klopstocks Verwendung wurde
-Cramer später als deutscher Hofprediger nach Kopenhagen berufen. Vom
-König bis zum Arbeitsmann ward er dort allgemein geliebt. Den »durchaus
-Guten« soll man ihn in Kopenhagen schlechthin genannt haben. Nach
-König Friedrich V. Tode aber verstand es der allmächtige Minister
-Struensee, den ihm verhaßten Sittenprediger zu stürzen. Einige
-geistliche Lieder aus dessen zahlreichen Dichtungen finden sich noch
-jetzt in unserm Landesgesangbuch. -- --
-
-[Illustration: Abb. 4 =Jöhstadt=
-
-Phot. Landgraf, Zwickau]
-
-Und nun hebt ein gar fröhliches Wandern an, der Nachmittagssonne
-entgegen. Aus einem Ozean von Wäldern grüßt noch einmal der Jöhstadter
-Kirchturm mit seinem hohen Kreuze hervor, dann kommen vor mir die
-Basaltkuppen des Obergebirges heraus, der Pöhlberg, der Bärenstein und
-der Scheibenberg; zur Linken Haßberg und Kupferhübel auf böhmischer
-Seite. Ein still verklärtes Wandern ist das im kristallenen Licht des
-Spätnachmittags! Nicht stürmisch und ausgreifend wie am Frühmorgen
--- geruhig, sicher, getröstet! Blauschimmernd hockt im Eschenbaum an
-der Straße die Rabenkrähe, der Charaktervogel der erzgebirgischen
-Landschaft. Dann kommt der Fichtelberg heraus und hallo -- da hat
-das deutsche Vaterland vorläufig ein Ende! Ein wenig plagt mich
-die Neugier, einmal nachzuschauen, wie es im Land des einstigen
-Bundesbruders jetzt hergeht. Bei Weipert tu ich den Schritt über die
-Grenze und entschuldige mich bei den hübschen zwei Mädels, die dort vor
-dem alterzgebirgischen Fachwerkhaus klöppeln, daß es silbern klingt
-wie Bergwassergekicher, wenn sie die Hölzchen herumwerfen, ich könne
-sie leider nicht in ihrer Landessprache begrüßen. »Ach was, wir sind
-Deutsche«, entgegnen sie lachend. Dann kehre ich auf den Pfad der
-Tugend, will sagen die sächsische Landstraße, zurück.
-
-Die nächste Stunde schon findet mich neunhundert Meter über dem Meere
-auf dem Bärenstein. Auf sonnedurchglühter Klippe halte ich Rast und
-lasse den Blick hinausschweifen über ein unendliches Wipfelmeer
-hinüber zum Fichtelberg. Eine Drossel singt ihr Abendlied auf dem
-Bergkiefernast zu meinen Füßen. In einen einzigen violetten Schimmer
-ist das ganze Waldland gehüllt; und als ich dann auf dem Wege nach
-Cranzahl durch grünes Buchengitter ins freie Feld trete, da sinkt
-der feurige Sonnenball eben hinter den Bergen hinab. Schon liegt
-Crottendorf im Spätabendschein zu meiner Linken. Stählern ist der
-Himmel geworden, die Sterne kommen herauf und im Korn schlägt die
-Wachtel. Die Blumen rundum haben die Köpfe geneigt und die grauen
-Falter gaukeln dahin. Eisig kalt kriecht der Wiesennebel auch an mir in
-die Höhe, und froh bin ich, wie mit dem Zehnuhrschlag der Kirchturm von
-Scheibenberg vor mir emporragt. --
-
-[Illustration: Abb. 5 =Der Bärenstein=
-
-Hofphotograph Meiche, Annaberg]
-
-Grün wippt’s vor den Fenstern des Gasthofs am Markt. Lindenbäume säumen
-den rasigen Platz; von draußen herein blicken Wiesen und Wälder. Da
-hält mich’s nicht lange im Zimmer; ich muß hinaus und meinen Rastort
-in Augenschein nehmen. Freudig überrascht finde ich manch schönes Haus
-aus dem achtzehnten Jahrhundert und aus den stillen Tagen, die wir die
-Biedermeierzeit nennen. Ein prächtiger Barockkirchturm wacht über
-der Stadt, und in der Kirche erfreut ein Altarwerk aus spätgotischer
-Zeit mit geschnitzter Grablegung den Beschauer. Scheibenberg war der
-Wirkungskreis des rühmlich bekannten Pfarrers Christian Lehmann, der
-uns in vielen Schriften, vor allem in dem Historischen Schauplatz
-der natürlichen Merkwürdigkeiten des Obererzgebirges und in seiner
-Erzgebirgischen Kriegschronik ein überaus wertvolles Material zur
-Heimatgeschichte hinterlassen hat. Wird er von der gestrengen
-Wissenschaft vielleicht auch nicht für voll genommen -- er hat vieles
-bereitwillig aufgezeichnet, was ihm auf weitem Umweg zugetragen ward
--- so haben seine Arbeiten doch einen lokal- und kulturgeschichtlich
-sicher beträchtlichen Wert. Nicht jede deutsche Landschaft wird so
-ausführlich wissen, was sich an grauenhaften Einzelheiten in den Tagen
-des Dreißigjährigen Krieges in ihrem Gebiet zugetragen hat, wie unser
-Erzgebirge. Das aber dankt die Heimat dem getreuen Magister, der
-einundfünfzig Jahre lang hier in Scheibenberg amtierte. Gräßliches hat
-er zu berichten, was menschliche Bosheit über diese Höhen, in diese
-Täler getragen hat; aber immer wieder sänftigt sich seine Seele im
-Lobpreis Gottes, der die Heimat so lieblich geschaffen. Vom Gipfel
-des Scheibenberges, hoch über den schwindelnden »Orgelpfeifen« des
-Basaltbruches, kann auch ich heute einstimmen in dieses Lob.
-
-[Illustration: Abb. 6 =Königswalde=
-
-Phot. Landgraf, Zwickau]
-
-In Gedanken noch ganz bei Christian Lehmann und seinem Werke ziehe
-ich nun den Weg dahin, der in nicht endenwollender Folge unter den
-Hufen der Reiterpferde, den Rädern der plumpen Stücke und den Karren
-der Troßknechte geschüttert hat, jahraus, jahrein -- die Straße durch
-Raschau und Pöhla nach Rittersgrün! Wer über Wiesenthal ins Land Böheim
-wollte, der mußte hier durch. Auch die Reisenden in die Heilbäder
-dieses Landes sind oft hier des Weges gezogen. Gerüttelt und gerädert,
-sicher nicht in der besten Stimmung, mögen sie oben angekommen sein.
-Der Anblick von Oberwiesenthal hat ihre Lebensgeister dann wohl auch
-nicht gehoben. Von den Leuten des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von
-Brandenburg wird erzählt, sie hätten bei solcher Gelegenheit zu den
-Wiesenthalern gesagt: »Was zum Teufel wollt ihr Leute in dem wilden,
-kalten Ort? Steckt das Lumpennest mit Feuer an und kommt in unsers
-Herren Lande!« --
-
-[Illustration: Abb. 7 =Aus dem Pöhlatale=
-
-Hofphotograph Meiche, Annaberg]
-
-Froh bin ich schon, wie ich in Rittersgrün die glühende Talstraße
-verlassen darf und nun den Höhenweg hinanklimme, der mich durch
-schönen Waldbestand, in dem die Edeltanne häufig auftritt, hinüber
-nach Breitenbrunn führt. Im kleinen Dorfkirchlein dort darf ich ein
-wenig rasten und dem Ticken des Pendelwerks lauschen, das wie ein
-großer Herzschlag durch die Stille rauscht. Hinter dem Altar lehnen
-Klingelbeutel und Lichtlöschhütchen, auf der Platte stehen zwei
-weibliche Figuren mit gotischen Hüftverrenkungen. An dieser Stätte
-fand einst ein stürmisches Leben Ruhe und Frieden. Der Pfarrer Wolff
-Ulle aus Elterlein, der in jungen Jahren als Pfarrherr von Clausnitz
-den dortigen Dorfrichter erschlug im aufwallenden Zorn, konnte in
-Breitenbrunn nach langer Bußzeit im Elend und nach treuer Bewährung
-als Pestprediger zu Annaberg noch fast ein Menschenalter in der Stille
-amtieren, bis ihn am Altar der Tod ereilte.
-
-Weiter geht es durch Wälderblau und Loheduft, bis hoch auf dem Berg mir
-der Kirchturm von Johanngeorgenstadt winkt, hinaufzukommen und Einkehr
-zu halten in einer Stadt, die durch ihre Entstehungsgeschichte zu den
-beachtenswertesten im Lande gehört. Mühselig wandre ich die endlose
-Berglehne hinan, durch nüchterne Gassen aus den letzten Jahrzehnten, in
-die vom nahen Böhmen herüber der Plattenberg grüßt.
-
-[Illustration: Abb. 8 =Scheibenberg=
-
-Hofphotograph Meiche, Annaberg]
-
-Ja, von dorther sind sie gekommen, die Gründer von Johanngeorgenstadt.
-Immer waren die Plattener Bürger und Bergleute dem lutherischen Glauben
-treu zugetan. Schon der alte Matthesius hielt große Stücke auf sie.
-Aber in den Landen des Kaisers sah man scheel nach ihnen. Schon nach
-der Schlacht am Weißen Berge ward ihr Pfarrer gezwungen, ins Exil zu
-gehen, und auch der Osnabrücker Frieden brachte nicht die erhoffte
-Glaubensfreiheit. Ein katholischer Priester ward nach Platten gesetzt;
-was blieb den Bedrängten übrig, als Hilfe auf sächsischer Seite zu
-suchen? Zur Nachtzeit kamen sie dort in der Jugler Glashütte zusammen,
-und der Eibenstocker Pfarrer versah sie mit dem heiligen Mahl. -- Immer
-erbitterter ward man in der kaiserlichen Regierung auf die Ketzer. Im
-Oktober 1653 endlich erschien ein Patent, daß sie »als Meineidige,
-Treulose, Ehr- und Pflichtvergessene um ihres kontinuierlichen
-Ungehorsames willen aus Kayserlicher Majestät Enden bannisiert seien«.
-Da galt es denn, der lieben Heimat Valet ansagen. Seit einiger Zeit
-schon hatte sich der Blick der Bedrängten auf den Fastenberg über der
-Grenze geheftet. Eine wilde und rauhe Waldhöhe, auf der aber schon zwei
-alte Berghäuslein im Gang waren, und wo man wohl auf weiteren Bergsegen
-hoffen durfte. »Das mag mir ein rechter Fastenberg sein,« soll einst
-eine sächsische Kurfürstin ausgerufen haben, als bei einem Jagen hier
-oben der Küchenwagen nicht nachkommen konnte. Das Hungerland nannten
-die Papisten hinter dem Grenzwasser spottend die Gegend und selbst der
-erste Lehrer der Exulanten schreibt: »Der Berg war nichts als dicker
-Wald, da die Bären brummeten, die Hirsche brüllten, die Wölfe heuleten
-und die Füchse belleten.« -- Bei Nacht und Nebel brach man auf, immer
-in Sorge, daß kaiserliche Häscher einem auch noch die spärlichen
-Habseligkeiten abnehmen möchten. »Da war traun das Lachen theuer«
-schreibt der Lehrer, »ein rauschend Blatt erschreckte Euch des Nachts,
-immer gewärtig, die Ketten rasseln zu hören.« -- Unverzüglich ging
-eine Petition an Johann Georg I. ab, er möge den Plattnern erlauben,
-auf dem Fastenberg eine Stadt zu gründen mit den Rechten einer freien
-Bergstadt. »So haben wir Berg- und Handwerksleute von der Platten,
-welche die papistische Religion nicht annehmen können, vollends unsre
-armen Hüttlein verlassen und in das liebe Exilium uns begeben müssen«
-heißt es gar wehmütig in der Bittschrift. Um ein Stück Land für Haus
-und Hof gegen mäßigen Erbzins für jeden Ansiedler, vor allem aber um
-Errichtung einer Kirche, Schule und Pfarre ward darin nachgesucht.
-»Dieweil unsre armen Seelen, so lange in Mangel gestanden, hertzlich
-darnach seuffzen.« Am 23. Februar 1654 war die Antwort des Landesherrn
-aus Schloß Annaburg da: Alles wurde bewilligt; »das Städtlein aber soll
-Johann Georgens Stadt hinfür genannt werden.«
-
-So brach denn der erste Sonnenstrahl durch das graue Sorgengewölk. Nun
-ging doch in Erfüllung, was ihnen der treue Lehrer so oft vorgesprochen:
-
- »Ach lieben Christen habt Geduld
- Ob’s euch schon hoch thut schmerzen
- daß ihr ohn’ alle eure Schuld
- Alles habt müss’n verschertzen.«
-
-Nun brauchten sie nicht mehr zu klagen:
-
- »O Du hoch gekrönter Kayser,
- Warum müssen wir davon?
- Und verlassen unsre Häuser --
- Macht’s nicht die Religion?
- Laß doch die Gewissen frey
- O Herr Jesu steh uns bey!
- Könnt Ihr doch die Jüden leiden
- Die doch Christum ehren nicht
- Warum wollt Ihr uns abscheiden
- Die doch folgen diesem Licht?«
-
-Jetzt klang es ganz fröhlich und getrost:
-
- »Auf der Platten, da wir wohnten
- Plagten sie uns Tag und Nacht,
- Bis wir zogen, da wir konnten
- Bau’n Johann-Georgens-Stadt.
- Nächst soll seyn das Haus zu Sachsen
- Unser treuer Aufenthalt.
- Gott hilf, daß wir drinnen wachsen,
- Wie sich breitet aus ein Wald!«
-
-Am ersten Mai 1654, als der Schnee geschmolzen war, begann der
-Bau. Der Schulmeister zu Schwarzenberg entwarf den Grundriß und
-bezeichnete eines jeden Heimstätte. Mit Macht ging man ans Reuten des
-Waldes. Eintausendsechshundertundneunzig Stämme allein mußten auf
-dem Marktplatz beseitigt werden. Am zehnten Mai schon war die erste
-Türschwelle gelegt. Spottend schaute man auf böhmischer Seite zu. Wo
-wollten die Leute dauernd gutes Wasser herbekommen hier oben? Sieh, und
-da sprang schon stark und hell ein Felsenbrunn, der bei einem Kellerbau
-angestoßen war, und auch Lehm fand sich reichlich vor. Freilich,
-wohnlich mögen diese ersten Häuser nicht gewesen sein. Viele von ihnen
-hatten keine Fenster, nur Lichtlöcher, und dazu standen allerorts
-noch die abgehauenen Stämme vor den Türen, bis endlich 1662 der Rat
-ernstlich auf ihre Beseitigung drang als eine Deformität für den Markt.
-
-Noch einmal zeigte sich der Neid der böhmischen Nachbarn. Die neue
-Kirche der Exulanten war fertig geworden, da erging Anzeige nach Prag,
-sie stünde auf böhmischem Boden. Von beiden Regierungen ward alsbald
-eine Kommission zur Untersuchung des Falles gebildet. Nach längerem
-Suchen fand man die alten Grenzsteine, und es ergab sich einwandfrei,
-daß die Kirche auf kursächsischem Gebiete stand. Aus Ärger über diese
-Blamage soll der Prager Abgeordnete einem der Denunzianten ~coram
-publico~ eine gewichtige Ohrfeige gegeben haben.
-
-Sachsen merkte es bald, welch tüchtigen Zuwachs es mit den neuen
-Bürgern bekommen hatte. Namentlich der erste Bergmeister von
-Johanngeorgenstadt stand beim Landesherrn in großer Gunst. Seiner
-Tüchtigkeit schrieb man das Erblühen des Bergbaues im neuen Revier zu,
-indes rings im Lande das Bergwerk gerade damals arg danieder lag. Der
-»Silber-Bergmeister« ward er genannt; sicher kein Schimpf für einen
-gerechten Bergmann.
-
-[Illustration: Abb. 9 =Orgelpfeifen am Scheibenberg=
-
-Phot. Landgraf, Zwickau]
-
-Zum Bergwerk gesellte sich bald in ausgiebigem Maße das Hammerwerk.
-Besonders in Wittigstal wuchs der alte Hammer zu hoher Bedeutung. Die
-»Hammerpursche« waren ein gar unbändig Volk, stark und dauerhaft.
-Bei der Arbeit hatten sie nichts an als ein Hemd und ein Schurzfell,
-und »weil sie immer am Feuer stehen, geht von ihrem Lohn viel aufs
-Getränke«.
-
-Die neu entstandene Stadt ward in der Folge als Sehenswürdigkeit viel
-besucht. Peter der Große kam hierher, später auch Goethe und Humboldt.
-Wie aus einem Brief Goethes hervorgeht, sah er sich hier fleißig »unter
-der Erde« um.
-
-All’ das zieht an meinem Geiste vorüber, wie ich im Rathaus am
-Fenster sitze und über den abfallenden Markt hinab schaue. Seit dem
-großen Brande von 1867 steht Johanngeorgenstadt in einem Gewande da,
-das freilich nicht mehr im entferntesten an die alte Zeit erinnert.
-»Neugotik« war das Schlagwort beim Wiederaufbau der Kirche, und auch
-das Rathaus ist in seiner alten Gestalt schöner gewesen. Aus einem
-Glasbild im Fenster des Gastzimmers kann ich das deutlich erkennen. Wie
-wundervoll mögen sich, danach zu urteilen, auch die Bürgerhäuser mit
-ihren weiten Bogentoren und den vorgekragten Obergeschossen ausgenommen
-haben.
-
-[Illustration: Abb. 10 =Johanngeorgenstadt=
-
-Phot. Landgraf, Zwickau]
-
-Nun, ein Stück alter Zeit bewahrt wenigstens das Gelände hinter
-Johanngeorgenstadt. Da grüßt noch manches Berggebäude zur Straße
-herüber. Die Krone von allen aber ist der alte Pferdegöpel, dessen
-Erhaltung dem Verein Heimatschutz erst kürzlich unter opferfreudiger
-Beihilfe weiter bergmännischer Kreise im ganzen Reiche gelungen
-ist. Es ist sehr zu begrüßen, daß uns so wenigstens eines dieser
-sinnreichen alten Triebwerke erhalten bleibt, wie sie im Erzgebirge
-zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts gebräuchlich wurden und damals
-einen gewaltigen Fortschritt in der bisherigen Förderart mit der
-»runden Scheibe«, die durch Menschenkräfte gedreht ward, bedeuteten.
-Jahrhundertelang haben die dieser Betriebsart entsprungenen,
-hochmalerischen Baulichkeiten das Landschaftsbild unseres Gebirges
-beeinflußt. -- Vergnügt kann ich mich heute überzeugen, daß die
-Wiederinstandsetzungsarbeiten an diesem allerletzten Artvertreter
-rüstig im Gange sind.
-
-[Illustration: Abb. 11 =Kammweg Johanngeorgenstadt--Oberwiesenthal=
-
-Hofphotograph Meiche, Annaberg]
-
-Viel hab ich heute gesehen und erwandert, aber die letzte Herzstärkung
-wird mir doch erst zuteil, wie ich beim Forsthaus Sauschwemme den
-Gipfel des Auersberges erklommen habe. 1018 Meter hoch über dem Meere
-in königlicher Einsamkeit hausen zu dürfen, ist ein gar stolzes
-Gefühl! Wie erstarrte grüne Meereswogen liegen sie da vor dem Fenster,
-die vielen, vielen Höhen des Erzgebirges; ganz selten einmal eine
-menschliche Siedlung, immer nur Wald, Wald und Wald. Keines von allen
-den Bergwirtshäusern, die ich schon besuchte, hat mir solch freudige
-Überraschung bereitet. Noch von meinem Bette im Obergeschoß aus kann
-ich die schlafende Bergwelt grüßen. Alles heute genossene Schöne aber
-wird in den Schatten gestellt von der erhabenen Weihe des Blickes, den
-ich zwischen ein und zwei Uhr in die Bergnacht hinaus tun darf! Ein
-feierliches Leuchten liegt über der gewaltigen Landschaft. Silbern
-blinken die Sterne herab; in rührendem Zagen zittert ein Lichtlein
-aus weit entferntem Menschenheim herauf. Wie ist die Waldnacht unsrer
-Berge stumm; und doch ist mir’s, als ginge ein brausendes Loblied über
-die Gipfel alle und Wipfel, das auch mir das Herz im Leibe entbrennen
-macht in Anbetung und Verehrung. -- Schon dem alten fürstlichen
-Weidmann, Johann Georg I., war der Auersberg lieb und wert. Gern hielt
-er ein Jagen hier ab, bescherte ihm doch der Auersberg die stärksten
-Hirsche, die gröbsten Sauen und wehrhaftesten Bären. Auch ein hölzernes
-Aussichtsgerüst und Unterkunftshütten für die Jägerei ließ er hier
-errichten. »Gesegne euch Gott, ihr Hölzer, ich seh’ euch nimmer
-wieder«, soll er beim letzten Abschied von dem lieben Erzgebirgswald
-ahnungsvoll und wehmütig ausgerufen haben.
-
-Am nächsten Morgen ziehe ich in einem herrlichen Frühgewitter zu Tal.
-Wild rauchen die Schluchten und die waldigen Höhen. Gewaltig und
-hehr ist die Schöpfung hier oben erst recht an einem Regentag. Drum
-groll’ ich auch nicht ob der Nässe und lange wohlgemut am Ziel meiner
-Wanderfahrt an, im wälder- und wiesenumgürteten Eibenstock.
-
-Ich glaube es den alten Harzer Bergleuten, die das Erbe der Wenden
-im Zinnbergbau hier antraten, daß sie die Gegend an ihre Heimat
-erinnerte. Drum legten sie den Höhen hier oben heimische Namen bei.
-Einen Auersberg und einen Rammelsberg gibt es auch im Harz. -- Waren
-die wendischen Ansiedler mehr auf Gewinnung des Zinns durch Auswaschen,
-das sogenannte Seifen, ausgegangen, so drangen die Sachsen nun mehr in
-die Tiefe. Zeche an Zeche entstand am Auersberg; zu Luthers Zeiten noch
-sollen sie jährlich mehrere tausend Zentner Zinn gespendet haben. Manch
-anderen köstlichen Fund gaben auch die rauschenden Bäche heraus --
-lauteres Gold in Körnern, von denen noch 1733 eines gewonnen ward, das
-dreizehn As schwer gewesen sein soll und August dem Starken überreicht
-ward.
-
-Als der Bergbau anfing unergiebig zu werden, blühte auch hier das
-Laborantenwesen auf. Schon im sechzehnten Jahrhundert braute man in
-Eibenstock das Bergöl, ein Allheilmittel aus Harz, und später ward
-die Kunst der Arzneibereitung gewaltig ausgebaut. Aber der Wohlstand
-der Stadt war mit dem Bergbau dahingesunken, und mit besonderer
-Wucht trafen die Hungerjahre 1770 bis 1773 hier auf. Elementare
-Naturereignisse, wohl auch fehlerhafte wirtschaftliche Maßnahmen
-seitens der Regierung, die zuviel Korn aus dem heimischen Tiefland in
-die Nachbarländer abgegeben haben soll, leiteten die böse Zeit ein.
-Im Oktober 1770 kostete ein Brot in Eibenstock schon mehr als den
-ortsüblichen Tagelohn; 1772 überstieg es diesen dreimal! Grauenhaft war
-die Not. Alle Habseligkeiten hatten die armen Leute schon verkauft.
-Auf Wegen und Stegen taumelten die Verhungernden nieder und starben.
-Besonders anschaulich schildert ein Eibenstocker Bürger, der Hutmacher
-Georg Fichtner, der sich um Hilfe ins Niederland aufmachte, das Elend.
-»Aus Pferdedünger,« schreibt er, »habe ich die Kinder die Haferkörnlein
-aussuchen und essen gesehen. Bei Chemnitz fand ich ein Mädchen am
-Wege unter einem Haselstrauch, das hatte die Hände am Munde, beide
-voller Blut -- die Fingerglieder waren weggebissen! Eine halbe Stunde
-vor Falkenstein lag eine tote Frau, ein einjähriges Kind kletterte
-auf ihrer kalten Brust und weinte -- ach so kläglich. In diesem Jahre
-starben in Eibenstock über siebenhundert Menschen. In Brotschränken,
-Kisten und Kasten begrub man sie, man hatte für Särge kein Geld.«
-
-Das Jahr 1773 brachte gute Ernten. Aber völlig verarmt lag Eibenstock
-da. Da war es ein junges Mädchen, das Rettung brachte. Eines
-sächsischen Oberförsters in polnischen Diensten Tochter war sie und
-hatte im Kloster zu Thorn kunstvolle Handarbeiten erlernt. Nach des
-Vaters Tode kam Clara Angermann nach Eibenstock, des Verstorbenen
-Heimat. Das Elend, das in der Stadt herrschte, brachte sie auf den
-Gedanken, den Frauen und Mädchen Unterricht im Tamburieren zu geben;
-und siehe, es ruhte ein Segen auf diesem Beginnen. Noch heute steht der
-Name der edlen Frau, die später die Gattin des Oberförsters Nollain
-ward, in Eibenstock in dankbarem Gedenken. -- --
-
-Da bin ich in meinen Gedanken fürwahr durch die ganze Stadt gewandert
-und noch einmal ziehe ich eine kurze Strecke durch ein schönes
-Wiesental hin, bis mich am unteren Bahnhof von Eibenstock der Zug
-aufnimmt. Ich danke dir, Heimat, daß du mich wieder einmal hast in
-deines Wesens inneren Kern schauen lassen. Fahre wohl, blauer Bergwald;
-Gott grüße dich, silbernes Bächlein -- euer Heimathauch wird auch noch
-im Treiben der Stadt oft mein Herze erfreuen, denke ich euer in Liebe
-und Treue.
-
-
-
-
-Bunte Gassen, helle Straßen
-
-Ein Buch von Kinderland und Heimat von _Max Zeibig_
-
-II. Band der Heimatbücherei des Landesvereins Sächsischer
-Heimatschutz[2]
-
-
-Mit diesem für den Heimatfreund und jeden stillen Lauscher und
-Seher vielversprechenden Titel hat uns der Heimatschutz ein neues
-schönes Bändchen in der Reihe seiner Heimatbücher im schmucken grünen
-Gewande auf den Weihnachtstisch gelegt. Heinrich Sohnrey hat ihm ein
-gehaltvolles Geleitwort mitgegeben, das die innigen Gemütswerte, die
-Kraft und Freude, welche in diesem Buch aus der Heimat und für die
-Heimat sprudeln, so recht würdigt. Ein Wort, das am Schlusse einer der
-tiefempfundenen Schilderungen steht, hat mich besonders festgehalten:
-»Wir können nicht irre gehen, wenn wir nach den Sternen schauen!«
-Dieses Wort und der Titel klingen mir zusammen mit Wilhelm Raabes Wort:
-»Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen.« Dieses Wort gibt in
-kurzer gedrängter Form den wertvollen tiefen Inhalt, geistigen Gehalt
-und das Gefühl an, welches in dem Buche lebt. Es läßt uns durch bunte
-Gassen, helle Straßen, durch Wald und Feld, durch Berg und Heide, durch
-Kinderland und Heimat ziehen und achthaben auf allerlei Großes und
-Kleines, Altes und Neues, Liebes und Leides, und läßt uns dabei nach
-den Sternen schauen, und innerliche Freude und Gewinn davontragen.
-In reichen farbenbunten Schilderungen und mit innigem Gefühl sind
-Bilder der engeren und weiteren Heimat gegeben, so daß das Herz höher
-schlägt, und die Sehnsucht lebendig wird, alle die Herrlichkeiten um
-uns mehr und mehr zu suchen, sich eigen zu machen und innerlich zu
-erleben, alle, welchen die Augen noch verschlossen sind oder welchen
-das Leben nur grau, trübe und müde ist, heranzuführen an diesen
-Jungbrunnen unsrer Kraft und innerlicher Gesundheit, daß sie froh
-und frisch und helläugig werden und stark im Erleben der Heimat und
-im inneren Besitze der Heimat. -- Aus der Jugend, die ihm Dresden und
-seine herrliche Umgebung verklärt, aus dem Mannesalter und Berufsleben
-in der Lausitz und dem altehrwürdigen malerischen Bautzen, aus der
-Heide, ja auch aus Thüringen und den schlesischen Gebirgen kommen die
-Stimmungen, welche sich zu Bildern formen, die Gedanken, welche in echt
-deutschem Naturleben und Beseelung aus dem Stofflichen ins Geistige und
-dichterisch Geschaute emporführen, zu den Sternen schauen lassen und
-alles Sein und Geschehen mit innerer Wärme umfassen zu verstehen und
-ans Herz zu nehmen suchen.
-
-Sich dieser Führung durch heimatliche Fluren anzuvertrauen bedeutet
-eine innere Freude und Gewinn und weckt Stimmungen, welche hoch über
-den Alltag erheben. Wenn unsrer Jugend so die Augen und das Herz
-aufgingen für die Heimat, daß jeder draußen ein Entdecker immer
-neuer Freude, sich selbst ein Schöpfer eines eigenen inneren stillen
-Königreiches selbstgefundener, tiefempfundener Heimatschönheiten sein
-kann, dann mag und wird aus tiefgewurzelter Heimatliebe wieder der
-Baum lebendigen bewußten Deutschtums, deutschen Stolzes und deutscher
-Kraft erwachsen. Gebt darum dies Buch in die Hände der Jugend. Wenn ihr
-wandert, nehmt es mit und bei stiller Rast lest einen Abschnitt und
-lauscht auf die Stimmungen, welche in euch und um euch lebendig werden.
-Stille Lauscher, stille Seher, nicht laute Lärmer! Wenn ihr im engeren
-Kreise daheim oder unter Freunden vom Wandern plaudert, dann schlagt
-das Buch auf, und ihr werdet fühlen, wie eure Erinnerung lebendiger,
-farbiger wird, wie die Stimmung froher Wanderzeit in euch erwacht zu
-neuem vertieften seelischen Erleben, wie auch in bitterer Zeit ein
-Trostgefühl und frohgemute Kräfte daraus erblühen können.
-
-Möge das Büchlein viele froh machen, ihre Augen öffnen und ihre Herzen
-erheben, daß sie es lernen: »Wir können nicht irren, wenn wir nach den
-Sternen schauen.«
-
- Gustav Rieß, Freiberg
-
- [2] Preis M. 15,-- für die Mitglieder des Heimatschutzes, sonst
- M. 18,--. Bestellkarte in diesem Heft.
-
-
-
-
-Zur Geschichte des Storches in Westsachsen
-
-Von _Rud. Zimmermann_
-
-
-In seinem Beitrage »Störche und Storchnester im östlichen Sachsen«
-(Mitteil. Sächs. Heimatschutz VI, 1917, Seite 99 bis 112) stellte
-Klengel weitere Mitteilungen auch über die Störche und Storchnester in
-Westsachsen in Aussicht. Zusammen mit weiteren Nachrichten über den
-ostelbischen Bestand gab er diese dann im folgenden Jahrgange (VII,
-1918, Seite 34 bis 46), beschränkte sich dabei aber, soweit das Land
-westlich der Mulde in Frage kam, lediglich nur auf ein recht knappes
-Zitat aus Heyders ~Ornis Saxonica~. --
-
-[Illustration: =Der letzte Storch in Haselbach=
-
-Phot. Rud. Zimmermann]
-
-Heyder war dem Storchvorkommen in Westsachsen bereits früher
-nachgegangen. In einer kleinen Mitteilung in der von Kleinschmidt
-herausgegebenen Zeitschrift Falco (II, 1903, Seite 76 bis 77) stellte
-er um die Mitte des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts für die
-Bornaer Gegend eine bereits in Wirksamkeit getretene Abnahme unseres
-Vogels und das Aussterben kurz vorher noch besetzt gewesener Horste
-fest, konnte dabei aber auch noch an bewohnten Storchnestern je eines
-in Regis und bei Bergisdorf, sowie drei in Deutzen nachweisen, während
-für zwei weitere in Blumroda sich nicht feststellen ließ, ob sie im
-Berichtsjahre besetzt gewesen waren. Das Aussterben dieser wenigen,
-durchweg auf Bäumen (Pappeln) errichteten Nester ging dann ziemlich
-rasch vor sich und vollzog sich noch im ersten Jahrzehnt unseres
-Jahrhunderts; schon 1910 oder 1911 fand ich keines mehr bewohnt vor;
-sie waren von dem gleichen Schicksal ereilt worden, das in den Jahren
-vorher bereits Nester in Röthigen, Görnitz und Großzössen betroffen
-hatte. Auch weiter östlich, im Flußgebiet der Vereinigten Mulde,
-hat Adebar ebenfalls noch bis in unser Jahrhundert hinein genistet;
-das letzte oder eines der letzten Nester linksseitig der Mulde, das
-noch bis um die Mitte des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts
-bewohnt gewesen sein soll, befand sich in Großbardau südlich von
-Grimma. Diesem Vorkommen schließen sich dann rechts der Mulde die
-von Heyder in seiner ~Ornis Saxonica~ (Journ. f. Ornithol. 64, 1916,
-Seite 292 bis 293) erwähnten Nester von Kühren, Wäldgen und Gornewitz
-an, zu denen wahrscheinlich noch ein weiteres von Golzern (oder bei
-Golzern) bei Grimma kommt, wo der Storch angeblich ebenfalls noch
-bis in unser Jahrhundert hinein genistet haben soll, die aber heute
-sämtlich der Geschichte angehören. Es wäre vielleicht gar keine so
-undankbare Aufgabe, dem Aussterben des Storches in Nordwestsachsen
-einmal an Ort und Stelle noch weiter nachzugehen und sein allmähliches
-Verschwinden hier zeitlich genauer festzulegen; im Zeitalter dieser
-sich überstürzenden, nun bald schon ans Unsinnige grenzenden
-Fahrpreiserhöhungen allerdings ist sie nicht ganz leicht und gehört
-für einen gewöhnlichen Sterblichen sogar überhaupt schon zu den
-Unmöglichkeiten. -- Über ehemalige Storchvorkommen in der Umgebung
-Leipzigs und sogar innerhalb des Weichbildes der Stadt selbst hat Hesse
-im Journ. f. Ornithol. 57, 1909, Seite 13 bis 14 berichtet; ein in
-Papitz in der Elsteraue nordwestlich von Leipzig gestandenes Nest, das
-erst in jüngerer Zeit ausgestorben ist, hat sich allerdings bereits
-jenseits der Landesgrenze auf preußischem Gebiet befunden.
-
-Nordwestsachsen, (besonders die Gebiete der Elster-, Pleißen-
-und Muldenaue und anscheinend auch der heute durch die Parthe
-noch angedeutete alte, zwischeneiszeitliche Muldenlauf) scheint
-nach gelegentlichen eigenen Umfragen in vergangenen Zeiten vom
-Storch gar nicht so gering bevölkert gewesen sein; befragt man
-ältere Einwohner des Gebietes nach unserem Vogel, so wissen sich
-diese oft noch auf mehrere Nester innerhalb eines einzelnen
-Ortes zu erinnern. Der Rückgang des Vogels scheint, soweit meine
-Nachforschungen einen dahingehenden Schluß zulassen, aber bereits in
-den siebziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts ein augenfälliger
-geworden zu sein und namentlich dann von den achtziger Jahren ab
-sich mit großer Schnelligkeit vollzogen zu haben. Auch in alten
-Ortschroniken des Gebietes wird der Vogel nicht selten erwähnt;
-Christian Schöttgen beispielsweise schreibt in seiner »Historie der
-Chur-Sächsischen-Stiffts-Stadt Wurzen«, daß »Anno 1679 und 1680 der
-Winter sehr warm gewesen ist, so daß die meisten Leute barfuß gegangen
-und der Storch am 19. Februar anher gekommen ist« und in Adam Friedrich
-Glasigs 1721 erschienenen »Kern der Geschichte des hohen Chur- und
-Fürstlichen Hauses zu Sachsen« heißt es: »Störche pflegen absonderlich
-zu Leipzig in der Stadt auf den Dächern der Häuser jährlich zu
-hecken.« --
-
-Das letzte besetzte Storchnest im Leipziger Tieflandsgebiet befand
-sich allerdings nicht mehr auf sächsischem Boden, sondern in dem
-altenburgischen Dorfe Haselbach, wo es auf einer geköpften Pappel
-im Hofe des Rittergutes stand. Im Jahre 1910 brachte das dies Nest
-bewohnende Storchenpaar fünf Junge hoch und nach einer Pause im Jahre
-1911 erblickten in ihm 1912 wiederum drei Junge (von denen eins aber
-dann an einem Leitungsmast verunglückte) das Licht der Welt. 1913
-blieb es von neuem leer und als im Herbste desselben Jahres das
-Rittergutsgehöft von einer Feuersbrunst betroffen wurde, litt darunter
-auch das Storchnest. Man gab ihm in einem Wagenrad eine neue Unterlage
-und setzte es auf das Dach der neuen Scheune, doch erfüllte es, nachdem
-sich 1914 zwar noch ein einzelnes Storchenweibchen in ihm aufgehalten
-hatte und nach Hildebrandt (»Beitrag zur Ornis Ostthüringens« in
-»Mitteil. a. d. Osterlande«, N. F. 16, 1919, Seite 322) auch Eier
-gelegt, aber nicht gebrütet haben soll, leider seinen Zweck nicht
-wieder und blieb seit 1915 endgültig verwaist.
-
-Das Haselbacher Storchnest ist von mir oft besucht worden. 1912 hatte
-ich Gelegenheit zu einigen nicht ganz schlechten Aufnahmen am Neste;
-von den damals erhaltenen Bildern sei hier eines als letzte Erinnerung
-an das Nisten des Storches im Leipziger Tieflandsgebiet angefügt und
-mag zu späteren Geschlechtern von dem »Es war einmal« reden.
-
-
-Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt --
-Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
-
-Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden.
-
-
-
-
-Einbanddecken
-
-(Leinen)
-
-für die
-
-Heimatschutz-Mitteilungen
-
- Stück 18 M.
- Postgeld u.
- Verpackung 5 M.
- ------
- 23 M.
-
-Bestellkarte anbei
-
-
-
-
-Bunte Gassen, helle Straßen
-
-Dresden 1921
-
-des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei
-
-Band II
-
-185 Seiten -- Großoktav
-
-hart gebunden
-
-_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz
-M. 15.--_
-
-_Bestellkarte in diesem Hefte_
-
-_Gerhard Platz_ »Vom Wandern und Weilen im Heimatland«, der erste
-Band unserer Heimatbücherei ist vergriffen und wird nächstes Jahr in
-neuer Auflage erscheinen. Jetzt kündigen wir den zweiten Band an.
-_Max Zeibig_ ist sein Verfasser. Wer kennt nicht seine gemütvollen
-Schilderungen aus der Kinder-, aus der Jugendzeit, die in den
-angesehensten sächsischen Tageszeitungen seit Jahren erscheinen.
-_Heinrich Sohnrey_ gab dem Buche das Geleitwort und wünschte, daß es
-nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland Verbreitung finde.
-
-Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Dresden-A., Schießgasse 24.
-
-
-Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
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- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
- Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
-
- Korrekturen:
-
- S. 66: entdecken → Entdecker
- daß jeder draußen ein {Entdecker} immer neuer Freude
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-HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 1-3 ***
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-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
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-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
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-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
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-Literary Archive Foundation
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