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-The Project Gutenberg eBook of Gedichte, by Maurice Maeterlinck
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Gedichte
-
-Author: Maurice Maeterlinck
-
-Translators: K. L. Ammer
- Friedrich von Oppeln-Bronikowski
-
-Release Date: February 13, 2022 [eBook #67399]
-
-Language: German
-
-Produced by: Mark C. Orton, Norbert Mueller, and the Online Distributed
- Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
- produced from images generously made available by The
- Internet Archive
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
-
- VON DIESEM BUCHE WURDEN 20
- ABZÜGE AUF ECHTEM JAPANPAPIER
- ZUM PREISE VON ZWANZIG MARK FÜR
- DAS EXEMPLAR HERGESTELLT / IN
- GANZPERGAMENT GEBUNDEN UND
- HANDSCHRIFTLICH NUMERIERT
-
-
-
-
- MAURICE MAETERLINCK
-
- GEDICHTE
-
-
- VERDEUTSCHT VON K. L. AMMER UND
- FRIEDRICH VON OPPELN-BRONIKOWSKI
-
-
-
-
- VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS
- JENA 1906
-
-
-
-
- IM TREIBHAUS
-
-
-
-
- And in his hand a glass which shows us
- many more.
- _Shakespeare_
-
- Et torpenti multa relinquitur miseria.
- _De Imitatione_
-
-
-
-
-TREIBHAUS
-
-
- O Treibhaus in Waldesmitte
- Mit dem ewig geschlossenen Tor,
- Wie manches birgt deine Kuppel doch,
- Was mich an meine Seele gemahnt!
-
- Gedanken einer Prinzessin, die darbt,
- Verzweiflung von Schiffern in der Wüste,
- Trompetenmusik an den Fenstern Schwerkranker!
- Geht in die schwülsten Winkel!
- Ist's nicht, als läg' ein Weib ohnmächtig am Erntetag?
- Postillone sind im Hof des Hospizes;
- Fern geht ein Elenjäger, jetzt Krankenwärter!
-
- Seht nun im Mondenlichte zu!
- (Nichts ist an seinem rechten Fleck!)
- Wie eine Irre vorm Richterstuhl,
- Wie ein Kriegsschiff mit vollen Segeln auf dem Kanal!
- Nachtvögel, die sich auf Lilien wiegen!
- Totengeläut am Mittag
- (Da unter den Glocken!)
- Ein Krankenzug in der Wiese,
- Äthergeruch in der Sonnenglut.
-
- Mein Gott, mein Gott, wann kommt Regen
- Und Wind in das Treibhaus und Schnee!
-
-
-
-
-GEBET
-
-
- Barmherzigkeit, mein Gott, Barmherzigkeit,
- Dass ich schon an des Wollens Schwelle fehle!
- Bleich ist vor Ohnmacht meine Seele,
- Vor weisser Ohnmacht und Untätigkeit.
-
- Die Seele mit den halbvollbrachten Taten,
- Die Seele, bleich von Weinen und von Klagen,
- Sieht vor dem Unerschlossnen ihre matten
- Und schwachen Hände zittern und verzagen.
-
- Und während aus dem Herzen veilchenblaue
- Traumblasen steigen, hat ein Mondenstrahl
- Die schwachen Hände ihr, wie Wachs so fahl,
- Benetzt mit seinem müden Silbertaue, --
-
- Ein Mondenstrahl, darinnen schon ein Schimmer
- Der welken Lilien künft'ger Tage lebt,
- Ein Mondenstrahl, aus dessen bleichem Flimmer
- Sich trüb der Schatten ihrer Hände hebt.
-
-
-
-
-TREIBHAUSSTARRE
-
-
- Die blaue Starre, ach, im Herzen immer!
- Und dieses allzuklare Schauen
- Von meinen Träumen, meinen sehnsuchtsblauen,
- Im tränenfeuchten Mondenschimmer!
-
- O Starre, wie das Treibhaus blau,
- Die tiefen, grünen Scheiben fest verschlossen,
- Das Glas von Mondlicht übergossen,
- Und nur der Blick durchdringt den Bau,
-
- Sieht draussen Wälder riesenhaft
- In nächtlichem Vergessen in den Raum
- Aufragen, unbeweglich wie ein Traum,
- Der auf den Rosen liegt der Leidenschaft.
-
- Und langsam steigt ein Wasserstrahl,
- Darin zu einem ew'gen grünen Weinen
- Der Himmel und das Mondenlicht sich einen,
- Und wie im Traum eintönig ist sein Fall.
-
-
-
-
-VERSUCHUNGEN
-
-
- O die Versuchungen, die grün
- Im Dunkel meiner Seele aufgeschlossen
- Mit ihren Blättern, die mein Ich durchglühn
- Wie Flammen, und mit ihren Sprossen, --
-
- Der dunklen Äste dunklen Zierden,
- Die in des Bösen Mondenschein
- Mit ihren keimenden Begierden
- Herbstliche Schatten um sich streu'n!
-
- Die unter ihrer Schleimhaut Schale
- Und ihrer Fieberschwären Blühn
- Das Mondlicht überziehn, das fahle,
- Mit ihres trüben Reifes Grün.
-
- Und ihre frevle Fruchtbarkeit
- Geheime Süchte offenbart,
- So düster wie das Herzeleid
- Von Kranken, welche Schnee umstarrt.
-
- Von ihrer Trauer überflort,
- Seh' ich in Wunden voller Blutes
- Der Wollust blaues Schwert gebohrt
- Ins rote Fleisch des Übermutes.
-
- O Herr, die Träume dieser Welt,
- Wann sterben sie in meinem Herzen?
- Gib, dass Dein Himmelsglanz erhellt
- Das schlimme Treibhaus meiner Schmerzen
-
- Und das Vergessen, das ich nimmer fand!
- Und ihrer Fieber dürre Haide!
- Die Sterne zwischen ihrer Lippen Rand
- Und ihrer Sünden Eingeweide!
-
-
-
-
-GLASGLOCKEN
-
-
- Glasglocken ihr!
- Seltsame Pflanzen, immerdar geschützt,
- Und draussen stürmt der Wind durch meine Sinne!
- Ein ganzes Tal der Seele ewig regungslos
- Und feuchte Wärme, mittags eingeschlossen!
- Die Bilder, die man an des Glases Oberfläche sieht!
-
- Hebt niemals eine auf!
- Auf alten Mondschein sind ein paar gestülpt.
- Blick' durch das Blattwerk:
- Es sitzt vielleicht ein Landstreicher auf dem Thron,
- Man meint, Seeräuber lauerten auf einem Teich,
- Und Vorwelttiere drohen Überfall den Städten.
-
- Auf alten Schnee sind etliche gestellt,
- Gestülpt sind andre über alten Regen.
- (Habt Mitleid mit dem eingeschlossnen Dunst!)
- Ich hör' ein Fest am Sonntag feiern in der Teurung,
- Ein Lazarett ist auf dem Erntefeld,
- Und alle Königstöchter irren an einem Fasttag durch die Auen!
-
- Gib acht auf die am Horizont zumal!
- Sie decken alte Ungewitter sorgsam zu!
- O, irgendwo muss eine grosse Flotte im Sumpfe sein!
- Und Schwäne haben, deucht mich, Raben ausgebrütet!
- (Kaum sieht man durch den feuchten Dunst!)
-
- Eine Jungfrau begiesst Farnkraut mit heissem Wasser,
- Und eine Schar von kleinen Mädchen belauscht den Klausner in der Zelle.
- In einer gift'gen Grotte Grund sind meine Schwestern eingeschlafen!
-
- O harrt, bis endlich Mond und Winter
- Die Glocken decken, rings im Eis verstreut!
-
-
-
-
-DUNKLES OPFER
-
-
- Mein armes Tun bring ich dir dar;
- Es ist den Träumen Toter gleich;
- Im Sturme scheint der Mond so bleich
- Auf meiner Reue Tiereschar:
-
- Auf meiner Träume violette Schlangen,
- Die sich durch meinen Schlummer ranken,
- Und auf mein schwertgekrönt Verlangen,
- Auf Löwen, die im Sonnenschein ertranken,
-
- Und Lilien im fernen Wogenspiele
- Und Hände, die auf ewig sich geschlossen,
- Und meines Hasses rote Stiele,
- Vom trüben Flor der Liebe grün umflossen.
-
- Hör' in Erbarmen, was die Lippe spricht,
- Und dulde, dass mein düsteres Gebet
- Und das im Gras verstreute Mondenlicht
- Die Nacht am Himmelsrande mäht.
-
-
-
-
-HERZGEWÄCHSE
-
-
- Meiner müden Schwermut blaues Glas
- Deckt den alten, unbestimmten Kummer,
- Dessen ich genas,
- Und der nun erstarrt in seinem Schlummer.
-
- Sinnbildhaft ist seiner Blumen Zier:
- Mancher Freuden düstre Wasserrose,
- Palmen der Begier,
- Weiche Schlinggewächse, kühle Moose.
-
- Eine Lilie nur in all dem Flor,
- Bleich und starr in ihrer Kränklichkeit,
- Richtet sich empor
- Über all das blattgewordne Leid.
-
- Licht sind ihre Blätter anzuschauen,
- Weissen Mondesglanz sie um sich sät.
- Zum Kristall, dem blauen,
- Sendet sie ihr mystisches Gebet.
-
-
-
-
-SEELENGLUT
-
-
- Ihr Augen mein, von Finsternis erleuchtet,
- Die alle meine Süchte überwand!
- Das Herz, das allen Träumen offen stand
- In Nächten, da die Seele Schweiss befeuchtet!
-
- Ich hab' die Rosen der verdorrten
- Erwartungen versenkt in mein Gemüt,
- Und meine Wimpern schlossen ihre Pforten
- Über den Wünschen, die umsonst geglüht.
-
- Allabendlich tun meine ohnmachtsstarren
- Und bleichen Finger ab das Glockenglas
- Der grünen Hoffnung von dem dürren Gras
- Der Dinge, die nicht sind und die nicht waren.
-
- Und meine matte Seele lauscht mit Beben
- Den Traumesworten, die die Lippe spricht
- Im Flor der Lilien, die mich umgeben;
- Und meines Herzens Finsternis wird Licht! ...
-
-
-
-
-SEELE
-
-
- O meine Seele!
- O meine allzusichre Seele!
- Und diese Herden von Wünschen in einem Treibhaus!
- Die eines Gewitters über den Wiesen harren!
-
- Tritt zu den Kränksten:
- Sie hauchen seltsame Dünste aus!
- Mir ist bei ihnen, als beträt ich mit meiner Mutter ein Schlachtfeld!
- Man begräbt einen Waffenbruder zur Mittagszeit,
- Indess' die Wachen ihr Mahl verzehren.
-
- Tritt auch zu den Schwächsten:
- Sie liegen in seltsamem Schweiss.
- Sieh hier eine kranke Braut,
- Dort einen Verrat am Sonntag
- Und kleine Kinder im Kerker.
- (Und weiter weg, durch all den Dunst)
- Ist's eine Sterbende an der Küchentür?
- Eine Krankenschwester, die am Sterbebett Gemüse liest?
-
- Tritt endlich zu den Traurigsten:
- (Zuletzt zu ihnen, denn sie sind vergiftet.)
- O meine Lippen spüren den Kuss von Verwundeten!
- Alle Schlossfräulein starben vor Hunger
- Diesen Sommer in den Türmen meiner Seele!
-
- Sieh, der junge Tag tritt hinein in das Fest!
- Ich sehe Lämmer an den Ufern entlang
- Und einen Schleier vor den Fenstern des Spitals!
-
- Ein weiter Weg ist es von meinem Herzen bis zu meiner Seele!
- Und alle Wachen sind auf ihrem Posten tot!
-
- Es war einmal ein armes kleines Fest in den Vorhöfen meiner Seele!
- Man mähte dort den Schierling eines Sonntag-Morgens;
- Und all die Jungfrau'n aus dem Kloster sahn die Schiffe
- Auf dem Kanal vorüberziehn; es war an einem sonn'gen Fasttag.
- Indess' die Schwäne litten unter einer gift'gen Brücke,
- Schlug man die Bäume rings um das Gefängnis.
- Man bracht' an einem Juni-Nachmittag Arznei,
- Und Krankenmahle breiteten sich aus nach allen Seiten!
-
- O meine Seele!
- Wie traurig ist das alles, meine Seele!
- Wie traurig alles!
-
-
-
-
-MÜDIGKEIT
-
-
- So starr sind ihre Augen und erblindet,
- Dass ihre Lippe nicht die Stelle findet.
- Nur noch versenkt in ihren stolzen Traum
- Schaun sie wie Hunde, die am Wiesensaum
- Verträumt die weissen Lämmer schreiten sehen,
- Wie sie des Mondes Silber auf der Au
- Abweiden, überdeckt vom Himmelsgrau, --
- Grau wie ihr Leben; stumpf und ohne jähen
- Wunsch nach dem Rosenflor in ihren Spuren
- Und achtlos dieser tiefen stillen Fluren.
-
-
-
-
-MÜDES JAGEN
-
-
- O meine Seele fühlt so krank sich heut'!
- Sie krankt an allem, was nicht ward,
- Am Schweigen, das nichts offenbart,
- Und meine Augen klären sie mit Leid.
-
- Ich seh' ein regungsloses Jagen,
- Seh' der geheimen Süchte Meute
- Auf müden Spuren folgen ihrer Beute,
- Und der Erinn'rung Geisseln schlagen.
-
- Die Hunde meiner Träume irren
- Durch schwülen Wald in langen Zügen
- Und nach dem weissen Hirsch der Lügen
- Der Reue gelbe Pfeile schwirren.
-
- O Gott, mein atemlos Verlangen,
- Der Augen schwüles Wünschen hält
- In allzublauem Dunst gefangen
- Den Mond, der meine Seel' erhellt.
-
-
-
-
-MÜDE RAUBTIERE
-
-
- O die verrauschten Leidenschaften!
- Der Tränen Flut, des Lachens Klang!
- Unter dem welken Laub erschlafften
- Mit halbgeschlossnen Lidern, krank,
-
- Die gelben Hunde meiner Sünden
- Und meines Hasses schielende Hyänen,
- Und auf verdrossnen bleichen Wiesengründen
- Seh' ich die Löwen sich der Liebe dehnen!
-
- In ihres Traumes Ohnmacht hingekauert
- Und müde unter schlaffem Himmel,
- Der trüb und farblos niedertrauert,
- So seh' ich ihren Blick auf dem Gewimmel
-
- Der Lämmer der Versuchung haften,
- Die langsam, eines nach dem andern,
- Im stillen Mondschein weiterwandern --
- Und stille ruhn sie, meine Leidenschaften ...
-
-
-
-
-GEBET
-
-
- Wie ein Weib verzagt ist meine Seele!
- Gott, sieh gnädig nieder auf das Tun
- Meiner Hände, Lilien der Seele,
- Meiner Augen, drin des Herzens Himmel ruhn!
-
- Herr, erbarm dich meiner Nöte!
- Ring und Palmenzweig hab' ich verloren.
- Herr, erbarm dich meiner Angstgebete;
- Schwache Blumen sind sie, die im Glas verdorren.
-
- Mitleid, Herr, wenn arg die Lippen sprechen,
- Mitleid, Herr, mit meiner Reue!
- Lilien auf meine Fieber streue,
- Säe Rosen auf die Sümpfe der Gebrechen!
-
- Gott, den Himmel meiner Augen füllt
- Trübend alter Stunden Taubenflug.
- Hab' Erbarmen mit dem Lendentuch,
- Das mit seinen blauen Falten mich umhüllt.
-
-
-
-
-TRÜBE STUNDEN
-
-
- O sieh die alten Wünsche ziehen,
- Und wieder müde Träumerei,
- Und wieder Träume, die entfliehen:
- O sieh, der Hoffnung Tage sind vorbei!
-
- Zu welchen soll ich nun entrinnen?
- Kein Stern mehr an des Himmels Weiten!
- Eis liegt auf allen Traurigkeiten
- Und unterm Mond schwimmt blaues Linnen.
-
- Und wieder Tränen, die ich überrasche!
- O sieh die Lämmer, die den Schnee abweiden,
- Sieh Kranke frieren bei verglomm'ner Asche!
- O Gott, erbarm dich aller ihrer Leiden!
-
- Lass mich nicht länger des Erwachens harren,
- Nicht länger harren auf des Schlummers Ende!
- Der Sonne harren meine Hände,
- Die in dem kalten Mond erstarren.
-
-
-
-
-TRÜBSAL
-
-
- Die trägen Pfau'n, die weissen Pfau'n entwichen,
- Die weissen Pfau'n flohn des Erwachens Leid.
- Ich seh' die weissen Pfau'n, die Pfau'n von heut',
- Die Pfauen, die im Schlaf sich fortgeschlichen.
- Die trägen Pfau'n, die weissen Pfauen schreiten
- Lässig zum sonnenlosen Teich im Garten.
- Ich hör' die weissen Pfau'n der Traurigkeiten
- Lässig die sonnenlose Zeit erwarten.
-
-
-
-
-KRANKENHAUS
-
-
- Krankenhaus am Ufer des Kanals!
- Krankenhaus im Juli!
- Und dennoch macht man Feuer an im Saal,
- Und grosse Dampfer pfeifen schrill auf dem Kanal!
-
- (O tretet nicht ans Fenster!)
- Auswandrer gehn durch einen Prunkpalast!
- Ich sehe eine Yacht im Sturm!
- Ich seh auf allen Schiffen Herden!
-
- (Tut lieber nicht die Fenster auf,
- So ist man fast geschützt vor allem Draussen!)
- Man meint, ein Treibhaus liegt im Schnee,
- Man meint, dass eine Wöchnerin
- Den ersten Kirchgang tut bei stürmischem Wetter.
- Man sieht auf eine wollne Decke Blumen ausgestreut.
- Ein Brand brach aus an einem Sonntag
- Und einen Wald betret' ich voll Verwundeter!
- O, endlich kommt der Mond!
-
- Ein Wasserstrahl steigt mitten auf im Saal!
- Ein Schwarm von kleinen Mädchen öffnet die Tür!
- Ich seh' auf einer grünen Insel Schafe weiden
- Und schöne Blumen blühn auf einem Gletscher!
- Lilien in einer Marmorhalle!
- Ein Fest, das man im Urwald feiert!
- Und eine morgenländische Flora blüht in einer Eisgrotte!
-
- Horch, die Schleusen tun sich auf!
- Die grossen Dampfer schlagen Wellen im Kanal!
-
- O die barmherzige Schwester schürt das Feuer!
-
- Das schöne grüne Schilf am Ufer brennt!
- Ein Schiff voller Verwundeter kämpft mit der Flut im Mondenschein!
- Die Königstöchter alle sind in einem Boot im Sturm!
- Und die Prinzessinnen sterben in einem Schierlingsfeld!
- O lasst die Fenster zu!
- Hoch, horch, noch pfeifen fern die grossen Dampfer!
- Im Garten wird jemand vergiftet!
- Und bei den Feinden feiert man ein Fest!
- Es rennen Hirsche durch eine belagerte Stadt!
- Eine Tierbude mitten in Lilien!
- Eine Tropenflora im Schoss eines Kohlenschachtes!
- Eine Schafherde zieht über eine eiserne Brücke!
- Und die Lämmer der Herde betreten traurig den Saal!
-
- Jetzt zündet die Schwester die Lampen an;
- Sie bringt den Kranken das Essen.
- Sie schliesst die Fenster auf den Kanal
- Und alle Türen vor dem Mondenschein.
-
-
-
-
-NACHTGEBET
-
-
- Mein nächtliches Gebet ist müd'
- In Sehnsuchtsträumerei'n erschlafft.
- Ich fühl's, wie jähe Leidenschaft
- Und schlimme Wollust mich durchglüht!
-
- Ich seh' des Mondes helles Flirren
- Im nächt'gen Kummer meiner Träume;
- Ich sehe über giftige Räume
- Die Fleischeslust verloren irren.
-
- Ich fühle, wie nach grünen Fernen
- Die Gier in meiner Brust erwacht,
- Und in der wolkendunklen Nacht
- Lechz' ich verdürstend nach den Sternen.
-
- Ich fühle, wie mein Geist sich füllt
- Mit bösen, schwarzen Zärtlichkeiten,
- Und über sumpfbedeckten Weiten
- Verfinstert sich des Mondes Bild.
-
- Dein Groll, o Herr, macht mich zunichte!
- O hab Erbarmen, Herr, und beue
- Dem Kranken, Schweissgebadeten aufs neue
- Das Grün, das er erblickt im Mondenlicht!
-
- Und all den Schierling, Herr, es eilt, es eilt,
- Der ringsum wuchert, heiss' ihn niedermähen!
- Durch meiner Hoffnung Dunkel muss ich sehen,
- Wie grün der Mond auf Schlangenleibern weilt!
-
- Und all die schlimmen Träume dringen
- In meinen Blick mit ihren Sündenqualen;
- Ich höre blaue Wasserstrahlen
- Empor zum kalten Monde springen!
-
-
-
-
-SEHNEN IM WINTER
-
-
- Ich weine über Lippen ohne Farben,
- Auf denen keine Küsse je geboren,
- Und über Wünsche wein' ich, die verloren
- In hingemähten Traurigkeiten starben.
-
- Und immer ist der Himmel regenblass,
- Und immer deckt der Schnee die Meeressäume.
- Und Wölfe sind gelagert in das Gras
- Vor der geschlossnen Schwelle meiner Träume.
-
- In meine matte Seele, ganz verschwommen
- Von fernen Tagen, ist ihr Blick gesenkt;
- Sie sehn sie von der Lämmer Blut getränkt,
- Die eines Tags im Eise umgekommen.
-
- Und endlich tritt der Mond hervor
- Und starrt mit seinem Strahl, dem trübsalschweren,
- Darin des Herbstes welkes Laub gefror,
- Auf all mein krankes, hungerndes Begehren.
-
-
-
-
-REIGEN DES UNMUTS
-
-
- Ich stimme bleiche Lieder an
- Von Küssen, die nicht wiederkehren;
- Ich sehe Sieche Liebe sich gewähren
- Auf dem verstreuten Wiesenplan.
-
- In meinen Schlummer eingesponnen,
- Auftauchen hör' ich Stimmen so gelassen!
- Und Lilien öffnen sich auf dunkle Gassen,
- Die Sterne nie geschaut noch Sonnen.
-
- Und dieses Streben mit noch zagem Herzen,
- Und diese Wünsche, die ich nur gefasst,
- Sind Bettlern gleich in einem Prunkpalast,
- Im Morgenrot gleich matten Kerzen.
-
- Ich warte, dass der Mondschein mild
- Mein Auge füllt, das offen lag im Sinnen
- So manche Nacht, dass er mit seinem Linnen,
- Dem stillen, blauen, meine Träume stillt.
-
-
-
-
-AMEN
-
-
- Die Stunde naht, o Herr; nun benedeie
- Den ausgelöschten Schlaf der Knechte.
- Ich harre, Herr, dass deine Rechte
- In Kellerhöhlen Rosen streue.
-
- Ich höre, dass von deinem Hauch gesunde
- Mein Herz, nun endlich sicher vor Verrat,
- Ein Osterlamm, das sich im Sumpf vertrat,
- Und tief in warmen Fluten eine Wunde.
-
- Ich harre, Herr, auf Nächte sonder Ende,
- Auf eine unheilbare Schwäche,
- Dein Ebenbild auf schwüler Wasserfläche
- Und streck' nach deinem Schatten meine Hände.
-
- Und deiner Nächte, Vater, will ich harren,
- Auf dass sich die Begierden all, die schwülen,
- Und Träume in dem feuchten Abend kühlen
- Und dann in einem Eispalast erstarren ...
-
-
-
-
-TAUCHERGLOCKE
-
-
- O Taucher, ewig unter der Glocke!
- Ein ganzes Meer von ewig warmem Glas!
- Ein ganzes regungsloses Leben mit langen grünen Pendelschlägen!
- Und so viel fremde Wesen durch die Scheiben,
- Die zu berühren ewig untersagt ist,
- Wo so viel Leben draussen herrscht im klaren Wasser!
-
- Gib acht! Der Schatten grosser Segelschiffe fliegt
- Über den Blumenflor der Meereswälder!
- Und plötzlich bin ich unterm Schatten grosser Wale,
- Die nach dem Pole ziehn!
-
- Jetzt löschen wohl die Andern in dem Hafen
- Die Ladung der beschneiten Schiffe!
- Ein Gletscher, der noch starrt auf Sommerwiesen!
- Sie schwimmen rückwärts durch die grüne Flut der Meeresbucht!
- Am Mittag dringen sie in düstre Grotten
- Und Meeresbrisen fegen die Terrassen!
-
- Gib acht! Das sind des Golfstroms Flammenzungen!
- Halt' ihre Küsse fern den Wänden des Verdrusses!
- Man tat den Fieberkranken keinen Schnee mehr auf die Stirn!
- Die Siechen haben Freudenfeuer angezündet
- Und werfen grüne Lilien mit vollen Händen in die Glut!
-
- Lehn' deine Stirn an, wo die Wände kühler sind,
- Und warte, bis der Mond die Glockenspitze trifft,
- Und schliess die Augen fest vor jenen Wäldern
- Von blauen Pendelschlägen und von violettem Gallert:
- Und bleib den Flüsterworten taub der lauen Flut!
-
- Dann trockne deine schweissgeschwächten Wünsche.
- Tritt erst zu denen, die der Ohnmacht nahe sind:
- Es ist, als ob sie Brautnacht feierten im Keller,
- Als ob sie mittags einen unterirdischen Gang, mit Lampen ausgehängt,
- beträten.
- Sie zieh'n im Festzug durch ein Land, das einer Waise Kindheit gleicht.
-
- Tritt dann zu denen, die im Sterben liegen.
- Sie kommen an wie Jungfraun nach einem langen Weg im Sommer an einem
- Fasttag.
- Sie sind so bleich wie Kranke, die den Regen
- Sanft auf die Gärten des Spitales rieseln hören,
- Sie sind wie Überlebende, die auf dem Schlachtfeld Mahlzeit halten,
- Und wie Gefangene, die wissen, dass alle Wächter sich im Flusse baden,
- Und hören, dass man Gras im Kerkergarten mäht.
-
-
-
-
-AQUARIUM
-
-
- Ach, meine Wünsche tragen
- Die Seele nicht mehr an den Strand der Lider
- Zur Ebbe von Gebet und Klagen
- Sank sie hernieder.
-
- Tief im geschlossenen Auge sie ruht.
- Nur ihr Odem treibt matt und weiss
- Noch empor an den Rand der Flut
- Lilien von Eis ...
-
- Ihre Lippen im Schmerzabgrunde
- Schliesst unendliches Wellenspiel;
- Und doch blühen aus ihrem Munde
- Blumen auf blauem Stil.
-
- Vor ihren Händen mein Blick erbleicht,
- Wenn er der Lilien Spur nachzieht,
- Die, von einander unerreicht,
- Sich tot geblüht.
-
- Und ich weiss, dass der Tod ihr naht,
- Faltet sie nur ihre matten Hände,
- Allzu schwach zu der Blumen Mahd,
- Die keiner mehr fände ...
-
-
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-
-BRENNGLAS
-
-
- Ich betrachte alte Stunden
- Unterm Brennglas meiner Reue,
- Seh' von neuem Flor entbunden
- Ihre tiefgeheime Bläue.
-
- O dies Glas auf dem Verlangen,
- Das die Seele mir durchdrungen!
- Nah ich's den Erinnerungen,
- Welke Gräser Feuer fangen!
-
- Den Gedanken aufgehalten,
- Seh' ich durch das blaue Glas
- All das Leid, das ich vergass,
- Neue Blätter nun entfalten,
-
- Bis zu jener Nächte Ferne,
- Die mir längst im Geiste starben,
- Trübend mit den Trauerfarben
- Meiner Seele Hoffnungssterne.
-
-
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-
-SPIEGELBILDER
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- Wie des Traumes Fluten schwellen,
- Meine Seele bebt, meine Seele bebt
- Und mein Herz, versenkt in Traumesquellen,
- Wird von Mondenschein durchwebt.
-
- Tief im düstren Schilf, dem regungslosen,
- Seh' ich tiefe Spiegelbilder weinen:
- Schlanke Palmen, Lilien und Rosen,
- Die sich in dem Wasserschoss vereinen.
-
- Blüt' auf Blüte streut den Blätterkranz
- Auf des Himmels Widerschein.
- In des Traumes Flut, in den Mondenglanz
- Gehen sie für ewig ein ...
-
-
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-
-GESICHTE
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- Ich seh' in meinen Träumerei'n
- Die Tränen, die ich je verschwendet,
- Die Küsse, die mein Herz verblendet,
- Vorüberziehn in langen Reih'n,
-
- Wie Mondlicht auf dem Wiesenrain,
- Wie farbenlose Blumensterne,
- Wie Wasserstrahlen in der Ferne,
- Wie Lilien, welk im Mondenschein.
-
- Dem schweren Schlummer matt entstiegen,
- Seh' ich durch die geschlossnen Lider,
- Wie Raben sich auf Rosen wiegen
- Und Sonne lacht auf Kranke nieder.
-
- Und langsam auf die matte Seele fällt
- Die Schwermut all der unbestimmten Liebe,
- Ganz still, als ob ihr keine Regung bliebe:
- So ruht der stille Mondschein auf der Welt.
-
-
-
-
-GEBET
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-
- Herr, du weisst, wie elend all mein Mühn!
- Sieh die Opfer, die ich dir geboten,
- Schlechte Erdenblumen, die verblühn,
- Sonnenlicht auf einer Toten.
-
- Sieh auch meine Mattigkeit!
- Schwarz das Frührot, ohne Mond die Nacht!
- Träufle nieder deine Himmelspracht,
- Und befruchte meine Einsamkeit!
-
- Lass mich finden deine Spuren,
- Schenke Licht der müden Brust;
- Trübsal liegt auf meiner Lust,
- Wie das Eis auf grünen Fluren.
-
-
-
-
-BLICKE
-
-
- O diese armen müden Blicke!
- Die euren und die meinen!
- Die nicht mehr sind und die noch kommen werden!
- Die niemals kommen und die dennoch sind!
- Die Sonntags Kranke zu besuchen scheinen;
- Und manche sind wie Kranke ohne Haus,
- Wie Lämmer auf der Bleiche voller Linnen.
- Und diese ungewohnten Blicke!
- In deren Wölbung eine Jungfrau hingerichtet wird
- Hinter verschlossner Tür und man muss zusehn!
- Und die an unbekannte Trübsal uns gemahnen!
- An Bauern in den Fenstern der Fabrik,
- An einen Gärtner, der zum Weber wurde,
- An einen Sommernachmittag im Wachsfigurenkabinett,
- Und an der Königin Gedanken, die einen Kranken sieht im Garten!
- An Kampfergeruch im Walde!
- Und an ein Fürstenkind, das Feiertags in einen Turm geworfen wird,
- An wochenlange Fahrt auf schwülem Kanal.
- Erbarmt euch derer, die mit kleinen Schritten ausgehn,
- So wie Genesende zur Erntezeit!
- Erbarmt euch derer, die wie Kinder blicken,
- Die sich zur Essenszeit verliefen!
- Habt Mitleid mit dem Blick des Wunden zu dem Arzt,
- Er ist wie Zelte im Orkan!
- Habt Mitleid mit dem Blick der Jungfrau in Versuchung,
- Und mit dem Blick, der Jungfrau, die erliegt!
- Wie Fürstentöchter, die im ausweglosen Sumpf verirrt sind!
- (O wie die Milch in Strömen durch das Dunkel flieht,
- Und wie die Schwäne sterben mitten unter Schlangen!)
- Und jene Blicke, die wie Schiffe mit vollen Segeln, lichterstrahlend,
- hinausziehn in den Sturm!
- Das Klägliche in all den Blicken, weil sie nicht wo anders sind!
- So viele Leiden, kaum zu unterscheiden, und dennoch so verschieden!
- Und die, die niemand je verstehen wird!
- Und diese armen, fast verstummten Blicke!
- Und diese armen Blicke, die da flüstern!
- Und diese armen fast erstickten Blicke!
-
- Die einen wie ein Schloss, zum Krankenhaus verwandelt!
- Und so viel andre sind wie Zelte, Lilien des Krieges auf dem kleinen
- Rasenplatz des Klosters!
- Und viele sind wie Kranke, die im Treibhaus liegen!
- Und viele sind wie Krankenschwestern ohne Kranke auf hoher See!
-
- O dass ich alle diese Blicke sah!
- O dass ich alle diese Blicke aufnahm!
- Die meinen, die sie kreuzten, sind erschöpft,
- Und seit der Zeit kann ich die Augen nicht mehr schliessen!
-
-
-
-
-ERWARTUNG
-
-
- Die Seele faltet ihre Wunderhände
- Am Himmel meiner Blicke, Herr, und fleht:
- O dass mein Träumen doch Erfüllung fände,
- Das von den Lippen deiner Engel geht!
-
- In meinen müden Augen harrt sie still,
- Den Mund geöffnet zu Gebeten,
- Die zwischen meinen Lidern sich verspäten
- Und deren Blüte niemals kommen will.
-
- In meines Traumes Schoss ruht sie die Brust,
- Die unter meinen Wimpern ihr verblüht,
- Und zuckt die Wimpern, der Gefahr bewusst,
- Die sie im Garn der Lüg' erwachen sieht.
-
-
-
-
-NACHMITTAG
-
-
- Die Augen überraschten meine Seele.
- O Gott, erbarme dich und sä'
- Ein wenig Blätter und ein wenig Schnee
- Darüber, dass gedämpft das Feuer schwele!
-
- Auf meinem Bett hab' ich die Sonne brüten,
- Und dieser ewig gleiche Stundenschlag!
- Und meine Blicke streuen ihre Blüten
- Auf Sterbende am Erntetag! ...
-
- Nur welke Gräser hab' ich rings gepflückt,
- Und meine Augen sind vom Schlaf so müd'
- Wie Kranke, die kein frischer Trunk erquickt,
- Wie Kellerblumen, drauf die Sonne glüht.
-
- Ich harr' des Regens, der die Wiesen tränkt
- Und meine regungslosen Träume,
- Und meine Blicke ziehn durch weite Räume
- Der Herde nach, die zu den Städten drängt.
-
-
-
-
-TREIBHAUS DER SEELE
-
-
- Aus meinen Augen Traumesblüten treiben
- Und meine Seele, unter Glas verschlossen,
- Hat durch ihr Treibhaus Licht ergossen
- Und streift die blauen Fensterscheiben.
-
- O Treibhaus, das die schwüle Seele kettet,
- Die Lilien, um die das Glas sich schliesst,
- Das Schilf, das unter diesem Glasmeer spriesst,
- Die Wünsche all, die nichts mehr rettet.
-
- Durch der geschlossnen Lider Säume
- Möcht' ich zu den vergess'nen Blüten dringen,
- Die einstmals rosig an den Ästen hingen,
- Die offnen Blüten meiner Träume.
-
- Ich harre, dass im Laubwerk, dem verdorrten,
- Ein wenig Grün sich zeigen will;
- Ich harre, dass der Mond die Pforten
- Mit blauen Fingern öffnet, sanft und still.
-
-
-
-
-WILLENSREGUNG
-
-
- Hab Mitleid mit den Augen, die verdrossen
- Der Seele Hoffen neu erwachen sehn.
- Hab Mitleid, Herr, mit dem, was unerschlossen
- In Nächten harrt und zaudert aufzugehn!
-
- O Seele du mit deinen leisen Wogen
- Und den bewegten Lilien in der Flut,
- Von dunklen Wasserstreifen überzogen,
- Und was in meinen Augen Edles ruht!
-
- O Gott, der Wasserrosen Hals umstricken
- Seltsame Blumen, die ich nie gekannt,
- Und deiner Engel unsichtbare Hand
- Bewegt die stille Flut in meinen Blicken.
-
- Und ihre unbestimmten Zeichen bringen
- Die Blumen in der blauen Flut zum Blühn,
- Und meine Seele spannt die weissen Schwingen
- Zum Flug, um mit den Schwänen fortzuziehn.
-
-
-
-
-HÄNDEDRÜCKE
-
-
- O Händedrücke!
- Das Dunkel dehnt sich zwischen euren Fingern!
- Trompetenschrillen im Wettersturm!
- Und Orgelklang im Sonnenschein!
- Alle Herden der Seele in lichtloser Nacht!
- Und alles Salz des Meeres im Gras der Wiesen!
- Und diese blauen Meteore rings am Himmelskreis!
- (Habt Mitleid mit des Menschen Kraft!)
-
- Doch diese sind noch trauriger und müder!
- O, diese Händedrücke eurer armen, feuchten Hände!
- Ich höre eure reinen Finger sich um meine Finger legen,
- Und Lämmerherden ziehn im Mondenlicht an eines Flusses lauer Flut von
- dannen.
-
- Ich weiss noch all die Hände, die ich je berührte.
- Ich sehe wieder, was in dem Schutze dieser Hände war.
- Und heute seh' ich, was ich selbst im Schutze dieser lauen Hände war.
- Ein Bettler war ich oft, der Brot am Fuss von Thronen isst.
- Ein Taucher war ich, der aus heisser Flut sich nicht mehr retten kann!
- Ich war ein ganzes Volk, das nicht mehr aus dem Mauerkreis entkam.
- Und diese Hände, wie ein Kloster ohne Garten!
-
- Und die, die mich umschlossen, wie ein Glashaus
- An Regentagen eine Krankenschar umschliesst!
- Bis andre kamen, kühlere, das Tor zu öffnen
- Und Wasser auf die Schwelle auszugiessen!
-
- O, seltsame Händedrücke bekam ich,
- Die mich nun immerdar umgeben!
- Almosen waren es am Sommertag,
- Und eine Ernte in tiefem Keller.
- Und Seiltänzerlieder hallten rings um ein Gefängnis,
- Und Wachsfiguren standen sommers in den Wäldern!
- Oder der Mondstrahl mähte nieder die Oasen,
- Und manchmal traf ich Jungfraun schweissgebadet im Schoss von
- Eisgrotten!
-
- Habt Mitleid mit den seltsamen Händen!
- Sie halten aller Könige Geheimnisse umspannt!
-
- Habt Mitleid mit den allzu bleichen Händen!
- Es ist, als kämen sie aus Mondeshöhlen.
- Sie sind vernutzt vom Spinnen: der Wasserstrahlen Spindel spannen sie.
-
- Habt Mitleid mit den allzu weissen, feuchten Händen!
- Mir ist, als hätten Königstöchter sich am Mittag hingelegt den ganzen
- Sommer lang.
-
- Haltet euch fern von allzu harten Händen!
- Sie scheinen aus dem Felsen ausgemeisselt.
- Doch habt Erbarmen mit den kalten Händen!
- Ich seh' ein Herze bluten unter eis'gen Rippen!
- Und habt Erbarmen mit den bösen Händen!
- Die Brunnen haben sie vergiftet
- Und junge Schwäne in ein Schierlingsnest getan.
- Ich sah die bösen Engel mittags alle Pforten öffnen.
- Nur Toren sind auf einem giftigen Fluss.
- Nur schwarze Schafe sind auf sternenloser Trift,
- Und Lämmer gehn, die Finsternis zu weiden.
-
- Doch diese frischen, treuen Hände!
- Sie bieten reife Früchte dar den Sterbenden!
- Sie tragen frisches, kaltes Wasser in der hohlen Hand.
- Milch giessen sie auf blutige Schlachtfelder!
- Sie kommen, traun, aus wunderbaren, ewigen Urwäldern!
-
-
-
-
-NACHTSEELE
-
-
- Meine Seele ist betrübt am Ende,
- Ist betrübt von all der Müdigkeit,
- Matt von ihrer Unzulänglichkeit,
- Matt ist sie und auch betrübt am Ende,
- Und mein Antlitz harrt auf deine Hände.
-
- Herr, es harrt auf deine reinen Hände,
- Harrt auf ihre engelreine Kühle,
- Harret auf des Friedensringes Spende,
- Harret, dass es ihren frischen Odem fühle,
- Einem Schatze gleich im Meeresgrunde.
-
- Und ich harre, dass ich bald gesunde,
- Dass ich nicht am Sonnenlichte sterbe,
- Hoffnungslos im Sonnenlicht verderbe,
- Dass mein Blick sich kühlt, der fieberwunde,
- Drinnen so viel Arme Schlaf begehren!
-
- Drinnen so viel Schwäne ziehn auf Meeren,
- Schwäne, die ins Ungewisse fliegen
- Und den kranken Hals vergeblich biegen,
- Drinnen Kranke gehn und Rosen brechen
- Auf verschneiten Gartenflächen.
-
- Herr, mein Antlitz lechzt nach deinen Händen,
- Die gleich eisigen Engeln Kühlung spenden;
- Und nach ihnen lechzen wie nach Wasserbächen
- Meiner Blicke dürre Haiden,
- Wo so viele müde Lämmer weiden!
-
-
-
-
-FÜNFZEHN LIEDER
-
-
-I
-
- Sie schmiedeten sie in der Höhle an
- Und machten ein Kreuz an die Pforte dann.
- Die Maid gedachte des Lichts nicht mehr,
- Und der Schlüssel, der fiel ins Meer.
-
- Sie wartete drinnen die Sommerszeit,
- Sie wartete sieben Jahr und mehr:
- Alljährlich kam einer des Wegs daher.
-
- Sie harrte drinnen die Winterszeit,
- Und im Harren ward ihr das Haar so lang:
- Das entsann sich des Lichtes Herrlichkeit,
-
- Und suchte das Licht und fand's und drang
- Durch die Steine hindurch zum Felsenhang,
- Hing nieder von ihm mit Prangen.
-
- Eines Abends kommt noch Einer gegangen,
- Weiss nicht, was der lichte Schein da sei,
- Und traut sich nicht vorbei.
-
- Er meint, ein Zeichen wär's, gar eigen,
- Er meint, ein güldner Born wär' dort,
- Er meint, es wär' ein Engelreigen;
- Er wendet sich und geht auch fort ...
-
-
-II
-
- Und kehrt er einst heim,
- Was sag ich ihm dann?
- -- Sag, ich hätte geharrt,
- Bis mein Leben verrann.
-
- Wenn er weiter fragt
- Und erkennt mich nicht gleich?
- -- Sprich als Schwester zu ihm;
- Er leidet vielleicht ...
-
- Wenn er fragt, wo du seist,
- Was geb ich ihm an?
- -- Mein Goldring gib
- Und sieh ihn stumm an ...
-
- Will er wissen, warum
- So verlassen das Haus?
- -- Zeig die offene Tür,
- Sag, das Licht ging aus.
-
- Wenn er weiter fragt
- Nach der letzten Stund'?
- -- Sag, aus Furcht, dass er weint,
- Lächelte mein Mund. ..
-
-
-III
-
- Sie töteten einst drei Jungfräulein,
- Zu schauen in ihr Herz hinein.
-
- Das erste war voller Glück und Freud',
- Und überall, wo sein Blut hinsprang,
- Drei Schlangen zischten drei Jahre lang.
-
- Das zweite war voller Lindigkeit,
- Und überall, wo sein Blut hinsprang,
- Drei Lämmer grasten drei Jahre lang.
-
- Das dritte war voller Harm und Leid,
- Und überall, wo sein Blut hinsprang,
- Drei Erzengel wachten drei Jahre lang.
-
-
-IV
-
- Die Mädchen mit den verbundenen Augen
- (Tut ab die goldenen Binden!)
- Die Mädchen mit den verbundenen Augen
- Wollten ihr Schicksal finden ...
-
- Haben zur Mittagsstunde
- (Lasst an die goldenen Binden!)
- Haben zur Mittagsstunde
- Das Schloss geöffnet im Wiesengrunde.
-
- Haben das Leben gegrüsst
- (Zieht fester die goldenen Binden!)
- Haben das Leben gegrüsst,
- Ohne hinauszufinden ...
-
-
-V
-
- Die drei blinden Schwestern
- (Hofft und verzaget nicht)
- Die drei blinden Schwestern
- Mit goldner Lampen Licht
-
- Steigen hinauf zum Turme
- (Sie, ihr und der ich's sag'),
- Steigen hinauf zum Turme
- Und harren sieben Tag' ...
-
- O, spricht die eine
- (Hofft und verzaget nicht),
- O, spricht die eine,
- Ich höre unser Licht ...
-
- O, spricht die andre
- (Sie und wir andern auch),
- O, spricht die andre,
- Der König steigt herauf ...
-
- Nein, spricht die Reinste
- (Hofft und verzaget nicht),
- Nein, spricht die Reinste,
- Verloschen ist unser Licht ...
-
-
-VI
-
- Sie kamen und sagten mir ein Wort
- (Mein Kind, ich zittre so),
- Sie kamen und sagten mir ein Wort:
- Sie sagten, er zöge fort ...
-
- Ich nahm zur Hand die Lampe hell
- (Mein Kind, ich zittre so),
- Ich nahm zur Hand die Lampe hell
- Und trat zu den Türen schnell ...
-
- An der ersten Tür, an der ich stand
- (Mein Kind, ich zittre so),
- An der ersten Tür, an der ich stand,
- Erbebte die Flamme in meiner Hand ...
-
- An der zweiten Tür, an der ich stand
- (Mein Kind, ich zittre so),
- An der zweiten Tür, an der ich stand,
- Da sprach die Flamme in meiner Hand ...
-
- An der dritten Tür, an der ich stand
- (Mein Kind, ich zittre so),
- An der dritten Tür, an der ich stand,
- Erlosch das Licht in meiner Hand ...
-
-
-VII
-
-(aus »Blaubart und Ariane«)
-
- Die sieben Mädchen von Orlamünde
- Nach der Fee Verschwinden,
- Die sieben Mädchen von Orlamünde
- Wollten Tür und Freiheit finden,
-
- Zündeten an die sieben Lampen,
- Öffneten Tür um Tür,
- Türme, viele hundert Säle,
- Fanden nicht zum Licht herfür ...
-
- Steigen in hallende Grotten nieder,
- Wagen sich noch tiefer hinab,
- Finden eine Tür verschlossen,
- Goldner Schlüssel schliesst sie ab.
-
- Sehn im Spalt des Meeres Wogen,
- Fürchten alle den Tod,
- Wagen sie nicht aufzuschliessen,
- Pochen dran in ihrer Not ...
-
-
-VIII
-
- Sie hatte drei Kronen von lautrem Gold,
- Wem gab sie die Kronen, sprich?
-
- Die eine reicht sie den Eltern dar,
- Die kauften drei Netze dafür von Gold,
- Und hielten sie drin, bis es Frühling war.
-
- Die andre tat' sie den Buhlen weih'n,
- Die kauften drei silberne Garne fein
- Und hielten sie bis zum Herbst darin.
-
- Die dritte gibt sie den Kindern hin,
- Die kauften drei eiserner Fesseln Zwang,
- Drin blieb sie gekettet den Winter lang ...
-
-
-IX
-
- Sie kam zum Schloss gegangen
- -- Die Sonne erhob sich kaum --
- kam zum Schloss gegangen,
- Die Ritter blickten mit Bangen
- Und es schwiegen die Fraun.
-
- Sie blieb vor der Pforte stehen
- -- Die Sonne erhob sich kaum --
- blieb vor der Pforte stehen;
- Man hörte die Königin gehen
- Und der König fragte sie:
-
- Wohin gehst du? Wohin gehst du?
- -- Gib acht in dem Dämmerschein --
- Wohin gehst du? Wohin gehst du?
- Harrt drunten jemand dein?
- Sie sagte nicht Ja noch Nein.
-
- Sie stieg zu der Fremden hernieder
- -- Gib acht in dem Dämmerschein --
- Sie stieg zu der Fremden hernieder,
- Die schloss sie in ihre Arme ein.
- Die beiden sagten nicht ein Wort
- Und gingen eilends fort.
-
- Der König, der hat an der Schwelle geweint
- -- Gebt acht, wenn der Dämmer scheint --
- Der König, der hat an der Schwelle geweint.
- Man hörte der Königin Schritte verhallen,
- Man hörte welke Blätter fallen.
-
-
-X
-
-(aus »Aglavaine und Selysette«)
-
- Als ihr Geliebter schied
- (Ich hörte die Türe gehn),
- Als ihr Geliebter schied,
- Da hab' ich sie lächeln sehn ...
-
- Doch als er wieder kam
- (Ich hörte des Lichtes Schein),
- Doch als er wiederkam,
- War ein andrer daheim ...
-
- Und ich sah den Tod
- (Mich streifte sein Hauch),
- Und ich sah den Tod,
- Der erwartet ihn auch ...
-
-
-XI
-
- Mutter, hast du nicht vernommen,
- Mutter, dass sie uns warnen kommen? ...
- Tochter, gib mir deine Hand,
- Tochter, es ist ein Schiff am Strand ...
-
- Mutter, sei auf deiner Hut ...
- Tochter, es fährt bald auf der Flut ...
- Mutter, ist die Fährnis nah? ...
- Tochter, es zieht in die Ferne ja ...
-
- Mutter, es nähert sich immerfort ...
- Tochter, bald ist's nicht mehr im Port ...
- Mutter, jetzt ist es schon im Haus ...
- Tochter, es zieht in die Welt hinaus ...
-
- Mutter, jetzt kommt es zur Tür herein ...
- Tochter, sie ziehen die Anker ein ...
- Mutter, jetzt flüstert es neben mir ...
- Tochter, es ist schon fern von hier ...
-
- Mutter, es nimmt den Sternen den Glanz ...
- Tochter, die Segel beschatten sie ganz ...
- Mutter, jetzt pocht's an die Fenster an ...
- Tochter, der Wind hat sie aufgetan ...
-
- Mutter, ich sehe fast nichts mehr ...
- Tochter, es fährt auf das hohe Meer ...
- Mutter, es ist überall ganz nah ...
- Tochter, wovon denn sprichst du da? ...
-
-
-XII
-
- Ihr habt die Lampen angezündet
- Und im Garten liegt Sonnenschein!
- Ihr habt die Lampen angezündet:
- Durch die Spalten seh' ich den hellen Schein.
- Tut auf die Türen und lasst ihn ein!
-
- -- Die Schlüssel der Türen sind verloren,
- Wir müssen warten und uns gedulden;
- Die Schlüssel fielen von Turmes Rand.
- Wir müssen warten und uns gedulden,
- Bis andre Tage kommen ins Land ...
-
- Andre Tage öffnen die Türen,
- Deren Riegel sich jetzt nicht rühren.
- Der Wald, der hütet sie gut.
- Des welken Laubes Feuerglut,
- Die brennt auf der Schwelle der Türen ...
-
- -- Die anderen Tage sind voller Müh',
- Die anderen Tage fürchten sich auch,
- Die anderen Tage kommen nie,
- Die anderen Tage sterben wie sie,
- Und wir, wir sterben auch ...
-
-
-XIII
-
- Schwestern, ich suchte dreissig Jahr,
- Wo mag er verborgen sein?
- Schwestern, ich pilgerte dreissig Jahr
- Und holte ihn doch nicht ein ...
-
- Schwestern, ich pilgerte dreissig Jahr,
- Nun sind die Füsse mir schwer.
- Schwestern, er war überall
- Und ist nirgends mehr ...
-
- Schwestern, trübe die Stunde blinkt;
- Zieht mir vom Fusse die Schuh'.
- Schwestern, auch der Abend sinkt
- Und meine Seele sucht Ruh' ...
-
- Schwestern, sechzehn Jahre alt,
- Pilgert weit fort von hier.
- Schwestern, nehmt meinen Stab zum Halt,
- Geht und sucht gleich mir ...
-
-
-XIV
-
- Die drei Schwestern wollten sterben,
- Setzten auf die güldnen Kronen,
- Gingen sich den Tod zu holen.
-
- Wähnten ihn im Walde wohnen:
- »Wald, so gib uns, dass wir sterben,
- Sollst drei güldne Kronen erben.«
-
- Da begann der Wald zu lachen
- Und mit einem Dutzend Küssen
- Liess er sie die Zukunft wissen.
-
- Die drei Schwestern wollten sterben,
- Wähnten Tod im Meer zu finden.
- Pilgerten drei Jahre lang.
-
- »Meer, so gib uns, dass wir sterben,
- Sollst drei güldne Kronen erben.«
-
- Da begann das Meer zu weinen,
- Liess mit dreimal hundert Küssen
- Die Vergangenheit sie wissen.
-
- Die drei Schwestern wollten sterben,
- Lenkten nach der Stadt die Schritte;
- Lag auf einer Insel Mitte:
-
- »Stadt, so gib uns, dass wir sterben,
- Sollst drei güldne Kronen erben.«
-
- Und die Stadt tat auf die Tore
- Und mit heissen Liebesküssen
- Liess die Gegenwart sie wissen.
-
-
-XV
-
-LIED DER JUNGFRAU
-
-(aus »Schwester Beatrix«)
-
- Allen weinenden Seelen,
- Aller nahenden Schuld
- Öffn' ich im Sternenkranze
- Meine Hände voller Huld.
-
- Alle Schuld wird zunichte
- Vor der Liebe Gebet.
- Keine Seele kann sterben,
- Die weinend gefleht.
-
- Verirrt sich die Liebe
- Auf irdischer Flur,
- So weisen die Tränen
- Zu mir eine Spur.
-
-
-
-
-NACHWORT
-
-
-Die Gedichtsammlung IM TREIBHAUS (»Serres chaudes«, Brüssel 1895) ist
-übertragen von K. L. Ammer und in die endgültige Form gebracht durch Fr.
-v. Oppeln-Bronikowski, der auch die »FÜNFZEHN LIEDER« übersetzt hat
-(Quinze Chansons, Brüssel 1900, in der Neuauflage der »Serres chaudes«).
-
-Die »Serres chaudes« sind Maeterlincks Erstlingswerk. Er schrieb sie im
-Jahre 1887 in Paris unter dem Einfluss der Decadenten und
-veröffentlichte sie z. T. in der von ihm und Charles van Lerberghe
-begründeten Zeitschrift »La Pléiade«, welche die Lyrik reformieren
-wollte, getreu der ARS POETICA Verlaines:
-
- »De la musique avant toute chose ...
- Rien de plus cher que la chanson grise
- Où l'Indécis au Précis se joint ...
- Que ton vers soit la chose envolée
- Qu'on sent qui fuit d'une âme en allée
- Vers d'autres cieux à d'autres amours ...
- Et tout le reste est littérature.«
-
-Maeterlinck ist in der Erfüllung dieses Postulats noch weiter gegangen
-als Verlaine; man möchte diesem Gedichte als Motto einen Spruch aus den
-»Fragmenten« des NOVALIS voransetzen, die Maeterlinck bekanntlich ins
-Französische übertragen hat:
-
-»...Es lassen sich Erzählungen ohne Zusammenhang, jedoch mit
-Assoziation, wie Träume, denken; Gedichte, die bloss wohlklingend und
-voll schöner Worte sind, aber auch ohne allen Sinn und Zusammenhang,
-höchstens einige Strophen verständlich, wie Bruchstücke aus den
-verschiedenartigsten Dingen. Diese wahre Poesie kann höchstens einen
-allegorischen Sinn im Grossen und eine indirekte Wirkung wie Musik
-haben.«
-
-Die FÜNFZEHN LIEDER, von denen zwölf auf vlämischem Boden entstanden
-sind (Luxusausgabe »Douze Chansons« mit Illustrationen von Charles
-Doudelet, Paris 1897), sind stilistisch von den »Serres chaudes« sehr
-verschieden; sie tragen den Stempel des altfranzösischen Volksliedes mit
-seinen Refrains, seiner primitiven Metrik und Reimtechnik, seiner
-Schlichtheit und Starrheit, seinen dumpfen Wiederholungen.
-
-So heisst es in Lied VI:
-
- »An der ersten Tür, an der ich stand,
- Erbebte die Flamme in meiner Hand.
- An der zweiten Tür, an der ich stand,
- Da sprach die Flamme in meiner Hand.
- An der dritten Tür, an der ich stand,
- Erlosch das Licht in meiner Hand.«
-
-Damit vergleiche man z. B. jene von Chamisso mitgeteilte Ballade »La
-fille du roi d'Espagne«:
-
- »Der Ritter wirft sein Gewand ab,
- Taucht in des Meeres Grund.
- Bei seinem ersten Tauchen
- Macht er keinen Fund.
-
- Bei seinem zweiten Tauchen
- Hat der Ring geblinkt.
- Bei seinem dritten Tauchen
- Der Rittersmann ertrinkt.«
-
-Arthur Luther hat im »Litt. Echo«, Bd. VIII, 10, Sp. 748, auch auf die
-Ähnlichkeit zwischen Dante Gabriel Rossettis »An old song ended« und
-Lied II verwiesen, ebenso auf dessen Anklingen an Ophelias Lied in
-Shakespeares »Hamlet«, welch letzteres Maeterlinck selbst als
-stimmungbildend anerkennt.
-
-
-
-
-INHALTSVERZEICHNIS
-
-
-IM TREIBHAUS S. 1 SEHNEN IM WINTER 25
-TREIBHAUS 3 REIGEN DES UNMUTS 26
-GEBET 4 AMEN 27
-TREIBHAUSSTARRE 5 TAUCHERGLOCKE 28
-VERSUCHUNGEN 6 AQUARIUM 30
-GLASGLOCKEN 8 BRENNGLAS 31
-DUNKLES OPFER 10 SPIEGELBILDER 32
-HERZGEWÄCHSE 11 GESICHTE 33
-SEELENGLUT 12 GEBET 34
-SEELE 13 BLICKE 35
-MÜDIGKEIT 15 ERWARTUNG 38
-MÜDES JAGEN 16 NACHMITTAG 39
-MÜDE RAUBTIERE 17 TREIBHAUS DER SEELE 40
-GEBET 18 WILLENSREGUNG 41
-TRÜBE STUNDEN 19 HÄNDEDRÜCKE 42
-TRÜBSAL 20 NACHTSEELE 45
-KRANKENHAUS 21 FÜNFZEHN LIEDER 47
-NACHTGEBET 23 NACHWORT 67
-
-
-DRUCK VON W. DRUGULIN IN LEIPZIG
-
-
-
-
-EUGEN DIEDERICHS VERLAG IN JENA
-
-
-MAETERLINCK, Gesammelte Werke
-
-übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski
-
-
-I. DRAMATISCHE WERKE
-
-
-Bd. I-VIII brosch. à Mk. 2.--, geb. à Mk. 3.--
- Einzig autorisierte Bühnenausgabe
-
-Band I PRINZESSIN MALEINE. Mit einer Vorrede und dem Bildnis des
- Verfassers
-
-Band II DREI ALLTAGSDRAMEN: Der Eindringling -- Die Blinden -- Im Innern.
- 2. Auflage
-
-Band III DREI MYSTISCHE SPIELE: Die sieben Prinzessinnen -- Alladine und
- Palomides -- Der Tod des Tintagiles. 2. Auflage
-
-Band IV PELLEAS UND MELISANDE. 2. Aufl.
-
-Band V AGLAVAINE UND SELYSETTE. 2. Auflage
-
-Band VI ZWEI SINGSPIELE: Blaubart und Ariane -- Schwester Beatrix. 2.
- Auflage
-
-Band VII MONNA VANNA. 18.-20. Tausend
-
-Band VIII JOYZELLE
-
-Band IX DAS WUNDER DES HEILIGEN ANTONIUS. Brosch. Mk. 1.--,
- geb. Mk. 2.--
-
-
-II. PHILOSOPHISCHE WERKE
-
-
-Band I DER SCHATZ DER ARMEN. 3. verb. Aufl. Brosch. Mk. 4.--, geb.
- Mk. 5.--
-
-Band II WEISHEIT UND SCHICKSAL. 3. Aufl. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50
-
-Band III DAS LEBEN DER BIENEN. 4. erw. Auflage. Brosch. Mk. 4.50, geb.
- Mk. 5.50
- Preisgekrönt von der Académie française
-
-Band IV DER BEGRABENE TEMPEL. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50
-
-Band V DER DOPPELTE GARTEN. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50
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-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
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-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
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-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
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-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Gedichte</span>, by Maurice Maeterlinck</p>
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-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
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-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
-at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you
-are not located in the United States, you will have to check the laws of the
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-</div>
-
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Gedichte</span></p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Maurice Maeterlinck</p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Translators: K. L. Ammer</p>
-<p style='display:block; margin-top:0; margin-bottom:0; margin-left:2em;'>Friedrich von Oppeln-Bronikowski</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: February 13, 2022 [eBook #67399]</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p>
- <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Mark C. Orton, Norbert Mueller, and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive</p>
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>GEDICHTE</span> ***</div>
-
-<div class="spaced spaced-bot">
-<p class="center">
-VON DIESEM BUCHE WURDEN 20<br />
-ABZÜGE AUF ECHTEM JAPANPAPIER<br />
-ZUM PREISE VON ZWANZIG MARK FÜR<br />
-DAS EXEMPLAR HERGESTELLT / IN<br />
-GANZPERGAMENT GEBUNDEN UND<br />
-HANDSCHRIFTLICH NUMERIERT
-</p>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<h1>
-MAURICE MAETERLINCK
-</h1>
-</div>
-<p class="center big">
-GEDICHTE
-</p>
-<p class="center ">
-VERDEUTSCHT VON K. L. AMMER UND<br />
-FRIEDRICH VON OPPELN-BRONIKOWSKI<br />
-</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 100px;">
-<img src="images/signet_transparentt.png" width="100" height="148" alt="Verlagssignet" />
-</div>
-<p class="center ">
-VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS<br />
-JENA 1906<br />
-</p>
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="spaced"><a name="IM_TREIBHAUS" id="IM_TREIBHAUS">IM TREIBHAUS</a></h2>
-</div>
-
-<div class="poetry-container spaced newpage">
-<div class="poem-i">
-<p>And in his hand a glass which shows
-us many more.</p>
-
-<p class="right">
-<em class="gesperrt">Shakespeare</em>
-</p>
-</div>
-</div>
-
-<div class="poetry-container">
-<div class="poem-i">
-<p>Et torpenti multa relinquitur miseria.</p>
-
-<p class="right">
-<em class="gesperrt">De Imitatione</em><br />
-</p>
-</div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="TREIBHAUS" id="TREIBHAUS">TREIBHAUS</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O Treibhaus in Waldesmitte<br /></span>
-<span class="i0">Mit dem ewig geschlossenen Tor,<br /></span>
-<span class="i0">Wie manches birgt deine Kuppel doch,<br /></span>
-<span class="i0">Was mich an meine Seele gemahnt!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Gedanken einer Prinzessin, die darbt,<br /></span>
-<span class="i0">Verzweiflung von Schiffern in der Wüste,<br /></span>
-<span class="i0">Trompetenmusik an den Fenstern Schwerkranker!<br /></span>
-<span class="i0">Geht in die schwülsten Winkel!<br /></span>
-<span class="i0">Ist's nicht, als läg' ein Weib ohnmächtig am Erntetag?<br /></span>
-<span class="i0">Postillone sind im Hof des Hospizes;<br /></span>
-<span class="i0">Fern geht ein Elenjäger, jetzt Krankenwärter!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Seht nun im Mondenlichte zu!<br /></span>
-<span class="i0">(Nichts ist an seinem rechten Fleck!)<br /></span>
-<span class="i0">Wie eine Irre vorm Richterstuhl,<br /></span>
-<span class="i0">Wie ein Kriegsschiff mit vollen Segeln auf dem Kanal!<br /></span>
-<span class="i0">Nachtvögel, die sich auf Lilien wiegen!<br /></span>
-<span class="i0">Totengeläut am Mittag<br /></span>
-<span class="i0">(Da unter den Glocken!)<br /></span>
-<span class="i0">Ein Krankenzug in der Wiese,<br /></span>
-<span class="i0">Äthergeruch in der Sonnenglut.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein Gott, mein Gott, wann kommt Regen<br /></span>
-<span class="i0">Und Wind in das Treibhaus und Schnee!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="GEBET" id="GEBET">GEBET</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Barmherzigkeit, mein Gott, Barmherzigkeit,<br /></span>
-<span class="i0">Dass ich schon an des Wollens Schwelle fehle!<br /></span>
-<span class="i0">Bleich ist vor Ohnmacht meine Seele,<br /></span>
-<span class="i0">Vor weisser Ohnmacht und Untätigkeit.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Seele mit den halbvollbrachten Taten,<br /></span>
-<span class="i0">Die Seele, bleich von Weinen und von Klagen,<br /></span>
-<span class="i0">Sieht vor dem Unerschlossnen ihre matten<br /></span>
-<span class="i0">Und schwachen Hände zittern und verzagen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und während aus dem Herzen veilchenblaue<br /></span>
-<span class="i0">Traumblasen steigen, hat ein Mondenstrahl<br /></span>
-<span class="i0">Die schwachen Hände ihr, wie Wachs so fahl,<br /></span>
-<span class="i0">Benetzt mit seinem müden Silbertaue, &mdash;<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Mondenstrahl, darinnen schon ein Schimmer<br /></span>
-<span class="i0">Der welken Lilien künft'ger Tage lebt,<br /></span>
-<span class="i0">Ein Mondenstrahl, aus dessen bleichem Flimmer<br /></span>
-<span class="i0">Sich trüb der Schatten ihrer Hände hebt.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="TREIBHAUSSTARRE" id="TREIBHAUSSTARRE">TREIBHAUSSTARRE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die blaue Starre, ach, im Herzen immer!<br /></span>
-<span class="i0">Und dieses allzuklare Schauen<br /></span>
-<span class="i0">Von meinen Träumen, meinen sehnsuchtsblauen,<br /></span>
-<span class="i0">Im tränenfeuchten Mondenschimmer!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O Starre, wie das Treibhaus blau,<br /></span>
-<span class="i0">Die tiefen, grünen Scheiben fest verschlossen,<br /></span>
-<span class="i0">Das Glas von Mondlicht übergossen,<br /></span>
-<span class="i0">Und nur der Blick durchdringt den Bau,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieht draussen Wälder riesenhaft<br /></span>
-<span class="i0">In nächtlichem Vergessen in den Raum<br /></span>
-<span class="i0">Aufragen, unbeweglich wie ein Traum,<br /></span>
-<span class="i0">Der auf den Rosen liegt der Leidenschaft.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und langsam steigt ein Wasserstrahl,<br /></span>
-<span class="i0">Darin zu einem ew'gen grünen Weinen<br /></span>
-<span class="i0">Der Himmel und das Mondenlicht sich einen,<br /></span>
-<span class="i0">Und wie im Traum eintönig ist sein Fall.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="VERSUCHUNGEN" id="VERSUCHUNGEN">VERSUCHUNGEN</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O die Versuchungen, die grün<br /></span>
-<span class="i0">Im Dunkel meiner Seele aufgeschlossen<br /></span>
-<span class="i0">Mit ihren Blättern, die mein Ich durchglühn<br /></span>
-<span class="i0">Wie Flammen, und mit ihren Sprossen, &mdash;<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der dunklen Äste dunklen Zierden,<br /></span>
-<span class="i0">Die in des Bösen Mondenschein<br /></span>
-<span class="i0">Mit ihren keimenden Begierden<br /></span>
-<span class="i0">Herbstliche Schatten um sich streu'n!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die unter ihrer Schleimhaut Schale<br /></span>
-<span class="i0">Und ihrer Fieberschwären Blühn<br /></span>
-<span class="i0">Das Mondlicht überziehn, das fahle,<br /></span>
-<span class="i0">Mit ihres trüben Reifes Grün.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und ihre frevle Fruchtbarkeit<br /></span>
-<span class="i0">Geheime Süchte offenbart,<br /></span>
-<span class="i0">So düster wie das Herzeleid<br /></span>
-<span class="i0">Von Kranken, welche Schnee umstarrt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Von ihrer Trauer überflort,<br /></span>
-<span class="i0">Seh' ich in Wunden voller Blutes<br /></span>
-<span class="i0">Der Wollust blaues Schwert gebohrt<br /></span>
-<span class="i0">Ins rote Fleisch des Übermutes.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O Herr, die Träume dieser Welt,<br /></span>
-<span class="i0">Wann sterben sie in meinem Herzen?<br /></span>
-<span class="i0">Gib, dass Dein Himmelsglanz erhellt<br /></span>
-<span class="i0">Das schlimme Treibhaus meiner Schmerzen<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und das Vergessen, das ich nimmer fand!<br /></span>
-<span class="i0">Und ihrer Fieber dürre Haide!<br /></span>
-<span class="i0">Die Sterne zwischen ihrer Lippen Rand<br /></span>
-<span class="i0">Und ihrer Sünden Eingeweide!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="GLASGLOCKEN" id="GLASGLOCKEN">GLASGLOCKEN</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Glasglocken ihr!<br /></span>
-<span class="i0">Seltsame Pflanzen, immerdar geschützt,<br /></span>
-<span class="i0">Und draussen stürmt der Wind durch meine Sinne!<br /></span>
-<span class="i0">Ein ganzes Tal der Seele ewig regungslos<br /></span>
-<span class="i0">Und feuchte Wärme, mittags eingeschlossen!<br /></span>
-<span class="i0">Die Bilder, die man an des Glases Oberfläche sieht!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Hebt niemals eine auf!<br /></span>
-<span class="i0">Auf alten Mondschein sind ein paar gestülpt.<br /></span>
-<span class="i0">Blick' durch das Blattwerk:<br /></span>
-<span class="i0">Es sitzt vielleicht ein Landstreicher auf dem Thron,<br /></span>
-<span class="i0">Man meint, Seeräuber lauerten auf einem Teich,<br /></span>
-<span class="i0">Und Vorwelttiere drohen Überfall den Städten.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Auf alten Schnee sind etliche gestellt,<br /></span>
-<span class="i0">Gestülpt sind andre über alten Regen.<br /></span>
-<span class="i0">(Habt Mitleid mit dem eingeschlossnen Dunst!)<br /></span>
-<span class="i0">Ich hör' ein Fest am Sonntag feiern in der Teurung,<br /></span>
-<span class="i0">Ein Lazarett ist auf dem Erntefeld,<br /></span>
-<span class="i0">Und alle Königstöchter irren an einem Fasttag durch die Auen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Gib acht auf die am Horizont zumal!<br /></span>
-<span class="i0">Sie decken alte Ungewitter sorgsam zu!<br /></span>
-<span class="i0">O, irgendwo muss eine grosse Flotte im Sumpfe sein!<br /></span>
-<span class="i0">Und Schwäne haben, deucht mich, Raben ausgebrütet!<br /></span>
-<span class="i0">(Kaum sieht man durch den feuchten Dunst!)<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Eine Jungfrau begiesst Farnkraut mit heissem Wasser,<br /></span>
-<span class="i0">Und eine Schar von kleinen Mädchen belauscht den Klausner in der Zelle.<br /></span>
-<span class="i0">In einer gift'gen Grotte Grund sind meine Schwestern eingeschlafen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O harrt, bis endlich Mond und Winter<br /></span>
-<span class="i0">Die Glocken decken, rings im Eis verstreut!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="DUNKLES_OPFER" id="DUNKLES_OPFER">DUNKLES OPFER</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein armes Tun bring ich dir dar;<br /></span>
-<span class="i0">Es ist den Träumen Toter gleich;<br /></span>
-<span class="i0">Im Sturme scheint der Mond so bleich<br /></span>
-<span class="i0">Auf meiner Reue Tiereschar:<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Auf meiner Träume violette Schlangen,<br /></span>
-<span class="i0">Die sich durch meinen Schlummer ranken,<br /></span>
-<span class="i0">Und auf mein schwertgekrönt Verlangen,<br /></span>
-<span class="i0">Auf Löwen, die im Sonnenschein ertranken,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und Lilien im fernen Wogenspiele<br /></span>
-<span class="i0">Und Hände, die auf ewig sich geschlossen,<br /></span>
-<span class="i0">Und meines Hasses rote Stiele,<br /></span>
-<span class="i0">Vom trüben Flor der Liebe grün umflossen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Hör' in Erbarmen, was die Lippe spricht,<br /></span>
-<span class="i0">Und dulde, dass mein düsteres Gebet<br /></span>
-<span class="i0">Und das im Gras verstreute Mondenlicht<br /></span>
-<span class="i0">Die Nacht am Himmelsrande mäht.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="HERZGEWAECHSE" id="HERZGEWAECHSE">HERZGEWÄCHSE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Meiner müden Schwermut blaues Glas<br /></span>
-<span class="i0">Deckt den alten, unbestimmten Kummer,<br /></span>
-<span class="i0">Dessen ich genas,<br /></span>
-<span class="i0">Und der nun erstarrt in seinem Schlummer.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sinnbildhaft ist seiner Blumen Zier:<br /></span>
-<span class="i0">Mancher Freuden düstre Wasserrose,<br /></span>
-<span class="i0">Palmen der Begier,<br /></span>
-<span class="i0">Weiche Schlinggewächse, kühle Moose.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Eine Lilie nur in all dem Flor,<br /></span>
-<span class="i0">Bleich und starr in ihrer Kränklichkeit,<br /></span>
-<span class="i0">Richtet sich empor<br /></span>
-<span class="i0">Über all das blattgewordne Leid.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Licht sind ihre Blätter anzuschauen,<br /></span>
-<span class="i0">Weissen Mondesglanz sie um sich sät.<br /></span>
-<span class="i0">Zum Kristall, dem blauen,<br /></span>
-<span class="i0">Sendet sie ihr mystisches Gebet.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="SEELENGLUT" id="SEELENGLUT">SEELENGLUT</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ihr Augen mein, von Finsternis erleuchtet,<br /></span>
-<span class="i0">Die alle meine Süchte überwand!<br /></span>
-<span class="i0">Das Herz, das allen Träumen offen stand<br /></span>
-<span class="i0">In Nächten, da die Seele Schweiss befeuchtet!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich hab' die Rosen der verdorrten<br /></span>
-<span class="i0">Erwartungen versenkt in mein Gemüt,<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Wimpern schlossen ihre Pforten<br /></span>
-<span class="i0">Über den Wünschen, die umsonst geglüht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Allabendlich tun meine ohnmachtsstarren<br /></span>
-<span class="i0">Und bleichen Finger ab das Glockenglas<br /></span>
-<span class="i0">Der grünen Hoffnung von dem dürren Gras<br /></span>
-<span class="i0">Der Dinge, die nicht sind und die nicht waren.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und meine matte Seele lauscht mit Beben<br /></span>
-<span class="i0">Den Traumesworten, die die Lippe spricht<br /></span>
-<span class="i0">Im Flor der Lilien, die mich umgeben;<br /></span>
-<span class="i0">Und meines Herzens Finsternis wird Licht! ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="SEELE" id="SEELE">SEELE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O meine Seele!<br /></span>
-<span class="i0">O meine allzusichre Seele!<br /></span>
-<span class="i0">Und diese Herden von Wünschen in einem Treibhaus!<br /></span>
-<span class="i0">Die eines Gewitters über den Wiesen harren!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Tritt zu den Kränksten:<br /></span>
-<span class="i0">Sie hauchen seltsame Dünste aus!<br /></span>
-<span class="i0">Mir ist bei ihnen, als beträt ich mit meiner Mutter ein Schlachtfeld!<br /></span>
-<span class="i0">Man begräbt einen Waffenbruder zur Mittagszeit,<br /></span>
-<span class="i0">Indess' die Wachen ihr Mahl verzehren.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Tritt auch zu den Schwächsten:<br /></span>
-<span class="i0">Sie liegen in seltsamem Schweiss.<br /></span>
-<span class="i0">Sieh hier eine kranke Braut,<br /></span>
-<span class="i0">Dort einen Verrat am Sonntag<br /></span>
-<span class="i0">Und kleine Kinder im Kerker.<br /></span>
-<span class="i0">(Und weiter weg, durch all den Dunst)<br /></span>
-<span class="i0">Ist's eine Sterbende an der Küchentür?<br /></span>
-<span class="i0">Eine Krankenschwester, die am Sterbebett Gemüse liest?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Tritt endlich zu den Traurigsten:<br /></span>
-<span class="i0">(Zuletzt zu ihnen, denn sie sind vergiftet.)<br /></span>
-<span class="i0">O meine Lippen spüren den Kuss von Verwundeten!<br /></span>
-<span class="i0">Alle Schlossfräulein starben vor Hunger<br /></span>
-<span class="i0">Diesen Sommer in den Türmen meiner Seele!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieh, der junge Tag tritt hinein in das Fest!<br /></span>
-<span class="i0">Ich sehe Lämmer an den Ufern entlang<br /></span>
-<span class="i0">Und einen Schleier vor den Fenstern des Spitals!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein weiter Weg ist es von meinem Herzen bis zu meiner Seele!<br /></span>
-<span class="i0">Und alle Wachen sind auf ihrem Posten tot!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Es war einmal ein armes kleines Fest in den Vorhöfen meiner Seele!<br /></span>
-<span class="i0">Man mähte dort den Schierling eines Sonntag-Morgens;<br /></span>
-<span class="i0">Und all die Jungfrau'n aus dem Kloster sahn die Schiffe<br /></span>
-<span class="i0">Auf dem Kanal vorüberziehn; es war an einem sonn'gen Fasttag.<br /></span>
-<span class="i0">Indess' die Schwäne litten unter einer gift'gen Brücke,<br /></span>
-<span class="i0">Schlug man die Bäume rings um das Gefängnis.<br /></span>
-<span class="i0">Man bracht' an einem Juni-Nachmittag Arznei,<br /></span>
-<span class="i0">Und Krankenmahle breiteten sich aus nach allen Seiten!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O meine Seele!<br /></span>
-<span class="i0">Wie traurig ist das alles, meine Seele!<br /></span>
-<span class="i0">Wie traurig alles!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="MUEDIGKEIT" id="MUEDIGKEIT">MÜDIGKEIT</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">So starr sind ihre Augen und erblindet,<br /></span>
-<span class="i0">Dass ihre Lippe nicht die Stelle findet.<br /></span>
-<span class="i0">Nur noch versenkt in ihren stolzen Traum<br /></span>
-<span class="i0">Schaun sie wie Hunde, die am Wiesensaum<br /></span>
-<span class="i0">Verträumt die weissen Lämmer schreiten sehen,<br /></span>
-<span class="i0">Wie sie des Mondes Silber auf der Au<br /></span>
-<span class="i0">Abweiden, überdeckt vom Himmelsgrau, &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">Grau wie ihr Leben; stumpf und ohne jähen<br /></span>
-<span class="i0">Wunsch nach dem Rosenflor in ihren Spuren<br /></span>
-<span class="i0">Und achtlos dieser tiefen stillen Fluren.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="MUEDES_JAGEN" id="MUEDES_JAGEN">MÜDES JAGEN</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O meine Seele fühlt so krank sich heut'!<br /></span>
-<span class="i0">Sie krankt an allem, was nicht ward,<br /></span>
-<span class="i0">Am Schweigen, das nichts offenbart,<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Augen klären sie mit Leid.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich seh' ein regungsloses Jagen,<br /></span>
-<span class="i0">Seh' der geheimen Süchte Meute<br /></span>
-<span class="i0">Auf müden Spuren folgen ihrer Beute,<br /></span>
-<span class="i0">Und der Erinn'rung Geisseln schlagen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Hunde meiner Träume irren<br /></span>
-<span class="i0">Durch schwülen Wald in langen Zügen<br /></span>
-<span class="i0">Und nach dem weissen Hirsch der Lügen<br /></span>
-<span class="i0">Der Reue gelbe Pfeile schwirren.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O Gott, mein atemlos Verlangen,<br /></span>
-<span class="i0">Der Augen schwüles Wünschen hält<br /></span>
-<span class="i0">In allzublauem Dunst gefangen<br /></span>
-<span class="i0">Den Mond, der meine Seel' erhellt.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="MUEDE_RAUBTIERE" id="MUEDE_RAUBTIERE">MÜDE RAUBTIERE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O die verrauschten Leidenschaften!<br /></span>
-<span class="i0">Der Tränen Flut, des Lachens Klang!<br /></span>
-<span class="i0">Unter dem welken Laub erschlafften<br /></span>
-<span class="i0">Mit halbgeschlossnen Lidern, krank,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die gelben Hunde meiner Sünden<br /></span>
-<span class="i0">Und meines Hasses schielende Hyänen,<br /></span>
-<span class="i0">Und auf verdrossnen bleichen Wiesengründen<br /></span>
-<span class="i0">Seh' ich die Löwen sich der Liebe dehnen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">In ihres Traumes Ohnmacht hingekauert<br /></span>
-<span class="i0">Und müde unter schlaffem Himmel,<br /></span>
-<span class="i0">Der trüb und farblos niedertrauert,<br /></span>
-<span class="i0">So seh' ich ihren Blick auf dem Gewimmel<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der Lämmer der Versuchung haften,<br /></span>
-<span class="i0">Die langsam, eines nach dem andern,<br /></span>
-<span class="i0">Im stillen Mondschein weiterwandern &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">Und stille ruhn sie, meine Leidenschaften ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="GEBET_2" id="GEBET_2">GEBET</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie ein Weib verzagt ist meine Seele!<br /></span>
-<span class="i0">Gott, sieh gnädig nieder auf das Tun<br /></span>
-<span class="i0">Meiner Hände, Lilien der Seele,<br /></span>
-<span class="i0">Meiner Augen, drin des Herzens Himmel ruhn!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Herr, erbarm dich meiner Nöte!<br /></span>
-<span class="i0">Ring und Palmenzweig hab' ich verloren.<br /></span>
-<span class="i0">Herr, erbarm dich meiner Angstgebete;<br /></span>
-<span class="i0">Schwache Blumen sind sie, die im Glas verdorren.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mitleid, Herr, wenn arg die Lippen sprechen,<br /></span>
-<span class="i0">Mitleid, Herr, mit meiner Reue!<br /></span>
-<span class="i0">Lilien auf meine Fieber streue,<br /></span>
-<span class="i0">Säe Rosen auf die Sümpfe der Gebrechen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Gott, den Himmel meiner Augen füllt<br /></span>
-<span class="i0">Trübend alter Stunden Taubenflug.<br /></span>
-<span class="i0">Hab' Erbarmen mit dem Lendentuch,<br /></span>
-<span class="i0">Das mit seinen blauen Falten mich umhüllt.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="TRUEBE_STUNDEN" id="TRUEBE_STUNDEN">TRÜBE STUNDEN</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O sieh die alten Wünsche ziehen,<br /></span>
-<span class="i0">Und wieder müde Träumerei,<br /></span>
-<span class="i0">Und wieder Träume, die entfliehen:<br /></span>
-<span class="i0">O sieh, der Hoffnung Tage sind vorbei!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Zu welchen soll ich nun entrinnen?<br /></span>
-<span class="i0">Kein Stern mehr an des Himmels Weiten!<br /></span>
-<span class="i0">Eis liegt auf allen Traurigkeiten<br /></span>
-<span class="i0">Und unterm Mond schwimmt blaues Linnen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und wieder Tränen, die ich überrasche!<br /></span>
-<span class="i0">O sieh die Lämmer, die den Schnee abweiden,<br /></span>
-<span class="i0">Sieh Kranke frieren bei verglomm'ner Asche!<br /></span>
-<span class="i0">O Gott, erbarm dich aller ihrer Leiden!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Lass mich nicht länger des Erwachens harren,<br /></span>
-<span class="i0">Nicht länger harren auf des Schlummers Ende!<br /></span>
-<span class="i0">Der Sonne harren meine Hände,<br /></span>
-<span class="i0">Die in dem kalten Mond erstarren.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="TRUEBSAL" id="TRUEBSAL">TRÜBSAL</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die trägen Pfau'n, die weissen Pfau'n entwichen,<br /></span>
-<span class="i0">Die weissen Pfau'n flohn des Erwachens Leid.<br /></span>
-<span class="i0">Ich seh' die weissen Pfau'n, die Pfau'n von heut',<br /></span>
-<span class="i0">Die Pfauen, die im Schlaf sich fortgeschlichen.<br /></span>
-<span class="i0">Die trägen Pfau'n, die weissen Pfauen schreiten<br /></span>
-<span class="i0">Lässig zum sonnenlosen Teich im Garten.<br /></span>
-<span class="i0">Ich hör' die weissen Pfau'n der Traurigkeiten<br /></span>
-<span class="i0">Lässig die sonnenlose Zeit erwarten.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="KRANKENHAUS" id="KRANKENHAUS">KRANKENHAUS</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Krankenhaus am Ufer des Kanals!<br /></span>
-<span class="i0">Krankenhaus im Juli!<br /></span>
-<span class="i0">Und dennoch macht man Feuer an im Saal,<br /></span>
-<span class="i0">Und grosse Dampfer pfeifen schrill auf dem Kanal!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">(O tretet nicht ans Fenster!)<br /></span>
-<span class="i0">Auswandrer gehn durch einen Prunkpalast!<br /></span>
-<span class="i0">Ich sehe eine Yacht im Sturm!<br /></span>
-<span class="i0">Ich seh auf allen Schiffen Herden!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">(Tut lieber nicht die Fenster auf,<br /></span>
-<span class="i0">So ist man fast geschützt vor allem Draussen!)<br /></span>
-<span class="i0">Man meint, ein Treibhaus liegt im Schnee,<br /></span>
-<span class="i0">Man meint, dass eine Wöchnerin<br /></span>
-<span class="i0">Den ersten Kirchgang tut bei stürmischem Wetter.<br /></span>
-<span class="i0">Man sieht auf eine wollne Decke Blumen ausgestreut.<br /></span>
-<span class="i0">Ein Brand brach aus an einem Sonntag<br /></span>
-<span class="i0">Und einen Wald betret' ich voll Verwundeter!<br /></span>
-<span class="i0">O, endlich kommt der Mond!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ein Wasserstrahl steigt mitten auf im Saal!<br /></span>
-<span class="i0">Ein Schwarm von kleinen Mädchen öffnet die Tür!<br /></span>
-<span class="i0">Ich seh' auf einer grünen Insel Schafe weiden<br /></span>
-<span class="i0">Und schöne Blumen blühn auf einem Gletscher!<br /></span>
-<span class="i0">Lilien in einer Marmorhalle!<br /></span>
-<span class="i0">Ein Fest, das man im Urwald feiert!<br /></span>
-<span class="i0">Und eine morgenländische Flora blüht in einer Eisgrotte!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Horch, die Schleusen tun sich auf!<br /></span>
-<span class="i0">Die grossen Dampfer schlagen Wellen im Kanal!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O die barmherzige Schwester schürt das Feuer!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Das schöne grüne Schilf am Ufer brennt!<br /></span>
-<span class="i0">Ein Schiff voller Verwundeter kämpft mit der Flut im Mondenschein!<br /></span>
-<span class="i0">Die Königstöchter alle sind in einem Boot im Sturm!<br /></span>
-<span class="i0">Und die Prinzessinnen sterben in einem Schierlingsfeld!<br /></span>
-<span class="i0">O lasst die Fenster zu!<br /></span>
-<span class="i0">Hoch, horch, noch pfeifen fern die grossen Dampfer!<br /></span>
-<span class="i0">Im Garten wird jemand vergiftet!<br /></span>
-<span class="i0">Und bei den Feinden feiert man ein Fest!<br /></span>
-<span class="i0">Es rennen Hirsche durch eine belagerte Stadt!<br /></span>
-<span class="i0">Eine Tierbude mitten in Lilien!<br /></span>
-<span class="i0">Eine Tropenflora im Schoss eines Kohlenschachtes!<br /></span>
-<span class="i0">Eine Schafherde zieht über eine eiserne Brücke!<br /></span>
-<span class="i0">Und die Lämmer der Herde betreten traurig den Saal!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Jetzt zündet die Schwester die Lampen an;<br /></span>
-<span class="i0">Sie bringt den Kranken das Essen.<br /></span>
-<span class="i0">Sie schliesst die Fenster auf den Kanal<br /></span>
-<span class="i0">Und alle Türen vor dem Mondenschein.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="NACHTGEBET" id="NACHTGEBET">NACHTGEBET</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mein nächtliches Gebet ist müd'<br /></span>
-<span class="i0">In Sehnsuchtsträumerei'n erschlafft.<br /></span>
-<span class="i0">Ich fühl's, wie jähe Leidenschaft<br /></span>
-<span class="i0">Und schlimme Wollust mich durchglüht!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich seh' des Mondes helles Flirren<br /></span>
-<span class="i0">Im nächt'gen Kummer meiner Träume;<br /></span>
-<span class="i0">Ich sehe über giftige Räume<br /></span>
-<span class="i0">Die Fleischeslust verloren irren.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich fühle, wie nach grünen Fernen<br /></span>
-<span class="i0">Die Gier in meiner Brust erwacht,<br /></span>
-<span class="i0">Und in der wolkendunklen Nacht<br /></span>
-<span class="i0">Lechz' ich verdürstend nach den Sternen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich fühle, wie mein Geist sich füllt<br /></span>
-<span class="i0">Mit bösen, schwarzen Zärtlichkeiten,<br /></span>
-<span class="i0">Und über sumpfbedeckten Weiten<br /></span>
-<span class="i0">Verfinstert sich des Mondes Bild.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Dein Groll, o Herr, macht mich zunichte!<br /></span>
-<span class="i0">O hab Erbarmen, Herr, und beue<br /></span>
-<span class="i0">Dem Kranken, Schweissgebadeten aufs neue<br /></span>
-<span class="i0">Das Grün, das er erblickt im Mondenlicht!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und all den Schierling, Herr, es eilt, es eilt,<br /></span>
-<span class="i0">Der ringsum wuchert, heiss' ihn niedermähen!<br /></span>
-<span class="i0">Durch meiner Hoffnung Dunkel muss ich sehen,<br /></span>
-<span class="i0">Wie grün der Mond auf Schlangenleibern weilt!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und all die schlimmen Träume dringen<br /></span>
-<span class="i0">In meinen Blick mit ihren Sündenqualen;<br /></span>
-<span class="i0">Ich höre blaue Wasserstrahlen<br /></span>
-<span class="i0">Empor zum kalten Monde springen!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="SEHNEN_IM_WINTER" id="SEHNEN_IM_WINTER">SEHNEN IM WINTER</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich weine über Lippen ohne Farben,<br /></span>
-<span class="i0">Auf denen keine Küsse je geboren,<br /></span>
-<span class="i0">Und über Wünsche wein' ich, die verloren<br /></span>
-<span class="i0">In hingemähten Traurigkeiten starben.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und immer ist der Himmel regenblass,<br /></span>
-<span class="i0">Und immer deckt der Schnee die Meeressäume.<br /></span>
-<span class="i0">Und Wölfe sind gelagert in das Gras<br /></span>
-<span class="i0">Vor der geschlossnen Schwelle meiner Träume.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">In meine matte Seele, ganz verschwommen<br /></span>
-<span class="i0">Von fernen Tagen, ist ihr Blick gesenkt;<br /></span>
-<span class="i0">Sie sehn sie von der Lämmer Blut getränkt,<br /></span>
-<span class="i0">Die eines Tags im Eise umgekommen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und endlich tritt der Mond hervor<br /></span>
-<span class="i0">Und starrt mit seinem Strahl, dem trübsalschweren,<br /></span>
-<span class="i0">Darin des Herbstes welkes Laub gefror,<br /></span>
-<span class="i0">Auf all mein krankes, hungerndes Begehren.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="REIGEN_DES_UNMUTS" id="REIGEN_DES_UNMUTS">REIGEN DES UNMUTS</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich stimme bleiche Lieder an<br /></span>
-<span class="i0">Von Küssen, die nicht wiederkehren;<br /></span>
-<span class="i0">Ich sehe Sieche Liebe sich gewähren<br /></span>
-<span class="i0">Auf dem verstreuten Wiesenplan.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">In meinen Schlummer eingesponnen,<br /></span>
-<span class="i0">Auftauchen hör' ich Stimmen so gelassen!<br /></span>
-<span class="i0">Und Lilien öffnen sich auf dunkle Gassen,<br /></span>
-<span class="i0">Die Sterne nie geschaut noch Sonnen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und dieses Streben mit noch zagem Herzen,<br /></span>
-<span class="i0">Und diese Wünsche, die ich nur gefasst,<br /></span>
-<span class="i0">Sind Bettlern gleich in einem Prunkpalast,<br /></span>
-<span class="i0">Im Morgenrot gleich matten Kerzen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich warte, dass der Mondschein mild<br /></span>
-<span class="i0">Mein Auge füllt, das offen lag im Sinnen<br /></span>
-<span class="i0">So manche Nacht, dass er mit seinem Linnen,<br /></span>
-<span class="i0">Dem stillen, blauen, meine Träume stillt.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="AMEN" id="AMEN">AMEN</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Stunde naht, o Herr; nun benedeie<br /></span>
-<span class="i0">Den ausgelöschten Schlaf der Knechte.<br /></span>
-<span class="i0">Ich harre, Herr, dass deine Rechte<br /></span>
-<span class="i0">In Kellerhöhlen Rosen streue.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich höre, dass von deinem Hauch gesunde<br /></span>
-<span class="i0">Mein Herz, nun endlich sicher vor Verrat,<br /></span>
-<span class="i0">Ein Osterlamm, das sich im Sumpf vertrat,<br /></span>
-<span class="i0">Und tief in warmen Fluten eine Wunde.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich harre, Herr, auf Nächte sonder Ende,<br /></span>
-<span class="i0">Auf eine unheilbare Schwäche,<br /></span>
-<span class="i0">Dein Ebenbild auf schwüler Wasserfläche<br /></span>
-<span class="i0">Und streck' nach deinem Schatten meine Hände.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und deiner Nächte, Vater, will ich harren,<br /></span>
-<span class="i0">Auf dass sich die Begierden all, die schwülen,<br /></span>
-<span class="i0">Und Träume in dem feuchten Abend kühlen<br /></span>
-<span class="i0">Und dann in einem Eispalast erstarren ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="TAUCHERGLOCKE" id="TAUCHERGLOCKE">TAUCHERGLOCKE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O Taucher, ewig unter der Glocke!<br /></span>
-<span class="i0">Ein ganzes Meer von ewig warmem Glas!<br /></span>
-<span class="i0">Ein ganzes regungsloses Leben mit langen grünen Pendelschlägen!<br /></span>
-<span class="i0">Und so viel fremde Wesen durch die Scheiben,<br /></span>
-<span class="i0">Die zu berühren ewig untersagt ist,<br /></span>
-<span class="i0">Wo so viel Leben draussen herrscht im klaren Wasser!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Gib acht! Der Schatten grosser Segelschiffe fliegt<br /></span>
-<span class="i0">Über den Blumenflor der Meereswälder!<br /></span>
-<span class="i0">Und plötzlich bin ich unterm Schatten grosser Wale,<br /></span>
-<span class="i0">Die nach dem Pole ziehn!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Jetzt löschen wohl die Andern in dem Hafen<br /></span>
-<span class="i0">Die Ladung der beschneiten Schiffe!<br /></span>
-<span class="i0">Ein Gletscher, der noch starrt auf Sommerwiesen!<br /></span>
-<span class="i0">Sie schwimmen rückwärts durch die grüne Flut der Meeresbucht!<br /></span>
-<span class="i0">Am Mittag dringen sie in düstre Grotten<br /></span>
-<span class="i0">Und Meeresbrisen fegen die Terrassen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Gib acht! Das sind des Golfstroms Flammenzungen!<br /></span>
-<span class="i0">Halt' ihre Küsse fern den Wänden des Verdrusses!<br /></span>
-<span class="i0">Man tat den Fieberkranken keinen Schnee mehr auf die Stirn!<br /></span>
-<span class="i0">Die Siechen haben Freudenfeuer angezündet<br /></span>
-<span class="i0">Und werfen grüne Lilien mit vollen Händen in die Glut!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Lehn' deine Stirn an, wo die Wände kühler sind,<br /></span>
-<span class="i0">Und warte, bis der Mond die Glockenspitze trifft,<br /></span>
-<span class="i0">Und schliess die Augen fest vor jenen Wäldern<br /></span>
-<span class="i0">Von blauen Pendelschlägen und von violettem Gallert:<br /></span>
-<span class="i0">Und bleib den Flüsterworten taub der lauen Flut!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Dann trockne deine schweissgeschwächten Wünsche.<br /></span>
-<span class="i0">Tritt erst zu denen, die der Ohnmacht nahe sind:<br /></span>
-<span class="i0">Es ist, als ob sie Brautnacht feierten im Keller,<br /></span>
-<span class="i0">Als ob sie mittags einen unterirdischen Gang, mit Lampen ausgehängt, beträten.<br /></span>
-<span class="i0">Sie zieh'n im Festzug durch ein Land, das einer Waise Kindheit gleicht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Tritt dann zu denen, die im Sterben liegen.<br /></span>
-<span class="i0">Sie kommen an wie Jungfraun nach einem langen Weg im Sommer an einem Fasttag.<br /></span>
-<span class="i0">Sie sind so bleich wie Kranke, die den Regen<br /></span>
-<span class="i0">Sanft auf die Gärten des Spitales rieseln hören,<br /></span>
-<span class="i0">Sie sind wie Überlebende, die auf dem Schlachtfeld Mahlzeit halten,<br /></span>
-<span class="i0">Und wie Gefangene, die wissen, dass alle Wächter sich im Flusse baden,<br /></span>
-<span class="i0">Und hören, dass man Gras im Kerkergarten mäht.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="AQUARIUM" id="AQUARIUM">AQUARIUM</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ach, meine Wünsche tragen<br /></span>
-<span class="i0">Die Seele nicht mehr an den Strand der Lider<br /></span>
-<span class="i0">Zur Ebbe von Gebet und Klagen<br /></span>
-<span class="i6">Sank sie hernieder.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Tief im geschlossenen Auge sie ruht.<br /></span>
-<span class="i0">Nur ihr Odem treibt matt und weiss<br /></span>
-<span class="i0">Noch empor an den Rand der Flut<br /></span>
-<span class="i6">Lilien von Eis ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ihre Lippen im Schmerzabgrunde<br /></span>
-<span class="i0">Schliesst unendliches Wellenspiel;<br /></span>
-<span class="i0">Und doch blühen aus ihrem Munde<br /></span>
-<span class="i6">Blumen auf blauem Stil.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Vor ihren Händen mein Blick erbleicht,<br /></span>
-<span class="i0">Wenn er der Lilien Spur nachzieht,<br /></span>
-<span class="i0">Die, von einander unerreicht,<br /></span>
-<span class="i6">Sich tot geblüht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und ich weiss, dass der Tod ihr naht,<br /></span>
-<span class="i0">Faltet sie nur ihre matten Hände,<br /></span>
-<span class="i0">Allzu schwach zu der Blumen Mahd,<br /></span>
-<span class="i6">Die keiner mehr fände ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="BRENNGLAS" id="BRENNGLAS">BRENNGLAS</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich betrachte alte Stunden<br /></span>
-<span class="i0">Unterm Brennglas meiner Reue,<br /></span>
-<span class="i0">Seh' von neuem Flor entbunden<br /></span>
-<span class="i0">Ihre tiefgeheime Bläue.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O dies Glas auf dem Verlangen,<br /></span>
-<span class="i0">Das die Seele mir durchdrungen!<br /></span>
-<span class="i0">Nah ich's den Erinnerungen,<br /></span>
-<span class="i0">Welke Gräser Feuer fangen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Den Gedanken aufgehalten,<br /></span>
-<span class="i0">Seh' ich durch das blaue Glas<br /></span>
-<span class="i0">All das Leid, das ich vergass,<br /></span>
-<span class="i0">Neue Blätter nun entfalten,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Bis zu jener Nächte Ferne,<br /></span>
-<span class="i0">Die mir längst im Geiste starben,<br /></span>
-<span class="i0">Trübend mit den Trauerfarben<br /></span>
-<span class="i0">Meiner Seele Hoffnungssterne.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="SPIEGELBILDER" id="SPIEGELBILDER">SPIEGELBILDER</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie des Traumes Fluten schwellen,<br /></span>
-<span class="i0">Meine Seele bebt, meine Seele bebt<br /></span>
-<span class="i0">Und mein Herz, versenkt in Traumesquellen,<br /></span>
-<span class="i0">Wird von Mondenschein durchwebt.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Tief im düstren Schilf, dem regungslosen,<br /></span>
-<span class="i0">Seh' ich tiefe Spiegelbilder weinen:<br /></span>
-<span class="i0">Schlanke Palmen, Lilien und Rosen,<br /></span>
-<span class="i0">Die sich in dem Wasserschoss vereinen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Blüt' auf Blüte streut den Blätterkranz<br /></span>
-<span class="i0">Auf des Himmels Widerschein.<br /></span>
-<span class="i0">In des Traumes Flut, in den Mondenglanz<br /></span>
-<span class="i0">Gehen sie für ewig ein ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="GESICHTE" id="GESICHTE">GESICHTE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich seh' in meinen Träumerei'n<br /></span>
-<span class="i0">Die Tränen, die ich je verschwendet,<br /></span>
-<span class="i0">Die Küsse, die mein Herz verblendet,<br /></span>
-<span class="i0">Vorüberziehn in langen Reih'n,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wie Mondlicht auf dem Wiesenrain,<br /></span>
-<span class="i0">Wie farbenlose Blumensterne,<br /></span>
-<span class="i0">Wie Wasserstrahlen in der Ferne,<br /></span>
-<span class="i0">Wie Lilien, welk im Mondenschein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Dem schweren Schlummer matt entstiegen,<br /></span>
-<span class="i0">Seh' ich durch die geschlossnen Lider,<br /></span>
-<span class="i0">Wie Raben sich auf Rosen wiegen<br /></span>
-<span class="i0">Und Sonne lacht auf Kranke nieder.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und langsam auf die matte Seele fällt<br /></span>
-<span class="i0">Die Schwermut all der unbestimmten Liebe,<br /></span>
-<span class="i0">Ganz still, als ob ihr keine Regung bliebe:<br /></span>
-<span class="i0">So ruht der stille Mondschein auf der Welt.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="GEBET_3" id="GEBET_3">GEBET</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Herr, du weisst, wie elend all mein Mühn!<br /></span>
-<span class="i0">Sieh die Opfer, die ich dir geboten,<br /></span>
-<span class="i0">Schlechte Erdenblumen, die verblühn,<br /></span>
-<span class="i0">Sonnenlicht auf einer Toten.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sieh auch meine Mattigkeit!<br /></span>
-<span class="i0">Schwarz das Frührot, ohne Mond die Nacht!<br /></span>
-<span class="i0">Träufle nieder deine Himmelspracht,<br /></span>
-<span class="i0">Und befruchte meine Einsamkeit!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Lass mich finden deine Spuren,<br /></span>
-<span class="i0">Schenke Licht der müden Brust;<br /></span>
-<span class="i0">Trübsal liegt auf meiner Lust,<br /></span>
-<span class="i0">Wie das Eis auf grünen Fluren.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="BLICKE" id="BLICKE">BLICKE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O diese armen müden Blicke!<br /></span>
-<span class="i0">Die euren und die meinen!<br /></span>
-<span class="i0">Die nicht mehr sind und die noch kommen werden!<br /></span>
-<span class="i0">Die niemals kommen und die dennoch sind!<br /></span>
-<span class="i0">Die Sonntags Kranke zu besuchen scheinen;<br /></span>
-<span class="i0">Und manche sind wie Kranke ohne Haus,<br /></span>
-<span class="i0">Wie Lämmer auf der Bleiche voller Linnen.<br /></span>
-<span class="i0">Und diese ungewohnten Blicke!<br /></span>
-<span class="i0">In deren Wölbung eine Jungfrau hingerichtet wird<br /></span>
-<span class="i0">Hinter verschlossner Tür und man muss zusehn!<br /></span>
-<span class="i0">Und die an unbekannte Trübsal uns gemahnen!<br /></span>
-<span class="i0">An Bauern in den Fenstern der Fabrik,<br /></span>
-<span class="i0">An einen Gärtner, der zum Weber wurde,<br /></span>
-<span class="i0">An einen Sommernachmittag im Wachsfigurenkabinett,<br /></span>
-<span class="i0">Und an der Königin Gedanken, die einen Kranken sieht im Garten!<br /></span>
-<span class="i0">An Kampfergeruch im Walde!<br /></span>
-<span class="i0">Und an ein Fürstenkind, das Feiertags in einen Turm geworfen wird,<br /></span>
-<span class="i0">An wochenlange Fahrt auf schwülem Kanal.<br /></span>
-<span class="i0">Erbarmt euch derer, die mit kleinen Schritten ausgehn,<br /></span>
-<span class="i0">So wie Genesende zur Erntezeit!<br /></span>
-<span class="i0">Erbarmt euch derer, die wie Kinder blicken,<br /></span>
-<span class="i0">Die sich zur Essenszeit verliefen!<br /></span>
-<span class="i0">Habt Mitleid mit dem Blick des Wunden zu dem Arzt,<br /></span>
-<span class="i0">Er ist wie Zelte im Orkan!<br /></span>
-<span class="i0">Habt Mitleid mit dem Blick der Jungfrau in Versuchung,<br /></span>
-<span class="i0">Und mit dem Blick, der Jungfrau, die erliegt!<br /></span>
-<span class="i0">Wie Fürstentöchter, die im ausweglosen Sumpf verirrt sind!<br /></span>
-<span class="i0">(O wie die Milch in Strömen durch das Dunkel flieht,<br /></span>
-<span class="i0">Und wie die Schwäne sterben mitten unter Schlangen!)<br /></span>
-<span class="i0">Und jene Blicke, die wie Schiffe mit vollen Segeln, lichterstrahlend, hinausziehn in den Sturm!<br /></span>
-<span class="i0">Das Klägliche in all den Blicken, weil sie nicht wo anders sind!<br /></span>
-<span class="i0">So viele Leiden, kaum zu unterscheiden, und dennoch so verschieden!<br /></span>
-<span class="i0">Und die, die niemand je verstehen wird!<br /></span>
-<span class="i0">Und diese armen, fast verstummten Blicke!<br /></span>
-<span class="i0">Und diese armen Blicke, die da flüstern!<br /></span>
-<span class="i0">Und diese armen fast erstickten Blicke!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die einen wie ein Schloss, zum Krankenhaus verwandelt!<br /></span>
-<span class="i0">Und so viel andre sind wie Zelte, Lilien des Krieges auf dem kleinen Rasenplatz des Klosters!<br /></span>
-<span class="i0">Und viele sind wie Kranke, die im Treibhaus liegen!<br /></span>
-<span class="i0">Und viele sind wie Krankenschwestern ohne Kranke auf hoher See!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O dass ich alle diese Blicke sah!<br /></span>
-<span class="i0">O dass ich alle diese Blicke aufnahm!<br /></span>
-<span class="i0">Die meinen, die sie kreuzten, sind erschöpft,<br /></span>
-<span class="i0">Und seit der Zeit kann ich die Augen nicht mehr schliessen!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="ERWARTUNG" id="ERWARTUNG">ERWARTUNG</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Seele faltet ihre Wunderhände<br /></span>
-<span class="i0">Am Himmel meiner Blicke, Herr, und fleht:<br /></span>
-<span class="i0">O dass mein Träumen doch Erfüllung fände,<br /></span>
-<span class="i0">Das von den Lippen deiner Engel geht!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">In meinen müden Augen harrt sie still,<br /></span>
-<span class="i0">Den Mund geöffnet zu Gebeten,<br /></span>
-<span class="i0">Die zwischen meinen Lidern sich verspäten<br /></span>
-<span class="i0">Und deren Blüte niemals kommen will.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">In meines Traumes Schoss ruht sie die Brust,<br /></span>
-<span class="i0">Die unter meinen Wimpern ihr verblüht,<br /></span>
-<span class="i0">Und zuckt die Wimpern, der Gefahr bewusst,<br /></span>
-<span class="i0">Die sie im Garn der Lüg' erwachen sieht.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="NACHMITTAG" id="NACHMITTAG">NACHMITTAG</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Augen überraschten meine Seele.<br /></span>
-<span class="i0">O Gott, erbarme dich und sä'<br /></span>
-<span class="i0">Ein wenig Blätter und ein wenig Schnee<br /></span>
-<span class="i0">Darüber, dass gedämpft das Feuer schwele!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Auf meinem Bett hab' ich die Sonne brüten,<br /></span>
-<span class="i0">Und dieser ewig gleiche Stundenschlag!<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Blicke streuen ihre Blüten<br /></span>
-<span class="i0">Auf Sterbende am Erntetag! ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nur welke Gräser hab' ich rings gepflückt,<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Augen sind vom Schlaf so müd'<br /></span>
-<span class="i0">Wie Kranke, die kein frischer Trunk erquickt,<br /></span>
-<span class="i0">Wie Kellerblumen, drauf die Sonne glüht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich harr' des Regens, der die Wiesen tränkt<br /></span>
-<span class="i0">Und meine regungslosen Träume,<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Blicke ziehn durch weite Räume<br /></span>
-<span class="i0">Der Herde nach, die zu den Städten drängt.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="TREIBHAUS_DER_SEELE" id="TREIBHAUS_DER_SEELE">TREIBHAUS DER SEELE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Aus meinen Augen Traumesblüten treiben<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Seele, unter Glas verschlossen,<br /></span>
-<span class="i0">Hat durch ihr Treibhaus Licht ergossen<br /></span>
-<span class="i0">Und streift die blauen Fensterscheiben.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O Treibhaus, das die schwüle Seele kettet,<br /></span>
-<span class="i0">Die Lilien, um die das Glas sich schliesst,<br /></span>
-<span class="i0">Das Schilf, das unter diesem Glasmeer spriesst,<br /></span>
-<span class="i0">Die Wünsche all, die nichts mehr rettet.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Durch der geschlossnen Lider Säume<br /></span>
-<span class="i0">Möcht' ich zu den vergess'nen Blüten dringen,<br /></span>
-<span class="i0">Die einstmals rosig an den Ästen hingen,<br /></span>
-<span class="i0">Die offnen Blüten meiner Träume.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich harre, dass im Laubwerk, dem verdorrten,<br /></span>
-<span class="i0">Ein wenig Grün sich zeigen will;<br /></span>
-<span class="i0">Ich harre, dass der Mond die Pforten<br /></span>
-<span class="i0">Mit blauen Fingern öffnet, sanft und still.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="WILLENSREGUNG" id="WILLENSREGUNG">WILLENSREGUNG</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Hab Mitleid mit den Augen, die verdrossen<br /></span>
-<span class="i0">Der Seele Hoffen neu erwachen sehn.<br /></span>
-<span class="i0">Hab Mitleid, Herr, mit dem, was unerschlossen<br /></span>
-<span class="i0">In Nächten harrt und zaudert aufzugehn!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O Seele du mit deinen leisen Wogen<br /></span>
-<span class="i0">Und den bewegten Lilien in der Flut,<br /></span>
-<span class="i0">Von dunklen Wasserstreifen überzogen,<br /></span>
-<span class="i0">Und was in meinen Augen Edles ruht!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O Gott, der Wasserrosen Hals umstricken<br /></span>
-<span class="i0">Seltsame Blumen, die ich nie gekannt,<br /></span>
-<span class="i0">Und deiner Engel unsichtbare Hand<br /></span>
-<span class="i0">Bewegt die stille Flut in meinen Blicken.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und ihre unbestimmten Zeichen bringen<br /></span>
-<span class="i0">Die Blumen in der blauen Flut zum Blühn,<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Seele spannt die weissen Schwingen<br /></span>
-<span class="i0">Zum Flug, um mit den Schwänen fortzuziehn.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="HAENDEDRUECKE" id="HAENDEDRUECKE">HÄNDEDRÜCKE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">O Händedrücke!<br /></span>
-<span class="i0">Das Dunkel dehnt sich zwischen euren Fingern!<br /></span>
-<span class="i0">Trompetenschrillen im Wettersturm!<br /></span>
-<span class="i0">Und Orgelklang im Sonnenschein!<br /></span>
-<span class="i0">Alle Herden der Seele in lichtloser Nacht!<br /></span>
-<span class="i0">Und alles Salz des Meeres im Gras der Wiesen!<br /></span>
-<span class="i0">Und diese blauen Meteore rings am Himmelskreis!<br /></span>
-<span class="i0">(Habt Mitleid mit des Menschen Kraft!)<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch diese sind noch trauriger und müder!<br /></span>
-<span class="i0">O, diese Händedrücke eurer armen, feuchten Hände!<br /></span>
-<span class="i0">Ich höre eure reinen Finger sich um meine Finger legen,<br /></span>
-<span class="i0">Und Lämmerherden ziehn im Mondenlicht an eines Flusses lauer Flut von dannen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich weiss noch all die Hände, die ich je berührte.<br /></span>
-<span class="i0">Ich sehe wieder, was in dem Schutze dieser Hände war.<br /></span>
-<span class="i0">Und heute seh' ich, was ich selbst im Schutze dieser lauen Hände war.<br /></span>
-<span class="i0">Ein Bettler war ich oft, der Brot am Fuss von Thronen isst.<br /></span>
-<span class="i0">Ein Taucher war ich, der aus heisser Flut sich nicht mehr retten kann!<br /></span>
-<span class="i0">Ich war ein ganzes Volk, das nicht mehr aus dem Mauerkreis entkam.<br /></span>
-<span class="i0">Und diese Hände, wie ein Kloster ohne Garten!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und die, die mich umschlossen, wie ein Glashaus<br /></span>
-<span class="i0">An Regentagen eine Krankenschar umschliesst!<br /></span>
-<span class="i0">Bis andre kamen, kühlere, das Tor zu öffnen<br /></span>
-<span class="i0">Und Wasser auf die Schwelle auszugiessen!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O, seltsame Händedrücke bekam ich,<br /></span>
-<span class="i0">Die mich nun immerdar umgeben!<br /></span>
-<span class="i0">Almosen waren es am Sommertag,<br /></span>
-<span class="i0">Und eine Ernte in tiefem Keller.<br /></span>
-<span class="i0">Und Seiltänzerlieder hallten rings um ein Gefängnis,<br /></span>
-<span class="i0">Und Wachsfiguren standen sommers in den Wäldern!<br /></span>
-<span class="i0">Oder der Mondstrahl mähte nieder die Oasen,<br /></span>
-<span class="i0">Und manchmal traf ich Jungfraun schweissgebadet im Schoss von Eisgrotten!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Habt Mitleid mit den seltsamen Händen!<br /></span>
-<span class="i0">Sie halten aller Könige Geheimnisse umspannt!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Habt Mitleid mit den allzu bleichen Händen!<br /></span>
-<span class="i0">Es ist, als kämen sie aus Mondeshöhlen.<br /></span>
-<span class="i0">Sie sind vernutzt vom Spinnen: der Wasserstrahlen Spindel spannen sie.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Habt Mitleid mit den allzu weissen, feuchten Händen!<br /></span>
-<span class="i0">Mir ist, als hätten Königstöchter sich am Mittag hingelegt den ganzen Sommer lang.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Haltet euch fern von allzu harten Händen!<br /></span>
-<span class="i0">Sie scheinen aus dem Felsen ausgemeisselt.<br /></span>
-<span class="i0">Doch habt Erbarmen mit den kalten Händen!<br /></span>
-<span class="i0">Ich seh' ein Herze bluten unter eis'gen Rippen!<br /></span>
-<span class="i0">Und habt Erbarmen mit den bösen Händen!<br /></span>
-<span class="i0">Die Brunnen haben sie vergiftet<br /></span>
-<span class="i0">Und junge Schwäne in ein Schierlingsnest getan.<br /></span>
-<span class="i0">Ich sah die bösen Engel mittags alle Pforten öffnen.<br /></span>
-<span class="i0">Nur Toren sind auf einem giftigen Fluss.<br /></span>
-<span class="i0">Nur schwarze Schafe sind auf sternenloser Trift,<br /></span>
-<span class="i0">Und Lämmer gehn, die Finsternis zu weiden.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch diese frischen, treuen Hände!<br /></span>
-<span class="i0">Sie bieten reife Früchte dar den Sterbenden!<br /></span>
-<span class="i0">Sie tragen frisches, kaltes Wasser in der hohlen Hand.<br /></span>
-<span class="i0">Milch giessen sie auf blutige Schlachtfelder!<br /></span>
-<span class="i0">Sie kommen, traun, aus wunderbaren, ewigen Urwäldern!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3><a name="NACHTSEELE" id="NACHTSEELE">NACHTSEELE</a></h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Meine Seele ist betrübt am Ende,<br /></span>
-<span class="i0">Ist betrübt von all der Müdigkeit,<br /></span>
-<span class="i0">Matt von ihrer Unzulänglichkeit,<br /></span>
-<span class="i0">Matt ist sie und auch betrübt am Ende,<br /></span>
-<span class="i0">Und mein Antlitz harrt auf deine Hände.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Herr, es harrt auf deine reinen Hände,<br /></span>
-<span class="i0">Harrt auf ihre engelreine Kühle,<br /></span>
-<span class="i0">Harret auf des Friedensringes Spende,<br /></span>
-<span class="i0">Harret, dass es ihren frischen Odem fühle,<br /></span>
-<span class="i0">Einem Schatze gleich im Meeresgrunde.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und ich harre, dass ich bald gesunde,<br /></span>
-<span class="i0">Dass ich nicht am Sonnenlichte sterbe,<br /></span>
-<span class="i0">Hoffnungslos im Sonnenlicht verderbe,<br /></span>
-<span class="i0">Dass mein Blick sich kühlt, der fieberwunde,<br /></span>
-<span class="i0">Drinnen so viel Arme Schlaf begehren!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Drinnen so viel Schwäne ziehn auf Meeren,<br /></span>
-<span class="i0">Schwäne, die ins Ungewisse fliegen<br /></span>
-<span class="i0">Und den kranken Hals vergeblich biegen,<br /></span>
-<span class="i0">Drinnen Kranke gehn und Rosen brechen<br /></span>
-<span class="i0">Auf verschneiten Gartenflächen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Herr, mein Antlitz lechzt nach deinen Händen,<br /></span>
-<span class="i0">Die gleich eisigen Engeln Kühlung spenden;<br /></span>
-<span class="i0">Und nach ihnen lechzen wie nach Wasserbächen<br /></span>
-<span class="i0">Meiner Blicke dürre Haiden,<br /></span>
-<span class="i0">Wo so viele müde Lämmer weiden!</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h2><a name="FUENFZEHN_LIEDER" id="FUENFZEHN_LIEDER">FÜNFZEHN LIEDER</a></h2>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>I</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie schmiedeten sie in der Höhle an<br /></span>
-<span class="i0">Und machten ein Kreuz an die Pforte dann.<br /></span>
-<span class="i0">Die Maid gedachte des Lichts nicht mehr,<br /></span>
-<span class="i0">Und der Schlüssel, der fiel ins Meer.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie wartete drinnen die Sommerszeit,<br /></span>
-<span class="i0">Sie wartete sieben Jahr und mehr:<br /></span>
-<span class="i0">Alljährlich kam einer des Wegs daher.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie harrte drinnen die Winterszeit,<br /></span>
-<span class="i0">Und im Harren ward ihr das Haar so lang:<br /></span>
-<span class="i0">Das entsann sich des Lichtes Herrlichkeit,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und suchte das Licht und fand's und drang<br /></span>
-<span class="i0">Durch die Steine hindurch zum Felsenhang,<br /></span>
-<span class="i0">Hing nieder von ihm mit Prangen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Eines Abends kommt noch Einer gegangen,<br /></span>
-<span class="i0">Weiss nicht, was der lichte Schein da sei,<br /></span>
-<span class="i0">Und traut sich nicht vorbei.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Er meint, ein Zeichen wär's, gar eigen,<br /></span>
-<span class="i0">Er meint, ein güldner Born wär' dort,<br /></span>
-<span class="i0">Er meint, es wär' ein Engelreigen;<br /></span>
-<span class="i0">Er wendet sich und geht auch fort ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>II</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Und kehrt er einst heim,<br /></span>
-<span class="i0">Was sag ich ihm dann?<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Sag, ich hätte geharrt,<br /></span>
-<span class="i0">Bis mein Leben verrann.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wenn er weiter fragt<br /></span>
-<span class="i0">Und erkennt mich nicht gleich?<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Sprich als Schwester zu ihm;<br /></span>
-<span class="i0">Er leidet vielleicht ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wenn er fragt, wo du seist,<br /></span>
-<span class="i0">Was geb ich ihm an?<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Mein Goldring gib<br /></span>
-<span class="i0">Und sieh ihn stumm an ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Will er wissen, warum<br /></span>
-<span class="i0">So verlassen das Haus?<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Zeig die offene Tür,<br /></span>
-<span class="i0">Sag, das Licht ging aus.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wenn er weiter fragt<br /></span>
-<span class="i0">Nach der letzten Stund'?<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Sag, aus Furcht, dass er weint,<br /></span>
-<span class="i0">Lächelte mein Mund. ..</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>III</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie töteten einst drei Jungfräulein,<br /></span>
-<span class="i0">Zu schauen in ihr Herz hinein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Das erste war voller Glück und Freud',<br /></span>
-<span class="i0">Und überall, wo sein Blut hinsprang,<br /></span>
-<span class="i0">Drei Schlangen zischten drei Jahre lang.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Das zweite war voller Lindigkeit,<br /></span>
-<span class="i0">Und überall, wo sein Blut hinsprang,<br /></span>
-<span class="i0">Drei Lämmer grasten drei Jahre lang.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Das dritte war voller Harm und Leid,<br /></span>
-<span class="i0">Und überall, wo sein Blut hinsprang,<br /></span>
-<span class="i0">Drei Erzengel wachten drei Jahre lang.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>IV</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die Mädchen mit den verbundenen Augen<br /></span>
-<span class="i0">(Tut ab die goldenen Binden!)<br /></span>
-<span class="i0">Die Mädchen mit den verbundenen Augen<br /></span>
-<span class="i0">Wollten ihr Schicksal finden ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Haben zur Mittagsstunde<br /></span>
-<span class="i0">(Lasst an die goldenen Binden!)<br /></span>
-<span class="i0">Haben zur Mittagsstunde<br /></span>
-<span class="i0">Das Schloss geöffnet im Wiesengrunde.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Haben das Leben gegrüsst<br /></span>
-<span class="i0">(Zieht fester die goldenen Binden!)<br /></span>
-<span class="i0">Haben das Leben gegrüsst,<br /></span>
-<span class="i0">Ohne hinauszufinden ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>V</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die drei blinden Schwestern<br /></span>
-<span class="i0">(Hofft und verzaget nicht)<br /></span>
-<span class="i0">Die drei blinden Schwestern<br /></span>
-<span class="i0">Mit goldner Lampen Licht<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Steigen hinauf zum Turme<br /></span>
-<span class="i0">(Sie, ihr und der ich's sag'),<br /></span>
-<span class="i0">Steigen hinauf zum Turme<br /></span>
-<span class="i0">Und harren sieben Tag' ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O, spricht die eine<br /></span>
-<span class="i0">(Hofft und verzaget nicht),<br /></span>
-<span class="i0">O, spricht die eine,<br /></span>
-<span class="i0">Ich höre unser Licht ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">O, spricht die andre<br /></span>
-<span class="i0">(Sie und wir andern auch),<br /></span>
-<span class="i0">O, spricht die andre,<br /></span>
-<span class="i0">Der König steigt herauf ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Nein, spricht die Reinste<br /></span>
-<span class="i0">(Hofft und verzaget nicht),<br /></span>
-<span class="i0">Nein, spricht die Reinste,<br /></span>
-<span class="i0">Verloschen ist unser Licht ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>VI</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie kamen und sagten mir ein Wort<br /></span>
-<span class="i0">(Mein Kind, ich zittre so),<br /></span>
-<span class="i0">Sie kamen und sagten mir ein Wort:<br /></span>
-<span class="i0">Sie sagten, er zöge fort ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Ich nahm zur Hand die Lampe hell<br /></span>
-<span class="i0">(Mein Kind, ich zittre so),<br /></span>
-<span class="i0">Ich nahm zur Hand die Lampe hell<br /></span>
-<span class="i0">Und trat zu den Türen schnell ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">An der ersten Tür, an der ich stand<br /></span>
-<span class="i0">(Mein Kind, ich zittre so),<br /></span>
-<span class="i0">An der ersten Tür, an der ich stand,<br /></span>
-<span class="i0">Erbebte die Flamme in meiner Hand ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">An der zweiten Tür, an der ich stand<br /></span>
-<span class="i0">(Mein Kind, ich zittre so),<br /></span>
-<span class="i0">An der zweiten Tür, an der ich stand,<br /></span>
-<span class="i0">Da sprach die Flamme in meiner Hand ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">An der dritten Tür, an der ich stand<br /></span>
-<span class="i0">(Mein Kind, ich zittre so),<br /></span>
-<span class="i0">An der dritten Tür, an der ich stand,<br /></span>
-<span class="i0">Erlosch das Licht in meiner Hand ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3 class="attach">VII</h3>
-</div>
-
-<p class="center">(aus »Blaubart und Ariane«)</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die sieben Mädchen von Orlamünde<br /></span>
-<span class="i0">Nach der Fee Verschwinden,<br /></span>
-<span class="i0">Die sieben Mädchen von Orlamünde<br /></span>
-<span class="i0">Wollten Tür und Freiheit finden,<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Zündeten an die sieben Lampen,<br /></span>
-<span class="i0">Öffneten Tür um Tür,<br /></span>
-<span class="i0">Türme, viele hundert Säle,<br /></span>
-<span class="i0">Fanden nicht zum Licht herfür ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Steigen in hallende Grotten nieder,<br /></span>
-<span class="i0">Wagen sich noch tiefer hinab,<br /></span>
-<span class="i0">Finden eine Tür verschlossen,<br /></span>
-<span class="i0">Goldner Schlüssel schliesst sie ab.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sehn im Spalt des Meeres Wogen,<br /></span>
-<span class="i0">Fürchten alle den Tod,<br /></span>
-<span class="i0">Wagen sie nicht aufzuschliessen,<br /></span>
-<span class="i0">Pochen dran in ihrer Not ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>VIII</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie hatte drei Kronen von lautrem Gold,<br /></span>
-<span class="i0">Wem gab sie die Kronen, sprich?<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die eine reicht sie den Eltern dar,<br /></span>
-<span class="i0">Die kauften drei Netze dafür von Gold,<br /></span>
-<span class="i0">Und hielten sie drin, bis es Frühling war.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die andre tat' sie den Buhlen weih'n,<br /></span>
-<span class="i0">Die kauften drei silberne Garne fein<br /></span>
-<span class="i0">Und hielten sie bis zum Herbst darin.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die dritte gibt sie den Kindern hin,<br /></span>
-<span class="i0">Die kauften drei eiserner Fesseln Zwang,<br /></span>
-<span class="i0">Drin blieb sie gekettet den Winter lang ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>IX</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie kam zum Schloss gegangen<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Die Sonne erhob sich kaum &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">kam zum Schloss gegangen,<br /></span>
-<span class="i0">Die Ritter blickten mit Bangen<br /></span>
-<span class="i0">Und es schwiegen die Fraun.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie blieb vor der Pforte stehen<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Die Sonne erhob sich kaum &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">blieb vor der Pforte stehen;<br /></span>
-<span class="i0">Man hörte die Königin gehen<br /></span>
-<span class="i0">Und der König fragte sie:<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wohin gehst du? Wohin gehst du?<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Gib acht in dem Dämmerschein &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">Wohin gehst du? Wohin gehst du?<br /></span>
-<span class="i0">Harrt drunten jemand dein?<br /></span>
-<span class="i0">Sie sagte nicht Ja noch Nein.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Sie stieg zu der Fremden hernieder<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Gib acht in dem Dämmerschein &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">Sie stieg zu der Fremden hernieder,<br /></span>
-<span class="i0">Die schloss sie in ihre Arme ein.<br /></span>
-<span class="i0">Die beiden sagten nicht ein Wort<br /></span>
-<span class="i0">Und gingen eilends fort.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Der König, der hat an der Schwelle geweint<br /></span>
-<span class="i0">&mdash; Gebt acht, wenn der Dämmer scheint &mdash;<br /></span>
-<span class="i0">Der König, der hat an der Schwelle geweint.<br /></span>
-<span class="i0">Man hörte der Königin Schritte verhallen,<br /></span>
-<span class="i0">Man hörte welke Blätter fallen.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3 class="attach">X</h3>
-</div>
-
-<p class="center">(aus »Aglavaine und Selysette«)</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Als ihr Geliebter schied<br /></span>
-<span class="i0">(Ich hörte die Türe gehn),<br /></span>
-<span class="i0">Als ihr Geliebter schied,<br /></span>
-<span class="i0">Da hab' ich sie lächeln sehn ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Doch als er wieder kam<br /></span>
-<span class="i0">(Ich hörte des Lichtes Schein),<br /></span>
-<span class="i0">Doch als er wiederkam,<br /></span>
-<span class="i0">War ein andrer daheim ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und ich sah den Tod<br /></span>
-<span class="i0">(Mich streifte sein Hauch),<br /></span>
-<span class="i0">Und ich sah den Tod,<br /></span>
-<span class="i0">Der erwartet ihn auch ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>XI</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Mutter, hast du nicht vernommen,<br /></span>
-<span class="i0">Mutter, dass sie uns warnen kommen? ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, gib mir deine Hand,<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, es ist ein Schiff am Strand ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mutter, sei auf deiner Hut ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, es fährt bald auf der Flut ...<br /></span>
-<span class="i0">Mutter, ist die Fährnis nah? ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, es zieht in die Ferne ja ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mutter, es nähert sich immerfort ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, bald ist's nicht mehr im Port ...<br /></span>
-<span class="i0">Mutter, jetzt ist es schon im Haus ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, es zieht in die Welt hinaus ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mutter, jetzt kommt es zur Tür herein ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, sie ziehen die Anker ein ...<br /></span>
-<span class="i0">Mutter, jetzt flüstert es neben mir ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, es ist schon fern von hier ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mutter, es nimmt den Sternen den Glanz ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, die Segel beschatten sie ganz ...<br /></span>
-<span class="i0">Mutter, jetzt pocht's an die Fenster an ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, der Wind hat sie aufgetan ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Mutter, ich sehe fast nichts mehr ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, es fährt auf das hohe Meer ...<br /></span>
-<span class="i0">Mutter, es ist überall ganz nah ...<br /></span>
-<span class="i0">Tochter, wovon denn sprichst du da? ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>XII</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ihr habt die Lampen angezündet<br /></span>
-<span class="i0">Und im Garten liegt Sonnenschein!<br /></span>
-<span class="i0">Ihr habt die Lampen angezündet:<br /></span>
-<span class="i0">Durch die Spalten seh' ich den hellen Schein.<br /></span>
-<span class="i0">Tut auf die Türen und lasst ihn ein!<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">&mdash; Die Schlüssel der Türen sind verloren,<br /></span>
-<span class="i0">Wir müssen warten und uns gedulden;<br /></span>
-<span class="i0">Die Schlüssel fielen von Turmes Rand.<br /></span>
-<span class="i0">Wir müssen warten und uns gedulden,<br /></span>
-<span class="i0">Bis andre Tage kommen ins Land ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Andre Tage öffnen die Türen,<br /></span>
-<span class="i0">Deren Riegel sich jetzt nicht rühren.<br /></span>
-<span class="i0">Der Wald, der hütet sie gut.<br /></span>
-<span class="i0">Des welken Laubes Feuerglut,<br /></span>
-<span class="i0">Die brennt auf der Schwelle der Türen ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">&mdash; Die anderen Tage sind voller Müh',<br /></span>
-<span class="i0">Die anderen Tage fürchten sich auch,<br /></span>
-<span class="i0">Die anderen Tage kommen nie,<br /></span>
-<span class="i0">Die anderen Tage sterben wie sie,<br /></span>
-<span class="i0">Und wir, wir sterben auch ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>XIII</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Schwestern, ich suchte dreissig Jahr,<br /></span>
-<span class="i0">Wo mag er verborgen sein?<br /></span>
-<span class="i0">Schwestern, ich pilgerte dreissig Jahr<br /></span>
-<span class="i0">Und holte ihn doch nicht ein ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Schwestern, ich pilgerte dreissig Jahr,<br /></span>
-<span class="i0">Nun sind die Füsse mir schwer.<br /></span>
-<span class="i0">Schwestern, er war überall<br /></span>
-<span class="i0">Und ist nirgends mehr ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Schwestern, trübe die Stunde blinkt;<br /></span>
-<span class="i0">Zieht mir vom Fusse die Schuh'.<br /></span>
-<span class="i0">Schwestern, auch der Abend sinkt<br /></span>
-<span class="i0">Und meine Seele sucht Ruh' ...<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Schwestern, sechzehn Jahre alt,<br /></span>
-<span class="i0">Pilgert weit fort von hier.<br /></span>
-<span class="i0">Schwestern, nehmt meinen Stab zum Halt,<br /></span>
-<span class="i0">Geht und sucht gleich mir ...</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3>XIV</h3>
-</div>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Die drei Schwestern wollten sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Setzten auf die güldnen Kronen,<br /></span>
-<span class="i0">Gingen sich den Tod zu holen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Wähnten ihn im Walde wohnen:<br /></span>
-<span class="i0">»Wald, so gib uns, dass wir sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Sollst drei güldne Kronen erben.«<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Da begann der Wald zu lachen<br /></span>
-<span class="i0">Und mit einem Dutzend Küssen<br /></span>
-<span class="i0">Liess er sie die Zukunft wissen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die drei Schwestern wollten sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Wähnten Tod im Meer zu finden.<br /></span>
-<span class="i0">Pilgerten drei Jahre lang.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">»Meer, so gib uns, dass wir sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Sollst drei güldne Kronen erben.«<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Da begann das Meer zu weinen,<br /></span>
-<span class="i0">Liess mit dreimal hundert Küssen<br /></span>
-<span class="i0">Die Vergangenheit sie wissen.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Die drei Schwestern wollten sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Lenkten nach der Stadt die Schritte;<br /></span>
-<span class="i0">Lag auf einer Insel Mitte:<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">»Stadt, so gib uns, dass wir sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Sollst drei güldne Kronen erben.«<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Und die Stadt tat auf die Tore<br /></span>
-<span class="i0">Und mit heissen Liebesküssen<br /></span>
-<span class="i0">Liess die Gegenwart sie wissen.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h3 class="attach">XV<br />
-
-LIED DER JUNGFRAU</h3>
-</div>
-
-<p class="center">(aus »Schwester Beatrix«)</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Allen weinenden Seelen,<br /></span>
-<span class="i0">Aller nahenden Schuld<br /></span>
-<span class="i0">Öffn' ich im Sternenkranze<br /></span>
-<span class="i0">Meine Hände voller Huld.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Alle Schuld wird zunichte<br /></span>
-<span class="i0">Vor der Liebe Gebet.<br /></span>
-<span class="i0">Keine Seele kann sterben,<br /></span>
-<span class="i0">Die weinend gefleht.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Verirrt sich die Liebe<br /></span>
-<span class="i0">Auf irdischer Flur,<br /></span>
-<span class="i0">So weisen die Tränen<br /></span>
-<span class="i0">Zu mir eine Spur.</span>
-</div></div>
-
-<div class="chapter">
-<h2><a name="NACHWORT" id="NACHWORT">NACHWORT</a></h2>
-</div>
-
-<p>Die Gedichtsammlung <span class="smcap">Im Treibhaus</span> (»Serres
-chaudes«, Brüssel 1895) ist übertragen von K. L.
-Ammer und in die endgültige Form gebracht durch
-Fr. v. Oppeln-Bronikowski, der auch die »<span class="smcap">Fünfzehn
-Lieder</span>« übersetzt hat (Quinze Chansons,
-Brüssel 1900, in der Neuauflage der »Serres
-chaudes«).</p>
-
-<p>Die »Serres chaudes« sind Maeterlincks Erstlingswerk.
-Er schrieb sie im Jahre 1887 in Paris unter
-dem Einfluss der Decadenten und veröffentlichte
-sie z. T. in der von ihm und Charles van Lerberghe
-begründeten Zeitschrift »La Pléiade«, welche die
-Lyrik reformieren wollte, getreu der <span class="smcap">Ars Poetica</span>
-Verlaines:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»De la musique avant toute chose ...<br /></span>
-<span class="i0">Rien de plus cher que la chanson grise<br /></span>
-<span class="i0">Où l'Indécis au Précis se joint ...<br /></span>
-<span class="i0">Que ton vers soit la chose envolée<br /></span>
-<span class="i0">Qu'on sent qui fuit d'une âme en allée<br /></span>
-<span class="i0">Vers d'autres cieux à d'autres amours ...<br /></span>
-<span class="i0">Et tout le reste est littérature.«</span>
-</div></div>
-
-<p>Maeterlinck ist in der Erfüllung dieses Postulats
-noch weiter gegangen als Verlaine; man möchte
-diesem Gedichte als Motto einen Spruch aus den
-»Fragmenten« des <span class="smcap">Novalis</span> voransetzen, die Maeterlinck
-bekanntlich ins Französische übertragen hat:</p>
-
-<p>»...Es lassen sich Erzählungen ohne Zusammenhang,
-jedoch mit Assoziation, wie Träume, denken;
-Gedichte, die bloss wohlklingend und voll schöner
-Worte sind, aber auch ohne allen Sinn und Zusammenhang,
-höchstens einige Strophen verständlich,
-wie Bruchstücke aus den verschiedenartigsten
-Dingen. Diese wahre Poesie kann höchstens einen
-allegorischen Sinn im Grossen und eine indirekte
-Wirkung wie Musik haben.«</p>
-
-<p>Die <span class="smcap">Fünfzehn Lieder</span>, von denen zwölf auf
-vlämischem Boden entstanden sind (Luxusausgabe
-»Douze Chansons« mit Illustrationen von Charles
-Doudelet, Paris 1897), sind stilistisch von den »Serres
-chaudes« sehr verschieden; sie tragen den Stempel
-des altfranzösischen Volksliedes mit seinen Refrains,
-seiner primitiven Metrik und Reimtechnik, seiner
-Schlichtheit und Starrheit, seinen dumpfen Wiederholungen.</p>
-
-<p>So heisst es in Lied VI:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»An der ersten Tür, an der ich stand,<br /></span>
-<span class="i0">Erbebte die Flamme in meiner Hand.<br /></span>
-<span class="i0">An der zweiten Tür, an der ich stand,<br /></span>
-<span class="i0">Da sprach die Flamme in meiner Hand.<br /></span>
-<span class="i0">An der dritten Tür, an der ich stand,<br /></span>
-<span class="i0">Erlosch das Licht in meiner Hand.«</span>
-</div></div>
-
-<p>Damit vergleiche man z. B. jene von Chamisso mitgeteilte
-Ballade »La fille du roi d'Espagne«:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">»Der Ritter wirft sein Gewand ab,<br /></span>
-<span class="i0">Taucht in des Meeres Grund.<br /></span>
-<span class="i0">Bei seinem ersten Tauchen<br /></span>
-<span class="i0">Macht er keinen Fund.<br /></span>
-</div><div class="stanza">
-<span class="i0">Bei seinem zweiten Tauchen<br /></span>
-<span class="i0">Hat der Ring geblinkt.<br /></span>
-<span class="i0">Bei seinem dritten Tauchen<br /></span>
-<span class="i0">Der Rittersmann ertrinkt.«</span>
-</div></div>
-
-<p>Arthur Luther hat im »Litt. Echo«, Bd. VIII, 10,
-Sp. 748, auch auf die Ähnlichkeit zwischen Dante
-Gabriel Rossettis »An old song ended« und Lied II
-verwiesen, ebenso auf dessen Anklingen an Ophelias
-Lied in Shakespeares »Hamlet«, welch letzteres
-Maeterlinck selbst als stimmungbildend anerkennt.</p>
-
-<div class="chapter">
-<h2><a name="INHALTSVERZEICHNIS" id="INHALTSVERZEICHNIS">INHALTSVERZEICHNIS</a></h2>
-</div>
-
-<div class="center">
-<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Inhaltsverzeichnis">
-<tr><td align="left"><span style="font-size:1.2em;margin-left:-1em"><a href="#IM_TREIBHAUS">IM TREIBHAUS</a></span></td><td align="right">S. 1</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#TREIBHAUS">TREIBHAUS</a></td><td align="right">3</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#GEBET">GEBET</a></td><td align="right">4</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#TREIBHAUSSTARRE">TREIBHAUSSTARRE</a></td><td align="right">5</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#VERSUCHUNGEN">VERSUCHUNGEN</a></td><td align="right">6</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#GLASGLOCKEN">GLASGLOCKEN</a></td><td align="right">8</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#DUNKLES_OPFER">DUNKLES OPFER</a></td><td align="right">10</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#HERZGEWAECHSE">HERZGEWÄCHSE</a></td><td align="right">11</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#SEELENGLUT">SEELENGLUT</a></td><td align="right">12</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#SEELE">SEELE</a></td><td align="right">13</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#MUEDIGKEIT">MÜDIGKEIT</a></td><td align="right">15</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#MUEDES_JAGEN">MÜDES JAGEN</a></td><td align="right">16</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#MUEDE_RAUBTIERE">MÜDE RAUBTIERE</a></td><td align="right">17</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#GEBET_2">GEBET</a></td><td align="right">18</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#TRUEBE_STUNDEN">TRÜBE STUNDEN</a></td><td align="right">19</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#TRUEBSAL">TRÜBSAL</a></td><td align="right">20</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#KRANKENHAUS">KRANKENHAUS</a></td><td align="right">21</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#NACHTGEBET">NACHTGEBET</a></td><td align="right">23</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#SEHNEN_IM_WINTER">SEHNEN IM WINTER</a></td><td align="right">25</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#REIGEN_DES_UNMUTS">REIGEN DES UNMUTS</a></td><td align="right">26</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#AMEN">AMEN</a></td><td align="right">27</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#TAUCHERGLOCKE">TAUCHERGLOCKE</a></td><td align="right">28</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#AQUARIUM">AQUARIUM</a></td><td align="right">30</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#BRENNGLAS">BRENNGLAS</a></td><td align="right">31</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#SPIEGELBILDER">SPIEGELBILDER</a></td><td align="right">32</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#GESICHTE">GESICHTE</a></td><td align="right">33</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#GEBET_3">GEBET</a></td><td align="right">34</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#BLICKE">BLICKE</a></td><td align="right">35</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#ERWARTUNG">ERWARTUNG</a></td><td align="right">38</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#NACHMITTAG">NACHMITTAG</a></td><td align="right">39</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#TREIBHAUS_DER_SEELE">TREIBHAUS DER SEELE</a></td><td align="right">40</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#WILLENSREGUNG">WILLENSREGUNG</a></td><td align="right">41</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#HAENDEDRUECKE">HÄNDEDRÜCKE</a></td><td align="right">42</td></tr>
-<tr><td align="left"><a href="#NACHTSEELE">NACHTSEELE</a></td><td align="right">45</td></tr>
-<tr><td align="left"><span style="font-size:1.2em;margin-left:-1em"><a href="#FUENFZEHN_LIEDER">FÜNFZEHN LIEDER</a></span></td><td align="right">47</td></tr>
-<tr><td align="left"><span style="font-size:1.2em;margin-left:-1em"><a href="#NACHWORT">NACHWORT</a></span></td><td align="right">67</td></tr>
-</table></div>
-
-<p class="spaced center">DRUCK VON W. DRUGULIN IN LEIPZIG</p>
-
-<div class="chapter">
-<p class="center spaced">EUGEN DIEDERICHS VERLAG IN JENA</p>
-</div>
-
-<hr />
-
-<p class="center sized">MAETERLINCK, Gesammelte Werke</p>
-
-<p class="center">übersetzt von Friedrich von Oppeln-Bronikowski</p>
-
-<p class="center sized">I. DRAMATISCHE WERKE</p>
-
-<div class="center">
-<table style="width:100%" border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Liste dramatische Werke">
-<tr valign="top"><td align="left" colspan="2"><span style="margin-left:1em">Bd. I&mdash;VIII brosch. à Mk. 2.&mdash;, geb. à Mk. 3.&mdash;</span></td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left"></td><td style="width:99%" align="left">Einzig autorisierte Bühnenausgabe</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;I</td><td align="left">PRINZESSIN MALEINE. Mit einer Vorrede und dem Bildnis des Verfassers</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;II</td><td align="left">DREI ALLTAGSDRAMEN: Der Eindringling &mdash; Die Blinden &mdash; Im Innern. 2. Auflage</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;III</td><td align="left">DREI MYSTISCHE SPIELE: Die sieben Prinzessinnen &mdash; Alladine und Palomides &mdash; Der Tod des Tintagiles. 2. Auflage</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;IV</td><td align="left">PELLEAS UND MELISANDE. 2. Aufl.</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;V</td><td align="left">AGLAVAINE UND SELYSETTE. 2. Auflage</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;VI</td><td align="left">ZWEI SINGSPIELE: Blaubart und Ariane &mdash; Schwester Beatrix. 2. Auflage</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;VII</td><td align="left">MONNA VANNA. 18.-20. Tausend</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;VIII</td><td align="left">JOYZELLE</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;IX</td><td align="left">DAS WUNDER DES HEILIGEN ANTONIUS. Brosch. Mk. 1.&mdash;, geb. Mk. 2.&mdash;</td></tr>
-</table></div>
-
-<p class="center sized">II. PHILOSOPHISCHE WERKE</p>
-
-<div class="center">
-<table style="width:100%" border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Liste philosophische Werke">
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;I</td><td style="width:99%" align="left">DER SCHATZ DER ARMEN. 3. verb. Aufl. Brosch. Mk. 4.&mdash;, geb. Mk. 5.&mdash;</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;II</td><td align="left">WEISHEIT UND SCHICKSAL. 3. Aufl. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;III</td><td align="left">DAS LEBEN DER BIENEN. 4. erw. Auflage. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50</td></tr>
-<tr valign="top"><td /><td align="left"> Preisgekrönt von der Académie française</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;IV</td><td align="left">DER BEGRABENE TEMPEL. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50</td></tr>
-<tr valign="top"><td align="left">Band&nbsp;V</td><td align="left">DER DOPPELTE GARTEN. Brosch. Mk. 4.50, geb. Mk. 5.50</td></tr>
-</table></div>
-
-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>GEDICHTE</span> ***</div>
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-</div>
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-or any Project Gutenberg&#8482; work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg&#8482; work, and (c) any
-Defect you cause.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-</div>
-
-</div>
-</div>
-</body>
-</html>
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