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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Der Landjunker - Lustspiel in fünf Aufzügen - -Author: Denis Iwanowitsch Fonwisin - -Translator: Friedrich Fiedler - -Release Date: February 13, 2022 [eBook #67394] - -Language: German - -Produced by: Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team - at https://www.pgdp.net. This book was produced from - scanned images of public domain material from the Google - Books project. - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LANDJUNKER *** - - - Meyers Volksbücher. - - - - - Der Landjunker. - - - Ein Lustspiel in fünf Aufzügen - von - Denis Von-Wisin. - - Aus dem Russischen übertragen von Friedrich Fiedler. - - - Leipzig. - Bibliographisches Institut. - - - - - Vorbemerkung. - - -Die Vorfahren Von-Wisins waren ein deutsches Rittergeschlecht, das zum -Orden der Schwertbrüder gehörte und sich von Wiesen schrieb. Ein Baron -Peter von Wiesen geriet im Kriege Iwans des Grausen mit Livonien in -russische Gefangenschaft und kehrte nicht mehr in sein Heimatland -zurück. Seine Nachkommen russifizierten sich vollständig, so daß sie -sogar ihren deutschen Familiennamen verleugneten. – Unser Dichter, „der -König der Satire“, wie ihn Puschkin im „_Jewgenij Onjegin_“ nennt, Denis -Iwanowitsch Von-Wisin, wurde am 3. April 1745 zu Moskau geboren und -studierte an der Petersburger Universität. 1763 erhielt er eine -Sekretärstelle beim Kabinetsminister I. P. Jelagin und 1769 eine solche -beim Grafen Nikita Iwanowitsch Panin, dem Minister des Auswärtigen und -Erzieher des Thronfolgers Paul. Vorher noch – 1766 – hatte Von-Wisin die -Komödie „Der Brigadier“ veröffentlicht, in welcher er die Sucht der -bessern russischen Stände nach allem Ausländischen und ihre Verachtung -des Einheimischen scharf geißelt. Am 24. Sept. 1782 gelangte „Der -Landjunker“ zur ersten Aufführung und fand einen ungewöhnlichen Beifall: -das begeisterte Publikum warf klirrende Geldbeutel auf die Bühne, und -Potjomkin soll nach der Vorstellung zum Verfasser gesagt haben: „Stirb, -Denis, oder schreibe nichts mehr!“ Zehn Jahre darauf, in den ersten -Tagen des Dezembers, wurde Von-Wisin auf dem Friedhof des -Alexander-Newskij-Klosters zu St. Petersburg zu Grabe getragen. - -Ein „_Njedorosslj_“ (wörtlich: Minderjähriger) hieß im vorigen -Jahrhundert jeder Adelige im Alter von 12-17 Jahren. Einem Ukas Peters -I. zufolge wurde ein solcher schon bei seiner Geburt in den Staatsdienst -eingeschrieben und mußte sich hierzu nach Erlangung eines gewissen -Bildungsgrades melden. Ein Landjunker, der kein Zeugnis über -Elementarbildung vorweisen konnte, verlor das Recht – zu heiraten. -Derjenige, welcher sich nicht freiwillig zum Dienst meldete, wurde laut -einem Ukas der Kaiserin Elisabeth unter die Soldaten und Matrosen -gesteckt. Auch Katharina II. hoffte solcherart – vielfach vergebens – -den russischen Adel moralisch zu heben. - -Der namhafte Kritiker, Fürst Pjotr Andrejewitsch Wjasemskij, Von-Wisins -Biograph, sagt vom „_Njedorosslj_“ –: „Diese Komödie ist nicht nur ein -schönes Musenerzeugnis, sondern auch ein patriotisches Verdienst.“ In -der That: im „Landjunker“ besitzen wir ein litterarisches Denkmal von -kulturhistorischer Bedeutung, insofern das Stück ein treues Bild der -russischen Gutsbesitzerschaft jener Zeit bietet und die liberal-humanen -Reformen Katharinas II. kräftigst unterstützt hat; die Komödie gab das -Signal zu einer Reihe in administrativer Hinsicht tendenziös gefärbter -Dramen, und auf den „Landjunker“ muß auch der Ursprung der modernen -russischen Sittenkomödien zurückgeführt werden. Der „_Njedorosslj_“ ist -das erste Nationallustspiel der Russen und erscheint hier zum erstenmal -in fremdsprachlichem Gewand. - - F. F. - - - - - Personen. - - - PROSTAKOW. - FRAU PROSTAKOWA, seine Frau. - MITROFAN, beider Sohn, der Landjunker. - JEREMEJEWNA, dessen Amme. - PRAWDIN. - STARODUM. - SOPHIE, Starodums Nichte. - MILON. - SKOTININ, Bruder der Frau Prostakowa. - KUTEJKIN, Seminarist. - ZYFIRKIN, abgedankter Sergeant. - WRALMANN, Lehrer. - TRISCHKA, Schneider. - Ein DIENER Prostakows. - Ein KAMMERDIENER Starodums. - - Die Handlung spielt auf dem Gute der Prostakow. - - - - - Erster Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA. MITROFAN. JEREMEJEWNA. - -FRAU PROSTAKOWA (betrachtet einen Kaftan auf Mitrofan). Der ganze Kaftan -ist verdorben! Jeremejewna, führe den Halunken Trischka her! -(Jeremejewna ab.) Der Spitzbube hat ihn überall zu eng gemacht! -Mitrofan, armer Junge, ich kann’s mir vorstellen, wie entsetzlich es -dich drücken muß! Rufe den Vater her (Mitrofan ab). - - - Zweiter Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA. JEREMEJEWNA. TRISCHKA. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Trischka). Komm mal näher, du Vieh! Hab’ ich dir -nicht gesagt, du Diebsgesicht, daß du den Kaftan breiter machen sollst? -Erstens wächst der Knabe und zweitens ist er auch ohne engen Kaftan sehr -delikat gebaut! Sprich, Klotz, wie willst du dich rechtfertigen! - -TRISCHKA. Aber, gnädige Frau, ich bin ja bei keinem Schneider in der -Lehre gewesen! Ich habe Sie ja gewarnt; warum beliebte es Ihnen nicht, -die Arbeit einem Schneider zu geben? - -FRAU PROSTAKOWA. Muß man denn ein Schneider sein, um einen Kaftan gut zu -nähen? So urteilen nur Tiere! - -TRISCHKA. Aber gnädige Frau, ein Schneider hat ja gelernt, und ich -nicht! - -FRAU PROSTAKOWA. Du widersprichst noch? Der Schneider hat bei einem -andern gelernt, der andre bei einem Dritten; bei wem hat dann aber der -allererste Schneider gelernt? Sprich, Vieh! - -TRISCHKA. Der allererste Schneider hat vielleicht noch schlechter genäht -als ich! - -MITROFAN (hereinlaufend). Ich habe den Vater gerufen, er sagte: Gleich. - -FRAU PROSTAKOWA. Geh, schlepp ihn mit Gewalt her, wenn er nicht -gutwillig kommen will! - -MITROFAN. Da ist der Vater. - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. PROSTAKOW. - -FRAU PROSTAKOWA. Nun, was verbirgst du dich vor mir? So was muß ich -erleben, deiner Nachsicht zu danken! Wie gefällt dir der neue Anzug -unsers Sohnes zur Verlobung des Onkels? Was sagst du zum Kaftan, den -Trischka genäht? - -PROSTAKOW (vor Schüchternheit stotternd). Er ist – etwas – sa – sackig. - -FRAU PROSTAKOWA. Du bist selber ein Sack, du Hohlkopf! - -PROSTAKOW. Ich glaubte nur, daß es dir so scheine. - -FRAU PROSTAKOWA. Bist du denn selber blind? - -PROSTAKOW. Wo du siehst, bin ich blind. - -FRAU PROSTAKOWA. Mit welchem Mann mich doch der liebe Gott gesegnet hat! -Kann selber nicht unterscheiden, was breit und was eng ist! - -PROSTAKOW. In dieser Hinsicht habe ich stets deinem Urteil vertraut und -zweifle auch jetzt nicht – - -FRAU PROSTAKOWA. So zweifle denn auch nicht, daß ich nicht gesonnen bin, -meinen Leibeignen durch die Finger zu sehn! Geh, laß ihn sofort -durchpeitschen! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. SKOTININ. - -SKOTININ. Wen? Wofür? An meinem Verlobungstage! Ich bitte dich, liebe -Schwester, eine solche Feier zu berücksichtigen und die Strafe bis auf -morgen zu verschieben; morgen, wenn du’s willst, werde auch ich gern -Hand anlegen. Da will ich nicht Skotinin heißen, wenn nicht jeder schuld -ist, den ich schuldig wissen will; hierin, Schwester, stimmen wir -miteinander völlig überein. Worüber bist du denn aber so erzürnt? - -FRAU PROSTAKOWA. Mögen deine Augen urteilen, Bruder! Mitrofan, komm her -... Sitzt dieser Kaftan sackig? - -SKOTININ. Nein. - -PROSTAKOW. Ich selbst, liebe Frau, sehe, daß er zu eng ist. - -SKOTININ. Auch das seh’ ich nicht. Der Kaftan, Schwager, ist vorzüglich -genäht. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Trischka). Heraus! (Zu Jeremejewna) Geh, -Jeremejewna, gib dem Knaben zu frühstücken. Ich glaube, die Lehrer -werden bald kommen. - -JEREMEJEWNA. Er hat bereits fünf Brötchen aufgegessen. - -FRAU PROSTAKOWA. So thut dir das sechste leid, du Ungetüm? Ist das dein -Diensteifer? Unerhört! - -JEREMEJEWNA. Gott gesegn’ es ihm! Ich hab’s ja zu Mitrofan -Terentjewitschs Besten gesagt. Bis an den Morgen hat er sich schlaflos -umhergewälzt. - -FRAU PROSTAKOWA. Heilige Mutter Gottes! Was war dir, Herzens-Mitrofan? - -MITROFAN. Ich weiß nicht, Mutter. Gestern nach dem Abendbrot bekam ich -Bauchkneipen. - -SKOTININ. Hast wohl, mein Freund, recht tüchtig zu Abend gegessen? - -MITROFAN. Ich habe, Onkelchen, fast nichts gegessen. - -PROSTAKOW. Ich erinnere mich, mein Sohn: du hast doch etwas zu dir -genommen. - -MITROFAN. Das ist ja nichts: etwa drei Scheibchen Pökelfleisch und fünf -oder sechs Stückchen Salzkuchen. - -JEREMEJEWNA. Die ganze Nacht über litt er Durst: einen ganzen Krug Kwas -hat er ausgetrunken. - -MITROFAN. Mir schwindelt noch jetzt der Kopf. Die ganze Nacht träumte -mir so ein Schund – - -FRAU PROSTAKOWA. Was für ein Schund denn, lieber Mitrofan? - -MITROFAN. Nun, bald träumte mir von dir, Mutter, bald vom Vater. - -FRAU PROSTAKOWA. Wieso? - -MITROFAN. Kaum begann ich einzuschlafen, so sah ich, wie du, Mutter, den -Vater prügeltest. - -PROSTAKOW (beiseite). Wehe mir – der Traum wird sich erfüllen. - -MITROFAN (zärtlich). Und da dauerte mich – - -FRAU PROSTAKOWA (ärgerlich). Wer, Mitrofan? - -MITROFAN. Du, Mutter, du wurdest so müde vom Prügeln! - -FRAU PROSTAKOWA. Umarme mich, mein Herz! Das ist ein Sohn! O, du mein -einziger Trost! - -SKOTININ. Nun, Mitrofan, ich merk’ es: du bist der echte Sohn deiner -Mutter, nicht aber deines Vaters. - -PROSTAKOW. Ich wenigstens liebe ihn, wie es einem Vater geziemt: er ist -ein kluges, ein vernünftiges Kind, ein Spaßvogel, ein Schalk. Mitunter -bin ich vor Freude ganz außer mir und kann es dann gar nicht glauben, -daß er mein Sohn ist. - -SKOTININ. Doch gegenwärtig macht unser Spaßvogel ein recht ernstes -Gesicht. - -FRAU PROSTAKOWA. Sollte man nicht in die Stadt nach dem Doktor schicken? - -MITROFAN. Nein, nein, Mutter; ich werde mich schon selber gesund machen. -Will doch mal zum Taubenschlag laufen, vielleicht daß – - -FRAU PROSTAKOWA. Gott gnädig ist. Geh, mein Teurer, spiele ein wenig. -(Mitrofan mit der Jeremejewna ab.) - - - Fünfter Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW und SKOTININ. - -SKOTININ. Wie kommt’s denn, daß ich meine Braut nicht sehe? Wo ist sie? -Am Abend findet die Verlobung statt: wär’ es da nicht Zeit, ihr -mitzuteilen, daß man sie verheiratet? - -FRAU PROSTAKOWA. Dazu haben wir noch Zeit, Bruder. Wenn man’s ihr vorher -sagt, so kann sie gar denken, daß wir sie nach ihrer Einwilligung -fragen! Ich bin nur durch meinen Mann mit ihr verwandt und liebe, daß -mir fremde Menschen gehorchen. - -PROSTAKOW (zu Skotinin). Der Wahrheit die Ehre! Wir haben Sophie -behandelt, als sei sie eine echte und rechte Waise. Als ihr Vater starb, -war sie noch ein ganz kleines Kind. Ein halbes Jahr darauf bekam ihre -Mutter, meine Verwandte, den Schlag – - -FRAU PROSTAKOWA (sich das Herz bekreuzigend). Die Kraft des Kreuzes sei -mit uns! - -PROSTAKOW. Dank welchem sie auch mit Tode abging. Des Mädchens Onkel, -ein Herr Starodum, fuhr nach Sibirien, und da er schon seit mehreren -Jahren völlig verschollen ist, so halten wir ihn denn auch für -verstorben. Als wir merkten, daß Sophie mutterseelenallein dastand, -nahmen wir sie zu uns aufs Dorf und verwalten nun ihr Gut, als sei es -unser eignes. - -FRAU PROSTAKOWA. Bist heute ganz ins Lügen hineingeraten, mein Lieber! -Der Bruder könnte gar glauben, daß wir sie aus Interesse zu uns genommen -haben. - -PROSTAKOW. Wie sollte er das glauben?! Ihr unbewegliches Vermögen können -wir doch nicht in unsre Tasche hineinwandern lassen! - -SKOTININ. Das bewegliche ist zwar schon hineingewandert, aber ich bin -kein Verräter. So was macht Scherereien, die ich nicht liebe, die ich -fürchte. Wie oft mich auch die Nachbarn übervorteilt, wieviel Schaden -sie mir gebracht – ich habe auf keinen eine Klage eingerichtet. Statt -mir den Schaden durch Laufereien einzubringen, zwack’ ich’s mir von den -Bauern ab, und kein Hahn kräht danach. - -PROSTAKOW. Es ist wahr, Schwager: die ganze Nachbarschaft meint, du -verstehest es meisterhaft, den Obrok[1] einzukassieren. - - [1] Abgaben der zinspflichtigen Bauern. _Anm. d. Übers._ - -FRAU PROSTAKOWA. Wenn du’s uns doch lehren wolltest, lieber Bruder; wir -verstehn’s gar nicht. Seitdem wir alles, was die Bauern besaßen, uns -zugesteckt haben, können wir sie gar nicht mehr rupfen. Ein wahrer -Jammer! - -SKOTININ. Gern, Schwester, will ich’s euch lehren – macht nur, daß ich -Sophie heirate. - -FRAU PROSTAKOWA. Gefällt dir denn das Mädchen so ungeheuer? - -SKOTININ. Nun, nicht gerade das Mädchen – - -PROSTAKOW. Also ihre Dörfer? - -SKOTININ. Auch nicht gerade die Dörfer, sondern das, was sich in diesen -Dörfern aufhält und meine größte Leidenschaft ist. - -FRAU PROSTAKOWA. Was denn, lieber Bruder? - -SKOTININ. Schweine sind meine Leidenschaft, Schwester. In unserm Umkreis -gibt’s dermaßen große Schweine, daß jedes, sollte es sich auf die -Hinterfüße stellen, uns alle um Kopfeslänge überragen würde. - -PROSTAKOW. Es ist doch sonderbar, Schwager, wie die Verwandten einander -gleichen können! Unser Mitrofan ist ganz nach dem Onkel geraten: auch er -hatte von Kindesbeinen an dieselbe Leidenschaft für Schweine wie du. Als -er drei Jahr zählte, so zitterte er vor Freude beim Anblick eines -Schweinchens. - -SKOTININ. In der That, höchst wunderbar! Nun, mag Mitrofan die Schweine -lieben: er ist mein Verwandter, und hierbei spielt die Ähnlichkeit eine -Rolle. Wie erklärt sich denn aber _meine_ Leidenschaft für die Schweine? - -PROSTAKOW. Auch hierbei spielt die Ähnlichkeit eine Rolle, denk’ ich. - - - Sechster Auftritt. - - DIE VORIGEN. SOPHIE tritt auf mit einem Brief in der Hand; ihr - Gesicht strahlt vor Freude. - -FRAU PROSTAKOWA. Was bist du denn so lustig, meine Beste? Worüber freust -du dich? - -SOPHIE. Soeben hab’ ich eine freudige Nachricht erhalten. Der Onkel, von -dem wir so lange nichts vernommen, den ich liebe und ehre wie einen -Vater, ist dieser Tage in Moskau angelangt. Da ist der Brief, den ich -soeben von ihm erhalten habe. - -FRAU PROSTAKOWA (erschrickt; mit verbissener Wut). Was? Starodum, dein -Onkel, lebt? Und du wagst es, ihn für auferstanden auszugeben? Diese -Lüge ist wirklich einzig! - -SOPHIE. Er war ja gar nicht gestorben! - -FRAU PROSTAKOWA. Nicht gestorben! Hätte er denn nicht sterben können? -... Nein, meine Beste, das sind deine Erfindungen, um uns mit deinem -Onkel ins Bockshorn zu jagen, damit wir dir Freiheit lassen! Du denkst: -der Onkel ist ein kluger Mensch, er wird schon Wege finden, mich aus -euren Händen zu befreien! Und darüber freust du dich ... aber bitte, -freue dich nur nicht zu sehr: dein Onkel ist natürlich von den Toten -nicht auferstanden. - -SKOTININ. Schwester! Wenn er aber gar nicht gestorben wäre? - -PROSTAKOW. Verhüt’ es Gott, daß er nicht gestorben wäre! - -FRAU PROSTAKOWA (zum Mann). Wie: „nicht gestorben?“ ... Mache mich nicht -wirr! Weißt du denn nicht, daß ich schon seit mehreren Jahren -Totenmessen für den Frieden seiner Seele halten lasse? Es ist unmöglich, -daß meine Gebete nicht bis zu Gott gedrungen seien! (Zu Sophie.) Gib mal -den Brief her (ihn an sich reißend). Eine Wette geh’ ich ein, daß es ein -Liebesbrief ist, und ich errate auch den Schreiber: es ist jener -Offizier, der dir einen Antrag machte, und den du auch heiraten wolltest -... Und welche Bestie händigt dir ohne meine Erlaubnis Briefe ein? Wart, -das werd’ ich schon herausbekommen! Das sind Zeiten: jungen Mädchen -werden Briefe geschrieben! Junge Mädchen können lesen und schreiben! - -SOPHIE. Bitte lesen Sie selbst den Brief, und Sie werden alsdann sehen, -daß er das Unschuldigste von der Welt enthält. - -FRAU PROSTAKOWA. „Lesen Sie selbst den Brief!“ Nein, meine Beste, ich -bin, Gott sei Dank, nicht so erzogen. Ich empfange Briefe, lasse sie -jedoch immer andre lesen. (Zum Mann.) Lies vor. - -PROSTAKOW (nachdem er lange hineingeblickt). Das dürfte schwer fallen. - -FRAU PROSTAKOWA. Auch dich hat man, scheint’s, wie ein junges Mädchen -aus der guten alten Zeit erzogen ... Bruder, bitte, lies du. - -SKOTININ. Ich? Ich habe nie in meinem Leben etwas gelesen, Schwester! -Gott hat mich mit solchem langweiligen Zeug verschont. - -SOPHIE. Erlauben Sie, daß ich lese. - -FRAU PROSTAKOWA. O, meine Beste, ich weiß wohl, daß du eine Meisterin -darin bist – nur trau’ ich dir nicht so recht ... Der Lehrer Mitrofans -wird wohl bald kommen; er soll mir lesen. - -SKOTININ. Wird denn der Junge schon im Schreiben und Lesen unterrichtet? - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, lieber Bruder, schon gegen vier Jahre unterrichtet -man ihn. Ja, Sünde wär’s, zu sagen, daß wir uns nicht alle Mühe geben, -Mitrofan zu erziehen: drei Lehrer werden bezahlt! Im Lesen und Schreiben -unterweist ihn Kutejkin, Vorsänger in der Kirche zu Mariä Schutz- und -Fürbitte. Rechnen lehrt ein abgedankter Sergeant, Namens Zyfirkin. Beide -kommen sie aus der Stadt hierher. Den Unterricht im Französischen und in -den übrigen Wissenschaften erhält mein armer Mitrofan von einem -Deutschen, Adam Adamytsch Wralmann. Diesem zahlen wir dreihundert -Rubelchen jährlich; er sitzt mit uns an _einem_ Tische, seine Wäsche -wird von unsern Dienstboten gewaschen; ein Pferd steht immer zu seiner -Verfügung; zu Mittag bekommt er ein Glas Wein, zur Nacht ein Talglicht, -und selbst die Perücke wird ihm umsonst von Fomka in stand erhalten ... -Doch, was wahr ist, bleibt wahr: auch wir sind mit ihm zufrieden, -Bruder: er überbürdet den Knaben nicht. Und man muß doch Mitrofan ein -wenig pflegen, solange er noch jung ist: wenn er denn noch zehn Jährchen -etwa – was Gott verhüten möge – dienen muß, wird ihm kein Schmerz -erspart bleiben! Übrigens – wie’s einem bei der Geburt bestimmt ist! -Schon mancher aus der Familie der Prostakows ist im Schlaf zu Rang und -Würden gestiegen – ist denn Mitrofan schlechter als sie? Ei – da kommt -ja wie gerufen unser teurer Mieter! - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN und PRAWDIN. - -FRAU PROSTAKOWA. Lieber Bruder, hier stell’ ich dir unsern teuren Gast -vor – Herr Prawdin; und das, mein Herr, ist mein Bruder. - -PRAWDIN. Freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. - -SKOTININ. Sehr wohl, mein Herr. Und wie lautet Ihr Familienname? Ich -habe nicht recht gehört. - -PRAWDIN. Mein Name ist Prawdin, damit Sie recht hören. - -SKOTININ. Und wo geboren, mein Herr? Wo liegen Ihre Dörfer? - -PRAWDIN. Ich bin in Moskau geboren, wenn es Ihnen zu wissen not thut, -und meine Dörfer liegen in diesem Bezirk. - -SKOTININ. Und darf ich fragen, mein Herr – Ihr und Ihres Vaters Vorname -ist mir unbekannt – ob es in Ihren Dörfern Schweinchen gibt? - -FRAU PROSTAKOWA. Fange doch nicht an, von Schweinen zu sprechen, Bruder! -Wollen wir lieber Herrn Prawdin unsre Not klagen. (Zu Prawdin.) Die -Sache ist nämlich die: es war das Geheiß Gottes, daß wir dieses junge -Mädchen zu uns nahmen. Nun erhält sie Briefe von Onkeln, die ihr aus -jener Welt schreiben. Wollten Sie die Güte haben, uns allen diesen Brief -laut vorzulesen! - -PRAWDIN. Verzeihen Sie – ich lese niemals Briefe, ohne von deren -Empfängern hierzu befugt zu sein. - -SOPHIE. Ich bitte Sie darum, Sie werden mich sehr verbinden. - -PRAWDIN. Wenn Sie es also befehlen ... (liest) „Liebe Nichte! Meine -Geschäfte zwangen mich, mehrere Jahre fern von meinen Verwandten zu -leben; die weite Entfernung beraubte mich des Vergnügens, Nachricht von -ihnen zu erhalten. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Sibirien bin ich nun -in Moskau. Ich kann wohl als Beispiel dienen, daß man sich durch Fleiß -und Ehrlichkeit ein Vermögen erarbeiten kann. Dank diesen Mitteln und -mit Hilfe des Glücks habe ich zehntausend Rubel Revenuen –“ - -SKOTININ und beide PROSTAKOWS. Zehntausend! - -PRAWDIN (im Lesen fortfahrend). – „Zu deren Erben ich Dich, liebe -Nichte, ernenne.“ - -FRAU PROSTAKOWA. Dich zur Erbin! } - } -PROSTAKOW. Sophie zur Erbin! } (Gleichzeitig.) - } -SKOTININ. Sie zur Erbin! } - -FRAU PROSTAKOWA (Sophie stürmisch umarmend). Gratuliere dir, meine -Herzens-Sophie! Ich weiß mich vor Freude nicht zu fassen! Jetzt mußt du -einen Bräutigam haben. Und eine bessere Braut kann ich mir für Mitrofan -gar nicht wünschen! Das ist ein Onkel! Der leibliche Vater! Ich hab’s -mir immer gedacht, daß ihn Gott behütet, daß er noch wohl und gesund -ist! - -SKOTININ (die Hand hinhaltend). Nun, Schwester, schlag ein. - -FRAU PROSTAKOWA (leise zu Skotinin). Warte noch, Bruder: erst muß man -sie fragen, ob sie dich nehmen will. - -SKOTININ. Wie? Fragen? Wir werden doch nicht erst ihre Meinung hören -wollen?! - -PRAWDIN. Darf ich den Brief zu Ende lesen? - -SKOTININ. Wozu? Und sollten Sie fünf Jahre lesen – Besseres als die -Zehntausend werden Sie doch nicht herauslesen! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Sophie). Herzens-Sophie, komm mit mir auf mein -Schlafzimmer. Ich habe äußerst Wichtiges mit dir zu sprechen (führt -Sophie fort). - -SKOTININ. S–o–o–o! Na, ich sehe, daß heute wohl schwerlich aus der -Verlobung was wird! - - - Achter Auftritt. - - PRAWDIN. PROSTAKOW. SKOTININ. EIN DIENER. - -DIENER (außer Atem zu Prostakow). Gnädiger Herr, gnädiger Herr! Soldaten -sind gekommen, haben in unserm Dorfe Quartier gemacht! - -PROSTAKOW. O Unglück, sie werden uns gänzlich ruinieren! - -PRAWDIN. Worüber erschrecken Sie so? - -PROSTAKOW. Ach, Lieber, Guter! Ich hab’s ja schon erlebt! Ich wag nicht, -ihnen unter die Augen zu treten! - -PRAWDIN. Befürchten Sie nichts. Sie werden natürlich von einem Offizier -angeführt, der es zu keiner Gewaltthat kommen läßt. Wollen wir zusammen -hingehen. Ich bin versichert, daß Sie sich unnütz beunruhigen. (Prawdin, -Prostakow und der Diener ab.) - -SKOTININ. Alle haben mich verlassen ... Will doch einen Spaziergang -durch den Viehhof machen! - - - - - Zweiter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - PRAWDIN und MILON. - -MILON. Wie freut es mich, mein teurer Freund, dich wiederzusehn! Wie -kommst du her? - -PRAWDIN. Gern will ich dir den Grund meines Hierseins mitteilen. Ich bin -zum Mitgliede der hiesigen Provinzialverwaltung ernannt worden und habe -Befehl, den hiesigen Bezirk zu inspizieren. Gleichzeitig unterlass’ ich -es nicht aus eignem Herzensantrieb, diejenigen tyrannischen Gutsbesitzer -zu studieren, die ihre Vollmacht über ihren Untergebenen unmenschlich -mißbrauchen. Du kennst die Denkungsart unsers Gouverneurs. Mit welchem -Eifer hilft er der leidenden Menschheit! Mit welcher Hingebung erfüllt -er die humanen Absichten der Regierung. Wir haben es bei uns selber -gesehen, daß, wenn der Gouverneur derartig ist, wie ihn das Reglement -vorzeichnet, der Wohlstand der Bewohner ein gesicherter bleibt. Ich -wohne hier schon drei Tage und fand einen ehrlosen Narren von Gutsherrn -und dessen Furie von Frau, deren teuflischer Charakter dem ganzen Hause -Unheil bringt. Worüber sinnst du, mein Freund? Sage doch, wirst du lange -hier bleiben? - -MILON. Schon nach einigen Stunden verlass’ ich dies Haus. - -PRAWDIN. Warum so bald? Ruh dich doch erst aus. - -MILON. Ich darf nicht: muß ohne Zögern die Soldaten weiterführen ... -Außerdem brenn’ ich selber vor Ungeduld, schneller in Moskau zu sein. - -PRAWDIN. Und der Grund hierzu? - -MILON. Dich, als meinen Freund, will ich in das Geheimnis meines Herzens -einweihen. Ich liebe und bin so glücklich, geliebt zu werden. Schon über -ein halbes Jahr bin ich von der getrennt, die mir teurer ist als alles -auf der Welt; und was noch betrübender ist: diese ganze Zeit über hab’ -ich keinerlei Nachricht von ihr erhalten. Oft schrieb ich ihr Schweigen -dem Erkalten zu und zermarterte mein Herz. Da erhielt ich plötzlich eine -Mitteilung, die mich höchlich überraschte. Man schreibt mir nämlich, daß -sie nach dem Tode ihrer Mutter von entfernten Verwandten zu sich aufs -Dorf genommen worden sei – und ich weiß weder von wem, noch wohin. -Vielleicht befindet sie sich jetzt in den Händen von Egoisten, bei denen -sie, die schutzlose Waise, tyrannisiert wird. Der Gedanke allein macht -mich rasen! - -PRAWDIN. Eine derartige Unmenschlichkeit sehe ich in diesem Hause, doch -schmeichle ich mir mit der Hoffnung, der Bosheit der Frau und der -Narrheit des Mannes eine Grenze zu stecken. Ich habe schon von allem -unsern Chef in Kenntnis gesetzt und zweifle nicht, daß man Maßregeln -ergreifen wird, diesem saubern Paar Einhalt zu thun. - -MILON. Wie glücklich bist du, Freund, daß du das Los Unglücklicher -erleichtern kannst! ... Auch ich bin in einer sehr mißlichen Lage und -weiß nicht, was ich beginnen soll. - -PRAWDIN. Und darf ich fragen, wie der Name – - -MILON (entzückt). O, da ist sie ja selber! - - - Zweiter Auftritt. - - DIE VORIGEN und SOPHIE. - -SOPHIE. Milon, bist du’s? - -PRAWDIN. Welches Glück! - -MILON. Die ist’s, die mein ganzes Herz beherrscht! ... Teure Sophie, -sprich, wie kommt’s, daß ich dich hier treffe? - -SOPHIE. Wieviel hab’ ich gelitten seit dem Tage unsrer Trennung! Meine -gewissenlosen Verwandten – - -PRAWDIN. Freund, laß das Fragen! es bereitet ihr nur Schmerz. Von mir -wirst du erfahren, welche Roheiten – - -MILON. Die Nichtswürdigen! - -SOPHIE. Heute übrigens hat die Frau vom Hause zum erstenmal mir -gegenüber einen andern Ton angeschlagen. Als sie erfuhr, daß mich der -Onkel zu seiner Erbin eingesetzt, verfiel sie aus Grobheit und Zanksucht -in kriechende Liebenswürdigkeit, und ich ersehe aus allen ihren -Anspielungen, daß sie mich ihrem Sohne als Braut zugedacht hat. - -MILON (ungeduldig). Und du hast ihr nicht alsbald deine vollste -Verachtung ausgesprochen? - -SOPHIE. Nein ... - -MILON. Hast ihr nicht gesagt, daß dein Herz bindende Pflichten hat, daß -– - -SOPHIE. Nein ... - -MILON. O, nun seh’ ich mein Verderben! Ich habe einen beglückten -Nebenbuhler! ... Nun, ich zweifle ja gar nicht an seinen Vorzügen: er -ist gewiß klug, aufgeklärt, liebenswürdig; aber daß er sich mit mir in -meiner Liebe messen könnte – - -SOPHIE (lächelnd). Gott, wenn du ihn sähest – du würdest rasen vor -Eifersucht! - -MILON (grimmig). Ich kann mir alle seine Vorzüge vorstellen! - -SOPHIE. Nein, du kannst sie dir gar nicht alle vorstellen! Er zählt zwar -erst sechzehn Jahre, hat jedoch schon die höchste Sprosse der -Vollkommenheit erklommen und kann gar nicht mehr höher steigen. - -PRAWDIN. Wie kann er nicht höher steigen, Fräulein? Er hat ja bald die -Fibel ausgelernt und wird wohl alsbald zum Psalmbuch übergehen. - -MILON. Von solcher Beschaffenheit also ist mein Nebenbuhler?! ... Ach, -Sophie, warum quälst du mich, und sei’s auch nur im Scherz! Du weißt, -wie einem Liebenden selbst der geringste Verdacht Leiden macht! ... Nun -sage mir, was du ihr geantwortet hast. (In diesem Augenblick geht -Skotinin nachdenklich über die Bühne, ohne von jemand bemerkt zu -werden.) - -SOPHIE. Ich sagte ihr, daß ich vom Willen des Onkels abhänge, daß er -bald selber herkommen werde – was ich aus dem Briefe schließe, den (zu -Prawdin) Sie dank dem Herrn Skotinin nicht haben zu Ende lesen dürfen. - -MILON. Skotinin! - -SKOTININ. Hier! - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN und SKOTININ. - -PRAWDIN. Sie haben also gelauscht, Herr Skotinin? Das hab’ ich von Ihnen -nicht erwartet! - -SKOTININ. Ich ging zufällig vorbei und antwortete, da man mich anrief. -Das ist so meine Art: wer „Skotinin!“ ruft, dem antwort’ ich „Hier!“ Ich -habe in der Garde gedient und erhielt als Korporal meinen Abschied: rief -man nun auf dem Versammlungsplatz laut: „Taras Skotinin!“ so brüllte -ich: „Hier!“ - -PRAWDIN. Wir haben Sie nicht angerufen, und Sie können nun gehn, wohin -Sie gehen wollten. - -SKOTININ. Ich wollte nirgendhin gehn, ich schritt nur so in Gedanken auf -und ab. Es ist so meine Art: sitzt mir mal ein Gedanke im Kopfe fest, so -läßt er sich mit keinem Pflock austreiben – sitzt was drin, so sitzt es -fest. Dann denk’ ich nur dieses Etwas und seh’ es im Traum wie in der -Wirklichkeit und in der Wirklichkeit wie im Traum. - -PRAWDIN. Und was beschäftigt Sie gegenwärtig? - -SKOTININ. Ach, bester, teuerster Freund! Wunderdinge passieren mir. -Meine Schwester ließ mich schnell – schnell aus meinem Dorfe herkommen – -und wenn sie mich ebenso schnell aus ihrem Dorfe heimschickt, so kann -ich vor der ganzen Welt mit reinem Gewissen behaupten: leer gekommen, -leer zurückgekehrt. - -PRAWDIN. Wie ich Sie bedauere, Herr Skotinin! Ihre Schwester spielt mit -Ihnen wie mit einem Ball. - -SKOTININ. Wie mit einem Ball? Gott schütze vor Unglück! Will ich doch -selber sie so weit schleudern, daß das ganze Dorf sie eine ganze Woche -lang umsonst suchen soll! - -SOPHIE. Ach, wie Sie zornig sind! - -MILON. Was ist Ihnen? - -SKOTININ. Bitte urteilen Sie selbst – Sie sind ein vernünftiger Mensch. -Also, meine Schwester hat mich herkommen lassen, damit ich heirate. Nun -zieht sie sich zurück mit dem Vorwand: „Wozu brauchst du, Bruder, eine -Frau, wenn du nur ein gutes Schwein hast.“ Nein, Schwester – ich will -mir auch eigene Ferkel anschaffen! Auf _den_ Leim geh’ ich nicht! - -PRAWDIN. Auch mir will es scheinen, Herr Skotinin, daß Ihre Schwester -eine Heirat im Sinne hat, nur nicht die Ihrige. - -SKOTININ. Mag sie doch – ich stehe keinem im Wege: heirate jeder seine -Braut. Ich werde mich an einer fremden nicht vergreifen, aber auch -Fremde sollen sich an der meinigen nicht vergreifen. (Zu Sophie.) -Fürchte nichts, mein Schatz: niemand wir dich mir entreißen. - -SOPHIE. Was soll das heißen? - -MILON (aufschreiend). Welche Frechheit! - -SKOTININ (zu Sophie). Nun, worüber bist du denn so erschrocken? - -PRAWDIN (zu Milon). Wie kann man einem Skotinin zürnen! - -SOPHIE (zu Skotinin). So ist es denn beschlossen, daß ich Ihre Frau -werde? - -MILON. Mit Mühe halt’ ich an mir! - -SKOTININ. Niemand entgeht seinem Schicksal, mein Herz! Sünde ist’s, daß -du wider dein Glück murrst. Das herrlichste Leben wirst du an meiner -Seite haben. Zehntausend hast du Revenuen! Welch ein Glück! Eine solche -Summe hab’ ich in meinem Leben nicht einmal gesehen! Donnerwetter, für -dieses Geld kann ich mir ja alle Schweine auf der Welt kaufen! Ja, jeder -Mund soll in die Trompete stoßen: bei Skotinin ist das Paradies der -Schweine! - -PRAWDIN. Wenn allein die Schweine bei Ihnen ein paradiesisches Leben -führen, so wird Ihre Frau vor Ihnen und selbigen Schweinen wenig Ruhe -haben. - -SKOTININ. Wenig Ruhe? Ei, hab’ ich denn zu wenig Raum in meinem Hause? -Sie soll für sich allein das Eckzimmer mit dem Divan haben! Freundchen, -wenn schon jetzt jedes meiner Schweinchen einen besonderen Koben hat, so -wird sich für meine Frau schon ein Zimmerchen finden. - -MILON. Welch ein viehischer Vergleich! - -PRAWDIN (zu Skotinin). Nichts wird daraus, Herr Skotinin. Ich will’s -ihnen nur gerade heraus sagen: Ihre Schwester will Fräulein Sophie mit -Mitrofan verheiraten. - -SKOTININ (zornig). Was, wie? Der Neffe soll den Onkel ausstechen! Alle -Rippen will ich dem Kerl eindrücken, sobald ich ihn sehe! Und ein -Schweinesohn will ich sein, wenn ich nicht Sophiens Mann werde oder den -Bengel zum Krüppel schlage! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. JEREMEJEWNA und MITROFAN. - -JEREMEJEWNA. Du solltest doch ein ganz klein wenig lernen! - -MITROFAN. Sprich noch ein Wort, alte Hexe, so will ich’s dir eintränken: -werde mich wieder bei der Mutter beklagen, und sie wird dich, wie -gestern, durchwalken! - -SKOTININ. Komm mal her, Freundchen. - -JEREMEJEWNA. Geh zum Onkel, Kind. - -MITROFAN. Guten Tag, Onkel ... Was bist du so borstig? - -SKOTININ. Mitrofan, blicke mir frei und gerade in die Augen. - -JEREMEJEWNA. Thu’s, mein Süßer! - -MITROFAN (zu Jeremejewna). Was ist denn der Onkel für ein Wundertier, -daß ich ihn angucken soll? - -SKOTININ. Noch einmal: blicke mir frei und gerade in die Augen! - -JEREMEJEWNA. Erzürne doch den Onkel nicht! Sieh nur, mit welchen -Glotzaugen er dich anstarrt! ... Nun, glotz ihn ebenso an! (Skotinin und -Mitrofan blicken aufeinander mit weit aufgerissenen Augen.) - -MILON. Das ist ein absonderliches Zwiegespräch! - -PRAWDIN. Was es wohl für ein Ende nehmen wird? - -SKOTININ. Mitrofan, dein Leben hängt an einem Haar. Sprich die volle -Wahrheit! Wenn ich die Sünde nicht scheute, so würde ich, ohne weitere -Worte zu verlieren, dich bei den Beinen packen und deinen Schädel an der -Wand zerschmettern. Doch möchte ich nicht meine Seele verderben, indem -ich einen Unschuldigen richte. - -JEREMEJEWNA (zitternd). Wehe, er tötet ihn! Wehe meinem armen Kopfe! - -MITROFAN. Bist du toll, Onkel? Ich habe keine Ahnung, wofür du über mich -herfällst! - -SKOTININ. Ich warne dich: leugne nicht, damit ich dir nicht im Jähzorn -den Todesschlag versetze – deine Hände werden dich wenig schützen. Ich -nehm’s auf mich und werde Rechenschaft geben Gott und Kaiser. Doch auch -unschuldig nimm keine Schuld auf dich, um nicht unverdient geprügelt zu -werden! - -JEREMEJEWNA. Gott schütze vor unverdienten Prügeln! - -SKOTININ. Möchtest du heiraten? - -MITROFAN (schmachtend). Schon längst, Onkelchen ... - -SKOTININ (stürzt auf Mitrofan). Ach, du verwünschter Racker! - -PRAWDIN (Skotinin zurückhaltend). Herr Skotinin, keine -Handgreiflichkeiten! - -MITROFAN. Amme, decke mich! - -JEREMEJEWNA (stellt sich vor Mitrofan, wütend mit erhobenen Fäusten). -Krepieren will ich auf der Stelle, aber dem Kinde laß ich kein Haar -krümmen! Komm du nur, die Augen kratz’ ich dir aus dem Kopfe! - -SKOTININ (zitternd und mit der Faust drohend, ab). Ihr sollt an mich -denken! - -JEREMEJEWNA (ihm nach). Meine Krallen sind scharf genug! - -MITROFAN (dem Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ dich der Geier! - - - Fünfter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA und PROSTAKOW. - -FRAU PROSTAKOWA (zum Mann). Lüg du nur! Bist zeitlebens ein Maulaffe -gewesen! - -PROSTAKOW. Er und Prawdin sind wie in die Erde gesunken! Bin ich schuld? - -FRAU PROSTAKOWA (zu Milon). Ach, Herr Offizier! Ich habe Sie im ganzen -Dorfe gesucht; mein Mann hat sich die Beine ablaufen müssen, um Ihnen -meinen tiefsten Dank für das vortreffliche Kommando auszusprechen. - -MILON. Wofür denn, gnädige Frau? - -FRAU PROSTAKOWA. Wie denn, wofür? Ihre Soldaten sind prächtige Menschen: -haben bis jetzt mit keinem Finger etwas angerührt. Zürnen Sie nicht, -bester Herr, daß diese Mißgeburt (auf den Mann zeigend) mit seinem -ewigen Gaffen Ihnen nicht wie nötig begegnet ist. Er war von Kindheit an -ein Tölpel. - -MILON. Bitte, nicht im geringsten – - -FRAU PROSTAKOWA. Er ist manchmal wie vor den Kopf geschlagen – steht -stundenlang mit starr aufgerissenen Augen. Was hab’ ich schon alles mit -ihm versucht, was hat er alles von mir aushalten müssen – nichts wirkt -auf seine dicke Haut. Und geht mal sein Klotzzustand vorüber, so beginnt -er ein solches Blech zu schwätzen, daß man zu Gott fleht, er möchte ihn -nur wieder vor den Kopf schlagen! - -PRAWDIN. Sie wenigstens, gnädige Frau, können nicht über seinen -Charakter klagen: er ist sanftmütig – - -FRAU PROSTAKOWA. Wie ein Kalb, bester Herr, wie ein Kalb! Deshalb auch -sind alle bei uns im Hause so verwöhnt. Denn um Strenge walten zu lassen -und die Schuldigen gehörig zu bestrafen – dazu ist er zu dämlich! Muß -alles selbst thun, lieber Herr. Vom Morgen bis zum Abend hat weder meine -Zunge noch meine Hand einen Augenblick Ruhe: bald muß ich schimpfen, -bald hauen; nur auf solche Weise kann ich das Haus halten. - -PRAWDIN (für sich). Es wird bald anders gehalten werden. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Sophie). Habe die Zimmer für deinen lieben Onkel in -stand gesetzt. Ach, wie möcht’ ich ihn sehen, den ehrwürdigen Greis! Ich -habe viel Gutes von ihm vernommen. Selbst böse Menschen behaupten, er -sei nur ein wenig griesgrämig, doch außerordentlich klug; wen er einmal -liebt, den liebt er von ganzer Seele. - -PRAWDIN. Und wen er nicht liebt, der ist ein schlechter Mensch. (Zu -Sophie.) Ich selber habe die Ehre, Ihren Onkel zu kennen. Ich habe -manches über ihn vernommen, das mir aufrichtige Hochachtung für ihn ins -Herz flößte. Was man so seine Griesgrämigkeit, seine Grobheit nennt, ist -nur der Eindruck seiner Geradheit. Nie im Leben hat seine Zunge „Ja“ -gesagt, wenn seine Seele ein „Nein“ fühlte. - -SOPHIE. Dafür hat er auch nur mit großer Mühe sein Glück machen können. - -FRAU PROSTAKOWA. Gott segnet uns, indem er seine Bemühungen mit Erfolg -segnete. Nichts wünscht’ ich sehnlicher als sein väterliches Wohlwollen -für meinen Mitrofan! ... Sophiechen, mein Herz, willst du nicht des -Onkels Zimmer in Augenschein nehmen? (Sophie ab; zu Prostakow.) Hast du -schon wieder Maulaffen feil? Begleite sie, die Beine sind dir nicht -abgefallen. - -PROSTAKOW (im Fortgehen). Nicht abgefallen, jedoch eingeknickt. - -FRAU PROSTAKOWA. Meine einzige Sorge, meine einzige Freude ist – -Mitrofan. Ich habe gelebt, er muß erst leben und Mensch werden. (Hier -erscheinen Kutejkin mit einer Fibel und Zyfirkin mit einer Schiefertafel -und einem Griffel. Beide fragen durch Zeichen Jeremejewna, ob sie -eintreten dürfen. Sie winkt herein, Mitrofan – heraus.) Nun, Gott wird -wohl gnädig sein, wird ihn mit Glück segnen. - -PRAWDIN. Sehen Sie sich um, gnädige Frau, was hinter Ihrem Rücken -vorgeht. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, das sind Mitrofans Lehrer; Ssidorytsch, Kutejkin – - -JEREMEJEWNA. Und Pafnutjitsch, Zyfirkin. - -MITROFAN (beiseite). Hole sie der Henker mitsamt der Jeremejewna! - -KUTEJKIN. Frieden der Herrin dieses Hauses und viele Jahre des Wohlseins -ihr, den Kindern und Angehörigen! - -ZYFIRKIN. Wir wünschen Ew. Wohlgeboren Gesundheit auf hundert Jahre, und -noch zwanzig, und noch fünfzehn! - -MILON. Ei, das ist ja unsresgleichen, ist Soldat! Wie kommst du her, -mein Freund? - -ZYFIRKIN. Diente in der Garnison, Ew. Wohlgeboren, und bin nun -verabschiedet. - -MILON. Wie verdienst du dir denn dein Brot? - -ZYFIRKIN. Es geht schon zur Not, Ew. Wohlgeboren. Ich habe einige -Begriffe vom Rechnen und verdiene meinen Groschen von den Beamten der -Rechnungsexpedition. Nicht jeden hat der liebe Gott mit Bildung -gesegnet: da bittet mich denn so einer, ihm eine Rechnung zu -kontrollieren oder die Summe zu ziehen. Solcherart verdien’ ich mein -täglich Brot, sitze nie die Hände im Schoß. In meinen Mußestunden -erteil’ ich Kindern Unterricht. So unterricht’ ich auch bei Ihro Gnaden: -schon das dritte Jahr quälen wir uns mit den Brüchen ab, aber es will -und will nicht recht kleben. Natürlich: ein Mensch ist nicht wie der -andre. - -FRAU PROSTAKOWA. Was quasselst du da, Pafnutjitsch, ich habe nicht recht -gehört? - -ZYFIRKIN. Ich erklärte Sr. Wohlgeboren, daß man manchem Klotz in zehn -Jahren das nicht einkeilen kann, was ein andrer im Fluge erhascht. - -PRAWDIN (zu Kutejkin). Und du, Kutejkin, bist du nicht gar ein -Studierter? - -KUTEJKIN. Bin ein Studierter, Ew. Wohlgeboren. In dem Seminarium der -hiesigen Eparchie kam ich bis zur Sekunda, machte jedoch laut dem Willen -Gottes Kehrtum. Darauf hab’ ich ins Konsistorium eine Bittschrift -eingereicht, so da zu lesen stand: „Der und der Seminarist, Sohn eines -Kirchendieners, bittet, aus Furcht vor den Abgründen der Kenntnisse, ihn -vom Studium der Wissenschaften zu dispensieren.“ Worauf denn auch -alsbald eine gnädige Resolution einlief des Inhalts: „Den und den -Seminaristen von jeglichem Studieren zu befreien, denn es stehet -geschrieben: Ihr sollt nicht die Perlen vor die Säue werfen, auf daß sie -dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen.“ - -FRAU PROSTAKOWA. Wo ist denn unser Adam Adamytsch? - -JEREMEJEWNA. Bin auch zu ihm gegangen, habe aber mit Mühe auf den Füßen -stehen können: ganz eingehüllt war er in Rauchwolken. Ich bin beinah’ -von diesem verfluchten Tabak erstickt. Ist das eine Sünde! - -KUTEJKIN. Hat nichts zu sagen, Jeremejewna! Im Tabakrauchen finde ich -keine Sünde. - -PRAWDIN (beiseite). Kutejkin will klugsprechen! - -KUTEJKIN. In vielen Büchern ist’s gestattet. Im Psalter steht wörtlich: -„Saat zu Nutz den Menschen.“ - -PRAWDIN. Und wo noch? - -KUTEJKIN. Auch in einem andern Psalter stehen dieselben Worte. Unser -Priester hat einen in Oktavformat, und auch dort steht’s. - -PRAWDIN (zu Frau Prostakowa). Ich will beim Lernen Ihres Sohnes nicht -hinderlich sein; ergebenster Diener. - -MILON. Noch ich, gnädige Frau. - -FRAU PROSTAKOWA. Wohin denn, meine Herrn? - -PRAWDIN. Ich werde ihn auf mein Zimmer führen. Freunde, die sich lange -nicht gesehn, haben einander vieles mitzuteilen. - -FRAU PROSTAKOWA. Und wo werden Sie essen – mit uns oder auf Ihrem -Zimmer? Am Familientische sitzen nur wir und Sophiechen – - -MILON. Mit Ihnen, mit Ihnen, gnädige Frau. - -PRAWDIN. Wir beide werden die Ehre haben. (Beide ab.) - - - Sechster Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA, MITROFAN, JEREMEJEWNA, ZYFIRKIN und KUTEJKIN. - -FRAU PROSTAKOWA. Nun, mein Herz, wiederhole wenigstens, was du das -letzte Mal russisch gelesen. - -MITROFAN. Wiederholen? Danke bestens! - -FRAU PROSTAKOWA. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer was zu. Das -ist eine alte Wahrheit, mein Freund. - -MITROFAN. Wahrheit! Du solltest doch noch ein paar Onkel herschleppen! - -FRAU PROSTAKOWA. Wie, was? - -MITROFAN. Das! Jeden Augenblick muß ich gewärtig sein, durchgehauen zu -werden, und nach den Prügeln soll ich noch die Fibel vornehmen? Nein, -dafür dank’ ich: da mach’ ich lieber ein Ende! - -FRAU PROSTAKOWA (erschrocken). Was, was willst du machen? Komm zu dir! - -MITROFAN. Der Fluß ist ja nicht weit von hier. Ein Sprung – und weg bin -ich! - -FRAU PROSTAKOWA (außer sich). Du tötest mich! Gott, mein Gott! - -JEREMEJEWNA. Der Onkel hat ihn so eingeschreckt: fast hätte er sich dem -lieben Jungen in die Haare gekrallt. Und das für nichts und wieder -nichts. - -FRAU PROSTAKOWA (grimmig). Nun? - -JEREMEJEWNA. Er drang in ihn, ob er heiraten wolle – - -FRAU PROSTAKOWA. Nun? - -JEREMEJEWNA. Und der liebe Junge verheimlichte es auch gar nicht: ja, -lieber Onkel, ich habe schon lange Lust. Da geriet der Onkel in -gräßliche Wut und stürzte sich – - -FRAU PROSTAKOWA (zitternd). Nun ... und du, Bestie, bist zum Klotz -geworden, hast dich dem Bruder nicht in die Fratze eingekrallt, hast ihm -das Maul nicht bis an die Ohren aufgerissen – - -JEREMEJEWNA. Ich wollte schon ... ich wollte, aber – - -FRAU PROSTAKOWA. Aber ... Nicht wahr, es ist nicht dein Kind, -Ungeheuer?! Du würdest es zu Tode schlagen lassen – - -JEREMEJEWNA. Ach du grundgütiger Gott! Wäre er nicht in demselben -Augenblick fortgegangen, so würde ich mich auf ihn gestürzt haben: -stumpf ließe ich diese (zeigt auf die Nägel) werden, und auch die Zähne -würde ich nicht schonen. - -FRAU PROSTAKOWA. Alle seid ihr dienstfertig in Worten, ihr Kanaillen, -wenn’s aber ans Handeln kommt – - -JEREMEJEWNA (weinend). Ich bin nicht dienstfertig?! Da weiß ich nicht -mehr, wie ich noch eifriger dienen soll ... gern würd’ ich ... der -eigene Leib wird nicht geschont ... und immer kein Dank – - -KUTEJKIN. Sollen wir heimkehren? } (Zusammen.) - } -ZYFIRKIN. Wohin lenken wir unsre Schritte, Ew. } -Wohlgeboren? } - -FRAU PROSTAKOWA. Und du heulst noch alte Hexe?! ... Geh, füttre sie ab -und komme nach dem Essen sofort her. (Zu Mitrofan.) Komm mit mir, mein -süßes Leben. Jetzt lass’ ich dich nicht aus den Augen ... Komm nur, ein -Wörtchen will ich dir zuflüstern, daß dir von neuem das Leben lächeln -soll. Nicht ewig, mein Herz, nicht ewig wirst du lernen: soviel -verstehst du schon, Gott sei Dank, da du auch selber Kinderchen zeugen -kannst! (Zu Jeremejewna.) Den Bruder will ich anders vorkriegen, als du -es gethan. Die ganze Welt soll sehen, was eine Amme und was eine Mutter -ist! (Ab mit Mitrofan.) - -KUTEJKIN. Dein Leben, Jeremejewna, ist die wahre Hölle! Komm mal lieber -zu Tisch und trink vor Kummer ein Gläschen. - -ZYFIRKIN. Und dann das zweite – da haben wir gleich eine Multiplikation. - -JEREMEJEWNA (weinerlich). Der Teufel wird mich schon nicht holen. -Vierzig Jahre dien’ ich bereits, aber der Dank ist immer derselbe! - -KUTEJKIN. Und wie hoch beziffert sich dieser Dank? - -JEREMEJEWNA. Fünf Rubel jährlich und fünf Kopfnüsse täglich. (Kutejkin -und Zyfirkin führen sie unter den Armen fort.) - -ZYFIRKIN. Bei Tisch wollen wir’s ausrechnen, wieviel’s im Jahr ausmacht. - - - - - Dritter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - STARODUM und PRAWDIN. - -PRAWDIN. Kaum war ich vom Tische aufgestanden, kaum ans Fenster -getreten, so erblickte ich Ihren Wagen und eilte, ohne ein Wort -verlauten zu lassen, Ihnen entgegen, um Sie von ganzem Herzen zu -umarmen. Die Hochachtung, die ich Ihnen zolle – - -STARODUM. Ich weiß sie zu schätzen, glaub es mir. - -PRAWDIN. Ihre Freundschaft ist für mich um so schmeichelhafter, als Sie -diese nur denen bieten – - -STARODUM. Die so sind wie du. Ich spreche gerade heraus. Beginnt die -Konvenienz, hat die Aufrichtigkeit ein Ende. - -PRAWDIN. Ihre Art – - -STARODUM. Sie wird von vielen verspottet, ich weiß es. Mag’s! Mein Vater -hat mir die Erziehung seiner Zeit gegeben, und ich hab’ es nicht für -nötig befunden, mich umzuerziehen. Er diente Peter dem Großen. Damals -wurde der Mensch „du“ genannt und nicht „Sie“; damals machte man die -Leute nicht hochmütig, so daß sich einer für viele hielt. Dafür auch -sind heutzutage viele eines einzigen nicht wert. Mein Vater hat am Hofe -Peters des Großen – - -PRAWDIN. Ich hörte, daß er im Militärdienst stand. - -STARODUM. Damals waren die Höflinge Krieger und die Krieger keine -Höflinge. Die Erziehung, die mir mein Vater gegeben hat, war für jene -Zeit eine vorzügliche. Damals war die Unterrichtsmethode keine -komplizierte, und man verstand noch nicht die Kunst, einen leeren Kopf -mit fremdem Verstande anzufüllen. - -PRAWDIN. Die damalige Erziehung wurzelte in der That in einigen -Grundsätzen – - -STARODUM. In einem. Mein Vater wiederholte mir beständig nur: „Habe ein -Herz, habe eine Seele, und du wirst zu jeder Zeit ein Mensch sein. Alles -übrige unterliegt der Mode: Verstand und Kenntnisse sind Modeartikel wie -Schnallen und Knöpfe.“ - -PRAWDIN. Sie sprechen wahr. Die Hauptzierde des Menschen ist die Seele. - -STARODUM. Ja, ohne Seele ist der aufgeklärteste, klügste Mensch ein -trauriges Geschöpf, und ein ungebildeten beschränkter Mensch – ein Tier. -Das Geringste kann ihn zum Verbrecher machen. Zwischen seiner That und -dem Zwecke dieser That gibt’s keine Wage. Und von solchen Tieren will -ich jemand befreien, der – - -PRAWDIN. Ihre Nichte ist. Ich weiß es. Sie ist hier; gehen wir. - -STARODUM. Warte. Mein Herz kocht noch vor Zorn gegen dies unwürdige -Gebahren dieser Menschen. Bleiben wir darum einen Augenblick. Ich halte -mich an den Grundsatz: nie muß der erste Trieb eine sofortige Handlung -zur Folge haben. - -PRAWDIN. Nur selten verstehen andre diesen Ihren Grundsatz zu befolgen. - -STARODUM. Meine Lebenserfahrungen machten ihn mir zur Gewohnheit. O, -wenn ich früher die Selbstbeherrschung gekannt hätte – ich würde noch -länger das Glück gehabt haben, dem Vaterlande zu dienen! - -PRAWDIN. Wie das? Die Erlebnisse eines Mannes von Ihrer Gesinnungsart -müssen für jedermann von Interesse sein. Sie würden mich sehr verbinden, -wenn Sie mir erzählen wollten – - -STARODUM. Ich verhehle sie vor keinem, damit andre in ähnlicher Lage -weiser handeln, denn ich es gethan. Als ich im Militärdienst stand, -machte ich die Bekanntschaft eines jungen Grafen, dessen Namen sogar ich -vergessen möchte. Im Dienst war er jünger als ich, war der Sohn eines -Parvenüs, in der großen Welt erzogen und hatte Gelegenheit gehabt, das -zu lernen, was in den Kreis unsers Unterrichts noch gar nicht -aufgenommen war. Ich wandte alle Mühe an, mir seine Freundschaft zu -erwerben, um durch beständigen Umgang mit ihm die Lücken in meinen -Kenntnissen auszufüllen. In derselben Zeit, da unsre Freundschaft sich -festigte, erfuhren wir, daß der Krieg erklärt sei. Freudestrahlend -stürzte ich in des Freundes Arme. „Lieber Graf – hier bietet sich -Gelegenheit zur Auszeichnung! Treten wir sofort in die Armee, daß wir -würdig werden des Adeltitels, den uns die Geburt verliehen!“ Da furchte -sich seine Stirn, trocken umarmte er mich und sagte: „Glück auf den Weg; -ich aber schmeichle mir mit der Hoffnung, daß mein Vater sich von mir -nicht wird trennen wollen.“ Nichts kommt der Verachtung nahe, die ich in -jenem Augenblick für ihn empfand. Hier erst sah ich, daß zwischen dem -Parvenü und dem verdienten Manne ein unermeßlicher Unterschied besteht, -daß es in der großen Welt sehr kleinliche Seelen gibt, und daß man sehr -aufgeklärt und gleichzeitig verächtlich sein kann. - -PRAWDIN. Sie haben vollkommen recht. - -STARODUM. Ich verließ ihn und begab mich sofort dahin, wohin mich die -Pflicht rief. Mehrfach hatte ich Gelegenheit, mich auszuzeichnen – meine -Narben beweisen, daß ich dieselbe nicht unbenutzt habe vorbeigehen -lassen. Die gute Meinung, welche die Vorgesetzten und Soldaten von mir -hatten, war mir ein schmeichelhafter Lohn für meine Dienste. Da erfuhr -ich, daß der Graf, mein ehemaliger Freund – dessen ich mich schämte zu -gedenken – im Range gestiegen, ich jedoch umgangen sei, ich, der damals -an Wunden schwer darniederlag! Eine solche Ungerechtigkeit zerfleischte -mein Herz, und ich nahm meinen Abschied. - -PRAWDIN. Was auch hätten Sie anderes thun können? - -STARODUM. Ruhigen Blutes überlegen! Doch ich verstand es nicht, mich -gegen die ersten Antriebe meines gekränkten Ehrgeizes zu wehren. Mein -erhitzter Kopf vermochte damals nicht einzusehen, daß ein wahrhaft -ehrgeiziger Mensch der Sache zuliebe, nicht des Ranges wegen, streben -muß; daß die Rangerhöhung oftmals erbettelt wird, die echte Auszeichnung -jedoch verdient werden muß; daß es viel ehrenhafter ist, schuldlos -übergangen, als verdienstlos ausgezeichnet zu werden. - -PRAWDIN. Darf denn ein Adeliger in keinem Falle seinen Abschied nehmen? - -STARODUM. Nur in einem: wenn er innerlichst überzeugt ist, daß sein -Dienst dem Vaterlande keinen direkten Nutzen bringt. Dann mag er gehn! - -PRAWDIN. Sie zeigen mir, worin das wahre Wesen der Pflichten eines -Adeligen besteht. - -STARODUM. Nachdem ich meinen Abschied genommen, kam ich nach Petersburg. -Dort führte mich der blinde Zufall dahin, wohin ich’s mir nie im Leben -habe träumen lassen. - -PRAWDIN. Nämlich? - -STARODUM. An den Hof. Was sagst du dazu? - -PRAWDIN. Und was fanden Sie dort? - -STARODUM. Manches Merkwürdige. Vor allen Dingen fand ich’s merkwürdig, -daß fast niemand den geraden breiten Weg dorthin wählt, sondern einen -Umweg macht, in der Hoffnung, früher anzukommen. - -PRAWDIN. Ist denn wenigstens der Umweg geräumig? - -STARODUM. Dermaßen geräumig, daß, wenn sich zwei begegnen, sie einander -nicht ausweichen können. Einer reißt den andern zu Boden, und derjenige, -der auf den Füßen stehn bleibt, hebt nie den Liegenden auf. - -PRAWDIN. Die Eigenliebe hat hier – - -STARODUM. Nicht die Eigenliebe, sondern die Selbstliebe. Man liebt sich -ganz außerordentlich, sorgt nur für sich, denkt nur an die gegenwärtige -Stunde. Denke dir nur: ich sah dort eine Menge Menschen, die in keinem -Lebensfall ihrer Ahnen oder ihrer Nachkommen gedacht. - -PRAWDIN. Doch jene Ehrenmänner, die bei Hofe sind und doch dem -Vaterlande dienen? - -STARODUM. O, die verlassen den Hof nicht, weil sie ihm Nutzen bringen; -und die andern verlassen ihn nicht, weil der Hof ihnen Nutzen bringt. -Ich gehörte nicht zur Zahl der ersteren und wollte auch nicht zur Zahl -der letzteren gehören. - -PRAWDIN. Man hat Sie am Hofe natürlich verkannt. - -STARODUM. Zu meinem eigenen Besten. Es gelang mir, mich ganz ohne -Ungelegenheiten zurückzuziehen; andernfalls hätte man mich auf die eine -von zwei Arten entfernt. - -PRAWDIN. Auf welche? - -STARODUM. Vom Hofe, mein Freund, entfernt man einen auf zwei Arten: -entweder man wird dir böse, oder man macht dich böse. Ich habe weder den -einen noch den andern Fall abgewartet, denn ich war zur Einsicht -gekommen, daß es sich besser im eigenen Stübchen leben läßt als in einer -fremden Antichambre. - -PRAWDIN. Und Sie verließen den Hof mit leeren Händen? (Öffnet seine -Tabaksdose.) - -STARODUM (nimmt eine Prise). Wieso mit leeren Händen? – Zu einem -Kaufmann kamen zwei Käufer und handelten eine Tabatière, deren Preis -fünfhundert Rubel war. Der eine zahlte das Geld und brachte die -Tabatière nach Hause; der andre kam ohne Tabatière heim. Und du glaubst, -daß dieser andre mit leeren Händen heimgekehrt sei? Du irrst: er brachte -seine fünfhundert Rubel unversehrt nach Hause ... Ich verließ den Hof, -ohne Dörfer, Bänder und Ehrentitel erhalten zu haben. Aber mein Eigentum -brachte ich heim: meine Seele, meine Ehre und meine Grundsätze. - -PRAWDIN. Männer mit Ihren Grundsätzen müßte man bei Hofe nicht -entlassen, sie im Gegenteil an den Hof rufen. - -STARODUM. Rufen? Aus welchem Grunde? - -PRAWDIN. Aus demselben Grunde, aus welchem man einen Arzt zum Kranken -ruft. - -STARODUM. Du irrst, mein Freund. Umsonst ist es, den Arzt zu einem -unheilbaren Kranken zu rufen: ihm wird er nicht helfen, nur gar sich -selber anstecken. - - - Zweiter Auftritt. - - DIE VORIGEN. SOPHIE. - -SOPHIE (zu Prawdin). Ganz erschöpft hat mich ihr Schreien. - -STARODUM (beiseite). Ganz die Gesichtszüge ihrer Mutter. Das ist meine -Sophie! - -SOPHIE (Starodum anblickend). Gott, er hat meinen Namen genannt! Mein -Herz täuscht mich nicht – - -STARODUM (sie umarmend). Nein, du bist die Tochter meiner Schwester, -bist die Tochter meines Herzens! - -SOPHIE (ihn stürmisch umarmend). Onkelchen, ich bin außer mir vor -Freude! - -STARODUM. In Moskau, teure Sophie, erfuhr ich, daß du hier wider deinen -Willen lebst. Ich bin sechzig Jahre alt. Oft gab es Fälle, wo ich mir -zürnte, oft auch war ich mit mir zufrieden. Nichts marterte mein Herz -mehr als der Anblick einer Unschuld in den Netzen der Arglist, und nie -war ich mit mir selbst zufriedener, als wenn es mir gelungen war, ein -solches Opfer den Krallen des Lasters zu entreißen. - -PRAWDIN. Wie wohl muß es thun, auch nur Zeuge dabei sein zu können! - -SOPHIE. Onkelchen, Ihre Güte – - -STARODUM. Du weißt, daß nur du mich ans Leben bindest. Du mußt der Trost -meines Alters sein, und meine Fürsorge soll dein Glück begründen. Als -ich meinen Abschied nahm, legte ich den Grund zu deiner Erziehung; doch -ich konnte dein Wohl nicht anders begründen, als indem ich mich von -deiner Mutter und dir trennte. - -SOPHIE. Ihre Abwesenheit kränkte uns unaussprechlich. - -STARODUM (zu Prawdin). Um ihr Leben vor dem Mangel am Notdürftigsten zu -sichern, beschloß ich, mich für einige Jahre in jenes Land -zurückzuziehen, wo man Geld erwirbt, ohne sein Gewissen dafür in den -Tausch zu geben, wo man nicht durch Kriecherei emporsteigt, wo man das -Vaterland nicht beraubt; in jenes Land, wo man das Geld der Erde selbst -abverlangt, die, gerechter als die Menschen, keine Parteilichkeit kennt -und nur die Arbeit gewissenhaft und reich belohnt. - -PRAWDIN. Sie hätten, wie ich gehört, ungleich reicher werden können. - -STARODUM. Und wozu? - -PRAWDIN. Um ebenso reich zu sein wie die andern. - -STARODUM. Reich! Wer ist denn reich? Weißt du auch, daß, um die -launischen Gelüste eines einzigen Menschen zu befriedigen, das ganze -Sibirien nicht hinreichen würde? Mein Freund, das alles ist nur -Einbildung! Folge dem Beispiel der Natur, und du wirst niemals arm sein; -gib acht auf das Gerede der Menschen, und du wirst nie reich werden. - -SOPHIE. Onkelchen, wie wahr sprechen Sie! - -STARODUM. Ich habe so viel erworben, daß die Armut eines rechtschaffenen -Bräutigams deiner Verbindung mit ihm kein Hindernis in den Weg legen -wird. - -SOPHIE. Zeit meines Lebens wird Ihr Wille Gesetz für mich sein. - -PRAWDIN. Sodann wär’s nicht übel, gleichfalls für die Kinder einiges -beiseite zu legen. - -STARODUM. Für die Kinder? Den Kindern Reichtümer hinterlassen? Das -fehlte noch! Sind sie klug, so werden sie auch ohne Reichtum fortkommen; -dummen Kindern aber kann der Reichtum nur schaden. Ich habe Bursche -gesehen in goldenen Kaftanen und mit bleiernen Köpfen. Nein, mein -Freund: bares Geld ist noch nicht bare Tugend! Ein goldner Klotz ist und -bleibt nur ein Klotz. - -PRAWDIN. Trotz alledem sehen wir, daß Reichtum oft zu Rängen führt und -Ränge zu Würden und Würden zu Hochachtung. - -STARODUM. Hochachtung? Nur eine Hochachtung muß dem Menschen -schmeichelhaft sein – diejenige, welche seiner Seele gezollt wird. Und -nur der ist dieser Seelenhochachtung wert, dessen Ränge nicht dem Gelde, -dessen Würden nicht den Rängen ihre Entstehung verdanken. - -PRAWDIN. Dagegen läßt sich nichts einwenden. - -STARODUM. Ei, was ist denn das für ein Lärm? - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, SKOTININ und MILON. (Letzterer trennt - Frau Prostakowa von Skotinin.) - -FRAU PROSTAKOWA. Laß mich, laß! Bis zur Fratze nur, bis zur Fratze – - -MILON. Ich lasse Sie nicht, Madame. - -SKOTININ (zornig, die Perücke ordnend). Kleb ab, Schwester! Oder ich -biege dich, daß dir alle Gelenke knacksen! - -MILON (zu Prostakowa). Und Sie haben vergessen, daß es Ihr Bruder ist? - -FRAU PROSTAKOWA. Ich bin wütend, ich muß mich sattprügeln! - -MILON (zu Skotinin). Ist das nicht Ihre Schwester? - -SKOTININ. Ja, leider stammen wir von Einer Brut, und dennoch heult sie -wider mich. - -STARODUM (der sein Lachen nicht mehr zurückhalten kann, zu Prawdin). Ich -befürchtete zornig zu werden und muß nun lachen! - -FRAU PROSTAKOWA. Lachen? Über wen lachen? Was ist denn das für ein -Vogel? - -STARODUM. Nimm mir’s nicht übel: aber zeit meines Lebens hab’ ich nichts -Lächerlicheres gesehn. - -SKOTININ (sich den Nacken reibend). Der hat gut lachen! Mir ist halbwegs -nicht lächerlich zu Mut. - -MILON. Hat ein Schlag getroffen? - -SKOTININ. Das Gesicht hab’ ich mir mit den Händen geschützt, und da hat -sie sich mir ins Genick eingekrallt. - -PRAWDIN. Schmerzt es? - -SKOTININ. Zerkratzt hat sie mich. (Während der folgenden Worte der Frau -Prostakowa wird Milon von Sophie durch Blicke bedeutet, daß vor ihnen -Starodum stehe; Milon versteht sie.) - -FRAU PROSTAKOWA. Zerkratzt! ... Nein, Bruder, ein Heiligenbild kauf dir -auf den Namen des Herrn Offiziers: hätt’ er dich nicht beschützt – du -wärst mir nicht mit heiler Haut davongekommen! Wenn ich den Sohn -verteidige, werde ich meinen leiblichen Vater nicht schonen! (Zu -Starodum.) Und daran ist gar nichts Lächerliches! Ich habe ein -Mutterherz in der Brust. Ist’s erhört, daß eine Hündin ihre Jungen -preisgibt? ... Kommt da weiß Gott wer und weiß Gott zu wem – - -STARODUM (auf Sophie weisend). Gekommen ist ihr Onkel Starodum. - -FRAU PROSTAKOWA (erschrocken). Wie? Du bist’s? ... O, hochwillkommener -Gast! Ich Thörin, ich Närrin! War das ein Empfang für einen Vater, auf -dem unsre ganze Hoffnung ruht, der uns teuer ist wie unser Augapfel?! -... Verzeihe, verzeihe mir Närrin! ... Ich kann gar nicht zu mir kommen! -... Wo ist mein Mann? ... Wo ist mein Sohn? ... Es ist ja, als wärest du -in ein unbewohntes Haus gekommen! Gottes Strafgericht! Den Kopf haben -alle verloren! ... He, Magd, Magd, Palaschka, Magd! - -SKOTININ (beiseite). Soso! Er ist’s, der Onkel! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. JEREMEJEWNA. - -JEREMEJEWNA. Was steht zu Befehl? - -FRAU PROSTAKOWA. Bist du die Magd, du Hundetochter? Hab’ ich im Hause -außer deiner elenden Fratze eine Magd? Wo ist Palaschka? - -JEREMEJEWNA. Erkrankt, liegt seit dem Morgen zu Bette. - -FRAU PROSTAKOWA. Sie liegt? Ach, die Bestie! Liegt, als wenn sie eine -Adelige wäre! - -JEREMEJEWNA. Sie hat starkes Fieber und phantasiert unaufhörlich. - -FRAU PROSTAKOWA. Die Bestie phantasiert! Als wenn sie eine Adelige wäre! -So rufe den Mann, den Sohn! Sage ihnen, daß durch Gottes Güte unsre -Erwartung in Erfüllung gegangen ist: der teure Onkel unsrer lieben -Sophie ist angekommen, unser zweiter Vater ist bei uns zu Besuch, -gedankt sei dem Himmel! Nun, mach fort, rühr dich! (Jeremejewna schnell -ab.) - -STARODUM. Wozu der Lärm? Gottes Güte hat mich nicht Ihr Vater werden -lassen, und dank der Güte Gottes bin ich Ihnen auch gar nicht bekannt. - -FRAU PROSTAKOWA. Dein plötzliches Erscheinen, Väterchen, hat mich um den -Verstand gebracht. So laß dich doch wenigstens ordentlich umarmen, du -unser Wohlthäter! - - - Fünfter Auftritt. - - DIE VORIGEN. PROSTAKOW, MITROFAN und JEREMEJEWNA. - - (Während der nachfolgenden Worte Starodums haben sich Prostakow und - Sohn, die durch die Mittelthür eingetreten waren, hinter den Rücken - Starodums gestellt. Der Vater will ihn umarmen, sobald die Reihe - an ihn kommt, der Sohn – die Hand küssen. Jeremejewna hat - seitwärts Platz genommen und steht mit übers Kreuz geschlagenen - Armen regungslos da, die Blicke starr auf Starodum gerichtet und - jedes seiner Worte mit kriechender Aufmerksamkeit verfolgend.) - -STARODUM (ungern die Prostakowa umarmend). Ganz überflüssige Güte, -Madame, ohne die ich recht gut auskommen könnte! (Reißt sich aus der -Umarmung und wendet sich nach der Seite Skotinins, der schon mit -ausgebreiteten Armen dagestanden und ihn nun umfängt.) Zu wem bin ich -nun geraten? - -SKOTININ. Ich bin’s, meiner Schwester Bruder. - -STARODUM (der noch zweie bemerkt, mit Ungeduld). Und wer ist das? - -PROSTAKOW (ihn umarmend). Ich bin der Mann meiner } (Zugleich.) -Frau. } - } -MITROFAN (seine Hand küssend). Und ich meiner Mutter } -Söhnchen. } - -MILON (zu Prawdin). Jetzt werde ich mich nicht vorstellen. - -PRAWDIN (zu Milon). Ich werde Gelegenheit finden, dich später -vorzustellen. - -STARODUM (Mitrofan die Hand entziehend). Dieser sucht die Hand zu -küssen: man sieht, welch edle Seele in ihm herangebildet wird! - -FRAU PROSTAKOWA. Sprich, mein Liebling: „Wie sollt’ ich, Herr, deine -Hand nicht küssen – du bist ja mein zweiter Vater.“ - -MITROFAN. Wie sollt’ ich, lieber Onkel, deine Hand nicht küssen – du -bist ja mein Vater! (Zur Mutter.) Welcher war’s doch? - -FRAU PROSTAKOWA. Der zweite. - -MITROFAN. Der zweite? Der zweite Vater, lieber Onkel. - -STARODUM. Ich bin, mein Bester, weder dein Vater noch dein Onkel. - -FRAU PROSTAKOWA. Väterchen, der liebe Junge prophezeit sich vielleicht -sein Glück: wer weiß, mit Gottes Hilfe könnte er ja dein Neffe werden. - -SKOTININ. Wirklich? Und ich bin zu schlecht für den Neffen? O Schwester! - -FRAU PROSTAKOWA. Ich will, Bruder, mich mit dir nicht herumbeißen. (Zu -Starodum.) Noch nie im Leben, Väterchen, hab’ ich mit jemand gezankt. -Mein Charakter ist: und werd’ ich noch so sehr beschimpft, nie sag’ ich -ein Wort dagegen. Gott wird’s denjenigen schon heimzahlen, die mich Arme -beleidigen! - -STARODUM. Das hab’ ich gleich bemerkt, als du nur zur Thür hereintratst. - -PRAWDIN. Ich bin schon drei Tage Zeuge ihres sanften Charakters. - -STARODUM. Dieses Vergnügen werd’ ich nicht so lange genießen können. -Liebe Sophie, morgen fahren wir mit dir nach Moskau. - -FRAU PROSTAKOWA. O Väterchen, wofür zürnst du uns? - -PROSTAKOW. Wofür diese Ungnade? - -FRAU PROSTAKOWA. Wie? Wir sollten von Sophiechen scheiden, unserm -Herzenskinde? Ich werde vor Kummer Hungers sterben! - -PROSTAKOW. Das ist mein Tod! Schon fühl’ ich – - -STARODUM. Da ihr sie so liebt, so muß ich euch eine Freude bereiten: ich -bringe sie nach Moskau, um dort ihr Glück zu gründen. Mir ist ein sehr -würdiger junger Mensch als Bräutigam für sie empfohlen worden; ihn auch -soll sie heiraten. - -FRAU PROSTAKOWA. Er bringt mich um! } - } -MILON. Was hör ich? (Sophie ist bestürzt.) } - } -SKOTININ. Saubere Bescherung! (Prostakow schlägt } (Gleichzeitig.) -die Hände über dem Kopf zusammen.) } - } -MITROFAN. Da haben wir’s! (Jeremejewna nickt } -traurig mit dem Kopfe. Prawdin scheint erstaunt } -und erzürnt.) } - -STARODUM (die Bestürzung aller gewahr werdend). Was heißt das? (Zu -Sophie.) Liebe, gute Sophie, auch du scheinst bestürzt? Hat dich -wirklich mein Plan gekränkt? Ich vertrete Vaterstelle an dir, und glaube -mir, daß ich meine Rechte kenne. Sie gehen nicht weiter, als eine -unglückbringende Neigung der Tochter abzuwenden; die Wahl eines würdigen -Mannes jedoch hängt ganz von ihrem eigenen Herzen ab. Beruhige dich, -mein Freund! Ein Mann, der deiner würdig ist – er mag sein, wer er will -– wird stets einen aufrichtigen Freund an mir haben. Heirate nach -eigener Wahl. (Die Mienen aller verklären sich.) - -SOPHIE. Onkelchen, zweifeln Sie nicht an meinem Gehorsam. - -MILON (für sich). Der Ehrenmann! - -FRAU PROSTAKOWA (fröhlich). Das ist ein Vater! Ein Freude, ihn zu hören! -Heirate nach eigener Wahl, nur muß der Mann deiner würdig sein. Ganz -recht, Väterchen, ganz richtig! Man muß nur den Bräutigam nicht -verpassen! Hat man einen Edelmann vor sich, einen jungen Menschen – - -SKOTININ. Der längst kein Kind mehr ist – - -FRAU PROSTAKOWA. Dessen Vermögen zwar nicht groß – - -SKOTININ. Dessen Schweinezüchterei jedoch ansehnlich – - -FRAU PROSTAKOWA. Dann Glück auf den Weg und fort in } (Zusammen.) -die Erzengelkirche! } - } -SKOTININ. Ein fröhlicher Schmaus und die Hochzeit } -gefeiert! } - -STARODUM. Eure Ratschläge sind uneigennützig, seh’ ich. - -SKOTININ. Lerne mich nur näher kennen und du wirst dein Wunder sehn! Du -siehst selbst – hier herrscht ja Sodom und Gomorra. Darum will ich nach -einem Stündchen bei dir allein vorsprechen, und dann schließen wir das -Geschäft ab! Ohne Ruhm zu sagen – solcher wie ich gibt’s wenige! (Ab.) - -STARODUM. Das will ich gern glauben! - -FRAU PROSTAKOWA. Wundere dich nicht über den Bruder – - -STARODUM. Er ist Ihr Bruder? - -FRAU PROSTAKOWA. Mein leiblicher Bruder, Väterchen: auch ich bin ja eine -geborne Skotinin. Mein seliger Vater heiratete meine selige Mutter; ihr -Familienname war Priplodina. Wir waren unser achtzehn Geschwister, doch -alle, mit Ausnahme von mir und meinem Bruder, sind nach dem Willen -Gottes gestorben: ein paar hat man tot aus der Badstube gezogen; dreie -verendeten, nachdem sie Milch aus einem kleinen kupfernen Kessel -getrunken hatten; zweie stürzten zu Pfingsten vom Glockenturm, und die -übrigen starben von selbst. - -STARODUM. Ich kann mir vorstellen, was Ihre Eltern für Menschen waren. - -FRAU PROSTAKOWA. Leute aus der guten alten Zeit. Ja, das waren damals -andre Zeiten! Wir erhielten gar keine Bildung. Manchmal kamen die -Nachbarn und quälten, quälten den Vater, daß er doch wenigstens den -Bruder zur Schule schickte – aber umsonst: der teure Verstorbene wehrte -sich dagegen mit Händen und Füßen, Gott hab’ ihn selig. Mitunter schrie -er: „Ich verfluche das Kind, welches irgend etwas diesen heidnischen -Federfüchsen ablernt, und will nicht Skotinin heißen, wenn ich nicht -jedem meiner Kinder die Lust zum Lernen ausprügele.“ - -PRAWDIN. Wie kommt’s denn, daß Sie Ihren Sohn aus diesem und jenem -unterrichten lassen? - -FRAU PROSTAKOWA. Wir leben in einer andern Zeit, mein Bester. (Zu -Starodum.) Den letzten Bissen vom Munde opfern wir, damit nur unser Sohn -alles erlerne. Tagelang sitzt mein armer Mitrofan über den Büchern. Mein -Mutterherz blutet, aber ich tröste mich mit dem Gedanken: dafür ist er -auch mit der Zeit ein gemachter Mann! Am heiligen Nikolaus-Tage im -Winter wird er sechzehn Jahr alt. Ein Bräutigam wär’ er, wie man sich -keinen bessern wünschen kann, aber noch immer kommen Lehrer, lassen -keine Stunde unbenutzt vergehn; so warten auch jetzt zweie im Flur. -(Macht Jeremejewna ein Zeichen, sie hereinzurufen.) Und in Moskau haben -wir gar einen Ausländer auf sechs Jahre engagiert und einen Kontrakt in -der Polizei abgeschlossen, damit ihn nicht andre zu sich herüberlocken. -Er erbot sich, Mitrofan aus allem, das wir nur wünschen, zu -unterrichten; wir jedoch sind der Ansicht, er solle daraus unterrichten, -was er selber versteht und kennt. Ja, unsre Elternpflicht haben wir -durchaus erfüllt: haben einen deutschen Hauslehrer, dem wir das Geld für -drei Monate vorausbezahlen. Von Herzen gern würd’ ich es sehn, wenn du -selber, Väterchen, dich überzeugen wolltest, was unser Mitrofan alles -gelernt hat. - -STARODUM. Ich bin hierin kein Kenner. - -FRAU PROSTAKOWA (Kutejkin und Zyfirkin erblickend). Da sind auch die -Lehrer. Hab’ ich’s nicht gesagt, daß mein armer Mitrofan weder Tag noch -Nacht Ruhe hat? Ich will mein eigenes Kind nicht loben, aber eines kann -ich sagen: glücklich das Mädchen, das ihn zum Manne bekommt! - -PRAWDIN. Das ist alles ganz schön: aber vergessen Sie doch nicht, daß -unser Gast soeben erst aus Moskau angekommen ist und weit mehr der Ruhe -bedarf als der Lobeserhebungen Ihres Sohnes. - -STARODUM. Ja, ich gestehe, daß ich sowohl von der Reise ausruhen möchte -als auch von all dem, das ich gehört und gesehn. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, Väterchen, alles ist bereit; ich selber habe dir -das Zimmer in Ordnung gebracht. - -STARODUM. Ich danke. Sophiechen, begleite mich. - -FRAU PROSTAKOWA. Wie, und wir? Erlaube, Väterchen, daß sowohl ich als -auch mein Sohn und mein Mann dich begleiten! Zu Fuß wollen wir alle nach -Kijew pilgern und dort für deine Gesundheit beten, wenn nur unser -Geschäftchen zu stande kommt! - -STARODUM (zu Prawdin). Wann sehen wir uns? Nach einem kurzen Schläfchen -bin ich wieder hier. - -PRAWDIN. So werde ich auch die Ehre haben, Sie hierselbst zu sehn. - -STARODUM. Das freut mich. (Erblickt Milon, der ihn ehrfurchtsvoll grüßt, -und erwidert höflich den Gruß.) - -FRAU PROSTAKOWA. Also bitte, bitte. (Alle gehen ab: Prawdin und Milon -nach der einen Seite, die übrigen nach der andern. Die Lehrer bleiben.) - - - Sechster Auftritt. - - KUTEJKIN und ZYFIRKIN. - -KUTEJKIN. Eine Satanswirtschaft das! Von früh an treib’ ich mich hier -zwecklos herum. Auf solche Art muß jeder Morgen hier verwelken und -verdorren. - -ZYFIRKIN. Unsereiner hat’s seine Lebtage nicht anders: blutwenig gibt’s -für uns zu thun. Ein Unglück aber ist, daß wir so schlecht gefüttert -werden, wie es denn beispielsweise heute zu Mittag an Proviant mangelte. - -KUTEJKIN. Hätte mich nicht der Herr erleuchtet, auf dem Hierherwege bei -unsrer Hostienbäckerin einzukehren, ich würde jetzt heulen wie ein Hund. - -ZYFIRKIN. Unsre Brotherrn sind mir nette Herrschaften! - -KUTEJKIN. Hast du gehört, Bruderherz, welch ein Leben das hiesige -Gesinde hat? Wohl hast du gedient, bist in mancher Schlacht gewesen, -doch Furcht und Zittern würde dir ankommen und Grauen dich befallen, -wenn – - -ZYFIRKIN. Bah, ob ich’s gehört? Mit eigenen Augen sah ich hier ein -stundenlanges Lauffeuer. (Seufzend.) Ach, traurig wird mir zu Sinn! - -KUTEJKIN. Wehe mir Sünder! - -ZYFIRKIN. Worüber seufzest du, Ssidorytsch? - -KUTEJKIN. Auch dein Herz ist betrübt, Pafnutjitsch? - -ZYFIRKIN. Unwillkürlich wird man schwermütig. Da hat mir Gott einen -Schüler beschert, einen Edelmann. Das dritte Jahr nun quäl’ ich mich mit -ihm ab, und noch kann er keine drei zählen. - -KUTEJKIN. So haben wir beide Einen Kummer. Das vierte Jahr kastei’ ich -meinen Leib. Keine neue Zeile kann der Junge aus der Fibel lesen, ist -nur im stande, das Gelesene zu repetieren, und auch hierbei sogar kaut -er die Worte ohne Sinn und Verstand. - -ZYFIRKIN. Und wer ist schuld? Kaum hat er den Griffel in der Hand, -erscheint der Deutsche in der Thür. Den Jungen erlöst man von der -Schiefertafel, und mich möchte man vor die Thür setzen. - -KUTEJKIN. Auch nicht meine Schuld ist’s. Kaum nehm’ ich den Bleistift -zwischen die Finger, tritt mir der Heide vor die Augen. Dem Schüler wird -der Kopf gestreichelt und dem Lehrer eins ins Genick versetzt. - -ZYFIRKIN (eifrig). Ein Ohr ließe ich mir abhauen, könnt’ ich diesem -Schmarotzer nach Soldatenart Räson beibringen. - -KUTEJKIN. Geißeln ließe ich mich, könnt’ ich dem Barbaren den Hals -brechen. - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA und MITROFAN. - -FRAU PROSTAKOWA. Derweilen er schläft, solltest du doch wenigstens zum -Schein etwas lernen, mein Liebling, damit es zu seinen Ohren komme, wie -fleißig du bist. - -MITROFAN. Nun, und dann? - -FRAU PROSTAKOWA. Und dann heiratest du. - -MITROFAN. Höre, Mutter: ich will dir das Vergnügen machen, werde ein -wenig lernen – doch soll’s das letzte Mal sein, noch heute muß die -Verlobung stattfinden! - -FRAU PROSTAKOWA. Die Stunde wird kommen, wenn Gott will, wo – - -MITROFAN. Die Stunde ist gekommen, wo ich will! Ich will nicht lernen, -will heiraten! Du selber hast mich so weit gebracht, schreib’s dir -selber zu ... Nun, da sitz’ ich. (Zyfirkin spitzt den Griffel an.) - -FRAU PROSTAKOWA. Und ich will mich hier nebenan setzen und dir ein -Beutelchen stricken, damit du etwas hast, wohin Sophiechens Geld zu -legen. - -MITROFAN. Nun, her mit der Tafel, du Garnisonratte! Was soll ich -schreiben? - -ZYFIRKIN. Ew. Gnaden beißen sich immer ohne Ursache herum. - -FRAU PROSTAKOWA (arbeitend). Du mein Gott! Der gute Junge darf -Pafnutjitsch kein einziges Scheltwort sagen – gleich wird der Mann böse! - -ZYFIRKIN. Böse? Nicht doch, Ew. Gnaden. Ein russisches Sprichwort sagt: -Bellt der Hund, verweht’s der Wind. - -MITROFAN. Nun, was soll ich repetieren? Rühr dich! - -ZYFIRKIN. Beim ewigen Repetieren kann man nicht avancieren. - -FRAU PROSTAKOWA. Ist nicht deine Sache, Pafnutjitsch. Es ist mir sehr -lieb, daß Mitrofan nicht avancieren will: mit seinem Verstande und hoch -avancieren – Gott verhüt’ es! - -ZYFIRKIN. Die Aufgabe lautet: Du und ich gingen mal auf der Landstraße -und mit uns – nun, sagen wir – Ssidorytsch. Wir fanden alle drei – - -MITROFAN (schreibt). Drei. - -ZYFIRKIN. Unterwegs dreihundert Rubel. - -MITROFAN (schreibt). Dreihundert. - -ZYFIRKIN. Darauf ging’s ans Teilen ... Nun berechne mal, wieviel ein -jeder von uns zu bekommen hat. - -MITROFAN (rechnet flüsternd). 1 × 3 = 3; 1 × 0 = 0 ... 1 × 0 = 0 ... - -FRAU PROSTAKOWA. Was, was wird da geteilt? - -MITROFAN. Gefundene dreihundert Rubel sollen unter drei Personen geteilt -werden. - -FRAU PROSTAKOWA. Unsinn, mein Herz! Hast du Geld gefunden, so teil’s mit -keinem, behalt alles! Lerne nicht diese blödsinnige Wissenschaft, mein -Junge! - -MITROFAN. Hörst du, Pafnutjitsch? Ein andres Exempel! - -ZYFIRKIN. Nun, schreibe. Für den Unterricht bekomm’ ich jährlich zehn -Rubel. - -MITROFAN (schreibt). Zehn. - -ZYFIRKIN. Jetzt ist’s freilich herausgeworfenes Geld. Doch gesetzt den -Fall, du würdest etwas von mir lernen, – so wär’ es kein Unglück, wenn -noch zehn zugelegt würden. - -MITROFAN (schreibt). Nun ... nun, zehn. - -ZYFIRKIN. Wieviel macht’s denn im Jahr aus? - -MITROFAN (rechnet flüsternd). 0 + 0 = 0, 1 + 1 ... (versinkt in -Nachdenken). - -FRAU PROSTAKOWA. Bemühe dich nicht unnütz, mein Bester: werde keinen -Groschen zulegen. Wär’ auch ganz unnütz – die Wissenschaft ist nicht -danach: du, armer Junge, wirst nur gequält, während das Ganze ein Unsinn -ist. Ist kein Geld da, so braucht’s auch nicht gezählt zu werden; ist’s -da, so werden wir’s auch ohne Pafnutjitsch sehr gut zusammenzählen. - -KUTEJKIN. Fertig, Pafnutjitsch! Zwei Exempel sind gelöst – kontrolliert -werden sie ja doch nicht. - -MITROFAN. Habe keine Sorge: Mutter wird sich schon nicht verzählen! ... -Nun laß uns das Gestrige wiederholen. - -KUTEJKIN (Öffnet das Gebetbuch). Nun vorwärts mit Gottes Segen! ... -Sprich mir aufmerksam nach ... Ich bin ein Wurm. - -MITROFAN. Ich bin ein Wurm. - -KUTEJKIN. Ein Wurm, das heißt ein Tier, ein Vieh. Das heißt: ich bin ein -Vieh. - -MITROFAN. Ich bin ein Vieh. - -KUTEJKIN (mit belehrendem Ton). Und kein Mensch. - -MITROFAN (ebenso). Und kein Mensch. - -KUTEJKIN. Ein Spott der Leute. - -MITROFAN. Ein Spott der Leute. - -KUTEJKIN. Und veracht – - - - Achter Auftritt. - - DIE VORIGEN und WRALMANN. - -WRALMANN. O! o! o! o! Jetzt seh’ ich’s! Ins Grab bringen will man das -Kind! Mutter, erbarme dich der Frucht deines Leibes, die du neun Monate -in deinem Schoß herumgeschleppt hast, sozusagen ein achtes Wunder der -Welt! Gibst du ihnen noch länger Freiheit, den verfluchten Bösewichtern -– wie bald ist aus einem solchen Kopf ein Klotz gemacht! Das Kind ist -schon disponiert dazu, hat alle Anlagen! - -FRAU PROSTAKOWA. Wahrheit sprichst du, Adam Adamytsch ... Liebes Kind, -wenn das Lernen deinem teuren Kopfe so schädlich ist, so bin ich der -Ansicht, daß du aufhörst zu lernen. - -MITROFAN. Dieser Ansicht bin ich schon lange. - -KUTEJKIN (das Buch schließend). Fertig, und Ehre sei Gott in der Höh’. - -WRALMANN. Verehrteste, Teuerste, Beste – was willst du? Wie dein Sohn -auch sein mag – aber er ist gesund; was hilft’s dir, wenn du einen -weisen Sohn hast, sozusagen einen Arestotilis, und er steht mit einem -Fuß im Grabe? - -FRAU PROSTAKOWA. Das ist ja entsetzlich, Adam Adamytsch! Und er hat noch -gestern so unakkurat zu Abend gegessen. - -WRALMANN. Bedenke nur, Werteste: schon ein überladener Magen ist ein -Unglück. Wie nun, wenn sein Kopf, der doch viel schwächer ist als sein -Magen – Gott schütze vor Unglück – überladen wird, was dann? - -FRAU PROSTAKOWA. Wahrheit sprichst du, Adam Adamytsch! Aber was thun? -Wenn der Knabe, ohne etwas gelernt zu haben, nach Petersburg kommt, so -wird man ihn einen Dummkopf nennen! Heutzutage gibt’s zu viele Kluge, -und diese gerade fürchte ich. - -WRALMANN. Warum sie fürchten, Verehrteste? Ein vernünftiger Mensch wird -nie mit ihm anbinden, wird nie mit ihm in Meinungsstreit kommen; er aber -soll auch mit klugen Menschen keine Gemeinschaft suchen, und der Segen -des Himmels wird auf ihm ruhn. - -FRAU PROSTAKOWA. So mußt du auf der Welt leben, Mitrofan. - -MITROFAN. Ich selbst, Mutter, bin kein Freund von klugen Menschen; nur -gleich und gleich gesellt sich gern. - -WRALMANN. Natürlich lebt sich’s am besten unter seinesgleichen, -sozusagen in eigener Gesellschaft. - -FRAU PROSTAKOWA. Aber, Adam Adamytsch – aus wem willst du denn diese -Gesellschaft bilden? - -WRALMANN. Besorge nicht, Verehrteste, besorge nicht: Solcher, wie dein -teurer Sohn, gibt’s auf Erden Millionen! Wie sollte er sich da keine -Gesellschaft finden? - -FRAU PROSTAKOWA. Er ist zwar mein Sohn, aber dennoch ein findiger, -gewandter Junge. - -WRALMANN. Jammerschade nur, daß er sich halbtot hat lernen müssen! -Russische Grammatik! Arithmetik! Ach, du lieber Gott! Wie dabei noch die -Seele im Leibe bleibt?! Als ob ein russischer Edelmann ohne die -russische Grammatik in der Welt nicht avancieren könnte! - -KUTEJKIN (beiseite). Daß dir der Pips an der Zunge wüchse! - -WRALMANN. Als ob früher die Menschen ohne die Arithmetik lauter -Dummköpfe gewesen wären! - -ZYFIRKIN (beiseite). Ich will dir schon deine Rippen zählen, wart du -nur! Dich krieg’ ich schon! - -WRALMANN. Wissen muß man, wie man auf der Welt leben soll. Und ich kenne -die Welt auswendig, ich bin ein geriebener Vogel! - -FRAU PROSTAKOWA. Wie solltest du die Welt nicht kennen, Adam Adamytsch! -Wieviel du allein in Petersburg gesehn haben magst! - -WRALMANN. Genug, Verehrteste, genug! Ich hab’s immer geliebt, mir das -Publikum anzusehn. Sobald die Herrschaften in ihren Wagen am Feiertag -nach Katharinenhof kamen, hatte ich vollauf zu sehen. Manchmal stieg ich -stundenlang nicht vom Bock. - -FRAU PROSTAKOWA. Von welchem Bock? - -WRALMANN (für sich). O, o, o – was hab’ ich da gesagt! (Laut.) Du weißt, -Verehrteste, daß man am besten sieht, wenn man recht hoch sitzt. So -kletterte ich denn manchmal auf den Wagen eines Bekannten und sah mir -vom Bock aus die große Welt an. - -FRAU PROSTAKOWA. Freilich sieht man auf solche Weise besser. Ein kluger -Mensch weiß, wohin er steigt. - -WRALMANN. Auch dein teurer Sohn wird noch in der Welt steigen: die -Menschen zu sehn und sich selber zu zeigen ... Prachtjunge! (Mitrofan -dreht sich herum, auf demselben Platz stehen bleibend.) Prachtjunge! -Kann nicht stille stehn, gleich einem wilden Roß ohne Zaum ... Nun, -fort! (Mitrofan läuft fort.) - -FRAU PROSTAKOWA (freudig lächelnd). Ist doch noch ein wahres Kind, -obgleich schon Bräutigam! Muß doch nachsehn, daß er in seinem Mutwillen -den teuren Gast nicht belästige. - -WRALMANN. Geh, Verehrteste, geh. Um diesen losen Vogel zu überwachen, -muß man seine Augen überall haben. - -FRAU PROSTAKOWA. So lebe denn wohl, Adam Adamytsch. (Ab.) - - - Neunter Auftritt. - - WRALMANN, KUTEJKIN und ZYFIRKIN. - -ZYFIRKIN (höhnend). Affenfratze! - -KUTEJKIN (ebenso). Du Sprichwort und Spott unter allen Völkern! - -WRALMANN. Nun, was fletscht ihr die Zähne, ihr ungebildeten Menschen?! - -ZYFIRKIN (schlägt ihn auf die Schulter). Und was ziehst du die -Augenbrauen zusammen, du finnische Eule? - -WRALMANN. Au, das ist eine eiserne Tatze! - -KUTEJKIN (ihn gleichfalls auf die Schulter schlagend). Uhu verfluchter! -Was rollst du deine Glotzaugen? - -WRALMANN (für sich). Ich bin verloren! (Laut.) Spottet ihr mein, -Kameraden? - -ZYFIRKIN. Selber issest du hier unverdientes Brot und hinderst andere, -etwas zu thun! Dummes Gesicht! - -KUTEJKIN. Eitel Hoffart redet deine Zunge, du Gottloser. - -WRALMANN (sich von seinem Schrecken erholend). Wie wagt ihr’s, gegen -eine gebildete Person unhöflich zu sein? Ich werde um Hilfe schreien. - -ZYFIRKIN. Gleich werden wir dir unsre Hochachtung bezeigen: ich mit der -Tafel – - -KUTEJKIN. Und ich mit dem Buche. - -WRALMANN. Ich werde euch bei der gnädigen Frau verklagen! (Zyfirkin holt -mit der Tafel aus, Kutejkin mit dem Buche.) - -ZYFIRKIN. Deine Fratze will ich dir zerfleischen! } (Gleichzeitig.) - } -KUTEJKIN. Ich zerschmettere des Gottlosen Zähne! } -(Wralmann flieht.) } - -ZYFIRKIN. Aha, da läuft der Hasenfuß! - -KUTEJKIN. Hebe dich hinweg, Gottverfluchter! - -WRALMANN (in der Thür). Was nun, ihr Bestien? Steckt mal eure Nase -hierher! - -ZYFIRKIN. Hast Reißaus genommen! Wir würden dich schon durchgewalkt -haben! - -WRALMANN. Ich fürchte euch nicht, jetzt fürcht’ ich euch nicht! - -KUTEJKIN. Geborgen hat sich der Gottlose! Hast du noch viele von deinem -Heidengesindel in der Nähe? Rufe sie alle! - -WRALMANN. Seid mit Einem nicht fertig geworden! } -Nun, was, habt ihr’s? } - } -ZYFIRKIN. Ich allein werde mit zehn Mann } -fertig! } (Durcheinanderschreiend.) - } -KUTEJKIN. Frühe vertilge ich alle Gottlosen im } -Lande! } - - - - - Vierter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - -SOPHIE (allein; sieht auf die Uhr). Der Onkel muß bald herkommen. (Setzt -sich, nimmt ein Buch und liest ein wenig.) Das ist wahr: wie sollte das -Herz nicht zufrieden sein, wenn das Gewissen ruhig ist? (Liest wieder.) -Man muß die Gesetze der Tugend lieben: sie führen zum Glück. (Liest noch -einige Zeilen, erblickt Starodum und eilt ihm entgegen.) - - - Zweiter Auftritt. - - SOPHIE und STARODUM. - -STARODUM. Ach, du bist schon hier, mein Herz? - -SOPHIE. Ich habe Sie erwartet, Onkelchen, und derweil ein Buch gelesen. - -STARODUM. Welches? - -SOPHIE. Ein französisches: Fénelons „Mädchenerziehung“. - -STARODUM. Fénelons, des Verfassers des „Telemach“? Das muß ein gutes -Buch sein. Ich kenn’ es zwar nicht, jedoch lies es nur. Wer den -„Telemach“ geschrieben, dessen Feder kann keine Sittenverderberin sein. -Die modernen Schöngeister machen mich für die jungen Mädchen fürchten. -Ich habe sie alle gelesen, soweit sie ins Russische übersetzt sind. Es -ist wahr: sie rotten die Vorurteile aus, rütteln jedoch bedenklich an -den Wurzeln der Moral. Setzen wir uns. (Sie setzen sich.) Mein innigster -Wunsch ist, dich so glücklich zu wissen, wie man auf Erden nur immer -glücklich sein kann. - -SOPHIE. Ihre Lehren, Onkelchen, werden mein ganzes Glück begründen. -Geben Sie mir Lehren, denen ich folgen soll. Leiten Sie mein Herz, es -gehorcht Ihnen gern. - -STARODUM. Deine Herzensneigung ist mir teuer. Mit Freuden will ich dir -meine Ratschläge erteilen. Höre mir mit einer Aufmerksamkeit zu, die der -Aufrichtigkeit meiner Rede gleichkommt. Rücke näher. (Sophie nähert ihm -ihren Stuhl.) - -SOPHIE. Onkelchen, jedes Ihrer Worte wird sich tief meinem Herzen -einprägen. - -STARODUM. Du stehst jetzt in dem Alter, wo die Seele ihres ganzen Seins -genießen, die Vernunft lernen, das Herz empfinden will. Du trittst jetzt -in die Welt, wo der erste Schritt oft für das ganze Leben entscheidend -ist, wo oft eine in ihren Begriffen demoralisierte Vernunft, ein in -seinen Gefühlen demoralisiertes Herz die erste Begegnung bildet. O mein -Freund, lerne unterscheiden, lerne zu denen halten, deren Freundschaft -dir das Wohl deiner Vernunft und deines Herzens verbürgt. - -SOPHIE. Mein ganzes Streben wird darnach gerichtet sein, die Achtung -würdiger Menschen zu erwerben. Wie jedoch mach’ ich’s, daß diejenigen, -die ich meide, mir dafür nicht zürnen? Gibt es nicht ein Mittel, daß mir -kein Mensch auf Erden gram sei? - -STARODUM. Die Abneigung Unwürdiger muß nicht kränkend sein. Wisse, daß -man nie demjenigen Böses wünscht, den man verachtet; im Gegenteil: man -wünscht Böses dem, der selber das Recht hat, zu verachten. Die Menschen -beneiden einander nicht allein um Reichtum und Rang: auch die Tugend hat -ihre Neider. Diese geben sich alle Mühe, ein unschuldiges Herz zu -verderben, um es bis zu sich herab zu erniedrigen; und die Vernunft wird -verderbt, damit sie im Unwürdigen ihr Glück ersehe. - -SOPHIE. Ist es denn möglich, lieber Onkel, daß es auf der Welt solche -bedauernswerte Menschen gibt, in deren Herzen eine lasterhafte -Empfindung dadurch entsteht, daß ein andrer nicht lasterhaft empfindet? -Ein tugendhafter Mensch muß solche Unglückliche bedauern. - -STARODUM. Es ist wahr, sie sind bedauernswert: doch darum setzt ein -tugendhafter Mensch seinen Weg unbeirrt fort. Denke nur, welch ein -Unglück es wäre, wenn die Sonne aufhören würde zu scheinen, bloß um -schwache Augen nicht zu blenden! - -SOPHIE. Aber sagen Sie mir, bitte, ob die Menschen selber die Schuld -tragen an der Lasterhaftigkeit ihrer Seele? Kann denn ein jeder Mensch -tugendhaft sein? - -STARODUM. Glaube mir, daß jedermann genügend Kraft finden kann, um -tugendhaft zu sein. Man muß nur recht wollen, und leicht wird es dann -fallen, das zu unterlassen, wofür in der Folge das Gewissen Vorwürfe -machen könnte. - -SOPHIE. Wer denn wird einen Menschen warnen, wer ihn an einer That -verhindern, die Gewissensbisse zur Folge haben könnte? - -STARODUM. Wer ihn warnen wird? Wiederum das Gewissen. Ja, das Gewissen -warnt stets als Freund früher, bevor es als Richter bestraft. - -SOPHIE. Dann muß ja jeder lasterhafte Mensch verachtungswert sein, wenn -er wissentlich etwas Böses verübt. Dann muß seine Seele recht niedrig -sein, wenn sie sich nicht über die böse That erheben kann. - -STARODUM. Und seine Vernunft muß keine Vernunft sein, wenn sie ihr Glück -in etwas Unwürdigem ersieht. - -SOPHIE. Mir scheint, lieber Onkel, daß alle Menschen einerlei Meinung -sind, worin das Glück bestehe. Ehrenauszeichnungen, Reichtum – - -STARODUM. Ganz recht, mein Freund. Auch ich will einen Mann, der reich -ist und ausgezeichnet wird, glücklich heißen. Doch wollen wir erst -untersuchen, wer denn ausgezeichnet wird und reich ist. Ich habe -hierüber mein eigenes Urteil. Den Ruhm bemesse ich nach den Thaten, die -ein berühmter Mensch zum Besten seines Vaterlandes gethan, und nicht -nach den Thaten, die in selbstsüchtigem Ehrgeiz ihre Quelle haben; ich -bemesse den Ruhm nicht nach der Anzahl der Menschen, die in des -Gefeierten Vorzimmer einander drängen und stoßen, sondern nach der Zahl -jener Menschen, die mit seinem Betragen, mit seinen Handlungen zufrieden -sind. Ein derart ausgezeichneter Mensch ist in der That glücklich. – -Ferner ist meiner Ansicht nach, nicht derjenige reich, der sein Geld -abzählt, um es in Kisten und Spinden zu verwahren, sondern derjenige -gilt mir reich, der sein überflüssiges Geld abzählt, um den Bedürftigen -zu helfen. - -SOPHIE. Wie wahr ist das alles! ... Wie oft betrügt uns der äußere -Schein! Ich selbst hatte mehrfach Gelegenheit zu sehen, wie man -denjenigen beneidet, der etwas bei Hofe sucht und daselbst etwas -bedeutet. - -STARODUM. Und die Neider wissen nicht, daß jede Kreatur bei Hofe etwas -sucht und sogar etwas bedeutet; sie wissen es nicht, daß bei Hofe -jedermann Höfling ist und Höflinge hat. Nein, hier ist nichts zu -beneiden: ohne Ehrenhandlungen ist ein Ehrenstand ein Unding. - -SOPHIE. Gewiß, Onkel. Und ein derart ausgezeichneter Mensch macht -keinen, außer sich selber, glücklich. - -STARODUM. Wie? Ist denn derjenige glücklich, der allein, vereinsamt -glücklich ist? Wisse, daß, so groß auch sein Ruhm sei, er doch niemals -vollständige Glückseligkeit empfinden kann. Stelle dir einen Menschen -vor, der seinen ganzen Ruhm nur dazu benutzen wollte, um es selber gut -zu haben, der es auch erreichte, daß für ihn selber nichts mehr zu -wünschen übrigbliebe; dann würde ja seine ganze Seele nur ein Gefühl mit -sich herumtragen – die Furcht, früher oder später von der Höhe seines -Glücks gestürzt zu werden. Sage nun, mein Freund, ob derjenige glücklich -ist, der nichts mehr zu wünschen hat und nur fürchten kann? - -SOPHIE. Ich sehe nun den Unterschied zwischen dem Glücklichscheinen und -Glücklichsein. Aber es ist mir unbegreiflich, wie ein Mensch immer nur -an sich denken kann! Bedenkt man denn nicht, daß man andern verpflichtet -ist? Wo bleibt denn der Verstand, auf den man sich so viel zu gute thut? - -STARODUM. Sich etwas auf den Verstand zu gute thun? Ein Verstand, der -nur Verstand ist, will noch gar wenig bedeuten! Es gibt Menschen, die -bei bedeutendem Verstande schlechte Ehemänner, schlechte Väter, -schlechte Bürger sind. Wert verleiht dem Verstande nur die Tugend: ohne -Tugend ist auch ein kluger Mensch ein Ungeheuer. Sie steht unendlich -höher als ein hoher Verstand – das wird jeder leicht begreifen, der nur -ein wenig nachdenkt. Es gibt viele Arten des Verstandes. Einem klugen -Menschen kann man verzeihen, wenn ihm diese oder jene Eigenschaft des -Verstandes abgeht; einem tugendhaften Menschen verzeiht man’s nicht, -wenn ihm irgend eine Tugend des Herzens fehlt: er muß sie alle insgesamt -besitzen, denn die Tugend des Herzens ist unteilbar. Ein tugendhafter -Mensch muß vollkommen tugendhaft sein. - -SOPHIE. Ihre Erklärung, lieber Onkel, entspricht ganz meinem innern -Gefühl, das ich nicht verstehe in Worte zu fassen. Jetzt empfind’ ich -lebhaft, worin der Wert eines tugendhaften Menschen, worin seine Pflicht -besteht. - -STARODUM. Pflicht! Ach, mein Freund – dieses Wort ist auf aller Lippen -und wird doch oft so falsch verstanden. Der beständige Gebrauch dieses -Wortes hat uns dermaßen an dasselbe gewöhnt, daß ein Mensch, der es -ausspricht, nichts dabei denkt und empfindet. Wenn die Menschen die -Bedeutung dieses Wortes wüßten, würden sie es nicht ohne innere -Ehrfurcht aussprechen. Was ist die Pflicht? Jenes heilige Gelübde, das -uns an alle bindet, mit denen wir leben und von denen wir abhängen. Wenn -jeder den Begriff der Pflicht so auffaßte, wie er ihn ausspricht, so -würde jeder Stand nicht über den seiner Lage angemessenen Ehrgeiz -streben, würde vollkommen glücklich sein. Der Edelmann z. B. würde es -sich zur Unehre gereichen lassen, wenn er nicht ausschließlich seiner -großen Pflicht obläge – den Untergebenen zu helfen, dem Vaterlande zu -dienen. Dann würde es keine Edelleute geben, deren Adel sozusagen -zugleich mit ihren Vorfahren begraben wird. Ein Edelmann, der nicht wert -ist ein Edelmann zu sein, ist das erbärmlichste Geschöpf, das ich mir -vorstellen kann. - -SOPHIE. Kann man sich denn dermaßen erniedrigen? - -STARODUM. Mein Freund! Das, was ich vom Edelmann gesagt, kann auf alle -Menschen angewendet werden. Jedermann hat seine Pflichten, doch wie -werden sie erfüllt? Wie z. B. sind die Männer heutigentags – die Frauen -auch nicht zu vergessen!? O mein Kind, höre mir nun mit vollster -Aufmerksamkeit zu! Betrachten wir uns z. B. eine unglückliche Familie, -wie es deren eine Unmenge gibt, wo die Frau keine herzliche Freundschaft -für den Mann empfindet, noch er Vertrauen zu ihr; wo beide auf ihre Art -den Weg der Tugend verlassen. Statt eines innigen und nachsichtigen -Freundes erblickt die Frau in ihrem Manne einen groben und lasterhaften -Tyrannen. Andrerseits sieht der Mann in der Seele seiner Frau statt -Sanftmut und Treuherzigkeit – die Eigenschaften einer tugendhaften Frau -– nur widerspenstige Frechheit, die Frechheit einer Frau aber ist das -Aushängeschild eines lastervollen Charakters. Beide werden sich -gegenseitig zur unerträglichen Last; beide mißachten einen guten Namen, -weil sie ihn beide verloren haben. Gibt es wohl eine schrecklichere -Lage? Das Hauswesen ist verwahrlost; die Dienerschaft vergißt die -Pflicht des Gehorsams, weil sie in ihrem eigenen Herrn einen Sklaven -niedriger Leidenschaft sieht; das Gut wird ruiniert: es gehört keinem, -weil der Herr nicht sich selber gehört. Die Kinder, die unglücklichen -Kinder, sind schon zu Lebzeiten der Eltern arme Waisen. Der Vater, der -seine Frau mißachtet, wagt kaum die Kinder zu umarmen, wagt kaum, sich -den zartesten Empfindungen eines Menschenherzens hinzugeben. Die -unschuldigen Kleinen entbehren gleichfalls der mütterlichen Liebe. Sie, -die nicht wert ist, Kinder zu haben, entzieht sich ihren Liebkosungen, -indem sie darin entweder die Ursache ihrer Unruhe oder einen Vorwurf für -ihre Lasterhaftigkeit erblickt. Und welche Erziehung kann eine -lasterhafte Mutter ihren Kindern geben? Wie soll sie ihnen Lehren der -Tugend einimpfen, da sie selber keine Tugend besitzt? Welche Hölle muß -in der Seele der Eltern brennen, wenn ihr Gedanke sich einmal ernstlich -mit ihrer gräßlichen Lage beschäftigt. - -SOPHIE. Wie entsetzenerregend ist dieses Beispiel! - -STARODUM. Gewiß muß es ein tugendhaftes Herz erschüttern. Doch ich -denke, daß ein Mensch nicht in dem Grade demoralisiert sein kann, um -ruhigen Blutes solche Greuel anzusehen. - -SOPHIE. Gott, wodurch entsteht nur ein so schreckliches Unglück? - -STARODUM. Dadurch, mein Freund, daß bei den heutigen Eheschließungen -selten das Herz zu Rate gezogen wird. Man sieht nur darauf, ob der -Bräutigam eine angesehene und reiche und die Braut eine schöne und -reiche Person ist. Nach der Tugend wird nicht gefragt. Keinem kommt es -in den Sinn, daß in den Augen denkender Menschen ein Ehrenmann ohne Rang -einen hohen Rang einnimmt, daß die Tugend alles ersetzt und selber durch -nichts ersetzt werden kann. Und ich muß gestehn, liebe Sophie, daß mein -Herz nur dann ganz ruhig sein wird, wenn ich dich als die Frau eines -Ehrenmannes sehen werde, wenn wechselseitige Liebe – - -SOPHIE. Einen ehrenhaften Gatten kann man ja nicht anders als recht -freundschaftlich lieben. - -STARODUM. Richtig. Nur sei deine Liebe zum Gatten nicht der Freundschaft -gleich, sondern deine Freundschaft zu ihm sei der Liebe ähnlich – dann -werdet ihr noch nach zwanzig Jahren ehelichen Zusammenlebens eine -unverminderte Neigung zu einander empfinden. Ein vernünftiger, -ehrenhafter Mann und eine vernünftige, tugendhafte Frau – was kann es -Herrlicheres geben? Dein Mann muß der Stimme der Vernunft gehorchen, und -du deinem Manne, und dann ist euer Glück ein vollkommenes. - -SOPHIE. Jedes Ihrer Worte geht mir zu Herzen. - -STARODUM (mit zärtlichem Feuer). Und mein Herz entzückt sich an dem -Gefühl deines Herzens! Von dir allein hängt dein Glück ab. Gott hat dir -allen Reiz deines Geschlechts verliehen. Ich sehe, daß du ein -tugendhaftes Herz im Busen trägst. Ja, mein geliebtes Kind, du -vereinigst in dir die Vorzüge beider Geschlechter! Ich schmeichle mir, -daß meine Liebe zu dir mich nicht täuscht, daß deine Tugenden – - -SOPHIE. Du hast jedes meiner Gefühle tugendhaft gemacht! (Will seine -Hand küssen.) - -STARODUM (ihre Hand küssend). Ich danke Gott, daß ich in dir selbst -einen festen Grund für dein Glück sehe. Nicht von Würden und Reichtum -wird es abhängen, denn beides kann noch dereinst dein werden. Doch du -besitzest bereits ein noch größeres Glück – das Gefühl, daß du würdig -bist des Glückes, das du empfindest! - -SOPHIE. Teuerster, bester Onkel! mein ganzes Glück ist, daß ich dich -habe. Ich kenne den Wert – - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. Ein KAMMERDIENER kommt und übergibt Starodum einen - Brief. - -STARODUM. Von wo? - -KAMMERDIENER. Aus Moskau, durch einen expressen Boten. (Ab.) - -STARODUM (entsiegelt das Schreiben und liest die Unterschrift). Ah, vom -Grafen Tschestan. (Beginnt zu lesen, macht aber Miene, nicht gut sehen -zu können.) Sophie, bitte, meine Brille – im Buch auf dem Tisch. - -SOPHIE (im Abgehen). Sofort, Onkelchen. - - - Vierter Auftritt. - -STARODUM (allein). Er schreibt mir natürlich von seinem Vorschlag, den -er mir in Moskau gemacht. Ich kenne Milon nicht; doch wenn sein Onkel, -mein geschätzter Freund, und alle seine Bekannten ihn für einen würdigen -und ehrenhaften Mann halten ... wenn ihr Herz frei ist ... - - - Fünfter Auftritt. - - STARODUM und SOPHIE. - -SOPHIE (die Brille gebend.) Hier ist sie, Onkelchen. - -STARODUM (liest). „Ich habe soeben erfahren ... führt sein Kommando nach -Moskau ... er muß mit Ihnen zusammentreffen. Es würde mich herzlich -freuen, wenn er Sie sehen sollte ... Bitte, bringen Sie seine -Gesinnungsart in Erfahrung“ ... (Beiseite.) Natürlich, sonst geb’ ich -sie ihm nicht ... „Sie werden finden ... Ihr aufrichtiger Freund ...“ -Gut. Dieser Brief betrifft dich. Ich habe dir schon gesagt, daß mir ein -junger Mann sehr warm empfohlen worden ist ... Meine Worte machen dich -stutzen, mein Freund, das hab’ ich schon damals gesehn und seh’ es auch -jetzt. Doch dein Vertrauen zu mir – - -SOPHIE. Kann ich denn etwas auf dem Herzen haben, das ich vor Ihnen als -Geheimnis bergen sollte? Nein, lieber Onkel, ich will Ihnen treuherzig -gestehn – - - - Sechster Auftritt. - - DIE VORIGEN. PRAWDIN und MILON. - -PRAWDIN. Erlauben Sie, Ihnen meinen aufrichtigen Freund Milon -vorzustellen. - -STARODUM (beiseite). Milon! - -MILON. Ich würde es für ein hohes Glück ansehn, wenn Sie mir Ihr -Wohlwollen schenkten. - -STARODUM. Ist Graf Tschestan Ihnen verwandt? - -MILON. Er ist mein Onkel. - -STARODUM. Mit Freuden mache ich Bekanntschaft mit einem Manne von Ihren -Eigenschaften. Ihr Onkel hat mir von Ihnen gesprochen; er läßt Ihnen -volle Gerechtigkeit widerfahren. Er rühmt Ihre Vorzüge – - -MILON. Das thut er nur aus Güte. In meinem Alter und bei meiner Stellung -wär’ es eine unverzeihliche Hoffart, wollte ich das Lob, das mir -ehrenwerte Männer spenden, für verdient hinnehmen. - -PRAWDIN. Ich bin im voraus versichert, daß mein Freund Ihr Wohlwollen -erwirbt, sobald Sie ihn näher kennen lernen. Er verkehrte oft im Hause -Ihrer seligen Schwester. (Starodum sieht sich nach Sophie um.) - -SOPHIE (leise und sehr befangen zu Starodum). Und die Mutter liebte ihn -wie einen Sohn. - -STARODUM (zu Sophie). Das ist mir sehr angenehm. (Zu Milon.) Ich habe -gehört, daß Sie in der Armee dienten, Ihre Tapferkeit – - -MILON. Ich that nur meine Pflicht. Weder Alter noch Rang ließen mich -bisher meine Tapferkeit beweisen, falls ich sie wirklich besitze. - -STARODUM. Wie?! Sie waren ja in der Schlacht und haben mehrfach Ihr -Leben aufs Spiel gesetzt – - -MILON. Ich hab’s aufs Spiel gesetzt ebenso wie alle andern. Ein -derartiger Mut ist eine Eigenschaft des Herzens, die dem Soldaten der -Oberst zu haben befiehlt, und dem Offizier – die Ehre. Ich muß -aufrichtig gestehn, daß ich noch keine Gelegenheit gehabt habe, eine -echte Tapferkeit an den Tag zu legen, was ich jedoch von Herzen wünsche. - -STARODUM. Ich wäre sehr neugierig zu erfahren, was Sie unter echter -Tapferkeit verstehen. - -MILON. Meiner Ansicht nach hat die Tapferkeit ihren Sitz in der Seele -und nicht im Herzen. Ist die Seele tapfer, so ist auch das Herz -unbedingt mutig. In unserm Kriegshandwerk muß der Soldat mutig, der -Befehlshaber tapfer sein. Mit kaltem Blute erkennt er alle Grade der -Gefahr, ergreift die nötigen Maßregeln, schätzt den Ruhm höher als sein -Leben; und was die Hauptsache ist: zum Nutzen und Ruhm seines -Vaterlandes ist er tapfer genug, des eigenen Ruhmes zu vergessen. Seine -Tapferkeit besteht somit nicht darin, daß er sein Leben gering achtet, -denn er setzt es nicht blindlings aufs Spiel, sondern darin, daß er es -zu opfern versteht. - -STARODUM. Ganz richtig. Echte Tapferkeit sehen Sie im -Kriegsbefehlshaber; kann sie aber auch den andern Ständen eigen sein? - -MILON. Sie ist eine Tugend, und folglich kann sich jeder Stand durch sie -auszeichnen. Mir scheint, der Mut des Herzens erweist sich während der -Schlacht, die Tapferkeit der Seele jedoch in allen Prüfungen, in jeder -Lage des Lebens. Und welch ein gewaltiger Unterschied besteht doch -zwischen dem Mut des Soldaten, der gleichzeitig mit andern beim -Sturmlauf sein Leben wagt, und der Tapferkeit eines Staatsmannes, der -seinem Landesherrn die Wahrheit sagt und dadurch dessen Zorn auf sich zu -laden riskiert! Ein Richter, der, die Drohungen und Rache des Mächtigen -nicht fürchtend, dem Hilflosen hat Gerechtigkeit widerfahren lassen – -ist in meinen Augen ein Held. Wie kleinlich ist doch die Seele eines -Mannes, der um ein Nichts seinen Nebenmenschen zum Duell herausfordert, -im Vergleich mit dem Manne, der die Ehre eines Abwesenden vor dessen -Verleumdern in Schutz nimmt! Ich verstehe die Tapferkeit – - -STARODUM. Wie sie ein Mann verstehen muß, dessen Seele sie besitzt. -Umarme mich, mein Freund! Vergib mir meine Freimütigkeit: ich bin ein -Freund ehrenhafter Menschen. Dieses Gefühl wurzelt in der Erziehung, die -ich genossen. In dir sehe ich die Tugend im Schmucke eines hellen -Verstandes. - -MILON. Eine edle Seele ... Nein, nicht länger hält mein Herz sein Gefühl -zurück! Nein! ... Deine Tugend entlockt meiner Seele ihr Geheimnis! Ist -mein Herz tugendhaft, verdient es glücklich zu werden – so liegt es in -deiner Macht, es glücklich zu machen. Und glücklich werde ich sein, wenn -du mir deine liebenswürdige Nichte zur Frau gibst. Unsre gegenseitige -Liebe – - -STARODUM (freudig zu Sophie). Wie? Dein Herz verstand schon denjenigen -zu wählen, den ich dir im voraus ausersehen hatte? Er ist jener -Bräutigam – - -SOPHIE. Und ich liebe ihn von Herzen. - -STARODUM. Ihr seid beide einer des andern würdig. (Vereinigt entzückt -ihre Hände.) Von ganzer Seele gebe ich meine Einwilligung. - -MILON (Starodum umarmend). Mein Glück ist } (Zusammen.) -unermeßlich! } - } -SOPHIE (Starodums Hände küssend). Wer kann } -glücklicher sein als ich?! } - -PRAWDIN. Wie aufrichtig bin ich erfreut! - -STARODUM. Mein Glück kennt keine Worte! - -MILON (Sophie die Hand küssend). O seliger Augenblick! - -SOPHIE. Ewig wird mein Herz dich lieben! - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN und SKOTININ. - -SKOTININ. Auch ich bin da. - -STARODUM. Was führt dich her? - -SKOTININ. Meine eigene Angelegenheit. - -STARODUM. Womit kann ich dienen? - -SKOTININ. Mit drei Worten. - -STARODUM. Und diese sind? - -SKOTININ. Umarme mich recht fest und sage: Sophie ist dein. - -STARODUM. Bist du nicht recht gescheit? Denke mal ordentlich nach! - -SKOTININ. Ich denke niemals und bin im voraus versichert, daß, wenn auch -du nicht denken wirst, Sophie die Meine wird. - -STARODUM. Sonderbarer Kauz! Du bist, wie ich sehe, nicht auf den Kopf -gefallen und willst, daß ich meine Nichte einem Menschen gebe, den ich -gar nicht kenne. - -SKOTININ. Dann sag’ ich’s dir, und du wirst mich kennen. Ich bin Taras -Skotinin, nicht der letzte meines Geschlechts. Die Skotinin sind ein -großes und altes Geschlecht. Den Urururgroßvater findest du in keiner -Heraldik. - -PRAWDIN. Sie werden uns noch glauben machen wollen, daß er älter ist als -Adam! - -SKOTININ. Und du meinst nicht? Wenn auch nicht viel – - -STARODUM (lachend). Gewiß, dein Urururgroßvater ist zwar am sechsten -Tage erschaffen, doch ein wenig früher als Adam. - -SKOTININ. Du bist also hoher Meinung von dem Alter unsres Geschlechts? - -STARODUM. So hoher Meinung, daß ich mich wundere, wie du nur eine Frau -wählen kannst, die nicht zum Geschlecht der Skotinin gehört. - -SKOTININ. Du kannst dir demnach vorstellen, wie glücklich Sophie mit mir -sein wird. Sie ist von Adel – - -STARODUM. Lieber Mann, darum gerade bist du kein Bräutigam für sie. - -SKOTININ. Ich lass’ es schon daran ankommen. Mag man sich die Zunge -abreden, daß Skotinin eine Adelige genommen hat – mir ist’s gleich. - -STARODUM. Aber ihr ist es nicht gleich, wenn es heißt, daß eine Adelige -einen Skotinin genommen hat. - -MILON. Eine solche ungleiche Partie kann kein Glück ins Haus bringen. - -SKOTININ. He, was hat der mitzusprechen? (Leise zu Starodum.) Ist’s -nicht gar ein Nebenbuhler? - -STARODUM (leise zu Skotinin). Mir will’s auch so scheinen. - -SKOTININ (leise). Wo sollt’ er, zum Teufel?! - -STARODUM (ebenso). Natürlich wird’s ihm schwer fallen. - -SKOTININ (laut, auf Milon weisend). Nun, wer von uns macht sich hier -lächerlich? Hahaha! - -STARODUM (lacht). Ich sehe, wer sich lächerlich macht. - -SOPHIE. Onkelchen, wie freut es mich, daß Sie fröhlich sind! - -SKOTININ (zu Starodum). Ei, du bist ja ein ganz lustiger Herr! Anfangs -glaubt’ ich, daß man dir gar nicht nah’ kommen kann. Hast damals kein -Wort mit mir gesprochen, und jetzt lachst du sogar. - -STARODUM. Ich bin nun mal so ein Mensch, habe meine Augenblicke. - -SKOTININ. Das seh’ ich. Damals war ich ja derselbe Skotinin, du aber -ärgertest dich. - -STARODUM. Ich hatte meine Gründe. - -SKOTININ. Die kenn’ ich nicht. Doch auch ich bin hierin eigen. Wenn ich -z. B. zu Hause zum Koben trete und die Schweine nicht in Ordnung finde, -so braus’ ich auf. Übrigens hast auch du bei deinem Herkommen das Haus -als einen Schweinekoben angetroffen und daher dein Ärger. - -STARODUM. Du bist glücklicher als ich: auf mich machen die Menschen -Eindruck – - -SKOTININ. Und auf mich die Schweine. - - - Achter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW, MITROFAN und JEREMEJEWNA. - -FRAU PROSTAKOWA (eintretend). Hast du auch alles bei dir? - -MITROFAN. Beruhige dich endlich mal! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Hast du gut zu ruhen geruht, Väterchen? -Wir alle gingen im vierten Zimmer auf den Zehenspitzen, um dich nicht -aufzuwecken wir wagten’s nicht, durchs Schlüsselloch zu sehn. Doch da -hörten wir dich hier sprechen und sind gekommen. Nichts für ungut – - -STARODUM. O, es wäre mir sehr unangenehm, wenn Sie früher gekommen -wären. - -SKOTININ. Spielst du mir einen Schabernack, Schwester, daß du dich mir -an die Fußsohlen heftest? Ich habe hier ein Geschäft abzumachen. - -FRAU PROSTAKOWA. Und ich auch. (Zu Starodum.) Verstatte, Väterchen, daß -wir dich mit einer Bitte belästigen. (Zu Mann und Sohn.) Grüßet! - -STARODUM. Mit welcher? - -FRAU PROSTAKOWA. Erst bitte ich alle, Platz zu nehmen. (Alle, mit -Ausnahme von Mitrofan und Jeremejewna, setzen sich.) Die Sache ist -nämlich die, Väterchen: Gott der Herr hat uns auf das Gebet unsrer -Eltern hin (wo hätten wir Sünder ihn erbitten können!) das Söhnchen -Mitrofan geschenkt. Wir thaten unser möglichstes, daß er so werde, wie -du ihn jetzt siehst. Wolltest du dich nicht bemühen, Einsicht zu -gewinnen, was er gelernt hat und kennt? - -STARODUM. O, es ist mir bereits zu Ohren gekommen, was er gelernt hat. -Ich habe gehört, wer seine Lehrer sind, und weiß im voraus, welche -Sprachkenntnisse ihm Kutejkin beigebracht, und was er aus der Mathematik -bei Zyfirkin gelernt hat. (Zu Prawdin.) Neugierig wär’ ich, zu erfahren, -was er beim Deutschen gelernt. - -FRAU PROSTAKOWA. Alle Wissenschaften. } - } -PROSTAKOW. Alles. } (Gleichzeitig.) - } -MITROFAN. Alles, was du willst. } - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Was denn z. B.? - -MITROFAN (gibt ihm ein Buch). Hier, Grammatik. - -PRAWDIN (nimmt das Buch). Ich sehe wohl, daß es eine Grammatik ist. Nun, -und was kennen Sie daraus? - -MITROFAN. Eine Menge. Viele Redeteile – - -PRAWDIN. Nun, was für ein Redeteil ist das Wort „Thür?“ - -MITROFAN. Thür? Welche Thür? - -PRAWDIN. Welche Thür? ... Nun, diese da. - -MITROFAN. Diese? Ein Bindewort. - -PRAWDIN. Warum denn? - -MITROFAN. Weil sie zwei Zimmer verbindet. Wir haben aber eine Thür, die -seit Wochen nicht in ihre Angeln gehängt wird, was jedoch hauptsächlich -des starken Zugwinds wegen sehr nötig wäre; jene ist darum ein -Hauptwort. - -PRAWDIN. Also ist auch das Wort Narr ein Bindewort, weil man einen -dummen Menschen damit in Verbindung bringt? - -MITROFAN. Natürlich. - -FRAU PROSTAKOWA. Nun, was sagst du dazu, Väterchen. - -PROSTAKOW. Ja, was sagst du dazu? - -PRAWDIN. Ausgezeichnet! In der Grammatik ist er recht bewandert. - -MILON. Ich denke, auch nicht weniger in der Geschichte. - -FRAU PROSTAKOWA. O, er ist schon als Kind immer ein großer Liebhaber von -Geschichten gewesen! - -SKOTININ. Mitrofan ist ganz in mich geraten. Auch ich höre für mein -Leben gern den Dorfschulzen erzählen. Ein Meister darin, der Hundesohn! -Wo er’s nur immer hernimmt?! - -FRAU PROSTAKOWA. O, mit Adam Adamytsch wird er sich nicht messen können! - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Wie weit sind Sie in der Geschichte gekommen? - -MITROFAN. Wie weit? Das hängt von der Geschichte ab. Manchmal hinter -dreimal neun Ländern im dreimal zehnten Königreiche.[2] - - [2] Stehende Redensart in russischen Märchen zur Bezeichnung einer - sehr großen Entfernung. _Anm. d. Übers._ - -PRAWDIN. So! Also das ist die Geschichte, welche Sie bei Wralmann -treiben? - -STARODUM. Wralmann? Der Name klingt mir bekannt. - -MITROFAN. Nein, unser Adam Adamytsch erzählt keine Geschichten; er liebt -ebenso wie ich nur zuzuhören. - -FRAU PROSTAKOWA. Beide lassen sie sich die Geschichten von der alten -Viehmagd Chawronja erzählen. - -PRAWDIN. Habt ihr nicht gar von ihr auch Geographie gelernt? - -FRAU PROSTAKOWA (zum Sohn). Hörst du, mein Schatz? Was ist denn das nun -wieder für eine Wissenschaft? - -MITROFAN (leise zur Mutter). Was weiß ich! - -FRAU PROSTAKOWA (leise zu Mitrofan). Sei nicht eigensinnig! Jetzt -gilt’s, dich zu zeigen. - -MITROFAN (leise zur Mutter). Aber ich versteh’ gar nicht, wonach man -fragt! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Prawdin). Wie hast du die Wissenschaft genannt? - -PRAWDIN. Geographie. - -FRAU PROSTAKOWA. Hörst du? Eorgavieh. - -MITROFAN. Was ist denn das wieder? Mein Gott, wie sie mich foltern! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Prawdin). Habe doch die Güte, ihm zu sagen, was das -für eine Wissenschaft ist! Dann wird er dir schon Antwort geben. - -PRAWDIN. Die Erdbeschreibung. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Wozu wäre denn die nötig? - -STARODUM. Nötig wäre sie, sei’s auch nur, um auf der Reise zu wissen, wo -und wohin man reist. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, du lieber Himmel! Wozu sind denn die Fuhrleute da? -Das müssen _sie_ wissen ... Nein, diese Wissenschaft paßt gar nicht für -den Adel. Der Edelmann braucht nur zu sagen: fahre mich da- und dahin – -und er wird hingefahren ... Ach, alles, was mein Mitrofan nicht kennt, -ist ein Unsinn! - -STARODUM. Gewiß ist es für einen ungebildeten Menschen sehr trostreich, -alles das, was er nicht kennt, für Unsinn zu halten. - -FRAU PROSTAKOWA. Gott sei Dank auch ohne die Wissenschaften haben die -Menschen gelebt! Mein seliger Vater war fünfzehn Jahre Wojewode und -starb auch als Wojewode, ohne das Lesen und Schreiben gekannt zu haben. -Doch dafür verstand er ein erkleckliches Sümmchen zu verdienen und es -aufzuheben. Immer saß er auf einem eisernen Kasten, wenn er Bittsteller -empfing, und nach Fortgang eines jeden öffnete er den Kasten und legte -etwas hinein. Das war ein ökonomischer Mann! Die bitterste Not litt er, -nur um den Inhalt des Kastens nicht zu vermindern. Ja, ohne Ruhm zu -sagen: Vater selig starb auf dem Kasten sozusagen Hungers. Das war ein -Mann! - -STARODUM. Höchst lobenswert! Man muß Skotinin heißen, um eines so -seligen Todes zu sterben! - -SKOTININ. Zum Beweise, daß das Lernen ein Unsinn ist, nehmen wir meinen -Onkel Wawila Falilejitsch. Nie hatte er von jemandem ein gebildetes Wort -vernommen, noch hatte jemand ein solches von ihm gehört – und was war -das für ein Kopf! - -PRAWDIN. Nun? - -SKOTININ. Folgendes passierte ihm in seinem Leben. Auf einem feurigen -Roß – er hatte etwas über den Durst getrunken – flog er gegen einen -steinernen Thorweg. Der Mann war hoch, das Thor niedrig; er vergaß, sich -zu bücken und knallte mit der Stirn an den Steinbogen, so daß er -zurücksank und das brave Roß den rücklings Liegenden bis zum Hausflur -heimgaloppierte. Da möcht’ ich nun wissen, ob es auf der Welt eine -Gelehrtenstirn gibt, die von einer solchen Kopfnuß nicht in Stücke -zersplittert wäre! Der Onkel jedoch, Gott hab’ ihn selig, kam bald zu -sich und fragte nur, ob das Thor ganz geblieben sei. - -MILON. Sie, Herr Skotinin geben selbst zu, daß Sie nicht gelehrt seien – -doch in einem _solchen_ Falle würde Ihre Stirn nicht härter als die -eines Gelehrten sein. - -STARODUM (zu Milon). Geh nur keine Wette drauf ein! Mir scheint, die -Skotinin sind alle ein hartstirniges Geschlecht. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach Gott, was hat man auch vom Lernen! Wir sehen’s hier -selbst mit eigenen Augen! Wer nur einigermaßen gebildet ist, der wird -sofort von den eigenen Kameraden in irgend ein Amt eingesetzt. - -STARODUM. Und ein solcher wird sich nicht weigern, seinen Mitbürgern -nützlich zu sein. - -FRAU PROSTAKOWA. Weiß Gott, was die Menschen jetzt für Ansichten haben! -Zu unsrer Zeit sorgte jedermann nur für seine eigene Ruhe. (Zu Prawdin.) -Du selbst, wie mußt du dich abplagen! Als ich herkam, sah ich, daß dir -ein Paket gebracht wurde. - -PRAWDIN. Ein Paket an mich? Und das muß ich erst jetzt erfahren! -(Aufstehend.) Ich muß um Verzeihung bitten, daß ich Sie verlasse. -Vielleicht erteilt mir der Gouverneur einige Orders. - -STARODUM (aufstehend, nach ihm auch die anderen). Geh, mein Freund; wir -werden noch voneinander Abschied nehmen. - -PRAWDIN. Ich werde Sie noch sehen. Sie fahren morgen in der Frühe? - -STARODUM. Um sieben etwa. (Prawdin ab.) - -MILON. Und ich gebe Ihnen das Geleite und führe sofort mein Kommando -weiter. Ich gehe, die Anstalten hierzu zu treffen. (Nimmt mit den Augen -im Abgehen von Sophie Abschied.) - - - Neunter Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW, MITROFAN, SKOTININ, STARODUM, SOPHIE - und JEREMEJEWNA. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Nun, Väterchen, du kennst jetzt zur -Genüge meinen Mitrofan. - -SKOTININ. Nun, Herzensfreund, du kennst mich jetzt. - -STARODUM. O gewiß, ich kenn’ euch aufs beste! - -SKOTININ. Wird Sophie die meine? - -STARODUM. Nein. - -FRAU PROSTAKOWA. Wird Mitrofan Sophiens Bräutigam? - -STARODUM. Nein. - -FRAU PROSTAKOWA. Was hindert – } (Zusammen.) - } -SKOTININ. Woran liegt’s – } - -STARODUM (beide zusammenführend). Ich will’s euch sagen – doch das -Geheimnis bleibt unter uns: sie ist bereits verlobt. (Macht im Abgehen -Sophie ein Zeichen, daß sie ihm folge.) - -FRAU PROSTAKOWA. Der Räuber! - -SKOTININ. Er ist ja verrückt! - -FRAU PROSTAKOWA (ungeduldig). Um wieviel Uhr fahren sie? - -SKOTININ. Du hast’s ja gehört: um sieben morgens. - -FRAU PROSTAKOWA. Um sieben morgens! - -SKOTININ. Ich stehe mit den Hähnen auf. Er mag klug sein, wie er will, -aber mit Skotinin ist’s schlecht Kirschen essen! (Ab.) - -FRAU PROSTAKOWA (zornig in Gedanken hin- und herlaufend). Um sieben Uhr! -... Wir stehen früher auf ... Was ich will, führ’ ich aus! ... Alle zu -mir! (Alle eilen herbei. Zum Manne:) Daß der Wagen um sechs Uhr vor der -Hinterthür hält! Hörst du? - -PRAWDIN. Ich höre. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Jeremejewna). Du schließest die ganze Nacht kein -Auge vor Sophiens Thür! Sobald sie erwacht, eilst du zu mir! - -JEREMEJEWNA. Gewiß, werde nicht ermangeln. - -FRAU PROSTAKOWA (zum Sohn). Du, mein Junge, sei um sechs Uhr fix und -fertig. Und stelle drei Diener in der Nähe von Sophiens Schlafzimmer auf -und zweie auf dem Flur zur Hilfe. - -MITROFAN. Wird geschehn. - -FRAU PROSTAKOWA. So geht denn mit Gott. (Alle ab.) Ich weiß schon, was -ich thue! Wo Zorn ist, da ist auch Gnade – der Alte wird zürnen, aber -doch verzeihen müssen! Der Sieg aber ist unser! - - - - - Fünfter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - STARODUM und PRAWDIN. - -PRAWDIN. Es ist dasselbe Paket, von dessen Eintreffen mich gestern in -Ihrer Gegenwart die Frau vom Hause in Kenntnis setzte. - -STARODUM. Und somit bietet sich jetzt die Möglichkeit, den -unmenschlichen Handlungen dieser wütigen Gutsbesitzerin ein Ende zu -machen? - -PRAWDIN. Ich habe die Order, Haus und Hof unter Tutel zu stellen bei dem -ersten Akt der Willkür, von dem ihre Untergebenen leiden könnten. - -STARODUM. Gelobt sei Gott, daß die Menschheit noch Schutz finden kann. -Glaube mir, mein Freund: da, wo der Souverän denkt, wo er weiß, worin -sein wahrer Ruhm besteht – dort kann die Menschheit nimmer ihrer Rechte -verlustig gehen; dort werden sehr bald alle fühlen, daß jedermann sein -Glück und seinen Vorteil nur darin suchen muß, was gesetzlich ist, und -daß er wider das Gesetz verstößt, wenn er seinesgleichen tyrannisiert. - -PRAWDIN. Ich bin hierin Ihrer Ansicht; doch wie schwer ist es, -eingewurzelte Vorurteile auszurotten, in denen niedrige Seelen ihre -Vorteile finden! - -STARODUM. Höre, mein Freund. Ein großer Souverän ist ein weiser -Souverän. Seine Pflicht ist es, den Menschen zu zeigen, wie sie wahrhaft -glücklich werden. Die Krone seiner Weisheit ist – über _Menschen_ zu -herrschen, denn Klötze zu regieren – dazu bedarf es keiner Weisheit. -Gewöhnlich wird im Dorf der beschränkteste Bauer zum Viehhirten gewählt, -denn um das Vieh zu weiden, braucht der Hirt wenig Verstand. Ein seines -Thrones würdiger Souverän bestrebt sich, die Seelen seiner Unterthanen -mit Hochgefühl zu erfüllen. Das sehen wir mit unsern eigenen Augen. - -PRAWDIN. Das Glück, welches ein Souverän im Beherrschen freier Seelen -genießt, ist so groß, daß ich’s nicht verstehe, welche Antriebe ihn -ablenken – - -STARODUM. Wie erhaben muß die Seele eines Souveräns sein, um nie vom -Wege der Wahrheit abzulenken! Wie viele Netze sind ausgestellt, um die -Seele eines Menschen zu fangen, in dessen Händen das Schicksal von -seinesgleichen liegt! Sodann sucht ihn die Menge selbstsüchtiger -Schmeichler allaugenblicks zu überzeugen, daß die Menschen seinetwegen -erschaffen sind, und nicht – er ihretwegen. - -PRAWDIN. Man kann sich keinen Schmeichler vorstellen, ohne tiefe -Verachtung im Herzen zu empfinden. - -STARODUM. Der Schmeichler ist ein Geschöpf, das weder von andern noch -von sich selbst eine gute Meinung hat. Sein ganzes Streben geht dahin, -erst eines Menschen Verstand zu blenden und sodann alles aus ihm zu -machen, was ihm beliebt. Er ist ein Nachtdieb, der erst das Licht -auslöscht und erst dann zu stehlen beginnt. - -PRAWDIN. Natürlich liegt die Quelle des menschlichen Unglücks in der -Sittenlosigkeit der Menschen; doch die Mittel, die Herzen zu bessern – - -STARODUM. Liegen in den Händen des Souveräns. Sobald alle sehen, daß man -ohne Tugend sich nicht aufschwingen kann; daß man durch keine niedrigen -Dienstleistungen den Lohn des wahren Verdienstes zu kaufen vermag; daß -nicht die Menschen von den Ämtern, sondern die Ämter von den Menschen -Nutzen ziehen sollen – dann wird jeder seinen Vorteil in der Tugend -finden, und die Herzen werden gebessert sein. - -PRAWDIN. Sie haben ganz recht. Ein großer Souverän verleiht – - -STARODUM. Gnade und Freundschaft nach Neigung, Ämter und Würden nach -Verdienst. - -PRAWDIN. Damit es keinen Mangel an würdigen Menschen gebe, wird jetzt -ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung gerichtet. - -STARODUM. Sie muß in der That das Pfand des Staatswohls sein. Alles -Unglück entsteht durch schlechte Erziehung. Freilich – welchen Nutzen -kann der Staat von einem Menschen wie Mitrofan ziehen, dessen unwissende -Eltern unwissenden Lehrern gar noch Geld zahlen? Wie viele Väter gibt es -unter dem Adel, welche die Erziehung ihres Sohnes einem -sklavenseelischen Leibeigenen anvertrauen! Nach etwa fünfzehn Jahren -gibt’s dann zwei Sklaven: den alten Hofmeister und das junge Herrchen. - -PRAWDIN. Doch Personen aus den höchsten Ständen sorgen für eine tüchtige -Erziehung ihrer Kinder – - -STARODUM. Vollkommen richtig, mein Freund; doch wünschte ich, daß in -allen Wissenschaften das Hauptziel jedes menschlichen Wissens nicht -vergessen werde: die Tugend. Glaube mir, daß die wissenschaftlich -gebildeten, aber demoralisierten Menschen diese Wissenschaften zum argen -Werkzeug des Bösen gebrauchen werden. Die Aufklärung erhebt nur eine -tugendhafte Seele. So wünschte ich, daß der Erzieher eines jungen -Aristokraten denselben täglich auf zwei Fälle aus der Weltgeschichte -aufmerksam mache: erstens – wie große Männer das Wohl ihres Vaterlandes -fördern, und zweitens – wie ein unwürdiger Würdenträger sein Vertrauen -und seine Macht zum Bösen mißbraucht und von der Höhe seines glänzenden -Ranges in den Abgrund der Verachtung und des Spottes niederstürzt. - -PRAWDIN. Es ist in der That notwendig, daß jeder Stand eine angemessene -gute Erziehung erhält: dann kann man versichert sein – Was für ein Lärm? - -STARODUM. Was ist geschehn? - - - Zweiter Auftritt. - - DIE VORIGEN. MILON, SOPHIE, JEREMEJEWNA. - -MILON (stößt Jeremejewna von Sophie, welche von der Alten festgehalten -wird, und schreit, einen entblößten Degen in der Hand). Wage es keiner, -mir zu nahen! - -SOPHIE (eilt zu Starodum). Onkel, beschütze mich! - -STARODUM. Mein Kind, was gibt’s denn? } - } -PRAWDIN. Beleidigt man Sie? } (Gleichzeitig.) - } -SOPHIE. O mein Herz! } - } -JEREMEJEWNA. Ich bin verloren! } - -MILON. Die Bösewichter! Als ich hierher ging, sah ich eine Menge -Menschen, die Sophie unter den Armen hielten und sie, die Schreiende und -sich Sträubende, in einen Wagen vor der Hinterthür schleppen wollten. - -SOPHIE. Das ist mein Retter! - -STARODUM. Teures Kind! - -PRAWDIN (zu Jeremejewna). Sofort bekennst du, wohin ihr sie bringen -wolltet, sonst sollst du als Verbrecherin – - -JEREMEJEWNA. Zur Trauung! ach, zur Trauung! - -FRAU PROSTAKOWA (hinter der Szene). Halunken! Diebe! Spitzbuben! Zu Tode -lass’ ich euch peitschen! - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW und MITROFAN. - -FRAU PROSTAKOWA. Bin ich Herrin im Hause? (Auf Milon weisend.) Ein -Fremder droht, und meine Befehle werden nicht erfüllt! - -PROSTAKOW. Bin ich schuld? } - } -MITROFAN. Die Dienstboten sind schuld. } (Gleichzeitig.) - } -FRAU PROSTAKOWA. Ich will nicht von der Stelle } -gehen – } - -PRAWDIN. Das Verbrechen, dessen ich Zeuge bin, gibt Ihnen als Onkel und -dir als Bräutigam das Recht – - -FRAU PROSTAKOWA. Bräutigam! } - } -PROSTAKOW. Wehe! } (Zusammen.) - } -MITROFAN. Alles zum Teufel! } - -PRAWDIN. – von der Regierung zu verlangen, daß die Beleidigung, welche -Fräulein Sophie zugefügt worden, mit aller Strenge der Gesetze bestraft -werde. Sofort verklag’ ich diese Frau vor Gericht – - -FRAU PROSTAKOWA (sich auf die Kniee werfend). Verzeihung, Gnade! - -PRAWDIN. Auch Mann und Sohn sind teilhaftig des Verbrechens. - -PROSTAKOW. Ich bin unschuldig! } (Zusammen auf die Kniee stürzend.) - } -MITROFAN. Verzeihe, verzeihe! } - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, ich Hundetochter! Was hab’ ich gethan! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. SKOTININ. - -SKOTININ. Nun, Schwester, einen schönen Streich hast du mir – Ei! Was -ist denn das? Alle auf den Knieen?! - -FRAU PROSTAKOWA (knieend). Verzeihung! Dem Reuigen wird vergeben. Ja, -ich bekenne meine Schuld! Gnade! (Zu Sophie.) Beste, goldne Sophie – -verzeihe mir, erbarme dich mein und (auf Mann und Sohn weisend) dieser -armen Waisen! - -SKOTININ. Schwester, bist du bei Troste? - -PRAWDIN. Schweige, Skotinin! - -FRAU PROSTAKOWA. Gott wird dich und deinen teuren Bräutigam segnen! ... -Was hast du von meiner Bestrafung?! - -SOPHIE (zu Starodum). Onkel, ich vergesse die mir zugefügte Beleidigung. - -FRAU PROSTAKOWA (mit erhobenen Händen zu Starodum). Auch du vergib mir -Sünderin! Ich bin ja ein Mensch und kein Engel! - -STARODUM. Wohl weiß ich’s, daß der Mensch kein Engel sein kann: doch muß -er auch kein Teufel sein! ... Sowohl ihr Vergehen als auch ihre Reue ist -verächtlich! - -PRAWDIN (zu Starodum). Nur Eine Klage Ihrerseits, nur Ein Wort von Ihnen -bei der Regierung – und sie ist nicht zu retten. - -STARODUM. Ich will keines Menschen Unglück; ich verzeihe ihr. (Alle -springen auf). - -FRAU PROSTAKOWA. Er hat verziehen? O, du mein Wohlthäter! ... Nun aber -will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten zeigen! Jeden nehm’ ich -einzeln ins Gebet! Gestehen müssen sie, wer sie aus den Händen gelassen. -Nein, ihr Spitzbuben, ihr Diebe – _das_ verzeih’ ich euch nie im Leben! - -PRAWDIN. Und wofür wollen Sie Ihre Leute bestrafen? - -FRAU PROSTAKOWA. Aber das ist denn doch eine sonderbare Frage! Hab’ ich -nicht die Macht, mit meinen Leuten zu thun, was ich will? - -PRAWDIN Sie halten sich also im Recht, nach Laune und Belieben -körperlich zu strafen? - -SKOTININ. Steht’s denn dem Edelmann nicht frei, seine Bedienten zu -prügeln, wann es ihm beliebt? - -PRAWDIN. Wann es ihm beliebt? Welch ein viehisches Belieben! (zu Frau -Prostakowa) Nein, Madame, es hat niemand das Recht, andere zu -tyrannisieren! - -FRAU PROSTAKOWA. Ein Edelmann hat nicht das Recht, einen Bedienten -durchpeitschen zu lassen, wann es ihm gefällt? Wozu haben wir denn den -Ukas von den Rechten des Adels? - -STARODUM. Die versteht’s, Ukase zu deuten! - -FRAU PROSTAKOWA. Ihnen ist es lächerlich zu Mut’, mir aber gar nicht, -und auf der Stelle will ich jeden einzelnen – (will schnell fort). - -PRAWDIN (hält sie zurück). Bleiben Sie noch, Madame. (Zieht ein Papier -aus der Tasche und spricht mit strengem Ton zu Prostakow). Im Namen der -Regierung befehle ich Ihnen, sofort Ihr ganzes Hausgesinde und alle -Bauern zusammenzurufen und ihnen bekannt zu machen, daß infolge der -Unmenschlichkeiten Ihrer Frau – wobei Ihre außerordentliche -Beschränktheit ihr freie Hand gelassen – mir die Regierung befiehlt, Ihr -Haus und Ihr Dorf unter Tutel zu stellen. - -PROSTAKOW. Was müssen wir erleben! - -FRAU PROSTAKOWA. Was? Ein neues Unglück! Wofür, wofür denn? Daß ich -Herrin bin in meinem Hause – - -PRAWDIN. Eine unmenschliche Herrin, deren Boshaftigkeit in einem -wohlsituierten Staate nicht geduldet werden kann. (Zu Prostakowa.) Gehen -Sie. - -PROSTAKOW (ab, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend). Was heißt -das, was heißt das?! - -FRAU PROSTAKOWA (schmerzlich). O, wie traurig, wie traurig! - -SKOTININ (beiseite). Hehe! Auf solche Weise komm’ ja auch ich an die -Reihe! Da kann ja jeder Skotinin unter Tutel gestellt werden! ... Besser -ist’s, ich verschwinde, bevor – - -PRAWDIN (zu Skotinin). Und du! Ich habe gehört, daß du mit Schweinen -unvergleichlich besser umgehst als mit Menschen. - -SKOTININ. Gnädigster – wie sollte auch mein Herz an den Menschen hängen! -Bedenke selbst: die Menschen sind mir zu klug, unter den Schweinen aber -bin ich selber der Klügste. - -FRAU PROSTAKOWA. Alles verloren! Ich bin ruiniert! - -SKOTININ (zu Starodum). Ich möchte doch gern wissen ... was den -Bräutigam betrifft – - -STARODUM (auf Milon weisend). Hier steht er. - -SKOTININ. Aha! So hab’ ich hier nichts mehr zu thun. Nun, dann geh’ ich. - -PRAWDIN. Ja, geh zu deinen Schweinen! Vergiß jedoch nicht, jedem -Skotinin mitzuteilen, was seiner wartet. - -SKOTININ. Wie sollt’ ich Freunde nicht warnen! Sagen will ich, daß sie -die Leute – - -PRAWDIN. Mehr lieben oder wenigstens – - -SKOTININ. Nun? - -PRAWDIN. Nicht anrühren. - -SKOTININ (abgehend). Nicht anrühren. - - - Fünfter Auftritt. - - DIE VORIGEN ohne SKOTININ. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Prawdin). Richte mich nicht zu Grunde! Könnte man -den Ukas nicht umgehen? Es wird ja nicht jeder Ukas in Ausführung -gebracht! - -PRAWDIN. Ich erfülle meine Pflicht. - -FRAU PROSTAKOWA. Gib mir wenigstens drei Tage Frist, (für sich) dann -soll man mich kennen lernen! - -PRAWDIN. Keine drei Stunden. - -STARODUM. Gewiß: sie kann in drei Stunden mehr Böses thun, als es in -dreißig Jahren gutgemacht werden kann. - -FRAU PROSTAKOWA. Und du wolltest dich mit solchen Kleinigkeiten -abgeben?! - -PRAWDIN. Das ist meine Sache. Fremdes wird den Eignern zurückgegeben -werden, und – - -FRAU PROSTAKOWA. Aber wie willst du mit den Schulden fertig werden? Die -Lehrer sind noch nicht bezahlt. - -PRAWDIN. Die Lehrer? (Zu Jeremejewna.) Sind sie hier? Führe sie her. - -JEREMEJEWNA. Werden wohl dasein. Den Deutschen auch? - -PRAWDIN. Rufe sie alle. (Jeremejewna ab) ... Sorgen Sie nicht, Madame: -jedermann soll befriedigt werden. - -STARODUM (zu der trauernden Prostakowa). Es wird dir selbst wohler zu -Mut sein, da du die Macht verloren hast, andern Böses zu thun. - -FRAU PROSTAKOWA. Danke für die Güte! Wozu taug’ ich, wenn ich in meinem -eigenen Hause meine Hände nicht gebrauchen kann! - - - Sechster Auftritt. - - DIE VORIGEN. JEREMEJEWNA, WRALMANN, KUTEJKIN, ZYFIRKIN. - -JEREMEJEWNA (zu Prawdin). Hier hast du das ganze Gesindel. - -WRALMANN (zu Prawdin). Ew. Gnaden geruhten mich herzubefehlen. - -KUTEJKIN (zu Prawdin). Gerufen ward ich, gekommen bin ich. - -ZYFIRKIN (zu Prawdin). Was befehlen Ew. Gnaden? - -STARODUM (sieht Wralmann scharf an). Ei, bist du’s, Wralmann? - -WRALMANN (erkennt Starodum). Ei – ei – ei – ei! Sie sind’s, gnädiger -Herr? (küßt ihm den Rocksaum.) Wie geht es Ihnen, mein Wohlthäter? - -PRAWDIN. Wie? Sie kennen ihn? - -STARODUM. Wie sollt’ ich ihn nicht kennen? Hat er doch drei Jahre bei -mir als Kutscher gedient. (Alle machen Zeichen des Erstaunens.) - -PRAWDIN. Ein schöner Lehrer! - -STARODUM. Und du bist hier Lehrer, Wralmann? Ich dachte immer, du seist -ein guter Mensch und würdest andern nicht ins Handwerk pfuschen. - -WRALMANN. Was thun, gnädiger Herr! Ich bin nicht der erste, bin auch -nicht der letzte. Drei Monate trieb ich mich in Moskau umher, ohne eine -Kutscherstelle finden zu können. Da mußt’ ich entweder Hungers sterben -oder Lehrer werden. - -PRAWDIN (zu den Lehrern). Auf Befehl der Regierung habe ich dieses Haus -unter Tutel gestellt, und ihr seid entlassen. - -ZYFIRKIN. Ausgezeichnet! - -KUTEJKIN. Sie sagen uns ab? Aber sollten wir uns nicht vorher berechnen? - -PRAWDIN. Wieviel hast du zu bekommen? - -KUTEJKIN. Meine Rechnung ist nicht so gering. Für ein halbes Jahr -Unterricht; für die Stiefel, die ich im Laufe von drei Jahren vertragen -habe; für das unnütze Kommen hierher und zwecklose Warten – - -FRAU PROSTAKOWA. Unersättliche Seele, du! Wofür? - -PRAWDIN. Mengen Sie sich nicht in andrer Angelegenheit, Madame, bitt’ -ich! - -FRAU PROSTAKOWA. Wo bleibt die Gerechtigkeit: was hat mein Mitrofan von -ihm gelernt? - -KUTEJKIN. Das ist seine, nicht meine Sache. - -PRAWDIN. Gut, schon gut! (Zu Zyfirkin.) Wieviel hast du zu bekommen? - -ZYFIRKIN. Ich? Nichts. - -FRAU PROSTAKOWA. Für ein Jahr hat er zehn Rubel erhalten, für das andre -jedoch noch keinen Groschen bekommen. - -ZYFIRKIN. Für jene zehn Rubel hab’ ich im Verlaufe der zwei Jahre -Stiefel vertragen. Wir sind also quitt. - -PRAWDIN. Aber für den Unterricht? - -ZYFIRKIN. Nichts. - -STARODUM. Wie denn – nichts? - -ZYFIRKIN. Nichts nehm’ ich, denn nichts hat der Junge von mir gelernt. - -STARODUM. Dessenungeachtet mußt du bezahlt werden. - -ZYFIRKIN. Auf keinen Fall! Dem Landesherrn hab’ ich über zwanzig Jahre -gedient. Für Dienstleistungen hab’ ich Lohn angenommen, für keine – nie. - -STARODUM. Das ist ein guter Mensch! (Starodum und Milon nehmen Geld aus -der Börse.) - -PRAWDIN. Schämst du dich nicht, Kutejkin? - -KUTEJKIN (gesenkten Kopfes). Schande über mich Gottlosen. - -STARODUM (zu Zyfirkin). Hier hast du, mein Freund, für dein gutes Herz. - -ZYFIRKIN. Dank, Euer Gnaden. Geschenke nehm’ ich an, aber unverdiente -Zahlung werd’ ich nie beanspruchen. - -MILON (gibt ihm Geld). Hier hast du noch, mein Freund. - -ZYFIRKIN. Und nochmals Dank. (Prawdin gibt ihm gleichfalls Geld.) Wofür -denn, Euer Gnaden? - -PRAWDIN. Dafür, daß du nicht bist wie Kutejkin. - -ZYFIRKIN. Ei, Euer Gnaden, ich bin Soldat! - -PRAWDIN (zu Zyfirkin). So geh denn mit Gott. (Zyfirkin ab; zu Kutejkin.) -Du aber, Kutejkin, komme morgen und schließe deine Rechnung mit der -Herrin selbst ab. - -KUTEJKIN (forteilend). Mit ihr selbst? Da zieh’ ich meine Forderungen -zurück! - -WRALMANN (zu Starodum). Euer Gnaden, vergessen Sie Ihren alten Diener -nicht! Nehmen Sie mich wieder in Dienst! - -STARODUM. Aber du hast dich ja ganz von den Pferden entwöhnt. - -WRALMANN. Nicht doch! Während meines Zusammenlebens mit dieser -Herrschaft schien es mir immer, als sei ich unter Pferden. - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN. Ein KAMMERDIENER. - -KAMMERDIENER (zu Starodum). Ihr Wagen steht bereit. - -WRALMANN. Darf ich Sie fahren? - -STARODUM. Geh, setze dich auf den Bock. (Wralmann ab.) - - - Letzter Auftritt. - - DIE VORIGEN ohne Wralmann und den Kammerdiener. - -STARODUM (zu Prawdin, die Hände Sophiens und Milons haltend). Nun, mein -Freund, wir fahren. Wünsche uns – - -PRAWDIN. Jedes Glück, auf welches ehrliche Herzen ein Anrecht haben. - -FRAU PROSTAKOWA (Mitrofan stürmisch umarmend). Du allein bist mir -geblieben, mein Eins und mein Alles! - -MITROFAN. Laß mich in Ruhe! ... Hängt sich an wie eine Klette! - -FRAU PROSTAKOWA. Auch du, auch du kehrst mir den Rücken! O Undankbarer! -(Sinkt in Ohnmacht.) - -SOPHIE (zu ihr eilend). Gott, sie ist ohne Besinnung! - -STARODUM. Hilf ihr, hilf ihr. (Sophie und Jeremejewna sind um Frau -Prostakowa beschäftigt.) - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Taugenichts! Und du nimmst dir noch das Recht, -gegen deine Mutter grob zu sein? Ihre unsinnige Liebe zu dir ist’s, die -sie in ein solches Unglück gestürzt hat. - -MITROFAN. Aber sie weiß ja selbst nicht, was sie will! - -PRAWDIN. Grobian! - -STARODUM (zu Jeremejewna). Nun, wie ist ihr jetzt? - -JEREMEJEWNA (blickt Frau Prostakowa forschend an, die Hände über dem -Kopf zusammenschlagend). Ach, sie wird zu sich kommen! - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Mit dir, Freundchen, weiß ich, was ich zu thun -habe: dienen sollst du! - -MITROFAN. Mir ist alles gleich! - -FRAU PROSTAKOWA (zu sich kommend, in Verzweiflung). Ich bin verloren! -Meiner Macht bin ich beraubt! Wohin soll ich blicken vor Schande? Ich -habe keinen Sohn mehr! - -STARODUM (auf Frau Prostakowa weisend). Das ist die Frucht der bösen -Saat! - - - Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. - - - - - Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. - - - Meyers Sprachführer. - - Taschen-Konversations-Wörterbücher. - - - Französisch - - von Professor E. Pollak, Paris. Gebunden 2½ M. - - - Englisch - - von Dr. E. G. Ravenstein, London. Gebunden 2½ M. - - - Italienisch - - von Dr. R. Kleinpaul, Rom. Gebunden 2½ M. - - - Spanisch - - von Dir. Heinrich Ruppert, Madrid. Gebunden 3 M. - - - Russisch - - von K. v. Jürgens, St. Petersburg. Gebunden 3 M. - - - Arabisch - - von Dr. M. Hartmann, Beirut. Saffianband 6 M. - - - Türkisch - - von Direktor Heintze, Smyrna. Saffianband 6 M. - - „Meyers Sprachführer“ bieten als Verschmelzung von - _Konversationsbuch_ und _Taschenwörterbuch_ den großen Vorzug, sich - in der Sprache fremden Landes ohne besondere Vorkenntnisse - auszudrücken und eine jedermann verständliche Unterhaltung zu - führen. - - Man findet im Nu des gewünschte Wort, daneben Warnung vor üblichen - _Sprachfehlern_, _grammatische_ Anweisungen, lehrreiche Winke über - _Sitten_ und _Gebräuche_ und eine Fülle _zusammengehöriger_ Vokabeln - und Redewendungen. 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Shakespeare-Novellen. 381-383. - - – II. Spanische Novellen. 384-386. - - – III. Französische Novellen. 387-389. - - – IV. Italienische Novellen. 390-392. - - – V. Englische Novellen. 473. 474. - - – VI. Deutsche Novellen. 475. 476. - - Bürger, Gedichte. 272. 273. - - Byron, Childe Harolds Pilgerfahrt. 398. 399. - - – Sardanapal. 451. 452. - - Calderon, Das Festmahl des Belsazer. 334. - - – Gomez Arias. 512. - - Cervantes, Neun Zwischenspiele. 576. 577. - - Chamisso, Gedichte. 263-268. - - Chateaubriand, Der Letzte der Abencerragen. 418. - - Chinesische Gedichte. 618. - - Claudius, Ausgewählte Werke. 681-683. - - Collin, Regulus. 573. 574. - - Dante, Das Paradies. 199. 200. - - Diderot, Erzählungen. 643. 644. - - Droste-Hülshoff, Bilder aus Westphalen &c. 691. - - – Die Judenbuche. 323. - - – Lyrische Gedichte. 479-483. - - – Die Schlacht im Loener Bruch. 439. - - Eichendorff, Ahnung und Gegenwart. 551-555. - - – Aus dem Leben eines Taugenichts. 540. 541. - - – Gedichte. 544-548. - - – Julian. – Robert und Guiscard. – Lucius. 542. 543. - - – Kleine Novellen. 632-653. - - – Das Marmorbild. – Das Schloß Dürande. 549. 550. - - Euripides, Hippolyt. 575. - - – Iphigenia bei den Tauriern. 342. - - – Iphigenie in Aulis. 539. - - Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele. 616. 617. - - Fichte, Reden an die deutsche Nation. 453-455. - - Fouqué, Undine. 285. - - – Der Zauberring. 501-506. - - Gaudy, Venezianische Novellen. 494-496. - - Gellert, Fabeln und Erzählungen. 231-233. - - Goethe, Clavigo. 224. - - – Dichtung und Wahrheit I. 669-671. - - – Dichtung und Wahrheit II. 672-675. - - – Dichtung und Wahrheit III. 676 bis 678. - - – Dichtung und Wahrheit IV. 679. 680. - - – Ausgewählte Gedichte. 216. 217. - - – Italienische Reise. 258 bis 262. - - – Die Laune des Verliebten. – Die Geschwister. 434. - - – Wilhelm Meisters Lehrjahre. 201-207. - - – D. Mitschuldigen. 431. - - – Die natürliche Tochter. 432. 433. - - – Stella. 394. - - Goethe-Schiller, Xenien. 208. - - Goldsmith, Der Landprediger von Wakefield. 638-640. - - Grabbe, Napoleon. 338. 339. - - Griechische Lyriker. 641. 642. - - Grimmelshausen. Simplicissimus. 278-283. - - Guntram, Dorfgeschichten. 658-660. - - Hagedorn, Fabeln u. Erzählungen. 425-427. - - Hauff, Das Bild des Kaisers. 601. 602. - - – Der Mann im Mond. 415-417. - - – Memoiren des Satan. 604-607. - - – Phantasien im Bremer Ratskeller. 600. - - Hebel, Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. 286-288. - - Heine, Atta Troll. 410. - - – Buch der Lieder. 243-245. - - – Deutschland. 411. - - – Florentinische Nächte. 655. - - – Neue Gedichte. 246. 247. - - – Die Harzreise. 250. - - – Die Nordsee. – Das Buch Le Grand. 485. 486. - - – Romanzero. 248. 249. - - – Schnabelewopski. 654. - - Herder, Über den Ursprung der Sprache. 321. 322. - - – Volkslieder. 461-464. - - Hippel, Über die Ehe. 441-443. - - Hoffmann, Doge und Dogaresse. – Spielerglück. 610. 611. - - – Erzählungen. 608. 609. - - Holberg, Hexerei oder Blinder Lärm. 521. - - – Jeppe vom Berge. 308. - - – Die Maskerade. 520. - - – Der politische Kanngießer. 620. - - Hölderlin, Hyperion. 471. 472. - - Holmes, Der Professor am Frühstückstisch. 627-629. - - Homer, Ilias. 251-256. - - – Odyssee. 211-215. - - Hufeland, Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern. 535-538. - - Humboldt, W. v., Briefe an eine Freundin. 302-307. - - Iffland, Die Jäger. 340. 341. - - – Die Mündel. 625. 626. - - – Der Spieler. 395. 396. - - – Verbrechen aus Ehrsucht. 623. 624. - - Immermann, Tristan und Isolde. 428-430. - - – Tulifäntchen. 477. 478. - - Irving, Die Legende von der Schlafhöhle. – Dolph Heyliger. 651. 652. - - Jean Paul, Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz. 650. - - Jung-Stillings Leben. 310-314. - - Kant, Von der Macht des Gemüts. 325. - - Kleist, Die Familie Schroffenstein. 465. 466. - - – Penthesilea. 351. 352. - - Klinger, Sturm und Drang. 599. - - Knigge, Über den Umgang mit Menschen. 294-297. - - Kopisch, Ausgewählte Gedichte. 636. 637. - - – Das Karnevalsfest auf Ischia. – Die blaue Grotte. 583. 584. - - Körner, Der grüne Domino. 700. - - – D. Nachtwächter. 657. - - – Der Vetter aus Bremen. 656. - - Kortum, Jobsiade. 274-277. - - Kotzebue, Die beiden Klingsberg. 257. - - – Menschenhaß und Reue. 526. 527. - - – Pagenstreiche. 524. 525. - - Lenau, Faust. – Don Juan. 614. 615. - - Lessing, Gedichte. 241. 242. - - – Miß Sara Sampson. 209. 210. - - – Vademekum für Pastor Lange. 348. - - Lichtenberg, Bemerkungen vermischten Inhalts. 665-668. - - Luther, Tischreden. I. 400. - - Matthisson, Gedichte. 484. - - Meinhold, Die Bernsteinhexe. 592-594. - - Mendelssohn, Phädon. 528. 529. - - Möser, Patriotische Phantasien. 422-424. - - Müllner, Die Schuld. 595. 596. - - Münchhausens Reisen u. Abenteuer. 300. 301. - - Musäus, Volksmärchen I. 225. 226. - - – Volksmärchen II. 227. 228. - - – Volksmärchen III. 229. 230. - - – Volksmärchen IV. 621. 622. - - Neugriechische Gedichte. 619. - - Novalis, Heinrich von Ofterdingen. 497. 498. - - Oehlenschläger, Corregio. 469. 470. - - Pestalozzi, Lienhard und Gertrud. 315-320. - - Petöfi, Gedichte. 645-647. - - Platen, Die Abbassiden. 630. 631. - - – Gedichte. 269. 270. - - Puschkin, Boris Godunof. 293. - - Racine, Britannicus. 409. - - – Phädra. 440. - - Raimund, Der Bauer als Millionär. 436. - - – Der Verschwender. 437. 438. - - Raupach, Der Müller und sein Kind. 435. - - Römische Lyriker, Ausgewählte Gedichte. 578. 579. - - Russische Novellen. 653. - - Sallet, Laien-Evangelium. 487-490. - - – Schön Irla. 511. - - Schenkendorf, Gedichte. 336. 337. - - Schiller, Der Neffe als Onkel. 456. - - – Turandot. 612. 613. - - – Über naive und sentimentalische Dichtungen. 346. 347. - - Schlegel, Englisches und spanisches Theater. 356-358. - - – Griechisches und römisches Theater. 353-355. - - Schleiermacher, Monologe. 468. - - Schubart, Leben und Gesinnungen. 491-493. - - Schwab, Doktor Faustus. 405. - - – Fortunatus und seine Söhne. 401. 402. - - – Griseldis. – Robert der Teufel. – Die Schildbürger. 447. 448. - - – Die vier Heymonskinder. 403. 404. - - – Hirlanda. – Genovefa. – Das Schloß in der Höhle Xa Xa. 449. 450. - - – Die schöne Melusina. 284. - - – Kaiser Octavianus. 406. 407. - - – Kleine Sagen des Altertums. 309. - - – Sagen des klassischen Altertums. I. Die Argonauten-Sage. 693. - - – Sagen des klassischen Altertums. II. Herkules und die Herakliden. - 694. 695. - - – Sagen des klassischen Altertums. III. Bellerophontes. – Theseus. – - Ödipus. – Die Sieben gegen Theben. – Die Epigonen. – Alkmäon. 696. - 697. - - – Der gehörnte Siegfried. – Die schöne Magelone. – Der arme - Heinrich. 445. 446. - - Scott, Das Fräulein vom See. 330. 331. - - Seume, Mein Leben. 359. 360. - - – Mein Sommer 1805. 499. 500. - - Shakespeare, Antonius u. Kleopatra. 222. 223. - - – Coriolan. 374. 375. - - – Cymbelin. 556. 557. - - – Ende gut, Alles gut. 562. 563. - - – König Heinrich IV. - - 1. Teil. 326. 327. - 2. Teil. 328. 329. - - – König Heinrich VIII. 419. 420. - - – Ein Sommernachtstraum. 218. - - – Der Sturm. 421. - - – Verlorne Liebesmüh’. 518. 519. - - – Viel Lärm um Nichts. 345. - - – Was ihr wollt. 558. 559. - - – Wie es euch gefällt. 560. 561. - - – Wintermärchen. 220. 221. - - – Die Zähmung der Keiferin. 219. - - Shelley, Die Cenci. 522. 523. - - – Königin Mab. 582. - - – Lyrische Gedichte. – Alastor. 581. - - Smith, Nachgelassene Denkwürdigkeiten. 603. - - Sophokles, Der rasende Ajas. 580. - - – Elektra. 324. - - – Ödipus auf Kolonos. 292. - - – Philoktetes. 397. - - – Die Trachinierinnen. 444. - - Stieglitz, Bilder des Orients. 585-591. - - Tasso, Das befreite Jerusalem. 684-690. - - Tennyson, Ausgewählte Dichtungen. 371-373. - - Tieck, Der Alte vom Berge. 290. 291. - - – Der Aufruhr in den Cevennen. 661-664. - - – Die Gemälde. 289. - - – Des Lebens Überfluß. 692. - - – Shakespeare-Novellen. 332. 333. - - Töpffer, Rosa und Gertrud. 238-240. - - Törring, Agnes Bernauer. 393. - - Vega, Lope de, Kolumbus. 335. - - Viehoff, Blütenstrauß französischer und englischer Poesie. 597. - - Voltaire, Philosophische Aufsätze. 648. 649. - - Voß, Luise. 271. - - Waldau, Aus der Junkerwelt. 376-380. - - Wieland, Clelia und Sinibald. 457. 458. - - – Pervonte oder die Wünsche. 459. - - – Schach Lolo &c. 598. - - – Das Wintermärchen. – Das Sommermärchen. 532. - - Wisin, Der Landjunker. 698. 699. - - Zschokke, D. Feldweibel. – Die Walpurgisnacht. – Das Bein. 366. 367. - - – Das Goldmacherdorf. 701. 702. - - – Kleine Ursachen. 363. 364. - - – Kriegerische Abenteuer eines Friedfertigen. 365. - - – Der tote Gast. 361. 362. - - Vollständige Verzeichnisse sind durch jede Buchhandlung gratis zu - beziehen. Die Sammlung wird in rascher Folge fortgesetzt. - - - Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - -Verlagsanzeigen wurden am Ende des Buches gesammelt. - -Offensichtliche Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere -Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 12]: - ... unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, das jedes, ... - ... unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, daß - jedes, ... - - [S. 23]: - ... Jeremejewna. Erzürne doch den Onkel nicht! Sie nur, ... - ... Jeremejewna. Erzürne doch den Onkel nicht! Sieh nur, ... - - [S. 24]: - ... Mitrofan (den Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ - dich ... - ... Mitrofan (dem Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ - dich ... - - [S. 27]: - ... Milon. Wie verdienst du dir denn dein Brot. ... - ... Milon. Wie verdienst du dir denn dein Brot? ... - - [S. 29]: - ... Ein Ende! ... - ... ein Ende! ... - - [S. 32]: - ... Starodum. In einem. Mein Vater wiederholte mir bestän ... - ... Starodum. In einem. Mein Vater wiederholte mir beständig ... - - [S. 77]: - ... ... Nun aber will ich diesen Kanaillen von Dienstboten ... - ... ... Nun aber will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten ... - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LANDJUNKER *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. 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General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Der Landjunker</span></p> -<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Lustspiel in fünf Aufzügen</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Denis Iwanowitsch Fonwisin</p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Translator: Friedrich Fiedler</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: February 13, 2022 [eBook #67394]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. This book was produced from scanned images of public domain material from the Google Books project.</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DER LANDJUNKER</span> ***</div> - -<div class="frontmatter chapter"> -<p class="ser"> -Meyers Volksbücher. -</p> - -<h1 class="title"> -Der Landjunker. -</h1> - -<p class="aut"> -<span class="line1">Ein Lustspiel in fünf Aufzügen</span><br /> -<span class="line2">von</span><br /> -<span class="line3">Denis Von-Wisin.</span> -</p> - -<p class="trans"> -Aus dem Russischen übertragen von <b>Friedrich Fiedler</b>. -</p> - -<p class="pub"> -<span class="line1">Leipzig.</span><br /> -<span class="line2">Bibliographisches Institut.</span> -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="intro" id="chapter-0-1"> -<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a> -Vorbemerkung. -</h2> - -</div> - -<p class="first"> -Die Vorfahren Von-Wisins waren ein deutsches Rittergeschlecht, -das zum Orden der Schwertbrüder gehörte und sich -von Wiesen schrieb. Ein Baron Peter von Wiesen geriet im -Kriege Iwans des Grausen mit Livonien in russische Gefangenschaft -und kehrte nicht mehr in sein Heimatland zurück. Seine -Nachkommen russifizierten sich vollständig, so daß sie sogar ihren -deutschen Familiennamen verleugneten. – Unser Dichter, „der -König der Satire“, wie ihn Puschkin im „<span class="antiqua">Jewgenij Onjegin</span>“ -nennt, Denis Iwanowitsch Von-Wisin, wurde am 3. April 1745 -zu Moskau geboren und studierte an der Petersburger Universität. -1763 erhielt er eine Sekretärstelle beim Kabinetsminister -I. P. Jelagin und 1769 eine solche beim Grafen Nikita Iwanowitsch -Panin, dem Minister des Auswärtigen und Erzieher des -Thronfolgers Paul. Vorher noch – 1766 – hatte Von-Wisin -die Komödie „Der Brigadier“ veröffentlicht, in welcher er die -Sucht der bessern russischen Stände nach allem Ausländischen -und ihre Verachtung des Einheimischen scharf geißelt. Am 24. -Sept. 1782 gelangte „Der Landjunker“ zur ersten Aufführung -und fand einen ungewöhnlichen Beifall: das begeisterte Publikum -warf klirrende Geldbeutel auf die Bühne, und Potjomkin -soll nach der Vorstellung zum Verfasser gesagt haben: „Stirb, -Denis, oder schreibe nichts mehr!“ Zehn Jahre darauf, in den -ersten Tagen des Dezembers, wurde Von-Wisin auf dem Friedhof -des Alexander-Newskij-Klosters zu St. Petersburg zu Grabe -getragen. -</p> - -<p> -Ein „<span class="antiqua">Njedorosslj</span>“ (wörtlich: Minderjähriger) hieß im vorigen -Jahrhundert jeder Adelige im Alter von 12-17 Jahren. Einem -Ukas Peters I. zufolge wurde ein solcher schon bei seiner Geburt -<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a> -in den Staatsdienst eingeschrieben und mußte sich hierzu nach -Erlangung eines gewissen Bildungsgrades melden. Ein Landjunker, -der kein Zeugnis über Elementarbildung vorweisen -konnte, verlor das Recht – zu heiraten. Derjenige, welcher sich -nicht freiwillig zum Dienst meldete, wurde laut einem Ukas der -Kaiserin Elisabeth unter die Soldaten und Matrosen gesteckt. -Auch Katharina II. hoffte solcherart – vielfach vergebens – den -russischen Adel moralisch zu heben. -</p> - -<p> -Der namhafte Kritiker, Fürst Pjotr Andrejewitsch Wjasemskij, -Von-Wisins Biograph, sagt vom „<span class="antiqua">Njedorosslj</span>“ –: „Diese Komödie -ist nicht nur ein schönes Musenerzeugnis, sondern auch -ein patriotisches Verdienst.“ In der That: im „Landjunker“ besitzen -wir ein litterarisches Denkmal von kulturhistorischer Bedeutung, -insofern das Stück ein treues Bild der russischen Gutsbesitzerschaft -jener Zeit bietet und die liberal-humanen Reformen -Katharinas II. kräftigst unterstützt hat; die Komödie gab das -Signal zu einer Reihe in administrativer Hinsicht tendenziös -gefärbter Dramen, und auf den „Landjunker“ muß auch der -Ursprung der modernen russischen Sittenkomödien zurückgeführt -werden. Der „<span class="antiqua">Njedorosslj</span>“ ist das erste Nationallustspiel der -Russen und erscheint hier zum erstenmal in fremdsprachlichem -Gewand. -</p> - -<p class="sign"> -F. F. -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="dp" id="chapter-0-2"> -<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -Personen. -</h2> - -</div> - -<div class="dpers"> -<p class="dpers"> -<span class="character">Prostakow.</span><br /> -<span class="character">Frau Prostakowa</span>, seine Frau.<br /> -<span class="character">Mitrofan</span>, beider Sohn, der Landjunker.<br /> -<span class="character">Jeremejewna</span>, dessen Amme.<br /> -<span class="character">Prawdin.</span><br /> -<span class="character">Starodum.</span><br /> -<span class="character">Sophie</span>, Starodums Nichte.<br /> -<span class="character">Milon.</span><br /> -<span class="character">Skotinin</span>, Bruder der Frau Prostakowa.<br /> -<span class="character">Kutejkin</span>, Seminarist.<br /> -<span class="character">Zyfirkin</span>, abgedankter Sergeant.<br /> -<span class="character">Wralmann</span>, Lehrer.<br /> -<span class="character">Trischka</span>, Schneider.<br /> -Ein <span class="character">Diener</span> Prostakows.<br /> -Ein <span class="character">Kammerdiener</span> Starodums. -</p> - -</div> - -<p class="dir"> -Die Handlung spielt auf dem Gute der Prostakow. -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="act" id="chapter-0-3"> -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -Erster Aufzug. -</h2> - -</div> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-1"> -Erster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> <span class="character">Mitrofan.</span> <span class="character">Jeremejewna.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">betrachtet einen Kaftan auf Mitrofan</span>). Der -ganze Kaftan ist verdorben! Jeremejewna, führe den Halunken -Trischka her! (<span class="dir">Jeremejewna ab.</span>) Der Spitzbube hat ihn überall -zu eng gemacht! Mitrofan, armer Junge, ich kann’s mir vorstellen, -wie entsetzlich es dich drücken muß! Rufe den Vater -her (<span class="dir">Mitrofan ab</span>). -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-2"> -Zweiter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> <span class="character">Jeremejewna.</span> <span class="character">Trischka.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Trischka</span>). Komm mal näher, du -Vieh! Hab’ ich dir nicht gesagt, du Diebsgesicht, daß du den -Kaftan breiter machen sollst? Erstens wächst der Knabe und -zweitens ist er auch ohne engen Kaftan sehr delikat gebaut! -Sprich, Klotz, wie willst du dich rechtfertigen! -</p> - -<p> -<span class="character">Trischka.</span> Aber, gnädige Frau, ich bin ja bei keinem Schneider -in der Lehre gewesen! Ich habe Sie ja gewarnt; warum beliebte -es Ihnen nicht, die Arbeit einem Schneider zu geben? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Muß man denn ein Schneider sein, -um einen Kaftan gut zu nähen? So urteilen nur Tiere! -</p> - -<p> -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -<span class="character">Trischka.</span> Aber gnädige Frau, ein Schneider hat ja gelernt, -und ich nicht! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Du widersprichst noch? Der Schneider -hat bei einem andern gelernt, der andre bei einem Dritten; bei -wem hat dann aber der allererste Schneider gelernt? Sprich, -Vieh! -</p> - -<p> -<span class="character">Trischka.</span> Der allererste Schneider hat vielleicht noch schlechter -genäht als ich! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">hereinlaufend</span>). Ich habe den Vater gerufen, er -sagte: Gleich. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Geh, schlepp ihn mit Gewalt her, -wenn er nicht gutwillig kommen will! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Da ist der Vater. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-3"> -Dritter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen.</span> <span class="character">Prostakow.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Nun, was verbirgst du dich vor mir? -So was muß ich erleben, deiner Nachsicht zu danken! Wie gefällt -dir der neue Anzug unsers Sohnes zur Verlobung des -Onkels? Was sagst du zum Kaftan, den Trischka genäht? -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">vor Schüchternheit stotternd</span>). Er ist – etwas – -sa – sackig. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Du bist selber ein Sack, du Hohlkopf! -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Ich glaubte nur, daß es dir so scheine. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Bist du denn selber blind? -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Wo du siehst, bin ich blind. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Mit welchem Mann mich doch der -liebe Gott gesegnet hat! Kann selber nicht unterscheiden, was -breit und was eng ist! -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> In dieser Hinsicht habe ich stets deinem Urteil -vertraut und zweifle auch jetzt nicht – -</p> - -<p> -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> So zweifle denn auch nicht, daß ich nicht -gesonnen bin, meinen Leibeignen durch die Finger zu sehn! -Geh, laß ihn sofort durchpeitschen! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-4"> -Vierter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen.</span> <span class="character">Skotinin.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wen? Wofür? An meinem Verlobungstage! -Ich bitte dich, liebe Schwester, eine solche Feier zu berücksichtigen -und die Strafe bis auf morgen zu verschieben; morgen, -wenn du’s willst, werde auch ich gern Hand anlegen. Da will ich -nicht Skotinin heißen, wenn nicht jeder schuld ist, den ich schuldig -wissen will; hierin, Schwester, stimmen wir miteinander -völlig überein. Worüber bist du denn aber so erzürnt? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Mögen deine Augen urteilen, Bruder! -Mitrofan, komm her ... Sitzt dieser Kaftan sackig? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Nein. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Ich selbst, liebe Frau, sehe, daß er zu eng ist. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Auch das seh’ ich nicht. Der Kaftan, Schwager, -ist vorzüglich genäht. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Trischka</span>). Heraus! (<span class="dir">Zu Jeremejewna</span>) -Geh, Jeremejewna, gib dem Knaben zu frühstücken. Ich glaube, -die Lehrer werden bald kommen. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Er hat bereits fünf Brötchen aufgegessen. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> So thut dir das sechste leid, du Ungetüm? -Ist das dein Diensteifer? Unerhört! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Gott gesegn’ es ihm! Ich hab’s ja zu Mitrofan -Terentjewitschs Besten gesagt. Bis an den Morgen hat -er sich schlaflos umhergewälzt. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Heilige Mutter Gottes! Was war dir, -Herzens-Mitrofan? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Ich weiß nicht, Mutter. Gestern nach dem -Abendbrot bekam ich Bauchkneipen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Hast wohl, mein Freund, recht tüchtig zu Abend -gegessen? -</p> - -<p> -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -<span class="character">Mitrofan.</span> Ich habe, Onkelchen, fast nichts gegessen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Ich erinnere mich, mein Sohn: du hast doch -etwas zu dir genommen. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Das ist ja nichts: etwa drei Scheibchen Pökelfleisch -und fünf oder sechs Stückchen Salzkuchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Die ganze Nacht über litt er Durst: einen -ganzen Krug Kwas hat er ausgetrunken. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Mir schwindelt noch jetzt der Kopf. Die ganze -Nacht träumte mir so ein Schund – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was für ein Schund denn, lieber -Mitrofan? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Nun, bald träumte mir von dir, Mutter, bald -vom Vater. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wieso? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Kaum begann ich einzuschlafen, so sah ich, wie -du, Mutter, den Vater prügeltest. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Wehe mir – der Traum wird sich erfüllen. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">zärtlich</span>). Und da dauerte mich – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">ärgerlich</span>). Wer, Mitrofan? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Du, Mutter, du wurdest so müde vom Prügeln! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Umarme mich, mein Herz! Das ist ein -Sohn! O, du mein einziger Trost! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Nun, Mitrofan, ich merk’ es: du bist der echte -Sohn deiner Mutter, nicht aber deines Vaters. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Ich wenigstens liebe ihn, wie es einem Vater -geziemt: er ist ein kluges, ein vernünftiges Kind, ein Spaßvogel, -ein Schalk. Mitunter bin ich vor Freude ganz außer mir und -kann es dann gar nicht glauben, daß er mein Sohn ist. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Doch gegenwärtig macht unser Spaßvogel ein -recht ernstes Gesicht. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Sollte man nicht in die Stadt nach dem -Doktor schicken? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Nein, nein, Mutter; ich werde mich schon selber -gesund machen. Will doch mal zum Taubenschlag laufen, vielleicht -daß – -</p> - -<p> -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Gott gnädig ist. Geh, mein Teurer, spiele -ein wenig. (<span class="dir">Mitrofan mit der Jeremejewna ab.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-5"> -Fünfter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Frau Prostakowa</span>, <span class="character">Prostakow</span> und <span class="character">Skotinin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wie kommt’s denn, daß ich meine Braut nicht -sehe? Wo ist sie? Am Abend findet die Verlobung statt: wär’ -es da nicht Zeit, ihr mitzuteilen, daß man sie verheiratet? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Dazu haben wir noch Zeit, Bruder. -Wenn man’s ihr vorher sagt, so kann sie gar denken, daß wir -sie nach ihrer Einwilligung fragen! Ich bin nur durch meinen -Mann mit ihr verwandt und liebe, daß mir fremde Menschen -gehorchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">zu Skotinin</span>). Der Wahrheit die Ehre! Wir haben -Sophie behandelt, als sei sie eine echte und rechte Waise. Als -ihr Vater starb, war sie noch ein ganz kleines Kind. Ein halbes -Jahr darauf bekam ihre Mutter, meine Verwandte, den -Schlag – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">sich das Herz bekreuzigend</span>). Die Kraft des -Kreuzes sei mit uns! -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Dank welchem sie auch mit Tode abging. Des -Mädchens Onkel, ein Herr Starodum, fuhr nach Sibirien, und -da er schon seit mehreren Jahren völlig verschollen ist, so halten -wir ihn denn auch für verstorben. Als wir merkten, daß Sophie -mutterseelenallein dastand, nahmen wir sie zu uns aufs Dorf -und verwalten nun ihr Gut, als sei es unser eignes. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Bist heute ganz ins Lügen hineingeraten, -mein Lieber! Der Bruder könnte gar glauben, daß wir -sie aus Interesse zu uns genommen haben. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Wie sollte er das glauben?! Ihr unbewegliches -Vermögen können wir doch nicht in unsre Tasche hineinwandern -lassen! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Das bewegliche ist zwar schon hineingewandert, -aber ich bin kein Verräter. So was macht Scherereien, die ich -nicht liebe, die ich fürchte. Wie oft mich auch die Nachbarn übervorteilt, -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -wieviel Schaden sie mir gebracht – ich habe auf keinen -eine Klage eingerichtet. Statt mir den Schaden durch Laufereien -einzubringen, zwack’ ich’s mir von den Bauern ab, und kein -Hahn kräht danach. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Es ist wahr, Schwager: die ganze Nachbarschaft -meint, du verstehest es meisterhaft, den Obrok<a class="fnote" href="#footnote-1" id="fnote-1">[1]</a> einzukassieren. -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-1" id="footnote-1">[1]</a> Abgaben der zinspflichtigen Bauern. <em>Anm. d. Übers.</em> -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wenn du’s uns doch lehren wolltest, -lieber Bruder; wir verstehn’s gar nicht. Seitdem wir alles, was -die Bauern besaßen, uns zugesteckt haben, können wir sie gar -nicht mehr rupfen. Ein wahrer Jammer! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Gern, Schwester, will ich’s euch lehren – macht -nur, daß ich Sophie heirate. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Gefällt dir denn das Mädchen so ungeheuer? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Nun, nicht gerade das Mädchen – -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Also ihre Dörfer? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Auch nicht gerade die Dörfer, sondern das, was -sich in diesen Dörfern aufhält und meine größte Leidenschaft ist. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was denn, lieber Bruder? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Schweine sind meine Leidenschaft, Schwester. In -unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, <a id="corr-0"></a>daß jedes, -sollte es sich auf die Hinterfüße stellen, uns alle um Kopfeslänge -überragen würde. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Es ist doch sonderbar, Schwager, wie die Verwandten -einander gleichen können! Unser Mitrofan ist ganz -nach dem Onkel geraten: auch er hatte von Kindesbeinen an dieselbe -Leidenschaft für Schweine wie du. Als er drei Jahr zählte, -so zitterte er vor Freude beim Anblick eines Schweinchens. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> In der That, höchst wunderbar! Nun, mag -Mitrofan die Schweine lieben: er ist mein Verwandter, und -hierbei spielt die Ähnlichkeit eine Rolle. Wie erklärt sich denn -aber <em>meine</em> Leidenschaft für die Schweine? -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Auch hierbei spielt die Ähnlichkeit eine Rolle, -denk’ ich. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-6"> -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -Sechster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen.</span> <span class="character">Sophie</span> tritt auf mit einem Brief in der Hand; ihr Gesicht -strahlt vor Freude. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was bist du denn so lustig, meine Beste? -Worüber freust du dich? -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Soeben hab’ ich eine freudige Nachricht erhalten. -Der Onkel, von dem wir so lange nichts vernommen, den ich -liebe und ehre wie einen Vater, ist dieser Tage in Moskau angelangt. -Da ist der Brief, den ich soeben von ihm erhalten -habe. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">erschrickt; mit verbissener Wut</span>). Was? Starodum, -dein Onkel, lebt? Und du wagst es, ihn für auferstanden -auszugeben? Diese Lüge ist wirklich einzig! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Er war ja gar nicht gestorben! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Nicht gestorben! Hätte er denn nicht -sterben können? ... Nein, meine Beste, das sind deine Erfindungen, -um uns mit deinem Onkel ins Bockshorn zu jagen, damit -wir dir Freiheit lassen! Du denkst: der Onkel ist ein kluger -Mensch, er wird schon Wege finden, mich aus euren Händen zu -befreien! Und darüber freust du dich ... aber bitte, freue dich -nur nicht zu sehr: dein Onkel ist natürlich von den Toten nicht -auferstanden. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Schwester! Wenn er aber gar nicht gestorben -wäre? -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Verhüt’ es Gott, daß er nicht gestorben wäre! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zum Mann</span>). Wie: „nicht gestorben?“ ... -Mache mich nicht wirr! Weißt du denn nicht, daß ich schon seit -mehreren Jahren Totenmessen für den Frieden seiner Seele -halten lasse? Es ist unmöglich, daß meine Gebete nicht bis zu -Gott gedrungen seien! (<span class="dir">Zu Sophie.</span>) Gib mal den Brief her (<span class="dir">ihn -an sich reißend</span>). Eine Wette geh’ ich ein, daß es ein Liebesbrief -ist, und ich errate auch den Schreiber: es ist jener Offizier, der -dir einen Antrag machte, und den du auch heiraten wolltest ... -Und welche Bestie händigt dir ohne meine Erlaubnis Briefe ein? -Wart, das werd’ ich schon herausbekommen! Das sind Zeiten: -jungen Mädchen werden Briefe geschrieben! Junge Mädchen -können lesen und schreiben! -</p> - -<p> -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -<span class="character">Sophie.</span> Bitte lesen Sie selbst den Brief, und Sie werden -alsdann sehen, daß er das Unschuldigste von der Welt enthält. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> „Lesen Sie selbst den Brief!“ Nein, -meine Beste, ich bin, Gott sei Dank, nicht so erzogen. Ich empfange -Briefe, lasse sie jedoch immer andre lesen. (<span class="dir">Zum Mann.</span>) -Lies vor. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">nachdem er lange hineingeblickt</span>). Das dürfte schwer -fallen. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Auch dich hat man, scheint’s, wie ein -junges Mädchen aus der guten alten Zeit erzogen ... Bruder, -bitte, lies du. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich? Ich habe nie in meinem Leben etwas gelesen, -Schwester! Gott hat mich mit solchem langweiligen Zeug -verschont. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Erlauben Sie, daß ich lese. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> O, meine Beste, ich weiß wohl, daß du -eine Meisterin darin bist – nur trau’ ich dir nicht so recht ... -Der Lehrer Mitrofans wird wohl bald kommen; er soll mir -lesen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wird denn der Junge schon im Schreiben und -Lesen unterrichtet? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ach, lieber Bruder, schon gegen vier -Jahre unterrichtet man ihn. Ja, Sünde wär’s, zu sagen, daß -wir uns nicht alle Mühe geben, Mitrofan zu erziehen: drei -Lehrer werden bezahlt! Im Lesen und Schreiben unterweist ihn -Kutejkin, Vorsänger in der Kirche zu Mariä Schutz- und Fürbitte. -Rechnen lehrt ein abgedankter Sergeant, Namens Zyfirkin. -Beide kommen sie aus der Stadt hierher. Den Unterricht im -Französischen und in den übrigen Wissenschaften erhält mein armer -Mitrofan von einem Deutschen, Adam Adamytsch Wralmann. -Diesem zahlen wir dreihundert Rubelchen jährlich; er sitzt mit -uns an <em>einem</em> Tische, seine Wäsche wird von unsern Dienstboten -gewaschen; ein Pferd steht immer zu seiner Verfügung; zu -Mittag bekommt er ein Glas Wein, zur Nacht ein Talglicht, und -selbst die Perücke wird ihm umsonst von Fomka in stand erhalten -... Doch, was wahr ist, bleibt wahr: auch wir sind mit -ihm zufrieden, Bruder: er überbürdet den Knaben nicht. Und -man muß doch Mitrofan ein wenig pflegen, solange er noch jung -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -ist: wenn er denn noch zehn Jährchen etwa – was Gott verhüten -möge – dienen muß, wird ihm kein Schmerz erspart bleiben! -Übrigens – wie’s einem bei der Geburt bestimmt ist! -Schon mancher aus der Familie der Prostakows ist im Schlaf -zu Rang und Würden gestiegen – ist denn Mitrofan schlechter -als sie? Ei – da kommt ja wie gerufen unser teurer Mieter! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-7"> -Siebenter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> und <span class="character">Prawdin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Lieber Bruder, hier stell’ ich dir unsern -teuren Gast vor – Herr Prawdin; und das, mein Herr, ist mein -Bruder. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Sehr wohl, mein Herr. Und wie lautet Ihr -Familienname? Ich habe nicht recht gehört. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Mein Name ist Prawdin, damit Sie recht hören. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Und wo geboren, mein Herr? Wo liegen Ihre -Dörfer? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich bin in Moskau geboren, wenn es Ihnen zu -wissen not thut, und meine Dörfer liegen in diesem Bezirk. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Und darf ich fragen, mein Herr – Ihr und Ihres -Vaters Vorname ist mir unbekannt – ob es in Ihren Dörfern -Schweinchen gibt? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Fange doch nicht an, von Schweinen zu -sprechen, Bruder! Wollen wir lieber Herrn Prawdin unsre Not -klagen. (<span class="dir">Zu Prawdin.</span>) Die Sache ist nämlich die: es war das Geheiß -Gottes, daß wir dieses junge Mädchen zu uns nahmen. -Nun erhält sie Briefe von Onkeln, die ihr aus jener Welt schreiben. -Wollten Sie die Güte haben, uns allen diesen Brief laut -vorzulesen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Verzeihen Sie – ich lese niemals Briefe, ohne -von deren Empfängern hierzu befugt zu sein. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ich bitte Sie darum, Sie werden mich sehr verbinden. -</p> - -<p> -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Wenn Sie es also befehlen ... (<span class="dir">liest</span>) „Liebe -Nichte! Meine Geschäfte zwangen mich, mehrere Jahre fern von -meinen Verwandten zu leben; die weite Entfernung beraubte -mich des Vergnügens, Nachricht von ihnen zu erhalten. Nach -mehrjährigem Aufenthalt in Sibirien bin ich nun in Moskau. -Ich kann wohl als Beispiel dienen, daß man sich durch Fleiß -und Ehrlichkeit ein Vermögen erarbeiten kann. Dank diesen Mitteln -und mit Hilfe des Glücks habe ich zehntausend Rubel Revenuen -–“ -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> und beide <span class="character">Prostakows</span>. Zehntausend! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">im Lesen fortfahrend</span>). – „Zu deren Erben ich Dich, -liebe Nichte, ernenne.“ -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Dich zur Erbin!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="3">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="3">(<span class="dir">Gleichzeitig.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prostakow.</span> Sophie zur Erbin!</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Skotinin.</span> Sie zur Erbin!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">Sophie stürmisch umarmend</span>). Gratuliere dir, -meine Herzens-Sophie! Ich weiß mich vor Freude nicht zu -fassen! Jetzt mußt du einen Bräutigam haben. Und eine bessere -Braut kann ich mir für Mitrofan gar nicht wünschen! Das ist -ein Onkel! Der leibliche Vater! Ich hab’s mir immer gedacht, -daß ihn Gott behütet, daß er noch wohl und gesund ist! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">die Hand hinhaltend</span>). Nun, Schwester, schlag ein. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">leise zu Skotinin</span>). Warte noch, Bruder: -erst muß man sie fragen, ob sie dich nehmen will. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wie? Fragen? Wir werden doch nicht erst ihre -Meinung hören wollen?! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Darf ich den Brief zu Ende lesen? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wozu? Und sollten Sie fünf Jahre lesen – -Besseres als die Zehntausend werden Sie doch nicht herauslesen! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Sophie</span>). Herzens-Sophie, komm mit -mir auf mein Schlafzimmer. Ich habe äußerst Wichtiges mit -dir zu sprechen (<span class="dir">führt Sophie fort</span>). -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> S–o–o–o! Na, ich sehe, daß heute wohl schwerlich -aus der Verlobung was wird! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-3-8"> -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -Achter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Prawdin.</span> <span class="character">Prostakow.</span> <span class="character">Skotinin.</span> <span class="character">Ein Diener.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Diener</span> (<span class="dir">außer Atem zu Prostakow</span>). Gnädiger Herr, gnädiger -Herr! Soldaten sind gekommen, haben in unserm Dorfe Quartier -gemacht! -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> O Unglück, sie werden uns gänzlich ruinieren! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Worüber erschrecken Sie so? -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Ach, Lieber, Guter! Ich hab’s ja schon erlebt! -Ich wag nicht, ihnen unter die Augen zu treten! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Befürchten Sie nichts. Sie werden natürlich von -einem Offizier angeführt, der es zu keiner Gewaltthat kommen -läßt. Wollen wir zusammen hingehen. Ich bin versichert, daß -Sie sich unnütz beunruhigen. (<span class="dir">Prawdin, Prostakow und der Diener ab.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Alle haben mich verlassen ... Will doch einen -Spaziergang durch den Viehhof machen! -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="act" id="chapter-0-4"> -<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> -Zweiter Aufzug. -</h2> - -</div> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-4-1"> -Erster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Prawdin</span> und <span class="character">Milon</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Wie freut es mich, mein teurer Freund, dich wiederzusehn! -Wie kommst du her? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Gern will ich dir den Grund meines Hierseins -mitteilen. Ich bin zum Mitgliede der hiesigen Provinzialverwaltung -ernannt worden und habe Befehl, den hiesigen Bezirk -zu inspizieren. Gleichzeitig unterlass’ ich es nicht aus eignem -Herzensantrieb, diejenigen tyrannischen Gutsbesitzer zu studieren, -die ihre Vollmacht über ihren Untergebenen unmenschlich -mißbrauchen. Du kennst die Denkungsart unsers Gouverneurs. -Mit welchem Eifer hilft er der leidenden Menschheit! Mit welcher -Hingebung erfüllt er die humanen Absichten der Regierung. -Wir haben es bei uns selber gesehen, daß, wenn der Gouverneur -derartig ist, wie ihn das Reglement vorzeichnet, der Wohlstand -der Bewohner ein gesicherter bleibt. Ich wohne hier schon drei -Tage und fand einen ehrlosen Narren von Gutsherrn und dessen -Furie von Frau, deren teuflischer Charakter dem ganzen Hause -Unheil bringt. Worüber sinnst du, mein Freund? Sage doch, -wirst du lange hier bleiben? -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Schon nach einigen Stunden verlass’ ich dies Haus. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Warum so bald? Ruh dich doch erst aus. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Ich darf nicht: muß ohne Zögern die Soldaten weiterführen -... Außerdem brenn’ ich selber vor Ungeduld, -schneller in Moskau zu sein. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und der Grund hierzu? -</p> - -<p> -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -<span class="character">Milon.</span> Dich, als meinen Freund, will ich in das Geheimnis -meines Herzens einweihen. Ich liebe und bin so glücklich, -geliebt zu werden. Schon über ein halbes Jahr bin ich von der -getrennt, die mir teurer ist als alles auf der Welt; und was noch -betrübender ist: diese ganze Zeit über hab’ ich keinerlei Nachricht -von ihr erhalten. Oft schrieb ich ihr Schweigen dem Erkalten -zu und zermarterte mein Herz. Da erhielt ich plötzlich eine Mitteilung, -die mich höchlich überraschte. Man schreibt mir nämlich, -daß sie nach dem Tode ihrer Mutter von entfernten Verwandten -zu sich aufs Dorf genommen worden sei – und ich -weiß weder von wem, noch wohin. Vielleicht befindet sie sich -jetzt in den Händen von Egoisten, bei denen sie, die schutzlose -Waise, tyrannisiert wird. Der Gedanke allein macht mich -rasen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Eine derartige Unmenschlichkeit sehe ich in diesem -Hause, doch schmeichle ich mir mit der Hoffnung, der Bosheit -der Frau und der Narrheit des Mannes eine Grenze zu stecken. -Ich habe schon von allem unsern Chef in Kenntnis gesetzt und -zweifle nicht, daß man Maßregeln ergreifen wird, diesem saubern -Paar Einhalt zu thun. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Wie glücklich bist du, Freund, daß du das Los Unglücklicher -erleichtern kannst! ... Auch ich bin in einer sehr -mißlichen Lage und weiß nicht, was ich beginnen soll. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und darf ich fragen, wie der Name – -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">entzückt</span>). O, da ist sie ja selber! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-4-2"> -Zweiter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> und <span class="character">Sophie</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Milon, bist du’s? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Welches Glück! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Die ist’s, die mein ganzes Herz beherrscht! ... -Teure Sophie, sprich, wie kommt’s, daß ich dich hier treffe? -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Wieviel hab’ ich gelitten seit dem Tage unsrer Trennung! -Meine gewissenlosen Verwandten – -</p> - -<p> -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Freund, laß das Fragen! es bereitet ihr nur -Schmerz. Von mir wirst du erfahren, welche Roheiten – -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Die Nichtswürdigen! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Heute übrigens hat die Frau vom Hause zum erstenmal -mir gegenüber einen andern Ton angeschlagen. Als sie erfuhr, -daß mich der Onkel zu seiner Erbin eingesetzt, verfiel sie -aus Grobheit und Zanksucht in kriechende Liebenswürdigkeit, -und ich ersehe aus allen ihren Anspielungen, daß sie mich ihrem -Sohne als Braut zugedacht hat. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">ungeduldig</span>). Und du hast ihr nicht alsbald deine vollste -Verachtung ausgesprochen? -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Nein ... -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Hast ihr nicht gesagt, daß dein Herz bindende Pflichten -hat, daß – -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Nein ... -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> O, nun seh’ ich mein Verderben! Ich habe einen -beglückten Nebenbuhler! ... Nun, ich zweifle ja gar nicht an -seinen Vorzügen: er ist gewiß klug, aufgeklärt, liebenswürdig; -aber daß er sich mit mir in meiner Liebe messen könnte – -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">lächelnd</span>). Gott, wenn du ihn sähest – du würdest -rasen vor Eifersucht! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">grimmig</span>). Ich kann mir alle seine Vorzüge vorstellen! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Nein, du kannst sie dir gar nicht alle vorstellen! Er -zählt zwar erst sechzehn Jahre, hat jedoch schon die höchste Sprosse -der Vollkommenheit erklommen und kann gar nicht mehr höher -steigen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie kann er nicht höher steigen, Fräulein? Er -hat ja bald die Fibel ausgelernt und wird wohl alsbald zum -Psalmbuch übergehen. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Von solcher Beschaffenheit also ist mein Nebenbuhler?! -... Ach, Sophie, warum quälst du mich, und sei’s auch -nur im Scherz! Du weißt, wie einem Liebenden selbst der geringste -Verdacht Leiden macht! ... Nun sage mir, was du ihr -geantwortet hast. (<span class="dir">In diesem Augenblick geht Skotinin nachdenklich über -die Bühne, ohne von jemand bemerkt zu werden.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ich sagte ihr, daß ich vom Willen des Onkels abhänge, -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -daß er bald selber herkommen werde – was ich aus dem -Briefe schließe, den (<span class="dir">zu Prawdin</span>) Sie dank dem Herrn Skotinin -nicht haben zu Ende lesen dürfen. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Skotinin! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Hier! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-4-3"> -Dritter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> und <span class="character">Skotinin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie haben also gelauscht, Herr Skotinin? Das -hab’ ich von Ihnen nicht erwartet! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich ging zufällig vorbei und antwortete, da man -mich anrief. Das ist so meine Art: wer „Skotinin!“ ruft, dem -antwort’ ich „Hier!“ Ich habe in der Garde gedient und erhielt -als Korporal meinen Abschied: rief man nun auf dem Versammlungsplatz -laut: „Taras Skotinin!“ so brüllte ich: „Hier!“ -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wir haben Sie nicht angerufen, und Sie können -nun gehn, wohin Sie gehen wollten. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich wollte nirgendhin gehn, ich schritt nur so in -Gedanken auf und ab. Es ist so meine Art: sitzt mir mal ein -Gedanke im Kopfe fest, so läßt er sich mit keinem Pflock austreiben -– sitzt was drin, so sitzt es fest. Dann denk’ ich nur dieses Etwas -und seh’ es im Traum wie in der Wirklichkeit und in der -Wirklichkeit wie im Traum. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und was beschäftigt Sie gegenwärtig? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ach, bester, teuerster Freund! Wunderdinge passieren -mir. Meine Schwester ließ mich schnell – schnell aus -meinem Dorfe herkommen – und wenn sie mich ebenso schnell -aus ihrem Dorfe heimschickt, so kann ich vor der ganzen Welt -mit reinem Gewissen behaupten: leer gekommen, leer zurückgekehrt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie ich Sie bedauere, Herr Skotinin! Ihre -Schwester spielt mit Ihnen wie mit einem Ball. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wie mit einem Ball? Gott schütze vor Unglück! -Will ich doch selber sie so weit schleudern, daß das ganze Dorf sie -eine ganze Woche lang umsonst suchen soll! -</p> - -<p> -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -<span class="character">Sophie.</span> Ach, wie Sie zornig sind! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Was ist Ihnen? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Bitte urteilen Sie selbst – Sie sind ein vernünftiger -Mensch. Also, meine Schwester hat mich herkommen lassen, -damit ich heirate. Nun zieht sie sich zurück mit dem Vorwand: -„Wozu brauchst du, Bruder, eine Frau, wenn du nur ein gutes -Schwein hast.“ Nein, Schwester – ich will mir auch eigene -Ferkel anschaffen! Auf <em>den</em> Leim geh’ ich nicht! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Auch mir will es scheinen, Herr Skotinin, daß -Ihre Schwester eine Heirat im Sinne hat, nur nicht die Ihrige. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Mag sie doch – ich stehe keinem im Wege: heirate -jeder seine Braut. Ich werde mich an einer fremden nicht -vergreifen, aber auch Fremde sollen sich an der meinigen nicht -vergreifen. (<span class="dir">Zu Sophie.</span>) Fürchte nichts, mein Schatz: niemand -wir dich mir entreißen. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Was soll das heißen? -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">aufschreiend</span>). Welche Frechheit! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">zu Sophie</span>). Nun, worüber bist du denn so erschrocken? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Milon</span>). Wie kann man einem Skotinin zürnen! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">zu Skotinin</span>). So ist es denn beschlossen, daß ich Ihre -Frau werde? -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Mit Mühe halt’ ich an mir! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Niemand entgeht seinem Schicksal, mein Herz! -Sünde ist’s, daß du wider dein Glück murrst. Das herrlichste -Leben wirst du an meiner Seite haben. Zehntausend hast du -Revenuen! Welch ein Glück! Eine solche Summe hab’ ich in -meinem Leben nicht einmal gesehen! Donnerwetter, für dieses -Geld kann ich mir ja alle Schweine auf der Welt kaufen! Ja, -jeder Mund soll in die Trompete stoßen: bei Skotinin ist das -Paradies der Schweine! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wenn allein die Schweine bei Ihnen ein paradiesisches -Leben führen, so wird Ihre Frau vor Ihnen und selbigen -Schweinen wenig Ruhe haben. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wenig Ruhe? Ei, hab’ ich denn zu wenig Raum -in meinem Hause? Sie soll für sich allein das Eckzimmer mit -dem Divan haben! Freundchen, wenn schon jetzt jedes meiner -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -Schweinchen einen besonderen Koben hat, so wird sich für meine -Frau schon ein Zimmerchen finden. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Welch ein viehischer Vergleich! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Skotinin</span>). Nichts wird daraus, Herr Skotinin. -Ich will’s ihnen nur gerade heraus sagen: Ihre Schwester will -Fräulein Sophie mit Mitrofan verheiraten. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">zornig</span>). Was, wie? Der Neffe soll den Onkel ausstechen! -Alle Rippen will ich dem Kerl eindrücken, sobald ich -ihn sehe! Und ein Schweinesohn will ich sein, wenn ich nicht -Sophiens Mann werde oder den Bengel zum Krüppel schlage! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-4-4"> -Vierter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen.</span> <span class="character">Jeremejewna</span> und <span class="character">Mitrofan</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Du solltest doch ein ganz klein wenig lernen! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Sprich noch ein Wort, alte Hexe, so will ich’s -dir eintränken: werde mich wieder bei der Mutter beklagen, und -sie wird dich, wie gestern, durchwalken! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Komm mal her, Freundchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Geh zum Onkel, Kind. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Guten Tag, Onkel ... Was bist du so borstig? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Mitrofan, blicke mir frei und gerade in die Augen. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Thu’s, mein Süßer! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">zu Jeremejewna</span>). Was ist denn der Onkel für ein -Wundertier, daß ich ihn angucken soll? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Noch einmal: blicke mir frei und gerade in die -Augen! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Erzürne doch den Onkel nicht! <a id="corr-2"></a>Sieh nur, -mit welchen Glotzaugen er dich anstarrt! ... Nun, glotz ihn -ebenso an! (<span class="dir">Skotinin und Mitrofan blicken aufeinander mit weit aufgerissenen -Augen.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Das ist ein absonderliches Zwiegespräch! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Was es wohl für ein Ende nehmen wird? -</p> - -<p> -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> -<span class="character">Skotinin.</span> Mitrofan, dein Leben hängt an einem Haar. -Sprich die volle Wahrheit! Wenn ich die Sünde nicht scheute, -so würde ich, ohne weitere Worte zu verlieren, dich bei den Beinen -packen und deinen Schädel an der Wand zerschmettern. -Doch möchte ich nicht meine Seele verderben, indem ich einen -Unschuldigen richte. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">zitternd</span>). Wehe, er tötet ihn! Wehe meinem -armen Kopfe! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Bist du toll, Onkel? Ich habe keine Ahnung, -wofür du über mich herfällst! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich warne dich: leugne nicht, damit ich dir nicht -im Jähzorn den Todesschlag versetze – deine Hände werden dich -wenig schützen. Ich nehm’s auf mich und werde Rechenschaft -geben Gott und Kaiser. Doch auch unschuldig nimm keine Schuld -auf dich, um nicht unverdient geprügelt zu werden! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Gott schütze vor unverdienten Prügeln! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Möchtest du heiraten? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">schmachtend</span>). Schon längst, Onkelchen ... -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">stürzt auf Mitrofan</span>). Ach, du verwünschter Racker! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">Skotinin zurückhaltend</span>). Herr Skotinin, keine Handgreiflichkeiten! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Amme, decke mich! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">stellt sich vor Mitrofan, wütend mit erhobenen Fäusten</span>). -Krepieren will ich auf der Stelle, aber dem Kinde laß -ich kein Haar krümmen! Komm du nur, die Augen kratz’ ich dir -aus dem Kopfe! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">zitternd und mit der Faust drohend, ab</span>). Ihr sollt an -mich denken! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">ihm nach</span>). Meine Krallen sind scharf genug! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir"><a id="corr-3"></a>dem Onkel nachrufend</span>). Packe dich, Onkel, hol’ dich -der Geier! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-4-5"> -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -Fünfter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen.</span> <span class="character">Frau Prostakowa</span> und <span class="character">Prostakow</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zum Mann</span>). Lüg du nur! Bist zeitlebens -ein Maulaffe gewesen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Er und Prawdin sind wie in die Erde gesunken! -Bin ich schuld? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Milon</span>). Ach, Herr Offizier! Ich habe -Sie im ganzen Dorfe gesucht; mein Mann hat sich die Beine -ablaufen müssen, um Ihnen meinen tiefsten Dank für das vortreffliche -Kommando auszusprechen. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Wofür denn, gnädige Frau? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wie denn, wofür? Ihre Soldaten sind -prächtige Menschen: haben bis jetzt mit keinem Finger etwas angerührt. -Zürnen Sie nicht, bester Herr, daß diese Mißgeburt -(<span class="dir">auf den Mann zeigend</span>) mit seinem ewigen Gaffen Ihnen nicht -wie nötig begegnet ist. Er war von Kindheit an ein Tölpel. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Bitte, nicht im geringsten – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Er ist manchmal wie vor den Kopf geschlagen -– steht stundenlang mit starr aufgerissenen Augen. -Was hab’ ich schon alles mit ihm versucht, was hat er alles von -mir aushalten müssen – nichts wirkt auf seine dicke Haut. -Und geht mal sein Klotzzustand vorüber, so beginnt er ein solches -Blech zu schwätzen, daß man zu Gott fleht, er möchte ihn nur -wieder vor den Kopf schlagen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie wenigstens, gnädige Frau, können nicht über -seinen Charakter klagen: er ist sanftmütig – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wie ein Kalb, bester Herr, wie ein Kalb! -Deshalb auch sind alle bei uns im Hause so verwöhnt. Denn -um Strenge walten zu lassen und die Schuldigen gehörig zu -bestrafen – dazu ist er zu dämlich! Muß alles selbst thun, lieber -Herr. Vom Morgen bis zum Abend hat weder meine Zunge -noch meine Hand einen Augenblick Ruhe: bald muß ich schimpfen, -bald hauen; nur auf solche Weise kann ich das Haus halten. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">für sich</span>). Es wird bald anders gehalten werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Sophie</span>). Habe die Zimmer für deinen -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> -lieben Onkel in stand gesetzt. Ach, wie möcht’ ich ihn sehen, -den ehrwürdigen Greis! Ich habe viel Gutes von ihm vernommen. -Selbst böse Menschen behaupten, er sei nur ein wenig -griesgrämig, doch außerordentlich klug; wen er einmal liebt, den -liebt er von ganzer Seele. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und wen er nicht liebt, der ist ein schlechter Mensch. -(<span class="dir">Zu Sophie.</span>) Ich selber habe die Ehre, Ihren Onkel zu kennen. -Ich habe manches über ihn vernommen, das mir aufrichtige -Hochachtung für ihn ins Herz flößte. Was man so seine Griesgrämigkeit, -seine Grobheit nennt, ist nur der Eindruck seiner -Geradheit. Nie im Leben hat seine Zunge „Ja“ gesagt, wenn -seine Seele ein „Nein“ fühlte. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Dafür hat er auch nur mit großer Mühe sein Glück -machen können. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Gott segnet uns, indem er seine Bemühungen -mit Erfolg segnete. Nichts wünscht’ ich sehnlicher als -sein väterliches Wohlwollen für meinen Mitrofan! ... Sophiechen, -mein Herz, willst du nicht des Onkels Zimmer in Augenschein -nehmen? (<span class="dir">Sophie ab; zu Prostakow.</span>) Hast du schon wieder -Maulaffen feil? Begleite sie, die Beine sind dir nicht abgefallen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">im Fortgehen</span>). Nicht abgefallen, jedoch eingeknickt. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Meine einzige Sorge, meine einzige -Freude ist – Mitrofan. Ich habe gelebt, er muß erst leben und -Mensch werden. (<span class="dir">Hier erscheinen Kutejkin mit einer Fibel und Zyfirkin -mit einer Schiefertafel und einem Griffel. Beide fragen durch Zeichen Jeremejewna, -ob sie eintreten dürfen. Sie winkt herein, Mitrofan – heraus.</span>) -Nun, Gott wird wohl gnädig sein, wird ihn mit Glück -segnen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sehen Sie sich um, gnädige Frau, was hinter -Ihrem Rücken vorgeht. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ach, das sind Mitrofans Lehrer; Ssidorytsch, -Kutejkin – -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Und Pafnutjitsch, Zyfirkin. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Hole sie der Henker mitsamt der Jeremejewna! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Frieden der Herrin dieses Hauses und viele Jahre -des Wohlseins ihr, den Kindern und Angehörigen! -</p> - -<p> -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Wir wünschen Ew. Wohlgeboren Gesundheit auf -hundert Jahre, und noch zwanzig, und noch fünfzehn! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Ei, das ist ja unsresgleichen, ist Soldat! Wie kommst -du her, mein Freund? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Diente in der Garnison, Ew. Wohlgeboren, und -bin nun verabschiedet. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Wie verdienst du dir denn dein Brot<a id="corr-4"></a>? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Es geht schon zur Not, Ew. Wohlgeboren. Ich -habe einige Begriffe vom Rechnen und verdiene meinen Groschen -von den Beamten der Rechnungsexpedition. Nicht jeden -hat der liebe Gott mit Bildung gesegnet: da bittet mich denn so -einer, ihm eine Rechnung zu kontrollieren oder die Summe zu -ziehen. Solcherart verdien’ ich mein täglich Brot, sitze nie die -Hände im Schoß. In meinen Mußestunden erteil’ ich Kindern -Unterricht. So unterricht’ ich auch bei Ihro Gnaden: schon das -dritte Jahr quälen wir uns mit den Brüchen ab, aber es will -und will nicht recht kleben. Natürlich: ein Mensch ist nicht wie -der andre. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was quasselst du da, Pafnutjitsch, ich -habe nicht recht gehört? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Ich erklärte Sr. Wohlgeboren, daß man manchem -Klotz in zehn Jahren das nicht einkeilen kann, was ein andrer -im Fluge erhascht. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Kutejkin</span>). Und du, Kutejkin, bist du nicht gar -ein Studierter? -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Bin ein Studierter, Ew. Wohlgeboren. In dem -Seminarium der hiesigen Eparchie kam ich bis zur Sekunda, -machte jedoch laut dem Willen Gottes Kehrtum. Darauf hab’ -ich ins Konsistorium eine Bittschrift eingereicht, so da zu lesen -stand: „Der und der Seminarist, Sohn eines Kirchendieners, -bittet, aus Furcht vor den Abgründen der Kenntnisse, ihn vom -Studium der Wissenschaften zu dispensieren.“ Worauf denn -auch alsbald eine gnädige Resolution einlief des Inhalts: „Den -und den Seminaristen von jeglichem Studieren zu befreien, -denn es stehet geschrieben: Ihr sollt nicht die Perlen vor die -Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren -Füßen.“ -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wo ist denn unser Adam Adamytsch? -</p> - -<p> -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Bin auch zu ihm gegangen, habe aber mit -Mühe auf den Füßen stehen können: ganz eingehüllt war er in -Rauchwolken. Ich bin beinah’ von diesem verfluchten Tabak -erstickt. Ist das eine Sünde! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Hat nichts zu sagen, Jeremejewna! Im Tabakrauchen -finde ich keine Sünde. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Kutejkin will klugsprechen! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> In vielen Büchern ist’s gestattet. Im Psalter -steht wörtlich: „Saat zu Nutz den Menschen.“ -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und wo noch? -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Auch in einem andern Psalter stehen dieselben -Worte. Unser Priester hat einen in Oktavformat, und auch dort -steht’s. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Frau Prostakowa</span>). Ich will beim Lernen Ihres -Sohnes nicht hinderlich sein; ergebenster Diener. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Noch ich, gnädige Frau. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wohin denn, meine Herrn? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich werde ihn auf mein Zimmer führen. Freunde, -die sich lange nicht gesehn, haben einander vieles mitzuteilen. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Und wo werden Sie essen – mit uns -oder auf Ihrem Zimmer? Am Familientische sitzen nur wir -und Sophiechen – -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Mit Ihnen, mit Ihnen, gnädige Frau. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wir beide werden die Ehre haben. (<span class="dir">Beide ab.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-4-6"> -Sechster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Frau Prostakowa</span>, <span class="character">Mitrofan</span>, <span class="character">Jeremejewna</span>, <span class="character">Zyfirkin</span> und <span class="character">Kutejkin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Nun, mein Herz, wiederhole wenigstens, -was du das letzte Mal russisch gelesen. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Wiederholen? Danke bestens! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Man wird alt wie eine Kuh und lernt -immer was zu. Das ist eine alte Wahrheit, mein Freund. -</p> - -<p> -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -<span class="character">Mitrofan.</span> Wahrheit! Du solltest doch noch ein paar Onkel -herschleppen! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wie, was? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Das! Jeden Augenblick muß ich gewärtig sein, -durchgehauen zu werden, und nach den Prügeln soll ich noch die -Fibel vornehmen? Nein, dafür dank’ ich: da mach’ ich lieber -<a id="corr-5"></a>ein Ende! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">erschrocken</span>). Was, was willst du machen? -Komm zu dir! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Der Fluß ist ja nicht weit von hier. Ein Sprung -– und weg bin ich! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">außer sich</span>). Du tötest mich! Gott, mein -Gott! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Der Onkel hat ihn so eingeschreckt: fast hätte -er sich dem lieben Jungen in die Haare gekrallt. Und das für -nichts und wieder nichts. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">grimmig</span>). Nun? -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Er drang in ihn, ob er heiraten wolle – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Nun? -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Und der liebe Junge verheimlichte es auch -gar nicht: ja, lieber Onkel, ich habe schon lange Lust. Da geriet -der Onkel in gräßliche Wut und stürzte sich – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zitternd</span>). Nun ... und du, Bestie, bist -zum Klotz geworden, hast dich dem Bruder nicht in die Fratze -eingekrallt, hast ihm das Maul nicht bis an die Ohren aufgerissen -– -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Ich wollte schon ... ich wollte, aber – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Aber ... Nicht wahr, es ist nicht dein -Kind, Ungeheuer?! Du würdest es zu Tode schlagen lassen – -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Ach du grundgütiger Gott! Wäre er nicht -in demselben Augenblick fortgegangen, so würde ich mich auf -ihn gestürzt haben: stumpf ließe ich diese (<span class="dir">zeigt auf die Nägel</span>) werden, -und auch die Zähne würde ich nicht schonen. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Alle seid ihr dienstfertig in Worten, ihr -Kanaillen, wenn’s aber ans Handeln kommt – -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">weinend</span>). Ich bin nicht dienstfertig?! Da weiß -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -ich nicht mehr, wie ich noch eifriger dienen soll ... gern würd’ -ich ... der eigene Leib wird nicht geschont ... und immer -kein Dank – -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Kutejkin.</span> Sollen wir heimkehren?</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Zusammen.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Zyfirkin.</span> Wohin lenken wir unsre Schritte, Ew. Wohlgeboren?</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Und du heulst noch alte Hexe?! ... -Geh, füttre sie ab und komme nach dem Essen sofort her. (<span class="dir">Zu -Mitrofan.</span>) Komm mit mir, mein süßes Leben. Jetzt lass’ ich dich -nicht aus den Augen ... Komm nur, ein Wörtchen will ich -dir zuflüstern, daß dir von neuem das Leben lächeln soll. Nicht -ewig, mein Herz, nicht ewig wirst du lernen: soviel verstehst du -schon, Gott sei Dank, da du auch selber Kinderchen zeugen -kannst! (<span class="dir">Zu Jeremejewna.</span>) Den Bruder will ich anders vorkriegen, -als du es gethan. Die ganze Welt soll sehen, was eine Amme -und was eine Mutter ist! (<span class="dir">Ab mit Mitrofan.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Dein Leben, Jeremejewna, ist die wahre Hölle! -Komm mal lieber zu Tisch und trink vor Kummer ein Gläschen. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Und dann das zweite – da haben wir gleich eine -Multiplikation. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">weinerlich</span>). Der Teufel wird mich schon nicht -holen. Vierzig Jahre dien’ ich bereits, aber der Dank ist immer -derselbe! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Und wie hoch beziffert sich dieser Dank? -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Fünf Rubel jährlich und fünf Kopfnüsse täglich. -(<span class="dir">Kutejkin und Zyfirkin führen sie unter den Armen fort.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Bei Tisch wollen wir’s ausrechnen, wieviel’s im -Jahr ausmacht. -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="act" id="chapter-0-5"> -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -Dritter Aufzug. -</h2> - -</div> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-1"> -Erster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Starodum</span> und <span class="character">Prawdin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Kaum war ich vom Tische aufgestanden, kaum -ans Fenster getreten, so erblickte ich Ihren Wagen und eilte, ohne -ein Wort verlauten zu lassen, Ihnen entgegen, um Sie von -ganzem Herzen zu umarmen. Die Hochachtung, die ich Ihnen -zolle – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich weiß sie zu schätzen, glaub es mir. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ihre Freundschaft ist für mich um so schmeichelhafter, -als Sie diese nur denen bieten – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Die so sind wie du. Ich spreche gerade heraus. -Beginnt die Konvenienz, hat die Aufrichtigkeit ein Ende. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ihre Art – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Sie wird von vielen verspottet, ich weiß es. -Mag’s! Mein Vater hat mir die Erziehung seiner Zeit gegeben, -und ich hab’ es nicht für nötig befunden, mich umzuerziehen. -Er diente Peter dem Großen. Damals wurde der Mensch „du“ -genannt und nicht „Sie“; damals machte man die Leute nicht -hochmütig, so daß sich einer für viele hielt. Dafür auch sind -heutzutage viele eines einzigen nicht wert. Mein Vater hat am -Hofe Peters des Großen – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich hörte, daß er im Militärdienst stand. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Damals waren die Höflinge Krieger und die -Krieger keine Höflinge. Die Erziehung, die mir mein Vater -gegeben hat, war für jene Zeit eine vorzügliche. Damals war -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -die Unterrichtsmethode keine komplizierte, und man verstand noch -nicht die Kunst, einen leeren Kopf mit fremdem Verstande anzufüllen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Die damalige Erziehung wurzelte in der That -in einigen Grundsätzen – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> In einem. Mein Vater wiederholte mir <a id="corr-6"></a>beständig -nur: „Habe ein Herz, habe eine Seele, und du wirst zu jeder -Zeit ein Mensch sein. Alles übrige unterliegt der Mode: Verstand -und Kenntnisse sind Modeartikel wie Schnallen und -Knöpfe.“ -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie sprechen wahr. Die Hauptzierde des Menschen -ist die Seele. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ja, ohne Seele ist der aufgeklärteste, klügste -Mensch ein trauriges Geschöpf, und ein ungebildeten beschränkter -Mensch – ein Tier. Das Geringste kann ihn zum Verbrecher -machen. Zwischen seiner That und dem Zwecke dieser -That gibt’s keine Wage. Und von solchen Tieren will ich jemand -befreien, der – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ihre Nichte ist. Ich weiß es. Sie ist hier; -gehen wir. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Warte. Mein Herz kocht noch vor Zorn gegen -dies unwürdige Gebahren dieser Menschen. Bleiben wir darum -einen Augenblick. Ich halte mich an den Grundsatz: nie muß -der erste Trieb eine sofortige Handlung zur Folge haben. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Nur selten verstehen andre diesen Ihren Grundsatz -zu befolgen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Meine Lebenserfahrungen machten ihn mir zur -Gewohnheit. O, wenn ich früher die Selbstbeherrschung gekannt -hätte – ich würde noch länger das Glück gehabt haben, dem -Vaterlande zu dienen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie das? Die Erlebnisse eines Mannes von -Ihrer Gesinnungsart müssen für jedermann von Interesse sein. -Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir erzählen -wollten – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich verhehle sie vor keinem, damit andre in -ähnlicher Lage weiser handeln, denn ich es gethan. Als ich im -Militärdienst stand, machte ich die Bekanntschaft eines jungen -Grafen, dessen Namen sogar ich vergessen möchte. Im Dienst -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> -war er jünger als ich, war der Sohn eines Parvenüs, in der -großen Welt erzogen und hatte Gelegenheit gehabt, das zu -lernen, was in den Kreis unsers Unterrichts noch gar nicht aufgenommen -war. Ich wandte alle Mühe an, mir seine Freundschaft -zu erwerben, um durch beständigen Umgang mit ihm die -Lücken in meinen Kenntnissen auszufüllen. In derselben Zeit, -da unsre Freundschaft sich festigte, erfuhren wir, daß der Krieg -erklärt sei. Freudestrahlend stürzte ich in des Freundes Arme. -„Lieber Graf – hier bietet sich Gelegenheit zur Auszeichnung! -Treten wir sofort in die Armee, daß wir würdig werden des -Adeltitels, den uns die Geburt verliehen!“ Da furchte sich seine -Stirn, trocken umarmte er mich und sagte: „Glück auf den -Weg; ich aber schmeichle mir mit der Hoffnung, daß mein Vater -sich von mir nicht wird trennen wollen.“ Nichts kommt der Verachtung -nahe, die ich in jenem Augenblick für ihn empfand. -Hier erst sah ich, daß zwischen dem Parvenü und dem verdienten -Manne ein unermeßlicher Unterschied besteht, daß es in der -großen Welt sehr kleinliche Seelen gibt, und daß man sehr aufgeklärt -und gleichzeitig verächtlich sein kann. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie haben vollkommen recht. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich verließ ihn und begab mich sofort dahin, -wohin mich die Pflicht rief. Mehrfach hatte ich Gelegenheit, mich -auszuzeichnen – meine Narben beweisen, daß ich dieselbe nicht -unbenutzt habe vorbeigehen lassen. Die gute Meinung, welche -die Vorgesetzten und Soldaten von mir hatten, war mir ein -schmeichelhafter Lohn für meine Dienste. Da erfuhr ich, daß -der Graf, mein ehemaliger Freund – dessen ich mich schämte -zu gedenken – im Range gestiegen, ich jedoch umgangen sei, ich, -der damals an Wunden schwer darniederlag! Eine solche Ungerechtigkeit -zerfleischte mein Herz, und ich nahm meinen Abschied. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Was auch hätten Sie anderes thun können? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ruhigen Blutes überlegen! Doch ich verstand -es nicht, mich gegen die ersten Antriebe meines gekränkten Ehrgeizes -zu wehren. Mein erhitzter Kopf vermochte damals nicht -einzusehen, daß ein wahrhaft ehrgeiziger Mensch der Sache zuliebe, -nicht des Ranges wegen, streben muß; daß die Rangerhöhung -oftmals erbettelt wird, die echte Auszeichnung jedoch -verdient werden muß; daß es viel ehrenhafter ist, schuldlos übergangen, -als verdienstlos ausgezeichnet zu werden. -</p> - -<p> -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Darf denn ein Adeliger in keinem Falle seinen -Abschied nehmen? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nur in einem: wenn er innerlichst überzeugt -ist, daß sein Dienst dem Vaterlande keinen direkten Nutzen -bringt. Dann mag er gehn! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie zeigen mir, worin das wahre Wesen der -Pflichten eines Adeligen besteht. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nachdem ich meinen Abschied genommen, kam -ich nach Petersburg. Dort führte mich der blinde Zufall dahin, -wohin ich’s mir nie im Leben habe träumen lassen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Nämlich? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> An den Hof. Was sagst du dazu? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und was fanden Sie dort? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Manches Merkwürdige. Vor allen Dingen fand -ich’s merkwürdig, daß fast niemand den geraden breiten Weg -dorthin wählt, sondern einen Umweg macht, in der Hoffnung, -früher anzukommen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ist denn wenigstens der Umweg geräumig? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Dermaßen geräumig, daß, wenn sich zwei begegnen, -sie einander nicht ausweichen können. Einer reißt den -andern zu Boden, und derjenige, der auf den Füßen stehn bleibt, -hebt nie den Liegenden auf. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Die Eigenliebe hat hier – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nicht die Eigenliebe, sondern die Selbstliebe. -Man liebt sich ganz außerordentlich, sorgt nur für sich, denkt -nur an die gegenwärtige Stunde. Denke dir nur: ich sah dort -eine Menge Menschen, die in keinem Lebensfall ihrer Ahnen -oder ihrer Nachkommen gedacht. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Doch jene Ehrenmänner, die bei Hofe sind und -doch dem Vaterlande dienen? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> O, die verlassen den Hof nicht, weil sie ihm -Nutzen bringen; und die andern verlassen ihn nicht, weil der -Hof ihnen Nutzen bringt. Ich gehörte nicht zur Zahl der ersteren -und wollte auch nicht zur Zahl der letzteren gehören. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Man hat Sie am Hofe natürlich verkannt. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Zu meinem eigenen Besten. Es gelang mir, -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> -mich ganz ohne Ungelegenheiten zurückzuziehen; andernfalls -hätte man mich auf die eine von zwei Arten entfernt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Auf welche? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Vom Hofe, mein Freund, entfernt man einen -auf zwei Arten: entweder man wird dir böse, oder man macht -dich böse. Ich habe weder den einen noch den andern Fall abgewartet, -denn ich war zur Einsicht gekommen, daß es sich besser -im eigenen Stübchen leben läßt als in einer fremden Antichambre. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und Sie verließen den Hof mit leeren Händen? -(<span class="dir">Öffnet seine Tabaksdose.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">nimmt eine Prise</span>). Wieso mit leeren Händen? – -Zu einem Kaufmann kamen zwei Käufer und handelten eine -Tabatière, deren Preis fünfhundert Rubel war. Der eine zahlte -das Geld und brachte die Tabatière nach Hause; der andre kam -ohne Tabatière heim. Und du glaubst, daß dieser andre mit -leeren Händen heimgekehrt sei? Du irrst: er brachte seine fünfhundert -Rubel unversehrt nach Hause ... Ich verließ den Hof, -ohne Dörfer, Bänder und Ehrentitel erhalten zu haben. Aber -mein Eigentum brachte ich heim: meine Seele, meine Ehre und -meine Grundsätze. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Männer mit Ihren Grundsätzen müßte man bei -Hofe nicht entlassen, sie im Gegenteil an den Hof rufen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Rufen? Aus welchem Grunde? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Aus demselben Grunde, aus welchem man einen -Arzt zum Kranken ruft. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Du irrst, mein Freund. Umsonst ist es, den -Arzt zu einem unheilbaren Kranken zu rufen: ihm wird er nicht -helfen, nur gar sich selber anstecken. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-2"> -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -Zweiter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Sophie.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Ganz erschöpft hat mich ihr Schreien. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Ganz die Gesichtszüge ihrer Mutter. -Das ist meine Sophie! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">Starodum anblickend</span>). Gott, er hat meinen Namen -genannt! Mein Herz täuscht mich nicht – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">sie umarmend</span>). Nein, du bist die Tochter meiner -Schwester, bist die Tochter meines Herzens! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">ihn stürmisch umarmend</span>). Onkelchen, ich bin außer mir -vor Freude! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> In Moskau, teure Sophie, erfuhr ich, daß du -hier wider deinen Willen lebst. Ich bin sechzig Jahre alt. Oft -gab es Fälle, wo ich mir zürnte, oft auch war ich mit mir zufrieden. -Nichts marterte mein Herz mehr als der Anblick einer Unschuld -in den Netzen der Arglist, und nie war ich mit mir selbst -zufriedener, als wenn es mir gelungen war, ein solches Opfer -den Krallen des Lasters zu entreißen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie wohl muß es thun, auch nur Zeuge dabei -sein zu können! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Onkelchen, Ihre Güte – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Du weißt, daß nur du mich ans Leben bindest. -Du mußt der Trost meines Alters sein, und meine Fürsorge soll -dein Glück begründen. Als ich meinen Abschied nahm, legte ich -den Grund zu deiner Erziehung; doch ich konnte dein Wohl nicht -anders begründen, als indem ich mich von deiner Mutter und -dir trennte. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ihre Abwesenheit kränkte uns unaussprechlich. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Um ihr Leben vor dem Mangel am -Notdürftigsten zu sichern, beschloß ich, mich für einige Jahre in -jenes Land zurückzuziehen, wo man Geld erwirbt, ohne sein Gewissen -dafür in den Tausch zu geben, wo man nicht durch Kriecherei -emporsteigt, wo man das Vaterland nicht beraubt; in jenes -Land, wo man das Geld der Erde selbst abverlangt, die, gerechter -als die Menschen, keine Parteilichkeit kennt und nur die Arbeit -gewissenhaft und reich belohnt. -</p> - -<p> -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie hätten, wie ich gehört, ungleich reicher werden -können. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und wozu? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Um ebenso reich zu sein wie die andern. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Reich! Wer ist denn reich? Weißt du auch, daß, -um die launischen Gelüste eines einzigen Menschen zu befriedigen, -das ganze Sibirien nicht hinreichen würde? Mein Freund, -das alles ist nur Einbildung! Folge dem Beispiel der Natur, -und du wirst niemals arm sein; gib acht auf das Gerede der -Menschen, und du wirst nie reich werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Onkelchen, wie wahr sprechen Sie! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich habe so viel erworben, daß die Armut eines -rechtschaffenen Bräutigams deiner Verbindung mit ihm kein -Hindernis in den Weg legen wird. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Zeit meines Lebens wird Ihr Wille Gesetz für mich sein. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sodann wär’s nicht übel, gleichfalls für die Kinder -einiges beiseite zu legen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Für die Kinder? Den Kindern Reichtümer hinterlassen? -Das fehlte noch! Sind sie klug, so werden sie auch ohne -Reichtum fortkommen; dummen Kindern aber kann der Reichtum -nur schaden. Ich habe Bursche gesehen in goldenen Kaftanen -und mit bleiernen Köpfen. Nein, mein Freund: bares -Geld ist noch nicht bare Tugend! Ein goldner Klotz ist und -bleibt nur ein Klotz. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Trotz alledem sehen wir, daß Reichtum oft zu -Rängen führt und Ränge zu Würden und Würden zu Hochachtung. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Hochachtung? Nur eine Hochachtung muß dem -Menschen schmeichelhaft sein – diejenige, welche seiner Seele gezollt -wird. Und nur der ist dieser Seelenhochachtung wert, dessen -Ränge nicht dem Gelde, dessen Würden nicht den Rängen ihre -Entstehung verdanken. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Dagegen läßt sich nichts einwenden. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ei, was ist denn das für ein Lärm? -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-3"> -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -Dritter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Frau Prostakowa</span>, <span class="character">Skotinin</span> und <span class="character">Milon</span>. (Letzterer trennt -Frau Prostakowa von Skotinin.) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Laß mich, laß! Bis zur Fratze nur, bis -zur Fratze – -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Ich lasse Sie nicht, Madame. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">zornig, die Perücke ordnend</span>). Kleb ab, Schwester! Oder -ich biege dich, daß dir alle Gelenke knacksen! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">zu Prostakowa</span>). Und Sie haben vergessen, daß es Ihr -Bruder ist? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ich bin wütend, ich muß mich sattprügeln! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">zu Skotinin</span>). Ist das nicht Ihre Schwester? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ja, leider stammen wir von Einer Brut, und -dennoch heult sie wider mich. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">der sein Lachen nicht mehr zurückhalten kann, zu Prawdin</span>). -Ich befürchtete zornig zu werden und muß nun lachen! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Lachen? Über wen lachen? Was ist denn -das für ein Vogel? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nimm mir’s nicht übel: aber zeit meines Lebens -hab’ ich nichts Lächerlicheres gesehn. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">sich den Nacken reibend</span>). Der hat gut lachen! Mir -ist halbwegs nicht lächerlich zu Mut. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Hat ein Schlag getroffen? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Das Gesicht hab’ ich mir mit den Händen geschützt, -und da hat sie sich mir ins Genick eingekrallt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Schmerzt es? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Zerkratzt hat sie mich. (<span class="dir">Während der folgenden Worte -der Frau Prostakowa wird Milon von Sophie durch Blicke bedeutet, daß -vor ihnen Starodum stehe; Milon versteht sie.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Zerkratzt! ... Nein, Bruder, ein Heiligenbild -kauf dir auf den Namen des Herrn Offiziers: hätt’ er -dich nicht beschützt – du wärst mir nicht mit heiler Haut davongekommen! -Wenn ich den Sohn verteidige, werde ich meinen -leiblichen Vater nicht schonen! (<span class="dir">Zu Starodum.</span>) Und daran ist -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -gar nichts Lächerliches! Ich habe ein Mutterherz in der Brust. -Ist’s erhört, daß eine Hündin ihre Jungen preisgibt? ... -Kommt da weiß Gott wer und weiß Gott zu wem – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">auf Sophie weisend</span>). Gekommen ist ihr Onkel -Starodum. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">erschrocken</span>). Wie? Du bist’s? ... O, hochwillkommener -Gast! Ich Thörin, ich Närrin! War das ein -Empfang für einen Vater, auf dem unsre ganze Hoffnung ruht, -der uns teuer ist wie unser Augapfel?! ... Verzeihe, verzeihe mir -Närrin! ... Ich kann gar nicht zu mir kommen! ... Wo ist -mein Mann? ... Wo ist mein Sohn? ... Es ist ja, als wärest -du in ein unbewohntes Haus gekommen! Gottes Strafgericht! -Den Kopf haben alle verloren! ... He, Magd, Magd, -Palaschka, Magd! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Soso! Er ist’s, der Onkel! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-4"> -Vierter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Jeremejewna.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Was steht zu Befehl? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Bist du die Magd, du Hundetochter? -Hab’ ich im Hause außer deiner elenden Fratze eine Magd? -Wo ist Palaschka? -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Erkrankt, liegt seit dem Morgen zu Bette. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Sie liegt? Ach, die Bestie! Liegt, als -wenn sie eine Adelige wäre! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Sie hat starkes Fieber und phantasiert unaufhörlich. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Die Bestie phantasiert! Als wenn sie -eine Adelige wäre! So rufe den Mann, den Sohn! Sage -ihnen, daß durch Gottes Güte unsre Erwartung in Erfüllung -gegangen ist: der teure Onkel unsrer lieben Sophie ist angekommen, -unser zweiter Vater ist bei uns zu Besuch, gedankt sei -dem Himmel! Nun, mach fort, rühr dich! (<span class="dir">Jeremejewna schnell ab.</span>) -</p> - -<p> -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -<span class="character">Starodum.</span> Wozu der Lärm? Gottes Güte hat mich nicht -Ihr Vater werden lassen, und dank der Güte Gottes bin ich -Ihnen auch gar nicht bekannt. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Dein plötzliches Erscheinen, Väterchen, -hat mich um den Verstand gebracht. So laß dich doch wenigstens -ordentlich umarmen, du unser Wohlthäter! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-5"> -Fünfter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Prostakow</span>, <span class="character">Mitrofan</span> und <span class="character">Jeremejewna</span>. -</p> - -<p class="dir"> -(Während der nachfolgenden Worte Starodums haben sich Prostakow und -Sohn, die durch die Mittelthür eingetreten waren, hinter den Rücken Starodums -gestellt. Der Vater will ihn umarmen, sobald die Reihe an ihn kommt, -der Sohn – die Hand küssen. Jeremejewna hat seitwärts Platz genommen -und steht mit übers Kreuz geschlagenen Armen regungslos da, die Blicke starr -auf Starodum gerichtet und jedes seiner Worte mit kriechender Aufmerksamkeit -verfolgend.) -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">ungern die Prostakowa umarmend</span>). Ganz überflüssige -Güte, Madame, ohne die ich recht gut auskommen könnte! -(<span class="dir">Reißt sich aus der Umarmung und wendet sich nach der Seite Skotinins, -der schon mit ausgebreiteten Armen dagestanden und ihn nun umfängt.</span>) -Zu wem bin ich nun geraten? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich bin’s, meiner Schwester Bruder. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">der noch zweie bemerkt, mit Ungeduld</span>). Und wer -ist das? -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">ihn umarmend</span>). Ich bin der Mann meiner Frau.</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Zugleich.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">seine Hand küssend</span>). Und ich meiner Mutter Söhnchen.</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Jetzt werde ich mich nicht vorstellen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Milon</span>). Ich werde Gelegenheit finden, dich später -vorzustellen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">Mitrofan die Hand entziehend</span>). Dieser sucht die Hand -zu küssen: man sieht, welch edle Seele in ihm herangebildet -wird! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Sprich, mein Liebling: „Wie sollt’ -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -ich, Herr, deine Hand nicht küssen – du bist ja mein zweiter -Vater.“ -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Wie sollt’ ich, lieber Onkel, deine Hand nicht -küssen – du bist ja mein Vater! (<span class="dir">Zur Mutter.</span>) Welcher war’s -doch? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Der zweite. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Der zweite? Der zweite Vater, lieber Onkel. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich bin, mein Bester, weder dein Vater noch dein -Onkel. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Väterchen, der liebe Junge prophezeit -sich vielleicht sein Glück: wer weiß, mit Gottes Hilfe könnte er -ja dein Neffe werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wirklich? Und ich bin zu schlecht für den Neffen? -O Schwester! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ich will, Bruder, mich mit dir nicht -herumbeißen. (<span class="dir">Zu Starodum.</span>) Noch nie im Leben, Väterchen, -hab’ ich mit jemand gezankt. Mein Charakter ist: und werd’ ich -noch so sehr beschimpft, nie sag’ ich ein Wort dagegen. Gott -wird’s denjenigen schon heimzahlen, die mich Arme beleidigen! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Das hab’ ich gleich bemerkt, als du nur zur -Thür hereintratst. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich bin schon drei Tage Zeuge ihres sanften -Charakters. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Dieses Vergnügen werd’ ich nicht so lange genießen -können. Liebe Sophie, morgen fahren wir mit dir nach -Moskau. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> O Väterchen, wofür zürnst du uns? -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Wofür diese Ungnade? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wie? Wir sollten von Sophiechen scheiden, -unserm Herzenskinde? Ich werde vor Kummer Hungers -sterben! -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Das ist mein Tod! Schon fühl’ ich – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Da ihr sie so liebt, so muß ich euch eine Freude -bereiten: ich bringe sie nach Moskau, um dort ihr Glück zu gründen. -Mir ist ein sehr würdiger junger Mensch als Bräutigam -für sie empfohlen worden; ihn auch soll sie heiraten. -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Er bringt mich um!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="4">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="4">(<span class="dir">Gleichzeitig.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Milon.</span> Was hör ich? (<span class="dir">Sophie ist bestürzt.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Skotinin.</span> Saubere Bescherung! (<span class="dir">Prostakow schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Mitrofan.</span> Da haben wir’s! (<span class="dir">Jeremejewna nickt traurig mit dem Kopfe. Prawdin scheint erstaunt und erzürnt.</span>)</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">die Bestürzung aller gewahr werdend</span>). Was heißt das? -(<span class="dir">Zu Sophie.</span>) Liebe, gute Sophie, auch du scheinst bestürzt? Hat -dich wirklich mein Plan gekränkt? Ich vertrete Vaterstelle an -dir, und glaube mir, daß ich meine Rechte kenne. Sie gehen -nicht weiter, als eine unglückbringende Neigung der Tochter abzuwenden; -die Wahl eines würdigen Mannes jedoch hängt ganz -von ihrem eigenen Herzen ab. Beruhige dich, mein Freund! -Ein Mann, der deiner würdig ist – er mag sein, wer er will – -wird stets einen aufrichtigen Freund an mir haben. Heirate nach -eigener Wahl. (<span class="dir">Die Mienen aller verklären sich.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Onkelchen, zweifeln Sie nicht an meinem Gehorsam. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">für sich</span>). Der Ehrenmann! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">fröhlich</span>). Das ist ein Vater! Ein Freude, -ihn zu hören! Heirate nach eigener Wahl, nur muß der Mann -deiner würdig sein. Ganz recht, Väterchen, ganz richtig! Man -muß nur den Bräutigam nicht verpassen! Hat man einen Edelmann -vor sich, einen jungen Menschen – -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Der längst kein Kind mehr ist – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Dessen Vermögen zwar nicht groß – -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Dessen Schweinezüchterei jedoch ansehnlich – -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Dann Glück auf den Weg und fort in die Erzengelkirche!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Zusammen.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Skotinin.</span> Ein fröhlicher Schmaus und die Hochzeit gefeiert!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Eure Ratschläge sind uneigennützig, seh’ ich. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Lerne mich nur näher kennen und du wirst dein -Wunder sehn! Du siehst selbst – hier herrscht ja Sodom und -Gomorra. Darum will ich nach einem Stündchen bei dir allein -vorsprechen, und dann schließen wir das Geschäft ab! Ohne -Ruhm zu sagen – solcher wie ich gibt’s wenige! (<span class="dir">Ab.</span>) -</p> - -<p> -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -<span class="character">Starodum.</span> Das will ich gern glauben! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wundere dich nicht über den Bruder – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Er ist Ihr Bruder? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Mein leiblicher Bruder, Väterchen: auch -ich bin ja eine geborne Skotinin. Mein seliger Vater heiratete -meine selige Mutter; ihr Familienname war Priplodina. Wir -waren unser achtzehn Geschwister, doch alle, mit Ausnahme von -mir und meinem Bruder, sind nach dem Willen Gottes gestorben: -ein paar hat man tot aus der Badstube gezogen; dreie verendeten, -nachdem sie Milch aus einem kleinen kupfernen Kessel -getrunken hatten; zweie stürzten zu Pfingsten vom Glockenturm, -und die übrigen starben von selbst. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich kann mir vorstellen, was Ihre Eltern für -Menschen waren. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Leute aus der guten alten Zeit. Ja, -das waren damals andre Zeiten! Wir erhielten gar keine Bildung. -Manchmal kamen die Nachbarn und quälten, quälten -den Vater, daß er doch wenigstens den Bruder zur Schule schickte -– aber umsonst: der teure Verstorbene wehrte sich dagegen mit -Händen und Füßen, Gott hab’ ihn selig. Mitunter schrie er: -„Ich verfluche das Kind, welches irgend etwas diesen heidnischen -Federfüchsen ablernt, und will nicht Skotinin heißen, wenn ich -nicht jedem meiner Kinder die Lust zum Lernen ausprügele.“ -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie kommt’s denn, daß Sie Ihren Sohn aus -diesem und jenem unterrichten lassen? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wir leben in einer andern Zeit, mein -Bester. (<span class="dir">Zu Starodum.</span>) Den letzten Bissen vom Munde opfern -wir, damit nur unser Sohn alles erlerne. Tagelang sitzt mein -armer Mitrofan über den Büchern. Mein Mutterherz blutet, -aber ich tröste mich mit dem Gedanken: dafür ist er auch mit der -Zeit ein gemachter Mann! Am heiligen Nikolaus-Tage im Winter -wird er sechzehn Jahr alt. Ein Bräutigam wär’ er, wie man -sich keinen bessern wünschen kann, aber noch immer kommen -Lehrer, lassen keine Stunde unbenutzt vergehn; so warten auch -jetzt zweie im Flur. (<span class="dir">Macht Jeremejewna ein Zeichen, sie hereinzurufen.</span>) -Und in Moskau haben wir gar einen Ausländer auf sechs -Jahre engagiert und einen Kontrakt in der Polizei abgeschlossen, -damit ihn nicht andre zu sich herüberlocken. Er erbot sich, Mitrofan -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> -aus allem, das wir nur wünschen, zu unterrichten; wir -jedoch sind der Ansicht, er solle daraus unterrichten, was er selber -versteht und kennt. Ja, unsre Elternpflicht haben wir durchaus -erfüllt: haben einen deutschen Hauslehrer, dem wir das Geld -für drei Monate vorausbezahlen. Von Herzen gern würd’ ich -es sehn, wenn du selber, Väterchen, dich überzeugen wolltest, -was unser Mitrofan alles gelernt hat. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich bin hierin kein Kenner. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">Kutejkin und Zyfirkin erblickend</span>). Da sind -auch die Lehrer. Hab’ ich’s nicht gesagt, daß mein armer Mitrofan -weder Tag noch Nacht Ruhe hat? Ich will mein eigenes -Kind nicht loben, aber eines kann ich sagen: glücklich das Mädchen, -das ihn zum Manne bekommt! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Das ist alles ganz schön: aber vergessen Sie doch -nicht, daß unser Gast soeben erst aus Moskau angekommen ist -und weit mehr der Ruhe bedarf als der Lobeserhebungen Ihres -Sohnes. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ja, ich gestehe, daß ich sowohl von der Reise -ausruhen möchte als auch von all dem, das ich gehört und -gesehn. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ach, Väterchen, alles ist bereit; ich selber -habe dir das Zimmer in Ordnung gebracht. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich danke. Sophiechen, begleite mich. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wie, und wir? Erlaube, Väterchen, -daß sowohl ich als auch mein Sohn und mein Mann dich begleiten! -Zu Fuß wollen wir alle nach Kijew pilgern und dort für -deine Gesundheit beten, wenn nur unser Geschäftchen zu stande -kommt! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Wann sehen wir uns? Nach einem -kurzen Schläfchen bin ich wieder hier. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> So werde ich auch die Ehre haben, Sie hierselbst -zu sehn. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Das freut mich. (<span class="dir">Erblickt Milon, der ihn ehrfurchtsvoll -grüßt, und erwidert höflich den Gruß.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Also bitte, bitte. (<span class="dir">Alle gehen ab: Prawdin -und Milon nach der einen Seite, die übrigen nach der andern. Die Lehrer -bleiben.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-6"> -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -Sechster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Kutejkin</span> und <span class="character">Zyfirkin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Eine Satanswirtschaft das! Von früh an treib’ -ich mich hier zwecklos herum. Auf solche Art muß jeder Morgen -hier verwelken und verdorren. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Unsereiner hat’s seine Lebtage nicht anders: blutwenig -gibt’s für uns zu thun. Ein Unglück aber ist, daß wir so -schlecht gefüttert werden, wie es denn beispielsweise heute zu -Mittag an Proviant mangelte. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Hätte mich nicht der Herr erleuchtet, auf dem -Hierherwege bei unsrer Hostienbäckerin einzukehren, ich würde -jetzt heulen wie ein Hund. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Unsre Brotherrn sind mir nette Herrschaften! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Hast du gehört, Bruderherz, welch ein Leben das -hiesige Gesinde hat? Wohl hast du gedient, bist in mancher -Schlacht gewesen, doch Furcht und Zittern würde dir ankommen -und Grauen dich befallen, wenn – -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Bah, ob ich’s gehört? Mit eigenen Augen sah -ich hier ein stundenlanges Lauffeuer. (<span class="dir">Seufzend.</span>) Ach, traurig -wird mir zu Sinn! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Wehe mir Sünder! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Worüber seufzest du, Ssidorytsch? -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Auch dein Herz ist betrübt, Pafnutjitsch? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Unwillkürlich wird man schwermütig. Da hat -mir Gott einen Schüler beschert, einen Edelmann. Das dritte -Jahr nun quäl’ ich mich mit ihm ab, und noch kann er keine -drei zählen. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> So haben wir beide Einen Kummer. Das vierte -Jahr kastei’ ich meinen Leib. Keine neue Zeile kann der Junge -aus der Fibel lesen, ist nur im stande, das Gelesene zu repetieren, -und auch hierbei sogar kaut er die Worte ohne Sinn und -Verstand. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Und wer ist schuld? Kaum hat er den Griffel in -der Hand, erscheint der Deutsche in der Thür. Den Jungen erlöst -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -man von der Schiefertafel, und mich möchte man vor die -Thür setzen. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Auch nicht meine Schuld ist’s. Kaum nehm’ ich -den Bleistift zwischen die Finger, tritt mir der Heide vor die -Augen. Dem Schüler wird der Kopf gestreichelt und dem Lehrer -eins ins Genick versetzt. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin</span> (<span class="dir">eifrig</span>). Ein Ohr ließe ich mir abhauen, könnt’ ich -diesem Schmarotzer nach Soldatenart Räson beibringen. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Geißeln ließe ich mich, könnt’ ich dem Barbaren -den Hals brechen. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-7"> -Siebenter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Frau Prostakowa</span> und <span class="character">Mitrofan</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Derweilen er schläft, solltest du doch -wenigstens zum Schein etwas lernen, mein Liebling, damit es -zu seinen Ohren komme, wie fleißig du bist. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Nun, und dann? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Und dann heiratest du. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Höre, Mutter: ich will dir das Vergnügen -machen, werde ein wenig lernen – doch soll’s das letzte Mal sein, -noch heute muß die Verlobung stattfinden! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Die Stunde wird kommen, wenn Gott -will, wo – -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Die Stunde ist gekommen, wo ich will! Ich -will nicht lernen, will heiraten! Du selber hast mich so weit -gebracht, schreib’s dir selber zu ... Nun, da sitz’ ich. (<span class="dir">Zyfirkin -spitzt den Griffel an.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Und ich will mich hier nebenan setzen -und dir ein Beutelchen stricken, damit du etwas hast, wohin -Sophiechens Geld zu legen. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Nun, her mit der Tafel, du Garnisonratte! -Was soll ich schreiben? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Ew. Gnaden beißen sich immer ohne Ursache herum. -</p> - -<p> -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">arbeitend</span>). Du mein Gott! Der gute -Junge darf Pafnutjitsch kein einziges Scheltwort sagen – gleich -wird der Mann böse! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Böse? Nicht doch, Ew. Gnaden. Ein russisches -Sprichwort sagt: Bellt der Hund, verweht’s der Wind. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Nun, was soll ich repetieren? Rühr dich! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Beim ewigen Repetieren kann man nicht avancieren. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ist nicht deine Sache, Pafnutjitsch. Es -ist mir sehr lieb, daß Mitrofan nicht avancieren will: mit seinem -Verstande und hoch avancieren – Gott verhüt’ es! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Die Aufgabe lautet: Du und ich gingen mal auf -der Landstraße und mit uns – nun, sagen wir – Ssidorytsch. -Wir fanden alle drei – -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">schreibt</span>). Drei. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Unterwegs dreihundert Rubel. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">schreibt</span>). Dreihundert. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Darauf ging’s ans Teilen ... Nun berechne -mal, wieviel ein jeder von uns zu bekommen hat. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">rechnet flüsternd</span>). 1 × 3 = 3; 1 × 0 = 0 ... -1 × 0 = 0 ... -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was, was wird da geteilt? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Gefundene dreihundert Rubel sollen unter drei -Personen geteilt werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Unsinn, mein Herz! Hast du Geld gefunden, -so teil’s mit keinem, behalt alles! Lerne nicht diese -blödsinnige Wissenschaft, mein Junge! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Hörst du, Pafnutjitsch? Ein andres Exempel! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Nun, schreibe. Für den Unterricht bekomm’ ich -jährlich zehn Rubel. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">schreibt</span>). Zehn. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Jetzt ist’s freilich herausgeworfenes Geld. Doch -gesetzt den Fall, du würdest etwas von mir lernen, – so wär’ -es kein Unglück, wenn noch zehn zugelegt würden. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">schreibt</span>). Nun ... nun, zehn. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Wieviel macht’s denn im Jahr aus? -</p> - -<p> -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">rechnet flüsternd</span>). 0 + 0 = 0, 1 + 1 ... -(<span class="dir">versinkt in Nachdenken</span>). -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Bemühe dich nicht unnütz, mein Bester: -werde keinen Groschen zulegen. Wär’ auch ganz unnütz – die -Wissenschaft ist nicht danach: du, armer Junge, wirst nur gequält, -während das Ganze ein Unsinn ist. Ist kein Geld da, -so braucht’s auch nicht gezählt zu werden; ist’s da, so werden -wir’s auch ohne Pafnutjitsch sehr gut zusammenzählen. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Fertig, Pafnutjitsch! Zwei Exempel sind gelöst – -kontrolliert werden sie ja doch nicht. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Habe keine Sorge: Mutter wird sich schon nicht -verzählen! ... Nun laß uns das Gestrige wiederholen. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">Öffnet das Gebetbuch</span>). Nun vorwärts mit Gottes -Segen! ... Sprich mir aufmerksam nach ... Ich bin ein Wurm. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Ich bin ein Wurm. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Ein Wurm, das heißt ein Tier, ein Vieh. Das -heißt: ich bin ein Vieh. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Ich bin ein Vieh. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">mit belehrendem Ton</span>). Und kein Mensch. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">ebenso</span>). Und kein Mensch. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Ein Spott der Leute. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Ein Spott der Leute. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Und veracht – -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-8"> -Achter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> und <span class="character">Wralmann</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> O! o! o! o! Jetzt seh’ ich’s! Ins Grab bringen -will man das Kind! Mutter, erbarme dich der Frucht deines -Leibes, die du neun Monate in deinem Schoß herumgeschleppt -hast, sozusagen ein achtes Wunder der Welt! Gibst du ihnen -noch länger Freiheit, den verfluchten Bösewichtern – wie bald -ist aus einem solchen Kopf ein Klotz gemacht! Das Kind ist -schon disponiert dazu, hat alle Anlagen! -</p> - -<p> -<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wahrheit sprichst du, Adam Adamytsch ... -Liebes Kind, wenn das Lernen deinem teuren Kopfe so schädlich -ist, so bin ich der Ansicht, daß du aufhörst zu lernen. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Dieser Ansicht bin ich schon lange. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">das Buch schließend</span>). Fertig, und Ehre sei Gott in -der Höh’. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Verehrteste, Teuerste, Beste – was willst du? -Wie dein Sohn auch sein mag – aber er ist gesund; was hilft’s -dir, wenn du einen weisen Sohn hast, sozusagen einen Arestotilis, -und er steht mit einem Fuß im Grabe? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Das ist ja entsetzlich, Adam Adamytsch! -Und er hat noch gestern so unakkurat zu Abend gegessen. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Bedenke nur, Werteste: schon ein überladener -Magen ist ein Unglück. Wie nun, wenn sein Kopf, der doch viel -schwächer ist als sein Magen – Gott schütze vor Unglück – -überladen wird, was dann? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wahrheit sprichst du, Adam Adamytsch! -Aber was thun? Wenn der Knabe, ohne etwas gelernt zu haben, -nach Petersburg kommt, so wird man ihn einen Dummkopf -nennen! Heutzutage gibt’s zu viele Kluge, und diese gerade -fürchte ich. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Warum sie fürchten, Verehrteste? Ein vernünftiger -Mensch wird nie mit ihm anbinden, wird nie mit -ihm in Meinungsstreit kommen; er aber soll auch mit klugen -Menschen keine Gemeinschaft suchen, und der Segen des Himmels -wird auf ihm ruhn. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> So mußt du auf der Welt leben, Mitrofan. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Ich selbst, Mutter, bin kein Freund von klugen -Menschen; nur gleich und gleich gesellt sich gern. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Natürlich lebt sich’s am besten unter seinesgleichen, -sozusagen in eigener Gesellschaft. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Aber, Adam Adamytsch – aus wem -willst du denn diese Gesellschaft bilden? -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Besorge nicht, Verehrteste, besorge nicht: Solcher, -wie dein teurer Sohn, gibt’s auf Erden Millionen! Wie -sollte er sich da keine Gesellschaft finden? -</p> - -<p> -<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Er ist zwar mein Sohn, aber dennoch -ein findiger, gewandter Junge. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Jammerschade nur, daß er sich halbtot hat -lernen müssen! Russische Grammatik! Arithmetik! Ach, du -lieber Gott! Wie dabei noch die Seele im Leibe bleibt?! Als ob -ein russischer Edelmann ohne die russische Grammatik in der -Welt nicht avancieren könnte! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Daß dir der Pips an der Zunge wüchse! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Als ob früher die Menschen ohne die Arithmetik -lauter Dummköpfe gewesen wären! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Ich will dir schon deine Rippen zählen, -wart du nur! Dich krieg’ ich schon! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Wissen muß man, wie man auf der Welt leben -soll. Und ich kenne die Welt auswendig, ich bin ein geriebener -Vogel! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wie solltest du die Welt nicht kennen, -Adam Adamytsch! Wieviel du allein in Petersburg gesehn -haben magst! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Genug, Verehrteste, genug! Ich hab’s immer -geliebt, mir das Publikum anzusehn. Sobald die Herrschaften -in ihren Wagen am Feiertag nach Katharinenhof kamen, hatte -ich vollauf zu sehen. Manchmal stieg ich stundenlang nicht vom -Bock. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Von welchem Bock? -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">für sich</span>). O, o, o – was hab’ ich da gesagt! -(<span class="dir">Laut.</span>) Du weißt, Verehrteste, daß man am besten sieht, wenn -man recht hoch sitzt. So kletterte ich denn manchmal auf den -Wagen eines Bekannten und sah mir vom Bock aus die große -Welt an. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Freilich sieht man auf solche Weise besser. -Ein kluger Mensch weiß, wohin er steigt. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Auch dein teurer Sohn wird noch in der Welt -steigen: die Menschen zu sehn und sich selber zu zeigen ... -Prachtjunge! (<span class="dir">Mitrofan dreht sich herum, auf demselben Platz stehen -bleibend.</span>) Prachtjunge! Kann nicht stille stehn, gleich einem -wilden Roß ohne Zaum ... Nun, fort! (<span class="dir">Mitrofan läuft fort.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">freudig lächelnd</span>). Ist doch noch ein wahres -<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -Kind, obgleich schon Bräutigam! Muß doch nachsehn, daß er in -seinem Mutwillen den teuren Gast nicht belästige. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Geh, Verehrteste, geh. Um diesen losen Vogel -zu überwachen, muß man seine Augen überall haben. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> So lebe denn wohl, Adam Adamytsch. -(<span class="dir">Ab.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-5-9"> -Neunter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Wralmann</span>, <span class="character">Kutejkin</span> und <span class="character">Zyfirkin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin</span> (<span class="dir">höhnend</span>). Affenfratze! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">ebenso</span>). Du Sprichwort und Spott unter allen -Völkern! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Nun, was fletscht ihr die Zähne, ihr ungebildeten -Menschen?! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin</span> (<span class="dir">schlägt ihn auf die Schulter</span>). Und was ziehst du die -Augenbrauen zusammen, du finnische Eule? -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Au, das ist eine eiserne Tatze! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">ihn gleichfalls auf die Schulter schlagend</span>). Uhu verfluchter! -Was rollst du deine Glotzaugen? -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">für sich</span>). Ich bin verloren! (<span class="dir">Laut.</span>) Spottet ihr -mein, Kameraden? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Selber issest du hier unverdientes Brot und hinderst -andere, etwas zu thun! Dummes Gesicht! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Eitel Hoffart redet deine Zunge, du Gottloser. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">sich von seinem Schrecken erholend</span>). Wie wagt ihr’s, -gegen eine gebildete Person unhöflich zu sein? Ich werde um -Hilfe schreien. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Gleich werden wir dir unsre Hochachtung bezeigen: -ich mit der Tafel – -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Und ich mit dem Buche. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Ich werde euch bei der gnädigen Frau verklagen! -(<span class="dir">Zyfirkin holt mit der Tafel aus, Kutejkin mit dem Buche.</span>) -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a><span class="character">Zyfirkin.</span> Deine Fratze will ich dir zerfleischen!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Gleichzeitig.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Kutejkin.</span> Ich zerschmettere des Gottlosen Zähne! (<span class="dir">Wralmann flieht.</span>)</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Aha, da läuft der Hasenfuß! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Hebe dich hinweg, Gottverfluchter! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">in der Thür</span>). Was nun, ihr Bestien? Steckt -mal eure Nase hierher! -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Hast Reißaus genommen! Wir würden dich schon -durchgewalkt haben! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Ich fürchte euch nicht, jetzt fürcht’ ich euch -nicht! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Geborgen hat sich der Gottlose! Hast du noch -viele von deinem Heidengesindel in der Nähe? Rufe sie alle! -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Wralmann.</span> Seid mit Einem nicht fertig geworden! Nun, was, habt ihr’s?</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="3">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="3">(<span class="dir">Durcheinanderschreiend.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Zyfirkin.</span> Ich allein werde mit zehn Mann fertig!</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Kutejkin.</span> Frühe vertilge ich alle Gottlosen im Lande!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<div class="chapter"> - -<h2 class="act" id="chapter-0-6"> -<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -Vierter Aufzug. -</h2> - -</div> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-1"> -Erster Auftritt. -</h3> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">allein; sieht auf die Uhr</span>). Der Onkel muß bald herkommen. -(<span class="dir">Setzt sich, nimmt ein Buch und liest ein wenig.</span>) Das ist -wahr: wie sollte das Herz nicht zufrieden sein, wenn das Gewissen -ruhig ist? (<span class="dir">Liest wieder.</span>) Man muß die Gesetze der Tugend -lieben: sie führen zum Glück. (<span class="dir">Liest noch einige Zeilen, erblickt -Starodum und eilt ihm entgegen.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-2"> -Zweiter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Sophie</span> und <span class="character">Starodum</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ach, du bist schon hier, mein Herz? -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ich habe Sie erwartet, Onkelchen, und derweil ein -Buch gelesen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Welches? -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ein französisches: Fénelons „Mädchenerziehung“. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Fénelons, des Verfassers des „Telemach“? Das -muß ein gutes Buch sein. Ich kenn’ es zwar nicht, jedoch lies -es nur. Wer den „Telemach“ geschrieben, dessen Feder kann -keine Sittenverderberin sein. Die modernen Schöngeister machen -mich für die jungen Mädchen fürchten. Ich habe sie alle gelesen, -soweit sie ins Russische übersetzt sind. Es ist wahr: sie rotten -die Vorurteile aus, rütteln jedoch bedenklich an den Wurzeln -der Moral. Setzen wir uns. (<span class="dir">Sie setzen sich.</span>) Mein innigster -Wunsch ist, dich so glücklich zu wissen, wie man auf Erden nur -immer glücklich sein kann. -</p> - -<p> -<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a> -<span class="character">Sophie.</span> Ihre Lehren, Onkelchen, werden mein ganzes Glück -begründen. Geben Sie mir Lehren, denen ich folgen soll. Leiten -Sie mein Herz, es gehorcht Ihnen gern. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Deine Herzensneigung ist mir teuer. Mit Freuden -will ich dir meine Ratschläge erteilen. Höre mir mit einer -Aufmerksamkeit zu, die der Aufrichtigkeit meiner Rede gleichkommt. -Rücke näher. (<span class="dir">Sophie nähert ihm ihren Stuhl.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Onkelchen, jedes Ihrer Worte wird sich tief meinem -Herzen einprägen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Du stehst jetzt in dem Alter, wo die Seele ihres -ganzen Seins genießen, die Vernunft lernen, das Herz empfinden -will. Du trittst jetzt in die Welt, wo der erste Schritt oft für -das ganze Leben entscheidend ist, wo oft eine in ihren Begriffen -demoralisierte Vernunft, ein in seinen Gefühlen demoralisiertes -Herz die erste Begegnung bildet. O mein Freund, lerne unterscheiden, -lerne zu denen halten, deren Freundschaft dir das Wohl -deiner Vernunft und deines Herzens verbürgt. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Mein ganzes Streben wird darnach gerichtet sein, -die Achtung würdiger Menschen zu erwerben. Wie jedoch mach’ -ich’s, daß diejenigen, die ich meide, mir dafür nicht zürnen? -Gibt es nicht ein Mittel, daß mir kein Mensch auf Erden gram -sei? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Die Abneigung Unwürdiger muß nicht kränkend -sein. Wisse, daß man nie demjenigen Böses wünscht, den man -verachtet; im Gegenteil: man wünscht Böses dem, der selber -das Recht hat, zu verachten. Die Menschen beneiden einander -nicht allein um Reichtum und Rang: auch die Tugend hat ihre -Neider. Diese geben sich alle Mühe, ein unschuldiges Herz zu -verderben, um es bis zu sich herab zu erniedrigen; und die Vernunft -wird verderbt, damit sie im Unwürdigen ihr Glück ersehe. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ist es denn möglich, lieber Onkel, daß es auf der -Welt solche bedauernswerte Menschen gibt, in deren Herzen eine -lasterhafte Empfindung dadurch entsteht, daß ein andrer nicht -lasterhaft empfindet? Ein tugendhafter Mensch muß solche Unglückliche -bedauern. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Es ist wahr, sie sind bedauernswert: doch darum -setzt ein tugendhafter Mensch seinen Weg unbeirrt fort. Denke -nur, welch ein Unglück es wäre, wenn die Sonne aufhören -würde zu scheinen, bloß um schwache Augen nicht zu blenden! -</p> - -<p> -<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> -<span class="character">Sophie.</span> Aber sagen Sie mir, bitte, ob die Menschen selber -die Schuld tragen an der Lasterhaftigkeit ihrer Seele? Kann -denn ein jeder Mensch tugendhaft sein? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Glaube mir, daß jedermann genügend Kraft -finden kann, um tugendhaft zu sein. Man muß nur recht wollen, -und leicht wird es dann fallen, das zu unterlassen, wofür in der -Folge das Gewissen Vorwürfe machen könnte. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Wer denn wird einen Menschen warnen, wer ihn -an einer That verhindern, die Gewissensbisse zur Folge haben -könnte? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wer ihn warnen wird? Wiederum das Gewissen. -Ja, das Gewissen warnt stets als Freund früher, bevor es als -Richter bestraft. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Dann muß ja jeder lasterhafte Mensch verachtungswert -sein, wenn er wissentlich etwas Böses verübt. Dann muß -seine Seele recht niedrig sein, wenn sie sich nicht über die böse -That erheben kann. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und seine Vernunft muß keine Vernunft sein, -wenn sie ihr Glück in etwas Unwürdigem ersieht. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Mir scheint, lieber Onkel, daß alle Menschen einerlei -Meinung sind, worin das Glück bestehe. Ehrenauszeichnungen, -Reichtum – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ganz recht, mein Freund. Auch ich will einen -Mann, der reich ist und ausgezeichnet wird, glücklich heißen. -Doch wollen wir erst untersuchen, wer denn ausgezeichnet wird -und reich ist. Ich habe hierüber mein eigenes Urteil. Den Ruhm -bemesse ich nach den Thaten, die ein berühmter Mensch zum Besten -seines Vaterlandes gethan, und nicht nach den Thaten, die in -selbstsüchtigem Ehrgeiz ihre Quelle haben; ich bemesse den Ruhm -nicht nach der Anzahl der Menschen, die in des Gefeierten Vorzimmer -einander drängen und stoßen, sondern nach der Zahl -jener Menschen, die mit seinem Betragen, mit seinen Handlungen -zufrieden sind. Ein derart ausgezeichneter Mensch ist in der -That glücklich. – Ferner ist meiner Ansicht nach, nicht derjenige -reich, der sein Geld abzählt, um es in Kisten und Spinden zu verwahren, -sondern derjenige gilt mir reich, der sein überflüssiges -Geld abzählt, um den Bedürftigen zu helfen. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Wie wahr ist das alles! ... Wie oft betrügt uns -<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a> -der äußere Schein! Ich selbst hatte mehrfach Gelegenheit zu sehen, -wie man denjenigen beneidet, der etwas bei Hofe sucht und daselbst -etwas bedeutet. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und die Neider wissen nicht, daß jede Kreatur -bei Hofe etwas sucht und sogar etwas bedeutet; sie wissen es nicht, -daß bei Hofe jedermann Höfling ist und Höflinge hat. Nein, hier -ist nichts zu beneiden: ohne Ehrenhandlungen ist ein Ehrenstand -ein Unding. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Gewiß, Onkel. Und ein derart ausgezeichneter -Mensch macht keinen, außer sich selber, glücklich. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wie? Ist denn derjenige glücklich, der allein, -vereinsamt glücklich ist? Wisse, daß, so groß auch sein Ruhm -sei, er doch niemals vollständige Glückseligkeit empfinden kann. -Stelle dir einen Menschen vor, der seinen ganzen Ruhm nur -dazu benutzen wollte, um es selber gut zu haben, der es auch -erreichte, daß für ihn selber nichts mehr zu wünschen übrigbliebe; -dann würde ja seine ganze Seele nur ein Gefühl mit sich herumtragen -– die Furcht, früher oder später von der Höhe seines Glücks -gestürzt zu werden. Sage nun, mein Freund, ob derjenige glücklich -ist, der nichts mehr zu wünschen hat und nur fürchten kann? -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ich sehe nun den Unterschied zwischen dem Glücklichscheinen -und Glücklichsein. Aber es ist mir unbegreiflich, -wie ein Mensch immer nur an sich denken kann! Bedenkt man -denn nicht, daß man andern verpflichtet ist? Wo bleibt denn der -Verstand, auf den man sich so viel zu gute thut? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Sich etwas auf den Verstand zu gute thun? -Ein Verstand, der nur Verstand ist, will noch gar wenig bedeuten! -Es gibt Menschen, die bei bedeutendem Verstande -schlechte Ehemänner, schlechte Väter, schlechte Bürger sind. -Wert verleiht dem Verstande nur die Tugend: ohne Tugend ist -auch ein kluger Mensch ein Ungeheuer. Sie steht unendlich -höher als ein hoher Verstand – das wird jeder leicht begreifen, -der nur ein wenig nachdenkt. Es gibt viele Arten des Verstandes. -Einem klugen Menschen kann man verzeihen, wenn ihm -diese oder jene Eigenschaft des Verstandes abgeht; einem tugendhaften -Menschen verzeiht man’s nicht, wenn ihm irgend -eine Tugend des Herzens fehlt: er muß sie alle insgesamt -besitzen, denn die Tugend des Herzens ist unteilbar. Ein tugendhafter -Mensch muß vollkommen tugendhaft sein. -</p> - -<p> -<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a> -<span class="character">Sophie.</span> Ihre Erklärung, lieber Onkel, entspricht ganz meinem -innern Gefühl, das ich nicht verstehe in Worte zu fassen. -Jetzt empfind’ ich lebhaft, worin der Wert eines tugendhaften -Menschen, worin seine Pflicht besteht. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Pflicht! Ach, mein Freund – dieses Wort ist -auf aller Lippen und wird doch oft so falsch verstanden. Der -beständige Gebrauch dieses Wortes hat uns dermaßen an dasselbe -gewöhnt, daß ein Mensch, der es ausspricht, nichts dabei -denkt und empfindet. Wenn die Menschen die Bedeutung dieses -Wortes wüßten, würden sie es nicht ohne innere Ehrfurcht -aussprechen. Was ist die Pflicht? Jenes heilige Gelübde, das -uns an alle bindet, mit denen wir leben und von denen wir -abhängen. Wenn jeder den Begriff der Pflicht so auffaßte, wie -er ihn ausspricht, so würde jeder Stand nicht über den seiner -Lage angemessenen Ehrgeiz streben, würde vollkommen glücklich -sein. Der Edelmann z. B. würde es sich zur Unehre gereichen -lassen, wenn er nicht ausschließlich seiner großen Pflicht obläge – -den Untergebenen zu helfen, dem Vaterlande zu dienen. Dann -würde es keine Edelleute geben, deren Adel sozusagen zugleich -mit ihren Vorfahren begraben wird. Ein Edelmann, der nicht -wert ist ein Edelmann zu sein, ist das erbärmlichste Geschöpf, -das ich mir vorstellen kann. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Kann man sich denn dermaßen erniedrigen? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Mein Freund! Das, was ich vom Edelmann -gesagt, kann auf alle Menschen angewendet werden. Jedermann -hat seine Pflichten, doch wie werden sie erfüllt? Wie z. B. sind -die Männer heutigentags – die Frauen auch nicht zu vergessen!? -O mein Kind, höre mir nun mit vollster Aufmerksamkeit zu! -Betrachten wir uns z. B. eine unglückliche Familie, wie es deren -eine Unmenge gibt, wo die Frau keine herzliche Freundschaft -für den Mann empfindet, noch er Vertrauen zu ihr; wo beide -auf ihre Art den Weg der Tugend verlassen. Statt eines innigen -und nachsichtigen Freundes erblickt die Frau in ihrem Manne -einen groben und lasterhaften Tyrannen. Andrerseits sieht der -Mann in der Seele seiner Frau statt Sanftmut und Treuherzigkeit -– die Eigenschaften einer tugendhaften Frau – nur -widerspenstige Frechheit, die Frechheit einer Frau aber ist das -Aushängeschild eines lastervollen Charakters. Beide werden sich -gegenseitig zur unerträglichen Last; beide mißachten einen guten -<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a> -Namen, weil sie ihn beide verloren haben. Gibt es wohl eine -schrecklichere Lage? Das Hauswesen ist verwahrlost; die Dienerschaft -vergißt die Pflicht des Gehorsams, weil sie in ihrem eigenen -Herrn einen Sklaven niedriger Leidenschaft sieht; das Gut -wird ruiniert: es gehört keinem, weil der Herr nicht sich selber -gehört. Die Kinder, die unglücklichen Kinder, sind schon zu -Lebzeiten der Eltern arme Waisen. Der Vater, der seine -Frau mißachtet, wagt kaum die Kinder zu umarmen, wagt kaum, -sich den zartesten Empfindungen eines Menschenherzens hinzugeben. -Die unschuldigen Kleinen entbehren gleichfalls der mütterlichen -Liebe. Sie, die nicht wert ist, Kinder zu haben, entzieht -sich ihren Liebkosungen, indem sie darin entweder die Ursache -ihrer Unruhe oder einen Vorwurf für ihre Lasterhaftigkeit -erblickt. Und welche Erziehung kann eine lasterhafte Mutter -ihren Kindern geben? Wie soll sie ihnen Lehren der Tugend -einimpfen, da sie selber keine Tugend besitzt? Welche Hölle muß -in der Seele der Eltern brennen, wenn ihr Gedanke sich einmal -ernstlich mit ihrer gräßlichen Lage beschäftigt. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Wie entsetzenerregend ist dieses Beispiel! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Gewiß muß es ein tugendhaftes Herz erschüttern. -Doch ich denke, daß ein Mensch nicht in dem Grade demoralisiert -sein kann, um ruhigen Blutes solche Greuel anzusehen. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Gott, wodurch entsteht nur ein so schreckliches Unglück? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Dadurch, mein Freund, daß bei den heutigen -Eheschließungen selten das Herz zu Rate gezogen wird. Man -sieht nur darauf, ob der Bräutigam eine angesehene und reiche -und die Braut eine schöne und reiche Person ist. Nach der -Tugend wird nicht gefragt. Keinem kommt es in den Sinn, daß -in den Augen denkender Menschen ein Ehrenmann ohne Rang -einen hohen Rang einnimmt, daß die Tugend alles ersetzt und -selber durch nichts ersetzt werden kann. Und ich muß gestehn, -liebe Sophie, daß mein Herz nur dann ganz ruhig sein wird, -wenn ich dich als die Frau eines Ehrenmannes sehen werde, -wenn wechselseitige Liebe – -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Einen ehrenhaften Gatten kann man ja nicht anders -als recht freundschaftlich lieben. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Richtig. Nur sei deine Liebe zum Gatten nicht -der Freundschaft gleich, sondern deine Freundschaft zu ihm sei -der Liebe ähnlich – dann werdet ihr noch nach zwanzig Jahren -<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a> -ehelichen Zusammenlebens eine unverminderte Neigung zu einander -empfinden. Ein vernünftiger, ehrenhafter Mann und -eine vernünftige, tugendhafte Frau – was kann es Herrlicheres -geben? Dein Mann muß der Stimme der Vernunft gehorchen, -und du deinem Manne, und dann ist euer Glück ein vollkommenes. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Jedes Ihrer Worte geht mir zu Herzen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">mit zärtlichem Feuer</span>). Und mein Herz entzückt sich -an dem Gefühl deines Herzens! Von dir allein hängt dein Glück -ab. Gott hat dir allen Reiz deines Geschlechts verliehen. Ich -sehe, daß du ein tugendhaftes Herz im Busen trägst. Ja, mein -geliebtes Kind, du vereinigst in dir die Vorzüge beider Geschlechter! -Ich schmeichle mir, daß meine Liebe zu dir mich nicht -täuscht, daß deine Tugenden – -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Du hast jedes meiner Gefühle tugendhaft gemacht! -(<span class="dir">Will seine Hand küssen.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">ihre Hand küssend</span>). Ich danke Gott, daß ich in dir -selbst einen festen Grund für dein Glück sehe. Nicht von Würden -und Reichtum wird es abhängen, denn beides kann noch -dereinst dein werden. Doch du besitzest bereits ein noch größeres -Glück – das Gefühl, daß du würdig bist des Glückes, das du -empfindest! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Teuerster, bester Onkel! mein ganzes Glück ist, daß -ich dich habe. Ich kenne den Wert – -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-3"> -Dritter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. Ein <span class="character">Kammerdiener</span> kommt und übergibt Starodum einen -Brief. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Von wo? -</p> - -<p> -<span class="character">Kammerdiener.</span> Aus Moskau, durch einen expressen -Boten. (<span class="dir">Ab.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">entsiegelt das Schreiben und liest die Unterschrift</span>). Ah, -vom Grafen Tschestan. (<span class="dir">Beginnt zu lesen, macht aber Miene, nicht -gut sehen zu können.</span>) Sophie, bitte, meine Brille – im Buch auf -dem Tisch. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">im Abgehen</span>). Sofort, Onkelchen. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-4"> -<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a> -Vierter Auftritt. -</h3> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">allein</span>). Er schreibt mir natürlich von seinem -Vorschlag, den er mir in Moskau gemacht. Ich kenne Milon -nicht; doch wenn sein Onkel, mein geschätzter Freund, und alle -seine Bekannten ihn für einen würdigen und ehrenhaften Mann -halten ... wenn ihr Herz frei ist ... -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-5"> -Fünfter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Starodum</span> und <span class="character">Sophie</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">die Brille gebend.</span>) Hier ist sie, Onkelchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">liest</span>). „Ich habe soeben erfahren ... führt -sein Kommando nach Moskau ... er muß mit Ihnen zusammentreffen. -Es würde mich herzlich freuen, wenn er Sie -sehen sollte ... Bitte, bringen Sie seine Gesinnungsart in -Erfahrung“ ... (<span class="dir">Beiseite.</span>) Natürlich, sonst geb’ ich sie ihm -nicht ... „Sie werden finden ... Ihr aufrichtiger -Freund ...“ Gut. Dieser Brief betrifft dich. Ich habe dir -schon gesagt, daß mir ein junger Mann sehr warm empfohlen -worden ist ... Meine Worte machen dich stutzen, mein Freund, -das hab’ ich schon damals gesehn und seh’ es auch jetzt. Doch -dein Vertrauen zu mir – -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Kann ich denn etwas auf dem Herzen haben, das -ich vor Ihnen als Geheimnis bergen sollte? Nein, lieber Onkel, -ich will Ihnen treuherzig gestehn – -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-6"> -Sechster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Prawdin</span> und <span class="character">Milon</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Erlauben Sie, Ihnen meinen aufrichtigen Freund -Milon vorzustellen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Milon! -</p> - -<p> -<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a> -<span class="character">Milon.</span> Ich würde es für ein hohes Glück ansehn, wenn Sie -mir Ihr Wohlwollen schenkten. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ist Graf Tschestan Ihnen verwandt? -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Er ist mein Onkel. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Mit Freuden mache ich Bekanntschaft mit einem -Manne von Ihren Eigenschaften. Ihr Onkel hat mir von Ihnen -gesprochen; er läßt Ihnen volle Gerechtigkeit widerfahren. Er -rühmt Ihre Vorzüge – -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Das thut er nur aus Güte. In meinem Alter und -bei meiner Stellung wär’ es eine unverzeihliche Hoffart, wollte -ich das Lob, das mir ehrenwerte Männer spenden, für verdient -hinnehmen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich bin im voraus versichert, daß mein Freund -Ihr Wohlwollen erwirbt, sobald Sie ihn näher kennen lernen. -Er verkehrte oft im Hause Ihrer seligen Schwester. (<span class="dir">Starodum -sieht sich nach Sophie um.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">leise und sehr befangen zu Starodum</span>). Und die Mutter -liebte ihn wie einen Sohn. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Sophie</span>). Das ist mir sehr angenehm. (<span class="dir">Zu Milon.</span>) -Ich habe gehört, daß Sie in der Armee dienten, Ihre Tapferkeit -– -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Ich that nur meine Pflicht. Weder Alter noch Rang -ließen mich bisher meine Tapferkeit beweisen, falls ich sie wirklich -besitze. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wie?! Sie waren ja in der Schlacht und haben -mehrfach Ihr Leben aufs Spiel gesetzt – -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Ich hab’s aufs Spiel gesetzt ebenso wie alle andern. -Ein derartiger Mut ist eine Eigenschaft des Herzens, die dem -Soldaten der Oberst zu haben befiehlt, und dem Offizier – die -Ehre. Ich muß aufrichtig gestehn, daß ich noch keine Gelegenheit -gehabt habe, eine echte Tapferkeit an den Tag zu legen, was -ich jedoch von Herzen wünsche. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich wäre sehr neugierig zu erfahren, was Sie -unter echter Tapferkeit verstehen. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Meiner Ansicht nach hat die Tapferkeit ihren Sitz -in der Seele und nicht im Herzen. Ist die Seele tapfer, so ist -auch das Herz unbedingt mutig. In unserm Kriegshandwerk -<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> -muß der Soldat mutig, der Befehlshaber tapfer sein. Mit kaltem -Blute erkennt er alle Grade der Gefahr, ergreift die nötigen -Maßregeln, schätzt den Ruhm höher als sein Leben; und was -die Hauptsache ist: zum Nutzen und Ruhm seines Vaterlandes -ist er tapfer genug, des eigenen Ruhmes zu vergessen. Seine -Tapferkeit besteht somit nicht darin, daß er sein Leben gering -achtet, denn er setzt es nicht blindlings aufs Spiel, sondern darin, -daß er es zu opfern versteht. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ganz richtig. Echte Tapferkeit sehen Sie im -Kriegsbefehlshaber; kann sie aber auch den andern Ständen -eigen sein? -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Sie ist eine Tugend, und folglich kann sich jeder -Stand durch sie auszeichnen. Mir scheint, der Mut des Herzens -erweist sich während der Schlacht, die Tapferkeit der Seele jedoch -in allen Prüfungen, in jeder Lage des Lebens. Und welch ein -gewaltiger Unterschied besteht doch zwischen dem Mut des Soldaten, -der gleichzeitig mit andern beim Sturmlauf sein Leben -wagt, und der Tapferkeit eines Staatsmannes, der seinem Landesherrn -die Wahrheit sagt und dadurch dessen Zorn auf sich zu -laden riskiert! Ein Richter, der, die Drohungen und Rache des -Mächtigen nicht fürchtend, dem Hilflosen hat Gerechtigkeit widerfahren -lassen – ist in meinen Augen ein Held. Wie kleinlich -ist doch die Seele eines Mannes, der um ein Nichts seinen -Nebenmenschen zum Duell herausfordert, im Vergleich mit dem -Manne, der die Ehre eines Abwesenden vor dessen Verleumdern -in Schutz nimmt! Ich verstehe die Tapferkeit – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wie sie ein Mann verstehen muß, dessen Seele -sie besitzt. Umarme mich, mein Freund! Vergib mir meine Freimütigkeit: -ich bin ein Freund ehrenhafter Menschen. Dieses -Gefühl wurzelt in der Erziehung, die ich genossen. In dir sehe -ich die Tugend im Schmucke eines hellen Verstandes. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Eine edle Seele ... Nein, nicht länger hält mein -Herz sein Gefühl zurück! Nein! ... Deine Tugend entlockt -meiner Seele ihr Geheimnis! Ist mein Herz tugendhaft, verdient -es glücklich zu werden – so liegt es in deiner Macht, es -glücklich zu machen. Und glücklich werde ich sein, wenn du mir -deine liebenswürdige Nichte zur Frau gibst. Unsre gegenseitige -Liebe – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">freudig zu Sophie</span>). Wie? Dein Herz verstand -<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> -schon denjenigen zu wählen, den ich dir im voraus ausersehen -hatte? Er ist jener Bräutigam – -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Und ich liebe ihn von Herzen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ihr seid beide einer des andern würdig. (<span class="dir">Vereinigt -entzückt ihre Hände.</span>) Von ganzer Seele gebe ich meine Einwilligung. -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Milon</span> (<span class="dir">Starodum umarmend</span>). Mein Glück ist unermeßlich!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Zusammen.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">Starodums Hände küssend</span>). Wer kann glücklicher sein als ich?!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie aufrichtig bin ich erfreut! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Mein Glück kennt keine Worte! -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">Sophie die Hand küssend</span>). O seliger Augenblick! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Ewig wird mein Herz dich lieben! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-7"> -Siebenter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> und <span class="character">Skotinin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Auch ich bin da. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Was führt dich her? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Meine eigene Angelegenheit. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Womit kann ich dienen? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Mit drei Worten. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und diese sind? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Umarme mich recht fest und sage: Sophie ist -dein. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Bist du nicht recht gescheit? Denke mal ordentlich -nach! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich denke niemals und bin im voraus versichert, -daß, wenn auch du nicht denken wirst, Sophie die Meine wird. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Sonderbarer Kauz! Du bist, wie ich sehe, nicht -auf den Kopf gefallen und willst, daß ich meine Nichte einem -Menschen gebe, den ich gar nicht kenne. -</p> - -<p> -<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> -<span class="character">Skotinin.</span> Dann sag’ ich’s dir, und du wirst mich kennen. -Ich bin Taras Skotinin, nicht der letzte meines Geschlechts. Die -Skotinin sind ein großes und altes Geschlecht. Den Urururgroßvater -findest du in keiner Heraldik. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie werden uns noch glauben machen wollen, -daß er älter ist als Adam! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Und du meinst nicht? Wenn auch nicht viel – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">lachend</span>). Gewiß, dein Urururgroßvater ist zwar -am sechsten Tage erschaffen, doch ein wenig früher als Adam. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Du bist also hoher Meinung von dem Alter -unsres Geschlechts? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> So hoher Meinung, daß ich mich wundere, wie -du nur eine Frau wählen kannst, die nicht zum Geschlecht der -Skotinin gehört. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Du kannst dir demnach vorstellen, wie glücklich -Sophie mit mir sein wird. Sie ist von Adel – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Lieber Mann, darum gerade bist du kein Bräutigam -für sie. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich lass’ es schon daran ankommen. Mag man -sich die Zunge abreden, daß Skotinin eine Adelige genommen -hat – mir ist’s gleich. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Aber ihr ist es nicht gleich, wenn es heißt, daß -eine Adelige einen Skotinin genommen hat. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Eine solche ungleiche Partie kann kein Glück ins -Haus bringen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> He, was hat der mitzusprechen? (<span class="dir">Leise zu Starodum.</span>) -Ist’s nicht gar ein Nebenbuhler? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">leise zu Skotinin</span>). Mir will’s auch so scheinen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">leise</span>). Wo sollt’ er, zum Teufel?! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">ebenso</span>). Natürlich wird’s ihm schwer fallen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">laut, auf Milon weisend</span>). Nun, wer von uns macht -sich hier lächerlich? Hahaha! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">lacht</span>). Ich sehe, wer sich lächerlich macht. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Onkelchen, wie freut es mich, daß Sie fröhlich -sind! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Ei, du bist ja ein ganz lustiger -<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> -Herr! Anfangs glaubt’ ich, daß man dir gar nicht nah’ kommen -kann. Hast damals kein Wort mit mir gesprochen, und jetzt -lachst du sogar. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich bin nun mal so ein Mensch, habe meine -Augenblicke. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Das seh’ ich. Damals war ich ja derselbe Skotinin, -du aber ärgertest dich. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich hatte meine Gründe. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Die kenn’ ich nicht. Doch auch ich bin hierin eigen. -Wenn ich z. B. zu Hause zum Koben trete und die Schweine -nicht in Ordnung finde, so braus’ ich auf. Übrigens hast auch -du bei deinem Herkommen das Haus als einen Schweinekoben -angetroffen und daher dein Ärger. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Du bist glücklicher als ich: auf mich machen die -Menschen Eindruck – -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Und auf mich die Schweine. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-8"> -Achter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Frau Prostakowa</span>, <span class="character">Prostakow</span>, <span class="character">Mitrofan</span> und <span class="character">Jeremejewna</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">eintretend</span>). Hast du auch alles bei dir? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Beruhige dich endlich mal! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Hast du gut zu ruhen geruht, -Väterchen? Wir alle gingen im vierten Zimmer auf den -Zehenspitzen, um dich nicht aufzuwecken wir wagten’s nicht, -durchs Schlüsselloch zu sehn. Doch da hörten wir dich hier -sprechen und sind gekommen. Nichts für ungut – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> O, es wäre mir sehr unangenehm, wenn Sie -früher gekommen wären. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Spielst du mir einen Schabernack, Schwester, daß -du dich mir an die Fußsohlen heftest? Ich habe hier ein Geschäft -abzumachen. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Und ich auch. (<span class="dir">Zu Starodum.</span>) Verstatte, -<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a> -Väterchen, daß wir dich mit einer Bitte belästigen. (<span class="dir">Zu Mann -und Sohn.</span>) Grüßet! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Mit welcher? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Erst bitte ich alle, Platz zu nehmen. (<span class="dir">Alle, -mit Ausnahme von Mitrofan und Jeremejewna, setzen sich.</span>) Die Sache ist -nämlich die, Väterchen: Gott der Herr hat uns auf das Gebet -unsrer Eltern hin (<span class="dir">wo hätten wir Sünder ihn erbitten können!</span>) -das Söhnchen Mitrofan geschenkt. Wir thaten unser -möglichstes, daß er so werde, wie du ihn jetzt siehst. Wolltest du -dich nicht bemühen, Einsicht zu gewinnen, was er gelernt hat -und kennt? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> O, es ist mir bereits zu Ohren gekommen, was -er gelernt hat. Ich habe gehört, wer seine Lehrer sind, und weiß -im voraus, welche Sprachkenntnisse ihm Kutejkin beigebracht, -und was er aus der Mathematik bei Zyfirkin gelernt hat. (<span class="dir">Zu -Prawdin.</span>) Neugierig wär’ ich, zu erfahren, was er beim Deutschen -gelernt. -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Alle Wissenschaften.</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="3">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="3">(<span class="dir">Gleichzeitig.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prostakow.</span> Alles.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Mitrofan.</span> Alles, was du willst.</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Mitrofan</span>). Was denn z. B.? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">gibt ihm ein Buch</span>). Hier, Grammatik. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">nimmt das Buch</span>). Ich sehe wohl, daß es eine Grammatik -ist. Nun, und was kennen Sie daraus? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Eine Menge. Viele Redeteile – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Nun, was für ein Redeteil ist das Wort „Thür?“ -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Thür? Welche Thür? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Welche Thür? ... Nun, diese da. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Diese? Ein Bindewort. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Warum denn? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Weil sie zwei Zimmer verbindet. Wir haben -aber eine Thür, die seit Wochen nicht in ihre Angeln gehängt -wird, was jedoch hauptsächlich des starken Zugwinds wegen sehr -nötig wäre; jene ist darum ein Hauptwort. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Also ist auch das Wort Narr ein Bindewort, weil -man einen dummen Menschen damit in Verbindung bringt? -</p> - -<p> -<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a> -<span class="character">Mitrofan.</span> Natürlich. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Nun, was sagst du dazu, Väterchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Ja, was sagst du dazu? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ausgezeichnet! In der Grammatik ist er recht -bewandert. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Ich denke, auch nicht weniger in der Geschichte. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> O, er ist schon als Kind immer ein -großer Liebhaber von Geschichten gewesen! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Mitrofan ist ganz in mich geraten. Auch ich höre -für mein Leben gern den Dorfschulzen erzählen. Ein Meister -darin, der Hundesohn! Wo er’s nur immer hernimmt?! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> O, mit Adam Adamytsch wird er sich -nicht messen können! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Mitrofan</span>). Wie weit sind Sie in der Geschichte -gekommen? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Wie weit? Das hängt von der Geschichte ab. -Manchmal hinter dreimal neun Ländern im dreimal zehnten -Königreiche.<a class="fnote" href="#footnote-2" id="fnote-2">[2]</a> -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-2" id="footnote-2">[2]</a> Stehende Redensart in russischen Märchen zur Bezeichnung einer sehr -großen Entfernung. <em>Anm. d. Übers.</em> -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> So! Also das ist die Geschichte, welche Sie bei -Wralmann treiben? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wralmann? Der Name klingt mir bekannt. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Nein, unser Adam Adamytsch erzählt keine Geschichten; -er liebt ebenso wie ich nur zuzuhören. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Beide lassen sie sich die Geschichten von -der alten Viehmagd Chawronja erzählen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Habt ihr nicht gar von ihr auch Geographie gelernt? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zum Sohn</span>). Hörst du, mein Schatz? Was -ist denn das nun wieder für eine Wissenschaft? -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">leise zur Mutter</span>). Was weiß ich! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">leise zu Mitrofan</span>). Sei nicht eigensinnig! -Jetzt gilt’s, dich zu zeigen. -</p> - -<p> -<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a> -<span class="character">Mitrofan</span> (<span class="dir">leise zur Mutter</span>). Aber ich versteh’ gar nicht, wonach -man fragt! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Wie hast du die Wissenschaft -genannt? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Geographie. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Hörst du? Eorgavieh. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Was ist denn das wieder? Mein Gott, wie sie -mich foltern! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Habe doch die Güte, ihm -zu sagen, was das für eine Wissenschaft ist! Dann wird er dir -schon Antwort geben. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Die Erdbeschreibung. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Wozu wäre denn die -nötig? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nötig wäre sie, sei’s auch nur, um auf der Reise -zu wissen, wo und wohin man reist. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ach, du lieber Himmel! Wozu sind -denn die Fuhrleute da? Das müssen <em>sie</em> wissen ... Nein, diese -Wissenschaft paßt gar nicht für den Adel. Der Edelmann braucht -nur zu sagen: fahre mich da- und dahin – und er wird hingefahren -... Ach, alles, was mein Mitrofan nicht kennt, ist ein Unsinn! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Gewiß ist es für einen ungebildeten Menschen -sehr trostreich, alles das, was er nicht kennt, für Unsinn zu -halten. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Gott sei Dank auch ohne die Wissenschaften -haben die Menschen gelebt! Mein seliger Vater war -fünfzehn Jahre Wojewode und starb auch als Wojewode, ohne -das Lesen und Schreiben gekannt zu haben. Doch dafür verstand -er ein erkleckliches Sümmchen zu verdienen und es aufzuheben. -Immer saß er auf einem eisernen Kasten, wenn er Bittsteller -empfing, und nach Fortgang eines jeden öffnete er den Kasten -und legte etwas hinein. Das war ein ökonomischer Mann! Die -bitterste Not litt er, nur um den Inhalt des Kastens nicht zu -vermindern. Ja, ohne Ruhm zu sagen: Vater selig starb auf -dem Kasten sozusagen Hungers. Das war ein Mann! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Höchst lobenswert! Man muß Skotinin heißen, -um eines so seligen Todes zu sterben! -</p> - -<p> -<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a> -<span class="character">Skotinin.</span> Zum Beweise, daß das Lernen ein Unsinn ist, -nehmen wir meinen Onkel Wawila Falilejitsch. Nie hatte er von -jemandem ein gebildetes Wort vernommen, noch hatte jemand -ein solches von ihm gehört – und was war das für ein Kopf! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Nun? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Folgendes passierte ihm in seinem Leben. Auf -einem feurigen Roß – er hatte etwas über den Durst getrunken -– flog er gegen einen steinernen Thorweg. Der Mann war -hoch, das Thor niedrig; er vergaß, sich zu bücken und knallte mit -der Stirn an den Steinbogen, so daß er zurücksank und das -brave Roß den rücklings Liegenden bis zum Hausflur heimgaloppierte. -Da möcht’ ich nun wissen, ob es auf der Welt eine -Gelehrtenstirn gibt, die von einer solchen Kopfnuß nicht in Stücke -zersplittert wäre! Der Onkel jedoch, Gott hab’ ihn selig, kam -bald zu sich und fragte nur, ob das Thor ganz geblieben sei. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Sie, Herr Skotinin geben selbst zu, daß Sie nicht -gelehrt seien – doch in einem <em>solchen</em> Falle würde Ihre Stirn -nicht härter als die eines Gelehrten sein. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Milon</span>). Geh nur keine Wette drauf ein! Mir -scheint, die Skotinin sind alle ein hartstirniges Geschlecht. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ach Gott, was hat man auch vom Lernen! -Wir sehen’s hier selbst mit eigenen Augen! Wer nur einigermaßen -gebildet ist, der wird sofort von den eigenen Kameraden -in irgend ein Amt eingesetzt. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und ein solcher wird sich nicht weigern, seinen -Mitbürgern nützlich zu sein. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Weiß Gott, was die Menschen jetzt für -Ansichten haben! Zu unsrer Zeit sorgte jedermann nur für seine -eigene Ruhe. (<span class="dir">Zu Prawdin.</span>) Du selbst, wie mußt du dich abplagen! -Als ich herkam, sah ich, daß dir ein Paket gebracht -wurde. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ein Paket an mich? Und das muß ich erst jetzt -erfahren! (<span class="dir">Aufstehend.</span>) Ich muß um Verzeihung bitten, daß ich -Sie verlasse. Vielleicht erteilt mir der Gouverneur einige Orders. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">aufstehend, nach ihm auch die anderen</span>). Geh, mein -Freund; wir werden noch voneinander Abschied nehmen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich werde Sie noch sehen. Sie fahren morgen -in der Frühe? -</p> - -<p> -<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a> -<span class="character">Starodum.</span> Um sieben etwa. (<span class="dir">Prawdin ab.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Milon.</span> Und ich gebe Ihnen das Geleite und führe sofort -mein Kommando weiter. Ich gehe, die Anstalten hierzu zu treffen. -(<span class="dir">Nimmt mit den Augen im Abgehen von Sophie Abschied.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-6-9"> -Neunter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Frau Prostakowa</span>, <span class="character">Prostakow</span>, <span class="character">Mitrofan</span>, <span class="character">Skotinin</span>, <span class="character">Starodum</span>, <span class="character">Sophie</span> -und <span class="character">Jeremejewna</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Nun, Väterchen, du kennst -jetzt zur Genüge meinen Mitrofan. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Nun, Herzensfreund, du kennst mich jetzt. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> O gewiß, ich kenn’ euch aufs beste! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wird Sophie die meine? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nein. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wird Mitrofan Sophiens Bräutigam? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Nein. -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was hindert –</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Zusammen.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Skotinin.</span> Woran liegt’s –</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">beide zusammenführend</span>). Ich will’s euch sagen – -doch das Geheimnis bleibt unter uns: sie ist bereits verlobt. -(<span class="dir">Macht im Abgehen Sophie ein Zeichen, daß sie ihm folge.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Der Räuber! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Er ist ja verrückt! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">ungeduldig</span>). Um wieviel Uhr fahren sie? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Du hast’s ja gehört: um sieben morgens. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Um sieben morgens! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Ich stehe mit den Hähnen auf. Er mag klug sein, -wie er will, aber mit Skotinin ist’s schlecht Kirschen essen! (<span class="dir">Ab.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zornig in Gedanken hin- und herlaufend</span>). Um -sieben Uhr! ... Wir stehen früher auf ... Was ich will, führ’ -ich aus! ... Alle zu mir! (<span class="dir">Alle eilen herbei. Zum Manne:</span>) Daß -der Wagen um sechs Uhr vor der Hinterthür hält! Hörst du? -</p> - -<p> -<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich höre. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Jeremejewna</span>). Du schließest die ganze -Nacht kein Auge vor Sophiens Thür! Sobald sie erwacht, eilst -du zu mir! -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Gewiß, werde nicht ermangeln. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zum Sohn</span>). Du, mein Junge, sei um -sechs Uhr fix und fertig. Und stelle drei Diener in der Nähe -von Sophiens Schlafzimmer auf und zweie auf dem Flur zur -Hilfe. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Wird geschehn. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> So geht denn mit Gott. (<span class="dir">Alle ab.</span>) Ich -weiß schon, was ich thue! Wo Zorn ist, da ist auch Gnade – -der Alte wird zürnen, aber doch verzeihen müssen! Der Sieg -aber ist unser! -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="act" id="chapter-0-7"> -<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a> -Fünfter Aufzug. -</h2> - -</div> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-1"> -Erster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Starodum</span> und <span class="character">Prawdin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Es ist dasselbe Paket, von dessen Eintreffen mich -gestern in Ihrer Gegenwart die Frau vom Hause in Kenntnis -setzte. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und somit bietet sich jetzt die Möglichkeit, den -unmenschlichen Handlungen dieser wütigen Gutsbesitzerin ein -Ende zu machen? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich habe die Order, Haus und Hof unter Tutel -zu stellen bei dem ersten Akt der Willkür, von dem ihre Untergebenen -leiden könnten. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Gelobt sei Gott, daß die Menschheit noch Schutz -finden kann. Glaube mir, mein Freund: da, wo der Souverän -denkt, wo er weiß, worin sein wahrer Ruhm besteht – dort -kann die Menschheit nimmer ihrer Rechte verlustig gehen; dort -werden sehr bald alle fühlen, daß jedermann sein Glück und -seinen Vorteil nur darin suchen muß, was gesetzlich ist, und daß -er wider das Gesetz verstößt, wenn er seinesgleichen tyrannisiert. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich bin hierin Ihrer Ansicht; doch wie schwer ist -es, eingewurzelte Vorurteile auszurotten, in denen niedrige -Seelen ihre Vorteile finden! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Höre, mein Freund. Ein großer Souverän ist -ein weiser Souverän. Seine Pflicht ist es, den Menschen zu zeigen, -wie sie wahrhaft glücklich werden. Die Krone seiner Weisheit -ist – über <em>Menschen</em> zu herrschen, denn Klötze zu regieren -<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a> -– dazu bedarf es keiner Weisheit. Gewöhnlich wird im Dorf -der beschränkteste Bauer zum Viehhirten gewählt, denn um das -Vieh zu weiden, braucht der Hirt wenig Verstand. Ein seines -Thrones würdiger Souverän bestrebt sich, die Seelen seiner -Unterthanen mit Hochgefühl zu erfüllen. Das sehen wir mit -unsern eigenen Augen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Das Glück, welches ein Souverän im Beherrschen -freier Seelen genießt, ist so groß, daß ich’s nicht verstehe, welche -Antriebe ihn ablenken – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wie erhaben muß die Seele eines Souveräns -sein, um nie vom Wege der Wahrheit abzulenken! Wie viele -Netze sind ausgestellt, um die Seele eines Menschen zu fangen, -in dessen Händen das Schicksal von seinesgleichen liegt! Sodann -sucht ihn die Menge selbstsüchtiger Schmeichler allaugenblicks -zu überzeugen, daß die Menschen seinetwegen erschaffen sind, -und nicht – er ihretwegen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Man kann sich keinen Schmeichler vorstellen, ohne -tiefe Verachtung im Herzen zu empfinden. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Der Schmeichler ist ein Geschöpf, das weder von -andern noch von sich selbst eine gute Meinung hat. Sein ganzes -Streben geht dahin, erst eines Menschen Verstand zu blenden -und sodann alles aus ihm zu machen, was ihm beliebt. Er ist -ein Nachtdieb, der erst das Licht auslöscht und erst dann zu -stehlen beginnt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Natürlich liegt die Quelle des menschlichen Unglücks -in der Sittenlosigkeit der Menschen; doch die Mittel, die -Herzen zu bessern – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Liegen in den Händen des Souveräns. Sobald -alle sehen, daß man ohne Tugend sich nicht aufschwingen kann; -daß man durch keine niedrigen Dienstleistungen den Lohn des -wahren Verdienstes zu kaufen vermag; daß nicht die Menschen -von den Ämtern, sondern die Ämter von den Menschen Nutzen -ziehen sollen – dann wird jeder seinen Vorteil in der Tugend -finden, und die Herzen werden gebessert sein. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Sie haben ganz recht. Ein großer Souverän -verleiht – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Gnade und Freundschaft nach Neigung, Ämter -und Würden nach Verdienst. -</p> - -<p> -<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Damit es keinen Mangel an würdigen Menschen -gebe, wird jetzt ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung gerichtet. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Sie muß in der That das Pfand des Staatswohls -sein. Alles Unglück entsteht durch schlechte Erziehung. -Freilich – welchen Nutzen kann der Staat von einem Menschen -wie Mitrofan ziehen, dessen unwissende Eltern unwissenden -Lehrern gar noch Geld zahlen? Wie viele Väter gibt es unter -dem Adel, welche die Erziehung ihres Sohnes einem sklavenseelischen -Leibeigenen anvertrauen! Nach etwa fünfzehn Jahren -gibt’s dann zwei Sklaven: den alten Hofmeister und das junge -Herrchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Doch Personen aus den höchsten Ständen sorgen -für eine tüchtige Erziehung ihrer Kinder – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Vollkommen richtig, mein Freund; doch wünschte -ich, daß in allen Wissenschaften das Hauptziel jedes menschlichen -Wissens nicht vergessen werde: die Tugend. Glaube mir, daß -die wissenschaftlich gebildeten, aber demoralisierten Menschen -diese Wissenschaften zum argen Werkzeug des Bösen gebrauchen -werden. Die Aufklärung erhebt nur eine tugendhafte Seele. -So wünschte ich, daß der Erzieher eines jungen Aristokraten -denselben täglich auf zwei Fälle aus der Weltgeschichte aufmerksam -mache: erstens – wie große Männer das Wohl ihres Vaterlandes -fördern, und zweitens – wie ein unwürdiger Würdenträger -sein Vertrauen und seine Macht zum Bösen mißbraucht -und von der Höhe seines glänzenden Ranges in den Abgrund -der Verachtung und des Spottes niederstürzt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Es ist in der That notwendig, daß jeder Stand -eine angemessene gute Erziehung erhält: dann kann man versichert -sein – Was für ein Lärm? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Was ist geschehn? -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-2"> -<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a> -Zweiter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Milon</span>, <span class="character">Sophie</span>, <span class="character">Jeremejewna</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">stößt Jeremejewna von Sophie, welche von der Alten festgehalten -wird, und schreit, einen entblößten Degen in der Hand</span>). Wage -es keiner, mir zu nahen! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">eilt zu Starodum</span>). Onkel, beschütze mich! -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Starodum.</span> Mein Kind, was gibt’s denn?</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="4">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="4">(<span class="dir">Gleichzeitig.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prawdin.</span> Beleidigt man Sie?</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Sophie.</span> O mein Herz!</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Jeremejewna.</span> Ich bin verloren!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Milon.</span> Die Bösewichter! Als ich hierher ging, sah ich eine -Menge Menschen, die Sophie unter den Armen hielten und sie, -die Schreiende und sich Sträubende, in einen Wagen vor der -Hinterthür schleppen wollten. -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie.</span> Das ist mein Retter! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Teures Kind! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Jeremejewna</span>). Sofort bekennst du, wohin ihr sie -bringen wolltet, sonst sollst du als Verbrecherin – -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Zur Trauung! ach, zur Trauung! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">hinter der Szene</span>). Halunken! Diebe! Spitzbuben! -Zu Tode lass’ ich euch peitschen! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-3"> -Dritter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Frau Prostakowa</span>, <span class="character">Prostakow</span> und <span class="character">Mitrofan</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Bin ich Herrin im Hause? (<span class="dir">Auf Milon -weisend.</span>) Ein Fremder droht, und meine Befehle werden nicht -erfüllt! -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prostakow.</span> Bin ich schuld?</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="3">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="3">(<span class="dir">Gleichzeitig.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Mitrofan.</span> Die Dienstboten sind schuld.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ich will nicht von der Stelle gehen –</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Das Verbrechen, dessen ich Zeuge bin, gibt Ihnen -als Onkel und dir als Bräutigam das Recht – -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Frau Prostakowa.</span> Bräutigam!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="3">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="3">(<span class="dir">Zusammen.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prostakow.</span> Wehe!</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Mitrofan.</span> Alles zum Teufel!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> – von der Regierung zu verlangen, daß die Beleidigung, -welche Fräulein Sophie zugefügt worden, mit aller -Strenge der Gesetze bestraft werde. Sofort verklag’ ich diese -Frau vor Gericht – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">sich auf die Kniee werfend</span>). Verzeihung, -Gnade! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Auch Mann und Sohn sind teilhaftig des Verbrechens. -</p> - -<table class="curly" summary=""> -<tbody> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Prostakow.</span> Ich bin unschuldig!</td> - <td class="col2 bracket" rowspan="2">}</td> - <td class="col3 collect" rowspan="2">(<span class="dir">Zusammen auf die Kniee stürzend.</span>)</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><span class="character">Mitrofan.</span> Verzeihe, verzeihe!</td> - </tr> -</tbody> -</table> -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ach, ich Hundetochter! Was hab’ ich -gethan! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-4"> -Vierter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Skotinin.</span> -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Nun, Schwester, einen schönen Streich hast du -mir – Ei! Was ist denn das? Alle auf den Knieen?! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">knieend</span>). Verzeihung! Dem Reuigen wird -vergeben. Ja, ich bekenne meine Schuld! Gnade! (<span class="dir">Zu Sophie.</span>) -Beste, goldne Sophie – verzeihe mir, erbarme dich mein und -(<span class="dir">auf Mann und Sohn weisend</span>) dieser armen Waisen! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Schwester, bist du bei Troste? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Schweige, Skotinin! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Gott wird dich und deinen teuren Bräutigam -segnen! ... Was hast du von meiner Bestrafung?! -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Onkel, ich vergesse die mir zugefügte -Beleidigung. -</p> - -<p> -<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">mit erhobenen Händen zu Starodum</span>). Auch -du vergib mir Sünderin! Ich bin ja ein Mensch und kein -Engel! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wohl weiß ich’s, daß der Mensch kein Engel sein -kann: doch muß er auch kein Teufel sein! ... Sowohl ihr Vergehen -als auch ihre Reue ist verächtlich! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Nur Eine Klage Ihrerseits, nur -Ein Wort von Ihnen bei der Regierung – und sie ist nicht zu -retten. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Ich will keines Menschen Unglück; ich verzeihe -ihr. (<span class="dir">Alle springen auf</span>). -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Er hat verziehen? O, du mein Wohlthäter! -... Nun aber will ich <a id="corr-8"></a>es diesen Kanaillen von Dienstboten -zeigen! Jeden nehm’ ich einzeln ins Gebet! Gestehen müssen sie, -wer sie aus den Händen gelassen. Nein, ihr Spitzbuben, ihr -Diebe – <em>das</em> verzeih’ ich euch nie im Leben! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Und wofür wollen Sie Ihre Leute bestrafen? -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Aber das ist denn doch eine sonderbare -Frage! Hab’ ich nicht die Macht, mit meinen Leuten zu thun, -was ich will? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> Sie halten sich also im Recht, nach Laune und -Belieben körperlich zu strafen? -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Steht’s denn dem Edelmann nicht frei, seine -Bedienten zu prügeln, wann es ihm beliebt? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wann es ihm beliebt? Welch ein viehisches Belieben! -(<span class="dir">zu Frau Prostakowa</span>) Nein, Madame, es hat niemand das -Recht, andere zu tyrannisieren! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ein Edelmann hat nicht das Recht, -einen Bedienten durchpeitschen zu lassen, wann es ihm gefällt? -Wozu haben wir denn den Ukas von den Rechten des -Adels? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Die versteht’s, Ukase zu deuten! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Ihnen ist es lächerlich zu Mut’, mir aber -gar nicht, und auf der Stelle will ich jeden einzelnen – (<span class="dir">will -schnell fort</span>). -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">hält sie zurück</span>). Bleiben Sie noch, Madame. (<span class="dir">Zieht -ein Papier aus der Tasche und spricht mit strengem Ton zu Prostakow</span>). -<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a> -Im Namen der Regierung befehle ich Ihnen, sofort Ihr ganzes -Hausgesinde und alle Bauern zusammenzurufen und ihnen bekannt -zu machen, daß infolge der Unmenschlichkeiten Ihrer Frau -– wobei Ihre außerordentliche Beschränktheit ihr freie Hand -gelassen – mir die Regierung befiehlt, Ihr Haus und Ihr Dorf -unter Tutel zu stellen. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow.</span> Was müssen wir erleben! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Was? Ein neues Unglück! Wofür, wofür -denn? Daß ich Herrin bin in meinem Hause – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Eine unmenschliche Herrin, deren Boshaftigkeit -in einem wohlsituierten Staate nicht geduldet werden kann. (<span class="dir">Zu -Prostakowa.</span>) Gehen Sie. -</p> - -<p> -<span class="character">Prostakow</span> (<span class="dir">ab, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend</span>). -Was heißt das, was heißt das?! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">schmerzlich</span>). O, wie traurig, wie traurig! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">beiseite</span>). Hehe! Auf solche Weise komm’ ja auch -ich an die Reihe! Da kann ja jeder Skotinin unter Tutel gestellt -werden! ... Besser ist’s, ich verschwinde, bevor – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Skotinin</span>). Und du! Ich habe gehört, daß du -mit Schweinen unvergleichlich besser umgehst als mit Menschen. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Gnädigster – wie sollte auch mein Herz an den -Menschen hängen! Bedenke selbst: die Menschen sind mir zu -klug, unter den Schweinen aber bin ich selber der Klügste. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Alles verloren! Ich bin ruiniert! -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Ich möchte doch gern wissen ... -was den Bräutigam betrifft – -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">auf Milon weisend</span>). Hier steht er. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Aha! So hab’ ich hier nichts mehr zu thun. -Nun, dann geh’ ich. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ja, geh zu deinen Schweinen! Vergiß jedoch nicht, -jedem Skotinin mitzuteilen, was seiner wartet. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin.</span> Wie sollt’ ich Freunde nicht warnen! Sagen will -ich, daß sie die Leute – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Mehr lieben oder wenigstens – -</p> - -<p> -<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a> -<span class="character">Skotinin.</span> Nun? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Nicht anrühren. -</p> - -<p> -<span class="character">Skotinin</span> (<span class="dir">abgehend</span>). Nicht anrühren. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-5"> -Fünfter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> ohne <span class="character">Skotinin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Richte mich nicht zu Grunde! -Könnte man den Ukas nicht umgehen? Es wird ja nicht jeder -Ukas in Ausführung gebracht! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ich erfülle meine Pflicht. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Gib mir wenigstens drei Tage Frist, -(<span class="dir">für sich</span>) dann soll man mich kennen lernen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Keine drei Stunden. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Gewiß: sie kann in drei Stunden mehr Böses -thun, als es in dreißig Jahren gutgemacht werden kann. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Und du wolltest dich mit solchen Kleinigkeiten -abgeben?! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Das ist meine Sache. Fremdes wird den Eignern -zurückgegeben werden, und – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Aber wie willst du mit den Schulden -fertig werden? Die Lehrer sind noch nicht bezahlt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Die Lehrer? (<span class="dir">Zu Jeremejewna.</span>) Sind sie hier? -Führe sie her. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna.</span> Werden wohl dasein. Den Deutschen auch? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Rufe sie alle. (<span class="dir">Jeremejewna ab</span>) ... Sorgen Sie -nicht, Madame: jedermann soll befriedigt werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu der trauernden Prostakowa</span>). Es wird dir selbst -wohler zu Mut sein, da du die Macht verloren hast, andern -Böses zu thun. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Danke für die Güte! Wozu taug’ ich, -wenn ich in meinem eigenen Hause meine Hände nicht gebrauchen -kann! -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-6"> -<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a> -Sechster Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. <span class="character">Jeremejewna</span>, <span class="character">Wralmann</span>, <span class="character">Kutejkin</span>, <span class="character">Zyfirkin</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Hier hast du das ganze Gesindel. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Ew. Gnaden geruhten mich herzubefehlen. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Gerufen ward ich, gekommen bin ich. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin</span> (<span class="dir">zu Prawdin</span>). Was befehlen Ew. Gnaden? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">sieht Wralmann scharf an</span>). Ei, bist du’s, Wralmann? -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">erkennt Starodum</span>). Ei – ei – ei – ei! Sie sind’s, -gnädiger Herr? (<span class="dir">küßt ihm den Rocksaum.</span>) Wie geht es Ihnen, mein -Wohlthäter? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wie? Sie kennen ihn? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wie sollt’ ich ihn nicht kennen? Hat er doch drei -Jahre bei mir als Kutscher gedient. (<span class="dir">Alle machen Zeichen des -Erstaunens.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Ein schöner Lehrer! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Und du bist hier Lehrer, Wralmann? Ich dachte -immer, du seist ein guter Mensch und würdest andern nicht ins -Handwerk pfuschen. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Was thun, gnädiger Herr! Ich bin nicht der -erste, bin auch nicht der letzte. Drei Monate trieb ich mich in -Moskau umher, ohne eine Kutscherstelle finden zu können. Da -mußt’ ich entweder Hungers sterben oder Lehrer werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu den Lehrern</span>). Auf Befehl der Regierung habe -ich dieses Haus unter Tutel gestellt, und ihr seid entlassen. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Ausgezeichnet! -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Sie sagen uns ab? Aber sollten wir uns nicht -vorher berechnen? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Wieviel hast du zu bekommen? -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Meine Rechnung ist nicht so gering. Für ein -halbes Jahr Unterricht; für die Stiefel, die ich im Laufe von -drei Jahren vertragen habe; für das unnütze Kommen hierher -und zwecklose Warten – -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Unersättliche Seele, du! Wofür? -</p> - -<p> -<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a> -<span class="character">Prawdin.</span> Mengen Sie sich nicht in andrer Angelegenheit, -Madame, bitt’ ich! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Wo bleibt die Gerechtigkeit: was hat -mein Mitrofan von ihm gelernt? -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin.</span> Das ist seine, nicht meine Sache. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Gut, schon gut! (<span class="dir">Zu Zyfirkin.</span>) Wieviel hast du -zu bekommen? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Ich? Nichts. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Für ein Jahr hat er zehn Rubel erhalten, -für das andre jedoch noch keinen Groschen bekommen. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Für jene zehn Rubel hab’ ich im Verlaufe der zwei -Jahre Stiefel vertragen. Wir sind also quitt. -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Aber für den Unterricht? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Nichts. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Wie denn – nichts? -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Nichts nehm’ ich, denn nichts hat der Junge von -mir gelernt. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Dessenungeachtet mußt du bezahlt werden. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Auf keinen Fall! Dem Landesherrn hab’ ich über -zwanzig Jahre gedient. Für Dienstleistungen hab’ ich Lohn angenommen, -für keine – nie. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Das ist ein guter Mensch! (<span class="dir">Starodum und Milon -nehmen Geld aus der Börse.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Schämst du dich nicht, Kutejkin? -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">gesenkten Kopfes</span>). Schande über mich Gottlosen. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Zyfirkin</span>). Hier hast du, mein Freund, für dein -gutes Herz. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Dank, Euer Gnaden. Geschenke nehm’ ich an, -aber unverdiente Zahlung werd’ ich nie beanspruchen. -</p> - -<p> -<span class="character">Milon</span> (<span class="dir">gibt ihm Geld</span>). Hier hast du noch, mein Freund. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Und nochmals Dank. (<span class="dir">Prawdin gibt ihm gleichfalls -Geld.</span>) Wofür denn, Euer Gnaden? -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Dafür, daß du nicht bist wie Kutejkin. -</p> - -<p> -<span class="character">Zyfirkin.</span> Ei, Euer Gnaden, ich bin Soldat! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Zyfirkin</span>). So geh denn mit Gott. (<span class="dir">Zyfirkin ab; -<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a> -zu Kutejkin.</span>) Du aber, Kutejkin, komme morgen und schließe -deine Rechnung mit der Herrin selbst ab. -</p> - -<p> -<span class="character">Kutejkin</span> (<span class="dir">forteilend</span>). Mit ihr selbst? Da zieh’ ich meine -Forderungen zurück! -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Euer Gnaden, vergessen Sie Ihren -alten Diener nicht! Nehmen Sie mich wieder in Dienst! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Aber du hast dich ja ganz von den Pferden entwöhnt. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Nicht doch! Während meines Zusammenlebens -mit dieser Herrschaft schien es mir immer, als sei ich unter -Pferden. -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-7"> -Siebenter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span>. Ein <span class="character">Kammerdiener</span>. -</p> - -<p> -<span class="character">Kammerdiener</span> (<span class="dir">zu Starodum</span>). Ihr Wagen steht bereit. -</p> - -<p> -<span class="character">Wralmann.</span> Darf ich Sie fahren? -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Geh, setze dich auf den Bock. (<span class="dir">Wralmann ab.</span>) -</p> - -<h3 class="scene" id="subchap-0-7-8"> -Letzter Auftritt. -</h3> - -<p class="dir"> -<span class="character">Die Vorigen</span> ohne Wralmann und den Kammerdiener. -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Prawdin, die Hände Sophiens und Milons haltend</span>). -Nun, mein Freund, wir fahren. Wünsche uns – -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Jedes Glück, auf welches ehrliche Herzen ein Anrecht -haben. -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">Mitrofan stürmisch umarmend</span>). Du allein -bist mir geblieben, mein Eins und mein Alles! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Laß mich in Ruhe! ... Hängt sich an wie eine -Klette! -</p> - -<p> -<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a> -<span class="character">Frau Prostakowa.</span> Auch du, auch du kehrst mir den Rücken! -O Undankbarer! (<span class="dir">Sinkt in Ohnmacht.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Sophie</span> (<span class="dir">zu ihr eilend</span>). Gott, sie ist ohne Besinnung! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum.</span> Hilf ihr, hilf ihr. (<span class="dir">Sophie und Jeremejewna sind -um Frau Prostakowa beschäftigt.</span>) -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Mitrofan</span>). Taugenichts! Und du nimmst dir -noch das Recht, gegen deine Mutter grob zu sein? Ihre unsinnige -Liebe zu dir ist’s, die sie in ein solches Unglück gestürzt hat. -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Aber sie weiß ja selbst nicht, was sie will! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin.</span> Grobian! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">zu Jeremejewna</span>). Nun, wie ist ihr jetzt? -</p> - -<p> -<span class="character">Jeremejewna</span> (<span class="dir">blickt Frau Prostakowa forschend an, die Hände über -dem Kopf zusammenschlagend</span>). Ach, sie wird zu sich kommen! -</p> - -<p> -<span class="character">Prawdin</span> (<span class="dir">zu Mitrofan</span>). Mit dir, Freundchen, weiß ich, was -ich zu thun habe: dienen sollst du! -</p> - -<p> -<span class="character">Mitrofan.</span> Mir ist alles gleich! -</p> - -<p> -<span class="character">Frau Prostakowa</span> (<span class="dir">zu sich kommend, in Verzweiflung</span>). Ich bin -verloren! Meiner Macht bin ich beraubt! Wohin soll ich blicken -vor Schande? Ich habe keinen Sohn mehr! -</p> - -<p> -<span class="character">Starodum</span> (<span class="dir">auf Frau Prostakowa weisend</span>). Das ist die Frucht -der bösen Saat! -</p> - -<p class="printer"> -<span class="line1">Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.</span> -</p> - -<div class="ads chapter"> -<p class="ade"> -Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. -</p> - -<hr /> - -<p class="h2 adh"> -Meyers Sprachführer. -</p> - -<p class="ads"> -Taschen-Konversations-Wörterbücher. -</p> - -<p class="adb"> -Französisch -</p> - -<p class="c ada"> -von Professor <b>E. Pollak</b>, Paris. Gebunden 2½ M. -</p> - -<p class="adb"> -Englisch -</p> - -<p class="c ada"> -von <b>Dr. E. G. Ravenstein</b>, London. Gebunden 2½ M. -</p> - -<p class="adb"> -Italienisch -</p> - -<p class="c ada"> -von <b>Dr. R. Kleinpaul</b>, Rom. Gebunden 2½ M. -</p> - -<p class="adb"> -Spanisch -</p> - -<p class="c ada"> -von <b>Dir. Heinrich Ruppert</b>, Madrid. Gebunden 3 M. -</p> - -<p class="adb"> -Russisch -</p> - -<p class="c ada"> -von <b>K. v. Jürgens</b>, St. Petersburg. Gebunden 3 M. -</p> - -<p class="adb"> -Arabisch -</p> - -<p class="c ada"> -von <b>Dr. M. Hartmann</b>, Beirut. Saffianband 6 M. -</p> - -<p class="adb"> -Türkisch -</p> - -<p class="c ada"> -von Direktor <b>Heintze</b>, Smyrna. Saffianband 6 M. -</p> - -<p> -„<b>Meyers Sprachführer</b>“ bieten als Verschmelzung von <em>Konversationsbuch</em> -und <em>Taschenwörterbuch</em> den großen Vorzug, sich in der -Sprache fremden Landes ohne besondere Vorkenntnisse auszudrücken -und eine jedermann verständliche Unterhaltung zu führen. -</p> - -<p> -Man findet im Nu des gewünschte Wort, daneben Warnung vor -üblichen <em>Sprachfehlern</em>, <em>grammatische</em> Anweisungen, lehrreiche Winke -über <em>Sitten</em> und <em>Gebräuche</em> und eine Fülle <em>zusammengehöriger</em> Vokabeln -und Redewendungen. Korrekt in der Sprache und praktisch in der -Anlage, sind diese Bücher vortreffliche Helfer <em>auf der Reise und im Haus</em>. -</p> - -</div> - -<div class="ads chapter"> -<p class="h1 adh"> -Meyers Volksbücher. -</p> - -<p class="u c"> -Jedes Bändchen ist einzeln käuflich. – Preis jeder Nummer<br /> -= 10 Pfennig. =<br /> -Bis Ende 1889 sind 702 Nummern erschienen. -</p> - -<p class="c"> -Die zuletzt erschienenen 500 Nummern umfassen nachstehende Bändchen: -</p> - - <div class="books"> -<p class="ada"> -<b>Althaus</b>, Märchen aus -der Gegenwart. 508 -bis 510. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Arnim</b>, Die Ehenschmiede. -– Der tolle Invalide. -– Fürst Ganzgott -und Sänger -Halbgott. 349. 350. -</p> - -<p> -– Isabella von Ägypten. -530. 531. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Äschylos</b>, Orestie (Agamemnon. -– Das -Totenopfer. – Die -Eumeniden). 533. -534. -</p> - -<p> -– Der gefesselte Prometheus. -237. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Beaumarchais</b>, Figaros -Hochzeit. 298. 299. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Beer</b>, Struensee. 343. 344. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Biernatzki</b>, Der braune -Knabe. 513-517. -</p> - -<p> -– Die Hallig. 412-414. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Björnson</b>, Zwischen den -Schlachten. 408. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Blum</b>, Ich bleibe ledig. -507. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Blumenauer</b>, Virgils Äneis. -368-370. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Börne</b>, Aus meinem Tagebuche. -234. -</p> - -<p> -– Vermischte Aufsätze. -467. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Brentano</b>, Geschichte vom -braven Kasperl. 460. -</p> - -<p> -– Gockel, Hinkel und -Gackeleia. 235. 236. -</p> - -<p> -– Märchen I. 564-568. -</p> - -<p> -– Märchen II. 569-572. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Bülow</b>, I. Shakespeare-Novellen. -381-383. -</p> - -<p> -– II. Spanische Novellen. -384-386. -</p> - -<p> -– III. Französische Novellen. -387-389. -</p> - -<p> -– IV. Italienische -Novellen. 390-392. -</p> - -<p> -– V. Englische Novellen. -473. 474. -</p> - -<p> -– VI. Deutsche Novellen. -475. 476. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Bürger</b>, Gedichte. 272. 273. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Byron</b>, Childe Harolds -Pilgerfahrt. 398. 399. -</p> - -<p> -– Sardanapal. 451. 452. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Calderon</b>, Das Festmahl -des Belsazer. 334. -</p> - -<p> -– Gomez Arias. 512. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Cervantes</b>, Neun Zwischenspiele. -576. 577. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Chamisso</b>, Gedichte. 263-268. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Chateaubriand</b>, Der -Letzte der Abencerragen. -418. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Chinesische Gedichte.</b> 618. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Claudius</b>, Ausgewählte -Werke. 681-683. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Collin</b>, Regulus. 573. 574. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Dante</b>, Das Paradies. -199. 200. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Diderot</b>, Erzählungen. -643. 644. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Droste-Hülshoff</b>, Bilder -aus Westphalen &c. -691. -</p> - -<p> -– Die Judenbuche. 323. -</p> - -<p> -– Lyrische Gedichte. 479-483. -</p> - -<p> -– Die Schlacht im Loener -Bruch. 439. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Eichendorff</b>, Ahnung und -Gegenwart. 551-555. -</p> - -<p> -– Aus dem Leben eines -Taugenichts. 540. -541. -</p> - -<p> -– Gedichte. 544-548. -</p> - -<p> -– Julian. – Robert und -Guiscard. – Lucius. -542. 543. -</p> - -<p> -– Kleine Novellen. -632-653. -</p> - -<p> -– Das Marmorbild. – -Das Schloß Dürande. -549. 550. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Euripides</b>, Hippolyt. 575. -</p> - -<p> -– Iphigenia bei den -Tauriern. 342. -</p> - -<p> -– Iphigenie in Aulis. 539. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Feuchtersleben</b>, Zur -Diätetik der Seele. -616. 617. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Fichte</b>, Reden an die deutsche -Nation. 453-455. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Fouqué</b>, Undine. 285. -</p> - -<p> -– Der Zauberring. 501-506. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Gaudy</b>, Venezianische -Novellen. 494-496. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Gellert</b>, Fabeln und Erzählungen. -231-233. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Goethe</b>, Clavigo. 224. -</p> - -<p> -– Dichtung und Wahrheit -I. 669-671. -</p> - -<p> -– Dichtung und Wahrheit -II. 672-675. -</p> - -<p> -– Dichtung und Wahrheit -III. 676 bis -678. -</p> - -<p> -– Dichtung und Wahrheit -IV. 679. 680. -</p> - -<p> -– Ausgewählte Gedichte. -216. 217. -</p> - -<p> -– Italienische Reise. 258 -bis 262. -</p> - -<p> -– Die Laune des Verliebten. -– Die Geschwister. -434. -</p> - -<p> -– Wilhelm Meisters -Lehrjahre. 201-207. -</p> - -<p> -– D. Mitschuldigen. 431. -</p> - -<p> -– Die natürliche Tochter. -432. 433. -</p> - -<p> -– Stella. 394. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Goethe-Schiller</b>, Xenien. 208. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Goldsmith</b>, Der Landprediger von Wakefield. 638-640. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Grabbe</b>, Napoleon. 338. 339. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Griechische Lyriker.</b> 641. 642. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Grimmelshausen.</b> Simplicissimus. 278-283. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Guntram</b>, Dorfgeschichten. 658-660. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hagedorn</b>, Fabeln u. Erzählungen. 425-427. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hauff</b>, Das Bild des Kaisers. 601. 602. -</p> - -<p> -– Der Mann im Mond. 415-417. -</p> - -<p> -– Memoiren des Satan. 604-607. -</p> - -<p> -– Phantasien im Bremer Ratskeller. 600. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hebel</b>, Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. 286-288. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Heine</b>, Atta Troll. 410. -</p> - -<p> -– Buch der Lieder. 243-245. -</p> - -<p> -– Deutschland. 411. -</p> - -<p> -– Florentinische Nächte. 655. -</p> - -<p> -– Neue Gedichte. 246. 247. -</p> - -<p> -– Die Harzreise. 250. -</p> - -<p> -– Die Nordsee. – Das Buch Le Grand. 485. 486. -</p> - -<p> -– Romanzero. 248. 249. -</p> - -<p> -– Schnabelewopski. 654. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Herder</b>, Über den Ursprung der Sprache. 321. 322. -</p> - -<p> -– Volkslieder. 461-464. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hippel</b>, Über die Ehe. 441-443. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hoffmann</b>, Doge und Dogaresse. – Spielerglück. 610. 611. -</p> - -<p> -– Erzählungen. 608. 609. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Holberg</b>, Hexerei oder Blinder Lärm. 521. -</p> - -<p> -– Jeppe vom Berge. 308. -</p> - -<p> -– Die Maskerade. 520. -</p> - -<p> -– Der politische Kanngießer. 620. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hölderlin</b>, Hyperion. 471. 472. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Holmes</b>, Der Professor am Frühstückstisch. 627-629. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Homer</b>, Ilias. 251-256. -</p> - -<p> -– Odyssee. 211-215. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Hufeland</b>, Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern. 535-538. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Humboldt</b>, W. v., Briefe an eine Freundin. 302-307. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Iffland</b>, Die Jäger. 340. 341. -</p> - -<p> -– Die Mündel. 625. 626. -</p> - -<p> -– Der Spieler. 395. 396. -</p> - -<p> -– Verbrechen aus Ehrsucht. 623. 624. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Immermann</b>, Tristan und Isolde. 428-430. -</p> - -<p> -– Tulifäntchen. 477. 478. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Irving</b>, Die Legende von der Schlafhöhle. – -Dolph Heyliger. 651. 652. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Jean Paul</b>, Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz. 650. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Jung-Stillings Leben.</b> 310-314. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Kant</b>, Von der Macht des Gemüts. 325. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Kleist</b>, Die Familie Schroffenstein. 465. 466. -</p> - -<p> -– Penthesilea. 351. 352. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Klinger</b>, Sturm und Drang. 599. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Knigge</b>, Über den Umgang mit Menschen. 294-297. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Kopisch</b>, Ausgewählte Gedichte. 636. 637. -</p> - -<p> -– Das Karnevalsfest auf Ischia. -– Die blaue Grotte. 583. 584. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Körner</b>, Der grüne Domino. 700. -</p> - -<p> -– D. Nachtwächter. 657. -</p> - -<p> -– Der Vetter aus Bremen. 656. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Kortum</b>, Jobsiade. 274-277. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Kotzebue</b>, Die beiden Klingsberg. 257. -</p> - -<p> -– Menschenhaß und Reue. 526. 527. -</p> - -<p> -– Pagenstreiche. 524. 525. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Lenau</b>, Faust. – Don -Juan. 614. 615. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Lessing</b>, Gedichte. 241. 242. -</p> - -<p> -– Miß Sara Sampson. 209. 210. -</p> - -<p> -– Vademekum für Pastor Lange. 348. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Lichtenberg</b>, Bemerkungen vermischten Inhalts. 665-668. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Luther</b>, Tischreden. I. 400. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Matthisson</b>, Gedichte. 484. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Meinhold</b>, Die Bernsteinhexe. 592-594. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Mendelssohn</b>, Phädon. 528. 529. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Möser</b>, Patriotische Phantasien. 422-424. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Müllner</b>, Die Schuld. 595. 596. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Münchhausens</b> Reisen u. Abenteuer. 300. 301. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Musäus</b>, Volksmärchen I. 225. 226. -</p> - -<p> -– Volksmärchen II. 227. 228. -</p> - -<p> -– Volksmärchen III. 229. 230. -</p> - -<p> -– Volksmärchen IV. 621. 622. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Neugriechische Gedichte.</b> 619. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Novalis</b>, Heinrich von Ofterdingen. 497. 498. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Oehlenschläger</b>, Corregio. 469. 470. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Pestalozzi</b>, Lienhard und Gertrud. 315-320. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Petöfi</b>, Gedichte. 645-647. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Platen</b>, Die Abbassiden. 630. 631. -</p> - -<p> -– Gedichte. 269. 270. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Puschkin</b>, Boris Godunof. 293. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Racine</b>, Britannicus. 409. -</p> - -<p> -– Phädra. 440. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Raimund</b>, Der Bauer als Millionär. 436. -</p> - -<p> -– Der Verschwender. 437. 438. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Raupach</b>, Der Müller und sein Kind. 435. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Römische Lyriker</b>, Ausgewählte Gedichte. 578. 579. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Russische Novellen.</b> 653. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Sallet</b>, Laien-Evangelium. 487-490. -</p> - -<p> -– Schön Irla. 511. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Schenkendorf</b>, Gedichte. 336. 337. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Schiller</b>, Der Neffe als Onkel. 456. -</p> - -<p> -– Turandot. 612. 613. -</p> - -<p> -– Über naive und sentimentalische Dichtungen. 346. 347. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Schlegel</b>, Englisches und spanisches Theater. 356-358. -</p> - -<p> -– Griechisches und römisches Theater. 353-355. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Schleiermacher</b>, Monologe. 468. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Schubart</b>, Leben und Gesinnungen. 491-493. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Schwab</b>, Doktor Faustus. 405. -</p> - -<p> -– Fortunatus und seine Söhne. 401. 402. -</p> - -<p> -– Griseldis. – Robert der -Teufel. – Die Schildbürger. -447. 448. -</p> - -<p> -– Die vier Heymonskinder. 403. 404. -</p> - -<p> -– Hirlanda. – Genovefa. -– Das Schloß in der Höhle Xa Xa. 449. 450. -</p> - -<p> -– Die schöne Melusina. 284. -</p> - -<p> -– Kaiser Octavianus. 406. 407. -</p> - -<p> -– Kleine Sagen des Altertums. 309. -</p> - -<p> -– Sagen des klassischen Altertums. I. Die Argonauten-Sage. 693. -</p> - -<p> -– Sagen des klassischen Altertums. II. Herkules und die Herakliden. 694. 695. -</p> - -<p> -– Sagen des klassischen Altertums. III. Bellerophontes. -– Theseus. – Ödipus. – -Die Sieben gegen -Theben. – Die Epigonen. -– Alkmäon. 696. 697. -</p> - -<p> -– Der gehörnte -Siegfried. – Die -schöne Magelone. – -Der arme Heinrich. 445. 446. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Scott</b>, Das Fräulein vom See. 330. 331. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Seume</b>, Mein Leben. 359. 360. -</p> - -<p> -– Mein Sommer 1805. 499. 500. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Shakespeare</b>, Antonius u. Kleopatra. 222. 223. -</p> - -<p> -– Coriolan. 374. 375. -</p> - -<p> -– Cymbelin. 556. 557. -</p> - -<p> -– Ende gut, Alles gut. 562. 563. -</p> - -<p> -– König Heinrich IV. -</p> - -<p class="u"> -1. Teil. 326. 327.<br /> -2. Teil. 328. 329. -</p> - -<p> -– König Heinrich VIII. 419. 420. -</p> - -<p> -– Ein Sommernachtstraum. 218. -</p> - -<p> -– Der Sturm. 421. -</p> - -<p> -– Verlorne Liebesmüh’. 518. 519. -</p> - -<p> -– Viel Lärm um Nichts. 345. -</p> - -<p> -– Was ihr wollt. 558. 559. -</p> - -<p> -– Wie es euch gefällt. 560. 561. -</p> - -<p> -– Wintermärchen. 220. 221. -</p> - -<p> -– Die Zähmung der Keiferin. 219. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Shelley</b>, Die Cenci. 522. 523. -</p> - -<p> -– Königin Mab. 582. -</p> - -<p> -– Lyrische Gedichte. – -Alastor. 581. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Smith</b>, Nachgelassene Denkwürdigkeiten. 603. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Sophokles</b>, Der rasende Ajas. 580. -</p> - -<p> -– Elektra. 324. -</p> - -<p> -– Ödipus auf Kolonos. 292. -</p> - -<p> -– Philoktetes. 397. -</p> - -<p> -– Die Trachinierinnen. 444. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Stieglitz</b>, Bilder des Orients. 585-591. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Tasso</b>, Das befreite Jerusalem. 684-690. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Tennyson</b>, Ausgewählte Dichtungen. 371-373. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Tieck</b>, Der Alte vom Berge. 290. 291. -</p> - -<p> -– Der Aufruhr in den Cevennen. 661-664. -</p> - -<p> -– Die Gemälde. 289. -</p> - -<p> -– Des Lebens Überfluß. 692. -</p> - -<p> -– Shakespeare-Novellen. 332. 333. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Töpffer</b>, Rosa und Gertrud. 238-240. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Törring</b>, Agnes Bernauer. 393. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Vega, Lope de</b>, Kolumbus. 335. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Viehoff</b>, Blütenstrauß französischer und englischer Poesie. 597. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Voltaire</b>, Philosophische Aufsätze. 648. 649. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Voß</b>, Luise. 271. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Waldau</b>, Aus der Junkerwelt. 376-380. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Wieland</b>, Clelia und Sinibald. 457. 458. -</p> - -<p> -– Pervonte oder die Wünsche. 459. -</p> - -<p> -– Schach Lolo &c. 598. -</p> - -<p> -– Das Wintermärchen. – -Das Sommermärchen. 532. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Wisin</b>, Der Landjunker. 698. 699. -</p> - -<p class="ada"> -<b>Zschokke</b>, D. Feldweibel. – -Die Walpurgisnacht. -– Das Bein. 366. 367. -</p> - -<p> -– Das Goldmacherdorf. 701. 702. -</p> - -<p> -– Kleine Ursachen. 363. 364. -</p> - -<p> -– Kriegerische Abenteuer eines Friedfertigen. 365. -</p> - -<p> -– Der tote Gast. 361. 362. -</p> - - </div> -<p> -Vollständige Verzeichnisse sind durch jede Buchhandlung gratis -zu beziehen. Die Sammlung wird in rascher Folge fortgesetzt. -</p> - -</div> - -<p class="printer"> -<span class="line1">Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.</span> -</p> - -<div class="trnote chapter"> -<p class="transnote"> -Anmerkungen zur Transkription -</p> - -<p> -Verlagsanzeigen wurden am Ende des Buches gesammelt. -</p> - -<p> -Offensichtliche Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert. -Weitere Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher): -</p> - - - -<ul> - -<li> -... unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, <span class="underline">das</span> jedes, ...<br /> -... unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, <a href="#corr-0"><span class="underline">daß</span></a> jedes, ...<br /> -</li> - -<li> -... Jeremejewna. Erzürne doch den Onkel nicht! <span class="underline">Sie</span> nur, ...<br /> -... Jeremejewna. Erzürne doch den Onkel nicht! <a href="#corr-2"><span class="underline">Sieh</span></a> nur, ...<br /> -</li> - -<li> -... Mitrofan (<span class="underline">den</span> Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ dich ...<br /> -... Mitrofan (<a href="#corr-3"><span class="underline">dem</span></a> Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ dich ...<br /> -</li> - -<li> -... Milon. Wie verdienst du dir denn dein Brot<span class="underline">.</span> ...<br /> -... Milon. Wie verdienst du dir denn dein Brot<a href="#corr-4"><span class="underline">?</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... <span class="underline">Ein</span> Ende! ...<br /> -... <a href="#corr-5"><span class="underline">ein</span></a> Ende! ...<br /> -</li> - -<li> -... Starodum. In einem. Mein Vater wiederholte mir <span class="underline">bestän</span> ...<br /> -... Starodum. In einem. Mein Vater wiederholte mir <a href="#corr-6"><span class="underline">beständig</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... ... Nun aber will ich diesen Kanaillen von Dienstboten ...<br /> -... ... Nun aber will ich <a href="#corr-8"><span class="underline">es</span></a> diesen Kanaillen von Dienstboten ...<br /> -</li> -</ul> -</div> - - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DER LANDJUNKER</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg™ mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg™ -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg™ name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg™ License when -you share it without charge with others. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg™ work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work -on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the -phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: -</div> - -<blockquote> - <div style='display:block; margin:1em 0'> - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most - other parts of the world at no cost and with almost no restrictions - whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms - of the Project Gutenberg License included with this eBook or online - at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. 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