diff options
Diffstat (limited to 'old/67394-0.txt')
| -rw-r--r-- | old/67394-0.txt | 4332 |
1 files changed, 0 insertions, 4332 deletions
diff --git a/old/67394-0.txt b/old/67394-0.txt deleted file mode 100644 index ccddbce..0000000 --- a/old/67394-0.txt +++ /dev/null @@ -1,4332 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook of Der Landjunker, by Denis Iwanowitsch -Fonwisin - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Der Landjunker - Lustspiel in fünf Aufzügen - -Author: Denis Iwanowitsch Fonwisin - -Translator: Friedrich Fiedler - -Release Date: February 13, 2022 [eBook #67394] - -Language: German - -Produced by: Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team - at https://www.pgdp.net. This book was produced from - scanned images of public domain material from the Google - Books project. - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LANDJUNKER *** - - - Meyers Volksbücher. - - - - - Der Landjunker. - - - Ein Lustspiel in fünf Aufzügen - von - Denis Von-Wisin. - - Aus dem Russischen übertragen von Friedrich Fiedler. - - - Leipzig. - Bibliographisches Institut. - - - - - Vorbemerkung. - - -Die Vorfahren Von-Wisins waren ein deutsches Rittergeschlecht, das zum -Orden der Schwertbrüder gehörte und sich von Wiesen schrieb. Ein Baron -Peter von Wiesen geriet im Kriege Iwans des Grausen mit Livonien in -russische Gefangenschaft und kehrte nicht mehr in sein Heimatland -zurück. Seine Nachkommen russifizierten sich vollständig, so daß sie -sogar ihren deutschen Familiennamen verleugneten. – Unser Dichter, „der -König der Satire“, wie ihn Puschkin im „_Jewgenij Onjegin_“ nennt, Denis -Iwanowitsch Von-Wisin, wurde am 3. April 1745 zu Moskau geboren und -studierte an der Petersburger Universität. 1763 erhielt er eine -Sekretärstelle beim Kabinetsminister I. P. Jelagin und 1769 eine solche -beim Grafen Nikita Iwanowitsch Panin, dem Minister des Auswärtigen und -Erzieher des Thronfolgers Paul. Vorher noch – 1766 – hatte Von-Wisin die -Komödie „Der Brigadier“ veröffentlicht, in welcher er die Sucht der -bessern russischen Stände nach allem Ausländischen und ihre Verachtung -des Einheimischen scharf geißelt. Am 24. Sept. 1782 gelangte „Der -Landjunker“ zur ersten Aufführung und fand einen ungewöhnlichen Beifall: -das begeisterte Publikum warf klirrende Geldbeutel auf die Bühne, und -Potjomkin soll nach der Vorstellung zum Verfasser gesagt haben: „Stirb, -Denis, oder schreibe nichts mehr!“ Zehn Jahre darauf, in den ersten -Tagen des Dezembers, wurde Von-Wisin auf dem Friedhof des -Alexander-Newskij-Klosters zu St. Petersburg zu Grabe getragen. - -Ein „_Njedorosslj_“ (wörtlich: Minderjähriger) hieß im vorigen -Jahrhundert jeder Adelige im Alter von 12-17 Jahren. Einem Ukas Peters -I. zufolge wurde ein solcher schon bei seiner Geburt in den Staatsdienst -eingeschrieben und mußte sich hierzu nach Erlangung eines gewissen -Bildungsgrades melden. Ein Landjunker, der kein Zeugnis über -Elementarbildung vorweisen konnte, verlor das Recht – zu heiraten. -Derjenige, welcher sich nicht freiwillig zum Dienst meldete, wurde laut -einem Ukas der Kaiserin Elisabeth unter die Soldaten und Matrosen -gesteckt. Auch Katharina II. hoffte solcherart – vielfach vergebens – -den russischen Adel moralisch zu heben. - -Der namhafte Kritiker, Fürst Pjotr Andrejewitsch Wjasemskij, Von-Wisins -Biograph, sagt vom „_Njedorosslj_“ –: „Diese Komödie ist nicht nur ein -schönes Musenerzeugnis, sondern auch ein patriotisches Verdienst.“ In -der That: im „Landjunker“ besitzen wir ein litterarisches Denkmal von -kulturhistorischer Bedeutung, insofern das Stück ein treues Bild der -russischen Gutsbesitzerschaft jener Zeit bietet und die liberal-humanen -Reformen Katharinas II. kräftigst unterstützt hat; die Komödie gab das -Signal zu einer Reihe in administrativer Hinsicht tendenziös gefärbter -Dramen, und auf den „Landjunker“ muß auch der Ursprung der modernen -russischen Sittenkomödien zurückgeführt werden. Der „_Njedorosslj_“ ist -das erste Nationallustspiel der Russen und erscheint hier zum erstenmal -in fremdsprachlichem Gewand. - - F. F. - - - - - Personen. - - - PROSTAKOW. - FRAU PROSTAKOWA, seine Frau. - MITROFAN, beider Sohn, der Landjunker. - JEREMEJEWNA, dessen Amme. - PRAWDIN. - STARODUM. - SOPHIE, Starodums Nichte. - MILON. - SKOTININ, Bruder der Frau Prostakowa. - KUTEJKIN, Seminarist. - ZYFIRKIN, abgedankter Sergeant. - WRALMANN, Lehrer. - TRISCHKA, Schneider. - Ein DIENER Prostakows. - Ein KAMMERDIENER Starodums. - - Die Handlung spielt auf dem Gute der Prostakow. - - - - - Erster Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA. MITROFAN. JEREMEJEWNA. - -FRAU PROSTAKOWA (betrachtet einen Kaftan auf Mitrofan). Der ganze Kaftan -ist verdorben! Jeremejewna, führe den Halunken Trischka her! -(Jeremejewna ab.) Der Spitzbube hat ihn überall zu eng gemacht! -Mitrofan, armer Junge, ich kann’s mir vorstellen, wie entsetzlich es -dich drücken muß! Rufe den Vater her (Mitrofan ab). - - - Zweiter Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA. JEREMEJEWNA. TRISCHKA. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Trischka). Komm mal näher, du Vieh! Hab’ ich dir -nicht gesagt, du Diebsgesicht, daß du den Kaftan breiter machen sollst? -Erstens wächst der Knabe und zweitens ist er auch ohne engen Kaftan sehr -delikat gebaut! Sprich, Klotz, wie willst du dich rechtfertigen! - -TRISCHKA. Aber, gnädige Frau, ich bin ja bei keinem Schneider in der -Lehre gewesen! Ich habe Sie ja gewarnt; warum beliebte es Ihnen nicht, -die Arbeit einem Schneider zu geben? - -FRAU PROSTAKOWA. Muß man denn ein Schneider sein, um einen Kaftan gut zu -nähen? So urteilen nur Tiere! - -TRISCHKA. Aber gnädige Frau, ein Schneider hat ja gelernt, und ich -nicht! - -FRAU PROSTAKOWA. Du widersprichst noch? Der Schneider hat bei einem -andern gelernt, der andre bei einem Dritten; bei wem hat dann aber der -allererste Schneider gelernt? Sprich, Vieh! - -TRISCHKA. Der allererste Schneider hat vielleicht noch schlechter genäht -als ich! - -MITROFAN (hereinlaufend). Ich habe den Vater gerufen, er sagte: Gleich. - -FRAU PROSTAKOWA. Geh, schlepp ihn mit Gewalt her, wenn er nicht -gutwillig kommen will! - -MITROFAN. Da ist der Vater. - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. PROSTAKOW. - -FRAU PROSTAKOWA. Nun, was verbirgst du dich vor mir? So was muß ich -erleben, deiner Nachsicht zu danken! Wie gefällt dir der neue Anzug -unsers Sohnes zur Verlobung des Onkels? Was sagst du zum Kaftan, den -Trischka genäht? - -PROSTAKOW (vor Schüchternheit stotternd). Er ist – etwas – sa – sackig. - -FRAU PROSTAKOWA. Du bist selber ein Sack, du Hohlkopf! - -PROSTAKOW. Ich glaubte nur, daß es dir so scheine. - -FRAU PROSTAKOWA. Bist du denn selber blind? - -PROSTAKOW. Wo du siehst, bin ich blind. - -FRAU PROSTAKOWA. Mit welchem Mann mich doch der liebe Gott gesegnet hat! -Kann selber nicht unterscheiden, was breit und was eng ist! - -PROSTAKOW. In dieser Hinsicht habe ich stets deinem Urteil vertraut und -zweifle auch jetzt nicht – - -FRAU PROSTAKOWA. So zweifle denn auch nicht, daß ich nicht gesonnen bin, -meinen Leibeignen durch die Finger zu sehn! Geh, laß ihn sofort -durchpeitschen! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. SKOTININ. - -SKOTININ. Wen? Wofür? An meinem Verlobungstage! Ich bitte dich, liebe -Schwester, eine solche Feier zu berücksichtigen und die Strafe bis auf -morgen zu verschieben; morgen, wenn du’s willst, werde auch ich gern -Hand anlegen. Da will ich nicht Skotinin heißen, wenn nicht jeder schuld -ist, den ich schuldig wissen will; hierin, Schwester, stimmen wir -miteinander völlig überein. Worüber bist du denn aber so erzürnt? - -FRAU PROSTAKOWA. Mögen deine Augen urteilen, Bruder! Mitrofan, komm her -... Sitzt dieser Kaftan sackig? - -SKOTININ. Nein. - -PROSTAKOW. Ich selbst, liebe Frau, sehe, daß er zu eng ist. - -SKOTININ. Auch das seh’ ich nicht. Der Kaftan, Schwager, ist vorzüglich -genäht. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Trischka). Heraus! (Zu Jeremejewna) Geh, -Jeremejewna, gib dem Knaben zu frühstücken. Ich glaube, die Lehrer -werden bald kommen. - -JEREMEJEWNA. Er hat bereits fünf Brötchen aufgegessen. - -FRAU PROSTAKOWA. So thut dir das sechste leid, du Ungetüm? Ist das dein -Diensteifer? Unerhört! - -JEREMEJEWNA. Gott gesegn’ es ihm! Ich hab’s ja zu Mitrofan -Terentjewitschs Besten gesagt. Bis an den Morgen hat er sich schlaflos -umhergewälzt. - -FRAU PROSTAKOWA. Heilige Mutter Gottes! Was war dir, Herzens-Mitrofan? - -MITROFAN. Ich weiß nicht, Mutter. Gestern nach dem Abendbrot bekam ich -Bauchkneipen. - -SKOTININ. Hast wohl, mein Freund, recht tüchtig zu Abend gegessen? - -MITROFAN. Ich habe, Onkelchen, fast nichts gegessen. - -PROSTAKOW. Ich erinnere mich, mein Sohn: du hast doch etwas zu dir -genommen. - -MITROFAN. Das ist ja nichts: etwa drei Scheibchen Pökelfleisch und fünf -oder sechs Stückchen Salzkuchen. - -JEREMEJEWNA. Die ganze Nacht über litt er Durst: einen ganzen Krug Kwas -hat er ausgetrunken. - -MITROFAN. Mir schwindelt noch jetzt der Kopf. Die ganze Nacht träumte -mir so ein Schund – - -FRAU PROSTAKOWA. Was für ein Schund denn, lieber Mitrofan? - -MITROFAN. Nun, bald träumte mir von dir, Mutter, bald vom Vater. - -FRAU PROSTAKOWA. Wieso? - -MITROFAN. Kaum begann ich einzuschlafen, so sah ich, wie du, Mutter, den -Vater prügeltest. - -PROSTAKOW (beiseite). Wehe mir – der Traum wird sich erfüllen. - -MITROFAN (zärtlich). Und da dauerte mich – - -FRAU PROSTAKOWA (ärgerlich). Wer, Mitrofan? - -MITROFAN. Du, Mutter, du wurdest so müde vom Prügeln! - -FRAU PROSTAKOWA. Umarme mich, mein Herz! Das ist ein Sohn! O, du mein -einziger Trost! - -SKOTININ. Nun, Mitrofan, ich merk’ es: du bist der echte Sohn deiner -Mutter, nicht aber deines Vaters. - -PROSTAKOW. Ich wenigstens liebe ihn, wie es einem Vater geziemt: er ist -ein kluges, ein vernünftiges Kind, ein Spaßvogel, ein Schalk. Mitunter -bin ich vor Freude ganz außer mir und kann es dann gar nicht glauben, -daß er mein Sohn ist. - -SKOTININ. Doch gegenwärtig macht unser Spaßvogel ein recht ernstes -Gesicht. - -FRAU PROSTAKOWA. Sollte man nicht in die Stadt nach dem Doktor schicken? - -MITROFAN. Nein, nein, Mutter; ich werde mich schon selber gesund machen. -Will doch mal zum Taubenschlag laufen, vielleicht daß – - -FRAU PROSTAKOWA. Gott gnädig ist. Geh, mein Teurer, spiele ein wenig. -(Mitrofan mit der Jeremejewna ab.) - - - Fünfter Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW und SKOTININ. - -SKOTININ. Wie kommt’s denn, daß ich meine Braut nicht sehe? Wo ist sie? -Am Abend findet die Verlobung statt: wär’ es da nicht Zeit, ihr -mitzuteilen, daß man sie verheiratet? - -FRAU PROSTAKOWA. Dazu haben wir noch Zeit, Bruder. Wenn man’s ihr vorher -sagt, so kann sie gar denken, daß wir sie nach ihrer Einwilligung -fragen! Ich bin nur durch meinen Mann mit ihr verwandt und liebe, daß -mir fremde Menschen gehorchen. - -PROSTAKOW (zu Skotinin). Der Wahrheit die Ehre! Wir haben Sophie -behandelt, als sei sie eine echte und rechte Waise. Als ihr Vater starb, -war sie noch ein ganz kleines Kind. Ein halbes Jahr darauf bekam ihre -Mutter, meine Verwandte, den Schlag – - -FRAU PROSTAKOWA (sich das Herz bekreuzigend). Die Kraft des Kreuzes sei -mit uns! - -PROSTAKOW. Dank welchem sie auch mit Tode abging. Des Mädchens Onkel, -ein Herr Starodum, fuhr nach Sibirien, und da er schon seit mehreren -Jahren völlig verschollen ist, so halten wir ihn denn auch für -verstorben. Als wir merkten, daß Sophie mutterseelenallein dastand, -nahmen wir sie zu uns aufs Dorf und verwalten nun ihr Gut, als sei es -unser eignes. - -FRAU PROSTAKOWA. Bist heute ganz ins Lügen hineingeraten, mein Lieber! -Der Bruder könnte gar glauben, daß wir sie aus Interesse zu uns genommen -haben. - -PROSTAKOW. Wie sollte er das glauben?! Ihr unbewegliches Vermögen können -wir doch nicht in unsre Tasche hineinwandern lassen! - -SKOTININ. Das bewegliche ist zwar schon hineingewandert, aber ich bin -kein Verräter. So was macht Scherereien, die ich nicht liebe, die ich -fürchte. Wie oft mich auch die Nachbarn übervorteilt, wieviel Schaden -sie mir gebracht – ich habe auf keinen eine Klage eingerichtet. Statt -mir den Schaden durch Laufereien einzubringen, zwack’ ich’s mir von den -Bauern ab, und kein Hahn kräht danach. - -PROSTAKOW. Es ist wahr, Schwager: die ganze Nachbarschaft meint, du -verstehest es meisterhaft, den Obrok[1] einzukassieren. - - [1] Abgaben der zinspflichtigen Bauern. _Anm. d. Übers._ - -FRAU PROSTAKOWA. Wenn du’s uns doch lehren wolltest, lieber Bruder; wir -verstehn’s gar nicht. Seitdem wir alles, was die Bauern besaßen, uns -zugesteckt haben, können wir sie gar nicht mehr rupfen. Ein wahrer -Jammer! - -SKOTININ. Gern, Schwester, will ich’s euch lehren – macht nur, daß ich -Sophie heirate. - -FRAU PROSTAKOWA. Gefällt dir denn das Mädchen so ungeheuer? - -SKOTININ. Nun, nicht gerade das Mädchen – - -PROSTAKOW. Also ihre Dörfer? - -SKOTININ. Auch nicht gerade die Dörfer, sondern das, was sich in diesen -Dörfern aufhält und meine größte Leidenschaft ist. - -FRAU PROSTAKOWA. Was denn, lieber Bruder? - -SKOTININ. Schweine sind meine Leidenschaft, Schwester. In unserm Umkreis -gibt’s dermaßen große Schweine, daß jedes, sollte es sich auf die -Hinterfüße stellen, uns alle um Kopfeslänge überragen würde. - -PROSTAKOW. Es ist doch sonderbar, Schwager, wie die Verwandten einander -gleichen können! Unser Mitrofan ist ganz nach dem Onkel geraten: auch er -hatte von Kindesbeinen an dieselbe Leidenschaft für Schweine wie du. Als -er drei Jahr zählte, so zitterte er vor Freude beim Anblick eines -Schweinchens. - -SKOTININ. In der That, höchst wunderbar! Nun, mag Mitrofan die Schweine -lieben: er ist mein Verwandter, und hierbei spielt die Ähnlichkeit eine -Rolle. Wie erklärt sich denn aber _meine_ Leidenschaft für die Schweine? - -PROSTAKOW. Auch hierbei spielt die Ähnlichkeit eine Rolle, denk’ ich. - - - Sechster Auftritt. - - DIE VORIGEN. SOPHIE tritt auf mit einem Brief in der Hand; ihr - Gesicht strahlt vor Freude. - -FRAU PROSTAKOWA. Was bist du denn so lustig, meine Beste? Worüber freust -du dich? - -SOPHIE. Soeben hab’ ich eine freudige Nachricht erhalten. Der Onkel, von -dem wir so lange nichts vernommen, den ich liebe und ehre wie einen -Vater, ist dieser Tage in Moskau angelangt. Da ist der Brief, den ich -soeben von ihm erhalten habe. - -FRAU PROSTAKOWA (erschrickt; mit verbissener Wut). Was? Starodum, dein -Onkel, lebt? Und du wagst es, ihn für auferstanden auszugeben? Diese -Lüge ist wirklich einzig! - -SOPHIE. Er war ja gar nicht gestorben! - -FRAU PROSTAKOWA. Nicht gestorben! Hätte er denn nicht sterben können? -... Nein, meine Beste, das sind deine Erfindungen, um uns mit deinem -Onkel ins Bockshorn zu jagen, damit wir dir Freiheit lassen! Du denkst: -der Onkel ist ein kluger Mensch, er wird schon Wege finden, mich aus -euren Händen zu befreien! Und darüber freust du dich ... aber bitte, -freue dich nur nicht zu sehr: dein Onkel ist natürlich von den Toten -nicht auferstanden. - -SKOTININ. Schwester! Wenn er aber gar nicht gestorben wäre? - -PROSTAKOW. Verhüt’ es Gott, daß er nicht gestorben wäre! - -FRAU PROSTAKOWA (zum Mann). Wie: „nicht gestorben?“ ... Mache mich nicht -wirr! Weißt du denn nicht, daß ich schon seit mehreren Jahren -Totenmessen für den Frieden seiner Seele halten lasse? Es ist unmöglich, -daß meine Gebete nicht bis zu Gott gedrungen seien! (Zu Sophie.) Gib mal -den Brief her (ihn an sich reißend). Eine Wette geh’ ich ein, daß es ein -Liebesbrief ist, und ich errate auch den Schreiber: es ist jener -Offizier, der dir einen Antrag machte, und den du auch heiraten wolltest -... Und welche Bestie händigt dir ohne meine Erlaubnis Briefe ein? Wart, -das werd’ ich schon herausbekommen! Das sind Zeiten: jungen Mädchen -werden Briefe geschrieben! Junge Mädchen können lesen und schreiben! - -SOPHIE. Bitte lesen Sie selbst den Brief, und Sie werden alsdann sehen, -daß er das Unschuldigste von der Welt enthält. - -FRAU PROSTAKOWA. „Lesen Sie selbst den Brief!“ Nein, meine Beste, ich -bin, Gott sei Dank, nicht so erzogen. Ich empfange Briefe, lasse sie -jedoch immer andre lesen. (Zum Mann.) Lies vor. - -PROSTAKOW (nachdem er lange hineingeblickt). Das dürfte schwer fallen. - -FRAU PROSTAKOWA. Auch dich hat man, scheint’s, wie ein junges Mädchen -aus der guten alten Zeit erzogen ... Bruder, bitte, lies du. - -SKOTININ. Ich? Ich habe nie in meinem Leben etwas gelesen, Schwester! -Gott hat mich mit solchem langweiligen Zeug verschont. - -SOPHIE. Erlauben Sie, daß ich lese. - -FRAU PROSTAKOWA. O, meine Beste, ich weiß wohl, daß du eine Meisterin -darin bist – nur trau’ ich dir nicht so recht ... Der Lehrer Mitrofans -wird wohl bald kommen; er soll mir lesen. - -SKOTININ. Wird denn der Junge schon im Schreiben und Lesen unterrichtet? - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, lieber Bruder, schon gegen vier Jahre unterrichtet -man ihn. Ja, Sünde wär’s, zu sagen, daß wir uns nicht alle Mühe geben, -Mitrofan zu erziehen: drei Lehrer werden bezahlt! Im Lesen und Schreiben -unterweist ihn Kutejkin, Vorsänger in der Kirche zu Mariä Schutz- und -Fürbitte. Rechnen lehrt ein abgedankter Sergeant, Namens Zyfirkin. Beide -kommen sie aus der Stadt hierher. Den Unterricht im Französischen und in -den übrigen Wissenschaften erhält mein armer Mitrofan von einem -Deutschen, Adam Adamytsch Wralmann. Diesem zahlen wir dreihundert -Rubelchen jährlich; er sitzt mit uns an _einem_ Tische, seine Wäsche -wird von unsern Dienstboten gewaschen; ein Pferd steht immer zu seiner -Verfügung; zu Mittag bekommt er ein Glas Wein, zur Nacht ein Talglicht, -und selbst die Perücke wird ihm umsonst von Fomka in stand erhalten ... -Doch, was wahr ist, bleibt wahr: auch wir sind mit ihm zufrieden, -Bruder: er überbürdet den Knaben nicht. Und man muß doch Mitrofan ein -wenig pflegen, solange er noch jung ist: wenn er denn noch zehn Jährchen -etwa – was Gott verhüten möge – dienen muß, wird ihm kein Schmerz -erspart bleiben! Übrigens – wie’s einem bei der Geburt bestimmt ist! -Schon mancher aus der Familie der Prostakows ist im Schlaf zu Rang und -Würden gestiegen – ist denn Mitrofan schlechter als sie? Ei – da kommt -ja wie gerufen unser teurer Mieter! - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN und PRAWDIN. - -FRAU PROSTAKOWA. Lieber Bruder, hier stell’ ich dir unsern teuren Gast -vor – Herr Prawdin; und das, mein Herr, ist mein Bruder. - -PRAWDIN. Freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. - -SKOTININ. Sehr wohl, mein Herr. Und wie lautet Ihr Familienname? Ich -habe nicht recht gehört. - -PRAWDIN. Mein Name ist Prawdin, damit Sie recht hören. - -SKOTININ. Und wo geboren, mein Herr? Wo liegen Ihre Dörfer? - -PRAWDIN. Ich bin in Moskau geboren, wenn es Ihnen zu wissen not thut, -und meine Dörfer liegen in diesem Bezirk. - -SKOTININ. Und darf ich fragen, mein Herr – Ihr und Ihres Vaters Vorname -ist mir unbekannt – ob es in Ihren Dörfern Schweinchen gibt? - -FRAU PROSTAKOWA. Fange doch nicht an, von Schweinen zu sprechen, Bruder! -Wollen wir lieber Herrn Prawdin unsre Not klagen. (Zu Prawdin.) Die -Sache ist nämlich die: es war das Geheiß Gottes, daß wir dieses junge -Mädchen zu uns nahmen. Nun erhält sie Briefe von Onkeln, die ihr aus -jener Welt schreiben. Wollten Sie die Güte haben, uns allen diesen Brief -laut vorzulesen! - -PRAWDIN. Verzeihen Sie – ich lese niemals Briefe, ohne von deren -Empfängern hierzu befugt zu sein. - -SOPHIE. Ich bitte Sie darum, Sie werden mich sehr verbinden. - -PRAWDIN. Wenn Sie es also befehlen ... (liest) „Liebe Nichte! Meine -Geschäfte zwangen mich, mehrere Jahre fern von meinen Verwandten zu -leben; die weite Entfernung beraubte mich des Vergnügens, Nachricht von -ihnen zu erhalten. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Sibirien bin ich nun -in Moskau. Ich kann wohl als Beispiel dienen, daß man sich durch Fleiß -und Ehrlichkeit ein Vermögen erarbeiten kann. Dank diesen Mitteln und -mit Hilfe des Glücks habe ich zehntausend Rubel Revenuen –“ - -SKOTININ und beide PROSTAKOWS. Zehntausend! - -PRAWDIN (im Lesen fortfahrend). – „Zu deren Erben ich Dich, liebe -Nichte, ernenne.“ - -FRAU PROSTAKOWA. Dich zur Erbin! } - } -PROSTAKOW. Sophie zur Erbin! } (Gleichzeitig.) - } -SKOTININ. Sie zur Erbin! } - -FRAU PROSTAKOWA (Sophie stürmisch umarmend). Gratuliere dir, meine -Herzens-Sophie! Ich weiß mich vor Freude nicht zu fassen! Jetzt mußt du -einen Bräutigam haben. Und eine bessere Braut kann ich mir für Mitrofan -gar nicht wünschen! Das ist ein Onkel! Der leibliche Vater! Ich hab’s -mir immer gedacht, daß ihn Gott behütet, daß er noch wohl und gesund -ist! - -SKOTININ (die Hand hinhaltend). Nun, Schwester, schlag ein. - -FRAU PROSTAKOWA (leise zu Skotinin). Warte noch, Bruder: erst muß man -sie fragen, ob sie dich nehmen will. - -SKOTININ. Wie? Fragen? Wir werden doch nicht erst ihre Meinung hören -wollen?! - -PRAWDIN. Darf ich den Brief zu Ende lesen? - -SKOTININ. Wozu? Und sollten Sie fünf Jahre lesen – Besseres als die -Zehntausend werden Sie doch nicht herauslesen! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Sophie). Herzens-Sophie, komm mit mir auf mein -Schlafzimmer. Ich habe äußerst Wichtiges mit dir zu sprechen (führt -Sophie fort). - -SKOTININ. S–o–o–o! Na, ich sehe, daß heute wohl schwerlich aus der -Verlobung was wird! - - - Achter Auftritt. - - PRAWDIN. PROSTAKOW. SKOTININ. EIN DIENER. - -DIENER (außer Atem zu Prostakow). Gnädiger Herr, gnädiger Herr! Soldaten -sind gekommen, haben in unserm Dorfe Quartier gemacht! - -PROSTAKOW. O Unglück, sie werden uns gänzlich ruinieren! - -PRAWDIN. Worüber erschrecken Sie so? - -PROSTAKOW. Ach, Lieber, Guter! Ich hab’s ja schon erlebt! Ich wag nicht, -ihnen unter die Augen zu treten! - -PRAWDIN. Befürchten Sie nichts. Sie werden natürlich von einem Offizier -angeführt, der es zu keiner Gewaltthat kommen läßt. Wollen wir zusammen -hingehen. Ich bin versichert, daß Sie sich unnütz beunruhigen. (Prawdin, -Prostakow und der Diener ab.) - -SKOTININ. Alle haben mich verlassen ... Will doch einen Spaziergang -durch den Viehhof machen! - - - - - Zweiter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - PRAWDIN und MILON. - -MILON. Wie freut es mich, mein teurer Freund, dich wiederzusehn! Wie -kommst du her? - -PRAWDIN. Gern will ich dir den Grund meines Hierseins mitteilen. Ich bin -zum Mitgliede der hiesigen Provinzialverwaltung ernannt worden und habe -Befehl, den hiesigen Bezirk zu inspizieren. Gleichzeitig unterlass’ ich -es nicht aus eignem Herzensantrieb, diejenigen tyrannischen Gutsbesitzer -zu studieren, die ihre Vollmacht über ihren Untergebenen unmenschlich -mißbrauchen. Du kennst die Denkungsart unsers Gouverneurs. Mit welchem -Eifer hilft er der leidenden Menschheit! Mit welcher Hingebung erfüllt -er die humanen Absichten der Regierung. Wir haben es bei uns selber -gesehen, daß, wenn der Gouverneur derartig ist, wie ihn das Reglement -vorzeichnet, der Wohlstand der Bewohner ein gesicherter bleibt. Ich -wohne hier schon drei Tage und fand einen ehrlosen Narren von Gutsherrn -und dessen Furie von Frau, deren teuflischer Charakter dem ganzen Hause -Unheil bringt. Worüber sinnst du, mein Freund? Sage doch, wirst du lange -hier bleiben? - -MILON. Schon nach einigen Stunden verlass’ ich dies Haus. - -PRAWDIN. Warum so bald? Ruh dich doch erst aus. - -MILON. Ich darf nicht: muß ohne Zögern die Soldaten weiterführen ... -Außerdem brenn’ ich selber vor Ungeduld, schneller in Moskau zu sein. - -PRAWDIN. Und der Grund hierzu? - -MILON. Dich, als meinen Freund, will ich in das Geheimnis meines Herzens -einweihen. Ich liebe und bin so glücklich, geliebt zu werden. Schon über -ein halbes Jahr bin ich von der getrennt, die mir teurer ist als alles -auf der Welt; und was noch betrübender ist: diese ganze Zeit über hab’ -ich keinerlei Nachricht von ihr erhalten. Oft schrieb ich ihr Schweigen -dem Erkalten zu und zermarterte mein Herz. Da erhielt ich plötzlich eine -Mitteilung, die mich höchlich überraschte. Man schreibt mir nämlich, daß -sie nach dem Tode ihrer Mutter von entfernten Verwandten zu sich aufs -Dorf genommen worden sei – und ich weiß weder von wem, noch wohin. -Vielleicht befindet sie sich jetzt in den Händen von Egoisten, bei denen -sie, die schutzlose Waise, tyrannisiert wird. Der Gedanke allein macht -mich rasen! - -PRAWDIN. Eine derartige Unmenschlichkeit sehe ich in diesem Hause, doch -schmeichle ich mir mit der Hoffnung, der Bosheit der Frau und der -Narrheit des Mannes eine Grenze zu stecken. Ich habe schon von allem -unsern Chef in Kenntnis gesetzt und zweifle nicht, daß man Maßregeln -ergreifen wird, diesem saubern Paar Einhalt zu thun. - -MILON. Wie glücklich bist du, Freund, daß du das Los Unglücklicher -erleichtern kannst! ... Auch ich bin in einer sehr mißlichen Lage und -weiß nicht, was ich beginnen soll. - -PRAWDIN. Und darf ich fragen, wie der Name – - -MILON (entzückt). O, da ist sie ja selber! - - - Zweiter Auftritt. - - DIE VORIGEN und SOPHIE. - -SOPHIE. Milon, bist du’s? - -PRAWDIN. Welches Glück! - -MILON. Die ist’s, die mein ganzes Herz beherrscht! ... Teure Sophie, -sprich, wie kommt’s, daß ich dich hier treffe? - -SOPHIE. Wieviel hab’ ich gelitten seit dem Tage unsrer Trennung! Meine -gewissenlosen Verwandten – - -PRAWDIN. Freund, laß das Fragen! es bereitet ihr nur Schmerz. Von mir -wirst du erfahren, welche Roheiten – - -MILON. Die Nichtswürdigen! - -SOPHIE. Heute übrigens hat die Frau vom Hause zum erstenmal mir -gegenüber einen andern Ton angeschlagen. Als sie erfuhr, daß mich der -Onkel zu seiner Erbin eingesetzt, verfiel sie aus Grobheit und Zanksucht -in kriechende Liebenswürdigkeit, und ich ersehe aus allen ihren -Anspielungen, daß sie mich ihrem Sohne als Braut zugedacht hat. - -MILON (ungeduldig). Und du hast ihr nicht alsbald deine vollste -Verachtung ausgesprochen? - -SOPHIE. Nein ... - -MILON. Hast ihr nicht gesagt, daß dein Herz bindende Pflichten hat, daß -– - -SOPHIE. Nein ... - -MILON. O, nun seh’ ich mein Verderben! Ich habe einen beglückten -Nebenbuhler! ... Nun, ich zweifle ja gar nicht an seinen Vorzügen: er -ist gewiß klug, aufgeklärt, liebenswürdig; aber daß er sich mit mir in -meiner Liebe messen könnte – - -SOPHIE (lächelnd). Gott, wenn du ihn sähest – du würdest rasen vor -Eifersucht! - -MILON (grimmig). Ich kann mir alle seine Vorzüge vorstellen! - -SOPHIE. Nein, du kannst sie dir gar nicht alle vorstellen! Er zählt zwar -erst sechzehn Jahre, hat jedoch schon die höchste Sprosse der -Vollkommenheit erklommen und kann gar nicht mehr höher steigen. - -PRAWDIN. Wie kann er nicht höher steigen, Fräulein? Er hat ja bald die -Fibel ausgelernt und wird wohl alsbald zum Psalmbuch übergehen. - -MILON. Von solcher Beschaffenheit also ist mein Nebenbuhler?! ... Ach, -Sophie, warum quälst du mich, und sei’s auch nur im Scherz! Du weißt, -wie einem Liebenden selbst der geringste Verdacht Leiden macht! ... Nun -sage mir, was du ihr geantwortet hast. (In diesem Augenblick geht -Skotinin nachdenklich über die Bühne, ohne von jemand bemerkt zu -werden.) - -SOPHIE. Ich sagte ihr, daß ich vom Willen des Onkels abhänge, daß er -bald selber herkommen werde – was ich aus dem Briefe schließe, den (zu -Prawdin) Sie dank dem Herrn Skotinin nicht haben zu Ende lesen dürfen. - -MILON. Skotinin! - -SKOTININ. Hier! - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN und SKOTININ. - -PRAWDIN. Sie haben also gelauscht, Herr Skotinin? Das hab’ ich von Ihnen -nicht erwartet! - -SKOTININ. Ich ging zufällig vorbei und antwortete, da man mich anrief. -Das ist so meine Art: wer „Skotinin!“ ruft, dem antwort’ ich „Hier!“ Ich -habe in der Garde gedient und erhielt als Korporal meinen Abschied: rief -man nun auf dem Versammlungsplatz laut: „Taras Skotinin!“ so brüllte -ich: „Hier!“ - -PRAWDIN. Wir haben Sie nicht angerufen, und Sie können nun gehn, wohin -Sie gehen wollten. - -SKOTININ. Ich wollte nirgendhin gehn, ich schritt nur so in Gedanken auf -und ab. Es ist so meine Art: sitzt mir mal ein Gedanke im Kopfe fest, so -läßt er sich mit keinem Pflock austreiben – sitzt was drin, so sitzt es -fest. Dann denk’ ich nur dieses Etwas und seh’ es im Traum wie in der -Wirklichkeit und in der Wirklichkeit wie im Traum. - -PRAWDIN. Und was beschäftigt Sie gegenwärtig? - -SKOTININ. Ach, bester, teuerster Freund! Wunderdinge passieren mir. -Meine Schwester ließ mich schnell – schnell aus meinem Dorfe herkommen – -und wenn sie mich ebenso schnell aus ihrem Dorfe heimschickt, so kann -ich vor der ganzen Welt mit reinem Gewissen behaupten: leer gekommen, -leer zurückgekehrt. - -PRAWDIN. Wie ich Sie bedauere, Herr Skotinin! Ihre Schwester spielt mit -Ihnen wie mit einem Ball. - -SKOTININ. Wie mit einem Ball? Gott schütze vor Unglück! Will ich doch -selber sie so weit schleudern, daß das ganze Dorf sie eine ganze Woche -lang umsonst suchen soll! - -SOPHIE. Ach, wie Sie zornig sind! - -MILON. Was ist Ihnen? - -SKOTININ. Bitte urteilen Sie selbst – Sie sind ein vernünftiger Mensch. -Also, meine Schwester hat mich herkommen lassen, damit ich heirate. Nun -zieht sie sich zurück mit dem Vorwand: „Wozu brauchst du, Bruder, eine -Frau, wenn du nur ein gutes Schwein hast.“ Nein, Schwester – ich will -mir auch eigene Ferkel anschaffen! Auf _den_ Leim geh’ ich nicht! - -PRAWDIN. Auch mir will es scheinen, Herr Skotinin, daß Ihre Schwester -eine Heirat im Sinne hat, nur nicht die Ihrige. - -SKOTININ. Mag sie doch – ich stehe keinem im Wege: heirate jeder seine -Braut. Ich werde mich an einer fremden nicht vergreifen, aber auch -Fremde sollen sich an der meinigen nicht vergreifen. (Zu Sophie.) -Fürchte nichts, mein Schatz: niemand wir dich mir entreißen. - -SOPHIE. Was soll das heißen? - -MILON (aufschreiend). Welche Frechheit! - -SKOTININ (zu Sophie). Nun, worüber bist du denn so erschrocken? - -PRAWDIN (zu Milon). Wie kann man einem Skotinin zürnen! - -SOPHIE (zu Skotinin). So ist es denn beschlossen, daß ich Ihre Frau -werde? - -MILON. Mit Mühe halt’ ich an mir! - -SKOTININ. Niemand entgeht seinem Schicksal, mein Herz! Sünde ist’s, daß -du wider dein Glück murrst. Das herrlichste Leben wirst du an meiner -Seite haben. Zehntausend hast du Revenuen! Welch ein Glück! Eine solche -Summe hab’ ich in meinem Leben nicht einmal gesehen! Donnerwetter, für -dieses Geld kann ich mir ja alle Schweine auf der Welt kaufen! Ja, jeder -Mund soll in die Trompete stoßen: bei Skotinin ist das Paradies der -Schweine! - -PRAWDIN. Wenn allein die Schweine bei Ihnen ein paradiesisches Leben -führen, so wird Ihre Frau vor Ihnen und selbigen Schweinen wenig Ruhe -haben. - -SKOTININ. Wenig Ruhe? Ei, hab’ ich denn zu wenig Raum in meinem Hause? -Sie soll für sich allein das Eckzimmer mit dem Divan haben! Freundchen, -wenn schon jetzt jedes meiner Schweinchen einen besonderen Koben hat, so -wird sich für meine Frau schon ein Zimmerchen finden. - -MILON. Welch ein viehischer Vergleich! - -PRAWDIN (zu Skotinin). Nichts wird daraus, Herr Skotinin. Ich will’s -ihnen nur gerade heraus sagen: Ihre Schwester will Fräulein Sophie mit -Mitrofan verheiraten. - -SKOTININ (zornig). Was, wie? Der Neffe soll den Onkel ausstechen! Alle -Rippen will ich dem Kerl eindrücken, sobald ich ihn sehe! Und ein -Schweinesohn will ich sein, wenn ich nicht Sophiens Mann werde oder den -Bengel zum Krüppel schlage! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. JEREMEJEWNA und MITROFAN. - -JEREMEJEWNA. Du solltest doch ein ganz klein wenig lernen! - -MITROFAN. Sprich noch ein Wort, alte Hexe, so will ich’s dir eintränken: -werde mich wieder bei der Mutter beklagen, und sie wird dich, wie -gestern, durchwalken! - -SKOTININ. Komm mal her, Freundchen. - -JEREMEJEWNA. Geh zum Onkel, Kind. - -MITROFAN. Guten Tag, Onkel ... Was bist du so borstig? - -SKOTININ. Mitrofan, blicke mir frei und gerade in die Augen. - -JEREMEJEWNA. Thu’s, mein Süßer! - -MITROFAN (zu Jeremejewna). Was ist denn der Onkel für ein Wundertier, -daß ich ihn angucken soll? - -SKOTININ. Noch einmal: blicke mir frei und gerade in die Augen! - -JEREMEJEWNA. Erzürne doch den Onkel nicht! Sieh nur, mit welchen -Glotzaugen er dich anstarrt! ... Nun, glotz ihn ebenso an! (Skotinin und -Mitrofan blicken aufeinander mit weit aufgerissenen Augen.) - -MILON. Das ist ein absonderliches Zwiegespräch! - -PRAWDIN. Was es wohl für ein Ende nehmen wird? - -SKOTININ. Mitrofan, dein Leben hängt an einem Haar. Sprich die volle -Wahrheit! Wenn ich die Sünde nicht scheute, so würde ich, ohne weitere -Worte zu verlieren, dich bei den Beinen packen und deinen Schädel an der -Wand zerschmettern. Doch möchte ich nicht meine Seele verderben, indem -ich einen Unschuldigen richte. - -JEREMEJEWNA (zitternd). Wehe, er tötet ihn! Wehe meinem armen Kopfe! - -MITROFAN. Bist du toll, Onkel? Ich habe keine Ahnung, wofür du über mich -herfällst! - -SKOTININ. Ich warne dich: leugne nicht, damit ich dir nicht im Jähzorn -den Todesschlag versetze – deine Hände werden dich wenig schützen. Ich -nehm’s auf mich und werde Rechenschaft geben Gott und Kaiser. Doch auch -unschuldig nimm keine Schuld auf dich, um nicht unverdient geprügelt zu -werden! - -JEREMEJEWNA. Gott schütze vor unverdienten Prügeln! - -SKOTININ. Möchtest du heiraten? - -MITROFAN (schmachtend). Schon längst, Onkelchen ... - -SKOTININ (stürzt auf Mitrofan). Ach, du verwünschter Racker! - -PRAWDIN (Skotinin zurückhaltend). Herr Skotinin, keine -Handgreiflichkeiten! - -MITROFAN. Amme, decke mich! - -JEREMEJEWNA (stellt sich vor Mitrofan, wütend mit erhobenen Fäusten). -Krepieren will ich auf der Stelle, aber dem Kinde laß ich kein Haar -krümmen! Komm du nur, die Augen kratz’ ich dir aus dem Kopfe! - -SKOTININ (zitternd und mit der Faust drohend, ab). Ihr sollt an mich -denken! - -JEREMEJEWNA (ihm nach). Meine Krallen sind scharf genug! - -MITROFAN (dem Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ dich der Geier! - - - Fünfter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA und PROSTAKOW. - -FRAU PROSTAKOWA (zum Mann). Lüg du nur! Bist zeitlebens ein Maulaffe -gewesen! - -PROSTAKOW. Er und Prawdin sind wie in die Erde gesunken! Bin ich schuld? - -FRAU PROSTAKOWA (zu Milon). Ach, Herr Offizier! Ich habe Sie im ganzen -Dorfe gesucht; mein Mann hat sich die Beine ablaufen müssen, um Ihnen -meinen tiefsten Dank für das vortreffliche Kommando auszusprechen. - -MILON. Wofür denn, gnädige Frau? - -FRAU PROSTAKOWA. Wie denn, wofür? Ihre Soldaten sind prächtige Menschen: -haben bis jetzt mit keinem Finger etwas angerührt. Zürnen Sie nicht, -bester Herr, daß diese Mißgeburt (auf den Mann zeigend) mit seinem -ewigen Gaffen Ihnen nicht wie nötig begegnet ist. Er war von Kindheit an -ein Tölpel. - -MILON. Bitte, nicht im geringsten – - -FRAU PROSTAKOWA. Er ist manchmal wie vor den Kopf geschlagen – steht -stundenlang mit starr aufgerissenen Augen. Was hab’ ich schon alles mit -ihm versucht, was hat er alles von mir aushalten müssen – nichts wirkt -auf seine dicke Haut. Und geht mal sein Klotzzustand vorüber, so beginnt -er ein solches Blech zu schwätzen, daß man zu Gott fleht, er möchte ihn -nur wieder vor den Kopf schlagen! - -PRAWDIN. Sie wenigstens, gnädige Frau, können nicht über seinen -Charakter klagen: er ist sanftmütig – - -FRAU PROSTAKOWA. Wie ein Kalb, bester Herr, wie ein Kalb! Deshalb auch -sind alle bei uns im Hause so verwöhnt. Denn um Strenge walten zu lassen -und die Schuldigen gehörig zu bestrafen – dazu ist er zu dämlich! Muß -alles selbst thun, lieber Herr. Vom Morgen bis zum Abend hat weder meine -Zunge noch meine Hand einen Augenblick Ruhe: bald muß ich schimpfen, -bald hauen; nur auf solche Weise kann ich das Haus halten. - -PRAWDIN (für sich). Es wird bald anders gehalten werden. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Sophie). Habe die Zimmer für deinen lieben Onkel in -stand gesetzt. Ach, wie möcht’ ich ihn sehen, den ehrwürdigen Greis! Ich -habe viel Gutes von ihm vernommen. Selbst böse Menschen behaupten, er -sei nur ein wenig griesgrämig, doch außerordentlich klug; wen er einmal -liebt, den liebt er von ganzer Seele. - -PRAWDIN. Und wen er nicht liebt, der ist ein schlechter Mensch. (Zu -Sophie.) Ich selber habe die Ehre, Ihren Onkel zu kennen. Ich habe -manches über ihn vernommen, das mir aufrichtige Hochachtung für ihn ins -Herz flößte. Was man so seine Griesgrämigkeit, seine Grobheit nennt, ist -nur der Eindruck seiner Geradheit. Nie im Leben hat seine Zunge „Ja“ -gesagt, wenn seine Seele ein „Nein“ fühlte. - -SOPHIE. Dafür hat er auch nur mit großer Mühe sein Glück machen können. - -FRAU PROSTAKOWA. Gott segnet uns, indem er seine Bemühungen mit Erfolg -segnete. Nichts wünscht’ ich sehnlicher als sein väterliches Wohlwollen -für meinen Mitrofan! ... Sophiechen, mein Herz, willst du nicht des -Onkels Zimmer in Augenschein nehmen? (Sophie ab; zu Prostakow.) Hast du -schon wieder Maulaffen feil? Begleite sie, die Beine sind dir nicht -abgefallen. - -PROSTAKOW (im Fortgehen). Nicht abgefallen, jedoch eingeknickt. - -FRAU PROSTAKOWA. Meine einzige Sorge, meine einzige Freude ist – -Mitrofan. Ich habe gelebt, er muß erst leben und Mensch werden. (Hier -erscheinen Kutejkin mit einer Fibel und Zyfirkin mit einer Schiefertafel -und einem Griffel. Beide fragen durch Zeichen Jeremejewna, ob sie -eintreten dürfen. Sie winkt herein, Mitrofan – heraus.) Nun, Gott wird -wohl gnädig sein, wird ihn mit Glück segnen. - -PRAWDIN. Sehen Sie sich um, gnädige Frau, was hinter Ihrem Rücken -vorgeht. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, das sind Mitrofans Lehrer; Ssidorytsch, Kutejkin – - -JEREMEJEWNA. Und Pafnutjitsch, Zyfirkin. - -MITROFAN (beiseite). Hole sie der Henker mitsamt der Jeremejewna! - -KUTEJKIN. Frieden der Herrin dieses Hauses und viele Jahre des Wohlseins -ihr, den Kindern und Angehörigen! - -ZYFIRKIN. Wir wünschen Ew. Wohlgeboren Gesundheit auf hundert Jahre, und -noch zwanzig, und noch fünfzehn! - -MILON. Ei, das ist ja unsresgleichen, ist Soldat! Wie kommst du her, -mein Freund? - -ZYFIRKIN. Diente in der Garnison, Ew. Wohlgeboren, und bin nun -verabschiedet. - -MILON. Wie verdienst du dir denn dein Brot? - -ZYFIRKIN. Es geht schon zur Not, Ew. Wohlgeboren. Ich habe einige -Begriffe vom Rechnen und verdiene meinen Groschen von den Beamten der -Rechnungsexpedition. Nicht jeden hat der liebe Gott mit Bildung -gesegnet: da bittet mich denn so einer, ihm eine Rechnung zu -kontrollieren oder die Summe zu ziehen. Solcherart verdien’ ich mein -täglich Brot, sitze nie die Hände im Schoß. In meinen Mußestunden -erteil’ ich Kindern Unterricht. So unterricht’ ich auch bei Ihro Gnaden: -schon das dritte Jahr quälen wir uns mit den Brüchen ab, aber es will -und will nicht recht kleben. Natürlich: ein Mensch ist nicht wie der -andre. - -FRAU PROSTAKOWA. Was quasselst du da, Pafnutjitsch, ich habe nicht recht -gehört? - -ZYFIRKIN. Ich erklärte Sr. Wohlgeboren, daß man manchem Klotz in zehn -Jahren das nicht einkeilen kann, was ein andrer im Fluge erhascht. - -PRAWDIN (zu Kutejkin). Und du, Kutejkin, bist du nicht gar ein -Studierter? - -KUTEJKIN. Bin ein Studierter, Ew. Wohlgeboren. In dem Seminarium der -hiesigen Eparchie kam ich bis zur Sekunda, machte jedoch laut dem Willen -Gottes Kehrtum. Darauf hab’ ich ins Konsistorium eine Bittschrift -eingereicht, so da zu lesen stand: „Der und der Seminarist, Sohn eines -Kirchendieners, bittet, aus Furcht vor den Abgründen der Kenntnisse, ihn -vom Studium der Wissenschaften zu dispensieren.“ Worauf denn auch -alsbald eine gnädige Resolution einlief des Inhalts: „Den und den -Seminaristen von jeglichem Studieren zu befreien, denn es stehet -geschrieben: Ihr sollt nicht die Perlen vor die Säue werfen, auf daß sie -dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen.“ - -FRAU PROSTAKOWA. Wo ist denn unser Adam Adamytsch? - -JEREMEJEWNA. Bin auch zu ihm gegangen, habe aber mit Mühe auf den Füßen -stehen können: ganz eingehüllt war er in Rauchwolken. Ich bin beinah’ -von diesem verfluchten Tabak erstickt. Ist das eine Sünde! - -KUTEJKIN. Hat nichts zu sagen, Jeremejewna! Im Tabakrauchen finde ich -keine Sünde. - -PRAWDIN (beiseite). Kutejkin will klugsprechen! - -KUTEJKIN. In vielen Büchern ist’s gestattet. Im Psalter steht wörtlich: -„Saat zu Nutz den Menschen.“ - -PRAWDIN. Und wo noch? - -KUTEJKIN. Auch in einem andern Psalter stehen dieselben Worte. Unser -Priester hat einen in Oktavformat, und auch dort steht’s. - -PRAWDIN (zu Frau Prostakowa). Ich will beim Lernen Ihres Sohnes nicht -hinderlich sein; ergebenster Diener. - -MILON. Noch ich, gnädige Frau. - -FRAU PROSTAKOWA. Wohin denn, meine Herrn? - -PRAWDIN. Ich werde ihn auf mein Zimmer führen. Freunde, die sich lange -nicht gesehn, haben einander vieles mitzuteilen. - -FRAU PROSTAKOWA. Und wo werden Sie essen – mit uns oder auf Ihrem -Zimmer? Am Familientische sitzen nur wir und Sophiechen – - -MILON. Mit Ihnen, mit Ihnen, gnädige Frau. - -PRAWDIN. Wir beide werden die Ehre haben. (Beide ab.) - - - Sechster Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA, MITROFAN, JEREMEJEWNA, ZYFIRKIN und KUTEJKIN. - -FRAU PROSTAKOWA. Nun, mein Herz, wiederhole wenigstens, was du das -letzte Mal russisch gelesen. - -MITROFAN. Wiederholen? Danke bestens! - -FRAU PROSTAKOWA. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer was zu. Das -ist eine alte Wahrheit, mein Freund. - -MITROFAN. Wahrheit! Du solltest doch noch ein paar Onkel herschleppen! - -FRAU PROSTAKOWA. Wie, was? - -MITROFAN. Das! Jeden Augenblick muß ich gewärtig sein, durchgehauen zu -werden, und nach den Prügeln soll ich noch die Fibel vornehmen? Nein, -dafür dank’ ich: da mach’ ich lieber ein Ende! - -FRAU PROSTAKOWA (erschrocken). Was, was willst du machen? Komm zu dir! - -MITROFAN. Der Fluß ist ja nicht weit von hier. Ein Sprung – und weg bin -ich! - -FRAU PROSTAKOWA (außer sich). Du tötest mich! Gott, mein Gott! - -JEREMEJEWNA. Der Onkel hat ihn so eingeschreckt: fast hätte er sich dem -lieben Jungen in die Haare gekrallt. Und das für nichts und wieder -nichts. - -FRAU PROSTAKOWA (grimmig). Nun? - -JEREMEJEWNA. Er drang in ihn, ob er heiraten wolle – - -FRAU PROSTAKOWA. Nun? - -JEREMEJEWNA. Und der liebe Junge verheimlichte es auch gar nicht: ja, -lieber Onkel, ich habe schon lange Lust. Da geriet der Onkel in -gräßliche Wut und stürzte sich – - -FRAU PROSTAKOWA (zitternd). Nun ... und du, Bestie, bist zum Klotz -geworden, hast dich dem Bruder nicht in die Fratze eingekrallt, hast ihm -das Maul nicht bis an die Ohren aufgerissen – - -JEREMEJEWNA. Ich wollte schon ... ich wollte, aber – - -FRAU PROSTAKOWA. Aber ... Nicht wahr, es ist nicht dein Kind, -Ungeheuer?! Du würdest es zu Tode schlagen lassen – - -JEREMEJEWNA. Ach du grundgütiger Gott! Wäre er nicht in demselben -Augenblick fortgegangen, so würde ich mich auf ihn gestürzt haben: -stumpf ließe ich diese (zeigt auf die Nägel) werden, und auch die Zähne -würde ich nicht schonen. - -FRAU PROSTAKOWA. Alle seid ihr dienstfertig in Worten, ihr Kanaillen, -wenn’s aber ans Handeln kommt – - -JEREMEJEWNA (weinend). Ich bin nicht dienstfertig?! Da weiß ich nicht -mehr, wie ich noch eifriger dienen soll ... gern würd’ ich ... der -eigene Leib wird nicht geschont ... und immer kein Dank – - -KUTEJKIN. Sollen wir heimkehren? } (Zusammen.) - } -ZYFIRKIN. Wohin lenken wir unsre Schritte, Ew. } -Wohlgeboren? } - -FRAU PROSTAKOWA. Und du heulst noch alte Hexe?! ... Geh, füttre sie ab -und komme nach dem Essen sofort her. (Zu Mitrofan.) Komm mit mir, mein -süßes Leben. Jetzt lass’ ich dich nicht aus den Augen ... Komm nur, ein -Wörtchen will ich dir zuflüstern, daß dir von neuem das Leben lächeln -soll. Nicht ewig, mein Herz, nicht ewig wirst du lernen: soviel -verstehst du schon, Gott sei Dank, da du auch selber Kinderchen zeugen -kannst! (Zu Jeremejewna.) Den Bruder will ich anders vorkriegen, als du -es gethan. Die ganze Welt soll sehen, was eine Amme und was eine Mutter -ist! (Ab mit Mitrofan.) - -KUTEJKIN. Dein Leben, Jeremejewna, ist die wahre Hölle! Komm mal lieber -zu Tisch und trink vor Kummer ein Gläschen. - -ZYFIRKIN. Und dann das zweite – da haben wir gleich eine Multiplikation. - -JEREMEJEWNA (weinerlich). Der Teufel wird mich schon nicht holen. -Vierzig Jahre dien’ ich bereits, aber der Dank ist immer derselbe! - -KUTEJKIN. Und wie hoch beziffert sich dieser Dank? - -JEREMEJEWNA. Fünf Rubel jährlich und fünf Kopfnüsse täglich. (Kutejkin -und Zyfirkin führen sie unter den Armen fort.) - -ZYFIRKIN. Bei Tisch wollen wir’s ausrechnen, wieviel’s im Jahr ausmacht. - - - - - Dritter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - STARODUM und PRAWDIN. - -PRAWDIN. Kaum war ich vom Tische aufgestanden, kaum ans Fenster -getreten, so erblickte ich Ihren Wagen und eilte, ohne ein Wort -verlauten zu lassen, Ihnen entgegen, um Sie von ganzem Herzen zu -umarmen. Die Hochachtung, die ich Ihnen zolle – - -STARODUM. Ich weiß sie zu schätzen, glaub es mir. - -PRAWDIN. Ihre Freundschaft ist für mich um so schmeichelhafter, als Sie -diese nur denen bieten – - -STARODUM. Die so sind wie du. Ich spreche gerade heraus. Beginnt die -Konvenienz, hat die Aufrichtigkeit ein Ende. - -PRAWDIN. Ihre Art – - -STARODUM. Sie wird von vielen verspottet, ich weiß es. Mag’s! Mein Vater -hat mir die Erziehung seiner Zeit gegeben, und ich hab’ es nicht für -nötig befunden, mich umzuerziehen. Er diente Peter dem Großen. Damals -wurde der Mensch „du“ genannt und nicht „Sie“; damals machte man die -Leute nicht hochmütig, so daß sich einer für viele hielt. Dafür auch -sind heutzutage viele eines einzigen nicht wert. Mein Vater hat am Hofe -Peters des Großen – - -PRAWDIN. Ich hörte, daß er im Militärdienst stand. - -STARODUM. Damals waren die Höflinge Krieger und die Krieger keine -Höflinge. Die Erziehung, die mir mein Vater gegeben hat, war für jene -Zeit eine vorzügliche. Damals war die Unterrichtsmethode keine -komplizierte, und man verstand noch nicht die Kunst, einen leeren Kopf -mit fremdem Verstande anzufüllen. - -PRAWDIN. Die damalige Erziehung wurzelte in der That in einigen -Grundsätzen – - -STARODUM. In einem. Mein Vater wiederholte mir beständig nur: „Habe ein -Herz, habe eine Seele, und du wirst zu jeder Zeit ein Mensch sein. Alles -übrige unterliegt der Mode: Verstand und Kenntnisse sind Modeartikel wie -Schnallen und Knöpfe.“ - -PRAWDIN. Sie sprechen wahr. Die Hauptzierde des Menschen ist die Seele. - -STARODUM. Ja, ohne Seele ist der aufgeklärteste, klügste Mensch ein -trauriges Geschöpf, und ein ungebildeten beschränkter Mensch – ein Tier. -Das Geringste kann ihn zum Verbrecher machen. Zwischen seiner That und -dem Zwecke dieser That gibt’s keine Wage. Und von solchen Tieren will -ich jemand befreien, der – - -PRAWDIN. Ihre Nichte ist. Ich weiß es. Sie ist hier; gehen wir. - -STARODUM. Warte. Mein Herz kocht noch vor Zorn gegen dies unwürdige -Gebahren dieser Menschen. Bleiben wir darum einen Augenblick. Ich halte -mich an den Grundsatz: nie muß der erste Trieb eine sofortige Handlung -zur Folge haben. - -PRAWDIN. Nur selten verstehen andre diesen Ihren Grundsatz zu befolgen. - -STARODUM. Meine Lebenserfahrungen machten ihn mir zur Gewohnheit. O, -wenn ich früher die Selbstbeherrschung gekannt hätte – ich würde noch -länger das Glück gehabt haben, dem Vaterlande zu dienen! - -PRAWDIN. Wie das? Die Erlebnisse eines Mannes von Ihrer Gesinnungsart -müssen für jedermann von Interesse sein. Sie würden mich sehr verbinden, -wenn Sie mir erzählen wollten – - -STARODUM. Ich verhehle sie vor keinem, damit andre in ähnlicher Lage -weiser handeln, denn ich es gethan. Als ich im Militärdienst stand, -machte ich die Bekanntschaft eines jungen Grafen, dessen Namen sogar ich -vergessen möchte. Im Dienst war er jünger als ich, war der Sohn eines -Parvenüs, in der großen Welt erzogen und hatte Gelegenheit gehabt, das -zu lernen, was in den Kreis unsers Unterrichts noch gar nicht -aufgenommen war. Ich wandte alle Mühe an, mir seine Freundschaft zu -erwerben, um durch beständigen Umgang mit ihm die Lücken in meinen -Kenntnissen auszufüllen. In derselben Zeit, da unsre Freundschaft sich -festigte, erfuhren wir, daß der Krieg erklärt sei. Freudestrahlend -stürzte ich in des Freundes Arme. „Lieber Graf – hier bietet sich -Gelegenheit zur Auszeichnung! Treten wir sofort in die Armee, daß wir -würdig werden des Adeltitels, den uns die Geburt verliehen!“ Da furchte -sich seine Stirn, trocken umarmte er mich und sagte: „Glück auf den Weg; -ich aber schmeichle mir mit der Hoffnung, daß mein Vater sich von mir -nicht wird trennen wollen.“ Nichts kommt der Verachtung nahe, die ich in -jenem Augenblick für ihn empfand. Hier erst sah ich, daß zwischen dem -Parvenü und dem verdienten Manne ein unermeßlicher Unterschied besteht, -daß es in der großen Welt sehr kleinliche Seelen gibt, und daß man sehr -aufgeklärt und gleichzeitig verächtlich sein kann. - -PRAWDIN. Sie haben vollkommen recht. - -STARODUM. Ich verließ ihn und begab mich sofort dahin, wohin mich die -Pflicht rief. Mehrfach hatte ich Gelegenheit, mich auszuzeichnen – meine -Narben beweisen, daß ich dieselbe nicht unbenutzt habe vorbeigehen -lassen. Die gute Meinung, welche die Vorgesetzten und Soldaten von mir -hatten, war mir ein schmeichelhafter Lohn für meine Dienste. Da erfuhr -ich, daß der Graf, mein ehemaliger Freund – dessen ich mich schämte zu -gedenken – im Range gestiegen, ich jedoch umgangen sei, ich, der damals -an Wunden schwer darniederlag! Eine solche Ungerechtigkeit zerfleischte -mein Herz, und ich nahm meinen Abschied. - -PRAWDIN. Was auch hätten Sie anderes thun können? - -STARODUM. Ruhigen Blutes überlegen! Doch ich verstand es nicht, mich -gegen die ersten Antriebe meines gekränkten Ehrgeizes zu wehren. Mein -erhitzter Kopf vermochte damals nicht einzusehen, daß ein wahrhaft -ehrgeiziger Mensch der Sache zuliebe, nicht des Ranges wegen, streben -muß; daß die Rangerhöhung oftmals erbettelt wird, die echte Auszeichnung -jedoch verdient werden muß; daß es viel ehrenhafter ist, schuldlos -übergangen, als verdienstlos ausgezeichnet zu werden. - -PRAWDIN. Darf denn ein Adeliger in keinem Falle seinen Abschied nehmen? - -STARODUM. Nur in einem: wenn er innerlichst überzeugt ist, daß sein -Dienst dem Vaterlande keinen direkten Nutzen bringt. Dann mag er gehn! - -PRAWDIN. Sie zeigen mir, worin das wahre Wesen der Pflichten eines -Adeligen besteht. - -STARODUM. Nachdem ich meinen Abschied genommen, kam ich nach Petersburg. -Dort führte mich der blinde Zufall dahin, wohin ich’s mir nie im Leben -habe träumen lassen. - -PRAWDIN. Nämlich? - -STARODUM. An den Hof. Was sagst du dazu? - -PRAWDIN. Und was fanden Sie dort? - -STARODUM. Manches Merkwürdige. Vor allen Dingen fand ich’s merkwürdig, -daß fast niemand den geraden breiten Weg dorthin wählt, sondern einen -Umweg macht, in der Hoffnung, früher anzukommen. - -PRAWDIN. Ist denn wenigstens der Umweg geräumig? - -STARODUM. Dermaßen geräumig, daß, wenn sich zwei begegnen, sie einander -nicht ausweichen können. Einer reißt den andern zu Boden, und derjenige, -der auf den Füßen stehn bleibt, hebt nie den Liegenden auf. - -PRAWDIN. Die Eigenliebe hat hier – - -STARODUM. Nicht die Eigenliebe, sondern die Selbstliebe. Man liebt sich -ganz außerordentlich, sorgt nur für sich, denkt nur an die gegenwärtige -Stunde. Denke dir nur: ich sah dort eine Menge Menschen, die in keinem -Lebensfall ihrer Ahnen oder ihrer Nachkommen gedacht. - -PRAWDIN. Doch jene Ehrenmänner, die bei Hofe sind und doch dem -Vaterlande dienen? - -STARODUM. O, die verlassen den Hof nicht, weil sie ihm Nutzen bringen; -und die andern verlassen ihn nicht, weil der Hof ihnen Nutzen bringt. -Ich gehörte nicht zur Zahl der ersteren und wollte auch nicht zur Zahl -der letzteren gehören. - -PRAWDIN. Man hat Sie am Hofe natürlich verkannt. - -STARODUM. Zu meinem eigenen Besten. Es gelang mir, mich ganz ohne -Ungelegenheiten zurückzuziehen; andernfalls hätte man mich auf die eine -von zwei Arten entfernt. - -PRAWDIN. Auf welche? - -STARODUM. Vom Hofe, mein Freund, entfernt man einen auf zwei Arten: -entweder man wird dir böse, oder man macht dich böse. Ich habe weder den -einen noch den andern Fall abgewartet, denn ich war zur Einsicht -gekommen, daß es sich besser im eigenen Stübchen leben läßt als in einer -fremden Antichambre. - -PRAWDIN. Und Sie verließen den Hof mit leeren Händen? (Öffnet seine -Tabaksdose.) - -STARODUM (nimmt eine Prise). Wieso mit leeren Händen? – Zu einem -Kaufmann kamen zwei Käufer und handelten eine Tabatière, deren Preis -fünfhundert Rubel war. Der eine zahlte das Geld und brachte die -Tabatière nach Hause; der andre kam ohne Tabatière heim. Und du glaubst, -daß dieser andre mit leeren Händen heimgekehrt sei? Du irrst: er brachte -seine fünfhundert Rubel unversehrt nach Hause ... Ich verließ den Hof, -ohne Dörfer, Bänder und Ehrentitel erhalten zu haben. Aber mein Eigentum -brachte ich heim: meine Seele, meine Ehre und meine Grundsätze. - -PRAWDIN. Männer mit Ihren Grundsätzen müßte man bei Hofe nicht -entlassen, sie im Gegenteil an den Hof rufen. - -STARODUM. Rufen? Aus welchem Grunde? - -PRAWDIN. Aus demselben Grunde, aus welchem man einen Arzt zum Kranken -ruft. - -STARODUM. Du irrst, mein Freund. Umsonst ist es, den Arzt zu einem -unheilbaren Kranken zu rufen: ihm wird er nicht helfen, nur gar sich -selber anstecken. - - - Zweiter Auftritt. - - DIE VORIGEN. SOPHIE. - -SOPHIE (zu Prawdin). Ganz erschöpft hat mich ihr Schreien. - -STARODUM (beiseite). Ganz die Gesichtszüge ihrer Mutter. Das ist meine -Sophie! - -SOPHIE (Starodum anblickend). Gott, er hat meinen Namen genannt! Mein -Herz täuscht mich nicht – - -STARODUM (sie umarmend). Nein, du bist die Tochter meiner Schwester, -bist die Tochter meines Herzens! - -SOPHIE (ihn stürmisch umarmend). Onkelchen, ich bin außer mir vor -Freude! - -STARODUM. In Moskau, teure Sophie, erfuhr ich, daß du hier wider deinen -Willen lebst. Ich bin sechzig Jahre alt. Oft gab es Fälle, wo ich mir -zürnte, oft auch war ich mit mir zufrieden. Nichts marterte mein Herz -mehr als der Anblick einer Unschuld in den Netzen der Arglist, und nie -war ich mit mir selbst zufriedener, als wenn es mir gelungen war, ein -solches Opfer den Krallen des Lasters zu entreißen. - -PRAWDIN. Wie wohl muß es thun, auch nur Zeuge dabei sein zu können! - -SOPHIE. Onkelchen, Ihre Güte – - -STARODUM. Du weißt, daß nur du mich ans Leben bindest. Du mußt der Trost -meines Alters sein, und meine Fürsorge soll dein Glück begründen. Als -ich meinen Abschied nahm, legte ich den Grund zu deiner Erziehung; doch -ich konnte dein Wohl nicht anders begründen, als indem ich mich von -deiner Mutter und dir trennte. - -SOPHIE. Ihre Abwesenheit kränkte uns unaussprechlich. - -STARODUM (zu Prawdin). Um ihr Leben vor dem Mangel am Notdürftigsten zu -sichern, beschloß ich, mich für einige Jahre in jenes Land -zurückzuziehen, wo man Geld erwirbt, ohne sein Gewissen dafür in den -Tausch zu geben, wo man nicht durch Kriecherei emporsteigt, wo man das -Vaterland nicht beraubt; in jenes Land, wo man das Geld der Erde selbst -abverlangt, die, gerechter als die Menschen, keine Parteilichkeit kennt -und nur die Arbeit gewissenhaft und reich belohnt. - -PRAWDIN. Sie hätten, wie ich gehört, ungleich reicher werden können. - -STARODUM. Und wozu? - -PRAWDIN. Um ebenso reich zu sein wie die andern. - -STARODUM. Reich! Wer ist denn reich? Weißt du auch, daß, um die -launischen Gelüste eines einzigen Menschen zu befriedigen, das ganze -Sibirien nicht hinreichen würde? Mein Freund, das alles ist nur -Einbildung! Folge dem Beispiel der Natur, und du wirst niemals arm sein; -gib acht auf das Gerede der Menschen, und du wirst nie reich werden. - -SOPHIE. Onkelchen, wie wahr sprechen Sie! - -STARODUM. Ich habe so viel erworben, daß die Armut eines rechtschaffenen -Bräutigams deiner Verbindung mit ihm kein Hindernis in den Weg legen -wird. - -SOPHIE. Zeit meines Lebens wird Ihr Wille Gesetz für mich sein. - -PRAWDIN. Sodann wär’s nicht übel, gleichfalls für die Kinder einiges -beiseite zu legen. - -STARODUM. Für die Kinder? Den Kindern Reichtümer hinterlassen? Das -fehlte noch! Sind sie klug, so werden sie auch ohne Reichtum fortkommen; -dummen Kindern aber kann der Reichtum nur schaden. Ich habe Bursche -gesehen in goldenen Kaftanen und mit bleiernen Köpfen. Nein, mein -Freund: bares Geld ist noch nicht bare Tugend! Ein goldner Klotz ist und -bleibt nur ein Klotz. - -PRAWDIN. Trotz alledem sehen wir, daß Reichtum oft zu Rängen führt und -Ränge zu Würden und Würden zu Hochachtung. - -STARODUM. Hochachtung? Nur eine Hochachtung muß dem Menschen -schmeichelhaft sein – diejenige, welche seiner Seele gezollt wird. Und -nur der ist dieser Seelenhochachtung wert, dessen Ränge nicht dem Gelde, -dessen Würden nicht den Rängen ihre Entstehung verdanken. - -PRAWDIN. Dagegen läßt sich nichts einwenden. - -STARODUM. Ei, was ist denn das für ein Lärm? - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, SKOTININ und MILON. (Letzterer trennt - Frau Prostakowa von Skotinin.) - -FRAU PROSTAKOWA. Laß mich, laß! Bis zur Fratze nur, bis zur Fratze – - -MILON. Ich lasse Sie nicht, Madame. - -SKOTININ (zornig, die Perücke ordnend). Kleb ab, Schwester! Oder ich -biege dich, daß dir alle Gelenke knacksen! - -MILON (zu Prostakowa). Und Sie haben vergessen, daß es Ihr Bruder ist? - -FRAU PROSTAKOWA. Ich bin wütend, ich muß mich sattprügeln! - -MILON (zu Skotinin). Ist das nicht Ihre Schwester? - -SKOTININ. Ja, leider stammen wir von Einer Brut, und dennoch heult sie -wider mich. - -STARODUM (der sein Lachen nicht mehr zurückhalten kann, zu Prawdin). Ich -befürchtete zornig zu werden und muß nun lachen! - -FRAU PROSTAKOWA. Lachen? Über wen lachen? Was ist denn das für ein -Vogel? - -STARODUM. Nimm mir’s nicht übel: aber zeit meines Lebens hab’ ich nichts -Lächerlicheres gesehn. - -SKOTININ (sich den Nacken reibend). Der hat gut lachen! Mir ist halbwegs -nicht lächerlich zu Mut. - -MILON. Hat ein Schlag getroffen? - -SKOTININ. Das Gesicht hab’ ich mir mit den Händen geschützt, und da hat -sie sich mir ins Genick eingekrallt. - -PRAWDIN. Schmerzt es? - -SKOTININ. Zerkratzt hat sie mich. (Während der folgenden Worte der Frau -Prostakowa wird Milon von Sophie durch Blicke bedeutet, daß vor ihnen -Starodum stehe; Milon versteht sie.) - -FRAU PROSTAKOWA. Zerkratzt! ... Nein, Bruder, ein Heiligenbild kauf dir -auf den Namen des Herrn Offiziers: hätt’ er dich nicht beschützt – du -wärst mir nicht mit heiler Haut davongekommen! Wenn ich den Sohn -verteidige, werde ich meinen leiblichen Vater nicht schonen! (Zu -Starodum.) Und daran ist gar nichts Lächerliches! Ich habe ein -Mutterherz in der Brust. Ist’s erhört, daß eine Hündin ihre Jungen -preisgibt? ... Kommt da weiß Gott wer und weiß Gott zu wem – - -STARODUM (auf Sophie weisend). Gekommen ist ihr Onkel Starodum. - -FRAU PROSTAKOWA (erschrocken). Wie? Du bist’s? ... O, hochwillkommener -Gast! Ich Thörin, ich Närrin! War das ein Empfang für einen Vater, auf -dem unsre ganze Hoffnung ruht, der uns teuer ist wie unser Augapfel?! -... Verzeihe, verzeihe mir Närrin! ... Ich kann gar nicht zu mir kommen! -... Wo ist mein Mann? ... Wo ist mein Sohn? ... Es ist ja, als wärest du -in ein unbewohntes Haus gekommen! Gottes Strafgericht! Den Kopf haben -alle verloren! ... He, Magd, Magd, Palaschka, Magd! - -SKOTININ (beiseite). Soso! Er ist’s, der Onkel! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. JEREMEJEWNA. - -JEREMEJEWNA. Was steht zu Befehl? - -FRAU PROSTAKOWA. Bist du die Magd, du Hundetochter? Hab’ ich im Hause -außer deiner elenden Fratze eine Magd? Wo ist Palaschka? - -JEREMEJEWNA. Erkrankt, liegt seit dem Morgen zu Bette. - -FRAU PROSTAKOWA. Sie liegt? Ach, die Bestie! Liegt, als wenn sie eine -Adelige wäre! - -JEREMEJEWNA. Sie hat starkes Fieber und phantasiert unaufhörlich. - -FRAU PROSTAKOWA. Die Bestie phantasiert! Als wenn sie eine Adelige wäre! -So rufe den Mann, den Sohn! Sage ihnen, daß durch Gottes Güte unsre -Erwartung in Erfüllung gegangen ist: der teure Onkel unsrer lieben -Sophie ist angekommen, unser zweiter Vater ist bei uns zu Besuch, -gedankt sei dem Himmel! Nun, mach fort, rühr dich! (Jeremejewna schnell -ab.) - -STARODUM. Wozu der Lärm? Gottes Güte hat mich nicht Ihr Vater werden -lassen, und dank der Güte Gottes bin ich Ihnen auch gar nicht bekannt. - -FRAU PROSTAKOWA. Dein plötzliches Erscheinen, Väterchen, hat mich um den -Verstand gebracht. So laß dich doch wenigstens ordentlich umarmen, du -unser Wohlthäter! - - - Fünfter Auftritt. - - DIE VORIGEN. PROSTAKOW, MITROFAN und JEREMEJEWNA. - - (Während der nachfolgenden Worte Starodums haben sich Prostakow und - Sohn, die durch die Mittelthür eingetreten waren, hinter den Rücken - Starodums gestellt. Der Vater will ihn umarmen, sobald die Reihe - an ihn kommt, der Sohn – die Hand küssen. Jeremejewna hat - seitwärts Platz genommen und steht mit übers Kreuz geschlagenen - Armen regungslos da, die Blicke starr auf Starodum gerichtet und - jedes seiner Worte mit kriechender Aufmerksamkeit verfolgend.) - -STARODUM (ungern die Prostakowa umarmend). Ganz überflüssige Güte, -Madame, ohne die ich recht gut auskommen könnte! (Reißt sich aus der -Umarmung und wendet sich nach der Seite Skotinins, der schon mit -ausgebreiteten Armen dagestanden und ihn nun umfängt.) Zu wem bin ich -nun geraten? - -SKOTININ. Ich bin’s, meiner Schwester Bruder. - -STARODUM (der noch zweie bemerkt, mit Ungeduld). Und wer ist das? - -PROSTAKOW (ihn umarmend). Ich bin der Mann meiner } (Zugleich.) -Frau. } - } -MITROFAN (seine Hand küssend). Und ich meiner Mutter } -Söhnchen. } - -MILON (zu Prawdin). Jetzt werde ich mich nicht vorstellen. - -PRAWDIN (zu Milon). Ich werde Gelegenheit finden, dich später -vorzustellen. - -STARODUM (Mitrofan die Hand entziehend). Dieser sucht die Hand zu -küssen: man sieht, welch edle Seele in ihm herangebildet wird! - -FRAU PROSTAKOWA. Sprich, mein Liebling: „Wie sollt’ ich, Herr, deine -Hand nicht küssen – du bist ja mein zweiter Vater.“ - -MITROFAN. Wie sollt’ ich, lieber Onkel, deine Hand nicht küssen – du -bist ja mein Vater! (Zur Mutter.) Welcher war’s doch? - -FRAU PROSTAKOWA. Der zweite. - -MITROFAN. Der zweite? Der zweite Vater, lieber Onkel. - -STARODUM. Ich bin, mein Bester, weder dein Vater noch dein Onkel. - -FRAU PROSTAKOWA. Väterchen, der liebe Junge prophezeit sich vielleicht -sein Glück: wer weiß, mit Gottes Hilfe könnte er ja dein Neffe werden. - -SKOTININ. Wirklich? Und ich bin zu schlecht für den Neffen? O Schwester! - -FRAU PROSTAKOWA. Ich will, Bruder, mich mit dir nicht herumbeißen. (Zu -Starodum.) Noch nie im Leben, Väterchen, hab’ ich mit jemand gezankt. -Mein Charakter ist: und werd’ ich noch so sehr beschimpft, nie sag’ ich -ein Wort dagegen. Gott wird’s denjenigen schon heimzahlen, die mich Arme -beleidigen! - -STARODUM. Das hab’ ich gleich bemerkt, als du nur zur Thür hereintratst. - -PRAWDIN. Ich bin schon drei Tage Zeuge ihres sanften Charakters. - -STARODUM. Dieses Vergnügen werd’ ich nicht so lange genießen können. -Liebe Sophie, morgen fahren wir mit dir nach Moskau. - -FRAU PROSTAKOWA. O Väterchen, wofür zürnst du uns? - -PROSTAKOW. Wofür diese Ungnade? - -FRAU PROSTAKOWA. Wie? Wir sollten von Sophiechen scheiden, unserm -Herzenskinde? Ich werde vor Kummer Hungers sterben! - -PROSTAKOW. Das ist mein Tod! Schon fühl’ ich – - -STARODUM. Da ihr sie so liebt, so muß ich euch eine Freude bereiten: ich -bringe sie nach Moskau, um dort ihr Glück zu gründen. Mir ist ein sehr -würdiger junger Mensch als Bräutigam für sie empfohlen worden; ihn auch -soll sie heiraten. - -FRAU PROSTAKOWA. Er bringt mich um! } - } -MILON. Was hör ich? (Sophie ist bestürzt.) } - } -SKOTININ. Saubere Bescherung! (Prostakow schlägt } (Gleichzeitig.) -die Hände über dem Kopf zusammen.) } - } -MITROFAN. Da haben wir’s! (Jeremejewna nickt } -traurig mit dem Kopfe. Prawdin scheint erstaunt } -und erzürnt.) } - -STARODUM (die Bestürzung aller gewahr werdend). Was heißt das? (Zu -Sophie.) Liebe, gute Sophie, auch du scheinst bestürzt? Hat dich -wirklich mein Plan gekränkt? Ich vertrete Vaterstelle an dir, und glaube -mir, daß ich meine Rechte kenne. Sie gehen nicht weiter, als eine -unglückbringende Neigung der Tochter abzuwenden; die Wahl eines würdigen -Mannes jedoch hängt ganz von ihrem eigenen Herzen ab. Beruhige dich, -mein Freund! Ein Mann, der deiner würdig ist – er mag sein, wer er will -– wird stets einen aufrichtigen Freund an mir haben. Heirate nach -eigener Wahl. (Die Mienen aller verklären sich.) - -SOPHIE. Onkelchen, zweifeln Sie nicht an meinem Gehorsam. - -MILON (für sich). Der Ehrenmann! - -FRAU PROSTAKOWA (fröhlich). Das ist ein Vater! Ein Freude, ihn zu hören! -Heirate nach eigener Wahl, nur muß der Mann deiner würdig sein. Ganz -recht, Väterchen, ganz richtig! Man muß nur den Bräutigam nicht -verpassen! Hat man einen Edelmann vor sich, einen jungen Menschen – - -SKOTININ. Der längst kein Kind mehr ist – - -FRAU PROSTAKOWA. Dessen Vermögen zwar nicht groß – - -SKOTININ. Dessen Schweinezüchterei jedoch ansehnlich – - -FRAU PROSTAKOWA. Dann Glück auf den Weg und fort in } (Zusammen.) -die Erzengelkirche! } - } -SKOTININ. Ein fröhlicher Schmaus und die Hochzeit } -gefeiert! } - -STARODUM. Eure Ratschläge sind uneigennützig, seh’ ich. - -SKOTININ. Lerne mich nur näher kennen und du wirst dein Wunder sehn! Du -siehst selbst – hier herrscht ja Sodom und Gomorra. Darum will ich nach -einem Stündchen bei dir allein vorsprechen, und dann schließen wir das -Geschäft ab! Ohne Ruhm zu sagen – solcher wie ich gibt’s wenige! (Ab.) - -STARODUM. Das will ich gern glauben! - -FRAU PROSTAKOWA. Wundere dich nicht über den Bruder – - -STARODUM. Er ist Ihr Bruder? - -FRAU PROSTAKOWA. Mein leiblicher Bruder, Väterchen: auch ich bin ja eine -geborne Skotinin. Mein seliger Vater heiratete meine selige Mutter; ihr -Familienname war Priplodina. Wir waren unser achtzehn Geschwister, doch -alle, mit Ausnahme von mir und meinem Bruder, sind nach dem Willen -Gottes gestorben: ein paar hat man tot aus der Badstube gezogen; dreie -verendeten, nachdem sie Milch aus einem kleinen kupfernen Kessel -getrunken hatten; zweie stürzten zu Pfingsten vom Glockenturm, und die -übrigen starben von selbst. - -STARODUM. Ich kann mir vorstellen, was Ihre Eltern für Menschen waren. - -FRAU PROSTAKOWA. Leute aus der guten alten Zeit. Ja, das waren damals -andre Zeiten! Wir erhielten gar keine Bildung. Manchmal kamen die -Nachbarn und quälten, quälten den Vater, daß er doch wenigstens den -Bruder zur Schule schickte – aber umsonst: der teure Verstorbene wehrte -sich dagegen mit Händen und Füßen, Gott hab’ ihn selig. Mitunter schrie -er: „Ich verfluche das Kind, welches irgend etwas diesen heidnischen -Federfüchsen ablernt, und will nicht Skotinin heißen, wenn ich nicht -jedem meiner Kinder die Lust zum Lernen ausprügele.“ - -PRAWDIN. Wie kommt’s denn, daß Sie Ihren Sohn aus diesem und jenem -unterrichten lassen? - -FRAU PROSTAKOWA. Wir leben in einer andern Zeit, mein Bester. (Zu -Starodum.) Den letzten Bissen vom Munde opfern wir, damit nur unser Sohn -alles erlerne. Tagelang sitzt mein armer Mitrofan über den Büchern. Mein -Mutterherz blutet, aber ich tröste mich mit dem Gedanken: dafür ist er -auch mit der Zeit ein gemachter Mann! Am heiligen Nikolaus-Tage im -Winter wird er sechzehn Jahr alt. Ein Bräutigam wär’ er, wie man sich -keinen bessern wünschen kann, aber noch immer kommen Lehrer, lassen -keine Stunde unbenutzt vergehn; so warten auch jetzt zweie im Flur. -(Macht Jeremejewna ein Zeichen, sie hereinzurufen.) Und in Moskau haben -wir gar einen Ausländer auf sechs Jahre engagiert und einen Kontrakt in -der Polizei abgeschlossen, damit ihn nicht andre zu sich herüberlocken. -Er erbot sich, Mitrofan aus allem, das wir nur wünschen, zu -unterrichten; wir jedoch sind der Ansicht, er solle daraus unterrichten, -was er selber versteht und kennt. Ja, unsre Elternpflicht haben wir -durchaus erfüllt: haben einen deutschen Hauslehrer, dem wir das Geld für -drei Monate vorausbezahlen. Von Herzen gern würd’ ich es sehn, wenn du -selber, Väterchen, dich überzeugen wolltest, was unser Mitrofan alles -gelernt hat. - -STARODUM. Ich bin hierin kein Kenner. - -FRAU PROSTAKOWA (Kutejkin und Zyfirkin erblickend). Da sind auch die -Lehrer. Hab’ ich’s nicht gesagt, daß mein armer Mitrofan weder Tag noch -Nacht Ruhe hat? Ich will mein eigenes Kind nicht loben, aber eines kann -ich sagen: glücklich das Mädchen, das ihn zum Manne bekommt! - -PRAWDIN. Das ist alles ganz schön: aber vergessen Sie doch nicht, daß -unser Gast soeben erst aus Moskau angekommen ist und weit mehr der Ruhe -bedarf als der Lobeserhebungen Ihres Sohnes. - -STARODUM. Ja, ich gestehe, daß ich sowohl von der Reise ausruhen möchte -als auch von all dem, das ich gehört und gesehn. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, Väterchen, alles ist bereit; ich selber habe dir -das Zimmer in Ordnung gebracht. - -STARODUM. Ich danke. Sophiechen, begleite mich. - -FRAU PROSTAKOWA. Wie, und wir? Erlaube, Väterchen, daß sowohl ich als -auch mein Sohn und mein Mann dich begleiten! Zu Fuß wollen wir alle nach -Kijew pilgern und dort für deine Gesundheit beten, wenn nur unser -Geschäftchen zu stande kommt! - -STARODUM (zu Prawdin). Wann sehen wir uns? Nach einem kurzen Schläfchen -bin ich wieder hier. - -PRAWDIN. So werde ich auch die Ehre haben, Sie hierselbst zu sehn. - -STARODUM. Das freut mich. (Erblickt Milon, der ihn ehrfurchtsvoll grüßt, -und erwidert höflich den Gruß.) - -FRAU PROSTAKOWA. Also bitte, bitte. (Alle gehen ab: Prawdin und Milon -nach der einen Seite, die übrigen nach der andern. Die Lehrer bleiben.) - - - Sechster Auftritt. - - KUTEJKIN und ZYFIRKIN. - -KUTEJKIN. Eine Satanswirtschaft das! Von früh an treib’ ich mich hier -zwecklos herum. Auf solche Art muß jeder Morgen hier verwelken und -verdorren. - -ZYFIRKIN. Unsereiner hat’s seine Lebtage nicht anders: blutwenig gibt’s -für uns zu thun. Ein Unglück aber ist, daß wir so schlecht gefüttert -werden, wie es denn beispielsweise heute zu Mittag an Proviant mangelte. - -KUTEJKIN. Hätte mich nicht der Herr erleuchtet, auf dem Hierherwege bei -unsrer Hostienbäckerin einzukehren, ich würde jetzt heulen wie ein Hund. - -ZYFIRKIN. Unsre Brotherrn sind mir nette Herrschaften! - -KUTEJKIN. Hast du gehört, Bruderherz, welch ein Leben das hiesige -Gesinde hat? Wohl hast du gedient, bist in mancher Schlacht gewesen, -doch Furcht und Zittern würde dir ankommen und Grauen dich befallen, -wenn – - -ZYFIRKIN. Bah, ob ich’s gehört? Mit eigenen Augen sah ich hier ein -stundenlanges Lauffeuer. (Seufzend.) Ach, traurig wird mir zu Sinn! - -KUTEJKIN. Wehe mir Sünder! - -ZYFIRKIN. Worüber seufzest du, Ssidorytsch? - -KUTEJKIN. Auch dein Herz ist betrübt, Pafnutjitsch? - -ZYFIRKIN. Unwillkürlich wird man schwermütig. Da hat mir Gott einen -Schüler beschert, einen Edelmann. Das dritte Jahr nun quäl’ ich mich mit -ihm ab, und noch kann er keine drei zählen. - -KUTEJKIN. So haben wir beide Einen Kummer. Das vierte Jahr kastei’ ich -meinen Leib. Keine neue Zeile kann der Junge aus der Fibel lesen, ist -nur im stande, das Gelesene zu repetieren, und auch hierbei sogar kaut -er die Worte ohne Sinn und Verstand. - -ZYFIRKIN. Und wer ist schuld? Kaum hat er den Griffel in der Hand, -erscheint der Deutsche in der Thür. Den Jungen erlöst man von der -Schiefertafel, und mich möchte man vor die Thür setzen. - -KUTEJKIN. Auch nicht meine Schuld ist’s. Kaum nehm’ ich den Bleistift -zwischen die Finger, tritt mir der Heide vor die Augen. Dem Schüler wird -der Kopf gestreichelt und dem Lehrer eins ins Genick versetzt. - -ZYFIRKIN (eifrig). Ein Ohr ließe ich mir abhauen, könnt’ ich diesem -Schmarotzer nach Soldatenart Räson beibringen. - -KUTEJKIN. Geißeln ließe ich mich, könnt’ ich dem Barbaren den Hals -brechen. - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA und MITROFAN. - -FRAU PROSTAKOWA. Derweilen er schläft, solltest du doch wenigstens zum -Schein etwas lernen, mein Liebling, damit es zu seinen Ohren komme, wie -fleißig du bist. - -MITROFAN. Nun, und dann? - -FRAU PROSTAKOWA. Und dann heiratest du. - -MITROFAN. Höre, Mutter: ich will dir das Vergnügen machen, werde ein -wenig lernen – doch soll’s das letzte Mal sein, noch heute muß die -Verlobung stattfinden! - -FRAU PROSTAKOWA. Die Stunde wird kommen, wenn Gott will, wo – - -MITROFAN. Die Stunde ist gekommen, wo ich will! Ich will nicht lernen, -will heiraten! Du selber hast mich so weit gebracht, schreib’s dir -selber zu ... Nun, da sitz’ ich. (Zyfirkin spitzt den Griffel an.) - -FRAU PROSTAKOWA. Und ich will mich hier nebenan setzen und dir ein -Beutelchen stricken, damit du etwas hast, wohin Sophiechens Geld zu -legen. - -MITROFAN. Nun, her mit der Tafel, du Garnisonratte! Was soll ich -schreiben? - -ZYFIRKIN. Ew. Gnaden beißen sich immer ohne Ursache herum. - -FRAU PROSTAKOWA (arbeitend). Du mein Gott! Der gute Junge darf -Pafnutjitsch kein einziges Scheltwort sagen – gleich wird der Mann böse! - -ZYFIRKIN. Böse? Nicht doch, Ew. Gnaden. Ein russisches Sprichwort sagt: -Bellt der Hund, verweht’s der Wind. - -MITROFAN. Nun, was soll ich repetieren? Rühr dich! - -ZYFIRKIN. Beim ewigen Repetieren kann man nicht avancieren. - -FRAU PROSTAKOWA. Ist nicht deine Sache, Pafnutjitsch. Es ist mir sehr -lieb, daß Mitrofan nicht avancieren will: mit seinem Verstande und hoch -avancieren – Gott verhüt’ es! - -ZYFIRKIN. Die Aufgabe lautet: Du und ich gingen mal auf der Landstraße -und mit uns – nun, sagen wir – Ssidorytsch. Wir fanden alle drei – - -MITROFAN (schreibt). Drei. - -ZYFIRKIN. Unterwegs dreihundert Rubel. - -MITROFAN (schreibt). Dreihundert. - -ZYFIRKIN. Darauf ging’s ans Teilen ... Nun berechne mal, wieviel ein -jeder von uns zu bekommen hat. - -MITROFAN (rechnet flüsternd). 1 × 3 = 3; 1 × 0 = 0 ... 1 × 0 = 0 ... - -FRAU PROSTAKOWA. Was, was wird da geteilt? - -MITROFAN. Gefundene dreihundert Rubel sollen unter drei Personen geteilt -werden. - -FRAU PROSTAKOWA. Unsinn, mein Herz! Hast du Geld gefunden, so teil’s mit -keinem, behalt alles! Lerne nicht diese blödsinnige Wissenschaft, mein -Junge! - -MITROFAN. Hörst du, Pafnutjitsch? Ein andres Exempel! - -ZYFIRKIN. Nun, schreibe. Für den Unterricht bekomm’ ich jährlich zehn -Rubel. - -MITROFAN (schreibt). Zehn. - -ZYFIRKIN. Jetzt ist’s freilich herausgeworfenes Geld. Doch gesetzt den -Fall, du würdest etwas von mir lernen, – so wär’ es kein Unglück, wenn -noch zehn zugelegt würden. - -MITROFAN (schreibt). Nun ... nun, zehn. - -ZYFIRKIN. Wieviel macht’s denn im Jahr aus? - -MITROFAN (rechnet flüsternd). 0 + 0 = 0, 1 + 1 ... (versinkt in -Nachdenken). - -FRAU PROSTAKOWA. Bemühe dich nicht unnütz, mein Bester: werde keinen -Groschen zulegen. Wär’ auch ganz unnütz – die Wissenschaft ist nicht -danach: du, armer Junge, wirst nur gequält, während das Ganze ein Unsinn -ist. Ist kein Geld da, so braucht’s auch nicht gezählt zu werden; ist’s -da, so werden wir’s auch ohne Pafnutjitsch sehr gut zusammenzählen. - -KUTEJKIN. Fertig, Pafnutjitsch! Zwei Exempel sind gelöst – kontrolliert -werden sie ja doch nicht. - -MITROFAN. Habe keine Sorge: Mutter wird sich schon nicht verzählen! ... -Nun laß uns das Gestrige wiederholen. - -KUTEJKIN (Öffnet das Gebetbuch). Nun vorwärts mit Gottes Segen! ... -Sprich mir aufmerksam nach ... Ich bin ein Wurm. - -MITROFAN. Ich bin ein Wurm. - -KUTEJKIN. Ein Wurm, das heißt ein Tier, ein Vieh. Das heißt: ich bin ein -Vieh. - -MITROFAN. Ich bin ein Vieh. - -KUTEJKIN (mit belehrendem Ton). Und kein Mensch. - -MITROFAN (ebenso). Und kein Mensch. - -KUTEJKIN. Ein Spott der Leute. - -MITROFAN. Ein Spott der Leute. - -KUTEJKIN. Und veracht – - - - Achter Auftritt. - - DIE VORIGEN und WRALMANN. - -WRALMANN. O! o! o! o! Jetzt seh’ ich’s! Ins Grab bringen will man das -Kind! Mutter, erbarme dich der Frucht deines Leibes, die du neun Monate -in deinem Schoß herumgeschleppt hast, sozusagen ein achtes Wunder der -Welt! Gibst du ihnen noch länger Freiheit, den verfluchten Bösewichtern -– wie bald ist aus einem solchen Kopf ein Klotz gemacht! Das Kind ist -schon disponiert dazu, hat alle Anlagen! - -FRAU PROSTAKOWA. Wahrheit sprichst du, Adam Adamytsch ... Liebes Kind, -wenn das Lernen deinem teuren Kopfe so schädlich ist, so bin ich der -Ansicht, daß du aufhörst zu lernen. - -MITROFAN. Dieser Ansicht bin ich schon lange. - -KUTEJKIN (das Buch schließend). Fertig, und Ehre sei Gott in der Höh’. - -WRALMANN. Verehrteste, Teuerste, Beste – was willst du? Wie dein Sohn -auch sein mag – aber er ist gesund; was hilft’s dir, wenn du einen -weisen Sohn hast, sozusagen einen Arestotilis, und er steht mit einem -Fuß im Grabe? - -FRAU PROSTAKOWA. Das ist ja entsetzlich, Adam Adamytsch! Und er hat noch -gestern so unakkurat zu Abend gegessen. - -WRALMANN. Bedenke nur, Werteste: schon ein überladener Magen ist ein -Unglück. Wie nun, wenn sein Kopf, der doch viel schwächer ist als sein -Magen – Gott schütze vor Unglück – überladen wird, was dann? - -FRAU PROSTAKOWA. Wahrheit sprichst du, Adam Adamytsch! Aber was thun? -Wenn der Knabe, ohne etwas gelernt zu haben, nach Petersburg kommt, so -wird man ihn einen Dummkopf nennen! Heutzutage gibt’s zu viele Kluge, -und diese gerade fürchte ich. - -WRALMANN. Warum sie fürchten, Verehrteste? Ein vernünftiger Mensch wird -nie mit ihm anbinden, wird nie mit ihm in Meinungsstreit kommen; er aber -soll auch mit klugen Menschen keine Gemeinschaft suchen, und der Segen -des Himmels wird auf ihm ruhn. - -FRAU PROSTAKOWA. So mußt du auf der Welt leben, Mitrofan. - -MITROFAN. Ich selbst, Mutter, bin kein Freund von klugen Menschen; nur -gleich und gleich gesellt sich gern. - -WRALMANN. Natürlich lebt sich’s am besten unter seinesgleichen, -sozusagen in eigener Gesellschaft. - -FRAU PROSTAKOWA. Aber, Adam Adamytsch – aus wem willst du denn diese -Gesellschaft bilden? - -WRALMANN. Besorge nicht, Verehrteste, besorge nicht: Solcher, wie dein -teurer Sohn, gibt’s auf Erden Millionen! Wie sollte er sich da keine -Gesellschaft finden? - -FRAU PROSTAKOWA. Er ist zwar mein Sohn, aber dennoch ein findiger, -gewandter Junge. - -WRALMANN. Jammerschade nur, daß er sich halbtot hat lernen müssen! -Russische Grammatik! Arithmetik! Ach, du lieber Gott! Wie dabei noch die -Seele im Leibe bleibt?! Als ob ein russischer Edelmann ohne die -russische Grammatik in der Welt nicht avancieren könnte! - -KUTEJKIN (beiseite). Daß dir der Pips an der Zunge wüchse! - -WRALMANN. Als ob früher die Menschen ohne die Arithmetik lauter -Dummköpfe gewesen wären! - -ZYFIRKIN (beiseite). Ich will dir schon deine Rippen zählen, wart du -nur! Dich krieg’ ich schon! - -WRALMANN. Wissen muß man, wie man auf der Welt leben soll. Und ich kenne -die Welt auswendig, ich bin ein geriebener Vogel! - -FRAU PROSTAKOWA. Wie solltest du die Welt nicht kennen, Adam Adamytsch! -Wieviel du allein in Petersburg gesehn haben magst! - -WRALMANN. Genug, Verehrteste, genug! Ich hab’s immer geliebt, mir das -Publikum anzusehn. Sobald die Herrschaften in ihren Wagen am Feiertag -nach Katharinenhof kamen, hatte ich vollauf zu sehen. Manchmal stieg ich -stundenlang nicht vom Bock. - -FRAU PROSTAKOWA. Von welchem Bock? - -WRALMANN (für sich). O, o, o – was hab’ ich da gesagt! (Laut.) Du weißt, -Verehrteste, daß man am besten sieht, wenn man recht hoch sitzt. So -kletterte ich denn manchmal auf den Wagen eines Bekannten und sah mir -vom Bock aus die große Welt an. - -FRAU PROSTAKOWA. Freilich sieht man auf solche Weise besser. Ein kluger -Mensch weiß, wohin er steigt. - -WRALMANN. Auch dein teurer Sohn wird noch in der Welt steigen: die -Menschen zu sehn und sich selber zu zeigen ... Prachtjunge! (Mitrofan -dreht sich herum, auf demselben Platz stehen bleibend.) Prachtjunge! -Kann nicht stille stehn, gleich einem wilden Roß ohne Zaum ... Nun, -fort! (Mitrofan läuft fort.) - -FRAU PROSTAKOWA (freudig lächelnd). Ist doch noch ein wahres Kind, -obgleich schon Bräutigam! Muß doch nachsehn, daß er in seinem Mutwillen -den teuren Gast nicht belästige. - -WRALMANN. Geh, Verehrteste, geh. Um diesen losen Vogel zu überwachen, -muß man seine Augen überall haben. - -FRAU PROSTAKOWA. So lebe denn wohl, Adam Adamytsch. (Ab.) - - - Neunter Auftritt. - - WRALMANN, KUTEJKIN und ZYFIRKIN. - -ZYFIRKIN (höhnend). Affenfratze! - -KUTEJKIN (ebenso). Du Sprichwort und Spott unter allen Völkern! - -WRALMANN. Nun, was fletscht ihr die Zähne, ihr ungebildeten Menschen?! - -ZYFIRKIN (schlägt ihn auf die Schulter). Und was ziehst du die -Augenbrauen zusammen, du finnische Eule? - -WRALMANN. Au, das ist eine eiserne Tatze! - -KUTEJKIN (ihn gleichfalls auf die Schulter schlagend). Uhu verfluchter! -Was rollst du deine Glotzaugen? - -WRALMANN (für sich). Ich bin verloren! (Laut.) Spottet ihr mein, -Kameraden? - -ZYFIRKIN. Selber issest du hier unverdientes Brot und hinderst andere, -etwas zu thun! Dummes Gesicht! - -KUTEJKIN. Eitel Hoffart redet deine Zunge, du Gottloser. - -WRALMANN (sich von seinem Schrecken erholend). Wie wagt ihr’s, gegen -eine gebildete Person unhöflich zu sein? Ich werde um Hilfe schreien. - -ZYFIRKIN. Gleich werden wir dir unsre Hochachtung bezeigen: ich mit der -Tafel – - -KUTEJKIN. Und ich mit dem Buche. - -WRALMANN. Ich werde euch bei der gnädigen Frau verklagen! (Zyfirkin holt -mit der Tafel aus, Kutejkin mit dem Buche.) - -ZYFIRKIN. Deine Fratze will ich dir zerfleischen! } (Gleichzeitig.) - } -KUTEJKIN. Ich zerschmettere des Gottlosen Zähne! } -(Wralmann flieht.) } - -ZYFIRKIN. Aha, da läuft der Hasenfuß! - -KUTEJKIN. Hebe dich hinweg, Gottverfluchter! - -WRALMANN (in der Thür). Was nun, ihr Bestien? Steckt mal eure Nase -hierher! - -ZYFIRKIN. Hast Reißaus genommen! Wir würden dich schon durchgewalkt -haben! - -WRALMANN. Ich fürchte euch nicht, jetzt fürcht’ ich euch nicht! - -KUTEJKIN. Geborgen hat sich der Gottlose! Hast du noch viele von deinem -Heidengesindel in der Nähe? Rufe sie alle! - -WRALMANN. Seid mit Einem nicht fertig geworden! } -Nun, was, habt ihr’s? } - } -ZYFIRKIN. Ich allein werde mit zehn Mann } -fertig! } (Durcheinanderschreiend.) - } -KUTEJKIN. Frühe vertilge ich alle Gottlosen im } -Lande! } - - - - - Vierter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - -SOPHIE (allein; sieht auf die Uhr). Der Onkel muß bald herkommen. (Setzt -sich, nimmt ein Buch und liest ein wenig.) Das ist wahr: wie sollte das -Herz nicht zufrieden sein, wenn das Gewissen ruhig ist? (Liest wieder.) -Man muß die Gesetze der Tugend lieben: sie führen zum Glück. (Liest noch -einige Zeilen, erblickt Starodum und eilt ihm entgegen.) - - - Zweiter Auftritt. - - SOPHIE und STARODUM. - -STARODUM. Ach, du bist schon hier, mein Herz? - -SOPHIE. Ich habe Sie erwartet, Onkelchen, und derweil ein Buch gelesen. - -STARODUM. Welches? - -SOPHIE. Ein französisches: Fénelons „Mädchenerziehung“. - -STARODUM. Fénelons, des Verfassers des „Telemach“? Das muß ein gutes -Buch sein. Ich kenn’ es zwar nicht, jedoch lies es nur. Wer den -„Telemach“ geschrieben, dessen Feder kann keine Sittenverderberin sein. -Die modernen Schöngeister machen mich für die jungen Mädchen fürchten. -Ich habe sie alle gelesen, soweit sie ins Russische übersetzt sind. Es -ist wahr: sie rotten die Vorurteile aus, rütteln jedoch bedenklich an -den Wurzeln der Moral. Setzen wir uns. (Sie setzen sich.) Mein innigster -Wunsch ist, dich so glücklich zu wissen, wie man auf Erden nur immer -glücklich sein kann. - -SOPHIE. Ihre Lehren, Onkelchen, werden mein ganzes Glück begründen. -Geben Sie mir Lehren, denen ich folgen soll. Leiten Sie mein Herz, es -gehorcht Ihnen gern. - -STARODUM. Deine Herzensneigung ist mir teuer. Mit Freuden will ich dir -meine Ratschläge erteilen. Höre mir mit einer Aufmerksamkeit zu, die der -Aufrichtigkeit meiner Rede gleichkommt. Rücke näher. (Sophie nähert ihm -ihren Stuhl.) - -SOPHIE. Onkelchen, jedes Ihrer Worte wird sich tief meinem Herzen -einprägen. - -STARODUM. Du stehst jetzt in dem Alter, wo die Seele ihres ganzen Seins -genießen, die Vernunft lernen, das Herz empfinden will. Du trittst jetzt -in die Welt, wo der erste Schritt oft für das ganze Leben entscheidend -ist, wo oft eine in ihren Begriffen demoralisierte Vernunft, ein in -seinen Gefühlen demoralisiertes Herz die erste Begegnung bildet. O mein -Freund, lerne unterscheiden, lerne zu denen halten, deren Freundschaft -dir das Wohl deiner Vernunft und deines Herzens verbürgt. - -SOPHIE. Mein ganzes Streben wird darnach gerichtet sein, die Achtung -würdiger Menschen zu erwerben. Wie jedoch mach’ ich’s, daß diejenigen, -die ich meide, mir dafür nicht zürnen? Gibt es nicht ein Mittel, daß mir -kein Mensch auf Erden gram sei? - -STARODUM. Die Abneigung Unwürdiger muß nicht kränkend sein. Wisse, daß -man nie demjenigen Böses wünscht, den man verachtet; im Gegenteil: man -wünscht Böses dem, der selber das Recht hat, zu verachten. Die Menschen -beneiden einander nicht allein um Reichtum und Rang: auch die Tugend hat -ihre Neider. Diese geben sich alle Mühe, ein unschuldiges Herz zu -verderben, um es bis zu sich herab zu erniedrigen; und die Vernunft wird -verderbt, damit sie im Unwürdigen ihr Glück ersehe. - -SOPHIE. Ist es denn möglich, lieber Onkel, daß es auf der Welt solche -bedauernswerte Menschen gibt, in deren Herzen eine lasterhafte -Empfindung dadurch entsteht, daß ein andrer nicht lasterhaft empfindet? -Ein tugendhafter Mensch muß solche Unglückliche bedauern. - -STARODUM. Es ist wahr, sie sind bedauernswert: doch darum setzt ein -tugendhafter Mensch seinen Weg unbeirrt fort. Denke nur, welch ein -Unglück es wäre, wenn die Sonne aufhören würde zu scheinen, bloß um -schwache Augen nicht zu blenden! - -SOPHIE. Aber sagen Sie mir, bitte, ob die Menschen selber die Schuld -tragen an der Lasterhaftigkeit ihrer Seele? Kann denn ein jeder Mensch -tugendhaft sein? - -STARODUM. Glaube mir, daß jedermann genügend Kraft finden kann, um -tugendhaft zu sein. Man muß nur recht wollen, und leicht wird es dann -fallen, das zu unterlassen, wofür in der Folge das Gewissen Vorwürfe -machen könnte. - -SOPHIE. Wer denn wird einen Menschen warnen, wer ihn an einer That -verhindern, die Gewissensbisse zur Folge haben könnte? - -STARODUM. Wer ihn warnen wird? Wiederum das Gewissen. Ja, das Gewissen -warnt stets als Freund früher, bevor es als Richter bestraft. - -SOPHIE. Dann muß ja jeder lasterhafte Mensch verachtungswert sein, wenn -er wissentlich etwas Böses verübt. Dann muß seine Seele recht niedrig -sein, wenn sie sich nicht über die böse That erheben kann. - -STARODUM. Und seine Vernunft muß keine Vernunft sein, wenn sie ihr Glück -in etwas Unwürdigem ersieht. - -SOPHIE. Mir scheint, lieber Onkel, daß alle Menschen einerlei Meinung -sind, worin das Glück bestehe. Ehrenauszeichnungen, Reichtum – - -STARODUM. Ganz recht, mein Freund. Auch ich will einen Mann, der reich -ist und ausgezeichnet wird, glücklich heißen. Doch wollen wir erst -untersuchen, wer denn ausgezeichnet wird und reich ist. Ich habe -hierüber mein eigenes Urteil. Den Ruhm bemesse ich nach den Thaten, die -ein berühmter Mensch zum Besten seines Vaterlandes gethan, und nicht -nach den Thaten, die in selbstsüchtigem Ehrgeiz ihre Quelle haben; ich -bemesse den Ruhm nicht nach der Anzahl der Menschen, die in des -Gefeierten Vorzimmer einander drängen und stoßen, sondern nach der Zahl -jener Menschen, die mit seinem Betragen, mit seinen Handlungen zufrieden -sind. Ein derart ausgezeichneter Mensch ist in der That glücklich. – -Ferner ist meiner Ansicht nach, nicht derjenige reich, der sein Geld -abzählt, um es in Kisten und Spinden zu verwahren, sondern derjenige -gilt mir reich, der sein überflüssiges Geld abzählt, um den Bedürftigen -zu helfen. - -SOPHIE. Wie wahr ist das alles! ... Wie oft betrügt uns der äußere -Schein! Ich selbst hatte mehrfach Gelegenheit zu sehen, wie man -denjenigen beneidet, der etwas bei Hofe sucht und daselbst etwas -bedeutet. - -STARODUM. Und die Neider wissen nicht, daß jede Kreatur bei Hofe etwas -sucht und sogar etwas bedeutet; sie wissen es nicht, daß bei Hofe -jedermann Höfling ist und Höflinge hat. Nein, hier ist nichts zu -beneiden: ohne Ehrenhandlungen ist ein Ehrenstand ein Unding. - -SOPHIE. Gewiß, Onkel. Und ein derart ausgezeichneter Mensch macht -keinen, außer sich selber, glücklich. - -STARODUM. Wie? Ist denn derjenige glücklich, der allein, vereinsamt -glücklich ist? Wisse, daß, so groß auch sein Ruhm sei, er doch niemals -vollständige Glückseligkeit empfinden kann. Stelle dir einen Menschen -vor, der seinen ganzen Ruhm nur dazu benutzen wollte, um es selber gut -zu haben, der es auch erreichte, daß für ihn selber nichts mehr zu -wünschen übrigbliebe; dann würde ja seine ganze Seele nur ein Gefühl mit -sich herumtragen – die Furcht, früher oder später von der Höhe seines -Glücks gestürzt zu werden. Sage nun, mein Freund, ob derjenige glücklich -ist, der nichts mehr zu wünschen hat und nur fürchten kann? - -SOPHIE. Ich sehe nun den Unterschied zwischen dem Glücklichscheinen und -Glücklichsein. Aber es ist mir unbegreiflich, wie ein Mensch immer nur -an sich denken kann! Bedenkt man denn nicht, daß man andern verpflichtet -ist? Wo bleibt denn der Verstand, auf den man sich so viel zu gute thut? - -STARODUM. Sich etwas auf den Verstand zu gute thun? Ein Verstand, der -nur Verstand ist, will noch gar wenig bedeuten! Es gibt Menschen, die -bei bedeutendem Verstande schlechte Ehemänner, schlechte Väter, -schlechte Bürger sind. Wert verleiht dem Verstande nur die Tugend: ohne -Tugend ist auch ein kluger Mensch ein Ungeheuer. Sie steht unendlich -höher als ein hoher Verstand – das wird jeder leicht begreifen, der nur -ein wenig nachdenkt. Es gibt viele Arten des Verstandes. Einem klugen -Menschen kann man verzeihen, wenn ihm diese oder jene Eigenschaft des -Verstandes abgeht; einem tugendhaften Menschen verzeiht man’s nicht, -wenn ihm irgend eine Tugend des Herzens fehlt: er muß sie alle insgesamt -besitzen, denn die Tugend des Herzens ist unteilbar. Ein tugendhafter -Mensch muß vollkommen tugendhaft sein. - -SOPHIE. Ihre Erklärung, lieber Onkel, entspricht ganz meinem innern -Gefühl, das ich nicht verstehe in Worte zu fassen. Jetzt empfind’ ich -lebhaft, worin der Wert eines tugendhaften Menschen, worin seine Pflicht -besteht. - -STARODUM. Pflicht! Ach, mein Freund – dieses Wort ist auf aller Lippen -und wird doch oft so falsch verstanden. Der beständige Gebrauch dieses -Wortes hat uns dermaßen an dasselbe gewöhnt, daß ein Mensch, der es -ausspricht, nichts dabei denkt und empfindet. Wenn die Menschen die -Bedeutung dieses Wortes wüßten, würden sie es nicht ohne innere -Ehrfurcht aussprechen. Was ist die Pflicht? Jenes heilige Gelübde, das -uns an alle bindet, mit denen wir leben und von denen wir abhängen. Wenn -jeder den Begriff der Pflicht so auffaßte, wie er ihn ausspricht, so -würde jeder Stand nicht über den seiner Lage angemessenen Ehrgeiz -streben, würde vollkommen glücklich sein. Der Edelmann z. B. würde es -sich zur Unehre gereichen lassen, wenn er nicht ausschließlich seiner -großen Pflicht obläge – den Untergebenen zu helfen, dem Vaterlande zu -dienen. Dann würde es keine Edelleute geben, deren Adel sozusagen -zugleich mit ihren Vorfahren begraben wird. Ein Edelmann, der nicht wert -ist ein Edelmann zu sein, ist das erbärmlichste Geschöpf, das ich mir -vorstellen kann. - -SOPHIE. Kann man sich denn dermaßen erniedrigen? - -STARODUM. Mein Freund! Das, was ich vom Edelmann gesagt, kann auf alle -Menschen angewendet werden. Jedermann hat seine Pflichten, doch wie -werden sie erfüllt? Wie z. B. sind die Männer heutigentags – die Frauen -auch nicht zu vergessen!? O mein Kind, höre mir nun mit vollster -Aufmerksamkeit zu! Betrachten wir uns z. B. eine unglückliche Familie, -wie es deren eine Unmenge gibt, wo die Frau keine herzliche Freundschaft -für den Mann empfindet, noch er Vertrauen zu ihr; wo beide auf ihre Art -den Weg der Tugend verlassen. Statt eines innigen und nachsichtigen -Freundes erblickt die Frau in ihrem Manne einen groben und lasterhaften -Tyrannen. Andrerseits sieht der Mann in der Seele seiner Frau statt -Sanftmut und Treuherzigkeit – die Eigenschaften einer tugendhaften Frau -– nur widerspenstige Frechheit, die Frechheit einer Frau aber ist das -Aushängeschild eines lastervollen Charakters. Beide werden sich -gegenseitig zur unerträglichen Last; beide mißachten einen guten Namen, -weil sie ihn beide verloren haben. Gibt es wohl eine schrecklichere -Lage? Das Hauswesen ist verwahrlost; die Dienerschaft vergißt die -Pflicht des Gehorsams, weil sie in ihrem eigenen Herrn einen Sklaven -niedriger Leidenschaft sieht; das Gut wird ruiniert: es gehört keinem, -weil der Herr nicht sich selber gehört. Die Kinder, die unglücklichen -Kinder, sind schon zu Lebzeiten der Eltern arme Waisen. Der Vater, der -seine Frau mißachtet, wagt kaum die Kinder zu umarmen, wagt kaum, sich -den zartesten Empfindungen eines Menschenherzens hinzugeben. Die -unschuldigen Kleinen entbehren gleichfalls der mütterlichen Liebe. Sie, -die nicht wert ist, Kinder zu haben, entzieht sich ihren Liebkosungen, -indem sie darin entweder die Ursache ihrer Unruhe oder einen Vorwurf für -ihre Lasterhaftigkeit erblickt. Und welche Erziehung kann eine -lasterhafte Mutter ihren Kindern geben? Wie soll sie ihnen Lehren der -Tugend einimpfen, da sie selber keine Tugend besitzt? Welche Hölle muß -in der Seele der Eltern brennen, wenn ihr Gedanke sich einmal ernstlich -mit ihrer gräßlichen Lage beschäftigt. - -SOPHIE. Wie entsetzenerregend ist dieses Beispiel! - -STARODUM. Gewiß muß es ein tugendhaftes Herz erschüttern. Doch ich -denke, daß ein Mensch nicht in dem Grade demoralisiert sein kann, um -ruhigen Blutes solche Greuel anzusehen. - -SOPHIE. Gott, wodurch entsteht nur ein so schreckliches Unglück? - -STARODUM. Dadurch, mein Freund, daß bei den heutigen Eheschließungen -selten das Herz zu Rate gezogen wird. Man sieht nur darauf, ob der -Bräutigam eine angesehene und reiche und die Braut eine schöne und -reiche Person ist. Nach der Tugend wird nicht gefragt. Keinem kommt es -in den Sinn, daß in den Augen denkender Menschen ein Ehrenmann ohne Rang -einen hohen Rang einnimmt, daß die Tugend alles ersetzt und selber durch -nichts ersetzt werden kann. Und ich muß gestehn, liebe Sophie, daß mein -Herz nur dann ganz ruhig sein wird, wenn ich dich als die Frau eines -Ehrenmannes sehen werde, wenn wechselseitige Liebe – - -SOPHIE. Einen ehrenhaften Gatten kann man ja nicht anders als recht -freundschaftlich lieben. - -STARODUM. Richtig. Nur sei deine Liebe zum Gatten nicht der Freundschaft -gleich, sondern deine Freundschaft zu ihm sei der Liebe ähnlich – dann -werdet ihr noch nach zwanzig Jahren ehelichen Zusammenlebens eine -unverminderte Neigung zu einander empfinden. Ein vernünftiger, -ehrenhafter Mann und eine vernünftige, tugendhafte Frau – was kann es -Herrlicheres geben? Dein Mann muß der Stimme der Vernunft gehorchen, und -du deinem Manne, und dann ist euer Glück ein vollkommenes. - -SOPHIE. Jedes Ihrer Worte geht mir zu Herzen. - -STARODUM (mit zärtlichem Feuer). Und mein Herz entzückt sich an dem -Gefühl deines Herzens! Von dir allein hängt dein Glück ab. Gott hat dir -allen Reiz deines Geschlechts verliehen. Ich sehe, daß du ein -tugendhaftes Herz im Busen trägst. Ja, mein geliebtes Kind, du -vereinigst in dir die Vorzüge beider Geschlechter! Ich schmeichle mir, -daß meine Liebe zu dir mich nicht täuscht, daß deine Tugenden – - -SOPHIE. Du hast jedes meiner Gefühle tugendhaft gemacht! (Will seine -Hand küssen.) - -STARODUM (ihre Hand küssend). Ich danke Gott, daß ich in dir selbst -einen festen Grund für dein Glück sehe. Nicht von Würden und Reichtum -wird es abhängen, denn beides kann noch dereinst dein werden. Doch du -besitzest bereits ein noch größeres Glück – das Gefühl, daß du würdig -bist des Glückes, das du empfindest! - -SOPHIE. Teuerster, bester Onkel! mein ganzes Glück ist, daß ich dich -habe. Ich kenne den Wert – - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. Ein KAMMERDIENER kommt und übergibt Starodum einen - Brief. - -STARODUM. Von wo? - -KAMMERDIENER. Aus Moskau, durch einen expressen Boten. (Ab.) - -STARODUM (entsiegelt das Schreiben und liest die Unterschrift). Ah, vom -Grafen Tschestan. (Beginnt zu lesen, macht aber Miene, nicht gut sehen -zu können.) Sophie, bitte, meine Brille – im Buch auf dem Tisch. - -SOPHIE (im Abgehen). Sofort, Onkelchen. - - - Vierter Auftritt. - -STARODUM (allein). Er schreibt mir natürlich von seinem Vorschlag, den -er mir in Moskau gemacht. Ich kenne Milon nicht; doch wenn sein Onkel, -mein geschätzter Freund, und alle seine Bekannten ihn für einen würdigen -und ehrenhaften Mann halten ... wenn ihr Herz frei ist ... - - - Fünfter Auftritt. - - STARODUM und SOPHIE. - -SOPHIE (die Brille gebend.) Hier ist sie, Onkelchen. - -STARODUM (liest). „Ich habe soeben erfahren ... führt sein Kommando nach -Moskau ... er muß mit Ihnen zusammentreffen. Es würde mich herzlich -freuen, wenn er Sie sehen sollte ... Bitte, bringen Sie seine -Gesinnungsart in Erfahrung“ ... (Beiseite.) Natürlich, sonst geb’ ich -sie ihm nicht ... „Sie werden finden ... Ihr aufrichtiger Freund ...“ -Gut. Dieser Brief betrifft dich. Ich habe dir schon gesagt, daß mir ein -junger Mann sehr warm empfohlen worden ist ... Meine Worte machen dich -stutzen, mein Freund, das hab’ ich schon damals gesehn und seh’ es auch -jetzt. Doch dein Vertrauen zu mir – - -SOPHIE. Kann ich denn etwas auf dem Herzen haben, das ich vor Ihnen als -Geheimnis bergen sollte? Nein, lieber Onkel, ich will Ihnen treuherzig -gestehn – - - - Sechster Auftritt. - - DIE VORIGEN. PRAWDIN und MILON. - -PRAWDIN. Erlauben Sie, Ihnen meinen aufrichtigen Freund Milon -vorzustellen. - -STARODUM (beiseite). Milon! - -MILON. Ich würde es für ein hohes Glück ansehn, wenn Sie mir Ihr -Wohlwollen schenkten. - -STARODUM. Ist Graf Tschestan Ihnen verwandt? - -MILON. Er ist mein Onkel. - -STARODUM. Mit Freuden mache ich Bekanntschaft mit einem Manne von Ihren -Eigenschaften. Ihr Onkel hat mir von Ihnen gesprochen; er läßt Ihnen -volle Gerechtigkeit widerfahren. Er rühmt Ihre Vorzüge – - -MILON. Das thut er nur aus Güte. In meinem Alter und bei meiner Stellung -wär’ es eine unverzeihliche Hoffart, wollte ich das Lob, das mir -ehrenwerte Männer spenden, für verdient hinnehmen. - -PRAWDIN. Ich bin im voraus versichert, daß mein Freund Ihr Wohlwollen -erwirbt, sobald Sie ihn näher kennen lernen. Er verkehrte oft im Hause -Ihrer seligen Schwester. (Starodum sieht sich nach Sophie um.) - -SOPHIE (leise und sehr befangen zu Starodum). Und die Mutter liebte ihn -wie einen Sohn. - -STARODUM (zu Sophie). Das ist mir sehr angenehm. (Zu Milon.) Ich habe -gehört, daß Sie in der Armee dienten, Ihre Tapferkeit – - -MILON. Ich that nur meine Pflicht. Weder Alter noch Rang ließen mich -bisher meine Tapferkeit beweisen, falls ich sie wirklich besitze. - -STARODUM. Wie?! Sie waren ja in der Schlacht und haben mehrfach Ihr -Leben aufs Spiel gesetzt – - -MILON. Ich hab’s aufs Spiel gesetzt ebenso wie alle andern. Ein -derartiger Mut ist eine Eigenschaft des Herzens, die dem Soldaten der -Oberst zu haben befiehlt, und dem Offizier – die Ehre. Ich muß -aufrichtig gestehn, daß ich noch keine Gelegenheit gehabt habe, eine -echte Tapferkeit an den Tag zu legen, was ich jedoch von Herzen wünsche. - -STARODUM. Ich wäre sehr neugierig zu erfahren, was Sie unter echter -Tapferkeit verstehen. - -MILON. Meiner Ansicht nach hat die Tapferkeit ihren Sitz in der Seele -und nicht im Herzen. Ist die Seele tapfer, so ist auch das Herz -unbedingt mutig. In unserm Kriegshandwerk muß der Soldat mutig, der -Befehlshaber tapfer sein. Mit kaltem Blute erkennt er alle Grade der -Gefahr, ergreift die nötigen Maßregeln, schätzt den Ruhm höher als sein -Leben; und was die Hauptsache ist: zum Nutzen und Ruhm seines -Vaterlandes ist er tapfer genug, des eigenen Ruhmes zu vergessen. Seine -Tapferkeit besteht somit nicht darin, daß er sein Leben gering achtet, -denn er setzt es nicht blindlings aufs Spiel, sondern darin, daß er es -zu opfern versteht. - -STARODUM. Ganz richtig. Echte Tapferkeit sehen Sie im -Kriegsbefehlshaber; kann sie aber auch den andern Ständen eigen sein? - -MILON. Sie ist eine Tugend, und folglich kann sich jeder Stand durch sie -auszeichnen. Mir scheint, der Mut des Herzens erweist sich während der -Schlacht, die Tapferkeit der Seele jedoch in allen Prüfungen, in jeder -Lage des Lebens. Und welch ein gewaltiger Unterschied besteht doch -zwischen dem Mut des Soldaten, der gleichzeitig mit andern beim -Sturmlauf sein Leben wagt, und der Tapferkeit eines Staatsmannes, der -seinem Landesherrn die Wahrheit sagt und dadurch dessen Zorn auf sich zu -laden riskiert! Ein Richter, der, die Drohungen und Rache des Mächtigen -nicht fürchtend, dem Hilflosen hat Gerechtigkeit widerfahren lassen – -ist in meinen Augen ein Held. Wie kleinlich ist doch die Seele eines -Mannes, der um ein Nichts seinen Nebenmenschen zum Duell herausfordert, -im Vergleich mit dem Manne, der die Ehre eines Abwesenden vor dessen -Verleumdern in Schutz nimmt! Ich verstehe die Tapferkeit – - -STARODUM. Wie sie ein Mann verstehen muß, dessen Seele sie besitzt. -Umarme mich, mein Freund! Vergib mir meine Freimütigkeit: ich bin ein -Freund ehrenhafter Menschen. Dieses Gefühl wurzelt in der Erziehung, die -ich genossen. In dir sehe ich die Tugend im Schmucke eines hellen -Verstandes. - -MILON. Eine edle Seele ... Nein, nicht länger hält mein Herz sein Gefühl -zurück! Nein! ... Deine Tugend entlockt meiner Seele ihr Geheimnis! Ist -mein Herz tugendhaft, verdient es glücklich zu werden – so liegt es in -deiner Macht, es glücklich zu machen. Und glücklich werde ich sein, wenn -du mir deine liebenswürdige Nichte zur Frau gibst. Unsre gegenseitige -Liebe – - -STARODUM (freudig zu Sophie). Wie? Dein Herz verstand schon denjenigen -zu wählen, den ich dir im voraus ausersehen hatte? Er ist jener -Bräutigam – - -SOPHIE. Und ich liebe ihn von Herzen. - -STARODUM. Ihr seid beide einer des andern würdig. (Vereinigt entzückt -ihre Hände.) Von ganzer Seele gebe ich meine Einwilligung. - -MILON (Starodum umarmend). Mein Glück ist } (Zusammen.) -unermeßlich! } - } -SOPHIE (Starodums Hände küssend). Wer kann } -glücklicher sein als ich?! } - -PRAWDIN. Wie aufrichtig bin ich erfreut! - -STARODUM. Mein Glück kennt keine Worte! - -MILON (Sophie die Hand küssend). O seliger Augenblick! - -SOPHIE. Ewig wird mein Herz dich lieben! - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN und SKOTININ. - -SKOTININ. Auch ich bin da. - -STARODUM. Was führt dich her? - -SKOTININ. Meine eigene Angelegenheit. - -STARODUM. Womit kann ich dienen? - -SKOTININ. Mit drei Worten. - -STARODUM. Und diese sind? - -SKOTININ. Umarme mich recht fest und sage: Sophie ist dein. - -STARODUM. Bist du nicht recht gescheit? Denke mal ordentlich nach! - -SKOTININ. Ich denke niemals und bin im voraus versichert, daß, wenn auch -du nicht denken wirst, Sophie die Meine wird. - -STARODUM. Sonderbarer Kauz! Du bist, wie ich sehe, nicht auf den Kopf -gefallen und willst, daß ich meine Nichte einem Menschen gebe, den ich -gar nicht kenne. - -SKOTININ. Dann sag’ ich’s dir, und du wirst mich kennen. Ich bin Taras -Skotinin, nicht der letzte meines Geschlechts. Die Skotinin sind ein -großes und altes Geschlecht. Den Urururgroßvater findest du in keiner -Heraldik. - -PRAWDIN. Sie werden uns noch glauben machen wollen, daß er älter ist als -Adam! - -SKOTININ. Und du meinst nicht? Wenn auch nicht viel – - -STARODUM (lachend). Gewiß, dein Urururgroßvater ist zwar am sechsten -Tage erschaffen, doch ein wenig früher als Adam. - -SKOTININ. Du bist also hoher Meinung von dem Alter unsres Geschlechts? - -STARODUM. So hoher Meinung, daß ich mich wundere, wie du nur eine Frau -wählen kannst, die nicht zum Geschlecht der Skotinin gehört. - -SKOTININ. Du kannst dir demnach vorstellen, wie glücklich Sophie mit mir -sein wird. Sie ist von Adel – - -STARODUM. Lieber Mann, darum gerade bist du kein Bräutigam für sie. - -SKOTININ. Ich lass’ es schon daran ankommen. Mag man sich die Zunge -abreden, daß Skotinin eine Adelige genommen hat – mir ist’s gleich. - -STARODUM. Aber ihr ist es nicht gleich, wenn es heißt, daß eine Adelige -einen Skotinin genommen hat. - -MILON. Eine solche ungleiche Partie kann kein Glück ins Haus bringen. - -SKOTININ. He, was hat der mitzusprechen? (Leise zu Starodum.) Ist’s -nicht gar ein Nebenbuhler? - -STARODUM (leise zu Skotinin). Mir will’s auch so scheinen. - -SKOTININ (leise). Wo sollt’ er, zum Teufel?! - -STARODUM (ebenso). Natürlich wird’s ihm schwer fallen. - -SKOTININ (laut, auf Milon weisend). Nun, wer von uns macht sich hier -lächerlich? Hahaha! - -STARODUM (lacht). Ich sehe, wer sich lächerlich macht. - -SOPHIE. Onkelchen, wie freut es mich, daß Sie fröhlich sind! - -SKOTININ (zu Starodum). Ei, du bist ja ein ganz lustiger Herr! Anfangs -glaubt’ ich, daß man dir gar nicht nah’ kommen kann. Hast damals kein -Wort mit mir gesprochen, und jetzt lachst du sogar. - -STARODUM. Ich bin nun mal so ein Mensch, habe meine Augenblicke. - -SKOTININ. Das seh’ ich. Damals war ich ja derselbe Skotinin, du aber -ärgertest dich. - -STARODUM. Ich hatte meine Gründe. - -SKOTININ. Die kenn’ ich nicht. Doch auch ich bin hierin eigen. Wenn ich -z. B. zu Hause zum Koben trete und die Schweine nicht in Ordnung finde, -so braus’ ich auf. Übrigens hast auch du bei deinem Herkommen das Haus -als einen Schweinekoben angetroffen und daher dein Ärger. - -STARODUM. Du bist glücklicher als ich: auf mich machen die Menschen -Eindruck – - -SKOTININ. Und auf mich die Schweine. - - - Achter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW, MITROFAN und JEREMEJEWNA. - -FRAU PROSTAKOWA (eintretend). Hast du auch alles bei dir? - -MITROFAN. Beruhige dich endlich mal! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Hast du gut zu ruhen geruht, Väterchen? -Wir alle gingen im vierten Zimmer auf den Zehenspitzen, um dich nicht -aufzuwecken wir wagten’s nicht, durchs Schlüsselloch zu sehn. Doch da -hörten wir dich hier sprechen und sind gekommen. Nichts für ungut – - -STARODUM. O, es wäre mir sehr unangenehm, wenn Sie früher gekommen -wären. - -SKOTININ. Spielst du mir einen Schabernack, Schwester, daß du dich mir -an die Fußsohlen heftest? Ich habe hier ein Geschäft abzumachen. - -FRAU PROSTAKOWA. Und ich auch. (Zu Starodum.) Verstatte, Väterchen, daß -wir dich mit einer Bitte belästigen. (Zu Mann und Sohn.) Grüßet! - -STARODUM. Mit welcher? - -FRAU PROSTAKOWA. Erst bitte ich alle, Platz zu nehmen. (Alle, mit -Ausnahme von Mitrofan und Jeremejewna, setzen sich.) Die Sache ist -nämlich die, Väterchen: Gott der Herr hat uns auf das Gebet unsrer -Eltern hin (wo hätten wir Sünder ihn erbitten können!) das Söhnchen -Mitrofan geschenkt. Wir thaten unser möglichstes, daß er so werde, wie -du ihn jetzt siehst. Wolltest du dich nicht bemühen, Einsicht zu -gewinnen, was er gelernt hat und kennt? - -STARODUM. O, es ist mir bereits zu Ohren gekommen, was er gelernt hat. -Ich habe gehört, wer seine Lehrer sind, und weiß im voraus, welche -Sprachkenntnisse ihm Kutejkin beigebracht, und was er aus der Mathematik -bei Zyfirkin gelernt hat. (Zu Prawdin.) Neugierig wär’ ich, zu erfahren, -was er beim Deutschen gelernt. - -FRAU PROSTAKOWA. Alle Wissenschaften. } - } -PROSTAKOW. Alles. } (Gleichzeitig.) - } -MITROFAN. Alles, was du willst. } - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Was denn z. B.? - -MITROFAN (gibt ihm ein Buch). Hier, Grammatik. - -PRAWDIN (nimmt das Buch). Ich sehe wohl, daß es eine Grammatik ist. Nun, -und was kennen Sie daraus? - -MITROFAN. Eine Menge. Viele Redeteile – - -PRAWDIN. Nun, was für ein Redeteil ist das Wort „Thür?“ - -MITROFAN. Thür? Welche Thür? - -PRAWDIN. Welche Thür? ... Nun, diese da. - -MITROFAN. Diese? Ein Bindewort. - -PRAWDIN. Warum denn? - -MITROFAN. Weil sie zwei Zimmer verbindet. Wir haben aber eine Thür, die -seit Wochen nicht in ihre Angeln gehängt wird, was jedoch hauptsächlich -des starken Zugwinds wegen sehr nötig wäre; jene ist darum ein -Hauptwort. - -PRAWDIN. Also ist auch das Wort Narr ein Bindewort, weil man einen -dummen Menschen damit in Verbindung bringt? - -MITROFAN. Natürlich. - -FRAU PROSTAKOWA. Nun, was sagst du dazu, Väterchen. - -PROSTAKOW. Ja, was sagst du dazu? - -PRAWDIN. Ausgezeichnet! In der Grammatik ist er recht bewandert. - -MILON. Ich denke, auch nicht weniger in der Geschichte. - -FRAU PROSTAKOWA. O, er ist schon als Kind immer ein großer Liebhaber von -Geschichten gewesen! - -SKOTININ. Mitrofan ist ganz in mich geraten. Auch ich höre für mein -Leben gern den Dorfschulzen erzählen. Ein Meister darin, der Hundesohn! -Wo er’s nur immer hernimmt?! - -FRAU PROSTAKOWA. O, mit Adam Adamytsch wird er sich nicht messen können! - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Wie weit sind Sie in der Geschichte gekommen? - -MITROFAN. Wie weit? Das hängt von der Geschichte ab. Manchmal hinter -dreimal neun Ländern im dreimal zehnten Königreiche.[2] - - [2] Stehende Redensart in russischen Märchen zur Bezeichnung einer - sehr großen Entfernung. _Anm. d. Übers._ - -PRAWDIN. So! Also das ist die Geschichte, welche Sie bei Wralmann -treiben? - -STARODUM. Wralmann? Der Name klingt mir bekannt. - -MITROFAN. Nein, unser Adam Adamytsch erzählt keine Geschichten; er liebt -ebenso wie ich nur zuzuhören. - -FRAU PROSTAKOWA. Beide lassen sie sich die Geschichten von der alten -Viehmagd Chawronja erzählen. - -PRAWDIN. Habt ihr nicht gar von ihr auch Geographie gelernt? - -FRAU PROSTAKOWA (zum Sohn). Hörst du, mein Schatz? Was ist denn das nun -wieder für eine Wissenschaft? - -MITROFAN (leise zur Mutter). Was weiß ich! - -FRAU PROSTAKOWA (leise zu Mitrofan). Sei nicht eigensinnig! Jetzt -gilt’s, dich zu zeigen. - -MITROFAN (leise zur Mutter). Aber ich versteh’ gar nicht, wonach man -fragt! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Prawdin). Wie hast du die Wissenschaft genannt? - -PRAWDIN. Geographie. - -FRAU PROSTAKOWA. Hörst du? Eorgavieh. - -MITROFAN. Was ist denn das wieder? Mein Gott, wie sie mich foltern! - -FRAU PROSTAKOWA (zu Prawdin). Habe doch die Güte, ihm zu sagen, was das -für eine Wissenschaft ist! Dann wird er dir schon Antwort geben. - -PRAWDIN. Die Erdbeschreibung. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Wozu wäre denn die nötig? - -STARODUM. Nötig wäre sie, sei’s auch nur, um auf der Reise zu wissen, wo -und wohin man reist. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, du lieber Himmel! Wozu sind denn die Fuhrleute da? -Das müssen _sie_ wissen ... Nein, diese Wissenschaft paßt gar nicht für -den Adel. Der Edelmann braucht nur zu sagen: fahre mich da- und dahin – -und er wird hingefahren ... Ach, alles, was mein Mitrofan nicht kennt, -ist ein Unsinn! - -STARODUM. Gewiß ist es für einen ungebildeten Menschen sehr trostreich, -alles das, was er nicht kennt, für Unsinn zu halten. - -FRAU PROSTAKOWA. Gott sei Dank auch ohne die Wissenschaften haben die -Menschen gelebt! Mein seliger Vater war fünfzehn Jahre Wojewode und -starb auch als Wojewode, ohne das Lesen und Schreiben gekannt zu haben. -Doch dafür verstand er ein erkleckliches Sümmchen zu verdienen und es -aufzuheben. Immer saß er auf einem eisernen Kasten, wenn er Bittsteller -empfing, und nach Fortgang eines jeden öffnete er den Kasten und legte -etwas hinein. Das war ein ökonomischer Mann! Die bitterste Not litt er, -nur um den Inhalt des Kastens nicht zu vermindern. Ja, ohne Ruhm zu -sagen: Vater selig starb auf dem Kasten sozusagen Hungers. Das war ein -Mann! - -STARODUM. Höchst lobenswert! Man muß Skotinin heißen, um eines so -seligen Todes zu sterben! - -SKOTININ. Zum Beweise, daß das Lernen ein Unsinn ist, nehmen wir meinen -Onkel Wawila Falilejitsch. Nie hatte er von jemandem ein gebildetes Wort -vernommen, noch hatte jemand ein solches von ihm gehört – und was war -das für ein Kopf! - -PRAWDIN. Nun? - -SKOTININ. Folgendes passierte ihm in seinem Leben. Auf einem feurigen -Roß – er hatte etwas über den Durst getrunken – flog er gegen einen -steinernen Thorweg. Der Mann war hoch, das Thor niedrig; er vergaß, sich -zu bücken und knallte mit der Stirn an den Steinbogen, so daß er -zurücksank und das brave Roß den rücklings Liegenden bis zum Hausflur -heimgaloppierte. Da möcht’ ich nun wissen, ob es auf der Welt eine -Gelehrtenstirn gibt, die von einer solchen Kopfnuß nicht in Stücke -zersplittert wäre! Der Onkel jedoch, Gott hab’ ihn selig, kam bald zu -sich und fragte nur, ob das Thor ganz geblieben sei. - -MILON. Sie, Herr Skotinin geben selbst zu, daß Sie nicht gelehrt seien – -doch in einem _solchen_ Falle würde Ihre Stirn nicht härter als die -eines Gelehrten sein. - -STARODUM (zu Milon). Geh nur keine Wette drauf ein! Mir scheint, die -Skotinin sind alle ein hartstirniges Geschlecht. - -FRAU PROSTAKOWA. Ach Gott, was hat man auch vom Lernen! Wir sehen’s hier -selbst mit eigenen Augen! Wer nur einigermaßen gebildet ist, der wird -sofort von den eigenen Kameraden in irgend ein Amt eingesetzt. - -STARODUM. Und ein solcher wird sich nicht weigern, seinen Mitbürgern -nützlich zu sein. - -FRAU PROSTAKOWA. Weiß Gott, was die Menschen jetzt für Ansichten haben! -Zu unsrer Zeit sorgte jedermann nur für seine eigene Ruhe. (Zu Prawdin.) -Du selbst, wie mußt du dich abplagen! Als ich herkam, sah ich, daß dir -ein Paket gebracht wurde. - -PRAWDIN. Ein Paket an mich? Und das muß ich erst jetzt erfahren! -(Aufstehend.) Ich muß um Verzeihung bitten, daß ich Sie verlasse. -Vielleicht erteilt mir der Gouverneur einige Orders. - -STARODUM (aufstehend, nach ihm auch die anderen). Geh, mein Freund; wir -werden noch voneinander Abschied nehmen. - -PRAWDIN. Ich werde Sie noch sehen. Sie fahren morgen in der Frühe? - -STARODUM. Um sieben etwa. (Prawdin ab.) - -MILON. Und ich gebe Ihnen das Geleite und führe sofort mein Kommando -weiter. Ich gehe, die Anstalten hierzu zu treffen. (Nimmt mit den Augen -im Abgehen von Sophie Abschied.) - - - Neunter Auftritt. - - FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW, MITROFAN, SKOTININ, STARODUM, SOPHIE - und JEREMEJEWNA. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Starodum). Nun, Väterchen, du kennst jetzt zur -Genüge meinen Mitrofan. - -SKOTININ. Nun, Herzensfreund, du kennst mich jetzt. - -STARODUM. O gewiß, ich kenn’ euch aufs beste! - -SKOTININ. Wird Sophie die meine? - -STARODUM. Nein. - -FRAU PROSTAKOWA. Wird Mitrofan Sophiens Bräutigam? - -STARODUM. Nein. - -FRAU PROSTAKOWA. Was hindert – } (Zusammen.) - } -SKOTININ. Woran liegt’s – } - -STARODUM (beide zusammenführend). Ich will’s euch sagen – doch das -Geheimnis bleibt unter uns: sie ist bereits verlobt. (Macht im Abgehen -Sophie ein Zeichen, daß sie ihm folge.) - -FRAU PROSTAKOWA. Der Räuber! - -SKOTININ. Er ist ja verrückt! - -FRAU PROSTAKOWA (ungeduldig). Um wieviel Uhr fahren sie? - -SKOTININ. Du hast’s ja gehört: um sieben morgens. - -FRAU PROSTAKOWA. Um sieben morgens! - -SKOTININ. Ich stehe mit den Hähnen auf. Er mag klug sein, wie er will, -aber mit Skotinin ist’s schlecht Kirschen essen! (Ab.) - -FRAU PROSTAKOWA (zornig in Gedanken hin- und herlaufend). Um sieben Uhr! -... Wir stehen früher auf ... Was ich will, führ’ ich aus! ... Alle zu -mir! (Alle eilen herbei. Zum Manne:) Daß der Wagen um sechs Uhr vor der -Hinterthür hält! Hörst du? - -PRAWDIN. Ich höre. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Jeremejewna). Du schließest die ganze Nacht kein -Auge vor Sophiens Thür! Sobald sie erwacht, eilst du zu mir! - -JEREMEJEWNA. Gewiß, werde nicht ermangeln. - -FRAU PROSTAKOWA (zum Sohn). Du, mein Junge, sei um sechs Uhr fix und -fertig. Und stelle drei Diener in der Nähe von Sophiens Schlafzimmer auf -und zweie auf dem Flur zur Hilfe. - -MITROFAN. Wird geschehn. - -FRAU PROSTAKOWA. So geht denn mit Gott. (Alle ab.) Ich weiß schon, was -ich thue! Wo Zorn ist, da ist auch Gnade – der Alte wird zürnen, aber -doch verzeihen müssen! Der Sieg aber ist unser! - - - - - Fünfter Aufzug. - - - Erster Auftritt. - - STARODUM und PRAWDIN. - -PRAWDIN. Es ist dasselbe Paket, von dessen Eintreffen mich gestern in -Ihrer Gegenwart die Frau vom Hause in Kenntnis setzte. - -STARODUM. Und somit bietet sich jetzt die Möglichkeit, den -unmenschlichen Handlungen dieser wütigen Gutsbesitzerin ein Ende zu -machen? - -PRAWDIN. Ich habe die Order, Haus und Hof unter Tutel zu stellen bei dem -ersten Akt der Willkür, von dem ihre Untergebenen leiden könnten. - -STARODUM. Gelobt sei Gott, daß die Menschheit noch Schutz finden kann. -Glaube mir, mein Freund: da, wo der Souverän denkt, wo er weiß, worin -sein wahrer Ruhm besteht – dort kann die Menschheit nimmer ihrer Rechte -verlustig gehen; dort werden sehr bald alle fühlen, daß jedermann sein -Glück und seinen Vorteil nur darin suchen muß, was gesetzlich ist, und -daß er wider das Gesetz verstößt, wenn er seinesgleichen tyrannisiert. - -PRAWDIN. Ich bin hierin Ihrer Ansicht; doch wie schwer ist es, -eingewurzelte Vorurteile auszurotten, in denen niedrige Seelen ihre -Vorteile finden! - -STARODUM. Höre, mein Freund. Ein großer Souverän ist ein weiser -Souverän. Seine Pflicht ist es, den Menschen zu zeigen, wie sie wahrhaft -glücklich werden. Die Krone seiner Weisheit ist – über _Menschen_ zu -herrschen, denn Klötze zu regieren – dazu bedarf es keiner Weisheit. -Gewöhnlich wird im Dorf der beschränkteste Bauer zum Viehhirten gewählt, -denn um das Vieh zu weiden, braucht der Hirt wenig Verstand. Ein seines -Thrones würdiger Souverän bestrebt sich, die Seelen seiner Unterthanen -mit Hochgefühl zu erfüllen. Das sehen wir mit unsern eigenen Augen. - -PRAWDIN. Das Glück, welches ein Souverän im Beherrschen freier Seelen -genießt, ist so groß, daß ich’s nicht verstehe, welche Antriebe ihn -ablenken – - -STARODUM. Wie erhaben muß die Seele eines Souveräns sein, um nie vom -Wege der Wahrheit abzulenken! Wie viele Netze sind ausgestellt, um die -Seele eines Menschen zu fangen, in dessen Händen das Schicksal von -seinesgleichen liegt! Sodann sucht ihn die Menge selbstsüchtiger -Schmeichler allaugenblicks zu überzeugen, daß die Menschen seinetwegen -erschaffen sind, und nicht – er ihretwegen. - -PRAWDIN. Man kann sich keinen Schmeichler vorstellen, ohne tiefe -Verachtung im Herzen zu empfinden. - -STARODUM. Der Schmeichler ist ein Geschöpf, das weder von andern noch -von sich selbst eine gute Meinung hat. Sein ganzes Streben geht dahin, -erst eines Menschen Verstand zu blenden und sodann alles aus ihm zu -machen, was ihm beliebt. Er ist ein Nachtdieb, der erst das Licht -auslöscht und erst dann zu stehlen beginnt. - -PRAWDIN. Natürlich liegt die Quelle des menschlichen Unglücks in der -Sittenlosigkeit der Menschen; doch die Mittel, die Herzen zu bessern – - -STARODUM. Liegen in den Händen des Souveräns. Sobald alle sehen, daß man -ohne Tugend sich nicht aufschwingen kann; daß man durch keine niedrigen -Dienstleistungen den Lohn des wahren Verdienstes zu kaufen vermag; daß -nicht die Menschen von den Ämtern, sondern die Ämter von den Menschen -Nutzen ziehen sollen – dann wird jeder seinen Vorteil in der Tugend -finden, und die Herzen werden gebessert sein. - -PRAWDIN. Sie haben ganz recht. Ein großer Souverän verleiht – - -STARODUM. Gnade und Freundschaft nach Neigung, Ämter und Würden nach -Verdienst. - -PRAWDIN. Damit es keinen Mangel an würdigen Menschen gebe, wird jetzt -ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung gerichtet. - -STARODUM. Sie muß in der That das Pfand des Staatswohls sein. Alles -Unglück entsteht durch schlechte Erziehung. Freilich – welchen Nutzen -kann der Staat von einem Menschen wie Mitrofan ziehen, dessen unwissende -Eltern unwissenden Lehrern gar noch Geld zahlen? Wie viele Väter gibt es -unter dem Adel, welche die Erziehung ihres Sohnes einem -sklavenseelischen Leibeigenen anvertrauen! Nach etwa fünfzehn Jahren -gibt’s dann zwei Sklaven: den alten Hofmeister und das junge Herrchen. - -PRAWDIN. Doch Personen aus den höchsten Ständen sorgen für eine tüchtige -Erziehung ihrer Kinder – - -STARODUM. Vollkommen richtig, mein Freund; doch wünschte ich, daß in -allen Wissenschaften das Hauptziel jedes menschlichen Wissens nicht -vergessen werde: die Tugend. Glaube mir, daß die wissenschaftlich -gebildeten, aber demoralisierten Menschen diese Wissenschaften zum argen -Werkzeug des Bösen gebrauchen werden. Die Aufklärung erhebt nur eine -tugendhafte Seele. So wünschte ich, daß der Erzieher eines jungen -Aristokraten denselben täglich auf zwei Fälle aus der Weltgeschichte -aufmerksam mache: erstens – wie große Männer das Wohl ihres Vaterlandes -fördern, und zweitens – wie ein unwürdiger Würdenträger sein Vertrauen -und seine Macht zum Bösen mißbraucht und von der Höhe seines glänzenden -Ranges in den Abgrund der Verachtung und des Spottes niederstürzt. - -PRAWDIN. Es ist in der That notwendig, daß jeder Stand eine angemessene -gute Erziehung erhält: dann kann man versichert sein – Was für ein Lärm? - -STARODUM. Was ist geschehn? - - - Zweiter Auftritt. - - DIE VORIGEN. MILON, SOPHIE, JEREMEJEWNA. - -MILON (stößt Jeremejewna von Sophie, welche von der Alten festgehalten -wird, und schreit, einen entblößten Degen in der Hand). Wage es keiner, -mir zu nahen! - -SOPHIE (eilt zu Starodum). Onkel, beschütze mich! - -STARODUM. Mein Kind, was gibt’s denn? } - } -PRAWDIN. Beleidigt man Sie? } (Gleichzeitig.) - } -SOPHIE. O mein Herz! } - } -JEREMEJEWNA. Ich bin verloren! } - -MILON. Die Bösewichter! Als ich hierher ging, sah ich eine Menge -Menschen, die Sophie unter den Armen hielten und sie, die Schreiende und -sich Sträubende, in einen Wagen vor der Hinterthür schleppen wollten. - -SOPHIE. Das ist mein Retter! - -STARODUM. Teures Kind! - -PRAWDIN (zu Jeremejewna). Sofort bekennst du, wohin ihr sie bringen -wolltet, sonst sollst du als Verbrecherin – - -JEREMEJEWNA. Zur Trauung! ach, zur Trauung! - -FRAU PROSTAKOWA (hinter der Szene). Halunken! Diebe! Spitzbuben! Zu Tode -lass’ ich euch peitschen! - - - Dritter Auftritt. - - DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, PROSTAKOW und MITROFAN. - -FRAU PROSTAKOWA. Bin ich Herrin im Hause? (Auf Milon weisend.) Ein -Fremder droht, und meine Befehle werden nicht erfüllt! - -PROSTAKOW. Bin ich schuld? } - } -MITROFAN. Die Dienstboten sind schuld. } (Gleichzeitig.) - } -FRAU PROSTAKOWA. Ich will nicht von der Stelle } -gehen – } - -PRAWDIN. Das Verbrechen, dessen ich Zeuge bin, gibt Ihnen als Onkel und -dir als Bräutigam das Recht – - -FRAU PROSTAKOWA. Bräutigam! } - } -PROSTAKOW. Wehe! } (Zusammen.) - } -MITROFAN. Alles zum Teufel! } - -PRAWDIN. – von der Regierung zu verlangen, daß die Beleidigung, welche -Fräulein Sophie zugefügt worden, mit aller Strenge der Gesetze bestraft -werde. Sofort verklag’ ich diese Frau vor Gericht – - -FRAU PROSTAKOWA (sich auf die Kniee werfend). Verzeihung, Gnade! - -PRAWDIN. Auch Mann und Sohn sind teilhaftig des Verbrechens. - -PROSTAKOW. Ich bin unschuldig! } (Zusammen auf die Kniee stürzend.) - } -MITROFAN. Verzeihe, verzeihe! } - -FRAU PROSTAKOWA. Ach, ich Hundetochter! Was hab’ ich gethan! - - - Vierter Auftritt. - - DIE VORIGEN. SKOTININ. - -SKOTININ. Nun, Schwester, einen schönen Streich hast du mir – Ei! Was -ist denn das? Alle auf den Knieen?! - -FRAU PROSTAKOWA (knieend). Verzeihung! Dem Reuigen wird vergeben. Ja, -ich bekenne meine Schuld! Gnade! (Zu Sophie.) Beste, goldne Sophie – -verzeihe mir, erbarme dich mein und (auf Mann und Sohn weisend) dieser -armen Waisen! - -SKOTININ. Schwester, bist du bei Troste? - -PRAWDIN. Schweige, Skotinin! - -FRAU PROSTAKOWA. Gott wird dich und deinen teuren Bräutigam segnen! ... -Was hast du von meiner Bestrafung?! - -SOPHIE (zu Starodum). Onkel, ich vergesse die mir zugefügte Beleidigung. - -FRAU PROSTAKOWA (mit erhobenen Händen zu Starodum). Auch du vergib mir -Sünderin! Ich bin ja ein Mensch und kein Engel! - -STARODUM. Wohl weiß ich’s, daß der Mensch kein Engel sein kann: doch muß -er auch kein Teufel sein! ... Sowohl ihr Vergehen als auch ihre Reue ist -verächtlich! - -PRAWDIN (zu Starodum). Nur Eine Klage Ihrerseits, nur Ein Wort von Ihnen -bei der Regierung – und sie ist nicht zu retten. - -STARODUM. Ich will keines Menschen Unglück; ich verzeihe ihr. (Alle -springen auf). - -FRAU PROSTAKOWA. Er hat verziehen? O, du mein Wohlthäter! ... Nun aber -will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten zeigen! Jeden nehm’ ich -einzeln ins Gebet! Gestehen müssen sie, wer sie aus den Händen gelassen. -Nein, ihr Spitzbuben, ihr Diebe – _das_ verzeih’ ich euch nie im Leben! - -PRAWDIN. Und wofür wollen Sie Ihre Leute bestrafen? - -FRAU PROSTAKOWA. Aber das ist denn doch eine sonderbare Frage! Hab’ ich -nicht die Macht, mit meinen Leuten zu thun, was ich will? - -PRAWDIN Sie halten sich also im Recht, nach Laune und Belieben -körperlich zu strafen? - -SKOTININ. Steht’s denn dem Edelmann nicht frei, seine Bedienten zu -prügeln, wann es ihm beliebt? - -PRAWDIN. Wann es ihm beliebt? Welch ein viehisches Belieben! (zu Frau -Prostakowa) Nein, Madame, es hat niemand das Recht, andere zu -tyrannisieren! - -FRAU PROSTAKOWA. Ein Edelmann hat nicht das Recht, einen Bedienten -durchpeitschen zu lassen, wann es ihm gefällt? Wozu haben wir denn den -Ukas von den Rechten des Adels? - -STARODUM. Die versteht’s, Ukase zu deuten! - -FRAU PROSTAKOWA. Ihnen ist es lächerlich zu Mut’, mir aber gar nicht, -und auf der Stelle will ich jeden einzelnen – (will schnell fort). - -PRAWDIN (hält sie zurück). Bleiben Sie noch, Madame. (Zieht ein Papier -aus der Tasche und spricht mit strengem Ton zu Prostakow). Im Namen der -Regierung befehle ich Ihnen, sofort Ihr ganzes Hausgesinde und alle -Bauern zusammenzurufen und ihnen bekannt zu machen, daß infolge der -Unmenschlichkeiten Ihrer Frau – wobei Ihre außerordentliche -Beschränktheit ihr freie Hand gelassen – mir die Regierung befiehlt, Ihr -Haus und Ihr Dorf unter Tutel zu stellen. - -PROSTAKOW. Was müssen wir erleben! - -FRAU PROSTAKOWA. Was? Ein neues Unglück! Wofür, wofür denn? Daß ich -Herrin bin in meinem Hause – - -PRAWDIN. Eine unmenschliche Herrin, deren Boshaftigkeit in einem -wohlsituierten Staate nicht geduldet werden kann. (Zu Prostakowa.) Gehen -Sie. - -PROSTAKOW (ab, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend). Was heißt -das, was heißt das?! - -FRAU PROSTAKOWA (schmerzlich). O, wie traurig, wie traurig! - -SKOTININ (beiseite). Hehe! Auf solche Weise komm’ ja auch ich an die -Reihe! Da kann ja jeder Skotinin unter Tutel gestellt werden! ... Besser -ist’s, ich verschwinde, bevor – - -PRAWDIN (zu Skotinin). Und du! Ich habe gehört, daß du mit Schweinen -unvergleichlich besser umgehst als mit Menschen. - -SKOTININ. Gnädigster – wie sollte auch mein Herz an den Menschen hängen! -Bedenke selbst: die Menschen sind mir zu klug, unter den Schweinen aber -bin ich selber der Klügste. - -FRAU PROSTAKOWA. Alles verloren! Ich bin ruiniert! - -SKOTININ (zu Starodum). Ich möchte doch gern wissen ... was den -Bräutigam betrifft – - -STARODUM (auf Milon weisend). Hier steht er. - -SKOTININ. Aha! So hab’ ich hier nichts mehr zu thun. Nun, dann geh’ ich. - -PRAWDIN. Ja, geh zu deinen Schweinen! Vergiß jedoch nicht, jedem -Skotinin mitzuteilen, was seiner wartet. - -SKOTININ. Wie sollt’ ich Freunde nicht warnen! Sagen will ich, daß sie -die Leute – - -PRAWDIN. Mehr lieben oder wenigstens – - -SKOTININ. Nun? - -PRAWDIN. Nicht anrühren. - -SKOTININ (abgehend). Nicht anrühren. - - - Fünfter Auftritt. - - DIE VORIGEN ohne SKOTININ. - -FRAU PROSTAKOWA (zu Prawdin). Richte mich nicht zu Grunde! Könnte man -den Ukas nicht umgehen? Es wird ja nicht jeder Ukas in Ausführung -gebracht! - -PRAWDIN. Ich erfülle meine Pflicht. - -FRAU PROSTAKOWA. Gib mir wenigstens drei Tage Frist, (für sich) dann -soll man mich kennen lernen! - -PRAWDIN. Keine drei Stunden. - -STARODUM. Gewiß: sie kann in drei Stunden mehr Böses thun, als es in -dreißig Jahren gutgemacht werden kann. - -FRAU PROSTAKOWA. Und du wolltest dich mit solchen Kleinigkeiten -abgeben?! - -PRAWDIN. Das ist meine Sache. Fremdes wird den Eignern zurückgegeben -werden, und – - -FRAU PROSTAKOWA. Aber wie willst du mit den Schulden fertig werden? Die -Lehrer sind noch nicht bezahlt. - -PRAWDIN. Die Lehrer? (Zu Jeremejewna.) Sind sie hier? Führe sie her. - -JEREMEJEWNA. Werden wohl dasein. Den Deutschen auch? - -PRAWDIN. Rufe sie alle. (Jeremejewna ab) ... Sorgen Sie nicht, Madame: -jedermann soll befriedigt werden. - -STARODUM (zu der trauernden Prostakowa). Es wird dir selbst wohler zu -Mut sein, da du die Macht verloren hast, andern Böses zu thun. - -FRAU PROSTAKOWA. Danke für die Güte! Wozu taug’ ich, wenn ich in meinem -eigenen Hause meine Hände nicht gebrauchen kann! - - - Sechster Auftritt. - - DIE VORIGEN. JEREMEJEWNA, WRALMANN, KUTEJKIN, ZYFIRKIN. - -JEREMEJEWNA (zu Prawdin). Hier hast du das ganze Gesindel. - -WRALMANN (zu Prawdin). Ew. Gnaden geruhten mich herzubefehlen. - -KUTEJKIN (zu Prawdin). Gerufen ward ich, gekommen bin ich. - -ZYFIRKIN (zu Prawdin). Was befehlen Ew. Gnaden? - -STARODUM (sieht Wralmann scharf an). Ei, bist du’s, Wralmann? - -WRALMANN (erkennt Starodum). Ei – ei – ei – ei! Sie sind’s, gnädiger -Herr? (küßt ihm den Rocksaum.) Wie geht es Ihnen, mein Wohlthäter? - -PRAWDIN. Wie? Sie kennen ihn? - -STARODUM. Wie sollt’ ich ihn nicht kennen? Hat er doch drei Jahre bei -mir als Kutscher gedient. (Alle machen Zeichen des Erstaunens.) - -PRAWDIN. Ein schöner Lehrer! - -STARODUM. Und du bist hier Lehrer, Wralmann? Ich dachte immer, du seist -ein guter Mensch und würdest andern nicht ins Handwerk pfuschen. - -WRALMANN. Was thun, gnädiger Herr! Ich bin nicht der erste, bin auch -nicht der letzte. Drei Monate trieb ich mich in Moskau umher, ohne eine -Kutscherstelle finden zu können. Da mußt’ ich entweder Hungers sterben -oder Lehrer werden. - -PRAWDIN (zu den Lehrern). Auf Befehl der Regierung habe ich dieses Haus -unter Tutel gestellt, und ihr seid entlassen. - -ZYFIRKIN. Ausgezeichnet! - -KUTEJKIN. Sie sagen uns ab? Aber sollten wir uns nicht vorher berechnen? - -PRAWDIN. Wieviel hast du zu bekommen? - -KUTEJKIN. Meine Rechnung ist nicht so gering. Für ein halbes Jahr -Unterricht; für die Stiefel, die ich im Laufe von drei Jahren vertragen -habe; für das unnütze Kommen hierher und zwecklose Warten – - -FRAU PROSTAKOWA. Unersättliche Seele, du! Wofür? - -PRAWDIN. Mengen Sie sich nicht in andrer Angelegenheit, Madame, bitt’ -ich! - -FRAU PROSTAKOWA. Wo bleibt die Gerechtigkeit: was hat mein Mitrofan von -ihm gelernt? - -KUTEJKIN. Das ist seine, nicht meine Sache. - -PRAWDIN. Gut, schon gut! (Zu Zyfirkin.) Wieviel hast du zu bekommen? - -ZYFIRKIN. Ich? Nichts. - -FRAU PROSTAKOWA. Für ein Jahr hat er zehn Rubel erhalten, für das andre -jedoch noch keinen Groschen bekommen. - -ZYFIRKIN. Für jene zehn Rubel hab’ ich im Verlaufe der zwei Jahre -Stiefel vertragen. Wir sind also quitt. - -PRAWDIN. Aber für den Unterricht? - -ZYFIRKIN. Nichts. - -STARODUM. Wie denn – nichts? - -ZYFIRKIN. Nichts nehm’ ich, denn nichts hat der Junge von mir gelernt. - -STARODUM. Dessenungeachtet mußt du bezahlt werden. - -ZYFIRKIN. Auf keinen Fall! Dem Landesherrn hab’ ich über zwanzig Jahre -gedient. Für Dienstleistungen hab’ ich Lohn angenommen, für keine – nie. - -STARODUM. Das ist ein guter Mensch! (Starodum und Milon nehmen Geld aus -der Börse.) - -PRAWDIN. Schämst du dich nicht, Kutejkin? - -KUTEJKIN (gesenkten Kopfes). Schande über mich Gottlosen. - -STARODUM (zu Zyfirkin). Hier hast du, mein Freund, für dein gutes Herz. - -ZYFIRKIN. Dank, Euer Gnaden. Geschenke nehm’ ich an, aber unverdiente -Zahlung werd’ ich nie beanspruchen. - -MILON (gibt ihm Geld). Hier hast du noch, mein Freund. - -ZYFIRKIN. Und nochmals Dank. (Prawdin gibt ihm gleichfalls Geld.) Wofür -denn, Euer Gnaden? - -PRAWDIN. Dafür, daß du nicht bist wie Kutejkin. - -ZYFIRKIN. Ei, Euer Gnaden, ich bin Soldat! - -PRAWDIN (zu Zyfirkin). So geh denn mit Gott. (Zyfirkin ab; zu Kutejkin.) -Du aber, Kutejkin, komme morgen und schließe deine Rechnung mit der -Herrin selbst ab. - -KUTEJKIN (forteilend). Mit ihr selbst? Da zieh’ ich meine Forderungen -zurück! - -WRALMANN (zu Starodum). Euer Gnaden, vergessen Sie Ihren alten Diener -nicht! Nehmen Sie mich wieder in Dienst! - -STARODUM. Aber du hast dich ja ganz von den Pferden entwöhnt. - -WRALMANN. Nicht doch! Während meines Zusammenlebens mit dieser -Herrschaft schien es mir immer, als sei ich unter Pferden. - - - Siebenter Auftritt. - - DIE VORIGEN. Ein KAMMERDIENER. - -KAMMERDIENER (zu Starodum). Ihr Wagen steht bereit. - -WRALMANN. Darf ich Sie fahren? - -STARODUM. Geh, setze dich auf den Bock. (Wralmann ab.) - - - Letzter Auftritt. - - DIE VORIGEN ohne Wralmann und den Kammerdiener. - -STARODUM (zu Prawdin, die Hände Sophiens und Milons haltend). Nun, mein -Freund, wir fahren. Wünsche uns – - -PRAWDIN. Jedes Glück, auf welches ehrliche Herzen ein Anrecht haben. - -FRAU PROSTAKOWA (Mitrofan stürmisch umarmend). Du allein bist mir -geblieben, mein Eins und mein Alles! - -MITROFAN. Laß mich in Ruhe! ... Hängt sich an wie eine Klette! - -FRAU PROSTAKOWA. Auch du, auch du kehrst mir den Rücken! O Undankbarer! -(Sinkt in Ohnmacht.) - -SOPHIE (zu ihr eilend). Gott, sie ist ohne Besinnung! - -STARODUM. Hilf ihr, hilf ihr. (Sophie und Jeremejewna sind um Frau -Prostakowa beschäftigt.) - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Taugenichts! Und du nimmst dir noch das Recht, -gegen deine Mutter grob zu sein? Ihre unsinnige Liebe zu dir ist’s, die -sie in ein solches Unglück gestürzt hat. - -MITROFAN. Aber sie weiß ja selbst nicht, was sie will! - -PRAWDIN. Grobian! - -STARODUM (zu Jeremejewna). Nun, wie ist ihr jetzt? - -JEREMEJEWNA (blickt Frau Prostakowa forschend an, die Hände über dem -Kopf zusammenschlagend). Ach, sie wird zu sich kommen! - -PRAWDIN (zu Mitrofan). Mit dir, Freundchen, weiß ich, was ich zu thun -habe: dienen sollst du! - -MITROFAN. Mir ist alles gleich! - -FRAU PROSTAKOWA (zu sich kommend, in Verzweiflung). Ich bin verloren! -Meiner Macht bin ich beraubt! Wohin soll ich blicken vor Schande? Ich -habe keinen Sohn mehr! - -STARODUM (auf Frau Prostakowa weisend). Das ist die Frucht der bösen -Saat! - - - Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. - - - - - Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. - - - Meyers Sprachführer. - - Taschen-Konversations-Wörterbücher. - - - Französisch - - von Professor E. Pollak, Paris. Gebunden 2½ M. - - - Englisch - - von Dr. E. G. Ravenstein, London. Gebunden 2½ M. - - - Italienisch - - von Dr. R. Kleinpaul, Rom. Gebunden 2½ M. - - - Spanisch - - von Dir. Heinrich Ruppert, Madrid. Gebunden 3 M. - - - Russisch - - von K. v. Jürgens, St. Petersburg. Gebunden 3 M. - - - Arabisch - - von Dr. M. Hartmann, Beirut. Saffianband 6 M. - - - Türkisch - - von Direktor Heintze, Smyrna. Saffianband 6 M. - - „Meyers Sprachführer“ bieten als Verschmelzung von - _Konversationsbuch_ und _Taschenwörterbuch_ den großen Vorzug, sich - in der Sprache fremden Landes ohne besondere Vorkenntnisse - auszudrücken und eine jedermann verständliche Unterhaltung zu - führen. - - Man findet im Nu des gewünschte Wort, daneben Warnung vor üblichen - _Sprachfehlern_, _grammatische_ Anweisungen, lehrreiche Winke über - _Sitten_ und _Gebräuche_ und eine Fülle _zusammengehöriger_ Vokabeln - und Redewendungen. Korrekt in der Sprache und praktisch in der - Anlage, sind diese Bücher vortreffliche Helfer _auf der Reise und im - Haus_. - - - Meyers Volksbücher. - - Jedes Bändchen ist einzeln käuflich. – Preis jeder Nummer - = 10 Pfennig. = - Bis Ende 1889 sind 702 Nummern erschienen. - - Die zuletzt erschienenen 500 Nummern umfassen nachstehende - Bändchen: - - Althaus, Märchen aus der Gegenwart. 508 bis 510. - - Arnim, Die Ehenschmiede. – Der tolle Invalide. – Fürst Ganzgott und - Sänger Halbgott. 349. 350. - - – Isabella von Ägypten. 530. 531. - - Äschylos, Orestie (Agamemnon. – Das Totenopfer. – Die Eumeniden). - 533. 534. - - – Der gefesselte Prometheus. 237. - - Beaumarchais, Figaros Hochzeit. 298. 299. - - Beer, Struensee. 343. 344. - - Biernatzki, Der braune Knabe. 513-517. - - – Die Hallig. 412-414. - - Björnson, Zwischen den Schlachten. 408. - - Blum, Ich bleibe ledig. 507. - - Blumenauer, Virgils Äneis. 368-370. - - Börne, Aus meinem Tagebuche. 234. - - – Vermischte Aufsätze. 467. - - Brentano, Geschichte vom braven Kasperl. 460. - - – Gockel, Hinkel und Gackeleia. 235. 236. - - – Märchen I. 564-568. - - – Märchen II. 569-572. - - Bülow, I. Shakespeare-Novellen. 381-383. - - – II. Spanische Novellen. 384-386. - - – III. Französische Novellen. 387-389. - - – IV. Italienische Novellen. 390-392. - - – V. Englische Novellen. 473. 474. - - – VI. Deutsche Novellen. 475. 476. - - Bürger, Gedichte. 272. 273. - - Byron, Childe Harolds Pilgerfahrt. 398. 399. - - – Sardanapal. 451. 452. - - Calderon, Das Festmahl des Belsazer. 334. - - – Gomez Arias. 512. - - Cervantes, Neun Zwischenspiele. 576. 577. - - Chamisso, Gedichte. 263-268. - - Chateaubriand, Der Letzte der Abencerragen. 418. - - Chinesische Gedichte. 618. - - Claudius, Ausgewählte Werke. 681-683. - - Collin, Regulus. 573. 574. - - Dante, Das Paradies. 199. 200. - - Diderot, Erzählungen. 643. 644. - - Droste-Hülshoff, Bilder aus Westphalen &c. 691. - - – Die Judenbuche. 323. - - – Lyrische Gedichte. 479-483. - - – Die Schlacht im Loener Bruch. 439. - - Eichendorff, Ahnung und Gegenwart. 551-555. - - – Aus dem Leben eines Taugenichts. 540. 541. - - – Gedichte. 544-548. - - – Julian. – Robert und Guiscard. – Lucius. 542. 543. - - – Kleine Novellen. 632-653. - - – Das Marmorbild. – Das Schloß Dürande. 549. 550. - - Euripides, Hippolyt. 575. - - – Iphigenia bei den Tauriern. 342. - - – Iphigenie in Aulis. 539. - - Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele. 616. 617. - - Fichte, Reden an die deutsche Nation. 453-455. - - Fouqué, Undine. 285. - - – Der Zauberring. 501-506. - - Gaudy, Venezianische Novellen. 494-496. - - Gellert, Fabeln und Erzählungen. 231-233. - - Goethe, Clavigo. 224. - - – Dichtung und Wahrheit I. 669-671. - - – Dichtung und Wahrheit II. 672-675. - - – Dichtung und Wahrheit III. 676 bis 678. - - – Dichtung und Wahrheit IV. 679. 680. - - – Ausgewählte Gedichte. 216. 217. - - – Italienische Reise. 258 bis 262. - - – Die Laune des Verliebten. – Die Geschwister. 434. - - – Wilhelm Meisters Lehrjahre. 201-207. - - – D. Mitschuldigen. 431. - - – Die natürliche Tochter. 432. 433. - - – Stella. 394. - - Goethe-Schiller, Xenien. 208. - - Goldsmith, Der Landprediger von Wakefield. 638-640. - - Grabbe, Napoleon. 338. 339. - - Griechische Lyriker. 641. 642. - - Grimmelshausen. Simplicissimus. 278-283. - - Guntram, Dorfgeschichten. 658-660. - - Hagedorn, Fabeln u. Erzählungen. 425-427. - - Hauff, Das Bild des Kaisers. 601. 602. - - – Der Mann im Mond. 415-417. - - – Memoiren des Satan. 604-607. - - – Phantasien im Bremer Ratskeller. 600. - - Hebel, Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. 286-288. - - Heine, Atta Troll. 410. - - – Buch der Lieder. 243-245. - - – Deutschland. 411. - - – Florentinische Nächte. 655. - - – Neue Gedichte. 246. 247. - - – Die Harzreise. 250. - - – Die Nordsee. – Das Buch Le Grand. 485. 486. - - – Romanzero. 248. 249. - - – Schnabelewopski. 654. - - Herder, Über den Ursprung der Sprache. 321. 322. - - – Volkslieder. 461-464. - - Hippel, Über die Ehe. 441-443. - - Hoffmann, Doge und Dogaresse. – Spielerglück. 610. 611. - - – Erzählungen. 608. 609. - - Holberg, Hexerei oder Blinder Lärm. 521. - - – Jeppe vom Berge. 308. - - – Die Maskerade. 520. - - – Der politische Kanngießer. 620. - - Hölderlin, Hyperion. 471. 472. - - Holmes, Der Professor am Frühstückstisch. 627-629. - - Homer, Ilias. 251-256. - - – Odyssee. 211-215. - - Hufeland, Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern. 535-538. - - Humboldt, W. v., Briefe an eine Freundin. 302-307. - - Iffland, Die Jäger. 340. 341. - - – Die Mündel. 625. 626. - - – Der Spieler. 395. 396. - - – Verbrechen aus Ehrsucht. 623. 624. - - Immermann, Tristan und Isolde. 428-430. - - – Tulifäntchen. 477. 478. - - Irving, Die Legende von der Schlafhöhle. – Dolph Heyliger. 651. 652. - - Jean Paul, Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz. 650. - - Jung-Stillings Leben. 310-314. - - Kant, Von der Macht des Gemüts. 325. - - Kleist, Die Familie Schroffenstein. 465. 466. - - – Penthesilea. 351. 352. - - Klinger, Sturm und Drang. 599. - - Knigge, Über den Umgang mit Menschen. 294-297. - - Kopisch, Ausgewählte Gedichte. 636. 637. - - – Das Karnevalsfest auf Ischia. – Die blaue Grotte. 583. 584. - - Körner, Der grüne Domino. 700. - - – D. Nachtwächter. 657. - - – Der Vetter aus Bremen. 656. - - Kortum, Jobsiade. 274-277. - - Kotzebue, Die beiden Klingsberg. 257. - - – Menschenhaß und Reue. 526. 527. - - – Pagenstreiche. 524. 525. - - Lenau, Faust. – Don Juan. 614. 615. - - Lessing, Gedichte. 241. 242. - - – Miß Sara Sampson. 209. 210. - - – Vademekum für Pastor Lange. 348. - - Lichtenberg, Bemerkungen vermischten Inhalts. 665-668. - - Luther, Tischreden. I. 400. - - Matthisson, Gedichte. 484. - - Meinhold, Die Bernsteinhexe. 592-594. - - Mendelssohn, Phädon. 528. 529. - - Möser, Patriotische Phantasien. 422-424. - - Müllner, Die Schuld. 595. 596. - - Münchhausens Reisen u. Abenteuer. 300. 301. - - Musäus, Volksmärchen I. 225. 226. - - – Volksmärchen II. 227. 228. - - – Volksmärchen III. 229. 230. - - – Volksmärchen IV. 621. 622. - - Neugriechische Gedichte. 619. - - Novalis, Heinrich von Ofterdingen. 497. 498. - - Oehlenschläger, Corregio. 469. 470. - - Pestalozzi, Lienhard und Gertrud. 315-320. - - Petöfi, Gedichte. 645-647. - - Platen, Die Abbassiden. 630. 631. - - – Gedichte. 269. 270. - - Puschkin, Boris Godunof. 293. - - Racine, Britannicus. 409. - - – Phädra. 440. - - Raimund, Der Bauer als Millionär. 436. - - – Der Verschwender. 437. 438. - - Raupach, Der Müller und sein Kind. 435. - - Römische Lyriker, Ausgewählte Gedichte. 578. 579. - - Russische Novellen. 653. - - Sallet, Laien-Evangelium. 487-490. - - – Schön Irla. 511. - - Schenkendorf, Gedichte. 336. 337. - - Schiller, Der Neffe als Onkel. 456. - - – Turandot. 612. 613. - - – Über naive und sentimentalische Dichtungen. 346. 347. - - Schlegel, Englisches und spanisches Theater. 356-358. - - – Griechisches und römisches Theater. 353-355. - - Schleiermacher, Monologe. 468. - - Schubart, Leben und Gesinnungen. 491-493. - - Schwab, Doktor Faustus. 405. - - – Fortunatus und seine Söhne. 401. 402. - - – Griseldis. – Robert der Teufel. – Die Schildbürger. 447. 448. - - – Die vier Heymonskinder. 403. 404. - - – Hirlanda. – Genovefa. – Das Schloß in der Höhle Xa Xa. 449. 450. - - – Die schöne Melusina. 284. - - – Kaiser Octavianus. 406. 407. - - – Kleine Sagen des Altertums. 309. - - – Sagen des klassischen Altertums. I. Die Argonauten-Sage. 693. - - – Sagen des klassischen Altertums. II. Herkules und die Herakliden. - 694. 695. - - – Sagen des klassischen Altertums. III. Bellerophontes. – Theseus. – - Ödipus. – Die Sieben gegen Theben. – Die Epigonen. – Alkmäon. 696. - 697. - - – Der gehörnte Siegfried. – Die schöne Magelone. – Der arme - Heinrich. 445. 446. - - Scott, Das Fräulein vom See. 330. 331. - - Seume, Mein Leben. 359. 360. - - – Mein Sommer 1805. 499. 500. - - Shakespeare, Antonius u. Kleopatra. 222. 223. - - – Coriolan. 374. 375. - - – Cymbelin. 556. 557. - - – Ende gut, Alles gut. 562. 563. - - – König Heinrich IV. - - 1. Teil. 326. 327. - 2. Teil. 328. 329. - - – König Heinrich VIII. 419. 420. - - – Ein Sommernachtstraum. 218. - - – Der Sturm. 421. - - – Verlorne Liebesmüh’. 518. 519. - - – Viel Lärm um Nichts. 345. - - – Was ihr wollt. 558. 559. - - – Wie es euch gefällt. 560. 561. - - – Wintermärchen. 220. 221. - - – Die Zähmung der Keiferin. 219. - - Shelley, Die Cenci. 522. 523. - - – Königin Mab. 582. - - – Lyrische Gedichte. – Alastor. 581. - - Smith, Nachgelassene Denkwürdigkeiten. 603. - - Sophokles, Der rasende Ajas. 580. - - – Elektra. 324. - - – Ödipus auf Kolonos. 292. - - – Philoktetes. 397. - - – Die Trachinierinnen. 444. - - Stieglitz, Bilder des Orients. 585-591. - - Tasso, Das befreite Jerusalem. 684-690. - - Tennyson, Ausgewählte Dichtungen. 371-373. - - Tieck, Der Alte vom Berge. 290. 291. - - – Der Aufruhr in den Cevennen. 661-664. - - – Die Gemälde. 289. - - – Des Lebens Überfluß. 692. - - – Shakespeare-Novellen. 332. 333. - - Töpffer, Rosa und Gertrud. 238-240. - - Törring, Agnes Bernauer. 393. - - Vega, Lope de, Kolumbus. 335. - - Viehoff, Blütenstrauß französischer und englischer Poesie. 597. - - Voltaire, Philosophische Aufsätze. 648. 649. - - Voß, Luise. 271. - - Waldau, Aus der Junkerwelt. 376-380. - - Wieland, Clelia und Sinibald. 457. 458. - - – Pervonte oder die Wünsche. 459. - - – Schach Lolo &c. 598. - - – Das Wintermärchen. – Das Sommermärchen. 532. - - Wisin, Der Landjunker. 698. 699. - - Zschokke, D. Feldweibel. – Die Walpurgisnacht. – Das Bein. 366. 367. - - – Das Goldmacherdorf. 701. 702. - - – Kleine Ursachen. 363. 364. - - – Kriegerische Abenteuer eines Friedfertigen. 365. - - – Der tote Gast. 361. 362. - - Vollständige Verzeichnisse sind durch jede Buchhandlung gratis zu - beziehen. Die Sammlung wird in rascher Folge fortgesetzt. - - - Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig. - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - -Verlagsanzeigen wurden am Ende des Buches gesammelt. - -Offensichtliche Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere -Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 12]: - ... unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, das jedes, ... - ... unserm Umkreis gibt’s dermaßen große Schweine, daß - jedes, ... - - [S. 23]: - ... Jeremejewna. Erzürne doch den Onkel nicht! Sie nur, ... - ... Jeremejewna. Erzürne doch den Onkel nicht! Sieh nur, ... - - [S. 24]: - ... Mitrofan (den Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ - dich ... - ... Mitrofan (dem Onkel nachrufend). Packe dich, Onkel, hol’ - dich ... - - [S. 27]: - ... Milon. Wie verdienst du dir denn dein Brot. ... - ... Milon. Wie verdienst du dir denn dein Brot? ... - - [S. 29]: - ... Ein Ende! ... - ... ein Ende! ... - - [S. 32]: - ... Starodum. In einem. Mein Vater wiederholte mir bestän ... - ... Starodum. In einem. Mein Vater wiederholte mir beständig ... - - [S. 77]: - ... ... Nun aber will ich diesen Kanaillen von Dienstboten ... - ... ... Nun aber will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten ... - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LANDJUNKER *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you will have to check the laws of the country where - you are located before using this eBook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that: - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's website -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
