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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X, - Heft 7-9 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Author: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: January 16, 2022 [eBook #67178] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 7-9 *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so - dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 7 bis 9 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band X - - _Inhalt_: Das alte Land im jungen Lenz -- Wehrkirchen - im Leipziger Land -- Es braucht nicht Stein zu sein - -- Der »Steinerne Frosch« bei Miltitz -- In eigener - Sache ein letztes Wort -- Der betende Berg -- Der - unzufriedene Papierkorb -- Die Haustreiberei, eine - aussterbende Heimarbeit in der südlichen Oberlausitz - -- Die Schellente im Moritzburger Teichgebiet -- Das - Triebelbachtal -- In Guteborn -- Löns als Jäger -- - Bücherbesprechungen -- Verschiedenes - - Einzelpreis dieses Heftes M. 5.--, Bezugspreis für einen - Band (aus 12 Nummern bestehend) M. 15.--, für Behörden und - Büchereien M. 10.--. Mitglieder erhalten die Mitteilungen - kostenlos, _Mindest_jahresbeitrag M. 10.-- - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835 - Stadtgirokasse Dresden 610 - - Dresden 1921 - - - - -An unsere verehrten Mitglieder und Freunde! - - -Wir legen diesem Hefte die Zahlkarte zur Begleichung des -Mitgliedsbeitrages für 1921 bei, sofern dies noch nicht geschehen -ist. Der _Mindest_beitrag ist auf M. 10.-- für Einzelmitglieder, auf -M. 40.-- für körperschaftliche Mitglieder festgesetzt. Diese Beträge -decken noch nicht unsere Unkosten für unsere Veröffentlichungen und -sind nur um deswillen so unzeitgemäß niedrig festgesetzt, um allen -unseren Volksgenossen, auch den Minderbemittelten, sowie Schülern, die -nur ein geringes Taschengeld haben, den Eintritt in die sächsische -Heimatschutzbewegung zu ermöglichen. - -Wir geben jährlich zwölf Nummern unserer »Mitteilungen« in vier -Heften heraus, die zusammen 270 Seiten mit weit über 100 Abbildungen -aufweisen. Diese Veröffentlichungen einschließlich der zwanglos -erscheinenden »Heimatschutz-Nachrichten« kosten uns heute unter -Berücksichtigung der neuen Teuerungswelle selbst jährlich M. 20.-- -Dennoch kann keine sächsische Heimatzeitschrift in gleichem Umfange -und in gleicher Ausstattung für einen solchen Preis _bei freier -Postzustellung_ geschaffen werden. - - An alle unsere Mitglieder richten wir die herzliche Bitte, in - Berücksichtigung des oben Gesagten - - _den Jahresbeitrag freiwillig zu erhöhen_ - - und dadurch unserem Verein weiterhin das Dasein in der - wirtschaftlich schweren Zeit zu erleichtern und unsere Kasse - vor Fehlbeträgen zu schützen. - -=Auch an alle diejenigen, die ihre Beiträge bereits gezahlt haben, -richten wir die Bitte, unsere Mittel durch einen weiteren freiwilligen -Beitrag zu stärken.= - -Wir werden weiter für den Schutz der mit unserem Vaterlande -unzertrennlich verbundenen Heimat und Natur eintreten; denn ohne -unsere Flüsse und Seen, ohne unsere Täler und Berge, ohne unsere -Ebenen, Wiesen und Felder, ohne unsere Tier- und Pflanzenwelt wäre -unser Vaterland eben nicht unser geliebtes Sachsenland. Wir haben -alle Ursache, gerade in der jetzigen Zeit alles zu tun, um unserem -Vaterlande durch Erhaltung seiner Schönheiten, seiner Sitten und -Gebräuche und seiner Lebewesen seine geschichtlich gewordene Eigenart -zu bewahren und es damit als unsere wahre teure Heimat zu erhalten. - -Wir bitten alle unsere Mitglieder und Freunde herzlich, auch in dieser -Zeit, die durch die neue Teuerungswelle für uns verschärft wird, treu -zu uns zu stehen und uns nach Kräften zu helfen. Wir werden dieser -Hilfe dankbar sein und den Landesverein Sächsischer Heimatschutz weiter -ausbauen zu einer Volksbewegung, die alle Kreise umfassen und das -köstlichste Gut, das wir besitzen: Unsere Heimat schützen soll. - - =Dresden=, im September 1921 - - Landesverein Sächsischer Heimatschutz - - - - - Band X, Heft 7/9 1921 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den -Vorstand herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. Juli 1921 - - - - -Das alte Land im jungen Lenz - -Eine Osterfahrt in die Bergstädte des westlichen Erzgebirges - -Von _Gerhard Platz_, Weißer Hirsch - - -Gerade blick’ ich mich ein wenig ratlos um in der Gegend, da springt -hinterm Dornbusch ein Handweiser hervor, so ein guter alter weiß und -grüner, mit fünf feierlich gespreizten Fingern. »Nach Schneeberg,« sagt -er, »eine Wegstunde.« - -»Sei mir bedankt, alter Gesell, und laß dir die dürren Knöchel -drücken, du kamst mir zupass! -- -- Ach so, kannst nicht herablangen -zu mir und ich nicht hinauf zu dir -- nun, meinen Dank nimmst du -auch so!« Und damit wandre ich fürbaß, bis auf der Kuppe droben die -St. Wolfgangskirche emporragt über sonnenblitzenden Schieferdächern, -gelehnt an den bewaldeten Gleesberg. - -Wie tut mir die Einsamkeit wohl. Stundenlang im Bahnwagen nichts gehört -als Politik -- und was für welche! Du lieber Gott, wann wird einmal -der Frieden einziehen in die deutschen Herzen? Und dabei ist heute -Karfreitag -- die Stunde schon da, da der Herr ans Kreuz geschlagen -ward. Leid tat mir’s nur um das Knäblein, das der hitzigste von den -Politikern bei sich hatte. Immer wieder machte das den Versuch, dem -Vater die Enten im Bach, die Narzissen im Garten, das Fohlen auf der -Wiese zu zeigen. Nichts half’s ihm! Wie eine trübe Flut quoll der Haß -aus dem Manne heraus. -- Ängstlich und verständnislos hingen des -Kindes Augen an seinen Lippen, bis ich mich des Kleinen erbarmte und -mich mit ihm um die Wette freute am jubelnden Lenzmorgen draußen. -- - -Nun bin ich allein mit Lerche und Bergwind und freue mich dankbar jedes -der ersten kleinen Frühlingsboten. Der Zitronenfalter, die Dotterblume, -die grünen Grasspitzen dort -- jedes einzelne ein Bote der Liebe an -unsre haßerfüllte Welt. - -Kuppe auf geht’s, Kuppe ab; über die Mulde und dann wieder eine -Lehne hinan. Auf der letzten Höhe aber mache ich erst einmal Halt -am sonnigen Feldrain. Der Rucksack tut sich auf und gibt die guten -Dinge heraus, die daheim ihm anvertraut wurden. Brot, Wurst, die -zwei Ostereier, eines rot, gelb das andere, liegen lieblich vereint -auf dem Wettermantel, und dann kommt das Weidmesser heraus, das mich -getreulich auch auf diese gänzlich unweidmännische Fahrt begleitet, -und fährt hinein in all diese Pracht. -- Stark und sicher thront vor -mir die Stadt Schneeberg auf ihrer Höhe; mit Freude versenkt sich der -Blick in das kraftvolle Bild. -- Jetzt noch ein Trunk aus dem Bächlein, -und vergnügt beschließe ich das Mahl, für das mir das deutsche -Gärungsgewerbe freilich keine Anerkennungsurkunde ausstellen wird. Dann -stehe ich am Fuße des Schneebergs, dessen Kirche immer riesenhafter -herauskommt. Direkt in den weißblauen Himmel hinauf scheint der Turm -mit seiner überraschend zierlichen Krönung zu wachsen. Schon beim -Betreten der Stadt springen mir allerhand Spuren ihrer bergmännischen -Vergangenheit ins Auge, und als ich nun sonnedurchglüht am Rande -des weiten Wasserbeckens auf dem Fürstenplatz unterm Kastanienring -raste, da macht sich der Geist der Vergangenheit auf, und ich muß ihm -nachgehen, denn dann erst spricht die Heimat mit mir von Herzen zu Herz. - -[Illustration: Abb. 1 =Schneeberg, Gesamtansicht= (Phot. _Emil Maaß_, -Schneeberg)] - -Schneeberg -- wie weit erscholl einst dein Ruhm hinaus in das deutsche -Land! Wie warst du der Augapfel deiner Landesherren, der Stolz des -sächsischen Volkes. Wer in deine Geschichte sich versenkt, vor -dem steigt es abenteuerlich und wild empor. Ein Bergwall von fast -unüberschreitbarer Wildnis; ein Urwald, drin Bär, Wolf und Luchs -hausen, drin am vermorschten Eichstumpf der Jungbaum emporsteigt -ans Licht, drin faulenden Holzes fahler Schimmer und des Irrlichtes -tückisches Lämpchen den Wandrer erschrecken, düstert vor seinem Auge -hinan. Mitten aber in dieser Wildnis schießt plötzlich ein Gemeinwesen -empor mit einer Wucht und Schnelligkeit, die wir Menschen der Neuzeit -nur mit der Entwicklung eines amerikanischen Goldgräberlagers -vergleichen können. - -Ja, mit »reißender Gewalt« hebt sich der Bergbau im Jahre 1472, seitdem -man zwei Jahre vorher fündig geworden. Zwickauer sind die ersten -Gewerken, aber auch aus allen anderen Gegenden des Reiches strömen die -Bergbaulustigen herbei, mancher Abenteurer darunter. Reich werden um -jeden Preis ist die Parole. Genug solche sind auch dabei, denen das -gewonnene Silber zwischen den Fingern zerrinnt; ein Prasserleben hebt -an im Gefolge der Arbeit. Für Schwächlinge und Muttersöhnchen ist’s -freilich nichts, das Leben im Berglager. Wen hier der graue Wächter, -die scharfe Seitenwehr, nicht bewacht, um den ist’s übel bestellt. -Überfälle auf Schmelzhütten und Zechen sind an der Tagesordnung. Vor -jeder Grube stehen Geharnischte auf Posten. - -Aber bald beginnt das zuchtlose Toben und Treiben sich zu legen, -gelenkt und gebändigt durch Obrigkeit und Bergrecht. Auch im Äußeren -zeigt sich nun Ordnung und Norm. Die Zechen werden mit einer -Einfriedigung versehen in Form eines hölzernen Schrankens um den -ganzen Berg herum. Ist so ein Schutz vor Räubern in menschlicher und -tierischer Gestalt geschaffen, so droht doch noch andauernd eine andere -furchtbare Gefahr in Gestalt der rasenden Waldbrände. Einmal lodert -der böhmische Wald vierzehn Tage lang ohne Aufhören gen Himmel. Aus -den Holzschranken wird bald ein fester Wall von der Gestalt, »wie man -ein Hertze pfleget zu mahlen«. Sechsundfünfzig Zechen allein liegen -anno 1474 innerhalb der Umzäunung; mit denen, die draußen sind, -hundertsechsundsiebzig an Zahl! Und all’ diese ungeheure Entfaltung im -Laufe von fünf Jahren. - -Rückschläge bleiben nicht aus. Das Wasser vor allem macht den -Bergleuten zu schaffen, denn die Gruben gehen gar bald sehr in die -Tiefe. Aber schon 1477 blüht der Bergbau wieder empor. In diesem Jahre -gibt der St. Georgschacht 4000 rheinische Gülden als Ausbeute auf -einen Kux. Auf dieser Zeche ist’s, wo Albrecht der Beherzte am 23. -April gleichen Jahres an einer Erzstufe von 400 Zentnern Gewicht, die -fast ganz aus gediegenem Silber besteht, einen Imbiß einnimmt. Dieser -Fürst besonders hält alle Hände über den Schneeberg. Woher sollt’ er -die Mittel zu seinen zahlreichen Kriegszügen nehmen, wenn nicht aus -den Gruben hier oben? Da kommt das Jahr 1490; eine Schreckenszeit -für die junge Stadt. Fast alle Zechen müssen Schicht machen wegen -des Wassers. Das Elend ist groß. In Scharen wandern die Knappen ab -nach dem Schreckenberg, wo man eben fündig geworden ist, und wo St. -Annenberg emporblüht. Die zurückbleibenden Häuer werden unzufrieden und -schwierig. Gewalttaten gegen Bergmeister und Geschworene fallen vor, -und 1496 ist er da, der erste Streik! Noch gelingt es, den friedlich -zu schlichten, aber zwei Jahre darauf erfolgt der zweite Ausstand. -Sogar die Häupter und die Jungen müssen mit ins verschanzte Lager der -Bergleute auf dem Wolfsberg. In Kochstücke will man sie zerhauen, wenn -sie nicht mittun. - -Aber von neuem bietet der Berg schier unerschöpfliche Schätze dar. -Die Unzufriedenheit schwindet, der Häuerlohn berechtigt wieder zu -Lebensgenuß und reichlichem Haushalt. »Ausbeut hat man auch geben -- -Auff St. Jörgen in Schneebergk zwahr -- Mehr denn dreißigtausend Gülden --- Auff einen Kux fürwahr« rühmt der Bergreihen. Da fängt die Kunst an, -sich dem Wohlstand zu verschwistern. Zunächst in unbeholfener Form, -in der Gestalt von Volksfesten mit geistlichen Schauspielen, die alle -sieben Jahre mit großer Pracht aufgeführt werden. Freiberg, die alte, -die reiche, geht schon lange darin mit gutem Beispiel voran. Einmal -führen dort die Knappen auf offnem Markt an den drei Pfingsttagen -die biblische Urgeschichte auf, den Fall der Engel und die Schöpfung -der Welt bis zur Austreibung aus dem Paradies. Gott Vater, Gabriel, -Michael, Satan, Adam und Eva, sechs gutgeratene, sechs mißratene Söhne -Adams sind die handelnden Personen. Herzog Georg mit seinem ganzen -Hofstaat ist andächtiger Zuschauer. -- In Zwickau findet ein paar Jahre -darauf eine Belustigung statt vor Johann dem Beständigen, deren Verlauf -folgender ist: - -[Illustration: Abb. 2 =Schneeberg, Alte Polizeiwache und Hospitalkirche= - -(Phot. _Emil Maaß_, Schneeberg)] - -Zunächst wird aufgeführt die Komödie des Terenz »Der Eunuch«. In den -Zwischenakten dieses Stückes gibt man zur Erheiterung des Publikums: -»Wie sich sieben Weiber um einen Mann zanken und schlagen«; und darauf: -»Wie sieben Bauernknechte um eine Magd gefreiet haben.« All das geht -zierlich und wohl vonstatten. -- Hierauf prellen zweiundzwanzig -Fleischhauer einen vermummten Menschen auf einer Kuhhaut. Dann halten -vierundzwanzig Knappen den Schwertertanz ab, der von den Hallstädter -Salzknappen auch ins Erzgebirge gekommen ist. Als dies vorüber, -erscheinen achtzehn Männer, wunderlich gekleidet, »daß sie als -Störche anzusehen«, und lesen mit den Schnäbeln Nüsse auf, die ihnen -ausgestreut werden. -- Glückliche Kinderzeit unsres Volkes! - -[Illustration: Abb. 3 =Schneeberg, Altes Patrizierhaus am Hopfenmarkt= - -(Phot. _Emil Maaß_, Schneeberg)] - -Doch weiter schreitet das Sehnen nach etwas, das den Menschen in -höherem Sinne freimacht und loslöst von des Alltages Schaffen und -Sorgen auch in den Kreisen der Schneeberger. Der Bergsegen drängt -die reichen Fundgrübner dazu, etwas wirklich Großes zu schaffen. -Glaubensinnigkeit und die dem gefahrvollen Bergmannsberuf eigene -Frömmigkeit tun das weitere. Eine Kirche wollen sie bauen zu Ruhm -und Ehr der heiligsten Mutter und zum Preise St. Wolfgangs. Im Jahre -1515 wird auf den Grundmauern der ersten abgebrannten Kirche der Bau -des neuen Gotteshauses begonnen. Der in Kursachsen hochberühmte Hans -von Torgau wird der Meister des Baues, derselbe, der schon an der -Albrechtsburg sich die Sporen verdient hat in der Reihe der Gesellen. - -[Illustration: Abb. 4 =Schneeberg, Fürstenplatz= (Phot. _Emil Maaß_, -Schneeberg)] - -Langsam nur schreitet das Werk vorwärts. Erst 1540 kann Fabian -Lobwasser den Bau vollenden. Aber was dann zum glücklichen Ende -gebracht, das ist etwas, das zu dem wirklich Großen, nicht nur im -äußeren Maßstab, gehört. - -[Illustration: Abb. 5 =Schneeberg, Aus dem Anhang. Turm der St. -Wolfgangskirche= - -(Phot. _Emil Maaß_, Schneeberg)] - -Zu der St. Wolfgangskirche ist jetzt nach der Rast auch mein erster -Gang. Im köstlichsten Sonnenschein liegt der gewaltige Bruchsteinbau -vor mir. Zur Seite des Turmes, der, noch vom ersten Kirchenbau -übernommen, sich unregelmäßig vor das Langhaus legt, blüht ein -Kornelkirschbaum in voller Pracht. Ungehindert kann das liebe -Sonnenlicht auch in das Innere der Kirche dringen. St. Wolfgang ist -eins von den bei uns nicht seltenen Gotteshäusern, die noch in den -Formen später Gotik, nicht mehr aber in ihrem Geiste erstanden sind. -Ganz auf den Gemeindegottesdienst ist der weite, dreischiffige Bau -zugeschnitten. Groß muß die Teilnahme am Werk im ganzen Lande gewesen -sein. Man darf namentlich wohl annehmen, daß Luther und Melanchthon -um ihren Rat angegangen worden sind, als es galt, das neue Haus -mit auserlesenen Werken der Malerei zu schmücken. -- Wo hätten die -Zeitgenossen wohl besser ihre Blicke hinlenken können, als nach -Wittenberg, des frommen Lukas Cranach Heimstätte? Was uns der Meister -hier in St. Wolfgang hinterlassen hat in seinem berühmten Altarwerk, -das gehört zu dem Schönsten mit, was er je geschaffen. Nicht mehr -als ein einheitliches Ganze freilich stellt sich heute das Altarwerk -dar. Die Kaiserlichen haben die Tafeln im Jahre 1632 geraubt und nach -Prag entführt. Erst siebzehn Jahre später gelang es den unermüdlichen -Bemühungen der Bürgerschaft, sie wieder zurückzubekommen. Heute -prangt die große Kreuzigungsgruppe in einem Barockaltar für sich -allein. Aber sie ist auch nicht das Schönste -- bei weitem nicht! -Der Ruhm gebührt unstreitig der herrlichen Tafel mit der Darstellung -des Abendmahls, der Predella! Lange kann ich den Blick nicht wenden -von den herrlichen deutschen Männerköpfen, die der Meister seinen -Aposteln verliehen; sicherlich Bildnissen von Schneeberger Bürgern, -wohl auch seiner selbst. Zart und morgenländisch fremd hebt sich -der Heiland heraus aus der Schar der Tischgenossen. Eben reicht er -mit der edelgeformten Hand dem Judas den Bissen. Der sitzt da als -ein roter, derber Rüpel, dem Beschauer den Rücken kehrend; schon im -Äußern gekennzeichnet als der Erzbösewicht. Befremdlich, und doch -auch wieder so verständlich im Wesen der Entstehungszeit des Bildes -wirkt der aus der Weinkanne trinkende Jünger am Fuße der Tafel im -Gegensatz zur ehrbaren Würde der Mitapostel. Mit seinem starken -fleischigen Doppelkinn, in seiner alles vergessenden Hingabe an den -Genuß des Tischtrunks fällt er beträchtlich aus ihrem Kreise heraus. -Ist’s wohl eine der Klerikergestalten, mit denen Reformation und -Kirchenvisitationen damals rasch und gründlich aufräumten? -- Im -herrlichen Akkord rollt von oben her das Geläut der Glocken durch den -Raum, wie ich aus dem Halbdunkel bei den wunderbar schönen Grüften -hervortrete und dem Ausgang mich zuwende, um noch ein wenig das -Stadtbild auf mich wirken zu lassen. - -[Illustration: Abb. 6 =Schneeberg, Filzteich= (Phot. _Emil Maaß_, -Schneeberg)] - -Von Häusern aus der ältesten Zeit finde ich nichts mehr, dafür aber -erfreuen mich viele wunderschöne Bauten aus dem 18. Jahrhundert. Sie -vor allem geben der Stadt das Bild der Vornehmheit, der Wohlhabenheit, -das sie unstreitig entfaltet. Eine Erinnerung übrigens aus dem -genannten Jahrhundert bewahrt Schneeberg in sich, voll wehmutsreich -inniger Bedeutung für alle, die mit unseres Volkes geistiger -Vergangenheit vertraut sind. Im August des Jahres 1786 standen sich -hier zwei Menschen auf Jahre hinaus das letztemal gegenüber, aus -deren Herzensbund die reinsten, zartesten Blüten entsprossen sind -- -Goethe und Charlotte von Stein! Von Karlsbad aus, wo er mit seinem -Herzog und Steins zur Kur weilte, hatte Goethe die Freundin, die -nach Weimar zurückkehrte, bis Schneeberg geleitet. Nach einigen -Tagen des Verweilens in der alten Bergstadt ging der Dichter nach -Karlsbad zurück, um am 3. September frühmorgens um 3 Uhr sich von dort -»fortzustehlen«, -- südwärts, dem Land seiner Sehnsucht entgegen. -- - -[Illustration: Abb. 7 =Rotes Pochwerk, Neustädtel= (Phot. _Emil Maaß_, -Schneeberg)] - -Was diesem letzten Beisammensein der Freunde den ihm eigenen, -wehmütigen Schimmer verleiht, ist das wohl in beider Herzen damals zur -Gewißheit gewordene Gefühl, daß Glück und Leid der letzten elf Jahre -sich unaufhaltsam ihrem Ende näherten. Müde war die Sehnsucht geworden, -die doch nur in völliger Verbindung hätte Erfüllung finden können -- -und als Goethe 1788 wieder in Weimar eintraf, da war der edlen Rose -Zauber verblichen. An seinem Wege aber sah der Dichter das Blümchen -stehn -- wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön -- -- Christiane -Vulpius trat in sein Leben. - -[Illustration: Abb. 8 =Siebenschlehner Pochwerk, Neustädtel= (Phot. -_Emil Maaß_, Schneeberg)] - -[Illustration: Abb. 9 =Gesellschaft Fundgrube, Neustädtel= (Phot. _Emil -Maaß_, Schneeberg)] - -In der dritten Stunde des Nachmittags dann sitze ich auf einsam alter -Halde hoch über Neustädtel, der älteren Schwesterstadt Schneebergs -und blicke hinaus in das weite Gefilde, das noch von unzähligen -Spuren des Bergbaus bedeckt ist. Lautlos liegt die Natur -- ein -wehmütig Bergglöckchen nur klingt hier und da leise herauf. Groß und -finster schiebt sich ein Wolkenschatten über die eben noch lachende -Flur -- einen fremden, fast krassen Ausdruck zeigt auf einmal das -haldenzerrissene Land. Da greift auch mir der furchtbare Ernst der -Stunde ans Herz, der letzten, da unser Heiland am Kreuze rang. Schwer -atmend liegt das Gefilde zu meinen Füßen. -- Ja, es ist finster. -Schon ist er verklungen, der furchtbare Schrei der Gottverlassenheit; -nun Stille -- Stille. Da endlich, gestärkt durch den Essigtrank, die -hallende Stimme vom Kreuze: »Es ist vollbracht.« Von St. Wolfgang -herüber schlägt’s drei. -- -- -- - -[Illustration: Abb. 10 =Hutstube im Huthause zur Gesellschaft Fundgrube -bei Neustädtel= - -(Phot. _Emil Maaß_, Schneeberg)] - -Dann ist ein Tönen über das Land um den Schneeberg! Die Glocken alle -rollen zusammen im starken, siegreichen Takt. Kindlich lallend fällt -in den gewaltigen Baß der Hauptkirche das Glöckchen von Neustädtel, -und jetzt ein Lerchenlied! Nicht eins nur; zwei, drei jubelnde Sänger -steigen empor. Der Schatten ist vorübergezogen, fröhlich springt -auf dem leuchtenden Saatfeld ein Häslein dahin -- ist’s nicht, als -wollt’ auch die Kreatur jubilieren über den Sieg, der eben geschah? Zu -meiner Linken flimmert’s im Grase. Mechanisch greif ich dorthin und -hab’ eines jener Steingebilde in der Hand, das eine kleine Welt für -sich darstellt, mit Kristalltürmen und Grotten und Tropfsteinhöhlen --- ein Stücklein Gestein, wie es der alte Eigenlöhner vor hunderten -von Jahren hier auf die Halde gestürzt. Dann greif’ ich zum Stabe und -ziehe die Höhe hinan, an Weißer-Hirsch-Fundgrube, an Siebenschlehn -und Sauschwart vorbei und wie die alten treuherzigen Bergnamen alle -heißen. Ganz oben, dort wo dereinst die Knappschaftskapelle der -heiligen Anna gestanden und wo 1830 das edle Denkmal zur Erinnerung -an die dritte Wiederkehr der Augsburgischen Konfession errichtet ward -im Geiste des Berghauptmanns von Herder, dreh’ ich mich um, und wie -ich das prachtvolle Bild von Schneeberg und Neustädtel zu meinen Füßen -erblicke, da muß ich im Geiste mit einstimmen in den alten Bergreihen, -der so stolz anhebt: - - »Den Schneebergk wöllen wir preysen - Über andre Bergkstedt all.« - -[Illustration: Abb. 11 =Geyer, Laurentius-Kirche mit Wachturm= - -(Phot. _B. Zillessen_, Bautzen)] - -Nur ein paar Schritte ist’s noch von hier aus zum Filzteich. Das ist -ein gewaltiger Stausee, der schon 1485 zum Segen des Bergbaus entstand. -Eine innig verklärte Abendstunde ist mir hier noch beschieden auf -breiter Dammkrone und weiter hinten, wo der Boden unterm Fuße zu federn -anhebt, wo niedrige Kiefern und üppiges Preiselbeerkraut wachsen, wo -lange hellgrüne Pflanzensträhne übers Wasser sich hinziehen, wo der -»Filz« anhebt, das Hochmoor mit seinem regen Vogelleben jetzt zur -Entenreihzeit. Noch unterm Halbschlaf im Gasthaus zu Aue hör’ ich die -Enten über mich wegklingeln, der purpurnen Abendsonne entgegen. -- -- - -[Illustration: Abb. 12 =Der Gebirgskamm von der Wolkensteiner Straße in -Geyer aus gesehen= - -(Phot. _Max Nowack_, Dresden)] - -Donnernd poltert die Mulde in Aue unter der Brücke dahin, und -weißbereift sind die Wiesen ringsum, wie ich in der Frühe des -Ostersonnabends meinen Weg wieder unter die Füße nehme. Viel besser -gefällt mir in der fröhlichen Morgensonne die betriebsame Stadt, als -am Abend vorher. Freilich, Idyllisches aus alter Zeit bietet sich -hier, dem flüchtigen Besucher wenigstens, nicht mehr dar. Und doch -wird mir gerade in Aue ein besonders schönes Stündchen der Erquickung. -Wie ich am Rathaus vorbeikomme, da fällt es mir ein, daß dort oben -ein Freund aus der Jugendzeit als Stadtoberhaupt haust. Trotz der -frühen Stunde zieh’ ich die Klingel und lasse mich melden. »Hie mag -nit sein ein böser Mut -- wo da singen Gesellen gut« geht mir’s durch -den Kopf, als ich im Musikzimmer den aufgeschlagenen Flügel und die -Laute an der Wand betrachte. Und richtig, er ist der Alte geblieben, -der Freund aus fernen Jugendtagen. Trotz Amtesbürde und -würde noch -dasselbe begeisterungsfähige, jung gebliebene Herz; und ihm zur Seite -die Hausfrau, eine reichbegabte Malerin, deren Kunst sich jetzt zu -unsrer Freude von der oberlausitzer Heimatschilderung immer mehr zur -Verherrlichung der erzgebirgischen Landschaft wendet. Wunderbar gut -tut das Stündchen Gegenwartskultur dem Wandrer auf der Vergangenheit -Spuren, der nun hinausschreitet, neuem Erleben entgegen. -- Nahe bei -der Stadt Aue ward früher die kostbare weiße Erde gegraben, auf der -die Güte des Meißner Porzellans beruhte. Veit Hans Schnorr begann 1700 -die bergmännische Gewinnung des Stoffes, der bis dahin nicht weiter -verwendet ward; der höchstens dem Grundherrn der Gegend, einem von -Rechenberg, zum Pudern der Perücke gedient hatte. Erst als Böttger -die rote Porzellanerde von Okrilla zur Herstellung seines Steinzeugs -verwendete, kam man hinter den Wert der weißen Erde von Aue. Jeder -private Porzellanerdeabbau, sowie die Ausfuhr derselben, ward nun bei -hoher Geldstrafe, später gar bei Strafe des Stranges, verboten. Noch -ein anderes Geschenk des heimischen Bergbaus ist der Landschaft zum -Nutzen geraten. Der einst so verachtete Kobalt, der »Silberräuber«, -wie ihn die alten Gewerken nannten, wenn sie ihn als wertlos auf -die Halden warfen, ist der Vater der seit Jahrhunderten blühenden -Blaufarbenindustrie. In alter Zeit betete man in den Kirchen, Gott -möge die Bergleute vor Kobalt und bösen Geistern behüten, bis zur Zeit -Kurfürst Augusts sein Wert erkannt war. -- - -Hinauf nach Oberpfannenstiel hebt sich mein Weg. Ein gottesweltweiter -Blick tut sich vor mir auf, wie ich den prachtvollen Wald hinter mir -habe. Nie hätte ich so Schönes hier zu sehen erwartet. Verschwenderisch -wird die Mühe des Kletterns gelohnt. Freilich, dreihundertfünfzig Meter -Steigung in einer Stunde etwa, mit der Märzensonne auf der Winterjoppe, -wollen verdient sein. Aber nicht lange, und schon überfröstelt es mich -bei aller Sonnenglut. Kurz vor Grünhain bin ich nun doch richtig in die -Schneeregion eingetreten. Allenthalben liegt der graukörnige alte Feind -an den Rändern und in den Hölzern. Von Süden winkt gar der Fichtelberg -mit großen weißen Lehnen. - -Grünhain, zwischen weiten sanften Matten, tut sich jetzt vor mir auf; -ein paar Wasserspiegel beleben das Bild. Von der ehemaligen reichen -Zisterzienserabtei ist zwar nicht viel mehr vorhanden an Baulichkeiten, -aber einen Rastort voll herrlichen Friedens umschließt die weite -Klostermauer -- das Wäldchen, drin noch die Spuren der Klosterkirche zu -sehen. Das Gotteshaus ist dahingesunken, aber ein ebenbürtiger Dom von -ragenden Buchen, Erlen und Tannen baut sich jetzt in den Himmel hinauf. -Keine Axt läßt der Herr Forstmeister, dem die Verwaltung hier obliegt, -an diesen Hain legen; nur was morsch ist und krank wird genutzt. Eine -Vogelwelt von seltener Reichhaltigkeit ist hier zu Hause; von allen -Zweigen singt es und klingt’s. Und noch eine Schar kleiner Geschöpfe, -die auch nicht säen noch ernten, hat hier ein schützendes Obdach -gefunden vor den rauhen Winden dort draußen: schwachsinnige Kinder sind -in den Wirtschaftsgebäuden untergebracht. Allenthalben sitzen sie im -warmen Sonnenschein -- auf der Mauer ein Mädel, in dessen Schoß ein -gleichaltriger Knabe den Kopf gebettet hat; selig und tief schläft er -hier im süßesten Frieden. Der freundliche Oberpfleger, nach seinen -Schützlingen befragt, schmunzelt behaglich. »Nicht wahr, Karle,« meint -er zu einem gut genährt aussehenden Burschen von etwa fünfzehn Jahren, -»ganz brav sind wir alleweil, bloß die Finger, o weh, die Finger; die -sind immer gleich gar zu lang.« Übers ganze Gesicht lachend bestätigt -der Zögling dies Zeugnis. - -Das Kloster gehörte dereinst zu den reichsten im Lande. Eisen- und -Kohlengruben, die letzteren schon um 1450 ausgebeutet, waren sein -eigen. Einen großen Tag erlebte das Stift am 9. Juli 1455. Da waren die -Sturmglocken über die Berge gerauscht, denn auf dem Schloß zu Altenburg -war eine unerhörte Tat geschehen. Die beiden jungen Herren, Ernst und -Albert, waren geraubt worden vom verwegenen Ritter Kunz von Kauffungen. -»Lieben getrewen, uns ist Cuntz und syne Helffers in unser Schloß -Altenburgk gestiegen und haben unsere beyden Söne, das Gott geklaget -sey, wegbracht.« Dieser Notruf des geängsteten Vaters fand im treuen -Volk allenthalben teilnahmsvollen Widerhall. Nach dem Gebirge hatten -sich die Räuber gewandt -- und schon am Tage nach der Tat hatte man den -von Kauffungen fest. Noch steht im Klostergarten der Turm, darin er in -des Abtes von Grünhain Gewahrsam eine kurze Zeit gesessen haben soll. -Am 14. Juli aber stand er bereits vor den Geschworenen von Freiberg, -wohin der Hochverratsfall gehörte, seit im Jahre 1294 Friedrich der -Gebissene den dortigen Schöffen zugesichert hatte, daß sie gewaltig -sein sollten, sein Recht zu rügen und zu setzen. »Was blast dich Cuntz -für Unlust an, Daß du in’s Schloß nein steigest« sangen bald drauf -die Bergleute rundum. -- Von 1536 ab stand das Kloster verlassen. -Die Mönche wanderten mit Urkunden und Schätzen ab nach Kaaden. Ein -herrliches Stück aber ist von dem ehemaligen Reichtum noch auf uns -gekommen; der wundervolle Taufstein, der 1536 nach Annaberg kam und -dort in der großen Kirche aufgestellt ward (siehe O. E. Schmidt -»Annaberg«, Band IX, Heft 1--3 dieser Zeitschrift). -- - -[Illustration: Abb. 13 =Kirche in Ehrenfriedersdorf= - -(Phot. _Max Nowack_, Dresden)] - -Und nun geht es wieder hinaus auf die Landstraße und das -geheimnisvolle, frohe Harren hebt wieder an, was einem die nächste -Wegbiegung, was einem die nächste Höhe bescheren wird. Daß ich’s gleich -sage, die stille Freude an schönen alten Gehöften, an stattlichen -Gasthäusern aus guter alter Fuhrmannszeit, wie sie im östlichen -Erzgebirge und besonders am Fuße des Bergwalls noch zahlreich vorhanden -sind, ist dem Wandrer hier oben nicht mehr häufig beschieden. Zu sehr -hat die Industrie am Bilde der uralten Siedlungen genagt. Aber die -Natur macht alles wieder gut; sie ist so stark und groß gerade in -diesem Teil des Gebirges, daß sie sich einfach nicht tot machen läßt. -Immer wieder versöhnt den Wandrer der unsagbare Zauber des Fernblicks, -das stille Raunen der Wälder, das Murmeln der Bäche. Wie ein Silberband -springt hier gerade der Oswaldbach unter meiner Straße hindurch in -ein Wiesental von seliger Schönheit. Und was alle die Gasthäuser -heut morgen nicht vermocht haben, er läßt mich nicht vorbei, ich muß -einkehren bei diesem Wirte wundermild! -- Hab’ Dank, heiliger Oswald, -für den Trunk, damit du den Pilger auch heut’ noch erquickst. -- - -Gleich gibt es wieder etwas zur Freude. Da stehen im Moose verstreut -in gemessenen Zwischenräumen die Grenzsteine der Forstverwaltung. Aber -hier sind sie nicht nüchtern aus weißgekalktem Stein mit Ziffer und -Krone gefertigt -- vom Alter grün gewordene Glimmerschieferplatten mit -schön geschwungenen, rot nachgezogenen Kurschwertern und altertümlichen -Jahreszahlen aus dem achtzehnten Jahrhundert stecken hier wie aus -dem Waldboden selber entsprossen im Gras. Auf der Höhe kommen jetzt -die drei vulkanischen Tafelberge, der Pöhlberg, der Bärenstein, der -Scheibenberg mit seinem zerklüfteten Rande heraus; alle noch mit -silberverbrämtem Mantel über den Schultern. - -In Elterlein, wo ich am Wirtstisch mein Brot mit der Wurst würfle, -kann ich mich nicht enthalten, einem Mitgast mein Befremden über das -ziemlich nüchterne Bild des Marktes auszudrücken. »Ja, das is nu immer -schon so gewesen,« entgegnete der Wackre, was mich aber doch zu der -Bemerkung veranlaßt, ich könne nicht glauben, daß man zur Zeit, da sich -die alten Nürnberger Elterleins hier des Bergsegens erfreuten, schon -derartig gebaut habe. Er gibt das denn schließlich auch zu. - -Das nun kommende Wegstück zählt zu den eigenartigsten des ganzen -Tagmarsches. Die Landschaft schreit es nicht aus, was sie erlebt hat -in der Jahrhunderte Lauf. Starker, wohlgepflegter Fichtenwald geht -stundenlang neben der Straße her; aber hier und da gleitet der Blick -über eine freie Fläche von so ausgesprochenem Hochmoorcharakter, daß -es dem aufmerksamen Beschauer klar werden muß, welch ein Riesenwerk -die Urbarmachung des Miriquidi darstellt. Sumpf und Urwald -- das war -das Gebirge, ehe der Bergknappe hierher kam mit Axt und Eisen, und in -seinem Gefolge der Köhler mit Feuer und Schürbaum. »Es grüne die Tanne, -es wachse das Erz«, schon in dem alten Spruch ist die Untrennbarkeit -beider Berufe bescheinigt. - -Nicht eine Seele begegnet mir jetzt, nur der Specht kichert über mich -hin, und die Krähe ruft mir den rauhen Gruß zu. O Gottesgnade, wandern -zu können, stark und allein. Denn nur das ist die richtige Freude. -Willst du so recht im Buche der Natur lesen, dann ist leicht auch der -vertraute Gefährte schon zu viel. Im tiefsten Innern bleibt der Mensch -allein; aber aus diesem tiefsten Innern kommen dann auch die Stimmen, -die nach dem Ewigen rufen in sehnender Stille. - -Auch Geyer, das mit seiner zerklüfteten Binge nun vor mir auftaucht, -kann auf bald ein halbes Jahrtausend Bergmannsdasein zurückblicken. -Silber, Kupfer und Zinn ward früh hier gefördert; aber 1476 wanderten -viele der Knappen nach dem Schneeberg ab und nach St. Annenberg. -Geyersche Häuer sollen die ersten Häuser von Annaberg gebaut haben. - -[Illustration: Abb. 14 =Greifensteine= (Phot. _Heinrich Wagner_, -Ehrenfriedersdorf)] - -Die Stadt ist mir wert der Erinnerung halber an einen Mann, den -ich um seines Werks willen liebe; den jeder lieben muß, der sich -nur einmal mit Verständnis in das herrliche alte Leipziger Rathaus -versenkt hat. Hieronymus Lotter, der große Baumeister der sächsischen -Renaissance, erwarb den Edelhof Geyersberg im Jahre 1560. Sechs Jahre -später errichtete er das neue Herrenhaus, den einzigen nachweisbaren -Privatbau von seiner Hand. Damals war der ruhmgekrönte Schöpfer der -Pleißenburg ein begüterter Mann. Als Hauptgewerke des Geyerschen -Zinnwerkes hielt er dreihundert Knappen in Lohn und Brot. 1567 schrieb -er an die Kurfürstin Anna, er habe ein ansehnlich Wohnhaus auf dem -Geyersberg, und lud die Herrschaft ein, das Jagdlager allhier zu -halten. Offenbar kam der Kurfürst von da an öfters zu seinem vertrauten -Berater in baulichen Kunstfragen. Als 1568 die Pest übers Gebirge zog, -verlangte er vom Rate zu Geyer, man solle den Gottesacker aus der -Nähe des Lotterhofes verlegen, da er dort zur Herberge sein werde. -- -Mit dem Gefühl der Ehrfurcht, die einen an der Stätte ergreift, da -ein großer und guter Mensch einst gehaust hat, schau ich mich um in -dem alten Hause, das mir willig aufgetan wird. Reich und behaglich -mag es gewesen sein zur Zeit, da sein Erbauer hier weilte. Die schön -kassettierte Decke im Erdgeschoß gibt davon noch Zeugnis. Hier im -kleinen Schreibstüblein war es, wo die Kurfürstin den Meister zur -Übernahme der Bauleitung auf dem Schellenberg überredete. Es ist -bekannt, daß der Bau der Augustusburg dem neunundsechzigjährigen Mann -kein Glück brachte. Kummer und Sorge erwuchs ihm aus dem neuen Amt. -Er starb, nicht mehr im frühern Wohlstand lebend, im Jahre 1581. In -der St. Lorenzkirche zu Geyer vor dem Altar ward er begraben. -- -Diese ehemalige Kirchenfestung, die noch heute ein Stück ihrer starken -Schutzmauer und den gewaltigen Wachturm als Erinnerung an drangvoll -fährliche Zeiten aufweisen kann, enthält in der Vorhalle ein herrliches -Werk aus dem beginnenden sechzehnten Jahrhundert, eine Ölberggruppe mit -Christus und den schlafenden Jüngern von ergreifendem Kunstwert. - -So viele Bauwerke von Menschenhand habe ich nun auf meiner Reise -gesehen, daß ich mir’s nicht versagen kann, zum guten Ende noch nach -einem Gemäuer zu wandern, das nicht von Sterblichen erschaffen ward, -das mit unwiderstehlicher Urkraft aus dem Glimmerschiefer herausbrach -in sieben gewaltigen Granitpfeilern. Wie eine Zyklopenmauer leuchten -die Greifensteine bei Ehrenfriedersdorf im späten Nachmittagsschein in -das Land hinaus. Tausende und aber tausende von Jahren saust schon der -Bergwind um die mächtigen Türme. Immer noch stehen sie trotzig erhaben; -was ist die lächerliche Spanne eines Menschenlebens für diese Zeugen -der Urzeit! - -[Illustration: Abb. 15 =Greifensteine= (Phot. _Heinrich Wagner_, -Ehrenfriedersdorf)] - -Ein wenig ängstlich sehe ich nun doch nach der Uhr. In Thum unten -wartet meiner die Eisenbahn; den letzten Zug möcht’ ich nicht gern -verpassen. Aber sieh da, es bleibt mir nach hastigem Abstieg noch -hinreichend Zeit, das freundliche Städtchen ein wenig kennen zu lernen, -bei dem am 15. Januar 1648 das letzte Treffen im Dreißigjährigen Krieg -auf sächsischem Boden vorfiel. Ein paar Monate später, als endlich die -Friedensboten aus Osnabrück ins verwüstete deutsche Land hinaustrabten, -hielt ein Thumer Stadtkind den hochfeierlichen Dankgottesdienst im -schwedischen Lager. Tobias Clausnitzer war es, eines Kärrners Sohn, der -als Feldprediger im Heer Gustav Wrangels ritt und der uns eines der -meistgesungenen Lieder in unserm Landesgesangbuch geschenkt hat: »Wir -glauben all an einen Gott.« - -Im stillen Frieden des Ostersamstags liegen die Täler, als ich im -Bahnzug der Welt wieder zueile. Die Vöglein schweigen im Walde -- aber -wartet nur, ihr kleinen Sänger, morgen am hochheiligen Ostertage, sehr -frühe ehe die Sonne aufgeht, da werdet ihr geweckt werden vom jubelnden -Tönen der Glocken auf allen Türmen rundum, die die frohe Botschaft -hinaustragen in alle Lande: »Christ ist erstanden. Er ist wahrhaftig -auferstanden.« - -[Illustration: Abb. 16 =Edelhof Alberode bei Aue= - -(Nach einer Zeichnung von Frau _Gertrud Hofmann_, Aue)] - - - - -[Illustration: =Dorfkirchen in Groß-Storkwitz, Hirschfeld und Lausen=] - - - - -Wehrkirchen im Leipziger Land[1] - -Von Dr.-Ing. _Hubert Ermisch_, Leipzig - - [1] Vgl. hierzu auch: ~Dr.~ Paul Zinck, Dorfkirchen im - Leipziger Land im Kalender f. d. Erzgebirge u. d. übrige - Sachsen. 1919. -- O. Gruner, Die Dorfkirche im Königreich - Sachsen und Beschr. Darstell. v. ält. Bau- und Kunstwerken - i. Kgrch. Sa. Heft 16. Leipzig-Land. 1894. - - -Wanderfahrten durch das Leipziger Land haben ihre eigenen Reize. Dem -sehenden Auge wird aus dem »öden Einerlei«, wie man es zu nennen -pflegt, bald eine charakteristische Landschaft. Überall offenbaren sich -Naturschönheiten. Allerdings Naturschönheiten anderer Art als wir sie -im Gebirge finden oder an den schönen Hängen der Elbe. Man darf keine -Vergleiche aufstellen und muß die Naturschönheiten der Ebene vielfach -erst recht würdigen _lernen_. Daß wir auf welthistorischem Boden -stehen, daß wir auf Schritt und Tritt erinnert werden an die Stätten -der Völkerkämpfe vieler Jahrhunderte, das erhöht noch die Bedeutung -der Leipziger Ebene. Wir stehen und wandern auf dem Schlachtfelde -Mitteleuropas. - -Man wird meinen, auf einem Schlachtfelde sind bauliche Altertümer -wenig zu finden. Um so überraschter ist man über die Tatsache, daß in -der Leipziger Ebene eine reiche Fülle von baulich hochinteressanten -Dorfkirchen zu finden ist. - -Wie kommt es, daß der zerstörende Fuß des Krieges an diesen Bauten -vorüberging ohne sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Einmal -verdanken wir das der massiven Bauart der Kirchen. Sie sind aus -Feldsteinen oder aus verputzten Ziegeln gebaut. Dann haben aber auch -die Kriege der Vergangenheit Halt gemacht vor der Heiligkeit der Kirche -im Gegensatz zu den modernen Kriegen. Die Kirchtürme wurden nicht als -wichtige Beobachtungspunkte in die Luft gesprengt. So hat die alte -ehrwürdige Dorfkirche wohl oft ihr Dorf in Flammen aufgehen sehen, sie -selbst blieb aber erhalten. Ich möchte die Buschnaukirche bei Rackwitz -erwähnen. Sie liegt einsam auf ihrer Höhe zwischen den Kornfeldern. -Das Dorf, das zur Kirche gehörte, verschwand vom Erdboden, das -Kirchlein überdauerte die Jahrhunderte bis heute. Die Buschnaukirche -ist allerdings eine Ausnahme, im allgemeinen wurden die Dörfer wieder -aufgebaut, wenn sich die Kirche erhielt. Oft brannten die Kirchen aus, -aber das Gehäuse erhielt sich. So sehen wir im Gegensatz zu andern -deutschen Landschaften nur wenige Kirchen mit barockem Äußeren, aber -viele, die in ihrem Inneren barocken Ausbau erhielten. Der äußere Bau -ist meist noch der alte, schlichte, romanische, der in der gotischen -Stilepoche vielfach ausgebaut oder durch Anbauten erweitert wurde. - -[Illustration: Abb. 1 =Kirche in Thekla= (Phot. _Rob. Liep_, Leipzig)] - -Die meisten Dorfkirchen im Leipziger Land liegen auf einem _Hügel_, an -seinem Hange das Dorf. Kirche und Dorf werden in verschiedenartigste -Beziehung zueinander gebracht. Bald beherrscht die Kirche den -Dorfeingang wie in Althen, bald überragt sie inmitten der Gehöfte -liegend, das Dorf, wie in Panitzsch. Die Lage der Kirche auf einem -Hügel erklärt sich dadurch, daß die ersten Kirchen gleichzeitig mit den -ersten Kolonistendörfern in der von Slawen bewohnten Ebene entstanden. -Man war in Feindesland. Die Kirche mit ihrem von Mauern umfriedeten -Kirchhof war eine dörfliche Burg, der letzte Zufluchtsort der Ansiedler -im Kampfe um ihr Dorf, und der Turm der Ausguck in unruhigen Zeiten. -Die Kirchenglocke wurde zur Sturmglocke, wenn Gefahr im Verzuge, so -wie noch heute die Glocke bei Feuersnot ihren Ruf erschallen läßt. -Wir haben es also mit Wehrkirchen zu tun, aber anders geformten -als die bekannten von Großrückerswalde und Lauterbach. Ich möchte -sagen, daß die Wehrkirchen im Leipziger Land noch ausgesprocheneren -Defensivcharakter haben, als die genannten beiden. Wie bei der Burg der -Burgfried, so ragt hier der Kirchturm gedrungen, trotzig und fest über -Kirche und Friedhof. Betrachtet man die Türme, so sieht man, daß die -Öffnungen auf das allernotwendigste beschränkt wurden. Mauerschlitze, -durch die die Armbrust ihre Geschosse senden konnte. Spätere -Toreinbauten, zum Teil erst aus dem neunzehnten Jahrhundert, haben -leider dieses burgartige des Kirchturmes vielfach zerstört. Zumeist -liegt der Turm an der Westseite der Kirche, seltener an der Ostseite -über dem alten romanischen Chor. Man wird sich die Entwickelung dieser -Kirchen wohl vielfach so zu denken haben, daß zunächst eine Kapelle -erbaut war und getrennt davon ein Glockenturm. Zwischen beide schob -sich dann das Langhaus als Laienhaus. Aus dieser Entstehungsart wäre -auch die eigenartige Tatsache zu erklären, daß so manche der Kirchen -schiefwinklig ist, die Längsaxe zeigt einen Knick. Da der Chor stets -nach Osten gerichtet ist, so ergibt sich, daß die beiden Langseiten -nach Süd und Nord zu liegen. Sie wurden nicht einheitlich mit Öffnungen -durchbrochen. Der praktische Sinn unserer Altvordern ordnete an, daß -die kalte, dem Wetter ausgesetzte Nordseite nur kleine Fensteröffnungen -bekam, während man nach der Südseite durch hohe Fenster und das -Eingangstor der wärmenden Sonne möglichst viel Einblick gewährte. Denn -eine andere Heizung als die Sonne gibt es meist heute noch nicht in der -Dorfkirche. Die modernen Kirchenneubauten nehmen natürlich hierauf -keine Rücksicht, die Zentralheizung ersetzt ja, so meint man, die -Sonnenheizung. Ja hätte man geahnt, daß die Zeiten einmal so schwer -werden könnten, daß man für die Heizung der Kirchen so gar keine -Kohle zur Verfügung hat! Heute hält man es für eine architektonische -Notwendigkeit, das Hauptportal gegenüber dem Chor zu setzen. - -[Illustration: Abb. 2 =Inneres der Kirche zu Thekla= - -(Phot. _Ernst Hugo Schulze_, Leipzig)] - -[Illustration: Abb. 3 =Kirche in Panitzsch= (Phot. _Rob. Liep_, -Leipzig)] - -[Illustration: Abb. 4 =Kirche in Großgörschen= - -(Phot. Hofrat _Drechsler_, Leipzig)] - -[Illustration: Abb. 5 =Kirche in Beucha= (Phot. _A. Wiese_, Dresden)] - -Die Grundrißformen sind sehr verschiedenartig, von der alten -Rundkirche, wie in Knautnaundorf zu sehen -- allerdings nur in Resten --- bis zur langgestreckten gotischen Hallenkirche. Das Übliche ist ein -romanischer Kern. Der Chor vielfach mit Koncha davor, ein rechteckiges -Langhaus und Westturm, wie wir ihn schon in seiner Entwicklung -beschrieben haben. Dieser Kern wurde in der Zeit der Gotik meist -verändert. An den rechteckigen Chor baute man einen im halben Achteck -oder Sechseck geschlossenen wesentlich tieferen, der mit reichem -Netzgewölbe auf Rippen überdeckt wurde. Der im Spitzbogen geformte -Triumphbogen trennt den neuen Chor vom alten romanischen Langhaus. Der -romanische quadratische Chor wurde dann gleichfalls mit in das neue -Gewölbe einbezogen. In andern Fällen, wo, wie in Großpösna, über dem -quadratischen Chor, an den sich die Koncha anschließt, der Wehrturm -sich erhob, fügte man in den Turmteil ein Netzgewölbe ein und erhöhte -so die Wirkung des Chores. Im allgemeinen ist das Langhaus flach -gedeckt. Die Decke war mit reichbemaltem Holzwerk und Felderteilungen, -mit Bildern und bunten Kanten ausgebildet, meist in Formen aus der -Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege uns überliefert. Dieser Zeit -gehören auch die oft noch erhaltenen ein- oder auch zweifachen -Emporen an. Leider hat eine Zeit, in der man es für Pflicht hielt, -alle Stilwidrigkeiten aus den Kirchen zu verbannen, diese schönen -echt bäuerlichen Malereien zerstört und an ihre Stelle die glatte -Putzdecke oder einen farbenarmen Ölanstrich gesetzt. Man bedachte -nicht, daß meist die Farbe allein die Stimmung in diesen einfachen -Kirchen ausmacht. Heute sind uns die wenigen Dorfkirchen, in denen sich -die alten Malereien erhielten, weil die Gemeinde kein Geld zu einem -»stilreinen« Umbau hatte, die schönsten Farbenbeispiele für die moderne -Ausmalung einer Dorfkirche. Und die Dorfkirche war von jeher auf -Farbigkeit gestimmt. Das beweisen am besten die vielen erhaltenen Reste -der bunten geschnitzten Altarschreine, die in der Hauptsache aus der -Zeit um 1500 stammen. Daß uns so viele noch erhalten sind, verdanken -wir der Denkmalpflegetätigkeit des Sächsischen Altertumsvereins, in -dessen Museum in Dresden (Palais im Großen Garten) die besten Stücke -verwahrt werden. Wieviel mag wohl an den Kunsthandel verkauft und in -alle Welt verstreut worden sein, ehe die Denkmalpflege eingriff? Die -Kirchgemeinde wird erst dann die Tätigkeit des Altertumsvereins recht -würdigen lernen, wenn einmal die Zeit kommt, wo die Kirche im Sinne der -modernen Denkmalpflege erneuert wird und dann in den neu hergestellten -Raum der alte Altar in aller seiner Schönheit an seinem Ursprungsplatz -zur vollen Geltung gebracht wird. Damit soll aber nicht gesagt werden, -daß man die reizvollen barocken Altaraufbauten verschwinden lassen -soll, daß man die typische Anordnung der Kanzel über dem Altar, ein -Charakteristikum der Dorfkirchen im Leipziger Land, aufgebe. Das wäre -zweifellos falsch. Aber dort, wo ein Altaraufbau des neunzehnten -Jahrhunderts in mehr oder weniger mißverstandener Gotik sich erhebt, -soll man ihn zugunsten der alten Altarschreine beseitigen, wenn eine -Erneuerung des Kircheninnern vorgenommen wird. Der Altarschrein oder -seine Trümmer, denn solche sind es ja leider vielfach nur noch, werden -sich oft auch als vorzüglicher Schmuck der Wände im Chor oder Schiff -verwenden lassen. Auch Betpulte und Taufbeckenhalter in Gestalt von -barockgeformten Engeln oder Adlern wird man oft auf den Kirchböden -finden und mit Erfolg im erneuten Inneren wieder verwenden können. -Alles wird dazu beitragen in unsere durch die Stilreinigungswut des -neunzehnten Jahrhunderts verödeten Kirchenräume wieder Leben und Farbe -zu bringen. Wie die Altarschreine auf den Kirchböden, so sind die alten -romanischen Taufsteine auf den Friedhöfen oder in Pfarrgärten in der -Verbannung. Schwere, wuchtige, granitne Becken, denen man ansieht, daß -sie viel erlebten. Erlöst sie aus ihrer Verbannung. Wie vielen von -unsern Altvordern mögen sie das Taufwasser gespendet haben! Hat man -bessere, künstlerisch wertvollere Taufbecken an ihre Stelle gesetzt? -Geht hin und urteilt selbst! - -[Illustration: Abb. 6 =Kirche in Wahren= - -(Phot. Hofrat _Drechsler_, Leipzig)] - -Die beigefügten Skizzen und Bilder sollen nur kleine Proben aus der -Fülle der schönen alten Dorfkirchen des Leipziger Landes geben. -Die Mehrzahl der Türme hatte wohl während der Gotik noch Aufbauten -erhalten, die aber in den Stürmen der Kriege wieder verloren gingen. -Erhalten haben sie sich vor allem an der Podelwitzer Kirche, auf die -ich ganz besonders aufmerksam machen möchte. Ihre Formenwelt entstammt -der Gotik. Sie ist deshalb zu einem Kleinod unter den Dorfkirchen -der Leipziger Ebene geworden, weil kein Restaurator des neunzehnten -Jahrhunderts ihr zu nahe kam. - -[Illustration: =Dorfkirchen in Seehausen, Wiederitzsch und Großpösna=] - - - - -Es braucht nicht Stein zu sein! - - -Vorüber sind für Deutschland die Stürme des großen Krieges, und überall -sind Bestrebungen im Gange, unseren gefallenen Helden eine letzte, -bleibende Ehrung zum Gedächtnis zu bereiten. Zwei Jahre sind seit -dem »Frieden« dahingegangen, und wer Gelegenheit hat, viel im Lande -herumzukommen, hat auch Gelegenheit hier und dort schon ausgeführte -Kriegerehrungen politischer und kirchlicher Gemeinden zu sehen. Daß bei -deren Erschaffung guter Wille, Liebe und tiefes Empfinden nicht überall -verhindern konnten, daß Unschönes, ja schlimmer Kitsch entstand, ist -nicht Schuld der berufenen Wächter in Fragen der Ausdruckskunst. -Nur zu oft klammern sich die Stifter an die bequemen Eselsbrücken -der Musterbücher »einschlägiger Firmen«, allzugerne will man andern -Ortes das »überflüssige« Künstlerhonorar sparen, vertrauend auf den -eigenen guten Geschmack und vielfach lokalen, politischen und anderen -Rücksichten folgend. - -Im allgemeinen ist das Bestreben vorherrschend, eine monumentale, ins -Auge fallende Ehrung zu schaffen, und teuerstes Material, massige -Häufung von Stein sind überaus beliebt. Mit Schaudern nur sieht dann -der feinfühlige Freund der Heimat solche ~monstra~ in nächster Umgebung -traulich stiller Landschaftsbilder, in der Nachbarschaft reizvoller -kleiner Dorfkirchen und intimer Dorf- und Städtebilder aufragen: »und -er fragt, wie das geschehen und warum ihm das geschah!« - -Muß es denn sein, daß wir unsere in fremder Erde ruhenden stillen -Helden in möglichst aufdringlicher, marktschreierischer Protzerei -ehren, mit Monumenten, die zwar deutlich vom vollen Geldbeutel, aber -noch deutlicher von der Gemütskälte ihrer Stifter reden? - -Muß es denn immer ein künstlich hergerichteter Findling, eine -Marmorpyramide mit überlebensgroßem Stahlhelm, eine Massenanhäufung -langweiliger, steinerner Adreßbuchtafeln sein? - -[Illustration: =Bockendorf=, Amtshauptmannschaft Döbeln - -Ausmalung von Professor _Paul Rößler_, Dresden - -(Aus dem Jahresberichte des Vereins für kirchliche Kunst)] - -Es war im Laufe der langen Kriegsjahre zur schönen Sitte in vielen -Gemeinden geworden, die toten Krieger durch einen Gedächtniskranz zu -ehren, der an den Wänden oder den Emporenbrüstungen der Kirche, in den -Andachts- und Schulsälen aufgehängt wurde. Manch sonst kahler Raum fand -so auf einmal und ohne besondere Absicht einen stimmungsvollen, neuen -Reiz. Doch die Jahre vergehen, die Kränze verstauben und vertrocknen -und immer weniger werden es deren im Laufe der Zeit sein, die -liebevolles Gedenken erneuert. - -[Illustration: =Bockendorf=, Amtshauptmannschaft Döbeln - -Ausmalung von Professor _Paul Rößler_, Dresden - -(Aus dem Jahresberichte des Vereins für kirchliche Kunst)] - -Da lag der Gedanke nahe, das Motiv der kranzgeschmückten Kirche oder -Gedächtnishalle künstlerisch zu verwerten und zu bleibender Schmuckform -werden zu lassen. Die beistehenden Bilder mögen zeigen, was so mit -verhältnismäßig einfachen Mitteln zu erreichen ist, und trefflich -hat es der Künstler verstanden, den Traditionen der alten gemalten -Dorfkirchen, an denen Sachsen so reich ist, sich anzupassen. Wie viele -Kirchen aber gibt es im Lande, deren Wand- und Emporenflächen eine -geschmacklose Zeit in langweiliger Monotonie übertünchte, und die -in gleicher Weise zu einer Kriegerehrung in Farben in glücklichster -Weise Verwendung finden könnten. Freilich ein tüchtiger Künstler nur -möchte der Führer sein, der es versteht, sich dem jeweiligen Stil -und Stimmungscharakter im Sinne des Ganzen und unaufdringlich -anzupassen, damit nicht wertvolles Altes durch schlechtes Neues -zerstört werde. - -Ein anderer, auffallend selten begangener Weg ist der der Verwendung -farbiger Glasfenster für die Kriegerehrung. Im Vitztum-Gymnasium zu -Dresden ist neuerdings im Treppenhaus in dieser Form eine solche von -prachtvoll eindringlicher Wirkung durch den Dresdner Künstler Professor -Roeßler geschaffen worden. Bedenken wegen der guten Erhaltung solcher -Anlagen sind gegenstandslos, da böswillige Schäden, vor denen auch -kein steinernes Monument sicher ist, hier leicht durch Schutzgitter -an der Außenseite abgehalten werden können, andererseits ja auch die -große Menge der erhaltenen mittelalterlichen Glasfenster deren lange -Lebensdauer und stimmungsvolle Wirkung beweist. - -So sind es der Wege viele, die den nach Ausdruck suchenden Stiftern der -Kriegerehrungen offen stehen und oft fehlt nur die richtige Führung -zum Ziel. Hier helfend einzugreifen ist die Landesberatungsstelle für -Kriegerehrungen in Dresden (Schießgasse 24) geschaffen worden, die -unentgeltlich allen Ratsuchenden mit Auskunft zur Seite steht. - - ~Dr.~ Bn. - - - - -Der »Steinerne Frosch« bei Miltitz - -Von ~stud. phil.~ _Gerhard Stephan_ - - -Im Wendenlande, unweit des Klosters St. Marienstern bei Kamenz liegt -ein Dorf namens Miltitz. Kaum hundertfünfzig Meter nordwestlich davon -am Feldpfad nach dem Pfarrdorf Nebelschütz steht ein Busch, und in -diesem ein Granitblock »ungefähr acht oder neun Ellen hoch«. Man nennt -ihn, weil er sich auf Gemeindegrund befindet, den »Gemeindestein«, -gewöhnlich aber nach seiner Gestalt, der der eines sitzenden Frosches -gleicht, den »Frosch«. - -Eine Sage knüpft sich an den Ursprung dieses Namens. In den Zeiten, -als Christentum und Heidentum in der Lausitz noch sich gegenseitig die -Vorherrschaft streitig machten, wohnte an dem Platze ein heidnischer -Zauberer, der die Christen aufs erbittertste verfolgte. Jedes Mittel -dazu war ihm recht. -- In einer stürmischen, regnerischen Nacht -klopfte in später Stunde ein Wanderer an seine Hütte und bat mit dem -Gruße: »Gelobt sei Jesus Christus« um Nachtherberge. Der Zauberer -aber rief: »Verflucht sei Jesus Christus!« und wollte den Fremden -mit Stockschlägen davonjagen. Doch dieser sprach: »Du sollst ein -Zeichen sein, wie Gott die Sünder straft!« und berührte ihn mit seinem -Wanderstabe. Da verschwand die Hütte samt dem Zauberer, an ihrer Stelle -stand jenes froschähnliche Steingebilde. (Nach Haupt, Sagenbuch der -Lausitz.) - -Eine andere Sage, die freilich den Ursprung des Namens »Frosch« -unerklärt läßt, findet sich in Meiches Sagenbuch von Sachsen. -Danach wohnte dort bei Miltitz in alten Zeiten der Wassermann, der -jedesmal für zwei Dreier einen trunkliebenden Bauern von Nebelschütz -heimgeleitete. Allmählich aber konnte der Mann, der ein Säufer geworden -war und Hab und Gut durch die Gurgel goß, seinen Verpflichtungen nicht -mehr nachkommen und blieb dem Wassermann seinen Lohn schuldig. Als -er ihn einst noch in der Trunkenheit geschmäht hatte, und am andern -Morgen aufwachte, sah er, wie dieser ihm mit einem großen Steine sein -Hoftor verrammeln wollte. Er redete ihm gütlich zu, der Wassermann -gab nach und sagte: »Wenn innerhalb von neun Minuten Euer Hahn kräht, -trage ich ihn fort, sonst müßt Ihr mir neun Laibe Brot geben.« Der -Hahn krähte, der Wassermann trug den Stein fort und warf ihn in die -Gemeindebüsche. -- - -Noch steht der sagenumwobene Stein, aber man weiß nicht, ob er -nicht, ähnlich dem »Zwieback« im Kamenzer »Forst«, dereinst einer -unverständigen Hand zum Opfer fällt. Möge der »Heimatschutz« dafür -sorgen, daß er der Nachwelt erhalten bleibt! - -[Illustration: =Der steinerne Frosch bei Miltitz, Bez. Kamenz i. Sa.= - -(Phot. _B. Gersdorf_, Kamenz i. Sa.)] - - Vorstehender Sagenbericht veranlaßte den Heimatschutz über die - wissenschaftliche Bedeutung des Steines sowie über die Frage - der Gefährdung desselben Erörterungen anzustellen, über deren - Ergebnis hier kurz berichtet sei: - - Der sagenumwobene »Steinerne Frosch« im Gemeindebusch des - Dorfes Miltitz bei Nebelschütz wird von der Geologischen - Landesuntersuchung (Blatt 37, Sektion Kloster Marienstern, - Erläuterung Seite 26) als »Rundhöcker« bezeichnet, der - durch das in der diluvialen Eiszeit darüber hinziehende - nordische Inlandeis aus dem Granituntergrunde gestaltet - wurde. Landesgeologe O. Herrmann sagt darüber a. a. O.: »Fast - sämtliche Granitbuckel zwischen Jauer und Wendischbaselitz, - wie auch diejenigen im Norden von Schmeckwitz und im Nordosten - von Crostwitz ragen mit einer gewölbten, glattgeschliffenen - Gipfelfläche durch das Diluvium hindurch. Glazialschrammen - sind jedoch auf denselben nirgends erhalten, vielmehr zeigen - alle diese Flächen eine infolge der verschiedengradigen - Widerstandsfähigkeit der Granitbestandteile narbige - Anwitterung. Ein solcher durch Eiswirkung abgerundeter Felskopf - ist z. B. der sogenannte »Frosch« im Westen von Miltitz. - Weit vollkommnere Rundhöcker weist das im Westen an Sektion - Marienstern anstoßende Areal auf (vgl. Erläuterungen zu Sektion - Kamenz, Seite 33).« - - Inzwischen vom Herrn Professor ~Dr.~ Muhle, Kamenz, auf unsere - Bitte angestellte Erörterungen ergaben, daß dem »Frosch« - keinerlei Gefahr droht, da maßgebende Herren der Gemeinde - Miltitz versicherten: »Der Stein bleibt!« - - Die Freunde des Naturschutzes freuen sich gewiß mit uns, daß - Besitzer und Gemeindevertretung in Miltitz Verständnis für - die Erhaltung des interessanten Rundhöckers aus der Eiszeit - bekundeten. - - Wir wünschen von Herzen, es möchten alle Einsichtigen für - den Schutz der heimatlichen Natur eintreten, damit unser - Geschlecht die wenigen noch in ursprünglichem Zustande - vorhandenen Naturdenkmäler unverkürzt und unverletzt auf unsere - Nachkommenschaft vererben kann. - - F. H. Döring. - - - - -In eigener Sache ein letztes Wort[2] - - [2] Zu vergleichen »Auftakt zur Maulwurfsdämmerung«, Bd. IX, - Heft 1--3, Seite 11. - - Dieser Aufsatz befaßt sich mit der Sitzung des Landtages am - 4. März 1921, in der ein von der Regierung eingebrachtes - Schutzgesetz für den Maulwurf mit seltener Einmütigkeit - abgelehnt wurde. - - - Sehr geehrter Herr Schriftleiter! - -Kürzlich wurde ich durch einen Herrn Lucas aus Meißen aufgefordert, -mich als Vertreter meines Standes zu der Behandlung einer -Standesangelegenheit zu äußern, die diese in einer gewichtigen -Versammlung erfahren hat. Ich hätte gern mit Ihnen persönlich -verhandelt. Aber durch den Steingrund Dresdens durchzukommen, ist für -meine Beine und meine Nase ein Ding der Unmöglichkeit. Schreiben ist in -meinem dunklen Erdbezirke auch nicht leicht. Was soll ich dazu sagen? -Am liebsten nichts. Aber das könnte als Zustimmung ausgelegt werden. -Darum herunter von der Leber, was sie drückt. - -Ich finde, daß die Kronen oder Herren der Schöpfung seit ihren Urtagen -äußerlich manche tiefgehende Änderung durchgemacht haben, innerlich -sind sie dieselben geblieben, die sie ehedem waren. An Selbstsucht -und Beutegier übertreffen sie sogar unsere deswegen vielgeschmähte -Sippschaft. In unseren Reihen sind die Taten der Menschen gegen -Edelreiher, Paradiesvögel, Kolibris, Dronten, Wale, Biber usw. nicht -unbekannt. Wir lasen in unserem Nachrichtendienst als Fortsetzung, -nicht als Schluß der Tragödienreihe: Jetzt sind Marder, Iltisse, Füchse -daran. Als ganz gefährdeten Posten stellte man uns hin. Aus unseren -Reihen sollten schon Millionen gefallen sein. - -Wir haben uns darum gefreut, daß der Heimatschutz, mit dem wir sonst -keinen Verkehr pflegen, sich unserer Sache energisch angenommen, sie -sogar bis vor eine wichtige Versammlung gebracht hat. Aber das, was -dort gesprochen worden ist, muß doch berichtigt werden. Der alte -ehrliche Brehm hat ganz zuverlässige Gewährsmänner für seine Berichte -gehabt und bringt lange nicht soviel Märchen zur Verbreitung wie manche -Redner von heute. Ich kenne Engerlinge, Mai- und Junikäfer sehr genau, -kann sie sogar dem Geschmacke nach sehr gut unterscheiden. Ich muß -zugeben, daß ich bisher auf keinem Kirschbaume gesessen habe, auch -meine Vorfahren nicht. Für meine Nachfahren kann ich nicht reden. Wer -weiß, wie die Entwicklung einmal gehen wird? Aber Maikäfer, Junikäfer, -Walker usw. habe ich schon genug mit Wonne verspeist. Jedoch ich sehe, -ich muß deutlicher werden. Es ist nämlich gesagt worden: »Solange der -Maikäfer in der Erde lebt, ist er ein Engerling. Wenn er ein Maikäfer -ist, fliegt er auf Kirschbäume. Nun werden Sie doch nicht etwa sagen -wollen, daß der Maulwurf auf die Kirschbäume steigt und die Maikäfer -frißt. Das ist vollständig ausgeschlossen.« Jeder Knecht, jede Krähe, -jeder Insektensammler weiß, daß die Puppenruhe der Engerlinge nicht -lange dauert, daß vielmehr die fertigen Insekten vom Herbst bis zum -Frühjahr in der Erde zu finden sind. Im Herbst fliegt aber kein -fertiger Maikäfer auf Kirschbäume. So dumm ist er nicht. Das müßten -sie aber tun, wenn wir sie nicht erwischen sollen. Die Versammlung, -in der die Rede gehalten wurde, hat diese auf ganz besonders reiche -Erfahrungen gegründeten Ausführungen mit großer Heiterkeit -- hört, -hört -- Bravo und Heiterkeit wiederholt quittiert und Zustimmung zur -Ablehnung unseres Schutzgesetzes gegeben. Um es nicht zu vergessen: -Werren sollen recht selten sein. Ich glaube gern, daß mancher Herr der -Schöpfung von seinen Werrenuntertanen noch nicht einen gesehen hat. Wir -von unserer Zunft haben jeder mehr gesehen und auch verspeist. Sogar -über unser zu großes Maul, vielmehr über unser zu kleines Maul ist -geredet worden. Es wäre so klein, daß wir nicht einmal einen Engerling -fressen könnten. Es geht nichts über eine gute Erfahrung. Ich habe -immer geglaubt, der Mund der Zweifüßler sei auch nicht groß genug, -einen Apfel, eine Stange Spargel, ein Rind zu verspeisen, daß das aber -doch nach gewissen Vorbereitungen von ihnen fertig gebracht würde. Ich -scheine mich aber darin zu irren. - -Verkannt zu werden, ist das Los so mancher schönen Seele. Gerade wir -sind gewöhnt, andauernd zwischen nützlich und schädlich hin- und -hergeworfen zu werden. Daß aber aus der ganzen Versammlung sich niemand -berichtigend über unser Leben ausgesprochen hat, daß alle Teilnehmer -die Angaben widerspruchslos hingenommen haben, das ist mir rätselhaft. -Vielleicht hat man noch nie über uns Sammetkittel so harmlos gelacht -wie an diesem Tage, am Freitag, den 4. März 1921. Nur uns war nicht -spaßig zu Mute. - -Ihr Menschenkinder! Konntet Ihr nicht das Schutzgesetz soweit -genehmigen, daß es hieß: Verboten ist in öffentlichen Ankündigungen -sich zur Abnahme von Maulwürfen oder Maulwurfsfellen zu erbieten oder -zu ihrem Angebote aufzufordern? Damit wäre uns viel geholfen gewesen. -Da hättet Ihr gezeigt, daß Ihr ein Herz habt für das Geschöpf, - - daß Ihr ihm ein Recht auf sein Dasein gewährt, - - daß Ihr freie Geschöpfe verteidigt gegen Geldgier und Eitelkeit, - - daß Ihr dem Pelzhandel nicht gestatten wollt, vernichtend und - ausrottend zu wirken, - - daß Euch das Recht der Allgemeinheit an der Natur höher - steht, als der Vorteil naturfremder Kriegs- und - Schieberkapitalisten. - -Nicht uns allein neben Amseln und Eichhörnchen usw. solltet Ihr -schützen, nein, ein ganz allgemeines Gesetz gegen Ausrottung und -Vernichtung jedweden bei uns beheimateten Geschöpfes solltet Ihr -fordern. - -Aber, mein lieber Herr Schriftleiter, uns ist unbeabsichtigt Hilfe von -anderer Seite gekommen. Frau Mode, das wetterwendische Weib, hat uns -ihre Gunst wieder entzogen. Das ist unser Glück. Frau Mode hat Euch -Menschen alle am Bändel. Hoffentlich beehrt sie uns recht lange mit -ihrer Geringschätzung. Dann werden wir auch Ruhe haben. Wen sie unter -uns freien Geschöpfen mit ihrer Gunst beglückte, dem brachte sie den -Untergang. - -Herr Schriftleiter! Wir danken Ihnen Ihr Bemühen um unsere Sache. Es -ist nicht umsonst geschehen. _Einst wird der Gedanke siegen, daß jedes -Geschöpf ein Recht aufs Dasein hat ohne Rücksicht auf den sogenannten -Nutzen oder Schaden._ Dann wird kommen der Tag, an dem die Göttin Mode -zurückweicht vor dem freien Geschöpf, ihre Priester selbst und die -Menge der naturfremden Menschen. Mit dieser Hoffnung wollen wir uns -trösten. - -Für mich »Glück ab« zur kühlen Erde, für Sie »Glück auf« zu neuer Tat. - -Damit empfehle ich mich Ihnen und verbleibe Ihr - - _Erdmut Sammetwühler_, Obermullrich. - - - - -Der betende Berg - -Von _Edgar Hahnewald_ - - -Blickt man von den Dresdner Elbhöhen aus auf das Bergpanorama, das an -klaren Tagen über der linkselbeschen Hügelterrasse aufsteigt, so erhebt -sich zwischen dem langhingestreckten Schneeberg und dem energisch -aufgebauten Geising ein kleinerer, aber auffällig geformter Berg in der -Gestalt eines Reitsattels. - -Auf der Karte steht er als Spitzberg verzeichnet -- diese Benennung -stimmt für die Nähe. Allgemein aber trägt er den Namen Sattelberg -- -und dieser umschreibt sein Bild aus der Ferne. - -Er erhebt sich auf tschechoslowakischem Gebiet dicht hinter der -sächsischen Grenze, die fast noch seinen Fuß berührt. Seine Höhe -verzeichnet die Karte mit 719 Metern. Über das ihn umgebende Bergland -ragt er jedoch nur als zackige Kuppe hinaus, sodaß, wenn man vom -Städtchen Gottleuba aus zu ihm aufsteigt, er erst aus nächster Nähe -wieder sichtbar wird. - - * * * * * - -Daher mag es geschehen, daß der Berg auch sonst ein wenig aus der -Sicht tritt. Er ist Ziel und Gipfel des Tages, aber man weiß: der Weg -dahin ist bequem und nicht weit. Und Gottleuba lohnt einen kleinen -Aufenthalt, der ohnehin unumgänglich ist, da man sich in diesen Zeiten -schärfer gezogener Grenzen im Rathause einen Grenzausweis ausstellen -lassen muß. - -So verweilt man und frischt Erinnerungen an frühere Besuche auf. - -Gottleuba liegt im Tale des gleichnamigen Flüßchens. Die bewaldeten -Berge betten das Städtchen tief in schwellende Kissen ein. - -Es ruht als Sommeridyll im Grünen. Begeisterte Lokalpatrioten haben -das Städtchen verfänglich »Klein-Tirol« getauft. In der Mundart der -Gegend aber heißt es Guttlewe -- und wenn man das von einem alten -Bauernweiblein gemütlich breit aussprechen hört, klingt es wie eine -Bestätigung des Eindrucks, daß es zwischen diesen grünen Bergen gut zu -leben sein mag. - - * * * * * - -Über Tal und Dächer hinweg guckt die kleine schmucke Kirche. Sie steht -am Berghang inmitten eines alten Friedhöfels. Steinerne Stufen, von -einem Torhäuschen überbaut, führen hinauf. Hohe Lärchen beschirmen den -Eingang mit hellgrünen Zweigfittichen. - -Der schräg an die Giebelecke gestellte viereckige Turm trägt über -malerischem Gewinkel ein lustiges Laternendach. - -Das Innere des gotischen Kirchleins ist von ländlich anheimelnder -Schlichtheit. Aus der Sakristei blickt man durch das helle Fenster -auf schräg ansteigenden Rasen, auf gelbe und weiße Blumen, die auf -schwanken Stielen vor der zerbrochenen Mauer wehen, auf grüne Waldberge. - -Unter der Orgelempore hat man alte Grabsteine aufwändig eingemauert. -In den Inschriften betrauern nun selbst längst, längst Gestorbene ihre -Toten in rührenden Worten. Ein Pfarrer setzt seiner Hertzgeliebtesten -Hausfrawe, der Wol Erbarn Viel Ehren undt Tugendreichen Frawen Anna -Marien ein Ehren und Liebes Mal. Und auf den Denkstein seiner eintzigen -Tochter ließ er den Steinmetz die Worte meißeln, daß die Weyl. Wohl -erbarr an Sitt Ehr und Tugend Edle allhier der frölichen Zukunfft Ihres -Jesu erwartet. Ein anderer Stein erzählt von dieses Pfarrers zweiter -Frau, die am 4. Dezember 1640 gebohren und den 3ten Tag darauf in das -Buch des lebens eingeschrieben wurde, Ao 1662 aber als in den 22 Jahr -ihres Alters vereheligt worden an Hrn. Gottfried Schreibern Pfarrern -alhier zu Gottleube und Bergkgießhübel, mit welchem Sie nechst Gott -gezeuget hat 8 Kinder als 2 Söhne und 6 Töchter. - -Immer wieder und allerorten steht der Wanderer vor solchen -steingegrabenen Dokumenten und immer wieder liest er sie und spürt den -Hauch einer Liebe, die über Gräber und Jahrhunderte hinaus zu Menschen -spricht. - - * * * * * - -Unterhalb der Kirche führt der Weg hinauf nach Ölsen, ins Bergland. -Anfangs steigt er sacht durch eine von Fichtenwäldern eingeschlossene -talartige Einsenkung, die weiter hinauf immer flacher wird und in den -Bergwiesen endet. - -Und während man steigt, vollzieht sich eine doppelte Bewegung der -Landschaft. Wie auf einer schräggleitenden Versenkungsbühne sinken die -Waldberge um Gottleuba zurück und hinab. Und darüber hinaus schwebt -ebenso sacht eine ferne, große Landschaft herauf: das ganze Hügelland -vor und um Dresden mit seinen Tälern, Hochebenen, Bergkuppen steigt -über den sinkenden Wäldern auf. Fernsichten ins Gebirge erschließen -sich feierlich. - -An diesem Tage war es mitten im Juni herbstlich kühl und klar. Nach -wochenlangem Regen trieb ein herber Wind ein leidenschaftliches Spiel -mit Sonne und Wolken. Er jagte graues und weißes und taubenblaues -Gewölk über die Sonne hin, als sei es sein Vorhaben, das Gestirn mit -diesen Wolkenfetzen zu putzen. Die Sonne glänzte metallisch blank. Und -verschwand wieder hinter heranjagenden Wolken, die von Zeit zu Zeit -minutenlange, feine, kalte Regenschauer über die Landschaft zerstäubten --- rauschende Brausebäder von Licht sprühten zur Erde. An allen Gräsern -zitterten und blitzten Millionen perlfeiner Regentropfen, Millionen -funkelnder Prismen im Grünen. - - * * * * * - -In diesem prickelnden Lichte blühen die Bergwiesen in -Farbenjubelchören. Die reine Bergluft macht den Wuchs der Pflanzen -schlanker, lichtstrebender, die Farben der Blumen leuchtender. -Kornblumen und Glockenblumen blühen da oben in tieferem, satterem Blau. -Der kleine rasenbildende Ginster strahlt goldener. Die Margariten -schwenken ihre großsternigen Blüten auf schwankeren Stielen. Die -blauroten Blütenruten des Natterkopfes strotzen hoch aufgerichtet im -Klee, und die Orchideen strecken ihre violettgescheckten Blumenähren -noch über das hohe Gras hinaus. Und überall prangen die orangenen -Ordenssterne der Arnika, mit der die Gebirgler Kräuterschnäpse würzen -und die den schönen Namen Berg-Wohlverleih führt. - -Botanische Kenner wissen in diesem Bergrevier die verborgenen Standorte -der stachellosen Alpenrose und der sibirischen Iris zu finden -- ganze -Wiesen, überblüht von blaßblauen, violett geäderten Schwertlilien. -Die buttergelbe Trollblume, die der Volksmund Butterkugel nennt, die -Ferkelblume und das Blutauge blühen in diesem farbenfrohen Sommerfest -der Blumengöttin Flora -- ein reicher botanischer Garten wird dem -Freunde der »liebenswürdigen Wissenschaft«, der Botanik, geschenkt. - -Lagert er sich in die blühende Wiese, so umstickt schleierfeines -Labkraut, violett und gelb leuchtender Wachtelweizen, purpurner -Erdrauch das köstliche Kissen von hyazinthenblauen Kreuzblumen, in das -er sein Haupt legen darf. Prunkende stachellose Alantdisteln umstehen -sein Lager in dichten Lanzenschwadronen und tragen ihre Purpurköpfe -hoch über dem Blumengrund. Und durch diesen stolzen Distelwald -schimmern, wenn man liegt, die Berge fern, forstgrün, schieferblau, -duftblau, immer ferner, immer wunderblauer -- man kann nicht -liegenbleiben, man springt auf, schreitet durch den blumenbesteckten -Speerwald der Disteln wieder dem Wege zu und wandert den Bergen -entgegen, die im rieselnden Lichte wie hinter irisierenden Gläsern -wallen. - - * * * * * - -Hinter Ölsen, einem wurzelechten Erzgebirgsdorf mit einem -Ludwig-Richter-Kirchlein, schiebt sich unvermerkt eine spitze, dunkle -Zacke über Wiesen, über umbuschte Gneisraine, über den Anstieg eines -Waldes herauf. Und dann mit einem Male steht eine breitgezackte -Bergkuppe da -- ein dunkler Fichtenmantel hängt um eine nackte -Bergschulter -- das ist der Sattelberg. - -Der Wiesenweg läuft in den Wald hinein und steigt. Und überrascht steht -man vor dunkelfeuchten, zyklopisch getürmten Sandsteinschroffen. Ein -Steintreppchen zwängt sich zwischen Felsblöcken durch. Man steht auf -einer waldumschlossenen Bergwiese, vor einer Baude. Darüber kuppelt -sich spitz und energisch ein Basaltgetürm auf. - -Diesen Aufbau des Berges begreift man in seiner Merkwürdigkeit richtig -erst da: auf dem Gneisplateau des Erzgebirges, über dessen blühende -Wiesen man eben noch dahinschritt, setzt sich dieser Berg auf als Rest -einer Quadersandsteindecke, die einstmals das östliche Erzgebirge -überzog und von der vergangene Jahrtausende es entblößten, nur dieses -eine Denkmal zurücklassend. Darüber aber baut der in der Tertiärzeit -durch die Quaderdecke durchgebrochene Basalt seine Säulen zur schroffen -Spitze auf. - -Es sind redende Steine, die den Berg formen. - - * * * * * - -Und es ist ein betender Berg. - -Oben, über den eisenfarbenen Geröllhängen, schließen sich die -Basaltsäulen zu einer gipfelstürmenden Gebärde zusammen. Sie drängen -empor, schräg hinaufwachsend, einander überdrängend, in der Ekstase des -plutonischen Aufbruchs erstarrt. - -Als Reinhardt das Sophokles-Drama König Ödipus inszenierte, ballte -er in den Massenszenen die Scharen seiner Statisten zu einem Wesen -zusammen, zu einem Wesen mit hundert Händen, hundert Hände, gereckt zu -einer Pyramide von Händen, zu einer ekstatischen Gebärde. - -Daran erinnert dieses Hinanstürmen der basaltenen Säulen. - -Nach einem Punkte zu streben sie, nach einem letzten schließenden -Gipfel der Pyramide, der nicht da ist. Er liegt über dem Ansturm -der Säulen und wird nicht erreicht. Das gibt diesem Aufdrängen die -stete, unaufhörliche Bewegung, die trotz der erzenen Starre immerfort -von unten auf den Gipfel zu zu drängen, zu streben scheint. Es lebt -verborgen ein Wille in diesen Steinen: aufwärts -- sich in einem Punkte -zusammenfassen. - -Über diesem einen, nur denkbaren Punkt erhebt sich ein Kreuz. Ein -katholisches Steinkreuz. Ein Christus neigt das Haupt und sieht mit -sterbenden Augen auf den Drang der Steine herab. - -Menschenhände, vielleicht schlicht-ländliche Katholiken aus dem Dorfe -im Tale haben das Kreuz da errichtet -- was sie taten, war eine -künstlerische Tat, ohne daß sie es wußten. An diesem Punkte muß das -Kreuz stehen -- oder ein andres Symbol menschlicher Sehnsucht -- im -katholischen Böhmen ist es ein Christuskreuz. Da steht es. - -Und zu ihm empor drängen, streben die Steinsäulen in leidenschaftlicher -Gebärde, in pathetischer Eindringlichkeit der Bewegung. - -Der Berg betet -- betet nach Menschenwillen empor zu diesem Kreuz. - - * * * * * - -Man tritt hinauf -- die Bruchflächen der Säulen geben Stufen her für -den Fuß. Und dann steht man über dieser aufdrängenden Pyramide, die -nun dem freisausenden Sturme entgegenwächst, steht, an das Steinkreuz -gelehnt und blickt hinaus -- in das rundum gelagerte Land, auf auf- und -absteigende Wiesen, schimmernd wie grüner Seidensamt, auf schwarzgrüne -Wälder, die schwer, üppig von Bergen herab in tiefe Täler hängen und -aus Tälern bergauf steigen als geballtes, tiefgrünes Gewölk. Grasige -Hänge herab gleiten andere Wälder, breiten, schiebenden Gletschern -ähnlich, stemmen sich mit tausend Stammfüßen gegen den fallenden grünen -Grund und werfen ihre Schatten schräg über abgleitende Triften. - -Über Berg und Tal gebreitet, in Wiesen und Wälder und Felder -eingestrickt, liegt das hellschimmernde Maschenwerk der Straßen und -Wege, in Dörfern verknotet, von Hecken gesäumt, von Baumpilgerzügen -still begangen. - -Darüber hinaus lagern, ragen, schweben immer fernere Berge. Berge mit -runden, blauen Waldkuppen, Berge mit besonnten Steilwänden, Berge -noch in weitester Ferne, gläserne Gebilde -- nein, Glas ist noch zu -körperlich, es gibt keinen Vergleich für dieses duftige Schweben, -dieses der Erde Entrücktsein fernster Gebirge in zarten grünen, blauen, -violetten, rauchfarbenen Schimmerfarben. - -Und drüberhin schwenken jagende Wolken ihre Schattenfahnen, lassen -Berge schieferblau ins Irdische zurücksinken und wieder in märchenhafte -Lichtgefilde aufschweben. Wiesen, wallende, graugrün wogende Junifelder -ermatten unter ihren Schattenflügen und leuchten wieder goldgrün auf. - - * * * * * - -Man blickt hinaus und da, plötzlich in einer Sekunde des Schauens -scheint der Wolkenflug stillzustehen und die grüne, blaue, leuchtende -Erde saust darunter hin durch Licht, durch Schatten, durch Licht, durch -Schatten -- eine stummjauchzende Fahrt mit allem, mit dir, dem Berg, -dem Steinkreuz, das sich im Sturmdrange dieses Fluges zu neigen scheint. - - * * * * * - -Vom Himmel herab rollen wehende, über die Berge schleifende -Regengardinen. Sie rauschen heran, lösen sich auf in Myriaden -sprühender Tropfen, ziehen weiter, hüllen andere Fernen ein und lassen -eine glitzernde Welt zurück. - -Manchmal scheint die Sonne durch die nassen Schauer. Dann ist es, als -sprühe das Licht in blitzenden Tropfen regenbogenfarben zur Erde nieder. - - * * * * * - -Und du stehst, an das Kreuz gelehnt, vom Sturme herb umdrängt, und -weißt: jetzt faßt sich in dir das anbetende Empordrängen des erzenen -Berges zusammen. Deine Lust, deine Freude, dein Lebensgefühl dieser -Stunde ist Zusammenschluß und Vollendung der Geste, in der der Berg -sich gipfeln will, zu der er in steter Bewegung anhebt. Und du fühlst -dich, den Menschen, fühlst den Drang des Blutes in deinen Adern, den -Atem in deiner Brust -- unter deinen Füßen betet der stumme Berg und -du weißt die Worte, die dem erzenen Stein nicht gegeben sind, und -sprichst sie nicht aus. Du blickst schweigend hinaus in die strahlende -Sommerwelt -- in deine Welt, die für dich mit dir versinkt, die für -dich ist, so lange du bist. - - * * * * * - -Eine Stunde lang saßen wir auf der zackigen Kuppe des betenden Berges. - -Der Himmel schwenkte seine Fahnen über uns. - - - - -Der unzufriedene Papierkorb - -Von _W. Otto Ullmann_, Dresden - - -Man kann es schließlich auch einem Papierkorb nicht übelnehmen, wenn -er unzufrieden ist. Die Menschen machen es ja auch nicht anders und -haben dabei zuweilen nicht einmal Grund dazu. Aber wenn ein Papierkorb -unzufrieden ist, ist das allemal berechtigt. Das liegt an seiner -Konstitution. Ein Papierkorb läßt sich viel gefallen, aber wenn er -zuviel Schlechtes erfährt, wird seine Verstimmung papierkorbtief. - -Der unzufriedene Papierkorb hieß »Marke Tatra.« Gewiß war er sich -bewußt, daß auf den Namen viel ankommt, deshalb trug er ihn jedermann -zur Ansicht auf einem Blechschild, das an seiner Brust angeheftet war. -Marke Tatra war nicht auffällig groß, aber kernfest, hatte Eisenfüße, -einen Eisenboden und einen Eisendrahtmantel, wie es sich für jemanden -mit dem kernfesten Namen Marke Tatra gehört. Zudem war sein Eisenkörper -mit einer grauweißen Ölfarbenhaut überzogen, damit ihm kein Rost irgend -etwas antun konnte. Er hatte damit sogar vor dem kernfesten Helden -Siegfried etwas voraus, der doch immerhin eine Stelle an sich hatte, wo -ihm der böse Feind an Leben und Gesundheit konnte. Nein, wirklich: um -solche Dinge brauchte sich Marke Tatra keine Sorge zu machen. Und das -war es natürlich auch nicht, was ihn unzufrieden machte. - -Als der Papierkorb Marke Tatra eines Tages da war (genau wie die -Menschen eines Tages da sind), wurde er auf einen Wagen geladen und -stand bald in einem langen dämmrigen Verkaufsraum. Marke Tatra sah sich -um und wunderte sich; denn alles was da in seiner Nähe herumstand, -waren auch Papierkörbe wie er. Natürlich hießen sie anders, denn -sie sahen auch anders aus. Es gab recht schwächliche aus Rohr und -kräftigere aus Holz, aber keiner glich an Kernfestigkeit ihm, dem -grauweißhäutigen Eisendrahtpapierkorb Marke Tatra. - -Wenn es auch dämmrig im Verkaufsraum war, so war es doch ganz -unterhaltsam. Sie alle, die Papierkörbe, hatten einen Herrn, der oft -Besuch bekam. Und dieser Besuch prüfte, suchte und nahm schließlich -einen Papierkorb mit oder ließ sich einen zuschicken in eine dunkle -Zukunft. Und bei einer solchen Verhandlung hörte Marke Tatra, daß er -ein »Muster« sei. Nun, das war doch selbstverständlich. Darüber dachte -er auch kein bißchen mehr nach. Aber die dunkle Zukunft, in die es -durch jene Tür hinausging, gab ihm zu denken. - -Na, schlimm konnte es ja nicht werden. Da vorn am Schreibpult hatte -sein Herr so einen Papierkorbschwächling aus Rohr stehen, mit dem -er sich öfter beschäftigte. Alle Morgen, wenn er die Post durchsah, -verschwanden Briefhüllen und was sonst überflüssig war, im Leibe -dieses Kleinen. Er hatte tatsächlich nichts auszustehen. Und wenn -Marke Tatra seinen Herrn die Käufer Herr Doktor, Herr Professor oder -gar Herr Rat anreden hörte, wurde er immer sichrer, daß die dunkle -Zukunft ganz angenehm sein würde. Marke Tatra träumte sich schon in -das Arbeitszimmer eines großen Gelehrten, neben den Schreibtisch eines -heimlichen Dichters oder gar in die Redaktionsstube einer großen -Zeitung. Es müßte herrlich werden. Marke Tatra sehnte sich nach -der dunkeln Zukunft. Da hatte man doch endlich seine Aufgabe, eine -Lebensaufgabe von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wo Marke Tatra -stehen würde, sollte es nie liederlich aussehen, alles überflüssige, -verbrauchte Papierwerk wollte Marke Tatra mit seinem Eisendrahtmantel -festhalten. Ein Erzieher zum Geschmack wollte Marke Tatra werden. Wer -ihn besaß, konnte kein überflüssiges Papier umherliegen lassen, das -war klar. Marke Tatra träumte wunderschön von seinem hohen, idealen -Daseinszweck. - -Aber wie hatte sich der gute Marke Tatra geirrt! - -Eines schönen Tages hatte sein Herr wieder Besuch. Der Herr Balduin -Lehmann, Vorsitzender des Verschönerungsvereins zu Lieblichwaldau -war da. Alles, was die beiden redeten, konnte zwar Marke Tatra nicht -verstehen, aber als sie nun ganz in seiner Nähe waren, hörte er doch. - -»Ich habe nur diesen einen da,« sagte sein Herr, »es ist ein Muster!« - -»Ist er haltbar?« fragte Balduin Lehmann. - -»Es ist Marke Tatra, ein hervorragendes Erzeugnis, Eisenfüße, -Eisenboden, Eisendrahtmantel mit bestem Ölfarbenüberzug. Sie werden mit -Marke Tatra zufrieden sein, er ist wirklich kernfest und auf die Dauer!« - -Der fremde Herr befühlte und untersuchte Marke Tatra genau. Er nickte -mit dem Kopfe. Und Marke Tatra fühlte ganz deutlich, daß die dunkle -Zukunft heller wurde. Herr Lehmann kaufte ihn. - -Marke Tatra reiste mit der Eisenbahn nach Lieblichwaldau. Dort -erwartete man ihn mit einem Handwagen und fuhr ihn fort. Es ging durch -ein nettes Städtchen, bergan in den Wald. Auf sauberen Wegen immer -durch Grün und Grün ging es. Es war eine lustige Fahrt. So schön hatte -sich Marke Tatra den Wald gar nicht gedacht. Endlich hielten sie auf -einem wundervollen Plätzchen an. Da stand ein riesiger alter Steintisch -und am Rande schon unter den Zweigen wieder eine alte Steinbank und da -noch eine. Herr Lehmann setzte sich dahin. »Wunderschön zum Ausruhn!« -dachte Marke Tatra. »Wie die Vögel singen! Ich freue mich sehr über -diese Reise durch den Wald. Man erlebt doch etwas!« - -Die beiden jungen Menschen, die den Wagen gezogen hatten, störten ihn, -nachdem sie sich kurz verschnauft hatten. - -»Also hierher, Herr Lehmann!« sagten sie, hoben Marke Tatra vom Wagen, -setzten ihn auf zwei Steine, die in den Boden eingelassen waren und -nieteten ihn mit Eisenbändern an diesen Steinen fest. Das dauerte gar -nicht lange; denn alles war schon bestens vorbereitet. - -Und als Marke Tatra festgenietet war, stand Herr Lehmann auf, -versuchte, ob Marke Tatra auch feststand, sagte: »Gut so!« und -verschwand mit den beiden Schlossergesellen und dem Wagen. - -Da stand nun Marke Tatra allein im Walde. Er war wie vor den Kopf -geschlagen. Endlich konnte er wieder einen gescheiten Gedanken fassen: - -»Die Vögel singen,« sagte er, »und der Wald duftet. Es ist wunderbar -hier! Aber ich? Was soll ich im Walde? Bin ich denn kein Papierkorb? -Hierher gehört doch kein Papierkorb! Ein Papierkorb gehört doch dahin, -wo viel Papier überflüssig wird, gehört doch in ein Arbeitszimmer. Ja, -ich lasse mir auch noch einen Kinderspielplatz gefallen! Aber hier im -Walde? Das ist doch geschmacklos! Ich passe doch gar nicht hierher!« - -Und weil es gerade anfing zu regnen, weinte Marke Tatra lange Tränen an -seinen ölfarbeüberzogenen Eisenbeinen hinunter. - -Es sollte noch besser werden. Am nächsten Tage kamen zwei Männer, -rammten hinter Marke Tatra einen Pfahl in die Erde. Und dieser Pfahl -trug eine Tafel. Wenn nun jemand bei Marke Tatra vorbeigehen wollte, -hielt er an und las: - - »O Mensch, der du hier spazierst - und Butterbrote mit dir führst, - wirf das umhüllende Papier, - das fettgetränkte, nicht von dir. - Wirf’s in den Korb, du hast ja Zeit, - nichts geht doch über Reinlichkeit!« - -Dann suchte er pflichtschuldigst in allen seinen Taschen nach -Straßenbahnfahrscheinen und allen möglichen Papierresten und ließ sie -in Marke Tatras Drahtleib fallen. Marke Tatra war unglücklich: - -»Ich verstehe zwar nicht viel von Literatur,« dachte er. »Aber so ein -Vers gehört in den Papierkorb. Ich schäme mich, daß ich hier stehe. -Eigentlich sollten sich die Menschen schämen, daß auf dem Ruheplatz -im Wald ein Papierkorb nötig ist. Sie haben doch einen Papierkorb -zu Hause! Und wenn sie wirklich hier ihr Frühstück auspacken. So -ein bißchen Papier ist doch keine Last, daß man es nicht nach Hause -tragen könnte! Hier müßte ich doch tatsächlich überflüssig sein. Wenn -die Menschen so vernünftig wären, wie sie immer tun, müßten sie das -doch einsehen. Ich stehe hier -- ein Papierkorb im Walde -- als eine -Geschmacklosigkeit. Und sie sind schuld daran, weil ihresgleichen so -geschmacklos ist, Papier liegen zu lassen hier im Walde, wo es nun auch -gar nicht hingehört.« - -Und nun brüllt das Schild noch dazu: »Ich weiß, daß Ihr keinen Sinn -habt für die Reinheit des Waldes. Ich sehe es Euch an, Ihr wollt Papier -wegwerfen, legt es wenigstens in den Papierkorb.« - -Marke Tatra erging sich immer wieder in Erwägungen über seine verfehlte -Lebensaufgabe. Er war überzeugt, daß er nicht am rechten Platze war, er -mußte hier überflüssig sein. Wie gern wollte er im dunkelsten Büro, in -der Ecke im Schulhofe stehen, aber hier im Walde? Es war wirklich zu -viel verlangt. - -Marke Tatra regte sich wahnsinnig auf. Seine Ölfarbenhaut zerriß. Er -fing an zu rosten. - -»Ich will gern sterben,« sagte er, »aber wenn ich zusammenbreche, muß -auch der schreckliche Vers im Papierkorb enden. Wenn er noch stünde und -ich wär nicht mehr da, wäre das Unheil nicht abzusehen!« - -Das Schicksal tat ihm seinen Willen. Ein Sturmwind kam. Die Holztafel -mit dem Verse stürzte in Marke Tatras angerosteten Eisendrahtleib und -riß ihn mitten durch. »Ratsch,« sagte Marke Tatra und war tot ... - -Das ist nun dreißig Jahre her. Gott sei Dank, heute kann so etwas nicht -mehr passieren. Die Menschen sind eben doch vernünftiger geworden und -geschmackvoller. Heute denkt auch gar niemand mehr daran, im Walde -Papier wegzuwerfen. Alle Menschen achten die Reinheit des Waldes. Und -da braucht sich auch kein armer Papierkorb mehr zu Tode zu quälen. Es -wäre aber auch noch schöner. - -Ja, wenn alles wahr wäre! ... - - - - -Die Haustreiberei, eine aussterbende Heimarbeit in der südlichen -Oberlausitz - -Von _Alfred Eichhorn_, Glashütte - - -Am Treiberade sitzt die alte Lausitzerin und treibt Pfeifen, mit der -Rechten die Kurbel fassend, mit der Linken den Wollefaden haltend. Die -Winde, mit Wollezaspeln bespannt, läuft im Windestock. Auf der Spille, -die in die Seitenteile des Pfeifenkastens eingestemmt ist, steckt die -Pfeife. Sie wird mit Welle betrieben. Auf der Spille steckt auch der -Wirtel mit mehreren Einschnitten für die »Bieste« (Treibschnur). - -Am Vormittage hat sich die alte Haustreiberin beim Fabrikanten -drei Gebündel Wolle geholt. »Se gitt gutt,« meint sie beim Treiben -der ersten Pfeife am Nachmittag, denn die Wolle »reßt ne und is -o ne verhost.« Da können nach einer Stunde schon vier betriebene -Pfeifen unterm Windestock liegen. Damit ist sie recht zufrieden. -Für eine betriebene Pfeife bekommt sie zehn Pfennige, ergibt -einen Stundenlohn von vierzig Pfennig. Du liest noch einmal den -Stundenlohn? Ja, wahrhaftig! In dieser Tatsache offenbart sich wieder -das Hauptkennzeichen unserer Zeit -- Gegensätzlichkeit; denn der -Maschinentreiber in der Fabrik nennt dir sechs Mark als Stundenlohn. -Und welche Leute sind Haustreiber? Kränkelnde alte Männer und Frauen, -deren Rentenpfennige kaum zum Kauf eines Brotes reichen, die Menschen, -denen in ihrer Jugend die Ärmlichkeit der Lausitzer Hausweber -Weggenosse war. So greifen sie denn an ihrem Lebensabende noch einmal -zum wohlvertrauten Treiberade, weil die Not wieder dazu zwingt. Der -Krieg ließ die Haustreiberei wieder etwas aufleben, da die wenigen -Aufträge und der Wollemangel den Betrieb großer Maschinen nicht -lohnte. Wer kann’s den alten Haustreibern verdenken, wenn in mancher -Stunde Verbitterung ihr Herz erfüllt? Die Jugend schwelgt, das Alter -darbt. - -[Illustration: =Alte Lausitzerin am Treiberade=] - -Was erfahren wir aus der Kinder- und Jugendzeit der alten Haustreiber? -Wenn die Spannweite der Arme kaum ausreichte, um das Rad zu drehen und -den Faden zu halten, begann die erste Unterweisung im Treiben. Ein -volles Jahr fehlte mitunter noch bis zum ersten Schulgange. Gar bald -wurden die kleinen Finger mit dem schneidenden Faden bekannt. Daumen -und Zeigefinger, auch der Mittelfinger der linken Hand hatten tiefe -Einschnitte bekommen. Dann mußte der Faden zwischen den Fingern nahe -der Handfläche gleiten. Mit zunehmendem Alter war täglich eine größere -Anzahl Pfeifen zu treiben. Da wurde die freie Zeit gar knapp, und -wenn »de Wulle schlajchte ging,« dann gab’s nur Stubenluft zu atmen, -denn die vom Vater festgesetzte Pfeifenzahl mußte fertig werden. Wie -mühsam war das Treiben an trüben und kurzen Wintertagen, wenn schwarze -Wolle zu treiben war, der Faden oft riß und sein verschwundenes Ende -minutenlanges Suchen erforderte! Wie flackerte das kleine Rüböllämpchen -am Pfeifenkasten vom Winde des Treiberades! Kalt wurde es in der -Stube, da ja die Geschwister auch trieben oder für Vaters Webstuhl -spulten. So saßen die Familienglieder in Pelzen und dicken Jacken bei -spärlichstem Lichte am Treiberad, Spulrad und Webstuhl. Und wie wurde -damals ihre Arbeit bezahlt? Beim »Heimtragen« erhielt die Mutter für -eine betriebene Pfeife einen Pfennig, machte vier Pfennig Stundenlohn, -auch für jene Zeiten ein Hungerlohn! Vierzehn bis sechzehn Stunden -drehte sich täglich Treiberad, Spille und Winde. Von vierzehn Jahren -an war diese Arbeitszeit Selbstverständlichkeit. Mehr Stunden wurde -auch getrieben. - -So sind die Haustreiber vom Lebensmorgen bis zum Lebensabend nur auf -steinichtem Wege gewandert. Da wurden sie wortkarg und verschlossen. - - - - -Die Schellente im Moritzburger Teichgebiet - -Von _Paul Bernhardt_ - - -Eine schöne Bereicherung hat der unheilvolle Krieg unserer heimischen -Vogelwelt gebracht: Die Schellente, dieser Prachtvogel, hat Heimatrecht -im Moritzburger Teichgebiet erworben, sie ist hier in den Kriegsjahren -zur Brut geschritten. Schon vor dem Kriege stellten sich im Oktober -einige Paare als Durchzügler ein und erfreuten bis zum April den -Beobachter. - -Am sonnigen Herbsttage oder im zeitigen Frühjahr treibt es den -Vogelkundler hinaus ins Teichgebiet; hohe Zeiten sind es für ihn, denn -reich ist die Fülle der Beobachtungen. Forscherfreude im Herzen steht -er vor der blauen Wasserfläche und sucht sich in der schwimmenden, -tauchenden, schwirrenden und kreischenden Schar zurechtzufinden. Weit -draußen leuchtet im Sonnenschein viel Weiß. Eben ist es verschwunden, -schon taucht der weiße Fleck wieder auf. Ein Schellentenerpel im -Hochzeitskleide. Das Glas zeigt die ganze Schönheit. Metallisch grün -schillert der dunkle, dicke Kopf, geschmückt durch zwei auffällige -weiße Flecken dicht an der Schnabelwurzel und durch feuergelb -leuchtende Augen. Sonst überall viel Weiß, das noch durch das tiefe -Schwarz des Oberrückens und Schwanzes gehoben wird. Immer größer wird -der weiße Fleck auf dem Wasser. Der Erpel legt sich putzend zur Seite, -und die korallenroten Füße vollenden das herrliche Farbenspiel. Kurze -Zeit weidet sich das Auge am Anblick, schon ist die Herrlichkeit wieder -unter Wasser. Doch gleich nebenan erscheint einem auftreibenden Korke -gleich eine zweite, dritte ja vierte dieser zierlichen Tauchenten. -Einige weniger auffallend gefärbte Weibchen beteiligen sich am Treiben. -Fleißig taucht die kleine Schar, um bald wieder an der Oberfläche zu -erscheinen. Schwer machen sie es mir, die Stückzahl festzustellen. -Trägheit liegt ihnen fern. Sie gehören zu den vorsichtigsten und -lebhaftesten Enten. Klirrend saust ein Pärchen reißenden Fluges über -den Wasserspiegel hin; hell leuchten die weißen Spiegel im schwarzen -Felde auf, und klingendes Getön vernimmt beim Nähern das Ohr. Daher -die Bezeichnung Schellente. Fast alle Teiche unseres Gebietes waren -im vergangenen Frühjahr mit einigen Schellenten besetzt, so daß gegen -dreißig Paare gezählt werden konnten. - -Ganz toll wird das Treiben zur Paarungszeit. Die einzelnen Pärchen -sondern sich ab und sind von jetzt ab immer an gleicher Stelle in ihrem -Brutgebiete anzutreffen. Eine aufgeregte, kampfesreiche Zeit hebt -an; Liebe und Eifersucht beherrschen die kommenden Tage. Das muntere -Treiben und Tauchen in Gesellschaft ist vorbei. Jetzt gilt es, das -Weibchen vor Anremplungen zu schützen. Und der Schellentenerpel ist -ein eifersüchtiger Gatte. Mit gesenktem Kopfe wird der sich nähernde -Nebenbuhler angenommen, durch Unterwasserangriff an den Ständern -gepackt und eine Strecke im Fluge verfolgt. Oft wird der Kampf zur -Rauferei. Wütend stürzen die Erpel aufeinander zu, packen sich am -Kopfe, ziehen sich balgend unter heftigen Flügelschlägen bald über, -bald unter Wasser hin und her; lassen voneinander ab, packen sich -wieder und treiben einer den andern im niedrigen Fluge plätschernd -über die Wasserfläche hin. Stolz umschwimmt der zurückgekehrte Gatte -die Auserwählte, bringt das Gefieder in Ordnung, legt den Hals -weit nach hinten auf den Rücken, schnellt ihn plötzlich hervor und -läßt bei dieser Bewegung einen eigenartigen hellen Ton hören, der -sich mit »knirrr« wiedergeben läßt. Oefters wiederholt sich dieses -gleichmäßige Kopfrucken und Vorschnellen und nach langem Werben findet -der liebestolle Erpel Erhörung. Der Beschauer am Ufer ist verwundert -über das närrische Liebesspiel; für ihn war die Beobachtung Neuland. -Denn selbst sein »Naumann« berichtet nichts von der eigenartigen -Schellentenbalz. Wir haben hier eine der wunderlichsten Balzgebärden -in der Vogelwelt vor uns, die der des Spielhahnes gleichkommt und -ganz wenig bekannt ist. Die Balz währt von Februar bis hinein in den -Wonnemonat. Aus alledem wird der Leser den Wunsch des Verfassers -verstehen, diesen Prachtvogel nicht nur als Durchzügler, sondern als -bodenständigen Brutvogel in unserer Heimat zu haben. Die Kriegsjahre -brachten für das Moritzburger Teichgebiet die Erfüllung des Wunsches. -1916 wurden von dem verstorbenen Ornithologen Mayhoff Dunenjunge der -Schellente auf dem Schwanenteich beobachtet. Ich selbst fand die -ersten infolge des Kriegsdienstes erst im Jahre 1918. Seit dieser Zeit -konnte ich jedes Jahr mehrere Bruten feststellen. In diesem Jahre -brüteten wenigstens gegen sechzehn Paare im Gebiete. Schon Mitte Mai -traf ich das erste ausgeschlüpfte Gelege auf dem Schwanenteiche. -Neun allerliebste Federbällchen sitzen in früher Morgenstunde dicht -aneinandergedrängt auf der offenen Stelle des Teiches, seltsamerweise -ohne Mutter. Die ersten Sonnenstrahlen bringen Leben in die kleine -Schar. Geschickt taucht eins unter die Wasserfläche, ein zweites rennt -eilig auf dem Wasser hin, ein Insekt verfolgend, ein drittes wieder -schnellt plötzlich in die Höhe, um im Luftsprung eine vorüberfliegende -Mücke zu erschnappen. Ein anmutiges Bild! Der Vergleich mit dem -Treiben der flinken Wassermäuse drängt sich dem Beobachter auf. Bald -ist die kleine Gesellschaft im Schilfe verschwunden, wo die sichernde -Mutter ihrer wartet. Die Jungen bleiben lange Zeit beisammen. Noch im -August traf ich die festgestellten Gelege auf dem Schloß-, Schwanen-, -Frauen- und Großteiche beisammen. Sie sind im Fluge sofort an den -weithin leuchtenden weißen Flügelflecken zu erkennen. Das Aussehen -der Dunenjungen ist außerordentlich drollig. Die Hauptfarbe ist ein -Samtschwarz am Kopfe und auf dem Rücken, während die Unterseite weiß -aussieht. Ein keckes Aussehen verleiht ihnen aber der gedrungene kurze -Schnabel und der große weiße Fleck vom Kinn bis zum Hinterkopf. Auch -die weißen Flügelflecke sind schon angedeutet. Die Angaben im Naumann, -der sie mit den Dunenjungen der Märzente vergleicht, stimmen auf keinen -Fall. - -Besonders schwierig war die Feststellung eines Nestes. Bekanntlich -brüten die Schellenten seit neuerer Zeit in Baumhöhlen, ja sogar in den -verlassenen Nistplätzen des Schwarzspechtes. Die älteren Ornithologen -führen als Brutort nur Schilf- und Rohrbestände an. Am 20. Mai 1920 -fand ich die erste Nisthöhle durch Zufall am Schloßteiche. Ein Weibchen -flog auf die Kastanie zu, unter der ich lagerte, schwenkte aber bei -meinem Anblick im großen Bogen um; kehrte bald zurück, durchflog -taubenähnlich das dichte Geäst und verschwand in einer Baumhöhle. -Im vergangenen Frühjahre konnte ich drei Nisthöhlen feststellen. -Besonders bieten den Schellenten die höhlenreichen Kastanien der -beiden Schloßteiche reichlich Nistgelegenheiten. Deshalb ist auch ihr -Treiben an diesen Teichen vor allem gut zu beobachten. Doch auch auf -den Teichen, deren Ränder fast keine alten Baumbestände aufweisen, -dafür aber größere Schilfbestände, sind Bruten aufgekommen. Diese -Tatsache läßt vermuten, daß die Schellente nicht nur in Höhlen, sondern -vielleicht wie andere Tauchenten im Schilfwalde brütet. - -[Illustration: =Kastanie am Schloßteiche zu Moritzburg mit Nisthöhle -der Schellente= - -(Aufnahme des Verfassers)] - -Ganz vereinzelt muß die Schellente schon vor dem Kriege in unserem -Gebiete gebrütet haben. Ein Belegstück dafür befindet sich in meinem -Besitz: ein 1913 am Schloßteich vom Forstwart Herrn Eckart tot -aufgefundenes Dunenjunges. - -So sei am Schlusse nochmals der Freude Ausdruck gegeben, daß -die herrliche Schellente im Moritzburger Teichgebiet nicht mehr -Naturdenkmal ist, sondern sie sich Heimatrecht hier erworben hat und -mit zu den häufigen Enten gehört. Möge auch vom Landesverein gegen -alles angekämpft werden, was diesem prächtigen Vogel den Aufenthalt -so nahe der Großstadt vergrämen könnte. Hierher gehört sinnlose -Schießerei, Umfällen alter Bäume und der Eierdiebstahl. Besonders -schädlich für unsere Wasservogelwelt ist das frühzeitige Schneiden des -Schilfes und Rohres durch die Teichverwaltung, das dieses Jahr schon -Anfang Juli erfolgte. Auch das »wilde Baden« an allen Moritzburger -Teichen wird von unseren gefiederten Freunden nicht besonders begrüßt. - - - - -Das Triebelbachtal - -Von _Paul Apitzsch_, Ölsnitz i. Vogtl. - - -Unweit der Dreikönigreichsecke, jener politisch bedeutsamen Stelle, -da die Grenzen der drei ehemaligen Königreiche Sachsen, Bayern und -Böhmen in einem Punkte zusammenstoßen, da jetzt die Gemarkungen der -drei Republiken Sachsen, Bayern und Tschechoslowakei sich berühren, ist -auch die dreiteilige Wasserscheide zwischen Elster, Saale und Eger. -Gegen Süden fließen die Wässer dem Egerlande zu. Nach Westen enteilt -die Regnitz dem Waldlande und ergießt sich bei Hof in die Saale. Und -nordwärts gehört alles Fließende dem Stromgebiet der Weißen Elster. -Der bedeutendste linksseitige Elsterzufluß ist hier der fünfzehn -Kilometer lange Triebelbach. Zwischen Eichigt und Ebmath, rechts der -Zollstraße Ölsnitz-Roßbach, liegt ein Berg, der den merkwürdigen Namen -»Bubenstock« führt. Auf älteren Karten wird er »Pumpenstock« genannt. -Trotz seiner absoluten Höhe von 630,8 Meter bietet er nicht die -geringste Fernsicht; denn erstlich erhebt er sich nur unbeträchtlich -über die durchschnittlich sechshundert Meter hoch gelegene Hochfläche, -und überdies ist er bis zur Kuppe mit Fichtenwald bestanden. Die -einzige Bedeutung des Bubenstockes in geographischer Beziehung -besteht darin, daß an seiner westlichen Abdachung der Triebelbach -entspringt. Durch Heidegesträuch, Ginstergebüsch und niedrigen -Mischwald eilt das muntere Waldkind rasch abwärts. Es ist, als wolle -es der unheimlichen Gegend entfliehen. Führt doch das südwestwärts -gegen Tiefenbrunn zu gelegene einsame Waldstück den grausigen Namen: -Der gespaltene Schädel. Ob eine geheimnisvolle Untat dieser Benennung -zugrunde liegt oder ob eine bloße Wortentstellung anzunehmen ist, ist -nicht mehr festzustellen. Der düstre Wald tritt beiderseitig zurück -und macht dem ersten Dorfe, _Obertriebel_, Platz. Da die Bachsohle -beim oberen kleinen Dorfteiche genau fünfhundert Meter hoch liegt, -so beträgt der Fall von der Quelle bis hierher auf der kaum 2,5 -Kilometer langen Strecke bereits einhundertunddreißig Meter. Bei einer -kleinen Häusergruppe zwischen Ober- und Untertriebel, den sogenannten -Hutherleithenhäusern, empfängt der Triebelbach von links her starke -Zuflüsse aus dem waldreichen Platzerberggebiet und von Neubrambach. -Erheblich verstärkt kommt der hier außerordentlich krebsreiche Bach -nach dem Kirchdorfe _Untertriebel_. Von lärchenbestandener Höhe -klingt Glockenklang hernieder. Droben bringt man sie zu Grabe, die -sich freuten in dem Tal. Denn der Kirchhof liegt hier noch, altem -schönen Brauche gemäß, rund ums Kirchlein. Das Gotteshaus von -Untertriebel gehört zu den wenigen vogtländischen Dorfkirchen, bei -deren Anlage an Verteidigungszwecke gedacht worden ist und an deren -Umfassungsmauern noch _Spuren ehemaliger Befestigung_ zu erkennen -sind. Vor der turmartigen Friedhofspforte ragen zwei mächtige Linden. -Links vom Eingange, an der Nordseite der starken Kirchhofsmauer, sind -ganz deutlich drei Schießscharten zu sehen. Rechts vom Tore, an der -Westseite also, sind weitere sechs Schießscharten, so daß die ganze -Mauer noch neun derartige Zeugen ehemaliger Befestigung aufzuweisen -hat. Gelegentlich einer Erweiterung des Friedhofes nach Süden zu mußte -die südliche und östliche Ummauerung abgetragen werden. Auch diese -Teile der ursprünglichen Anlage waren, wie mir der über vierzig Jahre -in Untertriebel im Amte befindliche alte Kantor Häntzschel versicherte, -mit Schießlöchern versehen. Die Schießscharten sind von annähernd -gleicher Größe und Gestalt. Von außen gesehen sind sie schmal, nur -zehn Zentimeter breit und fünfzig Zentimeter hoch. Nach innen werden -sie weiter, und an der Innenseite der achtzig bis neunzig Zentimeter -starken Mauer sind sie beinahe quadratisch mit fünfzig Zentimeter -Seitenlänge. Eine Häufung der Schießscharten ist vermieden; in beinahe -gleichen Abständen voneinander sind sie in das starke Mauerwerk -getrieben. Als im Jahre 1901 bei der Erneuerung des Gotteshauses auch -die Friedhofsmauer abgeputzt wurde, hatten übereifrige Handwerker -unaufgefordert die Schießscharten teilweise schon zugemauert. Sie waren -höchlichst erstaunt, als durch ein Machtwort des Herrn Pfarrers Kramer -die »alten Löcher« wieder in den vorherigen Zustand zurückversetzt -werden mußten. Vor der Nordseite der Mauer sind grabenartige -Vertiefungen, die möglicherweise in Beziehung zu einer ehemaligen -Befestigung stehen. Doch ist in der historischen Deutung derartiger -Vorkommnisse größte Vorsicht geboten. Übereifer in der Auffassung und -Behandlung »alter Löcher« kann nicht nur einen simplen Mauergesellen, -sondern auch den hochgelahrtesten Altertumsforscher zu Dummheiten -verleiten. - -[Illustration: Abb. 1 =Untertriebel= - -(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)] - -Es gibt im Vogtlande nur noch zwei Dorfkirchen, die Spuren einstiger -Befestigung tragen: Thierbach bei Pausa und Schwand. Bei Überfällen und -Plünderungen durch rohe mittelalterliche Landsknechte war gewöhnlich -der das Dorf beherrschende Rittersitz die Zufluchtsstätte der -Dorfbewohner. Dieser Rittersitz war entweder ausgezeichnet durch hohe -Lage, oder durch Ringwallanlagen und Teichinseln geschützt. Professor -Johnson, Plauen, weist schon im Jahre 1900 darauf hin, daß sowohl -Thierbach, als auch Schwand und Untertriebel im Mittelalter keine -Rittersitze besaßen -- das Rittergut Schwand ist später entstanden --, -so daß die schutzlosen Dorfbewohner auf den Gedanken kamen, Kirche und -Friedhof zu einem Verteidigungsplatze zu gestalten. Diese Erwägungen -mögen wohl auch das altvogtländische Adelsgeschlecht der Säcke auf -Geilsdorf bestimmt haben, die Kirche zu Untertriebel auf einem das -Dorf überragenden Höhenrücken erbauen zu lassen, und zwar schwankt das -Erbauungsjahr nach urkundlich sicheren Angaben zwischen 1342 und 1380. -Das Gotteshaus in seiner jetzigen Gestalt stammt aus dem Jahre 1535, so -daß der ältere Bau nur etwa zwei Jahrhunderte stand. - -Für Freunde der Vergangenheit bietet auch das Innere der Untertriebler -Dorfkirche mancherlei Bemerkenswertes. Bei der obenerwähnten Erneuerung -des Gotteshauses fand man auf dem Kirchboden zwei verstaubte und -stark beschädigte _Holzschnitzereien_: einen Kruzifixus und einen -Taufengel. Beide Gegenstände wurden der »Kommission zur Erhaltung von -Kunstdenkmälern« zur Begutachtung vorgelegt. Über den _Kruzifixus_ kam -von Dresden folgendes Gutachten: »Ist eine Holzschnitzerei aus dem -fünfzehnten Jahrhundert; es fehlen beide Arme und sämtliche Zehen; an -der Nase, Operlippe und am Lendenschurz starke Beschädigungen. Das -Holz selbst ist gesund; auch die Bemalung braucht nur gereinigt und -an den neuen Stücken ergänzt zu werden. Eine Wiederherstellung ist -unbedingt zu empfehlen. Professor Spieler ist bereit, die Erneuerung -vorzunehmen.« Der _Taufengel_ ist ein kräftiges, eigenartiges -Barockwerk etwa von 1730. Auf dem Deckel des von dem Engel gehaltenen -Taufbeckens sind Christus und Johannes der Täufer in kleinen Figuren -angebracht. Die Wiederherstellung des beschädigten Taufengels übernahm -Holzbildhauer Wünschmann in Dresden. Seit 1902 bilden die auf diese -Weise geretteten altertümlichen Holzschnitzereien einen wertvollen -Schmuck des Altarplatzes der Untertriebler Kirche. Künstlerisch -bewertet sind die beiden Schnitzereien sehr verschieden. Ich halte -den Taufengel für die Arbeit eines Handwerkers, den Kruzifixus -für das Werk eines Künstlers. Der schablonenhaft steife Faltenwurf -des hemdartigen Kleidungsstückes, sowie die wenig ausdrucksvollen -Gesichtszüge des Taufengels deuten auf eine nur mittelmäßige Befähigung -des Holzschnitzers, während die Darstellung des schmerzverzerrten -Antlitzes, sowie die Ausarbeitung der Rippen an dem abgezehrten -Oberkörper des gekreuzigten Heilandes auf eine genauere Kenntnis des -anatomischen Baues eines Menschenleibes, sowie auf eine technisch weit -höher zu bewertende Beherrschung des Schnitzmessers schließen lassen. - -[Illustration: Abb. 2 =Untertriebel= - -(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)] - -Einige andre Altertümer der Kirche zu Untertriebel sind auf -Veranlassung des Professors Steche ins Sächsische Altertumsmuseum -nach Dresden gewandert. Auch sie lagen verlassen und vergessen in -einem Winkel des Kirchbodens. Das kostbarste Stück ist eine aus Holz -geschnitzte _Truhe_, die zur Aufbewahrung von kirchlichen Geräten oder -Meßgewändern verwendet wurde. Diese Truhe ist in dem von Schmidt und -Sponsel herausgegebenen »Bilderatlas zur Sächsischen Geschichte« in der -Abteilung für bäuerliche Kunst beschrieben und bildlich dargestellt. - -Doch nun genug der Namen und Zahlen. Wir treten heraus und steigen -hinunter ins Dorf. Der prächtige _Lärchenhang des Kirchberges_ -war im März 1919 stark gefährdet. Ein Teil der Mitglieder des -Gemeinderates, verbittert durch die überaus hohen Anforderungen der -Erwerbslosenunterstützung an die Gemeindekasse, hatte tatsächlich die -Absicht, die großen Lärchen des Kirchpöhls fällen zu lassen. Ich -hatte alle Mühe, das drohende Verhängnis abzuwenden. Ich verhandelte -schriftlich und mündlich mit Pfarrer und Gemeindevorstand und -disputierte mit den Bauern im Wirtshause. Den Ausschlag gab schließlich -ein äußerst geschickt abgefaßtes und warmherzig gehaltenes Schreiben -des »Landesvereins Sächsischer Heimatschutz«, das auf meine Anregung -hin der Gemeinde zuging. Der Baumbestand des Kirchpöhls war gerettet. -Der Naturschutzabteilung des Landesvereins ist es zu danken, daß das -Kirchlein zu Untertriebel noch heute im Schmucke eines selten schönen -Lärchenbestandes herab ins Tal grüßt. -- - -[Illustration: Abb. 3 =Fuchsmühle= - -(Phot. _Albert Roth_, Ölsnitz i. V.)] - -In breitem Wiesentale schlängelt der Triebelbach weiter. Und nun -ein Glanzstück: die idyllisch gelegene _Fuchsmühle_. Aus dichtem -Grün leuchtet der schlohweiße Giebel mit seinem dunklen Fachwerk -freundlich hervor. Hier bei der Fuchsmühle lag eine der vorzüglichsten -Kupferzechen des Vogtlandes: »Hoff auf Gott«. Von 1705 bis 1721 wurden -1980 Zentner Kupfer im Werte von 47993 Taler 16 Groschen 2¼ Pfennige -und außerdem 285³/₈ Zentner Kupfervitriol im Werte von 2570 Taler -18 Groschen 0 Pfennige zutage gefördert. Der Reingewinn betrug nach -den jetzt noch vorhandenen Grubenrechnungen 28172 Taler 10 Groschen -2¼ Pfennige. Der Bergsegen ließ indes bald nach. Dazu kam, daß -infolge der Weichheit des Gesteins die Stollen mit Holz verzimmert -werden mußten und daß man fortwährend mit dem Grundwasser des nahen -Triebelbaches zu kämpfen hatte. 1735 kam die Grube zum Erliegen. Unweit -der Mühle stand ein Pochwerk. Interessant ist, daß dieses Pochwerk die -Ursache einer Beschwerde des staatlich konzessionierten Perlenfischers -wurde. Am 3. Juli 1710 erstattet der Ölsnitzer Perlenfischer Johann -Gottfried Schmirler im Amt Voigtsberg folgende Anzeige: »Er wäre -vorige Woche in dem Tribler Bach gewesen und hätte Perlen suchen -wollen. Da habe er gefunden, wie solcher Bach gänzlich aussterbe. -Sonsten hätten die Muscheln wie ein Pflaster darinnen gestanden. -Vorjetzo fände er fast gar keine. Die ursach dieses Aussterbens -schreibe er dem an solchem Bach gebauten Pochwerke zu. Er hätte -dahero unterschiedlichmahlen bey denen Bergbeamten Erinnerung gethan, -man hätte es aber nicht attentiret; itzo könnte man nun den Schaden -spühren. Man solle Teiche machen, worinnen der Schlamm und die materie, -welche denen Muscheln schädlich, vielleicht sitzen bliebe. Er müsse -gestehen, daß er in dieser Refier jederzeit die hellsten und klahrsten -Perlen gefunden.« (Dr. J. G. Jahn, Die Perlenfischerei im Voigtlande, -Ölsnitz 1854.) - -[Illustration: Abb. 4 =Bösenbrunner Kirche= - -(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)] - -Außer Kupfer wurde in der Nähe der Fuchsmühle auch Zinn (Zinnzeche -St. Johannes) und Eisen (Ludwig-Fundgrube) bergmännisch gewonnen. -Zahlreiche Halden, Pingen, Berglöcher, Stollenausgänge und Reste alter -Grubengebäude zeugen noch heute von dem Bergbau vergangener Zeiten. - -Wir wandern weiter mit den wandernden Wellen und erreichen das dritte -und letzte Dorf des Tales: _Bösenbrunn_. Auf allen Höhen rings herum -lugt aus dem Dunkelgrün des Fichten- und Föhrenwaldes weißschaftig -die Birke, deren Besonderheit darin besteht, daß sie zu jeder -Jahreszeit andre Farbenstimmung aufweist; im Vorfrühlinge zartduftiges -Hellviolett, im Spätlenz Smaragdgrün, im Sommer kraftvolles -Allerweltsgrün, im Herbst strahlendes Gelb und vor Beginn des Winters -wieder jenes eigenartige tote, stumpfe Violett, welches kein Pinsel -wiederzugeben vermag. Am linken Talhange das winzige Dorfkirchlein, -erbaut in demselben Jahre, da der Dreißigjährige Krieg begann. Droben -Gotteshaus und Gottesacker, drunten das Rittergut, drüben die Mühle -und draußen gegen den Talausgang, an den rechtsseitigen Waldhängen, -zwei einsame Einschichten: das _Streithaus_ und das _Otterhaus_. -Zwischen Rittergut und Mühle liegen am Wege die Überreste alter -»_Griebensteine_«. Es sind dies viereckige, mit einer gerundeten -Aushöhlung versehene Granitbottiche, in denen zur Zeit der Pechsieder -die Abfallprodukte des Peches nochmals geröstet wurden. Man gewann aus -diesen »Griefen« oder Grieben eine Art minderwertiges Pech, nützte -also das Naturprodukt wirtschaftlich aus. Das gewonnene Abfallpech -floß durch ein an der tiefsten Stelle angebrachtes rundes Loch ab. -Die Granitpfannen müssen also ehedem auf einer Unterlage gestanden -haben. Jetzt liegen sie im Erdreich eingedrückt und im Grase vergraben -schon seit Jahrzehnten ungenützt. Solche alte Pechpfannen gibt es auch -anderswo im Vogtlande, so bei Brotenfeld, bei Planschwitz und bei Raun. - -[Illustration: Abb. 5 =Mühle in Bösenbrunn= - -(Phot. _Albert Roth_, Ölsnitz i. V.)] - -Das Triebelbachtal wird nun eng und tiefeingerissen. Die Abhänge sind -von der Talsohle bis zur Höhe bewaldet. Einige große Kahlschläge -flammen in buntester Blütenpracht. Ein Meer purpurner Weidenröschen -(~Epilobium angustifolium~). Dazwischen gelbe Fingerhüte (~Digitalis -ambigua~), stachelige blaue Natterköpfe (~Echium vulgare~), -stolze Königskerzen (~Verbascum~), großblumige enzianblaue -Pfirsichglockenblumen (~Campanula persicifolia~), lohende Pechnelken -und leuchtende Margeriten. Und inmitten all dieser Farbenfülle wandert -der Erlen- und Perlenbach geruhsam seines Weges, der Weißen Elster -entgegen. Bei _Pirk_, zwischen Ölsnitz und Plauen, mündet er in den -Hauptflußlauf des Vogtlandes. - -Fernab allem Weltgetriebe, ein stilles, einsames Waldland, urkräftig -und unberührt, lieblich im Birkenschmucke des Lenzes, farbenfreudig im -Glast und Glanz des Hochsommers, versonnen und verträumt im Sterbekleid -des Herbstes, erstarrt und erstorben im Rauhreifgeschmeide des Winters --- so lieb ich dich, du mein märchenschönes Vogtlandtal. - -[Illustration: Abb. 6 =Weg nach Neubrambach= - -(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)] - - - - -In Guteborn - -Von _A. Klengel_, Meißen - -(Aufnahmen von J. Ostermaier, Blasewitz) - - Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehn, - Es sei wie es wolle, es war doch so schön! - - _Goethe_, Faust II - - -Ein Brief aus Guteborn wird mir gebracht; Seine Durchlaucht Ulrich -Prinz Schönburg lädt mich in herzlicher Weise zu einem Besuche auf -seine Besitzung ein. Da er gern Störche in Guteborn ansiedeln möchte, -soll ich ihm mit einem guten Rate zu Hilfe kommen. - -[Illustration: Abb. 1 =Guteborn, Eingang zum Schloßhof=] - -Rasch die Landkarte zur Hand genommen! -- Guteborn ist der waldreiche -Großgrundbesitz in der preußischen Niederlausitz, dicht an Sachsens -Grenze, den etwa die Bahnlinien Ortrand--Ruhland--Hohenbocka--Kamenz -umrahmen, also von hier aus leicht und schnell zu erreichen. -Und dann noch einen Blick in die Genealogie des Schönburgischen -Hauskalenders, der mir als sächsischem Geschichtsforscher zur Hand -liegt. Der freundliche Gastgeber ist ein Glied der Fürstlichen -Linie Schönburg-Waldenburg und ein Vetter des jüngst verstorbenen -Prinzen Ernst, der mit seiner schon früher heimgegangenen Gemahlin -Helene auf der prächtigen Besitzung Gauernitz bei Meißen den Natur- -und Vogelschutz in vorbildlicher Weise pflegte, so daß ich und die -Freunde der Heimat alle Ursache haben, ihm ein dankbares und ehrendes -Gedächtnis zu bewahren. Die Liebe zur Natur scheint eine schöne -Familieneigentümlichkeit des uralten edlen Fürstengeschlechtes zu -sein. Die Reise verspricht also außerordentlich lohnend zu werden und -hocherfreut sage ich zu. - -[Illustration: Abb. 2 =Guteborn, Kirche und Eingang zum Schloß=] - -In der Morgenfrühe eines kalten Oktobertages breche ich denn auf, -voll von Erwartungen, und früh nach acht Uhr schon lande ich auf dem -Bahnhofe Ruhland. In ein Reich der Arbeit bin ich gekommen, ist doch -Ruhland ein Mittelpunkt des Niederlausitzer Kohlenbergbaues und der -Preßkohlenherstellung. Der große neuzeitliche Bahnhof, der zugleich -ein wichtiger Knotenpunkt ist, legt Zeugnis ab von dem ins Riesenhafte -gewachsenen Verkehr; das Städtlein freilich ist klein und unscheinbar -geblieben, die Häuser scharen sich verträumt um die Kirche und bieten -ein Bild, wie wir es in vielen kleinen Landstädten zu schauen gewöhnt -sind. - -Lange Zeit bleibt mir nicht zu diesen Betrachtungen, bin ich doch aus -ganz anderen Gründen nach Ruhland gekommen und das prinzliche Geschirr -wartet vor dem Tore. - -[Illustration: Abb. 3 =Guteborn, Schloßgarten mit südlichem Pavillon, -der das Archiv enthält=] - -Im Trabe gehts zur Stadt hinaus dem Walde zu. Bald zeigt der -Grenzgraben an, daß ich mich auf Guteborner Besitz befinde. Der -Kutscher hat Auftrag, mich zunächst nach den weiten Waldwiesen -und an die baumbestandenen Teichufer zu fahren, damit ich aus der -Beschaffenheit des Bodens und der landschaftlichen Lage erkennen soll, -ob wohl Guteborn noch dazu geeignet ist, dem Storche eine Heimat zu -bieten. Der Versuch, den Storch anzusiedeln, kann immerhin gemacht -werden, wenn auch die Gegend nicht gerade als ideale Storchheimat zu -bezeichnen ist. Die weiten, zum Teil anmoorigen und sumpfigen, von -Gräben durchzogenen Wiesen und die verlandeten Teichufer würden dem -langbeinigen Froschliebhaber gewiß Nahrung in Fülle bieten; auch würde -er sich des besten Schutzes durch den prinzlichen Gönner erfreuen. -Wie ich bald erfuhr, darf in Guteborn nicht einmal auf einen Reiher, -geschweige denn auf einen Storch geschossen werden. Freilich sind -die für den Storch in Frage kommenden Nahrungsgründe von weiten -Wäldern umgeben und diese liebt der Storch nach meinen Erfahrungen -nicht allzusehr, wenn er sich auch als ungepaarter Vogel gern an den -Waldrändern aufhält. Und hinter den Wäldern wohnt die Industrie mit -hohen Schornsteinen, Lärm und Ruß und Rauch. Fast immer hält er eine -Gegend, in welcher die Industrie die Oberhand gewinnt, für ungastlich -und kehrt ihr darum den Rücken. Als günstig für die Ansiedelung des -Storches ist wieder der Umstand anzusprechen, daß der Guteborner Besitz -eine außerordentliche Größe hat und dadurch allein schon in seinen -Grenzen dem Storche ein friedliches und stilles Wohnen ermöglicht. -Mag darum auf einer der alten strohgedeckten Bauernscheunen im Dorfe -Guteborn, das mir jetzt zu Gesicht kommt, durch Aufbringen einer -Nestunterlage dem Storche die Möglichkeit zur Ansiedelung geboten -werden. Der prinzliche Storchfreund hat zwar auf den Nebengebäuden -des Schlosses bereits zwei einladende Storchnester herrichten lassen, -die von den Störchen wohl beachtet, aber bis jetzt nicht bezogen -worden sind. Anscheinend nehmen sie doch Anstoß an dem regen Leben im -Schloßhofe und in der Umgebung. Sollte die Ansiedelung auf einer der -abseits gelegenen Scheunen gelingen, so ist es vielleicht möglich, den -Storch auch an den regeren Verkehr zu gewöhnen und zum Beziehen eines -Nestes am Schlosse zu veranlassen. - -Die Rappen halten im Hofe des hohen und stattlichen, von vier Ecktürmen -flankierten Schlosses Guteborn. Mit seinen zahlreichen schmucken -Nebengebäuden, von welchen die Schloßkapelle und der neu erbaute -Marstall besonders hervorgehoben sein mögen, bietet es das Bild eines -vornehmen Fürstensitzes, wie ihn nur das hohe künstlerische und -schöngeistige Empfinden eines uralten Hochadelsgeschlechtes erbauen und -pflegen konnte. - -Seine Durchlaucht empfängt mich selbst am Wagen, begrüßt mich auf das -herzlichste und führt mich zum Frühstück in das Schloß. Wie nicht -anders zu erwarten, bieten die Innenräume Bilder des vornehmsten -und vollendetsten Geschmacks. Die hohe Schloßhalle birgt zahlreiche -Jagdtrophäen, darunter auch einen prächtigen Braunbären, den der Prinz -auf dem Besitz seines Vetters in Krain erlegt hat. Oft schon sind mir -Jagdtrophäen von glücklichen Weidmännern gezeigt worden, noch nie habe -ich aber das Empfinden gehabt, das mich hier in Guteborn beschlich, als -mir der hohe Gastgeber Erläuterungen zu seinen weidmännischen Schätzen -gab. Ein Bedauern klang aus seinen Worten; mir schien es fast, als -hätte es ihm schwere seelische Kämpfe gekostet, ehe er das tödliche -Blei auf das Tier sandte, als sei ihm das Tier im Leben unendlich viel -lieber gewesen, als jetzt als präparierte Trophäe. Wie himmelweit -erhaben erschien mir in diesem Augenblicke die hohe vornehme Gestalt -des Prinzen über so manchen anderen Jäger unserer Zeit. Ich hatte -das Richtige vermutet. Wie ich später erfuhr, findet der Prinz wenig -Gefallen am Weidwerk; er empfindet aber hohen Genuß am Beobachten der -freien Tierwelt, die in ihm einen vorbildlichen Schützer und Hüter -besitzt. - -Der Prinz führte mich dann in den Park, der sich in einer Größe von -etwa zweihundert Morgen an das Schloß anschließt. Ich war erstaunt, auf -dem Sandboden der Herrschaft Guteborn einen derartigen prächtigen und -frohwüchsigen Naturpark mit gewaltigen Baumriesen zu finden; er dürfte -schwerlich seinesgleichen haben. Mit Recht ist er denn auch der Stolz -des Besitzers; mit Liebe wird er geschützt und gehegt und mit größter -Sorgfalt gepflegt, doch immer in einer Weise, daß Spuren menschlicher -Tätigkeit nicht zu bemerken sind. Der Park läßt nichts erkennen von -der zwingenden Hand des Menschen, vom Werkzeug des Gärtners oder -Forstmannes. Hier ist der Gedanke, daß die Natur durch Menschenhand -wohl gepflegt, aber nicht verschönert und verbessert werden kann, auf -das trefflichste durchgeführt. Als ein prächtiges Stück unberührter -Natur erscheint der Guteborner Parkwald, urwüchsig und herrlich wie am -ersten Tag. Wie kläglich nimmt sich doch dagegen ein im französischen -Geschmack gestutzter Park mit seinen gemarterten und geschundenen -Bäumen aus, den wir sonst meist neben den Schlössern zu schauen gewöhnt -sind. - -[Illustration: Abb. 4 =Guteborn, Eingang zum Schloßhof, rechts die alte -Mühle=] - -Dieses Prunkstück heimischer Naturschönheit ist des Prinzen ureigenstes -Reich. Wohl schwerlich gibt es wieder einen Schloßherrn, der mit den -Bäumen seines Parkes so vertraut ist, wie der Herr auf Guteborn. -Auf die Bäume, welche sich durch besondere Größe, prächtigen oder -eigenartigen Wuchs auszeichnen, macht er mich aufmerksam, auf besonders -schöne Baumgruppen, auf herrliche Durchblicke weist er mich hin, von -den Vögeln erzählt er mir, die in den Baumkronen wohnen und von dem -Hochwilde, das in seltener Vertrautheit durch den Park wechselt. -Es macht ihm Freude, wenn sich andere, für die Schönheit der Natur -empfängliche Menschen mitfreuen an seinem prächtigen Besitz, den -er nicht ängstlich abschließt gegen die Außenwelt, sondern für -Spaziergänger und Naturfreunde offen hält. -- Ein bunter Mischwald ist -der Park; Fichten, Kiefern, Weymutskiefern und Lärchen wechselten ab -mit Eichen, Linden und anderen Laubhölzern. Einige besonders prächtige -Stücke mögen herausgegriffen sein. Der Prinz maß mit mir den Umfang -mehrerer Bäume, die sich sowohl durch prächtigen gesunden Wuchs als -auch durch stattliche Größe auszeichneten. Wir fanden Fichten von -325 und 375 Zentimeter Umfang bei einem schätzungsweise gewonnenen -Höhenmaße von 45 bis 50 Meter und eine Kiefer von 272 Zentimeter -Umfang. Unter Berücksichtigung des mageren Sandbodens, worauf der -Baum steht, schätze ich das Alter der stärksten Fichte auf weit über -dreihundert Jahre; sie stand also jedenfalls damals schon, als die -Herrschaft vor drei Jahrhunderten in das Eigentum der Familie des -jetzigen Besitzers kam. - -Bald kommen wir an eine weitere Sehenswürdigkeit. Inmitten einer Gruppe -alter Fichten und von Rhododendronbüschen umgeben liegt nahe einer -Waldwiese ein kleiner stiller Weiher, der von einem unsichtbaren Quell -gebildet wird. Die Wasserzuführung ist so stark, daß ein stattlicher -Bach aus dem Weiher abfließen kann, der verschiedene Teiche in der -Umgebung des Schlosses speist. Große grüne und braune Algen wachsen im -Becken des Weihers; ein Sonnenstrahl, der durch die Bäume bricht, läßt -sie aufleuchten im herrlichsten Samtgrün. Ein Böcklinsches Gemälde, ein -Heiligtum liegt vor unsern Augen. »Guteborn« hat der Prinz den Weiher -mit seiner verborgenen Quelle genannt. - -[Illustration: Abb. 5 =Guteborn, Wirtschaftshof=] - -Im Schloßparke wird natürlich nie ein Kahlhieb geführt, auch in den -übrigen, zweitausend Morgen großen Waldungen der Herrschaft Guteborn -wird mit Vorliebe zum Plänterbetrieb gegriffen. Die Eigenart der -Waldlandschaft bleibt dadurch erhalten, dabei sind niemals größere -Ungezieferschäden beobachtet worden. - -Der Prinz stellte mir auch des Parkes treuen Hüter und fleißigen -Pfleger vor, einen Mann mit grauem Haar. Gar eigen wurde mir ums -Herz, als ich seine Geschichte hörte. In der Nähe geboren, war er -später jahrzehntelang Schutzmann in der Reichshauptstadt; dann zog’s -ihn wieder zurück nach der Heimat; Berlin hat nicht vermocht, die -Heimatliebe im Herzen dieses schlichten Mannes zu ertöten. Er fühlt -sich glücklich unter den Bäumen des ihm anvertrauten Parkes, er hat nun -erst gefunden, was ihm das Leben bisher versagte. Gäbe es doch noch -viele Menschenkinder, die auch in der Fremde die Fühlung mit der Heimat -nicht verlieren, die auch im Trubel der Großstadt nicht wurzellocker -werden in der Heimaterde. Es würde besser um uns stehen. - -[Illustration: Abb. 6 =Quellteich der »Guteborn«=] - -Mehrere Stunden noch brachte ich in Guteborn zu; es gab noch Vieles und -Schönes zu schauen; denn überall zeigt sich der Schönheitssinn und die -Naturliebe des Prinzen. Ich bin durch die Wälder gestreift und habe -mich darüber gefreut, daß hier trotz aller forstmännischen Sorgfalt -der Schönheitsgedanke noch Raum zur Betätigung gefunden hat. Auch die -Felder werden in dieser Weise gepflegt. Dafür nur ein Beispiel. Um eine -einförmige junge Obstbaumpflanzung zwischen den Feldern stimmungsvoll -zu beleben, ist sie durch eine Ginsterhecke verbunden; die Hecke dient -nicht nur zur Hebung der landschaftlichen Schönheit, sondern bietet -auch den Vögeln Unterschlupf und Nistgelegenheit. - -Im Dorf Guteborn wird man Zeichen vom Schönheitssinn und den -Wohlfahrtsbestrebungen nicht vergeblich suchen, davon sprechen die -schmucken Häuser der herrschaftlichen Beamten und der prinzliche -Gasthof, dessen Innenausstattung eine Fundgrube für den Freund -der Volkskunde darstellt. Die Einwohner schätzen ihren Prinzen -außerordentlich hoch, hat er doch ein fühlendes Herz für ihre Nöte und -Sorgen. Das ist wohl selbstverständlich; wie könnte auch ein derartiger -Natur- und Tierfreund, ein so vorbildlicher Schützer der stummen -Kreatur gefühllos gegen seine Mitmenschen sein! - -Den Höhepunkt meines Besuches bildete die prinzliche Familientafel, zu -der mich Seine Durchlaucht geladen hatte und eine Stunde anregendster -Unterhaltung, die sich daran anschloß. Ich erfuhr dabei auch, daß der -Prinz den Natur- und Heimatschutz nicht nur selbst in vorbildlicher -Weise pflegt, sondern auch die Natur- und Heimatschutzvereine -unterstützt und ihre Bestrebungen fördert. - -Die Dämmerung brach herein als mich das prinzliche Geschirr wieder -hinaus fuhr in das geschäftige Leben und Treiben des Alltages. Vom -Waldrande warf ich noch einen Blick zurück auf das Naturparadies -Guteborn und das stolze Schloß, in dem der Mann wohnt, der im Gespräch -von sich sagte: - -»Ich bin nur der Hüter, der oberste Beamte meiner Güter; ich habe nur -zu hüten, zu pflegen und zu erhalten für kommende Geschlechter!« -- - -Und wäre man noch so demokratisch gesinnt in heutiger Zeit, der einen -Wahrheit kann sich der ehrliche Mensch nicht verschließen: der hohe -und edle Sinn und das Verständnis für die Schönheiten der Heimat, -für den Schutz der heimischen Natur und der sie belebenden Geschöpfe -haben an unseren deutschen Fürstenhöfen immer die beste Pflegstätte -gefunden. Die meisten Glieder unserer deutschen Fürstengeschlechter -fühlten sich von jeher als berufene Hüter und Pfleger der Heimat- und -Naturschönheiten; sie haben gezeigt und zeigen es heute noch, daß sie -den Sinn des Wortes »Besitz verpflichtet« recht zu deuten verstehen! - -[Illustration] - - - - -Löns als Jäger - -Von _Edmund Scharein_ - - -Binnen kurzem wird in der Lüneburger Heide unter voraussichtlich -großer Beteiligung zahlreicher Jäger und Naturfreunde das -Hermann-Löns-Denkmal, ein schmuckloser, gewaltiger Findling, der das -Bildnis des Dichters trägt, enthüllt. Dem Wunsch des Dichters und -wackeren deutschen Weidmannes ist damit nicht entsprochen. Denn er -bestimmt selbst: - - Und geht es zu Ende, so laßt mich allein - Mit mir selber auf einsamer Heide sein; - Will nichts mehr hören, und nichts mehr seh’n, - Will wie ein totes Getier vergeh’n. - - Auf meinem Grabe soll stehen kein Stein, - Kein Hügel soll dorten geschüttet sein, - Kein Kranz soll liegen da, wo ich starb, - Keine Träne fallen, wo ich verdarb. - - Will nichts mehr hören und nichts mehr seh’n, - Wie ein totes Getier, so will ich vergeh’n; - Und darum kein Kranz und kein Stein, - Spurlos will ich vergangen sein. - -Wüßte er aber, daß lediglich die Dankbarkeit deutsche Jäger zwingt, ihn -in dieser Weise zu ehren, und könnte er sehen, daß der Stein mitten -in der Lüneburger Heide, in der von ihm über alles geliebten Heide, -stünde, oben auf dem Wietzer-Berg, in einem Revier, in welchem er so -oft weidwerkend geweilt hat, ich glaube, er würde uns verzeihen. - -Nicht nur die deutsche Literatur hat durch Löns’ frühen Tod einen -unersetzlichen Verlust erlitten, sondern auch die deutsche Jägerwelt. -Und gerade diese hätte seiner Anregungen heute mehr bedurft denn je. - -Bei der gewaltigen Liebe zur Natur, die den Meister auszeichnete, bei -dem großen Interesse, das er den scheinbar nichtigsten Dingen in Feld -und Wald entgegenbrachte, ist es kaum zu verwundern, daß er nicht -Sportjäger geworden ist. Sportjäger weder im engeren, noch im weiteren -Sinne. Es kam Löns nicht auf reichliche Beute und Trophäen an. Er -liebte die Jagd nicht, weil sie die Möglichkeit bietet, alle möglichen -Kreaturen zu erlegen, sondern er liebte sie, weil er die Natur in Feld -und Wald beobachten, das Verhalten des Wildes studieren, weil er allen -Geschöpfen, die sich in der freien Gottesnatur aufhalten -- vom größten -Säugetier bis zum kleinsten Käfer -- ihre Geheimnisse ablauschen konnte. - -Nur das Stück Wild, dessen Überlistung ihm nach vielen Mühen gelang, -machte ihm Freude. Ein Täuber, zu dessen Erlegung er viel Mühe -aufwenden mußte, konnte ihn mehr erfreuen, als ein mühelos erbeuteter -»Brunfthirsch«. - -Löns, der in seiner langen Jägerlaufbahn viel geweidwerkt hat und der -sich mit bestem Erfolg den verschiedensten Wildarten gegenüber versucht -hat, hatte selbstverständlich große Strecken zu verzeichnen. Diese -waren aber lediglich bedingt durch seine hervorragenden jagdlichen -Fähigkeiten -- in der Handhabung der Waffe wie im Anschleichen war -er Meister; in der Kenntnis der Gewohnheiten und Eigentümlichkeiten -des Wildes war er nicht zu übertreffen -- und die Regelmäßigkeit, mit -welcher er der Jagd oblag. - -Wie oft wird ihm die Freude vergällt beim Anblick des gestreckten -Wildes. Und nicht ohne Wehmut zieht er den grünen Bruch durch den -frischen Schweiß und steckt ihn an den verwitterten Jagdhut. So ist -denn der Abschluß der erfolgreichen Jagd, der die meisten Jäger -befriedigt, weil er sie an das Ziel ihrer Wünsche brachte, für Löns oft -eine Qual. Als er auf dem Abendstrich die tote Schnepfe -- die erste -des Jahres --, welche im dürren Farnlaub vor ihm liegt, aufhebt, ist -seine Freude hin, und der Lärm der Kraniche, welche seine Schüsse im -Bruch aus dem Schlaf gejagt haben, kommt ihm vor wie eine Klage und -- -Anklage. Und in Erinnerung an den Abend während der Heimfahrt ist ihm, -»als hätte der rohe Schlußreim den Zauber dieses Tages verdorben«. Und -oft kommt diese Wehmut zum Ausdruck. Ob er den langersehnten stolzen -Auerhahn mitten im Minnegesang gefällt oder den roten Bock mit gutem -Blattschuß gestreckt hat, er stiehlt sich davon ... - -Aber auch anderen Empfindungen begegnen wir bei dem Meister. Wie oft -wünscht er sich vor dem toten Bock, vor dem gestreckten Hahn einen -ähnlichen Tod! Ob er ahnte, daß ihm ein solcher beschieden sei? Viel -ist über diese Frage hin und her gestritten. Von vielen wird sie -verneinend beantwortet, während andere, die dem Dichter nahestanden, -sie bejahen zu müssen glauben. Wer will das entscheiden ... - -Während Löns oft zögerte, den Finger krumm zu machen, dem stolzen -Wild gegenüber, konnte ihn nichts davon abhalten, die Nachsuche mit -der größten Gewissenhaftigkeit durchzuführen, und mochte sie noch so -beschwerlich sein. Aus Liebe zum Wild. Wie viel liegt ihm an einem -krankgeschossenen Stück. Der kranken Ricke, die den kranken Vorderlauf -schonend, sich mühsam vorwärts bewegt, trägt er nicht die Kugel an, -sondern stellt den Drilling auf Schrot um: »Sie soll den Knall nicht -vernehmen, die Kugel nicht spüren; sie hat genug ausgestanden drei Tage -lang«. - -Mit diesen hervorragenden jagdlichen Tugenden, mit außerordentlich -ausgeprägtem weidmännischen Empfinden, verband Löns Fähigkeiten, wie -sie nur einige wenige, die in der Natur und mit ihr leben, aufzuweisen -haben. Der Winterkälte trotzte er so gut wie der Sonnenglut; Nässe und -Sturm konnten ihm die frohe Jägerlaune nicht nehmen. »Mir ist so, als -hörte ich hinter mir im fernen Moore die Nebelhexe lustig kichern, und -ich schwenke den schäbigen Hut und rufe ihr zu: Weidmannsdank, altes -Mädchen, hoioh!« - - (Aus der »Ostpreußischen Zeitung«.) - - - - -Bücherbesprechung und Verschiedenes - - -_Oskar Schwär_: =Ahnengalerie=, Görlitz, Verlagsanstalt Görlitzer -Nachrichten und Anzeiger. Preis gebunden M. 18.--, broschürt M. 15.--. - -Unser Lausitzer Erzähler hat diesmal die Straße ernster, seelischer -Probleme verlassen, und sich auf den blumigen Weg des Humors begeben, -wohin wir ihm in dieser sonst so leiderfüllten Zeit gern folgen. Wir -haben es nicht zu bereuen, ein guter Engel hat ihn diesen Weg geführt. -Unser herzliches Lachen dankt dem Dichter für die feinen lustigen -Geschichten und Charakterbildchen. Wir würden das Buch nach der -heiteren Stunde, die es uns geschenkt, nicht so befriedigt aus der Hand -legen, wenn uns hier nicht echter Humor in gesunden Dosen verabreicht -würde, Humor, der sich nicht in oberflächlichen Schnaken und Schnurren -erschöpft, sondern mancherlei Blicke in Seelentiefen gewährt. Auch -ein gefälliges kleines Lustspiel »Der Friedensstifter« enthält dieser -Blütenstrauß Lausitzer Humors. Dazu haben Autor und Verleger den ganz -ausgezeichneten Dresdener Künstler _Kurt Rübner_ gewonnen, der mit -trefflichem Stifte die lustigen Typen aufs Papier gezaubert hat. - - Prof. ~Dr.~ Curt Müller, Löbau. - - * * * * * - -=Auf dem Wege zur Steppe?= Aus unserm Leserkreis wird uns geschrieben: -Eine Anfrage an die Herren Meteorologen! Allenthalben ist man jetzt -dabei, die noch in Deutschland vorhandenen Moore abzutorfen und -zum Zwecke der Gewinnung von Kulturland trocken zu legen. Liegt -hierin nicht eine ungeheure Gefahr für die zukünftige Gestaltung -unseres Klimas? Gehen wir dadurch nicht einer Periode entgegen, -in der ein reines Steppenklima bei uns herrschen wird? Schon -ist der Grundwasserstand allenthalben erheblich zurückgegangen. -Einerseits durch die Fassung von Quellen und Wasserläufen für die -Trinkwasserversorgung größerer Gemeinwesen, anderseits durch die -Regulierung aller Flußläufe, Beseitigung der Altwässer, Sümpfe, -Entwässerung nasser Wiesen und Felder, Beseitigung der Ufergebüsche, -dann auch durch die umfangreichen Abholzungen der Wälder, wie sie jetzt -stattfinden, überhaupt durch unsere ganze derzeitige Bodenkultur, -dazu nun jetzt auch noch die Entwässerung der Moore, die die letzte -Reserve an Bodenfeuchtigkeit in Trockenperioden noch darstellten! -Gerade die jetzige Hitze- und Trockenperiode drängt dazu, diese -Frage eingehend zu prüfen und die Herren »Wettermacher« zu Worte -kommen zu lassen, ob und wieweit eine Beeinflussung unseres Klimas -- -insbesondere die Bildung örtlicher Gewitter und Niederschläge -- durch -die geschilderten Vorgänge verhindert oder beeinflußt werden dürfte. -Es wäre ein furchtbarer Irrtum, die Gewinnung von ein paar tausend -Hektaren kulturfähigen Landes als Gewinn zu buchen, wenn anderseits -Ernteverluste, wie sie uns jetzt bevorstehen, als Folge der oben -geschilderten Vorgänge angesehen werden müßten. Es wäre dann allerdings -höchste Zeit, diesem Vorgehen Einhalt zu tun. - - * * * * * - -=Altes Spielzeug.= Im Landesmuseum für Sächsische Volkskunst, -Dresden-N., Asterstraße 1, befindet sich eine Sammlung von Spielwaren -aus alter und neuer Zeit, die nicht nur den Besuchern der Sammlung viel -Freude macht, sondern auch wertvolle Anregung zu neuem Schaffen gegeben -hat. Die Museumsleitung (Hofrat Professor O. Seyffert) bittet nun alle, -die im Besitz von _alten_, handwerklich hergestellten Spielsachen sind, -die nicht mehr von Kindern benutzt werden, sie dem _Landesmuseum_ zu -stiften. Auch die kleinste Gabe ist willkommen, fügt sie sich doch -oft einem Ganzen ein. In Frage kommen allerhand Figuren, Soldaten, -Püppchen und Puppen, aber auch größere Stücke, Unterhaltungsspiele, -Schaukelpferde, Puppenstuben, Küchen usw. Ein Nachsuchen führt oft zu -großen Erfolgen, und was jetzt verstaubt und ohne Wert herumliegt, -kann im Museum Freude und _vielfachen Nutzen_ bringen. Die Portokosten -werden vom Museum zurückerstattet. - - - Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: =Werner Schmidt=; - Druck: =Lehmannsche Buchdruckerei=, beide in Dresden. - - - - -Preisausschreiben - - -Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse -24, hat sich das Ziel gesetzt, die heimatliche Natur und die -Kulturdenkmäler nicht nur durch Verbote und Ankäufe zu schützen, -sondern in dem Herzen des Volkes diejenige Heimatliebe zu wecken, -die den besten Heimatschutz bildet. Er wendet sich deshalb an die -gesamte sächsische Schuljugend, an die Schüler und Schülerinnen aller -öffentlichen Volks- und Fortbildungs- und Fachschulen, aller höheren -Schulen mit einem Preisausschreiben. - -Es sollen folgende Aufgaben in Aufsatzform behandelt werden: - - 1. von Schülern unter 14 Jahren (gleichviel welcher - Schulgattung!) - - »Jugendwanderungen und Naturschutz«. - - 2. von Schülern über 14 Jahren: - - »Was kann die Jugend für den Heimatschutz tun?« - - -Bedingungen: - - 1. Die Arbeit ist selbständig und möglichst auf Grund eigener - Erlebnisse und der heimatlichen Verhältnisse zu fertigen. - Wer Bücher benutzt, hat die Titel am Schlusse der Arbeit - anzugeben. - - 2. Die Arbeit ist auf geheftete Quartblätter zu schreiben. - Weißen Rand lassen. - - 3. Am Anfang der Arbeit sollen folgende Angaben stehen: - - 1. Schulort. 2. Genauer Name der Schule. 3. Klasse. 4. - Vor- und Zuname des Schülers. 5. Lebensalter des - Schülers. - - 4. Die Arbeit ist bis zum 31. Oktober d. Js. an die - Geschäftsstelle des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, - Dresden-A., Schießgasse 24, einzusenden. - - 5. Preisgekrönte Arbeiten gehen in den Besitz des - Heimatschutzes über. - - Nichtpreisgekrönte Arbeiten werden vernichtet, sofern der - Verfasser bei Einsendung nicht ausdrücklich Rückgabe - gewünscht hat. - - -Preise: - -für Schüler und Schülerinnen unter 14 Jahren: - - =1 Germania-Fahrrad= (Fabrikat Aktiengesellschaft vorm. Seidel - & Naumann, Dresden), - - =1 photographischer Apparat= und =1 Projektions-Apparat= - (Fabrikat Ica Akt.-Ges., Dresden); - -für Schüler und Schülerinnen über 14 Jahren: - - =1 photographischer Apparat= mit Ernemann-Optik (Fabrikat - Ernemann-Werke Akt.-Ges., Dresden), - - =1 Wanderer-Fahrrad= (Fabrikat Wanderer-Werke Akt.-Ges., - Schönau-Chemnitz); - - ferner: Sport- und Touristenkleidung, Rodelschlitten, - Schneeschuhe, Rucksäcke, Aluminium-Geschirr, Bücher - naturwissenschaftlichen Inhalts, sowie Veröffentlichungen - des Heimatschutzes. - -Preisrichter sind die Mitglieder der Naturschutz-Abteilung des -Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in Dresden - -Die Namen der Preisträger und Preisträgerinnen werden in den -»Mitteilungen des Heimatschutzes« bekanntgegeben, auch behält sich -der Landesverein vor, einige der besten Arbeiten gegen Bezahlung zu -veröffentlichen. - - Dresden-A. im Juli 1921 - Schießgasse 24. - - Landesverein Sächsischer Heimatschutz - Abteilung ~C~ Naturschutz - - - - -Vom Wandern und Weilen im Heimatland - -Von =Gerhard Platz= - -Dresden 1920 - -des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei - -Band I - -320 Seiten -- Großoktav - -_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz -M. 12.--_ - -Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast -in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften -aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die -er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz -möchten wir wandern. So ist es verständlich, daß wir in dem ersten -Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten -Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in -wenigen Stücken vorhanden. - - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24. - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. - - Korrekturen: - - S. 182 Tirbler → Tribler - in dem {Tribler} Bach gewesen - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 7-9 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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