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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + + +Wallensteins Tod + +Friedrich Schiller + +Ein Trauerspiel in Fünf Aufzügen + +Personen: + +Wallenstein +Octavio Piccolomini +Max Piccolomini +Terzky +Illo +Isolani +Buttler +Rittmeister Neumann +Ein Adjutant +Oberst Wrangel von Schweden gesendet +Gordon Kommandant von Eger +Major Geraldin +Deveroux +Macdonald +Hauptleute in der Wallensteinischen Armee +Schwedischer Hauptmann +Eine Gesandtschaft von +Kürassieren +Bürgermeister von Eger +Seni +Herzogin von Friedland +Gräfin Terzky +Thekla +Fräulein Neubrunn Hofdame der Prinzessin +von Rosenberg Stallmeister der Prinzessin +Dragoner +Bediente. Pagen. Volk. + +Die Szene ist in den drei ersten Aufzügen zu Pilsen, in den +zwei letzten zu Eger. + + + + +Erster Aufzug + +Ein Zimmer, zu astrologischen Arbeiten eingerichtet und mit +Sphären, Karten, Quadranten und anderm astronomischen Geräte +versehen. Der Vorhang von einer Rotunde ist aufgezogen, in +welcher die sieben Planetenbilder, jedes in einer Nische, +seltsam beleuchtet, zu sehen sind. Seni beobachtet die Sterne, +Wallenstein steht vor einer großen schwarzen Tafel, auf welcher +der Planetenaspekt gezeichnet ist. + + + +Erster Auftritt + +Wallenstein. Seni. + + +Wallenstein. + Laß es jetzt gut sein, Seni. Komm herab. + Der Tag bricht an, und Mars regiert die Stunde. + Es ist nicht gut mehr operieren. Komm! + Wir wissen g'nug. + +Seni. + Nur noch die Venus laß mich + Betrachten, Hoheit. Eben geht sie auf. + Wie eine Sonne glänzt sie in dem Osten. + +Wallenstein. + Ja, sie ist jetzt in ihrer Erdennäh' + Und wirkt herab mit allen ihren Stärken. +(Die Figur auf der Tafel betrachtend.) + Glückseliger Aspekt! So stellt sich endlich + Die große Drei verhängnisvoll zusammen, + Und beide Segenssterne, Jupiter + Und Venus, nehmen den verderblichen, + Den tück'schen Mars in ihre Mitte, zwingen + Den alten Schadenstifter, mir zu dienen. + Denn lange war er feindlich mir gesinnt + Und schoß mit senkrecht- oder schräger Strahlung, + Bald im Gevierten, bald im Doppelschein, + Die roten Blitze meinen Sternen zu + Und störte ihre segenvollen Kräfte. + Jetzt haben sie den alten Feind besiegt + Und bringen ihn am Himmel mir gefangen. + +Seni. + Und beide große Lumina von keinem + Malefico beleidigt! der Saturn + Unschädlich, machtlos, in cadente domo. + +Wallenstein. + Saturnus' Reich ist aus, der die geheime + Geburt der Dinge in dem Erdenschoß + Und in den Tiefen des Gemüts beherrscht + Und über allem, was das Licht scheut, waltet. + Nicht Zeit ist's mehr, zu brüten und zu sinnen, + Denn Jupiter, der glänzende, regiert + Und zieht das dunkel zubereitete Werk + Gewaltig in das Reich des Lichts--Jetzt muß + Gehandelt werden, schleunig, eh' die Glücks- + Gestalt mir wieder wegflieht überm Haupt, + Denn stets in Wandlung ist der Himmelsbogen. +(Es geschehen Schläge an die Tür.) + Man pocht. Sieh, wer es ist. + +Terzky. (draußen). + Laß öffnen! + +Wallenstein. + Es ist Terzky. + Was gibt's so Dringendes? Wir sind beschäftigt. + +Terzky. (draußen) + Leg alles jetzt beiseit', ich bitte dich, + Es leidet keinen Aufschub. + +Wallenstein. + Öffne, Seni. +(Indem jener dem Terzky aufmacht, zieht Wallenstein den Vorhang +vor die Bilder.) + + + +Zweiter Auftritt + +Wallenstein. Graf Terzky. + + +Terzky. (tritt ein). + Vernahmst du's schon? Er ist gefangen, ist + Vom Gallas schon dem Kaiser ausgeliefert! + +Wallenstein. (zu Terzky) + Wer ist gefangen? Wer ist ausgeliefert? + +Terzky. + Wer unser ganz Geheimnis weiß, um jede + Verhandlung mit den Schweden weiß und Sachsen, + Durch dessen Hände alles ist gegangen-- + +Wallenstein. (zurückfahrend) + Sesin doch nicht? Sag nein, ich bitte dich. + +Terzky. + Grad auf dem Weg nach Regenspurg zum Schweden + Ergriffen ihn des Gallas Abgeschickte, + Der ihm schon lang die Fährte abgelauert. + Mein ganz Paket an Kinsky, Matthes Thurn, + An Oxenstirn, an Arnheim führt er bei sich. + Das alles ist in ihrer Hand, sie haben + Die Einsicht nun in alles, was geschehn. + + + +Dritter Auftritt + +Vorige. Illo kommt. + + +Illo. (zu Terzky) + Weiß er's? + +Terzky. + Er weiß es. + +Illo. (zu Wallenstein) + Denkst du deinen Frieden + Nun noch zu machen mit dem Kaiser, sein + Vertraun zurückzurufen? wär' es auch: + Du wolltest allen Planen jetzt entsagen, + Man weiß, was du gewollt hast. Vorwärts mußt du, + Denn rückwärts kannst du nun nicht mehr. + +Terzky. + Sie haben Dokumente gegen uns + In Händen, die unwidersprechlich zeugen-- + +Wallenstein. + Von meiner Handschrift nichts. Dich straf ich Lügen. + +Illo. + So? Glaubst du wohl, was dieser da, dein Schwager, + In deinem Namen unterhandelt hat, + Das werde man nicht dir auf Rechnung setzen? + Dem Schweden soll sein Wort für deines gelten, + Und deinen Wiener Feinden nicht! + +Terzky. + Du gabst nichts Schriftliches--Besinn dich aber, + Wie weit du mündlich gingst mit dem Sesin. + Und wird er schweigen? Wenn er sich mit deinem + Geheimnis retten kann, wird er's bewahren? + +Illo. + Das fällt dir selbst nicht ein! Und da sie nun + Berichtet sind, wie weit du schon gegangen, + Sprich! was erwartest du? Bewahren kannst du + Nicht länger dein Kommando, ohne Rettung + Bist du verloren, wenn du's niederlegst. + +Wallenstein. + Das Heer ist meine Sicherheit. Das Heer + Verläßt mich nicht. Was sie auch wissen mögen, + Die Macht ist mein, sie müssen's niederschlucken, + --Und stell ich Kaution für meine Treu', + So müssen sie sich ganz zufrieden geben. + +Illo. + Das Heer ist dein; jetzt für den Augenblick + Ist's dein; doch zittre vor der langsamen, + Der stillen Macht der Zeit. Vor offenbarer + Gewalt beschützt dich heute noch und morgen + Der Truppen Gunst; doch gönnst du ihnen Frist, + Sie werden unvermerkt die gute Meinung, + Worauf du jetzo fußest, untergraben, + Dir einen um den andern listig stehlen-- + Bis, wenn der große Erdstoß nun geschieht, + Der treulos mürbe Bau zusammenbricht. + +Wallenstein. + Es ist ein böser Zufall! + +Illo. + Oh! einen glücklichen will ich ihn nennen, + Hat er auf dich die Wirkung, die er soll, + Treibt dich zu schneller Tat--Der schwed'sche Oberst-- + +Wallenstein. + Er ist gekommen? Weißt du, was er bringt? + +Illo. + Er will nur dir allein sich anvertraun. + +Wallenstein. + Ein böser, böser Zufall--Freilich! Freilich! + Sesina weiß zu viel und wird nicht schweigen. + +Terzky. + Er ist ein böhmischer Rebell und Flüchtling, + Sein Hals ist ihm verwirkt; kann er sich retten + Auf deine Kosten, wird er Anstand nehmen? + Und wenn sie auf der Folter ihn befragen, + Wird er, der Weichling, Stärke g'nug besitzen?-- + +Wallenstein. (in Nachsinnen verloren) + Nicht herzustellen mehr ist das Vertraun. + Und mag ich handeln, wie ich will, ich werde + Ein Landsverräter ihnen sein und bleiben. + Und kehr ich noch so ehrlich auch zurück + Zu meiner Pflicht, es wird mir nichts mehr helfen-- + +Illo. + Verderben wird es dich. Nicht deiner Treu', + Der Ohnmacht nur wird's zugeschrieben werden. + +Wallenstein. (in heftiger Bewegung auf und ab gehend) + Wie? Sollt' ich's nun im Ernst erfüllen müssen, + Weil ich zu frei gescherzt mit dem Gedanken? + Verflucht, wer mit dem Teufel spielt!-- + +Illo. + Wenn's nur dein Spiel gewesen, glaube mir, + Du wirst's in schwerem Ernste büßen müssen. + +Wallenstein. + Und müßt' ich's in Erfüllung bringen, jetzt, + Jetzt, da die Macht noch mein ist, müßt's geschehn-- + +Illo. + Wo möglich, eh' sie von dem Schlage sich + In Wien besinnen und zuvor dir kommen-- + +Wallenstein. (die Unterschriften betrachtend) + Das Wort der Generale hab ich schriftlich-- + Max Piccolomini steht nicht hier. Warum nicht? + +Terzky. + Es war--er meinte-- + +Illo. + Bloßer Eigendünkel! + Es brauche das nicht zwischen dir und ihm. + +Wallenstein. + Es braucht das nicht, er hat ganz recht-- + Die Regimenter wollen nicht nach Flandern, + Sie haben eine Schrift mir übersandt + Und widersetzen laut sich dem Befehl. + Der erste Schritt zu Aufruhr ist geschehn. + +Illo. + Glaub mir, du wirst sie leichter zu dem Feind + Als zu dem Spanier hinüber führen. + +Wallenstein. + Ich will doch hören, was der Schwede mir + Zu sagen hat. + +Illo. (pressiert) + Wollt Ihr ihn rufen, Terzky? + Er steht schon draußen. + +Wallenstein. + Warte noch ein wenig. + Es hat mich überrascht--Es kam zu schnell-- + Ich bin es nicht gewohnt, daß mich der Zufall + Blind waltend, finster herrschend mit sich führe. + +Illo. + Hör ihn fürs erste nur. Erwäg's nachher. +(Sie gehen.) + + + +Vierter Auftritt + + +Wallenstein. (mit sich selbst redend) + Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? + Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müßte + Die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht, + Nicht die Versuchung von mir wies--das Herz + Genährt mit diesem Traum, auf ungewisse + Erfüllung hin die Mittel mir gespart, + Die Wege bloß mir offen hab gehalten?-- + Beim großen Gott des Himmels! Es war nicht + Mein Ernst, beschloßne Sache war es nie. + In dem Gedanken bloß gefiel ich mir; + Die Freiheit reizte mich und das Vermögen. + War's unrecht, an dem Gaukelbilde mich + Der königlichen Hoffnung zu ergötzen? + Blieb in der Brust mir nicht der Wille frei, + Und sah ich nicht den guten Weg zur Seite, + Der mir die Rückkehr offen stets bewahrte? + Wohin denn seh ich plötzlich mich geführt? + Bahnlos liegt's hinter mir, und eine Mauer + Aus meinen eignen Werken baut sich auf, + Die mir die Umkehr türmend hemmt! +(Er bleibt tiefsinnig stehen.) + Strafbar erschein ich, und ich kann die Schuld, + Wie ich's versuchen mag! nicht von mir wälzen; + Denn mich verklagt der Doppelsinn des Lebens, + Und--selbst der frommen Quelle reine Tat + Wird der Verdacht, schlimmdeutend, mir vergiften. + War ich, wofür ich gelte, der Verräter, + Ich hätte mir den guten Schein gespart, + Die Hülle hätt' ich dicht um mich gezogen, + Dem Unmut Stimme nie geliehn. Der Unschuld, + Des unverführten Willens mir bewußt, + Gab ich der Laune Raum, der Leidenschaft-- + Kühn war das Wort, weil es die Tat nicht war. + Jetzt werden sie, was planlos ist geschehn, + Weitsehend, planvoll mir zusammenknüpfen, + Und was der Zorn und was der frohe Mut + Mich sprechen ließ im Überfluß des Herzens, + Zu künstlichem Gewebe mir vereinen + Und eine Klage furchtbar draus bereiten, + Dagegen ich verstummen muß. So hab ich + Mit eignem Netz verderblich mich umstrickt, + Und nur Gewalttat kann es reißend lösen. +(Wiederum stillstehend.) + Wie anders! da des Mutes freier Trieb + Zur kühnen Tat mich zog, die rauh gebietend + Die Not jetzt, die Erhaltung von mir heischt. + Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit. + Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand + In des Geschicks geheimnisvolle Urne. + In meiner Brust war meine Tat noch mein: + Einmal entlassen aus dem sichern Winkel + Des Herzens, ihrem mütterlichen Boden, + Hinausgegeben in des Lebens Fremde, + Gehört sie jenen tück'schen Mächten an, + Die keines Menschen Kunst vertraulich macht. +(Er macht heftige Schritte durchs Zimmer, dann bleibt er wieder +sinnend stehen.) + Und was ist dein Beginnen? Hast du dir's + Auch redlich selbst bekannt? Du willst die Macht, + Die ruhig, sicher thronende erschüttern, + Die in verjährt geheiligtem Besitz, + In der Gewohnheit festgegründet ruht, + Die an der Völker frommem Kinderglauben + Mit tausend zähen Wurzeln sich befestigt. + Das wird kein Kampf der Kraft sein mit der Kraft, + Den fücht ich nicht. Mit jedem Gegner wag ich's, + Den ich kann sehen und ins Augen fassen, + Der, selbst voll Mut, auch mir den Mut entflammt. + Ein unsichtbarer Feind ist's, den ich fürchte, + Der in der Menschen Brust mir widersteht, + Durch feige Furcht allein mir fürchterlich-- + Nicht, was lebendig kraftvoll sich verkündigt, + Ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz + Gemeine ist's, das ewig Gestrige, + Was immer war, und immer wiederkehrt + Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten! + Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, + Und die Gewohnheit nennt er seine Amme. + Weh dem, der an den würdig alten Hausrat + Ihm rührt, das teure Erbstück seiner Ahnen! + Das Jahr übt eine heiligende Kraft; + Was grau für Alter ist, das ist ihm göttlich. + Sei im Besitze, und du wohnst im Recht, + Und heilig wird's die Menge die bewahren. +(Zu dem Pagen, der hereintritt.) + Der schwed'sche Oberst? Ist er's? Nun, er komme. +(Page geht. Wallenstein hat den Blick nachdenkend auf die +Türe geheftet.) + Noch ist sie rein--noch! Das Verbrechen kam + Nicht über diese Schwelle noch--So schma ist + Die Grenze, die zwei Lebenspfade scheidet! + + + +Fünfter Auftritt + +Wallenstein und Wrangel. + + +Wallenstein. (nachdem er einen forschenden Blick auf ihn geheftet) + Ihr nennt Euch Wrangel? + +Wrangel. + Gustav Wrangel, Oberst + Vom blauen Regimente Südermannland. + +Wallenstein. + Ein Wrangel war's, der vor Stralsund viel Böses + Mir zugefügt, durch tapfre Gegenwehr + Schuld war, daß mir die Seestadt widerstanden. + +Wrangel. + Das Werk des Elements, mit dem Sie kämpften, + Nicht mein Verdienst, Herr Herzog! Seine Freiheit + Verteidigte mit Sturmes Macht der Belt, + Es sollte Meer und Land nicht einem dienen. + +Wallenstein. + Den Admiralshut rißt Ihr mir vom Haupt. + +Wrangel. + Ich komme, eine Krone drauf zu setzen. + +Wallenstein. (winkt ihm, Platz zu nehmen, setzt sich). + Euer Kreditiv. Kommt Ihr mit ganzer Vollmacht? + +Wrangel. (bedenklich) + Es sind so manche Zweifel noch zu lösen-- + +Wallenstein. (nachdem er gelesen) + Der Brief hat Händ' und Füß'. Es ist ein klug, + Verständig Haupt, Herr Wrangel, dem Ihr dienet. + Es schreibt der Kanzler: er vollziehe nur + Den eignen Einfall des verstorbnen Königs, + Indem er mir zur böhm'schen Kron' verhelfe. + +Wrangel. + Er sagt, was wahr ist. Der Hochselige + Hat immer groß gedacht von Euer Gnaden + Fürtrefflichem Verstand und Feldherrngaben, + Und stets der Herrschverständigste, beliebt' ihm + Zu sagen, sollte Herrscher sein und König. + +Wallenstein. + Er durft' es sagen. +(Seine Hand vertraulich fassend.) + Aufrichtig, Oberst Wrangel--Ich war stets + Im Herzen auch gut schwedisch--Ei, das habt ihr + In Schlesien erfahren und bei Nürnberg. + Ich hatt' euch oft in meiner Macht und ließ + Durch eine Hintertür euch stets entwischen. + Das ist's, was sie in Wien mir nicht verzeihn, + Was jetzt zu diesem Schritt mich treibt--Und weil + Nun unser Vorteil so zusammengeht, + So laßt uns zu einander auch ein recht + Vertrauen fassen. + +Wrangel. + Das Vertraun wird kommen, + Hat jeder nur erst seine Sicherheit. + +Wallenstein. + Der Kanzler, merk ich, traut mir noch nicht recht. + Ja, ich gesteh's--Es liegt das Spiel nicht ganz + Zu meinem Vorteil--Seine Würden meint, + Wenn ich dem Kaiser, der mein Herr ist, so + Mitspielen kann, ich könn' das gleiche tun + Am Feinde, und das eine wäre mir + Noch eher zu verzeihen als das andre. + Ist das nicht Eure Meinung auch, Herr Wrangel? + +Wrangel. + Ich hab hier bloß ein Amt und keine Meinung. + +Wallenstein. + Der Kaiser hat mich bis zum Äußersten + Gebracht. Ich kann ihm nicht mehr ehrlich dienen. + Zu meiner Sicherheit, aus Notwehr tu ich + Den harten Schritt, den mein Bewußtsein tadelt. + +Wrangel. + Ich glaub's. So weit geht niemand, der nicht muß. +(Nach einer Pause.) + Was Eure Fürstlichkeit bewegen mag, + Also zu tun an ihrem Herrn und Kaiser, + Gebührt nicht uns zu richten und zu deuten. + Der Schwede ficht für seine gute Sach' + Mit seinem guten Degen und Gewissen. + Die Konkurrenz ist, die Gelegenheit + Zu unsrer Gunst, im Krieg gilt jeder Vorteil, + Wir nehmen unbedenklich, was sich bietet; + Und wenn sich alles richtig so verhält-- + +Wallenstein. + Woran denn zweifelt man? An meinem Willen? + An meinen Kräften? Ich versprach dem Kanzler, + Wenn er mir sechzehntausend Mann vertraut, + Mit achtzehntausend von des Kaisers Heer + Dazuzustoßen-- + +Wrangel. + Euer Gnaden sind + Bekannt für einen hohen Kriegesfürsten, + Für einen zweiten Attila und Pyrrhus. + Noch mit Erstaunen redet man davon, + Wie Sie vor Jahren, gegen Menschendenken, + Ein Heer wie aus dem Nichts hervorgerufen. + Jedennoch-- + +Wallenstein. + Dennoch? + +Wrangel. + Seine Würden meint, + Ein leichter Ding doch möcht' es sein, mit nichts + Ins Feld zu stellen sechzigtausend Krieger, + Als nur ein Sechzigteil davon +(er hält inne) + +Wallenstein. + Nun, was? + Nur frei heraus! + +Wrangel. + Zum Treubruch zu verleiten. + +Wallenstein. + Meint er? Er urteilt wie ein Schwed' und wie + Ein Protestant. Ihr Lutherischen fechtet + Für eure Bibel, euch ist's um die Sach'; + Mit eurem Herzen folgt ihr eurer Fahne.-- + Wer zu dem Feinde läuft von euch, der hat + Mit zweien Herrn zugleich den Bund gebrochen. + Von all dem ist die Rede nicht bei uns-- + +Wrangel. + Herr Gott im Himmel! Hat man hierzulande + Denn keine Heimat, keinen Herd und Kirche? + +Wallenstein. + Ich will Euch sagen, wie das zugeht--Ja, + Der Österreicher hat ein Vaterland + Und liebt's und hat auch Ursach', es zu lieben. + Doch dieses Heer, das kaiserlich sich nennt, + Das hier in Böheim hauset, das hat keins; + Das ist der Auswurf fremder Länder, ist + Der aufgegebne Teil des Volks, dem nichts + Gehöret als die allgemeine Sonne. + Und dieses böhm'sche Land, um das wir fechten, + Das hat kein Herz für seinen Herrn, den ihm + Der Waffen Glück, nicht eigne Wahl gegeben. + Mit Murren trägt's des Glaubens Tyrannei, + Die Macht hat's eingeschreckt, beruhigt nicht. + Ein glühend, rachvoll Angedenken lebt + Der Greuel, die geschahn auf diesem Boden. + Und kann's der Sohn vergessen, daß der Vater + Mit Hunden in die Messe ward gehetzt? + Ein Volk, dem das geboten wird, ist schrecklich, + Es räche oder dulde die Behandlung. + +Wrangel. + Der Adel aber und die Offiziere? + Solch eine Flucht und Felonie, Herr Fürst, + Ist ohne Beispiel in der Welt Geschichten. + +Wallenstein. + Sie sind auf jegliche Bedingung mein. + Nicht mir, den eignen Augen mögt Ihr glauben. +(Er gibt ihm die Eidesformel. Wrangel durchliest sie, legt sie, +nachdem er gelesen, schweigend auf den Tisch.) + Wie ist's? Begreift Ihr nun? + +Wrangel. + Begreif 's, wer's kann! + Herr Fürst! Ich laß die Maske fallen--Ja! + Ich habe Vollmacht, alles abzuschließen. + Es steht der Rheingraf nur vier Tagemärsche + Von hier mit funfzehntausend Mann, er wartet + Auf Ordre nur, zu Ihrem Heer zu stoßen. + Die Ordre stell ich aus, sobald wir einig. + +Wallenstein. + Was ist des Kanzlers Forderung? + +Wrangel. (bedenklich) + Zwölf Regimenter gilt es, schwedisch Volk. + Mein Kopf muß dafür haften. Alles könnte + Zuletzt nur falsches Spiel-- + +Wallenstein. (fährt auf) + Herr Schwede! + +Wrangel. (ruhig fortfahrend) + Muß demnach + Darauf bestehn, daß Herzog Friedland förmlich, + Unwiderruflich breche mit dem Kaiser, + Sonst ihm kein schwedisch Volk vertrauet wird. + +Wallenstein. + Was ist die Forderung? Sagt's kurz und gut. + +Wrangel. + Die span'schen Regimenter, die dem Kaiser + Ergeben, zu entwaffnen, Prag zu nehmen + Und diese Stadt wie auch das Grenzschloß Eger + Den Schweden einzuräumen. + +Wallenstein. + Viel gefordert! + Prag! Sei's um Eger! Aber Prag? Geht nicht. + Ich leist euch jede Sicherheit, die ihr + Vernünft'gerweise von mir fordern möget. + Prag aber--Böhmen--kann ich selbst beschützen. + +Wrangel. + Man zweifelt nicht daran. Es ist uns auch + Nicht ums Beschützen bloß. Wir wollen Menschen + Und Geld umsonst nicht aufgewendet haben. + +Wallenstein. + Wie billig. + +Wrangel. + Und so lang, bis wir entschädigt, + Bleibt Prag verpfändet. + +Wallenstein. + Traut ihr uns so wenig? + +Wrangel. (steht auf) + Der Schwede muß sich vorsehn mit dem Deutschen. + Man hat uns übers Ostmeer hergerufen; + Gerettet haben wir vom Untergang + Das Reich--mit unserm Blut des Glaubens Freiheit, + Die heil'ge Lehr' des Evangeliums + Versiegelt--Aber jetzt schon fühlet man + Nicht mehr die Wohltat, nur die Last, erblickt + Mit scheelem Aug' die Fremdlinge im Reiche + Und schickte gern mit einer Handvoll Geld + Uns heim in unsre Wälder. Nein! wir haben + Um Judas' Lohn, um klingend Gold und Silber + Den König auf der Walstatt nicht gelassen! + So vieler Schweden adeliges Blut, + Es ist um Gold und Silber nicht geflossen! + Und nicht mit magerm Lorbeer wollen wir + Zum Vaterland die Wimpel wieder lüften, + Wir wollen Bürger bleiben auf dem Boden, + Den unser König fallend sich erobert. + +Wallenstein. + Helft den gemeinen Feind mir niederhalten, + Das schöne Grenzland kann euch nicht entgehn. + +Wrangel. + Und liegt zu Boden der gemeine Feind, + Wer knüpft die neue Freundschaft dann zusammen? + Uns ist bekannt, Herr Fürst--wenngleich der Schwede + Nichts davon merken soll--daß Ihr mit Sachsen + Geheime Unterhandlung pflegt. Wer bürgt uns + Dafür, daß wir nicht Opfer der Beschlüsse sind, + Die man vor uns zu hehlen nötig achtet? + +Wallenstein. + Wohl wählte sich der Kanzler seinen Mann, + Er hätt' mir keinen zähern schicken können. +(Aufstehend.) + Besinnt Euch eines Bessern, Gustav Wrangel. + Von Prag nichts mehr. + +Wrangel. + Hier endigt meinen Vollmacht. + +Wallenstein. + Euch meine Hauptstadt räumen! Lieber tret ich + Zurück--zu meinem Kaiser. + +Wrangel. + Wenn's noch Zeit ist. + Wallenstein. + Das steht bei mir, noch jetzt, zu jeder Stunde. + +Wrangel. + Vielleicht vor wenig Tagen noch. Heut nicht mehr. + --Seit der Sesin gefangen sitzt, nicht mehr. +(Wie Wallenstein betroffen schweigt.) + Herr Fürst! Wir glauben, daß Sie's ehrlich meinen; + Seit gestern--sind wir des gewiß--Und nun + Dies Blatt uns für die Truppen bürgt, ist nichts, + Was dem Vertrauen noch im Wege stünde. + Prag soll uns nicht entzweien. Mein Herr Kanzler + Begnügt sich mit der Altstadt, Euer Gnaden + Läßt er den Ratschin und die kleine Seite. + Doch Eger muß vor allem sich uns öffnen, + Eh' an Konjunktion zu denken ist. + +Wallenstein. + Euch also soll ich trauen, ihr nicht mir? + Ich will den Vorschlag in Erwägung ziehn. + +Wrangel. + In keine gar zu lange, muß ich bitten. + Ins zweite Jahr schon schleicht die Unterhandlung; + Erfolgt auch diesmal nichts, so will der Kanzler + Auf immer sie für abgebrochen halten. + +Wallenstein. + Ihr drängt mich sehr. Ein solcher Schritt will wohl + Bedacht sein. + +Wrangel. + Eh' man überhaupt dran denkt, + Herr Fürst! Durch rasche Tat nur kann er glücken. +(Er geht ab.) + + + +Sechster Auftritt + +Wallenstein. Terzky und Illo kommen zurück. + + +Illo. + Ist's richtig? + +Terzky. + Seid ihr einig? + +Illo. + Dieser Schwede + Ging ganz zufrieden fort. Ja, ihr seid einig. + +Wallenstein. + Hört! Noch ist nichts geschehn, und--wohl erwogen, + Ich will es lieber doch nicht tun. + +Terzky. + Wie? Was ist das? + +Wallenstein. + Von dieser Schweden Gnade leben! + Der Übermütigen? Ich trüg' es nicht. + +Illo. + Kommst du als Flüchtling, ihre Hilf' erbettelnd? + Du bringest ihnen mehr, als du empfängst. + +Wallenstein. + Wie war's mit jenem königlichen Bourbon, + Der seines Volkes Feinde sich verkaufte + Und Wunden schlug dem eignen Vaterland? + Fluch war sein Lohn, der Menschen Abscheu rächte + Die unnatürlich frevelhafte Tat. + +Illo. + Ist das dein Fall? + +Wallenstein. + Die Treue, sag ich euch, + Ist jedem Menschen wie der nächste Blutsfreund, + Als ihren Rächer fühlt er sich geboren. + Der Sekten Feindschaft, der Parteien Wut, + Der alte Neid, die Eifersucht macht Friede; + Was noch so wütend ringt, sich zu zerstören, + Verträgt, vergleicht sich, den gemeinen Feind + Der Menschlichkeit, das wilde Tier zu jagen, + Das mordend einbricht in die sichre Hürde, + Worin der Mensch geborgen wohnt--denn ganz + Kann ihn die eigne Klugheit nicht beschirmen. + Nur an die Stirne setzt' ihm die Natur + Das Licht der Augen, fromme Treue soll + Den bloßgegebnen Rücken ihm beschützen. + +Terzky. + Denk von dir selbst nicht schlimmer als der Feind, + Der zu der Tat die Hände freudig bietet. + So zärtlich dachte jener Karl auch nicht, + Der Öhm und Ahnherr dieses Kaiserhauses, + Der nahm den Bourbon auf mit offnen Armen, + Denn nur vom Nutzen wird die Welt regiert. + + + +Siebenter Auftritt + +Gräfin Terzky zu den Vorigen. + + +Wallenstein. + Wer ruft Euch? Hier ist kein Geschäft für Weiber. + +Gräfin. + Ich komme, meinen Glückwunsch abzulegen. + --Komm ich zu früh etwa? Ich will nicht hoffen. + +Wallenstein. + Gebrauch dein Ansehn, Terzky. Heiß sie gehn. + +Gräfin. + Ich gab den Böhmen einen König schon. + +Wallenstein. + Er war darnach. + +Gräfin. (zu den andern) + Nun, woran liegt es? Sprecht! + +Terzky. + Der Herzog will nicht. + +Gräfin. + Will nicht, was er muß? + +Illo. + An Euch ist's jetzt. Versucht's, denn ich bin fertig, + Spricht man von Treue mir und von Gewissen. + +Gräfin. + Wie? da noch alles lag in weiter Ferne, + Der Weg sich noch unendlich vor dir dehnte, + Da hattest du Entschluß und Mut--und jetzt, + Da aus dem Traume Wahrheit werden will, + Da die Vollbringung nahe, der Erfolg + Versichert ist, da fängst du an, zu zagen? + Nur in Entwürfen bist du tapfer, feig + In Taten? Gut! Gib deinen Feinden Recht! + Da eben ist es, wo sie dich erwarten. + Den Vorsatz glauben sie dir gern; sei sicher, + Daß sie's mit Brief und Siegel dir belegen! + Doch an die Möglichkeit der Tat glaubt keiner, + Da müßten sie dich fürchten und dich achten. + Ist's möglich? Da du so weit bist gegangen, + Da man das Schlimmste weiß, da dir die Tat + Schon als begangen zugerechnet wird, + Willst du zurückziehn und die Frucht verlieren? + Entworfen bloß ist's ein gemeiner Frevel, + Vollführt ist's ein unsterblich Unternehmen; + Und wenn es glückt, so ist es auch verziehn, + Denn aller Ausgang ist ein Gottes Urtel. + +Kammerdiener. (tritt herein) + Der Oberst Piccolomini. + +Gräfin. (schnell) + Soll warten. + +Wallenstein. + Ich kann ihn jetzt nicht sehn. Ein andermal. + +Kammerdiener. + Nur um zwei Augenblicke bittet er, + Er hab ein dringendes Geschäft-- + +Wallenstein. + Wer weiß, was er uns bringt. Ich will doch hören. + +Gräfin. (lacht) + Wohl mag's ihm dringend sein. Du kannst's erwarten. + +Wallenstein. + Was ist's. + +Gräfin. + Du sollst es nachher wissen. + Jetzt denke dran, den Wrangel abzufert'gen. +(Kammerdiener geht.) + +Wallenstein. + Wenn eine Wahl noch wäre--noch ein milderer + Ausweg sich fände--jetzt noch will ich ihn + Erwählen und das Äußerste vermeiden. + +Gräfin. + Verlangst du weiter nichts, ein solcher Weg + Liegt nah vor dir. Schick diesen Wrangel fort. + Vergiß die alten Hoffnungen, wirf dein + Vergangnes Leben weg, enschließe dich, + Ein neues anzufangen. Auch die Tugend + Hat ihre Helden, wie der Ruhm, das Glück. + Reis hin nach Wien zum Kaiser stehndes Fußes, + Nimm eine volle Kasse mit, erklär, + Du hab'st der Diener Treue nur erproben, + Den Schweden bloß zum besten haben wollen. + +Illo. + Auch damit ist's zu spät. Man weiß zu viel. + Er würde nur das Haupt zum Todesblocke tragen. + +Gräfin. + Das fürcht ich nicht. Gesetzlich ihn zu richten, + Fehlt's an Beweisen; Willkür meiden sie. + Man wird den Herzog ruhig lassen ziehn. + Ich seh, wie alles kommen wird. Der König + Von Ungarn wird erscheinen, und es wird sich + Von selbst verstehen, daß der Herzog geht; + Nicht der Erklärung wird das erst bedürfen. + Der König wird die Truppen lassen schwören, + Und alles wird in seiner Ordnung bleiben. + An einem Morgen ist der Herzog fort. + Auf seinen Schlössern wird es nun lebendig, + Dort wird er jagen, baun, Gestüte halten, + Sich eine Hofstatt gründen, goldne Schlüssel + Austeilen, gastfrei große Tafel geben, + Und kurz ein großer König sein--im Kleinen! + Und weil er klug sich zu bescheiden weiß, + Nichts wirklich mehr zu gelten, zu bedeuten, + Läßt man ihn scheinen, was er mag; er wird + Ein großer Prinz bis an sein Ende scheinen. + Ei nun! der Herzog ist dann eben auch + Der neuen Menschen einer, die der Krieg + Emporgebracht; ein übernächtiges + Geschöpf der Hofgunst, die mit gleichem Aufwand + Freiherrn und Fürsten macht. + +Wallenstein. (steht auf, heftig bewegt) + Zeigt einen Weg mir an aus diesem Drang, + Hilfreiche Mächte! einen solchen zeigt mir, + Den ich vermag zu gehn--Ich kann mich nicht, + Wie so ein Wortheld, so ein Tugendschwätzer, + An meinem Willen wärmen und Gedanken-- + Nicht zu dem Glück, das mir den Rücken kehrt, + Großtuend sagen: Geh! Ich brauch dich nicht! + Wenn ich nicht wirke mehr, bin ich vernichtet; + Nicht Opfer, nicht Gefahren will ich scheun, + Den letzten Schritt, den äußersten, zu meiden; + Doch eh' ich sinke in die Nichtigkeit, + So klein aufhöre, der so groß begonnen, + Eh' mich die Welt mit jenen Elenden + Verwechselt, die der Tag erschafft und stürzt, + Eh' spreche Welt und Nachwelt meinen Namen + Mit Abscheu aus, und Friedland sei die Losung + Für jede fluchenswerte Tat. + +Gräfin. + Was ist denn hier so wider die Natur? + Ich kann's nicht finden, sage mir's--oh! laß + Des Aberglaubens nächtliche Gespenster + Nicht deines hellen Geistes Meister werden! + Du bist des Hochverrats verklagt; ob mit + --Ob ohne Recht, ist jetzo nicht die Frage-- + Du bist verloren, wenn du dich nicht schnell der Macht + Bedienst, die du besitzest--Ei! wo lebt denn + Das friedsame Geschöpf, das seines Lebens + Sich nicht mit allen Lebenskräften wehrt? + Was ist so kühn, das Notwehr nicht entschuldigt? + +Wallenstein. + Einst war mir dieser Ferdinand so huldreich; + Er liebte mich, er hielt mich wert, ich stand + Der Nächste seinem Herzen. Welchen Fürsten + Hat er geehrt wie mich?--Und so zu enden! + +Gräfin. + So treu bewahrst du jede kleine Gunst, + Und für die Kränkung hast du kein Gedächtnis? + Muß ich dich dran erinnern, wie man dir + Zu Regenspurg die treuen Dienste lohnte? + Du hattest jeden Stand im Reich beleidigt; + Ihn groß zu machen, hattest du den Haß, + Den Fluch der ganzen Welt auf dich geladen, + Im ganzen Deutschland lebte dir kein Freund, + Wei du allein gelebt für deinen Kaiser. + An ihn bloß hieltest du bei jenem Sturme + Dich fest, der auf dem Rgenspurger Tag + Sich gegen dich zusammenzog--da ließ er + Dich fallen! Ließ dich fallen! Dich dem Bayern, + Dem Übermütigen, zum Opfer fallen! + Sag nicht, daß die zurückgegebne Würde + Das erste, schwere Unrecht ausgesöhnt. + Nicht wahrlich guter Wille stellte dich, + Dich stellte das Gesetz der herben Not + An diesen Platz, den man dir gern verweigert. + +Wallenstein. + Nicht ihrem guten Willen, das ist wahr! + Noch seiner Neigung dank ich dieses Amt. + Mißbrauch ich's, so mißbrauch ich kein Vertrauen. + +Gräfin. + Vertrauen? Neigung?--Man bedurfte deiner! + Die ungestüme Presserin, die Not, + Der nicht mit hohlen Namen, Figuranten + Gedient ist, die die Tat will, nicht das Zeichen, + Den Größten immer aufsucht und den Besten, + Ihn an das Ruder stellt, und müßt sie ihn + Aufgreifen aus dem Pöbel selbst--die setzte dich + In dieses Amt und schrieb dir die Bestallung. + Denn lange, bis es nicht mehr kann, behilft + Sich dies Geschlecht mit feilen Sklavenseelen + Und mit den Drahtmaschinen seiner Kunst-- + Doch wenn das Äußerste ihm nahe tritt, + Der hohle Schein es nicht mehr tut, da fällt + Es in die starken Hände der Natur, + Des Riesengeistes, der nur sich gehorcht, + Nichts von Verträgen weiß und nur auf ihre + Bedingung, nicht auf seine, mit ihm handelt. + +Wallenstein. + Wahr ist's! Sie sahn mich immer, wie ich bin, + Ich hab sie in dem Kaufe nicht betrogen, + Denn nie hielt ich's der Mühe wert, die kühn + Umgreifende Gemütsart zu verbergen. + +Gräfin. + Vielmehr--du hast dich furchtbar stets gezeigt. + Nicht du, der stets sich selber treu geblieben, + Die haben Unrecht, die dich fürchteten + Und doch die Macht dir in die Hände gaben. + Denn Recht hat jeder eigene Charakter, + Der übereinstimmt mit sich selber, es gibt + Kein andres Unrecht als den Widerspruch. + Warst du ein andrer, als du vor acht Jahren + Mit Feuer und Schwert durch Deutschlands Kreise zogst, + Die Geißel schwangest über alle Länder, + Hohn sprachest allen Ordnungen des Reichs, + Der Stärke fürchterliches Recht nur übtest + Und jede Landeshoheit niedertratst, + Um deines Sultans Herrschaft auszubreiten? + Da war es Zeit, den stolzen Willen dir + Zu brechen, dich zur Ordnung zu verweisen! + Doch wohl gefiel dem Kaiser, was ihm nützte, + Und schweigend drückt' er diesen Freveltaten + Sein kaiserliches Siegel auf. Was damals + Gerecht war, weil du's für ihn tatst, ist's heute + Auf einmal schändlich, weil es gegen ihn + Gerichtet wird? + +Wallenstein. (aufstehend) + Von dieser Seite sah ich's nie--Ja! dem + Ist wirklich so. Es übte dieser Kaiser + Durch meinen Arm im Reiche Taten aus, + Die nach der Ordnung nie geschehen sollten. + Und selbst den Fürstenmantel, den ich trage, + Verdank ich Diensten, die Verbrechen sind. + +Gräfin. + Gestehe denn, daß zwischen dir und ihm + Die Rede nicht kann sein von Pflicht und Recht, + Nur von der Macht und der Gelegenheit! + Der Augenblick ist da, wo du die Summe + Der großen Lebensrechnung ziehen sollst, + Die Zeichen stehen sieghaft über dir, + Glück winken die Planeten dir herunter + Und rufen: es ist an der Zeit! Hast du + Dein Lebenlang umsonst der Sterne Lauf + Gemessen?--den Quadranten und den Zirkel + Geführt?--den Zodiak, die Himmelskugel + Auf diesen Wänden nachgeahmt, um dich herum + Gestellt in stummen, ahnungsvollen Zeichen + Die sieben Herrscher des Geschicks, + Nur um ein eitles Spiel damit zu treiben? + Führt alle diese Zurüstung zu nichts, + Und ist kein Mark in dieser hohlen Kunst, + Daß sie dir selbst nichts gilt, nichts über dich + Vermag im Augenblick der Entscheidung? + +Wallenstein. (ist während dieser letzten Rede mit heftig arbeitendem +Gemüt auf und ab gegangen und steht jetzt plötzlich still, die Gräfin +unterbrechend) + Ruft mir den Wrangel, und es sollen gleich + drei Boten satteln. + +Illo. + Nun, gelobt sei Gott! +(Eilt hinaus.) + +Wallenstein. + Es ist sein böser Geist und meiner. Ihn + Straft er durch mich, das Werkzeug seiner Herrschsucht, + Und ich erwart es, daß der Rache Stahl + Auch schon für meine Brust geschliffen ist. + Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sät, + Erfreuliches zu ernten. Jede Untat + Trägt ihren eignen Rach-Engel schon, + Die böse Hoffnung, unter ihrem Herzen. + Er kann mir nicht mehr traun,--so kann ich auch + Nicht mehr zurück. Geschehe denn, was muß. + Recht stets behält das Schicksa, denn das Herz + In uns ist sein gebietrischer Vollzieher. +(Zu Terzky.) + Bring mir den Wrangel in mein Kabinett, + Die Boten will ich selber sprechen. Schickt + Nach dem Octavio! +(Zur Gräfin, welche eine triumphierende Miene macht.) + Frohlocke nicht! + Denn eifersüchtig sind des Schicksals Mächte. + Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte. + Den Samen legen wir in ihre Hände, + Ob Glück, ob Unglück aufgeht, lehrt das Ende. +(Indem er abgeht, fällt der Vorhang.) + + + + +Zweiter Aufzug + +Ein Zimmer + + + +Erster Auftritt + +Wallenstein. Octavio Piccolomini. Bald darauf Max Piccolomini. + + +Wallenstein. + Mir meldet er aus Linz, er läge krank, + Doch hab ich sichre Nachricht, daß er sich + Zu Frauenberg versteckt beim Grafen Gallas. + Nimm beide fest und und schick sie mir hieher. + Du übernimmst die spanischen Regimenter, + Machst immer Anstalt und bist niemals fertig, + Und treiben sie dich, gegen mich zu ziehn, + So sagst du Ja und bleibst gefesselt stehn. + Ich weiß, daß dir ein Dienst damit geschieht, + In diesem Spiel dich müßig zu verhalten. + Du rettest gern, so lang du kannst, den Schein; + Extreme Schritte sind nicht deine Sache, + Drum hab ich diese Rolle für dich ausgesucht, + Du wirst mir durch dein Nichtstun diesesmal + Am nützlichsten--Erklärt sich unterdessen + Das Glück für mich, so weißt du, was zu tun. +(Max Piccolomini tritt ein.) + Jetzt, Alter, geh. Du mußt heut nacht noch fort. + Nimm meine eignen Pferde.--Diesen da + Behalt ich hier--Macht's mit dem Abschied kurz! + Wir werden uns ja, denk ich, alle froh + Und glücklich wiedersehn. + +Octavio. (zu seinem Sohn) + Wir sprechen uns noch. +(Geht ab.) + + + +Zweiter Auftritt + +Wallenstein. Max Piccolomini. + + +Max. (nähert sich ihm.) + Mein General-- + +Wallenstein. + Der bin ich nicht mehr, + Wenn du des Kaisers Offizier dich nennst. + +Max. + So bleibt's dabei, du willst das Heer verlassen? + +Wallenstein. + Ich hab des Kaisers Dienst entsagt. + +Max. + Und willst das Heer verlassen? + +Wallenstein. + Vielmehr hoff ich, + Mir's enger noch und fester zu verbinden. +(Er setzt sich.) + Ja, Max. Nicht eher wollt' ich dir's eröffnen, + Als bis des Handelns Stunde würde schlagen. + Der Jugend glückliches Gefühl ergreift + Das Rechte leicht, und eine Freude ist's, + Das eigne Urteil prüfend auszuüben, + Wo das Exempel rein zu lösen ist. + Doch, wo von zwei gewissen Übeln eins + Ergriffen werden muß, wo sich das Herz + Nicht ganz zurückbringt aus dem Streit der Pflichten, + Da ist es Wohltat, keine Wahl zu haben, + Und eine Gunst ist die Notwendigkeit. + --Die ist vorhanden. Blicke nicht zurück. + Es kann dir nichts mehr helfen. Blicke vorwärts! + Urteile nicht! Bereite dich, zu handeln. + --Der Hof hat meinen Untergang beschlossen, + Drum bin ich willens, ihm zuvorzukommen. + --Wir werden mit den Schweden uns verbinden. + Sehr wackre Leute sind's und gute Freunde. +(Hält ein, Piccolominis Antwort erwartend.) + --Ich hab dich überrascht. Antwort mir nicht. + Ich will dir Zeit vergönnen, dich zu fassen. +(Er steht auf und geht nach hinten. Max steht lange unbeweglich, +in den heftigsten Schmerz versetzt; wie er eine Bewegung macht, +kömmt Wallenstein zurück und stellt sich vor ihn.) + +Max. + Mein General!--Du machst mich heute mündig. + Denn bis auf diesen Tag war mir's erspart, + Den Weg mir selbst zu finden und die Richtung. + Dir folgt' ich unbedingt. Auf dich nur braucht' ich + Zu sehn und war des rechten Pfads gewiß. + Zum ersten Male heut verweisest du + Mich an mich selbst und zwingst mich, eine Wahl + Zu treffen zwischen dir und meinem Herzen. + +Wallenstein. + Sanft wiegte dich bis heute dein Geschick, + Du konntest spielend deine Pflichten üben, + Jedwedem schönen Trieb Genüge tun, + Mit ungeteiltem Herzen immer handeln. + So kann's nicht ferner bleiben. Feindlich scheiden + Die Wege sich. Mit Pflichten streiten Pflichten. + Du mußt Partei ergreifen in dem Krieg, + Der zwischen deinem Freund und deinem Kaiser + Sich jetzt entzündet. + +Max. + Krieg! Ist das der Name? + Der Krieg ist schrecklich, wie des Himmels Plagen, + Doch er ist gut, ist ein Geschick, wie sie. + Ist das ein guter Krieg, den du dem Kaiser + Bereitest mit des Kaisers eignem Heer? + O Gott des Himmels! was ist das für eine + Veränderung! Ziemt solche Sprache mir + Mit dir, der wie der feste Stern des Pols + Mir als die Lebensregel vorgeschienen! + Oh! welchen Riß erregst du mir im Herzen! + Der alten Ehrfurcht eingewachsnen Trieb + Und des Gehorsams heilige Gewohnheit + Soll ich versagen lernen deinem Namen? + Nein! wende nicht dein Angesicht zu mir! + Es war mir immer eines Gottes Antlitz, + Kann über mich nicht gleich die Macht verlieren; + Die Sinne sind in deinen Banden noch, + Hat gleich die Seele blutend sich befreit! + +Wallenstein. + Max, hör mich an. + +Max. + Oh! tu es nicht! Tu's nicht! + Sieh! deine reinen, edeln Züge wissen + Noch nichts von dieser unglücksel'gen Tat. + Bloß deine Einbildung befleckte sie, + Die Unschuld will sich nicht vertreiben lassen + Aus deiner hoheitblickenden Gestalt. + Wirf ihn heraus, den schwarzen Fleck, den Feind. + Ein böser Traum bloß ist es dann gewesen, + Der jede sichre Tugend warnt. Es mag + Die Menschheit solche Augenblicke haben, + Doch siegen muß das glückliche Gefühl. + Nein, du wirst so nicht endigen. Das würde + Verrufen bei den Menschen jede große + Natur und jedes mächtige Vermögen, + Recht geben würd' es dem gemeinen Wahn, + Der nicht an Edles in der Freiheit glaubt + Und nur der Ohnmacht sich vertrauen mag. + +Wallenstein. + Streng wird die Welt mich tadeln, ich erwart es. + Mir selbst schon sagt' ich, was du sagen kannst. + Wer miede nicht, wenn er's umgehen kann, + Das Äußerste! Doch hier ist keine Wahl, + Ich muß Gewalt ausüben oder leiden-- + So steht der Fall. Nichts anders bleibt mir übrig. + +Max. + Sei's denn! Behaupte dich in deinem Posten + Gewaltsam, widersetze dich dem Kaiser, + Wenn's sein muß, treib's zur offenen Empörung, + Nicht loben werd ich's, doch ich kann's verzeihn, + Will, was ich nicht gut heiße, mit dir teilen. + Nur--zum Verräter werde nicht! Das Wort + Ist ausgesprochen. Zum Verräter nicht! + Das ist kein überschrittnes Maß, kein Fehler, + Wohin der Mut verirrt in seiner Kraft. + Oh! das ist ganz was anders--das ist schwarz, + Schwarz, wie die Hölle! + +Wallenstein. (mit finsterm Stirnfalten, doch gemäßigt) + Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, + Das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide; + Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck + Der Dinge Maß, die nur sich selber richten. + Gleich heißt ihr alles schändlich oder würdig, + Bös oder gut--und was die Einbildung + Phantastisch schleppt in diesen dunkeln Namen, + Das bürdet sie den Sachen auf und Wesen. + Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit. + Leicht beieinander wohnen die Gedanken, + Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen; + Wo eines Platz nimmt, muß das andre rücken, + Wer nicht vertrieben sein will, muß vertreiben; + Da herrscht der Streit, und nur die Stärke siegt. + --Ja, wer durchs Leben gehet ohne Wunsch, + Sich jeden Zweck versagen kann, der wohnt + Im leichten Feuer mit dem Salamander + Und hält sich rein im reinen Element. + Mich schuf aus gröberm Stoffe die Natur, + Und zu der Erde zieht mich die Begierde. + Dem bösen Geist gehört die Erde, nicht + Dem guten. Was die Göttlichen uns senden + Von oben, sind nur allgemeine Güter; + Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich, + In ihrem Staat erringt sich kein Besitz. + Den Edelstein, das allgeschätzte Gold + Muß man den falschen Mächten abgewinnen, + Die unterm Tage schlimmgeartet hausen. + Nicht ohne Opfer macht man sie geneigt, + Und keiner lebet, der aus ihrem Dienst + Die Seele hätte rein zurückgezogen. + +Max. (mit Bedeutung) + Oh! fürchte, fürchte diese falschen Mächte! + Sie haltennicht Wort! Es sind Lügengeister, + Die dich berückend in den Abgrund ziehn. + Trau ihnen nicht! Ich warne dich--Oh! kehre + Zurück zu deiner Pflicht. Gewiß! du kannst's! + Schick mich nach Wien. Ja, tue das. Laß mich, + Mich deinen Frieden machen mit dem Kaiser. + Er kennt dich nicht, ich aber kenne dich, + Er soll dich sehn mit meinem reinen Auge, + Und sein Vertrauen bring ich dir zurück. + +Wallenstein. + Es ist zu spät. Du weißt nicht, was geschehn. + +Max. + Und wär's zu spät--und wär' es auch soweit, + Daß ein Verbrechen nur vom Fall dich rettet, + So falle! Falle würdig, wie du standst. + Verliere das Kommando. Geh vom Schauplatz. + Du kannst's mit Glanze, tu's mit Unschuld auch. + --Du hast für andre viel gelebt, leb endlich + Einmal dir selber, ich begleite dich, + Mein Schicksal trenn ich nimmer von dem deinen-- + +Wallenstein. + Es ist zu spät. Indem du deine Worte + Verlierst, ist schon ein Meilenzeiger nach dem andern + Zurückgelegt von meinen Eilenden, + Die mein Gebot nach Prag und Eger tragen. + --Ergib dich drein. Wir handeln, wie wir müssen. + So laß uns das Notwendige mit Würde, + Mit festem Schritte tun--Was tu ich Schlimmres, + Als jener Cäsar tat, des Name noch + Bis heut das Höchste in der Welt benennet? + Er führte wider Rom die Legionen, + Die Rom ihm zur Beschützung anvertraut. + Warf er das Schwert von sich, er war verloren, + Wie ich es wär', wenn ich entwaffnete. + Ich spüre was in mir von seinem Geist. + Gib mir sein Glück, das andre will ich tragen. +(Max, der bisher in einem schmerzvollen Kampfe gestanden, geht +schnell ab. Wallenstein sieht ihm verwundert und betroffen nach +und steht in tiefe Gedanken verloren.) + + + +Dritter Auftritt + +Wallenstein. Terzky. Gleich darauf Illo. + + +Terzky. + Max Piccolomini verließ dich eben? + +Wallenstein. + Wo ist der Wrangel? + +Terzky. + Fort ist er. + +Wallenstein. + So eilig? + +Terzky. + Es war, als ob die Erd' ihn eingeschluckt. + Er war kaum von dir weg, als ich ihm nachging, + Ich hatt' ihn noch zu sprechen, doch--weg war er, + Und niemand wußte mir von ihm zu sagen. + Ich glaub, es ist der Schwarze selbst gewesen, + Ein Mensch kann nicht auf einmal so verschwinden. + +Illo. (kommt) + Ist's wahr, daß du den Alten willst verschicken? + +Terzky. + Wie? Den Octavio! Wo denkst du hin? + +Wallenstein. + Er geht nach Frauenberg, die spanischen + Und welschen Regimenter anzuführen. + +Terzky. + Das wolle Gott nicht, daß du das vollbringst! + +Illo. + Dem Falschen willst du Kriegsvolk anvertrauen? + Ihn aus den Augen lassen, grade jetzt, + In diesem Augenblicke der Entscheidung? + +Terzky. + Das wirst du nicht tun. Nein, um alles nicht! + Wallenstein. + Seltsame Menschen seid ihr. + +Illo. + Oh! nur diesmal + Gib unsrer Warnung nach. Laß ihn nicht fort. + +Wallenstein. + Und warum soll ich ihm dies eine Mal + Nicht trauen, da ich's stets getan? Was ist geschehn, + Das ihn um meine gute Meinung brächte? + Aus eurer Grille, nicht der meinen, soll ich + Mein alt erprobtes Urteil von ihm ändern? + Denkt nicht, daß ich ein Weib sei. Weil ich ihm + Getraut bis heut, will ich auch heut ihm trauen. + +Terzky. + Muß es denn der just sein? Schick einen andern. + +Wallenstein. + Der muß es sein, den hab ich mir erlesen. + Er taugt zu dem Geschäft, drum gab ich's ihm. + +Illo. + Weil er ein Welscher ist, drum taugt er dir. + +Wallenstein. + Weiß wohl, ihr wart den beiden nie gewogen, + Weil ich sie achte, liebe, euch und andern + Vorziehe, sichtbarlich, wie sie's verdienen, + Drum sind sie euch ein Dorn im Auge! Was + Geht euer Neid mich an und mein Geschäft? + Daß ihr sie haßt, das macht sie mir nicht schlechter. + Liebt oder haßt einander, wie ihr wollt, + Ich lasse jedem seinen Sinn und Neigung, + Weiß doch, was mir ein jeder von euch gilt. + +Illo. + Er geht nicht ab--müßt' ich die Räder ihm am Wagen + Zerschmettern lassen. + +Wallenstein. + Mäßige dich, Illo! + +Terzky. + Der Questenberger, als er hier gewesen, + Hat stets zusammen auch gesteckt mit ihm. + +Wallenstein. + Geschah mit meinem Wissen und Erlaubnis. + +Terzky. + Und daß geheime Boten an ihn kommen + Vom Gallas, weiß ich auch. + +Wallenstein. + Das ist nicht wahr. + +Illo. + Oh! du bist blind mit deinen sehenden Augen! + +Wallenstein. + Du wirst mir meinen Glauben nicht erschüttern, + Der auf die tiefste Wissenschaft sich baut. + Lügt er, dann ist die ganze Sternkunst Lüge. + Denn wißt, ich hab ein Pfand vom Schicksal selbst, + Daß er der treuste ist von meinen Freunden. + +Illo. + Hast du auch eins, daß jenes Pfand nicht lüge? + +Wallenstein. + Es gibt im Menschenleben Augenblicke, + Wo er dem Weltgeist näher ist als sonst + Und eine Frage frei hat an das Schicksal. + Solch ein Moment war's, als ich in der Nacht, + Die vor der Lützner Aktion vorherging, + Gedankenvoll an einen Baum gelehnt, + Hinaussah in die Ebene. Die Feuer + Des Lagers brannten düster durch den Nebel, + Der Waffen dumpfes Rauschen unterbrach, + Der Runden Ruf einförmig nur die Stille. + Mein ganzes Leben ging, vergangenes + Und künftiges, in diesem Augenblick + An meinem inneren Gesicht vorüber, + Und an des nächsten Morgens Schicksal knüpfte + Der ahnungsvolle Geist die fernste Zukunft. + Da sagt' ich also zu mir selbst:" So vielen + Gebietest du! Sie folgen deinen Sternen + Und setzen, wie auf eine große Nummer, + Ihr Alles auf dein einzig Haupt und sind + In deines Glückes Schiff mit dir gestiegen. + Doch kommen wird der Tag, wo diese alle + Das Schicksal wieder auseinanderstreut, + Nur wen'ge werden treu bei dir verharren. + Den möcht' ich wissen, der der Treuste mir + Von allen ist, die dieses Lager einschließt. + Gib mir ein Zeichen, Schicksal! Der soll's sein, + Der an dem nächsten Morgen mir zuerst + Entgegenkommt mit einem Liebeszeichen". + Und dieses bei mir denkend, schlief ich ein. + Und mitten in die Schlacht ward ich geführt + Im Geist. Groß war der Drang. Mir tötete + Ein Schuß das Pferd, ich sank, und über mir + Hinweg, gleichgültig, setzten Roß und Reiter, + Und keuchend lag ich, wie ein Sterbender, + Zertreten unter ihrer Hufe Schlag. + Da faßte plötzlich hilfreich mich ein Arm, + Es war Octavio--und schnell erwach ich, + Tag war es, und--Octavio stand vor mir. + "Mein Bruder", sprach er, "reite heute nicht + Den Schecken, wie du pflegst. Besteige lieber + Das sichre Tier, das ich dir ausgesucht. + Tu's mir zu Lieb'. Es warnte mich ein Traum." + Und dieses Tieres Schnelligkeit entriß + Mich Banniers verfolgenden Dragonern. + Mein Vetter ritt den Schecken an dem Tag, + Und Roß und Reiter sah ich niemals wieder. + +Illo. + Das war ein Zufall. + +Wallenstein. (bedeutend) + Es gibt keinen Zufall; + Und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, + Gerade das steigt aus den tiefsten Quellen. + Versiegelt hab ich's und verbrieft, daß er + Mein guter Engel ist, und nun kein Wort mehr! +(Er geht.) + +Terzky. + Das ist mein Trost, der Max bleibt uns als Geisel. + +Illo. + Und der soll mir nicht lebend hier vom Platze. + +Wallenstein. (bleibt stehen und kehrt sich um) + Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig + Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort, + Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang! + --Des Menschen Taten und Gedanken, wißt! + Sind nicht wie Meeres blind bewegte Wellen. + Die innre Welt, sein Mikrokosmus, ist + Der tiefe Schacht, aus dem sie ewig quellen. + Sie sind notwendig, wie des Baumes Frucht, + Sie kann der Zufall gaukelnd nicht verwandeln. + Hab ich des Menschen Kern erst untersucht, + So weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln. +(Gehen ab.) + + + +Vierter Auftritt + +Zimmer in Piccolominis Wohnung. + +Octavio Piccolomini reisefertig. Ein Adjutant. + + +Octavio. + Ist das Kommando da? + +Adjutant. + Es wartet unten. + +Octavio. + Es sind doch sichre Leute, Adjutant? + Aus welchem Regimente nahmt Ihr sie? + +Adjutant. + Von Tiefenbach. + +Octavio. + Dies Regiment ist treu. + Laßt sie im Hinterhof sich ruhighalten, + Sich niemand zeigen, bis Ihr klingeln hört; + Dann wird das Haus geschlossen, scharf bewacht, + Und jeder, den Ihr antrefft, bleibt verhaftet. +(Adjutant ab.) + Zwar hoff ich, es bedarf nicht ihres Dienstes, + Denn meines Kalkuls halt ich mich gewiß. + Doch es gilt Kaisers Dienst, das Spiel ist groß, + Und besser zu viel Vorsicht als zu wenig. + + + +Fünfter Auftritt + +Octavio Piccolomini. Isolani tritt herein. + + +Isolani. + Hier bin ich--Nun! wer kommt noch von den andern? + +Octavio. (geheimnisvoll) + Vorerst ein Wort mit Euch, Graf Isolani. + +Isolani. (geheimnisvoll) + Soll's losgehn? Will der Fürst was unternehmen? + Mir dürft Ihr trauen. Setzt mich auf die Probe. + +Octavio. + Das kann geschehn. + +Isolani. + Herr Bruder, ich bin nicht + Von denen, die mit Worten tapfer sind + Und, kommt's zur Tat, das Weite schimpflich suchen. + Der Herzog hat als Freund an mir getan, + Weiß Gott, so ist's! Ich bin ihm alles schuldig. + Auf meine Treue kann er baun. + +Octavio. + Es wird sich zeigen. + +Isolani. + Nehmt Euch in acht. Nicht alle denken so. + Es halten's hier noch viele mit dem Hof + Und meinen, daß die Unterschrift von neulich, + Die abgestohlne, sie zu nichts verbinde. + +Octavio. + So? Nennt mir doch die Herren, die das meinen. + +Isolani. + Zum Henker! Alle Deutschen sprechen so. + Auch Esterhazy, Kaunitz, Deodat + Erklären jetzt, man müss' dem Hof gehorchen. + +Octavio. + Das freut micht. + +Isolani. + Freut Euch? + +Octavio. + Daß der Kaiser noch + So gute Freunde hat und wackre Diener. + +Isolani. + Spaßt nicht. Es sind nicht eben schlechte Männer. + +Octavio. + Gewiß nicht. Gott verhüte, daß ich spaße! + Sehr ernstlich freut es mich, die gute Sache + So stark zu sehn. + +Isolani. + Was Teufel! Wie ist das? + Seid Ihr denn nicht?--Warum bin ich denn hier? + +Octavio. (mit Ansehen) + Euch zu erklären, rund und nett, ob Ihr + Ein Freund wollt heißen oder Feind des Kaisers. + +Isolani. (trotzig) + Darüber werd ich dem Erklärung geben, + Dem's zukommt, diese Frag' an mich zu tun. + +Octavio. + Ob mir das zukommt, mag dies Blatt Euch lehren. + Isolani. + Wa--was? Das ist des Kaisers Hand und Siegel. +(Liest.) + "Als werden sämtliche Hauptleute unsrer + Armee der Ordre unsers lieben, treuen, + Des Generalleutnant Piccolomini, + Wie unsrer eignen"--Hum--Ja--So--Ja, ja! + Ich--mach Euch meinen Glückwunsch, Generalleutnant. + +Octavio. + Ihr unterwerft Euch dem Befehl? + +Isolani. + Ich--aber + Ihr überrascht mich auch so schnell--Man wird + Mir doch Bedenkzeit, hoff ich-- + +Octavio. + Zwei Minuten. + +Isolani. + Mein Gott, der Fall ist aber-- + +Octavio. + Klar und einfach. + Ihr sollt erklären, ob Ihr Euren Herrn + Verraten wollet oder treu ihm dienen. + +Isolani. + Verrat--Mein Gott--Wer spricht denn von Verrat? + +Octavio. + Das ist der Fall. Der Fürst ist ein Verräter, + Will die Armee zum Feind hinüberführen. + Erklärt Euch kurz und gut. Wollt Ihr dem Kaiser + Abschwören? Euch dem Feind verkaufen? Wollt Ihr? + +Isolani. + Was denkt Ihr? Ich des Kaisers Majestät + Abschwören? Sagt' ich so? Wann hätt' ich das + Gesagt? + +Octavio. + Noch habt Ihr's nicht gesagt. Noch nicht. + Ich warte drauf, ob Ihr es werdet sagen. + +Isolani. + Nun seht, das ist mir lieb, daß Ihr mir selbst + Bezeugt, ich habe so was nicht gesagt. + +Octavio. + Ihr sagt Euch also von dem Fürsten los? + +Isolani. + Spinnt er Verrat--Verrat trennt alle Bande. + +Octavio. + Und seid entschlossen, gegen ihn zu fechten? + +Isolani. + Er tat mir Gutes--doch wenn er ein Schelm ist, + Verdamm' ihn Gott! die Rechnung ist zerrissen. + +Octavio. + Mich freut's, daß Ihr in gutem Euch gefügt. + Heut nacht in aller Stille brecht Ihr auf + Mit allen leichten Truppen; es muß scheinen, + Als käm' die Ordre von dem Herzog selbst. + Zu Frauenberg ist der Versammlungsplatz, + Dort gibt Euch Gallas weitere Befehle. + +Isolani. + Es soll geschehn. Gedenkt mir's aber auch + Beim Kaiser, wie bereit Ihr mich gefunden. + +Octavio. + Ich werd es rühmen. +(Isolani geht. Es kommt ein Bedienter.) + Oberst Buttler? Gut. + +Isolani. (zurückkommend) + Vergebt mir auch mein barsches Wesen, Alter. + Herr Gott! Wie konnt' ich wissen, welch große + Person ich vor mir hatte! + +Octavio. + Laßt das gut sein. + +Isolani. + Ich bin ein lust'ger alter Knab', und wär' + Mir auch ein rasches Wörtlein übern Hof + Entschlüpft zuweilen, in der Lust des Weins, + Ihr wißt ja, bös war's nicht gemeint. +(Geht ab.) + +Octavio. + Macht Euch + Darüber keine Sorge!--Das gelang! + Glück, sei uns auch so günstig bei den andern! + + + +Sechster Auftritt + +Octavio Piccolomini. Buttler. + + +Buttler. + Ich bin zu Eurer Ordre, Generalleutnant. + +Octavio. + Seid mir als werter Gast und Freund willkommen. + +Buttler. + Zu große Ehr' für mich. + +Octavio. (nachdem beide Platz genommen) + Ihr habt die Neigung nicht erwidert, + Womit ich gestern Euch entgegenkam. + Wohl gar als leere Formel sie verkannt. + Von Herzen ging mir jener Wunsch, es war + Mir Ernst um Euch, denn eine Zeit ist jetzt, + Wo sich die Guten eng verbinden sollten. + +Buttler. + Die Gleichgesinnten können es allein. + +Octavio. + Und alle Guten nenn ich gleichgesinnt. + Dem Menschen bring ich nur die Tat in Rechnung, + Wozu ihn ruhig der Charakter treibt; + Denn blinder Mißverständnisse Gewalt + Drängt oft den Besten aus dem rechten Gleise. + Ihr kamt durch Frauenberg. Hat Euch Graf Gallas + Nichts anvertraut? Sagt mir's. Er ist mein Freund. + +Buttler. + Er hat verlorne Worte nur gesprochen. + +Octavio. + Das hör ich ungern, denn sein Rat war gut. + Und einen gleichen hätt' ich Euch zu geben. + +Buttler. + Spart Euch die Müh--mir die Verlegenheit, + So schlecht die gute Meinung zu verdienen. + +Octavio. + Die Zeit ist teuer, laßt uns offen reden. + Ihr wißt, wie hier die Sachen stehn. Der Herzog + Sinnt auf Verrat, ich kann Euch mehr noch sagen, + Er hat ihn schon vollführt; geschlossen ist + Das Bündnis mit dem Feind vor wen'gen Stunden. + Nach Prag und Eger reiten schon die Boten, + Und morgen will er zu dem Feind uns führen. + Doch er betrügt sich, denn die Klugheit wacht, + Noch treue Freunde leben hier dem Kaiser, + Und mächtig steht ihr unsichtbarer Bund. + Dies Manifest erklärt ihn in die Acht, + Spricht los das Heer von des Gehorsams Pflichten, + Und alle Gutgesinnten ruft es auf, + Sich unter meiner Führung zu versammeln. + Nun wählt, ob Ihr mit uns die gute Sache, + Mit ihm der Bösen böses Los wollt teilen? + +Buttler. (steht auf) + Sein Los ist meines. + +Octavio. + Ist das Euer letzter + Entschluß? + +Buttler. + Er ist's. + +Octavio. + Bedenkt Euch, Oberst Buttler. + Noch habt Ihr Zeit. In meiner treuen Brust + Begraben bleibt das raschgesprochne Wort. + Nehmt es zurück. Wählt eine bessere + Partei. Ihr habt die gute nicht ergriffen. + +Buttler. + Befehlt Ihr sonst nocht etwas, Generalleutnant? + +Octavio. + Seht Eure weißen Haare! Nehmt's zurück. + +Buttler. + Lebt wohl! + +Octavio. + Was? Diesen guten, tapfern Degen + Wollt Ihr in solchem Streite ziehen? Wollt + In Fluch den Dank verwandeln, den Ihr Euch + Durch vierzigjähr'ge Treu verdient um Östreich? + +Buttler. (bitter lachend) + Dank vom Haus Östreich! +(Er will gehen.) + +Octavio. (läßt ihn bis an die Türe gehen, dann ruft er) + Buttler! + +Buttler. + Was beliebt? + +Octavio. + Wie war es mit dem Grafen? + +Buttler. + Grafen! Was? + +Octavio. + Dem Grafentitel, mein ich. + +Buttler. (heftig auffahrend) + Tod und Teufel! + +Octavio. (kalt) + Ihr suchtet darum nach. Man wies Euch ab. + +Buttler. + Nicht ungestraft sollt Ihr mich höhnen. Zieht! + +Octavio. + Steckt ein. Sagt ruhig, wie es damit ging. Ich will + Genugtuung nachher Euch nicht verweigern. + +Buttler. + Mag alle Welt doch um die Schwachheit wissen, + Die ich mir selbst nie verzeihen kann! + --Ja! Generalleutnant, ich besitze Ehrgeiz, + Verachtung hab ich nie ertragen können. + Es tat mir wehe, daß Geburt und Titel + Bei der Armee mehr galten als Verdienst. + Nicht schlechter wollt' ich sein als meinesgleichen, + So ließ ich mich in unglücksel'ger Stunde + Zu jenem Schritt verleiten--Es war Torheit! + Doch nicht verdient' ich, sie so hart zu büßen! + --Versagen konnte man's--Warum die Weigerung + Mit dieser kränkenden Verachtung schärfen, + Den alten Mann, den treu bewährten Diener + Mit schwerem Hohn zermalmend niederschlagen, + An seiner Herkunft Schmach so rauh ihn mahnen, + Weil er in schwacher Stunde sich vergaß! + Doch einen Stachel gab Natur dem Wurm, + Den Willkür übermütig spielend tritt-- + +Octavio. + Ihr müßt verleumdet sein. Vermutet Ihr + Den Feind, der Euch den schlimmen Dienst geleistet? + +Buttler. + Sei's, wer es will! Ein niederträcht'ger Bube, + Ein Höfling muß es sein, ein Spanier, + Der Junker irgend eines alten Hauses, + Dem ich im Licht mag stehn, ein neid'scher Schurke, + Den meine selbstverdiente Würde kränkt. + +Octavio. + Sagt. Billigte der Herzog jenen Schritt? + +Buttler. + Er trieb mich dazu an, verwendete + Sich selbst für micht, mit edler Freundeswärme. + +Octavio. + So? Wißt ihr das gewiß? + +Buttler. + Ich las den Brief. + +Octavio. (bedeutend) + Ich auch--doch anders lautete sein Inhalt. +(Buttler wird betroffen.) + Durch Zufall bin ich im Besitz des Briefs, + Kann Euch durch eignen Anblick überführen. +(Er gibt ihm den Brief.) + +Buttler. + Ha! was ist das? + +Octavio. + Ich fürchte, Oberst Buttler, + Man hat mit Euch ein schändlich Spiel getrieben. + Der Herzog, sagt Ihr, trieb Euch zu dem Schritt?-- + In diesem Briefe spricht er mit Verachtung + Von Euch, rät dem Minister, Euren Dünkel, + Wie er ihn nennt, zu züchtigen. +(Buttler hat den Brief gelesen, seine Knie zittern, er greift nach +einem Stuhl, setzt sich nieder.) + Kein Feind verfolgt Euch. Niemand will Euch übel. + Dem Herzog schreibt allein die Kränkung zu, + Die ihr empfangen; deutlich ist die Absicht. + Losreißen wollt' er Euch von Eurem Kaiser-- + Von Eurer Rache hofft' er zu erlangen, + Was Eure wohlbewährte Treu ihn nimmer + Erwarten ließ bei ruhiger Besinnung. + Zum blinden Werkzeug wollt' er Euch, zum Mittel, + Verworfner Zwecke Euch verächtlich brauchen. + Er hat's erreicht. Zu gut nur glückt' es ihm, + Euch wegzulocken von dem guten Pfade, + Auf dem Ihr vierzig Jahre seid gewandelt. + +Buttler. (mit der Stimme bebend) + Kann mir des Kaisers Majestät vergeben? + +Octavio. + Sie tut noch mehr. Sie macht die Kränkung gut, + Die unverdient dem Würdigen geschehn. + Aus freiem Trieb bestätigt sie die Schenkung, + Die Euch der Fürst zu bösem Zweck gemacht. + Das Regiment ist Euer, das Ihr führt. + +Buttler. (will aufstehen, sinkt zurück. Sein Gemüt arbeitet +heftig, er versucht zu reden und vermag es nicht. Endlich +nimmt er den Degen vom Gehänge und reicht ihn dem Piccolomini) + +Octavio. + Was wollt Ihr? Faßt Euch. + +Buttler. + Nehmt! + +Octavio. + Wozu? Besinnt Euch. + +Buttler. + Nehmt hin! Nicht wert mehr bin ich dieses Degens. + +Octavio. + Empfangt ihn neu zurück aus meiner Hand + Und führt ihn stets mit Ehre für das Recht. + +Buttler. + Die Treue brach ich solchem gnäd'gen Kaiser! + +Octavio. + Macht's wieder gut. Schnell trennt Euch von dem Herzog. + +Buttler. + Mich von ihm trennen! + +Octavio. + Wie? Bedenkt Ihr Euch? + +Buttler. (furchtbar ausbrechend) + Nur von ihm trennen? Oh! er soll nicht leben! + +Octavio. + Folgt mir nach Frauenberg, wo alle Treuen + Bei Gallas sich und Altringer versammeln. + Viel andre bracht' ich noch zu ihrer Pflicht + Zurück, heut nacht entfliehen sie aus Pilsen. + +Buttler. (ist heftig bewegt auf und ab gegangen und tritt zu +Octavio mit entschlossenem Blick) + Graf Piccolomini! Darf Euch der Mann + Von Ehre sprechen, der die Treue brach? + +Octavio. + Der darf es, der so ernstlich es bereut. + +Buttler. + So laßt mich hier, auf Ehrenwort. + +Octavio. + Was sinnt Ihr? + +Buttler. + Mit meinem Regimente laßt mich bleiben. + +Octavio. + Ich darf Euch trauen. Doch sagt mir, was Ihr brütet? + +Buttler. + Die Tat wird's lehren. Fragt mich jetzt nicht weiter. + Traut mir! Ihr könnt's! Bei Gott! Ihr überlasset + Ihn seinem guten Engel nicht!--Lebt wohl! +(Geht ab.) + +Bedienter. (bringt ein Billet) + Ein Unbekannter bracht's und ging gleich wieder. + Des Fürsten Pferde stehen auch schon unten. +(Ab.) + +Octavio. (liest) + "Macht, daß Ihr fortkommt. Euer treuer Isolan." + --Oh! läge diese Stadt erst hinter mir! + So nah dem Hafen sollten wir noch scheitern? + Fort! Fort! Hier ist nicht länger Sicherheit + Für mich. Wo aber bleibt mein Sohn? + + + +Siebenter Auftritt + +Beide Piccolomini. + + +Max. (kömmt in der heftigsten Gemütsbewegung, seine Blicke +rollen wild, sein Gang ist unstet; er scheint den Vater nicht +zu bemerken, der von ferne steht und ihn mitleidig ansieht. +Mit großen Schritten geht er durch das Zimmer, bleibt wieder +stehen und wirft sich zuletzt in einen Stuhl, gerad vor sich +hin starrend) + +Octavio. (nähert sich ihm). + Ich reise ab, mein Sohn. +(Da er keine Antwort erhält, faßt er ihn bei der Hand.) + Mein Sohn, leb wohl! + +Max. + Leb wohl! + +Octavio. + Du folgst mir doch bald nach? + +Max. (ohne ihn anzusehen). + Ich dir? + Dein Weg ist krumm, er ist der meine nicht. +(Octavio läßt seine Hand los, fährt zurück.) + Oh! wärst du wahr gewesen und gerade, + Nie kam es dahin, alles stünde anders! + Er hätte nicht das Schreckliche getan, + Die Guten hätten Kraft bei ihm behalten, + Nicht in der Schlechten Garn wär' er gefallen. + Warum so heimlich, hinterlistig lauernd + Gleich einem Dieb und Diebeshelfer schleichen? + Unsel'ge Falschheit! Mutter alles Bösen! + Du jammerbringende, verderbest uns! + Wahrhaftigkeit, die reine, hätt' uns alle, + Die welterhaltende, gerettet. Vater! + Ich kann dich nicht entschuldigen, ich kann's nicht. + Der Herzog hat mich hintergangen, schrecklich, + Du aber hast viel besser nicht gehandelt. + +Octavio. + Mein Sohn, ach! ich verzeihe deinem Schmerz. + +Max. (steht auf, betrachtet ihn mit zweifelhaften Blicken) + Wär's möglich, Vater? Vater? Hättest du's + Mit Vorbedacht bis dahin treiben wollen? + Du steigst durch seinen Fall. Octavio, + Das will mir nicht gefallen. + +Octavio. + Gott im Himmel! + +Max. + Weh mir! Ich habe die Natur verändert, + Wie kommt der Argwohn in die freie Seele? + Vertrauen, Glaube, Hoffnung ist dahin, + Denn alles log mir, was ich hochgeachtet. + Nein! Nein! Nicht alles! Sie ja lebt mir noch, + Und sie ist wahr und lauter wie der Himmel. + Betrug ist überall und Heuchelschein + Und Mord und Gift und Meineid und Verrat, + Der einzig reine Ort ist unsre Liebe, + Der unentweihte in der Menschlichkeit. + +Octavio. + Max! Folg mir lieber gleich, das ist doch besser. + +Max. + Was? Eh' ich Abschied noch von ihr genommen? + Den letzten--Nimmermehr! + +Octavio. + Erspare dir + Die Qual der Trennung, der notwendigen. + Komm mit mir! Komm, mein Sohn! +(Will ihn fortziehn.) + +Max. + Nein! So wahr Gott lebt! + +Octavio. (dringender) + Komm mit mir, ich gebiete dir's, dein Vater. + +Max. + Gebiete mir, was menschlich ist. Ich bleibe. + +Octavio. + Max! In des Kaisers Namen, folge mir! + +Max. + Kein Kaiser hat dem Herzen vorzuschreiben. + Und willst du mir das einzige noch rauben, + Was mir mein Unglück übrigließ, ihr Mitleid? + Muß grausam auch das Grausame geschehn? + Das Unabänderliche soll ich noch + Unedel tun, mit heimlich feiger Flucht, + Wie ein Unwürdiger mich von ihr stehlen? + Sie soll mein Leiden sehen, meinen Schmerz, + Die Klagen hören der zerrißnen Seele + Und Tränen um mich weinen--Oh! die Menschen + Sind grausam, aber sie ist wie ein Engel. + Sie wird von gräßlich wütender Verzweiflung + Die Seele retten, diesen Schmerz des Todes + Mit sanften Trostesworten klagend lösen. + +Octavio. + Du reißest dich nicht los, vermagst es nicht. + Oh! komm, mein Sohn, und rette deine Tugend! + +Max. + Verschwende deine Worte nicht vergebens, + Dem Herzen folg ich, denn ich darf ihm trauen. + +Octavio. (außer Fassung, zitternd) + Max! Max! Wenn das Entsetzliche mich trifft, + Wenn du--mein Sohn--mein eignes Blut--ich darf's + Nicht denken! dich dem Schändlichen verkaufst, + Dies Brandmal aufdrückst unsers Hauses Adel, + Dann soll die Welt das Schauderhafte sehn, + Und von des Vaters Blute triefen soll + Des Sohnes Stahl im gräßlichen Gefechte. + +Max. + Oh! hättest du vom Menschen besser stets + Gedacht, du hättest besser auch gehandelt. + Fluchwürd'ger Argwohn! Unglücksel'ger Zweife! + Es ist ihm Festes nichts und Unverrücktes, + Und alles wanket, wo der Glaube fehlt. + Octavio. + Und trau ich deinem Herzen auch, wird's immer + In deiner Macht auch stehen, ihm zu folgen? + +Max. + Du hast des Herzens Stimme nicht bezwungen, + So wenig wird der Herzog es vermögen. + +Octavio. + Oh! Max, ich seh dich niemals wiederkehren! + +Max. + Unwürdig deiner wirst du nie mich sehn. + +Octavio. + Ich geh nach Frauenberg, die Pappenheimer + Laß ich dir hier, auch Lothringen, Toscana + Und Tiefenbach bleibt da, dich zu bedecken. + Sie lieben dich und sind dem Eide treu + Und werden lieber tapfer streitend fallen, + Als von dem Führer weichen und der Ehre. + +Max. + Verlaß dich drauf, ich lasse fechtend hier + Das Leben oder führe sie aus Pilsen. + +Octavio. (aufbrechend) + Mein Sohn, leb wohl! + +Max. + Leb wohl! + +Octavio. + Wie? Keinen Blick + Der Liebe? Keinen Händedruck zum Abschied? + Es ist ein blut'ger Krieg, in den wir gehn, + Und ungewiß, verhüllt ist der Erfolg. + So pflegten wir uns vormals nicht zu trennen. + Ist es denn wahr? Ich habe keinen Sohn mehr? +(Max fällt in seine Arme, sie halten einander lange schweigend +umfaßt, dann entfernen sie sich nach verschiedenen Seiten.) + + + + +Dritter Aufzug + +Saal bei der Herzogin von Friedland. + + + +Erster Auftritt + +Gräfin Terzky. Thekla. Fräulein von Neubrunn. Beide letztern mit +weiblichen Arbeiten beschäftigt. + + + +Gräfin. + Ihr habt mich nichts zu fragen, Thekla? Gar nichts? + Schon lange wart ich auf ein Wort von Euch. + Könnt Ihr's ertragen, in so langer Zeit + Nicht einmal seinen Namen auszusprechen? + Wie? Oder wär' ich jetzt schon überflüssig, + Und gäb' es andre Wege als durch mich? + Gesteht mir, Nichte. Habt Ihr ihn gesehn? + +Thekla. + Ich hab ihn heut und gestern nicht gesehn. + +Gräfin. + Auch nicht von ihm gehört? Verbergt mir nichts. + +Thekla. + Kein Wort. + +Gräfin. + Und könnt so ruhig sein! + +Thekla. + Ich bin's. + +Gräfin. + Verlaßt uns, Neubrunn. +(Fräulein von Neubrunn entfernt sich.) + + + +Zweiter Auftritt + +Gräfin Thekla. + + +Gräfin. + Es gefällt mir nicht, + Daß er sich grade jetzt so still verhält. + +Thekla. + Gerade jetzt! + +Gräfin. + Nachdem er alles weiß! + Denn jetzo war's die Zeit, sich zu erklären. + +Thekla. + Sprecht deutlicher, wenn ich's verstehen soll. + +Gräfin. + In dieser Absicht schickt' ich sie hinweg. + Ihr seid kein Kind mehr, Thekla. Euer Herz + Ist mündig, denn Ihr liebt, und kühner Mut + Ist bei der Liebe. Den habt Ihr bewiesen. + Ihr artet mehr nach Eures Vaters Geist + Als nach der Mutter ihrem. Darum könnt Ihr hören, + Was sie nicht fähig ist zu tragen. + +Thekla. + Ich bitt Euch, endet diese Vorbereitung. + Sei's was es sei. Heraus damit! Es kann + Mich mehr nicht ängstigen als dieser Eingang. + Was habt Ihr mir zu sagen? Faßt es kurz. + +Gräfin. + Ihr müßt nur nicht erschrecken-- + +Thekla. + Nennt's! Ich bitt Euch. + +Gräfin. + Es steht bei Euch, dem Vater einen großen Dienst + Zu leisten-- + +Thekla. + Bei mir stünde das! Was kann-- + +Gräfin. + Max Piccolomini liebt Euch. Ihr könnt + Ihn unauflöslich an den Vater binden. + +Thekla. + Braucht's dazu meiner? Ist er es nicht schon? + +Gräfin. + Er war's. + +Thekla. + Und warum sollt' er's nicht mehr sein, + Nicht immer bleiben? + +Gräfin. + Auch am Kaiser hängt er. + +Thekla. + Nicht mehr, als Pflicht und Ehre von ihm fordern. + +Gräfin. + Von seiner Liebe fordert man Beweise, + Und nicht von seiner Ehre--Pflicht und Ehre! + Das sind vieldeutig doppelsinn'ge Namen, + Ihr sollt sie ihm auslegen, seine Liebe + Soll seine Ehre ihm erklären. + +Thekla. + Wie? + +Gräfin. + Er soll dem Kaiser oder Euch entsagen. + +Thekla. + Er wird den Vater gern in den Privatstand + Begleiten. Ihr vernahmt es von ihm selbst, + Wie sehr er wünscht, die Waffen wegzulegen. + +Gräfin. + Er soll sie nicht weglegen, ist die Meinung, + Er soll sie für den Vater ziehn. + +Thekla. + Sein Blut, + Sein Leben wird er für den Vater freudig + Verwenden, wenn ihm Unglimpf widerführe. + +Gräfin. + Ihr wollt mich nicht erraten--Nun so hört. + Der Vater ist vom Kaiser abgefallen, + Steht im Begriff, sich zu dem Feind zu schlagen + Mitsamt dem ganzen Heer-- + +Thekla. + O meine Mutter! + +Gräfin. + Es braucht ein großes Beispiel, die Armee + Ihm nachzuziehn. Die Piccolomini + Stehn bei dem Heer in Ansehn, sie beherrschen + Die Meinung, und entscheidend ist ihr Vorgang. + Des Vaters sind wir sicher durch den Sohn-- + --Ihr habt jetzt viel in Eurer Hand. + +Thekla. + O jammervolle Mutter! Welcher Streich des Todes + Erwartet dich!--Sie wird's nicht überleben. + +Gräfin. + Sie wird in das Notwendige sich fügen. + Ich kenne sie--Das Ferne, Künftige beängstigt + Ihr fürchtend Herz; was unabänderlich + Und wirklich da ist, trägt sie mit Ergebung. + +Thekla. + O meine ahnungsvolle Seele--Jetzt-- + Jetzt ist sie da, die kalte Schreckenshand, + Die in mein fröhlich Hoffen schaudernd greift. + Ich wußt' es wohl--O gleich, als ich hier eintrat, + Weissagte mir's das bange Vorgefühl, + Daß über mir die Unglückssterne stünden-- + Doch warum denk ich jetzt zuerst an mich-- + O meine Mutter! meinen Mutter! + +Gräfin. + Faßt Euch. + Brecht nicht in eitle Klagen aus. Erhaltet + Dem Vater einen Freund, Euch den Geliebten, + So kann noch alles gut und glücklich werden. + +Thekla. + Gut werden! Was? Wir sind getrennt auf immer!-- + Ach, davon ist nun gar nicht mehr die Rede. + +Gräfin. + Er läßt Euch nicht! Er kann nicht von Euch lassen. + +Thekla. + O der Unglückliche! + +Gräfin. + Wenn er Euch wirklich liebt, wird sein Entschluß + Geschwind gefaßt sein. + +Thekla. + Sein Entschluß wird bald + Gefaßt sein, daran zweifelt nicht. Entschluß! + Ist hier noch ein Entschluß? + +Gräfin. + Faßt euch. Ich höre + Die Mutter nahn. + +Thekla. + Wie werd ich ihren Anblick + Ertragen! + +Gräfin. + Faßt Euch. + + + +Dritter Auftritt + +Die Herzogin. Vorige. + + +Herzogin. (zur Gräfin) + Schwester! Wer war hier? + Ich hörte lebhaft reden. + +Gräfin. + Es war niemand. + Herzogin. + Ich bin so schreckhaft. Jedes Rauschen kündigt mir + Den Fußtritt eines Unglücksboten an. + Könnt Ihr mir sagen, Schwester, wie es steht? + Wird er dem Kaiser seinen Willen tun, + Dem Kardinal die Reiter senden? Sprecht, + Hat er den Questenberg mit einer guten + Antwort entlassen? + +Gräfin. + --Nein, das hat er nicht. + +Herzogin. + O dann ist's aus! Ich seh das Ärgste kommen. + Sie werden ihn absetzen, es wird alles wieder + So werden wie zu Regenspurg. + +Gräfin. + So wird's + Nicht werden. Diesmal nicht. Dafür seid ruhig. +(Thekla, heftig bewegt, stürzt auf die Mutter zu und schließt sie +weinend in die Arme.) + +Herzogin. + O der unbeugsam unbezähmte Mann! + Was hab ich nicht getragen und gelitten + In dieser Ehe unglücksvollem Bund! + Denn gleich wie an ein feurig Rad gefesselt, + Das rastlos eilend, ewig, heftig treibt, + Bracht' ich ein angstvoll Leben mit ihm zu, + Und stets an eines Abgrunds jähem Rande + Sturzdrohend, schwindelnd riß er mich dahin. + --Nein, weine nicht, mein Kind. Laß dir mein Leiden + Zu keiner bösen Vorbedeutung werden, + Den Stand, der dich erwartet, nicht verleiden. + Es lebt kein zweiter Friedland; du, mein Kind, + Hast deiner Mutter Schicksal nicht zu fürchten. + +Thekla. + O lassen Sie uns fliehen, liebe Mutter! + Schnell! Schnell! Hier ist kein Aufenthalt für uns. + Jedwede nächste Stunde brütet irgend + Ein neues, ungeheures Schreckbild aus! + +Herzogin. + Dir wird ein ruhigeres Los!--Auch wir, + Ich und dein Vater, sahen schöne Tage; + Der ersten Jahre denk ich noch mit Lust. + Da war er noch der fröhlich Strebende, + Sein Ehrgeiz war ein mild erwärmend Feuer, + Noch nicht die Flamme, die verzehrend rast. + Der Kaiser liebte ihn, vertraute ihm, + Und was er anfing, das mußt' ihm geraten. + Doch seit dem Unglückstag zu Regenspurg, + Der ihn von seiner Höh' herunterstürzte, + Ist ein unsteter, ungesell'ger Geist + Argwöhnisch, finster über ihn gekommen. + Ihn floh die Ruhe, und dem alten Glück, + Der eignen Kraft nicht fröhlich mehr vertrauend, + Wandt' er sein Herz den dunkeln Künsten zu, + Die keinen, der sie pflegte, noch beglückt. + +Gräfin. + Ihr seht's mit Euren Augen--Aber ist + Das ein Gespräch, womit wir ihn erwarten? + Er wird bald hier sein, wißt Ihr. Soll er sie + In diesem Zustand finden? + +Herzogin. + Komm, mein Kind. + Wisch deine Tränen ab. Zeig deinem Vater + Ein heitres Antlitz--Sieh, die Schleife hier + Ist los--Dies Haar muß aufgebunden werden. + Komm, trockne deine Tränen. Sie entstellen + Dein holdes Auge--Was ich sagen wollte? + Ja, dieser Piccolomini ist doch + Ein würd'ger Edelmann und voll Verdienst. + +Gräfin. + Das ist er, Schwester. + +Thekla. (zur Gräfin, beängstigt.) + Tante, wollt Ihr mich + Entschuldigen? +(Will gehen.) + +Gräfin. + Wohin? Der Vater kommt. + +Thekla. + Ich kann ihn jetzt nicht sehn. + +Gräfin. + Er wird Euch aber + Vermissen, nach Euch fragen. + +Herzogin. + Warum geht sie? + +Thekla. + Es ist mir unerträglich, ihn zu sehn. + +Gräfin. (zur Herzogin). + Ihr ist nicht wohl. + +Herzogin. (besorgt) + Was fehlt dem lieben Kinde? +(Beide folgen dem Fräulein und sind beschäftigt, sie zurückzuhalten. +Wallenstein erscheint, im Gespräch mit Illo.) + + + +Vierter Auftritt + +Wallenstein. Illo. Vorige. + + +Wallenstein. + Es ist noch still im Lager? + +Illo. + Alles still. + +Wallenstein. + In wenig Stunden kann die Nachricht da sein + Aus Prag, daß diese Hauptstadt unser ist. + Dann können wir die Maske von uns werfen, + Den hiesigen Truppen den getanen Schritt + Zugleich mit dem Erfolg zu wissen tun. + In solchen Fällen tut das Beispiel alles. + Der Mensch ist ein nachahmendes Geschöpf, + Und wer der Vorderste ist, führt die Herde. + Die Prager Truppen wissen es nicht anders, + Als daß die Pilsner Völker uns gehuldigt, + Und hier in Pilsen sollen sie uns schwören, + Weil man zu Prag das Beispiel hat gegeben. + --Der Butler, sagst du, hat sich nun erklärt? + +Illo. + Aus freiem Trieb, unaufgefordert kam er, + Sich selbst, sein Regiment dir anzubieten. + +Wallenstein. + Nicht jeder Stimme, find ich, ist zu glauben, + Die warnend sich im Herzen läßt vernehmen. + Uns zu berücken, borgt der Lügengeist + Nachahmend oft die Stimme von der Wahrheit + Und streut betrügliche Orakel aus. + So hab ich diesem würdig braven Mann, + Dem Butler, stilles Unrecht abzubitten; + Denn ein Gefühl, des ich nicht Meister bin, + Furcht möcht' ich's nicht gern nennen, überschleicht + In seiner Nähe schaudernd mir die Sinne + Und hemmt der Liebe freudige Bewegung. + Und dieser Redliche, vor dem der Geist + Mich warnt, reicht mir das erste Pfand des Glücks. + +Illo. + Und sein geachtet Beispiel, zweifle nicht, + Wird dir die Besten in dem Heer gewinnen. + +Wallenstein. + Jetzt geh und schick mir gleich den Isolan + Hieher, ich hab ihn mir noch jüngst verpflichtet. + Mit ihm will ich den Anfang machen. Geh! +(Illo geht hinaus, unterdessen sind die übrigen wieder vorwärts +gekommen.) + +Wallenstein. + Sieh da, die Mutter mit der lieben Tochter! + Wir wollen einmal von Geschäften ruhn-- + Kommt! Mich verlangte, eine heitre Stunde + Im lieben Kreis der Meinen zu verleben. + +Gräfin. + Wir waren lang nicht so beisammen, Bruder. + +Wallenstein. (beiseite, zur Gräfin) + Kann sie's vernehmen? Ist sie vorbereitet? + +Gräfin. + Noch nicht. + +Wallenstein. + Komm her, mein Mädchen. Setz dich zu mir. + Es ist ein guter Geist auf deinen Lippen, + Die Mutter hat mir deine Fertigkeit + Gepriesen, es soll eine zarte Stimme + Des Wohllauts in dir wohnen, die die Seele + Bezaubert. Eine solche Stimme brauch + Ich jetzt, den bösen Dämon zu vertreiben, + Der um mein Haupt die schwarzen Flügel schlägt. + +Herzogin. + Wo hast du deine Zither, Thekla? Komm. + Laß deinem Vater eine Probe hören + Von deiner Kunst. + +Thekla. + O meine Mutter! Gott! + +Herzogin. + Komm, Thekla, und erfreue deinen Vater. + +Thekla. + Ich kann nicht, Mutter-- + +Gräfin. + Wie? Was ist das, Nichte! + +Thekla. (zur Gräfin) + Verschont mich--Singen--jetzt--in dieser Angst + Der schwer beladnen Seele--vor ihn singen-- + Der meine Mutter stürzt ins Grab! + +Herzogin. + Wie, Thekla, Launen? Soll dein güt'ger Vater + Vergeblich einen Wunsch geäußert haben? + +Gräfin. + Hier ist die Zither. + +Thekla. + O mein Gott--Wie kann ich-- +(Hält das Instrument mit zitternder Hand, ihre Seele arbeitet +im heftigsten Kampf, und im Augenblick, da sie anfangen soll, +zu singen, schaudert sie zusammen, wirft das Instrument weg und +geht schnell ab.) + +Herzogin. + Mein Kind--o sie ist krank! + Wallenstein. + Was ist dem Mädchen? Pflegt sie so zu sein? + +Gräfin. + Nun weil sie es denn selbst verrät, so will + Auch ich nicht länger schweigen. + +Wallenstein. + Wie? + +Gräfin. + Sie liebt ihn. + +Wallenstein. + Liebt! Wen? + +Gräfin. + Den Piccolomini liebt sie. + Hast du es nicht bemerkt? Die Schwester auch nicht? + +Herzogin. + O war es dies, was ihr das Herz beklemmte? + Gott segne dich, mein Kind! Du darfst + Dich deiner Wahl nicht schämen. + +Gräfin. + Diese Reise-- + Wenn's deine Absicht nicht gewesen, schreib's + Dir selber zu. Du hättest einen andern + Begleiter wählen sollen! + +Wallenstein. + Weiß er's? + +Gräfin. + Er hofft sie zu besitzen. + +Wallenstein. + Hofft + Sie zu besitzen--Ist der Junge toll? + +Gräfin. + Nun mag sie's selber hören! + +Wallenstein. + Die Friedländerin + Denkt er davonzutragen? Nun! Der Einfall + Gefällt mir! Die Gedanken stehen ihm nicht niedrig. + +Gräfin. + Weil du so viele Gunst ihm stets bezeugt, + So-- + +Wallenstein. + --Will er mich auch endlich noch beerben. + Nun ja! Ich lieb ihn, halt ihn wert; was aber + Hat das mit meiner Tochter Hand zu schaffen? + Sind es die Töchter, sind's die einz'gen Kinder, + Womit man seine Gunst bezeugt? + +Herzogin. + Sein adeliger Sinn und seine Sitten-- + +Wallenstein. + Erwerben ihm mein Herz, nicht meine Tochter. + +Herzogin. + Sein Stand und seine Ahnen-- + +Wallenstein. + Ahnen! Was! + Er ist ein Untertan, und meinen Eidam + Will ich mir auf Europens Thronen suchen. + +Herzogin. + O lieber Herzog! Streben wir nicht allzuhoch + Hinauf, daß wir zu tief nicht fallen mögen. + +Wallenstein. + Ließ ich mir's so viel kosten, in die Höh' + Zu kommen, über die gemeinen Häupter + Der Menschen weg zu ragen, um zuletzt + Die große Lebensrolle mit gemeiner + Verwandtschaft zu beschließen?--Hab ich darum-- +(Plötzlich hält er inne, sich fassend.) + Sie ist das einzige, was von mir nachbleibt + Auf Erden; eine Krone will ich sehn + Auf ihrem Haupte, oder will nicht leben. + Was? Alles--Alles! setz ich dran, um sie + Recht groß zu machen--ja in der Minute, + Worin wir sprechen-- +(Er besinnt sich.) + Und ich sollte nun, + Wie ein weichherz'ger Vater, was sich gern hat + Und liebt, fein bürgerlich zusammengeben? + Und jetzt soll ich das tun, jetzt eben, da ich + Auf mein vollendet Werk den Kranz will setzen-- + Nein, sie ist mir ein langgespartes Kleinod, + Die höchste, letzte Münze meines Schatzes, + Nicht niedriger fürwahr gedenk ich sie + Als um ein Königszepter loszuschlagen-- + +Herzogin. + O mein Gemahl! Sie bauen immer, bauen + Bis in die Wolken, bauen fort und fort + Und denken nicht dran, daß der schmale Grund + Das schwindelnd schwanke Werk nicht tragen kann. + +Wallenstein. (zur Gräfin) + Hast du ihr angekündigt, welchen Wohnsitz + Ich ihr bestimmt? + +Gräfin. + Noch nicht. Entdeckt's ihr selbst. + +Herzogin. + Wie? Gehen wir nach Kärnten nicht zurück? + +Wallenstein. + Nein. + +Herzogin. + Oder sonst auf keines Ihrer Güter? + +Wallenstein. + Sie würden dort nicht sicher sein. + +Herzogin. + Nicht sicher + In Kaisers Landen, unter Kaisers Schutz? + +Wallenstein. + Den hat des Friedlands Gattin nicht zu hoffen. + +Herzogin. + O Gott, bis dahin haben Sie's gebracht? + +Wallenstein. + In Holland werden Sie Schutz finden. + +Herzogin. + Was? + Sie senden uns in lutherischen Länder? + +Wallenstein. + Der Herzog Franz von Lauenburg wird Ihr + Geleitsmann dahin sein. + +Herzogin. + Der Lauenburger? + Der's mit dem Schweden hält, des Kaisers Feind? + +Wallenstein. + Des Kaisers Feinde sind die meinen nicht mehr. + +Herzogin. (sieht den Herzog und die Gräfin schreckensvoll an) + Ist's also wahr? Es ist? Sie sind + gestürzt? Sind vom Kommando abgesetzt? O Gott + Im Himmel! + +Gräfin. (seitwärts zum Herzog) + Lassen wir sie bei dem Glauben. + Du siehst, daß sie die Wahrheit nicht ertrüge. + + + +Fünfter Auftritt + +Graf Terzky. Vorige. + + +Gräfin. + Terzky! Was ist ihm? Welches Bild des Schreckens! + Als hätt' er ein Gespenst gesehn! + +Terzky. (Wallenstein bei Seite führend, heimlich) + Ist's dein Befehl, daß die Kroaten reiten? + +Wallenstein. + Ich weiß von nichts. + +Terzky. + Wir sind verraten! + +Wallenstein. + Was? + +Terzky. + Sie sind davon, heut nacht, die Jäger auch, + Leer stehen alle Dörfer in der Runde. + +Wallenstein. + Und Isolan? + +Terzky. + Den hast du ja verschickt. + +Wallenstein. + Ich? + +Terzky. + Nicht? Du hast ihn nicht verschickt? Auch nicht + Den Deodat? Sie sind verschwunden beide. + + + +Sechster Auftritt + +Illo. Vorige. + + +Illo. + Hat dir der Terzky-- + +Terzky. + Er weiß alles. + +Illo. + Auch daß Maradas, Esterhazy, Götz, + Colalto, Kaunitz dich verlassen?-- + +Terzky. + Teufel! + +Wallenstein. (winkt) + Still! + +Gräfin. (hat sie von weitem ängstlich beobachtet, tritt hinzu) + Terzky! Gott! Was gibt's? Was ist geschehen? + +Wallenstein. (im Begriff aufzubrechen) + Nichts! Laßt uns gehen. + +Terzky. (will ihm folgen) + Es ist nichts, Therese. + +Gräfin. (hält ihn). + Nichts? Seh ich nicht, daß alles Lebensblut + Aus euren geisterbleichen Wangen wich, + Daß selbst der Bruder Fassung nur erkünstelt? + +Page. (kommt) + Ein Adjutant fragt nach dem Grafen Terzky. +(Ab. Terzky folgt dem Pagen.) + +Wallenstein. + Hör, was er bringt-- +(Zu Illo.) + Das konnte nicht so heimlich + Geschehen ohne Meuterei--Wer hat + Die Wache an den Toren? + +Illo. + Tiefenbach. + +Wallenstein. + Laß Tiefenbach ablösen unverzüglich + Und Terzkys Grenadiere aufziehn.--Höre! + Hast du von Buttlern Kundschaft? + +Illo. + Buttlern traf ich. + Gleich ist er selber hier. Der hält dir fest. +(Illo geht. Wallenstein will ihm folgen.) + +Gräfin. + Laß ihn nicht von dir, Schwester! Halt ihn auf-- + Es ist ein Unglück-- + +Herzogin. + Großer Gott! Was ist's? +(Hängt sich an ihn.) + +Wallenstein. (erwehrt sich ihrer). + Seid ruhig! Laßt mich! Schwester! liebes Weib, + Wir sind im Lager! Da ist's nun nicht anders, + Da wechseln Sturm und Sonnenschein geschwind, + Schwer lenken sich die heftigen Gemüter, + Und Ruhe nie beglückt des Führers Haupt-- + Wenn ich soll bleiben, geht! Denn übel stimmt + Der Weiber Klage zu dem Tun der Männer. +(Er will gehen. Terzky kömmt zurück.) + +Terzky. + Bleib hier. Von diesem Fenster muß man's sehn. + +Wallenstein. (zur Gräfin) + Geht, Schwester! + +Gräfin. + Nimmermehr! + +Wallenstein. + Ich will's. + +Terzky. (führt sie beiseite, mit einem bedeutenden Wink auf die Herzogin) + Therese! + +Herzogin. + Komm, Schwester, weil er es befiehlt. +(Gehen ab.) + + + +Siebenter Auftritt + +Wallenstein. Graf Terzky. + + +Wallenstein. (ans Fenster tretend) + Was gibt's denn? + +Terzky. + Es ist ein Rennen und Zusammenlaufen + Bei allen Truppen. Niemand weiß die Ursach, + Geheimnisvoll, mit einer finstern Stille, + Stellt jedes Korps sich unter seine Fahnen, + Die Tiefenbacher machen böse Mienen, + Nur die Wallonen stehen abgesondert + In ihrem Lager, lassen niemand zu + Und halten sich gesetzt, so wie sie pflegen. + +Wallenstein. + Zeigt Piccolomini sich unter ihnen? + +Terzky. + Man sucht ihn, er ist nirgends anzutreffen. + Wallenstein. + Was überbrachte denn der Adjutant? + +Terzky. + Ihn schickten meine Regimenter ab, + Sie schwören nochmals Treue dir, erwarten + Voll Kriegeslust den Aufruf zum Gefechte. + +Wallenstein. + Wie aber kam der Lärmen in das Lager? + Es sollte ja dem Heer verschwiegen bleiben, + Bis sich zu Prag das Glück für uns entschieden. + +Terzky. + O daß du mir geglaubt! Noch gestern Abends + Beschwuren wir dich, den Octavio, + Den Schleicher, aus den Toren nicht zu lassen, + Du gabst die Pferde selber ihm zur Flucht-- + +Wallenstein. + Das alte Lied! Einmal für allemal, + Nichts mehr von diesem törichten Verdacht! + +Terzky. + Dem Isolani hast du auch getraut, + Und war der erste doch, der dich verließ. + +Wallenstein. + Ich zog ihn gestern erst aus seinem Elend. + Fahr hin! Ich hab auf Dank ja nie gerechnet. + +Terzky. + Und so sind alle, einer wie der andre. + +Wallenstein. + Und tut er Unrecht, daß er von mir geht? + Er folgt dem Gott, dem er sein Lebenlang + Am Spieltisch hat gedient. Mit meinem Glücke + Schloß er den Bund und bricht ihn, nicht mit mir. + War ich ihm was, er mir? Das Schiff nur bin ich, + Auf das er seine Hoffnung hat geladen, + Mit dem er wohlgemut das freie Meer + Durchsegelte; er sieht es über Klippen + Gefährlich gehn und rettet schnell die Ware. + Leicht wie der Vogel von dem wirtbarn Zweige, + Wo er genistet, fliegt er von mir auf, + Kein menschlich Band ist unter uns zerrissen. + Ja, der verdient, betrogen sich zu sehn, + Der Herz gesucht bei dem Gedankenlosen! + Mit schnell verlöschten Zügen schreiben sich + Des Lebens Bilder auf die glatte Stirne, + Nichts fällt in eines Busen stillen Grund, + Ein muntrer Sinn bewegt die leichten Säfte, + Doch keine Seele wärmt das Eingeweide. + +Terzky. + Doch möcht' ich mich den glatten Stirnen lieber + Als jenen tiefgefurchten anvertrauen. + + + +Achter Auftritt + +Wallenstein. Terzky. Illo kömmt wütend. + + +Illo. + Verrat und Meuterei! + +Terzky. + Ha! was nun wieder? + +Illo. + Die Tiefenbacher, als ich Ordre gab, + Sie abzulösen--Pflichtvergeßne Schelmen! + +Terzky. + Nun? + +Wallenstein. + Was denn? + +Illo. + Sie verweigern den Gehorsam. + +Terzky. + So laß sie niederschießen! O gib Ordre! + +Wallenstein. + Gelassen! Welche Ursach geben sie? + +Illo. + Kein andrer sonst hab ihnen zu befehlen + Als Generalleutnant Piccolomini. + +Wallenstein. + Was--Wie ist das? + +Illo. + So hab er's hinterlassen + Und eigenhändig vorgezeigt vom Kaiser. + +Terzky. + Vom Kaiser--Hörst du's, Fürst! + +Illo. + Auf seinen Antrieb + Sind gestern auch die Obersten entwichen. + +Terzky. + Hörst du's! + +Illo. + Auch Montecuculi, Caraffa + Und noch sechs andre Generale werden + Vermißt, die er bered't hat, ihm zu folgen. + Das hab er alles schon seit lange schriftlich + Bei sich gehabt vom Kaiser und noch jüngst + Erst abgeredet mit dem Questenberger. +(Wallenstein sinkt auf einen Stuhl und verhüllt sich das Gesicht.) + +Terzky. + O hättest du mir doch geglaubt! + + + +Neunter Auftritt + +Gräfin. Vorige. + + +Gräfin. + Ich kann die Angst--ich kann's nicht länger tragen, + Um Gotteswillen, sagt mir, was es ist. + +Illo. + Die Regimenter fallen von uns ab. + Graf Piccolomini ist ein Verräter. + +Gräfin. + O meine Ahnung! +(Stürzt aus dem Zimmer.) + +Terzky. + Hätt' man mir geglaubt! + Da siehst du's, wie die Sterne dir gelogen! + +Wallenstein. (richtet sich auf) + Die Sterne lügen nicht, das aber ist + Geschehen wider Sternenlauf und Schicksal. + Die Kunst ist redlich, doch dies falsche Herz + Bringt Lug und Trug in den wahrhaft'gen Himmel. + Nur auf der Wahrheit ruht die Wahrsagung; + Wo die Natur aus ihren Grenzen wanket, + Da irret alle Wissenschaft. War es + Ein Aberglaube, menschliche Gestalt + Durch keinen solchen Argwohn zu entehren, + O nimmer schäm ich dieser Schwachheit mich! + Religion ist in der Tiere Trieb, + Es trinkt der Wilde selbst nicht mit dem Opfer, + Dem er das Schwert will in den Busen stoßen. + Das war kein Heldenstück, Octavio! + Nicht deine Klugheit siegte über meine, + Dein schlechtes Herz hat über mein gerades + Den schändlichen Triumph davongetragen. + Kein Schild fing deinen Mordstreich auf, du führtest + Ihn ruchlos auf die unbeschützte Brust, + Ein Kind nur bin ich gegen solche Waffen. + + + +Zehnter Auftritt + +Vorige. Buttler. + + +Terzky. + O sieh da! Buttler! Das ist noch ein Freund! + Wallenstein +(geht ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen und umfaßt ihn +mit Herzlichkeit) + Komm an mein Herz, du alter Kriegsgefährt'! + So wohl tut nicht der Sonne Blick im Lenz + Als Freundes Angesicht in solcher Stunde. + +Buttler. + Mein General--Ich komme-- + +Wallenstein. (sich auf seine Schultern lehnend) + Weißt du's schon? + Der Alte hat dem Kaiser mich verraten. + Was sagst du? Dreißig Jahre haben wir + Zusammen ausgelebt und ausgehalten. + In einem Feldbett haben wir geschlafen, + Aus einem Glas getrunken, einen Bissen + Geteilt, ich stützte mich auf ihn, wie ich + Auf deine treue Schulter jetzt mich stütze; + Und in dem Augenblick, da liebevoll + Vertrauend meine Brust an seiner schlägt, + Ersieht er sich den Vorteil, sticht das Messer + Mir listig lauernd, langsam in das Herz! +(Er verbirgt das Gesicht an Buttlers Brust.) + +Buttler. + Vergeßt den Falschen. Sagt, was wollt Ihr tun? + +Wallenstein. + Wohl, wohl gesprochen. Fahre hin! Ich bin + Noch immer reich an Freunden, bin ich nicht? + Das Schicksal liebt mich noch, denn eben jetzt, + Da es des Heuchlers Tücke mir entlarvt, + Hat es ein treues Herz mir zugesendet. + Nichts mehr von ihm. Denkt nicht, daß sein Verlust + Mich schmerze, oh! mich schmerzt nur der Betrug. + Denn wert und teur waren mir die beiden, + Und jener Max, er liebte mich wahrhaftig, + Er hat mich nicht getäuscht, er nicht--Genug, + Genug davon! Jetzt gilt es schnellen Rat-- + Der Reitende, den mir Graf Kinsky schickt + Aus Prag, kann jeden Augenblick erscheinen. + Was er auch bringen mag, er darf den Meutern + Nicht in die Hände fallen. Drum geschwind, + Schickt einen sichern Boten ihm entgegen, + Der auf geheimem Weg ihn zu mir führe. +(Illo will gehen.) + +Buttler. (hält ihn zurück) + Mein Feldherr, wen erwartet Ihr? + +Wallenstein. + Den Eilenden, der mir die Nachricht bringt, + Wie es mit Prag gelungen. + +Buttler. + Hum! + +Wallenstein. + Was ist Euch? + +Buttler. + So wißt Ihr's nicht? + +Wallenstein. + Was denn? + +Buttler. + Wie dieser Lärmer + Ins Lager kam?-- + +Wallenstein. + Wie? + +Buttler. + Jener Bote-- + +Wallenstein. (erwartungsvoll) + Nun? + +Buttler. + Er ist herein. + +Terzky und Illo. + Er ist herein? + +Wallenstein. + Mein Bote? + +Buttler. + Seit mehrern Stunden. + +Wallenstein. + Und ich weiß es nicht? + +Buttler. + Die Wache fing ihn auf. + +Illo. (stampft mit dem Fuß) + Verdammt! + +Buttler. + Sein Brief + Ist aufgebrochen, läuft durchs ganze Lager-- + +Wallenstein. (gespannt) + Ihr wißt, was er enthält? + +Buttler. (bedenklich) + Befragt mich nicht! + +Terzky. + Oh--Weh uns, Illo! Alles stürzt zusammen! + +Wallenstein. + Verhehlt mir nichts. Ich kann das Schlimmste hören. + Prag ist verloren? Ist's? Gesteht mir's frei. + +Buttler. + Es ist verloren. Alle Regimenter + Zu Budweis, Tabor, Braunau, Königingrätz, + Zu Brünn und Znaym haben Euch verlassen, + Dem Kaiser neu gehuldigt--Ihr selbst + Mit Kinsky, Terzky, Illo seid geächtet. +(Terzky und Illo zeigen Schrecken und Wut. Wallenstein bleibt +fest und gefaßt stehen.) + +Wallenstein. (nach einer Pause) + Es ist entschieden, nun ist's gut--und schnell + Bin ich geheilt von allen Zweifelsqualen, + Die Brust ist wieder frei, der Geist ist hell: + Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen. + Mit zögerndem Entschluß, mit wankendem Gemüt + Zog ich das Schwert, ich tat's mit Widerstreben, + Da es in meine Wahl noch war gegeben! + Notwendigkeit ist da, der Zweifel flieht, + Jetzt fecht ich für mein Haupt und für mein Leben. +(Er geht ab. Die andern folgen.) + + + +Elfter Auftritt + + +Gräfin Terzky. (kommt aus dem Seitenzimmer) + Nein! Ich kann's länger nicht--Wo sind sie? Alles + Ist leer. Sie lassen mich allein--allein + In dieser fürchterlichen Angst--Ich muß + Mich zwingen vor der Schwester, ruhig scheinen + Und alle Qualen der bedrängten Brust + In mir verschließen--Das ertrag ich nicht! + --Wenn es uns fehlschlägt, wenn er zu dem Schweden + Mit leerer Hand, als Flüchtling, müßte kommen, + Nicht als geehrter Bundesgenosse, stattlich, + Gefolgt von eines Heeres Macht--Wenn wir + Von Land zu Land wie der Pfalzgraf müßten wandern, + Ein schmählich Denkmal der gefallnen Größe-- + Nein, diesen Tag will ich nicht schaun! und könnt' + Er selbst es auch ertragen, so zu sinken, + Ich trüg's nicht, so gesunken ihn zu sehn. + + + +Zwölfter Auftritt + +Gräfin. Herzogin. Thekla. + + +Thekla. (will die Herzogin zurückhalten) + O liebe Mutter, bleiben Sie zurück! + +Herzogin. + Nein, hier ist noch ein schreckliches Geheimnis, + Das mir verhehlt wird--Warum meidet mich + Die Schwester? Warum seh ich sie voll Angst + Umhergetrieben, warum dich voll Schrecken? + Und was bedeuten diese stummen Winke, + Die du verstohlen heimlich mit ihr wechselst? + +Thekla. + Nichts, liebe Mutter! + +Herzogin. + Schwester, ich will's wissen. + +Gräfin. + Was hilft's auch, ein Geheimnis draus zu machen! + Läßt sich's verbergen? Früher, später muß + Sie's doch vernehmen lernen und ertragen! + Nicht Zeit ist's jetzt, der Schwäche nachzugeben, + Mut ist uns not und ein gefaßter Geist, + Und in der Stärke müssen wir uns üben. + Drum besser, es entscheidet sich ihr Schicksal + Mit einem Wort--Man hintergeht Euch, Schwester. + Ihr glaubt, der Herzog sei entsetzt--der Herzog + Ist nicht entsetzt--er ist-- + +Thekla. (zur Gräfin gehend) + Wollt Ihr sie töten? + +Gräfin. + Der Herzog ist-- + +Thekla. (die Arme um die Mutter schlagend). + O standhaft, meine Mutter! + +Gräfin. + Empört hat sich der Herzog, zu dem Feind + Hat er sich schlagen wollen, die Armee + Hat ihn verlassen, und es ist mißlungen. +(Während dieser Worte wankt die Herzogin und fällt ohnmächtig +in die Arme ihrer Tochter.) + + + +Dreizehnter Auftritt + +Ein großer Saal beim Herzog von Friedland. + + +Wallenstein. (im Harnisch) + Du hast's erreicht, Octavio--Fast bin ich + Jetzt so verlassen wieder, als ich einst + Vom Regenspurger Fürstentage ging. + Da hatt' ich nichts mehr als mich selbst--doch was + Ein Mann kann wert sein, habt ihr schon erfahren. + Den Schmuck der Zweige habt ihr abgehauen, + Da steh ich, ein entlaubter Stamm! Doch innen + Im Marke lebt die schaffende Gewalt, + Die sprossend eine Welt aus sich geboren. + Schon einmal galt ich euch statt eines Heeres, + Ich einzelner. Dahingeschmolzen vor + Der schwed'schen Stärke waren eure Heere, + Am Lech sank Tilly, euer letzter Hort; + Ins Bayerland, wie ein geschwollner Strom, + Ergoß sich dieser Gustav, und zu Wien + In seiner Hofburg zitterte der Kaiser. + Soldaten waren teuer, denn die Menge + Geht nach dem Glück--Da wandte man die Augen + Auf mich, den Helfer in der Not, es beugte sich + Der Stolz des Kaisers vor dem Schwergekränkten: + Ich sollte aufstehn mit dem Schöpfungswort + Und in die hohlen Läger Menschen sammeln. + Ich tat's. Die Trommel ward gerührt. Mein Name + Ging wie ein Kriegsgott durch die Welt. Der Pflug, + Die Werkstatt wird verlassen, alles wimmelt + Der altbekannten Hoffnungsfahne zu-- + --Noch fühl ich mich denselben, der ich war! + Es ist der Geist, der sich den Körper baut, + Und Friedland wird sein Lager um sich füllen. + Führt eure Tausende mir kühn entgegen, + Gewohnt wohl sind sie, unter mir zu siegen, + Nicht gegen mich--Wenn Haupt und Glieder sich trennen, + Da wird sich zeigen, wo die Seele wohnte. +(Illo und Terzky treten ein.) + Mut, Freunde, Mut! Wir sind noch nicht zu Boden. + Fünf Regimenter Terzky sind noch unser + Und Buttlers wackre Scharen--Morgen stößt + Ein Heer zu uns von sechzehntausend Schweden. + Nicht mächt'ger war ich, als ich vor neun Jahren + Auszog, dem Kaiser Deutschland zu erobern. + + + +Vierzehnter Auftritt + +Vorige. Neumann, der den Grafen Terzky beiseite führt und +mit ihm spricht. + + +Terzky. (zu Neumann). + Was suchen Sie? + +Wallenstein. + Was gibt's? + +Terzky. + Zehn Kürassiere + Von Pappenheim verlangen dich im Namen + Des Regiments zu sprechen. + +Wallenstein. (schnell zu Neumann) + Laß sie kommen. +(Neumann geht hinaus.) + Davon erwart ich etwas. Gebet acht, + Sie zweifeln noch und sind noch zu gewinnen. + + + +Fünfzehnter Auftritt + +Wallenstein. Terzky. Illo. Zehn Kürassiere, von einem Gefreiten +geführt, marschieren auf und stellen sich nach dem Kommando in +einem Glied vor den Herzog, die Honneurs machend. + + +Wallenstein. (nachdem er sie eine Zeitlang mit den Augen gemessen, zum +Gefreiten) + Ich kenne dich wohl. Du bist aus Brügg' in Flandern, + Dein Nam' ist Mercy. + +Gefreiter. + Heinrich Mercy heiß ich. + +Wallenstein. + Du wurdest abgeschnitten auf dem Marsch, + Von Hessischen umringt und schlugst dich durch, + Mit hundertachtzig Mann durch ihrer tausend. + +Gefreiter. + So ist's, mein General. + +Wallenstein. + Was wurde dir + Für diese wackre Tat? + +Gefreiter. + Die Ehr', mein Feldherr, + Um die ich bat, bei diesem Korps zu dienen. + +Wallenstein. (wendet sich zu einem andern) + Du warst darunter, als ich die Freiwilligen + Heraus ließ treten auf dem Altenberg, + Die schwed'sche Batterie hinwegzunehmen. + +Zweiter Kürassier. + So ist's, mein Feldherr. + +Wallenstein. + Ich vergesse keinen, + Mit dem ich einmal Worte hab gewechselt. + Bringt eure Sache vor. + +Gefreiter. (kommandiert) + Gewehr in Arm! + +Wallenstein. (zu einem dritten gewendet) + Du nennst dich Risbeck, Köln ist dein Geburtsort. + +Dritter Kürassier. + Risbeck aus Köln. + +Wallenstein. + Den schwed'schen Oberst Dübald brachtest du + Gefangen ein im Nürenberger Lager. + +Dritter Kürassier. + Ich nicht, mein General. + +Wallenstein. + Ganz recht! Es war + Dein ältrer Bruder, der es tat--du hattest + Noch einen jüngern Bruder, wo blieb der? + +Dritter Kürassier. + Er steht zu Olmütz bei des Kaisers Heer. + +Wallenstein. (zum Gefreiten) + Nun so laß hören. + +Gefreiter. + Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen, + Der uns-- + +Wallenstein. (unterbricht ihn) + Wer wählte Euch? + +Gefreiter. + Jedwede Fahn' + Zog ihren Mann durchs Los. + +Wallenstein. + Nun denn zur Sache! + +Gefreiter. + Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen, + Der uns befiehlt, die Pflicht dir aufzukündigen, + Weil du ein Feind und Landsverräter seist. + Wallenstein. + Was habt ihr drauf beschlossen? + +Gefreiter. + Unsre Kameraden + Zu Braunau, Budweis, Prag und Olmütz haben + Bereits gehorcht, und ihrem Beispiel folgten + Die Regimenter Tiefenbach, Toscana. + --Wir aber glauben's nicht, daß du ein Feind + Und Landsverräter bist, wir halten's bloß + Für Lug und Trug und spanische Erfindung. +(Treuherzig.) + Du selber sollst uns sagen, was du vorhast, + Denn du bist immer wahr mit uns gewesen, + Das höchste Zutraun haben wir zu dir, + Kein fremder Mund soll zwischen uns sich schieben, + Den guten Feldherrn und die guten Truppen. + +Wallenstein. + Daran erkenn ich meine Pappenheimer. + +Gefreiter. + Und dies entbietet dir dein Regiment: + Ist's deine Absicht bloß, dies Kriegeszepter, + Das dir gebührt, das dir der Kaiser hat + Vertraut, in deinen Händen zu bewahren, + Östreichs rechtschaffner Feldhauptmann zu sein, + So wollen wir dir beistehn und dich schützen + Bei deinem guten Rechte gegen jeden-- + Und wenn die andern Regimenter alle + Sich von dir wenden, wollen wir allein + Dir treu sein, unser Leben für dich lassen. + Denn das ist unsre Reiterpflicht, daß wir + Umkommen lieber, als dich sinken lassen. + Wenn's aber so ist, wie des Kaisers Brief + Besagt, wenn's wahr ist, daß du uns zum Feind + Treuloserweise willst hinüberführen, + Was Gott verhüte! ja, so wollen wir + Dich auch verlassen und dem Brief gehorchen. + +Wallenstein. + Hört, Kinder-- + +Gefreiter. + Braucht nicht viel Wort. Sprich + Ja oder nein, so sind wir schon zufrieden. + +Wallenstein. + Hört an. Ich weiß, daß ihr verständig seid, + Selbst prüft und denkt und nicht der Herde folgt. + Drum hab ich euch, ihr wißt's, auch ehrenvoll + Stets unterschieden in der Heereswoge; + Denn nur die Fahnen zählt der schnelle Blick + Des Feldherrn, er bemerkt kein einzeln Haupt, + Streng herrscht und blind der eiserne Befehl, + Es kann der Mensch dem Menschen hier nichts gelten-- + So, wißt ihr, hab ich's nicht mit euch gehalten; + Wie ihr euch selbst zu fassen angefangen + Im rohen Handwerk, wie von euren Stirnen + Der menschliche Gedanke mir geleuchtet, + Hab ich als freie Männer euch behandelt, + Der eignen Stimme Recht euch zugestanden-- + +Gefreiter. + Ja, würdig hast du stets mit uns verfahren, + Mein Feldherr, uns geehrt durch dein Vertraun, + Uns Gunst erzeigt vor allen Regimentern. + Wir folgen auch dem großen Haufen nicht, + Du siehst's! Wir wollen treulich bei dir halten. + Sprich nur ein Wort, dein Wort soll uns genügen, + Daß es Verrat nicht sei, worauf du sinnst, + Daß du das Herr zum Feind nicht wollest führen. + +Wallenstein. + Mich, mich verrät man! Aufgeopfert hat mich + Der Kaiser meinen Feinden, fallen muß ich, + Wenn meine braven Truppen mich nicht retten. + Euch will ich mich vertrauen--Euer Herz + Sei meine Festung! Seht, auf diese Brust + Zielt man! Nach diesem greisen Haupte!--Das + Ist span'sche Dankbarkeit, das haben wir + Für jene Mordschlacht auf der alten Feste, + Auf Lützens Ebnen! Darum warfen wir + Die nackte Brust der Partisan' entgegen, + Drum machten wir die eisbedeckten Erde, + Den harten Stein zu unserm Pfühl; kein Strom + War uns zu schnell, kein Wald zu undurchdringlich, + Wir folgten jenem Mansfeld unverdrossen + Durch alle Schlangenkrümmen seiner Flucht, + Ein ruheloser Marsch war unser Leben, + Und wie des Windes Sausen, heimatlos, + Durchstürmten wir die kriegbewegte Erde. + Und jetzt, da wir die schwere Waffenarbeit, + Die undankbare, fluchbeladene, getan, + Mit unermüdet treuem Arm des Krieges Last + Gewälzt, soll dieser kaiserliche Jüngling + Den Frieden leicht wegtragen, soll den Ölzweig, + Die wohlverdiente Zierde unsers Haupts, + Sich in die blonden Knabenhaare flechten-- + +Gefreiter. + Das soll er nicht, solang wir's hindern können. + Niemand als du, der ihn mit Ruhm geführt, + Soll diesen Krieg, den fürchterlichen, enden. + Du führtest uns heraus ins blut'ge Feld + Des Todes, du, kein andrer, sollst uns fröhlich + Heimführen in des Friedens schöne Fluren, + Der langen Arbeit Früchte mit uns teilen-- + +Wallenstein. + Wie? denkt ihr euch im späten Alter endlich + Der Früchte zu erfreuen? Glaubt das nicht. + Ihr werdet dieses Kampfes Ende nimmer + Erblicken! Dieser Krieg verschlingt uns alle. + Östreich will keinen Frieden; darum eben, + Weil ich den Frieden suche, muß ich fallen. + Was kümmert's Östreich, ob der lange Krieg + Die Heere aufreibt und die Welt verwüstet, + Es will nur wachsen stets und Land gewinnen. + Ihr seid gerührt--ich seh den edeln Zorn + Aus euren kriegerischen Augen blitzen. + O daß mein Geist euch jetzt beseelen möchte, + Kühn, wie er einst in Schlachten euch geführt! + Ihr wollt mir beistehn, wollt mich mit den Waffen + Bei meinem Rechte schützen--das ist edelmütig! + Doch denket nicht, daß ihr's vollenden werdet, + Das kleine Heer! Vergebens werdet ihr + Für euren Feldherrn euch geopfert haben. +(Zutraulich.) + Nein! Laßt uns sicher gehen, Freunde suchen, + Der Schwede sagt uns Hilfe zu, laßt uns + Zum Schein sie nutzen, bis wir, beiden furchtbar, + Europens Schicksal in den Händen tragen + Und der erfreuten Welt aus unserm Lager + Den Frieden schön bekränzt entgegenführen. + +Gefreiter. + So treibst du's mit dem Schweden nur zum Schein? + Du willst den Kaiser nicht verraten, willst uns + Nicht schwedisch machen?--sieh, das ist's allein, + Was wir von dir verlangen zu erfahren. + +Wallenstein. + Was geht der Schwed' mich an? Ich haß ihn, wir + Den Pfuhl der Hölle, und mit Gott gedenk ich ihn + Bald über seine Ostsee heimzujagen. + Mir ist's allein ums Ganze. Seht! Ich hab + Ein Herz, der Jammer dieses deutschen Volks erbarmt mich. + Ihr seid gemeine Männer nur, doch denkt + Ihr nicht gemein, ihr scheint mir's wert vor andern, + Daß ich ein traulich Wörtlein zu euch rede-- + Seht! Fünfzehn Jahr schon brennt die Kriegesfackel, + Und noch ist nirgends Stillstand. Schwed' und Deutscher! + Papist und Lutheraner! Keiner will + Dem andern weichen! Jede Hand ist wider + Die andre! Alles ist Partei und nirgends + Kein Richter! Sagt, wo soll das enden? wer + Den Knäul entwirren, der, sich endlos selbst + Vermehrend, wächst--Er muß zerhauen werden. + Ich fühl's, daß ich der Mann des Schicksals bin, + Und hoff's mit eurer Hilfe zu vollführen. + + + +Sechzehnter Auftritt + +Buttler. Vorige. + + +Buttler. (in Eifer) + Das ist nicht wohlgetan, mein Feldherr. + +Wallenstein. + Was? + +Buttler. + Das muß uns schaden bei den Gutgesinnten. + +Wallenstein. + Was denn? + +Buttler. + Es heißt den Aufruhr öffentlich erklären! + +Wallenstein. + Was ist es denn? + +Buttler. + Graf Terzkys Regimenter reißen + Den kaiserlichen Adler von den Fahnen + Und pflanzen deine Zeichen auf. + +Gefreiter. (zu den Kürassieren). + Rechts um! + +Wallenstein. + Verflucht sei dieser Rat, und wer ihn gab! +(Zu den Kürassieren, welche abmarschieren.) + Halt, Kinder, halt--Es ist ein Irrtum--Hört-- + Und streng will ich's bestrafen--Hört doch! Bleibt. + Sie hören nicht. +(Zu Illo.) + Geh nach, bedeute sie, + Bring sie zurück, es koste was es wolle. +(Illo eilt hinaus.) + Das stürzt uns ins Verderben--Buttler! Buttler! + Ihr seid mein böser Dämon, warum mußtet Ihr's + In ihrem Beisein melden!--Alles war + Auf gutem Weg--Sie waren halb gewonnen-- + Die Rasenden, mit ihrer unbedachten + Dienstfertigkeit!--O grausam spielt das Glück + Mit mir! Der Freunde Eifer ist's, der mich + Zugrunde richtet, nicht er Haß der Feinde. + + + +Siebzehnter Auftritt + +Vorige. Die Herzogin stürzt ins Zimmer. Ihr folgt Thekla und +die Gräfin. Dann Illo. + + +Herzogin. + O Albrecht! Was hast du getan! + +Wallenstein. + Nun das noch! + +Gräfin. + Verzeih mir, Bruder. Ich vermocht' es nicht, + Sie wissen alles. + +Herzogin. + Was hast du getan! + +Gräfin. (zu Terzky) + Ist keine Hoffnung mehr? Ist alles denn + Verloren? + +Terzky. + Alles. Prag ist in des Kaisers Hand, + Die Regimenter haben neu gehuldigt. + +Gräfin. + Heimtückischer Octavio!--Und auch + Graf Max ist fort? + +Terzky. + Wo sollt er sein? Er ist + Mit seinem Vater über zu dem Kaiser. +(Thekla stürzt in die Arme ihrer Mutter, das Gesicht an ihrem +Busen verbergend.) + +Herzogin. (sie in die Arme schließend). + Unglücklich Kind! Unglücklichere Mutter! + +Wallenstein. (beiseite gehend mit Terzky). + Laß einen Reisewagen schnell bereit sein + Im Hinterhofe, diese wegzubringen. +(Auf die Frauen zeigend.) + Der Scherfenberg kann mit, der ist uns treu, + Nach Eger bringt er sie, wir folgen nach. +(Zu Illo, der wiederkommt.) + Du bringst sie nicht zurück? + +Illo. + Hörst du den Auflauf? + Das ganze Korps der Pappenheimer ist + Im Anzug. Sie verlangen ihren Oberst, + Den Max zurück, er sei hier auf dem Schloß, + Behaupten sie, du haltest ihn mit Zwang, + Und wenn du ihn nicht losgebst, werde man + Ihn mit dem Schwerte zu befreien wissen. +(Alle stehen erstaunt.) + +Wallenstein. + Sagt' ich's nicht? + O mein wahrsagend Herz! Er ist noch hier. + Er hat mich nicht verraten, hat es nicht + Vermocht--Ich habe nie daran gezweifelt. + +Gräfin. + Ist er noch hier, o dann ist alles gut, + Dann weiß ich, was ihn ewig halten soll! +(Thekla umarmend.) + +Terzky. + Es kann nicht sein. Bedenke doch! Der Alte + Hat uns verraten, ist zum Kaiser über, + Wie kann er's wagen, hierzusein? + +Illo. (zum Wallenstein) + Den Jagdzug, + Den du ihm kürzlich schenktest, sah ich noch + Vor wenig Stunden übern Markt wegführen. + +Gräfin. + O Nichte, dann ist er nicht weit! + +Thekla. (hat den Blick nach der Türe geheftet und ruft lebhaft) + Da ist er! + + + +Achtzehnter Auftritt + +Die Vorigen. Max Piccolomini. + + +Max. (mitten in den Saal tretend). + Ja! Ja! da ist er! Ich vermag's nicht länger, + Mit leisem Tritt um dieses Haus zu schleichen, + Den günst'gen Augenblick verstohlen zu + Erlauern--Dieses Harren, diese Angst + Geht über meine Kräfte! +(Auf Thekla zugehend, welche sich ihrer Mutter in die Arme +geworfen.) + O sieh mich an! Sieh nicht weg, holder Engel. + Bekenn es frei vor allen. Fürchte niemand. + Es höre, wer es will, daß wir uns lieben. + Wozu es noch verbergen? Das Geheimnis + Ist für die Glücklichen; das Unglück braucht, + Das hoffnungslose, keinen Schleier mehr, + Frei unter tausend Sonnen kann es handeln. +(Er bemerkt die Gräfin, welche mit frohlockendem Gesicht auf +Thekla blickt.) + Nein, Base Terzky! Seht mich nicht erwartend, + Sicht hoffend an! Ich komme nicht zu bleiben. + Abschied zu nehmen, komm ich--Es ist aus. + Ich muß, muß dich verlassen, Thekla--muß! + Doch deinen Haß kann ich nicht mit mir nehmen. + Nur einen Blick des Mitleids gönne mir, + Sag, daß du mich nicht hassest. Sag mir's, Thekla. +(Indem er ihre Hand faßt, heftig bewegt.) + O Gott!--Gott! Ich kann nicht von dieser Stelle. + Ich kann es nicht--kann diese Hand nicht lassen. + Sag, Thekla, daß du Mitleid mit mir hast, + Dich selber überzeugst, ich kann nicht anders. +(Thekla, seinen Blick vermeidend, zeigt mit der Hand auf ihren Vater; +er wendet sich nach dem Herzog um, den er jetzt erst gewahr wird.) + Du hier?--Nicht du bist's, den ich hier gesucht. + Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen. + Ich hab es nur mit ihr allein. Hier will ich, + Von diesem Herzen freigesprochen sein, + An allem andern ist nichts mehr gelegen. + +Wallenstein. + Denkst du, ich soll der Tor sein und dich ziehen lassen + Und eine Großmutsszene mit dir spielen? + Dein Vater ist zum Schelm an mir geworden, + Du bist mir nichts mehr als sein Sohn, sollst nicht + Umsonst in meine Macht gegeben sein. + Denk nicht, daß ich die alte Freundschaft ehren werde, + Die er so ruchlos hat verletzt. Die Zeiten + Der Liebe sind vorbei, der zarten Schonung, + Und Haß und Rache kommen an die Reihe. + Ich kann auch Unmensch sein, wie er. + +Max. + Du wirst mit mir verfahren, wie du Macht hast. + Wohl aber weißt du, daß ich deinem Zorn + Nicht trotze, noch ihn fürchte. Was mich hier + Zurückhält, weißt du! +(Thekla bei der Hand fassend.) + Sieh! Alles--alles wollt' ich dir verdanken, + Das Los der Seligen wollt' ich empfangen + Aus deiner väterlichen Hand. Du hast's + Zerstört, doch daran liegt dir nichts. Gleichgültig + Trittst du das Glück der Deinen in den Staub, + Der Gott, dem du dienst, ist kein Gott der Gnade. + Wie das gemütlos blinde Element, + Das furchtbare, mit dem kein Bund zu schließen, + Folgst du des Herzens wildem Trieb allein. + Weh denen, die auf dich vertraun, an dich + Die sichre Hütte ihres Glückes lehnen, + Gelockt von deiner gastlichen Gestalt! + Schnell, unverhofft, bei nächtlich stiller Weile + Gärt's in dem tück'schen Feuerschlunde, ladet + Sich aus mit tobender Gewalt, und weg + Treibt über alle Pflanzungen der Menschen + Der wilde Strom in grausender Zerstörung. + +Wallenstein. + Du schilderst deines Vaters Herz. Wie du's + Beschreibst, so ist's in seinem Eingeweide, + In dieser schwarzen Heuchlers Brust gestaltet. + O mich hat Höllenkunst getäuscht. Mir sandte + Der Abgrund den verstecktesten der Geister, + Den Lügenkundigsten herauf und stellt ihn + Als Freund an meine Seite. Wer vermag + Der Hölle Macht zu widerstehn! Ich zog + Des Basilisken auf an meinem Busen, + Mit meinem Herzblut nährt' ich ihn, er sog + Sich schwelgend voll an meiner Liebe Brüsten, + Ich hatte nimmer Arges gegen ihn, + Weit offen ließ ich des Gedankens Tore + Und warf die Schlüssel weiser Vorsicht weg-- + Am Sternenhimmel suchten meine Augen, + Im weiten Weltenraum den Feind, den ich + Im Herzen meines Herzens eingeschlossen. + --Wär' ich dem Ferdinand gewesen, was + Octavio mir war--Ich hätt' ihm nie + Krieg angekündigt--nie hätt' ich's vermocht. + Er war mein strenger Herr nur, nicht mein Freund, + Nicht meiner Treu vertraute sich der Kaiser. + Krieg war schon zwischen mir und ihm, als er + Den Feldherrnstab in meine Hände legte; + Denn Krieg ist ewig zwischen List und Argwohn, + Nur zwischen Glauben und Vertraun ist Friede. + Wer das Vertraun vergiftet, o der mordet + Das werdende Geschlecht im Leib der Mutter. + +Max. + Ich will den Vater nicht verteidigen. + Weh mir, daß ich's nicht kann! + Unglücklich schwere Taten sind geschehn, + Und eine Frevelhandlung faßt die andre + In enggeschloßner Kette grausend an. + Doch wie gerieten wir, die nichts verschuldet, + In diesen Kreis des Unglücks und Verbrechens? + Wem brachen wir die Treue? Warum muß + Der Väter Doppelschuld und Freveltat + Uns gräßlich wie ein Schlangenpaar umwinden? + Warum der Väter unversöhnter Haß + Auch uns, die Liebenden, zerreißend scheiden? +(Er umschlingt Thekla mit heftigem Schmerz.) + +Wallenstein. (hat den Blick schweigend auf ihn geheftet und + nähert sich jetzt). + Max! Bleibe bei mir.--Geh nicht von mir, Max! + Sieh, als man dich im pragschen Winterlager + Ins Zelt mir brachte, einen zarten Knaben, + Des deutschen Winters ungewohnt, die Hand + War dir erstarrt an der gewichtigen Fahne, + Du wolltst männlich sie nicht lassen, damals nahm ich + Dich auf, bedeckte dich mit meinem Mantel, + Ich selbst war deine Wärterin, nicht schämt' ich + Der kleinen Dienste mich, ich pflegte deiner + Mit weiblich sorgender Geschäftigkeit, + Bis du, von mir erwärmt, an meinem Herzen, + Das junge Leben wieder freudig fühltest. + Wann hab ich seitdem meinen Sinn verändert? + Ich habe viele Tausend reich gemacht, + Mit Ländereien sie beschenkt, belohnt + Mit Ehrenstellen--dich hab ich geliebt, + Mein Herz, mich selber hab ich dir gegeben. + Sie alle waren Fremdlinge, du warst + Das Kind des Hauses--Max! du kannst mich nicht + verlassen! + Es kann nicht sein, ich mag's und will's nicht glauben, + Daß mich der Max verlassen kann. + +Max. + O Gott! + +Wallenstein. + Ich habe dich gehalten und getragen + Von Kindesbeinen an--Was tat dein Vater + Für dich, das ich nicht reichlich auch getan? + Ein Liebesnetz hab ich um dich gesponnen, + Zerreiß es, wenn du kannst--Du bist an mich + Geknüpft mit jedem zarten Seelenbande, + Mit jeder heil'gen Fessel der Natur, + Die Menschen aneinanderketten kannn. + Geh hin, verlaß mich, diene deinem Kaiser, + Laß dich mit einem goldnen Gnadenkettlein, + Mit seinem Widderfell dafür belohnen, + Daß dir der Freund, der Vater deiner Jugend, + Daß dir das heiligste Gefühl nichts galt. + +Max. (in heftigem Kampf) + O Gott! Wie kann ich anders? Muß ich nicht? + Mein Eid--die Pflicht-- + +Wallenstein. + Pflicht, gegen wen? Wer bist du? + Wenn ich am Kaiser unrecht handle, ist's + Mein Unrecht, nicht das deinige. Gehörst + Du dir? Bist du dein eigener Gebieter, + Stehst frei da in der Welt, wie ich, daß du + Der Täter deiner Taten könntest sein? + Auf mich bist du gepflanzt, ich bin dein Kaiser, + Mir angehören, mir gehorchen, das + Ist deine Ehre, dein Naturgesetz. + Und wenn der Stern, auf dem du lebst und wohnst, + Aus seinem Gleise tritt, sich brennend wirft + Auf ein nächste Welt und sie entzündet, + Dukannst nicht wählen, ob du folgen willst, + Fort reißt er dich in seines Schwunges Kraft + Samt seinem Ring und allen seinen Monden. + Mit leichter Schuld gehst du in diesen Streit, + Dich wird die Welt nicht tadeln, sie wird's loben, + Daß dir der Freund das meiste hat gegolten. + + + +Neunzehnter Auftritt + +Vorige. Neumann. + + +Wallenstein. + Was gibt's? + +Neumann. + Die Pappenheimischen sind abgesessen + Und rücken an zu Fuß; sie sind entschlossen, + Den Degen in der Hand das Haus zu stürmen, + Den Grafen wollen sie befrein. + +Wallenstein. (zu Terzky) + Man soll + Die Ketten vorziehn, das Geschütz aufpflanzen. + Mit Kettenkugeln will ich sie empfangen. +(Terzky geht.) + Mir vorzuschreiben mit dem Schwert! Geh, Neumann, + Sie sollen sich zurückziehn, augenblicks, + Ist mein Befehl, und in der Ordnung schweigend warten, + Was mir gefallen wird zu tun. +(Neumann geht ab. Illo ist ans Fenster getreten.) + +Gräfin. + Entlaß ihn. + Ich bitte dich, entlaß ihn! + +Illo. (am Fenster) + Tod und Teufel! + +Wallenstein. + Was ist's? + +Illo. + Aufs Rathaus steigen sie, das Dach + Wird abgedeckt, sie richten die Kanonen + Aufs Haus-- + +Max. + Die Rasenden! + +Illo. + Sie machen Anstalt, + Uns zu beschießen-- + Herzogin und Gräfin. + Gott im Himmel! + +Max. (zu Wallenstein). + Laß mich + Hinunter, sie bedeuten-- + +Wallenstein. + Keinen Schritt! + +Max. (auf Thekla und die Herzogin zeigend) + Ihr Leben aber! Deins! + +Wallenstein. + Was bringst du, Terzky? + + + +Zwanzigster Auftritt + +Vorige. Terzky kommt zurück. + + +Terzky. + Botschaft von unsern treuen Regimentern. + Ihr Mut sei länger nicht zu bändigen, + Sie flehen um Erlaubnis, anzugreifen, + Vom Prager- und vom Mühl-Tor sind sie Herr, + Und wenn du nur die Losung wolltest geben, + So könnten sie den Feind im Rücken fassen, + Ihn in die Stadt einkeilen, in der Enge + Der Straßen leicht ihn überwältigen. + +Illo. + O komm! Laß ihren Eifer nicht erkalten. + Die Buttlerischen halten treu zu uns, + Wir sind die größre Zahl und werfen sie + Und enden hier in Pilsen die Empörung. + +Wallenstein. + Soll diese Stadt zum Schlachtgefilde werden + Und brüderliche Zwietracht, feueraugig, + Durch ihre Straßen losgelassen toben? + Dem tauben Grimm, der keinen Führer hört, + Soll die Entscheidung übergeben sein? + Hier ist nicht Raum zum Schlagen, nur zum Würgen; + Die losgebundnen Furien der Wut + Ruft keines Herrschers Stimme mehr zurück. + Wohl, es mag sein! Ich hab es lang bedacht, + So mag sich's rasch und blutig denn entladen. +(Zu Max gewendet.) + Wie ist's? Willst du den Gang mit mir versuchen? + Freiheit zu gehen hast du. Stelle dich + Mir gegenüber. Führe sie zum Kampf. + Den Krieg verstehst du, hast bei mir etwas + Gelernt, ich darf des Gegners mich nicht schämen, + Und keinen schönern Tag erlebst du, mir + Die Schule zu bezahlen. + +Gräfin. + Ist es dahin + Gekommen? Vetter! Vetter! könnt Ihr's tragen? + +Max. + Die Regimenter, die mir anvertraut sind, + Dem Kaiser treu hinwegzuführen, hab ich + Gelobt; dies will ich halten oder sterben. + Mehr fordert keine Pflicht von mir. Ich fechte + Nicht gegen dich, wenn ich's vermeiden kann, + Denn auch dein feindlich Haupt ist mir noch heilig. +(Es geschehn zwei Schüsse. Illo und Terzky eilen ans Fenster.) + +Wallenstein. + Was ist das? + +Terzky. + Er stürzt. + Wallenstein. + Stürzt! Wer? + +Illo. + Die Tiefenbacher taten + Den Schuß. + +Wallenstein. + Auf wen? + +Illo. + Auf diesen Neumann, den + Du schicktest-- + +Wallenstein. (auffahrend). + Tod und Teufel! So will ich-- +(Will gehen.) + +Terzky. + Dich ihrer blinden Wut entgegenstellen? + Herzogin und Gräfin. + Um Gotteswillen nicht! + +Illo. + Jetzt nicht, mein Feldherr. + +Gräfin. + O halt ihn! halt ihn! + +Wallenstein. + Laßt mich! + +Max. + Tu es nicht, + Jetzt nicht. Die blutig rasche Tat hat sie + In Wut gesetzt, erwarte ihre Reue-- + +Wallenstein. + Hinweg! Zu lange schon hab ich gezaudert. + Das konnten sie sich freventlich erkühnen, + Weil sie mein Angesicht nicht sahn--sie sollen + Mein Antlitz sehen, meine Stimme hören-- + Sind es nicht meine Truppen? Bin ich nicht + Ihr Feldherr und gefürchteter Gebieter? + Laß sehn, ob sie das Antlitz nicht mehr kennen, + Das ihre Sonne war in dunkler Schlacht. + Es braucht der Waffen nicht. Ich zeige mich + Vom Altan dem Rebellenherr, und schnell + Bezähmt, gebt acht, kehrt der empörte Sinn + Ins alte Bette des Gehorsams wieder. +(Er geht. Ihm folgen Illo, Terzky und Buttler.) + + + +Einundzwanzigster Auftritt + +Gräfin. Herzogin. Max und Thekla. + + +Gräfin. (zur Herzogin) + Wenn sie ihn sehn--Es ist noch Hoffnung, Schwester. + +Herzogin. + Hoffnung! Ich habe keine. + +Max. (der während des letzten Auftritts in einem sichtbaren Kampf + von ferne gestanden, tritt näher). + Das ertrag ich nicht. + Ich kam hierher mit fest entschiedner Seele, + Ich glaubte, recht und tadellos zu tun, + Und muß hier stehen, wie ein Hassenswerter, + Ein roh Unmenschlicher, vom Fluch belastet, + Vom Abscheu aller, die mir teuer sind, + Unwürdig schwer bedrängt die Lieben sehn, + Die ich mit einem Wort beglücken kann-- + Das Herz in mir empört sich, es erheben + Zwei Stimmen streitend sich in meiner Brust, + In mir ist Nacht, ich weiß das Rechte nicht zu wählen. + O wohl, wohl hast du wahr geredet, Vater, + Zu viel vertraut' ich auf das eigne Herz, + Ich stehe wankend, weiß nicht, was ich soll. + +Gräfin. + Sie wissen's nicht? Ihr Herz sagt's Ihnen nicht? + So will ich's Ihnen sagen! + Ihr Vater hat den schreienden Verrat + An uns begangen, an des Fürsten Haupt + Gefrevelt, uns in Schmach gestürzt, daraus + Ergibt sich klar, was Sie, sein Sohn, tun sollen: + Gutmachen, was der Schändliche verbrochen, + Ein Beispiel aufzustellen frommer Treu, + Daß nicht der Name Piccolomini + Ein Schandlied sei, ein ew'ger Fluch im Haus + Der Wallensteiner. + +Max. + Wo ist eine Stimme + Der Wahrheit, der ich folgen darf? Uns alle + Bewegt der Wunsch, die Leidenschaft. Daß jetzt + Ein Engel mir vom Himmel niederstiege, + Das Rechte mir, das unverfälschte, schöpfte + Am reinen Lichtquell, mit der reinen Hand! +(Indem seine Augen auf Thekla fallen.) + Wie? Such ich diesen Engel noch? Erwart ich + Noch einen andern? +(Er nähert sich ihr, den Arm um sie schlagend.) + Hier, auf dieses Herz, + Das unfehlbare, heilig reine will + Ich's legen, deine Liebe will ich fragen, + Die nur den Glücklichen beglücken kann, + Vom unglückselig Schuldigen sich wendet. + Kannst du mich dann noch lieben, wenn ich bleibe? + Erkläre, daß du's kannst, und ich bin euer. + +Gräfin. (mit Bedeutung) + Bedenkt-- + +Max. (unterbricht sie) + Bedenke nichts. Sag, wie du's fühlst. + +Gräfin. + An Euren Vater denkt-- + +Max. (unterbricht sie) + Nicht Friedlands Tochter, + Ich frage dich, dich, die Geliebte frag ich! + Es gilt nicht, eine Krone zu gewinnen, + Das möchtst du mit klugem Geist bedenken. + Die Ruhe deines Freundes gilt's, das Glück + Von einem Tausend tapfrer Heldenherzen, + Die seine Tat zum Muster nehmen werden. + Soll ich dem Kaiser Eid und Pflicht abschwören? + Soll ich ins Lager des Octavio + Die vatermörderische Kugel senden? + Denn wenn die Kugel los ist aus dem Lauf, + Ist sie kein totes Werkzeug mehr, sie lebt, + Ein Geist fährt in sie, die Erinnyen + Ergreifen sie, des Frevels Rächerinnen, + Und führen tückisch sie den ärgsten Weg. + +Thekla. + O Max-- + +Max. (unterbricht sie) + Nein, übereile dich auch nicht. + Ich kenne dich. Dem edeln Herzen könnte + Die schwerste Pflicht die nächste scheinen. Nicht + Das Große, nur das Menschliche geschehe. + Denk, was der Fürst von je an mir getan; + Denk auch, wie's ihm mein Vater hat vergolten, + O auch die schönen, freien Regungen + Der Gastlichkeit, der frommen Freundestreue + Sind eine heilige Religion dem Herzen, + Schwer rächen sie die Schauder der Natur + An dem Barbaren, der sie gräßlich schändet. + Leg alles, alles in die Waage, sprich + Und laß dein Herz entscheiden. + +Thekla. + O das deine + Hat längst entschieden. Folge deinem ersten + Gefühl-- + +Gräfin. + Unglückliche! + +Thekla. + Wie könnte das + Das Rechte sein, was dieses zarte Herz + Nicht gleich zuerst ergriffen und gefunden? + Geh und erfülle deine Pflicht. Ich würde + Dich immer lieben. Was du auch erwählt, + Du würdest edel stets und deiner würdig + Gehandelt haben--aber Reue soll + Nicht deiner Seele schönen Frieden stören. + +Max. + So muß ich dich verlassen, von dir scheiden! + +Thekla. + Wie du dir selbst getreu bleibst, bist du's mir. + Uns trennt das Schicksal, unsre Herzen bleiben einig. + Ein blut'ger Haß entzweit auf ew'ge Tage + Die Häuser Friedland, Piccolomini, + Doch wir gehören nicht zu unserm Hause. + --Fort! Eile! Eile, deine gute Sache + Von unsrer unglückseligen zu trennen. + Auf unserm Haupte liegt der Fluch des Himmels, + Es ist dem Untergang geweiht. Auch mich + Wird meines Vaters Schuld mit ins Verderben + Hinabziehn. Traure nicht um mich, mein Schicksal + Wird bald entschieden sein. +(Max faßt sie in die Arme, heftig bewegt. Man hört hinter der +Szene ein lautes, wildes, langverhallendes Geschrei: "Vivat +Ferdinandus!" von kriegerischen Instrumenten begleitet. Max +und Thekla halten einander unbeweglich in den Armen.) + + + +Zweiundzwanzigster Auftritt + +Vorige. Terzky. + + +Gräfin. (ihm entgegen) + Was war das? Was bedeutete das Rufen? + +Terzky. + Es ist vorbei, und alles ist verloren. + +Gräfin. + Wie, und sie gaben nichts auf seinen Anblick? + +Terzky. + Nichts. Alles war umsonst. + +Herzogin. + Sie riefen Vivat. + +Terzky. + Dem Kaiser. + +Gräfin. + O die Pflichtvergessenen! + +Terzky. + Man ließ ihn nicht einmal zum Worte kommen. + Als er zu reden anfing, fielen sie + Mit kriegerischem Spiel betäubend ein. + --Hier kommt er. + + + +Dreiundzwanzigster Auftritt + +Vorige. Wallenstein, begleitet von Illo und Buttler. +Darauf Kürassiere. + + +Wallenstein. (im Kommen). + Terzky! + +Terzky. + Mein Fürst? + +Wallenstein. + Laß unsre Regimenter + Sich fertig halten, heut noch aufzubrechen, + Denn wir verlassen Pilsen noch vor Abend. +(Terzky geht ab.) + Buttler-- + +Buttler. + Mein General?-- + +Wallenstein. + Der Kommendant zu Eger + Ist Euer Freund und Landsmann. Schreibt ihm gleich + Durch einen Eilenden, er soll bereit sein, + Uns morgen in die Festung einzunehmen-- + Ihr folgt uns selbst mit Euerm Regiment. + +Buttler. + Es soll geschehn, mein Feldherr. + +Wallenstein. (tritt zwischen Max und Thekla, welche sich +während dieser Zeit fest umschlungen gehalten) + Scheidet! + +Max. + Gott! +(Kürassiere mit gezogenem Gewehr treten in den Saal und sammeln sich +im Hintergrunde. Zugleich hört man unten einige mutige Passagen aus +dem Pappenheimer Marsch, welche dem Max zu rufen scheinen.) + +Wallenstein. (zu den Kürassieren). + Hier ist er. Er ist frei. Ich halt ihn nicht mehr. +(Er steht abgewendet und so, daß Max ihm nicht beikommen, noch +sich dem Fräulein nähern kann.) + +Max. + Du hassest mich, treibst mich im Zorn von dir. + Zerreißen soll das Band der alten Liebe, + Nicht sanft sich lösen, und du willst den Riß, + Den schmerzlichen, mir schmerzlicher noch machen! + Du weißt, ich habe ohne dich zu leben + Noch nicht gelernt--in eine Wüste geh ich + Hinaus, und alles, was mir wert ist, alles + Bleibt hier zurück--O wende deine Augen + Nicht von mir weg! Noch einmal zeige mir + Dein ewig teures und verehrtes Antlitz. + Verstoß mich nicht-- +(Er will seine Hand fassen. Wallenstein zieht sie zurück. Er +wendet sich an die Gräfin.) + +Ist hier kein andres Auge, + Das Mitleid für mich hätte--Base Terzky-- +(Sie wendet sich von ihm; er kehrt sich zur Herzogin.) + Ehrwürd'ge Mutter-- + +Herzogin. + Gehn Sie, Graf, wohin + Die Pflicht Sie ruft--So können Sie uns einst + Ein treuer Freund, ein guter Engel werden + Am Thron des Kaisers. + +Max. + Hoffnung geben Sie mir, + Sie wollen mich nicht ganz verzweifeln lassen. + O täuschen Sie mich nicht mit leerem Blendwerk, + Mein Unglück ist gewiß, und Dank dem Himmel! + Der mir ein Mittel eingibt, es zu enden. +(Die Kriegsmusik beginnt wieder. Der Saal füllt sich mehr und +mehr mit Bewaffneten an. Er sieht Buttlern dastehn.) + Ihr auch hier, Oberst Buttler--Und Ihr wollt mir + Nicht folgen?--Wohl! Bleibt Eurem neuen Herrn + Getreuer als dem alten. Kommt! Versprecht mir, + Die Hand gebt mir darauf, daß Ihr sein Leben + Beschützen, unverletzlich wollt bewahren. +(Buttler verweigert seine Hand.) + Des Kaisers Acht hängt über ihm und gibt + Sein fürstlich Haupt jedwedem Mordknecht preis, + Der sich den Lohn der Bluttat will verdienen; + Jetzt tät' ihm eines Freundes fromme Sorge, + Der Liebe treues Auge not--und die + Ich scheidend um ihn seh-- +(Zweideutige Blicke auf Illo und Buttler richtend.) + +Illo. + Sucht die Verräter + In Eures Vaters, in des Gallas Lager. + Hier ist nur einer noch. Geht und befreit uns + Von seinem hassenswürd'gen Anblick. Geht. +(Max versucht es noch einmal, sich der Thekla zu nähern. +Wallenstein verhindert es. Er steht unschlüssig, schmerzvoll; +indes füllt sich der Saal immer mehr und mehr, und die Hörner +ertönen unten immer auffordernder und in immer kürzeren Pausen.) + +Max. + Blast! Blast!--O wären es die schwed'schen Hörner, + Und ging's von hier gerad ins Feld des Todes, + Und alle Schwerter, alle, die ich hier + Entblößt muß sehn, durchdrängen meinen Busen! + Was wollt ihr? Kommt ihr, mich von hier + Hinwegzureißen--o treibt mich nicht zu Verzweiflung! + Tut's nicht! Ihr könntet es bereun! +(Der Saal ist ganz mit Bewaffneten erfüllt.) + Noch mehr--Es hängt Gewicht sich an Gewicht, + Und ihre Masse zieht mich schwer hinab.-- + Bedenket, was ihr tut. Es ist nicht wohlgetan, + Zum Führer den Verzweifelnden zu wählen. + Ihr reißt mich weg von meinem Glück, wohlan, + Der Rachegöttin weih ich eure Seelen! + Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben, + Wer mit mir geht, der sei bereit zu sterben! +(Indem er sich nach dem Hintergrund wendet, entsteht eine +rasche Bewegung unter den Kürassieren, sie umgeben und begleiten +ihn in wildem Tumult. Wallenstein bleibt unbeweglich. Thekla +sinkt in ihrer Mutter Arme. Der Vorhang fällt.) + + + + +Vierter Aufzug + +In des Bürgermeisters Hause zu Eger. + + + +Erster Auftritt + + +Buttler. (der eben anlangt) + Er ist herein. Ihn führte sein Verhängnis, + Der Rechen ist gefallen hinter ihm, + Und wie die Brücke, die ihn trug, beweglich + Sich niederließ und schwebend wieder hob, + Ist jeder Rettungsweg ihm abgeschnitten. + Bis hieher, Friedland, und nicht weiter! sagt + Die Schicksalsgöttin. Aus der böhmischen Erde + Erhub sich dein bewunder Meteor, + Weit durch den Himmel einen Glanzweg ziehend, + Und hier an Böhmens Grenze muß es sinken! + --Du hast die alten Fahnen abgeschworen, + Verblendeter, und traust dem alten Glück! + Den Krieg zu tragen in des Kaisers Länder, + Den heil'gen Herd der Laren umzustürzen, + Bewaffnest du die frevelhafte Hand. + Nimm dich in acht! dich treibt der böse Geist + Der Rache--daß dich Rache nicht verderbe! + + + +Zweiter Auftritt + +Buttler und Gordon. + + +Gordon. + Seid Ihr's? O wie verlangt mich, Euch zu hören. + Der Herzog ein Verräter! O mein Gott! + Und flüchtig! Und sein fürstlich Haupt geächtet! + Ich bitt Euch, General, sagt mir ausführlich, + Wie alles dies zu Pilsen sich begeben? + +Buttler. + Ihr habt den Brief erhalten, den ich Euch + Durch einen Eilenden vorausgesendet? + +Gordon. + Und habe treu getan, wie Ihr mich hießt, + Die Festung unbedenklich ihm geöffnet, + Denn mir befiehlt ein kaiserlicher Brief, + Nach Eurer Ordre blindlings mich zu fügen. + Jedoch verzeiht! als ich den Fürsten selbst + Nun sah, da fing ich wieder an, zu zweifeln. + Denn wahrlich! nicht als ein Geächteter + Trat Herzog Friedland ein in diese Stadt. + Von seiner Stirne leuchtete wie sonst + Des Herrschers Majestät, Gehorsam fordernd, + Und ruhig, wie in Tagen guter Ordnung, + Nahm er des Amtes Rechenschaft mir ab. + Leutselig macht das Mißgeschick, die Schuld, + Und schmeichelnd zum geringern Manne pflegt + Gefallner Stolz herunter sich zu beugen; + Doch sparsam und mit Würde wog der Fürst + Mir jedes Wort des Beifalls, wie der Herr + Den Diener lobt, der sein Pflicht getan. + +Buttler. + Wie ich Euch schrieb, so ist's genau geschehn. + Es hat der Fürst dem Feinde die Armee + Verkauft, ihm Prag und Eger öffnen wollen. + Verlassen haben ihn auf dies Gerücht + Die Regimenter alle bis auf fünfe, + Die Terzkyschen, die ihm hieher gefolgt. + Die Acht ist ausgesprochen über ihn, + Und ihn zu liefern, lebend oder tot, + Ist jeder treue Diener aufgefordert. + +Gordon. + Verräter an dem Kaiser--solch ein Herr! + So hochbegabt! O was ist Menschengröße! + Ich sagt' es oft: das kann nicht glücklich enden; + Zum Fallstrick ward ihm seine Größ' und Macht + Und diese dunkelschwankende Gewalt. + Denn um sich greift der Mensch, nicht darf man ihn + Der eignen Mäßigung vertraun. Ihn hält + In Schranken nur das deutliche Gesetz + Und der Gebräuche tiefgetretne Spur. + Doch unnatürlich war und neuer Art + Die Kriegsgewalt in dieses Mannes Händen; + Dem Kaiser selbst stellte sie ihn gleich, + Der stolze Geist verlernte, sich zu beugen. + O schad um solchen Mann! denn keiner möchte + Da feste stehen, mein ich, wo er fiel. + +Buttler. + Spart Eure Klagen, bis er Mitleid braucht, + Denn jetzt noch ist der Mächtige zu fürchten. + Die Schweden sind im Anmarsch gegen Eger, + Und schnell, wenn wir's nicht rasch entschlossen hindern, + Wird die Vereinigung geschehn. Das darf nicht sein! + Es darf der Fürst nicht freien Fußes mehr + Aus diesem Platz, denn Ehr' und Leben hab ich + Verpfändet, ihn gefangen hier zu nehmen, + Und Euer Beistand ist's, auf den ich rechne. + +Gordon. + O hätt' ich nimmer diesen Tag gesehn! + Aus seiner Hand empfing ich diese Würde, + Er selber hat dies Schloß mir anvertraut, + Das ich in seinen Kerker soll verwandeln. + Wir Subalternen haben keinen Willen; + Der freie Mann, der mächtige allein + Gehorcht dem schönen menschlichen Gefühl. + Wir aber sind nur Schergen des Gesetzes, + Des grausamen; Gehorsam heißt die Tugend, + Um die der Niedre sich bewerben darf. + +Buttler. + Laßt Euch das enggebundene Vermögen + Nicht leid tun. Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, + Doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht. + +Gordon. + So hat ihn alles denn verlassen, sagt Ihr? + Er hat das Glück von Tausenden gegründet, + Denn königlich war sein Gemüt, und stets + Zum Geben war die volle Hand geöffnet-- +(Mit einem Seitenblick auf Buttlern.) + Vom Staube hat er manchen aufgelesen, + Zu hoher Ehr' und Würden ihn erhöht + Und hat sich keinen Freund damit, nicht einen + Erkauft, der in der Not ihm Farbe hielt! + +Buttler. + Hier lebt ihm einer, den er kaum gehofft. + +Gordon. + Ich hab mich keiner Gunst von ihm erfreut. + Fast zweifl' ich, ob er je in seiner Größe + Sich eines Jugendfreunds erinnert hat-- + Denn fern von ihm hielt mich der Dienst, sein Auge + Verlor mich in den Mauern dieser Burg, + Wo ich, von seiner Gnade nicht erreicht, + Das freie Herz im stillen mir bewahrte. + Denn als er mich in dieses Schloß gesetzt, + War's ihm noch Ernst um seine Pflicht; nicht sein + Vertrauen täusch ich, wenn ich treu bewahre, + Was meiner Treue übergeben ward. + +Buttler. + So sagt, wollt Ihr die Acht an ihm vollziehn, + Mir Eure Hilfe leihn, ihn zu verhaften? + +Gordon. (nach einem nachdenklichen Stillschweigen kummervoll). + Ist es an dem--verhält sich's, wie Ihr sprecht-- + Hat er den Kaiser, seinen Herrn, verraten, + Das Heer verkauft, die Festungen des Landes + Dem Reichsfeind öffnen wollen--Ja, dann ist + Nicht Rettung mehr für ihn--Doch es ist hart, + Daß unter allen eben mich das Los + Zum Werkzeug seines Sturzes muß erwählen. + Denn Pagen waren wir am Hof zu Burgau + Zu gleicher Zeit, ich aber war der ältre. + +Buttler. + Ich weiß davon. + +Gordon. + Wohl dreißig Jahre sind's. Da strebte schon + Der kühne Mut im zwanzigjähr'gen Jüngling. + Ernst über seine Jahre war sein Sinn, + Auf große Dinge männlich nur gerichtet. + Durch unsre Mitte ging er stillen Geists, + Sich selber die Gesellschaft; nicht die Lust, + Die kindische, der Knaben zog ihn an; + Doch oft ergriff's ihn plötzlich wundersam, + Und der geheimnisvollen Brust entfuhr, + Sinnvoll und leuchtend, ein Gedankenstrahl, + Daß wir uns staunend ansahn, nicht recht wissend, + Ob Wahnsinn, ob ein Gott aus ihm gesprochen. + +Buttler. + Dort war's, wo er zwei Stock hoch niederstürzte, + Als er im Fensterbogen eingeschlummert, + Und unbeschädigt stand er wieder auf. + Von diesem Tag an, sagt man, ließen sich + Anwandlungen des Wahnsinns bei ihm spüren. + +Gordon. + Tiefsinn'ger wurd'er, das ist wahr, er wurde + Katholisch. Wunderbar hatt' ihn das Wunder + Der Rettung umgekehrt. Er hielt sich nun + Für ein begünstigt und befreites Wesen, + Und keck wie einer, der nicht straucheln kann, + Lief er auf schwankem Seil des Lebens hin. + Nachher führt' uns das Schicksal auseinander + Weit, weit! Er ging der Größe kühnen Weg, + Mit schnellem Schritt, ich sah ihn schwindelnd gehn, + Ward Graf und Fürst und Herzog und Diktator, + Und jetzt ist alles ihm zu klein, er streckt + Die Hände nach der Königskrone aus + Und stürzt in unermeßliches Verderben! + +Buttler. + Brecht ab. Er kommt. + + + +Dritter Auftritt + +Wallenstein im Gespräch mit dem Bürgermeister von Eger. Die Vorigen. + + +Wallenstein. + Ihr wart sonst eine freie Stadt? Ich seh, + Ihr führt den halben Adler in dem Wappen. + Warum den halben nur? + +Bürgermeister. + Wir waren reichsfrei, + Doch seit zweihundert Jahren ist die Stadt + Der böhm'schen Kron' verpfändet. Daher rührt's, + Daß wir nur noch den halben Adler führen. + Der untre Teil ist kanzelliert, bis etwa + Das Reich uns wieder einlöst. + +Wallenstein. + Ihr verdientet + Die Freiheit. Haltet euch nur brav. Gebt keinem + Aufwieglervolk Gehör. Wie hoch seid ihr + Besteuert? + +Bürgermeister. (zuckt die Achseln) + Daß wir's kaum erschwingen können. + Die Garnison lebt auch auf unsre Kosten. + +Wallenstein. + Ihr sollt erleichtert werden. Sagt mir an, + Es sind noch Protestanten in der Stadt? +(Bürgermeister stutzt.) + Ja, ja. Ich weiß es. Es verbergen sich noch viele + In diesen Mauern--ja! gesteht's nur frei-- + Ihr selbst--Nicht wahr? +(Fixiert ihn mit den Augen. Bürgermeister erschrickt.) + Seid ohne Furcht. Ich hasse + Die Jesuiten--Läg's an mir, sie wären längst + Aus Reiches Grenzen--Meßbuch oder Bibel! + Mir ist's all eins--Ich hab's der Welt bewiesen-- + In Glogau hab ich selber eine Kirch' + Den Evangelischen erbauen lassen. + --Hört, Bürgermeister--wie ist Euer Name? + +Bürgermeister. + Pachhälbel, mein erlauchter Fürst. + +Wallenstein. + Hört--aber sagt's nicht weiter, was ich Euch + Jetzt im Vertraun eröffne. +(Ihm die Hand auf die Achsel legend, mit einer gewissen +Feierlichkeit.) + +Die Erfüllung + Der Zeiten ist gekommen, Bürgermeister. + Die Hohen werden fallen, und die Niedrigen + Erheben sich--Behaltet's aber bei Euch! + Die spanische Doppelherrschaft neiget sich + Zu ihrem Ende, eine neue Ordnung + Der Dinge führt sich ein--Ihr saht doch jüngst + Am Himmel die drei Monde? + +Bürgermeister. + Mit Entsetzen. + +Wallenstein. + Davon sich zwei in blut'ge Dolchgestalt + Verzogen und und verwandelten. Nur einer, + Der mittlere blieb stehn in seiner Klarheit. + +Bürgermeister. + Wir zogen's auf den Türken. + +Wallenstein. + Türken! Was? + Zwei Reiche werden blutig untergehen + Im Osten und im Westen, sag ich Euch, + Und nur der lutherischen Glaub' wird bleiben. +(Er bemerkt die zwei andern.) + Ein starkes Schießen war ja diesen Abend + Zur linken Hand, als wir den Weg hieher + Gemacht. Vernahm man's auch hier in der Festung? + +Gordon. + Wohl hörten wir's, mein General. Es brachte + Der Wind den Schall gerad von Süden her. + +Buttler. + Von Neustadt oder Weiden schien's zu kommen. + +Wallenstein. + Das ist der Weg, auf dem die Schweden nahn. + Wie stark ist die Besatzung? + +Gordon. + Hundertachtzig + Dienstfähige Mann, der Rest sind Invaliden. + +Wallenstein. + Und wieviel stehn im Jochimstal? + +Gordon. + Zweihundert + Arkebusierer hab ich hingeschickt, + Den Posten zu verstärken gegen die Schweden. + +Wallenstein. + Ich lobe Eure Vorsicht. An den Werken + Wird auch gebaut. Ich sah's bei der Hereinfahrt. + +Gordon. + Weil uns der Rheingraf jetzt so nah bedrängt, + Ließ ich noch zwei Pasteien schnell errichten. + +Wallenstein. + Ihr seid genau in Eures Kaisers Dienst. + Ich bin mit Euch zufrieden, Oberstleutnant. +(Zu Buttlern.) + Der Posten in dem Jochimstal soll abziehn + Samt allen, die dem Feind entgegenstehn. +(Zu Gordon.) + In Euren treuen Händen, Kommendant, + Laß ich mein Weib, mein Kind und meine Schwester. + Denn hier ist meines Bleibens nicht; nur Briefe + Erwart ich, mit dem frühesten die Festung + Samt allen Regimentern zu verlassen. + + + +Vierter Auftritt + +Vorige. Graf Terzky. + + +Terzky. + Willkommne Botschaft! Frohe Zeitungen! + +Wallenstein. + Was bringst du? + +Terzky. + Eine Schlacht ist vorgefallen + Bei Neustadt, und die Schweden blieben Sieger. + +Wallenstein. + Was sagst du? Woher kommt dir diese Nachricht? + +Terzky. + Ein Landmann bracht' es mit von Tirschenreit, + Nach Sonnenuntergang hab's angefangen, + Ein kaiserlicher Trupp von Tachau her + Sie eingebrochen in das schwed'sche Lager, + Zwei Stunden hab' das Schießen angehalten, + Und tausend Kaiserliche sei'n geblieben, + Ihr Oberst mit, mehr wußt' er nicht zu sagen. + +Wallenstein. + Wie käme kaiserliches Volk nach Neustadt? + Der Altringer, er müßte Flügel haben, + Stand gestern vierzehn Meilen noch von da; + Das Gallas Völker sammeln sich zu Fraunberg + Und sind noch nicht beisammen. Hätte sich + Der Suys etwa so weit vorgewagt? + Es kann nicht sein. +(Illo erscheint.) + +Terzky. + Wir werden's alsbald hören, + Denn hier kommt Illo fröhlich und voll Eile. + + + +Fünfter Auftritt + +Illo. Die Vorigen. + + +Illo. (zu Wallenstein) + Ein Reitender ist da und will dich sprechen. + +Terzky. + Hat's mit dem Siege sich bestätigt? Sprich! + Wallenstein. + Was bringt er? Woher kommt er? + +Illo. + Von dem Rheingraf, + Und was er bringt, will ich voraus dir melden. + Die Schweden stehn fünf Meilen nur von hier, + Bei Neustadt hab' der Piccolomini + Sich mit der Reiterei auf sie geworfen, + Ein fürchterliches Morden sei geschehn, + Doch endlich hab' die Menge überwältigt, + Die Pappenheimer alle, auch der Max, + Der sie geführt--sei'n auf dem Platz geblieben. + +Wallenstein. + Wo ist der Bote? Bringt mich zu ihm. +(Will abgehn. Indem stürzt Fräulein Neubrunn ins Zimmer, ihr +folgen einige Bediente, die durch den Saal rennen.) + +Neubrunn. + Hilfe! Hilfe! + +Illo + und Terzky. + Was gibt's? + +Neubrunn. + Das Fräulein!-- + +Wallenstein + und Terzky. Weiß sie's? + +Neubrunn. + Sie will sterben. +(Eilt fort. Wallenstein und Terzky mit Illo ihr nach.) + + + +Sechster Auftritt + +Buttler und Gordon. + + +Gordon. (erstaunt) + Erklärt mir. Was bedeutete der Auftritt? + +Buttler. + Sie hat den Mann verloren, den sie liebte, + Der Piccolomini war's, der umgekommen. + +Gordon. + Unglücklich Fräulein! + +Buttler. + Ihr habt gehört, was dieser Illo brachte, + Daß sich die Schweden siegend nahn. + +Gordon. + Wohl hört' ich's. + +Buttler. + Zwölf Regimenter sind sie stark, und fünf + Stehn in der Näh', den Herzog zu beschützen. + Wir haben nur mein einzig Regiment, + Und nicht zweihundert stark ist die Besatzung. + +Gordon. + So ist's. + +Buttler. + Nicht möglich ist's, mit so geringer Mannschaft + Solch einen Staatsgefangnen zu bewahren. + +Gordon. + Das seh ich ein. + +Buttler. + Die Menge hätte bald das kleine Häuflein + Entwaffnet, ihn befreit. + +Gordon. + Das ist zu fürchten. + +Buttler. (nach einer Pause) + Wißt! Ich bin Bürge worden für den Ausgang, + Mit meinem Haupte haft ich für das seine, + Wort muß ich halten, führ's wohin es will, + Und ist der Lebende nicht zu bewahren, + So ist--der Tote uns gewiß. + +Gordon. + Versteh ich Euch? Gerechter Gott! Ihr könntet-- + +Buttler. + Er darf nicht leben. + +Gordon. + Ihr vermöchtet's? + +Buttler. + Ihr oder ich. Er sah den letzten Morgen. + +Gordon. + Ermorden wollt Ihr ihn? + +Buttler. + Das ist mein Vorsatz. + +Gordon. + Der Eurer Treu vertraut! + +Buttler. + Sein böses Schicksal! + +Gordon. + Des Feldherrn heilige Person! + +Buttler. + Das war er! + +Gordon. + O was er war, löscht kein Verbrechen aus! + Ohn' Urtel? + +Buttler. + Die Vollstreckung ist statt Urtels. + +Gordon. + Das wäre Mord und nicht Gerechtigkeit, + Denn hören muß sie auch den Schuldigsten. + +Buttler. + Klar ist die Schuld, der Kaiser hat gerichtet, + Und seinen Willen nur vollstrecken wir. + +Gordon. + Den blut'gen Spruch muß man nicht rasch vollziehn, + Ein Wort nimmt sich, ein Leben nie zurück. + +Buttler. + Der hurt'ge Dienst gefällt den Königen. + +Gordon. + Zu Henkers Dienst drängt sich kein edler Mann. + +Buttler. + Kein mutiger erbleicht vor kühner Tat. + +Gordon. + Das Leben wagt der Mut, nicht das Gewissen. + +Buttler. + Was? Soll er frei ausgehn, des Krieges Flamme, + Die unauslöschliche, aufs neu entzünden? + +Gordon. + Nehmt ihn gefangen, tötet ihn nur nicht, + Greift blutig nicht dem Gnadenengel vor. + +Buttler. + Wär' die Armee des Kaisers nicht geschlagen, + Möcht' ich lebendig ihn erhalten haben. + +Gordon. + O warum schloß ich ihm die Festung auf! + +Buttler. + Der Ort nicht, sein Verhängnis tötet ihn. + +Gordon. + Auf diesen Wällen wär' ich ritterlich, + Des Kaisers Schloß verteidigend, gesunken. + +Buttler. + Und tausend brave Männer kamen um! + +Gordon. + In ihrer Pflicht--das schmückt und ehrt den Mann; + Doch schwarzen Mord verfluchte die Natur. + +Buttler. (eine Schrift hervorlangend) + Hier ist das Manifest, das uns befiehlt, + Uns seiner zu bemächtigen. Es ist an Euch + Gerichtet, wie an mich. Wollt Ihr die Folgen tragen, + Wenn er zum Feind entrinnt durch unsre Schuld? + +Gordon. + Ich, der Ohnmächtige, o Gott! + +Buttler. + Nehmt Ihr's auf Euch. Steht für die Folgen ein! + Mag werden draus was will! Ich leg's auf Euch. + +Gordon. + O Gott im Himmel! + +Buttler. + Wißt Ihr andern Rat, + Des Kaisers Meinung zu vollziehen? Sprecht! + Denn stürzen, nicht vernichten will ich ihn. + +Gordon. + O Gott! Was sein muß, seh ich klar wie Ihr, + Doch anders schlägt das Herz in meiner Brust. + +Buttler. + Auch dieser Illo, dieser Terzky dürfen + Nicht leben, wenn der Herzog fällt. + +Gordon. + O nicht um diese tut mir's leid. Sie trieb + Ihr schlechtes Herz, nicht die Gewalt der Sterne. + Sie waren's, die in seine ruh'ge Brust + Den Samen böser Leidenschaft gestreut, + Die mit fluchwürdiger Geschäftigkeit + Die Unglücksfrucht in ihm genährt--Mag sie + Des bösen Dienstes böser Lohn ereilen! + +Buttler. + Auch sollen sie im Tod ihm gleich voran. + Verabred't ist schon alles. Diesen Abend + Bei eines Gastmahls Freuden wollten wir + Sie lebend greifen und im Schloß bewahren. + Viel kürzer ist es so. Ich geh sogleich, + Die nötigen Befehle zu erteilen. + + + +Siebenter Auftritt + +Vorige. Illo und Terzky. + + +Terzky. + Nun soll's bald anders werden! Morgen ziehn + Die Schweden ein, zwölftausend tapfre Krieger. + Dann grad auf Wien. He! Lustig, Alter! Kein + So herb Gesicht zu solcher Freudenbotschaft! + +Illo. + Jetzt ist's an uns, Gesetze vorzuschreiben + Und Rach' zu nehmen an den schlechten Menschen, + Den schändlichen, die uns verlassen. Einer + Hat's schon gebüßt, der Piccolomini. + Ging's allen so, die's übel mit uns meinen! + Wie schwer trifft dieser Schlag das alte Haupt! + Der hat sein ganzes Leben lang sich + Abgequält, sein altes Grafenhaus zu fürsten, + Und jetzt begräbt er seinen einz'gen Sohn! + +Buttler. + Schad ist's doch um den heldenmüt'gen Jüngling, + Dem Herzog selbst ging's nah, man sah es wohl. + +Illo. + Hört, alter Freund! Das ist es, was mir nie + Am Herrn gefiel, es war mein ew'ger Zank, + Er hat die Welschen immer vorgezogen. + Auch jetzo noch, ich schwör's bei meiner Seele, + Säh' er uns alle lieber zehnmal tot, + Könnt' er den Freund damit ins Leben rufen. + +Terzky. + Still! Still! Nicht weiter! Laß die Toten ruhn! + Heut gilt es, wer den andern niedertrinkt, + Denn Euer Regiment will uns bewirten. + Wir wollen eine lust'ge Faßnacht halten, + Die Nacht sei einmal Tag, bei vollen Gläsern + Erwarten wir die schwed'sche Avantgarde. + +Illo. + Ja, laßt uns heut noch guter Dinge sein, + Denn heiße Tage stehen uns bevor. + Nicht ruhn soll dieser Degen, bis er sich + In österreich'schem Blute satt gebadet. + +Gordon. + Pfui, welche Red' ist das, Herr Feldmarschall, + Warum so wüten gegen Euren Kaiser-- + +Buttler. + Hofft nicht zu viel von diesem ersten Sieg. + Bedenkt, wie schnell des Glückes Rad sich dreht, + Denn immer noch sehr mächtig ist der Kaiser. + +Illo. + Der Kaiser hat Soldaten, keinen Feldherrn, + Denn dieser König Ferdinand von Ungarn + Versteht den Krieg nicht--Gallas? Hat kein Glück + Und war von jeher nur ein Heerverderber. + Und diese Schlange, der Octavio, + Kann in die Fersen heimlich wohl verwunden, + Doch nicht in offner Schlacht dem Friedland stehn. + +Terzky. + Nicht fehlen kann's uns, glaubt mir's nur. Das Glück + Verläßt den Herzog nicht; bekannt ist's ja, + Nur unterm Wallenstein kann Östreich siegen. + +Illo. + Der Fürst wird ehestens ein großes Heer + Beisammen haben, alles drängt sich, strömt + Herbei zum alten Ruhme seiner Fahnen. + Die alten Tage seh ich wiederkehren, + Der große wird er wieder, der er war-- + Wie werden sich die Toren dann ins Aug' + Geschlagen haben, die ihn jetzt verließen! + Denn Länder schenken wird er seinen Freunden + Und treue Dienste kaiserlich belohnen. + Wir aber sind in seiner Gunst die nächsten. +(Zu Gordon.) + Auch Eurer wird er dann gedenken, wird Euch + Aus diesem Neste ziehen, Eure Treu + In einem höhern Posten glänzen lassen. + +Gordon. + Ich bin vergnügt, verlange höher nicht + Hinauf: wo große Höh', ist große Tiefe. + +Illo. + Ihr habt hier weiter nichts mehr zu bestellen, + Denn morgen ziehn die Schweden in die Festung. + Kommt, Terzky. Es wird Zeit zum Abendessen. + Was meint Ihr? Lassen wir die Stadt erleuchten, + Dem Schwedischen zur Ehr', und wer's nicht tut, + Der ist ein Spanischer und ein Verräter. + +Terzky. + Laßt das. Es wird dem Herzog nicht gefallen. + +Illo. + Was! Wir sind Meister hier, und keiner soll sich + Für kaiserlich bekennen, wo wir herrschen. + --Gut Nacht, Gordon. Laßt Euch zum letztenmal + Den Platz empfohlen sein, schickt Runden aus, + Zur Sicherheit kann man das Wort noch ändern. + Schlag zehn bringt Ihr dem Herzog selbst die Schlüssel, + Dann seid Ihr Eures Schließeramtes quitt, + Denn morgen ziehn die Schweden in die Festung. + +Terzky. (im Abgehen zu Buttler): + Ihr kommt doch auch aufs Schloß? + +Buttler. + Zu rechter Zeit. +(Jene gehen ab.) + + + +Achter Auftritt + +Buttler und Gordon. + + +Gordon. (ihnen nachsehend) + Die Unglückseligen! Wie ahnungslos + Sie in das ausgespannte Mordnetz stürzen + In ihrer blinden Siegestrunkenheit!-- + Ich kann sie nicht beklagen. Dieser Illo, + Der übermütig freche Bösewicht, + Der sich in seines Kaisers Blut will baden! + +Buttler. + Tut, wie er Euch befohlen. Schickt Patrouillen + Herum, sorgt für die Sicherheit der Festung; + Sind jene oben, schließ ich gleich die Burg, + Daß in der Stadt nichts von der Tat verlaute! + +Gordon. (ängstlich) + O eilt nicht so! Erst sagt mir-- + +Buttler. + Ihr vernahmt's, + Der nächste Morgen schon gehört den Schweden. + Die Nacht nur ist noch unser, sie sind schnell, + Noch schneller wollen wir sein--Lebet wohl. + +Gordon. + Ach Eure Blicke sagen mir nichts Gutes. + Versprechet mir-- + +Buttler. + Der Sonne Licht ist unter, + Herabsteigt ein verhängnisvoller Abend-- + Sie macht ihr Dünkel sicher. Wehrlos gibt sie + Ihr böser Stern in unsre Hand, und mitten + In ihrem trunknen Glückeswahne soll + Der scharfe Stahl ihr Leben rasch zerschneiden. + Ein großer Rechenkünstler war der Fürst + Von jeher, alles wußt' er zu berechnen, + Die Menschen wußt' er, gleich des Brettspiels Steinen, + Nach seinem Zweck zu setzen und zu schieben, + Nicht Anstand nahm er, andrer Ehr' und Würde + Und guten Ruf zu würfeln und zu spielen. + Gerechnet hat er fort und fort, und endlich + Wird doch der Kalkul irrig sein; er wird + Sein Leben selbst hineingerechnet haben, + Wie jener dort in seinem Zirkel fallen. + +Gordon. + O seiner Fehler nicht gedenket jetzt! + An seine Größe denkt, an seine Milde, + An seines Herzens liebenswerte Züge, + An alle Edeltaten seines Lebens, + Und laßt sie in das aufgehobne Schwert + Als Engel bittend, gnadeflehend fallen. + +Buttler. + Es ist zu spät. Nicht Mitleid darf ich fühlen, + Ich darf nur blutige Gedanken haben. +(Gordons Hand fassend.) + Gordon! Nicht meines Hasses Trieb--Ich liebe + Den Herzog nicht und hab dazu nicht Ursach'-- + Doch nicht mein Haß macht mich zu seinem Mörder. + Sein böses Schicksal ist's. Das Unglück treibt mich, + Die feindliche Zusammenkunft der Dinge. + Es denkt der Mensch die freie Tat zu tun, + Umsonst! Er ist das Spielwerk nur der blinden + Gewalt, die aus der eignen Wahl ihm schnell + Die furchtbare Notwendigkeit erschafft. + Was hälf's ihm auch, wenn mir für ihn im Herzen + Was redete--Ich muß ihn dennoch töten. + +Gordon. + O wenn das Herz Euch warnt, folgt seinem Triebe! + Das Herz ist Gottes Stimme, Menschenwerk + Ist aller Klugheit künstliche Berechnung. + Was kann aus blut'ger Tat Euch Glückliches + Gedeihen? O aus Blut entspringt nicht Gutes! + Soll sie die Staffel Euch zur Größe bauen? + O glaubt das nicht--Es kann der Mord bisweilen + Den Königen, der Mörder nie gefallen. + +Buttler. + Ihr wißt nicht. Fragt nicht. Warum mußten auch + Die Schweden siegen und so eilend nahn! + Gern überließ ich ihn des Kaisers Gnade, + Sein Blut nicht will ich. Nein, er möchte leben. + Doch meines Wortes Ehre muß ich lösen. + Und sterben muß er, oder--hört und wißt!-- + Ich bin entehrt, wenn uns der Fürst entkommt. + +Gordon. + O solchen Mann zu retten-- + +Buttler. (schnell) + Was? + +Gordon. + Ist eines Opfers wert--Seid edelmütig! + Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann. + +Buttler. (kalt und stolz) + Er ist ein großer Herr, der Fürst--Ich aber + Bin nur ein kleines Haupt, das wollt Ihr sagen. + Was liegt der Welt dran, meint Ihr, ob der niedrig + Geborene sich ehret oder schändet, + Wenn nur der Fürstliche gerettet wird. + --Ein jeder gibt den Wert sich selbst. Wie hoch ich + Mich selbst anschlagen will, das steht bei mir. + So hoch gestellt ist keiner auf der Erde, + Daß ich mich selber neben ihm verachte. + Den Menschen macht sein Wille groß und klein, + Und weil ich meinem treu bin, muß er sterben. + +Gordon. + O einen Felsen streb ich zu bewegen! + Ihr seid von Menschen menschlich nicht gezeugt. + Nicht hindern kann ich Euch, ihn aber rette + Ein Gott aus Eurer fürchterlichen Hand. +(Sie gehen ab.) + + + +Neunter Auftritt + +Ein Zimmer bei der Herzogin. Thekla in einem Sessel, bleich, + mit geschloßnen Augen. Herzogin und Fräulein von Neubrunn um + sie beschäftigt. Wallenstein und die Gräfin im Gespräch. + + +Wallenstein. + Wie wußte sie es denn so schnell? + +Gräfin. + Sie scheint + Unglück geahnt zu haben. Das Gerücht + Von einer Schlacht erschreckte sie, worin + Der kaiserliche Oberst sei gefallen. + Ich sah es gleich. Sie flog dem schwedischen + Kurier entgegen und entriß ihm schnell + Durch Fragen das unglückliche Geheimnis. + Zu spät vermißten wir sie, eilten nach, + Ohnmächtig lag sie schon in seinen Armen. + +Wallenstein. + So unbereitet mußte dieser Schlag + Sie treffen! Armes Kind!--Wie ist's? Erholt sie sich? +(Indem er sich zur Herzogin wendet.) + +Herzogin. + Sie schlägt die Augen auf. + +Gräfin. + Sie lebt! + +Thekla. (sich umschauend) + Wo bin ich? + +Wallenstein. (tritt zu ihr, sie mit seinen Armen aufrichtend) + Komm zu dir, Thekla. Sei mein starkes Mädchen! + Sieh deiner Mutter liebende Gestalt + Und deines Vaters Arme, die dich halten. + +Thekla. (richtet sich auf) + Wo ist er? Ist er nicht mehr hier? + +Herzogin. + Wer, meine Tochter? + +Thekla. + Der dieses Unglückswort aussprach-- + +Herzogin. + O denke nicht daran, mein Kind! Hinweg + Von diesem Bilde wende die Gedanken. + +Wallenstein. + Laßt ihren Kummer reden! Laßt sie klagen! + Mischt eure Tränen mit den ihrigen. + Denn einen großen Schmerz hat sie erfahren; + Doch wird sie's überstehn, denn meine Thekla + Hat ihres Vaters unbezwungnes Herz. + +Thekla. + Ich bin nicht krank. Ich habe Kraft, zu stehn. + Was weint die Mutter? Hab ich sie erschreckt? + Es ist vorüber, ich besinne mich wieder. +(Sie ist aufgestanden und sucht mit den Augen im Zimmer.) + Wo ist er? Man verberge mir ihn nicht. + Ich habe Stärke gnug, ich will ihn hören. + +Herzogin. + Nein, Thekla! Dieser Unglücksbote soll + Nie wieder unter deine Augen treten. + +Thekla. + Mein Vater-- + +Wallenstein. + Liebes Kind! + +Thekla. + Ich bin nicht schwach, + Ich werde mich auch bald noch mehr erholen. + Gewähren Sie mir eine Bitte. + +Wallenstein. + Sprich! + +Thekla. + Erlauben Sie, daß dieser fremde Mann + Gerufen werde! daß ich ihn allein + Vernehme und befrage. + +Herzogin. + Nimmermehr! + +Gräfin. + Nein! Das ist nicht zu raten! Gib's nicht zu! + +Wallenstein. + Warum willst du ihn sprechen, meine Tochter? + +Thekla. + Ich bin gefaßter, wenn ich alles weiß. + Ich will nicht hintergangen sein. Die Mutter + Will mich nur schonen. Ich will nicht geschont sein. + Das Schrecklichste ist ja gesagt, ich kann + Nichts Schrecklichers mehr hören. + Gräfin und Herzogin +(zu Wallenstein) + Tu es nicht! + +Thekla. + Ich wurde überrascht von meinem Schrecken, + Mein Herz verriet mich bei dem fremden Mann, + Er war ein Zeuge meiner Schwachheit, ja, + Ich sank in seine Arme--das beschämt mich. + Herstellen muß ich mich in seiner Achtung, + Und sprechen muß ich ihn, notwendig, daß + Der fremde Mann nicht ungleich von mir denke. + +Wallenstein. + Ich finde, sie hat recht--und bin geneigt, + Ihr diese Bitte zu gewähren. Ruft ihn. +(Fräulein Neubrunn geht hinaus.) + +Herzogin. + Ich, deine Mutter, aber will dabei sein. + +Thekla. + Am liebsten spräch' ich ihn allein. Ich werde + Alsdann um so gefaßter mich betragen. + +Wallenstein. (zur Herzogin) + Laß es geschehn. Laß sie's mit ihm allein + Ausmachen. Es gibt Schmerzen, wo der Mensch + Sich selber nur helfen kann, ein starkes Herz + Will sich auf seine Stärke nur verlassen. + In ihrer, nicht an fremder Brust muß sie + Kraft schöpfen, diesen Schlag zu überstehn. + Es ist mein starkes Mädchen; nicht als Weib, + Als Heldin will ich sie behandelt sehn. +(Er will gehen.) + +Gräfin. (hält ihn) + Wo gehst du hin? Ich hörte Terzky sagen, + Du denkest morgen früh von hier zu gehn, + Uns aber hierzulassen. + +Wallenstein. + Ja, ihr bleibt + Dem Schutze wackrer Männer übergeben. + +Gräfin. + O nimm uns mit dir, Bruder! Laß uns nicht + In dieser düstern Einsamkeit dem Ausgang + Mit sorgendem Gemüt engegenharren. + Das gegenwärt'ge Unglück trägt sich leicht, + Doch grauenvoll vergrößert es der Zweifel + Und der Erwartung Qual dem weit Entfernten. + +Wallenstein. + Wer spricht von Unglück? Beßre deine Rede. + Ich hab ganz andre Hoffnungen. + +Gräfin. + So nimm uns mit. O laß uns nicht zurück + In diesem Ort der traurigen Bedeutung, + Denn schwer ist mir das Herz in diesen Mauern, + Und wie ein Totenkeller haucht mich's an, + Ich kann nicht sagen, wie der Ort mir widert. + O führ uns weg! Komm, Schwester, bitt ihn auch, + Daß er uns fortnimmt! Hilf mir, liebe Nichte. + +Wallenstein. + Des Ortes böse Zeichen will ich ändern: + Er sei's, der mir mein Teuerstes bewahrte. + +Neubrunn. (kommt zurück): + Der schwed'sche Herr! + +Wallenstein. + Laßt sie mit ihm allein. +(Ab.) + +Herzogin. (zu Thekla) + Sieh, wie du dich entfärbtest! Kind, du kannst ihn + Unmöglich sprechen. Folge deiner Mutter. + +Thekla. + Die Neubrunn mag denn in der Nähe bleiben. +(Herzogin und Gräfin gehen ab.) + + + +Zehnter Auftritt + +Thekla. Der schwedische Hauptmann. Fräulein Neubrunn. + + +Hauptmann. (naht sich ehrerbietig) + Prinzessin--ich--muß um Verzeihung bitten, + Mein unbesonnen rasches Wort--Wie konnt' ich-- + +Thekla. (mit edelm Anstand) + Sie haben mich in meinem Schmerz gesehn, + Ein unglücksvoller Zufall machte Sie + Aus einem Fremdling schnell mir zum Vertrauten. + +Hauptmann. + Ich fürchte, daß Sie meinen Anblick hassen, + Denn meine Zunge sprach ein traurig Wort. + +Thekla. + Die Schuld ist mein. Ich selbst entriß es Ihnen, + Sie waren nur die Stimme meines Schicksals. + Mein Schrecken unterbrach den angefangnen + Bericht. Ich bitte drum, daß Sie ihn enden. + +Hauptmann. (bedenklich) + Prinzessin, es wird Ihren Schmerz erneuern. + +Thekla. + Ich bin darauf gefaßt--Ich will gefaßt sein. + Wie fing das Treffen an? Vollenden Sie. + +Hauptmann. + Wir standen, keines Überfalls gewärtig, + Bei Neustadt schwach verschanzt in unserm Lager, + Als gegen Abend eine Wolke Staubes + Aufstieg vom Wald her, unser Vortrab fliehend + Ins Lager stürzte, rief: der Feind sei da. + Wie hatten eben nur noch Zeit, uns schnell + Aufs Pferd zu werfen, da durchbrachen schon, + In vollem Rosseslauf dahergesprengt, + Die Pappenheimer den Verhack; schnell war + Der Graben auch, der sich ums Lager zog, + Von diesen stürm'schen Scharen überflogen. + Doch unbesonnen hatte sie der Mut + Vorausgeführt den andern, weit dahinten + War noch das Fußvolk, nur die Pappenheimer waren + Dem kühnen Führer kühn gefolgt.-- +(Thekla macht eine Bewegung. Der Hauptmann hält einen Augenblick +inne, bis sie ihm einen Wink gibt, fortzufahren.) + Von vorn und von den Flanken faßten wir + Sie jetzo mit der ganzen Reiterei + Und drängten sie zurück zum Graben, wo + Das Fußvolk, schnell geordnet, einen Rechen + Von Piken ihnen starr entgegenstreckte. + Nicht vorwärts konnten sie, auch nicht zurück, + Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge. + Da rief der Rheingraf ihrem Führer zu, + In guter Schlacht sich ehrlich zu ergeben, + Doch Oberst Piccolomini-- +(Thekla schwindelnd, faßt einen Sessel.) + ihn machte + Der Helmbusch kenntlich und das lange Haar, + Vom raschen Ritte war's ihm losgegangen-- + Zum Graben winkt er, sprengt, der erste, selbst + Sein edles Roß darüber weg, ihm stürzt + Das Regiment nach--doch--schon war's geschehen! + Sein Pferd, von einer Partisan durchstoßen, bäumt + Sich wütend, schleudert weit den Reiter ab, + Und hoch weg über ihn geht die Gewalt + Der Rosse, keinem Zügel mehr gehorchend. +(Thekla, welche die letzten Reden mit allen Zeichen wachsender Angst +begleitet, verfällt in ein heftiges Zittern, sie will sinken, Fräulein +Neubrunn eilt hinzu und empfängt sie in ihren Armen.) + +Neubrunn. + Mein teures Fräulein-- + +Hauptmann. (gerührt) + Ich entferne mich. + +Thekla. + Es ist vorüber--Bringen Sie's zu Ende. + +Hauptmann. + Da ergriff, als sie den Führer fallen sahn, + Die Truppen grimmig wütende Verzweiflung. + Der eignen Rettung denkt jetzt keiner mehr, + Gleich wilden Tigern fechten sie, er reizt + Ihr starrer Widerstand die Unsrigen, + Und eher nicht erfolgt des Kampfes Ende, + Als bis der letzte Mann gefallen ist. + +Thekla. (mit zitternder Stimme) + Und wo--wo ist--Sie sagten mir nicht alles. + +Hauptmann. (nach einer Pause) + Heut früh bestatteten wir ihn. Ihn trugen + Zwölf Jünglinge der edelsten Geschlechter, + Das ganze Heer begleitete die Bahre. + Ein Lorbeer schmückte seinen Sarg, drauf legte + Der Rheingraf selbst den eignen Siegerdegen. + Auch Tränen fehlten seinem Schicksal nicht, + Denn viele sind bei uns, die seine Großmut + Und seiner Sitten Freundlichkeit erfahren, + Und alle rührte sein Geschick. Gern hätte + Der Rheingraf ihn gerettet, doch er selbst + Vereitelt' es; man sagt, er wollte sterben. + +Neubrunn. (gerührt zu Thekla, welche ihr Angesicht verhüllt hat). + Mein teures Fräulein--Fräulein, sehn Sie auf! + O warum mußten Sie darauf bestehn! + +Thekla. + --Wo ist sein Grab? + +Hauptmann. + In einer Klosterkirche + Bei Neustadt ist er beigesetzt, bis man + Von seinem Vater Nachricht eingezogen. + +Thekla. + Wie heißt das Kloster? + +Hauptmann. + Sankt Kathrinenstift. + +Thekla. + Ist's weit bis dahin? + +Hauptmann. + Sieben Meilen zählt man. + +Thekla. + Wie geht der Weg? + +Hauptmann. + Man kommt bei Tirschenreit + Und Falkenberg durch unsre ersten Posten. + +Thekla. + Wer kommandiert sie? + +Hauptmann. + Oberst Seckendorf. + +Thekla. (tritt an den Tisch und nimmt aus dem Schmuckkästchen einen Ring). + Sie haben mich in meinem Schmerz gesehn + Und mir ein menschlich Herz gezeigt--Empfangen Sie +(indem sie ihm den Ring gibt) + Ein Angedenken dieser Stunde--Gehn Sie. + +Hauptmann. (bestürzt). + Prinzessin-- +(Thekla winkt ihm schweigend, zu gehen, und verläßt ihn. +Hauptmann zaudert und will reden. Fräulein Neubrunn wiederholt +den Wink. Er geht ab.) + + + +Elfter Auftritt + +Thekla. Neubrunn. + + +Thekla. (fällt der Neubrunn um den Hals) + Jetzt, gute Neubrunn, zeige mir die Liebe, + Die du mir stets gelobt, beweise dich + Als meine treue Freundin und Gefährtin! + --Wir müssen fort, noch diese Nacht. + +Neubrunn. + Fort, und wohin? + +Thekla. + Wohin? Es ist nur ein Ort in der Welt! + Wo er bestattet liegt, zu seinem Sarge! + +Neubrunn. + Was können Sie dort wollen, teures Fräulein? + +Thekla. + Was dort, Unglückliche! So würdest du + Nicht fragen, wenn du je geliebt. Dort, dort + Ist alles, was noch übrig ist von ihm, + Der einz'ge Fleck ist mir die ganze Erde. + --O halte mich nicht auf! Komm und mach Anstalt. + Laß uns auf Mittel denken, zu entfliehen. + +Neubrunn. + Bedachten Sie auch Ihres Vaters Zorn? + +Thekla. + Ich fürchte keines Menschen Zürnen mehr. + +Neubrunn. + Den Hohn der Welt! des Tadels arge Zunge! + +Thekla. + Ich suche einen auf, der nicht mehr ist. + Will ich denn in die Arme--o mein Gott! + Ich will ja in die Gruft nur des Geliebten. + +Neubrunn. + Und wir allein, zwei hilflos schwache Weiber? + +Thekla. + Wir waffnen uns, mein Arm soll dich beschützen. + +Neubrunn. + Bei dunkler Nachtzeit? + +Thekla. + Nacht wird uns verbergen. + +Neubrunn. + In dieser rauhen Sturmnacht? + +Thekla. + Ward ihm sanft + Gebettet, unter den Hufen seiner Rosse? + +Neubrunn. + O Gott!--und dann die vielen Feindesposten! + Man wird uns nicht durchlassen. + +Thekla. + Es sind Menschen, + Frei geht das Unglück durch die ganze Erde! + +Neubrunn. + Die weite Reise-- + +Thekla. + Zählt der Pilger Meilen, + Wenn er zum fernen Gnadenbilde wallt? + +Neubrunn. + Die Möglichkeit, aus dieser Stadt zu kommen? + +Thekla. + Gold öffnet uns die Tore. Geh nur, geh! + +Neubrunn. + Wenn man uns kennt? + +Thekla. + In einer Flüchtigen, + Verzweifelnden sucht niemand Friedlands Tochter. + +Neubrunn. + Wo finden wir die Pferde zu der Flucht? + +Thekla. + Mein Kavalier verschafft sie. Geh und ruf ihn. + +Neubrunn. + Wagt er das ohne Wissen seines Herrn? + +Thekla. + Er wird es tun. O geh nur! Zaudre nicht. + +Neubrunn. + Ach! und was wird aus Ihrer Mutter werden, + Wenn Sie verschwunden sind? + +Thekla. (sich besinnend und schmerzvoll vor sich hinschauend) + O meine Mutter! + +Neubrunn. + So viel schon leidet sie, die gute Mutter, + Soll sie auch dieser letzte Schlag noch treffen? + +Thekla. + Ich kann's Ihr nicht ersparen!--Geh nur, geh. + +Neubrunn. + Bedenken Sie doch ja wohl, was Sie tun. + +Thekla. + Bedacht ist schon, was zu bedenken ist. + +Neubrunn. + Und sind wir dort, was soll mit Ihnen werden? + +Thekla. + Dort wird's ein Gott mir in die Seele geben. + +Neubrunn. + Ihr Herz ist jetzt voll Unruh, teures Fräulein, + Das ist der Weg nicht, der zur Ruhe führt. + +Thekla. + Zur tiefen Ruh, wie er sie auch gefunden. + --O eile! geh! Mach keine Worte mehr! + Es zíeht mich fort, ich weiß nicht, wie ich's nenne, + Unwiderstehlich fort zu seinem Grabe! + Dort wird mir leichter werden, augenblicklich! + Das herzerstickende Band des Schmerzens wird + Sich lösen--Meine Tränen werden fließen. + O geh, wir könnten längst schon auf dem Weg sein. + Nicht Ruhe find ich, bis ich diesen Mauern + Entrunnen bin--sie stürzen auf mich ein-- + Fortstoßend treibt mich eine dunkle Macht + Von dannen--Was ist das für ein Gefühl! + Es füllen sich mir alle Räume dieses Hauses + Mit bleichen, hohlen Geisterbildern an-- + Ich habe keinen Platz mehr--Immer neue! + Es drängt mich das entsetzliche Gewimmel + Aus diesen Wänden fort, die Lebende! + +Neubrunn. + Sie setzen mich in Angst und Schrecken, Fräulein, + Daß ich nun selber nicht zu bleiben wage. + Ich geh und rufe gleich den Rosenberg. +(Geht ab.) + + + +Zwölfter Auftritt + + +Thekla. + Sein Geist ist's, der micht ruft. Es ist die Schar + Der Treuen, die sich rächend ihm geopfert. + Unedler Säumnis klagen sie mich an. + Sie wollten auch im Tod nicht von ihm lassen, + Der ihres Lebens Führer war--Das taten + Die rohen Herzen, und ich sollte leben! + --Nein! Auch für mich ward jener Lorbeerkranz, + Der deine Totenbahre schmückt, gewunden. + Was ist das Leben ohne Liebesglanz? + Ich werf es hin, da sein Gehalt verschwunden. + Ja, da ich dich, den Liebenden gefunden, + Da war das Leben etwas. Glänzend lag + Vor mir der neue goldne Tag! + Mir träumte von zwei himmelschönen Stunden. + Du standest an dem Eingang in der Welt, + Die ich betrat mit klösterlichem Zagen, + Sie war von tausend Sonnen aufgehellt; + Ein guter Engel schienst du hingestellt, + Mich aus der Kindheit fabelhaften Tagen + Schnell auf des Lebens Gipfel hinzutragen. + Mein erst Empfinden war des Himmels Glück, + In dein Herz fiel mein erster Blick! +(Sie sinkt hier in Nachdenken und fährt dann mit Zeichen des +Grauens auf.) + --Da kommt das Schicksal--Roh und kalt + Faßt es des Freundes zärtliche Gestalt + Und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde-- + --Das ist das Los des Schönen auf der Erde! + + + +Dreizehnter Auftritt + +Thekla. Fräulein Neubrunn mit dem Stallmeister. + + +Neubrunn. + Hier ist er, Fräulein, und er will es tun. + +Thekla. + Willst du uns Pferde schaffen, Rosenberg? + Stallmeister. + Ich will sie schaffen. + +Thekla. + Willst du uns begleiten? + +Stallmeister. + Mein Fräulein, bis ans End' der Welt. + +Thekla. + Du kannst + Zum Herzog aber nicht zurück mehr kehren. + +Stallmeister. + Ich bleib bei Ihnen. + +Thekla. + Ich will dich belohnen + Und einem andern Herrn empfehlen. Kannst du + Uns aus der Festung bringen unentdeckt? + +Stallmeister. + Ich kann's. + +Thekla. + Wann kann ich gehn? + +Stallmeister. + In dieser Stunde. + --Wo geht die Reise hin? + +Thekla. + Nach--sag's ihm, Neubrunn! + +Neubrunn. + Nach Neustadt. + +Stallmeister. + Wohl, ich geh, es zu besorgen. +(Ab.) + +Neubrunn. + Ach, da kommt Ihre Mutter, Fräulein. + +Thekla. + Gott! + + + +Vierzehnter Auftritt + +Thekla. Neubrunn. Die Herzogin. + + +Herzogin. + Er ist hinweg, ich finde dich gefaßter. + +Thekla. + Ich bin es, Mutter--Lassen Sie mich jetzt + Bald schlafen gehen und die Neubrunn um mich sein. + Ich brauche Ruh. + +Herzogin. + Du sollst sie haben, Thekla. + Ich geh getröstet weg, da ich den Vater + Beruhigen kann. + +Thekla. + Gut Nacht denn, liebe Mutter. +(Sie fällt ihr um den Hals und umarmt sie in großer Bewegung.) + +Herzogin. + Du bist noch nicht ganz ruhig, meine Tochter. + Du zitterst ja so heftig, und dein Herz + Klopft hörbar an dem meinen. + +Thekla. + Schlaf wird es besänftigen + --Gut Nacht, geliebte Mutter! +(Indem sie aus den Armen der Mutter sich losmacht, fällt der Vorhang.) + + + + +Fünfter Aufzug + +Buttlers Zimmer. + + + +Erster Auftritt + +Buttler. Major Geraldin. + + +Buttler. + Zwölf rüstige Dragoner sucht Ihr aus, + Bewaffnet sie mit Piken, denn kein Schuß + Darf fallen--An dem Eßsaal nebenbei + Versteckt Ihr sie, und wenn der Nachtisch + Aufgesetzt, dringt ihr herein und ruft: Wer ist + Gut kaiserlich?--Ich will den Tisch umstürzen-- + Dann werft ihr euch auf beide, stoßt sie nieder. + Das Schloß wird wohl verriegelt und bewacht, + Daß kein Gerücht davon zum Fürsten dringe. + Geh jetzt--Habt Ihr nach Hauptmann Deveroux + Und Macdonald geschickt? + +Geraldin. + Gleich sind sie hier. +(Geht ab.) + +Buttler. + Kein Aufschub ist zu wagen. Auch die Bürger + Erklären sich für ihn, ich weiß nicht, welch + Ein Schwindelgeist die ganze Stadt ergriffen hat. + Sie sehn im Herzog einen Friedensfürsten + Und einen Stifter neuer goldner Zeit. + Der Rat hat Waffen ausgeteilt; schon haben + Sich ihrer hundert angeboten, Wache + Bei ihm zu tun. Drum gilt es, schnell zu sein, + Denn Feinde drohn von außen und von innen. + + + +Zweiter Auftritt + +Buttler. Hauptmann Deveroux und Macdonald. + + +Macdonald. + Da sind wir, General. + +Deveroux. + Was ist die Losung? + +Buttler. + Es lebe der Kaiser! + +Beide. (treten zurück) + Wie? + +Buttler. + Haus Östreich lebe! + +Deveroux. + Ist's nicht der Friedland, dem wir Treu geschworen? + +Macdonald. + Sind wir nicht hergeführt, ihn zu beschützen? + +Buttler. + Wir einen Reichsfeind und Verräter schützen? + +Deveroux. + Nun ja, du nahmst uns ja für ihn in Pflicht. + +Macdonald. + Und bist ihm ja hieher gefolgt nach Eger. + +Buttler. + Ich tat's, ihn desto sichrer zu verderben. + +Deveroux. + Ja so! + +Macdonald. + Das ist was anders. + +Buttler. (zu Deveroux) + Elender! + So leicht entweichst du von der Pflicht und Fahne? + +Deveroux. + Zum Teufel, Herr! Ich folgte deinem Beispiel: + Kann der ein Schelm sein, dacht' ich, kannst du's auch. + +Macdonald. + Wir denken nicht nach. Das ist deine Sache! + Du bist der General und kommandierst, + Wir folgen dir, und wenn's zur Hölle ginge. + +Buttler. (besänftigt) + Nun gut! Wie kennen einander. + +Macdonald. + Ja, das denk ich. + +Deveroux. + Wir sind Soldaten der Fortuna, wer + Das meiste bietet, hat uns. + +Macdonald. + Ja, so ist's. + +Buttler. + Jetzt sollt ihr ehrliche Soldaten bleiben. + +Deveroux. + Das sind wir gerne. + +Buttler. + Und Fortüne machen. + +Macdonald. + Das ist noch besser. + +Buttler. + Höret an. + +Beide. + Wir hören. + +Buttler. + Es ist des Kaisers Will' und Ordonnanz, + Den Friedland, lebend oder tot, zu fahen. + +Deveroux. + So steht's im Brief. + +Macdonald. + Ja, lebend oder tot! + +Buttler. + Und stattliche Belohnung wartet dessen + An Geld und Gütern, der die Tat vollführt. + +Deveroux. + Es klingt ganz gut. Das Wort klingt immer gut + Vor dorten her. Ja, ja! Wir wissen schon! + So eine guldne Gnadenkett' etwa, + Ein krummes Roß, ein Pergament und so was. + --Der Fürst zahlt besser. + +Macdonald. + Ja, der ist splendid. + +Buttler. + Mit dem ist's aus. Sein Glücksstern ist gefallen. + +Macdonald. + Ist das gewiß? + +Buttler. + Ich sag's euch. + +Deveroux. + Ist's vorbei + Mit seinem Glück? + +Buttler. + Vorbei auf immerdar. + Er ist so arm wie wir. + +Macdonald. + So arm wie wir? + +Deveroux. + Ja, Macdonald, da muß man ihn verlassen! + +Buttler. + Verlassen ist er schon von zwanzigtausend. + Wir müssen mehr tun, Landsmann. Kurz und gut! + --Wir müssen ihn töten. +(Beide fahren zurück.) + +Beide. + Töten! + +Buttler. + Töten, sag ich. + --Und dazu hab ich euch erlesen. + +Beide. + Uns? + +Buttler. + Euch, Hauptmann Deveroux und Macdonald. + +Deveroux. (nach einer Pause) + Wählt einen andern. + +Macdonald. + Ja, wählt einen andern. + +Buttler. (zu Deveroux) + Erschreckt's dich, feige Memme? Wie? Du hast + Schon deine dreißig Seelen auf dir liegen-- + +Deveroux. + Hand an den Feldherrn legen--das bedenkt! + +Macdonald. + Dem wir das Jurament geleistet haben! + +Buttler. + Das Jurament ist null mit seiner Treu. + +Deveroux. + Hör, General! Das dünkt mir doch zu gräßlich. + +Macdonald. + Ja, das ist wahr! Man hat auch ein Gewissen. + +Deveroux. + Wenn's nur der Chef nicht wär', der uns so lang + Gekommandiert hat und Respekt gefordert. + +Buttler. + Ist das der Anstoß? + +Deveroux. + Ja! Hör! Wen du sonst willst! + Dem eignen Sohn, wenn's Kaisers Dienst verlangt, + Will ich das Schwert ins Eingeweide bohren-- + Doch sieh, wir sind Soldaten, und den Feldherrn + Ermorden, das ist eine Sünd' und Frevel, + Davon kein Beichtmönch absolvieren kann. + +Buttler. + Ich bin dein Papst und absolviere dich. + Entschließt euch schnell. + +Deveroux. (steht bedenklich) + Es geht nicht. + +Macdonald. + Nein, es geht nicht. + +Buttler. + Nun denn, so geht--und--schickt mir Pestalutzen. + +Deveroux. (stutzt) + Der Pestalutz--Hum! + +Macdonald. + Was willst du mit diesem? + +Buttler. + Wenn ihr's verschmäht, es finden sich genug-- + +Deveroux. + Nein, wenn er fallen muß, so können wir + Den Preis so gut verdienen als ein andrer. + --Was denkst du, Bruder Macdonald? + +Macdonald. + Ja wenn + Er fallen muß und soll, und 's ist nicht anders, + So mag ich's diesem Pastalutz nicht gönnen. + +Deveroux. (nach einigem Besinnen) + Wann soll er fallen? + +Buttler. + Heut, in dieser Nacht, + Denn morgen stehn die Schweden vor den Toren. + +Deveroux. + Stehst du mir für die Folgen, General? + +Buttler. + Ich steh für alles. + +Deveroux. + Ist's des Kaisers Will'? + Sein netter, runder Will'? Man hat Exempel, + Daß man den Mord liebt und den Mörder straft. + +Buttler. + Das Manifest sagt: lebend oder tot. + Und lebend ist's nicht möglich, seht ihr selbst-- + +Deveroux. + Tot also! Tot!--Wie aber kommt man an ihn? + Die Stadt ist angefüllt mit Terzkyschen. + +Macdonald. + Und dann ist noch der Terzky und der Illo-- + +Buttler. + Mit diesen beiden fängt man an, versteht sich. + +Deveroux. + Was? Sollen die auch fallen? + +Buttler. + Die zuerst. + +Macdonald. + Hör, Deveroux--das wird ein blut'ger Abend. + +Deveroux. + Hast du schon deinen Mann dazu? Trag's mir auf. + +Buttler. + Dem Major Geraldin ist's übergeben. + Es ist heut Faßnacht, und ein Essen wird + Gegeben auf dem Schloß, dort wird man sie + Bei Tafel überfallen, niederstoßen-- + Der Pestalutz, der Leßley sind dabei-- + +Deveroux. + Hör, General! Dir kann es nichts verschlagen. + Hör--laß mich tauschen mit dem Geraldin. + +Buttler. + Die kleinere Gefahr ist bei dem Herzog. + +Deveroux. + Gefahr! Was, Teufel! denkst du von mir, Herr? + Des Herzogs Aug', nicht seinen Degen fürcht ich. + +Buttler. + Was kann sein Aug' dir schaden? + +Deveroux. + Alle Teufel! + Du kennst mich, daß ich keine Memme bin. + Doch sieh, es sind noch nicht acht Tag', daß mir + Der Herzog zwanzig Goldstück reichen lassen + Zu diesem warmen Rock, den ich hier anhab-- + Und wenn er mich nun mit der Pike sieht + Dastehn, mir auf den Rock sieht--sieh--so--so-- + Der Teufel hol mich! ich bin keine Memme. + +Buttler. + Der Herzog gab dir diesen warmen Rock, + Und du, ein armer Wicht, bedenkst dich, ihm + Dafür den Degen durch den Leib zu rennen. + Und einen Rock, der noch viel wärmer hält, + Hing ihm der Kaiser um, den Fürstenmantel. + Wie dankt er's ihm? Mit Aufruhr und Verrat. + +Deveroux. + Das ist auch wahr. Den Danker hol der Teufel! + Ich--bring ihn um. + +Buttler. + Und willst du dein Gewissen + Beruhigen, darfst du den Rock nur ausziehn, + So kannst du's frisch und wohlgemut vollbringen. + +Macdonald. + Ja! da ist aber noch was zu bedenken-- + +Buttler. + Was gibt's noch zu bedenken, Macdonald? + +Macdonald. + Was hilft uns Wehr und Waffe wider den? + Er ist nicht zu verwunden, er ist fest. + +Buttler. (fährt auf) + Was wird er-- + +Macdonald. + Gegen Schuß und Hieb! Er ist + Gefroren, mit der Teufelskunst behaftet, + Sein Leib ist undurchdringlich, sag ich dir. + +Deveroux. + Ja, ja! In Ingolstadt war auch so einer, + Dem war die Haut so fest wie Stahl, man mußt' ihn + Zuletzt mit Flintenkolben niederschlagen. + +Macdonald. + Hört, was ich tun will! + +Deveroux. + Sprich! + +Macdonald. + Ich kenne hier + Im Kloster einen Bruder Dominikaner + Aus unsrer Landsmannschaft, der soll mir Schwert + Und Pike tauchen in geweihtes Wasser + Und einen kräft'gen Segen drüber sprechen, + Das ist bewährt, hilft gegen jeden Bann. + +Buttler. + Das tue, Macdonald. Jetzt geht aber. + Wählt aus dem Regimente zwanzig, dreißig + Handfeste Kerls, laßt sie dem Kaiser schwören-- + Wenn's eilf geschlagen--wenn die ersten Runden + Passiert sind, führt ihr sie in aller Stille + Dem Hause zu--Ich werde selbst nicht weit sein. + +Deveroux. + Wie kommen wir durch die Hartschiers und Garden, + Die in dem innern Hofraum Wache stehn? + +Buttler. + Ich hab des Orts Gelegenheit erkundigt. + Durch eine hintre Pforte führ ich euch, + Die nur durch einen Mann verteidigt wird. + Mir gibt mein Rang und Amt zu jeder Stunde + Einlaß beim Herzog. Ich will euch vorangehn, + Und schnell mit einem Dolchstoß in die Kehle + Durchbohr ich den Hartschier und mach euch Bahn. + +Deveroux. + Und sind wir oben, wie erreichen wir + Das Schlafgemach des Fürsten, ohne daß + Das Hofgesind' erwacht und Lärmen ruft? + Denn er ist hier mit großem Komitat. + +Buttler. + Die Dienerschaft ist auf dem rechten Flügel, + Er haßt Geräusch, wohnt auf dem linken ganz allein. + +Deveroux. + Wär's nur vorüber, Macdonald--Mir ist + Seltsam dabei zumute, weiß der Teufel. + +Macdonald. + Mir auch. Es ist ein gar zu großes Haupt. + Man wird uns für zwei Bösewichter halten. + +Buttler. + In Glanz und Ehr' und Überfluß könnt ihr + Der Menschen Urteil und Gered' verlachen. + +Deveroux. + Wenn's mit der Ehr' nur auch so recht gewiß ist. + +Buttler. + Seid unbesorgt. Ihr rettet Kron' und Reich + Dem Ferdinand. Der Lohn kann nicht gering sein. + +Deveroux. + So ist's sein Zweck, den Kaiser zu entthronen? + +Buttler. + Das ist er! Kron' und Leben ihm zu rauben! + +Deveroux. + So müßt' er fallen durch des Henkers Hand, + Wenn wir nach Wien lebendig ihn geliefert? + +Buttler. + Dies Schicksal könnt' er nimmermehr vermeiden. + +Deveroux. + Komm, Macdonald! Er soll als Feldherr enden + Und ehrlich fallen von Soldatenhänden. +(Sie gehen ab.) + + + +Dritter Auftritt + +Ein Saal, aus dem man in eine Galerie gelangt, die sich weit +nach hinten verliert. Wallenstein sitzt an einem Tisch. Der +schwedische Hauptmann steht vor ihm. Bald darauf Gräfin Terzky. + + +Wallenstein. + Empfehlt mich Eurem Herrn. Ich nehme teil + An seinem guten Glück, und wenn Ihr mich + So viele Freude nicht bezeigen seht, + Als diese Siegespost verdienen mag, + So glaubt, es ist nicht Mangel guten Willens, + Denn unser Glück ist nunmehr eins. Lebt wohl! + Nehmt meinen Dank für Eure Müh. Die Festung + Soll sich euch auftun morgen, wenn ihr kommt. +(Schwedischer Hauptmann geht ab. Wallenstein sitzt in tiefen +Gedanken, starr vor sich hinsehend, den Kopf in die Hand gesenkt. +Gräfin Terzky tritt herein und steht eine Zeitlang vor ihm +unbemerkt, endlich macht er eine rasche Bewegung, erblickt sie +und faßt sich schnell.) + Kommst du von ihr? Erholt sie sich? Was macht sie? + +Gräfin. + Sie soll gefaßter sein nach dem Gespräch, + Sagt mir die Schwester--Jetzt ist sie zu Bette. + +Wallenstein. + Ihr Schmerz wird sanfter werden. Sie wird weinen. + +Gräfin. + Auch dich, mein Bruder, find ich nicht wie sonst. + Nach einem Sieg erwartet' ich dich heitrer. + O bleibe stark! Erhalte du uns aufrecht, + Denn du bist unser Licht und unsre Sonne. + +Wallenstein. + Sei ruhig. Mir ist nichts--Wo ist dein Mann? + +Gräfin. + Zu einem Gastmahl sind sie, er und Illo. + +Wallenstein. (steht auf und macht einige Schritte durch den Saal) + Es ist schon finstre Nacht--Geh auf dein Zimmer. + +Gräfin. + Heiß mich nicht gehn, o laß mich um dich bleiben. + +Wallenstein. (ist ans Fenster getreten) + Am Himmel ist geschäftige Bewegung, + Des Turmes Fahne jagt der Wind, schnell geht + Der Wolken Zug, die Mondessichel wankt, + Und durch die Nacht zuckt ungewisse Helle. + --Kein Sternbild ist zu sehn! Der matte Schein dort, + Der einzelne, ist aus der Kassiopeia, + Und dahin steht der Jupiter--Doch jetzt + Deckt ihn die Schwärze des Gewitterhimmels! +(Er versinkt in Tiefsinn und sieht starr hinaus). + +Gräfin. (die ihm traurig zusieht, faßt ihn bei der Hand). + Was sinnst du? + +Wallenstein. + Mir deucht, wenn ich ihn sähe, wär' mir wohl. + Es ist der Stern, der meinem Leben strahlt, + Und wunderbar oft stärkte mich sein Anblick. +(Pause.) + +Gräfin. + Du wirst ihn wiedersehn. + +Wallenstein. (ist wieder in eine tiefe Zerstreuung gefallen, + er ermuntert sich und wendet sich schnell zur Gräfin) + Ihn wiedersehn?--O niemals wieder! + +Gräfin. + Wie? + +Wallenstein. + Er ist dahin--ist Staub! + +Gräfin. + Wen meinst du denn? + +Wallenstein. + Er ist der Glückliche. Er hat vollendet. + Für ihn ist keine Zukunft mehr, ihm spinnt + Das Schicksal keine Tücke mehr--sein Leben + Liegt faltenlos und leuchtend ausgebreitet, + Kein dunkler Flecken blieb darin zurück, + Und unglückbringend pocht ihm keine Stunde. + Weg ist er über Wunsch und Furcht, gehört + Nicht mehr den trüglich wankenden Planeten-- + O ihm ist wohl! Wer aber weiß, was uns + Die nächste Stunde schwarz verschleiert bringt! + +Gräfin. + Du sprichst von Piccolomini. Wie starb er? + Der Bote ging just von dir, als ich kam. +(Wallenstein bedeutet sie mit der Hand, zu schweigen.) + O wende deine Blicke nicht zurück! + Vorwärts in hellre Tage laß uns schauen. + Freu dich des Siegs, vergiß, was er dir kostet. + Nicht heute erst ward dir der Freund geraubt; + Als er sich von dir schied, da starb er dir. + +Wallenstein. + Verschmerzen werd ich diesen Schlag, das weiß ich, + Denn was verschmerzte nicht der Mensch! Vom Höchsten + Wie vom Gemeinsten lernt er sich entwöhnen, + Denn ihn besiegen die gewalt'gen Stunden. + Doch fühl ich's wohl, was ich in ihm verlor. + Die Blume ist hinweg aus meinem Leben, + Und kalt und farblos seh ich's vor mir liegen. + Denn er stand neben mir wie meine Jugend, + Er machte mir das Wirkliche zum Traum, + Um die gemeine Deutlichkeit der Dinge + Den goldnen Duft der Morgenröte webend-- + Im Feuer seines liebenden Gefühls + Erhoben sich, mir selber zum Erstaunen, + Des Lebens flach alltägliche Gestalten. + --Was ich mir ferner auch erstreben mag, + Das Schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder, + Denn über alles Glück geht doch der Freund, + Der's fühlend erst erschafft, der's teilend mehrt. + +Gräfin. + Verzag nicht an der eignen Kraft. Dein Herz + Ist reich genug, sich selber zu beleben. + Du liebst und preisest Tugenden an ihm, + Die du in ihm gepflanzt, in ihm entfaltet. + +Wallenstein. (an die Türe gehend) + Wer stört uns noch in später Nacht?--Es ist + Der Kommendant. Er bringt die Festungsschlüssel. + Verlaß uns, Schwester, Mitternacht ist da. + +Gräfin. + O mir wird heut so schwer, von dir zu gehn, + Und bange Furcht bewegt mich. + +Wallenstein. + Furcht! Wovor? + +Gräfin. + Du möchtest schnell wegreisen diese Nacht, + Und beim Erwachen fänden wir dich nimmer. + +Wallenstein. + Einbildungen. + +Gräfin. + O meine Seele wird + Schon lang von trüben Ahnungen geängstigt, + Und wenn ich wachend sie bekämpft, sie fallen + Mein banges Herz in düstern Träumen an. + --Ich sah dich gestern nacht mit deiner ersten + Gemahlin, reich geputzt, zu Tische sitzen-- + +Wallenstein. + Das ist ein Traum erwünschter Vorbedeutung, + Denn jene Heirat stiftete mein Glück. + +Gräfin. + Und heute träumte mir, ich suchte dich + In deinem Zimmer auf--Wie ich hineintrat, + So war's dein Zimmer nicht mehr, die Kartause + Zu Gitschin war's, die du gestiftet hast + Und wo du willst, daß man dich hin begrabe. + +Wallenstein. + Dein Geist ist nun einmal damit beschäftigt. + +Gräfin. + Wie? Glaubst du nicht, daß eine Warnungsstimme + In Träumen vorbedeutend zu uns spricht? + +Wallenstein. + Dergleichen Stimmen gibt's--Es ist kein Zweifel! + Doch Warnungsstimmen möcht' ich sie nicht nennen, + Die nur das Unvermeidliche verkünden. + Wie sich der Sonne Scheinbild in dem Dunstkreis + Malt, eh' sie kommt, so schreiten auch den großen + Geschicken ihre Geister schon voran, + Und in dem Heute wandelt schon das Morgen. + Es machte mir stets eigene Gedanken, + Was man vom Tod des vierten Heinrichs liest. + Der König fühlte das Gespenst des Messers + Lang vorher in der Brust, eh' sich der Mörder + Ravaillac damit waffnete. Ihn floh + Die Ruh', es jagt' ihn auf in seinem Louvre, + Ins Freie trieb es ihn; wie Leichenfeier + Klang ihm der Gattin Krönungsfest, er hörte + Im ahnungsvollen Ohr der Füße Tritt, + Die durch die Gassen von Paris ihn suchten-- + +Gräfin. + Sagt dir die innre Ahnungsstimme nichts? + +Wallenstein. + Nichts. Sei ganz ruhig! + +Gräfin. (in düstres Nachsinnen verloren): + Und ein andermal, + Als ich dir eilend nachging, liefst du vor mir + Durch einen langen Gang, durch weite Säle, + Es wollte gar nicht enden--Türen schlugen + Zusammen, krachend--keuchend folgt' ich, konnte + Dich nicht erreichen--plötzlich fühlt' ich mich + Von hinten angefaßt mit kalter Hand, + Du warst's und küßtest mich, und über uns + Schien eine rote Decke sich zu legen-- + +Wallenstein. + Das ist der rote Teppich meines Zimmers. + +Gräfin. (ihn betrachtend) + Wenn's dahin sollte kommen--Wenn ich dich, + Der jetzt in Lebensfülle vor mir steht-- +(Sie sinkt ihm weinend an die Brust.) + +Wallenstein. + Des Kaisers Achtsbrief ängstigt dich. Buchstaben + Verwunden nicht, er findet keine Hände. + +Gräfin. + Fänd' er sie aber, dann ist mein Entschluß + Gefaßt--ich führe bei mir, was mich tröstet. +(Geht ab.) + + + +Vierter Auftritt + +Wallenstein. Gordon. Dann der Kammerdiener. + + +Wallenstein. + Ist's ruhig in der Stadt? + +Gordon. + Die Stadt ist ruhig. + +Wallenstein. + Ich höre rauschende Musik, das Schloß ist + Von Lichtern hell. Wer sind die Fröhlichen? + +Gordon. + Dem Grafen Terzky und dem Feldmarschall + Wird ein Bankett gegeben auf dem Schloß. + +Wallenstein. (vor sich) + Es ist des Sieges wegen--Dies Geschlecht + Kann sich nicht anders freuen als bei Tisch. +(Klingelt. Kammerdiener tritt ein.) + Entkleide mich, ich will mich schlafen legen. +(Er nimmt die Schlüssel zu sich.) + So sind wir denn vor jedem Feind bewahrt + Und mit den sichern Freunden eingeschlossen; + Denn alles müßt' mich trügen, oder ein + Gesicht wie dies +(auf Gordon schauend) + ist keines Heuchlers Larve. +(Kammerdiener hat ihm den Mantel, Ringkragen und die Feldbinde abgenommen.) + Gib acht! Was fällt da? + +Kammerdiener. + Die goldne Kette ist entzweigesprungen. + +Wallenstein. + Nun, sie hat lang genug gehalten. Gib. +(Indem er die Kette betrachtet.) + Das war des Kaisers erste Gunst. Er hing sie + Als Erzherzog mir um, im Krieg von Friaul, + Und aus Gewohnheit trug ich sie bis heut. + --Aus Aberglauben, wenn Ihr wollt. Sie sollte + Ein Talisman mir sein, so lang ich sie + An meinem Halse glaubig würde tragen, + Das flücht'ge Glück, des erste Gunst sie war, + Mir auf zeitlebens binden--Nun es sei! + Mir muß fortan ein neues Glück beginnen, + Denn dieses Bannes Kraft ist aus. +(Kammerdiener entfernt sich mit den Kleidern. Wallenstein steht +auf, macht einen Gang durch den Saal und bleibt zuletzt nachdenkend +vor Gordon stehen.) + Wie doch die alte Zeit mir näher kommt. + Ich seh mich wieder an dem Hof zu Burgau, + Wo wir zusammen Edelknaben waren. + Wir hatten öfters Streit, du meintest's gut + Und pflegtest gern den Sittenprediger + Zu machen, schaltest mich, daß ich nach hohen Dingen + Unmäßig strebte, kühnen Träumen glaubend, + Und priesest mir den goldnen Mittelweg. + --Ei, deine Weisheit hat sich schlecht bewährt, + Sie hat dich früh zum abgelebten Manne + Gemacht und würde dich, wenn ich mit meinen + Großmüt'gern Sternen nicht dazwischenträte, + Im schlechten Winkel still verlöschen lassen. + +Gordon. + Mein Fürst! Mit leichtem Mute knüpft der arme Fischer + Den kleinen Nachen an im sichern Port, + Sieht er im Sturm das große Meerschiff stranden. + +Wallenstein. + So bist du schon im Hafen, alter Mann? + Ich nicht. Es treibt der ungeschwächte Mut + Noch frisch und herrlich auf der Lebenswoge, + Die Hoffnung nenn ich meine Göttin noch, + Ein Jüngling ist der Geist, und seh ich mich + Dir gegenüber, ja, so möcht' ich rühmend sagen, + Daß über meinem braunen Scheitelhaar + Die schnellen Jahre machtlos hingegangen. +(Er geht mit großen Schritten durchs Zimmer und bleibt auf der +entgegengesetzten Seite, Gordon gegenüber, stehen.) + Wer nennt das Glück noch falsch? Mir war es treu, + Hob aus der Menschen Reihen mich heraus + Mit Liebe, durch des Lebens Stufen mich + Mit kraftvoll leichten Götterarmen tragend. + Nichts ist gemein in meines Schicksals Wegen + Noch in den Furchen meiner Hand. Wer möchte + Mein Leben mir nach Menschenweise deuten? + Zwar jetzo schein ich tief herabgestürzt, + Doch werd ich wieder steigen, hohe Flut + Wird bald auf diese Ebbe schwellend folgen-- + +Gordon. + Und doch erinnr' ich an den alten Spruch: + Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. + Nicht Hoffnung möcht' ich schöpfen aus dem langen Glück, + Dem Unglück ist die Hoffnung zugesendet. + Furcht soll das Haupt des Glücklichen umschweben, + Denn ewig wanket des Geschickes Waage. + +Wallenstein. (lächelnd) + Den alten Gordon hör ich wieder sprechen. + --Wohl weiß ich, daß die ird'schen Dinge wechseln, + Die bösen Götter fordern ihren Zoll: + Das wußten schon die alte Heidenvölker, + Drum wählten sie sich selbst freiwill'ges Unheil, + Die eifersücht'ge Gottheit zu versöhnen, + Und Menschenopfer bluteten dem Typhon. +(Nach einer Pause, ernst und stiller.) + Auch ich hab ihm geopfert--Denn mir fiel + Der liebst Freund, und fiel durch meine Schuld. + So kann mich keines Glückes Gunst mehr freuen, + Als dieser Schlag mich hat geschmerzt--Der Neid + Des Schicksals ist gesättigt, es nimmt Leben + Für Leben an, und abgeleitet ist + Auf das geliebte reine Haupt der Blitz, + Der mich zerschmetternd sollte niederschlagen. + + + +Fünfter Auftritt + +Vorige. Seni. + + +Wallenstein. + Kommt da nicht Seni? Und wie außer sich! + Was führt dich noch so spät hieher, Baptist? + +Seni. + Furcht deinetwegen, Hoheit. + +Wallenstein. + Sag, was gibt's? + +Seni. + Flieh, Hoheit, eh' der Tag anbricht. Vertraue dich + Den Schwedischen nicht an. + +Wallenstein. + Was fällt dir ein? + +Seni. (mit steigendem Ton) + Vertrau dich diesen Schweden nicht! + +Wallenstein. + Was ist's denn? + +Seni. + Erwarte nicht die Ankunft dieser Schweden! + Von falschen Freunden droht dir nahes Unheil, + Die Zeichen stehen grausenhaft, nah, nahe + Umgeben dich die Netze des Verderbens. + +Wallenstein. + Du träumst, Baptist, die Furcht betöret dich. + +Seni. + O glaube nicht, daß leere Furcht mich täusche. + Komm, lies es selbst in dem Planetenstand, + Daß Unglück dir von falschen Freunden droht. + +Wallenstein. + Von falschen Freunden stammt mein ganzes Unglück. + Die Weisung hätte früher kommen sollen, + Jetzt brauch ich keine Sterne mehr dazu. + +Seni. + O komm und sieh! Glaub deinen eignen Augen. + Ein greulich Zeichen steht im Haus des Lebens, + Ein naher Feind, ein Unhold lauert hinter + Den Strahlen deines Sterns--O laß dich warnen! + Nicht diesen Heiden überliefre dich, + Die Krieg mit unsrer heil'gen Kirche führen. + +Wallenstein. (lächelnd) + Schallt das Orakel daher?--Ja! Ja! Nun + Besinn' ich mich--Dies schwed'sche Bündnis hat + Dir nie gefallen wollen--Leg dich schlafen, + Baptista! Solche Zeichen fürcht ich nicht. + +Gordon. (der durch diese Reden heftig erschüttert worden, + wendet sich zu Wallenstein). + Mein fürstlicher Gebieter! Darf ich reden? + Oft kommt ein nützlich Wort aus schlechtem Munde. + +Wallenstein. + Sprich frei! + +Gordon. + Mein Fürst! Wenn's doch kein leeres Furchtbild wäre, + Wenn Gottes Vorsehung sich dieses Mundes + Zu Ihrer Rettung wunderbar bediente! + +Wallenstein. + Ihr sprecht im Fieber, einer wie der andre. + Wie kann mir Unglück kommen von den Schweden? + Sie suchten meinen Bund, er ist ihr Vorteil. + +Gordon. + Wenn dennoch eben dieser Schweden Ankunft-- + Gerade die es wär', die das Verderben + Beflügelte auf Ihr so sichres Haupt-- +(vor ihm niederstürzend) + O noch ist's Zeit, mein Fürst-- + +Seni. (kniet nieder) + O hör ihn! hör ihn! + +Wallenstein. + Zeit, und wozu? Steht auf--Ich will's, steht auf. + +Gordon. (steht auf) + Der Rheingraf ist noch fern. Gebieten Sie, + Und diese Festung soll sich ihm verschließen. + Will er uns dann belagern, er versuch's. + Doch sag ich dies: Verderben wird er eher + Mit seinem ganzen Volk vor diesen Wällen, + Als unsres Mutes Tapferkeit ermüden. + Erfahren soll er, was ein Heldenhaufe + Vermag, beseelt von einem Heldenführer, + Dem's Ernst ist, seinen Fehler gutzumachen. + Das wird den Kaiser rühren und versöhnen, + Denn gern zur Milde wendet sich sein Herz, + Und Friedland, der bereuend wiederkehrt, + Wird höher stehn in seines Kaisers Gnade, + Als je der Niegefallne hat gestanden. + +Wallenstein. (betrachtet ihn mit Befremdung und Erstaunen und +schweigt eine Zeitlang, eine starke innre Bewegung zeigend) + Gordon--des Eifers Wärme führt Euch weit, + Es darf der Jugendfreund sich was erlauben. + --Blut ist geflossen, Gordon. Nimmer kann + Der Kaiser mir vergeben. Könnt' er's, ich, + Ich könnte nimmer mir vergeben lassen. + Hätt' ich vorher gewußt, was nun geschehn, + Daß es den liebsten Freund mir würde kosten, + Und hätte mir das Herz wie jetzt gesprochen-- + Kann sein, ich hätte mich bedacht--kann sein + Auch nicht--Doch was nun schonen noch? Zu ernsthaft + Hat's angefangen, um in nichts zu enden. + Hab' es denn seinen Lauf! +(Indem er ans Fenster tritt.) + Sieh, es ist Nacht geworden, auf dem Schloß + Ist's auch schon stille--Leuchte, Kämmerling. +(Kammerdiener, der unterdessen still eingetreten und mit + sichtbarem Anteil in der Ferne gestanden, tritt hervor, heftig + bewegt, und stürzt sich zu des Herzogs Füßen.) + Du auch noch? Doch ich weiß es ja, warum + Du meinen Frieden wünschest mit dem Kaiser. + Der arme Mensch! Er hat im Kärntnerland + Ein kleines Gut und sorgt, sie nehmen's ihm, + Weil er bei mir ist. Bin ich denn so arm, + Daß ich den Dienern nicht ersetzen kann? + Nun! Ich will niemand zwingen. Wenn du meinst, + Daß mich das Glück geflohen, so verlaß mich. + Heut magst du mich zum letztenmal entkleiden + Und dann zu deinem Kaiser übergehn-- + Gut Nacht, Gordon! + Ich denke einen langen Schlaf zu tun, + Denn dieser letzten Tage Qual war groß. + Sorgt, daß sie nicht zu zeitig mich erwecken. +(Er geht ab. Kammerdiener leuchtet. Seni folgt. Gordon bleibt in +der Dunkelheit stehen, dem Herzog mit den Augen folgend, bis er +in dem äußersten Gang verschwunden ist; dann drückt er durch +Gebärden seinen Schmerz aus und lehnt sich gramvoll an eine +Säule.) + + + +Sechster Auftritt + +Gordon. Buttler, anfangs hinter der Szene. + + +Buttler. + Hier stehet still, bis ich das Zeichen gebe. + +Gordon. (fährt auf) + Er ist's, er bringt die Mörder schon. + +Buttler. + Die Lichter + Sind aus. In tiefem Schlafe liegt schon alles. + +Gordon. + Was soll ich tun? Versuch ich's, ihn zu retten? + Bring ich das Haus, die Wachen in Bewegung? + +Buttler. (erscheint hinten) + Vom Korridor her schimmert Licht. Das führt + Zum Schlafgemach des Fürsten. + +Gordon. + Aber brech ich + Nicht meinen Eid dem Kaiser? Und entkommt er, + Des Feindes Macht verstärkend, lad ich nicht + Auf mein Haupt alle fürchterlichen Folgen? + +Buttler. (etwas näher kommend) + Still! Horch! Wer spricht da? + +Gordon. + Ach, es ist doch besser, + Ich stell's dem Himmel heim. Denn was bin ich, + Daß ich so großer Tat mich unterfinge? + Ich hab ihn nicht ermordet, wenn er umkommt, + Doch seine Rettung wäre meine Tat, + Und jede schwere Folge müßt' ich tragen. + +Buttler. (herzutretend) + Die Stimme kenn ich. + +Gordon. + Buttler! + +Buttler. + Es ist Gordon. + Was sucht Ihr hier? Entließ der Herzog Euch + So spät? + +Gordon. + Ihr tragt die Hand in einer Binde? + +Buttler. + Sie ist verwundet. Dieser Illo focht + Wie ein Verzweifelter, bis wir ihn endlich + Zu Boden streckten-- + +Gordon. (schauert zusammen) + Sie sind tot! + +Buttler. + Es ist geschehn. + --Ist er zu Bett? + +Gordon. + Ach Buttler! + +Buttler. (dringend) + Ist er? Sprecht! + Nicht lange kann die Tat verborgen bleiben. + +Gordon. + Er soll nicht sterben. Nicht durch Euch! Der Himmel + Will Euren Arm nicht. Seht, er ist verwundet. + +Buttler. + Nicht meines Armes braucht's. + +Gordon. + Die Schuldigen + Sind tot; genug ist der Gerechtigkeit + Geschehn! Laßt dieses Opfer sie versöhnen! +(Kammerdiener kommt den Gang her, mit dem Finger auf dem Mund +Stillschweigen gebietend.) + Er schläft! O mordet nicht den heil'gen Schlaf! + +Buttler. + Nein, er soll wachend sterben. +(Will gehen.) + +Gordon. + Ach, sein Herz ist noch + Den ird'schen Dingen zugewendet, nicht + Gefaßt ist er, vor seinen Gott zu treten. + +Buttler. + Gott ist barmherzig! +(Will gehen.) + +Gordon. (hält ihn) + Nur die Nacht noch gönnt ihm. + +Buttler. + Der nächste Augenblick kann uns verraten. +(Will fort.) + +Gordon. (hält ihn). + Nur eine Stunde! + +Buttler. + Laßt mich los! Was kann + Die kurze Frist ihm helfen? + +Gordon. + O die Zeit ist + Ein wundertät'ger Gott. In einer Stunde rinnen + Viel tausend Körner Sandes, schnell wie sie + Bewegen sich im Menschen die Gedanken. + Nur eine Stunde! Euer Herz kann sich, + Das seinige sich wenden--Eine Nachricht + Kann kommen--ein beglückendes Ereignis + Entscheidend, rettend, schnell vom Himmel fallen-- + O was vermag nicht eine Stunde! + +Buttler. + Ihr erinnert mich, + Wie kostbar die Minuten sind. +(Er stampft auf den Boden.) + + + +Siebenter Auftritt + +Macdonald, Deveroux mit Hellebardierern treten hervor. +Dann Kammerdiener. Vorige. + + +Gordon. (sich zwischen ihn und jene werfend). + Nein, Unmensch! + Erst über meinen Leichnam sollst du hingehn, + Denn nicht will ich das Gräßliche erleben. + +Buttler. (ihn wegdrängend). + Schwachsinn'ger Alter! +(Man hört Trompeten in der Ferne.) + +Macdonald + und Deveroux. + Schwedische Trompeten! + Die Schweden stehn vor Eger! Laßt uns eilen! + +Gordon. + Gott! Gott! + +Buttler. + An Euren Posten, Kommendant! +(Gordon stürzt hinaus.) + +Kammerdiener. (eilt herein.) + Wer darf hier lärmen? Still, der Herzog schläft! + +Deveroux. (mit lauter, fürchterlicher Stimme.) + Freund! Jetzt ist's Zeit, zu lärmen! + +Kammerdiener. (Geschrei erhebend) + Hilfe! Mörder! + +Buttler. + Nieder mit ihm! + +Kammerdiener. (von Deveroux durchbohrt, stürzt am Eingang der Galerie) + Jesus Maria! + +Buttler. + Sprengt die Türen! +(Sie schreiten über den Leichnam weg den Gang hin. Man hört in + der Ferne zwei Türen nach einander stürzen--Dumpfe Stimmen-- + Waffengetöse--dann plötzlich tiefe Stille.) + + + +Achter Auftritt + + +Gräfin Terzky. (mit einem Lichte) + Ihr Schlafgemach ist leer, und sie ist nirgends + Zu finden, auch die Neubrunn wird vermißt, + Die bei ihr wachte--Wäre sie entflohn? + Wo kann sie hingeflohen sein! Man muß + Nacheilen, alles in Bewegung setzen! + Wie wird der Herzog diese Schreckenspost + Aufnehmen!--Wäre nur mein Mann zurück + Vom Gastmahl! Ob der Herzog wohl noch wach ist? + Mir war's, als hört' ich Stimmen hier und Tritte. + Ich will doch hingehn, an der Türe lauschen. + Horch! wer ist das? Es eilt die Trepp' herauf. + + + +Neunter Auftritt + +Gräfin. Gordon. Dann Buttler. + + +Gordon. (eilfertig, atemlos hereinstürzend): + Es ist ein Irrtum--es sind nicht die Schweden. + Ihr sollt nicht weitergehen--Buttler--Gott! + Wo ist er? +(Indem er die Gräfin bemerkt.) + +Gräfin, sagen Sie-- + +Gräfin. + Sie kommen von der Burg? Wo ist mein Mann? + +Gordon. (entsetzt) + Ihr Mann!--O fragen Sie nicht! Gehen Sie + Hinein-- +(Will fort) + +Gräfin. (hält ihn) + Nicht eher, bis Sie mir entdecken-- + +Gordon. (heftig dringend) + An diesem Augenblicke hängt die Welt! + Um Gotteswillen, gehen Sie--Indem + Wir sprechen--Gott im Himmel! +(Laut schreiend.) + +Buttler! Buttler! + +Gräfin. + Der ist ja auf dem Schloß mit meinem Mann. +(Buttler kommt aus der Galerie.) + +Gordon. (der ihn erblickt). + Es war ein Irrtum--Es sind nicht die Schweden-- + Die Kaiserlichen sind's, die eingedrungen-- + Der Generalleutnant schickt mich her, er wird + Gleich selbst hier sein--Ihr sollt nicht weiter gehn-- + +Buttler. + Er kommt zu spät. + +Gordon. (stürzt an die Mauer) + Gott der Barmherzigkeit! + +Gräfin. (ahnungsvoll) + Was ist zu spät? Wer wird gleich selbst hier sein? + Octavio in Eger eingedrungen? + Verräterei! Verräterei! + Wo ist Der Herzog? +(Eilt dem Gange zu.) + + + +Zehnter Auftritt + +Vorige. Seni. Dann Bürgermeister. Page. Kammerfrau. Bediente rennen +schreckensvoll über die Szene. + + +Seni. (der mit allen Zeichen des Schreckens aus der Galerie kommt) + O blutige, entsetzensvolle Tat! + +Gräfin. + Was ist + Geschehen, Seni? + +Page. (herauskommend) + O erbarmungswürd'ger Anblick! +(Bediente mit Fackeln.) + +Gräfin. + Was ist's? Um Gotteswillen! + +Seni. + Fragt Ihr noch? + Drinn' liegt der Fürst ermordet, Euer Mann ist + Erstochen auf der Burg. +(Gräfin bleibt erstarrt stehen.) + +Kammerfrau. (eilt herein). + Hilf'! Hilf' der Herzogin! + +Bürgermeister. (kommt schreckenvoll) + Was für ein Ruf + Des Jammers weckt die Schläfer dieses Hauses? + +Gordon. + Verflucht ist Euer Haus auf ew'ge Tage! + In Eurem Hause liegt der Fürst ermordet. + +Bürgermeister. + Das wolle Gott nicht! +(Stürzt hinaus.) + +Erster Bedienter. + Flieht! Flieht! Sie ermorden + Uns alle! + Zweiter Bedienter +(Silbergeräte tragend) + Da hinaus. Die untern Gänge sind besetzt. +(Hinter der Szene wird gerufen:) + Platz! Platz dem Generalleutnant! +(Bei diesen Worten richtet sich die Gräfin aus ihrer Erstarrung auf, +faßt sich und geht schnell ab.) +(Hinter der Szene:) + Besetzt das Tor! Das Volk zurückgehalten! + + + +Elfter Auftritt + +Vorige ohne die Gräfin. Octavio Piccolomini tritt herein mit Gefolge. +Deveroux und Macdonald kommen zugleich aus dem Hintergrunde mit +Hellebardierern. Wallensteins Leichnam wird in einem roten Teppich +hinten über die Szene getragen. + + +Octavio. (rasch eintretend) + Es darf nicht sein! Es ist nicht möglich! Buttler! + Gordon! Ich will's nicht glauben. Saget nein. + +Gordon. (ohne zu antworten, weist mit der Hand nach hinten. +Octavio sieht hin und steht von Entsetzen ergriffen). + +Deveroux. (zu Buttler). + Hier ist das goldne Vlies, des Fürsten Degen! + +Macdonald. + Befehlt Ihr, daß man die Kanzlei-- + +Buttler. (auf Octavio zeigend) + Hier steht er, + Der jetzt allein Befehle hat zu geben. +(Deveroux und Macdonald treten ehrerbietig zurück; alles verliert +sich still, daß nur allein Buttler, Octavio und Gordon auf der +Szene bleiben.) + +Octavio. (zu Buttlern gewendet). + War das die Meinung, Buttler, als wir schieden? + Gott der Gerechtigkeit! Ich hebe meine Hand auf. + Ich bin an dieser ungeheuren Tat + Nicht schuldig. + +Buttler. + Eure Hand ist rein. Ihr habt + Die meinige dazu gebraucht. + +Octavio. + Ruchloser! + So mußtest du des Herrn Befehl mißbrauchen + Und blutig grauenvollen Meuchelmord + Auf deines Kaisers heil'gen Namen wälzen? + +Buttler. (gelassen) + Ich hab des Kaisers Urtel nur vollstreckt. + +Octavio. + O Fluch der Könige, der ihren Worten + Das fürchterliche Leben gibt, dem schnell + Vergänglichen Gedanken gleich die Tat, + Die fest unwiderrufliche, ankettet! + Mußt' es so rasch gehorcht sein? Konntest du + Dem Gnädigen nicht Zeit zur Gnade gönnen? + Des Menschen Engel ist die Zeit--die rasche + Vollstreckung an das Urteil anzuheften, + Ziemt nur dem unveränderlichen Gott! + +Buttler. + Was scheltet Ihr mich? Was ist mein Verbrechen? + Ich habe eine gute Tat getan, + Ich hab das Reich von einem furchtbarn Feinde + Befreit und mache Anspruch auf Belohnung. + Der einz'ge Unterschied ist zwischen Eurem + Und meinem Tun: Ihr habt den Pfeil geschärft, + Ich hab ihn abgedrückt. Ihr sätet Blut + Und steht bestürzt, daß Blut ist aufgegangen. + Ich wußt immer, was ich tat, und so + Erschreckt und überrascht mich kein Erfolg. + Habt Ihr sonst einen Auftrag mir zu geben? + Denn stehnden Fußes reis ich ab nach Wien, + Mein blutend Schwert vor meines Kaisers Thron + Zu legen und den Beifall mir zu holen, + Den der geschwinde, pünktliche Gehorsam + Von dem gerechten Richter fordern darf. +(Geht ab.) + + + +Zwölfter Auftritt + +Vorige ohne Buttler. Gräfin Terzky tritt auf, bleich und entstellt. + Ihre Sprache ist schwach und langsam, ohne Leidenschaft. + + +Octavio. (ihr entgegen) + O Gräfin Terzky, mußt' es dahin kommen? + Das sind die Folgen unglücksel'ger Taten. + +Gräfin. + Es sind die Früchte Ihres Tuns--Der Herzog + Ist tot, mein Mann ist tot, die Herzogin + Ringt mit dem Tode, meine Nichte ist verschwunden. + Dies Haus des Glanzes und der Herrlichkeit + Steht nun verödet, und durch alle Pforten + Stürzt das erschreckte Hofgesinde fort. + Ich bin die Letzte drin, ich schloß es ab + Und liefre hier die Schlüssel aus. + +Octavio. (mit tiefem Schmerz) + O Gräfin, + Auch mein Haus ist verödet! + +Gräfin. + Wer soll noch + Umkommen? Wer soll noch mißhandelt werden? + Der Fürst ist tot, des Kaisers Rache kann + Befriedigt sein. Verschonen Sie die alten Diener! + Daß den Getreuen ihre Lieb und Treu + Nicht auch zum Frevel angerechnet werde! + Das Schicksal überraschte meinen Bruder + Zu schnell, er konnte nicht mehr an sie denken. + +Octavio + Nichts von Mißhandlung! Nichts von Rache, Gräfin! + Die schwere Schuld ist schwer gebüßt, der Kaiser + Versöhnt, nichts geht vom Vater auf die Tochter + Hinüber als sein Ruhm und sein Verdienst. + Die Kaiserin ehrt Ihr Unglück, öffnet Ihnen + Teilnehmend ihre mütterlichen Arme. + Drum keine Furcht mehr! Fassen Sie Vertrauen + Und übergeben Sie sich hoffnungsvoll + Der kaiserlichen Gnade. + +Gräfin. (mit einem Blick zum Himmel) + Ich vertraue mich + Der Gnade eines größern Herrn--Wo soll + Der fürstliche Leichnam seine Ruhstatt finden? + In der Kartause, die er selbst gestiftet, + Zu Gitschin ruht die Gräfin Wallenstein; + An ihrer Seite, die sein erstes Glück + Gegründet, wünscht' er, dankbar, einst zu schlummern. + O lassen Sie ihn dort begraben sein! + Auch für die Reste meines Mannes bitt ich + Um gleiche Gunst. Der Kaiser ist Besitzer + Von unsern Schlössern, gönne man uns nur + Ein Grab noch bei den Gräbern unsrer Ahnen. + +Octavio. + Sie zittern, Gräfin--Sie verbleichen--Gott! + Und welche Deutung geb ich Ihren Reden? + +Gräfin. (sammelt ihre letzte Kraft und spricht mit + Lebhaftigkeit und Adel) + Sie denken würdiger von mir, als daß Sie glaubten, + Ich überlebte meines Hauses Fall. + Wir fühlten uns nicht zu gering, die Hand + Nach einer Königskrone zu erheben-- + Es sollte nicht sein--Doch wir denken königlich + Und achten einen freien, mut'gen Tod + Anständiger als ein entehrtes Leben. + --Ich habe Gift-- + +Octavio. + O rettet! helft! + +Gräfin. + Es ist zu spät. + In wenig Augenblicken ist mein Schicksal + Erfüllt. +(Sie geht ab.) + +Gordon. + O Haus des Mordes und Entsetzens! +(Ein Kurier kommt und bringt einen Brief. Gordon tritt ihm entgegen.) + Was gibt's? Das ist das kaiserliche Siegel. +(Er hat die Aufschrift gelesen und übergibt den Brief dem Octavio + mit einem Blick des Vorwurfs.) + Dem Fürsten Piccolomini. +(Octavio erschrickt und blickt schmerzvoll zu Himmel.) + +(Der Vorhang fällt.) + + + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WALLENSTEINS TOD *** + +This file should be named 8wllt10.txt or 8wllt10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8wllt11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8wllt10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. 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This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04 + +Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +http://www.gutenberg.net/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. 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