diff options
| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-01-23 16:04:18 -0800 |
|---|---|---|
| committer | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-01-23 16:04:18 -0800 |
| commit | 037d9f8d7184957726dbef2d68e93ca0e0bbb79d (patch) | |
| tree | 5b364cf6fb7aeb668c7914fd515e39700f255e69 /old | |
| parent | 9478c589f936392447312d143fed61e5aa19f9ab (diff) | |
Diffstat (limited to 'old')
106 files changed, 0 insertions, 9180 deletions
diff --git a/old/64204-0.txt b/old/64204-0.txt deleted file mode 100644 index e663a93..0000000 --- a/old/64204-0.txt +++ /dev/null @@ -1,4105 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook of Abnormitäten, by Hermann Waldemar Otto - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Abnormitäten - -Author: Hermann Waldemar Otto - -Release Date: January 03, 2021 [eBook #64204] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net (This transcription was produced from - images generously made available by Bayerische - Staatsbibliothek / Bavarian State Library.) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ABNORMITÄTEN *** - +------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, Kursivschrift | - | als ~kursiv~, und Fettschrift als ¯fett¯. | - | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. | - +------------------------------------------------------------------+ - - - - - Abnormitäten - - Von - - Signor Saltarino - - Alle - Rechte vorbehalten - - DÜSSELDORF 1900 - - Druck und Verlag von Ed. Lintz. - - - - -Inhalts-Verzeichniss. - - - Seite - - Vorrede I-XXXII - - Johnsons zweiköpfiges Baby 1 - - Madame Taylor 3 - - Lia May 4 - - Madame Meyer 5 - - Emma Schaller 6 - - Barney Baldwin 7 - - Hermann, der Knabe mit der Wunderhand 9 - - Eli Bown 10 - - Wilhelm & Hulda 12 - - Eugène Berrey 13 - - Miss Maggie 14 - - George Woodstock 15 - - John Darrington 17 - - John Chambert 18 - - James Morris 19 - - Angelotti 20 - - James Wilson 22 - - Lady Dot 24 - - Edith, das Riesenkind 25 - - Achmed Aratas 26 - - Mac Mahon-Kinder 28 - - Katy Clary 29 - - Marquis Wolga und Marquise Louise 30 - - Leo Whitton 31 - - Monsieur Neptune 33 - - Miss Pollie Whatson 34 - - Lucy Morris 36 - - Clarence Dale 37 - - Dominique Castagna 38 - - William Campbell 41 - - Albert Brough & General Thom 43 - - Count Ivan Orloff 44 - - Johann Jacob Toccio 46 - - Jo-Jo 48 - - Miss Violet 49 - - Walter H. Drew 51 - - Miss Bella Carter 52 - - Der Hindu »Laloo« 54 - - Monroe 56 - - Ada Russel 58 - - W. Le Roy 59 - - Rham-a-Sama 61 - - Frank Home & George Moore 62 - - Die gefleckten Mädchen 64 - - George Williams 65 - - Madame Taylor 66 - - Das Bärenweib 68 - - Mr. Rannie 69 - - Frl. Lara 72 - - J. Hanson 73 - - Mary, die lebende Puppe 74 - - Radica & Doodica 75 - - Unzie 77 - - Nicodemus 79 - - Chevalier Cliquot 81 - - Seip 83 - - Gay Jewett 85 - - Marietta 86 - - Mlle. Brison 88 - -[Illustration] - - - - -[Illustration] - - - - -Vorrede. - - -_Abnormitäten_, im allgemeinen mit der trivialen Bezeichnung -»Missgeburten« belegt, haben stets als Schau-Objecte eine bedeutende -Anziehungskraft auf das sog. grosse Publicum ausgeübt, das in der Regel -auch eine gewisse Befriedigung seiner Neugierde in dem gedankenlosen -Anschauen derselben fand. - -Erst den letzten Decennien unseres Jahrhunderts war es vorbehalten, -Schau-Objecte dieser Art auf das wissenschaftliche Gebiet zu -überführen, indem hervorragende ärztliche Autoritäten sie nicht selten -als lebende Illustrationen zu ihren einschlägigen Vorträgen in den -Hörsälen der Kliniken vorstellten und dadurch auch das Interesse für -sie in weiter ausgedehnte Bahnen lenkten. - -Dass das nicht auch schon in früheren Zeiten geschehen ist, lag, -abgesehen von allen Vorurtheilen, wohl mit in der, den besseren Kreisen -weniger convenirenden Art und Weise des Auftretens resp. der Vorführung -derselben, so dass selbst vorurtheilsfreie Männer der Wissenschaft -diesen äusseren Umständen gegenüber ihre Gelehrtenscheu nicht ablegen -wollten, nicht ablegen durften, wollten sie nicht aus dem Rahmen des -Althergebrachten heraustreten und ihrer und der öffentlichen Meinung -nach dadurch den ganzen Gelehrtenstand profaniren. - -Seit aber das äussere Wesen der Schaustellungen gegen früher einen -ganz ungeahnten Aufschwung genommen hat, seit die Productionen der -Fuss- und Rumpfkünstler, wenn auch nicht im allgemeinen, so doch im -besonderen, sich auf dem Gebiete der Artistik ein bedeutendes Terrain -erobert, seit ferner ein C. H. Unthan als primus omnium an der Spitze -der Fusskünstler marschirt und ihr Bannerträger ist und die sog. -Rumpfkünstler in Kobelkoff einen ebenfalls nicht zu unterschätzenden -Obmann haben, seit ferner vorurtheilsfreie Gelehrte ihre »heilige« -Scheu abgelegt und Abnormitäten nicht selten als Lehrmittel zu -sich in ihre Hörsäle emporhoben, seitdem hat auch das gesammte -Publicum allmählich gelernt, diesen, in gewisser Weise von der Natur -vernachlässigten Menschgeborenen ein vorurtheilsfreieres Interesse -entgegenzubringen. Ob sie aber das allgemeine _Mitleid_, das ihnen -stets von den Besuchern gezollt wird, _wirklich in Anspruch nehmen_, -das dürfte doch füglich zu bezweifeln sein, wenn man diesem Mitleid -z. B. Unthan's jovialen Ausspruch gegenüberstellt: »Wenn mir jetzt -plötzlich Arme angezaubert würden, ich wüsste gar nicht, was ich mit -den Dingern anfangen sollte!« -- - -Einer der ersten Fusskünstler, die das Interesse auch der Aerzte -erregten, dürfte wohl _Gottfried Dietze_ gewesen sein, der, ohne Arme -geboren, sich Ende der fünfziger Jahre unter den allerprimitivsten -Verhältnissen in einer Leinwandbude auf den sächsischen Schützenfesten -etc. producirte. Er war ein Mensch von achtzehn Jahren, der namentlich -eine ganz eminente Fertigkeit in der Verwendung des Messers zum -Auftrennen von Nähten, sowie in der Verwendung von Nadel und Zwirn zum -Nähen entwickelte. Diese Leistung als »Flickschneider« aber culminirte -in dem Einfädeln der Nadel, das mit einer unbeschreiblichen Gewandtheit -und Sicherheit erfolgte. Nachdem er noch »Heil Dir im Siegerkranz« -auf einer Ziehharmonika ziemlich geläufig gespielt hatte, zeichnete -er zum Schluss seiner Vorstellung auf einem Quartblatt Schreibpapier -mit Bleistift und colorirte mit Tuschfarben ein Blumen-Bouquet, unter -das er dann mit Tinte: »Mit den Füssen gezeichnet und geschrieben von -Gottfried Dietze« schrieb und das den Zuschauern gegen einen Obolus à -discrétion offerirt wurde, der in seine Privat-Schatulle floss. - -In der Bude aber hing das handschriftliche Gutachten eines der -bedeutendsten Aerzte jener Zeit, das ich jedoch nicht mehr dem -Wortlaute, sondern mir dem Sinne nach noch wiederzugeben vermag. -Von dem Arzte nämlich über etwaige Unregelmässigkeiten im Verlaufe -der Schwangerschaft befragt, habe die Mutter erklärt: Sie habe sich -»_versehen_«. Ein Italiener sei eines Tages mit einem Brett voll -Gipsfiguren auf dem Kopfe in den Hof gekommen und habe sie feilgeboten -und darunter sei auch eine Figur _ohne Arme_ gewesen. (Wahrscheinlich -die armlose Venus von Milo, die im Louvre zu Paris aufgestellt ist, -von der sich Gips-Nachbildungen in den natürlichen Dimensionen in -fast allen Antiken-Sammlungen befinden und die früher auch in einer -Höhe von ca. 18-20 Zoll von italienischen Gipsfiguren-Händlern mit -Vorliebe geführt wurde.) Ueber diese Figur sei sie so furchtbar -erschrocken, dass eiskalte Fieberschauer ihren ganzen Körper plötzlich -durchschüttelt hätten, dass sie einer Ohnmacht nahe gewesen sei und -dass sie sich des unangenehmen Eindruckes noch wochenlang nachher nicht -habe erwehren können. - -An diese Mittheilung knüpfte der Arzt dann folgende Reflexion: -»Wenngleich das sog. »Versehen« bei Schwangeren eine unbestreitbare -Thatsache ist, so steht die Wissenschaft hier doch einem noch endgültig -zu lösenden Problem gegenüber. Indessen dürfte der natürliche Verlauf -doch wohl folgender sein: Da der Körper des Kindes sich im Mutterleibe -nicht in allen seinen Theilen zugleich, sondern ein Theil nach dem -andern sich ausbildet -- beide Arme und beide Beine bilden sich zwar -zugleich, doch zu verschiedenen Zeiten aus --, so wird infolge des sog. -»Versehens«, also eines grossen Schreckes, oder sonst einer ähnlichen -anderen heftigen Gemüthserschütterung der gerade in der Entwickelung -begriffene Körpertheil plötzlich gestört, die Entwickelung an dieser -Stelle hört auf, die noch nicht vollständig ausgebildeten Körpertheile -bleiben unvollkommen und der natürliche Entwickelungs-Process überträgt -sich auf die nächsten in der Reihenfolge stehenden Körpertheile, die -sich dann nicht selten in höherem Maasse entwickeln, wie es unter -normalen Verhältnissen event. der Fall gewesen sein würde. Und dieser -Fall liegt auch wohl bei Gottfried Dietze vor, bei dem wir somit mit -einer »_freiwilligen Amputation im Mutterleibe_« zu rechnen haben«. -Soweit das Urtheil des Arztes! -- - -Dass es Missbildungen derart zu allen Zeiten und in allen Ländern -gegeben hat, ist eine unumstössliche Thatsache, denn der species -facti finden sich eine ziemliche Anzahl in seltenen alten gedruckten -und handschriftlichen Convoluten vor, die meist den Charakter -litterarischer Curiositäten tragen, und die, da sie theils nur in -öffentlichen Bibliotheken, theils nur in Privathänden sich befinden, -nicht »Jedermänniglich« zugängig waren und sind. _Mehr durch Zufall_, -wie durch Quellenstudien im eigentlichen Sinne des Wortes, die dem -seltenen und zerstreuten Material gegenüber fast ausgeschlossen -sind, wurden sie ans Tageslicht gefördert, und in dem vorliegenden -Werke übergebe ich sie, soweit sie zu erlangen waren, gesammelt -der Oeffentlichkeit, da sie immerhin wenigstens einiges Interesse -beanspruchen dürften. -- - -D. Valentini veröffentlicht im 3. Theile seiner »Schau Bühne frembder -Naturalien: Sodann Rüst- und Zeug-Hauss der Natur, Oder Musei Museorum« -Nachrichten über Fusskünstler, die durch einen Kupferstich illustrirt -sind, der als Original zu dem beifolgenden Cliché diente und der dem -»curiosen Leser« das Portrait eines recht wunderseltzamen - - _Barbierers ohne Händ und Füsse_ - -zeiget, welcher sich und seine Künste im Jahre 1711 zu Giessen umb ein -gewiss Stück Geld sehen liesse, wie er alles selbsten in beifolgendem -Zettul beschrieben hat: - -»Mit Bewilligung der Gnädigen und Hochgebietenden Obrigkeit wird -bekannt gemacht, dass allhier aus frembden Landen angekommen eine ohne -Händ und Füsse gebohrne Person, welche ihre Exercitia vor vielen hohen -Potentaten präsentiret hat. - -1. Schneidet er eine Feder ohne Händ und Füsse, in solcher -Geschwindigkeit, dass keiner mit 2 Händen besser kan. - -2. Schreibt er mit der Feder, die er geschnitten, so künstlich, -dass niemand auff der Welt seines gleichen gesehen hat: Schreibt -vielerley Schrifft, die Buchstaben zu unterst, oberst, verkehrt und -recht, als wann es gedruckt wäre, so, dass kein Mensch erkennen kan, -ob es gedruckt, oder geschrieben ist, woran er sich berühmt an alle -Liebhaber, und wil hundert gegen eins setzen, so jemand in diesem -umliegenden Land kan gefunden werden, der seines gleichen ist, und mit -der Feder machen kan, was er macht. - -3. Zeichnet er mit der Feder, die er geschnitten hat, eine Person nach -dem Leben ab, Wappen und andere Bilder, wie auch Laubwerk, so curieus, -dass desgleichen noch nicht gesehen worden. - -4. Präsentiret er ein curieus Stück mit Geld. - -5. Steckt er einen Faden so geschwind durch die Nadel, dass es keiner -mit Händen nachthun kan. - -6. Nimmt er eine Karte, mengt sie, und gibt sie in Geschwindigkeit aus. - -7. Er spielet mit Würfeln. - -8. Er spielet auff dem Hackbret -- das Cymbal der Zigeuner -- allerhand -curieuse Stücke ohne Händ und Füsse, dass es kein Musicant verbessern -kan. - -[Illustration] - -9. Er spielt auch etliche Stücke aus der Taschen (-- macht -Taschenspielerkunststücke --) welche so curieus zu sehen sind, dass -dergleichen Taschenspieler noch niemahls ist gesehen worden, dieweil -es ohne Händ viel eine grössere Kunst ist als mit Händen, und -versichert alle, dass sie ein Vergnügen daran haben werden. - -10. Er kegelt sehr künstlich auff vielerley Manier, dass es ihm keiner -nachthun kan. - -11. Er kan eine Flinte laden und loss schiessen. - -12. Er barbieret sich auch selber, alle Woche zweymahl, Mitwochen und -Sonnabend: die solches verlangen zu sehen, die können in sein Logiment -kommen. - -13. Er schneidet auch curieuse Sachen von Holtz, und setzet solche in -gläserne Flaschen so wunderbahrlich, dass man es von keinem mit Händen -curieuser sehen kan«. - -Die Federn, so er schnitte, gab er den Zuschauern zur Rarität -auffzuheben, nachdem er damit zuvor diese Wort auff kleine Zettul -geschrieben: - - Ich Thomas hab diese Feder geschnitten, und dieses damit - geschrieben, also gebohren ohne Hände und Füsse«. -- - -In directem Anschluss an diesen ausführlichen Bericht bringt das Werk -noch folgende Notizen: - -»Sonsten hat der berühmte Dänische Medicus Olaus Wormius in seiner -»Kunstkammer oder Museo« (Wormii Museum seu historia rerum rariorum -etc. 1655) pag. 387 noch einige andere Zettuln, welche von dergleichen -Krüppeln geschrieben, nämlich einen von Joh. Kuhn, welcher an jeder -Hand nur einen Finger hatte. Er schrieb den ganzen Kathechismus in -deutscher Sprache auf Pergament und den Liebhabern folgende Zettul gar -deutlich und leserlich: - - Johann Kuhn werd ich genanndt, - Hab nur ein Finger an jeder Hand. - -Und noch einen andern von einer Englischen Frau ohne Arm, welche mit -dem Munde ihren Namen also schreiben konte: - - ELISABETH SIMSON Anno 1620. - -Dergleichen Weibsperson auch vor sechsundzwanzig Jahr (1688) zu -Strassburg im Hospital, welche keine Hände hate, und mit den Füssen -ihren und der Zuseher Nahmen in die Schnupptücher, so man ihr -darreichte, nähen konte«. -- - -Vorerwähnter Thomas hatte aber einen ebenbürtigen Rivalen; denn im -Jahre 1712 liess sich in Breslau ein dreissigjähriger verheiratheter -Rumpfkünstler Namens Mathias Buchinger sehen. Ein alter Chronist -beschreibt ihn als »völlig von Gesicht und Leibe, munter von Gemüthe, -spasshaft, doch auch ernsthaft, und sagte man, er habe sein Weib -manchmal derbe ausgeschlagen«. Auf seinen Oberschenkeln, die zur -Hälfte erhalten waren -- die Arme fehlten gänzlich -- bewegte er sich -vorwärts und verrichtete mit ihnen wunderbare Dinge: Er schnitt Federn -(Gänsefedern) mit grosser Geschicklichkeit und Geschwindigkeit, schrieb -mit diesen schön und schnell »gleich und verkehrt, mit Zügen, Fractur, -Kantzeley und Cursiv«. Auch zeichnete er mit grosser Behendigkeit -und Accuratesse die verschiedensten Gegenstände. Ferner fädelte er -einen Faden mit solcher Schnelligkeit ein, dass ihm Niemand darin mit -den Händen gleichkommen konnte. Er mischte und spielte Karten mit -grösster Vollkommenheit, spielte mit Würfeln, auf dem Schachbrett, -Kegel u. s. w. Er lud ein Gewehr und schoss es los, er barbierte sich -selbst, schnitzte allerhand Kunstartikel aus Holz und setzte sie -kunstreich in gläserne Flaschen ein. Als Prestidigitateur kam er jedem -normal Geborenen gleich; seine Specialität war hierbei das Becherspiel, -bei dem er die Muscaten (aus Kork geschnitzte Kugeln in der Grösse -kleiner Muscatnüsse, die dann leicht angebrannt und durch kreisförmiges -Reiben in den Händen zu runden schwarzen Kugeln geformt wurden) in -einen lebenden Vogel verwandelte. Auch mit Münzen machte Buchinger -verschiedene Kunststücke, die allgemein bewundert wurden. Am Schlusse -seiner Production präsentirte er sein Portrait in Kupferstich, um das -herum seine besten Trics abgebildet waren. (Wohl zum Verkauf.) - -Minder ausführlich sind die Nachrichten über einen ungarischen -Rumpfkünstler, »einen vielgereisten Mann, der ausser seiner -Muttersprache noch Englisch, Holländisch, Deutsch und Französisch -sprach, und in einem etwa ellenhohen Kasten stets auf dem Buckel einer -andern Person transportirt wurde. Er hatte keine Beine und nur eine -verkrüppelte Hand«. Seine Erscheinung wird bei seinem Auftreten in -Regensburg im October 1719 folgendermassen beschrieben: »Von Gesicht -und Leibe war er wohlgestaltet, hatte schwarzbraune lange Haare, und -wenn er hinter dem Tische auf einem Sessel stund, so präsentirte er -sich als ein sitzender wohlgewachsener Mann; von Leibe war er mager -und geschmeidig. Seine Stimme war ziemlich klar (hell, hoch) und -weibisch, sein _Humeur_ immer lustig, er schlug die Trommel vollendet, -spielte aus der Tasche mit grosser Behendigkeit trotz einem jeden -Taschenspieler«. Sein Haupttric war der Handstand auf einer Hand -während mehrerer Minuten. -- - -In Nymwegen erschien im Jahre 1725 (so berichtete von dort Johann -Hartmann Degner) ein Mann mit einem etwa neunjährigen Sohne; er kam aus -dem Cölnischen und befand sich angeblich auf der ersten Tournée, um -zu zeigen, wie sich sein Sohn in Ermangelung der Arme der Füsse gleich -der Hände bedienen könne. Ein damals ausgegebenes Programm kündigte -folgende Nummern an: - -»1. Thut er stehend mit seinen Füssen den Hut ab. - -2. Schreibt er mit dem Fusse eine lesbare Handschrift. - -3. Thut er einen Faden durch eine Nadel. - -4. Nimmt er Geld aus seiner Tasche und steckt es wieder hinein. - -5. Nimmt er stehend mit seinem Munde Geld von der Erde. - -6. Steckt er das Essen mit seinem Fusse in den Mund. - -7. Schenkt er ein Glas Bier mit seinen Füssen ein, setzt dasselbe auf -seinen Kopf und trinkt es dann aus. - -8. Schlägt er die Drommel. - -9. Ladet er eine Pistole und schiesst sie los«. - -Nach dem alten Berichte gingen dem Knaben sämmtliche Stücke wohl -von statten, »also dass es der Mühe werth war, sie zu sehen«. Dem -Berichte war ein Autogramm des Knaben folgenden Inhaltes beigegeben: -»Joseph Clemens Chur-Fürst unsere Antonius Maria Reuter ist mein -Name«; derselbe war deutlich in Kanzleischrift abgefasst und zwar auf -vorgezogenen Linien. - -Ueber Reuters persönliche Verhältnisse ist nach seinen eigenen Angaben -hinzuzufügen, dass der Kurfürst von Cöln sein Taufpathe war, und ihn -bis zu seinem (des Kurfürsten) Tode unterhielt. Nun aber mussten Vater -und Sohn als arme Vaganten sich ihr Brot suchen; indessen hatten -sie auf dem Wege von Cöln bis Nymwegen schon so viel eingenommen, -dass sie nicht nur satt zu essen hatten, sondern auch ihren arg -heruntergekommenen Kleiderbestand ersetzen konnten. -- - -Im October des folgenden Jahres 1726 berichtete Professor Schultze -aus Altdorf: »Allhier befindet sich jetzt ein Mann aus Württemberg, -der eine vierundeinhalbjährige Tochter zeigt, die übrigens schön und -von lebhaftem Gesichte ist, von der Natur aber statt der Arme zwei -ungebildete und unvollkommene Glieder hat. Diesen Mangel der Arme und -brauchbaren Hände weiss das Kind mit seinen Füssen sehr geschicklich -zu compensiren. Es nimmt z. B. einen Faden zwischen den grossen und -anderen Zehen und mit dem andern Fusse eine Nähnadel und bringt den -Faden ganz behende durchs Nadelöhr, thut auch manchmal einige Stiche -durch ein Tuch, so geschickt als man von diesem Alter verlangen kann; -es isst mit den Füssen so schön und vorsichtig, als ein anderes Kind -mit den Händen; nimmt einen Kamm und steckt damit die Haare zurück; -setzt ein Glas auf den Kopf, trinkt ein Schälchen Thee, isst eine -Suppe mit dem Löffel ohne sich zu begiessen, und all' dergleichen ohne -ersichtliche Anstrengung«. In der That für eine noch nicht fünfjährige -Fusskünstlerin ganz hervorragende Leistungen. -- - -Im sechszehnten Jahrhundert -- 1576 oder 1576 -- sah man ein Mädchen -ohne Arme, das mit den Füssen strickte, nähte, Federn schnitt und -speiste; doch ist ihr Name und ihre Heimath uns nicht überliefert -- -1596 producirte sich eine Fusskünstlerin Namens Magdalene Einohre, -gebürtig aus dem ostfriesischen Dorfe Engerhave, gleichfalls armlos, -mit einem vierzehigen Fusse, mit dem sie ihre Künste, als Essen, -Trinken, Spielen etc., die sie für Geld sehen liess, verrichtete. (Ihr -Bild wurde 1616 in Prag in Kupfer gestochen.) -- 1627 befand sich zu -Siena ein armloses Mädchen, das Aehnliches mit den Füssen verrichtete. --- - -Am ausführlichsten sind aus dieser Zeit die Nachrichten über eine ohne -Arme im Jahre 1612 in Stockholm geborene Schwedin Namens Magdalena -Rudolphs Thuinbui, deren Name übrigens in den verschiedenen Quellen -auch in verschiedenen Formen überliefert ist. (Vergl. u. a. Harsdörfer, -Specul. Hist., p. 399; J. L. Güthe, Beschreibung der Stadt Meiningen, -S. 280.) Sie zeigte sich in den fünfziger Jahren in Deutschland und -verrichtete dort folgende Stücke mit den Füssen: Sie schloss ihren -Nähkasten auf, nahm Zwirn und Nadel heraus, fädelte ein und nähte. -Sie strickte, stickte, wirkte, kämmte sich, schnitt mit Messer und -Scheere, gebrauchte die Füsse beim Essen, schenkte sich mit denselben -ein, trank, schneuzte sich, spielte Karten, würfelte, lud eine Pistole, -schoss sie ab, wickelte ihr Kind und gab ihm Nahrung. Sie führte einen -Kupferstich bei sich, auf dem sie, umgeben von den Zeugnissen ihrer -Kunstfertigkeiten, abgebildet war; darunter stand ihr Name und Alter -und die Verse: - - »Dieweil ich denn, dass Gott erbarm, - Hab' weder Hand, Finger noch Arm, - Und mich also behelfen muss, - Mach' doch dies Alles mit meinem Fuss.« - -Später, im Jahre 1679 (September), sah man eine Jungfrau aus Paderborn, -die, der Hände und Füsse gänzlich beraubt, mit den Armstumpfen nähen, -wirken, spinnen, schreiben und noch andere Dinge verrichten konnte. -- - -Doch kehren wir zu den männlichen Rumpfkünstlern zurück und betrachten -wir hier zunächst deren zwei aus dem neunzehnten Jahrhundert, um dann -noch einen Rückblick in das siebzehnte zu werfen. - -Der eine dieser weniger bekannten Fusskünstler ist Anton Pohl aus -Böhmen, der -- ohne Arme geboren -- 1803 in Deutschland reiste; er -speiste und trank, er stopfte die Pfeife und zündete sie an, alles mit -den Füssen; dazu wusste er sehr geschickt mit dem Bohrer umzugehen, -blies die Trompete, lud Pistolen, schoss sie ab und machte die -verschiedensten Kartenpiècen. - -Der Andere war der im Jahre 1786 zu Markt Rentweinsdorf ohne Arme -geborene Schuhmacherssohn Georg Michael Weidmann; von seinen Beinen war -nur das rechte normal entwickelt, das linke indessen verkrüppelt zu -einem ganz kurzen Stumpf mit einem unansehnlichen Fuss, an dem nur die -drei ersten Zehen regelmässig, die zwei letzten aber zusammengewachsen -waren. Dessenungeachtet war die mechanische Fertigkeit seiner Füsse, -die er sich durch andauernde Uebung erworben hatte, bewundernswerth. -Als er im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts in Deutschland reiste, -konnte er mit den Füssen, die er an Stelle der Hände gebrauchen musste, -sehr gut schreiben, wozu er sich die Federn selbst schnitt; nähen, -wozu er sich selbst einfädelte; sich rasiren, eine Pistole laden und -losschiessen (ein, wie man sieht, bei den Rumpfkünstlern sehr beliebtes -Stück), kleine Arbeiten von Holz verfertigen, kurz, mit seinen beiden -Füssen fast Alles thun, was andere Menschen mit den Händen vollbringen. - -Werfen wir nunmehr auch hier unseren Blick rückwärts in das siebzehnte -Jahrhundert, so erzählt uns Johnston von einem Mann ohne Arme, der mit -den Füssen ass, trank, Karten spielte, -- stahl --, und endlich gar -Strassenräuberei trieb, wofür er in Frankreich seinen Lohn fand. -- Wir -hören da weiter andeutungsweise von einem venetianischen Knaben, der -Alles mit den Füssen von der Erde aufheben, der mit den Füssen den Hut -abnehmen und so die Vorübergehenden grüssen konnte. (Bartholin. C. II. -hist. 44.) - -Aus dem Jahre 1624 hören wir von einem gewissen Peter von Lucern, der -mit den Füssen auf musikalischen Instrumenten spielte. (Add. Zach. qu. -med. legal. lib. VII. tit. 3 quaest. VI. § 9.) -- 1628 zog im Monat -August ein Schweizer in Deutschland herum Namens Peter Stadelmann, »von -langer Figur, braun von Angesicht, mit schwarzen, krausen Haaren und -Bart, hatte ganz kleine Arme und verrichtete alle seine Sachen mit den -Füssen«. Er spielte, zahlte Geld, machte Knoten, löste sie wieder auf, -schrieb auch mit den Füssen und dergl. mehr. -- - -1629 wurde zu Wien ein Fusskünstler geboren, Theodor Steib, der mit -den Füssen Blumen anschnitt, zeichnete, in Holz schnitzte, Pistolen -losschoss und sich selbst portraitirte (in einem rothen Kleide und -mit einer schwarzen Feder auf dem Hute), mit der Unterschrift: »Hanc -effigiem proprio meo pede prinxi. Vratislaviae d. 10. IV. ann. 1654. -Theodorus Steib, Natione Vienna. (Dies Bild habe ich eigenfüssig -gemalt. Breslau, d. 10. April 1654. Theodor Steib aus Wien.) Seine -sonstigen Schreibproducte pflegte er also zu unterzeichnen: »Ego -Theodorus Steib Vienna Austriacus«, absque manibus et bracchiis natus, -scribebam ista pede meo Vratislaviae, Anno Christi 1654, aet meae -25«. (Ich Theodor Steib aus Wien in Oesterreich schrieb dies, ohne -Hände und Arme zur Welt gekommen, mit meinem Fusse zu Breslau im Jahre -Christi 1654, meines Alters 25 Jahre.) Ortsname, Datum und Jahr wurden, -den augenblicklichen Verhältnissen entsprechend, natürlich jedesmal -geändert. -- Im Januar 1673 producirte sich ein Schweizer Knabe, -François Blanchet, in Deutschland, gleichfalls ohne Arme geboren, »aber -dennoch imstande, Alles mit den Füssen zu thun, wozu Andere die Hände -gebrauchen, als Kegeln, Kartenmischen, Sich-Kämmen, Wein-Einschenken -etc.« - -Endlich sah man 1696 zu Leipzig und Jena und das letzte Mal 1702 zu -Breda noch einen ganz bedeutenden Fusskünstler. Er hiess Franz Viniot -und war um das Jahr 1665 geboren. Aus Italien kommend, trug er an der -kleinen Zehe des linken Fusses einen Diamantring und war ein Mann -von mittelmässiger Statur mit krausem, schwarzem Haar, »lustigem -_Humeur_ und sehr geläufigem Maule, wie er Französisch, Italienisch, -Englisch, Holländisch in sehr vollkommener Perfection redete«. Auf -seine Kunststücke konnte sich der alte Berichterstatter zum grossen -Theil nicht mehr besinnen, »sei es, weil er durch die Piècen ganz -perplexirt wurde, sei es aus Vergesslichkeit«. Nur Folgendes war ihm -noch in der Erinnerung geblieben: Der Mann focht mit dem Rapier und -nahm es hierbei mit manchem der Leipziger Fechter auf, wie denn auch -Niemand imstande war, ihm ein mit den Zähnen gehaltenes Florett aus -dem Munde zu reissen. Beim Schreiben hielt er die Feder zwischen den -Zehen oder den Zähnen und schrieb gewöhnlich Cursiv- und Spiegelschrift -in durchaus lesbarer Weise. Ebenso warf er sich einen Mantel mit -den Zähnen sehr behende um die Schultern. Sein Programm enthielt -in Octavformat folgende in holländischer und französischer Sprache -leserlich geschriebene Worte: - - EDele Heeren en Dames Th u Dianar of mordig - Die alle Duck tem besten koort - Hy is wys en wel geloort. - Quoi fait ce quil peus & Excusable. - -In seinem »Wunderbuch von menschlichen unerhörten Wunder- und -Missgeburten, so wider den gemeinen Lauff der Natur erschrecklich -frembd und seltsam gebildet: doch glaubwürdig in diese Welt geboren -worden u. s. w.«, das im Jahre 1610 zu Frankfurt »in Verlegung -Dietrichs von Boy seeligen Wittib, sampt zweyer ihrer Söhnen« in Quart -erschien, führt uns der Verfasser, Johann Georg Schenk von Grafenberg, -»der Artzney Doctor etc.« einige interessante Rumpfkünstler vor, unter -denen die im Folgenden aufgeführten mit Recht unsere Aufmerksamkeit in -Anspruch nehmen dürfen: - -Unter den Geschenken, welche die Indier zu Beginn unserer Zeitrechnung -dem römischen Kaiser Augustus sandten, befand sich auch ein Jüngling -ohne Arme, der mit den Füssen die Armbrust spannen und Pfeile entsenden -konnte. - -Alexander Benediktus erzählt, dass er eine Frau (in der Mitte des 15. -Jahrhunderts) gesehen habe, die, ohne Arme geboren, mit den Füssen -nähte und überhaupt im Schneiderhandwerk einiges leistete; auch hob sie -einen Becher Wein und schlug die Trommel, als ob sie Hände gehabt hätte. - -Später sah man einen armlosen Spanier, »welcher fürwahr alle -Wunderwerk, so in der Natur sind, übertraf«. Er wusste so geschickt mit -Kriegsrüstung umzugehen, dass ihm hierin kein Kriegsmann gleichkam. -Wenn er mit der Armbrust schoss, so verfehlte er sein Ziel nie und -vermochte ausserdem vermittelst einer Axt mit einem Hieb einen starken -Holzpflock zu spalten. - -Sycosthenis erzählt von einem zwanzigjährigen armlosen Menschen, er -habe mit den Füssen alle »Handarbeit« verrichtet. - -1556 sah man zu Frankfurt a. M. eine Frau ohne Hände, die nicht nur -aufs »allerzierlichste« schrieb, sondern auch allerley sonstige subtile -Arbeit mit den Füssen verrichtete. - -Cardanus berichtet im siebenzehnten Buche von einem, der Arme völlig -beraubten Manne, dass er mit dem rechten Fusse Speere schleuderte, -Kleider nähte, ass und schrieb. Sein Name war Antonius, seine -Vaterstadt Neapel. Er hat einen grossen Theil von Europa bereist und -mit den erwähnten und ähnlichen Productionen reichen Beifall und Lohn -geerntet. -- - -Der hervorragendste aller Fusskünstler älterer Zeit aber ist _Thomas -Schweicker_, der unser Interesse nicht nur allein wegen seiner Künste, -»die ihresgleichen suchten«, in Anspruch zu nehmen berechtigt ist, -sondern, weil wir ihn auch zugleich als Mensch, als Dichter und als -eine gesellschaftlich interessante Persönlichkeit kennen lernen, -die auch zu Kaisern, Königen und Fürsten zu wiederholten Malen in -Beziehungen trat. Die Litteratur des 16., 17. und 18. Jahrhunderts geht -oft auf seine Leistungen ein und auch die bildende Kunst jener Zeit -hat sich seiner angenommen, und am Abschluss des 19. Jahrhunderts soll -auch in diesem Werke nochmals seiner gedacht und ihm ein litterarisches -Denkmal gestiftet werden. - -Thomas Schweicker wurde zu Schwäbisch-Hall im Jahre 1540 geboren. Sein -Vater, Hans Schweicker, war ein angesehener Mann und bekleidete die -Stelle eines Rathsfreundes (war wohl Beigeordneter?) und starb 1571 -im Alter von vierundsiebzig Jahren. Seine Mutter war eine geborene -Dorothea Seeckbin. - -Er kam ohne Arme zur Welt, und nach Ueberwindung des ersten Kummers -darüber gingen seine Eltern alsbald daran, die Mängel des Leibes durch -Pflege des Geistes auszugleichen und ihn zu »allen guten Tugenden und -Wissenschaften fleissigst anzuhalten«. - -Mit dem siebenten Jahre kam Thomas in die deutsche und mit dem zwölften -in die lateinische Schule, wo er frühzeitig eine hohe geistige Begabung -an den Tag legte, sich aber besonders der Schreibkunst widmete, die -zu jener Zeit bei weitem nicht Jedermann beherrschte und die daher in -hohem Ansehen stand. (Noch durch Jahrzehnte zeigte man dort den Tisch, -der ihm zur Aufbewahrung seiner Sachen dortselbst eingeräumt war.) - -Infolge angestrengtester Bemühungen gelang es ihm, nicht nur eine -deutliche, sondern auch »recht saubere und schöne Schrift zu -erwerben«, durch die er, wie es in einem andern Berichte heisst, »alle -Guldenschreiber und berühmte Rechnenmeister übertroffen«, gleichviel, -ob deutsche oder lateinische Buchstaben, kaum einer that es ihm in -kunstvollem Schreiben zuvor. - -In den folgenden Versen, die er mit einer Widmung versah, hat er den -Gedanken ausgesprochen, der sein Leben erfüllte: - - O junger Gsell lehre gute Kunst, - Das ist dir nutz und bringt dir Gunst, - Es ziert auch wohl ein jungen Man, - Wie fein ists, wenn er etwas kan. - Ich nem eins glehrten Mannes mut, - Liess eim eins Narren grosses Gut, - ~Dann so das Geld sich von dir kehrt, - So bleibt die Kunst doch unversehrt, - Und dich deines gantzes Leben nehrt.~ - Plus probe thesauro docti quam divitis auro. - - (Etwa: »Was frag ich viel nach Geld und Gut, - Wenn ich zufrieden bin« -- - oder: »Vergnügt sein ohne Geld, - Das ist der Stein der Weisen«). - -Dem Ehrbarn und Wolgeachten Herrn Leonhart Stöberle, Burger und -Apotheker in Nürnberg zu Ehrn und Wolgefallen, hab ich Thomas -Schweicker zu Schwäbischen Hall, diss aus Mangel nothdürftiger Arm mit -meinen Füssen geschrieben den 21. Juli Ao. 1592, meines Alters 51 Jar«. - -Schweicker konnte aber nicht allein gut und künstlerisch-schön -schreiben, er konnte auch »allerley kunstreiche Handarbeit verrichten«, -er besass selbst Geschick in Tischlerarbeiten, wie Hobeln, Bohren, -Sägen und dergl. und »verfertigte allerley subtile Leisten und -Holtzgerämswerk«. Beim Essen sass er auf einem Stuhl in der Höhe der -Tafel, nahm mit den Füssen das Messer, schnitt Brot und andere Speisen -und führte sie ebenso, wie die Getränke, mit den Füssen zum Munde. Er -selbst sagt über diese und ähnliche Fähigkeiten Folgendes: - - »Dieweil ich, dass es GOtt erbarm, - Hab weder Finger, Händ noch Arm, - und mich also behelffen muss, - Schreib ich doch diss mit meinem Fuss, - Drumb frommer Christ dein Lebenlang - Sag GOtt für diese Wohlthat dank, - Dass Du hast einen graden Leib, - Wie meinest, dass ich mein Zeit vertreib, - Das zeigt Dir die Contrafraktur. - Weil mich nun GOtt und die Natur - Also erschuff, hats mir doch geben, - Alles zu thun mit Füssen eben, - Essen vnd trinken vber Tisch - Mit meinem Fuss ich bhend erwisch, - Schreib, mahl, schnitz, bindt Bücher ein, - Das Armbrust kan ich brauchen fein, - Zehl Gelt, vnd auff freundlichs begehren - Im Bretspiel meins Manns mich thu wehren. - Schenk ein, trink auss, die Kleider mein - Anleg selbst, schneid ein Feder fein. - - Thomas Schweicker Halensis«. - -Unter einem seiner zahlreichen Bildnisse finden sich folgende, seine -Thätigkeit charakterisirende Verse: - - »Der grosse Wunder-GOtt kan nichts als Wunder machen, - Diss zeuget Schweickers Bild, diss weisen Schweickers Sachen. - Der Mann ist ohne Hand geboren auf die Welt, - Und treibet mit dem Fuss, was aller Welt gefält; - Er trank, er ass, er schrieb, schnid Federn mit den Füssen, - Spannt Bogen, drückt sie ab, wusst seine Lust zu büssen - Mit Spielen in dem Brett. Der Maximilian, - Das Haupt der Christenheit, hielt hoch den Wundermann, - Auch Churfürst Friederich am Rhein hat ihn bey Leben - Als einem Wundermann Schild, Helm zum Wappen geben. - Der Du ihn siehst, gedenk: Was die Natur verletzt - An _einem_, hat Verstand am _andern_ Theil ersetzt«. - -In einem nach Schweickers Tode verfertigten Epigramm sagt -M. J. Gaeterus -- um eine weitere poetische Betrachtung über dessen -Fertigkeit anzuführen: - - »Von Mutterleib ohn Arm und Händt - Geboren an sein Füssen bhendt - Alles gantz hurtig und ohn Zill - Verricht, wie mans nur haben will; - Er isst und trinkt, spilt, gibt und trinkt, - Alls mit seinen Füssen zwegen bringt«. - -Man sieht, dass sich der Beifall, den seine Leistungen fanden, zu -einem förmlichen Cultus erhoben hatte und welch' ein reicher Kranz -poetischer Blüthen und Betrachtungen in Prosa, die, wollte man sie -gesammelt veröffentlichen, einen stattlichen Band füllen würden, sich -um Schweickers interessante Figur geflochten hat. - -Aber nicht die Dichtkunst allein, auch die bildenden Künste -glorificirten ihn, denn nicht nur auf Kupferstichen wurde er -abgebildet, sondern auch Medaillen, die sein Bild zeigten, wurden ihm -zu Ehren geprägt. Die eine hatte die Form und den Umfang eines Thalers -und zeigte auf der einen Seite Schweicker, wie er die Umschrift: -»Thomas Schweicker im 41. Lebensjahre 1581« mit den Füssen selbst -schreibt. Auf der Reversseite befindet sich in sieben Zeilen ein Citat -aus dem 138. Psalm: »Wunderbar sind Deine Werke, und das erkennet meine -Seele wohl«. Eine andere, zwar etwas grössere, doch minder scharfe, -wurde im Jahre 1595 geprägt. - -Nach alledem kann es nicht wundernehmen, wenn Schweicker vom ganzen -Lande und über dessen Grenzen hinaus gekannt und geschätzt war. Um ihn -zu sehen, kamen die Leute von ferne herbei und aus Schlesien erschienen -Boten in Hall, bloss zu dem Zweck, sich beglaubigte Zeugnisse über die -Existenz und Fähigkeiten Schweickers von der Obrigkeit zu erbitten. - -Aber, wie es oft gerade dem besten Künstler ergeht, sei es wegen seiner -zu grossen Freigebigkeit und Unterstützung armer Freunde, sei es, -weil minderwerthe Concurrenten auf der Bildfläche erscheinen und ihm -die Einnahmen schmälern, auch Thomas Schweicker hatte mit pecuniärer -Noth zu kämpfen, und richtete deshalb im December 1570 an den Kaiser -Maximilian II. folgende, _mit den Füssen geschriebene Bittschrift_: - - Psalm CXLIII - - Prope est Dominus invocantibus cum omnibus invocantibus cum in - veritate. - -Allerdurchlauchtigster, Grossmächtigster, Christlichster Kayser, -gnädiger Herr, nachdem der Allmächtige Ewige Gott und Vater unsers -einigen Herrn und Heylandes Jesu Christi mich armen, elenden und -verletzten Menschen also und dergestalt in diese Welt erschaffen hat, -dass ich aus Mangel meiner Glieder meine Leibes-Nahrung und Unterhalt -leider für mich selbst nicht gewinnen noch erlangen kan: Derowegen -ist hierauf an Eure Kayserliche Majestät, als an meinen gnädigsten -Herrn, meine gantz unterthänigste, demüthigste und fleissigste -Bitte und Begehr, Eu. Kayserl. Majest. wollen aus angebohrner hoch- -und weitberühmter Mildigkeit mich armen, elenden und verletzten -Menschen lauter um GOtteswillen gnädiglich bedenken, auff dass ich -die übrige Zeit meines armuthseeligen Lebens durch GOttes und Eu. -Kayserl. Majestät Hülffe und Beförderung auch in dieser Welt möge -zubringen. Solches um Eu. Kayserl. Majestät zu verdienen mit meinem -armen, andächtigen Christlichen und emsigen Gebet, gegen GOtt dem -Allmächtigen, für Eu. Kayserl. Majestät, will ich armer gehorsamer mit -höchstem Fleiss zu aller Zeit, treulich thun, auff dass der Barmherzige -Gütige GOtt Euere Kayserl. Majestät in langwieriger Gesundheit und -glücklicher Regierung gnädiglich erhalten wolle. A. M. E. N. - - Thomas Schweicker Hallensis - Quem Natura Brachiis Spoliavit - Hoc Scripsit cum pedibus suis - Anno Christi unici mediatoris - Salvatorisque nostri M. D. L. XX. - In mense Decembri. - -(Verdeutscht: Thomas Schweicker aus Hall, den die Natur der Arme -beraubte, schrieb dies mit seinen Füssen im Jahre 1570 im Monat -December.) Das Original des Briefes, auf dessen Rückseite die Worte -standen: »Gott giebt nicht Alles Allen«, befand sich noch hundert Jahre -später in der Kanzlei zu Prag. - -Anlass zu diesem Brief gab wohl die Anwesenheit des Kaisers Maximilians -in Hall bei der Reise zu einem in Speier stattfindenden Reichstage, bei -der er auch auf Schweicker und seine eminente geistige und körperliche -Begabung aufmerksam gemacht wurde. - -Gleichzeitig suchten auch Friedrich III. von der Pfalz und August von -Sachsen den weitberühmten Wundermann auf, während ihn Ludwig von der -Pfalz 1584 nach Heidelberg entbieten liess. - -Nach einem also wechselvollen und inhaltsreichen Leben ist dann Thomas -Schweicker am Donnerstag, den 7. October 1602, Morgens zwischen -sechs und sieben Uhr, verschieden, nachdem ihn am 4. October eine -anscheinend leichte Erkrankung auf das Lager geworfen hatte. Am -8. October wurde er -- eine besondere Vergünstigung -- unter dem Chor -der Hauptkirche St. Michael beigesetzt. Seine Leichenrede, die im -folgenden Jahre zu Frankfurt a. M. gedruckt wurde, hielt der Prediger -Johannes Weidner über den 39. Psalm. Dieselbe enthält noch weitere -interessante Mittheilungen über den Verblichenen. Hier sei nur noch -der Schluss mitgetheilt, der zugleich Schweickers Grabschrift bildete -(den Grabstein hatte er sich selber angefertigt und nur die Grabschrift -wurde nachgefügt) und also lautete: - -»Im Jahre 1602, den 7. Tag Octob., seines Alters 61. Jar, starb Thomas -Schweicker, Bürger allhier zu Schwäbischen Hall am Cöcher, welcher -ohne Arm und Händ, also von Mutterleib in diese Welt gebohren, und -hat gantz zierlich und kunstreich seine Grabschrifft, welche von den -Edlen, Vesten Herrn Consulibus und gantzem E. Rath der Statt in dem -Haupttempel daselbst zu S. Michael, durch die Befreunden im Chor -zu stellen, günstig approbiret, vor seinem Ende mit seinen Füssen -geschrieben, den 29. Jun. An. 1592. Seines Alters im 51. Jahr, -der Allmächtige GOtt wolle ihme und allen Ausserwehlten hie seinen -Frieden, und dorten ein ewiges Leben mit einer fröhlichen Auferstehung -gnädiglich verleihen. AMEN.« -- - -Unter den wenigen Fusskünstlerinnen, die sich im neunzehnten -Jahrhundert öffentlich producirten, war es namentlich eine Elise -Ebbinghaus, die durch ihre kunstvollen Perlen- etc. Stickereien, die -sie mit den Füssen und dem Munde zugleich ausführte, die Aufmerksamkeit -der Damenwelt auf sich zog. Ebenso schrieb sie sehr geläufig und schön, -sowohl mit dem Munde als auch mit den Füssen. -- - -[Illustration] - -Nun zu den noch lebenden Fusskünstlern. Schon seit vielen Jahren -besitzt der erste unter ihnen, Herr C. H. Unthan, einen Weltruf, -und so kann es für die Leser nur von Interesse sein, über diesen -Künstler Näheres zu erfahren. In einem Interview gab uns Herr Unthan -in der liebenswürdigsten Weise Auskunft über seine Entwickelung und -Lebensschicksale und zugleich die erwünschte Gelegenheit, uns auch im -näheren Umgange davon zu überzeugen, dass das Fehlen der Arme ihn nicht -gehindert hat, in seinen Lebensgewohnheiten es dem normal entwickelten -Menschen gleichzuthun und sich ausserdem durch eiserne Willenskraft ein -so reiches Maass von Kenntnissen und Fertigkeiten anzueignen, dass -er ein vollwerthiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft und ein -überaus interessanter Gesellschafter wurde. - -[Illustration] - -Unthan ist am 5. April 1850 in Königsberg geboren. Statt der Arme hat -er nur zwei etwa handlange stummelartige Ansätze mit je einem Finger. -Zu irgend welcher Thätigkeit ist keiner derselben zu gebrauchen, der -linke ist durch einen Schrotschuss, den Unthan sich mit 13½ Jahren -aus Versehen beibrachte, auch noch jeder Bewegungsfähigkeit beraubt. -Als Unthan etwa 9 Monate alt war, begann er, nur auf seine Füsse -angewiesen, instinctiv sich dieser so zu bedienen wie andere Kinder -ihrer Hände, und mit dem vollendeten zweiten Jahre konnte der Knabe -vollständig allein essen und trinken. Mit 4 Jahren begann er aus -Neugierde und Nachahmungsbedürfniss Schreibversuche mit den Füssen zu -machen; und heute schreibt Herr Unthan eine ausgeschriebene, kräftige -und gewandte »Fussschrift«. Sein Vater, der Schullehrer war, bestimmte -ihn zunächst für einen gelehrten Beruf, und so besuchte der Knabe -bis Obersecunda das Gymnasium, wo er sich in den Kämpfen zwischen -Gymnasiasten und Realschülern als gefürchteter Kämpfer d. h. Treter -hervorthat. Er hatte damals, wie er lachend erzählte, eine besondere -Vorliebe für Schienbeine. Mit 16 Jahren besuchte Unthan dann das -Conservatorium zu Leipzig, um dort seiner leidenschaftlichen Vorliebe -für Violinspiel, das er seit seinem 10. Jahre immer und immer wieder -probirt hatte, nachzugehen. Sein Lehrer war dort Ferdinand David. -Nachdem Unthan diese Studien hinter sich hatte, begann er in Concerten -und Theatern aufzutreten, zunächst aber nur als Violinspieler. Von -1869 an führten ihn seine Kunstreisen nach Frankreich, England und -nach einem Ruhejahr in Ostpreussen nach Nord- und Südamerika. Mexiko -bereiste er als ausgezeichneter Reiter ganz zu Pferde, und auf einem -Maulthiere unternahm er selbst einen Zug über die Cordilleren. Von -1876 ab nahm Unthan dann auch andere Nummern, die er im Laufe der -Jahre erlernt hatte, in sein Programm auf. Alle Verrichtungen, die ein -gewöhnlicher Sterblicher mit seinen Händen und Armen ausführt, versieht -Unthan mit seinen Füssen. Er wäscht, kämmt, rasirt sich, schneidet sich -sein Brot ab und macht es zurecht, und zwar Alles nur mit normalem -Zeitaufwand. Er reitet, fährt, schwimmt und taucht ausgezeichnet und -führt seine Correspondenz selbstständig. - -[Illustration] - -Es kann nicht wundernehmen, dass sich mit diesem Manne die medicinische -Wissenschaft eingehend beschäftigt hat. Autoritäten wie Virchow -und Professor Hamy-Paris haben ihn eingehend untersucht und nur -constatiren können, dass Unthan vollständig normale Fuss- und -Beinbildung aufweist. Ja, Virchow hat sogar die Frage nicht ohne -weiteres von der Hand gewiesen, ob die Bewegungsfähigkeit der unteren -Extremitäten und ihrer Theile, sowie ihre starke Entwickelung, wie -sie bei Unthan vorhanden, nicht eigentlich das Natürliche für das -Menschengeschlecht gewesen und nur einer Regeneration gewichen sei. -Der Künstler sagt von sich selbst, dass er ein gesundes, sanguinisches -Temperament besitze und sich stets eines ausgezeichneten Appetits -erfreue. Das Gedächtniss werde dadurch, dass er nicht stets »mit dem -Bleistift in der Hand« dastehen könne, um Alles zu notiren, auch -gestärkt, und um dem Oberkörper genügende Bewegung zu verschaffen, -pflege er eben das Schwimmen. Hierin soll er ganz Hervorragendes -leisten. Erwähnt sei noch, dass Herr Unthan auf seinen vielen Reisen -sich eifrig mit Sprachstudien beschäftigte, so dass er jetzt sieben -verschiedene Sprachen beherrscht. - -[Illustration] - -Aus eigenster Kraft hat sich dieser seltene Künstler zu seiner jetzigen -Bedeutung emporgerungen, und ständig arbeitet er an der Vervollkommnung -seines Könnens weiter. - -Er ist, wie er selbst sagt, einer von denen, die nie ohne Arbeit sein -können. Hoffentlich ist dem strebenden, fast jugendlich elastischen -Künstler noch eine lange ehrenvolle Laufbahn und ein behagliches -Privatleben an der Seite seiner Gattin, mit der er seit sechszehn -Jahres in glücklicher Ehe lebt, beschieden. - -Als gleichwerthiges Pendant muss auch der Rumpfkünstler _Kobelkoff_ -registrirt werden, den die Natur noch stiefmütterlicher bedacht hat, -wie seinen berühmten Zeitgenossen Unthan, da er _nur der Rumpf_ eines -menschlichen Körpers ist, dem alle vier Extremitäten fehlen, wahrend -Unthan doch wenigstens über die beiden unteren verfügen kann. - -Kobelkoff ist ein so seltenes Phänomen, dass kein anatomisches Museum -auch nur annähernd ein solches als corpus delicti aufzuweisen hat, und -in den berühmten Werken von Buffon, Humboldt, St. Hilaire etc. sind -auch nicht die kleinsten Andeutungen, die auf ein ähnliches Vorkommen -in früheren Zeiten schliessen lassen, enthalten. - -Er erregt die Theilnahme aller Derer, die ihn sehen, zuerst im höchsten -Grade, dies Mitleid wird aber sehr schnell durch seine Lebhaftigkeit -und durch die staunenswerthe Weise abgeschwächt, mit der er sich auch -ohne die nach allgemeinen Begriffen unentbehrlichen Gliedmassen zu -behelfen weiss, denn er schreibt mit grosser Fertigkeit, isst mit -Löffel und Gabel, zeichnet und malt, verrichtet überhaupt Alles, was -Andere, von der Natur Bevorzugtere mit den Armen event. auch Beinen -verrichten, mit der grössten Gewandtheit ohne dieselben. - -Seine stets heitere Laune, seine geselligen Manieren etc. führen bald -zu der Erkenntniss, dass er sich nicht unglücklich fühlen kann, um so -weniger, als er eine Lebensgefährtin fand und Vaterfreuden ihn an das -Dasein fesseln. In den vierundzwanzig Jahren der Ehe, die bis jetzt -(1899) verflossen, sind derselben elf Kinder entsprossen, von denen -noch fünf wohlgebaute Knaben und ein Mädchen am Leben sind. - -Nicolai Wasilowitsch Kobelkoff ist in Wossnesensk bei Troizk im -Gouvernement Orenburg, einer kleinen, freundlichen Stadt im asiatischen -Russland, am 22. Juli 1851 geboren und zwar ohne Arme und Beine. Sein -Vater war Angestellter in dem in der Umgegend befindlichen kaiserlichen -Goldbergwerke. Da die Schwangerschaft ohne jegliche Störung der -normalen Verhältnisse und des physischen Wohlbefindens der Mutter -verlief, so war die Ueberraschung um so grösser, als bei der Geburt -nur ein Rumpf ohne jegliche Gliedmassen zur Welt kam, der jedoch durch -ganz energisches Schreien das Vorhandensein einer gesunden Lunge -documentirte. - -[Illustration] - -Der kleine Weltbürger wurde mit der grössten Aufopferung gepflegt, so -wie im Laufe der Jahre der Körper sich entwickelte, so nahmen auch -die geistigen Fähigkeiten einen guten Fortgang, und mit dem zehnten -Lebensjahre brachte man den »kleinen« Nicolai nach Troizk in die -Kreisschule, wo ein menschenfreundlicher Pfarrer seine Ausbildung -übernahm. - -Das war jedoch eine schwierige Sache, da, wenn Nicolai auch über einen -regen Verstand verfügte, infolge des Fehlens der Arme und Hände das -Erlernen des Schreibens etc. schlechterdings als unmöglich erschien. -Da kam der Geistliche endlich auf die Idee, ob sich die fehlende Hand -nicht durch gemeinsame Anwendung des Armstumpfes und der Wange ersetzen -liesse, und als schon der erste Versuch günstige Resultate versprach, -da wurden die Exercitien mit solchem Feuereifer betrieben, dass neben -dem Schreiben auch Versuche im Essen mit Löffel, Messer und Gabel, -überhaupt in allen Arbeiten gemacht wurden, die von normalen Menschen -mit den Händen ausgeführt werden, die denn auch vollständig glückten. -So hat sich denn Kobelkoff im Laufe der Zeit eine Schrift angeeignet, -um die ihn, wie Hofrath Professor Weinlechner sich in einem Gutachten -ausdrückt, Mancher mit normal gebildeten Händen beneiden dürfte; die -Wange dient beim Schreiben nämlich als Daumen und der Armstumpf als -Zeigefinger. - -[Illustration: (Schrift Kobelkoff's).] - -Fünf Jahre lang stand er unter der Obhut des Priesters, der zugleich -sein Religionslehrer war, als der Menageriebesitzer Berg in den Ort -kam, von dem phänomenalen Knaben hörte und ihn für die Reise engagirte, -die denn auch am 12. Mai 1872 angetreten wurde. In Petersburg wurde -er dem Publicum überhaupt zum ersten Male vorgestellt; dann wurde ein -Engagement in Berlin und dann ein solches in Wien absolvirt, wo er -dem Publicum im Jahre 1875 zum ersten Male gezeigt wurde. Hier lernte -er auch seine Frau kennen, und als die Hochzeit im Jahre 1876 in -Budapest stattgefunden hatte, da begann ein echtes Nomadenleben, indem -das Ehepaar von Land zu Land, von Stadt zu Stadt zog. So kam es auf -seinen Wanderungen nach Deutschland, Frankreich, England, Spanien etc., -überall das grösste Aufsehen erregend, das seinen Gipfelpunkt jedoch -in der Bewunderung fand, die die grössten Gelehrten aller Länder den -geistigen und körperlichen Fähigkeiten trotz der abnormen Körperbildung -zollten. - -Kobelkoff ist ein Temperenzler und nimmt keine geistigen Getränke zu -sich; er lebt nur von Milch, Thee und Fleisch, die er täglich mit -grösster Regelmässigkeit dreimal zu sich nimmt, wie denn sein ganzes -Leben gleichmässig, wie durch ein Uhrwerk regulirt, verläuft. Seine -Ruhestätte ist ein kleines, einer Wiege ähnliches Bett, das sich etwa -vierzig Centimeter über dem Fussboden erhebt, und in das er sich ohne -jede Beihülfe hineinlegt und es auch wieder verlässt. Seine stete -Begleiterin ist seine -- Privat-Equipage, ein dreirädriger Kinderwagen, -der mittels vier Handgriffen in die Bahnwaggons verladen wird und der -vorne durch Vorhänge verschlossen ist, um dem Publicum während der -Reise den Einblick zu verwehren. - -Von sämmtlichen Ausstellungen Frankreichs und Italiens, auf denen -Kobelkoff sich producirte, besitzt er die ersten Preis-Medaillen für -seine Leistungen, und am 26. April 1899 ward ihm die hohe Ehre zu -theil, sich auch vor Sr. Kaiserl. Königl. Hoheit dem Erzherzog Ludwig -Victor, Bruder Sr. Maj. des Kaisers Franz Joseph I., produciren zu -dürfen. -- - -Ein ähnliches Genre wie Unthan cultivirt der sympathische Südfranzose -Jean de Henau, der besonders als Schnellmaler und Mandolinen-Virtuose -Hervorragendes leistet und eine gesuchte Attraction der modernen -Variétébühnen ist. (Abbildung umstehend.) - -[Illustration: Jean de Henau.] - -Neben den Fuss- und Rumpfkünstlern dürfen auch die Zwerge als -_Abnormitäten_ (nur _solche_ sind sowohl die Zwerge als auch die -Riesen, nicht aber _Missgeburten_ im eigentlichen Sinne des Wortes, wie -die Fuss- und Rumpfkünstler, da sie in der Regel als _normale_ Körper -zur Welt kamen und nicht ersichtlich war, dass sie später in ihrer -Körperentwicklung zurückbleiben oder sie überschreiten würden -- diese -abnormen Erscheinungen traten meist erst mehrere Jahre nach der Geburt -zu Tage) unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, da man sie jetzt meistens -als Miniatur-Artisten zu sehen und zu hören bekommt, sie also keine -exclusiven Schauobjecte mehr, wie früher, sind, sondern sich jetzt -enger an das Gebiet der Artistik anlehnen. Eine allzugrosse Seltenheit -bilden sie heutzutage gerade nicht mehr, und man konnte namentlich in -den letzten Decennien des neunzehnten Jahrhunderts eine Vermehrung -dieser im Wachsthum _zurückgebliebenen_ Menschen constatiren, -während die im Wachsthum wieder zu stark _vorgeschrittenen_ Riesen -im Aussterben begriffen zu sein scheinen, da sie immer mehr von der -Bildfläche verschwinden. - -[Illustration] - -Die heutigen Zwerge und Riesen kennt man so ziemlich alle, sorgen doch -die Impresarien schon frühzeitig dafür, dass möglichst viel wahr- und -unwahrscheinliche Begebenheiten aus ihrem Leben zu Reclamezwecken in -die Oeffentlichkeit gelangen. Dagegen sind viele Daten über Riesen und -Zwerge aus früheren Zeiten unbekannt, und wenn auch diese gesammelt -hier veröffentlicht werden, so geschah das der Vollständigkeit wegen -nicht nur, sondern vornehmlich, weil sie interessant genug sind, um -auch in weiteren einschlägigen Kreisen bekannt zu werden. - -(Der französische Gelehrte Henrion schrieb im Jahre 1718 ein Werk, in -welchem er zu beweisen suchte [doch wohl nicht, um sich unsterblich -- -lächerlich zu machen?], dass Adam 41 Meter 60 Centimeter, und Eva 40 -Meter hoch war. Abraham soll 6 Meter 60 Centimeter, Moses 4 Meter 70 -Centimeter und Goliath 4 Meter gemessen haben, die damalige Elle zu 58 -Centimeter gerechnet.) - -Berühmte Riesen alter Zeit waren _Walther Passous_, der Portier des -Königs Jacob I., und _Maximilian Müller_, der im 55. Lebensjahre noch -wuchs. Der Erste war 7 Fuss 6 Zoll, der Zweite 8 Fuss hoch. Sie wurden -aber von dem berühmten _Patrick O'Brien_ (Patrick Colter) übertroffen, -der 38 Jahre alt, schon 8 Fuss 7 Zoll Höhe erreicht hatte. Von ihm -erzählt man sich, dass er seine Pfeife oft an den Strassenlaternen -angezündet habe. Er starb im Alter von 47 Jahren. Da er fürchtete, -nach seinem Tode secirt zu werden, so vermachte er zwei Fischern 200 -Pfd. Sterling, mit dem Auftrage, seinen Leichnam ins Meer zu werfen. -Professor William Hunter, der den phänomenalen Körper aber gar zu gerne -zu wissenschaftlichen Studien erlangt hätte, versprach den Fischern -ebenfalls 200 Pfd., wenn sie ihm den Leichnam dennoch überliessen. Sie -warfen denn den entseelten Körper richtig ins Meer, banden ihn aber -zuvor an ein langes Seil, das am Ufer befestigt war, an dem der Herr -Professor den Leichnam wieder aus dem Meere zog und sich aneignete, als -die Fischer sich entfernt hatten. - -1897 starb in Bournemouth der chinesische Riese Chang-Yu-Sing, der 1864 -zuerst in London auftrat und gleich jedem ins Ausland gehenden Chinesen -seinen Sarg überallhin mit sich nahm. Er mass 2 Meter 36 Centimeter, -wurde somit von dem Riesen _Drasal_ noch um 4½ Zoll überholt, der 310 -Pfd. schwer war und im Alter von 45 Jahren am 17. December 1886 in -seinem Heimathsorte Holleschau in Mähren starb. - -Ein berühmter Riese war auch der Oesterreicher _Franz Winkelmeier_, -der die Höhe von 8 Fuss 9 Zoll erreicht hatte, aber überaus mager -war und am 4. September 1887 im Alter von 24 Jahren in London an -der Schwindsucht starb. -- Die grösste Riesin, welche je auf Erden -gelebt hat, war _Marian_ (Maria Wedde), geboren am 31. Januar 1866 zu -Benkendorf bei Halle a. d. Saale, gestorben Anfang 1885 in Paris. Das -Riesen-Fräulein hatte das respectable Mass von 2,65 Meter erreicht. --- Nicht geringes Aufsehen erregte in den neunziger Jahren der am -12. September 1880 in Gross-Mohnau (Kreis Schweidnitz) geborene -Riesenknabe _Carl Ullrich_, der mit fünfzehn Jahren eine Höhe von 2,5 -Meter erreicht hatte, dann aber im Wachsthum stehen blieb. Seit jener -Zeit zeigten sich aber bei ihm Krankheits-Symptome, anfangs nur in -Form leicht und schnell vorübergehenden Unwohlseins, das im Laufe der -Zeit jedoch so bedenkliche Dimensionen annahm, dass er von Russland -aus zur Erholung zu seinen Eltern nach Gross-Mohnau zurückreiste. Die -Krankheit nahm aber einen so ernsten Charakter an, dass seine Eltern -ihn auf Anrathen der Aerzte dem Krankenhause der barmherzigen Brüder -in Breslau zur Pflege übergaben, bei denen er 1897, 17 Jahre alt, an -der Zuckerkrankheit starb. Die Dimensionen seines Körpers waren so -ungeheuerlich, dass z. B. seine Füsse genau gemessen 42 Centimeter -lang waren und dass durch seinen Ring, den er am Mittelfinger der -rechten Hand trug und der nur gerade passend war, bequem ein Thaler -hindurch ging. In seinem wissenschaftlichen Gutachten über ihn sagt -Prof. Virchow u. A.: »Da alle Organe bei ihm fehlerlos functioniren, so -wird Carl Ullrich, wenn er ausgewachsen ist, alle bisherigen Riesen an -Grösse und Schönheit übertreffen.« -- - -Nun noch um ein paar Decennien zurückblickend, war in den vierziger -Jahren des 19. Jahrhunderts die »ausgezeichnete Riesendame« (so -nannte sie sich) _Elise Schmidt_ wohl die einzige Riesin, die sich -öffentlich sehen liess. Sie war über 7 Fuss rhein. hoch, aber von -unbeschreiblicher Magerkeit. Als die Spuren des Alters sich wegen ihrer -Derbheit nicht mehr aus dem Gesichte wegretouchiren lassen wollten, da -zeigte sie sich (Ende der vierziger Jahre) in Gesellschaft einer recht -hübschen und zahlreichen Sammlung von -- Schlangen und Krokodilen, -wahrscheinlich, damit durch diese die Aufmerksamkeit der Zuschauer -in etwas von ihrer eigenen Person abgelenkt werden sollte. Einer -ihrer älteren Brüder, ebenfalls ein Riese, der frühzeitig starb, war -Flügelmann beim ersten Garde-Regiment in Potsdam, somit der grösste -Mann der ganzen preussischen Armee. Sein Skelet, das 7 Fuss 3 Zoll -rhein. hoch ist, ist im anatomischen Museum in der Universität in -Berlin aufgestellt. - -In der Mitte der fünfziger Jahre war es der Riese Mr. Murphy, der -das allgemeine Interesse durch seine Hünengestalt auf sich zog. Er -war 8 Fuss 2 Zoll rhein. hoch, aber von durchaus proportionirten -Körperformen, so dass seine Grösse im gewöhnlichen Leben gar nicht -so sehr zur Geltung kam, sondern erst dann, wenn nach allgemeinen -Begriffen grosse Männer zum Vergleiche neben ihm standen. Das Interesse -für ihn war so gross, dass in Frankfurt a. M. z. B. seine Höhe an -den Thürrahmen der Säle der Hotels und Restaurants als Wahrzeichen -angemerkt war, in denen er sich während der Herbstmesse 1856 gezeigt -hatte. - -Mit Murphy gleichzeitig zeigte sich in Deutschland die Schweizer Riesin -_Marie Schubiger_ aus dem Canton Thurgau. Sie war auch etwas über 7 -Fuss rhein. hoch, von seltenem Ebenmass der Körperformen und verfügte -über ganz ungewöhnliche Kräfte. Wenn sie sich auch stets unter ihrem -Mädchen-Namen zeigte, so war sie doch eine verehelichte Frau Fehr, und -ihr Gatte war Obergärtner in den Königl. Gärtnereien in Turin; sie -hatte ihn auf ihrer Tournée durch Italien kennen gelernt und sich mit -ihm verehelicht. - -Gleich Murphy zeigte sie sich stets auf den grossen deutschen Messen, -und trafen sie dann, wie das wiederholt vorkam, an solchen Plätzen -zufällig zusammen, so zeigten sie sich zwar in verschiedenen Localen, -arrangirten aber zum Schluss der Messe dann gewöhnlich in einem der -grössten Säle einen sog. »Riesen-Ball«, bei dem sie nicht nur die Tänze -anführten, sondern sie auch leiteten -- eine Speculation, die ihnen oft -enorme Summen eintrug. - -Als sie in der letzten Hälfte der fünfziger Jahre auch in Paris -zusammentrafen, da interessirte sich Kaiser Napoleon III., der seine -Jugendzeit im Schlosse Arenenberg im Canton Thurgau verlebt hatte, -so sehr für seine »Schweizer Landsmännin«, dass er ein Ehebündniss -zwischen ihr und Murphy zustande bringen wollte, um allmählich ein -»Riesen-Geschlecht« heranzubilden, eine Lieblings-Idee, die zu seinem -Leidwesen unrealisirbar war, da Marie Schubiger bereits Frau Fehr -hiess. -- Nur wenige Jahre noch, da sie in den dreissiger Jahren stand, -reiste sie und zog sich dann auf ihr am Schweizer Ufer des Bodensees -belegenes Gut, das sie fortan selber bewirthschaftete, aus der -Oeffentlichkeit zurück. - -Im Gegensatze zu den Riesen fiel den Zwergen in der Geschichte eine -viel grössere Rolle zu. Wollte man doch schon zur Zeit des Parazelsus -Homunculi (Menschlein) auf chemischem Wege herstellen. (Das Verfahren -der Herstellung von künstlichen Zwergen aus ursprünglich normal -gebauten Kindern stammt aus dem Orient, und der Alkohol bildet einen -wichtigen Bestandtheil des Receptes.) Zweifellos ist es erwiesen, dass -vornehme Damen alter Zeit auf ihren Höfen Zwerge hielten, ebenso, wie -später zur Zeit der Madame Pompadour Mohrenknaben in der Mode waren. - -In der Renaissancezeit waren die Zwerge in den verschiedensten Ländern -Europas modern, insbesondere aber an den päpstlichen Höfen. Bei einem -Banket des Erzbischofs Vitalli im Jahre 1556 bildeten 34 missgestaltete -Zwerge die aufwartende Dienerschaft. Ihre goldene Zeit hatten die -Zwerge unter dem russischen Czaren Peter dem Grossen. Die Schwester -des Czaren, die Grossfürstin Natalie, liebte sie leidenschaftlich und -auf ihren Befehl wurden die Zwerge aus der ganzen Welt nach Moskau -berufen, und diese leisteten der Einladung auch in überaus grosser -Anzahl Folge. In Moskau angelangt, wurden sie ins kaiserliche Palais -geführt und dort hatten sie ihre eigene Hofhaltung, schöne Gewänder und -volle Verpflegung, sowie goldene Equipagen, die mit je sechs Ponies -bespannt waren. Sie heiratheten auch unter sich, und jede Hochzeit war -ein vollkommenes Hoffest in Moskau. - -Ein glückliches Loos hatte _Jeffrey Hudson_, oder richtiger »Sir« -Jeffrey Hudson, denn König Carl von England verlieh diesem 18 zölligen -Männchen den Rang eines Barons. Er war vollendeter Gentleman, höchst -kriegerischen, ritterlichen Charakters und duldete nicht, dass man -seiner spottete, oder sich gar lustig machte. Einst wurde er von einem -Manne Namens Crofts beleidigt, Hudson forderte ihn sofort zum Duell und -erschoss ihn. - -Nicht so glücklich wie Sir Hudson war _John Worrenburgh_. Als er schon -berühmt war, wollte er von Rotterdam nach England heimkehren. Er -logirte in einer Schachtel, ebenso, wie Gulliver bei den Riesen, und -diese war der Obhut eines Wärters anvertraut. Letzterer aber, als er im -Begriff war, sich einzuschiffen, glitt aus und fiel sammt der Schachtel -ins Wasser. Den Wärter zu retten gelang zwar, Worrenburgh aber kam in -seiner Schachtel elend ums Leben. -- - -Die Zwerge sterben in der Regel jung, eine Ausnahme bildete vielleicht -der polnische Graf Joseph Borowlaszki, der 1739 als Zwerg geboren wurde -und ein Alter von 98 Jahren erreichte. Berühmt war auch _Bébé_, der -Zwerg des polnischen Königs Stanislaus, der aber im Gegensatze zu dem -geistreichen Zwerg-Grafen Borowlaszki nur ein Crétin war. -- Eine sehr -bekannte Zwergenschönheit ward unter dem Namen _La Fée Corse_ in London -1734 gezeigt. Sie wog kaum 26 Pfund und war ausserordentlich schön, -nur stand ihre Nase in keinem Verhältniss zu ihrem kleinen Körper. -- -_Wybrand Lolkes_, ein holländischer Uhrmacher, der nur 27 Zoll mass, -heirathete eines der schönsten Mädchen Rotterdams, welches ihn mit -mehreren ganz normal gebauten Kindern beschenkte. -- - -Wenn wir schon von Zwergen sprechen, so dürfen wir auch den berühmten -General _Tom Pouce_ nicht vergessen. Er hiess mit seinem wirklichen -Namen Charles S. Stratton und wurde am 11. Januar 1832 in Bridgeport, -Connecticut, geboren. Bei seiner Geburt wog er 9 Pfund und war mit 5 -Monaten ein hübsch entwickeltes Baby, das dann aber nicht weiter wuchs. -Sein Auftreten machte riesige Sensation, und als seine Popularität im -Zenith stand (1847), da belief sich sein Jahreseinkommen auf 15,000 -Pfd. Sterling. Am 10. Februar 1863 verheirathete Barnum den General mit -_Lavinia Warren_ aus Middleboro. Mrs. Stratton war bei ihrer Hochzeit -32 Zoll hoch und wog 29 Pfund, der General dagegen war 35 Zoll hoch und -wog 28 Pfund. Aus der Ehe entspross ein wahrhaftes Miniaturkindchen, -das aber nur kurze Zeit lebte. Lavinia Warren starb am 23. Juli 1878 im -Alter von 29 Jahren, ihr Gatte am 15. Juli 1883 im Alter von 45 Jahren -6 Monaten in Middleboro, Massachusetts. - -Dieses kleine Verzeichniss berühmter Riesen und Zwerge älterer und -neuerer Zeit kann keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit machen, da -namentlich in älterer Zeit wohl der weitaus grösste Theil derjenigen -Menschen, die wegen ihrer abnormen Grösse einerseits, wegen ihrer -abnormen Kleinheit andererseits Beachtung verdient hätten, mit -geringen Ausnahmen nicht in die Oeffentlichkeit traten, sondern -vielmehr ein beschauliches Privatleben führten. Sind doch unter den -Sehenswürdigkeiten der Frankfurter Messe von 1778 ein Zwergmädchen und -ein Riese als eine _neue_ und interessante Schaustellung angeführt. -Wahrscheinlich aber ist doch noch interessantes Material in alten -Archiven vergraben, das mir durch Zufall einst an das Tageslicht -gefördert und durch das dem Historiographen erst in späterer Zeit eine -grössere Concentrirung der Materie ermöglicht wird. - - _Düsseldorf_, den 1. Sept 1899. - - ¯Signor Saltarino.¯ - - - - -[Illustration] - - - - -Johnson's zweiköpfiges Baby - - -wurde im März 1890 auf einem kleinen Bauernhofe, Hayword, Wisconsin, -Nord-Amerika, geboren, und da die »allwissende« Presse in langen -Artikeln auf dieses Wunder aufmerksam machte, so wurden die Eltern auch -bald mit Offerten für ein öffentliches Produciren des Babys überhäuft -und nahmen denn auch endlich Engagements an. - -[Illustration] - -Im Juli 1890 wurden die Kinder zum ersten Male in einem Museum in -Chicago vorgestellt und erregten so grosses Aufsehen, dass das -Engagement mit einer Wochengage von 500 Dollars bei freiem Verkauf der -Photographieen und Lebensbeschreibungen auf zwei Jahre abgeschlossen -wurde. Leider wurde das Baby aber nur acht Monate alt und starb am -9. October 1890 in M. S. Robinson's Museum in Buffalo an den Masern, -- -ein Theil starb etwa fünf Stunden früher als der andere. - -[Illustration] - -Dass die körperlichen wie auch geistigen Functionen vollständig -unabhängig von einander waren, ist wohl aus dem Cliché ersichtlich -- -indess der eine Theil schläft, wacht der andere und lächelt. Die Eltern -des Babys waren kleine Bauern und kehrten nach dem Tode desselben -wieder auf ihren »Hof« zurück. - -[Illustration] - - - - -Madame Taylor - -die Zwerg-Riesen-Dame - - -ist unter ihresgleichen insofern auch noch eine Specialität, als die -Riesen-Damen nicht nur gross, sondern meistens auch corpulent sind, -während Mme. Taylor eine Zwergin von nur drei Fuss und einem Zoll Höhe -ist, aber ein Gewicht von 309 Pfund (engl. Gewicht) hat; sie wird somit -auch mit Recht die »Riesin unter den Zwergen« genannt. - -[Illustration] - -In Peru geboren, wurde sie schon in ihrem vierzehnten Lebensjahre als -Zwergin ausgestellt, mit ihrem achtzehnten Lebensjahre verheirathete -sie sich mit einem »Feuerfresser«, und fortan producirte das Ehepaar -sich nur gemeinschaftlich in Museen etc. Als sie aber nach einiger -Zeit so corpulent wurde, dass sie nicht mehr gehen konnte und es zu -beschwerlich war, sie auf Tritt und Schritt umherzutragen, da zog sie -sich von dem Schaugeschäft zurück und lebt nun mit ihrer Familie -- sie -hat drei Töchter -- in stiller Zurückgezogenheit. - -[Illustration] - - - - -Lia May - -die Skelet-Riesin - - -macht zur Zeit in Barnum & Bailey's Circus in England grosses Furore. -Sie ist in Milwaukee, Wisconsin (Amerika) geboren und wurde schon in -ihrem achtzehnten Lebensjahre als Riesen-Mädchen gezeigt. - -[Illustration] - -Um ihre Anziehungskraft zu erhöhen, kleidet sie sich in Tricot und -erscheint durch ihre Magerkeit bedeutend grösser, wie sie wirklich -ist. Durch ihre so recht herzlich gemeinte Gutmüthigkeit ist sie bei -Jedermann sehr beliebt. - -[Illustration] - - - - -Madame Meyer - -die Bart-Dame - - -ist in Fort Wayne, N.-A., geboren. Schon im Alter von acht Jahren -machten sich die Spuren eines Bartes bemerkbar, die, allen angewandten -Enthaarungsmitteln trotzend, so üppig wucherten, dass sie sich schon -mit sechszehn Jahren eines so schönen Bartes »erfreute«, dass er dem -Antlitz bedeutend älterer Männer zur Zierde gereicht haben würde und -nicht selten deren Neid erregte. - -[Illustration] - -Schon in ihrer Jugend wurde sie in Museen ausgestellt und im Laufe der -Zeit hat sie sich nicht nur ein recht hübsches Vermögen, sondern auch -einen -- Ehegatten (das Cliché zeigt das Ehepaar) erworben, so dass -sie jetzt, obgleich erst achtunddreissig Jahre alt, vom »Geschäft« -zurückgezogen, in einem gemüthlichen Heim sorglos leben kann. - -[Illustration] - - - - -Emma Schaller - -das Skelet-Mädchen - - -ist am 8. Juli 1868 in St. Louis, N.-A., geboren; ihre Eltern waren -eingewanderte Deutsche und stammten aus West-Preussen. - -Miss Emma erfreute sich bis zu ihrem sechszehnten Lebensjahre der -besten Gesundheit, wurde dann aber infolge einer hochgradigen -Erkältung und darauf folgenden Gelenk-Entzündung auf ein langwieriges -Krankenlager geworfen, und nach etwa drei Jahren war sie zu einem -Skelet abgemagert. - -[Illustration] - -Da der Vater bereits vor mehreren Jahren gestorben war und die alternde -Mutter bei schwerer Arbeit einen nur sehr kümmerlichen Lebensunterhalt -zu erwerben vermochte, so kam Miss Emma zu dem Entschluss, sich als -»lebendes Skelet« öffentlich zu zeigen. Sie trat am 4. October 1890 zum -ersten Male in ihrer Geburtsstadt auf, und seit jener Zeit ist sie -in sämmtlichen Museen Nord-Amerikas gezeigt worden. Sie erhält eine -Monatsgage von 500-800 Mark, kann somit sich und ihrer alten Mutter, -die sie stets begleitet, eine ganz sorglose Existenz schaffen. - -Leider ist bei ihr allmählich eine vollständige Steifheit der Gelenke -eingetreten, so dass sie ohne Beihülfe auch nicht die kleinste Bewegung -machen kann. -- Sie ist etwa fünf Fuss zwei Zoll gross, wiegt aber nur -sechsundvierzig Pfund. Da sie sich einen gewissen Grad von Bildung -angeeignet hat, so ist sie imstande, während ihrer Ausstellung mit dem -Publicum eine lebhafte Conversation zu unterhalten. - -[Illustration] - - - - -Barney Baldwin - -der Mann mit dem gebrochenen Genick - - -ist für die medicinische Wissenschaft ein hochinteressantes Problem. -Der jetzt etwa fünfundvierzig Jahre alte, kräftig gebaute Mann war -Schaffner an der Chicago-Alton Railway und verunglückte als solcher im -Jahre 1886, indem er beim Ueberschreiten der Plattform von einem Waggon -zum anderen vom Zuge geworfen wurde. - -Für todt gehalten, lebte er dennoch, trotzdem acht Rippen, der eine -Arm zweimal, das rechte Bein unterhalb des Knies viermal und die -Wirbelsäule des Halses gebrochen waren; auch der Schädel hatte über dem -linken Auge einen bedeutenden Defect erlitten. - -Angesichts dieses hochinteressanten »Falles« setzten die Aerzte ihre -ganze Kunst daran, eine möglichst intensive Reconstruction dieser -menschlichen Ruine zu ermöglichen, und dieses Vorhaben hatte günstigen -Erfolg. Die Rippen-, Arm- und Beinbrüche wurden in althergebrachter -Weise behandelt, der Defect des Schädels wurde durch eine grosse -Silberplatte ausgeglichen und zur Unterstützung des gebrochenen Genicks -wurde ein theilweise aus Eisenblech hergestelltes Corsett construirt, -von dem aus eine Stahlstange, der Form des Hinterkopfes entsprechend -gebogen, sich erhob. An dieser Stange, an deren Ende in der Mitte über -dem Kopfe sich ein Haken befindet, hängt der Kopf an zwei dünnen -Riemen, von denen der _eine um die Stirn, der andere aber unter dem -Kinn hindurch geht, die sich somit oberhalb der Schläfe kreuzen_. -(Siehe das Cliché.) Mit dieser Vorrichtung muss er auch schlafen. -Werden die Riemen vom Kopfe entfernt, so fällt dieser wie leblos -auf die Brust, Baldwin verliert die Besinnung und der ganze Körper -verfällt in einen starrkrampfartigen Zustand; wird der Kopf dann wieder -aufgehoben, so kehren auch die Besinnung sowie die Beweglichkeit der -Glieder sofort zurück. - -[Illustration] - -Baldwin ist in ganz Amerika als der »einzige lebende Mensch mit dem -gebrochenen Genick« bekannt und zeigt sich heute noch öffentlich. In -seiner Glanzperiode bezog er nicht selten eine _wöchentliche_ Gage von -dreihundert Dollar (etwa 1300 Mark), während er jetzt mit zwanzig bis -dreissig Dollar per Woche gern zufrieden ist, da er, als zu bekannt, -seine frühere Zugkraft verloren hat. Er hat ein grosses Vermögen an -Gagen bezogen, lebte jedoch sehr splendid mit seiner Familie, so dass -er jetzt mittellos dasteht und durch die kleinen Gagen einen nur -kümmerlichen Lebensunterhalt erwirbt. - -(Noch in den siebziger Jahren reiste in Deutschland ein bereits -alter Mann, dessen Kopf ebenfalls in einer »Schwebe« hing, deren -Construction der vorbeschriebenen im wesentlichen genau glich. Er war -einst einer der berühmtesten »Spring-Clowns« seiner Zeit und von den -grössten Kunstreiter-Gesellschaften ein begehrtes Mitglied. Einst -landete er nach einem Sprunge so unglücklich, dass er die Wirbelsäule -des Halses brach. Da aber das Rückenmark unverletzt geblieben, er -somit lebensfähig, aber nicht nur für seinen früheren Beruf, sondern -auch für jede andere Arbeit unfähig geworden war, so reiste er zur -Zeit in Deutschland umher und verkaufte in Wirthschaften jeglicher -Güte couvertirte »Planeten«, nachdem er die Gäste in kauderwelschem -Deutsch mit seinem »Malheur« bekannt gemacht und ihnen die Maschine -an seinem Körper, in der der Kopf hing, gezeigt hatte, um eine -bescheidene Existenz fristen zu können. Leider kann der Name nicht mehr -festgestellt werden, der in der Künstlerwelt einst einen hervorragenden -Klang hatte.) - -[Illustration] - - - - -Hermann - -der Knabe mit der Wunderhand - - -ist ein echtes »Berliner Kind« von ca. elf Jahren. Die abnorme -Gestaltung seiner »Wunderhand« ist durch das Cliché so instructiv -illustrirt, dass von einer Detaillirung des abnormen Zustandes Abstand -genommen werden kann. - -Ist die Hand auch beweglich, so kann der Knabe sie doch zu keinerlei -Verrichtungen, und wären es die unbedeutendsten, gebrauchen. Als er -im Sommer 1895 in Castan's Panopticum in Berlin ausgestellt war, -da liess Herr Director Louis Castan es sich schon angelegen sein, -ihn zum Bewegen der Hand, zum Halten und Tragen von Gegenständen -verschiedenster Art und zu sonst anderen Verrichtungen unterweisend -anzuhalten, und mit Ausdauer durchgeführt, werden durch diese Uebungen -auch unfehlbar günstige Resultate erzielt, ist doch die Hand viel -vollständiger entwickelt wie z. B. bei Kobelkoff, dem nur ein ganz -unbedeutendes Fingersegment zu Gebote steht. - -[Illustration] - -Obwohl eine nicht unbedeutende Abnormität, ist der Knabe bis jetzt doch -keine grosse Sehenswürdigkeit. - -[Illustration] - - - - -Eli Bown - -der Mann ohne Beine - - -ist eine der beliebtesten Schau-Nummern in ganz Amerika. Er ist -hochgebildet, hat eine grosse Familie (sein ältester Sohn ist -Rechtsanwalt) und erfreut sich eines ziemlichen Wohlstandes. -Jetzt etwa 48 Jahre alt, tritt er bereits seit seinem sechszehnten -Lebensjahre öffentlich auf und bezieht auch heute noch bedeutende Gagen. - -[Illustration] - -Mr. Bown besitzt vollständig normal entwickelte Füsse, die jedoch -direct an den Hüftengelenken stehen. Er schreibt mit dem linken -Fusse, greift Gegenstände mit den Zehen desselben und ist auch ein -nicht unbedeutender Akrobat. Er bedarf nicht der geringsten Hülfe, -bewegt sich allein auf den Strassen, besteigt die Strassenbahnen mit -Leichtigkeit und besitzt ein ausserordentlich heiteres Temperament. -(Vor vielen Jahren lebte eine junge Dame in Westpreussen, die ebenfalls -keine Beine, sondern nur Füsse hatte; sie trat nicht öffentlich auf und -war so hülflos, dass sie stets in einem Krankenstuhle gefahren werden -musste.) Mr. Bown besitzt eine ungeheure Kraft in den Armen, deren -Muskeln von Stahl zu sein scheinen. - -Die jetzt etwa zehn Jahre alte Photographie, die als Original zu dem -Cliché diente, zeigt Mr. Bown mit seiner ganzen Familie. - -[Illustration] - - - - -Wilhelm und Hulda - -die »Fett-Kinder« - - -sind ein Geschwisterpaar, wie man es nicht oft findet. Die Eltern sind -einfache Fischersleute in Ostfriesland und haben ausser diesen beiden -Kindern noch drei, die ganz normal gestaltet sind. Die Ueberfettung der -beiden Kinder ist nicht, wie man anzunehmen geneigt sein dürfte, die -Folge eines krankhaften Zustandes, im Gegentheil erfreuen sie sich der -besten Gesundheit und ist das Fleisch ihrer Körper fest und gesund. Sie -werden seit längerer Zeit auf dem Continent zur Schau ausgestellt. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Eugène Berrey - -der Mann mit dem Riesen-Fuss - - -ist eine etwas abschreckende Schaunummer und im Jahre 1872 in der -Stadt Indianapolis geboren. Der Riesenwuchs seiner Füsse war schon bei -seiner Geburt vorhanden und mit der progressiven Zunahme seines Körpers -nahmen auch seine Füsse progressiv zu und wurden immer grösser und -grösser, so dass sein linkes Bein z. B. heute ein Drittel seines ganzen -Körpergewichtes, nämlich dreiundvierzig Pfund, repräsentirt. - -[Illustration] - -Mr. Berrey hat sich einen gewissen Grad von Bildung angeeignet, spricht -auch etwas Deutsch und Französisch und ist sehr liebenswürdig in seinem -Umgange. Seit etwa sechs Jahren steht er vor der Oeffentlichkeit und -ist als der Mann mit den »Trilby«-Füssen bekannt. Seine Gagen sind -nicht bedeutend, ermöglichen ihm aber trotzdem ein comfortables Leben, -und mit Recht kann man von ihm sagen: »Mr. Berrey lebt auf grossem -Fusse!« - -[Illustration] - - - - -Miss Maggie - -die dreibeinige Dame - - -die das nächste Cliché zeigt, war, wie so manches andere in Amerika, -auch »Humbug«. - -[Illustration] - -»Vor etwa drei Jahren (also 1896)«, so berichtet mein Gewährsmann, -»wurde von einem bedeutenden Museum in der Bowery in New York unter -denkbarstem Hochdruck der Reclame als grösstes aller Naturwunder der -Welt eine »Dame mit drei Beinen« annoncirt. Der Zulauf war ein ganz -enormer, und auch ich, wenngleich mit etwas zweifelhaftem Vorgefühl, -entschloss mich zu einem Besuch. - -Nachdem mehrere »Specialitäten« von geringem Werth vorgestellt waren, -erschien der »star« des Programms, die »Dame mit den drei Beinen«, in -Gestalt eines kräftig gebauten, munteren Mädchens, das in einem Sessel -sass und unter dessen Kleidern auch wirklich drei Füsse sichtbar waren. - -Beim Vortrage des Explicators stand das Mädchen auf, hob die Kleider -fast bis zu den Knieen empor und bewegte jedes der drei Beine in -der natürlichsten Weise. Trotzdem jede Täuschung ausgeschlossen -schien, wurde »Humbug« doch das »geflügelte Wort«, dem ein Theil des -Publicums unverhohlen Ausdruck gab, während der andere Theil der festen -Ueberzeugung war, ein wirklich echtes, unverfälschtes Naturwunder vor -sich zu sehen; meine personellen Ansichten über das Pro und Contra -hatten jedoch noch keine bestimmte Richtung angenommen. Wie so oft -schon, trat aber auch hier der Zufall entscheidend auf. Einige Zeit -später passirte ich nämlich Nachts elf Uhr Bowery, um mich in mein -Hotel zu begeben. Vor dem »Museum« angelangt, trat aus dem Portal -desselben eine Dame am Arme eines jungen Mannes heraus, an deren -äusserer Erscheinung nicht nur, sondern auch an deren eigenthümlichem -Lachen ich die »dreibeinige Dame« sofort wieder erkannte. Um mir jedoch -volle Gewissheit zu verschaffen, folgte ich dem Paar unbemerkt eine -ziemliche Strecke weit und hörte nun aus dessen Unterhaltung, dass ich -mich nicht getäuscht, sondern die Dame mit den drei Beinen leibhaft vor -mir sah, dass sie jedoch jetzt gerade so gut wie jeder andere normale -Mensch auch nur »zwei« Beine hatte. Und »Humbug« tönte es höhnend durch -den kalten Nachtwind.« - -[Illustration] - - - - -George Woodstock - -der Mann mit dem Riesenbart - - -behauptet, den längsten Bart der Welt zu besitzen. Er ist ein geborener -Irländer, jedoch von seiner Kindheit an in Amerika und hat ein schönes -Bauerngut in Marshalltown, Iova. Sein Bart hat die respectable Länge -von acht Fuss und drei Zoll und ist dunkelbraun; damit er ihm bei der -täglichen Verrichtung seiner Haus- und Feldarbeiten nicht hinderlich -ist, wickelt er ihn während derselben sorgsam zusammen und verbirgt ihn -unter der Weste auf seiner Brust. - -Mr. Woodstock ist niemals öffentlich aufgetreten und wird es auch -nicht, obgleich er bereits manche gute Offerte erhalten hat. - -[Illustration] - -(In den vierziger Jahren lebte in Deutschland ein ganz kleiner -verwachsener Mann, der auf dem Rücken und der Brust bedeutende -Buckel hatte. Der auf der Brust stationirte hatte hervorragend -monstrose Dimensionen, war aber kein wirklicher Buckel, sondern der -zusammengewickelte und unter der Weste verborgene grosse Bart des -kleinen Mannes, der eine Länge von über elf (!) Fuss rhein. hatte. In -einem Testamente hatte der Mann verfügt, dass seine Gesichtshaut sammt -dem Barte nach seinem Tode abgelöst und dem Universitäts-Museum in -Bonn zur Aufbewahrung übergeben werden solle. Dieser »letzte Wille« -wurde denn auch buchstäblich erfüllt, das bezeichnete Museum trat die -Erbschaft an und wahrscheinlich ist der Riesenbart heute noch als -Curiosität in demselben zur Schau ausgestellt. -- Leider können der -Familienname des Mannes und die Ortsnamen heute nicht mehr festgestellt -werden.) - -[Illustration] - - - - -John Darrington - -das lebende Skelet - - -ist in einer kleinen Stadt Connecticuts (Nord-Amerika) geboren und -jetzt etwa achtunddreissig Jahre alt. Bis zu seinem sechsundzwanzigsten -Jahre erfreute er sich der besten Gesundheit, zog sich aber infolge -einer Erkältung ein chronisches Magenleiden zu, so dass er in ganz -verhältnissmässig kurzer Zeit zum Skelet abgemagert war. - -[Illustration] - -Da er keinerlei Arbeiten mehr verrichten und auch Niemanden hatte, -der ihm Hülfe bieten konnte, so reifte in ihm der Entschluss, sich -als »lebendes Skelet« sehen zu lassen, und er hatte auch Erfolg -damit. Nicht der Einzige dieses Genres, ist seine Gage auch stets nur -gering, reicht jedoch bei seinen bescheidenen Ansprüchen aus, ihm -eine sorgenlose Existenz zu schaffen, so dass er nach seiner eigenen -Versicherung mit seiner jetzigen Lage vollständig zufrieden ist. - -[Illustration] - - - - -John Chambert - -der Mann ohne Arme - - -wurde 1854 in London geboren und kam ohne Arme zur Welt. Wie alle -anderen Fusskünstler, unter denen jedoch Herr C. H. Unthan der -geschickteste ist, verrichtet auch Mr. Chambert alle Arbeiten mit den -Füssen, die normale Sterbliche mit den Händen ausführen. Er bedient -sich selber beim Essen und Trinken, kleidet sich an und aus, rasirt -sich, schreibt ausgezeichnet, spielt mehrere Instrumente, schiesst, -hämmert, sägt, hobelt etc. etc. - -[Illustration] - -Seit seinem achtzehnten Lebensjahre zeigte er sich dem Publicum in -Museen etc., noch nicht ganz zwanzig Jahre alt, verheirathete er -sich, zog sich vom »show« zurück und eröffnete in London ein kleines -Cigarren- und Tabak-Geschäft. Er wurde Vater von drei Töchtern, und als -diese erwachsen waren, übergab er ihnen das Geschäft und kehrte zum -»Show-Leben« zurück. Vor etwa vier Jahren verlor er seine Gattin durch -den Tod, verheirathete sich jedoch im Februar 1899 zum zweiten Male und -führt mit seiner jungen hübschen Frau, die ihren »John« von Herzen lieb -zu haben scheint, ein recht glückliches Familienleben. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -James Morris - -der Mann mit der Gummihaut - - -ist am 1. September 1859 in Boston, Massachusetts (Amerika), geboren. -Als Sohn armer Eltern erlernte er das Barbierhandwerk. Seit seiner -Kindheit war er im Stande, seine Haut zu bedeutender Länge vom Körper -zu ziehen und oft that er das zum Vergnügen seiner Kameraden. Eines -Tages sagte einer derselben zu ihm: »Morris, warum lässt Du Deine Kunst -nicht für Geld sehen?« Diese Worte waren bei Morris auf fruchtbaren -Boden gefallen: eines Tages stellte er sich dem Besitzer eines Museums, -J. E. Sackett, in Providence, Rhode Island, vor und wurde von demselben -sofort für ein Jahr engagirt. - -Seit der Zeit -- im Herbst 1882 -- war sein Glück gemacht, denn -während vier Saisons war er die Haupt-Attraction von Barnum's Side -Show und erhielt eine Wochengage von 150 Dollars. Leider ist Morris -ein Gewohnheits-Trinker und -Spieler, und statt heute ein Vermögen zu -besitzen, muss er noch auftreten, um sich ernähren zu können. - -Seine Vorführung ist die beste in diesem Fache. Er kann z. B. die Haut -von seiner Brust bis zum Kopfhaar hinaufziehen, die Haut der Backen -kann er bis zu acht Zoll ausdehnen, und mit der Haut des einen Beines -kann er das andere bedecken. - -Mr. Morris ist in allen Museen und bedeutenden Circusunternehmungen -Nord-Amerikas aufgetreten und befindet sich zur Zeit mit Count Orloff's -Abnormitäten-Truppe auf Tournée durch England. Er ist unverheirathet, -sehr gebildet und ein überaus gewandter Erzähler, als der er denn auch -in jeder Gesellschaft erwünscht und beliebt ist. (Die Dehnbarkeit der -Haut ist die Folge einer Krankheit der Zellengewebe derselben, die sich -auf andere Organe des Körpers nicht überträgt.) - -[Illustration] - - - - -Angelotti - -der Mann mit den Elephanten-Füssen - - -ist eine Abnormität, die sich besser für ein Krankenhaus, als für ein -Vergnügungs-Etablissement eignet. Er kam vor etwa einem Jahre als der -einzige gerettete Passagier einer kleinen Kohlen-Barke, die auf offenem -Ocean gesunken war, mit einem Ocean-Dampfer in Liverpool an, und da in -den bezüglichen Zeitungsberichten zugleich als Merkwürdigkeit bemerkt -war, dass der gerettete Passagier »Elephantenfüsse« habe, so suchte -Director Crouch ihn auf und engagirte ihn für seine Etablissements. - -[Illustration] - -Angelotti ist ein dunkelbrauner Neger, und haben seine unförmigen -Füsse, die einen recht zurückstossenden Anblick bieten, wirklich eine -grosse Aehnlichkeit mit Elephanten-Füssen. Dieser anormale Zustand -hat seinen Grund in der sog. Elephantiasis (Knollsucht), einem -bösartigen, doch nur selten auftretenden Aussatze, durch den die Beine -und Füsse mit einer, der Elephantenhaut ähnlichen, dicken, knolligen -Decke überzogen werden. Trotzdem erfreut der Mann sich des besten -Wohlbefindens, und so lange er sein Essen und genügend Rauch-Tabak -bekommt, fühlt er sich ganz glücklich. Er ist unverheirathet und etwa -vierzig Jahre alt. - -[Illustration] - - - - -James Wilson - -der einzige Brust-Expansionist der Welt - - -kann als ein Wunder der Natur bezeichnet werden. Er ist in Belfast, -Irland, geboren, erlernte das Schmiede-Handwerk, betrieb es bis -zu seinem dreissigsten Lebensjahre und war nicht nur wegen seiner -colossalen Kräfte, sondern mehr noch wegen seiner mächtigen Brust -allgemein bekannt. Nicht ganz einunddreissig Jahre alt, wanderte er -nach Amerika aus und arbeitete auch dort als Schmied. - -[Illustration] - -Da sah er in einem Museum in New-York einen Mann, der durch das -Ausdehnen seiner Brust fest um dieselbe gebundene Stricke zerriss. -In seine Wohnung zurückgekehrt, versuchte auch er den »Tric« und -fand, dass er sogar breite Lederriemen zerreissen konnte, und als es -ihm durch fortgesetzte Uebung endlich auch gelang, eiserne Ketten zu -zersprengen, da sagte er dem Schmiede-Handwerk Valet, ging zum »Show« -über und trat zum ersten Male in Barnum's »grösstem Circus der Welt« -auf; »seine Arbeit« erregte Sensation in ganz Amerika. Im Jahre 1889 -gewann er in einem Match nicht nur die grosse Medaille, sondern auch -den Champion-Gürtel der Welt, da er seine sämmtlichen Rivalen überbot. - -[Illustration] - -Im Jahre 1891 kam er mit dem Barnum-Circus nach London, kehrte nach -beendeter Saison jedoch mit demselben wieder nach Amerika zurück. -Im December 1895 trat er zum ersten Male auf dem Continent und zwar -in Hornhardt's Etablissement in Hamburg auf, ging von dort ans -Apollo-Theater in Berlin und unternahm dann eine kurze Tournée durch -Deutschland. Da er jedoch nur englisch spricht, so fühlte er sich in -Deutschland zu sehr verlassen und kehrte im October 1896 nach Amerika -zurück, wo er zur Zeit wieder mit amerikanischem Circus auf Tournée ist. - -[Illustration] - - - - -Lady Dot - -das kleinste Mädchen der Welt - - -war eine recht liebliche Erscheinung und das Ebenbild der weltberühmten -Zwergin »Prinzess Pauline«, nur, dass diese noch etwas kleiner war. - -[Illustration] - -Lady Dot war im Jahre 1880 in Hanley, England, geboren und wog bei -ihrer Geburt nur 140 Gramm. Trotzdem die Aerzte behaupteten, dass -das Kind nicht lebensfähig sei, gelang es der Mutter doch, dasselbe -am Leben zu erhalten und schon von sieben Monaten an wurde es als -Schau-Object öffentlich ausgestellt. Lady Dot lebte bis zu ihrem -fünfzehnten Lebensjahre und starb infolge einer heftigen Erkältung. -Kurz vor ihrem Tode wog sie etwas über neun Pfund und war neunzehn Zoll -hoch. Sie hatte vier normale Geschwister. - -[Illustration] - - - - -Edith - -das Riesen-Kind - - -verdient diese Bezeichnung mit Recht, denn es war wirklich ein solches. -Es wurde am 8. Januar 1888 geboren und wog bei seiner Geburt über neun -Pfund, und da es sich der besten Gesundheit erfreute, so wurde es schon -in einem Alter von fünf Monaten ausgestellt. Das Cliché zeigt das -Kind im Alter von 1¼ Jahr, welch letzteres da schon ein Gewicht von -zweiundsiebzig Pfund erreicht hatte. Das war sein Höhepunkt, denn kurze -Zeit darauf erkrankte es schwer an den Masern und magerte furchtbar ab, -und als es wieder gesund geworden war, da war es kein Riesenkind mehr -und wuchs als ganz gewöhnliches normales Kind seines Alters auf. Jetzt -ist es ein hübsches neunjähriges Mädchen, das in Swansea, South-Wales -(England) die Schule besucht. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Achmed Aratas - -der unverwundbare Fakir - - -wurde 1872 in Oesterreich geboren. Kaum fünf Jahre alt, verliessen -seine Eltern die Heimath mit ihm und wanderten nach Persien aus, wo sie -bald dem gelben Fieber erlagen. Des verwaisten Knaben aber nahm sich -ein Einsiedler, Namens Abbed an, bei dem er bis zu seinem vierzehnten -Jahre lebte und der ihn in sämmtliche Künste und Kunstgriffe der -Fakire einweihte, in denen er so grosse Fortschritte machte, dass er -einst zum Schah Nasser-Ed-Din berufen wurde, um sich vor diesem zu -produciren, und der ihm dann den Hausorden, welcher an rothem Bande -um den Hals getragen wird, verlieh. Endlich kehrte Aratas wieder nach -seiner Heimath zurück und wurde bald eine sehr gesuchte Attraction für -Variété-Theater etc. - -[Illustration] - -Seine Productionen bestehen in Folgendem: Durch Einathmen von -Dämpfen, deren Erzeugung sein Geheimniss ist, versetzt er sich in -einen quasi hypnotischen Zustand, dann beginnt er mit Kopfschütteln -und Verdrehungen und Verrenkungen des Körpers, bis er einem -Schwindelanfalle nahe ist. In diesem Stadium soll sein Körper in -gewissem Grade gefühllos sein, so dass er von den Schmerzen, die ihm -seine Productionen verursachen, fast gar nichts empfindet. - -Dann folgen die Selbstpeinigungen: Er sticht sich vier bis sechs lange -spitze Dolchnadeln durch den einen Ober- und Unterarm; man sieht, wie -sich die Haut dehnt, bevor die Spitzen der Nadeln hindurchdringen. Dann -geht er, um etwaige Zweifel zu heben, unter das Publicum und lässt von -einer beherzten Person die Nadeln wieder langsam und vorsichtig aus dem -dicken Fleische herausziehen. - -(Dieselbe Lieblingspassion hatte 1851 die dreizehnjährige Tochter eines -Kaufmanns in Demmin in Pommern, die sich oft mit zwölf und oft mit noch -mehr Stecknadeln die Innen- und Aussenseiten der Hände spickte, ohne -dass auch nur ein Tropfen Blut zum Vorschein gekommen wäre. Auf die -Frage: »Ob sie keine Schmerzen dabei empfinde«, antwortete sie: »Nein, -nur ein heftiges Jucken, wenn die Nadeln wieder herausgezogen sind, -sonst nichts«.) - -Dann folgt das Durchstechen der Backen, des Halses und der Zunge, und -damit die allgemeine Annahme widerlegt werde, dass er die Nadeln durch -alte verwachsene Löcher steche, lässt er sich die Zunge auch von einem -Arzte unter den Zuschauern durchstechen. Dann schlägt er sich mit einem -hölzernen Hammer eine Nadel mit grossem Kopfe unter dem Bauchnabel -regelrecht in den Leib, und dann lässt er sich von zwei ziemlich -grossen Schlangen in Hals und Arme beissen. Zum Schluss hält er seinen -nackten Arm etwa fünf Minuten lang in die hochauflodernde Flamme einer -Fackel. -- Aratas ist ein schöner Mann. Trotzdem seine Productionen -hochinteressant sind, so haben sie doch etwas Abschreckendes, -Zurückstossendes für viele Zuschauer. - -[Illustration] - - - - -Die Mac-Mahon-Kinder - - -stehen insofern wohl als Seltenheit da, als sie und ihre sämmtlichen -Geschwister Albinos sind und von Neger-Eltern abstammen. Sie wurden vor -fünfzehn Jahren in Troy, Staat New-York, geboren und von ihren Eltern -schon von frühester Kindheit an öffentlich ausgestellt. Die Eltern -haben sich dadurch ein kleines Vermögen erworben und leben seit einiger -Zeit mit den Kindern in stiller Zurückgezogenheit auf einer hübschen -Besitzung in ihrer Heimath. Den Kindern wird das Haar stets ganz -kurz geschnitten, und sollen dieselben nie wieder als Schau-Objecte -functioniren. -- Leider giebt es nicht viele so vernünftige Eltern, -die auch an das Wohlergehen ihrer Kinder denken und sie nicht bis zum -Lebensende ausnützen. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Katy Clary - -die Riesen-Dame - - -ist weniger ihrer eigenen Grösse, wie ihrer kleinen Schwester wegen -eine gesuchte Attraction. Miss Katy ist nämlich fünf Fuss und zwei -Zoll hoch und wiegt 460 Pfund, ihre Schwester ist dagegen nur -zweiunddreissig Zoll hoch und wiegt trotzdem 172 Pfund. Miss Rosa, die -Zwerg Riesin, ist zwei Jahre älter, als ihre grosse Schwester. - -[Illustration] - -Sie sind in Nord-Amerika geboren, bereits seit längerer Zeit auf -Reisen, absolviren Engagements in allen bedeutenden »Shows« und -beziehen verhältnissmässig hohe Gagen. - -[Illustration] - - - - -Marquis Wolga und Marquise Louise - -das »Königspaar der Liliputaner«. - - -Zwerge giebt es zur Zeit ja eine Unmasse, wirklich gute dagegen -aber nur sehr wenige, und von diesen zeigt das Cliché ein paar -Hauptrepräsentanten. Der kleine Herr Marquis Wolga ist am 2. September -1857 in Ungarn geboren. Seine Eltern sind absolut normal gebaut, -desgleichen seine fünf Schwestern. Bei seiner Geburt war er nur -etwa neun Zoll gross und wog nicht ganz zwei Pfund, jetzt ist er -achtundzwanzig Zoll gross und wiegt circa sechszehn Pfund. Sein -Aeusseres ist sehr sympathisch und die Intelligenz seines Gesichtes -wird durch einen hübschen Schnurr- und Knebelbart sehr wirkungsvoll -unterstützt. - -[Illustration] - -Die jetzt neunundzwanzigjährige Marquise Louise ist von dänischer -Abkunft, aber in Samara in Russland geboren, und sind auch ihre -Eltern sowie ihre sieben Geschwister nicht nur normale, sondern -sogar recht grosse und starke Menschen. Da sie bei ihrer Geburt ganz -unverhältnissmässig klein und schwächlich war, so wurde sie längere -Zeit hindurch in Watte gehüllt und mit allergrösster Sorgfalt gepflegt, -um sie am Leben zu erhalten. - -Heute erfreuen sich die kleinen distinguirten Herrschaften der besten -Gesundheit und sind trotz ihrer winzigen Körper sogar recht kräftig. -Vor etwa vier Jahren begegneten sie sich zum ersten Male in Ungarn, -und da nicht nur die Gleichheit des Körperbaues allein, sondern auch -die der Gesinnungen sie geistig näher zusammenführte und endlich die -Existenzfrage auch mit in die Wagschale fiel und eine gegenseitige -Zuneigung ausschlaggebend wurde, so entschlossen sich die beiden -Naturwunder, gemeinsam auf Reisen zu gehen. Da der Herr Marquis nun -aber den moralischen Werth und die Liebenswürdigkeit seiner kleinen -Reisegefährtin sehr bald kennen und schätzen lernte, da trug er ihr -kurz entschlossen Herz und Hand an, und nach einiger Zeit wurde das -Ehebündniss mit grossem Pomp in der Eglise de Madelaine in Paris -geschlossen. - -Das kleine Menschenpaar reist heute noch auf dem Continent und -lässt sich vom Publicum bewundern, und der Impresario hat sich ein -bedeutendes Vermögen dadurch erworben. - -[Illustration] - - - - -Leo Whitton - -der canadische Coloss - - -wurde im Jahre 1857 in Northumberland in Canada von »gewichtigen« -Eltern geboren. Sein Vater wog 340, seine Mutter 375, er selbst bei -seiner Geburt schon über dreizehn Pfund. Im zwölften Jahre wog er -bereits 209, im zwanzigsten 360 und zur Zeit wiegt er 724 (!) Pfund bei -einer Grösse von fünf Fuss und elf Zoll. Der Hals hat sechsundzwanzig, -die Brust zweiundsiebenzig und die Taille vierundachtzig, die Oberarme -haben achtundzwanzig, die Oberschenkel neunundvierzig und die Waden -sechsundzwanzig Zoll Umfang. (Es bestätigt sich also auch bei diesem -Coloss, dass der Hals und die Waden eines jeden Menschen stets gleichen -Umfang haben.) - -[Illustration] - -Mr. Whitton ist auf einem Bauernhofe erzogen worden; mit dem -zweiundzwanzigsten Jahre eröffnete er einen Fleischerladen und betrieb -ihn bis zu seinem siebenunddreissigsten Jahre. Er ist verheirathet -und hat drei Söhne und eine Tochter, die jedoch nach der Mutter, die -nur 118 Pfund wiegt, arten. Er besitzt ein recht hübsches »Heim«, -ist kerngesund, voll gesunden Humors und reist zur Zeit mit Barnum's -»Riesen-Show« in England, mit dem er jedoch auf alle Fälle wieder nach -Amerika zurückkehrt. - -[Illustration] - - - - -Monsieur Neptune - -der französische Herkules - - -ist sowohl ein Wunder der Natur, als auch des Trainirens, und der -jetzt etwa siebenundzwanzigjährige junge Mann hat bereits das grösste -Aufsehen in der Athleten-Welt erregt. - -[Illustration] - -In Bordeaux geboren, ging er als dreizehnjähriger Sohn einer armen -Wittwe als Schiffsjunge auf ein Kauffahrtei-Schiff und als Seemann -wuchs er auf, wurde aber wegen seiner phänomenalen Kraft von seinen -Kameraden bald gefürchtet. - -Vor einigen Jahren besuchte Neptune ein Variété-Theater in London, auf -dem sich auch der Athlet Chas. Samson producirte. Sein Haupt-Tric war -das Heben eines Gewichtes von 210 Pfund, das er mit einer Hand bis -zur Armeslänge über seinen Kopf drückte. Als er nach Beendigung der -Production Demjenigen 10 Pfd. Sterl. (ca. 200 Mark) proponirte, der -das Gewicht mit beiden Händen bis zur Brusthöhe höbe, da bat Neptune, -diesen Versuch machen zu dürfen. - -Sein Anerbieten erregte allgemeines Gelächter im Publicum, da er -von nur kleiner Figur ist und nur 132 Pfund wiegt, und um noch mehr -Heiterkeit zu erwecken, erlaubte Samson ihm den Versuch auch; Neptune -aber gewann den Preis spielend, denn er hob das Gewicht mit auch nur -einer Hand ebenfalls über den Kopf hinaus. Ein riesiger Applaus und -zahlreiche Rufe um mehr Kraftproben waren das Resultat dieses seines -Debuts vor der Oeffentlichkeit. - -Angespornt dadurch, erwachte in ihm das Verlangen, sich ebenfalls als -Athlet produciren zu wollen. Kurz entschlossen befreite er sich von -seinen Verbindlichkeiten als Seemann und begann dann, seine Kräfte -durch regelmässige Uebungen systematisch noch mehr zu entwickeln -und heute ist er als Athlet einer der bedeutendsten, die je vor der -Oeffentlichkeit gestanden haben, vielleicht auch stehen werden. - -[Illustration] - - - - -Miss Pollie Whatson - -die schwerste Dame der Welt - - -liefert den Beweis, dass der »Humbug« nicht allein in Amerika, sondern -auch in anderen Theilen der Erde gedeiht und Blüthen zeitigt. Die -Miss, eine geborene Engländerin und vor einiger Zeit in einem Museum -in Liverpool als »schwerste Dame der Welt« ausgestellt, ist zwar -»wohlbeleibt«, aber dem unbeeinflussten Beschauer konnte es doch nicht -entgehen, dass ihre unbedeckten Arme in einem grellen Contraste zu -ihrer Körperfülle standen und der Gedanke, dass letztere »Kunst«, nicht -»Natur« sein müsse, drängte sich unwillkürlich in den Vordergrund. - -Dieser Idee gab denn auch eines Tages ein pessimistischer Besucher -Ausdruck, indem er der »Aufwärterin« eine der umfangreicheren -landesüblichen Münzen in die Hand gleiten liess, und als -Erkenntlichkeit dafür erfuhr er folgende Details über die schwerste -Dame der Welt: »Bis vor ganz kurzer Zeit sei sie noch Fischhändlerin -gewesen, die das immerhin ansehnliche Gewicht von 220 Pfund zwar gehabt -habe, dass das aber doch für eine »Riesendame« nicht ausreichend -gewesen sei. Da habe sie, die Aufwärterin, es unternommen, eine -»vollwichtige« Riesendame aus ihr zu _fabriciren_ und ihr Gewicht auf -728 Pfund zu erhöhen, ein Kunststück, das ihr auch in etwa einer Woche -gelungen sei.« - -[Illustration] - -Befriedigt über diesen Erfolg, warf der incurable Pessimist noch einen -flüchtigen Blick zu der vom glaubensseligen Publicum umstandenen -»Humbug-Riesendame« empor und berechnete im Stillen, wie viel -überflüssige Schweisstropfen sie wohl täglich unter ihrer künstlichen -Fetthülle vergiessen möge, in die der »Humbug« sie eingezwängt. - -[Illustration] - - - - -Lucy Morris - -die schwarze Riesendame - - -hat das für eine Dame gewiss respectable Gewicht von zur Zeit 605 -Pfund erreicht, doch scheint sie noch nicht »ausgewachsen« zu sein. -Sie besitzt einen ganz colossalen Körperumfang und nimmt das Prädicat -»schwerste aller Negerinnen« dictatorisch für sich in Anspruch. Trotz -ihrer »unmenschlichen« Körperfülle bewegt sie sich sehr leicht und -fährt auch auf einem eigens für sie gebauten »Dreirad« recht gewandt. -Nicht selten tritt sie auch in akademischen »Posen« auf, und ist ihr -Erscheinen dann stets von nicht endenwollenden Lachsalven begleitet. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Clarence Dale - -der Knabe mit dem Riesenkopfe - - -ist eine recht sympathische Abnormität. Er ist ein lieblicher Knabe -von etwa neun Jahren, sein Kopf ist jedoch von so aussergewöhnlicher -Grösse, dass z. B. der Hut des corpulentesten Mannes kaum die -Oberfläche seines Kopfes bedeckt. Er ist geistig sehr geweckt, Virtuose -auf der Mundharmonika und in Amerika allgemein so beliebt, dass er nie -ausser Engagement ist. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Dominique Castagna - -der Mumien-Mensch - - -ist eine jener Abnormitäten, die stets im Vordergrunde des allgemeinen -Interesses stehen werden. Er wurde am 26. April 1869 zu Sologny -(Depart. Saône und Loire) in Frankreich geboren. Waren die normalen -Eltern auch bei seiner Geburt über die unnatürliche Härte seiner Haut -erstaunt, so beruhigten sie sich doch bald, wohlthätige Aenderungen von -der Zeit erhoffend, da sich in der normalen Entwickelung des Kindes -bisher keinerlei ungewöhnliche Störungen gezeigt hatten. Von seiner -Mutter bis zu fünfzehn Monaten genährt, lernte er mit zehn Monaten -gehen und rechtzeitig sprechen, doch hatte er im Alter von vierzehn -Monaten erst vier Zähne. - -Von seinem zweiten Lebensjahre an zeigte sich jedoch eine auffallende -Abmagerung, die bis zum zwölften Jahre progressiv zunahm und dann -stehen blieb, zugleich hörte aber auch die Weiterentwickelung des -Körpers auf, sodass Castagna trotz seiner jetzt achtundzwanzig Jahre -noch immer einem zwölfjährigen Knaben gleicht. Das Längenmaass des -absolut muskellosen Körpers beträgt 1,45 m, sein Gewicht nur 48 Pfund, -und das Knochengerüst ist von der hornartigen Haut straff umspannt, die -die natürliche Farbe hat, sich jedoch auf den Fingern und Zehen wie bei -einst erfrorenen Gliedern dunkler röthet. - -Der Kopf ist verhältnissmässig gross, die Nase sehr spitz, an der -Basis eingedrückt und in der Mitte mit einem Höcker versehen, und da -dieser fleischlose Knorpel, dem auch die Nasenflügel fehlen, gleich -einem Vogelschnabel aus dem regungslosen Gesichte hervorragt und -die grossen, runden, dunkeln, sehr gewölbten Augen, denen die Lider -fehlen, unwandelbar starr um sich schauen, so hat das Gesicht etwas -Eulenartiges. Der Mund ist bewegungslos und stets geöffnet, und da -fast gar keine Lippen vorhanden sind, so macht er mehr den Eindruck -eines grossen Einschnittes, aus dem die unverdeckten unschönen Zähne, -vierzehn oben und fünfzehn unten, hervorragen. - -Die Zunge ist sehr wenig beweglich und scheint durch die zu kurzen -Wurzelbänder gewaltsam nach hinten zurückgehalten zu werden, das -Zäpfchen ist sehr wenig ausgebildet, dagegen die Gaumenwölbung sehr -tief, Missverhältnisse, durch die wohl die hässliche näselnde und -ziemlich undeutliche Sprache bedingt wird, aus der aber trotzdem etwas -Anheimelndes herausklingt, das uns sagt, dass in diesem abstossenden -Aeussern eine sympathische Seele wohne. - -[Illustration] - -Wenn sich auch aus den fleischlosen Wangen und dem runzlichen Kinn hie -und da ein vereinzeltes Härchen hervordrängt, so ist doch von einem -Barte keine Rede, dafür aber ist der Kopf mit einer auffallend reichen -Fülle brauner Haare bedeckt, die in der Mitte durch einen geraden -Scheitel getrennt sind. Die Ohren sind hart und steif und das Gehör -lässt seit einigen Jahren nach, so dass man stets etwas laut sprechen -muss, will man gut verstanden werden, dagegen functioniren die Augen -vorzüglich, und fehlen ihnen auch die schützenden Lider, so erfreut -sich Castagna seiner eigenen Aussage nach doch eines gesunden festen -Schlafes. - -Der hässliche Kopf ruht auf einem fleischlosen Halse, der Oberkörper -ist flächenartig zusammengeschrumpft und nur die Schulterblätter -scheinen das Einzige am ganzen Körper zu sein, das mit dem -Alter desselben im Einklangs steht, dagegen sind es wohl die -verhältnissmässig kleinen Arme, die der Gestalt das Kindliche geben. -Die Oberarme zeigen noch eine ganz kleine Spur von Muskulatur, die -Hände sind warm und vermögen noch einen leichten Druck auszuüben und -ein Gewicht von ca. 20 Kilogramm zu bewältigen. Die Finger aber sind -alle krumm gegeneinander gebogen und dennoch können sie sehr geschickt -mit dem Gewehr, mit Nadel und Zwirn und mit der Schreibfeder umgehen, -da sie gleich den Armen noch leichte Biegungen zulassen. Auch die -Beine, die zwei mit Haut überzogenen Stöcken gleichen, geben in den -Knieen und Hüften noch so viel nach, dass Castagna sich nothdürftig -vorwärts bewegen, und auch ohne allzugrosse Anstrengung sich beugen -und eine Treppe hinaufgehen kann, doch können diese Bewegungen nur -ruckweise ausgeführt werden. Sämmtliche innern Organe, auch das -Nervensystem, functioniren dagegen so, wie bei jedem normalen und -gesunden Menschen, so dass Castagna über keinerlei körperliches -Unbehagen klagen kann. Er ist geschlechtslos, doch neigen sich die -wenigen vorhandenen geschlechtlichen Rudimente mehr dem Femininismus -wie dem Masculinismus zu. - -Von sanftmüthiger und liebenswürdiger Natur, besitzt er einen heiteren -Charakter und ist stets bereit, an ihn in französischer Sprache -gestellte Fragen zu beantworten. Dann wird sein Gesicht, das beim -ersten Anblick etwas zurückstossend Gespensterhaftes hat, sympathisch -und unterhält man sich mit dem Träger desselben, so lässt das rege -Interesse, das man unwillkürlich für seine lebendige Sprechweise und -klare Darstellung fasst, jedes unbehagliche Gefühl zurücktreten. - -Sein erstes Auftreten, welches einen grossartigen Erfolg erzielte, fand -am 20. August 1896 in Marseille statt, und hier stellte er sich auch -vier Monate später dem Publicum im Löwenkäfig der Menagerie Pezon, -von sechs Löwen umgeben, vor. Der École de Médecine in Marseille -vorgestellt, war der dortige Professor Villeneuve in so hohem Grade -von diesem seltenen pathologischen Fall überrascht, dass er mehrere -Vorträge über Castagna in der Klinik hielt und ihm zu einer Reise durch -die Welt rieth, die grosse Erfolge verspreche -- ein Prognostikon, das -sich auch erfüllte. - -Nach einem Besuche der Städte Avignon und Nîmes wandte Castagna -sich nach Montpellier, wo er am 10. November dem Professor Grasset -vorgestellt wurde, der dann vor ca. 500 Studirenden einen Vortrag -über ihn hielt, in dem ganz besonders betont wurde, dass dies ein so -abnormer Fall von »Atrophie« sei, dass man ihn nur schwer classificiren -könne, da allen bisherigen Erfahrungen gegenüber die _geistigen_ -Fähigkeiten unter dem allgemeinen »_Körperschwund_« nicht auch, wie in -ähnlichen Fällen, in Mitleidenschaft gezogen seien. Die medicinische -Facultät Montpellier war es auch, die ihm den Namen »Mumienmensch« -(L'Homme-Momie Vivant) gab, den er heute noch führt. - -Allüberall, wo er ausgestellt wurde, erregte Castagna das Interesse der -medicinischen Capacitäten, und mehrmals sollen solche sich in grossen -Städten Rendez-vous gegeben haben, um den Vorträgen berühmter Collegen -über ihn anzuwohnen. In Paris waren es Professor Raymond, in Berlin -Professor Virchow und in München Professor Ranke, die sich für ihn -interessirten und durch ihre Vorträge die Aufmerksamkeit der Männer der -Wissenschaft nicht nur, sondern auch der ganzen gebildeten Welt auf -Castagna lenkten. - -[Illustration] - - - - -William Campbell - -der schottische Riese - - -war ein Schottländer von Geburt und diente bis zu seinem -achtundzwanzigsten Lebensjahre in der grossbritannischen Armee, musste -dann aber wegen zu grosser Körperfülle den Dienst quittiren und sich -mit einer kleinen Pension begnügen. - -Mit seinem zweiunddreissigsten Lebensjahre producirte er sich dem -britischen Publicum als »Ihrer Majestät grösstes Subject«, und mit dem -fünfundvierzigsten Lebensjahre hatte er das respectable Netto-Gewicht -von zweiundfünfzig Tons (= 680 Pfund deutsches Gewicht) erreicht, -musste sich aber zweier Krücken bedienen, wollte er sich fortbewegen, -trotzdem er kerngesund war. - -[Illustration] - -Da er seiner Unbeholfenheit wegen das Reisen aufgeben musste, so kaufte -er sich ein Gasthaus in der Stadt Newcastle-on-Tyne, erfreute sich -jedoch kaum fünf Monate des »riesigen« Geschäftes, das er darin machte, -denn der Tod befreite ihn bald darauf von seiner Last. Er hinterliess -seiner Wittwe, die ihm stets treu und hülfreich zur Seite gestanden -hatte, ein Vermögen von 28000 Mark. Ob Campbell je von einem andern -Riesen an Gewicht übertroffen wurde, ist nicht festgestellt worden. - -[Illustration] - - - - -Albert Brough und General Thom - -Riese und Zwerg - - -sind geborene Engländer. Mr. Brough, in Nottingham geboren, ist jetzt -einunddreissig Jahre alt und misst sieben Fuss und acht Zoll, ist sehr -proportionirt gebaut und als liebenswürdig unterhaltender Erzähler in -Gesellschaften gern gesehen. Sein kleiner College ist achtundvierzig -Jahre alt, misst zwei Fuss und neun Zoll und wiegt einundfünfzig Pfund. - -[Illustration] - -Die beiden Abnormitäten haben sich associirt und in dieser -Zusammenstellung treten die Contraste in das grellste Licht. Beide sind -in England sehr beliebte Schau-Objecte, und Mr. Brough hat sich auf -seinen Reisen bereits so viel erspart, dass er sich in seiner Heimath -ein hübsches Häuschen kaufen konnte, während Se. Excellenz General Thom -seinen ganzen Verdienst in Wein »anlegt« und dem nächsten Gagentage -schon immer mit grösster Sehnsucht entgegensieht, eine habituelle -Eigenthümlichkeit, die er mit grösster Consequenz cultivirt. - -[Illustration] - - - - -Count Ivan Orloff - -der einzige durchsichtige und verknöcherte Mensch der Welt - - -wurde am 19. August 1865 geboren und entstammt einer hochvornehmen -Familie, die durch schwere Schicksalsschläge ihr gesammtes, grosses -Vermögen verlor und hierauf zuerst nach Deutschland und dann nach -Amerika übersiedelte. Da aber noch Verwandte des Herrn Orloff leben -und hohe Stellungen bekleiden, so müssen aus Rücksicht auf diese hier -sowohl die Nennung seines Geburtsortes, als auch nähere Details über -seine Familien-Verhältnisse unterbleiben. - -[Illustration] - -Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahre war Ivan ein gesunder, kräftiger -Knabe, von diesem Alter ab aber zeigte sich eine immer mehr und mehr -zunehmende Abmagerung, vornehmlich der Beine. Da damit aber auch ein -hochgradiger »Knochenschwund« verbunden war und ärztliche Hülfe sich -diesem seltenen Falle von Atrophie gegenüber als vollständig erfolglos -erwies, so musste Ivan, um sich fortbewegen zu können, zuerst Stöcke -und später Krücken zur Hülfe nehmen, und als sich diese auch nicht mehr -als ausreichend erwiesen, sich eines Fahrstuhles bedienen, in dem er -Nachts auch schläft und die halbe Welt durchreiste und den er nunmehr -seit dreizehn Jahren nicht mehr verlassen hat. - -Infolge dieser steten Bewegungslosigkeit sind aber die Gelenke seiner -Gliedmaassen nicht nur, sondern auch der ganze Körper theilweise -verknöchert, da sich die in den Gelenken befindliche kleberig-ölige -Masse, das sonovial fluid, welches allein die Beweglichkeit ermöglicht, -allmählich verhärtet, somit einen richtigen Verbindungsknochen zwischen -den Gelenk-Kugeln und -Pfannen gebildet hat, der nun die Bewegung der -Gelenke verhindert. - -In diesem Zustande der »Ossification« befindet sich gegenwärtig -der _Oberkörper_ des Herrn Orloff, während in seinen unteren -Extremitäten gerade das Gegentheil der Fall ist. Hier ist nämlich -eine Knochen-_Erweichung_ infolge theilweisen Fehlens der kreide- und -kalkartigen Substanz, die den Knochen ihre Härte und Stärke giebt, -eingetreten. Die Beine sind knorpelig, durchsichtig und gebogen, und -dieser Zustand, durch die Weichheit der Knochen und das Zusammenziehen -der Muskeln erzeugt, nimmt noch stets zu. - -Count Orloff hat ganz Amerika und einen grossen Theil von Europa -durchreist und die berühmtesten Aerzte wegen seiner Krankheit -consultirt, jedoch erfolglos, und vor den Studirenden vieler grossen -medicinischen Facultäten sind Vorträge über diesen abnormen Fall -gehalten worden. Man war jedoch nicht einmal im Stande, die Ursachen -dieser wohl _einzig_ in ihrer Art dastehenden Krankheit zu ergründen, -und soll ein derartiger eclatanter Fall (wohl aber ähnliche) bisher in -den medicinischen Annalen nicht zu verzeichnen gewesen sein. - -Abgesehen von dem körperlichen Zustande, der ihm keinerlei Schmerzen -verursacht, erfreut Herr Orloff sich der besten Gesundheit und ist -Philosoph genug, sein Missgeschick mit Ergebung und grosser Geduld -zu ertragen. Er hat eine sehr gute Schulbildung genossen, auf seinen -Reisen hat er sich verschiedene fremde Sprachen angeeignet, die -er vollständig beherrscht. Er ist jetzt 35 Jahre alt, wiegt etwa -dreiundvierzig engl. Pfund und ist sowohl durch die gesammte Presse, -als auch von den grössten medicinischen Autoritäten anerkannt als der -_einzige durchsichtige und verknöcherte Mensch, der je existirt hat_. - -[Illustration] - - - - -Johann Jacob Toccio - -der einzige lebende Mensch mit zwei Köpfen - - -ist unstreitig die grösste Abnormität, die je gelebt hat und -wahrscheinlich auch gelebt haben wird. Am 4. Oct. 1877 in Locana, einem -kleinen Städtchen in Italien, von ganz armen Eltern geboren -- die -Mutter war erst neunzehn Jahre alt --, erhielt der rechte Theil in der -Taufe den Namen Giovanni, der linke aber den Namen Giacomo. - -[Illustration] - -Bei der Geburt wog das, ein kräftiges Duett schreiende Wundergeschöpf -nur 9 Pfund, jetzt (1899) etwa 130 Pfund. Oberhalb der sechsten Rippe -sind die Körper getrennt, unterhalb derselben vereinigen sie sich, so -dass das Wundergeschöpf oben _zwei_ Personen mit zwei Köpfen, vier -Armen, zwei Brustkasten, zwei Lungen, zwei Herzen etc. repräsentirt, -während der Unterkörper eine _einzelne_ Person mit zwei Beinen, -einem Magen etc. darstellt. Das scharf entwickelte Denkvermögen ist -vollständig separirt. - -Da die inneren Organe sehr kräftig ausgebildet sind, das Geschöpf somit -vollständig lebensfähig war, so entwickelte es sich so günstig, dass -es, nachdem es im Alter von vier Wochen den Professoren der Turiner -medicinischen Facultät, Fabini und Mosse, vorgestellt und von diesen -für das grösste Wunder der Welt erklärt worden war, von seinen Eltern -gegen ein unbedeutendes Eintrittsgeld in einer kleinen Bude ohne -Gefährdung der Gesundheit öffentlich gezeigt werden konnte, so dass -sich dieselben dadurch einen kärglichen Lebensunterhalt erwarben. - -Vor nunmehr ca. acht Jahren wurde dies Naturwunder von dem Director des -Berliner Passage-Panopticums, Herrn Neumann, entdeckt, der, den hohen -Werth desselben erkennend, es sofort für sechs Monate engagirte. Als es -nach vielen Bemühungen endlich repräsentationsfähig geworden war und -den berühmtesten Aerzten Berlins, u. a. auch dem Professor Virchow, -vorgestellt werden konnte und untersucht worden war, da wurde es -endlich auch dem Gesammtpublicum vorgeführt und der Erfolg war ein ganz -colossaler. - -Da erschien aber der New Yorker Museumsbesitzer Prof. E. M. Worth -auf der Bildfläche und engagirte den -- oder die -- Knaben für eine -einjährige Tournée durch die Vereinigten Staaten. Der Manager erhielt -eine _wöchentliche_ Gage von 750 Pfd. Sterl. und den kostenfreien -Verkauf der Photographieen. Davon zahlte er an die Eltern wöchentlich -200 Pfd. Sterl. und bestritt sämmtliche Kosten für sie und die Kinder. -Nach etwa fünfjähriger Ausstellung hatten sie sich ein so bedeutendes -Vermögen erspart, dass sie sammt dem Zwillingspaare in ihre Heimath -zurückkehrten; dort lebt es in einer kleinen hübschen Villa in der -Nähe Venedigs und würde sich um keinen Preis zu einer nochmaligen -öffentlichen Ausstellung entschliessen. - -Es berührt Jedermann ganz eigenartig, wenn man sich die beiden Köpfe -in italienischer, deutscher, französischer oder englischer Sprache -unterhalten hört, als wären es zwei vollständig getrennte Personen -und unwillkürlich blickt man nieder, um den Unterkörper der zweiten -Person zu suchen. Ebenso frappirte es, wenn sich im Kindesalter die -beiden Oberkörper zankten oder gar, was nicht selten vorkam, durch -gegenseitige Püffe ihre Meinungsverschiedenheiten ins Gleichgewicht zu -bringen versuchten. Und doch konnte Niemand zwischen sie treten, um sie -»auseinander zu bringen«. - -Die jetzt etwa zweiundzwanzigjährigen Jünglinge können zwar ohne -Beihülfe aufrecht stehen, müssen jedoch beim Gehen unterstützt werden. -Sie erfreuen sich der besten Gesundheit und können nach Aussagen der -Aerzte ein hohes Alter erreichen. - -[Illustration] - - - - -Jo-Jo - -der Mann mit dem Hunde-Gesicht - - -ist zwar eine grosse Abnormität, jedoch nicht die _einzige_ dieses -Genres. Jo-Jo ist etwa dreissig Jahre alt, von mittlerer Grösse und -kräftig gebaut. Er stammt aus Russland und soll dort vor etwa zwanzig -Jahren im Verein mit seinem Vater in den Sibirischen Urwäldern -»gefunden« sein. Das ist natürlich gerade so, wie auch die »berühmte« -Erzählung über Kra-o, Darwin's fehlendes Glied zwischen Affen und -Menschen, erfunden. Die Professoren Virchow und Bartels haben über -Kra-o und den sog. »wilden Menschen« einen hochinteressanten Artikel in -der »Gartenlaube«, Jahrgang 1888, Heft 28, herausgegeben, aus dem wir -ersehen, dass der abnorme Haarwuchs seinen Grund in einer Hautkrankheit -hat. - -Jo-Jo ist geistig sehr beschränkt, fast Idiot, und hat nicht die -geringste Schulbildung genossen. Vor etwa dreizehn Jahren wurde er von -einem Impresario nach Amerika gebracht und dort in den Museen etc. -als »Mann mit dem Hunde-Gesicht« gezeigt. Der Erfolg war, a conto -der entrirten Reclame, ein ganz horrender, und der Impresario schlug -ein Vermögen aus Jo-Jo, dessen Gage während einiger Jahre bis zu 500 -Dollars (etwa 2200 Mark) pro Woche hochgeschraubt wurde. Da er aber -bereits sowohl in ganz Amerika als auch in ganz Europa und Australien -ausgestellt worden ist, so hat er keine grosse Anziehungskraft mehr -und muss oft die gegen früher sehr geringe Gage von 190-200 Mark per -Woche acceptiren, da sein Impresario, der ein leidenschaftlicher -Hazardspieler ist, nicht einen Dollar erspart hat und auf Jo-Jo's -wöchentlichen Verdienst angewiesen ist. - -[Illustration] - -Seit etwa sechs Jahren befindet sich Jo-Jo wieder in Amerika und wird -es auch wohl nicht nochmals verlassen, da der Humbug mit »wilden -Menschen« etc. in Europa nicht mehr zieht, es somit auch für ihn -unmöglich ist, diesseits des Oceans noch Engagement zu erhalten. - -[Illustration] - - - - -Miss Violet - -das Kameel-Mädchen - - -ist in ganz Amerika bekannt und eine beliebte Attraction, erweckt -jedoch Mitleid beim gesammten Publicum. Sie ist im Jahre 1878 in -New-Orleans, Nord-Amerika, geboren und wird seit etwa zwölf Jahren von -ihren Eltern zum Geld-Erwerb ausgestellt. Miss Violet (das Veilchen) -ist sehr hübsch, zieht sich jedoch von allem intimeren Verkehr zurück. -Wie das Cliché zeigt, bewegt sie sich nur auf Händen und Füssen, da -es ihr unmöglich ist, die Beine gerade zu machen. Die Kniescheiben -befinden sich nämlich auf der Rückseite der Beine und zwar in solcher -Lage, dass sie die Beine wohl »_nach vorne_« zum Körper biegen, sie -jedoch nicht gerade ausstrecken kann. -- - -[Illustration] - -Ein ganz ähnlich verkrüppelter Neger wurde vor einigen Jahren ebenfalls -in Amerika unter dem Namen Jim-Jim, »halb Pferd, halb Mensch« gezeigt. -Er hatte sich auch wirklich die Bewegungen eines Pferdes ziemlich -natürlich angeeignet. Trotz der rohen und abstossenden Art der -Vorführung fand doch die »grosse Masse« des Publicums Gefallen daran -und der Impresario (ein Deutscher Namens Max Zimmermann) erhält ausser -dem freien Verkauf der Photographieen durchschnittlich eine Wochengage -von 125 Dollars. Eine Attraction, wie diese »halb Pferd, halb Mensch«, -würde in Europa polizeilich verboten werden. - -[Illustration] - - - - -Walter H. Drew - -der »Drum«-Major - - -war ein viel grösseres Wunder für die Mediciner wie für das Publicum. -Im Jahre 1866 in Bridgeport (Nord-Amerika) geboren, fehlten ihm die -Hände ganz und statt der Füsse hatte er nur unförmige Klumpen. Ungleich -interessanter für die medicinischen Wissenschaften war jedoch die -Thatsache, dass sein Rückgrat von der rechten Seite zur linken Hüfte -ging und dass die Wirbelsäule des Halses nicht die directe Fortsetzung -des Rückgrates bildete, sondern dass sie seitwärts aus diesem -herausgewachsen war. - -[Illustration] - -Dieses wohl einzig dastehende Vorkommen wurde von allen Aerzten -Amerikas constatirt, und nach dem Ableben Drews im Jahre 1891 wurde der -Leichnam vom Jefferson-College in Philadelphia erworben, das Skelet -präparirt und im Museum des College aufgestellt. - -Durch die abnorme Verschiebung des Rückgrates wurde es unmöglich, dass -Drew jemals gehen oder auch nur aufrecht stehen konnte, er konnte -sich vielmehr während seines ganzen Lebens nur auf der Erde liegend -fortbewegen. Trotz dieser furchtbaren Situation erfreute er sich aber -einer guten Gesundheit und eines recht urwüchsigen Humors, der ihm über -seine körperliche Misère hinaushalf. - -Durch eine besondere Vorrichtung an den Füssen ermöglichte er es, -zwei Trommelstöcke zu halten und sich zu einem Trommel-Virtuosen -herauszubilden (daher auch das Prädicat »Drum«-Major, gleich Trommel- -oder Tambour-Major). Auch schrieb er mit den Füssen und war ein -tüchtiger Zeichner. Für viele Jahre war er gezwungen, sich seinen -Lebensunterhalt durch öffentliche Schaustellung zu erwerben, und waren -auch für ihn die Museen etc. die Rettungs-Anstalten, die ihn vor dem -Armenhause bewahrten. - -[Illustration] - - - - -Miss Bella Carter - -das Mädchen mit der Pferdemähne. - - -Welch fabelhafte Blüthen der Speculationsgeist der Amerikaner zu -treiben vermag, beweist das »Mädchen mit der Pferdemähne«. - -Bella Carter, ein recht hübsches Mädchen von etwa 22 bis 23 Jahren, -ist in Port Huron, Michigan (Amerika) geboren, wo sie bis zum Jahre -1889 »unentdeckt« bei ihrer Mutter lebte. Da hörte ein »findiger« -Impresario von ihr und -- dass sie ein behaartes _Muttermal_ von -ausserordentlicher Grösse auf dem Rücken habe. (Muttermale sind fast -ohne Ausnahme bald mehr, bald weniger behaart. Im Volksmunde werden -sie nicht selten »Mäuse« genannt und ihre Entstehung dem »Versehen« -an einer Maus zugeschrieben, über die sich die Mutter während der -Schwangerschaft mit dem Kinde erschreckt habe. Während aber die -Behaarung dieser Mäuse meistens plüschartig und weich ist, sind die -Haare auf Bella Carter's Muttermal drahtartig-hart und ca. 12-14 Zoll -lang.) - -Sofort stattete der Impresario Mutter und Tochter eine -Recognoscirungs-Visite ab und nachdem er das Muttermal mit der -allerdings ungewöhnlich üppigen Behaarung gesehen hatte, machte -er Beiden den Vorschlag, Miss Bella gegen ein wöchentliches Fixum -öffentlich zeigen zu wollen, ein Vorschlag, der von Mutter und Tochter -sofort acceptirt wurde, da sie in nur ärmlichen Verhältnissen lebten. - -Das »Mädchen mit der Pferdemähne« war entdeckt, und war die -Uebertreibung auch eine geradezu »phänomenale«, so war der Erfolg doch -ein so guter, dass Miss Bella heute noch für eine bewährte Zug-Nummer -gilt, die in Amerika überall gerne engagirt wird. - -[Illustration] - -Auch nach Europa wurde das »Mädchen mit der Pferdemähne« überführt, -da aber ihre Ausstellung im Berliner Passage-Panopticum _absolut -erfolglos_ war, so stand der Impresario von jeder weiteren Ausstellung -ab und kehrte mit seinem »star« nach Amerika zurück. (Das Cliché zeigt -Miss Carter während der Vorführung.) - -[Illustration] - - - - -Der Hindu »Laloo« - - -ist eines der grössten Phänomen, die jemals existirt haben. Aus seiner -Brust ist nämlich der vollständig entwickelte Körper eines Mädchens, -dem jedoch der Kopf fehlt, herausgewachsen und von sämmtlichen Aerzten, -die Untersuchungen anstellten, wird behauptet, dass der Kopf sich _in -der Brust_ Laloo's befinde. Er wurde 1882 zur indischen Ausstellung -nach London gebracht und nach Beendigung derselben in sämmtlichen -Universitäten, Museen etc. Gross-Britanniens mit ganz colossalem Erfolg -ausgestellt. - -[Illustration] - -Nach dieser neunjährigen Tournée wurde Laloo von der Direction des -Berliner Passage-Panopticums für einen Monat engagirt, das Engagement -wurde jedoch des colossalen Erfolges wegen um weitere fünf Monate -verlängert und wäre noch weiter verlängert worden, hätte der -Impresario bereits früher eingegangene Verpflichtungen in Amerika noch -länger verschieben können. - -In Berlin erhielt der Impresario eine _Monats_-Gage von 2000 Mark, -vom Prof. E. M. Worth, dem Besitzer des Palace-Museums in New York -(des grössten und elegantesten Panopticums und Variété-Theaters der -Welt) bezog derselbe jedoch während sechs Monate ab 1. October 1891 -eine _Wochen_-Gage von 700 Dollars (etwa 2950 Mark) ausser dem Verkauf -der Photos und Biographieen, der ihm auch noch einen wöchentlichen -Reingewinn -- nach seiner eigenen Aussage -- von etwa 125 Dollars -eintrug. - -[Illustration] - -Laloo ist in ganz Amerika gezeigt worden, denn das Phänomen war auch -längere Zeit für Barnum & Bailey's »Greatest Show on Earth« engagirt. -Laloo ist jetzt etwa 27 Jahre alt, sehr intelligent, spricht mehrere -Sprachen und ist ein »bildhübscher« Mann, der sich viel in guter -Gesellschaft bewegt und überall gern gelitten ist. - -Seit 1894 ist er mit einer sehr hübschen und gebildeten jungen -Deutschen aus Philadelphia verheirathet. Das Ehepaar soll sehr -glücklich leben und Laloo seine Gattin mit Diamanten und sonstigen -werthvollen Geschenken förmlich überschütten. Trotz seines grossen -Reichthums tritt er noch immer öffentlich auf und seine junge Frau -begleitet ihn auf allen seinen Reisen. - -[Illustration] - - - - -Monroe - -der verknöcherte Afrikaner - - -ist ein unlösbares medicinisches Räthsel und zugleich eine Abnormität, -die Jeder mit Wehmuth betrachtet. - -Jetzt etwa vierundfünfzig Jahre alt, war er bis zu seinem -zweiunddreissigsten Lebensjahre ein gesunder, kräftiger Mann von -gebräunter Hautfarbe, glücklicher Ehegatte und Vater von drei Kindern, -und functionirte als Schaffner an der New York Central-Railway. - -Im Jahre 1875 wurde er Nachts von einem Frachtenzuge hinabgeworfen, -und da das Unglück von Niemandem bemerkt worden war, blieb er schwer -verwundet im Schnee liegen. Als er vermisst und aufgesucht wurde, da -fand man den völlig erstarrten Körper endlich und den Bemühungen der -Aerzte gelang es, ihn nicht nur wieder ins Leben zurückzurufen, sondern -es ihm auch zu erhalten. - -Infolge des Sturzes und der furchtbaren Erkältung traten jedoch nicht -nur Gelenk-Entzündungen, sondern gleichzeitig auch Rheumatismus -bei Monroe auf, die eine sich über den ganzen Körper verbreitende -Ossification (Verknöcherung) zur Folge hatten. Sechs Jahre konnte der -Unglückliche sein Bett nicht verlassen und seit dieser Zeit ist er -nur noch ein lebendes unbewegliches Skelet, das, als wäre es aus Holz -gearbeitet, aufgehoben, umhergetragen und wieder niedergelegt werden -muss; doch empfindet er nicht die geringsten Schmerzen, ist stets -heiter und zum Scherzen aufgelegt und giebt bei seinen Vorführungen -selbst den Vortrag über sich. Trotzdem er reichliche substantielle -Nahrung zu sich nimmt und auch gut schläft, wiegt er doch nur -zweiundsechzig Pfund. - -[Illustration] - -Seit etwa elf Jahren wurde Monroe in Museen etc. gezeigt, da er -jedoch stets hohe Gagen bezog, so hat er sich nicht nur eine hübsche -Besitzung unweit Buffalo (Amerika), sondern auch ein kleines -Baar-Vermögen erworben, das ihm gestattet, sich aus der Oeffentlichkeit -zurückzuziehen und als glücklicher Gatte und Vater im Kreise seiner -Familie leben zu können. - -[Illustration] - - - - -Ada Russel - -die Albino-Dame - - -ist keine bedeutende Attraction, da es namentlich in Amerika sehr viele -Albinos giebt. Beide Eltern sowie ihre sechs Geschwister haben brünette -Hautfarbe und schwarze Haare und Augen, sie dagegen hat schneeweisse -Haare, eine weisse, durchsichtige Haut wie Alabaster und rosarothe -Augen. - -[Illustration] - -Miss Ada hat eine sehr sorgfältige Erziehung genossen und ist eine -recht gute Sängerin. Seit mehreren Jahren tritt sie in Museen etc. auf -und schafft sich auf diese Weise eine sorgenlose Existenz. Sie ist 1873 -in Michigan (Amerika) geboren, wo ihr Vater noch jetzt Schullehrer ist. - -[Illustration] - - - - -W. Le Roy - -der Nagelkönig - - -ist _keine_ Abnormität im eigentlichsten Sinne, unter den -»Zahn-Athleten« aber ist er unbestritten eine solche, denn er hat ein -Gebiss, wie aus bestem Stahl gefertigt. Er nimmt z. B. zwei bis drei -Zoll lange Nägel zwischen die Zähne und stösst sie mit diesen durch -aufeinanderliegende ein bis zwei Zoll dicke Bretter, die er auf diese -etwas ungewöhnliche Weise zusammennagelt; die Nägel zieht er aber -auch unter den verschiedensten Stellungen des Körpers wieder mit den -Zähnen, die ihm dabei als Zange dienen, heraus. Sein Haupt-Tric aber -ist folgender: Er schlägt mit einem Hammer eine etwa zwei Zoll lange, -dicke Holzschraube durch ein einzölliges Brett, befestigt dieses dann -in einem für diesen Zweck eingerichtetes Gestell, und, den Körper -rückwärts überbiegend -- siehe das Cliché -- zieht er die Schraube -mit den Zähnen wieder aus dem Brett heraus. Es ist dies eine geradezu -phänomenale Kraftleistung, und offerirt Le Roy demjenigen 500 Dollar, -der die Schraube mit einer Zange herauszieht, was bisher jedoch noch -Niemandem gelungen ist. - -[Illustration] - -[Illustration] - -Er ist in Cincinnati (Ohio) geboren, jetzt etwa siebenundzwanzig Jahre -alt und eine grosse, äusserst kräftige Gestalt. Seine seltsame Kunst -producirt er in Museen und auf Specialitäten-Bühnen und bezieht stets -bedeutende Gagen. - -[Illustration] - - - - -Rham-a-Sama - -der »wilde« Mensch - - -ist in Bolton bei Liverpool in England geboren, jetzt etwa 38 Jahre -alt und ursprünglich gelernter Tischler. Als solcher arbeitete er -bis zu seinem neunzehnten Lebensjahre, erregte aber wegen seines -colossalen Haarwuchses so allgemeines Aufsehen, dass er vom Director -W. Mercer, Besitzer des Palace-Museums in Liverpool, engagirt und als -»Haarmensch« gezeigt wurde. Als solcher reiste er dann auch während -mehrerer Jahre in Grossbritannien umher, wurde jedoch 1894 von dem -findigen Menageriebesitzer Frank Bostock für fünf Jahre engagirt -und mit dessen Menagerie nach Amerika genommen. Nachdem er sich die -höchste Potenz des »Brüllens« und Umherrasens angeeignet hatte und -zweckentsprechend herausgeputzt war, wurde er in einen _eisernen_ Käfig -gesteckt und als das fehlende Verbindungsglied zwischen dem Affen- und -Menschengeschlecht (nach Darwin) gezeigt. - -[Illustration] - -Der Humbug zog jedoch in Amerika nicht mehr, denn der Haarmensch -Kra-o hatte das Geschäft als bisher fehlendes Glied zwischen Affen -und Menschen dort zu sehr ausgebeutet und infolge weiten Gewissens -sandte Frank Bostock den »wilden« Menschen wieder nach England zurück. -Derselbe wurde dann nach Hamburg engagirt, ging später für zwei Jahre -mit einem französischen Impresario auf Tournée und kehrte kürzlich -bettelarm in seinen Heimathsort zurück. - -Rham-a-Sama ist verheirathet und Vater dreier Kinder, hat aber trotz -seines oft recht bedeutenden Einkommens nicht im geringsten für seine -eigene Zukunft, noch viel weniger für den Unterhalt seiner Familie -gesorgt und ist nun als ein recht verkommenes Subject auch sonst eine -Abnormität. - -[Illustration] - - - - -Frank Home und George Moore - -die urkomischen Boxer. - - -Die Komik dieser beiden jungen Männer, deren Körperformen die -schroffsten Gegensätze bilden, ist bei ihren »Boxer-Productionen« eine -zwerchfellerschütternde. - -Frank Home, der Sohn eines Zimmermanns, ist aus Ohio, etwa -vierundzwanzig Jahre alt, fünf Fuss und zwei Zoll hoch, aber 412 -Pfund schwer und George Moore, eines Uhrmachers Sohn, ist aus Helena -(Nord-Amerika), etwa zweiundzwanzig Jahre alt, sechs Fuss und einen -Zoll hoch, aber nur 84 Pfund schwer. - -Dieser Gegensätze wegen reisten Beide jahrelang zusammen und zeigten -sich in Museen, bei Circus-Gesellschaften etc. Da Beiden von den -Aerzten viel Bewegung empfohlen worden war, so kamen sie endlich auf -den Gedanken, sich im »Boxen« zu üben und führten ihn auch aus, indem -sie in ihrer freien Zeit in ihrem Zimmer die einschlägigen Exercitien -vornahmen. - -Von diesen hörte zufällig der Manager vom Ringling Bros. Circus, bei -dem sie engagirt waren, und eines Tages wohnte er, um sich einen Spass -zu machen, diesen Exercitien bei, aber schon nach dem dritten Gange -offerirte er den Beiden einen Gagenzuschuss von fünfundzwanzig Dollars -per Woche, wenn sie sich auch in den Vorstellungen vor dem Publicum -boxen würden -- sie waren bisher nur passive Schaunummern gewesen. - -[Illustration] - -Der »Lange« wie der »Kurze« gingen mit Freuden auf dieses Anerbieten -ein und schon der erste »match« erregte bei dem Publicum einen solchen -Sturm der Heiterkeit, dass sie fortan die erste Attraction des Circus -waren. Darüber sind jetzt etwa fünf Jahre vergangen und in dieser -Zeit haben sich die beiden jungen Männer ein ansehnliches Vermögen -zusammen»geklopft«. - -[Illustration] - - - - -Die gefleckten Mädchen - -(the spotted Girls) - - -sind in Süd-Carolina, Nord-Amerika, von ganz armen Neger-Eltern geboren -und blieben jahrelang unter der Bevölkerung unbeachtet. - -Als vor etwa elf Jahren der Circus des »Pawne Bill« (Lilian Gordon) -auch Carolina bereiste, da hörte der Akrobat Harry Mack zufällig von -den »scheckigen Mädchen« und als er dieselben gesehen und erkannt -hatte, dass sich mit den Kindern »Geld machen« liess, da machte er mit -den Eltern derselben Contract auf zehn Jahre und sie erhielten nur eine -wöchentliche Entschädigung von -- so sagt man -- fünf Dollar, da sie -froh waren, den Erziehungssorgen der Kinder überhoben zu sein. - -[Illustration] - -Mr. Mack hatte richtig speculirt, denn er hat während der zehn Jahre -an Gagen ein Vermögen erhalten, da er die Kinder stets gegen grosses -Honorar in den bedeutendsten Museen etc. ausstellte. Während dieser -Zeit hatte er die Mädchen zu Akrobatinnen und Tänzerinnen ausgebildet -und sind besonders die beiden ältesten Schwestern, Maggi und Rosa, -bedeutend in diesen Fächern. - -Auch nach Europa brachte Mr. Mack die Mädchen und waren dieselben -während des Winters 1895/96 in Castan's Panopticum in Berlin für eine -Monatsgage von 4000 Mark engagirt, doch war die Anziehungskraft der -»Cannibalen« eine nur ganz unbedeutende, so dass eine Prolongation des -Contractes nicht erfolgte. Auf der Tournée in Deutschland verliebte -sich ein junger Deutscher in die älteste Schwester und am 23. October -1896 fand die Hochzeit in London statt. - -Da sie überaus gleichmässig, fast symmetrisch gefleckt sind, so -sind sie eine bedeutende Attraction, während andere gefleckte Neger -beiderlei Geschlechter, deren es eine ziemliche Anzahl giebt, meistens -recht abstossend aussehen. - -[Illustration] - - - - -George Williams - -der Schildkröten-Knabe - - -(the Turtle-Boy) ist nicht nur eine der bekanntesten Abnormitäten, -sondern auch die entschieden beliebteste in ganz Amerika. - -»George« ist am 17. August 1871 in Arkansas geboren. Seine -Eltern, tiefschwarze Neger, waren früher Sklaven, die sich ihren -Lebensunterhalt auch später noch durch schwere Arbeiten recht -kümmerlich erwerben mussten. - -Er ist, wie das Cliché zeigt, ein Zwerg, jedoch so verkrüppelt, dass er -von Kindheit an weder stehen, noch gehen, sondern sich nur kriechend, -allerdings mit unglaublicher Schnelligkeit und Gewandtheit, vorwärts -bewegen konnte. Trotzdem erfreut er sich der besten Gesundheit und -eines wahrhaft übersprudelnden kaustischen Humors, dem er auch als -incarnirter Politiker ungenirt die Zügel schiessen lässt; werden -staatliche Institutionen discutirt -- dann schont er den Präsidenten -der Vereinigten Staaten ebensowenig, wie den untergeordnetsten -Communalbeamten mit seinen satyrischen Witzeleien. - -Wo »Turtle-George« auch auftritt, überall ist er der Cassen-Magnet und -sein Podium stets von Besuchern umdrängt, und ist er auch jedem Kinde -bekannt, so lässt seine Anziehungskraft doch nicht nach -- ausser -Engagement ist er nie. -- Er ist sehr musikalisch, singt gut und ist -Virtuose auf der Mundharmonika. - -[Illustration] - -Im Jahre 1895 hat er sich mit einem netten »weissen« Mädchen in -New-York verheirathet und soll recht glücklich mit der jungen Gattin -leben. - -[Illustration] - - - - -Madame Taylor - -die »Bart-Dame« - - -die den Vorzug hat, die Einzige mit grauem Barte zu sein, ist im Jahre -1832 in Lincoln in Nord-Amerika als Tochter kleiner Bürgersleute -geboren. Da sich schon in ihrer frühesten Jugend die Spuren eines -Bartes bei ihr zeigten, so barbierte sie sich selbst heimlich, um -Niemanden in ihr »Geheimniss« einweihen zu müssen, als sie aber in -ihrem achtundzwanzigsten Lebensjahre beide Eltern verlor und ganz -mittellos war, da entschloss sie sich, ihren Bart wachsen und sich als -»Bartdame« sehen zu lassen. Sie trat im Jahre 1862 zum ersten Male -öffentlich auf, und da in jener Zeit nur wenig Abnormitäten bekannt -waren, so hatte sie colossalen Erfolg. - -[Illustration] - -In ihrem zweiunddreissigsten Lebensjahre verheirathete sie sich und -zog sich für einige Jahre als Schau-Object aus der Oeffentlichkeit -zurück, war jedoch durch Umstände gezwungen, nochmals eine Tournée -zu unternehmen, von der sie sich erst 1892 wieder ins Privatleben -zurückzog, und da sie sich genügende Mittel erspart hat, so kann sie -bis an ihr Lebensende sorglos leben. - -[Illustration] - - - - -Das Bärenweib - - -hat seit 1895 ausserordentliches Aufsehen erregt und war für nahezu -zwei Jahre auch die Haupt-Attraction in Castan's Panopticum zu Berlin. - -[Illustration] - -Dass diese Frau mit einem Bären nichts gemein hat (ausgenommen das -schöne Bärenfell, das sie über dem Tricot-Anzuge trägt), ist wohl -ebenso begreiflich, wie es unbegreiflich ist, dass das Publicum -sich einen so colossalen »Bären aufbinden« liess, indem es einen -bei Lichte betrachtet ziemlich plump inscenirten Mummenschanz für -unverfälschte Natur nahm und anstaunte. Wenn dieses Wesen nach -Professor Virchow's Angabe auch eine ganz seltene Abnormität ist, -so ist der Titel »Bärenweib« doch durchaus ungerechtfertigt. Die -Abnormität besteht nämlich darin, dass sich die Ellenbogen ganz dicht -bei den Handgelenken und die Knie ganz dicht bei den Knöcheln befinden. -Dadurch ist allerdings eine ganz entfernte Aehnlichkeit mit einem Bären -hervorgebracht, aber nur, so lange das »Bärenweib« sich auf Händen -und Füssen fortbewegt, also nur während der Vorführung; ist diese -aber beendet, so geht es gerade so gut aufrecht, wie jeder andere -_gewöhnliche_ Sterbliche. - -Wo die Frau geboren ist, ist unbekannt. Seit etwa 1880 ist sie mit -ihrer Mutter, die ebenso missgestaltet ist wie die Tochter, zusammen -in ganz Amerika ausgestellt worden, und Beide waren stets gesuchte -Schau-Objecte. - -Trotz seiner wahrhaft abschreckenden Hässlichkeit hat das Bärenweib -doch einen recht netten Ehemann, einen nordamerikanischen Mulatten -Namens Howard Vanse, gefunden und im October 1896 einem hübschen Knaben -das Leben geschenkt, der jedoch im August 1897 wieder starb. - -Die bereits bejahrte Mutter des Bärenweibes reist jetzt als die -einzige ihres Genres immer noch in Amerika, da aber ihre »Blüthenzeit« -vorüber ist, so bezieht sie nur ganz geringe Gagen, während Mr. Howard -Vanse als Ehegatte und Impresario mit seiner Frau den »intelligenten« -Europäern auch ferner noch einen Bären resp. eine »Bärin aufbindet«. - -[Illustration] - - - - -Mr. Rannie - -der Mann mit der eisernen Haut - - -ist ein echter Singhalese aus Ceylon, der wegen seiner -Unempfindlichkeit obiges Epitheton mit Recht verdient. Er wurde am -3. Juli 1866 auf Ceylon geboren und war als 17. Kind erst der 4. Junge. -Mit dem deutschen Circus Anna Willison kam er im Alter von 10 Jahren -nach Europa und ist seitdem in den meisten Grossstädten, theils im -Variété, theils im Panopticum, ebenso auch vor dem König Albert von -Sachsen und vielen anderen Fürstlichkeiten aufgetreten. - -Rannie tritt in einem farbenbunten, orientalischen Costüm auf, das -die Beine von den Knieen abwärts und die Arme freilässt; seine -Unempfindlichkeit zeigt er nun auf mannigfache Weise. Zunächst besteigt -er -- die Augen verbunden und auf dem Kopfe eine Lampe balancirend -- -eine Doppelleiter, deren Sprossen auf der einen Seite aus ziemlich -scharf geschliffenen Säbeln, auf der anderen aus breiten Messerklingen -hergestellt sind. Langsam steigt er über die schmalen Sprossen hinauf -und herunter, indem er vorsichtig die nackte Sohle der Länge nach auf -die Sprossen mehr schiebt als setzt. Dann kommt eine Production auf -einem grossen, dicht mit starken Nägeln bespickten Brette; er stützt -sich, das Kreuz hohl gemacht, mit Händen und Füssen auf das spitzige -Lager, lässt ein Brett auf sich legen und dieses mit vier Männern -belasten. Dann springt er von einem Tische durch einen Reifen, an -dessen innerer Peripherie kurze Säbelklingen angebracht sind, auf -das mit Nägeln beschlagene Brett. Hierauf wird eine grosse Trommel, -die innen dicht mit Nägeln besetzt ist, herbeigerollt, Rannie kauert -sich hinein und lässt sich einige Male in der Trommel umherrollen. -Den Schluss bildet eine Production, während welcher Rannie auf -einer mit Nägeln besteckten Walze steht und diese mit den Füssen ins -Rollen bringt, wobei er wieder eine Lampe auf dem Kopfe balancirt. -Auf Verlangen biegt er auch mit Kopf oder Zähnen dicke eiserne -Stangen, lässt einen 20 Zoll dicken viereckigen Stein mit wuchtigen -Hammerschlägen auf seinem Kopf zertrümmern, oder schlägt mit der -blossen Hand einen grossen Nagel durch ein mehrere Zoll dickes Brett, -so dass derselbe auf der anderen Seite sichtbar wird. - -[Illustration] - -Rannie wurde erst vor wenigen Jahren von bekannten Wiener Aerzten, -die seinen Productionen beigewohnt, untersucht, so vom Director des -allgemeinen Krankenhauses Hofrath von Böhm, von den Professoren -Benedikt, von Mosetig, R. von Hofmann, den Docenten Habrda und -Lihotzky, den Herren Dr. Spiegler, Dr. Allina, Dr. Glas, Dr. Bäder -u. s. w. Die Professoren Benedikt und von Mosetig sprachen sich gegen -die Annahme der Unverwundbarkeit der Haut, welcher eine anatomische -Abnormität zu Grunde liegen müsste, aus, gaben aber selbst zu, dass -der Singhalese sich eine ganz ausserordentliche Fähigkeit im Ertragen -von Schmerzen angeeignet habe, welche durch Behandlung der Haut, lange -Uebung und vielleicht auch durch die Raceneigenthümlichkeit begünstigt -werde. Prof. Benedikt in Wien hat an Rannie sehr eingehende Versuche -mit dem Moskowski'schen Anästhesir-Meter angestellt, der Singhalese -zeigte jedoch selbst auf der Stirne, an den Schläfen, ja sogar auf -der Zunge eine absolute Unempfindlichkeit gegen die Stiche des feinen -Instruments. - -Wenn es nun auch bekannt ist, dass gewisse Völker und unter ihnen -wieder einzelne Individuen eine wesentlich geminderte Schmerzempfindung -haben, so bleibt doch die Unverletzlichkeit Rannie's, selbst wenn wir -mit Prof. v. Mosetig und Benedikt von einer anatomischen Abnormität -abstrahiren, ein hochinteressantes Beispiel von Anästhesie, erzielt -durch eine ganz ausserordentliche Uebung und Willensstärke. - -[Illustration] - - - - -Frl. Lara - -eine Colossal-Dame - - -ist in Graudenz (Westpreussen) geboren, befindet sich aber seit dem -achten Lebensjahre mit ihren Eltern in Amerika. Bis zum 19. Jahre war -sie nicht aussergewöhnlich corpulent, nahm aber von der Zeit an schnell -an Leibesfülle zu und wiegt jetzt, im Alter von 30 Jahren, 412 Pfund. -Sie ist seit Jahren verheirathet (gilt aber auf den Affichen und für -das grosse Publicum noch als Fräulein) und hat zwei reizende Kinder. -Auch diese Abnormität erwirbt den Lebensunterhalt für sich und ihre -Familie, indem sie sich in Museen etc. zur Schau stellt und bewundern -lässt. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -J. Hanson - -alias »Sir« Marcus Goodwilly - - -43 Jahre alt, 6 Fuss 5 Zoll (engl. Mass) hoch, wiegt 907 Pfund, und ist -somit wohl die schwerste Person dieser Sammlung. Er ist Nordamerikaner, -wurde geboren in Ja. Raiser, Ky. und lebt jetzt in Danville, Ind. Bei -der Geburt wog er 11 Pfund, 11 Monate alt 77 Pfund, und 2 Jahre alt 206 -Pfund. Zu jener Zeit bezog er Einnahmen von 1000 Dollar pro Jahr in der -Baby-Ausstellung in New-York City im Jahre 1858. Sein Gewicht nahm mit -dem fortschreitenden Alter ganz ausserordentlich zu, so wog er 5 Jahre -alt 302 Pfund, 13 Jahre alt 405 Pfund, 21 Jahre alt 601 Pfund und mit -25 Jahren 725 Pfund. Er braucht 41 Yards Tuch zu einem passenden Anzug -und 2½ Pfund Wolle zu einem Paar Socken. Die Eltern waren nicht abnorm, -so wog der Vater nur 115 und die Mutter 122 Pfund. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Mary, - -die lebende Puppe - - -ist gewiss eine kommende »Berühmtheit«. Dieses Kind ist in Hull am -16. April 1895 geboren, war bei der Geburt nur 7 Zoll lang und wog -nicht ganz 1 Pfund. Es musste in Watte gewickelt und durch heisse -Wasserflaschen warm gehalten werden. Drei Monate lang erhielt es -nichts als Zuckerwasser, dann verdünnte Milch, und erst mit 2 Jahren -bekam es etwas Fleischbrühe etc. Zur Zeit ist es 4½ Jahre alt, 17 Zoll -hoch und wiegt nicht ganz 5 Pfund. Die kleine Mary ist recht gesund, -sehr lebhaft und heiter, läuft und spielt wie normale Kinder gleichen -Alters, und ist natürlich der Liebling aller Damen. Auch dieses Kind -»arbeitet« schon für seinen und der Eltern Lebensunterhalt, denn es -wird für Geld gezeigt und macht überall grosse Sensation. Jedenfalls -trägt Mary ihre Bezeichnung »die lebende Puppe« mit vollem Rechte. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Radica & Doodica - -»The Orissa Twin Sisters« - - -wurden 1888 in Orissa (Indien) geboren und im Jahre 1892 vom Manager -Capt. Colman nach Europa gebracht; sie konnten sich anfänglich nicht -recht an das Klima gewöhnen und erkrankten im Herbst 1892, so dass sie -längere Zeit in einem Pariser Hospital lagen und erst im Frühjahr 1893 -die begonnene Tournée fortsetzen konnten. - -[Illustration] - -Radica & Doodica zeigen dieselbe parallele Verdoppelung, wie die -siamesischen Zwillinge, welche in den sechsziger Jahren den Kontinent -bereisten und überall das lebhafteste Interesse der medicinischen -Kreise sowohl wie des Laienpublicums hervorriefen, so dass man alle -zusammengewachsenen Menschen jetzt kurzweg »siamesische Zwillinge« -nennt und dieser Ausdruck zum Sammelbegriff geworden ist. - -Das Bild lässt erkennen, dass Radica & Doodica -- übrigens sonst -gut entwickelte und körperlich gesunde Mädchen -- durch eine -Verwachsung der vorderen Rumpftheile mit einander verbunden sind. Das -Ligament, welches sie verbindet, entspringt aus der unteren Spitze -des Brustbeins. Die Blutgefässe communiciren nicht mit einander, -Herzschlag, Pulsschlag und Athembewegung sind isolirt. Trotzdem ist -die Verbindung sehr beweglich, denn gewisse, dem einen Kind gegebene -Arzneien äussern auch bei dem andern ihre Wirkung, wenn auch in -beschränkter Art, und das Nahrungsbedürfniss des einen Kindes soll -durch die Ernährung des andern befriedigt werden. Diese grosse -Beweglichkeit beweist, dass die Verwachsung nur die Schwertfortsätze -und einige Rippenknorpel, sowie die Oberbauchgegend und gewisse -Abschnitte des Magendarmkanals betreffen kann, also verhältnissmässig -biegsame oder völlig weiche Theile. Damit sind ausser der Beweglichkeit -die auf die Wirkungen der Arznei und die Befriedigung des -Nahrungsbedürfnisses bezüglichen Punkte erklärt. - -Während bei den gleichfalls zusammengewachsenen Mädchen Rosa & -Josepha Blaczek (geb. 20. Januar 1878 in Skreychow in Böhmen) die -eigenthümliche Erscheinung zu Tage tritt, dass während die eine -schläft, die andere 3 bis 4 Stunden wacht und darauf die Rollen -vertauscht werden, ist dieser Zwang bei Radica & Doodica nicht -vorhanden, beide können gleichzeitig schlafen, das eine Mädchen liegt -dabei auf dem Rücken, das andere auf der Seite. Die Intelligenz ist bei -beiden normal. - -Obwohl nun edle und wichtige Theile nicht zusammengewachsen sind, so -haben doch alle medicinischen Autoritäten einer Operation widerrathen, -und so werden die hübschen Kinder wohl ihr Lebenlang zusammenbleiben, -freilich nicht zu ihrem pekuniären Nachtheil, denn sie werden -ordentlich gehalten von ihrem Impresario, lernen durch ihre Tournée -die Welt kennen, werden anständig gekleidet, essen und trinken gut -und verdienen reichlich, was alles ihnen, als zwei getrennt lebenden -indischen Mädchen, für die das grosse Publicum keinerlei Interesse -hätte, nicht möglich wäre. Zur Zeit sind sie in Frankreich und machen -dort überall berechtigtes Aufsehen. - -[Illustration] - - - - -Unzie, - -der australische Albino. - - -Die Albinos, auch Kakerlaken oder lichtscheue Menschen genannt, gehören -als Schau-Objecte keineswegs zu den Seltenheiten, da sie bei allen -Menschen-Rassen vorkommen. In den vierziger und fünfziger Jahren -namentlich -- jetzt sind sie ja mehr vom Schauplatze verschwunden --- sah man deren beiderlei Geschlechtes oft vier bis sechs zusammen -ausgestellt, und ihre Lieder, mit denen sie das Publicum in der Regel -regalirten, waren meistens der Art, »dass sie Steine erweichen und -Menschen rasend machen konnten«. (Im Gegensatze zu diesen gesanglichen -Ungeheuerlichkeiten lebten noch 1867 in Augsburg zwei dort geborene -Albinobrüder, die noch als bejahrte Männer als Gesangs-Duettisten -auftraten und beim Publicum sehr beliebt waren. In ihren jungen Jahren -waren auch sie öffentlich gezeigt worden.) Sie wurden dem Publicum -damals als eine eigene Menschen-Rasse -- »Nachtmenschen« genannt -- -vorgeführt, die vornehmlich auf der Landenge von Panama vorkomme und -dort in Löchern tief unter der Erde lebe. Nachtmenschen nenne man sie -aber, weil sie bei Tage überhaupt nicht, sondern nur Nachts sehen, -somit auch all ihre Beschäftigungen nur Nachts verrichten könnten. - -[Illustration] - -Der Albinismus beruht auf dem gänzlichen Fehlen des Farbstoffes in der -unteren Schicht der Epidermis oder Oberhaut des Körpers, durch den -diese ihre Färbung erhält. Da aber der Mangel dieses Farbstoffes sich -auf den ganzen Körper erstreckt, so hat die Haut nicht nur die glasige -farblose Durchsichtigkeit, sondern auch die Haare und Augen haben das -anormale Aussehen. - -Am häufigsten kommt der Albinismus bei den Negern und Indianern vor, -könnte man aber auch nur die in Deutschland geborenen und jetzt noch -in den verschiedensten Lebensverhältnissen stehenden bei einander -haben, so würde diese stattliche Karawane Repräsentanten beiderlei -Geschlechtes vom schulpflichtigen Alter an bis zum Greisen-Alter -umfassen. - -Unzie, der australische Albino, wurde 1869 in Tarrabandra in -Neu-Süd-Wales geboren. Seine Eltern gehören den Ureinwohnern an, die -dunkelfarbiger wie die Indianer Amerikas sind. Bei seiner Geburt hatte -Unzie schneeweisse Haare und eine Haut wie Alabaster, und das Entsetzen -über dieses aussergewöhnliche Vorkommniss war bei dem abergläubischen -Volke so gross, dass Manche mit Entsetzen flohen, Andere sich dagegen -um die Mutter und ihn sammelten, da sie ihn für ein ganz besonderes -Geschenk des Himmels hielten. Trotzdem war sein Leben in Gefahr und -würde es noch weit mehr gewesen sein, wenn sein Vater nicht ein -Häuptling gewesen wäre, dessen Familie unter dem Schutze des Königs der -Mingery-Neger stand. Nachdem die erste Aufregung sich gelegt hatte, -bildete das Wunderkind zehn Jahre lang den Gegenstand der Anbetung für -die Menge, dann aber wurde er durch einen Engländer nach der Stadt -Melbourne entführt, der ihn wie sein eigenes Kind aufzog und ihn für -sein jetziges Leben vorbereitete. - -Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftreten im Jahre 1886 wurde -ihm von den Medicinern ein grosses Interesse entgegengebracht und -sie erklärten ihn für einzig in seiner Art dastehend. Eine Menge -schneeweisser Haare nämlich wächst wie ein offener Sonnenschirm von -sechs Fuss Umfang auf seinem Kopfe. Es ist elastisch, kraus, elektrisch -und wächst so üppig, dass es dem Kamms Widerstand leistet und nur mit -Bürsten bearbeitet werden kann, und damit es nicht zu lang wird, alle -vier bis sechs Wochen gestutzt, um nicht zu sagen geschnitten werden -muss. - -Auch die Augen sind sehr wunderbar und unterscheiden sich von den -rothen Augen der anderen Albinos auffallend. Für gewöhnlich sind sie -sehr hell und ausdrucksvoll, aber sie wechseln die Farbe je nach dem -Lichte, welches auf sie einwirkt. In gewöhnlichem Lichte erscheinen -sie gleich den Augen anderer Albinos blassroth, bei gedämpftem -Lichte dagegen blaugrau und nach Sonnenuntergang purpurroth; starkes -glänzendes Licht verursacht den Augen Schmerzen und vermindert die -Sehkraft, während diese bei schwachem Lichte geschärft wird, so dass -Unzie noch in der grössten Dunkelheit alle ihn umgebenden Gegenstände -deutlich erkennen kann, eine Thatsache, die auf seinen Reisen die -grösste Verwunderung hervorrief. - -Unzie misst fünf Fuss und zehn Zoll und wiegt 154 Pfund, ist -aufgeweckten Geistes und erfreut sich einer vollkommenen Gesundheit, -die ihn denn auch zu seinen grossen Reisen besonders befähigte. Am -12. April 1890 besuchte er zuerst die Vereinigten Staaten. Er landete -in San Francisco und blieb 1½ Jahr an der pacifischen Küste, deren -Klima dem seines Vaterlandes gleicht. - -[Illustration] - - - - -Nicodemus - -der »Unbeschreibliche« - - -ist für Amerika eine erstclassige Attraction, und ein Blick auf das -Cliché zeigt uns, dass wir eine ganz seltene Abnormität vor uns haben, -die das Prädicat »der Unbeschreibliche« (the Nondescript) wohl -verdient. Ganz besonders muss jedoch auf sein linkes Bein aufmerksam -gemacht werden, das die Form des Beines eines Bären hat, und da -Nicodemus ein »rabenschwarzer« Neger ist, so ist die Täuschung eine um -so grössere. - -[Illustration] - -Er ist in Texas geboren, jetzt etwa sechsunddreissig Jahre alt und von -Kindheit an »ausgestellt« gewesen, und in seinen vielen Reisen ist -auch wohl der hauptsächlichste Grund seiner Intelligenz zu suchen. Da -Seinesgleichen nicht existirt und er stets ein gesuchtes Schau-Object -gewesen ist, so hat er auch stets hohe Gagen bezogen, denen gegenüber -er sich ganz zufrieden mit seiner abnormen Körperbeschaffenheit zu -fühlen scheint. - -[Illustration] - - - - -Chevalier Cliquot, - -der Schwerter-Verschlinger, - - -darf unbestritten als der Beste seines Genres bezeichnet werden. -Er entstammt einer alten französischen Adelsfamilie und ist in -Französisch-Canada in Amerika geboren. Schon als Knabe verliess -er seine Heimath und schloss sich einem fahrenden Circus an. In -Buenos-Ayres machte er die Bekanntschaft eines Schwertverschlingers, -der ihn jedoch trotz allen Bittens in die Mysterien dieser Kunst -nicht einweihen wollte. Der junge Kunst-Novize liess sich dadurch -aber nicht entmuthigen, begann seine Exercitien ohne Anleitung mit -einem Stückchen Silberdraht und brachte es durch Ausdauer bald dahin, -dass er sich öffentlich produciren konnte, und heute ist er der Beste -seines Genres nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Vor kurzem -producirte er sich auch mit ganz ungewöhnlichem Erfolge im Circus -Ciniselli in St. Petersburg und bringt eine der dortigen deutschen -Zeitungen einen ziemlich eingehenden Bericht über seine Leistungen, der -im Nachstehenden in seinen Hauptmomenten reproducirt ist: - -[Illustration] - -»_Circus Ciniselli._ Gestern Abend wohnten wir der ersten Vorstellung -des Schwertkünstlers Chevalier Cliquot bei und müssen gestehen, dass -seine für den Laien ganz unerklärlichen Productionen eine geradezu -frappirende Wirkung auf den Zuschauer ausüben. Schlund und Magen -dieses merkwürdigen Amerikaners, der nebenbei gesagt im Besitz einer -wohlproportionirten, kräftigen Gestalt ist, weisen jedenfalls eine von -dem Gewöhnlichen vollständig abweichende Beschaffenheit auf. Mit einem -Degen beginnend, beförderte Herr Cliquot, die Zahl derselben steigernd, -schliesslich nicht weniger als dreizehn flach aufeinander liegende -Degen in seinen Magen, anscheinend ohne jegliche Beschwerde, denn -seine Gesichtszüge behalten stets den ruhigen, sympathischen Ausdruck -bei. Dieselbe Procedur machte er mit einem an einer Metallstange -befestigten Degen, nachdem an beiden Enden derselben gewichtige -Metallhanteln angebracht worden waren, ferner mit einem Degen, auf dem -ein nach oben gerichtetes Jagdgewehr befestigt war, welches von der -Gattin des Schwertkünstlers abgefeuert wurde. Regten sich nach allen -diesen geschauten Wunderdingen vielleicht noch immer leise Zweifel -in dem Zuschauer, so wurden solche vollständig gehoben, als Herr -Cliquot ohne weiteres auch einen scharfen, zolltief in den Holzboden -gedrungenen Säbel und dann einen Degen in seinen Schlund führte, den -er sich von einem der anwesenden Officiere hatte ausbitten lassen, -desgleichen eine von demselben Herrn hergegebene goldene Uhr, die er an -einer feinen Kette in seinen Magen hinunterliess. Diese hielt er zwei -Minuten, in der Arena umhergehend, dabei gemüthlich rauchend, im Magen -und liess zwei Herren aus dem Publicum sich von dem Ticken derselben -überzeugen. Schliesslich wanderte eine Metallstange, an deren Ende ein -elektrisches Glühlämpchen angebracht war, denselben Weg, wobei man im -verdunkelten Circus den Kehlkopf durchleuchtet und das Lämpchen sich -allmählich tiefer hinabsenken sah. Für das Gros des Publicums bildet -Chevalier Cliquot eben nur eine sehenswerthe »Specialität«, während der -Arzt in ihm sicher ein medicinisch interessantes Phänomen erblicken -wird.« - -Zur eventuellen Notiznahme für andere Schwertkünstler möge auch ein -Unglücksfall, der Herrn Cliquot betroffen, nicht unerwähnt bleiben: - -Als er dem Publicum bei einer Vorstellung zeigen wollte, dass er sich -trotz des in seinem Schlunde und Magen steckenden Schwertes nicht -nur nach allen Seiten hin bewegen, sondern sich auch sogar bücken -könne, da fühlte er, dass das Schwert sich bog. Es mit Blitzesschnelle -herausziehend, verletzte er sich in ganz grässlicher Weise. - -[Illustration] - - - - -Seip - -der verknöcherte Mann - - -war im Staate Rochester, Nord-Amerika, geboren. Er war bis etwa zum -dreissigsten Jahre ein grosser und kräftiger Neger, der für die -Michigan Central Railway als Rangirer arbeitete. Im Winter 1876 wurde -er Nachts von einem Frachtzuge überfahren und trug schwere Verletzungen -davon. Nach mehreren Stunden wurde er aufgefunden und als todt ins -Krankenhaus geschafft. Jedoch siegte seine kräftige Natur und er -blieb am Leben. Acht Jahre lang konnte er das Bett nicht verlassen, -und während dieses Zeitraums war er zum Skelet geworden. Infolge von -Gelenk-Rheumatismus war totale Verknöcherung aller Gelenke eingetreten -und er hierdurch vollständig bewegungslos geworden. - -Wie mit hunderten solcher Leute in Amerika Geld »gemacht« wird, weiss -wohl jeder Leser, so wurde auch Mr. Seip bald von einem pfiffigen -Showman aufgefunden und für zehn Jahre engagirt. Bis dahin war Seip von -seiner sehr armen Familie kümmerlich ernährt worden, nun hatte alle -Noth ein Ende. Die Familie erhält bis zum heutigen Tage noch 10 Dollars -(Mark 43) per Woche und Seip wird aufs beste versehen, damit er nur -recht lange am Leben bleibe. Dass der Impresario für die ersten Jahre -von Seip's Auftreten eine Gage bis zu 500 Dollars (Mark 2,100) per -Woche erhielt und noch jetzt 75 bis 100 Dollars wöchentlich bezieht, -ist wohl Grund genug alles aufzubieten, um den Armen am Leben zu -erhalten. Seip ist im vollen Besitze seiner Geisteskräfte, sehr geweckt -und intelligent. Seine Sprache ist jedoch sehr unverständlich, da er -die Kinnlade nicht bewegen kann und seine Vorderzähne herausgebrochen -werden mussten, um ihm Speise einflössen zu können. Oft wird er der -versteinerte Mann genannt und nicht so ganz unzutreffend, denn er kann -nur den kleinen Finger der linken Hand bewegen, während der ganze -Körper wie aus Stein gemeisselt ist. Er leidet absolut gar nicht, und -wenn er genügend Bier bekommt, ist er überglücklich. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Gay Jewett - -der menschliche »Jumbo«, - - -so genannt nach P. T. Barnum's Riesen-Elephant, mit dem Barnum etwa -eine halbe Million Dollars einnahm, war als Sohn eines Postvorstehers, -der gleichzeitig einen hübschen Bauernhof hat, im Staate Iowa, -Nord-Amerika, geboren. - -[Illustration] - -Bis zum 18. Lebensjahre versah er die Wirthschaft seines Vaters, -zusammen mit zwei Brüdern. Dann lernte er das Fleischer-Geschäft -und betrieb es bis etwa zum 26. Jahre. In der Zeit war er jedoch so -dick geworden, dass es ihm nicht mehr möglich war, seinem Geschäft -vorzustehen; er gab es auf, und da er keinen anderen Weg sah, Geld zu -verdienen, so ging auch er zu den Vaganten und hat colossales Aufsehen -in ganz Amerika hervorgerufen. - -Er starb im Jahre 1893 an Herzverfettung und wog kurz vor seinem Tode -728 engl. Pfund. Er war 6 Fuss 3 Zoll hoch, und wir können wohl mit -Recht sagen, »Jumbo« war einer der schwersten Männer, die jemals gelebt. - -Gay, so genannt bei seinen Freunden, war der gutherzigste Mensch der -Welt, stets bereit zum Helfen, und wenn er seine Geige im Arm hatte und -seinen Freunden einige Lieder vorsingen konnte, dann war er glücklich. - -Gay Jewett war acht Jahre verheirathet; seine Frau, die Tochter eines -wohlhabenden Bauern in Minnesota, war ein kleines, schwächliches Weib -und wog nur etwa 94 Pfund, jedoch war sie die Güte in Person und -verliess ihren Dicken nicht einen Tag. Sie betrauert ihren Gay noch -jetzt und will sich auch nicht wieder verheirathen. - -[Illustration] - - - - -Marietta - -das scheckig behaarte Mädchen. - - -In der Völkergeschichte begegnen wir ähnlichen Typen haarreicher -Volksstämme, so den Ainos und neuerdings den zottigen Menschen im -Innern von Siam und Anam. Auch an einzelnen interessanten Individuen --- es sei nur an den pinscherartigen Russen Adrian Jestichew und an -die kleine Kra-o erinnert -- sind solche Formen abnormer Behaarung -zu beobachten gewesen; indessen als ein Naturwunder eigenster Art -tritt Marietta, das »gescheckte Mädchen«, in Erscheinung, denn bei -ihr offenbart sich eine ganz merkwürdige Haarbildung, die in dieser -Weise noch nirgends beobachtet worden ist. Marietta stammt, wie es -bei den sogenannten »Haarmenschen« nachzuweisen ist, weder von einem -wilden Naturvolke, noch von einer farbigen Race ab, sondern sie ist von -europäischer Herkunft. Sie erinnert bald an den Leoparden, bald an das -Zebra oder an den Affen, je nach der Art der Zeichnung, Färbung und -Behaarung der einzelnen Körpertheile. Höchst unregelmässig hat hier -die Natur gearbeitet, eigentlich ganz systemlos einen atavistischen -Rückfall bezeichnend. Das Gesicht Marietta's ist auf der rechten Seite -vollständig schwarz gezeichnet und zum grössten Theil behaart, auf der -linken Wange dagegen nur mit einem Backenbart bedeckt. Auch das Kinn -weist einen ziemlich stark entwickelten Bart auf. Am auffallendsten ist -die Verfärbung und die zottige Behaarung des glänzenden Rückenfells. -Seine Haare erreichen eine Länge von über 2 Centimeter, während die -Haare des Bartes eine solche über 6 Centimeter, des Unterarmes eine -solche über 3 Centimeter aufweisen. Entgegen den Haaren des Rumpfes, -der Arme und Oberschenkel, die nach unten gerichtet sind, streben -die Haare der Unterschenkel nach oben, wie die der Unterarme der -Anthropomorphen oder Menschenaffen. Der übrige Körper des »scheckigen -Mädchens« trägt ein Gemisch von Streifen und Flecken, bald dichter, -bald dünner mit Haaren besetzt. Dabei treten überall merkwürdige -Gegensätze hervor. So ist z. B. bei Marietta von den zehn Fingern nur -einer schwarz; das eine Ohr schwarz, das andere dagegen weiss. Das -braune Colorit der Beine contrastirt merkwürdig mit der tiefschwarzen -Färbung des Kopfes. - -[Illustration] - -Im allgemeinen zeigt der Oberkörper eine vorwiegend schwarze Färbung, -die an den Unterarmen abschneidet und nur am Oberarm in spangenartigen -Streifen wieder zum Vorschein kommt. - -So bietet denn Marietta durch ihre Erscheinung ein völlig neues, -bisher noch nie gesehenes Naturwunder dar, das der Wissenschaft ein -neues und ungewöhnlich interessantes Räthsel zu lösen aufgiebt. In der -That erregte Marietta überall, wo sie in wissenschaftlichen Hörsälen -vor Anthropologen und Medizinern erschien, die grösste Sensation. Von -Herrn Medizinalrath Prof. Dr. C. Hennig der medizinischen Gesellschaft -in Leipzig vorgeführt, äusserte sich der berühmte Gelehrte in einem -längeren Vortrage, dass Marietta ein Naturspiel noch nie gesehener -Art, ein leibliches Wunder sei und in ihrer Erscheinung an Menschen -unserer entrücktesten Urzeit erinnere. Auch Herr Geheimrath Prof. -Dr. Ponfick, Breslau, betonte bei einer Demonstration Marietta's im -wissenschaftlichen, vaterländischen Verein daselbst, dass Marietta wohl -der erste Fall von so ausgeprägter Flecken- und Haarbildung sei, den -man je an einem Menschen beobachtete. - -[Illustration] - - - - -Mlle. Brison - -die Dame mit den Krebsklauen - - -die das Cliché zeigt, ist eine hübsche Französin von etwa zwanzig -Jahren, aber ein bedauernswerthes Geschöpf, denn ihre Hände und Füsse -haben mehr Aehnlichkeit mit Krebsscheeren, wie mit menschlichen -Gliedmaassen. Die Hände sind bis zum Handgelenk gespalten und von den -Fingern sind nicht einmal Rudimente vorhanden; die Füsse dagegen sind -weniger verkrüppelt. - -[Illustration] - -Durch unausgesetzte Uebung von Kindheit an hat es Mlle. Brison dahin -gebracht, dass sie fast alle Arbeiten selbst besorgen kann; sie -versieht ihren Haushalt, näht und strickt und im Sticken hat sie -sich sogar eine bewundernswerthe Fertigkeit angeeignet. Seit etwa -vier Monaten erfüllt sie auch an einem reizenden kleinen Töchterchen -gewissenhaft ihre Mutterpflichten, denn sie ist seit etwa zwei Jahren -die glückliche Gattin eines jungen liebenswürdigen Franzosen, den sie -leidenschaftlich liebt. - -[Illustration] - -[Illustration] - - -[Illustration] - -Alle Rechte vorbehalten. - -[Illustration] - - - - - +----------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Buchs vor die | - | Vorrede verschoben. | - | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | - | gebräuchlich waren, wie: | - | | - | anderen -- andern | - | Bart-Dame -- Bartdame | - | Elephanten-Füsse -- Elephantenfüsse | - | Gross-Britannien -- Grossbritannien | - | Halensis -- Hallensis | - | Haupt-Tric -- Haupttric | - | inneren -- innern | - | Johnson's -- Johnsons | - | Medicinern -- Medizinern | - | Mumien-Mensch -- Mumienmensch | - | Riesen-Dame -- Riesendame | - | Schwerter-Verschlinger -- Schwerterverschlinger | - | West-Preussen -- Westpreussen | - | zweiundsiebenzig -- zweiundsiebzig | - | | - | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. | - | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: | - | | - | S. II »vorurtheilfreieres« in »vorurtheilsfreieres« geändert. | - | S. XII »ansschnitt« in »anschnitt« geändert. | - | S. XXVI »mittels vier Handgriffe« in »mittels vier | - | Handgriffen« geändert. | - | S. XXXII »Massachusets« in »Massachusetts« geändert. | - | S. 7 »im stande« in »imstande« geändert. | - | S. 13 »Indianopolis« in »Indianapolis« geändert. | - | S. 15 »Marschall-Town, Jova« in »Marshalltown, Iova« geändert. | - | S. 32 »Massachusets« in »Massachusetts« geändert. | - | S. 33 »gefürchet« in »gefürchtet« geändert. | - | S. 40 »Ecole de Médicine« in »École de Médecine« geändert. | - | S. 45 »Kochen« in »Knochen« geändert. | - | S. 65 »Castans« in »Castan's« geändert. | - | S. 65 »Arcansas« in »Arkansas« geändert. | - | S. 84 »bekömmt« in »bekommt« geändert. | - | S. 85 »Jowa« in »Iowa« geändert. | - | S. 86 »Krao« in »Kra-o« geändert. | - | | - | Die idiomatische Schreibweise Variété wurde beibehalten. | - +----------------------------------------------------------------+ - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ABNORMITÄTEN *** - -***** This file should be named 64204-0.txt or 64204-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - https://www.gutenberg.org/6/4/2/0/64204/ - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you will have to check the laws of the country where - you are located before using this eBook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that: - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's web site -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/old/64204-0.zip b/old/64204-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 6e79fa4..0000000 --- a/old/64204-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h.zip b/old/64204-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 762b8cd..0000000 --- a/old/64204-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/64204-h.htm b/old/64204-h/64204-h.htm deleted file mode 100644 index 449443b..0000000 --- a/old/64204-h/64204-h.htm +++ /dev/null @@ -1,5075 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - The Project Gutenberg eBook of Abnormitäten, by Otto, Hermann Waldemar. - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -h1,h2 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -.pagebreak { margin-top: 4em;} -@media handheld,print {.pagebreak { page-break-before: always;}} -.nopagebreak { page-break-before: avoid; } - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; - text-indent: 2em; -} - -.p2 {margin-top: 2em;} -.p4 {margin-top: 4em;} -.padt4 {padding-top: 4em;} -.noindent {text-indent: 0em;} - - -ul.index { list-style-type: none; } - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto; -} - -.pagenum { /* uncomment the next line for invisible page numbers */ - /* visibility: hidden; */ - position: absolute; - left: 92%; - font-size: smaller; - text-align: right; - text-indent: 0em; -} /* page numbers */ - - -.center { - text-align: center; - text-indent: 0em; -} - -.right {text-align: right;} - -.gesperrt -{ - letter-spacing: 0.2em; - margin-right: -0.2em; -} -@media handheld,print { - .gesperrt - { - font-style: italic; - letter-spacing: 0.05em; - margin-right: -0.05em; - } -} - -.caption {font-weight: bold;} - -/* Images */ - -img { - max-width: 100%; - height:auto; -} - -.figcenter { - margin: auto; - text-align: center; - max-width: 100%; - page-break-inside: avoid; -} - -.decos { - margin: auto; - text-align: center; - max-width: 2em; - page-break-inside: avoid; -} - -.decom { - margin: auto; - text-align: center; - max-width: 3em; - page-break-inside: avoid; -} - -.decol { - margin: auto; - text-align: center; - max-width: 5em; - page-break-inside: avoid; -} - -.decoxl { - margin: auto; - text-align: center; - max-width: 8em; - page-break-inside: avoid; -} - -.decoxxl { - margin: auto; - text-align: center; - max-width: 13em; - page-break-inside: avoid; -} - - -/* Poetry */ -.poem { - margin-left:10%; - margin-right:10%; - text-align: left; -} - -.poem br {display: none;} - -.poem .stanza {margin: 1em 0em 1em 0em;} - -/* Transcriber's notes */ -.transnote {background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em; - font-family:sans-serif, serif; } - .poem span.i0 {display: block; margin-left: 0em; padding-left: 3em; text-indent: -3em;} - .poem span.i6 {display: block; margin-left: 3em; padding-left: 3em; text-indent: -3em;} - .poem span.i8 {display: block; margin-left: 4em; padding-left: 3em; text-indent: -3em;} - </style> - </head> - -<body> - -<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Abnormitäten, by Hermann Waldemar Otto</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Abnormitäten</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Hermann Waldemar Otto</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: January 03, 2021 [eBook #64204]</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div> - -<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This transcription was produced from images generously made available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State Library.)</div> - -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ABNORMITÄTEN ***</div> - -<div class="figcenter" style="width: 590px;"> -<img src="images/title.jpg" width="590" height="1000" alt="Titelseite" /> -</div> - - - -<h1>Abnormitäten</h1> - -<p class="center p2">Von</p> - -<p class="center">Signor Saltarino</p> - -<p class="center p2">Alle -Rechte vorbehalten!</p> - -<p class="center p4">DÜSSELDORF 1900</p> - -<p class="center">Druck und Verlag von Ed. Lintz. -</p> - - -<!-- p><span class="pagenum"><a name="Seite_i" id="Seite_i">[S. i]</a></span></p --> - - -<h2>Inhalts-Verzeichniss.</h2> - - -<div class="center"> -<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Inhaltsverzeichnis"> -<tr><td align="left"></td><td align="right">Seite</td></tr> -<tr><td align="left">Vorrede</td><td align="right"><a href="#Seite_i">I</a>-<a href="#Seite_xxxii">XXXII</a></td></tr> -<tr><td align="left">Johnsons zweiköpfiges Baby</td><td align="right"><a href="#Seite_1">1</a></td></tr> -<tr><td align="left">Madame Taylor</td><td align="right"><a href="#Seite_3">3</a></td></tr> -<tr><td align="left">Lia May</td><td align="right"><a href="#Seite_4">4</a></td></tr> -<tr><td align="left">Madame Meyer</td><td align="right"><a href="#Seite_5">5</a></td></tr> -<tr><td align="left">Emma Schaller</td><td align="right"><a href="#Seite_6">6</a></td></tr> -<tr><td align="left">Barney Baldwin</td><td align="right"><a href="#Seite_7">7</a></td></tr> -<tr><td align="left">Hermann, der Knabe mit der Wunderhand</td><td align="right"><a href="#Seite_9">9</a></td></tr> -<tr><td align="left">Eli Bown</td><td align="right"><a href="#Seite_10">10</a></td></tr> -<tr><td align="left">Wilhelm & Hulda</td><td align="right"><a href="#Seite_12">12</a></td></tr> -<tr><td align="left">Eugène Berrey</td><td align="right"><a href="#Seite_13">13</a></td></tr> -<tr><td align="left">Miss Maggie</td><td align="right"><a href="#Seite_14">14</a></td></tr> -<tr><td align="left">George Woodstock</td><td align="right"><a href="#Seite_15">15</a></td></tr> -<tr><td align="left">John Darrington</td><td align="right"><a href="#Seite_17">17</a></td></tr> -<tr><td align="left">John Chambert</td><td align="right"><a href="#Seite_18">18</a></td></tr> -<tr><td align="left">James Morris</td><td align="right"><a href="#Seite_19">19</a></td></tr> -<tr><td align="left">Angelotti</td><td align="right"><a href="#Seite_20">20</a></td></tr> -<tr><td align="left">James Wilson</td><td align="right"><a href="#Seite_22">22</a></td></tr> -<tr><td align="left">Lady Dot</td><td align="right"><a href="#Seite_24">24</a></td></tr> -<tr><td align="left">Edith, das Riesenkind</td><td align="right"><a href="#Seite_25">25</a></td></tr> -<tr><td align="left">Achmed Aratas</td><td align="right"><a href="#Seite_26">26</a></td></tr> -<tr><td align="left">Mac Mahon-Kinder</td><td align="right"><a href="#Seite_28">28</a></td></tr> -<tr><td align="left">Katy Clary</td><td align="right"><a href="#Seite_29">29</a></td></tr> -<tr><td align="left">Marquis Wolga und Marquise Louise</td><td align="right"><a href="#Seite_30">30</a></td></tr> -<tr><td align="left">Leo Whitton</td><td align="right"><a href="#Seite_31">31</a></td></tr> -<tr><td align="left">Monsieur Neptune</td><td align="right"><a href="#Seite_33">33</a></td></tr> -<tr><td align="left">Miss Pollie Whatson</td><td align="right"><a href="#Seite_34">34</a></td></tr> -<tr><td align="left">Lucy Morris</td><td align="right"><a href="#Seite_36">36</a></td></tr> -<tr><td align="left">Clarence Dale</td><td align="right"><a href="#Seite_37">37</a></td></tr> -<tr><td align="left">Dominique Castagna</td><td align="right"><a href="#Seite_38">38</a></td></tr> -<tr><td align="left">William Campbell</td><td align="right"><a href="#Seite_41">41</a></td></tr> -<tr><td align="left">Albert Brough & General Thom</td><td align="right"><a href="#Seite_43">43</a></td></tr> -<tr><td align="left">Count Ivan Orloff</td><td align="right"><a href="#Seite_44">44</a></td></tr> -<tr><td align="left">Johann Jacob Toccio</td><td align="right"><a href="#Seite_46">46</a></td></tr> -<tr><td align="left">Jo-Jo</td><td align="right"><a href="#Seite_48">48</a></td></tr> -<tr><td align="left">Miss Violet</td><td align="right"><a href="#Seite_49">49</a></td></tr> -<tr><td align="left">Walter H. Drew</td><td align="right"><a href="#Seite_51">51</a></td></tr> -<tr><td align="left">Miss Bella Carter</td><td align="right"><a href="#Seite_52">52</a></td></tr> -<tr><td align="left">Der Hindu »Laloo«</td><td align="right"><a href="#Seite_54">54</a></td></tr> -<tr><td align="left">Monroe</td><td align="right"><a href="#Seite_56">56</a></td></tr> -<tr><td align="left">Ada Russel</td><td align="right"><a href="#Seite_58">58</a></td></tr> -<tr><td align="left">W. Le Roy</td><td align="right"><a href="#Seite_59">59</a></td></tr> -<tr><td align="left">Rham-a-Sama</td><td align="right"><a href="#Seite_61">61</a></td></tr> -<tr><td align="left">Frank Home & George Moore</td><td align="right"><a href="#Seite_62">62</a></td></tr> -<tr><td align="left">Die gefleckten Mädchen</td><td align="right"><a href="#Seite_64">64</a></td></tr> -<tr><td align="left">George Williams</td><td align="right"><a href="#Seite_65">65</a></td></tr> -<tr><td align="left">Madame Taylor</td><td align="right"><a href="#Seite_66">66</a></td></tr> -<tr><td align="left">Das Bärenweib</td><td align="right"><a href="#Seite_68">68</a></td></tr> -<tr><td align="left">Mr. Rannie</td><td align="right"><a href="#Seite_69">69</a></td></tr> -<tr><td align="left">Frl. Lara</td><td align="right"><a href="#Seite_72">72</a></td></tr> -<tr><td align="left">J. Hanson</td><td align="right"><a href="#Seite_73">73</a></td></tr> -<tr><td align="left">Mary, die lebende Puppe</td><td align="right"><a href="#Seite_74">74</a></td></tr> -<tr><td align="left">Radica & Doodica</td><td align="right"><a href="#Seite_75">75</a></td></tr> -<tr><td align="left">Unzie</td><td align="right"><a href="#Seite_77">77</a></td></tr> -<tr><td align="left">Nicodemus</td><td align="right"><a href="#Seite_79">79</a></td></tr> -<tr><td align="left">Chevalier Cliquot</td><td align="right"><a href="#Seite_81">81</a></td></tr> -<tr><td align="left">Seip</td><td align="right"><a href="#Seite_83">83</a></td></tr> -<tr><td align="left">Gay Jewett</td><td align="right"><a href="#Seite_85">85</a></td></tr> -<tr><td align="left">Marietta</td><td align="right"><a href="#Seite_86">86</a></td></tr> -<tr><td align="left">Mlle. Brison</td><td align="right"><a href="#Seite_88">88</a></td></tr> -</table></div> - -<div class="decol" style="width: 343px;"> -<img src="images/p091_deco.png" width="343" height="182" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<p class="pagebreak"><span class="pagenum"><a name="Seite_i" id="Seite_i">[S. i]</a></span></p> -<div class="figcenter padt4" style="width: 2474px;"> -<img src="images/b001_deco.png" width="2474" height="560" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2 class="nopagebreak">Vorrede.</h2> - - -<p><span class="gesperrt">Abnormitäten</span>, im allgemeinen mit der trivialen Bezeichnung -»Missgeburten« belegt, haben stets als Schau-Objecte eine -bedeutende Anziehungskraft auf das sog. grosse Publicum ausgeübt, -das in der Regel auch eine gewisse Befriedigung seiner Neugierde -in dem gedankenlosen Anschauen derselben fand.</p> - -<p>Erst den letzten Decennien unseres Jahrhunderts war es vorbehalten, -Schau-Objecte dieser Art auf das wissenschaftliche Gebiet -zu überführen, indem hervorragende ärztliche Autoritäten sie nicht -selten als lebende Illustrationen zu ihren einschlägigen Vorträgen -in den Hörsälen der Kliniken vorstellten und dadurch auch das -Interesse für sie in weiter ausgedehnte Bahnen lenkten.</p> - -<p>Dass das nicht auch schon in früheren Zeiten geschehen ist, -lag, abgesehen von allen Vorurtheilen, wohl mit in der, den besseren -Kreisen weniger convenirenden Art und Weise des Auftretens resp. -der Vorführung derselben, so dass selbst vorurtheilsfreie Männer der -Wissenschaft diesen äusseren Umständen gegenüber ihre Gelehrtenscheu -nicht ablegen wollten, nicht ablegen durften, wollten sie nicht -aus dem Rahmen des Althergebrachten heraustreten und ihrer und -der öffentlichen Meinung nach dadurch den ganzen Gelehrtenstand -profaniren.</p> - -<p>Seit aber das äussere Wesen der Schaustellungen gegen früher -einen ganz ungeahnten Aufschwung genommen hat, seit die Productionen -der Fuss- und Rumpfkünstler, wenn auch nicht im allgemeinen, -so doch im besonderen, sich auf dem Gebiete der Artistik -ein bedeutendes Terrain erobert, seit ferner ein C. H. Unthan als -primus omnium an der Spitze der Fusskünstler marschirt und ihr -Bannerträger ist und die sog. Rumpfkünstler in Kobelkoff einen<span class="pagenum"><a name="Seite_ii" id="Seite_ii">[S. ii]</a></span> -ebenfalls nicht zu unterschätzenden Obmann haben, seit ferner vorurtheilsfreie -Gelehrte ihre »heilige« Scheu abgelegt und Abnormitäten -nicht selten als Lehrmittel zu sich in ihre Hörsäle emporhoben, -seitdem hat auch das gesammte Publicum allmählich gelernt, diesen, -in gewisser Weise von der Natur vernachlässigten Menschgeborenen -ein vorurtheilsfreieres Interesse entgegenzubringen. Ob sie aber das -allgemeine <span class="gesperrt">Mitleid</span>, das ihnen stets von den Besuchern gezollt wird, -<span class="gesperrt">wirklich in Anspruch nehmen</span>, das dürfte doch füglich zu bezweifeln -sein, wenn man diesem Mitleid z. B. Unthan's jovialen -Ausspruch gegenüberstellt: »Wenn mir jetzt plötzlich Arme angezaubert -würden, ich wüsste gar nicht, was ich mit den Dingern -anfangen sollte!« —</p> - -<p>Einer der ersten Fusskünstler, die das Interesse auch der -Aerzte erregten, dürfte wohl <span class="gesperrt">Gottfried Dietze</span> gewesen sein, der, -ohne Arme geboren, sich Ende der fünfziger Jahre unter den allerprimitivsten -Verhältnissen in einer Leinwandbude auf den sächsischen -Schützenfesten etc. producirte. Er war ein Mensch von achtzehn -Jahren, der namentlich eine ganz eminente Fertigkeit in der Verwendung -des Messers zum Auftrennen von Nähten, sowie in der -Verwendung von Nadel und Zwirn zum Nähen entwickelte. Diese -Leistung als »Flickschneider« aber culminirte in dem Einfädeln der -Nadel, das mit einer unbeschreiblichen Gewandtheit und Sicherheit -erfolgte. Nachdem er noch »Heil Dir im Siegerkranz« auf einer -Ziehharmonika ziemlich geläufig gespielt hatte, zeichnete er zum -Schluss seiner Vorstellung auf einem Quartblatt Schreibpapier mit -Bleistift und colorirte mit Tuschfarben ein Blumen-Bouquet, unter -das er dann mit Tinte: »Mit den Füssen gezeichnet und geschrieben -von Gottfried Dietze« schrieb und das den Zuschauern gegen einen -Obolus à discrétion offerirt wurde, der in seine Privat-Schatulle floss.</p> - -<p>In der Bude aber hing das handschriftliche Gutachten eines -der bedeutendsten Aerzte jener Zeit, das ich jedoch nicht mehr dem -Wortlaute, sondern mir dem Sinne nach noch wiederzugeben vermag. -Von dem Arzte nämlich über etwaige Unregelmässigkeiten -im Verlaufe der Schwangerschaft befragt, habe die Mutter erklärt: -Sie habe sich »<span class="gesperrt">versehen</span>«. Ein Italiener sei eines Tages mit einem -Brett voll Gipsfiguren auf dem Kopfe in den Hof gekommen und -habe sie feilgeboten und darunter sei auch eine Figur <span class="gesperrt">ohne Arme</span> -gewesen. (Wahrscheinlich die armlose Venus von Milo, die im -Louvre zu Paris aufgestellt ist, von der sich Gips-Nachbildungen -in den natürlichen Dimensionen in fast allen Antiken-Sammlungen<span class="pagenum"><a name="Seite_iii" id="Seite_iii">[S. iii]</a></span> -befinden und die früher auch in einer Höhe von ca. 18-20 Zoll -von italienischen Gipsfiguren-Händlern mit Vorliebe geführt wurde.) -Ueber diese Figur sei sie so furchtbar erschrocken, dass eiskalte -Fieberschauer ihren ganzen Körper plötzlich durchschüttelt hätten, -dass sie einer Ohnmacht nahe gewesen sei und dass sie sich des -unangenehmen Eindruckes noch wochenlang nachher nicht habe -erwehren können.</p> - -<p>An diese Mittheilung knüpfte der Arzt dann folgende Reflexion: -»Wenngleich das sog. »Versehen« bei Schwangeren eine unbestreitbare -Thatsache ist, so steht die Wissenschaft hier doch einem noch -endgültig zu lösenden Problem gegenüber. Indessen dürfte der -natürliche Verlauf doch wohl folgender sein: Da der Körper des -Kindes sich im Mutterleibe nicht in allen seinen Theilen zugleich, -sondern ein Theil nach dem andern sich ausbildet — beide Arme -und beide Beine bilden sich zwar zugleich, doch zu verschiedenen -Zeiten aus —, so wird infolge des sog. »Versehens«, also eines -grossen Schreckes, oder sonst einer ähnlichen anderen heftigen -Gemüthserschütterung der gerade in der Entwickelung begriffene -Körpertheil plötzlich gestört, die Entwickelung an dieser Stelle hört -auf, die noch nicht vollständig ausgebildeten Körpertheile bleiben -unvollkommen und der natürliche Entwickelungs-Process überträgt -sich auf die nächsten in der Reihenfolge stehenden Körpertheile, die -sich dann nicht selten in höherem Maasse entwickeln, wie es unter -normalen Verhältnissen event. der Fall gewesen sein würde. Und -dieser Fall liegt auch wohl bei Gottfried Dietze vor, bei dem wir -somit mit einer »<span class="gesperrt">freiwilligen Amputation im Mutterleibe</span>« zu -rechnen haben«. Soweit das Urtheil des Arztes! —</p> - -<p>Dass es Missbildungen derart zu allen Zeiten und in allen -Ländern gegeben hat, ist eine unumstössliche Thatsache, denn der -species facti finden sich eine ziemliche Anzahl in seltenen alten -gedruckten und handschriftlichen Convoluten vor, die meist den -Charakter litterarischer Curiositäten tragen, und die, da sie theils -nur in öffentlichen Bibliotheken, theils nur in Privathänden sich befinden, -nicht »Jedermänniglich« zugängig waren und sind. <span class="gesperrt">Mehr -durch Zufall</span>, wie durch Quellenstudien im eigentlichen Sinne des -Wortes, die dem seltenen und zerstreuten Material gegenüber fast -ausgeschlossen sind, wurden sie ans Tageslicht gefördert, und in -dem vorliegenden Werke übergebe ich sie, soweit sie zu erlangen -waren, gesammelt der Oeffentlichkeit, da sie immerhin wenigstens -einiges Interesse beanspruchen dürften. —</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_iv" id="Seite_iv">[S. iv]</a></span></p> - -<p>D. Valentini veröffentlicht im 3. Theile seiner »Schau Bühne -frembder Naturalien: Sodann Rüst- und Zeug-Hauss der Natur, Oder -Musei Museorum« Nachrichten über Fusskünstler, die durch einen -Kupferstich illustrirt sind, der als Original zu dem beifolgenden -Cliché diente und der dem »curiosen Leser das Portrait eines recht -wunderseltzamen</p> - -<p class="center"><span class="gesperrt">Barbierers ohne Händ und Füsse</span></p> - -<p>zeiget, welcher sich und seine Künste im Jahre 1711 zu Giessen -umb ein gewiss Stück Geld sehen liesse, wie er alles selbsten in -beifolgendem Zettul beschrieben hat:</p> - -<p>»Mit Bewilligung der Gnädigen und Hochgebietenden Obrigkeit -wird bekannt gemacht, dass allhier aus frembden Landen angekommen -eine ohne Händ und Füsse gebohrne Person, welche ihre Exercitia -vor vielen hohen Potentaten präsentiret hat.</p> - -<p>1. Schneidet er eine Feder ohne Händ und Füsse, in solcher -Geschwindigkeit, dass keiner mit 2 Händen besser kan.</p> - -<p>2. Schreibt er mit der Feder, die er geschnitten, so künstlich, -dass niemand auff der Welt seines gleichen gesehen hat: Schreibt -vielerley Schrifft, die Buchstaben zu unterst, oberst, verkehrt und -recht, als wann es gedruckt wäre, so, dass kein Mensch erkennen -kan, ob es gedruckt, oder geschrieben ist, woran er sich berühmt -an alle Liebhaber, und wil hundert gegen eins setzen, so jemand -in diesem umliegenden Land kan gefunden werden, der seines gleichen -ist, und mit der Feder machen kan, was er macht.</p> - -<p>3. Zeichnet er mit der Feder, die er geschnitten hat, eine -Person nach dem Leben ab, Wappen und andere Bilder, wie auch -Laubwerk, so curieus, dass desgleichen noch nicht gesehen worden.</p> - -<p>4. Präsentiret er ein curieus Stück mit Geld.</p> - -<p>5. Steckt er einen Faden so geschwind durch die Nadel, dass -es keiner mit Händen nachthun kan.</p> - -<p>6. Nimmt er eine Karte, mengt sie, und gibt sie in Geschwindigkeit -aus.</p> - -<p>7. Er spielet mit Würfeln.</p> - -<p>8. Er spielet auff dem Hackbret — das Cymbal der Zigeuner -— allerhand curieuse Stücke ohne Händ und Füsse, dass es kein -Musicant verbessern kan.</p> - -<p>9. Er spielt auch etliche Stücke aus der Taschen (— macht -Taschenspielerkunststücke —) welche so curieus zu sehen sind, dass -dergleichen Taschenspieler noch niemahls ist gesehen worden, dieweil<span class="pagenum"><a name="Seite_vii" id="Seite_vii">[S. vii]</a></span> -es ohne Händ viel eine grössere Kunst ist als mit Händen, und -versichert alle, dass sie ein Vergnügen daran haben werden.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 755px;"> -<img src="images/b005_ill.jpg" width="755" height="1066" alt="" /> -</div> - -<p>10. Er kegelt sehr künstlich auff vielerley Manier, dass es -ihm keiner nachthun kan.</p> - -<p>11. Er kan eine Flinte laden und loss schiessen.</p> - -<p>12. Er barbieret sich auch selber, alle Woche zweymahl, -Mitwochen und Sonnabend: die solches verlangen zu sehen, die -können in sein Logiment kommen.</p> - -<p>13. Er schneidet auch curieuse Sachen von Holtz, und setzet -solche in gläserne Flaschen so wunderbahrlich, dass man es von -keinem mit Händen curieuser sehen kan«.</p> - -<p>Die Federn, so er schnitte, gab er den Zuschauern zur Rarität -auffzuheben, nachdem er damit zuvor diese Wort auff kleine Zettul -geschrieben:</p> - -<blockquote> - -<p>Ich Thomas hab diese Feder geschnitten, und dieses damit -geschrieben, also gebohren ohne Hände und Füsse«. —</p></blockquote> - -<p>In directem Anschluss an diesen ausführlichen Bericht bringt -das Werk noch folgende Notizen:</p> - -<p>»Sonsten hat der berühmte Dänische Medicus Olaus Wormius -in seiner »Kunstkammer oder Museo« (Wormii Museum seu historia -rerum rariorum etc. 1655) pag. 387 noch einige andere Zettuln, -welche von dergleichen Krüppeln geschrieben, nämlich einen von -Joh. Kuhn, welcher an jeder Hand nur einen Finger hatte. Er schrieb -den ganzen Kathechismus in deutscher Sprache auf Pergament und -den Liebhabern folgende Zettul gar deutlich und leserlich:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Johann Kuhn werd ich genanndt,<br /></span> -<span class="i0">Hab nur ein Finger an jeder Hand.<br /></span> -</div></div> - -<p>Und noch einen andern von einer Englischen Frau ohne Arm, -welche mit dem Munde ihren Namen also schreiben konte:</p> - -<p class="center">ELISABETH SIMSON Anno 1620.</p> - -<p>Dergleichen Weibsperson auch vor sechsundzwanzig Jahr (1688) -zu Strassburg im Hospital, welche keine Hände hate, und mit den -Füssen ihren und der Zuseher Nahmen in die Schnupptücher, so -man ihr darreichte, nähen konte. —</p> - -<p>Vorerwähnter Thomas hatte aber einen ebenbürtigen Rivalen; -denn im Jahre 1712 liess sich in Breslau ein dreissigjähriger verheiratheter -Rumpfkünstler Namens Mathias Buchinger sehen. Ein -alter Chronist beschreibt ihn als »völlig von Gesicht und Leibe, -munter von Gemüthe, spasshaft, doch auch ernsthaft, und sagte man, -er habe sein Weib manchmal derbe ausgeschlagen«. Auf seinen<span class="pagenum"><a name="Seite_viii" id="Seite_viii">[S. viii]</a></span> -Oberschenkeln, die zur Hälfte erhalten waren — die Arme fehlten -gänzlich — bewegte er sich vorwärts und verrichtete mit ihnen -wunderbare Dinge: Er schnitt Federn (Gänsefedern) mit grosser -Geschicklichkeit und Geschwindigkeit, schrieb mit diesen schön und -schnell »gleich und verkehrt, mit Zügen, Fractur, Kantzeley und -Cursiv«. Auch zeichnete er mit grosser Behendigkeit und Accuratesse -die verschiedensten Gegenstände. Ferner fädelte er einen Faden -mit solcher Schnelligkeit ein, dass ihm Niemand darin mit den -Händen gleichkommen konnte. Er mischte und spielte Karten mit -grösster Vollkommenheit, spielte mit Würfeln, auf dem Schachbrett, -Kegel u. s. w. Er lud ein Gewehr und schoss es los, er barbierte -sich selbst, schnitzte allerhand Kunstartikel aus Holz und setzte sie -kunstreich in gläserne Flaschen ein. Als Prestidigitateur kam er -jedem normal Geborenen gleich; seine Specialität war hierbei das -Becherspiel, bei dem er die Muscaten (aus Kork geschnitzte Kugeln -in der Grösse kleiner Muscatnüsse, die dann leicht angebrannt und -durch kreisförmiges Reiben in den Händen zu runden schwarzen -Kugeln geformt wurden) in einen lebenden Vogel verwandelte. Auch -mit Münzen machte Buchinger verschiedene Kunststücke, die allgemein -bewundert wurden. Am Schlusse seiner Production präsentirte er -sein Portrait in Kupferstich, um das herum seine besten Trics abgebildet -waren. (Wohl zum Verkauf.)</p> - -<p>Minder ausführlich sind die Nachrichten über einen ungarischen -Rumpfkünstler, »einen vielgereisten Mann, der ausser seiner Muttersprache -noch Englisch, Holländisch, Deutsch und Französisch sprach, -und in einem etwa ellenhohen Kasten stets auf dem Buckel einer -andern Person transportirt wurde. Er hatte keine Beine und nur -eine verkrüppelte Hand«. Seine Erscheinung wird bei seinem Auftreten -in Regensburg im October 1719 folgendermassen beschrieben: -»Von Gesicht und Leibe war er wohlgestaltet, hatte schwarzbraune -lange Haare, und wenn er hinter dem Tische auf einem Sessel stund, -so präsentirte er sich als ein sitzender wohlgewachsener Mann; von -Leibe war er mager und geschmeidig. Seine Stimme war ziemlich -klar (hell, hoch) und weibisch, sein <span class="gesperrt">Humeur</span> immer lustig, er -schlug die Trommel vollendet, spielte aus der Tasche mit grosser -Behendigkeit trotz einem jeden Taschenspieler«. Sein Haupttric war -der Handstand auf einer Hand während mehrerer Minuten. —</p> - -<p>In Nymwegen erschien im Jahre 1725 (so berichtete von dort -Johann Hartmann Degner) ein Mann mit einem etwa neunjährigen -Sohne; er kam aus dem Cölnischen und befand sich angeblich auf<span class="pagenum"><a name="Seite_ix" id="Seite_ix">[S. ix]</a></span> -der ersten Tournée, um zu zeigen, wie sich sein Sohn in Ermangelung -der Arme der Füsse gleich der Hände bedienen könne. Ein damals -ausgegebenes Programm kündigte folgende Nummern an:</p> - -<p>»1. Thut er stehend mit seinen Füssen den Hut ab.</p> - -<p>2. Schreibt er mit dem Fusse eine lesbare Handschrift.</p> - -<p>3. Thut er einen Faden durch eine Nadel.</p> - -<p>4. Nimmt er Geld aus seiner Tasche und steckt es wieder hinein.</p> - -<p>5. Nimmt er stehend mit seinem Munde Geld von der Erde.</p> - -<p>6. Steckt er das Essen mit seinem Fusse in den Mund.</p> - -<p>7. Schenkt er ein Glas Bier mit seinen Füssen ein, setzt -dasselbe auf seinen Kopf und trinkt es dann aus.</p> - -<p>8. Schlägt er die Drommel.</p> - -<p>9. Ladet er eine Pistole und schiesst sie los«.</p> - -<p>Nach dem alten Berichte gingen dem Knaben sämmtliche -Stücke wohl von statten, »also dass es der Mühe werth war, sie -zu sehen«. Dem Berichte war ein Autogramm des Knaben folgenden -Inhaltes beigegeben: »Joseph Clemens Chur-Fürst unsere Antonius -Maria Reuter ist mein Name«; derselbe war deutlich in Kanzleischrift -abgefasst und zwar auf vorgezogenen Linien.</p> - -<p>Ueber Reuters persönliche Verhältnisse ist nach seinen eigenen -Angaben hinzuzufügen, dass der Kurfürst von Cöln sein Taufpathe -war, und ihn bis zu seinem (des Kurfürsten) Tode unterhielt. Nun -aber mussten Vater und Sohn als arme Vaganten sich ihr Brot -suchen; indessen hatten sie auf dem Wege von Cöln bis Nymwegen -schon so viel eingenommen, dass sie nicht nur satt zu essen hatten, -sondern auch ihren arg heruntergekommenen Kleiderbestand ersetzen -konnten. —</p> - -<p>Im October des folgenden Jahres 1726 berichtete Professor -Schultze aus Altdorf: »Allhier befindet sich jetzt ein Mann aus -Württemberg, der eine vierundeinhalbjährige Tochter zeigt, die übrigens -schön und von lebhaftem Gesichte ist, von der Natur aber statt der -Arme zwei ungebildete und unvollkommene Glieder hat. Diesen -Mangel der Arme und brauchbaren Hände weiss das Kind mit seinen -Füssen sehr geschicklich zu compensiren. Es nimmt z. B. einen -Faden zwischen den grossen und anderen Zehen und mit dem andern -Fusse eine Nähnadel und bringt den Faden ganz behende durchs -Nadelöhr, thut auch manchmal einige Stiche durch ein Tuch, so -geschickt als man von diesem Alter verlangen kann; es isst mit den -Füssen so schön und vorsichtig, als ein anderes Kind mit den -Händen; nimmt einen Kamm und steckt damit die Haare zurück;<span class="pagenum"><a name="Seite_x" id="Seite_x">[S. x]</a></span> -setzt ein Glas auf den Kopf, trinkt ein Schälchen Thee, isst eine -Suppe mit dem Löffel ohne sich zu begiessen, und all' dergleichen -ohne ersichtliche Anstrengung«. In der That für eine noch nicht -fünfjährige Fusskünstlerin ganz hervorragende Leistungen. —</p> - -<p>Im sechszehnten Jahrhundert — 1576 oder 1576 — sah -man ein Mädchen ohne Arme, das mit den Füssen strickte, nähte, -Federn schnitt und speiste; doch ist ihr Name und ihre Heimath -uns nicht überliefert — 1596 producirte sich eine Fusskünstlerin -Namens Magdalene Einohre, gebürtig aus dem ostfriesischen Dorfe -Engerhave, gleichfalls armlos, mit einem vierzehigen Fusse, mit dem -sie ihre Künste, als Essen, Trinken, Spielen etc., die sie für Geld -sehen liess, verrichtete. (Ihr Bild wurde 1616 in Prag in Kupfer gestochen.) -— 1627 befand sich zu Siena ein armloses Mädchen, das -Aehnliches mit den Füssen verrichtete. —</p> - -<p>Am ausführlichsten sind aus dieser Zeit die Nachrichten über -eine ohne Arme im Jahre 1612 in Stockholm geborene Schwedin -Namens Magdalena Rudolphs Thuinbui, deren Name übrigens in den -verschiedenen Quellen auch in verschiedenen Formen überliefert ist. -(Vergl. u. a. Harsdörfer, Specul. Hist., p. 399; J. L. Güthe, Beschreibung -der Stadt Meiningen, S. 280.) Sie zeigte sich in den fünfziger -Jahren in Deutschland und verrichtete dort folgende Stücke mit den -Füssen: Sie schloss ihren Nähkasten auf, nahm Zwirn und Nadel -heraus, fädelte ein und nähte. Sie strickte, stickte, wirkte, kämmte -sich, schnitt mit Messer und Scheere, gebrauchte die Füsse beim -Essen, schenkte sich mit denselben ein, trank, schneuzte sich, spielte -Karten, würfelte, lud eine Pistole, schoss sie ab, wickelte ihr Kind -und gab ihm Nahrung. Sie führte einen Kupferstich bei sich, auf -dem sie, umgeben von den Zeugnissen ihrer Kunstfertigkeiten, abgebildet -war; darunter stand ihr Name und Alter und die Verse:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Dieweil ich denn, dass Gott erbarm,<br /></span> -<span class="i0">Hab' weder Hand, Finger noch Arm,<br /></span> -<span class="i0">Und mich also behelfen muss,<br /></span> -<span class="i0">Mach' doch dies Alles mit meinem Fuss.«<br /></span> -</div></div> - -<p>Später, im Jahre 1679 (September), sah man eine Jungfrau -aus Paderborn, die, der Hände und Füsse gänzlich beraubt, mit den -Armstumpfen nähen, wirken, spinnen, schreiben und noch andere -Dinge verrichten konnte. —</p> - -<p>Doch kehren wir zu den männlichen Rumpfkünstlern zurück -und betrachten wir hier zunächst deren zwei aus dem neunzehnten -Jahrhundert, um dann noch einen Rückblick in das siebzehnte zu werfen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_xi" id="Seite_xi">[S. xi]</a></span></p> - -<p>Der eine dieser weniger bekannten Fusskünstler ist Anton -Pohl aus Böhmen, der — ohne Arme geboren — 1803 in Deutschland -reiste; er speiste und trank, er stopfte die Pfeife und zündete -sie an, alles mit den Füssen; dazu wusste er sehr geschickt mit -dem Bohrer umzugehen, blies die Trompete, lud Pistolen, schoss sie -ab und machte die verschiedensten Kartenpiècen.</p> - -<p>Der Andere war der im Jahre 1786 zu Markt Rentweinsdorf -ohne Arme geborene Schuhmacherssohn Georg Michael Weidmann; -von seinen Beinen war nur das rechte normal entwickelt, das linke -indessen verkrüppelt zu einem ganz kurzen Stumpf mit einem unansehnlichen -Fuss, an dem nur die drei ersten Zehen regelmässig, -die zwei letzten aber zusammengewachsen waren. Dessenungeachtet -war die mechanische Fertigkeit seiner Füsse, die er sich durch andauernde -Uebung erworben hatte, bewundernswerth. Als er im -zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts in Deutschland reiste, konnte -er mit den Füssen, die er an Stelle der Hände gebrauchen musste, -sehr gut schreiben, wozu er sich die Federn selbst schnitt; nähen, -wozu er sich selbst einfädelte; sich rasiren, eine Pistole laden und -losschiessen (ein, wie man sieht, bei den Rumpfkünstlern sehr beliebtes -Stück), kleine Arbeiten von Holz verfertigen, kurz, mit seinen -beiden Füssen fast Alles thun, was andere Menschen mit den Händen -vollbringen.</p> - -<p>Werfen wir nunmehr auch hier unseren Blick rückwärts in -das siebzehnte Jahrhundert, so erzählt uns Johnston von einem Mann -ohne Arme, der mit den Füssen ass, trank, Karten spielte, — stahl —, -und endlich gar Strassenräuberei trieb, wofür er in Frankreich seinen -Lohn fand. — Wir hören da weiter andeutungsweise von einem -venetianischen Knaben, der Alles mit den Füssen von der Erde aufheben, -der mit den Füssen den Hut abnehmen und so die Vorübergehenden -grüssen konnte. (Bartholin. C. II. hist. 44.)</p> - -<p>Aus dem Jahre 1624 hören wir von einem gewissen Peter -von Lucern, der mit den Füssen auf musikalischen Instrumenten -spielte. (Add. Zach. qu. med. legal. lib. VII. tit. 3 quaest. VI. § 9.) -— 1628 zog im Monat August ein Schweizer in Deutschland -herum Namens Peter Stadelmann, »von langer Figur, braun von -Angesicht, mit schwarzen, krausen Haaren und Bart, hatte ganz -kleine Arme und verrichtete alle seine Sachen mit den Füssen«. -Er spielte, zahlte Geld, machte Knoten, löste sie wieder auf, schrieb -auch mit den Füssen und dergl. mehr. —</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_xii" id="Seite_xii">[S. xii]</a></span></p> - -<p>1629 wurde zu Wien ein Fusskünstler geboren, Theodor Steib, -der mit den Füssen Blumen anschnitt, zeichnete, in Holz schnitzte, -Pistolen losschoss und sich selbst portraitirte (in einem rothen Kleide -und mit einer schwarzen Feder auf dem Hute), mit der Unterschrift: -»Hanc effigiem proprio meo pede prinxi. Vratislaviae d. 10. IV. -ann. 1654. Theodorus Steib, Natione Vienna. (Dies Bild habe ich -eigenfüssig gemalt. Breslau, d. 10. April 1654. Theodor Steib aus -Wien.) Seine sonstigen Schreibproducte pflegte er also zu unterzeichnen: -»Ego Theodorus Steib Vienna Austriacus, absque manibus -et bracchiis natus, scribebam ista pede meo Vratislaviae, Anno -Christi 1654, aet meae 25«. (Ich Theodor Steib aus Wien in -Oesterreich schrieb dies, ohne Hände und Arme zur Welt gekommen, -mit meinem Fusse zu Breslau im Jahre Christi 1654, meines Alters -25 Jahre.) Ortsname, Datum und Jahr wurden, den augenblicklichen -Verhältnissen entsprechend, natürlich jedesmal geändert. — Im -Januar 1673 producirte sich ein Schweizer Knabe, François Blanchet, -in Deutschland, gleichfalls ohne Arme geboren, »aber dennoch -imstande, Alles mit den Füssen zu thun, wozu Andere die Hände -gebrauchen, als Kegeln, Kartenmischen, Sich-Kämmen, Wein-Einschenken -etc.«</p> - -<p>Endlich sah man 1696 zu Leipzig und Jena und das letzte -Mal 1702 zu Breda noch einen ganz bedeutenden Fusskünstler. -Er hiess Franz Viniot und war um das Jahr 1665 geboren. Aus -Italien kommend, trug er an der kleinen Zehe des linken Fusses -einen Diamantring und war ein Mann von mittelmässiger Statur mit -krausem, schwarzem Haar, »lustigem <span class="gesperrt">Humeur</span> und sehr geläufigem -Maule, wie er Französisch, Italienisch, Englisch, Holländisch in sehr -vollkommener Perfection redete«. Auf seine Kunststücke konnte -sich der alte Berichterstatter zum grossen Theil nicht mehr besinnen, -»sei es, weil er durch die Piècen ganz perplexirt wurde, sei es aus -Vergesslichkeit«. Nur Folgendes war ihm noch in der Erinnerung -geblieben: Der Mann focht mit dem Rapier und nahm es hierbei -mit manchem der Leipziger Fechter auf, wie denn auch Niemand -imstande war, ihm ein mit den Zähnen gehaltenes Florett aus dem -Munde zu reissen. Beim Schreiben hielt er die Feder zwischen -den Zehen oder den Zähnen und schrieb gewöhnlich Cursiv- und -Spiegelschrift in durchaus lesbarer Weise. Ebenso warf er sich -einen Mantel mit den Zähnen sehr behende um die Schultern. Sein -Programm enthielt in Octavformat folgende in holländischer und -französischer Sprache leserlich geschriebene Worte:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_xiii" id="Seite_xiii">[S. xiii]</a></span></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">EDele Heeren en Dames Th u Dianar of mordig<br /></span> -<span class="i0">Die alle Duck tem besten koort<br /></span> -<span class="i0">Hy is wys en wel geloort.<br /></span> -<span class="i0">Quoi fait ce quil peus & Excusable.<br /></span> -</div></div> - -<p>In seinem »Wunderbuch von menschlichen unerhörten Wunder- -und Missgeburten, so wider den gemeinen Lauff der Natur erschrecklich -frembd und seltsam gebildet: doch glaubwürdig in diese Welt -geboren worden u. s. w.«, das im Jahre 1610 zu Frankfurt »in -Verlegung Dietrichs von Boy seeligen Wittib, sampt zweyer ihrer -Söhnen« in Quart erschien, führt uns der Verfasser, Johann Georg -Schenk von Grafenberg, »der Artzney Doctor etc.« einige interessante -Rumpfkünstler vor, unter denen die im Folgenden aufgeführten mit -Recht unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen dürfen:</p> - -<p>Unter den Geschenken, welche die Indier zu Beginn unserer -Zeitrechnung dem römischen Kaiser Augustus sandten, befand sich -auch ein Jüngling ohne Arme, der mit den Füssen die Armbrust -spannen und Pfeile entsenden konnte.</p> - -<p>Alexander Benediktus erzählt, dass er eine Frau (in der Mitte -des 15. Jahrhunderts) gesehen habe, die, ohne Arme geboren, mit -den Füssen nähte und überhaupt im Schneiderhandwerk einiges -leistete; auch hob sie einen Becher Wein und schlug die Trommel, -als ob sie Hände gehabt hätte.</p> - -<p>Später sah man einen armlosen Spanier, »welcher fürwahr -alle Wunderwerk, so in der Natur sind, übertraf«. Er wusste so -geschickt mit Kriegsrüstung umzugehen, dass ihm hierin kein Kriegsmann -gleichkam. Wenn er mit der Armbrust schoss, so verfehlte -er sein Ziel nie und vermochte ausserdem vermittelst einer Axt mit -einem Hieb einen starken Holzpflock zu spalten.</p> - -<p>Sycosthenis erzählt von einem zwanzigjährigen armlosen -Menschen, er habe mit den Füssen alle »Handarbeit« verrichtet.</p> - -<p>1556 sah man zu Frankfurt a. M. eine Frau ohne Hände, die -nicht nur aufs »allerzierlichste« schrieb, sondern auch allerley sonstige -subtile Arbeit mit den Füssen verrichtete.</p> - -<p>Cardanus berichtet im siebenzehnten Buche von einem, der -Arme völlig beraubten Manne, dass er mit dem rechten Fusse Speere -schleuderte, Kleider nähte, ass und schrieb. Sein Name war Antonius, -seine Vaterstadt Neapel. Er hat einen grossen Theil von Europa -bereist und mit den erwähnten und ähnlichen Productionen reichen -Beifall und Lohn geerntet. —</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_xiv" id="Seite_xiv">[S. xiv]</a></span></p> - -<p>Der hervorragendste aller Fusskünstler älterer Zeit aber ist -<span class="gesperrt">Thomas Schweicker</span>, der unser Interesse nicht nur allein wegen -seiner Künste, »die ihresgleichen suchten«, in Anspruch zu nehmen -berechtigt ist, sondern, weil wir ihn auch zugleich als Mensch, als -Dichter und als eine gesellschaftlich interessante Persönlichkeit -kennen lernen, die auch zu Kaisern, Königen und Fürsten zu wiederholten -Malen in Beziehungen trat. Die Litteratur des 16., 17. und -18. Jahrhunderts geht oft auf seine Leistungen ein und auch die -bildende Kunst jener Zeit hat sich seiner angenommen, und am -Abschluss des 19. Jahrhunderts soll auch in diesem Werke nochmals -seiner gedacht und ihm ein litterarisches Denkmal gestiftet werden.</p> - -<p>Thomas Schweicker wurde zu Schwäbisch-Hall im Jahre 1540 -geboren. Sein Vater, Hans Schweicker, war ein angesehener Mann -und bekleidete die Stelle eines Rathsfreundes (war wohl Beigeordneter?) -und starb 1571 im Alter von vierundsiebzig Jahren. Seine Mutter -war eine geborene Dorothea Seeckbin.</p> - -<p>Er kam ohne Arme zur Welt, und nach Ueberwindung des -ersten Kummers darüber gingen seine Eltern alsbald daran, die -Mängel des Leibes durch Pflege des Geistes auszugleichen und ihn -zu »allen guten Tugenden und Wissenschaften fleissigst anzuhalten«.</p> - -<p>Mit dem siebenten Jahre kam Thomas in die deutsche und -mit dem zwölften in die lateinische Schule, wo er frühzeitig eine -hohe geistige Begabung an den Tag legte, sich aber besonders der -Schreibkunst widmete, die zu jener Zeit bei weitem nicht Jedermann -beherrschte und die daher in hohem Ansehen stand. (Noch durch -Jahrzehnte zeigte man dort den Tisch, der ihm zur Aufbewahrung -seiner Sachen dortselbst eingeräumt war.)</p> - -<p>Infolge angestrengtester Bemühungen gelang es ihm, nicht -nur eine deutliche, sondern auch »recht saubere und schöne Schrift -zu erwerben«, durch die er, wie es in einem andern Berichte heisst, -»alle Guldenschreiber und berühmte Rechnenmeister übertroffen«, -gleichviel, ob deutsche oder lateinische Buchstaben, kaum einer that -es ihm in kunstvollem Schreiben zuvor.</p> - -<p>In den folgenden Versen, die er mit einer Widmung versah, -hat er den Gedanken ausgesprochen, der sein Leben erfüllte:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">O junger Gsell lehre gute Kunst,<br /></span> -<span class="i0">Das ist dir nutz und bringt dir Gunst,<br /></span> -<span class="i0">Es ziert auch wohl ein jungen Man,<br /></span> -<span class="i0">Wie fein ists, wenn er etwas kan.<br /></span><span class="pagenum"><a name="Seite_xv" id="Seite_xv">[S. xv]</a></span> -<span class="i0">Ich nem eins glehrten Mannes mut,<br /></span> -<span class="i0">Liess eim eins Narren grosses Gut,<br /></span> -<span class="i0"><i>Dann so das Geld sich von dir kehrt,</i><br /></span> -<span class="i0"><i>So bleibt die Kunst doch unversehrt,</i><br /></span> -<span class="i0"><i>Und dich deines gantzes Leben nehrt.</i><br /></span> -<span class="i0">Plus probe thesauro docti quam divitis auro.<br /></span> -</div></div> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">(Etwa: »Was frag ich viel nach Geld und Gut,<br /></span> -<span class="i8">Wenn ich zufrieden bin« —<br /></span> -<span class="i0">oder: »Vergnügt sein ohne Geld,<br /></span> -<span class="i8">Das ist der Stein der Weisen«).<br /></span> -</div></div> - -<p>Dem Ehrbarn und Wolgeachten Herrn Leonhart Stöberle, -Burger und Apotheker in Nürnberg zu Ehrn und Wolgefallen, hab -ich Thomas Schweicker zu Schwäbischen Hall, diss aus Mangel -nothdürftiger Arm mit meinen Füssen geschrieben den 21. Juli -Ao. 1592, meines Alters 51 Jar«.</p> - -<p>Schweicker konnte aber nicht allein gut und künstlerisch-schön -schreiben, er konnte auch »allerley kunstreiche Handarbeit -verrichten«, er besass selbst Geschick in Tischlerarbeiten, wie -Hobeln, Bohren, Sägen und dergl. und »verfertigte allerley subtile -Leisten und Holtzgerämswerk«. Beim Essen sass er auf einem -Stuhl in der Höhe der Tafel, nahm mit den Füssen das Messer, -schnitt Brot und andere Speisen und führte sie ebenso, wie die -Getränke, mit den Füssen zum Munde. Er selbst sagt über diese -und ähnliche Fähigkeiten Folgendes:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Dieweil ich, dass es GOtt erbarm,<br /></span> -<span class="i0">Hab weder Finger, Händ noch Arm,<br /></span> -<span class="i0">und mich also behelffen muss,<br /></span> -<span class="i0">Schreib ich doch diss mit meinem Fuss,<br /></span> -<span class="i0">Drumb frommer Christ dein Lebenlang<br /></span> -<span class="i0">Sag GOtt für diese Wohlthat dank,<br /></span> -<span class="i0">Dass Du hast einen graden Leib,<br /></span> -<span class="i0">Wie meinest, dass ich mein Zeit vertreib,<br /></span> -<span class="i0">Das zeigt Dir die Contrafraktur.<br /></span> -<span class="i0">Weil mich nun GOtt und die Natur<br /></span> -<span class="i0">Also erschuff, hats mir doch geben,<br /></span> -<span class="i0">Alles zu thun mit Füssen eben,<br /></span> -<span class="i0">Essen vnd trinken vber Tisch<br /></span> -<span class="i0">Mit meinem Fuss ich bhend erwisch,<br /></span> -<span class="i0">Schreib, mahl, schnitz, bindt Bücher ein,<br /></span> -<span class="i0">Das Armbrust kan ich brauchen fein,<br /></span><span class="pagenum"><a name="Seite_xvi" id="Seite_xvi">[S. xvi]</a></span> -<span class="i0">Zehl Gelt, vnd auff freundlichs begehren<br /></span> -<span class="i0">Im Bretspiel meins Manns mich thu wehren.<br /></span> -<span class="i0">Schenk ein, trink auss, die Kleider mein<br /></span> -<span class="i0">Anleg selbst, schneid ein Feder fein.<br /></span> -</div> -</div> - -<p class="right">Thomas Schweicker Halensis«.<br /></p> - -<p>Unter einem seiner zahlreichen Bildnisse finden sich folgende, -seine Thätigkeit charakterisirende Verse:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Der grosse Wunder-GOtt kan nichts als Wunder machen,<br /></span> -<span class="i0">Diss zeuget Schweickers Bild, diss weisen Schweickers Sachen.<br /></span> -<span class="i0">Der Mann ist ohne Hand geboren auf die Welt,<br /></span> -<span class="i0">Und treibet mit dem Fuss, was aller Welt gefält;<br /></span> -<span class="i0">Er trank, er ass, er schrieb, schnid Federn mit den Füssen,<br /></span> -<span class="i0">Spannt Bogen, drückt sie ab, wusst seine Lust zu büssen<br /></span> -<span class="i0">Mit Spielen in dem Brett. Der Maximilian,<br /></span> -<span class="i0">Das Haupt der Christenheit, hielt hoch den Wundermann,<br /></span> -<span class="i0">Auch Churfürst Friederich am Rhein hat ihn bey Leben<br /></span> -<span class="i0">Als einem Wundermann Schild, Helm zum Wappen geben.<br /></span> -<span class="i0">Der Du ihn siehst, gedenk: Was die Natur verletzt<br /></span> -<span class="i0">An <span class="gesperrt">einem</span>, hat Verstand am <span class="gesperrt">andern</span> Theil ersetzt«.<br /></span> -</div></div> - -<p>In einem nach Schweickers Tode verfertigten Epigramm sagt -M. J. Gaeterus — um eine weitere poetische Betrachtung über -dessen Fertigkeit anzuführen:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">»Von Mutterleib ohn Arm und Händt<br /></span> -<span class="i0">Geboren an sein Füssen bhendt<br /></span> -<span class="i0">Alles gantz hurtig und ohn Zill<br /></span> -<span class="i0">Verricht, wie mans nur haben will;<br /></span> -<span class="i0">Er isst und trinkt, spilt, gibt und trinkt,<br /></span> -<span class="i0">Alls mit seinen Füssen zwegen bringt«.<br /></span> -</div></div> - -<p>Man sieht, dass sich der Beifall, den seine Leistungen fanden, -zu einem förmlichen Cultus erhoben hatte und welch' ein reicher -Kranz poetischer Blüthen und Betrachtungen in Prosa, die, wollte -man sie gesammelt veröffentlichen, einen stattlichen Band füllen -würden, sich um Schweickers interessante Figur geflochten hat.</p> - -<p>Aber nicht die Dichtkunst allein, auch die bildenden Künste -glorificirten ihn, denn nicht nur auf Kupferstichen wurde er abgebildet, -sondern auch Medaillen, die sein Bild zeigten, wurden ihm -zu Ehren geprägt. Die eine hatte die Form und den Umfang eines -Thalers und zeigte auf der einen Seite Schweicker, wie er die -Umschrift: »Thomas Schweicker im 41. Lebensjahre 1581« mit den -Füssen selbst schreibt. Auf der Reversseite befindet sich in sieben<span class="pagenum"><a name="Seite_xvii" id="Seite_xvii">[S. xvii]</a></span> -Zeilen ein Citat aus dem 138. Psalm: »Wunderbar sind Deine Werke, -und das erkennet meine Seele wohl«. Eine andere, zwar etwas -grössere, doch minder scharfe, wurde im Jahre 1595 geprägt.</p> - -<p>Nach alledem kann es nicht wundernehmen, wenn Schweicker -vom ganzen Lande und über dessen Grenzen hinaus gekannt und -geschätzt war. Um ihn zu sehen, kamen die Leute von ferne -herbei und aus Schlesien erschienen Boten in Hall, bloss zu dem -Zweck, sich beglaubigte Zeugnisse über die Existenz und Fähigkeiten -Schweickers von der Obrigkeit zu erbitten.</p> - -<p>Aber, wie es oft gerade dem besten Künstler ergeht, sei es -wegen seiner zu grossen Freigebigkeit und Unterstützung armer -Freunde, sei es, weil minderwerthe Concurrenten auf der Bildfläche -erscheinen und ihm die Einnahmen schmälern, auch Thomas Schweicker -hatte mit pecuniärer Noth zu kämpfen, und richtete deshalb im -December 1570 an den Kaiser Maximilian II. folgende, <span class="gesperrt">mit den -Füssen geschriebene Bittschrift</span>:</p> - -<p class="center"> -Psalm CXLIII<br /> -Prope est Dominus invocantibus cum omnibus invocantibus cum in -veritate. -</p> - -<p>Allerdurchlauchtigster, Grossmächtigster, Christlichster Kayser, -gnädiger Herr, nachdem der Allmächtige Ewige Gott und Vater -unsers einigen Herrn und Heylandes Jesu Christi mich armen, -elenden und verletzten Menschen also und dergestalt in diese Welt -erschaffen hat, dass ich aus Mangel meiner Glieder meine Leibes-Nahrung -und Unterhalt leider für mich selbst nicht gewinnen noch -erlangen kan: Derowegen ist hierauf an Eure Kayserliche Majestät, -als an meinen gnädigsten Herrn, meine gantz unterthänigste, demüthigste -und fleissigste Bitte und Begehr, Eu. Kayserl. Majest. -wollen aus angebohrner hoch- und weitberühmter Mildigkeit mich -armen, elenden und verletzten Menschen lauter um GOtteswillen -gnädiglich bedenken, auff dass ich die übrige Zeit meines armuthseeligen -Lebens durch GOttes und Eu. Kayserl. Majestät Hülffe und -Beförderung auch in dieser Welt möge zubringen. Solches um Eu. -Kayserl. Majestät zu verdienen mit meinem armen, andächtigen -Christlichen und emsigen Gebet, gegen GOtt dem Allmächtigen, für -Eu. Kayserl. Majestät, will ich armer gehorsamer mit höchstem Fleiss -zu aller Zeit, treulich thun, auff dass der Barmherzige Gütige GOtt -Euere Kayserl. Majestät in langwieriger Gesundheit und glücklicher -Regierung gnädiglich erhalten wolle. -A. M. E. N.<br /> -</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_xviii" id="Seite_xviii">[S. xviii]</a></span></p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Thomas Schweicker Hallensis<br /></span> -<span class="i0">Quem Natura Brachiis Spoliavit<br /></span> -<span class="i0">Hoc Scripsit cum pedibus suis<br /></span> -<span class="i0">Anno Christi unici mediatoris<br /></span> -<span class="i0">Salvatorisque nostri M. D. L. XX.<br /></span> -<span class="i6">In mense Decembri.<br /></span> -</div></div> - -<p>(Verdeutscht: Thomas Schweicker aus Hall, den die Natur -der Arme beraubte, schrieb dies mit seinen Füssen im Jahre 1570 -im Monat December.) Das Original des Briefes, auf dessen Rückseite -die Worte standen: »Gott giebt nicht Alles Allen«, befand sich -noch hundert Jahre später in der Kanzlei zu Prag.</p> - -<p>Anlass zu diesem Brief gab wohl die Anwesenheit des Kaisers -Maximilians in Hall bei der Reise zu einem in Speier stattfindenden -Reichstage, bei der er auch auf Schweicker und seine eminente -geistige und körperliche Begabung aufmerksam gemacht wurde.</p> - -<p>Gleichzeitig suchten auch Friedrich III. von der Pfalz und -August von Sachsen den weitberühmten Wundermann auf, während -ihn Ludwig von der Pfalz 1584 nach Heidelberg entbieten liess.</p> - -<p>Nach einem also wechselvollen und inhaltsreichen Leben ist -dann Thomas Schweicker am Donnerstag, den 7. October 1602, -Morgens zwischen sechs und sieben Uhr, verschieden, nachdem ihn -am 4. October eine anscheinend leichte Erkrankung auf das Lager -geworfen hatte. Am 8. October wurde er — eine besondere Vergünstigung -— unter dem Chor der Hauptkirche St. Michael beigesetzt. -Seine Leichenrede, die im folgenden Jahre zu Frankfurt a. M. gedruckt -wurde, hielt der Prediger Johannes Weidner über den 39. Psalm. -Dieselbe enthält noch weitere interessante Mittheilungen über den -Verblichenen. Hier sei nur noch der Schluss mitgetheilt, der zugleich -Schweickers Grabschrift bildete (den Grabstein hatte er sich -selber angefertigt und nur die Grabschrift wurde nachgefügt) und -also lautete:</p> - -<p>»Im Jahre 1602, den 7. Tag Octob., seines Alters 61. Jar, -starb Thomas Schweicker, Bürger allhier zu Schwäbischen Hall am -Cöcher, welcher ohne Arm und Händ, also von Mutterleib in diese -Welt gebohren, und hat gantz zierlich und kunstreich seine Grabschrifft, -welche von den Edlen, Vesten Herrn Consulibus und -gantzem E. Rath der Statt in dem Haupttempel daselbst zu S. Michael, -durch die Befreunden im Chor zu stellen, günstig approbiret, vor -seinem Ende mit seinen Füssen geschrieben, den 29. Jun. An. 1592.<span class="pagenum"><a name="Seite_xix" id="Seite_xix">[S. xix]</a></span> -Seines Alters im 51. Jahr, der Allmächtige GOtt wolle ihme und -allen Ausserwehlten hie seinen Frieden, und dorten ein ewiges Leben -mit einer fröhlichen Auferstehung gnädiglich verleihen. AMEN.« —</p> - -<p>Unter den wenigen Fusskünstlerinnen, die sich im neunzehnten -Jahrhundert öffentlich producirten, war es namentlich eine Elise -Ebbinghaus, die durch ihre kunstvollen Perlen- etc. Stickereien, die -sie mit den Füssen und dem Munde zugleich ausführte, die Aufmerksamkeit -der Damenwelt auf sich zog. Ebenso schrieb sie sehr -geläufig und schön, sowohl mit dem Munde als auch mit den -Füssen. —</p> - -<div class="figcenter" style="width: 547px;"> -<img src="images/b019_ill.jpg" width="547" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Nun zu den noch lebenden Fusskünstlern. Schon seit vielen -Jahren besitzt der erste unter ihnen, Herr C. H. Unthan, einen Weltruf, -und so kann es für die Leser nur von Interesse sein, über diesen -Künstler Näheres zu erfahren. In einem Interview gab uns Herr -Unthan in der liebenswürdigsten Weise Auskunft über seine Entwickelung -und Lebensschicksale und zugleich die erwünschte -Gelegenheit, uns auch im näheren Umgange davon zu überzeugen, -dass das Fehlen der Arme ihn nicht gehindert hat, in seinen -Lebensgewohnheiten es dem normal entwickelten Menschen gleichzuthun -und sich ausserdem durch eiserne Willenskraft ein so reiches<span class="pagenum"><a name="Seite_xx" id="Seite_xx">[S. xx]</a></span> -Maass von Kenntnissen und Fertigkeiten anzueignen, dass er ein -vollwerthiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft und ein überaus -interessanter Gesellschafter wurde.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 549px;"> -<img src="images/b020_ill.jpg" width="549" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Unthan ist am 5. April 1850 in Königsberg geboren. Statt -der Arme hat er nur zwei etwa handlange stummelartige Ansätze -mit je einem Finger. Zu irgend welcher Thätigkeit ist keiner -derselben zu gebrauchen, der linke ist durch einen Schrotschuss, -den Unthan sich mit 13-1/2 Jahren aus Versehen beibrachte, auch -noch jeder Bewegungsfähigkeit beraubt. Als Unthan etwa 9 Monate -alt war, begann er, nur auf seine Füsse angewiesen, instinctiv sich -dieser so zu bedienen wie andere Kinder ihrer Hände, und mit dem -vollendeten zweiten Jahre konnte der Knabe vollständig allein essen -und trinken. Mit 4 Jahren begann er aus Neugierde und Nachahmungsbedürfniss -Schreibversuche mit den Füssen zu machen; -und heute schreibt Herr Unthan eine ausgeschriebene, kräftige und -gewandte »Fussschrift«. Sein Vater, der Schullehrer war, bestimmte -ihn zunächst für einen gelehrten Beruf, und so besuchte der Knabe -bis Obersecunda das Gymnasium, wo er sich in den Kämpfen -zwischen Gymnasiasten und Realschülern als gefürchteter Kämpfer<span class="pagenum"><a name="Seite_xxi" id="Seite_xxi">[S. xxi]</a></span> -d. h. Treter hervorthat. Er hatte damals, wie er lachend erzählte, -eine besondere Vorliebe für Schienbeine. Mit 16 Jahren besuchte -Unthan dann das Conservatorium zu Leipzig, um dort seiner -leidenschaftlichen Vorliebe für Violinspiel, das er seit seinem -10. Jahre immer und immer wieder probirt hatte, nachzugehen. -Sein Lehrer war dort Ferdinand David. Nachdem Unthan diese -Studien hinter sich hatte, begann er in Concerten und Theatern -aufzutreten, zunächst aber nur als Violinspieler. Von 1869 an -führten ihn seine Kunstreisen nach Frankreich, England und nach -einem Ruhejahr in Ostpreussen nach Nord- und Südamerika. -Mexiko bereiste er als ausgezeichneter Reiter ganz zu Pferde, und -auf einem Maulthiere unternahm er selbst einen Zug über die -Cordilleren. Von 1876 ab nahm Unthan dann auch andere Nummern, -die er im Laufe der Jahre erlernt hatte, in sein Programm auf. -Alle Verrichtungen, die ein gewöhnlicher Sterblicher mit seinen -Händen und Armen ausführt, versieht Unthan mit seinen Füssen. -Er wäscht, kämmt, rasirt sich, schneidet sich sein Brot ab und -macht es zurecht, und zwar Alles nur mit normalem Zeitaufwand. -Er reitet, fährt, schwimmt und taucht ausgezeichnet und führt seine -Correspondenz selbstständig.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/b021_ill.jpg" width="600" height="398" alt="" /> -</div> - -<p>Es kann nicht wundernehmen, dass sich mit diesem Manne -die medicinische Wissenschaft eingehend beschäftigt hat. Autoritäten -wie Virchow und Professor Hamy-Paris haben ihn eingehend unter<span class="pagenum"><a name="Seite_xxii" id="Seite_xxii">[S. xxii]</a></span>sucht -und nur constatiren können, dass Unthan vollständig normale -Fuss- und Beinbildung aufweist. Ja, Virchow hat sogar die Frage -nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen, ob die Bewegungsfähigkeit -der unteren Extremitäten und ihrer Theile, sowie ihre -starke Entwickelung, wie sie bei Unthan vorhanden, nicht eigentlich -das Natürliche für das Menschengeschlecht gewesen und nur einer -Regeneration gewichen sei. Der Künstler sagt von sich selbst, -dass er ein gesundes, sanguinisches Temperament besitze und sich -stets eines ausgezeichneten Appetits erfreue. Das Gedächtniss werde -dadurch, dass er nicht stets »mit dem Bleistift in der Hand« dastehen -könne, um Alles zu notiren, auch gestärkt, und um dem -Oberkörper genügende Bewegung zu verschaffen, pflege er eben das -Schwimmen. Hierin soll er ganz Hervorragendes leisten. Erwähnt -sei noch, dass Herr Unthan auf seinen vielen Reisen sich eifrig mit -Sprachstudien beschäftigte, so dass er jetzt sieben verschiedene -Sprachen beherrscht.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 544px;"> -<img src="images/b022_ill.jpg" width="544" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Aus eigenster Kraft hat sich dieser seltene Künstler zu seiner -jetzigen Bedeutung emporgerungen, und ständig arbeitet er an der -Vervollkommnung seines Könnens weiter.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_xxiii" id="Seite_xxiii">[S. xxiii]</a></span> - -Er ist, wie er selbst sagt, einer von denen, die nie ohne -Arbeit sein können. Hoffentlich ist dem strebenden, fast jugendlich -elastischen Künstler noch eine lange ehrenvolle Laufbahn und ein -behagliches Privatleben an der Seite seiner Gattin, mit der er seit -sechszehn Jahres in glücklicher Ehe lebt, beschieden.</p> - -<p>Als gleichwerthiges Pendant muss auch der Rumpfkünstler -<span class="gesperrt">Kobelkoff</span> registrirt werden, den die Natur noch stiefmütterlicher -bedacht hat, wie seinen berühmten Zeitgenossen Unthan, da er <span class="gesperrt">nur -der Rumpf</span> eines menschlichen Körpers ist, dem alle vier Extremitäten -fehlen, wahrend Unthan doch wenigstens über die beiden -unteren verfügen kann.</p> - -<p>Kobelkoff ist ein so seltenes Phänomen, dass kein anatomisches -Museum auch nur annähernd ein solches als corpus delicti aufzuweisen -hat, und in den berühmten Werken von Buffon, Humboldt, -St. Hilaire etc. sind auch nicht die kleinsten Andeutungen, die auf -ein ähnliches Vorkommen in früheren Zeiten schliessen lassen, -enthalten.</p> - -<p>Er erregt die Theilnahme aller Derer, die ihn sehen, zuerst -im höchsten Grade, dies Mitleid wird aber sehr schnell durch seine -Lebhaftigkeit und durch die staunenswerthe Weise abgeschwächt, -mit der er sich auch ohne die nach allgemeinen Begriffen unentbehrlichen -Gliedmassen zu behelfen weiss, denn er schreibt mit -grosser Fertigkeit, isst mit Löffel und Gabel, zeichnet und malt, -verrichtet überhaupt Alles, was Andere, von der Natur Bevorzugtere -mit den Armen event. auch Beinen verrichten, mit der grössten -Gewandtheit ohne dieselben.</p> - -<p>Seine stets heitere Laune, seine geselligen Manieren etc. führen -bald zu der Erkenntniss, dass er sich nicht unglücklich fühlen kann, -um so weniger, als er eine Lebensgefährtin fand und Vaterfreuden -ihn an das Dasein fesseln. In den vierundzwanzig Jahren der Ehe, -die bis jetzt (1899) verflossen, sind derselben elf Kinder entsprossen, -von denen noch fünf wohlgebaute Knaben und ein Mädchen -am Leben sind.</p> - -<p>Nicolai Wasilowitsch Kobelkoff ist in Wossnesensk bei Troizk -im Gouvernement Orenburg, einer kleinen, freundlichen Stadt im -asiatischen Russland, am 22. Juli 1851 geboren und zwar ohne -Arme und Beine. Sein Vater war Angestellter in dem in der Umgegend -befindlichen kaiserlichen Goldbergwerke. Da die Schwangerschaft -ohne jegliche Störung der normalen Verhältnisse und des -physischen Wohlbefindens der Mutter verlief, so war die Ueber<span class="pagenum"><a name="Seite_xxiv" id="Seite_xxiv">[S. xxiv]</a></span>raschung -um so grösser, als bei der Geburt nur ein Rumpf ohne -jegliche Gliedmassen zur Welt kam, der jedoch durch ganz energisches -Schreien das Vorhandensein einer gesunden Lunge documentirte.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 421px;"> -<img src="images/b024_ill.jpg" width="421" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Der kleine Weltbürger wurde mit der grössten Aufopferung -gepflegt, so wie im Laufe der Jahre der Körper sich entwickelte, -so nahmen auch die geistigen Fähigkeiten einen guten Fortgang, -und mit dem zehnten Lebensjahre brachte man den »kleinen« Nicolai -nach Troizk in die Kreisschule, wo ein menschenfreundlicher Pfarrer -seine Ausbildung übernahm.</p> - -<p>Das war jedoch eine schwierige Sache, da, wenn Nicolai auch -über einen regen Verstand verfügte, infolge des Fehlens der Arme -und Hände das Erlernen des Schreibens etc. schlechterdings als unmöglich -erschien. Da kam der Geistliche endlich auf die Idee, ob -sich die fehlende Hand nicht durch gemeinsame Anwendung des -Armstumpfes und der Wange ersetzen liesse, und als schon der erste -Versuch günstige Resultate versprach, da wurden die Exercitien mit -solchem Feuereifer betrieben, dass neben dem Schreiben auch Ver<span class="pagenum"><a name="Seite_xxv" id="Seite_xxv">[S. xxv]</a></span>suche -im Essen mit Löffel, Messer und Gabel, überhaupt in allen -Arbeiten gemacht wurden, die von normalen Menschen mit den -Händen ausgeführt werden, die denn auch vollständig glückten. So -hat sich denn Kobelkoff im Laufe der Zeit eine Schrift angeeignet, -um die ihn, wie Hofrath Professor Weinlechner sich in einem Gutachten -ausdrückt, Mancher mit normal gebildeten Händen beneiden -dürfte; die Wange dient beim Schreiben nämlich als Daumen und -der Armstumpf als Zeigefinger.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 1514px;"> -<img src="images/b025_ill.png" width="1514" height="409" alt="" /> -<div class="caption">(Schrift Kobelkoff's).</div> -</div> - -<p>Fünf Jahre lang stand er unter der Obhut des Priesters, der -zugleich sein Religionslehrer war, als der Menageriebesitzer Berg in -den Ort kam, von dem phänomenalen Knaben hörte und ihn für die -Reise engagirte, die denn auch am 12. Mai 1872 angetreten wurde. -In Petersburg wurde er dem Publicum überhaupt zum ersten Male -vorgestellt; dann wurde ein Engagement in Berlin und dann ein -solches in Wien absolvirt, wo er dem Publicum im Jahre 1875 -zum ersten Male gezeigt wurde. Hier lernte er auch seine Frau -kennen, und als die Hochzeit im Jahre 1876 in Budapest stattgefunden -hatte, da begann ein echtes Nomadenleben, indem das Ehepaar -von Land zu Land, von Stadt zu Stadt zog. So kam es auf -seinen Wanderungen nach Deutschland, Frankreich, England, -Spanien etc., überall das grösste Aufsehen erregend, das seinen -Gipfelpunkt jedoch in der Bewunderung fand, die die grössten Gelehrten -aller Länder den geistigen und körperlichen Fähigkeiten -trotz der abnormen Körperbildung zollten.</p> - -<p>Kobelkoff ist ein Temperenzler und nimmt keine geistigen -Getränke zu sich; er lebt nur von Milch, Thee und Fleisch, die er -täglich mit grösster Regelmässigkeit dreimal zu sich nimmt, wie denn -sein ganzes Leben gleichmässig, wie durch ein Uhrwerk regulirt, -verläuft. Seine Ruhestätte ist ein kleines, einer Wiege ähnliches -Bett, das sich etwa vierzig Centimeter über dem Fussboden erhebt, -und in das er sich ohne jede Beihülfe hineinlegt und es auch<span class="pagenum"><a name="Seite_xxvi" id="Seite_xxvi">[S. xxvi]</a></span> -wieder verlässt. Seine stete Begleiterin ist seine — Privat-Equipage, -ein dreirädriger Kinderwagen, der mittels vier Handgriffen in die -Bahnwaggons verladen wird und der vorne durch Vorhänge verschlossen -ist, um dem Publicum während der Reise den Einblick -zu verwehren.</p> - -<p>Von sämmtlichen Ausstellungen Frankreichs und Italiens, auf -denen Kobelkoff sich producirte, besitzt er die ersten Preis-Medaillen -für seine Leistungen, und am 26. April 1899 ward ihm die hohe -Ehre zu theil, sich auch vor Sr. Kaiserl. Königl. Hoheit dem -Erzherzog Ludwig Victor, Bruder Sr. Maj. des Kaisers Franz Joseph I., -produciren zu dürfen. —</p> - -<p>Ein ähnliches Genre wie Unthan cultivirt der sympathische -Südfranzose Jean de Henau, der besonders als Schnellmaler und -Mandolinen-Virtuose Hervorragendes leistet und eine gesuchte -Attraction der modernen Variétébühnen ist. (Abbildung umstehend.)</p> - -<p>Neben den Fuss- und Rumpfkünstlern dürfen auch die Zwerge -als <span class="gesperrt">Abnormitäten</span> (nur <span class="gesperrt">solche</span> sind sowohl die Zwerge als auch -die Riesen, nicht aber <span class="gesperrt">Missgeburten</span> im eigentlichen Sinne des -Wortes, wie die Fuss- und Rumpfkünstler, da sie in der Regel als -<span class="gesperrt">normale</span> Körper zur Welt kamen und nicht ersichtlich war, dass -sie später in ihrer Körperentwicklung zurückbleiben oder sie überschreiten -würden — diese abnormen Erscheinungen traten meist -erst mehrere Jahre nach der Geburt zu Tage) unsere Aufmerksamkeit -beanspruchen, da man sie jetzt meistens als Miniatur-Artisten -zu sehen und zu hören bekommt, sie also keine exclusiven Schauobjecte -mehr, wie früher, sind, sondern sich jetzt enger an das -Gebiet der Artistik anlehnen. Eine allzugrosse Seltenheit bilden sie -heutzutage gerade nicht mehr, und man konnte namentlich in den -letzten Decennien des neunzehnten Jahrhunderts eine Vermehrung -dieser im Wachsthum <span class="gesperrt">zurückgebliebenen</span> Menschen constatiren, -während die im Wachsthum wieder zu stark <span class="gesperrt">vorgeschrittenen</span> -Riesen im Aussterben begriffen zu sein scheinen, da sie immer -mehr von der Bildfläche verschwinden.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/b027_ill.png" width="600" height="464" alt="" /> -<div class="caption">Jean de Henau.</div> -</div> - -<p>Die heutigen Zwerge und Riesen kennt man so ziemlich -alle, sorgen doch die Impresarien schon frühzeitig dafür, dass -möglichst viel wahr- und unwahrscheinliche Begebenheiten aus ihrem -Leben zu Reclamezwecken in die Oeffentlichkeit gelangen. Dagegen -sind viele Daten über Riesen und Zwerge aus früheren Zeiten -unbekannt, und wenn auch diese gesammelt hier veröffentlicht -werden, so geschah das der Vollständigkeit wegen nicht nur, sondern<span class="pagenum"><a name="Seite_xxvii" id="Seite_xxvii">[S. xxvii]</a><br /><a name="Seite_xxviii" id="Seite_xxviii">[S. xxviii]</a></span> -vornehmlich, weil sie interessant genug sind, um auch in weiteren -einschlägigen Kreisen bekannt zu werden.</p> - -<p>(Der französische Gelehrte Henrion schrieb im Jahre 1718 ein -Werk, in welchem er zu beweisen suchte [doch wohl nicht, um -sich unsterblich — lächerlich zu machen?], dass Adam 41 Meter -60 Centimeter, und Eva 40 Meter hoch war. Abraham soll 6 Meter -60 Centimeter, Moses 4 Meter 70 Centimeter und Goliath 4 Meter -gemessen haben, die damalige Elle zu 58 Centimeter gerechnet.)</p> - -<div class="figcenter" style="width: 574px;"> -<img src="images/b027_ill.jpg" width="574" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Berühmte Riesen alter Zeit waren <span class="gesperrt">Walther Passous</span>, der -Portier des Königs Jacob I., und <span class="gesperrt">Maximilian Müller</span>, der im -55. Lebensjahre noch wuchs. Der Erste war 7 Fuss 6 Zoll, der -Zweite 8 Fuss hoch. Sie wurden aber von dem berühmten -<span class="gesperrt">Patrick O'Brien</span> (Patrick Colter) übertroffen, der 38 Jahre alt, -schon 8 Fuss 7 Zoll Höhe erreicht hatte. Von ihm erzählt man -sich, dass er seine Pfeife oft an den Strassenlaternen angezündet -habe. Er starb im Alter von 47 Jahren. Da er fürchtete, nach -seinem Tode secirt zu werden, so vermachte er zwei Fischern -200 Pfd. Sterling, mit dem Auftrage, seinen Leichnam ins Meer -zu werfen. Professor William Hunter, der den phänomenalen Körper -aber gar zu gerne zu wissenschaftlichen Studien erlangt hätte, -versprach den Fischern ebenfalls 200 Pfd., wenn sie ihm den -Leichnam dennoch überliessen. Sie warfen denn den entseelten -Körper richtig ins Meer, banden ihn aber zuvor an ein langes Seil, -das am Ufer befestigt war, an dem der Herr Professor den Leichnam -wieder aus dem Meere zog und sich aneignete, als die Fischer sich -entfernt hatten.</p> - -<p>1897 starb in Bournemouth der chinesische Riese Chang-Yu-Sing, -der 1864 zuerst in London auftrat und gleich jedem ins -Ausland gehenden Chinesen seinen Sarg überallhin mit sich nahm. -Er mass 2 Meter 36 Centimeter, wurde somit von dem Riesen -<span class="gesperrt">Drasal</span> noch um 4-1/2 Zoll überholt, der 310 Pfd. schwer war und -im Alter von 45 Jahren am 17. December 1886 in seinem Heimathsorte -Holleschau in Mähren starb.</p> - -<p>Ein berühmter Riese war auch der Oesterreicher <span class="gesperrt">Franz -Winkelmeier</span>, der die Höhe von 8 Fuss 9 Zoll erreicht hatte, -aber überaus mager war und am 4. September 1887 im Alter von -24 Jahren in London an der Schwindsucht starb. — Die grösste Riesin, -welche je auf Erden gelebt hat, war <span class="gesperrt">Marian</span> (Maria Wedde), geboren am -31. Januar 1866 zu Benkendorf bei Halle a. d. Saale, gestorben -Anfang 1885 in Paris. Das Riesen-Fräulein hatte das respectable Mass<span class="pagenum"><a name="Seite_xxix" id="Seite_xxix">[S. xxix]</a></span> -von 2,65 Meter erreicht. — Nicht geringes Aufsehen erregte in den -neunziger Jahren der am 12. September 1880 in Gross-Mohnau -(Kreis Schweidnitz) geborene Riesenknabe <span class="gesperrt">Carl Ullrich</span>, der mit -fünfzehn Jahren eine Höhe von 2,5 Meter erreicht hatte, dann aber -im Wachsthum stehen blieb. Seit jener Zeit zeigten sich aber bei -ihm Krankheits-Symptome, anfangs nur in Form leicht und schnell -vorübergehenden Unwohlseins, das im Laufe der Zeit jedoch so -bedenkliche Dimensionen annahm, dass er von Russland aus zur -Erholung zu seinen Eltern nach Gross-Mohnau zurückreiste. -Die Krankheit nahm aber einen so ernsten Charakter an, dass seine -Eltern ihn auf Anrathen der Aerzte dem Krankenhause der barmherzigen -Brüder in Breslau zur Pflege übergaben, bei denen er -1897, 17 Jahre alt, an der Zuckerkrankheit starb. Die Dimensionen -seines Körpers waren so ungeheuerlich, dass z. B. seine Füsse genau -gemessen 42 Centimeter lang waren und dass durch seinen Ring, -den er am Mittelfinger der rechten Hand trug und der nur gerade -passend war, bequem ein Thaler hindurch ging. In seinem -wissenschaftlichen Gutachten über ihn sagt Prof. Virchow u. A.: -»Da alle Organe bei ihm fehlerlos functioniren, so wird Carl Ullrich, -wenn er ausgewachsen ist, alle bisherigen Riesen an Grösse und -Schönheit übertreffen.« —</p> - -<p>Nun noch um ein paar Decennien zurückblickend, war in den -vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts die »ausgezeichnete Riesendame« -(so nannte sie sich) <span class="gesperrt">Elise Schmidt</span> wohl die einzige -Riesin, die sich öffentlich sehen liess. Sie war über 7 Fuss rhein. -hoch, aber von unbeschreiblicher Magerkeit. Als die Spuren des -Alters sich wegen ihrer Derbheit nicht mehr aus dem Gesichte -wegretouchiren lassen wollten, da zeigte sie sich (Ende der vierziger -Jahre) in Gesellschaft einer recht hübschen und zahlreichen Sammlung -von — Schlangen und Krokodilen, wahrscheinlich, damit durch -diese die Aufmerksamkeit der Zuschauer in etwas von ihrer eigenen -Person abgelenkt werden sollte. Einer ihrer älteren Brüder, ebenfalls -ein Riese, der frühzeitig starb, war Flügelmann beim ersten -Garde-Regiment in Potsdam, somit der grösste Mann der ganzen -preussischen Armee. Sein Skelet, das 7 Fuss 3 Zoll rhein. hoch -ist, ist im anatomischen Museum in der Universität in Berlin -aufgestellt.</p> - -<p>In der Mitte der fünfziger Jahre war es der Riese Mr. Murphy, -der das allgemeine Interesse durch seine Hünengestalt auf sich zog. -Er war 8 Fuss 2 Zoll rhein. hoch, aber von durchaus proportionirten<span class="pagenum"><a name="Seite_xxx" id="Seite_xxx">[S. xxx]</a></span> -Körperformen, so dass seine Grösse im gewöhnlichen Leben gar nicht -so sehr zur Geltung kam, sondern erst dann, wenn nach allgemeinen -Begriffen grosse Männer zum Vergleiche neben ihm standen. Das -Interesse für ihn war so gross, dass in Frankfurt a. M. z. B. seine -Höhe an den Thürrahmen der Säle der Hotels und Restaurants als -Wahrzeichen angemerkt war, in denen er sich während der Herbstmesse -1856 gezeigt hatte.</p> - -<p>Mit Murphy gleichzeitig zeigte sich in Deutschland die Schweizer -Riesin <span class="gesperrt">Marie Schubiger</span> aus dem Canton Thurgau. Sie war auch -etwas über 7 Fuss rhein. hoch, von seltenem Ebenmass der Körperformen -und verfügte über ganz ungewöhnliche Kräfte. Wenn sie -sich auch stets unter ihrem Mädchen-Namen zeigte, so war sie doch -eine verehelichte Frau Fehr, und ihr Gatte war Obergärtner in den -Königl. Gärtnereien in Turin; sie hatte ihn auf ihrer Tournée durch -Italien kennen gelernt und sich mit ihm verehelicht.</p> - -<p>Gleich Murphy zeigte sie sich stets auf den grossen deutschen -Messen, und trafen sie dann, wie das wiederholt vorkam, an solchen -Plätzen zufällig zusammen, so zeigten sie sich zwar in verschiedenen -Localen, arrangirten aber zum Schluss der Messe dann gewöhnlich -in einem der grössten Säle einen sog. »Riesen-Ball«, bei dem sie -nicht nur die Tänze anführten, sondern sie auch leiteten — eine -Speculation, die ihnen oft enorme Summen eintrug.</p> - -<p>Als sie in der letzten Hälfte der fünfziger Jahre auch in -Paris zusammentrafen, da interessirte sich Kaiser Napoleon III., der -seine Jugendzeit im Schlosse Arenenberg im Canton Thurgau verlebt -hatte, so sehr für seine »Schweizer Landsmännin«, dass er ein -Ehebündniss zwischen ihr und Murphy zustande bringen wollte, -um allmählich ein »Riesen-Geschlecht« heranzubilden, eine Lieblings-Idee, -die zu seinem Leidwesen unrealisirbar war, da Marie Schubiger -bereits Frau Fehr hiess. — Nur wenige Jahre noch, da sie in den -dreissiger Jahren stand, reiste sie und zog sich dann auf ihr am -Schweizer Ufer des Bodensees belegenes Gut, das sie fortan selber -bewirthschaftete, aus der Oeffentlichkeit zurück.</p> - -<p>Im Gegensatze zu den Riesen fiel den Zwergen in der -Geschichte eine viel grössere Rolle zu. Wollte man doch schon -zur Zeit des Parazelsus Homunculi (Menschlein) auf chemischem -Wege herstellen. (Das Verfahren der Herstellung von künstlichen -Zwergen aus ursprünglich normal gebauten Kindern stammt aus dem -Orient, und der Alkohol bildet einen wichtigen Bestandtheil des<span class="pagenum"><a name="Seite_xxxi" id="Seite_xxxi">[S. xxxi]</a></span> -Receptes.) Zweifellos ist es erwiesen, dass vornehme Damen alter -Zeit auf ihren Höfen Zwerge hielten, ebenso, wie später zur Zeit -der Madame Pompadour Mohrenknaben in der Mode waren.</p> - -<p>In der Renaissancezeit waren die Zwerge in den verschiedensten -Ländern Europas modern, insbesondere aber an den päpstlichen -Höfen. Bei einem Banket des Erzbischofs Vitalli im Jahre 1556 -bildeten 34 missgestaltete Zwerge die aufwartende Dienerschaft. -Ihre goldene Zeit hatten die Zwerge unter dem russischen Czaren -Peter dem Grossen. Die Schwester des Czaren, die Grossfürstin -Natalie, liebte sie leidenschaftlich und auf ihren Befehl wurden die -Zwerge aus der ganzen Welt nach Moskau berufen, und diese -leisteten der Einladung auch in überaus grosser Anzahl Folge. -In Moskau angelangt, wurden sie ins kaiserliche Palais geführt und -dort hatten sie ihre eigene Hofhaltung, schöne Gewänder und volle -Verpflegung, sowie goldene Equipagen, die mit je sechs Ponies -bespannt waren. Sie heiratheten auch unter sich, und jede Hochzeit -war ein vollkommenes Hoffest in Moskau.</p> - -<p>Ein glückliches Loos hatte <span class="gesperrt">Jeffrey Hudson</span>, oder richtiger -»Sir« Jeffrey Hudson, denn König Carl von England verlieh diesem -18 zölligen Männchen den Rang eines Barons. Er war vollendeter -Gentleman, höchst kriegerischen, ritterlichen Charakters und duldete -nicht, dass man seiner spottete, oder sich gar lustig machte. -Einst wurde er von einem Manne Namens Crofts beleidigt, Hudson -forderte ihn sofort zum Duell und erschoss ihn.</p> - -<p>Nicht so glücklich wie Sir Hudson war <span class="gesperrt">John Worrenburgh</span>. -Als er schon berühmt war, wollte er von Rotterdam nach England -heimkehren. Er logirte in einer Schachtel, ebenso, wie Gulliver -bei den Riesen, und diese war der Obhut eines Wärters anvertraut. -Letzterer aber, als er im Begriff war, sich einzuschiffen, glitt aus -und fiel sammt der Schachtel ins Wasser. Den Wärter zu retten -gelang zwar, Worrenburgh aber kam in seiner Schachtel elend -ums Leben. —</p> - -<p>Die Zwerge sterben in der Regel jung, eine Ausnahme bildete -vielleicht der polnische Graf Joseph Borowlaszki, der 1739 als -Zwerg geboren wurde und ein Alter von 98 Jahren erreichte. -Berühmt war auch <span class="gesperrt">Bébé</span>, der Zwerg des polnischen Königs Stanislaus, -der aber im Gegensatze zu dem geistreichen Zwerg-Grafen -Borowlaszki nur ein Crétin war. — Eine sehr bekannte Zwergenschönheit -ward unter dem Namen <span class="gesperrt">La Fée Corse</span> in London 1734 -gezeigt. Sie wog kaum 26 Pfund und war ausserordentlich schön,<span class="pagenum"><a name="Seite_xxxii" id="Seite_xxxii">[S. xxxii]</a></span> -nur stand ihre Nase in keinem Verhältniss zu ihrem kleinen -Körper. — <span class="gesperrt">Wybrand Lolkes</span>, ein holländischer Uhrmacher, der -nur 27 Zoll mass, heirathete eines der schönsten Mädchen -Rotterdams, welches ihn mit mehreren ganz normal gebauten -Kindern beschenkte. —</p> - -<p>Wenn wir schon von Zwergen sprechen, so dürfen wir auch -den berühmten General <span class="gesperrt">Tom Pouce</span> nicht vergessen. Er hiess mit -seinem wirklichen Namen Charles S. Stratton und wurde am -11. Januar 1832 in Bridgeport, Connecticut, geboren. Bei seiner -Geburt wog er 9 Pfund und war mit 5 Monaten ein hübsch -entwickeltes Baby, das dann aber nicht weiter wuchs. Sein Auftreten -machte riesige Sensation, und als seine Popularität im Zenith -stand (1847), da belief sich sein Jahreseinkommen auf 15,000 Pfd. -Sterling. Am 10. Februar 1863 verheirathete Barnum den General -mit <span class="gesperrt">Lavinia Warren</span> aus Middleboro. Mrs. Stratton war bei ihrer -Hochzeit 32 Zoll hoch und wog 29 Pfund, der General dagegen -war 35 Zoll hoch und wog 28 Pfund. Aus der Ehe entspross ein -wahrhaftes Miniaturkindchen, das aber nur kurze Zeit lebte. -Lavinia Warren starb am 23. Juli 1878 im Alter von 29 Jahren, -ihr Gatte am 15. Juli 1883 im Alter von 45 Jahren 6 Monaten -in Middleboro, Massachusetts.</p> - -<p>Dieses kleine Verzeichniss berühmter Riesen und Zwerge älterer -und neuerer Zeit kann keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit -machen, da namentlich in älterer Zeit wohl der weitaus grösste -Theil derjenigen Menschen, die wegen ihrer abnormen Grösse einerseits, -wegen ihrer abnormen Kleinheit andererseits Beachtung verdient -hätten, mit geringen Ausnahmen nicht in die Oeffentlichkeit -traten, sondern vielmehr ein beschauliches Privatleben führten. Sind -doch unter den Sehenswürdigkeiten der Frankfurter Messe von 1778 -ein Zwergmädchen und ein Riese als eine <span class="gesperrt">neue</span> und interessante -Schaustellung angeführt. Wahrscheinlich aber ist doch noch interessantes -Material in alten Archiven vergraben, das mir durch Zufall -einst an das Tageslicht gefördert und durch das dem Historiographen -erst in späterer Zeit eine grössere Concentrirung der Materie ermöglicht -wird.</p> - -<p> -<span class="gesperrt">Düsseldorf</span>, den 1. Sept 1899.</p> -<p class="right"> -<b>Signor Saltarino.</b> -</p> - - -<p class="pagebreak"><span class="pagenum"><a name="Seite_1" id="Seite_1">[S. 1]</a></span></p> - - - - -<div class="figcenter" style="width: 1162px;"> -<img src="images/p001_deco.png" width="1162" height="271" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2 class="nopagebreak">Johnson's zweiköpfiges Baby</h2> - - -<p class="noindent">wurde im März 1890 auf einem kleinen Bauernhofe, Hayword, -Wisconsin, Nord-Amerika, geboren, und da die »allwissende« -Presse in langen Artikeln auf dieses Wunder -aufmerksam machte, so wurden die Eltern auch bald mit -Offerten für ein öffentliches Produciren des Babys überhäuft -und nahmen denn auch endlich Engagements an.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 446px;"> -<img src="images/p001_ill.jpg" width="446" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Im Juli 1890 wurden die Kinder zum ersten Male in -einem Museum in Chicago vorgestellt und erregten so grosses<span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">[S. 2]</a></span> -Aufsehen, dass das Engagement mit einer Wochengage von -500 Dollars bei freiem Verkauf der Photographieen und -Lebensbeschreibungen auf zwei Jahre abgeschlossen wurde. -Leider wurde das Baby aber nur acht Monate alt und starb -am 9. October 1890 in M. S. Robinson's Museum in Buffalo -an den Masern, — ein Theil starb etwa fünf Stunden früher -als der andere.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 426px;"> -<img src="images/p002_ill.jpg" width="426" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Dass die körperlichen wie auch geistigen Functionen -vollständig unabhängig von einander waren, ist wohl aus -dem Cliché ersichtlich — indess der eine Theil schläft, wacht -der andere und lächelt. Die Eltern des Babys waren kleine -Bauern und kehrten nach dem Tode desselben wieder auf -ihren »Hof« zurück.</p> - -<div class="decos" style="width: 162px;"> -<img src="images/p002_deco.png" width="162" height="125" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span></p> - - - - -<h2>Madame Taylor</h2> - -<p class="center">die Zwerg-Riesen-Dame</p> - - -<p class="noindent">ist unter ihresgleichen insofern auch noch eine Specialität, -als die Riesen-Damen nicht nur gross, sondern meistens -auch corpulent sind, während Mme. Taylor eine Zwergin -von nur drei Fuss und einem Zoll Höhe ist, aber ein Gewicht -von 309 Pfund (engl. Gewicht) hat; sie wird somit auch mit -Recht die »Riesin unter den Zwergen« genannt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 411px;"> -<img src="images/p003_ill.jpg" width="411" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>In Peru geboren, wurde sie schon in ihrem vierzehnten -Lebensjahre als Zwergin ausgestellt, mit ihrem achtzehnten -Lebensjahre verheirathete sie sich mit einem »Feuerfresser«, -und fortan producirte das Ehepaar sich nur gemeinschaftlich -in Museen etc. Als sie aber nach einiger Zeit so corpulent -wurde, dass sie nicht mehr gehen konnte und es zu beschwerlich -war, sie auf Tritt und Schritt umherzutragen,<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span> -da zog sie sich von dem Schaugeschäft zurück und lebt -nun mit ihrer Familie — sie hat drei Töchter — in stiller -Zurückgezogenheit.</p> - -<div class="decos" style="width: 176px;"> -<img src="images/p004_deco1.png" width="176" height="133" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Lia May</h2> - -<p class="center">die Skelet-Riesin</p> - - -<p class="noindent">macht zur Zeit in Barnum & Bailey's Circus in England -grosses Furore. Sie ist in Milwaukee, Wisconsin (Amerika) -geboren und wurde schon in ihrem achtzehnten Lebensjahre -als Riesen-Mädchen gezeigt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p004_ill.jpg" width="419" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Um ihre Anziehungskraft zu erhöhen, kleidet sie sich -in Tricot und erscheint durch ihre Magerkeit bedeutend -grösser, wie sie wirklich ist. Durch ihre so recht herzlich -gemeinte Gutmüthigkeit ist sie bei Jedermann sehr beliebt.</p> - -<div class="decos" style="width: 132px;"> -<img src="images/p004_deco2.png" width="132" height="138" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span></p> - - - - -<h2>Madame Meyer</h2> - -<p class="center">die Bart-Dame</p> - - -<p class="noindent">ist in Fort Wayne, N.-A., geboren. Schon im Alter von -acht Jahren machten sich die Spuren eines Bartes bemerkbar, -die, allen angewandten Enthaarungsmitteln trotzend, so üppig -wucherten, dass sie sich schon mit sechszehn Jahren eines -so schönen Bartes »erfreute«, dass er dem Antlitz bedeutend -älterer Männer zur Zierde gereicht haben würde und nicht -selten deren Neid erregte.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p005_ill.jpg" width="419" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Schon in ihrer Jugend wurde sie in Museen ausgestellt -und im Laufe der Zeit hat sie sich nicht nur ein recht -hübsches Vermögen, sondern auch einen — Ehegatten (das -Cliché zeigt das Ehepaar) erworben, so dass sie jetzt, obgleich -erst achtunddreissig Jahre alt, vom »Geschäft« zurückgezogen, -in einem gemüthlichen Heim sorglos leben kann.</p> - -<div class="decos" style="width: 144px;"> -<img src="images/p009_deco.png" width="144" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span></p> - - - - -<h2>Emma Schaller</h2> - -<p class="center">das Skelet-Mädchen</p> - - -<p class="noindent">ist am 8. Juli 1868 in St. Louis, N.-A., geboren; ihre Eltern waren -eingewanderte Deutsche und stammten aus West-Preussen.</p> - -<p>Miss Emma erfreute sich bis zu ihrem sechszehnten -Lebensjahre der besten Gesundheit, wurde dann aber infolge -einer hochgradigen Erkältung und darauf folgenden Gelenk-Entzündung -auf ein langwieriges Krankenlager geworfen, -und nach etwa drei Jahren war sie zu einem Skelet abgemagert.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p006_ill.jpg" width="422" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Da der Vater bereits vor mehreren Jahren gestorben -war und die alternde Mutter bei schwerer Arbeit einen nur -sehr kümmerlichen Lebensunterhalt zu erwerben vermochte, -so kam Miss Emma zu dem Entschluss, sich als »lebendes -Skelet« öffentlich zu zeigen. Sie trat am 4. October 1890 -zum ersten Male in ihrer Geburtsstadt auf, und seit jener<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span> -Zeit ist sie in sämmtlichen Museen Nord-Amerikas gezeigt -worden. Sie erhält eine Monatsgage von 500-800 Mark, -kann somit sich und ihrer alten Mutter, die sie stets begleitet, -eine ganz sorglose Existenz schaffen.</p> - -<p>Leider ist bei ihr allmählich eine vollständige Steifheit -der Gelenke eingetreten, so dass sie ohne Beihülfe auch -nicht die kleinste Bewegung machen kann. — Sie ist etwa -fünf Fuss zwei Zoll gross, wiegt aber nur sechsundvierzig -Pfund. Da sie sich einen gewissen Grad von Bildung -angeeignet hat, so ist sie imstande, während ihrer Ausstellung -mit dem Publicum eine lebhafte Conversation zu unterhalten.</p> - -<div class="decos" style="width: 162px;"> -<img src="images/p002_deco.png" width="162" height="125" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Barney Baldwin</h2> - -<p class="center">der Mann mit dem gebrochenen Genick</p> - - -<p class="noindent">ist für die medicinische Wissenschaft ein hochinteressantes -Problem. Der jetzt etwa fünfundvierzig Jahre alte, kräftig -gebaute Mann war Schaffner an der Chicago-Alton Railway -und verunglückte als solcher im Jahre 1886, indem er -beim Ueberschreiten der Plattform von einem Waggon zum -anderen vom Zuge geworfen wurde.</p> - -<p>Für todt gehalten, lebte er dennoch, trotzdem acht -Rippen, der eine Arm zweimal, das rechte Bein unterhalb -des Knies viermal und die Wirbelsäule des Halses gebrochen -waren; auch der Schädel hatte über dem linken -Auge einen bedeutenden Defect erlitten.</p> - -<p>Angesichts dieses hochinteressanten »Falles« setzten -die Aerzte ihre ganze Kunst daran, eine möglichst intensive -Reconstruction dieser menschlichen Ruine zu ermöglichen, -und dieses Vorhaben hatte günstigen Erfolg. Die Rippen-, -Arm- und Beinbrüche wurden in althergebrachter Weise -behandelt, der Defect des Schädels wurde durch eine grosse -Silberplatte ausgeglichen und zur Unterstützung des gebrochenen -Genicks wurde ein theilweise aus Eisenblech hergestelltes -Corsett construirt, von dem aus eine Stahlstange, -der Form des Hinterkopfes entsprechend gebogen, sich erhob. -An dieser Stange, an deren Ende in der Mitte über -dem Kopfe sich ein Haken befindet, hängt der Kopf an<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span> -zwei dünnen Riemen, von denen der <span class="gesperrt">eine um die Stirn, -der andere aber unter dem Kinn hindurch geht, die -sich somit oberhalb der Schläfe kreuzen</span>. (Siehe das -Cliché.) Mit dieser Vorrichtung muss er auch schlafen. -Werden die Riemen vom Kopfe entfernt, so fällt dieser -wie leblos auf die Brust, Baldwin verliert die Besinnung -und der ganze Körper verfällt in einen starrkrampfartigen -Zustand; wird der Kopf dann wieder aufgehoben, so kehren -auch die Besinnung sowie die Beweglichkeit der Glieder -sofort zurück.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 415px;"> -<img src="images/p008_ill.jpg" width="415" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Baldwin ist in ganz Amerika als der »einzige lebende -Mensch mit dem gebrochenen Genick« bekannt und zeigt -sich heute noch öffentlich. In seiner Glanzperiode bezog er -nicht selten eine <span class="gesperrt">wöchentliche</span> Gage von dreihundert Dollar -(etwa 1300 Mark), während er jetzt mit zwanzig bis dreissig -Dollar per Woche gern zufrieden ist, da er, als zu bekannt,<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> -seine frühere Zugkraft verloren hat. Er hat ein grosses -Vermögen an Gagen bezogen, lebte jedoch sehr splendid -mit seiner Familie, so dass er jetzt mittellos dasteht und -durch die kleinen Gagen einen nur kümmerlichen Lebensunterhalt -erwirbt.</p> - -<p>(Noch in den siebziger Jahren reiste in Deutschland -ein bereits alter Mann, dessen Kopf ebenfalls in einer -»Schwebe« hing, deren Construction der vorbeschriebenen -im wesentlichen genau glich. Er war einst einer der berühmtesten -»Spring-Clowns« seiner Zeit und von den -grössten Kunstreiter-Gesellschaften ein begehrtes Mitglied. -Einst landete er nach einem Sprunge so unglücklich, dass -er die Wirbelsäule des Halses brach. Da aber das Rückenmark -unverletzt geblieben, er somit lebensfähig, aber nicht -nur für seinen früheren Beruf, sondern auch für jede andere -Arbeit unfähig geworden war, so reiste er zur Zeit in -Deutschland umher und verkaufte in Wirthschaften jeglicher -Güte couvertirte »Planeten«, nachdem er die Gäste in -kauderwelschem Deutsch mit seinem »Malheur« bekannt gemacht -und ihnen die Maschine an seinem Körper, in der -der Kopf hing, gezeigt hatte, um eine bescheidene Existenz -fristen zu können. Leider kann der Name nicht mehr festgestellt -werden, der in der Künstlerwelt einst einen hervorragenden -Klang hatte.)</p> - -<div class="decos" style="width: 144px;"> -<img src="images/p009_deco.png" width="144" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Hermann</h2> - -<p class="center">der Knabe mit der Wunderhand</p> - - -<p class="noindent">ist ein echtes »Berliner Kind« von ca. elf Jahren. Die -abnorme Gestaltung seiner »Wunderhand« ist durch das -Cliché so instructiv illustrirt, dass von einer Detaillirung -des abnormen Zustandes Abstand genommen werden kann.</p> - -<p>Ist die Hand auch beweglich, so kann der Knabe sie -doch zu keinerlei Verrichtungen, und wären es die unbedeutendsten, -gebrauchen. Als er im Sommer 1895 in Castan's -Panopticum in Berlin ausgestellt war, da liess Herr Director -Louis Castan es sich schon angelegen sein, ihn zum Bewegen -der Hand, zum Halten und Tragen von Gegenständen ver<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span>schiedenster -Art und zu sonst anderen Verrichtungen unterweisend -anzuhalten, und mit Ausdauer durchgeführt, werden -durch diese Uebungen auch unfehlbar günstige Resultate -erzielt, ist doch die Hand viel vollständiger entwickelt wie -z. B. bei Kobelkoff, dem nur ein ganz unbedeutendes Fingersegment -zu Gebote steht.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p010_ill.jpg" width="419" height="601" alt="" /> -</div> - -<p>Obwohl eine nicht unbedeutende Abnormität, ist der -Knabe bis jetzt doch keine grosse Sehenswürdigkeit.</p> - -<div class="decos" style="width: 150px;"> -<img src="images/p010_deco.png" width="150" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Eli Bown</h2> - -<p class="center">der Mann ohne Beine</p> - - -<p class="noindent">ist eine der beliebtesten Schau-Nummern in ganz Amerika. -Er ist hochgebildet, hat eine grosse Familie (sein ältester -Sohn ist Rechtsanwalt) und erfreut sich eines ziemlichen<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span> -Wohlstandes. Jetzt etwa 48 Jahre alt, tritt er bereits seit -seinem sechszehnten Lebensjahre öffentlich auf und bezieht -auch heute noch bedeutende Gagen.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 415px;"> -<img src="images/p011_ill.jpg" width="415" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Mr. Bown besitzt vollständig normal entwickelte Füsse, -die jedoch direct an den Hüftengelenken stehen. Er schreibt -mit dem linken Fusse, greift Gegenstände mit den Zehen -desselben und ist auch ein nicht unbedeutender Akrobat. -Er bedarf nicht der geringsten Hülfe, bewegt sich allein -auf den Strassen, besteigt die Strassenbahnen mit Leichtigkeit -und besitzt ein ausserordentlich heiteres Temperament. -(Vor vielen Jahren lebte eine junge Dame in Westpreussen, -die ebenfalls keine Beine, sondern nur Füsse hatte; sie trat -nicht öffentlich auf und war so hülflos, dass sie stets in -einem Krankenstuhle gefahren werden musste.) Mr. Bown -besitzt eine ungeheure Kraft in den Armen, deren Muskeln -von Stahl zu sein scheinen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span></p> - -<p>Die jetzt etwa zehn Jahre alte Photographie, die als -Original zu dem Cliché diente, zeigt Mr. Bown mit seiner -ganzen Familie.</p> - -<div class="decos" style="width: 172px;"> -<img src="images/p012_deco1.png" width="172" height="137" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Wilhelm und Hulda</h2> - -<p class="center">die »Fett-Kinder«</p> - - -<p class="noindent">sind ein Geschwisterpaar, wie man es nicht oft findet. Die -Eltern sind einfache Fischersleute in Ostfriesland und haben -ausser diesen beiden Kindern noch drei, die ganz normal -gestaltet sind. Die Ueberfettung der beiden Kinder ist nicht, -wie man anzunehmen geneigt sein dürfte, die Folge eines -krankhaften Zustandes, im Gegentheil erfreuen sie sich der -besten Gesundheit und ist das Fleisch ihrer Körper fest und -gesund. Sie werden seit längerer Zeit auf dem Continent -zur Schau ausgestellt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 425px;"> -<img src="images/p012_ill.jpg" width="425" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 132px;"> -<img src="images/p004_deco2.png" width="132" height="138" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span></p> - - - - -<h2>Eugène Berrey</h2> - -<p class="center">der Mann mit dem Riesen-Fuss</p> - - -<p class="noindent">ist eine etwas abschreckende Schaunummer und im Jahre 1872 -in der Stadt Indianapolis geboren. Der Riesenwuchs seiner -Füsse war schon bei seiner Geburt vorhanden und mit der progressiven -Zunahme seines Körpers nahmen auch seine Füsse -progressiv zu und wurden immer grösser und grösser, so -dass sein linkes Bein z. B. heute ein Drittel seines ganzen -Körpergewichtes, nämlich dreiundvierzig Pfund, repräsentirt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 417px;"> -<img src="images/p013_ill.jpg" width="417" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Mr. Berrey hat sich einen gewissen Grad von Bildung -angeeignet, spricht auch etwas Deutsch und Französisch -und ist sehr liebenswürdig in seinem Umgange. Seit etwa -sechs Jahren steht er vor der Oeffentlichkeit und ist als der -Mann mit den »Trilby«-Füssen bekannt. Seine Gagen sind -nicht bedeutend, ermöglichen ihm aber trotzdem ein comfortables -Leben, und mit Recht kann man von ihm sagen: -»Mr. Berrey lebt auf grossem Fusse!«</p> - -<div class="decos" style="width: 176px;"> -<img src="images/p004_deco1.png" width="176" height="133" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span></p> - - - - -<h2>Miss Maggie</h2> - -<p class="center">die dreibeinige Dame</p> - - -<p class="noindent">die das nächste Cliché zeigt, war, wie so manches andere -in Amerika, auch »Humbug«.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 429px;"> -<img src="images/p014_ill.jpg" width="429" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>»Vor etwa drei Jahren (also 1896)«, so berichtet mein -Gewährsmann, »wurde von einem bedeutenden Museum in -der Bowery in New York unter denkbarstem Hochdruck -der Reclame als grösstes aller Naturwunder der Welt eine -»Dame mit drei Beinen« annoncirt. Der Zulauf war ein -ganz enormer, und auch ich, wenngleich mit etwas zweifelhaftem -Vorgefühl, entschloss mich zu einem Besuch.</p> - -<p>Nachdem mehrere »Specialitäten« von geringem Werth -vorgestellt waren, erschien der »star« des Programms, die -»Dame mit den drei Beinen«, in Gestalt eines kräftig gebauten, -munteren Mädchens, das in einem Sessel sass und -unter dessen Kleidern auch wirklich drei Füsse sichtbar -waren.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span> - -Beim Vortrage des Explicators stand das Mädchen -auf, hob die Kleider fast bis zu den Knieen empor und bewegte -jedes der drei Beine in der natürlichsten Weise. -Trotzdem jede Täuschung ausgeschlossen schien, wurde -»Humbug« doch das »geflügelte Wort«, dem ein Theil des -Publicums unverhohlen Ausdruck gab, während der andere -Theil der festen Ueberzeugung war, ein wirklich echtes, -unverfälschtes Naturwunder vor sich zu sehen; meine personellen -Ansichten über das Pro und Contra hatten jedoch -noch keine bestimmte Richtung angenommen. Wie so oft -schon, trat aber auch hier der Zufall entscheidend auf. -Einige Zeit später passirte ich nämlich Nachts elf Uhr -Bowery, um mich in mein Hotel zu begeben. Vor dem -»Museum« angelangt, trat aus dem Portal desselben eine -Dame am Arme eines jungen Mannes heraus, an deren -äusserer Erscheinung nicht nur, sondern auch an deren -eigenthümlichem Lachen ich die »dreibeinige Dame« sofort -wieder erkannte. Um mir jedoch volle Gewissheit zu -verschaffen, folgte ich dem Paar unbemerkt eine ziemliche -Strecke weit und hörte nun aus dessen Unterhaltung, dass -ich mich nicht getäuscht, sondern die Dame mit den drei -Beinen leibhaft vor mir sah, dass sie jedoch jetzt gerade so -gut wie jeder andere normale Mensch auch nur »zwei« -Beine hatte. Und »Humbug« tönte es höhnend durch den -kalten Nachtwind.«</p> - -<div class="decos" style="width: 162px;"> -<img src="images/p002_deco.png" width="162" height="125" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>George Woodstock</h2> - -<p class="center">der Mann mit dem Riesenbart</p> - - -<p class="noindent">behauptet, den längsten Bart der Welt zu besitzen. Er ist -ein geborener Irländer, jedoch von seiner Kindheit an in -Amerika und hat ein schönes Bauerngut in Marshalltown, -Iova. Sein Bart hat die respectable Länge von acht Fuss -und drei Zoll und ist dunkelbraun; damit er ihm bei der -täglichen Verrichtung seiner Haus- und Feldarbeiten nicht -hinderlich ist, wickelt er ihn während derselben sorgsam -zusammen und verbirgt ihn unter der Weste auf seiner Brust.</p> - -<p>Mr. Woodstock ist niemals öffentlich aufgetreten und -wird es auch nicht, obgleich er bereits manche gute Offerte -erhalten hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span></p> - -<div class="figcenter" style="width: 410px;"> -<img src="images/p016_ill.jpg" width="410" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>(In den vierziger Jahren lebte in Deutschland ein ganz -kleiner verwachsener Mann, der auf dem Rücken und der -Brust bedeutende Buckel hatte. Der auf der Brust stationirte -hatte hervorragend monstrose Dimensionen, war aber kein -wirklicher Buckel, sondern der zusammengewickelte und -unter der Weste verborgene grosse Bart des kleinen Mannes, -der eine Länge von über elf (!) Fuss rhein. hatte. In einem -Testamente hatte der Mann verfügt, dass seine Gesichtshaut -sammt dem Barte nach seinem Tode abgelöst und dem -Universitäts-Museum in Bonn zur Aufbewahrung übergeben -werden solle. Dieser »letzte Wille« wurde denn auch buchstäblich -erfüllt, das bezeichnete Museum trat die Erbschaft -an und wahrscheinlich ist der Riesenbart heute noch als -Curiosität in demselben zur Schau ausgestellt. — Leider -können der Familienname des Mannes und die Ortsnamen -heute nicht mehr festgestellt werden.)</p> - -<div class="decos" style="width: 150px;"> -<img src="images/p010_deco.png" width="150" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span></p> - - - - -<h2>John Darrington</h2> - -<p class="center">das lebende Skelet</p> - - -<p class="noindent">ist in einer kleinen Stadt Connecticuts (Nord-Amerika) geboren -und jetzt etwa achtunddreissig Jahre alt. Bis zu -seinem sechsundzwanzigsten Jahre erfreute er sich der besten -Gesundheit, zog sich aber infolge einer Erkältung ein chronisches -Magenleiden zu, so dass er in ganz verhältnissmässig -kurzer Zeit zum Skelet abgemagert war.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 420px;"> -<img src="images/p017_ill.jpg" width="420" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Da er keinerlei Arbeiten mehr verrichten und auch -Niemanden hatte, der ihm Hülfe bieten konnte, so reifte in -ihm der Entschluss, sich als »lebendes Skelet« sehen zu -lassen, und er hatte auch Erfolg damit. Nicht der Einzige -dieses Genres, ist seine Gage auch stets nur gering, reicht -jedoch bei seinen bescheidenen Ansprüchen aus, ihm eine -sorgenlose Existenz zu schaffen, so dass er nach seiner -eigenen Versicherung mit seiner jetzigen Lage vollständig -zufrieden ist.</p> - -<div class="decos" style="width: 162px;"> -<img src="images/p002_deco.png" width="162" height="125" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span></p> - - - - -<h2>John Chambert</h2> - -<p class="center">der Mann ohne Arme</p> - - -<p class="noindent">wurde 1854 in London geboren und kam ohne Arme zur -Welt. Wie alle anderen Fusskünstler, unter denen jedoch -Herr C. H. Unthan der geschickteste ist, verrichtet auch -Mr. Chambert alle Arbeiten mit den Füssen, die normale -Sterbliche mit den Händen ausführen. Er bedient sich -selber beim Essen und Trinken, kleidet sich an und aus, -rasirt sich, schreibt ausgezeichnet, spielt mehrere Instrumente, -schiesst, hämmert, sägt, hobelt etc. etc.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 424px;"> -<img src="images/p018_ill.jpg" width="424" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Seit seinem achtzehnten Lebensjahre zeigte er sich dem -Publicum in Museen etc., noch nicht ganz zwanzig Jahre -alt, verheirathete er sich, zog sich vom »show« zurück -und eröffnete in London ein kleines Cigarren- und Tabak-Geschäft. -Er wurde Vater von drei Töchtern, und als diese -erwachsen waren, übergab er ihnen das Geschäft und kehrte<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span> -zum »Show-Leben« zurück. Vor etwa vier Jahren verlor -er seine Gattin durch den Tod, verheirathete sich jedoch im -Februar 1899 zum zweiten Male und führt mit seiner jungen -hübschen Frau, die ihren »John« von Herzen lieb zu haben -scheint, ein recht glückliches Familienleben.</p> - -<div class="decos" style="width: 176px;"> -<img src="images/p004_deco1.png" width="176" height="133" alt="Dekoration" /> -</div> - - - - -<h2>James Morris</h2> - -<p class="center">der Mann mit der Gummihaut</p> - - -<p class="noindent">ist am 1. September 1859 in Boston, Massachusetts (Amerika), -geboren. Als Sohn armer Eltern erlernte er das Barbierhandwerk. -Seit seiner Kindheit war er im Stande, seine -Haut zu bedeutender Länge vom Körper zu ziehen und oft -that er das zum Vergnügen seiner Kameraden. Eines Tages -sagte einer derselben zu ihm: »Morris, warum lässt Du -Deine Kunst nicht für Geld sehen?« Diese Worte waren<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span> -bei Morris auf fruchtbaren Boden gefallen: eines Tages -stellte er sich dem Besitzer eines Museums, J. E. Sackett, -in Providence, Rhode Island, vor und wurde von demselben -sofort für ein Jahr engagirt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 409px;"> -<img src="images/p019_ill.jpg" width="409" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Seit der Zeit — im Herbst 1882 — war sein Glück -gemacht, denn während vier Saisons war er die Haupt-Attraction -von Barnum's Side Show und erhielt eine Wochengage -von 150 Dollars. Leider ist Morris ein Gewohnheits-Trinker -und -Spieler, und statt heute ein Vermögen zu -besitzen, muss er noch auftreten, um sich ernähren zu -können.</p> - -<p>Seine Vorführung ist die beste in diesem Fache. Er -kann z. B. die Haut von seiner Brust bis zum Kopfhaar -hinaufziehen, die Haut der Backen kann er bis zu acht Zoll -ausdehnen, und mit der Haut des einen Beines kann er das -andere bedecken.</p> - -<p>Mr. Morris ist in allen Museen und bedeutenden Circusunternehmungen -Nord-Amerikas aufgetreten und befindet -sich zur Zeit mit Count Orloff's Abnormitäten-Truppe auf -Tournée durch England. Er ist unverheirathet, sehr gebildet -und ein überaus gewandter Erzähler, als der er denn -auch in jeder Gesellschaft erwünscht und beliebt ist. (Die -Dehnbarkeit der Haut ist die Folge einer Krankheit der -Zellengewebe derselben, die sich auf andere Organe des -Körpers nicht überträgt.)</p> - -<div class="decos" style="width: 147px;"> -<img src="images/p020_deco.png" width="147" height="147" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Angelotti</h2> - -<p class="center">der Mann mit den Elephanten-Füssen</p> - - -<p class="noindent">ist eine Abnormität, die sich besser für ein Krankenhaus, -als für ein Vergnügungs-Etablissement eignet. Er kam -vor etwa einem Jahre als der einzige gerettete Passagier -einer kleinen Kohlen-Barke, die auf offenem Ocean gesunken -war, mit einem Ocean-Dampfer in Liverpool an, und da in -den bezüglichen Zeitungsberichten zugleich als Merkwürdigkeit -bemerkt war, dass der gerettete Passagier »Elephantenfüsse« -habe, so suchte Director Crouch ihn auf und engagirte -ihn für seine Etablissements.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span></p> - -<div class="figcenter" style="width: 420px;"> -<img src="images/p021_ill.jpg" width="420" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Angelotti ist ein dunkelbrauner Neger, und haben -seine unförmigen Füsse, die einen recht zurückstossenden -Anblick bieten, wirklich eine grosse Aehnlichkeit mit -Elephanten-Füssen. Dieser anormale Zustand hat seinen -Grund in der sog. Elephantiasis (Knollsucht), einem bösartigen, -doch nur selten auftretenden Aussatze, durch den -die Beine und Füsse mit einer, der Elephantenhaut ähnlichen, -dicken, knolligen Decke überzogen werden. Trotzdem erfreut -der Mann sich des besten Wohlbefindens, und so lange er -sein Essen und genügend Rauch-Tabak bekommt, fühlt -er sich ganz glücklich. Er ist unverheirathet und etwa -vierzig Jahre alt.</p> - -<div class="decos" style="width: 130px;"> -<img src="images/p021_deco.png" width="130" height="135" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span></p> - - - - -<h2>James Wilson</h2> - -<p class="center">der einzige Brust-Expansionist der Welt</p> - - -<p class="noindent">kann als ein Wunder der Natur bezeichnet werden. Er ist -in Belfast, Irland, geboren, erlernte das Schmiede-Handwerk, -betrieb es bis zu seinem dreissigsten Lebensjahre und war -nicht nur wegen seiner colossalen Kräfte, sondern mehr noch -wegen seiner mächtigen Brust allgemein bekannt. Nicht -ganz einunddreissig Jahre alt, wanderte er nach Amerika -aus und arbeitete auch dort als Schmied.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 404px;"> -<img src="images/p022_ill.jpg" width="404" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Da sah er in einem Museum in New-York einen Mann, -der durch das Ausdehnen seiner Brust fest um dieselbe gebundene -Stricke zerriss. In seine Wohnung zurückgekehrt, -versuchte auch er den »Tric« und fand, dass er sogar breite -Lederriemen zerreissen konnte, und als es ihm durch fortgesetzte -Uebung endlich auch gelang, eiserne Ketten zu -zersprengen, da sagte er dem Schmiede-Handwerk Valet, -ging zum »Show« über und trat zum ersten Male in Barnum's<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span> -»grösstem Circus der Welt« auf; »seine Arbeit« erregte -Sensation in ganz Amerika. Im Jahre 1889 gewann er in -einem Match nicht nur die grosse Medaille, sondern auch -den Champion-Gürtel der Welt, da er seine sämmtlichen -Rivalen überbot.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 393px;"> -<img src="images/p023_ill.jpg" width="393" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Im Jahre 1891 kam er mit dem Barnum-Circus nach -London, kehrte nach beendeter Saison jedoch mit demselben -wieder nach Amerika zurück. Im December 1895 trat er -zum ersten Male auf dem Continent und zwar in Hornhardt's -Etablissement in Hamburg auf, ging von dort ans Apollo-Theater -in Berlin und unternahm dann eine kurze Tournée -durch Deutschland. Da er jedoch nur englisch spricht, so -fühlte er sich in Deutschland zu sehr verlassen und kehrte -im October 1896 nach Amerika zurück, wo er zur Zeit -wieder mit amerikanischem Circus auf Tournée ist.</p> - -<div class="decos" style="width: 147px;"> -<img src="images/p020_deco.png" width="147" height="147" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span></p> - - - - -<h2>Lady Dot</h2> - -<p class="center">das kleinste Mädchen der Welt</p> - - -<p class="noindent">war eine recht liebliche Erscheinung und das Ebenbild der -weltberühmten Zwergin »Prinzess Pauline«, nur, dass diese -noch etwas kleiner war.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p024_ill.jpg" width="419" height="601" alt="" /> -</div> - -<p>Lady Dot war im Jahre 1880 in Hanley, England, geboren -und wog bei ihrer Geburt nur 140 Gramm. Trotzdem -die Aerzte behaupteten, dass das Kind nicht lebensfähig -sei, gelang es der Mutter doch, dasselbe am Leben zu erhalten -und schon von sieben Monaten an wurde es als Schau-Object -öffentlich ausgestellt. Lady Dot lebte bis zu ihrem -fünfzehnten Lebensjahre und starb infolge einer heftigen -Erkältung. Kurz vor ihrem Tode wog sie etwas über neun -Pfund und war neunzehn Zoll hoch. Sie hatte vier normale -Geschwister.</p> - -<div class="decos" style="width: 172px;"> -<img src="images/p012_deco1.png" width="172" height="137" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span></p> - - - - -<h2>Edith</h2> - -<p class="center">das Riesen-Kind</p> - - -<p class="noindent">verdient diese Bezeichnung mit Recht, denn es war wirklich -ein solches. Es wurde am 8. Januar 1888 geboren und wog -bei seiner Geburt über neun Pfund, und da es sich der besten -Gesundheit erfreute, so wurde es schon in einem Alter von -fünf Monaten ausgestellt. Das Cliché zeigt das Kind im -Alter von 1-1/4 Jahr, welch letzteres da schon ein Gewicht von -zweiundsiebzig Pfund erreicht hatte. Das war sein Höhepunkt, -denn kurze Zeit darauf erkrankte es schwer an den Masern -und magerte furchtbar ab, und als es wieder gesund geworden -war, da war es kein Riesenkind mehr und wuchs -als ganz gewöhnliches normales Kind seines Alters auf. -Jetzt ist es ein hübsches neunjähriges Mädchen, das in -Swansea, South-Wales (England) die Schule besucht.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 424px;"> -<img src="images/p025_ill.jpg" width="424" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 150px;"> -<img src="images/p010_deco.png" width="150" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span></p> - - - - -<h2>Achmed Aratas</h2> - -<p class="center">der unverwundbare Fakir</p> - - -<p class="noindent">wurde 1872 in Oesterreich geboren. Kaum fünf Jahre alt, -verliessen seine Eltern die Heimath mit ihm und wanderten -nach Persien aus, wo sie bald dem gelben Fieber erlagen. -Des verwaisten Knaben aber nahm sich ein Einsiedler, -Namens Abbed an, bei dem er bis zu seinem vierzehnten -Jahre lebte und der ihn in sämmtliche Künste und Kunstgriffe -der Fakire einweihte, in denen er so grosse Fortschritte -machte, dass er einst zum Schah Nasser-Ed-Din -berufen wurde, um sich vor diesem zu produciren, und der -ihm dann den Hausorden, welcher an rothem Bande um -den Hals getragen wird, verlieh. Endlich kehrte Aratas -wieder nach seiner Heimath zurück und wurde bald eine -sehr gesuchte Attraction für Variété-Theater etc.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 405px;"> -<img src="images/p026_ill.jpg" width="405" height="600" alt="" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span></p> - -<p>Seine Productionen bestehen in Folgendem: Durch -Einathmen von Dämpfen, deren Erzeugung sein Geheimniss -ist, versetzt er sich in einen quasi hypnotischen Zustand, dann -beginnt er mit Kopfschütteln und Verdrehungen und Verrenkungen -des Körpers, bis er einem Schwindelanfalle nahe -ist. In diesem Stadium soll sein Körper in gewissem Grade -gefühllos sein, so dass er von den Schmerzen, die ihm seine -Productionen verursachen, fast gar nichts empfindet.</p> - -<p>Dann folgen die Selbstpeinigungen: Er sticht sich vier -bis sechs lange spitze Dolchnadeln durch den einen Ober- -und Unterarm; man sieht, wie sich die Haut dehnt, bevor -die Spitzen der Nadeln hindurchdringen. Dann geht er, -um etwaige Zweifel zu heben, unter das Publicum und lässt -von einer beherzten Person die Nadeln wieder langsam und -vorsichtig aus dem dicken Fleische herausziehen.</p> - -<p>(Dieselbe Lieblingspassion hatte 1851 die dreizehnjährige -Tochter eines Kaufmanns in Demmin in Pommern, die sich -oft mit zwölf und oft mit noch mehr Stecknadeln die Innen- -und Aussenseiten der Hände spickte, ohne dass auch nur -ein Tropfen Blut zum Vorschein gekommen wäre. Auf die -Frage: »Ob sie keine Schmerzen dabei empfinde«, antwortete -sie: »Nein, nur ein heftiges Jucken, wenn die Nadeln -wieder herausgezogen sind, sonst nichts«.)</p> - -<p>Dann folgt das Durchstechen der Backen, des Halses -und der Zunge, und damit die allgemeine Annahme widerlegt -werde, dass er die Nadeln durch alte verwachsene Löcher -steche, lässt er sich die Zunge auch von einem Arzte unter -den Zuschauern durchstechen. Dann schlägt er sich mit -einem hölzernen Hammer eine Nadel mit grossem Kopfe -unter dem Bauchnabel regelrecht in den Leib, und dann lässt -er sich von zwei ziemlich grossen Schlangen in Hals und -Arme beissen. Zum Schluss hält er seinen nackten Arm -etwa fünf Minuten lang in die hochauflodernde Flamme einer -Fackel. — Aratas ist ein schöner Mann. Trotzdem seine -Productionen hochinteressant sind, so haben sie doch etwas -Abschreckendes, Zurückstossendes für viele Zuschauer.</p> - -<div class="decos" style="width: 202px;"> -<img src="images/p027_deco.png" width="202" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span></p> - - - - -<h2>Die Mac-Mahon-Kinder</h2> - - -<p class="noindent">stehen insofern wohl als Seltenheit da, als sie und ihre -sämmtlichen Geschwister Albinos sind und von Neger-Eltern -abstammen. Sie wurden vor fünfzehn Jahren in Troy, Staat -New-York, geboren und von ihren Eltern schon von frühester -Kindheit an öffentlich ausgestellt. Die Eltern haben sich -dadurch ein kleines Vermögen erworben und leben seit -einiger Zeit mit den Kindern in stiller Zurückgezogenheit -auf einer hübschen Besitzung in ihrer Heimath. Den Kindern -wird das Haar stets ganz kurz geschnitten, und sollen dieselben -nie wieder als Schau-Objecte functioniren. — Leider -giebt es nicht viele so vernünftige Eltern, die auch an das -Wohlergehen ihrer Kinder denken und sie nicht bis zum -Lebensende ausnützen.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 415px;"> -<img src="images/p028_ill.jpg" width="415" height="599" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 208px;"> -<img src="images/p028_deco.png" width="208" height="184" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span></p> - - - - -<h2>Katy Clary</h2> - -<p class="center">die Riesen-Dame</p> - - -<p class="noindent">ist weniger ihrer eigenen Grösse, wie ihrer kleinen Schwester -wegen eine gesuchte Attraction. Miss Katy ist nämlich -fünf Fuss und zwei Zoll hoch und wiegt 460 Pfund, -ihre Schwester ist dagegen nur zweiunddreissig Zoll hoch -und wiegt trotzdem 172 Pfund. Miss Rosa, die Zwerg Riesin, -ist zwei Jahre älter, als ihre grosse Schwester.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 420px;"> -<img src="images/p029_ill.jpg" width="420" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Sie sind in Nord-Amerika geboren, bereits seit -längerer Zeit auf Reisen, absolviren Engagements in allen -bedeutenden »Shows« und beziehen verhältnissmässig -hohe Gagen.</p> - -<div class="decos" style="width: 147px;"> -<img src="images/p020_deco.png" width="147" height="147" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span></p> - - - - -<h2>Marquis Wolga und Marquise Louise</h2> - -<p class="center">das »Königspaar der Liliputaner«.</p> - - -<p class="noindent">Zwerge giebt es zur Zeit ja eine Unmasse, wirklich -gute dagegen aber nur sehr wenige, und von diesen zeigt -das Cliché ein paar Hauptrepräsentanten. Der kleine Herr -Marquis Wolga ist am 2. September 1857 in Ungarn geboren. -Seine Eltern sind absolut normal gebaut, desgleichen seine -fünf Schwestern. Bei seiner Geburt war er nur etwa neun -Zoll gross und wog nicht ganz zwei Pfund, jetzt ist er achtundzwanzig -Zoll gross und wiegt circa sechszehn Pfund. -Sein Aeusseres ist sehr sympathisch und die Intelligenz seines -Gesichtes wird durch einen hübschen Schnurr- und Knebelbart -sehr wirkungsvoll unterstützt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 415px;"> -<img src="images/p030_ill.jpg" width="415" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Die jetzt neunundzwanzigjährige Marquise Louise ist -von dänischer Abkunft, aber in Samara in Russland geboren, -und sind auch ihre Eltern sowie ihre sieben Geschwister<span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span> -nicht nur normale, sondern sogar recht grosse und starke -Menschen. Da sie bei ihrer Geburt ganz unverhältnissmässig -klein und schwächlich war, so wurde sie längere Zeit hindurch -in Watte gehüllt und mit allergrösster Sorgfalt gepflegt, -um sie am Leben zu erhalten.</p> - -<p>Heute erfreuen sich die kleinen distinguirten Herrschaften -der besten Gesundheit und sind trotz ihrer winzigen -Körper sogar recht kräftig. Vor etwa vier Jahren begegneten -sie sich zum ersten Male in Ungarn, und da nicht -nur die Gleichheit des Körperbaues allein, sondern auch -die der Gesinnungen sie geistig näher zusammenführte und -endlich die Existenzfrage auch mit in die Wagschale fiel -und eine gegenseitige Zuneigung ausschlaggebend wurde, -so entschlossen sich die beiden Naturwunder, gemeinsam -auf Reisen zu gehen. Da der Herr Marquis nun aber den -moralischen Werth und die Liebenswürdigkeit seiner kleinen -Reisegefährtin sehr bald kennen und schätzen lernte, da -trug er ihr kurz entschlossen Herz und Hand an, und nach -einiger Zeit wurde das Ehebündniss mit grossem Pomp in -der Eglise de Madelaine in Paris geschlossen.</p> - -<p>Das kleine Menschenpaar reist heute noch auf dem -Continent und lässt sich vom Publicum bewundern, und der -Impresario hat sich ein bedeutendes Vermögen dadurch -erworben.</p> - -<div class="decos" style="width: 160px;"> -<img src="images/p032_deco.png" width="160" height="168" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Leo Whitton</h2> - -<p class="center">der canadische Coloss</p> - - -<p class="noindent">wurde im Jahre 1857 in Northumberland in Canada von -»gewichtigen« Eltern geboren. Sein Vater wog 340, seine -Mutter 375, er selbst bei seiner Geburt schon über dreizehn -Pfund. Im zwölften Jahre wog er bereits 209, im zwanzigsten -360 und zur Zeit wiegt er 724 (!) Pfund bei einer Grösse -von fünf Fuss und elf Zoll. Der Hals hat sechsundzwanzig, -die Brust zweiundsiebenzig und die Taille vierundachtzig, -die Oberarme haben achtundzwanzig, die Oberschenkel -neunundvierzig und die Waden sechsundzwanzig Zoll Umfang.<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span> -(Es bestätigt sich also auch bei diesem Coloss, dass der -Hals und die Waden eines jeden Menschen stets gleichen -Umfang haben.)</p> - -<div class="figcenter" style="width: 401px;"> -<img src="images/p032_ill.jpg" width="401" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Mr. Whitton ist auf einem Bauernhofe erzogen worden; -mit dem zweiundzwanzigsten Jahre eröffnete er einen -Fleischerladen und betrieb ihn bis zu seinem siebenunddreissigsten -Jahre. Er ist verheirathet und hat drei Söhne -und eine Tochter, die jedoch nach der Mutter, die nur -118 Pfund wiegt, arten. Er besitzt ein recht hübsches -»Heim«, ist kerngesund, voll gesunden Humors und reist -zur Zeit mit Barnum's »Riesen-Show« in England, mit -dem er jedoch auf alle Fälle wieder nach Amerika zurückkehrt.</p> - -<div class="decos" style="width: 160px;"> -<img src="images/p032_deco.png" width="160" height="168" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span></p> - - - - -<h2>Monsieur Neptune</h2> - -<p class="center">der französische Herkules</p> - - -<p class="noindent">ist sowohl ein Wunder der Natur, als auch des Trainirens, -und der jetzt etwa siebenundzwanzigjährige junge Mann -hat bereits das grösste Aufsehen in der Athleten-Welt erregt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 425px;"> -<img src="images/p033_ill.jpg" width="425" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>In Bordeaux geboren, ging er als dreizehnjähriger -Sohn einer armen Wittwe als Schiffsjunge auf ein Kauffahrtei-Schiff -und als Seemann wuchs er auf, wurde aber wegen -seiner phänomenalen Kraft von seinen Kameraden bald -gefürchtet.</p> - -<p>Vor einigen Jahren besuchte Neptune ein Variété-Theater -in London, auf dem sich auch der Athlet Chas. -Samson producirte. Sein Haupt-Tric war das Heben eines Gewichtes -von 210 Pfund, das er mit einer Hand bis zur Armeslänge -über seinen Kopf drückte. Als er nach Beendigung<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span> -der Production Demjenigen 10 Pfd. Sterl. (ca. 200 Mark) -proponirte, der das Gewicht mit beiden Händen bis zur -Brusthöhe höbe, da bat Neptune, diesen Versuch machen -zu dürfen.</p> - -<p>Sein Anerbieten erregte allgemeines Gelächter im -Publicum, da er von nur kleiner Figur ist und nur 132 Pfund -wiegt, und um noch mehr Heiterkeit zu erwecken, erlaubte -Samson ihm den Versuch auch; Neptune aber gewann den -Preis spielend, denn er hob das Gewicht mit auch nur einer -Hand ebenfalls über den Kopf hinaus. Ein riesiger Applaus -und zahlreiche Rufe um mehr Kraftproben waren das -Resultat dieses seines Debuts vor der Oeffentlichkeit.</p> - -<p>Angespornt dadurch, erwachte in ihm das Verlangen, -sich ebenfalls als Athlet produciren zu wollen. Kurz entschlossen -befreite er sich von seinen Verbindlichkeiten als -Seemann und begann dann, seine Kräfte durch regelmässige -Uebungen systematisch noch mehr zu entwickeln und heute -ist er als Athlet einer der bedeutendsten, die je vor der -Oeffentlichkeit gestanden haben, vielleicht auch stehen werden.</p> - -<div class="decos" style="width: 132px;"> -<img src="images/p004_deco2.png" width="132" height="138" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Miss Pollie Whatson</h2> - -<p class="center">die schwerste Dame der Welt</p> - - -<p class="noindent">liefert den Beweis, dass der »Humbug« nicht allein in -Amerika, sondern auch in anderen Theilen der Erde gedeiht -und Blüthen zeitigt. Die Miss, eine geborene Engländerin -und vor einiger Zeit in einem Museum in Liverpool als -»schwerste Dame der Welt« ausgestellt, ist zwar »wohlbeleibt«, -aber dem unbeeinflussten Beschauer konnte es doch nicht -entgehen, dass ihre unbedeckten Arme in einem grellen -Contraste zu ihrer Körperfülle standen und der Gedanke, -dass letztere »Kunst«, nicht »Natur« sein müsse, drängte sich -unwillkürlich in den Vordergrund.</p> - -<p>Dieser Idee gab denn auch eines Tages ein pessimistischer -Besucher Ausdruck, indem er der »Aufwärterin« -eine der umfangreicheren landesüblichen Münzen in die -Hand gleiten liess, und als Erkenntlichkeit dafür erfuhr er -folgende Details über die schwerste Dame der Welt: »Bis<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span> -vor ganz kurzer Zeit sei sie noch Fischhändlerin gewesen, -die das immerhin ansehnliche Gewicht von 220 Pfund zwar -gehabt habe, dass das aber doch für eine »Riesendame« nicht -ausreichend gewesen sei. Da habe sie, die Aufwärterin, es -unternommen, eine »vollwichtige« Riesendame aus ihr zu -<span class="gesperrt">fabriciren</span> und ihr Gewicht auf 728 Pfund zu erhöhen, ein -Kunststück, das ihr auch in etwa einer Woche gelungen sei.«</p> - -<div class="figcenter" style="width: 421px;"> -<img src="images/p035_ill.jpg" width="421" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Befriedigt über diesen Erfolg, warf der incurable -Pessimist noch einen flüchtigen Blick zu der vom glaubensseligen -Publicum umstandenen »Humbug-Riesendame« empor -und berechnete im Stillen, wie viel überflüssige Schweisstropfen -sie wohl täglich unter ihrer künstlichen Fetthülle -vergiessen möge, in die der »Humbug« sie eingezwängt.</p> - -<div class="decos" style="width: 132px;"> -<img src="images/p004_deco2.png" width="132" height="138" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span></p> - - - - -<h2>Lucy Morris</h2> - -<p class="center">die schwarze Riesendame</p> - - -<p class="noindent">hat das für eine Dame gewiss respectable Gewicht von zur -Zeit 605 Pfund erreicht, doch scheint sie noch nicht »ausgewachsen« -zu sein. Sie besitzt einen ganz colossalen -Körperumfang und nimmt das Prädicat »schwerste aller -Negerinnen« dictatorisch für sich in Anspruch. Trotz ihrer -»unmenschlichen« Körperfülle bewegt sie sich sehr leicht -und fährt auch auf einem eigens für sie gebauten »Dreirad« -recht gewandt. Nicht selten tritt sie auch in akademischen -»Posen« auf, und ist ihr Erscheinen dann stets von nicht -endenwollenden Lachsalven begleitet.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p036_ill.jpg" width="419" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 144px;"> -<img src="images/p009_deco.png" width="144" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span></p> - - - - -<h2>Clarence Dale</h2> - -<p class="center">der Knabe mit dem Riesenkopfe</p> - - -<p class="noindent">ist eine recht sympathische Abnormität. Er ist ein lieblicher -Knabe von etwa neun Jahren, sein Kopf ist jedoch -von so aussergewöhnlicher Grösse, dass z. B. der Hut des -corpulentesten Mannes kaum die Oberfläche seines Kopfes -bedeckt. Er ist geistig sehr geweckt, Virtuose auf der -Mundharmonika und in Amerika allgemein so beliebt, dass -er nie ausser Engagement ist.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 414px;"> -<img src="images/p037_ill.jpg" width="414" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 144px;"> -<img src="images/p009_deco.png" width="144" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span></p> - - - - -<h2>Dominique Castagna</h2> - -<p class="center">der Mumien-Mensch</p> - - -<p class="noindent">ist eine jener Abnormitäten, die stets im Vordergrunde -des allgemeinen Interesses stehen werden. Er wurde am -26. April 1869 zu Sologny (Depart. Saône und Loire) in -Frankreich geboren. Waren die normalen Eltern auch bei -seiner Geburt über die unnatürliche Härte seiner Haut erstaunt, -so beruhigten sie sich doch bald, wohlthätige -Aenderungen von der Zeit erhoffend, da sich in der normalen -Entwickelung des Kindes bisher keinerlei ungewöhnliche -Störungen gezeigt hatten. Von seiner Mutter bis zu fünfzehn -Monaten genährt, lernte er mit zehn Monaten gehen -und rechtzeitig sprechen, doch hatte er im Alter von vierzehn -Monaten erst vier Zähne.</p> - -<p>Von seinem zweiten Lebensjahre an zeigte sich jedoch -eine auffallende Abmagerung, die bis zum zwölften Jahre -progressiv zunahm und dann stehen blieb, zugleich hörte aber -auch die Weiterentwickelung des Körpers auf, sodass Castagna -trotz seiner jetzt achtundzwanzig Jahre noch immer einem -zwölfjährigen Knaben gleicht. Das Längenmaass des absolut -muskellosen Körpers beträgt 1,45 m, sein Gewicht nur -48 Pfund, und das Knochengerüst ist von der hornartigen -Haut straff umspannt, die die natürliche Farbe hat, sich -jedoch auf den Fingern und Zehen wie bei einst erfrorenen -Gliedern dunkler röthet.</p> - -<p>Der Kopf ist verhältnissmässig gross, die Nase sehr -spitz, an der Basis eingedrückt und in der Mitte mit einem -Höcker versehen, und da dieser fleischlose Knorpel, dem -auch die Nasenflügel fehlen, gleich einem Vogelschnabel aus -dem regungslosen Gesichte hervorragt und die grossen, -runden, dunkeln, sehr gewölbten Augen, denen die Lider -fehlen, unwandelbar starr um sich schauen, so hat das Gesicht -etwas Eulenartiges. Der Mund ist bewegungslos und stets -geöffnet, und da fast gar keine Lippen vorhanden sind, so -macht er mehr den Eindruck eines grossen Einschnittes, -aus dem die unverdeckten unschönen Zähne, vierzehn oben -und fünfzehn unten, hervorragen.</p> - -<p>Die Zunge ist sehr wenig beweglich und scheint durch -die zu kurzen Wurzelbänder gewaltsam nach hinten zurück<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span>gehalten -zu werden, das Zäpfchen ist sehr wenig ausgebildet, -dagegen die Gaumenwölbung sehr tief, Missverhältnisse, -durch die wohl die hässliche näselnde und ziemlich undeutliche -Sprache bedingt wird, aus der aber trotzdem etwas -Anheimelndes herausklingt, das uns sagt, dass in diesem -abstossenden Aeussern eine sympathische Seele wohne.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p039_ill.jpg" width="419" height="599" alt="" /> -</div> - -<p>Wenn sich auch aus den fleischlosen Wangen und dem -runzlichen Kinn hie und da ein vereinzeltes Härchen hervordrängt, -so ist doch von einem Barte keine Rede, dafür aber -ist der Kopf mit einer auffallend reichen Fülle brauner Haare -bedeckt, die in der Mitte durch einen geraden Scheitel getrennt -sind. Die Ohren sind hart und steif und das Gehör -lässt seit einigen Jahren nach, so dass man stets etwas laut -sprechen muss, will man gut verstanden werden, dagegen -functioniren die Augen vorzüglich, und fehlen ihnen auch -die schützenden Lider, so erfreut sich Castagna seiner eigenen -Aussage nach doch eines gesunden festen Schlafes.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> - -Der hässliche Kopf ruht auf einem fleischlosen Halse, -der Oberkörper ist flächenartig zusammengeschrumpft und -nur die Schulterblätter scheinen das Einzige am ganzen -Körper zu sein, das mit dem Alter desselben im Einklangs -steht, dagegen sind es wohl die verhältnissmässig kleinen -Arme, die der Gestalt das Kindliche geben. Die Oberarme -zeigen noch eine ganz kleine Spur von Muskulatur, die -Hände sind warm und vermögen noch einen leichten Druck -auszuüben und ein Gewicht von ca. 20 Kilogramm zu bewältigen. -Die Finger aber sind alle krumm gegeneinander -gebogen und dennoch können sie sehr geschickt mit dem -Gewehr, mit Nadel und Zwirn und mit der Schreibfeder -umgehen, da sie gleich den Armen noch leichte Biegungen -zulassen. Auch die Beine, die zwei mit Haut überzogenen -Stöcken gleichen, geben in den Knieen und Hüften noch -so viel nach, dass Castagna sich nothdürftig vorwärts bewegen, -und auch ohne allzugrosse Anstrengung sich beugen -und eine Treppe hinaufgehen kann, doch können diese -Bewegungen nur ruckweise ausgeführt werden. Sämmtliche -innern Organe, auch das Nervensystem, functioniren dagegen -so, wie bei jedem normalen und gesunden Menschen, so dass -Castagna über keinerlei körperliches Unbehagen klagen -kann. Er ist geschlechtslos, doch neigen sich die wenigen -vorhandenen geschlechtlichen Rudimente mehr dem Femininismus -wie dem Masculinismus zu.</p> - -<p>Von sanftmüthiger und liebenswürdiger Natur, besitzt -er einen heiteren Charakter und ist stets bereit, an ihn in -französischer Sprache gestellte Fragen zu beantworten. -Dann wird sein Gesicht, das beim ersten Anblick etwas -zurückstossend Gespensterhaftes hat, sympathisch und unterhält -man sich mit dem Träger desselben, so lässt das rege -Interesse, das man unwillkürlich für seine lebendige Sprechweise -und klare Darstellung fasst, jedes unbehagliche Gefühl -zurücktreten.</p> - -<p>Sein erstes Auftreten, welches einen grossartigen Erfolg -erzielte, fand am 20. August 1896 in Marseille statt, und -hier stellte er sich auch vier Monate später dem Publicum -im Löwenkäfig der Menagerie Pezon, von sechs Löwen -umgeben, vor. Der École de Médecine in Marseille vorgestellt, -war der dortige Professor Villeneuve in so hohem<span class="pagenum"><a name="Seite_41" id="Seite_41">[S. 41]</a></span> -Grade von diesem seltenen pathologischen Fall überrascht, -dass er mehrere Vorträge über Castagna in der Klinik hielt -und ihm zu einer Reise durch die Welt rieth, die grosse -Erfolge verspreche — ein Prognostikon, das sich auch -erfüllte.</p> - -<p>Nach einem Besuche der Städte Avignon und Nîmes -wandte Castagna sich nach Montpellier, wo er am 10. November -dem Professor Grasset vorgestellt wurde, der dann vor -ca. 500 Studirenden einen Vortrag über ihn hielt, in dem -ganz besonders betont wurde, dass dies ein so abnormer -Fall von »Atrophie« sei, dass man ihn nur schwer classificiren -könne, da allen bisherigen Erfahrungen gegenüber -die <span class="gesperrt">geistigen</span> Fähigkeiten unter dem allgemeinen »<span class="gesperrt">Körperschwund</span>« -nicht auch, wie in ähnlichen Fällen, in Mitleidenschaft -gezogen seien. Die medicinische Facultät Montpellier -war es auch, die ihm den Namen »Mumienmensch« -(L'Homme-Momie Vivant) gab, den er heute noch führt.</p> - -<p>Allüberall, wo er ausgestellt wurde, erregte Castagna -das Interesse der medicinischen Capacitäten, und mehrmals -sollen solche sich in grossen Städten Rendez-vous gegeben -haben, um den Vorträgen berühmter Collegen über ihn anzuwohnen. -In Paris waren es Professor Raymond, in Berlin -Professor Virchow und in München Professor Ranke, die -sich für ihn interessirten und durch ihre Vorträge die Aufmerksamkeit -der Männer der Wissenschaft nicht nur, sondern -auch der ganzen gebildeten Welt auf Castagna lenkten.</p> - -<div class="decos" style="width: 144px;"> -<img src="images/p009_deco.png" width="144" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>William Campbell</h2> - -<p class="center">der schottische Riese</p> - - -<p class="noindent">war ein Schottländer von Geburt und diente bis zu seinem -achtundzwanzigsten Lebensjahre in der grossbritannischen -Armee, musste dann aber wegen zu grosser Körperfülle den -Dienst quittiren und sich mit einer kleinen Pension begnügen.</p> - -<p>Mit seinem zweiunddreissigsten Lebensjahre producirte -er sich dem britischen Publicum als »Ihrer Majestät grösstes -Subject«, und mit dem fünfundvierzigsten Lebensjahre hatte<span class="pagenum"><a name="Seite_42" id="Seite_42">[S. 42]</a></span> -er das respectable Netto-Gewicht von zweiundfünfzig Tons -(= 680 Pfund deutsches Gewicht) erreicht, musste sich aber -zweier Krücken bedienen, wollte er sich fortbewegen, trotzdem -er kerngesund war.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 420px;"> -<img src="images/p042_ill.jpg" width="420" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Da er seiner Unbeholfenheit wegen das Reisen aufgeben -musste, so kaufte er sich ein Gasthaus in der Stadt -Newcastle-on-Tyne, erfreute sich jedoch kaum fünf Monate -des »riesigen« Geschäftes, das er darin machte, denn der -Tod befreite ihn bald darauf von seiner Last. Er hinterliess -seiner Wittwe, die ihm stets treu und hülfreich zur Seite -gestanden hatte, ein Vermögen von 28000 Mark. Ob Campbell -je von einem andern Riesen an Gewicht übertroffen -wurde, ist nicht festgestellt worden.</p> - -<div class="decos" style="width: 212px;"> -<img src="images/p042_deco.png" width="212" height="164" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_43" id="Seite_43">[S. 43]</a></span></p> - - - - -<h2>Albert Brough und General Thom</h2> - -<p class="center">Riese und Zwerg</p> - - -<p class="noindent">sind geborene Engländer. Mr. Brough, in Nottingham -geboren, ist jetzt einunddreissig Jahre alt und misst sieben -Fuss und acht Zoll, ist sehr proportionirt gebaut und als -liebenswürdig unterhaltender Erzähler in Gesellschaften gern -gesehen. Sein kleiner College ist achtundvierzig Jahre alt, -misst zwei Fuss und neun Zoll und wiegt einundfünfzig Pfund.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 410px;"> -<img src="images/p043_ill.jpg" width="410" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Die beiden Abnormitäten haben sich associirt und in -dieser Zusammenstellung treten die Contraste in das grellste -Licht. Beide sind in England sehr beliebte Schau-Objecte, -und Mr. Brough hat sich auf seinen Reisen bereits so viel -erspart, dass er sich in seiner Heimath ein hübsches Häuschen -kaufen konnte, während Se. Excellenz General Thom seinen -ganzen Verdienst in Wein »anlegt« und dem nächsten Gagentage -schon immer mit grösster Sehnsucht entgegensieht, -eine habituelle Eigenthümlichkeit, die er mit grösster Consequenz -cultivirt.</p> - -<div class="decos" style="width: 130px;"> -<img src="images/p021_deco.png" width="130" height="135" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_44" id="Seite_44">[S. 44]</a></span></p> - - - - -<h2>Count Ivan Orloff</h2> - -<p class="center">der einzige durchsichtige und verknöcherte Mensch -der Welt</p> - - -<p class="noindent">wurde am 19. August 1865 geboren und entstammt einer -hochvornehmen Familie, die durch schwere Schicksalsschläge -ihr gesammtes, grosses Vermögen verlor und hierauf zuerst -nach Deutschland und dann nach Amerika übersiedelte. -Da aber noch Verwandte des Herrn Orloff leben und hohe -Stellungen bekleiden, so müssen aus Rücksicht auf diese -hier sowohl die Nennung seines Geburtsortes, als auch -nähere Details über seine Familien-Verhältnisse unterbleiben.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/p044_ill.jpg" width="600" height="439" alt="" /> -</div> - -<p>Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahre war Ivan ein -gesunder, kräftiger Knabe, von diesem Alter ab aber zeigte -sich eine immer mehr und mehr zunehmende Abmagerung, -vornehmlich der Beine. Da damit aber auch ein hochgradiger -»Knochenschwund« verbunden war und ärztliche -Hülfe sich diesem seltenen Falle von Atrophie gegenüber -als vollständig erfolglos erwies, so musste Ivan, um sich -fortbewegen zu können, zuerst Stöcke und später Krücken -zur Hülfe nehmen, und als sich diese auch nicht mehr als -ausreichend erwiesen, sich eines Fahrstuhles bedienen, in dem -er Nachts auch schläft und die halbe Welt durchreiste und den -er nunmehr seit dreizehn Jahren nicht mehr verlassen hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_45" id="Seite_45">[S. 45]</a></span></p> - -<p>Infolge dieser steten Bewegungslosigkeit sind aber -die Gelenke seiner Gliedmaassen nicht nur, sondern auch -der ganze Körper theilweise verknöchert, da sich die in -den Gelenken befindliche kleberig-ölige Masse, das sonovial -fluid, welches allein die Beweglichkeit ermöglicht, allmählich -verhärtet, somit einen richtigen Verbindungsknochen -zwischen den Gelenk-Kugeln und -Pfannen gebildet hat, -der nun die Bewegung der Gelenke verhindert.</p> - -<p>In diesem Zustande der »Ossification« befindet sich -gegenwärtig der <span class="gesperrt">Oberkörper</span> des Herrn Orloff, während -in seinen unteren Extremitäten gerade das Gegentheil der -Fall ist. Hier ist nämlich eine Knochen-<span class="gesperrt">Erweichung</span> -infolge theilweisen Fehlens der kreide- und kalkartigen -Substanz, die den Knochen ihre Härte und Stärke giebt, -eingetreten. Die Beine sind knorpelig, durchsichtig und -gebogen, und dieser Zustand, durch die Weichheit der -Knochen und das Zusammenziehen der Muskeln erzeugt, -nimmt noch stets zu.</p> - -<p>Count Orloff hat ganz Amerika und einen grossen -Theil von Europa durchreist und die berühmtesten Aerzte -wegen seiner Krankheit consultirt, jedoch erfolglos, und -vor den Studirenden vieler grossen medicinischen Facultäten -sind Vorträge über diesen abnormen Fall gehalten worden. -Man war jedoch nicht einmal im Stande, die Ursachen -dieser wohl <span class="gesperrt">einzig</span> in ihrer Art dastehenden Krankheit -zu ergründen, und soll ein derartiger eclatanter Fall (wohl -aber ähnliche) bisher in den medicinischen Annalen nicht -zu verzeichnen gewesen sein.</p> - -<p>Abgesehen von dem körperlichen Zustande, der ihm -keinerlei Schmerzen verursacht, erfreut Herr Orloff sich -der besten Gesundheit und ist Philosoph genug, sein Missgeschick -mit Ergebung und grosser Geduld zu ertragen. -Er hat eine sehr gute Schulbildung genossen, auf seinen -Reisen hat er sich verschiedene fremde Sprachen angeeignet, -die er vollständig beherrscht. Er ist jetzt 35 Jahre alt, -wiegt etwa dreiundvierzig engl. Pfund und ist sowohl durch -die gesammte Presse, als auch von den grössten medicinischen -Autoritäten anerkannt als der <span class="gesperrt">einzige durchsichtige -und verknöcherte Mensch, der je existirt hat</span>.</p> - -<div class="decos" style="width: 130px;"> -<img src="images/p021_deco.png" width="130" height="135" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_46" id="Seite_46">[S. 46]</a></span></p> - - - - -<h2>Johann Jacob Toccio</h2> - -<p class="center">der einzige lebende Mensch mit zwei Köpfen</p> - - -<p class="noindent">ist unstreitig die grösste Abnormität, die je gelebt hat und -wahrscheinlich auch gelebt haben wird. Am 4. Oct. 1877 -in Locana, einem kleinen Städtchen in Italien, von ganz -armen Eltern geboren — die Mutter war erst neunzehn -Jahre alt —, erhielt der rechte Theil in der Taufe den -Namen Giovanni, der linke aber den Namen Giacomo.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 363px;"> -<img src="images/p046_ill.jpg" width="363" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Bei der Geburt wog das, ein kräftiges Duett schreiende -Wundergeschöpf nur 9 Pfund, jetzt (1899) etwa 130 Pfund. -Oberhalb der sechsten Rippe sind die Körper getrennt, -unterhalb derselben vereinigen sie sich, so dass das Wundergeschöpf -oben <span class="gesperrt">zwei</span> Personen mit zwei Köpfen, vier Armen, -zwei Brustkasten, zwei Lungen, zwei Herzen etc. repräsentirt,<span class="pagenum"><a name="Seite_47" id="Seite_47">[S. 47]</a></span> -während der Unterkörper eine <span class="gesperrt">einzelne</span> Person mit zwei -Beinen, einem Magen etc. darstellt. Das scharf entwickelte -Denkvermögen ist vollständig separirt.</p> - -<p>Da die inneren Organe sehr kräftig ausgebildet sind, -das Geschöpf somit vollständig lebensfähig war, so entwickelte -es sich so günstig, dass es, nachdem es im Alter -von vier Wochen den Professoren der Turiner medicinischen -Facultät, Fabini und Mosse, vorgestellt und von diesen für -das grösste Wunder der Welt erklärt worden war, von -seinen Eltern gegen ein unbedeutendes Eintrittsgeld in einer -kleinen Bude ohne Gefährdung der Gesundheit öffentlich -gezeigt werden konnte, so dass sich dieselben dadurch einen -kärglichen Lebensunterhalt erwarben.</p> - -<p>Vor nunmehr ca. acht Jahren wurde dies Naturwunder -von dem Director des Berliner Passage-Panopticums, Herrn -Neumann, entdeckt, der, den hohen Werth desselben erkennend, -es sofort für sechs Monate engagirte. Als es nach -vielen Bemühungen endlich repräsentationsfähig geworden -war und den berühmtesten Aerzten Berlins, u. a. auch dem -Professor Virchow, vorgestellt werden konnte und untersucht -worden war, da wurde es endlich auch dem Gesammtpublicum -vorgeführt und der Erfolg war ein ganz colossaler.</p> - -<p>Da erschien aber der New Yorker Museumsbesitzer -Prof. E. M. Worth auf der Bildfläche und engagirte den -— oder die — Knaben für eine einjährige Tournée durch -die Vereinigten Staaten. Der Manager erhielt eine <span class="gesperrt">wöchentliche</span> -Gage von 750 Pfd. Sterl. und den kostenfreien Verkauf -der Photographieen. Davon zahlte er an die Eltern -wöchentlich 200 Pfd. Sterl. und bestritt sämmtliche Kosten -für sie und die Kinder. Nach etwa fünfjähriger Ausstellung -hatten sie sich ein so bedeutendes Vermögen erspart, dass -sie sammt dem Zwillingspaare in ihre Heimath zurückkehrten; -dort lebt es in einer kleinen hübschen Villa in der -Nähe Venedigs und würde sich um keinen Preis zu einer -nochmaligen öffentlichen Ausstellung entschliessen.</p> - -<p>Es berührt Jedermann ganz eigenartig, wenn man sich -die beiden Köpfe in italienischer, deutscher, französischer -oder englischer Sprache unterhalten hört, als wären es zwei -vollständig getrennte Personen und unwillkürlich blickt man -nieder, um den Unterkörper der zweiten Person zu suchen.<span class="pagenum"><a name="Seite_48" id="Seite_48">[S. 48]</a></span> -Ebenso frappirte es, wenn sich im Kindesalter die beiden -Oberkörper zankten oder gar, was nicht selten vorkam, -durch gegenseitige Püffe ihre Meinungsverschiedenheiten -ins Gleichgewicht zu bringen versuchten. Und doch konnte -Niemand zwischen sie treten, um sie »auseinander zu bringen«.</p> - -<p>Die jetzt etwa zweiundzwanzigjährigen Jünglinge -können zwar ohne Beihülfe aufrecht stehen, müssen jedoch -beim Gehen unterstützt werden. Sie erfreuen sich der besten -Gesundheit und können nach Aussagen der Aerzte ein hohes -Alter erreichen.</p> - -<div class="decos" style="width: 212px;"> -<img src="images/p042_deco.png" width="212" height="164" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Jo-Jo</h2> - -<p class="center">der Mann mit dem Hunde-Gesicht</p> - - -<p class="noindent">ist zwar eine grosse Abnormität, jedoch nicht die <span class="gesperrt">einzige</span> -dieses Genres. Jo-Jo ist etwa dreissig Jahre alt, von mittlerer -Grösse und kräftig gebaut. Er stammt aus Russland und -soll dort vor etwa zwanzig Jahren im Verein mit seinem -Vater in den Sibirischen Urwäldern »gefunden« sein. Das -ist natürlich gerade so, wie auch die »berühmte« Erzählung -über Kra-o, Darwin's fehlendes Glied zwischen Affen und -Menschen, erfunden. Die Professoren Virchow und Bartels -haben über Kra-o und den sog. »wilden Menschen« einen -hochinteressanten Artikel in der »Gartenlaube«, Jahrgang -1888, Heft 28, herausgegeben, aus dem wir ersehen, dass -der abnorme Haarwuchs seinen Grund in einer Hautkrankheit -hat.</p> - -<p>Jo-Jo ist geistig sehr beschränkt, fast Idiot, und hat -nicht die geringste Schulbildung genossen. Vor etwa dreizehn -Jahren wurde er von einem Impresario nach Amerika -gebracht und dort in den Museen etc. als »Mann mit dem -Hunde-Gesicht« gezeigt. Der Erfolg war, a conto der -entrirten Reclame, ein ganz horrender, und der Impresario -schlug ein Vermögen aus Jo-Jo, dessen Gage während -einiger Jahre bis zu 500 Dollars (etwa 2200 Mark) pro -Woche hochgeschraubt wurde. Da er aber bereits sowohl -in ganz Amerika als auch in ganz Europa und Australien -ausgestellt worden ist, so hat er keine grosse Anziehungs<span class="pagenum"><a name="Seite_49" id="Seite_49">[S. 49]</a></span>kraft -mehr und muss oft die gegen früher sehr geringe -Gage von 190-200 Mark per Woche acceptiren, da sein -Impresario, der ein leidenschaftlicher Hazardspieler ist, -nicht einen Dollar erspart hat und auf Jo-Jo's wöchentlichen -Verdienst angewiesen ist.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 395px;"> -<img src="images/p049_ill.jpg" width="395" height="599" alt="" /> -</div> - -<p>Seit etwa sechs Jahren befindet sich Jo-Jo wieder in -Amerika und wird es auch wohl nicht nochmals verlassen, -da der Humbug mit »wilden Menschen« etc. in Europa -nicht mehr zieht, es somit auch für ihn unmöglich ist, -diesseits des Oceans noch Engagement zu erhalten.</p> - -<div class="decos" style="width: 204px;"> -<img src="images/p049_deco.png" width="204" height="148" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Miss Violet</h2> - -<p class="center">das Kameel-Mädchen</p> - - -<p class="noindent">ist in ganz Amerika bekannt und eine beliebte Attraction, -erweckt jedoch Mitleid beim gesammten Publicum. Sie ist<span class="pagenum"><a name="Seite_50" id="Seite_50">[S. 50]</a></span> -im Jahre 1878 in New-Orleans, Nord-Amerika, geboren und -wird seit etwa zwölf Jahren von ihren Eltern zum Geld-Erwerb -ausgestellt. Miss Violet (das Veilchen) ist sehr -hübsch, zieht sich jedoch von allem intimeren Verkehr -zurück. Wie das Cliché zeigt, bewegt sie sich nur auf -Händen und Füssen, da es ihr unmöglich ist, die Beine -gerade zu machen. Die Kniescheiben befinden sich nämlich -auf der Rückseite der Beine und zwar in solcher Lage, -dass sie die Beine wohl »<span class="gesperrt">nach vorne</span>« zum Körper -biegen, sie jedoch nicht gerade ausstrecken kann. —</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/p050_ill.jpg" width="600" height="421" alt="" /> -</div> - -<p>Ein ganz ähnlich verkrüppelter Neger wurde vor -einigen Jahren ebenfalls in Amerika unter dem Namen -Jim-Jim, »halb Pferd, halb Mensch« gezeigt. Er hatte -sich auch wirklich die Bewegungen eines Pferdes ziemlich -natürlich angeeignet. Trotz der rohen und abstossenden -Art der Vorführung fand doch die »grosse Masse« des -Publicums Gefallen daran und der Impresario (ein Deutscher -Namens Max Zimmermann) erhält ausser dem freien Verkauf -der Photographieen durchschnittlich eine Wochengage -von 125 Dollars. Eine Attraction, wie diese »halb -Pferd, halb Mensch«, würde in Europa polizeilich verboten -werden.</p> - -<div class="decos" style="width: 140px;"> -<img src="images/p050_deco.png" width="140" height="160" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_51" id="Seite_51">[S. 51]</a></span></p> - - - - -<h2>Walter H. Drew</h2> - -<p class="center">der »Drum«-Major</p> - - -<p class="noindent">war ein viel grösseres Wunder für die Mediciner wie für -das Publicum. Im Jahre 1866 in Bridgeport (Nord-Amerika) -geboren, fehlten ihm die Hände ganz und statt der Füsse -hatte er nur unförmige Klumpen. Ungleich interessanter -für die medicinischen Wissenschaften war jedoch die -Thatsache, dass sein Rückgrat von der rechten Seite zur -linken Hüfte ging und dass die Wirbelsäule des Halses -nicht die directe Fortsetzung des Rückgrates bildete, sondern -dass sie seitwärts aus diesem herausgewachsen war.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/p051_ill.jpg" width="600" height="418" alt="" /> -</div> - -<p>Dieses wohl einzig dastehende Vorkommen wurde -von allen Aerzten Amerikas constatirt, und nach dem Ableben -Drews im Jahre 1891 wurde der Leichnam vom -Jefferson-College in Philadelphia erworben, das Skelet -präparirt und im Museum des College aufgestellt.</p> - -<p>Durch die abnorme Verschiebung des Rückgrates -wurde es unmöglich, dass Drew jemals gehen oder auch -nur aufrecht stehen konnte, er konnte sich vielmehr während -seines ganzen Lebens nur auf der Erde liegend fortbewegen. -Trotz dieser furchtbaren Situation erfreute er sich aber -einer guten Gesundheit und eines recht urwüchsigen Humors, -der ihm über seine körperliche Misère hinaushalf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_52" id="Seite_52">[S. 52]</a></span></p> - -<p>Durch eine besondere Vorrichtung an den Füssen ermöglichte -er es, zwei Trommelstöcke zu halten und sich -zu einem Trommel-Virtuosen herauszubilden (daher auch -das Prädicat »Drum«-Major, gleich Trommel- oder Tambour-Major). -Auch schrieb er mit den Füssen und war -ein tüchtiger Zeichner. Für viele Jahre war er gezwungen, -sich seinen Lebensunterhalt durch öffentliche Schaustellung -zu erwerben, und waren auch für ihn die Museen etc. die -Rettungs-Anstalten, die ihn vor dem Armenhause bewahrten.</p> - -<div class="decos" style="width: 208px;"> -<img src="images/p053_deco.png" width="208" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Miss Bella Carter</h2> - -<p class="center">das Mädchen mit der Pferdemähne.</p> - - -<p class="noindent">Welch fabelhafte Blüthen der Speculationsgeist der -Amerikaner zu treiben vermag, beweist das »Mädchen mit -der Pferdemähne«.</p> - -<p>Bella Carter, ein recht hübsches Mädchen von etwa -22 bis 23 Jahren, ist in Port Huron, Michigan (Amerika) -geboren, wo sie bis zum Jahre 1889 »unentdeckt« bei ihrer -Mutter lebte. Da hörte ein »findiger« Impresario von ihr -und — dass sie ein behaartes <span class="gesperrt">Muttermal</span> von ausserordentlicher -Grösse auf dem Rücken habe. (Muttermale -sind fast ohne Ausnahme bald mehr, bald weniger behaart. -Im Volksmunde werden sie nicht selten »Mäuse« genannt -und ihre Entstehung dem »Versehen« an einer Maus zugeschrieben, -über die sich die Mutter während der -Schwangerschaft mit dem Kinde erschreckt habe. Während -aber die Behaarung dieser Mäuse meistens plüschartig und -weich ist, sind die Haare auf Bella Carter's Muttermal -drahtartig-hart und ca. 12-14 Zoll lang.)</p> - -<p>Sofort stattete der Impresario Mutter und Tochter -eine Recognoscirungs-Visite ab und nachdem er das Muttermal -mit der allerdings ungewöhnlich üppigen Behaarung -gesehen hatte, machte er Beiden den Vorschlag, Miss Bella -gegen ein wöchentliches Fixum öffentlich zeigen zu wollen, -ein Vorschlag, der von Mutter und Tochter sofort acceptirt -wurde, da sie in nur ärmlichen Verhältnissen lebten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_53" id="Seite_53">[S. 53]</a></span></p> - -<p>Das »Mädchen mit der Pferdemähne« war entdeckt, -und war die Uebertreibung auch eine geradezu »phänomenale«, -so war der Erfolg doch ein so guter, dass Miss -Bella heute noch für eine bewährte Zug-Nummer gilt, die -in Amerika überall gerne engagirt wird.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p053_ill.jpg" width="422" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Auch nach Europa wurde das »Mädchen mit der -Pferdemähne« überführt, da aber ihre Ausstellung im Berliner -Passage-Panopticum <span class="gesperrt">absolut erfolglos</span> war, so stand der -Impresario von jeder weiteren Ausstellung ab und kehrte -mit seinem »star« nach Amerika zurück. (Das Cliché zeigt -Miss Carter während der Vorführung.)</p> - -<div class="decos" style="width: 208px;"> -<img src="images/p053_deco.png" width="208" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_54" id="Seite_54">[S. 54]</a></span></p> - - - - -<h2>Der Hindu »Laloo«</h2> - - -<p class="noindent">ist eines der grössten Phänomen, die jemals existirt haben. -Aus seiner Brust ist nämlich der vollständig entwickelte -Körper eines Mädchens, dem jedoch der Kopf fehlt, -herausgewachsen und von sämmtlichen Aerzten, die Untersuchungen -anstellten, wird behauptet, dass der Kopf sich -<span class="gesperrt">in der Brust</span> Laloo's befinde. Er wurde 1882 zur indischen -Ausstellung nach London gebracht und nach Beendigung -derselben in sämmtlichen Universitäten, Museen etc. Gross-Britanniens -mit ganz colossalem Erfolg ausgestellt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p054_ill.jpg" width="422" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Nach dieser neunjährigen Tournée wurde Laloo von -der Direction des Berliner Passage-Panopticums für einen -Monat engagirt, das Engagement wurde jedoch des colossalen -Erfolges wegen um weitere fünf Monate verlängert -und wäre noch weiter verlängert worden, hätte der<span class="pagenum"><a name="Seite_55" id="Seite_55">[S. 55]</a></span> -Impresario bereits früher eingegangene Verpflichtungen -in Amerika noch länger verschieben können.</p> - -<p>In Berlin erhielt der Impresario eine <span class="gesperrt">Monats</span>-Gage -von 2000 Mark, vom Prof. E. M. Worth, dem Besitzer des -Palace-Museums in New York (des grössten und elegantesten -Panopticums und Variété-Theaters der Welt) -bezog derselbe jedoch während sechs Monate ab 1. October -1891 eine <span class="gesperrt">Wochen</span>-Gage von 700 Dollars (etwa -2950 Mark) ausser dem Verkauf der Photos und Biographieen, -der ihm auch noch einen wöchentlichen Reingewinn — -nach seiner eigenen Aussage — von etwa 125 Dollars -eintrug.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p055_ill.jpg" width="419" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Laloo ist in ganz Amerika gezeigt worden, denn das -Phänomen war auch längere Zeit für Barnum & Bailey's -»Greatest Show on Earth« engagirt. Laloo ist jetzt etwa -27 Jahre alt, sehr intelligent, spricht mehrere Sprachen<span class="pagenum"><a name="Seite_56" id="Seite_56">[S. 56]</a></span> -und ist ein »bildhübscher« Mann, der sich viel in guter -Gesellschaft bewegt und überall gern gelitten ist.</p> - -<p>Seit 1894 ist er mit einer sehr hübschen und gebildeten -jungen Deutschen aus Philadelphia verheirathet. -Das Ehepaar soll sehr glücklich leben und Laloo seine -Gattin mit Diamanten und sonstigen werthvollen Geschenken -förmlich überschütten. Trotz seines grossen Reichthums -tritt er noch immer öffentlich auf und seine junge Frau -begleitet ihn auf allen seinen Reisen.</p> - -<div class="decos" style="width: 208px;"> -<img src="images/p028_deco.png" width="208" height="184" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Monroe</h2> - -<p class="center">der verknöcherte Afrikaner</p> - - -<p class="noindent">ist ein unlösbares medicinisches Räthsel und zugleich eine -Abnormität, die Jeder mit Wehmuth betrachtet.</p> - -<p>Jetzt etwa vierundfünfzig Jahre alt, war er bis zu -seinem zweiunddreissigsten Lebensjahre ein gesunder, -kräftiger Mann von gebräunter Hautfarbe, glücklicher Ehegatte -und Vater von drei Kindern, und functionirte als -Schaffner an der New York Central-Railway.</p> - -<p>Im Jahre 1875 wurde er Nachts von einem Frachtenzuge -hinabgeworfen, und da das Unglück von Niemandem -bemerkt worden war, blieb er schwer verwundet im Schnee -liegen. Als er vermisst und aufgesucht wurde, da fand -man den völlig erstarrten Körper endlich und den Bemühungen -der Aerzte gelang es, ihn nicht nur wieder ins -Leben zurückzurufen, sondern es ihm auch zu erhalten.</p> - -<p>Infolge des Sturzes und der furchtbaren Erkältung -traten jedoch nicht nur Gelenk-Entzündungen, sondern -gleichzeitig auch Rheumatismus bei Monroe auf, die eine -sich über den ganzen Körper verbreitende Ossification -(Verknöcherung) zur Folge hatten. Sechs Jahre konnte -der Unglückliche sein Bett nicht verlassen und seit dieser -Zeit ist er nur noch ein lebendes unbewegliches Skelet, -das, als wäre es aus Holz gearbeitet, aufgehoben, umhergetragen -und wieder niedergelegt werden muss; doch em<span class="pagenum"><a name="Seite_57" id="Seite_57">[S. 57]</a></span>pfindet -er nicht die geringsten Schmerzen, ist stets heiter -und zum Scherzen aufgelegt und giebt bei seinen Vorführungen -selbst den Vortrag über sich. Trotzdem er -reichliche substantielle Nahrung zu sich nimmt und auch -gut schläft, wiegt er doch nur zweiundsechzig Pfund.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 438px;"> -<img src="images/p057_ill.jpg" width="438" height="599" alt="" /> -</div> - -<p>Seit etwa elf Jahren wurde Monroe in Museen etc. -gezeigt, da er jedoch stets hohe Gagen bezog, so hat er -sich nicht nur eine hübsche Besitzung unweit Buffalo -(Amerika), sondern auch ein kleines Baar-Vermögen erworben, -das ihm gestattet, sich aus der Oeffentlichkeit -zurückzuziehen und als glücklicher Gatte und Vater im -Kreise seiner Familie leben zu können.</p> - -<div class="decos" style="width: 160px;"> -<img src="images/p032_deco.png" width="160" height="168" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_58" id="Seite_58">[S. 58]</a></span></p> - - - - -<h2>Ada Russel</h2> - -<p class="center">die Albino-Dame</p> - - -<p class="noindent">ist keine bedeutende Attraction, da es namentlich in -Amerika sehr viele Albinos giebt. Beide Eltern sowie -ihre sechs Geschwister haben brünette Hautfarbe und -schwarze Haare und Augen, sie dagegen hat schneeweisse -Haare, eine weisse, durchsichtige Haut wie Alabaster und -rosarothe Augen.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p058_ill.jpg" width="419" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Miss Ada hat eine sehr sorgfältige Erziehung genossen -und ist eine recht gute Sängerin. Seit mehreren -Jahren tritt sie in Museen etc. auf und schafft sich auf -diese Weise eine sorgenlose Existenz. Sie ist 1873 in -Michigan (Amerika) geboren, wo ihr Vater noch jetzt -Schullehrer ist.</p> - -<div class="decos" style="width: 204px;"> -<img src="images/p049_deco.png" width="204" height="148" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_59" id="Seite_59">[S. 59]</a></span></p> - - - - -<h2>W. Le Roy</h2> - -<p class="center">der Nagelkönig</p> - - -<p class="noindent">ist <span class="gesperrt">keine</span> Abnormität im eigentlichsten Sinne, unter den -»Zahn-Athleten« aber ist er unbestritten eine solche, denn -er hat ein Gebiss, wie aus bestem Stahl gefertigt. Er -nimmt z. B. zwei bis drei Zoll lange Nägel zwischen die -Zähne und stösst sie mit diesen durch aufeinanderliegende -ein bis zwei Zoll dicke Bretter, die er auf diese etwas -ungewöhnliche Weise zusammennagelt; die Nägel zieht er -aber auch unter den verschiedensten Stellungen des Körpers -wieder mit den Zähnen, die ihm dabei als Zange dienen, -heraus. Sein Haupt-Tric aber ist folgender: Er schlägt -mit einem Hammer eine etwa zwei Zoll lange, dicke Holzschraube -durch ein einzölliges Brett, befestigt dieses dann -in einem für diesen Zweck eingerichtetes Gestell, und, den<span class="pagenum"><a name="Seite_60" id="Seite_60">[S. 60]</a></span> -Körper rückwärts überbiegend — siehe das Cliché — zieht -er die Schraube mit den Zähnen wieder aus dem Brett -heraus. Es ist dies eine geradezu phänomenale Kraftleistung, -und offerirt Le Roy demjenigen 500 Dollar, der -die Schraube mit einer Zange herauszieht, was bisher jedoch -noch Niemandem gelungen ist.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 417px;"> -<img src="images/p059_ill.jpg" width="417" height="599" alt="" /> -</div> - -<p>Er ist in Cincinnati (Ohio) geboren, jetzt etwa siebenundzwanzig -Jahre alt und eine grosse, äusserst kräftige -Gestalt. Seine seltsame Kunst producirt er in Museen -und auf Specialitäten-Bühnen und bezieht stets bedeutende -Gagen.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 421px;"> -<img src="images/p060_ill.jpg" width="421" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 150px;"> -<img src="images/p010_deco.png" width="150" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_61" id="Seite_61">[S. 61]</a></span></p> - - - -<h2>Rham-a-Sama</h2> - -<p class="center">der »wilde« Mensch</p> - - -<p class="noindent">ist in Bolton bei Liverpool in England geboren, jetzt etwa -38 Jahre alt und ursprünglich gelernter Tischler. Als solcher -arbeitete er bis zu seinem neunzehnten Lebensjahre, erregte -aber wegen seines colossalen Haarwuchses so allgemeines -Aufsehen, dass er vom Director W. Mercer, Besitzer des -Palace-Museums in Liverpool, engagirt und als »Haarmensch« -gezeigt wurde. Als solcher reiste er dann auch während -mehrerer Jahre in Grossbritannien umher, wurde jedoch 1894 -von dem findigen Menageriebesitzer Frank Bostock für fünf -Jahre engagirt und mit dessen Menagerie nach Amerika genommen. -Nachdem er sich die höchste Potenz des »Brüllens« -und Umherrasens angeeignet hatte und zweckentsprechend -herausgeputzt war, wurde er in einen <span class="gesperrt">eisernen</span> Käfig ge<span class="pagenum"><a name="Seite_62" id="Seite_62">[S. 62]</a></span>steckt -und als das fehlende Verbindungsglied zwischen dem -Affen- und Menschengeschlecht (nach Darwin) gezeigt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 421px;"> -<img src="images/p061_ill.jpg" width="421" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Der Humbug zog jedoch in Amerika nicht mehr, denn -der Haarmensch Kra-o hatte das Geschäft als bisher fehlendes -Glied zwischen Affen und Menschen dort zu sehr ausgebeutet -und infolge weiten Gewissens sandte Frank Bostock den -»wilden« Menschen wieder nach England zurück. Derselbe -wurde dann nach Hamburg engagirt, ging später für zwei -Jahre mit einem französischen Impresario auf Tournée und -kehrte kürzlich bettelarm in seinen Heimathsort zurück.</p> - -<p>Rham-a-Sama ist verheirathet und Vater dreier Kinder, -hat aber trotz seines oft recht bedeutenden Einkommens -nicht im geringsten für seine eigene Zukunft, noch viel -weniger für den Unterhalt seiner Familie gesorgt und ist -nun als ein recht verkommenes Subject auch sonst eine -Abnormität.</p> - -<div class="decos" style="width: 202px;"> -<img src="images/p027_deco.png" width="202" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Frank Home und George Moore</h2> - -<p class="center">die urkomischen Boxer.</p> - - -<p class="noindent">Die Komik dieser beiden jungen Männer, deren -Körperformen die schroffsten Gegensätze bilden, ist bei -ihren »Boxer-Productionen« eine zwerchfellerschütternde.</p> - -<p>Frank Home, der Sohn eines Zimmermanns, ist aus -Ohio, etwa vierundzwanzig Jahre alt, fünf Fuss und zwei -Zoll hoch, aber 412 Pfund schwer und George Moore, eines -Uhrmachers Sohn, ist aus Helena (Nord-Amerika), etwa -zweiundzwanzig Jahre alt, sechs Fuss und einen Zoll hoch, -aber nur 84 Pfund schwer.</p> - -<p>Dieser Gegensätze wegen reisten Beide jahrelang zusammen -und zeigten sich in Museen, bei Circus-Gesellschaften -etc. Da Beiden von den Aerzten viel Bewegung -empfohlen worden war, so kamen sie endlich auf den Gedanken, -sich im »Boxen« zu üben und führten ihn auch -aus, indem sie in ihrer freien Zeit in ihrem Zimmer die -einschlägigen Exercitien vornahmen.</p> - -<p>Von diesen hörte zufällig der Manager vom Ringling -Bros. Circus, bei dem sie engagirt waren, und eines Tages -wohnte er, um sich einen Spass zu machen, diesen Exer<span class="pagenum"><a name="Seite_63" id="Seite_63">[S. 63]</a></span>citien -bei, aber schon nach dem dritten Gange offerirte -er den Beiden einen Gagenzuschuss von fünfundzwanzig -Dollars per Woche, wenn sie sich auch in den Vorstellungen -vor dem Publicum boxen würden — sie waren bisher nur -passive Schaunummern gewesen.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 420px;"> -<img src="images/p063_ill.jpg" width="420" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Der »Lange« wie der »Kurze« gingen mit Freuden -auf dieses Anerbieten ein und schon der erste »match« -erregte bei dem Publicum einen solchen Sturm der Heiterkeit, -dass sie fortan die erste Attraction des Circus waren. -Darüber sind jetzt etwa fünf Jahre vergangen und in dieser -Zeit haben sich die beiden jungen Männer ein ansehnliches -Vermögen zusammen»geklopft«.</p> - -<div class="decos" style="width: 164px;"> -<img src="images/p063_deco.png" width="164" height="164" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_64" id="Seite_64">[S. 64]</a></span></p> - - - - -<h2>Die gefleckten Mädchen</h2> - -<p class="center">(the spotted Girls)</p> - - -<p class="noindent">sind in Süd-Carolina, Nord-Amerika, von ganz armen Neger-Eltern -geboren und blieben jahrelang unter der Bevölkerung -unbeachtet.</p> - -<p>Als vor etwa elf Jahren der Circus des »Pawne Bill« -(Lilian Gordon) auch Carolina bereiste, da hörte der -Akrobat Harry Mack zufällig von den »scheckigen Mädchen« -und als er dieselben gesehen und erkannt hatte, dass sich -mit den Kindern »Geld machen« liess, da machte er mit -den Eltern derselben Contract auf zehn Jahre und sie erhielten -nur eine wöchentliche Entschädigung von — so -sagt man — fünf Dollar, da sie froh waren, den Erziehungssorgen -der Kinder überhoben zu sein.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/p064_ill.jpg" width="600" height="422" alt="" /> -</div> - -<p>Mr. Mack hatte richtig speculirt, denn er hat während -der zehn Jahre an Gagen ein Vermögen erhalten, da er -die Kinder stets gegen grosses Honorar in den bedeutendsten -Museen etc. ausstellte. Während dieser Zeit hatte er die -Mädchen zu Akrobatinnen und Tänzerinnen ausgebildet -und sind besonders die beiden ältesten Schwestern, Maggi -und Rosa, bedeutend in diesen Fächern.</p> - -<p>Auch nach Europa brachte Mr. Mack die Mädchen -und waren dieselben während des Winters 1895/96 in<span class="pagenum"><a name="Seite_65" id="Seite_65">[S. 65]</a></span> -Castan's Panopticum in Berlin für eine Monatsgage von -4000 Mark engagirt, doch war die Anziehungskraft der -»Cannibalen« eine nur ganz unbedeutende, so dass eine -Prolongation des Contractes nicht erfolgte. Auf der Tournée -in Deutschland verliebte sich ein junger Deutscher in die -älteste Schwester und am 23. October 1896 fand die Hochzeit -in London statt.</p> - -<p>Da sie überaus gleichmässig, fast symmetrisch gefleckt -sind, so sind sie eine bedeutende Attraction, während andere -gefleckte Neger beiderlei Geschlechter, deren es eine ziemliche -Anzahl giebt, meistens recht abstossend aussehen.</p> - -<div class="decos" style="width: 129px;"> -<img src="images/p065_deco.png" width="129" height="141" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>George Williams</h2> - -<p class="center">der Schildkröten-Knabe</p> - - -<p class="noindent">(the Turtle-Boy) ist nicht nur eine der bekanntesten Abnormitäten, -sondern auch die entschieden beliebteste in -ganz Amerika.</p> - -<p>»George« ist am 17. August 1871 in Arkansas geboren. -Seine Eltern, tiefschwarze Neger, waren früher Sklaven, -die sich ihren Lebensunterhalt auch später noch durch -schwere Arbeiten recht kümmerlich erwerben mussten.</p> - -<p>Er ist, wie das Cliché zeigt, ein Zwerg, jedoch so -verkrüppelt, dass er von Kindheit an weder stehen, noch -gehen, sondern sich nur kriechend, allerdings mit unglaublicher -Schnelligkeit und Gewandtheit, vorwärts bewegen -konnte. Trotzdem erfreut er sich der besten Gesundheit -und eines wahrhaft übersprudelnden kaustischen Humors, -dem er auch als incarnirter Politiker ungenirt die Zügel -schiessen lässt; werden staatliche Institutionen discutirt — -dann schont er den Präsidenten der Vereinigten Staaten -ebensowenig, wie den untergeordnetsten Communalbeamten -mit seinen satyrischen Witzeleien.</p> - -<p>Wo »Turtle-George« auch auftritt, überall ist er der -Cassen-Magnet und sein Podium stets von Besuchern umdrängt, -und ist er auch jedem Kinde bekannt, so lässt<span class="pagenum"><a name="Seite_66" id="Seite_66">[S. 66]</a></span> -seine Anziehungskraft doch nicht nach — ausser Engagement -ist er nie. — Er ist sehr musikalisch, singt gut -und ist Virtuose auf der Mundharmonika.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 423px;"> -<img src="images/p066_ill.jpg" width="423" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Im Jahre 1895 hat er sich mit einem netten »weissen« -Mädchen in New-York verheirathet und soll recht glücklich -mit der jungen Gattin leben.</p> - -<div class="decos" style="width: 202px;"> -<img src="images/p027_deco.png" width="202" height="132" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Madame Taylor</h2> - -<p class="center">die »Bart-Dame«</p> - - -<p class="noindent">die den Vorzug hat, die Einzige mit grauem Barte zu sein, -ist im Jahre 1832 in Lincoln in Nord-Amerika als Tochter -kleiner Bürgersleute geboren. Da sich schon in ihrer -frühesten Jugend die Spuren eines Bartes bei ihr zeigten,<span class="pagenum"><a name="Seite_67" id="Seite_67">[S. 67]</a></span> -so barbierte sie sich selbst heimlich, um Niemanden in ihr -»Geheimniss« einweihen zu müssen, als sie aber in ihrem -achtundzwanzigsten Lebensjahre beide Eltern verlor und -ganz mittellos war, da entschloss sie sich, ihren Bart wachsen -und sich als »Bartdame« sehen zu lassen. Sie trat im -Jahre 1862 zum ersten Male öffentlich auf, und da in jener -Zeit nur wenig Abnormitäten bekannt waren, so hatte sie -colossalen Erfolg.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p067_ill.jpg" width="422" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>In ihrem zweiunddreissigsten Lebensjahre verheirathete -sie sich und zog sich für einige Jahre als Schau-Object aus -der Oeffentlichkeit zurück, war jedoch durch Umstände gezwungen, -nochmals eine Tournée zu unternehmen, von der -sie sich erst 1892 wieder ins Privatleben zurückzog, und da -sie sich genügende Mittel erspart hat, so kann sie bis an -ihr Lebensende sorglos leben.</p> - -<div class="decom" style="width: 248px;"> -<img src="images/p067_deco.png" width="248" height="160" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_68" id="Seite_68">[S. 68]</a></span></p> - - - - -<h2>Das Bärenweib</h2> - - -<p class="noindent">hat seit 1895 ausserordentliches Aufsehen erregt und war -für nahezu zwei Jahre auch die Haupt-Attraction in Castan's -Panopticum zu Berlin.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/p068_ill.jpg" width="600" height="417" alt="" /> -</div> - -<p>Dass diese Frau mit einem Bären nichts gemein hat -(ausgenommen das schöne Bärenfell, das sie über dem Tricot-Anzuge -trägt), ist wohl ebenso begreiflich, wie es unbegreiflich -ist, dass das Publicum sich einen so colossalen -»Bären aufbinden« liess, indem es einen bei Lichte betrachtet -ziemlich plump inscenirten Mummenschanz für unverfälschte -Natur nahm und anstaunte. Wenn dieses Wesen nach Professor -Virchow's Angabe auch eine ganz seltene Abnormität -ist, so ist der Titel »Bärenweib« doch durchaus ungerechtfertigt. -Die Abnormität besteht nämlich darin, dass sich -die Ellenbogen ganz dicht bei den Handgelenken und die -Knie ganz dicht bei den Knöcheln befinden. Dadurch ist -allerdings eine ganz entfernte Aehnlichkeit mit einem Bären -hervorgebracht, aber nur, so lange das »Bärenweib« sich auf -Händen und Füssen fortbewegt, also nur während der Vorführung; -ist diese aber beendet, so geht es gerade so gut -aufrecht, wie jeder andere <span class="gesperrt">gewöhnliche</span> Sterbliche.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_69" id="Seite_69">[S. 69]</a></span></p> - -<p>Wo die Frau geboren ist, ist unbekannt. Seit etwa -1880 ist sie mit ihrer Mutter, die ebenso missgestaltet ist -wie die Tochter, zusammen in ganz Amerika ausgestellt -worden, und Beide waren stets gesuchte Schau-Objecte.</p> - -<p>Trotz seiner wahrhaft abschreckenden Hässlichkeit hat -das Bärenweib doch einen recht netten Ehemann, einen -nordamerikanischen Mulatten Namens Howard Vanse, gefunden -und im October 1896 einem hübschen Knaben das -Leben geschenkt, der jedoch im August 1897 wieder starb.</p> - -<p>Die bereits bejahrte Mutter des Bärenweibes reist jetzt -als die einzige ihres Genres immer noch in Amerika, da -aber ihre »Blüthenzeit« vorüber ist, so bezieht sie nur ganz -geringe Gagen, während Mr. Howard Vanse als Ehegatte -und Impresario mit seiner Frau den »intelligenten« Europäern -auch ferner noch einen Bären resp. eine »Bärin aufbindet«.</p> - -<div class="decos" style="width: 172px;"> -<img src="images/p012_deco1.png" width="172" height="137" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Mr. Rannie</h2> - -<p class="center">der Mann mit der eisernen Haut</p> - - -<p class="noindent">ist ein echter Singhalese aus Ceylon, der wegen seiner Unempfindlichkeit -obiges Epitheton mit Recht verdient. Er -wurde am 3. Juli 1866 auf Ceylon geboren und war als -17. Kind erst der 4. Junge. Mit dem deutschen Circus -Anna Willison kam er im Alter von 10 Jahren nach Europa -und ist seitdem in den meisten Grossstädten, theils im -Variété, theils im Panopticum, ebenso auch vor dem König -Albert von Sachsen und vielen anderen Fürstlichkeiten aufgetreten.</p> - -<p>Rannie tritt in einem farbenbunten, orientalischen -Costüm auf, das die Beine von den Knieen abwärts und -die Arme freilässt; seine Unempfindlichkeit zeigt er nun -auf mannigfache Weise. Zunächst besteigt er — die Augen -verbunden und auf dem Kopfe eine Lampe balancirend — -eine Doppelleiter, deren Sprossen auf der einen Seite aus -ziemlich scharf geschliffenen Säbeln, auf der anderen aus -breiten Messerklingen hergestellt sind. Langsam steigt er -über die schmalen Sprossen hinauf und herunter, indem er -vorsichtig die nackte Sohle der Länge nach auf die Sprossen<span class="pagenum"><a name="Seite_70" id="Seite_70">[S. 70]</a></span> -mehr schiebt als setzt. Dann kommt eine Production auf -einem grossen, dicht mit starken Nägeln bespickten Brette; -er stützt sich, das Kreuz hohl gemacht, mit Händen und -Füssen auf das spitzige Lager, lässt ein Brett auf sich legen -und dieses mit vier Männern belasten. Dann springt er -von einem Tische durch einen Reifen, an dessen innerer -Peripherie kurze Säbelklingen angebracht sind, auf das mit -Nägeln beschlagene Brett. Hierauf wird eine grosse -Trommel, die innen dicht mit Nägeln besetzt ist, herbeigerollt, -Rannie kauert sich hinein und lässt sich einige -Male in der Trommel umherrollen. Den Schluss bildet eine<span class="pagenum"><a name="Seite_71" id="Seite_71">[S. 71]</a></span> -Production, während welcher Rannie auf einer mit Nägeln -besteckten Walze steht und diese mit den Füssen ins Rollen -bringt, wobei er wieder eine Lampe auf dem Kopfe balancirt. -Auf Verlangen biegt er auch mit Kopf oder Zähnen dicke -eiserne Stangen, lässt einen 20 Zoll dicken viereckigen Stein -mit wuchtigen Hammerschlägen auf seinem Kopf zertrümmern, -oder schlägt mit der blossen Hand einen grossen -Nagel durch ein mehrere Zoll dickes Brett, so dass derselbe -auf der anderen Seite sichtbar wird.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 408px;"> -<img src="images/p070_ill.jpg" width="408" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Rannie wurde erst vor wenigen Jahren von bekannten -Wiener Aerzten, die seinen Productionen beigewohnt, untersucht, -so vom Director des allgemeinen Krankenhauses Hofrath -von Böhm, von den Professoren Benedikt, von Mosetig, -R. von Hofmann, den Docenten Habrda und Lihotzky, den -Herren Dr. Spiegler, Dr. Allina, Dr. Glas, Dr. Bäder u. s. w. -Die Professoren Benedikt und von Mosetig sprachen sich -gegen die Annahme der Unverwundbarkeit der Haut, welcher -eine anatomische Abnormität zu Grunde liegen müsste, aus, -gaben aber selbst zu, dass der Singhalese sich eine ganz -ausserordentliche Fähigkeit im Ertragen von Schmerzen -angeeignet habe, welche durch Behandlung der Haut, lange -Uebung und vielleicht auch durch die Raceneigenthümlichkeit -begünstigt werde. Prof. Benedikt in Wien hat an -Rannie sehr eingehende Versuche mit dem Moskowski'schen -Anästhesir-Meter angestellt, der Singhalese zeigte jedoch -selbst auf der Stirne, an den Schläfen, ja sogar auf der -Zunge eine absolute Unempfindlichkeit gegen die Stiche -des feinen Instruments.</p> - -<p>Wenn es nun auch bekannt ist, dass gewisse Völker -und unter ihnen wieder einzelne Individuen eine wesentlich -geminderte Schmerzempfindung haben, so bleibt doch die -Unverletzlichkeit Rannie's, selbst wenn wir mit Prof. -v. Mosetig und Benedikt von einer anatomischen Abnormität -abstrahiren, ein hochinteressantes Beispiel von Anästhesie, -erzielt durch eine ganz ausserordentliche Uebung und -Willensstärke.</p> - -<div class="decos" style="width: 176px;"> -<img src="images/p004_deco1.png" width="176" height="133" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_72" id="Seite_72">[S. 72]</a></span></p> - - - - -<h2>Frl. Lara</h2> - -<p class="center">eine Colossal-Dame</p> - - -<p class="noindent">ist in Graudenz (Westpreussen) geboren, befindet sich aber -seit dem achten Lebensjahre mit ihren Eltern in Amerika. -Bis zum 19. Jahre war sie nicht aussergewöhnlich corpulent, -nahm aber von der Zeit an schnell an Leibesfülle zu und -wiegt jetzt, im Alter von 30 Jahren, 412 Pfund. Sie ist -seit Jahren verheirathet (gilt aber auf den Affichen und für -das grosse Publicum noch als Fräulein) und hat zwei -reizende Kinder. Auch diese Abnormität erwirbt den -Lebensunterhalt für sich und ihre Familie, indem sie sich -in Museen etc. zur Schau stellt und bewundern lässt.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 421px;"> -<img src="images/p072_ill.jpg" width="421" height="599" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 162px;"> -<img src="images/p002_deco.png" width="162" height="125" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_73" id="Seite_73">[S. 73]</a></span></p> - - - - -<h2>J. Hanson</h2> - -<p class="center">alias »Sir« Marcus Goodwilly</p> - - -<p class="noindent">43 Jahre alt, 6 Fuss 5 Zoll (engl. Mass) hoch, wiegt 907 Pfund, -und ist somit wohl die schwerste Person dieser Sammlung. -Er ist Nordamerikaner, wurde geboren in Ja. Raiser, Ky. -und lebt jetzt in Danville, Ind. Bei der Geburt wog er -11 Pfund, 11 Monate alt 77 Pfund, und 2 Jahre alt 206 Pfund. -Zu jener Zeit bezog er Einnahmen von 1000 Dollar pro Jahr -in der Baby-Ausstellung in New-York City im Jahre 1858. -Sein Gewicht nahm mit dem fortschreitenden Alter ganz -ausserordentlich zu, so wog er 5 Jahre alt 302 Pfund, 13 Jahre -alt 405 Pfund, 21 Jahre alt 601 Pfund und mit 25 Jahren -725 Pfund. Er braucht 41 Yards Tuch zu einem passenden -Anzug und 2-1/2 Pfund Wolle zu einem Paar Socken. Die -Eltern waren nicht abnorm, so wog der Vater nur 115 und -die Mutter 122 Pfund.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 415px;"> -<img src="images/p073_ill.jpg" width="415" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 150px;"> -<img src="images/p010_deco.png" width="150" height="144" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_74" id="Seite_74">[S. 74]</a></span></p> - - - - -<h2>Mary,</h2> - -<p class="center">die lebende Puppe</p> - - -<p class="noindent">ist gewiss eine kommende »Berühmtheit«. Dieses Kind ist -in Hull am 16. April 1895 geboren, war bei der Geburt nur -7 Zoll lang und wog nicht ganz 1 Pfund. Es musste in -Watte gewickelt und durch heisse Wasserflaschen warm -gehalten werden. Drei Monate lang erhielt es nichts als -Zuckerwasser, dann verdünnte Milch, und erst mit 2 Jahren -bekam es etwas Fleischbrühe etc. Zur Zeit ist es 4-1/2 Jahre -alt, 17 Zoll hoch und wiegt nicht ganz 5 Pfund. Die kleine -Mary ist recht gesund, sehr lebhaft und heiter, läuft und -spielt wie normale Kinder gleichen Alters, und ist natürlich -der Liebling aller Damen. Auch dieses Kind »arbeitet« -schon für seinen und der Eltern Lebensunterhalt, denn es -wird für Geld gezeigt und macht überall grosse Sensation. -Jedenfalls trägt Mary ihre Bezeichnung »die lebende Puppe« -mit vollem Rechte.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 421px;"> -<img src="images/p074_ill.jpg" width="421" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decos" style="width: 160px;"> -<img src="images/p032_deco.png" width="160" height="168" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_75" id="Seite_75">[S. 75]</a></span></p> - - - - -<h2>Radica & Doodica</h2> - -<p class="center">»The Orissa Twin Sisters«</p> - - -<p class="noindent">wurden 1888 in Orissa (Indien) geboren und im Jahre 1892 -vom Manager Capt. Colman nach Europa gebracht; sie -konnten sich anfänglich nicht recht an das Klima gewöhnen -und erkrankten im Herbst 1892, so dass sie längere Zeit -in einem Pariser Hospital lagen und erst im Frühjahr 1893 -die begonnene Tournée fortsetzen konnten.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p075_ill.jpg" width="422" height="601" alt="" /> -</div> - -<p>Radica & Doodica zeigen dieselbe parallele Verdoppelung, -wie die siamesischen Zwillinge, welche in den sechsziger -Jahren den Kontinent bereisten und überall das lebhafteste -Interesse der medicinischen Kreise sowohl wie des -Laienpublicums hervorriefen, so dass man alle zusammengewachsenen -Menschen jetzt kurzweg »siamesische Zwillinge« -nennt und dieser Ausdruck zum Sammelbegriff geworden ist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_76" id="Seite_76">[S. 76]</a></span></p> - -<p>Das Bild lässt erkennen, dass Radica & Doodica — -übrigens sonst gut entwickelte und körperlich gesunde -Mädchen — durch eine Verwachsung der vorderen Rumpftheile -mit einander verbunden sind. Das Ligament, welches -sie verbindet, entspringt aus der unteren Spitze des Brustbeins. -Die Blutgefässe communiciren nicht mit einander, -Herzschlag, Pulsschlag und Athembewegung sind isolirt. -Trotzdem ist die Verbindung sehr beweglich, denn gewisse, -dem einen Kind gegebene Arzneien äussern auch bei dem -andern ihre Wirkung, wenn auch in beschränkter Art, und -das Nahrungsbedürfniss des einen Kindes soll durch die -Ernährung des andern befriedigt werden. Diese grosse -Beweglichkeit beweist, dass die Verwachsung nur die Schwertfortsätze -und einige Rippenknorpel, sowie die Oberbauchgegend -und gewisse Abschnitte des Magendarmkanals betreffen -kann, also verhältnissmässig biegsame oder völlig -weiche Theile. Damit sind ausser der Beweglichkeit die -auf die Wirkungen der Arznei und die Befriedigung des -Nahrungsbedürfnisses bezüglichen Punkte erklärt.</p> - -<p>Während bei den gleichfalls zusammengewachsenen -Mädchen Rosa & Josepha Blaczek (geb. 20. Januar 1878 in -Skreychow in Böhmen) die eigenthümliche Erscheinung zu -Tage tritt, dass während die eine schläft, die andere 3 bis -4 Stunden wacht und darauf die Rollen vertauscht werden, -ist dieser Zwang bei Radica & Doodica nicht vorhanden, -beide können gleichzeitig schlafen, das eine Mädchen liegt -dabei auf dem Rücken, das andere auf der Seite. Die Intelligenz -ist bei beiden normal.</p> - -<p>Obwohl nun edle und wichtige Theile nicht zusammengewachsen -sind, so haben doch alle medicinischen Autoritäten -einer Operation widerrathen, und so werden die hübschen -Kinder wohl ihr Lebenlang zusammenbleiben, freilich nicht -zu ihrem pekuniären Nachtheil, denn sie werden ordentlich -gehalten von ihrem Impresario, lernen durch ihre Tournée -die Welt kennen, werden anständig gekleidet, essen und -trinken gut und verdienen reichlich, was alles ihnen, als -zwei getrennt lebenden indischen Mädchen, für die das -grosse Publicum keinerlei Interesse hätte, nicht möglich -wäre. Zur Zeit sind sie in Frankreich und machen dort -überall berechtigtes Aufsehen.</p> - -<div class="decom" style="width: 319px;"> -<img src="images/p076_deco.png" width="319" height="120" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_77" id="Seite_77">[S. 77]</a></span></p> - - - - -<h2>Unzie,</h2> - -<p class="center">der australische Albino.</p> - - -<p class="noindent">Die Albinos, auch Kakerlaken oder lichtscheue Menschen -genannt, gehören als Schau-Objecte keineswegs zu den Seltenheiten, -da sie bei allen Menschen-Rassen vorkommen. In -den vierziger und fünfziger Jahren namentlich — jetzt sind -sie ja mehr vom Schauplatze verschwunden — sah man -deren beiderlei Geschlechtes oft vier bis sechs zusammen -ausgestellt, und ihre Lieder, mit denen sie das Publicum in -der Regel regalirten, waren meistens der Art, »dass sie Steine -erweichen und Menschen rasend machen konnten«. (Im -Gegensatze zu diesen gesanglichen Ungeheuerlichkeiten lebten -noch 1867 in Augsburg zwei dort geborene Albinobrüder, -die noch als bejahrte Männer als Gesangs-Duettisten auftraten -und beim Publicum sehr beliebt waren. In ihren -jungen Jahren waren auch sie öffentlich gezeigt worden.) -Sie wurden dem Publicum damals als eine eigene Menschen-Rasse -— »Nachtmenschen« genannt — vorgeführt, die vor<span class="pagenum"><a name="Seite_78" id="Seite_78">[S. 78]</a></span>nehmlich -auf der Landenge von Panama vorkomme und -dort in Löchern tief unter der Erde lebe. Nachtmenschen -nenne man sie aber, weil sie bei Tage überhaupt nicht, -sondern nur Nachts sehen, somit auch all ihre Beschäftigungen -nur Nachts verrichten könnten.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p077_ill.jpg" width="422" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Der Albinismus beruht auf dem gänzlichen Fehlen des -Farbstoffes in der unteren Schicht der Epidermis oder Oberhaut -des Körpers, durch den diese ihre Färbung erhält. -Da aber der Mangel dieses Farbstoffes sich auf den ganzen -Körper erstreckt, so hat die Haut nicht nur die glasige -farblose Durchsichtigkeit, sondern auch die Haare und Augen -haben das anormale Aussehen.</p> - -<p>Am häufigsten kommt der Albinismus bei den Negern -und Indianern vor, könnte man aber auch nur die in Deutschland -geborenen und jetzt noch in den verschiedensten Lebensverhältnissen -stehenden bei einander haben, so würde diese -stattliche Karawane Repräsentanten beiderlei Geschlechtes -vom schulpflichtigen Alter an bis zum Greisen-Alter umfassen.</p> - -<p>Unzie, der australische Albino, wurde 1869 in Tarrabandra -in Neu-Süd-Wales geboren. Seine Eltern gehören -den Ureinwohnern an, die dunkelfarbiger wie die Indianer -Amerikas sind. Bei seiner Geburt hatte Unzie schneeweisse -Haare und eine Haut wie Alabaster, und das Entsetzen über -dieses aussergewöhnliche Vorkommniss war bei dem abergläubischen -Volke so gross, dass Manche mit Entsetzen -flohen, Andere sich dagegen um die Mutter und ihn sammelten, -da sie ihn für ein ganz besonderes Geschenk des Himmels -hielten. Trotzdem war sein Leben in Gefahr und würde es -noch weit mehr gewesen sein, wenn sein Vater nicht ein -Häuptling gewesen wäre, dessen Familie unter dem Schutze -des Königs der Mingery-Neger stand. Nachdem die erste -Aufregung sich gelegt hatte, bildete das Wunderkind zehn -Jahre lang den Gegenstand der Anbetung für die Menge, -dann aber wurde er durch einen Engländer nach der Stadt -Melbourne entführt, der ihn wie sein eigenes Kind aufzog -und ihn für sein jetziges Leben vorbereitete.</p> - -<p>Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftreten im -Jahre 1886 wurde ihm von den Medicinern ein grosses<span class="pagenum"><a name="Seite_79" id="Seite_79">[S. 79]</a></span> -Interesse entgegengebracht und sie erklärten ihn für einzig -in seiner Art dastehend. Eine Menge schneeweisser Haare -nämlich wächst wie ein offener Sonnenschirm von sechs -Fuss Umfang auf seinem Kopfe. Es ist elastisch, kraus, -elektrisch und wächst so üppig, dass es dem Kamms Widerstand -leistet und nur mit Bürsten bearbeitet werden kann, -und damit es nicht zu lang wird, alle vier bis sechs Wochen -gestutzt, um nicht zu sagen geschnitten werden muss.</p> - -<p>Auch die Augen sind sehr wunderbar und unterscheiden -sich von den rothen Augen der anderen Albinos auffallend. -Für gewöhnlich sind sie sehr hell und ausdrucksvoll, aber -sie wechseln die Farbe je nach dem Lichte, welches auf sie -einwirkt. In gewöhnlichem Lichte erscheinen sie gleich den -Augen anderer Albinos blassroth, bei gedämpftem Lichte -dagegen blaugrau und nach Sonnenuntergang purpurroth; -starkes glänzendes Licht verursacht den Augen Schmerzen -und vermindert die Sehkraft, während diese bei schwachem -Lichte geschärft wird, so dass Unzie noch in der grössten -Dunkelheit alle ihn umgebenden Gegenstände deutlich erkennen -kann, eine Thatsache, die auf seinen Reisen die -grösste Verwunderung hervorrief.</p> - -<p>Unzie misst fünf Fuss und zehn Zoll und wiegt -154 Pfund, ist aufgeweckten Geistes und erfreut sich einer -vollkommenen Gesundheit, die ihn denn auch zu seinen -grossen Reisen besonders befähigte. Am 12. April 1890 -besuchte er zuerst die Vereinigten Staaten. Er landete in -San Francisco und blieb 1-1/2 Jahr an der pacifischen Küste, -deren Klima dem seines Vaterlandes gleicht.</p> - -<div class="decom" style="width: 248px;"> -<img src="images/p067_deco.png" width="248" height="160" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Nicodemus</h2> - -<p class="center">der »Unbeschreibliche«</p> - - -<p class="noindent">ist für Amerika eine erstclassige Attraction, und ein Blick -auf das Cliché zeigt uns, dass wir eine ganz seltene Abnormität -vor uns haben, die das Prädicat »der Unbeschreib<span class="pagenum"><a name="Seite_80" id="Seite_80">[S. 80]</a></span>liche« -(the Nondescript) wohl verdient. Ganz besonders -muss jedoch auf sein linkes Bein aufmerksam gemacht -werden, das die Form des Beines eines Bären hat, und da -Nicodemus ein »rabenschwarzer« Neger ist, so ist die -Täuschung eine um so grössere.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 396px;"> -<img src="images/p080_ill.jpg" width="396" height="601" alt="" /> -</div> - -<p>Er ist in Texas geboren, jetzt etwa sechsunddreissig -Jahre alt und von Kindheit an »ausgestellt« gewesen, und -in seinen vielen Reisen ist auch wohl der hauptsächlichste -Grund seiner Intelligenz zu suchen. Da Seinesgleichen -nicht existirt und er stets ein gesuchtes Schau-Object gewesen -ist, so hat er auch stets hohe Gagen bezogen, denen -gegenüber er sich ganz zufrieden mit seiner abnormen -Körperbeschaffenheit zu fühlen scheint.</p> - -<div class="decos" style="width: 185px;"> -<img src="images/p080_deco.png" width="185" height="137" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_81" id="Seite_81">[S. 81]</a></span></p> - - - - -<h2>Chevalier Cliquot,</h2> - -<p class="center">der Schwerter-Verschlinger,</p> - - -<p class="noindent">darf unbestritten als der Beste seines Genres bezeichnet -werden. Er entstammt einer alten französischen Adelsfamilie -und ist in Französisch-Canada in Amerika geboren. -Schon als Knabe verliess er seine Heimath und schloss sich -einem fahrenden Circus an. In Buenos-Ayres machte er -die Bekanntschaft eines Schwertverschlingers, der ihn jedoch -trotz allen Bittens in die Mysterien dieser Kunst nicht einweihen -wollte. Der junge Kunst-Novize liess sich dadurch -aber nicht entmuthigen, begann seine Exercitien ohne An<span class="pagenum"><a name="Seite_82" id="Seite_82">[S. 82]</a></span>leitung -mit einem Stückchen Silberdraht und brachte es -durch Ausdauer bald dahin, dass er sich öffentlich produciren -konnte, und heute ist er der Beste seines Genres nicht -nur in Amerika, sondern auch in Europa. Vor kurzem -producirte er sich auch mit ganz ungewöhnlichem Erfolge -im Circus Ciniselli in St. Petersburg und bringt eine der -dortigen deutschen Zeitungen einen ziemlich eingehenden -Bericht über seine Leistungen, der im Nachstehenden in -seinen Hauptmomenten reproducirt ist:</p> - -<p>»<span class="gesperrt">Circus Ciniselli.</span> Gestern Abend wohnten wir der -ersten Vorstellung des Schwertkünstlers Chevalier Cliquot -bei und müssen gestehen, dass seine für den Laien ganz -unerklärlichen Productionen eine geradezu frappirende Wirkung -auf den Zuschauer ausüben. Schlund und Magen -dieses merkwürdigen Amerikaners, der nebenbei gesagt im -Besitz einer wohlproportionirten, kräftigen Gestalt ist, weisen -jedenfalls eine von dem Gewöhnlichen vollständig abweichende -Beschaffenheit auf. Mit einem Degen beginnend, -beförderte Herr Cliquot, die Zahl derselben steigernd, schliesslich -nicht weniger als dreizehn flach aufeinander liegende -Degen in seinen Magen, anscheinend ohne jegliche Beschwerde, -denn seine Gesichtszüge behalten stets den ruhigen, -sympathischen Ausdruck bei. Dieselbe Procedur machte er -mit einem an einer Metallstange befestigten Degen, nachdem -an beiden Enden derselben gewichtige Metallhanteln -angebracht worden waren, ferner mit einem Degen, auf -dem ein nach oben gerichtetes Jagdgewehr befestigt war, -welches von der Gattin des Schwertkünstlers abgefeuert -wurde. Regten sich nach allen diesen geschauten Wunderdingen -vielleicht noch immer leise Zweifel in dem Zuschauer, -so wurden solche vollständig gehoben, als Herr Cliquot -ohne weiteres auch einen scharfen, zolltief in den Holzboden -gedrungenen Säbel und dann einen Degen in seinen -Schlund führte, den er sich von einem der anwesenden -Officiere hatte ausbitten lassen, desgleichen eine von demselben -Herrn hergegebene goldene Uhr, die er an einer -feinen Kette in seinen Magen hinunterliess. Diese hielt er -zwei Minuten, in der Arena umhergehend, dabei gemüthlich -rauchend, im Magen und liess zwei Herren aus dem Publicum -sich von dem Ticken derselben überzeugen. Schliess<span class="pagenum"><a name="Seite_83" id="Seite_83">[S. 83]</a></span>lich -wanderte eine Metallstange, an deren Ende ein -elektrisches Glühlämpchen angebracht war, denselben Weg, -wobei man im verdunkelten Circus den Kehlkopf durchleuchtet -und das Lämpchen sich allmählich tiefer hinabsenken -sah. Für das Gros des Publicums bildet Chevalier Cliquot eben -nur eine sehenswerthe »Specialität«, während der Arzt in ihm -sicher ein medicinisch interessantes Phänomen erblicken wird.«</p> - -<div class="figcenter" style="width: 423px;"> -<img src="images/p081_ill.jpg" width="423" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Zur eventuellen Notiznahme für andere Schwertkünstler -möge auch ein Unglücksfall, der Herrn Cliquot betroffen, -nicht unerwähnt bleiben:</p> - -<p>Als er dem Publicum bei einer Vorstellung zeigen -wollte, dass er sich trotz des in seinem Schlunde und Magen -steckenden Schwertes nicht nur nach allen Seiten hin bewegen, -sondern sich auch sogar bücken könne, da fühlte er, -dass das Schwert sich bog. Es mit Blitzesschnelle herausziehend, -verletzte er sich in ganz grässlicher Weise.</p> - -<div class="decos" style="width: 147px;"> -<img src="images/p020_deco.png" width="147" height="147" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Seip</h2> - -<p class="center">der verknöcherte Mann</p> - - -<p class="noindent">war im Staate Rochester, Nord-Amerika, geboren. Er war -bis etwa zum dreissigsten Jahre ein grosser und kräftiger -Neger, der für die Michigan Central Railway als Rangirer -arbeitete. Im Winter 1876 wurde er Nachts von einem -Frachtzuge überfahren und trug schwere Verletzungen -davon. Nach mehreren Stunden wurde er aufgefunden und -als todt ins Krankenhaus geschafft. Jedoch siegte seine -kräftige Natur und er blieb am Leben. Acht Jahre lang -konnte er das Bett nicht verlassen, und während dieses Zeitraums -war er zum Skelet geworden. Infolge von Gelenk-Rheumatismus -war totale Verknöcherung aller Gelenke eingetreten -und er hierdurch vollständig bewegungslos geworden.</p> - -<p>Wie mit hunderten solcher Leute in Amerika Geld -»gemacht« wird, weiss wohl jeder Leser, so wurde auch -Mr. Seip bald von einem pfiffigen Showman aufgefunden -und für zehn Jahre engagirt. Bis dahin war Seip von seiner -sehr armen Familie kümmerlich ernährt worden, nun hatte -alle Noth ein Ende. Die Familie erhält bis zum heutigen -Tage noch 10 Dollars (Mark 43) per Woche und Seip wird<span class="pagenum"><a name="Seite_84" id="Seite_84">[S. 84]</a></span> -aufs beste versehen, damit er nur recht lange am Leben -bleibe. Dass der Impresario für die ersten Jahre von Seip's -Auftreten eine Gage bis zu 500 Dollars (Mark 2,100) per -Woche erhielt und noch jetzt 75 bis 100 Dollars wöchentlich -bezieht, ist wohl Grund genug alles aufzubieten, um -den Armen am Leben zu erhalten. Seip ist im vollen -Besitze seiner Geisteskräfte, sehr geweckt und intelligent. -Seine Sprache ist jedoch sehr unverständlich, da er die -Kinnlade nicht bewegen kann und seine Vorderzähne herausgebrochen -werden mussten, um ihm Speise einflössen zu -können. Oft wird er der versteinerte Mann genannt und -nicht so ganz unzutreffend, denn er kann nur den kleinen -Finger der linken Hand bewegen, während der ganze Körper -wie aus Stein gemeisselt ist. Er leidet absolut gar nicht, -und wenn er genügend Bier bekommt, ist er überglücklich.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 422px;"> -<img src="images/p084_ill.jpg" width="422" height="600" alt="" /> -</div> - -<div class="decom" style="width: 304px;"> -<img src="images/p084_deco.png" width="304" height="148" alt="Dekoration" /> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_85" id="Seite_85">[S. 85]</a></span></p> - - - - -<h2>Gay Jewett</h2> - -<p class="center">der menschliche »Jumbo«,</p> - - -<p class="noindent">so genannt nach P. T. Barnum's Riesen-Elephant, mit dem -Barnum etwa eine halbe Million Dollars einnahm, war als -Sohn eines Postvorstehers, der gleichzeitig einen hübschen -Bauernhof hat, im Staate Iowa, Nord-Amerika, geboren.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 414px;"> -<img src="images/p085_ill.jpg" width="414" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Bis zum 18. Lebensjahre versah er die Wirthschaft -seines Vaters, zusammen mit zwei Brüdern. Dann lernte -er das Fleischer-Geschäft und betrieb es bis etwa zum -26. Jahre. In der Zeit war er jedoch so dick geworden, -dass es ihm nicht mehr möglich war, seinem Geschäft vorzustehen; -er gab es auf, und da er keinen anderen Weg -sah, Geld zu verdienen, so ging auch er zu den Vaganten -und hat colossales Aufsehen in ganz Amerika hervorgerufen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_86" id="Seite_86">[S. 86]</a></span></p> - -<p>Er starb im Jahre 1893 an Herzverfettung und wog -kurz vor seinem Tode 728 engl. Pfund. Er war 6 Fuss -3 Zoll hoch, und wir können wohl mit Recht sagen, »Jumbo« -war einer der schwersten Männer, die jemals gelebt.</p> - -<p>Gay, so genannt bei seinen Freunden, war der gutherzigste -Mensch der Welt, stets bereit zum Helfen, und wenn -er seine Geige im Arm hatte und seinen Freunden einige -Lieder vorsingen konnte, dann war er glücklich.</p> - -<p>Gay Jewett war acht Jahre verheirathet; seine Frau, -die Tochter eines wohlhabenden Bauern in Minnesota, war -ein kleines, schwächliches Weib und wog nur etwa 94 Pfund, -jedoch war sie die Güte in Person und verliess ihren Dicken -nicht einen Tag. Sie betrauert ihren Gay noch jetzt und -will sich auch nicht wieder verheirathen.</p> - -<div class="decos" style="width: 172px;"> -<img src="images/p012_deco1.png" width="172" height="137" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Marietta</h2> - -<p class="center">das scheckig behaarte Mädchen.</p> - - -<p class="noindent">In der Völkergeschichte begegnen wir ähnlichen Typen -haarreicher Volksstämme, so den Ainos und neuerdings den -zottigen Menschen im Innern von Siam und Anam. Auch -an einzelnen interessanten Individuen — es sei nur an -den pinscherartigen Russen Adrian Jestichew und an die -kleine Kra-o erinnert — sind solche Formen abnormer -Behaarung zu beobachten gewesen; indessen als ein Naturwunder -eigenster Art tritt Marietta, das »gescheckte -Mädchen«, in Erscheinung, denn bei ihr offenbart sich eine -ganz merkwürdige Haarbildung, die in dieser Weise noch -nirgends beobachtet worden ist. Marietta stammt, wie es bei -den sogenannten »Haarmenschen« nachzuweisen ist, weder -von einem wilden Naturvolke, noch von einer farbigen -Race ab, sondern sie ist von europäischer Herkunft. Sie -erinnert bald an den Leoparden, bald an das Zebra oder an -den Affen, je nach der Art der Zeichnung, Färbung und -Behaarung der einzelnen Körpertheile. Höchst unregelmässig -hat hier die Natur gearbeitet, eigentlich ganz systemlos -einen atavistischen Rückfall bezeichnend. Das Gesicht<span class="pagenum"><a name="Seite_87" id="Seite_87">[S. 87]</a></span> -Marietta's ist auf der rechten Seite vollständig schwarz gezeichnet -und zum grössten Theil behaart, auf der linken -Wange dagegen nur mit einem Backenbart bedeckt. Auch -das Kinn weist einen ziemlich stark entwickelten Bart auf. -Am auffallendsten ist die Verfärbung und die zottige Behaarung -des glänzenden Rückenfells. Seine Haare erreichen -eine Länge von über 2 Centimeter, während die Haare des -Bartes eine solche über 6 Centimeter, des Unterarmes eine -solche über 3 Centimeter aufweisen. Entgegen den Haaren -des Rumpfes, der Arme und Oberschenkel, die nach unten -gerichtet sind, streben die Haare der Unterschenkel nach -oben, wie die der Unterarme der Anthropomorphen oder -Menschenaffen. Der übrige Körper des »scheckigen -Mädchens« trägt ein Gemisch von Streifen und Flecken, -bald dichter, bald dünner mit Haaren besetzt. Dabei treten -überall merkwürdige Gegensätze hervor. So ist z. B. bei<span class="pagenum"><a name="Seite_88" id="Seite_88">[S. 88]</a></span> -Marietta von den zehn Fingern nur einer schwarz; das eine -Ohr schwarz, das andere dagegen weiss. Das braune Colorit -der Beine contrastirt merkwürdig mit der tiefschwarzen -Färbung des Kopfes.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 419px;"> -<img src="images/p087_ill.jpg" width="419" height="600" alt="" /> -</div> - -<p>Im allgemeinen zeigt der Oberkörper eine vorwiegend -schwarze Färbung, die an den Unterarmen abschneidet und -nur am Oberarm in spangenartigen Streifen wieder zum -Vorschein kommt.</p> - -<p>So bietet denn Marietta durch ihre Erscheinung ein -völlig neues, bisher noch nie gesehenes Naturwunder dar, -das der Wissenschaft ein neues und ungewöhnlich interessantes -Räthsel zu lösen aufgiebt. In der That erregte -Marietta überall, wo sie in wissenschaftlichen Hörsälen vor -Anthropologen und Medizinern erschien, die grösste Sensation. -Von Herrn Medizinalrath Prof. Dr. C. Hennig der medizinischen -Gesellschaft in Leipzig vorgeführt, äusserte sich -der berühmte Gelehrte in einem längeren Vortrage, dass -Marietta ein Naturspiel noch nie gesehener Art, ein leibliches -Wunder sei und in ihrer Erscheinung an Menschen -unserer entrücktesten Urzeit erinnere. Auch Herr Geheimrath -Prof. Dr. Ponfick, Breslau, betonte bei einer Demonstration -Marietta's im wissenschaftlichen, vaterländischen -Verein daselbst, dass Marietta wohl der erste Fall von so -ausgeprägter Flecken- und Haarbildung sei, den man je an -einem Menschen beobachtete.</p> - -<div class="decos" style="width: 212px;"> -<img src="images/p042_deco.png" width="212" height="164" alt="Dekoration" /> -</div> - - - -<h2>Mlle. Brison</h2> - -<p class="center">die Dame mit den Krebsklauen</p> - - -<p class="noindent">die das Cliché zeigt, ist eine hübsche Französin von etwa -zwanzig Jahren, aber ein bedauernswerthes Geschöpf, denn -ihre Hände und Füsse haben mehr Aehnlichkeit mit Krebsscheeren, -wie mit menschlichen Gliedmaassen. Die Hände -sind bis zum Handgelenk gespalten und von den Fingern -sind nicht einmal Rudimente vorhanden; die Füsse dagegen -sind weniger verkrüppelt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_89" id="Seite_89">[S. 89]</a></span></p> - -<div class="figcenter" style="width: 417px;"> -<img src="images/p089_ill.jpg" width="417" height="599" alt="" /> -</div> - -<p>Durch unausgesetzte Uebung von Kindheit an hat -es Mlle. Brison dahin gebracht, dass sie fast alle Arbeiten -selbst besorgen kann; sie versieht ihren Haushalt, näht -und strickt und im Sticken hat sie sich sogar eine bewundernswerthe -Fertigkeit angeeignet. Seit etwa vier -Monaten erfüllt sie auch an einem reizenden kleinen -Töchterchen gewissenhaft ihre Mutterpflichten, denn sie -ist seit etwa zwei Jahren die glückliche Gattin eines jungen -liebenswürdigen Franzosen, den sie leidenschaftlich liebt.</p> - -<div class="decol" style="width: 449px;"> -<img src="images/p089_deco.png" width="449" height="238" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_90" id="Seite_90">[S. 90]</a></span></p> - -<div class="decoxxl padt4" style="width: 1101px;"> -<img src="images/p090_deco.png" width="1101" height="783" alt="Dekoration" /> -</div> - - - - - - - - -<p class="pagebreak"><span class="pagenum"><a name="Seite_92" id="Seite_92">[S. 92]</a></span></p> - - -<div class="decoxl padt4" style="width: 1109px;"> -<img src="images/p092_deco_top.png" width="1109" height="97" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p class="center">Alle Rechte vorbehalten.</p> - -<div class="decoxl" style="width: 1109px;"> -<img src="images/p092_deco_bottom.png" width="1109" height="103" alt="Dekoration" /> -</div> - -<div class="transnote pagebreak p4"> -<h2>Anmerkungen zur Transkription</h2> - -Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Buchs vor die -Vorrede verschoben. -Das Cover wurde repariert. -Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen -gebräuchlich waren, wie: - -<ul class="index"> -<li>anderen -- andern</li> -<li>Bart-Dame -- Bartdame</li> -<li>Elephanten-Füsse -- Elephantenfüsse</li> -<li>Gross-Britannien -- Grossbritannien</li> -<li>Halensis -- Hallensis</li> -<li>Haupt-Tric -- Haupttric</li> -<li>inneren -- innern</li> -<li>Johnson's -- Johnsons</li> -<li>Medicinern -- Medizinern</li> -<li>Mumien-Mensch -- Mumienmensch</li> -<li>Riesen-Dame -- Riesendame</li> -<li>Schwerter-Verschlinger -- Schwerterverschlinger</li> -<li>West-Preussen -- Westpreussen</li> -<li>zweiundsiebenzig -- zweiundsiebzig</li> -</ul> - - - -Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. -Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: - -<ul class="index"> -<li>S. II »vorurtheilfreieres« in »vorurtheilsfreieres« geändert.</li> -<li>S. XII »ansschnitt« in »anschnitt« geändert.</li> -<li>S. XXVI »mittels vier Handgriffe« in »mittels vier Handgriffen« geändert.</li> -<li>S. XXXII »Massachusets« in »Massachusetts« geändert.</li> -<li>S. 7 »im stande« in »imstande« geändert.</li> -<li>S. 13 »Indianopolis« in »Indianapolis« geändert.</li> -<li>S. 15 »Marschall-Town, Jova« in »Marshalltown, Iova« geändert.</li> -<li>S. 32 »Massachusets« in »Massachusetts« geändert.</li> -<li>S. 33 »gefürchet« in »gefürchtet« geändert.</li> -<li>S. 40 »Ecole de Médicine« in »École de Médecine« geändert.</li> -<li>S. 45 »Kochen« in »Knochen« geändert.</li> -<li>S. 65 »Castans« in »Castan's« geändert.</li> -<li>S. 65 »Arcansas« in »Arkansas« geändert.</li> -<li>S. 84 »bekömmt« in »bekommt« geändert.</li> -<li>S. 85 »Jowa« in »Iowa« geändert.</li> -<li>S. 86 »Krao« in »Kra-o« geändert.</li> -</ul> - - -Die idiomatische Schreibweise Variété wurde beibehalten. - -</div> - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ABNORMITÄTEN ***</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'>This file should be named 64204-h.htm or 64204-h.zip</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'>This and all associated files of various formats will be found in https://www.gutenberg.org/6/4/2/0/64204/</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg™ mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg™ -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg™ name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg™ License when -you share it without charge with others. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg™ work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work -on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the -phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: -</div> - -<blockquote> - <div style='display:block; margin:1em 0'> - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most - other parts of the world at no cost and with almost no restrictions - whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms - of the Project Gutenberg License included with this eBook or online - at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you - are not located in the United States, you will have to check the laws - of the country where you are located before using this eBook. - </div> -</blockquote> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.2. If an individual Project Gutenberg™ electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase “Project -Gutenberg” associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg™ -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.3. If an individual Project Gutenberg™ electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg™ License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg™ -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg™. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg™ License. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format -other than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg™ web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original “Plain -Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg™ License as specified in paragraph 1.E.1. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg™ works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg™ electronic works -provided that: -</div> - -<div style='margin-left:0.7em;'> - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg™ works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg™ trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, “Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation.” - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™ - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™ - works. - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg™ works. - </div> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg™ trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg™ collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain “Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the “Right -of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s web site -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This Web site includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</body> -</html> diff --git a/old/64204-h/images/b001_deco.png b/old/64204-h/images/b001_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 290274b..0000000 --- a/old/64204-h/images/b001_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b005_ill.jpg b/old/64204-h/images/b005_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c1d411f..0000000 --- a/old/64204-h/images/b005_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b019_ill.jpg b/old/64204-h/images/b019_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3ff7eb3..0000000 --- a/old/64204-h/images/b019_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b020_ill.jpg b/old/64204-h/images/b020_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3b8ffe0..0000000 --- a/old/64204-h/images/b020_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b021_ill.jpg b/old/64204-h/images/b021_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 72b9cbd..0000000 --- a/old/64204-h/images/b021_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b022_ill.jpg b/old/64204-h/images/b022_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d31023e..0000000 --- a/old/64204-h/images/b022_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b024_ill.jpg b/old/64204-h/images/b024_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f6a8900..0000000 --- a/old/64204-h/images/b024_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b025_ill.png b/old/64204-h/images/b025_ill.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 2af7bf0..0000000 --- a/old/64204-h/images/b025_ill.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b027_ill.jpg b/old/64204-h/images/b027_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e71f334..0000000 --- a/old/64204-h/images/b027_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/b027_ill.png b/old/64204-h/images/b027_ill.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 3ceab43..0000000 --- a/old/64204-h/images/b027_ill.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/cover.jpg b/old/64204-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index be95140..0000000 --- a/old/64204-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p001_deco.png b/old/64204-h/images/p001_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index fc14bdd..0000000 --- a/old/64204-h/images/p001_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p001_ill.jpg b/old/64204-h/images/p001_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f9f5018..0000000 --- a/old/64204-h/images/p001_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p002_deco.png b/old/64204-h/images/p002_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index d530128..0000000 --- a/old/64204-h/images/p002_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p002_ill.jpg b/old/64204-h/images/p002_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 121a14f..0000000 --- a/old/64204-h/images/p002_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p003_ill.jpg b/old/64204-h/images/p003_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 33858d4..0000000 --- a/old/64204-h/images/p003_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p004_deco1.png b/old/64204-h/images/p004_deco1.png Binary files differdeleted file mode 100644 index c7bab23..0000000 --- a/old/64204-h/images/p004_deco1.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p004_deco2.png b/old/64204-h/images/p004_deco2.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 95f836a..0000000 --- a/old/64204-h/images/p004_deco2.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p004_ill.jpg b/old/64204-h/images/p004_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4b9f7d1..0000000 --- a/old/64204-h/images/p004_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p005_ill.jpg b/old/64204-h/images/p005_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f622ac1..0000000 --- a/old/64204-h/images/p005_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p006_ill.jpg b/old/64204-h/images/p006_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e2864f5..0000000 --- a/old/64204-h/images/p006_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p008_ill.jpg b/old/64204-h/images/p008_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1cf19ab..0000000 --- a/old/64204-h/images/p008_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p009_deco.png b/old/64204-h/images/p009_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index a721f5b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p009_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p010_deco.png b/old/64204-h/images/p010_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 5074b5b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p010_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p010_ill.jpg b/old/64204-h/images/p010_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c190f9c..0000000 --- a/old/64204-h/images/p010_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p011_ill.jpg b/old/64204-h/images/p011_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e67779f..0000000 --- a/old/64204-h/images/p011_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p012_deco1.png b/old/64204-h/images/p012_deco1.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 66072c2..0000000 --- a/old/64204-h/images/p012_deco1.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p012_ill.jpg b/old/64204-h/images/p012_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7d0ea43..0000000 --- a/old/64204-h/images/p012_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p013_ill.jpg b/old/64204-h/images/p013_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 95be3a8..0000000 --- a/old/64204-h/images/p013_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p014_ill.jpg b/old/64204-h/images/p014_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cda5aa8..0000000 --- a/old/64204-h/images/p014_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p016_ill.jpg b/old/64204-h/images/p016_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a0973cf..0000000 --- a/old/64204-h/images/p016_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p017_ill.jpg b/old/64204-h/images/p017_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cdda0a0..0000000 --- a/old/64204-h/images/p017_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p018_ill.jpg b/old/64204-h/images/p018_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e2c9010..0000000 --- a/old/64204-h/images/p018_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p019_ill.jpg b/old/64204-h/images/p019_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 912a4c1..0000000 --- a/old/64204-h/images/p019_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p020_deco.png b/old/64204-h/images/p020_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 262eb64..0000000 --- a/old/64204-h/images/p020_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p021_deco.png b/old/64204-h/images/p021_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 4dc835f..0000000 --- a/old/64204-h/images/p021_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p021_ill.jpg b/old/64204-h/images/p021_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b392b08..0000000 --- a/old/64204-h/images/p021_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p022_ill.jpg b/old/64204-h/images/p022_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4e93622..0000000 --- a/old/64204-h/images/p022_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p023_ill.jpg b/old/64204-h/images/p023_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index abc304c..0000000 --- a/old/64204-h/images/p023_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p024_ill.jpg b/old/64204-h/images/p024_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8af879b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p024_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p025_ill.jpg b/old/64204-h/images/p025_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2b626ad..0000000 --- a/old/64204-h/images/p025_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p026_ill.jpg b/old/64204-h/images/p026_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a008e42..0000000 --- a/old/64204-h/images/p026_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p027_deco.png b/old/64204-h/images/p027_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 526ed6a..0000000 --- a/old/64204-h/images/p027_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p028_deco.png b/old/64204-h/images/p028_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index d8369b1..0000000 --- a/old/64204-h/images/p028_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p028_ill.jpg b/old/64204-h/images/p028_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d044060..0000000 --- a/old/64204-h/images/p028_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p029_ill.jpg b/old/64204-h/images/p029_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d3529cf..0000000 --- a/old/64204-h/images/p029_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p030_ill.jpg b/old/64204-h/images/p030_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ab60a8d..0000000 --- a/old/64204-h/images/p030_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p032_deco.png b/old/64204-h/images/p032_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index c041a2e..0000000 --- a/old/64204-h/images/p032_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p032_ill.jpg b/old/64204-h/images/p032_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a728937..0000000 --- a/old/64204-h/images/p032_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p033_ill.jpg b/old/64204-h/images/p033_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0dc3082..0000000 --- a/old/64204-h/images/p033_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p035_ill.jpg b/old/64204-h/images/p035_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9da233f..0000000 --- a/old/64204-h/images/p035_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p036_ill.jpg b/old/64204-h/images/p036_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e82ca9f..0000000 --- a/old/64204-h/images/p036_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p037_ill.jpg b/old/64204-h/images/p037_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 71b3189..0000000 --- a/old/64204-h/images/p037_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p039_ill.jpg b/old/64204-h/images/p039_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 536c76b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p039_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p042_deco.png b/old/64204-h/images/p042_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 4a6c1fa..0000000 --- a/old/64204-h/images/p042_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p042_ill.jpg b/old/64204-h/images/p042_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 54242b8..0000000 --- a/old/64204-h/images/p042_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p043_ill.jpg b/old/64204-h/images/p043_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 03da4ab..0000000 --- a/old/64204-h/images/p043_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p044_ill.jpg b/old/64204-h/images/p044_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9fb0fac..0000000 --- a/old/64204-h/images/p044_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p046_ill.jpg b/old/64204-h/images/p046_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ece5b29..0000000 --- a/old/64204-h/images/p046_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p049_deco.png b/old/64204-h/images/p049_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 5fced2d..0000000 --- a/old/64204-h/images/p049_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p049_ill.jpg b/old/64204-h/images/p049_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5f5806a..0000000 --- a/old/64204-h/images/p049_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p050_deco.png b/old/64204-h/images/p050_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 6cdeb09..0000000 --- a/old/64204-h/images/p050_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p050_ill.jpg b/old/64204-h/images/p050_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e20984f..0000000 --- a/old/64204-h/images/p050_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p051_ill.jpg b/old/64204-h/images/p051_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 953fccb..0000000 --- a/old/64204-h/images/p051_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p053_deco.png b/old/64204-h/images/p053_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index ca39733..0000000 --- a/old/64204-h/images/p053_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p053_ill.jpg b/old/64204-h/images/p053_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cae9bf6..0000000 --- a/old/64204-h/images/p053_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p054_ill.jpg b/old/64204-h/images/p054_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 80a9532..0000000 --- a/old/64204-h/images/p054_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p055_ill.jpg b/old/64204-h/images/p055_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 246b968..0000000 --- a/old/64204-h/images/p055_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p057_ill.jpg b/old/64204-h/images/p057_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index bac9d5b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p057_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p058_ill.jpg b/old/64204-h/images/p058_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index aa7f84b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p058_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p059_ill.jpg b/old/64204-h/images/p059_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d35c973..0000000 --- a/old/64204-h/images/p059_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p060_ill.jpg b/old/64204-h/images/p060_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6934427..0000000 --- a/old/64204-h/images/p060_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p061_ill.jpg b/old/64204-h/images/p061_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 82bc508..0000000 --- a/old/64204-h/images/p061_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p063_deco.png b/old/64204-h/images/p063_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index bd7791e..0000000 --- a/old/64204-h/images/p063_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p063_ill.jpg b/old/64204-h/images/p063_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f4736b8..0000000 --- a/old/64204-h/images/p063_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p064_ill.jpg b/old/64204-h/images/p064_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b21f496..0000000 --- a/old/64204-h/images/p064_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p065_deco.png b/old/64204-h/images/p065_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 3a57e62..0000000 --- a/old/64204-h/images/p065_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p066_ill.jpg b/old/64204-h/images/p066_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 99f4f21..0000000 --- a/old/64204-h/images/p066_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p067_deco.png b/old/64204-h/images/p067_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 40dcd2b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p067_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p067_ill.jpg b/old/64204-h/images/p067_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 1d1099b..0000000 --- a/old/64204-h/images/p067_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p068_ill.jpg b/old/64204-h/images/p068_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e790e9d..0000000 --- a/old/64204-h/images/p068_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p070_ill.jpg b/old/64204-h/images/p070_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 62d07d3..0000000 --- a/old/64204-h/images/p070_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p072_ill.jpg b/old/64204-h/images/p072_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 53bc2ea..0000000 --- a/old/64204-h/images/p072_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p073_ill.jpg b/old/64204-h/images/p073_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index eb40f40..0000000 --- a/old/64204-h/images/p073_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p074_ill.jpg b/old/64204-h/images/p074_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 94aaeca..0000000 --- a/old/64204-h/images/p074_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p075_ill.jpg b/old/64204-h/images/p075_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index dfe3819..0000000 --- a/old/64204-h/images/p075_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p076_deco.png b/old/64204-h/images/p076_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 297c0f8..0000000 --- a/old/64204-h/images/p076_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p077_ill.jpg b/old/64204-h/images/p077_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fdcbd0d..0000000 --- a/old/64204-h/images/p077_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p080_deco.png b/old/64204-h/images/p080_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index d979c82..0000000 --- a/old/64204-h/images/p080_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p080_ill.jpg b/old/64204-h/images/p080_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4ec78ed..0000000 --- a/old/64204-h/images/p080_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p081_ill.jpg b/old/64204-h/images/p081_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ef1b33c..0000000 --- a/old/64204-h/images/p081_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p084_deco.png b/old/64204-h/images/p084_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 9b39510..0000000 --- a/old/64204-h/images/p084_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p084_ill.jpg b/old/64204-h/images/p084_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 84cd1e6..0000000 --- a/old/64204-h/images/p084_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p085_ill.jpg b/old/64204-h/images/p085_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9464c0c..0000000 --- a/old/64204-h/images/p085_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p087_ill.jpg b/old/64204-h/images/p087_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 88d8b90..0000000 --- a/old/64204-h/images/p087_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p089_deco.png b/old/64204-h/images/p089_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index ee320df..0000000 --- a/old/64204-h/images/p089_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p089_ill.jpg b/old/64204-h/images/p089_ill.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 08b351d..0000000 --- a/old/64204-h/images/p089_ill.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p090_deco.png b/old/64204-h/images/p090_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 7e7abdc..0000000 --- a/old/64204-h/images/p090_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p091_deco.png b/old/64204-h/images/p091_deco.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 34f403c..0000000 --- a/old/64204-h/images/p091_deco.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p092_deco_bottom.png b/old/64204-h/images/p092_deco_bottom.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 0fc6e25..0000000 --- a/old/64204-h/images/p092_deco_bottom.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/p092_deco_top.png b/old/64204-h/images/p092_deco_top.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 21d57f3..0000000 --- a/old/64204-h/images/p092_deco_top.png +++ /dev/null diff --git a/old/64204-h/images/title.jpg b/old/64204-h/images/title.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3d910a0..0000000 --- a/old/64204-h/images/title.jpg +++ /dev/null |
