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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die Kringhäusler - Drama in drei Akten - -Author: Alma Maximiliane Karlin - -Release Date: January 01, 2021 [eBook #64193] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net (This book was produced from images made - available by the HathiTrust Digital Library.) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER *** - - - - - Die Kringhäusler - - - Drama in drei Akten - - von - - A. M. Karlin - - - Leipzig 1918 - - =Bruno Volger= Verlagsbuchhandlung - - - - -Personen: - - - Frau =Oberst Hasselstein=, Witwe - Hans =Georg Hasselstein=, Professor der Naturwissenschaften, ihr Sohn - Herr =Regierungsrat Pottenmiller=, ihr Schwager - Frau =Petronella Pottenmiller=, ihre Schwester - Herr =Direktor Knute=, auch ein Schwager - Frau =Johanna Knute=, ihre zweite Schwester - Herr ~Dr.~ =Brunnick=, Pottenmillers Schwiegersohn - Frau =Ada Brunnick=, seine Frau - =Hermine Schrift=, unverheiratet, Hans Georgs Tante - =Ladislaja Schrift=, ihre Schwester - Frau =Kommerzienrat Peloponesia Krickenfeld= - Frau =Inspektor Margarete Holzheim= - Frau =Professor Emilie Zungrapp= - Herr =Norry= } - Herr =Scharfen= } - Herr =Roden= } - Herr =Kapper= } - Herr =Johanssen= } die Teilnehmer der Südpolexpedition - Herr =Granelli= } - Herr =Meroff= } - Herr =Vickers= } - =Berta Heller=, Hans Georgs Braut. - -Der erste Akt spielt in der Antarktis, der zweite und der dritte Akt in der -Wohnung Frau Hasselsteins. - -=Zeit=: Gegenwart. - - - - -1. Akt. - - - [Im Hintergrund der weiten Bühne sieht man mächtige Eisgebilde mit - leuchtend weißen Oberflächen, während alle Unebenheiten, Spalten - und Risse je nach ihrer Tiefe vom zartesten bis zum tiefsten Blau - erscheinen. Etwas mehr gegen den Vordergrund ist ein kleiner Streifen - des Polarmeeres sichtbar, in dem sich die tafelförmigen Eismassen und - die zerklüfteten Eisberge spiegeln. Zur Rechten im Hintergrund steht - ein vereistes und tiefverschneites, von den mächtigen Eisstücken - teilweise über die Meeresfläche gehobenes Schiff, von dessen Masten - die Eiszapfen herniederhängen. Zur Linken hängt ein riesiger, in - der Mitte gespaltener Eisberg über die Bühne, aus dessen Innern ein - herrliches bläuliches Licht fließt. Links und rechts im Vordergrund - befinden sich kleinere Eisstücke, auf denen eine große Anzahl - Pinguine in verschiedenen Stellungen sitzen. Mehr im Hintergrund liegen - einige Seehunde am Rande des Meeres. Ganz im Vordergrund zur Linken - steht ein tiefverschneites Zelt, in dessen Mitte ein kleiner Kochherd - steht und sein rötliches Licht über die Zeltwände ergießt. Zur - Rechten steht Hasselstein und blättert in seinem Notizbuch. Ein - wunderbar schönes, bläuliches Licht erfüllt die ganze Szene, - während da und dort der Schnee in allen Farben des Regenbogens - glitzert. Vom leuchtendsten Tageslicht geht jedoch die Beleuchtung - langsam während des ganzen Aktes immer mehr in ein mattes Dunkel über - und als es vollkommen finster geworden, zeigt sich im Hintergrund - die Aurora Borealis in flackernden Bändern und ewig wechselnden - Lichteffekten. Die ganze Zeit hört man auch das Pfeifen des Windes -- - im Anfang ganz schwach, dann mit zunehmender Stärke.] - - -1. Auftritt. - -=Hasselstein= [macht eben die letzten Aufzeichnungen in sein Notizbuch als -der Vorhang aufgeht. Nach einigen Sekunden schließt er es und macht einige -Schritte auf die Mitte der Bühne zu]. Das wäre getan! [Er zieht seine -Uhr aus der Tasche.] Wie, schon so spät? Da heißt es frisch zulangen soll -unser Depôt und Winterobservatorium fix und fertig sein, wenn die Kollegen -von ihren Streifzügen heimkehren. [Er macht sich rechts an die Arbeit, -schleppt von hinter den Kulissen große Eisblöcke herbei und beginnt sie -aufeinander zu bauen und mit Schnee, den er zusammenfegt, zu befestigen. -Während er eifrig arbeitet und das Schneehaus immer größer wird, spricht -er, sich manchmal auf Augenblicke unterbrechend um auf die wechselnden -Lichteffekte zu schauen.] Wie die Stunden fliehen und doch -- wie weit von -mir scheint die Vergangenheit! [er schüttelt wehmutsvoll das Haupt]. -Zwei Jahre sind es nun, daß ich der Heimat den Rücken gekehrt [er baut -schweigend einige Sekunden]. Wirklich nur zwei Jahre? Ist mir's doch, als -seien Jahrzehnte seit dem Augenblick verflossen, wo -- [er schleppt einige -Eisstücke herbei]. Genug! Siebenhundertunddreißig Tage trennen mich von -jener Stunde, in welcher mein Blick zum letztenmal in den ihren getaucht. -Was wunder übrigens, daß die Zeit so lang mich deucht, denn die Zahl -der Eindrücke und nicht der monotone Schlag der Stunden machen ja ein -Menschenleben aus. Und ich -- ich hatte Eindrücke -- [er hält einen -Augenblick inne und blickt, die Augen mit der Hand beschattend, forschend -auf das Meer] -- und was für Eindrücke, barmherziger Himmel! Erst -die ungestümen Reisevorbereitungen, die ununterbrochenen Kämpfe, die -feindselige Haltung der guten alten Seelen daheim -- oh, die armen, -entsetzten, aus dem Gleichgewicht gebrachten Kringhäusler! -- [er lacht -plötzlich laut auf] -- wenig fehlte, daß man mich nicht mit Gewalt -in eine Irrenanstalt sperren ließ, denn ein klardenkender Mensch -- ein -Individuum, mit vollem Gebrauch der fünf von Mutter Natur so gnädig -verliehenen Sinne -- kann sich nicht willig einer Südpolexpedition -anschließen, das ist Wahnsinn, himmelschreiender erbarmenerweckender -Wahnsinn! [er lacht wieder]. Arme Kringhäusler, sie müssen immer auf -dem breiten, wohl ausgetretenen Pfad dahinhumpeln, -- daß man sich eigene -Pfade brechen kann, das verstehen sie nicht und billigen noch weniger. Wenn -die ganze Gemeinde an Hinzens Kuhstall vorbei zur Kirche geht, warum sollte -da ein Pfarrkind einen anderen Weg einschlagen? Das ist Ketzerei! [er -baut eine Weile schweigend weiter]. Ach, dann kamen die Aufregungen -des Abschieds, -- von Berta -- von Mama -- von der lieben Heimat -- ein -Abschied, der möglicherweise Trennung auf immer bedeuten konnte, hierauf -die lange eintönige Fahrt, ein schläfriges Rollen und behagliches -Dahinträumen, geschaukelt von leise plätschernden, tiefblauen -Wassermassen, unter einem heißen, wolkenlosen Himmel -- [er schaufelt -eifrig den Schnee zusammen]. Ja, wer noch einmal, ein =einziges= Mal solche -Wärme empfinden dürfte. Und eines schönen Tages waren wir in Neuseeland -mit seinen Geysirn, Wasserfällen, tropischen Wäldern, riesigen -Eukalyptus, seinen flügellosen Vögeln, und den schneegekrönten und -gleichzeitig feuerspeienden Bergen. Welche Pracht! [er bildet das Dach -seiner Hütte]. Allzu kurze Rast gefolgt vom gefahrvollen Tummeln auf -kalter, sturmgepeitschter See, das langsame Sichnähern der endlos -scheinenden Eisbarrieren, schließlich ein kurzer Ausflug auf die -verödeten Kerguelen und zuletzt [er blickt wieder sinnend auf das Meer] -die eigentliche Antarktis, das Ueberwintern in eisstarren Zelten, während -sich draußen die endlose, düstere Polarnacht, mit all' ihren Schrecken -und Leiden auf uns herabsenkte und wir bei kümmerlichem Thranlicht ein -mattes Scheinleben führten, hie und da unterbrochen von den Beobachtungen -im Freien bei einer Temperatur von durchschnittlich 52 Grad Celsius unter -Null! [er arbeitet einige Sekunden wieder schweigend, während das Licht -langsam abnimmt, hierauf wieder frischerer, munterer]. Nichtsdestoweniger -hat selbst das Leben hier seinen Zauber, so mitten in einem noch -unerforschten Teile unserer Erdkugel, wo Tiere und Vögel im Menschen -noch nicht ihren Feind zu sehen gelernt haben, wo er in ihr Tun und Lassen -freien Einblick gewinnen kann, hier -- wo seltene Lichteffekte das Auge -stündlich entzücken, wo eine Entdeckung der anderen auf dem Fuße -folgt, wo ungeahnte Horizonte sich dem begierigem Geiste offenbaren! [er -verbessert sein Werk da und dort] Neue Horizonte! Ach, wenn diese mich -nur auch großmütiger im Beurteilen anderer machen würden! Mutterl, du -liebes, gewiß tat ich dir oft Unrecht, wenn unsere Anschauungen nicht -harmonierten. In Zukunft, da muß unser Zusammenleben ein besseres sein, -denn ich habe alles aufgeboten um alle kleinlichen einseitigen Begriffe, -alles falsche Beurteilen loszuwerden. Das liebe Mütterchen wird wohl -auch einsehen gelernt haben, daß man nicht nur als Gymnasialprofessor in -Kringen sein Glück machen kann und die lange Trennung, die ja so leicht -eine ewige werden kann, hat gewiß auch ihre Skrupel, meine Heirat mit -Berta betreffend, gemildert. Sie hat Zeit gehabt Berta zu prüfen -- meine -Worte in Erwägung zu ziehen -- ja, ja, die Mutterliebe wird, sie muß -siegen [er verbessert das Innere der Schneehütte]. Alle lächerlichen -Vorurteile, alles Hängen am Zopf wird mutig über Bord geworfen und -da wollen wir drei -- Mama, Berta und ich -- ein Heim gründen, dessen -Grundpfeiler gegenseitige Nachsicht und unbegrenzte Liebe sind. Alle meine -Tage will ich der Verbreitung freisinnigerer Anschauungen, milderem Denkens -widmen. Nieder mit allem kleinlichen Huldigen äußeren Scheins! Der Kern -allein soll gelten, nicht die Schale. [Das Schneehaus ist nun ganz fertig, -er betrachtet sein Werk und ruft jubelnd aus:] Hurra! Vollendet ist das -große Meisterwerk! [ernster.] Möge es mir einst gelingen den Kampf -gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle beschränkten, feindseligen -Anschauungen daheim zu ebenso befriedigendem Abschluß zu bringen -- da -Berta, mein Liebling, soll dein Unglück dich nicht länger niederbeugen --- nein, treues, edles Herz, kein Mensch soll länger scheu vor dir -zurückweichen. An meiner Seite sollst du stolz erhobenen Hauptes -dahinschreiten und zuversichtlich in eine sonnige Zukunft blicken. Und du, -mein liebes Mutterl, du sollst in mir den zärtlichsten Sohn, in Berta -die liebendste Tochter finden und dazu bedarf es nur eins: Die lieben -Kringhäusler ein wenig -- abzuschütteln! - - -2. Auftritt. - - [Roden, Norry und Scharfen kommen von rechts.] - -=Roden= [zu Scharfen]. Wir müssen die Messungen vor Einbruch der Nacht -beendigen [er wirft eine Leine in das Meer und Scharfen hilft ihm dabei]. - -=Scharfen= [munter]. Holla, Hasselstein! Sie sind der reinste Baukünstler. -Unser Depôt ist ja ein ganzes Wunderwerk. - -=Norry= [indem er eifrig einige Apparate in dasselbe schleppt]. -Vortrefflich! Man kann unmöglich alle Geräte auf dem Schiffe oder im -Zelte bequem unterbringen. Hier wollen wir unsere Winterbeobachtungen -machen -- etwas wärmer als die windige Eisfläche wird diese Sternwarte -sicher sein. - -=Roden= [indem er langsam die Leine aufwickelt]. Es fehlt eine Oeffnung im -Dach -- - -=Hasselstein= [eifrig arbeitend]. Dem ist schnell abgeholfen. - -=Norry= [zu H.]. Sind viele neue Exemplare in die Falle gegangen? - -=Hasselstein= [auf den Meeresstrand zugehend]. Ich habe noch nicht -nachgesehen [er zieht eifrig eine Fischfalle aus dem Wasser]. Ein -reichhaltiger Fang, wie fast immer -- leider nur die gewöhnlichen -Fischarten der Antarktis [er beugt sich noch einmal nieder und zieht -ein kleines Netz aus dem Wasser]. Vielleicht enthält das kleine Netz -wertvollere Exemplare. Hm, wie immer eine ganze Menge Isopoden, einige -Fünffüßler, mehrere Korallen, -- was sehe ich? Ganz richtig! Eine -Gattung auffallend kleiner Seegarnelen -- eine Anzahl Wasserbären und -- - -=Norry= [legt den Apparat heftig auf den Boden, springt auf das Meer zu, -woher eben ein starkes Plätschern erklingt und ruft]. Schnell, schnell, -Hasselstein! Haben Sie Ihre Flinte zur Hand? - -=Hasselstein= [rafft im Vorbeispringen seine Flinte vor dem Zelte auf und -beide springen auf einige Eisstücke um freien Ausblick auf das Meer -zu haben]. Ein Blauwal! Ein wahres Prachtexemplar! Aber leider außer -Schußweite. - -=Norry= [eifrig spähend]. Verschwunden! Schade, -- eine Abwechselung im -Speisezettel wäre nicht unwillkommen gewesen! - -=Roden= [singt tröstend]. Es wär' zu schön gewesen, es hat nicht sollen -sein! - -=Scharfen.= Leider -- leider; ein erhöhter Thranvorrat vermindert immer -die Schrecken der Polarnacht, doch -- fort ist fort und hin ist hin -- [er -lacht auch heiter]. - -=Hasselstein= [zu Norry]. A propos! Funktioniert der Elektrometer jetzt -wieder? Sind die Messungen vollkommen verläßlich? - -=Norry.= Vollkommen! Alles ist wieder in Ordnung. Ich will nur noch in -aller Eile den Thermographen aufstellen, hierauf verwandle ich mich in -einen Koch erster Qualität. Das ist ja meine Kochwoche [er stellt den -Apparat auf und lacht]. - -=Hasselstein= [sammelt seinen Fang zusammen und wendet sich zu Roden und -Scharfen, die eben die lange Schnur vollends aufgewunden haben]. Welche -Tiefe? - -=Roden.= 1844 Klafter. Das bestätigt meine früheren Annahmen, daß die -Tiefen hier in der Regel bedeutend größer als am Nordpol sind. - -=Hasselstein.= Wieviel Grade unter Null haben wir heute? - -=Scharfen= [liest vom Thermometer, das an einer Zeltstange hängt, ab]. -29 Grad Celsius. - -=Roden.= Besser Fisch als Mensch zu sein in diesen Gegenden -- das Wasser -ist wärmer. - -=Hasselstein= [lachend]. Unzufriedener! Denken Sie an die Zeit, wo wir 52° -gehabt haben! - -=Norry=. Und die bald wiederkehrt! - -=Hasselstein= [zu Norry, der eifrig seine Apparate in der neuen -Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal, verehrter Herr Wetterprophet -- -welcher angenehmen Ueberraschungen dürfen wir gewärtig sein? - -=Norry= [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie sich nur auf einen -extrafeinen Schneesturm gefaßt. - -=Alle.= Danke sehr! - -=Hasselstein.= Davon hätten wir nachgerade genug. In diesem Monat allein -mußten wir zehn Tage in den Zelten zubringen und selbst da wurde man -nie warm oder trocken. Die Schneenadeln krochen bis in die Tiefen der -Schlafsäcke und das Ausgehen bei solchem Unwetter wagt keiner von uns -seit der arme Scharfen ganz wirr im Kopfe wurde, als er in solchem Wetter -zufällig draußen war und beinahe umgekommen wäre. Nein, nein, so ein -Schneesturm ist schlimmer als die ärgste Kälte! - -=Norry= [mißt eifrig]. Der südliche Wind nimmt bedeutend zu und bei den -überaus häufigen und starken Niederschlägen muß man auf alles gefaßt -sein. Da, Hasselstein, sehen Sie einmal selbst um wieviel die Nadel seit -den letzten drei Stunden abgewichen ist. [Beide hantieren die verschiedenen -Instrumente.] - -=Roden= [schreibt eifrig in sein Notizbuch während Scharfen die Schnur und -die Fischfallen in das Zelt trägt und mehrere Pfannen auf den kleinen Herd -stellt]. 1844 Klafter Meerestiefe, südwestliche Tiefströmung, südlicher -Wind, 29° Celsius Lufttemperatur, zunehmendes Treibeis, abnehmendes -Tageslicht -- nur mehr zwei Stunden Tag -- 734 ~mm~ Luftdruck -- - - Während er schreibt und vor sich hin murmelt ist es ganz dunkel - geworden; die Eisstücke sehen nun beinahe schwarz aus und nur der - Schnee im Vordergrund leuchtet weiß. Ganz im Hintergrund zeigt - sich ein schwacher gelblichroter Lichtschein, hierauf entsteht ein - knisterndes Geräusch und in flackernden Bändern taucht die ~Aurora - borealis~ auf -- nie stille, immer wechselnd, sich jeden Augenblick - verändernd. Das Heulen des Windes nimmt langsam zu, die Wogen machen - auch ein stärkeres, plätscherndes Geräusch. - -=Hasselstein= [geht auf das Zelt zu, die anderen folgen ihm. Norry legt -allerlei in die Pfanne und kocht eifrig, die anderen setzen sich auf die -Schlafsäcke und zünden ihre Pfeifen an. Das rote Licht des Herdes bildet -einen eigentümlichen Kontrast mit der wechselnden Beleuchtung draußen.] -Meine Angst um unsere tapferen Gefährten nimmt täglich zu. Wenn sie nicht -innerhalb der nächsten Tage einlangen, muß ein Unglück die Expedition -getroffen haben, denn fünf Monate waren als Maximumtermin zur Erforschung -des Beardmoregletschers festgesetzt. Seit ihrem Aufbruch sind 192 Tage -vergangen. - -=Norry= [düster]. In kaum vierzehn Tagen bricht die lange Polarnacht -herein -- Gnade ihnen, wenn sie uns bis dorthin nicht erreicht haben. - -=Scharfen= [nachdenklich rauchend]. Seit fünfzehnten November kämpfen -sie verzweifelter selbst als wir gegen die Gefahren und Drangsale dieses -unwirtlichen Klimas. Wer wird den Sieg erringen? Die starre Eisnatur oder -unsere beharrlichen Gefährten? Und das Schlimmste an der Sache ist, daß -wir hier stille sitzen müssen und nichts -- gar nichts -- zu ihrer Rettung -beitragen können. - -=Norry.= Es ist ja eine Frage ob wir selbst die endlose Polarnacht -überdauern werden. Werden unsere Nahrungsmittel bis zur Ankunft des -Schiffes im November ausreichen und vorallem, wird es uns gelingen den -Ausbruch des Skorbut zu verhindern? [Eine Pause entsteht, alle rauchen in -düsterem Schweigen.] - -=Hasselstein= [träumend]. Es dünkt einen unglaublich, daß daheim gerade -jetzt der Flieder blüht, das Mailüfterl über das sanftig grüne Land -hinbraust, die Nachtigall -- - -=Roden= [heftig unterbrechend]. Nur um Himmels willen nicht sentimental -werden: Das gibt uns, in der Verfassung, in der wir sind, den -Gnadenstoß. Nichts ist gefährlicher und zweckloser als das Träumen -vom Unerreichbaren. Es heißt einfach die Zähne zusammenbeißen und -- -schweigen! - -=Hasselstein= [müde lächelnd]. Oder zu unserem alten Mittel zu greifen -und Sorge mit Scherz verscheuchen? Leider gewinnen manchmal die Sorgen die -Oberhand. Der Zunge kann man allerdings Schweigen gebieten, doch ach, dem -Herzen nicht. Es gibt Augenblicke, in welchen einem alles zwecklos scheint, -in welchen man seinen Gefühlen unterliegt, das Heimweh erwacht und man -sich staunend fragt, ob man nicht am Ende alles einem Wahn geopfert -- - -=Scharfen= [eine dicke Rauchwolke ausblasend]. Und ob es wirklich nur ein -Trugbild gewesen, was man so lebhaft angestrebt. - -=Norry= [nachdenklich]. Wir sind entmutigt und fragen daher nach dem -Warum unserer Handlungsweise und wissen im Innersten doch, daß wir unter -gleichen Umständen wieder so und nicht anders handeln würden. So nehme -ich zum Beispiel an, daß wir uns alle der Expedition angeschlossen -- -erstens, weil dies eine Lösung manch' verwickelten Problems bedeutete -- - -=Hasselstein= [ernst]. Sie haben vollkommen recht, Norry. Jeder von uns -hatte seine Gründe -- - -=Norry= [bitter]. Und triftige. Eine Luftveränderung tut zuzeiten -sehr gut. Das Leben ist wahrlich kein Honigschlecken -- es sticht einem -verteufelt oft eine Biene in die Zunge. - -=Hasselstein= [finster]. Und mehr als eine! - -=Norry= [nach kurzer Pause]. Was mich betrifft, so befinde ich mich nur -dort ganz wohl, wo die Natur in ihrer Urkraft auf mich einwirkt und -die Civilisation -- die sogenannte -- sie noch nicht mit ihrem giftigen -Speichel beleckt -- und verödet hat! Kampf und Abenteuer gegen -die mächtigen Naturgewalten meinetwegen, aber gegen die Heuchelei, -Beschränktheit und krasse Selbstsucht der sogenannten civilisierten -Menschheit -- nein, danke -- lieber begrabe ich mich in den Einöden der -Sahara, in den Urwäldern Südamerikas oder -- - -=Hasselstein= [lächelnd]. -- oder selbst in antarktischen Zonen. Bis -hierher ist unsere Ueberkultur allerdings noch nicht durchgedrungen -- die -Pinguine sind die Alleinherrscher der Antarktis. - -=Roden= [leidenschaftlich]. Lieber tausendmal Pinguine als Ueberkultur: -Glauben Sie mir, die großartige Erfindungen hervorbringt und dabei doch -täglich mehr und mehr natürliche Züge der menschlichen Natur kalt -erdrückt oder in eine unnatürliche, seelenverkrüppelnde Gestalt preßt. -Bah! [Er klopft heftig seine Pfeife aus und stopft eine neue.] - -=Hasselstein= [beschwichtigend]. Wie viele Geheimnisse der Natur sind -entdeckt und der Menschheit dienstbar gemacht worden! - -=Roden= [verächtlich]. Und wie viele Tiere kennen den Wert heilsamer -Kräuter, von denen wir keine Ahnung haben. Zudem -- die Völker des -Westens, die ja gerade am stolzesten auf ihren Fortschritt sind, haben von -vielen Sachen heute keine Ahnung, mit denen die morgenländischen Stämme -vor mehreren tausend Jahren ganz vertraut waren. -- Fortschritt -- in der -Tat! [Er lacht kurz und verächtlich auf.] Wir sind viel zu stolz auf die -Errungenschaften unseres Geistes. - -=Hasselstein= [ruhig vor sich hin rauchend]. Menschlichere Anschauungen -- - -=Roden= [spöttisch]. Vortrefflich: Maschinengewehre, giftige Gase, -bombengespickte Luftschiffe -- - -=Scharfen= [einwerfend]. Die Abschaffung der Folter -- - -=Roden= [kalt lachend]. Nein, lieber Freund! Ersatz der moralischen -statt der physischen. Heute droht man jemand das Familienskelett an das -Tageslicht zu ziehen und in den Zeitungen spazieren zu führen -- eine -Folter, die ebenso wirkungsvoll, wie die Daumenschrauben einst, -- die -Kritik ersetzt den Morgenstern und was das Spießrutenlaufen anbelangt, -so verrichten die Zungen unserer stets auf der Lauer liegenden lieben -Nächsten das wunderbar -- mit dem einzigen Unterschied, daß man früher -absehen konnte, wo die Qual und wo der Schaden ein Ende nehmen wird -- die -Ausdehnung und die Uebel der heutigen Folter kann niemand ermessen. Die -Wunden des Körpers heilten leichter als wir nun unseren beschmutzten -Namen, unsere geraubte Ehre in Ordnung bringen -- wenn es uns gelingt. - -=Hasselstein= [ruhig]. Wir verdanken der zunehmenden Civilisation eine -erhabene monotheistische Religion -- - -=Roden.= Die nichts destoweniger wie im dunkeln Mittelalter noch heute mit -Teufelsspuk und Höllenqual droht, deren Verbreiter Geld mit Beuteln oder -Tassen im Gotteshause selbst einsammeln, genau wie es fahrende Sänger oder -Seiltänzer unmittelbar vor Schluß der Vorstellung tun, deren Anhänger -des guten Tones, der Musik oder der neuen Kleider willen zur Kirche gehen -und die sechs Tage lang mit Wonne alle zehn Gebote übertreten um am -siebenten eine scheinheilige Miene aufzusetzen und sich aller jener -Tugenden zu rühmen, die zu besitzen sie anderen glauben machen wollen. - -=Scharfen= [halblächelnd]. Großartigen Erfindungen -- - -=Roden= [kalt]. Erfindungen, bester Herr Kollege, bedeuten erhöhten -technischen oder rein materiellen aber deshalb noch lange nicht moralischen -Fortschritt. Das Leben wird durch sie möglicherweise bequemer, die -Handelsverbindungen leichter und schneller, aber diese Verbesserungen -erhöhen leider nur unser Selbstbewußtsein ohne unseren inneren Menschen -gleichzeitig auf eine höhere Entwicklungsstufe zu bringen. - -=Norry= [eifrig kochend]. Ganz richtig! Rein äußere Verfeinerung -der Sitten, kosmopolitische Anschauungen, erhöhter Luxus, großartige -Entdeckungen und ähnliches ist alles lange noch nicht Seelenkultur. Wenn -die Ware nicht durch und durch reell ist, so springt die Politur schon bei -der allerersten Gelegenheit ab. - -=Scharfen= [kopfschüttelnd]. Der Zeitgeist zerstört viel mehr als er -bildet. Es ist geradezu eine Wut über die Menschheit gekommen in allen -Werken der großen Meister, im Leben der edelsten Helden, bei unsterblichen -Denkern und den Lehrern der erhabendsten Ideen immer und überall ein -Fleckchen, irgend einen dunkeln Punkt zu suchen, der dann ans Licht -gezogen, besprochen, und betastet wird, bis der winzige Fleck beinahe das -ganze Werk, den ganzen Menschen verdunkelt. - -=Hasselstein= [traurig]. Ach, leider! Anstatt nach Menschenliebe streben -alle nach größerer Pracht, nach höherer technischer Kultur, Verstand -wird über Herz, der Schein über den Kern gesetzt. Die Kritik läßt weder -Lebendige noch Tote in Frieden und jeder bemüht sich auf das eifrigste -seines Nächsten Fehler zu entdecken und laut zu verkünden, statt sie -milde zu bemänteln und großmütig zu übergehen. - -=Roden= [spöttisch]. Und mit welchen Stolz wir den ›Segen der -Civilisation‹ zu den sogenannten Wilden tragen: Wir verkaufen ihnen -Schießpulver und Gewehre, wir bieten ihnen zu hohen Preisen allerlei -verderbliche Trinkwaren an, die ihr Leben verkürzen, ihre Gesundheit -untergraben und in ihnen vorher unbekannte Leidenschaften erwecken. - -=Hasselstein= [lächelnd]. Zum Dank für solche Vorteile verdrängen wir -sie von ihrer eigenen Scholle und lassen uns selbst dort nieder. - -=Scharfen= [lachend]. Ja! Die armen Wilden können uns dankbar sein, daß -wir sie nicht wie einst mit Gewalt auf unsere Schiffe schleppen und als -Sklaven verkaufen. - -=Roden= [eifrig nickend]. Wir tun etwas viel Besseres. Wir verwenden sie -gleich als Sklaven an Ort und Stelle. Oh Fortschritt -- du gleißender -Fortschritt! Nein, läßt mich in einem Erdstrich wohnen, wohin diese -bewunderte Civilisation noch nicht vorgedrungen, wo Wahnsinn, Trunksucht, -Selbstmord und Verbrechertum, wo Habgier, Neid und Verleumdung noch nicht -zur Tagesordnung gehören! - -=Norry= [lachend und die Pfeife schwingend]. Es lebe das Reich der -Pinguine! - -=Hasselstein= [nachdenklich]. Gott weiß es, Sie haben so unrecht -nicht, Roden, trotz Ihrer entsetzlichen Spottlust! Hier, fern von -den Einrichtungen bevölkerter Erdstriche fallen alle kleinlichen -Charakterzüge wie Schuppen ab. Hier kann ein Mann nicht mehr scheinen als -er ist. Kein Heucheln verdeckt hier den Mangel jener Eigenschaften, die zu -besitzen man sich früher oft gerühmt haben mag -- die zu haben man sich -möglicherweise selbst eingeredet. - -=Norry= [lebhaft]. Und doch entwickeln sich gerade hier oft Eigenschaften, -das heißt schlummernde Fähigkeiten krystallisieren sich, welche zu -besitzen man sich daheim nicht einmal geträumt hätte. - -=Scharfen= [eifrig zustimmend]. Stimmt! Dort war das eigene Ich immer der -erste Faktor, hier tritt es beständig in den Hintergrund. Dort ging man -am schreiendsten Elend kalt vorüber, weil man den Kopf mit höchst -überflüssigen, aber im Augenblick außerordentlich wichtig scheinenden -Kleinigkeiten vollgekramt hatte -- man hatte eben keine Zeit -- sondern -lief blind irgend einem nichtigen Vergnügen, einer bedeutungslosen -Belustigung nach oder beeilte sich irgend eine gesellschaftliche -Verpflichtung anstatt jene höhere Pflicht lauterer Menschenliebe zu -erfüllen! Hier dagegen bietet man alles auf um seinen Gefährten und nicht -nur diesen sondern selbst den Tieren, die mit uns in Berührung kommen und -unser Geschick teilen, die schlimme Lage nach Kräften zu erleichtern. - -=Roden= [sich zurücklehnend]. Zweifellos! Das Zusammengehörigkeitsgefühl -entwickelt sich bedeutend stärker hier und geteilte Gefahren sind eiserne -Bande. In alten Zeiten sind die einzelnen Stämme ebenso innig aneinander -gehangen und haben stets freudige Opferwilligkeit an den Tag gelegt. -Erst das Zusammenscharen vieler sich unbekannter und folglich einander -gleichgültiger Menschen, die man alle wie toll auf ein gleiches Ziel -zuhetzt und die wissen, daß sie es umso sicherer erreichen werden, je mehr -Mitbewerber sie im Rennen niederstoßen, hat dieses Meer von Selbstsucht -geschaffen, in dem so viele Schwache unverdienter Weise untergehen müssen. -Auch ein Gewinn der zunehmenden Civilisation! - -=Hasselstein= [nach einigen Sekunden ernst]. Das ist der ewige Kampf der -Natur, in welchem der Stärkste siegt, die Schwächeren untergehen. Dennoch --- -- unsere Anschauungen werden andere hier draußen. Das Bewußtsein -menschlicher Erhabenheit schrumpft gegenüber den überwältigenden Wundern -der unberührten Natur bedeutend zusammen. Unsere Unüberwindlichkeit -scheint uns geringer, wenn wir eben einen Schneesturm mitgemacht oder -die riesigen Eisbarrieren betrachtet haben, die seit Jahrtausenden hier -herumzuschwimmen scheinen und unsere Widerstandskraft dünkt uns klein, -wenn wir die winzigen Rotiferen betrachten, die ins Eis eingefroren, -scheinbar jahrelang tot liegen, um, wenn ein günstiger Umstand die sie -umschließenden Eispartikel wieder schmilzt, zu neuem Leben zu erwachen, -als wäre nichts besonderes vorgefallen. Wie gebrechlich sind wir, stolze -Menschen, verglichen mit ihnen! - -=Norry= [lachend]. Unbestreitbar, trotzdem verbleibe ich lieber Mensch als -Radtier. Der Wert des Daseins liegt eben im Bewußtsein unseres Seins. - -=Hasselstein= [ernst]. Manchmal möchte man gerne einige Jahre wie ein -Radtier schlummernd zubringen, während über einen hinweg unempfunden die -Stürme des Lebens brausen. - -=Roden= [erregt]. Lächerlich! Das wäre wie der Vogel Strauß seinen Kopf -unter den Flügel stecken und hierauf glauben den Feind besiegt, den Gegner -verscheucht zu haben. Nicht im Zurückweichen -- im Vorwärtsdringen allein --- muß man das Ende irgend einer Mühsal suchen, da nur die Ruhe, die der -Ueberwindung, sei es nun seiner Gegner, des Geschicks oder des eigenen Ichs -liegt, von wahrem und dauerhaftem Wert sein kann. - -=Scharfen= [nickt]. Ein indischer Weise sagt: Festes Bestreben besiegt -selbst das Geschick! Es gibt kein zwingendes ›Kismet‹ für den, der zu -wollen gelernt. - -=Norry= [einlenkend]. Unzweifelhaft! Indessen bin ich überzeugt, daß uns -nicht nur der Haß gegen die Unsitten unserer Zeit sondern auch jene -alte Abenteuerlust herausgetrieben, die uns als Knaben schon beim ersten -Märchen das Blut schneller durch die Adern rinnen ließ. Am Ende sind wir -doch alle Kinder unserer Zeit. Wir verlachen herrschende Vorurteile zwar, -bäumen uns gegen die enggezogenen Grenzen auf, aber wir wüten, nichts -destoweniger, wenn jemand anderer es uns nachzumachen wagt. Es ist eben die -alte Geschichte vom Balken und Splitter. - -=Hasselstein= [seufzend]. Wir täuschen unsere Mitmenschen zuweilen -- -- -und dies mit vollem Bewußtsein -- -- wir täuschen uns selbst viel öfter -und ohne davon die geringste Ahnung zu haben. Vielleicht verlieren wir -Aufrichtigkeit und Natürlichkeit so leicht, weil wir uns immer mehr und -mehr von der Natur entfernen. - -=Roden= [triumphierend]. Was sagte ich? - -=Hasselstein= [aus dem Zelte blickend]. Hier spricht Mutter Natur in -all ihrer Pracht und Majestät zu uns und wir fühlen ihren wohltätigen -Einfluß nicht nur körperlich, indem wir stärker, sondern auch seelisch, -indem unsere besten Triebe begeistert rege werden. - -=Scharfen= [Triebe]. Ja, Schönheit läutert. Wer könnte auf die -herrlichen Schneegebilde, die mächtigen Eisgrotten, das flackernde -Nordlicht blicken können und im Herzen der alte Egoist, gleichgültig -gegen alles, was nicht ›Ich‹ ist, bleiben? - -=Norry= [bitter]. Wer könnte hier glauben, daß es in der Tat Menschen -gibt, die ein treues Herz, ein ganzes langes Leben voll stillen Glücks um -einiger lumpiger Tausender klaglos opfern können -- -- - -=Hasselstein= [im selben Ton]. Oder daß es Leute gibt die sich an -kleinliche Vorurteile wie der ~Octopus~ an sein Opfer klammern? [Nach einer -Pause.] Es ist eine unleugbare Tatsache, -- wem Herd und Heim mit Glück -und Ruhe winken, der stürzt sich nicht in unbekannte Gefahren, mag der -Trieb dazu auch hundertmal in seiner Seele schlummern. Oft, wenn ich auf -meinen einsamen Wanderungen ein Licht so freundlich aus einem Fenster -strahlen sah, dachte ich mir, daß es wohl über irgend einen Teuren wache --- -- -- ein Auge in der Nacht, das wie ein milder Führer, wie ein -getreuer Leuchtturm dem einsamen Schiffer zeigt, wo der ruheverheißende -Hafen winkt. Wir, denen kein solcher Leuchtturm die Fahrt auf den Strom -des Lebens erleichtert, wir segeln planlos, uns wirft des Lebens wechselnde -Springflut unbarmherzig auf Klippen oder öde Inseln und was wunder, daß -so viele von uns -- -- -- - -=Roden= [finster]. So jämmerlich untergehen! Es gehört ein guter -Steuermann und eine feste Hand dazu ein Schiff zu steuern, das auf -finsterem Meere treibt. - - [Alle rauchen eine Weile schweigend. Das Heulen des Windes nimmt zu, - das Nordlicht verschwindet langsam. Es wird unheimlich finster.] - -=Scharfen= [die Hände gegen die Zeltdecke hebend]. Uns bleibt das Wissen --- die Suche nach dem Unbekannten, dem Unerforschten und endlich das -Bewußtsein unsere Pflicht getreu erfüllt zu haben. - -=Hasselstein= [aufspringend]. Wir »schaffen« und »schaffen« bedeutet -»leben«. - -=Norry= [lachend]. Sagen wir mit Calderon »Das Leben ist ein Traum!« - -=Roden= [achselzuckend]. Oder ein ver-- Alpdrücken -- individuell -genommen! - - -3. Auftritt. - - [Man hört lautes Hundegebell und Stimmengewirr. Von rechts kommen - eine Anzahl Rodel von Hunden gezogen und dicht bepackt auf die Szene. - Mehrere Männer, die ganz vermummt sind, kommen auf Ski mit langen - Stöcken und ganz vereisten Gewändern. Zwei Männer führen einen - Kranken, der sich sichtlich kaum mehr auf den Beinen halten kann und - den Hasselstein sofort auf einen Schlafsack niederlegen hilft, - während Scharfen einen Medizinkasten bringt und etwas in einem Glase - zusammenmischt. Norry und Roden zuerst, später Hasselstein, helfen die - Hunde abkoppeln und abführen, nehmen die Schlittenverpackung herab und - Norry füllt gleich viele Schüsseln mit dampfender Suppe.] - -=Hasselstein= [indem er eifrig mithilft]. Dem Himmel sei Dank, daß -Ihr endlich zurückgekehrt! Wir gaben uns schon den allerernstesten -Befürchtungen hin, denn die lange Polarnacht mit ihren Schrecken steht -dicht vor der Türe. - -=Kapper= [ernst, indem er die Ski abschnallt]. Ihre Befürchtungen, -Hasselstein, hätten sich bei einem Haar bewahrheitet. Die meisten von -uns sind mehr oder weniger schneeblind geworden, und trotz der -Mitternachtssonne und des steigenden Thermometers hat Meroff die Zehen -beider Füße eingebüßt, denn das lange Marschieren im auftauenden -Schnee, verbunden mit dem plötzlichen Fallen der Temperatur so oft -ein Schneesturm im Anzug war -- alles dies hat die Mühsal unserer -Entdeckungsreise sehr erhöht. Ich fürchte, Meroff wird beide Füße -verlieren. - -=Johansson= [ernst]. Der Arme wird seine Heimat nicht wiedersehen -- es -geht schnell abwärts mit ihm. - -=Hasselstein= [die anderen unterstützend]. Erreichten Sie den Beardmore -Gletscher? - -=Granelli= [lebhaft]. Und ob! Wir machten auch viele wertvolle -Aufzeichnungen und hatten großen Vorteil von diesem Ausflug vom -wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wenn nur beim Rückmarsch -die Schwierigkeiten nicht geradezu unübersteiglich geworden wären, erst -da -- [er schweigt]. - -=Johansson= [eifrig]. Die letzten vierzehn Tage waren die allerschlimmsten. -Die Lebensmittel gingen zu Ende, mit dem Thranvorrat war es Schluß und -was es heißen will mit nassen Füßen ohne etwas wärmendes in den Leib zu -bekommen in den Schlafsack zu kriechen, das kennen Sie Hasselstein! Ein Wal -war nicht zu erjagen, Meroffs Füße wurden täglich schlimmer, Skorbut war -schon im Anzug, die Polarnacht näherte sich mit Riesenschritten. -- Ich -glaubte wahrlich nicht Euch alle wiederzusehen, Kameraden. - - [Alle schütteln einander warm die Hände und rufen durcheinander.] - -Willkommen bei uns! Willkommen Freunde, in unserer Mitte! - -=Hasselstein= [nach einer Pause]. Wie war der Weg im allgemeinen? - -=Kapper= [kopfschüttelnd]. Die ersten Tagreisen waren so leidlich aber -dann -- schauerlich! Wir sanken in der Regel bis zu den Knien in den -weichen auftauenden Schnee, konnten uns überhaupt nur Dank der Ski auf -der Oberfläche erhalten und bald mußte der eine, bald der andere von -uns zurückeilen um den Hunden mit den Rodeln über eine schwere Stelle zu -helfen. Drei Tiere sind uns schon eingegangen, zwei weitere mußten wir -als Nahrung für die übrigen opfern und an ihrer Stelle selbst den Rodel -ziehen. - -=Johansson= [den letzten Schlitten mit Hilfe der anderen abpackend und die -Sachen in die Schneehütte tragend, während die anderen Fremden schon im -Zelte auf den Schlafsäcken sitzen und sich die Suppen schmecken lassen, -die Norry eifrig ausschenkt]. Oft brauchte es eine halbe Stunde, oft -länger, bevor wir des Morgens unser Schuhzeug wieder auf die gefrorenen, -hochgeschwollenen Füße zwingen konnten. - -=Hasselstein= [mitleidig]. Welch Leiden liegen hinter Euch! - -=Johansson= [abwehrend]. Bah! Wir haben alle unsere Leiden mitzumachen -- -wir dort -- Ihr hier. Da ist die versprochene Beute! [Er reicht Hasselstein -einige Vögel.] Zwei Königspinguine, drei Sturmvögel und einen weißen -und einen schwarzen Albatroß. Was sagen Sie dazu? - -=Hasselstein= [ihm warm die Hand schüttelnd]. Großartig! Tausend Dank! -Sie sollen einst das Museum Kringhausens zieren. Ich habe auch hier das -Leben und Treiben der Pinguine studiert und muß sagen, daß die Damen von -Kringhausen selbst nicht neugieriger sind als diese befiederten Bewohner -der Antarktis und was das heißt -- - -=Johansson= [lachend; indem er alle Rodel mit Hilfe Hasselsteins -aufeinandertürmt]. Bewahre! Weiß ich's etwa nicht? Ich habe zu meiner -Zeit auch einige Erfahrungen mit bezug auf das zarte Geschlecht -gesammelt -- was zum Beispiel meine Alte -- Gott hab' sie selig! -- nicht -herausgefunden hat -- Nu, lassen wir's gut sein. Man sagt zwar, Wiedersehen -macht Freude, aber was mich betrifft, so bitte ich, daß mir diese Freude -noch recht lange erspart bleibt. - -=Vickers= [kommt aus dem Zelt]. Meroff ist in unruhigen Schlummer verfallen --- seine Beine sind bis hinauf geschwollen -- der erste, der uns verläßt. - -=Hasselstein= [nach kurzer Pause]. Und Sie, alter Freund, können die Augen -kaum offen halten. - -=Vickers= [abweisend]. Oh ich? Ich bin nur schneeblind -- das wird sich -bald geben. [Er geht in das Zelt zurück.] - - [In diesem Augenblick kommt ein entsetzlicher Windstoß dahergefahren. - Das Brausen des Meeres ist unheimlich gewachsen, das Eis knarrt, der - Sturm heult, so daß man keinen anderen Laut hören kann, kleinere - Eisstücke rollen über die Szene, der Schnee wird aufgewirbelt.] - -=Hasselstein= [zieht so schnell er nur kann eine zweite Hülle über das -Zelt, Norry hilft ihm]. Schnell, schnell! Der Schneesturm naht. [Er bindet -die Hülle fest.] - -=Norry= [lebhaft]. Ins Zelt, ins Zelt! - - [Während Hasselstein die letzte Hand an das Zelt legt, hat Norry die - Tür des Zeltes zugezogen. Die ganze Szene ist dunkel, der Sturm heult - graueneinflößend und während der Vorhang langsam sinkt, braust eine - ungeheure Schneewolke über die Bühne hin, so daß alles im Nu weiß - erscheint.] - - -Ende des ersten Aktes. - - - - -2. Akt. - - - [Ein elegant ausgestattetes Zimmer. In der Mitte der Szene ein - Spieltisch, an dem vier ältere Damen sitzen. Zwischen zwei und zwei - Spielern steht ein stummer Diener mit Liqueurgläsern und Backwerk. - Links und rechts eine Tür. An der Wand im Hintergrund eine Kredenz mit - Obst und anderen Dingen. In den Ecken hübsche Figuren aus Gyps, an der - Wand hängt ein Vogelhaus und kleine Tischchen mit Stühlen stehen - da und dort. Bilder und Spiegel an den Wänden. Alles spricht von - Wohlstand, aber alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.] - - -1. Auftritt. - -=Frau Zungrapp= [lebhaft]. Wer spielt aus? - -=Frau Krickenfeld= [lächelnd]. Immer die, die fragt! - -=Zungrapp.= Will' mal sehn, wer mein Partner ist. - -=Frau Hasselstein= [zerstreut]. Was wurde gerufen? - -=Zungrapp= [lebhaft]. Herz! Bitte nur nicht in meine Karte zu schauen! - -=Krickenfeld= [zieht den Wurf heftig an sich und küßt sich die -Fingerspitzen]. Gott sei Dank, der König wäre glücklich zuhause. Ich -fühle mich nie ruhig, bevor ich ihn geborgen weiß. - -=Zungrapp= [besorgt das Haupt schüttelnd]. Ob ich meinen Pagat wohl werde -retten können? - -=Krickenfeld= [nachdenklich]. Wo nur der Mond steckt? [Nach kurzer Pause.] -Also der Herr Sohn ist wieder in Kringhausen? - -=Hasselstein= [froh]. Ja, Hans Georg ist vor einer Woche angekommen. Man -hat ihn festlich empfangen und in der »Gelben Schwalbe« wurde ihm zu -Ehren sogar ein Festessen veranstaltet. Zwei Universitätsprofessoren waren -anwesend und außerdem der gesamte Lehrkörper des hiesigen Gymnasiums -- -auch andere Honoratioren Kringhausens -- - -=Krickenfeld= [die Hand ausstreckend]. Mir gehört der Stich, bitte! -- -Ja, ja, es muß schön sein einen so berühmten Sohn zu besitzen, der am -Südpol gewesen, allerlei Meerungeheuer und ähnliche Dinge gesehen hat -- -zwar =praktischen= Wert -- [sie schweigt]. - -=Zungrapp= [scharf]. Die heutige Jugend, liebste Peleponesia, denkt nicht -an die praktische Seite des Lebens: So lange nur ein Mamatscherl die -Moneten gibt -- [jubelnd] Pagat ultimo! meine Damen. [Sie rafft den Stich -an sich.] - -=Die drei anderen Damen.= Waaaaaaaas? - -=Hasselstein= [ärgerlich]. Natürlich: So geht es immer. Hätten Sie, -beste Frau Inspektor, besser achtgegeben, so hätten wir jetzt nicht den -Pagat verloren. - -=Holzheim= [sich eifrig verteidigend]. Mit nichten, Frau Oberst, wenn Sie -nicht den König gleich zu Anfang des Spieles so leichtsinnig ausgespielt -hätten, so -- - -=Hasselstein= [noch gereizter]. Sie hätten eben kleine Tarockspiele nicht -mit dem Mond und dem Zwanziger stechen sollen, da hätten Sie später auch -noch -- - -=Holzheim= [mit lauter Stimme, heftig gestikulierend]. Wenn Tarock -ausgespielt wurden, mußte ich den Mond hergeben -- ich hatte ja nur vier -Tarock -- - -=Hasselstein= [noch lauter]. Was sagte ich -- Sie spielen und haben kein -Blatt -- - -=Zungrapp= [die beiden überschreiend]. Bitte, meine Damen, dreißig Heller -per Person -- - -=Holzheim= und =Hasselstein= [zugleich]. Wie dreißig Heller? Nicht -möglich, der Pagat kostet bloß -- - -=Zungrapp= [sich stolz zurücklehnend mit Nachdruck]. Pagat ultimo!!!! - -=Hasselstein= [zahlt in Spielmarken aus]. Bitte, bitte, da sind schon die -dreißig Heller. In Zukunft aber, beste Frau Inspektor, bitte mich nicht zu -rufen, wenn Sie keine Karten haben. Man darf seinen Partner nicht auf diese -Weise ins Verderben locken. - -=Holzheim= [lebhaft]. Wie? Ich habe den Mond und den Zwanziger und -- - -=Hasselstein= [ihre Rede unterbrechend]. Und nichts weiter gehabt. Wir -mußten verlieren! - -=Zungrapp= [während die andern lachen]. Bitte zu geben, Frau Oberst, -- -nächstes Spiel. [Es tritt eine momentane Stille ein, während alle die -erhaltenen Karten prüfen.] - -=Hasselstein= [mit Siegermiene]. Ich spiele einen Solo! Was sagen die -Damen? - -=Alle.= Passe! Unterm Tisch! Gut! - -=Hasselstein= [betrachtet ihren Kauf]. Den Achten! [Das Spiel beginnt.] - -=Zungrapp= [seufzend]. Ja, was du früher sagtest, meine teure Peleponesia, -ist allerdings richtig. Praktischen Wert hat so eine Südpolfahrt wohl -nicht. Das kostet nur Geld -- viel Geld -- es bringt zwar Ehren ein, aber -nicht wahr, liebe Frau Oberst, mit Ehren allein kann man keinen Haushalt -gründen und bei einem jungen Manne handelt es sich vorallem darum schnell -sein eigenes Nest bauen zu können. - -=Hasselstein= [seufzend]. Ach ja! Aber daran will Hans Georg nicht denken. -Er hat eben seine eigene Anschauungen! - -=Krickenfeld= [ihre Karten faltend und entfaltend]. Man sagt -- aber -- hm, -mich betrifft es ja nicht! Ich gehöre nicht zu jenen, die ein Gerücht von -Haus zu Haus tragen -- freilich, die Ohren verstopfen gegen das, wovon die -ganze Stadt spricht, kann kein Mensch. Nein, ich habe aber wirklich ein -elendes Blatt! Nicht einen einzigen Stecher! - -=Holzheim= [lächelt vergnügt]. Meine Damen, ich sage die »Trull« an. -[Mit wichtiger Stimme.] Auch mir sind gewisse Gerüchte zu Ohren gekommen, -aber -- - -=Krickenfeld= [ihre Karten betrachtend]. Du meine Güte, Frau Oberst, ich -habe nicht einen Stecher -- wie -- - -=Zungrapp= [streng]. Nichts aus der Schule plaudern -- [Sie nickt mehrmals -mit dem Haupte.] Ach, teure Peleponesia, es ist ein altes Sprüchwort: Es -ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch einmal an die Sonnen. - -=Krickenfeld= [rasch]. Soll ich oder soll ich nicht? Ich wag's: Ich sage -König ultimo an. - -=Alle.= Gut, gut! - -=Zungrapp= [schüttelt mißbilligend das Haupt]. Und vor kaum einer Minute -sagst du, daß du keinen Stecher hast. Ach, Peleponesia: [Sie droht ihr mit -dem Finger.] Ja, ja, man erzählt sich, doch -- uns geht alles das nicht -an. Pardon: War das eben der Sechzehner, der ausgespielt wurde? Gut: Den -kann ich gerade noch überstechen. - -=Holzheim= [ärgerlich zu Krickenfeld]. Jetzt haben Sie zu niedrig -ausgespielt, beste Frau Kommerzienrat: Auf diese Weise werden wir das Spiel -verlieren. - -=Hasselstein= [lachend]. Tut gar nichts, liebe Frau Inspektor, da gewinnen -wir es. [Man spielt eifrig.] Was sagt man eigentlich? Sollte jemand etwas -Nachteiliges über meinen Sohn geäußert haben? - -=Zungrapp= [bewegt die Karten]. So ein berühmter Gelehrter: -- ein -Südpolforscher: -- indessen -- mein Gott, die Menschen sind einmal -neidisch -- böswillig -- - -=Krickenfeld= [seufzt tief auf]. Ach, verehrteste Freundin, die Welt ist -voller Tücke: Besonders wenn es sich um eine hervorragende Persönlichkeit -handelt -- - -=Holzheim= [triumphierend]. Der Mond geht nach Hause, der Mond geht nach -Hause: Was man sagt? Ach, liebste Frau Oberst, nur unsere aufrichtige -Freundschaft für Sie vermag -- - -=Alle drei Damen= [die Karten wie zum Schwur erhebend] unsere bewährte -vieljährige Freundschaft -- - -=Holzheim= [jubelnd]. Der Pagat: Dem Himmel sei Dank: Ja, und unser warmes -Interesse für Ihren berühmten Herrn Sohn -- - -=Krickenfeld= [zur Decke aufsehend]. -- den wir schon liebten als er noch -in Röckchen herumging -- - -=Zungrapp= [mit süßer Stimme]. -- den wir mit innigsten Interesse -aufwachsen sahen -- - -=Holzheim= [einen Wurf an sich raffend]. -- vermag uns eine leise -- eine -ganz leise -- die allergeringste Andeutung zu machen, daß -- daß -- - -=Zungrapp.= -- daß -- es fällt uns allen schwer eine so äußerst -delikate Frage zu berühren -- - -=Krickenfeld= [eifrig]. Ja, man hat wirklich die Unverschämtheit zu -behaupten -- natürlich, nur eine Verleumdung -- die Welt ist leider so -verderbt -- - -=Holzheim= [seufzend]. Ja, verehrteste Frau Oberst, man ist der absurden -Anschauung -- - -=Krickenfeld= [sich in die Brust werfend]. Das heißt unwissende Leute -- -wir haben nie daran geglaubt -- - -=Holzheim= [eifrig]. -- böswillige Zungen -- - -=Zungrapp= [verächtlich]. -- Menschen, die immer auf der Lauer liegen -irgend einen Skandal zu entdecken -- - -=Hasselstein= [die Augenbrauen hochziehend]. Einen Skandal? Meinen Sohn -betreffend? - -=Holzheim= [sich zurücklehnend und das Spiel unterbrechend]. Beste Frau -Oberst, wir sind eben noch nicht so modern -- so ultramodern wie der Herr -Sohn -- In Kringhausen hält man sich noch an die strengen Sittenbegriffe -unserer eigenen Jugendzeit, das ist heutzutage natürlich veraltet -- -ich weiß -- aber Leute finden es hier eben -- ja, überraschend, -hochgeschätzte Freundin -- daß -- - -=Zungrapp.= -- daß Ihr berühmter -- Ihr trefflicher Sohn -- daran denken -könnte -- - -=Krickenfeld.= -- daß er sich dazu bestimmen ließe -- - -=Holzheim.= -- imstande sein würde -- [plötzlich jubelnd] Gewonnen, -- -gewonnen: Wir haben die »Trull«, wir haben Pagat ultimo! - -=Krickenfeld= [sieht durch ihre Karten]. Wir haben zwei Stiche und einen -König. - - [Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.] - -=Hasselstein= [nach einer Pause, scharf]. Wozu könnte Hans Georg sich -entschließen? - -=Holzheim= [seufzt tief auf, die anderen tun desgleichen]. Ach, beste -Freundin, die liberalen Anschauungen des Herren Sohnes geben leider zu -allerlei unbegründetem -- ich bin fest überzeugt ganz unbegründetem -Gerede Anlaß -- man meint, er könnte sich hinreißen lassen -- ja, viele -Leute gehen dahin zu behaupten es sei eine schon beschlossene Sache -- -dieses -- Mädchen -- - -=Hasselstein= [finster]. Welches Mädchen? Ich verstehe nicht -- - -=Krickenfeld.= Bitte anzusagen -- was ist gerufen? Ja, es handelt sich um --- meine Lippen sträuben sich den Namen dieser unglücklichen Gefallenen -auszusprechen -- kurz, um Berta Heller! - -=Holzheim.= Einen Dreier mit Herz: Was liegt im Talon? Ja, eben -- man -- -böse Zungen -- gehen so weit anzudeuten, daß der Herr Sohn noch immer -- -man erinnert sich an seine frühere Verblendung -- die Absicht haben soll -an eine Verbindung mit -- - -=Zungrapp.= Es liegt wunderschön: Der Mond und zwei Könige! - -=Krickenfeld= [munter]. Und nicht einmal der Gerufene -- das nenne ich -Glück! - -=Holzheim.= Das lasse ich mir gefallen: Ach, beste Frau Oberst, so ist es. -Man meint wirklich allgemein -- - -=Zungrapp= [mit Pathos]. -- die ganze Stadt spricht davon -- - -=Krickenfeld.= -- daß Berta Heller die Schwiegertochter -- - -=Hasselstein= [entschieden]. Niemals! Geschwätz der Leute meine Damen, -- -mein Sohn kann und wird nie vergessen, was er dem Namen seines toten Vaters -schuldet. - -=Zungrapp= [süß lächelnd und einschmeichelnd]. Und dem seiner -hochgeachteten allseitig geschätzten Mutter! - -=Hasselstein= [rafft erbittert ihren Wurf zusammen]. Er würde es nie wagen -mir eine solche Schwiegertochter in das Haus zu bringen -- meine Ansicht -kennt er -- - -=Alle drei= [lebhaft beteuernd]. Natürlich nicht! Ganz und gar -ausgeschlossen! Gewiß nicht! - -=Krickenfeld.= Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt. - -=Zungrapp.= Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen, so ist ihnen -daheim nichts mehr recht [sie gibt sich einen Klaps auf den Mund]. Es ist -nicht mein Sohn -- - -=Holzheim.= Der Herr Sohn hat eben so sehr moderne Anschauungen -- ein -Gelehrter -- natürlich -- aber -- [sie seufzt]. - -=Krickenfeld= [lebhaft]. Wir schätzten die vielen Vorzüge des Herrn -Professors sehr hoch -- - -=Holzheim.= Mein Pagat! O Jammer, er ist fort, er ist dahin! Wir sind eitel -Bewunderung seiner -- seiner -- Tugenden -- nur -- nur -- - -=Zungrapp.= Wie? Ist der Mond noch nicht ausgespielt? - -=Hasselstein.= Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen! Sie wissen -nie, was ausgespielt wurde, Frau Professor -- - -=Zungrapp= [gekränkt]. Ich zähle sie immer, aber wenn einmal fünfzehn -oder sechzehn draußen sind -- so -- so verliere ich manchmal den Faden. -Trotzdem sagt Hofrat Glaubig immer, daß ich ganz vortrefflich -- - -=Krickenfeld= [die Hände zusammenschlagend]. Wie, lebt dieser wandelnde -Leichnam noch? Dem zahlt die Regierung seine Pension sicher schon seit -vierzig Jahren. - -=Holzheim.= Und seine Tochter? Die hat vorzeiten trotz ihres kranken -Beinleins auch manche Seitensprünge gemacht. Ha, ha, ha! - -=Zungrapp.= Jetzt muß sich dieses Gerippe auch den Fünfzigern nähern. -Eine Vogelscheuche erster Klasse. - -=Krickenfeld= [entsetzt]. Gestochen? Mein König? Wie ist denn das -möglich? - -=Hasselstein= [trocken]. Weil erst neunzehn Tarock ausgespielt sind. Und -was ist aus dem verrückten Sohne geworden? - -=Zungrapp= [wichtig]. Oh der? Der hat auch so manches Vergehen auf dem -Kerbholz -- er sollte wohl eigentlich in das Gefängnis geworfen werden, -aber des alten Herrn wegen hat man ihn lieber irrsinnig erklärt. - -=Krickenfeld= [verzweifelt]. Jetzt ist unser König auch verloren! Frau -Oberst tragen daran die Schuld! - -=Hasselstein= [heftig]. Ich?? Ich kann die Tarock zählen -- Gottlob -[großer Lärm, alle schreien durcheinander]. - -=Holzheim= [erregt]. Sie hätten nicht Herz ausspielen sollen, als -- - -=Zungrapp= [gibt]. Bitte, nur schöne Blätter, meine Herrschaften! - -=Krickenfeld= [ihre Karten musternd]. Lassen Sie sich Ihre Handerl -vergolden für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben. - -=Holzheim= [lebhaft]. Wird etwas angesagt? - -=Zungrapp= [legt die Karten zusammen]. Ich sitze unterm Tisch. - -=Krickenfeld.= Passe. - -=Hasselstein.= Spielt niemand? Da wage ich einen Zweier. Treff! - -=Zungrapp= [lachend]. Wie kühn unsere Frau Oberst plötzlich geworden ist. -Da hat sie gewiß in unsere Blätter geschaut. - -=Hasselstein= [tut entrüstet]. Aber meine Damen [alle lachen]. - -=Holzheim.= Und ich sage alle Könige an -- hoffentlich bringe ich sie -glücklich wieder nach Hause [alle spielen eifrig]. - -=Hasselstein= [mit einer Handbewegung]. Bitte sich doch zu bedienen, meine -verehrten Damen. Ich glaube der Liqueur ist nicht schlecht -- mein Sohn hat -ihn von der Reise mitgebracht. - -=Alle.= Aaaaaah! [sie kosten und nicken hierauf befriedigend]. -Vortrefflich! ~Quel goût! Excellent!~ - -=Holzheim= [sich bedienend]. Ich muß einen Anisbogen nehmen. Die gute Frau -Oberst macht wahre Meisterstücke an Geschmack. - -=Zungrapp= [einschmeichelnd]. Nein, diese Dattelbusserl sind meine -Lieblinge. Meine Zähne erlauben mir nicht mehr den Genuß von hartem -Backwerk. Was für Zukunftspläne hat der Herr Sohn? - -=Krickenfeld= [leise zu Holzheim]. Sie hat nicht einen eigenen Zahn im -Munde -- lauter Kuckuckseier! - -=Holzheim= [vertraulich]. Ich habe drei falsche -- sonst nur meine eigenen --- ich bin aber auch um zehn Jahre jünger. - -=Zungrapp= [unterdessen leise zu Hasselstein]. Wie schrecklich alt und -verfallen die gute Holzheim aussieht und doch bin ich selbst nur drei Jahre -jünger [laut]. Heutzutage weihen uns die Kinder nicht mehr in ihre Pläne -ein -- die Eltern um Rat zu fragen ist nicht mehr Sitte -- aber ich frage, -weil wir den jungen Herrn eben wie unser eigenes Kind -- - -=Alle= [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen. [»Ich muß noch etwas -nehmen« -- »ich auch« schwirrt es durcheinander. Alle essen und trinken -eifrig.] - -=Hasselstein.= Es freut mich, wenn es den Damen schmeckt. Mein Sohn weiß -das Wohlwollen der Damen zu schätzen und ich nicht minder. Was seine -Zukunft betrifft, so wäre es mein Wunsch, daß er die Stelle als Professor -der Zoologie am hiesigen Gymnasium annehmen würde. Indessen spricht man -selbst von einer Oeffnung an der Universität in -- - -=Krickenfeld=. Wirklich? Ach, da wäre eine Heirat mit -- mit Berta ein -Unglück für ihn, denn niemand könnte mit ihm in gesellschaftliche -Beziehungen treten, weder hier noch in seiner neuen Heimat. Man kann auch -schlechterdings die Erziehung der aufwachsenden Jugend nicht einem Manne -anvertrauen, der sich über die herrschenden Grundsätze hinwegsetzt. Ach, -teuerste Frau Oberst, machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend -- -halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück! Ein Mädchen, das nun einmal das -Unglück gehabt hat -- ja, man kann die Welt nicht auf den Kopf stellen -- -ist eben verloren! - -=Hasselstein= [ernst]. Mein Sohn schließt gewiß nie eine Ehe mit einer -ihm unwürdigen Frau. Leider will er jedoch keine bindende Stellung -- -vorderhand wenigstens noch nicht -- annehmen. - -=Holzheim= [trinkt langsam]. Dieser Liqueur ist in der Tat vorzüglich. Und -erst dieses Backwerk! Unsere liebe Frau Oberst gehört eben noch der alten -Schule an, wo eine Hausfrau und Gattin vorallem kochen können mußte. -In meinem Elternhause, wo täglich Gäste eintrafen, wo das Wild und -Geflügel -- - -=Zungrapp= [lebhaft]. Beste Frau Inspektor, wenn Sie gar in meinem -Elternhause gewesen wären, wo Fürsten und Prinzen -- - -=Krickenfeld= [macht eine Handbewegung]. Alles das ist nichts gegen den -Aufwand, die Herrlichkeiten an Speise und Trank meines seligen Onkels des -Erzbischofs -- - -=Holzheim= [sie erregt unterbrechend]. So viele Backhühner, wie bei uns -hat man im ganzen Bezirk nicht gegessen und unsere Kirschpoganzen -- - -=Zungrapp= [sie unterbrechend]. In unserem Elternhause hatten wir täglich -wenigstens vier verschiedene Weingattungen auf dem Tisch und zu den -Festtagen -- - -=Krickenfeld= [mit vor Erregung zitternder Stimme]. Bei meinem seligen -Onkel, dem Erzbischof -- - -=Holzheim.= Die Gänse wurden in meinem Elternhause so gut gefüttert wie -nirgends sonst im Lande und was die Weingattungen betrifft -- - -=Krickenfeld= [einfallend]. Mein seliger Onkel der Erzbischof ließ den -Champagner immer direkt von Frankreich kommen -- - -=Zungrapp= [lebhaft]. Ans Spiel, meine Damen. Ja, zu der Zeit wurde die -Kochkunst viel höher geschätzt als heute. Jedes Mädchen selbst aus dem -vornehmsten Hause, mußte kochen können. Sehen Sie einmal mich an -- - -=Krickenfeld= [einfallend]. Mein seliger Onkel, der Erzbischof, hielt -strenge darauf, daß ich -- - -=Holzheim.= Unser Elternhaus genoß in der Hinsicht einen solchen Ruf, daß -die Freier scharenweise zu unseren Eltern kamen. Damals war man noch nicht -so modern, das man sich selbst einen Mann wählte -- das taten die Eltern. - -=Zungrapp= [bitter]. Welches Mädchen wird heute angehalten in der Küche -mitzuhelfen -- alles will nur studieren -- will modern sein. - -=Hasselstein= [spielend]. Ja, leider! Heutzutage muß ein Mädchen dagegen -Tennisspielen, Rollschuhlaufen und ähnliche Sachen können, muß allerlei -unnützes Zeug lernen und will dann, ganz wie ein Mann, ins Leben hinaus. - -=Zungrapp= [langsam nickend]. Wobei sich mancher Falter die Flügel -versengt. Das Heim geht verloren, die Heiraten nehmen ab und Kinder sind -schon ganz und gar unmodern. Ich bitte, wie soll ein Mann auch Lust und -vor allem die Mittel haben ein Mädchen von heute zu heiraten? Hunderterlei -Ansprüche, keine Kenntnisse, keine Pflichten, wenigstens zwei Dienstboten, -eine ganze Flucht von Zimmern, jeden Sommer eine Badereise, jede Saison -mindestens drei Hüte -- - -=Krickenfeld= [mit Nachdruck]. Und keine Kinder, -- nicht zu vergessen! Hat -eine Frau einmal eins oder zwei, so muß sie schon ins Bad, braucht eine -Kur, muß ein halbes Jahr unter ärztlicher Behandlung stehen und setzt -eine Märtyrermiene auf. Sehen Sie mich an! Ich hatte zwölf lebende -und vier tote Kinder und ich bin nie länger als vierzehn Tage im Bette -gelegen. - -=Holzheim= [die Karten zusammenraffend]. Gewonnen, gewonnen Frau Oberst! -25 Heller zu bezahlen. - - [Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.] - -=Krickenfeld.= Mein seliger Onkel, der Erzbischof, pflegte immer zu sagen: -Frauen und Oefen gehören in das Haus. - -=Zungrapp.= Herz gerufen? Heute hat man die Oefen und die Frauen -- außer -dem Hause. - -=Krickenfeld= [süßlich]. Um auf das herzige Bürschchen -- Pardon! -Pardon! -- den berühmten Südpolforscher zurückzukommen -- so wissen -Frau Oberst, daß wir die mütterlichsten Gefühle für ihn hegen -- so ein -Frauenherz ist einmal gegen alle von Liebe erfüllt -- und deshalb erlauben -wir uns zu sagen, daß ein junger Mann -- und trotz seiner hervorragenden -Eigenschaften ist der liebe Herr Professor noch so jung -- manchmal des -Rates bedarf. In höchster Erregung. Wie? Ist der Mond verloren? - -=Zungrapp= [gelassen]. Schon vor drei Stichen führte ich ihn nachhause. -Warum will der Herr Sohn die Stelle nicht annehmen? - -=Hasselstein= [mißmutig]. Er will zuerst ein Buch herausgeben, das die -Beschreibung seiner Fahrt und der von ihm gemachten Entdeckungen enthält. - -=Frau Zungrapp.= Ein Buch!!! Soooo interessant -- aber -- glaubt der Herr -Sohn finanziellen Nutzen daraus ziehen zu können? Ich erlaube mir nur -diese Frage, beste Frau Oberst, will jedoch nicht einen einzigen Augenblick -andeuten -- - -=Krickenfeld= [süßlich]. Wir zweifeln nicht, daß das Werk vortrefflich -geschrieben sein wird, aber wir meinen nur, daß ein wissenschaftliches -Werk in Kringhausen -- Mein Gott, solche Arbeiten liest eben kein Mensch -[sie schlägt sich auf den Mund] -- ich will sagen, so eine Arbeit wird -nur von auserlesenen Geistern gelesen -- in Bibliotheken und so weiter -- -aber nicht oft gekauft. - -=Holzheim= [achselzuckend]. Der Büchermarkt ist eben so überfüllt! - -=Hasselstein= [spitz]. Nicht mit Werken über den Südpol und die Antarktis -überhaupt. - -=Alle= [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst! Teuerste Freundin! - -=Krickenfeld= [ihre Hand drückend]. Bitte unsere Anmerkungen nicht -mißzuverstehen. In uns hat der Herr Sohn seine eifrigsten Bewundererinnen, -aber wir sind eben der Ansicht, daß -- daß die Verfasserlaufbahn keine -sichere Versorgung für einen heiratsfähigen Mann ist -- indessen hat ja -das Mamatscherl -- - -=Zungrapp= [tröstend]. Schon aus Höflichkeit für die Verwandten des -Herrn Professors wird man einige Exemplare kaufen -- - -=Hasselstein= [spitz]. Dessen bedarf es nicht. [Eine kurze, peinliche Pause -entsteht. Das Spiel wird wieder aufgenommen.] - - -2. Auftritt. - - [Der junge Hasselstein tritt ein.] - -=Alle Damen= [strecken ihm lebhaft die Hände entgegen]. Ach, da kommt -unser lieber, unser berühmter Südpolforscher! Willkommen, Willkommen! - -=Hans Georg= [küßt jeder der Damen die Hand]. Ich bitte sich nicht -stören zu lassen. - -=Krickenfeld= [süß]. Lieber Herr Professor, wer kann von einer Störung -sprechen -- wir sind entzückt Sie wiederzusehen. [Es wird mit viel Lärm -ausgezahlt.] - -=Holzheim.= Von einer Störung kann hier gar nicht die Rede sein, wir haben -uns ja schon so sehr auf das Wiedersehen gefreut. - -=Zungrapp= [ihm mit dem Finger drohend]. Bei mir ist mein alter Freund noch -nicht gewesen! - -=Hans Georg= [während die Damen aufbrechen]. Ich werde nicht verfehlen -- -ich war nur so überaus in Anspruch genommen. - -=Zungrapp= [lächelnd]. Ich kann es mir wohl denken -- alle Professoren und --- man hat immer auch andere Bekanntschaften -- - -=Krickenfeld= [sie beim Arm fassend]. Liebe Emilie, die Frau Oberst muß -sich danach sehnen mit Ihrem gefeierten Sohne ein wenig zu plaudern. Da -sind wir überflüssig. Komm! - -=Holzheim= [während ihr Hans Georg in den Mantel hilft]. Ach so ein in -Liebe pochendes Mutterherz! Aber wie hübsch er geworden ist! [Ihn von -allen Seiten betrachtend, einschmeichelnd.] Darf ich Ihnen als alte, gute -Freundin einen Kuß geben? - -=Zungrapp= [ihn betrachtend, während Fr. Holzheim ihn küßt]. Und was -für einen schmucken Schnurrbart er hat! Er ist nicht umsonst am Südpol -gewesen! Das nächste Mal aber, beste Frau Oberst, bringe ich mein -bescheidenes Abendbrot mit und werde dann Ihren hochinteressanten Sohn -mit Fragen bestürmen. -- Sie ahnen ja nicht, welches tiefe Interesse mich -durchglüht, Sie lieber Herr Professor, von Ihnen die nähere Beschreibung -der Paradiesvögel zu erhalten, die am Südpol -- - -=Hans Georg= [trocken]. Paradiesvögel gibt es leider keine in der -Antarktis, meine Gnädigste! - -=Zungrapp= [verwundert]. Nicht? Was Sie nicht sagen? Ich meine jene Vögel, -die immer auf zwei Beinen gehen. - -=Hans Georg= [leise]. Ja, auf vier können sie nicht leicht gehen. [Laut.] -Gnädige Frau meinen wohl -- - -=Krickenfeld= [lebhaft]. -- die antarktischen Pelikane. Von denen habe ich -auch gelesen. [Sie knöpft eifrig ihre Handschuhe zu, die anderen Damen -haben auch umständlich eine Menge Kleider und Pelzsachen angelegt.] - -=Hans Georg= [lächelnd]. Gnädigste sprechen gewiß von den Pinguinen. - -=Krickenfeld= [triumphierend]. Siehst du, liebste Emilie, ich hatte es -erraten -- mit »P« wenigstens fängt auch mein Wort an. - -=Holzheim= [neugierig]. Nun behalten wir Sie wohl in in unserem schönen -Kringhausen, nicht wahr, Herr Professor! Beim Mamatscherl ist's eben am -besten! - -=Hans Georg= [die Stirne runzelnd]. Ich hoffe bleibend bei Mama verweilen -zu können -- indessen hängt dies noch von einigen anderen Umständen ab. - -=Krickenfeld= [mahnend]. Führen Sie nur auch bald ein nettes Frauchen -heim. Ach, Sie Herzenstöter! [Sie droht ihm lächelnd mit dem Finger.] Ich -kenne mehr als ein Mädchen, das nur von Ihnen träumt. Ha, ha, ha! - -=Hans Georg= [ernst]. Gnädige Frau belieben zu scherzen -- ich kenne nur -eins! - -=Holzheim= [die Hand auf seinen Arm legend]. Wählen Sie sich nur ein -häusliches, wohlerzogenes -- - -=Zungrapp= [mit Nachdruck]. -- ein Mädchen mit tadellosem Rufe -- das -ist immer Hauptbedingung, hier, wo man eben in mancher Beziehung noch so -unmodern ist. - -=Krickenfeld= [lebhaft]. Etwas Mitgift ist auch ein sehr wünschenswerter -Faktor -- - -=Zungrapp= [abwehrend]. Letzteres spielt bei unserem Jungchen [schelmisch] -Pardon! Pardon! so darf man eine angehende Berühmtheit wohl nicht -nennen -- - -=Hans Georg= [verbeugt sich kalt]. Bitte sehr, gnädige Frau! - - [Alle Damen reichen nun zuerst Frau Hasselstein und hierauf ihrem Sohne - die Hand, die er küßt. Abschiedsworte fliegen durcheinander, ein - großer Lärm entsteht. Mutter und Sohn begleiten die Gäste bis zur - Tür zur Rechten.] - -=Krickenfeld= [zu Hans Georg]. Stets willkommen bei mir, Herr Professor! - -=Zungrapp= [lächelnd]. Nur auf baldige Brautschau ausgegangen! Ein junger -Mann braucht ein Heim. - -=Holzheim= [ruft von der Schwelle zurück]. Und nur die Warnungen der -lieben Mama hübsch beherzigt! - - -3. Auftritt. - - [Mutter und Sohn allein.] - -=Hans Georg= [führt seine Mutter zu einem Lehnstuhl zur Linken, legt einen -Polster für sie zurecht, schiebt einen kleinen Fußstuhl unter die Füße -und bleibt dann, gegen die Kredenz im Hintergrund gelehnt stehen.] Seit -meiner Heimkehr ist es mir noch nicht gelungen ein einziges trauliches -Plauderstündchen mit dir zu halten und dennoch habe ich so vieles auf dem -Herzen, das alles bald besprochen werden muß. - -=Hasselstein= [mit Stolz auf den hübschen jungen Mann blickend]. Sprich, -mein Kind, ich bin begierig deine Pläne zu hören! - -=Hans Georg= [ernst]. Mutter! Es handelt sich um meine ganze Zukunft, -um mein Glück! Als ich vor mehr als zwei Jahren der Heimat den Rücken -kehrte, so geschah es, wie du dich erinnern wirst in zweiter Linie um mein -Wissen zu vergrößern, Abenteuer zu bestehen, neue Entdeckungen zu machen --- Ich wagte mein Leben in unerforschten, unwirtlichen Gegenden -- - -=Hasselstein= [erregt]. Welche Sorge habe ich um dich, liebster Hans -ausgestanden, wieviel Tränen -- - -=Hans Georg= [ernst]. Ich weiß es, Mama! Ich habe oft gewünscht, daß -ich dir alle diese Leiden und Sorgen hätte ersparen können, aber eine -Trennung war notwendig -- [leiser] -- für uns beide. Ich zog aus um -neue Horizonte zu finden und dadurch auch neue, reinere, nachsichtigere -Anschauungen zu gewinnen, um dir, liebes Mutterl, Zeit zu geben die Liebe -zu deinem Sohne auf die Probe zu stellen, um dich in den Stand zu setzen -dich allmählich von der Wahrheit meiner Worte mit bezug auf eine mir teure -Person zu überzeugen und um einst heimkehren zu können in ein Heim, von -denen die Schatten engherziger Beurteilung gewichen, -- gewichen, auf daß -Nachsicht, Liebe und Vertrauen dort ihren Einzug halten. Auch ich habe -sowohl mein Herz als auch meine innerste Ueberzeugung zu prüfen Zeit -gehabt -- lange, ja lange sind die Stunden der düsteren Polarnacht und oft -lag ich überlegend, prüfend, erwägend im Schlafsack, wenn der süße, -traum- und sorgenlose Schlummer sich lange schon auf meine glücklicheren -Kameraden gesenkt hatte. Ich prüfte mich, Mutter, und weiß, daß -mein Entschluß unwiderruflich, daß Berta für meine Zukunft die beste -Gefährtin, zu meinem Lebensglücke unerläßlich ist. Wie vor zwei Jahren -bitte ich dich heute: Lass' mich sie, die mir schon seit Jahren teuer, -zu dir bringen -- finde statt eines Kindes =zwei=! [Weich.] Zwei die dich -lieben, zwei die für dich sorgen, zwei die alles aufbieten werden dir dein -Alter zu verschönen, deinen Lebensabend friedvoll und heiter zu gestalten! - -=Hasselstein= [erregt]. Ach, Hans Georg! Nach all meinen Bitten -- - -=Hans Georg= [ernst nähertretend]. Es handelt sich um mein =Glück=, -Mutter! - -=Hasselstein= [seufzend]. Du weißt, daß ich stets nur an dein Wohl, dein -Bestes denke! - -=Hans Georg= [weich]. Ich weiß es Mütterchen! Aber du darfst nicht -vergessen, daß die Zeiten sich ändern, daß die Anschauungen der heutigen -Jugend notwendigerweise von denen, die verwichen vor vierzig Jahren -geherrscht, verschieden sind. Wir gehen gottlob einer aufgeklärten Epoche -entgegen, einer milder denkenden, verständnisvolleren und daher auch einer -nachsichtigeren -- - -=Hasselstein= [heftig, sich aufrichtend]. Recht wird immer Recht, Unrecht -eben Unrecht bleiben, Hans Georg! Die heutige Jugend genießt größere -- -[sie seufzt und schweigt einen Augenblick] -- vielleicht allzu große -Freiheit, aber der Ruf eines Mädchens bleibt heute wie vor vierzig Jahren -ihr größter Schatz, der Prüfstein ihres Wertes! - -=Hans Georg= [bitter]. Selbst wenn sie den Verlust desselben einem -gewissenlosen Schurken und nicht eigener Schuld verdankt? - -=Hasselstein= [das Haupt schüttelnd]. So ein Fall ist ein großes Unglück -für das Mädchen -- aber -- in den Augen der Welt -- - -=Hans Georg= [mit wachsender Erregung]. Und woraus besteht diese »Welt«? -Aus einigen beschäftigungslosen Pensionisten, vielen alten Klatschweibern -und wenigen gedankenlosen Nachplapperern dieser beiden Kategorien -- -Menschen, von denen die erste Gattung das Füttern der Vögel im -Stadtparke und die zweite das Amfenstersitzen und Kartenspielen zur -Hauptbeschäftigung hat. Und über ihr Urteil kannst du dich deines -einzigen Sohnes willen, der nur wie durch ein Wunder überhaupt -zurückkehrte, nicht hinwegsetzen? - -=Hasselstein= [betrübt]. Mein Sohn! Die Welt besteht aus allen jenen -Menschen, mit denen wir zusammentreffen, in deren Mitte wir leben müssen. - -=Hans Georg= [die Brauen hochziehend]. Müssen? Man kann unliebsamen -Personen aus dem Wege gehen. - -=Hasselstein= [müde]. Einigen vielleicht -- doch nicht allen. Der Mensch -ist ein Gesellschaftstier und wir sind daher der öffentlichen Meinung -unterworfen. - -=Hans Georg= [erregt auf und abgehend]. Ist es also besser sich selbst -unglücklich zu machen als der sogenannten öffentlichen Meinung mutig die -Stirne zu bieten? - -=Hasselstein.= Törichtes Kind! Glaubst du, daß dein Glück von Dauer sein -würde, so du der Achtung deiner Mitmenschen beraubt wärest? - -=Hans Georg= [wirft stolz das Haupt zurück]. Vorurteile muß man eben -bekämpfen -- der Anfang mag schwer, der Erfolg ein langsamer sein, aber -endlich muß der Sieg errungen werden! - -=Hasselstein= [ernst]. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer -- ein -Fall verändert noch nicht lange die traditionell gewordenen Gesetze von -Jahrhunderten, die in Fleisch und Blut des Volkes übergegangen -sind. [weich und bittend.] Ach, Hans Georg, lasse dich hier als -Gymnasialprofessor nieder, wähle dir ein Mädchen aus gutem Hause und von -tadellosem Rufe -- - -=Hans Georg= [bitter]. -- und führe ein Spießbürgerleben anseiten einer -ungeliebten aber in den Augen der guten Kringhäusler hochachtbaren Frau -- -danke! - -=Hasselstein= [weich]. Mein Jungchen! [Nach einer kurzen Pause.] Sag' mir, -du mein Leben, mein Stolz, meine Freude, daß du auf deine alte Mutter -hören willst, daß du nicht ernstlich daran denkst diese -- diese Berta -Heller -- zu heiraten. Beim Andenken deines verstorbenen Vaters beschwöre -ich dich -- - -=Hans Georg= [sinkt vor seiner Mutter in die Knie, stützt sich auf -ihren Schoß und blickt zärtlich in ihr Antlitz]. Lassen wir Vater -- er -genießt die Ruhe, um die ich ihn oft beneidet habe! [weich und bittend]. -Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen den Kringhäuslern um -meinetwegen zu trotzen? Hast du, während ich begraben unter Eis und -Schnee, fern -- -- ach, so fern von dir -- ein gefahrvolles Leben führte, -stets bereit vom Schauplatze irdischer und meist leider so nichtiger -Kämpfe zu anderen Sphären berufen zu werden, hast du da nie gedacht, wie -es sein würde, wenn ich nie wiederkäme, wenn ein Mitglied der Expedition -dir statt des gesunden Sohnes die Nachricht seines frühen Todes zugeführt -hätte, wenn du deinen Lebensabend einsam hier verleben müßtest, -- -ohne daß die Stimmen froher Enkel in diesen Mauern widerhallen würden --- einzig von den Verwandten, einzig von den geschwätzigen Tarockdamen -besucht. Hast du nie dir vorgestellt -- - -=Hasselstein= [sich die Tränen abtrocknend]. Oh mein Junge, mein geliebter -Hans Georg! Wie oft lag ich stundenlang betend vor meinem Lager, wie oft -saß ich weinend gerade hier, wenn die Einsamkeit mich allzu unerträglich -deuchte, die Sorge um dich, du mein höchster Schatz, mein Herz -zusammenkrampfte. Ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden, wenn [Mutter -und Sohn halten sich lange umschlungen]. - -=Hans Georg= [sie liebkosend]. Hast du dir nie vorgestellt, -Herzensmütterchen, wie schön unser Zusammenleben sein würde, wenn -Berta -- wenn ich und sie dir immer nahe wären und alle deine Wünsche -ausführen könnten -- Wünsche, die nur ein Sohn, eine liebende Tochter -erfüllen können. Dachtest du nie, wie süß die Enkelchen -- ihre und -meine Kinder -- - -=Hasselstein= [leidenschaftlich]. Deine Kinder -- doch nicht sie ins Haus --- nicht sie zu deiner Frau -- Oh, Hans Georg! - -=Hans Georg= [müde]. Warum nicht? Weil ein Schurke ohnegleichen es gewagt -hatte die kaum sechzehnjährige liebliche Menschenblüte mit Gewalt -zu brechen? Sie die sowohl vor wie auch nachher ein tadelloses, -mustergültiges Leben führte, sie, die außer ihrer Schönheit ein edles -Gemüt, ein warmes Herz, einen regen Geist und künstlerische Anlagen -besitzt und die dem kranken Bruder ihr Erbteil abgetreten, ihren Vater -jahrelang aufopfernd gepflegt hat, sie, an deren Seite einzig ich mein -Glück finden kann? Vor zwei Jahren konnte ich noch zweifeln -- heute nicht -mehr. Oft, wenn die Bitterkeit dieses schwache Herz erfüllte und es -zu sprengen drohte, da stieg inmitten der Schneewüste das Bild Bertas -tröstend vor mir auf und die Wellen des Abscheus gegen alle engherzigen -Seelen daheim sanken in nichts zusammen, -- wenn ich mich freute mir einen -Namen errungen zu haben, so war es, weil er ihr Schutz gewähren sollte -gegen alle -- -- - -=Hasselstein= [ihn abwehrend unterbrechend]. Sie wird deinen reinen -geachteten Namen in den Schmutz ziehen -- das weiße Tuch wird schwarz, -wenn es mit Ruß in Berührung kommt, nicht der schwarze Ruß weiß vom -Tuche. [Vorwurfsvoll.] Du denkst immer zuerst an sie -- erst hierauf an -deine Mutter. - -=Hans Georg= [ihre Hände ergreifend]. An wen könnte ich mehr denken als -an meine Mutter, aber siehst du, Berta ist bereit mir alles zu opfern, mit -mir bis an das Ende der Welt zu ziehen, falls wir das Heim, das erhoffte -Glück nicht bei dir, nicht in der Heimat finden können. Sie will gerne -das schwere Leben eines Forschers in fremden Erdstrichen mit mir teilen, -sie opfert mir willig Heimat, die Annehmlichkeiten der civilisierten -Länder mit ihren Vergnügungen, ihren reichen Abwechselungen -- und du, -ach, du willst deinem Sohn nicht einmal die Kringhäusler und ihre nichtige -Meinung aufopfern! - -=Hasselstein= [besorgt]. Du sprichst von neuen Forschungsfahrten -- wärest -du imstande mich wieder zu verlassen, mich neuem Kummer, neuen Sorgen -auszusetzen? - -=Hans Georg= [weich]. Wie gerne, wie innig gerne verbliebe ich bei dir, -doch du selbst schickst mich wieder hinaus in die weite Welt. Auch Berta, -liebste Mutter, auch ich, wir beide haben gleich dir Anspruch auf Freude, -auf Glück, auf eine sonnige Zukunft. Wäre mein Lieb' ein schlechter -Charakter, ein leichtsinniges Mädchen, so würde ich nie ein solches -Opfer, eine Ueberwindung von dir begehren -- aber einem Vorurteil allein -kann ich nicht das Glück und die Zukunft eines ganzen Daseins opfern. -[Weich.] Zieh' mit uns, Mutter verlasse Kringhausen und in einem fremden -Orte -- unsere Heimat ist groß -- wollen wir ein neues Heim uns gründen. - -=Hasselstein= [müde]. Gerüchte erreichen auch entfernte Orte. - -=Hans Georg= [ihre Hände mutlos fallen lassend]. Du liebst die -Kringhäusler mehr als deinen Sohn! [Nach düstern Schweigen leise.] Es -sei, Mutter, wie schwer mir der Abschied auch wird, wie hart der Schlag, -der meine schönsten Hoffnungen vernichtet, mich auch getroffen. [Fester, -lauter.] Noch gibt es Völker, wo mein Name, meine Persönlichkeit -allein genügen werden, dem Weibe, das ich liebe, das ich zu meiner -Lebensgefährtin erwählt habe, Achtung zu verschaffen. [Er entfernt sich -mit gesenktem Haupte etwas von Fr. H.] - -=Hasselstein= [nach einer peinlichen Pause]. Hans Georg! - -=Hans Georg= [sich müde umwendend]. Mutter! - -=Hasselstein= [die Hände nach ihm ausstreckend]. Komm' zu mir, mein -Kind! [Er sinkt langsam wieder vor der Mutter in die Knie und hält sie -umschlungen.] Kannst du nur mit Berta glücklich werden? - -=Hans Georg= [ernst]. Ja, Mütterchen, mit ihr allein! - -=Hasselstein= [weich und mit tränenerstickender Stimme indem sie ihn an -sich zieht]. Mein Liebling, ich kann eine neue Trennung nicht ertragen, -ich kann dich nicht wieder in die Fremde ziehen lassen -- ich muß daher -wohl -- [sie küßt ihn]. - -=Hans Georg= [jubelnd]. Mama! O du mein süßes, o du mein geliebtes -Mutterl -- - - -4. Auftritt. - - [Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll und die ganze - Verwandtschaft stürmt herein. Herr und Frau Pottenmiller, Herr und - Frau Brunnick, Herr und Frau Knute, Ladislaja und Hermine Schrift und - alle rufen allerlei durcheinander. Große Begrüßung. Alle nehmen - endlich Platz und verhältnismäßige Ruhe tritt ein.] - -=Frau Regierungsrat Pottenmiller= [Hans Georg vom Scheitel bis zur Zehe -durch ein Lorgnon musternd]. So, so, da wäre also unser Südpolfahrer. -Endlich einmal treffen wir dich daheim -- bist sonst immer vergriffen. - -=Regierungsrat Pottenmiller.= Willkommen daheim, lieber Neffe. Wie hat es -dir am Südpol gefallen? - -=Frau Direktor Knute.= Wer hat euch das Essen gekocht? - -=Hans Georg= [lächelnd]. Wir wechselten ab -- jede Woche kam die Reihe an -jemand anderen. - -=Frau Knute= [mit Verachtung in Ton und Geberden]. Kein Wunder, daß du so -mager bist! Was verstehen die Männer von der Speisezubereitung?! - -=Ada Brunnick= [sich zurücklehnend, mit scharfer kreischender Stimme]. -Sag' einmal, was hast du für Pläne? Das darf man wohl erfahren, vermute -ich. Wohlgemeinte Ratschläge wirst du natürlich wie immer ablehnen. [Sie -zuckt mit den Achseln.] - -=Frau Knute= [in befehlendem Tone]. Jetzt wirst du natürlich nicht albern -genug sein die Stelle am hiesigen Gymnasium wieder abzulehnen. Man nennt -deinen Namen gerade jetzt häufig in den Blättern und mir wurde privatim -gesagt, daß du, mit einiger Protektion sogar an der Universität unserer -Kreishauptstadt -- - -=Ladislaja= [schlägt die Hände zusammen, mit dünner Fistelstimme]. Nein, -stellt euch vor, unser kleiner Hansi Universitätsprofessor! - -=Frau Hasselstein.= Das ist auch mein höchster Wunsch -- am liebsten als -Gymnasialprofessor hier, das ist eben eine sichere Versorgung mit späterer -Pension -- - -=Hans Georg= [mit Sarkasmus]. Die langsame Verwandlung eines denkenden -Menschen in eine wandelnde Maschine ist selbstverständlich ganz belanglos. - -=Ada Brunnick= [heftig, mit unruhig blitzenden Augen]. Was habe ich soeben -gesagt? Ihm einen Vorschlag zu machen bedeutet so viel wie denselben -augenblicklich verworfen zu sehen. Er dünkt sich stets der Klügste. -[Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine Forschungsreise. - -=Hans Georg= [kalt]. Mein Bleiben oder mein Reisen hängt von Umständen -ab. - -=Ladislaja= [salbungsvoll]. Bleibe im Lande und nähre dich redlich! - -=Hermine= [im gleichen Ton]. Ja, Hans Georg, so haben es unsere Väter -gehalten und so ihre Väter vor ihnen und -- - -=Hans Georg= [verächtlich]. Ja, ja, bis zurück auf Adam und Eva. - -=Ada Brunnick= [kreischend]. Ganz wie ich voraussetzte! - - -5. Auftritt. - - [Ein Stubenmädchen öffnet die Tür und läßt Roden und Norry - eintreten.] - -=Norry= [indem er Frau Hasselstein begrüßt]. Ich gratuliere Ihnen, -gnädige Frau, zu Ihrem Sohne. Ein ausdauernder Forscher und ein -liebenswürdiger Kamerad! - -=Roden= [Fr. Hasselstein begrüßend]. Gnädige Frau haben alle Ursache -stolz auf ihn zu sein. Die Wissenschaft verdankt ihm wichtige Aufschlüsse -über die antarktische Tier- und Pflanzenwelt, ganz besonders aber über -die Lebens- und Fortpflanzungsweise mehrerer bisher noch ganz unbekannt -gewesener Infusorien. Er hat eine glänzende Zukunft vor sich. - -=Hasselstein= [lächelnd]. Ja, ich bin wirklich stolz auf meinen Jungen und -so froh ihn wieder bei mir zu haben. - -=Frau Pottenmiller= [zu Norry, nachdem alle wieder Platz genommen]. Helfen -Sie uns, Herr Doktor, ihm den Kopf zurechtzusetzen. - -=Ada Brunnick= [zu Roden]. Wir sind eben im Begriff über seine Zukunft -zu entscheiden -- wir wollen daß er endlich eine vernünftige Laufbahn -einschlägt -- sich hier niederläßt. - -=Frau Knute= [heftig zu beiden Herren]. Denken Sie sich, man hat ihm eine -Stelle am hiesigen k. u. k. Staatsgymnasium angeboten -- eine Versorgung -mit Pension -- und er sagt -- der unmögliche Mensch sagt, daß er noch -nicht weiß, ob er das Angebot auch annehmen wird. - -=Die Herren Pottenmiller und Knute= [sagen gehorsam nach]. Er weiß noch -nicht, ob er sie annehmen wird. - -=Frau Knute= [mit einen Blick gegen den Himmel]. Wenn er doch endlich -vernünftig sein wollte! - -=Die beiden alten Herren= [auf aufmunternde Blicke ihrer Ehehälften hin]. --- vernünftig sein wollte! - -=Roden= [sich erhebend]. Da bitten wir um Entschuldigung gestört zu haben. -Ein Familienkonklave wollen wir um keinen Preis unterbrechen. - -=Frau Knute und Pottenmiller.= Im Gegenteil, Sie müssen bleiben und uns -helfen. [Sie drücken ihn mit Gewalt in den Stuhl zurück.] - -=Ada= [indem sie Norry festhält, der gleichfalls aufgestanden]. Auf Ihre -Worte wird er eher hören -- Fremden gehorcht er immer lieber als uns, -seinen allernächsten Verwandten! - -=Die drei Herren= [auf ein Zeichen ihrer Gemahlinnen]. -- seinen nächsten -Verwandten! - -=Roden= [sich vergeblich zu befreien suchend]. Wir kamen nur um Professor -Hasselstein zu fragen, ob er bereit sein würde sich der in schon drei -Wochen abgehenden Forschungsexpedition nach Mikrosenien anzuschließen. - -=Norry.= Unser Herr Kollege war nicht ganz sicher, ob er in Kringhausen -verbleiben würde oder nicht. Nun ist es aber notwendig, daß alle -Teilnehmer spätestens heute ihren Entschluß mitteilen und die Liste -der Teilnehmer unterzeichnen. Sonst hätten wir die Herrschaften nicht -gestört. - -=Alle Damen= [die Hände ringend]. Er will schon wieder auf Abenteuer -ausfliegen! - -=Ladislaja= [vorwurfsvoll]. So etwas! Ein solch' greller Undank, -nachdem ich mich für ihn bemüht habe und mir der hiesige Regimentsarzt -versprochen hat Hans Georg zweimal die Woche als Privatlehrer ins Haus -kommen zu lassen. [Zu Norry.] Ein junger Mann verdient ja nie zu viel. - -=Roden= [leise und erbittert zu Norry]. Himmel welche Menschen! Sie würden -einen Michelangelo zum Zaunstreichen verwenden. - -=Hermine= [die Daumen drehend]. Eine gesicherte Stellung ist eine -gesicherte Stellung. An den Südpol fahren und ähnliche Dummheiten -machen, das mag in jungen Jahren ganz entschuldigbar, wenn auch ganz ohne -praktischen Wert sein, aber im Alter sehnt man sich nach Ordnung, nach -einem Heim, nach Ruhe -- - -=Alle drei Herren= [mit tiefen Seufzern]. -- nach Ruhe, nach Frieden! - -=Frau Knute.= Und nach einer braven, häuslichen Frau. - -=Die drei Herren= [leiser, noch seufzend]. Nach einer braven -- nach einer -stillen Frau! - -=Hermine= [einen Strickstrumpf herausziehend und die Nadeln zurechtlegend]. -Bäckers Linchen ist zum Beispiel ein sehr wohl erzogenes, fleißiges und -ehrbares junges Mädchen -- - -=Hans Georg= [trocken]. Von dreißig Jahren mindestens! - -=Ada Brunnick= [mit blitzenden Augen und allen Anzeigen höchster -Entrüstung]. Eine Bäckerstochter in unserer Familie! [Mit gespieltem -Mitleid.] Tante Hermine wird altersschwach! - -=Frau Knute.= Oder Doktors Röschen? Niemand in ganz Kringhausen kann eine -bessere Fleischsulz zubereiten als -- - -=Hans Georg= [trocken]. Verstand oder Gemüt braucht meine künftige Frau -Eurer Ansicht nach nicht zu haben. Ich kann statt dessen ja jede Woche -einmal eine vorzügliche Fleischsulz essen. - -=Herr Brunnick= [seufzend]. Bester Hans Georg, eine geistreiche Frau -ist -- [er verbessert sich schnell] -- kann zur Geißel werden! - -=Roden= [leise zu Norry]. Der arme Tropf spricht sicher aus Ueberzeugung. - -=Norry= [leise zu Roden, während die Damen unter sich lebhaft -gestikulierend plaudern]. Die Männer sehen allesamt nicht aus, als ob -sie das Pulver erfunden hätten -- die Frauen haben mehr Grütze, aber -Zungen -- - -=Roden= [im selben Ton]. Quantitativ genommen sehen die Männer nicht übel -aus -- - -=Norry= [leise lachend]. Die größten Orangen haben die allerdickste -Schale -- - -=Ada= [befehlend zu den beiden Forschern]. So reden Sie doch mit! Hans -Georg hört nicht auf unsere wohlerwogenen -- - -=Frau Knute= [sich aufrichtend]. -- und weisen Ratschläge -- - -=Roden= [sarkastisch lächelnd]. Professor Hasselstein ist zweifelsohne -imstande das für ihn Beste richtig zu wählen. - -=Alle Damen= [mit Ueberzeugung und viel Geschrei]. O glauben Sie das -nicht!!! - -=Ada Brunnick= [verächtlich]. Hans Georg hat noch keine Lebenserfahrung! - -=Frau Pottenmiller.= Er kennt die Fallstricke des Daseins noch nicht. Mein -Mann zum Beispiel wäre ohne mich -- [sie bemerkt plötzlich, daß er ganz -ruhig eingeschlafen und schüttelt ihn nun kräftig]. - -=Regierungsrat Pottenmiller= [fährt jäh aus dem angenehmen Schläfchen -empor]. Aaah -- was -- was -- schon Zeit zum Aufstehen! Gleich, gleich, -beste Frederike -- wo sind meine Socken? [Er ist jetzt ganz wach geworden.] - -=Ada= [verächtlich auf den Vater blickend, zu Roden]. Ja, ja, der Papa! -Wenn er uns nicht hätte! - -=Norry= [leise zu Roden von der andern Seite]. Ich glaube, daß er da viel -glücklicher wäre. - -=Ada= [ruft zu Norry, den sie etwas murmeln hört]. Pardon! Sagten Herr -Doktor mir etwas? - -=Norry= [lächelnd]. Ich wollte nur fragen ob die Tatsache, daß -Professor Hasselstein den Gefahren und Beschwerden einer langen -Südpolforschungsreise getrotzt hat, als Erfahrung so gar nicht ins Gewicht -fällt. - -=Ada Brunnick= [verächtlich mit ihrer kreischenden Stimme]. Bester Herr -Doktor, welche Frage! »Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein -Charakter in dem Strom der Welt«, so sagt ja unser großer Denker! - -=Alle drei Damen.= So sagt er! - -=Frau Pottenmiller= [stolz]. Ach, unsere Aderl, die weiß alles! - -=Roden= [lächelnd]. Ich verstehe vollkommen, man muß eben den Strom in -Kringhausen mitgemacht haben. - -=Norry= [leise]. V--t viele Wirbel und Strudel darin! - -=Roden= [im gleichen Ton]. Und statt Seejungfrauen gibt es Seeelefanten -- -[laut] Hasselstein, welchen Entschluß haben Sie gefaßt! Wollen Sie dem -schönen Kringhausen treulos den Rücken kehren oder -- - -=Ada= [entrüstet]. Er wird doch nicht wieder -- Der Mensch hat so gar -keine Charakterfestigkeit! - -=Frau Knute= [das Haupt schüttelnd]. Statt Haus und Heim zu gründen -- - -=Frau Pottenmiller.= Wirst du das sichere Brot fahren lassen? - -=Die drei Herren= [auf einen ermahnenden Puff von Frau Knute im Chor]. Das -Brot fahren lassen! - -=Hermine= [streng]. Die Möglichkeit, dir eine Position zu schaffen -- -endlich ein solides Leben zu führen -- - -=Hans Georg= [lachend]. Ich erinnere mich nicht am Südpol, in der -Antarktis überhaupt, unsolid gelebt zu haben. [Roden und Norry lachen -mit.] - -=Frau Pottenmiller= [wirft dem Kleeblatt einen vernichtenden Blick zu]. In -meiner Jugend -- man hielt damals noch auf guten Ton -- hätte ein junger -Mann es nicht gewagt bei einer verdienten Zurechtweisung zu lachen und eine -so -- so -- - -=Herr Pottenmiller= [aufhelfend]. -- so schnauzige Antwort -- - -=Ada Brunnick= [ihm einen vernichtenden Blick zuwerfend]. Papa! -[Pottenmiller sinkt ganz und gar in sich zusammen und schweigt.] Gewiß -hat sich der Papa im »weißen Hirschen« eine so vulgäre Ausdrucksweise -angewöhnt. - -=Ladislaja= [lächelt dummvergnügt vor sich hin]. Otto wird bald nicht -mehr zimmerrein sein. [Hans Georg und die beiden Forscher lachen, die Damen -sind entsetzt.] - -=Alle Damen.= Ladislaja! Ladislajaaaaaaaaaa!!!!! - -=Ada= [leise zu Roden]. Die Tante leidet sicher an Gehirnerweichung. - -=Frau Knute= [in gebietendem Tone]. Hans Georg! - -=Hans Georg= [gelassen]. Du befiehlst, Tante? - -=Frau Knute= [kategorisch]. Ich habe schon eine Frau für dich bestimmt. -Von deiner Abreise ist natürlich keine Rede, sondern du heiratest, läßt -dich hier nieder und zur Belohnung für deinen Gehorsam verspreche ich dir, -daß ich deiner Frau mit Rat und Tat selbst an die Hand gehen werde. So ein -junges Ding bedarf der Anleitung. Von mir unterstützt aber -- - -=Hans Georg= [sich verbeugend]. Du bist außerordentlich liebenswürdig, -liebe Tante, indessen -- ist meine Wahl schon getroffen. - -=Alle.= Schoooon getroffen!!!! - -=Frau Pottenmiller.= Und davon schwiegst du? - -=Frau Knute.= Und du machtest uns ein Geheimnis daraus? - -=Hans Georg= [ruhig]. Nein, ich bin noch nicht zu Wort gekommen. - -=Frau Knute.= Lieber Neffe, in solchen delikaten Angelegenheiten ist es -immer am besten sich zuerst bei seinen weiblichen Anverwandten -- [mit -einem Blick auf die drei Herren] -- die männlichen taugen nichts, -- Rat -zu holen. - -=Frau Pottenmiller= [ernst]. Glaube mir, lieber Neffe, eine Frau ist in -solchen Fällen weit besser imstande zu sagen, ob die Auserwählte auch -allen Ansprüchen gerecht zu werden verspricht, ob sie -- - -=Hans Georg= [dem endlich die Geduld reißt]. Zum Teufel auch! Soll ich -oder werdet Ihr mit ihr leben? - -=Ada Brunnick= [mit sichtbarer Befriedigung]. Sein ungezügeltes -Temperament gewinnt die Oberhand -- wie immer! - -=Roden= [leise zu Norry]. Jean Baptiste Rousseau hat recht, wenn er sagt: -»~Le pire venin est celui des serpents du genre feminin~«. - -=Frau Pottenmiller= [entrüstet]. Wo bleibt deine mütterliche Autorität, -Schwester? - -=Hasselstein= [scheu]. Hans Georg liebt sie -- [sie seufzt] -- er will -sie -- allerdings gegen meinen Willen, trotz meiner Bitten -- heiraten und -was soll -- was kann ich -- [etwas entschlossener, da sie auf ihn blickt] --- er liebt seine Braut und ich -- ich bin Mutter! [Sie bricht in Tränen -aus, Hans Georg ist aufgestanden, neigt sich über ihren Stuhl und küßt -sie. Er bleibt dort stehen.] - -=Frau Knute= [streng]. Dein Sohn hat leider nie zu gehorchen gelernt! - -=Ada= [mit gespieltem Mitleid]. Die gute Tante hat den Erziehungskarren -total verfahren. - -=Frau Pottenmiller= [stößt mühsam hervor]. Wer ist sie? - -=Ladislaja= [den Hals ausstreckend]. Ist sie reich? - -=Hermine.= -- und tugendhaft -- religiös, -- streng christlich erzogen? - -=Frau Knute.= Ist deine Braut häuslich? - -=Herr Pottenmiller= [schüchtern]. Ist sie hübsch? - -=Ada= [streng]. Papa! - -=Frau Pottenmiller= [in belehrendem Tone]. Darauf kommt es am -allerwenigsten an. Je weniger auffallend die Erscheinung um so -anspruchloser -- - -=Ada.= -- und biegsamer -- - -=Frau Knute.= -- und weniger zur Koketterie geneigt -- - -=Ladislaja.= -- und reineren Herzens -- - -=Hermine= [langsam und feierlich, Silbe für Silbe]. -- und passender für -die heilige Ehe ist so ein Mädchen! - -=Alle= [zu Frau Hasselstein]. Tante! Schwester! Sprich! - -=Frau Hasselstein= [gleitet unruhig auf dem Stuhle hin und her und sagt -endlich stotternd]. Die -- se -- ses -- Määä -- äd -- chen ist -- -ist -- - -=Alle= [gebietend]. Ist!!!!? Schwester!!!!!! Ist!!!! - -=Frau Hasselstein= [nach kurzer Ueberwindung, leise]. Es ist -- Berta -- -Berta Heller! - -=Ada Brunnick= [bissig]. Diese Verlorene -- diese -- diese -- - -=Frau Pottenmiller= [mit tugendhaftem Grauen in der Stimme, während die -anderen sprechende Blicke austauschen]. Eine arme jugendliche Verunglückte --- ein Paria! - -=Frau Knute= [rücksichtslos wie immer, laut]. Eine Dirne! - -=Hans Georg= [dessen Zorn jetzt den Höhepunkt erreicht hat, mit donnernder -Stimme indem er mitten unter sie tritt]. Nein! Schweigt! Ein junges -Mädchen besser als alle die fälschlich als so tugendhaft betrachteten -fraglichen Grazien Kringhausens, das das Unglück gehabt hat als -ahnungsloses Kind einem Elenden in die Hände zu fallen. Ihr wagt es, -meine Braut zu beschimpfen, sie deren Gedanken edler, reiner und -menschenfreundlicher sind als die vieler, die mir gut bekannt. [Er blickt -auf sie der Reihe nach.] Ihr wagt einer Unglücklichen etwas vorzuwerfen, -woran sie keine Schuld trägt! Pfui! [Er wendet sich ab und geht ruhelos im -Zimmer auf und nieder.] - -=Ada Brunnick= [erholt sich zuerst]. Und solchem Wahnsinn hältst du die -Stange, Tante? [Sie mißt sie kalt. Zu ihrem Vater] Papa, sprich! - -=Herr Pottenmiller= [sich aufraffend]. Wie -- soll ich mich im »weißen -Hirschen« zeigen können, wenn die Verlobung bekannt wird, Hans Georg? -Niemand wird von etwas anderem sprechen, man wird hundert Fragen an mich -stellen -- - -=Hans Georg= [bleibt einen Augenblick stehen]. So bleib' zu Hause, wenn du -dich fürchtest! [Er nimmt seine Wanderung wieder auf, Herr Pottenmiller -erneuert seinen Ueberredungsversuch nicht.] - -=Hermine= [weinerlich]. Und wie kann ich zu den Schneiderabenden des -katholischen Jungfrauenvereins gehen? Ich müßte zu sehr erröten, wenn -man Anspielungen -- an -- an machen würde. [Sie bedeckt das Gesicht mit -den Händen.] - -=Ladislaja= [mit ihrer dünnen Fistelstimme]. Ach, und wie könnte ich dem -jungen Prediger nur in die Augen schauen -- nein, nein, ich müßte vor -Scham in die Erde sinken -- vergehen -- Er, der mich und unsere Familie -den anderen Jungfrauen des Vereins als Muster hinstellt! Mit so einer -Verwandten -- so ein Skandal! -- - -=Roden= [leise zu Norry]. Vor zwanzig Jahren hat ihre Jungfräulichkeit -vielleicht noch einen Wert gehabt. - -=Norry= [im gleichen Ton]. Sagen wir ruhig: vor einem Vierteljahrhundert! - -=Frau Knute= [streng]. Mir ins Haus darfst du so eine -- [sie verstummt vor -H. G.'s Blick]. - -=Hans Georg= [kalt]. Fürchte dich nicht -- wir werden uns allein genügen! - -=Frau Pottenmiller.= Auf die Stelle am hiesigen Gymnasium darfst du in dem -Fall auch nicht rechnen, ebenso wenig wie auf die Protektion meines Mannes --- Wer die Jugend erziehen will muß vor allem selbst unerschütterliche -sittliche Grundsätze haben -- - -=Frau Hasselstein= [traurig]. Das haben die Damen der Tarockgesellschaft -auch gesagt. - -=Hans Georg= [verächtlich]. Alte Klatschbasen! Hast du also mit ihnen -über meine Zukunft Rat gepflogen? - -=Frau Hasselstein= [schüchtern]. Sie erzählten, daß die ganze Stadt -davon spricht, daß es deiner Zukunft schaden, dich gesellschaftlich zum -Paria -- - -=Hans Georg= [kalt]. In Kringhausen machen wird, nicht wahr? Die Welt -besteht Gott sei Dank nicht ausschließlich aus Kringhausen und -- -Kringhäuslern! - -=Frau Knute.= Gehe wohin du willst, du wirst überall einen schweren Stand -haben. Es gibt immer Menschen, die freundlich genug sind einen solchen -Fleck im Namen einer Frau an irgend eine gute Freundin zu schreiben, die -diese Neuigkeit hierauf die Runde im Städtchen machen läßt. - -=Hans Georg= [spöttisch]. Ich zweifle nicht daran. Hoffentlich wird mein -Name dennoch Kraft genug besitzen meine Frau zu schützen. - -=Frau Pottenmiller= [mit Nachdruck]. Keine Frau deiner Kollegen wird -mit dir in gesellschaftliche Verbindungen treten wollen, -- kurz, deine -Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande überhäuft, dein toter Vater -im Grabe -- - -=Hans Georg= [streng]. Laß die Toten in Frieden ruhen -- wir haben mit den -Lebendigen mehr als genug. - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Er würde sich im Grabe umwenden, wenn er -eine Ahnung hätte! [Alle sprechen durcheinander, Hans Georg geht erbittert -auf und ab.] - -=Roden= [zu Norry]. Der Arme dreht sich sicher nicht um, der muß totmüde -sein und verwendet die ersten hundert Jahre seiner Befreiung gewiß dazu, -das Ohrensausen loszuwerden. Lieber unter Krokodilen als zwei Tage unter -Kringhäuslern! - -=Frau Pottenmiller.= Hoffentlich wird dich die Rücksicht auf deine Mutter -bestimmen -- =wir= beanspruchen nichts -- diese verrückte Idee aufzugeben -und keinen derartigen Skandal heraufzubeschwören. Wir werden alles tun um -unsere unglückliche Schwester von der Torheit eines solchen Vorhabens zu -überzeugen. - -=Hans Georg= [bitter]. Ich zweifle nicht daran! [Weich zu seiner Mutter.] -Mama, die Herren warten und diesem peinlichen, höchst unerquicklichen -Auftritt muß ein Ende gemacht werden. Als uns die Verwandten unterbrachen, -hattest du mich eben unbeschreiblich glücklich gemacht. [Er ergreift ihre -Hand.] Bist du, Teure, noch der Meinung, daß wir zusammen ein Leben voll -Glück und Frieden führen könnten? Die Stürme, die nun aufgewühlt -worden sind, sie legen sich bald und auf sie folgen schöne, frohe, sonnige -Tage stiller Zufriedenheit, reinen Glücks. Darf ich deine Entscheidung -von vorhin als bindend ansehen, soll ich meinen geschätzten Kollegen -mitteilen, daß ich mit meiner Frau bei meiner Mutter bleiben oder -- - -=Alle= [auf sie einschreiend]. Tante! Schwester, um Himmelswillen laß -dich nicht zu solchem Wahnsinn hinreißen! Denke an deine gesellschaftliche -Stellung, was du dir und uns allen in der Hinsicht schuldest, denke an -die gerechte moralische Entrüstung der gesamten Einwohnerschaft von -Kringhausen -- - -=Hans Georg= [laut, mit Nachdruck]. Die Angelegenheit, die hier erörtert -wird, geht nur meine Mutter und mich selbst an! Darf ich daher um Schweigen -bitten! [Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl! Soll ich in deiner -Nähe bleiben oder wieder hinausziehen in die weite Welt? Zweimal komme ich -wohl kaum zurück! - -=Frau Knute.= Du brauchst ja nicht zu gehen! Es gibt genug andere Mädchen -in Kringhausen. - -=Hasselstein= [mit Würde]. Aber nur ein einziges Mädchen für mich --- meine Braut! [Die Hände seiner Mutter ergreifend und mit milder -Ueberredung.] Bedenke, du mein teures Mütterchen, daß es sich hier um -unser Glück und nicht um die Meinung anderer Leute handelt. Nach einigen -Monaten schon werden die Kringhäusler diese Ueberraschung verwunden haben -und alles, was ich tun kann soll geschehen um dir diese kurze Zeit so -leicht, so erträglich als möglich zu gestalten. Willst du, daß ich mit -Berta auf Reisen gehe und erst nach Ablauf von mehreren Monaten heimkehre? -Willst du, Teure, nicht mit uns kommen? Sag mir nur eins: -- Willst du -meine Braut willkommen heißen, willst du in unserer Mitte, bei ihr, bei -mir, in Zukunft verweilen? - -=Frau Hasselstein= [schwankend]. Wenn nur -- aber du kennst die Leute -- -die Tanten sind auch der Ansicht -- ganz wie meine anderen Bekannten -- die -Damen der Tarockpartie -- ach, es wird ein solches Gerede geben -- - -=Hans Georg= [ernst]. Ich frage nicht nach der Meinung der Verwandten -- -gleichgültig ist mir die Ansicht der Kringhäusler solange ich nur nicht -vor =mir selbst= erröten muß, -- ich frage dich, dich, meine innigst -geliebte Mutter, ob ich gehen soll, wieder hinausziehen in unbekannte -Gefahren, von dir scheiden um nie wiederzukehren -- ich frage =dich=, ob du -die Liebe zu mir oder die öffentliche Meinung wirst siegen lassen. Sprich, -Mutter! - -=Frau Hasselstein= [leidenschaftlich]. Ach, geh' nicht -- verlasse mich -nicht -- schon nähere ich mich dem Grabe -- bleib' bei mir, du, du mein -einziger Sohn! - -=Hans Georg= [einen Arm um ihre Schultern legend]. Bei wem würde ich wohl -lieber als bei dir verweilen, Mütterchen, doch nicht kann ich mein Wort -Berta gegenüber brechen, mein Lebensglück und das ihre eines Vorurteils -willen in den Staub treten. Ein solches Dasein hätte für mich jeden Wert -verloren, wäre ein Zeugnis meiner moralischen Schwäche, hinterließe -einen ewigen nagenden Vorwurf in meinem Innern, der das Beste in mir -langsam aber sicher zerstören würde. Wenn du mich liebst, Mutter -- - -=Frau Hasselstein= [weinend]. O Hansi, Hansi, ich kann dich nicht ziehen -lassen! Bleib' hier, selbst -- - -=Frau Knute= [scharf]. Schwester, ich beschwöre dich, bedenke -- - -=Frau Pottenmiller= [gleichfalls]. Was werden deine Bekannten dazu sagen? -Du bist gesellschaftlich zugrundegerichtet, kein Mensch -- - -=Ada= [kalt und hart]. Sei kein Schwächling, Tante, wenn er das Mädchen -dir vorzieht, so lasse ihn laufen. - -=Frau Knute.= Er wird schnell genug einsehen lernen, was eine Heirat mit so -einem Wesen bedeutet. - -=Alle drei Herren= [sich aufraffend]. Ja, er wird schon sehen, er wird -schon sehen! - -=Hans Georg= [sich ängstlich und zärtlich zugleich über seine Mutter -neigend, besorgt]. Wem stimmst du bei, Mama, den Tanten als Sprachrohr der -Kringhäusler oder mir, deinem einzigen Sohne? - -=Frau Hasselstein= [nach einigen Sekunden inneren Kampfes, unsicher]. Hans -Georg! [Schwer atmend und die Hände gegen das Herz gepreßt.] Siehst du, -die Tanten haben recht -- du wirst nie hier geachtet leben können und ich --- ich zittere wenn ich an alle Bemerkungen -- an all das Gerede denke. Wir -sind -- eine -- geachtete Familie -- und -- - -=Hans Georg= [läßt die Hand, die er auf der Schulter der Mutter liegen -gehabt, matt herabgleiten und entfernt sich etwas, sodann mit dumpfer -Stimme, die Mutter noch einmal bittend ansehend]. Da ist es wohl am besten -ich nehme das Anerbieten der Expedition an. Sind wir nur beide, Berta und -ich, von Kringhausen fort und erfährt man einmal, daß du selbst meine -Entfernung gewünscht, so vergeben dir sowohl die Verwandten als auch die -Kringhäusler großmütig einen so entarteten Sohn zu haben. [Leise und -traurig.] Möge nie der Tag kommen, an dem du fühlst, daß du es dir -selbst nicht vergibst mich fortgeschickt -- eines kleinlichen Vorurteils -halber fortgeschickt zu haben. [Er streckt müde die Hand nach dem -Schriftstück aus, daß ihm Roden, düster schweigend reicht.] - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Die öffentliche Meinung -- fern von hier, wo -man Berta nicht kennt -- wo niemand unsere Sprache spricht -- - -=Frau Knute= [scharf]. -- irgendwo unter den Wilden -- - -=Roden= [ernst]. Gnädige Frau, ich habe Wilde gekannt, die den -Kringhäuslern in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind! [Er läßt -seinen Blick kalt über sie hingleiten.] - -=Hans Georg= [reicht Norry das nun unterzeichnete Dokument]. Bitte! [Norry -steckt es ein, betrübt vor sich hinblickend.] Es ist am besten so -- für -uns alle! - -=Frau Knute= [Rodens Bemerkung beantwortend]. Die Herren der Schöpfung -- -ob nun wilden oder civilisierten Völkern angehörend, vergeben immer gerne -ein kleines Abweichen vom engen Pfad der Tugend. - -=Roden= [ernst]. Und dennoch gehört gerade das Vergeben zu den edelsten -Vorrechten der Frau -- - -=Frau Knute= [ihn heftig unterbrechend]. Nicht -- - -=Roden= [sich verbeugend und zurückweichend]. Ich verstehe, gnädige Frau! -Nicht unter den Kringhäuslern! - -=Hans Georg= [traurig zu seiner Mutter]. Die Würfel sind gefallen! - -=Frau Pottenmiller= [sie unter dem Arm nehmend und mit sich auf die Tür -zur Linken führend]. Du hast verständig gehandelt, Schwester, sehr -verständig. - -=Ada= [ihr folgend]. Laß' ihn nur erst draußen einsehen lernen, welche -Schätze er in der Heimat zurückgelassen, da wird er schon kürre werden. -Eine Scheidung -- - -=Frau Knute= [ebenfalls der Schwester nacheilend und sie mit Gewalt -fortziehend, als sie noch einmal auf den Sohn zurückblickt und zu zögern -scheint]. Du hast endlich, wenn auch spät, die gewünschte mütterliche -Autorität geltend werden lassen. Bravo! - -=Frau Hasselstein= [zweifelnd, unter Tränen]. Glaubt -- meint Ihr -- ach, -wenn er doch die Stelle am hiesigen Gymnasium angenommen und ein anderes -Mädchen -- - -=Frau Pottenmiller= [scharf]. Er hat das Gute, die vielen Vorteile des -Aufenthalts in einer wichtigen Stadt wie Kringhausen nie zu schätzen, zu -würdigen verstanden! - -=Ada= [hart]. Wein' nicht, Tante, sei stark! Klagen dienen niemand und -Tränen führen zu nichts. [Sie gehen links ab, alle die anderen mit -Ausnahme von Norry, Roden und Hasselstein folgen.] - - -6. Auftritt. - -=Hans Georg= [bitter, nach kurzem Schweigen, während Roden und Norry -Hut, Handschuhe und Stock aufraffen]. Wie schnell Hoffnungen scheitern, -Trugbilder in nichts zerrinnen. In der Antarktis hoffte ich, daß -die täglich wachsende Menge von Eindrücken und Erfahrungen, von -überstandenen Gefahren und damit gestärkter, zunehmender Kraft mir helfen -würden, den Sieg zu erringen, alle kleinlichen Vorurteile zu überkommen, -alles lächerliche Beurteilen reiner Aeußerlichkeiten zu verwerfen. Wie -schön deuchte mich, vom Abendrot der Erinnerung beleuchtet, da die Heimat, -wie unerschütterlich fest war da meine Ueberzeugung, daß die Liebe einer -Mutter größer als die Macht leeren Geredes. Und nun -- [er seufzt tief -auf und senkt das Haupt] -- trotz der Fülle neuer Eindrücke, ungeachtet -der erweiterten Horizonte, die sich mir erschlossen, muß ich im Kampfe -gegen verächtliches Spießbürgertum unterliegen; muß die zarte Frau mit -mir in die weite Welt hinaus führen, statt ihr hier bei meiner Mutter, -hier, wo ich geboren und jedes Ding Bedeutung für mich hat, ein Echo -meiner Kindheit, meiner Jugend ist, ein friedliches Heim gründen zu -können. Alles, alles ist umsonst gewesen! - -=Roden= [ernst]. Armer Freund, das ist, weil Sie eben einen großen Fehler -begangen haben! - -=Hans Georg= [sieht ihn verwundert an]. Einen Fehler? - -=Norry= [nickt plötzlich ebenfalls eifrig]. Einen ganz unverzeihlichen! - -=Hans Georg= [von dem einen auf den anderen blickend]. Und der wäre? - -=Roden= [mit Nachdruck, indem alle drei Herren langsam auf die Tür zur -Rechten zugehen]. Nicht Sie hätten auf Suche neuer Horizonte in die -Antarktis ziehen sollen -- sondern - -=Norry= [einfallend]. -- die Kringhäusler! - - [Der Vorhang fällt.] - - - - -3. Akt. - - - [Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt. Alle Verwandten sind in tiefer - Trauer. Die Damen der Tarockpartie sind gleichfalls anwesend und auch - dunkel gekleidet. Alle halten das Taschentuch vor die Augen, Frau - Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf.] - - -1. Auftritt. - -=Regierungsrat Pottenmiller= [steht inmitten der Szene und liest, als -sich der Vorhang hebt, mit monotoner Stimme aus einer Zeitung vor]. -- der -einstige Teilnehmer an der Südpolexpedition, Professor Doktor Hans -Georg Hasselstein, der auch in Mikrosenien seine ausdauernden Studien und -Forschungen fortgesetzt, häufige höchst wertvolle Mitteilungen über die -Flora und Fauna heimgeschickt und besonders interessante Aufschlüsse -über die Lebensweise der Skolopandren und anderer Insekten dieser Zonen -eingesendet, wie auch die Gewohnheiten des gefährlichen und von Matrosen -und Fischern dort sehr gefürchteten Octopus, eines zeitweilig selbst -im Mittelmeere in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen mit großer -Ausdauer erforscht und beschrieben hat. Sein letzter Ausflug -- [alle -schluchzen laut und trocknen sich die Augen] -- wurde ebenfalls in der -Absicht unternommen dieses Seeungeheuer auf einer der naheliegenden Inseln -genauer zu studieren und die Fangmethode desselben besser zu prüfen als -ihm dies bisher möglich gewesen, doch blieb der von einem unverläßlichen -Eingeborenen gelenkte Kahn auf einem Korallenriff sitzen und während es -dem Wilden gelang sich, wenn auch nur mit großen Schwierigkeiten und mit -knapper Not zu retten, wurde der unglückliche Gelehrte von der starken -Brandung ergriffen, einigemale gegen die spitzigen Riffe geschleudert -und dann in die grausige Tiefe des Stillen Ozeans hinabgezogen. Man -befürchtet, daß er von den um diese Inseln äußerst zahlreichen -Haifischen angegriffen worden sei. Jede Suche nach der Leiche ist auch -erfolglos geblieben. -- Der frühe Tod des berühmten Naturforschers und -unermüdlichen Gelehrten hat nicht nur in seiner eigenen Heimat das tiefste -und aufrichtigste Bedauern erweckt -- [alle schluchzen wieder laut] --- sondern wird von der gebildeten Menschheit der ganzen Welt auf das -lebhafteste beklagt. Alle Teilnehmer der Forschungsexpedition betrauern in -Professor Doktor Hasselstein einen allzeit liebenswürdigen, hilfsbereiten, -schaffensfreudigen und tapferen Kollegen, der nicht nur klaglos sondern -immer mit heiterer Miene die geradezu unbeschreiblichen Strapazen -seines anstrengenden Berufes ertrug. Ein einfaches Kreuz am Strande der -Ailukinsel, nicht weit von der Unglücksstätte trägt außer dem Namen -und den Geburts- und Sterbedaten auch den kurzen Vers: »Durch Todesnacht -bricht ew'ges Morgenrot«. -- Frau Professor Hasselstein, die treulich alle -Gefahren und Entbehrungen ihres Gatten geteilt und sich die Bewunderung -aller Teilnehmer der Expedition errungen, kehrt schmerzgebeugt mit dem kaum -drei Monate alten Söhnchen zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer -»Ozeanien« in die deutsche Heimat zurück. Ob Frau Professor Hasselstein -dort zu bleiben gedenkt, ist unbekannt. [Er legt die Zeitung langsam -zusammen und setzt sich.] - -=Frau Hasselstein= [schluchzend]. Mein Kind! Mein einziges Kind! Er starb -in fremden Zonen -- [leise und die Hände ringend --] durch meine Schuld! -[Sie weint bitterlich.] - -=Krickenfeld= [ihre Hand auf den Arm Fr. Hasselsteins legend und sich -eifrig die Augen wischend]. Beste Frau Oberst, wir alle teilen ihren -Kummer, denn wir alle haben ihn wie einen Sohn geliebt! - -=Zungrapp= [sich auch die Augen trocknend]. Ach, du liebe Zeit! So ein -staatlicher, so ein guter [sie schluchzt]. - -=Holzheim.= So ein edles Herz -- so ein gu -- gu gu -- [sie schluchzt laut -auf]. - -=Krickenfeld.= Wenn nur dieses Mädchen nicht gewesen -- - -=Zungrapp.= Sccchhhttt! Sie war die Frau des berühmten Gelehrten. -- - -=Frau Pottenmiller= [beschwichtigend]. So, so, nur ruhig, du darfst dich -nicht so aufregen, liebe Schwester. Hans Georg ist jetzt im Himmel, wo wir -ihn alle einmal treffen werden. - -=Frau Hasselstein= [bitterlich weinend]. Wenn ich nur schon recht bald -zu ihm käme. [Unter Schluchzen.] Warum ach, warum ließ ich ihn von -mir gehen? [Alle versuchen sie zu trösten, allgemeine Bewegung, große -Beileidsbezeugungen, betäubendes Stimmengewirr. Endlich tritt wieder Ruhe -ein.] - -=Frau Knute.= Es muß dir doch ein großer Trost sein, teure Schwester, -daß seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, dir in eigener -Handschrift ein Beileidsschreiben schickte. =Ganz= Kringhausen spricht -davon! - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Mein Sohn, mein Sohn! Im besten Mannesalter, -fern von der Heimat, fern von ihr, die ihn geboren, auf so entsetzliche -Art -- [sie schaudert] -- sterben zu müssen! [Sie ergreift das Kuvert, -das das kaiserliche Beileidsschreiben enthält und langsam versiegen ihre -Tränen.] Ja, es war der einzige Lichtpunkt in dem großen Unglück, das -mich getroffen. [Sie zeigt auf ein riesigen Haufen Briefe, der den ganzen -großen Tisch bedeckt.] Und so viele mir vollständig unbekannte Personen -haben mir so lieb geschrieben. Ich bin stolz und in meinem Kummer -glücklich einen solchen Sohn gehabt zu haben. - -=Frau Pottenmiller= [wichtig]. Alle Zeitungen schreiben spaltenlange -Artikel über ihn und sein Name steht fettgedruckt schon auf der ersten -Seite. [Zu den Damen der Tarockpartie.] Mit allen Fasern meines Herzens -bin ich an meinem Schwesterkind gehangen und habe nie verfehlt ihm weise -Ratschläge zu geben. - -=Ada= [spitz]. Die er regelmäßig verworfen hat! - -=Krickenfeld= [den Brief mit Ehrfurcht aufhebend]. So eine Auszeichnung und -all die schönen Reden sind wohl ein großer Trost für unsere liebe Frau -Oberst! Ganz Kringhausen fühlt sich geehrt! [zu Frau Hasselstein, die -wieder laut weint]. Nur ruhig, beste Freundin, ich hatte zwölf Kinder und -mußte neun begraben. - -=Frau Zungrapp= [entschieden zu den Verwandten]. Wir werden uns der Armen -schon annehmen, so ein kleines Spielchen -- - -=Holzheim= [lebhaft]. Natürlich! Natürlich! - -=Krickenfeld= [mit Ueberzeugung]. Das übt einen wohltätigen beruhigenden -Einfluß auf die Nerven aus -- - -=Zungrapp= [fest]. Eine kleine Zerstreuung ist notwendig -- - -=Ada.= Es läßt sich an dem Vorgefallenen nichts ändern -- - -=Frau Hasselstein= [schluchzend]. Wie -- wie kö -- könnte ich -- in -meinem großen Schmerz -- an -- an -- einer Tarockpartie teilnehmen -- - -=Alle Damen.= Eine Ablenkung tut not -- ist wie eine heilsame Medizin -- - -=Ladislaja= [mit salbungsvollem Tone]. Man muß sich in den Willen des -Höchsten mit Demut fügen. - -=Hermine= [lebhaft]. Der neue Prediger wird vier Messen für seine Ruhe -lesen und alle Jungfrauen unseres Vereins werden für sein Seelenheil -beten. - -=Frau Knute= [aufspringend]. Schwester, hast du den neuen Trauerhut schon -aufprobiert? - -=Frau Hasselstein= [müde]. Ja, -- er muß geändert werden. - -=Frau Knute= [indem sie auf den Lehnstuhl zur Linken zugeht auf dem -eine Hutschachtel steht und den Hut samt langen Schleier herauszieht -und betrachtet. Alle Damen folgen ihr mit den Blicken.] Als Mutter eines -solchen Sohnes muß dein Hut tadellos sitzen! - - -2. Auftritt. - - [Ein Stubenmädchen öffnet geräuschvoll die Tür und läßt Roden und - Norry eintreten, die auf Fr. Hasselstein zugehen und ihr schweigend die - Hand küssen, während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.] - -=Roden= [indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch vor Fr. Hasselstein -legt]. Einige Kleinigkeiten als Andenken -- ein Jagdmesser, sein letztes -Notizbuch, einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring -- die Uhr -verbleibt dem Sohne. - -=Frau Hasselstein= [mit zitternder Erwartung in der Stimme]. Wo ist!? [Sie -vollendet nicht.] - -=Roden= [mit unergründlicher Miene]. Der Sohn ist bei seiner Mutter! - -=Frau Hasselstein= [die Gegenstände mit zitternden Händen an sich -raffend]. Ich -- ich danke Ihnen meine Herren! [Sie macht eine bittende -Handbewegung und beide nehmen schweigend Platz.] - -=Frau Pottenmiller= [zu beiden Herren]. Sie sehen eine gramgebeugte Familie -vor sich! - -=Krickenfeld=, =Holzheim= und =Zungrapp=. Die Zierde von Kringhausen ist -nicht mehr! - -=Frau Knute= [sich die Augen wischend]. Unser hochbegabter Neffe fand ein -so frühes Ende! - -=Frau Hasselstein= [ihre Hand bittend auf Norrys Arm legend]. Erzählen Sie -mir -- von -- von -- meinem Sohne. - -=Norry= [mitleidig]. Hans Georg dachte immer voll Liebe an Sie, gnädige -Frau -- wir sprachen oft von Ihnen; hoffnungsfreudig in der Nacht -der Antarktis und mit warmer Hingebung unter den tropischen Bäumen -Mikroseniens. [Frau H. weint.] - -=Frau Knute= [zu Roden]. Sie haben keine Ahnung, Herr Doktor, wie sehr uns -der Schlag, der meine unglückliche Schwester getroffen, nahegeht! - -=Roden= [kalt]. Ich zweifle nicht daran. [Leise zu Norry.] Nun hat die -Pfeife einen anderen Ton. - -=Frau Pottenmiller= [zu Norry]. So ein Mann -- alle Zeitungen berichten von -ihm -- - -=Krickenfeld.= Ein so berühmter Forscher! Wie oft habe ich ihm einen Apfel -gegeben! - -=Zungrapp= [zur Decke blickend]. Ein Talent! Ein Talent! meine Damen. - -=Ada= [die als einzige nicht geweint hat und nur kalt umherblickt]. -Ein Talent, zugegeben und wie alle solche auch überspannt. Meine Tante -verstand nicht sein Temperament zu zügeln, niemand konnte auf ihn -einwirken. Hier in Kringhausen bot sich ihm eine gesicherte Existenz, die -Achtung seiner Mitbürger, -- wenn er nur auf seine merkwürdigen Ideen -verzichten gewollt, -- geistige Anregung auf allen Gebieten -- er aber -- - -=Frau Knute= [seufzt tief auf]. Meine Schwester war allzu schwach in ihrer -Mutterliebe. - -=Frau Pottenmiller= [seufzt auch]. Allzu nachsichtig gegen ihren Sohn. - -=Ada Brunnick= [mit Befriedigung]. Ich habe es immer vorausgesehen, daß er -ein abenteuerliches Ende finden werde, denn niemand bricht ungestraft die -heiligsten Bande -- - -=Roden= [ärgerlich]. Aber man hat das Recht die Stricke zu durchschneiden, -die einen Pegasus als Ackergaul festhalten oder einen Canova dazu -verpflichten, als Topfmacher sein Brot zu verdienen. Nicht jeder, meine -Gnädigste, ist von der Natur zum Kringhäusler geschaffen! - -=Norry= [zu Knute und Pottenmiller]. Die ihm am nächsten gestanden, haben -seinen Wert zuletzt erkannt! - -=Frau Hasselstein= [bittend zu Norry]. Herr Doktor! - -=Norry= [ihr nähertretend, freundlich]. Gnädige Frau? - -=Hasselstein=. Wie -- wie -- war das Ende? - -=Norry= [ernst und voll Mitleid]. Wir waren alle auf dem Schiff viele -Meilen von der Unglücksstelle entfernt und kamen alle erst vierzehn -Tage später nach Ailuk. Der Eingeborene, der die Schreckensbotschaft der -beklagenswerten jungen Gattin überbrachte, lag noch bei unserer Abreise -krank darnieder, da er sich an den scharfen Korallenriffen Verletzungen -zugezogen hatte und ein Haifisch -- - -=Alle= [mit Entsetzen]. Aaaaaah! Ooooooh! Ein Haifisch!!!! - -=Frau Hasselstein= [schluchzt untröstlich]. So ein gräßliches Ende und -alles -- ach, alles -- durch meine Schuld! - -=Frau Knute= und =Pottenmiller= [vereint]. Liebe Schwester, teure -Schwester, es steht nicht immer zu ändern -- du hast richtig gehandelt -- - -=Ada Brunnick= [hart]. Er hat es ja selbst so gewollt! - -=Roden= [ernst]. Hasselstein starb im Dienste der Wissenschaft, die ihm -ewigen Dank schuldet. - -=Norry= [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen mit Gewalt -zurückgehalten, so würde er wahrscheinlich sein eigenes Leben gerettet -haben. Edel wie immer ließ er den Gefährten Rettung finden. - -=Krickenfeld= [während die anderen laut weinen]. Ja, so ein junger Mann, -auf den können die Kringhäusler stolz sein! - -=Zungrapp.= Wenn ich denke, wie oft ich ihm ein Butterbrot gestrichen -habe -- - -=Holzheim= [sich die Augen trocknend]. Und ich, die ich ihm stets von -meinen besten Winteräpfeln gegeben habe. Das ist mir jetzt in der Tat ein -erhebendes Bewußtsein. Auch ich habe zu seiner Größe beigetragen! - -=Frau Pottenmiller= [stolz]. Am regen Verstande meiner Adarl hat er zuerst -den seinen zu schärfen gelernt! Ihr verdankt er -- - -=Roden= [leise zu Norry]. Über die Schärfe des Gehirns kann ich noch kein -richtiges Urteil abgeben, aber die Zunge -- - -=Norry= [lächelnd]. -- ist die reinste Damaszenerklinge! Was war Harun al -Raschids Schwert dagegen? - -=Roden= [im selben Ton]. Einem Haifisch käme ein Gruseln an! - -=Frau Krickenfeld.= Man will -- so sagte mir im Vorbeigehen die Frau -unseres lieben Medizinalrates -- - -=Zungrapp= [heftig]. Peleponesia, hast du auch schon gehört, daß sie mit -ihrem Vetter ein Verhältnis gehabt haben soll und ihr Mann die beiden -- - -=Hermine= und =Ladislaja= [sich vorbeugend]. -- ein Verhältnis? -- Diese -scheinheilige -- diese -- - -=Roden= [leise zu Norry]. =Jetzt= erröten die holdseligen Jungfrauen -nicht! - -=Holzheim= [sich aufblasend]. Nur =ich= allein kenne alle Einzelheiten, -denn meine Masseuse -- - -=Krickenfeld= [mit Mißbilligung]. Lassen Sie sich noch massieren! - -=Holzheim= [etwas verlegen]. So sehr bedarf ich dessen freilich nicht mehr, -aber die Masseuse weiß eben immer, was in der Stadt vorgeht und daher ist -es mir eine große Genugtuung -- - -=Krickenfeld= [zustimmend]. Ja, die Peggy -- - -=Pottenmiller= [erregt]. Peggy? Das ist doch wohl nicht etwa diese -merkwürdige Alte, die ihre eigene Magd jeden Sonnabend wäscht? Ha, ha, -ha! - -=Zungrapp= [geheimnisvoll]. Man sagt von ihr, daß sie Säcke voll alter -Münzen unter dem Bette verborgen hält -- - -=Ada Brunnick= [gelassen]. Da wird schon irgend jemand den alten Narren -einmal aus dem Weg räumen! - -=Zungrapp= [mit Bestimmtheit]. Sie soll gar nie ihr Zimmer fegen lassen und -Paula, ihr Dienstmädchen, hat der Köchin im Vertrauen mitgeteilt -- - -=Frau Holzheim= [lebhaft]. Nun, da Sie davon sprechen, hochverehrte Frau -Direktor, fällt mir eben etwas ein. Stellen Sie sich einmal vor, meine -Damen -- [Alle richten sich auf.] - -=Krickenfeld= [erbittert]. Hier kann ein Mensch wahrlich nicht zu Wort -kommen! Ich muß schon bitten!! Ich sagte also, daß die Frau unseres -Medizinalrates -- sie erwartet übrigens in Kürze das Fünfte -- - -=Frau Knute= [die Hände zusammenschlagend]. Du grundgütiger Himmel! Als -ob wir nicht schon genug Mädchen in Kringhausen hätten und natürlich -wird es wieder ein Mädchen sein! - -=Krickenfeld.= Werde ich denn nie aussprechen dürfen? Ich sagte, so -weit ich mich nach all diesen Unterbrechungen erinnern kann, daß man die -Absicht hat einen Bazar zu veranstalten und von dem Erlös will man Herrn -Professor Hasselstein in seiner Vaterstadt ein Monument errichten. - -=Alle= [gerührt]. Aaaaaah! Ein Monument? - -=Roden= [leise zu Norry]. Nein, hörst du, hier möchte ich buchstäblich -nicht einmal aufgemalt sein wollen. - -=Hasselstein= [weinend]. Alle, alle sind so gut gegen mich! - - [Es schlägt zwölf Uhr. Alle springen erregt auf, greifen nach ihren - Sachen und nehmen schleunigst Abschied.] - -=Frau Knute= [küßt schnell Frau Hasselstein und winkt dann ihrem Manne]. -Schon zwölf Uhr! Himmel! Mein Truthahn wird gewiß verkohlen -- Sie kennen -ja die Dienstboten, beste Frau Kommerzienrat. - -=Krickenfeld.= Gar kein Verlaß auf dieses Gesindel. Sie bestehlen und -betrügen, sie -- [Beide Frauen führen das Gespräch weiter fort.] - -=Frau Pottenmiller= [zärtlich]. Leb' wohl, liebste Schwester. Nimm' dir -den Verlust nicht allzu sehr zu Herzen, erinnere dich, daß wir alle -ihn mit dir teilen, hänge nicht deinen trüben Gedanken nach -- diese -Damen -- - -=Zungrapp= und =Holzheim=. Versteht sich, versteht sich, hochverehrte Frau -Regierungsrat, wir werden uns der Armen schon annehmen. Wir kommen -- - -=Hasselstein= [fast hart ablehnend]. Nein, nein, meine Damen -- wie soll -ich an ein Kartenspiel -- [sie wendet sich weinend ab]. - -=Krickenfeld= [herzukommend]. Aber so ein Tarockerl, beste Frau Oberst, -das ist Seelenmedizin. Das zerstreut. [Alle nehmen Abschied, aber die -Tarockdamen rufen noch zurück:] Wir kommen, wir kommen! - -=Holzheim= [eilig]. Jetzt muß ich mich aber sputen was das Zeug hält. -Wenn mein Mann nicht die Suppe auf dem Tische findet, wenn er heimkommt, so -setzt es allemal ein Donnerwetter. - -=Frau Knute= [den Kopf schüttelnd]. Alles ihre eigene Schuld, beste Frau -Inspektor. Warum verhätscheln Sie ihn so? Ich habe mir den meinigen gleich -zu Anfang erzogen. - - [Alle sind endlich bei der Tür angelangt, man nimmt noch einmal - einen sehr geräuschvollen Abschied, aber eine der Damen geht nach der - anderen fort.] - -=Ada Brunnick= [kalt]. Grüß' Gott, Tante! [Zu den anderen, besonders Frau -Krickenfeld, indem sie ihren Mann am Arm faßt und mit sich zieht.] Man -muß das Unmögliche begehren, damit man das Mögliche erreicht. - -=Zungrapp= [noch einmal auf Fr. H. zukommend]. Meine teure, meine -beklagenswerte Frau Oberst, nur Mut, nur Ruhe! Das Beileid unseres -Landtsherrn muß Ihnen doch ein Trost -- ein großer Trost sein. - -=Hermine= [eher gedankenlos als böswillig]. Ach ja, uns allen ist sein Tod -so ein Trost! [Sie folgt den anderen.] - - -3. Auftritt. - -=Frau Hasselstein= [winkt den beiden Forschern noch einmal Platz zu -nehmen]. Gott sei Dank, endlich kann ich mich ungestört dem Glücke -hingeben mit den wahren Freunden meines Sohnes zu sprechen. Erzählen -Sie mir von seinem Tun und Treiben -- von allem -- von allem -- mein Herz -dürstet danach! - -=Roden= [ernst]. Hasselstein hat sich zuerst auf den Rälik -- oder den -Inseln gegen Tagesende aufgehalten, aber da das Klima daselbst seiner -jungen Frau nicht zusagte, zog er nach den Inseln gegen Tagesanbruch -- den -Ratakinseln -- und dort führte er das schwere Dasein eines Forschers -- -unermüdlich, heiter und dank den rastlosen Bemühungen seiner Gattin sehr -glücklich -- viel glücklicher als er es in -- [Norry winkt abweisend]. - -=Frau Hasselstein= [scheinbar nach großer Ueberwindung]. Ich -- ich -möchte eine Frage an Sie stellen, meine Herren, eine Frage, die mich -unbeschreiblich erregt. - -=Norry= [ermutigend]. Und diese Frage lautet? - -=Frau Hasselstein= [ihn mit verzehrenden Blicken betrachtend]. Wo ist meine -Schwiegertochter, wird sie Kringhausen passieren, wird -- - -=Norry= [verlegen]. Ich dachte -- - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Sie war die Frau meines Sohnes, sie durfte -in seine Augen schauen, ihm nahe sein, während ich mich in der öden -Behausung nach ihm zu Tode sehnte, sie durfte -- [sie schweigt]. - -=Roden= [ernst]. Sie hat viel geopfert, gnädige Frau dieser Privilegien -halber. Gnädige Frau haben gleich ihr die Wahl gehabt und -- - -=Hasselstein= [ernst zu ihm aufsehend]. Ich weiß es, ich weiß es. Es war -dies die Qual meiner schlaflosen Nächte, das Gespenst, das mich auch am -hellen Tage nicht verließ. Ich hatte ja den einzigen Sohn in die weite -Welt ziehen lassen statt seinem Wunsche nachzugeben, aber ich, Herr -Doktor, ich bin ja nur eine schwache Frau, aufgewachsen und alt geworden in -Kringhausen und seinen Ansichten, seinen Vorurteilen. Ich habe meine Zeit -überlebt und konnte mich nicht in die neuen Anschauungen finden. Ein -alter Baum läßt sich nicht umpflanzen und krumme Aeste werden nicht mehr -gerade, wenn sie von Alter hart und dürr geworden. Wenn ich gefehlt, so -habe ich schwer dafür gebüßt. Ein freudenloser Lebensabend steht mir -bevor. - -=Norry= [die Weinende tröstend.] Es war so bestimmt -- es hat so kommen -müssen. Können wir irgend etwas für Sie, gnädige Frau, tun? - -=Hasselstein= [aufblickend.] Berta ist auch in Europa -- sie ist vielleicht -ganz nahe von Kringhausen -- [leise, die Hände auf das Herz drückend] --- und sie hat -- - -=Norry= [ernst.] Gegenwärtig weilt die Witwe unseres geliebten Kollegen -hier in Kringhausen. - -=Hasselstein= [aufspringend.] In Kringhausen? Oh, wird sie mir je vergeben, -wird sie unerbittlich sein? -- - -=Norry= [ist unterdessen auf die Tür zur Linken zugegangen. Er öffnet -sie jetzt und in tiefe Trauer gekleidet, tritt die junge und schöne -Frau Hasselstein über die Schwelle. Auf den Armen hält sie ein weißes -Bündelchen mit schwarzen Bändern.] - - -4. Auftritt. - -=Frau Hasselstein= [auf sie blickend]. Berta! [Dann das Bündelchen -bemerkend und alles darüber vergessend mit zitternder Stimme.] Ist das -- -ist das?? -- - -=Berta= [in Tränen ausbrechend.] Das ist alles, was mir auf Erden -geblieben. - -=Hasselstein= [schlägt langsam den Schleier zurück.] Ach Tochter, wie -unsäglich reicher bist du doch als ich! [sie neigt sich über das Kind.] -Wie heißt er? - -=Berta= [leise.] Wie sein Vater. - -=Hasselstein= [zögernd.] Ich war ungerecht -- selbstsüchtig einst, Berta, --- ich wollte, was ich besaß, nicht mit dir teilen und heute -- oh -heute könnte ich dich auf meinen Knien mit gefalteten Händen anflehen -großmütig zu sein und -- [leidenschaftlich] Berta, laß zu, daß sich -meine Augen an deinem Schatze weiden. Führ ihn nicht wieder fort! Bleibe -bei mir -- bei der Mutter deines toten Gatten. - -=Berta= [zögernd.] Meine Vergangenheit -- - -=Hasselstein= [stolz.] Du warst die Gattin meines Sohnes. - -=Berta= [leise.] Und -- und -- die Kringhäusler? - -=Hasselstein= [sich voll aufrichtend.] Die Kringhäusler? Was kümmert mich -die Meinung der Kringhäusler? Das ist Fleisch von meinem Fleische, Blut -von meinem Blute -- [weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme -legt] -- mein Enkelkind! - - [Beide Frauen neigen sich über den Kleinen und man hört Ausrufe wie - »hat er nicht ganz die Nase seines Vaters« und »schau auf den - Mund, ganz wie bei Hans Georg« usw. während sich beide Frauen halb - umschlungen halten um besser auf das Kind sehen zu können.] - -=Roden= [indem er Norry winkt sich leise mit ihm zu entfernen]. Jetzt -wären endlich die Kringhäusler überwunden! - - [Der Vorhang fällt.] - - -=Ende!= - - -Druck von Reinhold Berger in Lucka S.-A. - - - - -[ Hinweise zur Transkription - - -Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. - -Darstellung abweichender Schriftarten: =gesperrt=, ~Antiqua~. - -Die Stellung des schließenden Satzzeichens in den Regieanweisungen wurde -stillschweigend vereinheitlichend korrigiert. Das schließende Satzzeichen -wurde innerhalb der eckigen Klammern angeordnet bei Regieanweisungen, die -einen eigenen Satz bilden. Das schließende Satzzeichen wurde außerhalb -der eckigen Klammern angeordnet bei Regieanweisungen, die keinen eigenen -Satz bilden. - -Die Regieanweisung "Triebe" auf Seite 16 erscheint als unangebracht. - -Überkommene Rechtschreibung wurde beibehalten in "Geberden", "Lantsherr", -"totmüde". - -Vermuteter Wortwitz wurde beibehalten, nämlich "Mikrosenien" an der Stelle -von "Mikronesien", "staatlicher" an der Stelle von "stattlicher." - -Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten, beispielsweise "Adarl" --- "Aderl", "vor allem" -- "vorallem". - -Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden -Ausnahmen, - - Seite 4: - "--" eingefügt - (gebrachten Kringhäusler! -- [er lacht plötzlich) - - Seite 4: - "daß" geändert in "das" - (daß man sich eigene Pfade brechen kann, das verstehen sie) - - Seite 5: - "," eingefügt - (endlos scheinenden Eisbarrieren, schließlich) - - Seite 6: - "." eingefügt - (Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale.) - - Seite 6: - "," eingefügt - (Kampf gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle) - - Seite 7: - "." eingefügt vor "Sind" - (=Norry= [zu H.]. Sind viele neue Exemplare) - - Seite 7: - "sie ihre" geändert in "Sie Ihre" - (Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?) - - Seite 7: - "--" eingefügt - (hin ist hin -- [er lacht auch heiter]) - - Seite 8: - ":" geändert in "." - (=Hasselstein= [lachend]. Unzufriedener!) - - Seite 8: - ":" geändert in "." - (=Norry=. Und die bald wiederkehrt!) - - Seite 8: - ":" entfernt hinter "=Hasselstein=" - (=Hasselstein= [zu Norry, der eifrig) - - Seite 8: - "." eingefügt - (Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal) - - Seite 8: - "untersuchend:" geändert in "untersuchend]." - (=Norry= [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie) - - Seite 9: - "." entfernt hinter "=Hasselstein=" - (=Hasselstein= [geht auf das Zelt zu) - - Seite 9: - ":" geändert in "." - (bis dorthin nicht erreicht haben.) - - Seite 10: - "dahein" geändert in "daheim" - (daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht) - - Seite 10: - "einen" geändert in "einem" - (am Ende alles einem Wahn geopfert) - - Seite 11: - "spöttich" geändert in "spöttisch" - (=Roden= [spöttisch]. Vortrefflich) - - Seite 12: - "reel" geändert in "reell" - (Wenn die Ware nicht durch und durch reell ist) - - Seite 13: - "Ord" geändert in "Ort" - (verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle) - - Seite 15: - "," eingefügt - (verlachen herrschende Vorurteile zwar, bäumen uns) - - Seite 15: - "wirwüten" geändert in "wir wüten" - (aber wir wüten) - - Seite 16: - "," eingefügt - (indem wir stärker, sondern auch seelisch) - - Seite 16: - "," eingefügt - (die mächtigen Eisgrotten, das flackernde Nordlicht) - - Seite 16: - "]" eingefügt - (Es wird unheimlich finster.]) - - Seite 17: - "Norrn" geändert in "Norry" - (=Norry= [lachend].) - - Seite 18: - "." eingefügt - (die Hände und rufen durcheinander.]) - - Seite 21: - "(" geändert in "[" - ([Ein elegant ausgestattetes Zimmer.) - - Seite 21: - ")" geändert in "]" - (alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.]) - - Seite 21: - "eine" geändert in "ein" - (In der Mitte der Szene ein Spieltisch) - - Seite 21: - "lächelud" geändert in "lächelnd" - (=Frau Krickenfeld= [lächelnd]. Immer die, die fragt!) - - Seite 21: - "." entfernt hinter "]" - ([Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn) - - Seite 22: - "." eingefügt - (Natürlich: So geht es immer.) - - Seite 22: - "bitten" geändert in "bitte," - (Bitte, bitte, da sind schon die dreißig Heller.) - - Seite 23: - "Haus" eingefügt hinter "zu" - (die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen) - - Seite 24: - "[" eingefügt - ([Man spielt eifrig.]) - - Seite 24: - "Kickenfeld" geändert in "Krickenfeld" - (=Krickenfeld= [seufzt tief auf].) - - Seite 25: - "bedreffend" geändert in "betreffend" - (Einen Skandal? Meinen Sohn betreffend?) - - Seite 25: - "(" geändert in "[", ")" geändert in "]" - ([Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.]) - - Seite 26: - "davan" geändert in "davon" - (die ganze Stadt spricht davon --) - - Seite 26: - "gleich-gesagt" geändert in "gleich gesagt" - (Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.) - - Seite 26: - "hinausge kommen" geändert in "hinausgekommen" - (Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen) - - Seite 27: - "sie" geändert in "Sie" - (Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen!) - - Seite 28: - "sie" geändert in "Sie" - (Lassen Sie sich Ihre Handerl vergolden) - - Seite 28: - "sie" geändert in "Sie" - (für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben) - - Seite 29: - "." eingefügt hinter "ansehen" - (=Alle= [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen.) - - Seite 29: - "schwirt" geändert in "schwirrt" - (»ich auch« schwirrt es durcheinander) - - Seite 29: - "," geändert in "." - (=Krickenfeld=. Wirklich?) - - Seite 29: - "sie ihren" geändert in "Sie Ihren" - (machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend) - - Seite 29: - "sie" geändert in "Sie" - (halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück!) - - Seite 30: - "sie" geändert in "Sie" - (wenn Sie gar in meinem Elternhause gewesen wären) - - Seite 30: - "sie" geändert in "Sie" - (Sehen Sie einmal mich an --) - - Seite 31: - "sie" geändert in "Sie" - (Sehen Sie mich an!) - - Seite 31: - "." eingefügt - (=Holzheim= [die Karten zusammenraffend].) - - Seite 31: - "." eingefügt - ([Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.]) - - Seite 31: - "Professer" geändert in "Professor" - (ist der liebe Herr Professor noch so jung) - - Seite 32: - "Sie" geändert in "sie" - ([sie schlägt sich auf den Mund]) - - Seite 32: - "[" und "]" eingefügt. - ([Der junge Hasselstein tritt ein.]) - - Seite 32: - "Biblioteken" geändert in "Bibliotheken" - (in Bibliotheken und so weiter) - - Seite 32: - "[" geändert in "]" - (=Alle= [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst!) - - Seite 32: - "das" geändert in "daß" - (daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung) - - Seite 32: - "Man" geändert in "Mann" - (für einen heiratsfähigen Mann ist) - - Seite 33: - "." eingefügt - ([Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.]) - - Seite 33: - "überans" geändert in "überaus" - (so überaus in Anspruch genommen) - - Seite 34: - "Mam" geändert in "Mama" - (bei Mama verweilen zu können) - - Seite 34: - "]" eingefügt - (begleiten die Gäste bis zur Tür zur Rechten.]) - - Seite 35: - "allin" geändert in "allein" - ([Mutter und Sohn allein.]) - - Seite 36: - "--" eingefügt - (engherziger Beurteilung gewichen, -- gewichen, auf daß) - - Seite 36: - "," eingefügt hinter "Mutter" - (Ich prüfte mich, Mutter, und weiß) - - Seite 37: - "." eingefügt - (Man kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.) - - Seite 37: - "Glanbst" geändert in "Glaubst" - (Glaubst du, daß dein Glück von Dauer) - - Seite 38: - "." eingefügt - (=Hans Georg= [bitter].) - - Seite 38: - "." eingefügt - (und blickt zärtlich in ihr Antlitz].) - - Seite 38: - "wircklich" geändert in "wirklich" - (Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen) - - Seite 38: - "Haselstein" geändert in "Hasselstein" - (=Hasselstein= [sich die Tränen abtrocknend].) - - Seite 40: - "daß" geändert in "das" - (ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin erwählt) - - Seite 40: - "[" eingefügt - ([Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll) - - Seite 41: - "." eingefügt - (=Regierungsrat Pottenmiller.= Willkommen daheim,) - - Seite 42: - "." eingefügt - ([Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine) - - Seite 42: - "[" eingefügt - ([Ein Stubenmädchen öffnet die Tür) - - Seite 42: - "]" eingefügt - (und läßt Roden und Norry eintreten.]) - - Seite 44: - "." eingefügt - (=Alle drei Herren= [mit tiefen Seufzern].) - - Seite 44: - "kmeine" geändert in "meine" - (Gemüt braucht meine künftige Frau) - - Seite 44: - "sann" geändert in "kann" - (Ich kann statt dessen ja jede Woche) - - Seite 45: - "sie" geändert in "Sie" - (O glauben Sie das nicht!!!) - - Seite 46: - "," geändert in "." - (=Roden= [im gleichen Ton].) - - Seite 47: - "dnmmvergnügt" geändert in "dummvergnügt" - (=Ladislaja= [lächelt dummvergnügt vor sich hin].) - - Seite 48: - "." entfernt hinter "[sie seufzt]" - (Hans Georg liebt sie -- [sie seufzt]) - - Seite 48: - "." eingefügt - (=Hermine.= -- und tugendhaft) - - Seite 48: - "anspruchgloser" geändert in "anspruchloser" - (Je weniger auffallend die Erscheinung um so anspruchloser) - - Seite 48: - "." eingefügt - (=Frau Knute.]= -- und weniger zur Koketterie geneigt) - - Seite 48: - "Ladaslaja" geändert in "Ladislaja", "." eingefügt - (=Ladislaja.= -- und reineren Herzens --) - - Seite 49: - "Jugfrauenvereins" geändert in "Jungfrauenvereins" - (Schneiderabenden des katholischen Jungfrauenvereins) - - Seite 49: - "--" eingefügt - (sehr erröten, wenn man Anspielungen -- an) - - Seite 50: - "uur" geändert in "nur" - (dem jungen Prediger nur in die Augen schauen) - - Seite 51: - "," eingefügt - (deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande) - - Seite 51: - "Nachdruch" geändert in "Nachdruck" - (=Hans Georg= [laut, mit Nachdruck].) - - Seite 52: - "." eingefügt hinter "Fr. H" - ([Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl!) - - Seite 52: - "Srich" geändert in "Sprich" - (Sprich, Mutter!) - - Seite 53: - "Vorurteilswillen" geändert in "Vorurteils willen" - (eines Vorurteils willen in den Staub treten) - - Seite 53: - "laugsam" geändert in "langsam" - (das Beste in mir langsam aber sicher zerstören) - - Seite 53: - "," eingefügt - (ich beschwöre dich, bedenke --) - - Seite 53: - "genung" geändert in "genug" - (Er wird schnell genug einsehen) - - Seite 54: - "Meuschlichkeit" geändert in "Menschlichkeit" - (in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind) - - Seite 54: - "Bemerkuug" geändert in "Bemerkung" - (=Frau Knute= [Rodens Bemerkung beantwortend].) - - Seite 55: - "7." geändert in "6." - (6. Auftritt.) - - Seite 56: - "Hnns" geändert in "Hans" - (=Hans Georg= [von dem einen auf den anderen blickend].) - - Seite 56: - "]." eingefügt - (=Norry= [einfallend]. -- die Kringhäusler!) - - Seite 57: - "Dassellle" geändert in "Dasselbe" - (Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt.) - - Seite 57: - "1. Auftritt." eingefügt - - Seite 57: - "vou" geändert in "von" - (Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf) - - Seite 57: - "Mitteilnngen" geändert in "Mitteilungen" - (wertvolle Mitteilungen über die Flora) - - Seite 57: - "besondes" geändert in "besonders" - (besonders interessante Aufschlüsse) - - Seite 57: - "auftretenten" geändert in "auftretenden" - (in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen) - - Seite 57: - "Fangmetode" geändert in "Fangmethode" - (die Fangmethode desselben besser zu prüfen) - - Seite 58: - "Unglünsstätte" geändert in "Unglücksstätte" - (nicht weit von der Unglücksstätte) - - Seite 58: - "Erpedition" geändert in "Expedition" - (zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer) - - Seite 58: - "]" eingefügt - ([Er legt die Zeitung langsam zusammen und setzt sich.]) - - Seite 59: - "Fran" geändert in "Frau" - (=Frau Hasselstein= [bitterlich weinend].) - - Seite 59: - "Tarokpartie" geändert in "Tarockpartie", "." eingefügt - ([Zu den Damen der Tarockpartie.]) - - Seite 59: - "Hasselsteiu" geändert in "Hasselstein" - ([zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint]) - - Seite 60: - "," geändert in "." - (=Frau Hasselstein= [schluchzend].) - - Seite 60: - "tn" geändert in "in" - (Man muß sich in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.) - - Seite 60: - "." eingefügt - (während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.]) - - Seite 60: - "Gegenständd" geändert in "Gegenstände" - (indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch) - - Seite 60: - "." geändert in "," - (einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring) - - Seite 61: - "zügelu" geändert in "zügeln" - (Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln) - - Seite 62: - "." eingefügt - (=Hasselstein=. Wie -- wie -- war das Ende?) - - Seite 62: - "." eingefügt hinter "]" - (=Norry= [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen) - - Seite 63: - "Hozheim" geändert in "Holzheim" - (=Holzheim= [sich die Augen trocknend].) - - Seite 63: - "Bewußtsen" geändert in "Bewußtsein" - (Das ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein.) - - Seite 63: - "rechtiges" geändert in "richtiges" - (kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben) - - Seite 63: - "Juugfrauen" geändert in "Jungfrauen" - (erröten die holdseligen Jungfrauen) - - Seite 63: - "sie" geändert in "Sie" - (Lassen Sie sich noch massieren!) - - Seite 63: - "Krickenseld" geändert in "Krickenfeld" - (=Krickenfeld= [mit Mißbilligung].) - - Seite 64: - "," geändert in "." - (=Krickenfeld.= Werde ich denn nie aussprechen dürfen?) - - Seite 67: - "weises" geändert in "weißes" - (Auf den Armen hält sie ein weißes Bündelchen) - - Seite 67: - "5." geändert in "4." - (4. Auftritt.) - - Seite 68: - "Vater:" geändert in "Vater." - (=Berta= [leise.] Wie sein Vater.) - - Seite 68: - "." entfernt hinter "[leidenschaftlich]" - (anflehen großmütig zu sein und -- [leidenschaftlich] Berta) - - Seite 68: - "." entfernt hinter "legt" - ([weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt]) ] - - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER *** - -***** This file should be named 64193-0.txt or 64193-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - https://www.gutenberg.org/6/4/1/9/64193/ - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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