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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die Kringhäusler - Drama in drei Akten - -Author: Alma Maximiliane Karlin - -Release Date: January 01, 2021 [eBook #64193] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net (This book was produced from images made - available by the HathiTrust Digital Library.) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER *** - - - - - Die Kringhäusler - - - Drama in drei Akten - - von - - A. M. Karlin - - - Leipzig 1918 - - =Bruno Volger= Verlagsbuchhandlung - - - - -Personen: - - - Frau =Oberst Hasselstein=, Witwe - Hans =Georg Hasselstein=, Professor der Naturwissenschaften, ihr Sohn - Herr =Regierungsrat Pottenmiller=, ihr Schwager - Frau =Petronella Pottenmiller=, ihre Schwester - Herr =Direktor Knute=, auch ein Schwager - Frau =Johanna Knute=, ihre zweite Schwester - Herr ~Dr.~ =Brunnick=, Pottenmillers Schwiegersohn - Frau =Ada Brunnick=, seine Frau - =Hermine Schrift=, unverheiratet, Hans Georgs Tante - =Ladislaja Schrift=, ihre Schwester - Frau =Kommerzienrat Peloponesia Krickenfeld= - Frau =Inspektor Margarete Holzheim= - Frau =Professor Emilie Zungrapp= - Herr =Norry= } - Herr =Scharfen= } - Herr =Roden= } - Herr =Kapper= } - Herr =Johanssen= } die Teilnehmer der Südpolexpedition - Herr =Granelli= } - Herr =Meroff= } - Herr =Vickers= } - =Berta Heller=, Hans Georgs Braut. - -Der erste Akt spielt in der Antarktis, der zweite und der dritte Akt in der -Wohnung Frau Hasselsteins. - -=Zeit=: Gegenwart. - - - - -1. Akt. - - - [Im Hintergrund der weiten Bühne sieht man mächtige Eisgebilde mit - leuchtend weißen Oberflächen, während alle Unebenheiten, Spalten - und Risse je nach ihrer Tiefe vom zartesten bis zum tiefsten Blau - erscheinen. Etwas mehr gegen den Vordergrund ist ein kleiner Streifen - des Polarmeeres sichtbar, in dem sich die tafelförmigen Eismassen und - die zerklüfteten Eisberge spiegeln. Zur Rechten im Hintergrund steht - ein vereistes und tiefverschneites, von den mächtigen Eisstücken - teilweise über die Meeresfläche gehobenes Schiff, von dessen Masten - die Eiszapfen herniederhängen. Zur Linken hängt ein riesiger, in - der Mitte gespaltener Eisberg über die Bühne, aus dessen Innern ein - herrliches bläuliches Licht fließt. Links und rechts im Vordergrund - befinden sich kleinere Eisstücke, auf denen eine große Anzahl - Pinguine in verschiedenen Stellungen sitzen. Mehr im Hintergrund liegen - einige Seehunde am Rande des Meeres. Ganz im Vordergrund zur Linken - steht ein tiefverschneites Zelt, in dessen Mitte ein kleiner Kochherd - steht und sein rötliches Licht über die Zeltwände ergießt. Zur - Rechten steht Hasselstein und blättert in seinem Notizbuch. Ein - wunderbar schönes, bläuliches Licht erfüllt die ganze Szene, - während da und dort der Schnee in allen Farben des Regenbogens - glitzert. Vom leuchtendsten Tageslicht geht jedoch die Beleuchtung - langsam während des ganzen Aktes immer mehr in ein mattes Dunkel über - und als es vollkommen finster geworden, zeigt sich im Hintergrund - die Aurora Borealis in flackernden Bändern und ewig wechselnden - Lichteffekten. Die ganze Zeit hört man auch das Pfeifen des Windes -- - im Anfang ganz schwach, dann mit zunehmender Stärke.] - - -1. Auftritt. - -=Hasselstein= [macht eben die letzten Aufzeichnungen in sein Notizbuch als -der Vorhang aufgeht. Nach einigen Sekunden schließt er es und macht einige -Schritte auf die Mitte der Bühne zu]. Das wäre getan! [Er zieht seine -Uhr aus der Tasche.] Wie, schon so spät? Da heißt es frisch zulangen soll -unser Depôt und Winterobservatorium fix und fertig sein, wenn die Kollegen -von ihren Streifzügen heimkehren. [Er macht sich rechts an die Arbeit, -schleppt von hinter den Kulissen große Eisblöcke herbei und beginnt sie -aufeinander zu bauen und mit Schnee, den er zusammenfegt, zu befestigen. -Während er eifrig arbeitet und das Schneehaus immer größer wird, spricht -er, sich manchmal auf Augenblicke unterbrechend um auf die wechselnden -Lichteffekte zu schauen.] Wie die Stunden fliehen und doch -- wie weit von -mir scheint die Vergangenheit! [er schüttelt wehmutsvoll das Haupt]. -Zwei Jahre sind es nun, daß ich der Heimat den Rücken gekehrt [er baut -schweigend einige Sekunden]. Wirklich nur zwei Jahre? Ist mir's doch, als -seien Jahrzehnte seit dem Augenblick verflossen, wo -- [er schleppt einige -Eisstücke herbei]. Genug! Siebenhundertunddreißig Tage trennen mich von -jener Stunde, in welcher mein Blick zum letztenmal in den ihren getaucht. -Was wunder übrigens, daß die Zeit so lang mich deucht, denn die Zahl -der Eindrücke und nicht der monotone Schlag der Stunden machen ja ein -Menschenleben aus. Und ich -- ich hatte Eindrücke -- [er hält einen -Augenblick inne und blickt, die Augen mit der Hand beschattend, forschend -auf das Meer] -- und was für Eindrücke, barmherziger Himmel! Erst -die ungestümen Reisevorbereitungen, die ununterbrochenen Kämpfe, die -feindselige Haltung der guten alten Seelen daheim -- oh, die armen, -entsetzten, aus dem Gleichgewicht gebrachten Kringhäusler! -- [er lacht -plötzlich laut auf] -- wenig fehlte, daß man mich nicht mit Gewalt -in eine Irrenanstalt sperren ließ, denn ein klardenkender Mensch -- ein -Individuum, mit vollem Gebrauch der fünf von Mutter Natur so gnädig -verliehenen Sinne -- kann sich nicht willig einer Südpolexpedition -anschließen, das ist Wahnsinn, himmelschreiender erbarmenerweckender -Wahnsinn! [er lacht wieder]. Arme Kringhäusler, sie müssen immer auf -dem breiten, wohl ausgetretenen Pfad dahinhumpeln, -- daß man sich eigene -Pfade brechen kann, das verstehen sie nicht und billigen noch weniger. Wenn -die ganze Gemeinde an Hinzens Kuhstall vorbei zur Kirche geht, warum sollte -da ein Pfarrkind einen anderen Weg einschlagen? Das ist Ketzerei! [er -baut eine Weile schweigend weiter]. Ach, dann kamen die Aufregungen -des Abschieds, -- von Berta -- von Mama -- von der lieben Heimat -- ein -Abschied, der möglicherweise Trennung auf immer bedeuten konnte, hierauf -die lange eintönige Fahrt, ein schläfriges Rollen und behagliches -Dahinträumen, geschaukelt von leise plätschernden, tiefblauen -Wassermassen, unter einem heißen, wolkenlosen Himmel -- [er schaufelt -eifrig den Schnee zusammen]. Ja, wer noch einmal, ein =einziges= Mal solche -Wärme empfinden dürfte. Und eines schönen Tages waren wir in Neuseeland -mit seinen Geysirn, Wasserfällen, tropischen Wäldern, riesigen -Eukalyptus, seinen flügellosen Vögeln, und den schneegekrönten und -gleichzeitig feuerspeienden Bergen. Welche Pracht! [er bildet das Dach -seiner Hütte]. Allzu kurze Rast gefolgt vom gefahrvollen Tummeln auf -kalter, sturmgepeitschter See, das langsame Sichnähern der endlos -scheinenden Eisbarrieren, schließlich ein kurzer Ausflug auf die -verödeten Kerguelen und zuletzt [er blickt wieder sinnend auf das Meer] -die eigentliche Antarktis, das Ueberwintern in eisstarren Zelten, während -sich draußen die endlose, düstere Polarnacht, mit all' ihren Schrecken -und Leiden auf uns herabsenkte und wir bei kümmerlichem Thranlicht ein -mattes Scheinleben führten, hie und da unterbrochen von den Beobachtungen -im Freien bei einer Temperatur von durchschnittlich 52 Grad Celsius unter -Null! [er arbeitet einige Sekunden wieder schweigend, während das Licht -langsam abnimmt, hierauf wieder frischerer, munterer]. Nichtsdestoweniger -hat selbst das Leben hier seinen Zauber, so mitten in einem noch -unerforschten Teile unserer Erdkugel, wo Tiere und Vögel im Menschen -noch nicht ihren Feind zu sehen gelernt haben, wo er in ihr Tun und Lassen -freien Einblick gewinnen kann, hier -- wo seltene Lichteffekte das Auge -stündlich entzücken, wo eine Entdeckung der anderen auf dem Fuße -folgt, wo ungeahnte Horizonte sich dem begierigem Geiste offenbaren! [er -verbessert sein Werk da und dort] Neue Horizonte! Ach, wenn diese mich -nur auch großmütiger im Beurteilen anderer machen würden! Mutterl, du -liebes, gewiß tat ich dir oft Unrecht, wenn unsere Anschauungen nicht -harmonierten. In Zukunft, da muß unser Zusammenleben ein besseres sein, -denn ich habe alles aufgeboten um alle kleinlichen einseitigen Begriffe, -alles falsche Beurteilen loszuwerden. Das liebe Mütterchen wird wohl -auch einsehen gelernt haben, daß man nicht nur als Gymnasialprofessor in -Kringen sein Glück machen kann und die lange Trennung, die ja so leicht -eine ewige werden kann, hat gewiß auch ihre Skrupel, meine Heirat mit -Berta betreffend, gemildert. Sie hat Zeit gehabt Berta zu prüfen -- meine -Worte in Erwägung zu ziehen -- ja, ja, die Mutterliebe wird, sie muß -siegen [er verbessert das Innere der Schneehütte]. Alle lächerlichen -Vorurteile, alles Hängen am Zopf wird mutig über Bord geworfen und -da wollen wir drei -- Mama, Berta und ich -- ein Heim gründen, dessen -Grundpfeiler gegenseitige Nachsicht und unbegrenzte Liebe sind. Alle meine -Tage will ich der Verbreitung freisinnigerer Anschauungen, milderem Denkens -widmen. Nieder mit allem kleinlichen Huldigen äußeren Scheins! Der Kern -allein soll gelten, nicht die Schale. [Das Schneehaus ist nun ganz fertig, -er betrachtet sein Werk und ruft jubelnd aus:] Hurra! Vollendet ist das -große Meisterwerk! [ernster.] Möge es mir einst gelingen den Kampf -gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle beschränkten, feindseligen -Anschauungen daheim zu ebenso befriedigendem Abschluß zu bringen -- da -Berta, mein Liebling, soll dein Unglück dich nicht länger niederbeugen --- nein, treues, edles Herz, kein Mensch soll länger scheu vor dir -zurückweichen. An meiner Seite sollst du stolz erhobenen Hauptes -dahinschreiten und zuversichtlich in eine sonnige Zukunft blicken. Und du, -mein liebes Mutterl, du sollst in mir den zärtlichsten Sohn, in Berta -die liebendste Tochter finden und dazu bedarf es nur eins: Die lieben -Kringhäusler ein wenig -- abzuschütteln! - - -2. Auftritt. - - [Roden, Norry und Scharfen kommen von rechts.] - -=Roden= [zu Scharfen]. Wir müssen die Messungen vor Einbruch der Nacht -beendigen [er wirft eine Leine in das Meer und Scharfen hilft ihm dabei]. - -=Scharfen= [munter]. Holla, Hasselstein! Sie sind der reinste Baukünstler. -Unser Depôt ist ja ein ganzes Wunderwerk. - -=Norry= [indem er eifrig einige Apparate in dasselbe schleppt]. -Vortrefflich! Man kann unmöglich alle Geräte auf dem Schiffe oder im -Zelte bequem unterbringen. Hier wollen wir unsere Winterbeobachtungen -machen -- etwas wärmer als die windige Eisfläche wird diese Sternwarte -sicher sein. - -=Roden= [indem er langsam die Leine aufwickelt]. Es fehlt eine Oeffnung im -Dach -- - -=Hasselstein= [eifrig arbeitend]. Dem ist schnell abgeholfen. - -=Norry= [zu H.]. Sind viele neue Exemplare in die Falle gegangen? - -=Hasselstein= [auf den Meeresstrand zugehend]. Ich habe noch nicht -nachgesehen [er zieht eifrig eine Fischfalle aus dem Wasser]. Ein -reichhaltiger Fang, wie fast immer -- leider nur die gewöhnlichen -Fischarten der Antarktis [er beugt sich noch einmal nieder und zieht -ein kleines Netz aus dem Wasser]. Vielleicht enthält das kleine Netz -wertvollere Exemplare. Hm, wie immer eine ganze Menge Isopoden, einige -Fünffüßler, mehrere Korallen, -- was sehe ich? Ganz richtig! Eine -Gattung auffallend kleiner Seegarnelen -- eine Anzahl Wasserbären und -- - -=Norry= [legt den Apparat heftig auf den Boden, springt auf das Meer zu, -woher eben ein starkes Plätschern erklingt und ruft]. Schnell, schnell, -Hasselstein! Haben Sie Ihre Flinte zur Hand? - -=Hasselstein= [rafft im Vorbeispringen seine Flinte vor dem Zelte auf und -beide springen auf einige Eisstücke um freien Ausblick auf das Meer -zu haben]. Ein Blauwal! Ein wahres Prachtexemplar! Aber leider außer -Schußweite. - -=Norry= [eifrig spähend]. Verschwunden! Schade, -- eine Abwechselung im -Speisezettel wäre nicht unwillkommen gewesen! - -=Roden= [singt tröstend]. Es wär' zu schön gewesen, es hat nicht sollen -sein! - -=Scharfen.= Leider -- leider; ein erhöhter Thranvorrat vermindert immer -die Schrecken der Polarnacht, doch -- fort ist fort und hin ist hin -- [er -lacht auch heiter]. - -=Hasselstein= [zu Norry]. A propos! Funktioniert der Elektrometer jetzt -wieder? Sind die Messungen vollkommen verläßlich? - -=Norry.= Vollkommen! Alles ist wieder in Ordnung. Ich will nur noch in -aller Eile den Thermographen aufstellen, hierauf verwandle ich mich in -einen Koch erster Qualität. Das ist ja meine Kochwoche [er stellt den -Apparat auf und lacht]. - -=Hasselstein= [sammelt seinen Fang zusammen und wendet sich zu Roden und -Scharfen, die eben die lange Schnur vollends aufgewunden haben]. Welche -Tiefe? - -=Roden.= 1844 Klafter. Das bestätigt meine früheren Annahmen, daß die -Tiefen hier in der Regel bedeutend größer als am Nordpol sind. - -=Hasselstein.= Wieviel Grade unter Null haben wir heute? - -=Scharfen= [liest vom Thermometer, das an einer Zeltstange hängt, ab]. -29 Grad Celsius. - -=Roden.= Besser Fisch als Mensch zu sein in diesen Gegenden -- das Wasser -ist wärmer. - -=Hasselstein= [lachend]. Unzufriedener! Denken Sie an die Zeit, wo wir 52° -gehabt haben! - -=Norry=. Und die bald wiederkehrt! - -=Hasselstein= [zu Norry, der eifrig seine Apparate in der neuen -Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal, verehrter Herr Wetterprophet -- -welcher angenehmen Ueberraschungen dürfen wir gewärtig sein? - -=Norry= [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie sich nur auf einen -extrafeinen Schneesturm gefaßt. - -=Alle.= Danke sehr! - -=Hasselstein.= Davon hätten wir nachgerade genug. In diesem Monat allein -mußten wir zehn Tage in den Zelten zubringen und selbst da wurde man -nie warm oder trocken. Die Schneenadeln krochen bis in die Tiefen der -Schlafsäcke und das Ausgehen bei solchem Unwetter wagt keiner von uns -seit der arme Scharfen ganz wirr im Kopfe wurde, als er in solchem Wetter -zufällig draußen war und beinahe umgekommen wäre. Nein, nein, so ein -Schneesturm ist schlimmer als die ärgste Kälte! - -=Norry= [mißt eifrig]. Der südliche Wind nimmt bedeutend zu und bei den -überaus häufigen und starken Niederschlägen muß man auf alles gefaßt -sein. Da, Hasselstein, sehen Sie einmal selbst um wieviel die Nadel seit -den letzten drei Stunden abgewichen ist. [Beide hantieren die verschiedenen -Instrumente.] - -=Roden= [schreibt eifrig in sein Notizbuch während Scharfen die Schnur und -die Fischfallen in das Zelt trägt und mehrere Pfannen auf den kleinen Herd -stellt]. 1844 Klafter Meerestiefe, südwestliche Tiefströmung, südlicher -Wind, 29° Celsius Lufttemperatur, zunehmendes Treibeis, abnehmendes -Tageslicht -- nur mehr zwei Stunden Tag -- 734 ~mm~ Luftdruck -- - - Während er schreibt und vor sich hin murmelt ist es ganz dunkel - geworden; die Eisstücke sehen nun beinahe schwarz aus und nur der - Schnee im Vordergrund leuchtet weiß. Ganz im Hintergrund zeigt - sich ein schwacher gelblichroter Lichtschein, hierauf entsteht ein - knisterndes Geräusch und in flackernden Bändern taucht die ~Aurora - borealis~ auf -- nie stille, immer wechselnd, sich jeden Augenblick - verändernd. Das Heulen des Windes nimmt langsam zu, die Wogen machen - auch ein stärkeres, plätscherndes Geräusch. - -=Hasselstein= [geht auf das Zelt zu, die anderen folgen ihm. Norry legt -allerlei in die Pfanne und kocht eifrig, die anderen setzen sich auf die -Schlafsäcke und zünden ihre Pfeifen an. Das rote Licht des Herdes bildet -einen eigentümlichen Kontrast mit der wechselnden Beleuchtung draußen.] -Meine Angst um unsere tapferen Gefährten nimmt täglich zu. Wenn sie nicht -innerhalb der nächsten Tage einlangen, muß ein Unglück die Expedition -getroffen haben, denn fünf Monate waren als Maximumtermin zur Erforschung -des Beardmoregletschers festgesetzt. Seit ihrem Aufbruch sind 192 Tage -vergangen. - -=Norry= [düster]. In kaum vierzehn Tagen bricht die lange Polarnacht -herein -- Gnade ihnen, wenn sie uns bis dorthin nicht erreicht haben. - -=Scharfen= [nachdenklich rauchend]. Seit fünfzehnten November kämpfen -sie verzweifelter selbst als wir gegen die Gefahren und Drangsale dieses -unwirtlichen Klimas. Wer wird den Sieg erringen? Die starre Eisnatur oder -unsere beharrlichen Gefährten? Und das Schlimmste an der Sache ist, daß -wir hier stille sitzen müssen und nichts -- gar nichts -- zu ihrer Rettung -beitragen können. - -=Norry.= Es ist ja eine Frage ob wir selbst die endlose Polarnacht -überdauern werden. Werden unsere Nahrungsmittel bis zur Ankunft des -Schiffes im November ausreichen und vorallem, wird es uns gelingen den -Ausbruch des Skorbut zu verhindern? [Eine Pause entsteht, alle rauchen in -düsterem Schweigen.] - -=Hasselstein= [träumend]. Es dünkt einen unglaublich, daß daheim gerade -jetzt der Flieder blüht, das Mailüfterl über das sanftig grüne Land -hinbraust, die Nachtigall -- - -=Roden= [heftig unterbrechend]. Nur um Himmels willen nicht sentimental -werden: Das gibt uns, in der Verfassung, in der wir sind, den -Gnadenstoß. Nichts ist gefährlicher und zweckloser als das Träumen -vom Unerreichbaren. Es heißt einfach die Zähne zusammenbeißen und -- -schweigen! - -=Hasselstein= [müde lächelnd]. Oder zu unserem alten Mittel zu greifen -und Sorge mit Scherz verscheuchen? Leider gewinnen manchmal die Sorgen die -Oberhand. Der Zunge kann man allerdings Schweigen gebieten, doch ach, dem -Herzen nicht. Es gibt Augenblicke, in welchen einem alles zwecklos scheint, -in welchen man seinen Gefühlen unterliegt, das Heimweh erwacht und man -sich staunend fragt, ob man nicht am Ende alles einem Wahn geopfert -- - -=Scharfen= [eine dicke Rauchwolke ausblasend]. Und ob es wirklich nur ein -Trugbild gewesen, was man so lebhaft angestrebt. - -=Norry= [nachdenklich]. Wir sind entmutigt und fragen daher nach dem -Warum unserer Handlungsweise und wissen im Innersten doch, daß wir unter -gleichen Umständen wieder so und nicht anders handeln würden. So nehme -ich zum Beispiel an, daß wir uns alle der Expedition angeschlossen -- -erstens, weil dies eine Lösung manch' verwickelten Problems bedeutete -- - -=Hasselstein= [ernst]. Sie haben vollkommen recht, Norry. Jeder von uns -hatte seine Gründe -- - -=Norry= [bitter]. Und triftige. Eine Luftveränderung tut zuzeiten -sehr gut. Das Leben ist wahrlich kein Honigschlecken -- es sticht einem -verteufelt oft eine Biene in die Zunge. - -=Hasselstein= [finster]. Und mehr als eine! - -=Norry= [nach kurzer Pause]. Was mich betrifft, so befinde ich mich nur -dort ganz wohl, wo die Natur in ihrer Urkraft auf mich einwirkt und -die Civilisation -- die sogenannte -- sie noch nicht mit ihrem giftigen -Speichel beleckt -- und verödet hat! Kampf und Abenteuer gegen -die mächtigen Naturgewalten meinetwegen, aber gegen die Heuchelei, -Beschränktheit und krasse Selbstsucht der sogenannten civilisierten -Menschheit -- nein, danke -- lieber begrabe ich mich in den Einöden der -Sahara, in den Urwäldern Südamerikas oder -- - -=Hasselstein= [lächelnd]. -- oder selbst in antarktischen Zonen. Bis -hierher ist unsere Ueberkultur allerdings noch nicht durchgedrungen -- die -Pinguine sind die Alleinherrscher der Antarktis. - -=Roden= [leidenschaftlich]. Lieber tausendmal Pinguine als Ueberkultur: -Glauben Sie mir, die großartige Erfindungen hervorbringt und dabei doch -täglich mehr und mehr natürliche Züge der menschlichen Natur kalt -erdrückt oder in eine unnatürliche, seelenverkrüppelnde Gestalt preßt. -Bah! [Er klopft heftig seine Pfeife aus und stopft eine neue.] - -=Hasselstein= [beschwichtigend]. Wie viele Geheimnisse der Natur sind -entdeckt und der Menschheit dienstbar gemacht worden! - -=Roden= [verächtlich]. Und wie viele Tiere kennen den Wert heilsamer -Kräuter, von denen wir keine Ahnung haben. Zudem -- die Völker des -Westens, die ja gerade am stolzesten auf ihren Fortschritt sind, haben von -vielen Sachen heute keine Ahnung, mit denen die morgenländischen Stämme -vor mehreren tausend Jahren ganz vertraut waren. -- Fortschritt -- in der -Tat! [Er lacht kurz und verächtlich auf.] Wir sind viel zu stolz auf die -Errungenschaften unseres Geistes. - -=Hasselstein= [ruhig vor sich hin rauchend]. Menschlichere Anschauungen -- - -=Roden= [spöttisch]. Vortrefflich: Maschinengewehre, giftige Gase, -bombengespickte Luftschiffe -- - -=Scharfen= [einwerfend]. Die Abschaffung der Folter -- - -=Roden= [kalt lachend]. Nein, lieber Freund! Ersatz der moralischen -statt der physischen. Heute droht man jemand das Familienskelett an das -Tageslicht zu ziehen und in den Zeitungen spazieren zu führen -- eine -Folter, die ebenso wirkungsvoll, wie die Daumenschrauben einst, -- die -Kritik ersetzt den Morgenstern und was das Spießrutenlaufen anbelangt, -so verrichten die Zungen unserer stets auf der Lauer liegenden lieben -Nächsten das wunderbar -- mit dem einzigen Unterschied, daß man früher -absehen konnte, wo die Qual und wo der Schaden ein Ende nehmen wird -- die -Ausdehnung und die Uebel der heutigen Folter kann niemand ermessen. Die -Wunden des Körpers heilten leichter als wir nun unseren beschmutzten -Namen, unsere geraubte Ehre in Ordnung bringen -- wenn es uns gelingt. - -=Hasselstein= [ruhig]. Wir verdanken der zunehmenden Civilisation eine -erhabene monotheistische Religion -- - -=Roden.= Die nichts destoweniger wie im dunkeln Mittelalter noch heute mit -Teufelsspuk und Höllenqual droht, deren Verbreiter Geld mit Beuteln oder -Tassen im Gotteshause selbst einsammeln, genau wie es fahrende Sänger oder -Seiltänzer unmittelbar vor Schluß der Vorstellung tun, deren Anhänger -des guten Tones, der Musik oder der neuen Kleider willen zur Kirche gehen -und die sechs Tage lang mit Wonne alle zehn Gebote übertreten um am -siebenten eine scheinheilige Miene aufzusetzen und sich aller jener -Tugenden zu rühmen, die zu besitzen sie anderen glauben machen wollen. - -=Scharfen= [halblächelnd]. Großartigen Erfindungen -- - -=Roden= [kalt]. Erfindungen, bester Herr Kollege, bedeuten erhöhten -technischen oder rein materiellen aber deshalb noch lange nicht moralischen -Fortschritt. Das Leben wird durch sie möglicherweise bequemer, die -Handelsverbindungen leichter und schneller, aber diese Verbesserungen -erhöhen leider nur unser Selbstbewußtsein ohne unseren inneren Menschen -gleichzeitig auf eine höhere Entwicklungsstufe zu bringen. - -=Norry= [eifrig kochend]. Ganz richtig! Rein äußere Verfeinerung -der Sitten, kosmopolitische Anschauungen, erhöhter Luxus, großartige -Entdeckungen und ähnliches ist alles lange noch nicht Seelenkultur. Wenn -die Ware nicht durch und durch reell ist, so springt die Politur schon bei -der allerersten Gelegenheit ab. - -=Scharfen= [kopfschüttelnd]. Der Zeitgeist zerstört viel mehr als er -bildet. Es ist geradezu eine Wut über die Menschheit gekommen in allen -Werken der großen Meister, im Leben der edelsten Helden, bei unsterblichen -Denkern und den Lehrern der erhabendsten Ideen immer und überall ein -Fleckchen, irgend einen dunkeln Punkt zu suchen, der dann ans Licht -gezogen, besprochen, und betastet wird, bis der winzige Fleck beinahe das -ganze Werk, den ganzen Menschen verdunkelt. - -=Hasselstein= [traurig]. Ach, leider! Anstatt nach Menschenliebe streben -alle nach größerer Pracht, nach höherer technischer Kultur, Verstand -wird über Herz, der Schein über den Kern gesetzt. Die Kritik läßt weder -Lebendige noch Tote in Frieden und jeder bemüht sich auf das eifrigste -seines Nächsten Fehler zu entdecken und laut zu verkünden, statt sie -milde zu bemänteln und großmütig zu übergehen. - -=Roden= [spöttisch]. Und mit welchen Stolz wir den ›Segen der -Civilisation‹ zu den sogenannten Wilden tragen: Wir verkaufen ihnen -Schießpulver und Gewehre, wir bieten ihnen zu hohen Preisen allerlei -verderbliche Trinkwaren an, die ihr Leben verkürzen, ihre Gesundheit -untergraben und in ihnen vorher unbekannte Leidenschaften erwecken. - -=Hasselstein= [lächelnd]. Zum Dank für solche Vorteile verdrängen wir -sie von ihrer eigenen Scholle und lassen uns selbst dort nieder. - -=Scharfen= [lachend]. Ja! Die armen Wilden können uns dankbar sein, daß -wir sie nicht wie einst mit Gewalt auf unsere Schiffe schleppen und als -Sklaven verkaufen. - -=Roden= [eifrig nickend]. Wir tun etwas viel Besseres. Wir verwenden sie -gleich als Sklaven an Ort und Stelle. Oh Fortschritt -- du gleißender -Fortschritt! Nein, läßt mich in einem Erdstrich wohnen, wohin diese -bewunderte Civilisation noch nicht vorgedrungen, wo Wahnsinn, Trunksucht, -Selbstmord und Verbrechertum, wo Habgier, Neid und Verleumdung noch nicht -zur Tagesordnung gehören! - -=Norry= [lachend und die Pfeife schwingend]. Es lebe das Reich der -Pinguine! - -=Hasselstein= [nachdenklich]. Gott weiß es, Sie haben so unrecht -nicht, Roden, trotz Ihrer entsetzlichen Spottlust! Hier, fern von -den Einrichtungen bevölkerter Erdstriche fallen alle kleinlichen -Charakterzüge wie Schuppen ab. Hier kann ein Mann nicht mehr scheinen als -er ist. Kein Heucheln verdeckt hier den Mangel jener Eigenschaften, die zu -besitzen man sich früher oft gerühmt haben mag -- die zu haben man sich -möglicherweise selbst eingeredet. - -=Norry= [lebhaft]. Und doch entwickeln sich gerade hier oft Eigenschaften, -das heißt schlummernde Fähigkeiten krystallisieren sich, welche zu -besitzen man sich daheim nicht einmal geträumt hätte. - -=Scharfen= [eifrig zustimmend]. Stimmt! Dort war das eigene Ich immer der -erste Faktor, hier tritt es beständig in den Hintergrund. Dort ging man -am schreiendsten Elend kalt vorüber, weil man den Kopf mit höchst -überflüssigen, aber im Augenblick außerordentlich wichtig scheinenden -Kleinigkeiten vollgekramt hatte -- man hatte eben keine Zeit -- sondern -lief blind irgend einem nichtigen Vergnügen, einer bedeutungslosen -Belustigung nach oder beeilte sich irgend eine gesellschaftliche -Verpflichtung anstatt jene höhere Pflicht lauterer Menschenliebe zu -erfüllen! Hier dagegen bietet man alles auf um seinen Gefährten und nicht -nur diesen sondern selbst den Tieren, die mit uns in Berührung kommen und -unser Geschick teilen, die schlimme Lage nach Kräften zu erleichtern. - -=Roden= [sich zurücklehnend]. Zweifellos! Das Zusammengehörigkeitsgefühl -entwickelt sich bedeutend stärker hier und geteilte Gefahren sind eiserne -Bande. In alten Zeiten sind die einzelnen Stämme ebenso innig aneinander -gehangen und haben stets freudige Opferwilligkeit an den Tag gelegt. -Erst das Zusammenscharen vieler sich unbekannter und folglich einander -gleichgültiger Menschen, die man alle wie toll auf ein gleiches Ziel -zuhetzt und die wissen, daß sie es umso sicherer erreichen werden, je mehr -Mitbewerber sie im Rennen niederstoßen, hat dieses Meer von Selbstsucht -geschaffen, in dem so viele Schwache unverdienter Weise untergehen müssen. -Auch ein Gewinn der zunehmenden Civilisation! - -=Hasselstein= [nach einigen Sekunden ernst]. Das ist der ewige Kampf der -Natur, in welchem der Stärkste siegt, die Schwächeren untergehen. Dennoch --- -- unsere Anschauungen werden andere hier draußen. Das Bewußtsein -menschlicher Erhabenheit schrumpft gegenüber den überwältigenden Wundern -der unberührten Natur bedeutend zusammen. Unsere Unüberwindlichkeit -scheint uns geringer, wenn wir eben einen Schneesturm mitgemacht oder -die riesigen Eisbarrieren betrachtet haben, die seit Jahrtausenden hier -herumzuschwimmen scheinen und unsere Widerstandskraft dünkt uns klein, -wenn wir die winzigen Rotiferen betrachten, die ins Eis eingefroren, -scheinbar jahrelang tot liegen, um, wenn ein günstiger Umstand die sie -umschließenden Eispartikel wieder schmilzt, zu neuem Leben zu erwachen, -als wäre nichts besonderes vorgefallen. Wie gebrechlich sind wir, stolze -Menschen, verglichen mit ihnen! - -=Norry= [lachend]. Unbestreitbar, trotzdem verbleibe ich lieber Mensch als -Radtier. Der Wert des Daseins liegt eben im Bewußtsein unseres Seins. - -=Hasselstein= [ernst]. Manchmal möchte man gerne einige Jahre wie ein -Radtier schlummernd zubringen, während über einen hinweg unempfunden die -Stürme des Lebens brausen. - -=Roden= [erregt]. Lächerlich! Das wäre wie der Vogel Strauß seinen Kopf -unter den Flügel stecken und hierauf glauben den Feind besiegt, den Gegner -verscheucht zu haben. Nicht im Zurückweichen -- im Vorwärtsdringen allein --- muß man das Ende irgend einer Mühsal suchen, da nur die Ruhe, die der -Ueberwindung, sei es nun seiner Gegner, des Geschicks oder des eigenen Ichs -liegt, von wahrem und dauerhaftem Wert sein kann. - -=Scharfen= [nickt]. Ein indischer Weise sagt: Festes Bestreben besiegt -selbst das Geschick! Es gibt kein zwingendes ›Kismet‹ für den, der zu -wollen gelernt. - -=Norry= [einlenkend]. Unzweifelhaft! Indessen bin ich überzeugt, daß uns -nicht nur der Haß gegen die Unsitten unserer Zeit sondern auch jene -alte Abenteuerlust herausgetrieben, die uns als Knaben schon beim ersten -Märchen das Blut schneller durch die Adern rinnen ließ. Am Ende sind wir -doch alle Kinder unserer Zeit. Wir verlachen herrschende Vorurteile zwar, -bäumen uns gegen die enggezogenen Grenzen auf, aber wir wüten, nichts -destoweniger, wenn jemand anderer es uns nachzumachen wagt. Es ist eben die -alte Geschichte vom Balken und Splitter. - -=Hasselstein= [seufzend]. Wir täuschen unsere Mitmenschen zuweilen -- -- -und dies mit vollem Bewußtsein -- -- wir täuschen uns selbst viel öfter -und ohne davon die geringste Ahnung zu haben. Vielleicht verlieren wir -Aufrichtigkeit und Natürlichkeit so leicht, weil wir uns immer mehr und -mehr von der Natur entfernen. - -=Roden= [triumphierend]. Was sagte ich? - -=Hasselstein= [aus dem Zelte blickend]. Hier spricht Mutter Natur in -all ihrer Pracht und Majestät zu uns und wir fühlen ihren wohltätigen -Einfluß nicht nur körperlich, indem wir stärker, sondern auch seelisch, -indem unsere besten Triebe begeistert rege werden. - -=Scharfen= [Triebe]. Ja, Schönheit läutert. Wer könnte auf die -herrlichen Schneegebilde, die mächtigen Eisgrotten, das flackernde -Nordlicht blicken können und im Herzen der alte Egoist, gleichgültig -gegen alles, was nicht ›Ich‹ ist, bleiben? - -=Norry= [bitter]. Wer könnte hier glauben, daß es in der Tat Menschen -gibt, die ein treues Herz, ein ganzes langes Leben voll stillen Glücks um -einiger lumpiger Tausender klaglos opfern können -- -- - -=Hasselstein= [im selben Ton]. Oder daß es Leute gibt die sich an -kleinliche Vorurteile wie der ~Octopus~ an sein Opfer klammern? [Nach einer -Pause.] Es ist eine unleugbare Tatsache, -- wem Herd und Heim mit Glück -und Ruhe winken, der stürzt sich nicht in unbekannte Gefahren, mag der -Trieb dazu auch hundertmal in seiner Seele schlummern. Oft, wenn ich auf -meinen einsamen Wanderungen ein Licht so freundlich aus einem Fenster -strahlen sah, dachte ich mir, daß es wohl über irgend einen Teuren wache --- -- -- ein Auge in der Nacht, das wie ein milder Führer, wie ein -getreuer Leuchtturm dem einsamen Schiffer zeigt, wo der ruheverheißende -Hafen winkt. Wir, denen kein solcher Leuchtturm die Fahrt auf den Strom -des Lebens erleichtert, wir segeln planlos, uns wirft des Lebens wechselnde -Springflut unbarmherzig auf Klippen oder öde Inseln und was wunder, daß -so viele von uns -- -- -- - -=Roden= [finster]. So jämmerlich untergehen! Es gehört ein guter -Steuermann und eine feste Hand dazu ein Schiff zu steuern, das auf -finsterem Meere treibt. - - [Alle rauchen eine Weile schweigend. Das Heulen des Windes nimmt zu, - das Nordlicht verschwindet langsam. Es wird unheimlich finster.] - -=Scharfen= [die Hände gegen die Zeltdecke hebend]. Uns bleibt das Wissen --- die Suche nach dem Unbekannten, dem Unerforschten und endlich das -Bewußtsein unsere Pflicht getreu erfüllt zu haben. - -=Hasselstein= [aufspringend]. Wir »schaffen« und »schaffen« bedeutet -»leben«. - -=Norry= [lachend]. Sagen wir mit Calderon »Das Leben ist ein Traum!« - -=Roden= [achselzuckend]. Oder ein ver-- Alpdrücken -- individuell -genommen! - - -3. Auftritt. - - [Man hört lautes Hundegebell und Stimmengewirr. Von rechts kommen - eine Anzahl Rodel von Hunden gezogen und dicht bepackt auf die Szene. - Mehrere Männer, die ganz vermummt sind, kommen auf Ski mit langen - Stöcken und ganz vereisten Gewändern. Zwei Männer führen einen - Kranken, der sich sichtlich kaum mehr auf den Beinen halten kann und - den Hasselstein sofort auf einen Schlafsack niederlegen hilft, - während Scharfen einen Medizinkasten bringt und etwas in einem Glase - zusammenmischt. Norry und Roden zuerst, später Hasselstein, helfen die - Hunde abkoppeln und abführen, nehmen die Schlittenverpackung herab und - Norry füllt gleich viele Schüsseln mit dampfender Suppe.] - -=Hasselstein= [indem er eifrig mithilft]. Dem Himmel sei Dank, daß -Ihr endlich zurückgekehrt! Wir gaben uns schon den allerernstesten -Befürchtungen hin, denn die lange Polarnacht mit ihren Schrecken steht -dicht vor der Türe. - -=Kapper= [ernst, indem er die Ski abschnallt]. Ihre Befürchtungen, -Hasselstein, hätten sich bei einem Haar bewahrheitet. Die meisten von -uns sind mehr oder weniger schneeblind geworden, und trotz der -Mitternachtssonne und des steigenden Thermometers hat Meroff die Zehen -beider Füße eingebüßt, denn das lange Marschieren im auftauenden -Schnee, verbunden mit dem plötzlichen Fallen der Temperatur so oft -ein Schneesturm im Anzug war -- alles dies hat die Mühsal unserer -Entdeckungsreise sehr erhöht. Ich fürchte, Meroff wird beide Füße -verlieren. - -=Johansson= [ernst]. Der Arme wird seine Heimat nicht wiedersehen -- es -geht schnell abwärts mit ihm. - -=Hasselstein= [die anderen unterstützend]. Erreichten Sie den Beardmore -Gletscher? - -=Granelli= [lebhaft]. Und ob! Wir machten auch viele wertvolle -Aufzeichnungen und hatten großen Vorteil von diesem Ausflug vom -wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wenn nur beim Rückmarsch -die Schwierigkeiten nicht geradezu unübersteiglich geworden wären, erst -da -- [er schweigt]. - -=Johansson= [eifrig]. Die letzten vierzehn Tage waren die allerschlimmsten. -Die Lebensmittel gingen zu Ende, mit dem Thranvorrat war es Schluß und -was es heißen will mit nassen Füßen ohne etwas wärmendes in den Leib zu -bekommen in den Schlafsack zu kriechen, das kennen Sie Hasselstein! Ein Wal -war nicht zu erjagen, Meroffs Füße wurden täglich schlimmer, Skorbut war -schon im Anzug, die Polarnacht näherte sich mit Riesenschritten. -- Ich -glaubte wahrlich nicht Euch alle wiederzusehen, Kameraden. - - [Alle schütteln einander warm die Hände und rufen durcheinander.] - -Willkommen bei uns! Willkommen Freunde, in unserer Mitte! - -=Hasselstein= [nach einer Pause]. Wie war der Weg im allgemeinen? - -=Kapper= [kopfschüttelnd]. Die ersten Tagreisen waren so leidlich aber -dann -- schauerlich! Wir sanken in der Regel bis zu den Knien in den -weichen auftauenden Schnee, konnten uns überhaupt nur Dank der Ski auf -der Oberfläche erhalten und bald mußte der eine, bald der andere von -uns zurückeilen um den Hunden mit den Rodeln über eine schwere Stelle zu -helfen. Drei Tiere sind uns schon eingegangen, zwei weitere mußten wir -als Nahrung für die übrigen opfern und an ihrer Stelle selbst den Rodel -ziehen. - -=Johansson= [den letzten Schlitten mit Hilfe der anderen abpackend und die -Sachen in die Schneehütte tragend, während die anderen Fremden schon im -Zelte auf den Schlafsäcken sitzen und sich die Suppen schmecken lassen, -die Norry eifrig ausschenkt]. Oft brauchte es eine halbe Stunde, oft -länger, bevor wir des Morgens unser Schuhzeug wieder auf die gefrorenen, -hochgeschwollenen Füße zwingen konnten. - -=Hasselstein= [mitleidig]. Welch Leiden liegen hinter Euch! - -=Johansson= [abwehrend]. Bah! Wir haben alle unsere Leiden mitzumachen -- -wir dort -- Ihr hier. Da ist die versprochene Beute! [Er reicht Hasselstein -einige Vögel.] Zwei Königspinguine, drei Sturmvögel und einen weißen -und einen schwarzen Albatroß. Was sagen Sie dazu? - -=Hasselstein= [ihm warm die Hand schüttelnd]. Großartig! Tausend Dank! -Sie sollen einst das Museum Kringhausens zieren. Ich habe auch hier das -Leben und Treiben der Pinguine studiert und muß sagen, daß die Damen von -Kringhausen selbst nicht neugieriger sind als diese befiederten Bewohner -der Antarktis und was das heißt -- - -=Johansson= [lachend; indem er alle Rodel mit Hilfe Hasselsteins -aufeinandertürmt]. Bewahre! Weiß ich's etwa nicht? Ich habe zu meiner -Zeit auch einige Erfahrungen mit bezug auf das zarte Geschlecht -gesammelt -- was zum Beispiel meine Alte -- Gott hab' sie selig! -- nicht -herausgefunden hat -- Nu, lassen wir's gut sein. Man sagt zwar, Wiedersehen -macht Freude, aber was mich betrifft, so bitte ich, daß mir diese Freude -noch recht lange erspart bleibt. - -=Vickers= [kommt aus dem Zelt]. Meroff ist in unruhigen Schlummer verfallen --- seine Beine sind bis hinauf geschwollen -- der erste, der uns verläßt. - -=Hasselstein= [nach kurzer Pause]. Und Sie, alter Freund, können die Augen -kaum offen halten. - -=Vickers= [abweisend]. Oh ich? Ich bin nur schneeblind -- das wird sich -bald geben. [Er geht in das Zelt zurück.] - - [In diesem Augenblick kommt ein entsetzlicher Windstoß dahergefahren. - Das Brausen des Meeres ist unheimlich gewachsen, das Eis knarrt, der - Sturm heult, so daß man keinen anderen Laut hören kann, kleinere - Eisstücke rollen über die Szene, der Schnee wird aufgewirbelt.] - -=Hasselstein= [zieht so schnell er nur kann eine zweite Hülle über das -Zelt, Norry hilft ihm]. Schnell, schnell! Der Schneesturm naht. [Er bindet -die Hülle fest.] - -=Norry= [lebhaft]. Ins Zelt, ins Zelt! - - [Während Hasselstein die letzte Hand an das Zelt legt, hat Norry die - Tür des Zeltes zugezogen. Die ganze Szene ist dunkel, der Sturm heult - graueneinflößend und während der Vorhang langsam sinkt, braust eine - ungeheure Schneewolke über die Bühne hin, so daß alles im Nu weiß - erscheint.] - - -Ende des ersten Aktes. - - - - -2. Akt. - - - [Ein elegant ausgestattetes Zimmer. In der Mitte der Szene ein - Spieltisch, an dem vier ältere Damen sitzen. Zwischen zwei und zwei - Spielern steht ein stummer Diener mit Liqueurgläsern und Backwerk. - Links und rechts eine Tür. An der Wand im Hintergrund eine Kredenz mit - Obst und anderen Dingen. In den Ecken hübsche Figuren aus Gyps, an der - Wand hängt ein Vogelhaus und kleine Tischchen mit Stühlen stehen - da und dort. Bilder und Spiegel an den Wänden. Alles spricht von - Wohlstand, aber alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.] - - -1. Auftritt. - -=Frau Zungrapp= [lebhaft]. Wer spielt aus? - -=Frau Krickenfeld= [lächelnd]. Immer die, die fragt! - -=Zungrapp.= Will' mal sehn, wer mein Partner ist. - -=Frau Hasselstein= [zerstreut]. Was wurde gerufen? - -=Zungrapp= [lebhaft]. Herz! Bitte nur nicht in meine Karte zu schauen! - -=Krickenfeld= [zieht den Wurf heftig an sich und küßt sich die -Fingerspitzen]. Gott sei Dank, der König wäre glücklich zuhause. Ich -fühle mich nie ruhig, bevor ich ihn geborgen weiß. - -=Zungrapp= [besorgt das Haupt schüttelnd]. Ob ich meinen Pagat wohl werde -retten können? - -=Krickenfeld= [nachdenklich]. Wo nur der Mond steckt? [Nach kurzer Pause.] -Also der Herr Sohn ist wieder in Kringhausen? - -=Hasselstein= [froh]. Ja, Hans Georg ist vor einer Woche angekommen. Man -hat ihn festlich empfangen und in der »Gelben Schwalbe« wurde ihm zu -Ehren sogar ein Festessen veranstaltet. Zwei Universitätsprofessoren waren -anwesend und außerdem der gesamte Lehrkörper des hiesigen Gymnasiums -- -auch andere Honoratioren Kringhausens -- - -=Krickenfeld= [die Hand ausstreckend]. Mir gehört der Stich, bitte! -- -Ja, ja, es muß schön sein einen so berühmten Sohn zu besitzen, der am -Südpol gewesen, allerlei Meerungeheuer und ähnliche Dinge gesehen hat -- -zwar =praktischen= Wert -- [sie schweigt]. - -=Zungrapp= [scharf]. Die heutige Jugend, liebste Peleponesia, denkt nicht -an die praktische Seite des Lebens: So lange nur ein Mamatscherl die -Moneten gibt -- [jubelnd] Pagat ultimo! meine Damen. [Sie rafft den Stich -an sich.] - -=Die drei anderen Damen.= Waaaaaaaas? - -=Hasselstein= [ärgerlich]. Natürlich: So geht es immer. Hätten Sie, -beste Frau Inspektor, besser achtgegeben, so hätten wir jetzt nicht den -Pagat verloren. - -=Holzheim= [sich eifrig verteidigend]. Mit nichten, Frau Oberst, wenn Sie -nicht den König gleich zu Anfang des Spieles so leichtsinnig ausgespielt -hätten, so -- - -=Hasselstein= [noch gereizter]. Sie hätten eben kleine Tarockspiele nicht -mit dem Mond und dem Zwanziger stechen sollen, da hätten Sie später auch -noch -- - -=Holzheim= [mit lauter Stimme, heftig gestikulierend]. Wenn Tarock -ausgespielt wurden, mußte ich den Mond hergeben -- ich hatte ja nur vier -Tarock -- - -=Hasselstein= [noch lauter]. Was sagte ich -- Sie spielen und haben kein -Blatt -- - -=Zungrapp= [die beiden überschreiend]. Bitte, meine Damen, dreißig Heller -per Person -- - -=Holzheim= und =Hasselstein= [zugleich]. Wie dreißig Heller? Nicht -möglich, der Pagat kostet bloß -- - -=Zungrapp= [sich stolz zurücklehnend mit Nachdruck]. Pagat ultimo!!!! - -=Hasselstein= [zahlt in Spielmarken aus]. Bitte, bitte, da sind schon die -dreißig Heller. In Zukunft aber, beste Frau Inspektor, bitte mich nicht zu -rufen, wenn Sie keine Karten haben. Man darf seinen Partner nicht auf diese -Weise ins Verderben locken. - -=Holzheim= [lebhaft]. Wie? Ich habe den Mond und den Zwanziger und -- - -=Hasselstein= [ihre Rede unterbrechend]. Und nichts weiter gehabt. Wir -mußten verlieren! - -=Zungrapp= [während die andern lachen]. Bitte zu geben, Frau Oberst, -- -nächstes Spiel. [Es tritt eine momentane Stille ein, während alle die -erhaltenen Karten prüfen.] - -=Hasselstein= [mit Siegermiene]. Ich spiele einen Solo! Was sagen die -Damen? - -=Alle.= Passe! Unterm Tisch! Gut! - -=Hasselstein= [betrachtet ihren Kauf]. Den Achten! [Das Spiel beginnt.] - -=Zungrapp= [seufzend]. Ja, was du früher sagtest, meine teure Peleponesia, -ist allerdings richtig. Praktischen Wert hat so eine Südpolfahrt wohl -nicht. Das kostet nur Geld -- viel Geld -- es bringt zwar Ehren ein, aber -nicht wahr, liebe Frau Oberst, mit Ehren allein kann man keinen Haushalt -gründen und bei einem jungen Manne handelt es sich vorallem darum schnell -sein eigenes Nest bauen zu können. - -=Hasselstein= [seufzend]. Ach ja! Aber daran will Hans Georg nicht denken. -Er hat eben seine eigene Anschauungen! - -=Krickenfeld= [ihre Karten faltend und entfaltend]. Man sagt -- aber -- hm, -mich betrifft es ja nicht! Ich gehöre nicht zu jenen, die ein Gerücht von -Haus zu Haus tragen -- freilich, die Ohren verstopfen gegen das, wovon die -ganze Stadt spricht, kann kein Mensch. Nein, ich habe aber wirklich ein -elendes Blatt! Nicht einen einzigen Stecher! - -=Holzheim= [lächelt vergnügt]. Meine Damen, ich sage die »Trull« an. -[Mit wichtiger Stimme.] Auch mir sind gewisse Gerüchte zu Ohren gekommen, -aber -- - -=Krickenfeld= [ihre Karten betrachtend]. Du meine Güte, Frau Oberst, ich -habe nicht einen Stecher -- wie -- - -=Zungrapp= [streng]. Nichts aus der Schule plaudern -- [Sie nickt mehrmals -mit dem Haupte.] Ach, teure Peleponesia, es ist ein altes Sprüchwort: Es -ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch einmal an die Sonnen. - -=Krickenfeld= [rasch]. Soll ich oder soll ich nicht? Ich wag's: Ich sage -König ultimo an. - -=Alle.= Gut, gut! - -=Zungrapp= [schüttelt mißbilligend das Haupt]. Und vor kaum einer Minute -sagst du, daß du keinen Stecher hast. Ach, Peleponesia: [Sie droht ihr mit -dem Finger.] Ja, ja, man erzählt sich, doch -- uns geht alles das nicht -an. Pardon: War das eben der Sechzehner, der ausgespielt wurde? Gut: Den -kann ich gerade noch überstechen. - -=Holzheim= [ärgerlich zu Krickenfeld]. Jetzt haben Sie zu niedrig -ausgespielt, beste Frau Kommerzienrat: Auf diese Weise werden wir das Spiel -verlieren. - -=Hasselstein= [lachend]. Tut gar nichts, liebe Frau Inspektor, da gewinnen -wir es. [Man spielt eifrig.] Was sagt man eigentlich? Sollte jemand etwas -Nachteiliges über meinen Sohn geäußert haben? - -=Zungrapp= [bewegt die Karten]. So ein berühmter Gelehrter: -- ein -Südpolforscher: -- indessen -- mein Gott, die Menschen sind einmal -neidisch -- böswillig -- - -=Krickenfeld= [seufzt tief auf]. Ach, verehrteste Freundin, die Welt ist -voller Tücke: Besonders wenn es sich um eine hervorragende Persönlichkeit -handelt -- - -=Holzheim= [triumphierend]. Der Mond geht nach Hause, der Mond geht nach -Hause: Was man sagt? Ach, liebste Frau Oberst, nur unsere aufrichtige -Freundschaft für Sie vermag -- - -=Alle drei Damen= [die Karten wie zum Schwur erhebend] unsere bewährte -vieljährige Freundschaft -- - -=Holzheim= [jubelnd]. Der Pagat: Dem Himmel sei Dank: Ja, und unser warmes -Interesse für Ihren berühmten Herrn Sohn -- - -=Krickenfeld= [zur Decke aufsehend]. -- den wir schon liebten als er noch -in Röckchen herumging -- - -=Zungrapp= [mit süßer Stimme]. -- den wir mit innigsten Interesse -aufwachsen sahen -- - -=Holzheim= [einen Wurf an sich raffend]. -- vermag uns eine leise -- eine -ganz leise -- die allergeringste Andeutung zu machen, daß -- daß -- - -=Zungrapp.= -- daß -- es fällt uns allen schwer eine so äußerst -delikate Frage zu berühren -- - -=Krickenfeld= [eifrig]. Ja, man hat wirklich die Unverschämtheit zu -behaupten -- natürlich, nur eine Verleumdung -- die Welt ist leider so -verderbt -- - -=Holzheim= [seufzend]. Ja, verehrteste Frau Oberst, man ist der absurden -Anschauung -- - -=Krickenfeld= [sich in die Brust werfend]. Das heißt unwissende Leute -- -wir haben nie daran geglaubt -- - -=Holzheim= [eifrig]. -- böswillige Zungen -- - -=Zungrapp= [verächtlich]. -- Menschen, die immer auf der Lauer liegen -irgend einen Skandal zu entdecken -- - -=Hasselstein= [die Augenbrauen hochziehend]. Einen Skandal? Meinen Sohn -betreffend? - -=Holzheim= [sich zurücklehnend und das Spiel unterbrechend]. Beste Frau -Oberst, wir sind eben noch nicht so modern -- so ultramodern wie der Herr -Sohn -- In Kringhausen hält man sich noch an die strengen Sittenbegriffe -unserer eigenen Jugendzeit, das ist heutzutage natürlich veraltet -- -ich weiß -- aber Leute finden es hier eben -- ja, überraschend, -hochgeschätzte Freundin -- daß -- - -=Zungrapp.= -- daß Ihr berühmter -- Ihr trefflicher Sohn -- daran denken -könnte -- - -=Krickenfeld.= -- daß er sich dazu bestimmen ließe -- - -=Holzheim.= -- imstande sein würde -- [plötzlich jubelnd] Gewonnen, -- -gewonnen: Wir haben die »Trull«, wir haben Pagat ultimo! - -=Krickenfeld= [sieht durch ihre Karten]. Wir haben zwei Stiche und einen -König. - - [Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.] - -=Hasselstein= [nach einer Pause, scharf]. Wozu könnte Hans Georg sich -entschließen? - -=Holzheim= [seufzt tief auf, die anderen tun desgleichen]. Ach, beste -Freundin, die liberalen Anschauungen des Herren Sohnes geben leider zu -allerlei unbegründetem -- ich bin fest überzeugt ganz unbegründetem -Gerede Anlaß -- man meint, er könnte sich hinreißen lassen -- ja, viele -Leute gehen dahin zu behaupten es sei eine schon beschlossene Sache -- -dieses -- Mädchen -- - -=Hasselstein= [finster]. Welches Mädchen? Ich verstehe nicht -- - -=Krickenfeld.= Bitte anzusagen -- was ist gerufen? Ja, es handelt sich um --- meine Lippen sträuben sich den Namen dieser unglücklichen Gefallenen -auszusprechen -- kurz, um Berta Heller! - -=Holzheim.= Einen Dreier mit Herz: Was liegt im Talon? Ja, eben -- man -- -böse Zungen -- gehen so weit anzudeuten, daß der Herr Sohn noch immer -- -man erinnert sich an seine frühere Verblendung -- die Absicht haben soll -an eine Verbindung mit -- - -=Zungrapp.= Es liegt wunderschön: Der Mond und zwei Könige! - -=Krickenfeld= [munter]. Und nicht einmal der Gerufene -- das nenne ich -Glück! - -=Holzheim.= Das lasse ich mir gefallen: Ach, beste Frau Oberst, so ist es. -Man meint wirklich allgemein -- - -=Zungrapp= [mit Pathos]. -- die ganze Stadt spricht davon -- - -=Krickenfeld.= -- daß Berta Heller die Schwiegertochter -- - -=Hasselstein= [entschieden]. Niemals! Geschwätz der Leute meine Damen, -- -mein Sohn kann und wird nie vergessen, was er dem Namen seines toten Vaters -schuldet. - -=Zungrapp= [süß lächelnd und einschmeichelnd]. Und dem seiner -hochgeachteten allseitig geschätzten Mutter! - -=Hasselstein= [rafft erbittert ihren Wurf zusammen]. Er würde es nie wagen -mir eine solche Schwiegertochter in das Haus zu bringen -- meine Ansicht -kennt er -- - -=Alle drei= [lebhaft beteuernd]. Natürlich nicht! Ganz und gar -ausgeschlossen! Gewiß nicht! - -=Krickenfeld.= Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt. - -=Zungrapp.= Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen, so ist ihnen -daheim nichts mehr recht [sie gibt sich einen Klaps auf den Mund]. Es ist -nicht mein Sohn -- - -=Holzheim.= Der Herr Sohn hat eben so sehr moderne Anschauungen -- ein -Gelehrter -- natürlich -- aber -- [sie seufzt]. - -=Krickenfeld= [lebhaft]. Wir schätzten die vielen Vorzüge des Herrn -Professors sehr hoch -- - -=Holzheim.= Mein Pagat! O Jammer, er ist fort, er ist dahin! Wir sind eitel -Bewunderung seiner -- seiner -- Tugenden -- nur -- nur -- - -=Zungrapp.= Wie? Ist der Mond noch nicht ausgespielt? - -=Hasselstein.= Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen! Sie wissen -nie, was ausgespielt wurde, Frau Professor -- - -=Zungrapp= [gekränkt]. Ich zähle sie immer, aber wenn einmal fünfzehn -oder sechzehn draußen sind -- so -- so verliere ich manchmal den Faden. -Trotzdem sagt Hofrat Glaubig immer, daß ich ganz vortrefflich -- - -=Krickenfeld= [die Hände zusammenschlagend]. Wie, lebt dieser wandelnde -Leichnam noch? Dem zahlt die Regierung seine Pension sicher schon seit -vierzig Jahren. - -=Holzheim.= Und seine Tochter? Die hat vorzeiten trotz ihres kranken -Beinleins auch manche Seitensprünge gemacht. Ha, ha, ha! - -=Zungrapp.= Jetzt muß sich dieses Gerippe auch den Fünfzigern nähern. -Eine Vogelscheuche erster Klasse. - -=Krickenfeld= [entsetzt]. Gestochen? Mein König? Wie ist denn das -möglich? - -=Hasselstein= [trocken]. Weil erst neunzehn Tarock ausgespielt sind. Und -was ist aus dem verrückten Sohne geworden? - -=Zungrapp= [wichtig]. Oh der? Der hat auch so manches Vergehen auf dem -Kerbholz -- er sollte wohl eigentlich in das Gefängnis geworfen werden, -aber des alten Herrn wegen hat man ihn lieber irrsinnig erklärt. - -=Krickenfeld= [verzweifelt]. Jetzt ist unser König auch verloren! Frau -Oberst tragen daran die Schuld! - -=Hasselstein= [heftig]. Ich?? Ich kann die Tarock zählen -- Gottlob -[großer Lärm, alle schreien durcheinander]. - -=Holzheim= [erregt]. Sie hätten nicht Herz ausspielen sollen, als -- - -=Zungrapp= [gibt]. Bitte, nur schöne Blätter, meine Herrschaften! - -=Krickenfeld= [ihre Karten musternd]. Lassen Sie sich Ihre Handerl -vergolden für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben. - -=Holzheim= [lebhaft]. Wird etwas angesagt? - -=Zungrapp= [legt die Karten zusammen]. Ich sitze unterm Tisch. - -=Krickenfeld.= Passe. - -=Hasselstein.= Spielt niemand? Da wage ich einen Zweier. Treff! - -=Zungrapp= [lachend]. Wie kühn unsere Frau Oberst plötzlich geworden ist. -Da hat sie gewiß in unsere Blätter geschaut. - -=Hasselstein= [tut entrüstet]. Aber meine Damen [alle lachen]. - -=Holzheim.= Und ich sage alle Könige an -- hoffentlich bringe ich sie -glücklich wieder nach Hause [alle spielen eifrig]. - -=Hasselstein= [mit einer Handbewegung]. Bitte sich doch zu bedienen, meine -verehrten Damen. Ich glaube der Liqueur ist nicht schlecht -- mein Sohn hat -ihn von der Reise mitgebracht. - -=Alle.= Aaaaaah! [sie kosten und nicken hierauf befriedigend]. -Vortrefflich! ~Quel goût! Excellent!~ - -=Holzheim= [sich bedienend]. Ich muß einen Anisbogen nehmen. Die gute Frau -Oberst macht wahre Meisterstücke an Geschmack. - -=Zungrapp= [einschmeichelnd]. Nein, diese Dattelbusserl sind meine -Lieblinge. Meine Zähne erlauben mir nicht mehr den Genuß von hartem -Backwerk. Was für Zukunftspläne hat der Herr Sohn? - -=Krickenfeld= [leise zu Holzheim]. Sie hat nicht einen eigenen Zahn im -Munde -- lauter Kuckuckseier! - -=Holzheim= [vertraulich]. Ich habe drei falsche -- sonst nur meine eigenen --- ich bin aber auch um zehn Jahre jünger. - -=Zungrapp= [unterdessen leise zu Hasselstein]. Wie schrecklich alt und -verfallen die gute Holzheim aussieht und doch bin ich selbst nur drei Jahre -jünger [laut]. Heutzutage weihen uns die Kinder nicht mehr in ihre Pläne -ein -- die Eltern um Rat zu fragen ist nicht mehr Sitte -- aber ich frage, -weil wir den jungen Herrn eben wie unser eigenes Kind -- - -=Alle= [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen. [»Ich muß noch etwas -nehmen« -- »ich auch« schwirrt es durcheinander. Alle essen und trinken -eifrig.] - -=Hasselstein.= Es freut mich, wenn es den Damen schmeckt. Mein Sohn weiß -das Wohlwollen der Damen zu schätzen und ich nicht minder. Was seine -Zukunft betrifft, so wäre es mein Wunsch, daß er die Stelle als Professor -der Zoologie am hiesigen Gymnasium annehmen würde. Indessen spricht man -selbst von einer Oeffnung an der Universität in -- - -=Krickenfeld=. Wirklich? Ach, da wäre eine Heirat mit -- mit Berta ein -Unglück für ihn, denn niemand könnte mit ihm in gesellschaftliche -Beziehungen treten, weder hier noch in seiner neuen Heimat. Man kann auch -schlechterdings die Erziehung der aufwachsenden Jugend nicht einem Manne -anvertrauen, der sich über die herrschenden Grundsätze hinwegsetzt. Ach, -teuerste Frau Oberst, machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend -- -halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück! Ein Mädchen, das nun einmal das -Unglück gehabt hat -- ja, man kann die Welt nicht auf den Kopf stellen -- -ist eben verloren! - -=Hasselstein= [ernst]. Mein Sohn schließt gewiß nie eine Ehe mit einer -ihm unwürdigen Frau. Leider will er jedoch keine bindende Stellung -- -vorderhand wenigstens noch nicht -- annehmen. - -=Holzheim= [trinkt langsam]. Dieser Liqueur ist in der Tat vorzüglich. Und -erst dieses Backwerk! Unsere liebe Frau Oberst gehört eben noch der alten -Schule an, wo eine Hausfrau und Gattin vorallem kochen können mußte. -In meinem Elternhause, wo täglich Gäste eintrafen, wo das Wild und -Geflügel -- - -=Zungrapp= [lebhaft]. Beste Frau Inspektor, wenn Sie gar in meinem -Elternhause gewesen wären, wo Fürsten und Prinzen -- - -=Krickenfeld= [macht eine Handbewegung]. Alles das ist nichts gegen den -Aufwand, die Herrlichkeiten an Speise und Trank meines seligen Onkels des -Erzbischofs -- - -=Holzheim= [sie erregt unterbrechend]. So viele Backhühner, wie bei uns -hat man im ganzen Bezirk nicht gegessen und unsere Kirschpoganzen -- - -=Zungrapp= [sie unterbrechend]. In unserem Elternhause hatten wir täglich -wenigstens vier verschiedene Weingattungen auf dem Tisch und zu den -Festtagen -- - -=Krickenfeld= [mit vor Erregung zitternder Stimme]. Bei meinem seligen -Onkel, dem Erzbischof -- - -=Holzheim.= Die Gänse wurden in meinem Elternhause so gut gefüttert wie -nirgends sonst im Lande und was die Weingattungen betrifft -- - -=Krickenfeld= [einfallend]. Mein seliger Onkel der Erzbischof ließ den -Champagner immer direkt von Frankreich kommen -- - -=Zungrapp= [lebhaft]. Ans Spiel, meine Damen. Ja, zu der Zeit wurde die -Kochkunst viel höher geschätzt als heute. Jedes Mädchen selbst aus dem -vornehmsten Hause, mußte kochen können. Sehen Sie einmal mich an -- - -=Krickenfeld= [einfallend]. Mein seliger Onkel, der Erzbischof, hielt -strenge darauf, daß ich -- - -=Holzheim.= Unser Elternhaus genoß in der Hinsicht einen solchen Ruf, daß -die Freier scharenweise zu unseren Eltern kamen. Damals war man noch nicht -so modern, das man sich selbst einen Mann wählte -- das taten die Eltern. - -=Zungrapp= [bitter]. Welches Mädchen wird heute angehalten in der Küche -mitzuhelfen -- alles will nur studieren -- will modern sein. - -=Hasselstein= [spielend]. Ja, leider! Heutzutage muß ein Mädchen dagegen -Tennisspielen, Rollschuhlaufen und ähnliche Sachen können, muß allerlei -unnützes Zeug lernen und will dann, ganz wie ein Mann, ins Leben hinaus. - -=Zungrapp= [langsam nickend]. Wobei sich mancher Falter die Flügel -versengt. Das Heim geht verloren, die Heiraten nehmen ab und Kinder sind -schon ganz und gar unmodern. Ich bitte, wie soll ein Mann auch Lust und -vor allem die Mittel haben ein Mädchen von heute zu heiraten? Hunderterlei -Ansprüche, keine Kenntnisse, keine Pflichten, wenigstens zwei Dienstboten, -eine ganze Flucht von Zimmern, jeden Sommer eine Badereise, jede Saison -mindestens drei Hüte -- - -=Krickenfeld= [mit Nachdruck]. Und keine Kinder, -- nicht zu vergessen! Hat -eine Frau einmal eins oder zwei, so muß sie schon ins Bad, braucht eine -Kur, muß ein halbes Jahr unter ärztlicher Behandlung stehen und setzt -eine Märtyrermiene auf. Sehen Sie mich an! Ich hatte zwölf lebende -und vier tote Kinder und ich bin nie länger als vierzehn Tage im Bette -gelegen. - -=Holzheim= [die Karten zusammenraffend]. Gewonnen, gewonnen Frau Oberst! -25 Heller zu bezahlen. - - [Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.] - -=Krickenfeld.= Mein seliger Onkel, der Erzbischof, pflegte immer zu sagen: -Frauen und Oefen gehören in das Haus. - -=Zungrapp.= Herz gerufen? Heute hat man die Oefen und die Frauen -- außer -dem Hause. - -=Krickenfeld= [süßlich]. Um auf das herzige Bürschchen -- Pardon! -Pardon! -- den berühmten Südpolforscher zurückzukommen -- so wissen -Frau Oberst, daß wir die mütterlichsten Gefühle für ihn hegen -- so ein -Frauenherz ist einmal gegen alle von Liebe erfüllt -- und deshalb erlauben -wir uns zu sagen, daß ein junger Mann -- und trotz seiner hervorragenden -Eigenschaften ist der liebe Herr Professor noch so jung -- manchmal des -Rates bedarf. In höchster Erregung. Wie? Ist der Mond verloren? - -=Zungrapp= [gelassen]. Schon vor drei Stichen führte ich ihn nachhause. -Warum will der Herr Sohn die Stelle nicht annehmen? - -=Hasselstein= [mißmutig]. Er will zuerst ein Buch herausgeben, das die -Beschreibung seiner Fahrt und der von ihm gemachten Entdeckungen enthält. - -=Frau Zungrapp.= Ein Buch!!! Soooo interessant -- aber -- glaubt der Herr -Sohn finanziellen Nutzen daraus ziehen zu können? Ich erlaube mir nur -diese Frage, beste Frau Oberst, will jedoch nicht einen einzigen Augenblick -andeuten -- - -=Krickenfeld= [süßlich]. Wir zweifeln nicht, daß das Werk vortrefflich -geschrieben sein wird, aber wir meinen nur, daß ein wissenschaftliches -Werk in Kringhausen -- Mein Gott, solche Arbeiten liest eben kein Mensch -[sie schlägt sich auf den Mund] -- ich will sagen, so eine Arbeit wird -nur von auserlesenen Geistern gelesen -- in Bibliotheken und so weiter -- -aber nicht oft gekauft. - -=Holzheim= [achselzuckend]. Der Büchermarkt ist eben so überfüllt! - -=Hasselstein= [spitz]. Nicht mit Werken über den Südpol und die Antarktis -überhaupt. - -=Alle= [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst! Teuerste Freundin! - -=Krickenfeld= [ihre Hand drückend]. Bitte unsere Anmerkungen nicht -mißzuverstehen. In uns hat der Herr Sohn seine eifrigsten Bewundererinnen, -aber wir sind eben der Ansicht, daß -- daß die Verfasserlaufbahn keine -sichere Versorgung für einen heiratsfähigen Mann ist -- indessen hat ja -das Mamatscherl -- - -=Zungrapp= [tröstend]. Schon aus Höflichkeit für die Verwandten des -Herrn Professors wird man einige Exemplare kaufen -- - -=Hasselstein= [spitz]. Dessen bedarf es nicht. [Eine kurze, peinliche Pause -entsteht. Das Spiel wird wieder aufgenommen.] - - -2. Auftritt. - - [Der junge Hasselstein tritt ein.] - -=Alle Damen= [strecken ihm lebhaft die Hände entgegen]. Ach, da kommt -unser lieber, unser berühmter Südpolforscher! Willkommen, Willkommen! - -=Hans Georg= [küßt jeder der Damen die Hand]. Ich bitte sich nicht -stören zu lassen. - -=Krickenfeld= [süß]. Lieber Herr Professor, wer kann von einer Störung -sprechen -- wir sind entzückt Sie wiederzusehen. [Es wird mit viel Lärm -ausgezahlt.] - -=Holzheim.= Von einer Störung kann hier gar nicht die Rede sein, wir haben -uns ja schon so sehr auf das Wiedersehen gefreut. - -=Zungrapp= [ihm mit dem Finger drohend]. Bei mir ist mein alter Freund noch -nicht gewesen! - -=Hans Georg= [während die Damen aufbrechen]. Ich werde nicht verfehlen -- -ich war nur so überaus in Anspruch genommen. - -=Zungrapp= [lächelnd]. Ich kann es mir wohl denken -- alle Professoren und --- man hat immer auch andere Bekanntschaften -- - -=Krickenfeld= [sie beim Arm fassend]. Liebe Emilie, die Frau Oberst muß -sich danach sehnen mit Ihrem gefeierten Sohne ein wenig zu plaudern. Da -sind wir überflüssig. Komm! - -=Holzheim= [während ihr Hans Georg in den Mantel hilft]. Ach so ein in -Liebe pochendes Mutterherz! Aber wie hübsch er geworden ist! [Ihn von -allen Seiten betrachtend, einschmeichelnd.] Darf ich Ihnen als alte, gute -Freundin einen Kuß geben? - -=Zungrapp= [ihn betrachtend, während Fr. Holzheim ihn küßt]. Und was -für einen schmucken Schnurrbart er hat! Er ist nicht umsonst am Südpol -gewesen! Das nächste Mal aber, beste Frau Oberst, bringe ich mein -bescheidenes Abendbrot mit und werde dann Ihren hochinteressanten Sohn -mit Fragen bestürmen. -- Sie ahnen ja nicht, welches tiefe Interesse mich -durchglüht, Sie lieber Herr Professor, von Ihnen die nähere Beschreibung -der Paradiesvögel zu erhalten, die am Südpol -- - -=Hans Georg= [trocken]. Paradiesvögel gibt es leider keine in der -Antarktis, meine Gnädigste! - -=Zungrapp= [verwundert]. Nicht? Was Sie nicht sagen? Ich meine jene Vögel, -die immer auf zwei Beinen gehen. - -=Hans Georg= [leise]. Ja, auf vier können sie nicht leicht gehen. [Laut.] -Gnädige Frau meinen wohl -- - -=Krickenfeld= [lebhaft]. -- die antarktischen Pelikane. Von denen habe ich -auch gelesen. [Sie knöpft eifrig ihre Handschuhe zu, die anderen Damen -haben auch umständlich eine Menge Kleider und Pelzsachen angelegt.] - -=Hans Georg= [lächelnd]. Gnädigste sprechen gewiß von den Pinguinen. - -=Krickenfeld= [triumphierend]. Siehst du, liebste Emilie, ich hatte es -erraten -- mit »P« wenigstens fängt auch mein Wort an. - -=Holzheim= [neugierig]. Nun behalten wir Sie wohl in in unserem schönen -Kringhausen, nicht wahr, Herr Professor! Beim Mamatscherl ist's eben am -besten! - -=Hans Georg= [die Stirne runzelnd]. Ich hoffe bleibend bei Mama verweilen -zu können -- indessen hängt dies noch von einigen anderen Umständen ab. - -=Krickenfeld= [mahnend]. Führen Sie nur auch bald ein nettes Frauchen -heim. Ach, Sie Herzenstöter! [Sie droht ihm lächelnd mit dem Finger.] Ich -kenne mehr als ein Mädchen, das nur von Ihnen träumt. Ha, ha, ha! - -=Hans Georg= [ernst]. Gnädige Frau belieben zu scherzen -- ich kenne nur -eins! - -=Holzheim= [die Hand auf seinen Arm legend]. Wählen Sie sich nur ein -häusliches, wohlerzogenes -- - -=Zungrapp= [mit Nachdruck]. -- ein Mädchen mit tadellosem Rufe -- das -ist immer Hauptbedingung, hier, wo man eben in mancher Beziehung noch so -unmodern ist. - -=Krickenfeld= [lebhaft]. Etwas Mitgift ist auch ein sehr wünschenswerter -Faktor -- - -=Zungrapp= [abwehrend]. Letzteres spielt bei unserem Jungchen [schelmisch] -Pardon! Pardon! so darf man eine angehende Berühmtheit wohl nicht -nennen -- - -=Hans Georg= [verbeugt sich kalt]. Bitte sehr, gnädige Frau! - - [Alle Damen reichen nun zuerst Frau Hasselstein und hierauf ihrem Sohne - die Hand, die er küßt. Abschiedsworte fliegen durcheinander, ein - großer Lärm entsteht. Mutter und Sohn begleiten die Gäste bis zur - Tür zur Rechten.] - -=Krickenfeld= [zu Hans Georg]. Stets willkommen bei mir, Herr Professor! - -=Zungrapp= [lächelnd]. Nur auf baldige Brautschau ausgegangen! Ein junger -Mann braucht ein Heim. - -=Holzheim= [ruft von der Schwelle zurück]. Und nur die Warnungen der -lieben Mama hübsch beherzigt! - - -3. Auftritt. - - [Mutter und Sohn allein.] - -=Hans Georg= [führt seine Mutter zu einem Lehnstuhl zur Linken, legt einen -Polster für sie zurecht, schiebt einen kleinen Fußstuhl unter die Füße -und bleibt dann, gegen die Kredenz im Hintergrund gelehnt stehen.] Seit -meiner Heimkehr ist es mir noch nicht gelungen ein einziges trauliches -Plauderstündchen mit dir zu halten und dennoch habe ich so vieles auf dem -Herzen, das alles bald besprochen werden muß. - -=Hasselstein= [mit Stolz auf den hübschen jungen Mann blickend]. Sprich, -mein Kind, ich bin begierig deine Pläne zu hören! - -=Hans Georg= [ernst]. Mutter! Es handelt sich um meine ganze Zukunft, -um mein Glück! Als ich vor mehr als zwei Jahren der Heimat den Rücken -kehrte, so geschah es, wie du dich erinnern wirst in zweiter Linie um mein -Wissen zu vergrößern, Abenteuer zu bestehen, neue Entdeckungen zu machen --- Ich wagte mein Leben in unerforschten, unwirtlichen Gegenden -- - -=Hasselstein= [erregt]. Welche Sorge habe ich um dich, liebster Hans -ausgestanden, wieviel Tränen -- - -=Hans Georg= [ernst]. Ich weiß es, Mama! Ich habe oft gewünscht, daß -ich dir alle diese Leiden und Sorgen hätte ersparen können, aber eine -Trennung war notwendig -- [leiser] -- für uns beide. Ich zog aus um -neue Horizonte zu finden und dadurch auch neue, reinere, nachsichtigere -Anschauungen zu gewinnen, um dir, liebes Mutterl, Zeit zu geben die Liebe -zu deinem Sohne auf die Probe zu stellen, um dich in den Stand zu setzen -dich allmählich von der Wahrheit meiner Worte mit bezug auf eine mir teure -Person zu überzeugen und um einst heimkehren zu können in ein Heim, von -denen die Schatten engherziger Beurteilung gewichen, -- gewichen, auf daß -Nachsicht, Liebe und Vertrauen dort ihren Einzug halten. Auch ich habe -sowohl mein Herz als auch meine innerste Ueberzeugung zu prüfen Zeit -gehabt -- lange, ja lange sind die Stunden der düsteren Polarnacht und oft -lag ich überlegend, prüfend, erwägend im Schlafsack, wenn der süße, -traum- und sorgenlose Schlummer sich lange schon auf meine glücklicheren -Kameraden gesenkt hatte. Ich prüfte mich, Mutter, und weiß, daß -mein Entschluß unwiderruflich, daß Berta für meine Zukunft die beste -Gefährtin, zu meinem Lebensglücke unerläßlich ist. Wie vor zwei Jahren -bitte ich dich heute: Lass' mich sie, die mir schon seit Jahren teuer, -zu dir bringen -- finde statt eines Kindes =zwei=! [Weich.] Zwei die dich -lieben, zwei die für dich sorgen, zwei die alles aufbieten werden dir dein -Alter zu verschönen, deinen Lebensabend friedvoll und heiter zu gestalten! - -=Hasselstein= [erregt]. Ach, Hans Georg! Nach all meinen Bitten -- - -=Hans Georg= [ernst nähertretend]. Es handelt sich um mein =Glück=, -Mutter! - -=Hasselstein= [seufzend]. Du weißt, daß ich stets nur an dein Wohl, dein -Bestes denke! - -=Hans Georg= [weich]. Ich weiß es Mütterchen! Aber du darfst nicht -vergessen, daß die Zeiten sich ändern, daß die Anschauungen der heutigen -Jugend notwendigerweise von denen, die verwichen vor vierzig Jahren -geherrscht, verschieden sind. Wir gehen gottlob einer aufgeklärten Epoche -entgegen, einer milder denkenden, verständnisvolleren und daher auch einer -nachsichtigeren -- - -=Hasselstein= [heftig, sich aufrichtend]. Recht wird immer Recht, Unrecht -eben Unrecht bleiben, Hans Georg! Die heutige Jugend genießt größere -- -[sie seufzt und schweigt einen Augenblick] -- vielleicht allzu große -Freiheit, aber der Ruf eines Mädchens bleibt heute wie vor vierzig Jahren -ihr größter Schatz, der Prüfstein ihres Wertes! - -=Hans Georg= [bitter]. Selbst wenn sie den Verlust desselben einem -gewissenlosen Schurken und nicht eigener Schuld verdankt? - -=Hasselstein= [das Haupt schüttelnd]. So ein Fall ist ein großes Unglück -für das Mädchen -- aber -- in den Augen der Welt -- - -=Hans Georg= [mit wachsender Erregung]. Und woraus besteht diese »Welt«? -Aus einigen beschäftigungslosen Pensionisten, vielen alten Klatschweibern -und wenigen gedankenlosen Nachplapperern dieser beiden Kategorien -- -Menschen, von denen die erste Gattung das Füttern der Vögel im -Stadtparke und die zweite das Amfenstersitzen und Kartenspielen zur -Hauptbeschäftigung hat. Und über ihr Urteil kannst du dich deines -einzigen Sohnes willen, der nur wie durch ein Wunder überhaupt -zurückkehrte, nicht hinwegsetzen? - -=Hasselstein= [betrübt]. Mein Sohn! Die Welt besteht aus allen jenen -Menschen, mit denen wir zusammentreffen, in deren Mitte wir leben müssen. - -=Hans Georg= [die Brauen hochziehend]. Müssen? Man kann unliebsamen -Personen aus dem Wege gehen. - -=Hasselstein= [müde]. Einigen vielleicht -- doch nicht allen. Der Mensch -ist ein Gesellschaftstier und wir sind daher der öffentlichen Meinung -unterworfen. - -=Hans Georg= [erregt auf und abgehend]. Ist es also besser sich selbst -unglücklich zu machen als der sogenannten öffentlichen Meinung mutig die -Stirne zu bieten? - -=Hasselstein.= Törichtes Kind! Glaubst du, daß dein Glück von Dauer sein -würde, so du der Achtung deiner Mitmenschen beraubt wärest? - -=Hans Georg= [wirft stolz das Haupt zurück]. Vorurteile muß man eben -bekämpfen -- der Anfang mag schwer, der Erfolg ein langsamer sein, aber -endlich muß der Sieg errungen werden! - -=Hasselstein= [ernst]. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer -- ein -Fall verändert noch nicht lange die traditionell gewordenen Gesetze von -Jahrhunderten, die in Fleisch und Blut des Volkes übergegangen -sind. [weich und bittend.] Ach, Hans Georg, lasse dich hier als -Gymnasialprofessor nieder, wähle dir ein Mädchen aus gutem Hause und von -tadellosem Rufe -- - -=Hans Georg= [bitter]. -- und führe ein Spießbürgerleben anseiten einer -ungeliebten aber in den Augen der guten Kringhäusler hochachtbaren Frau -- -danke! - -=Hasselstein= [weich]. Mein Jungchen! [Nach einer kurzen Pause.] Sag' mir, -du mein Leben, mein Stolz, meine Freude, daß du auf deine alte Mutter -hören willst, daß du nicht ernstlich daran denkst diese -- diese Berta -Heller -- zu heiraten. Beim Andenken deines verstorbenen Vaters beschwöre -ich dich -- - -=Hans Georg= [sinkt vor seiner Mutter in die Knie, stützt sich auf -ihren Schoß und blickt zärtlich in ihr Antlitz]. Lassen wir Vater -- er -genießt die Ruhe, um die ich ihn oft beneidet habe! [weich und bittend]. -Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen den Kringhäuslern um -meinetwegen zu trotzen? Hast du, während ich begraben unter Eis und -Schnee, fern -- -- ach, so fern von dir -- ein gefahrvolles Leben führte, -stets bereit vom Schauplatze irdischer und meist leider so nichtiger -Kämpfe zu anderen Sphären berufen zu werden, hast du da nie gedacht, wie -es sein würde, wenn ich nie wiederkäme, wenn ein Mitglied der Expedition -dir statt des gesunden Sohnes die Nachricht seines frühen Todes zugeführt -hätte, wenn du deinen Lebensabend einsam hier verleben müßtest, -- -ohne daß die Stimmen froher Enkel in diesen Mauern widerhallen würden --- einzig von den Verwandten, einzig von den geschwätzigen Tarockdamen -besucht. Hast du nie dir vorgestellt -- - -=Hasselstein= [sich die Tränen abtrocknend]. Oh mein Junge, mein geliebter -Hans Georg! Wie oft lag ich stundenlang betend vor meinem Lager, wie oft -saß ich weinend gerade hier, wenn die Einsamkeit mich allzu unerträglich -deuchte, die Sorge um dich, du mein höchster Schatz, mein Herz -zusammenkrampfte. Ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden, wenn [Mutter -und Sohn halten sich lange umschlungen]. - -=Hans Georg= [sie liebkosend]. Hast du dir nie vorgestellt, -Herzensmütterchen, wie schön unser Zusammenleben sein würde, wenn -Berta -- wenn ich und sie dir immer nahe wären und alle deine Wünsche -ausführen könnten -- Wünsche, die nur ein Sohn, eine liebende Tochter -erfüllen können. Dachtest du nie, wie süß die Enkelchen -- ihre und -meine Kinder -- - -=Hasselstein= [leidenschaftlich]. Deine Kinder -- doch nicht sie ins Haus --- nicht sie zu deiner Frau -- Oh, Hans Georg! - -=Hans Georg= [müde]. Warum nicht? Weil ein Schurke ohnegleichen es gewagt -hatte die kaum sechzehnjährige liebliche Menschenblüte mit Gewalt -zu brechen? Sie die sowohl vor wie auch nachher ein tadelloses, -mustergültiges Leben führte, sie, die außer ihrer Schönheit ein edles -Gemüt, ein warmes Herz, einen regen Geist und künstlerische Anlagen -besitzt und die dem kranken Bruder ihr Erbteil abgetreten, ihren Vater -jahrelang aufopfernd gepflegt hat, sie, an deren Seite einzig ich mein -Glück finden kann? Vor zwei Jahren konnte ich noch zweifeln -- heute nicht -mehr. Oft, wenn die Bitterkeit dieses schwache Herz erfüllte und es -zu sprengen drohte, da stieg inmitten der Schneewüste das Bild Bertas -tröstend vor mir auf und die Wellen des Abscheus gegen alle engherzigen -Seelen daheim sanken in nichts zusammen, -- wenn ich mich freute mir einen -Namen errungen zu haben, so war es, weil er ihr Schutz gewähren sollte -gegen alle -- -- - -=Hasselstein= [ihn abwehrend unterbrechend]. Sie wird deinen reinen -geachteten Namen in den Schmutz ziehen -- das weiße Tuch wird schwarz, -wenn es mit Ruß in Berührung kommt, nicht der schwarze Ruß weiß vom -Tuche. [Vorwurfsvoll.] Du denkst immer zuerst an sie -- erst hierauf an -deine Mutter. - -=Hans Georg= [ihre Hände ergreifend]. An wen könnte ich mehr denken als -an meine Mutter, aber siehst du, Berta ist bereit mir alles zu opfern, mit -mir bis an das Ende der Welt zu ziehen, falls wir das Heim, das erhoffte -Glück nicht bei dir, nicht in der Heimat finden können. Sie will gerne -das schwere Leben eines Forschers in fremden Erdstrichen mit mir teilen, -sie opfert mir willig Heimat, die Annehmlichkeiten der civilisierten -Länder mit ihren Vergnügungen, ihren reichen Abwechselungen -- und du, -ach, du willst deinem Sohn nicht einmal die Kringhäusler und ihre nichtige -Meinung aufopfern! - -=Hasselstein= [besorgt]. Du sprichst von neuen Forschungsfahrten -- wärest -du imstande mich wieder zu verlassen, mich neuem Kummer, neuen Sorgen -auszusetzen? - -=Hans Georg= [weich]. Wie gerne, wie innig gerne verbliebe ich bei dir, -doch du selbst schickst mich wieder hinaus in die weite Welt. Auch Berta, -liebste Mutter, auch ich, wir beide haben gleich dir Anspruch auf Freude, -auf Glück, auf eine sonnige Zukunft. Wäre mein Lieb' ein schlechter -Charakter, ein leichtsinniges Mädchen, so würde ich nie ein solches -Opfer, eine Ueberwindung von dir begehren -- aber einem Vorurteil allein -kann ich nicht das Glück und die Zukunft eines ganzen Daseins opfern. -[Weich.] Zieh' mit uns, Mutter verlasse Kringhausen und in einem fremden -Orte -- unsere Heimat ist groß -- wollen wir ein neues Heim uns gründen. - -=Hasselstein= [müde]. Gerüchte erreichen auch entfernte Orte. - -=Hans Georg= [ihre Hände mutlos fallen lassend]. Du liebst die -Kringhäusler mehr als deinen Sohn! [Nach düstern Schweigen leise.] Es -sei, Mutter, wie schwer mir der Abschied auch wird, wie hart der Schlag, -der meine schönsten Hoffnungen vernichtet, mich auch getroffen. [Fester, -lauter.] Noch gibt es Völker, wo mein Name, meine Persönlichkeit -allein genügen werden, dem Weibe, das ich liebe, das ich zu meiner -Lebensgefährtin erwählt habe, Achtung zu verschaffen. [Er entfernt sich -mit gesenktem Haupte etwas von Fr. H.] - -=Hasselstein= [nach einer peinlichen Pause]. Hans Georg! - -=Hans Georg= [sich müde umwendend]. Mutter! - -=Hasselstein= [die Hände nach ihm ausstreckend]. Komm' zu mir, mein -Kind! [Er sinkt langsam wieder vor der Mutter in die Knie und hält sie -umschlungen.] Kannst du nur mit Berta glücklich werden? - -=Hans Georg= [ernst]. Ja, Mütterchen, mit ihr allein! - -=Hasselstein= [weich und mit tränenerstickender Stimme indem sie ihn an -sich zieht]. Mein Liebling, ich kann eine neue Trennung nicht ertragen, -ich kann dich nicht wieder in die Fremde ziehen lassen -- ich muß daher -wohl -- [sie küßt ihn]. - -=Hans Georg= [jubelnd]. Mama! O du mein süßes, o du mein geliebtes -Mutterl -- - - -4. Auftritt. - - [Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll und die ganze - Verwandtschaft stürmt herein. Herr und Frau Pottenmiller, Herr und - Frau Brunnick, Herr und Frau Knute, Ladislaja und Hermine Schrift und - alle rufen allerlei durcheinander. Große Begrüßung. Alle nehmen - endlich Platz und verhältnismäßige Ruhe tritt ein.] - -=Frau Regierungsrat Pottenmiller= [Hans Georg vom Scheitel bis zur Zehe -durch ein Lorgnon musternd]. So, so, da wäre also unser Südpolfahrer. -Endlich einmal treffen wir dich daheim -- bist sonst immer vergriffen. - -=Regierungsrat Pottenmiller.= Willkommen daheim, lieber Neffe. Wie hat es -dir am Südpol gefallen? - -=Frau Direktor Knute.= Wer hat euch das Essen gekocht? - -=Hans Georg= [lächelnd]. Wir wechselten ab -- jede Woche kam die Reihe an -jemand anderen. - -=Frau Knute= [mit Verachtung in Ton und Geberden]. Kein Wunder, daß du so -mager bist! Was verstehen die Männer von der Speisezubereitung?! - -=Ada Brunnick= [sich zurücklehnend, mit scharfer kreischender Stimme]. -Sag' einmal, was hast du für Pläne? Das darf man wohl erfahren, vermute -ich. Wohlgemeinte Ratschläge wirst du natürlich wie immer ablehnen. [Sie -zuckt mit den Achseln.] - -=Frau Knute= [in befehlendem Tone]. Jetzt wirst du natürlich nicht albern -genug sein die Stelle am hiesigen Gymnasium wieder abzulehnen. Man nennt -deinen Namen gerade jetzt häufig in den Blättern und mir wurde privatim -gesagt, daß du, mit einiger Protektion sogar an der Universität unserer -Kreishauptstadt -- - -=Ladislaja= [schlägt die Hände zusammen, mit dünner Fistelstimme]. Nein, -stellt euch vor, unser kleiner Hansi Universitätsprofessor! - -=Frau Hasselstein.= Das ist auch mein höchster Wunsch -- am liebsten als -Gymnasialprofessor hier, das ist eben eine sichere Versorgung mit späterer -Pension -- - -=Hans Georg= [mit Sarkasmus]. Die langsame Verwandlung eines denkenden -Menschen in eine wandelnde Maschine ist selbstverständlich ganz belanglos. - -=Ada Brunnick= [heftig, mit unruhig blitzenden Augen]. Was habe ich soeben -gesagt? Ihm einen Vorschlag zu machen bedeutet so viel wie denselben -augenblicklich verworfen zu sehen. Er dünkt sich stets der Klügste. -[Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine Forschungsreise. - -=Hans Georg= [kalt]. Mein Bleiben oder mein Reisen hängt von Umständen -ab. - -=Ladislaja= [salbungsvoll]. Bleibe im Lande und nähre dich redlich! - -=Hermine= [im gleichen Ton]. Ja, Hans Georg, so haben es unsere Väter -gehalten und so ihre Väter vor ihnen und -- - -=Hans Georg= [verächtlich]. Ja, ja, bis zurück auf Adam und Eva. - -=Ada Brunnick= [kreischend]. Ganz wie ich voraussetzte! - - -5. Auftritt. - - [Ein Stubenmädchen öffnet die Tür und läßt Roden und Norry - eintreten.] - -=Norry= [indem er Frau Hasselstein begrüßt]. Ich gratuliere Ihnen, -gnädige Frau, zu Ihrem Sohne. Ein ausdauernder Forscher und ein -liebenswürdiger Kamerad! - -=Roden= [Fr. Hasselstein begrüßend]. Gnädige Frau haben alle Ursache -stolz auf ihn zu sein. Die Wissenschaft verdankt ihm wichtige Aufschlüsse -über die antarktische Tier- und Pflanzenwelt, ganz besonders aber über -die Lebens- und Fortpflanzungsweise mehrerer bisher noch ganz unbekannt -gewesener Infusorien. Er hat eine glänzende Zukunft vor sich. - -=Hasselstein= [lächelnd]. Ja, ich bin wirklich stolz auf meinen Jungen und -so froh ihn wieder bei mir zu haben. - -=Frau Pottenmiller= [zu Norry, nachdem alle wieder Platz genommen]. Helfen -Sie uns, Herr Doktor, ihm den Kopf zurechtzusetzen. - -=Ada Brunnick= [zu Roden]. Wir sind eben im Begriff über seine Zukunft -zu entscheiden -- wir wollen daß er endlich eine vernünftige Laufbahn -einschlägt -- sich hier niederläßt. - -=Frau Knute= [heftig zu beiden Herren]. Denken Sie sich, man hat ihm eine -Stelle am hiesigen k. u. k. Staatsgymnasium angeboten -- eine Versorgung -mit Pension -- und er sagt -- der unmögliche Mensch sagt, daß er noch -nicht weiß, ob er das Angebot auch annehmen wird. - -=Die Herren Pottenmiller und Knute= [sagen gehorsam nach]. Er weiß noch -nicht, ob er sie annehmen wird. - -=Frau Knute= [mit einen Blick gegen den Himmel]. Wenn er doch endlich -vernünftig sein wollte! - -=Die beiden alten Herren= [auf aufmunternde Blicke ihrer Ehehälften hin]. --- vernünftig sein wollte! - -=Roden= [sich erhebend]. Da bitten wir um Entschuldigung gestört zu haben. -Ein Familienkonklave wollen wir um keinen Preis unterbrechen. - -=Frau Knute und Pottenmiller.= Im Gegenteil, Sie müssen bleiben und uns -helfen. [Sie drücken ihn mit Gewalt in den Stuhl zurück.] - -=Ada= [indem sie Norry festhält, der gleichfalls aufgestanden]. Auf Ihre -Worte wird er eher hören -- Fremden gehorcht er immer lieber als uns, -seinen allernächsten Verwandten! - -=Die drei Herren= [auf ein Zeichen ihrer Gemahlinnen]. -- seinen nächsten -Verwandten! - -=Roden= [sich vergeblich zu befreien suchend]. Wir kamen nur um Professor -Hasselstein zu fragen, ob er bereit sein würde sich der in schon drei -Wochen abgehenden Forschungsexpedition nach Mikrosenien anzuschließen. - -=Norry.= Unser Herr Kollege war nicht ganz sicher, ob er in Kringhausen -verbleiben würde oder nicht. Nun ist es aber notwendig, daß alle -Teilnehmer spätestens heute ihren Entschluß mitteilen und die Liste -der Teilnehmer unterzeichnen. Sonst hätten wir die Herrschaften nicht -gestört. - -=Alle Damen= [die Hände ringend]. Er will schon wieder auf Abenteuer -ausfliegen! - -=Ladislaja= [vorwurfsvoll]. So etwas! Ein solch' greller Undank, -nachdem ich mich für ihn bemüht habe und mir der hiesige Regimentsarzt -versprochen hat Hans Georg zweimal die Woche als Privatlehrer ins Haus -kommen zu lassen. [Zu Norry.] Ein junger Mann verdient ja nie zu viel. - -=Roden= [leise und erbittert zu Norry]. Himmel welche Menschen! Sie würden -einen Michelangelo zum Zaunstreichen verwenden. - -=Hermine= [die Daumen drehend]. Eine gesicherte Stellung ist eine -gesicherte Stellung. An den Südpol fahren und ähnliche Dummheiten -machen, das mag in jungen Jahren ganz entschuldigbar, wenn auch ganz ohne -praktischen Wert sein, aber im Alter sehnt man sich nach Ordnung, nach -einem Heim, nach Ruhe -- - -=Alle drei Herren= [mit tiefen Seufzern]. -- nach Ruhe, nach Frieden! - -=Frau Knute.= Und nach einer braven, häuslichen Frau. - -=Die drei Herren= [leiser, noch seufzend]. Nach einer braven -- nach einer -stillen Frau! - -=Hermine= [einen Strickstrumpf herausziehend und die Nadeln zurechtlegend]. -Bäckers Linchen ist zum Beispiel ein sehr wohl erzogenes, fleißiges und -ehrbares junges Mädchen -- - -=Hans Georg= [trocken]. Von dreißig Jahren mindestens! - -=Ada Brunnick= [mit blitzenden Augen und allen Anzeigen höchster -Entrüstung]. Eine Bäckerstochter in unserer Familie! [Mit gespieltem -Mitleid.] Tante Hermine wird altersschwach! - -=Frau Knute.= Oder Doktors Röschen? Niemand in ganz Kringhausen kann eine -bessere Fleischsulz zubereiten als -- - -=Hans Georg= [trocken]. Verstand oder Gemüt braucht meine künftige Frau -Eurer Ansicht nach nicht zu haben. Ich kann statt dessen ja jede Woche -einmal eine vorzügliche Fleischsulz essen. - -=Herr Brunnick= [seufzend]. Bester Hans Georg, eine geistreiche Frau -ist -- [er verbessert sich schnell] -- kann zur Geißel werden! - -=Roden= [leise zu Norry]. Der arme Tropf spricht sicher aus Ueberzeugung. - -=Norry= [leise zu Roden, während die Damen unter sich lebhaft -gestikulierend plaudern]. Die Männer sehen allesamt nicht aus, als ob -sie das Pulver erfunden hätten -- die Frauen haben mehr Grütze, aber -Zungen -- - -=Roden= [im selben Ton]. Quantitativ genommen sehen die Männer nicht übel -aus -- - -=Norry= [leise lachend]. Die größten Orangen haben die allerdickste -Schale -- - -=Ada= [befehlend zu den beiden Forschern]. So reden Sie doch mit! Hans -Georg hört nicht auf unsere wohlerwogenen -- - -=Frau Knute= [sich aufrichtend]. -- und weisen Ratschläge -- - -=Roden= [sarkastisch lächelnd]. Professor Hasselstein ist zweifelsohne -imstande das für ihn Beste richtig zu wählen. - -=Alle Damen= [mit Ueberzeugung und viel Geschrei]. O glauben Sie das -nicht!!! - -=Ada Brunnick= [verächtlich]. Hans Georg hat noch keine Lebenserfahrung! - -=Frau Pottenmiller.= Er kennt die Fallstricke des Daseins noch nicht. Mein -Mann zum Beispiel wäre ohne mich -- [sie bemerkt plötzlich, daß er ganz -ruhig eingeschlafen und schüttelt ihn nun kräftig]. - -=Regierungsrat Pottenmiller= [fährt jäh aus dem angenehmen Schläfchen -empor]. Aaah -- was -- was -- schon Zeit zum Aufstehen! Gleich, gleich, -beste Frederike -- wo sind meine Socken? [Er ist jetzt ganz wach geworden.] - -=Ada= [verächtlich auf den Vater blickend, zu Roden]. Ja, ja, der Papa! -Wenn er uns nicht hätte! - -=Norry= [leise zu Roden von der andern Seite]. Ich glaube, daß er da viel -glücklicher wäre. - -=Ada= [ruft zu Norry, den sie etwas murmeln hört]. Pardon! Sagten Herr -Doktor mir etwas? - -=Norry= [lächelnd]. Ich wollte nur fragen ob die Tatsache, daß -Professor Hasselstein den Gefahren und Beschwerden einer langen -Südpolforschungsreise getrotzt hat, als Erfahrung so gar nicht ins Gewicht -fällt. - -=Ada Brunnick= [verächtlich mit ihrer kreischenden Stimme]. Bester Herr -Doktor, welche Frage! »Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein -Charakter in dem Strom der Welt«, so sagt ja unser großer Denker! - -=Alle drei Damen.= So sagt er! - -=Frau Pottenmiller= [stolz]. Ach, unsere Aderl, die weiß alles! - -=Roden= [lächelnd]. Ich verstehe vollkommen, man muß eben den Strom in -Kringhausen mitgemacht haben. - -=Norry= [leise]. V--t viele Wirbel und Strudel darin! - -=Roden= [im gleichen Ton]. Und statt Seejungfrauen gibt es Seeelefanten -- -[laut] Hasselstein, welchen Entschluß haben Sie gefaßt! Wollen Sie dem -schönen Kringhausen treulos den Rücken kehren oder -- - -=Ada= [entrüstet]. Er wird doch nicht wieder -- Der Mensch hat so gar -keine Charakterfestigkeit! - -=Frau Knute= [das Haupt schüttelnd]. Statt Haus und Heim zu gründen -- - -=Frau Pottenmiller.= Wirst du das sichere Brot fahren lassen? - -=Die drei Herren= [auf einen ermahnenden Puff von Frau Knute im Chor]. Das -Brot fahren lassen! - -=Hermine= [streng]. Die Möglichkeit, dir eine Position zu schaffen -- -endlich ein solides Leben zu führen -- - -=Hans Georg= [lachend]. Ich erinnere mich nicht am Südpol, in der -Antarktis überhaupt, unsolid gelebt zu haben. [Roden und Norry lachen -mit.] - -=Frau Pottenmiller= [wirft dem Kleeblatt einen vernichtenden Blick zu]. In -meiner Jugend -- man hielt damals noch auf guten Ton -- hätte ein junger -Mann es nicht gewagt bei einer verdienten Zurechtweisung zu lachen und eine -so -- so -- - -=Herr Pottenmiller= [aufhelfend]. -- so schnauzige Antwort -- - -=Ada Brunnick= [ihm einen vernichtenden Blick zuwerfend]. Papa! -[Pottenmiller sinkt ganz und gar in sich zusammen und schweigt.] Gewiß -hat sich der Papa im »weißen Hirschen« eine so vulgäre Ausdrucksweise -angewöhnt. - -=Ladislaja= [lächelt dummvergnügt vor sich hin]. Otto wird bald nicht -mehr zimmerrein sein. [Hans Georg und die beiden Forscher lachen, die Damen -sind entsetzt.] - -=Alle Damen.= Ladislaja! Ladislajaaaaaaaaaa!!!!! - -=Ada= [leise zu Roden]. Die Tante leidet sicher an Gehirnerweichung. - -=Frau Knute= [in gebietendem Tone]. Hans Georg! - -=Hans Georg= [gelassen]. Du befiehlst, Tante? - -=Frau Knute= [kategorisch]. Ich habe schon eine Frau für dich bestimmt. -Von deiner Abreise ist natürlich keine Rede, sondern du heiratest, läßt -dich hier nieder und zur Belohnung für deinen Gehorsam verspreche ich dir, -daß ich deiner Frau mit Rat und Tat selbst an die Hand gehen werde. So ein -junges Ding bedarf der Anleitung. Von mir unterstützt aber -- - -=Hans Georg= [sich verbeugend]. Du bist außerordentlich liebenswürdig, -liebe Tante, indessen -- ist meine Wahl schon getroffen. - -=Alle.= Schoooon getroffen!!!! - -=Frau Pottenmiller.= Und davon schwiegst du? - -=Frau Knute.= Und du machtest uns ein Geheimnis daraus? - -=Hans Georg= [ruhig]. Nein, ich bin noch nicht zu Wort gekommen. - -=Frau Knute.= Lieber Neffe, in solchen delikaten Angelegenheiten ist es -immer am besten sich zuerst bei seinen weiblichen Anverwandten -- [mit -einem Blick auf die drei Herren] -- die männlichen taugen nichts, -- Rat -zu holen. - -=Frau Pottenmiller= [ernst]. Glaube mir, lieber Neffe, eine Frau ist in -solchen Fällen weit besser imstande zu sagen, ob die Auserwählte auch -allen Ansprüchen gerecht zu werden verspricht, ob sie -- - -=Hans Georg= [dem endlich die Geduld reißt]. Zum Teufel auch! Soll ich -oder werdet Ihr mit ihr leben? - -=Ada Brunnick= [mit sichtbarer Befriedigung]. Sein ungezügeltes -Temperament gewinnt die Oberhand -- wie immer! - -=Roden= [leise zu Norry]. Jean Baptiste Rousseau hat recht, wenn er sagt: -»~Le pire venin est celui des serpents du genre feminin~«. - -=Frau Pottenmiller= [entrüstet]. Wo bleibt deine mütterliche Autorität, -Schwester? - -=Hasselstein= [scheu]. Hans Georg liebt sie -- [sie seufzt] -- er will -sie -- allerdings gegen meinen Willen, trotz meiner Bitten -- heiraten und -was soll -- was kann ich -- [etwas entschlossener, da sie auf ihn blickt] --- er liebt seine Braut und ich -- ich bin Mutter! [Sie bricht in Tränen -aus, Hans Georg ist aufgestanden, neigt sich über ihren Stuhl und küßt -sie. Er bleibt dort stehen.] - -=Frau Knute= [streng]. Dein Sohn hat leider nie zu gehorchen gelernt! - -=Ada= [mit gespieltem Mitleid]. Die gute Tante hat den Erziehungskarren -total verfahren. - -=Frau Pottenmiller= [stößt mühsam hervor]. Wer ist sie? - -=Ladislaja= [den Hals ausstreckend]. Ist sie reich? - -=Hermine.= -- und tugendhaft -- religiös, -- streng christlich erzogen? - -=Frau Knute.= Ist deine Braut häuslich? - -=Herr Pottenmiller= [schüchtern]. Ist sie hübsch? - -=Ada= [streng]. Papa! - -=Frau Pottenmiller= [in belehrendem Tone]. Darauf kommt es am -allerwenigsten an. Je weniger auffallend die Erscheinung um so -anspruchloser -- - -=Ada.= -- und biegsamer -- - -=Frau Knute.= -- und weniger zur Koketterie geneigt -- - -=Ladislaja.= -- und reineren Herzens -- - -=Hermine= [langsam und feierlich, Silbe für Silbe]. -- und passender für -die heilige Ehe ist so ein Mädchen! - -=Alle= [zu Frau Hasselstein]. Tante! Schwester! Sprich! - -=Frau Hasselstein= [gleitet unruhig auf dem Stuhle hin und her und sagt -endlich stotternd]. Die -- se -- ses -- Määä -- äd -- chen ist -- -ist -- - -=Alle= [gebietend]. Ist!!!!? Schwester!!!!!! Ist!!!! - -=Frau Hasselstein= [nach kurzer Ueberwindung, leise]. Es ist -- Berta -- -Berta Heller! - -=Ada Brunnick= [bissig]. Diese Verlorene -- diese -- diese -- - -=Frau Pottenmiller= [mit tugendhaftem Grauen in der Stimme, während die -anderen sprechende Blicke austauschen]. Eine arme jugendliche Verunglückte --- ein Paria! - -=Frau Knute= [rücksichtslos wie immer, laut]. Eine Dirne! - -=Hans Georg= [dessen Zorn jetzt den Höhepunkt erreicht hat, mit donnernder -Stimme indem er mitten unter sie tritt]. Nein! Schweigt! Ein junges -Mädchen besser als alle die fälschlich als so tugendhaft betrachteten -fraglichen Grazien Kringhausens, das das Unglück gehabt hat als -ahnungsloses Kind einem Elenden in die Hände zu fallen. Ihr wagt es, -meine Braut zu beschimpfen, sie deren Gedanken edler, reiner und -menschenfreundlicher sind als die vieler, die mir gut bekannt. [Er blickt -auf sie der Reihe nach.] Ihr wagt einer Unglücklichen etwas vorzuwerfen, -woran sie keine Schuld trägt! Pfui! [Er wendet sich ab und geht ruhelos im -Zimmer auf und nieder.] - -=Ada Brunnick= [erholt sich zuerst]. Und solchem Wahnsinn hältst du die -Stange, Tante? [Sie mißt sie kalt. Zu ihrem Vater] Papa, sprich! - -=Herr Pottenmiller= [sich aufraffend]. Wie -- soll ich mich im »weißen -Hirschen« zeigen können, wenn die Verlobung bekannt wird, Hans Georg? -Niemand wird von etwas anderem sprechen, man wird hundert Fragen an mich -stellen -- - -=Hans Georg= [bleibt einen Augenblick stehen]. So bleib' zu Hause, wenn du -dich fürchtest! [Er nimmt seine Wanderung wieder auf, Herr Pottenmiller -erneuert seinen Ueberredungsversuch nicht.] - -=Hermine= [weinerlich]. Und wie kann ich zu den Schneiderabenden des -katholischen Jungfrauenvereins gehen? Ich müßte zu sehr erröten, wenn -man Anspielungen -- an -- an machen würde. [Sie bedeckt das Gesicht mit -den Händen.] - -=Ladislaja= [mit ihrer dünnen Fistelstimme]. Ach, und wie könnte ich dem -jungen Prediger nur in die Augen schauen -- nein, nein, ich müßte vor -Scham in die Erde sinken -- vergehen -- Er, der mich und unsere Familie -den anderen Jungfrauen des Vereins als Muster hinstellt! Mit so einer -Verwandten -- so ein Skandal! -- - -=Roden= [leise zu Norry]. Vor zwanzig Jahren hat ihre Jungfräulichkeit -vielleicht noch einen Wert gehabt. - -=Norry= [im gleichen Ton]. Sagen wir ruhig: vor einem Vierteljahrhundert! - -=Frau Knute= [streng]. Mir ins Haus darfst du so eine -- [sie verstummt vor -H. G.'s Blick]. - -=Hans Georg= [kalt]. Fürchte dich nicht -- wir werden uns allein genügen! - -=Frau Pottenmiller.= Auf die Stelle am hiesigen Gymnasium darfst du in dem -Fall auch nicht rechnen, ebenso wenig wie auf die Protektion meines Mannes --- Wer die Jugend erziehen will muß vor allem selbst unerschütterliche -sittliche Grundsätze haben -- - -=Frau Hasselstein= [traurig]. Das haben die Damen der Tarockgesellschaft -auch gesagt. - -=Hans Georg= [verächtlich]. Alte Klatschbasen! Hast du also mit ihnen -über meine Zukunft Rat gepflogen? - -=Frau Hasselstein= [schüchtern]. Sie erzählten, daß die ganze Stadt -davon spricht, daß es deiner Zukunft schaden, dich gesellschaftlich zum -Paria -- - -=Hans Georg= [kalt]. In Kringhausen machen wird, nicht wahr? Die Welt -besteht Gott sei Dank nicht ausschließlich aus Kringhausen und -- -Kringhäuslern! - -=Frau Knute.= Gehe wohin du willst, du wirst überall einen schweren Stand -haben. Es gibt immer Menschen, die freundlich genug sind einen solchen -Fleck im Namen einer Frau an irgend eine gute Freundin zu schreiben, die -diese Neuigkeit hierauf die Runde im Städtchen machen läßt. - -=Hans Georg= [spöttisch]. Ich zweifle nicht daran. Hoffentlich wird mein -Name dennoch Kraft genug besitzen meine Frau zu schützen. - -=Frau Pottenmiller= [mit Nachdruck]. Keine Frau deiner Kollegen wird -mit dir in gesellschaftliche Verbindungen treten wollen, -- kurz, deine -Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande überhäuft, dein toter Vater -im Grabe -- - -=Hans Georg= [streng]. Laß die Toten in Frieden ruhen -- wir haben mit den -Lebendigen mehr als genug. - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Er würde sich im Grabe umwenden, wenn er -eine Ahnung hätte! [Alle sprechen durcheinander, Hans Georg geht erbittert -auf und ab.] - -=Roden= [zu Norry]. Der Arme dreht sich sicher nicht um, der muß totmüde -sein und verwendet die ersten hundert Jahre seiner Befreiung gewiß dazu, -das Ohrensausen loszuwerden. Lieber unter Krokodilen als zwei Tage unter -Kringhäuslern! - -=Frau Pottenmiller.= Hoffentlich wird dich die Rücksicht auf deine Mutter -bestimmen -- =wir= beanspruchen nichts -- diese verrückte Idee aufzugeben -und keinen derartigen Skandal heraufzubeschwören. Wir werden alles tun um -unsere unglückliche Schwester von der Torheit eines solchen Vorhabens zu -überzeugen. - -=Hans Georg= [bitter]. Ich zweifle nicht daran! [Weich zu seiner Mutter.] -Mama, die Herren warten und diesem peinlichen, höchst unerquicklichen -Auftritt muß ein Ende gemacht werden. Als uns die Verwandten unterbrachen, -hattest du mich eben unbeschreiblich glücklich gemacht. [Er ergreift ihre -Hand.] Bist du, Teure, noch der Meinung, daß wir zusammen ein Leben voll -Glück und Frieden führen könnten? Die Stürme, die nun aufgewühlt -worden sind, sie legen sich bald und auf sie folgen schöne, frohe, sonnige -Tage stiller Zufriedenheit, reinen Glücks. Darf ich deine Entscheidung -von vorhin als bindend ansehen, soll ich meinen geschätzten Kollegen -mitteilen, daß ich mit meiner Frau bei meiner Mutter bleiben oder -- - -=Alle= [auf sie einschreiend]. Tante! Schwester, um Himmelswillen laß -dich nicht zu solchem Wahnsinn hinreißen! Denke an deine gesellschaftliche -Stellung, was du dir und uns allen in der Hinsicht schuldest, denke an -die gerechte moralische Entrüstung der gesamten Einwohnerschaft von -Kringhausen -- - -=Hans Georg= [laut, mit Nachdruck]. Die Angelegenheit, die hier erörtert -wird, geht nur meine Mutter und mich selbst an! Darf ich daher um Schweigen -bitten! [Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl! Soll ich in deiner -Nähe bleiben oder wieder hinausziehen in die weite Welt? Zweimal komme ich -wohl kaum zurück! - -=Frau Knute.= Du brauchst ja nicht zu gehen! Es gibt genug andere Mädchen -in Kringhausen. - -=Hasselstein= [mit Würde]. Aber nur ein einziges Mädchen für mich --- meine Braut! [Die Hände seiner Mutter ergreifend und mit milder -Ueberredung.] Bedenke, du mein teures Mütterchen, daß es sich hier um -unser Glück und nicht um die Meinung anderer Leute handelt. Nach einigen -Monaten schon werden die Kringhäusler diese Ueberraschung verwunden haben -und alles, was ich tun kann soll geschehen um dir diese kurze Zeit so -leicht, so erträglich als möglich zu gestalten. Willst du, daß ich mit -Berta auf Reisen gehe und erst nach Ablauf von mehreren Monaten heimkehre? -Willst du, Teure, nicht mit uns kommen? Sag mir nur eins: -- Willst du -meine Braut willkommen heißen, willst du in unserer Mitte, bei ihr, bei -mir, in Zukunft verweilen? - -=Frau Hasselstein= [schwankend]. Wenn nur -- aber du kennst die Leute -- -die Tanten sind auch der Ansicht -- ganz wie meine anderen Bekannten -- die -Damen der Tarockpartie -- ach, es wird ein solches Gerede geben -- - -=Hans Georg= [ernst]. Ich frage nicht nach der Meinung der Verwandten -- -gleichgültig ist mir die Ansicht der Kringhäusler solange ich nur nicht -vor =mir selbst= erröten muß, -- ich frage dich, dich, meine innigst -geliebte Mutter, ob ich gehen soll, wieder hinausziehen in unbekannte -Gefahren, von dir scheiden um nie wiederzukehren -- ich frage =dich=, ob du -die Liebe zu mir oder die öffentliche Meinung wirst siegen lassen. Sprich, -Mutter! - -=Frau Hasselstein= [leidenschaftlich]. Ach, geh' nicht -- verlasse mich -nicht -- schon nähere ich mich dem Grabe -- bleib' bei mir, du, du mein -einziger Sohn! - -=Hans Georg= [einen Arm um ihre Schultern legend]. Bei wem würde ich wohl -lieber als bei dir verweilen, Mütterchen, doch nicht kann ich mein Wort -Berta gegenüber brechen, mein Lebensglück und das ihre eines Vorurteils -willen in den Staub treten. Ein solches Dasein hätte für mich jeden Wert -verloren, wäre ein Zeugnis meiner moralischen Schwäche, hinterließe -einen ewigen nagenden Vorwurf in meinem Innern, der das Beste in mir -langsam aber sicher zerstören würde. Wenn du mich liebst, Mutter -- - -=Frau Hasselstein= [weinend]. O Hansi, Hansi, ich kann dich nicht ziehen -lassen! Bleib' hier, selbst -- - -=Frau Knute= [scharf]. Schwester, ich beschwöre dich, bedenke -- - -=Frau Pottenmiller= [gleichfalls]. Was werden deine Bekannten dazu sagen? -Du bist gesellschaftlich zugrundegerichtet, kein Mensch -- - -=Ada= [kalt und hart]. Sei kein Schwächling, Tante, wenn er das Mädchen -dir vorzieht, so lasse ihn laufen. - -=Frau Knute.= Er wird schnell genug einsehen lernen, was eine Heirat mit so -einem Wesen bedeutet. - -=Alle drei Herren= [sich aufraffend]. Ja, er wird schon sehen, er wird -schon sehen! - -=Hans Georg= [sich ängstlich und zärtlich zugleich über seine Mutter -neigend, besorgt]. Wem stimmst du bei, Mama, den Tanten als Sprachrohr der -Kringhäusler oder mir, deinem einzigen Sohne? - -=Frau Hasselstein= [nach einigen Sekunden inneren Kampfes, unsicher]. Hans -Georg! [Schwer atmend und die Hände gegen das Herz gepreßt.] Siehst du, -die Tanten haben recht -- du wirst nie hier geachtet leben können und ich --- ich zittere wenn ich an alle Bemerkungen -- an all das Gerede denke. Wir -sind -- eine -- geachtete Familie -- und -- - -=Hans Georg= [läßt die Hand, die er auf der Schulter der Mutter liegen -gehabt, matt herabgleiten und entfernt sich etwas, sodann mit dumpfer -Stimme, die Mutter noch einmal bittend ansehend]. Da ist es wohl am besten -ich nehme das Anerbieten der Expedition an. Sind wir nur beide, Berta und -ich, von Kringhausen fort und erfährt man einmal, daß du selbst meine -Entfernung gewünscht, so vergeben dir sowohl die Verwandten als auch die -Kringhäusler großmütig einen so entarteten Sohn zu haben. [Leise und -traurig.] Möge nie der Tag kommen, an dem du fühlst, daß du es dir -selbst nicht vergibst mich fortgeschickt -- eines kleinlichen Vorurteils -halber fortgeschickt zu haben. [Er streckt müde die Hand nach dem -Schriftstück aus, daß ihm Roden, düster schweigend reicht.] - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Die öffentliche Meinung -- fern von hier, wo -man Berta nicht kennt -- wo niemand unsere Sprache spricht -- - -=Frau Knute= [scharf]. -- irgendwo unter den Wilden -- - -=Roden= [ernst]. Gnädige Frau, ich habe Wilde gekannt, die den -Kringhäuslern in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind! [Er läßt -seinen Blick kalt über sie hingleiten.] - -=Hans Georg= [reicht Norry das nun unterzeichnete Dokument]. Bitte! [Norry -steckt es ein, betrübt vor sich hinblickend.] Es ist am besten so -- für -uns alle! - -=Frau Knute= [Rodens Bemerkung beantwortend]. Die Herren der Schöpfung -- -ob nun wilden oder civilisierten Völkern angehörend, vergeben immer gerne -ein kleines Abweichen vom engen Pfad der Tugend. - -=Roden= [ernst]. Und dennoch gehört gerade das Vergeben zu den edelsten -Vorrechten der Frau -- - -=Frau Knute= [ihn heftig unterbrechend]. Nicht -- - -=Roden= [sich verbeugend und zurückweichend]. Ich verstehe, gnädige Frau! -Nicht unter den Kringhäuslern! - -=Hans Georg= [traurig zu seiner Mutter]. Die Würfel sind gefallen! - -=Frau Pottenmiller= [sie unter dem Arm nehmend und mit sich auf die Tür -zur Linken führend]. Du hast verständig gehandelt, Schwester, sehr -verständig. - -=Ada= [ihr folgend]. Laß' ihn nur erst draußen einsehen lernen, welche -Schätze er in der Heimat zurückgelassen, da wird er schon kürre werden. -Eine Scheidung -- - -=Frau Knute= [ebenfalls der Schwester nacheilend und sie mit Gewalt -fortziehend, als sie noch einmal auf den Sohn zurückblickt und zu zögern -scheint]. Du hast endlich, wenn auch spät, die gewünschte mütterliche -Autorität geltend werden lassen. Bravo! - -=Frau Hasselstein= [zweifelnd, unter Tränen]. Glaubt -- meint Ihr -- ach, -wenn er doch die Stelle am hiesigen Gymnasium angenommen und ein anderes -Mädchen -- - -=Frau Pottenmiller= [scharf]. Er hat das Gute, die vielen Vorteile des -Aufenthalts in einer wichtigen Stadt wie Kringhausen nie zu schätzen, zu -würdigen verstanden! - -=Ada= [hart]. Wein' nicht, Tante, sei stark! Klagen dienen niemand und -Tränen führen zu nichts. [Sie gehen links ab, alle die anderen mit -Ausnahme von Norry, Roden und Hasselstein folgen.] - - -6. Auftritt. - -=Hans Georg= [bitter, nach kurzem Schweigen, während Roden und Norry -Hut, Handschuhe und Stock aufraffen]. Wie schnell Hoffnungen scheitern, -Trugbilder in nichts zerrinnen. In der Antarktis hoffte ich, daß -die täglich wachsende Menge von Eindrücken und Erfahrungen, von -überstandenen Gefahren und damit gestärkter, zunehmender Kraft mir helfen -würden, den Sieg zu erringen, alle kleinlichen Vorurteile zu überkommen, -alles lächerliche Beurteilen reiner Aeußerlichkeiten zu verwerfen. Wie -schön deuchte mich, vom Abendrot der Erinnerung beleuchtet, da die Heimat, -wie unerschütterlich fest war da meine Ueberzeugung, daß die Liebe einer -Mutter größer als die Macht leeren Geredes. Und nun -- [er seufzt tief -auf und senkt das Haupt] -- trotz der Fülle neuer Eindrücke, ungeachtet -der erweiterten Horizonte, die sich mir erschlossen, muß ich im Kampfe -gegen verächtliches Spießbürgertum unterliegen; muß die zarte Frau mit -mir in die weite Welt hinaus führen, statt ihr hier bei meiner Mutter, -hier, wo ich geboren und jedes Ding Bedeutung für mich hat, ein Echo -meiner Kindheit, meiner Jugend ist, ein friedliches Heim gründen zu -können. Alles, alles ist umsonst gewesen! - -=Roden= [ernst]. Armer Freund, das ist, weil Sie eben einen großen Fehler -begangen haben! - -=Hans Georg= [sieht ihn verwundert an]. Einen Fehler? - -=Norry= [nickt plötzlich ebenfalls eifrig]. Einen ganz unverzeihlichen! - -=Hans Georg= [von dem einen auf den anderen blickend]. Und der wäre? - -=Roden= [mit Nachdruck, indem alle drei Herren langsam auf die Tür zur -Rechten zugehen]. Nicht Sie hätten auf Suche neuer Horizonte in die -Antarktis ziehen sollen -- sondern - -=Norry= [einfallend]. -- die Kringhäusler! - - [Der Vorhang fällt.] - - - - -3. Akt. - - - [Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt. Alle Verwandten sind in tiefer - Trauer. Die Damen der Tarockpartie sind gleichfalls anwesend und auch - dunkel gekleidet. Alle halten das Taschentuch vor die Augen, Frau - Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf.] - - -1. Auftritt. - -=Regierungsrat Pottenmiller= [steht inmitten der Szene und liest, als -sich der Vorhang hebt, mit monotoner Stimme aus einer Zeitung vor]. -- der -einstige Teilnehmer an der Südpolexpedition, Professor Doktor Hans -Georg Hasselstein, der auch in Mikrosenien seine ausdauernden Studien und -Forschungen fortgesetzt, häufige höchst wertvolle Mitteilungen über die -Flora und Fauna heimgeschickt und besonders interessante Aufschlüsse -über die Lebensweise der Skolopandren und anderer Insekten dieser Zonen -eingesendet, wie auch die Gewohnheiten des gefährlichen und von Matrosen -und Fischern dort sehr gefürchteten Octopus, eines zeitweilig selbst -im Mittelmeere in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen mit großer -Ausdauer erforscht und beschrieben hat. Sein letzter Ausflug -- [alle -schluchzen laut und trocknen sich die Augen] -- wurde ebenfalls in der -Absicht unternommen dieses Seeungeheuer auf einer der naheliegenden Inseln -genauer zu studieren und die Fangmethode desselben besser zu prüfen als -ihm dies bisher möglich gewesen, doch blieb der von einem unverläßlichen -Eingeborenen gelenkte Kahn auf einem Korallenriff sitzen und während es -dem Wilden gelang sich, wenn auch nur mit großen Schwierigkeiten und mit -knapper Not zu retten, wurde der unglückliche Gelehrte von der starken -Brandung ergriffen, einigemale gegen die spitzigen Riffe geschleudert -und dann in die grausige Tiefe des Stillen Ozeans hinabgezogen. Man -befürchtet, daß er von den um diese Inseln äußerst zahlreichen -Haifischen angegriffen worden sei. Jede Suche nach der Leiche ist auch -erfolglos geblieben. -- Der frühe Tod des berühmten Naturforschers und -unermüdlichen Gelehrten hat nicht nur in seiner eigenen Heimat das tiefste -und aufrichtigste Bedauern erweckt -- [alle schluchzen wieder laut] --- sondern wird von der gebildeten Menschheit der ganzen Welt auf das -lebhafteste beklagt. Alle Teilnehmer der Forschungsexpedition betrauern in -Professor Doktor Hasselstein einen allzeit liebenswürdigen, hilfsbereiten, -schaffensfreudigen und tapferen Kollegen, der nicht nur klaglos sondern -immer mit heiterer Miene die geradezu unbeschreiblichen Strapazen -seines anstrengenden Berufes ertrug. Ein einfaches Kreuz am Strande der -Ailukinsel, nicht weit von der Unglücksstätte trägt außer dem Namen -und den Geburts- und Sterbedaten auch den kurzen Vers: »Durch Todesnacht -bricht ew'ges Morgenrot«. -- Frau Professor Hasselstein, die treulich alle -Gefahren und Entbehrungen ihres Gatten geteilt und sich die Bewunderung -aller Teilnehmer der Expedition errungen, kehrt schmerzgebeugt mit dem kaum -drei Monate alten Söhnchen zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer -»Ozeanien« in die deutsche Heimat zurück. Ob Frau Professor Hasselstein -dort zu bleiben gedenkt, ist unbekannt. [Er legt die Zeitung langsam -zusammen und setzt sich.] - -=Frau Hasselstein= [schluchzend]. Mein Kind! Mein einziges Kind! Er starb -in fremden Zonen -- [leise und die Hände ringend --] durch meine Schuld! -[Sie weint bitterlich.] - -=Krickenfeld= [ihre Hand auf den Arm Fr. Hasselsteins legend und sich -eifrig die Augen wischend]. Beste Frau Oberst, wir alle teilen ihren -Kummer, denn wir alle haben ihn wie einen Sohn geliebt! - -=Zungrapp= [sich auch die Augen trocknend]. Ach, du liebe Zeit! So ein -staatlicher, so ein guter [sie schluchzt]. - -=Holzheim.= So ein edles Herz -- so ein gu -- gu gu -- [sie schluchzt laut -auf]. - -=Krickenfeld.= Wenn nur dieses Mädchen nicht gewesen -- - -=Zungrapp.= Sccchhhttt! Sie war die Frau des berühmten Gelehrten. -- - -=Frau Pottenmiller= [beschwichtigend]. So, so, nur ruhig, du darfst dich -nicht so aufregen, liebe Schwester. Hans Georg ist jetzt im Himmel, wo wir -ihn alle einmal treffen werden. - -=Frau Hasselstein= [bitterlich weinend]. Wenn ich nur schon recht bald -zu ihm käme. [Unter Schluchzen.] Warum ach, warum ließ ich ihn von -mir gehen? [Alle versuchen sie zu trösten, allgemeine Bewegung, große -Beileidsbezeugungen, betäubendes Stimmengewirr. Endlich tritt wieder Ruhe -ein.] - -=Frau Knute.= Es muß dir doch ein großer Trost sein, teure Schwester, -daß seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, dir in eigener -Handschrift ein Beileidsschreiben schickte. =Ganz= Kringhausen spricht -davon! - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Mein Sohn, mein Sohn! Im besten Mannesalter, -fern von der Heimat, fern von ihr, die ihn geboren, auf so entsetzliche -Art -- [sie schaudert] -- sterben zu müssen! [Sie ergreift das Kuvert, -das das kaiserliche Beileidsschreiben enthält und langsam versiegen ihre -Tränen.] Ja, es war der einzige Lichtpunkt in dem großen Unglück, das -mich getroffen. [Sie zeigt auf ein riesigen Haufen Briefe, der den ganzen -großen Tisch bedeckt.] Und so viele mir vollständig unbekannte Personen -haben mir so lieb geschrieben. Ich bin stolz und in meinem Kummer -glücklich einen solchen Sohn gehabt zu haben. - -=Frau Pottenmiller= [wichtig]. Alle Zeitungen schreiben spaltenlange -Artikel über ihn und sein Name steht fettgedruckt schon auf der ersten -Seite. [Zu den Damen der Tarockpartie.] Mit allen Fasern meines Herzens -bin ich an meinem Schwesterkind gehangen und habe nie verfehlt ihm weise -Ratschläge zu geben. - -=Ada= [spitz]. Die er regelmäßig verworfen hat! - -=Krickenfeld= [den Brief mit Ehrfurcht aufhebend]. So eine Auszeichnung und -all die schönen Reden sind wohl ein großer Trost für unsere liebe Frau -Oberst! Ganz Kringhausen fühlt sich geehrt! [zu Frau Hasselstein, die -wieder laut weint]. Nur ruhig, beste Freundin, ich hatte zwölf Kinder und -mußte neun begraben. - -=Frau Zungrapp= [entschieden zu den Verwandten]. Wir werden uns der Armen -schon annehmen, so ein kleines Spielchen -- - -=Holzheim= [lebhaft]. Natürlich! Natürlich! - -=Krickenfeld= [mit Ueberzeugung]. Das übt einen wohltätigen beruhigenden -Einfluß auf die Nerven aus -- - -=Zungrapp= [fest]. Eine kleine Zerstreuung ist notwendig -- - -=Ada.= Es läßt sich an dem Vorgefallenen nichts ändern -- - -=Frau Hasselstein= [schluchzend]. Wie -- wie kö -- könnte ich -- in -meinem großen Schmerz -- an -- an -- einer Tarockpartie teilnehmen -- - -=Alle Damen.= Eine Ablenkung tut not -- ist wie eine heilsame Medizin -- - -=Ladislaja= [mit salbungsvollem Tone]. Man muß sich in den Willen des -Höchsten mit Demut fügen. - -=Hermine= [lebhaft]. Der neue Prediger wird vier Messen für seine Ruhe -lesen und alle Jungfrauen unseres Vereins werden für sein Seelenheil -beten. - -=Frau Knute= [aufspringend]. Schwester, hast du den neuen Trauerhut schon -aufprobiert? - -=Frau Hasselstein= [müde]. Ja, -- er muß geändert werden. - -=Frau Knute= [indem sie auf den Lehnstuhl zur Linken zugeht auf dem -eine Hutschachtel steht und den Hut samt langen Schleier herauszieht -und betrachtet. Alle Damen folgen ihr mit den Blicken.] Als Mutter eines -solchen Sohnes muß dein Hut tadellos sitzen! - - -2. Auftritt. - - [Ein Stubenmädchen öffnet geräuschvoll die Tür und läßt Roden und - Norry eintreten, die auf Fr. Hasselstein zugehen und ihr schweigend die - Hand küssen, während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.] - -=Roden= [indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch vor Fr. Hasselstein -legt]. Einige Kleinigkeiten als Andenken -- ein Jagdmesser, sein letztes -Notizbuch, einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring -- die Uhr -verbleibt dem Sohne. - -=Frau Hasselstein= [mit zitternder Erwartung in der Stimme]. Wo ist!? [Sie -vollendet nicht.] - -=Roden= [mit unergründlicher Miene]. Der Sohn ist bei seiner Mutter! - -=Frau Hasselstein= [die Gegenstände mit zitternden Händen an sich -raffend]. Ich -- ich danke Ihnen meine Herren! [Sie macht eine bittende -Handbewegung und beide nehmen schweigend Platz.] - -=Frau Pottenmiller= [zu beiden Herren]. Sie sehen eine gramgebeugte Familie -vor sich! - -=Krickenfeld=, =Holzheim= und =Zungrapp=. Die Zierde von Kringhausen ist -nicht mehr! - -=Frau Knute= [sich die Augen wischend]. Unser hochbegabter Neffe fand ein -so frühes Ende! - -=Frau Hasselstein= [ihre Hand bittend auf Norrys Arm legend]. Erzählen Sie -mir -- von -- von -- meinem Sohne. - -=Norry= [mitleidig]. Hans Georg dachte immer voll Liebe an Sie, gnädige -Frau -- wir sprachen oft von Ihnen; hoffnungsfreudig in der Nacht -der Antarktis und mit warmer Hingebung unter den tropischen Bäumen -Mikroseniens. [Frau H. weint.] - -=Frau Knute= [zu Roden]. Sie haben keine Ahnung, Herr Doktor, wie sehr uns -der Schlag, der meine unglückliche Schwester getroffen, nahegeht! - -=Roden= [kalt]. Ich zweifle nicht daran. [Leise zu Norry.] Nun hat die -Pfeife einen anderen Ton. - -=Frau Pottenmiller= [zu Norry]. So ein Mann -- alle Zeitungen berichten von -ihm -- - -=Krickenfeld.= Ein so berühmter Forscher! Wie oft habe ich ihm einen Apfel -gegeben! - -=Zungrapp= [zur Decke blickend]. Ein Talent! Ein Talent! meine Damen. - -=Ada= [die als einzige nicht geweint hat und nur kalt umherblickt]. -Ein Talent, zugegeben und wie alle solche auch überspannt. Meine Tante -verstand nicht sein Temperament zu zügeln, niemand konnte auf ihn -einwirken. Hier in Kringhausen bot sich ihm eine gesicherte Existenz, die -Achtung seiner Mitbürger, -- wenn er nur auf seine merkwürdigen Ideen -verzichten gewollt, -- geistige Anregung auf allen Gebieten -- er aber -- - -=Frau Knute= [seufzt tief auf]. Meine Schwester war allzu schwach in ihrer -Mutterliebe. - -=Frau Pottenmiller= [seufzt auch]. Allzu nachsichtig gegen ihren Sohn. - -=Ada Brunnick= [mit Befriedigung]. Ich habe es immer vorausgesehen, daß er -ein abenteuerliches Ende finden werde, denn niemand bricht ungestraft die -heiligsten Bande -- - -=Roden= [ärgerlich]. Aber man hat das Recht die Stricke zu durchschneiden, -die einen Pegasus als Ackergaul festhalten oder einen Canova dazu -verpflichten, als Topfmacher sein Brot zu verdienen. Nicht jeder, meine -Gnädigste, ist von der Natur zum Kringhäusler geschaffen! - -=Norry= [zu Knute und Pottenmiller]. Die ihm am nächsten gestanden, haben -seinen Wert zuletzt erkannt! - -=Frau Hasselstein= [bittend zu Norry]. Herr Doktor! - -=Norry= [ihr nähertretend, freundlich]. Gnädige Frau? - -=Hasselstein=. Wie -- wie -- war das Ende? - -=Norry= [ernst und voll Mitleid]. Wir waren alle auf dem Schiff viele -Meilen von der Unglücksstelle entfernt und kamen alle erst vierzehn -Tage später nach Ailuk. Der Eingeborene, der die Schreckensbotschaft der -beklagenswerten jungen Gattin überbrachte, lag noch bei unserer Abreise -krank darnieder, da er sich an den scharfen Korallenriffen Verletzungen -zugezogen hatte und ein Haifisch -- - -=Alle= [mit Entsetzen]. Aaaaaah! Ooooooh! Ein Haifisch!!!! - -=Frau Hasselstein= [schluchzt untröstlich]. So ein gräßliches Ende und -alles -- ach, alles -- durch meine Schuld! - -=Frau Knute= und =Pottenmiller= [vereint]. Liebe Schwester, teure -Schwester, es steht nicht immer zu ändern -- du hast richtig gehandelt -- - -=Ada Brunnick= [hart]. Er hat es ja selbst so gewollt! - -=Roden= [ernst]. Hasselstein starb im Dienste der Wissenschaft, die ihm -ewigen Dank schuldet. - -=Norry= [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen mit Gewalt -zurückgehalten, so würde er wahrscheinlich sein eigenes Leben gerettet -haben. Edel wie immer ließ er den Gefährten Rettung finden. - -=Krickenfeld= [während die anderen laut weinen]. Ja, so ein junger Mann, -auf den können die Kringhäusler stolz sein! - -=Zungrapp.= Wenn ich denke, wie oft ich ihm ein Butterbrot gestrichen -habe -- - -=Holzheim= [sich die Augen trocknend]. Und ich, die ich ihm stets von -meinen besten Winteräpfeln gegeben habe. Das ist mir jetzt in der Tat ein -erhebendes Bewußtsein. Auch ich habe zu seiner Größe beigetragen! - -=Frau Pottenmiller= [stolz]. Am regen Verstande meiner Adarl hat er zuerst -den seinen zu schärfen gelernt! Ihr verdankt er -- - -=Roden= [leise zu Norry]. Über die Schärfe des Gehirns kann ich noch kein -richtiges Urteil abgeben, aber die Zunge -- - -=Norry= [lächelnd]. -- ist die reinste Damaszenerklinge! Was war Harun al -Raschids Schwert dagegen? - -=Roden= [im selben Ton]. Einem Haifisch käme ein Gruseln an! - -=Frau Krickenfeld.= Man will -- so sagte mir im Vorbeigehen die Frau -unseres lieben Medizinalrates -- - -=Zungrapp= [heftig]. Peleponesia, hast du auch schon gehört, daß sie mit -ihrem Vetter ein Verhältnis gehabt haben soll und ihr Mann die beiden -- - -=Hermine= und =Ladislaja= [sich vorbeugend]. -- ein Verhältnis? -- Diese -scheinheilige -- diese -- - -=Roden= [leise zu Norry]. =Jetzt= erröten die holdseligen Jungfrauen -nicht! - -=Holzheim= [sich aufblasend]. Nur =ich= allein kenne alle Einzelheiten, -denn meine Masseuse -- - -=Krickenfeld= [mit Mißbilligung]. Lassen Sie sich noch massieren! - -=Holzheim= [etwas verlegen]. So sehr bedarf ich dessen freilich nicht mehr, -aber die Masseuse weiß eben immer, was in der Stadt vorgeht und daher ist -es mir eine große Genugtuung -- - -=Krickenfeld= [zustimmend]. Ja, die Peggy -- - -=Pottenmiller= [erregt]. Peggy? Das ist doch wohl nicht etwa diese -merkwürdige Alte, die ihre eigene Magd jeden Sonnabend wäscht? Ha, ha, -ha! - -=Zungrapp= [geheimnisvoll]. Man sagt von ihr, daß sie Säcke voll alter -Münzen unter dem Bette verborgen hält -- - -=Ada Brunnick= [gelassen]. Da wird schon irgend jemand den alten Narren -einmal aus dem Weg räumen! - -=Zungrapp= [mit Bestimmtheit]. Sie soll gar nie ihr Zimmer fegen lassen und -Paula, ihr Dienstmädchen, hat der Köchin im Vertrauen mitgeteilt -- - -=Frau Holzheim= [lebhaft]. Nun, da Sie davon sprechen, hochverehrte Frau -Direktor, fällt mir eben etwas ein. Stellen Sie sich einmal vor, meine -Damen -- [Alle richten sich auf.] - -=Krickenfeld= [erbittert]. Hier kann ein Mensch wahrlich nicht zu Wort -kommen! Ich muß schon bitten!! Ich sagte also, daß die Frau unseres -Medizinalrates -- sie erwartet übrigens in Kürze das Fünfte -- - -=Frau Knute= [die Hände zusammenschlagend]. Du grundgütiger Himmel! Als -ob wir nicht schon genug Mädchen in Kringhausen hätten und natürlich -wird es wieder ein Mädchen sein! - -=Krickenfeld.= Werde ich denn nie aussprechen dürfen? Ich sagte, so -weit ich mich nach all diesen Unterbrechungen erinnern kann, daß man die -Absicht hat einen Bazar zu veranstalten und von dem Erlös will man Herrn -Professor Hasselstein in seiner Vaterstadt ein Monument errichten. - -=Alle= [gerührt]. Aaaaaah! Ein Monument? - -=Roden= [leise zu Norry]. Nein, hörst du, hier möchte ich buchstäblich -nicht einmal aufgemalt sein wollen. - -=Hasselstein= [weinend]. Alle, alle sind so gut gegen mich! - - [Es schlägt zwölf Uhr. Alle springen erregt auf, greifen nach ihren - Sachen und nehmen schleunigst Abschied.] - -=Frau Knute= [küßt schnell Frau Hasselstein und winkt dann ihrem Manne]. -Schon zwölf Uhr! Himmel! Mein Truthahn wird gewiß verkohlen -- Sie kennen -ja die Dienstboten, beste Frau Kommerzienrat. - -=Krickenfeld.= Gar kein Verlaß auf dieses Gesindel. Sie bestehlen und -betrügen, sie -- [Beide Frauen führen das Gespräch weiter fort.] - -=Frau Pottenmiller= [zärtlich]. Leb' wohl, liebste Schwester. Nimm' dir -den Verlust nicht allzu sehr zu Herzen, erinnere dich, daß wir alle -ihn mit dir teilen, hänge nicht deinen trüben Gedanken nach -- diese -Damen -- - -=Zungrapp= und =Holzheim=. Versteht sich, versteht sich, hochverehrte Frau -Regierungsrat, wir werden uns der Armen schon annehmen. Wir kommen -- - -=Hasselstein= [fast hart ablehnend]. Nein, nein, meine Damen -- wie soll -ich an ein Kartenspiel -- [sie wendet sich weinend ab]. - -=Krickenfeld= [herzukommend]. Aber so ein Tarockerl, beste Frau Oberst, -das ist Seelenmedizin. Das zerstreut. [Alle nehmen Abschied, aber die -Tarockdamen rufen noch zurück:] Wir kommen, wir kommen! - -=Holzheim= [eilig]. Jetzt muß ich mich aber sputen was das Zeug hält. -Wenn mein Mann nicht die Suppe auf dem Tische findet, wenn er heimkommt, so -setzt es allemal ein Donnerwetter. - -=Frau Knute= [den Kopf schüttelnd]. Alles ihre eigene Schuld, beste Frau -Inspektor. Warum verhätscheln Sie ihn so? Ich habe mir den meinigen gleich -zu Anfang erzogen. - - [Alle sind endlich bei der Tür angelangt, man nimmt noch einmal - einen sehr geräuschvollen Abschied, aber eine der Damen geht nach der - anderen fort.] - -=Ada Brunnick= [kalt]. Grüß' Gott, Tante! [Zu den anderen, besonders Frau -Krickenfeld, indem sie ihren Mann am Arm faßt und mit sich zieht.] Man -muß das Unmögliche begehren, damit man das Mögliche erreicht. - -=Zungrapp= [noch einmal auf Fr. H. zukommend]. Meine teure, meine -beklagenswerte Frau Oberst, nur Mut, nur Ruhe! Das Beileid unseres -Landtsherrn muß Ihnen doch ein Trost -- ein großer Trost sein. - -=Hermine= [eher gedankenlos als böswillig]. Ach ja, uns allen ist sein Tod -so ein Trost! [Sie folgt den anderen.] - - -3. Auftritt. - -=Frau Hasselstein= [winkt den beiden Forschern noch einmal Platz zu -nehmen]. Gott sei Dank, endlich kann ich mich ungestört dem Glücke -hingeben mit den wahren Freunden meines Sohnes zu sprechen. Erzählen -Sie mir von seinem Tun und Treiben -- von allem -- von allem -- mein Herz -dürstet danach! - -=Roden= [ernst]. Hasselstein hat sich zuerst auf den Rälik -- oder den -Inseln gegen Tagesende aufgehalten, aber da das Klima daselbst seiner -jungen Frau nicht zusagte, zog er nach den Inseln gegen Tagesanbruch -- den -Ratakinseln -- und dort führte er das schwere Dasein eines Forschers -- -unermüdlich, heiter und dank den rastlosen Bemühungen seiner Gattin sehr -glücklich -- viel glücklicher als er es in -- [Norry winkt abweisend]. - -=Frau Hasselstein= [scheinbar nach großer Ueberwindung]. Ich -- ich -möchte eine Frage an Sie stellen, meine Herren, eine Frage, die mich -unbeschreiblich erregt. - -=Norry= [ermutigend]. Und diese Frage lautet? - -=Frau Hasselstein= [ihn mit verzehrenden Blicken betrachtend]. Wo ist meine -Schwiegertochter, wird sie Kringhausen passieren, wird -- - -=Norry= [verlegen]. Ich dachte -- - -=Frau Hasselstein= [weinend]. Sie war die Frau meines Sohnes, sie durfte -in seine Augen schauen, ihm nahe sein, während ich mich in der öden -Behausung nach ihm zu Tode sehnte, sie durfte -- [sie schweigt]. - -=Roden= [ernst]. Sie hat viel geopfert, gnädige Frau dieser Privilegien -halber. Gnädige Frau haben gleich ihr die Wahl gehabt und -- - -=Hasselstein= [ernst zu ihm aufsehend]. Ich weiß es, ich weiß es. Es war -dies die Qual meiner schlaflosen Nächte, das Gespenst, das mich auch am -hellen Tage nicht verließ. Ich hatte ja den einzigen Sohn in die weite -Welt ziehen lassen statt seinem Wunsche nachzugeben, aber ich, Herr -Doktor, ich bin ja nur eine schwache Frau, aufgewachsen und alt geworden in -Kringhausen und seinen Ansichten, seinen Vorurteilen. Ich habe meine Zeit -überlebt und konnte mich nicht in die neuen Anschauungen finden. Ein -alter Baum läßt sich nicht umpflanzen und krumme Aeste werden nicht mehr -gerade, wenn sie von Alter hart und dürr geworden. Wenn ich gefehlt, so -habe ich schwer dafür gebüßt. Ein freudenloser Lebensabend steht mir -bevor. - -=Norry= [die Weinende tröstend.] Es war so bestimmt -- es hat so kommen -müssen. Können wir irgend etwas für Sie, gnädige Frau, tun? - -=Hasselstein= [aufblickend.] Berta ist auch in Europa -- sie ist vielleicht -ganz nahe von Kringhausen -- [leise, die Hände auf das Herz drückend] --- und sie hat -- - -=Norry= [ernst.] Gegenwärtig weilt die Witwe unseres geliebten Kollegen -hier in Kringhausen. - -=Hasselstein= [aufspringend.] In Kringhausen? Oh, wird sie mir je vergeben, -wird sie unerbittlich sein? -- - -=Norry= [ist unterdessen auf die Tür zur Linken zugegangen. Er öffnet -sie jetzt und in tiefe Trauer gekleidet, tritt die junge und schöne -Frau Hasselstein über die Schwelle. Auf den Armen hält sie ein weißes -Bündelchen mit schwarzen Bändern.] - - -4. Auftritt. - -=Frau Hasselstein= [auf sie blickend]. Berta! [Dann das Bündelchen -bemerkend und alles darüber vergessend mit zitternder Stimme.] Ist das -- -ist das?? -- - -=Berta= [in Tränen ausbrechend.] Das ist alles, was mir auf Erden -geblieben. - -=Hasselstein= [schlägt langsam den Schleier zurück.] Ach Tochter, wie -unsäglich reicher bist du doch als ich! [sie neigt sich über das Kind.] -Wie heißt er? - -=Berta= [leise.] Wie sein Vater. - -=Hasselstein= [zögernd.] Ich war ungerecht -- selbstsüchtig einst, Berta, --- ich wollte, was ich besaß, nicht mit dir teilen und heute -- oh -heute könnte ich dich auf meinen Knien mit gefalteten Händen anflehen -großmütig zu sein und -- [leidenschaftlich] Berta, laß zu, daß sich -meine Augen an deinem Schatze weiden. Führ ihn nicht wieder fort! Bleibe -bei mir -- bei der Mutter deines toten Gatten. - -=Berta= [zögernd.] Meine Vergangenheit -- - -=Hasselstein= [stolz.] Du warst die Gattin meines Sohnes. - -=Berta= [leise.] Und -- und -- die Kringhäusler? - -=Hasselstein= [sich voll aufrichtend.] Die Kringhäusler? Was kümmert mich -die Meinung der Kringhäusler? Das ist Fleisch von meinem Fleische, Blut -von meinem Blute -- [weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme -legt] -- mein Enkelkind! - - [Beide Frauen neigen sich über den Kleinen und man hört Ausrufe wie - »hat er nicht ganz die Nase seines Vaters« und »schau auf den - Mund, ganz wie bei Hans Georg« usw. während sich beide Frauen halb - umschlungen halten um besser auf das Kind sehen zu können.] - -=Roden= [indem er Norry winkt sich leise mit ihm zu entfernen]. Jetzt -wären endlich die Kringhäusler überwunden! - - [Der Vorhang fällt.] - - -=Ende!= - - -Druck von Reinhold Berger in Lucka S.-A. - - - - -[ Hinweise zur Transkription - - -Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. - -Darstellung abweichender Schriftarten: =gesperrt=, ~Antiqua~. - -Die Stellung des schließenden Satzzeichens in den Regieanweisungen wurde -stillschweigend vereinheitlichend korrigiert. Das schließende Satzzeichen -wurde innerhalb der eckigen Klammern angeordnet bei Regieanweisungen, die -einen eigenen Satz bilden. Das schließende Satzzeichen wurde außerhalb -der eckigen Klammern angeordnet bei Regieanweisungen, die keinen eigenen -Satz bilden. - -Die Regieanweisung "Triebe" auf Seite 16 erscheint als unangebracht. - -Überkommene Rechtschreibung wurde beibehalten in "Geberden", "Lantsherr", -"totmüde". - -Vermuteter Wortwitz wurde beibehalten, nämlich "Mikrosenien" an der Stelle -von "Mikronesien", "staatlicher" an der Stelle von "stattlicher." - -Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten, beispielsweise "Adarl" --- "Aderl", "vor allem" -- "vorallem". - -Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden -Ausnahmen, - - Seite 4: - "--" eingefügt - (gebrachten Kringhäusler! -- [er lacht plötzlich) - - Seite 4: - "daß" geändert in "das" - (daß man sich eigene Pfade brechen kann, das verstehen sie) - - Seite 5: - "," eingefügt - (endlos scheinenden Eisbarrieren, schließlich) - - Seite 6: - "." eingefügt - (Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale.) - - Seite 6: - "," eingefügt - (Kampf gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle) - - Seite 7: - "." eingefügt vor "Sind" - (=Norry= [zu H.]. Sind viele neue Exemplare) - - Seite 7: - "sie ihre" geändert in "Sie Ihre" - (Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?) - - Seite 7: - "--" eingefügt - (hin ist hin -- [er lacht auch heiter]) - - Seite 8: - ":" geändert in "." - (=Hasselstein= [lachend]. Unzufriedener!) - - Seite 8: - ":" geändert in "." - (=Norry=. Und die bald wiederkehrt!) - - Seite 8: - ":" entfernt hinter "=Hasselstein=" - (=Hasselstein= [zu Norry, der eifrig) - - Seite 8: - "." eingefügt - (Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal) - - Seite 8: - "untersuchend:" geändert in "untersuchend]." - (=Norry= [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie) - - Seite 9: - "." entfernt hinter "=Hasselstein=" - (=Hasselstein= [geht auf das Zelt zu) - - Seite 9: - ":" geändert in "." - (bis dorthin nicht erreicht haben.) - - Seite 10: - "dahein" geändert in "daheim" - (daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht) - - Seite 10: - "einen" geändert in "einem" - (am Ende alles einem Wahn geopfert) - - Seite 11: - "spöttich" geändert in "spöttisch" - (=Roden= [spöttisch]. Vortrefflich) - - Seite 12: - "reel" geändert in "reell" - (Wenn die Ware nicht durch und durch reell ist) - - Seite 13: - "Ord" geändert in "Ort" - (verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle) - - Seite 15: - "," eingefügt - (verlachen herrschende Vorurteile zwar, bäumen uns) - - Seite 15: - "wirwüten" geändert in "wir wüten" - (aber wir wüten) - - Seite 16: - "," eingefügt - (indem wir stärker, sondern auch seelisch) - - Seite 16: - "," eingefügt - (die mächtigen Eisgrotten, das flackernde Nordlicht) - - Seite 16: - "]" eingefügt - (Es wird unheimlich finster.]) - - Seite 17: - "Norrn" geändert in "Norry" - (=Norry= [lachend].) - - Seite 18: - "." eingefügt - (die Hände und rufen durcheinander.]) - - Seite 21: - "(" geändert in "[" - ([Ein elegant ausgestattetes Zimmer.) - - Seite 21: - ")" geändert in "]" - (alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.]) - - Seite 21: - "eine" geändert in "ein" - (In der Mitte der Szene ein Spieltisch) - - Seite 21: - "lächelud" geändert in "lächelnd" - (=Frau Krickenfeld= [lächelnd]. Immer die, die fragt!) - - Seite 21: - "." entfernt hinter "]" - ([Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn) - - Seite 22: - "." eingefügt - (Natürlich: So geht es immer.) - - Seite 22: - "bitten" geändert in "bitte," - (Bitte, bitte, da sind schon die dreißig Heller.) - - Seite 23: - "Haus" eingefügt hinter "zu" - (die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen) - - Seite 24: - "[" eingefügt - ([Man spielt eifrig.]) - - Seite 24: - "Kickenfeld" geändert in "Krickenfeld" - (=Krickenfeld= [seufzt tief auf].) - - Seite 25: - "bedreffend" geändert in "betreffend" - (Einen Skandal? Meinen Sohn betreffend?) - - Seite 25: - "(" geändert in "[", ")" geändert in "]" - ([Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.]) - - Seite 26: - "davan" geändert in "davon" - (die ganze Stadt spricht davon --) - - Seite 26: - "gleich-gesagt" geändert in "gleich gesagt" - (Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.) - - Seite 26: - "hinausge kommen" geändert in "hinausgekommen" - (Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen) - - Seite 27: - "sie" geändert in "Sie" - (Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen!) - - Seite 28: - "sie" geändert in "Sie" - (Lassen Sie sich Ihre Handerl vergolden) - - Seite 28: - "sie" geändert in "Sie" - (für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben) - - Seite 29: - "." eingefügt hinter "ansehen" - (=Alle= [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen.) - - Seite 29: - "schwirt" geändert in "schwirrt" - (»ich auch« schwirrt es durcheinander) - - Seite 29: - "," geändert in "." - (=Krickenfeld=. Wirklich?) - - Seite 29: - "sie ihren" geändert in "Sie Ihren" - (machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend) - - Seite 29: - "sie" geändert in "Sie" - (halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück!) - - Seite 30: - "sie" geändert in "Sie" - (wenn Sie gar in meinem Elternhause gewesen wären) - - Seite 30: - "sie" geändert in "Sie" - (Sehen Sie einmal mich an --) - - Seite 31: - "sie" geändert in "Sie" - (Sehen Sie mich an!) - - Seite 31: - "." eingefügt - (=Holzheim= [die Karten zusammenraffend].) - - Seite 31: - "." eingefügt - ([Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.]) - - Seite 31: - "Professer" geändert in "Professor" - (ist der liebe Herr Professor noch so jung) - - Seite 32: - "Sie" geändert in "sie" - ([sie schlägt sich auf den Mund]) - - Seite 32: - "[" und "]" eingefügt. - ([Der junge Hasselstein tritt ein.]) - - Seite 32: - "Biblioteken" geändert in "Bibliotheken" - (in Bibliotheken und so weiter) - - Seite 32: - "[" geändert in "]" - (=Alle= [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst!) - - Seite 32: - "das" geändert in "daß" - (daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung) - - Seite 32: - "Man" geändert in "Mann" - (für einen heiratsfähigen Mann ist) - - Seite 33: - "." eingefügt - ([Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.]) - - Seite 33: - "überans" geändert in "überaus" - (so überaus in Anspruch genommen) - - Seite 34: - "Mam" geändert in "Mama" - (bei Mama verweilen zu können) - - Seite 34: - "]" eingefügt - (begleiten die Gäste bis zur Tür zur Rechten.]) - - Seite 35: - "allin" geändert in "allein" - ([Mutter und Sohn allein.]) - - Seite 36: - "--" eingefügt - (engherziger Beurteilung gewichen, -- gewichen, auf daß) - - Seite 36: - "," eingefügt hinter "Mutter" - (Ich prüfte mich, Mutter, und weiß) - - Seite 37: - "." eingefügt - (Man kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.) - - Seite 37: - "Glanbst" geändert in "Glaubst" - (Glaubst du, daß dein Glück von Dauer) - - Seite 38: - "." eingefügt - (=Hans Georg= [bitter].) - - Seite 38: - "." eingefügt - (und blickt zärtlich in ihr Antlitz].) - - Seite 38: - "wircklich" geändert in "wirklich" - (Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen) - - Seite 38: - "Haselstein" geändert in "Hasselstein" - (=Hasselstein= [sich die Tränen abtrocknend].) - - Seite 40: - "daß" geändert in "das" - (ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin erwählt) - - Seite 40: - "[" eingefügt - ([Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll) - - Seite 41: - "." eingefügt - (=Regierungsrat Pottenmiller.= Willkommen daheim,) - - Seite 42: - "." eingefügt - ([Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine) - - Seite 42: - "[" eingefügt - ([Ein Stubenmädchen öffnet die Tür) - - Seite 42: - "]" eingefügt - (und läßt Roden und Norry eintreten.]) - - Seite 44: - "." eingefügt - (=Alle drei Herren= [mit tiefen Seufzern].) - - Seite 44: - "kmeine" geändert in "meine" - (Gemüt braucht meine künftige Frau) - - Seite 44: - "sann" geändert in "kann" - (Ich kann statt dessen ja jede Woche) - - Seite 45: - "sie" geändert in "Sie" - (O glauben Sie das nicht!!!) - - Seite 46: - "," geändert in "." - (=Roden= [im gleichen Ton].) - - Seite 47: - "dnmmvergnügt" geändert in "dummvergnügt" - (=Ladislaja= [lächelt dummvergnügt vor sich hin].) - - Seite 48: - "." entfernt hinter "[sie seufzt]" - (Hans Georg liebt sie -- [sie seufzt]) - - Seite 48: - "." eingefügt - (=Hermine.= -- und tugendhaft) - - Seite 48: - "anspruchgloser" geändert in "anspruchloser" - (Je weniger auffallend die Erscheinung um so anspruchloser) - - Seite 48: - "." eingefügt - (=Frau Knute.]= -- und weniger zur Koketterie geneigt) - - Seite 48: - "Ladaslaja" geändert in "Ladislaja", "." eingefügt - (=Ladislaja.= -- und reineren Herzens --) - - Seite 49: - "Jugfrauenvereins" geändert in "Jungfrauenvereins" - (Schneiderabenden des katholischen Jungfrauenvereins) - - Seite 49: - "--" eingefügt - (sehr erröten, wenn man Anspielungen -- an) - - Seite 50: - "uur" geändert in "nur" - (dem jungen Prediger nur in die Augen schauen) - - Seite 51: - "," eingefügt - (deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande) - - Seite 51: - "Nachdruch" geändert in "Nachdruck" - (=Hans Georg= [laut, mit Nachdruck].) - - Seite 52: - "." eingefügt hinter "Fr. H" - ([Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl!) - - Seite 52: - "Srich" geändert in "Sprich" - (Sprich, Mutter!) - - Seite 53: - "Vorurteilswillen" geändert in "Vorurteils willen" - (eines Vorurteils willen in den Staub treten) - - Seite 53: - "laugsam" geändert in "langsam" - (das Beste in mir langsam aber sicher zerstören) - - Seite 53: - "," eingefügt - (ich beschwöre dich, bedenke --) - - Seite 53: - "genung" geändert in "genug" - (Er wird schnell genug einsehen) - - Seite 54: - "Meuschlichkeit" geändert in "Menschlichkeit" - (in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind) - - Seite 54: - "Bemerkuug" geändert in "Bemerkung" - (=Frau Knute= [Rodens Bemerkung beantwortend].) - - Seite 55: - "7." geändert in "6." - (6. Auftritt.) - - Seite 56: - "Hnns" geändert in "Hans" - (=Hans Georg= [von dem einen auf den anderen blickend].) - - Seite 56: - "]." eingefügt - (=Norry= [einfallend]. -- die Kringhäusler!) - - Seite 57: - "Dassellle" geändert in "Dasselbe" - (Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt.) - - Seite 57: - "1. Auftritt." eingefügt - - Seite 57: - "vou" geändert in "von" - (Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf) - - Seite 57: - "Mitteilnngen" geändert in "Mitteilungen" - (wertvolle Mitteilungen über die Flora) - - Seite 57: - "besondes" geändert in "besonders" - (besonders interessante Aufschlüsse) - - Seite 57: - "auftretenten" geändert in "auftretenden" - (in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen) - - Seite 57: - "Fangmetode" geändert in "Fangmethode" - (die Fangmethode desselben besser zu prüfen) - - Seite 58: - "Unglünsstätte" geändert in "Unglücksstätte" - (nicht weit von der Unglücksstätte) - - Seite 58: - "Erpedition" geändert in "Expedition" - (zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer) - - Seite 58: - "]" eingefügt - ([Er legt die Zeitung langsam zusammen und setzt sich.]) - - Seite 59: - "Fran" geändert in "Frau" - (=Frau Hasselstein= [bitterlich weinend].) - - Seite 59: - "Tarokpartie" geändert in "Tarockpartie", "." eingefügt - ([Zu den Damen der Tarockpartie.]) - - Seite 59: - "Hasselsteiu" geändert in "Hasselstein" - ([zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint]) - - Seite 60: - "," geändert in "." - (=Frau Hasselstein= [schluchzend].) - - Seite 60: - "tn" geändert in "in" - (Man muß sich in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.) - - Seite 60: - "." eingefügt - (während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.]) - - Seite 60: - "Gegenständd" geändert in "Gegenstände" - (indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch) - - Seite 60: - "." geändert in "," - (einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring) - - Seite 61: - "zügelu" geändert in "zügeln" - (Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln) - - Seite 62: - "." eingefügt - (=Hasselstein=. Wie -- wie -- war das Ende?) - - Seite 62: - "." eingefügt hinter "]" - (=Norry= [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen) - - Seite 63: - "Hozheim" geändert in "Holzheim" - (=Holzheim= [sich die Augen trocknend].) - - Seite 63: - "Bewußtsen" geändert in "Bewußtsein" - (Das ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein.) - - Seite 63: - "rechtiges" geändert in "richtiges" - (kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben) - - Seite 63: - "Juugfrauen" geändert in "Jungfrauen" - (erröten die holdseligen Jungfrauen) - - Seite 63: - "sie" geändert in "Sie" - (Lassen Sie sich noch massieren!) - - Seite 63: - "Krickenseld" geändert in "Krickenfeld" - (=Krickenfeld= [mit Mißbilligung].) - - Seite 64: - "," geändert in "." - (=Krickenfeld.= Werde ich denn nie aussprechen dürfen?) - - Seite 67: - "weises" geändert in "weißes" - (Auf den Armen hält sie ein weißes Bündelchen) - - Seite 67: - "5." geändert in "4." - (4. Auftritt.) - - Seite 68: - "Vater:" geändert in "Vater." - (=Berta= [leise.] Wie sein Vater.) - - Seite 68: - "." entfernt hinter "[leidenschaftlich]" - (anflehen großmütig zu sein und -- [leidenschaftlich] Berta) - - Seite 68: - "." entfernt hinter "legt" - ([weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt]) ] - - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER *** - -***** This file should be named 64193-0.txt or 64193-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - https://www.gutenberg.org/6/4/1/9/64193/ - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Die Kringhäusler</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Drama in drei Akten</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Alma Maximiliane Karlin</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: January 01, 2021 [eBook #64193]</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div> - -<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This book was produced from images made available by the HathiTrust Digital Library.)</div> - -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER ***</div> - - - -<h1>Die Kringhäusler</h1> - - -<p class="ce lh2"><span class="fsl">Drama in drei Akten</span><br /> -von<br /> -<span class="fsxl ge">A. M. Karlin</span></p> - -<hr /> - -<p class="ce lh1">Leipzig 1918<br /> -<span class="ge">Bruno Volger</span> Verlagsbuchhandlung</p> - - - - -<h2><span class="ge">Personen:</span></h2> - - -<table summary="" border="0" cellpadding="0"> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Oberst Hasselstein</span>, Witwe</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Hans <span class="ge">Georg Hasselstein</span>, Professor der Naturwissenschaften, ihr Sohn</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Herr <span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller</span>, ihr Schwager</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Petronella Pottenmiller</span>, ihre Schwester</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Herr <span class="ge">Direktor Knute</span>, auch ein Schwager</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Johanna Knute</span>, ihre zweite Schwester</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Herr <i>Dr.</i> <span class="ge">Brunnick</span>, Pottenmillers Schwiegersohn</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Ada Brunnick</span>, seine Frau</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3"><span class="ge">Hermine Schrift</span>, unverheiratet, Hans Georgs Tante</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3"><span class="ge">Ladislaja Schrift</span>, ihre Schwester</td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Kommerzienrat Peloponesia Krickenfeld</span></td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Inspektor Margarete Holzheim</span></td></tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Professor Emilie Zungrapp</span></td></tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Norry</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Scharfen</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Roden</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Kapper</span></td> - <td class="tdl">}</td> - <td class="tdl" rowspan="2">die Teilnehmer der Südpolexpedition</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Johanssen</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Granelli</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Meroff</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr> - <td class="tdl">Herr <span class="ge">Vickers</span></td> - <td class="tdl">}</td> - </tr> - <tr><td class="tdl" colspan="3"><span class="ge">Berta Heller</span>, Hans Georgs Braut.</td></tr> -</table> - -<hr /> - -<p class="ce">Der erste Akt spielt in der Antarktis, der zweite und der<br /> -dritte Akt in der Wohnung Frau Hasselsteins.</p> - -<p class="ce"><span class="ge">Zeit</span>: Gegenwart.</p> - -<hr /> - - - - -<h2><a class="pagenum" id="page_003" title="3"> </a> -1. Akt.</h2> - - -<p class="fss ci">[Im Hintergrund der weiten Bühne sieht man mächtige Eisgebilde -mit leuchtend weißen Oberflächen, während alle Unebenheiten, Spalten -und Risse je nach ihrer Tiefe vom zartesten bis zum tiefsten Blau erscheinen. -Etwas mehr gegen den Vordergrund ist ein kleiner Streifen -des Polarmeeres sichtbar, in dem sich die tafelförmigen Eismassen und -die zerklüfteten Eisberge spiegeln. Zur Rechten im Hintergrund steht -ein vereistes und tiefverschneites, von den mächtigen Eisstücken teilweise -über die Meeresfläche gehobenes Schiff, von dessen Masten die Eiszapfen -herniederhängen. Zur Linken hängt ein riesiger, in der Mitte gespaltener -Eisberg über die Bühne, aus dessen Innern ein herrliches bläuliches -Licht fließt. Links und rechts im Vordergrund befinden sich kleinere -Eisstücke, auf denen eine große Anzahl Pinguine in verschiedenen Stellungen -sitzen. Mehr im Hintergrund liegen einige Seehunde am Rande des -Meeres. Ganz im Vordergrund zur Linken steht ein tiefverschneites Zelt, -in dessen Mitte ein kleiner Kochherd steht und sein rötliches Licht über -die Zeltwände ergießt. Zur Rechten steht Hasselstein und blättert in -seinem Notizbuch. Ein wunderbar schönes, bläuliches Licht erfüllt die -ganze Szene, während da und dort der Schnee in allen Farben des -Regenbogens glitzert. Vom leuchtendsten Tageslicht geht jedoch die -Beleuchtung langsam während des ganzen Aktes immer mehr in ein -mattes Dunkel über und als es vollkommen finster geworden, zeigt sich -im Hintergrund die Aurora Borealis in flackernden Bändern und ewig -wechselnden Lichteffekten. Die ganze Zeit hört man auch das Pfeifen -des Windes – im Anfang ganz schwach, dann mit zunehmender Stärke.]</p> - - -<h3>1. Auftritt.</h3> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [macht eben die letzten Aufzeichnungen in -sein Notizbuch als der Vorhang aufgeht. Nach einigen Sekunden -schließt er es und macht einige Schritte auf die Mitte der Bühne -zu]. Das wäre getan! [Er zieht seine Uhr aus der Tasche.] -Wie, schon so spät? Da heißt es frisch zulangen soll unser -Depôt und Winterobservatorium fix und fertig sein, wenn die -Kollegen von ihren Streifzügen heimkehren. [Er macht sich rechts -<a class="pagenum" id="page_004" title="4"> </a> -an die Arbeit, schleppt von hinter den Kulissen große Eisblöcke -herbei und beginnt sie aufeinander zu bauen und mit Schnee, -den er zusammenfegt, zu befestigen. Während er eifrig arbeitet -und das Schneehaus immer größer wird, spricht er, sich manchmal -auf Augenblicke unterbrechend um auf die wechselnden Lichteffekte -zu schauen.] Wie die Stunden fliehen und doch – wie weit -von mir scheint die Vergangenheit! [er schüttelt wehmutsvoll -das Haupt]. Zwei Jahre sind es nun, daß ich der Heimat den -Rücken gekehrt [er baut schweigend einige Sekunden]. Wirklich -nur zwei Jahre? Ist mir's doch, als seien Jahrzehnte seit -dem Augenblick verflossen, wo – [er schleppt einige Eisstücke -herbei]. Genug! Siebenhundertunddreißig Tage trennen mich -von jener Stunde, in welcher mein Blick zum letztenmal in den -ihren getaucht. Was wunder übrigens, daß die Zeit so lang -mich deucht, denn die Zahl der Eindrücke und nicht der monotone -Schlag der Stunden machen ja ein Menschenleben aus. Und -ich – ich hatte Eindrücke – [er hält einen Augenblick inne -und blickt, die Augen mit der Hand beschattend, forschend auf -das Meer] – und was für Eindrücke, barmherziger Himmel! -Erst die ungestümen Reisevorbereitungen, die ununterbrochenen -Kämpfe, die feindselige Haltung der guten alten Seelen daheim -– oh, die armen, entsetzten, aus dem Gleichgewicht gebrachten -Kringhäusler! – [er lacht plötzlich laut auf] – wenig fehlte, -daß man mich nicht mit Gewalt in eine Irrenanstalt sperren -ließ, denn ein klardenkender Mensch – ein Individuum, mit -vollem Gebrauch der fünf von Mutter Natur so gnädig verliehenen -Sinne – kann sich nicht willig einer Südpolexpedition -anschließen, das ist Wahnsinn, himmelschreiender erbarmenerweckender -Wahnsinn! [er lacht wieder]. Arme Kringhäusler, -sie müssen immer auf dem breiten, wohl ausgetretenen Pfad dahinhumpeln, -– daß man sich eigene Pfade brechen kann, das -verstehen sie nicht und billigen noch weniger. Wenn die ganze -Gemeinde an Hinzens Kuhstall vorbei zur Kirche geht, warum -sollte da ein Pfarrkind einen anderen Weg einschlagen? Das -ist Ketzerei! [er baut eine Weile schweigend weiter]. Ach, dann -kamen die Aufregungen des Abschieds, – von Berta – von -Mama – von der lieben Heimat – ein Abschied, der möglicherweise -Trennung auf immer bedeuten konnte, hierauf die lange -<a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a> -eintönige Fahrt, ein schläfriges Rollen und behagliches Dahinträumen, -geschaukelt von leise plätschernden, tiefblauen Wassermassen, -unter einem heißen, wolkenlosen Himmel – [er schaufelt -eifrig den Schnee zusammen]. Ja, wer noch einmal, ein <span class="ge">einziges</span> -Mal solche Wärme empfinden dürfte. Und eines schönen Tages -waren wir in Neuseeland mit seinen Geysirn, Wasserfällen, tropischen -Wäldern, riesigen Eukalyptus, seinen flügellosen Vögeln, -und den schneegekrönten und gleichzeitig feuerspeienden Bergen. -Welche Pracht! [er bildet das Dach seiner Hütte]. Allzu kurze Rast -gefolgt vom gefahrvollen Tummeln auf kalter, sturmgepeitschter -See, das langsame Sichnähern der endlos scheinenden Eisbarrieren, -schließlich ein kurzer Ausflug auf die verödeten Kerguelen und -zuletzt [er blickt wieder sinnend auf das Meer] die eigentliche -Antarktis, das Ueberwintern in eisstarren Zelten, während sich -draußen die endlose, düstere Polarnacht, mit all' ihren Schrecken -und Leiden auf uns herabsenkte und wir bei kümmerlichem Thranlicht -ein mattes Scheinleben führten, hie und da unterbrochen von -den Beobachtungen im Freien bei einer Temperatur von durchschnittlich -52 Grad Celsius unter Null! [er arbeitet einige -Sekunden wieder schweigend, während das Licht langsam abnimmt, -hierauf wieder frischerer, munterer]. Nichtsdestoweniger hat selbst -das Leben hier seinen Zauber, so mitten in einem noch unerforschten -Teile unserer Erdkugel, wo Tiere und Vögel im Menschen -noch nicht ihren Feind zu sehen gelernt haben, wo er in ihr -Tun und Lassen freien Einblick gewinnen kann, hier – wo -seltene Lichteffekte das Auge stündlich entzücken, wo eine Entdeckung -der anderen auf dem Fuße folgt, wo ungeahnte Horizonte -sich dem begierigem Geiste offenbaren! [er verbessert sein Werk -da und dort] Neue Horizonte! Ach, wenn diese mich nur auch -großmütiger im Beurteilen anderer machen würden! Mutterl, -du liebes, gewiß tat ich dir oft Unrecht, wenn unsere Anschauungen -nicht harmonierten. In Zukunft, da muß unser Zusammenleben -ein besseres sein, denn ich habe alles aufgeboten um alle kleinlichen -einseitigen Begriffe, alles falsche Beurteilen loszuwerden. -Das liebe Mütterchen wird wohl auch einsehen gelernt haben, daß -man nicht nur als Gymnasialprofessor in Kringen sein Glück -machen kann und die lange Trennung, die ja so leicht eine -ewige werden kann, hat gewiß auch ihre Skrupel, meine Heirat -<a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a> -mit Berta betreffend, gemildert. Sie hat Zeit gehabt Berta zu -prüfen – meine Worte in Erwägung zu ziehen – ja, ja, die -Mutterliebe wird, sie muß siegen [er verbessert das Innere der -Schneehütte]. Alle lächerlichen Vorurteile, alles Hängen am -Zopf wird mutig über Bord geworfen und da wollen wir drei -– Mama, Berta und ich – ein Heim gründen, dessen Grundpfeiler -gegenseitige Nachsicht und unbegrenzte Liebe sind. Alle -meine Tage will ich der Verbreitung freisinnigerer Anschauungen, -milderem Denkens widmen. Nieder mit allem kleinlichen Huldigen -äußeren Scheins! Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale. -[Das Schneehaus ist nun ganz fertig, er betrachtet sein Werk -und ruft jubelnd aus:] Hurra! Vollendet ist das große Meisterwerk! -[ernster.] Möge es mir einst gelingen den Kampf gegen -alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle beschränkten, feindseligen -Anschauungen daheim zu ebenso befriedigendem Abschluß zu -bringen – da Berta, mein Liebling, soll dein Unglück dich -nicht länger niederbeugen – nein, treues, edles Herz, kein Mensch -soll länger scheu vor dir zurückweichen. An meiner Seite sollst -du stolz erhobenen Hauptes dahinschreiten und zuversichtlich in -eine sonnige Zukunft blicken. Und du, mein liebes Mutterl, -du sollst in mir den zärtlichsten Sohn, in Berta die liebendste -Tochter finden und dazu bedarf es nur eins: Die lieben Kringhäusler -ein wenig – abzuschütteln!</p> - - -<h3>2. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Roden, Norry und Scharfen kommen von rechts.]</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [zu Scharfen]. Wir müssen die Messungen vor -Einbruch der Nacht beendigen [er wirft eine Leine in das Meer -und Scharfen hilft ihm dabei].</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [munter]. Holla, Hasselstein! Sie sind der -reinste Baukünstler. Unser Depôt ist ja ein ganzes Wunderwerk.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [indem er eifrig einige Apparate in dasselbe schleppt]. -Vortrefflich! Man kann unmöglich alle Geräte auf dem Schiffe -oder im Zelte bequem unterbringen. Hier wollen wir unsere -<a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a> -Winterbeobachtungen machen – etwas wärmer als die windige -Eisfläche wird diese Sternwarte sicher sein.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [indem er langsam die Leine aufwickelt]. Es -fehlt eine Oeffnung im Dach –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [eifrig arbeitend]. Dem ist schnell abgeholfen.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [zu H.]. Sind viele neue Exemplare in die Falle -gegangen?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [auf den Meeresstrand zugehend]. Ich habe -noch nicht nachgesehen [er zieht eifrig eine Fischfalle aus dem -Wasser]. Ein reichhaltiger Fang, wie fast immer – leider nur -die gewöhnlichen Fischarten der Antarktis [er beugt sich noch -einmal nieder und zieht ein kleines Netz aus dem Wasser]. -Vielleicht enthält das kleine Netz wertvollere Exemplare. Hm, -wie immer eine ganze Menge Isopoden, einige Fünffüßler, mehrere -Korallen, – was sehe ich? Ganz richtig! Eine Gattung auffallend -kleiner Seegarnelen – eine Anzahl Wasserbären und –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [legt den Apparat heftig auf den Boden, springt auf -das Meer zu, woher eben ein starkes Plätschern erklingt -und ruft]. Schnell, schnell, Hasselstein! Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [rafft im Vorbeispringen seine Flinte vor -dem Zelte auf und beide springen auf einige Eisstücke um freien -Ausblick auf das Meer zu haben]. Ein Blauwal! Ein wahres -Prachtexemplar! Aber leider außer Schußweite.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [eifrig spähend]. Verschwunden! Schade, – -eine Abwechselung im Speisezettel wäre nicht unwillkommen -gewesen!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [singt tröstend]. Es wär' zu schön gewesen, es -hat nicht sollen sein!</p> - -<p><span class="ge">Scharfen.</span> Leider – leider; ein erhöhter Thranvorrat -vermindert immer die Schrecken der Polarnacht, doch – fort -ist fort und hin ist hin – [er lacht auch heiter].</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zu Norry]. A propos! Funktioniert der -Elektrometer jetzt wieder? Sind die Messungen vollkommen verläßlich?</p> - -<p><span class="ge">Norry.</span> Vollkommen! Alles ist wieder in Ordnung. -Ich will nur noch in aller Eile den Thermographen aufstellen, -hierauf verwandle ich mich in einen Koch erster Qualität. Das -ist ja meine Kochwoche [er stellt den Apparat auf und lacht].</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a> -<span class="ge">Hasselstein</span> [sammelt seinen Fang zusammen und wendet -sich zu Roden und Scharfen, die eben die lange Schnur vollends -aufgewunden haben]. Welche Tiefe?</p> - -<p><span class="ge">Roden.</span> 1844 Klafter. Das bestätigt meine früheren -Annahmen, daß die Tiefen hier in der Regel bedeutend größer -als am Nordpol sind.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Wieviel Grade unter Null haben wir -heute?</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [liest vom Thermometer, das an einer Zeltstange -hängt, ab]. 29 Grad Celsius.</p> - -<p><span class="ge">Roden.</span> Besser Fisch als Mensch zu sein in diesen Gegenden -– das Wasser ist wärmer.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lachend]. Unzufriedener! Denken Sie an die -Zeit, wo wir 52° gehabt haben!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span>. Und die bald wiederkehrt!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zu Norry, der eifrig seine Apparate in -der neuen Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal, verehrter -Herr Wetterprophet – welcher angenehmen Ueberraschungen -dürfen wir gewärtig sein?</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie sich nur -auf einen extrafeinen Schneesturm gefaßt.</p> - -<p><span class="ge">Alle.</span> Danke sehr!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Davon hätten wir nachgerade genug. In -diesem Monat allein mußten wir zehn Tage in den Zelten zubringen -und selbst da wurde man nie warm oder trocken. Die -Schneenadeln krochen bis in die Tiefen der Schlafsäcke und das -Ausgehen bei solchem Unwetter wagt keiner von uns seit der -arme Scharfen ganz wirr im Kopfe wurde, als er in solchem -Wetter zufällig draußen war und beinahe umgekommen wäre. -Nein, nein, so ein Schneesturm ist schlimmer als die ärgste Kälte!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [mißt eifrig]. Der südliche Wind nimmt bedeutend -zu und bei den überaus häufigen und starken Niederschlägen muß -man auf alles gefaßt sein. Da, Hasselstein, sehen Sie einmal -selbst um wieviel die Nadel seit den letzten drei Stunden abgewichen -ist. [Beide hantieren die verschiedenen Instrumente.]</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [schreibt eifrig in sein Notizbuch während Scharfen -<a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a> -die Schnur und die Fischfallen in das Zelt trägt und mehrere -Pfannen auf den kleinen Herd stellt]. 1844 Klafter Meerestiefe, -südwestliche Tiefströmung, südlicher Wind, 29° Celsius Lufttemperatur, -zunehmendes Treibeis, abnehmendes Tageslicht – -nur mehr zwei Stunden Tag – 734 <i>mm</i> Luftdruck –</p> - -<p class="fss">Während er schreibt und vor sich hin murmelt ist es ganz dunkel -geworden; die Eisstücke sehen nun beinahe schwarz aus und nur der -Schnee im Vordergrund leuchtet weiß. Ganz im Hintergrund zeigt sich -ein schwacher gelblichroter Lichtschein, hierauf entsteht ein knisterndes -Geräusch und in flackernden Bändern taucht die <i>Aurora borealis</i> auf – -nie stille, immer wechselnd, sich jeden Augenblick verändernd. Das Heulen -des Windes nimmt langsam zu, die Wogen machen auch ein stärkeres, -plätscherndes Geräusch.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [geht auf das Zelt zu, die anderen folgen -ihm. Norry legt allerlei in die Pfanne und kocht eifrig, die -anderen setzen sich auf die Schlafsäcke und zünden ihre Pfeifen an. -Das rote Licht des Herdes bildet einen eigentümlichen Kontrast -mit der wechselnden Beleuchtung draußen.] Meine Angst um -unsere tapferen Gefährten nimmt täglich zu. Wenn sie nicht -innerhalb der nächsten Tage einlangen, muß ein Unglück die -Expedition getroffen haben, denn fünf Monate waren als Maximumtermin -zur Erforschung des Beardmoregletschers festgesetzt. -Seit ihrem Aufbruch sind 192 Tage vergangen.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [düster]. In kaum vierzehn Tagen bricht die lange -Polarnacht herein – Gnade ihnen, wenn sie uns bis dorthin -nicht erreicht haben.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [nachdenklich rauchend]. Seit fünfzehnten -November kämpfen sie verzweifelter selbst als wir gegen die Gefahren -und Drangsale dieses unwirtlichen Klimas. Wer wird -den Sieg erringen? Die starre Eisnatur oder unsere beharrlichen -Gefährten? Und das Schlimmste an der Sache ist, daß -wir hier stille sitzen müssen und nichts – gar nichts – zu -ihrer Rettung beitragen können.</p> - -<p><span class="ge">Norry.</span> Es ist ja eine Frage ob wir selbst die endlose -Polarnacht überdauern werden. Werden unsere Nahrungsmittel -bis zur Ankunft des Schiffes im November ausreichen und vorallem, -wird es uns gelingen den Ausbruch des Skorbut zu verhindern? -[Eine Pause entsteht, alle rauchen in düsterem Schweigen.]</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a> -<span class="ge">Hasselstein</span> [träumend]. Es dünkt einen unglaublich, -daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht, das Mailüfterl über -das sanftig grüne Land hinbraust, die Nachtigall –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [heftig unterbrechend]. Nur um Himmels willen -nicht sentimental werden: Das gibt uns, in der Verfassung, -in der wir sind, den Gnadenstoß. Nichts ist gefährlicher und -zweckloser als das Träumen vom Unerreichbaren. Es heißt einfach -die Zähne zusammenbeißen und – schweigen!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [müde lächelnd]. Oder zu unserem alten -Mittel zu greifen und Sorge mit Scherz verscheuchen? Leider -gewinnen manchmal die Sorgen die Oberhand. Der Zunge kann -man allerdings Schweigen gebieten, doch ach, dem Herzen nicht. -Es gibt Augenblicke, in welchen einem alles zwecklos scheint, in -welchen man seinen Gefühlen unterliegt, das Heimweh erwacht -und man sich staunend fragt, ob man nicht am Ende alles einem -Wahn geopfert –</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [eine dicke Rauchwolke ausblasend]. Und ob -es wirklich nur ein Trugbild gewesen, was man so lebhaft angestrebt.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [nachdenklich]. Wir sind entmutigt und fragen daher -nach dem Warum unserer Handlungsweise und wissen im -Innersten doch, daß wir unter gleichen Umständen wieder so und -nicht anders handeln würden. So nehme ich zum Beispiel an, -daß wir uns alle der Expedition angeschlossen – erstens, weil -dies eine Lösung manch' verwickelten Problems bedeutete –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Sie haben vollkommen recht, Norry. -Jeder von uns hatte seine Gründe –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [bitter]. Und triftige. Eine Luftveränderung tut -zuzeiten sehr gut. Das Leben ist wahrlich kein Honigschlecken – -es sticht einem verteufelt oft eine Biene in die Zunge.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [finster]. Und mehr als eine!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [nach kurzer Pause]. Was mich betrifft, so befinde -ich mich nur dort ganz wohl, wo die Natur in ihrer Urkraft -auf mich einwirkt und die Civilisation – die sogenannte -– sie noch nicht mit ihrem giftigen Speichel beleckt – und verödet -hat! Kampf und Abenteuer gegen die mächtigen Naturgewalten -meinetwegen, aber gegen die Heuchelei, Beschränktheit und -<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a> -krasse Selbstsucht der sogenannten civilisierten Menschheit – nein, -danke – lieber begrabe ich mich in den Einöden der Sahara, -in den Urwäldern Südamerikas oder –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lächelnd]. – oder selbst in antarktischen -Zonen. Bis hierher ist unsere Ueberkultur allerdings noch nicht -durchgedrungen – die Pinguine sind die Alleinherrscher der -Antarktis.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leidenschaftlich]. Lieber tausendmal Pinguine als -Ueberkultur: Glauben Sie mir, die großartige Erfindungen -hervorbringt und dabei doch täglich mehr und mehr natürliche -Züge der menschlichen Natur kalt erdrückt oder in eine unnatürliche, -seelenverkrüppelnde Gestalt preßt. Bah! [Er klopft heftig -seine Pfeife aus und stopft eine neue.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [beschwichtigend]. Wie viele Geheimnisse der -Natur sind entdeckt und der Menschheit dienstbar gemacht worden!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [verächtlich]. Und wie viele Tiere kennen den -Wert heilsamer Kräuter, von denen wir keine Ahnung haben. -Zudem – die Völker des Westens, die ja gerade am stolzesten -auf ihren Fortschritt sind, haben von vielen Sachen heute keine -Ahnung, mit denen die morgenländischen Stämme vor mehreren -tausend Jahren ganz vertraut waren. – Fortschritt – in der -Tat! [Er lacht kurz und verächtlich auf.] Wir sind viel zu stolz -auf die Errungenschaften unseres Geistes.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ruhig vor sich hin rauchend]. Menschlichere -Anschauungen –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [spöttisch]. Vortrefflich: Maschinengewehre, giftige -Gase, bombengespickte Luftschiffe –</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [einwerfend]. Die Abschaffung der Folter –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [kalt lachend]. Nein, lieber Freund! Ersatz der -moralischen statt der physischen. Heute droht man jemand das -Familienskelett an das Tageslicht zu ziehen und in den Zeitungen -spazieren zu führen – eine Folter, die ebenso wirkungsvoll, wie -die Daumenschrauben einst, – die Kritik ersetzt den Morgenstern -und was das Spießrutenlaufen anbelangt, so verrichten die -Zungen unserer stets auf der Lauer liegenden lieben Nächsten -das wunderbar – mit dem einzigen Unterschied, daß man früher -<a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a> -absehen konnte, wo die Qual und wo der Schaden ein Ende -nehmen wird – die Ausdehnung und die Uebel der heutigen -Folter kann niemand ermessen. Die Wunden des Körpers heilten -leichter als wir nun unseren beschmutzten Namen, unsere geraubte -Ehre in Ordnung bringen – wenn es uns gelingt.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ruhig]. Wir verdanken der zunehmenden -Civilisation eine erhabene monotheistische Religion –</p> - -<p><span class="ge">Roden.</span> Die nichts destoweniger wie im dunkeln Mittelalter -noch heute mit Teufelsspuk und Höllenqual droht, deren -Verbreiter Geld mit Beuteln oder Tassen im Gotteshause selbst -einsammeln, genau wie es fahrende Sänger oder Seiltänzer unmittelbar -vor Schluß der Vorstellung tun, deren Anhänger des -guten Tones, der Musik oder der neuen Kleider willen zur -Kirche gehen und die sechs Tage lang mit Wonne alle zehn -Gebote übertreten um am siebenten eine scheinheilige Miene aufzusetzen -und sich aller jener Tugenden zu rühmen, die zu besitzen -sie anderen glauben machen wollen.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [halblächelnd]. Großartigen Erfindungen –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [kalt]. Erfindungen, bester Herr Kollege, bedeuten -erhöhten technischen oder rein materiellen aber deshalb noch -lange nicht moralischen Fortschritt. Das Leben wird durch sie -möglicherweise bequemer, die Handelsverbindungen leichter und -schneller, aber diese Verbesserungen erhöhen leider nur unser -Selbstbewußtsein ohne unseren inneren Menschen gleichzeitig auf -eine höhere Entwicklungsstufe zu bringen.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [eifrig kochend]. Ganz richtig! Rein äußere Verfeinerung -der Sitten, kosmopolitische Anschauungen, erhöhter -Luxus, großartige Entdeckungen und ähnliches ist alles lange -noch nicht Seelenkultur. Wenn die Ware nicht durch und durch -reell ist, so springt die Politur schon bei der allerersten Gelegenheit -ab.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [kopfschüttelnd]. Der Zeitgeist zerstört viel mehr -als er bildet. Es ist geradezu eine Wut über die Menschheit -gekommen in allen Werken der großen Meister, im Leben der -edelsten Helden, bei unsterblichen Denkern und den Lehrern der -erhabendsten Ideen immer und überall ein Fleckchen, irgend einen -dunkeln Punkt zu suchen, der dann ans Licht gezogen, besprochen, -<a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a> -und betastet wird, bis der winzige Fleck beinahe das ganze Werk, -den ganzen Menschen verdunkelt.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [traurig]. Ach, leider! Anstatt nach Menschenliebe -streben alle nach größerer Pracht, nach höherer technischer -Kultur, Verstand wird über Herz, der Schein über den -Kern gesetzt. Die Kritik läßt weder Lebendige noch Tote in -Frieden und jeder bemüht sich auf das eifrigste seines Nächsten -Fehler zu entdecken und laut zu verkünden, statt sie milde zu -bemänteln und großmütig zu übergehen.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [spöttisch]. Und mit welchen Stolz wir den ›Segen -der Civilisation‹ zu den sogenannten Wilden tragen: Wir verkaufen -ihnen Schießpulver und Gewehre, wir bieten ihnen zu -hohen Preisen allerlei verderbliche Trinkwaren an, die ihr Leben -verkürzen, ihre Gesundheit untergraben und in ihnen vorher unbekannte -Leidenschaften erwecken.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lächelnd]. Zum Dank für solche Vorteile -verdrängen wir sie von ihrer eigenen Scholle und lassen uns -selbst dort nieder.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [lachend]. Ja! Die armen Wilden können uns -dankbar sein, daß wir sie nicht wie einst mit Gewalt auf unsere -Schiffe schleppen und als Sklaven verkaufen.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [eifrig nickend]. Wir tun etwas viel Besseres. -Wir verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle. Oh -Fortschritt – du gleißender Fortschritt! Nein, läßt mich in -einem Erdstrich wohnen, wohin diese bewunderte Civilisation -noch nicht vorgedrungen, wo Wahnsinn, Trunksucht, Selbstmord -und Verbrechertum, wo Habgier, Neid und Verleumdung noch -nicht zur Tagesordnung gehören!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [lachend und die Pfeife schwingend]. Es lebe das -Reich der Pinguine!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nachdenklich]. Gott weiß es, Sie haben so -unrecht nicht, Roden, trotz Ihrer entsetzlichen Spottlust! Hier, -fern von den Einrichtungen bevölkerter Erdstriche fallen alle kleinlichen -Charakterzüge wie Schuppen ab. Hier kann ein Mann -nicht mehr scheinen als er ist. Kein Heucheln verdeckt hier den -Mangel jener Eigenschaften, die zu besitzen man sich früher oft -<a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a> -gerühmt haben mag – die zu haben man sich möglicherweise -selbst eingeredet.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [lebhaft]. Und doch entwickeln sich gerade hier -oft Eigenschaften, das heißt schlummernde Fähigkeiten krystallisieren -sich, welche zu besitzen man sich daheim nicht einmal geträumt hätte.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [eifrig zustimmend]. Stimmt! Dort war das -eigene Ich immer der erste Faktor, hier tritt es beständig in -den Hintergrund. Dort ging man am schreiendsten Elend kalt -vorüber, weil man den Kopf mit höchst überflüssigen, aber im -Augenblick außerordentlich wichtig scheinenden Kleinigkeiten vollgekramt -hatte – man hatte eben keine Zeit – sondern lief -blind irgend einem nichtigen Vergnügen, einer bedeutungslosen -Belustigung nach oder beeilte sich irgend eine gesellschaftliche Verpflichtung -anstatt jene höhere Pflicht lauterer Menschenliebe zu -erfüllen! Hier dagegen bietet man alles auf um seinen Gefährten -und nicht nur diesen sondern selbst den Tieren, die mit -uns in Berührung kommen und unser Geschick teilen, die schlimme -Lage nach Kräften zu erleichtern.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [sich zurücklehnend]. Zweifellos! Das Zusammengehörigkeitsgefühl -entwickelt sich bedeutend stärker hier und geteilte -Gefahren sind eiserne Bande. In alten Zeiten sind die -einzelnen Stämme ebenso innig aneinander gehangen und haben -stets freudige Opferwilligkeit an den Tag gelegt. Erst das Zusammenscharen -vieler sich unbekannter und folglich einander -gleichgültiger Menschen, die man alle wie toll auf ein gleiches -Ziel zuhetzt und die wissen, daß sie es umso sicherer erreichen -werden, je mehr Mitbewerber sie im Rennen niederstoßen, hat -dieses Meer von Selbstsucht geschaffen, in dem so viele Schwache -unverdienter Weise untergehen müssen. Auch ein Gewinn der -zunehmenden Civilisation!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einigen Sekunden ernst]. Das ist der -ewige Kampf der Natur, in welchem der Stärkste siegt, die -Schwächeren untergehen. Dennoch – – unsere Anschauungen -werden andere hier draußen. Das Bewußtsein menschlicher Erhabenheit -schrumpft gegenüber den überwältigenden Wundern -der unberührten Natur bedeutend zusammen. Unsere Unüberwindlichkeit -scheint uns geringer, wenn wir eben einen Schneesturm -<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a> -mitgemacht oder die riesigen Eisbarrieren betrachtet haben, die -seit Jahrtausenden hier herumzuschwimmen scheinen und unsere -Widerstandskraft dünkt uns klein, wenn wir die winzigen Rotiferen -betrachten, die ins Eis eingefroren, scheinbar jahrelang tot -liegen, um, wenn ein günstiger Umstand die sie umschließenden -Eispartikel wieder schmilzt, zu neuem Leben zu erwachen, als -wäre nichts besonderes vorgefallen. Wie gebrechlich sind wir, -stolze Menschen, verglichen mit ihnen!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [lachend]. Unbestreitbar, trotzdem verbleibe ich -lieber Mensch als Radtier. Der Wert des Daseins liegt eben -im Bewußtsein unseres Seins.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Manchmal möchte man gerne einige -Jahre wie ein Radtier schlummernd zubringen, während über -einen hinweg unempfunden die Stürme des Lebens brausen.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [erregt]. Lächerlich! Das wäre wie der Vogel -Strauß seinen Kopf unter den Flügel stecken und hierauf glauben -den Feind besiegt, den Gegner verscheucht zu haben. Nicht im -Zurückweichen – im Vorwärtsdringen allein – muß man das -Ende irgend einer Mühsal suchen, da nur die Ruhe, die der -Ueberwindung, sei es nun seiner Gegner, des Geschicks oder des -eigenen Ichs liegt, von wahrem und dauerhaftem Wert sein kann.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [nickt]. Ein indischer Weise sagt: Festes Bestreben -besiegt selbst das Geschick! Es gibt kein zwingendes -›Kismet‹ für den, der zu wollen gelernt.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [einlenkend]. Unzweifelhaft! Indessen bin ich -überzeugt, daß uns nicht nur der Haß gegen die Unsitten unserer -Zeit sondern auch jene alte Abenteuerlust herausgetrieben, die -uns als Knaben schon beim ersten Märchen das Blut schneller -durch die Adern rinnen ließ. Am Ende sind wir doch alle -Kinder unserer Zeit. Wir verlachen herrschende Vorurteile zwar, -bäumen uns gegen die enggezogenen Grenzen auf, aber wir wüten, -nichts destoweniger, wenn jemand anderer es uns nachzumachen -wagt. Es ist eben die alte Geschichte vom Balken und Splitter.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [seufzend]. Wir täuschen unsere Mitmenschen -zuweilen – – und dies mit vollem Bewußtsein – – wir -täuschen uns selbst viel öfter und ohne davon die geringste -Ahnung zu haben. Vielleicht verlieren wir Aufrichtigkeit und -<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a> -Natürlichkeit so leicht, weil wir uns immer mehr und mehr -von der Natur entfernen.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [triumphierend]. Was sagte ich?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aus dem Zelte blickend]. Hier spricht Mutter -Natur in all ihrer Pracht und Majestät zu uns und wir fühlen -ihren wohltätigen Einfluß nicht nur körperlich, indem wir stärker, -sondern auch seelisch, indem unsere besten Triebe begeistert rege -werden.</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [Triebe]. Ja, Schönheit läutert. Wer -könnte auf die herrlichen Schneegebilde, die mächtigen Eisgrotten, -das flackernde Nordlicht blicken können und im Herzen der alte -Egoist, gleichgültig gegen alles, was nicht ›Ich‹ ist, bleiben?</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [bitter]. Wer könnte hier glauben, daß es in -der Tat Menschen gibt, die ein treues Herz, ein ganzes langes -Leben voll stillen Glücks um einiger lumpiger Tausender klaglos -opfern können – –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [im selben Ton]. Oder daß es Leute gibt -die sich an kleinliche Vorurteile wie der <i>Octopus</i> an sein Opfer -klammern? [Nach einer Pause.] Es ist eine unleugbare Tatsache, -– wem Herd und Heim mit Glück und Ruhe winken, -der stürzt sich nicht in unbekannte Gefahren, mag der Trieb dazu -auch hundertmal in seiner Seele schlummern. Oft, wenn ich auf -meinen einsamen Wanderungen ein Licht so freundlich aus einem -Fenster strahlen sah, dachte ich mir, daß es wohl über irgend -einen Teuren wache – – – ein Auge in der Nacht, das wie -ein milder Führer, wie ein getreuer Leuchtturm dem einsamen -Schiffer zeigt, wo der ruheverheißende Hafen winkt. Wir, denen -kein solcher Leuchtturm die Fahrt auf den Strom des Lebens -erleichtert, wir segeln planlos, uns wirft des Lebens wechselnde -Springflut unbarmherzig auf Klippen oder öde Inseln und was -wunder, daß so viele von uns – – –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [finster]. So jämmerlich untergehen! Es gehört -ein guter Steuermann und eine feste Hand dazu ein Schiff zu -steuern, das auf finsterem Meere treibt.</p> - -<p class="fss ci">[Alle rauchen eine Weile schweigend. Das Heulen des Windes -nimmt zu, das Nordlicht verschwindet langsam. Es wird unheimlich -finster.]</p> - -<p><span class="ge">Scharfen</span> [die Hände gegen die Zeltdecke hebend]. Uns -<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a> -bleibt das Wissen – die Suche nach dem Unbekannten, dem -Unerforschten und endlich das Bewußtsein unsere Pflicht getreu -erfüllt zu haben.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aufspringend]. Wir »schaffen« und »schaffen« -bedeutet »leben«.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [lachend]. Sagen wir mit Calderon »Das Leben -ist ein Traum!«</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [achselzuckend]. Oder ein ver– Alpdrücken – -individuell genommen!</p> - - -<h3>3. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Man hört lautes Hundegebell und Stimmengewirr. Von rechts -kommen eine Anzahl Rodel von Hunden gezogen und dicht bepackt auf -die Szene. Mehrere Männer, die ganz vermummt sind, kommen auf -Ski mit langen Stöcken und ganz vereisten Gewändern. Zwei Männer -führen einen Kranken, der sich sichtlich kaum mehr auf den Beinen halten -kann und den Hasselstein sofort auf einen Schlafsack niederlegen hilft, -während Scharfen einen Medizinkasten bringt und etwas in einem Glase -zusammenmischt. Norry und Roden zuerst, später Hasselstein, helfen die -Hunde abkoppeln und abführen, nehmen die Schlittenverpackung herab und -Norry füllt gleich viele Schüsseln mit dampfender Suppe.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [indem er eifrig mithilft]. Dem Himmel -sei Dank, daß Ihr endlich zurückgekehrt! Wir gaben uns schon -den allerernstesten Befürchtungen hin, denn die lange Polarnacht mit -ihren Schrecken steht dicht vor der Türe.</p> - -<p><span class="ge">Kapper</span> [ernst, indem er die Ski abschnallt]. Ihre Befürchtungen, -Hasselstein, hätten sich bei einem Haar bewahrheitet. -Die meisten von uns sind mehr oder weniger schneeblind geworden, -und trotz der Mitternachtssonne und des steigenden Thermometers -hat Meroff die Zehen beider Füße eingebüßt, denn das lange -Marschieren im auftauenden Schnee, verbunden mit dem plötzlichen -Fallen der Temperatur so oft ein Schneesturm im Anzug -war – alles dies hat die Mühsal unserer Entdeckungsreise sehr -erhöht. Ich fürchte, Meroff wird beide Füße verlieren.</p> - -<p><span class="ge">Johansson</span> [ernst]. Der Arme wird seine Heimat nicht -wiedersehen – es geht schnell abwärts mit ihm.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a> -<span class="ge">Hasselstein</span> [die anderen unterstützend]. Erreichten Sie -den Beardmore Gletscher?</p> - -<p><span class="ge">Granelli</span> [lebhaft]. Und ob! Wir machten auch viele -wertvolle Aufzeichnungen und hatten großen Vorteil von diesem -Ausflug vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wenn -nur beim Rückmarsch die Schwierigkeiten nicht geradezu unübersteiglich -geworden wären, erst da – [er schweigt].</p> - -<p><span class="ge">Johansson</span> [eifrig]. Die letzten vierzehn Tage waren -die allerschlimmsten. Die Lebensmittel gingen zu Ende, mit dem -Thranvorrat war es Schluß und was es heißen will mit nassen -Füßen ohne etwas wärmendes in den Leib zu bekommen in den -Schlafsack zu kriechen, das kennen Sie Hasselstein! Ein Wal -war nicht zu erjagen, Meroffs Füße wurden täglich schlimmer, -Skorbut war schon im Anzug, die Polarnacht näherte sich mit -Riesenschritten. – Ich glaubte wahrlich nicht Euch alle wiederzusehen, -Kameraden.</p> - -<p class="fss ci">[Alle schütteln einander warm die Hände und rufen durcheinander.]</p> - -<p>Willkommen bei uns! Willkommen Freunde, in unserer -Mitte!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einer Pause]. Wie war der Weg im -allgemeinen?</p> - -<p><span class="ge">Kapper</span> [kopfschüttelnd]. Die ersten Tagreisen waren so -leidlich aber dann – schauerlich! Wir sanken in der Regel -bis zu den Knien in den weichen auftauenden Schnee, konnten -uns überhaupt nur Dank der Ski auf der Oberfläche erhalten -und bald mußte der eine, bald der andere von uns zurückeilen -um den Hunden mit den Rodeln über eine schwere Stelle zu -helfen. Drei Tiere sind uns schon eingegangen, zwei weitere -mußten wir als Nahrung für die übrigen opfern und an ihrer -Stelle selbst den Rodel ziehen.</p> - -<p><span class="ge">Johansson</span> [den letzten Schlitten mit Hilfe der anderen -abpackend und die Sachen in die Schneehütte tragend, während -die anderen Fremden schon im Zelte auf den Schlafsäcken sitzen -und sich die Suppen schmecken lassen, die Norry eifrig ausschenkt]. -Oft brauchte es eine halbe Stunde, oft länger, bevor wir des -<a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a> -Morgens unser Schuhzeug wieder auf die gefrorenen, hochgeschwollenen -Füße zwingen konnten.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mitleidig]. Welch Leiden liegen hinter Euch!</p> - -<p><span class="ge">Johansson</span> [abwehrend]. Bah! Wir haben alle unsere -Leiden mitzumachen – wir dort – Ihr hier. Da ist die versprochene -Beute! [Er reicht Hasselstein einige Vögel.] Zwei -Königspinguine, drei Sturmvögel und einen weißen und einen -schwarzen Albatroß. Was sagen Sie dazu?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ihm warm die Hand schüttelnd]. Großartig! -Tausend Dank! Sie sollen einst das Museum Kringhausens zieren. -Ich habe auch hier das Leben und Treiben der Pinguine studiert -und muß sagen, daß die Damen von Kringhausen selbst nicht neugieriger -sind als diese befiederten Bewohner der Antarktis und -was das heißt –</p> - -<p><span class="ge">Johansson</span> [lachend; indem er alle Rodel mit Hilfe -Hasselsteins aufeinandertürmt]. Bewahre! Weiß ich's etwa nicht? -Ich habe zu meiner Zeit auch einige Erfahrungen mit bezug -auf das zarte Geschlecht gesammelt – was zum Beispiel meine -Alte – Gott hab' sie selig! – nicht herausgefunden hat – -Nu, lassen wir's gut sein. Man sagt zwar, Wiedersehen macht -Freude, aber was mich betrifft, so bitte ich, daß mir diese Freude -noch recht lange erspart bleibt.</p> - -<p><span class="ge">Vickers</span> [kommt aus dem Zelt]. Meroff ist in unruhigen -Schlummer verfallen – seine Beine sind bis hinauf geschwollen -– der erste, der uns verläßt.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach kurzer Pause]. Und Sie, alter Freund, -können die Augen kaum offen halten.</p> - -<p><span class="ge">Vickers</span> [abweisend]. Oh ich? Ich bin nur schneeblind -– das wird sich bald geben. [Er geht in das Zelt zurück.]</p> - -<p class="fss ci">[In diesem Augenblick kommt ein entsetzlicher Windstoß dahergefahren. -Das Brausen des Meeres ist unheimlich gewachsen, das Eis -knarrt, der Sturm heult, so daß man keinen anderen Laut hören kann, -kleinere Eisstücke rollen über die Szene, der Schnee wird aufgewirbelt.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zieht so schnell er nur kann eine zweite -Hülle über das Zelt, Norry hilft ihm]. Schnell, schnell! Der -Schneesturm naht. [Er bindet die Hülle fest.]</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a> -<span class="ge">Norry</span> [lebhaft]. Ins Zelt, ins Zelt!</p> - -<p class="fss ci">[Während Hasselstein die letzte Hand an das Zelt legt, hat Norry -die Tür des Zeltes zugezogen. Die ganze Szene ist dunkel, der Sturm -heult graueneinflößend und während der Vorhang langsam sinkt, braust -eine ungeheure Schneewolke über die Bühne hin, so daß alles im Nu -weiß erscheint.]</p> - - -<p class="ce mt2">Ende des ersten Aktes.</p> - - - - -<h2><a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a> -2. Akt.</h2> - - -<p class="fss ci">[Ein elegant ausgestattetes Zimmer. In der Mitte der Szene -ein Spieltisch, an dem vier ältere Damen sitzen. Zwischen zwei und zwei -Spielern steht ein stummer Diener mit Liqueurgläsern und Backwerk. -Links und rechts eine Tür. An der Wand im Hintergrund eine Kredenz -mit Obst und anderen Dingen. In den Ecken hübsche Figuren aus -Gyps, an der Wand hängt ein Vogelhaus und kleine Tischchen mit -Stühlen stehen da und dort. Bilder und Spiegel an den Wänden. -Alles spricht von Wohlstand, aber alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.]</p> - - -<h3>1. Auftritt.</h3> - -<p><span class="ge">Frau Zungrapp</span> [lebhaft]. Wer spielt aus?</p> - -<p><span class="ge">Frau Krickenfeld</span> [lächelnd]. Immer die, die fragt!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Will' mal sehn, wer mein Partner ist.</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [zerstreut]. Was wurde gerufen?</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lebhaft]. Herz! Bitte nur nicht in meine -Karte zu schauen!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [zieht den Wurf heftig an sich und küßt -sich die Fingerspitzen]. Gott sei Dank, der König wäre glücklich -zuhause. Ich fühle mich nie ruhig, bevor ich ihn geborgen weiß.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [besorgt das Haupt schüttelnd]. Ob ich meinen -Pagat wohl werde retten können?</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [nachdenklich]. Wo nur der Mond steckt? -[Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn ist wieder in Kringhausen?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [froh]. Ja, Hans Georg ist vor einer -Woche angekommen. Man hat ihn festlich empfangen und in -der »Gelben Schwalbe« wurde ihm zu Ehren sogar ein Festessen -veranstaltet. Zwei Universitätsprofessoren waren anwesend -und außerdem der gesamte Lehrkörper des hiesigen Gymnasiums -– auch andere Honoratioren Kringhausens –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a> -<span class="ge">Krickenfeld</span> [die Hand ausstreckend]. Mir gehört der -Stich, bitte! – Ja, ja, es muß schön sein einen so berühmten -Sohn zu besitzen, der am Südpol gewesen, allerlei Meerungeheuer -und ähnliche Dinge gesehen hat – zwar <span class="ge">praktischen</span> -Wert – [sie schweigt].</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [scharf]. Die heutige Jugend, liebste Peleponesia, -denkt nicht an die praktische Seite des Lebens: So -lange nur ein Mamatscherl die Moneten gibt – [jubelnd] Pagat -ultimo! meine Damen. [Sie rafft den Stich an sich.]</p> - -<p><span class="ge">Die drei anderen Damen.</span> Waaaaaaaas?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ärgerlich]. Natürlich: So geht es immer. -Hätten Sie, beste Frau Inspektor, besser achtgegeben, so hätten -wir jetzt nicht den Pagat verloren.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich eifrig verteidigend]. Mit nichten, Frau -Oberst, wenn Sie nicht den König gleich zu Anfang des Spieles -so leichtsinnig ausgespielt hätten, so –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [noch gereizter]. Sie hätten eben kleine -Tarockspiele nicht mit dem Mond und dem Zwanziger stechen -sollen, da hätten Sie später auch noch –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [mit lauter Stimme, heftig gestikulierend]. Wenn -Tarock ausgespielt wurden, mußte ich den Mond hergeben – -ich hatte ja nur vier Tarock –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [noch lauter]. Was sagte ich – Sie spielen -und haben kein Blatt –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [die beiden überschreiend]. Bitte, meine Damen, -dreißig Heller per Person –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> und <span class="ge">Hasselstein</span> [zugleich]. Wie dreißig -Heller? Nicht möglich, der Pagat kostet bloß –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [sich stolz zurücklehnend mit Nachdruck]. Pagat -ultimo!!!!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zahlt in Spielmarken aus]. Bitte, bitte, -da sind schon die dreißig Heller. In Zukunft aber, beste Frau -Inspektor, bitte mich nicht zu rufen, wenn Sie keine Karten -haben. Man darf seinen Partner nicht auf diese Weise ins Verderben -locken.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a> -<span class="ge">Holzheim</span> [lebhaft]. Wie? Ich habe den Mond und -den Zwanziger und –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ihre Rede unterbrechend]. Und nichts weiter -gehabt. Wir mußten verlieren!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [während die andern lachen]. Bitte zu geben, -Frau Oberst, – nächstes Spiel. [Es tritt eine momentane -Stille ein, während alle die erhaltenen Karten prüfen.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit Siegermiene]. Ich spiele einen Solo! -Was sagen die Damen?</p> - -<p><span class="ge">Alle.</span> Passe! Unterm Tisch! Gut!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [betrachtet ihren Kauf]. Den Achten! [Das -Spiel beginnt.]</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [seufzend]. Ja, was du früher sagtest, meine -teure Peleponesia, ist allerdings richtig. Praktischen Wert hat -so eine Südpolfahrt wohl nicht. Das kostet nur Geld – viel -Geld – es bringt zwar Ehren ein, aber nicht wahr, liebe Frau -Oberst, mit Ehren allein kann man keinen Haushalt gründen -und bei einem jungen Manne handelt es sich vorallem darum -schnell sein eigenes Nest bauen zu können.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [seufzend]. Ach ja! Aber daran will Hans -Georg nicht denken. Er hat eben seine eigene Anschauungen!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Karten faltend und entfaltend]. Man -sagt – aber – hm, mich betrifft es ja nicht! Ich gehöre -nicht zu jenen, die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen – freilich, -die Ohren verstopfen gegen das, wovon die ganze Stadt spricht, -kann kein Mensch. Nein, ich habe aber wirklich ein elendes -Blatt! Nicht einen einzigen Stecher!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [lächelt vergnügt]. Meine Damen, ich sage -die »Trull« an. [Mit wichtiger Stimme.] Auch mir sind gewisse -Gerüchte zu Ohren gekommen, aber –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Karten betrachtend]. Du meine Güte, -Frau Oberst, ich habe nicht einen Stecher – wie –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [streng]. Nichts aus der Schule plaudern – -[Sie nickt mehrmals mit dem Haupte.] Ach, teure Peleponesia, -es ist ein altes Sprüchwort: Es ist nichts so fein gesponnen, -es kommt doch einmal an die Sonnen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a> -<span class="ge">Krickenfeld</span> [rasch]. Soll ich oder soll ich nicht? Ich -wag's: Ich sage König ultimo an.</p> - -<p><span class="ge">Alle.</span> Gut, gut!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [schüttelt mißbilligend das Haupt]. Und vor -kaum einer Minute sagst du, daß du keinen Stecher hast. Ach, -Peleponesia: [Sie droht ihr mit dem Finger.] Ja, ja, man erzählt -sich, doch – uns geht alles das nicht an. Pardon: War -das eben der Sechzehner, der ausgespielt wurde? Gut: Den kann -ich gerade noch überstechen.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [ärgerlich zu Krickenfeld]. Jetzt haben Sie zu -niedrig ausgespielt, beste Frau Kommerzienrat: Auf diese Weise -werden wir das Spiel verlieren.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lachend]. Tut gar nichts, liebe Frau Inspektor, -da gewinnen wir es. [Man spielt eifrig.] Was sagt -man eigentlich? Sollte jemand etwas Nachteiliges über meinen -Sohn geäußert haben?</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [bewegt die Karten]. So ein berühmter Gelehrter: -– ein Südpolforscher: – indessen – mein Gott, die -Menschen sind einmal neidisch – böswillig –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [seufzt tief auf]. Ach, verehrteste Freundin, -die Welt ist voller Tücke: Besonders wenn es sich um eine -hervorragende Persönlichkeit handelt –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [triumphierend]. Der Mond geht nach Hause, -der Mond geht nach Hause: Was man sagt? Ach, liebste Frau -Oberst, nur unsere aufrichtige Freundschaft für Sie vermag –</p> - -<p><span class="ge">Alle drei Damen</span> [die Karten wie zum Schwur erhebend] -unsere bewährte vieljährige Freundschaft –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [jubelnd]. Der Pagat: Dem Himmel sei -Dank: Ja, und unser warmes Interesse für Ihren berühmten -Herrn Sohn –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [zur Decke aufsehend]. – den wir schon -liebten als er noch in Röckchen herumging –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit süßer Stimme]. – den wir mit innigsten -Interesse aufwachsen sahen –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [einen Wurf an sich raffend]. – vermag -<a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a> -uns eine leise – eine ganz leise – die allergeringste Andeutung -zu machen, daß – daß –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> – daß – es fällt uns allen schwer eine -so äußerst delikate Frage zu berühren –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [eifrig]. Ja, man hat wirklich die Unverschämtheit -zu behaupten – natürlich, nur eine Verleumdung -– die Welt ist leider so verderbt –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [seufzend]. Ja, verehrteste Frau Oberst, man -ist der absurden Anschauung –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [sich in die Brust werfend]. Das heißt -unwissende Leute – wir haben nie daran geglaubt –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [eifrig]. – böswillige Zungen –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [verächtlich]. – Menschen, die immer auf -der Lauer liegen irgend einen Skandal zu entdecken –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [die Augenbrauen hochziehend]. Einen -Skandal? Meinen Sohn betreffend?</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich zurücklehnend und das Spiel unterbrechend]. -Beste Frau Oberst, wir sind eben noch nicht so modern – so -ultramodern wie der Herr Sohn – In Kringhausen hält man -sich noch an die strengen Sittenbegriffe unserer eigenen Jugendzeit, -das ist heutzutage natürlich veraltet – ich weiß – aber -Leute finden es hier eben – ja, überraschend, hochgeschätzte Freundin -– daß –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> – daß Ihr berühmter – Ihr trefflicher -Sohn – daran denken könnte –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> – daß er sich dazu bestimmen ließe –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> – imstande sein würde – [plötzlich jubelnd] -Gewonnen, – gewonnen: Wir haben die »Trull«, wir haben -Pagat ultimo!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [sieht durch ihre Karten]. Wir haben zwei -Stiche und einen König.</p> - -<p class="fss ci">[Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einer Pause, scharf]. Wozu könnte -Hans Georg sich entschließen?</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [seufzt tief auf, die anderen tun desgleichen]. -Ach, beste Freundin, die liberalen Anschauungen des Herren -Sohnes geben leider zu allerlei unbegründetem – ich bin fest -<a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a> -überzeugt ganz unbegründetem Gerede Anlaß – man meint, er -könnte sich hinreißen lassen – ja, viele Leute gehen dahin zu -behaupten es sei eine schon beschlossene Sache – dieses – Mädchen –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [finster]. Welches Mädchen? Ich verstehe -nicht –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Bitte anzusagen – was ist gerufen? Ja, -es handelt sich um – meine Lippen sträuben sich den Namen -dieser unglücklichen Gefallenen auszusprechen – kurz, um Berta -Heller!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Einen Dreier mit Herz: Was liegt im -Talon? Ja, eben – man – böse Zungen – gehen so weit anzudeuten, -daß der Herr Sohn noch immer – man erinnert sich -an seine frühere Verblendung – die Absicht haben soll an eine -Verbindung mit –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Es liegt wunderschön: Der Mond und zwei -Könige!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [munter]. Und nicht einmal der Gerufene – -das nenne ich Glück!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Das lasse ich mir gefallen: Ach, beste Frau -Oberst, so ist es. Man meint wirklich allgemein –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit Pathos]. – die ganze Stadt spricht -davon –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> – daß Berta Heller die Schwiegertochter –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [entschieden]. Niemals! Geschwätz der Leute -meine Damen, – mein Sohn kann und wird nie vergessen, was -er dem Namen seines toten Vaters schuldet.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [süß lächelnd und einschmeichelnd]. Und dem -seiner hochgeachteten allseitig geschätzten Mutter!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [rafft erbittert ihren Wurf zusammen]. Er -würde es nie wagen mir eine solche Schwiegertochter in das -Haus zu bringen – meine Ansicht kennt er –</p> - -<p><span class="ge">Alle drei</span> [lebhaft beteuernd]. Natürlich nicht! Ganz -und gar ausgeschlossen! Gewiß nicht!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen, -<a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a> -so ist ihnen daheim nichts mehr recht [sie gibt sich -einen Klaps auf den Mund]. Es ist nicht mein Sohn –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Der Herr Sohn hat eben so sehr moderne -Anschauungen – ein Gelehrter – natürlich – aber – [sie -seufzt].</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [lebhaft]. Wir schätzten die vielen Vorzüge -des Herrn Professors sehr hoch –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Mein Pagat! O Jammer, er ist fort, er -ist dahin! Wir sind eitel Bewunderung seiner – seiner – -Tugenden – nur – nur –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Wie? Ist der Mond noch nicht ausgespielt?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock -zählen! Sie wissen nie, was ausgespielt wurde, Frau Professor –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [gekränkt]. Ich zähle sie immer, aber -wenn einmal fünfzehn oder sechzehn draußen sind – so – so -verliere ich manchmal den Faden. Trotzdem sagt Hofrat Glaubig -immer, daß ich ganz vortrefflich –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [die Hände zusammenschlagend]. Wie, lebt -dieser wandelnde Leichnam noch? Dem zahlt die Regierung -seine Pension sicher schon seit vierzig Jahren.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Und seine Tochter? Die hat vorzeiten trotz -ihres kranken Beinleins auch manche Seitensprünge gemacht. -Ha, ha, ha!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Jetzt muß sich dieses Gerippe auch den -Fünfzigern nähern. Eine Vogelscheuche erster Klasse.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [entsetzt]. Gestochen? Mein König? Wie -ist denn das möglich?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [trocken]. Weil erst neunzehn Tarock ausgespielt -sind. Und was ist aus dem verrückten Sohne geworden?</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [wichtig]. Oh der? Der hat auch so manches -Vergehen auf dem Kerbholz – er sollte wohl eigentlich in das -Gefängnis geworfen werden, aber des alten Herrn wegen hat -man ihn lieber irrsinnig erklärt.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [verzweifelt]. Jetzt ist unser König auch -verloren! Frau Oberst tragen daran die Schuld!</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a> -<span class="ge">Hasselstein</span> [heftig]. Ich?? Ich kann die Tarock zählen -– Gottlob [großer Lärm, alle schreien durcheinander].</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [erregt]. Sie hätten nicht Herz ausspielen -sollen, als –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [gibt]. Bitte, nur schöne Blätter, meine -Herrschaften!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Karten musternd]. Lassen Sie sich Ihre -Handerl vergolden für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben -haben.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [lebhaft]. Wird etwas angesagt?</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [legt die Karten zusammen]. Ich sitze unterm -Tisch.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Passe.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Spielt niemand? Da wage ich einen -Zweier. Treff!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lachend]. Wie kühn unsere Frau Oberst -plötzlich geworden ist. Da hat sie gewiß in unsere Blätter -geschaut.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [tut entrüstet]. Aber meine Damen [alle -lachen].</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Und ich sage alle Könige an – hoffentlich -bringe ich sie glücklich wieder nach Hause [alle spielen eifrig].</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit einer Handbewegung]. Bitte sich doch -zu bedienen, meine verehrten Damen. Ich glaube der Liqueur ist -nicht schlecht – mein Sohn hat ihn von der Reise mitgebracht.</p> - -<p><span class="ge">Alle.</span> Aaaaaah! [sie kosten und nicken hierauf befriedigend]. -Vortrefflich! <i>Quel goût! Excellent!</i></p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich bedienend]. Ich muß einen Anisbogen -nehmen. Die gute Frau Oberst macht wahre Meisterstücke an -Geschmack.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [einschmeichelnd]. Nein, diese Dattelbusserl sind -meine Lieblinge. Meine Zähne erlauben mir nicht mehr den -Genuß von hartem Backwerk. Was für Zukunftspläne hat der -Herr Sohn?</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [leise zu Holzheim]. Sie hat nicht einen -eigenen Zahn im Munde – lauter Kuckuckseier!</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a> -<span class="ge">Holzheim</span> [vertraulich]. Ich habe drei falsche – sonst -nur meine eigenen – ich bin aber auch um zehn Jahre jünger.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [unterdessen leise zu Hasselstein]. Wie schrecklich -alt und verfallen die gute Holzheim aussieht und doch bin ich -selbst nur drei Jahre jünger [laut]. Heutzutage weihen uns -die Kinder nicht mehr in ihre Pläne ein – die Eltern um -Rat zu fragen ist nicht mehr Sitte – aber ich frage, weil wir -den jungen Herrn eben wie unser eigenes Kind –</p> - -<p><span class="ge">Alle</span> [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen. [»Ich -muß noch etwas nehmen« – »ich auch« schwirrt es durcheinander. -Alle essen und trinken eifrig.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Es freut mich, wenn es den Damen schmeckt. -Mein Sohn weiß das Wohlwollen der Damen zu schätzen und -ich nicht minder. Was seine Zukunft betrifft, so wäre es mein -Wunsch, daß er die Stelle als Professor der Zoologie am hiesigen -Gymnasium annehmen würde. Indessen spricht man selbst von -einer Oeffnung an der Universität in –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span>. Wirklich? Ach, da wäre eine Heirat mit -– mit Berta ein Unglück für ihn, denn niemand könnte mit -ihm in gesellschaftliche Beziehungen treten, weder hier noch in -seiner neuen Heimat. Man kann auch schlechterdings die Erziehung -der aufwachsenden Jugend nicht einem Manne anvertrauen, -der sich über die herrschenden Grundsätze hinwegsetzt. -Ach, teuerste Frau Oberst, machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß -geltend – halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück! Ein -Mädchen, das nun einmal das Unglück gehabt hat – ja, man -kann die Welt nicht auf den Kopf stellen – ist eben verloren!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Mein Sohn schließt gewiß nie -eine Ehe mit einer ihm unwürdigen Frau. Leider will er jedoch -keine bindende Stellung – vorderhand wenigstens noch nicht – -annehmen.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [trinkt langsam]. Dieser Liqueur ist in der -Tat vorzüglich. Und erst dieses Backwerk! Unsere liebe Frau -Oberst gehört eben noch der alten Schule an, wo eine Hausfrau -und Gattin vorallem kochen können mußte. In meinem -Elternhause, wo täglich Gäste eintrafen, wo das Wild und Geflügel –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a> -<span class="ge">Zungrapp</span> [lebhaft]. Beste Frau Inspektor, wenn Sie -gar in meinem Elternhause gewesen wären, wo Fürsten und -Prinzen –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [macht eine Handbewegung]. Alles das ist -nichts gegen den Aufwand, die Herrlichkeiten an Speise und -Trank meines seligen Onkels des Erzbischofs –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [sie erregt unterbrechend]. So viele Backhühner, -wie bei uns hat man im ganzen Bezirk nicht gegessen und unsere -Kirschpoganzen –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [sie unterbrechend]. In unserem Elternhause -hatten wir täglich wenigstens vier verschiedene Weingattungen -auf dem Tisch und zu den Festtagen –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mit vor Erregung zitternder Stimme]. Bei -meinem seligen Onkel, dem Erzbischof –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Die Gänse wurden in meinem Elternhause -so gut gefüttert wie nirgends sonst im Lande und was die -Weingattungen betrifft –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [einfallend]. Mein seliger Onkel der Erzbischof -ließ den Champagner immer direkt von Frankreich -kommen –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lebhaft]. Ans Spiel, meine Damen. Ja, -zu der Zeit wurde die Kochkunst viel höher geschätzt als heute. -Jedes Mädchen selbst aus dem vornehmsten Hause, mußte kochen -können. Sehen Sie einmal mich an –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [einfallend]. Mein seliger Onkel, der Erzbischof, -hielt strenge darauf, daß ich –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Unser Elternhaus genoß in der Hinsicht einen -solchen Ruf, daß die Freier scharenweise zu unseren Eltern kamen. -Damals war man noch nicht so modern, das man sich selbst -einen Mann wählte – das taten die Eltern.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [bitter]. Welches Mädchen wird heute angehalten -in der Küche mitzuhelfen – alles will nur studieren – -will modern sein.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [spielend]. Ja, leider! Heutzutage muß -ein Mädchen dagegen Tennisspielen, Rollschuhlaufen und ähnliche -Sachen können, muß allerlei unnützes Zeug lernen und will dann, -ganz wie ein Mann, ins Leben hinaus.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a> -<span class="ge">Zungrapp</span> [langsam nickend]. Wobei sich mancher Falter -die Flügel versengt. Das Heim geht verloren, die Heiraten -nehmen ab und Kinder sind schon ganz und gar unmodern. Ich -bitte, wie soll ein Mann auch Lust und vor allem die Mittel -haben ein Mädchen von heute zu heiraten? Hunderterlei Ansprüche, -keine Kenntnisse, keine Pflichten, wenigstens zwei Dienstboten, -eine ganze Flucht von Zimmern, jeden Sommer eine Badereise, -jede Saison mindestens drei Hüte –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Nachdruck]. Und keine Kinder, – -nicht zu vergessen! Hat eine Frau einmal eins oder zwei, so -muß sie schon ins Bad, braucht eine Kur, muß ein halbes Jahr -unter ärztlicher Behandlung stehen und setzt eine Märtyrermiene -auf. Sehen Sie mich an! Ich hatte zwölf lebende und vier -tote Kinder und ich bin nie länger als vierzehn Tage im Bette -gelegen.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [die Karten zusammenraffend]. Gewonnen, gewonnen -Frau Oberst! 25 Heller zu bezahlen.</p> - -<p class="fss ci">[Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.]</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Mein seliger Onkel, der Erzbischof, pflegte -immer zu sagen: Frauen und Oefen gehören in das Haus.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Herz gerufen? Heute hat man die Oefen -und die Frauen – außer dem Hause.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [süßlich]. Um auf das herzige Bürschchen -– Pardon! Pardon! – den berühmten Südpolforscher zurückzukommen -– so wissen Frau Oberst, daß wir die mütterlichsten -Gefühle für ihn hegen – so ein Frauenherz ist einmal gegen -alle von Liebe erfüllt – und deshalb erlauben wir uns zu -sagen, daß ein junger Mann – und trotz seiner hervorragenden -Eigenschaften ist der liebe Herr Professor noch so jung – manchmal -des Rates bedarf. In höchster Erregung. Wie? Ist der -Mond verloren?</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [gelassen]. Schon vor drei Stichen führte -ich ihn nachhause. Warum will der Herr Sohn die Stelle -nicht annehmen?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mißmutig]. Er will zuerst ein Buch herausgeben, -das die Beschreibung seiner Fahrt und der von ihm -gemachten Entdeckungen enthält.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a> -<span class="ge">Frau Zungrapp.</span> Ein Buch!!! Soooo interessant – -aber – glaubt der Herr Sohn finanziellen Nutzen daraus ziehen -zu können? Ich erlaube mir nur diese Frage, beste Frau Oberst, -will jedoch nicht einen einzigen Augenblick andeuten –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [süßlich]. Wir zweifeln nicht, daß das Werk -vortrefflich geschrieben sein wird, aber wir meinen nur, daß ein -wissenschaftliches Werk in Kringhausen – Mein Gott, solche -Arbeiten liest eben kein Mensch [sie schlägt sich auf den Mund] -– ich will sagen, so eine Arbeit wird nur von auserlesenen -Geistern gelesen – in Bibliotheken und so weiter – aber nicht -oft gekauft.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [achselzuckend]. Der Büchermarkt ist eben -so überfüllt!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [spitz]. Nicht mit Werken über den Südpol -und die Antarktis überhaupt.</p> - -<p><span class="ge">Alle</span> [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst! Teuerste -Freundin!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Hand drückend]. Bitte unsere Anmerkungen -nicht mißzuverstehen. In uns hat der Herr Sohn -seine eifrigsten Bewundererinnen, aber wir sind eben der Ansicht, -daß – daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung -für einen heiratsfähigen Mann ist – indessen hat ja das Mamatscherl –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [tröstend]. Schon aus Höflichkeit für die -Verwandten des Herrn Professors wird man einige Exemplare -kaufen –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [spitz]. Dessen bedarf es nicht. [Eine kurze, -peinliche Pause entsteht. Das Spiel wird wieder aufgenommen.]</p> - - -<h3>2. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Der junge Hasselstein tritt ein.]</p> - -<p><span class="ge">Alle Damen</span> [strecken ihm lebhaft die Hände entgegen]. -Ach, da kommt unser lieber, unser berühmter Südpolforscher! -Willkommen, Willkommen!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [küßt jeder der Damen die Hand]. Ich -bitte sich nicht stören zu lassen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a> -<span class="ge">Krickenfeld</span> [süß]. Lieber Herr Professor, wer kann von -einer Störung sprechen – wir sind entzückt Sie wiederzusehen. -[Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.]</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> Von einer Störung kann hier gar nicht die -Rede sein, wir haben uns ja schon so sehr auf das Wiedersehen -gefreut.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [ihm mit dem Finger drohend]. Bei mir ist -mein alter Freund noch nicht gewesen!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [während die Damen aufbrechen]. Ich -werde nicht verfehlen – ich war nur so überaus in Anspruch -genommen.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lächelnd]. Ich kann es mir wohl denken – -alle Professoren und – man hat immer auch andere Bekanntschaften –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [sie beim Arm fassend]. Liebe Emilie, die -Frau Oberst muß sich danach sehnen mit Ihrem gefeierten Sohne -ein wenig zu plaudern. Da sind wir überflüssig. Komm!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [während ihr Hans Georg in den Mantel -hilft]. Ach so ein in Liebe pochendes Mutterherz! Aber wie -hübsch er geworden ist! [Ihn von allen Seiten betrachtend, -einschmeichelnd.] Darf ich Ihnen als alte, gute Freundin einen -Kuß geben?</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [ihn betrachtend, während Fr. Holzheim ihn -küßt]. Und was für einen schmucken Schnurrbart er hat! Er -ist nicht umsonst am Südpol gewesen! Das nächste Mal aber, -beste Frau Oberst, bringe ich mein bescheidenes Abendbrot -mit und werde dann Ihren hochinteressanten Sohn mit Fragen -bestürmen. – Sie ahnen ja nicht, welches tiefe Interesse mich -durchglüht, Sie lieber Herr Professor, von Ihnen die nähere -Beschreibung der Paradiesvögel zu erhalten, die am Südpol –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [trocken]. Paradiesvögel gibt es leider -keine in der Antarktis, meine Gnädigste!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [verwundert]. Nicht? Was Sie nicht sagen? -Ich meine jene Vögel, die immer auf zwei Beinen gehen.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [leise]. Ja, auf vier können sie nicht leicht -gehen. [Laut.] Gnädige Frau meinen wohl –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a> -<span class="ge">Krickenfeld</span> [lebhaft]. – die antarktischen Pelikane. -Von denen habe ich auch gelesen. [Sie knöpft eifrig ihre Handschuhe -zu, die anderen Damen haben auch umständlich eine Menge -Kleider und Pelzsachen angelegt.]</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [lächelnd]. Gnädigste sprechen gewiß von -den Pinguinen.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [triumphierend]. Siehst du, liebste Emilie, -ich hatte es erraten – mit »P« wenigstens fängt auch mein -Wort an.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [neugierig]. Nun behalten wir Sie wohl in -in unserem schönen Kringhausen, nicht wahr, Herr Professor! -Beim Mamatscherl ist's eben am besten!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [die Stirne runzelnd]. Ich hoffe bleibend -bei Mama verweilen zu können – indessen hängt dies noch von -einigen anderen Umständen ab.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mahnend]. Führen Sie nur auch bald ein -nettes Frauchen heim. Ach, Sie Herzenstöter! [Sie droht ihm -lächelnd mit dem Finger.] Ich kenne mehr als ein Mädchen, -das nur von Ihnen träumt. Ha, ha, ha!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Gnädige Frau belieben zu scherzen -– ich kenne nur eins!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [die Hand auf seinen Arm legend]. Wählen -Sie sich nur ein häusliches, wohlerzogenes –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit Nachdruck]. – ein Mädchen mit tadellosem -Rufe – das ist immer Hauptbedingung, hier, wo man eben -in mancher Beziehung noch so unmodern ist.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [lebhaft]. Etwas Mitgift ist auch ein sehr -wünschenswerter Faktor –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [abwehrend]. Letzteres spielt bei unserem -Jungchen [schelmisch] Pardon! Pardon! so darf man eine angehende -Berühmtheit wohl nicht nennen –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [verbeugt sich kalt]. Bitte sehr, gnädige -Frau!</p> - -<p class="fss ci">[Alle Damen reichen nun zuerst Frau Hasselstein und hierauf ihrem -Sohne die Hand, die er küßt. Abschiedsworte fliegen durcheinander, ein -großer Lärm entsteht. Mutter und Sohn begleiten die Gäste bis zur -Tür zur Rechten.]</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a> -<span class="ge">Krickenfeld</span> [zu Hans Georg]. Stets willkommen bei -mir, Herr Professor!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lächelnd]. Nur auf baldige Brautschau ausgegangen! -Ein junger Mann braucht ein Heim.</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [ruft von der Schwelle zurück]. Und nur -die Warnungen der lieben Mama hübsch beherzigt!</p> - - -<h3>3. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Mutter und Sohn allein.]</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [führt seine Mutter zu einem Lehnstuhl zur -Linken, legt einen Polster für sie zurecht, schiebt einen kleinen -Fußstuhl unter die Füße und bleibt dann, gegen die Kredenz im -Hintergrund gelehnt stehen.] Seit meiner Heimkehr ist es mir -noch nicht gelungen ein einziges trauliches Plauderstündchen mit -dir zu halten und dennoch habe ich so vieles auf dem Herzen, -das alles bald besprochen werden muß.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit Stolz auf den hübschen jungen Mann -blickend]. Sprich, mein Kind, ich bin begierig deine Pläne zu -hören!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Mutter! Es handelt sich um -meine ganze Zukunft, um mein Glück! Als ich vor mehr als -zwei Jahren der Heimat den Rücken kehrte, so geschah es, wie -du dich erinnern wirst in zweiter Linie um mein Wissen zu vergrößern, -Abenteuer zu bestehen, neue Entdeckungen zu machen – -Ich wagte mein Leben in unerforschten, unwirtlichen Gegenden –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [erregt]. Welche Sorge habe ich um dich, -liebster Hans ausgestanden, wieviel Tränen –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Ich weiß es, Mama! Ich habe -oft gewünscht, daß ich dir alle diese Leiden und Sorgen hätte -ersparen können, aber eine Trennung war notwendig – [leiser] -– für uns beide. Ich zog aus um neue Horizonte zu finden -und dadurch auch neue, reinere, nachsichtigere Anschauungen zu -gewinnen, um dir, liebes Mutterl, Zeit zu geben die Liebe zu -deinem Sohne auf die Probe zu stellen, um dich in den Stand -zu setzen dich allmählich von der Wahrheit meiner Worte mit -<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a> -bezug auf eine mir teure Person zu überzeugen und um einst -heimkehren zu können in ein Heim, von denen die Schatten engherziger -Beurteilung gewichen, – gewichen, auf daß Nachsicht, -Liebe und Vertrauen dort ihren Einzug halten. Auch ich habe -sowohl mein Herz als auch meine innerste Ueberzeugung zu prüfen -Zeit gehabt – lange, ja lange sind die Stunden der düsteren -Polarnacht und oft lag ich überlegend, prüfend, erwägend im -Schlafsack, wenn der süße, traum- und sorgenlose Schlummer -sich lange schon auf meine glücklicheren Kameraden gesenkt hatte. -Ich prüfte mich, Mutter, und weiß, daß mein Entschluß unwiderruflich, -daß Berta für meine Zukunft die beste Gefährtin, zu -meinem Lebensglücke unerläßlich ist. Wie vor zwei Jahren bitte -ich dich heute: Lass' mich sie, die mir schon seit Jahren teuer, -zu dir bringen – finde statt eines Kindes <span class="ge">zwei</span>! [Weich.] -Zwei die dich lieben, zwei die für dich sorgen, zwei die alles -aufbieten werden dir dein Alter zu verschönen, deinen Lebensabend -friedvoll und heiter zu gestalten!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [erregt]. Ach, Hans Georg! Nach all -meinen Bitten –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst nähertretend]. Es handelt sich um -mein <span class="ge">Glück</span>, Mutter!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [seufzend]. Du weißt, daß ich stets nur an -dein Wohl, dein Bestes denke!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [weich]. Ich weiß es Mütterchen! Aber -du darfst nicht vergessen, daß die Zeiten sich ändern, daß die -Anschauungen der heutigen Jugend notwendigerweise von denen, -die verwichen vor vierzig Jahren geherrscht, verschieden sind. -Wir gehen gottlob einer aufgeklärten Epoche entgegen, einer -milder denkenden, verständnisvolleren und daher auch einer nachsichtigeren –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [heftig, sich aufrichtend]. Recht wird immer -Recht, Unrecht eben Unrecht bleiben, Hans Georg! Die heutige -Jugend genießt größere – [sie seufzt und schweigt einen Augenblick] -– vielleicht allzu große Freiheit, aber der Ruf eines -Mädchens bleibt heute wie vor vierzig Jahren ihr größter Schatz, -der Prüfstein ihres Wertes!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bitter]. Selbst wenn sie den Verlust desselben -<a class="pagenum" id="page_037" title="37"> </a> -einem gewissenlosen Schurken und nicht eigener Schuld -verdankt?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [das Haupt schüttelnd]. So ein Fall ist -ein großes Unglück für das Mädchen – aber – in den Augen -der Welt –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [mit wachsender Erregung]. Und woraus -besteht diese »Welt«? Aus einigen beschäftigungslosen Pensionisten, -vielen alten Klatschweibern und wenigen gedankenlosen Nachplapperern -dieser beiden Kategorien – Menschen, von denen die -erste Gattung das Füttern der Vögel im Stadtparke und die zweite -das Amfenstersitzen und Kartenspielen zur Hauptbeschäftigung -hat. Und über ihr Urteil kannst du dich deines einzigen Sohnes -willen, der nur wie durch ein Wunder überhaupt zurückkehrte, -nicht hinwegsetzen?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [betrübt]. Mein Sohn! Die Welt besteht -aus allen jenen Menschen, mit denen wir zusammentreffen, in -deren Mitte wir leben müssen.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [die Brauen hochziehend]. Müssen? Man -kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [müde]. Einigen vielleicht – doch nicht -allen. Der Mensch ist ein Gesellschaftstier und wir sind daher -der öffentlichen Meinung unterworfen.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [erregt auf und abgehend]. Ist es also -besser sich selbst unglücklich zu machen als der sogenannten öffentlichen -Meinung mutig die Stirne zu bieten?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Törichtes Kind! Glaubst du, daß dein -Glück von Dauer sein würde, so du der Achtung deiner Mitmenschen -beraubt wärest?</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [wirft stolz das Haupt zurück]. Vorurteile -muß man eben bekämpfen – der Anfang mag schwer, der Erfolg -ein langsamer sein, aber endlich muß der Sieg errungen werden!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Eine Schwalbe macht noch keinen -Sommer – ein Fall verändert noch nicht lange die traditionell gewordenen -Gesetze von Jahrhunderten, die in Fleisch und Blut -des Volkes übergegangen sind. [weich und bittend.] Ach, Hans -Georg, lasse dich hier als Gymnasialprofessor nieder, wähle dir -ein Mädchen aus gutem Hause und von tadellosem Rufe –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a> -<span class="ge">Hans Georg</span> [bitter]. – und führe ein Spießbürgerleben -anseiten einer ungeliebten aber in den Augen der guten -Kringhäusler hochachtbaren Frau – danke!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [weich]. Mein Jungchen! [Nach einer kurzen -Pause.] Sag' mir, du mein Leben, mein Stolz, meine Freude, -daß du auf deine alte Mutter hören willst, daß du nicht ernstlich -daran denkst diese – diese Berta Heller – zu heiraten. -Beim Andenken deines verstorbenen Vaters beschwöre ich dich –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sinkt vor seiner Mutter in die Knie, -stützt sich auf ihren Schoß und blickt zärtlich in ihr Antlitz]. -Lassen wir Vater – er genießt die Ruhe, um die ich ihn oft -beneidet habe! [weich und bittend]. Kannst du es wirklich nicht -über dich gewinnen den Kringhäuslern um meinetwegen zu trotzen? -Hast du, während ich begraben unter Eis und Schnee, fern – – -ach, so fern von dir – ein gefahrvolles Leben führte, -stets bereit vom Schauplatze irdischer und meist leider so nichtiger -Kämpfe zu anderen Sphären berufen zu werden, hast du -da nie gedacht, wie es sein würde, wenn ich nie wiederkäme, -wenn ein Mitglied der Expedition dir statt des gesunden Sohnes -die Nachricht seines frühen Todes zugeführt hätte, wenn du -deinen Lebensabend einsam hier verleben müßtest, – ohne daß -die Stimmen froher Enkel in diesen Mauern widerhallen würden – -einzig von den Verwandten, einzig von den geschwätzigen Tarockdamen -besucht. Hast du nie dir vorgestellt –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [sich die Tränen abtrocknend]. Oh mein Junge, -mein geliebter Hans Georg! Wie oft lag ich stundenlang betend -vor meinem Lager, wie oft saß ich weinend gerade hier, wenn -die Einsamkeit mich allzu unerträglich deuchte, die Sorge um -dich, du mein höchster Schatz, mein Herz zusammenkrampfte. -Ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden, wenn [Mutter und -Sohn halten sich lange umschlungen].</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sie liebkosend]. Hast du dir nie vorgestellt, -Herzensmütterchen, wie schön unser Zusammenleben sein -würde, wenn Berta – wenn ich und sie dir immer nahe wären -und alle deine Wünsche ausführen könnten – Wünsche, die nur -ein Sohn, eine liebende Tochter erfüllen können. Dachtest du -nie, wie süß die Enkelchen – ihre und meine Kinder –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a> -<span class="ge">Hasselstein</span> [leidenschaftlich]. Deine Kinder – doch -nicht sie ins Haus – nicht sie zu deiner Frau – Oh, Hans Georg!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [müde]. Warum nicht? Weil ein Schurke -ohnegleichen es gewagt hatte die kaum sechzehnjährige liebliche -Menschenblüte mit Gewalt zu brechen? Sie die sowohl vor -wie auch nachher ein tadelloses, mustergültiges Leben führte, sie, -die außer ihrer Schönheit ein edles Gemüt, ein warmes Herz, -einen regen Geist und künstlerische Anlagen besitzt und die dem -kranken Bruder ihr Erbteil abgetreten, ihren Vater jahrelang -aufopfernd gepflegt hat, sie, an deren Seite einzig ich mein Glück -finden kann? Vor zwei Jahren konnte ich noch zweifeln – -heute nicht mehr. Oft, wenn die Bitterkeit dieses schwache Herz -erfüllte und es zu sprengen drohte, da stieg inmitten der Schneewüste -das Bild Bertas tröstend vor mir auf und die Wellen -des Abscheus gegen alle engherzigen Seelen daheim sanken in nichts -zusammen, – wenn ich mich freute mir einen Namen errungen -zu haben, so war es, weil er ihr Schutz gewähren sollte gegen -alle – –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ihn abwehrend unterbrechend]. Sie wird -deinen reinen geachteten Namen in den Schmutz ziehen – das -weiße Tuch wird schwarz, wenn es mit Ruß in Berührung -kommt, nicht der schwarze Ruß weiß vom Tuche. [Vorwurfsvoll.] -Du denkst immer zuerst an sie – erst hierauf an deine Mutter.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ihre Hände ergreifend]. An wen könnte -ich mehr denken als an meine Mutter, aber siehst du, Berta ist -bereit mir alles zu opfern, mit mir bis an das Ende der Welt -zu ziehen, falls wir das Heim, das erhoffte Glück nicht bei dir, -nicht in der Heimat finden können. Sie will gerne das -schwere Leben eines Forschers in fremden Erdstrichen mit mir -teilen, sie opfert mir willig Heimat, die Annehmlichkeiten der -civilisierten Länder mit ihren Vergnügungen, ihren reichen Abwechselungen -– und du, ach, du willst deinem Sohn nicht einmal -die Kringhäusler und ihre nichtige Meinung aufopfern!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [besorgt]. Du sprichst von neuen Forschungsfahrten -– wärest du imstande mich wieder zu verlassen, mich -neuem Kummer, neuen Sorgen auszusetzen?</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [weich]. Wie gerne, wie innig gerne verbliebe -ich bei dir, doch du selbst schickst mich wieder hinaus in -<a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a> -die weite Welt. Auch Berta, liebste Mutter, auch ich, wir -beide haben gleich dir Anspruch auf Freude, auf Glück, auf eine -sonnige Zukunft. Wäre mein Lieb' ein schlechter Charakter, ein -leichtsinniges Mädchen, so würde ich nie ein solches Opfer, eine -Ueberwindung von dir begehren – aber einem Vorurteil allein -kann ich nicht das Glück und die Zukunft eines ganzen Daseins -opfern. [Weich.] Zieh' mit uns, Mutter verlasse Kringhausen und -in einem fremden Orte – unsere Heimat ist groß – wollen -wir ein neues Heim uns gründen.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [müde]. Gerüchte erreichen auch entfernte -Orte.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ihre Hände mutlos fallen lassend]. Du -liebst die Kringhäusler mehr als deinen Sohn! [Nach düstern -Schweigen leise.] Es sei, Mutter, wie schwer mir der Abschied -auch wird, wie hart der Schlag, der meine schönsten Hoffnungen -vernichtet, mich auch getroffen. [Fester, lauter.] Noch gibt es -Völker, wo mein Name, meine Persönlichkeit allein genügen -werden, dem Weibe, das ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin -erwählt habe, Achtung zu verschaffen. [Er entfernt -sich mit gesenktem Haupte etwas von Fr. H.]</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einer peinlichen Pause]. Hans Georg!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sich müde umwendend]. Mutter!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [die Hände nach ihm ausstreckend]. Komm' -zu mir, mein Kind! [Er sinkt langsam wieder vor der Mutter -in die Knie und hält sie umschlungen.] Kannst du nur mit -Berta glücklich werden?</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Ja, Mütterchen, mit ihr allein!</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [weich und mit tränenerstickender Stimme -indem sie ihn an sich zieht]. Mein Liebling, ich kann eine neue -Trennung nicht ertragen, ich kann dich nicht wieder in die Fremde -ziehen lassen – ich muß daher wohl – [sie küßt ihn].</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [jubelnd]. Mama! O du mein süßes, o -du mein geliebtes Mutterl –</p> - - -<h3>4. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll und die ganze Verwandtschaft -stürmt herein. Herr und Frau Pottenmiller, Herr und Frau -<a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a> -Brunnick, Herr und Frau Knute, Ladislaja und Hermine Schrift und -alle rufen allerlei durcheinander. Große Begrüßung. Alle nehmen endlich -Platz und verhältnismäßige Ruhe tritt ein.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Regierungsrat Pottenmiller</span> [Hans Georg -vom Scheitel bis zur Zehe durch ein Lorgnon musternd]. So, -so, da wäre also unser Südpolfahrer. Endlich einmal treffen -wir dich daheim – bist sonst immer vergriffen.</p> - -<p><span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller.</span> Willkommen daheim, -lieber Neffe. Wie hat es dir am Südpol gefallen?</p> - -<p><span class="ge">Frau Direktor Knute.</span> Wer hat euch das Essen gekocht?</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [lächelnd]. Wir wechselten ab – jede -Woche kam die Reihe an jemand anderen.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [mit Verachtung in Ton und Geberden]. -Kein Wunder, daß du so mager bist! Was verstehen die Männer -von der Speisezubereitung?!</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [sich zurücklehnend, mit scharfer kreischender -Stimme]. Sag' einmal, was hast du für Pläne? Das darf -man wohl erfahren, vermute ich. Wohlgemeinte Ratschläge wirst -du natürlich wie immer ablehnen. [Sie zuckt mit den Achseln.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [in befehlendem Tone]. Jetzt wirst du natürlich -nicht albern genug sein die Stelle am hiesigen Gymnasium -wieder abzulehnen. Man nennt deinen Namen gerade jetzt häufig -in den Blättern und mir wurde privatim gesagt, daß du, mit -einiger Protektion sogar an der Universität unserer Kreishauptstadt –</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja</span> [schlägt die Hände zusammen, mit dünner -Fistelstimme]. Nein, stellt euch vor, unser kleiner Hansi Universitätsprofessor!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein.</span> Das ist auch mein höchster Wunsch -– am liebsten als Gymnasialprofessor hier, das ist eben eine -sichere Versorgung mit späterer Pension –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [mit Sarkasmus]. Die langsame Verwandlung -eines denkenden Menschen in eine wandelnde Maschine -ist selbstverständlich ganz belanglos.</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [heftig, mit unruhig blitzenden Augen]. -<a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a> -Was habe ich soeben gesagt? Ihm einen Vorschlag zu machen -bedeutet so viel wie denselben augenblicklich verworfen zu sehen. -Er dünkt sich stets der Klügste. [Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich -wieder an eine Forschungsreise.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [kalt]. Mein Bleiben oder mein Reisen -hängt von Umständen ab.</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja</span> [salbungsvoll]. Bleibe im Lande und nähre -dich redlich!</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [im gleichen Ton]. Ja, Hans Georg, so haben -es unsere Väter gehalten und so ihre Väter vor ihnen und –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [verächtlich]. Ja, ja, bis zurück auf Adam -und Eva.</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [kreischend]. Ganz wie ich voraussetzte!</p> - - -<h3>5. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Ein Stubenmädchen öffnet die Tür und läßt Roden und Norry eintreten.]</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [indem er Frau Hasselstein begrüßt]. Ich gratuliere -Ihnen, gnädige Frau, zu Ihrem Sohne. Ein ausdauernder -Forscher und ein liebenswürdiger Kamerad!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [Fr. Hasselstein begrüßend]. Gnädige Frau haben -alle Ursache stolz auf ihn zu sein. Die Wissenschaft verdankt -ihm wichtige Aufschlüsse über die antarktische Tier- und Pflanzenwelt, -ganz besonders aber über die Lebens- und Fortpflanzungsweise -mehrerer bisher noch ganz unbekannt gewesener Infusorien. -Er hat eine glänzende Zukunft vor sich.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lächelnd]. Ja, ich bin wirklich stolz auf -meinen Jungen und so froh ihn wieder bei mir zu haben.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zu Norry, nachdem alle wieder -Platz genommen]. Helfen Sie uns, Herr Doktor, ihm den Kopf -zurechtzusetzen.</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [zu Roden]. Wir sind eben im Begriff -über seine Zukunft zu entscheiden – wir wollen daß er endlich -eine vernünftige Laufbahn einschlägt – sich hier niederläßt.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a> -<span class="ge">Frau Knute</span> [heftig zu beiden Herren]. Denken Sie sich, -man hat ihm eine Stelle am hiesigen k. u. k. Staatsgymnasium -angeboten – eine Versorgung mit Pension – und er sagt – -der unmögliche Mensch sagt, daß er noch nicht weiß, ob er das -Angebot auch annehmen wird.</p> - -<p><span class="ge">Die Herren Pottenmiller und Knute</span> [sagen gehorsam -nach]. Er weiß noch nicht, ob er sie annehmen wird.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [mit einen Blick gegen den Himmel]. Wenn -er doch endlich vernünftig sein wollte!</p> - -<p><span class="ge">Die beiden alten Herren</span> [auf aufmunternde Blicke -ihrer Ehehälften hin]. – vernünftig sein wollte!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [sich erhebend]. Da bitten wir um Entschuldigung -gestört zu haben. Ein Familienkonklave wollen wir um keinen -Preis unterbrechen.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute und Pottenmiller.</span> Im Gegenteil, -Sie müssen bleiben und uns helfen. [Sie drücken ihn mit Gewalt -in den Stuhl zurück.]</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [indem sie Norry festhält, der gleichfalls aufgestanden]. -Auf Ihre Worte wird er eher hören – Fremden gehorcht er -immer lieber als uns, seinen allernächsten Verwandten!</p> - -<p><span class="ge">Die drei Herren</span> [auf ein Zeichen ihrer Gemahlinnen]. -– seinen nächsten Verwandten!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [sich vergeblich zu befreien suchend]. Wir kamen -nur um Professor Hasselstein zu fragen, ob er bereit sein würde -sich der in schon drei Wochen abgehenden Forschungsexpedition -nach Mikrosenien anzuschließen.</p> - -<p><span class="ge">Norry.</span> Unser Herr Kollege war nicht ganz sicher, ob -er in Kringhausen verbleiben würde oder nicht. Nun ist es aber -notwendig, daß alle Teilnehmer spätestens heute ihren Entschluß -mitteilen und die Liste der Teilnehmer unterzeichnen. Sonst hätten -wir die Herrschaften nicht gestört.</p> - -<p><span class="ge">Alle Damen</span> [die Hände ringend]. Er will schon wieder -auf Abenteuer ausfliegen!</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja</span> [vorwurfsvoll]. So etwas! Ein solch' greller -Undank, nachdem ich mich für ihn bemüht habe und mir der -hiesige Regimentsarzt versprochen hat Hans Georg zweimal die -<a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a> -Woche als Privatlehrer ins Haus kommen zu lassen. [Zu Norry.] -Ein junger Mann verdient ja nie zu viel.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leise und erbittert zu Norry]. Himmel welche -Menschen! Sie würden einen Michelangelo zum Zaunstreichen -verwenden.</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [die Daumen drehend]. Eine gesicherte Stellung -ist eine gesicherte Stellung. An den Südpol fahren und ähnliche -Dummheiten machen, das mag in jungen Jahren ganz entschuldigbar, -wenn auch ganz ohne praktischen Wert sein, aber im Alter sehnt -man sich nach Ordnung, nach einem Heim, nach Ruhe –</p> - -<p><span class="ge">Alle drei Herren</span> [mit tiefen Seufzern]. – nach Ruhe, -nach Frieden!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Und nach einer braven, häuslichen Frau.</p> - -<p><span class="ge">Die drei Herren</span> [leiser, noch seufzend]. Nach einer -braven – nach einer stillen Frau!</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [einen Strickstrumpf herausziehend und die -Nadeln zurechtlegend]. Bäckers Linchen ist zum Beispiel ein sehr -wohl erzogenes, fleißiges und ehrbares junges Mädchen –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [trocken]. Von dreißig Jahren mindestens!</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [mit blitzenden Augen und allen Anzeigen -höchster Entrüstung]. Eine Bäckerstochter in unserer -Familie! [Mit gespieltem Mitleid.] Tante Hermine wird altersschwach!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Oder Doktors Röschen? Niemand in -ganz Kringhausen kann eine bessere Fleischsulz zubereiten als –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [trocken]. Verstand oder Gemüt braucht -meine künftige Frau Eurer Ansicht nach nicht zu haben. Ich -kann statt dessen ja jede Woche einmal eine vorzügliche Fleischsulz -essen.</p> - -<p><span class="ge">Herr Brunnick</span> [seufzend]. Bester Hans Georg, eine -geistreiche Frau ist – [er verbessert sich schnell] – kann zur -Geißel werden!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Der arme Tropf spricht sicher -aus Ueberzeugung.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [leise zu Roden, während die Damen unter sich -lebhaft gestikulierend plaudern]. Die Männer sehen allesamt nicht -<a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a> -aus, als ob sie das Pulver erfunden hätten – die Frauen haben -mehr Grütze, aber Zungen –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [im selben Ton]. Quantitativ genommen sehen -die Männer nicht übel aus –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [leise lachend]. Die größten Orangen haben die -allerdickste Schale –</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [befehlend zu den beiden Forschern]. So reden Sie -doch mit! Hans Georg hört nicht auf unsere wohlerwogenen –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [sich aufrichtend]. – und weisen Ratschläge –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [sarkastisch lächelnd]. Professor Hasselstein ist zweifelsohne -imstande das für ihn Beste richtig zu wählen.</p> - -<p><span class="ge">Alle Damen</span> [mit Ueberzeugung und viel Geschrei]. -O glauben Sie das nicht!!!</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [verächtlich]. Hans Georg hat noch -keine Lebenserfahrung!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Er kennt die Fallstricke des Daseins -noch nicht. Mein Mann zum Beispiel wäre ohne mich – -[sie bemerkt plötzlich, daß er ganz ruhig eingeschlafen und schüttelt -ihn nun kräftig].</p> - -<p><span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller</span> [fährt jäh aus dem -angenehmen Schläfchen empor]. Aaah – was – was – schon -Zeit zum Aufstehen! Gleich, gleich, beste Frederike – wo sind -meine Socken? [Er ist jetzt ganz wach geworden.]</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [verächtlich auf den Vater blickend, zu Roden]. Ja, -ja, der Papa! Wenn er uns nicht hätte!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [leise zu Roden von der andern Seite]. Ich glaube, -daß er da viel glücklicher wäre.</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [ruft zu Norry, den sie etwas murmeln hört]. Pardon! -Sagten Herr Doktor mir etwas?</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [lächelnd]. Ich wollte nur fragen ob die Tatsache, -daß Professor Hasselstein den Gefahren und Beschwerden -einer langen Südpolforschungsreise getrotzt hat, als Erfahrung -so gar nicht ins Gewicht fällt.</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [verächtlich mit ihrer kreischenden Stimme]. -<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a> -Bester Herr Doktor, welche Frage! »Es bildet ein Talent sich -in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt«, so -sagt ja unser großer Denker!</p> - -<p><span class="ge">Alle drei Damen.</span> So sagt er!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [stolz]. Ach, unsere Aderl, die -weiß alles!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [lächelnd]. Ich verstehe vollkommen, man muß -eben den Strom in Kringhausen mitgemacht haben.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [leise]. V–t viele Wirbel und Strudel darin!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [im gleichen Ton]. Und statt Seejungfrauen gibt -es Seeelefanten – [laut] Hasselstein, welchen Entschluß haben -Sie gefaßt! Wollen Sie dem schönen Kringhausen treulos den -Rücken kehren oder –</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [entrüstet]. Er wird doch nicht wieder – Der -Mensch hat so gar keine Charakterfestigkeit!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [das Haupt schüttelnd]. Statt Haus und -Heim zu gründen –</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Wirst du das sichere Brot fahren -lassen?</p> - -<p><span class="ge">Die drei Herren</span> [auf einen ermahnenden Puff von Frau -Knute im Chor]. Das Brot fahren lassen!</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [streng]. Die Möglichkeit, dir eine Position zu -schaffen – endlich ein solides Leben zu führen –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [lachend]. Ich erinnere mich nicht am -Südpol, in der Antarktis überhaupt, unsolid gelebt zu haben. [Roden -und Norry lachen mit.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [wirft dem Kleeblatt einen vernichtenden -Blick zu]. In meiner Jugend – man hielt damals -noch auf guten Ton – hätte ein junger Mann es nicht gewagt -bei einer verdienten Zurechtweisung zu lachen und eine so – so –</p> - -<p><span class="ge">Herr Pottenmiller</span> [aufhelfend]. – so schnauzige -Antwort –</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [ihm einen vernichtenden Blick zuwerfend]. -Papa! [Pottenmiller sinkt ganz und gar in sich zusammen und -schweigt.] Gewiß hat sich der Papa im »weißen Hirschen« eine -so vulgäre Ausdrucksweise angewöhnt.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a> -<span class="ge">Ladislaja</span> [lächelt dummvergnügt vor sich hin]. Otto -wird bald nicht mehr zimmerrein sein. [Hans Georg und die -beiden Forscher lachen, die Damen sind entsetzt.]</p> - -<p><span class="ge">Alle Damen.</span> Ladislaja! Ladislajaaaaaaaaaa!!!!!</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [leise zu Roden]. Die Tante leidet sicher an Gehirnerweichung.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [in gebietendem Tone]. Hans Georg!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [gelassen]. Du befiehlst, Tante?</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [kategorisch]. Ich habe schon eine Frau -für dich bestimmt. Von deiner Abreise ist natürlich keine Rede, -sondern du heiratest, läßt dich hier nieder und zur Belohnung -für deinen Gehorsam verspreche ich dir, daß ich deiner Frau -mit Rat und Tat selbst an die Hand gehen werde. So ein -junges Ding bedarf der Anleitung. Von mir unterstützt aber –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sich verbeugend]. Du bist außerordentlich -liebenswürdig, liebe Tante, indessen – ist meine Wahl schon -getroffen.</p> - -<p><span class="ge">Alle.</span> Schoooon getroffen!!!!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Und davon schwiegst du?</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Und du machtest uns ein Geheimnis -daraus?</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ruhig]. Nein, ich bin noch nicht zu Wort -gekommen.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Lieber Neffe, in solchen delikaten Angelegenheiten -ist es immer am besten sich zuerst bei seinen weiblichen -Anverwandten – [mit einem Blick auf die drei Herren] – -die männlichen taugen nichts, – Rat zu holen.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [ernst]. Glaube mir, lieber Neffe, -eine Frau ist in solchen Fällen weit besser imstande zu sagen, -ob die Auserwählte auch allen Ansprüchen gerecht zu werden -verspricht, ob sie –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [dem endlich die Geduld reißt]. Zum -Teufel auch! Soll ich oder werdet Ihr mit ihr leben?</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [mit sichtbarer Befriedigung]. Sein -ungezügeltes Temperament gewinnt die Oberhand – wie immer!</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a> -<span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Jean Baptiste Rousseau hat -recht, wenn er sagt: »<i>Le pire venin est celui des serpents du -genre feminin</i>«.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [entrüstet]. Wo bleibt deine mütterliche -Autorität, Schwester?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [scheu]. Hans Georg liebt sie – [sie seufzt] -– er will sie – allerdings gegen meinen Willen, trotz meiner -Bitten – heiraten und was soll – was kann ich – [etwas -entschlossener, da sie auf ihn blickt] – er liebt seine Braut und -ich – ich bin Mutter! [Sie bricht in Tränen aus, Hans -Georg ist aufgestanden, neigt sich über ihren Stuhl und küßt -sie. Er bleibt dort stehen.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [streng]. Dein Sohn hat leider nie zu gehorchen -gelernt!</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [mit gespieltem Mitleid]. Die gute Tante hat den -Erziehungskarren total verfahren.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [stößt mühsam hervor]. Wer ist sie?</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja</span> [den Hals ausstreckend]. Ist sie reich?</p> - -<p><span class="ge">Hermine.</span> – und tugendhaft – religiös, – streng christlich -erzogen?</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Ist deine Braut häuslich?</p> - -<p><span class="ge">Herr Pottenmiller</span> [schüchtern]. Ist sie hübsch?</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [streng]. Papa!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [in belehrendem Tone]. Darauf -kommt es am allerwenigsten an. Je weniger auffallend die Erscheinung -um so anspruchloser –</p> - -<p><span class="ge">Ada.</span> – und biegsamer –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> – und weniger zur Koketterie geneigt –</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja.</span> – und reineren Herzens –</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [langsam und feierlich, Silbe für Silbe]. – -und passender für die heilige Ehe ist so ein Mädchen!</p> - -<p><span class="ge">Alle</span> [zu Frau Hasselstein]. Tante! Schwester! Sprich!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [gleitet unruhig auf dem Stuhle hin -und her und sagt endlich stotternd]. Die – se – ses – Määä -– äd – chen ist – ist –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a> -<span class="ge">Alle</span> [gebietend]. Ist!!!!? Schwester!!!!!! Ist!!!!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [nach kurzer Ueberwindung, leise]. Es -ist – Berta – Berta Heller!</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [bissig]. Diese Verlorene – diese – -diese –</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [mit tugendhaftem Grauen in der -Stimme, während die anderen sprechende Blicke austauschen]. Eine -arme jugendliche Verunglückte – ein Paria!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [rücksichtslos wie immer, laut]. Eine Dirne!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [dessen Zorn jetzt den Höhepunkt erreicht -hat, mit donnernder Stimme indem er mitten unter sie tritt]. -Nein! Schweigt! Ein junges Mädchen besser als alle die fälschlich -als so tugendhaft betrachteten fraglichen Grazien Kringhausens, -das das Unglück gehabt hat als ahnungsloses Kind einem Elenden -in die Hände zu fallen. Ihr wagt es, meine Braut zu beschimpfen, -sie deren Gedanken edler, reiner und menschenfreundlicher -sind als die vieler, die mir gut bekannt. [Er blickt auf sie der -Reihe nach.] Ihr wagt einer Unglücklichen etwas vorzuwerfen, -woran sie keine Schuld trägt! Pfui! [Er wendet sich ab und -geht ruhelos im Zimmer auf und nieder.]</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [erholt sich zuerst]. Und solchem Wahnsinn -hältst du die Stange, Tante? [Sie mißt sie kalt. Zu -ihrem Vater] Papa, sprich!</p> - -<p><span class="ge">Herr Pottenmiller</span> [sich aufraffend]. Wie – soll -ich mich im »weißen Hirschen« zeigen können, wenn die Verlobung -bekannt wird, Hans Georg? Niemand wird von etwas anderem -sprechen, man wird hundert Fragen an mich stellen –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bleibt einen Augenblick stehen]. So bleib' -zu Hause, wenn du dich fürchtest! [Er nimmt seine Wanderung -wieder auf, Herr Pottenmiller erneuert seinen Ueberredungsversuch -nicht.]</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [weinerlich]. Und wie kann ich zu den Schneiderabenden -des katholischen Jungfrauenvereins gehen? Ich müßte -zu sehr erröten, wenn man Anspielungen – an – an machen -würde. [Sie bedeckt das Gesicht mit den Händen.]</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja</span> [mit ihrer dünnen Fistelstimme]. Ach, und -<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a> -wie könnte ich dem jungen Prediger nur in die Augen schauen -– nein, nein, ich müßte vor Scham in die Erde sinken – -vergehen – Er, der mich und unsere Familie den anderen Jungfrauen -des Vereins als Muster hinstellt! Mit so einer Verwandten -– so ein Skandal! –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Vor zwanzig Jahren hat ihre -Jungfräulichkeit vielleicht noch einen Wert gehabt.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [im gleichen Ton]. Sagen wir ruhig: vor einem -Vierteljahrhundert!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [streng]. Mir ins Haus darfst du so eine -– [sie verstummt vor H. G.'s Blick].</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [kalt]. Fürchte dich nicht – wir werden -uns allein genügen!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Auf die Stelle am hiesigen -Gymnasium darfst du in dem Fall auch nicht rechnen, ebenso -wenig wie auf die Protektion meines Mannes – Wer die Jugend -erziehen will muß vor allem selbst unerschütterliche sittliche -Grundsätze haben –</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [traurig]. Das haben die Damen -der Tarockgesellschaft auch gesagt.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [verächtlich]. Alte Klatschbasen! Hast du -also mit ihnen über meine Zukunft Rat gepflogen?</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schüchtern]. Sie erzählten, daß die -ganze Stadt davon spricht, daß es deiner Zukunft schaden, dich -gesellschaftlich zum Paria –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [kalt]. In Kringhausen machen wird, nicht -wahr? Die Welt besteht Gott sei Dank nicht ausschließlich aus -Kringhausen und – Kringhäuslern!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Gehe wohin du willst, du wirst überall -einen schweren Stand haben. Es gibt immer Menschen, die -freundlich genug sind einen solchen Fleck im Namen einer Frau -an irgend eine gute Freundin zu schreiben, die diese Neuigkeit -hierauf die Runde im Städtchen machen läßt.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [spöttisch]. Ich zweifle nicht daran. Hoffentlich -wird mein Name dennoch Kraft genug besitzen meine Frau -zu schützen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a> -<span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [mit Nachdruck]. Keine Frau -deiner Kollegen wird mit dir in gesellschaftliche Verbindungen -treten wollen, – kurz, deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle -mit Schande überhäuft, dein toter Vater im Grabe –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [streng]. Laß die Toten in Frieden ruhen -– wir haben mit den Lebendigen mehr als genug.</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Er würde sich im Grabe -umwenden, wenn er eine Ahnung hätte! [Alle sprechen durcheinander, -Hans Georg geht erbittert auf und ab.]</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [zu Norry]. Der Arme dreht sich sicher nicht -um, der muß totmüde sein und verwendet die ersten hundert -Jahre seiner Befreiung gewiß dazu, das Ohrensausen loszuwerden. -Lieber unter Krokodilen als zwei Tage unter Kringhäuslern!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Hoffentlich wird dich die Rücksicht -auf deine Mutter bestimmen – <span class="ge">wir</span> beanspruchen nichts -– diese verrückte Idee aufzugeben und keinen derartigen Skandal -heraufzubeschwören. Wir werden alles tun um unsere unglückliche -Schwester von der Torheit eines solchen Vorhabens zu überzeugen.</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bitter]. Ich zweifle nicht daran! [Weich -zu seiner Mutter.] Mama, die Herren warten und diesem peinlichen, -höchst unerquicklichen Auftritt muß ein Ende gemacht werden. -Als uns die Verwandten unterbrachen, hattest du mich eben unbeschreiblich -glücklich gemacht. [Er ergreift ihre Hand.] Bist -du, Teure, noch der Meinung, daß wir zusammen ein Leben -voll Glück und Frieden führen könnten? Die Stürme, die nun -aufgewühlt worden sind, sie legen sich bald und auf sie folgen -schöne, frohe, sonnige Tage stiller Zufriedenheit, reinen Glücks. -Darf ich deine Entscheidung von vorhin als bindend ansehen, -soll ich meinen geschätzten Kollegen mitteilen, daß ich mit meiner -Frau bei meiner Mutter bleiben oder –</p> - -<p><span class="ge">Alle</span> [auf sie einschreiend]. Tante! Schwester, um -Himmelswillen laß dich nicht zu solchem Wahnsinn hinreißen! -Denke an deine gesellschaftliche Stellung, was du dir und uns -allen in der Hinsicht schuldest, denke an die gerechte moralische -Entrüstung der gesamten Einwohnerschaft von Kringhausen –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [laut, mit Nachdruck]. Die Angelegenheit, -die hier erörtert wird, geht nur meine Mutter und mich selbst -<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a> -an! Darf ich daher um Schweigen bitten! [Weich zu Fr. H.] -Was sagst du mir, Mutterl! Soll ich in deiner Nähe bleiben -oder wieder hinausziehen in die weite Welt? Zweimal komme -ich wohl kaum zurück!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Du brauchst ja nicht zu gehen! Es gibt -genug andere Mädchen in Kringhausen.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit Würde]. Aber nur ein einziges Mädchen -für mich – meine Braut! [Die Hände seiner Mutter ergreifend -und mit milder Ueberredung.] Bedenke, du mein teures Mütterchen, -daß es sich hier um unser Glück und nicht um die Meinung -anderer Leute handelt. Nach einigen Monaten schon werden die -Kringhäusler diese Ueberraschung verwunden haben und alles, -was ich tun kann soll geschehen um dir diese kurze Zeit so leicht, -so erträglich als möglich zu gestalten. Willst du, daß ich mit -Berta auf Reisen gehe und erst nach Ablauf von mehreren -Monaten heimkehre? Willst du, Teure, nicht mit uns kommen? -Sag mir nur eins: – Willst du meine Braut willkommen -heißen, willst du in unserer Mitte, bei ihr, bei mir, in Zukunft -verweilen?</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schwankend]. Wenn nur – aber -du kennst die Leute – die Tanten sind auch der Ansicht – -ganz wie meine anderen Bekannten – die Damen der Tarockpartie -– ach, es wird ein solches Gerede geben –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Ich frage nicht nach der Meinung -der Verwandten – gleichgültig ist mir die Ansicht der Kringhäusler -solange ich nur nicht vor <span class="ge">mir selbst</span> erröten muß, – -ich frage dich, dich, meine innigst geliebte Mutter, ob ich gehen -soll, wieder hinausziehen in unbekannte Gefahren, von dir scheiden -um nie wiederzukehren – ich frage <span class="ge">dich</span>, ob du die Liebe zu -mir oder die öffentliche Meinung wirst siegen lassen. Sprich, -Mutter!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [leidenschaftlich]. Ach, geh' nicht – -verlasse mich nicht – schon nähere ich mich dem Grabe – -bleib' bei mir, du, du mein einziger Sohn!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [einen Arm um ihre Schultern legend]. -Bei wem würde ich wohl lieber als bei dir verweilen, Mütterchen, -doch nicht kann ich mein Wort Berta gegenüber brechen, mein -<a class="pagenum" id="page_053" title="53"> </a> -Lebensglück und das ihre eines Vorurteils willen in den Staub -treten. Ein solches Dasein hätte für mich jeden Wert verloren, -wäre ein Zeugnis meiner moralischen Schwäche, hinterließe einen -ewigen nagenden Vorwurf in meinem Innern, der das Beste -in mir langsam aber sicher zerstören würde. Wenn du mich -liebst, Mutter –</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. O Hansi, Hansi, ich -kann dich nicht ziehen lassen! Bleib' hier, selbst –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [scharf]. Schwester, ich beschwöre dich, bedenke –</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [gleichfalls]. Was werden deine -Bekannten dazu sagen? Du bist gesellschaftlich zugrundegerichtet, -kein Mensch –</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [kalt und hart]. Sei kein Schwächling, Tante, wenn -er das Mädchen dir vorzieht, so lasse ihn laufen.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Er wird schnell genug einsehen lernen, -was eine Heirat mit so einem Wesen bedeutet.</p> - -<p><span class="ge">Alle drei Herren</span> [sich aufraffend]. Ja, er wird schon -sehen, er wird schon sehen!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sich ängstlich und zärtlich zugleich über -seine Mutter neigend, besorgt]. Wem stimmst du bei, Mama, -den Tanten als Sprachrohr der Kringhäusler oder mir, deinem -einzigen Sohne?</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [nach einigen Sekunden inneren -Kampfes, unsicher]. Hans Georg! [Schwer atmend und die -Hände gegen das Herz gepreßt.] Siehst du, die Tanten haben -recht – du wirst nie hier geachtet leben können und ich – -ich zittere wenn ich an alle Bemerkungen – an all das Gerede -denke. Wir sind – eine – geachtete Familie – und –</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [läßt die Hand, die er auf der Schulter -der Mutter liegen gehabt, matt herabgleiten und entfernt sich -etwas, sodann mit dumpfer Stimme, die Mutter noch einmal -bittend ansehend]. Da ist es wohl am besten ich nehme das -Anerbieten der Expedition an. Sind wir nur beide, Berta und -ich, von Kringhausen fort und erfährt man einmal, daß du selbst -meine Entfernung gewünscht, so vergeben dir sowohl die Verwandten -<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a> -als auch die Kringhäusler großmütig einen so entarteten -Sohn zu haben. [Leise und traurig.] Möge nie der Tag kommen, -an dem du fühlst, daß du es dir selbst nicht vergibst mich fortgeschickt -– eines kleinlichen Vorurteils halber fortgeschickt zu haben. -[Er streckt müde die Hand nach dem Schriftstück aus, daß ihm -Roden, düster schweigend reicht.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Die öffentliche Meinung -– fern von hier, wo man Berta nicht kennt – wo niemand -unsere Sprache spricht –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [scharf]. – irgendwo unter den Wilden –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Gnädige Frau, ich habe Wilde gekannt, -die den Kringhäuslern in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind! -[Er läßt seinen Blick kalt über sie hingleiten.]</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [reicht Norry das nun unterzeichnete Dokument]. -Bitte! [Norry steckt es ein, betrübt vor sich hinblickend.] -Es ist am besten so – für uns alle!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [Rodens Bemerkung beantwortend]. Die -Herren der Schöpfung – ob nun wilden oder civilisierten Völkern -angehörend, vergeben immer gerne ein kleines Abweichen vom -engen Pfad der Tugend.</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Und dennoch gehört gerade das Vergeben -zu den edelsten Vorrechten der Frau –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [ihn heftig unterbrechend]. Nicht –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [sich verbeugend und zurückweichend]. Ich verstehe, -gnädige Frau! Nicht unter den Kringhäuslern!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [traurig zu seiner Mutter]. Die Würfel -sind gefallen!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [sie unter dem Arm nehmend und -mit sich auf die Tür zur Linken führend]. Du hast verständig -gehandelt, Schwester, sehr verständig.</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [ihr folgend]. Laß' ihn nur erst draußen einsehen -lernen, welche Schätze er in der Heimat zurückgelassen, da wird -er schon kürre werden. Eine Scheidung –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [ebenfalls der Schwester nacheilend und sie -mit Gewalt fortziehend, als sie noch einmal auf den Sohn zurückblickt -und zu zögern scheint]. Du hast endlich, wenn auch -<a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a> -spät, die gewünschte mütterliche Autorität geltend werden lassen. -Bravo!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [zweifelnd, unter Tränen]. Glaubt -– meint Ihr – ach, wenn er doch die Stelle am hiesigen -Gymnasium angenommen und ein anderes Mädchen –</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [scharf]. Er hat das Gute, die -vielen Vorteile des Aufenthalts in einer wichtigen Stadt wie -Kringhausen nie zu schätzen, zu würdigen verstanden!</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [hart]. Wein' nicht, Tante, sei stark! Klagen dienen -niemand und Tränen führen zu nichts. [Sie gehen links ab, -alle die anderen mit Ausnahme von Norry, Roden und Hasselstein -folgen.]</p> - - -<h3>6. Auftritt.</h3> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bitter, nach kurzem Schweigen, während -Roden und Norry Hut, Handschuhe und Stock aufraffen]. Wie -schnell Hoffnungen scheitern, Trugbilder in nichts zerrinnen. In -der Antarktis hoffte ich, daß die täglich wachsende Menge von -Eindrücken und Erfahrungen, von überstandenen Gefahren und -damit gestärkter, zunehmender Kraft mir helfen würden, den Sieg -zu erringen, alle kleinlichen Vorurteile zu überkommen, alles -lächerliche Beurteilen reiner Aeußerlichkeiten zu verwerfen. Wie -schön deuchte mich, vom Abendrot der Erinnerung beleuchtet, da -die Heimat, wie unerschütterlich fest war da meine Ueberzeugung, -daß die Liebe einer Mutter größer als die Macht leeren Geredes. -Und nun – [er seufzt tief auf und senkt das Haupt] – trotz -der Fülle neuer Eindrücke, ungeachtet der erweiterten Horizonte, -die sich mir erschlossen, muß ich im Kampfe gegen verächtliches -Spießbürgertum unterliegen; muß die zarte Frau mit mir in die -weite Welt hinaus führen, statt ihr hier bei meiner Mutter, hier, -wo ich geboren und jedes Ding Bedeutung für mich hat, ein -Echo meiner Kindheit, meiner Jugend ist, ein friedliches Heim -gründen zu können. Alles, alles ist umsonst gewesen!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Armer Freund, das ist, weil Sie eben -einen großen Fehler begangen haben!</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a> -<span class="ge">Hans Georg</span> [sieht ihn verwundert an]. Einen Fehler?</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [nickt plötzlich ebenfalls eifrig]. Einen ganz unverzeihlichen!</p> - -<p><span class="ge">Hans Georg</span> [von dem einen auf den anderen blickend]. -Und der wäre?</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [mit Nachdruck, indem alle drei Herren langsam -auf die Tür zur Rechten zugehen]. Nicht Sie hätten auf Suche -neuer Horizonte in die Antarktis ziehen sollen – sondern</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [einfallend]. – die Kringhäusler!</p> - -<p class="fss ce mt2">[Der Vorhang fällt.]</p> - - - - -<h2><a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a> -3. Akt.</h2> - - -<p class="fss ci">[Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt. Alle Verwandten sind in -tiefer Trauer. Die Damen der Tarockpartie sind gleichfalls anwesend -und auch dunkel gekleidet. Alle halten das Taschentuch vor die Augen, -Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf.]</p> - - -<h3>1. Auftritt.</h3> - -<p><span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller</span> [steht inmitten der -Szene und liest, als sich der Vorhang hebt, mit monotoner Stimme -aus einer Zeitung vor]. – der einstige Teilnehmer an der -Südpolexpedition, Professor Doktor Hans Georg Hasselstein, der -auch in Mikrosenien seine ausdauernden Studien und Forschungen -fortgesetzt, häufige höchst wertvolle Mitteilungen über die Flora -und Fauna heimgeschickt und besonders interessante Aufschlüsse über -die Lebensweise der Skolopandren und anderer Insekten dieser -Zonen eingesendet, wie auch die Gewohnheiten des gefährlichen -und von Matrosen und Fischern dort sehr gefürchteten Octopus, -eines zeitweilig selbst im Mittelmeere in kleineren Exemplaren -auftretenden Polypen mit großer Ausdauer erforscht und beschrieben -hat. Sein letzter Ausflug – [alle schluchzen laut und -trocknen sich die Augen] – wurde ebenfalls in der Absicht unternommen -dieses Seeungeheuer auf einer der naheliegenden Inseln -genauer zu studieren und die Fangmethode desselben besser zu -prüfen als ihm dies bisher möglich gewesen, doch blieb der von -einem unverläßlichen Eingeborenen gelenkte Kahn auf einem -Korallenriff sitzen und während es dem Wilden gelang sich, wenn -auch nur mit großen Schwierigkeiten und mit knapper Not zu -retten, wurde der unglückliche Gelehrte von der starken Brandung -ergriffen, einigemale gegen die spitzigen Riffe geschleudert und -dann in die grausige Tiefe des Stillen Ozeans hinabgezogen. -Man befürchtet, daß er von den um diese Inseln äußerst zahlreichen -Haifischen angegriffen worden sei. Jede Suche nach der -<a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a> -Leiche ist auch erfolglos geblieben. – Der frühe Tod des berühmten -Naturforschers und unermüdlichen Gelehrten hat nicht -nur in seiner eigenen Heimat das tiefste und aufrichtigste Bedauern -erweckt – [alle schluchzen wieder laut] – sondern wird -von der gebildeten Menschheit der ganzen Welt auf das lebhafteste -beklagt. Alle Teilnehmer der Forschungsexpedition betrauern -in Professor Doktor Hasselstein einen allzeit liebenswürdigen, -hilfsbereiten, schaffensfreudigen und tapferen Kollegen, der nicht -nur klaglos sondern immer mit heiterer Miene die geradezu unbeschreiblichen -Strapazen seines anstrengenden Berufes ertrug. -Ein einfaches Kreuz am Strande der Ailukinsel, nicht weit von -der Unglücksstätte trägt außer dem Namen und den Geburts- -und Sterbedaten auch den kurzen Vers: »Durch Todesnacht bricht -ew'ges Morgenrot«. – Frau Professor Hasselstein, die treulich -alle Gefahren und Entbehrungen ihres Gatten geteilt und sich -die Bewunderung aller Teilnehmer der Expedition errungen, kehrt -schmerzgebeugt mit dem kaum drei Monate alten Söhnchen zusammen -mit der Expedition auf dem Dampfer »Ozeanien« in -die deutsche Heimat zurück. Ob Frau Professor Hasselstein dort -zu bleiben gedenkt, ist unbekannt. [Er legt die Zeitung langsam -zusammen und setzt sich.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzend]. Mein Kind! Mein -einziges Kind! Er starb in fremden Zonen – [leise und die -Hände ringend –] durch meine Schuld! [Sie weint bitterlich.]</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Hand auf den Arm Fr. Hasselsteins -legend und sich eifrig die Augen wischend]. Beste Frau Oberst, -wir alle teilen ihren Kummer, denn wir alle haben ihn wie -einen Sohn geliebt!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [sich auch die Augen trocknend]. Ach, du liebe -Zeit! So ein staatlicher, so ein guter [sie schluchzt].</p> - -<p><span class="ge">Holzheim.</span> So ein edles Herz – so ein gu – gu -gu – [sie schluchzt laut auf].</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Wenn nur dieses Mädchen nicht gewesen –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Sccchhhttt! Sie war die Frau des berühmten -Gelehrten. –</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [beschwichtigend]. So, so, nur -ruhig, du darfst dich nicht so aufregen, liebe Schwester. Hans -<a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a> -Georg ist jetzt im Himmel, wo wir ihn alle einmal treffen -werden.</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [bitterlich weinend]. Wenn ich nur -schon recht bald zu ihm käme. [Unter Schluchzen.] Warum -ach, warum ließ ich ihn von mir gehen? [Alle versuchen sie -zu trösten, allgemeine Bewegung, große Beileidsbezeugungen, betäubendes -Stimmengewirr. Endlich tritt wieder Ruhe ein.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Es muß dir doch ein großer Trost sein, -teure Schwester, daß seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, -dir in eigener Handschrift ein Beileidsschreiben schickte. <span class="ge">Ganz</span> -Kringhausen spricht davon!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Mein Sohn, mein Sohn! -Im besten Mannesalter, fern von der Heimat, fern von ihr, die -ihn geboren, auf so entsetzliche Art – [sie schaudert] – sterben -zu müssen! [Sie ergreift das Kuvert, das das kaiserliche Beileidsschreiben -enthält und langsam versiegen ihre Tränen.] Ja, -es war der einzige Lichtpunkt in dem großen Unglück, das mich -getroffen. [Sie zeigt auf ein riesigen Haufen Briefe, der den -ganzen großen Tisch bedeckt.] Und so viele mir vollständig unbekannte -Personen haben mir so lieb geschrieben. Ich bin stolz -und in meinem Kummer glücklich einen solchen Sohn gehabt -zu haben.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [wichtig]. Alle Zeitungen schreiben -spaltenlange Artikel über ihn und sein Name steht fettgedruckt -schon auf der ersten Seite. [Zu den Damen der Tarockpartie.] -Mit allen Fasern meines Herzens bin ich an meinem Schwesterkind -gehangen und habe nie verfehlt ihm weise Ratschläge zu geben.</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [spitz]. Die er regelmäßig verworfen hat!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [den Brief mit Ehrfurcht aufhebend]. So -eine Auszeichnung und all die schönen Reden sind wohl ein großer -Trost für unsere liebe Frau Oberst! Ganz Kringhausen fühlt sich -geehrt! [zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint]. Nur ruhig, -beste Freundin, ich hatte zwölf Kinder und mußte neun begraben.</p> - -<p><span class="ge">Frau Zungrapp</span> [entschieden zu den Verwandten]. Wir -werden uns der Armen schon annehmen, so ein kleines Spielchen –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [lebhaft]. Natürlich! Natürlich!</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a> -<span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Ueberzeugung]. Das übt einen wohltätigen -beruhigenden Einfluß auf die Nerven aus –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [fest]. Eine kleine Zerstreuung ist notwendig –</p> - -<p><span class="ge">Ada.</span> Es läßt sich an dem Vorgefallenen nichts ändern –</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzend]. Wie – wie kö – -könnte ich – in meinem großen Schmerz – an – an – -einer Tarockpartie teilnehmen –</p> - -<p><span class="ge">Alle Damen.</span> Eine Ablenkung tut not – ist wie eine -heilsame Medizin –</p> - -<p><span class="ge">Ladislaja</span> [mit salbungsvollem Tone]. Man muß sich -in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [lebhaft]. Der neue Prediger wird vier Messen -für seine Ruhe lesen und alle Jungfrauen unseres Vereins werden -für sein Seelenheil beten.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [aufspringend]. Schwester, hast du den -neuen Trauerhut schon aufprobiert?</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [müde]. Ja, – er muß geändert -werden.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [indem sie auf den Lehnstuhl zur Linken -zugeht auf dem eine Hutschachtel steht und den Hut samt langen -Schleier herauszieht und betrachtet. Alle Damen folgen ihr mit -den Blicken.] Als Mutter eines solchen Sohnes muß dein Hut -tadellos sitzen!</p> - - -<h3>2. Auftritt.</h3> - -<p class="fss ci">[Ein Stubenmädchen öffnet geräuschvoll die Tür und läßt Roden -und Norry eintreten, die auf Fr. Hasselstein zugehen und ihr schweigend -die Hand küssen, während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.]</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch vor -Fr. Hasselstein legt]. Einige Kleinigkeiten als Andenken – ein -Jagdmesser, sein letztes Notizbuch, einige von ihm gesammelte -Korallen, ein Ring – die Uhr verbleibt dem Sohne.</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [mit zitternder Erwartung in der -Stimme]. Wo ist!? [Sie vollendet nicht.]</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a> -<span class="ge">Roden</span> [mit unergründlicher Miene]. Der Sohn ist bei -seiner Mutter!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [die Gegenstände mit zitternden Händen -an sich raffend]. Ich – ich danke Ihnen meine Herren! [Sie -macht eine bittende Handbewegung und beide nehmen schweigend -Platz.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zu beiden Herren]. Sie sehen -eine gramgebeugte Familie vor sich!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span>, <span class="ge">Holzheim</span> und <span class="ge">Zungrapp</span>. Die Zierde -von Kringhausen ist nicht mehr!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [sich die Augen wischend]. Unser hochbegabter -Neffe fand ein so frühes Ende!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [ihre Hand bittend auf Norrys Arm -legend]. Erzählen Sie mir – von – von – meinem Sohne.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [mitleidig]. Hans Georg dachte immer voll Liebe -an Sie, gnädige Frau – wir sprachen oft von Ihnen; hoffnungsfreudig -in der Nacht der Antarktis und mit warmer Hingebung -unter den tropischen Bäumen Mikroseniens. [Frau H. weint.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [zu Roden]. Sie haben keine Ahnung, -Herr Doktor, wie sehr uns der Schlag, der meine unglückliche -Schwester getroffen, nahegeht!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [kalt]. Ich zweifle nicht daran. [Leise zu Norry.] -Nun hat die Pfeife einen anderen Ton.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zu Norry]. So ein Mann – -alle Zeitungen berichten von ihm –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Ein so berühmter Forscher! Wie oft habe -ich ihm einen Apfel gegeben!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [zur Decke blickend]. Ein Talent! Ein Talent! -meine Damen.</p> - -<p><span class="ge">Ada</span> [die als einzige nicht geweint hat und nur kalt umherblickt]. -Ein Talent, zugegeben und wie alle solche auch überspannt. -Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln, niemand -konnte auf ihn einwirken. Hier in Kringhausen bot sich ihm eine -gesicherte Existenz, die Achtung seiner Mitbürger, – wenn er -nur auf seine merkwürdigen Ideen verzichten gewollt, – geistige -Anregung auf allen Gebieten – er aber –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a> -<span class="ge">Frau Knute</span> [seufzt tief auf]. Meine Schwester war -allzu schwach in ihrer Mutterliebe.</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [seufzt auch]. Allzu nachsichtig -gegen ihren Sohn.</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [mit Befriedigung]. Ich habe es immer -vorausgesehen, daß er ein abenteuerliches Ende finden werde, denn -niemand bricht ungestraft die heiligsten Bande –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ärgerlich]. Aber man hat das Recht die Stricke -zu durchschneiden, die einen Pegasus als Ackergaul festhalten oder -einen Canova dazu verpflichten, als Topfmacher sein Brot zu verdienen. -Nicht jeder, meine Gnädigste, ist von der Natur zum -Kringhäusler geschaffen!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [zu Knute und Pottenmiller]. Die ihm am nächsten -gestanden, haben seinen Wert zuletzt erkannt!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [bittend zu Norry]. Herr Doktor!</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [ihr nähertretend, freundlich]. Gnädige Frau?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span>. Wie – wie – war das Ende?</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [ernst und voll Mitleid]. Wir waren alle auf dem -Schiff viele Meilen von der Unglücksstelle entfernt und kamen -alle erst vierzehn Tage später nach Ailuk. Der Eingeborene, der -die Schreckensbotschaft der beklagenswerten jungen Gattin überbrachte, -lag noch bei unserer Abreise krank darnieder, da er sich -an den scharfen Korallenriffen Verletzungen zugezogen hatte und -ein Haifisch –</p> - -<p><span class="ge">Alle</span> [mit Entsetzen]. Aaaaaah! Ooooooh! Ein Haifisch!!!!</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzt untröstlich]. So ein gräßliches -Ende und alles – ach, alles – durch meine Schuld!</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> und <span class="ge">Pottenmiller</span> [vereint]. Liebe -Schwester, teure Schwester, es steht nicht immer zu ändern – -du hast richtig gehandelt –</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [hart]. Er hat es ja selbst so gewollt!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Hasselstein starb im Dienste der Wissenschaft, -die ihm ewigen Dank schuldet.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen mit -Gewalt zurückgehalten, so würde er wahrscheinlich sein eigenes -<a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a> -Leben gerettet haben. Edel wie immer ließ er den Gefährten -Rettung finden.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [während die anderen laut weinen]. Ja, -so ein junger Mann, auf den können die Kringhäusler stolz sein!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Wenn ich denke, wie oft ich ihm ein Butterbrot -gestrichen habe –</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich die Augen trocknend]. Und ich, die ich -ihm stets von meinen besten Winteräpfeln gegeben habe. Das -ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein. Auch ich -habe zu seiner Größe beigetragen!</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [stolz]. Am regen Verstande meiner -Adarl hat er zuerst den seinen zu schärfen gelernt! Ihr verdankt -er –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Über die Schärfe des Gehirns -kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben, aber die Zunge –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [lächelnd]. – ist die reinste Damaszenerklinge! -Was war Harun al Raschids Schwert dagegen?</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [im selben Ton]. Einem Haifisch käme ein Gruseln an!</p> - -<p><span class="ge">Frau Krickenfeld.</span> Man will – so sagte mir im -Vorbeigehen die Frau unseres lieben Medizinalrates –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [heftig]. Peleponesia, hast du auch schon gehört, -daß sie mit ihrem Vetter ein Verhältnis gehabt haben soll -und ihr Mann die beiden –</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> und <span class="ge">Ladislaja</span> [sich vorbeugend]. – ein -Verhältnis? – Diese scheinheilige – diese –</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. <span class="ge">Jetzt</span> erröten die holdseligen -Jungfrauen nicht!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich aufblasend]. Nur <span class="ge">ich</span> allein kenne alle -Einzelheiten, denn meine Masseuse –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Mißbilligung]. Lassen Sie sich noch -massieren!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [etwas verlegen]. So sehr bedarf ich dessen -freilich nicht mehr, aber die Masseuse weiß eben immer, was in -der Stadt vorgeht und daher ist es mir eine große Genugtuung –</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [zustimmend]. Ja, die Peggy –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a> -<span class="ge">Pottenmiller</span> [erregt]. Peggy? Das ist doch wohl -nicht etwa diese merkwürdige Alte, die ihre eigene Magd jeden -Sonnabend wäscht? Ha, ha, ha!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [geheimnisvoll]. Man sagt von ihr, daß sie -Säcke voll alter Münzen unter dem Bette verborgen hält –</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [gelassen]. Da wird schon irgend jemand -den alten Narren einmal aus dem Weg räumen!</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit Bestimmtheit]. Sie soll gar nie ihr -Zimmer fegen lassen und Paula, ihr Dienstmädchen, hat der -Köchin im Vertrauen mitgeteilt –</p> - -<p><span class="ge">Frau Holzheim</span> [lebhaft]. Nun, da Sie davon sprechen, -hochverehrte Frau Direktor, fällt mir eben etwas ein. Stellen -Sie sich einmal vor, meine Damen – [Alle richten sich auf.]</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [erbittert]. Hier kann ein Mensch wahrlich -nicht zu Wort kommen! Ich muß schon bitten!! Ich sagte -also, daß die Frau unseres Medizinalrates – sie erwartet übrigens -in Kürze das Fünfte –</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [die Hände zusammenschlagend]. Du grundgütiger -Himmel! Als ob wir nicht schon genug Mädchen in -Kringhausen hätten und natürlich wird es wieder ein Mädchen -sein!</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Werde ich denn nie aussprechen dürfen? -Ich sagte, so weit ich mich nach all diesen Unterbrechungen erinnern -kann, daß man die Absicht hat einen Bazar zu veranstalten -und von dem Erlös will man Herrn Professor Hasselstein -in seiner Vaterstadt ein Monument errichten.</p> - -<p><span class="ge">Alle</span> [gerührt]. Aaaaaah! Ein Monument?</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Nein, hörst du, hier möchte -ich buchstäblich nicht einmal aufgemalt sein wollen.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [weinend]. Alle, alle sind so gut gegen mich!</p> - -<p class="fss ci">[Es schlägt zwölf Uhr. Alle springen erregt auf, greifen nach ihren -Sachen und nehmen schleunigst Abschied.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [küßt schnell Frau Hasselstein und winkt -dann ihrem Manne]. Schon zwölf Uhr! Himmel! Mein -<a class="pagenum" id="page_065" title="65"> </a> -Truthahn wird gewiß verkohlen – Sie kennen ja die Dienstboten, -beste Frau Kommerzienrat.</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Gar kein Verlaß auf dieses Gesindel. Sie -bestehlen und betrügen, sie – [Beide Frauen führen das Gespräch -weiter fort.]</p> - -<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zärtlich]. Leb' wohl, liebste -Schwester. Nimm' dir den Verlust nicht allzu sehr zu Herzen, -erinnere dich, daß wir alle ihn mit dir teilen, hänge nicht deinen -trüben Gedanken nach – diese Damen –</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> und <span class="ge">Holzheim</span>. Versteht sich, versteht sich, -hochverehrte Frau Regierungsrat, wir werden uns der Armen -schon annehmen. Wir kommen –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [fast hart ablehnend]. Nein, nein, meine -Damen – wie soll ich an ein Kartenspiel – [sie wendet sich -weinend ab].</p> - -<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [herzukommend]. Aber so ein Tarockerl, -beste Frau Oberst, das ist Seelenmedizin. Das zerstreut. [Alle -nehmen Abschied, aber die Tarockdamen rufen noch zurück:] Wir -kommen, wir kommen!</p> - -<p><span class="ge">Holzheim</span> [eilig]. Jetzt muß ich mich aber sputen was -das Zeug hält. Wenn mein Mann nicht die Suppe auf dem -Tische findet, wenn er heimkommt, so setzt es allemal ein Donnerwetter.</p> - -<p><span class="ge">Frau Knute</span> [den Kopf schüttelnd]. Alles ihre eigene -Schuld, beste Frau Inspektor. Warum verhätscheln Sie ihn so? -Ich habe mir den meinigen gleich zu Anfang erzogen.</p> - -<p class="fss ci">[Alle sind endlich bei der Tür angelangt, man nimmt noch einmal -einen sehr geräuschvollen Abschied, aber eine der Damen geht nach der -anderen fort.]</p> - -<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [kalt]. Grüß' Gott, Tante! [Zu den -anderen, besonders Frau Krickenfeld, indem sie ihren Mann am -Arm faßt und mit sich zieht.] Man muß das Unmögliche begehren, -damit man das Mögliche erreicht.</p> - -<p><span class="ge">Zungrapp</span> [noch einmal auf Fr. H. zukommend]. Meine -teure, meine beklagenswerte Frau Oberst, nur Mut, nur Ruhe! -<a class="pagenum" id="page_066" title="66"> </a> -Das Beileid unseres Landtsherrn muß Ihnen doch ein Trost – -ein großer Trost sein.</p> - -<p><span class="ge">Hermine</span> [eher gedankenlos als böswillig]. Ach ja, uns -allen ist sein Tod so ein Trost! [Sie folgt den anderen.]</p> - - -<h3>3. Auftritt.</h3> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [winkt den beiden Forschern noch -einmal Platz zu nehmen]. Gott sei Dank, endlich kann ich mich -ungestört dem Glücke hingeben mit den wahren Freunden meines -Sohnes zu sprechen. Erzählen Sie mir von seinem Tun und -Treiben – von allem – von allem – mein Herz dürstet danach!</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Hasselstein hat sich zuerst auf den Rälik -– oder den Inseln gegen Tagesende aufgehalten, aber da das -Klima daselbst seiner jungen Frau nicht zusagte, zog er nach -den Inseln gegen Tagesanbruch – den Ratakinseln – und dort -führte er das schwere Dasein eines Forschers – unermüdlich, -heiter und dank den rastlosen Bemühungen seiner Gattin sehr -glücklich – viel glücklicher als er es in – [Norry winkt abweisend].</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [scheinbar nach großer Ueberwindung]. -Ich – ich möchte eine Frage an Sie stellen, meine Herren, -eine Frage, die mich unbeschreiblich erregt.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [ermutigend]. Und diese Frage lautet?</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [ihn mit verzehrenden Blicken betrachtend]. -Wo ist meine Schwiegertochter, wird sie Kringhausen -passieren, wird –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [verlegen]. Ich dachte –</p> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Sie war die Frau meines -Sohnes, sie durfte in seine Augen schauen, ihm nahe sein, -während ich mich in der öden Behausung nach ihm zu Tode -sehnte, sie durfte – [sie schweigt].</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Sie hat viel geopfert, gnädige Frau -dieser Privilegien halber. Gnädige Frau haben gleich ihr die -Wahl gehabt und –</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_067" title="67"> </a> -<span class="ge">Hasselstein</span> [ernst zu ihm aufsehend]. Ich weiß es, ich -weiß es. Es war dies die Qual meiner schlaflosen Nächte, das -Gespenst, das mich auch am hellen Tage nicht verließ. Ich -hatte ja den einzigen Sohn in die weite Welt ziehen lassen statt -seinem Wunsche nachzugeben, aber ich, Herr Doktor, ich bin ja -nur eine schwache Frau, aufgewachsen und alt geworden in Kringhausen -und seinen Ansichten, seinen Vorurteilen. Ich habe meine -Zeit überlebt und konnte mich nicht in die neuen Anschauungen -finden. Ein alter Baum läßt sich nicht umpflanzen und krumme -Aeste werden nicht mehr gerade, wenn sie von Alter hart und -dürr geworden. Wenn ich gefehlt, so habe ich schwer dafür gebüßt. -Ein freudenloser Lebensabend steht mir bevor.</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [die Weinende tröstend.] Es war so bestimmt -– es hat so kommen müssen. Können wir irgend etwas für -Sie, gnädige Frau, tun?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aufblickend.] Berta ist auch in Europa -– sie ist vielleicht ganz nahe von Kringhausen – [leise, die -Hände auf das Herz drückend] – und sie hat –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [ernst.] Gegenwärtig weilt die Witwe unseres -geliebten Kollegen hier in Kringhausen.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aufspringend.] In Kringhausen? Oh, -wird sie mir je vergeben, wird sie unerbittlich sein? –</p> - -<p><span class="ge">Norry</span> [ist unterdessen auf die Tür zur Linken zugegangen. -Er öffnet sie jetzt und in tiefe Trauer gekleidet, tritt die junge -und schöne Frau Hasselstein über die Schwelle. Auf den Armen -hält sie ein weißes Bündelchen mit schwarzen Bändern.]</p> - - -<h3>4. Auftritt.</h3> - -<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [auf sie blickend]. Berta! [Dann -das Bündelchen bemerkend und alles darüber vergessend mit -zitternder Stimme.] Ist das – ist das?? –</p> - -<p><span class="ge">Berta</span> [in Tränen ausbrechend.] Das ist alles, was mir -auf Erden geblieben.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [schlägt langsam den Schleier zurück.] Ach -<a class="pagenum" id="page_068" title="68"> </a> -Tochter, wie unsäglich reicher bist du doch als ich! [sie neigt -sich über das Kind.] Wie heißt er?</p> - -<p><span class="ge">Berta</span> [leise.] Wie sein Vater.</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zögernd.] Ich war ungerecht – selbstsüchtig -einst, Berta, – ich wollte, was ich besaß, nicht mit dir -teilen und heute – oh heute könnte ich dich auf meinen Knien -mit gefalteten Händen anflehen großmütig zu sein und – [leidenschaftlich] -Berta, laß zu, daß sich meine Augen an deinem Schatze -weiden. Führ ihn nicht wieder fort! Bleibe bei mir – bei -der Mutter deines toten Gatten.</p> - -<p><span class="ge">Berta</span> [zögernd.] Meine Vergangenheit –</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [stolz.] Du warst die Gattin meines Sohnes.</p> - -<p><span class="ge">Berta</span> [leise.] Und – und – die Kringhäusler?</p> - -<p><span class="ge">Hasselstein</span> [sich voll aufrichtend.] Die Kringhäusler? -Was kümmert mich die Meinung der Kringhäusler? Das ist -Fleisch von meinem Fleische, Blut von meinem Blute – [weich, -als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt] – mein -Enkelkind!</p> - -<p class="fss ci">[Beide Frauen neigen sich über den Kleinen und man hört Ausrufe -wie »hat er nicht ganz die Nase seines Vaters« und »schau auf den -Mund, ganz wie bei Hans Georg« usw. während sich beide Frauen halb -umschlungen halten um besser auf das Kind sehen zu können.]</p> - -<p><span class="ge">Roden</span> [indem er Norry winkt sich leise mit ihm zu entfernen]. -Jetzt wären endlich die Kringhäusler überwunden!</p> - -<p class="fss ce mt2">[Der Vorhang fällt.]</p> - - -<p class="ce mt2"><span class="ge">Ende!</span></p> - - -<p class="fsxs ce mt2">Druck von Reinhold Berger in Lucka S.-A.</p> - - - - -<h2>Hinweise zur Transkription</h2> - - -<p>Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.</p> - -<p>Darstellung abweichender Schriftarten: <span class="ge">gesperrt</span>, <i>Antiqua</i>.</p> - -<p>Die Stellung des schließenden Satzzeichens in den Regieanweisungen -wurde stillschweigend vereinheitlichend korrigiert. Das -schließende Satzzeichen wurde innerhalb der eckigen Klammern angeordnet -bei Regieanweisungen, die einen eigenen Satz bilden. Das schließende -Satzzeichen wurde außerhalb der eckigen Klammern angeordnet bei -Regieanweisungen, die keinen eigenen Satz bilden.</p> - -<p>Die Regieanweisung "Triebe" auf Seite 16 erscheint als unangebracht.</p> - -<p>Überkommene Rechtschreibung wurde beibehalten in -"Geberden", "Lantsherr", "totmüde".</p> - -<p>Vermuteter Wortwitz wurde beibehalten, nämlich -"Mikrosenien" an der Stelle von "Mikronesien", -"staatlicher" an der Stelle von "stattlicher."</p> - -<p>Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten, -beispielsweise "Adarl" – "Aderl", "vor allem" – "vorallem".</p> - -<p>Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden -Ausnahmen,</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_004">4</a>:<br /> -"–" eingefügt<br /> -(gebrachten Kringhäusler! – [er lacht plötzlich)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_004">4</a>:<br /> -"daß" geändert in "das"<br /> -(daß man sich eigene Pfade brechen kann, das verstehen sie)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_005">5</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(endlos scheinenden Eisbarrieren, schließlich)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_006">6</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_006">6</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(Kampf gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br /> -"." eingefügt vor "Sind"<br /> -(<span class="ge">Norry</span> [zu H.]. Sind viele neue Exemplare)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br /> -"sie ihre" geändert in "Sie Ihre"<br /> -(Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br /> -"–" eingefügt<br /> -(hin ist hin – [er lacht auch heiter])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br /> -":" geändert in "."<br /> -(<span class="ge">Hasselstein</span> [lachend]. Unzufriedener!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br /> -":" geändert in "."<br /> -(<span class="ge">Norry</span>. Und die bald wiederkehrt!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br /> -":" entfernt hinter "<span class="ge">Hasselstein</span>" <br /> -(<span class="ge">Hasselstein</span> [zu Norry, der eifrig)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br /> -"untersuchend:" geändert in "untersuchend]."<br /> -(<span class="ge">Norry</span> [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_009">9</a>:<br /> -"." entfernt hinter "<span class="ge">Hasselstein</span>"<br /> -(<span class="ge">Hasselstein</span> [geht auf das Zelt zu)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_009">9</a>:<br /> -":" geändert in "."<br /> -(bis dorthin nicht erreicht haben.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_010">10</a>:<br /> -"dahein" geändert in "daheim"<br /> -(daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_010">10</a>:<br /> -"einen" geändert in "einem"<br /> -(am Ende alles einem Wahn geopfert)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_011">11</a>:<br /> -"spöttich" geändert in "spöttisch"<br /> -(<span class="ge">Roden</span> [spöttisch]. Vortrefflich)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_012">12</a>:<br /> -"reel" geändert in "reell"<br /> -(Wenn die Ware nicht durch und durch reell ist)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_013">13</a>:<br /> -"Ord" geändert in "Ort"<br /> -(verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_015">15</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(verlachen herrschende Vorurteile zwar, bäumen uns)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_015">15</a>:<br /> -"wirwüten" geändert in "wir wüten"<br /> -(aber wir wüten)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_016">16</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(indem wir stärker, sondern auch seelisch)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_016">16</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(die mächtigen Eisgrotten, das flackernde Nordlicht)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_016">16</a>:<br /> -"]" eingefügt<br /> -(Es wird unheimlich finster.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_017">17</a>:<br /> -"Norrn" geändert in "Norry"<br /> -(<span class="ge">Norry</span> [lachend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_018">18</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(die Hände und rufen durcheinander.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br /> -"(" geändert in "["<br /> -([Ein elegant ausgestattetes Zimmer.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br /> -")" geändert in "]"<br /> -(alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br /> -"eine" geändert in "ein"<br /> -(In der Mitte der Szene ein Spieltisch)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br /> -"lächelud" geändert in "lächelnd"<br /> -(<span class="ge">Frau Krickenfeld</span> [lächelnd]. Immer die, die fragt!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br /> -"." entfernt hinter "]"<br /> -([Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(Natürlich: So geht es immer.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br /> -"bitten" geändert in "bitte,"<br /> -(Bitte, bitte, da sind schon die dreißig Heller.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_023">23</a>:<br /> -"Haus" eingefügt hinter "zu"<br /> -(die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_024">24</a>:<br /> -"[" eingefügt<br /> -([Man spielt eifrig.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_024">24</a>:<br /> -"Kickenfeld" geändert in "Krickenfeld"<br /> -(<span class="ge">Krickenfeld</span> [seufzt tief auf].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_025">25</a>:<br /> -"bedreffend" geändert in "betreffend"<br /> -(Einen Skandal? Meinen Sohn betreffend?)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_025">25</a>:<br /> -"(" geändert in "[", ")" geändert in "]"<br /> -([Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>:<br /> -"davan" geändert in "davon"<br /> -(die ganze Stadt spricht davon –)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>:<br /> -"gleich-gesagt" geändert in "gleich gesagt"<br /> -(Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>:<br /> -"hinausge kommen" geändert in "hinausgekommen"<br /> -(Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_027">27</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_028">28</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(Lassen Sie sich Ihre Handerl vergolden)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_028">28</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br /> -"." eingefügt hinter "ansehen"<br /> -(<span class="ge">Alle</span> [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br /> -"schwirt" geändert in "schwirrt"<br /> -(»ich auch« schwirrt es durcheinander)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(<span class="ge">Krickenfeld</span>. Wirklich?)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br /> -"sie ihren" geändert in "Sie Ihren"<br /> -(machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_030">30</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(wenn Sie gar in meinem Elternhause gewesen wären)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_030">30</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(Sehen Sie einmal mich an –)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(Sehen Sie mich an!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Holzheim</span> [die Karten zusammenraffend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -([Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br /> -"Professer" geändert in "Professor"<br /> -(ist der liebe Herr Professor noch so jung)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br /> -"Sie" geändert in "sie"<br /> -([sie schlägt sich auf den Mund])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br /> -"[" und "]" eingefügt.<br /> -([Der junge Hasselstein tritt ein.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br /> -"Biblioteken" geändert in "Bibliotheken"<br /> -(in Bibliotheken und so weiter)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br /> -"[" geändert in "]"<br /> -(<span class="ge">Alle</span> [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br /> -"das" geändert in "daß"<br /> -(daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br /> -"Man" geändert in "Mann"<br /> -(für einen heiratsfähigen Mann ist)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_033">33</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -([Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_033">33</a>:<br /> -"überans" geändert in "überaus"<br /> -(so überaus in Anspruch genommen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_034">34</a>:<br /> -"Mam" geändert in "Mama"<br /> -(bei Mama verweilen zu können)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_034">34</a>:<br /> -"]" eingefügt<br /> -(begleiten die Gäste bis zur Tür zur Rechten.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_035">35</a>:<br /> -"allin" geändert in "allein"<br /> -([Mutter und Sohn allein.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_036">36</a>:<br /> -"–" eingefügt<br /> -(engherziger Beurteilung gewichen, – gewichen, auf daß)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_036">36</a>:<br /> -"," eingefügt hinter "Mutter"<br /> -(Ich prüfte mich, Mutter, und weiß)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_037">37</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(Man kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_037">37</a>:<br /> -"Glanbst" geändert in "Glaubst"<br /> -(Glaubst du, daß dein Glück von Dauer)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Hans Georg</span> [bitter].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(und blickt zärtlich in ihr Antlitz].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br /> -"wircklich" geändert in "wirklich"<br /> -(Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br /> -"Haselstein" geändert in "Hasselstein"<br /> -(<span class="ge">Hasselstein</span> [sich die Tränen abtrocknend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_040">40</a>:<br /> -"daß" geändert in "das"<br /> -(ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin erwählt)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_040">40</a>:<br /> -"[" eingefügt<br /> -([Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_041">41</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller.</span> Willkommen daheim,)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -([Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br /> -"[" eingefügt<br /> -([Ein Stubenmädchen öffnet die Tür)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br /> -"]" eingefügt<br /> -(und läßt Roden und Norry eintreten.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_044">44</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Alle drei Herren</span> [mit tiefen Seufzern].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_044">44</a>:<br /> -"kmeine" geändert in "meine"<br /> -(Gemüt braucht meine künftige Frau)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_044">44</a>:<br /> -"sann" geändert in "kann"<br /> -(Ich kann statt dessen ja jede Woche)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_045">45</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(O glauben Sie das nicht!!!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_046">46</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(<span class="ge">Roden</span> [im gleichen Ton].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_047">47</a>:<br /> -"dnmmvergnügt" geändert in "dummvergnügt"<br /> -(<span class="ge">Ladislaja</span> [lächelt dummvergnügt vor sich hin].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br /> -"." entfernt hinter "[sie seufzt]"<br /> -(Hans Georg liebt sie – [sie seufzt])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Hermine.</span> – und tugendhaft)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br /> -"anspruchgloser" geändert in "anspruchloser"<br /> -(Je weniger auffallend die Erscheinung um so anspruchloser)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Frau Knute.]</span> – und weniger zur Koketterie geneigt)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br /> -"Ladaslaja" geändert in "Ladislaja", "." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Ladislaja.</span> – und reineren Herzens –)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_049">49</a>:<br /> -"Jugfrauenvereins" geändert in "Jungfrauenvereins"<br /> -(Schneiderabenden des katholischen Jungfrauenvereins)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_049">49</a>:<br /> -"–" eingefügt<br /> -(sehr erröten, wenn man Anspielungen – an)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_050">50</a>:<br /> -"uur" geändert in "nur"<br /> -(dem jungen Prediger nur in die Augen schauen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_051">51</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_051">51</a>:<br /> -"Nachdruch" geändert in "Nachdruck"<br /> -(<span class="ge">Hans Georg</span> [laut, mit Nachdruck].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_052">52</a>:<br /> -"." eingefügt hinter "Fr. H"<br /> -([Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_052">52</a>:<br /> -"Srich" geändert in "Sprich"<br /> -(Sprich, Mutter!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br /> -"Vorurteilswillen" geändert in "Vorurteils willen"<br /> -(eines Vorurteils willen in den Staub treten)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br /> -"laugsam" geändert in "langsam"<br /> -(das Beste in mir langsam aber sicher zerstören)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(ich beschwöre dich, bedenke –)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br /> -"genung" geändert in "genug"<br /> -(Er wird schnell genug einsehen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_054">54</a>:<br /> -"Meuschlichkeit" geändert in "Menschlichkeit"<br /> -(in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_054">54</a>:<br /> -"Bemerkuug" geändert in "Bemerkung"<br /> -(<span class="ge">Frau Knute</span> [Rodens Bemerkung beantwortend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_055">55</a>:<br /> -"7." geändert in "6."<br /> -(6. Auftritt.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_056">56</a>:<br /> -"Hnns" geändert in "Hans"<br /> -(<span class="ge">Hans Georg</span> [von dem einen auf den anderen blickend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_056">56</a>:<br /> -"]." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Norry</span> [einfallend]. – die Kringhäusler!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"Dassellle" geändert in "Dasselbe"<br /> -(Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"1. Auftritt." eingefügt</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"vou" geändert in "von"<br /> -(Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"Mitteilnngen" geändert in "Mitteilungen"<br /> -(wertvolle Mitteilungen über die Flora)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"besondes" geändert in "besonders"<br /> -(besonders interessante Aufschlüsse)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"auftretenten" geändert in "auftretenden"<br /> -(in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br /> -"Fangmetode" geändert in "Fangmethode"<br /> -(die Fangmethode desselben besser zu prüfen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_058">58</a>:<br /> -"Unglünsstätte" geändert in "Unglücksstätte"<br /> -(nicht weit von der Unglücksstätte)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_058">58</a>:<br /> -"Erpedition" geändert in "Expedition"<br /> -(zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_058">58</a>:<br /> -"]" eingefügt<br /> -([Er legt die Zeitung langsam zusammen und setzt sich.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_059">59</a>:<br /> -"Fran" geändert in "Frau"<br /> -(<span class="ge">Frau Hasselstein</span> [bitterlich weinend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_059">59</a>:<br /> -"Tarokpartie" geändert in "Tarockpartie", "." eingefügt<br /> -([Zu den Damen der Tarockpartie.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_059">59</a>:<br /> -"Hasselsteiu" geändert in "Hasselstein"<br /> -([zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(<span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br /> -"tn" geändert in "in"<br /> -(Man muß sich in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.])</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br /> -"Gegenständd" geändert in "Gegenstände"<br /> -(indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br /> -"." geändert in ","<br /> -(einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_061">61</a>:<br /> -"zügelu" geändert in "zügeln"<br /> -(Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_062">62</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(<span class="ge">Hasselstein</span>. Wie – wie – war das Ende?)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_062">62</a>:<br /> -"." eingefügt hinter "]"<br /> -(<span class="ge">Norry</span> [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br /> -"Hozheim" geändert in "Holzheim"<br /> -(<span class="ge">Holzheim</span> [sich die Augen trocknend].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br /> -"Bewußtsen" geändert in "Bewußtsein"<br /> -(Das ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br /> -"rechtiges" geändert in "richtiges"<br /> -(kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br /> -"Juugfrauen" geändert in "Jungfrauen"<br /> -(erröten die holdseligen Jungfrauen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br /> -"sie" geändert in "Sie"<br /> -(Lassen Sie sich noch massieren!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br /> -"Krickenseld" geändert in "Krickenfeld"<br /> -(<span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Mißbilligung].)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_064">64</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(<span class="ge">Krickenfeld.</span> Werde ich denn nie aussprechen dürfen?)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_067">67</a>:<br /> -"weises" geändert in "weißes"<br /> -(Auf den Armen hält sie ein weißes Bündelchen)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_067">67</a>:<br /> -"5." geändert in "4."<br /> -(4. Auftritt.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br /> -"Vater:" geändert in "Vater."<br /> -(<span class="ge">Berta</span> [leise.] Wie sein Vater.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br /> -"." entfernt hinter "[leidenschaftlich]"<br /> -(anflehen großmütig zu sein und – [leidenschaftlich] Berta)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br /> -"." entfernt hinter "legt"<br /> -([weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt])</p> - -<hr /> - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER ***</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'>This file should be named 64193-h.htm or 64193-h.zip</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'>This and all associated files of various formats will be found in https://www.gutenberg.org/6/4/1/9/64193/</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s web site -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. 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