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-The Project Gutenberg eBook of Die Kringhäusler, by Alma Maximiliane Karlin
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Die Kringhäusler
- Drama in drei Akten
-
-Author: Alma Maximiliane Karlin
-
-Release Date: January 01, 2021 [eBook #64193]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net (This book was produced from images made
- available by the HathiTrust Digital Library.)
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER ***
-
-
-
-
- Die Kringhäusler
-
-
- Drama in drei Akten
-
- von
-
- A. M. Karlin
-
-
- Leipzig 1918
-
- =Bruno Volger= Verlagsbuchhandlung
-
-
-
-
-Personen:
-
-
- Frau =Oberst Hasselstein=, Witwe
- Hans =Georg Hasselstein=, Professor der Naturwissenschaften, ihr Sohn
- Herr =Regierungsrat Pottenmiller=, ihr Schwager
- Frau =Petronella Pottenmiller=, ihre Schwester
- Herr =Direktor Knute=, auch ein Schwager
- Frau =Johanna Knute=, ihre zweite Schwester
- Herr ~Dr.~ =Brunnick=, Pottenmillers Schwiegersohn
- Frau =Ada Brunnick=, seine Frau
- =Hermine Schrift=, unverheiratet, Hans Georgs Tante
- =Ladislaja Schrift=, ihre Schwester
- Frau =Kommerzienrat Peloponesia Krickenfeld=
- Frau =Inspektor Margarete Holzheim=
- Frau =Professor Emilie Zungrapp=
- Herr =Norry= }
- Herr =Scharfen= }
- Herr =Roden= }
- Herr =Kapper= }
- Herr =Johanssen= } die Teilnehmer der Südpolexpedition
- Herr =Granelli= }
- Herr =Meroff= }
- Herr =Vickers= }
- =Berta Heller=, Hans Georgs Braut.
-
-Der erste Akt spielt in der Antarktis, der zweite und der dritte Akt in der
-Wohnung Frau Hasselsteins.
-
-=Zeit=: Gegenwart.
-
-
-
-
-1. Akt.
-
-
- [Im Hintergrund der weiten Bühne sieht man mächtige Eisgebilde mit
- leuchtend weißen Oberflächen, während alle Unebenheiten, Spalten
- und Risse je nach ihrer Tiefe vom zartesten bis zum tiefsten Blau
- erscheinen. Etwas mehr gegen den Vordergrund ist ein kleiner Streifen
- des Polarmeeres sichtbar, in dem sich die tafelförmigen Eismassen und
- die zerklüfteten Eisberge spiegeln. Zur Rechten im Hintergrund steht
- ein vereistes und tiefverschneites, von den mächtigen Eisstücken
- teilweise über die Meeresfläche gehobenes Schiff, von dessen Masten
- die Eiszapfen herniederhängen. Zur Linken hängt ein riesiger, in
- der Mitte gespaltener Eisberg über die Bühne, aus dessen Innern ein
- herrliches bläuliches Licht fließt. Links und rechts im Vordergrund
- befinden sich kleinere Eisstücke, auf denen eine große Anzahl
- Pinguine in verschiedenen Stellungen sitzen. Mehr im Hintergrund liegen
- einige Seehunde am Rande des Meeres. Ganz im Vordergrund zur Linken
- steht ein tiefverschneites Zelt, in dessen Mitte ein kleiner Kochherd
- steht und sein rötliches Licht über die Zeltwände ergießt. Zur
- Rechten steht Hasselstein und blättert in seinem Notizbuch. Ein
- wunderbar schönes, bläuliches Licht erfüllt die ganze Szene,
- während da und dort der Schnee in allen Farben des Regenbogens
- glitzert. Vom leuchtendsten Tageslicht geht jedoch die Beleuchtung
- langsam während des ganzen Aktes immer mehr in ein mattes Dunkel über
- und als es vollkommen finster geworden, zeigt sich im Hintergrund
- die Aurora Borealis in flackernden Bändern und ewig wechselnden
- Lichteffekten. Die ganze Zeit hört man auch das Pfeifen des Windes --
- im Anfang ganz schwach, dann mit zunehmender Stärke.]
-
-
-1. Auftritt.
-
-=Hasselstein= [macht eben die letzten Aufzeichnungen in sein Notizbuch als
-der Vorhang aufgeht. Nach einigen Sekunden schließt er es und macht einige
-Schritte auf die Mitte der Bühne zu]. Das wäre getan! [Er zieht seine
-Uhr aus der Tasche.] Wie, schon so spät? Da heißt es frisch zulangen soll
-unser Depôt und Winterobservatorium fix und fertig sein, wenn die Kollegen
-von ihren Streifzügen heimkehren. [Er macht sich rechts an die Arbeit,
-schleppt von hinter den Kulissen große Eisblöcke herbei und beginnt sie
-aufeinander zu bauen und mit Schnee, den er zusammenfegt, zu befestigen.
-Während er eifrig arbeitet und das Schneehaus immer größer wird, spricht
-er, sich manchmal auf Augenblicke unterbrechend um auf die wechselnden
-Lichteffekte zu schauen.] Wie die Stunden fliehen und doch -- wie weit von
-mir scheint die Vergangenheit! [er schüttelt wehmutsvoll das Haupt].
-Zwei Jahre sind es nun, daß ich der Heimat den Rücken gekehrt [er baut
-schweigend einige Sekunden]. Wirklich nur zwei Jahre? Ist mir's doch, als
-seien Jahrzehnte seit dem Augenblick verflossen, wo -- [er schleppt einige
-Eisstücke herbei]. Genug! Siebenhundertunddreißig Tage trennen mich von
-jener Stunde, in welcher mein Blick zum letztenmal in den ihren getaucht.
-Was wunder übrigens, daß die Zeit so lang mich deucht, denn die Zahl
-der Eindrücke und nicht der monotone Schlag der Stunden machen ja ein
-Menschenleben aus. Und ich -- ich hatte Eindrücke -- [er hält einen
-Augenblick inne und blickt, die Augen mit der Hand beschattend, forschend
-auf das Meer] -- und was für Eindrücke, barmherziger Himmel! Erst
-die ungestümen Reisevorbereitungen, die ununterbrochenen Kämpfe, die
-feindselige Haltung der guten alten Seelen daheim -- oh, die armen,
-entsetzten, aus dem Gleichgewicht gebrachten Kringhäusler! -- [er lacht
-plötzlich laut auf] -- wenig fehlte, daß man mich nicht mit Gewalt
-in eine Irrenanstalt sperren ließ, denn ein klardenkender Mensch -- ein
-Individuum, mit vollem Gebrauch der fünf von Mutter Natur so gnädig
-verliehenen Sinne -- kann sich nicht willig einer Südpolexpedition
-anschließen, das ist Wahnsinn, himmelschreiender erbarmenerweckender
-Wahnsinn! [er lacht wieder]. Arme Kringhäusler, sie müssen immer auf
-dem breiten, wohl ausgetretenen Pfad dahinhumpeln, -- daß man sich eigene
-Pfade brechen kann, das verstehen sie nicht und billigen noch weniger. Wenn
-die ganze Gemeinde an Hinzens Kuhstall vorbei zur Kirche geht, warum sollte
-da ein Pfarrkind einen anderen Weg einschlagen? Das ist Ketzerei! [er
-baut eine Weile schweigend weiter]. Ach, dann kamen die Aufregungen
-des Abschieds, -- von Berta -- von Mama -- von der lieben Heimat -- ein
-Abschied, der möglicherweise Trennung auf immer bedeuten konnte, hierauf
-die lange eintönige Fahrt, ein schläfriges Rollen und behagliches
-Dahinträumen, geschaukelt von leise plätschernden, tiefblauen
-Wassermassen, unter einem heißen, wolkenlosen Himmel -- [er schaufelt
-eifrig den Schnee zusammen]. Ja, wer noch einmal, ein =einziges= Mal solche
-Wärme empfinden dürfte. Und eines schönen Tages waren wir in Neuseeland
-mit seinen Geysirn, Wasserfällen, tropischen Wäldern, riesigen
-Eukalyptus, seinen flügellosen Vögeln, und den schneegekrönten und
-gleichzeitig feuerspeienden Bergen. Welche Pracht! [er bildet das Dach
-seiner Hütte]. Allzu kurze Rast gefolgt vom gefahrvollen Tummeln auf
-kalter, sturmgepeitschter See, das langsame Sichnähern der endlos
-scheinenden Eisbarrieren, schließlich ein kurzer Ausflug auf die
-verödeten Kerguelen und zuletzt [er blickt wieder sinnend auf das Meer]
-die eigentliche Antarktis, das Ueberwintern in eisstarren Zelten, während
-sich draußen die endlose, düstere Polarnacht, mit all' ihren Schrecken
-und Leiden auf uns herabsenkte und wir bei kümmerlichem Thranlicht ein
-mattes Scheinleben führten, hie und da unterbrochen von den Beobachtungen
-im Freien bei einer Temperatur von durchschnittlich 52 Grad Celsius unter
-Null! [er arbeitet einige Sekunden wieder schweigend, während das Licht
-langsam abnimmt, hierauf wieder frischerer, munterer]. Nichtsdestoweniger
-hat selbst das Leben hier seinen Zauber, so mitten in einem noch
-unerforschten Teile unserer Erdkugel, wo Tiere und Vögel im Menschen
-noch nicht ihren Feind zu sehen gelernt haben, wo er in ihr Tun und Lassen
-freien Einblick gewinnen kann, hier -- wo seltene Lichteffekte das Auge
-stündlich entzücken, wo eine Entdeckung der anderen auf dem Fuße
-folgt, wo ungeahnte Horizonte sich dem begierigem Geiste offenbaren! [er
-verbessert sein Werk da und dort] Neue Horizonte! Ach, wenn diese mich
-nur auch großmütiger im Beurteilen anderer machen würden! Mutterl, du
-liebes, gewiß tat ich dir oft Unrecht, wenn unsere Anschauungen nicht
-harmonierten. In Zukunft, da muß unser Zusammenleben ein besseres sein,
-denn ich habe alles aufgeboten um alle kleinlichen einseitigen Begriffe,
-alles falsche Beurteilen loszuwerden. Das liebe Mütterchen wird wohl
-auch einsehen gelernt haben, daß man nicht nur als Gymnasialprofessor in
-Kringen sein Glück machen kann und die lange Trennung, die ja so leicht
-eine ewige werden kann, hat gewiß auch ihre Skrupel, meine Heirat mit
-Berta betreffend, gemildert. Sie hat Zeit gehabt Berta zu prüfen -- meine
-Worte in Erwägung zu ziehen -- ja, ja, die Mutterliebe wird, sie muß
-siegen [er verbessert das Innere der Schneehütte]. Alle lächerlichen
-Vorurteile, alles Hängen am Zopf wird mutig über Bord geworfen und
-da wollen wir drei -- Mama, Berta und ich -- ein Heim gründen, dessen
-Grundpfeiler gegenseitige Nachsicht und unbegrenzte Liebe sind. Alle meine
-Tage will ich der Verbreitung freisinnigerer Anschauungen, milderem Denkens
-widmen. Nieder mit allem kleinlichen Huldigen äußeren Scheins! Der Kern
-allein soll gelten, nicht die Schale. [Das Schneehaus ist nun ganz fertig,
-er betrachtet sein Werk und ruft jubelnd aus:] Hurra! Vollendet ist das
-große Meisterwerk! [ernster.] Möge es mir einst gelingen den Kampf
-gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle beschränkten, feindseligen
-Anschauungen daheim zu ebenso befriedigendem Abschluß zu bringen -- da
-Berta, mein Liebling, soll dein Unglück dich nicht länger niederbeugen
--- nein, treues, edles Herz, kein Mensch soll länger scheu vor dir
-zurückweichen. An meiner Seite sollst du stolz erhobenen Hauptes
-dahinschreiten und zuversichtlich in eine sonnige Zukunft blicken. Und du,
-mein liebes Mutterl, du sollst in mir den zärtlichsten Sohn, in Berta
-die liebendste Tochter finden und dazu bedarf es nur eins: Die lieben
-Kringhäusler ein wenig -- abzuschütteln!
-
-
-2. Auftritt.
-
- [Roden, Norry und Scharfen kommen von rechts.]
-
-=Roden= [zu Scharfen]. Wir müssen die Messungen vor Einbruch der Nacht
-beendigen [er wirft eine Leine in das Meer und Scharfen hilft ihm dabei].
-
-=Scharfen= [munter]. Holla, Hasselstein! Sie sind der reinste Baukünstler.
-Unser Depôt ist ja ein ganzes Wunderwerk.
-
-=Norry= [indem er eifrig einige Apparate in dasselbe schleppt].
-Vortrefflich! Man kann unmöglich alle Geräte auf dem Schiffe oder im
-Zelte bequem unterbringen. Hier wollen wir unsere Winterbeobachtungen
-machen -- etwas wärmer als die windige Eisfläche wird diese Sternwarte
-sicher sein.
-
-=Roden= [indem er langsam die Leine aufwickelt]. Es fehlt eine Oeffnung im
-Dach --
-
-=Hasselstein= [eifrig arbeitend]. Dem ist schnell abgeholfen.
-
-=Norry= [zu H.]. Sind viele neue Exemplare in die Falle gegangen?
-
-=Hasselstein= [auf den Meeresstrand zugehend]. Ich habe noch nicht
-nachgesehen [er zieht eifrig eine Fischfalle aus dem Wasser]. Ein
-reichhaltiger Fang, wie fast immer -- leider nur die gewöhnlichen
-Fischarten der Antarktis [er beugt sich noch einmal nieder und zieht
-ein kleines Netz aus dem Wasser]. Vielleicht enthält das kleine Netz
-wertvollere Exemplare. Hm, wie immer eine ganze Menge Isopoden, einige
-Fünffüßler, mehrere Korallen, -- was sehe ich? Ganz richtig! Eine
-Gattung auffallend kleiner Seegarnelen -- eine Anzahl Wasserbären und --
-
-=Norry= [legt den Apparat heftig auf den Boden, springt auf das Meer zu,
-woher eben ein starkes Plätschern erklingt und ruft]. Schnell, schnell,
-Hasselstein! Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?
-
-=Hasselstein= [rafft im Vorbeispringen seine Flinte vor dem Zelte auf und
-beide springen auf einige Eisstücke um freien Ausblick auf das Meer
-zu haben]. Ein Blauwal! Ein wahres Prachtexemplar! Aber leider außer
-Schußweite.
-
-=Norry= [eifrig spähend]. Verschwunden! Schade, -- eine Abwechselung im
-Speisezettel wäre nicht unwillkommen gewesen!
-
-=Roden= [singt tröstend]. Es wär' zu schön gewesen, es hat nicht sollen
-sein!
-
-=Scharfen.= Leider -- leider; ein erhöhter Thranvorrat vermindert immer
-die Schrecken der Polarnacht, doch -- fort ist fort und hin ist hin -- [er
-lacht auch heiter].
-
-=Hasselstein= [zu Norry]. A propos! Funktioniert der Elektrometer jetzt
-wieder? Sind die Messungen vollkommen verläßlich?
-
-=Norry.= Vollkommen! Alles ist wieder in Ordnung. Ich will nur noch in
-aller Eile den Thermographen aufstellen, hierauf verwandle ich mich in
-einen Koch erster Qualität. Das ist ja meine Kochwoche [er stellt den
-Apparat auf und lacht].
-
-=Hasselstein= [sammelt seinen Fang zusammen und wendet sich zu Roden und
-Scharfen, die eben die lange Schnur vollends aufgewunden haben]. Welche
-Tiefe?
-
-=Roden.= 1844 Klafter. Das bestätigt meine früheren Annahmen, daß die
-Tiefen hier in der Regel bedeutend größer als am Nordpol sind.
-
-=Hasselstein.= Wieviel Grade unter Null haben wir heute?
-
-=Scharfen= [liest vom Thermometer, das an einer Zeltstange hängt, ab].
-29 Grad Celsius.
-
-=Roden.= Besser Fisch als Mensch zu sein in diesen Gegenden -- das Wasser
-ist wärmer.
-
-=Hasselstein= [lachend]. Unzufriedener! Denken Sie an die Zeit, wo wir 52°
-gehabt haben!
-
-=Norry=. Und die bald wiederkehrt!
-
-=Hasselstein= [zu Norry, der eifrig seine Apparate in der neuen
-Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal, verehrter Herr Wetterprophet --
-welcher angenehmen Ueberraschungen dürfen wir gewärtig sein?
-
-=Norry= [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie sich nur auf einen
-extrafeinen Schneesturm gefaßt.
-
-=Alle.= Danke sehr!
-
-=Hasselstein.= Davon hätten wir nachgerade genug. In diesem Monat allein
-mußten wir zehn Tage in den Zelten zubringen und selbst da wurde man
-nie warm oder trocken. Die Schneenadeln krochen bis in die Tiefen der
-Schlafsäcke und das Ausgehen bei solchem Unwetter wagt keiner von uns
-seit der arme Scharfen ganz wirr im Kopfe wurde, als er in solchem Wetter
-zufällig draußen war und beinahe umgekommen wäre. Nein, nein, so ein
-Schneesturm ist schlimmer als die ärgste Kälte!
-
-=Norry= [mißt eifrig]. Der südliche Wind nimmt bedeutend zu und bei den
-überaus häufigen und starken Niederschlägen muß man auf alles gefaßt
-sein. Da, Hasselstein, sehen Sie einmal selbst um wieviel die Nadel seit
-den letzten drei Stunden abgewichen ist. [Beide hantieren die verschiedenen
-Instrumente.]
-
-=Roden= [schreibt eifrig in sein Notizbuch während Scharfen die Schnur und
-die Fischfallen in das Zelt trägt und mehrere Pfannen auf den kleinen Herd
-stellt]. 1844 Klafter Meerestiefe, südwestliche Tiefströmung, südlicher
-Wind, 29° Celsius Lufttemperatur, zunehmendes Treibeis, abnehmendes
-Tageslicht -- nur mehr zwei Stunden Tag -- 734 ~mm~ Luftdruck --
-
- Während er schreibt und vor sich hin murmelt ist es ganz dunkel
- geworden; die Eisstücke sehen nun beinahe schwarz aus und nur der
- Schnee im Vordergrund leuchtet weiß. Ganz im Hintergrund zeigt
- sich ein schwacher gelblichroter Lichtschein, hierauf entsteht ein
- knisterndes Geräusch und in flackernden Bändern taucht die ~Aurora
- borealis~ auf -- nie stille, immer wechselnd, sich jeden Augenblick
- verändernd. Das Heulen des Windes nimmt langsam zu, die Wogen machen
- auch ein stärkeres, plätscherndes Geräusch.
-
-=Hasselstein= [geht auf das Zelt zu, die anderen folgen ihm. Norry legt
-allerlei in die Pfanne und kocht eifrig, die anderen setzen sich auf die
-Schlafsäcke und zünden ihre Pfeifen an. Das rote Licht des Herdes bildet
-einen eigentümlichen Kontrast mit der wechselnden Beleuchtung draußen.]
-Meine Angst um unsere tapferen Gefährten nimmt täglich zu. Wenn sie nicht
-innerhalb der nächsten Tage einlangen, muß ein Unglück die Expedition
-getroffen haben, denn fünf Monate waren als Maximumtermin zur Erforschung
-des Beardmoregletschers festgesetzt. Seit ihrem Aufbruch sind 192 Tage
-vergangen.
-
-=Norry= [düster]. In kaum vierzehn Tagen bricht die lange Polarnacht
-herein -- Gnade ihnen, wenn sie uns bis dorthin nicht erreicht haben.
-
-=Scharfen= [nachdenklich rauchend]. Seit fünfzehnten November kämpfen
-sie verzweifelter selbst als wir gegen die Gefahren und Drangsale dieses
-unwirtlichen Klimas. Wer wird den Sieg erringen? Die starre Eisnatur oder
-unsere beharrlichen Gefährten? Und das Schlimmste an der Sache ist, daß
-wir hier stille sitzen müssen und nichts -- gar nichts -- zu ihrer Rettung
-beitragen können.
-
-=Norry.= Es ist ja eine Frage ob wir selbst die endlose Polarnacht
-überdauern werden. Werden unsere Nahrungsmittel bis zur Ankunft des
-Schiffes im November ausreichen und vorallem, wird es uns gelingen den
-Ausbruch des Skorbut zu verhindern? [Eine Pause entsteht, alle rauchen in
-düsterem Schweigen.]
-
-=Hasselstein= [träumend]. Es dünkt einen unglaublich, daß daheim gerade
-jetzt der Flieder blüht, das Mailüfterl über das sanftig grüne Land
-hinbraust, die Nachtigall --
-
-=Roden= [heftig unterbrechend]. Nur um Himmels willen nicht sentimental
-werden: Das gibt uns, in der Verfassung, in der wir sind, den
-Gnadenstoß. Nichts ist gefährlicher und zweckloser als das Träumen
-vom Unerreichbaren. Es heißt einfach die Zähne zusammenbeißen und --
-schweigen!
-
-=Hasselstein= [müde lächelnd]. Oder zu unserem alten Mittel zu greifen
-und Sorge mit Scherz verscheuchen? Leider gewinnen manchmal die Sorgen die
-Oberhand. Der Zunge kann man allerdings Schweigen gebieten, doch ach, dem
-Herzen nicht. Es gibt Augenblicke, in welchen einem alles zwecklos scheint,
-in welchen man seinen Gefühlen unterliegt, das Heimweh erwacht und man
-sich staunend fragt, ob man nicht am Ende alles einem Wahn geopfert --
-
-=Scharfen= [eine dicke Rauchwolke ausblasend]. Und ob es wirklich nur ein
-Trugbild gewesen, was man so lebhaft angestrebt.
-
-=Norry= [nachdenklich]. Wir sind entmutigt und fragen daher nach dem
-Warum unserer Handlungsweise und wissen im Innersten doch, daß wir unter
-gleichen Umständen wieder so und nicht anders handeln würden. So nehme
-ich zum Beispiel an, daß wir uns alle der Expedition angeschlossen --
-erstens, weil dies eine Lösung manch' verwickelten Problems bedeutete --
-
-=Hasselstein= [ernst]. Sie haben vollkommen recht, Norry. Jeder von uns
-hatte seine Gründe --
-
-=Norry= [bitter]. Und triftige. Eine Luftveränderung tut zuzeiten
-sehr gut. Das Leben ist wahrlich kein Honigschlecken -- es sticht einem
-verteufelt oft eine Biene in die Zunge.
-
-=Hasselstein= [finster]. Und mehr als eine!
-
-=Norry= [nach kurzer Pause]. Was mich betrifft, so befinde ich mich nur
-dort ganz wohl, wo die Natur in ihrer Urkraft auf mich einwirkt und
-die Civilisation -- die sogenannte -- sie noch nicht mit ihrem giftigen
-Speichel beleckt -- und verödet hat! Kampf und Abenteuer gegen
-die mächtigen Naturgewalten meinetwegen, aber gegen die Heuchelei,
-Beschränktheit und krasse Selbstsucht der sogenannten civilisierten
-Menschheit -- nein, danke -- lieber begrabe ich mich in den Einöden der
-Sahara, in den Urwäldern Südamerikas oder --
-
-=Hasselstein= [lächelnd]. -- oder selbst in antarktischen Zonen. Bis
-hierher ist unsere Ueberkultur allerdings noch nicht durchgedrungen -- die
-Pinguine sind die Alleinherrscher der Antarktis.
-
-=Roden= [leidenschaftlich]. Lieber tausendmal Pinguine als Ueberkultur:
-Glauben Sie mir, die großartige Erfindungen hervorbringt und dabei doch
-täglich mehr und mehr natürliche Züge der menschlichen Natur kalt
-erdrückt oder in eine unnatürliche, seelenverkrüppelnde Gestalt preßt.
-Bah! [Er klopft heftig seine Pfeife aus und stopft eine neue.]
-
-=Hasselstein= [beschwichtigend]. Wie viele Geheimnisse der Natur sind
-entdeckt und der Menschheit dienstbar gemacht worden!
-
-=Roden= [verächtlich]. Und wie viele Tiere kennen den Wert heilsamer
-Kräuter, von denen wir keine Ahnung haben. Zudem -- die Völker des
-Westens, die ja gerade am stolzesten auf ihren Fortschritt sind, haben von
-vielen Sachen heute keine Ahnung, mit denen die morgenländischen Stämme
-vor mehreren tausend Jahren ganz vertraut waren. -- Fortschritt -- in der
-Tat! [Er lacht kurz und verächtlich auf.] Wir sind viel zu stolz auf die
-Errungenschaften unseres Geistes.
-
-=Hasselstein= [ruhig vor sich hin rauchend]. Menschlichere Anschauungen --
-
-=Roden= [spöttisch]. Vortrefflich: Maschinengewehre, giftige Gase,
-bombengespickte Luftschiffe --
-
-=Scharfen= [einwerfend]. Die Abschaffung der Folter --
-
-=Roden= [kalt lachend]. Nein, lieber Freund! Ersatz der moralischen
-statt der physischen. Heute droht man jemand das Familienskelett an das
-Tageslicht zu ziehen und in den Zeitungen spazieren zu führen -- eine
-Folter, die ebenso wirkungsvoll, wie die Daumenschrauben einst, -- die
-Kritik ersetzt den Morgenstern und was das Spießrutenlaufen anbelangt,
-so verrichten die Zungen unserer stets auf der Lauer liegenden lieben
-Nächsten das wunderbar -- mit dem einzigen Unterschied, daß man früher
-absehen konnte, wo die Qual und wo der Schaden ein Ende nehmen wird -- die
-Ausdehnung und die Uebel der heutigen Folter kann niemand ermessen. Die
-Wunden des Körpers heilten leichter als wir nun unseren beschmutzten
-Namen, unsere geraubte Ehre in Ordnung bringen -- wenn es uns gelingt.
-
-=Hasselstein= [ruhig]. Wir verdanken der zunehmenden Civilisation eine
-erhabene monotheistische Religion --
-
-=Roden.= Die nichts destoweniger wie im dunkeln Mittelalter noch heute mit
-Teufelsspuk und Höllenqual droht, deren Verbreiter Geld mit Beuteln oder
-Tassen im Gotteshause selbst einsammeln, genau wie es fahrende Sänger oder
-Seiltänzer unmittelbar vor Schluß der Vorstellung tun, deren Anhänger
-des guten Tones, der Musik oder der neuen Kleider willen zur Kirche gehen
-und die sechs Tage lang mit Wonne alle zehn Gebote übertreten um am
-siebenten eine scheinheilige Miene aufzusetzen und sich aller jener
-Tugenden zu rühmen, die zu besitzen sie anderen glauben machen wollen.
-
-=Scharfen= [halblächelnd]. Großartigen Erfindungen --
-
-=Roden= [kalt]. Erfindungen, bester Herr Kollege, bedeuten erhöhten
-technischen oder rein materiellen aber deshalb noch lange nicht moralischen
-Fortschritt. Das Leben wird durch sie möglicherweise bequemer, die
-Handelsverbindungen leichter und schneller, aber diese Verbesserungen
-erhöhen leider nur unser Selbstbewußtsein ohne unseren inneren Menschen
-gleichzeitig auf eine höhere Entwicklungsstufe zu bringen.
-
-=Norry= [eifrig kochend]. Ganz richtig! Rein äußere Verfeinerung
-der Sitten, kosmopolitische Anschauungen, erhöhter Luxus, großartige
-Entdeckungen und ähnliches ist alles lange noch nicht Seelenkultur. Wenn
-die Ware nicht durch und durch reell ist, so springt die Politur schon bei
-der allerersten Gelegenheit ab.
-
-=Scharfen= [kopfschüttelnd]. Der Zeitgeist zerstört viel mehr als er
-bildet. Es ist geradezu eine Wut über die Menschheit gekommen in allen
-Werken der großen Meister, im Leben der edelsten Helden, bei unsterblichen
-Denkern und den Lehrern der erhabendsten Ideen immer und überall ein
-Fleckchen, irgend einen dunkeln Punkt zu suchen, der dann ans Licht
-gezogen, besprochen, und betastet wird, bis der winzige Fleck beinahe das
-ganze Werk, den ganzen Menschen verdunkelt.
-
-=Hasselstein= [traurig]. Ach, leider! Anstatt nach Menschenliebe streben
-alle nach größerer Pracht, nach höherer technischer Kultur, Verstand
-wird über Herz, der Schein über den Kern gesetzt. Die Kritik läßt weder
-Lebendige noch Tote in Frieden und jeder bemüht sich auf das eifrigste
-seines Nächsten Fehler zu entdecken und laut zu verkünden, statt sie
-milde zu bemänteln und großmütig zu übergehen.
-
-=Roden= [spöttisch]. Und mit welchen Stolz wir den ›Segen der
-Civilisation‹ zu den sogenannten Wilden tragen: Wir verkaufen ihnen
-Schießpulver und Gewehre, wir bieten ihnen zu hohen Preisen allerlei
-verderbliche Trinkwaren an, die ihr Leben verkürzen, ihre Gesundheit
-untergraben und in ihnen vorher unbekannte Leidenschaften erwecken.
-
-=Hasselstein= [lächelnd]. Zum Dank für solche Vorteile verdrängen wir
-sie von ihrer eigenen Scholle und lassen uns selbst dort nieder.
-
-=Scharfen= [lachend]. Ja! Die armen Wilden können uns dankbar sein, daß
-wir sie nicht wie einst mit Gewalt auf unsere Schiffe schleppen und als
-Sklaven verkaufen.
-
-=Roden= [eifrig nickend]. Wir tun etwas viel Besseres. Wir verwenden sie
-gleich als Sklaven an Ort und Stelle. Oh Fortschritt -- du gleißender
-Fortschritt! Nein, läßt mich in einem Erdstrich wohnen, wohin diese
-bewunderte Civilisation noch nicht vorgedrungen, wo Wahnsinn, Trunksucht,
-Selbstmord und Verbrechertum, wo Habgier, Neid und Verleumdung noch nicht
-zur Tagesordnung gehören!
-
-=Norry= [lachend und die Pfeife schwingend]. Es lebe das Reich der
-Pinguine!
-
-=Hasselstein= [nachdenklich]. Gott weiß es, Sie haben so unrecht
-nicht, Roden, trotz Ihrer entsetzlichen Spottlust! Hier, fern von
-den Einrichtungen bevölkerter Erdstriche fallen alle kleinlichen
-Charakterzüge wie Schuppen ab. Hier kann ein Mann nicht mehr scheinen als
-er ist. Kein Heucheln verdeckt hier den Mangel jener Eigenschaften, die zu
-besitzen man sich früher oft gerühmt haben mag -- die zu haben man sich
-möglicherweise selbst eingeredet.
-
-=Norry= [lebhaft]. Und doch entwickeln sich gerade hier oft Eigenschaften,
-das heißt schlummernde Fähigkeiten krystallisieren sich, welche zu
-besitzen man sich daheim nicht einmal geträumt hätte.
-
-=Scharfen= [eifrig zustimmend]. Stimmt! Dort war das eigene Ich immer der
-erste Faktor, hier tritt es beständig in den Hintergrund. Dort ging man
-am schreiendsten Elend kalt vorüber, weil man den Kopf mit höchst
-überflüssigen, aber im Augenblick außerordentlich wichtig scheinenden
-Kleinigkeiten vollgekramt hatte -- man hatte eben keine Zeit -- sondern
-lief blind irgend einem nichtigen Vergnügen, einer bedeutungslosen
-Belustigung nach oder beeilte sich irgend eine gesellschaftliche
-Verpflichtung anstatt jene höhere Pflicht lauterer Menschenliebe zu
-erfüllen! Hier dagegen bietet man alles auf um seinen Gefährten und nicht
-nur diesen sondern selbst den Tieren, die mit uns in Berührung kommen und
-unser Geschick teilen, die schlimme Lage nach Kräften zu erleichtern.
-
-=Roden= [sich zurücklehnend]. Zweifellos! Das Zusammengehörigkeitsgefühl
-entwickelt sich bedeutend stärker hier und geteilte Gefahren sind eiserne
-Bande. In alten Zeiten sind die einzelnen Stämme ebenso innig aneinander
-gehangen und haben stets freudige Opferwilligkeit an den Tag gelegt.
-Erst das Zusammenscharen vieler sich unbekannter und folglich einander
-gleichgültiger Menschen, die man alle wie toll auf ein gleiches Ziel
-zuhetzt und die wissen, daß sie es umso sicherer erreichen werden, je mehr
-Mitbewerber sie im Rennen niederstoßen, hat dieses Meer von Selbstsucht
-geschaffen, in dem so viele Schwache unverdienter Weise untergehen müssen.
-Auch ein Gewinn der zunehmenden Civilisation!
-
-=Hasselstein= [nach einigen Sekunden ernst]. Das ist der ewige Kampf der
-Natur, in welchem der Stärkste siegt, die Schwächeren untergehen. Dennoch
--- -- unsere Anschauungen werden andere hier draußen. Das Bewußtsein
-menschlicher Erhabenheit schrumpft gegenüber den überwältigenden Wundern
-der unberührten Natur bedeutend zusammen. Unsere Unüberwindlichkeit
-scheint uns geringer, wenn wir eben einen Schneesturm mitgemacht oder
-die riesigen Eisbarrieren betrachtet haben, die seit Jahrtausenden hier
-herumzuschwimmen scheinen und unsere Widerstandskraft dünkt uns klein,
-wenn wir die winzigen Rotiferen betrachten, die ins Eis eingefroren,
-scheinbar jahrelang tot liegen, um, wenn ein günstiger Umstand die sie
-umschließenden Eispartikel wieder schmilzt, zu neuem Leben zu erwachen,
-als wäre nichts besonderes vorgefallen. Wie gebrechlich sind wir, stolze
-Menschen, verglichen mit ihnen!
-
-=Norry= [lachend]. Unbestreitbar, trotzdem verbleibe ich lieber Mensch als
-Radtier. Der Wert des Daseins liegt eben im Bewußtsein unseres Seins.
-
-=Hasselstein= [ernst]. Manchmal möchte man gerne einige Jahre wie ein
-Radtier schlummernd zubringen, während über einen hinweg unempfunden die
-Stürme des Lebens brausen.
-
-=Roden= [erregt]. Lächerlich! Das wäre wie der Vogel Strauß seinen Kopf
-unter den Flügel stecken und hierauf glauben den Feind besiegt, den Gegner
-verscheucht zu haben. Nicht im Zurückweichen -- im Vorwärtsdringen allein
--- muß man das Ende irgend einer Mühsal suchen, da nur die Ruhe, die der
-Ueberwindung, sei es nun seiner Gegner, des Geschicks oder des eigenen Ichs
-liegt, von wahrem und dauerhaftem Wert sein kann.
-
-=Scharfen= [nickt]. Ein indischer Weise sagt: Festes Bestreben besiegt
-selbst das Geschick! Es gibt kein zwingendes ›Kismet‹ für den, der zu
-wollen gelernt.
-
-=Norry= [einlenkend]. Unzweifelhaft! Indessen bin ich überzeugt, daß uns
-nicht nur der Haß gegen die Unsitten unserer Zeit sondern auch jene
-alte Abenteuerlust herausgetrieben, die uns als Knaben schon beim ersten
-Märchen das Blut schneller durch die Adern rinnen ließ. Am Ende sind wir
-doch alle Kinder unserer Zeit. Wir verlachen herrschende Vorurteile zwar,
-bäumen uns gegen die enggezogenen Grenzen auf, aber wir wüten, nichts
-destoweniger, wenn jemand anderer es uns nachzumachen wagt. Es ist eben die
-alte Geschichte vom Balken und Splitter.
-
-=Hasselstein= [seufzend]. Wir täuschen unsere Mitmenschen zuweilen -- --
-und dies mit vollem Bewußtsein -- -- wir täuschen uns selbst viel öfter
-und ohne davon die geringste Ahnung zu haben. Vielleicht verlieren wir
-Aufrichtigkeit und Natürlichkeit so leicht, weil wir uns immer mehr und
-mehr von der Natur entfernen.
-
-=Roden= [triumphierend]. Was sagte ich?
-
-=Hasselstein= [aus dem Zelte blickend]. Hier spricht Mutter Natur in
-all ihrer Pracht und Majestät zu uns und wir fühlen ihren wohltätigen
-Einfluß nicht nur körperlich, indem wir stärker, sondern auch seelisch,
-indem unsere besten Triebe begeistert rege werden.
-
-=Scharfen= [Triebe]. Ja, Schönheit läutert. Wer könnte auf die
-herrlichen Schneegebilde, die mächtigen Eisgrotten, das flackernde
-Nordlicht blicken können und im Herzen der alte Egoist, gleichgültig
-gegen alles, was nicht ›Ich‹ ist, bleiben?
-
-=Norry= [bitter]. Wer könnte hier glauben, daß es in der Tat Menschen
-gibt, die ein treues Herz, ein ganzes langes Leben voll stillen Glücks um
-einiger lumpiger Tausender klaglos opfern können -- --
-
-=Hasselstein= [im selben Ton]. Oder daß es Leute gibt die sich an
-kleinliche Vorurteile wie der ~Octopus~ an sein Opfer klammern? [Nach einer
-Pause.] Es ist eine unleugbare Tatsache, -- wem Herd und Heim mit Glück
-und Ruhe winken, der stürzt sich nicht in unbekannte Gefahren, mag der
-Trieb dazu auch hundertmal in seiner Seele schlummern. Oft, wenn ich auf
-meinen einsamen Wanderungen ein Licht so freundlich aus einem Fenster
-strahlen sah, dachte ich mir, daß es wohl über irgend einen Teuren wache
--- -- -- ein Auge in der Nacht, das wie ein milder Führer, wie ein
-getreuer Leuchtturm dem einsamen Schiffer zeigt, wo der ruheverheißende
-Hafen winkt. Wir, denen kein solcher Leuchtturm die Fahrt auf den Strom
-des Lebens erleichtert, wir segeln planlos, uns wirft des Lebens wechselnde
-Springflut unbarmherzig auf Klippen oder öde Inseln und was wunder, daß
-so viele von uns -- -- --
-
-=Roden= [finster]. So jämmerlich untergehen! Es gehört ein guter
-Steuermann und eine feste Hand dazu ein Schiff zu steuern, das auf
-finsterem Meere treibt.
-
- [Alle rauchen eine Weile schweigend. Das Heulen des Windes nimmt zu,
- das Nordlicht verschwindet langsam. Es wird unheimlich finster.]
-
-=Scharfen= [die Hände gegen die Zeltdecke hebend]. Uns bleibt das Wissen
--- die Suche nach dem Unbekannten, dem Unerforschten und endlich das
-Bewußtsein unsere Pflicht getreu erfüllt zu haben.
-
-=Hasselstein= [aufspringend]. Wir »schaffen« und »schaffen« bedeutet
-»leben«.
-
-=Norry= [lachend]. Sagen wir mit Calderon »Das Leben ist ein Traum!«
-
-=Roden= [achselzuckend]. Oder ein ver-- Alpdrücken -- individuell
-genommen!
-
-
-3. Auftritt.
-
- [Man hört lautes Hundegebell und Stimmengewirr. Von rechts kommen
- eine Anzahl Rodel von Hunden gezogen und dicht bepackt auf die Szene.
- Mehrere Männer, die ganz vermummt sind, kommen auf Ski mit langen
- Stöcken und ganz vereisten Gewändern. Zwei Männer führen einen
- Kranken, der sich sichtlich kaum mehr auf den Beinen halten kann und
- den Hasselstein sofort auf einen Schlafsack niederlegen hilft,
- während Scharfen einen Medizinkasten bringt und etwas in einem Glase
- zusammenmischt. Norry und Roden zuerst, später Hasselstein, helfen die
- Hunde abkoppeln und abführen, nehmen die Schlittenverpackung herab und
- Norry füllt gleich viele Schüsseln mit dampfender Suppe.]
-
-=Hasselstein= [indem er eifrig mithilft]. Dem Himmel sei Dank, daß
-Ihr endlich zurückgekehrt! Wir gaben uns schon den allerernstesten
-Befürchtungen hin, denn die lange Polarnacht mit ihren Schrecken steht
-dicht vor der Türe.
-
-=Kapper= [ernst, indem er die Ski abschnallt]. Ihre Befürchtungen,
-Hasselstein, hätten sich bei einem Haar bewahrheitet. Die meisten von
-uns sind mehr oder weniger schneeblind geworden, und trotz der
-Mitternachtssonne und des steigenden Thermometers hat Meroff die Zehen
-beider Füße eingebüßt, denn das lange Marschieren im auftauenden
-Schnee, verbunden mit dem plötzlichen Fallen der Temperatur so oft
-ein Schneesturm im Anzug war -- alles dies hat die Mühsal unserer
-Entdeckungsreise sehr erhöht. Ich fürchte, Meroff wird beide Füße
-verlieren.
-
-=Johansson= [ernst]. Der Arme wird seine Heimat nicht wiedersehen -- es
-geht schnell abwärts mit ihm.
-
-=Hasselstein= [die anderen unterstützend]. Erreichten Sie den Beardmore
-Gletscher?
-
-=Granelli= [lebhaft]. Und ob! Wir machten auch viele wertvolle
-Aufzeichnungen und hatten großen Vorteil von diesem Ausflug vom
-wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wenn nur beim Rückmarsch
-die Schwierigkeiten nicht geradezu unübersteiglich geworden wären, erst
-da -- [er schweigt].
-
-=Johansson= [eifrig]. Die letzten vierzehn Tage waren die allerschlimmsten.
-Die Lebensmittel gingen zu Ende, mit dem Thranvorrat war es Schluß und
-was es heißen will mit nassen Füßen ohne etwas wärmendes in den Leib zu
-bekommen in den Schlafsack zu kriechen, das kennen Sie Hasselstein! Ein Wal
-war nicht zu erjagen, Meroffs Füße wurden täglich schlimmer, Skorbut war
-schon im Anzug, die Polarnacht näherte sich mit Riesenschritten. -- Ich
-glaubte wahrlich nicht Euch alle wiederzusehen, Kameraden.
-
- [Alle schütteln einander warm die Hände und rufen durcheinander.]
-
-Willkommen bei uns! Willkommen Freunde, in unserer Mitte!
-
-=Hasselstein= [nach einer Pause]. Wie war der Weg im allgemeinen?
-
-=Kapper= [kopfschüttelnd]. Die ersten Tagreisen waren so leidlich aber
-dann -- schauerlich! Wir sanken in der Regel bis zu den Knien in den
-weichen auftauenden Schnee, konnten uns überhaupt nur Dank der Ski auf
-der Oberfläche erhalten und bald mußte der eine, bald der andere von
-uns zurückeilen um den Hunden mit den Rodeln über eine schwere Stelle zu
-helfen. Drei Tiere sind uns schon eingegangen, zwei weitere mußten wir
-als Nahrung für die übrigen opfern und an ihrer Stelle selbst den Rodel
-ziehen.
-
-=Johansson= [den letzten Schlitten mit Hilfe der anderen abpackend und die
-Sachen in die Schneehütte tragend, während die anderen Fremden schon im
-Zelte auf den Schlafsäcken sitzen und sich die Suppen schmecken lassen,
-die Norry eifrig ausschenkt]. Oft brauchte es eine halbe Stunde, oft
-länger, bevor wir des Morgens unser Schuhzeug wieder auf die gefrorenen,
-hochgeschwollenen Füße zwingen konnten.
-
-=Hasselstein= [mitleidig]. Welch Leiden liegen hinter Euch!
-
-=Johansson= [abwehrend]. Bah! Wir haben alle unsere Leiden mitzumachen --
-wir dort -- Ihr hier. Da ist die versprochene Beute! [Er reicht Hasselstein
-einige Vögel.] Zwei Königspinguine, drei Sturmvögel und einen weißen
-und einen schwarzen Albatroß. Was sagen Sie dazu?
-
-=Hasselstein= [ihm warm die Hand schüttelnd]. Großartig! Tausend Dank!
-Sie sollen einst das Museum Kringhausens zieren. Ich habe auch hier das
-Leben und Treiben der Pinguine studiert und muß sagen, daß die Damen von
-Kringhausen selbst nicht neugieriger sind als diese befiederten Bewohner
-der Antarktis und was das heißt --
-
-=Johansson= [lachend; indem er alle Rodel mit Hilfe Hasselsteins
-aufeinandertürmt]. Bewahre! Weiß ich's etwa nicht? Ich habe zu meiner
-Zeit auch einige Erfahrungen mit bezug auf das zarte Geschlecht
-gesammelt -- was zum Beispiel meine Alte -- Gott hab' sie selig! -- nicht
-herausgefunden hat -- Nu, lassen wir's gut sein. Man sagt zwar, Wiedersehen
-macht Freude, aber was mich betrifft, so bitte ich, daß mir diese Freude
-noch recht lange erspart bleibt.
-
-=Vickers= [kommt aus dem Zelt]. Meroff ist in unruhigen Schlummer verfallen
--- seine Beine sind bis hinauf geschwollen -- der erste, der uns verläßt.
-
-=Hasselstein= [nach kurzer Pause]. Und Sie, alter Freund, können die Augen
-kaum offen halten.
-
-=Vickers= [abweisend]. Oh ich? Ich bin nur schneeblind -- das wird sich
-bald geben. [Er geht in das Zelt zurück.]
-
- [In diesem Augenblick kommt ein entsetzlicher Windstoß dahergefahren.
- Das Brausen des Meeres ist unheimlich gewachsen, das Eis knarrt, der
- Sturm heult, so daß man keinen anderen Laut hören kann, kleinere
- Eisstücke rollen über die Szene, der Schnee wird aufgewirbelt.]
-
-=Hasselstein= [zieht so schnell er nur kann eine zweite Hülle über das
-Zelt, Norry hilft ihm]. Schnell, schnell! Der Schneesturm naht. [Er bindet
-die Hülle fest.]
-
-=Norry= [lebhaft]. Ins Zelt, ins Zelt!
-
- [Während Hasselstein die letzte Hand an das Zelt legt, hat Norry die
- Tür des Zeltes zugezogen. Die ganze Szene ist dunkel, der Sturm heult
- graueneinflößend und während der Vorhang langsam sinkt, braust eine
- ungeheure Schneewolke über die Bühne hin, so daß alles im Nu weiß
- erscheint.]
-
-
-Ende des ersten Aktes.
-
-
-
-
-2. Akt.
-
-
- [Ein elegant ausgestattetes Zimmer. In der Mitte der Szene ein
- Spieltisch, an dem vier ältere Damen sitzen. Zwischen zwei und zwei
- Spielern steht ein stummer Diener mit Liqueurgläsern und Backwerk.
- Links und rechts eine Tür. An der Wand im Hintergrund eine Kredenz mit
- Obst und anderen Dingen. In den Ecken hübsche Figuren aus Gyps, an der
- Wand hängt ein Vogelhaus und kleine Tischchen mit Stühlen stehen
- da und dort. Bilder und Spiegel an den Wänden. Alles spricht von
- Wohlstand, aber alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.]
-
-
-1. Auftritt.
-
-=Frau Zungrapp= [lebhaft]. Wer spielt aus?
-
-=Frau Krickenfeld= [lächelnd]. Immer die, die fragt!
-
-=Zungrapp.= Will' mal sehn, wer mein Partner ist.
-
-=Frau Hasselstein= [zerstreut]. Was wurde gerufen?
-
-=Zungrapp= [lebhaft]. Herz! Bitte nur nicht in meine Karte zu schauen!
-
-=Krickenfeld= [zieht den Wurf heftig an sich und küßt sich die
-Fingerspitzen]. Gott sei Dank, der König wäre glücklich zuhause. Ich
-fühle mich nie ruhig, bevor ich ihn geborgen weiß.
-
-=Zungrapp= [besorgt das Haupt schüttelnd]. Ob ich meinen Pagat wohl werde
-retten können?
-
-=Krickenfeld= [nachdenklich]. Wo nur der Mond steckt? [Nach kurzer Pause.]
-Also der Herr Sohn ist wieder in Kringhausen?
-
-=Hasselstein= [froh]. Ja, Hans Georg ist vor einer Woche angekommen. Man
-hat ihn festlich empfangen und in der »Gelben Schwalbe« wurde ihm zu
-Ehren sogar ein Festessen veranstaltet. Zwei Universitätsprofessoren waren
-anwesend und außerdem der gesamte Lehrkörper des hiesigen Gymnasiums --
-auch andere Honoratioren Kringhausens --
-
-=Krickenfeld= [die Hand ausstreckend]. Mir gehört der Stich, bitte! --
-Ja, ja, es muß schön sein einen so berühmten Sohn zu besitzen, der am
-Südpol gewesen, allerlei Meerungeheuer und ähnliche Dinge gesehen hat --
-zwar =praktischen= Wert -- [sie schweigt].
-
-=Zungrapp= [scharf]. Die heutige Jugend, liebste Peleponesia, denkt nicht
-an die praktische Seite des Lebens: So lange nur ein Mamatscherl die
-Moneten gibt -- [jubelnd] Pagat ultimo! meine Damen. [Sie rafft den Stich
-an sich.]
-
-=Die drei anderen Damen.= Waaaaaaaas?
-
-=Hasselstein= [ärgerlich]. Natürlich: So geht es immer. Hätten Sie,
-beste Frau Inspektor, besser achtgegeben, so hätten wir jetzt nicht den
-Pagat verloren.
-
-=Holzheim= [sich eifrig verteidigend]. Mit nichten, Frau Oberst, wenn Sie
-nicht den König gleich zu Anfang des Spieles so leichtsinnig ausgespielt
-hätten, so --
-
-=Hasselstein= [noch gereizter]. Sie hätten eben kleine Tarockspiele nicht
-mit dem Mond und dem Zwanziger stechen sollen, da hätten Sie später auch
-noch --
-
-=Holzheim= [mit lauter Stimme, heftig gestikulierend]. Wenn Tarock
-ausgespielt wurden, mußte ich den Mond hergeben -- ich hatte ja nur vier
-Tarock --
-
-=Hasselstein= [noch lauter]. Was sagte ich -- Sie spielen und haben kein
-Blatt --
-
-=Zungrapp= [die beiden überschreiend]. Bitte, meine Damen, dreißig Heller
-per Person --
-
-=Holzheim= und =Hasselstein= [zugleich]. Wie dreißig Heller? Nicht
-möglich, der Pagat kostet bloß --
-
-=Zungrapp= [sich stolz zurücklehnend mit Nachdruck]. Pagat ultimo!!!!
-
-=Hasselstein= [zahlt in Spielmarken aus]. Bitte, bitte, da sind schon die
-dreißig Heller. In Zukunft aber, beste Frau Inspektor, bitte mich nicht zu
-rufen, wenn Sie keine Karten haben. Man darf seinen Partner nicht auf diese
-Weise ins Verderben locken.
-
-=Holzheim= [lebhaft]. Wie? Ich habe den Mond und den Zwanziger und --
-
-=Hasselstein= [ihre Rede unterbrechend]. Und nichts weiter gehabt. Wir
-mußten verlieren!
-
-=Zungrapp= [während die andern lachen]. Bitte zu geben, Frau Oberst, --
-nächstes Spiel. [Es tritt eine momentane Stille ein, während alle die
-erhaltenen Karten prüfen.]
-
-=Hasselstein= [mit Siegermiene]. Ich spiele einen Solo! Was sagen die
-Damen?
-
-=Alle.= Passe! Unterm Tisch! Gut!
-
-=Hasselstein= [betrachtet ihren Kauf]. Den Achten! [Das Spiel beginnt.]
-
-=Zungrapp= [seufzend]. Ja, was du früher sagtest, meine teure Peleponesia,
-ist allerdings richtig. Praktischen Wert hat so eine Südpolfahrt wohl
-nicht. Das kostet nur Geld -- viel Geld -- es bringt zwar Ehren ein, aber
-nicht wahr, liebe Frau Oberst, mit Ehren allein kann man keinen Haushalt
-gründen und bei einem jungen Manne handelt es sich vorallem darum schnell
-sein eigenes Nest bauen zu können.
-
-=Hasselstein= [seufzend]. Ach ja! Aber daran will Hans Georg nicht denken.
-Er hat eben seine eigene Anschauungen!
-
-=Krickenfeld= [ihre Karten faltend und entfaltend]. Man sagt -- aber -- hm,
-mich betrifft es ja nicht! Ich gehöre nicht zu jenen, die ein Gerücht von
-Haus zu Haus tragen -- freilich, die Ohren verstopfen gegen das, wovon die
-ganze Stadt spricht, kann kein Mensch. Nein, ich habe aber wirklich ein
-elendes Blatt! Nicht einen einzigen Stecher!
-
-=Holzheim= [lächelt vergnügt]. Meine Damen, ich sage die »Trull« an.
-[Mit wichtiger Stimme.] Auch mir sind gewisse Gerüchte zu Ohren gekommen,
-aber --
-
-=Krickenfeld= [ihre Karten betrachtend]. Du meine Güte, Frau Oberst, ich
-habe nicht einen Stecher -- wie --
-
-=Zungrapp= [streng]. Nichts aus der Schule plaudern -- [Sie nickt mehrmals
-mit dem Haupte.] Ach, teure Peleponesia, es ist ein altes Sprüchwort: Es
-ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch einmal an die Sonnen.
-
-=Krickenfeld= [rasch]. Soll ich oder soll ich nicht? Ich wag's: Ich sage
-König ultimo an.
-
-=Alle.= Gut, gut!
-
-=Zungrapp= [schüttelt mißbilligend das Haupt]. Und vor kaum einer Minute
-sagst du, daß du keinen Stecher hast. Ach, Peleponesia: [Sie droht ihr mit
-dem Finger.] Ja, ja, man erzählt sich, doch -- uns geht alles das nicht
-an. Pardon: War das eben der Sechzehner, der ausgespielt wurde? Gut: Den
-kann ich gerade noch überstechen.
-
-=Holzheim= [ärgerlich zu Krickenfeld]. Jetzt haben Sie zu niedrig
-ausgespielt, beste Frau Kommerzienrat: Auf diese Weise werden wir das Spiel
-verlieren.
-
-=Hasselstein= [lachend]. Tut gar nichts, liebe Frau Inspektor, da gewinnen
-wir es. [Man spielt eifrig.] Was sagt man eigentlich? Sollte jemand etwas
-Nachteiliges über meinen Sohn geäußert haben?
-
-=Zungrapp= [bewegt die Karten]. So ein berühmter Gelehrter: -- ein
-Südpolforscher: -- indessen -- mein Gott, die Menschen sind einmal
-neidisch -- böswillig --
-
-=Krickenfeld= [seufzt tief auf]. Ach, verehrteste Freundin, die Welt ist
-voller Tücke: Besonders wenn es sich um eine hervorragende Persönlichkeit
-handelt --
-
-=Holzheim= [triumphierend]. Der Mond geht nach Hause, der Mond geht nach
-Hause: Was man sagt? Ach, liebste Frau Oberst, nur unsere aufrichtige
-Freundschaft für Sie vermag --
-
-=Alle drei Damen= [die Karten wie zum Schwur erhebend] unsere bewährte
-vieljährige Freundschaft --
-
-=Holzheim= [jubelnd]. Der Pagat: Dem Himmel sei Dank: Ja, und unser warmes
-Interesse für Ihren berühmten Herrn Sohn --
-
-=Krickenfeld= [zur Decke aufsehend]. -- den wir schon liebten als er noch
-in Röckchen herumging --
-
-=Zungrapp= [mit süßer Stimme]. -- den wir mit innigsten Interesse
-aufwachsen sahen --
-
-=Holzheim= [einen Wurf an sich raffend]. -- vermag uns eine leise -- eine
-ganz leise -- die allergeringste Andeutung zu machen, daß -- daß --
-
-=Zungrapp.= -- daß -- es fällt uns allen schwer eine so äußerst
-delikate Frage zu berühren --
-
-=Krickenfeld= [eifrig]. Ja, man hat wirklich die Unverschämtheit zu
-behaupten -- natürlich, nur eine Verleumdung -- die Welt ist leider so
-verderbt --
-
-=Holzheim= [seufzend]. Ja, verehrteste Frau Oberst, man ist der absurden
-Anschauung --
-
-=Krickenfeld= [sich in die Brust werfend]. Das heißt unwissende Leute --
-wir haben nie daran geglaubt --
-
-=Holzheim= [eifrig]. -- böswillige Zungen --
-
-=Zungrapp= [verächtlich]. -- Menschen, die immer auf der Lauer liegen
-irgend einen Skandal zu entdecken --
-
-=Hasselstein= [die Augenbrauen hochziehend]. Einen Skandal? Meinen Sohn
-betreffend?
-
-=Holzheim= [sich zurücklehnend und das Spiel unterbrechend]. Beste Frau
-Oberst, wir sind eben noch nicht so modern -- so ultramodern wie der Herr
-Sohn -- In Kringhausen hält man sich noch an die strengen Sittenbegriffe
-unserer eigenen Jugendzeit, das ist heutzutage natürlich veraltet --
-ich weiß -- aber Leute finden es hier eben -- ja, überraschend,
-hochgeschätzte Freundin -- daß --
-
-=Zungrapp.= -- daß Ihr berühmter -- Ihr trefflicher Sohn -- daran denken
-könnte --
-
-=Krickenfeld.= -- daß er sich dazu bestimmen ließe --
-
-=Holzheim.= -- imstande sein würde -- [plötzlich jubelnd] Gewonnen, --
-gewonnen: Wir haben die »Trull«, wir haben Pagat ultimo!
-
-=Krickenfeld= [sieht durch ihre Karten]. Wir haben zwei Stiche und einen
-König.
-
- [Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.]
-
-=Hasselstein= [nach einer Pause, scharf]. Wozu könnte Hans Georg sich
-entschließen?
-
-=Holzheim= [seufzt tief auf, die anderen tun desgleichen]. Ach, beste
-Freundin, die liberalen Anschauungen des Herren Sohnes geben leider zu
-allerlei unbegründetem -- ich bin fest überzeugt ganz unbegründetem
-Gerede Anlaß -- man meint, er könnte sich hinreißen lassen -- ja, viele
-Leute gehen dahin zu behaupten es sei eine schon beschlossene Sache --
-dieses -- Mädchen --
-
-=Hasselstein= [finster]. Welches Mädchen? Ich verstehe nicht --
-
-=Krickenfeld.= Bitte anzusagen -- was ist gerufen? Ja, es handelt sich um
--- meine Lippen sträuben sich den Namen dieser unglücklichen Gefallenen
-auszusprechen -- kurz, um Berta Heller!
-
-=Holzheim.= Einen Dreier mit Herz: Was liegt im Talon? Ja, eben -- man --
-böse Zungen -- gehen so weit anzudeuten, daß der Herr Sohn noch immer --
-man erinnert sich an seine frühere Verblendung -- die Absicht haben soll
-an eine Verbindung mit --
-
-=Zungrapp.= Es liegt wunderschön: Der Mond und zwei Könige!
-
-=Krickenfeld= [munter]. Und nicht einmal der Gerufene -- das nenne ich
-Glück!
-
-=Holzheim.= Das lasse ich mir gefallen: Ach, beste Frau Oberst, so ist es.
-Man meint wirklich allgemein --
-
-=Zungrapp= [mit Pathos]. -- die ganze Stadt spricht davon --
-
-=Krickenfeld.= -- daß Berta Heller die Schwiegertochter --
-
-=Hasselstein= [entschieden]. Niemals! Geschwätz der Leute meine Damen, --
-mein Sohn kann und wird nie vergessen, was er dem Namen seines toten Vaters
-schuldet.
-
-=Zungrapp= [süß lächelnd und einschmeichelnd]. Und dem seiner
-hochgeachteten allseitig geschätzten Mutter!
-
-=Hasselstein= [rafft erbittert ihren Wurf zusammen]. Er würde es nie wagen
-mir eine solche Schwiegertochter in das Haus zu bringen -- meine Ansicht
-kennt er --
-
-=Alle drei= [lebhaft beteuernd]. Natürlich nicht! Ganz und gar
-ausgeschlossen! Gewiß nicht!
-
-=Krickenfeld.= Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.
-
-=Zungrapp.= Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen, so ist ihnen
-daheim nichts mehr recht [sie gibt sich einen Klaps auf den Mund]. Es ist
-nicht mein Sohn --
-
-=Holzheim.= Der Herr Sohn hat eben so sehr moderne Anschauungen -- ein
-Gelehrter -- natürlich -- aber -- [sie seufzt].
-
-=Krickenfeld= [lebhaft]. Wir schätzten die vielen Vorzüge des Herrn
-Professors sehr hoch --
-
-=Holzheim.= Mein Pagat! O Jammer, er ist fort, er ist dahin! Wir sind eitel
-Bewunderung seiner -- seiner -- Tugenden -- nur -- nur --
-
-=Zungrapp.= Wie? Ist der Mond noch nicht ausgespielt?
-
-=Hasselstein.= Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen! Sie wissen
-nie, was ausgespielt wurde, Frau Professor --
-
-=Zungrapp= [gekränkt]. Ich zähle sie immer, aber wenn einmal fünfzehn
-oder sechzehn draußen sind -- so -- so verliere ich manchmal den Faden.
-Trotzdem sagt Hofrat Glaubig immer, daß ich ganz vortrefflich --
-
-=Krickenfeld= [die Hände zusammenschlagend]. Wie, lebt dieser wandelnde
-Leichnam noch? Dem zahlt die Regierung seine Pension sicher schon seit
-vierzig Jahren.
-
-=Holzheim.= Und seine Tochter? Die hat vorzeiten trotz ihres kranken
-Beinleins auch manche Seitensprünge gemacht. Ha, ha, ha!
-
-=Zungrapp.= Jetzt muß sich dieses Gerippe auch den Fünfzigern nähern.
-Eine Vogelscheuche erster Klasse.
-
-=Krickenfeld= [entsetzt]. Gestochen? Mein König? Wie ist denn das
-möglich?
-
-=Hasselstein= [trocken]. Weil erst neunzehn Tarock ausgespielt sind. Und
-was ist aus dem verrückten Sohne geworden?
-
-=Zungrapp= [wichtig]. Oh der? Der hat auch so manches Vergehen auf dem
-Kerbholz -- er sollte wohl eigentlich in das Gefängnis geworfen werden,
-aber des alten Herrn wegen hat man ihn lieber irrsinnig erklärt.
-
-=Krickenfeld= [verzweifelt]. Jetzt ist unser König auch verloren! Frau
-Oberst tragen daran die Schuld!
-
-=Hasselstein= [heftig]. Ich?? Ich kann die Tarock zählen -- Gottlob
-[großer Lärm, alle schreien durcheinander].
-
-=Holzheim= [erregt]. Sie hätten nicht Herz ausspielen sollen, als --
-
-=Zungrapp= [gibt]. Bitte, nur schöne Blätter, meine Herrschaften!
-
-=Krickenfeld= [ihre Karten musternd]. Lassen Sie sich Ihre Handerl
-vergolden für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben.
-
-=Holzheim= [lebhaft]. Wird etwas angesagt?
-
-=Zungrapp= [legt die Karten zusammen]. Ich sitze unterm Tisch.
-
-=Krickenfeld.= Passe.
-
-=Hasselstein.= Spielt niemand? Da wage ich einen Zweier. Treff!
-
-=Zungrapp= [lachend]. Wie kühn unsere Frau Oberst plötzlich geworden ist.
-Da hat sie gewiß in unsere Blätter geschaut.
-
-=Hasselstein= [tut entrüstet]. Aber meine Damen [alle lachen].
-
-=Holzheim.= Und ich sage alle Könige an -- hoffentlich bringe ich sie
-glücklich wieder nach Hause [alle spielen eifrig].
-
-=Hasselstein= [mit einer Handbewegung]. Bitte sich doch zu bedienen, meine
-verehrten Damen. Ich glaube der Liqueur ist nicht schlecht -- mein Sohn hat
-ihn von der Reise mitgebracht.
-
-=Alle.= Aaaaaah! [sie kosten und nicken hierauf befriedigend].
-Vortrefflich! ~Quel goût! Excellent!~
-
-=Holzheim= [sich bedienend]. Ich muß einen Anisbogen nehmen. Die gute Frau
-Oberst macht wahre Meisterstücke an Geschmack.
-
-=Zungrapp= [einschmeichelnd]. Nein, diese Dattelbusserl sind meine
-Lieblinge. Meine Zähne erlauben mir nicht mehr den Genuß von hartem
-Backwerk. Was für Zukunftspläne hat der Herr Sohn?
-
-=Krickenfeld= [leise zu Holzheim]. Sie hat nicht einen eigenen Zahn im
-Munde -- lauter Kuckuckseier!
-
-=Holzheim= [vertraulich]. Ich habe drei falsche -- sonst nur meine eigenen
--- ich bin aber auch um zehn Jahre jünger.
-
-=Zungrapp= [unterdessen leise zu Hasselstein]. Wie schrecklich alt und
-verfallen die gute Holzheim aussieht und doch bin ich selbst nur drei Jahre
-jünger [laut]. Heutzutage weihen uns die Kinder nicht mehr in ihre Pläne
-ein -- die Eltern um Rat zu fragen ist nicht mehr Sitte -- aber ich frage,
-weil wir den jungen Herrn eben wie unser eigenes Kind --
-
-=Alle= [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen. [»Ich muß noch etwas
-nehmen« -- »ich auch« schwirrt es durcheinander. Alle essen und trinken
-eifrig.]
-
-=Hasselstein.= Es freut mich, wenn es den Damen schmeckt. Mein Sohn weiß
-das Wohlwollen der Damen zu schätzen und ich nicht minder. Was seine
-Zukunft betrifft, so wäre es mein Wunsch, daß er die Stelle als Professor
-der Zoologie am hiesigen Gymnasium annehmen würde. Indessen spricht man
-selbst von einer Oeffnung an der Universität in --
-
-=Krickenfeld=. Wirklich? Ach, da wäre eine Heirat mit -- mit Berta ein
-Unglück für ihn, denn niemand könnte mit ihm in gesellschaftliche
-Beziehungen treten, weder hier noch in seiner neuen Heimat. Man kann auch
-schlechterdings die Erziehung der aufwachsenden Jugend nicht einem Manne
-anvertrauen, der sich über die herrschenden Grundsätze hinwegsetzt. Ach,
-teuerste Frau Oberst, machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend --
-halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück! Ein Mädchen, das nun einmal das
-Unglück gehabt hat -- ja, man kann die Welt nicht auf den Kopf stellen --
-ist eben verloren!
-
-=Hasselstein= [ernst]. Mein Sohn schließt gewiß nie eine Ehe mit einer
-ihm unwürdigen Frau. Leider will er jedoch keine bindende Stellung --
-vorderhand wenigstens noch nicht -- annehmen.
-
-=Holzheim= [trinkt langsam]. Dieser Liqueur ist in der Tat vorzüglich. Und
-erst dieses Backwerk! Unsere liebe Frau Oberst gehört eben noch der alten
-Schule an, wo eine Hausfrau und Gattin vorallem kochen können mußte.
-In meinem Elternhause, wo täglich Gäste eintrafen, wo das Wild und
-Geflügel --
-
-=Zungrapp= [lebhaft]. Beste Frau Inspektor, wenn Sie gar in meinem
-Elternhause gewesen wären, wo Fürsten und Prinzen --
-
-=Krickenfeld= [macht eine Handbewegung]. Alles das ist nichts gegen den
-Aufwand, die Herrlichkeiten an Speise und Trank meines seligen Onkels des
-Erzbischofs --
-
-=Holzheim= [sie erregt unterbrechend]. So viele Backhühner, wie bei uns
-hat man im ganzen Bezirk nicht gegessen und unsere Kirschpoganzen --
-
-=Zungrapp= [sie unterbrechend]. In unserem Elternhause hatten wir täglich
-wenigstens vier verschiedene Weingattungen auf dem Tisch und zu den
-Festtagen --
-
-=Krickenfeld= [mit vor Erregung zitternder Stimme]. Bei meinem seligen
-Onkel, dem Erzbischof --
-
-=Holzheim.= Die Gänse wurden in meinem Elternhause so gut gefüttert wie
-nirgends sonst im Lande und was die Weingattungen betrifft --
-
-=Krickenfeld= [einfallend]. Mein seliger Onkel der Erzbischof ließ den
-Champagner immer direkt von Frankreich kommen --
-
-=Zungrapp= [lebhaft]. Ans Spiel, meine Damen. Ja, zu der Zeit wurde die
-Kochkunst viel höher geschätzt als heute. Jedes Mädchen selbst aus dem
-vornehmsten Hause, mußte kochen können. Sehen Sie einmal mich an --
-
-=Krickenfeld= [einfallend]. Mein seliger Onkel, der Erzbischof, hielt
-strenge darauf, daß ich --
-
-=Holzheim.= Unser Elternhaus genoß in der Hinsicht einen solchen Ruf, daß
-die Freier scharenweise zu unseren Eltern kamen. Damals war man noch nicht
-so modern, das man sich selbst einen Mann wählte -- das taten die Eltern.
-
-=Zungrapp= [bitter]. Welches Mädchen wird heute angehalten in der Küche
-mitzuhelfen -- alles will nur studieren -- will modern sein.
-
-=Hasselstein= [spielend]. Ja, leider! Heutzutage muß ein Mädchen dagegen
-Tennisspielen, Rollschuhlaufen und ähnliche Sachen können, muß allerlei
-unnützes Zeug lernen und will dann, ganz wie ein Mann, ins Leben hinaus.
-
-=Zungrapp= [langsam nickend]. Wobei sich mancher Falter die Flügel
-versengt. Das Heim geht verloren, die Heiraten nehmen ab und Kinder sind
-schon ganz und gar unmodern. Ich bitte, wie soll ein Mann auch Lust und
-vor allem die Mittel haben ein Mädchen von heute zu heiraten? Hunderterlei
-Ansprüche, keine Kenntnisse, keine Pflichten, wenigstens zwei Dienstboten,
-eine ganze Flucht von Zimmern, jeden Sommer eine Badereise, jede Saison
-mindestens drei Hüte --
-
-=Krickenfeld= [mit Nachdruck]. Und keine Kinder, -- nicht zu vergessen! Hat
-eine Frau einmal eins oder zwei, so muß sie schon ins Bad, braucht eine
-Kur, muß ein halbes Jahr unter ärztlicher Behandlung stehen und setzt
-eine Märtyrermiene auf. Sehen Sie mich an! Ich hatte zwölf lebende
-und vier tote Kinder und ich bin nie länger als vierzehn Tage im Bette
-gelegen.
-
-=Holzheim= [die Karten zusammenraffend]. Gewonnen, gewonnen Frau Oberst!
-25 Heller zu bezahlen.
-
- [Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.]
-
-=Krickenfeld.= Mein seliger Onkel, der Erzbischof, pflegte immer zu sagen:
-Frauen und Oefen gehören in das Haus.
-
-=Zungrapp.= Herz gerufen? Heute hat man die Oefen und die Frauen -- außer
-dem Hause.
-
-=Krickenfeld= [süßlich]. Um auf das herzige Bürschchen -- Pardon!
-Pardon! -- den berühmten Südpolforscher zurückzukommen -- so wissen
-Frau Oberst, daß wir die mütterlichsten Gefühle für ihn hegen -- so ein
-Frauenherz ist einmal gegen alle von Liebe erfüllt -- und deshalb erlauben
-wir uns zu sagen, daß ein junger Mann -- und trotz seiner hervorragenden
-Eigenschaften ist der liebe Herr Professor noch so jung -- manchmal des
-Rates bedarf. In höchster Erregung. Wie? Ist der Mond verloren?
-
-=Zungrapp= [gelassen]. Schon vor drei Stichen führte ich ihn nachhause.
-Warum will der Herr Sohn die Stelle nicht annehmen?
-
-=Hasselstein= [mißmutig]. Er will zuerst ein Buch herausgeben, das die
-Beschreibung seiner Fahrt und der von ihm gemachten Entdeckungen enthält.
-
-=Frau Zungrapp.= Ein Buch!!! Soooo interessant -- aber -- glaubt der Herr
-Sohn finanziellen Nutzen daraus ziehen zu können? Ich erlaube mir nur
-diese Frage, beste Frau Oberst, will jedoch nicht einen einzigen Augenblick
-andeuten --
-
-=Krickenfeld= [süßlich]. Wir zweifeln nicht, daß das Werk vortrefflich
-geschrieben sein wird, aber wir meinen nur, daß ein wissenschaftliches
-Werk in Kringhausen -- Mein Gott, solche Arbeiten liest eben kein Mensch
-[sie schlägt sich auf den Mund] -- ich will sagen, so eine Arbeit wird
-nur von auserlesenen Geistern gelesen -- in Bibliotheken und so weiter --
-aber nicht oft gekauft.
-
-=Holzheim= [achselzuckend]. Der Büchermarkt ist eben so überfüllt!
-
-=Hasselstein= [spitz]. Nicht mit Werken über den Südpol und die Antarktis
-überhaupt.
-
-=Alle= [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst! Teuerste Freundin!
-
-=Krickenfeld= [ihre Hand drückend]. Bitte unsere Anmerkungen nicht
-mißzuverstehen. In uns hat der Herr Sohn seine eifrigsten Bewundererinnen,
-aber wir sind eben der Ansicht, daß -- daß die Verfasserlaufbahn keine
-sichere Versorgung für einen heiratsfähigen Mann ist -- indessen hat ja
-das Mamatscherl --
-
-=Zungrapp= [tröstend]. Schon aus Höflichkeit für die Verwandten des
-Herrn Professors wird man einige Exemplare kaufen --
-
-=Hasselstein= [spitz]. Dessen bedarf es nicht. [Eine kurze, peinliche Pause
-entsteht. Das Spiel wird wieder aufgenommen.]
-
-
-2. Auftritt.
-
- [Der junge Hasselstein tritt ein.]
-
-=Alle Damen= [strecken ihm lebhaft die Hände entgegen]. Ach, da kommt
-unser lieber, unser berühmter Südpolforscher! Willkommen, Willkommen!
-
-=Hans Georg= [küßt jeder der Damen die Hand]. Ich bitte sich nicht
-stören zu lassen.
-
-=Krickenfeld= [süß]. Lieber Herr Professor, wer kann von einer Störung
-sprechen -- wir sind entzückt Sie wiederzusehen. [Es wird mit viel Lärm
-ausgezahlt.]
-
-=Holzheim.= Von einer Störung kann hier gar nicht die Rede sein, wir haben
-uns ja schon so sehr auf das Wiedersehen gefreut.
-
-=Zungrapp= [ihm mit dem Finger drohend]. Bei mir ist mein alter Freund noch
-nicht gewesen!
-
-=Hans Georg= [während die Damen aufbrechen]. Ich werde nicht verfehlen --
-ich war nur so überaus in Anspruch genommen.
-
-=Zungrapp= [lächelnd]. Ich kann es mir wohl denken -- alle Professoren und
--- man hat immer auch andere Bekanntschaften --
-
-=Krickenfeld= [sie beim Arm fassend]. Liebe Emilie, die Frau Oberst muß
-sich danach sehnen mit Ihrem gefeierten Sohne ein wenig zu plaudern. Da
-sind wir überflüssig. Komm!
-
-=Holzheim= [während ihr Hans Georg in den Mantel hilft]. Ach so ein in
-Liebe pochendes Mutterherz! Aber wie hübsch er geworden ist! [Ihn von
-allen Seiten betrachtend, einschmeichelnd.] Darf ich Ihnen als alte, gute
-Freundin einen Kuß geben?
-
-=Zungrapp= [ihn betrachtend, während Fr. Holzheim ihn küßt]. Und was
-für einen schmucken Schnurrbart er hat! Er ist nicht umsonst am Südpol
-gewesen! Das nächste Mal aber, beste Frau Oberst, bringe ich mein
-bescheidenes Abendbrot mit und werde dann Ihren hochinteressanten Sohn
-mit Fragen bestürmen. -- Sie ahnen ja nicht, welches tiefe Interesse mich
-durchglüht, Sie lieber Herr Professor, von Ihnen die nähere Beschreibung
-der Paradiesvögel zu erhalten, die am Südpol --
-
-=Hans Georg= [trocken]. Paradiesvögel gibt es leider keine in der
-Antarktis, meine Gnädigste!
-
-=Zungrapp= [verwundert]. Nicht? Was Sie nicht sagen? Ich meine jene Vögel,
-die immer auf zwei Beinen gehen.
-
-=Hans Georg= [leise]. Ja, auf vier können sie nicht leicht gehen. [Laut.]
-Gnädige Frau meinen wohl --
-
-=Krickenfeld= [lebhaft]. -- die antarktischen Pelikane. Von denen habe ich
-auch gelesen. [Sie knöpft eifrig ihre Handschuhe zu, die anderen Damen
-haben auch umständlich eine Menge Kleider und Pelzsachen angelegt.]
-
-=Hans Georg= [lächelnd]. Gnädigste sprechen gewiß von den Pinguinen.
-
-=Krickenfeld= [triumphierend]. Siehst du, liebste Emilie, ich hatte es
-erraten -- mit »P« wenigstens fängt auch mein Wort an.
-
-=Holzheim= [neugierig]. Nun behalten wir Sie wohl in in unserem schönen
-Kringhausen, nicht wahr, Herr Professor! Beim Mamatscherl ist's eben am
-besten!
-
-=Hans Georg= [die Stirne runzelnd]. Ich hoffe bleibend bei Mama verweilen
-zu können -- indessen hängt dies noch von einigen anderen Umständen ab.
-
-=Krickenfeld= [mahnend]. Führen Sie nur auch bald ein nettes Frauchen
-heim. Ach, Sie Herzenstöter! [Sie droht ihm lächelnd mit dem Finger.] Ich
-kenne mehr als ein Mädchen, das nur von Ihnen träumt. Ha, ha, ha!
-
-=Hans Georg= [ernst]. Gnädige Frau belieben zu scherzen -- ich kenne nur
-eins!
-
-=Holzheim= [die Hand auf seinen Arm legend]. Wählen Sie sich nur ein
-häusliches, wohlerzogenes --
-
-=Zungrapp= [mit Nachdruck]. -- ein Mädchen mit tadellosem Rufe -- das
-ist immer Hauptbedingung, hier, wo man eben in mancher Beziehung noch so
-unmodern ist.
-
-=Krickenfeld= [lebhaft]. Etwas Mitgift ist auch ein sehr wünschenswerter
-Faktor --
-
-=Zungrapp= [abwehrend]. Letzteres spielt bei unserem Jungchen [schelmisch]
-Pardon! Pardon! so darf man eine angehende Berühmtheit wohl nicht
-nennen --
-
-=Hans Georg= [verbeugt sich kalt]. Bitte sehr, gnädige Frau!
-
- [Alle Damen reichen nun zuerst Frau Hasselstein und hierauf ihrem Sohne
- die Hand, die er küßt. Abschiedsworte fliegen durcheinander, ein
- großer Lärm entsteht. Mutter und Sohn begleiten die Gäste bis zur
- Tür zur Rechten.]
-
-=Krickenfeld= [zu Hans Georg]. Stets willkommen bei mir, Herr Professor!
-
-=Zungrapp= [lächelnd]. Nur auf baldige Brautschau ausgegangen! Ein junger
-Mann braucht ein Heim.
-
-=Holzheim= [ruft von der Schwelle zurück]. Und nur die Warnungen der
-lieben Mama hübsch beherzigt!
-
-
-3. Auftritt.
-
- [Mutter und Sohn allein.]
-
-=Hans Georg= [führt seine Mutter zu einem Lehnstuhl zur Linken, legt einen
-Polster für sie zurecht, schiebt einen kleinen Fußstuhl unter die Füße
-und bleibt dann, gegen die Kredenz im Hintergrund gelehnt stehen.] Seit
-meiner Heimkehr ist es mir noch nicht gelungen ein einziges trauliches
-Plauderstündchen mit dir zu halten und dennoch habe ich so vieles auf dem
-Herzen, das alles bald besprochen werden muß.
-
-=Hasselstein= [mit Stolz auf den hübschen jungen Mann blickend]. Sprich,
-mein Kind, ich bin begierig deine Pläne zu hören!
-
-=Hans Georg= [ernst]. Mutter! Es handelt sich um meine ganze Zukunft,
-um mein Glück! Als ich vor mehr als zwei Jahren der Heimat den Rücken
-kehrte, so geschah es, wie du dich erinnern wirst in zweiter Linie um mein
-Wissen zu vergrößern, Abenteuer zu bestehen, neue Entdeckungen zu machen
--- Ich wagte mein Leben in unerforschten, unwirtlichen Gegenden --
-
-=Hasselstein= [erregt]. Welche Sorge habe ich um dich, liebster Hans
-ausgestanden, wieviel Tränen --
-
-=Hans Georg= [ernst]. Ich weiß es, Mama! Ich habe oft gewünscht, daß
-ich dir alle diese Leiden und Sorgen hätte ersparen können, aber eine
-Trennung war notwendig -- [leiser] -- für uns beide. Ich zog aus um
-neue Horizonte zu finden und dadurch auch neue, reinere, nachsichtigere
-Anschauungen zu gewinnen, um dir, liebes Mutterl, Zeit zu geben die Liebe
-zu deinem Sohne auf die Probe zu stellen, um dich in den Stand zu setzen
-dich allmählich von der Wahrheit meiner Worte mit bezug auf eine mir teure
-Person zu überzeugen und um einst heimkehren zu können in ein Heim, von
-denen die Schatten engherziger Beurteilung gewichen, -- gewichen, auf daß
-Nachsicht, Liebe und Vertrauen dort ihren Einzug halten. Auch ich habe
-sowohl mein Herz als auch meine innerste Ueberzeugung zu prüfen Zeit
-gehabt -- lange, ja lange sind die Stunden der düsteren Polarnacht und oft
-lag ich überlegend, prüfend, erwägend im Schlafsack, wenn der süße,
-traum- und sorgenlose Schlummer sich lange schon auf meine glücklicheren
-Kameraden gesenkt hatte. Ich prüfte mich, Mutter, und weiß, daß
-mein Entschluß unwiderruflich, daß Berta für meine Zukunft die beste
-Gefährtin, zu meinem Lebensglücke unerläßlich ist. Wie vor zwei Jahren
-bitte ich dich heute: Lass' mich sie, die mir schon seit Jahren teuer,
-zu dir bringen -- finde statt eines Kindes =zwei=! [Weich.] Zwei die dich
-lieben, zwei die für dich sorgen, zwei die alles aufbieten werden dir dein
-Alter zu verschönen, deinen Lebensabend friedvoll und heiter zu gestalten!
-
-=Hasselstein= [erregt]. Ach, Hans Georg! Nach all meinen Bitten --
-
-=Hans Georg= [ernst nähertretend]. Es handelt sich um mein =Glück=,
-Mutter!
-
-=Hasselstein= [seufzend]. Du weißt, daß ich stets nur an dein Wohl, dein
-Bestes denke!
-
-=Hans Georg= [weich]. Ich weiß es Mütterchen! Aber du darfst nicht
-vergessen, daß die Zeiten sich ändern, daß die Anschauungen der heutigen
-Jugend notwendigerweise von denen, die verwichen vor vierzig Jahren
-geherrscht, verschieden sind. Wir gehen gottlob einer aufgeklärten Epoche
-entgegen, einer milder denkenden, verständnisvolleren und daher auch einer
-nachsichtigeren --
-
-=Hasselstein= [heftig, sich aufrichtend]. Recht wird immer Recht, Unrecht
-eben Unrecht bleiben, Hans Georg! Die heutige Jugend genießt größere --
-[sie seufzt und schweigt einen Augenblick] -- vielleicht allzu große
-Freiheit, aber der Ruf eines Mädchens bleibt heute wie vor vierzig Jahren
-ihr größter Schatz, der Prüfstein ihres Wertes!
-
-=Hans Georg= [bitter]. Selbst wenn sie den Verlust desselben einem
-gewissenlosen Schurken und nicht eigener Schuld verdankt?
-
-=Hasselstein= [das Haupt schüttelnd]. So ein Fall ist ein großes Unglück
-für das Mädchen -- aber -- in den Augen der Welt --
-
-=Hans Georg= [mit wachsender Erregung]. Und woraus besteht diese »Welt«?
-Aus einigen beschäftigungslosen Pensionisten, vielen alten Klatschweibern
-und wenigen gedankenlosen Nachplapperern dieser beiden Kategorien --
-Menschen, von denen die erste Gattung das Füttern der Vögel im
-Stadtparke und die zweite das Amfenstersitzen und Kartenspielen zur
-Hauptbeschäftigung hat. Und über ihr Urteil kannst du dich deines
-einzigen Sohnes willen, der nur wie durch ein Wunder überhaupt
-zurückkehrte, nicht hinwegsetzen?
-
-=Hasselstein= [betrübt]. Mein Sohn! Die Welt besteht aus allen jenen
-Menschen, mit denen wir zusammentreffen, in deren Mitte wir leben müssen.
-
-=Hans Georg= [die Brauen hochziehend]. Müssen? Man kann unliebsamen
-Personen aus dem Wege gehen.
-
-=Hasselstein= [müde]. Einigen vielleicht -- doch nicht allen. Der Mensch
-ist ein Gesellschaftstier und wir sind daher der öffentlichen Meinung
-unterworfen.
-
-=Hans Georg= [erregt auf und abgehend]. Ist es also besser sich selbst
-unglücklich zu machen als der sogenannten öffentlichen Meinung mutig die
-Stirne zu bieten?
-
-=Hasselstein.= Törichtes Kind! Glaubst du, daß dein Glück von Dauer sein
-würde, so du der Achtung deiner Mitmenschen beraubt wärest?
-
-=Hans Georg= [wirft stolz das Haupt zurück]. Vorurteile muß man eben
-bekämpfen -- der Anfang mag schwer, der Erfolg ein langsamer sein, aber
-endlich muß der Sieg errungen werden!
-
-=Hasselstein= [ernst]. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer -- ein
-Fall verändert noch nicht lange die traditionell gewordenen Gesetze von
-Jahrhunderten, die in Fleisch und Blut des Volkes übergegangen
-sind. [weich und bittend.] Ach, Hans Georg, lasse dich hier als
-Gymnasialprofessor nieder, wähle dir ein Mädchen aus gutem Hause und von
-tadellosem Rufe --
-
-=Hans Georg= [bitter]. -- und führe ein Spießbürgerleben anseiten einer
-ungeliebten aber in den Augen der guten Kringhäusler hochachtbaren Frau --
-danke!
-
-=Hasselstein= [weich]. Mein Jungchen! [Nach einer kurzen Pause.] Sag' mir,
-du mein Leben, mein Stolz, meine Freude, daß du auf deine alte Mutter
-hören willst, daß du nicht ernstlich daran denkst diese -- diese Berta
-Heller -- zu heiraten. Beim Andenken deines verstorbenen Vaters beschwöre
-ich dich --
-
-=Hans Georg= [sinkt vor seiner Mutter in die Knie, stützt sich auf
-ihren Schoß und blickt zärtlich in ihr Antlitz]. Lassen wir Vater -- er
-genießt die Ruhe, um die ich ihn oft beneidet habe! [weich und bittend].
-Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen den Kringhäuslern um
-meinetwegen zu trotzen? Hast du, während ich begraben unter Eis und
-Schnee, fern -- -- ach, so fern von dir -- ein gefahrvolles Leben führte,
-stets bereit vom Schauplatze irdischer und meist leider so nichtiger
-Kämpfe zu anderen Sphären berufen zu werden, hast du da nie gedacht, wie
-es sein würde, wenn ich nie wiederkäme, wenn ein Mitglied der Expedition
-dir statt des gesunden Sohnes die Nachricht seines frühen Todes zugeführt
-hätte, wenn du deinen Lebensabend einsam hier verleben müßtest, --
-ohne daß die Stimmen froher Enkel in diesen Mauern widerhallen würden
--- einzig von den Verwandten, einzig von den geschwätzigen Tarockdamen
-besucht. Hast du nie dir vorgestellt --
-
-=Hasselstein= [sich die Tränen abtrocknend]. Oh mein Junge, mein geliebter
-Hans Georg! Wie oft lag ich stundenlang betend vor meinem Lager, wie oft
-saß ich weinend gerade hier, wenn die Einsamkeit mich allzu unerträglich
-deuchte, die Sorge um dich, du mein höchster Schatz, mein Herz
-zusammenkrampfte. Ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden, wenn [Mutter
-und Sohn halten sich lange umschlungen].
-
-=Hans Georg= [sie liebkosend]. Hast du dir nie vorgestellt,
-Herzensmütterchen, wie schön unser Zusammenleben sein würde, wenn
-Berta -- wenn ich und sie dir immer nahe wären und alle deine Wünsche
-ausführen könnten -- Wünsche, die nur ein Sohn, eine liebende Tochter
-erfüllen können. Dachtest du nie, wie süß die Enkelchen -- ihre und
-meine Kinder --
-
-=Hasselstein= [leidenschaftlich]. Deine Kinder -- doch nicht sie ins Haus
--- nicht sie zu deiner Frau -- Oh, Hans Georg!
-
-=Hans Georg= [müde]. Warum nicht? Weil ein Schurke ohnegleichen es gewagt
-hatte die kaum sechzehnjährige liebliche Menschenblüte mit Gewalt
-zu brechen? Sie die sowohl vor wie auch nachher ein tadelloses,
-mustergültiges Leben führte, sie, die außer ihrer Schönheit ein edles
-Gemüt, ein warmes Herz, einen regen Geist und künstlerische Anlagen
-besitzt und die dem kranken Bruder ihr Erbteil abgetreten, ihren Vater
-jahrelang aufopfernd gepflegt hat, sie, an deren Seite einzig ich mein
-Glück finden kann? Vor zwei Jahren konnte ich noch zweifeln -- heute nicht
-mehr. Oft, wenn die Bitterkeit dieses schwache Herz erfüllte und es
-zu sprengen drohte, da stieg inmitten der Schneewüste das Bild Bertas
-tröstend vor mir auf und die Wellen des Abscheus gegen alle engherzigen
-Seelen daheim sanken in nichts zusammen, -- wenn ich mich freute mir einen
-Namen errungen zu haben, so war es, weil er ihr Schutz gewähren sollte
-gegen alle -- --
-
-=Hasselstein= [ihn abwehrend unterbrechend]. Sie wird deinen reinen
-geachteten Namen in den Schmutz ziehen -- das weiße Tuch wird schwarz,
-wenn es mit Ruß in Berührung kommt, nicht der schwarze Ruß weiß vom
-Tuche. [Vorwurfsvoll.] Du denkst immer zuerst an sie -- erst hierauf an
-deine Mutter.
-
-=Hans Georg= [ihre Hände ergreifend]. An wen könnte ich mehr denken als
-an meine Mutter, aber siehst du, Berta ist bereit mir alles zu opfern, mit
-mir bis an das Ende der Welt zu ziehen, falls wir das Heim, das erhoffte
-Glück nicht bei dir, nicht in der Heimat finden können. Sie will gerne
-das schwere Leben eines Forschers in fremden Erdstrichen mit mir teilen,
-sie opfert mir willig Heimat, die Annehmlichkeiten der civilisierten
-Länder mit ihren Vergnügungen, ihren reichen Abwechselungen -- und du,
-ach, du willst deinem Sohn nicht einmal die Kringhäusler und ihre nichtige
-Meinung aufopfern!
-
-=Hasselstein= [besorgt]. Du sprichst von neuen Forschungsfahrten -- wärest
-du imstande mich wieder zu verlassen, mich neuem Kummer, neuen Sorgen
-auszusetzen?
-
-=Hans Georg= [weich]. Wie gerne, wie innig gerne verbliebe ich bei dir,
-doch du selbst schickst mich wieder hinaus in die weite Welt. Auch Berta,
-liebste Mutter, auch ich, wir beide haben gleich dir Anspruch auf Freude,
-auf Glück, auf eine sonnige Zukunft. Wäre mein Lieb' ein schlechter
-Charakter, ein leichtsinniges Mädchen, so würde ich nie ein solches
-Opfer, eine Ueberwindung von dir begehren -- aber einem Vorurteil allein
-kann ich nicht das Glück und die Zukunft eines ganzen Daseins opfern.
-[Weich.] Zieh' mit uns, Mutter verlasse Kringhausen und in einem fremden
-Orte -- unsere Heimat ist groß -- wollen wir ein neues Heim uns gründen.
-
-=Hasselstein= [müde]. Gerüchte erreichen auch entfernte Orte.
-
-=Hans Georg= [ihre Hände mutlos fallen lassend]. Du liebst die
-Kringhäusler mehr als deinen Sohn! [Nach düstern Schweigen leise.] Es
-sei, Mutter, wie schwer mir der Abschied auch wird, wie hart der Schlag,
-der meine schönsten Hoffnungen vernichtet, mich auch getroffen. [Fester,
-lauter.] Noch gibt es Völker, wo mein Name, meine Persönlichkeit
-allein genügen werden, dem Weibe, das ich liebe, das ich zu meiner
-Lebensgefährtin erwählt habe, Achtung zu verschaffen. [Er entfernt sich
-mit gesenktem Haupte etwas von Fr. H.]
-
-=Hasselstein= [nach einer peinlichen Pause]. Hans Georg!
-
-=Hans Georg= [sich müde umwendend]. Mutter!
-
-=Hasselstein= [die Hände nach ihm ausstreckend]. Komm' zu mir, mein
-Kind! [Er sinkt langsam wieder vor der Mutter in die Knie und hält sie
-umschlungen.] Kannst du nur mit Berta glücklich werden?
-
-=Hans Georg= [ernst]. Ja, Mütterchen, mit ihr allein!
-
-=Hasselstein= [weich und mit tränenerstickender Stimme indem sie ihn an
-sich zieht]. Mein Liebling, ich kann eine neue Trennung nicht ertragen,
-ich kann dich nicht wieder in die Fremde ziehen lassen -- ich muß daher
-wohl -- [sie küßt ihn].
-
-=Hans Georg= [jubelnd]. Mama! O du mein süßes, o du mein geliebtes
-Mutterl --
-
-
-4. Auftritt.
-
- [Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll und die ganze
- Verwandtschaft stürmt herein. Herr und Frau Pottenmiller, Herr und
- Frau Brunnick, Herr und Frau Knute, Ladislaja und Hermine Schrift und
- alle rufen allerlei durcheinander. Große Begrüßung. Alle nehmen
- endlich Platz und verhältnismäßige Ruhe tritt ein.]
-
-=Frau Regierungsrat Pottenmiller= [Hans Georg vom Scheitel bis zur Zehe
-durch ein Lorgnon musternd]. So, so, da wäre also unser Südpolfahrer.
-Endlich einmal treffen wir dich daheim -- bist sonst immer vergriffen.
-
-=Regierungsrat Pottenmiller.= Willkommen daheim, lieber Neffe. Wie hat es
-dir am Südpol gefallen?
-
-=Frau Direktor Knute.= Wer hat euch das Essen gekocht?
-
-=Hans Georg= [lächelnd]. Wir wechselten ab -- jede Woche kam die Reihe an
-jemand anderen.
-
-=Frau Knute= [mit Verachtung in Ton und Geberden]. Kein Wunder, daß du so
-mager bist! Was verstehen die Männer von der Speisezubereitung?!
-
-=Ada Brunnick= [sich zurücklehnend, mit scharfer kreischender Stimme].
-Sag' einmal, was hast du für Pläne? Das darf man wohl erfahren, vermute
-ich. Wohlgemeinte Ratschläge wirst du natürlich wie immer ablehnen. [Sie
-zuckt mit den Achseln.]
-
-=Frau Knute= [in befehlendem Tone]. Jetzt wirst du natürlich nicht albern
-genug sein die Stelle am hiesigen Gymnasium wieder abzulehnen. Man nennt
-deinen Namen gerade jetzt häufig in den Blättern und mir wurde privatim
-gesagt, daß du, mit einiger Protektion sogar an der Universität unserer
-Kreishauptstadt --
-
-=Ladislaja= [schlägt die Hände zusammen, mit dünner Fistelstimme]. Nein,
-stellt euch vor, unser kleiner Hansi Universitätsprofessor!
-
-=Frau Hasselstein.= Das ist auch mein höchster Wunsch -- am liebsten als
-Gymnasialprofessor hier, das ist eben eine sichere Versorgung mit späterer
-Pension --
-
-=Hans Georg= [mit Sarkasmus]. Die langsame Verwandlung eines denkenden
-Menschen in eine wandelnde Maschine ist selbstverständlich ganz belanglos.
-
-=Ada Brunnick= [heftig, mit unruhig blitzenden Augen]. Was habe ich soeben
-gesagt? Ihm einen Vorschlag zu machen bedeutet so viel wie denselben
-augenblicklich verworfen zu sehen. Er dünkt sich stets der Klügste.
-[Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine Forschungsreise.
-
-=Hans Georg= [kalt]. Mein Bleiben oder mein Reisen hängt von Umständen
-ab.
-
-=Ladislaja= [salbungsvoll]. Bleibe im Lande und nähre dich redlich!
-
-=Hermine= [im gleichen Ton]. Ja, Hans Georg, so haben es unsere Väter
-gehalten und so ihre Väter vor ihnen und --
-
-=Hans Georg= [verächtlich]. Ja, ja, bis zurück auf Adam und Eva.
-
-=Ada Brunnick= [kreischend]. Ganz wie ich voraussetzte!
-
-
-5. Auftritt.
-
- [Ein Stubenmädchen öffnet die Tür und läßt Roden und Norry
- eintreten.]
-
-=Norry= [indem er Frau Hasselstein begrüßt]. Ich gratuliere Ihnen,
-gnädige Frau, zu Ihrem Sohne. Ein ausdauernder Forscher und ein
-liebenswürdiger Kamerad!
-
-=Roden= [Fr. Hasselstein begrüßend]. Gnädige Frau haben alle Ursache
-stolz auf ihn zu sein. Die Wissenschaft verdankt ihm wichtige Aufschlüsse
-über die antarktische Tier- und Pflanzenwelt, ganz besonders aber über
-die Lebens- und Fortpflanzungsweise mehrerer bisher noch ganz unbekannt
-gewesener Infusorien. Er hat eine glänzende Zukunft vor sich.
-
-=Hasselstein= [lächelnd]. Ja, ich bin wirklich stolz auf meinen Jungen und
-so froh ihn wieder bei mir zu haben.
-
-=Frau Pottenmiller= [zu Norry, nachdem alle wieder Platz genommen]. Helfen
-Sie uns, Herr Doktor, ihm den Kopf zurechtzusetzen.
-
-=Ada Brunnick= [zu Roden]. Wir sind eben im Begriff über seine Zukunft
-zu entscheiden -- wir wollen daß er endlich eine vernünftige Laufbahn
-einschlägt -- sich hier niederläßt.
-
-=Frau Knute= [heftig zu beiden Herren]. Denken Sie sich, man hat ihm eine
-Stelle am hiesigen k. u. k. Staatsgymnasium angeboten -- eine Versorgung
-mit Pension -- und er sagt -- der unmögliche Mensch sagt, daß er noch
-nicht weiß, ob er das Angebot auch annehmen wird.
-
-=Die Herren Pottenmiller und Knute= [sagen gehorsam nach]. Er weiß noch
-nicht, ob er sie annehmen wird.
-
-=Frau Knute= [mit einen Blick gegen den Himmel]. Wenn er doch endlich
-vernünftig sein wollte!
-
-=Die beiden alten Herren= [auf aufmunternde Blicke ihrer Ehehälften hin].
--- vernünftig sein wollte!
-
-=Roden= [sich erhebend]. Da bitten wir um Entschuldigung gestört zu haben.
-Ein Familienkonklave wollen wir um keinen Preis unterbrechen.
-
-=Frau Knute und Pottenmiller.= Im Gegenteil, Sie müssen bleiben und uns
-helfen. [Sie drücken ihn mit Gewalt in den Stuhl zurück.]
-
-=Ada= [indem sie Norry festhält, der gleichfalls aufgestanden]. Auf Ihre
-Worte wird er eher hören -- Fremden gehorcht er immer lieber als uns,
-seinen allernächsten Verwandten!
-
-=Die drei Herren= [auf ein Zeichen ihrer Gemahlinnen]. -- seinen nächsten
-Verwandten!
-
-=Roden= [sich vergeblich zu befreien suchend]. Wir kamen nur um Professor
-Hasselstein zu fragen, ob er bereit sein würde sich der in schon drei
-Wochen abgehenden Forschungsexpedition nach Mikrosenien anzuschließen.
-
-=Norry.= Unser Herr Kollege war nicht ganz sicher, ob er in Kringhausen
-verbleiben würde oder nicht. Nun ist es aber notwendig, daß alle
-Teilnehmer spätestens heute ihren Entschluß mitteilen und die Liste
-der Teilnehmer unterzeichnen. Sonst hätten wir die Herrschaften nicht
-gestört.
-
-=Alle Damen= [die Hände ringend]. Er will schon wieder auf Abenteuer
-ausfliegen!
-
-=Ladislaja= [vorwurfsvoll]. So etwas! Ein solch' greller Undank,
-nachdem ich mich für ihn bemüht habe und mir der hiesige Regimentsarzt
-versprochen hat Hans Georg zweimal die Woche als Privatlehrer ins Haus
-kommen zu lassen. [Zu Norry.] Ein junger Mann verdient ja nie zu viel.
-
-=Roden= [leise und erbittert zu Norry]. Himmel welche Menschen! Sie würden
-einen Michelangelo zum Zaunstreichen verwenden.
-
-=Hermine= [die Daumen drehend]. Eine gesicherte Stellung ist eine
-gesicherte Stellung. An den Südpol fahren und ähnliche Dummheiten
-machen, das mag in jungen Jahren ganz entschuldigbar, wenn auch ganz ohne
-praktischen Wert sein, aber im Alter sehnt man sich nach Ordnung, nach
-einem Heim, nach Ruhe --
-
-=Alle drei Herren= [mit tiefen Seufzern]. -- nach Ruhe, nach Frieden!
-
-=Frau Knute.= Und nach einer braven, häuslichen Frau.
-
-=Die drei Herren= [leiser, noch seufzend]. Nach einer braven -- nach einer
-stillen Frau!
-
-=Hermine= [einen Strickstrumpf herausziehend und die Nadeln zurechtlegend].
-Bäckers Linchen ist zum Beispiel ein sehr wohl erzogenes, fleißiges und
-ehrbares junges Mädchen --
-
-=Hans Georg= [trocken]. Von dreißig Jahren mindestens!
-
-=Ada Brunnick= [mit blitzenden Augen und allen Anzeigen höchster
-Entrüstung]. Eine Bäckerstochter in unserer Familie! [Mit gespieltem
-Mitleid.] Tante Hermine wird altersschwach!
-
-=Frau Knute.= Oder Doktors Röschen? Niemand in ganz Kringhausen kann eine
-bessere Fleischsulz zubereiten als --
-
-=Hans Georg= [trocken]. Verstand oder Gemüt braucht meine künftige Frau
-Eurer Ansicht nach nicht zu haben. Ich kann statt dessen ja jede Woche
-einmal eine vorzügliche Fleischsulz essen.
-
-=Herr Brunnick= [seufzend]. Bester Hans Georg, eine geistreiche Frau
-ist -- [er verbessert sich schnell] -- kann zur Geißel werden!
-
-=Roden= [leise zu Norry]. Der arme Tropf spricht sicher aus Ueberzeugung.
-
-=Norry= [leise zu Roden, während die Damen unter sich lebhaft
-gestikulierend plaudern]. Die Männer sehen allesamt nicht aus, als ob
-sie das Pulver erfunden hätten -- die Frauen haben mehr Grütze, aber
-Zungen --
-
-=Roden= [im selben Ton]. Quantitativ genommen sehen die Männer nicht übel
-aus --
-
-=Norry= [leise lachend]. Die größten Orangen haben die allerdickste
-Schale --
-
-=Ada= [befehlend zu den beiden Forschern]. So reden Sie doch mit! Hans
-Georg hört nicht auf unsere wohlerwogenen --
-
-=Frau Knute= [sich aufrichtend]. -- und weisen Ratschläge --
-
-=Roden= [sarkastisch lächelnd]. Professor Hasselstein ist zweifelsohne
-imstande das für ihn Beste richtig zu wählen.
-
-=Alle Damen= [mit Ueberzeugung und viel Geschrei]. O glauben Sie das
-nicht!!!
-
-=Ada Brunnick= [verächtlich]. Hans Georg hat noch keine Lebenserfahrung!
-
-=Frau Pottenmiller.= Er kennt die Fallstricke des Daseins noch nicht. Mein
-Mann zum Beispiel wäre ohne mich -- [sie bemerkt plötzlich, daß er ganz
-ruhig eingeschlafen und schüttelt ihn nun kräftig].
-
-=Regierungsrat Pottenmiller= [fährt jäh aus dem angenehmen Schläfchen
-empor]. Aaah -- was -- was -- schon Zeit zum Aufstehen! Gleich, gleich,
-beste Frederike -- wo sind meine Socken? [Er ist jetzt ganz wach geworden.]
-
-=Ada= [verächtlich auf den Vater blickend, zu Roden]. Ja, ja, der Papa!
-Wenn er uns nicht hätte!
-
-=Norry= [leise zu Roden von der andern Seite]. Ich glaube, daß er da viel
-glücklicher wäre.
-
-=Ada= [ruft zu Norry, den sie etwas murmeln hört]. Pardon! Sagten Herr
-Doktor mir etwas?
-
-=Norry= [lächelnd]. Ich wollte nur fragen ob die Tatsache, daß
-Professor Hasselstein den Gefahren und Beschwerden einer langen
-Südpolforschungsreise getrotzt hat, als Erfahrung so gar nicht ins Gewicht
-fällt.
-
-=Ada Brunnick= [verächtlich mit ihrer kreischenden Stimme]. Bester Herr
-Doktor, welche Frage! »Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein
-Charakter in dem Strom der Welt«, so sagt ja unser großer Denker!
-
-=Alle drei Damen.= So sagt er!
-
-=Frau Pottenmiller= [stolz]. Ach, unsere Aderl, die weiß alles!
-
-=Roden= [lächelnd]. Ich verstehe vollkommen, man muß eben den Strom in
-Kringhausen mitgemacht haben.
-
-=Norry= [leise]. V--t viele Wirbel und Strudel darin!
-
-=Roden= [im gleichen Ton]. Und statt Seejungfrauen gibt es Seeelefanten --
-[laut] Hasselstein, welchen Entschluß haben Sie gefaßt! Wollen Sie dem
-schönen Kringhausen treulos den Rücken kehren oder --
-
-=Ada= [entrüstet]. Er wird doch nicht wieder -- Der Mensch hat so gar
-keine Charakterfestigkeit!
-
-=Frau Knute= [das Haupt schüttelnd]. Statt Haus und Heim zu gründen --
-
-=Frau Pottenmiller.= Wirst du das sichere Brot fahren lassen?
-
-=Die drei Herren= [auf einen ermahnenden Puff von Frau Knute im Chor]. Das
-Brot fahren lassen!
-
-=Hermine= [streng]. Die Möglichkeit, dir eine Position zu schaffen --
-endlich ein solides Leben zu führen --
-
-=Hans Georg= [lachend]. Ich erinnere mich nicht am Südpol, in der
-Antarktis überhaupt, unsolid gelebt zu haben. [Roden und Norry lachen
-mit.]
-
-=Frau Pottenmiller= [wirft dem Kleeblatt einen vernichtenden Blick zu]. In
-meiner Jugend -- man hielt damals noch auf guten Ton -- hätte ein junger
-Mann es nicht gewagt bei einer verdienten Zurechtweisung zu lachen und eine
-so -- so --
-
-=Herr Pottenmiller= [aufhelfend]. -- so schnauzige Antwort --
-
-=Ada Brunnick= [ihm einen vernichtenden Blick zuwerfend]. Papa!
-[Pottenmiller sinkt ganz und gar in sich zusammen und schweigt.] Gewiß
-hat sich der Papa im »weißen Hirschen« eine so vulgäre Ausdrucksweise
-angewöhnt.
-
-=Ladislaja= [lächelt dummvergnügt vor sich hin]. Otto wird bald nicht
-mehr zimmerrein sein. [Hans Georg und die beiden Forscher lachen, die Damen
-sind entsetzt.]
-
-=Alle Damen.= Ladislaja! Ladislajaaaaaaaaaa!!!!!
-
-=Ada= [leise zu Roden]. Die Tante leidet sicher an Gehirnerweichung.
-
-=Frau Knute= [in gebietendem Tone]. Hans Georg!
-
-=Hans Georg= [gelassen]. Du befiehlst, Tante?
-
-=Frau Knute= [kategorisch]. Ich habe schon eine Frau für dich bestimmt.
-Von deiner Abreise ist natürlich keine Rede, sondern du heiratest, läßt
-dich hier nieder und zur Belohnung für deinen Gehorsam verspreche ich dir,
-daß ich deiner Frau mit Rat und Tat selbst an die Hand gehen werde. So ein
-junges Ding bedarf der Anleitung. Von mir unterstützt aber --
-
-=Hans Georg= [sich verbeugend]. Du bist außerordentlich liebenswürdig,
-liebe Tante, indessen -- ist meine Wahl schon getroffen.
-
-=Alle.= Schoooon getroffen!!!!
-
-=Frau Pottenmiller.= Und davon schwiegst du?
-
-=Frau Knute.= Und du machtest uns ein Geheimnis daraus?
-
-=Hans Georg= [ruhig]. Nein, ich bin noch nicht zu Wort gekommen.
-
-=Frau Knute.= Lieber Neffe, in solchen delikaten Angelegenheiten ist es
-immer am besten sich zuerst bei seinen weiblichen Anverwandten -- [mit
-einem Blick auf die drei Herren] -- die männlichen taugen nichts, -- Rat
-zu holen.
-
-=Frau Pottenmiller= [ernst]. Glaube mir, lieber Neffe, eine Frau ist in
-solchen Fällen weit besser imstande zu sagen, ob die Auserwählte auch
-allen Ansprüchen gerecht zu werden verspricht, ob sie --
-
-=Hans Georg= [dem endlich die Geduld reißt]. Zum Teufel auch! Soll ich
-oder werdet Ihr mit ihr leben?
-
-=Ada Brunnick= [mit sichtbarer Befriedigung]. Sein ungezügeltes
-Temperament gewinnt die Oberhand -- wie immer!
-
-=Roden= [leise zu Norry]. Jean Baptiste Rousseau hat recht, wenn er sagt:
-»~Le pire venin est celui des serpents du genre feminin~«.
-
-=Frau Pottenmiller= [entrüstet]. Wo bleibt deine mütterliche Autorität,
-Schwester?
-
-=Hasselstein= [scheu]. Hans Georg liebt sie -- [sie seufzt] -- er will
-sie -- allerdings gegen meinen Willen, trotz meiner Bitten -- heiraten und
-was soll -- was kann ich -- [etwas entschlossener, da sie auf ihn blickt]
--- er liebt seine Braut und ich -- ich bin Mutter! [Sie bricht in Tränen
-aus, Hans Georg ist aufgestanden, neigt sich über ihren Stuhl und küßt
-sie. Er bleibt dort stehen.]
-
-=Frau Knute= [streng]. Dein Sohn hat leider nie zu gehorchen gelernt!
-
-=Ada= [mit gespieltem Mitleid]. Die gute Tante hat den Erziehungskarren
-total verfahren.
-
-=Frau Pottenmiller= [stößt mühsam hervor]. Wer ist sie?
-
-=Ladislaja= [den Hals ausstreckend]. Ist sie reich?
-
-=Hermine.= -- und tugendhaft -- religiös, -- streng christlich erzogen?
-
-=Frau Knute.= Ist deine Braut häuslich?
-
-=Herr Pottenmiller= [schüchtern]. Ist sie hübsch?
-
-=Ada= [streng]. Papa!
-
-=Frau Pottenmiller= [in belehrendem Tone]. Darauf kommt es am
-allerwenigsten an. Je weniger auffallend die Erscheinung um so
-anspruchloser --
-
-=Ada.= -- und biegsamer --
-
-=Frau Knute.= -- und weniger zur Koketterie geneigt --
-
-=Ladislaja.= -- und reineren Herzens --
-
-=Hermine= [langsam und feierlich, Silbe für Silbe]. -- und passender für
-die heilige Ehe ist so ein Mädchen!
-
-=Alle= [zu Frau Hasselstein]. Tante! Schwester! Sprich!
-
-=Frau Hasselstein= [gleitet unruhig auf dem Stuhle hin und her und sagt
-endlich stotternd]. Die -- se -- ses -- Määä -- äd -- chen ist --
-ist --
-
-=Alle= [gebietend]. Ist!!!!? Schwester!!!!!! Ist!!!!
-
-=Frau Hasselstein= [nach kurzer Ueberwindung, leise]. Es ist -- Berta --
-Berta Heller!
-
-=Ada Brunnick= [bissig]. Diese Verlorene -- diese -- diese --
-
-=Frau Pottenmiller= [mit tugendhaftem Grauen in der Stimme, während die
-anderen sprechende Blicke austauschen]. Eine arme jugendliche Verunglückte
--- ein Paria!
-
-=Frau Knute= [rücksichtslos wie immer, laut]. Eine Dirne!
-
-=Hans Georg= [dessen Zorn jetzt den Höhepunkt erreicht hat, mit donnernder
-Stimme indem er mitten unter sie tritt]. Nein! Schweigt! Ein junges
-Mädchen besser als alle die fälschlich als so tugendhaft betrachteten
-fraglichen Grazien Kringhausens, das das Unglück gehabt hat als
-ahnungsloses Kind einem Elenden in die Hände zu fallen. Ihr wagt es,
-meine Braut zu beschimpfen, sie deren Gedanken edler, reiner und
-menschenfreundlicher sind als die vieler, die mir gut bekannt. [Er blickt
-auf sie der Reihe nach.] Ihr wagt einer Unglücklichen etwas vorzuwerfen,
-woran sie keine Schuld trägt! Pfui! [Er wendet sich ab und geht ruhelos im
-Zimmer auf und nieder.]
-
-=Ada Brunnick= [erholt sich zuerst]. Und solchem Wahnsinn hältst du die
-Stange, Tante? [Sie mißt sie kalt. Zu ihrem Vater] Papa, sprich!
-
-=Herr Pottenmiller= [sich aufraffend]. Wie -- soll ich mich im »weißen
-Hirschen« zeigen können, wenn die Verlobung bekannt wird, Hans Georg?
-Niemand wird von etwas anderem sprechen, man wird hundert Fragen an mich
-stellen --
-
-=Hans Georg= [bleibt einen Augenblick stehen]. So bleib' zu Hause, wenn du
-dich fürchtest! [Er nimmt seine Wanderung wieder auf, Herr Pottenmiller
-erneuert seinen Ueberredungsversuch nicht.]
-
-=Hermine= [weinerlich]. Und wie kann ich zu den Schneiderabenden des
-katholischen Jungfrauenvereins gehen? Ich müßte zu sehr erröten, wenn
-man Anspielungen -- an -- an machen würde. [Sie bedeckt das Gesicht mit
-den Händen.]
-
-=Ladislaja= [mit ihrer dünnen Fistelstimme]. Ach, und wie könnte ich dem
-jungen Prediger nur in die Augen schauen -- nein, nein, ich müßte vor
-Scham in die Erde sinken -- vergehen -- Er, der mich und unsere Familie
-den anderen Jungfrauen des Vereins als Muster hinstellt! Mit so einer
-Verwandten -- so ein Skandal! --
-
-=Roden= [leise zu Norry]. Vor zwanzig Jahren hat ihre Jungfräulichkeit
-vielleicht noch einen Wert gehabt.
-
-=Norry= [im gleichen Ton]. Sagen wir ruhig: vor einem Vierteljahrhundert!
-
-=Frau Knute= [streng]. Mir ins Haus darfst du so eine -- [sie verstummt vor
-H. G.'s Blick].
-
-=Hans Georg= [kalt]. Fürchte dich nicht -- wir werden uns allein genügen!
-
-=Frau Pottenmiller.= Auf die Stelle am hiesigen Gymnasium darfst du in dem
-Fall auch nicht rechnen, ebenso wenig wie auf die Protektion meines Mannes
--- Wer die Jugend erziehen will muß vor allem selbst unerschütterliche
-sittliche Grundsätze haben --
-
-=Frau Hasselstein= [traurig]. Das haben die Damen der Tarockgesellschaft
-auch gesagt.
-
-=Hans Georg= [verächtlich]. Alte Klatschbasen! Hast du also mit ihnen
-über meine Zukunft Rat gepflogen?
-
-=Frau Hasselstein= [schüchtern]. Sie erzählten, daß die ganze Stadt
-davon spricht, daß es deiner Zukunft schaden, dich gesellschaftlich zum
-Paria --
-
-=Hans Georg= [kalt]. In Kringhausen machen wird, nicht wahr? Die Welt
-besteht Gott sei Dank nicht ausschließlich aus Kringhausen und --
-Kringhäuslern!
-
-=Frau Knute.= Gehe wohin du willst, du wirst überall einen schweren Stand
-haben. Es gibt immer Menschen, die freundlich genug sind einen solchen
-Fleck im Namen einer Frau an irgend eine gute Freundin zu schreiben, die
-diese Neuigkeit hierauf die Runde im Städtchen machen läßt.
-
-=Hans Georg= [spöttisch]. Ich zweifle nicht daran. Hoffentlich wird mein
-Name dennoch Kraft genug besitzen meine Frau zu schützen.
-
-=Frau Pottenmiller= [mit Nachdruck]. Keine Frau deiner Kollegen wird
-mit dir in gesellschaftliche Verbindungen treten wollen, -- kurz, deine
-Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande überhäuft, dein toter Vater
-im Grabe --
-
-=Hans Georg= [streng]. Laß die Toten in Frieden ruhen -- wir haben mit den
-Lebendigen mehr als genug.
-
-=Frau Hasselstein= [weinend]. Er würde sich im Grabe umwenden, wenn er
-eine Ahnung hätte! [Alle sprechen durcheinander, Hans Georg geht erbittert
-auf und ab.]
-
-=Roden= [zu Norry]. Der Arme dreht sich sicher nicht um, der muß totmüde
-sein und verwendet die ersten hundert Jahre seiner Befreiung gewiß dazu,
-das Ohrensausen loszuwerden. Lieber unter Krokodilen als zwei Tage unter
-Kringhäuslern!
-
-=Frau Pottenmiller.= Hoffentlich wird dich die Rücksicht auf deine Mutter
-bestimmen -- =wir= beanspruchen nichts -- diese verrückte Idee aufzugeben
-und keinen derartigen Skandal heraufzubeschwören. Wir werden alles tun um
-unsere unglückliche Schwester von der Torheit eines solchen Vorhabens zu
-überzeugen.
-
-=Hans Georg= [bitter]. Ich zweifle nicht daran! [Weich zu seiner Mutter.]
-Mama, die Herren warten und diesem peinlichen, höchst unerquicklichen
-Auftritt muß ein Ende gemacht werden. Als uns die Verwandten unterbrachen,
-hattest du mich eben unbeschreiblich glücklich gemacht. [Er ergreift ihre
-Hand.] Bist du, Teure, noch der Meinung, daß wir zusammen ein Leben voll
-Glück und Frieden führen könnten? Die Stürme, die nun aufgewühlt
-worden sind, sie legen sich bald und auf sie folgen schöne, frohe, sonnige
-Tage stiller Zufriedenheit, reinen Glücks. Darf ich deine Entscheidung
-von vorhin als bindend ansehen, soll ich meinen geschätzten Kollegen
-mitteilen, daß ich mit meiner Frau bei meiner Mutter bleiben oder --
-
-=Alle= [auf sie einschreiend]. Tante! Schwester, um Himmelswillen laß
-dich nicht zu solchem Wahnsinn hinreißen! Denke an deine gesellschaftliche
-Stellung, was du dir und uns allen in der Hinsicht schuldest, denke an
-die gerechte moralische Entrüstung der gesamten Einwohnerschaft von
-Kringhausen --
-
-=Hans Georg= [laut, mit Nachdruck]. Die Angelegenheit, die hier erörtert
-wird, geht nur meine Mutter und mich selbst an! Darf ich daher um Schweigen
-bitten! [Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl! Soll ich in deiner
-Nähe bleiben oder wieder hinausziehen in die weite Welt? Zweimal komme ich
-wohl kaum zurück!
-
-=Frau Knute.= Du brauchst ja nicht zu gehen! Es gibt genug andere Mädchen
-in Kringhausen.
-
-=Hasselstein= [mit Würde]. Aber nur ein einziges Mädchen für mich
--- meine Braut! [Die Hände seiner Mutter ergreifend und mit milder
-Ueberredung.] Bedenke, du mein teures Mütterchen, daß es sich hier um
-unser Glück und nicht um die Meinung anderer Leute handelt. Nach einigen
-Monaten schon werden die Kringhäusler diese Ueberraschung verwunden haben
-und alles, was ich tun kann soll geschehen um dir diese kurze Zeit so
-leicht, so erträglich als möglich zu gestalten. Willst du, daß ich mit
-Berta auf Reisen gehe und erst nach Ablauf von mehreren Monaten heimkehre?
-Willst du, Teure, nicht mit uns kommen? Sag mir nur eins: -- Willst du
-meine Braut willkommen heißen, willst du in unserer Mitte, bei ihr, bei
-mir, in Zukunft verweilen?
-
-=Frau Hasselstein= [schwankend]. Wenn nur -- aber du kennst die Leute --
-die Tanten sind auch der Ansicht -- ganz wie meine anderen Bekannten -- die
-Damen der Tarockpartie -- ach, es wird ein solches Gerede geben --
-
-=Hans Georg= [ernst]. Ich frage nicht nach der Meinung der Verwandten --
-gleichgültig ist mir die Ansicht der Kringhäusler solange ich nur nicht
-vor =mir selbst= erröten muß, -- ich frage dich, dich, meine innigst
-geliebte Mutter, ob ich gehen soll, wieder hinausziehen in unbekannte
-Gefahren, von dir scheiden um nie wiederzukehren -- ich frage =dich=, ob du
-die Liebe zu mir oder die öffentliche Meinung wirst siegen lassen. Sprich,
-Mutter!
-
-=Frau Hasselstein= [leidenschaftlich]. Ach, geh' nicht -- verlasse mich
-nicht -- schon nähere ich mich dem Grabe -- bleib' bei mir, du, du mein
-einziger Sohn!
-
-=Hans Georg= [einen Arm um ihre Schultern legend]. Bei wem würde ich wohl
-lieber als bei dir verweilen, Mütterchen, doch nicht kann ich mein Wort
-Berta gegenüber brechen, mein Lebensglück und das ihre eines Vorurteils
-willen in den Staub treten. Ein solches Dasein hätte für mich jeden Wert
-verloren, wäre ein Zeugnis meiner moralischen Schwäche, hinterließe
-einen ewigen nagenden Vorwurf in meinem Innern, der das Beste in mir
-langsam aber sicher zerstören würde. Wenn du mich liebst, Mutter --
-
-=Frau Hasselstein= [weinend]. O Hansi, Hansi, ich kann dich nicht ziehen
-lassen! Bleib' hier, selbst --
-
-=Frau Knute= [scharf]. Schwester, ich beschwöre dich, bedenke --
-
-=Frau Pottenmiller= [gleichfalls]. Was werden deine Bekannten dazu sagen?
-Du bist gesellschaftlich zugrundegerichtet, kein Mensch --
-
-=Ada= [kalt und hart]. Sei kein Schwächling, Tante, wenn er das Mädchen
-dir vorzieht, so lasse ihn laufen.
-
-=Frau Knute.= Er wird schnell genug einsehen lernen, was eine Heirat mit so
-einem Wesen bedeutet.
-
-=Alle drei Herren= [sich aufraffend]. Ja, er wird schon sehen, er wird
-schon sehen!
-
-=Hans Georg= [sich ängstlich und zärtlich zugleich über seine Mutter
-neigend, besorgt]. Wem stimmst du bei, Mama, den Tanten als Sprachrohr der
-Kringhäusler oder mir, deinem einzigen Sohne?
-
-=Frau Hasselstein= [nach einigen Sekunden inneren Kampfes, unsicher]. Hans
-Georg! [Schwer atmend und die Hände gegen das Herz gepreßt.] Siehst du,
-die Tanten haben recht -- du wirst nie hier geachtet leben können und ich
--- ich zittere wenn ich an alle Bemerkungen -- an all das Gerede denke. Wir
-sind -- eine -- geachtete Familie -- und --
-
-=Hans Georg= [läßt die Hand, die er auf der Schulter der Mutter liegen
-gehabt, matt herabgleiten und entfernt sich etwas, sodann mit dumpfer
-Stimme, die Mutter noch einmal bittend ansehend]. Da ist es wohl am besten
-ich nehme das Anerbieten der Expedition an. Sind wir nur beide, Berta und
-ich, von Kringhausen fort und erfährt man einmal, daß du selbst meine
-Entfernung gewünscht, so vergeben dir sowohl die Verwandten als auch die
-Kringhäusler großmütig einen so entarteten Sohn zu haben. [Leise und
-traurig.] Möge nie der Tag kommen, an dem du fühlst, daß du es dir
-selbst nicht vergibst mich fortgeschickt -- eines kleinlichen Vorurteils
-halber fortgeschickt zu haben. [Er streckt müde die Hand nach dem
-Schriftstück aus, daß ihm Roden, düster schweigend reicht.]
-
-=Frau Hasselstein= [weinend]. Die öffentliche Meinung -- fern von hier, wo
-man Berta nicht kennt -- wo niemand unsere Sprache spricht --
-
-=Frau Knute= [scharf]. -- irgendwo unter den Wilden --
-
-=Roden= [ernst]. Gnädige Frau, ich habe Wilde gekannt, die den
-Kringhäuslern in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind! [Er läßt
-seinen Blick kalt über sie hingleiten.]
-
-=Hans Georg= [reicht Norry das nun unterzeichnete Dokument]. Bitte! [Norry
-steckt es ein, betrübt vor sich hinblickend.] Es ist am besten so -- für
-uns alle!
-
-=Frau Knute= [Rodens Bemerkung beantwortend]. Die Herren der Schöpfung --
-ob nun wilden oder civilisierten Völkern angehörend, vergeben immer gerne
-ein kleines Abweichen vom engen Pfad der Tugend.
-
-=Roden= [ernst]. Und dennoch gehört gerade das Vergeben zu den edelsten
-Vorrechten der Frau --
-
-=Frau Knute= [ihn heftig unterbrechend]. Nicht --
-
-=Roden= [sich verbeugend und zurückweichend]. Ich verstehe, gnädige Frau!
-Nicht unter den Kringhäuslern!
-
-=Hans Georg= [traurig zu seiner Mutter]. Die Würfel sind gefallen!
-
-=Frau Pottenmiller= [sie unter dem Arm nehmend und mit sich auf die Tür
-zur Linken führend]. Du hast verständig gehandelt, Schwester, sehr
-verständig.
-
-=Ada= [ihr folgend]. Laß' ihn nur erst draußen einsehen lernen, welche
-Schätze er in der Heimat zurückgelassen, da wird er schon kürre werden.
-Eine Scheidung --
-
-=Frau Knute= [ebenfalls der Schwester nacheilend und sie mit Gewalt
-fortziehend, als sie noch einmal auf den Sohn zurückblickt und zu zögern
-scheint]. Du hast endlich, wenn auch spät, die gewünschte mütterliche
-Autorität geltend werden lassen. Bravo!
-
-=Frau Hasselstein= [zweifelnd, unter Tränen]. Glaubt -- meint Ihr -- ach,
-wenn er doch die Stelle am hiesigen Gymnasium angenommen und ein anderes
-Mädchen --
-
-=Frau Pottenmiller= [scharf]. Er hat das Gute, die vielen Vorteile des
-Aufenthalts in einer wichtigen Stadt wie Kringhausen nie zu schätzen, zu
-würdigen verstanden!
-
-=Ada= [hart]. Wein' nicht, Tante, sei stark! Klagen dienen niemand und
-Tränen führen zu nichts. [Sie gehen links ab, alle die anderen mit
-Ausnahme von Norry, Roden und Hasselstein folgen.]
-
-
-6. Auftritt.
-
-=Hans Georg= [bitter, nach kurzem Schweigen, während Roden und Norry
-Hut, Handschuhe und Stock aufraffen]. Wie schnell Hoffnungen scheitern,
-Trugbilder in nichts zerrinnen. In der Antarktis hoffte ich, daß
-die täglich wachsende Menge von Eindrücken und Erfahrungen, von
-überstandenen Gefahren und damit gestärkter, zunehmender Kraft mir helfen
-würden, den Sieg zu erringen, alle kleinlichen Vorurteile zu überkommen,
-alles lächerliche Beurteilen reiner Aeußerlichkeiten zu verwerfen. Wie
-schön deuchte mich, vom Abendrot der Erinnerung beleuchtet, da die Heimat,
-wie unerschütterlich fest war da meine Ueberzeugung, daß die Liebe einer
-Mutter größer als die Macht leeren Geredes. Und nun -- [er seufzt tief
-auf und senkt das Haupt] -- trotz der Fülle neuer Eindrücke, ungeachtet
-der erweiterten Horizonte, die sich mir erschlossen, muß ich im Kampfe
-gegen verächtliches Spießbürgertum unterliegen; muß die zarte Frau mit
-mir in die weite Welt hinaus führen, statt ihr hier bei meiner Mutter,
-hier, wo ich geboren und jedes Ding Bedeutung für mich hat, ein Echo
-meiner Kindheit, meiner Jugend ist, ein friedliches Heim gründen zu
-können. Alles, alles ist umsonst gewesen!
-
-=Roden= [ernst]. Armer Freund, das ist, weil Sie eben einen großen Fehler
-begangen haben!
-
-=Hans Georg= [sieht ihn verwundert an]. Einen Fehler?
-
-=Norry= [nickt plötzlich ebenfalls eifrig]. Einen ganz unverzeihlichen!
-
-=Hans Georg= [von dem einen auf den anderen blickend]. Und der wäre?
-
-=Roden= [mit Nachdruck, indem alle drei Herren langsam auf die Tür zur
-Rechten zugehen]. Nicht Sie hätten auf Suche neuer Horizonte in die
-Antarktis ziehen sollen -- sondern
-
-=Norry= [einfallend]. -- die Kringhäusler!
-
- [Der Vorhang fällt.]
-
-
-
-
-3. Akt.
-
-
- [Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt. Alle Verwandten sind in tiefer
- Trauer. Die Damen der Tarockpartie sind gleichfalls anwesend und auch
- dunkel gekleidet. Alle halten das Taschentuch vor die Augen, Frau
- Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf.]
-
-
-1. Auftritt.
-
-=Regierungsrat Pottenmiller= [steht inmitten der Szene und liest, als
-sich der Vorhang hebt, mit monotoner Stimme aus einer Zeitung vor]. -- der
-einstige Teilnehmer an der Südpolexpedition, Professor Doktor Hans
-Georg Hasselstein, der auch in Mikrosenien seine ausdauernden Studien und
-Forschungen fortgesetzt, häufige höchst wertvolle Mitteilungen über die
-Flora und Fauna heimgeschickt und besonders interessante Aufschlüsse
-über die Lebensweise der Skolopandren und anderer Insekten dieser Zonen
-eingesendet, wie auch die Gewohnheiten des gefährlichen und von Matrosen
-und Fischern dort sehr gefürchteten Octopus, eines zeitweilig selbst
-im Mittelmeere in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen mit großer
-Ausdauer erforscht und beschrieben hat. Sein letzter Ausflug -- [alle
-schluchzen laut und trocknen sich die Augen] -- wurde ebenfalls in der
-Absicht unternommen dieses Seeungeheuer auf einer der naheliegenden Inseln
-genauer zu studieren und die Fangmethode desselben besser zu prüfen als
-ihm dies bisher möglich gewesen, doch blieb der von einem unverläßlichen
-Eingeborenen gelenkte Kahn auf einem Korallenriff sitzen und während es
-dem Wilden gelang sich, wenn auch nur mit großen Schwierigkeiten und mit
-knapper Not zu retten, wurde der unglückliche Gelehrte von der starken
-Brandung ergriffen, einigemale gegen die spitzigen Riffe geschleudert
-und dann in die grausige Tiefe des Stillen Ozeans hinabgezogen. Man
-befürchtet, daß er von den um diese Inseln äußerst zahlreichen
-Haifischen angegriffen worden sei. Jede Suche nach der Leiche ist auch
-erfolglos geblieben. -- Der frühe Tod des berühmten Naturforschers und
-unermüdlichen Gelehrten hat nicht nur in seiner eigenen Heimat das tiefste
-und aufrichtigste Bedauern erweckt -- [alle schluchzen wieder laut]
--- sondern wird von der gebildeten Menschheit der ganzen Welt auf das
-lebhafteste beklagt. Alle Teilnehmer der Forschungsexpedition betrauern in
-Professor Doktor Hasselstein einen allzeit liebenswürdigen, hilfsbereiten,
-schaffensfreudigen und tapferen Kollegen, der nicht nur klaglos sondern
-immer mit heiterer Miene die geradezu unbeschreiblichen Strapazen
-seines anstrengenden Berufes ertrug. Ein einfaches Kreuz am Strande der
-Ailukinsel, nicht weit von der Unglücksstätte trägt außer dem Namen
-und den Geburts- und Sterbedaten auch den kurzen Vers: »Durch Todesnacht
-bricht ew'ges Morgenrot«. -- Frau Professor Hasselstein, die treulich alle
-Gefahren und Entbehrungen ihres Gatten geteilt und sich die Bewunderung
-aller Teilnehmer der Expedition errungen, kehrt schmerzgebeugt mit dem kaum
-drei Monate alten Söhnchen zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer
-»Ozeanien« in die deutsche Heimat zurück. Ob Frau Professor Hasselstein
-dort zu bleiben gedenkt, ist unbekannt. [Er legt die Zeitung langsam
-zusammen und setzt sich.]
-
-=Frau Hasselstein= [schluchzend]. Mein Kind! Mein einziges Kind! Er starb
-in fremden Zonen -- [leise und die Hände ringend --] durch meine Schuld!
-[Sie weint bitterlich.]
-
-=Krickenfeld= [ihre Hand auf den Arm Fr. Hasselsteins legend und sich
-eifrig die Augen wischend]. Beste Frau Oberst, wir alle teilen ihren
-Kummer, denn wir alle haben ihn wie einen Sohn geliebt!
-
-=Zungrapp= [sich auch die Augen trocknend]. Ach, du liebe Zeit! So ein
-staatlicher, so ein guter [sie schluchzt].
-
-=Holzheim.= So ein edles Herz -- so ein gu -- gu gu -- [sie schluchzt laut
-auf].
-
-=Krickenfeld.= Wenn nur dieses Mädchen nicht gewesen --
-
-=Zungrapp.= Sccchhhttt! Sie war die Frau des berühmten Gelehrten. --
-
-=Frau Pottenmiller= [beschwichtigend]. So, so, nur ruhig, du darfst dich
-nicht so aufregen, liebe Schwester. Hans Georg ist jetzt im Himmel, wo wir
-ihn alle einmal treffen werden.
-
-=Frau Hasselstein= [bitterlich weinend]. Wenn ich nur schon recht bald
-zu ihm käme. [Unter Schluchzen.] Warum ach, warum ließ ich ihn von
-mir gehen? [Alle versuchen sie zu trösten, allgemeine Bewegung, große
-Beileidsbezeugungen, betäubendes Stimmengewirr. Endlich tritt wieder Ruhe
-ein.]
-
-=Frau Knute.= Es muß dir doch ein großer Trost sein, teure Schwester,
-daß seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, dir in eigener
-Handschrift ein Beileidsschreiben schickte. =Ganz= Kringhausen spricht
-davon!
-
-=Frau Hasselstein= [weinend]. Mein Sohn, mein Sohn! Im besten Mannesalter,
-fern von der Heimat, fern von ihr, die ihn geboren, auf so entsetzliche
-Art -- [sie schaudert] -- sterben zu müssen! [Sie ergreift das Kuvert,
-das das kaiserliche Beileidsschreiben enthält und langsam versiegen ihre
-Tränen.] Ja, es war der einzige Lichtpunkt in dem großen Unglück, das
-mich getroffen. [Sie zeigt auf ein riesigen Haufen Briefe, der den ganzen
-großen Tisch bedeckt.] Und so viele mir vollständig unbekannte Personen
-haben mir so lieb geschrieben. Ich bin stolz und in meinem Kummer
-glücklich einen solchen Sohn gehabt zu haben.
-
-=Frau Pottenmiller= [wichtig]. Alle Zeitungen schreiben spaltenlange
-Artikel über ihn und sein Name steht fettgedruckt schon auf der ersten
-Seite. [Zu den Damen der Tarockpartie.] Mit allen Fasern meines Herzens
-bin ich an meinem Schwesterkind gehangen und habe nie verfehlt ihm weise
-Ratschläge zu geben.
-
-=Ada= [spitz]. Die er regelmäßig verworfen hat!
-
-=Krickenfeld= [den Brief mit Ehrfurcht aufhebend]. So eine Auszeichnung und
-all die schönen Reden sind wohl ein großer Trost für unsere liebe Frau
-Oberst! Ganz Kringhausen fühlt sich geehrt! [zu Frau Hasselstein, die
-wieder laut weint]. Nur ruhig, beste Freundin, ich hatte zwölf Kinder und
-mußte neun begraben.
-
-=Frau Zungrapp= [entschieden zu den Verwandten]. Wir werden uns der Armen
-schon annehmen, so ein kleines Spielchen --
-
-=Holzheim= [lebhaft]. Natürlich! Natürlich!
-
-=Krickenfeld= [mit Ueberzeugung]. Das übt einen wohltätigen beruhigenden
-Einfluß auf die Nerven aus --
-
-=Zungrapp= [fest]. Eine kleine Zerstreuung ist notwendig --
-
-=Ada.= Es läßt sich an dem Vorgefallenen nichts ändern --
-
-=Frau Hasselstein= [schluchzend]. Wie -- wie kö -- könnte ich -- in
-meinem großen Schmerz -- an -- an -- einer Tarockpartie teilnehmen --
-
-=Alle Damen.= Eine Ablenkung tut not -- ist wie eine heilsame Medizin --
-
-=Ladislaja= [mit salbungsvollem Tone]. Man muß sich in den Willen des
-Höchsten mit Demut fügen.
-
-=Hermine= [lebhaft]. Der neue Prediger wird vier Messen für seine Ruhe
-lesen und alle Jungfrauen unseres Vereins werden für sein Seelenheil
-beten.
-
-=Frau Knute= [aufspringend]. Schwester, hast du den neuen Trauerhut schon
-aufprobiert?
-
-=Frau Hasselstein= [müde]. Ja, -- er muß geändert werden.
-
-=Frau Knute= [indem sie auf den Lehnstuhl zur Linken zugeht auf dem
-eine Hutschachtel steht und den Hut samt langen Schleier herauszieht
-und betrachtet. Alle Damen folgen ihr mit den Blicken.] Als Mutter eines
-solchen Sohnes muß dein Hut tadellos sitzen!
-
-
-2. Auftritt.
-
- [Ein Stubenmädchen öffnet geräuschvoll die Tür und läßt Roden und
- Norry eintreten, die auf Fr. Hasselstein zugehen und ihr schweigend die
- Hand küssen, während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.]
-
-=Roden= [indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch vor Fr. Hasselstein
-legt]. Einige Kleinigkeiten als Andenken -- ein Jagdmesser, sein letztes
-Notizbuch, einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring -- die Uhr
-verbleibt dem Sohne.
-
-=Frau Hasselstein= [mit zitternder Erwartung in der Stimme]. Wo ist!? [Sie
-vollendet nicht.]
-
-=Roden= [mit unergründlicher Miene]. Der Sohn ist bei seiner Mutter!
-
-=Frau Hasselstein= [die Gegenstände mit zitternden Händen an sich
-raffend]. Ich -- ich danke Ihnen meine Herren! [Sie macht eine bittende
-Handbewegung und beide nehmen schweigend Platz.]
-
-=Frau Pottenmiller= [zu beiden Herren]. Sie sehen eine gramgebeugte Familie
-vor sich!
-
-=Krickenfeld=, =Holzheim= und =Zungrapp=. Die Zierde von Kringhausen ist
-nicht mehr!
-
-=Frau Knute= [sich die Augen wischend]. Unser hochbegabter Neffe fand ein
-so frühes Ende!
-
-=Frau Hasselstein= [ihre Hand bittend auf Norrys Arm legend]. Erzählen Sie
-mir -- von -- von -- meinem Sohne.
-
-=Norry= [mitleidig]. Hans Georg dachte immer voll Liebe an Sie, gnädige
-Frau -- wir sprachen oft von Ihnen; hoffnungsfreudig in der Nacht
-der Antarktis und mit warmer Hingebung unter den tropischen Bäumen
-Mikroseniens. [Frau H. weint.]
-
-=Frau Knute= [zu Roden]. Sie haben keine Ahnung, Herr Doktor, wie sehr uns
-der Schlag, der meine unglückliche Schwester getroffen, nahegeht!
-
-=Roden= [kalt]. Ich zweifle nicht daran. [Leise zu Norry.] Nun hat die
-Pfeife einen anderen Ton.
-
-=Frau Pottenmiller= [zu Norry]. So ein Mann -- alle Zeitungen berichten von
-ihm --
-
-=Krickenfeld.= Ein so berühmter Forscher! Wie oft habe ich ihm einen Apfel
-gegeben!
-
-=Zungrapp= [zur Decke blickend]. Ein Talent! Ein Talent! meine Damen.
-
-=Ada= [die als einzige nicht geweint hat und nur kalt umherblickt].
-Ein Talent, zugegeben und wie alle solche auch überspannt. Meine Tante
-verstand nicht sein Temperament zu zügeln, niemand konnte auf ihn
-einwirken. Hier in Kringhausen bot sich ihm eine gesicherte Existenz, die
-Achtung seiner Mitbürger, -- wenn er nur auf seine merkwürdigen Ideen
-verzichten gewollt, -- geistige Anregung auf allen Gebieten -- er aber --
-
-=Frau Knute= [seufzt tief auf]. Meine Schwester war allzu schwach in ihrer
-Mutterliebe.
-
-=Frau Pottenmiller= [seufzt auch]. Allzu nachsichtig gegen ihren Sohn.
-
-=Ada Brunnick= [mit Befriedigung]. Ich habe es immer vorausgesehen, daß er
-ein abenteuerliches Ende finden werde, denn niemand bricht ungestraft die
-heiligsten Bande --
-
-=Roden= [ärgerlich]. Aber man hat das Recht die Stricke zu durchschneiden,
-die einen Pegasus als Ackergaul festhalten oder einen Canova dazu
-verpflichten, als Topfmacher sein Brot zu verdienen. Nicht jeder, meine
-Gnädigste, ist von der Natur zum Kringhäusler geschaffen!
-
-=Norry= [zu Knute und Pottenmiller]. Die ihm am nächsten gestanden, haben
-seinen Wert zuletzt erkannt!
-
-=Frau Hasselstein= [bittend zu Norry]. Herr Doktor!
-
-=Norry= [ihr nähertretend, freundlich]. Gnädige Frau?
-
-=Hasselstein=. Wie -- wie -- war das Ende?
-
-=Norry= [ernst und voll Mitleid]. Wir waren alle auf dem Schiff viele
-Meilen von der Unglücksstelle entfernt und kamen alle erst vierzehn
-Tage später nach Ailuk. Der Eingeborene, der die Schreckensbotschaft der
-beklagenswerten jungen Gattin überbrachte, lag noch bei unserer Abreise
-krank darnieder, da er sich an den scharfen Korallenriffen Verletzungen
-zugezogen hatte und ein Haifisch --
-
-=Alle= [mit Entsetzen]. Aaaaaah! Ooooooh! Ein Haifisch!!!!
-
-=Frau Hasselstein= [schluchzt untröstlich]. So ein gräßliches Ende und
-alles -- ach, alles -- durch meine Schuld!
-
-=Frau Knute= und =Pottenmiller= [vereint]. Liebe Schwester, teure
-Schwester, es steht nicht immer zu ändern -- du hast richtig gehandelt --
-
-=Ada Brunnick= [hart]. Er hat es ja selbst so gewollt!
-
-=Roden= [ernst]. Hasselstein starb im Dienste der Wissenschaft, die ihm
-ewigen Dank schuldet.
-
-=Norry= [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen mit Gewalt
-zurückgehalten, so würde er wahrscheinlich sein eigenes Leben gerettet
-haben. Edel wie immer ließ er den Gefährten Rettung finden.
-
-=Krickenfeld= [während die anderen laut weinen]. Ja, so ein junger Mann,
-auf den können die Kringhäusler stolz sein!
-
-=Zungrapp.= Wenn ich denke, wie oft ich ihm ein Butterbrot gestrichen
-habe --
-
-=Holzheim= [sich die Augen trocknend]. Und ich, die ich ihm stets von
-meinen besten Winteräpfeln gegeben habe. Das ist mir jetzt in der Tat ein
-erhebendes Bewußtsein. Auch ich habe zu seiner Größe beigetragen!
-
-=Frau Pottenmiller= [stolz]. Am regen Verstande meiner Adarl hat er zuerst
-den seinen zu schärfen gelernt! Ihr verdankt er --
-
-=Roden= [leise zu Norry]. Über die Schärfe des Gehirns kann ich noch kein
-richtiges Urteil abgeben, aber die Zunge --
-
-=Norry= [lächelnd]. -- ist die reinste Damaszenerklinge! Was war Harun al
-Raschids Schwert dagegen?
-
-=Roden= [im selben Ton]. Einem Haifisch käme ein Gruseln an!
-
-=Frau Krickenfeld.= Man will -- so sagte mir im Vorbeigehen die Frau
-unseres lieben Medizinalrates --
-
-=Zungrapp= [heftig]. Peleponesia, hast du auch schon gehört, daß sie mit
-ihrem Vetter ein Verhältnis gehabt haben soll und ihr Mann die beiden --
-
-=Hermine= und =Ladislaja= [sich vorbeugend]. -- ein Verhältnis? -- Diese
-scheinheilige -- diese --
-
-=Roden= [leise zu Norry]. =Jetzt= erröten die holdseligen Jungfrauen
-nicht!
-
-=Holzheim= [sich aufblasend]. Nur =ich= allein kenne alle Einzelheiten,
-denn meine Masseuse --
-
-=Krickenfeld= [mit Mißbilligung]. Lassen Sie sich noch massieren!
-
-=Holzheim= [etwas verlegen]. So sehr bedarf ich dessen freilich nicht mehr,
-aber die Masseuse weiß eben immer, was in der Stadt vorgeht und daher ist
-es mir eine große Genugtuung --
-
-=Krickenfeld= [zustimmend]. Ja, die Peggy --
-
-=Pottenmiller= [erregt]. Peggy? Das ist doch wohl nicht etwa diese
-merkwürdige Alte, die ihre eigene Magd jeden Sonnabend wäscht? Ha, ha,
-ha!
-
-=Zungrapp= [geheimnisvoll]. Man sagt von ihr, daß sie Säcke voll alter
-Münzen unter dem Bette verborgen hält --
-
-=Ada Brunnick= [gelassen]. Da wird schon irgend jemand den alten Narren
-einmal aus dem Weg räumen!
-
-=Zungrapp= [mit Bestimmtheit]. Sie soll gar nie ihr Zimmer fegen lassen und
-Paula, ihr Dienstmädchen, hat der Köchin im Vertrauen mitgeteilt --
-
-=Frau Holzheim= [lebhaft]. Nun, da Sie davon sprechen, hochverehrte Frau
-Direktor, fällt mir eben etwas ein. Stellen Sie sich einmal vor, meine
-Damen -- [Alle richten sich auf.]
-
-=Krickenfeld= [erbittert]. Hier kann ein Mensch wahrlich nicht zu Wort
-kommen! Ich muß schon bitten!! Ich sagte also, daß die Frau unseres
-Medizinalrates -- sie erwartet übrigens in Kürze das Fünfte --
-
-=Frau Knute= [die Hände zusammenschlagend]. Du grundgütiger Himmel! Als
-ob wir nicht schon genug Mädchen in Kringhausen hätten und natürlich
-wird es wieder ein Mädchen sein!
-
-=Krickenfeld.= Werde ich denn nie aussprechen dürfen? Ich sagte, so
-weit ich mich nach all diesen Unterbrechungen erinnern kann, daß man die
-Absicht hat einen Bazar zu veranstalten und von dem Erlös will man Herrn
-Professor Hasselstein in seiner Vaterstadt ein Monument errichten.
-
-=Alle= [gerührt]. Aaaaaah! Ein Monument?
-
-=Roden= [leise zu Norry]. Nein, hörst du, hier möchte ich buchstäblich
-nicht einmal aufgemalt sein wollen.
-
-=Hasselstein= [weinend]. Alle, alle sind so gut gegen mich!
-
- [Es schlägt zwölf Uhr. Alle springen erregt auf, greifen nach ihren
- Sachen und nehmen schleunigst Abschied.]
-
-=Frau Knute= [küßt schnell Frau Hasselstein und winkt dann ihrem Manne].
-Schon zwölf Uhr! Himmel! Mein Truthahn wird gewiß verkohlen -- Sie kennen
-ja die Dienstboten, beste Frau Kommerzienrat.
-
-=Krickenfeld.= Gar kein Verlaß auf dieses Gesindel. Sie bestehlen und
-betrügen, sie -- [Beide Frauen führen das Gespräch weiter fort.]
-
-=Frau Pottenmiller= [zärtlich]. Leb' wohl, liebste Schwester. Nimm' dir
-den Verlust nicht allzu sehr zu Herzen, erinnere dich, daß wir alle
-ihn mit dir teilen, hänge nicht deinen trüben Gedanken nach -- diese
-Damen --
-
-=Zungrapp= und =Holzheim=. Versteht sich, versteht sich, hochverehrte Frau
-Regierungsrat, wir werden uns der Armen schon annehmen. Wir kommen --
-
-=Hasselstein= [fast hart ablehnend]. Nein, nein, meine Damen -- wie soll
-ich an ein Kartenspiel -- [sie wendet sich weinend ab].
-
-=Krickenfeld= [herzukommend]. Aber so ein Tarockerl, beste Frau Oberst,
-das ist Seelenmedizin. Das zerstreut. [Alle nehmen Abschied, aber die
-Tarockdamen rufen noch zurück:] Wir kommen, wir kommen!
-
-=Holzheim= [eilig]. Jetzt muß ich mich aber sputen was das Zeug hält.
-Wenn mein Mann nicht die Suppe auf dem Tische findet, wenn er heimkommt, so
-setzt es allemal ein Donnerwetter.
-
-=Frau Knute= [den Kopf schüttelnd]. Alles ihre eigene Schuld, beste Frau
-Inspektor. Warum verhätscheln Sie ihn so? Ich habe mir den meinigen gleich
-zu Anfang erzogen.
-
- [Alle sind endlich bei der Tür angelangt, man nimmt noch einmal
- einen sehr geräuschvollen Abschied, aber eine der Damen geht nach der
- anderen fort.]
-
-=Ada Brunnick= [kalt]. Grüß' Gott, Tante! [Zu den anderen, besonders Frau
-Krickenfeld, indem sie ihren Mann am Arm faßt und mit sich zieht.] Man
-muß das Unmögliche begehren, damit man das Mögliche erreicht.
-
-=Zungrapp= [noch einmal auf Fr. H. zukommend]. Meine teure, meine
-beklagenswerte Frau Oberst, nur Mut, nur Ruhe! Das Beileid unseres
-Landtsherrn muß Ihnen doch ein Trost -- ein großer Trost sein.
-
-=Hermine= [eher gedankenlos als böswillig]. Ach ja, uns allen ist sein Tod
-so ein Trost! [Sie folgt den anderen.]
-
-
-3. Auftritt.
-
-=Frau Hasselstein= [winkt den beiden Forschern noch einmal Platz zu
-nehmen]. Gott sei Dank, endlich kann ich mich ungestört dem Glücke
-hingeben mit den wahren Freunden meines Sohnes zu sprechen. Erzählen
-Sie mir von seinem Tun und Treiben -- von allem -- von allem -- mein Herz
-dürstet danach!
-
-=Roden= [ernst]. Hasselstein hat sich zuerst auf den Rälik -- oder den
-Inseln gegen Tagesende aufgehalten, aber da das Klima daselbst seiner
-jungen Frau nicht zusagte, zog er nach den Inseln gegen Tagesanbruch -- den
-Ratakinseln -- und dort führte er das schwere Dasein eines Forschers --
-unermüdlich, heiter und dank den rastlosen Bemühungen seiner Gattin sehr
-glücklich -- viel glücklicher als er es in -- [Norry winkt abweisend].
-
-=Frau Hasselstein= [scheinbar nach großer Ueberwindung]. Ich -- ich
-möchte eine Frage an Sie stellen, meine Herren, eine Frage, die mich
-unbeschreiblich erregt.
-
-=Norry= [ermutigend]. Und diese Frage lautet?
-
-=Frau Hasselstein= [ihn mit verzehrenden Blicken betrachtend]. Wo ist meine
-Schwiegertochter, wird sie Kringhausen passieren, wird --
-
-=Norry= [verlegen]. Ich dachte --
-
-=Frau Hasselstein= [weinend]. Sie war die Frau meines Sohnes, sie durfte
-in seine Augen schauen, ihm nahe sein, während ich mich in der öden
-Behausung nach ihm zu Tode sehnte, sie durfte -- [sie schweigt].
-
-=Roden= [ernst]. Sie hat viel geopfert, gnädige Frau dieser Privilegien
-halber. Gnädige Frau haben gleich ihr die Wahl gehabt und --
-
-=Hasselstein= [ernst zu ihm aufsehend]. Ich weiß es, ich weiß es. Es war
-dies die Qual meiner schlaflosen Nächte, das Gespenst, das mich auch am
-hellen Tage nicht verließ. Ich hatte ja den einzigen Sohn in die weite
-Welt ziehen lassen statt seinem Wunsche nachzugeben, aber ich, Herr
-Doktor, ich bin ja nur eine schwache Frau, aufgewachsen und alt geworden in
-Kringhausen und seinen Ansichten, seinen Vorurteilen. Ich habe meine Zeit
-überlebt und konnte mich nicht in die neuen Anschauungen finden. Ein
-alter Baum läßt sich nicht umpflanzen und krumme Aeste werden nicht mehr
-gerade, wenn sie von Alter hart und dürr geworden. Wenn ich gefehlt, so
-habe ich schwer dafür gebüßt. Ein freudenloser Lebensabend steht mir
-bevor.
-
-=Norry= [die Weinende tröstend.] Es war so bestimmt -- es hat so kommen
-müssen. Können wir irgend etwas für Sie, gnädige Frau, tun?
-
-=Hasselstein= [aufblickend.] Berta ist auch in Europa -- sie ist vielleicht
-ganz nahe von Kringhausen -- [leise, die Hände auf das Herz drückend]
--- und sie hat --
-
-=Norry= [ernst.] Gegenwärtig weilt die Witwe unseres geliebten Kollegen
-hier in Kringhausen.
-
-=Hasselstein= [aufspringend.] In Kringhausen? Oh, wird sie mir je vergeben,
-wird sie unerbittlich sein? --
-
-=Norry= [ist unterdessen auf die Tür zur Linken zugegangen. Er öffnet
-sie jetzt und in tiefe Trauer gekleidet, tritt die junge und schöne
-Frau Hasselstein über die Schwelle. Auf den Armen hält sie ein weißes
-Bündelchen mit schwarzen Bändern.]
-
-
-4. Auftritt.
-
-=Frau Hasselstein= [auf sie blickend]. Berta! [Dann das Bündelchen
-bemerkend und alles darüber vergessend mit zitternder Stimme.] Ist das --
-ist das?? --
-
-=Berta= [in Tränen ausbrechend.] Das ist alles, was mir auf Erden
-geblieben.
-
-=Hasselstein= [schlägt langsam den Schleier zurück.] Ach Tochter, wie
-unsäglich reicher bist du doch als ich! [sie neigt sich über das Kind.]
-Wie heißt er?
-
-=Berta= [leise.] Wie sein Vater.
-
-=Hasselstein= [zögernd.] Ich war ungerecht -- selbstsüchtig einst, Berta,
--- ich wollte, was ich besaß, nicht mit dir teilen und heute -- oh
-heute könnte ich dich auf meinen Knien mit gefalteten Händen anflehen
-großmütig zu sein und -- [leidenschaftlich] Berta, laß zu, daß sich
-meine Augen an deinem Schatze weiden. Führ ihn nicht wieder fort! Bleibe
-bei mir -- bei der Mutter deines toten Gatten.
-
-=Berta= [zögernd.] Meine Vergangenheit --
-
-=Hasselstein= [stolz.] Du warst die Gattin meines Sohnes.
-
-=Berta= [leise.] Und -- und -- die Kringhäusler?
-
-=Hasselstein= [sich voll aufrichtend.] Die Kringhäusler? Was kümmert mich
-die Meinung der Kringhäusler? Das ist Fleisch von meinem Fleische, Blut
-von meinem Blute -- [weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme
-legt] -- mein Enkelkind!
-
- [Beide Frauen neigen sich über den Kleinen und man hört Ausrufe wie
- »hat er nicht ganz die Nase seines Vaters« und »schau auf den
- Mund, ganz wie bei Hans Georg« usw. während sich beide Frauen halb
- umschlungen halten um besser auf das Kind sehen zu können.]
-
-=Roden= [indem er Norry winkt sich leise mit ihm zu entfernen]. Jetzt
-wären endlich die Kringhäusler überwunden!
-
- [Der Vorhang fällt.]
-
-
-=Ende!=
-
-
-Druck von Reinhold Berger in Lucka S.-A.
-
-
-
-
-[ Hinweise zur Transkription
-
-
-Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
-
-Darstellung abweichender Schriftarten: =gesperrt=, ~Antiqua~.
-
-Die Stellung des schließenden Satzzeichens in den Regieanweisungen wurde
-stillschweigend vereinheitlichend korrigiert. Das schließende Satzzeichen
-wurde innerhalb der eckigen Klammern angeordnet bei Regieanweisungen, die
-einen eigenen Satz bilden. Das schließende Satzzeichen wurde außerhalb
-der eckigen Klammern angeordnet bei Regieanweisungen, die keinen eigenen
-Satz bilden.
-
-Die Regieanweisung "Triebe" auf Seite 16 erscheint als unangebracht.
-
-Überkommene Rechtschreibung wurde beibehalten in "Geberden", "Lantsherr",
-"totmüde".
-
-Vermuteter Wortwitz wurde beibehalten, nämlich "Mikrosenien" an der Stelle
-von "Mikronesien", "staatlicher" an der Stelle von "stattlicher."
-
-Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten, beispielsweise "Adarl"
--- "Aderl", "vor allem" -- "vorallem".
-
-Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden
-Ausnahmen,
-
- Seite 4:
- "--" eingefügt
- (gebrachten Kringhäusler! -- [er lacht plötzlich)
-
- Seite 4:
- "daß" geändert in "das"
- (daß man sich eigene Pfade brechen kann, das verstehen sie)
-
- Seite 5:
- "," eingefügt
- (endlos scheinenden Eisbarrieren, schließlich)
-
- Seite 6:
- "." eingefügt
- (Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale.)
-
- Seite 6:
- "," eingefügt
- (Kampf gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle)
-
- Seite 7:
- "." eingefügt vor "Sind"
- (=Norry= [zu H.]. Sind viele neue Exemplare)
-
- Seite 7:
- "sie ihre" geändert in "Sie Ihre"
- (Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?)
-
- Seite 7:
- "--" eingefügt
- (hin ist hin -- [er lacht auch heiter])
-
- Seite 8:
- ":" geändert in "."
- (=Hasselstein= [lachend]. Unzufriedener!)
-
- Seite 8:
- ":" geändert in "."
- (=Norry=. Und die bald wiederkehrt!)
-
- Seite 8:
- ":" entfernt hinter "=Hasselstein="
- (=Hasselstein= [zu Norry, der eifrig)
-
- Seite 8:
- "." eingefügt
- (Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal)
-
- Seite 8:
- "untersuchend:" geändert in "untersuchend]."
- (=Norry= [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie)
-
- Seite 9:
- "." entfernt hinter "=Hasselstein="
- (=Hasselstein= [geht auf das Zelt zu)
-
- Seite 9:
- ":" geändert in "."
- (bis dorthin nicht erreicht haben.)
-
- Seite 10:
- "dahein" geändert in "daheim"
- (daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht)
-
- Seite 10:
- "einen" geändert in "einem"
- (am Ende alles einem Wahn geopfert)
-
- Seite 11:
- "spöttich" geändert in "spöttisch"
- (=Roden= [spöttisch]. Vortrefflich)
-
- Seite 12:
- "reel" geändert in "reell"
- (Wenn die Ware nicht durch und durch reell ist)
-
- Seite 13:
- "Ord" geändert in "Ort"
- (verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle)
-
- Seite 15:
- "," eingefügt
- (verlachen herrschende Vorurteile zwar, bäumen uns)
-
- Seite 15:
- "wirwüten" geändert in "wir wüten"
- (aber wir wüten)
-
- Seite 16:
- "," eingefügt
- (indem wir stärker, sondern auch seelisch)
-
- Seite 16:
- "," eingefügt
- (die mächtigen Eisgrotten, das flackernde Nordlicht)
-
- Seite 16:
- "]" eingefügt
- (Es wird unheimlich finster.])
-
- Seite 17:
- "Norrn" geändert in "Norry"
- (=Norry= [lachend].)
-
- Seite 18:
- "." eingefügt
- (die Hände und rufen durcheinander.])
-
- Seite 21:
- "(" geändert in "["
- ([Ein elegant ausgestattetes Zimmer.)
-
- Seite 21:
- ")" geändert in "]"
- (alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.])
-
- Seite 21:
- "eine" geändert in "ein"
- (In der Mitte der Szene ein Spieltisch)
-
- Seite 21:
- "lächelud" geändert in "lächelnd"
- (=Frau Krickenfeld= [lächelnd]. Immer die, die fragt!)
-
- Seite 21:
- "." entfernt hinter "]"
- ([Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn)
-
- Seite 22:
- "." eingefügt
- (Natürlich: So geht es immer.)
-
- Seite 22:
- "bitten" geändert in "bitte,"
- (Bitte, bitte, da sind schon die dreißig Heller.)
-
- Seite 23:
- "Haus" eingefügt hinter "zu"
- (die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen)
-
- Seite 24:
- "[" eingefügt
- ([Man spielt eifrig.])
-
- Seite 24:
- "Kickenfeld" geändert in "Krickenfeld"
- (=Krickenfeld= [seufzt tief auf].)
-
- Seite 25:
- "bedreffend" geändert in "betreffend"
- (Einen Skandal? Meinen Sohn betreffend?)
-
- Seite 25:
- "(" geändert in "[", ")" geändert in "]"
- ([Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.])
-
- Seite 26:
- "davan" geändert in "davon"
- (die ganze Stadt spricht davon --)
-
- Seite 26:
- "gleich-gesagt" geändert in "gleich gesagt"
- (Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.)
-
- Seite 26:
- "hinausge kommen" geändert in "hinausgekommen"
- (Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen)
-
- Seite 27:
- "sie" geändert in "Sie"
- (Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen!)
-
- Seite 28:
- "sie" geändert in "Sie"
- (Lassen Sie sich Ihre Handerl vergolden)
-
- Seite 28:
- "sie" geändert in "Sie"
- (für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben)
-
- Seite 29:
- "." eingefügt hinter "ansehen"
- (=Alle= [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen.)
-
- Seite 29:
- "schwirt" geändert in "schwirrt"
- (»ich auch« schwirrt es durcheinander)
-
- Seite 29:
- "," geändert in "."
- (=Krickenfeld=. Wirklich?)
-
- Seite 29:
- "sie ihren" geändert in "Sie Ihren"
- (machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend)
-
- Seite 29:
- "sie" geändert in "Sie"
- (halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück!)
-
- Seite 30:
- "sie" geändert in "Sie"
- (wenn Sie gar in meinem Elternhause gewesen wären)
-
- Seite 30:
- "sie" geändert in "Sie"
- (Sehen Sie einmal mich an --)
-
- Seite 31:
- "sie" geändert in "Sie"
- (Sehen Sie mich an!)
-
- Seite 31:
- "." eingefügt
- (=Holzheim= [die Karten zusammenraffend].)
-
- Seite 31:
- "." eingefügt
- ([Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.])
-
- Seite 31:
- "Professer" geändert in "Professor"
- (ist der liebe Herr Professor noch so jung)
-
- Seite 32:
- "Sie" geändert in "sie"
- ([sie schlägt sich auf den Mund])
-
- Seite 32:
- "[" und "]" eingefügt.
- ([Der junge Hasselstein tritt ein.])
-
- Seite 32:
- "Biblioteken" geändert in "Bibliotheken"
- (in Bibliotheken und so weiter)
-
- Seite 32:
- "[" geändert in "]"
- (=Alle= [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst!)
-
- Seite 32:
- "das" geändert in "daß"
- (daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung)
-
- Seite 32:
- "Man" geändert in "Mann"
- (für einen heiratsfähigen Mann ist)
-
- Seite 33:
- "." eingefügt
- ([Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.])
-
- Seite 33:
- "überans" geändert in "überaus"
- (so überaus in Anspruch genommen)
-
- Seite 34:
- "Mam" geändert in "Mama"
- (bei Mama verweilen zu können)
-
- Seite 34:
- "]" eingefügt
- (begleiten die Gäste bis zur Tür zur Rechten.])
-
- Seite 35:
- "allin" geändert in "allein"
- ([Mutter und Sohn allein.])
-
- Seite 36:
- "--" eingefügt
- (engherziger Beurteilung gewichen, -- gewichen, auf daß)
-
- Seite 36:
- "," eingefügt hinter "Mutter"
- (Ich prüfte mich, Mutter, und weiß)
-
- Seite 37:
- "." eingefügt
- (Man kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.)
-
- Seite 37:
- "Glanbst" geändert in "Glaubst"
- (Glaubst du, daß dein Glück von Dauer)
-
- Seite 38:
- "." eingefügt
- (=Hans Georg= [bitter].)
-
- Seite 38:
- "." eingefügt
- (und blickt zärtlich in ihr Antlitz].)
-
- Seite 38:
- "wircklich" geändert in "wirklich"
- (Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen)
-
- Seite 38:
- "Haselstein" geändert in "Hasselstein"
- (=Hasselstein= [sich die Tränen abtrocknend].)
-
- Seite 40:
- "daß" geändert in "das"
- (ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin erwählt)
-
- Seite 40:
- "[" eingefügt
- ([Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll)
-
- Seite 41:
- "." eingefügt
- (=Regierungsrat Pottenmiller.= Willkommen daheim,)
-
- Seite 42:
- "." eingefügt
- ([Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine)
-
- Seite 42:
- "[" eingefügt
- ([Ein Stubenmädchen öffnet die Tür)
-
- Seite 42:
- "]" eingefügt
- (und läßt Roden und Norry eintreten.])
-
- Seite 44:
- "." eingefügt
- (=Alle drei Herren= [mit tiefen Seufzern].)
-
- Seite 44:
- "kmeine" geändert in "meine"
- (Gemüt braucht meine künftige Frau)
-
- Seite 44:
- "sann" geändert in "kann"
- (Ich kann statt dessen ja jede Woche)
-
- Seite 45:
- "sie" geändert in "Sie"
- (O glauben Sie das nicht!!!)
-
- Seite 46:
- "," geändert in "."
- (=Roden= [im gleichen Ton].)
-
- Seite 47:
- "dnmmvergnügt" geändert in "dummvergnügt"
- (=Ladislaja= [lächelt dummvergnügt vor sich hin].)
-
- Seite 48:
- "." entfernt hinter "[sie seufzt]"
- (Hans Georg liebt sie -- [sie seufzt])
-
- Seite 48:
- "." eingefügt
- (=Hermine.= -- und tugendhaft)
-
- Seite 48:
- "anspruchgloser" geändert in "anspruchloser"
- (Je weniger auffallend die Erscheinung um so anspruchloser)
-
- Seite 48:
- "." eingefügt
- (=Frau Knute.]= -- und weniger zur Koketterie geneigt)
-
- Seite 48:
- "Ladaslaja" geändert in "Ladislaja", "." eingefügt
- (=Ladislaja.= -- und reineren Herzens --)
-
- Seite 49:
- "Jugfrauenvereins" geändert in "Jungfrauenvereins"
- (Schneiderabenden des katholischen Jungfrauenvereins)
-
- Seite 49:
- "--" eingefügt
- (sehr erröten, wenn man Anspielungen -- an)
-
- Seite 50:
- "uur" geändert in "nur"
- (dem jungen Prediger nur in die Augen schauen)
-
- Seite 51:
- "," eingefügt
- (deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande)
-
- Seite 51:
- "Nachdruch" geändert in "Nachdruck"
- (=Hans Georg= [laut, mit Nachdruck].)
-
- Seite 52:
- "." eingefügt hinter "Fr. H"
- ([Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl!)
-
- Seite 52:
- "Srich" geändert in "Sprich"
- (Sprich, Mutter!)
-
- Seite 53:
- "Vorurteilswillen" geändert in "Vorurteils willen"
- (eines Vorurteils willen in den Staub treten)
-
- Seite 53:
- "laugsam" geändert in "langsam"
- (das Beste in mir langsam aber sicher zerstören)
-
- Seite 53:
- "," eingefügt
- (ich beschwöre dich, bedenke --)
-
- Seite 53:
- "genung" geändert in "genug"
- (Er wird schnell genug einsehen)
-
- Seite 54:
- "Meuschlichkeit" geändert in "Menschlichkeit"
- (in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind)
-
- Seite 54:
- "Bemerkuug" geändert in "Bemerkung"
- (=Frau Knute= [Rodens Bemerkung beantwortend].)
-
- Seite 55:
- "7." geändert in "6."
- (6. Auftritt.)
-
- Seite 56:
- "Hnns" geändert in "Hans"
- (=Hans Georg= [von dem einen auf den anderen blickend].)
-
- Seite 56:
- "]." eingefügt
- (=Norry= [einfallend]. -- die Kringhäusler!)
-
- Seite 57:
- "Dassellle" geändert in "Dasselbe"
- (Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt.)
-
- Seite 57:
- "1. Auftritt." eingefügt
-
- Seite 57:
- "vou" geändert in "von"
- (Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf)
-
- Seite 57:
- "Mitteilnngen" geändert in "Mitteilungen"
- (wertvolle Mitteilungen über die Flora)
-
- Seite 57:
- "besondes" geändert in "besonders"
- (besonders interessante Aufschlüsse)
-
- Seite 57:
- "auftretenten" geändert in "auftretenden"
- (in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen)
-
- Seite 57:
- "Fangmetode" geändert in "Fangmethode"
- (die Fangmethode desselben besser zu prüfen)
-
- Seite 58:
- "Unglünsstätte" geändert in "Unglücksstätte"
- (nicht weit von der Unglücksstätte)
-
- Seite 58:
- "Erpedition" geändert in "Expedition"
- (zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer)
-
- Seite 58:
- "]" eingefügt
- ([Er legt die Zeitung langsam zusammen und setzt sich.])
-
- Seite 59:
- "Fran" geändert in "Frau"
- (=Frau Hasselstein= [bitterlich weinend].)
-
- Seite 59:
- "Tarokpartie" geändert in "Tarockpartie", "." eingefügt
- ([Zu den Damen der Tarockpartie.])
-
- Seite 59:
- "Hasselsteiu" geändert in "Hasselstein"
- ([zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint])
-
- Seite 60:
- "," geändert in "."
- (=Frau Hasselstein= [schluchzend].)
-
- Seite 60:
- "tn" geändert in "in"
- (Man muß sich in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.)
-
- Seite 60:
- "." eingefügt
- (während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.])
-
- Seite 60:
- "Gegenständd" geändert in "Gegenstände"
- (indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch)
-
- Seite 60:
- "." geändert in ","
- (einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring)
-
- Seite 61:
- "zügelu" geändert in "zügeln"
- (Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln)
-
- Seite 62:
- "." eingefügt
- (=Hasselstein=. Wie -- wie -- war das Ende?)
-
- Seite 62:
- "." eingefügt hinter "]"
- (=Norry= [ernst zu Fr. H.]. Hätte er den Eingeborenen)
-
- Seite 63:
- "Hozheim" geändert in "Holzheim"
- (=Holzheim= [sich die Augen trocknend].)
-
- Seite 63:
- "Bewußtsen" geändert in "Bewußtsein"
- (Das ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein.)
-
- Seite 63:
- "rechtiges" geändert in "richtiges"
- (kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben)
-
- Seite 63:
- "Juugfrauen" geändert in "Jungfrauen"
- (erröten die holdseligen Jungfrauen)
-
- Seite 63:
- "sie" geändert in "Sie"
- (Lassen Sie sich noch massieren!)
-
- Seite 63:
- "Krickenseld" geändert in "Krickenfeld"
- (=Krickenfeld= [mit Mißbilligung].)
-
- Seite 64:
- "," geändert in "."
- (=Krickenfeld.= Werde ich denn nie aussprechen dürfen?)
-
- Seite 67:
- "weises" geändert in "weißes"
- (Auf den Armen hält sie ein weißes Bündelchen)
-
- Seite 67:
- "5." geändert in "4."
- (4. Auftritt.)
-
- Seite 68:
- "Vater:" geändert in "Vater."
- (=Berta= [leise.] Wie sein Vater.)
-
- Seite 68:
- "." entfernt hinter "[leidenschaftlich]"
- (anflehen großmütig zu sein und -- [leidenschaftlich] Berta)
-
- Seite 68:
- "." entfernt hinter "legt"
- ([weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt]) ]
-
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER ***
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-<title>The Project Gutenberg eBook of
-Die Kringhäusler
-by
-Alma Maximiliane Karlin</title>
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-<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Die Kringhäusler, by Alma Maximiliane Karlin</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
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-country where you are located before using this eBook.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Die Kringhäusler</div>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Drama in drei Akten</div>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Alma Maximiliane Karlin</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: January 01, 2021 [eBook #64193]</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div>
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-<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This book was produced from images made available by the HathiTrust Digital Library.)</div>
-
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER ***</div>
-
-
-
-<h1>Die Kringhäusler</h1>
-
-
-<p class="ce lh2"><span class="fsl">Drama in drei Akten</span><br />
-von<br />
-<span class="fsxl ge">A. M. Karlin</span></p>
-
-<hr />
-
-<p class="ce lh1">Leipzig 1918<br />
-<span class="ge">Bruno Volger</span> Verlagsbuchhandlung</p>
-
-
-
-
-<h2><span class="ge">Personen:</span></h2>
-
-
-<table summary="" border="0" cellpadding="0">
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Oberst Hasselstein</span>, Witwe</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Hans <span class="ge">Georg Hasselstein</span>, Professor der Naturwissenschaften, ihr Sohn</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Herr <span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller</span>, ihr Schwager</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Petronella Pottenmiller</span>, ihre Schwester</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Herr <span class="ge">Direktor Knute</span>, auch ein Schwager</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Johanna Knute</span>, ihre zweite Schwester</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Herr <i>Dr.</i> <span class="ge">Brunnick</span>, Pottenmillers Schwiegersohn</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Ada Brunnick</span>, seine Frau</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3"><span class="ge">Hermine Schrift</span>, unverheiratet, Hans Georgs Tante</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3"><span class="ge">Ladislaja Schrift</span>, ihre Schwester</td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Kommerzienrat Peloponesia Krickenfeld</span></td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Inspektor Margarete Holzheim</span></td></tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3">Frau <span class="ge">Professor Emilie Zungrapp</span></td></tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Norry</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Scharfen</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Roden</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Kapper</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- <td class="tdl" rowspan="2">die Teilnehmer der Südpolexpedition</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Johanssen</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Granelli</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Meroff</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="tdl">Herr <span class="ge">Vickers</span></td>
- <td class="tdl">}</td>
- </tr>
- <tr><td class="tdl" colspan="3"><span class="ge">Berta Heller</span>, Hans Georgs Braut.</td></tr>
-</table>
-
-<hr />
-
-<p class="ce">Der erste Akt spielt in der Antarktis, der zweite und der<br />
-dritte Akt in der Wohnung Frau Hasselsteins.</p>
-
-<p class="ce"><span class="ge">Zeit</span>: Gegenwart.</p>
-
-<hr />
-
-
-
-
-<h2><a class="pagenum" id="page_003" title="3"> </a>
-1. Akt.</h2>
-
-
-<p class="fss ci">[Im Hintergrund der weiten Bühne sieht man mächtige Eisgebilde
-mit leuchtend weißen Oberflächen, während alle Unebenheiten, Spalten
-und Risse je nach ihrer Tiefe vom zartesten bis zum tiefsten Blau erscheinen.
-Etwas mehr gegen den Vordergrund ist ein kleiner Streifen
-des Polarmeeres sichtbar, in dem sich die tafelförmigen Eismassen und
-die zerklüfteten Eisberge spiegeln. Zur Rechten im Hintergrund steht
-ein vereistes und tiefverschneites, von den mächtigen Eisstücken teilweise
-über die Meeresfläche gehobenes Schiff, von dessen Masten die Eiszapfen
-herniederhängen. Zur Linken hängt ein riesiger, in der Mitte gespaltener
-Eisberg über die Bühne, aus dessen Innern ein herrliches bläuliches
-Licht fließt. Links und rechts im Vordergrund befinden sich kleinere
-Eisstücke, auf denen eine große Anzahl Pinguine in verschiedenen Stellungen
-sitzen. Mehr im Hintergrund liegen einige Seehunde am Rande des
-Meeres. Ganz im Vordergrund zur Linken steht ein tiefverschneites Zelt,
-in dessen Mitte ein kleiner Kochherd steht und sein rötliches Licht über
-die Zeltwände ergießt. Zur Rechten steht Hasselstein und blättert in
-seinem Notizbuch. Ein wunderbar schönes, bläuliches Licht erfüllt die
-ganze Szene, während da und dort der Schnee in allen Farben des
-Regenbogens glitzert. Vom leuchtendsten Tageslicht geht jedoch die
-Beleuchtung langsam während des ganzen Aktes immer mehr in ein
-mattes Dunkel über und als es vollkommen finster geworden, zeigt sich
-im Hintergrund die Aurora Borealis in flackernden Bändern und ewig
-wechselnden Lichteffekten. Die ganze Zeit hört man auch das Pfeifen
-des Windes &ndash; im Anfang ganz schwach, dann mit zunehmender Stärke.]</p>
-
-
-<h3>1. Auftritt.</h3>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [macht eben die letzten Aufzeichnungen in
-sein Notizbuch als der Vorhang aufgeht. Nach einigen Sekunden
-schließt er es und macht einige Schritte auf die Mitte der Bühne
-zu]. Das wäre getan! [Er zieht seine Uhr aus der Tasche.]
-Wie, schon so spät? Da heißt es frisch zulangen soll unser
-Depôt und Winterobservatorium fix und fertig sein, wenn die
-Kollegen von ihren Streifzügen heimkehren. [Er macht sich rechts
-<a class="pagenum" id="page_004" title="4"> </a>
-an die Arbeit, schleppt von hinter den Kulissen große Eisblöcke
-herbei und beginnt sie aufeinander zu bauen und mit Schnee,
-den er zusammenfegt, zu befestigen. Während er eifrig arbeitet
-und das Schneehaus immer größer wird, spricht er, sich manchmal
-auf Augenblicke unterbrechend um auf die wechselnden Lichteffekte
-zu schauen.] Wie die Stunden fliehen und doch &ndash; wie weit
-von mir scheint die Vergangenheit! [er schüttelt wehmutsvoll
-das Haupt]. Zwei Jahre sind es nun, daß ich der Heimat den
-Rücken gekehrt [er baut schweigend einige Sekunden]. Wirklich
-nur zwei Jahre? Ist mir's doch, als seien Jahrzehnte seit
-dem Augenblick verflossen, wo&nbsp;&ndash; [er schleppt einige Eisstücke
-herbei]. Genug! Siebenhundertunddreißig Tage trennen mich
-von jener Stunde, in welcher mein Blick zum letztenmal in den
-ihren getaucht. Was wunder übrigens, daß die Zeit so lang
-mich deucht, denn die Zahl der Eindrücke und nicht der monotone
-Schlag der Stunden machen ja ein Menschenleben aus. Und
-ich &ndash; ich hatte Eindrücke&nbsp;&ndash; [er hält einen Augenblick inne
-und blickt, die Augen mit der Hand beschattend, forschend auf
-das Meer] &ndash;&nbsp;und was für Eindrücke, barmherziger Himmel!
-Erst die ungestümen Reisevorbereitungen, die ununterbrochenen
-Kämpfe, die feindselige Haltung der guten alten Seelen daheim
-&ndash; oh, die armen, entsetzten, aus dem Gleichgewicht gebrachten
-Kringhäusler!&nbsp;&ndash; [er lacht plötzlich laut auf] &ndash;&nbsp;wenig fehlte,
-daß man mich nicht mit Gewalt in eine Irrenanstalt sperren
-ließ, denn ein klardenkender Mensch &ndash; ein Individuum, mit
-vollem Gebrauch der fünf von Mutter Natur so gnädig verliehenen
-Sinne &ndash; kann sich nicht willig einer Südpolexpedition
-anschließen, das ist Wahnsinn, himmelschreiender erbarmenerweckender
-Wahnsinn! [er lacht wieder]. Arme Kringhäusler,
-sie müssen immer auf dem breiten, wohl ausgetretenen Pfad dahinhumpeln,
-&ndash; daß man sich eigene Pfade brechen kann, das
-verstehen sie nicht und billigen noch weniger. Wenn die ganze
-Gemeinde an Hinzens Kuhstall vorbei zur Kirche geht, warum
-sollte da ein Pfarrkind einen anderen Weg einschlagen? Das
-ist Ketzerei! [er baut eine Weile schweigend weiter]. Ach, dann
-kamen die Aufregungen des Abschieds, &ndash; von Berta &ndash; von
-Mama &ndash; von der lieben Heimat &ndash; ein Abschied, der möglicherweise
-Trennung auf immer bedeuten konnte, hierauf die lange
-<a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a>
-eintönige Fahrt, ein schläfriges Rollen und behagliches Dahinträumen,
-geschaukelt von leise plätschernden, tiefblauen Wassermassen,
-unter einem heißen, wolkenlosen Himmel&nbsp;&ndash; [er schaufelt
-eifrig den Schnee zusammen]. Ja, wer noch einmal, ein <span class="ge">einziges</span>
-Mal solche Wärme empfinden dürfte. Und eines schönen Tages
-waren wir in Neuseeland mit seinen Geysirn, Wasserfällen, tropischen
-Wäldern, riesigen Eukalyptus, seinen flügellosen Vögeln,
-und den schneegekrönten und gleichzeitig feuerspeienden Bergen.
-Welche Pracht! [er bildet das Dach seiner Hütte]. Allzu kurze Rast
-gefolgt vom gefahrvollen Tummeln auf kalter, sturmgepeitschter
-See, das langsame Sichnähern der endlos scheinenden Eisbarrieren,
-schließlich ein kurzer Ausflug auf die verödeten Kerguelen und
-zuletzt [er blickt wieder sinnend auf das Meer] die eigentliche
-Antarktis, das Ueberwintern in eisstarren Zelten, während sich
-draußen die endlose, düstere Polarnacht, mit all' ihren Schrecken
-und Leiden auf uns herabsenkte und wir bei kümmerlichem Thranlicht
-ein mattes Scheinleben führten, hie und da unterbrochen von
-den Beobachtungen im Freien bei einer Temperatur von durchschnittlich
-52&nbsp;Grad Celsius unter Null! [er arbeitet einige
-Sekunden wieder schweigend, während das Licht langsam abnimmt,
-hierauf wieder frischerer, munterer]. Nichtsdestoweniger hat selbst
-das Leben hier seinen Zauber, so mitten in einem noch unerforschten
-Teile unserer Erdkugel, wo Tiere und Vögel im Menschen
-noch nicht ihren Feind zu sehen gelernt haben, wo er in ihr
-Tun und Lassen freien Einblick gewinnen kann, hier &ndash; wo
-seltene Lichteffekte das Auge stündlich entzücken, wo eine Entdeckung
-der anderen auf dem Fuße folgt, wo ungeahnte Horizonte
-sich dem begierigem Geiste offenbaren! [er verbessert sein Werk
-da und dort] Neue Horizonte! Ach, wenn diese mich nur auch
-großmütiger im Beurteilen anderer machen würden! Mutterl,
-du liebes, gewiß tat ich dir oft Unrecht, wenn unsere Anschauungen
-nicht harmonierten. In Zukunft, da muß unser Zusammenleben
-ein besseres sein, denn ich habe alles aufgeboten um alle kleinlichen
-einseitigen Begriffe, alles falsche Beurteilen loszuwerden.
-Das liebe Mütterchen wird wohl auch einsehen gelernt haben, daß
-man nicht nur als Gymnasialprofessor in Kringen sein Glück
-machen kann und die lange Trennung, die ja so leicht eine
-ewige werden kann, hat gewiß auch ihre Skrupel, meine Heirat
-<a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a>
-mit Berta betreffend, gemildert. Sie hat Zeit gehabt Berta zu
-prüfen &ndash; meine Worte in Erwägung zu ziehen &ndash; ja, ja, die
-Mutterliebe wird, sie muß siegen [er verbessert das Innere der
-Schneehütte]. Alle lächerlichen Vorurteile, alles Hängen am
-Zopf wird mutig über Bord geworfen und da wollen wir drei
-&ndash; Mama, Berta und ich &ndash; ein Heim gründen, dessen Grundpfeiler
-gegenseitige Nachsicht und unbegrenzte Liebe sind. Alle
-meine Tage will ich der Verbreitung freisinnigerer Anschauungen,
-milderem Denkens widmen. Nieder mit allem kleinlichen Huldigen
-äußeren Scheins! Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale.
-[Das Schneehaus ist nun ganz fertig, er betrachtet sein Werk
-und ruft jubelnd aus:] Hurra! Vollendet ist das große Meisterwerk!
-[ernster.] Möge es mir einst gelingen den Kampf gegen
-alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle beschränkten, feindseligen
-Anschauungen daheim zu ebenso befriedigendem Abschluß zu
-bringen &ndash; da Berta, mein Liebling, soll dein Unglück dich
-nicht länger niederbeugen &ndash; nein, treues, edles Herz, kein Mensch
-soll länger scheu vor dir zurückweichen. An meiner Seite sollst
-du stolz erhobenen Hauptes dahinschreiten und zuversichtlich in
-eine sonnige Zukunft blicken. Und du, mein liebes Mutterl,
-du sollst in mir den zärtlichsten Sohn, in Berta die liebendste
-Tochter finden und dazu bedarf es nur eins: Die lieben Kringhäusler
-ein wenig &ndash; abzuschütteln!</p>
-
-
-<h3>2. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Roden, Norry und Scharfen kommen von rechts.]</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [zu Scharfen]. Wir müssen die Messungen vor
-Einbruch der Nacht beendigen [er wirft eine Leine in das Meer
-und Scharfen hilft ihm dabei].</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [munter]. Holla, Hasselstein! Sie sind der
-reinste Baukünstler. Unser Depôt ist ja ein ganzes Wunderwerk.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [indem er eifrig einige Apparate in dasselbe schleppt].
-Vortrefflich! Man kann unmöglich alle Geräte auf dem Schiffe
-oder im Zelte bequem unterbringen. Hier wollen wir unsere
-<a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a>
-Winterbeobachtungen machen &ndash; etwas wärmer als die windige
-Eisfläche wird diese Sternwarte sicher sein.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [indem er langsam die Leine aufwickelt]. Es
-fehlt eine Oeffnung im Dach&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [eifrig arbeitend]. Dem ist schnell abgeholfen.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [zu H.]. Sind viele neue Exemplare in die Falle
-gegangen?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [auf den Meeresstrand zugehend]. Ich habe
-noch nicht nachgesehen [er zieht eifrig eine Fischfalle aus dem
-Wasser]. Ein reichhaltiger Fang, wie fast immer &ndash; leider nur
-die gewöhnlichen Fischarten der Antarktis [er beugt sich noch
-einmal nieder und zieht ein kleines Netz aus dem Wasser].
-Vielleicht enthält das kleine Netz wertvollere Exemplare. Hm,
-wie immer eine ganze Menge Isopoden, einige Fünffüßler, mehrere
-Korallen, &ndash; was sehe ich? Ganz richtig! Eine Gattung auffallend
-kleiner Seegarnelen &ndash; eine Anzahl Wasserbären und&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [legt den Apparat heftig auf den Boden, springt auf
-das Meer zu, woher eben ein starkes Plätschern erklingt
-und ruft]. Schnell, schnell, Hasselstein! Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [rafft im Vorbeispringen seine Flinte vor
-dem Zelte auf und beide springen auf einige Eisstücke um freien
-Ausblick auf das Meer zu haben]. Ein Blauwal! Ein wahres
-Prachtexemplar! Aber leider außer Schußweite.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [eifrig spähend]. Verschwunden! Schade, &ndash;
-eine Abwechselung im Speisezettel wäre nicht unwillkommen
-gewesen!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [singt tröstend]. Es wär' zu schön gewesen, es
-hat nicht sollen sein!</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen.</span> Leider &ndash; leider; ein erhöhter Thranvorrat
-vermindert immer die Schrecken der Polarnacht, doch &ndash; fort
-ist fort und hin ist hin&nbsp;&ndash; [er lacht auch heiter].</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zu Norry]. A propos! Funktioniert der
-Elektrometer jetzt wieder? Sind die Messungen vollkommen verläßlich?</p>
-
-<p><span class="ge">Norry.</span> Vollkommen! Alles ist wieder in Ordnung.
-Ich will nur noch in aller Eile den Thermographen aufstellen,
-hierauf verwandle ich mich in einen Koch erster Qualität. Das
-ist ja meine Kochwoche [er stellt den Apparat auf und lacht].</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a>
-<span class="ge">Hasselstein</span> [sammelt seinen Fang zusammen und wendet
-sich zu Roden und Scharfen, die eben die lange Schnur vollends
-aufgewunden haben]. Welche Tiefe?</p>
-
-<p><span class="ge">Roden.</span> 1844 Klafter. Das bestätigt meine früheren
-Annahmen, daß die Tiefen hier in der Regel bedeutend größer
-als am Nordpol sind.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Wieviel Grade unter Null haben wir
-heute?</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [liest vom Thermometer, das an einer Zeltstange
-hängt, ab]. 29&nbsp;Grad Celsius.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden.</span> Besser Fisch als Mensch zu sein in diesen Gegenden
-&ndash; das Wasser ist wärmer.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lachend]. Unzufriedener! Denken Sie an die
-Zeit, wo wir 52° gehabt haben!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span>. Und die bald wiederkehrt!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zu Norry, der eifrig seine Apparate in
-der neuen Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal, verehrter
-Herr Wetterprophet &ndash; welcher angenehmen Ueberraschungen
-dürfen wir gewärtig sein?</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie sich nur
-auf einen extrafeinen Schneesturm gefaßt.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle.</span> Danke sehr!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Davon hätten wir nachgerade genug. In
-diesem Monat allein mußten wir zehn Tage in den Zelten zubringen
-und selbst da wurde man nie warm oder trocken. Die
-Schneenadeln krochen bis in die Tiefen der Schlafsäcke und das
-Ausgehen bei solchem Unwetter wagt keiner von uns seit der
-arme Scharfen ganz wirr im Kopfe wurde, als er in solchem
-Wetter zufällig draußen war und beinahe umgekommen wäre.
-Nein, nein, so ein Schneesturm ist schlimmer als die ärgste Kälte!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [mißt eifrig]. Der südliche Wind nimmt bedeutend
-zu und bei den überaus häufigen und starken Niederschlägen muß
-man auf alles gefaßt sein. Da, Hasselstein, sehen Sie einmal
-selbst um wieviel die Nadel seit den letzten drei Stunden abgewichen
-ist. [Beide hantieren die verschiedenen Instrumente.]</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [schreibt eifrig in sein Notizbuch während Scharfen
-<a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a>
-die Schnur und die Fischfallen in das Zelt trägt und mehrere
-Pfannen auf den kleinen Herd stellt]. 1844 Klafter Meerestiefe,
-südwestliche Tiefströmung, südlicher Wind, 29°&nbsp;Celsius Lufttemperatur,
-zunehmendes Treibeis, abnehmendes Tageslicht &ndash;
-nur mehr zwei Stunden Tag &ndash; 734&nbsp;<i>mm</i> Luftdruck&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p class="fss">Während er schreibt und vor sich hin murmelt ist es ganz dunkel
-geworden; die Eisstücke sehen nun beinahe schwarz aus und nur der
-Schnee im Vordergrund leuchtet weiß. Ganz im Hintergrund zeigt sich
-ein schwacher gelblichroter Lichtschein, hierauf entsteht ein knisterndes
-Geräusch und in flackernden Bändern taucht die <i>Aurora borealis</i> auf &ndash;
-nie stille, immer wechselnd, sich jeden Augenblick verändernd. Das Heulen
-des Windes nimmt langsam zu, die Wogen machen auch ein stärkeres,
-plätscherndes Geräusch.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [geht auf das Zelt zu, die anderen folgen
-ihm. Norry legt allerlei in die Pfanne und kocht eifrig, die
-anderen setzen sich auf die Schlafsäcke und zünden ihre Pfeifen an.
-Das rote Licht des Herdes bildet einen eigentümlichen Kontrast
-mit der wechselnden Beleuchtung draußen.] Meine Angst um
-unsere tapferen Gefährten nimmt täglich zu. Wenn sie nicht
-innerhalb der nächsten Tage einlangen, muß ein Unglück die
-Expedition getroffen haben, denn fünf Monate waren als Maximumtermin
-zur Erforschung des Beardmoregletschers festgesetzt.
-Seit ihrem Aufbruch sind 192 Tage vergangen.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [düster]. In kaum vierzehn Tagen bricht die lange
-Polarnacht herein &ndash; Gnade ihnen, wenn sie uns bis dorthin
-nicht erreicht haben.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [nachdenklich rauchend]. Seit fünfzehnten
-November kämpfen sie verzweifelter selbst als wir gegen die Gefahren
-und Drangsale dieses unwirtlichen Klimas. Wer wird
-den Sieg erringen? Die starre Eisnatur oder unsere beharrlichen
-Gefährten? Und das Schlimmste an der Sache ist, daß
-wir hier stille sitzen müssen und nichts &ndash; gar nichts &ndash; zu
-ihrer Rettung beitragen können.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry.</span> Es ist ja eine Frage ob wir selbst die endlose
-Polarnacht überdauern werden. Werden unsere Nahrungsmittel
-bis zur Ankunft des Schiffes im November ausreichen und vorallem,
-wird es uns gelingen den Ausbruch des Skorbut zu verhindern?
-[Eine Pause entsteht, alle rauchen in düsterem Schweigen.]</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a>
-<span class="ge">Hasselstein</span> [träumend]. Es dünkt einen unglaublich,
-daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht, das Mailüfterl über
-das sanftig grüne Land hinbraust, die Nachtigall&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [heftig unterbrechend]. Nur um Himmels willen
-nicht sentimental werden: Das gibt uns, in der Verfassung,
-in der wir sind, den Gnadenstoß. Nichts ist gefährlicher und
-zweckloser als das Träumen vom Unerreichbaren. Es heißt einfach
-die Zähne zusammenbeißen und &ndash; schweigen!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [müde lächelnd]. Oder zu unserem alten
-Mittel zu greifen und Sorge mit Scherz verscheuchen? Leider
-gewinnen manchmal die Sorgen die Oberhand. Der Zunge kann
-man allerdings Schweigen gebieten, doch ach, dem Herzen nicht.
-Es gibt Augenblicke, in welchen einem alles zwecklos scheint, in
-welchen man seinen Gefühlen unterliegt, das Heimweh erwacht
-und man sich staunend fragt, ob man nicht am Ende alles einem
-Wahn geopfert&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [eine dicke Rauchwolke ausblasend]. Und ob
-es wirklich nur ein Trugbild gewesen, was man so lebhaft angestrebt.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [nachdenklich]. Wir sind entmutigt und fragen daher
-nach dem Warum unserer Handlungsweise und wissen im
-Innersten doch, daß wir unter gleichen Umständen wieder so und
-nicht anders handeln würden. So nehme ich zum Beispiel an,
-daß wir uns alle der Expedition angeschlossen &ndash; erstens, weil
-dies eine Lösung manch' verwickelten Problems bedeutete&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Sie haben vollkommen recht, Norry.
-Jeder von uns hatte seine Gründe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [bitter]. Und triftige. Eine Luftveränderung tut
-zuzeiten sehr gut. Das Leben ist wahrlich kein Honigschlecken &ndash;
-es sticht einem verteufelt oft eine Biene in die Zunge.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [finster]. Und mehr als eine!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [nach kurzer Pause]. Was mich betrifft, so befinde
-ich mich nur dort ganz wohl, wo die Natur in ihrer Urkraft
-auf mich einwirkt und die Civilisation &ndash; die sogenannte
-&ndash; sie noch nicht mit ihrem giftigen Speichel beleckt &ndash; und verödet
-hat! Kampf und Abenteuer gegen die mächtigen Naturgewalten
-meinetwegen, aber gegen die Heuchelei, Beschränktheit und
-<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a>
-krasse Selbstsucht der sogenannten civilisierten Menschheit &ndash; nein,
-danke &ndash; lieber begrabe ich mich in den Einöden der Sahara,
-in den Urwäldern Südamerikas oder&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lächelnd]. &ndash; oder selbst in antarktischen
-Zonen. Bis hierher ist unsere Ueberkultur allerdings noch nicht
-durchgedrungen &ndash; die Pinguine sind die Alleinherrscher der
-Antarktis.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leidenschaftlich]. Lieber tausendmal Pinguine als
-Ueberkultur: Glauben Sie mir, die großartige Erfindungen
-hervorbringt und dabei doch täglich mehr und mehr natürliche
-Züge der menschlichen Natur kalt erdrückt oder in eine unnatürliche,
-seelenverkrüppelnde Gestalt preßt. Bah! [Er klopft heftig
-seine Pfeife aus und stopft eine neue.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [beschwichtigend]. Wie viele Geheimnisse der
-Natur sind entdeckt und der Menschheit dienstbar gemacht worden!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [verächtlich]. Und wie viele Tiere kennen den
-Wert heilsamer Kräuter, von denen wir keine Ahnung haben.
-Zudem &ndash; die Völker des Westens, die ja gerade am stolzesten
-auf ihren Fortschritt sind, haben von vielen Sachen heute keine
-Ahnung, mit denen die morgenländischen Stämme vor mehreren
-tausend Jahren ganz vertraut waren. &ndash; Fortschritt &ndash; in der
-Tat! [Er lacht kurz und verächtlich auf.] Wir sind viel zu stolz
-auf die Errungenschaften unseres Geistes.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ruhig vor sich hin rauchend]. Menschlichere
-Anschauungen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [spöttisch]. Vortrefflich: Maschinengewehre, giftige
-Gase, bombengespickte Luftschiffe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [einwerfend]. Die Abschaffung der Folter&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [kalt lachend]. Nein, lieber Freund! Ersatz der
-moralischen statt der physischen. Heute droht man jemand das
-Familienskelett an das Tageslicht zu ziehen und in den Zeitungen
-spazieren zu führen &ndash; eine Folter, die ebenso wirkungsvoll, wie
-die Daumenschrauben einst, &ndash; die Kritik ersetzt den Morgenstern
-und was das Spießrutenlaufen anbelangt, so verrichten die
-Zungen unserer stets auf der Lauer liegenden lieben Nächsten
-das wunderbar &ndash; mit dem einzigen Unterschied, daß man früher
-<a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a>
-absehen konnte, wo die Qual und wo der Schaden ein Ende
-nehmen wird &ndash; die Ausdehnung und die Uebel der heutigen
-Folter kann niemand ermessen. Die Wunden des Körpers heilten
-leichter als wir nun unseren beschmutzten Namen, unsere geraubte
-Ehre in Ordnung bringen &ndash; wenn es uns gelingt.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ruhig]. Wir verdanken der zunehmenden
-Civilisation eine erhabene monotheistische Religion&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden.</span> Die nichts destoweniger wie im dunkeln Mittelalter
-noch heute mit Teufelsspuk und Höllenqual droht, deren
-Verbreiter Geld mit Beuteln oder Tassen im Gotteshause selbst
-einsammeln, genau wie es fahrende Sänger oder Seiltänzer unmittelbar
-vor Schluß der Vorstellung tun, deren Anhänger des
-guten Tones, der Musik oder der neuen Kleider willen zur
-Kirche gehen und die sechs Tage lang mit Wonne alle zehn
-Gebote übertreten um am siebenten eine scheinheilige Miene aufzusetzen
-und sich aller jener Tugenden zu rühmen, die zu besitzen
-sie anderen glauben machen wollen.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [halblächelnd]. Großartigen Erfindungen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [kalt]. Erfindungen, bester Herr Kollege, bedeuten
-erhöhten technischen oder rein materiellen aber deshalb noch
-lange nicht moralischen Fortschritt. Das Leben wird durch sie
-möglicherweise bequemer, die Handelsverbindungen leichter und
-schneller, aber diese Verbesserungen erhöhen leider nur unser
-Selbstbewußtsein ohne unseren inneren Menschen gleichzeitig auf
-eine höhere Entwicklungsstufe zu bringen.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [eifrig kochend]. Ganz richtig! Rein äußere Verfeinerung
-der Sitten, kosmopolitische Anschauungen, erhöhter
-Luxus, großartige Entdeckungen und ähnliches ist alles lange
-noch nicht Seelenkultur. Wenn die Ware nicht durch und durch
-reell ist, so springt die Politur schon bei der allerersten Gelegenheit
-ab.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [kopfschüttelnd]. Der Zeitgeist zerstört viel mehr
-als er bildet. Es ist geradezu eine Wut über die Menschheit
-gekommen in allen Werken der großen Meister, im Leben der
-edelsten Helden, bei unsterblichen Denkern und den Lehrern der
-erhabendsten Ideen immer und überall ein Fleckchen, irgend einen
-dunkeln Punkt zu suchen, der dann ans Licht gezogen, besprochen,
-<a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a>
-und betastet wird, bis der winzige Fleck beinahe das ganze Werk,
-den ganzen Menschen verdunkelt.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [traurig]. Ach, leider! Anstatt nach Menschenliebe
-streben alle nach größerer Pracht, nach höherer technischer
-Kultur, Verstand wird über Herz, der Schein über den
-Kern gesetzt. Die Kritik läßt weder Lebendige noch Tote in
-Frieden und jeder bemüht sich auf das eifrigste seines Nächsten
-Fehler zu entdecken und laut zu verkünden, statt sie milde zu
-bemänteln und großmütig zu übergehen.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [spöttisch]. Und mit welchen Stolz wir den &rsaquo;Segen
-der Civilisation&lsaquo; zu den sogenannten Wilden tragen: Wir verkaufen
-ihnen Schießpulver und Gewehre, wir bieten ihnen zu
-hohen Preisen allerlei verderbliche Trinkwaren an, die ihr Leben
-verkürzen, ihre Gesundheit untergraben und in ihnen vorher unbekannte
-Leidenschaften erwecken.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lächelnd]. Zum Dank für solche Vorteile
-verdrängen wir sie von ihrer eigenen Scholle und lassen uns
-selbst dort nieder.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [lachend]. Ja! Die armen Wilden können uns
-dankbar sein, daß wir sie nicht wie einst mit Gewalt auf unsere
-Schiffe schleppen und als Sklaven verkaufen.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [eifrig nickend]. Wir tun etwas viel Besseres.
-Wir verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle. Oh
-Fortschritt &ndash; du gleißender Fortschritt! Nein, läßt mich in
-einem Erdstrich wohnen, wohin diese bewunderte Civilisation
-noch nicht vorgedrungen, wo Wahnsinn, Trunksucht, Selbstmord
-und Verbrechertum, wo Habgier, Neid und Verleumdung noch
-nicht zur Tagesordnung gehören!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [lachend und die Pfeife schwingend]. Es lebe das
-Reich der Pinguine!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nachdenklich]. Gott weiß es, Sie haben so
-unrecht nicht, Roden, trotz Ihrer entsetzlichen Spottlust! Hier,
-fern von den Einrichtungen bevölkerter Erdstriche fallen alle kleinlichen
-Charakterzüge wie Schuppen ab. Hier kann ein Mann
-nicht mehr scheinen als er ist. Kein Heucheln verdeckt hier den
-Mangel jener Eigenschaften, die zu besitzen man sich früher oft
-<a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a>
-gerühmt haben mag &ndash; die zu haben man sich möglicherweise
-selbst eingeredet.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [lebhaft]. Und doch entwickeln sich gerade hier
-oft Eigenschaften, das heißt schlummernde Fähigkeiten krystallisieren
-sich, welche zu besitzen man sich daheim nicht einmal geträumt hätte.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [eifrig zustimmend]. Stimmt! Dort war das
-eigene Ich immer der erste Faktor, hier tritt es beständig in
-den Hintergrund. Dort ging man am schreiendsten Elend kalt
-vorüber, weil man den Kopf mit höchst überflüssigen, aber im
-Augenblick außerordentlich wichtig scheinenden Kleinigkeiten vollgekramt
-hatte &ndash; man hatte eben keine Zeit &ndash; sondern lief
-blind irgend einem nichtigen Vergnügen, einer bedeutungslosen
-Belustigung nach oder beeilte sich irgend eine gesellschaftliche Verpflichtung
-anstatt jene höhere Pflicht lauterer Menschenliebe zu
-erfüllen! Hier dagegen bietet man alles auf um seinen Gefährten
-und nicht nur diesen sondern selbst den Tieren, die mit
-uns in Berührung kommen und unser Geschick teilen, die schlimme
-Lage nach Kräften zu erleichtern.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [sich zurücklehnend]. Zweifellos! Das Zusammengehörigkeitsgefühl
-entwickelt sich bedeutend stärker hier und geteilte
-Gefahren sind eiserne Bande. In alten Zeiten sind die
-einzelnen Stämme ebenso innig aneinander gehangen und haben
-stets freudige Opferwilligkeit an den Tag gelegt. Erst das Zusammenscharen
-vieler sich unbekannter und folglich einander
-gleichgültiger Menschen, die man alle wie toll auf ein gleiches
-Ziel zuhetzt und die wissen, daß sie es umso sicherer erreichen
-werden, je mehr Mitbewerber sie im Rennen niederstoßen, hat
-dieses Meer von Selbstsucht geschaffen, in dem so viele Schwache
-unverdienter Weise untergehen müssen. Auch ein Gewinn der
-zunehmenden Civilisation!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einigen Sekunden ernst]. Das ist der
-ewige Kampf der Natur, in welchem der Stärkste siegt, die
-Schwächeren untergehen. Dennoch &ndash;&nbsp;&ndash; unsere Anschauungen
-werden andere hier draußen. Das Bewußtsein menschlicher Erhabenheit
-schrumpft gegenüber den überwältigenden Wundern
-der unberührten Natur bedeutend zusammen. Unsere Unüberwindlichkeit
-scheint uns geringer, wenn wir eben einen Schneesturm
-<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a>
-mitgemacht oder die riesigen Eisbarrieren betrachtet haben, die
-seit Jahrtausenden hier herumzuschwimmen scheinen und unsere
-Widerstandskraft dünkt uns klein, wenn wir die winzigen Rotiferen
-betrachten, die ins Eis eingefroren, scheinbar jahrelang tot
-liegen, um, wenn ein günstiger Umstand die sie umschließenden
-Eispartikel wieder schmilzt, zu neuem Leben zu erwachen, als
-wäre nichts besonderes vorgefallen. Wie gebrechlich sind wir,
-stolze Menschen, verglichen mit ihnen!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [lachend]. Unbestreitbar, trotzdem verbleibe ich
-lieber Mensch als Radtier. Der Wert des Daseins liegt eben
-im Bewußtsein unseres Seins.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Manchmal möchte man gerne einige
-Jahre wie ein Radtier schlummernd zubringen, während über
-einen hinweg unempfunden die Stürme des Lebens brausen.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [erregt]. Lächerlich! Das wäre wie der Vogel
-Strauß seinen Kopf unter den Flügel stecken und hierauf glauben
-den Feind besiegt, den Gegner verscheucht zu haben. Nicht im
-Zurückweichen &ndash; im Vorwärtsdringen allein &ndash; muß man das
-Ende irgend einer Mühsal suchen, da nur die Ruhe, die der
-Ueberwindung, sei es nun seiner Gegner, des Geschicks oder des
-eigenen Ichs liegt, von wahrem und dauerhaftem Wert sein kann.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [nickt]. Ein indischer Weise sagt: Festes Bestreben
-besiegt selbst das Geschick! Es gibt kein zwingendes
-&rsaquo;Kismet&lsaquo; für den, der zu wollen gelernt.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [einlenkend]. Unzweifelhaft! Indessen bin ich
-überzeugt, daß uns nicht nur der Haß gegen die Unsitten unserer
-Zeit sondern auch jene alte Abenteuerlust herausgetrieben, die
-uns als Knaben schon beim ersten Märchen das Blut schneller
-durch die Adern rinnen ließ. Am Ende sind wir doch alle
-Kinder unserer Zeit. Wir verlachen herrschende Vorurteile zwar,
-bäumen uns gegen die enggezogenen Grenzen auf, aber wir wüten,
-nichts destoweniger, wenn jemand anderer es uns nachzumachen
-wagt. Es ist eben die alte Geschichte vom Balken und Splitter.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [seufzend]. Wir täuschen unsere Mitmenschen
-zuweilen &ndash;&nbsp;&ndash; und dies mit vollem Bewußtsein &ndash;&nbsp;&ndash; wir
-täuschen uns selbst viel öfter und ohne davon die geringste
-Ahnung zu haben. Vielleicht verlieren wir Aufrichtigkeit und
-<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a>
-Natürlichkeit so leicht, weil wir uns immer mehr und mehr
-von der Natur entfernen.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [triumphierend]. Was sagte ich?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aus dem Zelte blickend]. Hier spricht Mutter
-Natur in all ihrer Pracht und Majestät zu uns und wir fühlen
-ihren wohltätigen Einfluß nicht nur körperlich, indem wir stärker,
-sondern auch seelisch, indem unsere besten Triebe begeistert rege
-werden.</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [Triebe]. Ja, Schönheit läutert. Wer
-könnte auf die herrlichen Schneegebilde, die mächtigen Eisgrotten,
-das flackernde Nordlicht blicken können und im Herzen der alte
-Egoist, gleichgültig gegen alles, was nicht &rsaquo;Ich&lsaquo; ist, bleiben?</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [bitter]. Wer könnte hier glauben, daß es in
-der Tat Menschen gibt, die ein treues Herz, ein ganzes langes
-Leben voll stillen Glücks um einiger lumpiger Tausender klaglos
-opfern können&nbsp;&ndash;&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [im selben Ton]. Oder daß es Leute gibt
-die sich an kleinliche Vorurteile wie der <i>Octopus</i> an sein Opfer
-klammern? [Nach einer Pause.] Es ist eine unleugbare Tatsache,
-&ndash; wem Herd und Heim mit Glück und Ruhe winken,
-der stürzt sich nicht in unbekannte Gefahren, mag der Trieb dazu
-auch hundertmal in seiner Seele schlummern. Oft, wenn ich auf
-meinen einsamen Wanderungen ein Licht so freundlich aus einem
-Fenster strahlen sah, dachte ich mir, daß es wohl über irgend
-einen Teuren wache &ndash;&nbsp;&ndash;&nbsp;&ndash; ein Auge in der Nacht, das wie
-ein milder Führer, wie ein getreuer Leuchtturm dem einsamen
-Schiffer zeigt, wo der ruheverheißende Hafen winkt. Wir, denen
-kein solcher Leuchtturm die Fahrt auf den Strom des Lebens
-erleichtert, wir segeln planlos, uns wirft des Lebens wechselnde
-Springflut unbarmherzig auf Klippen oder öde Inseln und was
-wunder, daß so viele von uns&nbsp;&ndash;&nbsp;&ndash;&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [finster]. So jämmerlich untergehen! Es gehört
-ein guter Steuermann und eine feste Hand dazu ein Schiff zu
-steuern, das auf finsterem Meere treibt.</p>
-
-<p class="fss ci">[Alle rauchen eine Weile schweigend. Das Heulen des Windes
-nimmt zu, das Nordlicht verschwindet langsam. Es wird unheimlich
-finster.]</p>
-
-<p><span class="ge">Scharfen</span> [die Hände gegen die Zeltdecke hebend]. Uns
-<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a>
-bleibt das Wissen &ndash; die Suche nach dem Unbekannten, dem
-Unerforschten und endlich das Bewußtsein unsere Pflicht getreu
-erfüllt zu haben.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aufspringend]. Wir »schaffen« und »schaffen«
-bedeutet »leben«.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [lachend]. Sagen wir mit Calderon »Das Leben
-ist ein Traum!«</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [achselzuckend]. Oder ein ver&ndash; Alpdrücken &ndash;
-individuell genommen!</p>
-
-
-<h3>3. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Man hört lautes Hundegebell und Stimmengewirr. Von rechts
-kommen eine Anzahl Rodel von Hunden gezogen und dicht bepackt auf
-die Szene. Mehrere Männer, die ganz vermummt sind, kommen auf
-Ski mit langen Stöcken und ganz vereisten Gewändern. Zwei Männer
-führen einen Kranken, der sich sichtlich kaum mehr auf den Beinen halten
-kann und den Hasselstein sofort auf einen Schlafsack niederlegen hilft,
-während Scharfen einen Medizinkasten bringt und etwas in einem Glase
-zusammenmischt. Norry und Roden zuerst, später Hasselstein, helfen die
-Hunde abkoppeln und abführen, nehmen die Schlittenverpackung herab und
-Norry füllt gleich viele Schüsseln mit dampfender Suppe.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [indem er eifrig mithilft]. Dem Himmel
-sei Dank, daß Ihr endlich zurückgekehrt! Wir gaben uns schon
-den allerernstesten Befürchtungen hin, denn die lange Polarnacht mit
-ihren Schrecken steht dicht vor der Türe.</p>
-
-<p><span class="ge">Kapper</span> [ernst, indem er die Ski abschnallt]. Ihre Befürchtungen,
-Hasselstein, hätten sich bei einem Haar bewahrheitet.
-Die meisten von uns sind mehr oder weniger schneeblind geworden,
-und trotz der Mitternachtssonne und des steigenden Thermometers
-hat Meroff die Zehen beider Füße eingebüßt, denn das lange
-Marschieren im auftauenden Schnee, verbunden mit dem plötzlichen
-Fallen der Temperatur so oft ein Schneesturm im Anzug
-war &ndash; alles dies hat die Mühsal unserer Entdeckungsreise sehr
-erhöht. Ich fürchte, Meroff wird beide Füße verlieren.</p>
-
-<p><span class="ge">Johansson</span> [ernst]. Der Arme wird seine Heimat nicht
-wiedersehen &ndash; es geht schnell abwärts mit ihm.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a>
-<span class="ge">Hasselstein</span> [die anderen unterstützend]. Erreichten Sie
-den Beardmore Gletscher?</p>
-
-<p><span class="ge">Granelli</span> [lebhaft]. Und ob! Wir machten auch viele
-wertvolle Aufzeichnungen und hatten großen Vorteil von diesem
-Ausflug vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, wenn
-nur beim Rückmarsch die Schwierigkeiten nicht geradezu unübersteiglich
-geworden wären, erst da&nbsp;&ndash; [er schweigt].</p>
-
-<p><span class="ge">Johansson</span> [eifrig]. Die letzten vierzehn Tage waren
-die allerschlimmsten. Die Lebensmittel gingen zu Ende, mit dem
-Thranvorrat war es Schluß und was es heißen will mit nassen
-Füßen ohne etwas wärmendes in den Leib zu bekommen in den
-Schlafsack zu kriechen, das kennen Sie Hasselstein! Ein Wal
-war nicht zu erjagen, Meroffs Füße wurden täglich schlimmer,
-Skorbut war schon im Anzug, die Polarnacht näherte sich mit
-Riesenschritten. &ndash; Ich glaubte wahrlich nicht Euch alle wiederzusehen,
-Kameraden.</p>
-
-<p class="fss ci">[Alle schütteln einander warm die Hände und rufen durcheinander.]</p>
-
-<p>Willkommen bei uns! Willkommen Freunde, in unserer
-Mitte!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einer Pause]. Wie war der Weg im
-allgemeinen?</p>
-
-<p><span class="ge">Kapper</span> [kopfschüttelnd]. Die ersten Tagreisen waren so
-leidlich aber dann &ndash; schauerlich! Wir sanken in der Regel
-bis zu den Knien in den weichen auftauenden Schnee, konnten
-uns überhaupt nur Dank der Ski auf der Oberfläche erhalten
-und bald mußte der eine, bald der andere von uns zurückeilen
-um den Hunden mit den Rodeln über eine schwere Stelle zu
-helfen. Drei Tiere sind uns schon eingegangen, zwei weitere
-mußten wir als Nahrung für die übrigen opfern und an ihrer
-Stelle selbst den Rodel ziehen.</p>
-
-<p><span class="ge">Johansson</span> [den letzten Schlitten mit Hilfe der anderen
-abpackend und die Sachen in die Schneehütte tragend, während
-die anderen Fremden schon im Zelte auf den Schlafsäcken sitzen
-und sich die Suppen schmecken lassen, die Norry eifrig ausschenkt].
-Oft brauchte es eine halbe Stunde, oft länger, bevor wir des
-<a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a>
-Morgens unser Schuhzeug wieder auf die gefrorenen, hochgeschwollenen
-Füße zwingen konnten.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mitleidig]. Welch Leiden liegen hinter Euch!</p>
-
-<p><span class="ge">Johansson</span> [abwehrend]. Bah! Wir haben alle unsere
-Leiden mitzumachen &ndash; wir dort &ndash; Ihr hier. Da ist die versprochene
-Beute! [Er reicht Hasselstein einige Vögel.] Zwei
-Königspinguine, drei Sturmvögel und einen weißen und einen
-schwarzen Albatroß. Was sagen Sie dazu?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ihm warm die Hand schüttelnd]. Großartig!
-Tausend Dank! Sie sollen einst das Museum Kringhausens zieren.
-Ich habe auch hier das Leben und Treiben der Pinguine studiert
-und muß sagen, daß die Damen von Kringhausen selbst nicht neugieriger
-sind als diese befiederten Bewohner der Antarktis und
-was das heißt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Johansson</span> [lachend; indem er alle Rodel mit Hilfe
-Hasselsteins aufeinandertürmt]. Bewahre! Weiß ich's etwa nicht?
-Ich habe zu meiner Zeit auch einige Erfahrungen mit bezug
-auf das zarte Geschlecht gesammelt &ndash; was zum Beispiel meine
-Alte &ndash; Gott hab' sie selig! &ndash; nicht herausgefunden hat &ndash;
-Nu, lassen wir's gut sein. Man sagt zwar, Wiedersehen macht
-Freude, aber was mich betrifft, so bitte ich, daß mir diese Freude
-noch recht lange erspart bleibt.</p>
-
-<p><span class="ge">Vickers</span> [kommt aus dem Zelt]. Meroff ist in unruhigen
-Schlummer verfallen &ndash; seine Beine sind bis hinauf geschwollen
-&ndash; der erste, der uns verläßt.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach kurzer Pause]. Und Sie, alter Freund,
-können die Augen kaum offen halten.</p>
-
-<p><span class="ge">Vickers</span> [abweisend]. Oh ich? Ich bin nur schneeblind
-&ndash; das wird sich bald geben. [Er geht in das Zelt zurück.]</p>
-
-<p class="fss ci">[In diesem Augenblick kommt ein entsetzlicher Windstoß dahergefahren.
-Das Brausen des Meeres ist unheimlich gewachsen, das Eis
-knarrt, der Sturm heult, so daß man keinen anderen Laut hören kann,
-kleinere Eisstücke rollen über die Szene, der Schnee wird aufgewirbelt.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zieht so schnell er nur kann eine zweite
-Hülle über das Zelt, Norry hilft ihm]. Schnell, schnell! Der
-Schneesturm naht. [Er bindet die Hülle fest.]</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a>
-<span class="ge">Norry</span> [lebhaft]. Ins Zelt, ins Zelt!</p>
-
-<p class="fss ci">[Während Hasselstein die letzte Hand an das Zelt legt, hat Norry
-die Tür des Zeltes zugezogen. Die ganze Szene ist dunkel, der Sturm
-heult graueneinflößend und während der Vorhang langsam sinkt, braust
-eine ungeheure Schneewolke über die Bühne hin, so daß alles im Nu
-weiß erscheint.]</p>
-
-
-<p class="ce mt2">Ende des ersten Aktes.</p>
-
-
-
-
-<h2><a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a>
-2. Akt.</h2>
-
-
-<p class="fss ci">[Ein elegant ausgestattetes Zimmer. In der Mitte der Szene
-ein Spieltisch, an dem vier ältere Damen sitzen. Zwischen zwei und zwei
-Spielern steht ein stummer Diener mit Liqueurgläsern und Backwerk.
-Links und rechts eine Tür. An der Wand im Hintergrund eine Kredenz
-mit Obst und anderen Dingen. In den Ecken hübsche Figuren aus
-Gyps, an der Wand hängt ein Vogelhaus und kleine Tischchen mit
-Stühlen stehen da und dort. Bilder und Spiegel an den Wänden.
-Alles spricht von Wohlstand, aber alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.]</p>
-
-
-<h3>1. Auftritt.</h3>
-
-<p><span class="ge">Frau Zungrapp</span> [lebhaft]. Wer spielt aus?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Krickenfeld</span> [lächelnd]. Immer die, die fragt!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Will' mal sehn, wer mein Partner ist.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [zerstreut]. Was wurde gerufen?</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lebhaft]. Herz! Bitte nur nicht in meine
-Karte zu schauen!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [zieht den Wurf heftig an sich und küßt
-sich die Fingerspitzen]. Gott sei Dank, der König wäre glücklich
-zuhause. Ich fühle mich nie ruhig, bevor ich ihn geborgen weiß.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [besorgt das Haupt schüttelnd]. Ob ich meinen
-Pagat wohl werde retten können?</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [nachdenklich]. Wo nur der Mond steckt?
-[Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn ist wieder in Kringhausen?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [froh]. Ja, Hans Georg ist vor einer
-Woche angekommen. Man hat ihn festlich empfangen und in
-der »Gelben Schwalbe« wurde ihm zu Ehren sogar ein Festessen
-veranstaltet. Zwei Universitätsprofessoren waren anwesend
-und außerdem der gesamte Lehrkörper des hiesigen Gymnasiums
-&ndash; auch andere Honoratioren Kringhausens&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a>
-<span class="ge">Krickenfeld</span> [die Hand ausstreckend]. Mir gehört der
-Stich, bitte! &ndash; Ja, ja, es muß schön sein einen so berühmten
-Sohn zu besitzen, der am Südpol gewesen, allerlei Meerungeheuer
-und ähnliche Dinge gesehen hat &ndash; zwar <span class="ge">praktischen</span>
-Wert&nbsp;&ndash; [sie schweigt].</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [scharf]. Die heutige Jugend, liebste Peleponesia,
-denkt nicht an die praktische Seite des Lebens: So
-lange nur ein Mamatscherl die Moneten gibt&nbsp;&ndash; [jubelnd] Pagat
-ultimo! meine Damen. [Sie rafft den Stich an sich.]</p>
-
-<p><span class="ge">Die drei anderen Damen.</span> Waaaaaaaas?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ärgerlich]. Natürlich: So geht es immer.
-Hätten Sie, beste Frau Inspektor, besser achtgegeben, so hätten
-wir jetzt nicht den Pagat verloren.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich eifrig verteidigend]. Mit nichten, Frau
-Oberst, wenn Sie nicht den König gleich zu Anfang des Spieles
-so leichtsinnig ausgespielt hätten, so&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [noch gereizter]. Sie hätten eben kleine
-Tarockspiele nicht mit dem Mond und dem Zwanziger stechen
-sollen, da hätten Sie später auch noch&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [mit lauter Stimme, heftig gestikulierend]. Wenn
-Tarock ausgespielt wurden, mußte ich den Mond hergeben &ndash;
-ich hatte ja nur vier Tarock&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [noch lauter]. Was sagte ich &ndash; Sie spielen
-und haben kein Blatt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [die beiden überschreiend]. Bitte, meine Damen,
-dreißig Heller per Person&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> und <span class="ge">Hasselstein</span> [zugleich]. Wie dreißig
-Heller? Nicht möglich, der Pagat kostet bloß&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [sich stolz zurücklehnend mit Nachdruck]. Pagat
-ultimo!!!!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zahlt in Spielmarken aus]. Bitte, bitte,
-da sind schon die dreißig Heller. In Zukunft aber, beste Frau
-Inspektor, bitte mich nicht zu rufen, wenn Sie keine Karten
-haben. Man darf seinen Partner nicht auf diese Weise ins Verderben
-locken.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a>
-<span class="ge">Holzheim</span> [lebhaft]. Wie? Ich habe den Mond und
-den Zwanziger und&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ihre Rede unterbrechend]. Und nichts weiter
-gehabt. Wir mußten verlieren!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [während die andern lachen]. Bitte zu geben,
-Frau Oberst, &ndash; nächstes Spiel. [Es tritt eine momentane
-Stille ein, während alle die erhaltenen Karten prüfen.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit Siegermiene]. Ich spiele einen Solo!
-Was sagen die Damen?</p>
-
-<p><span class="ge">Alle.</span> Passe! Unterm Tisch! Gut!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [betrachtet ihren Kauf]. Den Achten! [Das
-Spiel beginnt.]</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [seufzend]. Ja, was du früher sagtest, meine
-teure Peleponesia, ist allerdings richtig. Praktischen Wert hat
-so eine Südpolfahrt wohl nicht. Das kostet nur Geld &ndash; viel
-Geld &ndash; es bringt zwar Ehren ein, aber nicht wahr, liebe Frau
-Oberst, mit Ehren allein kann man keinen Haushalt gründen
-und bei einem jungen Manne handelt es sich vorallem darum
-schnell sein eigenes Nest bauen zu können.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [seufzend]. Ach ja! Aber daran will Hans
-Georg nicht denken. Er hat eben seine eigene Anschauungen!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Karten faltend und entfaltend]. Man
-sagt &ndash; aber &ndash; hm, mich betrifft es ja nicht! Ich gehöre
-nicht zu jenen, die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen &ndash; freilich,
-die Ohren verstopfen gegen das, wovon die ganze Stadt spricht,
-kann kein Mensch. Nein, ich habe aber wirklich ein elendes
-Blatt! Nicht einen einzigen Stecher!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [lächelt vergnügt]. Meine Damen, ich sage
-die »Trull« an. [Mit wichtiger Stimme.] Auch mir sind gewisse
-Gerüchte zu Ohren gekommen, aber&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Karten betrachtend]. Du meine Güte,
-Frau Oberst, ich habe nicht einen Stecher &ndash; wie&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [streng]. Nichts aus der Schule plaudern&nbsp;&ndash;
-[Sie nickt mehrmals mit dem Haupte.] Ach, teure Peleponesia,
-es ist ein altes Sprüchwort: Es ist nichts so fein gesponnen,
-es kommt doch einmal an die Sonnen.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a>
-<span class="ge">Krickenfeld</span> [rasch]. Soll ich oder soll ich nicht? Ich
-wag's: Ich sage König ultimo an.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle.</span> Gut, gut!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [schüttelt mißbilligend das Haupt]. Und vor
-kaum einer Minute sagst du, daß du keinen Stecher hast. Ach,
-Peleponesia: [Sie droht ihr mit dem Finger.] Ja, ja, man erzählt
-sich, doch &ndash; uns geht alles das nicht an. Pardon: War
-das eben der Sechzehner, der ausgespielt wurde? Gut: Den kann
-ich gerade noch überstechen.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [ärgerlich zu Krickenfeld]. Jetzt haben Sie zu
-niedrig ausgespielt, beste Frau Kommerzienrat: Auf diese Weise
-werden wir das Spiel verlieren.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lachend]. Tut gar nichts, liebe Frau Inspektor,
-da gewinnen wir es. [Man spielt eifrig.] Was sagt
-man eigentlich? Sollte jemand etwas Nachteiliges über meinen
-Sohn geäußert haben?</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [bewegt die Karten]. So ein berühmter Gelehrter:
-&ndash; ein Südpolforscher: &ndash; indessen &ndash; mein Gott, die
-Menschen sind einmal neidisch &ndash; böswillig&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [seufzt tief auf]. Ach, verehrteste Freundin,
-die Welt ist voller Tücke: Besonders wenn es sich um eine
-hervorragende Persönlichkeit handelt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [triumphierend]. Der Mond geht nach Hause,
-der Mond geht nach Hause: Was man sagt? Ach, liebste Frau
-Oberst, nur unsere aufrichtige Freundschaft für Sie vermag&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle drei Damen</span> [die Karten wie zum Schwur erhebend]
-unsere bewährte vieljährige Freundschaft&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [jubelnd]. Der Pagat: Dem Himmel sei
-Dank: Ja, und unser warmes Interesse für Ihren berühmten
-Herrn Sohn&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [zur Decke aufsehend]. &ndash; den wir schon
-liebten als er noch in Röckchen herumging&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit süßer Stimme]. &ndash; den wir mit innigsten
-Interesse aufwachsen sahen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [einen Wurf an sich raffend]. &ndash; vermag
-<a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a>
-uns eine leise &ndash; eine ganz leise &ndash; die allergeringste Andeutung
-zu machen, daß &ndash; daß&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> &ndash; daß &ndash; es fällt uns allen schwer eine
-so äußerst delikate Frage zu berühren&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [eifrig]. Ja, man hat wirklich die Unverschämtheit
-zu behaupten &ndash; natürlich, nur eine Verleumdung
-&ndash; die Welt ist leider so verderbt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [seufzend]. Ja, verehrteste Frau Oberst, man
-ist der absurden Anschauung&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [sich in die Brust werfend]. Das heißt
-unwissende Leute &ndash; wir haben nie daran geglaubt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [eifrig]. &ndash; böswillige Zungen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [verächtlich]. &ndash; Menschen, die immer auf
-der Lauer liegen irgend einen Skandal zu entdecken&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [die Augenbrauen hochziehend]. Einen
-Skandal? Meinen Sohn betreffend?</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich zurücklehnend und das Spiel unterbrechend].
-Beste Frau Oberst, wir sind eben noch nicht so modern &ndash; so
-ultramodern wie der Herr Sohn &ndash; In Kringhausen hält man
-sich noch an die strengen Sittenbegriffe unserer eigenen Jugendzeit,
-das ist heutzutage natürlich veraltet &ndash; ich weiß &ndash; aber
-Leute finden es hier eben &ndash; ja, überraschend, hochgeschätzte Freundin
-&ndash; daß&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> &ndash; daß Ihr berühmter &ndash; Ihr trefflicher
-Sohn &ndash; daran denken könnte&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> &ndash; daß er sich dazu bestimmen ließe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> &ndash; imstande sein würde&nbsp;&ndash; [plötzlich jubelnd]
-Gewonnen, &ndash; gewonnen: Wir haben die »Trull«, wir haben
-Pagat ultimo!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [sieht durch ihre Karten]. Wir haben zwei
-Stiche und einen König.</p>
-
-<p class="fss ci">[Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einer Pause, scharf]. Wozu könnte
-Hans Georg sich entschließen?</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [seufzt tief auf, die anderen tun desgleichen].
-Ach, beste Freundin, die liberalen Anschauungen des Herren
-Sohnes geben leider zu allerlei unbegründetem &ndash; ich bin fest
-<a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a>
-überzeugt ganz unbegründetem Gerede Anlaß &ndash; man meint, er
-könnte sich hinreißen lassen &ndash; ja, viele Leute gehen dahin zu
-behaupten es sei eine schon beschlossene Sache &ndash; dieses &ndash; Mädchen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [finster]. Welches Mädchen? Ich verstehe
-nicht&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Bitte anzusagen &ndash; was ist gerufen? Ja,
-es handelt sich um &ndash; meine Lippen sträuben sich den Namen
-dieser unglücklichen Gefallenen auszusprechen &ndash; kurz, um Berta
-Heller!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Einen Dreier mit Herz: Was liegt im
-Talon? Ja, eben &ndash; man &ndash; böse Zungen &ndash; gehen so weit anzudeuten,
-daß der Herr Sohn noch immer &ndash; man erinnert sich
-an seine frühere Verblendung &ndash; die Absicht haben soll an eine
-Verbindung mit&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Es liegt wunderschön: Der Mond und zwei
-Könige!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [munter]. Und nicht einmal der Gerufene &ndash;
-das nenne ich Glück!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Das lasse ich mir gefallen: Ach, beste Frau
-Oberst, so ist es. Man meint wirklich allgemein&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit Pathos]. &ndash; die ganze Stadt spricht
-davon&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> &ndash; daß Berta Heller die Schwiegertochter&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [entschieden]. Niemals! Geschwätz der Leute
-meine Damen, &ndash; mein Sohn kann und wird nie vergessen, was
-er dem Namen seines toten Vaters schuldet.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [süß lächelnd und einschmeichelnd]. Und dem
-seiner hochgeachteten allseitig geschätzten Mutter!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [rafft erbittert ihren Wurf zusammen]. Er
-würde es nie wagen mir eine solche Schwiegertochter in das
-Haus zu bringen &ndash; meine Ansicht kennt er&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle drei</span> [lebhaft beteuernd]. Natürlich nicht! Ganz
-und gar ausgeschlossen! Gewiß nicht!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen,
-<a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a>
-so ist ihnen daheim nichts mehr recht [sie gibt sich
-einen Klaps auf den Mund]. Es ist nicht mein Sohn&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Der Herr Sohn hat eben so sehr moderne
-Anschauungen &ndash; ein Gelehrter &ndash; natürlich &ndash; aber&nbsp;&ndash; [sie
-seufzt].</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [lebhaft]. Wir schätzten die vielen Vorzüge
-des Herrn Professors sehr hoch&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Mein Pagat! O Jammer, er ist fort, er
-ist dahin! Wir sind eitel Bewunderung seiner &ndash; seiner &ndash;
-Tugenden &ndash; nur &ndash; nur&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Wie? Ist der Mond noch nicht ausgespielt?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock
-zählen! Sie wissen nie, was ausgespielt wurde, Frau Professor&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [gekränkt]. Ich zähle sie immer, aber
-wenn einmal fünfzehn oder sechzehn draußen sind &ndash; so &ndash; so
-verliere ich manchmal den Faden. Trotzdem sagt Hofrat Glaubig
-immer, daß ich ganz vortrefflich&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [die Hände zusammenschlagend]. Wie, lebt
-dieser wandelnde Leichnam noch? Dem zahlt die Regierung
-seine Pension sicher schon seit vierzig Jahren.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Und seine Tochter? Die hat vorzeiten trotz
-ihres kranken Beinleins auch manche Seitensprünge gemacht.
-Ha, ha, ha!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Jetzt muß sich dieses Gerippe auch den
-Fünfzigern nähern. Eine Vogelscheuche erster Klasse.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [entsetzt]. Gestochen? Mein König? Wie
-ist denn das möglich?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [trocken]. Weil erst neunzehn Tarock ausgespielt
-sind. Und was ist aus dem verrückten Sohne geworden?</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [wichtig]. Oh der? Der hat auch so manches
-Vergehen auf dem Kerbholz &ndash; er sollte wohl eigentlich in das
-Gefängnis geworfen werden, aber des alten Herrn wegen hat
-man ihn lieber irrsinnig erklärt.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [verzweifelt]. Jetzt ist unser König auch
-verloren! Frau Oberst tragen daran die Schuld!</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a>
-<span class="ge">Hasselstein</span> [heftig]. Ich?? Ich kann die Tarock zählen
-&ndash; Gottlob [großer Lärm, alle schreien durcheinander].</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [erregt]. Sie hätten nicht Herz ausspielen
-sollen, als&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [gibt]. Bitte, nur schöne Blätter, meine
-Herrschaften!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Karten musternd]. Lassen Sie sich Ihre
-Handerl vergolden für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben
-haben.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [lebhaft]. Wird etwas angesagt?</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [legt die Karten zusammen]. Ich sitze unterm
-Tisch.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Passe.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Spielt niemand? Da wage ich einen
-Zweier. Treff!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lachend]. Wie kühn unsere Frau Oberst
-plötzlich geworden ist. Da hat sie gewiß in unsere Blätter
-geschaut.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [tut entrüstet]. Aber meine Damen [alle
-lachen].</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Und ich sage alle Könige an &ndash; hoffentlich
-bringe ich sie glücklich wieder nach Hause [alle spielen eifrig].</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit einer Handbewegung]. Bitte sich doch
-zu bedienen, meine verehrten Damen. Ich glaube der Liqueur ist
-nicht schlecht &ndash; mein Sohn hat ihn von der Reise mitgebracht.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle.</span> Aaaaaah! [sie kosten und nicken hierauf befriedigend].
-Vortrefflich! <i>Quel goût! Excellent!</i></p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich bedienend]. Ich muß einen Anisbogen
-nehmen. Die gute Frau Oberst macht wahre Meisterstücke an
-Geschmack.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [einschmeichelnd]. Nein, diese Dattelbusserl sind
-meine Lieblinge. Meine Zähne erlauben mir nicht mehr den
-Genuß von hartem Backwerk. Was für Zukunftspläne hat der
-Herr Sohn?</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [leise zu Holzheim]. Sie hat nicht einen
-eigenen Zahn im Munde &ndash; lauter Kuckuckseier!</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a>
-<span class="ge">Holzheim</span> [vertraulich]. Ich habe drei falsche &ndash; sonst
-nur meine eigenen &ndash; ich bin aber auch um zehn Jahre jünger.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [unterdessen leise zu Hasselstein]. Wie schrecklich
-alt und verfallen die gute Holzheim aussieht und doch bin ich
-selbst nur drei Jahre jünger [laut]. Heutzutage weihen uns
-die Kinder nicht mehr in ihre Pläne ein &ndash; die Eltern um
-Rat zu fragen ist nicht mehr Sitte &ndash; aber ich frage, weil wir
-den jungen Herrn eben wie unser eigenes Kind&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle</span> [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen. [»Ich
-muß noch etwas nehmen« &ndash; »ich auch« schwirrt es durcheinander.
-Alle essen und trinken eifrig.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Es freut mich, wenn es den Damen schmeckt.
-Mein Sohn weiß das Wohlwollen der Damen zu schätzen und
-ich nicht minder. Was seine Zukunft betrifft, so wäre es mein
-Wunsch, daß er die Stelle als Professor der Zoologie am hiesigen
-Gymnasium annehmen würde. Indessen spricht man selbst von
-einer Oeffnung an der Universität in&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span>. Wirklich? Ach, da wäre eine Heirat mit
-&ndash; mit Berta ein Unglück für ihn, denn niemand könnte mit
-ihm in gesellschaftliche Beziehungen treten, weder hier noch in
-seiner neuen Heimat. Man kann auch schlechterdings die Erziehung
-der aufwachsenden Jugend nicht einem Manne anvertrauen,
-der sich über die herrschenden Grundsätze hinwegsetzt.
-Ach, teuerste Frau Oberst, machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß
-geltend &ndash; halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück! Ein
-Mädchen, das nun einmal das Unglück gehabt hat &ndash; ja, man
-kann die Welt nicht auf den Kopf stellen &ndash; ist eben verloren!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Mein Sohn schließt gewiß nie
-eine Ehe mit einer ihm unwürdigen Frau. Leider will er jedoch
-keine bindende Stellung &ndash; vorderhand wenigstens noch nicht &ndash;
-annehmen.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [trinkt langsam]. Dieser Liqueur ist in der
-Tat vorzüglich. Und erst dieses Backwerk! Unsere liebe Frau
-Oberst gehört eben noch der alten Schule an, wo eine Hausfrau
-und Gattin vorallem kochen können mußte. In meinem
-Elternhause, wo täglich Gäste eintrafen, wo das Wild und Geflügel&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a>
-<span class="ge">Zungrapp</span> [lebhaft]. Beste Frau Inspektor, wenn Sie
-gar in meinem Elternhause gewesen wären, wo Fürsten und
-Prinzen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [macht eine Handbewegung]. Alles das ist
-nichts gegen den Aufwand, die Herrlichkeiten an Speise und
-Trank meines seligen Onkels des Erzbischofs&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [sie erregt unterbrechend]. So viele Backhühner,
-wie bei uns hat man im ganzen Bezirk nicht gegessen und unsere
-Kirschpoganzen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [sie unterbrechend]. In unserem Elternhause
-hatten wir täglich wenigstens vier verschiedene Weingattungen
-auf dem Tisch und zu den Festtagen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mit vor Erregung zitternder Stimme]. Bei
-meinem seligen Onkel, dem Erzbischof&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Die Gänse wurden in meinem Elternhause
-so gut gefüttert wie nirgends sonst im Lande und was die
-Weingattungen betrifft&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [einfallend]. Mein seliger Onkel der Erzbischof
-ließ den Champagner immer direkt von Frankreich
-kommen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lebhaft]. Ans Spiel, meine Damen. Ja,
-zu der Zeit wurde die Kochkunst viel höher geschätzt als heute.
-Jedes Mädchen selbst aus dem vornehmsten Hause, mußte kochen
-können. Sehen Sie einmal mich an&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [einfallend]. Mein seliger Onkel, der Erzbischof,
-hielt strenge darauf, daß ich&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Unser Elternhaus genoß in der Hinsicht einen
-solchen Ruf, daß die Freier scharenweise zu unseren Eltern kamen.
-Damals war man noch nicht so modern, das man sich selbst
-einen Mann wählte &ndash; das taten die Eltern.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [bitter]. Welches Mädchen wird heute angehalten
-in der Küche mitzuhelfen &ndash; alles will nur studieren &ndash;
-will modern sein.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [spielend]. Ja, leider! Heutzutage muß
-ein Mädchen dagegen Tennisspielen, Rollschuhlaufen und ähnliche
-Sachen können, muß allerlei unnützes Zeug lernen und will dann,
-ganz wie ein Mann, ins Leben hinaus.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a>
-<span class="ge">Zungrapp</span> [langsam nickend]. Wobei sich mancher Falter
-die Flügel versengt. Das Heim geht verloren, die Heiraten
-nehmen ab und Kinder sind schon ganz und gar unmodern. Ich
-bitte, wie soll ein Mann auch Lust und vor allem die Mittel
-haben ein Mädchen von heute zu heiraten? Hunderterlei Ansprüche,
-keine Kenntnisse, keine Pflichten, wenigstens zwei Dienstboten,
-eine ganze Flucht von Zimmern, jeden Sommer eine Badereise,
-jede Saison mindestens drei Hüte&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Nachdruck]. Und keine Kinder, &ndash;
-nicht zu vergessen! Hat eine Frau einmal eins oder zwei, so
-muß sie schon ins Bad, braucht eine Kur, muß ein halbes Jahr
-unter ärztlicher Behandlung stehen und setzt eine Märtyrermiene
-auf. Sehen Sie mich an! Ich hatte zwölf lebende und vier
-tote Kinder und ich bin nie länger als vierzehn Tage im Bette
-gelegen.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [die Karten zusammenraffend]. Gewonnen, gewonnen
-Frau Oberst! 25&nbsp;Heller zu bezahlen.</p>
-
-<p class="fss ci">[Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.]</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Mein seliger Onkel, der Erzbischof, pflegte
-immer zu sagen: Frauen und Oefen gehören in das Haus.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Herz gerufen? Heute hat man die Oefen
-und die Frauen &ndash; außer dem Hause.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [süßlich]. Um auf das herzige Bürschchen
-&ndash; Pardon! Pardon! &ndash; den berühmten Südpolforscher zurückzukommen
-&ndash; so wissen Frau Oberst, daß wir die mütterlichsten
-Gefühle für ihn hegen &ndash; so ein Frauenherz ist einmal gegen
-alle von Liebe erfüllt &ndash; und deshalb erlauben wir uns zu
-sagen, daß ein junger Mann &ndash; und trotz seiner hervorragenden
-Eigenschaften ist der liebe Herr Professor noch so jung &ndash; manchmal
-des Rates bedarf. In höchster Erregung. Wie? Ist der
-Mond verloren?</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [gelassen]. Schon vor drei Stichen führte
-ich ihn nachhause. Warum will der Herr Sohn die Stelle
-nicht annehmen?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mißmutig]. Er will zuerst ein Buch herausgeben,
-das die Beschreibung seiner Fahrt und der von ihm
-gemachten Entdeckungen enthält.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a>
-<span class="ge">Frau Zungrapp.</span> Ein Buch!!! Soooo interessant &ndash;
-aber &ndash; glaubt der Herr Sohn finanziellen Nutzen daraus ziehen
-zu können? Ich erlaube mir nur diese Frage, beste Frau Oberst,
-will jedoch nicht einen einzigen Augenblick andeuten&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [süßlich]. Wir zweifeln nicht, daß das Werk
-vortrefflich geschrieben sein wird, aber wir meinen nur, daß ein
-wissenschaftliches Werk in Kringhausen &ndash; Mein Gott, solche
-Arbeiten liest eben kein Mensch [sie schlägt sich auf den Mund]
-&ndash;&nbsp;ich will sagen, so eine Arbeit wird nur von auserlesenen
-Geistern gelesen &ndash; in Bibliotheken und so weiter &ndash; aber nicht
-oft gekauft.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [achselzuckend]. Der Büchermarkt ist eben
-so überfüllt!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [spitz]. Nicht mit Werken über den Südpol
-und die Antarktis überhaupt.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle</span> [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst! Teuerste
-Freundin!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Hand drückend]. Bitte unsere Anmerkungen
-nicht mißzuverstehen. In uns hat der Herr Sohn
-seine eifrigsten Bewundererinnen, aber wir sind eben der Ansicht,
-daß &ndash; daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung
-für einen heiratsfähigen Mann ist &ndash; indessen hat ja das Mamatscherl&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [tröstend]. Schon aus Höflichkeit für die
-Verwandten des Herrn Professors wird man einige Exemplare
-kaufen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [spitz]. Dessen bedarf es nicht. [Eine kurze,
-peinliche Pause entsteht. Das Spiel wird wieder aufgenommen.]</p>
-
-
-<h3>2. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Der junge Hasselstein tritt ein.]</p>
-
-<p><span class="ge">Alle Damen</span> [strecken ihm lebhaft die Hände entgegen].
-Ach, da kommt unser lieber, unser berühmter Südpolforscher!
-Willkommen, Willkommen!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [küßt jeder der Damen die Hand]. Ich
-bitte sich nicht stören zu lassen.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a>
-<span class="ge">Krickenfeld</span> [süß]. Lieber Herr Professor, wer kann von
-einer Störung sprechen &ndash; wir sind entzückt Sie wiederzusehen.
-[Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.]</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> Von einer Störung kann hier gar nicht die
-Rede sein, wir haben uns ja schon so sehr auf das Wiedersehen
-gefreut.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [ihm mit dem Finger drohend]. Bei mir ist
-mein alter Freund noch nicht gewesen!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [während die Damen aufbrechen]. Ich
-werde nicht verfehlen &ndash; ich war nur so überaus in Anspruch
-genommen.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lächelnd]. Ich kann es mir wohl denken &ndash;
-alle Professoren und &ndash; man hat immer auch andere Bekanntschaften&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [sie beim Arm fassend]. Liebe Emilie, die
-Frau Oberst muß sich danach sehnen mit Ihrem gefeierten Sohne
-ein wenig zu plaudern. Da sind wir überflüssig. Komm!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [während ihr Hans Georg in den Mantel
-hilft]. Ach so ein in Liebe pochendes Mutterherz! Aber wie
-hübsch er geworden ist! [Ihn von allen Seiten betrachtend,
-einschmeichelnd.] Darf ich Ihnen als alte, gute Freundin einen
-Kuß geben?</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [ihn betrachtend, während Fr. Holzheim ihn
-küßt]. Und was für einen schmucken Schnurrbart er hat! Er
-ist nicht umsonst am Südpol gewesen! Das nächste Mal aber,
-beste Frau Oberst, bringe ich mein bescheidenes Abendbrot
-mit und werde dann Ihren hochinteressanten Sohn mit Fragen
-bestürmen. &ndash; Sie ahnen ja nicht, welches tiefe Interesse mich
-durchglüht, Sie lieber Herr Professor, von Ihnen die nähere
-Beschreibung der Paradiesvögel zu erhalten, die am Südpol&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [trocken]. Paradiesvögel gibt es leider
-keine in der Antarktis, meine Gnädigste!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [verwundert]. Nicht? Was Sie nicht sagen?
-Ich meine jene Vögel, die immer auf zwei Beinen gehen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [leise]. Ja, auf vier können sie nicht leicht
-gehen. [Laut.] Gnädige Frau meinen wohl&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a>
-<span class="ge">Krickenfeld</span> [lebhaft]. &ndash; die antarktischen Pelikane.
-Von denen habe ich auch gelesen. [Sie knöpft eifrig ihre Handschuhe
-zu, die anderen Damen haben auch umständlich eine Menge
-Kleider und Pelzsachen angelegt.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [lächelnd]. Gnädigste sprechen gewiß von
-den Pinguinen.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [triumphierend]. Siehst du, liebste Emilie,
-ich hatte es erraten &ndash; mit »P« wenigstens fängt auch mein
-Wort an.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [neugierig]. Nun behalten wir Sie wohl in
-in unserem schönen Kringhausen, nicht wahr, Herr Professor!
-Beim Mamatscherl ist's eben am besten!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [die Stirne runzelnd]. Ich hoffe bleibend
-bei Mama verweilen zu können &ndash; indessen hängt dies noch von
-einigen anderen Umständen ab.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mahnend]. Führen Sie nur auch bald ein
-nettes Frauchen heim. Ach, Sie Herzenstöter! [Sie droht ihm
-lächelnd mit dem Finger.] Ich kenne mehr als ein Mädchen,
-das nur von Ihnen träumt. Ha, ha, ha!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Gnädige Frau belieben zu scherzen
-&ndash; ich kenne nur eins!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [die Hand auf seinen Arm legend]. Wählen
-Sie sich nur ein häusliches, wohlerzogenes&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit Nachdruck]. &ndash; ein Mädchen mit tadellosem
-Rufe &ndash; das ist immer Hauptbedingung, hier, wo man eben
-in mancher Beziehung noch so unmodern ist.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [lebhaft]. Etwas Mitgift ist auch ein sehr
-wünschenswerter Faktor&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [abwehrend]. Letzteres spielt bei unserem
-Jungchen [schelmisch] Pardon! Pardon! so darf man eine angehende
-Berühmtheit wohl nicht nennen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [verbeugt sich kalt]. Bitte sehr, gnädige
-Frau!</p>
-
-<p class="fss ci">[Alle Damen reichen nun zuerst Frau Hasselstein und hierauf ihrem
-Sohne die Hand, die er küßt. Abschiedsworte fliegen durcheinander, ein
-großer Lärm entsteht. Mutter und Sohn begleiten die Gäste bis zur
-Tür zur Rechten.]</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a>
-<span class="ge">Krickenfeld</span> [zu Hans Georg]. Stets willkommen bei
-mir, Herr Professor!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [lächelnd]. Nur auf baldige Brautschau ausgegangen!
-Ein junger Mann braucht ein Heim.</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [ruft von der Schwelle zurück]. Und nur
-die Warnungen der lieben Mama hübsch beherzigt!</p>
-
-
-<h3>3. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Mutter und Sohn allein.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [führt seine Mutter zu einem Lehnstuhl zur
-Linken, legt einen Polster für sie zurecht, schiebt einen kleinen
-Fußstuhl unter die Füße und bleibt dann, gegen die Kredenz im
-Hintergrund gelehnt stehen.] Seit meiner Heimkehr ist es mir
-noch nicht gelungen ein einziges trauliches Plauderstündchen mit
-dir zu halten und dennoch habe ich so vieles auf dem Herzen,
-das alles bald besprochen werden muß.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit Stolz auf den hübschen jungen Mann
-blickend]. Sprich, mein Kind, ich bin begierig deine Pläne zu
-hören!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Mutter! Es handelt sich um
-meine ganze Zukunft, um mein Glück! Als ich vor mehr als
-zwei Jahren der Heimat den Rücken kehrte, so geschah es, wie
-du dich erinnern wirst in zweiter Linie um mein Wissen zu vergrößern,
-Abenteuer zu bestehen, neue Entdeckungen zu machen &ndash;
-Ich wagte mein Leben in unerforschten, unwirtlichen Gegenden&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [erregt]. Welche Sorge habe ich um dich,
-liebster Hans ausgestanden, wieviel Tränen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Ich weiß es, Mama! Ich habe
-oft gewünscht, daß ich dir alle diese Leiden und Sorgen hätte
-ersparen können, aber eine Trennung war notwendig&nbsp;&ndash; [leiser]
-&ndash;&nbsp;für uns beide. Ich zog aus um neue Horizonte zu finden
-und dadurch auch neue, reinere, nachsichtigere Anschauungen zu
-gewinnen, um dir, liebes Mutterl, Zeit zu geben die Liebe zu
-deinem Sohne auf die Probe zu stellen, um dich in den Stand
-zu setzen dich allmählich von der Wahrheit meiner Worte mit
-<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a>
-bezug auf eine mir teure Person zu überzeugen und um einst
-heimkehren zu können in ein Heim, von denen die Schatten engherziger
-Beurteilung gewichen, &ndash; gewichen, auf daß Nachsicht,
-Liebe und Vertrauen dort ihren Einzug halten. Auch ich habe
-sowohl mein Herz als auch meine innerste Ueberzeugung zu prüfen
-Zeit gehabt &ndash; lange, ja lange sind die Stunden der düsteren
-Polarnacht und oft lag ich überlegend, prüfend, erwägend im
-Schlafsack, wenn der süße, traum- und sorgenlose Schlummer
-sich lange schon auf meine glücklicheren Kameraden gesenkt hatte.
-Ich prüfte mich, Mutter, und weiß, daß mein Entschluß unwiderruflich,
-daß Berta für meine Zukunft die beste Gefährtin, zu
-meinem Lebensglücke unerläßlich ist. Wie vor zwei Jahren bitte
-ich dich heute: Lass' mich sie, die mir schon seit Jahren teuer,
-zu dir bringen &ndash; finde statt eines Kindes <span class="ge">zwei</span>! [Weich.]
-Zwei die dich lieben, zwei die für dich sorgen, zwei die alles
-aufbieten werden dir dein Alter zu verschönen, deinen Lebensabend
-friedvoll und heiter zu gestalten!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [erregt]. Ach, Hans Georg! Nach all
-meinen Bitten&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst nähertretend]. Es handelt sich um
-mein <span class="ge">Glück</span>, Mutter!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [seufzend]. Du weißt, daß ich stets nur an
-dein Wohl, dein Bestes denke!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [weich]. Ich weiß es Mütterchen! Aber
-du darfst nicht vergessen, daß die Zeiten sich ändern, daß die
-Anschauungen der heutigen Jugend notwendigerweise von denen,
-die verwichen vor vierzig Jahren geherrscht, verschieden sind.
-Wir gehen gottlob einer aufgeklärten Epoche entgegen, einer
-milder denkenden, verständnisvolleren und daher auch einer nachsichtigeren&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [heftig, sich aufrichtend]. Recht wird immer
-Recht, Unrecht eben Unrecht bleiben, Hans Georg! Die heutige
-Jugend genießt größere&nbsp;&ndash; [sie seufzt und schweigt einen Augenblick]
-&ndash;&nbsp;vielleicht allzu große Freiheit, aber der Ruf eines
-Mädchens bleibt heute wie vor vierzig Jahren ihr größter Schatz,
-der Prüfstein ihres Wertes!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bitter]. Selbst wenn sie den Verlust desselben
-<a class="pagenum" id="page_037" title="37"> </a>
-einem gewissenlosen Schurken und nicht eigener Schuld
-verdankt?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [das Haupt schüttelnd]. So ein Fall ist
-ein großes Unglück für das Mädchen &ndash; aber &ndash; in den Augen
-der Welt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [mit wachsender Erregung]. Und woraus
-besteht diese »Welt«? Aus einigen beschäftigungslosen Pensionisten,
-vielen alten Klatschweibern und wenigen gedankenlosen Nachplapperern
-dieser beiden Kategorien &ndash; Menschen, von denen die
-erste Gattung das Füttern der Vögel im Stadtparke und die zweite
-das Amfenstersitzen und Kartenspielen zur Hauptbeschäftigung
-hat. Und über ihr Urteil kannst du dich deines einzigen Sohnes
-willen, der nur wie durch ein Wunder überhaupt zurückkehrte,
-nicht hinwegsetzen?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [betrübt]. Mein Sohn! Die Welt besteht
-aus allen jenen Menschen, mit denen wir zusammentreffen, in
-deren Mitte wir leben müssen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [die Brauen hochziehend]. Müssen? Man
-kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [müde]. Einigen vielleicht &ndash; doch nicht
-allen. Der Mensch ist ein Gesellschaftstier und wir sind daher
-der öffentlichen Meinung unterworfen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [erregt auf und abgehend]. Ist es also
-besser sich selbst unglücklich zu machen als der sogenannten öffentlichen
-Meinung mutig die Stirne zu bieten?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein.</span> Törichtes Kind! Glaubst du, daß dein
-Glück von Dauer sein würde, so du der Achtung deiner Mitmenschen
-beraubt wärest?</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [wirft stolz das Haupt zurück]. Vorurteile
-muß man eben bekämpfen &ndash; der Anfang mag schwer, der Erfolg
-ein langsamer sein, aber endlich muß der Sieg errungen werden!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ernst]. Eine Schwalbe macht noch keinen
-Sommer &ndash; ein Fall verändert noch nicht lange die traditionell gewordenen
-Gesetze von Jahrhunderten, die in Fleisch und Blut
-des Volkes übergegangen sind. [weich und bittend.] Ach, Hans
-Georg, lasse dich hier als Gymnasialprofessor nieder, wähle dir
-ein Mädchen aus gutem Hause und von tadellosem Rufe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a>
-<span class="ge">Hans Georg</span> [bitter]. &ndash; und führe ein Spießbürgerleben
-anseiten einer ungeliebten aber in den Augen der guten
-Kringhäusler hochachtbaren Frau &ndash; danke!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [weich]. Mein Jungchen! [Nach einer kurzen
-Pause.] Sag' mir, du mein Leben, mein Stolz, meine Freude,
-daß du auf deine alte Mutter hören willst, daß du nicht ernstlich
-daran denkst diese &ndash; diese Berta Heller &ndash; zu heiraten.
-Beim Andenken deines verstorbenen Vaters beschwöre ich dich&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sinkt vor seiner Mutter in die Knie,
-stützt sich auf ihren Schoß und blickt zärtlich in ihr Antlitz].
-Lassen wir Vater &ndash; er genießt die Ruhe, um die ich ihn oft
-beneidet habe! [weich und bittend]. Kannst du es wirklich nicht
-über dich gewinnen den Kringhäuslern um meinetwegen zu trotzen?
-Hast du, während ich begraben unter Eis und Schnee, fern &ndash;&nbsp;&ndash;
-ach, so fern von dir &ndash; ein gefahrvolles Leben führte,
-stets bereit vom Schauplatze irdischer und meist leider so nichtiger
-Kämpfe zu anderen Sphären berufen zu werden, hast du
-da nie gedacht, wie es sein würde, wenn ich nie wiederkäme,
-wenn ein Mitglied der Expedition dir statt des gesunden Sohnes
-die Nachricht seines frühen Todes zugeführt hätte, wenn du
-deinen Lebensabend einsam hier verleben müßtest, &ndash; ohne daß
-die Stimmen froher Enkel in diesen Mauern widerhallen würden &ndash;
-einzig von den Verwandten, einzig von den geschwätzigen Tarockdamen
-besucht. Hast du nie dir vorgestellt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [sich die Tränen abtrocknend]. Oh mein Junge,
-mein geliebter Hans Georg! Wie oft lag ich stundenlang betend
-vor meinem Lager, wie oft saß ich weinend gerade hier, wenn
-die Einsamkeit mich allzu unerträglich deuchte, die Sorge um
-dich, du mein höchster Schatz, mein Herz zusammenkrampfte.
-Ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden, wenn [Mutter und
-Sohn halten sich lange umschlungen].</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sie liebkosend]. Hast du dir nie vorgestellt,
-Herzensmütterchen, wie schön unser Zusammenleben sein
-würde, wenn Berta &ndash; wenn ich und sie dir immer nahe wären
-und alle deine Wünsche ausführen könnten &ndash; Wünsche, die nur
-ein Sohn, eine liebende Tochter erfüllen können. Dachtest du
-nie, wie süß die Enkelchen &ndash; ihre und meine Kinder&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a>
-<span class="ge">Hasselstein</span> [leidenschaftlich]. Deine Kinder &ndash; doch
-nicht sie ins Haus &ndash; nicht sie zu deiner Frau &ndash; Oh, Hans Georg!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [müde]. Warum nicht? Weil ein Schurke
-ohnegleichen es gewagt hatte die kaum sechzehnjährige liebliche
-Menschenblüte mit Gewalt zu brechen? Sie die sowohl vor
-wie auch nachher ein tadelloses, mustergültiges Leben führte, sie,
-die außer ihrer Schönheit ein edles Gemüt, ein warmes Herz,
-einen regen Geist und künstlerische Anlagen besitzt und die dem
-kranken Bruder ihr Erbteil abgetreten, ihren Vater jahrelang
-aufopfernd gepflegt hat, sie, an deren Seite einzig ich mein Glück
-finden kann? Vor zwei Jahren konnte ich noch zweifeln &ndash;
-heute nicht mehr. Oft, wenn die Bitterkeit dieses schwache Herz
-erfüllte und es zu sprengen drohte, da stieg inmitten der Schneewüste
-das Bild Bertas tröstend vor mir auf und die Wellen
-des Abscheus gegen alle engherzigen Seelen daheim sanken in nichts
-zusammen, &ndash; wenn ich mich freute mir einen Namen errungen
-zu haben, so war es, weil er ihr Schutz gewähren sollte gegen
-alle&nbsp;&ndash;&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [ihn abwehrend unterbrechend]. Sie wird
-deinen reinen geachteten Namen in den Schmutz ziehen &ndash; das
-weiße Tuch wird schwarz, wenn es mit Ruß in Berührung
-kommt, nicht der schwarze Ruß weiß vom Tuche. [Vorwurfsvoll.]
-Du denkst immer zuerst an sie &ndash; erst hierauf an deine Mutter.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ihre Hände ergreifend]. An wen könnte
-ich mehr denken als an meine Mutter, aber siehst du, Berta ist
-bereit mir alles zu opfern, mit mir bis an das Ende der Welt
-zu ziehen, falls wir das Heim, das erhoffte Glück nicht bei dir,
-nicht in der Heimat finden können. Sie will gerne das
-schwere Leben eines Forschers in fremden Erdstrichen mit mir
-teilen, sie opfert mir willig Heimat, die Annehmlichkeiten der
-civilisierten Länder mit ihren Vergnügungen, ihren reichen Abwechselungen
-&ndash; und du, ach, du willst deinem Sohn nicht einmal
-die Kringhäusler und ihre nichtige Meinung aufopfern!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [besorgt]. Du sprichst von neuen Forschungsfahrten
-&ndash; wärest du imstande mich wieder zu verlassen, mich
-neuem Kummer, neuen Sorgen auszusetzen?</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [weich]. Wie gerne, wie innig gerne verbliebe
-ich bei dir, doch du selbst schickst mich wieder hinaus in
-<a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a>
-die weite Welt. Auch Berta, liebste Mutter, auch ich, wir
-beide haben gleich dir Anspruch auf Freude, auf Glück, auf eine
-sonnige Zukunft. Wäre mein Lieb' ein schlechter Charakter, ein
-leichtsinniges Mädchen, so würde ich nie ein solches Opfer, eine
-Ueberwindung von dir begehren &ndash; aber einem Vorurteil allein
-kann ich nicht das Glück und die Zukunft eines ganzen Daseins
-opfern. [Weich.] Zieh' mit uns, Mutter verlasse Kringhausen und
-in einem fremden Orte &ndash; unsere Heimat ist groß &ndash; wollen
-wir ein neues Heim uns gründen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [müde]. Gerüchte erreichen auch entfernte
-Orte.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ihre Hände mutlos fallen lassend]. Du
-liebst die Kringhäusler mehr als deinen Sohn! [Nach düstern
-Schweigen leise.] Es sei, Mutter, wie schwer mir der Abschied
-auch wird, wie hart der Schlag, der meine schönsten Hoffnungen
-vernichtet, mich auch getroffen. [Fester, lauter.] Noch gibt es
-Völker, wo mein Name, meine Persönlichkeit allein genügen
-werden, dem Weibe, das ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin
-erwählt habe, Achtung zu verschaffen. [Er entfernt
-sich mit gesenktem Haupte etwas von Fr.&nbsp;H.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [nach einer peinlichen Pause]. Hans Georg!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sich müde umwendend]. Mutter!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [die Hände nach ihm ausstreckend]. Komm'
-zu mir, mein Kind! [Er sinkt langsam wieder vor der Mutter
-in die Knie und hält sie umschlungen.] Kannst du nur mit
-Berta glücklich werden?</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Ja, Mütterchen, mit ihr allein!</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [weich und mit tränenerstickender Stimme
-indem sie ihn an sich zieht]. Mein Liebling, ich kann eine neue
-Trennung nicht ertragen, ich kann dich nicht wieder in die Fremde
-ziehen lassen &ndash; ich muß daher wohl&nbsp;&ndash; [sie küßt ihn].</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [jubelnd]. Mama! O du mein süßes, o
-du mein geliebtes Mutterl&nbsp;&ndash;</p>
-
-
-<h3>4. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll und die ganze Verwandtschaft
-stürmt herein. Herr und Frau Pottenmiller, Herr und Frau
-<a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a>
-Brunnick, Herr und Frau Knute, Ladislaja und Hermine Schrift und
-alle rufen allerlei durcheinander. Große Begrüßung. Alle nehmen endlich
-Platz und verhältnismäßige Ruhe tritt ein.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Regierungsrat Pottenmiller</span> [Hans Georg
-vom Scheitel bis zur Zehe durch ein Lorgnon musternd]. So,
-so, da wäre also unser Südpolfahrer. Endlich einmal treffen
-wir dich daheim &ndash; bist sonst immer vergriffen.</p>
-
-<p><span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller.</span> Willkommen daheim,
-lieber Neffe. Wie hat es dir am Südpol gefallen?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Direktor Knute.</span> Wer hat euch das Essen gekocht?</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [lächelnd]. Wir wechselten ab &ndash; jede
-Woche kam die Reihe an jemand anderen.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [mit Verachtung in Ton und Geberden].
-Kein Wunder, daß du so mager bist! Was verstehen die Männer
-von der Speisezubereitung?!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [sich zurücklehnend, mit scharfer kreischender
-Stimme]. Sag' einmal, was hast du für Pläne? Das darf
-man wohl erfahren, vermute ich. Wohlgemeinte Ratschläge wirst
-du natürlich wie immer ablehnen. [Sie zuckt mit den Achseln.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [in befehlendem Tone]. Jetzt wirst du natürlich
-nicht albern genug sein die Stelle am hiesigen Gymnasium
-wieder abzulehnen. Man nennt deinen Namen gerade jetzt häufig
-in den Blättern und mir wurde privatim gesagt, daß du, mit
-einiger Protektion sogar an der Universität unserer Kreishauptstadt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja</span> [schlägt die Hände zusammen, mit dünner
-Fistelstimme]. Nein, stellt euch vor, unser kleiner Hansi Universitätsprofessor!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein.</span> Das ist auch mein höchster Wunsch
-&ndash; am liebsten als Gymnasialprofessor hier, das ist eben eine
-sichere Versorgung mit späterer Pension&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [mit Sarkasmus]. Die langsame Verwandlung
-eines denkenden Menschen in eine wandelnde Maschine
-ist selbstverständlich ganz belanglos.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [heftig, mit unruhig blitzenden Augen].
-<a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a>
-Was habe ich soeben gesagt? Ihm einen Vorschlag zu machen
-bedeutet so viel wie denselben augenblicklich verworfen zu sehen.
-Er dünkt sich stets der Klügste. [Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich
-wieder an eine Forschungsreise.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [kalt]. Mein Bleiben oder mein Reisen
-hängt von Umständen ab.</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja</span> [salbungsvoll]. Bleibe im Lande und nähre
-dich redlich!</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [im gleichen Ton]. Ja, Hans Georg, so haben
-es unsere Väter gehalten und so ihre Väter vor ihnen und&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [verächtlich]. Ja, ja, bis zurück auf Adam
-und Eva.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [kreischend]. Ganz wie ich voraussetzte!</p>
-
-
-<h3>5. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Ein Stubenmädchen öffnet die Tür und läßt Roden und Norry eintreten.]</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [indem er Frau Hasselstein begrüßt]. Ich gratuliere
-Ihnen, gnädige Frau, zu Ihrem Sohne. Ein ausdauernder
-Forscher und ein liebenswürdiger Kamerad!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [Fr. Hasselstein begrüßend]. Gnädige Frau haben
-alle Ursache stolz auf ihn zu sein. Die Wissenschaft verdankt
-ihm wichtige Aufschlüsse über die antarktische Tier- und Pflanzenwelt,
-ganz besonders aber über die Lebens- und Fortpflanzungsweise
-mehrerer bisher noch ganz unbekannt gewesener Infusorien.
-Er hat eine glänzende Zukunft vor sich.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [lächelnd]. Ja, ich bin wirklich stolz auf
-meinen Jungen und so froh ihn wieder bei mir zu haben.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zu Norry, nachdem alle wieder
-Platz genommen]. Helfen Sie uns, Herr Doktor, ihm den Kopf
-zurechtzusetzen.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [zu Roden]. Wir sind eben im Begriff
-über seine Zukunft zu entscheiden &ndash; wir wollen daß er endlich
-eine vernünftige Laufbahn einschlägt &ndash; sich hier niederläßt.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a>
-<span class="ge">Frau Knute</span> [heftig zu beiden Herren]. Denken Sie sich,
-man hat ihm eine Stelle am hiesigen k.&nbsp;u.&nbsp;k. Staatsgymnasium
-angeboten &ndash; eine Versorgung mit Pension &ndash; und er sagt &ndash;
-der unmögliche Mensch sagt, daß er noch nicht weiß, ob er das
-Angebot auch annehmen wird.</p>
-
-<p><span class="ge">Die Herren Pottenmiller und Knute</span> [sagen gehorsam
-nach]. Er weiß noch nicht, ob er sie annehmen wird.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [mit einen Blick gegen den Himmel]. Wenn
-er doch endlich vernünftig sein wollte!</p>
-
-<p><span class="ge">Die beiden alten Herren</span> [auf aufmunternde Blicke
-ihrer Ehehälften hin]. &ndash; vernünftig sein wollte!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [sich erhebend]. Da bitten wir um Entschuldigung
-gestört zu haben. Ein Familienkonklave wollen wir um keinen
-Preis unterbrechen.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute und Pottenmiller.</span> Im Gegenteil,
-Sie müssen bleiben und uns helfen. [Sie drücken ihn mit Gewalt
-in den Stuhl zurück.]</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [indem sie Norry festhält, der gleichfalls aufgestanden].
-Auf Ihre Worte wird er eher hören &ndash; Fremden gehorcht er
-immer lieber als uns, seinen allernächsten Verwandten!</p>
-
-<p><span class="ge">Die drei Herren</span> [auf ein Zeichen ihrer Gemahlinnen].
-&ndash; seinen nächsten Verwandten!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [sich vergeblich zu befreien suchend]. Wir kamen
-nur um Professor Hasselstein zu fragen, ob er bereit sein würde
-sich der in schon drei Wochen abgehenden Forschungsexpedition
-nach Mikrosenien anzuschließen.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry.</span> Unser Herr Kollege war nicht ganz sicher, ob
-er in Kringhausen verbleiben würde oder nicht. Nun ist es aber
-notwendig, daß alle Teilnehmer spätestens heute ihren Entschluß
-mitteilen und die Liste der Teilnehmer unterzeichnen. Sonst hätten
-wir die Herrschaften nicht gestört.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle Damen</span> [die Hände ringend]. Er will schon wieder
-auf Abenteuer ausfliegen!</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja</span> [vorwurfsvoll]. So etwas! Ein solch' greller
-Undank, nachdem ich mich für ihn bemüht habe und mir der
-hiesige Regimentsarzt versprochen hat Hans Georg zweimal die
-<a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a>
-Woche als Privatlehrer ins Haus kommen zu lassen. [Zu Norry.]
-Ein junger Mann verdient ja nie zu viel.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leise und erbittert zu Norry]. Himmel welche
-Menschen! Sie würden einen Michelangelo zum Zaunstreichen
-verwenden.</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [die Daumen drehend]. Eine gesicherte Stellung
-ist eine gesicherte Stellung. An den Südpol fahren und ähnliche
-Dummheiten machen, das mag in jungen Jahren ganz entschuldigbar,
-wenn auch ganz ohne praktischen Wert sein, aber im Alter sehnt
-man sich nach Ordnung, nach einem Heim, nach Ruhe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle drei Herren</span> [mit tiefen Seufzern]. &ndash; nach Ruhe,
-nach Frieden!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Und nach einer braven, häuslichen Frau.</p>
-
-<p><span class="ge">Die drei Herren</span> [leiser, noch seufzend]. Nach einer
-braven &ndash; nach einer stillen Frau!</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [einen Strickstrumpf herausziehend und die
-Nadeln zurechtlegend]. Bäckers Linchen ist zum Beispiel ein sehr
-wohl erzogenes, fleißiges und ehrbares junges Mädchen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [trocken]. Von dreißig Jahren mindestens!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [mit blitzenden Augen und allen Anzeigen
-höchster Entrüstung]. Eine Bäckerstochter in unserer
-Familie! [Mit gespieltem Mitleid.] Tante Hermine wird altersschwach!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Oder Doktors Röschen? Niemand in
-ganz Kringhausen kann eine bessere Fleischsulz zubereiten als&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [trocken]. Verstand oder Gemüt braucht
-meine künftige Frau Eurer Ansicht nach nicht zu haben. Ich
-kann statt dessen ja jede Woche einmal eine vorzügliche Fleischsulz
-essen.</p>
-
-<p><span class="ge">Herr Brunnick</span> [seufzend]. Bester Hans Georg, eine
-geistreiche Frau ist&nbsp;&ndash; [er verbessert sich schnell] &ndash;&nbsp;kann zur
-Geißel werden!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Der arme Tropf spricht sicher
-aus Ueberzeugung.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [leise zu Roden, während die Damen unter sich
-lebhaft gestikulierend plaudern]. Die Männer sehen allesamt nicht
-<a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a>
-aus, als ob sie das Pulver erfunden hätten &ndash; die Frauen haben
-mehr Grütze, aber Zungen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [im selben Ton]. Quantitativ genommen sehen
-die Männer nicht übel aus&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [leise lachend]. Die größten Orangen haben die
-allerdickste Schale&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [befehlend zu den beiden Forschern]. So reden Sie
-doch mit! Hans Georg hört nicht auf unsere wohlerwogenen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [sich aufrichtend]. &ndash; und weisen Ratschläge&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [sarkastisch lächelnd]. Professor Hasselstein ist zweifelsohne
-imstande das für ihn Beste richtig zu wählen.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle Damen</span> [mit Ueberzeugung und viel Geschrei].
-O glauben Sie das nicht!!!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [verächtlich]. Hans Georg hat noch
-keine Lebenserfahrung!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Er kennt die Fallstricke des Daseins
-noch nicht. Mein Mann zum Beispiel wäre ohne mich&nbsp;&ndash;
-[sie bemerkt plötzlich, daß er ganz ruhig eingeschlafen und schüttelt
-ihn nun kräftig].</p>
-
-<p><span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller</span> [fährt jäh aus dem
-angenehmen Schläfchen empor]. Aaah &ndash; was &ndash; was &ndash; schon
-Zeit zum Aufstehen! Gleich, gleich, beste Frederike &ndash; wo sind
-meine Socken? [Er ist jetzt ganz wach geworden.]</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [verächtlich auf den Vater blickend, zu Roden]. Ja,
-ja, der Papa! Wenn er uns nicht hätte!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [leise zu Roden von der andern Seite]. Ich glaube,
-daß er da viel glücklicher wäre.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [ruft zu Norry, den sie etwas murmeln hört]. Pardon!
-Sagten Herr Doktor mir etwas?</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [lächelnd]. Ich wollte nur fragen ob die Tatsache,
-daß Professor Hasselstein den Gefahren und Beschwerden
-einer langen Südpolforschungsreise getrotzt hat, als Erfahrung
-so gar nicht ins Gewicht fällt.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [verächtlich mit ihrer kreischenden Stimme].
-<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a>
-Bester Herr Doktor, welche Frage! »Es bildet ein Talent sich
-in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt«, so
-sagt ja unser großer Denker!</p>
-
-<p><span class="ge">Alle drei Damen.</span> So sagt er!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [stolz]. Ach, unsere Aderl, die
-weiß alles!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [lächelnd]. Ich verstehe vollkommen, man muß
-eben den Strom in Kringhausen mitgemacht haben.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [leise]. V&ndash;t viele Wirbel und Strudel darin!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [im gleichen Ton]. Und statt Seejungfrauen gibt
-es Seeelefanten&nbsp;&ndash; [laut] Hasselstein, welchen Entschluß haben
-Sie gefaßt! Wollen Sie dem schönen Kringhausen treulos den
-Rücken kehren oder&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [entrüstet]. Er wird doch nicht wieder &ndash; Der
-Mensch hat so gar keine Charakterfestigkeit!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [das Haupt schüttelnd]. Statt Haus und
-Heim zu gründen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Wirst du das sichere Brot fahren
-lassen?</p>
-
-<p><span class="ge">Die drei Herren</span> [auf einen ermahnenden Puff von Frau
-Knute im Chor]. Das Brot fahren lassen!</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [streng]. Die Möglichkeit, dir eine Position zu
-schaffen &ndash; endlich ein solides Leben zu führen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [lachend]. Ich erinnere mich nicht am
-Südpol, in der Antarktis überhaupt, unsolid gelebt zu haben. [Roden
-und Norry lachen mit.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [wirft dem Kleeblatt einen vernichtenden
-Blick zu]. In meiner Jugend &ndash; man hielt damals
-noch auf guten Ton &ndash; hätte ein junger Mann es nicht gewagt
-bei einer verdienten Zurechtweisung zu lachen und eine so &ndash; so&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Herr Pottenmiller</span> [aufhelfend]. &ndash; so schnauzige
-Antwort&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [ihm einen vernichtenden Blick zuwerfend].
-Papa! [Pottenmiller sinkt ganz und gar in sich zusammen und
-schweigt.] Gewiß hat sich der Papa im »weißen Hirschen« eine
-so vulgäre Ausdrucksweise angewöhnt.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a>
-<span class="ge">Ladislaja</span> [lächelt dummvergnügt vor sich hin]. Otto
-wird bald nicht mehr zimmerrein sein. [Hans Georg und die
-beiden Forscher lachen, die Damen sind entsetzt.]</p>
-
-<p><span class="ge">Alle Damen.</span> Ladislaja! Ladislajaaaaaaaaaa!!!!!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [leise zu Roden]. Die Tante leidet sicher an Gehirnerweichung.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [in gebietendem Tone]. Hans Georg!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [gelassen]. Du befiehlst, Tante?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [kategorisch]. Ich habe schon eine Frau
-für dich bestimmt. Von deiner Abreise ist natürlich keine Rede,
-sondern du heiratest, läßt dich hier nieder und zur Belohnung
-für deinen Gehorsam verspreche ich dir, daß ich deiner Frau
-mit Rat und Tat selbst an die Hand gehen werde. So ein
-junges Ding bedarf der Anleitung. Von mir unterstützt aber&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sich verbeugend]. Du bist außerordentlich
-liebenswürdig, liebe Tante, indessen &ndash; ist meine Wahl schon
-getroffen.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle.</span> Schoooon getroffen!!!!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Und davon schwiegst du?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Und du machtest uns ein Geheimnis
-daraus?</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ruhig]. Nein, ich bin noch nicht zu Wort
-gekommen.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Lieber Neffe, in solchen delikaten Angelegenheiten
-ist es immer am besten sich zuerst bei seinen weiblichen
-Anverwandten&nbsp;&ndash; [mit einem Blick auf die drei Herren] &ndash;
-die männlichen taugen nichts, &ndash; Rat zu holen.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [ernst]. Glaube mir, lieber Neffe,
-eine Frau ist in solchen Fällen weit besser imstande zu sagen,
-ob die Auserwählte auch allen Ansprüchen gerecht zu werden
-verspricht, ob sie&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [dem endlich die Geduld reißt]. Zum
-Teufel auch! Soll ich oder werdet Ihr mit ihr leben?</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [mit sichtbarer Befriedigung]. Sein
-ungezügeltes Temperament gewinnt die Oberhand &ndash; wie immer!</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a>
-<span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Jean Baptiste Rousseau hat
-recht, wenn er sagt: »<i>Le pire venin est celui des serpents du
-genre feminin</i>«.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [entrüstet]. Wo bleibt deine mütterliche
-Autorität, Schwester?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [scheu]. Hans Georg liebt sie&nbsp;&ndash; [sie seufzt]
-&ndash;&nbsp;er will sie &ndash; allerdings gegen meinen Willen, trotz meiner
-Bitten &ndash; heiraten und was soll &ndash; was kann ich&nbsp;&ndash; [etwas
-entschlossener, da sie auf ihn blickt] &ndash;&nbsp;er liebt seine Braut und
-ich &ndash; ich bin Mutter! [Sie bricht in Tränen aus, Hans
-Georg ist aufgestanden, neigt sich über ihren Stuhl und küßt
-sie. Er bleibt dort stehen.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [streng]. Dein Sohn hat leider nie zu gehorchen
-gelernt!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [mit gespieltem Mitleid]. Die gute Tante hat den
-Erziehungskarren total verfahren.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [stößt mühsam hervor]. Wer ist sie?</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja</span> [den Hals ausstreckend]. Ist sie reich?</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine.</span> &ndash; und tugendhaft &ndash; religiös, &ndash; streng christlich
-erzogen?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Ist deine Braut häuslich?</p>
-
-<p><span class="ge">Herr Pottenmiller</span> [schüchtern]. Ist sie hübsch?</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [streng]. Papa!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [in belehrendem Tone]. Darauf
-kommt es am allerwenigsten an. Je weniger auffallend die Erscheinung
-um so anspruchloser&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada.</span> &ndash; und biegsamer&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> &ndash; und weniger zur Koketterie geneigt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja.</span> &ndash; und reineren Herzens&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [langsam und feierlich, Silbe für Silbe]. &ndash;
-und passender für die heilige Ehe ist so ein Mädchen!</p>
-
-<p><span class="ge">Alle</span> [zu Frau Hasselstein]. Tante! Schwester! Sprich!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [gleitet unruhig auf dem Stuhle hin
-und her und sagt endlich stotternd]. Die &ndash; se &ndash; ses &ndash; Määä
-&ndash; äd &ndash; chen ist &ndash; ist&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a>
-<span class="ge">Alle</span> [gebietend]. Ist!!!!? Schwester!!!!!! Ist!!!!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [nach kurzer Ueberwindung, leise]. Es
-ist &ndash; Berta &ndash; Berta Heller!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [bissig]. Diese Verlorene &ndash; diese &ndash;
-diese&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [mit tugendhaftem Grauen in der
-Stimme, während die anderen sprechende Blicke austauschen]. Eine
-arme jugendliche Verunglückte &ndash; ein Paria!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [rücksichtslos wie immer, laut]. Eine Dirne!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [dessen Zorn jetzt den Höhepunkt erreicht
-hat, mit donnernder Stimme indem er mitten unter sie tritt].
-Nein! Schweigt! Ein junges Mädchen besser als alle die fälschlich
-als so tugendhaft betrachteten fraglichen Grazien Kringhausens,
-das das Unglück gehabt hat als ahnungsloses Kind einem Elenden
-in die Hände zu fallen. Ihr wagt es, meine Braut zu beschimpfen,
-sie deren Gedanken edler, reiner und menschenfreundlicher
-sind als die vieler, die mir gut bekannt. [Er blickt auf sie der
-Reihe nach.] Ihr wagt einer Unglücklichen etwas vorzuwerfen,
-woran sie keine Schuld trägt! Pfui! [Er wendet sich ab und
-geht ruhelos im Zimmer auf und nieder.]</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [erholt sich zuerst]. Und solchem Wahnsinn
-hältst du die Stange, Tante? [Sie mißt sie kalt. Zu
-ihrem Vater] Papa, sprich!</p>
-
-<p><span class="ge">Herr Pottenmiller</span> [sich aufraffend]. Wie &ndash; soll
-ich mich im »weißen Hirschen« zeigen können, wenn die Verlobung
-bekannt wird, Hans Georg? Niemand wird von etwas anderem
-sprechen, man wird hundert Fragen an mich stellen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bleibt einen Augenblick stehen]. So bleib'
-zu Hause, wenn du dich fürchtest! [Er nimmt seine Wanderung
-wieder auf, Herr Pottenmiller erneuert seinen Ueberredungsversuch
-nicht.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [weinerlich]. Und wie kann ich zu den Schneiderabenden
-des katholischen Jungfrauenvereins gehen? Ich müßte
-zu sehr erröten, wenn man Anspielungen &ndash; an &ndash; an machen
-würde. [Sie bedeckt das Gesicht mit den Händen.]</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja</span> [mit ihrer dünnen Fistelstimme]. Ach, und
-<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a>
-wie könnte ich dem jungen Prediger nur in die Augen schauen
-&ndash; nein, nein, ich müßte vor Scham in die Erde sinken &ndash;
-vergehen &ndash; Er, der mich und unsere Familie den anderen Jungfrauen
-des Vereins als Muster hinstellt! Mit so einer Verwandten
-&ndash; so ein Skandal!&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Vor zwanzig Jahren hat ihre
-Jungfräulichkeit vielleicht noch einen Wert gehabt.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [im gleichen Ton]. Sagen wir ruhig: vor einem
-Vierteljahrhundert!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [streng]. Mir ins Haus darfst du so eine
-&ndash; [sie verstummt vor H.&nbsp;G.'s Blick].</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [kalt]. Fürchte dich nicht &ndash; wir werden
-uns allein genügen!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Auf die Stelle am hiesigen
-Gymnasium darfst du in dem Fall auch nicht rechnen, ebenso
-wenig wie auf die Protektion meines Mannes &ndash; Wer die Jugend
-erziehen will muß vor allem selbst unerschütterliche sittliche
-Grundsätze haben&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [traurig]. Das haben die Damen
-der Tarockgesellschaft auch gesagt.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [verächtlich]. Alte Klatschbasen! Hast du
-also mit ihnen über meine Zukunft Rat gepflogen?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schüchtern]. Sie erzählten, daß die
-ganze Stadt davon spricht, daß es deiner Zukunft schaden, dich
-gesellschaftlich zum Paria&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [kalt]. In Kringhausen machen wird, nicht
-wahr? Die Welt besteht Gott sei Dank nicht ausschließlich aus
-Kringhausen und &ndash; Kringhäuslern!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Gehe wohin du willst, du wirst überall
-einen schweren Stand haben. Es gibt immer Menschen, die
-freundlich genug sind einen solchen Fleck im Namen einer Frau
-an irgend eine gute Freundin zu schreiben, die diese Neuigkeit
-hierauf die Runde im Städtchen machen läßt.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [spöttisch]. Ich zweifle nicht daran. Hoffentlich
-wird mein Name dennoch Kraft genug besitzen meine Frau
-zu schützen.</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a>
-<span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [mit Nachdruck]. Keine Frau
-deiner Kollegen wird mit dir in gesellschaftliche Verbindungen
-treten wollen, &ndash; kurz, deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle
-mit Schande überhäuft, dein toter Vater im Grabe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [streng]. Laß die Toten in Frieden ruhen
-&ndash; wir haben mit den Lebendigen mehr als genug.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Er würde sich im Grabe
-umwenden, wenn er eine Ahnung hätte! [Alle sprechen durcheinander,
-Hans Georg geht erbittert auf und ab.]</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [zu Norry]. Der Arme dreht sich sicher nicht
-um, der muß totmüde sein und verwendet die ersten hundert
-Jahre seiner Befreiung gewiß dazu, das Ohrensausen loszuwerden.
-Lieber unter Krokodilen als zwei Tage unter Kringhäuslern!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller.</span> Hoffentlich wird dich die Rücksicht
-auf deine Mutter bestimmen &ndash; <span class="ge">wir</span> beanspruchen nichts
-&ndash; diese verrückte Idee aufzugeben und keinen derartigen Skandal
-heraufzubeschwören. Wir werden alles tun um unsere unglückliche
-Schwester von der Torheit eines solchen Vorhabens zu überzeugen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bitter]. Ich zweifle nicht daran! [Weich
-zu seiner Mutter.] Mama, die Herren warten und diesem peinlichen,
-höchst unerquicklichen Auftritt muß ein Ende gemacht werden.
-Als uns die Verwandten unterbrachen, hattest du mich eben unbeschreiblich
-glücklich gemacht. [Er ergreift ihre Hand.] Bist
-du, Teure, noch der Meinung, daß wir zusammen ein Leben
-voll Glück und Frieden führen könnten? Die Stürme, die nun
-aufgewühlt worden sind, sie legen sich bald und auf sie folgen
-schöne, frohe, sonnige Tage stiller Zufriedenheit, reinen Glücks.
-Darf ich deine Entscheidung von vorhin als bindend ansehen,
-soll ich meinen geschätzten Kollegen mitteilen, daß ich mit meiner
-Frau bei meiner Mutter bleiben oder&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle</span> [auf sie einschreiend]. Tante! Schwester, um
-Himmelswillen laß dich nicht zu solchem Wahnsinn hinreißen!
-Denke an deine gesellschaftliche Stellung, was du dir und uns
-allen in der Hinsicht schuldest, denke an die gerechte moralische
-Entrüstung der gesamten Einwohnerschaft von Kringhausen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [laut, mit Nachdruck]. Die Angelegenheit,
-die hier erörtert wird, geht nur meine Mutter und mich selbst
-<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a>
-an! Darf ich daher um Schweigen bitten! [Weich zu Fr.&nbsp;H.]
-Was sagst du mir, Mutterl! Soll ich in deiner Nähe bleiben
-oder wieder hinausziehen in die weite Welt? Zweimal komme
-ich wohl kaum zurück!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Du brauchst ja nicht zu gehen! Es gibt
-genug andere Mädchen in Kringhausen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [mit Würde]. Aber nur ein einziges Mädchen
-für mich &ndash; meine Braut! [Die Hände seiner Mutter ergreifend
-und mit milder Ueberredung.] Bedenke, du mein teures Mütterchen,
-daß es sich hier um unser Glück und nicht um die Meinung
-anderer Leute handelt. Nach einigen Monaten schon werden die
-Kringhäusler diese Ueberraschung verwunden haben und alles,
-was ich tun kann soll geschehen um dir diese kurze Zeit so leicht,
-so erträglich als möglich zu gestalten. Willst du, daß ich mit
-Berta auf Reisen gehe und erst nach Ablauf von mehreren
-Monaten heimkehre? Willst du, Teure, nicht mit uns kommen?
-Sag mir nur eins: &ndash; Willst du meine Braut willkommen
-heißen, willst du in unserer Mitte, bei ihr, bei mir, in Zukunft
-verweilen?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schwankend]. Wenn nur &ndash; aber
-du kennst die Leute &ndash; die Tanten sind auch der Ansicht &ndash;
-ganz wie meine anderen Bekannten &ndash; die Damen der Tarockpartie
-&ndash; ach, es wird ein solches Gerede geben&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [ernst]. Ich frage nicht nach der Meinung
-der Verwandten &ndash; gleichgültig ist mir die Ansicht der Kringhäusler
-solange ich nur nicht vor <span class="ge">mir selbst</span> erröten muß, &ndash;
-ich frage dich, dich, meine innigst geliebte Mutter, ob ich gehen
-soll, wieder hinausziehen in unbekannte Gefahren, von dir scheiden
-um nie wiederzukehren &ndash; ich frage <span class="ge">dich</span>, ob du die Liebe zu
-mir oder die öffentliche Meinung wirst siegen lassen. Sprich,
-Mutter!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [leidenschaftlich]. Ach, geh' nicht &ndash;
-verlasse mich nicht &ndash; schon nähere ich mich dem Grabe &ndash;
-bleib' bei mir, du, du mein einziger Sohn!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [einen Arm um ihre Schultern legend].
-Bei wem würde ich wohl lieber als bei dir verweilen, Mütterchen,
-doch nicht kann ich mein Wort Berta gegenüber brechen, mein
-<a class="pagenum" id="page_053" title="53"> </a>
-Lebensglück und das ihre eines Vorurteils willen in den Staub
-treten. Ein solches Dasein hätte für mich jeden Wert verloren,
-wäre ein Zeugnis meiner moralischen Schwäche, hinterließe einen
-ewigen nagenden Vorwurf in meinem Innern, der das Beste
-in mir langsam aber sicher zerstören würde. Wenn du mich
-liebst, Mutter&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. O Hansi, Hansi, ich
-kann dich nicht ziehen lassen! Bleib' hier, selbst&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [scharf]. Schwester, ich beschwöre dich, bedenke&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [gleichfalls]. Was werden deine
-Bekannten dazu sagen? Du bist gesellschaftlich zugrundegerichtet,
-kein Mensch&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [kalt und hart]. Sei kein Schwächling, Tante, wenn
-er das Mädchen dir vorzieht, so lasse ihn laufen.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Er wird schnell genug einsehen lernen,
-was eine Heirat mit so einem Wesen bedeutet.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle drei Herren</span> [sich aufraffend]. Ja, er wird schon
-sehen, er wird schon sehen!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [sich ängstlich und zärtlich zugleich über
-seine Mutter neigend, besorgt]. Wem stimmst du bei, Mama,
-den Tanten als Sprachrohr der Kringhäusler oder mir, deinem
-einzigen Sohne?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [nach einigen Sekunden inneren
-Kampfes, unsicher]. Hans Georg! [Schwer atmend und die
-Hände gegen das Herz gepreßt.] Siehst du, die Tanten haben
-recht &ndash; du wirst nie hier geachtet leben können und ich &ndash;
-ich zittere wenn ich an alle Bemerkungen &ndash; an all das Gerede
-denke. Wir sind &ndash; eine &ndash; geachtete Familie &ndash; und&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [läßt die Hand, die er auf der Schulter
-der Mutter liegen gehabt, matt herabgleiten und entfernt sich
-etwas, sodann mit dumpfer Stimme, die Mutter noch einmal
-bittend ansehend]. Da ist es wohl am besten ich nehme das
-Anerbieten der Expedition an. Sind wir nur beide, Berta und
-ich, von Kringhausen fort und erfährt man einmal, daß du selbst
-meine Entfernung gewünscht, so vergeben dir sowohl die Verwandten
-<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a>
-als auch die Kringhäusler großmütig einen so entarteten
-Sohn zu haben. [Leise und traurig.] Möge nie der Tag kommen,
-an dem du fühlst, daß du es dir selbst nicht vergibst mich fortgeschickt
-&ndash; eines kleinlichen Vorurteils halber fortgeschickt zu haben.
-[Er streckt müde die Hand nach dem Schriftstück aus, daß ihm
-Roden, düster schweigend reicht.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Die öffentliche Meinung
-&ndash; fern von hier, wo man Berta nicht kennt &ndash; wo niemand
-unsere Sprache spricht&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [scharf]. &ndash; irgendwo unter den Wilden&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Gnädige Frau, ich habe Wilde gekannt,
-die den Kringhäuslern in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind!
-[Er läßt seinen Blick kalt über sie hingleiten.]</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [reicht Norry das nun unterzeichnete Dokument].
-Bitte! [Norry steckt es ein, betrübt vor sich hinblickend.]
-Es ist am besten so &ndash; für uns alle!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [Rodens Bemerkung beantwortend]. Die
-Herren der Schöpfung &ndash; ob nun wilden oder civilisierten Völkern
-angehörend, vergeben immer gerne ein kleines Abweichen vom
-engen Pfad der Tugend.</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Und dennoch gehört gerade das Vergeben
-zu den edelsten Vorrechten der Frau&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [ihn heftig unterbrechend]. Nicht&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [sich verbeugend und zurückweichend]. Ich verstehe,
-gnädige Frau! Nicht unter den Kringhäuslern!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [traurig zu seiner Mutter]. Die Würfel
-sind gefallen!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [sie unter dem Arm nehmend und
-mit sich auf die Tür zur Linken führend]. Du hast verständig
-gehandelt, Schwester, sehr verständig.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [ihr folgend]. Laß' ihn nur erst draußen einsehen
-lernen, welche Schätze er in der Heimat zurückgelassen, da wird
-er schon kürre werden. Eine Scheidung&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [ebenfalls der Schwester nacheilend und sie
-mit Gewalt fortziehend, als sie noch einmal auf den Sohn zurückblickt
-und zu zögern scheint]. Du hast endlich, wenn auch
-<a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a>
-spät, die gewünschte mütterliche Autorität geltend werden lassen.
-Bravo!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [zweifelnd, unter Tränen]. Glaubt
-&ndash; meint Ihr &ndash; ach, wenn er doch die Stelle am hiesigen
-Gymnasium angenommen und ein anderes Mädchen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [scharf]. Er hat das Gute, die
-vielen Vorteile des Aufenthalts in einer wichtigen Stadt wie
-Kringhausen nie zu schätzen, zu würdigen verstanden!</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [hart]. Wein' nicht, Tante, sei stark! Klagen dienen
-niemand und Tränen führen zu nichts. [Sie gehen links ab,
-alle die anderen mit Ausnahme von Norry, Roden und Hasselstein
-folgen.]</p>
-
-
-<h3>6. Auftritt.</h3>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [bitter, nach kurzem Schweigen, während
-Roden und Norry Hut, Handschuhe und Stock aufraffen]. Wie
-schnell Hoffnungen scheitern, Trugbilder in nichts zerrinnen. In
-der Antarktis hoffte ich, daß die täglich wachsende Menge von
-Eindrücken und Erfahrungen, von überstandenen Gefahren und
-damit gestärkter, zunehmender Kraft mir helfen würden, den Sieg
-zu erringen, alle kleinlichen Vorurteile zu überkommen, alles
-lächerliche Beurteilen reiner Aeußerlichkeiten zu verwerfen. Wie
-schön deuchte mich, vom Abendrot der Erinnerung beleuchtet, da
-die Heimat, wie unerschütterlich fest war da meine Ueberzeugung,
-daß die Liebe einer Mutter größer als die Macht leeren Geredes.
-Und nun&nbsp;&ndash; [er seufzt tief auf und senkt das Haupt] &ndash;&nbsp;trotz
-der Fülle neuer Eindrücke, ungeachtet der erweiterten Horizonte,
-die sich mir erschlossen, muß ich im Kampfe gegen verächtliches
-Spießbürgertum unterliegen; muß die zarte Frau mit mir in die
-weite Welt hinaus führen, statt ihr hier bei meiner Mutter, hier,
-wo ich geboren und jedes Ding Bedeutung für mich hat, ein
-Echo meiner Kindheit, meiner Jugend ist, ein friedliches Heim
-gründen zu können. Alles, alles ist umsonst gewesen!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Armer Freund, das ist, weil Sie eben
-einen großen Fehler begangen haben!</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a>
-<span class="ge">Hans Georg</span> [sieht ihn verwundert an]. Einen Fehler?</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [nickt plötzlich ebenfalls eifrig]. Einen ganz unverzeihlichen!</p>
-
-<p><span class="ge">Hans Georg</span> [von dem einen auf den anderen blickend].
-Und der wäre?</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [mit Nachdruck, indem alle drei Herren langsam
-auf die Tür zur Rechten zugehen]. Nicht Sie hätten auf Suche
-neuer Horizonte in die Antarktis ziehen sollen &ndash; sondern</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [einfallend]. &ndash; die Kringhäusler!</p>
-
-<p class="fss ce mt2">[Der Vorhang fällt.]</p>
-
-
-
-
-<h2><a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a>
-3. Akt.</h2>
-
-
-<p class="fss ci">[Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt. Alle Verwandten sind in
-tiefer Trauer. Die Damen der Tarockpartie sind gleichfalls anwesend
-und auch dunkel gekleidet. Alle halten das Taschentuch vor die Augen,
-Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf.]</p>
-
-
-<h3>1. Auftritt.</h3>
-
-<p><span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller</span> [steht inmitten der
-Szene und liest, als sich der Vorhang hebt, mit monotoner Stimme
-aus einer Zeitung vor]. &ndash; der einstige Teilnehmer an der
-Südpolexpedition, Professor Doktor Hans Georg Hasselstein, der
-auch in Mikrosenien seine ausdauernden Studien und Forschungen
-fortgesetzt, häufige höchst wertvolle Mitteilungen über die Flora
-und Fauna heimgeschickt und besonders interessante Aufschlüsse über
-die Lebensweise der Skolopandren und anderer Insekten dieser
-Zonen eingesendet, wie auch die Gewohnheiten des gefährlichen
-und von Matrosen und Fischern dort sehr gefürchteten Octopus,
-eines zeitweilig selbst im Mittelmeere in kleineren Exemplaren
-auftretenden Polypen mit großer Ausdauer erforscht und beschrieben
-hat. Sein letzter Ausflug&nbsp;&ndash; [alle schluchzen laut und
-trocknen sich die Augen] &ndash;&nbsp;wurde ebenfalls in der Absicht unternommen
-dieses Seeungeheuer auf einer der naheliegenden Inseln
-genauer zu studieren und die Fangmethode desselben besser zu
-prüfen als ihm dies bisher möglich gewesen, doch blieb der von
-einem unverläßlichen Eingeborenen gelenkte Kahn auf einem
-Korallenriff sitzen und während es dem Wilden gelang sich, wenn
-auch nur mit großen Schwierigkeiten und mit knapper Not zu
-retten, wurde der unglückliche Gelehrte von der starken Brandung
-ergriffen, einigemale gegen die spitzigen Riffe geschleudert und
-dann in die grausige Tiefe des Stillen Ozeans hinabgezogen.
-Man befürchtet, daß er von den um diese Inseln äußerst zahlreichen
-Haifischen angegriffen worden sei. Jede Suche nach der
-<a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a>
-Leiche ist auch erfolglos geblieben. &ndash; Der frühe Tod des berühmten
-Naturforschers und unermüdlichen Gelehrten hat nicht
-nur in seiner eigenen Heimat das tiefste und aufrichtigste Bedauern
-erweckt&nbsp;&ndash; [alle schluchzen wieder laut] &ndash;&nbsp;sondern wird
-von der gebildeten Menschheit der ganzen Welt auf das lebhafteste
-beklagt. Alle Teilnehmer der Forschungsexpedition betrauern
-in Professor Doktor Hasselstein einen allzeit liebenswürdigen,
-hilfsbereiten, schaffensfreudigen und tapferen Kollegen, der nicht
-nur klaglos sondern immer mit heiterer Miene die geradezu unbeschreiblichen
-Strapazen seines anstrengenden Berufes ertrug.
-Ein einfaches Kreuz am Strande der Ailukinsel, nicht weit von
-der Unglücksstätte trägt außer dem Namen und den Geburts-
-und Sterbedaten auch den kurzen Vers: »Durch Todesnacht bricht
-ew'ges Morgenrot«. &ndash; Frau Professor Hasselstein, die treulich
-alle Gefahren und Entbehrungen ihres Gatten geteilt und sich
-die Bewunderung aller Teilnehmer der Expedition errungen, kehrt
-schmerzgebeugt mit dem kaum drei Monate alten Söhnchen zusammen
-mit der Expedition auf dem Dampfer »Ozeanien« in
-die deutsche Heimat zurück. Ob Frau Professor Hasselstein dort
-zu bleiben gedenkt, ist unbekannt. [Er legt die Zeitung langsam
-zusammen und setzt sich.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzend]. Mein Kind! Mein
-einziges Kind! Er starb in fremden Zonen&nbsp;&ndash; [leise und die
-Hände ringend&nbsp;&ndash;] durch meine Schuld! [Sie weint bitterlich.]</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [ihre Hand auf den Arm Fr. Hasselsteins
-legend und sich eifrig die Augen wischend]. Beste Frau Oberst,
-wir alle teilen ihren Kummer, denn wir alle haben ihn wie
-einen Sohn geliebt!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [sich auch die Augen trocknend]. Ach, du liebe
-Zeit! So ein staatlicher, so ein guter [sie schluchzt].</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim.</span> So ein edles Herz &ndash; so ein gu &ndash; gu
-gu&nbsp;&ndash; [sie schluchzt laut auf].</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Wenn nur dieses Mädchen nicht gewesen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Sccchhhttt! Sie war die Frau des berühmten
-Gelehrten.&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [beschwichtigend]. So, so, nur
-ruhig, du darfst dich nicht so aufregen, liebe Schwester. Hans
-<a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a>
-Georg ist jetzt im Himmel, wo wir ihn alle einmal treffen
-werden.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [bitterlich weinend]. Wenn ich nur
-schon recht bald zu ihm käme. [Unter Schluchzen.] Warum
-ach, warum ließ ich ihn von mir gehen? [Alle versuchen sie
-zu trösten, allgemeine Bewegung, große Beileidsbezeugungen, betäubendes
-Stimmengewirr. Endlich tritt wieder Ruhe ein.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute.</span> Es muß dir doch ein großer Trost sein,
-teure Schwester, daß seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser,
-dir in eigener Handschrift ein Beileidsschreiben schickte. <span class="ge">Ganz</span>
-Kringhausen spricht davon!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Mein Sohn, mein Sohn!
-Im besten Mannesalter, fern von der Heimat, fern von ihr, die
-ihn geboren, auf so entsetzliche Art&nbsp;&ndash; [sie schaudert] &ndash;&nbsp;sterben
-zu müssen! [Sie ergreift das Kuvert, das das kaiserliche Beileidsschreiben
-enthält und langsam versiegen ihre Tränen.] Ja,
-es war der einzige Lichtpunkt in dem großen Unglück, das mich
-getroffen. [Sie zeigt auf ein riesigen Haufen Briefe, der den
-ganzen großen Tisch bedeckt.] Und so viele mir vollständig unbekannte
-Personen haben mir so lieb geschrieben. Ich bin stolz
-und in meinem Kummer glücklich einen solchen Sohn gehabt
-zu haben.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [wichtig]. Alle Zeitungen schreiben
-spaltenlange Artikel über ihn und sein Name steht fettgedruckt
-schon auf der ersten Seite. [Zu den Damen der Tarockpartie.]
-Mit allen Fasern meines Herzens bin ich an meinem Schwesterkind
-gehangen und habe nie verfehlt ihm weise Ratschläge zu geben.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [spitz]. Die er regelmäßig verworfen hat!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [den Brief mit Ehrfurcht aufhebend]. So
-eine Auszeichnung und all die schönen Reden sind wohl ein großer
-Trost für unsere liebe Frau Oberst! Ganz Kringhausen fühlt sich
-geehrt! [zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint]. Nur ruhig,
-beste Freundin, ich hatte zwölf Kinder und mußte neun begraben.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Zungrapp</span> [entschieden zu den Verwandten]. Wir
-werden uns der Armen schon annehmen, so ein kleines Spielchen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [lebhaft]. Natürlich! Natürlich!</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a>
-<span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Ueberzeugung]. Das übt einen wohltätigen
-beruhigenden Einfluß auf die Nerven aus&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [fest]. Eine kleine Zerstreuung ist notwendig&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada.</span> Es läßt sich an dem Vorgefallenen nichts ändern&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzend]. Wie &ndash; wie kö &ndash;
-könnte ich &ndash; in meinem großen Schmerz &ndash; an &ndash; an &ndash;
-einer Tarockpartie teilnehmen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle Damen.</span> Eine Ablenkung tut not &ndash; ist wie eine
-heilsame Medizin&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ladislaja</span> [mit salbungsvollem Tone]. Man muß sich
-in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [lebhaft]. Der neue Prediger wird vier Messen
-für seine Ruhe lesen und alle Jungfrauen unseres Vereins werden
-für sein Seelenheil beten.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [aufspringend]. Schwester, hast du den
-neuen Trauerhut schon aufprobiert?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [müde]. Ja, &ndash; er muß geändert
-werden.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [indem sie auf den Lehnstuhl zur Linken
-zugeht auf dem eine Hutschachtel steht und den Hut samt langen
-Schleier herauszieht und betrachtet. Alle Damen folgen ihr mit
-den Blicken.] Als Mutter eines solchen Sohnes muß dein Hut
-tadellos sitzen!</p>
-
-
-<h3>2. Auftritt.</h3>
-
-<p class="fss ci">[Ein Stubenmädchen öffnet geräuschvoll die Tür und läßt Roden
-und Norry eintreten, die auf Fr. Hasselstein zugehen und ihr schweigend
-die Hand küssen, während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.]</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch vor
-Fr. Hasselstein legt]. Einige Kleinigkeiten als Andenken &ndash; ein
-Jagdmesser, sein letztes Notizbuch, einige von ihm gesammelte
-Korallen, ein Ring &ndash; die Uhr verbleibt dem Sohne.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [mit zitternder Erwartung in der
-Stimme]. Wo ist!? [Sie vollendet nicht.]</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a>
-<span class="ge">Roden</span> [mit unergründlicher Miene]. Der Sohn ist bei
-seiner Mutter!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [die Gegenstände mit zitternden Händen
-an sich raffend]. Ich &ndash; ich danke Ihnen meine Herren! [Sie
-macht eine bittende Handbewegung und beide nehmen schweigend
-Platz.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zu beiden Herren]. Sie sehen
-eine gramgebeugte Familie vor sich!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span>, <span class="ge">Holzheim</span> und <span class="ge">Zungrapp</span>. Die Zierde
-von Kringhausen ist nicht mehr!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [sich die Augen wischend]. Unser hochbegabter
-Neffe fand ein so frühes Ende!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [ihre Hand bittend auf Norrys Arm
-legend]. Erzählen Sie mir &ndash; von &ndash; von &ndash; meinem Sohne.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [mitleidig]. Hans Georg dachte immer voll Liebe
-an Sie, gnädige Frau &ndash; wir sprachen oft von Ihnen; hoffnungsfreudig
-in der Nacht der Antarktis und mit warmer Hingebung
-unter den tropischen Bäumen Mikroseniens. [Frau H. weint.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [zu Roden]. Sie haben keine Ahnung,
-Herr Doktor, wie sehr uns der Schlag, der meine unglückliche
-Schwester getroffen, nahegeht!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [kalt]. Ich zweifle nicht daran. [Leise zu Norry.]
-Nun hat die Pfeife einen anderen Ton.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zu Norry]. So ein Mann &ndash;
-alle Zeitungen berichten von ihm&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Ein so berühmter Forscher! Wie oft habe
-ich ihm einen Apfel gegeben!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [zur Decke blickend]. Ein Talent! Ein Talent!
-meine Damen.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada</span> [die als einzige nicht geweint hat und nur kalt umherblickt].
-Ein Talent, zugegeben und wie alle solche auch überspannt.
-Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln, niemand
-konnte auf ihn einwirken. Hier in Kringhausen bot sich ihm eine
-gesicherte Existenz, die Achtung seiner Mitbürger, &ndash; wenn er
-nur auf seine merkwürdigen Ideen verzichten gewollt, &ndash; geistige
-Anregung auf allen Gebieten &ndash; er aber&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a>
-<span class="ge">Frau Knute</span> [seufzt tief auf]. Meine Schwester war
-allzu schwach in ihrer Mutterliebe.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [seufzt auch]. Allzu nachsichtig
-gegen ihren Sohn.</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [mit Befriedigung]. Ich habe es immer
-vorausgesehen, daß er ein abenteuerliches Ende finden werde, denn
-niemand bricht ungestraft die heiligsten Bande&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ärgerlich]. Aber man hat das Recht die Stricke
-zu durchschneiden, die einen Pegasus als Ackergaul festhalten oder
-einen Canova dazu verpflichten, als Topfmacher sein Brot zu verdienen.
-Nicht jeder, meine Gnädigste, ist von der Natur zum
-Kringhäusler geschaffen!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [zu Knute und Pottenmiller]. Die ihm am nächsten
-gestanden, haben seinen Wert zuletzt erkannt!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [bittend zu Norry]. Herr Doktor!</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [ihr nähertretend, freundlich]. Gnädige Frau?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span>. Wie &ndash; wie &ndash; war das Ende?</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [ernst und voll Mitleid]. Wir waren alle auf dem
-Schiff viele Meilen von der Unglücksstelle entfernt und kamen
-alle erst vierzehn Tage später nach Ailuk. Der Eingeborene, der
-die Schreckensbotschaft der beklagenswerten jungen Gattin überbrachte,
-lag noch bei unserer Abreise krank darnieder, da er sich
-an den scharfen Korallenriffen Verletzungen zugezogen hatte und
-ein Haifisch&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Alle</span> [mit Entsetzen]. Aaaaaah! Ooooooh! Ein Haifisch!!!!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzt untröstlich]. So ein gräßliches
-Ende und alles &ndash; ach, alles &ndash; durch meine Schuld!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> und <span class="ge">Pottenmiller</span> [vereint]. Liebe
-Schwester, teure Schwester, es steht nicht immer zu ändern &ndash;
-du hast richtig gehandelt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [hart]. Er hat es ja selbst so gewollt!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Hasselstein starb im Dienste der Wissenschaft,
-die ihm ewigen Dank schuldet.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [ernst zu Fr.&nbsp;H.]. Hätte er den Eingeborenen mit
-Gewalt zurückgehalten, so würde er wahrscheinlich sein eigenes
-<a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a>
-Leben gerettet haben. Edel wie immer ließ er den Gefährten
-Rettung finden.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [während die anderen laut weinen]. Ja,
-so ein junger Mann, auf den können die Kringhäusler stolz sein!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp.</span> Wenn ich denke, wie oft ich ihm ein Butterbrot
-gestrichen habe&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich die Augen trocknend]. Und ich, die ich
-ihm stets von meinen besten Winteräpfeln gegeben habe. Das
-ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein. Auch ich
-habe zu seiner Größe beigetragen!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [stolz]. Am regen Verstande meiner
-Adarl hat er zuerst den seinen zu schärfen gelernt! Ihr verdankt
-er&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Über die Schärfe des Gehirns
-kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben, aber die Zunge&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [lächelnd]. &ndash; ist die reinste Damaszenerklinge!
-Was war Harun al Raschids Schwert dagegen?</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [im selben Ton]. Einem Haifisch käme ein Gruseln an!</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Krickenfeld.</span> Man will &ndash; so sagte mir im
-Vorbeigehen die Frau unseres lieben Medizinalrates&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [heftig]. Peleponesia, hast du auch schon gehört,
-daß sie mit ihrem Vetter ein Verhältnis gehabt haben soll
-und ihr Mann die beiden&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> und <span class="ge">Ladislaja</span> [sich vorbeugend]. &ndash; ein
-Verhältnis? &ndash; Diese scheinheilige &ndash; diese&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. <span class="ge">Jetzt</span> erröten die holdseligen
-Jungfrauen nicht!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [sich aufblasend]. Nur <span class="ge">ich</span> allein kenne alle
-Einzelheiten, denn meine Masseuse&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Mißbilligung]. Lassen Sie sich noch
-massieren!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [etwas verlegen]. So sehr bedarf ich dessen
-freilich nicht mehr, aber die Masseuse weiß eben immer, was in
-der Stadt vorgeht und daher ist es mir eine große Genugtuung&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [zustimmend]. Ja, die Peggy&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a>
-<span class="ge">Pottenmiller</span> [erregt]. Peggy? Das ist doch wohl
-nicht etwa diese merkwürdige Alte, die ihre eigene Magd jeden
-Sonnabend wäscht? Ha, ha, ha!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [geheimnisvoll]. Man sagt von ihr, daß sie
-Säcke voll alter Münzen unter dem Bette verborgen hält&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [gelassen]. Da wird schon irgend jemand
-den alten Narren einmal aus dem Weg räumen!</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [mit Bestimmtheit]. Sie soll gar nie ihr
-Zimmer fegen lassen und Paula, ihr Dienstmädchen, hat der
-Köchin im Vertrauen mitgeteilt&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Holzheim</span> [lebhaft]. Nun, da Sie davon sprechen,
-hochverehrte Frau Direktor, fällt mir eben etwas ein. Stellen
-Sie sich einmal vor, meine Damen&nbsp;&ndash; [Alle richten sich auf.]</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [erbittert]. Hier kann ein Mensch wahrlich
-nicht zu Wort kommen! Ich muß schon bitten!! Ich sagte
-also, daß die Frau unseres Medizinalrates &ndash; sie erwartet übrigens
-in Kürze das Fünfte&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [die Hände zusammenschlagend]. Du grundgütiger
-Himmel! Als ob wir nicht schon genug Mädchen in
-Kringhausen hätten und natürlich wird es wieder ein Mädchen
-sein!</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Werde ich denn nie aussprechen dürfen?
-Ich sagte, so weit ich mich nach all diesen Unterbrechungen erinnern
-kann, daß man die Absicht hat einen Bazar zu veranstalten
-und von dem Erlös will man Herrn Professor Hasselstein
-in seiner Vaterstadt ein Monument errichten.</p>
-
-<p><span class="ge">Alle</span> [gerührt]. Aaaaaah! Ein Monument?</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [leise zu Norry]. Nein, hörst du, hier möchte
-ich buchstäblich nicht einmal aufgemalt sein wollen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [weinend]. Alle, alle sind so gut gegen mich!</p>
-
-<p class="fss ci">[Es schlägt zwölf Uhr. Alle springen erregt auf, greifen nach ihren
-Sachen und nehmen schleunigst Abschied.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [küßt schnell Frau Hasselstein und winkt
-dann ihrem Manne]. Schon zwölf Uhr! Himmel! Mein
-<a class="pagenum" id="page_065" title="65"> </a>
-Truthahn wird gewiß verkohlen &ndash; Sie kennen ja die Dienstboten,
-beste Frau Kommerzienrat.</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld.</span> Gar kein Verlaß auf dieses Gesindel. Sie
-bestehlen und betrügen, sie&nbsp;&ndash; [Beide Frauen führen das Gespräch
-weiter fort.]</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Pottenmiller</span> [zärtlich]. Leb' wohl, liebste
-Schwester. Nimm' dir den Verlust nicht allzu sehr zu Herzen,
-erinnere dich, daß wir alle ihn mit dir teilen, hänge nicht deinen
-trüben Gedanken nach &ndash; diese Damen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> und <span class="ge">Holzheim</span>. Versteht sich, versteht sich,
-hochverehrte Frau Regierungsrat, wir werden uns der Armen
-schon annehmen. Wir kommen&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [fast hart ablehnend]. Nein, nein, meine
-Damen &ndash; wie soll ich an ein Kartenspiel&nbsp;&ndash; [sie wendet sich
-weinend ab].</p>
-
-<p><span class="ge">Krickenfeld</span> [herzukommend]. Aber so ein Tarockerl,
-beste Frau Oberst, das ist Seelenmedizin. Das zerstreut. [Alle
-nehmen Abschied, aber die Tarockdamen rufen noch zurück:] Wir
-kommen, wir kommen!</p>
-
-<p><span class="ge">Holzheim</span> [eilig]. Jetzt muß ich mich aber sputen was
-das Zeug hält. Wenn mein Mann nicht die Suppe auf dem
-Tische findet, wenn er heimkommt, so setzt es allemal ein Donnerwetter.</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Knute</span> [den Kopf schüttelnd]. Alles ihre eigene
-Schuld, beste Frau Inspektor. Warum verhätscheln Sie ihn so?
-Ich habe mir den meinigen gleich zu Anfang erzogen.</p>
-
-<p class="fss ci">[Alle sind endlich bei der Tür angelangt, man nimmt noch einmal
-einen sehr geräuschvollen Abschied, aber eine der Damen geht nach der
-anderen fort.]</p>
-
-<p><span class="ge">Ada Brunnick</span> [kalt]. Grüß' Gott, Tante! [Zu den
-anderen, besonders Frau Krickenfeld, indem sie ihren Mann am
-Arm faßt und mit sich zieht.] Man muß das Unmögliche begehren,
-damit man das Mögliche erreicht.</p>
-
-<p><span class="ge">Zungrapp</span> [noch einmal auf Fr.&nbsp;H. zukommend]. Meine
-teure, meine beklagenswerte Frau Oberst, nur Mut, nur Ruhe!
-<a class="pagenum" id="page_066" title="66"> </a>
-Das Beileid unseres Landtsherrn muß Ihnen doch ein Trost &ndash;
-ein großer Trost sein.</p>
-
-<p><span class="ge">Hermine</span> [eher gedankenlos als böswillig]. Ach ja, uns
-allen ist sein Tod so ein Trost! [Sie folgt den anderen.]</p>
-
-
-<h3>3. Auftritt.</h3>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [winkt den beiden Forschern noch
-einmal Platz zu nehmen]. Gott sei Dank, endlich kann ich mich
-ungestört dem Glücke hingeben mit den wahren Freunden meines
-Sohnes zu sprechen. Erzählen Sie mir von seinem Tun und
-Treiben &ndash; von allem &ndash; von allem &ndash; mein Herz dürstet danach!</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Hasselstein hat sich zuerst auf den Rälik
-&ndash; oder den Inseln gegen Tagesende aufgehalten, aber da das
-Klima daselbst seiner jungen Frau nicht zusagte, zog er nach
-den Inseln gegen Tagesanbruch &ndash; den Ratakinseln &ndash; und dort
-führte er das schwere Dasein eines Forschers &ndash; unermüdlich,
-heiter und dank den rastlosen Bemühungen seiner Gattin sehr
-glücklich &ndash; viel glücklicher als er es in&nbsp;&ndash; [Norry winkt abweisend].</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [scheinbar nach großer Ueberwindung].
-Ich &ndash; ich möchte eine Frage an Sie stellen, meine Herren,
-eine Frage, die mich unbeschreiblich erregt.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [ermutigend]. Und diese Frage lautet?</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [ihn mit verzehrenden Blicken betrachtend].
-Wo ist meine Schwiegertochter, wird sie Kringhausen
-passieren, wird&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [verlegen]. Ich dachte&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [weinend]. Sie war die Frau meines
-Sohnes, sie durfte in seine Augen schauen, ihm nahe sein,
-während ich mich in der öden Behausung nach ihm zu Tode
-sehnte, sie durfte&nbsp;&ndash; [sie schweigt].</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [ernst]. Sie hat viel geopfert, gnädige Frau
-dieser Privilegien halber. Gnädige Frau haben gleich ihr die
-Wahl gehabt und&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><a class="pagenum" id="page_067" title="67"> </a>
-<span class="ge">Hasselstein</span> [ernst zu ihm aufsehend]. Ich weiß es, ich
-weiß es. Es war dies die Qual meiner schlaflosen Nächte, das
-Gespenst, das mich auch am hellen Tage nicht verließ. Ich
-hatte ja den einzigen Sohn in die weite Welt ziehen lassen statt
-seinem Wunsche nachzugeben, aber ich, Herr Doktor, ich bin ja
-nur eine schwache Frau, aufgewachsen und alt geworden in Kringhausen
-und seinen Ansichten, seinen Vorurteilen. Ich habe meine
-Zeit überlebt und konnte mich nicht in die neuen Anschauungen
-finden. Ein alter Baum läßt sich nicht umpflanzen und krumme
-Aeste werden nicht mehr gerade, wenn sie von Alter hart und
-dürr geworden. Wenn ich gefehlt, so habe ich schwer dafür gebüßt.
-Ein freudenloser Lebensabend steht mir bevor.</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [die Weinende tröstend.] Es war so bestimmt
-&ndash; es hat so kommen müssen. Können wir irgend etwas für
-Sie, gnädige Frau, tun?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aufblickend.] Berta ist auch in Europa
-&ndash; sie ist vielleicht ganz nahe von Kringhausen&nbsp;&ndash; [leise, die
-Hände auf das Herz drückend] &ndash;&nbsp;und sie hat&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [ernst.] Gegenwärtig weilt die Witwe unseres
-geliebten Kollegen hier in Kringhausen.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [aufspringend.] In Kringhausen? Oh,
-wird sie mir je vergeben, wird sie unerbittlich sein?&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Norry</span> [ist unterdessen auf die Tür zur Linken zugegangen.
-Er öffnet sie jetzt und in tiefe Trauer gekleidet, tritt die junge
-und schöne Frau Hasselstein über die Schwelle. Auf den Armen
-hält sie ein weißes Bündelchen mit schwarzen Bändern.]</p>
-
-
-<h3>4. Auftritt.</h3>
-
-<p><span class="ge">Frau Hasselstein</span> [auf sie blickend]. Berta! [Dann
-das Bündelchen bemerkend und alles darüber vergessend mit
-zitternder Stimme.] Ist das &ndash; ist das??&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Berta</span> [in Tränen ausbrechend.] Das ist alles, was mir
-auf Erden geblieben.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [schlägt langsam den Schleier zurück.] Ach
-<a class="pagenum" id="page_068" title="68"> </a>
-Tochter, wie unsäglich reicher bist du doch als ich! [sie neigt
-sich über das Kind.] Wie heißt er?</p>
-
-<p><span class="ge">Berta</span> [leise.] Wie sein Vater.</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [zögernd.] Ich war ungerecht &ndash; selbstsüchtig
-einst, Berta, &ndash; ich wollte, was ich besaß, nicht mit dir
-teilen und heute &ndash; oh heute könnte ich dich auf meinen Knien
-mit gefalteten Händen anflehen großmütig zu sein und&nbsp;&ndash; [leidenschaftlich]
-Berta, laß zu, daß sich meine Augen an deinem Schatze
-weiden. Führ ihn nicht wieder fort! Bleibe bei mir &ndash; bei
-der Mutter deines toten Gatten.</p>
-
-<p><span class="ge">Berta</span> [zögernd.] Meine Vergangenheit&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [stolz.] Du warst die Gattin meines Sohnes.</p>
-
-<p><span class="ge">Berta</span> [leise.] Und &ndash; und &ndash; die Kringhäusler?</p>
-
-<p><span class="ge">Hasselstein</span> [sich voll aufrichtend.] Die Kringhäusler?
-Was kümmert mich die Meinung der Kringhäusler? Das ist
-Fleisch von meinem Fleische, Blut von meinem Blute&nbsp;&ndash; [weich,
-als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt] &ndash;&nbsp;mein
-Enkelkind!</p>
-
-<p class="fss ci">[Beide Frauen neigen sich über den Kleinen und man hört Ausrufe
-wie »hat er nicht ganz die Nase seines Vaters« und »schau auf den
-Mund, ganz wie bei Hans Georg« usw. während sich beide Frauen halb
-umschlungen halten um besser auf das Kind sehen zu können.]</p>
-
-<p><span class="ge">Roden</span> [indem er Norry winkt sich leise mit ihm zu entfernen].
-Jetzt wären endlich die Kringhäusler überwunden!</p>
-
-<p class="fss ce mt2">[Der Vorhang fällt.]</p>
-
-
-<p class="ce mt2"><span class="ge">Ende!</span></p>
-
-
-<p class="fsxs ce mt2">Druck von Reinhold Berger in Lucka S.-A.</p>
-
-
-
-
-<h2>Hinweise zur Transkription</h2>
-
-
-<p>Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.</p>
-
-<p>Darstellung abweichender Schriftarten: <span class="ge">gesperrt</span>, <i>Antiqua</i>.</p>
-
-<p>Die Stellung des schließenden Satzzeichens in den Regieanweisungen
-wurde stillschweigend vereinheitlichend korrigiert. Das
-schließende Satzzeichen wurde innerhalb der eckigen Klammern angeordnet
-bei Regieanweisungen, die einen eigenen Satz bilden. Das schließende
-Satzzeichen wurde außerhalb der eckigen Klammern angeordnet bei
-Regieanweisungen, die keinen eigenen Satz bilden.</p>
-
-<p>Die Regieanweisung "Triebe" auf Seite 16 erscheint als unangebracht.</p>
-
-<p>Überkommene Rechtschreibung wurde beibehalten in
-"Geberden", "Lantsherr", "totmüde".</p>
-
-<p>Vermuteter Wortwitz wurde beibehalten, nämlich
-"Mikrosenien" an der Stelle von "Mikronesien",
-"staatlicher" an der Stelle von "stattlicher."</p>
-
-<p>Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten,
-beispielsweise "Adarl" &ndash; "Aderl", "vor allem" &ndash; "vorallem".</p>
-
-<p>Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden
-Ausnahmen,</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_004">4</a>:<br />
-"&ndash;" eingefügt<br />
-(gebrachten Kringhäusler!&nbsp;&ndash; [er lacht plötzlich)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_004">4</a>:<br />
-"daß" geändert in "das"<br />
-(daß man sich eigene Pfade brechen kann, das verstehen sie)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_005">5</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(endlos scheinenden Eisbarrieren, schließlich)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_006">6</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(Der Kern allein soll gelten, nicht die Schale.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_006">6</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(Kampf gegen alle kleinlichen Vorurteile, gegen alle)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br />
-"." eingefügt vor "Sind"<br />
-(<span class="ge">Norry</span> [zu H.]. Sind viele neue Exemplare)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br />
-"sie ihre" geändert in "Sie Ihre"<br />
-(Haben Sie Ihre Flinte zur Hand?)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_007">7</a>:<br />
-"&ndash;" eingefügt<br />
-(hin ist hin&nbsp;&ndash; [er lacht auch heiter])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br />
-":" geändert in "."<br />
-(<span class="ge">Hasselstein</span> [lachend]. Unzufriedener!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br />
-":" geändert in "."<br />
-(<span class="ge">Norry</span>. Und die bald wiederkehrt!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br />
-":" entfernt hinter "<span class="ge">Hasselstein</span>" <br />
-(<span class="ge">Hasselstein</span> [zu Norry, der eifrig)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(Schneehütte studiert]. Hören Sie einmal)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_008">8</a>:<br />
-"untersuchend:" geändert in "untersuchend]."<br />
-(<span class="ge">Norry</span> [seine Apparate untersuchend]. Machen Sie)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_009">9</a>:<br />
-"." entfernt hinter "<span class="ge">Hasselstein</span>"<br />
-(<span class="ge">Hasselstein</span> [geht auf das Zelt zu)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_009">9</a>:<br />
-":" geändert in "."<br />
-(bis dorthin nicht erreicht haben.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_010">10</a>:<br />
-"dahein" geändert in "daheim"<br />
-(daß daheim gerade jetzt der Flieder blüht)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_010">10</a>:<br />
-"einen" geändert in "einem"<br />
-(am Ende alles einem Wahn geopfert)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_011">11</a>:<br />
-"spöttich" geändert in "spöttisch"<br />
-(<span class="ge">Roden</span> [spöttisch]. Vortrefflich)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_012">12</a>:<br />
-"reel" geändert in "reell"<br />
-(Wenn die Ware nicht durch und durch reell ist)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_013">13</a>:<br />
-"Ord" geändert in "Ort"<br />
-(verwenden sie gleich als Sklaven an Ort und Stelle)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_015">15</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(verlachen herrschende Vorurteile zwar, bäumen uns)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_015">15</a>:<br />
-"wirwüten" geändert in "wir wüten"<br />
-(aber wir wüten)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_016">16</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(indem wir stärker, sondern auch seelisch)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_016">16</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(die mächtigen Eisgrotten, das flackernde Nordlicht)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_016">16</a>:<br />
-"]" eingefügt<br />
-(Es wird unheimlich finster.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_017">17</a>:<br />
-"Norrn" geändert in "Norry"<br />
-(<span class="ge">Norry</span> [lachend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_018">18</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(die Hände und rufen durcheinander.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br />
-"(" geändert in "["<br />
-([Ein elegant ausgestattetes Zimmer.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br />
-")" geändert in "]"<br />
-(alles hat ein kleinstädtisches Gepräge.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br />
-"eine" geändert in "ein"<br />
-(In der Mitte der Szene ein Spieltisch)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br />
-"lächelud" geändert in "lächelnd"<br />
-(<span class="ge">Frau Krickenfeld</span> [lächelnd]. Immer die, die fragt!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_021">21</a>:<br />
-"." entfernt hinter "]"<br />
-([Nach kurzer Pause.] Also der Herr Sohn)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(Natürlich: So geht es immer.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br />
-"bitten" geändert in "bitte,"<br />
-(Bitte, bitte, da sind schon die dreißig Heller.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_023">23</a>:<br />
-"Haus" eingefügt hinter "zu"<br />
-(die ein Gerücht von Haus zu Haus tragen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_024">24</a>:<br />
-"[" eingefügt<br />
-([Man spielt eifrig.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_024">24</a>:<br />
-"Kickenfeld" geändert in "Krickenfeld"<br />
-(<span class="ge">Krickenfeld</span> [seufzt tief auf].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_025">25</a>:<br />
-"bedreffend" geändert in "betreffend"<br />
-(Einen Skandal? Meinen Sohn betreffend?)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_025">25</a>:<br />
-"(" geändert in "[", ")" geändert in "]"<br />
-([Großer Lärm, Durcheinanderrufen, Ausbezahlen.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>:<br />
-"davan" geändert in "davon"<br />
-(die ganze Stadt spricht davon&nbsp;&ndash;)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>:<br />
-"gleich-gesagt" geändert in "gleich gesagt"<br />
-(Das habe ich den Verleumdern auch gleich gesagt.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>:<br />
-"hinausge kommen" geändert in "hinausgekommen"<br />
-(Wenn junge Leute in die Welt hinausgekommen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_027">27</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(Das kommt davon, weil Sie nie die Tarock zählen!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_028">28</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(Lassen Sie sich Ihre Handerl vergolden)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_028">28</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(für die elendigen Stecher, die Sie mir zugeschoben haben)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br />
-"." eingefügt hinter "ansehen"<br />
-(<span class="ge">Alle</span> [im Chor]. Wie unser eigenes Kind ansehen.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br />
-"schwirt" geändert in "schwirrt"<br />
-(»ich auch« schwirrt es durcheinander)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br />
-"," geändert in "."<br />
-(<span class="ge">Krickenfeld</span>. Wirklich?)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br />
-"sie ihren" geändert in "Sie Ihren"<br />
-(machen Sie Ihren mütterlichen Einfluß geltend)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_029">29</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(halten Sie ihn vor diesem Abgrund zurück!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_030">30</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(wenn Sie gar in meinem Elternhause gewesen wären)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_030">30</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(Sehen Sie einmal mich an&nbsp;&ndash;)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(Sehen Sie mich an!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Holzheim</span> [die Karten zusammenraffend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-([Großer Lärm, Meinungsverschiedenheiten, Auszahlung.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_031">31</a>:<br />
-"Professer" geändert in "Professor"<br />
-(ist der liebe Herr Professor noch so jung)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br />
-"Sie" geändert in "sie"<br />
-([sie schlägt sich auf den Mund])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br />
-"[" und "]" eingefügt.<br />
-([Der junge Hasselstein tritt ein.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br />
-"Biblioteken" geändert in "Bibliotheken"<br />
-(in Bibliotheken und so weiter)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br />
-"[" geändert in "]"<br />
-(<span class="ge">Alle</span> [sehr einschmeichelnd]. Beste Frau Oberst!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br />
-"das" geändert in "daß"<br />
-(daß die Verfasserlaufbahn keine sichere Versorgung)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_032">32</a>:<br />
-"Man" geändert in "Mann"<br />
-(für einen heiratsfähigen Mann ist)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_033">33</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-([Es wird mit viel Lärm ausgezahlt.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_033">33</a>:<br />
-"überans" geändert in "überaus"<br />
-(so überaus in Anspruch genommen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_034">34</a>:<br />
-"Mam" geändert in "Mama"<br />
-(bei Mama verweilen zu können)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_034">34</a>:<br />
-"]" eingefügt<br />
-(begleiten die Gäste bis zur Tür zur Rechten.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_035">35</a>:<br />
-"allin" geändert in "allein"<br />
-([Mutter und Sohn allein.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_036">36</a>:<br />
-"&ndash;" eingefügt<br />
-(engherziger Beurteilung gewichen, &ndash; gewichen, auf daß)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_036">36</a>:<br />
-"," eingefügt hinter "Mutter"<br />
-(Ich prüfte mich, Mutter, und weiß)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_037">37</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(Man kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_037">37</a>:<br />
-"Glanbst" geändert in "Glaubst"<br />
-(Glaubst du, daß dein Glück von Dauer)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Hans Georg</span> [bitter].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(und blickt zärtlich in ihr Antlitz].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br />
-"wircklich" geändert in "wirklich"<br />
-(Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_038">38</a>:<br />
-"Haselstein" geändert in "Hasselstein"<br />
-(<span class="ge">Hasselstein</span> [sich die Tränen abtrocknend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_040">40</a>:<br />
-"daß" geändert in "das"<br />
-(ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin erwählt)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_040">40</a>:<br />
-"[" eingefügt<br />
-([Die Türe zur Rechten öffnet sich geräuschvoll)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_041">41</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Regierungsrat Pottenmiller.</span> Willkommen daheim,)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-([Spöttisch.] Er denkt wahrscheinlich wieder an eine)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br />
-"[" eingefügt<br />
-([Ein Stubenmädchen öffnet die Tür)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br />
-"]" eingefügt<br />
-(und läßt Roden und Norry eintreten.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_044">44</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Alle drei Herren</span> [mit tiefen Seufzern].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_044">44</a>:<br />
-"kmeine" geändert in "meine"<br />
-(Gemüt braucht meine künftige Frau)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_044">44</a>:<br />
-"sann" geändert in "kann"<br />
-(Ich kann statt dessen ja jede Woche)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_045">45</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(O glauben Sie das nicht!!!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_046">46</a>:<br />
-"," geändert in "."<br />
-(<span class="ge">Roden</span> [im gleichen Ton].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_047">47</a>:<br />
-"dnmmvergnügt" geändert in "dummvergnügt"<br />
-(<span class="ge">Ladislaja</span> [lächelt dummvergnügt vor sich hin].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br />
-"." entfernt hinter "[sie seufzt]"<br />
-(Hans Georg liebt sie&nbsp;&ndash; [sie seufzt])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Hermine.</span> &ndash; und tugendhaft)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br />
-"anspruchgloser" geändert in "anspruchloser"<br />
-(Je weniger auffallend die Erscheinung um so anspruchloser)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Frau Knute.]</span> &ndash; und weniger zur Koketterie geneigt)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_048">48</a>:<br />
-"Ladaslaja" geändert in "Ladislaja", "." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Ladislaja.</span> &ndash; und reineren Herzens&nbsp;&ndash;)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_049">49</a>:<br />
-"Jugfrauenvereins" geändert in "Jungfrauenvereins"<br />
-(Schneiderabenden des katholischen Jungfrauenvereins)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_049">49</a>:<br />
-"&ndash;" eingefügt<br />
-(sehr erröten, wenn man Anspielungen &ndash; an)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_050">50</a>:<br />
-"uur" geändert in "nur"<br />
-(dem jungen Prediger nur in die Augen schauen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_051">51</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_051">51</a>:<br />
-"Nachdruch" geändert in "Nachdruck"<br />
-(<span class="ge">Hans Georg</span> [laut, mit Nachdruck].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_052">52</a>:<br />
-"." eingefügt hinter "Fr. H"<br />
-([Weich zu Fr.&nbsp;H.] Was sagst du mir, Mutterl!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_052">52</a>:<br />
-"Srich" geändert in "Sprich"<br />
-(Sprich, Mutter!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br />
-"Vorurteilswillen" geändert in "Vorurteils willen"<br />
-(eines Vorurteils willen in den Staub treten)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br />
-"laugsam" geändert in "langsam"<br />
-(das Beste in mir langsam aber sicher zerstören)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br />
-"," eingefügt<br />
-(ich beschwöre dich, bedenke&nbsp;&ndash;)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_053">53</a>:<br />
-"genung" geändert in "genug"<br />
-(Er wird schnell genug einsehen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_054">54</a>:<br />
-"Meuschlichkeit" geändert in "Menschlichkeit"<br />
-(in Menschlichkeit bedeutend überlegen sind)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_054">54</a>:<br />
-"Bemerkuug" geändert in "Bemerkung"<br />
-(<span class="ge">Frau Knute</span> [Rodens Bemerkung beantwortend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_055">55</a>:<br />
-"7." geändert in "6."<br />
-(6. Auftritt.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_056">56</a>:<br />
-"Hnns" geändert in "Hans"<br />
-(<span class="ge">Hans Georg</span> [von dem einen auf den anderen blickend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_056">56</a>:<br />
-"]." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Norry</span> [einfallend]. &ndash; die Kringhäusler!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"Dassellle" geändert in "Dasselbe"<br />
-(Dasselbe Zimmer wie im zweiten Akt.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"1. Auftritt." eingefügt</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"vou" geändert in "von"<br />
-(Frau Hasselstein schluchzt von Zeit zu Zeit tief auf)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"Mitteilnngen" geändert in "Mitteilungen"<br />
-(wertvolle Mitteilungen über die Flora)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"besondes" geändert in "besonders"<br />
-(besonders interessante Aufschlüsse)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"auftretenten" geändert in "auftretenden"<br />
-(in kleineren Exemplaren auftretenden Polypen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_057">57</a>:<br />
-"Fangmetode" geändert in "Fangmethode"<br />
-(die Fangmethode desselben besser zu prüfen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_058">58</a>:<br />
-"Unglünsstätte" geändert in "Unglücksstätte"<br />
-(nicht weit von der Unglücksstätte)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_058">58</a>:<br />
-"Erpedition" geändert in "Expedition"<br />
-(zusammen mit der Expedition auf dem Dampfer)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_058">58</a>:<br />
-"]" eingefügt<br />
-([Er legt die Zeitung langsam zusammen und setzt sich.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_059">59</a>:<br />
-"Fran" geändert in "Frau"<br />
-(<span class="ge">Frau Hasselstein</span> [bitterlich weinend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_059">59</a>:<br />
-"Tarokpartie" geändert in "Tarockpartie", "." eingefügt<br />
-([Zu den Damen der Tarockpartie.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_059">59</a>:<br />
-"Hasselsteiu" geändert in "Hasselstein"<br />
-([zu Frau Hasselstein, die wieder laut weint])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br />
-"," geändert in "."<br />
-(<span class="ge">Frau Hasselstein</span> [schluchzend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br />
-"tn" geändert in "in"<br />
-(Man muß sich in den Willen des Höchsten mit Demut fügen.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(während sie in neues, bitteres Weinen ausbricht.])</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br />
-"Gegenständd" geändert in "Gegenstände"<br />
-(indem er mehrere Gegenstände auf den Tisch)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_060">60</a>:<br />
-"." geändert in ","<br />
-(einige von ihm gesammelte Korallen, ein Ring)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_061">61</a>:<br />
-"zügelu" geändert in "zügeln"<br />
-(Meine Tante verstand nicht sein Temperament zu zügeln)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_062">62</a>:<br />
-"." eingefügt<br />
-(<span class="ge">Hasselstein</span>. Wie &ndash; wie &ndash; war das Ende?)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_062">62</a>:<br />
-"." eingefügt hinter "]"<br />
-(<span class="ge">Norry</span> [ernst zu Fr.&nbsp;H.]. Hätte er den Eingeborenen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br />
-"Hozheim" geändert in "Holzheim"<br />
-(<span class="ge">Holzheim</span> [sich die Augen trocknend].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br />
-"Bewußtsen" geändert in "Bewußtsein"<br />
-(Das ist mir jetzt in der Tat ein erhebendes Bewußtsein.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br />
-"rechtiges" geändert in "richtiges"<br />
-(kann ich noch kein richtiges Urteil abgeben)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br />
-"Juugfrauen" geändert in "Jungfrauen"<br />
-(erröten die holdseligen Jungfrauen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br />
-"sie" geändert in "Sie"<br />
-(Lassen Sie sich noch massieren!)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_063">63</a>:<br />
-"Krickenseld" geändert in "Krickenfeld"<br />
-(<span class="ge">Krickenfeld</span> [mit Mißbilligung].)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_064">64</a>:<br />
-"," geändert in "."<br />
-(<span class="ge">Krickenfeld.</span> Werde ich denn nie aussprechen dürfen?)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_067">67</a>:<br />
-"weises" geändert in "weißes"<br />
-(Auf den Armen hält sie ein weißes Bündelchen)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_067">67</a>:<br />
-"5." geändert in "4."<br />
-(4. Auftritt.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br />
-"Vater:" geändert in "Vater."<br />
-(<span class="ge">Berta</span> [leise.] Wie sein Vater.)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br />
-"." entfernt hinter "[leidenschaftlich]"<br />
-(anflehen großmütig zu sein und&nbsp;&ndash; [leidenschaftlich] Berta)</p>
-
-<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br />
-"." entfernt hinter "legt"<br />
-([weich, als Berta schweigend das Kind in ihre Arme legt])</p>
-
-<hr />
-
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KRINGHÄUSLER ***</div>
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-Defect you cause.
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-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s web site
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
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-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This Web site includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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