summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/old/64085-0.txt
diff options
context:
space:
mode:
authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-01-23 17:17:50 -0800
committernfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-01-23 17:17:50 -0800
commit9e5830a9251560e285eb1cf08f338f1483b0b21b (patch)
treec7b142f90a86fcf97b227aa898ea8585bbe9601d /old/64085-0.txt
parent3286c34b679482874360187da01c31789b27ac61 (diff)
NormalizeHEADmain
Diffstat (limited to 'old/64085-0.txt')
-rw-r--r--old/64085-0.txt5650
1 files changed, 0 insertions, 5650 deletions
diff --git a/old/64085-0.txt b/old/64085-0.txt
deleted file mode 100644
index 78ac9b1..0000000
--- a/old/64085-0.txt
+++ /dev/null
@@ -1,5650 +0,0 @@
-The Project Gutenberg eBook of Mathematische Geographie für
-Lehrerbildungsanstalten, by E. Eggert
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Mathematische Geographie für Lehrerbildungsanstalten
-
-Author: E. Eggert
-
-Release Date: December 22, 2020 [eBook #64085]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MATHEMATISCHE GEOGRAPHIE FÜR
-LEHRERBILDUNGSANSTALTEN ***
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. Die
- beiden Sütterlin-Buchstaben sind so markiert: {A}, {Z}.
-
- Das Buch verwendet unübliche Akzente und mathematische Zeichen, die
- insbesondere auf E-Book-Readern nicht immer korrekt dargestellt
- werden.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
-
-
-
- Mathematische Geographie
-
- für
-
- Lehrerbildungsanstalten.
-
- Herausgegeben von
-
- E. Eggert,
-
- Königl. Seminar-Direktor zu Cottbus.
-
- Gänzliche Umarbeitung von
-
- Lorch-Eggerts Mathematischer Geographie.
-
- 10. (5.) Auflage.
-
- Mit 47 Holzschnitten.
-
- Berlin 1912.
-
- Union Deutsche Verlagsgesellschaft
-
- Abteilung Dürrscher Seminarverlag.
-
-
-
-
-Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.
-
-
-
-
-Vorwort zur siebenten Auflage.
-
-
-Nach dem Erscheinen der ministeriellen Bestimmungen vom 1. Juli 1901
-erschien es mir klar, daß eine neue Auflage der von mir im Jahre 1898
-umgearbeiteten Mathematischen Geographie von _Lorch_ sich nicht mit
-dem Ausmerzen und Verbessern einiger Mängel und Versehen begnügen
-dürfe. Die erhöhten Ziele in der Geographie und im Rechnen erforderten
-eine gänzliche Umgestaltung des Werkchens. So erscheint es denn hier
-sozusagen als ein neues Buch. In der sechsten Auflage hatten trotz
-starker Änderungen und Erweiterungen immer noch größere Abschnitte
-ihre ursprüngliche Gestalt behalten, wie sie ihnen von _Lorch_ gegeben
-war; jetzt hat das Buch von _Lorchs_ Werk kaum mehr als die streng
-anschauliche Darstellungsweise, eine größere Anzahl Figuren und einige
-Sätze Text behalten. Wenn es in einigen umfangreicheren Abschnitten
-noch mit der sechsten Auflage übereinstimmt, so handelt es sich um
-Stellen, die dort schon von mir stark geändert oder neu eingeschoben
-waren. Zunächst ist der Stoff wesentlich anders angeordnet, besonders
-in den zwei ersten Kapiteln, die, wie ich hoffe, jetzt übersichtlicher
-erscheinen werden. Kapitel 3 und 4 der alten Auflage sind zu einem
-vereinigt, vom fünften Kapitel der alten Auflage ab ist alles neu
-gestaltet. Überall ist das rein mathematische Element stärker betont,
-um dem vermehrten Wissen der Seminaristen auch auf diesem Gebiete
-fruchtbare Anwendung zu geben. Ganz oder fast ganz neu sind die §§ 9,
-11, 12, 13, 14, 16, 18, 22, 24, 25, 26, 27, 33 und die Kapitel 5, 6 und
-8. Daß der Titel das Buch jetzt nur als ein Lehrbuch für Seminare und
-nicht mehr, wie früher, auch für Mittelschulen usw. bezeichnet, bedarf
-keiner Begründung.
-
-Alle Bemerkungen und Ausstellungen der Kritik sind berücksichtigt,
-soweit sie berechtigt erschienen. Ob das Buch in seiner neuen Gestalt
-überall das richtige Maß getroffen hat, wird sich erst erweisen müssen.
-Im großen ganzen hoffe ich es, und wenn es hier und da vielleicht
-zuviel bieten sollte, so dürfte das kaum ein Fehler sein; manches, was
-der Lehrer aus Mangel an Zeit übergeht, kann strebsamen Schülern, die
-es selbständig nachlesen, eine Anregung zu weiterem Studium sein.
-
-Ganz besonderen Dank schulde ich für zahlreiche Winke und Ratschläge
-über Auswahl und Anordnung des Stoffes meinem lieben hiesigen Kollegen,
-Herrn Seminarlehrer _Heinze_, dem ich auch an dieser Stelle meinen
-herzlichsten Dank sage. Jeden weiteren guten Rat aus Kollegenkreisen
-werde ich mit Freuden begrüßen.
-
-So möge denn das Buch in der neuen Gestalt sich die alten Freunde
-erhalten und neue gewinnen und an seinem Teile beitragen zu einer
-fruchtbaren Gestaltung des Unterrichts in der mathematischen Geographie
-in Seminar und Volksschule!
-
- _Friedeberg_ Nm., im März 1904.
-
- =E. Eggert.=
-
-
-
-
-Vorwort zur achten Auflage.
-
-
-Nach der gründlichen Umarbeitung des Buches vor drei Jahren schienen
-mir wesentliche Änderungen jetzt nicht nötig. Hinzugekommen sind eine
-kurze Einleitung über Wesen, Aufgabe und Hilfsmittel der mathematischen
-Geographie, ein kleiner geschichtlicher Anhang und einige neue
-Figuren. Außerdem erfuhren die §§ 16, 25, 27, 28, 33 Umänderungen und
-Erweiterungen. Im übrigen habe ich mich auf sorgfältige Ausmerzung
-einiger Unklarheiten und Ungenauigkeiten und auf noch eingehendere
-Gliederung des Stoffes beschränkt.
-
- _Friedeberg_ Nm., im März 1907.
-
- =E. Eggert.=
-
-
-
-
-Vorwort zur neunten Auflage.
-
-
-Eine Änderung in der Anlage des Werkchens habe ich nicht vorgenommen,
-da dieselbe allgemeine Anerkennung gefunden hat. In Einzelheiten habe
-ich vielfach kleinere Verbesserungen ausgeführt und die Winke beachtet,
-die ich in den mir zugänglichen Kritiken fand oder von Kollegen
-erhielt. Eine nochmalige Umgestaltung erfuhren die §§ 12 und 14 bis
-18 unter Benutzung der wertvollen Abhandlung von _Binder_, Ein wunder
-Punkt unserer geographischen Schulbücher (Geographischer Anzeiger, 8.
-Jahrgang, S. 127 ff.). In verschiedenen Figuren wurden die schlecht
-gezeichneten Ellipsen verbessert.
-
-Zum Schlusse habe ich Herrn Seminarlehrer _Kruckenberg_ in Aurich für
-freundschaftliche Hinweise auf einzelne Mängel bestens zu danken.
-
- _Cottbus_, im Februar 1910.
-
- =E. Eggert.=
-
-
-
-
-Vorwort zur zehnten Auflage.
-
-
-Diese Auflage ist ein wenig veränderter Abdruck der neunten. Kleine
-Verbesserungen und kurze Einschaltungen wurden in den §§ 9, 26, 28, 29,
-30 und 34 vorgenommen.
-
- _Cottbus_, im März 1912.
-
- =E. Eggert.=
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis.
-
-
- Seite
-
- _Einleitung_ 5
-
- _Erstes Kapitel._ =Die Himmelskugel= 6
-
- § 1. Der Horizont 6
-
- § 2. Das Himmelsgewölbe 7
-
- § 3. Die Himmelskugel 11
-
- _Zweites Kapitel._
- =Die scheinbaren Bewegungen der Himmelskörper= 12
-
- § 4. Die scheinbare tägliche Bewegung der Sonne 12
-
- § 5. Die scheinbare tägliche Bewegung des Mondes 14
-
- § 6. Die scheinbare tägliche Bewegung der Sterne 15
-
- § 7. Der scheinbare jährliche Lauf der Sonne 17
-
- § 8. Die Dämmerung 19
-
- § 9. Die scheinbaren Bewegungen der Gestirne für
- einige bemerkenswerte Punkte der Erdoberfläche 20
-
- § 10. Die Ekliptik 24
-
- § 11. Ortsbestimmungen am Himmel mittels des
- Äquators oder der Ekliptik 28
-
- _Drittes Kapitel._ =Die Erde und ihre Bewegungen= 30
-
- § 12. Gestalt der Erde 30
-
- § 13. Einteilung der Erdoberfläche und
- Ortsbestimmungen auf derselben 32
-
- § 14. Die wahre Gestalt und die Größe der Erde 38
-
- § 15. Rotation der Erde 41
-
- § 16. Beweise für die Rotation der Erde 42
-
- § 17. Beweise für die Rotation von Westen nach Osten 46
-
- § 18. Die fortschreitende Bewegung (Revolution)
- der Erde 49
-
- § 19. Die Stellung der Erdachse zur Erdbahn 53
-
- § 20. Folgen der Rotation und der Revolution der Erde 54
-
- _Viertes Kapitel._ =Der Mond und der Kalender= 58
-
- § 21. Die Bewegungen des Mondes 58
-
- § 22. Die Mondphasen 61
-
- § 23. Lage der Mondbahn zur Ekliptik 62
-
- § 24. Die Mondfinsternisse 63
-
- § 25. Die Sonnenfinsternisse 66
-
- § 26. Physikalische Beschaffenheit des Mondes 68
-
- § 27. Der Kalender 71
-
- _Fünftes Kapitel._ =Die Planeten= 74
-
- § 28. Zahl und Bewegungen der Planeten 74
-
- § 29. Die physikalische Beschaffenheit der einzelnen
- Planeten 77
-
- _Sechstes Kapitel._ =Kometen und Meteore= 81
-
- § 30. Die Kometen oder Haarsterne 81
-
- § 31. Die Meteore 83
-
- _Siebentes Kapitel._ =Die Sonne und das Sonnensystem= 84
-
- § 32. Physikalische Beschaffenheit der Sonne 84
-
- § 33. Die Bewegungsgesetze unseres Planetensystems 89
-
- § 34. Die Entstehung des Sonnensystems 92
-
- _Achtes Kapitel._ =Die Fixsterne= 93
-
- § 35. Wesen, Größe, Entfernungen und Arten der
- Fixsterne 93
-
- § 36. Spektralanalyse der Fixsterne 95
-
- § 37. Bewegungen der Fixsterne 96
-
- § 38. Wie orientiert man sich am Sternenhimmel? 97
-
- _Anhang._ =Bedeutende Astronomen= 100
-
- =Empfehlenswerte Werke zur Fortbildung= 100
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-
-1. _Wesen und Aufgaben der mathematischen Geographie._ Die
-mathematische Geographie kann als ein Grenzgebiet zwischen Erdkunde
-und Mathematik bezeichnet werden. Sie beschäftigt sich mit der Erde
-und ihren Beziehungen zu anderen Weltkörpern. Aber ihre Untersuchungen
-erstrecken sich nur auf die _mathematischen_ Eigenschaften und
-Beziehungen der Erde, insofern diese einen bestimmten Raum einnimmt,
-eine bestimmte Gestalt besitzt, ihre Punkte bestimmte Entfernungen
-voneinander haben, sie selbst in jedem Augenblicke eine bestimmte
-Stellung zu anderen Weltkörpern einnimmt usw. Die Hauptaufgaben der
-mathematischen Geographie werden daher folgende sein: 1. Bestimmung
-der Gestalt und Größe der Erde, 2. Bestimmung der Lage von Punkten auf
-der Erdoberfläche, 3. Bestimmung der augenblicklichen Lage der Erde
-im Weltraume. Die letzte Aufgabe setzt Bekanntschaft mit den etwaigen
-Bewegungen der Weltkörper und ihren Bahnen voraus.
-
-Dieses Buch enthält außerdem auch noch Beobachtungen und Mitteilungen
-über die physische Beschaffenheit der Gestirne. Das sind zwar Stoffe,
-die streng genommen nicht der mathematischen Geographie angehören,
-sondern der Sternkunde oder Astronomie; aber beide Wissenschaften
-berühren sich so vielfach miteinander, daß das Wissenswerte aus der
-zweiten am besten in Verbindung mit der ersten gelehrt wird.
-
-2. _Hilfsmittel der mathematischen Geographie._ Die mathematische
-Geographie wird sich einerseits auf mathematische Lehrsätze und
-Berechnungen, anderseits als Naturwissenschaft auf Erfahrungen,
-Beobachtungen und Versuche gründen. Zu diesen bedarf sie bestimmter
-Instrumente. Da sie es mehrfach mit Bewegungen zu tun hat, die sich
-in der Zeit vollziehen, so kann sie die _Uhr_ und das _Pendel_ nicht
-entbehren. Neben diesen für Erdkunde, Astronomie und Physik in gleichem
-Maße grundlegenden Hilfsmitteln ist in erster Linie das _Fernrohr_
-zu nennen. Unmittelbar nach seiner Erfindung durch _Galilei_ im
-Jahre 1609 wurden von diesem und anderen bedeutende astronomische
-Entdeckungen gemacht, und die Zahl derselben hat beständig zugenommen,
-unsere Kenntnis des Sternhimmels ist immer genauer geworden, je mehr
-die Fernrohre verbessert wurden. In neuerer Zeit hat man auch die
-_Photographie_ in den Dienst der Sternkunde gestellt und für diesen
-Zweck besondere Apparate hergestellt, in welchen photographische
-Kamera und Fernrohr verbunden sind. Das Studium der physischen
-Beschaffenheit der Fixsterne und der Sonne beruht wesentlich auf
-Spektralanalyse; deshalb spielt auch das _Spektroskop_ eine Rolle in
-der Astronomie. Endlich sind für Ortsbestimmungen auf der Erde und im
-Weltraum Instrumente zum Messen von Winkeln nötig. Die wichtigsten
-sind der _Spiegelsextant_ und der _Theodolit_. Der Spiegelsextant
-ist eine Verbindung von zwei Spiegeln und einem Fernrohr auf einem
-Kreissextanten (dem sechsten Teil einer Kreislinie), an dem die Hälfte
-des zu messenden Winkels abgelesen werden kann. Der Theodolit ist eine
-Verbindung von zwei Fernrohren, von denen das eine um eine senkrechte,
-das andere um eine wagerechte Achse drehbar ist. Die Drehungswinkel
-können an geteilten Kreisen genau abgelesen werden.
-
-
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-Die Himmelskugel.
-
-
-§ 1.
-
-Der Horizont.
-
-1. _Wesen._ Befinden wir uns im Freien auf einer Stelle, die ringsum
-weite, ungehinderte Aussicht bietet, also frei von Bergen u. dgl. ist,
-so überblicken wir einen Teil der Erdoberfläche. Dieser erscheint als
-eine Ebene mit kreisähnlicher Grenzlinie. Am vollkommensten ist der
-Kreis natürlich auf einem großen See oder auf dem Meere bei Windstille.
-Die Grenzlinie der überschauten Erdoberfläche nennen wir _Horizont_.
-Dieses griechische Wort heißt genau die »Begrenzende« (Linie nämlich);
-es wird aber gewöhnlich übersetzt durch das Wort _Gesichtskreis_. Die
-überschaute Fläche selbst heißt _Horizontfläche_ oder _Horizontebene_.
-Eine gerade Linie, die in der Horizontebene liegt, wird eine
-horizontale Linie genannt.
-
-[Illustration: Fig. 1.]
-
-2. _Verschiedenheit nach der Lage des Standpunktes auf der
-Erdoberfläche._ Wir selbst stehen im Mittelpunkte des Horizontes, und
-dieser Mittelpunkt heißt unser _Standpunkt_ oder _Standort_.
-
-So weit wir von unserem Standpunkte aus wandern, stets bleiben wir im
-Mittelpunkte des Horizontes. Natürlich ist demnach an jedem Orte der
-Erdoberfläche oder, was dasselbe ist, für jeden anderen Standpunkt
-auch der Horizont ein anderer. Für den Standpunkt ~a~ (Fig. 1) ist es
-Kreislinie I, für den Standpunkt ~b~ Kreislinie II.
-
-[Illustration: Fig. 2.]
-
-3. _Verschiedenheit nach der Höhe des Standpunktes._ Stelle ich mich
-in senkrechter Richtung über dem Standpunkte ~a~ (Fig. 2) einige
-Meter höher auf, etwa auf einem Gerüste, so sehe ich viel weiter in
-die Ferne, mein Horizont wird also größer. Erhöhe ich das Gerüst noch
-mehr, so wird auch der Gesichtskreis noch größer. Natürlich haben diese
-Kreise alle drei denselben Mittelpunkt (vgl. Fig. 2). Also je höher der
-Standpunkt, desto größer der Horizont.
-
-
-§ 2.
-
-Das Himmelsgewölbe.
-
-1. _Scheitelpunkt, Scheitellinie, Scheitelkreis._ Richten wir nun
-von unserem Standpunkte aus unsere Blicke nach oben, so sehen wir
-den Himmel über uns wie ein Halbkugelgewölbe, das sich über der
-Horizontalebene erhebt und auf dem Horizonte ruht. Wir selbst stehen im
-Mittelpunkte des Gewölbes und zwar senkrecht auf der Horizontalebene,
-wie sich durch ein herniedergelassenes Lot leicht zeigen läßt.
-Bezeichnen wir diese Richtung von unserem Standpunkte aus durch eine
-gerade Linie, so trifft diese das Himmelsgewölbe in einem Punkte über
-unserem Scheitel; er heißt _Scheitelpunkt_ oder _Zenit_, und die gerade
-Linie, die Standpunkt und Zenit verbindet, heißt _Scheitellinie_.
-Ein Kreis um unseren Standpunkt als Mittelpunkt, dessen Ebene durch
-die Scheitellinie und dessen Peripherie durch den Zenit geht heißt
-_Scheitelkreis_ oder _Vertikalkreis_, (~vertex~ lat. = Scheitel).
-
-[Illustration: Fig. 3.]
-
-In Fig. 3 ist ~M~ unser Standpunkt, der Kreis ~HARBH~ der Horizont,
-~Z~ der Zenit, ~ZM~ die Scheitellinie; die Kreise ~HZRNH~ und ~AZBNA~
-sind Scheitelkreise, der Halbkreis ~HZR~ bedeutet zugleich das
-Himmelsgewölbe.
-
-Ein Blick auf die Figur lehrt ferner: 1. Alle Vertikalkreise stehen
-senkrecht auf der Horizontebene 2. Die Ebene eines Scheitelkreises
-schneidet die Horizontalebene in einer geraden Linie, welche den
-Horizont halbiert, so daß die Endpunkte dieser Linie 180° voneinander
-entfernt sind. Die Ebenen der Scheitelkreise ~HZRNH~ und ~AZBNA~ z.
-B. schneiden die Horizontebene in den geraden Linien ~HR~ und ~AB~.
-3. Umgekehrt halbiert auch der Horizont jeden Scheitelkreis, so daß
-von dem Scheitelkreise 180° über und 180° unter dem Horizonte liegen.
-4. Die Scheitelkreishälfte über dem Horizonte wird wieder durch den
-Zenit halbiert, folglich sind alle Punkte des Horizonts 90° vom Zenit
-entfernt.
-
-[Illustration: Fig. 4.]
-
-2. _Bestimmung der Himmelsgegenden._ ~a~) _Durch den Polarstern._ Um
-in der Horizontebene die Lage bestimmter Gegenstände (Häuser, Bäume)
-und Punkte zueinander zu bestimmen, hat man zuerst gewisse Richtungen
-festgelegt, die unser geradeaus sehendes Auge verfolgt. Für den Abend
-und die Nacht kann man dazu, wenn es sternhell ist, einen Stern am
-Himmelsgewölbe benutzen, den Polarstern. Während nämlich alle Sterne
-scheinbar ihre Lage am Himmel verändern, bleibt dieser immer ziemlich
-auf demselben Flecke stehen. Um ihn aufzufinden, mögen folgende Angaben
-dienen. Wir sehen an jedem sternhellen Abend ziemlich hoch am Himmel
-sieben helle Sterne, die eine Figur bilden, wie sie Fig. 4 darstellt.
-Die _ganze_ Figur hat aber zum Horizont zu verschiedenen Zeiten eine
-verschiedene Stellung. Wie in Fig. 4 zeigt sie sich uns an Abenden
-des Spätherbstes. Diese Sterne, die wegen ihres Glanzes und ihrer
-eigenartigen Stellung sehr leicht aufzufinden sind, bilden mit einer
-Anzahl von weniger hellen Sternen ein sogenanntes Sternbild, den
-Großen Bären. Verbindet man die beiden mit ~a~ und ~b~ bezeichneten
-Sterne dieses Sternbildes durch eine gerade Linie, so trifft deren
-Verlängerung den Polarstern ~c~.
-
-Denken wir uns die gerade Linie zwischen unserem Auge und dem
-Polarstern auf unsere Horizontebene projiziert, so nennen wir die
-Richtung dieser Projektion _Norden_, die entgegengesetzte Richtung --
-hinter uns -- _Süden_. Ziehen wir von unserem Standpunkte aus in der
-Horizontebene eine gerade Linie rechtwinklig zur Nordsüdlinie nach
-links, so heißt die durch diese Linie bezeichnete Richtung _Westen_,
-und die Verlängerung jener Linie nach rechts zeigt nach _Osten_.
-
-Nord, Süd, West und Ost sind die vier _Haupthimmelsgegenden_.
-
-Die Halbierungslinien der vier rechten Winkel zwischen der Nordsüdlinie
-und der Westostlinie zeigen nach den _ersten Nebenhimmelsgegenden_,
-die Halbierungslinien der so entstandenen acht Winkel von 45° nach den
-_zweiten Nebenhimmelsgegenden_;
-
- zwischen Nord und West liegt Nordwest;
- zwischen Süd und West liegt Südwest;
- zwischen Nord und Ost liegt Nordost;
- zwischen Süd und Ost liegt Südost;
- zwischen Nord und Nordwest liegt Nordnordwest;
- zwischen West und Nordwest liegt Westnordwest usw.
-
-~b~) _Durch die Sonne._ Am Tage kann man die Himmelsgegenden mit Hilfe
-der Sonne feststellen. Beobachten wir sie an verschiedenen Tagen, so
-zeigt sich, daß sie morgens zwar nicht immer an demselben Punkte,
-aber doch immer in derselben Gegend, der Ostgegend des Horizontes, am
-Himmelsgewölbe erscheint, sich an diesem immer höher hebt, bis sie
-mittags um 12 Uhr den höchsten Punkt ihrer Bahn erreicht hat und dann
-sinkt, um abends in der Westgegend unter dem Horizonte zu verschwinden.
-An welcher Stelle des Himmelsgewölbes auch an verschiedenen Tagen
-mittags der höchste Punkt der Sonnenbahn liegen mag, immer weist
-die Projektion der geraden Linie zwischen unserem Auge und diesem
-höchsten Punkte auf die Horizontalebene genau von unserem Standpunkte
-nach Süden, mit anderen Worten: sie fällt in die Nordsüdlinie, die
-man deswegen auch _Mittagslinie_ nennt. Da jeder Ort seinen eigenen
-Horizont und seinen eigenen Zenit hat, hat er auch seine eigene
-Mittagslinie. Offenbar würde man nach Feststellung dieser Linie alle
-Himmelsgegenden durch bloße Winkelkonstruktionen bestimmen können.
--- Aber wie kann man auf einfache Weise die Lage der Mittagslinie
-eines Ortes bestimmen? Je höher die Sonne steht, desto kürzer ist
-der Schatten aller Gegenstände, die senkrecht auf der Horizontebene
-stehen, und umgekehrt. Stellte man also bei Sonnenschein auf eine
-horizontale Fläche senkrecht einen Stab und beobachtete genau die Länge
-der Schatten auf der Fläche, so wäre der kürzeste aller Schatten die
-Mittagslinie. Diese Beobachtung bietet aber praktische Schwierigkeiten
-und würde sehr unsicher sein; daher ist folgendes Verfahren besser.
-
-Auf einem horizontalen Brette wird ein mehrere Zoll langer Stab
-senkrecht befestigt, nachdem man vorher um seinen Standort eine
-größere Anzahl konzentrischer Kreise gezogen hat. Die Einrichtung
-heißt _Gnṓmōn_. Vormittags fällt der Schatten mehr nach Westen,
-nachmittags mehr nach Osten, mittags genau nach Norden; vormittags
-wird er allmählich kürzer, nachmittags allmählich länger; vormittags
-wird er also durch die äußeren Kreislinien mit größerem Halbmesser
-hindurch nach den inneren zurück und dabei gleichzeitig von Westen nach
-Norden herum, nachmittags von den inneren Kreisen durch die äußeren
-vorwärts und dabei gleichzeitig von Norden nach Osten herum gehen. Den
-Kreis, den der Schatten vormittags um eine bestimmte Stunde schneidet,
-schneidet er um ebensoviel nach 12 Uhr wieder. Bezeichnet man zwei
-solche Schnittpunkte desselben Kreises, verbindet sie und halbiert die
-Verbindungslinie, so ist die Linie, die durch den Halbierungspunkt und
-den Standpunkt des Stabes geht, die Mittagslinie.
-
-[Illustration: Fig. 5]
-
-Hat man die Lage der Mittagslinie gefunden, so kann man leicht die
-Himmelsgegenden genau bestimmen. Das Nordende der Mittagslinie heißt
-_Nordpunkt_, das Südende derselben _Südpunkt_; beide Punkte sind 180°
-voneinander entfernt und halbieren den Horizont. Durch Halbierung
-der zwei Horizonthälften erhält man _Ostpunkt_ und _Westpunkt_; die
-gerade Linie zwischen diesen beiden Punkten heißt die _Ostwestlinie_.
-Durch Mittagslinie und Ostwestlinie wird der Horizont in vier gleiche
-Teile geteilt, welche _Quadranten_ heißen. Die vier Punkte heißen
-_Kardinalpunkte_. Sie sind je 90° voneinander entfernt. Halbieren wir
-jeden zwischen zwei Himmelsgegenden liegenden Bogen des betreffenden
-Kreisausschnittes auf unserer Horizontebene, so entstehen Nordost,
-Nordwest, Südost und Südwest. Ähnlich entstehen dann die zweiten
-Nebengegenden usw. Bei der Namengebung stehen die Hauptgegenden immer
-voran. Man erkennt die Namen aus Fig. 5. Diese heißt die _Windrose_.
-
-~c~) Durch die _Magnetnadel_. Ein weiteres, sehr bequemes Mittel, zu
-jeder Zeit die Mittagslinie festzustellen, bietet die Magnetnadel,
-deren Spitze bei uns bekanntlich nach der Nordgegend weist und zwar 10°
-westlich von der Mittagslinie.
-
-[Illustration: Fig. 6.]
-
-3. _Höhe und Azimut._ Um zu zeigen, wie man den augenblicklichen Ort
-eines Sternes am Himmelsgewölbe bestimmt, benutzen wir Fig. 6. Der
-Kreis ~NASN~ ist der Horizont, ~N~ der Nord-, ~S~ der Südpunkt, ~NS~
-die Nordsüdlinie, ~Z~ der Zenit, ~ZM~ die Scheitellinie, ~O~ der
-Ort des Sternes. Wir denken uns durch ~O~ den Scheitelkreis ~OAPZ~
-gelegt. Diejenige Hälfte dieses Kreises, die durch den Punkt ~O~ geht
-(~ZOAP~), schneidet den Horizont in ~A~. Nun mißt man zunächst den
-Bogen ~SA~ des Horizontes vom Südpunkte ~S~ in westlicher (durch den
-Pfeil bezeichneter) Richtung bis ~A~, dem der Winkel ~SMA~ entspricht.
-Diesen Bogen nennt man den _Azimut_ des Ortes (Sternes) ~O~; man mißt
-ihn über den ganzen Horizont von 0° bis 360°. Dann mißt man den Bogen
-~AO~ des Scheitelkreises, dem der Winkel ~AMO~ entspricht. Da dieser
-Bogen angibt, wie hoch der Ort sich über den Horizont erhebt, so nennt
-man ihn die _Höhe_ des Ortes. Offenbar haben alle Orte auf einem Kreise
-am Himmelsgewölbe, dessen Ebene parallel zur Horizontebene liegt,
-gleiche Höhe. Solche Kreise, auf denen natürlich die _Scheitellinie_
-senkrecht steht, heißen _Höhenkreise_. Die Höhe wird vom Horizonte an
-gemessen, geht also von 0° bis 90°, der Höhe des Zenits. An die Stelle
-der Höhe kann auch ihr Komplement treten, der Bogen ~OZ~. Man nennt
-ihn die _Zenitdistanz_. Offenbar kann man den Ort eines Sternes am
-Himmelsgewölbe genau bestimmen, wenn man seinen Azimut und seine Höhe
-kennt.
-
-
-§ 3.
-
-Die Himmelskugel.
-
-1. _Fußpunkt, Achse des Horizontes._ Wie wir wissen, scheint der Himmel
-an den verschiedensten Standpunkten als Halbkugel auf unserem Horizont
-zu ruhen. Daraus, daß diese Beobachtung für alle Punkte der Erde
-gilt, ergibt sich: Der Himmel erscheint als eine Kugel, die die Erde
-umgibt und zur Hälfte als Himmelsgewölbe über, zur Hälfte unter dem
-Horizonte liegt. Unser Standpunkt ist der Mittelpunkt der Kugel, und
-die Verlängerung der Scheitellinie durch diesen Mittelpunkt trifft die
-unsichtbare Hälfte der Himmelskugel unter dem Horizonte in einem Punkte
-senkrecht unter uns; dieser Punkt heißt _Fußpunkt_ oder _Nadir_. Die
-gerade Linie zwischen Zenit und Nadir, die auf dem Horizonte senkrecht
-steht, heißt die _Achse des Horizontes_. In Fig. 6 bedeutet der Kreis
-~NZSPN~ die Himmelskugel, ~P~ den Nadir, ~ZP~ die Achse des Horizontes.
-
-2. _Natürlicher, scheinbarer und wahrer Horizont._ Eigentlich ist unser
-Standpunkt nicht im mathematisch genauen Sinne der Mittelpunkt der
-Himmelskugel. Aus dem geographischen Unterrichte in der Volksschule
-ist ja schon bekannt, daß die Erde nicht, wie man aus dem Augenschein
-nach § 1 schließen möchte, eine Scheibe ist, sondern die Gestalt einer
-Kugel hat. Das mag hier einmal, trotzdem erst im dritten Kapitel die
-Beweise dafür zusammengestellt sind, vorausgesetzt werden. Der Himmel
-erscheint nun als eine viel größere konzentrische Hohlkugel. Der
-Halbmesser der Erde ist sehr groß, aber dennoch verschwindend klein
-gegen den Halbmesser der Himmelskugel.
-
-[Illustration: Fig. 7.]
-
-In Fig. 7 ist der kleine Kreis die Erde, der große die Himmelskugel,
-~d~ mein Standpunkt, ~b~ die Augenhöhe. Der Deutlichkeit wegen ist
-die Linie ~db~ im Verhältnis zur Erdkugel und diese im Verhältnis zur
-Himmelskugel unendlich vielmal zu groß gezeichnet. Ich überblicke
-von der Erdkugel die Kugelkappe ~ndh~; diese ist begrenzt durch
-Berührungsebenen, die ich von ~b~ aus an die Kugel legen kann. Die
-Grenzlinie dieser Kugelkappe ist der Kreis ~nh~. Er ist der Horizont,
-von dem bisher die Rede war, und heißt der _natürliche_ Horizont.
-Da ~db~ im Vergleich zur Erdkugel verschwindend klein ist, so ist
-es auch das überblickte Stück ~ndh~; es erscheint deshalb eben und
-weicht in Wirklichkeit unendlich wenig von der Ebene ~nch~ ab. Also
-fällt auch Punkt ~c~ mit ~d~ und die Ebene ~nch~ mit der Berührungs-
-oder Tangentialebene in ~d~ fast zusammen. Diese Tangentialebene
-schneidet das Himmelsgewölbe in einem Kreise ~sh~; ihn nennt man
-den _scheinbaren_ oder _astronomischen_ Horizont. Das Stück ~sZh~
-ist der für uns sichtbare Teil der Himmelskugel. Legt man zu der
-Tangentialebene durch den Mittelpunkt der Erde eine parallele Ebene,
-so schneidet diese die Himmelskugel in dem Kreise ~wh~; ihn nennt man
-den _wahren_ Horizont. Da nun der Halbmesser der Erde im Vergleich zu
-dem der Himmelskugel verschwindend klein ist, so ist auch die Höhe
-der Zone, die von den Kreisen ~sh~ und ~wh~ am Himmel begrenzt wird,
-verschwindend klein im Vergleich zur Höhe des Himmelsgewölbes. Man kann
-also annehmen, daß der wahre und scheinbare Horizont zusammenfallen,
-und setzt in der astronomischen Geographie für das von uns in
-Wirklichkeit überblickte Stück der Himmelskugel ohne weiteres die
-Halbkugel ~wZh~.
-
-
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-Die scheinbaren Bewegungen der Himmelskörper.
-
-
-§ 4.
-
-Die scheinbare tägliche Bewegung der Sonne.
-
-1. _Der Tagbogen._ Daß die Sonne zu verschiedenen Tageszeiten
-in verschiedenen Höhen über dem Horizonte steht, also scheinbar
-täglich eine Bewegung am Himmelsgewölbe ausführt, ist schon bei der
-Feststellung der Mittagslinie beobachtet worden (vgl. § 2). Diese
-Bewegung wollen wir jetzt genauer betrachten. Wir sehen die Sonne
-nur während des Tages. Zuerst erblicken wir sie in einem Punkte des
-Horizontes in der Morgengegend und sagen dann: »Die Sonne geht auf.«
-Der Punkt des Horizontes, in dem der Mittelpunkt der Sonnenscheibe
-aufgeht, heißt ihr _Aufgangspunkt_. Von ihm aus erhebt sie sich immer
-höher, bis sie mittags den höchsten Punkt in ihrer Bahn erreicht. Dann
-senkt sie sich in einer dem Aufsteigen entgegengesetzten Richtung dem
-Horizonte wieder zu, bis sie ihren _Untergangspunkt_ erreicht und
-verschwindet. Daraus, daß diese Beobachtung überall auf der Erde zu
-machen ist, schließen wir: Vom Untergangspunkt aus setzt die Sonne, für
-uns ungesehen, ihren Weg unter unserem Horizonte fort und durchläuft an
-einem Tage einen vollständigen Kreis an der Himmelskugel.
-
-Der über dem Horizonte liegende Teil der Sonnenbahn, der vom
-Aufgangs- bis zum Untergangspunkte -- also bei Tage -- durchlaufen
-wird, erscheint als ein Kreisbogen und heißt der _Tagbogen_. Der
-höchste Punkt im Tagbogen heißt der _obere Kulminationspunkt_. Er
-liegt genau in der Mitte zwischen Aufgangs- und Untergangspunkt
-und teilt den Tagbogen in zwei gleiche Teile, welche _Vormittags-_
-und _Nachmittagsbogen_ heißen. Der Weg der Sonne, den sie unter
-dem Horizonte und nachts zurücklegt, heißt _Nachtbogen_; in seiner
-Mitte liegt der _untere Kulminationspunkt_; dieser liegt dem
-oberen gerade gegenüber und teilt den Nachtbogen in _Vor-_ und
-_Nachmitternachtsbogen_. Tag- und Nachtbogen bilden zusammen einen
-Kreis, der in 24 Stunden = 1 Tag von der Sonne durchlaufen wird und
-zwar von Osten nach Westen; er heißt _Tagkreis_ und steht schief auf
-unserem Horizont.
-
-[Illustration: Fig. 8.]
-
-2. _Meridian._ In Fig. 8 ist Kreis ~HZH´NH~ = Himmelskugel; Kreis
-~HOH´WH~ = Horizont von Berlin; ~m~ = Standpunkt (Berlin); Kreis
-~AYBY´A~ = Tagkreis der Sonne für den 21. Juni, Kreis ~OXWX´O~ =
-Tagkreis der Sonne für den 21. März und den 23. September, ~CUDU´C~ =
-Tagkreis der Sonne für den 21. Dezember. Man erkennt: 1. Die Tagkreise
-der verschiedenen Tage sind verschieden. 2. Sie sind aber unter
-demselben Winkel gegen den Horizont eines bestimmten Standpunktes
-geneigt; für Berlin beträgt der Winkel 37½°. 3. Daraus ergibt sich
-weiter, daß die Ebenen der Tagkreise untereinander parallel sind.
-4. Auch die Aufgangspunkte (~A~, ~O~, ~C~) und die Untergangspunkte
-(~B~, ~W~, ~D~) für die verschiedenen Tage sind verschieden. 5.
-Endlich sind auch Tag- und Nachtbogen nicht immer einander gleich,
-wohl aber Vor- und Nachmittags-(Vor- und Nachmitternachts-)bogen.
-Den längsten Tagbogen beschreibt die Sonne am Himmelsgewölbe am 21.
-Juni (~AYB~), den kürzesten am 21. Dezember (~CUD~); nur am 21. März
-und am 23. September sind alle vier Teile des Tagkreises einander
-gleich. 6. ~U~, ~X~, ~Y~ sind die oberen, ~U´~, ~X´~, ~Y´~ die unteren
-Kulminationspunkte der drei Kreise. Auch die Kulminationspunkte
-sind also für die verschiedenen Tage verschieden; aber sie liegen
-stets in demselben Vertikalkreise oder: Die Sonne kulminiert für
-einen bestimmten Standpunkt an allen Tagen des Jahres in demselben
-Vertikalkreise. Man nennt ihn, da die obere Kulmination der Sonne in
-ihm mittags eintritt, den _Meridian_ oder _Mittagskreis_ des Ortes.
-Anstatt zu sagen: »Die Sonne kulminiert für den Ort,« kann man somit
-auch sagen: »Die Sonne steht im Meridian des Ortes.« Kreis ~HZH´NH~
-(Fig. 8) ist der Meridian von Berlin. Dieser soll fernerhin bei allen
-weiteren Betrachtungen zugrunde gelegt werden, wenn nichts Besonderes
-angegeben wird.
-
-3. _Meridian und Mittagslinie._ Die Ebene des Meridians steht als
-Ebene eines Scheitelkreises senkrecht auf der Horizontebene und
-schneidet diese in einer geraden Linie, die durch den Standpunkt geht
-und den Horizont halbiert. Diese gerade Linie wollen wir noch näher
-betrachten. Nach einem bekannten Lehrsatze der Stereometrie liegen
-alle Senkrechten, die man aus einem Punkte einer Ebene auf eine sie
-senkrecht schneidende Ebene fällt, ganz in der ersten Ebene; ihre
-Fußpunkte gehören also beiden Ebenen an, d. h. die Verbindungslinie der
-Fußpunkte zweier solcher Senkrechten fällt mit der Schnittlinie der
-zwei Ebenen zusammen. Nun ist aber nach § 2 die Mittagslinie nichts
-anderes als die Verbindungslinie der Fußpunkte zweier Senkrechten,
-die aus Punkten der Meridianebene auf die sie senkrecht schneidende
-Horizontalebene gefällt sind, nämlich der Scheitellinie und der
-Senkrechten aus dem oberen Kulminationspunkt der Sonne auf die
-Horizontalebene; also schneidet die Meridianebene die Horizontebene in
-der Mittags- oder Nordsüdlinie, oder die Meridianebene ist, wie die
-Mittagslinie, genau von Süden nach Norden gerichtet.
-
-
-§ 5.
-
-Die scheinbare tägliche Bewegung des Mondes.
-
-1. _Dauer._ ~a~) Auch der Mond beschreibt täglich (und scheinbar!) von
-Osten nach Westen einen Tagkreis, welcher denselben schiefen Winkel
-mit dem Horizont bildet wie der Tagkreis der Sonne und auch wie dieser
-vom Horizont in zwei Teile geteilt wird; auch er geht täglich auf und
-unter und kulminiert zweimal im Meridian wie die Sonne. ~b~) Ebenso
-sind seine Tagkreise an den verschiedenen Tagen verschieden. ~c~) Aber
-in bezug auf die Zeit des Auf- und Unterganges und der Kulminationen
-weicht er von der Sonne ab; denn diese Ereignisse erfolgen beim Monde
-im Laufe eines Monats zu den verschiedensten Tageszeiten. Das liegt
-daran, daß er zu seinem Tagkreise nicht wie die Sonne nur 24 Stunden,
-sondern 24 Stunden und 50 Minuten, also fast eine Stunde mehr braucht.
-
-2. _Phasen._ Auch die scheinbare Gestalt des Mondes wechselt. Man
-unterscheidet unter seinen mannigfaltigen Gestalten vier Hauptwechsel
-oder _Phasen_ (griech. = Erscheinungen), nämlich Neumond, erstes
-Viertel, Vollmond und letztes Viertel.
-
-[Illustration: Fig. 9.]
-
-(Siehe Fig. 9) ~a~ = Neumond; ~b~ = erstes Viertel; ~c~ = Vollmond; ~d~
-= letztes Viertel.
-
-Der Neumond ist dunkel; das erste Viertel zeigt die rechte Hälfte
-erleuchtet, der Vollmond die ganze Scheibe, das letzte Viertel die
-linke Hälfte. Dieser Wechsel vollzieht sich in 29½ Tagen.
-
-(Der zunehmende Mond, vom Neumond bis Vollmond, erinnert bei uns an den
-oberen Teil des {Z}, der abnehmende, vom Vollmond bis Neumond, an den
-linken Teil eines geschriebenen {A}.)
-
-
-§ 6.
-
-Die scheinbare tägliche Bewegung der Sterne.
-
-1. _Fixsterne._ Die meisten Sterne behalten ihre Stellung zueinander;
-das können wir z. B. an der Stellung der Sterne des Großen Bären (s.
-§ 2) zueinander und zum Polarstern beobachten. Nur wenige Sterne
-ändern ihre Stellung zu anderen Sternen. Die Sterne, die ihre Stellung
-zueinander nicht ändern, nennt man aus diesem Grunde _Fixsterne_ (lat.
-~fixus~ = angeheftet, nämlich scheinbar am Himmelsgewölbe).
-
-2. _Tagkreise._ Alle Sterne ohne Ausnahme ändern ihre Stellung zum
-Horizonte beständig, und zwar rücken sie von Osten nach Westen fort,
-gerade wie die Sonne und der Mond. Jeder Stern durchläuft in etwa 24
-Stunden (die Fixsterne genauer in 23 Stunden 56 Minuten) einen Kreis
-und alle einzelnen Kreise laufen miteinander und mit den Tagkreisen
-von Sonne und Mond parallel, sind also, wie diese, gegen den Horizont
-geneigt. Für Berlin beträgt diese Neigung, wie in § 4 gezeigt wurde,
-37½°. Daher kulminieren auch alle Sterne wie die Sonne und der Mond im
-Meridian unseres Standpunktes (s. § 4).
-
-3. _Himmelsachse und Himmelsäquator._ Da Sonne, Mond und alle Sterne
-täglich parallele Kreise zu durchlaufen scheinen, so macht es den
-Eindruck, als drehe sich die ganze Himmelskugel täglich um einen
-ihrer Durchmesser. Dieser steht auf den Ebenen aller jener parallelen
-Kreise senkrecht, enthält ihre Mittelpunkte und heißt _Himmels-_
-oder _Weltachse_; seine Endpunkte in der Himmelskugel (Pole) heißen
-_Himmels-_ oder _Weltpole_. Der Polarstern liegt dem einen Himmelspole
-sehr nahe, etwa nur 1½° von ihm entfernt. Dieser Pol ist der Nordpol,
-der andere der Südpol des Himmels. (Genau genommen ist die Projektion
-der Weltachse auf die Horizontebene die Nordsüdlinie. Sie weicht aber
-nach dem eben Gesagten von der Projektion der Linie zwischen Auge und
-Polarstern auf die Horizontebene [s. § 2] nur unmerklich ab.)
-
-Unter den _Parallelkreisen_, die von den Sternen durchlaufen werden,
-ist der größte derjenige, dessen Mittelpunkt zugleich der Mittelpunkt
-der Weltachse ist. Er teilt die Himmelskugel in eine nördliche und
-eine südliche Hälfte und heißt _Himmelsäquator_ (Äquator lat. =
-Gleichmacher, Gleicher). Die Parallelkreise werden nach beiden Polen
-zu immer kleiner. Deshalb sind auch die Tagkreise der Sterne als
-Parallelkreise an Größe sehr verschieden. Der Polarstern durchläuft
-einen so kleinen Kreis, daß man diesen kaum wahrnimmt. Je weiter die
-Sterne von ihm entfernt sind, desto größer sind ihre Kreise, also im
-Himmelsäquator am größten, wie schon gezeigt wurde. Von da zum Südpole
-werden sie wieder kleiner. Es gibt Sterne am Himmel, die für einen
-bestimmten Ort der Erdoberfläche nicht untergehen; für uns gilt das z.
-B. vom Polarstern und den Sternen im Sternbild des Großen Bären. Solche
-Sterne heißen für diesen Ort _Zirkumpolarsterne_. Der Horizont und
-seine Achse wechseln für jeden Standpunkt, die Himmelsachse, also auch
-die Pole und der Äquator, sind für alle Standpunkte dieselben.
-
-[Illustration: Fig. 10.]
-
-(Vgl. Fig. 10.) Kreis ~SZNZ´S~ = Himmelskugel, Kreis ~SoNwS~ =
-Horizont, ~PP´~ = Weltachse, ~P~ = Nordpol, ~P´~ = Südpol, ~m~ =
-Standpunkt. Stern 1 = Zirkumpolarstern, die Bahn von Stern 2 liegt
-größtenteils, die von Stern 3, der sich im Äquator bewegt, zur Hälfte
-über dem Horizont, die von Stern 4 größtenteils, die von Stern 5 ganz
-unter dem Horizont.
-
-Weil die Kreise der Sterne an Größe verschieden sind, alle aber in
-derselben Zeit -- ca. 24 Stunden -- durchlaufen werden, so muß die
-scheinbare Geschwindigkeit der Sterne verschieden sein.
-
-[Illustration: Fig. 11.]
-
-(Siehe Fig. 11.) ~x~ = Pol. Stern ~a~ durchläuft 360° in ca. 24 Stunden
-= 1440 Minuten, also 1° in 4 Minuten (= 1440/360), ~b~, ~c~, ~d~
-desgleichen; aber der Kreis des Sternes ~b~, d. i. sein Weg, ist größer
-als der des Sternes ~a~. Ebenso ist der Weg des Sternes ~c~ größer als
-der des Sternes ~b~ usw.
-
-Die größte scheinbare Geschwindigkeit haben Sterne, die im
-Himmelsäquator stehen.
-
-4. _Neue Definition des Meridians._ Da die Kulminationspunkte eines
-jeden Parallelkreises um 180° voneinander entfernt liegen, so gehen
-die Verbindungslinien dieser Punkte als Durchmesser der Parallelkreise
-alle durch die Weltachse. Die Endpunkte dieser Durchmesser liegen aber
-als Kulminationspunkte im Meridian unseres Standpunktes, demnach die
-Durchmesser alle in der Ebene, die man durch den Meridian legen kann.
-In dieser Ebene muß dann also auch die Weltachse liegen. Daraus ergibt
-sich: der _Meridian_ ist derjenige Vertikalkreis, der durch die Pole
-der Weltachse geht.
-
-Für unseren Standpunkt ist in Fig. 10 also der Kreis ~SZPNZ´P´S~, der
-die Himmelskugel bedeutet, zugleich der Meridian.
-
-5. _Neigung der Himmelsachse gegen den Horizont; Polhöhe._ Die Neigung
-der Himmelsachse gegen den Horizont hängt natürlich ab von der Neigung
-des Äquators. Diese beträgt, wie bei allen Tagkreisen, für Berlin
-37½°. Sie wird dargestellt (Fig. 10) durch den Bogen vom Südpunkte S
-des Horizontes bis zum oberen Schnittpunkte des Meridians ~SZPNZ´P´S~
-mit dem Äquator 3; der Bogen von hier aus zum Nordpol ~P~ beträgt 90°,
-also beträgt der Bogen von ~P~ bis zum Nordpunkte des Horizontes
-zusammen mit dem ersten Bogen von 37½° ebenfalls 90°, er selbst ist
-demnach = 90° − 37½° = 52½°. Dieser Bogen ist die _Polhöhe_; sie ist
-stets das Komplement der Neigung des Äquators gegen den Horizont
-und gibt zugleich die Neigung der Himmelsachse gegen den Horizont
-an. Auch der Abstand des Nordpols vom Zenit ist das Komplement der
-Polhöhe, also für Berlin 37½°, und überall liegt der Äquator so viel
-Grad unter dem Nordpunkte des Horizontes, als der Nordpol unter dem
-Zenit liegt. Zugleich ergibt sich, daß der Tagkreis, der, im Meridian
-gemessen, um die Polhöhe (52½°) vom Pol entfernt ist, die Grenze der
-Zirkumpolarsterne bildet; denn die untere Kulmination der Sterne, die
-diesen Kreis durchlaufen, findet im Nordpunkte des Horizontes statt.
-
-
-§ 7.
-
-Der scheinbare jährliche Lauf der Sonne.
-
-1. _Tagkreis der Sonne für den 21. März._ Am 21. März können wir
-beobachten, daß die Sonne um 6 Uhr morgens im Ostpunkte auf-, um 6
-Uhr abends im Westpunkte untergeht. Daher gehört die Ostwestlinie,
-mithin auch unser Standpunkt, der Mittelpunkt der Himmelskugel,
-dem Tagkreise des 21. März an. Dieser Tagkreis ist also, wie jeder
-Kugelkreis, dessen Ebene durch den Kugelmittelpunkt geht, ein größter
-Kreis der Himmelskugel und ist, wie die Tagkreise aller Gestirne,
-für Berlin unter einem Winkel von 37½° gegen den Horizont geneigt.
-Der größte Kreis aber, der diese Neigung gegen den Horizont hat, ist
-nach § 6 der Himmelsäquator. Die Sonne durchläuft somit am 21. März
-den Himmelsäquator, und die Mittagshöhe der Sonne ist an diesem Tage
-überall gleich der _Äquatorhöhe_ (37½°; Bogen ~HX~ in Fig. 8). Wie alle
-größten Kreise halbieren Horizont und Äquator einander; daher ist am
-21. März der Tagbogen gleich dem Nachtbogen, Tag und Nacht sind gleich,
-es ist _Frühlings-Tag- und Nachtgleiche_ (_Äquinoktium_). Mit dem 21.
-März beginnt der Frühling.
-
-In Fig. 8 ist ~OXW~ der Tag-, ~WX´O~ der Nachtbogen für den 21. März;
-~H~ ist der Südpunkt, ~H´~ der Nordpunkt des Horizontes. Vom Zenit ist
-die Sonne an diesem Tage mittags um 90° − 37½° = 52½° entfernt. (Bogen
-~XZ~ [Winkel ~XmZ~] = Bogen ~HZ~ − ~HX~ = 90° − 37½°.) Der Abstand
-heißt die _Zenitdistanz_. Um Mitternacht steht die Sonne 37½° unter dem
-Horizont (Bogen ~H´X´~ in Fig. 8).
-
-2. _Verschiebung der Tagkreise._ Setzen wir unsere Beobachtungen
-täglich fort, und zwar von demselben Standpunkte aus, so entdecken wir,
-daß die Sonne täglich früher aufgeht, und zwar nicht mehr im Ostpunkte,
-sondern immer mehr nördlich davon, auch daß sie zu Mittag immer höher
-steigt, und endlich, daß sie auch immer mehr nördlich vom Westpunkte
-untergeht.
-
-Daraus folgt, daß der Tagkreis der Sonne nicht mehr der Äquator sein
-kann, sondern ein Kreis, der nördlich vom Äquator liegt. Die Sonne ist
-also nach Norden zu gerückt, die Tage sind länger, die Nächte sind
-kürzer geworden.
-
-Die Entfernung des Aufgangspunktes vom Ostpunkte heißt _Morgenweite_
-(Bogen ~OA~ in Fig. 8); die Entfernung des Untergangspunktes vom
-Westpunkte heißt _Abendweite_ (Bogen ~WB~ in Fig. 8).
-
-3. _Tagkreis für den 21. Juni._ So geht es fort bis zum 21. Juni, an
-welchem Tage die nördliche Abweichung der Sonne vom Äquator mit 41° ihr
-Maximum erreicht. Am 21. Juni geht die Sonne um 3¾ Uhr morgens auf und
-um 8¼ Uhr abends unter, steht also 16½ Stunden über dem Horizonte: es
-ist der längste Tag und die kürzeste Nacht. Der Tagkreis der Sonne ist
-23½° nördlich vom Äquator; der Abstand wird dargestellt durch den Bogen
-~XY~, dem der Winkel ~XmY~ entspricht, oder durch den Bogen ~X´Y´~. Es
-befindet sich also die Mittagshöhe 37½° + 23½° = 61° (Bogen ~HX~ + ~XY~
-= ~HY~) über dem Horizonte, und die Zenitdistanz beträgt nur 90° − 61°
-= 29° (Bogen ~HZ~ − ~HY~ = ~YZ~).
-
-Um Mitternacht steht die Sonne dann nur 37½° − 23½° = 14° unter dem
-Horizonte (Bogen ~H´Y´~ = ~H´X´~ − ~X´Y´~).
-
-Nun wendet sich die Sonne wieder dem Äquator zu, man nennt deshalb
-jenen am 21. Juni beschriebenen Kreis den _Wendekreis_, und zwar, weil
-er nördlich vom Äquator liegt, den _nördlichen Wendekreis_.
-
-Am 21. Juni ist _Sommersonnenwende_ oder _Sommersolstitium_. Mit dem
-21. Juni beginnt der Sommer.
-
-4. _Tagkreis für den 23. September._ Vom 21. Juni ab werden Abend-
-und Morgenweite und Mittagshöhe der Sonne immer kleiner. Es erfolgt
-späterer Sonnenaufgang und früherer Sonnenuntergang; die Tage werden
-kürzer, die Nächte länger, bis am 23. September der Äquator wieder
-erreicht und wie am 21. März durchlaufen wird. Die Sonne geht 6 Uhr
-morgens im Ostpunkte auf und 6 Uhr abends im Westpunkte unter; die
-Mittagshöhe beträgt wieder 37½° (Äquatorhöhe).
-
-Es ist das Herbstäquinoktium eingetreten, und der Herbst beginnt.
-Vom 23. September ab durchläuft die Sonne Tagkreise, die südlich vom
-Äquator liegen; dabei gehen Tagkreis, Morgen- und Abendweite täglich
-mehr nach Süden, die Mittagshöhe sinkt täglich mehr unter 37½°, die
-Tage werden kürzer, die Nächte länger bis zum 21. Dezember.
-
-5. _Tagkreis für den 21. Dezember._ An diesem Tage beträgt die
-(südliche!) Morgen- und Abendweite 41° (Bogen ~OC~ und ~WD~): die
-Sonne geht um 8¼ Uhr morgens auf und um 3¼ Uhr nachmittags unter; sie
-verweilt also 16½ Stunden unter dem Horizonte. Wir haben den kürzesten
-Tag und die längste Nacht. Der Tagkreis liegt 23½° südlich vom Äquator;
-der Abstand wird dargestellt durch den Bogen ~XU~, dem der Winkel ~XmU~
-entspricht, oder durch den Bogen ~X´U´~. Die Mittagshöhe beträgt nur
-37½° − 23½° = 14° (Bogen ~HU~ = ~HX~ − ~XU~). Um Mitternacht ist die
-Sonne 37½° + 23½° = 61° unter dem Horizonte (Bogen ~H´U´~ = ~H´X´~ +
-~X´U´~). Die Zenitdistanz beträgt 90° − 14° = 76° (Bogen ~HZ~ − ~HU~ =
-~UZ~).
-
-Der Tagkreis des 21. Dezembers heißt der _südliche Wendekreis_;
-denn von nun an wendet sich die Sonne wieder dem Äquator zu.
-Der 21. Dezember heißt der Tag der _Wintersonnenwende_ oder des
-_Wintersolstitiums_.
-
-Die südlichen Morgen- und Abendweiten werden nun wieder immer kleiner,
-die Mittagshöhe wird größer, die Tage nehmen zu und die Nächte ab, bis
-am 21. März die Tag- und Nachtgleiche wieder eintritt, weil an diesem
-Tage die Sonne den Äquator wieder erreicht.
-
-
-§ 8.
-
-Die Dämmerung.
-
-1. _Wesen._ Ehe die Sonne im Horizonte erscheint, kündigt sie ihre
-Ankunft durch einen lichten Schein an; man sagt: »Der Tag graut«, oder:
-»Es ist _Morgendämmerung_«. Ähnlich gibt es eine _Abenddämmerung_ nach
-Sonnenuntergang.
-
-2. _Ursache._ Diese Erscheinungen wären nicht da, wenn die Erde nicht
-von einem Dunstkreise (Atmosphäre, Lufthülle) umgeben wäre. Diese
-Atmosphäre ist nicht vollkommen durchsichtig, so daß die Sonnenstrahlen
-frei hindurchgehen könnten, sondern sie wirft einen Teil der auf sie
-fallenden Strahlen zurück (reflektiert sie). Wenn daher die Sonne
-mit ihren Strahlen _noch nicht_ oder _nicht mehr_ die Erdoberfläche
-direkt erleuchten kann, so sendet sie der Erde immer noch Strahlen
-zu vermittelst der die Erde umgebenden Luftschichten, welche das
-empfangene Licht zurückwerfen. Ginge nun die Atmosphäre ins Unendliche
-fort, so würde die Dämmerung nie erlöschen. Weil aber die Dämmerung
-wirklich aufhört, so muß auch die Atmosphäre eine obere Grenze haben.
-
-Je höher, desto dünner ist die Luft. Je näher die Sonne dem Horizonte,
-desto niedriger und darum desto dichter sind die von der Sonne
-beschienenen Luftschichten. Je tiefer die Sonne sinkt, desto höher
-liegen die von ihr noch getroffenen Luftschichten und desto dünner
-sind sie auch, desto mehr Licht lassen sie deshalb hindurch, und desto
-weniger werfen sie zurück. Darum wird das Licht mit sinkender Sonne
-immer matter.
-
-3. _Dämmerungszone._ Steht die Sonne tiefer als 18° (im Scheitelkreise
-gemessen!) unter dem Horizonte, so hört die Dämmerung gänzlich auf. Die
-nun noch von der Sonne getroffenen Luftschichten haben eine Höhe von
-etwa 70 ~km~. Die Atmosphäre wird also auch eine Höhe (Dicke) von etwa
-70 ~km~ haben oder wenigstens über diese Grenze hinaus so dünn werden,
-daß sie uns bemerkbare reflektierte Lichtmengen nicht mehr zusendet.
-Aus verschiedenen Gründen nimmt man allerdings das letztere an und
-schätzt die Dicke der Atmosphäre auf etwa 350 ~km~.
-
-Denken wir uns einen Kreis unter dem Horizonte, und zwar 18° von ihm
-entfernt und parallel mit ihm, so heißt dieser der Dämmerungskreis, und
-die zwischen ihm und dem Horizonte liegende Zone (Gürtel) heißt die
-_Dämmerungszone_. Solange die Sonne darin verweilt, ist Dämmerung, und
-zwar die _astronomische_.
-
-4. _Dauer der Dämmerung._ Ginge die Sonne senkrecht unter, so
-brauchte sie 18 × 4 Minuten (da sie 4 Minuten Zeit braucht, um 1° zu
-durchlaufen; vgl. die Bem. zu Fig. 11 in § 6!) = 1 Stunde 12 Minuten,
-um die Dämmerungszone zu durchlaufen. Weil aber für unseren Horizont
-die Sonne schief auf- und untergeht, so wird (für uns!) die Dämmerung
-bedeutend verlängert. Ihre Dauer ist jedoch nicht immer gleich lang.
-Die kürzeste Dämmerung ist für uns am 1. März und 12. Oktober, die
-längste am 16. Mai und 31. Juli. Die _bürgerliche_ Dämmerung ist die
-Zeit vor Aufgang oder nach Untergang der Sonne, in der man im Zimmer
-schon oder noch ohne Licht lesen kann.
-
-5. _Die hellen Nächte._ Am 21. Juni steht die Sonne um Mitternacht, wie
-wir gesehen haben, nur 14° unter dem Horizonte; deshalb ist an diesem
-Tage die ganze Nacht hindurch Dämmerung. Offenbar gibt es aber vor
-und nach dem 21. Juni je einen Tag, an dem die Entfernung der Sonne
-vom Horizonte um Mitternacht = 18° ist; das sind für uns der 16. Mai
-und der 31. Juli. Zwischen diesen beiden Tagen geht die Abenddämmerung
-in die Morgendämmerung über, es ist somit nie ganz finster. Das ist
-die Zeit der _hellen_ Nächte, in denen wir selbst nachts den Stand der
-Sonne am hellen Scheine des Himmels erkennen.
-
-
-§ 9.
-
-Die scheinbaren Bewegungen der Gestirne für einige bemerkenswerte
-Punkte der Erdoberfläche.
-
-1. _Die schiefe Sphäre._ Wir haben gesehen, daß für Berlin Sonne, Mond
-und Sterne unter einer Neigung von 37½° gegen den Horizont, also schief
-aufgehen: daher nennen wir die Himmelskugel, die sich über diesem
-Horizonte um die Weltachse dreht, die _schiefe Sphäre_ (griechisch =
-Kugel).
-
-2. _Erdachse und Erdäquator._ Wesentlich anders stellen sich die
-scheinbaren Bewegungen der Gestirne für andere Punkte der Erdoberfläche
-dar. Für einige dieser Punkte wollen wir uns das durch Figuren
-klarmachen, nachdem wir folgende Erwägungen angestellt haben. Da
-der Himmel als eine mit der Erdkugel (s. § 3) konzentrische Kugel
-erscheint, so wird die Himmelsachse auch durch den Erdmittelpunkt gehen
-und die Oberfläche der Erde in den Endpunkten eines Erddurchmessers
-treffen; dieser heißt _Erdachse_, seine Endpunkte sind der _Nord-_
-und _Südpol der Erde_. Die Ebene des Himmelsäquators schneidet die
-Erde in einem größten Kreise, der auf der Erdachse senkrecht steht;
-er heißt _Äquator der Erde_. Offenbar würde ein Beobachter, dessen
-Standpunkt ein Pol der Erde wäre, den entsprechenden Himmelspol und ein
-Beobachter, der in einem Punkte des Erdäquators stände, einen Punkt
-des Himmelsäquators als Zenit haben. Jeder größte Kreis, der durch die
-Himmelspole geht, steht senkrecht auf dem Himmelsäquator, und seine
-Ebene schneidet die Erdoberfläche in einem größten Kreise, der durch
-die Erdpole geht und auf dem Erdäquator senkrecht steht. Zieht man
-von irgend einem Punkte eines solchen Kreises der Himmelskugel einen
-Halbmesser, so schneidet er den entsprechenden Kreis der Erdoberfläche
-in einem Punkte, der ebensoviel Grad, in seinem Kreise gemessen, über
-dem Erdäquator liegt, als der Himmelspunkt, in seinem Kreise gemessen,
-über dem Himmelsäquator. Ein Beobachter, der in dem Punkte auf der Erde
-stände, hätte den entsprechenden Himmelspunkt als Zenit über sich. Wer
-also 23½° nördlich vom Erdäquator steht, hat einen Punkt im nördlichen
-Wendekreis als Zenit. --
-
-[Illustration: Fig. 12.]
-
-3. _Die scheinbaren Bewegungen der Gestirne in der geraden Sphäre._ In
-Fig. 12 stellt ~PZOZ´P´WP~ den Horizont des Beobachters auf den Äquator
-der Erde dar. Sein Zenit ~A~ ist ein Punkt des Äquators des Himmels
-~AOQWA~. Die Himmelsachse ~PP´~ ist ein Durchmesser des Horizontes,
-und da der Vertikalkreis ~PYQY´P´X´AXP~ durch die Pole geht, ist
-er der Meridian; also fallen für den Beobachter unter dem Äquator
-Nordpunkt und Südpunkt des Horizontes mit dem Nord- und Südpol des
-Himmels zusammen. Wie der Äquator, so stehen natürlich die Tagkreise
-aller Gestirne senkrecht auf dem Horizonte, d. h. Sonne, Mond und
-Sterne gehen für den Äquatorbewohner senkrecht auf und unter; die
-Himmelskugel ist für ihn die _senkrechte oder gerade Sphäre_. Alle
-Gestirne stehen 12 Stunden über und 12 Stunden unter dem Horizont mit
-Ausnahme derjenigen, die etwa genau in den Himmelspolen stehen; diese
-stehen stets im Nord- und Südpunkte des Horizontes. Zirkumpolarsterne
-gibt es nicht. Stets sind Tag und Nacht gleich. Am 21. März geht die
-Sonne im Ostpunkte auf, durchläuft den Äquator des Himmels, steht also
-mittags im Zenit, und geht im Westpunkte unter. Bis zum 21. Juni gehen
-Auf- und Untergangspunkte der Sonne immer weiter nach Norden herum, die
-Tagkreise werden kleiner. Am 21. Juni betragen Morgen- und Abendweite
-23½°. Ebensoweit steht an diesem Tage die Sonne mittags vom Zenit nach
-Norden, ihre Mittagshöhe beträgt also 90° − 23½° = 66½°. Vom 21. Juni
-bis zum 23. September werden die Tagkreise wieder größer, die Morgen-
-und Abendweiten kleiner; am 23. September durchläuft die Sonne wieder
-den Äquator und steht mittags zum zweiten Male im Jahre im Zenit. Bis
-zum 21. Dezember gehen Auf-, Untergangs- und Kulminationspunkt der
-Sonne immer mehr nach Süden herum, die Tagkreise werden kleiner. Am 21.
-Dezember betragen Morgen- und Abendweite und Zenitdistanz wieder 23½°,
-die Mittagshöhe ist 66½°. Nun wachsen die Tagkreise wieder, Morgen-
-und Abendweiten nehmen ab, bis am 21. März der Äquator wieder erreicht
-ist. Offenbar werfen die Bewohner des Äquators am 21. März und am 23.
-September mittags keinen Schatten; vom 21. März bis zum 23. September
-fällt ihr Schatten mittags nach Süden, vom 23. September bis zum 21.
-März nach Norden, während in unserer Gegend, wie schon gezeigt, der
-Schatten mittags stets nach Norden fällt. Daher sagt man: wir sind
-_einschattig_, die Äquatorbewohner _zweischattig_. Die Dämmerung ist am
-Äquator viel kürzer als bei uns. Sie beträgt z. B. am 21. März und am
-23. September 1 Stunde 23 Minuten (s. § 8).
-
-[Illustration: Fig. 13.]
-
-4. _Die scheinbaren Bewegungen der Gestirne in der parallelen Sphäre._
-Fig. 13 zeigt die Verhältnisse für einen Beobachter, den wir uns im
-Nordpol der Erde denken. Sein Zenit ist der Nordpol des Himmels,
-der Himmelsäquator fällt mit dem Horizont zusammen. Alle Gestirne
-durchlaufen daher täglich Kreise, die parallel zum Horizont sind; die
-Sphäre des Poles ist die _parallele Sphäre_. Die Höhe eines Sternes
-ist zu allen Stunden dieselbe; Sterne, Sonne und Mond kulminieren nie.
-Es gibt weder Nord- und Süd- noch Ost- und Westpunkte. Die Sterne
-der nördlichen Himmelshalbkugel sind alle Zirkumpolarsterne, die
-Sterne im Himmelsäquator stehen stets im, die Sterne der südlichen
-Himmelshalbkugel stets unter dem Horizonte. Die Sonne steht am 21. März
-und am 23. September den ganzen Tag im Horizonte; an allen anderen
-Tagen sind ihre Tagbogen zum Horizonte parallel; vom 21. März bis zum
-21. Juni steigt sie dabei allmählich bis zu 23½° über den Horizont
-und sinkt dann bis zum 23. September wieder zum Horizont herab. In
-diesen 6 Monaten ist also stets die Sonne über dem Horizonte, es ist
-Tag, in der Zeit vom 28. September bis zum 21. März ist die Sonne
-unter dem Horizonte, es ist 6 Monate Nacht. Den tiefsten Stand, 23½°
-unter dem Horizonte, erreicht die Sonne am 21. Dezember. Die kleinste
-Zenitdistanz ist am 21. Juni; sie beträgt 90° − 23½° = 66½°. Aus § 8
-ergibt sich noch, daß im größeren Teile der Nachtmonate, und zwar zu
-Anfang und zu Ende dieser Zeit, Dämmerung herrscht. In 24 Stunden
-beschreibt der Schatten einen Kreis um den Nordpol der Erde. Ein
-Beobachter in diesem Punkte _wäre umschattig_.
-
-Ohne weiteres leuchtet ein, daß für den Südpol der Erde die
-Verhältnisse sich umkehren: Tag vom 23. September bis zum 21. März usw.
-
-[Illustration: Fig. 14.]
-
-5. _Unter den Wendekreisen._ Mit Hilfe der Fig. 14 wollen wir uns auf
-einen Punkt der Erde versetzt denken, der 23½° nördlich von ihrem
-Äquator liegt. Für ihn liegt der Zenit ~Z~ im Wendekreise des Krebses,
-der obere Kulminationspunkt des Himmelsäquators 23½° südlich vom Zenit,
-der Nordpol des Himmels ~P~ um ebensoviel über dem Nordpunkte ~N~
-des Horizontes. Die Sphäre ist schief; ihr Neigungswinkel gegen den
-Horizont (= Bogen ~SA~) beträgt 90° − 23½° = 66½°. Dies ist zugleich
-die Mittagshöhe für den 21. März und den 23. September. Morgen- und
-Abendweite für den 21. Juli und 21. Dezember sind größer als am
-Äquator, aber kleiner als für den Horizont Berlins (vgl. Fig. 8). Die
-Zu- und Abnahme der Tage erfolgt zwischen denselben Terminen wie für
-den Horizont von Berlin; doch weicht die Dauer des längsten und des
-kürzesten Tages nicht so stark von der mittleren Dauer (12 Stunden) ab
-wie bei uns. Die Sonne geht am 21. Juni um 5¼ Uhr morgens auf und um
-6¾ Uhr abends unter, steht also 13½ Stunden über dem Horizonte (gegen
-16½ Stunden für Berlin); am 21. Dezember geht sie um 6¾ Uhr morgens
-auf und um 5¼ Uhr abends unter. Die Differenz zwischen längstem und
-kürzestem Tage beträgt also 3 Stunden (für Berlin 9 Stunden). Einmal
-im Jahre, am 21. Juni, steht die Sonne mittags im Zenit. Auch am Tage
-des niedrigsten Sonnenstandes, am 21. Dezember (Kreis ~X´Y´Z´X´~) ist
-die Mittagshöhe noch 66½° − 23½° = 43° gegen 14° für den Horizont
-von Berlin, die Zenitdistanz 90° − 43° = 47°; um Mitternacht steht
-die Sonne an diesem Tage im Nadir. Die Dämmerung ist wenig länger
-als unter dem Äquator, eine Zeit der hellen Nächte gibt es nicht, da
-die Sonne um Mitternacht 43° bis 90° unter dem Horizonte liegt. Die
-Zirkumpolarsterne sind nicht mehr als 23½° vom Nordpol des Himmels
-entfernt; unsichtbar bleiben nur die Sterne, die 23½° und weniger vom
-Südpol entfernt sind. Die Erdbewohner, die 23½° nördlich vom Äquator
-der Erde wohnen, sind einschattig und werfen am 21. Juni mittags
-überhaupt keinen Schatten.
-
-Natürlich kehren sich für einen Bewohner der Erde, der 23½° südlich von
-ihrem Äquator wohnt, die Verhältnisse wieder um.
-
-[Illustration: Fig. 15.]
-
-6. _Unter den Polarkreisen._ Gehen wir nun noch zu einem Punkte
-der Erde nördlich von Berlin, der 66½° nördlich vom Äquator liegt
-(Fig. 15). Der Zenit liegt in einem Parallelkreise der Himmelskugel
-66½° nördlich vom Äquator des Himmels, den man nördlichen Polarkreis
-nennt; die Zenitdistanz beträgt daher 23½°, desgleichen die Schiefe der
-Sphäre und die Neigung des Äquators gegen den Horizont. Alle Sterne,
-die nicht mehr als 66½° vom Nordpol des Himmels entfernt sind, sind
-Zirkumpolarsterne, alle, die nicht mehr als 66½° vom Südpol entfernt
-sind, bleiben unsichtbar. Die Zu- und Abnahme der Tagesdauer, die
-Morgen- und Abendweiten sind viel bedeutender als für den Horizont
-von Berlin. Einmal im Jahre, am 21. Juni, geht die Sonne nicht unter,
-sondern streift nur in ihrem tiefsten Stande den Horizont; es ist 24
-Stunden Tag; ebenso ist einmal, am 21. Dezember, 24 Stunden Nacht.
-Die Morgen- und Abendweite beträgt am 21. Juni 90°; an diesem Tage
-sind auch die Bewohner aller Punkte der Erde in 66½° Entfernung von
-ihrem Äquator umschattig. Da in der Zeit vom 21. März bis zum 23.
-September der untere Kulminationspunkt der Sonne weniger als 23½° unter
-dem Nordpunkte des Horizontes liegt, so ist der größere Teil dieses
-Halbjahres eine Zeit der hellen Nächte.
-
-[Illustration: Fig. 16.]
-
-7. _Zwischen Äquator und Wendekreis; zwischen Polarkreis und Pol._
-Ein Blick auf die Figuren 16 und 17, die die Verhältnisse darstellen
-für einen Punkt, der dem Äquator näher liegt als 23½° (15°), und für
-einen Punkt, der weiter als 66½° (80°) von ihm entfernt ist, lehrt noch
-folgendes:
-
-[Illustration: Fig. 17.]
-
-Für alle Punkte der Erde, die weniger als 23½° vom Äquator entfernt
-sind, steht die Sonne zweimal im Jahre mittags im Zenit, für die
-nördliche Halbkugel einmal zwischen 21. März und 21. Juni und einmal
-zwischen 21. Juni und 23. September. Die Bewohner solcher Punkte sind
-zweischattig. Die Mittagshöhe am Tage des niedrigsten Sonnenstandes
-ist größer als 43°, die Zenitdistanz kleiner als 47°. Für alle Punkte,
-die weiter als 66½° vom Äquator entfernt sind, geht die Sonne für die
-nördliche Halbkugel von einem Tage zwischen 21. März und 21. Juni an
-bis zu einem Tage zwischen 21. Juni und 23. September nicht mehr unter.
-Die Bewohner sind für diese Zeit umschattig. Von einem Tage zwischen
-23. September und 21. Dezember an bis zu einem Tage zwischen 21.
-Dezember und 21. März geht die Sonne nicht mehr auf. Die Tage liegen
-dem 21. März und 23. September um so näher, je näher der Punkt dem
-Nordpol der Erde liegt. Für die südliche Halbkugel sind hieraus die
-entsprechenden Verhältnisse ohne weiteres zu folgern.
-
-
-§ 10.
-
-Die Ekliptik.
-
-1. _Nachweis der scheinbaren jährlichen Bewegung der Sonne aus der
-Beobachtung der Sterne._ Wir wissen, daß die Sonne die scheinbare
-tägliche Umdrehung der Himmelskugel mit allen Gestirnen von Osten nach
-Westen mitmacht; wir wissen auch, daß sie außerdem noch eine jährliche
-Bewegung zu machen scheint, weil sie täglich an einer anderen Stelle
-auf- und untergeht. Dieses jährliche Auf- und Absteigen zwischen den
-Wendekreisen läßt sich auch aus der Beobachtung der Sterne erkennen.
-
-Beobachten wir eine uns bekannte Sterngruppe kurz nach Sonnenuntergang
-über der Gegend des Horizontes, wo die Sonne unterging, und setzen
-unsere Beobachtung mehrere Wochen fort, so bemerken wir, daß die
-Sterngruppe täglich tiefer nach dem westlichen Rande des Horizontes
-zu erscheint und sich zuletzt unseren Blicken ganz entzieht, während
-nach und nach immer andere Sterngruppen gleich nach Sonnenuntergang
-an der Stelle erscheinen, wo vorher die erste Gruppe stand. Nach
-Wochen oder Monaten erblicken wir dieselbe Gruppe am östlichen Himmel
-kurz vor Aufgang der Sonne. Hier erscheint sie jetzt bei Anbruch der
-Morgendämmerung täglich etwas höher über dem Horizonte. Während also
-die Sterngruppe früher östlich von der Sonne stand und deshalb nach
-ihr unterging, steht sie jetzt westlich von ihr und geht deshalb vor
-ihr auf. Diese Beobachtung ist unzähligemal und an verschiedenen
-Sternen und Sterngruppen gemacht worden. Demnach ändert die Sonne
-ihre Stellung zu den Sternen im Laufe des Jahres; dabei ändern die
-Sterne ihre Stellung zueinander nicht. Jene Änderung ist also nur
-dadurch erklärlich, daß die Sonne scheinbar hinter den nach Westen sich
-bewegenden Sternen zurückbleibt, oder anders ausgedrückt: die Sonne
-macht außer ihrer scheinbaren Tagesbewegung noch eine zweite scheinbare
-Bewegung in einer Richtung, die der Richtung ihres Tagkreises und des
-Tagkreises der Gestirne entgegengesetzt ist, d. h. von Westen nach
-Osten. Aus diesen Beobachtungen der Gestirne ergibt sich noch weiter,
-daß wir in den verschiedenen Jahreszeiten andere Sterne am Himmel
-erblicken. (Unser Sternbild verschwand auf Wochen oder Monate und kam
-wieder.) Auch die Zirkumpolarsterne, z. B. die Sterne des Großen Bären,
-nehmen in den verschiedenen Jahreszeiten eine verschiedene Lage zum
-Horizonte ein. Also ändert sich der Anblick des gestirnten Himmels
-fortwährend in den verschiedenen Jahreszeiten; aber genau nach Verlauf
-eines Jahres erscheinen uns dieselben Sterne an demselben Orte am
-Himmel. Daraus folgt, daß die Sonne zu ihrem Umlaufe am Himmel ein Jahr
-gebraucht.
-
-2. _Der Jahreskreis der Sonne._ Welchen Weg schlägt die Sonne dabei
-ein? Der Umlauf erfolgt in einem Kreise, dessen Lage man dadurch
-bestimmt, daß man diejenigen Sterne beobachtet, welche um Mitternacht
-der Sonne gerade gegenüberstehen. Die Alten nannten diesen Kreis aus
-Gründen, die später erst nachgewiesen werden können, _Ekliptik_, d. h.
-»Mangel des Lichtes«.
-
-3. _Schiefe der Ekliptik._ Welche Lage hat nun diese jährliche Bahn der
-Sonne am Himmel?
-
-Es ist uns bekannt, daß die Sonne täglich ihren Auf- und
-Untergangspunkt und ihre Mittagshöhe ändert (für unseren Horizont!).
-Folglich kann ihre Bahn kein Parallelkreis sein, weil diese Kreise,
-ebenso wie der Äquator des Himmels, bei der täglichen Umdrehung
-des Himmelsgewölbes den Horizont und den Meridian immer wieder in
-demselben Punkte schneiden. Die Sonne wandert tatsächlich von einem
-Parallelkreise zum anderen; deshalb muß ihre Bahn schief gegen die
-Parallelkreise, also auch gegen den Äquator liegen.
-
-Aber wie schief? Zweimal jährlich (21. März und 23. September)
-durchläuft die Sonne als Tagkreis den Äquator; ihre Jahresbahn muß
-deshalb den Äquator in zwei Punkten schneiden. Am weitesten entfernt
-vom Äquator ist die Sonne am 21. Juni und am 21. Dezember, nämlich
-einmal 23½° nach Norden, das andere Mal 23½° nach Süden zu, d. h. die
-Jahres-Sonnenbahn schneidet den Äquator unter einem Winkel von 23½° und
-halbiert ihn, ist also, wie der Äquator, ein größter Kreis. Natürlich
-halbiert diesen auch der Äquator. Der Winkel von 23½° heißt die
-_Schiefe der Ekliptik_.
-
-Die ganze Zone, in welcher sämtliche Tagkreise der Sonne innerhalb
-eines Jahres sich vollziehen, ist also 23½° + 23½° = 47° breit und
-liegt zwischen den Wendekreisen. Die Ekliptik wird, wie jeder Kreis, in
-360 Grade geteilt. Da diese in 365 Tagen durchlaufen werden, so rückt
-die Sonne täglich 360/365 Grad fort (= 0,986°).
-
-4. _Einteilung der Ekliptik._ Dadurch, daß die zwei größten Kreise,
-Äquator und Ekliptik, einander halbieren, entsteht eine nördliche
-und eine südliche Hälfte der Ekliptik. Die zwei Durchschnittspunkte
-sind 180° voneinander entfernt. Wenn die Sonne durch diese zwei
-Punkte hindurchgeht, so ist Tag- und Nachtgleiche; deshalb heißen
-die zwei Punkte die _Äquinoktialpunkte_ und zwar _Frühlings-_ und
-_Herbst-Äquinoktialpunkt_. Genau in der Mitte zwischen denselben liegt
-der nördlichste und südlichste Punkt der Ekliptik; den nördlichsten
-erreicht die Sonne am 21. Juni, den südlichsten am 21. Dezember.
-
-Weil die Sonne in beiden Punkten still steht d. h. aufhört zu steigen
-oder (im Süden!) zu fallen, so heißen sie auch _Solstitialpunkte_, d.
-h. Sonnenstillstandspunkte, und zwar der eine _Sommer_- und der andere
-_Wintersolstitialpunkt_. Die Sonne geht innerhalb eines Jahres, indem
-sie die Ekliptik durchläuft, durch zwölf verschiedene Sterngruppen
-(Sternbilder) hindurch. Diese liegen also in einem Gürtel zu beiden
-Seiten der Ekliptik, den man _Tierkreis_ oder _Zodiakus_ genannt hat.
-Die Sternbilder haben aber ungleiche Länge; darum teilten schon die
-Alten die Ekliptik in zwölf gleiche Teile und nannten diese Teile
-_Zeichen_, gaben ihnen aber die Namen der zwölf Sternbilder; man muß
-also scheiden zwischen Sternbild und Zeichen.
-
-I. Jedes Zeichen nimmt 360/12 Grade = 30 Grade ein. Man zählt von
-Westen nach Osten, und zwar beginnt man mit dem Frühlingspunkte, dem
-Zeichen des Widders, welches also von 0° bis 30° reicht. Sie folgen
-so: 1. Widder, 2. Stier, 3. Zwillinge, 4. Krebs, 5. Löwe, 6. Jungfrau,
-7. Wage, 8. Skorpion, 9. Schütze, 10. Steinbock, 11. Wassermann, 12.
-Fische. Ihre entsprechenden Zeichen sind
-
- 1 = ♈
- 2 = ♉
- 3 = ♊
- 4 = ♋
- 5 = ♌
- 6 = ♍
- 7 = ♎
- 8 = ♏
- 9 = ♐
- 10 = ♑
- 11 = ♒
- 12 = ♓
-
- II. Nr. 1--3 vom Frühlingspunkte bis zum Sommersolstitialpunkte.
- Nr. 4--6 vom Sommersolstitialpunkte bis zum
- Herbstäquinoktialpunkte.
- Nr. 7--9 vom Herbstäquinoktialpunkte bis zum
- Wintersolstitialpunkte.
- Nr. 10--12 vom Wintersolstitialpunkte bis zum Frühlingspunkte.
-
- III. Nr. 1--6 liegen nördlich vom Äquator.
- Nr. 7--12 liegen südlich vom Äquator.
- Nr. 1--3 heißen Frühlingszeichen.
- Nr. 4--6 heißen Sommerzeichen.
- Nr. 7--9 heißen Herbstzeichen.
- Nr. 10--12 heißen Winterzeichen.
-
-IV. In bezug auf die Lage zum Horizonte teilt man sie ein:
-
- ~a~) Nr. 10--12 und 1--3 = 6 aufsteigende Zeichen.
- (Vom Winter- bis zum Sommersolstitium.)
-
- ~b~) Nr. 4--9 = 6 absteigende Zeichen.
- (Vom Sommer- bis zum Wintersolstitium.)
-
-[Illustration: Fig. 18.]
-
-(Siehe Fig. 18.)
-
-Weil die Sonne am 21. Juni den nördlichen Wendekreis durchläuft
-und zugleich in das Zeichen des Krebses tritt, heißt der nördliche
-Wendekreis auch _Wendekreis des Krebses_. Ebenso erklärt es sich, daß
-man den südlichen Wendekreis auch _Wendekreis des Steinbocks_ nennt.
-
-[Illustration: Fig. 19.]
-
-5. _Genaue Form der Tagkreise der Sonne._ Tägliche und jährliche
-Bewegung der Sonne finden gleichzeitig statt. Deshalb sind die
-Tagkreise keine geschlossenen Kreise; vielmehr muß die Bewegung
-der Sonne schraubenförmig sein, und zwar sind die Windungen beim
-Hinabsteigen vom nördlichen Wendekreise zum südlichen andere, als
-beim Heraufsteigen vom südlichen zum nördlichen Wendekreise. Beim
-Heraufsteigen vom 21. Dezember bis zum 21. Juni ist der Weg die
-sogenannte linke Schraube (Fig. 19 ~a~), beim Hinabsteigen vom 21. Juni
-bis 21. Dezember die sogenannte rechte Schraube (Fig. 19 ~b~). Daraus
-folgt, daß unsere bisherigen Beobachtungen über die Tagkreise der Sonne
-nicht ganz genau sind, denn:
-
- 1. Die Tagkreise der Sonne können mit dem Äquator nicht genau
- parallel sein.
-
- 2. Morgen- und Abendweite desselben Tages sind nicht genau
- einander gleich.
-
-Außerdem ergibt sich:
-
- 3. Die Sonne durchläuft nicht zweimal genau denselben Tagkreis.
-
-6. _Präzession der Tag- und Nachtgleichen._ Auch die Äquinoktialpunkte
-behalten ihr Lage nicht genau. Der Frühlingspunkt schreitet vielmehr
-langsam nach Westen, nämlich etwa 50¼ Sekunden in einem Jahre, also
-1° in ca. 72 Jahren; die ganze Ekliptik würde er in so viel Jahren
-durchlaufen, als 50¼´´ in 360° enthalten sind, d. i. in rund 25800
-Jahren. Diese Verschiebung der Äquinoktialpunkte nennt man die
-_Präzession_ der Äquinoktien, d. h. _Vorrücken_ der Nachtgleichen
-(lat.). Sie hat natürlich im Laufe der Zeiten die Zeichen wesentlich
-gegen die entsprechenden Tierbilder verschoben, so daß jetzt der
-Anfang vom Zeichen des Widders im Sternbilde der Fische steht. In
-diesem Sternbilde also erscheint die Sonne am 21. März. Vor mehr als
-2000 Jahren, als der Alexandriner Hipparch die Sternbilder benannte,
-lag der Frühlingspunkt noch ca. 30° weiter östlich, d. i. wirklich im
-Sternbilde des Widders.
-
-
-§ 11.
-
-Ortsbestimmungen am Himmel mittels des Äquators oder der Ekliptik.
-
-1. _Rektaszension und Deklination; Stundenwinkel._ Aus § 2 wissen wir,
-daß man mit Hilfe von Horizont und Höhenkreis den _augenblicklichen_
-Ort eines Sternes bestimmen kann.
-
-Weil der Äquator die scheinbare tägliche Rotation der Himmelskugel um
-die Weltachse mitmacht, ändern die Sterne ihre Lage zu ihm nicht, und
-eine Bestimmung dieser Lage würde also unveränderliche Größen liefern,
-eine _absolute_ Ortsbestimmung am Himmelsgewölbe sein.
-
-Wie die Ebene eines durch Zenit und Nadir gelegten Kreises auf der
-Ebene des Horizontes senkrecht steht, so steht die Ebene eines durch
-die Pole der Weltachse gelegten Kreises auf der Ebene des Äquators
-senkrecht. Solche Kreise heißen _Deklinations-_ oder _Stundenkreise_.
-Man legt nun durch den Stern, dessen Ort bestimmt werden soll, den
-Stundenkreis und mißt zunächst im Äquator den Bogen vom Frühlingspunkt
-nach Osten herum bis zum Schnittpunkt des Äquators mit dem
-Stundenkreise; dieser Bogen heißt die _Rektaszension_ (lateinisch
-= gerade Aufsteigung) des Sternes, die demnach in umgekehrter
-Richtung wie der Azimut gemessen wird. Dann mißt man den Bogen des
-Deklinationskreises vom Äquator bis zum Stern, die _Deklination_. Die
-Rektaszension geht von 0° bis 360°, die Deklination von 0° bis 90°;
-beide bestimmen den Ort eines Sternes am Himmelsgewölbe. Statt der
-Rektaszension dient auch wohl zur Ortsbestimmung der _Stundenwinkel_,
-d. i. der Bogen des Äquators vom oberen Kulminationspunkte nach
-Westen herum bis zum Schnittpunkte mit dem Stundenkreise. Er heißt
-Stundenwinkel aus folgendem Grunde: Astronomisch rechnet man den Tag
-von der oberen Kulmination bis wieder zur oberen Kulmination, und die
-Grade des Stundenwinkels können daher zum Bestimmen der Tageszeit
-dienen (1° = 4 Minuten).
-
-2. _Astronomische Länge und Breite._ Die Astronomen benutzen für
-astronomische Rechnungen noch eine dritte Ortsbestimmung am Himmel.
-Wir denken uns auf der Ebene der Ekliptik in dem Mittelpunkte ein Lot
-errichtet, die _Achse der Ekliptik_; diese trifft die Himmelskugel
-in den _Polen der Ekliptik_. Kreise, die durch diese zwei Punkte
-gehen, stehen senkrecht auf der Ekliptik; sie heißen _Breitenkreise_.
-Man legt nun durch den Stern einen solchen Breitenkreis und mißt
-zunächst den Bogen der Ekliptik vom Frühlingspunkt nach Osten (wie
-bei der Rektaszension) bis zum Schnittpunkte der Ekliptik mit dem
-Breitenkreise, die _astronomische Länge_ des Sternes, und dann
-den Bogen des Breitenkreises von der Ekliptik bis zum Stern, die
-_astronomische Breite_. Beide Bogen bestimmen auch den Ort des Sternes.
-
-[Illustration: Fig. 20.]
-
-In Fig. 20 ist ~B~ der Ort eines Sternes, Kreis ~SOCNWS~ der Horizont,
-Kreis ~AFDOQWA~ der Äquator, ~EGFKE~ die Ekliptik, ~Z~ der Zenit, ~PP´~
-die Himmelsachse, ~LL´~ die Achse der Ekliptik, ~F~ der Frühlingspunkt,
-~S~ der Südpunkt des Horizontes; Kreis ~ZBCZ´Z~ ist der Höhenkreis,
-Kreis ~PBDP´P~ der Stundenkreis, ~LBGL´L~ der Breitenkreis des Sternes.
-Daher ist Bogen ~SWNC~ der Azimut, Bogen ~CB~ die Höhe, Bogen ~FD~
-die Rektaszension, Bogen ~DB~ die Deklination, Bogen ~AWQOD~ der
-Stundenwinkel, Bogen ~FKEG~ die astronomische Länge, Bogen ~GB~ die
-astronomische Breite des Sternes ~B~.
-
-
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-Die Erde und ihre Bewegungen.
-
-
-§ 12.
-
-Gestalt der Erde.
-
-1. _Ältere Ansichten._ Homer (950 v. Chr.) hielt die Erde für eine
-ruhende Scheibe, umflossen vom Ozean. Thales von Milet (650 v. Chr.)
-hielt sie für eine auf dem Wasser schwimmende Scheibe, und dessen
-Schüler Anaximander glaubte, sie sei ein Zylinder, dessen kreisförmige
-Grundfläche bewohnt sei. Pythagoras (zwischen 580 und 500 v. Chr.)
-und Aristoteles (384--322 v. Chr.) hielten die Erde für eine Kugel,
-obgleich sie das nicht beweisen konnten.
-
-2. _Die Erde hat Kugelgestalt._
-
-~A.~ _Beobachtungen, die das nahe legen._ ~a~) Man sagt gewöhnlich, daß
-der Horizont überall als Kreislinie erscheint. Das ist freilich nicht
-richtig; denn nur in den seltensten Fällen ist der Ausblick nach allen
-Seiten frei, und auch dann kann man durch bloße Beobachtung niemals
-feststellen, daß alle Punkte der Linie des Horizontes vom Standpunkte
-gleich weit entfernt sind. Aber man kann wenigstens sagen, daß bei
-freier Aussicht der Horizont eine kreisähnliche Linie ist.
-
-~b~) Wir haben gesehen, daß überall auf der Erde _bei Erhöhung des
-Standpunktes auch der Horizont größer wird_. Dieses Wachstum _müßte
-zwar auch vor sich gehen, wenn die Erde eine Scheibe wäre, aber viel
-schneller, als es in Wirklichkeit geschieht_.
-
-Daß und wie der Horizont sich bei einer scheibenförmigen und bei einer
-kugelförmigen Erde vergrößern muß, zeigen folgende Berechnungen.
-
-[Illustration: Fig. 21.]
-
-I. Angenommen, die Erde sei eine Scheibe. In Fig. 21 sei ~BA~ = ~h~
-die Höhe des Beobachters über der Erdoberfläche, ~C~ ein Punkt, der
-eben noch sichtbar ist, also ein Punkt des Horizontes; ~BC~ nennt
-man dann die _Gesichtsweite_. Da die Gegenstände für das Auge erst
-verschwinden, wenn der Gesichtswinkel kleiner als 2´ ist, so ist
-∢ ~BCA~ = 2´ und ~h~/~BC~ = ~sin~ 2´, also ~BC~ = ~h~/(~sin~ 2´).
-Offenbar wird ~BC~ um so größer, je größer ~h~ wird. Durch Berechnung
-ergibt sich für ~h~ = 1 ~m~ ~BC~ = 1,7 ~km~, für ~h~ = 10 ~m~ ~BC~ = 17
-~km~, für ~h~ = 100 ~m~ ~BC~ = 170 ~km~ usw.
-
-[Illustration: Fig. 22.]
-
-II. Angenommen, die Erde sei eine Kugel. In Fig. 22 sei ~BA~ = ~h~ die
-Höhe des Beobachters über der Erdoberfläche; die Tangente ~BC~ ist
-dann die Gesichtsweite. ~MA~ = ~MD~ = ~MC~ = ~R~ seien Halbmesser der
-Erdkugel, so ist in dem rechtwinkligen Dreieck ~BCM~
-
- ~BC²~ = ~MB~² − ~MC~²
- = (~R~ + ~h~)² − ~R~²
- = ~R~² + 2~Rh~ + ~h~² − ~R~²
- = 2~Rh~ + ~h~²
- = (2~R~ + ~h~) · ~h~.
-
-Also
-
- ~BC~ = √((2~R~ + ~h~)~h~).
-
-Da ~h~ auch für die höchsten Punkte der Erdoberfläche gegen 2~R~
-verschwindend klein ist, so kann man ohne merkbaren Fehler statt 2~R~ +
-~h~ in der Formel einfach 2~R~ setzen und erhält
-
- ~BC~ = √(2~R~ · ~h~).
-
-Wie wir in § 14 finden werden, ist 2~R~ etwa = 12750 ~km~. Daraus
-ergibt sich für ~h~ = 1 ~m~ ~BC~ = 3,57 ~km~, für ~h~ = 10 ~m~ ~BC~ =
-11,2 ~km~, für ~h~ = 100 ~m~ ~BC~ = 35,7 ~km~ usw.
-
-~c~) Stehen wir am Meeresufer und nähert sich uns ein Schiff, _so
-sehen wir zuerst den Wimpel auf der Mastspitze, dann die Takelage,
-dann den Bord des Schiffes_; es sieht aus, als führe das Schiff zu uns
-herauf. Fährt ein Schiff von uns fort, so ist die Erscheinung gerade
-die umgekehrte, und es sieht aus, als ob das Schiff hinabführe. Ebenso
-sehen wir zuerst die Kirchturmspitze, wenn wir uns einem Orte nähern,
-und sie entschwindet zuletzt unseren Blicken, wenn wir uns von dem
-Orte entfernen. Wäre die Erdoberfläche eine Scheibe, so müßte der
-Gegenstand, sobald er in den Horizont tritt, ganz erscheinen.
-
-~B.~ _Beobachtungen, die beweisen, daß die Erde doppelt gekrümmt ist._
-~a~) Wäre die Erde eine ebene Scheibe, so müßte diese Ebene für jeden
-Standpunkt zugleich Horizontebene sein. Dann müßte aber auch die Ebene
-des unveränderlichen Himmelsäquators und ebenso die auf ihr senkrechte
-Himmelsachse gegen die unveränderliche Horizontebene für alle Punkte
-der Erde dieselbe Neigung haben. Aus § 9 wissen wir jedoch schon, daß
-dem nicht so ist. Vielmehr liegt bei einer vom Äquator der Erde genau
-nach Norden gerichteten Reise, also einer Reise durch lauter Punkte,
-die gleichzeitig Mittag haben oder deren Zenite alle auf demselben
-Himmelsmeridian liegen, der Polarstern zuerst im Horizont und steigt
-dann immer höher, so daß _also die Polhöhe fortwährend zunimmt_ und der
-Pol sich dem Zenit nähert. Der Sternhimmel wird überhaupt ein anderer.
-Während im Äquator der Erde im Laufe einer Nacht die Sterne beider
-Himmelskugeln sichtbar sind oder werden, verschwinden bei der Reise
-nach Norden allmählich immer mehr Sterne der südlichen Himmelshalbkugel
-unter dem Horizont, d. h. ihr Tagkreis erreicht den Horizont nicht
-mehr. Ähnlich wächst die Polhöhe des Südpols des Himmels, und die
-Sterne seiner nördlichen Halbkugel verschwinden unter dem Horizont bei
-einer Reise vom Äquator der Erde nach Süden.
-
-~b~) Wäre die Erde eine Scheibe, so müßte für alle ihre Orte die Sonne
-gleichzeitig aufgehen. Reisen wir aber beispielsweise von Dresden
-nach Saratow in Rußland, d. i. ziemlich genau von Westen nach Osten,
-und stellen unsere Uhr genau nach der Sonne, so werden wir in Saratow
-finden, daß sie gegen eine dort nach der Sonne gestellte Uhr etwa 2
-Stunden nachgeht. Umgekehrt ist es, wenn wir von Osten nach Westen
-reisen. Es folgt daraus, _daß den östlichen Orten die Sonne früher
-aufgeht, als den westlichen, und zwar um so früher, je weiter jene nach
-Osten liegen_. Demnach ist die Erde auch von Westen nach Osten gekrümmt.
-
-~C.~ _Beobachtungen, die beweisen, daß die Erde nahezu Kugelgestalt
-hat._ ~a~) Man hat nicht nur festgestellt, daß die Polhöhe fortwährend
-wächst, wenn man vom Äquator nach den Polen reist. Vielmehr ist durch
-genaue trigonometrische Messungen an verschiedenen Stellen der Erde
-nachgewiesen, daß die Polhöhe jedesmal um einen nahezu gleichen Betrag
-zunimmt, wenn man um ein gleiches Stück vom Äquator der Erde nach
-Norden oder Süden reist. Daher muß die Krümmung der Erdoberfläche von
-Norden nach Süden nahezu gleichmäßig sein.
-
-~b~) Ebenso hat man mit Hilfe der besten Uhren (Chronometer) bei Reisen
-von Westen nach Osten gefunden, daß jedesmal gleiche Unterschiede in
-der Zeit des Sonnenaufgangs sich ergeben, wenn man immer wieder ein
-gleiches Stück genau nach Osten reist. Die Erdoberfläche ist also nicht
-nur, wie wir sahen, von Norden nach Süden, sondern auch von Osten nach
-Westen gleichmäßig gekrümmt, d. h. die Erde ist (nahezu) eine Kugel.
-
-
-§ 13.
-
-Einteilung der Erdoberfläche und Ortsbestimmungen auf derselben.
-
-1. _Die Meridiane._ Aus § 9 kennen wir schon die Erdachse mit den
-beiden Polen und den Äquator der Erde nebst ihren Beziehungen zu der
-Himmelsachse, den Himmelspolen und dem Himmelsäquator. Auf dem Globus
-(lat. = Kugel), dem Modell der Erdkugel, ist der Äquator eingezeichnet;
-ebenso sind die Pole gekennzeichnet. Außerdem finden wir aber noch
-zwei Gruppen Kreislinien darauf. Die eine besteht aus lauter größten
-Kreisen, die sämtlich durch die beiden Pole gehen, also auf dem Äquator
-senkrecht stehen; die andere Gruppe besteht aus lauter Kreisen, die
-parallel zum Äquator verlaufen, also von diesem aus nach Norden und
-Süden zu immer kleiner werden und, wie der Äquator, von den Kreisen der
-ersten Gruppe rechtwinklig geschnitten werden. Zur Erklärung dieser
-Kreise gehen wir auf die Betrachtung des Himmels zurück. Auch auf
-der Himmelskugel dachten wir uns Kreise durch die Pole verlaufend,
-nämlich die Stundenkreise; natürlich schneiden die Ebenen derselben
-die Erdoberfläche in Kreisen der ersten Gruppe, die durch die Pole
-der Erde gehen. Für alle Bewohner eines solchen Kreises der Erde geht
-demnach ein und derselbe Stundenkreis durch ihren Zenit, d. h. er ist
-ihr gemeinsamer Himmelsmeridian, und ihre Mittagslinien liegen alle
-in der Ebene desselben. _Offenbar haben also alle Punkte der einen
-Hälfte eines solchen Kreises vom Nordpol bis zum Südpol zu derselben
-Zeit Mittag und alle Punkte der anderen Hälfte 12 Stunden später._ Aus
-diesem Grunde nennt man die Linien auf der Erde auch _Meridiane_ oder
-_Mittagskreise_. _Sie verlaufen_ nach den vorhergehenden Ausführungen
-_genau von Norden nach Süden_. Ihre Zahl wird durch die Gradeinteilung
-des Kreises bestimmt. Man teilt nämlich den Äquator der Erde in 360
-Grad und legt durch den 0ten (360sten) Teilpunkt den ersten Kreis, der
-natürlich zugleich durch den 180sten Teilpunkt geht; der zweite geht
-durch den ersten und 181sten Teilpunkt. So erhält man 180 Meridiane,
-die die Erdoberfläche in 360 Kugelzweiecke teilen. Natürlich kann man
-diese Einteilung noch weiter führen, indem man auch durch die Minuten-
-und Sekundenteilpunkte des Äquators Meridiane legt. Stücke von solchen
-Meridianen finden wir auf Spezialwandkarten, d. h. Wandkarten von
-ziemlich kleinen Teilen der Erdoberfläche. Um die Meridiane ein für
-allemal festzulegen, hat man den 0ten Meridian durch einen bestimmten
-Punkt der Erde gelegt. Früher wählte man dazu ziemlich allgemein den
-Meridian, der 30´ östlich von Ferro verläuft, einer von den Kanarischen
-Inseln an der westafrikanischen Küste; jetzt legen die meisten
-Landkarten und Globen den 0ten Meridian durch Greenwich bei London
-(17½° östlich von Ferro), andere auch wohl durch Paris (20° östlich
-von Ferro). In diesem Buche wird stets unter dem 0ten Meridian der von
-Greenwich verstanden werden. Jede Meridianebene teilt offenbar die
-Erde in zwei Halbkugeln; die Halbkugel östlich vom Meridian von Ferro
-nennt man die östliche, die andere die westliche Halbkugel. Offenbar
-ist ferner die Mittagslinie eines Punktes der Erdoberfläche ein Stück
-seines Meridians oder genauer die durch den Punkt an seinen Meridian
-gelegte Tangente.
-
-2. _Die Parallelkreise._ Alle Kreise der zweiten Gruppe verlaufen
-parallel zueinander und zum Äquator; deshalb heißen sie
-_Parallelkreise_. Da sie alle auf den Meridianen senkrecht stehen,
-_verlaufen sie genau von Osten nach Westen_. Auch ihre Zahl wird
-durch die Gradeinteilung des Kreises bestimmt. Man teilt irgendeinen
-Viertelmeridian der Erde vom Äquator bis zum Nordpol in 90 Grade und
-ebenso den Viertelmeridian vom Äquator bis zum Südpol. Die äußersten
-Teilpunkte fallen mit den Polen zusammen; durch alle übrigen legt man
-dann parallel zum Äquator je einen Kreis. So erhält man nördlich und
-südlich vom Äquator je 89 Parallelkreise, die vom Äquator aus nach
-Norden und nach Süden immer kleiner werden, und je einen Punkt, den Pol.
-
-[Illustration: Fig. 23.]
-
-Natürlich kann auch diese Einteilung noch weitergeführt werden,
-indem man durch die Minuten- und Sekundenteilpunkte des Meridians
-Parallelkreise legt. Durch das Ausgehen vom Äquator sind auch die
-Parallelkreise festgelegt. Selbstverständlich teilen die Meridiane
-nicht nur den Äquator, sondern auch jeden Parallelkreis und umgekehrt
-diese jeden Meridian in 360 Grade. Die Meridiangrade sind alle
-gleichlang (s. aber § 14), nämlich 111 ~km~, ebensolang ist ein
-Gradbogen des Äquators. Dagegen werden die Grade der Parallelkreise
-immer kürzer, je weiter diese Kreise vom Äquator liegen. Man kann
-aber die Längen dieser Grade berechnen, wenn man weiß, wie viel Grad
-sie vom Äquator entfernt sind. In Fig. 23 sei ~M~ der Mittelpunkt der
-Erde, Halbkreis ~ABQ~ der halbe Äquator, Halbkreis ~CDE~ ein halber
-Parallelkreis, ~AB~ und ~CD~ seien je ein Gradbogen dieser beiden
-Kreise, der Erdradius (~MA~, ~MB~, ~MC~, ~MD~) sei = ~R~, der Radius
-des Parallelkreises (~CO~, ~DO~) = ~r~ und ∢ ~CMA~ (= ~MCO~) = φ°. Dann
-ist
-
- Bogen ~CD~ : Bogen ~AB~ = ~r~ : ~R~
- ~r~ = ~R~ ~cos~ φ,
-
-also
-
- Bogen ~CD~ : Bogen ~AB~ = ~cos~ φ : 1
-
-oder
-
- Bogen ~CD~ = Bogen ~AB~ · ~cos~ φ
- = 111 ~cos~ φ ~km~.
-
-Für den Parallelkreis von Berlin ist φ = 52½°. Es ergibt sich als Länge
-eines Gradbogens auf diesem Kreise 67,5 ~km~.
-
-Auch den Parallelkreisen auf der Erdoberfläche entsprechen Kreise auf
-der Himmelskugel, nämlich die zum Himmelsäquator parallelen Tagkreise
-der Gestirne, die also Parallelkreise des Himmels sind. Aus den
-Betrachtungen des § 9 ergibt sich noch folgendes: Die Erdhalbmesser,
-die durch verschiedene Punkte eines und desselben Parallelkreises
-gehen, treffen verlängert auf lauter Punkte eines und desselben
-Parallelkreises der Himmelskugel, und dieser ist um ebensoviel
-Grade vom Himmelsäquator entfernt, als der Parallelkreis der Erde
-vom Äquator. Da der getroffene Punkt der Himmelskugel zugleich der
-Zenit des entsprechenden Punktes der Erde ist, so ergibt sich: Der
-Zenit eines jeden Punktes der Erde liegt ebensoviel Bogengrade vom
-Himmelsäquator entfernt, als der Punkt selbst vom Erdäquator.
-
-[Illustration: Fig. 24.]
-
-Fig. 24 bringt diese Verhältnisse zur Anschauung: Der große Kreis ist
-die Himmelskugel, der kleine die Erdkugel. ~PP´~ = Himmelsachse, ~P~ =
-Nordpol, ~P´~ = Südpol des Himmels; ~pp´~ = Erdachse, ~p~ = Nordpol,
-~p´~ = Südpol der Erde; ~AQ~ = Himmelsäquator, ~aq~ = Äquator der Erde;
-~z~ ist unser Standpunkt, ~Z~ unser Zenit. Der große Kreis ist auch
-unser Himmels-, der kleine unser Erdmeridian; ~a´b~, ~zu~, ~wk~, ~w´s~,
-~cd~ sind Parallelkreise der Erde, ~A´B~, ~ZU~, ~WK~, ~W´S~, ~CD~ die
-entsprechenden Parallelkreise des Himmels.
-
-3. _Geographische Länge und Breite._ Die eben besprochene Einteilung
-der Erdoberfläche dient zur Ortsbestimmung auf der Erde. Man mißt vom
-Nullmeridian aus den Bogenabstand eines Ortes in seinem Parallelkreise,
-und zwar nach Osten oder Westen, je nachdem dieser Abstand nach der
-einen oder anderen dieser Richtungen weniger als 180° beträgt. Diesen
-Bogenabstand nennt man die _geographische Länge_ des Ortes. Dann mißt
-man im Meridian des Ortes seinen Bogenabstand vom Äquator; dieser
-Abstand ist die _geographische Breite_ des Ortes. Die Parallelkreise
-werden auch _Grade der Breite_, die Meridiane _Grade der Länge_
-genannt; das Stück der Erdoberfläche zwischen zwei benachbarten
-Parallelkreisen ist ein _Breitengrad_, das Stück zwischen zwei
-benachbarten Meridianen ein _Längengrad_.
-
-Die _geographische Länge_ ist eine _östliche_ oder eine _westliche_
-(abgekürzt ö. L. und w. L.), die _geographische Breite_ eine
-_nördliche_ oder eine _südliche_ (abgekürzt n. Br. und s. Br.). Da die
-Breite vom Äquator gemessen wird, so meint man, wenn man von »hohen
-Breiten« spricht, die Gegenden in der Nähe der Pole, die »niederen
-Breiten« liegen nahe dem Äquator. Offenbar ist durch genaue Angabe der
-Länge und Breite die Lage eines Ortes auf der Erde völlig bestimmt.
-Berlin hat 52½° n. Br. und 13½° ö. L. Nach diesen Angaben kann ich es
-leicht auf Globus oder Landkarte auffinden.
-
-Die Namen Breite und Länge sind historisch zu erklären. Den Alten war
-von der Erdoberfläche ein Stück bekannt, das etwa die Gestalt eines
-Rechtecks hatte. Seine Ausdehnung von Westen nach Osten war bedeutend
-größer als von Süden nach Norden. Da man nun gewöhnlich die größere
-Ausdehnung Länge, die kleinere Breite nennt, so nannte der Astronom und
-Geograph Ptolemäus (um 140 n. Chr.) die westöstliche Ausdehnung die
-Länge, die südnördliche die Breite.
-
-4. _Bestimmung der geographischen Länge und Breite._ I ~a~. Zum
-leichten _Feststellen der geographischen Breite_ dient folgendes. Bei
-der Betrachtung der Parallelkreise fanden wir, daß der Bogenabstand
-eines Ortes vom Äquator, d. i. seine geographische Breite, gleich dem
-Bogenabstand seines Zenits vom Himmelsäquator ist. Dieser ist aber
-wiederum das Komplement der Höhe des Himmelsäquators, wie aus Fig. 24
-zu ersehen, und da auch die Polhöhe des Ortes ein Komplement dieser
-Höhe ist, so ergibt sich: _Die geographische Breite eines Ortes ist
-gleich seiner Polhöhe._ Diese aber kann man mit Hilfe des Sextanten
-oder des Theodolits unmittelbar messen.
-
-~b.~ Am 21. März und am 23. September durchläuft die Sonne den Äquator;
-daher ist an diesen Tagen ihre Mittagshöhe gleich der Äquatorhöhe.
-Die Mittagshöhe der Sonne finden wir aber durch Messen des Schattens,
-den ein vertikal stehender Stab mittags wirft. Zeichnet man nämlich
-ein rechtwinkliges Dreieck aufs Papier, dessen Katheten sich wie
-die Länge des Stabes zu seinem Schatten verhalten, so ist es dem
-aus dem Stab, dem Schatten und der Verbindungslinie ihrer Endpunkte
-gebildeten Dreieck ähnlich, also der Winkel, den die Hypotenuse mit
-der dem Schatten entsprechenden Kathete bildet und der ohne weiteres
-mit dem Transporteur gemessen werden kann, gleich der Sonnenhöhe,
-und sein Komplement gibt die geographische Breite. An anderen als den
-zwei genannten Tagen stimmt freilich diese Messung nicht, sondern man
-muß bei uns den gemessenen Winkel in der Zeit vom 21. März bis zum
-23. September um die Deklination der Sonne für den betreffenden Tag
-vermindern, in der übrigen Zeit vermehren. Die Deklination findet sich
-vielfach in Kalendern verzeichnet.
-
-~c.~ Ein anderes Verfahren ergibt sich aus folgender Überlegung: In
-Fig. 24 ist ~A´B~ der Tagkreis eines Zirkumpolarsternes. Bogen ~A´H´~
-ist seine Höhe bei der oberen, Bogen ~BH´~ bei der unteren Kulmination,
-Bogen ~PH´~ die Polhöhe für den Standort z. Nun ist Bogen ~PH´~ =
-Bogen ~PB~ + ~BH´~ = ½ Bogen ~A´B~ + Bogen ~BH´~ = ½(Bogen ~A´B~ +
-2~BH´~) = ½(Bogen ~A´B~ + ~BH´~ + ~BH´~) = ½(Bogen ~A´H´~ + ~BH´~),
-d. h. die Polhöhe, also auch _die geographische Breite eines Ortes
-ist das arithmetische Mittel zwischen der Höhe der oberen und unteren
-Kulmination eines Zirkumpolarsternes_. Ist z. B. die obere Kulmination
-eines solchen Sternes 65°, die untere 40°, so ist die geographische
-Breite gleich (65° + 40°)/2 = 52½°. Die Höhe der beiden Kulminationen
-kann aber wieder mit dem Sextanten oder dem Theodolit gemessen werden.
-
-II. Zur _Bestimmung der geographischen Länge_ dienen die Chronometer,
-besonders genau gearbeitete, von Temperaturschwankungen in ihrem Gange
-nicht beeinflußte Uhren. Die Schiffe führen solche Chronometer mit
-sich; sie sind nach der Ortszeit des Abfahrtsortes gestellt, d. h.
-sie zeigen 12 Uhr, wenn dort die Sonne durch den Meridian geht. Damit
-sie bei allen Schwankungen des Schiffes in wagerechter Lage bleiben,
-werden sie wie der Kompaß in einem Cardanischen Ringe aufgehängt. Wir
-fanden schon, daß die Sonne in 4 Minuten 1° durchläuft. Daher wird
-sie bei uns 4 Minuten später aufgehen und kulminieren als in einem 1°
-östlicher gelegenen Punkte. Zeigt demnach ein Schiffschronometer an
-einer Stelle der Fahrt im Augenblicke der oberen Kulmination der Sonne
-2 Uhr nachmittags, so liegt der Ort soviel Längengrade westlich vom
-Ausfahrtsorte, als 4 Minuten in 2 Stunden = 120 Minuten enthalten sind,
-d. h. 30°.
-
-5. _Die Zonen der Erde._ ~a~) _Begrenzung der Zonen._ Wir wissen
-schon aus § 9, welche Bedeutung die Orte auf den Wendekreisen des
-Himmels und auf den Polarkreisen für die Himmelsbeobachtung haben.
-Ihnen entsprechen _auch auf der Erde ein nördlicher und ein südlicher
-Wendekreis_ oder ein Wendekreis des Krebses und ein Wendekreis des
-Steinbocks (23½° n. und s. Br.) und _ein nördlicher und südlicher
-Polarkreis_ (66½° n. und s. Br.). Diese vier Kreise, die auch auf dem
-Globus verzeichnet sind, teilen die Erdoberfläche in drei Kugelzonen
-(Zone griech. = Gürtel) und zwei Kugelkappen. Alle fünf Teile werden
-kurzweg Zonen genannt.
-
-~b~) _Beleuchtung und Erwärmung in den Zonen._ Wir erkannten schon in
-§ 9: Zwischen den zwei Wendekreisen fallen die Sonnenstrahlen an zwei
-Tagen, auf den Wendekreisen an einem Tage im Jahre mittags senkrecht
-auf die Erde und weichen an den anderen Tagen nie über 47° von dieser
-Richtung ab. Zwischen je einem Wendekreise und dem nächsten Polarkreise
-fallen die Strahlen stets schräg auf die Erde, und zwar um so schräger,
-je weiter der getroffene Ort von den Wendekreisen entfernt ist. Auf
-den Polarkreisen herrscht zwar einmal im Jahre volle 24 Stunden Tag,
-aber auch einmal ebenso lange Nacht, und zwischen den Polarkreisen und
-den Polen herrscht sogar länger als 24 Stunden, auf den Polen sogar
-sechs Monate lang hintereinander Tag, aber auch ebenso lange Nacht; vor
-allem aber fallen von den Polarkreisen bis zu den Polen die Strahlen
-immer schräger auf. -- Nun lehrt die Erfahrung, daß bei sonst gleichen
-Verhältnissen eine Fläche durch Sonnenstrahlen um so stärker erwärmt
-wird, je mehr die Richtung der Strahlen der senkrechten Richtung nahe
-kommt; daher wird die Durchschnittstemperatur der Erde in der Zone
-zwischen den Wendekreisen höher sein als in den zwei Zonen zwischen
-Wendekreis und nächstem Polarkreis und in diesen wieder höher als in
-der nördlichsten und südlichsten Zone. Wir wissen ferner, daß in der
-Zone zwischen den Wendekreisen die Zahl der Stunden, in denen die Erde
-überhaupt von Sonnenstrahlen getroffen wird, in der Jahreszeit des
-höchsten Sonnenstandes verhältnismäßig wenig (am Äquator selbst gar
-nicht) höher ist als in der Zeit des niedrigsten Sonnenstandes. In der
-Zone zwischen Wendekreis und Polarkreis wird dagegen der Unterschied
-immer bedeutender, je höher die geographische Breite. Jenseits der
-Polarkreise sind diese Unterschiede, wie sich aus dem Vorhergehenden
-ergibt, noch bedeutender. Daher wird die Erwärmung in der Zone um den
-Äquator in allen Jahreszeiten ziemlich gleichmäßig, in den übrigen
-Zonen im Sommer viel stärker als im Winter sein. Am stärksten ist
-dieser Unterschied an den Polen. Also unterscheiden sich die fünf Zonen
-der Erde 1. in der Höhe der Durchschnittstemperatur des Jahres, 2. in
-der Gleichmäßigkeit der Erwärmung in den verschiedenen Jahreszeiten.
-
-~c~) _Namen der Zonen._ Die erste Zone nennt man deshalb _die heiße
-Zone_ oder, da man die Wendekreise, zwischen denen sie liegt, auch mit
-dem griechischen Namen _Tropen_ (trépo griech. = wenden) bezeichnet,
-_die tropische Zone_ oder das _Gebiet der Tropen_: die beiden nächsten
-Zonen heißen _nördliche_ und _südliche gemäßigte Zone_, die beiden
-kältesten _nördliche_ und _südliche kalte Zone_ oder wegen ihrer Lage
-um die Pole herum auch die _Polargegenden_. Weil endlich die nördliche
-kalte Zone von allen Zonen der Erde dem Sternbilde des Bären (griech.
-arktos) am nächsten liegt, heißt sie die _arktische Zone_, die südliche
-kalte Zone heißt die _antarktische_ (anti griech. = gegen, entgegen).
-Der Flächeninhalt der beiden gemäßigten Zonen zusammen ist mehr
-als sechsmal, der der heißen Zone mehr als viermal so groß als der
-Flächeninhalt der beiden kalten Zonen zusammen[1].
-
- [1] Über die Wirkungen der Unterschiede in der Erwärmung, die
- in das Gebiet der physischen Geographie gehören, vgl.
- _Heinze_, Physische Geographie, 3. Aufl., § 23.
-
-6. _Gegenfüßler, Gegenwohner, Nebenwohner._ 1. Gegenfüßler (griech.
-Antipoden) wohnen auf entgegengesetzten Hälften eines Meridians, also
-einer auf der östlichen, der andere auf der westlichen Halbkugel;
-sie haben also entgegengesetzte Tageszeit. Sie wohnen zugleich auf
-entgegengesetzten Parallelkreisen, also einer auf der nördlichen, der
-andere auf der südlichen Halbkugel; sie haben also entgegengesetzte
-Jahreszeit.
-
-In Fig. 24 wohnen in ~w~ und ~s~ Gegenfüßler, ebenso in ~a~ und ~q~, in
-~c~ und ~b~. Wie man sieht, wohnen sie stets an den Endpunkten eines
-Erddurchmessers. Die Bewohner von Cordoba in Spanien haben auf der
-Nordinsel von Neuseeland ihre Gegenfüßler.
-
-2. Die Gegenwohner wohnen auf demselben Halbmeridian, also beide
-auf der östlichen oder beide auf der westlichen Halbkugel, aber auf
-entgegengesetztem Parallelkreise, also die einen auf der nördlichen,
-die anderen auf der südlichen Halbkugel; sie haben dieselbe Tageszeit,
-aber entgegengesetzte Jahreszeit. In Fig. 24 wohnen in ~w~ und ~w´~, in
-~c~ und ~a´~ Gegenwohner. Die Bewohner von Tokio in Japan und Adelaide
-in Südaustralien sind nahezu Gegenwohner.
-
-3. Die Nebenwohner wohnen auf entgegengesetztem Halbmeridian, also die
-einen auf der östlichen, die anderen auf der westlichen Halbkugel, aber
-auf demselben Parallelkreise, also beide auf der nördlichen oder beide
-auf der südlichen Halbkugel. Sie haben entgegengesetzte Tageszeit, aber
-dieselbe Jahreszeit. In Fig. 24 wohnen in ~w~ und ~k~, in ~z~ und ~u~,
-in ~w´~ und ~s~ Nebenwohner. Die Bewohner von Santo Domingo auf Haiti
-haben auf der Insel Hainan, südw. von Canton, ihre Nebenwohner.
-
-
-§ 14.
-
-Die wahre Gestalt und die Größe der Erde.
-
-1. _Beweise für die Abplattung der Erde._ Die _Erde_ hat nicht genau
-die Gestalt einer Kugel, sondern ist _an den Polen etwas abgeplattet_.
-Das folgt aus verschiedenen Beobachtungen:
-
-~a~) Der französische Astronom Richer reiste 1672 von Paris (49° n.
-Br.) nach Cayenne (5° n. Br.), um dort Beobachtungen des Planeten
-Mars auszuführen. Er hatte eine genau regulierte Pendeluhr mit einem
-Sekundenpendel bei sich, d. h. mit einem Pendel, das in Paris in
-einer Sekunde eine Schwingung machte, also im Tage 24 × 60 × 60 =
-86400 Schwingungen. In Cayenne bemerkte er, daß das Pendel seiner Uhr
-täglich 148 Schwingungen weniger machte als in Paris, daß also die
-Uhr 148 Sekunden nachging. Erst als er das Pendel um etwa 2-2/3 ~mm~
-kürzer machte, ging die Uhr wieder richtig. Nach Paris zurückgekehrt,
-fand Richer, daß seine Uhr täglich 148 Sekunden vorging; er brachte
-das Pendel auf die frühere Länge, und die Uhr ging wieder richtig.
-Dieselbe Erfahrung ist hernach bei Reisen von Norden nach Süden und
-umgekehrt vielfach gemacht worden, _stets schwang das Pendel bei einer
-Reise nach den Polen zu schneller, nach dem Äquator zu langsamer_. Die
-bewegende Kraft des Pendels ist nun die Schwerkraft, und sie wirkt
-erfahrungsmäßig um so stärker, je näher der angezogene Körper dem
-Mittelpunkt der Erde ist. Mit Recht folgerten daher Newton (1643--1727)
-und Huygens (1629--1695), daß die Punkte der Erdoberfläche in den
-höheren Breiten dem Mittelpunkte der Erde näher sind, als die Punkte um
-den Äquator; folglich ist die Erde an den Polen abgeplattet (s. aber
-§ 16, Anm.).
-
-~b~) Die Abplattung ist durch _Gradmessungen_ direkt erwiesen. Wäre
-die Erde eine Kugel, so müßten nicht nur alle Grade des Äquators und
-alle Grade eines und desselben Parallelkreises untereinander gleich
-sein, was in der Tat der Fall ist, sondern auch alle Grade desselben
-Meridians, gleichgültig, in welcher geographischen Breite sie gemessen
-wären. Anders aber muß es sein, wenn die Erde an den Polen abgeplattet
-ist. Ein Kreis ist um so stärker gekrümmt, je kleiner der Radius ist;
-ein Gradbogen mit größerem Radius erscheint also flacher, als ein
-Gradbogen mit kleinerem Radius. Ist also wirklich die Erde nach den
-Polen zu abgeplattet, d. h. erscheint sie dorthin weniger gekrümmt,
-als am Äquator, so kann man den Meridian ansehen als zusammengesetzt
-aus lauter Gradbogen, deren Radien vom Äquator nach den Polen zu
-beständig wachsen. Die Länge eines Gradbogens auf einer Kreislinie
-hängt nun ab von der Länge des Halbmessers; denn da die Peripherie oder
-ein Bogen von 360° = 2π · ~r~ ist, so ist ein Bogen von 1° = π/180 ·
-~r~. Der Bogen ist also um so länger, je länger der Radius ist. Daraus
-ergibt sich sofort: Ist die Erde an den Polen abgeplattet, so muß die
-Länge eines Meridiangrades vom Äquator nach den Polen zu wachsen.
-Das ist in der Tat der Fall. In der Mitte des 18. Jahrhunderts haben
-französische Gelehrte in Peru, Frankreich und Lappland Gradmessungen
-angestellt und fanden die Länge eines Meridiangrades in Peru 110,608
-km, in Frankreich 111,212 ~km~, in Lappland 111,949 ~km~. Damit war die
-Abplattung direkt bewiesen[2].
-
- [2] Über das Verfahren bei solcher schwierigen und mühevollen
- Messung s. _Heinze_, a. a. O. § 2 Anm.
-
-[Illustration: Fig. 25.]
-
-2. _Die wahre Gestalt der Erde._ Während also alle Breitengrade Kreise
-sind, sind die Meridiane keine Kreise; sie sind vielmehr Ellipsen.
-Eine Ellipse ist eine geschlossene, krumme Linie, innerhalb deren,
-ebenso wie innerhalb eines Kreises sich ein Punkt befindet, der alle
-geraden Linien halbiert, die man durch ihn von einem Punkte der
-krummen Linie zum andern zieht. Wie beim Kreise nennt man jenen Punkt
-Mittelpunkt, die geraden Linien Durchmesser. Diese sind aber nicht
-untereinander gleich, wie im Kreise; es gibt einen größten und einen
-kleinsten Durchmesser; dieselben stehen senkrecht aufeinander und
-heißen große und kleine Achse der Ellipse. In der großen Achse liegen
-zwei besondere Punkte in gleicher Entfernung vom Mittelpunkte; zieht
-man von diesen beiden nach irgend einem Punkte der Ellipse die beiden
-Verbindungslinien, so ist ihre Summe für alle Punkte dieselbe, nämlich
-gleich der großen Achse. Diese beiden Punkte in der Hauptachse heißen
-Brennpunkte. Ihr Abstand vom Mittelpunkt heißt Exzentrizität, ihr
-kürzester Abstand von der Peripherie der Ellipse heißt Brennweite.
-Fig. 25 ist eine Ellipse, ~O~ ist ihr Mittelpunkt, ~AB~, ~EG~, ~CD~
-sind Durchmesser, ~AB~ ist die große, ~CD~ die kleine Achse, ~F~ und
-~F₁~ sind die Brennpunkte, ~FC~ + ~CF₁~ = ~FG~ + ~GF₁~ = ~AB~, ~FO~ ist
-die Exzentrizität, ~FA~ die Brennweite. Die Meridiane sind natürlich
-alle kongruente Ellipsen, die große Achse ist ein Äquatordurchmesser,
-die kleine die Erdachse. Denkt man sich eine halbe Ellipse, etwa
-~CAD~ in Fig. 25 um ihre kleine Achse gedreht bis zur ursprünglichen
-Lage, so beschreibt die halbe Ellipsenlinie eine solche Fläche, wie
-es die Oberfläche der Erde ist. Jeder Punkt der Ellipse, z. B. ~A~,
-~E~, beschreibt dabei einen Kreis, entsprechend einem Parallelkreis
-der Erde, der Endpunkt der halben großen Achse (~A~) den größten,
-entsprechend dem Äquator. Alle Schnitte längs der Drehachse schneiden
-die Fläche in Ellipsen, die alle gleiche Achsen haben mit der Ellipse,
-deren Hälfte durch ihre Drehung die Fläche beschrieb. Ihnen entsprechen
-die Meridiane der Erde. Einen Körper, den eine solche Fläche begrenzt,
-nennt man Umdrehungs- oder Rotationsellipsoid, auch _Sphäroid_ (griech.
-= kugelähnlich). Die Erde ist also ein Sphäroid, die Meridiane sind
-Ellipsen mit geringer Exzentrizität und großer Brennweite, d. h. nahezu
-Kreise. Genau ist freilich auch das noch nicht. Die Arbeiten der seit
-1861 tätigen europäischen Gradmessung führten zu folgendem Ergebnis:
-Die Erdoberfläche ist allseitig gekrümmt und setzt sich aus Flächen von
-wechselnder Krümmung zusammen, die allmählich ineinander übergehen. Man
-nennt diese Fläche ein _Geoid_ (griech. = erdähnlich).
-
-3. _Die Größe der Erde und ihrer Abplattung._ Ein _Grad des Äquators_
-ist 111,305 ~km~ lang; daraus ergibt sich der _Umfang des Äquators_ (=
-360°) = 360 · 111,305 = rund 40070 ~km~. Da der Umfang eines Kreises
-= 2~r~π, so ist 2~r~ = Umfang/π, der _Durchmesser des Äquators_
-also = 40070/π = 12754,8 ~km~, der Halbmesser = 6377,4 ~km~. Sieht
-man die Erde als Kugel an, so ergibt sich daraus als Inhalt ihrer
-Oberfläche = 4~r~²π = 2~r~π · 2~r~ = Äquatorumfang × Äquatordurchmesser
-= 40070 · 12754,8 = 511077778 ~qkm~, als Körperinhalt der Erde ca.
-1086 Milliarden ~cbkm~. Aber diese Ergebnisse sind zu groß, da
-die Erde abgeplattet ist. Mit Hilfe der höheren Mathematik sind
-aus den verschiedenen Längen der Meridiangrade in verschiedenen
-geographischen Breiten auch der _Umfang eines Meridians_ = 40003 ~km~
-und die Länge seiner kleinsten Achse, d. i. die Länge der _Erdachse_
-(_Polardurchmesser_) = 12712,3 ~km~ berechnet. Der größte und der
-kleinste Halbmesser der Erde sind also:
-
- _Äquatorialhalbmesser_ = 6377,4 ~km~,
- _Polarhalbmesser_ = 6356,1 ~km~;
- _ihr Unterschied_ = 21,3 ~km~.
-
-Man bezeichnet als die Abplattung eines Sphäroids den Bruch (~a~ −
-~b~)/~a~, wo ~a~ und ~b~ die große und die kleine Achse bedeuten.
-Offenbar ist sie um so kleiner, je kleiner ~a~ − ~b~ ist, also je
-weniger die große und kleine Achse voneinander verschieden sind. Für
-die Erde beträgt die _Abplattung_ nur 21,3/6377,4 = 1/299, ist also
-sehr gering. Die höhere Mathematik lehrt auch die Berechnung der
-Oberfläche und des Körperinhaltes eines Sphäroids aus seinen beiden
-Achsen; sie betragen für die Erde
-
- _Oberfläche der Erde_ = 509950714 ~qkm~,
- _Körperinhalt der Erde_ = 1083 Milliarden ~cbkm~,
-
-also nicht unerheblich weniger, als wenn man die Erde als Kugel und als
-deren Durchmesser den Äquatorialdurchmesser ansieht.
-
-Der höchste Berg der Erde ist 8840 ~m~ hoch; der größte Durchmesser
-der Erde ist also rund 1440mal so groß. Auf einem Globus, dessen
-Durchmesser fast ¾ ~m~ lang wäre, würde daher der höchste Berg in
-entsprechender Größe nur ½ ~mm~ groß sein. Die Berge ändern also an
-der Kugelgestalt der Erde so wenig, wie die kleinen Unebenheiten einer
-Eierschale an der Gestalt des Eies. Auch die Abplattung ändert daran
-wenig; schon in einer Entfernung von wenigen Erddurchmessern wird daher
-die Erde durchaus als Kugel erscheinen.
-
-
-§ 15.
-
-Rotation der Erde.
-
-1. _Möglichkeit der Rotation._ ~a~) Sitzt man in einem Eisenbahnzuge
-und richtet den Blick aufs Fenster, so scheint es, als ob der Zug
-stillstände und die überblickten Felder und Telegraphenstangen
-vorbeiflögen. Diese scheinbare Bewegung geschieht in einer Richtung,
-die der Richtung der wirklichen Bewegung des Zuges entgegengesetzt
-ist. Ähnliche Beobachtungen kann man noch in großer Zahl machen. So
-glaubt man sich selber zu drehen, wenn man unter der sich langsam
-herumdrehenden Kuppel einer Sternwarte steht. Immer erfolgt bei
-solchen Beobachtungen die scheinbare Bewegung in einer Richtung, die
-der Richtung der wirklichen Bewegung entgegengesetzt ist. Unsere
-Beobachtung kann uns also täuschen. Wir beobachten nun, daß scheinbar
-die ganze Himmelskugel mit der Sonne und all ihren Sternen sich täglich
-von Osten nach Westen um die Erde herumschwingt. Das könnte wirklich
-so sein; es kann aber auch nach dem, was wir eben fanden, seinen
-Grund darin haben, daß sich die Erde täglich um eine Achse dreht;
-diese Achse müßte natürlich mit der Achse der scheinbaren Drehung des
-Himmelsgewölbes zusammenfallen, d. h. es müßte die Erdachse sein. Auch
-müßte die Bewegung der scheinbaren Bewegung entgegengesetzt, also
-von Westen nach Osten erfolgen. Weil man früher wegen Mangels guter
-Instrumente über die Entfernung der einzelnen Sterne von der Erde
-ganz im unklaren war, so nahm man ohne weiteres an, daß die Bewegung
-der Himmelskugel eine wirkliche sei; man setzte also alle Fixsterne
-in gleicher Entfernung von der Erde an die Fläche eines kristallenen
-Gewölbes und ließ sie mit diesem durch eine unbekannte Kraft um die
-Erde herumgeführt werden. Nach Entdeckung des Fernrohres im Anfang
-des 17. Jahrhunderts erkannte man bald, daß die Entfernungen der
-Sterne von der Erde sehr verschieden seien und daß sie daher mit sehr
-verschiedenen Geschwindigkeiten sie umkreisen müßten. Dann aber wäre es
-doch kaum zu begreifen, daß trotzdem alle genau in derselben Zeit diese
-Umkreisung ausführen sollten.
-
-~b~) Wenn die Sonne und die Sterne um die Erde herumliefen, so müßte
-_die Geschwindigkeit der meisten umlaufenden_ Sterne ganz ungeheuer
-sein. Die Sonne ist, wie man aus gewissen Fernrohrbeobachtungen
-berechnet hat, rund 150000000 ~km~ von der Erde entfernt; sie müßte
-also, wenn sie den Äquator durchläuft (21. März, 23. September), in 24
-Stunden einen Weg von 2π · 150000000 ~km~, demnach in 1 Sekunde 11000
-~km~ durchlaufen. Der Fixstern Sirius ist 1000000mal so weit von uns
-entfernt als die Sonne, und da die Umfänge der Kreise sich wie die
-Radien verhalten, so müßte der Sirius bei der Umkreisung der Erde in
-24 Stunden und demnach auch in einer Sekunde eine Bahn beschreiben,
-die 1000000mal so groß wäre als die entsprechende Bahn der Sonne, d.
-h. seine Geschwindigkeit betrüge rund 11000000000 ~km~ in der Sekunde,
-also eine Strecke, gegen welche die riesige Geschwindigkeit des Lichtes
-(300000 ~km~ in der Sekunde) ganz verschwindet! Das ist gar nicht
-denkbar.
-
-~c~) Wo eine Wirkung ist, da muß auch eine Ursache sein, und zwar
-muß die Ursache der Wirkung entsprechen. Woher sollte nun die
-ungeheure bewegende Kraft kommen? Sie müßte doch von der Erde als dem
-Mittelpunkte des ganzen Weltsystems kommen. Aber wie _klein ist die
-Erde_ im Vergleich zu den Massen, auf die sie so gewaltige Wirkungen
-ausüben müßte! Ist ja doch die Sonne an Masse 324000mal so groß wie die
-Erde!
-
-Aus solchen Betrachtungen ergab sich die Möglichkeit, ja die
-Wahrscheinlichkeit, daß sich nicht die Sterne um die Erde bewegen,
-sondern daß die Erde sich um ihre Achse drehe. Danach müßte man sagen:
-_Die Erde bewegt sich um ihre Achse, sie »rotiert« von Westen nach
-Osten. Die scheinbare Rotation des ganzen Fixsternhimmels von Osten
-nach Westen ist also eine natürliche Folge der Rotation der Erdkugel
-von Westen nach Osten._ Sie bewirkt, daß uns am östlichen Himmel
-beständig neue Sterne auf- und gesehene Sterne am westlichen Himmel
-untergehen. Die Atmosphäre nimmt an der Rotation teil.
-
-Der Einwand, daß wir von der Rotation nichts spüren, ist nicht
-stichhaltig. Wenn wir in einem Kahne oder auf einem Dampfer sitzen und
-von diesem Fahrzeuge sanft, ohne Schwanken und Schaukeln bewegt werden,
-so haben wir, sobald wir die Augen schließen, das Gefühl, als ständen
-wir still, selbst wenn die Bewegung ziemlich schnell vor sich geht.
-Die Erdbewegung ist noch viel gleichmäßiger, daher äußerst sanft, und
-deshalb spüren wir nichts davon.
-
-2. _Dauer der Rotation._ Wenn die Erde wirklich rotiert, so geschieht
-das natürlich in derselben Zeit, in welcher der Himmel mit all seinen
-Gestirnen sich einmal um die Erde herumzuschwingen scheint: in 23
-Stunden 56 Minuten und 4 Sekunden. In dieser Zeit durchläuft jeder
-Punkt der Erdoberfläche, ausgenommen die Pole, einen ganzen Kreis =
-360°. Die Achsendrehung der Erde ist eine vollkommen gleichmäßige
-Bewegung; denn die scheinbare Bewegung der Sterne erfolgt ja, wie wir
-wissen, auch ganz gleichmäßig, in 4 Minuten wird immer ein Grad des
-Tagkreises durchlaufen. Natürlich ist für die verschiedenen Punkte
-der Erdoberfläche die Rotationsgeschwindigkeit sehr verschieden.
-Am größten ist sie am Äquator; hier durchläuft ein Punkt in einem
-Tage den Umfang des Äquators = 40070 ~km~, also in einer Sekunde
-1/86164 Tag 40070/86164 ~km~ = 465,04 ~m~. (So rasch fliegt etwa eine
-Büchsenkugel.) Aus unseren Berechnungen in § 13, 2 ergibt sich, daß der
-Parallelkreis in der geographischen Breite φ gleich ist dem Produkt aus
-der Länge des Äquators und dem ~cos~ φ, also = 40070 · ~cos~ φ ~km~.
-Hier durchläuft also ein Punkt in einer Sekunde 40070/86164 · ~cos~ φ
-~km~. Hiernach rotiert Berlin bei einer Breite von 52½° immer noch mit
-einer Geschwindigkeit von 283 ~m~ in der Sekunde.
-
-
-§ 16.
-
-Beweise für die Rotation der Erde.
-
-Der augenfälligste Beweis für die Rotation stammt von dem französischen
-Physiker Foucault.
-
-I. ~a~) Er geht davon aus, daß ein schwingendes Pendel stets in
-derselben Vertikalebene schwingt. Das ergibt sich schon aus dem
-Beharrungsgesetze, kann aber auch tatsächlich durch einen Versuch
-nachgewiesen werden, der etwa folgendermaßen anzuordnen wäre. Auf einem
-horizontalen Brette ruht eine Scheibe, von deren Mittelpunkte eine
-Achse in das Brett führt, so daß die Scheibe um diesen Mittelpunkt
-drehbar ist. Auf der Scheibe ist in den Endpunkten eines Durchmessers
-ein vertikaler Bügel befestigt; dieser wird also an einer Drehung der
-Scheibe teilnehmen mit Ausnahme des Punktes in ihm, der von einer auf
-der Scheibe im Mittelpunkte errichteten Senkrechten, der Drehachse
-der ganzen Vorrichtung getroffen wird. Von diesem Punkte hängt ein
-Pendel nach dem Mittelpunkte der Scheibe zu herab. Auf dem Grundbrette
-steht neben der Scheibe senkrecht aufwärts ein Stift. Hebt man das
-Pendel nach diesem Stifte hin und läßt es los, so schwingt es über den
-Mittelpunkt der Scheibe hinaus und zurück in einer durch den Stift, den
-Scheibenmittelpunkt und den Aufhängepunkt bezeichneten Vertikalebene.
-In dieser schwingt es nun unverändert weiter, wenn man auch die
-Scheibe samt dem Bügel um ihre Achse im Kreise herumdreht. Dabei wird
-es natürlich nach und nach über allen Scheibendurchmessern schwingen.
-Verschiebt man die ganze Vorrichtung samt dem Grundbrette nur seitlich,
-so wird die Schwingungsebene ihre Richtung nicht ändern, also nur
-parallel zu ihrer früheren Lage liegen.
-
-~b~) Denken wir uns nun den Versuch noch etwas anders eingerichtet.
-Die Scheibe sei der Fußboden eines geschlossenen Raumes (Zimmers),
-der Aufhängepunkt liege in der Zimmerdecke, der Bügel ist dann
-überflüssig. Das ganze Zimmer sei in derselben Weise drehbar wie das
-Gestell, und diese Bewegung erfolge sanft, ohne alle Erschütterungen
-und Schwankungen; dann wird natürlich jemand, der im Zimmer ist, von
-der Drehung, an der er teilnimmt, nichts merken, sondern den Eindruck
-gewinnen, daß sich die Schwingungsebene des Pendels in dem scheinbar
-ruhenden Raume fortwährend herumdreht, und zwar in einer der wirklichen
-Drehung des Zimmers entgegengesetzten Richtung.
-
-II. Rotiert nun die Erde wirklich in rund 24 Stunden um ihre Achse,
-so würden für eine solche Pendelvorrichtung, die genau über dem
-Nordpol stände, genau dieselben Bedingungen vorliegen, wie in dem
-beschriebenen Versuche. Das Pendel würde über den Pol hin zunächst
-über einem bestimmten Meridian schwingen; aber schon nach 4 Minuten
-würden die Punkte des Meridians sich um 1° gedreht haben, und das
-Pendel schwänge jetzt über dem nächsten Meridian hin. Schwänge es lange
-genug, so würden sich alle 360 Halbmeridiane unter ihm herumdrehen; ein
-Beobachter aber, der ja, ohne es zu bemerken, diese Bewegung mitmachte,
-würde, wie jener Beobachter des Versuches im Zimmer, den Eindruck
-haben, daß die Schwingungsebene des Pendels um die Erdachse in einer
-der wirklichen Rotation der Erde entgegengesetzten Richtung rotierte
-und erst nach 24 Stunden wieder ihre alte Lage einnähme.
-
-[Illustration: Fig. 26.]
-
-III. Daß auch an anderen Stellen der Erdoberfläche eine scheinbare
-Drehung der Schwingungsebene zu bemerken sein müßte, zeigt Fig. 26,
-in der ~PP´~ die Achse, Bogen ~AA´Q~ den halben Äquator der Erde,
-Bogen ~BB´C~ den halben Parallelkreis, Kreis ~PBAP´QCP~ den Meridian
-des Ortes ~B~ bedeutet. Das Pendel schwinge zunächst über dem Meridian
-von ~B~ oder, was dasselbe, über der Nordsüdlinie. Da diese Linie
-einerseits der Horizontalebene angehört, d. h. der Ebene, die die
-Erdkugel in ~B~ berührt, anderseits der Meridianebene, so kann sie mit
-dem Meridian nur Punkt ~B~ gemein haben, mit anderen Worten: sie ist
-die Tangente des Meridians im Punkte ~B~, also die gerade Linie ~BD~.
-Diese steht auf dem Kreishalbmesser ~BM~ senkrecht und muß deshalb die
-Achse, mit der sie in derselben Ebene (Meridianebene) liegt, schneiden.
-Dreht sich nun die Erde um ihre Achse, so wird Punkt ~B~ in seinem
-Parallelkreise fortschreiten und nach einiger Zeit in ~B´~ angelangt
-sein; der Halbmeridian von ~B~ ist dann ~PB´A´P´~, die Nordsüdlinie
-~B´D~. Die Schwingungsebene des Pendels aber muß noch immer parallel
-zu ihrer ersten Lage sein; das Pendel wird also über einer Linie ~B´X~
-schwingen, die zu ~BD~ parallel ist und demnach von der Nordsüdlinie um
-einen Winkel ~XB´D~ abweicht, der als Wechselwinkel gleich ~B´DB~ ist.
-Würde dieser Versuch im geschlossenen Raume ausgeführt, so müßte sich
-demnach für die Zuschauer die Schwingungsebene scheinbar von Osten über
-Süden nach Westen drehen.
-
-[Illustration: Fig. 27.]
-
-Auch die Fig. 27 veranschaulicht sehr deutlich die allmähliche
-scheinbare Drehung der Schwingungsebene. Die beiden konzentrischen
-Kreisbogen seien Stücke zweier voneinander nur um den Bruchteil
-einer Sekunde entfernten Parallelkreise der Erde, die zwischen ihnen
-gezogenen zehn geraden Linien 0, 10, 20 usw. sehr kurze und darum als
-geradlinig anzusehende Stücke von Meridianen oder, mit anderen Worten,
-die Nordsüdlinien der entsprechenden Punkte der Erde. Die untereinander
-parallelen Pfeile geben die unveränderliche Richtung der Schwingung
-des Pendels an. Schwingt also das Pendel bei der Linie 0 noch über der
-Nordsüdlinie, so weicht es mehr und mehr davon ab, wenn es durch die
-Rotation der Erde nach und nach in die Gegend der Linien 10, 20, 30,
-40 ... 90 kommt.
-
-IV. Diese scheinbare Drehung der Schwingungsebene hat nun eben
-Foucault 1851 durch direkten Versuch im Pantheon zu Paris vorgeführt
-und damit die Rotation der Erde unwiderleglich bewiesen. Er brauchte
-dazu natürlich ein Pendel, das möglichst lange schwang, d. h. ein
-langes verhältnismäßig schweres Fadenpendel. Als solches diente ihm
-eine 62 ~m~ lange und kaum 1 ~mm~ dicke Klaviersaite, die von der
-Kuppel herabhing und am unteren Ende eine 24 ~kg~ schwere Bleikugel
-trug; diese ging in eine lange Spitze aus. Unter dem ruhenden Pendel
-war der Mittelpunkt einer Gradeinteilung, und 4 ~m~ von diesem an den
-Enden eines Durchmessers der Gradeinteilung lag auf zwei Tischen je
-eine Sandschicht. Das Pendel schwang zunächst über einem bestimmten
-Durchmesser von Norden nach Süden und zog dabei eine Furche durch
-den Sand. Sehr bald aber zog es eine andere Furche, es schwang mehr
-von Nordost nach Südwest über einem anderen Durchmesser; seine
-Schwingungsebene war wirklich scheinbar von Osten über Süden nach
-Westen herumgegangen.
-
-V. Nur für die Punkte des Äquators zeigt das Pendel die Bewegung der
-Erde nicht an. Hier steht ja die Nordsüdlinie, die in Fig. 26 für die
-Stellung des Punktes ~A~ gezeichnet ist (_AY_), stets auf der Ebene des
-Äquators senkrecht. Da nun auch die Erdachse senkrecht auf der Ebene
-des Äquators steht, so sind die Nordsüdlinien aller Punkte des Äquators
-zur Erdachse parallel, oder: die Nordsüdlinie eines Äquatorpunktes
-bewegt sich bei der Drehung der Erde stets parallel zu ihrer vorherigen
-Lage weiter, sie ändert ihre Richtung nicht. Da nun aber auch die
-Schwingungsebene des Pendels sich nur parallel zu ihrer vorherigen Lage
-verschiebt, so wird das Pendel, das über der Nordsüdlinie schwingt,
-stets darüber bleiben und nicht in seiner Schwingungsrichtung davon
-abweichen.
-
-VI. Der Winkel, um den sich die Schwingungsebene des Pendels in
-einer Stunde scheinbar drehen muß, läßt sich unter der Voraussetzung
-berechnen, daß die Erde in 24 Stunden rotiert. Das Ergebnis dieser
-Berechnung stimmt für die zahlreichen Orte, an denen man die Abweichung
-beobachtet hat, mit den Ergebnissen der Beobachtung so vorzüglich
-überein, daß die Drehung der Erde in 24 Stunden damit zweifellos
-erwiesen ist. Die Berechnung gestaltet sich folgendermaßen: Der Winkel,
-um den sich das Pendel in einer Stunde scheinbar drehen muß, ist in
-Fig. 26 der Winkel ~DB´X~ unter der Voraussetzung, daß ~B~ in einer
-Stunde nach ~B´~ gelangt, er ist als Wechselwinkel an Parallelen gleich
-∢ ~B´DB~. Dieser, dessen Gradzahl wir ~x~ nennen wollen, kann aber als
-Zentriwinkel eines um ~D~ mit dem Halbmesser ~DB~ geschlagenen Kreises
-gelten; sein Bogen ~BB´~ ist dann gleich
-
- (π · ~BD~)/180 · ~x~; [Bogen von 1° = (π · Radius)/180].
-
-Derselbe Bogen ist aber auch ein Teil des Parallelkreises von ~O~; sein
-Zentriwinkel ~BOB´~ ist der Winkel, um den sich Punkt ~B~ in einer
-Stunde gedreht hat. Für eine Drehung von 24 Stunden beträgt dieser für
-alle Punkte der Erde 360°, also für eine Stunde 15°. Somit ist der
-Bogen ~BB´~ auch = (π · ~BO~)/180 · 15°. Wir haben damit die Gleichung:
-
- (π · ~BD~)/180 · ~x~ = (π · ~BO~)/180 · 15°,
-
-woraus folgt:
-
- ~x~ = 15° · ~BO~/~BD~.
-
-Nun ist
-
- ~BO~/~BD~ = ~sin~ ~BDO~,
-
-∢ ~BDO~ = 1~R~ − ~BMD~, und da auch die geographische Breite von ~B~,
-d. i. der Winkel ~BMA~, den wir φ nennen wollen, 1~R~ − ~BMD~, so ist
-
- ∢ ~BDO~ = φ,
-
-also
-
- ~BO~/~BD~ = ~sin~ φ
-
-und
-
- ~x~ = 15° · ~sin~ φ.
-
-Hat die scheinbare Drehung weniger oder mehr als eine Stunde gewährt,
-so hat natürlich ∢ ~BOB´~ einen anderen Wert, den wir allgemein α
-nennen wollen. Dann ist ~x~ = α · ~sin~ φ.
-
-Für Berlin ist φ = 52°30´; also dreht sich hier die Schwingungsebene
-des Pendels in einer Stunde scheinbar um 15° · ~sin~ 52°30´, d. i.
-11,9° oder 11°54´, in einem Tage (α = 360°) um 360° · ~sin~ 52°30´
-= 285°36´. Einen völligen Kreis oder eine Drehung von 360° wird sie
-also scheinbar in 360/11,9, d. i. rund in 30 Stunden beschreiben,
-während sie, wie gezeigt, am Pol nur 24 Stunden dazu gebraucht. Näher
-am Äquator ist der Drehungswinkel für eine Stunde noch kleiner, also
-die Zeit einer ganzen Drehung noch länger. Auf dem Wendekreise z. B.
-dreht sich die Schwingungsebene des Pendels in einer Stunde scheinbar
-um 15° · ~sin~ 23°30´, d. i. rund 6°, beschreibt also in ca. 360/6 = 60
-Stunden einen vollen Kreis.
-
-Die Formel ~x~ = 15° · ~sin~ φ paßt auch für Pol und Äquator. Für jenen
-ist φ = 90°, also ~sin~ φ = 1, und daher ~x~ = 15°, woraus sich weiter
-als Dauer einer ganzen scheinbaren Umdrehung der Schwingungsebene am
-Pol 360/15 = 24 Stunden ergibt. Für den Äquator ist φ = 0, also ~sin~
-φ = 0 und auch ~x~ = 0, d. h. hier findet keine scheinbare Drehung der
-Schwingungsebene des Pendels statt.
-
-_Anmerkung._ Durch die Rotation der Erde erklärt sich folgende
-Beobachtung. Richer entdeckte, wie wir schon wissen, daß die
-Schwingungszeit des Pendels mit Annäherung an den Äquator sich
-verlangsamte. Genaue Rechnungen haben nun ergeben, daß die durch
-zahlreiche Gradmessungen gefundene Größe der Abplattung der Erde allein
-eine etwas geringere Vergrößerung der Schwingungszeit des Pendels
-verursachen müßte, als sie durch die Beobachtung festgestellt ist.
-Es muß also noch eine Ursache mitwirken. Dies ist die Schwungkraft
-(Zentrifugalkraft); sie wird, da die Erde um ihre Achse rotiert, gar
-nicht auf die beiden Pole, sonst aber auf alle Punkte der Oberfläche
-wirken, am stärksten auf die Punkte des größten, auf der Rotationsachse
-senkrechten Kugelkreises, des Äquators, da die Schwungkraft, wie
-aus der Physik bekannt, wie der Radius der Bahn wächst. Ebenso muß
-natürlich die Schwungkraft auf ein mit der Erde rotierendes Pendel
-wirken, d. i. das Pendel wird am Äquator ein starkes Streben haben,
-sich von der Erde zu entfernen, wodurch ebenfalls, wie durch die
-stärkere Wölbung der Erde am Äquator, die Schwerkraft in ihrer
-Wirkung beeinträchtigt werden muß. Weiter nach den Polen zu wird die
-Schwungkraft weniger, an den Polen selbst gar nicht wirken. Berechnet
-man nun die Verlangsamung, die die Pendelschwingungen am Äquator
-erfahren müssen, weil Rotation und Abplattung der Erde gleichzeitig die
-Ursache sind, so ergeben sich dieselben Größen, wie sie die Erfahrung
-geliefert hat.
-
-
-§ 17.
-
-Beweise für die Rotation von Westen nach Osten.
-
-Auch die Behauptung, daß die Rotation von Westen nach Osten geschieht,
-ist schon bewiesen; denn
-
-1. weil die _scheinbare Bewegung des Himmels_ von Osten nach Westen
-geht, so muß die _wirkliche_ Rotation der Erde von Westen nach Osten
-gehen;
-
-2. weil beim _Pendelversuch Foucaults_ die _scheinbare_ Drehung der
-Schwingungsebene von Osten nach Westen stattfand, muß die _wirkliche_
-Rotation der Erde von Westen nach Osten gehen.
-
-3. _Beweis durch Fallversuche._ Als die Rotation der Erde noch nicht so
-allgemein als bewiesen anerkannt war wie heute, sagten Gegner, wenn die
-Erde wirklich von Westen nach Osten rotiere, so könne ein aus der Höhe
-fallender Körper nicht in dem Punkte den Boden erreichen, der senkrecht
-unter dem Abgangspunkte des Körpers liege, sondern er müsse, weil ja
-die Erde während seines Falles unter ihm von Westen nach Osten sich
-fortbewegt habe, westlich von jenem Punkte zu Boden fallen; es falle
-aber tatsächlich jeder Körper lotrecht zur Erde; folglich rotiere die
-Erde nicht.
-
-In diesem Einwande stecken zwei Fehler, einer in der Schlußfolgerung,
-die ein Naturgesetz nicht beachtet, ein zweiter in der Beobachtung, daß
-wirklich jeder Körper genau lotrecht falle.
-
-[Illustration: Fig. 28.]
-
-Den ersten Fehler hat Newton nachgewiesen, und zwar so: Es ist
-bewiesen, daß jeder Körper dem Gesetze der Beharrung unterworfen ist.
-Nach diesem Gesetze ändert ein bewegter Körper seine Geschwindigkeit
-und seine Richtung nicht, wenn nicht eine bisher nicht wirksame Kraft
-auf ihn einwirkt und seine Richtung und Geschwindigkeit ändert. In
-Fig. 28 ist der Kreis die Erde, ~ea~ ist ein Turm; von seiner Spitze
-~a~ soll ein Körper herabfallen; ~e~ ist der Punkt, welcher lotrecht
-unter ~a~ liegt. Rotiert die Erde wirklich und beschreibt ~e~ den
-Bogen ~ee´~ nach Osten in der Zeit, in welcher der Körper zur Erde
-fällt, so beschreibt ~a~ den Bogen ~aa´~ in derselben Zeit. Die Spitze
-~a~ hat also eine größere Geschwindigkeit als der Fußpunkt ~e~. Diese
-Geschwindigkeit teilt der Körper vor seinem Fallen von ~a~ aus und muß
-sie nach dem Beharrungsgesetz beibehalten; daher muß er, wenn die Erde
-wirklich rotiert, in einem Punkte zur Erde fallen, der so weit von ~e~
-entfernt ist, als ~a´~ von ~a~, d. h. er muß Punkt ~n~ treffen, so daß
-etwa die Linie ~an~ seinen Weg zur Erde bezeichnet; er muß also um das
-Stück ~e´n~ nach Osten fallen und nicht westlich von ~e´~, wie die
-Gegner der Rotation behaupteten.
-
-Aber auch ihre Behauptung, daß der Körper lotrecht nach ~e´~ falle, muß
-falsch sein, wenn die Erde rotiert. Das ist sie auch, wie zum ersten
-Male in den Jahren 1801 bis 1803 Benzenberg durch Versuche in dem
-Turme der Michaeliskirche in Hamburg bei einer Fallhöhe von 76,3 ~m~
-gezeigt hat. Später hat man öfter von hohen Türmen herab oder in tiefe
-Bergwerksschächte hinein Körper fallen lassen und dabei eine östliche
-Abweichung des Ankunftspunktes von dem lotrecht unter dem Abgangspunkte
-gelegenen Punkte gefunden, die sich bei 160 ~m~ Tiefe auf 2,6 ~cm~
-belief. Natürlich werden so kleine Abweichungen nur bei besonders
-sorgfältiger Beobachtung wahrgenommen.
-
-4. _Beweis durch die Richtung der Passatwinde._ Der Erdboden und die
-darüber befindliche Luftschicht wird am Äquator viel stärker erwärmt
-als an den Polen. Daher dehnt sich hier die Luft stark aus und
-steigt nach oben über die obere Grenze der Atmosphäre; der Luftdruck
-wird geringer. In den oberen Schichten strömt dann die Luft als
-Äquatorialstrom nach den Polen zu, wo sie sich weniger hoch erhebt,
-ab. Auf dem Wege nach den Polen kühlt sich die Luft mehr und mehr ab,
-sinkt allmählich zu Boden und strömt nun von den Polen, wo der Druck
-der Luft wegen ihrer größeren Dichtigkeit höher ist, als Polarstrom zum
-Äquator. Allerdings hat sich der Äquatorialstrom schon in einer Breite
-von ca. 30° so abgekühlt, daß ein guter Teil seiner Luft schon hier
-niedersinkt und zum Äquator zurückströmt, während der Rest des Stromes
-in den höheren Breiten sich mit dem Polarstrome stark mischt, so daß
-hier wechselnde Luftströmungen, also auch wechselnde Winde herrschen.
-Zwischen dem 30. Grad n. Br. und dem 30. Grad s. Br. aber wehen ganz
-regelmäßig in den unteren Luftschichten Winde von den Polen nach dem
-Äquator zu, in den oberen Schichten in umgekehrter Richtung.
-
-Hätte nun die Erde keine Achsendrehung, so würde in den niederen
-Breiten die von den Polen kommende Luft in der Richtung der Meridiane
-zum Äquator, die vom Äquator kommende darüber in der entgegengesetzten
-Richtung zum Pole strömen; es würde also auf der nördlichen Halbkugel
-in den höheren Luftschichten Südwind, in den tieferen Nordwind,
-auf der südlichen Halbkugel in den höheren Luftschichten Nordwind,
-in den tieferen Südwind wehen. Dem widerspricht die Erfahrung. Die
-Schiffahrt hat längst bezeugt, daß in niederen Breiten in den unteren
-Luftschichten auf der nördlichen Halbkugel beständig Nordostwind, auf
-der südlichen Südostwind weht; man nennt diese Winde den Nordost-
-und den Südostpassat. Ebenso ist durch Beobachtung der Federwolken,
-die in großer Höhe ziehen, das Wehen des Südwestwindes in den oberen
-Luftschichten der nördlichen Halbkugel und das Wehen des Nordwestwindes
-in den oberen Luftschichten der südlichen Halbkugel nachgewiesen. Man
-nennt diese Winde Gegenpassate oder Antipassate. Eine andere bekannte
-Erscheinung, die das Wehen des Gegenpassates beweist, kann man bei dem
-Vulkan Cotopaxi in Südamerika, nahe am Äquator, beobachten. Sein Rauch
-steigt anfangs nach Nordwesten, aber in einer Höhe von 6500 ~m~ wendet
-er sich plötzlich in die entgegengesetzte Richtung. Diese Erscheinung
-der Passate ist nur durch die Rotation der Erde von Westen nach Osten
-zu erklären. Infolge der Rotation müssen nämlich, wie schon mehrfach
-ausgesprochen wurde, die Punkte am Äquator die größte, die weiter
-nach den Polen zu gelegenen Punkte geringere Rotationsgeschwindigkeit
-haben. Die Luft teilt im ganzen die Geschwindigkeit der Punkte, über
-denen sie sich befindet, d. h. die Luftteile der Polarluftströme
-bringen eine geringere Geschwindigkeit mit, als sie die Punkte der Erde
-haben, über die sie nach dem Äquator hinstreichen, und sie suchen ihre
-Geschwindigkeit auch nach dem Beharrungsgesetze beizubehalten. Deshalb
-muß die dem Äquator zuströmende Luft, wenn die schon nachgewiesene
-Rotation der Erde wirklich von Westen nach Osten erfolgt, westlich
-gegen die Orte unter niederen Breiten zurückbleiben; die Erdkugel muß
-unter dem Luftstrome weg nach Osten vorauseilen, d. h. für die niederen
-Breiten scheint der Polarstrom nicht nach Süden, sondern mehr nach
-Südwesten zu wehen, also von Nordosten zu kommen. Ebenso muß auf der
-südlichen Halbkugel ein Südostwind wehen. Der Äquatorialstrom dagegen
-muß wegen seiner größeren Geschwindigkeit den Orten unter höheren
-Breiten, über die er hinstreicht, nach Osten vorauskommen, also auf der
-nördlichen Halbkugel aus Südwesten, auf der südlichen aus Nordwesten
-wehen. Diese theoretischen Erwägungen liefern uns somit ein Ergebnis,
-das mit der Beobachtung völlig übereinstimmt. Also rotiert die Erde
-tatsächlich von Westen nach Osten.
-
-
-§ 18.
-
-Die fortschreitende Bewegung (Revolution) der Erde.
-
-1. _Möglichkeit der Revolution._ Den täglichen Umschwung der Sonne usw.
-haben wir durch die Rotation der Erde erklärt gefunden. Aber damit
-ist noch nicht erklärt die zweite scheinbare Bewegung der Sonne, die
-jährliche, mit der es zusammenhängt, daß sie nicht wie alle Fixsterne
-in 23 Stunden 56 Minuten, sondern erst in 24 Stunden eine scheinbare
-Rotation ausführt. Daß die Sonne in der Ekliptik täglich ziemlich einen
-Grad (s. § 10) von Westen nach Osten fortschreitet (scheinbar!), würde
-sich erklären lassen, wenn die Sonne wirklich in Jahresfrist in der
-Ekliptik um die ruhende, nur rotierende Erde sich bewegte; es würde
-sich aber auch erklären lassen, wenn sich die Sache umgekehrt verhielte
-und _die Erde um die ruhende Sonne herum in einem Jahre_ ebenfalls
-_von Westen nach Osten_ kreiste. Wäre der Kreis in Fig. 18, der die
-Ekliptik darstellt, die Jahresbahn der Erde, so stände die Sonne im
-Mittelpunkte. Uns aber würde sie von dem jedesmaligen Standpunkte der
-Erde aus in der _Verlängerung_ des von der Erde zur Sonne gezogenen
-Halbmessers am Himmelsgewölbe zu stehen scheinen, wo für uns ja alle
-Gestirne scheinbar stehen. Stände z. B. die Erde im Sommerwendepunkte,
-träte sie also eben ins Zeichen des Krebses, so schiene uns die Sonne
-im Winterwendepunkte zu stehen und eben ins Zeichen des Steinbocks zu
-treten. Ginge die Erde zum Zeichen des Löwen weiter, so schiene uns die
-Sonne nach Osten bis zum Zeichen des Wassermannes fortzurücken usf.
-Während also die Erde im Tierkreise von Westen über Süden nach Osten
-wirklich herumginge, würde die Sonne die Ekliptik in derselben Richtung
-scheinbar durchlaufen. Daß dies die richtige Erklärung der Beobachtung
-ist, wird _wahrscheinlich_ durch das Massenverhältnis zwischen Erde und
-Sonne. Sie sind 150000000 ~km~ voneinander entfernt, und die Sonne ist
-an Masse 324000mal so groß als die Erde. Nun muß jede Bewegung eine
-Kraft als Ursache haben, und die Kraft hängt natürlich von der Masse
-ab; folglich muß wohl die Erde von der Sonne und nicht umgekehrt die
-Sonne von der Erde bewegt werden.
-
-Diese Bewegung der Erde, Revolution genannt, ist aber auch durch
-Beobachtungen, Überlegungen und Berechnungen wirklich nachgewiesen.
-
-[Illustration: Fig. 29.]
-
-2. _Beweise für die Revolution._ ~a~) _Die Jahresparallaxe der
-Fixsterne._ 1. Ist in Fig. 29 Punkt ~E~ der Mittelpunkt, der Kreis
-ein Meridian der Erde, ~M~ der Mittelpunkt des Mondes, so wird
-zu derselben Zeit für die Punkte ~A~ und ~B~ der Mond an ganz
-verschiedenen Stellen des Himmelsgewölbes zu stehen scheinen, für ~A~
-im Horizonte, für ~B~ im Zenit; ~MA~ ist Tangente am Meridian, ~MB~
-geht verlängert durch den Mittelpunkt der Erde, ist eine Zentrallinie.
-Den Winkel, den die Zentrallinie mit einer Tangente vom Mittelpunkte
-des Mondes an die Erde bildet, in der Figur ∢ ~EMA~ = φ, nennt man die
-_Horizontalparallaxe_ des Mondes (Parallaxe, griech. = Abweichung). 2.
-Der Winkel, den die Zentrale mit einer von ~M~ nach einem beliebigen
-anderen Punkte ~C~ des Meridians gelegten Linie bildet, hier ∢ ~CME~
-= ψ, heißt die _Höhenparallaxe_ des Mondes, da von ~C~ aus der Mond
-nicht im Horizont, sondern in einer gewissen Höhe sichtbar ist. 3.
-Die Horizontalparallaxe φ läßt sich folgendermaßen feststellen: ∢
-~AEB~ (Bogen ~AB~) ist offenbar die Differenz oder die Summe der
-geographischen Breiten der Orte ~A~ und ~B~, je nachdem sie beide auf
-derselben oder auf verschiedenen Seiten des Äquators liegen, und er ist
-die geographische Breite des einen der beiden Orte selbst, wenn der
-andere auf dem Äquator liegt, also findet sich φ als Komplement dieses
-Winkels. 4. Dem Winkel ~BEA~ entspricht für ~C~ der Winkel ~CEB~. Da
-∢ θ als Außenwinkel des Dreiecks ~MEC~ = ∢ ~CEB~ + ψ ist, so ist die
-Höhenparallaxe ψ = θ − ∢ ~CEB~, d. i. die Zenitdistanz des Mondes (oder
-der Sonne) für den Punkt ~C~ vermindert um die Differenz oder die Summe
-der geographischen Breiten von ~B~ und ~C~. 5. Da man den Halbmesser
-der Erde kennt, so ist klar, daß man mit Hilfe der Horizontal- oder mit
-Hilfe der Höhenparallaxe die Entfernungen des Mondes und der Sonne von
-der Erde, in der Figur ~ME~, bestimmen kann. Ist ~r~ der Halbmesser der
-Erde, so ist ja
-
- ~r~/~ME~ = ~sin~ φ,
-
-also
-
- ~ME~ = ~r~/(~sin~ φ)
-
-und
-
- ~r~/~ME~ = (~sin~ ψ)/(~sin~ (2~R~ − θ)) = (~sin~ ψ)/(~sin~ θ)
- (Sinussatz),
-
-also
-
- ~ME~ = (~r~ ~sin~ θ)/(~sin~ ψ).
-
-6. Die Höhen- und Horizontalparallaxe eines Gestirnes wird nun aber
-offenbar um so kleiner, je weiter es von der Erde entfernt ist; für
-sehr entfernte Gestirne wird es schließlich erscheinen, als wären ~MA~
-und ~ME~ parallel, d. h. für diese Gestirne ist die Parallaxe nicht
-mehr meßbar, nicht mehr von 0° zu unterscheiden. Das trifft für alle
-Fixsterne zu. Als aber im 16. Jahrhundert die Ansicht hervortrat, daß
-die Erde um die Sonne kreise, da lag der Gedanke nahe, daß es dann doch
-eine _Jahresparallaxe_ der Fixsterne geben müsse. Beschreibt nämlich
-die Erde in einem Jahre einen Kreis mit dem gewaltigen Halbmesser von
-150000000 ~km~ (Abstand der Sonne von der Erde), so müßten doch die
-Fixsterne in derselben Richtung am Himmel in einem Jahre auch für uns
-Kreise, allerdings sehr kleine Kreise, zu beschreiben und daher ihre
-Stelle am Himmelsgewölbe zu verändern scheinen. Wäre z. B. in Fig. 30
-~ELE´E~ die Erdbahn, also ~O~ die Sonne, so müßte der Stern ~S~ im
-Laufe des Jahres am Himmel den Kreis ~FL´F´F~ zu beschreiben scheinen,
-und ∢ ~ESE´~ wäre dann als Jahresparallaxe zu bezeichnen. In der Tat
-wurde seit Galilei nach solchen Jahresparallaxen gesucht, und als sie
-trotz der genauesten Beobachtungen für keinen Fixstern entdeckt wurden,
-als keiner einen noch so kleinen Kreis am Himmelsgewölbe zu beschreiben
-schien, da benutzten das anfangs die Anhänger der alten Meinung als
-Beweis gegen die Revolution der Erde. Freilich wurde die Zahl derselben
-immer kleiner; man wurde sich immer klarer darüber, daß dieses
-scheinbare Fehlen der Jahresparallaxe nur die ungeheuren Entfernungen
-der Fixsterne beweise, gegen die selbst die _Sonnenweite_, d. i. der
-Halbmesser der Erdbahn, verschwindet; aber erst mit den vorzüglichen
-Meßinstrumenten des 19. Jahrhunderts gelang es, und zwar zum ersten
-Male im Jahre 1832, für die der Erde nächsten Fixsterne parallaktische
-Bewegungen nachzuweisen und die Parallaxen zu messen. Selbst die größte
-bisher gefundene Parallaxe macht allerdings wenig über ¾ Bogensekunden
-aus; aber daß sie nachgewiesen ist, ist ein sicherer Beweis für die
-Bewegung der Erde um die Sonne.
-
-[Illustration: Fig. 30.]
-
-~b~) _Die Aberration des Lichtes._ Schon 1727 entdeckte der Engländer
-Bradley die sogenannte _Aberration_ (lat. = Abirrung) des Lichtes. Er
-beschäftigte sich damals auch mit dem Suchen nach Fixsternparallaxen
-und beobachtete deshalb seit 1725 denselben Zirkumpolarstern.
-Dabei richtete er sein Fernrohr so auf den Stern, daß ein Strahl
-desselben durch die Achse des Rohres in sein Auge gelangte. Als er
-aber am folgenden Tage um dieselbe Zeit die Beobachtung fortsetzen
-wollte, war der Strahl von der Richtung des vorhergehenden Tages
-etwas abgelenkt; das in horizontaler Richtung um eine Achse drehbare
-Fernrohr mußte, damit der Strahl wieder ins Auge gelangte, etwas gegen
-die Lichtstrahlen in der Richtung gedreht werden, in der sich die
-Erde bewegt. Der Fixstern hatte also scheinbar eine kleine Bewegung
-gemacht. Ähnlich geschah es bei den folgenden Beobachtungen, die lange
-fortgesetzt wurden. Nach einem Jahre aber hatte das Fernrohr seine
-erste Lage wieder, der Stern erschien an seiner ersten Stelle. Er
-hatte scheinbar eine sehr kleine und sehr flache Ellipse beschrieben,
-die mit der Ekliptik parallel war. Daraus und aus der Wiederkehr der
-Erscheinung genau im Laufe eines Jahres schloß Bradley mit Recht, daß
-sie mit der Bewegung der Erde zusammenhing. Aber das erkannte er auch
-sogleich, daß es sich um keine parallaktische Bewegung handelte. Denn
-einerseits erschien dafür die große Achse der Ellipse etwas groß,
-40,9´´, und das wäre ja die Parallaxe gewesen; anderseits hätte der
-Fixstern gerade dann am Ende der großen Achse der Ellipse erscheinen
-müssen, wenn er am Ende der kleinen stand. Späteren Beobachtern fiel
-es auch auf, daß die große Achse der Ellipse auch für andere Sterne
-stets dieselbe Länge hatte, wie verschieden auch die kleine war.
-Bradley selbst hat die richtige Erklärung seiner Beobachtung gegeben.
-Ein Lichtstrahl braucht eine Sekunde, um 300000 ~km~ zu machen. Es
-vergeht also auch ein sehr kleiner Zeitteil, während der Strahl durch
-das Fernrohr streicht. Bewegt sich die Erde wirklich, so bewegt sich
-mit ihr in jener sehr kurzen Zeit auch das Fernrohr etwas in der
-Richtung ihrer Bahn. Wird also das Fernrohr genau auf den Standort des
-Sternes gerichtet, so kann der Strahl nicht in der Richtung der Achse
-einfallen, sondern muß durch die gleichzeitige Bewegung des Rohres
-etwas abgelenkt werden; man muß das Rohr vielmehr in der Richtung der
-Erdbewegung etwas, allerdings sehr wenig, verschieben. Das tut man
-also bei jeder derartigen Beobachtung, wenn auch unbewußt. Wenn sich
-nun die Erde gar nicht oder in gerader Linie weiter bewegte, so würde
-bei Bradleys Beobachtung das Fernrohr stets die Richtung des ersten
-Tages behalten haben; denn dann würden wegen der außerordentlichen
-Kleinheit der Jahresparallaxe alle Linien, die man sich von der Erde
-an den verschiedenen Tagen zum Fixsterne gezogen denken kann, parallel
-erscheinen, also auch alle Strahlen, die an den verschiedenen Tagen
-in das Rohr fallen würden. Nun war ja aber täglich, wie wir sahen,
-jene kleine Drehung des Fernrohrs nötig. Diese Drehung ist überhaupt
-nur dadurch zu erklären, daß die Erde sich bewegt und zwar in einer
-krummlinigen Bahn. Somit ist die Bewegung der Erde bewiesen. Die
-Verschiebungen eines Jahres zeigten außerdem, daß die Bahn der Erde
-kreisähnlich, genauer elliptisch ist und in einem Jahre zurückgelegt
-wird.
-
-3. _Schnelligkeit der Bewegung._ Da die Erde um ihre Achse rotiert,
-liegt der Gedanke nahe, daß die Revolution vielleicht durch ein bloßes
-Abrollen der Erde in ihrer Bahn erfolge, wie etwa eine Kugel sich auf
-der Kegelbahn bewegt. Offenbar müßte dann nach einer Rotation die Erde
-in ihrer Bahn um eine Strecke fortgerückt sein, die gleich ihrem Umfang
-ist, d. h. die in der Bahn zurückgelegte Strecke müßte genau so lang
-sein wie der Weg, den ein Punkt des Äquators bei der Rotation macht.
-Nun ist die elliptische Erdbahn fast ein Kreis; dieser beträgt, da der
-Durchmesser 300000000 ~km~ lang ist, 300π Millionen oder rund 942000000
-~km~. Ein Schnellzug, der in 1 Sekunde etwa 25 ~m~ macht, würde rund
-1200 Jahre brauchen, um diese Bahn zu durchlaufen! Die Erde durchläuft
-sie in einem Jahre, bewegt sich also in 1 Sekunde
-
- 942000000/(365 × 24 × 60 × 60) = 30 ~km~
-
-fort; ein Punkt des Äquators macht bei der Rotation in 1 Sekunde nur
-463,7 ~m~, d. h. die Erde bewegt sich 64mal so schnell in ihrer Bahn,
-als sie rotiert. Die Bewegung ist also nicht ein bloßes Abrollen,
-sondern gleichzeitig ein Fortrücken.
-
-4. _Stellung der Sonne in der Ebene der Erdbahn._ Die Mittelpunkte von
-Erde und Sonne liegen natürlich in der Ebene der elliptischen Erdbahn,
-aber die Sonne steht nicht im Mittelpunkte der Ellipse, sondern in dem
-einen Brennpunkte, weil die Erde nicht bloß von der Sonne, sondern auch
-von anderen Himmelskörpern angezogen wird. Die Folge davon ist, daß die
-Entfernung der Erde von der Sonne im Laufe des Jahres sich beständig
-ändert.
-
-Der der Sonne am nächsten stehende Punkt der Erdbahn heißt die
-_Sonnennähe_ oder das _Pĕrihēl_; der entfernteste Punkt heißt die
-_Sonnenferne_ oder das _Aphel_ (spr. Afhēl). (Perihel und Aphel griech.
-von pĕri und apŏ́ = um und weg und Hḗlios = Sonne.) Beide zusammen
-heißen die _Apsiden_, die sie verbindende gerade Linie heißt die
-_Apsidenlinie_.
-
-[Illustration: Fig. 31.]
-
-In Fig. 31 bedeutet Ellipse ~E~ die Erdbahn, ~S~ die Sonne, ~D~ ist das
-Perihel, ~B~ das Aphel, ~DB~ die Apsidenlinie; doch ist der Unterschied
-zwischen Perihel und Aphel verhältnismäßig klein und lange nicht so
-bedeutend, wie es der größeren Deutlichkeit wegen Fig. 31 darstellt.
-Die Exzentrizität der Erdbahn ist nämlich gering, etwa 1/60 der halben
-großen Achse, was ja allerdings auch noch 150/60 = 2½ Millionen ~km~
-ausmacht. Der Unterschied zwischen Perihel und Aphel beträgt demnach
-5000000 ~km~. Die Erde steht im Winter ihrer nördlichen Halbkugel im
-Perihel, im Sommer im Aphel.
-
-Die Ekliptik ist nicht die Erdbahn selbst, sondern der größte Kreis,
-in dem ihre Ebene die Himmelskugel schneidet, also gleichsam die
-Projektion der Erdbahn auf die Himmelskugel.
-
-
-§ 19.
-
-Die Stellung der Erdachse zur Erdbahn.
-
-1. _Unveränderlichkeit ihrer Richtung._ Die Erdachse macht natürlich
-die Revolution um die Sonne mit; aber sie ändert bei dieser Bewegung
-ihre _Lage_ im Weltraume, ihre Richtung nicht; denn die Ebene des
-Erdäquators ist ein Teil der Ebene des Himmelsäquators; dieser hat
-immer dieselbe Neigung gegen die Ebene der Ekliptik; daher muß auch der
-Erdäquator stets dieselbe Neigung gegen die Ebene der Ekliptik haben;
-dann aber hat auch die Erdachse, die auf der Äquatorebene senkrecht
-steht, eine unveränderliche Neigung gegen die Ebene der Ekliptik, d.
-h. sie bewegt sich parallel zu sich selbst um die Sonne. Damit ist es
-auch wohl vereinbar, daß sie sich scheinbar gar nicht bewegt, da ja
-die Himmelspole, in denen ihre Verlängerung die Himmelskugel trifft,
-stets dieselben zu sein scheinen. In Wirklichkeit ist das nicht so,
-sondern die Erdachse zeigt zu verschiedenen Zeiten des Jahres nach
-verschiedenen Punkten des Himmels; doch können diese höchstens um den
-Durchmesser der Erdbahn, 300000000 ~km~ voneinander entfernt sein. Wir
-wissen nun, wie klein die Jahresparallaxe der nächsten Fixsterne ist.
-Erscheinen aber zwei von den Enden eines Durchmessers der Erdbahn nach
-einem Sterne gezogene Linien so gut wie parallel, so erscheinen für
-uns auch umgekehrt zwei Punkte des Himmelsgewölbes als einer, wenn sie
-300000000 ~km~ voneinander entfernt sind.
-
-Also: _Indem die Erde sich um die Sonne bewegt, behält ihre Achse
-stets dieselbe Lage im Weltraume bei; sie bleibt stets nach derselben
-Himmelsgegend gesichtet, d. h. sie bleibt sich stets parallel._
-
-Allerdings ist hier eine kleine Einschränkung nötig. Die Lage der
-Erdachse und somit auch die Lage des Erdäquators zur Erdbahn ändert
-sich doch beim Laufe der Erde um die Sonne um einen äußerst kleinen
-Betrag, der allerdings erst nach längeren Zeiträumen bemerkbar wird.
-Deshalb ändert sich auch die Lage der Himmelspole am Himmelsgewölbe und
-die des Himmelsäquators zur Ekliptik. Vor 1000 Jahren war der Nordpol
-des Himmels weiter vom Polarstern entfernt, als heute; im Laufe der
-Jahrhunderte wird er sich ihm noch mehr nähern, sich aber dann im Laufe
-von Jahrtausenden von ihm um mehrere Grade entfernen. Ja, in 25800
-Jahren beschreibt der Nordpol des Himmels, also auch der der Erde einen
-vollständigen kleinen Kreis; daher werden wir in 12000 Jahren einen
-ganz anderen Polarstern haben; die Erdachse wird dann nämlich nach
-einer Stelle in der Nähe der Wega zeigen, eines der hellsten Sterne
-der nördlichen Himmelshalbkugel. Die damit zusammenhängende Änderung
-der Lage des Himmelsäquators gegen die Ekliptik bewirkt, daß auch die
-Durchschnittspunkte beider Kreise, d. h. die Äquinoktialpunkte eine
-andere Lage in der Ekliptik erhalten; und zwar schreiten dieselben
-in der Richtung von Osten nach Westen fort, also gegen die Ordnung
-der Zeichen. Mit einem Worte, wir haben hier die Erklärung für die
-Präzession der Äquinoktien, die sich ja auch in 25800 Jahren vollzieht.
-
-Sehen wir von dieser geringen Verschiebung der Richtung der Erdachse
-ab, so bleibt noch eine Frage zu beantworten.
-
-2. _Welche Neigung hat die Erdachse gegen die Ebene der Erdbahn?_ Die
-Ekliptik bildet mit dem Äquator des Himmels einen Winkel von 23½°; die
-Himmelsachse steht auf dem Äquator senkrecht; also beträgt der Winkel
-zwischen Himmelsachse und Ekliptik und demnach auch der Neigungswinkel
-der Erdachse gegen die Erdbahn 90° − 23½° = 66½°. (Vgl. Fig. 18. Der
-Bogen von ~Np~ bis zum Solstitialpunkt des 21. Juni gibt den gesuchten
-Winkel.)
-
-
-§ 20.
-
-Folgen der Rotation und der Revolution der Erde.
-
-1. _Die Tageszeiten._ Der Wechsel der Tageszeiten und ihr für
-verschiedene Punkte der Erde verschiedener Eintritt beruht auf der
-Rotation der Erde.
-
-~a~) Die Erde ist ein von Natur dunkler Körper, der sein Licht von
-der Sonne empfängt. Daher wird nur die der Sonne zugewandte Erdhälfte
-_beleuchtet_, sie hat _Tag_; die von der Sonne abgewandte Erdhälfte
-liegt in dem hinter der undurchsichtigen Erdkugel entstehenden
-Schatten, empfängt kein Licht von der Sonne, sie hat _Nacht_. Die
-äußersten Lichtstrahlen, die die Erde noch treffen, berühren sie in
-einem größten Kreise; er heißt _Beleuchtungsgrenze_; in ihm stoßen
-Licht und Schatten zusammen. Hätte die Erde keine Atmosphäre, so
-müßte hier auch eine ganz scharfe _Lichtgrenze_ sein, wie beim Monde,
-der keine Atmosphäre hat. Wir wissen aber schon, daß die Atmosphäre
-durch die Brechung auch solchen Punkten der Erde noch Sonnenstrahlen
-zuführt, die jenseits der Beleuchtungsgrenze liegen, d. h. die
-direkt keine Sonnenstrahlen mehr empfangen. Wir kennen ja bereits
-die Dämmerungszone. Wirkliche Nacht ist daher nur auf 100/289 der
-Erdoberfläche.
-
-Ständen Erde und Sonne still, so hätte die eine Hälfte der Erde
-beständig Tag, die andere Nacht; so aber geht infolge der Rotation der
-Erde die Sonne für jeden Punkt der Erde auf und wieder unter, es ist
-_Wechsel zwischen Tag und Nacht_.
-
-~b~) Tritt irgendein Meridian der Erde eben in die Beleuchtungsgrenze,
-so muß der um einen Längengrad östlicher gelegene Meridian bei
-der Rotation von Westen nach Osten diese Grenze schon 4 Minuten
-früher erreicht haben. An jedem um 1° östlicher gelegenen Orte der
-Erdoberfläche geht die Sonne 4 Minuten früher auf; er hat auch 4
-Minuten früher Mittag, ist überhaupt in seiner Zeitrechnung 4 Minuten
-voraus. (S. § 13.) Reist man also von seinem Wohnorte einen Grad nach
-Osten, so hat man dort 4 Minuten früher Sonnenaufgang als zu Hause,
-bei einer Reise, die sich auf 2 Grade erstreckt, 8 Minuten. Notierte
-man bei einer Reise um die Erde, also durch 360 Grade, in östlicher
-Richtung bei jedem Sonnenaufgang ein neues _Datum_, so wäre man bei der
-Heimkehr mit seinem Kalender um 360 × 4 = 1440 Minuten = 24 Stunden,
-d. i. um einen vollen Tag vor dem Orte der Abfahrt voraus. Umgekehrt
-bringt eine Reise von Osten nach Westen um die Erde um einen Tag
-zurück. Als eins der Schiffe Magellans nach seiner von Spanien aus nach
-Westen ausgeführten Weltumseglung nach 3 Jahren zurückkehrte, schrieb
-man auf dem Schiffe den 6. September 1522, in Spanien den 7. September.
-Wäre die Reise nach Osten erfolgt, so hätte man auf dem Schiffe den
-8. September geschrieben. Nach Osten zu verfrüht man gleichsam den
-Sonnenaufgang, nach Westen zu verspätet man ihn. Daher verschiedenes
-Datum in ostwestlich weit voneinander entfernten Orten.
-
-2. _Die ungleiche Dauer der Tageszeiten und der Wechsel der
-Jahreszeiten._ Die ungleiche Dauer, die Tag und Nacht in verschiedenen
-Breiten und zu verschiedenen Jahreszeiten haben, und der Wechsel der
-Jahreszeiten beruhen auf der Revolution der Erde und der Neigung der
-Erdachse gegen die Erdbahn.
-
-[Illustration: Fig. 32.]
-
-Fig. 32 läßt den Wechsel der Jahreszeiten erkennen.
-
-~S~ = Sonne; die punktierte Ellipse = Erdbahn; der schattierte Gürtel,
-etwa 20° breit, = Tierkreis; der schwarze Kreis in seiner Mitte, der
-den Himmelsäquator halbiert, = Ekliptik: ~Np~ = Nordpol, ~Sp~ = Südpol.
--- I = Erdstellung am 21. März, II am 21. Juni, III am 23. September,
-IV am 21. Dezember. Ersichtlich ist auch der Parallelismus in den
-Stellungen der Erdachse.
-
-
-I. Erdstellung am 21. März.
-
-Nord- und Südpol sind gleich weit von der Sonne entfernt; nördliche
-und südliche Halbkugel sind halb beleuchtet, halb dunkel, also sind
-_Tag und Nacht auf der ganzen Erde gleich lang_. Für die Pole steht
-die Sonne 24 Stunden im Horizont; der _Äquator wird mittags senkrecht
-von der Sonne beschienen_; südlich und nördlich vom Äquator fallen
-die Sonnenstrahlen schief auf die Erde. Auf dem Wege bis zur Stellung
-II wendet sich die nördliche Erdhalbkugel immer mehr der Sonne zu, die
-südliche Erdhalbkugel wendet sich immer mehr von der Sonne ab; daher
-geht die Sonne scheinbar nach Norden, und es werden für die nördliche
-Halbkugel 1. die Tage immer länger, die Nächte immer kürzer, 2. die
-Winkel, unter denen die Sonnenstrahlen auffallen, und die Mittagshöhen
-immer größer, die Zenitdistanzen immer kleiner. Daher wird für diese
-Halbkugel die Erwärmung immer stärker, sie hat Frühling. Für die
-südliche Halbkugel werden 1. die Tage kürzer, die Nächte länger, 2.
-die Winkel, unter denen die Sonnenstrahlen auffallen, spitzer, die
-Zenitdistanzen größer. Ihre Erwärmung nimmt also ab, sie hat Herbst.
-Die Sonne geht scheinbar (bis zum 21. Juni) durch die Zeichen: Widder,
-Stier, Zwillinge; also geht die Erde wirklich durch die Zeichen: Wage,
-Skorpion, Schütze.
-
-
-II. Erdstellung am 21. Juni.
-
-Die nördliche Halbkugel ist so weit als möglich der Sonne zugewandt,
-die südliche so weit als möglich von ihr abgewandt. Auf dem Äquator
-sind, wie an allen Tagen, Tag und Nacht gleich, _auf allen anderen
-Punkten der Erde ungleich_. Alle Örter der nördlichen Halbkugel
-haben den längsten Tag und die kürzeste Nacht; umgekehrt ist es auf
-der südlichen Halbkugel. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht für
-einen Ort ist um so größer, je weiter er vom Äquator entfernt ist. Der
-nördliche Wendekreis wird mittags senkrecht beschienen, seine Bewohner
-sind am Mittag unschattig; in allen Örtern nördlich davon hat die
-Sonne die größte Mittagshöhe, die sie dort erreichen kann; am Äquator
-steht die Sonne nur 66½° hoch; dafür fällt sie aber auch 90° − 66½° =
-23½° über den Nordpol hinaus, das heißt bis zum äußersten Rande des
-nördlichen Polarkreises. Dieser liegt ganz im Lichte, hat 24 Stunden
-Tag; der südliche Polarkreis liegt ganz im Schatten, hat 24 Stunden
-Nacht. Für die nördliche Halbkugel beginnt der Sommer, für die südliche
-der Winter.
-
-Die Erde geht bis zum 23. September durch die Zeichen: Steinbock,
-Wassermann und Fische. Vom 21. März bis 23. September ist am Nordpole
-Tag, am 21. Juni ist der Mittag dieses 6 Monate dauernden Tages. Am
-Südpole ist 6 Monate Nacht.
-
-
-III. Erdstellung am 23. September.
-
-_Tag und Nacht sind auf der Erde gleich._ Sonst alles entgegengesetzt
-der I. Erdstellung.
-
-Die Erde geht bis zum 21. Dezember durch die Zeichen: Widder, Stier,
-Zwillinge.
-
-
-IV. Erdstellung am 21. Dezember.
-
-Seit dem 23. September sind auf der südlichen Halbkugel die Tage
-immer länger, auf der nördlichen kürzer geworden als die Nächte. Am
-21. Dezember ist _auf der südlichen Halbkugel der längste, auf der
-nördlichen der kürzeste Tag_. Der südliche Polarkreis liegt im Lichte,
-der nördliche im Schatten. Der südliche Wendekreis wird senkrecht
-beschienen. Für die südliche Halbkugel beginnt der Sommer, für die
-nördliche der Winter.
-
-Die Erde geht bis zum 21. März durch die Zeichen: Krebs, Löwe, Jungfrau.
-
-Vom 21. Dezember ab nehmen die Tage auf der nördlichen Halbkugel wieder
-zu, auf der südlichen ab, bis am 21. März wieder Tag- und Nachtgleiche
-eintritt.
-
-3. _Die ungleiche Dauer der Jahreszeiten._ Wie der Fall der Körper
-durch die Anziehungskraft der Erde bewirkt wird, so wird die Revolution
-der Erde durch die Anziehungskraft der Sonne verursacht: daher regelt
-diese Kraft auch die Geschwindigkeit der Erde. Wie wir wissen, schwingt
-das Pendel an den Polen schneller als am Äquator der Erde, weil es
-dort wegen der Abplattung der Erde ihrem Mittelpunkte näher ist als
-am Äquator. Die Stärke der Anziehung auf der Erde ist also von der
-Entfernung vom Mittelpunkte abhängig. Nun wirkt aber die Anziehung im
-ganzen Weltall nach denselben Gesetzen; daher ist die Anziehung der
-Sonne und deshalb auch _die Geschwindigkeit der Erde im Perihel größer
-als im Aphel_. Die Bewegung der Erde wird langsamer von ~D~ (Fig. 31)
-über ~A~ nach ~B~, wo sie am langsamsten ist, sie wird schneller von
-~B~ über ~C~ nach ~D~, wo sie am schnellsten ist.
-
-Daher muß der im Perihel liegende Teil der Erdbahn, Bogen ~CDA~ in
-Fig. 31, schneller von der Erde durchlaufen werden, als der im Aphel
-liegende Teil, Bogen ~ABC~. Weil nun aber das Perihel nahezu mit der
-Winter-, das Aphel nahezu mit der Sommersonnenwende zusammenfällt, und
-weil eine Jahreszeit astronomisch vorüber ist, wenn die Sonne scheinbar
-90° der Ekliptik in bezug auf Äquinoktial- und Solstitialpunkte
-durchlaufen hat, so fällt die Dauer des Winterhalbjahres (Herbst
-und Winter) nahezu mit der Zeit zusammen, in der die Erde den Bogen
-~CDA~ durchläuft, die Dauer des Sommerhalbjahres mit der Zeit, die
-die Erde für den Bogen ~ABC~ gebraucht. Tatsächlich ist auch unser
-_Sommerhalbjahr etwa 7 Tage länger als das Winterhalbjahr_. Auf der
-südlichen Halbkugel ist es umgekehrt.
-
-Wegen der Präzession des Frühlingspunktes sind auch diese Verhältnisse
-nicht dauernd so; man hat berechnet, daß im Jahre 6470 nach Chr. die
-beiden Halbjahre gleich sein werden.
-
-
-
-
-Viertes Kapitel[3].
-
-Der Mond und der Kalender.
-
-
- [3] Für die Veranschaulichung der Erscheinungen, die in diesem
- Kapitel zur Sprache kommen, empfiehlt sich der Gebrauch
- eines Telluriums mit Lunarium.
-
-
-§ 21.
-
-Die Bewegungen des Mondes.
-
-1. ~A.~ _Die scheinbare Bewegung._ ~a~) Wir sahen schon, daß der Mond
-eine _scheinbare tägliche Bewegung_ um die Erde von Osten nach Westen
-macht, wie die Sonne und die Fixsterne. ~b~) Die Dauer einer solchen
-scheinbaren Bewegung um die Erde mißt man am besten von einer oberen
-Kulmination bis zur nächsten. Zwischen zwei oberen Kulminationen
-vergehen nun bei einem Fixstern 23 Stunden 56 Minuten, bei der Sonne 24
-Stunden, beim Monde 24 Stunden 50 Minuten. Geht also der Mond einmal
-um Mitternacht durch den Meridian, so tritt erst etwa eine Stunde
-nach der nächsten Mitternacht wieder ein solcher Durchgang ein. ~c~)
-Beobachtet man die scheinbare tägliche Bewegung des Mondes einige
-Tage nacheinander, so macht man noch eine Bemerkung. Er durchläuft,
-gerade wie die Sonne, nicht immer denselben Kreis am Himmel. Ging er
-vielmehr an einem Tage etwa im Ostpunkte auf und durchlief den Äquator
-des Himmels, so geht er am nächsten Tage nicht mehr genau im Ostpunkte
-auf, sondern etwas seitwärts davon, also nach Süden oder Norden zu,
-und durchläuft einen kleineren zum Äquator parallelen Kreis. Weicht
-sein Aufgangspunkt nach Süden ab, so wächst die Abweichung in etwa 7
-Tagen ungefähr bis zum Wendekreise des Steinbocks, verringert sich dann
-wieder, so daß nach ungefähr 7 Tagen aufs neue der Äquator vom Mond
-durchlaufen wird. Dann folgt die Abweichung nach Norden zu bis etwa zum
-Wendekreis des Krebses usw.
-
-~B.~ _Die Erklärung der scheinbaren Bewegung._ ~a~) Die scheinbare
-tägliche Bewegung des Mondes erklärten wir uns schon, wie die aller
-Gestirne, durch die Rotation der Erde. ~b~) Es fällt in die Augen,
-daß den beiden Abweichungen in der scheinbaren täglichen Bewegung
-des Mondes von der der Fixsterne zwei ähnliche schon bekannte
-Erscheinungen bei der scheinbaren täglichen Bewegung der Sonne
-entsprechen. Diese erklärten sich aus einer zweiten Bewegung der Erde,
-ihrer Revolution um die Sonne. Daß der Mond in seiner Kulmination
-hinter Fixsternen und Sonne zurückbleibt, wird sich also wahrscheinlich
-ähnlich erklären. Aber schon das Größenverhältnis zwischen Mond und
-Erde macht es wahrscheinlich, daß _diese_ Bewegung vom _Monde_ um die
-Erde ausgeführt wird. In der Tat _bewegt sich der Mond von Westen
-nach Osten um die Erde_; die krumme Linie, die er beschreibt, ist die
-_Mondbahn_. Diese Bewegung ist eine _wirkliche monatliche_. ~c~) Ist
-das der Fall, so muß der Mond auch, wie die Erde bei ihrer Revolution,
-seine Stellung zu den Fixsternen ändern. Das tut er. _Seine Bahn weicht
-von der Ekliptik so wenig ab, daß er auch den Tierkreis durchläuft._
-Sah man ihn nun an einem bestimmten Tage an einer bestimmten Stelle in
-einem Sternbilde des Tierkreises, so ist er am nächsten Tage schon in
-der Richtung des Tierkreises um etwa 13° fortgerückt. Nach _27 Tagen 7¾
-Stunden_ hat er den ganzen Tierkreis durchlaufen und erscheint wieder
-in seiner ersten Stellung. Diese Zeit nennt man einen _siderischen
-Monat_. (~Sidera~ lat. = die Sterne!) Wegen dieser wirklichen Bewegung
-geschieht die scheinbare tägliche Bewegung des Mondes, wie bei der
-Sonne, nicht in geschlossenen Kreisen, sondern in Schraubenlinien.
-
-2. _Die wirkliche Bewegung des Mondes_ ~a~) _um die Erde_. Sie
-erfolgt, wie wir eben hörten, in 27 Tagen 7¾ Stunden; ~b~) _um seine
-Achse_. Der Mond wendet uns stets dieselbe Seite zu. Denken wir uns,
-wir wollten um einen Tisch herum gehen und dabei ständig das Gesicht
-nach ihm richten. Offenbar ist das nur möglich, wenn wir uns während
-einer Umkreisung des Tisches genau einmal um uns selbst drehen.
-Ebenso muß es beim Monde sein: _der Mond rotiert in einem siderischen
-Monat_, während er die Erde einmal umkreist, auch _einmal um seine
-Achse_. Wegen der Gleichzeitigkeit beider Bewegungen bezeichnet
-man sie zusammen als die Rotation des Mondes; ~c~) _um die Sonne_.
-_Der Mond wandert zugleich mit der Erde um die Sonne_ herum; diese
-Bewegung des Mondes heißt _Mondrevolution_. Daraus folgt, daß der Mond
-in den 27 Tagen 7¾ Stunden, in denen er den Tierkreis durchläuft,
-noch nicht wieder dieselbe Stellung zur Verbindungslinie zwischen
-Erde und Sonne erreicht, die er beim Beginn seines Umlaufs um die
-Erde hatte. In dieser Zeit ist ja die Erde auch um mehr als 27° in
-ihrer Bahn fortgerückt, also etwa ein Sternbild weiter, und der Mond
-erhält deshalb die alte Stellung zur Sonne erst wieder nach etwa 29½
-Tagen. Diese Zeit heißt der _synodische Monat_. (~Synodus~, griech. =
-Zusammenkunft, nämlich mit der Sonne!)
-
-3. _Die Entfernung des Mondes von der Erde._ _Die Entfernung_ des
-Mondes von der Erde _wechselt_. Das beweist die Horizontalparallaxe,
-die bald größer, bald kleiner ist. Er hat also eine _Erdnähe_ (griech.
-Perigäum) und eine _Erdferne_ (griech. Apogäum). Der mittlere Wert
-seiner Horizontalparallaxe beträgt etwa 57´20´´. Daraus ergibt sich als
-seine mittlere Entfernung von der Erde nach § 18 ~r~/(~sin~ 57´20´´),
-worin ~r~ den Halbmesser der Erde bedeutet. Das ist = 59,97~r~ oder
-rund 60~r~. Hieraus ergibt sich als _mittlere Entfernung des Mondes_
-ca. 384000 ~km~.
-
-[Illustration: Fig. 33.]
-
-4. _Die Gestalt der Mondbahn._ Stände die Erde still, so würde die
-Bahn des Mondes um sie eine Ellipse sein. Nun geht aber die Erde,
-während sie vom Monde umkreist wird, selbst in ihrer elliptischen Bahn
-weiter. Ihr Mittelpunkt durchläuft etwa 1/12 derselben während eines
-Mondumlaufes, und an dieser Bewegung nimmt der Mond teil. Man kann sich
-den Vorgang an Fig. 33 klar machen. Angenommen, ein Punkt bewege sich
-in dem Bogenstück ~E₁E₂E₃E₄E₅~ und werde gleichzeitig umkreist von
-einem zweiten Punkte, dessen Bahn einer der kleinen Kreise wäre, wenn
-der erste Punkt still stände. Da sich dieser bewegt, so wird der zweite
-Punkt in der Zeit, in der er ¼ eines der kleinen Kreise durchlaufen
-müßte, etwa von ~M₁~ bis ~M₂~, in der Zeit, in der er einen halben
-Kreis durchlaufen müßte, von ~M₁~ bis ~M₃~ gelangen usw. Verbindet man
-die verschiedenen Stellungen, die der zweite Punkt einnimmt, während
-der erste von ~E₁~ durch ~E₂~, ~E₃~ usw. fortschreitet, so ergibt
-sich als seine Bahn die Schlangenlinie ~M₁M₂M₃M₄M₅~. Denselben Fall
-haben wir offenbar bei der Bewegung des Mondes um die fortschreitende
-Erde; in der Fig. 33 würden die Punkte ~E~ verschiedene Stellungen des
-Erdmittelpunktes, die Punkte ~M~ die entsprechenden Stellungen des
-Mondmittelpunktes bedeuten. _Der Weg des Mondes gleicht demnach einer
-Schlangenlinie._ Allerdings sieht diese in Wirklichkeit anders aus, als
-in der Figur. Die _Schlangenwindungen_ sind nämlich viel länger und
-flacher, _schmiegen sich_ viel enger _an die Erdbahn_, die Ekliptik, an
-_und kehren der Sonne_ nicht, wie es in Fig. 33 scheint, bei Neumond
-eine konvexe, _sondern immer eine konkave Biegung zu_. Fig. 34 zeigt
-ein der Wirklichkeit mehr entsprechendes Bild für die Dauer eines
-Monats. Die ausgezogene Kurve, in der die Mittelpunkte der kleinen
-Kreise liegen, ist ein Stück der Erdbahn, die punktierte ein Stück der
-Mondbahn.
-
-[Illustration: Fig. 34.]
-
-
-§ 22.
-
-Die Mondphasen.
-
-1. _Entstehung der Mondphasen._ Der Mond hat, wie alle Gestirne,
-Kugelgestalt. Jedermann weiß aber, daß er nicht immer als leuchtende
-Scheibe erscheint, sondern bald sichelförmig, bald als halbkreisförmig
-leuchtende Fläche. (S. § 5.) Das ist folgendermaßen zu erklären. Der
-Mond ist ein dunkler Körper, daher ist immer nur die Seite erleuchtet
-und leuchtend, die er der Sonne zuwendet. Das ist nicht immer dieselbe
-Seite, während er der Erde immer dieselbe Seite zukehrt. Hierin finden
-die verschiedenen Lichtgestalten des Mondes, griech. _Mondphasen_, ihre
-Erklärung.
-
-[Illustration: Fig. 35.]
-
-Die Bahn des Mondes weicht, wie wir in § 23 genauer sehen werden, von
-der Ebene der Ekliptik etwas, aber sehr wenig ab. Wir können darum ohne
-großen Fehler an Stelle des Mondmittelpunktes dessen Projektion auf die
-Ebene der Ekliptik setzen, in der die Mittelpunkte von Erde und Sonne
-liegen. Tun wir dies und denken uns außerdem die Erde als stillstehend
-und vom Monde von Westen nach Osten umkreist, so kann Fig. 35 zur
-Erklärung der Mondphasen dienen.
-
-Steht der Mond so, daß die Projektion seines Mittelpunktes mit den
-Mittelpunkten von Erde und Sonne in einer geraden Linie liegt und
-zwischen Erde und Sonne fällt, so ist es klar, daß der Mond uns seine
-dunkle Hälfte zukehrt, der Sonne die erhellte. Dann steht der Mond in
-_Konjunktion_ (lat. = Verbindung) mit der Sonne, und wir haben Neumond.
-(Phase 1.)
-
-Nun geht der Mond von Westen nach Osten. Nach etwa 3½ Tagen bilden die
-zwei geraden Linien vom Mittelpunkte der Erde zu dem der Sonne und zu
-dem projizierten Mittelpunkte des Mondes einen spitzen Winkel von 45°;
-dann sehen wir ¼ der uns zugewandten Mondhälfte erleuchtet, und zwar
-sichelförmig (weil der Mond eine Kugel ist) und auf der westlichen
-(der unter dem Horizonte stehenden Sonne zugewendeten) Seite des
-Mondes. (Phase 2.)
-
-Nach weiteren 3½ Tagen bilden dieselben zwei Linien einen rechten
-Winkel, und wir erblicken die westliche Hälfte der uns zugewandten
-Mondhälfte erleuchtet. Wir haben erstes Viertel. (Phase 3.)
-
-Nach 3½ Tagen entsteht folgerecht Phase 4.
-
-Nach ferneren 3½ Tagen steht die Erde zwischen Sonne und Mond, und die
-Projektion seines Mittelpunktes liegt wieder mit den Mittelpunkten
-von Erde und Sonne in einer geraden Linie; dann erblicken wir die
-uns zugewendete Mondhälfte völlig erleuchtet. Der Mond steht in
-_Opposition_ (lat. = Entgegenstellung) zur Sonne. (Phase 5.)
-
-Wie die Verdunkelung des Mondes in Phase 6, 7 und 8 sich vollzieht,
-wird aus dem Gesagten genugsam erhellt.
-
-2. _Die Auf- und Untergangszeiten des Mondes in den verschiedenen
-Phasen._ Wenn der Mond an einem Tage mit der Sonne gleichzeitig
-kulminiert, so wird er, wie wir schon wissen, am nächsten Tage etwa
-50 Minuten später als die Sonne kulminieren. Ähnlich verhält es sich
-mit den Zeiten des Auf- und Unterganges beider Gestirne, aber nicht
-genau so; denn da der Mond in 27 Tagen 7 Stunden ungefähr dieselben
-Kreise an der Himmelskugel scheinbar durchläuft, die die Sonne in
-einem Jahr durchläuft, so werden sie selten beide denselben Kreis an
-demselben Tag durchlaufen, und daher werden sie an demselben Tage auch
-selten beide gleich lange über dem Horizonte stehen. Am 21. März würde
-z. B. Neumond im Äquator, erstes Viertel ungefähr im Wendekreise des
-Krebses, Vollmond im Äquator, letztes Viertel etwa im Wendekreise des
-Steinbocks stattfinden, und die übrigen Phasen lägen zwischen diesen
-Grenzen; am 21. Juni fänden die entsprechenden Phasen im Wendekreise
-des Krebses, im Äquator, im Wendekreise des Steinbocks und im Äquator
-statt usw. Die Differenzen zwischen den Aufgangszeiten beider Gestirne
-und ebenso die zwischen ihren Untergangszeiten werden deshalb andere
-sein, als die Differenzen ihrer Kulminationszeiten. Aber wenn man
-von Zeitunterschieden von einiger Größe absehen will, so kann man im
-allgemeinen doch sagen:
-
-Die Stellung des Vollmondes zu der Verbindungslinie von Erde und Sonne
-ergibt schon, daß der Vollmond um die Zeit des Sonnenunterganges
-aufgehen und um Sonnenuntergang untergehen muß; der Vollmond scheint
-also, wie man regelmäßig beobachten kann, die ganze Nacht. Der Neumond
-geht ungefähr gleichzeitig mit der Sonne auf und unter; er bleibt
-unsichtbar und steht scheinbar in ihrer Nähe während des ganzen Tages.
-
-
-§ 23.
-
-Lage der Mondbahn zur Ekliptik.
-
-[Illustration: Fig. 36.]
-
-Die Ebene der Mondbahn fällt nicht mit der Ebene der Ekliptik zusammen,
-sondern weicht um einen Winkel von 5° ab. In Fig. 36 ist ~EE~ die
-Ekliptik; ~MM~ die Projektion der Mondbahn auf die Himmelskugel;
-~ab~ ist die bis zum Himmel verlängerte gerade Linie, in welcher die
-Ebene der Erdbahn von der Ebene der Mondbahn durchschnitten wird: sie
-heißt die _Knotenlinie_. Ihre Endpunkte heißen _Knoten_, und zwar ~c~
-aufsteigender, ~d~ absteigender Knoten. Indem der Mond einen Knoten
-passiert, geht er auch scheinbar durch die Ekliptik; aufsteigend erhebt
-er sich über die Ekliptik, absteigend senkt er sich unter dieselbe
-herab.
-
-~c~ heißt _Drachenkopf_, ~d~ heißt _Drachenschwanz_. Die Zeit zwischen
-zwei aufeinander folgenden Ständen des Mondes im Drachenkopfe heißt ein
-_Drachenmonat_ oder _drakonischer Monat_. Er dauert 27 Tage 5 Stunden 2
-Minuten 36 Sekunden, ist also etwas kürzer als ein siderischer Monat.
-Das liegt daran, daß die Knoten nicht feststehende Punkte der Ekliptik
-sind. Weil nämlich nicht nur die Anziehungskraft der Erde, sondern
-auch die der ferneren Sonne auf den Mond wirkt, wird er bei jedem
-Umlaufe um die Erde etwas früher in die Erdbahn hineingezogen, als beim
-vorhergehenden Umlaufe. Daher bewegen sich die Knoten der Richtung der
-Mondrotation entgegen, d. h. von Osten nach Westen in der Ekliptik.
-Dabei dreht sich die Knotenlinie natürlich allmählich im Kreise herum.
-Die Zeit, in der sie einen ganzen Kreis beschreibt, in der also auch
-die Knoten in die erste Lage zurückkehren, beträgt rund 19 Jahre;
-deshalb fallen dann die Mondphasen wieder ziemlich auf dieselben Tage.
-
-
-§ 24.
-
-Die Mondfinsternisse.
-
-[Illustration: Fig. 37.]
-
-1. _Entstehung._ Wie jeder dunkle, von einer Lichtquelle beleuchtete
-Körper, werfen auch Erde und Mond in den von der Sonne abgewandten
-Raum Schatten. Da die Lichtquelle, die Sonne, in beiden Fällen eine
-größere, der beleuchtete Körper eine kleinere Kugel ist, so gibt es,
-wie aus Fig. 37 sofort ersichtlich, einen kegelförmigen, in eine
-Spitze auslaufenden Kernschatten und einen kegelstumpfförmigen, sich
-verbreiternden Halbschatten. Mondfinsternisse werden entstehen, wenn
-die Erde sich so zwischen Sonne und Mond stellt, daß der Mond in den
-Erdschatten tritt. Wie wir aus Fig. 35 erkennen können, ist das nur
-möglich bei Vollmond, also wenn der Mond in Opposition zur Sonne steht.
-
-In Fig. 37 bedeutet der Kreis um ~S~ die Sonne, ~E~ die Erde, ~M~ den
-Mond in drei verschiedenen Stellungen seiner Bahn um die Erde. Der
-dunkel schraffierte Raum hinter ~E~ ist der Kernschatten, der heller
-schraffierte der Halbschatten der Erde. In jenen fällt kein Licht
-von der Sonne, und die Sonne ist von ihm aus nicht sichtbar; in den
-Halbschatten fällt weniger Licht, als auf die der Sonne zugewandte
-Seite der Erde, und von der Sonne ist hier nur ein Teil sichtbar.
-
-2. _Verlauf._ Der Mond wird aber erst dunkel, wenn er in den
-Kernschatten der Erde tritt. Dieser ist, wie gezeigt, ein spitz
-zulaufender Kegel; daher muß er auf dem Monde stets als eine dunkle
-Scheibe erscheinen, die ihn ganz oder zum Teil verdunkelt. Da der Mond
-täglich 13° an den Fixsternen von Westen nach Osten vorüberzieht, die
-Erde aber nicht 1°, _so taucht er sich zuerst mit seiner östlichen
-Seite in den Erdschatten_, und uns _erscheint_ es, als ob der
-Erdschatten der Bewegungsrichtung des Mondes entgegen, also _von Osten
-nach Westen_, d. h. von der Erde gesehen, von links nach rechts über
-den Mond hinwegrückte.
-
-3. _Arten._ Man unterscheidet _partiale_ (teilweise) und _totale_
-(gänzliche) Mondfinsternisse. Liegen die Mittelpunkte von Sonne,
-Erde und Mond in einer geraden Linie, so entsteht eine _zentrale_
-Mondfinsternis. Diese ist stets eine totale, wie sich aus folgender
-Rechnung ergibt. Fig. 37 läßt erkennen, daß sich der Halbmesser
-der Sonne zu dem der Erde verhält, wie die Summe aus dem Abstand
-zwischen Sonne und Erde und der Länge des Erdschattens zur Länge des
-Erdschattens. Man hat nun berechnet, daß der Halbmesser der Sonne etwa
-108½mal so groß ist als der der Erde. Demnach muß auch die Summe aus
-dem Abstand beider Körper voneinander und der Länge des Erdschattens
-das 108½fache dieser Länge betragen, oder, wenn wir die Länge des
-Erdschattens mit x bezeichnen, so ist
-
- 150000000 + ~x~ = (108½)~x~,
-
-woraus sich ergibt: ~x~ = rund 1394000 ~km~.
-
-Weiter verhält sich, wie wieder unmittelbar aus Fig. 37 zu ersehen
-ist, der Erdhalbmesser zum Halbmesser des Schattens in der Entfernung
-des Mondes von der Erde wie die Länge des Erdschattens zur Differenz
-zwischen dieser und dem Abstand zwischen Mond und Erde, oder, wenn
-wir den Erdhalbmesser ~r~ und den Halbmesser des Schattens an der
-angegebenen Stelle ~x~ nennen, so ist
-
- ~r~ : ~x~ = 1394000 : (1394000 − 382000)
-
-oder rund = 1394000 : 1000000, woraus sich ergibt: ~x~ ist ungefähr
-= (5/7)~r~, der Durchmesser des Schattens an jener Stelle also =
-(10/7)~r~ = 9100 ~km~. Der Durchmesser des Mondes ist auf 3480 ~km~
-berechnet worden, d. h. der Durchmesser des Schattens beträgt an
-der Stelle, wo der Mond durch ihn verfinstert werden kann, etwa
-das 2-2/3fache des Monddurchmessers. Daher wird der Mond bei einer
-zentralen Finsternis stets ganz verfinstert.
-
-4. _Sichtbarkeit._ Für alle Orte der Erde, für die bei einer
-Mondfinsternis der Mond überhaupt sichtbar ist, d. h. _für die ganze
-Halbkugel_, über deren Horizont er dann steht, die also Nacht hat, ist
-auch die Mondfinsternis sichtbar. Das ergibt unmittelbar Fig. 37. Sie
-ist auch, absolut angesehen, in demselben Augenblicke sichtbar, wenn
-auch für Orte unter verschiedenen Meridianen zu verschiedenen Stunden.
-
-5. _Bedingungen der Mondfinsternis._ Lägen Erdbahn und Mondbahn
-in derselben Ebene, so müßte bei jedem Vollmonde der Mond in den
-Kernschatten der Erde treten, und es müßte eine zentrale Finsternis
-entstehen. Weil aber die Mondbahnebene mit der Erdbahnebene einen
-Winkel von 5° bildet und sie schneidet, so geht der Mond bald über,
-bald unter dem Erdschatten weg, ohne daß eine Mondfinsternis entsteht.
-
-Offenbar tritt also eine zentrale Mondfinsternis, wie in Fig. 37, nur
-ein, wenn gerade bei Vollmond der Mond in einem seiner Knoten steht.
-Diese Finsternis ist, wie wir eben sahen, auch stets eine totale.
-
-Weil aber der Erdschatten in der Entfernung des Mondes von der
-Erde einen 2-2/3mal so großen Durchmesser hat als der Mond, so ist
-eine Mondfinsternis auch dann noch möglich, wenn der Mond zur Zeit
-des Vollmondes nur in der Nähe eines Knotens steht. Sie kann sogar
-noch total sein, wenn die Entfernung des Mondes vom Knoten etwa 5°
-beträgt; bei einer Entfernung von mehr als 13° ist auch eine partiale
-Mondfinsternis nicht mehr möglich.
-
-6. _Dauer der Mondfinsternis._ Die Breite des Schattens der Erde in der
-Entfernung des Mondes ist nicht immer ganz dieselbe, da die Entfernung
-zwischen Sonne und Erde, ebenso wie die zwischen Mond und Erde nicht
-immer ganz dieselbe ist. Der Schatten ist am breitesten, wenn die
-Erde im Aphel und der Mond im Perigäum steht. In solchem Falle wird
-auch die Mondfinsternis am längsten dauern. Eine ungefähre Berechnung
-der Dauer einer zentralen Mondfinsternis ist folgendermaßen möglich.
-Der Durchmesser des Mondes erscheint von der Erde aus unter einem
-Winkel von 30´, daher die in derselben Entfernung etwa 2-2/3 oder rund
-dreimal so große Breite des Erdschattens unter einem Winkel von 90´.
-Nun durchläuft der Mond in 27-1/3 Tagen 360°, also 30´ in (82 · 24)/(3
-· 360 · 2) = 41/45 oder rund 1 Stunde. Bei einer zentralen Finsternis
-wird also der Mond, nachdem sein Ostrand eben in den Erdschatten
-eingetaucht ist, etwa eine Stunde gebrauchen, bis er völlig verfinstert
-ist. Dann hat er noch 60´ des Schattens zu durchlaufen, bleibt also
-noch etwa 2 Stunden ganz verfinstert und tritt nach einer weiteren
-Stunde ganz aus dem Schatten heraus. Das ergäbe für die Gesamtdauer
-einer totalen Mondfinsternis rund 4 Stunden. Genauere Rechnungen
-ergeben, daß eine totale Mondfinsternis in ihrem ganzen Verlaufe
-höchstens 4 Stunden 38 Minuten, eine partiale nicht über 2 Stunden 18
-Minuten dauert.
-
-7. _Häufigkeit der Mondfinsternisse._ Weil der Vollmond nur zweimal im
-Jahre in der Nähe der Knoten sich befindet, so können auch höchstens
-zwei Mondfinsternisse in einem Jahre stattfinden, die dann etwa ein
-halbes Jahr auseinander liegen. In Wirklichkeit finden in 19 Jahren
-durchschnittlich 29 Mondfinsternisse statt, jedesmal eine im auf-, die
-andere im absteigenden Knoten.
-
-8. _Farbe des verfinsterten Mondes._ Der Mond hat keine Atmosphäre
-(s. § 26); hätte auch die Erde keine, so müßte der verfinsterte Mond
-ganz unsichtbar sein. In Wirklichkeit sieht man die Scheibe in matt
-rötlichem Schimmer leuchten. Weil die Erde eine Atmosphäre hat, so
-ist sie für andere Himmelskörper mit einem rötlichen Ringe (unserer
-Dämmerungszone!) umgeben; dieser sendet Licht in den Schattenraum der
-Erde, also auch zum verfinsterten Monde, und zwar um so mehr, je mehr
-Wasserdampf unsere Atmosphäre zufällig gerade enthält. Daher lauten
-auch die Berichte über die Farbe der Mondscheibe bei Verfinsterungen
-sehr verschieden; sie erscheint rosa-, kupfer-, hoch-, grau- oder
-blaurot. Manchmal fehlt eine Färbung so gut wie ganz; daher war am 25.
-April 1642 der Mond gar nicht mehr zu erblicken, ebenso 1816 einmal.
-
-
-§ 25.
-
-Die Sonnenfinsternisse.
-
-1. _Entstehung._ Die Sonnenfinsternisse müßten eigentlich
-Erdfinsternisse heißen; denn sie entstehen, wenn der Mond bei Tage so
-zwischen Erde und Sonne tritt, daß deren Strahlen einen Teil der ihr
-zugewandten Erdhälfte nicht treffen können, oder anders ausgedrückt,
-daß der Mondschatten die Erde trifft.
-
-[Illustration: Fig. 38.]
-
-[Illustration: Fig. 39.]
-
-Die Figuren 38 und 39, in denen Kreis ~S~ die Sonne, ~M~ den Mond, ~E~
-die Erde bedeutet, lassen erkennen, daß das nur möglich ist, wenn der
-Mond in Konjunktion zur Sonne steht, also bei Neumond. Die Erde wird
-also durch den Schatten des Mondes verdunkelt, die Sonne bleibt hell,
-wenn auch vor dem Monde nicht sichtbar.
-
-2. _Verlauf._ Der Mond läuft mit der Erde von Westen nach Osten um
-die Sonne, aber schneller als die Erde, da die von ihm durchlaufene
-Schlangenlinie länger als die elliptische Erdbahn ist. Darum _bedeckt
-er erst den Westrand der Sonne_ und _zieht nach Osten_ zu über sie hin.
-
-3. _Sichtbarkeit._ Eine Sonnenfinsternis ist nicht für alle Orte der
-Erdoberfläche, denen die Sonne überhaupt sichtbar ist, oder, was
-dasselbe ist, nicht für die ganze Halbkugel, die gerade Tag hat,
-sichtbar. Die Erde ist ja viel größer als der Mond selbst, also ihr
-Durchmesser erst recht größer, als der Durchmesser des Kernschattens
-vom Monde dort ist, wo er die Erde trifft. Ja, ihr Durchmesser ist
-sogar größer, als der des Halbschattens vom Monde an dieser Stelle
-ist. Also kann gleichzeitig von drei Orten, die alle drei Tag haben,
-dem einen die Sonne ganz, dem anderen zum Teil, dem dritten gar nicht
-verfinstert erscheinen. Das zeigt auch ein Blick auf Fig. 38. Da der
-Mondschatten von Westen nach Osten über die Erde hinstreicht, wird
-die Sonnenfinsternis auch für Orte, denen sie sichtbar ist, nicht
-gleichzeitig eintreten, sondern für westlich gelegene früher.
-
-4. _Bedingungen der Sonnenfinsternis._ Auch eine Sonnenfinsternis
-findet natürlich nicht mit jedem Neumonde statt, sondern nur, wenn der
-Mond gleichzeitig in oder nahe bei einem Knoten steht.
-
-Es sind dann aber noch keineswegs immer die Bedingungen für eine
-völlige Verfinsterung der Sonne erfüllt; oft ist die Verfinsterung
-vielmehr für alle Punkte, denen sie überhaupt sichtbar ist, nur eine
-teilweise. Dann trifft eben der Kernschatten des Mondes die Erde nicht,
-sondern nur der Halbschatten. Diesen Fall stellt Fig. 39 dar. Er tritt
-ein, wenn zur Zeit der Sonnenfinsternis die Erde im Perihel und der
-Mond im Apogäum steht. Nennen wir nämlich den Halbmesser der Sonne ~s~,
-den des Mondes ~m~, den Abstand zwischen Sonne und Mond, den man als
-Differenz von Sonnen- und Mondweite finden kann, ~a~, die Länge des
-Schattenkegels ~x~, so folgt aus Fig. 38 oder 39 sofort
-
- ~s~ : ~m~ = (~a~ + ~x~) : ~x~,
-
-woraus sich ergibt
-
- ~x~ = (~a~ · ~m~)/(~s~ − ~m~).
-
-Nun hat ~a~ seinen kleinsten Wert, wenn die Erde im Perihel, der
-Mond im Apogäum steht, nämlich 147680000 ~km~ − 410000 ~km~, woraus
-sich ergibt: ~x~ ungefähr = 370000 ~km~ gegenüber dem Abstande des
-Mondes von der Erde im Apogäum = 410000 ~km~. Also hier erreicht der
-Kernschatten des Mondes die Erde wirklich nicht. Dagegen ist bei der
-umgekehrten Stellung, Erde im Aphel und Mond im Perigäum (s. Fig. 38),
-der Kernschatten des Mondes länger als der Abstand des Mondes von der
-Erde, nämlich jener über 380000 ~km~, dieser noch nicht 370000 ~km~.
-Somit ergibt sich für diese Stellung der Himmelskörper die Möglichkeit
-einer totalen Sonnenfinsternis.
-
-Unmöglich ist eine Sonnenfinsternis, wenn der Neumond 19° vom Knoten
-entfernt ist; gewiß ist sie, wenn die Entfernung bloß 13° beträgt.
-Total kann die Finsternis bei 7--13° Entfernung des Neumondes vom
-Knoten sein.
-
-[Illustration: Fig. 40.]
-
-5. _Arten._ Die Sonnenfinsternis ist, wie sich aus dem Vorhergehenden
-ergibt, entweder für verschiedene Gegenden verschieden, nämlich teils
-_partial_, teils _total_ (Fig. 38), oder für alle Gegenden, denen sie
-sichtbar wird, partial (Fig. 39). Im zweiten Falle ist die Finsternis
-für den Punkt der Erdoberfläche, durch den die Verbindungslinie der
-Mittelpunkte von Sonne, Mond und Erde geht, ~ringförmig~, d. h. der
-sichtbare Teil der Sonne bildet um den verfinsterten Teil einen
-Kreisring. In Fig. 40 zeigt ~a~ das Sonnenbild bei einer partialen, ~b~
-bei einer totalen und ~e~ bei einer ringförmigen Verfinsterung. Die
-Finsternisse in Fig. 40 ~b~ und ~c~ sind zugleich _zentral_.
-
-6. _Dauer der Sonnenfinsternisse._ Die längste Dauer einer _totalen_
-Sonnenfinsternis für die ganze Erde kann 4 Stunden 38 Minuten sein,
-dagegen für einen einzelnen Ort, und zwar für den Äquator, höchstens 7
-Minuten 38 Sekunden. Eine Sonnenfinsternis (Anfang bis Ende) kann für
-die ganze Erde 7 Stunden dauern. Wenn die Erde nicht zugleich mit dem
-Monde von Westen nach Osten rotierte, so würde die Zeit der Finsternis
-für einen einzelnen Ort noch kürzer sein.
-
-7. _Häufigkeit der Sonnenfinsternisse._ In 19 Jahren gibt es
-durchschnittlich 41 Sonnenfinsternisse für die ganze Erde. Dagegen
-ereignen sich für einen bestimmten Ort die Sonnenfinsternisse dreimal
-so selten als Mondfinsternisse. Eine totale Sonnenfinsternis tritt für
-denselben Ort der Erde nur etwa alle 200 Jahre ein.
-
-8. _Eigentümliche Erscheinungen bei den Sonnenfinsternissen._
-Vor Eintritt einer totalen Verfinsterung, solange die Sonne noch
-Sichelgestalt hat, erscheinen die Lichter, die durch das Laub der Bäume
-fallen und sonst kreisrund sind, auch sichelförmig. Unmittelbar vor
-der totalen Verfinsterung huschen unheimliche fliegende Schattenbänder
-mit gewaltiger Schnelligkeit über die Landschaft hin, deren Ursache
-noch nicht klar ist und vor denen namentlich die Tiere sich entsetzen.
-Mit Eintritt der völligen Finsternis wird der Himmel schwärzlichblau,
-die Luft kühlt sich rasch ab, es beginnt zu tauen, Wolken bilden sich,
-die Vögel fliegen in ihr Versteck, Blumen schließen ihre Kelche, ein
-unheimliches Gefühl ergreift den Menschen. Bei heiterem Himmel sieht
-man um den dunklen Mond einen glänzenden Ring von grünlichweißem
-Lichte, aus dem lebhaft rote Gebilde oft sehr weit in den Weltraum
-hinaustreten. Diese Lichterscheinungen gehören natürlich der Sonne an
-und sollen in § 32 näher besprochen werden.
-
-Partielle Sonnenfinsternisse vermindern die Tageshelle je nach dem
-Umfange der Verfinsterung; man kann sie am besten durch dunkel gefärbte
-Gläser wahrnehmen.
-
- _Bemerkung._ Aus der Lage der Mondbahn zur Ekliptik ergibt
- sich, daß alle Finsternisse sich in der Nähe der Ekliptik
- ereignen müssen; daher ihr schon in § 10 erklärter Name.
-
-
-§ 26.
-
-Physikalische Beschaffenheit des Mondes.
-
-[Illustration: Fig. 41.]
-
-1. _Größe und Gestalt._ Der Durchmesser des Mondes erscheint von der
-Erde aus gesehen unter einem Winkel von 30´, also der Halbmesser unter
-einem Winkel von 15´. Ist der Kreis um ~M~ der Mond, ~E~ ein Punkt der
-Erde, so kann man bei der großen Entfernung ohne merklichen Fehler die
-Linie ~AE~ (Fig. 41), die zu einem Endpunkte des auf ~EM~ senkrechten
-Durchmessers ~AB~ führt, als Tangente ansehen, also:
-
- ~AM~ = ~EM~ · ~tg~ 15´ und
- ~AB~ = 2 · ~EM~ · ~tg~ 15´.
-
-Da ~EM~, der Abstand des Mondes von der Erde, bekannt ist, kann man
-hieraus den Durchmesser des Mondes bestimmen. Nach möglichst genauer
-Bestimmung beträgt er rund 3480 ~km~, sein Umfang also π · 3480 ~km~ =
-11000 ~km~; seine Oberfläche, die daraus ja leicht zu berechnen ist,
-ist kleiner als Asien, seine Dichtigkeit halb so groß als die der Erde.
-
-Aus theoretischen Gründen ist man zu der Annahme gekommen, daß der
-Mond polar und äquatorial ein wenig abgeplattet ist; doch haben die
-genauesten Beobachtungen mit den besten Fernrohren keinen sicheren
-Anhalt dafür gegeben. Er erscheint durchaus kugelförmig. Ist eine
-Abplattung vorhanden, so muß sie sehr gering sein.
-
-2. _Die Oberfläche des Mondes._ Wegen seiner Nähe ist die _Oberfläche
-des Mondes verhältnismäßig genau bekannt_. Unsere Fernrohre gestatten
-eine 3000--5000fache Vergrößerung und nähern uns den 384000 ~km~
-entfernten Mond auf 80--100 ~km~. Im allgemeinen benutzt man aber zur
-Beobachtung des Mondes höchstens 450fache Vergrößerungen, bei denen
-Oberflächenteile, die durch Helligkeit oder Dunkelheit sich von ihrer
-Umgebung abheben, bei einem Durchmesser von 550 ~m~ noch wohl erkennbar
-sind.
-
-Im ersten Viertel bemerkt man eine große Zerrissenheit der Lichtgrenze;
-man sieht leuchtende Punkte außer allem Zusammenhange mit dem hellen
-Teile des Mondes selbst in der dunklen Seite, während zugleich solche
-isolierte Lichtstellen mit dem hellen Teile durch Lichtstreifen wie
-durch Brücken verbunden sind. Sodann sieht man in der Nähe hellerer
-Flecke im hellen Teile schwarze Flecke, die so lang sind, daß sie in
-die Schattenseite hineinreichen. Jene helleren Flecke sind Berge, die
-schwarzen deren Schatten. Die Lichtstärke des Mondes ist überall gleich.
-
-Am anderen Tage schon bietet sich ein anderes Bild dar. Die Schatten
-sind kürzer geworden, weil die Berge senkrechter von der Sonne
-beschienen werden. Der Vollmond sieht wieder ganz anders aus, weil die
-Sonne für den Mittelpunkt der Mondscheibe im Zenit steht und diese
-Gegenden ohne Schatten sind, und weil die Schatten auch nach den
-Rändern der Mondscheibe hin nur gering sind. Die Berge erscheinen nur
-undeutlich.
-
-Das letzte Viertel ist wieder dem ersten ähnlich. Folglich hat der
-Mond eine sehr unebene Oberfläche mit Bergen und Tälern. Mehr als
-1000 Mondberge sind gemessen mit Hilfe ihres Schattens; darunter
-sind 39 über 4500 ~m~ hoch, einige 7200 ~m~, einer, wie der
-Gaurisankar, 8800 ~m~. Das sind in Anbetracht der Kleinheit des Mondes
-außerordentliche Höhen.
-
-Schon mit bloßem Auge unterscheidet man dunkle Flecke auf dem Monde.
-Im Fernrohre erkennt man sie als umfangreiche _Ebenen_, die meist grau
-oder grünlich erscheinen. Sie liegen meist tiefer als die gewöhnlich
-helleren gebirgigen Teile und werden _Meere genannt_, weil man sie
-früher dafür hielt. Unter den Gebirgen herrscht das Massengebirge vor,
-Bergketten sind selten. In den grauen Flächen, den Ebenen, erheben
-sich häufig sogenannte _Bergadern_, niedrige, 450--600 ~km~ lange
-Bergrücken, die dunkel erscheinen. Die _häufigste Form der Bergbildung
-ist die Ringform_. Große ringförmige Erhebungen umgrenzen tiefere,
-selten ganz ebene Stellen der Mondoberfläche. Man unterscheidet
-Wallebenen, Ringgebirge und Krater. Die Umrandung der _Wallebenen_ hat
-einen gewaltigen Durchmesser, bis zu 220 ~km~, und hat in allen Teilen
-ziemlich gleiche Höhe; der eingeschlossene Teil ist wenig oder gar
-nicht niedriger als die übrige Mondoberfläche und meist mit Erhebungen
-besetzt. Das _Ringgebirge_ ist enger, wenn es auch noch bis zu 90
-~km~ Durchmesser zeigt; der eingeschlossene Teil ist ziemlich viel
-tiefer als die äußere Umgebung, über die sich die Wälle nicht allzuhoch
-erheben, und hat in der Mitte meist einen oder mehrere kegelförmige
-Berge, die niedriger als die Umwallung sind. Die engeren Ringgebirge
-mit besonders tiefen Innenflächen heißen _Krater_. Die Kettengebirge
-heißen meist nach irdischen Gebirgen (Anden, Kordilleren), die
-Ringgebirge nach berühmten Männern (Tycho, Kopernikus, Kepler,
-Plato). --
-
-Eine höchst eigenartige Erscheinung auf der Mondoberfläche sind die
-_Rillen_, meist gerade, 75--200 ~km~ lange Linien, die quer durch alle
-Unebenheiten, selbst durch Krater sich hinziehen. Es sind offenbar
-Spalten, da man bei schräger Beleuchtung im Innern den Schatten eines
-ihrer Ränder wahrnimmt. Sie erreichen 300--600 ~m~ und werden auf
-Tiefen von 100--400 ~m~ geschätzt. Man kennt an 400 solcher Rillen.
-Über die Entstehung und das Wesen dieser Erscheinungen sind die
-Forscher noch sehr verschiedener Meinung.
-
-3. _Das Fehlen der Atmosphäre._ Der Mond _hat keine Atmosphäre_.
-_Beweise_: ~a~) Für jeden Körper, der eine Atmosphäre hat, werden
-die schräg auffallenden Strahlen wegen des weiteren Weges durch die
-Atmosphäre stärker abgeschwächt, als die senkrecht auffallenden. Für
-den Mond kommen die Sonnenstrahlen, die seinen Rand treffen, von seinem
-Horizont, also schräger, als an anderen Stellen. Demnach _müßte der
-Rand matter leuchten als die Mitte_. Das ist nicht der Fall.
-
-~b~) _Die Schatten der Mondberge_ sind ganz schwarz und nicht grau, wie
-sie beim Vorhandensein einer Atmosphäre sein müßten.
-
-~c~) _Das Licht der Fixsterne_, die hinter dem wandelnden Monde
-verschwinden, müßte vorher schon _abgeschwächt_ werden, da es seine
-Atmosphäre durchdringen müßte, und auch zunächst wieder abgeschwächt
-erscheinen. Die Sterne verschwinden aber und erscheinen wieder
-plötzlich ohne Lichtschwächung.
-
-~d~) Aus der Optik ist bekannt, daß wir wegen der astronomischen
-Strahlenbrechung unserer Atmosphäre die Sonne _noch_ kurz nach ihrem
-Untergange und _schon_ kurz vor ihrem Aufgange sehen. Ebenso müßten
-_die Fixsterne noch kurz nach und schon kurz vor ihrem Verschwinden
-hinter dem Monde sichtbar sein_. Das aber ist nicht der Fall, wie
-durch Vergleichung der durch Beobachtung gefundenen Zeit mit der aus
-der Geschwindigkeit und dem Durchmesser des Mondes berechneten Zeit
-nachgewiesen ist.
-
-~e~) Die Spektralanalyse zeigt, daß die Spektren der Planeten, die wie
-der Mond ihr Licht von der Sonne empfangen, zwar dem Sonnenspektrum
-sehr ähnlich sind, aber doch einige neue Linien enthalten. Das
-kommt daher, daß die Sonnenstrahlen, nachdem sie von der Oberfläche
-der Planeten zurückgeworfen sind, noch die absorbierenden Gase der
-Planetenatmosphäre durchlaufen. Das Spektrum des Mondes aber stimmt
-ganz mit dem Sonnenspektrum überein; ihm fehlt also die Atmosphäre.
-
-Eine _Folge dieses Fehlens der Atmosphäre_ ist, daß der Mond auch
-am Tage keinen durch eine Atmosphäre blau gefärbten, sondern einen
-schwarzen Himmel hat, daß ihm die Sonne und die Sterne viel heller
-leuchten als uns. Auch kann kein flüssiges Wasser auf dem Monde
-vorhanden sein, da es sofort verdunsten würde. Er ist jedenfalls als
-ein starrer Körper anzusehen, auf dem jedes Leben unmöglich sein muß.
-
-
-§ 27.
-
-Der Kalender.
-
-1. _Entstehung._ Das Bedürfnis, die Zeit in größere und kleinere
-Abschnitte zu teilen, ist uralt. Zu einer solchen Zeiteinteilung
-gaben besonders die Sonne und der Mond Veranlassung, und so entstand
-der _Kalender_. (Das Wort kommt vom lateinischen Zeitwort ~calare~
-= ausrufen; die römischen Priester mußten den Tag des eingetretenen
-Neumondes -- also den Monatsanfang -- öffentlich ausrufen; deshalb
-wurde dieser Tag ~Calendae~ genannt, und hiervon kommt unmittelbar
-unser Wort Kalender.)
-
-2. _Grundlage._ Unserem Kalender liegt das _tropische Jahr_ zugrunde,
-d. h. die Zeit des Sonnenlaufs von Frühlingsknoten zu Frühlingsknoten =
-365 Tage 5 Stunden 48 Minuten 48 Sekunden.
-
-3. _Der Tag._ ~a~) _Sonnen- und Sterntag._ Als kürzestes _natürliches_
-Zeitmaß gilt die Zeit von einer Kulmination der Sonne bis zur nächsten;
-man nennt sie einen _Tag_, genauer _Sonnentag_. So heißt er zum
-Unterschiede vom _Sterntag_, der ja um etwa 4 Minuten kürzer ist. Wir
-wissen, daß die größere Länge des Sonnentages davon kommt, daß die
-Erde nicht nur von Westen nach Osten rotiert, sondern gleichzeitig in
-dieser Richtung fortrückt, was ein scheinbares Fortrücken der Sonne
-in der Ekliptik zur Folge hat. Nun bewegt sich aber die Erde nicht
-gleichmäßig in ihrer Bahn, sondern im Perihel schneller als im Aphel;
-daher wird auch die Sonne in der Ekliptik an verschiedenen Tagen
-verschieden weit vorrücken. Ja, wenn sie sogar täglich um denselben
-Bogen in der Ekliptik vorrückte, so würden die entsprechenden Bogen im
-Äquator doch ungleich sein, weil die Ekliptik gegen den Äquator geneigt
-ist. Zur Zeit der Sonnenwenden, wo die Ekliptikbögen eines Tages
-ziemlich parallel zum Äquator liegen, rückt die Sonne in einem Tage
-mehr nach Osten vor, als zur Zeit der Nachtgleichen, wo die stärkste
-Neigung zwischen Ekliptik- und Äquatorbogen besteht. Also sind die
-wahren Sonnentage verschieden lang, weil die Erde ihre Jahresbahn nicht
-mit gleichmäßiger Geschwindigkeit durchläuft und die Ekliptik schief
-gegen den Äquator liegt. Deshalb sind sie auch zur Zeiteinteilung
-ungeeignet, und unser bürgerlicher Tag ist der _mittlere_ Sonnentag,
-d. h. die Zeit zwischen zwei Kulminationen einer gedachten Sonne,
-die mit gleichförmiger Geschwindigkeit den Äquator in derselben
-Zeit durchliefe, in der die wahre Sonne jetzt mit ungleichförmiger
-Geschwindigkeit die Ekliptik durchläuft. Eine gute Räderuhr gibt
-diesen Tag an, eine Sonnenuhr den wahren Sonnentag. Der Tag wird in 24
-Stunden, die Stunde in 60 Minuten, die Minute in 60 Sekunden eingeteilt.
-
-Der _bürgerliche Tag_ geht von Mitternacht zu Mitternacht und zählt
-zweimal von 1 Uhr bis 12 Uhr.
-
-Die Astronomen rechnen nach den kürzeren Sterntagen, und der
-_astronomische Tag_ geht von Mittag zu Mittag. Er zählt 1 -- 2 -- 3
--- -- 12 -- 13 usw. Uhr bis 24. Er führt das Datum des vorhergehenden
-bürgerlichen Tages bis 24 Uhr, d. h. bis 12 Uhr mittags fort.
-
-~b~) _Die Zeitgleichung._ Viermal im Jahre, am 14. April, 14. Juni, 31.
-August, 23. Dezember stimmen mittlere und wahre Sonnenzeit überein.
-Den Unterschied zwischen der mittleren und wahren Zeit nennt man die
-Zeitgleichung und gibt ihr das positive Vorzeichen, wenn man sie zur
-wahren Zeit addieren muß, um die mittlere zu erhalten, das negative,
-wenn man subtrahieren muß. Ist also für einen bestimmten Tag die
-Zeitgleichung als +11 angegeben, so heißt das: Am wahren Mittag zeigt
-die Räderuhr schon 12 Uhr 11 Minuten. Die Zeitgleichung ist vom 23.
-Dezember bis zum 14. April und vom 14. Juni bis zum 31. August positiv,
-vom 14. April bis zum 14. Juni und vom 31. August bis zum 23. Dezember
-negativ. Ihre größten Zahlenwerte erreicht sie am 11. Februar, wo sie
-+15 Minuten, und am 2. November, wo sie -16 Minuten beträgt. Hieraus
-erklärt es sich, daß man das Zunehmen der Tage im Februar und ihr
-Abnehmen im November am stärksten nachmittags bemerkt.
-
-~c~) _Mitteleuropäische Zeit._ Natürlich geht auch bei der Rechnung
-nach mittleren Sonnentagen, wie beim wahren Sonnentage, die Uhr der
-östlicher gelegenen Orte vor unserer vor, die der westlicher gelegenen
-nach, d. h. jeder Ort hat seine besondere Ortszeit. Das hat bei dem
-gewaltigen Verkehr der Gegenwart aber viel Unbequemlichkeiten im
-Gefolge, namentlich für den Eisenbahnverkehr und den Eisenbahndienst.
-Daher hat man schon vor Jahren vorgeschlagen, die Erde in 24
-_Stundenzonen_, also Zonen von 15° Breite (15 · 4 Minuten!),
-einzuteilen und für jede solche Zone unbekümmert um die Ortszeit die
-Uhren übereinstimmen, von denen der Nachbarzone aber um eine Stunde
-abweichen zu lassen. Eine solche Zone sollte sich 7½° östlich und 7½°
-westlich von Greenwich erstrecken und Greenwicher Zeit haben; für die
-östlich davon gelegene würde die Zeit des 15. Meridians östlich von
-Greenwich, das ist ziemlich genau die Ortszeit von Stargard in Pommern,
-die Einheitszeit sein. Da dieser Zone fast ganz Deutschland angehört,
-mit Ausnahme eines schmalen Striches im Westen, der etwa durch eine
-Linie Leer, Dortmund, Neuwied, Pirmasens, Kolmar zu begrenzen wäre,
-so wurde im Jahre 1893 für Deutschland die Stargarder Zeit unter dem
-Namen _mitteleuropäische Zeit_ als Einheitszeit eingeführt. Schweden
-hat dieselbe Einheitszeit schon seit 1879. Die wahre Ortszeit von
-Aachen ist um mehr als eine halbe Stunde hinter ihr zurück, die von
-Königsberg um mehr als 20 Minuten voraus. Frankreich hat sich dieser
-Zoneneinteilung, nach der es mit England gleiche Zeit haben würde,
-nicht angeschlossen, sondern benutzt als Einheitszeit die Zeit des
-Meridians der Pariser Sternwarte und weicht deshalb von der englischen
-Zeit um 10 Minuten ab. Rußland aber regelt seine Zeit ebenfalls unter
-Benutzung des Meridians von Greenwich und ist uns in der Uhr um eine
-Stunde voraus.
-
-4. _Die Woche._ Viele Völker haben 7 Tage als größeren Zeitabschnitt --
-Woche -- zusammengefaßt, am frühesten wohl die Semiten. Wahrscheinlich
-ist das auf Grund der Mondbeobachtung geschehen. (Ungefähr die Zeit von
-einer Phase bis zur nächsten.)
-
-_Die Namen der Wochentage_ sind Überreste der Astrologie (Wahrsagerei
-aus dem Stand der Gestirne), und zwar sind die Tage benannt nach
-Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond. Nach der Meinung
-der Chaldäer und Ägypter beherrschen diese in der genannten Reihenfolge
-die einzelnen Stunden des Tages. Nach dem die erste Stunde des Tages
-beherrschenden Planeten erhielt der Tag seinen Namen. Bei den Ägyptern
-war unser Sonnabend der erste Wochentag. Saturn aber beherrschte die
-erste Stunde dieses Tages, deshalb hieß er Saturnstag (englisch heute
-noch ~Saturday~), Jupiter beherrschte die zweite Stunde usw., folglich
-kam auf die Sonne die 25. Stunde, d. h. die erste Stunde des nächsten
-Tages, der also Sonntag genannt wurde. Montag = Mondstag, Dienstag
-= Tag des (Kriegsgottes) Mars, dem der deutsche Gott Ziu entsprach,
-also Ziustag, woraus Dienstag entstand. An die Stelle des Merkurtages
-(Wodantages, engl. ~Wednesday~) trat die Benennung Mittwoch. Der
-Jupiterstag wurde Donnerstag vom Gott Donar; der Venustag wurde Freitag
-von der Göttin Freia.
-
-5. _Der Monat._ Der Name kommt von »Mond«. Im Altertum war ein Monat
-der synodische Monat, also die Zeit von einer bestimmten Stellung des
-Mondes zur Sonne bis zur Wiederkehr derselben Stellung, z. B. von
-Neumond zu Neumond, also 29½ Tage lang; man gab aber dem Monat in der
-Zeitrechnung bald 29, bald 30 Tage, um mit vollen Tagen zu rechnen.
-Zwölf solche Monate sind also 354 Tage.
-
-_Die Namen der Monate_ sind lateinischen Ursprungs. Januar von Janus,
-dem Gotte der Zeit, dem der erste Tag dieses Monats bei den Römern
-geweiht war. Februar von _februare_ = reinigen, da das Reinigungsfest
-der Römer in diesem Monate gefeiert wurde. März von Mars. April von
-_aperire_ = öffnen, nämlich der Blüten. Mai von der Göttin Maja.
-Juni von der Göttin Juno. Der Juli von Julius Cäsar; er hieß früher
-Quintilis, der fünfte, nämlich nach dem 1. März, mit dem die Römer das
-Jahr begannen. August vom Kaiser Augustus; er hieß früher Sextilis, der
-sechste. September = der siebente; Oktober = der achte; November = der
-neunte; Dezember = der zehnte.
-
-Karls d. Gr. Monatsnamen sind: Wintermonat, Hornung, Lenz-, Oster-,
-Wonne-, Brach-, Heu-, Ernte-, Herbst-, Wein- und Heil- oder Christmonat.
-
-6. _Das Jahr._ Die meisten Völker rechneten wohl anfangs nach
-_Mondjahren_ zu 354 Tagen, die Mohammedaner tun das heute noch. Da
-aber bei dieser Rechnung das Datum des Frühlingsäquinoktiums und der
-übrigen wichtigen Tage um 11 Tage vorrückte, so zeigte sich namentlich
-bei den ackerbautreibenden Völkern schon früh das Verlangen, ihre
-Zeitrechnung mit dem Laufe der Sonne, der für ihre Beschäftigung so
-wichtig war, in Einklang zu bringen. Die Ägypter rechneten daher bald
-nach _Sonnenjahren_, und zwar vom ersten Aufgange des Sirius vor
-Sonnenaufgang am Morgenhimmel bis zu demselben Termin. Das gab 365
-Tage. Sie zählten nun 11 Monate zu je 30, den zwölften zu 35 Tagen.
-Die Griechen halfen sich durch Einführung des sogenannten _Metonschen
-Zyklus_, den der Athener Meton um 450 v. Chr. vorschlug. Dieser Zyklus
-umfaßte 19 Jahre, zählte zwar immer noch den Monat mit abwechselnd 29
-und 30 Tagen, schob aber im 3., 5., 8., 11., 13., 16. und 19. Jahre je
-einen Schaltmonat und in bestimmten Zwischenräumen noch einen Schalttag
-ein, so daß das Jahr im Durchschnitt nur etwa eine halbe Stunde zu lang
-wurde.
-
-Diese ziemlich verwickelte Zeitrechnung der Griechen übernahmen die
-Römer in einer weniger vollkommenen Gestalt. Daher war bis zum Jahre 46
-vor Christus der römische Kalender ganz in Unordnung. Cäsar setzte auf
-den Rat des Astronomen Sosigenes dem Jahre 46 noch zwei Schaltmonate
-von zusammen 67 Tagen hinzu, so daß der nächste 1. Januar richtig gemäß
-dem Sonnenstande fiel. Nun führte Cäsar die Rechnung nach Sonnenjahren
-ein und nahm ein Jahr von 365 Tagen und 6 Stunden an, so daß auf je 3
-Jahre je 365 Tage, auf das 4. Jahr 366 Tage kamen und der 29. Februar
-der Schalttag wurde. Die Monate wurden teils zu 30, teils zu 31 Tagen
-gerechnet bis auf den Februar, der damals der letzte Monat im Jahre
-war. Das ist der _julianische Kalender_.
-
-Das tropische Jahr ist in Wirklichkeit etwas kürzer als das julianische
-Jahr, und zwar um 6 Stunden weniger 5 Stunden 48 Minuten 48 Sekunden,
-d. i. mehr als 11 Minuten; man schaltete also alle 4 Jahre fast 45
-Minuten zuviel ein durch den Schalttag; das macht in etwa 130 Jahren
-schon einen ganzen Tag aus, in 390 oder rund in 400 Jahren 3 Tage,
-die man hinter der wirklichen Sonnenzeit zurückblieb, so daß im Jahre
-1582 das Datum des Frühlingsäquinoktiums im Kalender auf den 11. März
-fiel. Der Kalender war also 10 Tage zurückgeblieben und hätte sogar um
-12 Tage zurück sein müssen, wenn nicht schon das Konzil zu Nizäa 325
-eine Änderung vorgenommen hätte. Deshalb bestimmte Papst Gregor XIII.,
-daß nach dem 4. Oktober 1582 sofort der 15. Oktober geschrieben wurde.
-Jedes vierte Jahr sollte auch ferner ein _Schaltjahr_ bleiben; aber,
-um den Frühlingspunkt unverrückt zu erhalten, sollten innerhalb 400
-Jahren diejenigen Schaltjahre, deren Zahl wohl durch 100, nicht aber
-durch 400 ohne Rest teilbar wäre, als _gewöhnliche_ Jahre gelten, z.
-B. 1600 = Schaltjahr, 1700, 1800, 1900 nicht = Schaltjahr. So wurden
-die 3 Tage ausgeschaltet, um die der julianische Kalender in 400 Jahren
-etwa zurückbleibt. Demnach gibt es in 400 Jahren 303 gewöhnliche Jahre
-(_Gemeinjahre_) und 97 Schaltjahre. Erst in 3846 Jahren gibt es nach
-dem _gregorianischen_ Kalender wieder zwischen Kalender und Sonne
-eine Abweichung von 1 Tag. Dieser Kalender fand übrigens anfangs nur
-in römisch-katholischen Ländern Eingang; in Deutschland wird erst
-seit 1700 nach ihm gerechnet. Die griechisch-katholischen Länder
-haben sogar heute noch den julianischen Kalender beibehalten, so daß
-z. B. in Rußland das Datum gegen unseren Kalender jetzt um 13 Tage
-zurückgeblieben ist.
-
-
-
-
-Fünftes Kapitel.
-
-Die Planeten.
-
-
-§ 28.
-
-Zahl und Bewegungen der Planeten.
-
-1. _Wesen._ Wir wissen schon, daß die meisten Sterne ihre Lage
-zueinander nicht verändern. Beobachtet man jedoch längere Zeit, etwa
-mehrere Monate nacheinander, die Sternbilder des Tierkreises, so wird
-man vereinzelt auch Sterne wahrnehmen, die ihre _Lage zu den Sternen
-der Sternbilder verändern_. Diese Sterne müssen also nicht nur an der
-scheinbaren Rotation der Himmelskugel teilnehmen, sondern außerdem noch
-eine eigene, wirkliche Bewegung haben. Weitere Beobachtungen haben
-ergeben, daß diese Sterne _die Sonne umkreisen, Licht und Wärme von
-ihr erhalten_, nicht funkeln (szintillieren) und uns in Scheibenform
-erscheinen. Man nennt sie _Planeten_ oder _Wandelsterne_. Auch die
-_Erde ist ein solcher Planet_, der, von anderen Planeten gesehen, als
-leuchtender Stern erscheinen wird.
-
-2. _Haupt- und Nebenplaneten._ Die meisten uns bekannten Planeten
-bewegen sich nur um die Sonne, 24 bewegen sich um einen von jenen
-Planeten und mit ihm um die Sonne. Jene heißen _Hauptplaneten_, diese
-_Nebenplaneten_, auch Satelliten, Trabanten, _Monde_. Einer davon ist
-der Mond unserer Erde.
-
-3. _Zahl._ Vor Erfindung des Fernrohres durch Galilei (1609) kannte
-man nur 6 Planeten und einen Nebenplaneten, den Mond der Erde. Seitdem
-sind viele hundert neue Planeten und 26 Nebenplaneten entdeckt worden.
-Von Nebenplaneten umkreisen die Erde einer, den Mars 2, den Jupiter
-8, den Saturn 10, den Uranus 4, den Neptun einer. Sie führen diese
-Bewegung von Westen nach Osten aus, bis auf je einen Mond des Jupiter,
-des Saturn und den Mond des Neptun, die von Osten nach Westen kreisen.
-
-Die Entdeckung des 6., 7. und 8. Jupitermondes und des 8., 9. und
-10. Saturnmondes stammt aus den Jahren 1902--1908 und ist der
-Himmelsphotographie zu verdanken; der 9. Mond des Saturn kann in keinem
-der besten Fernrohre der Welt gesehen werden.
-
-4. _Namen und Entfernungen._ Die Namen der Planeten, die vor der
-Erfindung des Fernrohres bekannt waren, sind: _Merkur_, _Venus_,
-_Erde_, _Mars_, _Jupiter_, _Saturn_. Dazu kam, im Jahre 1781 von
-Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt, der _Uranus_. Die Entfernung
-des Merkur von der Sonne beträgt rund 60, die des Uranus rund 3000
-Millionen ~km~. Für die Entfernungen der sechs ersten von diesen
-Planeten von der Sonne hatte man ein merkwürdiges Zahlenverhältnis
-gefunden. In möglichst runden Zahlen sind diese Größen nämlich
-folgendermaßen darzustellen:
-
- Merkur 60 + 0 · 45 = 60 Millionen Kilometer
- Venus 60 + 1 · 45 = 105 Millionen Kilometer
- Erde 60 + 2 · 45 = 150 Millionen Kilometer
- Mars 60 + 4 · 45 = 240 Millionen Kilometer
- Jupiter 60 + 16 · 45 = 780 Millionen Kilometer
- Saturn 60 + 32 · 45 = 1500 Millionen Kilometer
-
-Das sah so gesetzmäßig aus, daß man früh auf die Vermutung kam,
-zwischen Mars und Jupiter, wo die Stufe 60 + 8 · 45 fehlte, müsse noch
-ein Planet vorhanden sein. Diese Vermutung wurde bestärkt, als sich
-die Entfernung für den Uranus = 60 + 64 · 45 = 2940 Millionen ~km~
-herausstellte. Durch einen Zufall wurde wirklich 1801 zwischen Mars und
-Jupiter ein neuer, aber im Vergleich zu den anderen sehr kleiner Planet
-entdeckt. In wenigen Jahren folgte die Entdeckung noch mehrerer solcher
-kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter. Heute ist die Zahl der
-bekannten Planeten dieser Art nicht mehr weit von 1000 entfernt; eine
-genaue Zahl anzugeben, ist zwecklos, da in jedem Jahr eine große Anzahl
-neuer entdeckt wird. Ihre Entfernungen von der Sonne sind zwar sehr
-verschieden (zwischen 300000000 und 600000000 ~km~), aber fast alle
-bewegen sich zwischen Mars und Jupiter. Man nennt sie kleine _Planeten_
-oder _Planetoiden_.
-
-Eigentümliche Unregelmäßigkeiten im Laufe des Uranus legten den
-Astronomen die Vermutung nahe, daß in noch weiterer Entfernung von
-der Sonne noch ein Planet sich befinde, und der Franzose _Leverrier_
-berechnete 1846 aus jenen Unregelmäßigkeiten den Ort, wo man ihn suchen
-müsse. Es war ein gewaltiger Triumph der Astronomie, daß noch in
-demselben Jahre _Galle_ in Berlin den Planeten wirklich auffand, und
-zwar am Abend des Tages, an dem er Leverriers briefliche Aufforderung
-zum Aufsuchen des Sternes erhalten hatte. Dieser Planet heißt _Neptun_;
-er ist rund 4500000000 ~km~ von der Sonne entfernt.
-
-5. _Arten._ Die Planeten, die näher an der Sonne stehen als die Erde,
-nennt man _untere_, die entfernteren _obere_ Planeten. Jene können
-nie in _Opposition_ mit der Sonne stehen, d. h. so, daß die Erde
-zwischen ihnen und der Sonne steht, sondern nur in _oberer_ oder
-_unterer Konjunktion_, d. h. so, daß entweder die Sonne zwischen ihnen
-und der Erde oder sie zwischen der Sonne und Erde erscheinen. Die
-oberen Planeten können in Opposition oder oberer Konjunktion mit der
-Sonne stehen. -- Man scheidet auch wohl die Planeten zwischen Sonne
-und Planetoidenzone als _innere_, die jenseits der Planetoidenzone
-gelegenen als _äußere_ Planeten.
-
-6. _Umlaufszeit._ Die Umlaufszeiten der Planeten sind folgende:
-
- Merkur 88 Tage,
- Venus 225 Tage,
- Erde 1 Jahr,
- Mars 1 Jahr, 322 Tage,
- Jupiter 11 Jahre, 315 Tage,
- Saturn 29 Jahre, 167 Tage,
- Uranus 84 Jahre, 7 Tage,
- Neptun 164 Jahre, 285 Tage.
-
-Die Umlaufszeiten der Planetoiden liegen zwischen 3 und 8 Jahren.
-
-7. _Bahnen._ _Alle Planeten bewegen sich um die Sonne von Westen über
-Süden nach Osten in Ellipsen_, in deren einem Brennpunkte die Sonne
-steht. Für alle gibt es also ein Perihel und ein Aphel. Die vorher
-angegebenen Entfernungen von der Sonne sind stark abgerundete mittlere
-Entfernungen.
-
-Keine Planetenbahn fällt mit irgend einer zweiten in dieselbe Ebene.
-Daher sind also auch _alle Planetenbahnen gegen die Ekliptik geneigt_.
-Die Neigungswinkel sind aber so klein, daß die Bahnen sämtlich
-innerhalb des Tierkreises liegen. Nur einige Planetoiden machen eine
-Ausnahme.
-
-[Illustration: Fig. 42.]
-
-8. _Rückläufigkeit._ Nach dem Augenschein sollte man meinen, daß die
-Bahnen der Planeten viel verwickeltere krumme Linien seien. Beachten
-wir z. B. eine Zeitlang die Venus und zeichnen täglich in eine
-Sternkarte den Ort ein, wo sie am Fixsternhimmel beobachtet wurde, so
-wird sich nicht nur finden, daß die Bewegung des Planeten mit sehr
-ungleichen Geschwindigkeiten zu erfolgen scheint; vielmehr wird es
-sogar den Eindruck machen, als stehe der Stern, nachdem er anfangs von
-Westen nach Osten fortgeschritten, einige Tage fast still und bewege
-sich höchstens etwas von Norden nach Süden, um dann plötzlich von Osten
-nach Westen weiter zu wandern, nach einiger Zeit wieder stillzustehen
-und endlich den Weg von Westen nach Osten fortzusetzen. Der Stern wird
-so scheinbar eine ganze Schleife durchlaufen. Die Bewegung von Westen
-nach Osten nennt man _rechtläufig_ (recht = richtig), die von Osten
-nach Westen _rückläufig_. Ähnliche Beobachtungen kann man auch an den
-Bahnen der oberen Planeten machen. Fig. 42 soll uns diese merkwürdige
-Erscheinung erklären. In ~S~ stehe die Sonne, die Kreisbogen ~E~, ~M~,
-~F~ seien Stücke der Erdbahn, der Marsbahn und des Fixsternhimmels. Die
-Planetenbahnen sind also der Einfachheit wegen kreisförmig angenommen.
-Wir beobachten die Bewegungen des Mars einige Zeit vor und nach der
-Opposition. Den Stellungen der Erde in I, II, III ... IX entsprechen
-die gleichzeitigen Stellungen des Mars in ~a~, ~b~, ~c~ ... ~i~; die
-Stellung V--~e~ ist die der Opposition. Steht die Erde in I, so sieht
-der Beobachter den Stern in der Verlängerung von I--~a~, also in 1
-am Fixsternhimmel. Ist die Erde bis II fortgerückt, so erscheint dem
-Beobachter der Mars in 2, er ist also _rechtläufig_ fortgewandert.
-Diese Wanderung setzt er fort bis 3. Dort aber scheint er einige Zeit
-stillzustehen; denn auch von IV aus sieht ihn der Beobachter noch
-an dieser Stelle. Von nun an zieht er offenbar _rückläufig_ weiter
-über 5 bis 6, steht hier wieder scheinbar still und schlägt nun
-wieder die rechtläufige Bewegung ein. Zum völligen Verständnis ist
-noch zu beachten, daß ~E~ und ~M~ nicht in derselben Ebene liegen,
-sondern daß ihre Ebenen etwas gegeneinander geneigt sind; daher wird
-die rückläufige Bewegung von 4 nach 5 nicht an denselben Fixsternen
-vorübergehen, wie vorher die rechtläufige auf dieser Strecke, sondern
-es werden Schleifen entstehen.
-
-9. _Rotation._ Bei einigen Planeten ist auch eine Rotation um ihre
-Achse nachgewiesen durch Beobachtung von Flecken auf ihrer Oberfläche.
-Der Merkur braucht zu einer Rotation wahrscheinlich so viel Zeit, wie
-zu einer Revolution, 88 Tage, würde sich also zur Sonne wie der Mond
-zur Erde verhalten. Von der Venus glaubte der berühmte italienische
-Astronom Schiaparelli 1892 dasselbe nachgewiesen zu haben; doch haben
-noch neuere Forschungen die ältere Annahme wahrscheinlicher gemacht,
-daß die Rotation der Venus etwa 24 Stunden währe; ungefähr ebensolange
-dauert eine Rotation des Mars. Jupiter rotiert in ca. 10 Stunden.
-Bedenkt man, daß dieser Stern 310mal so groß wie Erde ist, so ergibt
-sich, daß ein Punkt seines Äquators mit rasender Geschwindigkeit
-rotieren muß. Auch die Rotation des Saturn dauert ca. 10 Stunden.
-Von den übrigen Planeten ist eine Rotation noch nicht erwiesen, aber
-wahrscheinlich.
-
-
-§ 29.
-
-Die physikalische Beschaffenheit der einzelnen Planeten.
-
-1. _Merkur und Venus._ Von der Beschaffenheit der unteren Planeten
-weiß man noch nicht viel; denn sie sind nur kurze Zeit am Tage zu
-beobachten. Das liegt zunächst an ihrer geringen Entfernung von der
-Sonne, die bewirkt, daß sie beide wenig vor oder nach ihr auf- und
-untergehen und daher entweder nur einige Zeit vor Sonnenaufgang am
-östlichen oder nur einige Zeit nach Sonnenuntergang am westlichen
-Himmel sichtbar werden. Die Venus erscheint, besonders wenn sie der
-Erde nahe in ihrer Bahn ist, als größter, leuchtendster Stern und ist
-bekannt unter dem Namen _Morgen-_ oder _Abendstern_.
-
-Im Fernrohr zeigen beide Sterne _Phasen_ wie der Mond. Das ist leicht
-erklärlich: Zur Zeit der unteren Konjunktion kehren sie uns, wie der
-Mond in Konjunktion ihre unbeleuchtete Seite zu, sind also gerade, wenn
-sie uns am nächsten stehen, unsichtbar; von da auf dem Wege zur oberen
-Konjunktion gelangen sie durch die Sichelform zum ersten Viertel,
-werden in der oberen Konjunktion voll usw.
-
-In der unteren Konjunktion gehen beide zuweilen, wie der Mond bei
-Sonnenfinsternissen, zwischen Erde und Sonne hindurch und erscheinen
-als schwarze Flecke auf der Sonne. Die _Durchgänge_ der Venus sind
-besonders wichtig für die genaue Berechnung der Entfernung der Sonne
-von der Erde.
-
-Der _Merkur ist sehr klein_, sein _Halbmesser_ beträgt nur 2400 ~km~;
-er hätte etwa 19mal in der Erde Platz. Seine _Dichte_ beträgt 4/5 von
-der der Erde.
-
-Daß er eine _Atmosphäre_ hat, ist noch nicht sicher erwiesen, aber
-wahrscheinlich. Nehmen wir dies an, so kann man folgende Vermutung über
-ihn anstellen. _Ein Teil_ wird zwar _stets von der Sonne_ abgekehrt
-sein, wie ein Teil des Mondes von der Erde; aber die ewige Nacht
-wird ziemlich hell sein; denn die atmosphärische Strahlenbrechung
-wird ihr mehr Licht zuführen als uns in hellen Sommernächten, da
-die _Lichtwirkung der Sonnenstrahlen_ wegen der Nähe der Sonne
-_siebenmal so stark ist als bei uns_. Ebenso verhält es sich mit der
-_Wärmewirkung_ der Sonnenstrahlen. Daher wird die stets beleuchtete
-Seite glühend heiß sein, die Nachtseite angenehm erwärmt durch die zu
-ihr als der kühleren herumströmenden warmen Winde.
-
-Der _Halbmesser der Venus_ beträgt 6300 ~km~; sie ist also ungefähr
-ebenso groß wie die Erde. Auch ihre _Dichtigkeit_ ist ungefähr die der
-Erde.
-
-Eine _Atmosphäre ist ziemlich sicher_ auf ihr _nachgewiesen_, besonders
-überzeugend bei Venusdurchgängen, wo die dunkle Venusscheibe, kurz
-bevor sie vor die Sonnenscheibe trat, durch einen hellen sie umgebenden
-Ring sichtbar wurde. Dieser kann nur als das durch atmosphärische
-Reflexion um den ganzen Planeten herumgeführte Sonnenlicht erklärt
-werden, dessen Wirkung ja bei der größeren Nähe auch hier noch stärker
-ist als auf der Erde. Die Atmosphäre der Venus scheint beständig
-_starke Wolkenbildung_ zu haben und viel Wasserdampf zu enthalten, was
-ja bei der starken Erwärmung natürlich wäre. Man kann also annehmen,
-daß auf diesem Planeten eine _feuchte Treibhauswärme_ herrscht, bei der
-jedoch menschenähnliche Wesen und Pflanzenwuchs wohl bestehen könnten.
-
-2. _Mars._ Der Mars ist uns _unter allen Planeten am bekanntesten_, da
-er der Erde bei besonders günstigen Umständen bis auf 55000000 ~km~
-nahe kommen kann und gerade, wenn er ihr nahe ist, in der Opposition,
-seine vollbeleuchtete Scheibe die ganze Nacht zeigt. Er ist kenntlich
-an seinem _roten Lichte_.
-
-Sein _Halbmesser_ beträgt 3370 ~km~, seine _Dichtigkeit_ etwa 4/5 von
-der der Erde. Eine _Abplattung_ hat weder bei ihm noch bei Merkur und
-Venus mit Sicherheit nachgewiesen werden können.
-
-Eine _Atmosphäre_, die der irdischen sehr ähnlich ist, wurde bisher
-allgemein angenommen; aber neuere Beobachtungen der Lick-Sternwarte
-widersprechen dieser Annahme und haben zu der Auffassung geführt, daß
-die Marsatmosphäre, wenn sie überhaupt vorhanden ist, höchstens ¼ der
-Dichte unserer Atmosphäre erreichen kann.
-
-Auf der Oberfläche des Planeten unterscheidet man deutlich _zwei Arten_
-umfangreicher _Flecke_, rötlichgelbe und blaugraue; jene überwiegen und
-bilden auf der nördlichen Halbkugel des Mars größere zusammenhängende
-Massen, während auf der südlichen Hälfte die grauen Flecke überwiegen,
-aber auch noch durch größere eingelagerte gelbe Flecke unterbrochen
-werden. Man nimmt meistens an, daß die _gelben Flecke Festland, die
-grauen Wasser_ sind. Dieses ist dann auf dem Mars in verhältnismäßig
-geringer Menge vorhanden und bildet nur auf der südlichen Halbkugel
-ein größeres Meer. Auch dies scheint nicht tief zu sein, so daß es den
-Eindruck macht, als ob auf weitere Strecken das Land durch das Wasser
-hindurchschimmerte. Noch wunderbarer ist das Auftreten der sogenannten
-_Kanäle_ auf dem Mars. Das sind schnurgerade graue Linien, oft mehrere
-tausend Kilometer lang, die das ganze Land wie ein Netz durchziehen.
-Sie verbinden das südliche Meer mit kleineren Wasserbecken im Lande
-und dem kleinen Meer um den Nordpol. Man hat sie und ihre wechselnde
-Gestalt auf die Jahreszeiten zurückgeführt. Diese müssen wegen der
-_starken Neigung des Äquators_ gegen die Bahn des Mars und wegen
-der starken Exzentrizität der Marsbahn viel bedeutendere Gegensätze
-bewirken als bei uns und zum Sommer starke Schneeschmelzen bringen,
-besonders auf der südlichen Halbkugel, die zur Zeit des Perihels Sommer
-hat. Das ergibt sich auch aus einer weiteren Beobachtung. An den beiden
-Polen und auch an anderen Stellen des Mars zeigen sich zeitweise große
-weiße Flecke von wechselnder Ausdehnung, die sich an den Polen dauernd
-halten. Man wird sie als Schnee oder Eis ansehen müssen. Dafür spricht
-auch der Umstand, daß nach starker Nebelbildung in der Atmosphäre des
-Mars manchmal weite Strecken des Landes für kurze Zeit weiß erscheinen,
-als sei Schnee gefallen. Die großen Wassermengen, die also zu Beginn
-der wärmeren Jahreszeit namentlich auf der wasserreichen südlichen
-Halbkugel durch die Schneeschmelze sich sammeln würden, könnten aber
-nicht, wie auf der Erde, sich frei nach dem Äquator zu ergießen.
-Ein Ausgleich wäre nur über das Festland hin möglich, und dieser
-geschieht, so nimmt man an, durch jene Kanäle. Aber es gibt noch eine
-Erscheinung, die auch bei dieser Annahme rätselhaft bleibt; das ist die
-_Verdoppelung der Kanäle_. Zeitweise erscheinen die Kanäle plötzlich
-als zwei parallele Linien, die, um überhaupt von uns noch als getrennt
-wahrgenommen zu werden, mindestens 60 ~km~ voneinander entfernt sein
-müssen. Kein Erklärungsversuch hat bisher diesen Vorgang befriedigend
-gedeutet.
-
-Man hat auch wegen des geradlinigen Verlaufes der Kanäle, die wie
-ein möglichst praktisches Netz zur Verbindung und Bewässerung
-erscheinen, folgern wollen, daß vernünftige Wesen den Mars bevölkern
-oder bevölkert haben und die Schöpfer dieser Kanäle sind. Zwar ist
-die Durchschnittstemperatur auf dem Mars niedriger als auf der Erde,
-aber die Möglichkeit zum Leben ist auch für menschenähnliche Geschöpfe
-vorhanden, wenigstens in der Nähe der Kanäle, wenn auch die gelben
-Flächen wohl wegen des Wassermangels auf dem Planeten als Wüste
-angesehen werden müssen; aber der Annahme, daß die Kanäle Werke der
-Kunst und nicht der Natur sind, ist doch ihre riesige Ausdehnung
-sehr hinderlich. Vorläufig muß ihre Entstehung also als unaufgeklärt
-bezeichnet werden.
-
-Manche Astronomen halten übrigens die Marskanäle und -meere nur für
-optische Erscheinungen, also nicht für wirklich vorhanden. Nachgewiesen
-ist mit Hilfe der modernen, besseren Instrumente, daß nicht, wie man
-früher annahm, alle Kanäle sich verdoppeln, und daß manche Kanäle, die
-man mit kleineren Fernrohren nachgewiesen zu haben glaubte, gar nicht
-vorhanden sind.
-
-3. _Jupiter._ Seine _Leuchtkraft_ ist in Opposition fast so stark wie
-die des Mars in Opposition, in Konjunktion bedeutend stärker, auch
-stärker als die des hellsten Fixsternes. In tiefer Nacht ist er also
-der hellste Stern, da dann die Venus nie sichtbar ist.
-
-Sein _Halbmesser_ beträgt über 70000 ~km~, seine _Oberfläche_ ist
-118mal so groß als die der Erde. Er ist bei weitem der größte Planet,
-und seine _Masse_ ist 2½mal so groß als die aller übrigen Planeten
-zusammen. Daher bewirkt er bedeutende Störungen in der Bahn des
-Saturn. Seine _Abplattung_ ist sehr bedeutend, etwa 1/15,6, was für
-die schon erwähnte rasende Rotation seiner Äquatorteile spricht. Seine
-_Dichtigkeit_ ist gering, noch nicht ¼ der Dichtigkeit der Erde. Man
-schließt daraus, daß seine _Oberfläche noch sehr weich und dünn_ sein
-muß.
-
-Wahrnehmen kann man von dieser Oberfläche nichts; denn aus zahlreichen
-Gründen und Beobachtungen ergibt sich, daß er von einer _sehr dichten
-Atmosphäre_ umgeben ist. Daher nehmen wir durch das Fernrohr nur die
-Wolkenbildungen derselben wahr. Charakteristisch für die Atmosphäre des
-Jupiter sind parallel zum Äquator in ihr verlaufende dunkle _Streifen_,
-die am Äquator ein breites Band bilden. Offenbar handelt es sich
-um Wolkenbildungen, deren Anordnung in der schnellen Rotation ihre
-Erklärung findet.
-
-Die _Neigung des Äquators zur Bahn_ ist unbedeutend; daher können die
-Verschiedenheiten der Jahreszeiten nicht bedeutend sein.
-
-4. _Saturn._ Er leuchtet mit _mattem, weißem Lichte_. Sein _Halbmesser_
-beträgt etwa 60000 ~km~; er ist nächst Jupiter der größte Planet. Seine
-_Dichtigkeit_ beträgt nur 1/7 von der der Erde und ist nicht größer als
-die des Alkohols. Die _Abplattung_ ist 1/10; kein Planet ist so stark
-abgeplattet.
-
-Im übrigen hat er mit dem Jupiter viel Ähnlichkeit; die _dichte
-Atmosphäre_, die die Oberfläche unsichtbar macht, die _Streifen_, die
-wohl nur wegen der größeren Entfernung nicht so stark hervortreten, mit
-einem breiten Gürtel am Äquator, finden sich auch bei ihm.
-
-Was ihn aber im Teleskop von jedem anderen Gestirn unterscheidet,
-ist sein _Ringsystem_. Genau um den Äquator legt sich eine Schar
-leuchtender konzentrischer Ringe, die sich in drei Gruppen mit größeren
-Zwischenräumen sondern. Am hellsten ist der mittlere, am mattesten der
-innerste Ring. Um diese Ringe legt sich keine Atmosphäre. Die Breite
-des ganzen Systems beträgt 277000 ~km~, der Abstand des innersten
-Ringes von dem Planeten über 11000 ~km~. Da der Äquator gegen die
-Ekliptik geneigt ist, sehen wir ziemlich die halbe Umlaufszeit, also
-ca. 14 Jahre, die obere Seite des Ringes; dann erscheint er kurze
-Zeit fast wie ein Strich, verschwindet ganz, was seine geringe Dicke
-gegenüber dem gewaltigen Durchmesser beweist, und zeigt dann die untere
-Seite. Mit Hilfe der Spektralanalyse hat man nachgewiesen, daß der
-_Ring um den Saturn rotiert_, aber nicht als _Ganzes_; denn dann müßten
-die äußersten Teile die größte Geschwindigkeit haben. Das Gegenteil ist
-aber der Fall, _die innersten Teile haben die größte Geschwindigkeit_.
-Daher nehmen manche Forscher an, daß _der Ring aus zahllosen sehr
-kleinen getrennten Trabanten besteht_, von denen natürlich die
-nächsten als die am stärksten vom Planeten angezogenen am schnellsten
-rotieren müssen.
-
-5. _Uranus._ Er leuchtet in _mattgrünem Lichte_. Sein _Halbmesser_
-beträgt etwa 27000 ~km~, seine _Dichtigkeit_ ¼ der Erddichtigkeit. Eine
-_Abplattung_ ist nicht mit Sicherheit erwiesen.
-
-Eine sehr dichte _Atmosphäre_ ist nach spektroskopischen Untersuchungen
-sicher vorhanden. Von der Oberfläche oder von Bewegungen in der
-Atmosphäre ist wegen der weiten Entfernung nichts wahrzunehmen.
-
-6. _Neptun._ Über diesen Planeten sind wegen seiner gewaltigen
-Entfernung besondere Angaben nicht zu machen. Sein Halbmesser beträgt
-etwa 25000 ~km~.
-
-
-
-
-Sechstes Kapitel.
-
-Kometen und Meteore.
-
-
-§ 30.
-
-Die Kometen oder Haarsterne.
-
-1. _Gestalt._ Von alters her sind die Kometen wegen ihrer Gestalt
-Gegenstand der Phantasie und des Aberglaubens gewesen.
-
-Man unterscheidet an ihnen die Nebelhülle mit dem _Kern_ oder Kopf und
-den _Schweif_; doch gibt es auch schweiflose Kometen. Man hat auch
-Kometen mit mehreren Kernen beobachtet, z. B. 1860 und 1873.
-
-[Illustration: Fig. 43.]
-
-Der Schweif, meist besenförmig sich ausbreitend, leuchtet weniger als
-der Kopf. Auch die fächerförmige Gestalt ist schon beobachtet worden
-(Fig. 43 und 44).
-
-[Illustration: Fig. 44.]
-
-Die _Gestalt ist veränderlich._ Taucht ein Komet im Weltraume auf, so
-erscheint er erst wie ein Nebelfleck. Je mehr er sich der Sonne nähert,
-desto größer und glänzender wird er, und im Kopfe beginnt der Vorgang,
-dessen Ergebnis der Schweif ist. Vom Kopfe werden leuchtende Massen
-ausgestoßen, die meist zur Sonne hin gerichtet sind. Die ausstoßende
-Kraft erlahmt allmählich, die ausgestoßenen Massen werden durch eine
-Repulsivkraft der Sonne zurückgestoßen und zum Schweife geformt,
-der oft sehr lang wird. (Die Erscheinung hat Ähnlichkeit mit einem
-Springbrunnen.)
-
-Die Schweifbildung erfährt zuweilen eine Wiederholung. Bei Annäherung
-an die Sonne wird der Kopf kleiner, ja beim Kometen von 1819
-verschwand er gänzlich, d. h. er wurde ganz zum Schweife verwendet. Der
-Schweif ist meist der Sonne abgewandt.
-
-Es kommt vor, daß der Kern ganz zerrissen wird und aus einem Kometen
-mehrere werden, die dann alle in derselben Bahn sich bewegen.
-
-2. _Zahl._ Sie sind lange nicht alle mit dem bloßen Auge erkennbar.
-Ihre Zahl muß recht groß sein; man kennt etwa 800. Mit unseren
-vervollkommneten Instrumenten werden jetzt alle Jahre Kometen entdeckt.
-
-3. _Bahnen._ Ihre Bahnen sind _aufs verschiedenste gegen die Ekliptik
-geneigt_ und gehen teils von Westen nach Osten, teils von Osten nach
-Westen. Ihre Exzentrizität ist sehr bedeutend; daher erscheinen sie wie
-Parabeln, krumme, nicht geschlossene Linien mit _einem_ Brennpunkte;
-doch es ist wahrscheinlich, daß die meisten Kometen sich _in sehr
-flachen Ellipsen_ bewegen, in deren einem Brennpunkte die Sonne steht.
-Natürlich ist deshalb die _Geschwindigkeit_ in den verschiedenen Teilen
-der Bahn sehr _verschieden_ und in der Nähe der Sonne so groß, daß sie
-uns nur kurze Zeit sichtbar bleiben. Sicher bewegen sich die _siebzehn
-Kometen_, die _periodisch_ wiederkehren oder wenigstens früher
-wiedergekehrt sind, in Ellipsen. Zu ihnen gehören:
-
- der Enckesche, Umlaufszeit 3,3 Jahre,
- der Bielasche, Umlaufszeit 6,6 Jahre,
- der Halleysche, Umlaufszeit 76,3 Jahre.
-
-4. _Masse._ Ihre Masse ist sehr gering, aber ihr Volumen sehr groß; sie
-sind also sehr wenig dicht. Fixsterne erscheinen darum auch durch ihren
-Schweif hindurch fast gar nicht verdunkelt.
-
-5. _Wesen._ Die _Ansichten_ über das Wesen der Kometen sind noch
-_sehr geteilt_. Auf Grund spektroskopischer Untersuchungen findet
-man jetzt öfters folgende Annahme: Der Kern ist aus vielen kleinen
-Steinen gebildet und von einer Atmosphäre aus Kohlenwasserstoff und
-Kohlenoxyd umgeben. Nähert sich diese Masse hinreichend der Sonne, so
-entwickeln sich in der dieser zugekehrten Seite unter dem Einfluß der
-Wärme gewaltige Gasmassen, die nach der Sonne zu fliegen. Diese Gase
-sind durch die Reibung im Innern elektrisch geworden, werden von der
-gleichnamigen Elektrizität abgestoßen, die infolge der Ausbrüche in
-der Sonne (Protuberanzen), von denen bei der Sonnenfinsternis die Rede
-war, auch auf deren Oberfläche angesammelt ist. So biegen die Dämpfe
-allmählich hinter dem Kern um und bilden den Schweif.
-
-Diese Annahme würde es auch durch den Einfluß der Sonnenhitze
-erklärlich machen, daß zuweilen die Kerne zerreißen und mehrere Kometen
-entstehen.
-
-Das Zurückweichen der Dämpfe hinter den Kometenkern und die Bildung des
-Schweifes wird auch durch eine von dem Engländer Maxwell aufgestellte
-und von dem Schweden Svante Arrhenius durch Versuche nachgewiesene
-Theorie erklärt, nach der das Licht einen Druck ausübt, dessen
-abstoßende Kraft auf sehr kleine Massen stärker wirkt als die Anziehung
-des leuchtenden Körpers.
-
-
-§ 31.
-
-Die Meteore.
-
-1. _Arten._ Zu den Meteoren rechnet man die _Sternschnuppen_ und die
-sogenannten _Feuerkugeln_.
-
-2. _Erscheinung._ ~a~) _Sternschnuppen_ sind mild leuchtende Funken
-mit langem, schmalem Schweif, die wie ein lichter Streif mit großer
-Geschwindigkeit durch den Raum eilen und kaum eine Sekunde sichtbar
-sind. Lichtstärke und Lichtfarbe sind verschieden. Ihre Zahl ist sehr
-groß, täglich 300 bis 400 Millionen. Man sieht jedoch die wenigsten.
-Es erscheinen mehr nach der Mitternacht, am meisten gegen Morgen. Ihre
-Höhe über der Erdoberfläche beträgt im Durchschnitt 70 bis 120 ~km~;
-doch steigen einige bis 8 ~km~ zum Erdboden herab. Jedenfalls treten
-sie stets in die Atmosphäre der Erde ein. Ihre Bahn ist fast nur eine
-absteigende. Ihre Geschwindigkeit beträgt in einer Sekunde 40 bis 60
-~km~.
-
-~b~) _Feuerkugeln_ sind große, blendend in sehr verschiedenen Farben
-leuchtende Körper von verschiedener Gestalt, meist mit glänzendem
-Schweife, die mit der Geschwindigkeit der Sternschnuppen durch die
-Luft fliegen, manchmal unter lautem Getöse, meist in ziemlicher Höhe,
-zerplatzen und dann wohl zum Teil in Dampf aufgehen, zuweilen aber auch
-größere oder kleinere feste Bruchstücke auf die Erde fallen lassen. Die
-Steine heißen _Meteorite_ oder _Aërolithe_ (griech. = Luftsteine).
-
-3. _Arten der Sternschnuppen._ In allen Nächten fallen _sporadische_,
-vereinzelte _Sternschnuppen_. Viel wichtiger und interessanter sind
-die _periodisch wiederkehrenden Sternschnuppenschwärme_, die oft einen
-Anblick von wunderbarer Pracht gewähren. Es ist sicher, daß diese
-Schwärme in geschlossenen Bahnen die Sonne umkreisen und dabei zu
-bestimmter Zeit die Bahn der Erde schneiden. Sie machen den Eindruck,
-als kämen sie alle von einer bestimmten Stelle der Himmelskugel her,
-die man den _Radiationspunkt_ nennt. Das erklärt sich daraus, daß die
-Bahnen aller dieser Meteore nahezu parallel sind und daher für einen
-Beobachter, etwa wie die Schienen einer Eisenbahnstrecke, in weiter
-Ferne zusammenzulaufen scheinen. Nach den Sternbildern, in denen der
-Radiationspunkt zu liegen scheint, bezeichnet man die Schwärme. Die
-bekanntesten sind folgende: Der _Perseidenschwarm_ aus dem Sternbilde
-des Perseus, der alljährlich in den Nächten des 10. und 11. August
-eine mäßige Anzahl Sternschnuppen bringt. Viel prächtiger ist der
-_Leonidenschwarm_ (Löwenschwarm), seit 1799, wo ihn Alexander von
-Humboldt zum ersten Male beobachtete, bekannt. Er ist alle 33 bis
-34 Jahre um den 12. bis 14. November wiedergekehrt; seine Bahn ist
-als zusammenfallend mit der eines bekannten Kometen nachgewiesen,
-1866 erschien er zu einer genau vorausgesagten Zeit, aber 1899 blieb
-er wider Erwarten aus oder brachte wenigstens keinen nennenswerten
-Meteorfall. Alle sechs bis sieben Jahre endlich kehrt, seit 1841
-beobachtet, in der Bahn des Bielaschen Kometen der _Andromedaschwarm_
-Ende November oder Anfang Dezember wieder, ist aber seit dem letzten
-stärkeren Auftreten im Jahre 1892 wenig mehr hervorgetreten.
-
-4. _Arten der Meteorite._ Die Meteorite enthalten entweder vorwiegend
-_Eisen_ (ca. 90%), oder sie sind _Steine_, die hauptsächlich aus
-_Kieselerde_, _Magnesin_, _Tonerde_ und _Schwefel_ bestehen. Das
-Meteoreisen zeigt, mit verdünnter Salpetersäure geätzt, eigentümliches
-kristallinisches Gefüge, die _Widmannstättenschen Figuren_.
-
-5. _Erklärung._ Alle diese Erscheinungen werden angesehen als
-_kosmische_ (im Weltraum sich bewegende) _Massen, die in den Bereich
-unserer Sonne geraten_ und so bleibend oder vorübergehend ihrer
-Anziehung unterliegen. Die _periodischen Sternschnuppenschwärme_ sind
-jedenfalls vielfach _aufgelöste Kometen_. Damit wird nicht nur das
-Ausbleiben des Bielaschen Kometen seit 1856 verständlich, sondern auch
-das Ausbleiben von Sternschnuppenschwärmen, die sich wahrscheinlich
-immer mehr auseinanderziehen und gleichmäßig auf die Bahn verteilen.
-
-Das _Leuchten_ erklärt sich aus der Geschwindigkeit, mit der diese
-Körper in unsere Atmosphäre eindringen, und dem dadurch veranlaßten
-Widerstand der Atmosphäre, der ihre _Bewegung_ verlangsamt und an
-ihrer Rinde in _Licht_ und _Wärme umsetzt_, wobei die erhitzte Luft
-mit glühenden, vom Meteor losgerissenen Teilchen als Schweif folgt.
-Je nachdem die Meteore den Widerstand der Luft überwinden können oder
-nicht, treten sie wieder heraus aus der Atmosphäre oder verlieren ihre
-ganze Geschwindigkeit und fallen zur Erde, wobei häufig wegen des
-starken Gegensatzes zwischen der erhitzten Rinde und dem kalten Kerne
-die Explosion erfolgt.
-
-
-
-
-Siebentes Kapitel.
-
-Die Sonne und das Sonnensystem.
-
-
-§ 32.
-
-Physikalische Beschaffenheit der Sonne.
-
-1. _Größenverhältnisse._ Der _Durchmesser_ der Sonne ist 108½mal so
-groß als der der Erde, also etwa 1383000 ~km~ lang. Ihren _Umfang_
-würde ein Schnellzug mit einer Geschwindigkeit von 25 ~m~ in der
-Sekunde erst in 5½ Jahren zurücklegen. Die _Oberfläche_ ist 11800mal
-so groß als die der Erde. Ihr _Volumen_ ist 1280000mal so groß als das
-der Erde, ihre _Masse_ 324000mal so groß als die der Erde und 700mal
-so groß als die aller Planeten zusammen. Aus dem Verhältnis von Masse
-und Oberfläche ergibt sich ihre _Dichtigkeit_ = 324000/1280000 = ¼ der
-Dichtigkeit der Erde.
-
-2. _Die Granulation der Oberfläche._ Für das menschliche Auge gibt
-es nichts Glänzenderes als die Sonne. Ihr Licht blendet so, daß alle
-Beobachtungen unter Abblendung des grellen Lichtes geschehen müssen.
-Betrachtet man so die Sonne durch ein Fernrohr, so erscheint ihre
-Oberfläche nicht als gleichmäßig helle Scheibe, sondern es wechseln auf
-ihr hellere und dunklere Fleckchen ab. Bei starker Vergrößerung hat man
-etwa den Eindruck, als lägen über der leuchtenden Sonne eine Unzahl von
-Wölkchen. Man nennt diese Erscheinung _Granulation_ der Oberfläche.
-
-3. _Die Sonnenflecke._ ~a~) _Verlauf eines Flecks._ In den meisten
-Zeiten erscheinen auf der Sonnenscheibe dunkle Stellen, welche
-_Sonnenflecke_ genannt werden. Gestalt und Größe derselben wechseln
-beständig, sie haben aber eine stufenmäßige Entwicklung. Ihren Anfang
-bezeichnet gewöhnlich eine gewisse Unruhe in der Schicht glühender
-Gase, die die Sonne zunächst umgibt, dem sogenannten Lichtgewölk
-oder der _Photosphäre_ (griech. = Lichtgebiet), wobei sich kleine
-dunkle Flecke oder sogenannte Poren auf der Granulation bilden. Eine
-derselben gewinnt die Oberhand und erweitert sich allmählich zu einem
-größeren, scheinbar ganz schwarzen Fleck von zuweilen rundlicher,
-meist sehr unregelmäßiger, zackiger Form. Die eigentliche Farbe ist
-aber braungrau, und der Fleck strahlt noch Licht aus. Das zeigt sich
-z. B. beim Durchgang der wirklich schwarzen Venusscheibe. In dem
-Kernfleck sind wieder hellere und dunklere Stellen zu unterscheiden.
-Die Kernflecke sind meist von einer schmäleren oder breiteren
-Lichteinfassung, _Lichthof_ oder _Penumbra_ genannt, umgeben, welche
-nach außen scharf abgegrenzt ist und eine strahlige Struktur hat. Der
-innere Teil der Penumbra erscheint stets heller leuchtend als der
-äußere. Die Form der Penumbra ist nicht immer dem Kernfleck ähnlich,
-vielmehr oft auf der östlichen Seite zerklüftet.
-
-Will ein Fleck sich schließen, so strömen Lichtmengen aus dem Lichthofe
-von allen Seiten herbei, und zwar anfangs ziemlich genau nach der Mitte
-des Flecks. Dabei bilden sich dann oft Lichtstreifen, die quer über
-den Kernfleck ziehen und wie Brücken über dem Abgrunde schweben. Diese
-Brücken lösen sich wie Wolken allmählich auf, und ihre Reste schwimmen
-wie ein Lichtpunkt auf dunklem Grunde. Manche Teile des Kernflecks
-überziehen sich mit sogenannten Schleiern, die oft ein rosenfarbiges
-Licht haben und meist nach kurzer Zeit verschwinden. Ist der Fleck
-seinem Ende nahe, so geschieht das Hinzuströmen der Lichtmassen
-unregelmäßiger, bis er endlich ganz verschwunden ist.
-
-~b~) _Zonen der Sonnenflecke._ Nicht oder doch selten erscheinen sie
-in der Nähe des Sonnenäquators, am häufigsten zwischen 10 und 30°
-nördlicher und südlicher Breite.
-
-~c~) _Perioden der Sonnenflecke._ Schwabe hat von 1826 bis 1850 eine
-gewisse Periodizität der Flecke beobachtet. Wolff in Zürich fand eine
-11½jährige Periode. Es zeigt sich deutliche Übereinstimmung zwischen
-den Schwankungen der Häufigkeit der Sonnenflecke und den Schwankungen
-der Deklinationsnadel, für die auch eine 11jährige Periode existiert.
-Da aber diese Schwankungen ebenso wie die Häufigkeit des Polarlichts
-auf der Erde mit den Wirkungen des Erdmagnetismus zusammenhängen, so
-ist es nicht wunderbar, daß auch zwischen Sonnenfleckenperiode und der
-ebenfalls 11jährigen Polarlichtperiode große Übereinstimmung herrscht.
-
-~d~) _Größe der Sonnenflecke._ Die Größe der Sonnenflecke ist sehr
-verschieden. Manche zeigen sich selbst im Fernrohre nur als sehr kleine
-Öffnungen, Poren; andere kann man hinter farbigen Brillengläsern schon
-mit bloßem Auge wahrnehmen. 1779 sah Herschel einen Fleck, der 18,3
-~cm~ scheinbaren, also ca. 200000 ~km~ wirklichen Durchmesser hatte.
-
-~e~) _Dauer der Sonnenflecke._ Sie ist verschieden, bis zu 6, ja 8
-Monaten, beträgt aber meistens nur einige Tage. Der vom Astronomen
-Schwabe 1850 am 5. September beobachtete Sonnenfleck vergrößerte sich
-an einem Tage um 160000 ~km~. Welche unendliche Schnelligkeit also in
-der Bewegung der einzelnen Teilchen! Die Flecke bleiben auch nicht
-an derselben Stelle, sondern sie gehen vom östlichen zum westlichen
-Sonnenrande. Je mehr sich ein Fleck dem Rande nähert, desto breiter
-erscheint die dem Rande nächste graue Einfassung, und desto schmäler
-wird die andere Seite. Auch der Kernfleck erscheint schmäler, bis er
-zuletzt verschwindet. Diese Änderungen sind nur zum Teil wirklich, zum
-Teil sind sie perspektivischer Natur und hängen von dem Winkel ab,
-unter dem wir den Fleck und seine Umrandung sehen.
-
-4. _Die Rotation der Sonne._ Da sich alle Sonnenflecke auf der
-Sonnenoberfläche von Osten nach Westen bewegen, so ist damit erwiesen,
-daß die _Sonne von Osten nach Westen rotiert_. Man hat die Dauer dieser
-Rotation auf 25 Tage festgesetzt; doch ist diese Angabe zu bestimmt.
-Wir können nur sagen, daß die Rotationszeit von 25 bis 28 Tagen nicht
-viel abweichen wird. Die Beobachtungen sind nämlich schwierig, weil die
-Zahl der Flecke, die während einer ganzen Umdrehung vorhanden sind,
-klein ist, und weil die Flecke zweifellos noch außer der Rotation, die
-sie mitmachen, eine eigene Bewegung haben, so daß sie nach den Polen
-der Sonne zu längere Zeit zu einer Umkreisung gebrauchen als am Äquator.
-
-5. _Die Sonnenfackeln._ In der Umgebung der Flecke finden sich oft
-Stellen, die sich durch erhöhten Lichtglanz auszeichnen. Man nennt
-sie _Sonnenfackeln_. Sie scheinen oft die Vorläufer von Sonnenflecken
-zu sein und gleichsam die Stelle zu bezeichnen, wo später Flecke
-hervorbrechen werden. Ihre Gestalt und Größe sind verschieden. In
-der Mitte sehen sie wie geballtes Lichtgewölk aus; nach den Rändern
-verlaufen sie nicht selten aderförmig.
-
-6. _Die Atmosphäre der Sonne._
-
-~a~) _Vorhandensein._ Daß die Sonne eine Atmosphäre hat, ergibt ein
-Blick auf eine Sonnenphotographie, wie sie jetzt in vorzüglicher
-Weise hergestellt werden. Darauf erscheinen deutlich die Ränder viel
-matter als die Mitte, und das ist ja, wie wir aus der Betrachtung des
-Mondes (§ 26) wissen, ein sicherer Beweis für das Vorhandensein einer
-Atmosphäre. Wir können sie aber auch unmittelbar sehen, wenn bei einer
-totalen Sonnenfinsternis die Mondscheibe uns das direkte Sonnenlicht
-bedeckt.
-
-~b~) _Teile._ Die Atmosphäre besteht aus drei Hüllen. 1. Zunächst dem
-Kern der Sonne liegt die Photosphäre, die Schicht leuchtender Gase,
-der die Erscheinung der Sonnenflecke angehört (S. 3 ~a~). Die beiden
-anderen Gebiete konnte man früher nur bei einer Sonnenfinsternis
-unterscheiden. Zu ihnen gehört 2. _die Chromosphäre mit den
-Protuberanzen_. Unmittelbar am Mondrande erscheint zunächst eine
-dünne, lebhaft rote Schicht. Man kann sie jetzt bei gewöhnlichem
-Sonnenschein mittels des Spektroskops besser wahrnehmen als bei einer
-Sonnenfinsternis, da dann die Mondscheibe sie zum Teil verdeckt. Sie
-heißt _Chromosphäre_ (griech. von chrōma = Farbe). Aus ihr sieht
-man lebhaft rote Gebilde hervorbrechen, die _Protuberanzen_ (lat. =
-Hervorragungen). Früher konnte man sie auch nur bei Sonnenfinsternissen
-wahrnehmen; die Spektralanalyse hat uns die Mittel gegeben, sie auch
-bei hellem Sonnenschein zu beobachten. Man weiß jetzt, daß sie sich
-schnell entwickeln und verändern und oft wie großartige vulkanische
-Ausbrüche erscheinen, die sich mit ungeheurer Geschwindigkeit
-zu gewaltigen Höhen erheben. Man will Protuberanzen von ca.
-170000, ja 1893 sogar eine Protuberanz von 480000 ~km~ Höhe (= 1/3
-Sonnendurchmesser) beobachtet haben.
-
-[Illustration: Fig. 45.]
-
-Um die Chromosphäre legt sich 3. die _Corona_ (lat. = Kranz) (s.
-Fig. 45). Sie ist der glänzende Ring von grünlichweißem Lichte, welcher
-den dunklen Mond bei totalen Sonnenfinsternissen umsäumt; sie ist
-auch schon gelblich oder rötlich gesehen worden. Ihre Breite ist am
-geringsten an den Polen der Sonne, am ausgedehntesten in den mittleren
-Breiten; ihr Glanz ist unmittelbar am Monde am hellsten.
-
-7. _Die Spektralanalyse der Sonne._ Die Sonne liefert ein
-Farbenspektrum, aber kein zusammenhängendes; bei näherem Zusehen
-zeigt es sich vielmehr von einer gewaltigen Zahl dunkler Linien
-durchbrochen. Man kennt sie lange und nennt sie nach ihrem Entdecker
-Fraunhofersche Linien; aber erst die Spektralanalyse hat die Ursache
-dieser Linien nachgewiesen. Dieses Absorptionsspektrum kann nach den
-sicheren Erfahrungen der Spektralanalyse nur von einem weißglühenden
-Körper stammen, dessen Licht vor der Zerlegung im Prisma durch matter
-leuchtende Gase gegangen ist. Wir können demnach sofort folgende
-Folgerungen aus der Beschaffenheit des Sonnenspektrums ziehen. Der Kern
-der Sonne ist weißglühend, fest oder flüssig. Ihn umgibt zunächst eine
-Atmosphäre leuchtender Gase, die Photosphäre, deren Temperatur, wie
-im Kern, so hoch ist, daß sich die Grundstoffe noch im Zustande der
-Dissoziation befinden, d. h. chemische Prozesse sind dort unmöglich.
-Die unteren Schichten der Photosphäre liefern uns das eigentliche
-Sonnenlicht; die oberen sind so viel kühler, daß hier die Absorption
-von Strahlen stattfindet. Hier ist also die Ursache der Fraunhoferschen
-Linien zu suchen; Beweis: bei totalen Sonnenfinsternissen werden auf
-einen Augenblick alle Fraunhoferschen Linien leuchtend, sobald die
-Mondscheibe die unteren Schichten der Photosphäre bedeckt. In den
-oberen Schichten der Photosphäre glühen, wie uns die Fraunhoferschen
-Linien lehren, die Gase aller leichteren Metalle, die auch auf der
-Erde zu finden sind; die schwereren Metalle mögen nicht fehlen, werden
-aber wohl in tieferen Schichten der Sonne vorkommen. Von Metallen,
-deren Linien man früher nur im Sonnenspektrum kannte, sind in den
-letzten Jahren durch die Spektralanalyse viele auch in Gesteinen
-der Erde entdeckt und dann chemisch daraus gewonnen und untersucht
-worden. Daher kann man schon jetzt sagen: die Sonne besteht im
-wesentlichen wahrscheinlich aus denselben Grundstoffen wie die Erde.
-Die oberen, kühleren Schichten der Photosphäre sind auch das Gebiet
-der Granulation, die man jetzt meistens als Niederschläge, Wolken von
-Metalldämpfen, ansieht. Sie entsprächen dann etwa den Federwolken
-unserer Atmosphäre, die in großer Höhe dahinziehen. Die zweite Gashülle
-der Sonne, die Chromosphäre, ist bei Sonnenfinsternissen ebenfalls
-spektroskopisch untersucht worden. Sie zeigt ein Linienspektrum,
-besteht also aus glühenden Gasen. Es glühen in ihr hauptsächlich
-Wasserstoff und zwei andere Stoffe, die man Helium und Coronium nennt.
-Beide waren bis vor kurzem unbekannt; jetzt ist das Helium, ein Metall,
-auch auf der Erde in einem Mineral des hohen Nordens entdeckt. Selbst
-in unserer Luft sind Spuren davon. Die dritte Gashülle, die Corona, ist
-von sehr geringer Dichtigkeit und enthält vorwiegend Coronium, das man,
-wie gesagt, auf der Erde noch nicht gefunden hat. Es muß aber ein sehr
-leichtes Gas sein, das deshalb wohl in sehr hohen Schichten unserer
-Atmosphäre vorhanden sein kann. Früher hielt man Chromosphäre und
-Corona für bloße Lichterscheinungen, durch Brechungen in sehr bewegter
-Atmosphäre bewirkt; die Beobachtung ihres Spektrums hat gezeigt, daß
-sie Gase sind. Dasselbe gilt von den Protuberanzen. Sie haben dasselbe
-Spektrum wie die Chromosphäre, werden also, wie die Beobachtung schon
-früher zu ergeben schien, aus ihr herausgeschleudert. Die Fackeln haben
-das gewöhnliche Sonnenspektrum, nur heller. Man hält sie deshalb für
-Erhebungen in der Photosphäre und nimmt an, daß sie durch gewaltige
-Bewegungen im Innern emporgetrieben werden, und daß sie bisweilen
-zerreißen und Dämpfe aus dem Innern in die Chromosphäre treten lassen.
-Diese würden dann wieder die Protuberanzen emporschleudern. So wäre es
-erklärlich, daß öfters Spuren von Metalldämpfen in den Protuberanzen
-sind, und daß diese Ausbrüche stets im Gebiete der Fackeln erscheinen.
-Über die Sonnenflecke läßt uns bisher auch die Spektralanalyse noch
-im unklaren; aber gewisse Beobachtungen (große Breite der dunklen
-Linien in ihrem Spektrum, plötzliches Aufflammen heller Linien in
-diesen breiten, dunklen Linien der Flecke) lassen es wahrscheinlich
-erscheinen, daß die Sonnenflecke wirkliche Öffnungen in der Photosphäre
-sind, die einen Blick ins Sonneninnere gestatten. Aus ihnen scheinen
-Ausbrüche von leuchtenden Massen zu kommen. Dann wären also Fackeln,
-Flecke, Protuberanzen drei Abschnitte eines Ausbruches aus dem Innern
-der Sonne.
-
-8. _Die Sonne als Quelle des Lichtes und der Wärme._ Ohne Sonne
-kein Leben! Sie allein bewirkt die Schwingungen des den Weltraum
-erfüllenden Äthers, der uns die Lichtempfindungen vermittelt. Sie
-leuchtet wie sonst kein Licht. 300000 Vollmonde würden kaum so viel
-Licht geben wie die eine Sonne. Wenn eine Ebene von der Größe der
-Erdoberfläche mit einer 10 ~m~ dicken Eisschicht bedeckt wäre, so würde
-diese in _einer_ Minute schmelzen, wenn _alle_ Strahlen der Sonne auf
-die Eisschicht gelenkt würden.
-
-Es ist möglich, daß die Sonne sich abkühlt; aber dann muß sie sich auch
-zusammenziehen. Dadurch würde aber wieder Wärme erzeugt, und wenn sie
-ihre Dichtigkeit bis auf die Dichtigkeit der Erde steigerte, so würde
-dadurch der Verlust der Ausstrahlung für 17000000 Jahre ersetzt werden.
-Außerdem wird der Wärmeverlust wenigstens zum Teil durch Meteorite
-ersetzt, von denen bei ihrer großen Zahl und ihren exzentrischen Bahnen
-recht viele in die Sonne fallen werden.
-
-Neuerdings sind viele Forscher geneigt, als wichtigste Quelle für den
-Ausgleich des Wärmeverlustes der Sonne chemische Vorgänge in der Sonne
-selbst anzusehen. Man hat nämlich durch sorgfältige Untersuchungen des
-neuerdings entdeckten chemischen Elementes Radium festgestellt, daß
-dieses allmählich in ein anderes Element, Helium, zerfällt, und daß
-dabei ungewöhnlich viel Wärme frei wird. Da nun in der Chromosphäre der
-Sonne viel Helium vorhanden ist, so schließt man mit gutem Grunde auch
-auf viel Radium in tieferen Schichten, und zwar in solcher Menge, daß
-es, wie man sagt, erst in Billionen von Jahren in Helium übergeführt
-sein wird.
-
-9. _Das Tierkreis- oder Zodiakallicht._ Unter besonders günstigen
-Umständen kann bei uns ein geübtes Auge im Frühling nach der
-Abenddämmerung am westlichen, im Herbst kurz vor der Morgendämmerung
-am östlichen Himmel einen schwachen Lichtschimmer wahrnehmen. Dieser
-hat Pyramidengestalt; die Grundfläche liegt am Horizonte dort, wo nahe
-unter ihm die Sonne steht, die Achse liegt in der Ekliptik, so daß sich
-das Licht durch die Sternbilder des Tierkreises hinzieht. Daher hat
-es den Namen _Tierkreis-_ oder _Zodiakallicht_. Viel schöner zeigt es
-sich fast allnächtlich unter den Tropen, weil hier die Ekliptik höher
-über den Horizont steigt. Das Wesen dieser Erscheinung ist noch nicht
-bekannt. Neuerdings neigt man dazu, einen Ring von dünn verteilten
-kleinen Massenteilchen anzunehmen, der nach Art des Saturnringes die
-Sonne in der Entfernung der Erde umgibt und das Sonnenlicht, wie die
-Planeten, Monde und der Saturnring, zurückwirft.
-
-
-§ 33.
-
-Die Bewegungsgesetze unseres Planetensystems.
-
-1. _Verschiedene Systeme._ ~a~) _Ptolemäus zu Alexandria_, 125 n. Chr.,
-hat zuerst ein wirkliches Sonnen-, eigentlich sogar Weltsystem: Um die
-im Mittelpunkte ruhende Erde kreisen 7 Wandelsterne: Mond, Merkur,
-Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn; das Ganze umschließt die
-Fixsternsphäre.
-
-~b~) _Das ägyptische System_: Mond, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn
-drehen sich um die ruhende Erde, Merkur und Venus zuerst um die Sonne,
-dann mit dieser um die Erde.
-
-~c~) _Kopernikus_ (geb. 1473 zu Thorn, gest. 1543 zu Frauenburg): Die
-Sonne ist der Mittelpunkt der Planetenbahnen, und diese sind Kreise,
-die nach außen immer weiter voneinander entfernt liegen in folgender
-Reihenfolge: Merkur, Venus, Erde usw. Ähnliches lehrte schon um 270 v.
-Chr. _Aristarch_ von Samos, fand aber keine Anerkennung.
-
-~d~) _Tycho de Brahe_ (gest. 1601 in Dänemark): Die Erde ist der
-Mittelpunkt der Welt; um sie laufen Mond und Sonne; die Sonne bildet
-den Mittelpunkt für die Bahnen der Planeten, zu denen also danach die
-Erde nicht gehört.
-
-Dieser Versuch, zwischen dem ptolemäischen und dem kopernikanischen
-System zu vermitteln, war ein Rückschritt; denn gerade das Grundgesetz,
-daß die Sonne der Mittelpunkt ist, um den mit den anderen Planeten sich
-auch die Erde dreht, ist das Bleibende am kopernikanischen System.
-Um dieser Entdeckung willen nennen wir eben unser Sonnensystem das
-_kopernikanische_. Die Bahnen, die Kopernikus den einzelnen Planeten
-zuschrieb, waren durchaus falsch, weil er die Gesetze ihrer Bewegung
-nicht kannte.
-
-2. _Keplers Gesetze_: _Die drei Gesetze, nach denen sich die
-Planeten um die Sonne bewegen, verdanken wir Johann Kepler_ (geb.
-1571 zu Weil in Württemberg, gest. 1630 in Regensburg). Er hat sie
-durch äußerst mühevolle Rechnungen und Zeichnungen gefunden, die
-deswegen so schwierig waren, weil er noch nicht das letzte höhere
-Gesetz gefunden hatte, aus dem seine drei Gesetze sich ergeben.
-Hier soll nur das zweite bewiesen werden, weil es einen leichten
-physikalisch-geometrischen Beweis zuläßt. Die Gesetze lauten:
-
-~a~) _Die Bahnen der Planeten sind Ellipsen, in deren einem gemeinsamen
-Brennpunkte die Sonne steht._
-
-~b~) _Die Leitstrahlen_, d. h. die Verbindungslinie der Sonne mit den
-Planeten, _beschreiben in gleichen Zeiten gleiche Flächenräume_.
-
-[Illustration: Fig. 46.]
-
-In Fig. 46 bedeutet ~S~ = Mittelpunkt der Sonne, Ellipse ~ABCDEFA~
-= Bahn eines Planeten, ~SA~, ~SB~, ~SC~, ~SD~, ~SE~, ~SF~ sind
-Leitstrahlen nach verschiedenen Stellungen des Planeten. Das zweite
-Gesetz besagt nun: Durchläuft der Planet den Ellipsenbogen ~AB~ in
-derselben Zeit wie die Bogen ~BC~, ~CD~, ~EF~, so sind die Flächen
-~ABS~, ~BCS~, ~CDS~, ~EFS~ einander gleich.
-
-[Illustration: Fig. 47.]
-
-In Fig. 47 sei ~S~ = Sonne, ~A~ = Punkt einer Planetenbahn. Die Stücke
-der Ellipse, die der Planet in sehr kurzen Zeitteilchen, vielleicht in
-Sekunden, beschreibt, kann man ohne merklichen Fehler als gerade Linien
-ansehen. Angenommen, die Richtung und Geschwindigkeit, mit denen der
-Planet in ~A~ ankommt, würden bewirken, daß er in der nächsten Sekunde
-nach dem Beharrungsgesetze die Linie ~AB~ zurücklegte, und in derselben
-Zeit würde die Anziehungskraft der Sonne ihn von ~A~ bis ~C~ ziehen,
-so würde er nach einem allgemeinen Naturgesetze in der Sekunde in
-Wirklichkeit die Diagonale ~AD~ des Parallelogramms ~ABDC~ durchlaufen.
-Daher müßte er nach dem Beharrungsgesetze in der nächsten Sekunde in
-der Richtung von ~AD~ weiter bis ~E~ gehen, so daß ~DE~ = ~AD~, wenn
-nicht in derselben Zeit die Anziehungskraft der Sonne ihn in gerader
-Linie nach ~F~ zu führen strebte. Somit durchläuft der Planet in der
-nächsten Sekunde die Diagonale ~DG~ des Parallelogramms ~DEGF~. Nun
-ist aber Dreieck ~ADS~ = ~DES~, weil Grundlinie ~AD~ = ~DE~ und die
-zugehörige Höhe, das Lot von ~S~ auf ~AE~, gemeinsam ist; Dreieck ~DES~
-= ~DGS~, weil Grundlinie ~DS~ gemeinsam ist und die gegenüberliegenden
-Ecken ~E~ und ~G~ auf der zu ~DS~ parallelen Linie ~EG~ liegen. Daher
-ist auch Dreieck ~ADS~ = ~DGS~. Das sind aber die Flächenräume, die
-der Leitstrahl in zwei aufeinanderfolgenden gleichen Zeitteilchen
-beschreibt. Natürlich sind in Wirklichkeit die Dreiecke viel schmäler
-als in der Figur, und die Linien ~AD~, ~DG~ usw. bilden keine
-gebrochene Linie, sondern einen Ellipsenbogen. Sind aber alle diese
-kleinen Teildreiecke gleich, so sind auch die aus je einer gleichen
-Anzahl davon gebildeten größeren Flächen (Wege von Stunden, Tagen oder
-anderen gleichen Zeiteinheiten) untereinander gleich.
-
-~c~) _Die Quadratzahlen der Umlaufszeiten_ zweier Planeten _verhalten
-sich wie die Kubikzahlen ihrer mittleren Abstände_ von der Sonne.
-
-Betrüge also die Umlaufszeit eines Planeten ~t₁~ Tage und sein
-mittlerer Abstand von der Sonne _s₁_ ~km~, und wären für einen zweiten
-Planeten die entsprechenden Größen ~t₂~ und ~s₂~, so verhält sich stets
-
- ~t₁~² : ~t₂~² = ~s₁~³ : ~s₂~³.
-
-Ein Beispiel zur Erläuterung: Die Umlaufszeiten des Merkur und der Erde
-sind, auf zwei Stellen berechnet, genau = 87,97 und 365,26 Tage; die
-mittlere Entfernung des Merkur von der Sonne beträgt 0,3871, wenn die
-der Erde = 1 gesetzt wird; es muß sich also verhalten:
-
- 87,97² : 365,26² = 0,3871³ : 1³.
-
-In der Tat sind beide Verhältnisse = 1 : 17,2.
-
-3. _Newtons Gravitationsgesetz._ Auch Keplers Entdeckung konnte noch
-nicht befriedigen. Seine drei Gesetze lieferten zwar Ergebnisse, die
-den Beobachtungen genau entsprechen, aber das Höchste wäre doch der
-Nachweis eines allgemein gültigen Gesetzes gewesen, aus dem jene
-Gesetze sich alle ableiten lassen. Diese Aufgabe hat der Engländer
-_Isaak Newton_ (geb. 1643, gest. 1727) gelöst durch den strengen
-Nachweis des Gesetzes, daß die _Schwerkraft_ oder _Anziehungskraft_,
-nach der sich alle Bewegungen (Fall, Wurf, Pendelschwingung) auf der
-Erde regeln, nicht bloß auf der Erde, sondern im ganzen Weltall stets
-in gleicher Weise wirkt.
-
-Diese Wirkungsweise läßt sich kleiden in das _Gravitationsgesetz_:
-_Zwei Körper ziehen einander an im geraden Verhältnis ihrer Massen und
-im umgekehrten Verhältnis der Quadratzahlen ihrer Entfernungen._
-
-Danach würde also nicht nur die Erde den fallenden Stein anziehen,
-sondern auch dieser die Erde, und das tut er auch; allein wegen des
-ungeheuren Übermaßes der Masse der Erde wird der Stein wohl selbst
-stark bewegt werden, aber keine nennenswerte Bewegung der Erde
-bewirken. Genau so ist es mit der Sonne und den Planeten, deren gesamte
-Masse nur 1/700 der Sonnenmasse ausmacht. Das Gravitationsgesetz
-stellt also notwendig die Sonne als den regierenden Mittelpunkt des
-Planetensystems hin, es erklärt die schnellere Revolution der Planeten,
-die der Sonne nahe liegen. Es ist, wie gesagt, auch möglich, die
-Keplerschen Gesetze einheitlich aus dem einen Gravitationsgesetze
-abzuleiten, man kann nachweisen, daß auch die Bewegung der Trabanten um
-ihre Planeten nach diesem Gesetze erfolgt; kurz, es ist der Schlüssel
-zu allen Bewegungserscheinungen unseres Weltsystems.
-
-
-§ 34.
-
-Die Entstehung des Sonnensystems.
-
-1. _Die Kant-Laplacesche Hypothese_ oder _Nebularhypothese_. Über
-die Entstehung des Sonnensystems kann es nur Vermutungen, aber kein
-sicheres Wissen geben. Die meiste Anerkennung hat die _Kant-Laplacesche
-Hypothese_ gefunden.
-
-Hiernach ist die ganze Masse, aus der die Sonne und alle Planeten und
-Nebenplaneten wurden, anfangs eine rotierende, glühende Gaskugel von
-geringer Dichtigkeit und daher von riesiger Ausdehnung gewesen, so daß
-sie bis über die heutige Bahn des Neptun hinaus den Raum erfüllte.
-Bei ihrer gewaltigen Wärmeausstrahlung zog sich diese Masse zusammen,
-was eine schnellere Rotation zur Folge hatte. Hieraus ergab sich eine
-starke Abplattung, die schließlich am Äquator ein solches Überwiegen
-der Zentrifugalkraft über die Kohäsion bewirkte, daß Teile am Äquator
-sich aus der Masse lösten und als äquatorialer Ring weiter an der
-Notation teilnahmen. Dieser Ring kühlte sich schnell weiter ab und zwar
-ungleich wegen der stärkeren Wärmeausstrahlung am äußeren Rande, so daß
-er zerriß. Die Teile gestalteten sich durch Schwer- und Schwungkraft
-wieder kugelförmig, rotierten weiter und umkreisten auch den
-Mittelkörper, die Sonne, wie sie es als Teile des Ringes getan hatten.
-Das waren also die Planeten, aus denen durch erneute Zusammenziehung,
-Abplattung usw. ihre Monde sich lösten. Die Planeten und Monde kühlten
-sich durch Wärmestrahlung weiter ab, wurden flüssig, fest. --
-
-2. _Was spricht für die Hypothese?_ Für die Hypothese spricht die
-Spektralanalyse, die uns in der Sonne im wesentlichen dieselbe
-Elemente nachgewiesen hat, die wir auf der Erde finden. Auch die
-Meteoriten enthalten nur Elemente, wie sie auch die Erde aufzuweisen
-hat. Die Planeten und Monde sind in ihrer Dichte nach der Größe der
-Masse verschieden, der Erdmond ist starr, die Erde nur in der Kruste
-erhärtet, die größten Planeten sind noch weich, zum Teil leichter als
-Öl. Endlich kann man, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, in
-der Fixsternwelt mancherlei beobachten, was den Gedanken nahelegt,
-daß wir es dabei mit Sonnensystemen zu tun haben, die sich eben
-erst in ähnlicher Weise bilden. Nichtsdestoweniger sind auch aus
-Gelehrtenkreisen manche Bedenken gegen die Hypothese vorgebracht
-worden. Vor allem wird betont, daß die Drehung der Urnebelmasse wegen
-ihrer ungeheuren Ausdehnung eine äußerst langsame gewesen sein müsse.
-Daher sei es unerklärlich, woher die zur Abtrennung des äquatorialen
-Ringes nötige Geschwindigkeit gekommen und wo diese Drehungsenergie
-geblieben sein solle. Neuerdings ist der folgende, sehr gewichtige
-Einwand erhoben worden. Nach der Kant-Laplaceschen Hypothese müßten
-alle Planeten die Sonne und alle Monde ihre Planeten in derselben
-Richtung umkreisen; es steht aber fest, daß der 8. Jupitertrabant und
-der äußerste (nach der Zeitfolge der Entdeckung der 9.) Saturntrabant
-in der den übrigen Bewegungen entgegengesetzten Richtung kreisen.
-Man hat auch andere Hypothesen aufgestellt; aber es ist bisher nicht
-gelungen, eine solche zu finden, die ein gleiches oder gar ein größeres
-Maß von Wahrscheinlichkeit hätte, als die Nebularhypothese.
-
-
-
-
-Achtes Kapitel.
-
-Die Fixsterne.
-
-
-§ 35.
-
-Wesen, Größe, Entfernungen und Arten der Fixsterne.
-
-1. _Wesen und wirkliche Größe._ Wir sahen schon, daß die überwiegende
-Mehrzahl der sichtbaren Sterne _Fixsterne_ sind, d. h. Sterne, die ihre
-gegenseitige Lage nicht zu ändern, also still zu stehen scheinen. Sie
-_leuchten im eigenen Lichte_ und zeichnen sich aus durch ein mehr oder
-weniger lebhaftes _Funkeln_ (Szintillieren, lat. ~scintilla~ = der
-Funke), was man darauf zurückführt, daß ihr Licht sehr bewegliche, in
-ihrer Dichtigkeit schnell wechselnde Luftschichten durcheilt, ehe es zu
-uns kommt. Auch _in den stärksten Fernrohren_ erscheinen diese Sterne
-nicht als Scheiben, sondern _nur als Punkte_, so daß man über ihre
-_wirkliche Größe_ nichts sagen kann. Wohl aber ergibt sich, daß sie _in
-ungeheuren Entfernungen_ von der Erde stehen müssen.
-
-2. _Scheinbare Größe._ Man teilt die Fixsterne gewöhnlich _nach dem
-Grade ihrer Helligkeit_ in Sterne erster, zweiter usw. Größe ein.
-Sterne sechster Größe kann nur noch ein gutes Auge ohne Fernrohr
-erkennen. Natürlich gibt diese Helligkeit allein noch keinen Anhalt
-über die Größe der Sterne, da sie ja auch von ihrer Entfernung mit
-abhängt. Die Astronomie führt die Messungen der Lichtstärke mit sehr
-sorgfältig gearbeiteten _Photometern_ (griech. = Lichtmesser) aus und
-unterscheidet zwischen den Sternen erster, zweiter usw. Größe noch
-Zwischenstufen, spricht also von 2,1. oder 3,6. Größe.
-
-3. _Entfernungen der Fixsterne._ Da die Fixsterne im Fernrohre als
-Punkte erscheinen, so haben sie keine Horizontalparallaxe. Aber man
-kann die Jahresparallaxe der nächsten Fixsterne bestimmen und zur
-Berechnung ihrer Entfernungen von der Erde benutzen. Diese Bestimmungen
-sind indes mühsam und unsicher und erst für wenige Sterne durchgeführt.
-Jedenfalls ist auch der nächste Fixstern noch mehr als 30 Billionen
-Kilometer oder 200000 Sonnenweiten von uns entfernt. Das Licht, das in
-einer Sekunde 300000 ~km~ zurücklegt und in 8 Minuten von der Sonne
-zur Erde gelangt, braucht zu der Reise von jenem Fixsterne mehr als 3
-Jahre. Das Licht des hellsten Fixsternes, des Sirius, braucht fast
-14 Jahre, das des Polarsternes 43, das der Capella im Sternbilde des
-Fuhrmanns 70 Jahre, um zur Erde zu gelangen. Welche Feuerbälle, die auf
-solche Entfernungen so helles Licht spenden!
-
-4. _Veränderliche Sterne._ Einige Fixsterne erscheinen teils in
-unregelmäßigem, teils in ganz bestimmtem Wechsel bald heller, bald
-dunkler; andere hat man ganz plötzlich hell aufflammen, aber dann
-wieder schnell dunkler werden sehen, ohne daß sich der Vorgang
-wiederholt hätte. Sogar ganz neue Sterne sind schon aufgetaucht und
-stets wieder nach einigen Jahren verschwunden. Über die Gründe dieser
-Erscheinungen hat man bisher nur Vermutungen. Interessant ist eine
-Erklärung, durch die man eine bestimmte Art der Veränderlichkeit
-verständlich zu machen sucht. Als Beispiel dient der _Algol_, ein
-Stern zweiter Größe im Sternbilde des Perseus. Dieser hat in einem
-Zeitraum von etwa 3 Tagen 8¼ Stunden, in denen zuerst sein Glanz 4
-Stunden lang bis zur vierten Größe abnimmt, ¼ Stunde dabei bleibt,
-dann wieder bis zur zweiten Größe zunimmt. Man hat nun die Vermutung
-ausgesprochen, daß es sich um eine Art Verfinsterung durch einen in
-regelmäßigen Zwischenräumen an dem Fixstern vorübergehenden dunklen
-Stern, also einen Trabanten des Fixsternes, handle. Auch wäre die
-Erklärung möglich, daß auf Sternen mit periodischer Verdunkelung schon
-eine Abkühlung begonnen hat, die an einem Teile der Oberfläche schon
-bis zur Bildung einer dunklen Rinde gediehen ist. Natürlich ist dabei
-vorausgesetzt, daß der Stern rotiert; das nimmt man aber nach dem
-Muster der Sonne und der Planeten auch von allen Fixsternen an.
-
-5. _Nebelflecke._ Ganz eigenartige Erscheinungen, von denen man in
-klarer Nacht eine Anzahl mit bloßem Auge wahrnehmen kann, sind die
-_Nebelflecke_. Das Fernrohr und das Spektroskop belehren uns, daß es
-sich hier um zweierlei Gebilde handelt. ~a~) Die einen lösen sich
-in guten Teleskopen in einzelne Sterne auf und zeigen wie die Sonne
-zusammenhängende Farbenspektren, woraus sich auch ergibt, daß es sich
-um eine Anzahl glühender fester oder flüssiger Körper, Sterne, handelt.
-Diese Flecke nennt man _Sternhaufen_. Ein solcher Sternhaufen ist z.
-B. die _Plejaden_gruppe, in der man die hellsten Sterne schon mit
-bloßem Auge erkennt. ~b~) Andere Nebelflecke lösen sich auch im größten
-Teleskop nicht in Sterne auf und liefern im Spektroskop Linienspektren,
-sind also zweifellos Gasmassen. Sie nennt man _echte Nebelflecke_. Der
-Gedanke liegt nahe, daß die Hypothese von Kant und Laplace, wenn sie
-für unser Planetensystem richtig ist, auch für das ganze Weltall gilt.
-Dann hätten wir hier zukünftige Planetensysteme in verschiedenen Stufen
-der Entwickelung vor uns. Der berühmte Nebel im Orion zeigt noch ein
-wildes Durcheinander; andere Nebel haben mehr kugelige Form, man nennt
-sie _planetarische Nebel_. In einzelnen treten helle Stellen hervor,
-die sich im Spektrum schon als wirkliche Sterne erweisen; andere, wie
-der _Ringnebel_ im Sternbilde der Leier, zeugen von starker Rotation,
-die den größeren Teil der Masse in der Peripherie zusammengedrängt
-hat. Noch deutlicher tritt eine Rotation des ganzen Nebels nach einer
-bestimmten Richtung in der Form der _Spiralnebel_ hervor, die sich
-als lange Spirale um den Mittelpunkt herumlegen. Über die Form dieser
-Nebel haben wir besonders durch die Vervollkommnung der Photographie
-sichere Kenntnis erhalten. Natürlich nehmen wir sie nicht so wahr, wie
-sie heute sind; denn ihre Entfernungen sind zu groß, als daß sie noch
-gemessen werden könnten. Ihr Licht gebraucht wohl Jahrtausende, um bis
-zu uns zu gelangen.
-
-6. _Die Milchstraße._ Jeder kennt das geheimnisvolle, mildleuchtende
-Band, das sich fast in einem größten Kreise um den ganzen Himmel
-zieht, die _Milchstraße_. Schon geringe Vergrößerungen zeigen, daß
-sie sich in eine Fülle kleiner Sterne auflöst; aber auch die stärkste
-Vergrößerung und die beste Photographie genügt nicht, um diese Fülle
-von Sternen zu scheiden und zu entwirren; immer wieder treten hinter
-den herausgelösten Sternen neue Nebelmassen auf. Wir haben es also
-sicherlich mit einem gewaltigen Sternhaufen oder einer Anhäufung vieler
-Haufen zu tun, und es liegt die Annahme nahe, daß dieser Sternhaufen
-uns verhältnismäßig viel näher liegt als die bekannten, meist nur im
-Fernrohre wahrnehmbaren Sternhaufen; daher eben die Unmöglichkeit, ihn
-zu übersehen. Ja, wegen seiner Stellung nahezu in einem größten Kreise
-der Himmelskugel scheint der Gedanke sich zu ergeben, daß unsere Sonne
-selbst ihm angehört.
-
-
-§ 36.
-
-Spektralanalyse der Fixsterne.
-
-1. _Farbe des Fixsternlichtes._ Die meisten Fixsterne strahlen
-in weißem Lichte; doch hat man schon im Altertum mit bloßem Auge
-wahrgenommen, daß es auch Fixsterne mit rotem Lichte gibt. Zu
-diesen gehört z. B. die Beteigeuze, einer der hellsten Sterne im
-Sternbilde des Orion. Genauere Beobachtung hat ergeben, daß die
-_Fixsterne in den verschiedensten Farben leuchten_, besonders in
-mannigfaltigen Schattierungen von Rot und Gelb. Da nun jedenfalls der
-Kern aller Fixsterne weißglühend ist, so muß man annehmen, daß diese
-verschiedenartige Färbung mit verschiedenartiger Beschaffenheit ihrer
-Atmosphären zusammenhängt. Einige Klarheit über diese Atmosphären gibt
-die Spektralanalyse.
-
-2. _Einteilung der Fixsterne auf Grund spektroskopischer
-Untersuchungen._ Nach der Beschaffenheit ihrer Spektra teilt Professor
-Vogel die Fixsterne in _drei Klassen_. Alle liefern bandartige
-Farbenspektra, wodurch die Annahme, daß alle einen weißglühenden Kern
-enthalten, sich bestätigt.
-
-~a~) Das _Spektrum der ersten Klasse_ zeigt nur die Linien des
-Wasserstoffes, absorbiert oder leuchtend, oder höchstens treten neben
-den sehr kräftigen Wasserstofflinien die Linien einiger Leichtmetalle
-schwach hervor. Diese Sterne zeigen das reinste Weiß in ihrem Licht.
-Unser hellster Fixstern, der Sirius, gehört zu ihnen.
-
-~b~) Das _Spektrum der zweiten Klasse_ enthält eine reiche Schar von
-Absorptionslinien, besonders der Leichtmetalle, die ebenso scharf
-vortreten wie die Wasserstofflinien. Zu ihnen gehört die Sonne.
-
-~c~) Das _Spektrum der dritten Klasse_ zeigt neben den
-Absorptionslinien breite Absorptionsbänder, das Kennzeichen von
-glühenden Gasen chemischer Verbindungen. Hierher gehören die roten
-Sterne.
-
-Man faßt diese drei Klassen als _drei verschiedene Entwickelungsstufen_
-auf. Die Fixsterne der ersten Klasse sind noch so heiß, daß die
-Metalldämpfe, die jedenfalls in der Atmosphäre vorhanden sind, noch
-gar nicht oder wenig imstande sind, das Licht ihrer charakteristischen
-Linien zu absorbieren. In der zweiten Klasse ist die Abkühlung so
-weit vorgeschritten, daß die Metalldämpfe der Atmosphäre sich durch
-Absorption deutlich bemerkbar machen. In der dritten Klasse ist die
-Glühhitze so weit gesunken, daß nicht mehr bloß chemische Elemente in
-den Körpern glühen, sondern schon Verbindungen zustande gekommen sind.
-
-
-§ 37.
-
-Bewegungen der Fixsterne.
-
-1. _Doppelsterne._ Die Frage liegt nahe, ob wohl mehr Fixsterne so wie
-unser Fixstern, die Sonne, von Planeten umkreist werden. Allerdings ist
-darauf kaum jemals eine Antwort zu erwarten, da das Licht beleuchteter
-Körper viel zu schwach ist, um aus jenen Fernen zu uns zu dringen. Aber
-daß es auch bei den Fixsternen Bewegung nach dem Gravitationsgesetze
-gibt, daß also Newtons Gesetz ein wirkliches Weltgesetz ist, das zeigen
-uns die Doppelsterne. Im Fernrohre lösen sich nämlich verschiedene
-Fixsterne in zwei Sterne auf. Manche davon sind freilich nur _optische
-Doppelsterne_, d. h. Sterne von großer gegenseitiger Entfernung, die
-für uns nur in derselben Gesichtslinie liegen; von einer großen Anzahl
-aber steht fest, daß sie einander wirklich nahestehen und umkreisen
-oder vielmehr beide sich um einen gemeinsamen, zwischen ihnen liegenden
-Schwerpunkt bewegen. Solch ein _physischer Doppelstern_ ist z. B. der
-zweite Stern in der Deichsel des Großen Wagens (Bären).
-
-2. _Einzelbewegung anderer Fixsterne._ Bezeichnet man die Stellung
-eines Fixsternes in längeren Zwischenräumen, etwa von Jahrzehnten,
-genau im Meridian, so zeigt sich, daß dieselbe sich ändert. Also
-stehen die Fixsterne nur scheinbar still; in Wahrheit haben sie alle
-_Eigenbewegung_. Daß es sich hier um eine wirkliche Bewegung handelt
-und nicht um eine scheinbare, ergibt sich daraus, daß ihre Richtung
-und Geschwindigkeit für jeden Stern eine andere ist. Man kann sogar
-feststellen, ob und wie weit sich dabei der Stern auf uns zu oder von
-uns fort bewegt. Das macht die Betrachtung der Sternspektra möglich.
-
-Bekanntlich richtet sich nach der Zahl der Ätherschwingungen, die in
-einer Sekunde in unser Auge gelangen, die Art der Farbenempfindung. Die
-Zahl wächst in der Reihenfolge der Farben des Spektrums vom Rot zum
-Violett, so daß für Rot 430, für Violett 800 Billionen Schwingungen
-nötig sind. Offenbar wird nun von einem Fixsterne, der sich uns mit
-gewaltiger Geschwindigkeit nähert, eine größere, von einem sich ebenso
-entfernenden Fixsterne eine kleinere Zahl von Ätherschwingungen in
-der Sekunde zu uns gelangen, als von einem solchen, der beständig
-dieselbe Entfernung behält, sowie etwa von der Lokomotivpfeife eines
-heranbrausenden Eisenbahnzuges mehr, von einem abfahrenden Zuge
-weniger Luftwellen in der Sekunde in unser Ohr kommen, als von einem
-stillstehenden Zuge, oder wie einen gegen den Wellengang fahrenden Kahn
-mehr, einen mit ihm fahrenden Kahn weniger Wellen treffen, als einen
-verankerten Kahn in derselben Zeit. Daher wird das Spektrum eines auf
-uns zueilenden Fixsternes schon rot leuchten in einem Gebiete, das im
-Spektrum eines Fixsternes, dessen Entfernung von uns sich nicht ändert,
-nur ultrarote Strahlen erhält, d. h. es verschiebt sich nach Rot zu.
-Daraus ergibt sich sofort, daß die feststehenden Absorptionslinien
-eines Gases, z. B. des Wasserstoffes, in jenem Spektrum nach der
-entgegengesetzten Seite, nach Violett zu, verschoben erscheinen.
-Umgekehrt müssen diese Linien im Spektrum eines sich entfernenden
-Sternes nach Rot zu verschoben erscheinen. Solche Verschiebungen im
-Vergleich zum Sonnenspektrum hat nun die Spektralanalyse für zahlreiche
-Fixsterne zweifellos festgestellt und zwar für jeden andere. Die
-mittlere Entfernung der Sonne von uns kann sich nicht ändern, da wir
-jede etwaige Eigenbewegung derselben mitmachen würden. Im Vergleich
-zum Sonnenspektrum zeigt nun das Spektrum des Sirius z. B. die
-Absorptionslinien nach dem roten Ende hin verschoben; also entfernt
-er sich von unserem Planetensystem. Sogar die Geschwindigkeit dieser
-Bewegung ist für den Sirius festgestellt worden.
-
-3. _Bewegung der Sonne._ Jetzt liegt die Frage nahe, ob nicht auch
-vielleicht die Sonne mit ihrer ganzen Planetenschar sich im Raum
-vorwärts bewegt. Auch das ist nachgewiesen; die Sonne bewegt sich mit
-einer Geschwindigkeit von ca. 50 ~km~ in der Sekunde auf eine Gegend im
-Sternbilde des Herkules zu. Ja, es scheint sogar festzustehen, daß die
-Bewegung vieler anderer Fixsterne auf dieselbe Gegend gerichtet ist, so
-daß wir es vielleicht mit einem ganzen Fixsternsysteme zu tun haben.
-
-
-§ 38.
-
-Wie orientiert man sich am Sternenhimmel?
-
-1. _Sternbilder._ Seit den ältesten Zeiten hat die geheimnisvolle
-Majestät des Sternenhimmels die Augen der Menschen angezogen, und man
-hat früh angefangen, hervorragend helle Sterne mit Namen zu versehen,
-um dann von diesen Sternen aus sich leichter am Himmel zu orientieren.
-Wie wir schon wissen, wurden auch ganze Gruppen von Fixsternen zu
-_Sternbildern_ zusammengefaßt und mit Namen belegt. Diese nahm man
-teils von Figuren, die die Phantasie in den Fixsterngruppen zu sehen
-glaubte, teils von mythischen, sagenhaften und berühmten Personen. Alle
-möglichen Sprachen sind an dieser Namengebung beteiligt, besonders
-Chaldäisch, Griechisch und Arabisch. Die Bilder des Tierkreises, die
-schon aufgezählt wurden, haben ihre Namen wahrscheinlich zum guten
-Teile von den Jahresarbeiten des Landmannes erhalten. Die Astronomie
-bezeichnet in den Sternbildern wieder die einzelnen Sterne nach ihrer
-Helligkeit mit den ersten Buchstaben des griechischen Alphabets.
-
-2. _Aufsuchen einiger Sterne und Sternbilder._ Zum leichten Auffinden
-einiger besonders bekannten Sterne und Sternbilder dienen folgende
-Bemerkungen. Wir beginnen mit dem Sternbilde des _Großen Bären_ oder
-_Großen Wagens_, das allbekannt und leicht aufzufinden ist wegen
-der Helligkeit und eigenartigen Stellung seiner Sterne und weil es
-stets die ganze Nacht am Himmel steht. Es besteht aus drei Sternen
-zweiter und einem Sterne dritter Größe, die im Viereck stehen, und
-drei Sternen zweiter Größe, die im Bogen von dem Viereck ausgehen. Das
-Ganze erinnert an einen Wagen. Einige kleinere Sternchen gehören noch
-mit zu dem Sternbilde; doch können wir diese übergehen; erwähnenswert
-ist höchstens noch ein Sternchen über dem Mittelstern der Deichsel,
-das Reiterlein genannt. Verlängern wir die Verbindungslinie der
-beiden Hinterräder etwa um vier Achsenlängen, so kommen wir auf
-den _Polarstern_, einen Stern zweiter Größe, der selbst wieder die
-Deichselspitze des _Kleinen Bären_ oder _Wagens_ bildet; die Sterne
-darin stehen ähnlich wie im Großen Bären, sind aber weniger hell.
-Verlängert man die Linie von dem helleren Vorderrade des Großen Bären
-zum Polarstern über diesen hinaus etwa um sich selbst, so stößt man auf
-einen Stern zweiter Größe, den äußersten von vier Sternen zweiter und
-einem Stern dritter Größe, die in der Gestalt eines lateinischen ~W~
-zum Teil in der Milchstraße stehen, das Sternbild _Kassiopeia_. Eine
-Linie, die die beiden unteren, dem Polarstern abgekehrten Räder des
-Großen Bären verbindet, führt, in der Richtung der Deichsel verlängert,
-auf einen prachtvollen Stern erster Größe, den _Arktur_ im Sternbilde
-des _Boṓtes_ (griech. = Ochsentreiber). Die Verbindungslinie des
-ersten und letzten Sternes der Deichsel des Großen Wagens führt nach
-der entgegengesetzten Seite hin auf einen Stern erster Größe, nahe
-am Äquator gelegen, _Beteigeuze_. Dieser Stern gehört dem schönsten
-Sternbilde des Himmels an, das halb nördlich, halb südlich vom Äquator
-liegt, dem _Orion_. Erkennbar ist es an seinen sieben hervorragendsten
-Sternen. Von diesen bilden vier ein schiefes längliches Viereck; in der
-einen Diagonale liegt Beteigeuze und, südlich vom Äquator, ebenfalls
-ein Stern erster Größe, _Rigel_. In der Mitte des Vierecks stehen dicht
-nebeneinander in schräger Linie drei Sterne zweiter Größe, der _Gürtel
-des Orion_ oder _Jakobsstab_. Gerade diese machen durch ihre Stellung
-das Sternbild besonders kenntlich. Die Verlängerung des Jakobsstabes
-nach der Seite der Beteigeuze hin trifft den _Sirius_, den hellsten
-aller Fixsterne, im Sternbilde des _Großen Hundes_. Ziemlich auf der
-Mitte zwischen Rigel und Polarstern liegt der Stern erster Größe
-_Capella_ (lat. Böckchen) im _Fuhrmann_. Zwischen Fuhrmann und Orion
-schiebt sich nach der dem Großen Hunde entgegengesetzten Seite ein
-Sternbild des Tierkreises, _der Stier_ mit dem Sterne erster Größe
-_Aldebaran_, ein. Ein zweites Sternbild des Tierkreises finden wir auf
-der Mitte zwischen dem unteren Hinterrade des Großen Wagens und dem
-Sirius. Hier liegt nämlich der Stern erster Größe _Pollux_, der mit
-dem daneben stehenden Sterne zweiter Größe _Kastor_ dem Sternbilde
-der _Zwillinge_ angehört. Das Sternbild des Löwen treffen wir durch
-Verlängerung der Vorderachse des Großen Wagens über den helleren
-der beiden Sterne hinaus in seinem hellsten Sterne (erster Größe)
-_Regulus_. Dieselbe Linie geht, nach der entgegengesetzten Seite
-verlängert, ganz nahe an zwei Sternen erster Größe vorbei, die mit
-einem anderen nicht allzuweit davon stehenden Sterne erster Größe in
-einem Dreieck liegen; der erste ist die _Wega_ in der _Leier_, der
-zweite, entfernteste, der _Atair_ im _Adler_, der dritte der _Deneb_ im
-_Schwan_.
-
-3. _Sternkarten._ Zu genaueren Beobachtungen sind Sternkarten
-unentbehrlich. Eine bessere Karte des nördlichen Sternhimmels enthält
-wenigstens 24 Meridiane, die Stundenkreise, in der Projektion als
-divergente Linsen vom Nordpole aus erscheinend, den Äquator und einige
-Deklinationskreise, als konzentrische Kreise um den Pol erscheinend,
-und die halbe Ekliptik. Da die 24 Meridiane je 360/24 = 15° voneinander
-liegen, so ist klar, daß die Sterne auf dem einen immer eine Stunde
-früher kulminieren, als die auf dem nächsten nach Osten zu. Sind die
-Linien nicht als Stundenkreise, sondern nach Graden der Rektaszension
-bezeichnet, so ist festzuhalten, daß ein Grad immer einen Unterschied
-von 4 Minuten in der Kulmination bedeutet. Der 0te Stundenkreis,
-von dem aus man im Äquator die Rektaszension mißt, als der zum
-Frühlingspunkte gehende, ist dadurch sicher am Himmel gekennzeichnet,
-daß er durch β der Kassiopeia geht, den Stern, den wir vorher mit
-unserer Verbindungslinie vom γ des Großen Bären durch den Polarstern
-her trafen.
-
-Diese Verbindungslinie lehrt übrigens auch, daß γ des Großen Bären
-180° Rektaszension hat, oder daß er 12 Stunden nach β der Kassiopeia
-kulminiert. Offenbar beginnt nun für einen Ort ein Sterntag, wenn der
-0te Stundenkreis oder β der Kassiopeia kulminiert, d. h. durch den
-Ortsmeridian geht, der durch Zenit und Polarstern gelegt zu denken ist.
-Weiß man diese Stunde, so ist es nicht schwer, aus der vorher auf der
-Karte abgelesenen Rektaszension zu berechnen, wann ein anderer Stern,
-den man beobachten möchte, im Meridian stehen wird. Die Schwierigkeit
-liegt darin, daß Sternzeit und Sonnenzeit nur zweimal zusammenfallen.
-Aber man kann, davon ausgehend, daß am 22. September für beide Zeiten
-der Tag um Mitternacht beginnt, sich eine Tabelle anlegen. Nach dieser
-würde der Sterntag am 23. September um 11 Uhr 56 Minuten, am 24.
-September um 11 Uhr 52 Minuten, am 6. Oktober um 11 Uhr nachts, am
-22. März um 12 Uhr mittags beginnen. Außerdem wird freilich noch die
-Ortszeit in mitteleuropäische Zeit umgerechnet werden müssen, weil nach
-dieser meistens die Uhren gestellt sein werden. Auch die Deklination
-des Sternes liefert uns die Karte. Diese kann ja bekanntlich am
-Himmel mit Instrumenten gemessen werden. Für gröbere Bestimmungen
-genügt eine Abschätzung im Meridian. Bei einiger Übung ist das nicht
-zu schwer, wenn man den Äquator festhalten kann. Dieser ist der
-größte zur Himmelsachse senkrechte Kreis, der durch δ des Orion, den
-oberen von Beteigeuze abgewandten Gürtelstern, geht. Kulminationszeit
-und Deklination aber lassen uns leicht den Stern, den wir suchen,
-auffinden. Anfänger stört gewöhnlich der Umstand, daß der Sternhimmel
-an jedem Abend anders erscheint, daß die Sterne, die um eine bestimmte
-Stunde kulminieren, am nächsten Abend um dieselbe Zeit die Kulmination
-schon hinter sich haben, daß in der Gegend des Himmelsäquators im Laufe
-des Jahres immer neue Sternbilder sichtbar und dann wieder unsichtbar
-werden. Für sie ist der Gebrauch _drehbarer Sternkarten_ sehr
-empfehlenswert. Auf diesen kann man ziemlich genau sehen, wie um eine
-beliebige Stunde an einem beliebigen Tage der Fixsternhimmel aussieht.
-
-4. _Orte wissenschaftlicher Beobachtung._ Zur wissenschaftlichen
-Beobachtung des Sternenhimmels sind große Sternwarten mit den
-mannigfaltigsten Meß-, Photographie-, Spektral- und Fernsehapparaten
-nötig. Solche Sternwarten gibt es in den meisten Universitätsstädten.
-Genannt seien die von Berlin, Leipzig, Straßburg, Wien, Greenwich,
-Nizza, Pulkowa bei Petersburg, die Sternwarte der Harvard-Universität
-in Cambridge bei Boston, die Licksternwarte auf dem Mount Hamilton
-in Kalifornien; ganz bestimmten Gebieten, z. B. der Beobachtung und
-Berechnung der Eigenbewegung der Fixsterne, dient das vorzüglich
-eingerichtete astrophysikalische Observatorium zu Potsdam.
-
-[Illustration: Dekoration]
-
-
-
-
-Anhang.
-
-
-Bedeutende Astronomen.
-
- Um 600 v. Chr.
- _Thales_ von Milet sagte eine Sonnenfinsternis voraus, kannte die
- scheinbare Jahresbahn der Sonne.
-
- Um 550 v. Chr.
- _Anaximander_ lehrte, daß die Erde keine Scheibe sein könne, hielt
- sie für walzenförmig.
-
- Um 190--125 v. Chr.
- _Hipparchus_ erkannte die ungleiche Länge der Jahreszeiten. Er
- stellte ein Weltsystem auf und lehrte, daß die Erde nicht im
- Mittelpunkte der Jahresbahn der Sonne liege.
-
- Um 130 n. Chr.
- _Claudius Ptolemäus_ bildete das Weltsystem des Hipparchus weiter
- aus. Seine Anschauungen galten bis Kopernikus.
-
- 1473--1543.
- _Nikolaus Kopernikus_ stellte das nach ihm genannte
- Sonnensystem auf.
-
- 1546--1601.
- _Tycho de Brahe_, ein Däne, stellte gegen Kopernikus ein
- vermittelndes System auf.
-
- 1564--1643.
- _Galileo Galilei_ lebte in Pisa und Padua, entdeckte mit Hilfe
- des eben erfundenen Fernrohres die Monde des Jupiter, die Phasen
- des Merkur und der Venus, den Ring des Saturn, die Sonnenflecke
- und die Mondgebirge.
-
- 1571--1630.
- _Johann Kepler_ entdeckte die drei Gesetze der Planetenbewegung.
-
- 1643--1727.
- _Isaak Newton_, ein Engländer, entdeckte das Gravitationsgesetz.
-
- 1738--1822.
- _Friedrich Wilhelm Herschel_, ein geborener Deutscher, lebte in
- England. Er war ein Meister der Beobachtung, entdeckte den
- Uranus.
-
- 1749--1827.
- _Pierre Simon de Laplace_, ein Franzose, stellte die nach ihm
- benannte Hypothese über die Entstehung des Sonnensystems auf.
- (Ebenso der Königsberger Philosoph Immanuel Kant.)
-
- 1784--1846.
- _Friedrich Wilhelm Bessel_ in Königsberg stellte zuerst die
- Entfernung eines Fixsternes mit Hilfe seiner Parallaxe fest.
-
- 1811--1877.
- _Joseph Leverrier_, ein Franzose, entdeckte durch Rechnung den
- Neptun (1846), den dann in demselben Jahre _Galle_ in Berlin
- auffand.
-
- geb. 1835.
- _Giovanni Virginio Schiaparelli_, Astronom in Mailand, hat
- bahnbrechende Untersuchungen über den Mars, die Sternschnuppen
- und die Kometen angestellt.
-
-
-
-
-Empfehlenswerte Werke zur Fortbildung.
-
- _Meyer_, ~Dr.~ _M. Wilhelm_, Das Weltgebäude. Eine
- gemeinverständliche Himmelskunde. Leipzig und Wien. 2. Aufl.
- 1908.
-
- _Ule_, Die Wunder der Sternenwelt. Ein Ausflug in den
- Himmelsraum. 5. Aufl. Bearbeitet von ~Dr.~ Hermann J. Klein.
- Leipzig 1909.
-
- _Diesterwegs_ Populäre Himmelskunde und mathematische
- Geographie. Neu bearbeitet von ~Dr.~ M. Wilhelm Meyer. 21.
- Aufl. Hamburg 1909.
-
- _Klein_, Handbuch der allgemeinen Himmelsbeschreibung nach dem
- Standpunkte der astronomischen Wissenschaft am Schlusse des
- 19. Jahrhunderts. 3. Aufl. Braunschweig 1901.
-
- _Geißler_, Anschauliche Grundlagen der mathematischen Erdkunde
- zum Selbstverstehen und zur Unterstützung des Unterrichts.
- Leipzig 1904.
-
- _Martus_, Astronomische Erdkunde. 3. Aufl. Dresden 1904.
-
- _Günther, S._, Handbuch der mathematischen Geographie.
- Stuttgart 1890.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Cover wurde aus dem Originalumschlag des Buches und der
- Titelseite zusammengesetzt und steht unter der Public Domain.
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
- Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
-
- Korrekturen:
-
- S. 94: Sternbild → Stern
- ein {Stern} zweiter Größe im Sternbilde des Perseus
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MATHEMATISCHE GEOGRAPHIE FÜR
-LEHRERBILDUNGSANSTALTEN ***
-
-***** This file should be named 64085-0.txt or 64085-0.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- https://www.gutenberg.org/6/4/0/8/64085/
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you will have to check the laws of the country where
- you are located before using this eBook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.