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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Ernst Koch's Gedichte - Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem - Freunde des Verstorbenen - -Author: Ernst Koch - -Editor: Ludwig Housse - -Release Date: August 31, 2020 [EBook #63086] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. -This book was produced from images made available by the -Open Repository Kassel. - - - - - - - Ernst Koch's - - - - - Gedichte, - - - aus dessen Nachlasse - gesammelt und herausgegeben - von - einem Freunde des Verstorbenen. - - - Luxemburg. - Druck und Verlag von _B. Bück_. - 1859. - - - - - - -Der Name _Ernst Koch_, dessen poetischen Nachlaß wir in dieser Sammlung -der Oeffentlichkeit übergeben, hat in der Tagesliteratur bereits einen -zu guten Klang, als daß wir hier sein Lob unternehmen müßten. Sein -»Prinz Rosa-Stramin«, seine »Erzählungen« und »Novellen« haben ihn auch -in weitern Kreisen rühmlichst bekannt gemacht, und er dürfte unter der -Legion von Dichtern und Literaten, die in den letzten Decennien in allen -Ecken und Winkeln Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den -wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie einen -bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch die spätere -Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren des Verstorbenen nicht -ohne Mühe zusammengetragen, allen Freunden der schönen Literatur eine -willkommene Gabe sein. Nur bedauern wir, daß ein so frühreifes -reichbegabtes Dichtertalent uns verhältnißmäßig so wenig Früchte und -Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewiß hätte Koch der -köstlichen Blumen noch unendlich mehr in den Blüthenkranz deutscher -Poesie hineingewunden, wenn er ihrer in Frieden und Muße hätte warten -können. Aber es ist ein untrügliches Kennzeichen von der Echtheit der -ihm gewordenen Dichterweihe, daß die harten Schläge des Schicksals und -die Last der prosaischen Tagesgeschäfte, die ihm oft auf der Brust lagen -wie ein drückender Alp, den glimmenden Funken seines Genius nicht -erstickt haben. - -Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der Dichter selbst in -einer biographischen Skizze, die wir einem seiner Manuscripte entnehmen, -aufgezeichnet. Freilich sind es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen -unmöglich ein vollständiges Bild von seiner interessanten -Persönlichkeit, wie sie mit ihrer Gemüthlichkeit und Lebendigkeit und -ihrem unverwüstlichen Humor, dem bei allem Ernst des Lebens etwas -jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit geblieben war, im Geiste -seiner Freunde und Schüler noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und -noch viel weniger von seinem überaus reichen und geheimnißvollen -Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir ihn kennen in -seinen Werken. In seinen Erzählungen und Novellen, worin ein gut Stück -aus dem eigenen Leben hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst -geschildert, und besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermöchte. -Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte, mögen wir am -besten den Tönen ablauschen, welche die Saiten seiner Harfe -durchzitterten. - -»Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in Niederhessen, im Hause -meines Großvaters, des Obervogts Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch -(1847 als pensionirter Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals -Friedensrichter zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach -Waldkappel und 1816 als fürstlich Rotenburgischer Oberschultheiß nach -Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14. Jahre, und erhielt in den -Stadtschulen die Elementar- und die ersten humanistischen Kenntnisse. -Die wundervolle, liebliche Natur des Werrathales und die Lectüre der -Schiller'schen, Körner'schen und Mathisson'schen Lyrik, für die mein -Vater schwärmte, übten ihren Einfluß auf den lebhaften Knaben. 1821, als -mein Vater als Kreisrath nach Kassel berufen wurde, trat ich dort in die -3. Klasse des Lyceums ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der -höhere Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben die -poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon in der Tertia, -lieferte in Secunda himmelstürmende Aufsätze, bei denen dem würdigen -Lehrer der Maßstab der schulmäßigen Prosa versagte, und durchschwärmte -in Prima alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe. -Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universität Marburg, dann -Göttingen und wieder Marburg, wo ich 1829 als _Doctor juris_ -absolvirte[1]. 1830 brachte ich den Sommer in Berlin zu, um mich -dort als Privatdocent zu habilitiren. Indeß riefen mich die -damaligen Ereignisse nach Kassel zurück und ich trat in den -hessischen Staatsdienst als Obergerichts-Referendar ein. Hier -schossen die »Vigilien« unter Bescheid-Entwürfen und gelehrten -Appellations-Relationen auf, und wandten mir, als ein Zufall den -Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten Publikums zu. -Diese erkaltete plötzlich, als ich die Ernennung zum Sekretär des -Landtags-Commissars und 1832 die zum provisorischen außerordentlichen -Referenten im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser -Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurückgeschickt, um mich -zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten. Mit dem Publikum zerfallen, -zerfiel ich bald mit mir selbst, und begann statt der Prüfungsarbeiten, -ein ungebundenes Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung -stürzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschluß brachte, das Vaterland -heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu verlassen. Ich wendete mich nach -Straßburg. Verschiedene Pläne, mir eine Existenz zu gründen, mißglückten -hier und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte mich der -gänzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die französische Armee -einzutreten. Man sandte die Freiwilligen über Toulon nach Algier in die -Fremdenlegion. Diese wurde noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien -als Hülfstruppe der Königin Christine gegen die Carlisten übergeführt, -und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps, das innerhalb zweier -Jahre durch Kugeln und Krankheiten und Strapazen von 7000 auf 381 Mann -herabschmolz, und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren -Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der römisch-katholischen -Kirche übertrat, trug ich mein armes Herz, das nunmehr fest, aber auch -kalt geworden, und aus dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen -Zaubereien und Träume hinausgefegt hatte, der heimathlichen Erde zu. So -kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion nach -sechswöchentlicher Wanderung von Pamplona über Metz und Sierk im -September 1837 bei Marburg an, wo ihn ein Freund aus den -Universitätsjahren auf der Landstraße empfing, der ihm eine Stunde -darauf aus Lewald's »Europa« Franz Dingelstedt's Worte vorlas: »Kassel -hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren, und diesen nur -zufällig, der ist Ernst Koch, der Verfasser des Prinz Rosa-Stramin. -Seitdem er seine Vaterstadt verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge -die Vorsehung ihn schützen auf seinen dunklen Pfaden.« Der Landesfürst -verweigerte dem Zurückgekehrten, der sich bei seinen versöhnten Eltern -in ein einsames Leben zurückzog und eine Darstellung des althessischen -Privatrechtes begann, das fast vollendet ist, jede Anstellung, und mit -Mühe erschwang ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Röfing -das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt vergütete. Da rief -mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug nach Luxemburg, wo ich sofort -als Regierungssekretär angestellt wurde, nach Hassenpflug's Abgang als -Bureauchef in der Verwaltung blieb[2], mich mit einer Luxemburgerin, der -Tochter des Eigenthümers Müllendorf, verheirathete und jetzt als -glücklicher und geachteter Familienvater mit Erfolg das Amt eines -Professors der deutschen Sprache und Literatur beim königl. großherzgl. -Athenäum bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden Nebensache -geworden, für die ich weder um Muße noch um Stoff werben mag. Auch die -Novellen (1847) sind die Frucht weniger müßigen Wochen, da die erste und -zweite derselben schon früher im Dingelstedt'schen »Salon« abgedruckt -waren.« - -Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschätzt, im stillen -Kreise seiner Familie und seiner lieben Zöglinge. Dem armen Dulder -schien endlich, nach vielem Ringen und Herumirren, in seiner zweiten -Heimath die langersehnte Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum -hatte sich unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen -neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, -- wohl die -Nachwehen früherer Anstrengung -- nach einer Ferienreise in seine -Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten Anfänge eines chronischen -Brustkatarrhs, von dem er nicht mehr genesen sollte. Die Strapazen und -Entbehrungen des Legionars in der Sonnengluth Afrika's und in den -Schreckensgründen der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und Leiden des -Familienvaters, dem ein früher Tod sieben von zehn Kindern, und das -letzte noch während seiner Krankheit entrissen hatte, waren nicht -spurlos an ihm vorübergegangen, und die anhaltende Geistesthätigkeit und -körperliche Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21 Stunden -wöchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache, das bei der Feuergluth -einer sanguinisch-cholerischen Natur, die alles, was sie unternahm, mit -dem Schwung der höchsten Begeisterung angriff, die ganze Persönlichkeit -des Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet, seine -zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten die Aerzte die -furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht. Vergebens stellte Koch -seine Curse am Athenäum ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden -Lebenskräfte zu verjüngen. Krank und gebrochen kehrte er nach Luxemburg -zurück, wo er nach langem Leiden und schwerem Kampfe am 24. November -1858, mit den Sakramenten und Tröstungen der heiligen Kirche gestärkt, -der er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben war, -vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging. - - * * * * * - -Koch's Rückkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis auf wenige -Ausnahmen mit seiner früheren Umgebung zerfallen war, hat hie und dort -zu manchem schiefen und lieblosen Urtheil Anlaß gegeben und ist noch -jüngst als eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet -worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener Feder dürfte darum -hier ihren geeigneten Platz finden. - - - Eine Bekehrung.[3] - -»Während des neuesten Religionskrieges in Spanien war der Bischofssitz -in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt geblieben, und der bischöfliche -Palast zum Militärhospital für die Christine'schen Truppen eingerichtet -worden. Dieses Gebäude, kaum noch kenntlich an der über dem -Haupteingange befindlichen Überschrift, war in Folge dieser veränderten -Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und des geistlichen Friedens eine -schmutzige Wohnung unbeschreiblichen Elendes und Jammers geworden. Im -Jahre 1837 waren nicht blos die zwölf Säle, sondern auch die Gänge und -Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in welchem die täglich vom -Heere dort ankommenden Verwundeten, Siechen, Fieberkranken und sonstigen -Leidenden aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im höchsten -Grade erbärmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben. Die Kranken wurden -auf den dürftigen Strohlagern vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die -Armen, aus allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der -untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der fernen Mancha, -stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen schwebten über der ganzen -Einrichtung wie die Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (_hijas -de la caridad_), und der bischöfliche Caplan, D. Raphael Salvador. Die -ersteren besorgten die Wäsche, die Küche u. s. w. und trösteten in ihrer -bekannten liebevollen Weise. Der letztere, ein junger Mann von etwa 35 -Jahren, wandelte durch die Säle mit dem Sacramente und tröstete die -Sterbenden. - -»Am 15. März 1837 ging durch das von Wachen besetzte Thor dieses -Hospitals mit Tornister und Gewehr ein Unteroffizier der französischen -Fremdenlegion (welche bekanntlich von Frankreich der Königin Christine -aus Algier herüber zur Hülfe geschickt war, und binnen zwei Jahren durch -Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381 zusammenschmolz). Der -Fremde zeigte das Eintrittsbillet vor, wankte mit zitternden Knieen -die Treppe hinauf, und war schon nach wenigen Stunden der -Besinnungslosigkeit und einem heftigen Nervenfieber zur Beute. - -»Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwärtigen. Zum ersten Male nach -1½ Jahren Kriegsleben, war ich in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das -Fieber in den Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren. - -»Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen Lande -geboren, und in der sogenannten reformirten Lehre, so wie es zu -geschehen pflegt, erzogen worden. Vom Catechismus kannte ich höchstens -nur noch die Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende -Bedürfniß des Glaubens hatte bei mir sich schon früher in ruhigen -Stunden in der Art geregt, daß ich mir vornahm, wenn ich einmal Zeit -hätte, mir mein vollständiges Glaubensbekenntniß aufzubauen, damit ich -wüßte, woran ich wäre. Denn am Ende muß man doch, dacht' ich, an etwas -glauben, und mit sich in diesem wichtigen Capitel im Reinen sein. -Aehnliches kam mir hier im Hospital in den Sinn, indem ich nach vier -Wochen zum ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem Tode, -wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum fing ich nicht damit -an, die Lehren, in denen ich erzogen war, wenn nicht unbedingt -anzunehmen, doch wenigstens näher zu prüfen? Eben darum nicht, weil ich -darin erzogen war, und nach denselben es meinem forschenden Geiste frei -stand, mich von einer Unterwerfung oder einer Prüfung meiner Einsicht -nach zu dispensiren oder nicht. Es wird keinem Katholiken einfallen, -sich in einer Stunde der Muße seinen Glauben selber machen zu wollen, -oder er tritt, wenn er wirklich diesen Entschluß faßt, sofort auf das -Gebiet des Protestantismus. Daß ich nun die Idee, mir ein System meines -Glaubens zu bauen (welches ich mir wahrscheinlich sehr bequem -eingerichtet haben würde) bald wieder aufgab, läßt sich wohl glauben. -Schon die Umgebungen waren zu erbärmlich und niederschlagend, um meinen -Geist auf das hohe Pferd zu setzen. - -Daß schon früher zweimal, einmal in meiner Heimath 1834, und später in -Spanien 1836, die Gnade Gottes mit dem flüchtigen Gedanken, in die -katholische Kirche zurückzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte -ich nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Früchte geblieben, weil ich mich -fragte: was würden die Leute dazu sagen, wenn du den Glauben deiner -Väter verließest? -- Hätte mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v. -Stolbergs erzählt, welcher dem Könige von Preußen, als ihm dieser sagte: -»Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem Glauben abfallen,« -erwiederte: »Ich auch nicht, Majestät,« und so auf den Abfall im -sechszehnten Jahrhundert mit einer Ironie anspielte, die ein Protestant -selten eher begreift, als bis er mit dem Kopfe darauf stößt. - -»Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien, worin -ich, ich weiß nicht wie viele Tage gelegen hatte, trat folgendes -Ereigniß ein. Nicht weit von meinem Lager wurde ein eben angekommener -spanischer Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend -geberdete, alle ärztliche Hülfe verweigerte, den Arzt und die Nonnen -insultirte, und endlich den Caplan unter Schimpfen und Blasphemien -zurückwies. Der würdige Caplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als -es ihm gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des Kranken zu -nähern, sank dieser langsam auf das Kissen zurück, und beichtete mit -lammfrommer Ruhe zwei Stunden lang. Kurz nachher erklang die Schelle -durch die Treppen und Gänge, Kranke und Gesunde knieten vor dem -hochwürdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem Bette des -Andalusiers trug. Der richtete die großen Augen, aus denen noch vor -wenigen Stunden die Teufel geblitzt hatten, mit einem unbeschreiblich -süßen Verlangen nach der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmäßig die -Calotten vom Kopfe, und falteten die Hände, während der Spanier die -Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem Frieden verschied, -der sein Gesicht verklärte. Ich betete auch mit, weiß aber nicht mehr -was. Jedenfalls war's mir curios zu Sinne. - -»Am anderen Morgen erwacht' ich, das Gesicht nach der Wand gekehrt, -frühe, in jenem süßen Gefühle der wachsenden Genesung, und gestärkt -durch einen erquickenden Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl, -welchen der Frühling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer sandte. -Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang so auf den -Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick geheftet hielt, erschallte auf -einmal von allen Kirchen Pamplona's zu gleicher Zeit ein erhabenes -Glockengeläute. Es war ein Sonntag -- vielleicht Ostern? Nie hat ein -Geläute einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht. - -»Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte und Feder, und bat -den Caplan schriftlich, mich an meinem Bette (Saal IV. Nr. 42) zu -besuchen, um sich mit mir über meinen Wunsch, in der katholischen -Glaubenslehre unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand der -Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor mir. Die Erscheinung -verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas Furchtbares für mich. Ich -erschrack vor dem, was ich gethan. Es war mir, als hätte ich die -katholische Kirche vor mir. Wir verständigten uns bald, da er mir sehr -liebevoll zuredete, in französischer Sprache. Er gab mir zunächst eine -zweibändige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren Verfasser ich -leider vergessen habe, hiernächst den französischen Catechismus, der -unter Napoleon erschien (_de l'Empire français_). Mit Begierde, mit -einem Heißhunger meiner Seele verschlang ich die geistige Speise, -sitzend und betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich -aufstehen und täglich eine Stunde den Caplan auf seinem Zimmer besuchen, -um mich von ihm prüfen zu lassen. Am 27. April wurde ich für reif -erklärt, die Sacramente zu empfangen. Nach genommener Rücksprache mit -dem Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte Taufe, -weil sie unter Ablution im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes, -und Gottes des heiligen Geistes geschehen war, als gültig an. Dieses -Sacrament wurde daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete -ich meinem würdigen Caplan (der für mich ein wirklicher Salvador war), -und am anderen Morgen empfing ich die heilige Communion, beides in der -im Hospital wohlerhaltenen bischöflichen Capelle. Eine förmliche -Abschwörung ist nicht für erforderlich gehalten worden. Der Rücktritt in -die mütterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente der -Beichte und Communion. -- Am folgenden Tage wurde ich vom Arzte für -curirt erklärt, und ging zu meinem Bataillon zurück. Im Monate Juni kam -die unerwartete Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach Hause -geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich mit Abschied von -Pamplona weg und betrat im Anfang September den heimathlichen Boden. - -»Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken sein: - -»1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ehe -ich in das Hospital ging, viele Menschen sterben gesehen, viele Kirchen, -gezwungen oder aus Laune besucht, und all den Pomp der spanischen -Gotteshäuser beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck auf -mich, den später in Pamplona das Glockengeläute auf mich machte? - -»2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines Fremden in -Spanien schnell mit dem Zweifel bei der Hand: ob nicht die Bekehrung die -Folge eines geistigen Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht -auf zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? und die -zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht stellte und stellen -konnte, bestanden darin, daß mein guter Caplan, der selbst so arm war -wie eine Kirchenmaus, mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren -ließ. - -»3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik meine zeitliche -Zukunft in irgend etwas verbessern würde? Nein, denn für den Fall der -Rückkehr in mein Vaterland konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil -und Zurücksetzung, oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst -aber erwartete ich täglich den Soldatentod. - -»4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, katholisch zu werden? -Nein, denn die Krankheit war überstanden, und als Protestant konnte ich -ja überhaupt nicht annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu -sterben. - -»5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung? Wie hätte ich als -Protestant denn annehmen können, daß man Gott einen Gefallen erzeige, -wenn man katholisch werde? - -»6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage nach meiner Bekehrung -aus dem Hospital geschickt wurde. Wäre es einen Tag früher geschehen, so -wäre das Werk unvollendet geblieben. - -»Es war also eine _reine_ und _ganz unverdiente Barmherzigkeit_ des -allmächtigen Vaters, welcher mich, nachdem sein Ruf in der Heimath nicht -gefruchtet, in lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein -zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich in das Lazareth -in Pamplona warf, mich dort von einer schweren Krankheit rettete, und -mir dann mit seinem Sonnenstrahle und dem Glockengeläute seiner Kirchen -die Gnade sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde ich -sagen: _so viel Mühe gibt sich Gott, um ein störriges, eitles Kind, das -nicht hören und nicht sehen will, zurückzuführen_. Der Herr sei -gepriesen in Ewigkeit. Amen!« - - * * * * * - -Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische Laufbahn -eröffnete, war der aus den »Vigilien« entstandene »Prinz -Rosa-Stramin«[4], dem noch nach zwei Decennien die seltene Gunst zu -Theil ward, neu aufgelegt und in's Englische übersetzt zu werden. Wenn -wir in dieser Lieblingsschöpfung des Dichters -- der Frühlingsgabe -seiner Muse -- eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, Einheit und -Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte der Sprache vermissen, -so werden wir um so freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und -Farbenreichthum entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem kühnen -Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo ihn das kecke Flügelroß -hintragen wird. Wir sehen eine Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in -bunter, rascher Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten- -und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers reiche, -gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in die er meist seine -eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen Träume und Verirrungen, seine -Freuden wie seine Leiden hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls, -einer Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den Leser von -einem Ende zum andern in fesselnder Spannung erhalten. - -Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine früheren Erzählungen -und Aufsätze, die er unter den Namen »Leonhard Emil Hubert, Hubertus, -Eduard Helmer« herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H. -Hotop gedruckten »Erzählungen« vor das Forum der Oeffentlichkeit trat, -und alle seine frühern literarischen Versuche als sein Produkt und -Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch hier bilden des Dichters -militärische Thaten, Kriegsscenen und Naturbilder aus Afrika und Spanien -die stets wiederkehrende Staffage. Ausgezeichnet wie »Prinz -Rosa-Stramin« durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche Frische, -sind sie, gleich den spätern Novellen[5], mit größerer Klarheit und mehr -einheitlicher Zusammenstellung angelegt: sie waren nach dem Urtheile -competenter Kunstrichter das Beste, was seit langer Zeit auf dem -deutschen Büchermarkt erschienen war[6]. - -Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über kurhessisches -Recht haben wir unter der Nachlassenschaft des Verstorbenen noch zwei -literarische Commentare, das eine zu Schiller's »Wilhelm Tell«, das -andere zu »Amaranth« und »Thomas Morus« von Oscar v. Redwitz -vorgefunden. Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm des hiesigen -Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt. - -Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner -Jugend, Koch am meisten beeinflußt hat, mag nicht schwer zu errathen -sein. Die überraschenden, oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die -behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem -Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und über sich -selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegespräch einzulassen, die -eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean -Paul, zum Theil an den Verfasser der »Reisebilder«. Aber es wäre eine -Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man -ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine's bezüchtigen wollte, -wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen »Erzählungen« -energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon -entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften -billigend und lobend anzuerkennen, so müßten wir doch auch dagegen mit -ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum -Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. Die -Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des »jungen Deutschland« -alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die -Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls- -und Gesinnungslosigkeit mit Seelengröße und Byronischem »Weltschmerz« -kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhaßt. Bei allen -jugendlichen Irrungen und allen Stürmen des Lebens hatte Koch den Adel -seiner liebenswürdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, -entströmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen -seiner überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur. - -Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber für -eine Pflicht der Pietät gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen -Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm -auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und -befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang -mit seinen übrigen Produktionen ein vollständiges Bild von der -Individualität des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter -zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der -Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen -durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden. - -Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Sänger, in -das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgängers als -Schüler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten. - - - Trost in Thränen. - - _Grablied auf Professor Koch._ - - Nach der Harfe greif' ich wieder -- - Und sie tönet Grabgesang, - Bittern Schmerzes Klagelieder - Zittern durch der Saiten Klang. - - Ernst, in Wehmuth hingegossen, - Schwieg der Jünger Trauerschaar, - Weib und Kind, in Schmerz zerflossen, - Standen an der Leichenbahr'. - - Ach! der Sänger, der gerungen - Treu für Gott und Vaterland -- - Seine Saiten sind verklungen, - Die er schlug mit Meisterhand! - - Der uns sang der Minne Sehnen - Und des Helden Sturmesdrang, - Und des Dulders stille Thränen - Und des Glaubens Siegessang! -- - - Mußt so früh den Tod Du finden, - Lebensmuthig, liederreich? - Wollten Dir die Schläf' umwinden - Mit des Ruhmes Lorberzweig. -- - - Nicht bei Menschen, nicht hienieden - War Dein Hoffen, schön'res Loos - Ist der Treue dort beschieden. - Wo Du ruh'st in Gottes Schooß. - - Wo die Stirne wird umkränzen - Der Verklärung Siegeskranz, - Und ein Engel Du wirst glänzen - In der Sel'gen Sonnenglanz'. - -Luxemburg, 1. November 1859. - - Ludwig Housse, - Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur. - - - - - Meinen Eltern, - - am Neujahrsmorgen 1825. - - - Wie einst Memnon's Säule sanft ertönte - Bei Aurorens erstem Strahlenkusse: - So tönt mir auch dieses Jahres erster - Morgenstrahl Gefühle in die Brust, - Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen, - Wenn es sich an das der Eltern dränget. - Auf die Feder scheint die Morgensonne - Mir und ladet mich zum frohen Gruße. - Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten, - Die Minute, wo in Euren Armen - Inniger mein Herz dem Eurigen - Und der Zukunft ungewissen Tagen - Freudig wünschend dann entgegenschläget! - - Nicht entweihen will ich durch die Feder, - Was die dankerfüllte Brust durchglühet, - Sagen nicht, wie Eure Elternliebe - Mich von meinem ersten bis zu diesem - Morgen mit des Dankes Hochgefühlen - Ewig an die treuen Herzen bindet; - Sagen nicht, was ich aufzählen weder, - Noch Euch je vergelten kann, -- ach wenn ich - Mir dies denke, alle die Wohlthaten, - Mir zurück in meine Seele rufe: - Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele), - Einer Thräne gleich, mein frommer Dank - In dem Meer der elterlichen Liebe, - Und das Ziel von allem meinem Streben - Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen. - - Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied - Auf den kleinen Knaben nieder -- und der - Kinderjahre gold'nen Traum; -- er wußte - Noch nicht, wem er seine Freuden dankte: - Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten, - Der Natur, der heit're Frühlingshimmel - Andere, erhabene Gefühle - In die Jünglingsbrust; -- es weiß der Jüngling - Nun für wen des Dankes Zähre fließt! - - Der die Welten schuf und die Natur - Und den heitern Frühlingshimmel, der das - Leben seinen Menschen gibt und nimmt, - Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen - Ueber unserer Erde aufgeh'n ließ: - Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen, - Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, -- Beten! - - - - - Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter - - - (am 9. April 1827). - - Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen, - Flur und Haine bau'n ihm Ehrenbogen, - Ihn begrüßt der Lerchen Chor, - Und der Engel treuer Kindesliebe, - Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe, - Schwingt mit ihnen sich empor. - - Nimm es mit mein Herz zur ew'gen Ferne, - Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne - Freundlich auf- und niedergeh'n, - Wo die Brüder dort in süßer Wonne - Und die heil'ge liebende Madonne - Nieder auf die Menschen seh'n. - - Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne, - Fleh die Heil'ge um die schönste Krone - Für ein edles Mutterherz: - Wenig Leiden und der Freuden viele, - Langes Leben, und am späten Ziele - Sanftes Scheiden himmelwärts. - - - - - Am Geburtstage meines Vaters - - - (während eines heftigen Gewitters geschrieben). - - Glühend in des Mittags Schwüle - Schickt die Sonne ihr Geschoß, - Keuchend zieht das matte Roß, - Sucht der Bäume Schattenkühle. - Aller Lebensgluth beraubt, - Steht der Hain mit schlaffen Zweigen, - Und des Thales Blumen neigen - Traurig, farbenlos, ihr Haupt. - Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen, - Schon im Sarge, noch geschmückt, - Wo der Tod von ihren Wangen - Noch die Rose nicht gepflückt; - Einem holden Frühling gleich - Mit unendlicher Blumenfülle; - Ohne das ewige Schaffen und Streben, - Ohne das blühende, liebende Leben, - Eine abgestorbene Hülle - Liegt der Erde weites Reich. - - Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen - Dort im Westen hergezogen, - Wie das Schicksal, langsam, schwer, - Wälzt es sich am Himmel her. - Und des Aethers Azurschein - Hüllt in Nacht sich ein, - Und der Ewige naht - Auf dem Gewölke den Fuß, - Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad - Bringen den Jubelgruß. -- - Da siehe, ganz helle, - Ein zuckender Strahl - Mit Gedankenschnelle - Erleuchtet das Thal. - Ein Funken seiner Glorie kündet - Des Herren Angesicht, - Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht! - Und der Funken hat nicht gezündet, - Und der Mensch danket und betet an, - Wie er sieht den Ew'gen nah'n. - - Horch, da murmelt's am fernen Himmel, - Gleich einem rieselnden Felsenbach, - Und murmelt näher und näher ohn' Ende, - Und rollt jetzt lauter am Firmamente, - Und bebt in des Berges Schluchten nach, - Und donnert und kracht, - Und heult in die Nacht, - Als wären die Welten im Kampfgetümmel, - Als wollt' im angstvollen Beben - Die Erd' aus den Angeln sich heben, - Und ein _Schlag_, daß die Himmel zittern, - Hemmet des Donners furchtbaren Lauf, - Und des Eichbaums Aeste splittern: - Dampfend zu dem Himmel auf - Wallt des Haines Opfergluth - Ihm, der uns mit treuer Hut. - Schützt in Ungewittern. - - Siehe, nun kommt der unendliche Segen, - Und es ergießt sich der rauschende Regen, - Ziehet dahin über Felder und Auen, - Sie mit erquickendem Leben zu thauen. - Freudig erhebet die Blume das Haupt, - Frisch hat der lachende Baum sich belaubt. - - Holde Nachtigallen - Singen in dem Hain, - Hörnerklänge schallen, - Flöten und Schalmei'n, - Und es grünet die Weide, - Und die Heerden zieh'n - Mit harmonischem Geläute - An dem Anger hin. - - Der Landmann sieht die Felder blüh'n - Und seiner Wiesen neu belebtes Grün, - Und sieht auf seinen Fluren - Des Vaters Segensspuren. - Zum Himmel hebt er die Hände gern - Und dankt dem Herrn. - Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm, - Drückt an die Brust ihn lieb und warm, - Blickt empor zu des Himmels Blau, - Sehnsucht im Auge und Thränenthau, - Will einen Kranz dem Vater winden, - Kann für das Herz nicht Worte finden, - Er schaut in den Frühling und findet sie, - Und beugt in kindlicher Andacht das Knie: - - Du in ew'gen Fernen, - Vater über'n Sternen, - Höre mein Gebet! - Geber aller Freuden, - Du nur kannst es deuten, - Was die Seele fleht. - Herr, wie auf Dein Zeichen - Die Gewitter weichen, - Und die Wolken fliehen: - Also winke liebend, - Wenn Gewitter trübend - Seine Stirn' umzieh'n. - Schaffen, Wirken, Streben - Sei das frohe Leben, - Das Du ihm verlieh'n, - Und durch Frühlingstage - Ohne Schmerz und Klage - Leite, Vater, ihn. - Deine Huld und Güte, - Ewiger, verhüte, - Kummer, Gram und Leid; - Kräfte gib dem Sohne - Zu dem großen Lohne, - Bis die Dankbarkeit - Einst in späten Zeiten - Unter Trauerweiden - Feuchten Auges steht, - Bis die Nebel sinken - Und die Fluren winken, - Wo die Palme weht! - - - - - Am Anfange der Osterferien. - - - 1826. - - Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da, - Laß schweigen das nächtliche Sehnen, - Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht, - Wo Kronen der Liebe dich krönen! - - Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt, - Es senket der Lenz seine Flügel, - Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur, - Hinaus über grünende Hügel! - - Warum so still, wenn die Freude Dir lacht? - Hast Du nicht dem Himmel vertraut? - Und hat der beglückende Frieden in Dir - Nicht gold'ne Palläste gebaut? - - Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl, - Gekämpft und gesieget zu haben? - Hast du in den niederen Gängen der Lust - Die Hoffnung der Eltern begraben? - - Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht? - Wenn himmlische Freuden Dir winken? - Bald sollst Du an liebender Vaterbrust - Die Wonne des Wiederseh'ns trinken! - - »Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht, - »Wohl hab' ich dem Himmel vertraut; - »Wohl hat der beglückende Frieden in mir - »Die gold'nen Dächer gebaut;« - - »Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar - »Der Aether in freundlicher Bläue, - »Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all', - »Mit Kränzen der Liebe und Treue:« - - »Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin, - »Das innig und heiß mich durchglühte, - »Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin, - »Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.« - - »_Ach! süßer entfloh'n, und ich wußte es nicht,_ - »_Im Harren und Sehnen die Stunden,_ - »_Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,_ - »_Die Krone der Freude empfunden!_« - - - - - Am 8. December. - - - Sieh, wie buntes Schneegewimmel - Spielet durch den öden Himmel, - Und es heult der Stürme Wuth. - Ob auch mit erstorb'nen Lilienwangen - Die Natur im Schlummer ruht, - Ist mir doch ein Frühling aufgegangen, - Und (ich fühl' es an dem Wogen - Dieser übersel'gen Brust) - In mein frohes Herz gezogen, - Reich an Blüthen, reich an Luft. - War nicht heute, freudig tönt's die Laute, - Beben's meine Saiten nach, - War nicht heute jener frohe Tag, - Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute? - Ach, Geliebte, war's nicht heute? - Wo ich, noch ein Knab', an Deiner Wiege saß, - Und mein Lieblingsspiel vergaß, - Und der Schwester königlich mich freute, - Selig dir ins Auge blickte, - Ja, und dreimal glücklich war, - Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar - Dir den Kuß der Bruderliebe drückte? - Vierzehn Lenze sind geschwunden, - Doch des Knaben Liebe nicht. - Was ich damals schon empfunden, - Fühl' ich noch in schönen Stunden, - Wenn Dein sanftes Angesicht - Treue Schwesterliebe spricht. - - Hätt' ich Hölty's Lautenklang, - Ließe meine Saiten rauschen, - Daß die Engel mir im Himmel lauschen, - Säng' ich meinen schönsten Hochgesang: - Nimmer würd' es mir gelingen, - Meine Liebe Dir zu singen. - - Wandle froh und glücklich durch Dein Leben, - Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn, - Von den Engeln, welche Dich umschweben, - Sei die Sanftmuth Deine Führerin. - Unschuld, an der Liebe Hand, - Leite Dich zum bessern Land. - Ach, noch keinem Menschen war's verliehen - Immer glücklich, immer froh zu sein! - Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen, - Wohl, so sei's im rosenfarbnen Schein, - Und sie senk' in Freudenthränen sich - In Dein stilles Leben nieder. - Dann umlächle freundlich wieder - Dein entwölkter Himmel Dich! - - - - - Elegie - - auf den Tod meines Kanarienvogels. - - - So bist auch Du des Todes Beute! - O namenloser Schmerz! - Auch Du, mein Glück und meine Freude, - Das einz'ge treue Herz? - - Da liegst Du kalt und ohne Leben, - Geliebtes Thierchen Du, - Um Dein gesunk'nes Köpfchen schweben - Die Thränen süßer Ruh'. - - Der frohe Lenz er kehret wieder - Mit seiner Blüthenlust, - Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder - Aus Deiner frohen Brust. - - Sonst, wenn die warme Frühlingssonne - Durch's offene Fenster schien, - Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne - In zarten Melodien. - - - - - Meiner kleinen Schwester, - - an ihrem Geburtstage. - - - Spiele, holde Kleine - Mit dem gold'nen Sinn, - Durch Dein Rosenleben, - Spiele immerhin! - - Schöne Blumen blühen, - Kleine, rings um Dich, - Lilien und Rosen - Duften rings um Dich! - - Holde Vöglein singen, - Dir im Blüthenhain, - Deine Sonne leuchtet - Milden Purpurschein. - - Himmel steh'n Dir offen, - Und herab zu Dir - Schweben kleine Engel, - Spielen gern mit Dir. - - Winden mit Dir Kränze. - Deiner Locken Zier, - Pflücken mit Dir Blumen, - Freuen sich mit Dir. - - Rufen die Gespielen, - Holde Kleine, Dir, - Bleib', die Mutter weinet, - Bleibe, Kind, bei ihr. - - Durch Dein Rosenleben, - Mit dem Engelssinn, - Mit dem frohen Herzen, - Spiele immerhin! - - * * * * * - - Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde, - An Blüthen hängt der Thräne Silberschein, - Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde - Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih'n. - Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde, - Es webt die Liebe nur die Blumen ein, - Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, -- - Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet. - - Betritt es nun das künstliche Gebilde, - Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß, - Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde, - Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß, - Aus beiden weben sich die Lenzgefilde, - Durch die Dein Engel Dich geleiten muß. - Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen, - Er wird sie Dir zu Diademen fügen. - - Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden, - Das fern von Deinen Lieben Dich gequält. - Doch Kronen sind der Dulderin gewunden, - Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt. - Nun stehst Du da in blühendem Gesunden, - Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt, - Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen - Ist uns ein neues Leben aufgegangen. - - Schon wärmer strahlt die Sonn' am Firmamente, - Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land - Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende, - Umschweben uns die Horen Hand in Hand. - O daß der Lenz doch immer wiederfände - Im Kreise, die die Liebe Dir verband! - Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, -- - Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben. - - - - - Nachtwächter-Lied. - - - 1831. - - Hört, _Ihr Herrn und laßt Euch sagen_, - Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen, - Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht, - Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht, - Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht! - Die Sternlein geh'n hinunter -- - Halloh, Ihr Herrn, seid munter! - - _Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_ - Viel hat sich im Alten zugetragen. - Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut, - D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut, - Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut -- - Wer reißt uns das Fähnlein herunter? - Halloh, Ihr Herrn, seid munter! - - _Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_ - Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht: - Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus, - D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus, - Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus, - Behütet den heiligen Zunder! - Halloh, Ihr Herrn, seid munter! - - _Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_ - Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht, - Das Haus umschleichet die Diebesbrut: - Sie wollen uns stehlen das heilige Gut, - Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut! - Die Sternlein geh'n hinunter -- - Halloh, ihr Herrn, seid munter! - - _Und lobet Gott den Herrn!_ - Er sendet den Morgenstern! - Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n, - Und die Sternlein auf und nieder geh'n! - Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe, - Denn unser Gott thut Wunder -- - Halloh, ihr Herrn, seid munter! - - - - - - - Es war mir heut' Abend so einsam, so leer, - Als wenn ich von etwas geschieden wär'; - Mir war so betrübt, so wunderbar - Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war; - Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum; - Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum, - Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug - Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug, - Da blies fern, fern mit bebendem Ton, - Ein uraltes Lied ein Postillon. - Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt, - Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt. - Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an, - Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan, - Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht, - Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht. - - - - - Gruß an die Heimath. - - - 1838. - - O was bewegt mir denn den warmen Busen, - Und warum schlägt mir denn das Herz so laut? - Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen, - Nicht das Umfangen meiner lieben Braut. - Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten? - Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz? - Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Läuten, - Es sind ja Töne Deines Heimathlands. - - Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne - Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut, - Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne - Die Grüße meines Herzens anvertraut. - Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen, - Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt, - Fragt' ich die Wolken, die nach Süden zogen: - Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt? - - Und in der Pyrenäen Schreckensgründen, - Auf des Pelargus schauerlicher Höh', - Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden, - Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh. - Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen, - Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor, - Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen, - Erzählten mir von meiner Liebe vor. - - Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen, - Erneut sich alles Leid und alle Qual; - Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen, - Und keine Blume find' ich in dem Thal, - Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden, - Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim -- - Kaum hat mich Einer hie und da verstanden: - Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim. - - Nur eins mißlang den finsteren Gewalten: - Von allem, was das Leben mir zerbrach, - Hab' ich doch meine Harfe noch behalten, - Und manches Lied, das mir am Herzen lag. - Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen, - Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand; - Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen; - Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland! - - So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern, - Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund. - Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern, - Und währe nicht geschwätz'gem Dichtermund! - Mir ist als würd' ich von des Lebens Schaudern, - Von all dem Weh mit einemmal gesund, - Als könnte mit dem wunderbaren Klingen - Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen. - - So ist's, schien einmal Dir mit Morgenröthen - Das Ideal tief in die Brust hinein, - So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tödten; - Und bist Du elend, gramvoll und allein, - Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken, - Du siehst's verklärt in rosenfarb'nem Schein, - Auf sonn'gen Höh'n weht seine heil'ge Fahne, - Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne. - - - - - Mein Engel. - - - Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land, - Da hab' ich krank gelegen, - Da that mich keine liebe Hand - In meinem Fieber pflegen. - - Bei Nacht im dunkeln Krankensaal - Hob ich die schwachen Hände - Und bat, daß Gott mir endlich 'mal - Den Todesengel sende. - - Der thät wohl auf und ab mit Ruh' - Von Bett zu Bette wandern, - Drückt hier und da die Augen zu - Dem einen wie dem andern. - - Das meine ward -- ich war so froh -- - Von Tag zu Tage trüber, - Doch ging an meinem Bett von Stroh - Der Engel stets vorüber. - - Wie gern ich auch die matte Hand - Ihm hingegeben hätte, - Ein and'rer Bote Gottes stand - An meinem Krankenbette. - - Er trocknet mit dem weißen Tuch - Den Schweiß von meinen Wangen, - Und hielt mir hin den irdnen Krug, - That ich den Trunk verlangen. - - Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer - Im stillen Kampfe neigte; - Es war ja Niemand um mich her, - Der mir den Dienst erzeigte. - - Hat mir erzählt gar lieb und gut - Von meinem Heimathlande, - Als ich in einer Fiebergluth - Der Mutter Namen nannte. - - Ich hab' den Engel nicht geseh'n, - Und Niemand konnt' ihn schauen, - Doch muß ich seit dem Aufersteh'n - Auf seine Vollmacht bauen. - - - - - Sehnsucht nach dem Tode. - - - Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide, - Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt. - So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide, - Als mit der Perle, die Dein Auge trägt. - Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide, - Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt; - So herzlich grüß' ich einst mit bleichem Munde - Den stillen Engel meiner letzten Stunde. - - Ich schmäh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse: - Es war ein blüthenreicher Frühlingstag; - Glaub' nicht, daß ich das süße Traumbild hasse, - Weil's mich belügend sein Versprechen brach, - Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse, - Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag. - Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten -- - Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden. - - Das Leben ladet uns zu frohen Festen, - Den Bettler wie den König allzumal, - Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen, - Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal; - Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen, - Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal, - Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen, - Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen. - - Und wie sie zu Accorden sich gestalten, - Da wird's Dir weh um's Herz, fühlst Dich allein, - Und lauschest durch entzückend helle Spalten, - Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein, - Sich einen strahlenden Palast entfalten, - Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n; - Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen, - Von wo die Töne Deinem Herzen rufen. - - Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen, - Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt, - Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen, - Ein armer Tischler hat sie einst gefügt. - Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen, - Und eine Brust war drunter eingewiegt. - Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum! - Eil' hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum. - - Sieh, darum lieb' ich dieses arme Leben, - Weil's mir die Aussicht auf ein höh'res gibt, - Ich dank' ihm, weil's die Ahnung ihm gegeben: - Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt. - Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben, - Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt, - Und klopf' ich heimlich an die Gruft der Väter - Mit müdem Finger an die morschen Bretter. - - Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen - Zum Raub', es gibt Dir nichts an ihrer Statt; - Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen, - So macht es Dich noch ärmer, leer und satt; - Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen, - Verspricht's Dir, was es nicht zu geben hat; - Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten: - Sieh', darum möcht' ich gerne von ihm scheiden. - - Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde, - Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt: - Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde, - Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist, - Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde - Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih'st; - Dann magst Du mir die müden Augen schließen, - Aus denen nunmehr keine Thränen fließen. - - Tröst' das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer, - Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt. - Sag' meinen Schwestern, daß in stiller Kammer - Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt; - Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer - Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt, - Sieh aus dem Fenster ohne Thrän' und Klagen, - Mich still an Deinem Haus vorüber tragen. - - - - - Reliquie eines Verschollenen. - - - Es gibt geheime Schmerzen, - Sie klaget nie der Mund, - Getragen tief im Herzen, - Sind sie der Welt nicht kund; - Es gibt ein heimlich Sehnen, - Es scheuet stets das Licht; - Es gibt verborg'ne Thränen, - Der Fremde sieht sie nicht. - - Es gibt ein still Versinken - In eine inn're Welt, - Wo Friedensauen winken, - Vom Sternenglanz erhellt; - Wo auf gefall'ne Schranken - Die Seele Hoffnung baut, - Und jubelnd den Gedanken - Den Lippen anvertraut. - - Es gibt ein still Vergehen, - Ein stummer öder Schmerz, - Und Niemand darf es sehen, - Das schwer gepreßte Herz. - Es sagt nicht, was ihm fehlet, - Und wenn's im Harme bricht, - Verblutend und zerquälet, - Der Fremde sieht es nicht. - - Es gibt ein sanfter Schlummer, - Wo süßer Frieden weilt, - Wo stille Ruh' den Kummer - Der müden Seele heilt. -- - Doch gibt's ein schöner Hoffen, - Das Welten überfliegt: - Da, wo am Herzen offen - Das Herz voll Liebe liegt. - - * * * * * - - Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken, - Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh'n: - Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken, - Gleich Todten in Kapellen, aufersteh'n. - Drin seh' ich Heil'ge, die mir längst versanken, - Einher im Geisterlicht des Mondes geh'n; - Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren - Mein Engel an verfallenen Altären. - - Ich höre Töne, lange nicht gekannte, - So lieblich, Stimmen gleich im Paradies, - Doch frag' ich, wer mir aus dem Zauberlande - Die Himmelstöne wiederkehren ließ? - Und frug ich jene Heil'ge, wer sie sandte? - Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß? - Die Traumgedanken all', woher sie kamen? - Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen. - - Ach, jene Tön', aus Aether zart gewoben, - Belauscht' ich einst mit hochentzücktem Ohr; - Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben, - Schwang meine Psyche selig sich empor: - Da griff mich eine Riesenfaust von Oben, - Hinab mich schleudernd, den verweg'nen Thor, - Hinunter, wo sich ächzend und erblindet, - Tellurisches Gewürm im Staube windet. - - Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen, - Und Bettler sollen auf Dich niederseh'n, - Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen, - Im Kreis des menschlichen Getriebes geh'n, - Und nimmer in dem gold'nen Buche lesen, - Wo Deiner Träume süße Bilder steh'n; - Was Du gesä't mit kindischem Begreifen, - Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen. - - Da faßte mich wahnsinniges Verirren, - Der Geist vergaß die knechtische Geduld, - Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren, - Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld; - Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren, - Von Tod und Leben fordert' ich die Schuld: - Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben - Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben. - - So kehrt' ich denn zur fernen Heimath wieder, - Und fragte nach dem früh verlor'nen Pfad, - Da, wo im Kindergarten fromme Lieder - Sein erst' Gefühl mein Herz gestammelt hat, - Bückt' mich zum Sande, wo ich spielte, nieder, - Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat, - Und sucht' aus Asche von erstorb'nen Flammen - Mit warmen Thränen meine Welt zusammen. - - Da trat'st Du zu mir, nach so langem Meiden - Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland, - Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten, - Und meinen Heiligen ihr Meßgewand, - Gabst mir das alte Spiel der gold'nen Saiten, - Die Kelle meinem Engel in die Hand, - Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder, - Und neue Ahnung zeugte neue Lieder. - - * * * * * - - Was treibt mich hin zu Dir mit Macht? - Was gab mich Dir zu eigen? - Was hast Du in mir angefacht, - Das ich Dir muß verschweigen? - Ach, was zu Dir mich zieht, - Kein Name nennt's, kein Lied, - Und Töne können's nicht bekunden, - Doch ewig hat's mich Dir verbunden. - - Und Deiner Stimm' und Deinem Wort, - Wer gab ihm die Gewalten, - An meines Herzens tiefsten Ort - Gebieterisch zu schalten? -- - Mich reißt's mit trunk'nem Sinn - Zu Deinen Füßen hin. - Darf's auch mein Auge nicht bekunden, - Doch ewig hat mich's Dir verbunden. - - Ich wünsch' es mit geheimer Lust, - Und fürcht' es doch zu sagen, - Wie lieb ich Dich in meiner Brust - Seit Monden schon getragen. - Verschmähtest Du mein Herz, - Verging's im stummen Schmerz, - Es liebte Dich mit tausend Wunden, - Und ewig blieb es Dir verbunden. - - - - - Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters. - - - Ich habe geschlafen, - Ein Kindlein süß, - Und habe geträumt - Vom Paradies, - Und habe geträumt - Vom himmlischen Spiel, - Und habe geseh'n - Der Engel viel. - - Und einen mit langem - Gelockten Haar, - Der nahe dem Vater - Zur Rechten war. - Der hatte ein Auge - So mild und fromm, - Und sprach so freundlich: - »Mein Kindlein komm!« - - Es sind die Kindlein - Mir immer fern, - Für wen Du bittest, - Den segn' ich gern! - Ich schlug in die Hände - Und bat: Papa! - Und darauf erwacht' ich, - Und Du warst da. - - - - - Die Waldmühle. - - - Was rauschet dort unter des Waldes Eichen? - Ein Gießbach ist's mit geschwätzigem Mund, - Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen, - Die Mühl' im blumigen Wiesengrund. - Da treibet des Wassers Stärke - Bei Tag und bei Nacht die Gewerke; - Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt, - Schwerfällig das Mühlrad seine Last. - - Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile, - Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald - Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile, - Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt, - Und sieht im Mondschein die Wogen - Zerstieben in glänzendem Bogen. - Doch kommt er näher, da faßt's ihn an, - Ein leises Grauen den Wandersmann. - - Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen - Und wühlen im gährenden Wasserschlund, - Da hört' er mit lieblicher Stimme singen, - Wie Geister tief unten im feuchten Grund. - Drauf sieht er mit eignen Augen - Einen Arm aus den Wellen tauchen. - Und ziehet heim, von Gedanken schwer, - Und erzählet Niemand die schaurige Mähr'. - - Ein Töchterlein einst von wenig Jahren, - Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt, - Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren, - Es war ihm vom Himmel an's Herz gelegt. - Das spielt' einst in friedlichen Träumen - Ganz nah, wo die Wogen schäumen, - Und pflückte sich duftende Blümchen ab - Am Rande vom tobenden Wellengrab. - - Und wie es sich bückt, zieh'n fremde Gewalten - Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh'n, - Und die Himmlischen können's nicht mehr halten, - Und es sinket hinab, und es ist gescheh'n! - Schon wälzet das Mühlrad die Speiche - Zermalmend über der Leiche, - Und siehe, des Kindes purpurnes Blut - Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth. - - Dort, wo sich die Räder brausend schwingen, - Und wühlen im gährenden Wasserschlund, - Wo's der Wandrer höret so lieblich singen, - Wie Geister tief unten im feuchten Grund, - Ist des Waldmüllers Kind begraben, - Das die Räder zermalmet haben, - Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht, - Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht. - - Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde: - »Lieb' Vater, lieb' Mutter, was weinst Du so sehr? - »Hier unten ist's freundlich, ist kühler wie Erde, - »Lieb' Vater, lieb' Mutter, o weine nicht mehr!« - Den Müller faßt es mit Grausen, - Wenn er höret die Stimme draußen. - In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind, - Da singt das ertrunkene Müllerkind. - - - - - Schweizers Sehnsucht. - - - O wer kühlt dies bange Sehnen, - Das mich glühend heiß erfüllt, - Und in stille warme Thränen - Meine matten Augen hüllt? - Nicht mehr kann ich sie verhehlen - Diese Schmerzen, die mich quälen, - Die sich ewig mir erneu'n. - - Wenn die junge Morgenröthe - Freundlich von dem Himmel lacht, - Hab' ich einsam, still und öde, - Eine bange Nacht durchwacht, - Und der erste Purpurschimmer - Hat den süßen Frieden nimmer - In des Schweizers Brust gesandt. - - Ach, ein Land nenn' ich mit Zähren, - Wo der Morgen schöner brennt, - Auf der Alpen Hochaltären, - Am entflammten Firmament; - Wo die Andacht Blicke feuchtet, - Wenn die große Fackel leuchtet, - In der Morgenröthe Gluth. - - Jene Höh'n, wo seit Aeonen - In der Ewigkeiten Schooß', - Jungfrau und Sanct Gotthard thronen, - Der am Morgen, herrlich groß, - Es der Erde froh verkündet, - Daß die Opfer angezündet - Frommen Dankes für den Herrn. - - Wo der Aar in reinern Lüften - Kühner seine Schwingen hebt, - Ueber bodenlosen Klüften - Ungewohnt der Wandrer bebt, - Wo von friedlich stillen Matten, - Bei des Abends kühlem Schatten, - Heerden mit Geläute zieh'n. - - - - - Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen - - (von Hessen-Kassel). - - - 1838. - - Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten - Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau'n, - Durch eine Brust, wo höhere Gewalten - Der Poesie die lust'gen Zelte bau'n. - Und wenn des Schicksals Händ' ein Herz zerspalten, - Und wenn die Engel d'rin im Fenster schau'n, - Ist's allemal ein Herz, das unter Bangen - Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen. - - Doch was ergreift das Lied mit mächtiger'm Tone, - Als jene weithin leuchtende Gewalt, - Die majestätisch stolz dem Fürstensohne - Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt? - Als jenes Wort, das von erhab'nem Throne - Wie Blitz durch Vaterlandes Thäler hallt? - Als jene Hand, von deren sanftem Winken - Die Segnungen des Friedens niedersinken? - - Denn Engel in den lichten Bäumen weben - Mit frommen Händen eines Königs Kleid, - Und droben, über allem ird'schen Leben, - Wird von dem Herrn der Fürsten Haupt geweiht. - Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben - Wie Genien die Ideen der Heiligkeit, - Und Gott, damit des Frevlers Blick entkräftet, - Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet. - - Doch Du, den schüchtern meine Worte nennen, - So nah' mein Herz auch Deinem Throne ist, - Wie muß für Dich nicht die Begeist'rung brennen, - Daß Du mein Fürst und mein Gebieter bist; - Ein Land, das meine Kinderspiele kennen, - Ein Volk, das seine Treue nicht vergißt, - Und Thäler blüh'n um Deines Thrones Stufen, - Wohin mich Lieb' und Pflicht zurückgerufen? -- - - Vom Baierland, der hohen Röhn entwunden, - Zieht stolz die Woge Deinem Schloß vorbei, - Und wieder, mir der Schwester treu verbunden, - Als ob es Beiden leid zu scheiden sei, - Hat sie alsbald Dein schönes Land gefunden, - Und üpp'ger Segen, wie ein stolzer Mai, - Begleitet sie, wo auf die reichen Auen - Der Pagenburg Ruinen niederschauen. - - Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte, - Und der Kastal'sche Quell, der Marburg grüßt, - Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande, - Die Welle, die auf gold'nem Grunde fließt, - Und jener Strom, an dessen Blüthenstrande - Die Winzer singen und die Rebe sprießt, - Sie zieh'n dahin mit träumerischen Grüßen, - Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Füßen. - - Aus Deinen waldigen Gebirgen dröhnen - Sturmwinde tausendjährigen Gesang, - Der seit den kräftigen Cheruskersöhnen - Durch alle vaterländ'schen Wälder drang. - Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tönen, -- - Es ist der Volkesliebe mächt'ger Klang, - Von dessen weithin brausenden Chorälen - Sie jetzt noch drüben über'm Rhein erzählen. - - Wie Du da stehst in kräft'ger Jugendfülle, - Von sechs und dreißig Lenzen ausgeschmückt, - Von denen jeder in geweihter Stille - Mit einer Tugend Deinen Geist beglückt, - Und jeder seiner jugendlichen Hülle - Sanft eine neue Schönheit aufgedrückt! - Und so erhalte Dich in langen Jahren, - Der hoch gebietet über heil'ge Schaaren. - - Wie du mit Weisheit sätest, also mächtig - Entsprieße nun die dunkel gold'ne Saat, - Und fruchtbeladen schatte segenskräftig - Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad! - So oft durch Deine Berg' und Thäler prächtig - Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht, - So bring' er, wie des Orients Gesandten, - Des Glückes Gaben Dir aus Himmelslanden! - - Und könnt' ein Irrthum Dir die Liebe rauben, - Dir sagt's Dein Muth, daß Du gefürchtet wirst. - Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben, - Stehst Du ein jugendlicher Trojafürst. - Doch wenn Du Liebe und Vertrau'n als Tauben - An Deinen königlichen Wagen schirrst, - So wirst Du unter siebenfarb'nem Bogen, - Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen. - - Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen, - Die Worte hat der Sänger nicht bewacht, - Ein treu Gedächtniß hat er's unverdrossen - Mit zagendem Gemüthe dargebracht; - Hat's willenlos sich aus der Brust ergossen: - So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht. - Mein Fürst! frag' nicht, woher die Töne kamen, - Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen. - - - - - Mein Wunsch. - - - Ich wollte, ich hätte ein Häuschen im Thal, - Und nahe dabei eine Mühle, - Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl, - Mit kreisendem Rade im Spiele, - Ein Gärtchen mit Bäumen und Blumen dazu, - Mit Tischen und Bank eine Laube, - Und vor mir die Birnen im Abendroth - Beim göttlichen Nectar der Traube. - Dann neben mir Rosen und, vernünftig und treu, - Einen Freund an der traulichen Stätte, - Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei, - Das wäre, so wie ich's gern hätte. - - - - - Die letzte Rose. - - - Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder? - So strahlend, hell in jugendlichem Roth? - Die Erde nahm zurück die stolzen Güter, - Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht. - Wird doch mein eig'nes Haupt zur Stunde müder, - Um meine Wange haucht der frühe Tod. - Was mit mir lebt' und blühte, sank darnieder, - Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder. - - Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen - So oft beim frühen Strahle mir geküßt? - Bist Du zu fernen Thälern hingegangen, - Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt? - Und wo bei Rosen, welche schöner prangen, - Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt? - Komm einmal noch, eh' meine Blätter sinken, - Die letzte Lieb' aus meinem Kelch zu trinken. - - Wo bist Du schnee'ge Jungfrau, Nievermählte, - Du schwesterliche Lilie, schönes Bild, - Der ich so oft in stiller Nacht erzählte, - Was tief mir im geheimen Busen quillt? - O wenn die Blume keine Freundin wählte, - Gäb's Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt? - Gäb's Jemand, welcher ihr Entzücken theilte, - Wenn Lieb' und Freud' in ihrem Kelche weilte? - - Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen, - Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht? - Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen - Verstandest Du mein Lieben und mein Leid. - Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen, - Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid'. - Soll ich vergehen, einsam, unbesungen. - Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen? - - Euch sei die letzte Thräne hingegossen, - Die auf dem welken Blatte sich noch hält, - Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen, - In meinem Innern trag' ich eine Welt, - Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen, - Mit mir hinab in's Reich des Todes fällt. - Die Rose mag, von Lieb' und Lied verlassen, - Mit unentweihtem Herzen früh erblassen. - - Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose, - Er bricht hervor in unbarmherz'ger Wuth. - Umsonst umhüllen mich die weichen Moose, - Der Paladin, in dem die Rose ruht. - Wie? stamm' ich nicht aus königlichem Schooße? - Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut - In meiner Adern zierlichen Geweben, - Die noch kein Vater wieder hat gegeben? - - Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen, - Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt! - Eh' grausam mich entblättert Sturm und Regen, - Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand! - So wird entzückend mich der Traum bewegen, - Daß ich die schwesterliche Lilie fand. - Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe, - Daß unbesungen nicht die Rose sterbe. - - - - - Sonett. - - - Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe? - Wohl, _Dir allein_ gehören diese Zeilen. - Vertrau' ich gern doch dem Sonett zuweilen - Die heimlichen und die enthüllten Triebe. - - Doch mein' ich, daß es unvollkommen bliebe, - Je mehr ich auch an dem Sonette feile. -- - Daß ich Dir lieber in die Arme eile - Mit einem Kusse meiner Bruderliebe. - - Wohl geht's mir öfters so mit solchen Dingen, - Die ich im Liede nimmer sagen mag, - Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag - - Wie angeboren meine Brust durchdringen. - Sie klingen ewig mir im Herzen nach, - Und doch kann ich sie nicht im Liede singen. - - - - - Sonett. - - - So eilst Du denn der Königsstadt entgegen, - Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen, - Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen, - Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen? - - Wo die Empfindung fremde Stempel prägen, - Wo Deines Vaterlandes Klänge schweigen, - Wird sich Dein Herz empfänglich für sie zeigen? - Und bleibt es treu den heimathlichen Schlägen? - - O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren, - Und trübe war, was auch Dir blühen mag, - Ich weiß es, Deiner Jugend Frühlingstag. - - Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach, - Und bitten zu des Himmels heil'gen Schaaren, - Daß sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren. - - - - - Die Johannisblume. - - - Mein Leben glich einer Blume, - Dran hing manch schöner Tag, - Und jeder Tag war ein Blättchen, -- - Bis das Schicksal die Blume brach. - Es pflückte meine Blättchen - Eins nach dem andern ab. - »Sieh her, ob Dir Dein Mädchen - »Die Liebe wieder gab: - »Sie liebt Dich, - »Sie liebt Dich nicht, - »Sie liebt Dich, - »Sie liebt Dich nicht, - »Sie liebt Dich doch.« - O mein Geschick, wie dank ich Dir! - Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir? - Nun steht mein Leben kahl und leer, - Kein Blättchen hat meine Blume mehr. - - - - - - - In der Ferne - Wohnt mein Glück, - Wie der Sterne - Gold'ner Blick. - In der Ferne - Wohnt mein Schmerz, - Ringt zum Sterne - Himmelwärts. - - In der Ferne - Wohnt ihr Bild, - Und die Sterne - Grüßen's mild. - In der Ferne - Wohnt mein Leid, - Sagt's ihr, Sterne: - Lieb' verzeiht. - - In die Ferne - Schaut' ich oft, - Hab' zum Sterne - Treu gehofft. - Weit und ferne - Wohnest Du, - Ueber'm Sterne, - Meine Ruh'. - - In der Ferne, - Dort und hier - Lieb und gerne - Bist Du mir. - Lieb und gerne - Du allein, - Ueber'm Sterne, - Wirst Du mein. - - - - - Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg, - - - am 18. Mai 1839. - - An Deiner Wiege standen höh're Boten, - Ein jeder mit Geschenken für Dein Leben. - Sie schürzten den geheimnißvollen Knoten; - Dich sanft berührend mit den Zauberstäben, - Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen, - Mit Schönheit Deine Glieder zu umschweben, - Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele - Geschmückt mit einem himmlischen Juwele. - - Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben, - Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nächten; - Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben, - Und eine Vollmacht trug er in der Rechten, - D'rin war Dein künftiger Beruf geschrieben: - In eine Krone Blumen einzuflechten. - Die Vollmacht schloß er sammt dem heil'gen Worte - Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. -- - - Einst gab ein Fürst, umbraust von Sturm und Wetter, - Die Zügel seinem jugendlichen Sohne, - Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Götter, - Stieg er empor zum väterlichen Throne. - Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter, - Lieb' und Bewund'rung wurden ihm zum Lohne, -- - Doch einsam, unter'm Fürstenstern verborgen, - Trug er sein Glück, sein Lieben und sein Sorgen. - - Da kamen still in Deines Herzens Grunde - Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten, - Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde: - An uns'res Fürsten Seite mild zu walten, - Mit ihm vereinigt zu dem ew'gen Bunde, - In Liebe neu sein Leben zu gestalten. - Du folgtest muthig jenem heil'gen Rufe, - Trat'st gottvertrauend zu des Altars Stufe. - - Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet, - Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten, - Und still gewärtig jedes Ohr ihm lauschet, - Sind's Deine Blicke, die es sanft begleiten; - Und wenn das Volk vom Fürsten Liebe lauschet, - Dann bist Du freudelächelnd nahe Beiden, - Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben, - Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben. - - Und heute wieder ist der Tag erschienen, - Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden. - Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen, - Die hehren Boten aus dem Himmel standen: - So grüßen jetzt Dich mit holdsel'gen Mienen - Geliebte Pfänder segensvoller Banden, - Und über dem erlauchten Haupte weben - Wie einst Gestirne Dein zukünft'ges Leben. - - D'rin ist kein Schmerz, d'rin waltet keine Klage, - Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen. - Wenn um des Fürsten Bild doch späte Tage - Die Lorber seines Ruhmes prächtig schlingen, - Wird in dem Vaterland der Enkel Sage - Das fromme Lied von Deinem Namen singen. - Denn was da lebt in eines Volks Gemüthe, - Das lebt unsterblich fort in seinem Liede. - - Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen - Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gießen, - So wehr' ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen) - Das anspruchlose Spiel zu Deinen Füßen. - Doch frag' die Töne nicht nach meinen Schmerzen, - Wenn sie Dich huldigend, bescheiden grüßen. - Mein Lied darf kühn um Deine Blicke werben, -- - Des Dichters Leid muß mit dem Dichter sterben. - - - - - An Betty - - nach der Flucht ihres Kanarienvogels. - - - O gebiete Deinen Thränen - Und erheit're Deinen Blick, - Denn es führt kein banges Sehnen - Deinen Flüchtling Dir zurück. - - Deine Liebe so zu lohnen, - Mochte freilich treulos sein, - Doch die Schuld wird dem Entfloh'nen - Gern Dein Edelmuth verzeih'n. - - Sieh', wie's draußen in den Auen - Dort und dort so freundlich wird, - Und wie lieblich in den blauen - Höhen schon die Lerche schwirrt. - - Sieh nur, wie die Knospen schwellen, - Wie das Leben neu erwacht, - Wie aus den enteisten Wellen - Uns der Lenz entgegen lacht. - - Hat Dir nie in solchen Tagen, - Wenn der Frühling aufgeblüht, - Schneller auch Dein Herz geschlagen, - Wärmer Deine Brust geglüht? - - O dann richte nicht zu strenge, - Denn auch ein Kanarienherz, - Glaube mir, ist nicht zu enge - Für der Sehnsucht bangen Schmerz. - - Denke Dir den armen Kleinen, - Male Dir sein hartes Loos: - Fern von den geliebten Seinen, - Schmachtend, seufzend, hoffnungslos! - - Und nun schwebt der Lenz hernieder; - Draußen in der freien Welt - Rufen tausend frohe Brüder, - Die kein enger Käfig hält. - - Schon verschwunden war sein Hoffen, - Ach! bis jetzt sein einz'ges Glück, -- - Ha! da blieb das Thürchen offen, -- - O, ersehnter Augenblick! - - Freundlich, in der Freiheit Schooße - Winkte Wonne, winkte Lust, - Und es reifte jener große - Entschluß in der kleinen Brust. - - O, nun konnt' er freudig singen, - Hüpfend bald von Baum zu Baum, - Bald die ungewohnten Schwingen - Übend in dem freien Raum. - - Doch, wie kurz war nur die Freude! - Als das junge Morgenroth - Purpur auf die Fluren streute, - Fand es ihn erstarrt und todt. - - Ach! und Wald und Flur vereinte - Sich zur Trauer und zum Harm, - Jedes kleine Hälmchen weinte - Eine Thräne, hell und warm. - - 's ist gescheh'n! Er ist geschieden! - Seine zarte Stimme schweigt, - Und hinab zum ew'gen Frieden - Ist das kleine Haupt geneigt! - - Drum gebiete Deinen Thränen, - Und erheit're Deinen Blick, - Denn es führt kein banges Sehnen - Deinen Liebling Dir zurück! - - - - - Worte, - - gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem - Wimez'schen Institute aufführten. - - - Aengstlich treten wir und schüchtern - In der Muse Tempel ein, - In der Göttin Heiligthume - Den bescheid'nen Kranz zu weih'n. - - »Welch gewagtes Unternehmen! - Kränze von so kleiner Hand, - Die ein Chor von kühnen Mädchen - Am Altar der Künste wand!« - - O verzeiht, auf Eure Güte - Hat das bange Herz vertraut, - Und auf Eurer Milde gläubig - All sein Hoffen aufgebaut. - - Hebt auch schüchtern und mit Zagen - Sich empor der scheue Blick, - Gern vertraut die Seele wieder, - Und die Hoffnung kehrt zurück. - - Darum täuschet, Ihr Geliebten, - Nicht dies kindliche Gefühl! - Muthig haben wir gerungen - Nach dem heiß ersehnten Ziel. - - Und verkündet Euren Beifall - Nur ein Lächeln, sauft und leicht, - O dann ist ja tausendfältig - Dieses schöne Ziel erreicht. - - Wo der Seligkeiten höchste, - Wo nur Dank und Freude wohnt, - Wo mit diamant'nen Kronen - Euer Beifall uns belohnt. - - - - - Gesang der Sterne. - - - Wir ziehen über Berg und Thal - Und über's weite Meer; - Wir ziehen über Menschenqual - Und Menschenglück daher. - - Wir kennen, was in stiller Brust - Sich vor der Welt verhüllt, - Und was mit namenloser Lust - Ein einsam Auge füllt. - - Und wenn der Schmerz die Seele quält, - Wir geben ihr die Ruh', - Und wenn die Lieb' ihr Glück erzählt, - So hören wir ihr zu. - - Wir schau'n auf manches kühle Grab, - An dem ein Mensch sich härmt, - Und schimmern in die Laub' hinab, - In der die Liebe schwärmt. - - Wir reden mit dem Gram und sind - Stets mit dem Kummer wach; - Die Thräne des Entzückens rinnt - Gern unter unserm Dach. - - Wir schlingen in den luftigen Höh'n - Den stillen frohen Reih'n, - Und scheinen Ruh' und Wiederseh'n - In jedes Herz hinein. -- - - - - - Der Liebe Sehnen. - - - (Einer andern Melodie untergelegt.) - - Wer deutet mir dies bange Sehnen, - Das mir so warm im Herzen glüht, - Das nur nach Dir mich ewig zieht, - Und oft das Auge füllt mit Thränen? - Verschwunden ist mein froher Sinn, - Mein gold'ner Frieden ist dahin. - - Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker - Voll Schmerz und doch voll süßer Lust! - Was pochst Du an die enge Brust - So bang und ängstlich immer stärker? - Könnt' ich zerbrechen, was mich hält, - Und eilen in die freie Welt! - - Dir möcht' ich stets in's Auge seh'n - Und in Dein Antlitz, engelrein; - Wie selig, selig muß es sein, - In Deinem Anschau'n einst vergeh'n, - Und flieh'n im fessellosen Lauf - Vom Himmel zu dem Himmel auf. - - Dort zu den Sternen ew'ger Liebe - O könnt' ich schwingen mich empor, - Und suchen in der Welten Chor - Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe! - Ach, selbst die Unermeßlichkeit - Ist für mein Sehnen nicht zu weit. - - Ich seh' den Frühling niederschweben. - Heran mit Deiner Blüthenlust, - Heran an meine enge Brust, - Du Lenz mit Deinem jungen Leben! - Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz - Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz. - - Ihr Nachtigall'n im Blüthenhaine, - Ihr Fluren im verjüngten Grün, - Ihr Blumen, die so freundlich blüh'n, - O sagt es mir, warum ich weine? - Warum, seitdem ich _sie_ erblickt, - Kein Frieden meine Brust beglückt? - - - - - Veilchenstrauß. - - - Kauft, schöner Herr, die Veilchen! - Zwei Kreuzer gebt ihr mir! - Ich steh' ein langes Weilchen - Bereits vergebens hier. - - Mein Vater liegt im Grabe, - Meine Mutter liegt im Grab. - Herr, für die kleine Gabe - Kauft mir die Veilchen ab! - - Geh, kleine Dirne, raff' Dich! - Die so viel Geld begehrt! - Das Sträußchen ist wahrhaftig - Kaum einen Kreuzer werth. - - Aß heut' noch keinen Krumen, - Und, Herr, mich hungert sehr. - D'rum nehmt sie, nehmt die Blumen! - Gebt mir den Kreuzer her. - - Das Mädchen gab die Veilchen, -- - Da fiel 'ne Thräne darauf -- - Der Herr, der nahm die Veilchen, - Die Thräne mit in Kauf. - - Und wie er kommt nach Hause -- - 's ist kaum 'ne Stunde her -- - Da blühet an dem Strauße - Kein einzig Veilchen mehr. - - Die Farben, die sie trugen, - Sie sind verwelkt und blaß. - Er will den Duft versuchen, -- - Da sind die Veilchen naß. - - Da faßt's ihn erst mit Leide, - Und d'rauf unheimlich an, - Er legt den Strauß bei Seite, - Sieht nie ihn wieder an. -- - - - - - Tag der Vereinigung. - - - Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze, - Der mir das Kleinod meines Lebens bringt? - Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze - Das theure Haupt der Einzigen umschlingt? - Wann wirst Du mir, Du sel'ger Tag gewähren, - Was meine heiße Liebe lang' ersehnt? - Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren, - Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt? - - Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens! - Du Sohn des Himmels, wann begrüß' ich Dich? - Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens, - Wann schüttest Du das Füllhorn über mich? - Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore - Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad? - Wann öffnest Du mir jene gold'nen Thore, - Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht? - - Wann wird der Seelenbund geheiligt werden? - Wann werd' ich, Vater in den ew'gen Höh'n, - Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden, - Vor Deinem heiligen Altare steh'n? - Dich bittend: segne Deine frohen Kinder, - Laß über ihrem Glück Dein Auge sein! - Wann wird, Allmächt'ger, Deines Worts Verkünder - Das ird'sche Bündniß durch den Himmel weih'n? - - Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen, - Wo die Gebete mit dem frommen Lied - In großen Tönen zu dem Himmel wallen, - Wo Glück und Schmerz, und Lieb' und Buße kniet, -- - An heil'ger Stufe, wo in sanftem Weinen, - Der Knab' einst seinen Glauben aufgebaut, - Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen, - Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut? - - Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen! - Denk' ich an Dich, bin ich ein sel'ges Kind. - O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen - Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind. - Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen, - Der fernen Sehnsucht den geduld'gen Schmerz. - Komm, sel'ger Tag, mit Deinen gold'nen Kronen, - Schütt' Deine Himmel in mein glücklich Herz. -- - - - - - - - Siehst Du, wo im Abendgolde - Feurig dort die Berge glüh'n, - Wo im stillen Aether holde, - Leuchtende Gewölke zieh'n, - Dort liegt der ersehnte Strand, - Meiner Liebe Vaterland. - - Und wo auf den fernen Hügeln - Dort ein Traum der Wehmuth liegt, - Wo die Taub' auf weißen Flügeln - Schwebend sich im Azur wiegt, -- - Hinter dem Gebirge weit, - Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid. - - - - - Der Bürgergardist. - - - Seht dort den Mann mit Waff' und Wehr! - Er schreitet so männlich und fest einher; - Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm, - Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild, - Er schaut so ernst, er schaut so mild, - Als trüg' er's im Herzen groß und warm. - - Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That - So einfach im Schmucke nie einen Soldat? - Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann? - »Mir blühet ein einfach und schönes Loos, - »Still herrscht meine Königin, heilig und groß, - »Ihr gehör' ich im Leben und Sterben an.« - - Wo liegt das Land Deiner Königin? - Hat's viele der Männer von Deinem Sinn? - Stellt's viele Regimenter in's Feld hinaus? - »Das Land meiner Königin ist nicht weit. - »D'rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit - »Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.« - - So ist Deine Königin reich an Gold? - Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold? - Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer? - »Reich ist uns're Königin, reich unser Lohn; - »Wir stützen als fleißige Bürger den Thron - »Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.« - - So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht, - Wer ist Deine große ausländische Macht? - Nenn mir Deiner Königin heiliges Land. - »Die Ordnung ist meine Königin, - »Für sie geb' ich Glück und Leben hin, - »Und das Land ist Dein eig'nes Vaterland.« - - - - - Die Natur. - - - Ist auch der Mensch voll Tück' und Lügen - Ist doch die Erde wunderschön! - Und grinst der Haß aus Menschenzügen, - Die Liebe lacht von Thal und Höh'n. - - Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden, - In dem die Erde grünt und blüht, - So fern von allem Schmerz geschieden, - Der in der Brust des Menschen glüht! - - Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine, - Du Zephyr, der die Aeste wiegt, - Du Grün der Saat im Abendscheine, - Du Blau, das auf den Bergen liegt! - - Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe, - Mit Deinem Frieden Du, Natur, - Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe, - Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur! - - Das Deine schlägt so warm und ewig, - Und seiner Reinheit sich bewußt, - Natur, Du heil'ge, in Dir leb' ich, - Und ruh' im Tod' an Deiner Brust. -- - - - - - Vaterfreude.[7] - - - Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen! - Juchheisa, mein Bübchen, nun hat's keine Noth! - Auf'm Ohr die Haube mit rosigem Bändchen, - Vom Trinken die andere Wange roth. - Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh, - Wenn ich mit Dir tanze und singe so so, - Und erzähl' Dir vom Wolf und vom Schaf', - Und wiege mein _Paul_'chen in Schlaf. - - Horch, 's war 'mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines, - Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb, - Es hatt' ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines, - Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb, - Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld. - Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt! - Papa kennt das Lämmchen gar wohl, - Es ist ja sein lieblicher _Paul_. - - Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden, - Dann kriegt er 'nen Säbel, den hängt er sich um, - Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden, - Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum! - Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot, - Dann schießen wir beide den Wolf maustodt, - Und schlafen dann ruhig und wohl, - Nicht wahr Du, mein herziger _Paul_? - - Und marschier'n, wie die Preußen, durch die Gassen, - Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus? - Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen? - Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus. - Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh'n, - Damit der Mama kein Leids mag gescheh'n, - Denn lieb hat Mama Dich, mein _Paul_, - Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl! - - Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde - In 'nem großen Wagen in's deutsche Land, - Und _Paul_ nimmt den Säbel mit und auch die Flinte, - Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand, - Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot, - Doch schieß' ich die Wölfe, wie Spatzen, todt. - Puff, puff! schießt der liebliche _Paul_, - Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl! - - Nun schlafe und träume vom deutschen Lande, - Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf, - Und träume vom Säbel mit goldenem Bande, - Und reise und reise im süßesten Schlaf. - Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still! - Wir schießen so viel, als mein Junge nur will. - Nun schlafe, mein herziger _Paul_, - Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl! - - - - - Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, - - _Großherzogs von Luxemburg_. - - - 1840. - - Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter, - Verblüht sind längst die Wälder und die Flur, - Und eingesammelt hat die welken Blätter - Und schlafen geht die liebende Natur. - Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen, - Da weht ein Frühling, still und ungeschaut, - Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen, - In unsern Herzen seine Tempel baut. - - Und dieser Frühling da ist uns're Liebe, - Mit der das Land stolz seinen König nennt, - Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe, - Die's jetzt und ewig seinem Herrn bekennt. - Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten - Jung, grün und herrlich in dem Lande steht, - Und die Er jüngst mit königlichen Worten, - Mir reicher Huld in unser Herz gesä't. - - Du altes Land, das nach so bitterm Harme - Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt; - Du stolze Mutter, die auf Riesenarme - Die Wiege seines Königshauses trägt; - Du tapf'res Land, das einst so groß gestritten, - Du schönes Land, wo Reb' und Aehre blüh'n; - Du treues Land, das einst so viel gelitten, - Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh'n? - - Du Herr der Welten, wollst dem König geben - Den mächt'gen Segen Deiner Vaterhand! - Du woll'st bekleiden Sein geliebtes Leben - Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand, - Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen, - Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit, - Damit Sein Heil und uns'res sich begegnen, - Und wir Dich loben bis in Ewigkeit! - - Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen's - Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus. - Frag' Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen's - Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus. - Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen - Der alten Halle, die uns einst gebar, - Des heil'gen Hauses, das in mächt'gen Stürmen - Die Wohnung Luxemburger Treue war. - - Dies Haus sind uns're Bräuche, uns're Sitten, - Und jene Einheit, die daraus ersteht; - Das ist der Dom, für den wir oft gestritten, - Von dem die Fahne uns'res Volkes weht. - Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite, - Und daß der schlaue Feind es nie entweiht! - Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide, - Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit. - - Und steht es fest in seinen guten Fugen, - Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein, - Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen, - Die uns verbieten, was wir sind, zu sein. - Doch, was wir lieben und was uns erkannte, - Das komm' herein, dem sei der Weg gebahnt. - Willkommen d'rum, erhab'ner Fürst, im Lande, - Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt! - - - - - Ludwig Philipp.[8] - - - Frieden, um den Preis der Erde Frieden! - Manche Nacht -- Europa ist's bekannt -- - Wenn der Schlaf die Millionen Müden - In die Fesseln seiner Macht gebannt, - Und die Sterne Frankreichs niederschieden, - Hing die Wage noch in meiner Hand, -- - Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle - Meines Sohnes Leichnam in die Schale. - - Frankreich! siehe jenen Tempel zittern, - Dem ich deine Zukunft anvertrau't! - Sieh, wie klagend unter den Gewittern - Von der Zinne hoch der Genius schaut! - Muß _mein eigner todter Sohn_ erschüttern, - Was auf _deiner Söhne_ Grab gebaut? - Und ein unerklärliches Vergelten - Opfern meinen Sohn für deine Helden? - - Auf dem _Pflaster_, das in Juliwettern - Du erzürnt zum Thron geschleudert hast, - _In den Tagen_, die wir gern vergöttern, - Und wo deine eig'nen Söhn' erblaßt, - Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern, - Das, wie du, die Despotie gehaßt? - Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben, - Und es bebt, ich fühl's, mein eig'nes Leben. - - Diesmal hat's getroffen! Unter sieben - Traf nicht Einer das ersehnte Ziel: - Meine Brust ist unversehrt geblieben - Bei dem mörderischen Würfelspiel. - Gott hab' ich's mit Danke zugeschrieben, - Bis das Haupt von meinem Kinde fiel: - _Da_ just war der Fleck, _da_ stirbt mein Hoffen! - Sieben Kugeln! _Diesmal_ hat's getroffen! - - Fahre wohl denn, du geliebte Leiche, - Bis wir ewig bei einander sind. - Auf die Wange, wo vom Todesstreiche - Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, -- - Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, -- - Dann leb' wohl, mein liebes, liebes Kind! - O! daß mir des Weinens Tröstung wäre! - Gott! ein Königreich für eine Zähre! - - Ja, ich fühl's an meiner Pulse Schlägen, - Du nimmst meine letzte Kraft dahin. - Willenlos auf meinen dunkeln Wegen - Folg' ich, wie ein Kind, der Führerin. - Ferdinand, ich zittre dir entgegen, - Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn. - Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre! - O! ein Königreich für eine Zähre! - - Frieden, den ich Frankreich oft erhalten, - Meiner eignen Brust versagt ihn Gott. - Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten, - Und der Julithron der Welt zum Spott. - Neue Kugeln warten auf den Alten, - _Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot_. - Frieden, um den Preis der Erde Frieden! - Und der Alte scheidet gern hienieden! - - - - - Was ist des Deutschen Vaterland?[9] - - - Wie hat das Lied so schön geklungen, - Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang, - Und das wir Alle mitgesungen - Bei drei und dreißig Jahre lang? - - Das Lied vorn deutschen Vaterlande, - Wo an dem Rhein die Rebe blüht, - Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande, - Am fernen Belt die Möve zieht. - - Und wo wir mit Vergnügen sehen, - Daß alle Länder, groß und klein, - Wie sie im Buch bei Deutschland stehen, - Das Vaterland des Deutschen sein. - - Der Deutsche Bund -- Gott geb' ihm Friede -- - Hat immer, seit der Völkerschlacht, - Bei diesem geograph'schen Liede - Ein fürchterlich Gesicht gemacht. - - Und als der Deutsche Bund entschlafen, - Wie ist das Lied dahergebraust! - Wie ist's den Fürsten und den Grafen - Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust! - - Boch-Buschmann, unser Deputirte, - Sang's oft zu Frankfurt auf der Zeil, - Und wenn er jetzt sich nicht genirte, - Er säng' das Lied noch alleweil. - - Gesungen ward's in allen Städten, - In allen Gassen ist's erschallt, - Auch haben zwischendurch Musketen - Als Accompagnement geknallt. - - Wohin ich mocht' durch Deutschland wandern, - Am Rhein und an der Donau Strand, - Hat einer stets gefragt den andern: - Was ist des Deutschen Vaterland? - - Da sprach an einem schönen Tage - Zu Wien Herr Raveaux frank und frei: - Daß nunmehr auf die ew'ge Frage - Die Antwort schon gefunden sei. - - Doch dieses war nur eine Flause, -- - Noch heute ist es unbekannt, - Noch singen sie bei jedem Schmause: - Was ist des Deutschen Vaterland? - - Arndt saß hernach im Parlamente - -- Inzwischen war ergraut sein Haar -- - Sein Votum zeigte, daß am Ende - Sein Lied auch eine Lüge war. - - Ja, eine rechte schöne Lüge, - Viel schöner als die Verse sind. - Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge, - Wenn mir die Thrän' vom Auge rinnt. - - - - - Blau, weiß, roth. - - - (Melodie: _Les Girondins._) - - Gott grüß' euch Vaterlandes Farben! - Du stolze Fahne, blau, weiß, roth! - Für die einst uns're Väter starben, - Mit Dir geh'n wir in Kampf und Tod. - Dreifarbig Band, umschling' das Land, - Führ' uns zum Sieg an Gottes Hand, - Zum Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß, roth! - - Das Blau bedeutet Treu und Glauben, - Treu Gott und unserm Vaterland, - Den Ruhm soll keine Macht uns rauben, - Wir dulden weder Schimpf noch Schand'. - O köstlich Gut! o heil'ge Glut! - Vernichtung der Tyrannenbrut, - Uns Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß, roth! - - Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit, - Drum sei verdammt der Lug und Trug! - Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit, - Wenn er die Schuld im Herzen trug. - Rein sei die Hand zu Gott gewandt, - Die Rettung heischt für's Vaterland. - Uns Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß, roth! - - Blutroth, Du letzte uns'rer Farben! - Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth, - Wie andere litten, wie andere starben, - So geh'n auch wir in Kampf und Tod. - Nimm unser Gut, nimm unser Blut, - Nimm's hin, du niederträchtige Brut! - Ja, Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß roth! - - - - - Bei Sebastopol. - - - 1855. - - Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust, - Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust, - Der Tod zermalmet die Braven. - _En avant!_ Seht, Brüder, die Mine springt, - _En avant!_ Vom Malakoffthurme winkt - Die Tricolorfahne der Zuaven. - - Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd', - Die Redouten springen, und roth erglüht - Der Nebel über dem Hafen. - Und unten die Stadt ist ein Feuermeer, - Und droben steh'n auf den Bergen umher - Die Linien, Garden und Zuaven. - - Da bringen sie eben von Brück' zu Brück' - Die Verwundeten in das Lager zurück, - Die zerstümmelten blutenden Braven, - Und vor jeder Bahre, die kommt daher, - Präsentiren im Flammenschein das Gewehr - Die Linien, Garden und Zuaven. - - Da tragen sie einen Sergeant-Major, - Der in der Courtine den Arm verlor, - Und den halben Schädel im Graben, - Und am Malakoffthurme commandirte er Halt, - Und richtet sich aufrecht, die blut'ge Gestalt, - Der Sergeant-Major von den Zuaven. - - Von der brennenden Stadt der rothe Schein - Und das Licht, das die springenden Forts ausspei'n, - Beleuchten sein Antlitz erhaben. - Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft, - Und nimmt zusammen die letzte Kraft, - Der Sergeant-Major von den Zuaven. - - »Nun fahr' ich mit Freud' in die and're Welt, - »Der Feind entflieht, Sebastopol fällt, - »Im Flammenmeere begraben! - »Lebt wohl, Cameraden! _Vive l'Empereur!_« - Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr - Die Linien, Garden und Zuaven. - - - - - Ferienweihe. - - - I. - - Ich sitz' im Garten, die gold'nen Schleier - Des Morgens rauschen um mich her, - Und Alles prangt in stolzer Feier, - Als ob's ein heil'ger Sonntag wär'. - - Nichts hör' ich hier vom Weltgetriebe, - Und hinter'n Bäumen liegt die Stadt, - Mit ihrem Haß und ihrer Liebe, - Und Allem, was sie Schönes hat; - - Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden, - Mit ihren Straßen grad' und krumm, - Mit ihren großen und kleinen Gebäuden -- - Und vor Allem mit dem Gymnasium. - - Und hinter'n Bäumen liegt die Stube, - Die stille Zeugin meiner Geduld, - Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube, - Mit dem tintenbefleckten Schreibepult, - - Und mit den Prüfungs-Exercitien, - Und zumal mit den Büchern rings herum, - Den tiefgelehrten und den witz'gen - Und dem ganzen heiligen Classikerthum. - - Dagegen blühen mir hier die Rosen, - Und auf jeder strahlt ein Diamant; - Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen - Und die Trauben an der Raketenwand. - - Und ein Heer von Astern und Georginen - Und die Sonnenblumen stolzen Wink's, - Sie grüßen mich mit gnäd'gen Mienen, - Und die Schwalben pfeifen rechts und links. - - Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben, - Sie schießen aus braunen Kisten empor, - Und ein freies Bienchen verließ die Waben, - Und singt melodisch mir um das Ohr; - - Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt' ich - Schon, als ich noch ein Knabe war -- - Ich glaube, sie machen sich über mich lustig, - Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar! - - Ach, freilich ist ja der ganze Garten - Eine große lebendige Poesie, - Und ach, es bleiben die Dichtungsarten - Bei der Biene summender Melodie! - - Curies! ich habe keine Schule heute: - D'rum glaubt' ich, daß es Sonntag wär', - Und horch! es bringen fernes Geläute - Die Morgenwinde zu mir her. - - So läutet denn, ihr fernen Glocken - Mir feierlich meine Ferien ein, -- - Dann will ich mit der Biene frohlocken - Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein. - - - II. - - Schwalben und Bienen. - - Die Biene lebt in engem Kreise, - Der Garten nur ist ihre Welt -- - Die Schwalben, sie sausen moderner Weise - Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld. - - Die Schwalbe badet in Wolkenlüften - Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl -- - Die Biene badet in Rosendüften - Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl. - - Verleb' ich die Ferien in Schwalbenweise? - Versumm' ich sie einsam in Bienenmanier? - Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise! - Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier. - - - III. - - Der Schwalben Spott. - - Wohl denn! rief auf diese Begrüßung - Spottend die Schwalbe: - Herr Professor, Ihre Entschließung - Ist nur 'ne halbe. - - Während Sie so mit der Biene summen, - Welken die Blüthen, - Und wenn Sie wieder in der Schule brummen, - Sind wir im Süden. - - Während Sie zur Verzweiflung bringt das - Schneegewimmel, - Lacht mir -- und wie anders klingt das! -- - Blau der Himmel. - - Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen, - Seh' ich erstarren, - Während der Sonne warme Strahlen - Meiner harren. - - Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben? - Und nach Algirien? - Bis die Gärten wieder Blüthen haben, - Sind wir die Ihrigen. - - - - - Von der Luxemburger Mosel. - - - Eile durch die Blumenauen, - Holde Mosel, nach dem Rhein, - Laß mir meine deutschen Gauen - Tausendmal gegrüßet sein! - Trage mit dreifarb'ger Fahne - Meiner Sehnsucht Schifflein fort, - Sei behutsam mit dem Kahne, - Bring' mir ihn zu sicherm Port! - - Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen! - Seid _noch nicht_ im deutschen Land, - Wenn man's euch auch vorgelogen -- - Längst zerrissen ist das Band. - Glaubt es nicht dem Klang der Zungen, - Der da rechts und links erklingt, - Nicht dem Lied des Fischerjungen, - Der am Ufer drüben singt! - - Glaubt es nicht der deutschen Hütte, - Die im Dorfe drüben steht; - Glaubt es nicht der deutschen Sitte, - Die in ihren Mauern weht; - Dürft's auch nicht den deutschen Trauben, - Nicht einmal dem Bettlerkind, - Noch dem Meilenzeiger glauben, - Daß wir hier in Deutschland sind. - - Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen, - Thut's dem Vater Rheine kund, - Was sie hier euch vorgelogen: - Hat geträumt dem Deutschen Bund, - Und im Schlaf, -- daß Gott erbarme! -- - Stahlen sie ihm Land und Leut', - Und Franzosen sind wir heut'. - - Will es nicht gerad' verdammen: - Wer sein Kind von Haus' entfernt, - Gibt's hinaus zu welschen Ammen, - Daß der Bub' französisch lernt. -- - Aber daß das Kind, das deutsche, - Man zu Schimpf und Spott verkehrt, - Daß man's die Beamtenpeitsche - Auf französisch tragen lehrt! -- - - Das in wilden Wellenschlägen, - Das erzählt dem deutschen Land, - Macht's von Vaterlandes wegen - An dem ganzen Rhein bekannt! - Und vergeßt mir nicht das eine: - Meiner wärmsten Liebe Kahn, - Legt mir ihn am schönen Rheine - Bei dem schönsten Ufer an. - - - - - - - Es lag mir schon sehr lange nah', - Der Welt eins aufzuspielen - Von jener Himmelsmusica, - Die ich wohl hört', doch nimmer sah, - Und die die lieben Engelein - An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein, - In meinem Herzen singen. -- - Nun mein' ich wohl, ich hätt's gethan, - Erhalt auch Lob von Vielen, - Doch hör' ich's recht genau mir an, - So klingt's doch nimmermehr, nein, nein, - Doch nimmer, wie die Engelein - In meinem Herzen singen. - - - - - Die Fische. - - - In einer Kugel von Krystall - Zwei gold'ne Fischlein wohnten, - Die theilten ihre Schmerzen all - Seit vielen vielen Monden. - - Doch war dem kleinen gold'nen Paar - Der Käfig nicht zum Leide, - Denn weil so eins beim andern war, - War's eine Welt für beide. - - Und weil Gelübd' und frommer Schwur - Die kleinen Zungen banden, - So haben, Aug' in Auge nur, - Die Fischlein sich verstanden. - - Und grüßte draußen froh und laut - Das Vöglein in den Zweigen, - Hat eins das and're angeschaut - Mit wehmuthsvollem Schweigen. - - Und schienen in's Krystall hinein - Der Abendröthe Strahlen, - That sich der Liebe heller Schein - In Fischleins Auge malen. - - Sie träumten wohl von Meeresgrund, - Von ferner Wogen Schäumen, - Doch keines that dem andern kund - Sein Lieben und sein Träumen. - - Und weil nun eins mit so viel Schmerz - Um's and're hat geworben, - Da ist gebrochen Fischleins Herz, - Und Fischlein ist gestorben. - - Und weil's mit Sprache nicht begabt, - Muß still das and're klagen: - »Ich hab' Dich doch so lieb gehabt, - Und konnt's Dir doch nicht sagen.« - - - - - Morgenlied von dem Schäfchen. - - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Der Vater hüt't die Schaf', - Die Mutter schüttelt's Bäumelein, - Da fällt herab ein Träumelein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Am Himmel zieh'n die Schaf': - Die Sternlein sind die Lämmelein, - Der Mond, der ist das Schäferlein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Christkindlein hat ein Schaf', - Ist selbst das liebe Gotteslamm, - Das um uns all' zu Tode kam -- - Schlaf', Kindlein, schlaf. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - So schenk ich Dir ein Schaf' - Mit einer goldnen Schelle fein, - Das soll Dein Spielgeselle sein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Und blöck' nicht wie ein Schaf', - Sonst kommt des Schäfers Hündelein - Und beißt mein böses Kindelein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - Geh' fort und hüt' die Schaf', - Geh' fort, du schwarzes Hündelein, - Und weck' mir nicht mein Kindelein! - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - - - - - Maria und der Doctor. - - - Es ist Nacht. Die düst're Lampe scheint; - Am Bettchen sitzet die Mutter und weint, - Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind, - Und im Bettchen liegt das kranke Kind, - Und erzählt im Fieberbrande - Vom Engel im weißen Gewande. - - Und die Mutter ringt sich die Hände wund: - Mach' heil'ge Maria mein Kind gesund; - Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind, - Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind. - Ich bau' auf Deinen Namen, - So ist es gewißlich, Amen. - - Kaum naht der Tag im Dämmerschein, - Da trat der gelehrte Doctor herein. - Der prüfet das Kind allüberall, - Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall, - Den ich nimmer in Praxi erlebt. - Und verschreibt ein großes Recept. - - D'rauf standen allerhand Sprüchelein - In Zeichen und Wörtern in Latein; - Der Apotheker hat d'rüber zwei Stunden geschwitzt, - Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt. - Sogleich hat der Trank das Leben - Dem Kinde zurückgegeben. - - Die Mutter in freud'gem Herzensdrang - Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang, - Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut, - Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut; - Der Himmel in höheren Welten, - Der mög' es euch reichlich vergelten! - - Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn, - Entläßt die Mutter mit frohem Sinn. - Die aber hurtig schließet sich ein - In's heimliche Krankenkämmerlein, - Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen - Auf die Knie beim Bette des Kleinen. - - Es ist Nacht, und die düst're Lampe scheint, - Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint. - Warum weinst du Mutter noch himmelwärts, - Der Doctor hat ja getröstet dein Herz? - Doch nein, ich will dich nicht fragen: - Nicht alle Dinge lassen sich sagen. - - - - - Des armen Kindes heiliger Christ.[10] - - - Die Nacht war kalt und schaurig -- - Du arme kleine Marie! - Sie wandert' allein und traurig, - Und haucht' in die Händchen und schrie. - - Und sinket ermattet nieder, - Vom Froste starret das Blut. - »O könnt' ich die bebenden Glieder - Beleben in wärmender Gluth! - - Wie blinket das schöne Gebäude, - Erleuchtet vom Kerzenschein! - Da kehrte mit köstlicher Freude - Der heilige Christ wohl ein. - - Er kam aus dem Feenlande, - Mit goldener Kron' im Haar, - Im prächtigen Purpurgewande, - So herrlich und wunderbar. - - Und bracht' ein flimmerndes Bäumchen, - Und Aepfel und Nüsse daran. - Ach! wer doch beim flimmernden Bäumchen - Heut' Abend sich freuen kann! - - Nichts bracht' er mir, nichts mir Armen! - Wie stürmet der brausende Wind! - Ach, wer, wer hat doch Erbarmen - Mit dem armen Bettlerkind?« - - Und wie sie die müden Glieder - Nun ruhet auf kaltem Stein, - Und senket die Augenlieder, - Und schlummert ermattet ein: - - Da kam er zu ihr im Traume, - Mit goldener Kron' im Haar, - Im Kleide mit purpurnem Saume, - So herrlich und wunderbar. - - Und schüttete köstliche Gaben, - Und goldene Früchte aus: - »Das Alles, Marie, sollst Du haben, - Willst Du mit mir geh'n in mein Haus. - - Ich geb' auch ein Bäumchen mit vielen - Hell flimmernden Lichtern Dir, - Und die Engel soll'n mit Dir spielen, - Komm, liebliches Kind, mit mir.« - - Da that das Kind Millionen - Hell leuchtender Lichtchen seh'n, - Und es denkt, dort muß er wohnen! - Und es will mit dem Christe geh'n. - - Und als nun die goldene Frühe - Verscheuchet die schaurige Nacht, - Da ist die kleine Marie - Nicht wieder aufgewacht. - - - - - Des Schweizers Heimweh. - - - Ewig Bangen, ewig Sehnen - Nach dem theuren Vaterland, - Nie das Auge ohne Thränen - Nach der Ferne hingewandt, - O wer kühlt mein Gluthverlangen, - Wer mein Sehnen, wer mein Bangen, - Ach, mit jedem Morgen neu! - - Bei des Tages erstem Schimmer, - Bei der Sonne erstem Blick, - Freud' und Leben kehrt doch nimmer - In des Schweizers Brust zurück; - Heerden blöcken, Glöcklein klingen, - Vöglein, die im Walde singen, - Ach, sie können fröhlich sein! - - Wo die Alpenröschen blühen, - Wo am Morgen, herrlich groß, - Schreckhorn und die Jungfrau glühen, - Ach! der Heimath stillen Schooß, - Könnt' ich euch, geliebte Höhen, - Nur noch einmal wiedersehen, - Eh' das arme Herz mir bricht! - - Wo der Aar in reinen Lüften - Kühner seine Schwingen hebt, - Ueber bodenlosen Klüften - Ungewohnt der Wandrer bebt, - Wo von friedlich stillen Matten, - Bei des Abends kühlen Schatten, - Läutend Heerden heimwärts zieh'n. - - Wenn am Abend es sich röthet, - Und im still geword'nen Hain - Nur die Nachtigall noch flötet, - O wie bin ich dann allein! - Hör' ich ihre sanften Lieder, - Kehret meine Sehnsucht wieder - Und das Herz will mir vergeh'n. - - Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen, - Vaterland! Du bist gemeint, - Land, wo die Schalmeien tönen, - Wo mein Liesli um mich weint, - Du mein Thal, geliebte Höhen, - Könnt' ich euch noch einmal sehen, - Eh' das arme Herz mir bricht! - - - - - Der Morgen im Garten. - - - Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer - Die Blumen blüh'n, - So sah ich nie im Rosenschimmer - Den Garten glüh'n! - - Wie jubelt's in den blauen Lüften! - Der Freude Hauch, - Er weht in tausend Balsamdüften - Vom Blüthenstrauch. - - Wohl saß ich oft in jener Hütte; - Wenngleich allein, - Konnt' ich in meiner Blumen Mitte - So glücklich sein. - - Und was des Abends stille Feier - Zum Herzen sprach, - Wehmüthig tönte meine Leier - Das Echo nach. - - Jetzt weint die Seele vor Entzücken, - Zum Himmel steigt - Sie mit der Rührung feuchten Blicken, - Die Lyra schweigt. - - O gold'ner Morgen, Blick der Liebe - Im Lenzgewand, - Vom Auge ew'ger Huld und Güte - Herabgesandt! - - Wie will der Sterbliche Dich singen, - Der betend kniet? - Wenn Weltenharmonie'n erklingen, - Dann schweigt mein Lied! - - - - - Am Abend. - - - Senke Deine gold'nen Flügel, - Holder Abend Du, - Send' auf Fluren und auf Hügel - Stille süße Ruh'! - - Milden Trost auf herbe Thränen, - Guter Genius; - Schlägt mein Herz in bangem Sehnen, - Deinen Friedenskuß! - - Alles ruht in Wonneträumen, - Jedes Auge blickt - Dankbar zu des Himmels Räumen, - Der den Frieden schickt. - - Hüll' auch mich in Deinen Schleier, - Seel'ger Abend ein, - Laß auch mich von Deiner Feier - Still gegrüßet sein! - - Dann bring' ich Dir meine Gabe, - Tief von Dank durchglüht, - Bringe freudig, was ich habe, - Dir ein sanftes Lied. - - - - - Nach Durchlesung - - _des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar, - Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg - erlassenen Hirtenbriefes._ - - - 1842. - - Was fühl' ich leis' in meiner Seele beben? - Ist's Deines Briefes kräft'ger Redefluß? - Ist's Deiner Worte prächt'ges Bilderleben? - Der Sprache, meiner liebsten, eh'rner Guß? - Ist's die Bewund'rung, die ich Deinem Streben? - Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß? - Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen, - Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen. - - Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten, - Dem Himmel nahe, und die Seele frei, - So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten, - Und fernhin klingt die liebliche Schalmei. - Da kommen, die sich früh verloren hatten, - Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei. - Das sind die Töne, jene freien, süßen, - Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen. - - Als ich ihn las, da glaubt' ich weh'n zu hören, - Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt, - Den ächten Geist, der wie mit Engelchören - Durch jedes Deiner frommen Worte klingt, - Den Silberquell, der aus den gold'nen Röhren - Melodisch in das ew'ge Leben springt[11], -- - Des Hirten Töne, die zu heil'gen Stufen - Verirrte Kinder seiner Heerde rufen. - - Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen? - Kann ich verleugnen, was in's Herz mir tief - Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen, - Einst an dem heil'gen Ostertage rief? - Und was mit ew'gem Heile mich zu krönen, - Mich auferweckte, als mein Leben schlief? - Nun ich die Töne hab' von Dir vernommen, - Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen. - - - - - Der Katholik. - - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Ich sag' es frei mit kühnem Blick, - Ich bin's nicht blos im Gotteshaus, - Ich bin es auch im Weltgebraus'; - Ich leugn' es nie und nimmermehr, - Und wär' der Teufel hinterher: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Zum Lügen hab' ich kein Geschick; - Bin ich im Gotteshaus gekniet, - Was kümmert's mich, ob's einer sieht; - Schwätz' ich nicht Jedem nach dem Bart, - Was thut's? Ist Katholikenart: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - D'rauf thu' ich mir von Herzen dick; - Der Priester hat's mich früh gelehrt: - Daß sich im Sturm der Christ bewährt, - D'rum, tret' ich aus dem Gotteshaus, - Dann ford'r' ich kühn die Welt heraus: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik - In Freud' und Leid, in Schmerz und Glück, - Ich bin's im Friede und im Streit; - Und wenn der Teufel Feuer speit, - Und wenn die Welt in Trümmer bricht -- - Ich wanke nicht und weiche nicht: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Nicht blos für einen Augenblick; - Es geh' uns gut, es geh' uns schlecht, - Ich halte bei katholisch Recht; - Sag's jedem Heuchler in's Gesicht, - Ein Sohn der Kirche bist du nicht: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Ich bin kein eigennütz'ger Strick, - Der, wenn der Wind von Norden weht, - Für Gott und seine Kirche steht, - Doch wenn der Wind von Süden bläst, - Gott und die Kirch' im Stiche läßt: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - - - - In einer protestantischen Kirche.[12] - - - (Bruchstück aus einem ungedruckten Drama: »Der Katholik«.) - - Kind. - - Sieh Vater, offen ist die Thüre, laß - Zum erstenmal mich eine Kirche sehen. - Wie herrlich muß es sein in Gottes Hause! - - (Sie treten ein.) - - O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort - Sich wölben und sich himmelaufwärts heben! - Sieh, wie die riesig großen Pfeiler streben. - Man sieht wohl gleich, daß hier ein heil'ger Ort. - 's ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen. - Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen? - - Vater. - - O, das Gebäude ist schon alt, mein Sohn! - In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren, - Als überall noch Aberglauben herrschte, - Und alle Leute noch katholisch waren. - Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden, - Das sie »zu Uns'rer Lieben Frauen« nannten. - - Kind. - - Da waren's wohl die Heiden, die's gebaut? - - Vater. - - Nein, Katholiken haben's aufgeführt. - - Kind. - - Hu, Katholiken! Später, wie ich denke, - Erhielten wir's von denen zum Geschenke? - - Vater. - - Nein, Kind, wir haben's ihnen weggenommen. - So ist die Kirche nun auf uns gekommen. - - Kind. - - Oh! und wer ist denn Uns're Liebe Frau? - - Vater. - - Das ist die heilige Maria, Kind, - Die Jesum Christum unsern Herrn geboren. - Die Katholiken glaubten auch an _die_, - Und warfen sich vor ihrem Bild' auf's Knie. - - Kind. - - Maria? Ei so hieß auch meine Mutter, - D'rum war sie auch so eine liebe Frau, - Wie ich's noch heut' in ihrem Bilde schau'. - Sie hatte mich so lieb, sie war so milde, - Und d'rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde - Oft selbst geweint und auf den Knie'n gelegen. - Doch was mir, Vater, nicht gefällt, das ist, - Daß hier kein Schmuck und keine Bilder sind. - - Vater. - - Wir sind ja keine Katholiken, Kind! - Wir beten nur zu unserm Gott allein, - Zu keinem Bild, das würde Sünde sein. - - Kind. - - Es wär' auch gar zu dumm, zu Bildern beten, - Ein Bild kann ja nicht hören und nicht reden. - Und dennoch ist's so schön in deiner Stube, - Wo du die hohen Gäste gern empfängst, - Auch einsam wohl an meine Mutter denkst. - Ich weiß, obgleich ich noch ein kleiner Bube, - Daß mir's einmal gelang, hinein zu schauen. - D'rin hängen Bilder, viel, mit gold'nen Rahmen. - Auch sah ich d'rinnen Uns're Liebe Frauen, - Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen. - Von allen Häusern hätt' ich auf der Welt - Mir Gottes Haus am schönsten vorgestellt. - - Vater. - - Du mußt nicht denken, daß hier Gottes Wohnung. - Gott ist an jedem Orte, kein Revier, - Kein Raum und keine Mauer schließt ihn ein. - Er ist sowohl in meiner Stub' als hier. - - Kind. - - Wenn ich Gott wär', ich wär' am liebsten hier, - Und prächtig schmücken ließ' ich Alles mir. - Weißt du noch Vater, als du meiner Mutter - Die schöne neue Laub' im Garten bautest, - Die wir so gern nach ihrem Namen nennen, - Und die ihr so gefiel, weil du sie _ihr_ - Gewidmet und geschmückt; wo sie am liebsten - An jedem Abend mit uns Kindern weilte? - Da weilst du auch nun stets am liebsten, da, - So sagst du, ist sie dir noch immer nah. - Ja, wenn ich Gott wär', unter allen Zonen - Thät' ich am liebsten in der Kirche wohnen. - Da müßten an der Wand und in den Gängen, - Wie bei'm Papa, die schönsten Bilder hängen, - Und meine Mutter müßte bei mir sein. - Doch was bedeutet das Gefäß von Stein, - Dicht bei der Thüre zierlich eingemauert? - Ein Becken scheint's, um Wasser zu bewahren, - Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren, - Denn siehe, einsam haben Spinnen oben - Die grauen Schleier d'rüber her gewoben. - - Vater. - - 's ist ein Gefäß, aus dem sie Wasser nahmen, - Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen, - In Vaters, Sohns und heil'gen Geistes Namen. - - Kind. - - Warum? - - Vater. - - Ich weiß nicht, 's war so hergebracht, - Und darum haben wir's nicht nachgemacht. - - Kind. - - Sieh, Vater, hier das große Eisengitter, - Dahinter seh' ich der Verwüstung Spuren, - Und Mörtel, Steine, Bretter und Figuren, - Im Wirrwarr liegt's vergessen und verlassen. - Unheimlich dämmrig ist's an diesem Orte, - Wär' ich allein, mich würde Furcht erfassen. - - Vater. - - Mein Kind, da stand der alte Hochaltar, - Nebst Tabernakel, wie's gebräuchlich war. - Auf eines Heil'gen Grab ein großer Stein, - Geweiht zum Dienst des heil'gen Opfers ein. - Mit Blumen reich geschmückt von frommen Händen, - Und Bildern, Crucifix und Ornamenten; - Im gold'nen Meßgewand und Cingulum - Beging der Priester das Mysterium, - Und Alles büßend sich zur Erde neigte, - Wenn er die Hostie dem Volke zeigte. - Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen, - Ein traurig Denkmal aus vergang'nen Tagen. - - Kind. - - Sieh, ein zerschlag'ner Arm ist noch zu schauen, - Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand. - Wer that das, Vater? Immer sagtest du, - Altäre seien heilig, und in Ruh' - Soll man die Gräber und Altäre lassen. - Du lehrtest mich tief in der Seele grauen, - Als du erzähltest, wie das Römervolk - Die christlichen Altäre einst zerschlagen, - An denen fromme Menschen betend lagen. - O sicher stürzten dieses Heiligthum - Die Katholiken oder Römer um. - - Vater. - - Wir selber, Kind, die Protestanten thaten's, - Und der Altar war ein katholischer. - - Kind. - - Wie Schade! da erblick' ich unter Trümmern - Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt. - Wie lieblich seine sanften Züge schimmern! - Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt - Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen. - Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter? - - Vater. - - Das ist das Bildniß Uns'rer Lieben Frauen. - Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen. - - Kind. - - Laß mich noch einmal dieses Bild beschauen, - Dann mag der Küster seine Kirche schließen. - Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen. - Wie blickt es mich so wunderlieblich an! - Du liebe Frau, was hast du denn gethan, - Daß sie dich brachen, und dein Kind zerstießen? - Gern nähm' ich's mit in unser Haus, und träumte: - Ich sähe meine Mutter, und ich leimte - Dem Jesuskind' ein and'res Händchen an. - - Vater. - - So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden? - - (Der Küster zieht die Thurmglocke.) - - Kind. - - Noch eins! sag', warum, wenn die Sonne scheidet, - Die Glocke dreimal drei vom Thurme läutet. - Es weiß es Niemand, was der Gruß bedeutet. - - Vater. - - Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit. - Als nämlich Alles noch katholisch war, - Da hat man so das Angelus geläut. - Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen, - Dann nahmen alle Leut' von jedem Stande, - Der Städter, wie der Bauer auf dem Lande, - Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse, - Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse, - Von ihrem Haupt den Hut, und beteten - Ein still Gebet zu Uns'rer Lieben Frauen. - - (Das Kind sinkt auf die Knie.) - - Was bet'st du Junge, bist du nicht gescheid? - Ein protestantisch Kind hier auf den Knien? - - Kind. - - O, laß mich beten wie kathol'sche Leut'. - Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien. - Laß mich bei Uns'rer Lieben Frauen beten! - Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten, - Doch bitt' ich, Vater, daß ich auf der Erden - Weit lieber noch ein Katholik soll werden. - - Vater. - - Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern. - Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern. - - (Sie verlassen die Kirche.) - - - - - Maria![13] - - - O Du süßester von allen Namen! - Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten, - So melodisch, Deine Töne gleiten! - Wie Accorde, die von jenseits kamen, - Die aus unbekannten Herrlichkeiten - Leise Lüfte zu mir her geleiten, -- - Lieblich, wie ein fernes sel'ges Amen, - Tönst Du, Name der Gebenedeiten: - Maria. - - Dunkel ist die Nacht. Verirrt und müde - Hebt empor der Pilger seine Hände, - Daß ein Stern ihm Licht und Tröstung sende. - Da, wie wenn der Osten Purpur sprühte, - Wie wenn die Natur in Lieb' entbrennte, - Wie das Morgenroth am Firmamente, -- - Also flammt Dein Nam' in mein Gemüthe, - Und ich nenn' ihn tausendmal ohn' Ende: - Maria. - - Ja, den Morgen fühl' ich in mir tagen, - Meine Seele glüht in heil'ger Freude, - Wenn Du einziehst, lieblichste der Bräute, - Wie ein Königsweib auf gold'nem Wagen. - Meine Blumen steh'n im Festgeschmeide, - Alle Berge steh'n in ros'gem Kleide, - Und die Glocken meines Innern schlagen - Ein unendlich liebliches Geläute: - Maria! - - O Du Heil'ge! Sieh in anderm Bilde - (Denn wie Du bist, singen keine Lieder) - Nahst Du schöner meiner Seele wieder. - Nacht und Graus bedecken die Gefilde, - Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er - Hoch einher der Herr und Weltgebieter, -- - Plötzlich unter Donnerwetter, milde, - Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder, - Maria! - - Wenn ich so die alten Lieder zähle, - Die ich frisch, von Melodien durchdrungen, - Froh und weinend in die Welt gesungen, - Fühl' ich schmerzlich eine schwere Fehle. - Wo ein Kranz mir rund und schön gelungen, - Für die Welt nur hatt' ich ihn geschlungen; - Keiner hat geheiligt meine Seele, - Kein Lied, keines ist für Dich erklungen, - Maria! - - Sieh, mein Götze war ein ird'sches Lieben, - Ruhm und Ehre meine gold'nen Sterne, - All mein Dichten, Blüthen ohne Kerne, - Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben. - Deine Bilder hatt' ich lieb' und gerne, - Doch Du selber bliebst mir ewig ferne. - Ferne? Nein, Du bist mir nah' geblieben: - Meine Harfe tönt', ich lausch', ich lerne: - Maria! - - Nun und ewig nur zu _Deinem_ Ruhme, - Will ich rauschend meine Saiten schwingen, - Will sie _Dir_ zum Weihgeschenke bringen, - Segne sie zu Deinem Heiligthume! - Wenn sich tönend Reim' um Reime schlingen, - Soll _Dein_ süßer Name sie durchklingen, - Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume, - Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen, - Maria! - - O, ein Psalm ist schon allein Dein Name, - Und er tönt in allen Erdenkreisen. - Also laß auch mich Dein Sänger heißen, - Sei Du, Jungfrau, meine heil'ge Dame! - Lehr' mein Lied nur einen einz'gen leisen - Wiederhall von jenen Himmelsweisen, - Meine Stimme, daß sie nicht erlahme, - Deine Schönheit für und für zu preisen, - Maria! - - Du dagegen wollest für mich bitten! - Des Allmächt'gen donnernde Gewalten - Hätten längst mein sünd'ges Herz zerspalten, - Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten. - Bitt' für mich, damit sie gnädig walten, - Und den Fluch von meinem Haupte halten! - Laß zu Jesus sich die Lieb' inmitten - Meiner Seele wie die Blum' entfalten! - Maria! - - Und zum andern woll'st Du mir erflehen, - Daß ich spät und frühe _Dein_ gedenke, - Treu und warm Dir meine Andacht schenke, - Und auf Dich stets meine Augen sehen. - Daß _Dein_ liebes Bild sich zu mir senke, - Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke - Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen, - Daß ich nimmer Deine Liebe kränke, - O Mutter! - - Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte! - Ach, ich seh' Dich mit den bleichen Wangen, - Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen, - Seh' Dich dringen durch die wilde Horde, - Und vergeh'n in jammervollem Bangen, - Als die heil'gen Lippen: Mutter! klangen, - Seh', wie bei dem blut'gen Gottesmorde - Dir das Schwert durch's keusche Herz gegangen, - O Mutter! - - Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen - Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine, - Thronst Du ja in ew'gem Glorienscheine, - Und die Engel ruh'n zu Deinen Füßen. - Mutter! o wie ich vor Freude weine, - Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine, - Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen, - Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine: - O Mutter! - - Bitt' für mich, bei Deines Sohnes Wunden! - Laß nicht seine Liebe von mir weichen, - Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen! - Und dann, in der letzten meiner Stunden, - Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen, - Daß ich froh Dir mag die Hände reichen, - Und mein Herz dem ew'gen Licht gesunden, - Maria! - - - - - Maria in der Seele.[14] - - - O heil'ge Mutter, wie ich mich betrübte, - Und mich in Unruh' quälte Nacht und Tag! - Eh' meine Seele Dich, wie jetzo, liebte, - Und wie ich Dir's zu sagen nie vermag! - Wie fühl' ich, gleich dem mutterlosen Kinde, - Mein ganzes Leben so verwaist, so halb, - Und wie erbärmlich hab' ich mit der Sünde - Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp. - - Sieh, meine Seele war wie eine Hütte, - Die nur mit Mühe noch zusammenhält. - Der Felsen drohte, daß er sie verschütte, - Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt. - Der Blitz, wie wenn's den Untergang gegolten, - Umzingelte das Haus, und angstgepreßt - Hielt d'rinnen zitternd, wenn die Donner rollten, - Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest. - - Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen, - Ist meine Seel' ein königliches Haus. - Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen, - Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus. - Du wandelst durch die duftigen Gemächer, - Darinnen Flöten klingen und Schalmei'n, - Die Engel steigen nieder auf die Dächer, - Und Gottes Sonne scheint durch's Fenster 'nein. - - Wie kam's doch? Hab' ich oft zu Dir gebetet, - Freiwillig meine Seele Dir geschenkt? - Hab' ich mich oft vor Deinem Bild verspätet, - In Deine Herrlichkeiten mich versenkt? - Du Kön'gin, hat mein Herz Dich eingeladen? - Rief meine fromme Kühnheit Dich herab? - Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden, - So unverdiente Seligkeiten gab? - - Ach nein, Maria, Du bist ungebeten, - Und aus Erbarmen mit des Sünders Last, - In meiner Seele dunkles Haus getreten; - In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast. - Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen, - Du hast's gefunden, o wie wohl ist mir! - Nun mag der Sturm weh'n und die Hölle fluchen, - Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir. - - Dies Herz -- Dein Frieden, Heilige, bewohnt es, - Und Du zerstreutest seine Angst und Qual. - Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes, - Erfreut es sich an Deinem milden Strahl. - O Heil'ge, bleibe bei mir jetzt und immer! - Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht, - Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer, - Und führe rettend mich zum ew'gen Licht! - - - - - Die Verfolgung. - - - Halt ein! ihr Schergen diabol'scher Mächte, - Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag? - Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte, - Vernichten könnt't ihr ihn mit Einem Schlag. - Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte, - Der ihm den weißen Schädel spalten mag? - Ich ruf' euch zu mit aufgehob'nen Händen: - Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden! - - Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne - Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal; - Gefangen schleppt ihr's in die Fleischerschirne, - Und freut euch wohlgefällig seiner Qual. - Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne, - Woraus er lachend die Vernunft euch stahl. - Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger. - Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger! - - Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken, - Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb. - Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken, - Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. -- - Dann thut es diesem einzigen Gedanken, - Thut's dem, was euch noch heilig ist, zu lieb: - Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde, - Gebt das Signal und koppelt eure Hunde! - - Und thut ihr's nicht, so höret mit Entsetzen, - Was dann geschieht, ich sag's euch, ich, ein Greis. - Ihr denkt, das Wild würd' sich zur Wehre setzen, - Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis; - In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen, - Und Rettung suchen um des Lebens Preis? - Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed'schen, - Den Zorn mit blut'gen Worten zukartätschen? - - Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen, - Und rächend hoch auf Barricaden steh'n, - Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten, - Wie Oriflammen, von den Bergen weh'n, - Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten, - In Kampf und Tod für uns're Kirche geh'n. - Ihr denkt's? dann denkt es auch mit allen Schauern, - Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern! - - Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen, - Dem Hirsch, der stumm und ohn' Empfindung scheint. - Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen, - Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind, - Dann läßt er hör'n ein leises süßes Klagen, - Und was er nie gekonnt und that: er weint. - So leiden wir, so weinen wir und klagen, - Wenn eure Bleie uns in's Leben schlagen. - - Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen, - Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor. - Wenn eure Flüch' hinab zur Hölle steigen, - Dringt uns're Stimme bis zu Gottes Ohr. - Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen, - Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor. - Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen, - Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen. - - 's war eine Zeit -- vielleicht in stillen Nächten - Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt; - Es war die Zeit, eh' ihr von finstern Mächten - Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt, - Eh' ihr's gelernt, mit Gott und Kirche rechten, - Und eh' der Satan euern Geist berückt -- - Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten, - Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten. - - Ein festlich majestätisches Geläute - Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus. - Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute, - Ihr trugt, wie's Brauch ist, einen Blumenstrauß; - Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude, - Sah euch die Unschuld aus dem Aug' heraus -- - Und ihr gelobtet euch im Sacramente - Dem lieben Heiland bis an's Lebensende. - - Noch seh' ich euch am Tisch des Herren essen, - Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt. - Noch seh' ich euch die keuschen Lippen pressen - Auf's Kruzifix in eurer reinen Hand. - O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen, - Die damals euch im frommen Auge stand? - Wie weit ist's doch, seit jenen schönen Tagen - Bis zu dem heut'gen mörderischen Jagen? - - Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande, - So denkt an jenen einz'gen heil'gen Tag -- - Und dann -- schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande, - Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag. - Noch nie gab's so viel Edelwild im Lande, - Ein Jagen, wo's geduldiger erlag. - Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir's nicht gelinder! - Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder. - - - - - 1848. - - - Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren, - Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer. - Prophetenstimmen aus verklung'nen Jahren - Zieh'n wie Posaunentöne vor ihm her. - Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren - Und die Empörung schwingt den blut'gen Speer. - Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen, - Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen. - - Wer ist der Steuermann in solchen Wettern, - Wer ist der Geist, der über'n Wassern schwebt? - Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern - Maschinenmäßig durch die Wellen hebt? - Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern - Sich in die Weichen der Empörung gräbt? - Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten, - Gibt uns ein Machtwort den verlor'nen Frieden? - - Wohl mag ein _Stern_ uns aus den Wogen retten, - Doch keiner, der auf Uniformen blinkt, - Wohl eine _Hand_ vermag uns warm zu betten, - Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt. - Und für das Schiff gibt's neue, sich're Ketten, - Doch keine, die uns um die Freiheit bringt. - Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung, - Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung. - - Der _Stern_, die _Stella maris_, die wir kennen, - Wir seh'n ihn hehr und schön vom Himmel schauen, - 's ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen, - Den süßen Namen Uns'rer Lieben Frauen. - Wo gibt's Fanale, die so glänzend brennen, - Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen? - Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen - Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen. - - Die _Hand_, das ist die Hand der Braut des Herren, - Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt, - Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren, - Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt, - Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren, - Den Segen ihres hohen Bräut'gams reicht. - Wo _diese_ Hand regiert, von Gottes wegen, - Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen. - - Die _Kette_, die es hält für alle Zeiten, - Reicht von der Erde in die Ewigkeit, - Die Kette zweier Welten, die in beiden - Uns zur Gemeinschaft aller Heil'gen reiht -- - Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden, - In Nacht und Trübsal, Gnad' und Herrlichkeit -- - Das ist die Kette von Demant und Eisen, - Die keine Stürme dieser Welt zerreißen. - - O süßer Meerstern, der vom Himmel d'roben - So mild und freundlich auf uns niederschaut, - O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben, - Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut, - O diamantnes Band, von Gott gewoben, -- - Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut -- - Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben, - Wir glauben noch, denn _ihr_ seid uns geblieben. - - - - - Komm! - - - O komm, still' unser heißestes Verlangen, - O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick; - O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen, - Längst wärst Du bei den Trauernden zurück. - Mit Dir ist Fried' und Freud' hinausgezogen; - Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück. - So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten, - Wie wir bisher die Tag' und Stunden zählten. - - O komm, o komm, ein Jammer ist's im Lande; - Seitdem Du gingst, war's eine schwere Zeit, - Ein Hurrah über's and're schreit die Bande, - Der Teufel machte sich noch nie so breit; - Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte, - Hat Dir schon manch Gebet geweiht. - O komm, du kannst's ja, von Sanct Peter's Stufen, - Hat Dir es Pius freundlich zugerufen. - - O komm, Dir harren tausend Herzen: - Die Kirche mit der Glocken Jubelton, - Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen, - Die Gläub'gen mit Gesang und Prozession; - Empfang' die Lieb' als Balsam Deiner Schmerzen, - Und für die uns'rigen sei Du der Lohn, - Damit uns so, mit Gott verbunden, - Das Leid vergeht, vernarben uns're Wunden. - - Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten, - Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt? - Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten - Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt; - Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten - Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt, - Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen. - Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen. - - O komm, steh, alle Tage wird es trüber, - Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab, - Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber, - Kein Retter uns erschien, der Frieden gab. - So komm denn Du, den Hermelin wirf über, - Gebiet dem Sturm mit Deinem gold'nen Stab, - Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken, - Sich Dein gewohnter Segen niedersenken. - - - - - Das Marienbild zu Rimini. - - - 1850. - - Wunder! Leben gießt sich in das Todte. - Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist, - Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote - Die Gesetze der Natur zerreißt. - Seht, das Auge öffnet sich und milde - Strahlt es den unmittelbaren Gruß, - Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde -- - _Signa dantur infidelibus_. - - Nun vom Volk zu des Allmächt'gen Throne - Hebt der Blick der Heiligen sich empor. - »Gott allein die Ehr' und seinem Sohne, - Der zur Himmelskön'gin mich erkor!« - _Sursum corda!_ und zum Herrn und Meister, - Mit des Auges seligstem Erguß, - Reißt sie aufwärts die erschrock'nen Geister -- - _Signa dantur infidelibus_. - - D'rauf der Heil'gen Auge senkt sich nieder, - Und zurück zu Staube sinkt das Erz, - Und das Volk wird seiner Sünde wieder, - Seines Fluchs bewußt das Menschenherz. - Laßt uns beten, beten tief im Staube: - »Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.« - Laßt uns einig sein in Lieb' und Glaube -- - _Signa dantur infidelibus_. - - - - - An Maria. - - - O Maria, laß gelingen, - Und sei meine Helferin, - Laß mich gut und recht vollbringen, - Was ich jetzt gesonnen bin. - Mutter Gottes, alle Tage - Warst Du bei mir, sonst und jetzt, - Und ich habe keine Klage, - Daß Du mich verlassen hätt'st. - - Hilf mir auch bei diesem Werke, - Gib, wofern Du mich noch liebst, - Daß ich mir die Winke merke, - Die Du deinem Diener gibst. - Wenn's dann geht, wie ich begehre, - Dann sei Dir das Werk geweiht, - Dir allein zu Ruhmes Ehre, - Mutter aller Herrlichkeit. - - - - - Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, - - _Direktor des Jünglingsvereines_, zu seinem Namenstage, den 7. - December 1854, vom Vereine gewidmet. - - - Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen, - Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht; - Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen; - Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht; - Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen, - Im Hasse einer wild dem andern flucht -- - Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe, - Wohin willst du dich flüchten, heil'ge Liebe? - - Wenn ringsumher die Völker sich befehden, - Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt; - Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden - Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt, - Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten, - Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt -- - O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten - Willst du, der flücht'gen Taube gleich, dich retten? - - Da öffnen sich die großen Geisterhallen, - Die ein Granit auf seinem Haupte trägt, - Wo ewig neu die Wogen niederprallen - Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt. - Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen, - Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt, - Wo keine Ketten dich der Erde binden, - O süße Liebe, deine Ruhe finden. - - Und hat dies heil'ge Dach zur rechten Stunde - Auch uns vereinigt, eine junge Schaar, - Zu Lieb' und Treu', zu brüderlichem Bunde, - Ein Obdach gegen Sturm und Tod'sgefahr: - So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde, - Zu danken dem, der unser Leitstern war, - Der uns'rer Seelen träges Feuer schürte, - Und uns zum Tempel heil'ger Liebe führte. - - Und alle Gnaden, die wir uns erwerben, - Und jeder Blick vom lieben Jesuskind; - Und jede Huld, im Leben und im Sterben, - Die aus den Händen der Maria rinnt, - Und jede Rettung, die aus dem Verderben - Der heil'ge Joseph unserm Bund gewinnt, - Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet, - Sei dankbar unserm Führer zugewendet. - - - - - Lied für den Jünglingsverein. - - - 1854. - - Im Waffenkleid, in blankem Stahl - Vom Kopf bis zu den Waden, - Umsteh'n den tapfern General - Die muthigen Soldaten. - Im Auge blitzt der Heldenmuth, - Verachtung für die Schande. - Sie rufen laut -- und schwenken den Hut -- - Ein Hoch! dem Vaterlande. - - Und Hoch! dem General, der sie - So oft ins Feld geführet, - Und gegen manche Schlachtbatt'rie - Die Truppen commandiret. - Der sitzt mit seinem Ordensband - Auf seinem stolzen Pferde, - Und dankt, an seinem Hut die Hand, - Mit freudiger Geberde. - - Auch _wir_ sind eine stärk're Armee, - Als manche Contingente. - Es hängt uns zwar kein Portepee, - Kein Schwert um uns're Lende; - Doch unser Schwert und uns're Wehr, - Das ist der gute Glaube, - Der heil'ge Schutz von Oben her - Ist uns're Pickelhaube. - - Auch unser Herz durchglüht der Muth, - Auch wir verachten die Schande, - Und rufen auch -- und schwenken den Hut -- - Ein Hoch! dem Vaterlande. - Das ist noch größer als Oesterreich, - Als Preußenland und Polen, - Man mißt's nicht aus, und lief man gleich - Auf Siebenmeilen-Sohlen. - - Und alle Menschen wohnen d'rin, - Die Großen und die Kleinen, - Das Land umschließt als Hüterin - Eine Mauer von Edelsteinen. - Und unser Herrgott hat gesagt: - Mit Stürmen und Gewittern - Soll nicht die Hölle, wenn sie's wagt, - Dies Vaterland erschüttern. - - Es leb' auch hoch der General, - Der uns zu Felde führet, - Und der uns nicht zum ersten Mal - Zum Kampfe commandiret. - Der sitzt nicht mit dem Ordensband - Auf einem stolzen Pferde: - Er trägt ein einfach schwarz Gewand - Und geht auf rauher Erde. - - Nicht streng ist sein Commandowort, - Es dringt aus sanfter Kehle, - Und dennoch reißt's wie Sturmwind fort, - Und dringt uns durch die Seele. - Er droht uns nicht mit Haft und Strang, - Der Feind nur kriegt die Hiebe, - Und unser ganzes Reglement - Ist guter Will' und Liebe. - - Sein Hauptquartier und Marschallzelt - Ist eine stille Klause, - Dort stünd' ein jeder, wenn es gält', - Als Schildwach vor dem Hause. - Wir halten bei ihm allzumal, - Im Frieden wie im Streite. - Es lebe unser Feldmarschall - In seinem Ordenskleide. - - - - - Der Jünglingsverein an seinen Director, - - _bei dessen Abreise nach Rom_, - - - am 10. April 1855.[15] - - Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land - Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand. - Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur, - Wird's lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur. - - O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh, - Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee. - Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar, - Das ist der verwund'ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war. - - Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein, - Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih'n. - Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib' uns nah! - Deiner Kinder hier im Lande denk' im Land Italia! - - Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn, - Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan, - Wandelst auf dem welschen Boden, unter'm blauen Himmelszelt, - Oder durch die ew'gen Hallen in der großen Stadt der Welt: -- - - Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit, - Und die Heil'gen, die wir rufen, steh'n als Garde Dir zur Seit'. - Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus, - Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus. - - Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht, - Heim aus Roma's Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht. - Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst, - Dann vergiß nicht Deiner Durst'gen, daß Du ihnen Labung bringst. - - O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt, - Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt. - Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer. - Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her. - - Segne uns noch, eh' Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist, - Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil'gen Geist. - Dann leb' wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand, - Daß sie aus der Fern' uns leite, reich uns deine theure Hand. - - - - - Der Lehrer an seine Schüler. - - - Es ist ein heilig Band, das um die Herzen - Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar - Die Wissenschaften und die Künste winden -- - Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich, - Wenn die Gemüther sich einander finden. - Dies Band zu weben, sind geheime Geister - Mit raschen Händen früh und spät geschäftig. - Bald kommen sie auf Sternenhöh'n des Glaubens, - Die nicht des Menschen Auge schauen kann; - Bald aus den Räumen der geschaffenen - Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet; - Bald aus den Tiefen der Philosophie; - Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen, - Die der Verstand zur Harmonie gezwungen: - Bald aus des Alterthums entleg'nen Welten, - Von denen Weise jener Tage melden; - Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen, - Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen. - - So kommen sie, mit alt' und neuem Leben, - Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen, - Aus allen Elementen, um zu helfen, - Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben. - Doch kenn' ich zwei von jenen kleinen Webern, - Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister. - Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge, - Von reichem und harmonischem Gemüthe, -- - Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe, - Die einst als Mädchen aus der Fremde kam, - Mit einem Füllhorn überird'scher Gaben. - Die erste trägt die Tafeln der Gesetze, - Wonach die Muttersprache tönt und klingt; - Die and're mit dem Amaltheahorne, - Sie trägt die gold'nen Schlüssel zu dem Borne, - Aus welchem in melod'schen Wellen - Die Lieder uns'rer Dichter quellen. - - Was hab' ich diesen Schwestern zu verdanken, - Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen - Die Früchte und die Lieb' umranken, - Die sich so schön in diesem Strauße zeigen? - - Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern, - Zu allen Zeiten, heut' wie gestern, - Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt: - So wird auch immer leben, was sie schufen, - Und oft den Freund, der ferne von euch geht, - Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht, - In euer liebendes Gedächtniß rufen. - - Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden, - Wo ihr der Muttersprache Melodien - Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, -- - Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden, - Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen, - In der wir manchen schönen Strauß gebunden. - - Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben! - Was uns verknüpft, muß ewig bleiben! - - - - - Epilog nach der Preisevertheilung - - _im K.-G. Athenäum zu Luxemburg_ - - - am 21. August 1853. - - Verklungen sind die brausenden Accorde, - Die durch den glanzerfüllten Saal getönt; - Verhallt die Lieder, die gewalt'gen Worte, - Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt. - Es schließt Athene ihres Tempels Pforte, - Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt, - Und unter'm Jubel ist entzückter Wogen - Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen. - - Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen? - War's nur ein Traum aus dem romant'schen Land? - Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen, - Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt, - Vom »Mädchen aus der Fremde« nur gelesen, - Die den Geliebten ihres Herzens fand, - Und nun beglückend Alles, die Beglückte, - Mit Lorbern uns'rer Söhne Häupter schmückte? - - Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren, - Daß Aug' und Herz sich selber nicht mehr trau'n, - Wenn ungetrübt mit seligem Verklären - Entzückungs-Stern' in uns're Thäler schau'n. - Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren, - Nicht eine Königin der Elfenfrau'n -- - Sie selber sind's, und uns're Herzen brennen, - Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen. - - Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden, - Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein! - Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden - Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein? - Herbei ihr Künste, die den flücht'gen Stunden - Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih'n! - Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette, - Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette! - - Malt mir ein Meisterbild -- euch wird zum Lohne - Ein Ruhm, der durch's Jahrhundert wiederhallt -- - Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone - Ein Wesen von ätherischer Gestalt, - Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone. - Der Schönheit majestätische Gewalt - Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen, - Und über sie der Jugend Frühling scheinen. - - Malt ihr zur Seite, mit der bärt'gen Wange - Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn, - Den Admiral von königlichem Range, - Der uns're Flagge, wenn Gefahren droh'n, - Vertheidigt in der Stürme wildem Drange, - Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn, - Dann laßt sich über beide Huldgestalten - Der Gattenliebe milden Glanz entfalten. - - Malt mir das Paar von seinem Hof' umgeben, - Und von der Würdenträger dichter Schaar -- - Von Haus und Kirch' und Staat ein buntes Leben -- - Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar. - Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben - In Seid' und Sammt, auf Kriegskleid und Talar, - Und legt in all die Augen und Gesichter - Der patriotischen Begeist'rung Lichter. - - Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle - Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau'n. - Bevölkert mir die schön geschmückte Halle - Mit einem Meer von Jünglingen und Frau'n, - Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle - Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau'n -- - Und über's Ganze laßt der Sonne Strahlen - Durch's off'ne Fenster eine Glorie malen. - - Doch jetzt -- verstummt sind die Orchesterklänge -- - Die Palme winkt, um die die Jugend stritt -- - Und siehe, zagend aus der bunten Menge - Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt. - Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge, - Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt, - Und dem Erglüh'nden reichen ihre Hände - Mit Grazie der Athene Lorberspende. - - Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen -- - Ein and'res Reich gehört dem Sänger zu, - Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen, - Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du. - Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen, - Ist uns'rer Brust geheimnißvolle Truh. - Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben -- - Was sie gebar, kann nur im Liede leben. - - O diese Thrän', ich sah sie blitzend scheinen - Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau; - Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen, - Als man ihn krönte, du glücksel'ge Frau. - Verhüll' sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen -- - Der stolzen Mutterliebe selt'ner Thau. - Mit solchen Perlen mag sich keine messen, - Die dir Tragödien durch die Wimper pressen. - - Auch Vater du? o eine Manneszähre - Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand. - Zerdrück sie nicht, du würd'ger Greis, und wehre - Dich nicht gewaltsam, wenn's dich übermannt, - Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere, - Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt, - Dein altes Herz, im Fundament erschüttert, - Unter'm Ungestüm des Augenblicks erzittert. - - Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege - Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht, - Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege - Mit seiner Leidenschaften wilder Macht - Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege, - Und nun -- nach all der Zweifel banger Nacht -- - Die reiche Ernte mit den gold'nen Halmen, - Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen! - - Und wenn ich Dir, erhab'ne Fürstin, heute, - Was uns're Seele hat so tief bewegt, - In Deinen mütterlichen Klängen deute, - Kühn will ich's sagen, was die mein'ge hegt: - Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude, - Ein süßes Pfand der Lieb' an's Herz gelegt, - Dann wird's darin mit Flötenstimmen tönen: - Nur Elternfreude mag die Welt verschönen. - - - - - (Nach gegebenen Endreimen.) - - - Die Herzen knüpfen schneller ein Bündniß, als die _Staaten_. -- - Ein junger Gärtner machte im Garten den _Besuch_, - Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund'nem _Tuch_, - Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den _Spaten_. - - Die Rosentöpfe standen gereiht auf der _Estrade_ - Nah' bei dem Strom -- da plötzlich, jenseits am andern _Strand_, - Erschien ein lieblich Mägdlein, die bunte Kränze _wand_. - Er warf ihr eine Rose hinüber an's _Gestade_. - - Das Kind war schön -- so malet kein Pinsel, keine _Kreide_ -- - Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blüthen_duft_. - Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein _Schuft_, - Sah ich in meinem Leben 'ne schön're Augen_weide_. - - Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne _Stricke_, - Sie steckt' in ihre Flechten die Ros' aus seinem _Topf_, - So ward der Bund geschlossen -- die Ros' in ihrem _Zopf_ - Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und _Brücke_. - - - - - An P. Klein's Grabe. - - - (15. Oktober 1855.) - - Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder, - Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut! - Und nun erstarrt die Augen, die so bieder, - So froh und gläubig in die Welt geschaut! - Leb' wohl, o Freund -- schon rollt die Scholle nieder -- - Leb' wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut - Hör' ich den letzten ird'schen Klang verschweben - Von Deinem reichen und geliebten Leben! - - Doch wen beklag' ich? Wenn _uns_ Todesmahnen - Und Klagelieder hier am Grab' umweh'n; - Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen, - Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh'n -- - Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen, - Ein freud'ger Held, dem Ziel entgegengeh'n. - Und rein die Freude droben zu erfassen, - Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen. - - Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen. - Was Du hier unten träumtest halbbewußt, - Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen. - Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust, - Die hier nur unverständlich in Dir klangen, - Die Ideale Deiner Dichterbrust. - Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden, - Wird eine Krone Dir im ewg'en Frieden. - - Leb' wohl! Wir seh'n Dich -- wenn im finstern Thale - Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt -- - Wir seh'n Dich wieder, wenn im Abendstrahle, - Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt. - Vielleicht ist's bald, vielleicht zum nächsten Male! - O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt: - Daß wir wie Du gerungen und geworben, - Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben. - - - - - Die Schutzengel. - - - Vor einem Muttergottes-Bilde - Lag im Gebet ein frommer Mann, - Empfehlend ihrer Lieb' und Milde - Vor Allem seine Kinder an. - Du Quell so vieler Gnadengaben, - Sprach er, sei ihre Helferin, - Und nimm die beiden kleinen Knaben - Als Deine eig'nen Kinder hin. - - Daß ihnen nichts zu Leid geschehe, - Erleuchte sie mit Deinem Strahl. - Bewahre sie vor Schmerz und Wehe, - Vor Fall und Krankheit allzumal. - Vor Allem aber ihre Seele - Laß, Heilge, Dir empfohlen sein. - Bewahre sie vor jeder Fehle, - Flöß' ihnen Deine Liebe ein, - - Maria hört die fromme Bitte, - Die ihr ein Engel übergab, - Und ordnet aus der Engel Mitte - Zwei himmlische Gesandten ab. - Geht hin und thut, wie ich euch heiße, - Damit erfüllt die Bitte sei. - Gesellt euch still in eurer Weise - Den Geistern jener Knaben bei. - - Nun höret, was darauf geschehen, - Der Kindlein Vater hat's geschaut, - Ein And'rer hätt's auch nicht gesehen, - Der nicht auf sein Gebet vertraut, -- - All überall, wo die Knaben waren, - Da standen ihnen Engel nah'. - Und immer waren in Gefahren - Zwei unsichtbare Hände da. - - Der Kleinste baut sich Kartenhäuser, - Und siehe keines fällt ihm ein; - Der Aelt'ste, schon ein wenig weiser, - Baut ein Kapellchen sich von Stein. - Als hälfen Meister und Gesellen, - So hurtig war das Werk gethan. - Er klebt' in Mitten der Kapellen - Ein Muttergottes-Bildchen an. - - Mit Steinen spielen sie, und stellen - Die bunten Steinchen in die Reih' -- - Die schönsten Kiesel aus den Wellen, - Sie kommen wie von selbst herbei. - Der Ball fliegt an die hohen Wände, - Und in die Bäum' auf gutes Glück -- - Doch werfen unsichtbare Hände - Den Knaben ihren Ball zurück. - - Sie spielen Reiter und sie jagen - In's Feld und über Stock und Stein, - Als würden sie im Flug getragen -- - Ein And'rer bräche Hals und Bein. - Der eine fiel auf Fels herunter, - Und gab sich einen Todesstreich, - Ein Engel hielt seine Händchen d'runter, - Das Kind fiel wie auf Moos, so weich. - - Ja, wenn die beiden Knaben spielten, - So war's, als wären ihrer vier, - Zwei Brüder schützten sie und hielten - Den einen dort, den andern hier, - Und als der and're, dem's gerathen, - Ein Zündholz strich, allein im Haus, - Da bliesen ihm die Kameraden - Ein jedesmal die Flamme aus. - - Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen, - Doch sieh, ich weiß nicht, wie's geschah -- - Das erste Wort von ihren Zungen, - Das war der Name Maria. - Vermuthlich haben die Kameraden - Sie auch dies erste Wort gelehrt, - Und so der Mutter Gottes Gnaden - An diesen Kindern neu bewährt. - - - - - Der Cölibat. - - - Also gefällst Du mir, wenn die Soutane, - Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt, - Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne - Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt, - Und wenn Dein Blick begeist'rungsvoll der Fahne, - Die der Erlöser schwingt, entgegenfliegt; - Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen, - Zum Dienst des Heil'gen dorthin zu gelangen. - - Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet, - Doch nicht die Welt, an die die Welt gewöhnt, - Zu heil'gen Bergen wirst Du hingeleitet, - Die kein Pallast der Residenz verschönt; - Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet, - Und wo sein Horn das Thal herniedertönt; - Dort steig' hinauf, in's freie Reich der Geister, - Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister. - - Denn auf der Höh' des Lebens steht der Priester; - Um seinen Scheitel glänzt des Frühroths Strahl; - Den Schrein des Himmels öffnet und erschließt er, - Und speis't die Gläub'gen mit dem Opfermahl, - Und wie der frische Thau des Morgens gießt er - Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal, - Und alle Gläub'gen sich verneigend beben, - Wenn seine Händ' empor die Hostie heben. - - Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen, - Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab; - Es mag sich ferner zu der Liebe neigen, - Der Gott die Heiligung in Christo gab, - Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen, - Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab: - Ein einz'ges nur von allen schönen Loosen - Mußt Du zurück in die Entsagung stoßen. - - Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet, - Zum Sakramente hat's sein Wort gemacht, - Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet, - Wenn's fromm im Geiste Gottes wird vollbracht; - Ein süßer Reiz, dem schon Dein Blick begegnet, - Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht; - Den stärksten Fürsten irdischer Gewalten - Sollst Du mit stärkerm Fuß im Staube halten. - - Die milde Liebe sollst Du stumm verachten, - Auf ihre Zauber stolz herniederseh'n; - Vergeblich soll mit ihrem süßen Schmachten, - Sie an der Pforte Deiner Seele steh'n; - Ein ros'ges Glück sollst Du im Herzen schlachten, - An seiner Wonne kalt vorübergeh'n; - Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen, - Was wir der Erde höchste Schätze nennen. - - Kein schönes Auge soll Dein Herz durchdringen, - Kein süßer Traum, der Deine Seel' umspinnt; - Kein schöner Arm sich um den Dein'gen schlingen, - Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt, - Von keiner Lippe Dir melodisch klingen - Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt, - Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt - An einem Glück, das uns entzückt und heiligt. - - Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen, - So sollst auch Du, ein jungfräulicher Mann, - Hinauf zu seinem heil'gen Dienste fliegen, - Ein freier Jüngling, den kein Weib gewann, - Dem nie die Sehnsucht nach verbot'nen Siegen - In feigen Thränen vom Gesichte rann, - Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben, - Nicht allzufrüh der Creatur gegeben. - - Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren, - Ein jungfräuliches Weib der Perle gleich; - Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren, - Gleichwie die Lotosblum' auf Hesper's Teich. - Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen, - Bekriegst das Fleisch und seiner Lüste Reich, - Schmückst Deine Seele mit den Myrthenzweigen: - So magst Du auf zu jenen Höhen steigen. - - Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert: - So lang' Dein Puls dem Weib entgegenschlägt, - So lang' die Flamm' in Deinem Blute lodert, - Die losgelassen Dich in Asche legt, - So lang' die gift'ge Lust noch unvermodert - Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt: - Magst Du mit Laien sein und beten, - Doch nimmermehr zum Tabernakel treten. - - Zwar sind's nur wenige, die so hoch berufen, - Doch wenn auch _einer_ nur, der also denkt, - Ein einz'ger Priester, der an heil'gen Stufen - Die ird'sche Liebe hinter sich versenkt, - Den frei von Schuld die Hände Gottes schufen, - Zu Gott die jungfräuliche Seele lenkt: - Sie sollen strömen aus entfernten Zonen, - Um seinem reinen Opfer beizuwohnen. - - Wohl soll ein schönes Auge Dich durchdringen, - Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt, - Ein schönes Weib soll Deine Seel' umschlingen, - Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt, - Von ihren Lippen wird's melodisch klingen: - Du bist mein Bräutigam, mein Kind! - Um _diese_ Heil'ge sollst Du frei'n und werben, - Dann wird Dein Herz in Wonn' und Liebe sterben. - - Auch jene Worte sollen Dich entzücken, - Die mir der Knab' auf meinen Knien lallt: - Denk Dir die Seele, die sich ließ berücken, - Die sich von Gott gewendet, todt und kalt -- - Du kannst mit neuem Leben sie beglücken, - Und im Triumph, mit geistiger Gewalt, - Aus ihrer Nacht zu jenen gold'nen Thüren - Der Gnade und des Lichts zurückeführen. - - Und wenn dann jene Seel' in sanftem Weinen, - Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt, - Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen, - Entzückt in jubelndem Gebete liegt: - Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen, - Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt, - Dein neugebor'nes Kind, dem Du das Leben, - Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben. - - Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande, - Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Führer zeigt? - Früh morgens, eh' noch hinterm Alpenrande - Empor die schöne Fackel Gottes steigt; - Wenn rings noch still, in nächtlichem Gewande, - Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt, - Glüht still und einsam, wie in Andachtwonne - Die Jungfrau dort im frühen Kuß der Sonne. - - Also dort oben, auf der Menschheit Höhen, - Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt, - Dort oben, wo die rein'ren Lüfte wehen, - Und wo sich keine Sorge hin versteigt, - Sollst Du ein _jungfräulicher_ Priester stehen, - Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt; - Wie jene Alpe soll in heil'gen Frühen - Ein jungfräulicher Glanz Dein Haupt umglühen. - - - - - Arion. - - - 1850. - - Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen, - Stolz kommen die Segel einhergezogen - Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand. - Sie bringen den Freund dem Freunde wieder, - Dem König den Sänger der göttlichen Lieder, - Sie führen Arion zum Heimathland. - - Hoch steht er am Bord im Abendglanze, - Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze, - Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent. - »O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke! - Nun kehr' ich dir wieder im größten Glücke, - Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.« - - Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern, - Und höret der Schiffer heimliches Flüstern. - In die grollenden Fluthen ruft er hinab: - »Poseidon, schütz' uns, du Wogendränger! - Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger, - Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!« - - Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte: - »Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte, - So tödte dich selbst an des Schiffes Bord. - Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen, - Lebendig wirst du uns dem König verrathen, - Den Leichnam bringen wir sicher in Port.« - - Und jener bittet und flehet vergebens. - »Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens? - Und soll ich verderben auf einsamer Fluth? - So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen - Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen, - Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.« - - Die eben noch unerbittlich waren -- - Arion zu hören, reizt die Barbaren. - Er kleidet sich d'rauf in köstlich Gewand. - Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare, - Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare, - So steht er, die Cither in seiner Hand. - - »Rauschet meine letzten Klänge! - Rauschet wie Triumphgesänge - Meiner Lieder schönstes Lied! - Kühn, wie zu des Himmels Bogen - Sturmbewegt die Welle flieht, - Schlage deine großen Wogen, - Jubelharmonienmeer, - Majestätisch um mich her! - - Denn ich geh' zu meinen Göttern. - In des Sturmes Donnerwettern - Grüßen sie Arion schon. - Durch der Wogen wildes Brausen - Hör' ich Orpheus süßen Ton. - Hin, wo uns're Helden hausen, - Sink' ich, hellumstrahlt vom Ruhm, - Selig in's Elysium. - - Rauschet, meiner Cither Klänge, - Rauschet, wie Triumphgesänge, - Meiner Lieder letztes Lied! - Du Thalassa, die den Bogen - Um der Menschen Länder zieht, - Schlage deine großen Wogen, - Wie ein Harmonienmeer, - Majestätisch um mich her!« - - Nun springt er hinaus in der Wellen Toben, - Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben. - Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel', - Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter - Der bläulichen See lebendige Wunder, - Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel. - - Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken, - So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken - Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch. - Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande, - Da steiget Arion gerettet zum Lande. -- - Der Sänger steht in der Götter Hut. - - - - - Militär-Toast. - - - 1850. - - Wie glänzt der Tisch im festlichen Gepränge, - Geschütz erschallt, das Echo hallt, - Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt, - Und vom Orchester strömen lust'ge Klänge, - Wer sagt's noch, daß das Herz ihm schwer und enge? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Augen blinken! - Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken, - Und laßt's ihn aus bis auf den Boden trinken! - - Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze? - Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal, - Und allzumal die Lust im Saal. - Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze? - Wer schlägt für ihn sein Blut nicht in die Schanze? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, auf von den Sitzen, - Und füllt die Gläser mit den gold'nen Blitzen, - Gebt das Signal den donnernden Geschützen. - - Gott grüß dich, Vaterland, du uns're Wiege! - Das Auge glüht, die Seele sprüht, - Das Herz durchzieht ein heilig Lied! - Gott schütze dich im Frieden und im Kriege! - Wer schmäht dich, deinen Ruhm und deine Siege? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Hand zum Stahle! - Und füllt mit schaum'gen Regen die Pokale, - Hoch lebe Preußen, hoch! im Siegesstrahle! - - Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen - Vom Memelstrand bis hier in's Land, - Ein einiges Band, 'ne einz'ge Hand -- - So steh'n wir auf, werth uns'rer tapfern Ahnen! - Wem ist sein Blut noch lieb für deine Fahnen? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, Tod sei der Schande, - Und laßt die Gläser schäumen bis zum Rande: - Treu unserm König und dem Vaterlande! - - Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir wählen; - Vom Feind bedroht, vom Brand umloh't, - In Sturm und Noth, bis in den Tod, - Soll Fürst und Land auf seine Söhne zählen. - Wer zweifelt an dem Schwur von Männerseelen! - Wer sagt's, wer wagt's? Wer will uns dort verdammen? - Reicht mir den Becher mit den gold'nen Flammen; - Wir bleiben treu, und bräch' die Welt zusammen. - - - - - Ein Geister-Ständchen. - - - Zum sechzigjährigen Dienstjubiläum - Sr. Exc. des Herrn Militär-Gouverneurs, - Generals der Cavallerie, - _von Wedell_, - zu Luxemburg, am 15. April 1856. - - Die Nacht war still, kein Lüftchen ging, - Es war zwölf Uhr, und am Himmel hing - Der Mond wie eine bleiche Laterne. - Die Welt schlief fest, kein Laut war wach, - Als die knarrende Fahne vom Kirchendach - Und der Posten Ruf in der Ferne. - - Da plötzlich tönt von der Schloßwacht her - Ein lautes Werda, sie tritt in's Gewehr -- - D'rauf ein Rasseln und Rauschen ohn' Ende -- - Ein blut'ges Regiment, ein bleiches Corps, - Als kämen sie just aus den Gräbern hervor, - Dringt über den Fischmarkt behende. - - Mit Büchsen und Flinten, mit Lanz' und mit Schwert - Das trippelt und trappelt, zu Fuß und zu Pferd, - Und stehet nicht Antwort und Rede. - Sie drängen sich links, sie wissen wohin, - Und schwenken sich auf vor St. Maximin, - Ein junger Major an der Tete. - - Sie tragen von allerhand Farben Gewand, - Und Keinem ist die Montirung bekannt - Der blutigen Geisterschaaren. - Auf Manchen hängt sie in Fetzen nur -- - Doch trägt der Major die Parade-Montur - Der brandenburg'schen Husaren -- - - Und trägt auf der Brust, wie als er noch stritt, - Das stattliche Ordenskreuz _pour le mérite_, - Mit der kleinen Krone von Perlen. - D'ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt, - Als er todt da lag am Ostseestrand, - Zerfetzt von den dänischen Kerlen. - - Und er winkt, der Trompeter bläst zum Appell, - Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell, - Und erheben die blut'ge Standarte. - Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf, - Und es treten hervor aus dem düstern Hauf, - Die man dort im Sande verscharrte. - - Beim Ruf _Dodendorf_ vor die Fronte tritt - Diezelsky, geschmückt mit dem Kreuz du mérite, - Auch Stössel und Voigt auf den Rossen, - Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant, - Mit dem Parlamentärtuch in seiner Hand, - Den sie meuchlerisch todt geschossen. - - Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf, - Sie reiten herbei auf leichtem Huf -- - Zerhau'ne, verweg'ne Gesichter. - D'rauf von _Dömitz_ und _Dammgarten_ rückt's herbei, - Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei, - Und der Haufen wird immer dichter. - - Da öffnet der Feldherr wieder den Mund, - Und schwingt den Säbel und ruft: _Stralsund!_ - Und es melden sich tausend Männer. - Voran ein wilder Husarenschwarm, - Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm, - Die Andern auf luftigem Renner. - - Auch Billerbeck, Eyb und Halletius, - Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß - Zu Stralsund am Knieperthore, - Von Alvensleben auch, der wackere Held, - Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld, - Sie treten hervor aus dem Chore. - - Da ruft der Major: _Sanct Leonhard!_ - D'rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt, - Die vierzehn gefangenen Krieger. - Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust, - Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt, - Und waren im Tode Sieger. - - Nun bleiben noch elf Offiziere zurück -- - Der Major ruft: _Wesel!_ und verhüllt den Blick, - Und die Elfe beschließen die Schaaren -- - Gar edle Jünglinge, hingestreckt, - Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt, - Die im Leben nur Ein Herz waren. - - Und als sie versammelt sind Mann für Mann, - Da heben die Trompeter zu blasen an - Die schönste der Serenaden, - Ein Jubellied, das zum Herzen dringt - Und hell majestätisch die Nacht durchklingt, - _Zum Gruß ihrem alten Kameraden_. - - Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund, - Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund, - Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren. - So schauerlich hörte die Stadt noch keins -- - Da schlug die Uhr vom Kirchthurm _Eins_ -- - Und zerstoben war Schill mit den Schaaren. - - - - - Die St.-Helena-Medaille.[16] - - - Weis' her die wälsche Medaille! - Wie funkelt so neu das Ding! - Und so alt schon ist die Bataille, - Wo Dein Arm zum Teufel ging. - - Wär' weiter nichts mitgegangen, - Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz, - Sie hätten Dir nicht gehangen - Die Medaille an seinen Platz. - - Sie hätten es nicht probiret, - Nach fünfzig Jahren auf's Neu', - Und zweimal speculiret - Auf Deine Kaisertreu'. - - Der Kaiser liegt im Grabe - Und seine Garde dazu. - Gott geb' ihm und seinem Stabe - Pardon und die ew'ge Ruh'. - - Viel Jahre sind gezogen - Wohl über die Gruft daher. - Kaum rauschen noch die Wogen - Die blutige Kaisermähr. - - Und Gras ist viel gewachsen - Ueber Ehr' und über Schand', - In Preußen und in Sachsen - Und im Franzosenland. - - Nun kommen sie wieder und äffen - Und schmücken sich mit dem Ding - Und werben Dich für den Neffen - Um einen Silberling. - - Kämen sie im Schlachtgebrause - Zu hunderttausend Mann, - Wir schickten sie nach Hause, - Wie wir es schon gethan. - - Und Du greifst nach dem Bande? - Du heftest Dir es an? - Du brüstest Dich mit der Schande! - O, schäme Dich, alter Mann! - - - - - Testament. - - - (November 1858.) - - Wenn ich ausgelitten hab' - Und mich von euch wende, - Macht mir doch mit meinem Grab' - Nicht viel Complimente. - - Setzt mir keinen Stein daher, - Der's den Leuten sage: - Freut euch, daß ich keinen mehr - Auf dem Herzen trage. - - Auch mit Rosen bleibt mir fort, - Kränzen oder Kronen, - Flechtet sie, wo hier und dort - Frohe Menschen wohnen. - - Weder Schutt noch Blumenfeld, - Scherben oder Kräuter, - Machen mir die and're Welt - Länger oder breiter. - - Viel Poeten haben's gern - Wenn sich Vöglein's Flügel - Um die Zeit vom Abendstern - Senkt auf ihren Hügel, - - Oder wenn vom nahen Baum - Nachtigallen pfeifen, - Während durch den stillen Raum - Laue Weste streifen. - - Nichts begehr' ich von dem All'n - Wollt' auch eh'r erdolcht sein, - Als von Mond und Nachtigall'n - Bis in's Grab verfolgt sein. - - Im November jedes Jahr - Soll't ihr mich besuchen, - Dort, wohin mich auf der Bahr - Fremde Schultern trugen. - - Ob vielleicht schon Schnee und Frost - Mich bedeckt da draußen, - Ob die Stürm' aus Nord und Ost - Durch die Felder brausen -- - - Grade wenn's recht stürmisch ist, - Sollt ihr zu mir treten, - »Vater unser, der du bist«, - Herzhaft für mich beten. - - So befohlen und gestift't - Hier in dem Gedichte, - Auf daß Jeder, den's betrifft, - Demgemäß sich richte. - - - - - Inhaltsverzeichniß. - - - Vorwort mit der Biographie des Dichters III - Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3 - Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5 - Am Geburtstage meines Vaters 6 - Am Anfange der Osterferien 11 - Am 8. December 13 - Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15 - Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16 - Nachtwächter-Lied 19 - Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21 - Gruß an die Heimath 22 - Mein Engel 25 - Sehnsucht nach dem Tode 27 - Reliquie eines Verschollenen 31 - Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36 - Die Waldmühle 38 - Schweizers Sehnsucht 41 - Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43 - Mein Wunsch 47 - Die letzte Rose 48 - Sonett 51 - Sonett 52 - Die Johannisblume 53 - In der Ferne wohnt mein Glück 54 - Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56 - An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59 - Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63 - aus dem Wimez'schen Institute aufführten - Gesang der Sterne 65 - Der Liebe Sehnen 67 - Veilchenstrauß 69 - Tag der Vereinigung 71 - Siehst Du, wo im Abendgolde 73 - Der Bürgergardist 74 - Die Natur 76 - Vaterfreude 78 - Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81 - von Luxemburg - Ludwig Philipp 84 - Was ist des Deutschen Vaterland? 87 - Blau, weiß, roth 90 - Bei Sebastopol 92 - Ferienweihe 94 - Von der Luxemburger Mosel 99 - Es lag mir schon sehr lange nah' 102 - Die Fische 103 - Morgenlied von dem Schäfchen 105 - Maria und der Doctor 107 - Des armen Kindes heiliger Christ 109 - Des Schweizers Heimweh 112 - Der Morgen im Garten 114 - Am Abend 116 - Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118 - apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem - Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes - Der Katholik 120 - In einer protestantischen Kirche 122 - Maria! 130 - Maria in der Seele 135 - Die Verfolgung 138 - 1848 142 - Komm! 145 - Das Marienbild zu Rimini 147 - An Maria 149 - Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150 - Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December - 1854, vom Vereine gewidmet - Lied für den Jünglingsverein 152 - Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155 - Rom - Der Lehrer an seine Schüler 158 - Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161 - Nach gegebenen Endreimen 166 - An P. Klein's Grabe 167 - Die Schutzengel 169 - Der Cölibat 173 - Arion 179 - Militär-Toast 182 - Ein Geister-Ständchen 184 - Die St.-Helena-Medaille 188 - Testament 190 - - - - - Fußnoten. - - -[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena -materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt. - -[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten -Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße -eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem -Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär -derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de -division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum -Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle -er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß -Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als -beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu -besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst -provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und -Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde. - - Anm. d. H. - -[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 28. - - D. H. - -[4] Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand 1857. Bei -dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen: _E. -Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german edition by -A. v. Beresford. 8._ - -[5] Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später bei -Hotop in Cassel (»Salon-Novellen« 1851, ferner »Drei Novellen«), -einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung »Was ihr wollt«. - -[6] Vgl. »Morgenblatt« 1847, »Telegraph für Deutschland«, Hamburg 1847, -Nr. 111. - - D. H. - -[7] Aus dem »Salon« Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt. - - D. H. - -[8] Abgedruckt aus dem »Salon« 1842. Nr. 60. - - D. H. - -[9] Abgedruckt aus dem »Lux. Wort«, Jahrg. 1849. - - D. H. - -[10] Vgl. »Des fremden Kindes heiliger Christ« von Rückert. - - D. H. - -[11] Joh. VI. - -[12] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 31. - - D. H. - -[13] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 33. - - D. H. - -[14] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 33. - - D. H. - -[15] Abgedruckt aus der »_Quotidienne Luxembourgeoise_«, Jahrgang 1855, -Nr. 83. - - D. H. - -[16] Abgedruckt in der »Köln. Ztg.«, Jahrgang 1857, Nr. 287. - - D. H. - - - Anmerkungen zur Transkription - -Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt. - -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE *** - -***** This file should be named 63086-8.txt or 63086-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/3/0/8/63086/ - -Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. -This book was produced from images made available by the -Open Repository Kassel. - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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