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-The Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
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-
-Title: Ernst Koch's Gedichte
- Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem
- Freunde des Verstorbenen
-
-Author: Ernst Koch
-
-Editor: Ludwig Housse
-
-Release Date: August 31, 2020 [EBook #63086]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE ***
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-
-Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online
-Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net.
-This book was produced from images made available by the
-Open Repository Kassel.
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- Ernst Koch's
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- Gedichte,
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- aus dessen Nachlasse
- gesammelt und herausgegeben
- von
- einem Freunde des Verstorbenen.
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- Luxemburg.
- Druck und Verlag von _B. Bück_.
- 1859.
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-Der Name _Ernst Koch_, dessen poetischen Nachlaß wir in dieser Sammlung
-der Oeffentlichkeit übergeben, hat in der Tagesliteratur bereits einen
-zu guten Klang, als daß wir hier sein Lob unternehmen müßten. Sein
-»Prinz Rosa-Stramin«, seine »Erzählungen« und »Novellen« haben ihn auch
-in weitern Kreisen rühmlichst bekannt gemacht, und er dürfte unter der
-Legion von Dichtern und Literaten, die in den letzten Decennien in allen
-Ecken und Winkeln Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den
-wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie einen
-bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch die spätere
-Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren des Verstorbenen nicht
-ohne Mühe zusammengetragen, allen Freunden der schönen Literatur eine
-willkommene Gabe sein. Nur bedauern wir, daß ein so frühreifes
-reichbegabtes Dichtertalent uns verhältnißmäßig so wenig Früchte und
-Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewiß hätte Koch der
-köstlichen Blumen noch unendlich mehr in den Blüthenkranz deutscher
-Poesie hineingewunden, wenn er ihrer in Frieden und Muße hätte warten
-können. Aber es ist ein untrügliches Kennzeichen von der Echtheit der
-ihm gewordenen Dichterweihe, daß die harten Schläge des Schicksals und
-die Last der prosaischen Tagesgeschäfte, die ihm oft auf der Brust lagen
-wie ein drückender Alp, den glimmenden Funken seines Genius nicht
-erstickt haben.
-
-Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der Dichter selbst in
-einer biographischen Skizze, die wir einem seiner Manuscripte entnehmen,
-aufgezeichnet. Freilich sind es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen
-unmöglich ein vollständiges Bild von seiner interessanten
-Persönlichkeit, wie sie mit ihrer Gemüthlichkeit und Lebendigkeit und
-ihrem unverwüstlichen Humor, dem bei allem Ernst des Lebens etwas
-jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit geblieben war, im Geiste
-seiner Freunde und Schüler noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und
-noch viel weniger von seinem überaus reichen und geheimnißvollen
-Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir ihn kennen in
-seinen Werken. In seinen Erzählungen und Novellen, worin ein gut Stück
-aus dem eigenen Leben hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst
-geschildert, und besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermöchte.
-Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte, mögen wir am
-besten den Tönen ablauschen, welche die Saiten seiner Harfe
-durchzitterten.
-
-»Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in Niederhessen, im Hause
-meines Großvaters, des Obervogts Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch
-(1847 als pensionirter Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals
-Friedensrichter zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach
-Waldkappel und 1816 als fürstlich Rotenburgischer Oberschultheiß nach
-Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14. Jahre, und erhielt in den
-Stadtschulen die Elementar- und die ersten humanistischen Kenntnisse.
-Die wundervolle, liebliche Natur des Werrathales und die Lectüre der
-Schiller'schen, Körner'schen und Mathisson'schen Lyrik, für die mein
-Vater schwärmte, übten ihren Einfluß auf den lebhaften Knaben. 1821, als
-mein Vater als Kreisrath nach Kassel berufen wurde, trat ich dort in die
-3. Klasse des Lyceums ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der
-höhere Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben die
-poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon in der Tertia,
-lieferte in Secunda himmelstürmende Aufsätze, bei denen dem würdigen
-Lehrer der Maßstab der schulmäßigen Prosa versagte, und durchschwärmte
-in Prima alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe.
-Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universität Marburg, dann
-Göttingen und wieder Marburg, wo ich 1829 als _Doctor juris_
-absolvirte[1]. 1830 brachte ich den Sommer in Berlin zu, um mich
-dort als Privatdocent zu habilitiren. Indeß riefen mich die
-damaligen Ereignisse nach Kassel zurück und ich trat in den
-hessischen Staatsdienst als Obergerichts-Referendar ein. Hier
-schossen die »Vigilien« unter Bescheid-Entwürfen und gelehrten
-Appellations-Relationen auf, und wandten mir, als ein Zufall den
-Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten Publikums zu.
-Diese erkaltete plötzlich, als ich die Ernennung zum Sekretär des
-Landtags-Commissars und 1832 die zum provisorischen außerordentlichen
-Referenten im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser
-Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurückgeschickt, um mich
-zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten. Mit dem Publikum zerfallen,
-zerfiel ich bald mit mir selbst, und begann statt der Prüfungsarbeiten,
-ein ungebundenes Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung
-stürzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschluß brachte, das Vaterland
-heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu verlassen. Ich wendete mich nach
-Straßburg. Verschiedene Pläne, mir eine Existenz zu gründen, mißglückten
-hier und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte mich der
-gänzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die französische Armee
-einzutreten. Man sandte die Freiwilligen über Toulon nach Algier in die
-Fremdenlegion. Diese wurde noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien
-als Hülfstruppe der Königin Christine gegen die Carlisten übergeführt,
-und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps, das innerhalb zweier
-Jahre durch Kugeln und Krankheiten und Strapazen von 7000 auf 381 Mann
-herabschmolz, und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren
-Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der römisch-katholischen
-Kirche übertrat, trug ich mein armes Herz, das nunmehr fest, aber auch
-kalt geworden, und aus dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen
-Zaubereien und Träume hinausgefegt hatte, der heimathlichen Erde zu. So
-kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion nach
-sechswöchentlicher Wanderung von Pamplona über Metz und Sierk im
-September 1837 bei Marburg an, wo ihn ein Freund aus den
-Universitätsjahren auf der Landstraße empfing, der ihm eine Stunde
-darauf aus Lewald's »Europa« Franz Dingelstedt's Worte vorlas: »Kassel
-hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren, und diesen nur
-zufällig, der ist Ernst Koch, der Verfasser des Prinz Rosa-Stramin.
-Seitdem er seine Vaterstadt verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge
-die Vorsehung ihn schützen auf seinen dunklen Pfaden.« Der Landesfürst
-verweigerte dem Zurückgekehrten, der sich bei seinen versöhnten Eltern
-in ein einsames Leben zurückzog und eine Darstellung des althessischen
-Privatrechtes begann, das fast vollendet ist, jede Anstellung, und mit
-Mühe erschwang ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Röfing
-das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt vergütete. Da rief
-mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug nach Luxemburg, wo ich sofort
-als Regierungssekretär angestellt wurde, nach Hassenpflug's Abgang als
-Bureauchef in der Verwaltung blieb[2], mich mit einer Luxemburgerin, der
-Tochter des Eigenthümers Müllendorf, verheirathete und jetzt als
-glücklicher und geachteter Familienvater mit Erfolg das Amt eines
-Professors der deutschen Sprache und Literatur beim königl. großherzgl.
-Athenäum bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden Nebensache
-geworden, für die ich weder um Muße noch um Stoff werben mag. Auch die
-Novellen (1847) sind die Frucht weniger müßigen Wochen, da die erste und
-zweite derselben schon früher im Dingelstedt'schen »Salon« abgedruckt
-waren.«
-
-Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschätzt, im stillen
-Kreise seiner Familie und seiner lieben Zöglinge. Dem armen Dulder
-schien endlich, nach vielem Ringen und Herumirren, in seiner zweiten
-Heimath die langersehnte Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum
-hatte sich unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen
-neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, -- wohl die
-Nachwehen früherer Anstrengung -- nach einer Ferienreise in seine
-Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten Anfänge eines chronischen
-Brustkatarrhs, von dem er nicht mehr genesen sollte. Die Strapazen und
-Entbehrungen des Legionars in der Sonnengluth Afrika's und in den
-Schreckensgründen der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und Leiden des
-Familienvaters, dem ein früher Tod sieben von zehn Kindern, und das
-letzte noch während seiner Krankheit entrissen hatte, waren nicht
-spurlos an ihm vorübergegangen, und die anhaltende Geistesthätigkeit und
-körperliche Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21 Stunden
-wöchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache, das bei der Feuergluth
-einer sanguinisch-cholerischen Natur, die alles, was sie unternahm, mit
-dem Schwung der höchsten Begeisterung angriff, die ganze Persönlichkeit
-des Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet, seine
-zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten die Aerzte die
-furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht. Vergebens stellte Koch
-seine Curse am Athenäum ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden
-Lebenskräfte zu verjüngen. Krank und gebrochen kehrte er nach Luxemburg
-zurück, wo er nach langem Leiden und schwerem Kampfe am 24. November
-1858, mit den Sakramenten und Tröstungen der heiligen Kirche gestärkt,
-der er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben war,
-vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging.
-
- * * * * *
-
-Koch's Rückkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis auf wenige
-Ausnahmen mit seiner früheren Umgebung zerfallen war, hat hie und dort
-zu manchem schiefen und lieblosen Urtheil Anlaß gegeben und ist noch
-jüngst als eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet
-worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener Feder dürfte darum
-hier ihren geeigneten Platz finden.
-
-
- Eine Bekehrung.[3]
-
-»Während des neuesten Religionskrieges in Spanien war der Bischofssitz
-in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt geblieben, und der bischöfliche
-Palast zum Militärhospital für die Christine'schen Truppen eingerichtet
-worden. Dieses Gebäude, kaum noch kenntlich an der über dem
-Haupteingange befindlichen Überschrift, war in Folge dieser veränderten
-Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und des geistlichen Friedens eine
-schmutzige Wohnung unbeschreiblichen Elendes und Jammers geworden. Im
-Jahre 1837 waren nicht blos die zwölf Säle, sondern auch die Gänge und
-Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in welchem die täglich vom
-Heere dort ankommenden Verwundeten, Siechen, Fieberkranken und sonstigen
-Leidenden aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im höchsten
-Grade erbärmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben. Die Kranken wurden
-auf den dürftigen Strohlagern vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die
-Armen, aus allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der
-untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der fernen Mancha,
-stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen schwebten über der ganzen
-Einrichtung wie die Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (_hijas
-de la caridad_), und der bischöfliche Caplan, D. Raphael Salvador. Die
-ersteren besorgten die Wäsche, die Küche u. s. w. und trösteten in ihrer
-bekannten liebevollen Weise. Der letztere, ein junger Mann von etwa 35
-Jahren, wandelte durch die Säle mit dem Sacramente und tröstete die
-Sterbenden.
-
-»Am 15. März 1837 ging durch das von Wachen besetzte Thor dieses
-Hospitals mit Tornister und Gewehr ein Unteroffizier der französischen
-Fremdenlegion (welche bekanntlich von Frankreich der Königin Christine
-aus Algier herüber zur Hülfe geschickt war, und binnen zwei Jahren durch
-Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381 zusammenschmolz). Der
-Fremde zeigte das Eintrittsbillet vor, wankte mit zitternden Knieen
-die Treppe hinauf, und war schon nach wenigen Stunden der
-Besinnungslosigkeit und einem heftigen Nervenfieber zur Beute.
-
-»Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwärtigen. Zum ersten Male nach
-1½ Jahren Kriegsleben, war ich in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das
-Fieber in den Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren.
-
-»Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen Lande
-geboren, und in der sogenannten reformirten Lehre, so wie es zu
-geschehen pflegt, erzogen worden. Vom Catechismus kannte ich höchstens
-nur noch die Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende
-Bedürfniß des Glaubens hatte bei mir sich schon früher in ruhigen
-Stunden in der Art geregt, daß ich mir vornahm, wenn ich einmal Zeit
-hätte, mir mein vollständiges Glaubensbekenntniß aufzubauen, damit ich
-wüßte, woran ich wäre. Denn am Ende muß man doch, dacht' ich, an etwas
-glauben, und mit sich in diesem wichtigen Capitel im Reinen sein.
-Aehnliches kam mir hier im Hospital in den Sinn, indem ich nach vier
-Wochen zum ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem Tode,
-wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum fing ich nicht damit
-an, die Lehren, in denen ich erzogen war, wenn nicht unbedingt
-anzunehmen, doch wenigstens näher zu prüfen? Eben darum nicht, weil ich
-darin erzogen war, und nach denselben es meinem forschenden Geiste frei
-stand, mich von einer Unterwerfung oder einer Prüfung meiner Einsicht
-nach zu dispensiren oder nicht. Es wird keinem Katholiken einfallen,
-sich in einer Stunde der Muße seinen Glauben selber machen zu wollen,
-oder er tritt, wenn er wirklich diesen Entschluß faßt, sofort auf das
-Gebiet des Protestantismus. Daß ich nun die Idee, mir ein System meines
-Glaubens zu bauen (welches ich mir wahrscheinlich sehr bequem
-eingerichtet haben würde) bald wieder aufgab, läßt sich wohl glauben.
-Schon die Umgebungen waren zu erbärmlich und niederschlagend, um meinen
-Geist auf das hohe Pferd zu setzen.
-
-Daß schon früher zweimal, einmal in meiner Heimath 1834, und später in
-Spanien 1836, die Gnade Gottes mit dem flüchtigen Gedanken, in die
-katholische Kirche zurückzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte
-ich nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Früchte geblieben, weil ich mich
-fragte: was würden die Leute dazu sagen, wenn du den Glauben deiner
-Väter verließest? -- Hätte mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v.
-Stolbergs erzählt, welcher dem Könige von Preußen, als ihm dieser sagte:
-»Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem Glauben abfallen,«
-erwiederte: »Ich auch nicht, Majestät,« und so auf den Abfall im
-sechszehnten Jahrhundert mit einer Ironie anspielte, die ein Protestant
-selten eher begreift, als bis er mit dem Kopfe darauf stößt.
-
-»Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien, worin
-ich, ich weiß nicht wie viele Tage gelegen hatte, trat folgendes
-Ereigniß ein. Nicht weit von meinem Lager wurde ein eben angekommener
-spanischer Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend
-geberdete, alle ärztliche Hülfe verweigerte, den Arzt und die Nonnen
-insultirte, und endlich den Caplan unter Schimpfen und Blasphemien
-zurückwies. Der würdige Caplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als
-es ihm gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des Kranken zu
-nähern, sank dieser langsam auf das Kissen zurück, und beichtete mit
-lammfrommer Ruhe zwei Stunden lang. Kurz nachher erklang die Schelle
-durch die Treppen und Gänge, Kranke und Gesunde knieten vor dem
-hochwürdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem Bette des
-Andalusiers trug. Der richtete die großen Augen, aus denen noch vor
-wenigen Stunden die Teufel geblitzt hatten, mit einem unbeschreiblich
-süßen Verlangen nach der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmäßig die
-Calotten vom Kopfe, und falteten die Hände, während der Spanier die
-Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem Frieden verschied,
-der sein Gesicht verklärte. Ich betete auch mit, weiß aber nicht mehr
-was. Jedenfalls war's mir curios zu Sinne.
-
-»Am anderen Morgen erwacht' ich, das Gesicht nach der Wand gekehrt,
-frühe, in jenem süßen Gefühle der wachsenden Genesung, und gestärkt
-durch einen erquickenden Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl,
-welchen der Frühling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer sandte.
-Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang so auf den
-Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick geheftet hielt, erschallte auf
-einmal von allen Kirchen Pamplona's zu gleicher Zeit ein erhabenes
-Glockengeläute. Es war ein Sonntag -- vielleicht Ostern? Nie hat ein
-Geläute einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht.
-
-»Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte und Feder, und bat
-den Caplan schriftlich, mich an meinem Bette (Saal IV. Nr. 42) zu
-besuchen, um sich mit mir über meinen Wunsch, in der katholischen
-Glaubenslehre unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand der
-Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor mir. Die Erscheinung
-verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas Furchtbares für mich. Ich
-erschrack vor dem, was ich gethan. Es war mir, als hätte ich die
-katholische Kirche vor mir. Wir verständigten uns bald, da er mir sehr
-liebevoll zuredete, in französischer Sprache. Er gab mir zunächst eine
-zweibändige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren Verfasser ich
-leider vergessen habe, hiernächst den französischen Catechismus, der
-unter Napoleon erschien (_de l'Empire français_). Mit Begierde, mit
-einem Heißhunger meiner Seele verschlang ich die geistige Speise,
-sitzend und betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich
-aufstehen und täglich eine Stunde den Caplan auf seinem Zimmer besuchen,
-um mich von ihm prüfen zu lassen. Am 27. April wurde ich für reif
-erklärt, die Sacramente zu empfangen. Nach genommener Rücksprache mit
-dem Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte Taufe,
-weil sie unter Ablution im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes,
-und Gottes des heiligen Geistes geschehen war, als gültig an. Dieses
-Sacrament wurde daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete
-ich meinem würdigen Caplan (der für mich ein wirklicher Salvador war),
-und am anderen Morgen empfing ich die heilige Communion, beides in der
-im Hospital wohlerhaltenen bischöflichen Capelle. Eine förmliche
-Abschwörung ist nicht für erforderlich gehalten worden. Der Rücktritt in
-die mütterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente der
-Beichte und Communion. -- Am folgenden Tage wurde ich vom Arzte für
-curirt erklärt, und ging zu meinem Bataillon zurück. Im Monate Juni kam
-die unerwartete Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach Hause
-geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich mit Abschied von
-Pamplona weg und betrat im Anfang September den heimathlichen Boden.
-
-»Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken sein:
-
-»1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ehe
-ich in das Hospital ging, viele Menschen sterben gesehen, viele Kirchen,
-gezwungen oder aus Laune besucht, und all den Pomp der spanischen
-Gotteshäuser beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck auf
-mich, den später in Pamplona das Glockengeläute auf mich machte?
-
-»2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines Fremden in
-Spanien schnell mit dem Zweifel bei der Hand: ob nicht die Bekehrung die
-Folge eines geistigen Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht
-auf zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? und die
-zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht stellte und stellen
-konnte, bestanden darin, daß mein guter Caplan, der selbst so arm war
-wie eine Kirchenmaus, mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren
-ließ.
-
-»3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik meine zeitliche
-Zukunft in irgend etwas verbessern würde? Nein, denn für den Fall der
-Rückkehr in mein Vaterland konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil
-und Zurücksetzung, oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst
-aber erwartete ich täglich den Soldatentod.
-
-»4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, katholisch zu werden?
-Nein, denn die Krankheit war überstanden, und als Protestant konnte ich
-ja überhaupt nicht annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu
-sterben.
-
-»5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung? Wie hätte ich als
-Protestant denn annehmen können, daß man Gott einen Gefallen erzeige,
-wenn man katholisch werde?
-
-»6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage nach meiner Bekehrung
-aus dem Hospital geschickt wurde. Wäre es einen Tag früher geschehen, so
-wäre das Werk unvollendet geblieben.
-
-»Es war also eine _reine_ und _ganz unverdiente Barmherzigkeit_ des
-allmächtigen Vaters, welcher mich, nachdem sein Ruf in der Heimath nicht
-gefruchtet, in lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein
-zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich in das Lazareth
-in Pamplona warf, mich dort von einer schweren Krankheit rettete, und
-mir dann mit seinem Sonnenstrahle und dem Glockengeläute seiner Kirchen
-die Gnade sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde ich
-sagen: _so viel Mühe gibt sich Gott, um ein störriges, eitles Kind, das
-nicht hören und nicht sehen will, zurückzuführen_. Der Herr sei
-gepriesen in Ewigkeit. Amen!«
-
- * * * * *
-
-Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische Laufbahn
-eröffnete, war der aus den »Vigilien« entstandene »Prinz
-Rosa-Stramin«[4], dem noch nach zwei Decennien die seltene Gunst zu
-Theil ward, neu aufgelegt und in's Englische übersetzt zu werden. Wenn
-wir in dieser Lieblingsschöpfung des Dichters -- der Frühlingsgabe
-seiner Muse -- eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, Einheit und
-Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte der Sprache vermissen,
-so werden wir um so freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und
-Farbenreichthum entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem kühnen
-Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo ihn das kecke Flügelroß
-hintragen wird. Wir sehen eine Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in
-bunter, rascher Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten-
-und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers reiche,
-gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in die er meist seine
-eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen Träume und Verirrungen, seine
-Freuden wie seine Leiden hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls,
-einer Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den Leser von
-einem Ende zum andern in fesselnder Spannung erhalten.
-
-Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine früheren Erzählungen
-und Aufsätze, die er unter den Namen »Leonhard Emil Hubert, Hubertus,
-Eduard Helmer« herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H.
-Hotop gedruckten »Erzählungen« vor das Forum der Oeffentlichkeit trat,
-und alle seine frühern literarischen Versuche als sein Produkt und
-Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch hier bilden des Dichters
-militärische Thaten, Kriegsscenen und Naturbilder aus Afrika und Spanien
-die stets wiederkehrende Staffage. Ausgezeichnet wie »Prinz
-Rosa-Stramin« durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche Frische,
-sind sie, gleich den spätern Novellen[5], mit größerer Klarheit und mehr
-einheitlicher Zusammenstellung angelegt: sie waren nach dem Urtheile
-competenter Kunstrichter das Beste, was seit langer Zeit auf dem
-deutschen Büchermarkt erschienen war[6].
-
-Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über kurhessisches
-Recht haben wir unter der Nachlassenschaft des Verstorbenen noch zwei
-literarische Commentare, das eine zu Schiller's »Wilhelm Tell«, das
-andere zu »Amaranth« und »Thomas Morus« von Oscar v. Redwitz
-vorgefunden. Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm des hiesigen
-Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt.
-
-Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner
-Jugend, Koch am meisten beeinflußt hat, mag nicht schwer zu errathen
-sein. Die überraschenden, oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die
-behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem
-Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und über sich
-selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegespräch einzulassen, die
-eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean
-Paul, zum Theil an den Verfasser der »Reisebilder«. Aber es wäre eine
-Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man
-ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine's bezüchtigen wollte,
-wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen »Erzählungen«
-energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon
-entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften
-billigend und lobend anzuerkennen, so müßten wir doch auch dagegen mit
-ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum
-Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. Die
-Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des »jungen Deutschland«
-alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die
-Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls-
-und Gesinnungslosigkeit mit Seelengröße und Byronischem »Weltschmerz«
-kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhaßt. Bei allen
-jugendlichen Irrungen und allen Stürmen des Lebens hatte Koch den Adel
-seiner liebenswürdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang,
-entströmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen
-seiner überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur.
-
-Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber für
-eine Pflicht der Pietät gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen
-Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm
-auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und
-befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang
-mit seinen übrigen Produktionen ein vollständiges Bild von der
-Individualität des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter
-zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der
-Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen
-durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden.
-
-Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Sänger, in
-das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgängers als
-Schüler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten.
-
-
- Trost in Thränen.
-
- _Grablied auf Professor Koch._
-
- Nach der Harfe greif' ich wieder --
- Und sie tönet Grabgesang,
- Bittern Schmerzes Klagelieder
- Zittern durch der Saiten Klang.
-
- Ernst, in Wehmuth hingegossen,
- Schwieg der Jünger Trauerschaar,
- Weib und Kind, in Schmerz zerflossen,
- Standen an der Leichenbahr'.
-
- Ach! der Sänger, der gerungen
- Treu für Gott und Vaterland --
- Seine Saiten sind verklungen,
- Die er schlug mit Meisterhand!
-
- Der uns sang der Minne Sehnen
- Und des Helden Sturmesdrang,
- Und des Dulders stille Thränen
- Und des Glaubens Siegessang! --
-
- Mußt so früh den Tod Du finden,
- Lebensmuthig, liederreich?
- Wollten Dir die Schläf' umwinden
- Mit des Ruhmes Lorberzweig. --
-
- Nicht bei Menschen, nicht hienieden
- War Dein Hoffen, schön'res Loos
- Ist der Treue dort beschieden.
- Wo Du ruh'st in Gottes Schooß.
-
- Wo die Stirne wird umkränzen
- Der Verklärung Siegeskranz,
- Und ein Engel Du wirst glänzen
- In der Sel'gen Sonnenglanz'.
-
-Luxemburg, 1. November 1859.
-
- Ludwig Housse,
- Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur.
-
-
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-
- Meinen Eltern,
-
- am Neujahrsmorgen 1825.
-
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- Wie einst Memnon's Säule sanft ertönte
- Bei Aurorens erstem Strahlenkusse:
- So tönt mir auch dieses Jahres erster
- Morgenstrahl Gefühle in die Brust,
- Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen,
- Wenn es sich an das der Eltern dränget.
- Auf die Feder scheint die Morgensonne
- Mir und ladet mich zum frohen Gruße.
- Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten,
- Die Minute, wo in Euren Armen
- Inniger mein Herz dem Eurigen
- Und der Zukunft ungewissen Tagen
- Freudig wünschend dann entgegenschläget!
-
- Nicht entweihen will ich durch die Feder,
- Was die dankerfüllte Brust durchglühet,
- Sagen nicht, wie Eure Elternliebe
- Mich von meinem ersten bis zu diesem
- Morgen mit des Dankes Hochgefühlen
- Ewig an die treuen Herzen bindet;
- Sagen nicht, was ich aufzählen weder,
- Noch Euch je vergelten kann, -- ach wenn ich
- Mir dies denke, alle die Wohlthaten,
- Mir zurück in meine Seele rufe:
- Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele),
- Einer Thräne gleich, mein frommer Dank
- In dem Meer der elterlichen Liebe,
- Und das Ziel von allem meinem Streben
- Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.
-
- Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied
- Auf den kleinen Knaben nieder -- und der
- Kinderjahre gold'nen Traum; -- er wußte
- Noch nicht, wem er seine Freuden dankte:
- Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten,
- Der Natur, der heit're Frühlingshimmel
- Andere, erhabene Gefühle
- In die Jünglingsbrust; -- es weiß der Jüngling
- Nun für wen des Dankes Zähre fließt!
-
- Der die Welten schuf und die Natur
- Und den heitern Frühlingshimmel, der das
- Leben seinen Menschen gibt und nimmt,
- Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen
- Ueber unserer Erde aufgeh'n ließ:
- Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen,
- Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, -- Beten!
-
-
-
-
- Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter
-
-
- (am 9. April 1827).
-
- Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen,
- Flur und Haine bau'n ihm Ehrenbogen,
- Ihn begrüßt der Lerchen Chor,
- Und der Engel treuer Kindesliebe,
- Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe,
- Schwingt mit ihnen sich empor.
-
- Nimm es mit mein Herz zur ew'gen Ferne,
- Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne
- Freundlich auf- und niedergeh'n,
- Wo die Brüder dort in süßer Wonne
- Und die heil'ge liebende Madonne
- Nieder auf die Menschen seh'n.
-
- Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne,
- Fleh die Heil'ge um die schönste Krone
- Für ein edles Mutterherz:
- Wenig Leiden und der Freuden viele,
- Langes Leben, und am späten Ziele
- Sanftes Scheiden himmelwärts.
-
-
-
-
- Am Geburtstage meines Vaters
-
-
- (während eines heftigen Gewitters geschrieben).
-
- Glühend in des Mittags Schwüle
- Schickt die Sonne ihr Geschoß,
- Keuchend zieht das matte Roß,
- Sucht der Bäume Schattenkühle.
- Aller Lebensgluth beraubt,
- Steht der Hain mit schlaffen Zweigen,
- Und des Thales Blumen neigen
- Traurig, farbenlos, ihr Haupt.
- Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen,
- Schon im Sarge, noch geschmückt,
- Wo der Tod von ihren Wangen
- Noch die Rose nicht gepflückt;
- Einem holden Frühling gleich
- Mit unendlicher Blumenfülle;
- Ohne das ewige Schaffen und Streben,
- Ohne das blühende, liebende Leben,
- Eine abgestorbene Hülle
- Liegt der Erde weites Reich.
-
- Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen
- Dort im Westen hergezogen,
- Wie das Schicksal, langsam, schwer,
- Wälzt es sich am Himmel her.
- Und des Aethers Azurschein
- Hüllt in Nacht sich ein,
- Und der Ewige naht
- Auf dem Gewölke den Fuß,
- Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad
- Bringen den Jubelgruß. --
- Da siehe, ganz helle,
- Ein zuckender Strahl
- Mit Gedankenschnelle
- Erleuchtet das Thal.
- Ein Funken seiner Glorie kündet
- Des Herren Angesicht,
- Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht!
- Und der Funken hat nicht gezündet,
- Und der Mensch danket und betet an,
- Wie er sieht den Ew'gen nah'n.
-
- Horch, da murmelt's am fernen Himmel,
- Gleich einem rieselnden Felsenbach,
- Und murmelt näher und näher ohn' Ende,
- Und rollt jetzt lauter am Firmamente,
- Und bebt in des Berges Schluchten nach,
- Und donnert und kracht,
- Und heult in die Nacht,
- Als wären die Welten im Kampfgetümmel,
- Als wollt' im angstvollen Beben
- Die Erd' aus den Angeln sich heben,
- Und ein _Schlag_, daß die Himmel zittern,
- Hemmet des Donners furchtbaren Lauf,
- Und des Eichbaums Aeste splittern:
- Dampfend zu dem Himmel auf
- Wallt des Haines Opfergluth
- Ihm, der uns mit treuer Hut.
- Schützt in Ungewittern.
-
- Siehe, nun kommt der unendliche Segen,
- Und es ergießt sich der rauschende Regen,
- Ziehet dahin über Felder und Auen,
- Sie mit erquickendem Leben zu thauen.
- Freudig erhebet die Blume das Haupt,
- Frisch hat der lachende Baum sich belaubt.
-
- Holde Nachtigallen
- Singen in dem Hain,
- Hörnerklänge schallen,
- Flöten und Schalmei'n,
- Und es grünet die Weide,
- Und die Heerden zieh'n
- Mit harmonischem Geläute
- An dem Anger hin.
-
- Der Landmann sieht die Felder blüh'n
- Und seiner Wiesen neu belebtes Grün,
- Und sieht auf seinen Fluren
- Des Vaters Segensspuren.
- Zum Himmel hebt er die Hände gern
- Und dankt dem Herrn.
- Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm,
- Drückt an die Brust ihn lieb und warm,
- Blickt empor zu des Himmels Blau,
- Sehnsucht im Auge und Thränenthau,
- Will einen Kranz dem Vater winden,
- Kann für das Herz nicht Worte finden,
- Er schaut in den Frühling und findet sie,
- Und beugt in kindlicher Andacht das Knie:
-
- Du in ew'gen Fernen,
- Vater über'n Sternen,
- Höre mein Gebet!
- Geber aller Freuden,
- Du nur kannst es deuten,
- Was die Seele fleht.
- Herr, wie auf Dein Zeichen
- Die Gewitter weichen,
- Und die Wolken fliehen:
- Also winke liebend,
- Wenn Gewitter trübend
- Seine Stirn' umzieh'n.
- Schaffen, Wirken, Streben
- Sei das frohe Leben,
- Das Du ihm verlieh'n,
- Und durch Frühlingstage
- Ohne Schmerz und Klage
- Leite, Vater, ihn.
- Deine Huld und Güte,
- Ewiger, verhüte,
- Kummer, Gram und Leid;
- Kräfte gib dem Sohne
- Zu dem großen Lohne,
- Bis die Dankbarkeit
- Einst in späten Zeiten
- Unter Trauerweiden
- Feuchten Auges steht,
- Bis die Nebel sinken
- Und die Fluren winken,
- Wo die Palme weht!
-
-
-
-
- Am Anfange der Osterferien.
-
-
- 1826.
-
- Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da,
- Laß schweigen das nächtliche Sehnen,
- Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht,
- Wo Kronen der Liebe dich krönen!
-
- Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt,
- Es senket der Lenz seine Flügel,
- Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur,
- Hinaus über grünende Hügel!
-
- Warum so still, wenn die Freude Dir lacht?
- Hast Du nicht dem Himmel vertraut?
- Und hat der beglückende Frieden in Dir
- Nicht gold'ne Palläste gebaut?
-
- Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl,
- Gekämpft und gesieget zu haben?
- Hast du in den niederen Gängen der Lust
- Die Hoffnung der Eltern begraben?
-
- Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht?
- Wenn himmlische Freuden Dir winken?
- Bald sollst Du an liebender Vaterbrust
- Die Wonne des Wiederseh'ns trinken!
-
- »Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht,
- »Wohl hab' ich dem Himmel vertraut;
- »Wohl hat der beglückende Frieden in mir
- »Die gold'nen Dächer gebaut;«
-
- »Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar
- »Der Aether in freundlicher Bläue,
- »Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all',
- »Mit Kränzen der Liebe und Treue:«
-
- »Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin,
- »Das innig und heiß mich durchglühte,
- »Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin,
- »Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.«
-
- »_Ach! süßer entfloh'n, und ich wußte es nicht,_
- »_Im Harren und Sehnen die Stunden,_
- »_Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,_
- »_Die Krone der Freude empfunden!_«
-
-
-
-
- Am 8. December.
-
-
- Sieh, wie buntes Schneegewimmel
- Spielet durch den öden Himmel,
- Und es heult der Stürme Wuth.
- Ob auch mit erstorb'nen Lilienwangen
- Die Natur im Schlummer ruht,
- Ist mir doch ein Frühling aufgegangen,
- Und (ich fühl' es an dem Wogen
- Dieser übersel'gen Brust)
- In mein frohes Herz gezogen,
- Reich an Blüthen, reich an Luft.
- War nicht heute, freudig tönt's die Laute,
- Beben's meine Saiten nach,
- War nicht heute jener frohe Tag,
- Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute?
- Ach, Geliebte, war's nicht heute?
- Wo ich, noch ein Knab', an Deiner Wiege saß,
- Und mein Lieblingsspiel vergaß,
- Und der Schwester königlich mich freute,
- Selig dir ins Auge blickte,
- Ja, und dreimal glücklich war,
- Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar
- Dir den Kuß der Bruderliebe drückte?
- Vierzehn Lenze sind geschwunden,
- Doch des Knaben Liebe nicht.
- Was ich damals schon empfunden,
- Fühl' ich noch in schönen Stunden,
- Wenn Dein sanftes Angesicht
- Treue Schwesterliebe spricht.
-
- Hätt' ich Hölty's Lautenklang,
- Ließe meine Saiten rauschen,
- Daß die Engel mir im Himmel lauschen,
- Säng' ich meinen schönsten Hochgesang:
- Nimmer würd' es mir gelingen,
- Meine Liebe Dir zu singen.
-
- Wandle froh und glücklich durch Dein Leben,
- Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn,
- Von den Engeln, welche Dich umschweben,
- Sei die Sanftmuth Deine Führerin.
- Unschuld, an der Liebe Hand,
- Leite Dich zum bessern Land.
- Ach, noch keinem Menschen war's verliehen
- Immer glücklich, immer froh zu sein!
- Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen,
- Wohl, so sei's im rosenfarbnen Schein,
- Und sie senk' in Freudenthränen sich
- In Dein stilles Leben nieder.
- Dann umlächle freundlich wieder
- Dein entwölkter Himmel Dich!
-
-
-
-
- Elegie
-
- auf den Tod meines Kanarienvogels.
-
-
- So bist auch Du des Todes Beute!
- O namenloser Schmerz!
- Auch Du, mein Glück und meine Freude,
- Das einz'ge treue Herz?
-
- Da liegst Du kalt und ohne Leben,
- Geliebtes Thierchen Du,
- Um Dein gesunk'nes Köpfchen schweben
- Die Thränen süßer Ruh'.
-
- Der frohe Lenz er kehret wieder
- Mit seiner Blüthenlust,
- Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder
- Aus Deiner frohen Brust.
-
- Sonst, wenn die warme Frühlingssonne
- Durch's offene Fenster schien,
- Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne
- In zarten Melodien.
-
-
-
-
- Meiner kleinen Schwester,
-
- an ihrem Geburtstage.
-
-
- Spiele, holde Kleine
- Mit dem gold'nen Sinn,
- Durch Dein Rosenleben,
- Spiele immerhin!
-
- Schöne Blumen blühen,
- Kleine, rings um Dich,
- Lilien und Rosen
- Duften rings um Dich!
-
- Holde Vöglein singen,
- Dir im Blüthenhain,
- Deine Sonne leuchtet
- Milden Purpurschein.
-
- Himmel steh'n Dir offen,
- Und herab zu Dir
- Schweben kleine Engel,
- Spielen gern mit Dir.
-
- Winden mit Dir Kränze.
- Deiner Locken Zier,
- Pflücken mit Dir Blumen,
- Freuen sich mit Dir.
-
- Rufen die Gespielen,
- Holde Kleine, Dir,
- Bleib', die Mutter weinet,
- Bleibe, Kind, bei ihr.
-
- Durch Dein Rosenleben,
- Mit dem Engelssinn,
- Mit dem frohen Herzen,
- Spiele immerhin!
-
- * * * * *
-
- Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde,
- An Blüthen hängt der Thräne Silberschein,
- Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde
- Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih'n.
- Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde,
- Es webt die Liebe nur die Blumen ein,
- Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, --
- Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet.
-
- Betritt es nun das künstliche Gebilde,
- Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß,
- Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde,
- Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß,
- Aus beiden weben sich die Lenzgefilde,
- Durch die Dein Engel Dich geleiten muß.
- Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen,
- Er wird sie Dir zu Diademen fügen.
-
- Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden,
- Das fern von Deinen Lieben Dich gequält.
- Doch Kronen sind der Dulderin gewunden,
- Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt.
- Nun stehst Du da in blühendem Gesunden,
- Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt,
- Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen
- Ist uns ein neues Leben aufgegangen.
-
- Schon wärmer strahlt die Sonn' am Firmamente,
- Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land
- Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende,
- Umschweben uns die Horen Hand in Hand.
- O daß der Lenz doch immer wiederfände
- Im Kreise, die die Liebe Dir verband!
- Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, --
- Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben.
-
-
-
-
- Nachtwächter-Lied.
-
-
- 1831.
-
- Hört, _Ihr Herrn und laßt Euch sagen_,
- Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen,
- Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht,
- Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht,
- Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht!
- Die Sternlein geh'n hinunter --
- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
-
- _Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_
- Viel hat sich im Alten zugetragen.
- Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut,
- D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut,
- Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut --
- Wer reißt uns das Fähnlein herunter?
- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
-
- _Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_
- Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht:
- Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus,
- D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus,
- Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus,
- Behütet den heiligen Zunder!
- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
-
- _Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_
- Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht,
- Das Haus umschleichet die Diebesbrut:
- Sie wollen uns stehlen das heilige Gut,
- Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut!
- Die Sternlein geh'n hinunter --
- Halloh, ihr Herrn, seid munter!
-
- _Und lobet Gott den Herrn!_
- Er sendet den Morgenstern!
- Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n,
- Und die Sternlein auf und nieder geh'n!
- Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe,
- Denn unser Gott thut Wunder --
- Halloh, ihr Herrn, seid munter!
-
-
-
-
-
-
- Es war mir heut' Abend so einsam, so leer,
- Als wenn ich von etwas geschieden wär';
- Mir war so betrübt, so wunderbar
- Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war;
- Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum;
- Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum,
- Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug
- Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug,
- Da blies fern, fern mit bebendem Ton,
- Ein uraltes Lied ein Postillon.
- Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt,
- Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt.
- Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an,
- Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan,
- Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht,
- Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht.
-
-
-
-
- Gruß an die Heimath.
-
-
- 1838.
-
- O was bewegt mir denn den warmen Busen,
- Und warum schlägt mir denn das Herz so laut?
- Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen,
- Nicht das Umfangen meiner lieben Braut.
- Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten?
- Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz?
- Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Läuten,
- Es sind ja Töne Deines Heimathlands.
-
- Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne
- Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut,
- Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne
- Die Grüße meines Herzens anvertraut.
- Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen,
- Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt,
- Fragt' ich die Wolken, die nach Süden zogen:
- Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?
-
- Und in der Pyrenäen Schreckensgründen,
- Auf des Pelargus schauerlicher Höh',
- Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden,
- Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh.
- Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen,
- Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor,
- Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen,
- Erzählten mir von meiner Liebe vor.
-
- Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen,
- Erneut sich alles Leid und alle Qual;
- Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen,
- Und keine Blume find' ich in dem Thal,
- Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden,
- Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim --
- Kaum hat mich Einer hie und da verstanden:
- Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim.
-
- Nur eins mißlang den finsteren Gewalten:
- Von allem, was das Leben mir zerbrach,
- Hab' ich doch meine Harfe noch behalten,
- Und manches Lied, das mir am Herzen lag.
- Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen,
- Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand;
- Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen;
- Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!
-
- So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern,
- Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund.
- Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern,
- Und währe nicht geschwätz'gem Dichtermund!
- Mir ist als würd' ich von des Lebens Schaudern,
- Von all dem Weh mit einemmal gesund,
- Als könnte mit dem wunderbaren Klingen
- Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen.
-
- So ist's, schien einmal Dir mit Morgenröthen
- Das Ideal tief in die Brust hinein,
- So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tödten;
- Und bist Du elend, gramvoll und allein,
- Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken,
- Du siehst's verklärt in rosenfarb'nem Schein,
- Auf sonn'gen Höh'n weht seine heil'ge Fahne,
- Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.
-
-
-
-
- Mein Engel.
-
-
- Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land,
- Da hab' ich krank gelegen,
- Da that mich keine liebe Hand
- In meinem Fieber pflegen.
-
- Bei Nacht im dunkeln Krankensaal
- Hob ich die schwachen Hände
- Und bat, daß Gott mir endlich 'mal
- Den Todesengel sende.
-
- Der thät wohl auf und ab mit Ruh'
- Von Bett zu Bette wandern,
- Drückt hier und da die Augen zu
- Dem einen wie dem andern.
-
- Das meine ward -- ich war so froh --
- Von Tag zu Tage trüber,
- Doch ging an meinem Bett von Stroh
- Der Engel stets vorüber.
-
- Wie gern ich auch die matte Hand
- Ihm hingegeben hätte,
- Ein and'rer Bote Gottes stand
- An meinem Krankenbette.
-
- Er trocknet mit dem weißen Tuch
- Den Schweiß von meinen Wangen,
- Und hielt mir hin den irdnen Krug,
- That ich den Trunk verlangen.
-
- Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer
- Im stillen Kampfe neigte;
- Es war ja Niemand um mich her,
- Der mir den Dienst erzeigte.
-
- Hat mir erzählt gar lieb und gut
- Von meinem Heimathlande,
- Als ich in einer Fiebergluth
- Der Mutter Namen nannte.
-
- Ich hab' den Engel nicht geseh'n,
- Und Niemand konnt' ihn schauen,
- Doch muß ich seit dem Aufersteh'n
- Auf seine Vollmacht bauen.
-
-
-
-
- Sehnsucht nach dem Tode.
-
-
- Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,
- Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.
- So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,
- Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.
- Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,
- Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;
- So herzlich grüß' ich einst mit bleichem Munde
- Den stillen Engel meiner letzten Stunde.
-
- Ich schmäh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse:
- Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;
- Glaub' nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,
- Weil's mich belügend sein Versprechen brach,
- Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,
- Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.
- Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten --
- Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden.
-
- Das Leben ladet uns zu frohen Festen,
- Den Bettler wie den König allzumal,
- Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,
- Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;
- Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,
- Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal,
- Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,
- Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.
-
- Und wie sie zu Accorden sich gestalten,
- Da wird's Dir weh um's Herz, fühlst Dich allein,
- Und lauschest durch entzückend helle Spalten,
- Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein,
- Sich einen strahlenden Palast entfalten,
- Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n;
- Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,
- Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.
-
- Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,
- Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,
- Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,
- Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.
- Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,
- Und eine Brust war drunter eingewiegt.
- Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!
- Eil' hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.
-
- Sieh, darum lieb' ich dieses arme Leben,
- Weil's mir die Aussicht auf ein höh'res gibt,
- Ich dank' ihm, weil's die Ahnung ihm gegeben:
- Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.
- Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,
- Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,
- Und klopf' ich heimlich an die Gruft der Väter
- Mit müdem Finger an die morschen Bretter.
-
- Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen
- Zum Raub', es gibt Dir nichts an ihrer Statt;
- Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,
- So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;
- Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,
- Verspricht's Dir, was es nicht zu geben hat;
- Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:
- Sieh', darum möcht' ich gerne von ihm scheiden.
-
- Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,
- Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:
- Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,
- Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,
- Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde
- Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih'st;
- Dann magst Du mir die müden Augen schließen,
- Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.
-
- Tröst' das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,
- Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.
- Sag' meinen Schwestern, daß in stiller Kammer
- Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;
- Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer
- Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,
- Sieh aus dem Fenster ohne Thrän' und Klagen,
- Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.
-
-
-
-
- Reliquie eines Verschollenen.
-
-
- Es gibt geheime Schmerzen,
- Sie klaget nie der Mund,
- Getragen tief im Herzen,
- Sind sie der Welt nicht kund;
- Es gibt ein heimlich Sehnen,
- Es scheuet stets das Licht;
- Es gibt verborg'ne Thränen,
- Der Fremde sieht sie nicht.
-
- Es gibt ein still Versinken
- In eine inn're Welt,
- Wo Friedensauen winken,
- Vom Sternenglanz erhellt;
- Wo auf gefall'ne Schranken
- Die Seele Hoffnung baut,
- Und jubelnd den Gedanken
- Den Lippen anvertraut.
-
- Es gibt ein still Vergehen,
- Ein stummer öder Schmerz,
- Und Niemand darf es sehen,
- Das schwer gepreßte Herz.
- Es sagt nicht, was ihm fehlet,
- Und wenn's im Harme bricht,
- Verblutend und zerquälet,
- Der Fremde sieht es nicht.
-
- Es gibt ein sanfter Schlummer,
- Wo süßer Frieden weilt,
- Wo stille Ruh' den Kummer
- Der müden Seele heilt. --
- Doch gibt's ein schöner Hoffen,
- Das Welten überfliegt:
- Da, wo am Herzen offen
- Das Herz voll Liebe liegt.
-
- * * * * *
-
- Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken,
- Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh'n:
- Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken,
- Gleich Todten in Kapellen, aufersteh'n.
- Drin seh' ich Heil'ge, die mir längst versanken,
- Einher im Geisterlicht des Mondes geh'n;
- Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren
- Mein Engel an verfallenen Altären.
-
- Ich höre Töne, lange nicht gekannte,
- So lieblich, Stimmen gleich im Paradies,
- Doch frag' ich, wer mir aus dem Zauberlande
- Die Himmelstöne wiederkehren ließ?
- Und frug ich jene Heil'ge, wer sie sandte?
- Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß?
- Die Traumgedanken all', woher sie kamen?
- Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen.
-
- Ach, jene Tön', aus Aether zart gewoben,
- Belauscht' ich einst mit hochentzücktem Ohr;
- Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben,
- Schwang meine Psyche selig sich empor:
- Da griff mich eine Riesenfaust von Oben,
- Hinab mich schleudernd, den verweg'nen Thor,
- Hinunter, wo sich ächzend und erblindet,
- Tellurisches Gewürm im Staube windet.
-
- Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen,
- Und Bettler sollen auf Dich niederseh'n,
- Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen,
- Im Kreis des menschlichen Getriebes geh'n,
- Und nimmer in dem gold'nen Buche lesen,
- Wo Deiner Träume süße Bilder steh'n;
- Was Du gesä't mit kindischem Begreifen,
- Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen.
-
- Da faßte mich wahnsinniges Verirren,
- Der Geist vergaß die knechtische Geduld,
- Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren,
- Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld;
- Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren,
- Von Tod und Leben fordert' ich die Schuld:
- Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben
- Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben.
-
- So kehrt' ich denn zur fernen Heimath wieder,
- Und fragte nach dem früh verlor'nen Pfad,
- Da, wo im Kindergarten fromme Lieder
- Sein erst' Gefühl mein Herz gestammelt hat,
- Bückt' mich zum Sande, wo ich spielte, nieder,
- Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat,
- Und sucht' aus Asche von erstorb'nen Flammen
- Mit warmen Thränen meine Welt zusammen.
-
- Da trat'st Du zu mir, nach so langem Meiden
- Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland,
- Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten,
- Und meinen Heiligen ihr Meßgewand,
- Gabst mir das alte Spiel der gold'nen Saiten,
- Die Kelle meinem Engel in die Hand,
- Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder,
- Und neue Ahnung zeugte neue Lieder.
-
- * * * * *
-
- Was treibt mich hin zu Dir mit Macht?
- Was gab mich Dir zu eigen?
- Was hast Du in mir angefacht,
- Das ich Dir muß verschweigen?
- Ach, was zu Dir mich zieht,
- Kein Name nennt's, kein Lied,
- Und Töne können's nicht bekunden,
- Doch ewig hat's mich Dir verbunden.
-
- Und Deiner Stimm' und Deinem Wort,
- Wer gab ihm die Gewalten,
- An meines Herzens tiefsten Ort
- Gebieterisch zu schalten? --
- Mich reißt's mit trunk'nem Sinn
- Zu Deinen Füßen hin.
- Darf's auch mein Auge nicht bekunden,
- Doch ewig hat mich's Dir verbunden.
-
- Ich wünsch' es mit geheimer Lust,
- Und fürcht' es doch zu sagen,
- Wie lieb ich Dich in meiner Brust
- Seit Monden schon getragen.
- Verschmähtest Du mein Herz,
- Verging's im stummen Schmerz,
- Es liebte Dich mit tausend Wunden,
- Und ewig blieb es Dir verbunden.
-
-
-
-
- Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters.
-
-
- Ich habe geschlafen,
- Ein Kindlein süß,
- Und habe geträumt
- Vom Paradies,
- Und habe geträumt
- Vom himmlischen Spiel,
- Und habe geseh'n
- Der Engel viel.
-
- Und einen mit langem
- Gelockten Haar,
- Der nahe dem Vater
- Zur Rechten war.
- Der hatte ein Auge
- So mild und fromm,
- Und sprach so freundlich:
- »Mein Kindlein komm!«
-
- Es sind die Kindlein
- Mir immer fern,
- Für wen Du bittest,
- Den segn' ich gern!
- Ich schlug in die Hände
- Und bat: Papa!
- Und darauf erwacht' ich,
- Und Du warst da.
-
-
-
-
- Die Waldmühle.
-
-
- Was rauschet dort unter des Waldes Eichen?
- Ein Gießbach ist's mit geschwätzigem Mund,
- Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen,
- Die Mühl' im blumigen Wiesengrund.
- Da treibet des Wassers Stärke
- Bei Tag und bei Nacht die Gewerke;
- Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt,
- Schwerfällig das Mühlrad seine Last.
-
- Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile,
- Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald
- Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile,
- Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt,
- Und sieht im Mondschein die Wogen
- Zerstieben in glänzendem Bogen.
- Doch kommt er näher, da faßt's ihn an,
- Ein leises Grauen den Wandersmann.
-
- Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen
- Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
- Da hört' er mit lieblicher Stimme singen,
- Wie Geister tief unten im feuchten Grund.
- Drauf sieht er mit eignen Augen
- Einen Arm aus den Wellen tauchen.
- Und ziehet heim, von Gedanken schwer,
- Und erzählet Niemand die schaurige Mähr'.
-
- Ein Töchterlein einst von wenig Jahren,
- Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt,
- Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren,
- Es war ihm vom Himmel an's Herz gelegt.
- Das spielt' einst in friedlichen Träumen
- Ganz nah, wo die Wogen schäumen,
- Und pflückte sich duftende Blümchen ab
- Am Rande vom tobenden Wellengrab.
-
- Und wie es sich bückt, zieh'n fremde Gewalten
- Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh'n,
- Und die Himmlischen können's nicht mehr halten,
- Und es sinket hinab, und es ist gescheh'n!
- Schon wälzet das Mühlrad die Speiche
- Zermalmend über der Leiche,
- Und siehe, des Kindes purpurnes Blut
- Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth.
-
- Dort, wo sich die Räder brausend schwingen,
- Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
- Wo's der Wandrer höret so lieblich singen,
- Wie Geister tief unten im feuchten Grund,
- Ist des Waldmüllers Kind begraben,
- Das die Räder zermalmet haben,
- Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht,
- Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht.
-
- Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde:
- »Lieb' Vater, lieb' Mutter, was weinst Du so sehr?
- »Hier unten ist's freundlich, ist kühler wie Erde,
- »Lieb' Vater, lieb' Mutter, o weine nicht mehr!«
- Den Müller faßt es mit Grausen,
- Wenn er höret die Stimme draußen.
- In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind,
- Da singt das ertrunkene Müllerkind.
-
-
-
-
- Schweizers Sehnsucht.
-
-
- O wer kühlt dies bange Sehnen,
- Das mich glühend heiß erfüllt,
- Und in stille warme Thränen
- Meine matten Augen hüllt?
- Nicht mehr kann ich sie verhehlen
- Diese Schmerzen, die mich quälen,
- Die sich ewig mir erneu'n.
-
- Wenn die junge Morgenröthe
- Freundlich von dem Himmel lacht,
- Hab' ich einsam, still und öde,
- Eine bange Nacht durchwacht,
- Und der erste Purpurschimmer
- Hat den süßen Frieden nimmer
- In des Schweizers Brust gesandt.
-
- Ach, ein Land nenn' ich mit Zähren,
- Wo der Morgen schöner brennt,
- Auf der Alpen Hochaltären,
- Am entflammten Firmament;
- Wo die Andacht Blicke feuchtet,
- Wenn die große Fackel leuchtet,
- In der Morgenröthe Gluth.
-
- Jene Höh'n, wo seit Aeonen
- In der Ewigkeiten Schooß',
- Jungfrau und Sanct Gotthard thronen,
- Der am Morgen, herrlich groß,
- Es der Erde froh verkündet,
- Daß die Opfer angezündet
- Frommen Dankes für den Herrn.
-
- Wo der Aar in reinern Lüften
- Kühner seine Schwingen hebt,
- Ueber bodenlosen Klüften
- Ungewohnt der Wandrer bebt,
- Wo von friedlich stillen Matten,
- Bei des Abends kühlem Schatten,
- Heerden mit Geläute zieh'n.
-
-
-
-
- Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen
-
- (von Hessen-Kassel).
-
-
- 1838.
-
- Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten
- Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau'n,
- Durch eine Brust, wo höhere Gewalten
- Der Poesie die lust'gen Zelte bau'n.
- Und wenn des Schicksals Händ' ein Herz zerspalten,
- Und wenn die Engel d'rin im Fenster schau'n,
- Ist's allemal ein Herz, das unter Bangen
- Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen.
-
- Doch was ergreift das Lied mit mächtiger'm Tone,
- Als jene weithin leuchtende Gewalt,
- Die majestätisch stolz dem Fürstensohne
- Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt?
- Als jenes Wort, das von erhab'nem Throne
- Wie Blitz durch Vaterlandes Thäler hallt?
- Als jene Hand, von deren sanftem Winken
- Die Segnungen des Friedens niedersinken?
-
- Denn Engel in den lichten Bäumen weben
- Mit frommen Händen eines Königs Kleid,
- Und droben, über allem ird'schen Leben,
- Wird von dem Herrn der Fürsten Haupt geweiht.
- Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben
- Wie Genien die Ideen der Heiligkeit,
- Und Gott, damit des Frevlers Blick entkräftet,
- Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet.
-
- Doch Du, den schüchtern meine Worte nennen,
- So nah' mein Herz auch Deinem Throne ist,
- Wie muß für Dich nicht die Begeist'rung brennen,
- Daß Du mein Fürst und mein Gebieter bist;
- Ein Land, das meine Kinderspiele kennen,
- Ein Volk, das seine Treue nicht vergißt,
- Und Thäler blüh'n um Deines Thrones Stufen,
- Wohin mich Lieb' und Pflicht zurückgerufen? --
-
- Vom Baierland, der hohen Röhn entwunden,
- Zieht stolz die Woge Deinem Schloß vorbei,
- Und wieder, mir der Schwester treu verbunden,
- Als ob es Beiden leid zu scheiden sei,
- Hat sie alsbald Dein schönes Land gefunden,
- Und üpp'ger Segen, wie ein stolzer Mai,
- Begleitet sie, wo auf die reichen Auen
- Der Pagenburg Ruinen niederschauen.
-
- Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte,
- Und der Kastal'sche Quell, der Marburg grüßt,
- Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande,
- Die Welle, die auf gold'nem Grunde fließt,
- Und jener Strom, an dessen Blüthenstrande
- Die Winzer singen und die Rebe sprießt,
- Sie zieh'n dahin mit träumerischen Grüßen,
- Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Füßen.
-
- Aus Deinen waldigen Gebirgen dröhnen
- Sturmwinde tausendjährigen Gesang,
- Der seit den kräftigen Cheruskersöhnen
- Durch alle vaterländ'schen Wälder drang.
- Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tönen, --
- Es ist der Volkesliebe mächt'ger Klang,
- Von dessen weithin brausenden Chorälen
- Sie jetzt noch drüben über'm Rhein erzählen.
-
- Wie Du da stehst in kräft'ger Jugendfülle,
- Von sechs und dreißig Lenzen ausgeschmückt,
- Von denen jeder in geweihter Stille
- Mit einer Tugend Deinen Geist beglückt,
- Und jeder seiner jugendlichen Hülle
- Sanft eine neue Schönheit aufgedrückt!
- Und so erhalte Dich in langen Jahren,
- Der hoch gebietet über heil'ge Schaaren.
-
- Wie du mit Weisheit sätest, also mächtig
- Entsprieße nun die dunkel gold'ne Saat,
- Und fruchtbeladen schatte segenskräftig
- Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad!
- So oft durch Deine Berg' und Thäler prächtig
- Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht,
- So bring' er, wie des Orients Gesandten,
- Des Glückes Gaben Dir aus Himmelslanden!
-
- Und könnt' ein Irrthum Dir die Liebe rauben,
- Dir sagt's Dein Muth, daß Du gefürchtet wirst.
- Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben,
- Stehst Du ein jugendlicher Trojafürst.
- Doch wenn Du Liebe und Vertrau'n als Tauben
- An Deinen königlichen Wagen schirrst,
- So wirst Du unter siebenfarb'nem Bogen,
- Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen.
-
- Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen,
- Die Worte hat der Sänger nicht bewacht,
- Ein treu Gedächtniß hat er's unverdrossen
- Mit zagendem Gemüthe dargebracht;
- Hat's willenlos sich aus der Brust ergossen:
- So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht.
- Mein Fürst! frag' nicht, woher die Töne kamen,
- Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen.
-
-
-
-
- Mein Wunsch.
-
-
- Ich wollte, ich hätte ein Häuschen im Thal,
- Und nahe dabei eine Mühle,
- Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl,
- Mit kreisendem Rade im Spiele,
- Ein Gärtchen mit Bäumen und Blumen dazu,
- Mit Tischen und Bank eine Laube,
- Und vor mir die Birnen im Abendroth
- Beim göttlichen Nectar der Traube.
- Dann neben mir Rosen und, vernünftig und treu,
- Einen Freund an der traulichen Stätte,
- Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei,
- Das wäre, so wie ich's gern hätte.
-
-
-
-
- Die letzte Rose.
-
-
- Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?
- So strahlend, hell in jugendlichem Roth?
- Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,
- Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.
- Wird doch mein eig'nes Haupt zur Stunde müder,
- Um meine Wange haucht der frühe Tod.
- Was mit mir lebt' und blühte, sank darnieder,
- Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.
-
- Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen
- So oft beim frühen Strahle mir geküßt?
- Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,
- Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?
- Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,
- Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?
- Komm einmal noch, eh' meine Blätter sinken,
- Die letzte Lieb' aus meinem Kelch zu trinken.
-
- Wo bist Du schnee'ge Jungfrau, Nievermählte,
- Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,
- Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,
- Was tief mir im geheimen Busen quillt?
- O wenn die Blume keine Freundin wählte,
- Gäb's Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?
- Gäb's Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,
- Wenn Lieb' und Freud' in ihrem Kelche weilte?
-
- Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,
- Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?
- Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen
- Verstandest Du mein Lieben und mein Leid.
- Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,
- Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid'.
- Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.
- Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?
-
- Euch sei die letzte Thräne hingegossen,
- Die auf dem welken Blatte sich noch hält,
- Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,
- In meinem Innern trag' ich eine Welt,
- Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,
- Mit mir hinab in's Reich des Todes fällt.
- Die Rose mag, von Lieb' und Lied verlassen,
- Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.
-
- Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,
- Er bricht hervor in unbarmherz'ger Wuth.
- Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,
- Der Paladin, in dem die Rose ruht.
- Wie? stamm' ich nicht aus königlichem Schooße?
- Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut
- In meiner Adern zierlichen Geweben,
- Die noch kein Vater wieder hat gegeben?
-
- Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,
- Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!
- Eh' grausam mich entblättert Sturm und Regen,
- Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!
- So wird entzückend mich der Traum bewegen,
- Daß ich die schwesterliche Lilie fand.
- Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,
- Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.
-
-
-
-
- Sonett.
-
-
- Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe?
- Wohl, _Dir allein_ gehören diese Zeilen.
- Vertrau' ich gern doch dem Sonett zuweilen
- Die heimlichen und die enthüllten Triebe.
-
- Doch mein' ich, daß es unvollkommen bliebe,
- Je mehr ich auch an dem Sonette feile. --
- Daß ich Dir lieber in die Arme eile
- Mit einem Kusse meiner Bruderliebe.
-
- Wohl geht's mir öfters so mit solchen Dingen,
- Die ich im Liede nimmer sagen mag,
- Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag
-
- Wie angeboren meine Brust durchdringen.
- Sie klingen ewig mir im Herzen nach,
- Und doch kann ich sie nicht im Liede singen.
-
-
-
-
- Sonett.
-
-
- So eilst Du denn der Königsstadt entgegen,
- Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen,
- Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen,
- Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen?
-
- Wo die Empfindung fremde Stempel prägen,
- Wo Deines Vaterlandes Klänge schweigen,
- Wird sich Dein Herz empfänglich für sie zeigen?
- Und bleibt es treu den heimathlichen Schlägen?
-
- O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren,
- Und trübe war, was auch Dir blühen mag,
- Ich weiß es, Deiner Jugend Frühlingstag.
-
- Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach,
- Und bitten zu des Himmels heil'gen Schaaren,
- Daß sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren.
-
-
-
-
- Die Johannisblume.
-
-
- Mein Leben glich einer Blume,
- Dran hing manch schöner Tag,
- Und jeder Tag war ein Blättchen, --
- Bis das Schicksal die Blume brach.
- Es pflückte meine Blättchen
- Eins nach dem andern ab.
- »Sieh her, ob Dir Dein Mädchen
- »Die Liebe wieder gab:
- »Sie liebt Dich,
- »Sie liebt Dich nicht,
- »Sie liebt Dich,
- »Sie liebt Dich nicht,
- »Sie liebt Dich doch.«
- O mein Geschick, wie dank ich Dir!
- Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir?
- Nun steht mein Leben kahl und leer,
- Kein Blättchen hat meine Blume mehr.
-
-
-
-
-
-
- In der Ferne
- Wohnt mein Glück,
- Wie der Sterne
- Gold'ner Blick.
- In der Ferne
- Wohnt mein Schmerz,
- Ringt zum Sterne
- Himmelwärts.
-
- In der Ferne
- Wohnt ihr Bild,
- Und die Sterne
- Grüßen's mild.
- In der Ferne
- Wohnt mein Leid,
- Sagt's ihr, Sterne:
- Lieb' verzeiht.
-
- In die Ferne
- Schaut' ich oft,
- Hab' zum Sterne
- Treu gehofft.
- Weit und ferne
- Wohnest Du,
- Ueber'm Sterne,
- Meine Ruh'.
-
- In der Ferne,
- Dort und hier
- Lieb und gerne
- Bist Du mir.
- Lieb und gerne
- Du allein,
- Ueber'm Sterne,
- Wirst Du mein.
-
-
-
-
- Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg,
-
-
- am 18. Mai 1839.
-
- An Deiner Wiege standen höh're Boten,
- Ein jeder mit Geschenken für Dein Leben.
- Sie schürzten den geheimnißvollen Knoten;
- Dich sanft berührend mit den Zauberstäben,
- Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen,
- Mit Schönheit Deine Glieder zu umschweben,
- Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele
- Geschmückt mit einem himmlischen Juwele.
-
- Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben,
- Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nächten;
- Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben,
- Und eine Vollmacht trug er in der Rechten,
- D'rin war Dein künftiger Beruf geschrieben:
- In eine Krone Blumen einzuflechten.
- Die Vollmacht schloß er sammt dem heil'gen Worte
- Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. --
-
- Einst gab ein Fürst, umbraust von Sturm und Wetter,
- Die Zügel seinem jugendlichen Sohne,
- Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Götter,
- Stieg er empor zum väterlichen Throne.
- Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter,
- Lieb' und Bewund'rung wurden ihm zum Lohne, --
- Doch einsam, unter'm Fürstenstern verborgen,
- Trug er sein Glück, sein Lieben und sein Sorgen.
-
- Da kamen still in Deines Herzens Grunde
- Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten,
- Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde:
- An uns'res Fürsten Seite mild zu walten,
- Mit ihm vereinigt zu dem ew'gen Bunde,
- In Liebe neu sein Leben zu gestalten.
- Du folgtest muthig jenem heil'gen Rufe,
- Trat'st gottvertrauend zu des Altars Stufe.
-
- Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet,
- Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten,
- Und still gewärtig jedes Ohr ihm lauschet,
- Sind's Deine Blicke, die es sanft begleiten;
- Und wenn das Volk vom Fürsten Liebe lauschet,
- Dann bist Du freudelächelnd nahe Beiden,
- Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben,
- Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben.
-
- Und heute wieder ist der Tag erschienen,
- Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden.
- Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen,
- Die hehren Boten aus dem Himmel standen:
- So grüßen jetzt Dich mit holdsel'gen Mienen
- Geliebte Pfänder segensvoller Banden,
- Und über dem erlauchten Haupte weben
- Wie einst Gestirne Dein zukünft'ges Leben.
-
- D'rin ist kein Schmerz, d'rin waltet keine Klage,
- Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen.
- Wenn um des Fürsten Bild doch späte Tage
- Die Lorber seines Ruhmes prächtig schlingen,
- Wird in dem Vaterland der Enkel Sage
- Das fromme Lied von Deinem Namen singen.
- Denn was da lebt in eines Volks Gemüthe,
- Das lebt unsterblich fort in seinem Liede.
-
- Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen
- Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gießen,
- So wehr' ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen)
- Das anspruchlose Spiel zu Deinen Füßen.
- Doch frag' die Töne nicht nach meinen Schmerzen,
- Wenn sie Dich huldigend, bescheiden grüßen.
- Mein Lied darf kühn um Deine Blicke werben, --
- Des Dichters Leid muß mit dem Dichter sterben.
-
-
-
-
- An Betty
-
- nach der Flucht ihres Kanarienvogels.
-
-
- O gebiete Deinen Thränen
- Und erheit're Deinen Blick,
- Denn es führt kein banges Sehnen
- Deinen Flüchtling Dir zurück.
-
- Deine Liebe so zu lohnen,
- Mochte freilich treulos sein,
- Doch die Schuld wird dem Entfloh'nen
- Gern Dein Edelmuth verzeih'n.
-
- Sieh', wie's draußen in den Auen
- Dort und dort so freundlich wird,
- Und wie lieblich in den blauen
- Höhen schon die Lerche schwirrt.
-
- Sieh nur, wie die Knospen schwellen,
- Wie das Leben neu erwacht,
- Wie aus den enteisten Wellen
- Uns der Lenz entgegen lacht.
-
- Hat Dir nie in solchen Tagen,
- Wenn der Frühling aufgeblüht,
- Schneller auch Dein Herz geschlagen,
- Wärmer Deine Brust geglüht?
-
- O dann richte nicht zu strenge,
- Denn auch ein Kanarienherz,
- Glaube mir, ist nicht zu enge
- Für der Sehnsucht bangen Schmerz.
-
- Denke Dir den armen Kleinen,
- Male Dir sein hartes Loos:
- Fern von den geliebten Seinen,
- Schmachtend, seufzend, hoffnungslos!
-
- Und nun schwebt der Lenz hernieder;
- Draußen in der freien Welt
- Rufen tausend frohe Brüder,
- Die kein enger Käfig hält.
-
- Schon verschwunden war sein Hoffen,
- Ach! bis jetzt sein einz'ges Glück, --
- Ha! da blieb das Thürchen offen, --
- O, ersehnter Augenblick!
-
- Freundlich, in der Freiheit Schooße
- Winkte Wonne, winkte Lust,
- Und es reifte jener große
- Entschluß in der kleinen Brust.
-
- O, nun konnt' er freudig singen,
- Hüpfend bald von Baum zu Baum,
- Bald die ungewohnten Schwingen
- Übend in dem freien Raum.
-
- Doch, wie kurz war nur die Freude!
- Als das junge Morgenroth
- Purpur auf die Fluren streute,
- Fand es ihn erstarrt und todt.
-
- Ach! und Wald und Flur vereinte
- Sich zur Trauer und zum Harm,
- Jedes kleine Hälmchen weinte
- Eine Thräne, hell und warm.
-
- 's ist gescheh'n! Er ist geschieden!
- Seine zarte Stimme schweigt,
- Und hinab zum ew'gen Frieden
- Ist das kleine Haupt geneigt!
-
- Drum gebiete Deinen Thränen,
- Und erheit're Deinen Blick,
- Denn es führt kein banges Sehnen
- Deinen Liebling Dir zurück!
-
-
-
-
- Worte,
-
- gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem
- Wimez'schen Institute aufführten.
-
-
- Aengstlich treten wir und schüchtern
- In der Muse Tempel ein,
- In der Göttin Heiligthume
- Den bescheid'nen Kranz zu weih'n.
-
- »Welch gewagtes Unternehmen!
- Kränze von so kleiner Hand,
- Die ein Chor von kühnen Mädchen
- Am Altar der Künste wand!«
-
- O verzeiht, auf Eure Güte
- Hat das bange Herz vertraut,
- Und auf Eurer Milde gläubig
- All sein Hoffen aufgebaut.
-
- Hebt auch schüchtern und mit Zagen
- Sich empor der scheue Blick,
- Gern vertraut die Seele wieder,
- Und die Hoffnung kehrt zurück.
-
- Darum täuschet, Ihr Geliebten,
- Nicht dies kindliche Gefühl!
- Muthig haben wir gerungen
- Nach dem heiß ersehnten Ziel.
-
- Und verkündet Euren Beifall
- Nur ein Lächeln, sauft und leicht,
- O dann ist ja tausendfältig
- Dieses schöne Ziel erreicht.
-
- Wo der Seligkeiten höchste,
- Wo nur Dank und Freude wohnt,
- Wo mit diamant'nen Kronen
- Euer Beifall uns belohnt.
-
-
-
-
- Gesang der Sterne.
-
-
- Wir ziehen über Berg und Thal
- Und über's weite Meer;
- Wir ziehen über Menschenqual
- Und Menschenglück daher.
-
- Wir kennen, was in stiller Brust
- Sich vor der Welt verhüllt,
- Und was mit namenloser Lust
- Ein einsam Auge füllt.
-
- Und wenn der Schmerz die Seele quält,
- Wir geben ihr die Ruh',
- Und wenn die Lieb' ihr Glück erzählt,
- So hören wir ihr zu.
-
- Wir schau'n auf manches kühle Grab,
- An dem ein Mensch sich härmt,
- Und schimmern in die Laub' hinab,
- In der die Liebe schwärmt.
-
- Wir reden mit dem Gram und sind
- Stets mit dem Kummer wach;
- Die Thräne des Entzückens rinnt
- Gern unter unserm Dach.
-
- Wir schlingen in den luftigen Höh'n
- Den stillen frohen Reih'n,
- Und scheinen Ruh' und Wiederseh'n
- In jedes Herz hinein. --
-
-
-
-
- Der Liebe Sehnen.
-
-
- (Einer andern Melodie untergelegt.)
-
- Wer deutet mir dies bange Sehnen,
- Das mir so warm im Herzen glüht,
- Das nur nach Dir mich ewig zieht,
- Und oft das Auge füllt mit Thränen?
- Verschwunden ist mein froher Sinn,
- Mein gold'ner Frieden ist dahin.
-
- Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker
- Voll Schmerz und doch voll süßer Lust!
- Was pochst Du an die enge Brust
- So bang und ängstlich immer stärker?
- Könnt' ich zerbrechen, was mich hält,
- Und eilen in die freie Welt!
-
- Dir möcht' ich stets in's Auge seh'n
- Und in Dein Antlitz, engelrein;
- Wie selig, selig muß es sein,
- In Deinem Anschau'n einst vergeh'n,
- Und flieh'n im fessellosen Lauf
- Vom Himmel zu dem Himmel auf.
-
- Dort zu den Sternen ew'ger Liebe
- O könnt' ich schwingen mich empor,
- Und suchen in der Welten Chor
- Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe!
- Ach, selbst die Unermeßlichkeit
- Ist für mein Sehnen nicht zu weit.
-
- Ich seh' den Frühling niederschweben.
- Heran mit Deiner Blüthenlust,
- Heran an meine enge Brust,
- Du Lenz mit Deinem jungen Leben!
- Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz
- Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz.
-
- Ihr Nachtigall'n im Blüthenhaine,
- Ihr Fluren im verjüngten Grün,
- Ihr Blumen, die so freundlich blüh'n,
- O sagt es mir, warum ich weine?
- Warum, seitdem ich _sie_ erblickt,
- Kein Frieden meine Brust beglückt?
-
-
-
-
- Veilchenstrauß.
-
-
- Kauft, schöner Herr, die Veilchen!
- Zwei Kreuzer gebt ihr mir!
- Ich steh' ein langes Weilchen
- Bereits vergebens hier.
-
- Mein Vater liegt im Grabe,
- Meine Mutter liegt im Grab.
- Herr, für die kleine Gabe
- Kauft mir die Veilchen ab!
-
- Geh, kleine Dirne, raff' Dich!
- Die so viel Geld begehrt!
- Das Sträußchen ist wahrhaftig
- Kaum einen Kreuzer werth.
-
- Aß heut' noch keinen Krumen,
- Und, Herr, mich hungert sehr.
- D'rum nehmt sie, nehmt die Blumen!
- Gebt mir den Kreuzer her.
-
- Das Mädchen gab die Veilchen, --
- Da fiel 'ne Thräne darauf --
- Der Herr, der nahm die Veilchen,
- Die Thräne mit in Kauf.
-
- Und wie er kommt nach Hause --
- 's ist kaum 'ne Stunde her --
- Da blühet an dem Strauße
- Kein einzig Veilchen mehr.
-
- Die Farben, die sie trugen,
- Sie sind verwelkt und blaß.
- Er will den Duft versuchen, --
- Da sind die Veilchen naß.
-
- Da faßt's ihn erst mit Leide,
- Und d'rauf unheimlich an,
- Er legt den Strauß bei Seite,
- Sieht nie ihn wieder an. --
-
-
-
-
- Tag der Vereinigung.
-
-
- Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze,
- Der mir das Kleinod meines Lebens bringt?
- Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze
- Das theure Haupt der Einzigen umschlingt?
- Wann wirst Du mir, Du sel'ger Tag gewähren,
- Was meine heiße Liebe lang' ersehnt?
- Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren,
- Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt?
-
- Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens!
- Du Sohn des Himmels, wann begrüß' ich Dich?
- Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens,
- Wann schüttest Du das Füllhorn über mich?
- Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore
- Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad?
- Wann öffnest Du mir jene gold'nen Thore,
- Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht?
-
- Wann wird der Seelenbund geheiligt werden?
- Wann werd' ich, Vater in den ew'gen Höh'n,
- Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden,
- Vor Deinem heiligen Altare steh'n?
- Dich bittend: segne Deine frohen Kinder,
- Laß über ihrem Glück Dein Auge sein!
- Wann wird, Allmächt'ger, Deines Worts Verkünder
- Das ird'sche Bündniß durch den Himmel weih'n?
-
- Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen,
- Wo die Gebete mit dem frommen Lied
- In großen Tönen zu dem Himmel wallen,
- Wo Glück und Schmerz, und Lieb' und Buße kniet, --
- An heil'ger Stufe, wo in sanftem Weinen,
- Der Knab' einst seinen Glauben aufgebaut,
- Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen,
- Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut?
-
- Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen!
- Denk' ich an Dich, bin ich ein sel'ges Kind.
- O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen
- Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind.
- Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen,
- Der fernen Sehnsucht den geduld'gen Schmerz.
- Komm, sel'ger Tag, mit Deinen gold'nen Kronen,
- Schütt' Deine Himmel in mein glücklich Herz. --
-
-
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-
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- Siehst Du, wo im Abendgolde
- Feurig dort die Berge glüh'n,
- Wo im stillen Aether holde,
- Leuchtende Gewölke zieh'n,
- Dort liegt der ersehnte Strand,
- Meiner Liebe Vaterland.
-
- Und wo auf den fernen Hügeln
- Dort ein Traum der Wehmuth liegt,
- Wo die Taub' auf weißen Flügeln
- Schwebend sich im Azur wiegt, --
- Hinter dem Gebirge weit,
- Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid.
-
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-
- Der Bürgergardist.
-
-
- Seht dort den Mann mit Waff' und Wehr!
- Er schreitet so männlich und fest einher;
- Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm,
- Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild,
- Er schaut so ernst, er schaut so mild,
- Als trüg' er's im Herzen groß und warm.
-
- Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That
- So einfach im Schmucke nie einen Soldat?
- Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann?
- »Mir blühet ein einfach und schönes Loos,
- »Still herrscht meine Königin, heilig und groß,
- »Ihr gehör' ich im Leben und Sterben an.«
-
- Wo liegt das Land Deiner Königin?
- Hat's viele der Männer von Deinem Sinn?
- Stellt's viele Regimenter in's Feld hinaus?
- »Das Land meiner Königin ist nicht weit.
- »D'rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit
- »Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.«
-
- So ist Deine Königin reich an Gold?
- Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold?
- Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer?
- »Reich ist uns're Königin, reich unser Lohn;
- »Wir stützen als fleißige Bürger den Thron
- »Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.«
-
- So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht,
- Wer ist Deine große ausländische Macht?
- Nenn mir Deiner Königin heiliges Land.
- »Die Ordnung ist meine Königin,
- »Für sie geb' ich Glück und Leben hin,
- »Und das Land ist Dein eig'nes Vaterland.«
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- Die Natur.
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- Ist auch der Mensch voll Tück' und Lügen
- Ist doch die Erde wunderschön!
- Und grinst der Haß aus Menschenzügen,
- Die Liebe lacht von Thal und Höh'n.
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- Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden,
- In dem die Erde grünt und blüht,
- So fern von allem Schmerz geschieden,
- Der in der Brust des Menschen glüht!
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- Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine,
- Du Zephyr, der die Aeste wiegt,
- Du Grün der Saat im Abendscheine,
- Du Blau, das auf den Bergen liegt!
-
- Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe,
- Mit Deinem Frieden Du, Natur,
- Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe,
- Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur!
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- Das Deine schlägt so warm und ewig,
- Und seiner Reinheit sich bewußt,
- Natur, Du heil'ge, in Dir leb' ich,
- Und ruh' im Tod' an Deiner Brust. --
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- Vaterfreude.[7]
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- Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen!
- Juchheisa, mein Bübchen, nun hat's keine Noth!
- Auf'm Ohr die Haube mit rosigem Bändchen,
- Vom Trinken die andere Wange roth.
- Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh,
- Wenn ich mit Dir tanze und singe so so,
- Und erzähl' Dir vom Wolf und vom Schaf',
- Und wiege mein _Paul_'chen in Schlaf.
-
- Horch, 's war 'mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines,
- Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb,
- Es hatt' ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines,
- Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb,
- Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld.
- Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt!
- Papa kennt das Lämmchen gar wohl,
- Es ist ja sein lieblicher _Paul_.
-
- Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden,
- Dann kriegt er 'nen Säbel, den hängt er sich um,
- Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden,
- Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum!
- Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot,
- Dann schießen wir beide den Wolf maustodt,
- Und schlafen dann ruhig und wohl,
- Nicht wahr Du, mein herziger _Paul_?
-
- Und marschier'n, wie die Preußen, durch die Gassen,
- Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus?
- Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen?
- Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus.
- Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh'n,
- Damit der Mama kein Leids mag gescheh'n,
- Denn lieb hat Mama Dich, mein _Paul_,
- Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!
-
- Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde
- In 'nem großen Wagen in's deutsche Land,
- Und _Paul_ nimmt den Säbel mit und auch die Flinte,
- Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand,
- Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot,
- Doch schieß' ich die Wölfe, wie Spatzen, todt.
- Puff, puff! schießt der liebliche _Paul_,
- Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!
-
- Nun schlafe und träume vom deutschen Lande,
- Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf,
- Und träume vom Säbel mit goldenem Bande,
- Und reise und reise im süßesten Schlaf.
- Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still!
- Wir schießen so viel, als mein Junge nur will.
- Nun schlafe, mein herziger _Paul_,
- Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!
-
-
-
-
- Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande,
-
- _Großherzogs von Luxemburg_.
-
-
- 1840.
-
- Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter,
- Verblüht sind längst die Wälder und die Flur,
- Und eingesammelt hat die welken Blätter
- Und schlafen geht die liebende Natur.
- Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen,
- Da weht ein Frühling, still und ungeschaut,
- Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen,
- In unsern Herzen seine Tempel baut.
-
- Und dieser Frühling da ist uns're Liebe,
- Mit der das Land stolz seinen König nennt,
- Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe,
- Die's jetzt und ewig seinem Herrn bekennt.
- Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten
- Jung, grün und herrlich in dem Lande steht,
- Und die Er jüngst mit königlichen Worten,
- Mir reicher Huld in unser Herz gesä't.
-
- Du altes Land, das nach so bitterm Harme
- Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt;
- Du stolze Mutter, die auf Riesenarme
- Die Wiege seines Königshauses trägt;
- Du tapf'res Land, das einst so groß gestritten,
- Du schönes Land, wo Reb' und Aehre blüh'n;
- Du treues Land, das einst so viel gelitten,
- Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh'n?
-
- Du Herr der Welten, wollst dem König geben
- Den mächt'gen Segen Deiner Vaterhand!
- Du woll'st bekleiden Sein geliebtes Leben
- Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand,
- Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen,
- Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit,
- Damit Sein Heil und uns'res sich begegnen,
- Und wir Dich loben bis in Ewigkeit!
-
- Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen's
- Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus.
- Frag' Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen's
- Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus.
- Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen
- Der alten Halle, die uns einst gebar,
- Des heil'gen Hauses, das in mächt'gen Stürmen
- Die Wohnung Luxemburger Treue war.
-
- Dies Haus sind uns're Bräuche, uns're Sitten,
- Und jene Einheit, die daraus ersteht;
- Das ist der Dom, für den wir oft gestritten,
- Von dem die Fahne uns'res Volkes weht.
- Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite,
- Und daß der schlaue Feind es nie entweiht!
- Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide,
- Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit.
-
- Und steht es fest in seinen guten Fugen,
- Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein,
- Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen,
- Die uns verbieten, was wir sind, zu sein.
- Doch, was wir lieben und was uns erkannte,
- Das komm' herein, dem sei der Weg gebahnt.
- Willkommen d'rum, erhab'ner Fürst, im Lande,
- Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt!
-
-
-
-
- Ludwig Philipp.[8]
-
-
- Frieden, um den Preis der Erde Frieden!
- Manche Nacht -- Europa ist's bekannt --
- Wenn der Schlaf die Millionen Müden
- In die Fesseln seiner Macht gebannt,
- Und die Sterne Frankreichs niederschieden,
- Hing die Wage noch in meiner Hand, --
- Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle
- Meines Sohnes Leichnam in die Schale.
-
- Frankreich! siehe jenen Tempel zittern,
- Dem ich deine Zukunft anvertrau't!
- Sieh, wie klagend unter den Gewittern
- Von der Zinne hoch der Genius schaut!
- Muß _mein eigner todter Sohn_ erschüttern,
- Was auf _deiner Söhne_ Grab gebaut?
- Und ein unerklärliches Vergelten
- Opfern meinen Sohn für deine Helden?
-
- Auf dem _Pflaster_, das in Juliwettern
- Du erzürnt zum Thron geschleudert hast,
- _In den Tagen_, die wir gern vergöttern,
- Und wo deine eig'nen Söhn' erblaßt,
- Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern,
- Das, wie du, die Despotie gehaßt?
- Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben,
- Und es bebt, ich fühl's, mein eig'nes Leben.
-
- Diesmal hat's getroffen! Unter sieben
- Traf nicht Einer das ersehnte Ziel:
- Meine Brust ist unversehrt geblieben
- Bei dem mörderischen Würfelspiel.
- Gott hab' ich's mit Danke zugeschrieben,
- Bis das Haupt von meinem Kinde fiel:
- _Da_ just war der Fleck, _da_ stirbt mein Hoffen!
- Sieben Kugeln! _Diesmal_ hat's getroffen!
-
- Fahre wohl denn, du geliebte Leiche,
- Bis wir ewig bei einander sind.
- Auf die Wange, wo vom Todesstreiche
- Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, --
- Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, --
- Dann leb' wohl, mein liebes, liebes Kind!
- O! daß mir des Weinens Tröstung wäre!
- Gott! ein Königreich für eine Zähre!
-
- Ja, ich fühl's an meiner Pulse Schlägen,
- Du nimmst meine letzte Kraft dahin.
- Willenlos auf meinen dunkeln Wegen
- Folg' ich, wie ein Kind, der Führerin.
- Ferdinand, ich zittre dir entgegen,
- Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn.
- Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre!
- O! ein Königreich für eine Zähre!
-
- Frieden, den ich Frankreich oft erhalten,
- Meiner eignen Brust versagt ihn Gott.
- Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten,
- Und der Julithron der Welt zum Spott.
- Neue Kugeln warten auf den Alten,
- _Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot_.
- Frieden, um den Preis der Erde Frieden!
- Und der Alte scheidet gern hienieden!
-
-
-
-
- Was ist des Deutschen Vaterland?[9]
-
-
- Wie hat das Lied so schön geklungen,
- Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang,
- Und das wir Alle mitgesungen
- Bei drei und dreißig Jahre lang?
-
- Das Lied vorn deutschen Vaterlande,
- Wo an dem Rhein die Rebe blüht,
- Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande,
- Am fernen Belt die Möve zieht.
-
- Und wo wir mit Vergnügen sehen,
- Daß alle Länder, groß und klein,
- Wie sie im Buch bei Deutschland stehen,
- Das Vaterland des Deutschen sein.
-
- Der Deutsche Bund -- Gott geb' ihm Friede --
- Hat immer, seit der Völkerschlacht,
- Bei diesem geograph'schen Liede
- Ein fürchterlich Gesicht gemacht.
-
- Und als der Deutsche Bund entschlafen,
- Wie ist das Lied dahergebraust!
- Wie ist's den Fürsten und den Grafen
- Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust!
-
- Boch-Buschmann, unser Deputirte,
- Sang's oft zu Frankfurt auf der Zeil,
- Und wenn er jetzt sich nicht genirte,
- Er säng' das Lied noch alleweil.
-
- Gesungen ward's in allen Städten,
- In allen Gassen ist's erschallt,
- Auch haben zwischendurch Musketen
- Als Accompagnement geknallt.
-
- Wohin ich mocht' durch Deutschland wandern,
- Am Rhein und an der Donau Strand,
- Hat einer stets gefragt den andern:
- Was ist des Deutschen Vaterland?
-
- Da sprach an einem schönen Tage
- Zu Wien Herr Raveaux frank und frei:
- Daß nunmehr auf die ew'ge Frage
- Die Antwort schon gefunden sei.
-
- Doch dieses war nur eine Flause, --
- Noch heute ist es unbekannt,
- Noch singen sie bei jedem Schmause:
- Was ist des Deutschen Vaterland?
-
- Arndt saß hernach im Parlamente
- -- Inzwischen war ergraut sein Haar --
- Sein Votum zeigte, daß am Ende
- Sein Lied auch eine Lüge war.
-
- Ja, eine rechte schöne Lüge,
- Viel schöner als die Verse sind.
- Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge,
- Wenn mir die Thrän' vom Auge rinnt.
-
-
-
-
- Blau, weiß, roth.
-
-
- (Melodie: _Les Girondins._)
-
- Gott grüß' euch Vaterlandes Farben!
- Du stolze Fahne, blau, weiß, roth!
- Für die einst uns're Väter starben,
- Mit Dir geh'n wir in Kampf und Tod.
- Dreifarbig Band, umschling' das Land,
- Führ' uns zum Sieg an Gottes Hand,
- Zum Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!
-
- Das Blau bedeutet Treu und Glauben,
- Treu Gott und unserm Vaterland,
- Den Ruhm soll keine Macht uns rauben,
- Wir dulden weder Schimpf noch Schand'.
- O köstlich Gut! o heil'ge Glut!
- Vernichtung der Tyrannenbrut,
- Uns Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!
-
- Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit,
- Drum sei verdammt der Lug und Trug!
- Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit,
- Wenn er die Schuld im Herzen trug.
- Rein sei die Hand zu Gott gewandt,
- Die Rettung heischt für's Vaterland.
- Uns Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!
-
- Blutroth, Du letzte uns'rer Farben!
- Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth,
- Wie andere litten, wie andere starben,
- So geh'n auch wir in Kampf und Tod.
- Nimm unser Gut, nimm unser Blut,
- Nimm's hin, du niederträchtige Brut!
- Ja, Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß roth!
-
-
-
-
- Bei Sebastopol.
-
-
- 1855.
-
- Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust,
- Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust,
- Der Tod zermalmet die Braven.
- _En avant!_ Seht, Brüder, die Mine springt,
- _En avant!_ Vom Malakoffthurme winkt
- Die Tricolorfahne der Zuaven.
-
- Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd',
- Die Redouten springen, und roth erglüht
- Der Nebel über dem Hafen.
- Und unten die Stadt ist ein Feuermeer,
- Und droben steh'n auf den Bergen umher
- Die Linien, Garden und Zuaven.
-
- Da bringen sie eben von Brück' zu Brück'
- Die Verwundeten in das Lager zurück,
- Die zerstümmelten blutenden Braven,
- Und vor jeder Bahre, die kommt daher,
- Präsentiren im Flammenschein das Gewehr
- Die Linien, Garden und Zuaven.
-
- Da tragen sie einen Sergeant-Major,
- Der in der Courtine den Arm verlor,
- Und den halben Schädel im Graben,
- Und am Malakoffthurme commandirte er Halt,
- Und richtet sich aufrecht, die blut'ge Gestalt,
- Der Sergeant-Major von den Zuaven.
-
- Von der brennenden Stadt der rothe Schein
- Und das Licht, das die springenden Forts ausspei'n,
- Beleuchten sein Antlitz erhaben.
- Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft,
- Und nimmt zusammen die letzte Kraft,
- Der Sergeant-Major von den Zuaven.
-
- »Nun fahr' ich mit Freud' in die and're Welt,
- »Der Feind entflieht, Sebastopol fällt,
- »Im Flammenmeere begraben!
- »Lebt wohl, Cameraden! _Vive l'Empereur!_«
- Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr
- Die Linien, Garden und Zuaven.
-
-
-
-
- Ferienweihe.
-
-
- I.
-
- Ich sitz' im Garten, die gold'nen Schleier
- Des Morgens rauschen um mich her,
- Und Alles prangt in stolzer Feier,
- Als ob's ein heil'ger Sonntag wär'.
-
- Nichts hör' ich hier vom Weltgetriebe,
- Und hinter'n Bäumen liegt die Stadt,
- Mit ihrem Haß und ihrer Liebe,
- Und Allem, was sie Schönes hat;
-
- Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden,
- Mit ihren Straßen grad' und krumm,
- Mit ihren großen und kleinen Gebäuden --
- Und vor Allem mit dem Gymnasium.
-
- Und hinter'n Bäumen liegt die Stube,
- Die stille Zeugin meiner Geduld,
- Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube,
- Mit dem tintenbefleckten Schreibepult,
-
- Und mit den Prüfungs-Exercitien,
- Und zumal mit den Büchern rings herum,
- Den tiefgelehrten und den witz'gen
- Und dem ganzen heiligen Classikerthum.
-
- Dagegen blühen mir hier die Rosen,
- Und auf jeder strahlt ein Diamant;
- Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen
- Und die Trauben an der Raketenwand.
-
- Und ein Heer von Astern und Georginen
- Und die Sonnenblumen stolzen Wink's,
- Sie grüßen mich mit gnäd'gen Mienen,
- Und die Schwalben pfeifen rechts und links.
-
- Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben,
- Sie schießen aus braunen Kisten empor,
- Und ein freies Bienchen verließ die Waben,
- Und singt melodisch mir um das Ohr;
-
- Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt' ich
- Schon, als ich noch ein Knabe war --
- Ich glaube, sie machen sich über mich lustig,
- Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar!
-
- Ach, freilich ist ja der ganze Garten
- Eine große lebendige Poesie,
- Und ach, es bleiben die Dichtungsarten
- Bei der Biene summender Melodie!
-
- Curies! ich habe keine Schule heute:
- D'rum glaubt' ich, daß es Sonntag wär',
- Und horch! es bringen fernes Geläute
- Die Morgenwinde zu mir her.
-
- So läutet denn, ihr fernen Glocken
- Mir feierlich meine Ferien ein, --
- Dann will ich mit der Biene frohlocken
- Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein.
-
-
- II.
-
- Schwalben und Bienen.
-
- Die Biene lebt in engem Kreise,
- Der Garten nur ist ihre Welt --
- Die Schwalben, sie sausen moderner Weise
- Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld.
-
- Die Schwalbe badet in Wolkenlüften
- Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl --
- Die Biene badet in Rosendüften
- Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl.
-
- Verleb' ich die Ferien in Schwalbenweise?
- Versumm' ich sie einsam in Bienenmanier?
- Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise!
- Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier.
-
-
- III.
-
- Der Schwalben Spott.
-
- Wohl denn! rief auf diese Begrüßung
- Spottend die Schwalbe:
- Herr Professor, Ihre Entschließung
- Ist nur 'ne halbe.
-
- Während Sie so mit der Biene summen,
- Welken die Blüthen,
- Und wenn Sie wieder in der Schule brummen,
- Sind wir im Süden.
-
- Während Sie zur Verzweiflung bringt das
- Schneegewimmel,
- Lacht mir -- und wie anders klingt das! --
- Blau der Himmel.
-
- Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen,
- Seh' ich erstarren,
- Während der Sonne warme Strahlen
- Meiner harren.
-
- Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben?
- Und nach Algirien?
- Bis die Gärten wieder Blüthen haben,
- Sind wir die Ihrigen.
-
-
-
-
- Von der Luxemburger Mosel.
-
-
- Eile durch die Blumenauen,
- Holde Mosel, nach dem Rhein,
- Laß mir meine deutschen Gauen
- Tausendmal gegrüßet sein!
- Trage mit dreifarb'ger Fahne
- Meiner Sehnsucht Schifflein fort,
- Sei behutsam mit dem Kahne,
- Bring' mir ihn zu sicherm Port!
-
- Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen!
- Seid _noch nicht_ im deutschen Land,
- Wenn man's euch auch vorgelogen --
- Längst zerrissen ist das Band.
- Glaubt es nicht dem Klang der Zungen,
- Der da rechts und links erklingt,
- Nicht dem Lied des Fischerjungen,
- Der am Ufer drüben singt!
-
- Glaubt es nicht der deutschen Hütte,
- Die im Dorfe drüben steht;
- Glaubt es nicht der deutschen Sitte,
- Die in ihren Mauern weht;
- Dürft's auch nicht den deutschen Trauben,
- Nicht einmal dem Bettlerkind,
- Noch dem Meilenzeiger glauben,
- Daß wir hier in Deutschland sind.
-
- Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen,
- Thut's dem Vater Rheine kund,
- Was sie hier euch vorgelogen:
- Hat geträumt dem Deutschen Bund,
- Und im Schlaf, -- daß Gott erbarme! --
- Stahlen sie ihm Land und Leut',
- Und Franzosen sind wir heut'.
-
- Will es nicht gerad' verdammen:
- Wer sein Kind von Haus' entfernt,
- Gibt's hinaus zu welschen Ammen,
- Daß der Bub' französisch lernt. --
- Aber daß das Kind, das deutsche,
- Man zu Schimpf und Spott verkehrt,
- Daß man's die Beamtenpeitsche
- Auf französisch tragen lehrt! --
-
- Das in wilden Wellenschlägen,
- Das erzählt dem deutschen Land,
- Macht's von Vaterlandes wegen
- An dem ganzen Rhein bekannt!
- Und vergeßt mir nicht das eine:
- Meiner wärmsten Liebe Kahn,
- Legt mir ihn am schönen Rheine
- Bei dem schönsten Ufer an.
-
-
-
-
-
-
- Es lag mir schon sehr lange nah',
- Der Welt eins aufzuspielen
- Von jener Himmelsmusica,
- Die ich wohl hört', doch nimmer sah,
- Und die die lieben Engelein
- An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein,
- In meinem Herzen singen. --
- Nun mein' ich wohl, ich hätt's gethan,
- Erhalt auch Lob von Vielen,
- Doch hör' ich's recht genau mir an,
- So klingt's doch nimmermehr, nein, nein,
- Doch nimmer, wie die Engelein
- In meinem Herzen singen.
-
-
-
-
- Die Fische.
-
-
- In einer Kugel von Krystall
- Zwei gold'ne Fischlein wohnten,
- Die theilten ihre Schmerzen all
- Seit vielen vielen Monden.
-
- Doch war dem kleinen gold'nen Paar
- Der Käfig nicht zum Leide,
- Denn weil so eins beim andern war,
- War's eine Welt für beide.
-
- Und weil Gelübd' und frommer Schwur
- Die kleinen Zungen banden,
- So haben, Aug' in Auge nur,
- Die Fischlein sich verstanden.
-
- Und grüßte draußen froh und laut
- Das Vöglein in den Zweigen,
- Hat eins das and're angeschaut
- Mit wehmuthsvollem Schweigen.
-
- Und schienen in's Krystall hinein
- Der Abendröthe Strahlen,
- That sich der Liebe heller Schein
- In Fischleins Auge malen.
-
- Sie träumten wohl von Meeresgrund,
- Von ferner Wogen Schäumen,
- Doch keines that dem andern kund
- Sein Lieben und sein Träumen.
-
- Und weil nun eins mit so viel Schmerz
- Um's and're hat geworben,
- Da ist gebrochen Fischleins Herz,
- Und Fischlein ist gestorben.
-
- Und weil's mit Sprache nicht begabt,
- Muß still das and're klagen:
- »Ich hab' Dich doch so lieb gehabt,
- Und konnt's Dir doch nicht sagen.«
-
-
-
-
- Morgenlied von dem Schäfchen.
-
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Der Vater hüt't die Schaf',
- Die Mutter schüttelt's Bäumelein,
- Da fällt herab ein Träumelein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Am Himmel zieh'n die Schaf':
- Die Sternlein sind die Lämmelein,
- Der Mond, der ist das Schäferlein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Christkindlein hat ein Schaf',
- Ist selbst das liebe Gotteslamm,
- Das um uns all' zu Tode kam --
- Schlaf', Kindlein, schlaf.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- So schenk ich Dir ein Schaf'
- Mit einer goldnen Schelle fein,
- Das soll Dein Spielgeselle sein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Und blöck' nicht wie ein Schaf',
- Sonst kommt des Schäfers Hündelein
- Und beißt mein böses Kindelein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
- Geh' fort und hüt' die Schaf',
- Geh' fort, du schwarzes Hündelein,
- Und weck' mir nicht mein Kindelein!
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
-
-
-
-
- Maria und der Doctor.
-
-
- Es ist Nacht. Die düst're Lampe scheint;
- Am Bettchen sitzet die Mutter und weint,
- Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind,
- Und im Bettchen liegt das kranke Kind,
- Und erzählt im Fieberbrande
- Vom Engel im weißen Gewande.
-
- Und die Mutter ringt sich die Hände wund:
- Mach' heil'ge Maria mein Kind gesund;
- Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind,
- Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind.
- Ich bau' auf Deinen Namen,
- So ist es gewißlich, Amen.
-
- Kaum naht der Tag im Dämmerschein,
- Da trat der gelehrte Doctor herein.
- Der prüfet das Kind allüberall,
- Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall,
- Den ich nimmer in Praxi erlebt.
- Und verschreibt ein großes Recept.
-
- D'rauf standen allerhand Sprüchelein
- In Zeichen und Wörtern in Latein;
- Der Apotheker hat d'rüber zwei Stunden geschwitzt,
- Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt.
- Sogleich hat der Trank das Leben
- Dem Kinde zurückgegeben.
-
- Die Mutter in freud'gem Herzensdrang
- Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang,
- Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut,
- Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut;
- Der Himmel in höheren Welten,
- Der mög' es euch reichlich vergelten!
-
- Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn,
- Entläßt die Mutter mit frohem Sinn.
- Die aber hurtig schließet sich ein
- In's heimliche Krankenkämmerlein,
- Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen
- Auf die Knie beim Bette des Kleinen.
-
- Es ist Nacht, und die düst're Lampe scheint,
- Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint.
- Warum weinst du Mutter noch himmelwärts,
- Der Doctor hat ja getröstet dein Herz?
- Doch nein, ich will dich nicht fragen:
- Nicht alle Dinge lassen sich sagen.
-
-
-
-
- Des armen Kindes heiliger Christ.[10]
-
-
- Die Nacht war kalt und schaurig --
- Du arme kleine Marie!
- Sie wandert' allein und traurig,
- Und haucht' in die Händchen und schrie.
-
- Und sinket ermattet nieder,
- Vom Froste starret das Blut.
- »O könnt' ich die bebenden Glieder
- Beleben in wärmender Gluth!
-
- Wie blinket das schöne Gebäude,
- Erleuchtet vom Kerzenschein!
- Da kehrte mit köstlicher Freude
- Der heilige Christ wohl ein.
-
- Er kam aus dem Feenlande,
- Mit goldener Kron' im Haar,
- Im prächtigen Purpurgewande,
- So herrlich und wunderbar.
-
- Und bracht' ein flimmerndes Bäumchen,
- Und Aepfel und Nüsse daran.
- Ach! wer doch beim flimmernden Bäumchen
- Heut' Abend sich freuen kann!
-
- Nichts bracht' er mir, nichts mir Armen!
- Wie stürmet der brausende Wind!
- Ach, wer, wer hat doch Erbarmen
- Mit dem armen Bettlerkind?«
-
- Und wie sie die müden Glieder
- Nun ruhet auf kaltem Stein,
- Und senket die Augenlieder,
- Und schlummert ermattet ein:
-
- Da kam er zu ihr im Traume,
- Mit goldener Kron' im Haar,
- Im Kleide mit purpurnem Saume,
- So herrlich und wunderbar.
-
- Und schüttete köstliche Gaben,
- Und goldene Früchte aus:
- »Das Alles, Marie, sollst Du haben,
- Willst Du mit mir geh'n in mein Haus.
-
- Ich geb' auch ein Bäumchen mit vielen
- Hell flimmernden Lichtern Dir,
- Und die Engel soll'n mit Dir spielen,
- Komm, liebliches Kind, mit mir.«
-
- Da that das Kind Millionen
- Hell leuchtender Lichtchen seh'n,
- Und es denkt, dort muß er wohnen!
- Und es will mit dem Christe geh'n.
-
- Und als nun die goldene Frühe
- Verscheuchet die schaurige Nacht,
- Da ist die kleine Marie
- Nicht wieder aufgewacht.
-
-
-
-
- Des Schweizers Heimweh.
-
-
- Ewig Bangen, ewig Sehnen
- Nach dem theuren Vaterland,
- Nie das Auge ohne Thränen
- Nach der Ferne hingewandt,
- O wer kühlt mein Gluthverlangen,
- Wer mein Sehnen, wer mein Bangen,
- Ach, mit jedem Morgen neu!
-
- Bei des Tages erstem Schimmer,
- Bei der Sonne erstem Blick,
- Freud' und Leben kehrt doch nimmer
- In des Schweizers Brust zurück;
- Heerden blöcken, Glöcklein klingen,
- Vöglein, die im Walde singen,
- Ach, sie können fröhlich sein!
-
- Wo die Alpenröschen blühen,
- Wo am Morgen, herrlich groß,
- Schreckhorn und die Jungfrau glühen,
- Ach! der Heimath stillen Schooß,
- Könnt' ich euch, geliebte Höhen,
- Nur noch einmal wiedersehen,
- Eh' das arme Herz mir bricht!
-
- Wo der Aar in reinen Lüften
- Kühner seine Schwingen hebt,
- Ueber bodenlosen Klüften
- Ungewohnt der Wandrer bebt,
- Wo von friedlich stillen Matten,
- Bei des Abends kühlen Schatten,
- Läutend Heerden heimwärts zieh'n.
-
- Wenn am Abend es sich röthet,
- Und im still geword'nen Hain
- Nur die Nachtigall noch flötet,
- O wie bin ich dann allein!
- Hör' ich ihre sanften Lieder,
- Kehret meine Sehnsucht wieder
- Und das Herz will mir vergeh'n.
-
- Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen,
- Vaterland! Du bist gemeint,
- Land, wo die Schalmeien tönen,
- Wo mein Liesli um mich weint,
- Du mein Thal, geliebte Höhen,
- Könnt' ich euch noch einmal sehen,
- Eh' das arme Herz mir bricht!
-
-
-
-
- Der Morgen im Garten.
-
-
- Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer
- Die Blumen blüh'n,
- So sah ich nie im Rosenschimmer
- Den Garten glüh'n!
-
- Wie jubelt's in den blauen Lüften!
- Der Freude Hauch,
- Er weht in tausend Balsamdüften
- Vom Blüthenstrauch.
-
- Wohl saß ich oft in jener Hütte;
- Wenngleich allein,
- Konnt' ich in meiner Blumen Mitte
- So glücklich sein.
-
- Und was des Abends stille Feier
- Zum Herzen sprach,
- Wehmüthig tönte meine Leier
- Das Echo nach.
-
- Jetzt weint die Seele vor Entzücken,
- Zum Himmel steigt
- Sie mit der Rührung feuchten Blicken,
- Die Lyra schweigt.
-
- O gold'ner Morgen, Blick der Liebe
- Im Lenzgewand,
- Vom Auge ew'ger Huld und Güte
- Herabgesandt!
-
- Wie will der Sterbliche Dich singen,
- Der betend kniet?
- Wenn Weltenharmonie'n erklingen,
- Dann schweigt mein Lied!
-
-
-
-
- Am Abend.
-
-
- Senke Deine gold'nen Flügel,
- Holder Abend Du,
- Send' auf Fluren und auf Hügel
- Stille süße Ruh'!
-
- Milden Trost auf herbe Thränen,
- Guter Genius;
- Schlägt mein Herz in bangem Sehnen,
- Deinen Friedenskuß!
-
- Alles ruht in Wonneträumen,
- Jedes Auge blickt
- Dankbar zu des Himmels Räumen,
- Der den Frieden schickt.
-
- Hüll' auch mich in Deinen Schleier,
- Seel'ger Abend ein,
- Laß auch mich von Deiner Feier
- Still gegrüßet sein!
-
- Dann bring' ich Dir meine Gabe,
- Tief von Dank durchglüht,
- Bringe freudig, was ich habe,
- Dir ein sanftes Lied.
-
-
-
-
- Nach Durchlesung
-
- _des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar,
- Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg
- erlassenen Hirtenbriefes._
-
-
- 1842.
-
- Was fühl' ich leis' in meiner Seele beben?
- Ist's Deines Briefes kräft'ger Redefluß?
- Ist's Deiner Worte prächt'ges Bilderleben?
- Der Sprache, meiner liebsten, eh'rner Guß?
- Ist's die Bewund'rung, die ich Deinem Streben?
- Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß?
- Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen,
- Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen.
-
- Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten,
- Dem Himmel nahe, und die Seele frei,
- So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten,
- Und fernhin klingt die liebliche Schalmei.
- Da kommen, die sich früh verloren hatten,
- Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei.
- Das sind die Töne, jene freien, süßen,
- Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen.
-
- Als ich ihn las, da glaubt' ich weh'n zu hören,
- Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt,
- Den ächten Geist, der wie mit Engelchören
- Durch jedes Deiner frommen Worte klingt,
- Den Silberquell, der aus den gold'nen Röhren
- Melodisch in das ew'ge Leben springt[11], --
- Des Hirten Töne, die zu heil'gen Stufen
- Verirrte Kinder seiner Heerde rufen.
-
- Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen?
- Kann ich verleugnen, was in's Herz mir tief
- Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen,
- Einst an dem heil'gen Ostertage rief?
- Und was mit ew'gem Heile mich zu krönen,
- Mich auferweckte, als mein Leben schlief?
- Nun ich die Töne hab' von Dir vernommen,
- Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen.
-
-
-
-
- Der Katholik.
-
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Ich sag' es frei mit kühnem Blick,
- Ich bin's nicht blos im Gotteshaus,
- Ich bin es auch im Weltgebraus';
- Ich leugn' es nie und nimmermehr,
- Und wär' der Teufel hinterher:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Zum Lügen hab' ich kein Geschick;
- Bin ich im Gotteshaus gekniet,
- Was kümmert's mich, ob's einer sieht;
- Schwätz' ich nicht Jedem nach dem Bart,
- Was thut's? Ist Katholikenart:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- D'rauf thu' ich mir von Herzen dick;
- Der Priester hat's mich früh gelehrt:
- Daß sich im Sturm der Christ bewährt,
- D'rum, tret' ich aus dem Gotteshaus,
- Dann ford'r' ich kühn die Welt heraus:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik
- In Freud' und Leid, in Schmerz und Glück,
- Ich bin's im Friede und im Streit;
- Und wenn der Teufel Feuer speit,
- Und wenn die Welt in Trümmer bricht --
- Ich wanke nicht und weiche nicht:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Nicht blos für einen Augenblick;
- Es geh' uns gut, es geh' uns schlecht,
- Ich halte bei katholisch Recht;
- Sag's jedem Heuchler in's Gesicht,
- Ein Sohn der Kirche bist du nicht:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Ich bin kein eigennütz'ger Strick,
- Der, wenn der Wind von Norden weht,
- Für Gott und seine Kirche steht,
- Doch wenn der Wind von Süden bläst,
- Gott und die Kirch' im Stiche läßt:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
-
-
-
- In einer protestantischen Kirche.[12]
-
-
- (Bruchstück aus einem ungedruckten Drama: »Der Katholik«.)
-
- Kind.
-
- Sieh Vater, offen ist die Thüre, laß
- Zum erstenmal mich eine Kirche sehen.
- Wie herrlich muß es sein in Gottes Hause!
-
- (Sie treten ein.)
-
- O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort
- Sich wölben und sich himmelaufwärts heben!
- Sieh, wie die riesig großen Pfeiler streben.
- Man sieht wohl gleich, daß hier ein heil'ger Ort.
- 's ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen.
- Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen?
-
- Vater.
-
- O, das Gebäude ist schon alt, mein Sohn!
- In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren,
- Als überall noch Aberglauben herrschte,
- Und alle Leute noch katholisch waren.
- Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden,
- Das sie »zu Uns'rer Lieben Frauen« nannten.
-
- Kind.
-
- Da waren's wohl die Heiden, die's gebaut?
-
- Vater.
-
- Nein, Katholiken haben's aufgeführt.
-
- Kind.
-
- Hu, Katholiken! Später, wie ich denke,
- Erhielten wir's von denen zum Geschenke?
-
- Vater.
-
- Nein, Kind, wir haben's ihnen weggenommen.
- So ist die Kirche nun auf uns gekommen.
-
- Kind.
-
- Oh! und wer ist denn Uns're Liebe Frau?
-
- Vater.
-
- Das ist die heilige Maria, Kind,
- Die Jesum Christum unsern Herrn geboren.
- Die Katholiken glaubten auch an _die_,
- Und warfen sich vor ihrem Bild' auf's Knie.
-
- Kind.
-
- Maria? Ei so hieß auch meine Mutter,
- D'rum war sie auch so eine liebe Frau,
- Wie ich's noch heut' in ihrem Bilde schau'.
- Sie hatte mich so lieb, sie war so milde,
- Und d'rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde
- Oft selbst geweint und auf den Knie'n gelegen.
- Doch was mir, Vater, nicht gefällt, das ist,
- Daß hier kein Schmuck und keine Bilder sind.
-
- Vater.
-
- Wir sind ja keine Katholiken, Kind!
- Wir beten nur zu unserm Gott allein,
- Zu keinem Bild, das würde Sünde sein.
-
- Kind.
-
- Es wär' auch gar zu dumm, zu Bildern beten,
- Ein Bild kann ja nicht hören und nicht reden.
- Und dennoch ist's so schön in deiner Stube,
- Wo du die hohen Gäste gern empfängst,
- Auch einsam wohl an meine Mutter denkst.
- Ich weiß, obgleich ich noch ein kleiner Bube,
- Daß mir's einmal gelang, hinein zu schauen.
- D'rin hängen Bilder, viel, mit gold'nen Rahmen.
- Auch sah ich d'rinnen Uns're Liebe Frauen,
- Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen.
- Von allen Häusern hätt' ich auf der Welt
- Mir Gottes Haus am schönsten vorgestellt.
-
- Vater.
-
- Du mußt nicht denken, daß hier Gottes Wohnung.
- Gott ist an jedem Orte, kein Revier,
- Kein Raum und keine Mauer schließt ihn ein.
- Er ist sowohl in meiner Stub' als hier.
-
- Kind.
-
- Wenn ich Gott wär', ich wär' am liebsten hier,
- Und prächtig schmücken ließ' ich Alles mir.
- Weißt du noch Vater, als du meiner Mutter
- Die schöne neue Laub' im Garten bautest,
- Die wir so gern nach ihrem Namen nennen,
- Und die ihr so gefiel, weil du sie _ihr_
- Gewidmet und geschmückt; wo sie am liebsten
- An jedem Abend mit uns Kindern weilte?
- Da weilst du auch nun stets am liebsten, da,
- So sagst du, ist sie dir noch immer nah.
- Ja, wenn ich Gott wär', unter allen Zonen
- Thät' ich am liebsten in der Kirche wohnen.
- Da müßten an der Wand und in den Gängen,
- Wie bei'm Papa, die schönsten Bilder hängen,
- Und meine Mutter müßte bei mir sein.
- Doch was bedeutet das Gefäß von Stein,
- Dicht bei der Thüre zierlich eingemauert?
- Ein Becken scheint's, um Wasser zu bewahren,
- Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren,
- Denn siehe, einsam haben Spinnen oben
- Die grauen Schleier d'rüber her gewoben.
-
- Vater.
-
- 's ist ein Gefäß, aus dem sie Wasser nahmen,
- Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen,
- In Vaters, Sohns und heil'gen Geistes Namen.
-
- Kind.
-
- Warum?
-
- Vater.
-
- Ich weiß nicht, 's war so hergebracht,
- Und darum haben wir's nicht nachgemacht.
-
- Kind.
-
- Sieh, Vater, hier das große Eisengitter,
- Dahinter seh' ich der Verwüstung Spuren,
- Und Mörtel, Steine, Bretter und Figuren,
- Im Wirrwarr liegt's vergessen und verlassen.
- Unheimlich dämmrig ist's an diesem Orte,
- Wär' ich allein, mich würde Furcht erfassen.
-
- Vater.
-
- Mein Kind, da stand der alte Hochaltar,
- Nebst Tabernakel, wie's gebräuchlich war.
- Auf eines Heil'gen Grab ein großer Stein,
- Geweiht zum Dienst des heil'gen Opfers ein.
- Mit Blumen reich geschmückt von frommen Händen,
- Und Bildern, Crucifix und Ornamenten;
- Im gold'nen Meßgewand und Cingulum
- Beging der Priester das Mysterium,
- Und Alles büßend sich zur Erde neigte,
- Wenn er die Hostie dem Volke zeigte.
- Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen,
- Ein traurig Denkmal aus vergang'nen Tagen.
-
- Kind.
-
- Sieh, ein zerschlag'ner Arm ist noch zu schauen,
- Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand.
- Wer that das, Vater? Immer sagtest du,
- Altäre seien heilig, und in Ruh'
- Soll man die Gräber und Altäre lassen.
- Du lehrtest mich tief in der Seele grauen,
- Als du erzähltest, wie das Römervolk
- Die christlichen Altäre einst zerschlagen,
- An denen fromme Menschen betend lagen.
- O sicher stürzten dieses Heiligthum
- Die Katholiken oder Römer um.
-
- Vater.
-
- Wir selber, Kind, die Protestanten thaten's,
- Und der Altar war ein katholischer.
-
- Kind.
-
- Wie Schade! da erblick' ich unter Trümmern
- Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt.
- Wie lieblich seine sanften Züge schimmern!
- Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt
- Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen.
- Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter?
-
- Vater.
-
- Das ist das Bildniß Uns'rer Lieben Frauen.
- Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen.
-
- Kind.
-
- Laß mich noch einmal dieses Bild beschauen,
- Dann mag der Küster seine Kirche schließen.
- Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen.
- Wie blickt es mich so wunderlieblich an!
- Du liebe Frau, was hast du denn gethan,
- Daß sie dich brachen, und dein Kind zerstießen?
- Gern nähm' ich's mit in unser Haus, und träumte:
- Ich sähe meine Mutter, und ich leimte
- Dem Jesuskind' ein and'res Händchen an.
-
- Vater.
-
- So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden?
-
- (Der Küster zieht die Thurmglocke.)
-
- Kind.
-
- Noch eins! sag', warum, wenn die Sonne scheidet,
- Die Glocke dreimal drei vom Thurme läutet.
- Es weiß es Niemand, was der Gruß bedeutet.
-
- Vater.
-
- Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit.
- Als nämlich Alles noch katholisch war,
- Da hat man so das Angelus geläut.
- Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen,
- Dann nahmen alle Leut' von jedem Stande,
- Der Städter, wie der Bauer auf dem Lande,
- Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse,
- Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse,
- Von ihrem Haupt den Hut, und beteten
- Ein still Gebet zu Uns'rer Lieben Frauen.
-
- (Das Kind sinkt auf die Knie.)
-
- Was bet'st du Junge, bist du nicht gescheid?
- Ein protestantisch Kind hier auf den Knien?
-
- Kind.
-
- O, laß mich beten wie kathol'sche Leut'.
- Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien.
- Laß mich bei Uns'rer Lieben Frauen beten!
- Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten,
- Doch bitt' ich, Vater, daß ich auf der Erden
- Weit lieber noch ein Katholik soll werden.
-
- Vater.
-
- Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern.
- Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern.
-
- (Sie verlassen die Kirche.)
-
-
-
-
- Maria![13]
-
-
- O Du süßester von allen Namen!
- Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten,
- So melodisch, Deine Töne gleiten!
- Wie Accorde, die von jenseits kamen,
- Die aus unbekannten Herrlichkeiten
- Leise Lüfte zu mir her geleiten, --
- Lieblich, wie ein fernes sel'ges Amen,
- Tönst Du, Name der Gebenedeiten:
- Maria.
-
- Dunkel ist die Nacht. Verirrt und müde
- Hebt empor der Pilger seine Hände,
- Daß ein Stern ihm Licht und Tröstung sende.
- Da, wie wenn der Osten Purpur sprühte,
- Wie wenn die Natur in Lieb' entbrennte,
- Wie das Morgenroth am Firmamente, --
- Also flammt Dein Nam' in mein Gemüthe,
- Und ich nenn' ihn tausendmal ohn' Ende:
- Maria.
-
- Ja, den Morgen fühl' ich in mir tagen,
- Meine Seele glüht in heil'ger Freude,
- Wenn Du einziehst, lieblichste der Bräute,
- Wie ein Königsweib auf gold'nem Wagen.
- Meine Blumen steh'n im Festgeschmeide,
- Alle Berge steh'n in ros'gem Kleide,
- Und die Glocken meines Innern schlagen
- Ein unendlich liebliches Geläute:
- Maria!
-
- O Du Heil'ge! Sieh in anderm Bilde
- (Denn wie Du bist, singen keine Lieder)
- Nahst Du schöner meiner Seele wieder.
- Nacht und Graus bedecken die Gefilde,
- Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er
- Hoch einher der Herr und Weltgebieter, --
- Plötzlich unter Donnerwetter, milde,
- Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder,
- Maria!
-
- Wenn ich so die alten Lieder zähle,
- Die ich frisch, von Melodien durchdrungen,
- Froh und weinend in die Welt gesungen,
- Fühl' ich schmerzlich eine schwere Fehle.
- Wo ein Kranz mir rund und schön gelungen,
- Für die Welt nur hatt' ich ihn geschlungen;
- Keiner hat geheiligt meine Seele,
- Kein Lied, keines ist für Dich erklungen,
- Maria!
-
- Sieh, mein Götze war ein ird'sches Lieben,
- Ruhm und Ehre meine gold'nen Sterne,
- All mein Dichten, Blüthen ohne Kerne,
- Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben.
- Deine Bilder hatt' ich lieb' und gerne,
- Doch Du selber bliebst mir ewig ferne.
- Ferne? Nein, Du bist mir nah' geblieben:
- Meine Harfe tönt', ich lausch', ich lerne:
- Maria!
-
- Nun und ewig nur zu _Deinem_ Ruhme,
- Will ich rauschend meine Saiten schwingen,
- Will sie _Dir_ zum Weihgeschenke bringen,
- Segne sie zu Deinem Heiligthume!
- Wenn sich tönend Reim' um Reime schlingen,
- Soll _Dein_ süßer Name sie durchklingen,
- Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume,
- Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen,
- Maria!
-
- O, ein Psalm ist schon allein Dein Name,
- Und er tönt in allen Erdenkreisen.
- Also laß auch mich Dein Sänger heißen,
- Sei Du, Jungfrau, meine heil'ge Dame!
- Lehr' mein Lied nur einen einz'gen leisen
- Wiederhall von jenen Himmelsweisen,
- Meine Stimme, daß sie nicht erlahme,
- Deine Schönheit für und für zu preisen,
- Maria!
-
- Du dagegen wollest für mich bitten!
- Des Allmächt'gen donnernde Gewalten
- Hätten längst mein sünd'ges Herz zerspalten,
- Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten.
- Bitt' für mich, damit sie gnädig walten,
- Und den Fluch von meinem Haupte halten!
- Laß zu Jesus sich die Lieb' inmitten
- Meiner Seele wie die Blum' entfalten!
- Maria!
-
- Und zum andern woll'st Du mir erflehen,
- Daß ich spät und frühe _Dein_ gedenke,
- Treu und warm Dir meine Andacht schenke,
- Und auf Dich stets meine Augen sehen.
- Daß _Dein_ liebes Bild sich zu mir senke,
- Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke
- Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen,
- Daß ich nimmer Deine Liebe kränke,
- O Mutter!
-
- Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte!
- Ach, ich seh' Dich mit den bleichen Wangen,
- Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen,
- Seh' Dich dringen durch die wilde Horde,
- Und vergeh'n in jammervollem Bangen,
- Als die heil'gen Lippen: Mutter! klangen,
- Seh', wie bei dem blut'gen Gottesmorde
- Dir das Schwert durch's keusche Herz gegangen,
- O Mutter!
-
- Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen
- Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine,
- Thronst Du ja in ew'gem Glorienscheine,
- Und die Engel ruh'n zu Deinen Füßen.
- Mutter! o wie ich vor Freude weine,
- Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine,
- Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen,
- Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine:
- O Mutter!
-
- Bitt' für mich, bei Deines Sohnes Wunden!
- Laß nicht seine Liebe von mir weichen,
- Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen!
- Und dann, in der letzten meiner Stunden,
- Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen,
- Daß ich froh Dir mag die Hände reichen,
- Und mein Herz dem ew'gen Licht gesunden,
- Maria!
-
-
-
-
- Maria in der Seele.[14]
-
-
- O heil'ge Mutter, wie ich mich betrübte,
- Und mich in Unruh' quälte Nacht und Tag!
- Eh' meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,
- Und wie ich Dir's zu sagen nie vermag!
- Wie fühl' ich, gleich dem mutterlosen Kinde,
- Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,
- Und wie erbärmlich hab' ich mit der Sünde
- Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.
-
- Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,
- Die nur mit Mühe noch zusammenhält.
- Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,
- Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.
- Der Blitz, wie wenn's den Untergang gegolten,
- Umzingelte das Haus, und angstgepreßt
- Hielt d'rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,
- Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.
-
- Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,
- Ist meine Seel' ein königliches Haus.
- Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,
- Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.
- Du wandelst durch die duftigen Gemächer,
- Darinnen Flöten klingen und Schalmei'n,
- Die Engel steigen nieder auf die Dächer,
- Und Gottes Sonne scheint durch's Fenster 'nein.
-
- Wie kam's doch? Hab' ich oft zu Dir gebetet,
- Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?
- Hab' ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,
- In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?
- Du Kön'gin, hat mein Herz Dich eingeladen?
- Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?
- Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,
- So unverdiente Seligkeiten gab?
-
- Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,
- Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,
- In meiner Seele dunkles Haus getreten;
- In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.
- Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,
- Du hast's gefunden, o wie wohl ist mir!
- Nun mag der Sturm weh'n und die Hölle fluchen,
- Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.
-
- Dies Herz -- Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,
- Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.
- Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,
- Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.
- O Heil'ge, bleibe bei mir jetzt und immer!
- Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,
- Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,
- Und führe rettend mich zum ew'gen Licht!
-
-
-
-
- Die Verfolgung.
-
-
- Halt ein! ihr Schergen diabol'scher Mächte,
- Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag?
- Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte,
- Vernichten könnt't ihr ihn mit Einem Schlag.
- Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte,
- Der ihm den weißen Schädel spalten mag?
- Ich ruf' euch zu mit aufgehob'nen Händen:
- Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden!
-
- Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne
- Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal;
- Gefangen schleppt ihr's in die Fleischerschirne,
- Und freut euch wohlgefällig seiner Qual.
- Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne,
- Woraus er lachend die Vernunft euch stahl.
- Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger.
- Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger!
-
- Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken,
- Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb.
- Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken,
- Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. --
- Dann thut es diesem einzigen Gedanken,
- Thut's dem, was euch noch heilig ist, zu lieb:
- Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde,
- Gebt das Signal und koppelt eure Hunde!
-
- Und thut ihr's nicht, so höret mit Entsetzen,
- Was dann geschieht, ich sag's euch, ich, ein Greis.
- Ihr denkt, das Wild würd' sich zur Wehre setzen,
- Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis;
- In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen,
- Und Rettung suchen um des Lebens Preis?
- Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed'schen,
- Den Zorn mit blut'gen Worten zukartätschen?
-
- Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen,
- Und rächend hoch auf Barricaden steh'n,
- Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten,
- Wie Oriflammen, von den Bergen weh'n,
- Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten,
- In Kampf und Tod für uns're Kirche geh'n.
- Ihr denkt's? dann denkt es auch mit allen Schauern,
- Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern!
-
- Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen,
- Dem Hirsch, der stumm und ohn' Empfindung scheint.
- Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen,
- Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind,
- Dann läßt er hör'n ein leises süßes Klagen,
- Und was er nie gekonnt und that: er weint.
- So leiden wir, so weinen wir und klagen,
- Wenn eure Bleie uns in's Leben schlagen.
-
- Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen,
- Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor.
- Wenn eure Flüch' hinab zur Hölle steigen,
- Dringt uns're Stimme bis zu Gottes Ohr.
- Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen,
- Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor.
- Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen,
- Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen.
-
- 's war eine Zeit -- vielleicht in stillen Nächten
- Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt;
- Es war die Zeit, eh' ihr von finstern Mächten
- Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt,
- Eh' ihr's gelernt, mit Gott und Kirche rechten,
- Und eh' der Satan euern Geist berückt --
- Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten,
- Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten.
-
- Ein festlich majestätisches Geläute
- Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus.
- Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute,
- Ihr trugt, wie's Brauch ist, einen Blumenstrauß;
- Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude,
- Sah euch die Unschuld aus dem Aug' heraus --
- Und ihr gelobtet euch im Sacramente
- Dem lieben Heiland bis an's Lebensende.
-
- Noch seh' ich euch am Tisch des Herren essen,
- Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt.
- Noch seh' ich euch die keuschen Lippen pressen
- Auf's Kruzifix in eurer reinen Hand.
- O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen,
- Die damals euch im frommen Auge stand?
- Wie weit ist's doch, seit jenen schönen Tagen
- Bis zu dem heut'gen mörderischen Jagen?
-
- Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande,
- So denkt an jenen einz'gen heil'gen Tag --
- Und dann -- schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande,
- Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag.
- Noch nie gab's so viel Edelwild im Lande,
- Ein Jagen, wo's geduldiger erlag.
- Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir's nicht gelinder!
- Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder.
-
-
-
-
- 1848.
-
-
- Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren,
- Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer.
- Prophetenstimmen aus verklung'nen Jahren
- Zieh'n wie Posaunentöne vor ihm her.
- Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren
- Und die Empörung schwingt den blut'gen Speer.
- Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen,
- Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen.
-
- Wer ist der Steuermann in solchen Wettern,
- Wer ist der Geist, der über'n Wassern schwebt?
- Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern
- Maschinenmäßig durch die Wellen hebt?
- Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern
- Sich in die Weichen der Empörung gräbt?
- Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten,
- Gibt uns ein Machtwort den verlor'nen Frieden?
-
- Wohl mag ein _Stern_ uns aus den Wogen retten,
- Doch keiner, der auf Uniformen blinkt,
- Wohl eine _Hand_ vermag uns warm zu betten,
- Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt.
- Und für das Schiff gibt's neue, sich're Ketten,
- Doch keine, die uns um die Freiheit bringt.
- Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung,
- Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung.
-
- Der _Stern_, die _Stella maris_, die wir kennen,
- Wir seh'n ihn hehr und schön vom Himmel schauen,
- 's ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen,
- Den süßen Namen Uns'rer Lieben Frauen.
- Wo gibt's Fanale, die so glänzend brennen,
- Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen?
- Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen
- Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen.
-
- Die _Hand_, das ist die Hand der Braut des Herren,
- Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt,
- Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren,
- Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt,
- Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren,
- Den Segen ihres hohen Bräut'gams reicht.
- Wo _diese_ Hand regiert, von Gottes wegen,
- Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen.
-
- Die _Kette_, die es hält für alle Zeiten,
- Reicht von der Erde in die Ewigkeit,
- Die Kette zweier Welten, die in beiden
- Uns zur Gemeinschaft aller Heil'gen reiht --
- Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden,
- In Nacht und Trübsal, Gnad' und Herrlichkeit --
- Das ist die Kette von Demant und Eisen,
- Die keine Stürme dieser Welt zerreißen.
-
- O süßer Meerstern, der vom Himmel d'roben
- So mild und freundlich auf uns niederschaut,
- O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben,
- Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut,
- O diamantnes Band, von Gott gewoben, --
- Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut --
- Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben,
- Wir glauben noch, denn _ihr_ seid uns geblieben.
-
-
-
-
- Komm!
-
-
- O komm, still' unser heißestes Verlangen,
- O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick;
- O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen,
- Längst wärst Du bei den Trauernden zurück.
- Mit Dir ist Fried' und Freud' hinausgezogen;
- Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück.
- So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten,
- Wie wir bisher die Tag' und Stunden zählten.
-
- O komm, o komm, ein Jammer ist's im Lande;
- Seitdem Du gingst, war's eine schwere Zeit,
- Ein Hurrah über's and're schreit die Bande,
- Der Teufel machte sich noch nie so breit;
- Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte,
- Hat Dir schon manch Gebet geweiht.
- O komm, du kannst's ja, von Sanct Peter's Stufen,
- Hat Dir es Pius freundlich zugerufen.
-
- O komm, Dir harren tausend Herzen:
- Die Kirche mit der Glocken Jubelton,
- Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen,
- Die Gläub'gen mit Gesang und Prozession;
- Empfang' die Lieb' als Balsam Deiner Schmerzen,
- Und für die uns'rigen sei Du der Lohn,
- Damit uns so, mit Gott verbunden,
- Das Leid vergeht, vernarben uns're Wunden.
-
- Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten,
- Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt?
- Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten
- Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt;
- Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten
- Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt,
- Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen.
- Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen.
-
- O komm, steh, alle Tage wird es trüber,
- Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab,
- Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber,
- Kein Retter uns erschien, der Frieden gab.
- So komm denn Du, den Hermelin wirf über,
- Gebiet dem Sturm mit Deinem gold'nen Stab,
- Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken,
- Sich Dein gewohnter Segen niedersenken.
-
-
-
-
- Das Marienbild zu Rimini.
-
-
- 1850.
-
- Wunder! Leben gießt sich in das Todte.
- Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist,
- Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote
- Die Gesetze der Natur zerreißt.
- Seht, das Auge öffnet sich und milde
- Strahlt es den unmittelbaren Gruß,
- Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde --
- _Signa dantur infidelibus_.
-
- Nun vom Volk zu des Allmächt'gen Throne
- Hebt der Blick der Heiligen sich empor.
- »Gott allein die Ehr' und seinem Sohne,
- Der zur Himmelskön'gin mich erkor!«
- _Sursum corda!_ und zum Herrn und Meister,
- Mit des Auges seligstem Erguß,
- Reißt sie aufwärts die erschrock'nen Geister --
- _Signa dantur infidelibus_.
-
- D'rauf der Heil'gen Auge senkt sich nieder,
- Und zurück zu Staube sinkt das Erz,
- Und das Volk wird seiner Sünde wieder,
- Seines Fluchs bewußt das Menschenherz.
- Laßt uns beten, beten tief im Staube:
- »Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.«
- Laßt uns einig sein in Lieb' und Glaube --
- _Signa dantur infidelibus_.
-
-
-
-
- An Maria.
-
-
- O Maria, laß gelingen,
- Und sei meine Helferin,
- Laß mich gut und recht vollbringen,
- Was ich jetzt gesonnen bin.
- Mutter Gottes, alle Tage
- Warst Du bei mir, sonst und jetzt,
- Und ich habe keine Klage,
- Daß Du mich verlassen hätt'st.
-
- Hilf mir auch bei diesem Werke,
- Gib, wofern Du mich noch liebst,
- Daß ich mir die Winke merke,
- Die Du deinem Diener gibst.
- Wenn's dann geht, wie ich begehre,
- Dann sei Dir das Werk geweiht,
- Dir allein zu Ruhmes Ehre,
- Mutter aller Herrlichkeit.
-
-
-
-
- Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel,
-
- _Direktor des Jünglingsvereines_, zu seinem Namenstage, den 7.
- December 1854, vom Vereine gewidmet.
-
-
- Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen,
- Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht;
- Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen;
- Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht;
- Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen,
- Im Hasse einer wild dem andern flucht --
- Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe,
- Wohin willst du dich flüchten, heil'ge Liebe?
-
- Wenn ringsumher die Völker sich befehden,
- Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt;
- Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden
- Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt,
- Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten,
- Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt --
- O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten
- Willst du, der flücht'gen Taube gleich, dich retten?
-
- Da öffnen sich die großen Geisterhallen,
- Die ein Granit auf seinem Haupte trägt,
- Wo ewig neu die Wogen niederprallen
- Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt.
- Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen,
- Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt,
- Wo keine Ketten dich der Erde binden,
- O süße Liebe, deine Ruhe finden.
-
- Und hat dies heil'ge Dach zur rechten Stunde
- Auch uns vereinigt, eine junge Schaar,
- Zu Lieb' und Treu', zu brüderlichem Bunde,
- Ein Obdach gegen Sturm und Tod'sgefahr:
- So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde,
- Zu danken dem, der unser Leitstern war,
- Der uns'rer Seelen träges Feuer schürte,
- Und uns zum Tempel heil'ger Liebe führte.
-
- Und alle Gnaden, die wir uns erwerben,
- Und jeder Blick vom lieben Jesuskind;
- Und jede Huld, im Leben und im Sterben,
- Die aus den Händen der Maria rinnt,
- Und jede Rettung, die aus dem Verderben
- Der heil'ge Joseph unserm Bund gewinnt,
- Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet,
- Sei dankbar unserm Führer zugewendet.
-
-
-
-
- Lied für den Jünglingsverein.
-
-
- 1854.
-
- Im Waffenkleid, in blankem Stahl
- Vom Kopf bis zu den Waden,
- Umsteh'n den tapfern General
- Die muthigen Soldaten.
- Im Auge blitzt der Heldenmuth,
- Verachtung für die Schande.
- Sie rufen laut -- und schwenken den Hut --
- Ein Hoch! dem Vaterlande.
-
- Und Hoch! dem General, der sie
- So oft ins Feld geführet,
- Und gegen manche Schlachtbatt'rie
- Die Truppen commandiret.
- Der sitzt mit seinem Ordensband
- Auf seinem stolzen Pferde,
- Und dankt, an seinem Hut die Hand,
- Mit freudiger Geberde.
-
- Auch _wir_ sind eine stärk're Armee,
- Als manche Contingente.
- Es hängt uns zwar kein Portepee,
- Kein Schwert um uns're Lende;
- Doch unser Schwert und uns're Wehr,
- Das ist der gute Glaube,
- Der heil'ge Schutz von Oben her
- Ist uns're Pickelhaube.
-
- Auch unser Herz durchglüht der Muth,
- Auch wir verachten die Schande,
- Und rufen auch -- und schwenken den Hut --
- Ein Hoch! dem Vaterlande.
- Das ist noch größer als Oesterreich,
- Als Preußenland und Polen,
- Man mißt's nicht aus, und lief man gleich
- Auf Siebenmeilen-Sohlen.
-
- Und alle Menschen wohnen d'rin,
- Die Großen und die Kleinen,
- Das Land umschließt als Hüterin
- Eine Mauer von Edelsteinen.
- Und unser Herrgott hat gesagt:
- Mit Stürmen und Gewittern
- Soll nicht die Hölle, wenn sie's wagt,
- Dies Vaterland erschüttern.
-
- Es leb' auch hoch der General,
- Der uns zu Felde führet,
- Und der uns nicht zum ersten Mal
- Zum Kampfe commandiret.
- Der sitzt nicht mit dem Ordensband
- Auf einem stolzen Pferde:
- Er trägt ein einfach schwarz Gewand
- Und geht auf rauher Erde.
-
- Nicht streng ist sein Commandowort,
- Es dringt aus sanfter Kehle,
- Und dennoch reißt's wie Sturmwind fort,
- Und dringt uns durch die Seele.
- Er droht uns nicht mit Haft und Strang,
- Der Feind nur kriegt die Hiebe,
- Und unser ganzes Reglement
- Ist guter Will' und Liebe.
-
- Sein Hauptquartier und Marschallzelt
- Ist eine stille Klause,
- Dort stünd' ein jeder, wenn es gält',
- Als Schildwach vor dem Hause.
- Wir halten bei ihm allzumal,
- Im Frieden wie im Streite.
- Es lebe unser Feldmarschall
- In seinem Ordenskleide.
-
-
-
-
- Der Jünglingsverein an seinen Director,
-
- _bei dessen Abreise nach Rom_,
-
-
- am 10. April 1855.[15]
-
- Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land
- Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand.
- Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur,
- Wird's lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur.
-
- O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh,
- Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee.
- Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar,
- Das ist der verwund'ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war.
-
- Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein,
- Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih'n.
- Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib' uns nah!
- Deiner Kinder hier im Lande denk' im Land Italia!
-
- Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn,
- Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan,
- Wandelst auf dem welschen Boden, unter'm blauen Himmelszelt,
- Oder durch die ew'gen Hallen in der großen Stadt der Welt: --
-
- Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit,
- Und die Heil'gen, die wir rufen, steh'n als Garde Dir zur Seit'.
- Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus,
- Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus.
-
- Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht,
- Heim aus Roma's Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht.
- Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst,
- Dann vergiß nicht Deiner Durst'gen, daß Du ihnen Labung bringst.
-
- O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt,
- Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt.
- Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer.
- Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her.
-
- Segne uns noch, eh' Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist,
- Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil'gen Geist.
- Dann leb' wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand,
- Daß sie aus der Fern' uns leite, reich uns deine theure Hand.
-
-
-
-
- Der Lehrer an seine Schüler.
-
-
- Es ist ein heilig Band, das um die Herzen
- Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar
- Die Wissenschaften und die Künste winden --
- Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich,
- Wenn die Gemüther sich einander finden.
- Dies Band zu weben, sind geheime Geister
- Mit raschen Händen früh und spät geschäftig.
- Bald kommen sie auf Sternenhöh'n des Glaubens,
- Die nicht des Menschen Auge schauen kann;
- Bald aus den Räumen der geschaffenen
- Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet;
- Bald aus den Tiefen der Philosophie;
- Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen,
- Die der Verstand zur Harmonie gezwungen:
- Bald aus des Alterthums entleg'nen Welten,
- Von denen Weise jener Tage melden;
- Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen,
- Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen.
-
- So kommen sie, mit alt' und neuem Leben,
- Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen,
- Aus allen Elementen, um zu helfen,
- Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben.
- Doch kenn' ich zwei von jenen kleinen Webern,
- Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister.
- Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge,
- Von reichem und harmonischem Gemüthe, --
- Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe,
- Die einst als Mädchen aus der Fremde kam,
- Mit einem Füllhorn überird'scher Gaben.
- Die erste trägt die Tafeln der Gesetze,
- Wonach die Muttersprache tönt und klingt;
- Die and're mit dem Amaltheahorne,
- Sie trägt die gold'nen Schlüssel zu dem Borne,
- Aus welchem in melod'schen Wellen
- Die Lieder uns'rer Dichter quellen.
-
- Was hab' ich diesen Schwestern zu verdanken,
- Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen
- Die Früchte und die Lieb' umranken,
- Die sich so schön in diesem Strauße zeigen?
-
- Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern,
- Zu allen Zeiten, heut' wie gestern,
- Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt:
- So wird auch immer leben, was sie schufen,
- Und oft den Freund, der ferne von euch geht,
- Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht,
- In euer liebendes Gedächtniß rufen.
-
- Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden,
- Wo ihr der Muttersprache Melodien
- Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, --
- Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden,
- Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen,
- In der wir manchen schönen Strauß gebunden.
-
- Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben!
- Was uns verknüpft, muß ewig bleiben!
-
-
-
-
- Epilog nach der Preisevertheilung
-
- _im K.-G. Athenäum zu Luxemburg_
-
-
- am 21. August 1853.
-
- Verklungen sind die brausenden Accorde,
- Die durch den glanzerfüllten Saal getönt;
- Verhallt die Lieder, die gewalt'gen Worte,
- Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt.
- Es schließt Athene ihres Tempels Pforte,
- Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt,
- Und unter'm Jubel ist entzückter Wogen
- Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen.
-
- Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen?
- War's nur ein Traum aus dem romant'schen Land?
- Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen,
- Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt,
- Vom »Mädchen aus der Fremde« nur gelesen,
- Die den Geliebten ihres Herzens fand,
- Und nun beglückend Alles, die Beglückte,
- Mit Lorbern uns'rer Söhne Häupter schmückte?
-
- Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren,
- Daß Aug' und Herz sich selber nicht mehr trau'n,
- Wenn ungetrübt mit seligem Verklären
- Entzückungs-Stern' in uns're Thäler schau'n.
- Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren,
- Nicht eine Königin der Elfenfrau'n --
- Sie selber sind's, und uns're Herzen brennen,
- Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen.
-
- Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden,
- Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein!
- Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden
- Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein?
- Herbei ihr Künste, die den flücht'gen Stunden
- Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih'n!
- Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette,
- Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette!
-
- Malt mir ein Meisterbild -- euch wird zum Lohne
- Ein Ruhm, der durch's Jahrhundert wiederhallt --
- Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone
- Ein Wesen von ätherischer Gestalt,
- Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone.
- Der Schönheit majestätische Gewalt
- Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen,
- Und über sie der Jugend Frühling scheinen.
-
- Malt ihr zur Seite, mit der bärt'gen Wange
- Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn,
- Den Admiral von königlichem Range,
- Der uns're Flagge, wenn Gefahren droh'n,
- Vertheidigt in der Stürme wildem Drange,
- Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn,
- Dann laßt sich über beide Huldgestalten
- Der Gattenliebe milden Glanz entfalten.
-
- Malt mir das Paar von seinem Hof' umgeben,
- Und von der Würdenträger dichter Schaar --
- Von Haus und Kirch' und Staat ein buntes Leben --
- Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar.
- Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben
- In Seid' und Sammt, auf Kriegskleid und Talar,
- Und legt in all die Augen und Gesichter
- Der patriotischen Begeist'rung Lichter.
-
- Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle
- Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau'n.
- Bevölkert mir die schön geschmückte Halle
- Mit einem Meer von Jünglingen und Frau'n,
- Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle
- Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau'n --
- Und über's Ganze laßt der Sonne Strahlen
- Durch's off'ne Fenster eine Glorie malen.
-
- Doch jetzt -- verstummt sind die Orchesterklänge --
- Die Palme winkt, um die die Jugend stritt --
- Und siehe, zagend aus der bunten Menge
- Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt.
- Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge,
- Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt,
- Und dem Erglüh'nden reichen ihre Hände
- Mit Grazie der Athene Lorberspende.
-
- Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen --
- Ein and'res Reich gehört dem Sänger zu,
- Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen,
- Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du.
- Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen,
- Ist uns'rer Brust geheimnißvolle Truh.
- Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben --
- Was sie gebar, kann nur im Liede leben.
-
- O diese Thrän', ich sah sie blitzend scheinen
- Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau;
- Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen,
- Als man ihn krönte, du glücksel'ge Frau.
- Verhüll' sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen --
- Der stolzen Mutterliebe selt'ner Thau.
- Mit solchen Perlen mag sich keine messen,
- Die dir Tragödien durch die Wimper pressen.
-
- Auch Vater du? o eine Manneszähre
- Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand.
- Zerdrück sie nicht, du würd'ger Greis, und wehre
- Dich nicht gewaltsam, wenn's dich übermannt,
- Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere,
- Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt,
- Dein altes Herz, im Fundament erschüttert,
- Unter'm Ungestüm des Augenblicks erzittert.
-
- Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege
- Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht,
- Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege
- Mit seiner Leidenschaften wilder Macht
- Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege,
- Und nun -- nach all der Zweifel banger Nacht --
- Die reiche Ernte mit den gold'nen Halmen,
- Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen!
-
- Und wenn ich Dir, erhab'ne Fürstin, heute,
- Was uns're Seele hat so tief bewegt,
- In Deinen mütterlichen Klängen deute,
- Kühn will ich's sagen, was die mein'ge hegt:
- Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude,
- Ein süßes Pfand der Lieb' an's Herz gelegt,
- Dann wird's darin mit Flötenstimmen tönen:
- Nur Elternfreude mag die Welt verschönen.
-
-
-
-
- (Nach gegebenen Endreimen.)
-
-
- Die Herzen knüpfen schneller ein Bündniß, als die _Staaten_. --
- Ein junger Gärtner machte im Garten den _Besuch_,
- Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund'nem _Tuch_,
- Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den _Spaten_.
-
- Die Rosentöpfe standen gereiht auf der _Estrade_
- Nah' bei dem Strom -- da plötzlich, jenseits am andern _Strand_,
- Erschien ein lieblich Mägdlein, die bunte Kränze _wand_.
- Er warf ihr eine Rose hinüber an's _Gestade_.
-
- Das Kind war schön -- so malet kein Pinsel, keine _Kreide_ --
- Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blüthen_duft_.
- Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein _Schuft_,
- Sah ich in meinem Leben 'ne schön're Augen_weide_.
-
- Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne _Stricke_,
- Sie steckt' in ihre Flechten die Ros' aus seinem _Topf_,
- So ward der Bund geschlossen -- die Ros' in ihrem _Zopf_
- Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und _Brücke_.
-
-
-
-
- An P. Klein's Grabe.
-
-
- (15. Oktober 1855.)
-
- Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder,
- Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut!
- Und nun erstarrt die Augen, die so bieder,
- So froh und gläubig in die Welt geschaut!
- Leb' wohl, o Freund -- schon rollt die Scholle nieder --
- Leb' wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut
- Hör' ich den letzten ird'schen Klang verschweben
- Von Deinem reichen und geliebten Leben!
-
- Doch wen beklag' ich? Wenn _uns_ Todesmahnen
- Und Klagelieder hier am Grab' umweh'n;
- Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen,
- Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh'n --
- Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen,
- Ein freud'ger Held, dem Ziel entgegengeh'n.
- Und rein die Freude droben zu erfassen,
- Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen.
-
- Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen.
- Was Du hier unten träumtest halbbewußt,
- Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen.
- Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust,
- Die hier nur unverständlich in Dir klangen,
- Die Ideale Deiner Dichterbrust.
- Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden,
- Wird eine Krone Dir im ewg'en Frieden.
-
- Leb' wohl! Wir seh'n Dich -- wenn im finstern Thale
- Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt --
- Wir seh'n Dich wieder, wenn im Abendstrahle,
- Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt.
- Vielleicht ist's bald, vielleicht zum nächsten Male!
- O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt:
- Daß wir wie Du gerungen und geworben,
- Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben.
-
-
-
-
- Die Schutzengel.
-
-
- Vor einem Muttergottes-Bilde
- Lag im Gebet ein frommer Mann,
- Empfehlend ihrer Lieb' und Milde
- Vor Allem seine Kinder an.
- Du Quell so vieler Gnadengaben,
- Sprach er, sei ihre Helferin,
- Und nimm die beiden kleinen Knaben
- Als Deine eig'nen Kinder hin.
-
- Daß ihnen nichts zu Leid geschehe,
- Erleuchte sie mit Deinem Strahl.
- Bewahre sie vor Schmerz und Wehe,
- Vor Fall und Krankheit allzumal.
- Vor Allem aber ihre Seele
- Laß, Heilge, Dir empfohlen sein.
- Bewahre sie vor jeder Fehle,
- Flöß' ihnen Deine Liebe ein,
-
- Maria hört die fromme Bitte,
- Die ihr ein Engel übergab,
- Und ordnet aus der Engel Mitte
- Zwei himmlische Gesandten ab.
- Geht hin und thut, wie ich euch heiße,
- Damit erfüllt die Bitte sei.
- Gesellt euch still in eurer Weise
- Den Geistern jener Knaben bei.
-
- Nun höret, was darauf geschehen,
- Der Kindlein Vater hat's geschaut,
- Ein And'rer hätt's auch nicht gesehen,
- Der nicht auf sein Gebet vertraut, --
- All überall, wo die Knaben waren,
- Da standen ihnen Engel nah'.
- Und immer waren in Gefahren
- Zwei unsichtbare Hände da.
-
- Der Kleinste baut sich Kartenhäuser,
- Und siehe keines fällt ihm ein;
- Der Aelt'ste, schon ein wenig weiser,
- Baut ein Kapellchen sich von Stein.
- Als hälfen Meister und Gesellen,
- So hurtig war das Werk gethan.
- Er klebt' in Mitten der Kapellen
- Ein Muttergottes-Bildchen an.
-
- Mit Steinen spielen sie, und stellen
- Die bunten Steinchen in die Reih' --
- Die schönsten Kiesel aus den Wellen,
- Sie kommen wie von selbst herbei.
- Der Ball fliegt an die hohen Wände,
- Und in die Bäum' auf gutes Glück --
- Doch werfen unsichtbare Hände
- Den Knaben ihren Ball zurück.
-
- Sie spielen Reiter und sie jagen
- In's Feld und über Stock und Stein,
- Als würden sie im Flug getragen --
- Ein And'rer bräche Hals und Bein.
- Der eine fiel auf Fels herunter,
- Und gab sich einen Todesstreich,
- Ein Engel hielt seine Händchen d'runter,
- Das Kind fiel wie auf Moos, so weich.
-
- Ja, wenn die beiden Knaben spielten,
- So war's, als wären ihrer vier,
- Zwei Brüder schützten sie und hielten
- Den einen dort, den andern hier,
- Und als der and're, dem's gerathen,
- Ein Zündholz strich, allein im Haus,
- Da bliesen ihm die Kameraden
- Ein jedesmal die Flamme aus.
-
- Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen,
- Doch sieh, ich weiß nicht, wie's geschah --
- Das erste Wort von ihren Zungen,
- Das war der Name Maria.
- Vermuthlich haben die Kameraden
- Sie auch dies erste Wort gelehrt,
- Und so der Mutter Gottes Gnaden
- An diesen Kindern neu bewährt.
-
-
-
-
- Der Cölibat.
-
-
- Also gefällst Du mir, wenn die Soutane,
- Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt,
- Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne
- Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt,
- Und wenn Dein Blick begeist'rungsvoll der Fahne,
- Die der Erlöser schwingt, entgegenfliegt;
- Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen,
- Zum Dienst des Heil'gen dorthin zu gelangen.
-
- Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet,
- Doch nicht die Welt, an die die Welt gewöhnt,
- Zu heil'gen Bergen wirst Du hingeleitet,
- Die kein Pallast der Residenz verschönt;
- Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet,
- Und wo sein Horn das Thal herniedertönt;
- Dort steig' hinauf, in's freie Reich der Geister,
- Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister.
-
- Denn auf der Höh' des Lebens steht der Priester;
- Um seinen Scheitel glänzt des Frühroths Strahl;
- Den Schrein des Himmels öffnet und erschließt er,
- Und speis't die Gläub'gen mit dem Opfermahl,
- Und wie der frische Thau des Morgens gießt er
- Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal,
- Und alle Gläub'gen sich verneigend beben,
- Wenn seine Händ' empor die Hostie heben.
-
- Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen,
- Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab;
- Es mag sich ferner zu der Liebe neigen,
- Der Gott die Heiligung in Christo gab,
- Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen,
- Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab:
- Ein einz'ges nur von allen schönen Loosen
- Mußt Du zurück in die Entsagung stoßen.
-
- Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet,
- Zum Sakramente hat's sein Wort gemacht,
- Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet,
- Wenn's fromm im Geiste Gottes wird vollbracht;
- Ein süßer Reiz, dem schon Dein Blick begegnet,
- Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht;
- Den stärksten Fürsten irdischer Gewalten
- Sollst Du mit stärkerm Fuß im Staube halten.
-
- Die milde Liebe sollst Du stumm verachten,
- Auf ihre Zauber stolz herniederseh'n;
- Vergeblich soll mit ihrem süßen Schmachten,
- Sie an der Pforte Deiner Seele steh'n;
- Ein ros'ges Glück sollst Du im Herzen schlachten,
- An seiner Wonne kalt vorübergeh'n;
- Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen,
- Was wir der Erde höchste Schätze nennen.
-
- Kein schönes Auge soll Dein Herz durchdringen,
- Kein süßer Traum, der Deine Seel' umspinnt;
- Kein schöner Arm sich um den Dein'gen schlingen,
- Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,
- Von keiner Lippe Dir melodisch klingen
- Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt,
- Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt
- An einem Glück, das uns entzückt und heiligt.
-
- Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen,
- So sollst auch Du, ein jungfräulicher Mann,
- Hinauf zu seinem heil'gen Dienste fliegen,
- Ein freier Jüngling, den kein Weib gewann,
- Dem nie die Sehnsucht nach verbot'nen Siegen
- In feigen Thränen vom Gesichte rann,
- Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben,
- Nicht allzufrüh der Creatur gegeben.
-
- Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren,
- Ein jungfräuliches Weib der Perle gleich;
- Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren,
- Gleichwie die Lotosblum' auf Hesper's Teich.
- Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen,
- Bekriegst das Fleisch und seiner Lüste Reich,
- Schmückst Deine Seele mit den Myrthenzweigen:
- So magst Du auf zu jenen Höhen steigen.
-
- Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert:
- So lang' Dein Puls dem Weib entgegenschlägt,
- So lang' die Flamm' in Deinem Blute lodert,
- Die losgelassen Dich in Asche legt,
- So lang' die gift'ge Lust noch unvermodert
- Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt:
- Magst Du mit Laien sein und beten,
- Doch nimmermehr zum Tabernakel treten.
-
- Zwar sind's nur wenige, die so hoch berufen,
- Doch wenn auch _einer_ nur, der also denkt,
- Ein einz'ger Priester, der an heil'gen Stufen
- Die ird'sche Liebe hinter sich versenkt,
- Den frei von Schuld die Hände Gottes schufen,
- Zu Gott die jungfräuliche Seele lenkt:
- Sie sollen strömen aus entfernten Zonen,
- Um seinem reinen Opfer beizuwohnen.
-
- Wohl soll ein schönes Auge Dich durchdringen,
- Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt,
- Ein schönes Weib soll Deine Seel' umschlingen,
- Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,
- Von ihren Lippen wird's melodisch klingen:
- Du bist mein Bräutigam, mein Kind!
- Um _diese_ Heil'ge sollst Du frei'n und werben,
- Dann wird Dein Herz in Wonn' und Liebe sterben.
-
- Auch jene Worte sollen Dich entzücken,
- Die mir der Knab' auf meinen Knien lallt:
- Denk Dir die Seele, die sich ließ berücken,
- Die sich von Gott gewendet, todt und kalt --
- Du kannst mit neuem Leben sie beglücken,
- Und im Triumph, mit geistiger Gewalt,
- Aus ihrer Nacht zu jenen gold'nen Thüren
- Der Gnade und des Lichts zurückeführen.
-
- Und wenn dann jene Seel' in sanftem Weinen,
- Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt,
- Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen,
- Entzückt in jubelndem Gebete liegt:
- Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen,
- Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt,
- Dein neugebor'nes Kind, dem Du das Leben,
- Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben.
-
- Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande,
- Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Führer zeigt?
- Früh morgens, eh' noch hinterm Alpenrande
- Empor die schöne Fackel Gottes steigt;
- Wenn rings noch still, in nächtlichem Gewande,
- Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt,
- Glüht still und einsam, wie in Andachtwonne
- Die Jungfrau dort im frühen Kuß der Sonne.
-
- Also dort oben, auf der Menschheit Höhen,
- Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt,
- Dort oben, wo die rein'ren Lüfte wehen,
- Und wo sich keine Sorge hin versteigt,
- Sollst Du ein _jungfräulicher_ Priester stehen,
- Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt;
- Wie jene Alpe soll in heil'gen Frühen
- Ein jungfräulicher Glanz Dein Haupt umglühen.
-
-
-
-
- Arion.
-
-
- 1850.
-
- Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,
- Stolz kommen die Segel einhergezogen
- Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.
- Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,
- Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,
- Sie führen Arion zum Heimathland.
-
- Hoch steht er am Bord im Abendglanze,
- Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,
- Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.
- »O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!
- Nun kehr' ich dir wieder im größten Glücke,
- Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.«
-
- Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,
- Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.
- In die grollenden Fluthen ruft er hinab:
- »Poseidon, schütz' uns, du Wogendränger!
- Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,
- Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!«
-
- Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:
- »Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,
- So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.
- Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,
- Lebendig wirst du uns dem König verrathen,
- Den Leichnam bringen wir sicher in Port.«
-
- Und jener bittet und flehet vergebens.
- »Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?
- Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?
- So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen
- Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen,
- Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.«
-
- Die eben noch unerbittlich waren --
- Arion zu hören, reizt die Barbaren.
- Er kleidet sich d'rauf in köstlich Gewand.
- Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,
- Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,
- So steht er, die Cither in seiner Hand.
-
- »Rauschet meine letzten Klänge!
- Rauschet wie Triumphgesänge
- Meiner Lieder schönstes Lied!
- Kühn, wie zu des Himmels Bogen
- Sturmbewegt die Welle flieht,
- Schlage deine großen Wogen,
- Jubelharmonienmeer,
- Majestätisch um mich her!
-
- Denn ich geh' zu meinen Göttern.
- In des Sturmes Donnerwettern
- Grüßen sie Arion schon.
- Durch der Wogen wildes Brausen
- Hör' ich Orpheus süßen Ton.
- Hin, wo uns're Helden hausen,
- Sink' ich, hellumstrahlt vom Ruhm,
- Selig in's Elysium.
-
- Rauschet, meiner Cither Klänge,
- Rauschet, wie Triumphgesänge,
- Meiner Lieder letztes Lied!
- Du Thalassa, die den Bogen
- Um der Menschen Länder zieht,
- Schlage deine großen Wogen,
- Wie ein Harmonienmeer,
- Majestätisch um mich her!«
-
- Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,
- Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.
- Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel',
- Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter
- Der bläulichen See lebendige Wunder,
- Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.
-
- Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,
- So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken
- Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch.
- Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,
- Da steiget Arion gerettet zum Lande. --
- Der Sänger steht in der Götter Hut.
-
-
-
-
- Militär-Toast.
-
-
- 1850.
-
- Wie glänzt der Tisch im festlichen Gepränge,
- Geschütz erschallt, das Echo hallt,
- Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt,
- Und vom Orchester strömen lust'ge Klänge,
- Wer sagt's noch, daß das Herz ihm schwer und enge?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Augen blinken!
- Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken,
- Und laßt's ihn aus bis auf den Boden trinken!
-
- Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze?
- Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal,
- Und allzumal die Lust im Saal.
- Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze?
- Wer schlägt für ihn sein Blut nicht in die Schanze?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, auf von den Sitzen,
- Und füllt die Gläser mit den gold'nen Blitzen,
- Gebt das Signal den donnernden Geschützen.
-
- Gott grüß dich, Vaterland, du uns're Wiege!
- Das Auge glüht, die Seele sprüht,
- Das Herz durchzieht ein heilig Lied!
- Gott schütze dich im Frieden und im Kriege!
- Wer schmäht dich, deinen Ruhm und deine Siege?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Hand zum Stahle!
- Und füllt mit schaum'gen Regen die Pokale,
- Hoch lebe Preußen, hoch! im Siegesstrahle!
-
- Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen
- Vom Memelstrand bis hier in's Land,
- Ein einiges Band, 'ne einz'ge Hand --
- So steh'n wir auf, werth uns'rer tapfern Ahnen!
- Wem ist sein Blut noch lieb für deine Fahnen?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, Tod sei der Schande,
- Und laßt die Gläser schäumen bis zum Rande:
- Treu unserm König und dem Vaterlande!
-
- Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir wählen;
- Vom Feind bedroht, vom Brand umloh't,
- In Sturm und Noth, bis in den Tod,
- Soll Fürst und Land auf seine Söhne zählen.
- Wer zweifelt an dem Schwur von Männerseelen!
- Wer sagt's, wer wagt's? Wer will uns dort verdammen?
- Reicht mir den Becher mit den gold'nen Flammen;
- Wir bleiben treu, und bräch' die Welt zusammen.
-
-
-
-
- Ein Geister-Ständchen.
-
-
- Zum sechzigjährigen Dienstjubiläum
- Sr. Exc. des Herrn Militär-Gouverneurs,
- Generals der Cavallerie,
- _von Wedell_,
- zu Luxemburg, am 15. April 1856.
-
- Die Nacht war still, kein Lüftchen ging,
- Es war zwölf Uhr, und am Himmel hing
- Der Mond wie eine bleiche Laterne.
- Die Welt schlief fest, kein Laut war wach,
- Als die knarrende Fahne vom Kirchendach
- Und der Posten Ruf in der Ferne.
-
- Da plötzlich tönt von der Schloßwacht her
- Ein lautes Werda, sie tritt in's Gewehr --
- D'rauf ein Rasseln und Rauschen ohn' Ende --
- Ein blut'ges Regiment, ein bleiches Corps,
- Als kämen sie just aus den Gräbern hervor,
- Dringt über den Fischmarkt behende.
-
- Mit Büchsen und Flinten, mit Lanz' und mit Schwert
- Das trippelt und trappelt, zu Fuß und zu Pferd,
- Und stehet nicht Antwort und Rede.
- Sie drängen sich links, sie wissen wohin,
- Und schwenken sich auf vor St. Maximin,
- Ein junger Major an der Tete.
-
- Sie tragen von allerhand Farben Gewand,
- Und Keinem ist die Montirung bekannt
- Der blutigen Geisterschaaren.
- Auf Manchen hängt sie in Fetzen nur --
- Doch trägt der Major die Parade-Montur
- Der brandenburg'schen Husaren --
-
- Und trägt auf der Brust, wie als er noch stritt,
- Das stattliche Ordenskreuz _pour le mérite_,
- Mit der kleinen Krone von Perlen.
- D'ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt,
- Als er todt da lag am Ostseestrand,
- Zerfetzt von den dänischen Kerlen.
-
- Und er winkt, der Trompeter bläst zum Appell,
- Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell,
- Und erheben die blut'ge Standarte.
- Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf,
- Und es treten hervor aus dem düstern Hauf,
- Die man dort im Sande verscharrte.
-
- Beim Ruf _Dodendorf_ vor die Fronte tritt
- Diezelsky, geschmückt mit dem Kreuz du mérite,
- Auch Stössel und Voigt auf den Rossen,
- Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant,
- Mit dem Parlamentärtuch in seiner Hand,
- Den sie meuchlerisch todt geschossen.
-
- Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf,
- Sie reiten herbei auf leichtem Huf --
- Zerhau'ne, verweg'ne Gesichter.
- D'rauf von _Dömitz_ und _Dammgarten_ rückt's herbei,
- Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei,
- Und der Haufen wird immer dichter.
-
- Da öffnet der Feldherr wieder den Mund,
- Und schwingt den Säbel und ruft: _Stralsund!_
- Und es melden sich tausend Männer.
- Voran ein wilder Husarenschwarm,
- Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm,
- Die Andern auf luftigem Renner.
-
- Auch Billerbeck, Eyb und Halletius,
- Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß
- Zu Stralsund am Knieperthore,
- Von Alvensleben auch, der wackere Held,
- Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld,
- Sie treten hervor aus dem Chore.
-
- Da ruft der Major: _Sanct Leonhard!_
- D'rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt,
- Die vierzehn gefangenen Krieger.
- Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust,
- Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt,
- Und waren im Tode Sieger.
-
- Nun bleiben noch elf Offiziere zurück --
- Der Major ruft: _Wesel!_ und verhüllt den Blick,
- Und die Elfe beschließen die Schaaren --
- Gar edle Jünglinge, hingestreckt,
- Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt,
- Die im Leben nur Ein Herz waren.
-
- Und als sie versammelt sind Mann für Mann,
- Da heben die Trompeter zu blasen an
- Die schönste der Serenaden,
- Ein Jubellied, das zum Herzen dringt
- Und hell majestätisch die Nacht durchklingt,
- _Zum Gruß ihrem alten Kameraden_.
-
- Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund,
- Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund,
- Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren.
- So schauerlich hörte die Stadt noch keins --
- Da schlug die Uhr vom Kirchthurm _Eins_ --
- Und zerstoben war Schill mit den Schaaren.
-
-
-
-
- Die St.-Helena-Medaille.[16]
-
-
- Weis' her die wälsche Medaille!
- Wie funkelt so neu das Ding!
- Und so alt schon ist die Bataille,
- Wo Dein Arm zum Teufel ging.
-
- Wär' weiter nichts mitgegangen,
- Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz,
- Sie hätten Dir nicht gehangen
- Die Medaille an seinen Platz.
-
- Sie hätten es nicht probiret,
- Nach fünfzig Jahren auf's Neu',
- Und zweimal speculiret
- Auf Deine Kaisertreu'.
-
- Der Kaiser liegt im Grabe
- Und seine Garde dazu.
- Gott geb' ihm und seinem Stabe
- Pardon und die ew'ge Ruh'.
-
- Viel Jahre sind gezogen
- Wohl über die Gruft daher.
- Kaum rauschen noch die Wogen
- Die blutige Kaisermähr.
-
- Und Gras ist viel gewachsen
- Ueber Ehr' und über Schand',
- In Preußen und in Sachsen
- Und im Franzosenland.
-
- Nun kommen sie wieder und äffen
- Und schmücken sich mit dem Ding
- Und werben Dich für den Neffen
- Um einen Silberling.
-
- Kämen sie im Schlachtgebrause
- Zu hunderttausend Mann,
- Wir schickten sie nach Hause,
- Wie wir es schon gethan.
-
- Und Du greifst nach dem Bande?
- Du heftest Dir es an?
- Du brüstest Dich mit der Schande!
- O, schäme Dich, alter Mann!
-
-
-
-
- Testament.
-
-
- (November 1858.)
-
- Wenn ich ausgelitten hab'
- Und mich von euch wende,
- Macht mir doch mit meinem Grab'
- Nicht viel Complimente.
-
- Setzt mir keinen Stein daher,
- Der's den Leuten sage:
- Freut euch, daß ich keinen mehr
- Auf dem Herzen trage.
-
- Auch mit Rosen bleibt mir fort,
- Kränzen oder Kronen,
- Flechtet sie, wo hier und dort
- Frohe Menschen wohnen.
-
- Weder Schutt noch Blumenfeld,
- Scherben oder Kräuter,
- Machen mir die and're Welt
- Länger oder breiter.
-
- Viel Poeten haben's gern
- Wenn sich Vöglein's Flügel
- Um die Zeit vom Abendstern
- Senkt auf ihren Hügel,
-
- Oder wenn vom nahen Baum
- Nachtigallen pfeifen,
- Während durch den stillen Raum
- Laue Weste streifen.
-
- Nichts begehr' ich von dem All'n
- Wollt' auch eh'r erdolcht sein,
- Als von Mond und Nachtigall'n
- Bis in's Grab verfolgt sein.
-
- Im November jedes Jahr
- Soll't ihr mich besuchen,
- Dort, wohin mich auf der Bahr
- Fremde Schultern trugen.
-
- Ob vielleicht schon Schnee und Frost
- Mich bedeckt da draußen,
- Ob die Stürm' aus Nord und Ost
- Durch die Felder brausen --
-
- Grade wenn's recht stürmisch ist,
- Sollt ihr zu mir treten,
- »Vater unser, der du bist«,
- Herzhaft für mich beten.
-
- So befohlen und gestift't
- Hier in dem Gedichte,
- Auf daß Jeder, den's betrifft,
- Demgemäß sich richte.
-
-
-
-
- Inhaltsverzeichniß.
-
-
- Vorwort mit der Biographie des Dichters III
- Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3
- Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5
- Am Geburtstage meines Vaters 6
- Am Anfange der Osterferien 11
- Am 8. December 13
- Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15
- Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16
- Nachtwächter-Lied 19
- Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21
- Gruß an die Heimath 22
- Mein Engel 25
- Sehnsucht nach dem Tode 27
- Reliquie eines Verschollenen 31
- Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36
- Die Waldmühle 38
- Schweizers Sehnsucht 41
- Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43
- Mein Wunsch 47
- Die letzte Rose 48
- Sonett 51
- Sonett 52
- Die Johannisblume 53
- In der Ferne wohnt mein Glück 54
- Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56
- An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59
- Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63
- aus dem Wimez'schen Institute aufführten
- Gesang der Sterne 65
- Der Liebe Sehnen 67
- Veilchenstrauß 69
- Tag der Vereinigung 71
- Siehst Du, wo im Abendgolde 73
- Der Bürgergardist 74
- Die Natur 76
- Vaterfreude 78
- Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81
- von Luxemburg
- Ludwig Philipp 84
- Was ist des Deutschen Vaterland? 87
- Blau, weiß, roth 90
- Bei Sebastopol 92
- Ferienweihe 94
- Von der Luxemburger Mosel 99
- Es lag mir schon sehr lange nah' 102
- Die Fische 103
- Morgenlied von dem Schäfchen 105
- Maria und der Doctor 107
- Des armen Kindes heiliger Christ 109
- Des Schweizers Heimweh 112
- Der Morgen im Garten 114
- Am Abend 116
- Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118
- apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem
- Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes
- Der Katholik 120
- In einer protestantischen Kirche 122
- Maria! 130
- Maria in der Seele 135
- Die Verfolgung 138
- 1848 142
- Komm! 145
- Das Marienbild zu Rimini 147
- An Maria 149
- Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150
- Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December
- 1854, vom Vereine gewidmet
- Lied für den Jünglingsverein 152
- Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155
- Rom
- Der Lehrer an seine Schüler 158
- Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161
- Nach gegebenen Endreimen 166
- An P. Klein's Grabe 167
- Die Schutzengel 169
- Der Cölibat 173
- Arion 179
- Militär-Toast 182
- Ein Geister-Ständchen 184
- Die St.-Helena-Medaille 188
- Testament 190
-
-
-
-
- Fußnoten.
-
-
-[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena
-materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt.
-
-[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten
-Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße
-eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem
-Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär
-derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de
-division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum
-Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle
-er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß
-Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als
-beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu
-besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst
-provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und
-Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde.
-
- Anm. d. H.
-
-[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 28.
-
- D. H.
-
-[4] Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand 1857. Bei
-dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen: _E.
-Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german edition by
-A. v. Beresford. 8._
-
-[5] Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später bei
-Hotop in Cassel (»Salon-Novellen« 1851, ferner »Drei Novellen«),
-einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung »Was ihr wollt«.
-
-[6] Vgl. »Morgenblatt« 1847, »Telegraph für Deutschland«, Hamburg 1847,
-Nr. 111.
-
- D. H.
-
-[7] Aus dem »Salon« Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt.
-
- D. H.
-
-[8] Abgedruckt aus dem »Salon« 1842. Nr. 60.
-
- D. H.
-
-[9] Abgedruckt aus dem »Lux. Wort«, Jahrg. 1849.
-
- D. H.
-
-[10] Vgl. »Des fremden Kindes heiliger Christ« von Rückert.
-
- D. H.
-
-[11] Joh. VI.
-
-[12] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 31.
-
- D. H.
-
-[13] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 33.
-
- D. H.
-
-[14] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 33.
-
- D. H.
-
-[15] Abgedruckt aus der »_Quotidienne Luxembourgeoise_«, Jahrgang 1855,
-Nr. 83.
-
- D. H.
-
-[16] Abgedruckt in der »Köln. Ztg.«, Jahrgang 1857, Nr. 287.
-
- D. H.
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt.
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
-
-
-
-
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-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE ***
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