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-The Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Ernst Koch's Gedichte
- Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem
- Freunde des Verstorbenen
-
-Author: Ernst Koch
-
-Editor: Ludwig Housse
-
-Release Date: August 31, 2020 [EBook #63086]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online
-Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net.
-This book was produced from images made available by the
-Open Repository Kassel.
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- Ernst Koch's
-
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-
-
- Gedichte,
-
-
- aus dessen Nachlasse
- gesammelt und herausgegeben
- von
- einem Freunde des Verstorbenen.
-
-
- Luxemburg.
- Druck und Verlag von _B. Bück_.
- 1859.
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-
-Der Name _Ernst Koch_, dessen poetischen Nachlaß wir in dieser Sammlung
-der Oeffentlichkeit übergeben, hat in der Tagesliteratur bereits einen
-zu guten Klang, als daß wir hier sein Lob unternehmen müßten. Sein
-»Prinz Rosa-Stramin«, seine »Erzählungen« und »Novellen« haben ihn auch
-in weitern Kreisen rühmlichst bekannt gemacht, und er dürfte unter der
-Legion von Dichtern und Literaten, die in den letzten Decennien in allen
-Ecken und Winkeln Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den
-wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie einen
-bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch die spätere
-Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren des Verstorbenen nicht
-ohne Mühe zusammengetragen, allen Freunden der schönen Literatur eine
-willkommene Gabe sein. Nur bedauern wir, daß ein so frühreifes
-reichbegabtes Dichtertalent uns verhältnißmäßig so wenig Früchte und
-Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewiß hätte Koch der
-köstlichen Blumen noch unendlich mehr in den Blüthenkranz deutscher
-Poesie hineingewunden, wenn er ihrer in Frieden und Muße hätte warten
-können. Aber es ist ein untrügliches Kennzeichen von der Echtheit der
-ihm gewordenen Dichterweihe, daß die harten Schläge des Schicksals und
-die Last der prosaischen Tagesgeschäfte, die ihm oft auf der Brust lagen
-wie ein drückender Alp, den glimmenden Funken seines Genius nicht
-erstickt haben.
-
-Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der Dichter selbst in
-einer biographischen Skizze, die wir einem seiner Manuscripte entnehmen,
-aufgezeichnet. Freilich sind es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen
-unmöglich ein vollständiges Bild von seiner interessanten
-Persönlichkeit, wie sie mit ihrer Gemüthlichkeit und Lebendigkeit und
-ihrem unverwüstlichen Humor, dem bei allem Ernst des Lebens etwas
-jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit geblieben war, im Geiste
-seiner Freunde und Schüler noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und
-noch viel weniger von seinem überaus reichen und geheimnißvollen
-Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir ihn kennen in
-seinen Werken. In seinen Erzählungen und Novellen, worin ein gut Stück
-aus dem eigenen Leben hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst
-geschildert, und besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermöchte.
-Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte, mögen wir am
-besten den Tönen ablauschen, welche die Saiten seiner Harfe
-durchzitterten.
-
-»Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in Niederhessen, im Hause
-meines Großvaters, des Obervogts Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch
-(1847 als pensionirter Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals
-Friedensrichter zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach
-Waldkappel und 1816 als fürstlich Rotenburgischer Oberschultheiß nach
-Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14. Jahre, und erhielt in den
-Stadtschulen die Elementar- und die ersten humanistischen Kenntnisse.
-Die wundervolle, liebliche Natur des Werrathales und die Lectüre der
-Schiller'schen, Körner'schen und Mathisson'schen Lyrik, für die mein
-Vater schwärmte, übten ihren Einfluß auf den lebhaften Knaben. 1821, als
-mein Vater als Kreisrath nach Kassel berufen wurde, trat ich dort in die
-3. Klasse des Lyceums ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der
-höhere Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben die
-poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon in der Tertia,
-lieferte in Secunda himmelstürmende Aufsätze, bei denen dem würdigen
-Lehrer der Maßstab der schulmäßigen Prosa versagte, und durchschwärmte
-in Prima alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe.
-Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universität Marburg, dann
-Göttingen und wieder Marburg, wo ich 1829 als _Doctor juris_
-absolvirte[1]. 1830 brachte ich den Sommer in Berlin zu, um mich
-dort als Privatdocent zu habilitiren. Indeß riefen mich die
-damaligen Ereignisse nach Kassel zurück und ich trat in den
-hessischen Staatsdienst als Obergerichts-Referendar ein. Hier
-schossen die »Vigilien« unter Bescheid-Entwürfen und gelehrten
-Appellations-Relationen auf, und wandten mir, als ein Zufall den
-Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten Publikums zu.
-Diese erkaltete plötzlich, als ich die Ernennung zum Sekretär des
-Landtags-Commissars und 1832 die zum provisorischen außerordentlichen
-Referenten im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser
-Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurückgeschickt, um mich
-zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten. Mit dem Publikum zerfallen,
-zerfiel ich bald mit mir selbst, und begann statt der Prüfungsarbeiten,
-ein ungebundenes Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung
-stürzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschluß brachte, das Vaterland
-heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu verlassen. Ich wendete mich nach
-Straßburg. Verschiedene Pläne, mir eine Existenz zu gründen, mißglückten
-hier und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte mich der
-gänzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die französische Armee
-einzutreten. Man sandte die Freiwilligen über Toulon nach Algier in die
-Fremdenlegion. Diese wurde noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien
-als Hülfstruppe der Königin Christine gegen die Carlisten übergeführt,
-und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps, das innerhalb zweier
-Jahre durch Kugeln und Krankheiten und Strapazen von 7000 auf 381 Mann
-herabschmolz, und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren
-Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der römisch-katholischen
-Kirche übertrat, trug ich mein armes Herz, das nunmehr fest, aber auch
-kalt geworden, und aus dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen
-Zaubereien und Träume hinausgefegt hatte, der heimathlichen Erde zu. So
-kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion nach
-sechswöchentlicher Wanderung von Pamplona über Metz und Sierk im
-September 1837 bei Marburg an, wo ihn ein Freund aus den
-Universitätsjahren auf der Landstraße empfing, der ihm eine Stunde
-darauf aus Lewald's »Europa« Franz Dingelstedt's Worte vorlas: »Kassel
-hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren, und diesen nur
-zufällig, der ist Ernst Koch, der Verfasser des Prinz Rosa-Stramin.
-Seitdem er seine Vaterstadt verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge
-die Vorsehung ihn schützen auf seinen dunklen Pfaden.« Der Landesfürst
-verweigerte dem Zurückgekehrten, der sich bei seinen versöhnten Eltern
-in ein einsames Leben zurückzog und eine Darstellung des althessischen
-Privatrechtes begann, das fast vollendet ist, jede Anstellung, und mit
-Mühe erschwang ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Röfing
-das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt vergütete. Da rief
-mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug nach Luxemburg, wo ich sofort
-als Regierungssekretär angestellt wurde, nach Hassenpflug's Abgang als
-Bureauchef in der Verwaltung blieb[2], mich mit einer Luxemburgerin, der
-Tochter des Eigenthümers Müllendorf, verheirathete und jetzt als
-glücklicher und geachteter Familienvater mit Erfolg das Amt eines
-Professors der deutschen Sprache und Literatur beim königl. großherzgl.
-Athenäum bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden Nebensache
-geworden, für die ich weder um Muße noch um Stoff werben mag. Auch die
-Novellen (1847) sind die Frucht weniger müßigen Wochen, da die erste und
-zweite derselben schon früher im Dingelstedt'schen »Salon« abgedruckt
-waren.«
-
-Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschätzt, im stillen
-Kreise seiner Familie und seiner lieben Zöglinge. Dem armen Dulder
-schien endlich, nach vielem Ringen und Herumirren, in seiner zweiten
-Heimath die langersehnte Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum
-hatte sich unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen
-neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, -- wohl die
-Nachwehen früherer Anstrengung -- nach einer Ferienreise in seine
-Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten Anfänge eines chronischen
-Brustkatarrhs, von dem er nicht mehr genesen sollte. Die Strapazen und
-Entbehrungen des Legionars in der Sonnengluth Afrika's und in den
-Schreckensgründen der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und Leiden des
-Familienvaters, dem ein früher Tod sieben von zehn Kindern, und das
-letzte noch während seiner Krankheit entrissen hatte, waren nicht
-spurlos an ihm vorübergegangen, und die anhaltende Geistesthätigkeit und
-körperliche Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21 Stunden
-wöchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache, das bei der Feuergluth
-einer sanguinisch-cholerischen Natur, die alles, was sie unternahm, mit
-dem Schwung der höchsten Begeisterung angriff, die ganze Persönlichkeit
-des Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet, seine
-zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten die Aerzte die
-furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht. Vergebens stellte Koch
-seine Curse am Athenäum ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden
-Lebenskräfte zu verjüngen. Krank und gebrochen kehrte er nach Luxemburg
-zurück, wo er nach langem Leiden und schwerem Kampfe am 24. November
-1858, mit den Sakramenten und Tröstungen der heiligen Kirche gestärkt,
-der er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben war,
-vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging.
-
- * * * * *
-
-Koch's Rückkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis auf wenige
-Ausnahmen mit seiner früheren Umgebung zerfallen war, hat hie und dort
-zu manchem schiefen und lieblosen Urtheil Anlaß gegeben und ist noch
-jüngst als eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet
-worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener Feder dürfte darum
-hier ihren geeigneten Platz finden.
-
-
- Eine Bekehrung.[3]
-
-»Während des neuesten Religionskrieges in Spanien war der Bischofssitz
-in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt geblieben, und der bischöfliche
-Palast zum Militärhospital für die Christine'schen Truppen eingerichtet
-worden. Dieses Gebäude, kaum noch kenntlich an der über dem
-Haupteingange befindlichen Überschrift, war in Folge dieser veränderten
-Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und des geistlichen Friedens eine
-schmutzige Wohnung unbeschreiblichen Elendes und Jammers geworden. Im
-Jahre 1837 waren nicht blos die zwölf Säle, sondern auch die Gänge und
-Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in welchem die täglich vom
-Heere dort ankommenden Verwundeten, Siechen, Fieberkranken und sonstigen
-Leidenden aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im höchsten
-Grade erbärmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben. Die Kranken wurden
-auf den dürftigen Strohlagern vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die
-Armen, aus allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der
-untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der fernen Mancha,
-stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen schwebten über der ganzen
-Einrichtung wie die Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (_hijas
-de la caridad_), und der bischöfliche Caplan, D. Raphael Salvador. Die
-ersteren besorgten die Wäsche, die Küche u. s. w. und trösteten in ihrer
-bekannten liebevollen Weise. Der letztere, ein junger Mann von etwa 35
-Jahren, wandelte durch die Säle mit dem Sacramente und tröstete die
-Sterbenden.
-
-»Am 15. März 1837 ging durch das von Wachen besetzte Thor dieses
-Hospitals mit Tornister und Gewehr ein Unteroffizier der französischen
-Fremdenlegion (welche bekanntlich von Frankreich der Königin Christine
-aus Algier herüber zur Hülfe geschickt war, und binnen zwei Jahren durch
-Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381 zusammenschmolz). Der
-Fremde zeigte das Eintrittsbillet vor, wankte mit zitternden Knieen
-die Treppe hinauf, und war schon nach wenigen Stunden der
-Besinnungslosigkeit und einem heftigen Nervenfieber zur Beute.
-
-»Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwärtigen. Zum ersten Male nach
-1½ Jahren Kriegsleben, war ich in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das
-Fieber in den Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren.
-
-»Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen Lande
-geboren, und in der sogenannten reformirten Lehre, so wie es zu
-geschehen pflegt, erzogen worden. Vom Catechismus kannte ich höchstens
-nur noch die Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende
-Bedürfniß des Glaubens hatte bei mir sich schon früher in ruhigen
-Stunden in der Art geregt, daß ich mir vornahm, wenn ich einmal Zeit
-hätte, mir mein vollständiges Glaubensbekenntniß aufzubauen, damit ich
-wüßte, woran ich wäre. Denn am Ende muß man doch, dacht' ich, an etwas
-glauben, und mit sich in diesem wichtigen Capitel im Reinen sein.
-Aehnliches kam mir hier im Hospital in den Sinn, indem ich nach vier
-Wochen zum ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem Tode,
-wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum fing ich nicht damit
-an, die Lehren, in denen ich erzogen war, wenn nicht unbedingt
-anzunehmen, doch wenigstens näher zu prüfen? Eben darum nicht, weil ich
-darin erzogen war, und nach denselben es meinem forschenden Geiste frei
-stand, mich von einer Unterwerfung oder einer Prüfung meiner Einsicht
-nach zu dispensiren oder nicht. Es wird keinem Katholiken einfallen,
-sich in einer Stunde der Muße seinen Glauben selber machen zu wollen,
-oder er tritt, wenn er wirklich diesen Entschluß faßt, sofort auf das
-Gebiet des Protestantismus. Daß ich nun die Idee, mir ein System meines
-Glaubens zu bauen (welches ich mir wahrscheinlich sehr bequem
-eingerichtet haben würde) bald wieder aufgab, läßt sich wohl glauben.
-Schon die Umgebungen waren zu erbärmlich und niederschlagend, um meinen
-Geist auf das hohe Pferd zu setzen.
-
-Daß schon früher zweimal, einmal in meiner Heimath 1834, und später in
-Spanien 1836, die Gnade Gottes mit dem flüchtigen Gedanken, in die
-katholische Kirche zurückzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte
-ich nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Früchte geblieben, weil ich mich
-fragte: was würden die Leute dazu sagen, wenn du den Glauben deiner
-Väter verließest? -- Hätte mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v.
-Stolbergs erzählt, welcher dem Könige von Preußen, als ihm dieser sagte:
-»Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem Glauben abfallen,«
-erwiederte: »Ich auch nicht, Majestät,« und so auf den Abfall im
-sechszehnten Jahrhundert mit einer Ironie anspielte, die ein Protestant
-selten eher begreift, als bis er mit dem Kopfe darauf stößt.
-
-»Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien, worin
-ich, ich weiß nicht wie viele Tage gelegen hatte, trat folgendes
-Ereigniß ein. Nicht weit von meinem Lager wurde ein eben angekommener
-spanischer Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend
-geberdete, alle ärztliche Hülfe verweigerte, den Arzt und die Nonnen
-insultirte, und endlich den Caplan unter Schimpfen und Blasphemien
-zurückwies. Der würdige Caplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als
-es ihm gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des Kranken zu
-nähern, sank dieser langsam auf das Kissen zurück, und beichtete mit
-lammfrommer Ruhe zwei Stunden lang. Kurz nachher erklang die Schelle
-durch die Treppen und Gänge, Kranke und Gesunde knieten vor dem
-hochwürdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem Bette des
-Andalusiers trug. Der richtete die großen Augen, aus denen noch vor
-wenigen Stunden die Teufel geblitzt hatten, mit einem unbeschreiblich
-süßen Verlangen nach der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmäßig die
-Calotten vom Kopfe, und falteten die Hände, während der Spanier die
-Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem Frieden verschied,
-der sein Gesicht verklärte. Ich betete auch mit, weiß aber nicht mehr
-was. Jedenfalls war's mir curios zu Sinne.
-
-»Am anderen Morgen erwacht' ich, das Gesicht nach der Wand gekehrt,
-frühe, in jenem süßen Gefühle der wachsenden Genesung, und gestärkt
-durch einen erquickenden Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl,
-welchen der Frühling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer sandte.
-Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang so auf den
-Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick geheftet hielt, erschallte auf
-einmal von allen Kirchen Pamplona's zu gleicher Zeit ein erhabenes
-Glockengeläute. Es war ein Sonntag -- vielleicht Ostern? Nie hat ein
-Geläute einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht.
-
-»Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte und Feder, und bat
-den Caplan schriftlich, mich an meinem Bette (Saal IV. Nr. 42) zu
-besuchen, um sich mit mir über meinen Wunsch, in der katholischen
-Glaubenslehre unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand der
-Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor mir. Die Erscheinung
-verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas Furchtbares für mich. Ich
-erschrack vor dem, was ich gethan. Es war mir, als hätte ich die
-katholische Kirche vor mir. Wir verständigten uns bald, da er mir sehr
-liebevoll zuredete, in französischer Sprache. Er gab mir zunächst eine
-zweibändige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren Verfasser ich
-leider vergessen habe, hiernächst den französischen Catechismus, der
-unter Napoleon erschien (_de l'Empire français_). Mit Begierde, mit
-einem Heißhunger meiner Seele verschlang ich die geistige Speise,
-sitzend und betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich
-aufstehen und täglich eine Stunde den Caplan auf seinem Zimmer besuchen,
-um mich von ihm prüfen zu lassen. Am 27. April wurde ich für reif
-erklärt, die Sacramente zu empfangen. Nach genommener Rücksprache mit
-dem Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte Taufe,
-weil sie unter Ablution im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes,
-und Gottes des heiligen Geistes geschehen war, als gültig an. Dieses
-Sacrament wurde daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete
-ich meinem würdigen Caplan (der für mich ein wirklicher Salvador war),
-und am anderen Morgen empfing ich die heilige Communion, beides in der
-im Hospital wohlerhaltenen bischöflichen Capelle. Eine förmliche
-Abschwörung ist nicht für erforderlich gehalten worden. Der Rücktritt in
-die mütterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente der
-Beichte und Communion. -- Am folgenden Tage wurde ich vom Arzte für
-curirt erklärt, und ging zu meinem Bataillon zurück. Im Monate Juni kam
-die unerwartete Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach Hause
-geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich mit Abschied von
-Pamplona weg und betrat im Anfang September den heimathlichen Boden.
-
-»Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken sein:
-
-»1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ehe
-ich in das Hospital ging, viele Menschen sterben gesehen, viele Kirchen,
-gezwungen oder aus Laune besucht, und all den Pomp der spanischen
-Gotteshäuser beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck auf
-mich, den später in Pamplona das Glockengeläute auf mich machte?
-
-»2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines Fremden in
-Spanien schnell mit dem Zweifel bei der Hand: ob nicht die Bekehrung die
-Folge eines geistigen Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht
-auf zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? und die
-zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht stellte und stellen
-konnte, bestanden darin, daß mein guter Caplan, der selbst so arm war
-wie eine Kirchenmaus, mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren
-ließ.
-
-»3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik meine zeitliche
-Zukunft in irgend etwas verbessern würde? Nein, denn für den Fall der
-Rückkehr in mein Vaterland konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil
-und Zurücksetzung, oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst
-aber erwartete ich täglich den Soldatentod.
-
-»4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, katholisch zu werden?
-Nein, denn die Krankheit war überstanden, und als Protestant konnte ich
-ja überhaupt nicht annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu
-sterben.
-
-»5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung? Wie hätte ich als
-Protestant denn annehmen können, daß man Gott einen Gefallen erzeige,
-wenn man katholisch werde?
-
-»6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage nach meiner Bekehrung
-aus dem Hospital geschickt wurde. Wäre es einen Tag früher geschehen, so
-wäre das Werk unvollendet geblieben.
-
-»Es war also eine _reine_ und _ganz unverdiente Barmherzigkeit_ des
-allmächtigen Vaters, welcher mich, nachdem sein Ruf in der Heimath nicht
-gefruchtet, in lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein
-zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich in das Lazareth
-in Pamplona warf, mich dort von einer schweren Krankheit rettete, und
-mir dann mit seinem Sonnenstrahle und dem Glockengeläute seiner Kirchen
-die Gnade sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde ich
-sagen: _so viel Mühe gibt sich Gott, um ein störriges, eitles Kind, das
-nicht hören und nicht sehen will, zurückzuführen_. Der Herr sei
-gepriesen in Ewigkeit. Amen!«
-
- * * * * *
-
-Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische Laufbahn
-eröffnete, war der aus den »Vigilien« entstandene »Prinz
-Rosa-Stramin«[4], dem noch nach zwei Decennien die seltene Gunst zu
-Theil ward, neu aufgelegt und in's Englische übersetzt zu werden. Wenn
-wir in dieser Lieblingsschöpfung des Dichters -- der Frühlingsgabe
-seiner Muse -- eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, Einheit und
-Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte der Sprache vermissen,
-so werden wir um so freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und
-Farbenreichthum entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem kühnen
-Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo ihn das kecke Flügelroß
-hintragen wird. Wir sehen eine Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in
-bunter, rascher Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten-
-und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers reiche,
-gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in die er meist seine
-eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen Träume und Verirrungen, seine
-Freuden wie seine Leiden hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls,
-einer Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den Leser von
-einem Ende zum andern in fesselnder Spannung erhalten.
-
-Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine früheren Erzählungen
-und Aufsätze, die er unter den Namen »Leonhard Emil Hubert, Hubertus,
-Eduard Helmer« herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H.
-Hotop gedruckten »Erzählungen« vor das Forum der Oeffentlichkeit trat,
-und alle seine frühern literarischen Versuche als sein Produkt und
-Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch hier bilden des Dichters
-militärische Thaten, Kriegsscenen und Naturbilder aus Afrika und Spanien
-die stets wiederkehrende Staffage. Ausgezeichnet wie »Prinz
-Rosa-Stramin« durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche Frische,
-sind sie, gleich den spätern Novellen[5], mit größerer Klarheit und mehr
-einheitlicher Zusammenstellung angelegt: sie waren nach dem Urtheile
-competenter Kunstrichter das Beste, was seit langer Zeit auf dem
-deutschen Büchermarkt erschienen war[6].
-
-Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über kurhessisches
-Recht haben wir unter der Nachlassenschaft des Verstorbenen noch zwei
-literarische Commentare, das eine zu Schiller's »Wilhelm Tell«, das
-andere zu »Amaranth« und »Thomas Morus« von Oscar v. Redwitz
-vorgefunden. Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm des hiesigen
-Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt.
-
-Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner
-Jugend, Koch am meisten beeinflußt hat, mag nicht schwer zu errathen
-sein. Die überraschenden, oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die
-behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem
-Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und über sich
-selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegespräch einzulassen, die
-eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean
-Paul, zum Theil an den Verfasser der »Reisebilder«. Aber es wäre eine
-Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man
-ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine's bezüchtigen wollte,
-wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen »Erzählungen«
-energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon
-entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften
-billigend und lobend anzuerkennen, so müßten wir doch auch dagegen mit
-ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum
-Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. Die
-Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des »jungen Deutschland«
-alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die
-Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls-
-und Gesinnungslosigkeit mit Seelengröße und Byronischem »Weltschmerz«
-kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhaßt. Bei allen
-jugendlichen Irrungen und allen Stürmen des Lebens hatte Koch den Adel
-seiner liebenswürdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang,
-entströmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen
-seiner überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur.
-
-Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber für
-eine Pflicht der Pietät gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen
-Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm
-auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und
-befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang
-mit seinen übrigen Produktionen ein vollständiges Bild von der
-Individualität des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter
-zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der
-Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen
-durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden.
-
-Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Sänger, in
-das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgängers als
-Schüler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten.
-
-
- Trost in Thränen.
-
- _Grablied auf Professor Koch._
-
- Nach der Harfe greif' ich wieder --
- Und sie tönet Grabgesang,
- Bittern Schmerzes Klagelieder
- Zittern durch der Saiten Klang.
-
- Ernst, in Wehmuth hingegossen,
- Schwieg der Jünger Trauerschaar,
- Weib und Kind, in Schmerz zerflossen,
- Standen an der Leichenbahr'.
-
- Ach! der Sänger, der gerungen
- Treu für Gott und Vaterland --
- Seine Saiten sind verklungen,
- Die er schlug mit Meisterhand!
-
- Der uns sang der Minne Sehnen
- Und des Helden Sturmesdrang,
- Und des Dulders stille Thränen
- Und des Glaubens Siegessang! --
-
- Mußt so früh den Tod Du finden,
- Lebensmuthig, liederreich?
- Wollten Dir die Schläf' umwinden
- Mit des Ruhmes Lorberzweig. --
-
- Nicht bei Menschen, nicht hienieden
- War Dein Hoffen, schön'res Loos
- Ist der Treue dort beschieden.
- Wo Du ruh'st in Gottes Schooß.
-
- Wo die Stirne wird umkränzen
- Der Verklärung Siegeskranz,
- Und ein Engel Du wirst glänzen
- In der Sel'gen Sonnenglanz'.
-
-Luxemburg, 1. November 1859.
-
- Ludwig Housse,
- Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur.
-
-
-
-
- Meinen Eltern,
-
- am Neujahrsmorgen 1825.
-
-
- Wie einst Memnon's Säule sanft ertönte
- Bei Aurorens erstem Strahlenkusse:
- So tönt mir auch dieses Jahres erster
- Morgenstrahl Gefühle in die Brust,
- Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen,
- Wenn es sich an das der Eltern dränget.
- Auf die Feder scheint die Morgensonne
- Mir und ladet mich zum frohen Gruße.
- Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten,
- Die Minute, wo in Euren Armen
- Inniger mein Herz dem Eurigen
- Und der Zukunft ungewissen Tagen
- Freudig wünschend dann entgegenschläget!
-
- Nicht entweihen will ich durch die Feder,
- Was die dankerfüllte Brust durchglühet,
- Sagen nicht, wie Eure Elternliebe
- Mich von meinem ersten bis zu diesem
- Morgen mit des Dankes Hochgefühlen
- Ewig an die treuen Herzen bindet;
- Sagen nicht, was ich aufzählen weder,
- Noch Euch je vergelten kann, -- ach wenn ich
- Mir dies denke, alle die Wohlthaten,
- Mir zurück in meine Seele rufe:
- Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele),
- Einer Thräne gleich, mein frommer Dank
- In dem Meer der elterlichen Liebe,
- Und das Ziel von allem meinem Streben
- Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.
-
- Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied
- Auf den kleinen Knaben nieder -- und der
- Kinderjahre gold'nen Traum; -- er wußte
- Noch nicht, wem er seine Freuden dankte:
- Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten,
- Der Natur, der heit're Frühlingshimmel
- Andere, erhabene Gefühle
- In die Jünglingsbrust; -- es weiß der Jüngling
- Nun für wen des Dankes Zähre fließt!
-
- Der die Welten schuf und die Natur
- Und den heitern Frühlingshimmel, der das
- Leben seinen Menschen gibt und nimmt,
- Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen
- Ueber unserer Erde aufgeh'n ließ:
- Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen,
- Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, -- Beten!
-
-
-
-
- Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter
-
-
- (am 9. April 1827).
-
- Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen,
- Flur und Haine bau'n ihm Ehrenbogen,
- Ihn begrüßt der Lerchen Chor,
- Und der Engel treuer Kindesliebe,
- Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe,
- Schwingt mit ihnen sich empor.
-
- Nimm es mit mein Herz zur ew'gen Ferne,
- Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne
- Freundlich auf- und niedergeh'n,
- Wo die Brüder dort in süßer Wonne
- Und die heil'ge liebende Madonne
- Nieder auf die Menschen seh'n.
-
- Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne,
- Fleh die Heil'ge um die schönste Krone
- Für ein edles Mutterherz:
- Wenig Leiden und der Freuden viele,
- Langes Leben, und am späten Ziele
- Sanftes Scheiden himmelwärts.
-
-
-
-
- Am Geburtstage meines Vaters
-
-
- (während eines heftigen Gewitters geschrieben).
-
- Glühend in des Mittags Schwüle
- Schickt die Sonne ihr Geschoß,
- Keuchend zieht das matte Roß,
- Sucht der Bäume Schattenkühle.
- Aller Lebensgluth beraubt,
- Steht der Hain mit schlaffen Zweigen,
- Und des Thales Blumen neigen
- Traurig, farbenlos, ihr Haupt.
- Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen,
- Schon im Sarge, noch geschmückt,
- Wo der Tod von ihren Wangen
- Noch die Rose nicht gepflückt;
- Einem holden Frühling gleich
- Mit unendlicher Blumenfülle;
- Ohne das ewige Schaffen und Streben,
- Ohne das blühende, liebende Leben,
- Eine abgestorbene Hülle
- Liegt der Erde weites Reich.
-
- Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen
- Dort im Westen hergezogen,
- Wie das Schicksal, langsam, schwer,
- Wälzt es sich am Himmel her.
- Und des Aethers Azurschein
- Hüllt in Nacht sich ein,
- Und der Ewige naht
- Auf dem Gewölke den Fuß,
- Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad
- Bringen den Jubelgruß. --
- Da siehe, ganz helle,
- Ein zuckender Strahl
- Mit Gedankenschnelle
- Erleuchtet das Thal.
- Ein Funken seiner Glorie kündet
- Des Herren Angesicht,
- Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht!
- Und der Funken hat nicht gezündet,
- Und der Mensch danket und betet an,
- Wie er sieht den Ew'gen nah'n.
-
- Horch, da murmelt's am fernen Himmel,
- Gleich einem rieselnden Felsenbach,
- Und murmelt näher und näher ohn' Ende,
- Und rollt jetzt lauter am Firmamente,
- Und bebt in des Berges Schluchten nach,
- Und donnert und kracht,
- Und heult in die Nacht,
- Als wären die Welten im Kampfgetümmel,
- Als wollt' im angstvollen Beben
- Die Erd' aus den Angeln sich heben,
- Und ein _Schlag_, daß die Himmel zittern,
- Hemmet des Donners furchtbaren Lauf,
- Und des Eichbaums Aeste splittern:
- Dampfend zu dem Himmel auf
- Wallt des Haines Opfergluth
- Ihm, der uns mit treuer Hut.
- Schützt in Ungewittern.
-
- Siehe, nun kommt der unendliche Segen,
- Und es ergießt sich der rauschende Regen,
- Ziehet dahin über Felder und Auen,
- Sie mit erquickendem Leben zu thauen.
- Freudig erhebet die Blume das Haupt,
- Frisch hat der lachende Baum sich belaubt.
-
- Holde Nachtigallen
- Singen in dem Hain,
- Hörnerklänge schallen,
- Flöten und Schalmei'n,
- Und es grünet die Weide,
- Und die Heerden zieh'n
- Mit harmonischem Geläute
- An dem Anger hin.
-
- Der Landmann sieht die Felder blüh'n
- Und seiner Wiesen neu belebtes Grün,
- Und sieht auf seinen Fluren
- Des Vaters Segensspuren.
- Zum Himmel hebt er die Hände gern
- Und dankt dem Herrn.
- Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm,
- Drückt an die Brust ihn lieb und warm,
- Blickt empor zu des Himmels Blau,
- Sehnsucht im Auge und Thränenthau,
- Will einen Kranz dem Vater winden,
- Kann für das Herz nicht Worte finden,
- Er schaut in den Frühling und findet sie,
- Und beugt in kindlicher Andacht das Knie:
-
- Du in ew'gen Fernen,
- Vater über'n Sternen,
- Höre mein Gebet!
- Geber aller Freuden,
- Du nur kannst es deuten,
- Was die Seele fleht.
- Herr, wie auf Dein Zeichen
- Die Gewitter weichen,
- Und die Wolken fliehen:
- Also winke liebend,
- Wenn Gewitter trübend
- Seine Stirn' umzieh'n.
- Schaffen, Wirken, Streben
- Sei das frohe Leben,
- Das Du ihm verlieh'n,
- Und durch Frühlingstage
- Ohne Schmerz und Klage
- Leite, Vater, ihn.
- Deine Huld und Güte,
- Ewiger, verhüte,
- Kummer, Gram und Leid;
- Kräfte gib dem Sohne
- Zu dem großen Lohne,
- Bis die Dankbarkeit
- Einst in späten Zeiten
- Unter Trauerweiden
- Feuchten Auges steht,
- Bis die Nebel sinken
- Und die Fluren winken,
- Wo die Palme weht!
-
-
-
-
- Am Anfange der Osterferien.
-
-
- 1826.
-
- Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da,
- Laß schweigen das nächtliche Sehnen,
- Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht,
- Wo Kronen der Liebe dich krönen!
-
- Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt,
- Es senket der Lenz seine Flügel,
- Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur,
- Hinaus über grünende Hügel!
-
- Warum so still, wenn die Freude Dir lacht?
- Hast Du nicht dem Himmel vertraut?
- Und hat der beglückende Frieden in Dir
- Nicht gold'ne Palläste gebaut?
-
- Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl,
- Gekämpft und gesieget zu haben?
- Hast du in den niederen Gängen der Lust
- Die Hoffnung der Eltern begraben?
-
- Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht?
- Wenn himmlische Freuden Dir winken?
- Bald sollst Du an liebender Vaterbrust
- Die Wonne des Wiederseh'ns trinken!
-
- »Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht,
- »Wohl hab' ich dem Himmel vertraut;
- »Wohl hat der beglückende Frieden in mir
- »Die gold'nen Dächer gebaut;«
-
- »Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar
- »Der Aether in freundlicher Bläue,
- »Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all',
- »Mit Kränzen der Liebe und Treue:«
-
- »Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin,
- »Das innig und heiß mich durchglühte,
- »Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin,
- »Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.«
-
- »_Ach! süßer entfloh'n, und ich wußte es nicht,_
- »_Im Harren und Sehnen die Stunden,_
- »_Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,_
- »_Die Krone der Freude empfunden!_«
-
-
-
-
- Am 8. December.
-
-
- Sieh, wie buntes Schneegewimmel
- Spielet durch den öden Himmel,
- Und es heult der Stürme Wuth.
- Ob auch mit erstorb'nen Lilienwangen
- Die Natur im Schlummer ruht,
- Ist mir doch ein Frühling aufgegangen,
- Und (ich fühl' es an dem Wogen
- Dieser übersel'gen Brust)
- In mein frohes Herz gezogen,
- Reich an Blüthen, reich an Luft.
- War nicht heute, freudig tönt's die Laute,
- Beben's meine Saiten nach,
- War nicht heute jener frohe Tag,
- Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute?
- Ach, Geliebte, war's nicht heute?
- Wo ich, noch ein Knab', an Deiner Wiege saß,
- Und mein Lieblingsspiel vergaß,
- Und der Schwester königlich mich freute,
- Selig dir ins Auge blickte,
- Ja, und dreimal glücklich war,
- Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar
- Dir den Kuß der Bruderliebe drückte?
- Vierzehn Lenze sind geschwunden,
- Doch des Knaben Liebe nicht.
- Was ich damals schon empfunden,
- Fühl' ich noch in schönen Stunden,
- Wenn Dein sanftes Angesicht
- Treue Schwesterliebe spricht.
-
- Hätt' ich Hölty's Lautenklang,
- Ließe meine Saiten rauschen,
- Daß die Engel mir im Himmel lauschen,
- Säng' ich meinen schönsten Hochgesang:
- Nimmer würd' es mir gelingen,
- Meine Liebe Dir zu singen.
-
- Wandle froh und glücklich durch Dein Leben,
- Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn,
- Von den Engeln, welche Dich umschweben,
- Sei die Sanftmuth Deine Führerin.
- Unschuld, an der Liebe Hand,
- Leite Dich zum bessern Land.
- Ach, noch keinem Menschen war's verliehen
- Immer glücklich, immer froh zu sein!
- Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen,
- Wohl, so sei's im rosenfarbnen Schein,
- Und sie senk' in Freudenthränen sich
- In Dein stilles Leben nieder.
- Dann umlächle freundlich wieder
- Dein entwölkter Himmel Dich!
-
-
-
-
- Elegie
-
- auf den Tod meines Kanarienvogels.
-
-
- So bist auch Du des Todes Beute!
- O namenloser Schmerz!
- Auch Du, mein Glück und meine Freude,
- Das einz'ge treue Herz?
-
- Da liegst Du kalt und ohne Leben,
- Geliebtes Thierchen Du,
- Um Dein gesunk'nes Köpfchen schweben
- Die Thränen süßer Ruh'.
-
- Der frohe Lenz er kehret wieder
- Mit seiner Blüthenlust,
- Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder
- Aus Deiner frohen Brust.
-
- Sonst, wenn die warme Frühlingssonne
- Durch's offene Fenster schien,
- Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne
- In zarten Melodien.
-
-
-
-
- Meiner kleinen Schwester,
-
- an ihrem Geburtstage.
-
-
- Spiele, holde Kleine
- Mit dem gold'nen Sinn,
- Durch Dein Rosenleben,
- Spiele immerhin!
-
- Schöne Blumen blühen,
- Kleine, rings um Dich,
- Lilien und Rosen
- Duften rings um Dich!
-
- Holde Vöglein singen,
- Dir im Blüthenhain,
- Deine Sonne leuchtet
- Milden Purpurschein.
-
- Himmel steh'n Dir offen,
- Und herab zu Dir
- Schweben kleine Engel,
- Spielen gern mit Dir.
-
- Winden mit Dir Kränze.
- Deiner Locken Zier,
- Pflücken mit Dir Blumen,
- Freuen sich mit Dir.
-
- Rufen die Gespielen,
- Holde Kleine, Dir,
- Bleib', die Mutter weinet,
- Bleibe, Kind, bei ihr.
-
- Durch Dein Rosenleben,
- Mit dem Engelssinn,
- Mit dem frohen Herzen,
- Spiele immerhin!
-
- * * * * *
-
- Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde,
- An Blüthen hängt der Thräne Silberschein,
- Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde
- Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih'n.
- Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde,
- Es webt die Liebe nur die Blumen ein,
- Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, --
- Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet.
-
- Betritt es nun das künstliche Gebilde,
- Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß,
- Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde,
- Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß,
- Aus beiden weben sich die Lenzgefilde,
- Durch die Dein Engel Dich geleiten muß.
- Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen,
- Er wird sie Dir zu Diademen fügen.
-
- Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden,
- Das fern von Deinen Lieben Dich gequält.
- Doch Kronen sind der Dulderin gewunden,
- Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt.
- Nun stehst Du da in blühendem Gesunden,
- Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt,
- Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen
- Ist uns ein neues Leben aufgegangen.
-
- Schon wärmer strahlt die Sonn' am Firmamente,
- Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land
- Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende,
- Umschweben uns die Horen Hand in Hand.
- O daß der Lenz doch immer wiederfände
- Im Kreise, die die Liebe Dir verband!
- Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, --
- Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben.
-
-
-
-
- Nachtwächter-Lied.
-
-
- 1831.
-
- Hört, _Ihr Herrn und laßt Euch sagen_,
- Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen,
- Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht,
- Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht,
- Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht!
- Die Sternlein geh'n hinunter --
- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
-
- _Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_
- Viel hat sich im Alten zugetragen.
- Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut,
- D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut,
- Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut --
- Wer reißt uns das Fähnlein herunter?
- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
-
- _Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_
- Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht:
- Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus,
- D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus,
- Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus,
- Behütet den heiligen Zunder!
- Halloh, Ihr Herrn, seid munter!
-
- _Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_
- Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht,
- Das Haus umschleichet die Diebesbrut:
- Sie wollen uns stehlen das heilige Gut,
- Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut!
- Die Sternlein geh'n hinunter --
- Halloh, ihr Herrn, seid munter!
-
- _Und lobet Gott den Herrn!_
- Er sendet den Morgenstern!
- Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n,
- Und die Sternlein auf und nieder geh'n!
- Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe,
- Denn unser Gott thut Wunder --
- Halloh, ihr Herrn, seid munter!
-
-
-
-
-
-
- Es war mir heut' Abend so einsam, so leer,
- Als wenn ich von etwas geschieden wär';
- Mir war so betrübt, so wunderbar
- Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war;
- Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum;
- Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum,
- Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug
- Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug,
- Da blies fern, fern mit bebendem Ton,
- Ein uraltes Lied ein Postillon.
- Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt,
- Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt.
- Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an,
- Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan,
- Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht,
- Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht.
-
-
-
-
- Gruß an die Heimath.
-
-
- 1838.
-
- O was bewegt mir denn den warmen Busen,
- Und warum schlägt mir denn das Herz so laut?
- Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen,
- Nicht das Umfangen meiner lieben Braut.
- Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten?
- Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz?
- Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Läuten,
- Es sind ja Töne Deines Heimathlands.
-
- Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne
- Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut,
- Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne
- Die Grüße meines Herzens anvertraut.
- Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen,
- Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt,
- Fragt' ich die Wolken, die nach Süden zogen:
- Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?
-
- Und in der Pyrenäen Schreckensgründen,
- Auf des Pelargus schauerlicher Höh',
- Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden,
- Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh.
- Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen,
- Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor,
- Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen,
- Erzählten mir von meiner Liebe vor.
-
- Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen,
- Erneut sich alles Leid und alle Qual;
- Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen,
- Und keine Blume find' ich in dem Thal,
- Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden,
- Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim --
- Kaum hat mich Einer hie und da verstanden:
- Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim.
-
- Nur eins mißlang den finsteren Gewalten:
- Von allem, was das Leben mir zerbrach,
- Hab' ich doch meine Harfe noch behalten,
- Und manches Lied, das mir am Herzen lag.
- Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen,
- Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand;
- Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen;
- Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!
-
- So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern,
- Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund.
- Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern,
- Und währe nicht geschwätz'gem Dichtermund!
- Mir ist als würd' ich von des Lebens Schaudern,
- Von all dem Weh mit einemmal gesund,
- Als könnte mit dem wunderbaren Klingen
- Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen.
-
- So ist's, schien einmal Dir mit Morgenröthen
- Das Ideal tief in die Brust hinein,
- So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tödten;
- Und bist Du elend, gramvoll und allein,
- Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken,
- Du siehst's verklärt in rosenfarb'nem Schein,
- Auf sonn'gen Höh'n weht seine heil'ge Fahne,
- Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.
-
-
-
-
- Mein Engel.
-
-
- Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land,
- Da hab' ich krank gelegen,
- Da that mich keine liebe Hand
- In meinem Fieber pflegen.
-
- Bei Nacht im dunkeln Krankensaal
- Hob ich die schwachen Hände
- Und bat, daß Gott mir endlich 'mal
- Den Todesengel sende.
-
- Der thät wohl auf und ab mit Ruh'
- Von Bett zu Bette wandern,
- Drückt hier und da die Augen zu
- Dem einen wie dem andern.
-
- Das meine ward -- ich war so froh --
- Von Tag zu Tage trüber,
- Doch ging an meinem Bett von Stroh
- Der Engel stets vorüber.
-
- Wie gern ich auch die matte Hand
- Ihm hingegeben hätte,
- Ein and'rer Bote Gottes stand
- An meinem Krankenbette.
-
- Er trocknet mit dem weißen Tuch
- Den Schweiß von meinen Wangen,
- Und hielt mir hin den irdnen Krug,
- That ich den Trunk verlangen.
-
- Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer
- Im stillen Kampfe neigte;
- Es war ja Niemand um mich her,
- Der mir den Dienst erzeigte.
-
- Hat mir erzählt gar lieb und gut
- Von meinem Heimathlande,
- Als ich in einer Fiebergluth
- Der Mutter Namen nannte.
-
- Ich hab' den Engel nicht geseh'n,
- Und Niemand konnt' ihn schauen,
- Doch muß ich seit dem Aufersteh'n
- Auf seine Vollmacht bauen.
-
-
-
-
- Sehnsucht nach dem Tode.
-
-
- Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,
- Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.
- So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,
- Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.
- Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,
- Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;
- So herzlich grüß' ich einst mit bleichem Munde
- Den stillen Engel meiner letzten Stunde.
-
- Ich schmäh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse:
- Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;
- Glaub' nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,
- Weil's mich belügend sein Versprechen brach,
- Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,
- Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.
- Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten --
- Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden.
-
- Das Leben ladet uns zu frohen Festen,
- Den Bettler wie den König allzumal,
- Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,
- Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;
- Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,
- Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal,
- Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,
- Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.
-
- Und wie sie zu Accorden sich gestalten,
- Da wird's Dir weh um's Herz, fühlst Dich allein,
- Und lauschest durch entzückend helle Spalten,
- Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein,
- Sich einen strahlenden Palast entfalten,
- Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n;
- Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,
- Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.
-
- Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,
- Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,
- Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,
- Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.
- Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,
- Und eine Brust war drunter eingewiegt.
- Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!
- Eil' hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.
-
- Sieh, darum lieb' ich dieses arme Leben,
- Weil's mir die Aussicht auf ein höh'res gibt,
- Ich dank' ihm, weil's die Ahnung ihm gegeben:
- Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.
- Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,
- Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,
- Und klopf' ich heimlich an die Gruft der Väter
- Mit müdem Finger an die morschen Bretter.
-
- Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen
- Zum Raub', es gibt Dir nichts an ihrer Statt;
- Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,
- So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;
- Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,
- Verspricht's Dir, was es nicht zu geben hat;
- Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:
- Sieh', darum möcht' ich gerne von ihm scheiden.
-
- Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,
- Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:
- Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,
- Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,
- Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde
- Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih'st;
- Dann magst Du mir die müden Augen schließen,
- Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.
-
- Tröst' das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,
- Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.
- Sag' meinen Schwestern, daß in stiller Kammer
- Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;
- Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer
- Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,
- Sieh aus dem Fenster ohne Thrän' und Klagen,
- Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.
-
-
-
-
- Reliquie eines Verschollenen.
-
-
- Es gibt geheime Schmerzen,
- Sie klaget nie der Mund,
- Getragen tief im Herzen,
- Sind sie der Welt nicht kund;
- Es gibt ein heimlich Sehnen,
- Es scheuet stets das Licht;
- Es gibt verborg'ne Thränen,
- Der Fremde sieht sie nicht.
-
- Es gibt ein still Versinken
- In eine inn're Welt,
- Wo Friedensauen winken,
- Vom Sternenglanz erhellt;
- Wo auf gefall'ne Schranken
- Die Seele Hoffnung baut,
- Und jubelnd den Gedanken
- Den Lippen anvertraut.
-
- Es gibt ein still Vergehen,
- Ein stummer öder Schmerz,
- Und Niemand darf es sehen,
- Das schwer gepreßte Herz.
- Es sagt nicht, was ihm fehlet,
- Und wenn's im Harme bricht,
- Verblutend und zerquälet,
- Der Fremde sieht es nicht.
-
- Es gibt ein sanfter Schlummer,
- Wo süßer Frieden weilt,
- Wo stille Ruh' den Kummer
- Der müden Seele heilt. --
- Doch gibt's ein schöner Hoffen,
- Das Welten überfliegt:
- Da, wo am Herzen offen
- Das Herz voll Liebe liegt.
-
- * * * * *
-
- Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken,
- Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh'n:
- Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken,
- Gleich Todten in Kapellen, aufersteh'n.
- Drin seh' ich Heil'ge, die mir längst versanken,
- Einher im Geisterlicht des Mondes geh'n;
- Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren
- Mein Engel an verfallenen Altären.
-
- Ich höre Töne, lange nicht gekannte,
- So lieblich, Stimmen gleich im Paradies,
- Doch frag' ich, wer mir aus dem Zauberlande
- Die Himmelstöne wiederkehren ließ?
- Und frug ich jene Heil'ge, wer sie sandte?
- Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß?
- Die Traumgedanken all', woher sie kamen?
- Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen.
-
- Ach, jene Tön', aus Aether zart gewoben,
- Belauscht' ich einst mit hochentzücktem Ohr;
- Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben,
- Schwang meine Psyche selig sich empor:
- Da griff mich eine Riesenfaust von Oben,
- Hinab mich schleudernd, den verweg'nen Thor,
- Hinunter, wo sich ächzend und erblindet,
- Tellurisches Gewürm im Staube windet.
-
- Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen,
- Und Bettler sollen auf Dich niederseh'n,
- Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen,
- Im Kreis des menschlichen Getriebes geh'n,
- Und nimmer in dem gold'nen Buche lesen,
- Wo Deiner Träume süße Bilder steh'n;
- Was Du gesä't mit kindischem Begreifen,
- Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen.
-
- Da faßte mich wahnsinniges Verirren,
- Der Geist vergaß die knechtische Geduld,
- Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren,
- Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld;
- Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren,
- Von Tod und Leben fordert' ich die Schuld:
- Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben
- Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben.
-
- So kehrt' ich denn zur fernen Heimath wieder,
- Und fragte nach dem früh verlor'nen Pfad,
- Da, wo im Kindergarten fromme Lieder
- Sein erst' Gefühl mein Herz gestammelt hat,
- Bückt' mich zum Sande, wo ich spielte, nieder,
- Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat,
- Und sucht' aus Asche von erstorb'nen Flammen
- Mit warmen Thränen meine Welt zusammen.
-
- Da trat'st Du zu mir, nach so langem Meiden
- Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland,
- Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten,
- Und meinen Heiligen ihr Meßgewand,
- Gabst mir das alte Spiel der gold'nen Saiten,
- Die Kelle meinem Engel in die Hand,
- Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder,
- Und neue Ahnung zeugte neue Lieder.
-
- * * * * *
-
- Was treibt mich hin zu Dir mit Macht?
- Was gab mich Dir zu eigen?
- Was hast Du in mir angefacht,
- Das ich Dir muß verschweigen?
- Ach, was zu Dir mich zieht,
- Kein Name nennt's, kein Lied,
- Und Töne können's nicht bekunden,
- Doch ewig hat's mich Dir verbunden.
-
- Und Deiner Stimm' und Deinem Wort,
- Wer gab ihm die Gewalten,
- An meines Herzens tiefsten Ort
- Gebieterisch zu schalten? --
- Mich reißt's mit trunk'nem Sinn
- Zu Deinen Füßen hin.
- Darf's auch mein Auge nicht bekunden,
- Doch ewig hat mich's Dir verbunden.
-
- Ich wünsch' es mit geheimer Lust,
- Und fürcht' es doch zu sagen,
- Wie lieb ich Dich in meiner Brust
- Seit Monden schon getragen.
- Verschmähtest Du mein Herz,
- Verging's im stummen Schmerz,
- Es liebte Dich mit tausend Wunden,
- Und ewig blieb es Dir verbunden.
-
-
-
-
- Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters.
-
-
- Ich habe geschlafen,
- Ein Kindlein süß,
- Und habe geträumt
- Vom Paradies,
- Und habe geträumt
- Vom himmlischen Spiel,
- Und habe geseh'n
- Der Engel viel.
-
- Und einen mit langem
- Gelockten Haar,
- Der nahe dem Vater
- Zur Rechten war.
- Der hatte ein Auge
- So mild und fromm,
- Und sprach so freundlich:
- »Mein Kindlein komm!«
-
- Es sind die Kindlein
- Mir immer fern,
- Für wen Du bittest,
- Den segn' ich gern!
- Ich schlug in die Hände
- Und bat: Papa!
- Und darauf erwacht' ich,
- Und Du warst da.
-
-
-
-
- Die Waldmühle.
-
-
- Was rauschet dort unter des Waldes Eichen?
- Ein Gießbach ist's mit geschwätzigem Mund,
- Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen,
- Die Mühl' im blumigen Wiesengrund.
- Da treibet des Wassers Stärke
- Bei Tag und bei Nacht die Gewerke;
- Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt,
- Schwerfällig das Mühlrad seine Last.
-
- Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile,
- Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald
- Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile,
- Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt,
- Und sieht im Mondschein die Wogen
- Zerstieben in glänzendem Bogen.
- Doch kommt er näher, da faßt's ihn an,
- Ein leises Grauen den Wandersmann.
-
- Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen
- Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
- Da hört' er mit lieblicher Stimme singen,
- Wie Geister tief unten im feuchten Grund.
- Drauf sieht er mit eignen Augen
- Einen Arm aus den Wellen tauchen.
- Und ziehet heim, von Gedanken schwer,
- Und erzählet Niemand die schaurige Mähr'.
-
- Ein Töchterlein einst von wenig Jahren,
- Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt,
- Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren,
- Es war ihm vom Himmel an's Herz gelegt.
- Das spielt' einst in friedlichen Träumen
- Ganz nah, wo die Wogen schäumen,
- Und pflückte sich duftende Blümchen ab
- Am Rande vom tobenden Wellengrab.
-
- Und wie es sich bückt, zieh'n fremde Gewalten
- Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh'n,
- Und die Himmlischen können's nicht mehr halten,
- Und es sinket hinab, und es ist gescheh'n!
- Schon wälzet das Mühlrad die Speiche
- Zermalmend über der Leiche,
- Und siehe, des Kindes purpurnes Blut
- Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth.
-
- Dort, wo sich die Räder brausend schwingen,
- Und wühlen im gährenden Wasserschlund,
- Wo's der Wandrer höret so lieblich singen,
- Wie Geister tief unten im feuchten Grund,
- Ist des Waldmüllers Kind begraben,
- Das die Räder zermalmet haben,
- Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht,
- Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht.
-
- Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde:
- »Lieb' Vater, lieb' Mutter, was weinst Du so sehr?
- »Hier unten ist's freundlich, ist kühler wie Erde,
- »Lieb' Vater, lieb' Mutter, o weine nicht mehr!«
- Den Müller faßt es mit Grausen,
- Wenn er höret die Stimme draußen.
- In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind,
- Da singt das ertrunkene Müllerkind.
-
-
-
-
- Schweizers Sehnsucht.
-
-
- O wer kühlt dies bange Sehnen,
- Das mich glühend heiß erfüllt,
- Und in stille warme Thränen
- Meine matten Augen hüllt?
- Nicht mehr kann ich sie verhehlen
- Diese Schmerzen, die mich quälen,
- Die sich ewig mir erneu'n.
-
- Wenn die junge Morgenröthe
- Freundlich von dem Himmel lacht,
- Hab' ich einsam, still und öde,
- Eine bange Nacht durchwacht,
- Und der erste Purpurschimmer
- Hat den süßen Frieden nimmer
- In des Schweizers Brust gesandt.
-
- Ach, ein Land nenn' ich mit Zähren,
- Wo der Morgen schöner brennt,
- Auf der Alpen Hochaltären,
- Am entflammten Firmament;
- Wo die Andacht Blicke feuchtet,
- Wenn die große Fackel leuchtet,
- In der Morgenröthe Gluth.
-
- Jene Höh'n, wo seit Aeonen
- In der Ewigkeiten Schooß',
- Jungfrau und Sanct Gotthard thronen,
- Der am Morgen, herrlich groß,
- Es der Erde froh verkündet,
- Daß die Opfer angezündet
- Frommen Dankes für den Herrn.
-
- Wo der Aar in reinern Lüften
- Kühner seine Schwingen hebt,
- Ueber bodenlosen Klüften
- Ungewohnt der Wandrer bebt,
- Wo von friedlich stillen Matten,
- Bei des Abends kühlem Schatten,
- Heerden mit Geläute zieh'n.
-
-
-
-
- Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen
-
- (von Hessen-Kassel).
-
-
- 1838.
-
- Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten
- Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau'n,
- Durch eine Brust, wo höhere Gewalten
- Der Poesie die lust'gen Zelte bau'n.
- Und wenn des Schicksals Händ' ein Herz zerspalten,
- Und wenn die Engel d'rin im Fenster schau'n,
- Ist's allemal ein Herz, das unter Bangen
- Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen.
-
- Doch was ergreift das Lied mit mächtiger'm Tone,
- Als jene weithin leuchtende Gewalt,
- Die majestätisch stolz dem Fürstensohne
- Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt?
- Als jenes Wort, das von erhab'nem Throne
- Wie Blitz durch Vaterlandes Thäler hallt?
- Als jene Hand, von deren sanftem Winken
- Die Segnungen des Friedens niedersinken?
-
- Denn Engel in den lichten Bäumen weben
- Mit frommen Händen eines Königs Kleid,
- Und droben, über allem ird'schen Leben,
- Wird von dem Herrn der Fürsten Haupt geweiht.
- Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben
- Wie Genien die Ideen der Heiligkeit,
- Und Gott, damit des Frevlers Blick entkräftet,
- Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet.
-
- Doch Du, den schüchtern meine Worte nennen,
- So nah' mein Herz auch Deinem Throne ist,
- Wie muß für Dich nicht die Begeist'rung brennen,
- Daß Du mein Fürst und mein Gebieter bist;
- Ein Land, das meine Kinderspiele kennen,
- Ein Volk, das seine Treue nicht vergißt,
- Und Thäler blüh'n um Deines Thrones Stufen,
- Wohin mich Lieb' und Pflicht zurückgerufen? --
-
- Vom Baierland, der hohen Röhn entwunden,
- Zieht stolz die Woge Deinem Schloß vorbei,
- Und wieder, mir der Schwester treu verbunden,
- Als ob es Beiden leid zu scheiden sei,
- Hat sie alsbald Dein schönes Land gefunden,
- Und üpp'ger Segen, wie ein stolzer Mai,
- Begleitet sie, wo auf die reichen Auen
- Der Pagenburg Ruinen niederschauen.
-
- Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte,
- Und der Kastal'sche Quell, der Marburg grüßt,
- Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande,
- Die Welle, die auf gold'nem Grunde fließt,
- Und jener Strom, an dessen Blüthenstrande
- Die Winzer singen und die Rebe sprießt,
- Sie zieh'n dahin mit träumerischen Grüßen,
- Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Füßen.
-
- Aus Deinen waldigen Gebirgen dröhnen
- Sturmwinde tausendjährigen Gesang,
- Der seit den kräftigen Cheruskersöhnen
- Durch alle vaterländ'schen Wälder drang.
- Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tönen, --
- Es ist der Volkesliebe mächt'ger Klang,
- Von dessen weithin brausenden Chorälen
- Sie jetzt noch drüben über'm Rhein erzählen.
-
- Wie Du da stehst in kräft'ger Jugendfülle,
- Von sechs und dreißig Lenzen ausgeschmückt,
- Von denen jeder in geweihter Stille
- Mit einer Tugend Deinen Geist beglückt,
- Und jeder seiner jugendlichen Hülle
- Sanft eine neue Schönheit aufgedrückt!
- Und so erhalte Dich in langen Jahren,
- Der hoch gebietet über heil'ge Schaaren.
-
- Wie du mit Weisheit sätest, also mächtig
- Entsprieße nun die dunkel gold'ne Saat,
- Und fruchtbeladen schatte segenskräftig
- Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad!
- So oft durch Deine Berg' und Thäler prächtig
- Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht,
- So bring' er, wie des Orients Gesandten,
- Des Glückes Gaben Dir aus Himmelslanden!
-
- Und könnt' ein Irrthum Dir die Liebe rauben,
- Dir sagt's Dein Muth, daß Du gefürchtet wirst.
- Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben,
- Stehst Du ein jugendlicher Trojafürst.
- Doch wenn Du Liebe und Vertrau'n als Tauben
- An Deinen königlichen Wagen schirrst,
- So wirst Du unter siebenfarb'nem Bogen,
- Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen.
-
- Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen,
- Die Worte hat der Sänger nicht bewacht,
- Ein treu Gedächtniß hat er's unverdrossen
- Mit zagendem Gemüthe dargebracht;
- Hat's willenlos sich aus der Brust ergossen:
- So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht.
- Mein Fürst! frag' nicht, woher die Töne kamen,
- Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen.
-
-
-
-
- Mein Wunsch.
-
-
- Ich wollte, ich hätte ein Häuschen im Thal,
- Und nahe dabei eine Mühle,
- Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl,
- Mit kreisendem Rade im Spiele,
- Ein Gärtchen mit Bäumen und Blumen dazu,
- Mit Tischen und Bank eine Laube,
- Und vor mir die Birnen im Abendroth
- Beim göttlichen Nectar der Traube.
- Dann neben mir Rosen und, vernünftig und treu,
- Einen Freund an der traulichen Stätte,
- Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei,
- Das wäre, so wie ich's gern hätte.
-
-
-
-
- Die letzte Rose.
-
-
- Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?
- So strahlend, hell in jugendlichem Roth?
- Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,
- Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.
- Wird doch mein eig'nes Haupt zur Stunde müder,
- Um meine Wange haucht der frühe Tod.
- Was mit mir lebt' und blühte, sank darnieder,
- Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.
-
- Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen
- So oft beim frühen Strahle mir geküßt?
- Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,
- Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?
- Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,
- Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?
- Komm einmal noch, eh' meine Blätter sinken,
- Die letzte Lieb' aus meinem Kelch zu trinken.
-
- Wo bist Du schnee'ge Jungfrau, Nievermählte,
- Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,
- Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,
- Was tief mir im geheimen Busen quillt?
- O wenn die Blume keine Freundin wählte,
- Gäb's Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?
- Gäb's Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,
- Wenn Lieb' und Freud' in ihrem Kelche weilte?
-
- Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,
- Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?
- Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen
- Verstandest Du mein Lieben und mein Leid.
- Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,
- Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid'.
- Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.
- Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?
-
- Euch sei die letzte Thräne hingegossen,
- Die auf dem welken Blatte sich noch hält,
- Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,
- In meinem Innern trag' ich eine Welt,
- Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,
- Mit mir hinab in's Reich des Todes fällt.
- Die Rose mag, von Lieb' und Lied verlassen,
- Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.
-
- Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,
- Er bricht hervor in unbarmherz'ger Wuth.
- Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,
- Der Paladin, in dem die Rose ruht.
- Wie? stamm' ich nicht aus königlichem Schooße?
- Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut
- In meiner Adern zierlichen Geweben,
- Die noch kein Vater wieder hat gegeben?
-
- Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,
- Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!
- Eh' grausam mich entblättert Sturm und Regen,
- Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!
- So wird entzückend mich der Traum bewegen,
- Daß ich die schwesterliche Lilie fand.
- Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,
- Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.
-
-
-
-
- Sonett.
-
-
- Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe?
- Wohl, _Dir allein_ gehören diese Zeilen.
- Vertrau' ich gern doch dem Sonett zuweilen
- Die heimlichen und die enthüllten Triebe.
-
- Doch mein' ich, daß es unvollkommen bliebe,
- Je mehr ich auch an dem Sonette feile. --
- Daß ich Dir lieber in die Arme eile
- Mit einem Kusse meiner Bruderliebe.
-
- Wohl geht's mir öfters so mit solchen Dingen,
- Die ich im Liede nimmer sagen mag,
- Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag
-
- Wie angeboren meine Brust durchdringen.
- Sie klingen ewig mir im Herzen nach,
- Und doch kann ich sie nicht im Liede singen.
-
-
-
-
- Sonett.
-
-
- So eilst Du denn der Königsstadt entgegen,
- Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen,
- Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen,
- Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen?
-
- Wo die Empfindung fremde Stempel prägen,
- Wo Deines Vaterlandes Klänge schweigen,
- Wird sich Dein Herz empfänglich für sie zeigen?
- Und bleibt es treu den heimathlichen Schlägen?
-
- O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren,
- Und trübe war, was auch Dir blühen mag,
- Ich weiß es, Deiner Jugend Frühlingstag.
-
- Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach,
- Und bitten zu des Himmels heil'gen Schaaren,
- Daß sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren.
-
-
-
-
- Die Johannisblume.
-
-
- Mein Leben glich einer Blume,
- Dran hing manch schöner Tag,
- Und jeder Tag war ein Blättchen, --
- Bis das Schicksal die Blume brach.
- Es pflückte meine Blättchen
- Eins nach dem andern ab.
- »Sieh her, ob Dir Dein Mädchen
- »Die Liebe wieder gab:
- »Sie liebt Dich,
- »Sie liebt Dich nicht,
- »Sie liebt Dich,
- »Sie liebt Dich nicht,
- »Sie liebt Dich doch.«
- O mein Geschick, wie dank ich Dir!
- Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir?
- Nun steht mein Leben kahl und leer,
- Kein Blättchen hat meine Blume mehr.
-
-
-
-
-
-
- In der Ferne
- Wohnt mein Glück,
- Wie der Sterne
- Gold'ner Blick.
- In der Ferne
- Wohnt mein Schmerz,
- Ringt zum Sterne
- Himmelwärts.
-
- In der Ferne
- Wohnt ihr Bild,
- Und die Sterne
- Grüßen's mild.
- In der Ferne
- Wohnt mein Leid,
- Sagt's ihr, Sterne:
- Lieb' verzeiht.
-
- In die Ferne
- Schaut' ich oft,
- Hab' zum Sterne
- Treu gehofft.
- Weit und ferne
- Wohnest Du,
- Ueber'm Sterne,
- Meine Ruh'.
-
- In der Ferne,
- Dort und hier
- Lieb und gerne
- Bist Du mir.
- Lieb und gerne
- Du allein,
- Ueber'm Sterne,
- Wirst Du mein.
-
-
-
-
- Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg,
-
-
- am 18. Mai 1839.
-
- An Deiner Wiege standen höh're Boten,
- Ein jeder mit Geschenken für Dein Leben.
- Sie schürzten den geheimnißvollen Knoten;
- Dich sanft berührend mit den Zauberstäben,
- Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen,
- Mit Schönheit Deine Glieder zu umschweben,
- Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele
- Geschmückt mit einem himmlischen Juwele.
-
- Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben,
- Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nächten;
- Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben,
- Und eine Vollmacht trug er in der Rechten,
- D'rin war Dein künftiger Beruf geschrieben:
- In eine Krone Blumen einzuflechten.
- Die Vollmacht schloß er sammt dem heil'gen Worte
- Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. --
-
- Einst gab ein Fürst, umbraust von Sturm und Wetter,
- Die Zügel seinem jugendlichen Sohne,
- Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Götter,
- Stieg er empor zum väterlichen Throne.
- Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter,
- Lieb' und Bewund'rung wurden ihm zum Lohne, --
- Doch einsam, unter'm Fürstenstern verborgen,
- Trug er sein Glück, sein Lieben und sein Sorgen.
-
- Da kamen still in Deines Herzens Grunde
- Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten,
- Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde:
- An uns'res Fürsten Seite mild zu walten,
- Mit ihm vereinigt zu dem ew'gen Bunde,
- In Liebe neu sein Leben zu gestalten.
- Du folgtest muthig jenem heil'gen Rufe,
- Trat'st gottvertrauend zu des Altars Stufe.
-
- Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet,
- Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten,
- Und still gewärtig jedes Ohr ihm lauschet,
- Sind's Deine Blicke, die es sanft begleiten;
- Und wenn das Volk vom Fürsten Liebe lauschet,
- Dann bist Du freudelächelnd nahe Beiden,
- Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben,
- Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben.
-
- Und heute wieder ist der Tag erschienen,
- Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden.
- Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen,
- Die hehren Boten aus dem Himmel standen:
- So grüßen jetzt Dich mit holdsel'gen Mienen
- Geliebte Pfänder segensvoller Banden,
- Und über dem erlauchten Haupte weben
- Wie einst Gestirne Dein zukünft'ges Leben.
-
- D'rin ist kein Schmerz, d'rin waltet keine Klage,
- Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen.
- Wenn um des Fürsten Bild doch späte Tage
- Die Lorber seines Ruhmes prächtig schlingen,
- Wird in dem Vaterland der Enkel Sage
- Das fromme Lied von Deinem Namen singen.
- Denn was da lebt in eines Volks Gemüthe,
- Das lebt unsterblich fort in seinem Liede.
-
- Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen
- Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gießen,
- So wehr' ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen)
- Das anspruchlose Spiel zu Deinen Füßen.
- Doch frag' die Töne nicht nach meinen Schmerzen,
- Wenn sie Dich huldigend, bescheiden grüßen.
- Mein Lied darf kühn um Deine Blicke werben, --
- Des Dichters Leid muß mit dem Dichter sterben.
-
-
-
-
- An Betty
-
- nach der Flucht ihres Kanarienvogels.
-
-
- O gebiete Deinen Thränen
- Und erheit're Deinen Blick,
- Denn es führt kein banges Sehnen
- Deinen Flüchtling Dir zurück.
-
- Deine Liebe so zu lohnen,
- Mochte freilich treulos sein,
- Doch die Schuld wird dem Entfloh'nen
- Gern Dein Edelmuth verzeih'n.
-
- Sieh', wie's draußen in den Auen
- Dort und dort so freundlich wird,
- Und wie lieblich in den blauen
- Höhen schon die Lerche schwirrt.
-
- Sieh nur, wie die Knospen schwellen,
- Wie das Leben neu erwacht,
- Wie aus den enteisten Wellen
- Uns der Lenz entgegen lacht.
-
- Hat Dir nie in solchen Tagen,
- Wenn der Frühling aufgeblüht,
- Schneller auch Dein Herz geschlagen,
- Wärmer Deine Brust geglüht?
-
- O dann richte nicht zu strenge,
- Denn auch ein Kanarienherz,
- Glaube mir, ist nicht zu enge
- Für der Sehnsucht bangen Schmerz.
-
- Denke Dir den armen Kleinen,
- Male Dir sein hartes Loos:
- Fern von den geliebten Seinen,
- Schmachtend, seufzend, hoffnungslos!
-
- Und nun schwebt der Lenz hernieder;
- Draußen in der freien Welt
- Rufen tausend frohe Brüder,
- Die kein enger Käfig hält.
-
- Schon verschwunden war sein Hoffen,
- Ach! bis jetzt sein einz'ges Glück, --
- Ha! da blieb das Thürchen offen, --
- O, ersehnter Augenblick!
-
- Freundlich, in der Freiheit Schooße
- Winkte Wonne, winkte Lust,
- Und es reifte jener große
- Entschluß in der kleinen Brust.
-
- O, nun konnt' er freudig singen,
- Hüpfend bald von Baum zu Baum,
- Bald die ungewohnten Schwingen
- Übend in dem freien Raum.
-
- Doch, wie kurz war nur die Freude!
- Als das junge Morgenroth
- Purpur auf die Fluren streute,
- Fand es ihn erstarrt und todt.
-
- Ach! und Wald und Flur vereinte
- Sich zur Trauer und zum Harm,
- Jedes kleine Hälmchen weinte
- Eine Thräne, hell und warm.
-
- 's ist gescheh'n! Er ist geschieden!
- Seine zarte Stimme schweigt,
- Und hinab zum ew'gen Frieden
- Ist das kleine Haupt geneigt!
-
- Drum gebiete Deinen Thränen,
- Und erheit're Deinen Blick,
- Denn es führt kein banges Sehnen
- Deinen Liebling Dir zurück!
-
-
-
-
- Worte,
-
- gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem
- Wimez'schen Institute aufführten.
-
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- Aengstlich treten wir und schüchtern
- In der Muse Tempel ein,
- In der Göttin Heiligthume
- Den bescheid'nen Kranz zu weih'n.
-
- »Welch gewagtes Unternehmen!
- Kränze von so kleiner Hand,
- Die ein Chor von kühnen Mädchen
- Am Altar der Künste wand!«
-
- O verzeiht, auf Eure Güte
- Hat das bange Herz vertraut,
- Und auf Eurer Milde gläubig
- All sein Hoffen aufgebaut.
-
- Hebt auch schüchtern und mit Zagen
- Sich empor der scheue Blick,
- Gern vertraut die Seele wieder,
- Und die Hoffnung kehrt zurück.
-
- Darum täuschet, Ihr Geliebten,
- Nicht dies kindliche Gefühl!
- Muthig haben wir gerungen
- Nach dem heiß ersehnten Ziel.
-
- Und verkündet Euren Beifall
- Nur ein Lächeln, sauft und leicht,
- O dann ist ja tausendfältig
- Dieses schöne Ziel erreicht.
-
- Wo der Seligkeiten höchste,
- Wo nur Dank und Freude wohnt,
- Wo mit diamant'nen Kronen
- Euer Beifall uns belohnt.
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-
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- Gesang der Sterne.
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- Wir ziehen über Berg und Thal
- Und über's weite Meer;
- Wir ziehen über Menschenqual
- Und Menschenglück daher.
-
- Wir kennen, was in stiller Brust
- Sich vor der Welt verhüllt,
- Und was mit namenloser Lust
- Ein einsam Auge füllt.
-
- Und wenn der Schmerz die Seele quält,
- Wir geben ihr die Ruh',
- Und wenn die Lieb' ihr Glück erzählt,
- So hören wir ihr zu.
-
- Wir schau'n auf manches kühle Grab,
- An dem ein Mensch sich härmt,
- Und schimmern in die Laub' hinab,
- In der die Liebe schwärmt.
-
- Wir reden mit dem Gram und sind
- Stets mit dem Kummer wach;
- Die Thräne des Entzückens rinnt
- Gern unter unserm Dach.
-
- Wir schlingen in den luftigen Höh'n
- Den stillen frohen Reih'n,
- Und scheinen Ruh' und Wiederseh'n
- In jedes Herz hinein. --
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- Der Liebe Sehnen.
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- (Einer andern Melodie untergelegt.)
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- Wer deutet mir dies bange Sehnen,
- Das mir so warm im Herzen glüht,
- Das nur nach Dir mich ewig zieht,
- Und oft das Auge füllt mit Thränen?
- Verschwunden ist mein froher Sinn,
- Mein gold'ner Frieden ist dahin.
-
- Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker
- Voll Schmerz und doch voll süßer Lust!
- Was pochst Du an die enge Brust
- So bang und ängstlich immer stärker?
- Könnt' ich zerbrechen, was mich hält,
- Und eilen in die freie Welt!
-
- Dir möcht' ich stets in's Auge seh'n
- Und in Dein Antlitz, engelrein;
- Wie selig, selig muß es sein,
- In Deinem Anschau'n einst vergeh'n,
- Und flieh'n im fessellosen Lauf
- Vom Himmel zu dem Himmel auf.
-
- Dort zu den Sternen ew'ger Liebe
- O könnt' ich schwingen mich empor,
- Und suchen in der Welten Chor
- Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe!
- Ach, selbst die Unermeßlichkeit
- Ist für mein Sehnen nicht zu weit.
-
- Ich seh' den Frühling niederschweben.
- Heran mit Deiner Blüthenlust,
- Heran an meine enge Brust,
- Du Lenz mit Deinem jungen Leben!
- Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz
- Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz.
-
- Ihr Nachtigall'n im Blüthenhaine,
- Ihr Fluren im verjüngten Grün,
- Ihr Blumen, die so freundlich blüh'n,
- O sagt es mir, warum ich weine?
- Warum, seitdem ich _sie_ erblickt,
- Kein Frieden meine Brust beglückt?
-
-
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-
- Veilchenstrauß.
-
-
- Kauft, schöner Herr, die Veilchen!
- Zwei Kreuzer gebt ihr mir!
- Ich steh' ein langes Weilchen
- Bereits vergebens hier.
-
- Mein Vater liegt im Grabe,
- Meine Mutter liegt im Grab.
- Herr, für die kleine Gabe
- Kauft mir die Veilchen ab!
-
- Geh, kleine Dirne, raff' Dich!
- Die so viel Geld begehrt!
- Das Sträußchen ist wahrhaftig
- Kaum einen Kreuzer werth.
-
- Aß heut' noch keinen Krumen,
- Und, Herr, mich hungert sehr.
- D'rum nehmt sie, nehmt die Blumen!
- Gebt mir den Kreuzer her.
-
- Das Mädchen gab die Veilchen, --
- Da fiel 'ne Thräne darauf --
- Der Herr, der nahm die Veilchen,
- Die Thräne mit in Kauf.
-
- Und wie er kommt nach Hause --
- 's ist kaum 'ne Stunde her --
- Da blühet an dem Strauße
- Kein einzig Veilchen mehr.
-
- Die Farben, die sie trugen,
- Sie sind verwelkt und blaß.
- Er will den Duft versuchen, --
- Da sind die Veilchen naß.
-
- Da faßt's ihn erst mit Leide,
- Und d'rauf unheimlich an,
- Er legt den Strauß bei Seite,
- Sieht nie ihn wieder an. --
-
-
-
-
- Tag der Vereinigung.
-
-
- Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze,
- Der mir das Kleinod meines Lebens bringt?
- Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze
- Das theure Haupt der Einzigen umschlingt?
- Wann wirst Du mir, Du sel'ger Tag gewähren,
- Was meine heiße Liebe lang' ersehnt?
- Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren,
- Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt?
-
- Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens!
- Du Sohn des Himmels, wann begrüß' ich Dich?
- Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens,
- Wann schüttest Du das Füllhorn über mich?
- Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore
- Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad?
- Wann öffnest Du mir jene gold'nen Thore,
- Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht?
-
- Wann wird der Seelenbund geheiligt werden?
- Wann werd' ich, Vater in den ew'gen Höh'n,
- Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden,
- Vor Deinem heiligen Altare steh'n?
- Dich bittend: segne Deine frohen Kinder,
- Laß über ihrem Glück Dein Auge sein!
- Wann wird, Allmächt'ger, Deines Worts Verkünder
- Das ird'sche Bündniß durch den Himmel weih'n?
-
- Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen,
- Wo die Gebete mit dem frommen Lied
- In großen Tönen zu dem Himmel wallen,
- Wo Glück und Schmerz, und Lieb' und Buße kniet, --
- An heil'ger Stufe, wo in sanftem Weinen,
- Der Knab' einst seinen Glauben aufgebaut,
- Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen,
- Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut?
-
- Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen!
- Denk' ich an Dich, bin ich ein sel'ges Kind.
- O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen
- Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind.
- Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen,
- Der fernen Sehnsucht den geduld'gen Schmerz.
- Komm, sel'ger Tag, mit Deinen gold'nen Kronen,
- Schütt' Deine Himmel in mein glücklich Herz. --
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- Siehst Du, wo im Abendgolde
- Feurig dort die Berge glüh'n,
- Wo im stillen Aether holde,
- Leuchtende Gewölke zieh'n,
- Dort liegt der ersehnte Strand,
- Meiner Liebe Vaterland.
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- Und wo auf den fernen Hügeln
- Dort ein Traum der Wehmuth liegt,
- Wo die Taub' auf weißen Flügeln
- Schwebend sich im Azur wiegt, --
- Hinter dem Gebirge weit,
- Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid.
-
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- Der Bürgergardist.
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- Seht dort den Mann mit Waff' und Wehr!
- Er schreitet so männlich und fest einher;
- Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm,
- Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild,
- Er schaut so ernst, er schaut so mild,
- Als trüg' er's im Herzen groß und warm.
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- Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That
- So einfach im Schmucke nie einen Soldat?
- Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann?
- »Mir blühet ein einfach und schönes Loos,
- »Still herrscht meine Königin, heilig und groß,
- »Ihr gehör' ich im Leben und Sterben an.«
-
- Wo liegt das Land Deiner Königin?
- Hat's viele der Männer von Deinem Sinn?
- Stellt's viele Regimenter in's Feld hinaus?
- »Das Land meiner Königin ist nicht weit.
- »D'rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit
- »Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.«
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- So ist Deine Königin reich an Gold?
- Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold?
- Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer?
- »Reich ist uns're Königin, reich unser Lohn;
- »Wir stützen als fleißige Bürger den Thron
- »Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.«
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- So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht,
- Wer ist Deine große ausländische Macht?
- Nenn mir Deiner Königin heiliges Land.
- »Die Ordnung ist meine Königin,
- »Für sie geb' ich Glück und Leben hin,
- »Und das Land ist Dein eig'nes Vaterland.«
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- Die Natur.
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- Ist auch der Mensch voll Tück' und Lügen
- Ist doch die Erde wunderschön!
- Und grinst der Haß aus Menschenzügen,
- Die Liebe lacht von Thal und Höh'n.
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- Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden,
- In dem die Erde grünt und blüht,
- So fern von allem Schmerz geschieden,
- Der in der Brust des Menschen glüht!
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- Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine,
- Du Zephyr, der die Aeste wiegt,
- Du Grün der Saat im Abendscheine,
- Du Blau, das auf den Bergen liegt!
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- Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe,
- Mit Deinem Frieden Du, Natur,
- Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe,
- Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur!
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- Das Deine schlägt so warm und ewig,
- Und seiner Reinheit sich bewußt,
- Natur, Du heil'ge, in Dir leb' ich,
- Und ruh' im Tod' an Deiner Brust. --
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- Vaterfreude.[7]
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- Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen!
- Juchheisa, mein Bübchen, nun hat's keine Noth!
- Auf'm Ohr die Haube mit rosigem Bändchen,
- Vom Trinken die andere Wange roth.
- Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh,
- Wenn ich mit Dir tanze und singe so so,
- Und erzähl' Dir vom Wolf und vom Schaf',
- Und wiege mein _Paul_'chen in Schlaf.
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- Horch, 's war 'mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines,
- Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb,
- Es hatt' ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines,
- Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb,
- Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld.
- Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt!
- Papa kennt das Lämmchen gar wohl,
- Es ist ja sein lieblicher _Paul_.
-
- Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden,
- Dann kriegt er 'nen Säbel, den hängt er sich um,
- Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden,
- Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum!
- Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot,
- Dann schießen wir beide den Wolf maustodt,
- Und schlafen dann ruhig und wohl,
- Nicht wahr Du, mein herziger _Paul_?
-
- Und marschier'n, wie die Preußen, durch die Gassen,
- Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus?
- Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen?
- Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus.
- Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh'n,
- Damit der Mama kein Leids mag gescheh'n,
- Denn lieb hat Mama Dich, mein _Paul_,
- Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!
-
- Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde
- In 'nem großen Wagen in's deutsche Land,
- Und _Paul_ nimmt den Säbel mit und auch die Flinte,
- Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand,
- Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot,
- Doch schieß' ich die Wölfe, wie Spatzen, todt.
- Puff, puff! schießt der liebliche _Paul_,
- Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!
-
- Nun schlafe und träume vom deutschen Lande,
- Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf,
- Und träume vom Säbel mit goldenem Bande,
- Und reise und reise im süßesten Schlaf.
- Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still!
- Wir schießen so viel, als mein Junge nur will.
- Nun schlafe, mein herziger _Paul_,
- Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!
-
-
-
-
- Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande,
-
- _Großherzogs von Luxemburg_.
-
-
- 1840.
-
- Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter,
- Verblüht sind längst die Wälder und die Flur,
- Und eingesammelt hat die welken Blätter
- Und schlafen geht die liebende Natur.
- Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen,
- Da weht ein Frühling, still und ungeschaut,
- Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen,
- In unsern Herzen seine Tempel baut.
-
- Und dieser Frühling da ist uns're Liebe,
- Mit der das Land stolz seinen König nennt,
- Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe,
- Die's jetzt und ewig seinem Herrn bekennt.
- Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten
- Jung, grün und herrlich in dem Lande steht,
- Und die Er jüngst mit königlichen Worten,
- Mir reicher Huld in unser Herz gesä't.
-
- Du altes Land, das nach so bitterm Harme
- Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt;
- Du stolze Mutter, die auf Riesenarme
- Die Wiege seines Königshauses trägt;
- Du tapf'res Land, das einst so groß gestritten,
- Du schönes Land, wo Reb' und Aehre blüh'n;
- Du treues Land, das einst so viel gelitten,
- Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh'n?
-
- Du Herr der Welten, wollst dem König geben
- Den mächt'gen Segen Deiner Vaterhand!
- Du woll'st bekleiden Sein geliebtes Leben
- Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand,
- Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen,
- Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit,
- Damit Sein Heil und uns'res sich begegnen,
- Und wir Dich loben bis in Ewigkeit!
-
- Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen's
- Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus.
- Frag' Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen's
- Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus.
- Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen
- Der alten Halle, die uns einst gebar,
- Des heil'gen Hauses, das in mächt'gen Stürmen
- Die Wohnung Luxemburger Treue war.
-
- Dies Haus sind uns're Bräuche, uns're Sitten,
- Und jene Einheit, die daraus ersteht;
- Das ist der Dom, für den wir oft gestritten,
- Von dem die Fahne uns'res Volkes weht.
- Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite,
- Und daß der schlaue Feind es nie entweiht!
- Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide,
- Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit.
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- Und steht es fest in seinen guten Fugen,
- Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein,
- Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen,
- Die uns verbieten, was wir sind, zu sein.
- Doch, was wir lieben und was uns erkannte,
- Das komm' herein, dem sei der Weg gebahnt.
- Willkommen d'rum, erhab'ner Fürst, im Lande,
- Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt!
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- Ludwig Philipp.[8]
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- Frieden, um den Preis der Erde Frieden!
- Manche Nacht -- Europa ist's bekannt --
- Wenn der Schlaf die Millionen Müden
- In die Fesseln seiner Macht gebannt,
- Und die Sterne Frankreichs niederschieden,
- Hing die Wage noch in meiner Hand, --
- Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle
- Meines Sohnes Leichnam in die Schale.
-
- Frankreich! siehe jenen Tempel zittern,
- Dem ich deine Zukunft anvertrau't!
- Sieh, wie klagend unter den Gewittern
- Von der Zinne hoch der Genius schaut!
- Muß _mein eigner todter Sohn_ erschüttern,
- Was auf _deiner Söhne_ Grab gebaut?
- Und ein unerklärliches Vergelten
- Opfern meinen Sohn für deine Helden?
-
- Auf dem _Pflaster_, das in Juliwettern
- Du erzürnt zum Thron geschleudert hast,
- _In den Tagen_, die wir gern vergöttern,
- Und wo deine eig'nen Söhn' erblaßt,
- Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern,
- Das, wie du, die Despotie gehaßt?
- Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben,
- Und es bebt, ich fühl's, mein eig'nes Leben.
-
- Diesmal hat's getroffen! Unter sieben
- Traf nicht Einer das ersehnte Ziel:
- Meine Brust ist unversehrt geblieben
- Bei dem mörderischen Würfelspiel.
- Gott hab' ich's mit Danke zugeschrieben,
- Bis das Haupt von meinem Kinde fiel:
- _Da_ just war der Fleck, _da_ stirbt mein Hoffen!
- Sieben Kugeln! _Diesmal_ hat's getroffen!
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- Fahre wohl denn, du geliebte Leiche,
- Bis wir ewig bei einander sind.
- Auf die Wange, wo vom Todesstreiche
- Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, --
- Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, --
- Dann leb' wohl, mein liebes, liebes Kind!
- O! daß mir des Weinens Tröstung wäre!
- Gott! ein Königreich für eine Zähre!
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- Ja, ich fühl's an meiner Pulse Schlägen,
- Du nimmst meine letzte Kraft dahin.
- Willenlos auf meinen dunkeln Wegen
- Folg' ich, wie ein Kind, der Führerin.
- Ferdinand, ich zittre dir entgegen,
- Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn.
- Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre!
- O! ein Königreich für eine Zähre!
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- Frieden, den ich Frankreich oft erhalten,
- Meiner eignen Brust versagt ihn Gott.
- Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten,
- Und der Julithron der Welt zum Spott.
- Neue Kugeln warten auf den Alten,
- _Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot_.
- Frieden, um den Preis der Erde Frieden!
- Und der Alte scheidet gern hienieden!
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- Was ist des Deutschen Vaterland?[9]
-
-
- Wie hat das Lied so schön geklungen,
- Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang,
- Und das wir Alle mitgesungen
- Bei drei und dreißig Jahre lang?
-
- Das Lied vorn deutschen Vaterlande,
- Wo an dem Rhein die Rebe blüht,
- Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande,
- Am fernen Belt die Möve zieht.
-
- Und wo wir mit Vergnügen sehen,
- Daß alle Länder, groß und klein,
- Wie sie im Buch bei Deutschland stehen,
- Das Vaterland des Deutschen sein.
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- Der Deutsche Bund -- Gott geb' ihm Friede --
- Hat immer, seit der Völkerschlacht,
- Bei diesem geograph'schen Liede
- Ein fürchterlich Gesicht gemacht.
-
- Und als der Deutsche Bund entschlafen,
- Wie ist das Lied dahergebraust!
- Wie ist's den Fürsten und den Grafen
- Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust!
-
- Boch-Buschmann, unser Deputirte,
- Sang's oft zu Frankfurt auf der Zeil,
- Und wenn er jetzt sich nicht genirte,
- Er säng' das Lied noch alleweil.
-
- Gesungen ward's in allen Städten,
- In allen Gassen ist's erschallt,
- Auch haben zwischendurch Musketen
- Als Accompagnement geknallt.
-
- Wohin ich mocht' durch Deutschland wandern,
- Am Rhein und an der Donau Strand,
- Hat einer stets gefragt den andern:
- Was ist des Deutschen Vaterland?
-
- Da sprach an einem schönen Tage
- Zu Wien Herr Raveaux frank und frei:
- Daß nunmehr auf die ew'ge Frage
- Die Antwort schon gefunden sei.
-
- Doch dieses war nur eine Flause, --
- Noch heute ist es unbekannt,
- Noch singen sie bei jedem Schmause:
- Was ist des Deutschen Vaterland?
-
- Arndt saß hernach im Parlamente
- -- Inzwischen war ergraut sein Haar --
- Sein Votum zeigte, daß am Ende
- Sein Lied auch eine Lüge war.
-
- Ja, eine rechte schöne Lüge,
- Viel schöner als die Verse sind.
- Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge,
- Wenn mir die Thrän' vom Auge rinnt.
-
-
-
-
- Blau, weiß, roth.
-
-
- (Melodie: _Les Girondins._)
-
- Gott grüß' euch Vaterlandes Farben!
- Du stolze Fahne, blau, weiß, roth!
- Für die einst uns're Väter starben,
- Mit Dir geh'n wir in Kampf und Tod.
- Dreifarbig Band, umschling' das Land,
- Führ' uns zum Sieg an Gottes Hand,
- Zum Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!
-
- Das Blau bedeutet Treu und Glauben,
- Treu Gott und unserm Vaterland,
- Den Ruhm soll keine Macht uns rauben,
- Wir dulden weder Schimpf noch Schand'.
- O köstlich Gut! o heil'ge Glut!
- Vernichtung der Tyrannenbrut,
- Uns Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!
-
- Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit,
- Drum sei verdammt der Lug und Trug!
- Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit,
- Wenn er die Schuld im Herzen trug.
- Rein sei die Hand zu Gott gewandt,
- Die Rettung heischt für's Vaterland.
- Uns Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!
-
- Blutroth, Du letzte uns'rer Farben!
- Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth,
- Wie andere litten, wie andere starben,
- So geh'n auch wir in Kampf und Tod.
- Nimm unser Gut, nimm unser Blut,
- Nimm's hin, du niederträchtige Brut!
- Ja, Sieg oder Tod!
- Hurrah, es lebe blau, weiß roth!
-
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-
- Bei Sebastopol.
-
-
- 1855.
-
- Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust,
- Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust,
- Der Tod zermalmet die Braven.
- _En avant!_ Seht, Brüder, die Mine springt,
- _En avant!_ Vom Malakoffthurme winkt
- Die Tricolorfahne der Zuaven.
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- Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd',
- Die Redouten springen, und roth erglüht
- Der Nebel über dem Hafen.
- Und unten die Stadt ist ein Feuermeer,
- Und droben steh'n auf den Bergen umher
- Die Linien, Garden und Zuaven.
-
- Da bringen sie eben von Brück' zu Brück'
- Die Verwundeten in das Lager zurück,
- Die zerstümmelten blutenden Braven,
- Und vor jeder Bahre, die kommt daher,
- Präsentiren im Flammenschein das Gewehr
- Die Linien, Garden und Zuaven.
-
- Da tragen sie einen Sergeant-Major,
- Der in der Courtine den Arm verlor,
- Und den halben Schädel im Graben,
- Und am Malakoffthurme commandirte er Halt,
- Und richtet sich aufrecht, die blut'ge Gestalt,
- Der Sergeant-Major von den Zuaven.
-
- Von der brennenden Stadt der rothe Schein
- Und das Licht, das die springenden Forts ausspei'n,
- Beleuchten sein Antlitz erhaben.
- Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft,
- Und nimmt zusammen die letzte Kraft,
- Der Sergeant-Major von den Zuaven.
-
- »Nun fahr' ich mit Freud' in die and're Welt,
- »Der Feind entflieht, Sebastopol fällt,
- »Im Flammenmeere begraben!
- »Lebt wohl, Cameraden! _Vive l'Empereur!_«
- Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr
- Die Linien, Garden und Zuaven.
-
-
-
-
- Ferienweihe.
-
-
- I.
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- Ich sitz' im Garten, die gold'nen Schleier
- Des Morgens rauschen um mich her,
- Und Alles prangt in stolzer Feier,
- Als ob's ein heil'ger Sonntag wär'.
-
- Nichts hör' ich hier vom Weltgetriebe,
- Und hinter'n Bäumen liegt die Stadt,
- Mit ihrem Haß und ihrer Liebe,
- Und Allem, was sie Schönes hat;
-
- Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden,
- Mit ihren Straßen grad' und krumm,
- Mit ihren großen und kleinen Gebäuden --
- Und vor Allem mit dem Gymnasium.
-
- Und hinter'n Bäumen liegt die Stube,
- Die stille Zeugin meiner Geduld,
- Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube,
- Mit dem tintenbefleckten Schreibepult,
-
- Und mit den Prüfungs-Exercitien,
- Und zumal mit den Büchern rings herum,
- Den tiefgelehrten und den witz'gen
- Und dem ganzen heiligen Classikerthum.
-
- Dagegen blühen mir hier die Rosen,
- Und auf jeder strahlt ein Diamant;
- Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen
- Und die Trauben an der Raketenwand.
-
- Und ein Heer von Astern und Georginen
- Und die Sonnenblumen stolzen Wink's,
- Sie grüßen mich mit gnäd'gen Mienen,
- Und die Schwalben pfeifen rechts und links.
-
- Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben,
- Sie schießen aus braunen Kisten empor,
- Und ein freies Bienchen verließ die Waben,
- Und singt melodisch mir um das Ohr;
-
- Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt' ich
- Schon, als ich noch ein Knabe war --
- Ich glaube, sie machen sich über mich lustig,
- Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar!
-
- Ach, freilich ist ja der ganze Garten
- Eine große lebendige Poesie,
- Und ach, es bleiben die Dichtungsarten
- Bei der Biene summender Melodie!
-
- Curies! ich habe keine Schule heute:
- D'rum glaubt' ich, daß es Sonntag wär',
- Und horch! es bringen fernes Geläute
- Die Morgenwinde zu mir her.
-
- So läutet denn, ihr fernen Glocken
- Mir feierlich meine Ferien ein, --
- Dann will ich mit der Biene frohlocken
- Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein.
-
-
- II.
-
- Schwalben und Bienen.
-
- Die Biene lebt in engem Kreise,
- Der Garten nur ist ihre Welt --
- Die Schwalben, sie sausen moderner Weise
- Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld.
-
- Die Schwalbe badet in Wolkenlüften
- Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl --
- Die Biene badet in Rosendüften
- Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl.
-
- Verleb' ich die Ferien in Schwalbenweise?
- Versumm' ich sie einsam in Bienenmanier?
- Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise!
- Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier.
-
-
- III.
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- Der Schwalben Spott.
-
- Wohl denn! rief auf diese Begrüßung
- Spottend die Schwalbe:
- Herr Professor, Ihre Entschließung
- Ist nur 'ne halbe.
-
- Während Sie so mit der Biene summen,
- Welken die Blüthen,
- Und wenn Sie wieder in der Schule brummen,
- Sind wir im Süden.
-
- Während Sie zur Verzweiflung bringt das
- Schneegewimmel,
- Lacht mir -- und wie anders klingt das! --
- Blau der Himmel.
-
- Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen,
- Seh' ich erstarren,
- Während der Sonne warme Strahlen
- Meiner harren.
-
- Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben?
- Und nach Algirien?
- Bis die Gärten wieder Blüthen haben,
- Sind wir die Ihrigen.
-
-
-
-
- Von der Luxemburger Mosel.
-
-
- Eile durch die Blumenauen,
- Holde Mosel, nach dem Rhein,
- Laß mir meine deutschen Gauen
- Tausendmal gegrüßet sein!
- Trage mit dreifarb'ger Fahne
- Meiner Sehnsucht Schifflein fort,
- Sei behutsam mit dem Kahne,
- Bring' mir ihn zu sicherm Port!
-
- Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen!
- Seid _noch nicht_ im deutschen Land,
- Wenn man's euch auch vorgelogen --
- Längst zerrissen ist das Band.
- Glaubt es nicht dem Klang der Zungen,
- Der da rechts und links erklingt,
- Nicht dem Lied des Fischerjungen,
- Der am Ufer drüben singt!
-
- Glaubt es nicht der deutschen Hütte,
- Die im Dorfe drüben steht;
- Glaubt es nicht der deutschen Sitte,
- Die in ihren Mauern weht;
- Dürft's auch nicht den deutschen Trauben,
- Nicht einmal dem Bettlerkind,
- Noch dem Meilenzeiger glauben,
- Daß wir hier in Deutschland sind.
-
- Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen,
- Thut's dem Vater Rheine kund,
- Was sie hier euch vorgelogen:
- Hat geträumt dem Deutschen Bund,
- Und im Schlaf, -- daß Gott erbarme! --
- Stahlen sie ihm Land und Leut',
- Und Franzosen sind wir heut'.
-
- Will es nicht gerad' verdammen:
- Wer sein Kind von Haus' entfernt,
- Gibt's hinaus zu welschen Ammen,
- Daß der Bub' französisch lernt. --
- Aber daß das Kind, das deutsche,
- Man zu Schimpf und Spott verkehrt,
- Daß man's die Beamtenpeitsche
- Auf französisch tragen lehrt! --
-
- Das in wilden Wellenschlägen,
- Das erzählt dem deutschen Land,
- Macht's von Vaterlandes wegen
- An dem ganzen Rhein bekannt!
- Und vergeßt mir nicht das eine:
- Meiner wärmsten Liebe Kahn,
- Legt mir ihn am schönen Rheine
- Bei dem schönsten Ufer an.
-
-
-
-
-
-
- Es lag mir schon sehr lange nah',
- Der Welt eins aufzuspielen
- Von jener Himmelsmusica,
- Die ich wohl hört', doch nimmer sah,
- Und die die lieben Engelein
- An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein,
- In meinem Herzen singen. --
- Nun mein' ich wohl, ich hätt's gethan,
- Erhalt auch Lob von Vielen,
- Doch hör' ich's recht genau mir an,
- So klingt's doch nimmermehr, nein, nein,
- Doch nimmer, wie die Engelein
- In meinem Herzen singen.
-
-
-
-
- Die Fische.
-
-
- In einer Kugel von Krystall
- Zwei gold'ne Fischlein wohnten,
- Die theilten ihre Schmerzen all
- Seit vielen vielen Monden.
-
- Doch war dem kleinen gold'nen Paar
- Der Käfig nicht zum Leide,
- Denn weil so eins beim andern war,
- War's eine Welt für beide.
-
- Und weil Gelübd' und frommer Schwur
- Die kleinen Zungen banden,
- So haben, Aug' in Auge nur,
- Die Fischlein sich verstanden.
-
- Und grüßte draußen froh und laut
- Das Vöglein in den Zweigen,
- Hat eins das and're angeschaut
- Mit wehmuthsvollem Schweigen.
-
- Und schienen in's Krystall hinein
- Der Abendröthe Strahlen,
- That sich der Liebe heller Schein
- In Fischleins Auge malen.
-
- Sie träumten wohl von Meeresgrund,
- Von ferner Wogen Schäumen,
- Doch keines that dem andern kund
- Sein Lieben und sein Träumen.
-
- Und weil nun eins mit so viel Schmerz
- Um's and're hat geworben,
- Da ist gebrochen Fischleins Herz,
- Und Fischlein ist gestorben.
-
- Und weil's mit Sprache nicht begabt,
- Muß still das and're klagen:
- »Ich hab' Dich doch so lieb gehabt,
- Und konnt's Dir doch nicht sagen.«
-
-
-
-
- Morgenlied von dem Schäfchen.
-
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Der Vater hüt't die Schaf',
- Die Mutter schüttelt's Bäumelein,
- Da fällt herab ein Träumelein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Am Himmel zieh'n die Schaf':
- Die Sternlein sind die Lämmelein,
- Der Mond, der ist das Schäferlein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Christkindlein hat ein Schaf',
- Ist selbst das liebe Gotteslamm,
- Das um uns all' zu Tode kam --
- Schlaf', Kindlein, schlaf.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- So schenk ich Dir ein Schaf'
- Mit einer goldnen Schelle fein,
- Das soll Dein Spielgeselle sein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf',
- Und blöck' nicht wie ein Schaf',
- Sonst kommt des Schäfers Hündelein
- Und beißt mein böses Kindelein --
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
-
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
- Geh' fort und hüt' die Schaf',
- Geh' fort, du schwarzes Hündelein,
- Und weck' mir nicht mein Kindelein!
- Schlaf', Kindlein, schlaf'.
-
-
-
-
- Maria und der Doctor.
-
-
- Es ist Nacht. Die düst're Lampe scheint;
- Am Bettchen sitzet die Mutter und weint,
- Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind,
- Und im Bettchen liegt das kranke Kind,
- Und erzählt im Fieberbrande
- Vom Engel im weißen Gewande.
-
- Und die Mutter ringt sich die Hände wund:
- Mach' heil'ge Maria mein Kind gesund;
- Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind,
- Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind.
- Ich bau' auf Deinen Namen,
- So ist es gewißlich, Amen.
-
- Kaum naht der Tag im Dämmerschein,
- Da trat der gelehrte Doctor herein.
- Der prüfet das Kind allüberall,
- Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall,
- Den ich nimmer in Praxi erlebt.
- Und verschreibt ein großes Recept.
-
- D'rauf standen allerhand Sprüchelein
- In Zeichen und Wörtern in Latein;
- Der Apotheker hat d'rüber zwei Stunden geschwitzt,
- Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt.
- Sogleich hat der Trank das Leben
- Dem Kinde zurückgegeben.
-
- Die Mutter in freud'gem Herzensdrang
- Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang,
- Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut,
- Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut;
- Der Himmel in höheren Welten,
- Der mög' es euch reichlich vergelten!
-
- Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn,
- Entläßt die Mutter mit frohem Sinn.
- Die aber hurtig schließet sich ein
- In's heimliche Krankenkämmerlein,
- Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen
- Auf die Knie beim Bette des Kleinen.
-
- Es ist Nacht, und die düst're Lampe scheint,
- Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint.
- Warum weinst du Mutter noch himmelwärts,
- Der Doctor hat ja getröstet dein Herz?
- Doch nein, ich will dich nicht fragen:
- Nicht alle Dinge lassen sich sagen.
-
-
-
-
- Des armen Kindes heiliger Christ.[10]
-
-
- Die Nacht war kalt und schaurig --
- Du arme kleine Marie!
- Sie wandert' allein und traurig,
- Und haucht' in die Händchen und schrie.
-
- Und sinket ermattet nieder,
- Vom Froste starret das Blut.
- »O könnt' ich die bebenden Glieder
- Beleben in wärmender Gluth!
-
- Wie blinket das schöne Gebäude,
- Erleuchtet vom Kerzenschein!
- Da kehrte mit köstlicher Freude
- Der heilige Christ wohl ein.
-
- Er kam aus dem Feenlande,
- Mit goldener Kron' im Haar,
- Im prächtigen Purpurgewande,
- So herrlich und wunderbar.
-
- Und bracht' ein flimmerndes Bäumchen,
- Und Aepfel und Nüsse daran.
- Ach! wer doch beim flimmernden Bäumchen
- Heut' Abend sich freuen kann!
-
- Nichts bracht' er mir, nichts mir Armen!
- Wie stürmet der brausende Wind!
- Ach, wer, wer hat doch Erbarmen
- Mit dem armen Bettlerkind?«
-
- Und wie sie die müden Glieder
- Nun ruhet auf kaltem Stein,
- Und senket die Augenlieder,
- Und schlummert ermattet ein:
-
- Da kam er zu ihr im Traume,
- Mit goldener Kron' im Haar,
- Im Kleide mit purpurnem Saume,
- So herrlich und wunderbar.
-
- Und schüttete köstliche Gaben,
- Und goldene Früchte aus:
- »Das Alles, Marie, sollst Du haben,
- Willst Du mit mir geh'n in mein Haus.
-
- Ich geb' auch ein Bäumchen mit vielen
- Hell flimmernden Lichtern Dir,
- Und die Engel soll'n mit Dir spielen,
- Komm, liebliches Kind, mit mir.«
-
- Da that das Kind Millionen
- Hell leuchtender Lichtchen seh'n,
- Und es denkt, dort muß er wohnen!
- Und es will mit dem Christe geh'n.
-
- Und als nun die goldene Frühe
- Verscheuchet die schaurige Nacht,
- Da ist die kleine Marie
- Nicht wieder aufgewacht.
-
-
-
-
- Des Schweizers Heimweh.
-
-
- Ewig Bangen, ewig Sehnen
- Nach dem theuren Vaterland,
- Nie das Auge ohne Thränen
- Nach der Ferne hingewandt,
- O wer kühlt mein Gluthverlangen,
- Wer mein Sehnen, wer mein Bangen,
- Ach, mit jedem Morgen neu!
-
- Bei des Tages erstem Schimmer,
- Bei der Sonne erstem Blick,
- Freud' und Leben kehrt doch nimmer
- In des Schweizers Brust zurück;
- Heerden blöcken, Glöcklein klingen,
- Vöglein, die im Walde singen,
- Ach, sie können fröhlich sein!
-
- Wo die Alpenröschen blühen,
- Wo am Morgen, herrlich groß,
- Schreckhorn und die Jungfrau glühen,
- Ach! der Heimath stillen Schooß,
- Könnt' ich euch, geliebte Höhen,
- Nur noch einmal wiedersehen,
- Eh' das arme Herz mir bricht!
-
- Wo der Aar in reinen Lüften
- Kühner seine Schwingen hebt,
- Ueber bodenlosen Klüften
- Ungewohnt der Wandrer bebt,
- Wo von friedlich stillen Matten,
- Bei des Abends kühlen Schatten,
- Läutend Heerden heimwärts zieh'n.
-
- Wenn am Abend es sich röthet,
- Und im still geword'nen Hain
- Nur die Nachtigall noch flötet,
- O wie bin ich dann allein!
- Hör' ich ihre sanften Lieder,
- Kehret meine Sehnsucht wieder
- Und das Herz will mir vergeh'n.
-
- Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen,
- Vaterland! Du bist gemeint,
- Land, wo die Schalmeien tönen,
- Wo mein Liesli um mich weint,
- Du mein Thal, geliebte Höhen,
- Könnt' ich euch noch einmal sehen,
- Eh' das arme Herz mir bricht!
-
-
-
-
- Der Morgen im Garten.
-
-
- Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer
- Die Blumen blüh'n,
- So sah ich nie im Rosenschimmer
- Den Garten glüh'n!
-
- Wie jubelt's in den blauen Lüften!
- Der Freude Hauch,
- Er weht in tausend Balsamdüften
- Vom Blüthenstrauch.
-
- Wohl saß ich oft in jener Hütte;
- Wenngleich allein,
- Konnt' ich in meiner Blumen Mitte
- So glücklich sein.
-
- Und was des Abends stille Feier
- Zum Herzen sprach,
- Wehmüthig tönte meine Leier
- Das Echo nach.
-
- Jetzt weint die Seele vor Entzücken,
- Zum Himmel steigt
- Sie mit der Rührung feuchten Blicken,
- Die Lyra schweigt.
-
- O gold'ner Morgen, Blick der Liebe
- Im Lenzgewand,
- Vom Auge ew'ger Huld und Güte
- Herabgesandt!
-
- Wie will der Sterbliche Dich singen,
- Der betend kniet?
- Wenn Weltenharmonie'n erklingen,
- Dann schweigt mein Lied!
-
-
-
-
- Am Abend.
-
-
- Senke Deine gold'nen Flügel,
- Holder Abend Du,
- Send' auf Fluren und auf Hügel
- Stille süße Ruh'!
-
- Milden Trost auf herbe Thränen,
- Guter Genius;
- Schlägt mein Herz in bangem Sehnen,
- Deinen Friedenskuß!
-
- Alles ruht in Wonneträumen,
- Jedes Auge blickt
- Dankbar zu des Himmels Räumen,
- Der den Frieden schickt.
-
- Hüll' auch mich in Deinen Schleier,
- Seel'ger Abend ein,
- Laß auch mich von Deiner Feier
- Still gegrüßet sein!
-
- Dann bring' ich Dir meine Gabe,
- Tief von Dank durchglüht,
- Bringe freudig, was ich habe,
- Dir ein sanftes Lied.
-
-
-
-
- Nach Durchlesung
-
- _des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar,
- Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg
- erlassenen Hirtenbriefes._
-
-
- 1842.
-
- Was fühl' ich leis' in meiner Seele beben?
- Ist's Deines Briefes kräft'ger Redefluß?
- Ist's Deiner Worte prächt'ges Bilderleben?
- Der Sprache, meiner liebsten, eh'rner Guß?
- Ist's die Bewund'rung, die ich Deinem Streben?
- Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß?
- Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen,
- Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen.
-
- Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten,
- Dem Himmel nahe, und die Seele frei,
- So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten,
- Und fernhin klingt die liebliche Schalmei.
- Da kommen, die sich früh verloren hatten,
- Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei.
- Das sind die Töne, jene freien, süßen,
- Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen.
-
- Als ich ihn las, da glaubt' ich weh'n zu hören,
- Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt,
- Den ächten Geist, der wie mit Engelchören
- Durch jedes Deiner frommen Worte klingt,
- Den Silberquell, der aus den gold'nen Röhren
- Melodisch in das ew'ge Leben springt[11], --
- Des Hirten Töne, die zu heil'gen Stufen
- Verirrte Kinder seiner Heerde rufen.
-
- Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen?
- Kann ich verleugnen, was in's Herz mir tief
- Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen,
- Einst an dem heil'gen Ostertage rief?
- Und was mit ew'gem Heile mich zu krönen,
- Mich auferweckte, als mein Leben schlief?
- Nun ich die Töne hab' von Dir vernommen,
- Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen.
-
-
-
-
- Der Katholik.
-
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Ich sag' es frei mit kühnem Blick,
- Ich bin's nicht blos im Gotteshaus,
- Ich bin es auch im Weltgebraus';
- Ich leugn' es nie und nimmermehr,
- Und wär' der Teufel hinterher:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Zum Lügen hab' ich kein Geschick;
- Bin ich im Gotteshaus gekniet,
- Was kümmert's mich, ob's einer sieht;
- Schwätz' ich nicht Jedem nach dem Bart,
- Was thut's? Ist Katholikenart:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- D'rauf thu' ich mir von Herzen dick;
- Der Priester hat's mich früh gelehrt:
- Daß sich im Sturm der Christ bewährt,
- D'rum, tret' ich aus dem Gotteshaus,
- Dann ford'r' ich kühn die Welt heraus:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik
- In Freud' und Leid, in Schmerz und Glück,
- Ich bin's im Friede und im Streit;
- Und wenn der Teufel Feuer speit,
- Und wenn die Welt in Trümmer bricht --
- Ich wanke nicht und weiche nicht:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Nicht blos für einen Augenblick;
- Es geh' uns gut, es geh' uns schlecht,
- Ich halte bei katholisch Recht;
- Sag's jedem Heuchler in's Gesicht,
- Ein Sohn der Kirche bist du nicht:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
- Ich bin ein wahrer Katholik,
- Ich bin kein eigennütz'ger Strick,
- Der, wenn der Wind von Norden weht,
- Für Gott und seine Kirche steht,
- Doch wenn der Wind von Süden bläst,
- Gott und die Kirch' im Stiche läßt:
- Bei Gott ist meine Hülfe.
-
-
-
-
- In einer protestantischen Kirche.[12]
-
-
- (Bruchstück aus einem ungedruckten Drama: »Der Katholik«.)
-
- Kind.
-
- Sieh Vater, offen ist die Thüre, laß
- Zum erstenmal mich eine Kirche sehen.
- Wie herrlich muß es sein in Gottes Hause!
-
- (Sie treten ein.)
-
- O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort
- Sich wölben und sich himmelaufwärts heben!
- Sieh, wie die riesig großen Pfeiler streben.
- Man sieht wohl gleich, daß hier ein heil'ger Ort.
- 's ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen.
- Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen?
-
- Vater.
-
- O, das Gebäude ist schon alt, mein Sohn!
- In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren,
- Als überall noch Aberglauben herrschte,
- Und alle Leute noch katholisch waren.
- Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden,
- Das sie »zu Uns'rer Lieben Frauen« nannten.
-
- Kind.
-
- Da waren's wohl die Heiden, die's gebaut?
-
- Vater.
-
- Nein, Katholiken haben's aufgeführt.
-
- Kind.
-
- Hu, Katholiken! Später, wie ich denke,
- Erhielten wir's von denen zum Geschenke?
-
- Vater.
-
- Nein, Kind, wir haben's ihnen weggenommen.
- So ist die Kirche nun auf uns gekommen.
-
- Kind.
-
- Oh! und wer ist denn Uns're Liebe Frau?
-
- Vater.
-
- Das ist die heilige Maria, Kind,
- Die Jesum Christum unsern Herrn geboren.
- Die Katholiken glaubten auch an _die_,
- Und warfen sich vor ihrem Bild' auf's Knie.
-
- Kind.
-
- Maria? Ei so hieß auch meine Mutter,
- D'rum war sie auch so eine liebe Frau,
- Wie ich's noch heut' in ihrem Bilde schau'.
- Sie hatte mich so lieb, sie war so milde,
- Und d'rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde
- Oft selbst geweint und auf den Knie'n gelegen.
- Doch was mir, Vater, nicht gefällt, das ist,
- Daß hier kein Schmuck und keine Bilder sind.
-
- Vater.
-
- Wir sind ja keine Katholiken, Kind!
- Wir beten nur zu unserm Gott allein,
- Zu keinem Bild, das würde Sünde sein.
-
- Kind.
-
- Es wär' auch gar zu dumm, zu Bildern beten,
- Ein Bild kann ja nicht hören und nicht reden.
- Und dennoch ist's so schön in deiner Stube,
- Wo du die hohen Gäste gern empfängst,
- Auch einsam wohl an meine Mutter denkst.
- Ich weiß, obgleich ich noch ein kleiner Bube,
- Daß mir's einmal gelang, hinein zu schauen.
- D'rin hängen Bilder, viel, mit gold'nen Rahmen.
- Auch sah ich d'rinnen Uns're Liebe Frauen,
- Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen.
- Von allen Häusern hätt' ich auf der Welt
- Mir Gottes Haus am schönsten vorgestellt.
-
- Vater.
-
- Du mußt nicht denken, daß hier Gottes Wohnung.
- Gott ist an jedem Orte, kein Revier,
- Kein Raum und keine Mauer schließt ihn ein.
- Er ist sowohl in meiner Stub' als hier.
-
- Kind.
-
- Wenn ich Gott wär', ich wär' am liebsten hier,
- Und prächtig schmücken ließ' ich Alles mir.
- Weißt du noch Vater, als du meiner Mutter
- Die schöne neue Laub' im Garten bautest,
- Die wir so gern nach ihrem Namen nennen,
- Und die ihr so gefiel, weil du sie _ihr_
- Gewidmet und geschmückt; wo sie am liebsten
- An jedem Abend mit uns Kindern weilte?
- Da weilst du auch nun stets am liebsten, da,
- So sagst du, ist sie dir noch immer nah.
- Ja, wenn ich Gott wär', unter allen Zonen
- Thät' ich am liebsten in der Kirche wohnen.
- Da müßten an der Wand und in den Gängen,
- Wie bei'm Papa, die schönsten Bilder hängen,
- Und meine Mutter müßte bei mir sein.
- Doch was bedeutet das Gefäß von Stein,
- Dicht bei der Thüre zierlich eingemauert?
- Ein Becken scheint's, um Wasser zu bewahren,
- Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren,
- Denn siehe, einsam haben Spinnen oben
- Die grauen Schleier d'rüber her gewoben.
-
- Vater.
-
- 's ist ein Gefäß, aus dem sie Wasser nahmen,
- Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen,
- In Vaters, Sohns und heil'gen Geistes Namen.
-
- Kind.
-
- Warum?
-
- Vater.
-
- Ich weiß nicht, 's war so hergebracht,
- Und darum haben wir's nicht nachgemacht.
-
- Kind.
-
- Sieh, Vater, hier das große Eisengitter,
- Dahinter seh' ich der Verwüstung Spuren,
- Und Mörtel, Steine, Bretter und Figuren,
- Im Wirrwarr liegt's vergessen und verlassen.
- Unheimlich dämmrig ist's an diesem Orte,
- Wär' ich allein, mich würde Furcht erfassen.
-
- Vater.
-
- Mein Kind, da stand der alte Hochaltar,
- Nebst Tabernakel, wie's gebräuchlich war.
- Auf eines Heil'gen Grab ein großer Stein,
- Geweiht zum Dienst des heil'gen Opfers ein.
- Mit Blumen reich geschmückt von frommen Händen,
- Und Bildern, Crucifix und Ornamenten;
- Im gold'nen Meßgewand und Cingulum
- Beging der Priester das Mysterium,
- Und Alles büßend sich zur Erde neigte,
- Wenn er die Hostie dem Volke zeigte.
- Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen,
- Ein traurig Denkmal aus vergang'nen Tagen.
-
- Kind.
-
- Sieh, ein zerschlag'ner Arm ist noch zu schauen,
- Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand.
- Wer that das, Vater? Immer sagtest du,
- Altäre seien heilig, und in Ruh'
- Soll man die Gräber und Altäre lassen.
- Du lehrtest mich tief in der Seele grauen,
- Als du erzähltest, wie das Römervolk
- Die christlichen Altäre einst zerschlagen,
- An denen fromme Menschen betend lagen.
- O sicher stürzten dieses Heiligthum
- Die Katholiken oder Römer um.
-
- Vater.
-
- Wir selber, Kind, die Protestanten thaten's,
- Und der Altar war ein katholischer.
-
- Kind.
-
- Wie Schade! da erblick' ich unter Trümmern
- Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt.
- Wie lieblich seine sanften Züge schimmern!
- Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt
- Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen.
- Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter?
-
- Vater.
-
- Das ist das Bildniß Uns'rer Lieben Frauen.
- Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen.
-
- Kind.
-
- Laß mich noch einmal dieses Bild beschauen,
- Dann mag der Küster seine Kirche schließen.
- Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen.
- Wie blickt es mich so wunderlieblich an!
- Du liebe Frau, was hast du denn gethan,
- Daß sie dich brachen, und dein Kind zerstießen?
- Gern nähm' ich's mit in unser Haus, und träumte:
- Ich sähe meine Mutter, und ich leimte
- Dem Jesuskind' ein and'res Händchen an.
-
- Vater.
-
- So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden?
-
- (Der Küster zieht die Thurmglocke.)
-
- Kind.
-
- Noch eins! sag', warum, wenn die Sonne scheidet,
- Die Glocke dreimal drei vom Thurme läutet.
- Es weiß es Niemand, was der Gruß bedeutet.
-
- Vater.
-
- Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit.
- Als nämlich Alles noch katholisch war,
- Da hat man so das Angelus geläut.
- Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen,
- Dann nahmen alle Leut' von jedem Stande,
- Der Städter, wie der Bauer auf dem Lande,
- Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse,
- Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse,
- Von ihrem Haupt den Hut, und beteten
- Ein still Gebet zu Uns'rer Lieben Frauen.
-
- (Das Kind sinkt auf die Knie.)
-
- Was bet'st du Junge, bist du nicht gescheid?
- Ein protestantisch Kind hier auf den Knien?
-
- Kind.
-
- O, laß mich beten wie kathol'sche Leut'.
- Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien.
- Laß mich bei Uns'rer Lieben Frauen beten!
- Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten,
- Doch bitt' ich, Vater, daß ich auf der Erden
- Weit lieber noch ein Katholik soll werden.
-
- Vater.
-
- Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern.
- Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern.
-
- (Sie verlassen die Kirche.)
-
-
-
-
- Maria![13]
-
-
- O Du süßester von allen Namen!
- Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten,
- So melodisch, Deine Töne gleiten!
- Wie Accorde, die von jenseits kamen,
- Die aus unbekannten Herrlichkeiten
- Leise Lüfte zu mir her geleiten, --
- Lieblich, wie ein fernes sel'ges Amen,
- Tönst Du, Name der Gebenedeiten:
- Maria.
-
- Dunkel ist die Nacht. Verirrt und müde
- Hebt empor der Pilger seine Hände,
- Daß ein Stern ihm Licht und Tröstung sende.
- Da, wie wenn der Osten Purpur sprühte,
- Wie wenn die Natur in Lieb' entbrennte,
- Wie das Morgenroth am Firmamente, --
- Also flammt Dein Nam' in mein Gemüthe,
- Und ich nenn' ihn tausendmal ohn' Ende:
- Maria.
-
- Ja, den Morgen fühl' ich in mir tagen,
- Meine Seele glüht in heil'ger Freude,
- Wenn Du einziehst, lieblichste der Bräute,
- Wie ein Königsweib auf gold'nem Wagen.
- Meine Blumen steh'n im Festgeschmeide,
- Alle Berge steh'n in ros'gem Kleide,
- Und die Glocken meines Innern schlagen
- Ein unendlich liebliches Geläute:
- Maria!
-
- O Du Heil'ge! Sieh in anderm Bilde
- (Denn wie Du bist, singen keine Lieder)
- Nahst Du schöner meiner Seele wieder.
- Nacht und Graus bedecken die Gefilde,
- Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er
- Hoch einher der Herr und Weltgebieter, --
- Plötzlich unter Donnerwetter, milde,
- Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder,
- Maria!
-
- Wenn ich so die alten Lieder zähle,
- Die ich frisch, von Melodien durchdrungen,
- Froh und weinend in die Welt gesungen,
- Fühl' ich schmerzlich eine schwere Fehle.
- Wo ein Kranz mir rund und schön gelungen,
- Für die Welt nur hatt' ich ihn geschlungen;
- Keiner hat geheiligt meine Seele,
- Kein Lied, keines ist für Dich erklungen,
- Maria!
-
- Sieh, mein Götze war ein ird'sches Lieben,
- Ruhm und Ehre meine gold'nen Sterne,
- All mein Dichten, Blüthen ohne Kerne,
- Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben.
- Deine Bilder hatt' ich lieb' und gerne,
- Doch Du selber bliebst mir ewig ferne.
- Ferne? Nein, Du bist mir nah' geblieben:
- Meine Harfe tönt', ich lausch', ich lerne:
- Maria!
-
- Nun und ewig nur zu _Deinem_ Ruhme,
- Will ich rauschend meine Saiten schwingen,
- Will sie _Dir_ zum Weihgeschenke bringen,
- Segne sie zu Deinem Heiligthume!
- Wenn sich tönend Reim' um Reime schlingen,
- Soll _Dein_ süßer Name sie durchklingen,
- Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume,
- Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen,
- Maria!
-
- O, ein Psalm ist schon allein Dein Name,
- Und er tönt in allen Erdenkreisen.
- Also laß auch mich Dein Sänger heißen,
- Sei Du, Jungfrau, meine heil'ge Dame!
- Lehr' mein Lied nur einen einz'gen leisen
- Wiederhall von jenen Himmelsweisen,
- Meine Stimme, daß sie nicht erlahme,
- Deine Schönheit für und für zu preisen,
- Maria!
-
- Du dagegen wollest für mich bitten!
- Des Allmächt'gen donnernde Gewalten
- Hätten längst mein sünd'ges Herz zerspalten,
- Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten.
- Bitt' für mich, damit sie gnädig walten,
- Und den Fluch von meinem Haupte halten!
- Laß zu Jesus sich die Lieb' inmitten
- Meiner Seele wie die Blum' entfalten!
- Maria!
-
- Und zum andern woll'st Du mir erflehen,
- Daß ich spät und frühe _Dein_ gedenke,
- Treu und warm Dir meine Andacht schenke,
- Und auf Dich stets meine Augen sehen.
- Daß _Dein_ liebes Bild sich zu mir senke,
- Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke
- Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen,
- Daß ich nimmer Deine Liebe kränke,
- O Mutter!
-
- Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte!
- Ach, ich seh' Dich mit den bleichen Wangen,
- Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen,
- Seh' Dich dringen durch die wilde Horde,
- Und vergeh'n in jammervollem Bangen,
- Als die heil'gen Lippen: Mutter! klangen,
- Seh', wie bei dem blut'gen Gottesmorde
- Dir das Schwert durch's keusche Herz gegangen,
- O Mutter!
-
- Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen
- Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine,
- Thronst Du ja in ew'gem Glorienscheine,
- Und die Engel ruh'n zu Deinen Füßen.
- Mutter! o wie ich vor Freude weine,
- Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine,
- Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen,
- Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine:
- O Mutter!
-
- Bitt' für mich, bei Deines Sohnes Wunden!
- Laß nicht seine Liebe von mir weichen,
- Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen!
- Und dann, in der letzten meiner Stunden,
- Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen,
- Daß ich froh Dir mag die Hände reichen,
- Und mein Herz dem ew'gen Licht gesunden,
- Maria!
-
-
-
-
- Maria in der Seele.[14]
-
-
- O heil'ge Mutter, wie ich mich betrübte,
- Und mich in Unruh' quälte Nacht und Tag!
- Eh' meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,
- Und wie ich Dir's zu sagen nie vermag!
- Wie fühl' ich, gleich dem mutterlosen Kinde,
- Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,
- Und wie erbärmlich hab' ich mit der Sünde
- Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.
-
- Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,
- Die nur mit Mühe noch zusammenhält.
- Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,
- Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.
- Der Blitz, wie wenn's den Untergang gegolten,
- Umzingelte das Haus, und angstgepreßt
- Hielt d'rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,
- Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.
-
- Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,
- Ist meine Seel' ein königliches Haus.
- Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,
- Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.
- Du wandelst durch die duftigen Gemächer,
- Darinnen Flöten klingen und Schalmei'n,
- Die Engel steigen nieder auf die Dächer,
- Und Gottes Sonne scheint durch's Fenster 'nein.
-
- Wie kam's doch? Hab' ich oft zu Dir gebetet,
- Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?
- Hab' ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,
- In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?
- Du Kön'gin, hat mein Herz Dich eingeladen?
- Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?
- Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,
- So unverdiente Seligkeiten gab?
-
- Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,
- Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,
- In meiner Seele dunkles Haus getreten;
- In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.
- Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,
- Du hast's gefunden, o wie wohl ist mir!
- Nun mag der Sturm weh'n und die Hölle fluchen,
- Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.
-
- Dies Herz -- Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,
- Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.
- Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,
- Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.
- O Heil'ge, bleibe bei mir jetzt und immer!
- Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,
- Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,
- Und führe rettend mich zum ew'gen Licht!
-
-
-
-
- Die Verfolgung.
-
-
- Halt ein! ihr Schergen diabol'scher Mächte,
- Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag?
- Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte,
- Vernichten könnt't ihr ihn mit Einem Schlag.
- Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte,
- Der ihm den weißen Schädel spalten mag?
- Ich ruf' euch zu mit aufgehob'nen Händen:
- Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden!
-
- Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne
- Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal;
- Gefangen schleppt ihr's in die Fleischerschirne,
- Und freut euch wohlgefällig seiner Qual.
- Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne,
- Woraus er lachend die Vernunft euch stahl.
- Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger.
- Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger!
-
- Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken,
- Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb.
- Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken,
- Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. --
- Dann thut es diesem einzigen Gedanken,
- Thut's dem, was euch noch heilig ist, zu lieb:
- Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde,
- Gebt das Signal und koppelt eure Hunde!
-
- Und thut ihr's nicht, so höret mit Entsetzen,
- Was dann geschieht, ich sag's euch, ich, ein Greis.
- Ihr denkt, das Wild würd' sich zur Wehre setzen,
- Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis;
- In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen,
- Und Rettung suchen um des Lebens Preis?
- Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed'schen,
- Den Zorn mit blut'gen Worten zukartätschen?
-
- Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen,
- Und rächend hoch auf Barricaden steh'n,
- Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten,
- Wie Oriflammen, von den Bergen weh'n,
- Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten,
- In Kampf und Tod für uns're Kirche geh'n.
- Ihr denkt's? dann denkt es auch mit allen Schauern,
- Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern!
-
- Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen,
- Dem Hirsch, der stumm und ohn' Empfindung scheint.
- Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen,
- Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind,
- Dann läßt er hör'n ein leises süßes Klagen,
- Und was er nie gekonnt und that: er weint.
- So leiden wir, so weinen wir und klagen,
- Wenn eure Bleie uns in's Leben schlagen.
-
- Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen,
- Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor.
- Wenn eure Flüch' hinab zur Hölle steigen,
- Dringt uns're Stimme bis zu Gottes Ohr.
- Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen,
- Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor.
- Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen,
- Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen.
-
- 's war eine Zeit -- vielleicht in stillen Nächten
- Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt;
- Es war die Zeit, eh' ihr von finstern Mächten
- Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt,
- Eh' ihr's gelernt, mit Gott und Kirche rechten,
- Und eh' der Satan euern Geist berückt --
- Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten,
- Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten.
-
- Ein festlich majestätisches Geläute
- Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus.
- Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute,
- Ihr trugt, wie's Brauch ist, einen Blumenstrauß;
- Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude,
- Sah euch die Unschuld aus dem Aug' heraus --
- Und ihr gelobtet euch im Sacramente
- Dem lieben Heiland bis an's Lebensende.
-
- Noch seh' ich euch am Tisch des Herren essen,
- Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt.
- Noch seh' ich euch die keuschen Lippen pressen
- Auf's Kruzifix in eurer reinen Hand.
- O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen,
- Die damals euch im frommen Auge stand?
- Wie weit ist's doch, seit jenen schönen Tagen
- Bis zu dem heut'gen mörderischen Jagen?
-
- Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande,
- So denkt an jenen einz'gen heil'gen Tag --
- Und dann -- schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande,
- Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag.
- Noch nie gab's so viel Edelwild im Lande,
- Ein Jagen, wo's geduldiger erlag.
- Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir's nicht gelinder!
- Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder.
-
-
-
-
- 1848.
-
-
- Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren,
- Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer.
- Prophetenstimmen aus verklung'nen Jahren
- Zieh'n wie Posaunentöne vor ihm her.
- Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren
- Und die Empörung schwingt den blut'gen Speer.
- Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen,
- Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen.
-
- Wer ist der Steuermann in solchen Wettern,
- Wer ist der Geist, der über'n Wassern schwebt?
- Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern
- Maschinenmäßig durch die Wellen hebt?
- Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern
- Sich in die Weichen der Empörung gräbt?
- Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten,
- Gibt uns ein Machtwort den verlor'nen Frieden?
-
- Wohl mag ein _Stern_ uns aus den Wogen retten,
- Doch keiner, der auf Uniformen blinkt,
- Wohl eine _Hand_ vermag uns warm zu betten,
- Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt.
- Und für das Schiff gibt's neue, sich're Ketten,
- Doch keine, die uns um die Freiheit bringt.
- Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung,
- Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung.
-
- Der _Stern_, die _Stella maris_, die wir kennen,
- Wir seh'n ihn hehr und schön vom Himmel schauen,
- 's ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen,
- Den süßen Namen Uns'rer Lieben Frauen.
- Wo gibt's Fanale, die so glänzend brennen,
- Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen?
- Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen
- Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen.
-
- Die _Hand_, das ist die Hand der Braut des Herren,
- Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt,
- Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren,
- Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt,
- Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren,
- Den Segen ihres hohen Bräut'gams reicht.
- Wo _diese_ Hand regiert, von Gottes wegen,
- Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen.
-
- Die _Kette_, die es hält für alle Zeiten,
- Reicht von der Erde in die Ewigkeit,
- Die Kette zweier Welten, die in beiden
- Uns zur Gemeinschaft aller Heil'gen reiht --
- Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden,
- In Nacht und Trübsal, Gnad' und Herrlichkeit --
- Das ist die Kette von Demant und Eisen,
- Die keine Stürme dieser Welt zerreißen.
-
- O süßer Meerstern, der vom Himmel d'roben
- So mild und freundlich auf uns niederschaut,
- O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben,
- Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut,
- O diamantnes Band, von Gott gewoben, --
- Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut --
- Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben,
- Wir glauben noch, denn _ihr_ seid uns geblieben.
-
-
-
-
- Komm!
-
-
- O komm, still' unser heißestes Verlangen,
- O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick;
- O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen,
- Längst wärst Du bei den Trauernden zurück.
- Mit Dir ist Fried' und Freud' hinausgezogen;
- Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück.
- So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten,
- Wie wir bisher die Tag' und Stunden zählten.
-
- O komm, o komm, ein Jammer ist's im Lande;
- Seitdem Du gingst, war's eine schwere Zeit,
- Ein Hurrah über's and're schreit die Bande,
- Der Teufel machte sich noch nie so breit;
- Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte,
- Hat Dir schon manch Gebet geweiht.
- O komm, du kannst's ja, von Sanct Peter's Stufen,
- Hat Dir es Pius freundlich zugerufen.
-
- O komm, Dir harren tausend Herzen:
- Die Kirche mit der Glocken Jubelton,
- Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen,
- Die Gläub'gen mit Gesang und Prozession;
- Empfang' die Lieb' als Balsam Deiner Schmerzen,
- Und für die uns'rigen sei Du der Lohn,
- Damit uns so, mit Gott verbunden,
- Das Leid vergeht, vernarben uns're Wunden.
-
- Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten,
- Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt?
- Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten
- Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt;
- Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten
- Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt,
- Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen.
- Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen.
-
- O komm, steh, alle Tage wird es trüber,
- Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab,
- Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber,
- Kein Retter uns erschien, der Frieden gab.
- So komm denn Du, den Hermelin wirf über,
- Gebiet dem Sturm mit Deinem gold'nen Stab,
- Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken,
- Sich Dein gewohnter Segen niedersenken.
-
-
-
-
- Das Marienbild zu Rimini.
-
-
- 1850.
-
- Wunder! Leben gießt sich in das Todte.
- Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist,
- Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote
- Die Gesetze der Natur zerreißt.
- Seht, das Auge öffnet sich und milde
- Strahlt es den unmittelbaren Gruß,
- Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde --
- _Signa dantur infidelibus_.
-
- Nun vom Volk zu des Allmächt'gen Throne
- Hebt der Blick der Heiligen sich empor.
- »Gott allein die Ehr' und seinem Sohne,
- Der zur Himmelskön'gin mich erkor!«
- _Sursum corda!_ und zum Herrn und Meister,
- Mit des Auges seligstem Erguß,
- Reißt sie aufwärts die erschrock'nen Geister --
- _Signa dantur infidelibus_.
-
- D'rauf der Heil'gen Auge senkt sich nieder,
- Und zurück zu Staube sinkt das Erz,
- Und das Volk wird seiner Sünde wieder,
- Seines Fluchs bewußt das Menschenherz.
- Laßt uns beten, beten tief im Staube:
- »Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.«
- Laßt uns einig sein in Lieb' und Glaube --
- _Signa dantur infidelibus_.
-
-
-
-
- An Maria.
-
-
- O Maria, laß gelingen,
- Und sei meine Helferin,
- Laß mich gut und recht vollbringen,
- Was ich jetzt gesonnen bin.
- Mutter Gottes, alle Tage
- Warst Du bei mir, sonst und jetzt,
- Und ich habe keine Klage,
- Daß Du mich verlassen hätt'st.
-
- Hilf mir auch bei diesem Werke,
- Gib, wofern Du mich noch liebst,
- Daß ich mir die Winke merke,
- Die Du deinem Diener gibst.
- Wenn's dann geht, wie ich begehre,
- Dann sei Dir das Werk geweiht,
- Dir allein zu Ruhmes Ehre,
- Mutter aller Herrlichkeit.
-
-
-
-
- Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel,
-
- _Direktor des Jünglingsvereines_, zu seinem Namenstage, den 7.
- December 1854, vom Vereine gewidmet.
-
-
- Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen,
- Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht;
- Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen;
- Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht;
- Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen,
- Im Hasse einer wild dem andern flucht --
- Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe,
- Wohin willst du dich flüchten, heil'ge Liebe?
-
- Wenn ringsumher die Völker sich befehden,
- Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt;
- Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden
- Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt,
- Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten,
- Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt --
- O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten
- Willst du, der flücht'gen Taube gleich, dich retten?
-
- Da öffnen sich die großen Geisterhallen,
- Die ein Granit auf seinem Haupte trägt,
- Wo ewig neu die Wogen niederprallen
- Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt.
- Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen,
- Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt,
- Wo keine Ketten dich der Erde binden,
- O süße Liebe, deine Ruhe finden.
-
- Und hat dies heil'ge Dach zur rechten Stunde
- Auch uns vereinigt, eine junge Schaar,
- Zu Lieb' und Treu', zu brüderlichem Bunde,
- Ein Obdach gegen Sturm und Tod'sgefahr:
- So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde,
- Zu danken dem, der unser Leitstern war,
- Der uns'rer Seelen träges Feuer schürte,
- Und uns zum Tempel heil'ger Liebe führte.
-
- Und alle Gnaden, die wir uns erwerben,
- Und jeder Blick vom lieben Jesuskind;
- Und jede Huld, im Leben und im Sterben,
- Die aus den Händen der Maria rinnt,
- Und jede Rettung, die aus dem Verderben
- Der heil'ge Joseph unserm Bund gewinnt,
- Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet,
- Sei dankbar unserm Führer zugewendet.
-
-
-
-
- Lied für den Jünglingsverein.
-
-
- 1854.
-
- Im Waffenkleid, in blankem Stahl
- Vom Kopf bis zu den Waden,
- Umsteh'n den tapfern General
- Die muthigen Soldaten.
- Im Auge blitzt der Heldenmuth,
- Verachtung für die Schande.
- Sie rufen laut -- und schwenken den Hut --
- Ein Hoch! dem Vaterlande.
-
- Und Hoch! dem General, der sie
- So oft ins Feld geführet,
- Und gegen manche Schlachtbatt'rie
- Die Truppen commandiret.
- Der sitzt mit seinem Ordensband
- Auf seinem stolzen Pferde,
- Und dankt, an seinem Hut die Hand,
- Mit freudiger Geberde.
-
- Auch _wir_ sind eine stärk're Armee,
- Als manche Contingente.
- Es hängt uns zwar kein Portepee,
- Kein Schwert um uns're Lende;
- Doch unser Schwert und uns're Wehr,
- Das ist der gute Glaube,
- Der heil'ge Schutz von Oben her
- Ist uns're Pickelhaube.
-
- Auch unser Herz durchglüht der Muth,
- Auch wir verachten die Schande,
- Und rufen auch -- und schwenken den Hut --
- Ein Hoch! dem Vaterlande.
- Das ist noch größer als Oesterreich,
- Als Preußenland und Polen,
- Man mißt's nicht aus, und lief man gleich
- Auf Siebenmeilen-Sohlen.
-
- Und alle Menschen wohnen d'rin,
- Die Großen und die Kleinen,
- Das Land umschließt als Hüterin
- Eine Mauer von Edelsteinen.
- Und unser Herrgott hat gesagt:
- Mit Stürmen und Gewittern
- Soll nicht die Hölle, wenn sie's wagt,
- Dies Vaterland erschüttern.
-
- Es leb' auch hoch der General,
- Der uns zu Felde führet,
- Und der uns nicht zum ersten Mal
- Zum Kampfe commandiret.
- Der sitzt nicht mit dem Ordensband
- Auf einem stolzen Pferde:
- Er trägt ein einfach schwarz Gewand
- Und geht auf rauher Erde.
-
- Nicht streng ist sein Commandowort,
- Es dringt aus sanfter Kehle,
- Und dennoch reißt's wie Sturmwind fort,
- Und dringt uns durch die Seele.
- Er droht uns nicht mit Haft und Strang,
- Der Feind nur kriegt die Hiebe,
- Und unser ganzes Reglement
- Ist guter Will' und Liebe.
-
- Sein Hauptquartier und Marschallzelt
- Ist eine stille Klause,
- Dort stünd' ein jeder, wenn es gält',
- Als Schildwach vor dem Hause.
- Wir halten bei ihm allzumal,
- Im Frieden wie im Streite.
- Es lebe unser Feldmarschall
- In seinem Ordenskleide.
-
-
-
-
- Der Jünglingsverein an seinen Director,
-
- _bei dessen Abreise nach Rom_,
-
-
- am 10. April 1855.[15]
-
- Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land
- Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand.
- Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur,
- Wird's lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur.
-
- O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh,
- Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee.
- Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar,
- Das ist der verwund'ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war.
-
- Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein,
- Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih'n.
- Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib' uns nah!
- Deiner Kinder hier im Lande denk' im Land Italia!
-
- Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn,
- Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan,
- Wandelst auf dem welschen Boden, unter'm blauen Himmelszelt,
- Oder durch die ew'gen Hallen in der großen Stadt der Welt: --
-
- Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit,
- Und die Heil'gen, die wir rufen, steh'n als Garde Dir zur Seit'.
- Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus,
- Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus.
-
- Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht,
- Heim aus Roma's Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht.
- Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst,
- Dann vergiß nicht Deiner Durst'gen, daß Du ihnen Labung bringst.
-
- O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt,
- Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt.
- Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer.
- Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her.
-
- Segne uns noch, eh' Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist,
- Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil'gen Geist.
- Dann leb' wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand,
- Daß sie aus der Fern' uns leite, reich uns deine theure Hand.
-
-
-
-
- Der Lehrer an seine Schüler.
-
-
- Es ist ein heilig Band, das um die Herzen
- Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar
- Die Wissenschaften und die Künste winden --
- Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich,
- Wenn die Gemüther sich einander finden.
- Dies Band zu weben, sind geheime Geister
- Mit raschen Händen früh und spät geschäftig.
- Bald kommen sie auf Sternenhöh'n des Glaubens,
- Die nicht des Menschen Auge schauen kann;
- Bald aus den Räumen der geschaffenen
- Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet;
- Bald aus den Tiefen der Philosophie;
- Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen,
- Die der Verstand zur Harmonie gezwungen:
- Bald aus des Alterthums entleg'nen Welten,
- Von denen Weise jener Tage melden;
- Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen,
- Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen.
-
- So kommen sie, mit alt' und neuem Leben,
- Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen,
- Aus allen Elementen, um zu helfen,
- Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben.
- Doch kenn' ich zwei von jenen kleinen Webern,
- Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister.
- Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge,
- Von reichem und harmonischem Gemüthe, --
- Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe,
- Die einst als Mädchen aus der Fremde kam,
- Mit einem Füllhorn überird'scher Gaben.
- Die erste trägt die Tafeln der Gesetze,
- Wonach die Muttersprache tönt und klingt;
- Die and're mit dem Amaltheahorne,
- Sie trägt die gold'nen Schlüssel zu dem Borne,
- Aus welchem in melod'schen Wellen
- Die Lieder uns'rer Dichter quellen.
-
- Was hab' ich diesen Schwestern zu verdanken,
- Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen
- Die Früchte und die Lieb' umranken,
- Die sich so schön in diesem Strauße zeigen?
-
- Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern,
- Zu allen Zeiten, heut' wie gestern,
- Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt:
- So wird auch immer leben, was sie schufen,
- Und oft den Freund, der ferne von euch geht,
- Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht,
- In euer liebendes Gedächtniß rufen.
-
- Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden,
- Wo ihr der Muttersprache Melodien
- Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, --
- Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden,
- Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen,
- In der wir manchen schönen Strauß gebunden.
-
- Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben!
- Was uns verknüpft, muß ewig bleiben!
-
-
-
-
- Epilog nach der Preisevertheilung
-
- _im K.-G. Athenäum zu Luxemburg_
-
-
- am 21. August 1853.
-
- Verklungen sind die brausenden Accorde,
- Die durch den glanzerfüllten Saal getönt;
- Verhallt die Lieder, die gewalt'gen Worte,
- Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt.
- Es schließt Athene ihres Tempels Pforte,
- Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt,
- Und unter'm Jubel ist entzückter Wogen
- Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen.
-
- Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen?
- War's nur ein Traum aus dem romant'schen Land?
- Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen,
- Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt,
- Vom »Mädchen aus der Fremde« nur gelesen,
- Die den Geliebten ihres Herzens fand,
- Und nun beglückend Alles, die Beglückte,
- Mit Lorbern uns'rer Söhne Häupter schmückte?
-
- Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren,
- Daß Aug' und Herz sich selber nicht mehr trau'n,
- Wenn ungetrübt mit seligem Verklären
- Entzückungs-Stern' in uns're Thäler schau'n.
- Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren,
- Nicht eine Königin der Elfenfrau'n --
- Sie selber sind's, und uns're Herzen brennen,
- Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen.
-
- Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden,
- Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein!
- Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden
- Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein?
- Herbei ihr Künste, die den flücht'gen Stunden
- Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih'n!
- Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette,
- Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette!
-
- Malt mir ein Meisterbild -- euch wird zum Lohne
- Ein Ruhm, der durch's Jahrhundert wiederhallt --
- Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone
- Ein Wesen von ätherischer Gestalt,
- Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone.
- Der Schönheit majestätische Gewalt
- Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen,
- Und über sie der Jugend Frühling scheinen.
-
- Malt ihr zur Seite, mit der bärt'gen Wange
- Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn,
- Den Admiral von königlichem Range,
- Der uns're Flagge, wenn Gefahren droh'n,
- Vertheidigt in der Stürme wildem Drange,
- Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn,
- Dann laßt sich über beide Huldgestalten
- Der Gattenliebe milden Glanz entfalten.
-
- Malt mir das Paar von seinem Hof' umgeben,
- Und von der Würdenträger dichter Schaar --
- Von Haus und Kirch' und Staat ein buntes Leben --
- Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar.
- Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben
- In Seid' und Sammt, auf Kriegskleid und Talar,
- Und legt in all die Augen und Gesichter
- Der patriotischen Begeist'rung Lichter.
-
- Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle
- Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau'n.
- Bevölkert mir die schön geschmückte Halle
- Mit einem Meer von Jünglingen und Frau'n,
- Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle
- Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau'n --
- Und über's Ganze laßt der Sonne Strahlen
- Durch's off'ne Fenster eine Glorie malen.
-
- Doch jetzt -- verstummt sind die Orchesterklänge --
- Die Palme winkt, um die die Jugend stritt --
- Und siehe, zagend aus der bunten Menge
- Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt.
- Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge,
- Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt,
- Und dem Erglüh'nden reichen ihre Hände
- Mit Grazie der Athene Lorberspende.
-
- Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen --
- Ein and'res Reich gehört dem Sänger zu,
- Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen,
- Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du.
- Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen,
- Ist uns'rer Brust geheimnißvolle Truh.
- Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben --
- Was sie gebar, kann nur im Liede leben.
-
- O diese Thrän', ich sah sie blitzend scheinen
- Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau;
- Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen,
- Als man ihn krönte, du glücksel'ge Frau.
- Verhüll' sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen --
- Der stolzen Mutterliebe selt'ner Thau.
- Mit solchen Perlen mag sich keine messen,
- Die dir Tragödien durch die Wimper pressen.
-
- Auch Vater du? o eine Manneszähre
- Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand.
- Zerdrück sie nicht, du würd'ger Greis, und wehre
- Dich nicht gewaltsam, wenn's dich übermannt,
- Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere,
- Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt,
- Dein altes Herz, im Fundament erschüttert,
- Unter'm Ungestüm des Augenblicks erzittert.
-
- Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege
- Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht,
- Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege
- Mit seiner Leidenschaften wilder Macht
- Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege,
- Und nun -- nach all der Zweifel banger Nacht --
- Die reiche Ernte mit den gold'nen Halmen,
- Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen!
-
- Und wenn ich Dir, erhab'ne Fürstin, heute,
- Was uns're Seele hat so tief bewegt,
- In Deinen mütterlichen Klängen deute,
- Kühn will ich's sagen, was die mein'ge hegt:
- Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude,
- Ein süßes Pfand der Lieb' an's Herz gelegt,
- Dann wird's darin mit Flötenstimmen tönen:
- Nur Elternfreude mag die Welt verschönen.
-
-
-
-
- (Nach gegebenen Endreimen.)
-
-
- Die Herzen knüpfen schneller ein Bündniß, als die _Staaten_. --
- Ein junger Gärtner machte im Garten den _Besuch_,
- Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund'nem _Tuch_,
- Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den _Spaten_.
-
- Die Rosentöpfe standen gereiht auf der _Estrade_
- Nah' bei dem Strom -- da plötzlich, jenseits am andern _Strand_,
- Erschien ein lieblich Mägdlein, die bunte Kränze _wand_.
- Er warf ihr eine Rose hinüber an's _Gestade_.
-
- Das Kind war schön -- so malet kein Pinsel, keine _Kreide_ --
- Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blüthen_duft_.
- Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein _Schuft_,
- Sah ich in meinem Leben 'ne schön're Augen_weide_.
-
- Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne _Stricke_,
- Sie steckt' in ihre Flechten die Ros' aus seinem _Topf_,
- So ward der Bund geschlossen -- die Ros' in ihrem _Zopf_
- Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und _Brücke_.
-
-
-
-
- An P. Klein's Grabe.
-
-
- (15. Oktober 1855.)
-
- Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder,
- Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut!
- Und nun erstarrt die Augen, die so bieder,
- So froh und gläubig in die Welt geschaut!
- Leb' wohl, o Freund -- schon rollt die Scholle nieder --
- Leb' wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut
- Hör' ich den letzten ird'schen Klang verschweben
- Von Deinem reichen und geliebten Leben!
-
- Doch wen beklag' ich? Wenn _uns_ Todesmahnen
- Und Klagelieder hier am Grab' umweh'n;
- Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen,
- Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh'n --
- Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen,
- Ein freud'ger Held, dem Ziel entgegengeh'n.
- Und rein die Freude droben zu erfassen,
- Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen.
-
- Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen.
- Was Du hier unten träumtest halbbewußt,
- Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen.
- Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust,
- Die hier nur unverständlich in Dir klangen,
- Die Ideale Deiner Dichterbrust.
- Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden,
- Wird eine Krone Dir im ewg'en Frieden.
-
- Leb' wohl! Wir seh'n Dich -- wenn im finstern Thale
- Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt --
- Wir seh'n Dich wieder, wenn im Abendstrahle,
- Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt.
- Vielleicht ist's bald, vielleicht zum nächsten Male!
- O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt:
- Daß wir wie Du gerungen und geworben,
- Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben.
-
-
-
-
- Die Schutzengel.
-
-
- Vor einem Muttergottes-Bilde
- Lag im Gebet ein frommer Mann,
- Empfehlend ihrer Lieb' und Milde
- Vor Allem seine Kinder an.
- Du Quell so vieler Gnadengaben,
- Sprach er, sei ihre Helferin,
- Und nimm die beiden kleinen Knaben
- Als Deine eig'nen Kinder hin.
-
- Daß ihnen nichts zu Leid geschehe,
- Erleuchte sie mit Deinem Strahl.
- Bewahre sie vor Schmerz und Wehe,
- Vor Fall und Krankheit allzumal.
- Vor Allem aber ihre Seele
- Laß, Heilge, Dir empfohlen sein.
- Bewahre sie vor jeder Fehle,
- Flöß' ihnen Deine Liebe ein,
-
- Maria hört die fromme Bitte,
- Die ihr ein Engel übergab,
- Und ordnet aus der Engel Mitte
- Zwei himmlische Gesandten ab.
- Geht hin und thut, wie ich euch heiße,
- Damit erfüllt die Bitte sei.
- Gesellt euch still in eurer Weise
- Den Geistern jener Knaben bei.
-
- Nun höret, was darauf geschehen,
- Der Kindlein Vater hat's geschaut,
- Ein And'rer hätt's auch nicht gesehen,
- Der nicht auf sein Gebet vertraut, --
- All überall, wo die Knaben waren,
- Da standen ihnen Engel nah'.
- Und immer waren in Gefahren
- Zwei unsichtbare Hände da.
-
- Der Kleinste baut sich Kartenhäuser,
- Und siehe keines fällt ihm ein;
- Der Aelt'ste, schon ein wenig weiser,
- Baut ein Kapellchen sich von Stein.
- Als hälfen Meister und Gesellen,
- So hurtig war das Werk gethan.
- Er klebt' in Mitten der Kapellen
- Ein Muttergottes-Bildchen an.
-
- Mit Steinen spielen sie, und stellen
- Die bunten Steinchen in die Reih' --
- Die schönsten Kiesel aus den Wellen,
- Sie kommen wie von selbst herbei.
- Der Ball fliegt an die hohen Wände,
- Und in die Bäum' auf gutes Glück --
- Doch werfen unsichtbare Hände
- Den Knaben ihren Ball zurück.
-
- Sie spielen Reiter und sie jagen
- In's Feld und über Stock und Stein,
- Als würden sie im Flug getragen --
- Ein And'rer bräche Hals und Bein.
- Der eine fiel auf Fels herunter,
- Und gab sich einen Todesstreich,
- Ein Engel hielt seine Händchen d'runter,
- Das Kind fiel wie auf Moos, so weich.
-
- Ja, wenn die beiden Knaben spielten,
- So war's, als wären ihrer vier,
- Zwei Brüder schützten sie und hielten
- Den einen dort, den andern hier,
- Und als der and're, dem's gerathen,
- Ein Zündholz strich, allein im Haus,
- Da bliesen ihm die Kameraden
- Ein jedesmal die Flamme aus.
-
- Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen,
- Doch sieh, ich weiß nicht, wie's geschah --
- Das erste Wort von ihren Zungen,
- Das war der Name Maria.
- Vermuthlich haben die Kameraden
- Sie auch dies erste Wort gelehrt,
- Und so der Mutter Gottes Gnaden
- An diesen Kindern neu bewährt.
-
-
-
-
- Der Cölibat.
-
-
- Also gefällst Du mir, wenn die Soutane,
- Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt,
- Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne
- Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt,
- Und wenn Dein Blick begeist'rungsvoll der Fahne,
- Die der Erlöser schwingt, entgegenfliegt;
- Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen,
- Zum Dienst des Heil'gen dorthin zu gelangen.
-
- Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet,
- Doch nicht die Welt, an die die Welt gewöhnt,
- Zu heil'gen Bergen wirst Du hingeleitet,
- Die kein Pallast der Residenz verschönt;
- Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet,
- Und wo sein Horn das Thal herniedertönt;
- Dort steig' hinauf, in's freie Reich der Geister,
- Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister.
-
- Denn auf der Höh' des Lebens steht der Priester;
- Um seinen Scheitel glänzt des Frühroths Strahl;
- Den Schrein des Himmels öffnet und erschließt er,
- Und speis't die Gläub'gen mit dem Opfermahl,
- Und wie der frische Thau des Morgens gießt er
- Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal,
- Und alle Gläub'gen sich verneigend beben,
- Wenn seine Händ' empor die Hostie heben.
-
- Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen,
- Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab;
- Es mag sich ferner zu der Liebe neigen,
- Der Gott die Heiligung in Christo gab,
- Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen,
- Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab:
- Ein einz'ges nur von allen schönen Loosen
- Mußt Du zurück in die Entsagung stoßen.
-
- Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet,
- Zum Sakramente hat's sein Wort gemacht,
- Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet,
- Wenn's fromm im Geiste Gottes wird vollbracht;
- Ein süßer Reiz, dem schon Dein Blick begegnet,
- Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht;
- Den stärksten Fürsten irdischer Gewalten
- Sollst Du mit stärkerm Fuß im Staube halten.
-
- Die milde Liebe sollst Du stumm verachten,
- Auf ihre Zauber stolz herniederseh'n;
- Vergeblich soll mit ihrem süßen Schmachten,
- Sie an der Pforte Deiner Seele steh'n;
- Ein ros'ges Glück sollst Du im Herzen schlachten,
- An seiner Wonne kalt vorübergeh'n;
- Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen,
- Was wir der Erde höchste Schätze nennen.
-
- Kein schönes Auge soll Dein Herz durchdringen,
- Kein süßer Traum, der Deine Seel' umspinnt;
- Kein schöner Arm sich um den Dein'gen schlingen,
- Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,
- Von keiner Lippe Dir melodisch klingen
- Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt,
- Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt
- An einem Glück, das uns entzückt und heiligt.
-
- Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen,
- So sollst auch Du, ein jungfräulicher Mann,
- Hinauf zu seinem heil'gen Dienste fliegen,
- Ein freier Jüngling, den kein Weib gewann,
- Dem nie die Sehnsucht nach verbot'nen Siegen
- In feigen Thränen vom Gesichte rann,
- Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben,
- Nicht allzufrüh der Creatur gegeben.
-
- Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren,
- Ein jungfräuliches Weib der Perle gleich;
- Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren,
- Gleichwie die Lotosblum' auf Hesper's Teich.
- Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen,
- Bekriegst das Fleisch und seiner Lüste Reich,
- Schmückst Deine Seele mit den Myrthenzweigen:
- So magst Du auf zu jenen Höhen steigen.
-
- Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert:
- So lang' Dein Puls dem Weib entgegenschlägt,
- So lang' die Flamm' in Deinem Blute lodert,
- Die losgelassen Dich in Asche legt,
- So lang' die gift'ge Lust noch unvermodert
- Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt:
- Magst Du mit Laien sein und beten,
- Doch nimmermehr zum Tabernakel treten.
-
- Zwar sind's nur wenige, die so hoch berufen,
- Doch wenn auch _einer_ nur, der also denkt,
- Ein einz'ger Priester, der an heil'gen Stufen
- Die ird'sche Liebe hinter sich versenkt,
- Den frei von Schuld die Hände Gottes schufen,
- Zu Gott die jungfräuliche Seele lenkt:
- Sie sollen strömen aus entfernten Zonen,
- Um seinem reinen Opfer beizuwohnen.
-
- Wohl soll ein schönes Auge Dich durchdringen,
- Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt,
- Ein schönes Weib soll Deine Seel' umschlingen,
- Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,
- Von ihren Lippen wird's melodisch klingen:
- Du bist mein Bräutigam, mein Kind!
- Um _diese_ Heil'ge sollst Du frei'n und werben,
- Dann wird Dein Herz in Wonn' und Liebe sterben.
-
- Auch jene Worte sollen Dich entzücken,
- Die mir der Knab' auf meinen Knien lallt:
- Denk Dir die Seele, die sich ließ berücken,
- Die sich von Gott gewendet, todt und kalt --
- Du kannst mit neuem Leben sie beglücken,
- Und im Triumph, mit geistiger Gewalt,
- Aus ihrer Nacht zu jenen gold'nen Thüren
- Der Gnade und des Lichts zurückeführen.
-
- Und wenn dann jene Seel' in sanftem Weinen,
- Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt,
- Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen,
- Entzückt in jubelndem Gebete liegt:
- Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen,
- Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt,
- Dein neugebor'nes Kind, dem Du das Leben,
- Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben.
-
- Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande,
- Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Führer zeigt?
- Früh morgens, eh' noch hinterm Alpenrande
- Empor die schöne Fackel Gottes steigt;
- Wenn rings noch still, in nächtlichem Gewande,
- Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt,
- Glüht still und einsam, wie in Andachtwonne
- Die Jungfrau dort im frühen Kuß der Sonne.
-
- Also dort oben, auf der Menschheit Höhen,
- Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt,
- Dort oben, wo die rein'ren Lüfte wehen,
- Und wo sich keine Sorge hin versteigt,
- Sollst Du ein _jungfräulicher_ Priester stehen,
- Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt;
- Wie jene Alpe soll in heil'gen Frühen
- Ein jungfräulicher Glanz Dein Haupt umglühen.
-
-
-
-
- Arion.
-
-
- 1850.
-
- Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,
- Stolz kommen die Segel einhergezogen
- Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.
- Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,
- Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,
- Sie führen Arion zum Heimathland.
-
- Hoch steht er am Bord im Abendglanze,
- Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,
- Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.
- »O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!
- Nun kehr' ich dir wieder im größten Glücke,
- Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.«
-
- Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,
- Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.
- In die grollenden Fluthen ruft er hinab:
- »Poseidon, schütz' uns, du Wogendränger!
- Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,
- Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!«
-
- Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:
- »Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,
- So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.
- Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,
- Lebendig wirst du uns dem König verrathen,
- Den Leichnam bringen wir sicher in Port.«
-
- Und jener bittet und flehet vergebens.
- »Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?
- Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?
- So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen
- Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen,
- Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.«
-
- Die eben noch unerbittlich waren --
- Arion zu hören, reizt die Barbaren.
- Er kleidet sich d'rauf in köstlich Gewand.
- Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,
- Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,
- So steht er, die Cither in seiner Hand.
-
- »Rauschet meine letzten Klänge!
- Rauschet wie Triumphgesänge
- Meiner Lieder schönstes Lied!
- Kühn, wie zu des Himmels Bogen
- Sturmbewegt die Welle flieht,
- Schlage deine großen Wogen,
- Jubelharmonienmeer,
- Majestätisch um mich her!
-
- Denn ich geh' zu meinen Göttern.
- In des Sturmes Donnerwettern
- Grüßen sie Arion schon.
- Durch der Wogen wildes Brausen
- Hör' ich Orpheus süßen Ton.
- Hin, wo uns're Helden hausen,
- Sink' ich, hellumstrahlt vom Ruhm,
- Selig in's Elysium.
-
- Rauschet, meiner Cither Klänge,
- Rauschet, wie Triumphgesänge,
- Meiner Lieder letztes Lied!
- Du Thalassa, die den Bogen
- Um der Menschen Länder zieht,
- Schlage deine großen Wogen,
- Wie ein Harmonienmeer,
- Majestätisch um mich her!«
-
- Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,
- Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.
- Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel',
- Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter
- Der bläulichen See lebendige Wunder,
- Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.
-
- Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,
- So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken
- Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch.
- Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,
- Da steiget Arion gerettet zum Lande. --
- Der Sänger steht in der Götter Hut.
-
-
-
-
- Militär-Toast.
-
-
- 1850.
-
- Wie glänzt der Tisch im festlichen Gepränge,
- Geschütz erschallt, das Echo hallt,
- Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt,
- Und vom Orchester strömen lust'ge Klänge,
- Wer sagt's noch, daß das Herz ihm schwer und enge?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Augen blinken!
- Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken,
- Und laßt's ihn aus bis auf den Boden trinken!
-
- Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze?
- Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal,
- Und allzumal die Lust im Saal.
- Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze?
- Wer schlägt für ihn sein Blut nicht in die Schanze?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, auf von den Sitzen,
- Und füllt die Gläser mit den gold'nen Blitzen,
- Gebt das Signal den donnernden Geschützen.
-
- Gott grüß dich, Vaterland, du uns're Wiege!
- Das Auge glüht, die Seele sprüht,
- Das Herz durchzieht ein heilig Lied!
- Gott schütze dich im Frieden und im Kriege!
- Wer schmäht dich, deinen Ruhm und deine Siege?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Hand zum Stahle!
- Und füllt mit schaum'gen Regen die Pokale,
- Hoch lebe Preußen, hoch! im Siegesstrahle!
-
- Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen
- Vom Memelstrand bis hier in's Land,
- Ein einiges Band, 'ne einz'ge Hand --
- So steh'n wir auf, werth uns'rer tapfern Ahnen!
- Wem ist sein Blut noch lieb für deine Fahnen?
- Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, Tod sei der Schande,
- Und laßt die Gläser schäumen bis zum Rande:
- Treu unserm König und dem Vaterlande!
-
- Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir wählen;
- Vom Feind bedroht, vom Brand umloh't,
- In Sturm und Noth, bis in den Tod,
- Soll Fürst und Land auf seine Söhne zählen.
- Wer zweifelt an dem Schwur von Männerseelen!
- Wer sagt's, wer wagt's? Wer will uns dort verdammen?
- Reicht mir den Becher mit den gold'nen Flammen;
- Wir bleiben treu, und bräch' die Welt zusammen.
-
-
-
-
- Ein Geister-Ständchen.
-
-
- Zum sechzigjährigen Dienstjubiläum
- Sr. Exc. des Herrn Militär-Gouverneurs,
- Generals der Cavallerie,
- _von Wedell_,
- zu Luxemburg, am 15. April 1856.
-
- Die Nacht war still, kein Lüftchen ging,
- Es war zwölf Uhr, und am Himmel hing
- Der Mond wie eine bleiche Laterne.
- Die Welt schlief fest, kein Laut war wach,
- Als die knarrende Fahne vom Kirchendach
- Und der Posten Ruf in der Ferne.
-
- Da plötzlich tönt von der Schloßwacht her
- Ein lautes Werda, sie tritt in's Gewehr --
- D'rauf ein Rasseln und Rauschen ohn' Ende --
- Ein blut'ges Regiment, ein bleiches Corps,
- Als kämen sie just aus den Gräbern hervor,
- Dringt über den Fischmarkt behende.
-
- Mit Büchsen und Flinten, mit Lanz' und mit Schwert
- Das trippelt und trappelt, zu Fuß und zu Pferd,
- Und stehet nicht Antwort und Rede.
- Sie drängen sich links, sie wissen wohin,
- Und schwenken sich auf vor St. Maximin,
- Ein junger Major an der Tete.
-
- Sie tragen von allerhand Farben Gewand,
- Und Keinem ist die Montirung bekannt
- Der blutigen Geisterschaaren.
- Auf Manchen hängt sie in Fetzen nur --
- Doch trägt der Major die Parade-Montur
- Der brandenburg'schen Husaren --
-
- Und trägt auf der Brust, wie als er noch stritt,
- Das stattliche Ordenskreuz _pour le mérite_,
- Mit der kleinen Krone von Perlen.
- D'ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt,
- Als er todt da lag am Ostseestrand,
- Zerfetzt von den dänischen Kerlen.
-
- Und er winkt, der Trompeter bläst zum Appell,
- Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell,
- Und erheben die blut'ge Standarte.
- Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf,
- Und es treten hervor aus dem düstern Hauf,
- Die man dort im Sande verscharrte.
-
- Beim Ruf _Dodendorf_ vor die Fronte tritt
- Diezelsky, geschmückt mit dem Kreuz du mérite,
- Auch Stössel und Voigt auf den Rossen,
- Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant,
- Mit dem Parlamentärtuch in seiner Hand,
- Den sie meuchlerisch todt geschossen.
-
- Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf,
- Sie reiten herbei auf leichtem Huf --
- Zerhau'ne, verweg'ne Gesichter.
- D'rauf von _Dömitz_ und _Dammgarten_ rückt's herbei,
- Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei,
- Und der Haufen wird immer dichter.
-
- Da öffnet der Feldherr wieder den Mund,
- Und schwingt den Säbel und ruft: _Stralsund!_
- Und es melden sich tausend Männer.
- Voran ein wilder Husarenschwarm,
- Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm,
- Die Andern auf luftigem Renner.
-
- Auch Billerbeck, Eyb und Halletius,
- Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß
- Zu Stralsund am Knieperthore,
- Von Alvensleben auch, der wackere Held,
- Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld,
- Sie treten hervor aus dem Chore.
-
- Da ruft der Major: _Sanct Leonhard!_
- D'rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt,
- Die vierzehn gefangenen Krieger.
- Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust,
- Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt,
- Und waren im Tode Sieger.
-
- Nun bleiben noch elf Offiziere zurück --
- Der Major ruft: _Wesel!_ und verhüllt den Blick,
- Und die Elfe beschließen die Schaaren --
- Gar edle Jünglinge, hingestreckt,
- Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt,
- Die im Leben nur Ein Herz waren.
-
- Und als sie versammelt sind Mann für Mann,
- Da heben die Trompeter zu blasen an
- Die schönste der Serenaden,
- Ein Jubellied, das zum Herzen dringt
- Und hell majestätisch die Nacht durchklingt,
- _Zum Gruß ihrem alten Kameraden_.
-
- Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund,
- Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund,
- Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren.
- So schauerlich hörte die Stadt noch keins --
- Da schlug die Uhr vom Kirchthurm _Eins_ --
- Und zerstoben war Schill mit den Schaaren.
-
-
-
-
- Die St.-Helena-Medaille.[16]
-
-
- Weis' her die wälsche Medaille!
- Wie funkelt so neu das Ding!
- Und so alt schon ist die Bataille,
- Wo Dein Arm zum Teufel ging.
-
- Wär' weiter nichts mitgegangen,
- Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz,
- Sie hätten Dir nicht gehangen
- Die Medaille an seinen Platz.
-
- Sie hätten es nicht probiret,
- Nach fünfzig Jahren auf's Neu',
- Und zweimal speculiret
- Auf Deine Kaisertreu'.
-
- Der Kaiser liegt im Grabe
- Und seine Garde dazu.
- Gott geb' ihm und seinem Stabe
- Pardon und die ew'ge Ruh'.
-
- Viel Jahre sind gezogen
- Wohl über die Gruft daher.
- Kaum rauschen noch die Wogen
- Die blutige Kaisermähr.
-
- Und Gras ist viel gewachsen
- Ueber Ehr' und über Schand',
- In Preußen und in Sachsen
- Und im Franzosenland.
-
- Nun kommen sie wieder und äffen
- Und schmücken sich mit dem Ding
- Und werben Dich für den Neffen
- Um einen Silberling.
-
- Kämen sie im Schlachtgebrause
- Zu hunderttausend Mann,
- Wir schickten sie nach Hause,
- Wie wir es schon gethan.
-
- Und Du greifst nach dem Bande?
- Du heftest Dir es an?
- Du brüstest Dich mit der Schande!
- O, schäme Dich, alter Mann!
-
-
-
-
- Testament.
-
-
- (November 1858.)
-
- Wenn ich ausgelitten hab'
- Und mich von euch wende,
- Macht mir doch mit meinem Grab'
- Nicht viel Complimente.
-
- Setzt mir keinen Stein daher,
- Der's den Leuten sage:
- Freut euch, daß ich keinen mehr
- Auf dem Herzen trage.
-
- Auch mit Rosen bleibt mir fort,
- Kränzen oder Kronen,
- Flechtet sie, wo hier und dort
- Frohe Menschen wohnen.
-
- Weder Schutt noch Blumenfeld,
- Scherben oder Kräuter,
- Machen mir die and're Welt
- Länger oder breiter.
-
- Viel Poeten haben's gern
- Wenn sich Vöglein's Flügel
- Um die Zeit vom Abendstern
- Senkt auf ihren Hügel,
-
- Oder wenn vom nahen Baum
- Nachtigallen pfeifen,
- Während durch den stillen Raum
- Laue Weste streifen.
-
- Nichts begehr' ich von dem All'n
- Wollt' auch eh'r erdolcht sein,
- Als von Mond und Nachtigall'n
- Bis in's Grab verfolgt sein.
-
- Im November jedes Jahr
- Soll't ihr mich besuchen,
- Dort, wohin mich auf der Bahr
- Fremde Schultern trugen.
-
- Ob vielleicht schon Schnee und Frost
- Mich bedeckt da draußen,
- Ob die Stürm' aus Nord und Ost
- Durch die Felder brausen --
-
- Grade wenn's recht stürmisch ist,
- Sollt ihr zu mir treten,
- »Vater unser, der du bist«,
- Herzhaft für mich beten.
-
- So befohlen und gestift't
- Hier in dem Gedichte,
- Auf daß Jeder, den's betrifft,
- Demgemäß sich richte.
-
-
-
-
- Inhaltsverzeichniß.
-
-
- Vorwort mit der Biographie des Dichters III
- Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3
- Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5
- Am Geburtstage meines Vaters 6
- Am Anfange der Osterferien 11
- Am 8. December 13
- Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15
- Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16
- Nachtwächter-Lied 19
- Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21
- Gruß an die Heimath 22
- Mein Engel 25
- Sehnsucht nach dem Tode 27
- Reliquie eines Verschollenen 31
- Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36
- Die Waldmühle 38
- Schweizers Sehnsucht 41
- Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43
- Mein Wunsch 47
- Die letzte Rose 48
- Sonett 51
- Sonett 52
- Die Johannisblume 53
- In der Ferne wohnt mein Glück 54
- Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56
- An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59
- Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63
- aus dem Wimez'schen Institute aufführten
- Gesang der Sterne 65
- Der Liebe Sehnen 67
- Veilchenstrauß 69
- Tag der Vereinigung 71
- Siehst Du, wo im Abendgolde 73
- Der Bürgergardist 74
- Die Natur 76
- Vaterfreude 78
- Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81
- von Luxemburg
- Ludwig Philipp 84
- Was ist des Deutschen Vaterland? 87
- Blau, weiß, roth 90
- Bei Sebastopol 92
- Ferienweihe 94
- Von der Luxemburger Mosel 99
- Es lag mir schon sehr lange nah' 102
- Die Fische 103
- Morgenlied von dem Schäfchen 105
- Maria und der Doctor 107
- Des armen Kindes heiliger Christ 109
- Des Schweizers Heimweh 112
- Der Morgen im Garten 114
- Am Abend 116
- Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118
- apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem
- Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes
- Der Katholik 120
- In einer protestantischen Kirche 122
- Maria! 130
- Maria in der Seele 135
- Die Verfolgung 138
- 1848 142
- Komm! 145
- Das Marienbild zu Rimini 147
- An Maria 149
- Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150
- Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December
- 1854, vom Vereine gewidmet
- Lied für den Jünglingsverein 152
- Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155
- Rom
- Der Lehrer an seine Schüler 158
- Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161
- Nach gegebenen Endreimen 166
- An P. Klein's Grabe 167
- Die Schutzengel 169
- Der Cölibat 173
- Arion 179
- Militär-Toast 182
- Ein Geister-Ständchen 184
- Die St.-Helena-Medaille 188
- Testament 190
-
-
-
-
- Fußnoten.
-
-
-[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena
-materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt.
-
-[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten
-Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße
-eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem
-Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär
-derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de
-division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum
-Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle
-er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß
-Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als
-beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu
-besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst
-provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und
-Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde.
-
- Anm. d. H.
-
-[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 28.
-
- D. H.
-
-[4] Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand 1857. Bei
-dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen: _E.
-Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german edition by
-A. v. Beresford. 8._
-
-[5] Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später bei
-Hotop in Cassel (»Salon-Novellen« 1851, ferner »Drei Novellen«),
-einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung »Was ihr wollt«.
-
-[6] Vgl. »Morgenblatt« 1847, »Telegraph für Deutschland«, Hamburg 1847,
-Nr. 111.
-
- D. H.
-
-[7] Aus dem »Salon« Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt.
-
- D. H.
-
-[8] Abgedruckt aus dem »Salon« 1842. Nr. 60.
-
- D. H.
-
-[9] Abgedruckt aus dem »Lux. Wort«, Jahrg. 1849.
-
- D. H.
-
-[10] Vgl. »Des fremden Kindes heiliger Christ« von Rückert.
-
- D. H.
-
-[11] Joh. VI.
-
-[12] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 31.
-
- D. H.
-
-[13] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 33.
-
- D. H.
-
-[14] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang
-1846, Nr. 33.
-
- D. H.
-
-[15] Abgedruckt aus der »_Quotidienne Luxembourgeoise_«, Jahrgang 1855,
-Nr. 83.
-
- D. H.
-
-[16] Abgedruckt in der »Köln. Ztg.«, Jahrgang 1857, Nr. 287.
-
- D. H.
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt.
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
-
-
-
-
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-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE ***
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-<title>The Project Gutenberg eBook of Gedichte, by Ernst Koch</title>
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-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Ernst Koch's Gedichte
- Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem
- Freunde des Verstorbenen
-
-Author: Ernst Koch
-
-Editor: Ludwig Housse
-
-Release Date: August 31, 2020 [EBook #63086]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online
-Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net.
-This book was produced from images made available by the
-Open Repository Kassel.
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter chapter">
-<p class="aut" title="Ernst Koch">
-Ernst Koch&rsquo;s
-</p>
-
-<h1 class="title" title="Gedichte">
-Gedichte,
-</h1>
-
-<p class="ed">
-<span class="line1">aus dessen Nachlasse</span><br />
-<span class="line2">gesammelt und herausgegeben</span><br />
-<span class="line3">von</span><br />
-<span class="line4">einem Freunde des Verstorbenen.</span>
-</p>
-
-<p class="pub">
-<span class="line1">Luxemburg.</span><br />
-<span class="line2">Druck und Verlag von <em>B. Bück</em>.</span><br />
-<span class="line3">1859.</span>
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="intro blank" id="chapter-0-1" title="Vorwort mit der Biographie des Dichters">
-<a id="page-III" class="pagenum" title="III"></a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="first">
-<span class="firstchar">D</span><span class="postfirstchar">er</span> Name <em>Ernst Koch</em>, dessen poetischen Nachlaß wir in
-dieser Sammlung der Oeffentlichkeit übergeben, hat in der
-Tagesliteratur bereits einen zu guten Klang, als daß wir
-hier sein Lob unternehmen müßten. Sein &bdquo;Prinz Rosa-Stramin&ldquo;,
-seine &bdquo;Erzählungen&ldquo; und &bdquo;Novellen&ldquo; haben ihn
-auch in weitern Kreisen rühmlichst bekannt gemacht, und
-er dürfte unter der Legion von Dichtern und Literaten,
-die in den letzten Decennien in allen Ecken und Winkeln
-Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den
-wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie
-einen bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch
-die spätere Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren
-des Verstorbenen nicht ohne Mühe zusammengetragen, allen
-Freunden der schönen Literatur eine willkommene Gabe
-sein. Nur bedauern wir, daß ein so frühreifes reichbegabtes
-Dichtertalent uns verhältnißmäßig so wenig Früchte und
-Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewiß
-hätte Koch der köstlichen Blumen noch unendlich mehr in
-den Blüthenkranz deutscher Poesie hineingewunden, wenn
-er ihrer in Frieden und Muße hätte warten können. Aber
-<a id="page-IV" class="pagenum" title="IV"></a>
-es ist ein untrügliches Kennzeichen von der Echtheit der
-ihm gewordenen Dichterweihe, daß die harten Schläge des
-Schicksals und die Last der prosaischen Tagesgeschäfte, die
-ihm oft auf der Brust lagen wie ein drückender Alp, den
-glimmenden Funken seines Genius nicht erstickt haben.
-</p>
-
-<p>
-Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der
-Dichter selbst in einer biographischen Skizze, die wir einem
-seiner Manuscripte entnehmen, aufgezeichnet. Freilich sind
-es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen unmöglich ein
-vollständiges Bild von seiner interessanten Persönlichkeit,
-wie sie mit ihrer Gemüthlichkeit und Lebendigkeit und
-ihrem unverwüstlichen Humor, dem bei allem Ernst des
-Lebens etwas jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit
-geblieben war, im Geiste seiner Freunde und Schüler
-noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und noch viel
-weniger von seinem überaus reichen und geheimnißvollen
-Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir
-ihn kennen in seinen Werken. In seinen Erzählungen und
-Novellen, worin ein gut Stück aus dem eigenen Leben
-hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst geschildert, und
-besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermöchte.
-Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte,
-mögen wir am besten den Tönen ablauschen, welche
-die Saiten seiner Harfe durchzitterten.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-V" class="pagenum" title="V"></a>
-&bdquo;Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in
-Niederhessen, im Hause meines Großvaters, des Obervogts
-Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch (1847 als pensionirter
-Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals Friedensrichter
-zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach
-Waldkappel und 1816 als fürstlich Rotenburgischer Oberschultheiß
-nach Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14.
-Jahre, und erhielt in den Stadtschulen die Elementar- und
-die ersten humanistischen Kenntnisse. Die wundervolle, liebliche
-Natur des Werrathales und die Lectüre der Schiller&rsquo;schen,
-Körner&rsquo;schen und Mathisson&rsquo;schen Lyrik, für die mein
-Vater schwärmte, übten ihren Einfluß auf den lebhaften
-Knaben. 1821, als mein Vater als Kreisrath nach Kassel
-berufen wurde, trat ich dort in die 3. Klasse des Lyceums
-ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der höhere
-Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben
-die poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon
-in der Tertia, lieferte in Secunda himmelstürmende Aufsätze,
-bei denen dem würdigen Lehrer der Maßstab der
-schulmäßigen Prosa versagte, und durchschwärmte in Prima
-alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe.
-Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universität Marburg,
-dann Göttingen und wieder Marburg, wo ich 1829
-als <span class="antiqua">Doctor juris</span> absolvirte<a class="fnote" href="#footnote-1" id="fnote-1">[1]</a>. 1830 brachte ich den Sommer
-<a id="page-VI" class="pagenum" title="VI"></a>
-in Berlin zu, um mich dort als Privatdocent zu
-habilitiren. Indeß riefen mich die damaligen Ereignisse
-nach Kassel zurück und ich trat in den hessischen Staatsdienst
-als Obergerichts-Referendar ein. Hier schossen die
-&bdquo;Vigilien&ldquo; unter Bescheid-Entwürfen und gelehrten Appellations-Relationen
-auf, und wandten mir, als ein Zufall
-den Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten
-Publikums zu. Diese erkaltete plötzlich, als ich die
-Ernennung zum Sekretär des Landtags-Commissars und
-1832 die zum provisorischen außerordentlichen Referenten
-im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser
-Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurückgeschickt,
-um mich zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten.
-Mit dem Publikum zerfallen, zerfiel ich bald mit mir selbst,
-und begann statt der Prüfungsarbeiten, ein ungebundenes
-Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung
-stürzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschluß brachte,
-das Vaterland heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu
-verlassen. Ich wendete mich nach Straßburg. Verschiedene
-Pläne, mir eine Existenz zu gründen, mißglückten hier
-und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte
-mich der gänzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die
-französische Armee einzutreten. Man sandte die Freiwilligen
-über Toulon nach Algier in die Fremdenlegion. Diese wurde
-noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien als
-Hülfstruppe der Königin Christine gegen die Carlisten übergeführt,
-und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps,
-<a id="page-VII" class="pagenum" title="VII"></a>
-das innerhalb zweier Jahre durch Kugeln und Krankheiten
-und Strapazen von 7000 auf 381 Mann herabschmolz,
-und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren
-Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der römisch-katholischen
-Kirche übertrat, trug ich mein armes
-Herz, das nunmehr fest, aber auch kalt geworden, und aus
-dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen Zaubereien
-und Träume hinausgefegt hatte, der heimathlichen
-Erde zu. So kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion
-nach sechswöchentlicher Wanderung von Pamplona
-über Metz und Sierk im September 1837 bei Marburg
-an, wo ihn ein Freund aus den Universitätsjahren auf
-der Landstraße empfing, der ihm eine Stunde darauf aus
-Lewald&rsquo;s &bdquo;Europa&ldquo; Franz Dingelstedt&rsquo;s Worte vorlas:
-&bdquo;Kassel hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren,
-und diesen nur zufällig, der ist Ernst Koch, der Verfasser
-des Prinz Rosa-Stramin. Seitdem er seine Vaterstadt
-verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge die Vorsehung
-ihn schützen auf seinen dunklen Pfaden.&ldquo; Der Landesfürst
-verweigerte dem Zurückgekehrten, der sich bei seinen
-versöhnten Eltern in ein einsames Leben zurückzog und eine
-Darstellung des althessischen Privatrechtes begann, das fast
-vollendet ist, jede Anstellung, und mit Mühe erschwang
-ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Röfing
-das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt
-vergütete. Da rief mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug
-nach Luxemburg, wo ich sofort als Regierungssekretär
-<a id="page-VIII" class="pagenum" title="VIII"></a>
-angestellt wurde, nach Hassenpflug&rsquo;s Abgang als
-Bureauchef in der Verwaltung blieb<a class="fnote" href="#footnote-2" id="fnote-2">[2]</a>, mich mit einer
-Luxemburgerin, der Tochter des Eigenthümers Müllendorf,
-verheirathete und jetzt als glücklicher und geachteter Familienvater
-mit Erfolg das Amt eines Professors der deutschen
-Sprache und Literatur beim königl. großherzgl. Athenäum
-bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden
-Nebensache geworden, für die ich weder um Muße noch
-um Stoff werben mag. Auch die Novellen (1847) sind die
-Frucht weniger müßigen Wochen, da die erste und zweite
-derselben schon früher im Dingelstedt&rsquo;schen &bdquo;Salon&ldquo; abgedruckt
-waren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-IX" class="pagenum" title="IX"></a>
-Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschätzt,
-im stillen Kreise seiner Familie und seiner lieben Zöglinge.
-Dem armen Dulder schien endlich, nach vielem Ringen
-und Herumirren, in seiner zweiten Heimath die langersehnte
-Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum hatte sich
-unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen
-neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, &ndash;
-wohl die Nachwehen früherer Anstrengung &ndash; nach einer Ferienreise
-in seine Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten
-Anfänge eines chronischen Brustkatarrhs, von dem er nicht
-mehr genesen sollte. Die Strapazen und Entbehrungen des
-Legionars in der Sonnengluth Afrika&rsquo;s und in den Schreckensgründen
-der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und
-Leiden des Familienvaters, dem ein früher Tod sieben von
-zehn Kindern, und das letzte noch während seiner Krankheit
-entrissen hatte, waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen,
-und die anhaltende Geistesthätigkeit und körperliche
-Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21
-Stunden wöchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache,
-das bei der Feuergluth einer sanguinisch-cholerischen Natur,
-die alles, was sie unternahm, mit dem Schwung der
-höchsten Begeisterung angriff, die ganze Persönlichkeit des
-Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet,
-seine zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten
-die Aerzte die furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht.
-Vergebens stellte Koch seine Curse am Athenäum
-ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden
-<a id="page-X" class="pagenum" title="X"></a>
-Lebenskräfte zu verjüngen. Krank und gebrochen kehrte er
-nach Luxemburg zurück, wo er nach langem Leiden und
-schwerem Kampfe am 24. November 1858, mit den Sakramenten
-und Tröstungen der heiligen Kirche gestärkt, der
-er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben
-war, vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging.
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p class="noindent">
-Koch&rsquo;s Rückkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis
-auf wenige Ausnahmen mit seiner früheren Umgebung
-zerfallen war, hat hie und dort zu manchem schiefen und
-lieblosen Urtheil Anlaß gegeben und ist noch jüngst als
-eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet
-worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener
-Feder dürfte darum hier ihren geeigneten Platz finden.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-1-1">
-Eine Bekehrung.<a class="fnote" href="#footnote-3" id="fnote-3">[3]</a>
-</h3>
-
-<p class="noindent">
-&bdquo;Während des neuesten Religionskrieges in Spanien
-war der Bischofssitz in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt
-geblieben, und der bischöfliche Palast zum Militärhospital
-für die Christine&rsquo;schen Truppen eingerichtet worden. Dieses
-Gebäude, kaum noch kenntlich an der über dem Haupteingange
-<a id="page-XI" class="pagenum" title="XI"></a>
-befindlichen Überschrift, war in Folge dieser veränderten
-Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und
-des geistlichen Friedens eine schmutzige Wohnung unbeschreiblichen
-Elendes und Jammers geworden. Im Jahre
-1837 waren nicht blos die zwölf Säle, sondern auch die
-Gänge und Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in
-welchem die täglich vom Heere dort ankommenden Verwundeten,
-Siechen, Fieberkranken und sonstigen Leidenden
-aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im
-höchsten Grade erbärmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben.
-Die Kranken wurden auf den dürftigen Strohlagern
-vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die Armen, aus
-allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der
-untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der
-fernen Mancha, stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen
-schwebten über der ganzen Einrichtung wie die
-Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (<span class="antiqua">hijas de
-la caridad</span>), und der bischöfliche Caplan, D. Raphael
-Salvador. Die ersteren besorgten die Wäsche, die Küche
-u. s. w. und trösteten in ihrer bekannten liebevollen Weise.
-Der letztere, ein junger Mann von etwa 35 Jahren, wandelte
-durch die Säle mit dem Sacramente und tröstete
-die Sterbenden.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Am 15. März 1837 ging durch das von Wachen besetzte
-Thor dieses Hospitals mit Tornister und Gewehr ein
-Unteroffizier der französischen Fremdenlegion (welche bekanntlich
-von Frankreich der Königin Christine aus Algier
-<a id="page-XII" class="pagenum" title="XII"></a>
-herüber zur Hülfe geschickt war, und binnen zwei Jahren
-durch Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381
-zusammenschmolz). Der Fremde zeigte das Eintrittsbillet
-vor, wankte mit zitternden Knieen die Treppe hinauf, und
-war schon nach wenigen Stunden der Besinnungslosigkeit
-und einem heftigen Nervenfieber zur Beute.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwärtigen.
-Zum ersten Male nach 1½ Jahren Kriegsleben, war ich
-in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das Fieber in den
-Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen
-Lande geboren, und in der sogenannten reformirten
-Lehre, so wie es zu geschehen pflegt, erzogen worden.
-Vom Catechismus kannte ich höchstens nur noch die
-Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende
-Bedürfniß des Glaubens hatte bei mir sich schon früher
-in ruhigen Stunden in der Art geregt, daß ich mir vornahm,
-wenn ich einmal Zeit hätte, mir mein vollständiges
-Glaubensbekenntniß aufzubauen, damit ich wüßte,
-woran ich wäre. Denn am Ende muß man doch, dacht&rsquo;
-ich, an etwas glauben, und mit sich in diesem wichtigen
-Capitel im Reinen sein. Aehnliches kam mir hier im Hospital
-in den Sinn, indem ich nach vier Wochen zum
-ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem
-Tode, wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum
-fing ich nicht damit an, die Lehren, in denen ich erzogen
-war, wenn nicht unbedingt anzunehmen, doch wenigstens
-<a id="page-XIII" class="pagenum" title="XIII"></a>
-näher zu prüfen? Eben darum nicht, weil ich darin erzogen
-war, und nach denselben es meinem forschenden
-Geiste frei stand, mich von einer Unterwerfung oder einer
-Prüfung meiner Einsicht nach zu dispensiren oder nicht.
-Es wird keinem Katholiken einfallen, sich in einer Stunde
-der Muße seinen Glauben selber machen zu wollen, oder
-er tritt, wenn er wirklich diesen Entschluß faßt, sofort
-auf das Gebiet des Protestantismus. Daß ich nun die
-Idee, mir ein System meines Glaubens zu bauen (welches
-ich mir wahrscheinlich sehr bequem eingerichtet haben
-würde) bald wieder aufgab, läßt sich wohl glauben. Schon
-die Umgebungen waren zu erbärmlich und niederschlagend,
-um meinen Geist auf das hohe Pferd zu setzen.
-</p>
-
-<p>
-Daß schon früher zweimal, einmal in meiner Heimath
-1834, und später in Spanien 1836, die Gnade Gottes
-mit dem flüchtigen Gedanken, in die katholische Kirche
-zurückzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte ich
-nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Früchte geblieben,
-weil ich mich fragte: was würden die Leute dazu sagen,
-wenn du den Glauben deiner Väter verließest? &ndash; Hätte
-mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v. Stolbergs
-erzählt, welcher dem Könige von Preußen, als ihm dieser
-sagte: &bdquo;Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem
-Glauben abfallen,&ldquo; erwiederte: &bdquo;Ich auch nicht, Majestät,&ldquo;
-und so auf den Abfall im sechszehnten Jahrhundert mit
-einer Ironie anspielte, die ein Protestant selten eher begreift,
-als bis er mit dem Kopfe darauf stößt.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-XIV" class="pagenum" title="XIV"></a>
-&bdquo;Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien,
-worin ich, ich weiß nicht wie viele Tage gelegen
-hatte, trat folgendes Ereigniß ein. Nicht weit von
-meinem Lager wurde ein eben angekommener spanischer
-Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend
-geberdete, alle ärztliche Hülfe verweigerte, den Arzt und
-die Nonnen insultirte, und endlich den Caplan unter
-Schimpfen und Blasphemien zurückwies. Der würdige
-Caplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als es ihm
-gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des
-Kranken zu nähern, sank dieser langsam auf das Kissen
-zurück, und beichtete mit lammfrommer Ruhe zwei Stunden
-lang. Kurz nachher erklang die Schelle durch die Treppen
-und Gänge, Kranke und Gesunde knieten vor dem
-hochwürdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem
-Bette des Andalusiers trug. Der richtete die großen Augen,
-aus denen noch vor wenigen Stunden die Teufel geblitzt
-hatten, mit einem unbeschreiblich süßen Verlangen nach
-der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmäßig die Calotten
-vom Kopfe, und falteten die Hände, während der Spanier
-die Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem
-Frieden verschied, der sein Gesicht verklärte. Ich betete
-auch mit, weiß aber nicht mehr was. Jedenfalls war&rsquo;s
-mir curios zu Sinne.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Am anderen Morgen erwacht&rsquo; ich, das Gesicht nach der
-Wand gekehrt, frühe, in jenem süßen Gefühle der wachsenden
-Genesung, und gestärkt durch einen erquickenden
-<a id="page-XV" class="pagenum" title="XV"></a>
-Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl, welchen
-der Frühling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer
-sandte. Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang
-so auf den Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick
-geheftet hielt, erschallte auf einmal von allen Kirchen Pamplona&rsquo;s
-zu gleicher Zeit ein erhabenes Glockengeläute. Es
-war ein Sonntag &ndash; vielleicht Ostern? Nie hat ein Geläute
-einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte
-und Feder, und bat den Caplan schriftlich, mich an meinem
-Bette (Saal IV. Nr. 42) zu besuchen, um sich mit
-mir über meinen Wunsch, in der katholischen Glaubenslehre
-unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand
-der Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor mir.
-Die Erscheinung verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas
-Furchtbares für mich. Ich erschrack vor dem, was ich gethan.
-Es war mir, als hätte ich die katholische Kirche vor
-mir. Wir verständigten uns bald, da er mir sehr liebevoll
-zuredete, in französischer Sprache. Er gab mir zunächst
-eine zweibändige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren
-Verfasser ich leider vergessen habe, hiernächst den französischen
-Catechismus, der unter Napoleon erschien (<span class="antiqua">de l&rsquo;Empire
-français</span>). Mit Begierde, mit einem Heißhunger meiner
-Seele verschlang ich die geistige Speise, sitzend und
-betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich
-aufstehen und täglich eine Stunde den Caplan auf seinem
-Zimmer besuchen, um mich von ihm prüfen zu lassen.
-<a id="page-XVI" class="pagenum" title="XVI"></a>
-Am 27. April wurde ich für reif erklärt, die Sacramente
-zu empfangen. Nach genommener Rücksprache mit dem
-Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte
-Taufe, weil sie unter Ablution im Namen Gottes des
-Vaters, Gottes des Sohnes, und Gottes des heiligen Geistes
-geschehen war, als gültig an. Dieses Sacrament wurde
-daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete ich
-meinem würdigen Caplan (der für mich ein wirklicher
-Salvador war), und am anderen Morgen empfing ich die
-heilige Communion, beides in der im Hospital wohlerhaltenen
-bischöflichen Capelle. Eine förmliche Abschwörung ist
-nicht für erforderlich gehalten worden. Der Rücktritt in
-die mütterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente
-der Beichte und Communion. &ndash; Am folgenden Tage
-wurde ich vom Arzte für curirt erklärt, und ging zu
-meinem Bataillon zurück. Im Monate Juni kam die unerwartete
-Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach
-Hause geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich
-mit Abschied von Pamplona weg und betrat im Anfang
-September den heimathlichen Boden.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken
-sein:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien
-beigewohnt, ehe ich in das Hospital ging, viele Menschen
-sterben gesehen, viele Kirchen, gezwungen oder aus
-Laune besucht, und all den Pomp der spanischen Gotteshäuser
-beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck
-<a id="page-XVII" class="pagenum" title="XVII"></a>
-auf mich, den später in Pamplona das Glockengeläute
-auf mich machte?
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines
-Fremden in Spanien schnell mit dem Zweifel bei der
-Hand: ob nicht die Bekehrung die Folge eines geistigen
-Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht auf
-zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung?
-und die zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht
-stellte und stellen konnte, bestanden darin, daß mein guter
-Caplan, der selbst so arm war wie eine Kirchenmaus,
-mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren ließ.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik
-meine zeitliche Zukunft in irgend etwas verbessern würde?
-Nein, denn für den Fall der Rückkehr in mein Vaterland
-konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil und Zurücksetzung,
-oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst
-aber erwartete ich täglich den Soldatentod.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog,
-katholisch zu werden? Nein, denn die Krankheit war überstanden,
-und als Protestant konnte ich ja überhaupt nicht
-annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu
-sterben.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung?
-Wie hätte ich als Protestant denn annehmen können, daß
-man Gott einen Gefallen erzeige, wenn man katholisch
-werde?
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-XVIII" class="pagenum" title="XVIII"></a>
-&bdquo;6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage
-nach meiner Bekehrung aus dem Hospital geschickt wurde.
-Wäre es einen Tag früher geschehen, so wäre das Werk
-unvollendet geblieben.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es war also eine <em>reine</em> und <em>ganz unverdiente
-Barmherzigkeit</em> des allmächtigen Vaters, welcher mich,
-nachdem sein Ruf in der Heimath nicht gefruchtet, in
-lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein
-zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich
-in das Lazareth in Pamplona warf, mich dort von einer
-schweren Krankheit rettete, und mir dann mit seinem Sonnenstrahle
-und dem Glockengeläute seiner Kirchen die Gnade
-sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde
-ich sagen: <em>so viel Mühe gibt sich Gott, um ein
-störriges, eitles Kind, das nicht hören und
-nicht sehen will, zurückzuführen</em>. Der Herr sei
-gepriesen in Ewigkeit. Amen!&ldquo;
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p class="noindent">
-Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische
-Laufbahn eröffnete, war der aus den &bdquo;Vigilien&ldquo; entstandene
-&bdquo;Prinz Rosa-Stramin&ldquo;<a class="fnote" href="#footnote-4" id="fnote-4">[4]</a>, dem noch nach zwei
-<a id="page-XIX" class="pagenum" title="XIX"></a>
-Decennien die seltene Gunst zu Theil ward, neu aufgelegt
-und in&rsquo;s Englische übersetzt zu werden. Wenn wir in dieser
-Lieblingsschöpfung des Dichters &ndash; der Frühlingsgabe seiner
-Muse &ndash; eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes,
-Einheit und Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte
-der Sprache vermissen, so werden wir um so
-freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und Farbenreichthum
-entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem
-kühnen Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo
-ihn das kecke Flügelroß hintragen wird. Wir sehen eine
-Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in bunter, rascher
-Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten-
-und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers
-reiche, gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in
-die er meist seine eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen
-Träume und Verirrungen, seine Freuden wie seine Leiden
-hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls, einer
-Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den
-Leser von einem Ende zum andern in fesselnder Spannung
-erhalten.
-</p>
-
-<p>
-Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine
-früheren Erzählungen und Aufsätze, die er unter den Namen
-&bdquo;Leonhard Emil Hubert, Hubertus, Eduard Helmer&ldquo;
-herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H. Hotop
-gedruckten &bdquo;Erzählungen&ldquo; vor das Forum der Oeffentlichkeit
-trat, und alle seine frühern literarischen Versuche als
-sein Produkt und Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch
-<a id="page-XX" class="pagenum" title="XX"></a>
-hier bilden des Dichters militärische Thaten, Kriegsscenen
-und Naturbilder aus Afrika und Spanien die stets wiederkehrende
-Staffage. Ausgezeichnet wie &bdquo;Prinz Rosa-Stramin&ldquo;
-durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche
-Frische, sind sie, gleich den spätern Novellen<a class="fnote" href="#footnote-5" id="fnote-5">[5]</a>, mit
-größerer Klarheit und mehr einheitlicher Zusammenstellung
-angelegt: sie waren nach dem Urtheile competenter Kunstrichter
-das Beste, was seit langer Zeit auf dem deutschen
-Büchermarkt erschienen war<a class="fnote" href="#footnote-6" id="fnote-6">[6]</a>.
-</p>
-
-<p>
-Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über
-kurhessisches Recht haben wir unter der Nachlassenschaft
-des Verstorbenen noch zwei literarische Commentare, das
-eine zu Schiller&rsquo;s &bdquo;Wilhelm Tell&ldquo;, das andere zu &bdquo;Amaranth&ldquo;
-und &bdquo;Thomas Morus&ldquo; von Oscar v. Redwitz vorgefunden.
-Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm
-des hiesigen Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt.
-</p>
-
-<p>
-Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern
-seiner Jugend, Koch am meisten beeinflußt
-hat, mag nicht schwer zu errathen sein. Die überraschenden,
-oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die behagliche
-Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen
-von dem Gegenstand, um sich mit dem Leser oder
-mit sich selbst und über sich selbst in ein ironisch-humoristisches
-<a id="page-XXI" class="pagenum" title="XXI"></a>
-Zwiegespräch einzulassen, die eingestreuten komischen
-Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean
-Paul, zum Theil an den Verfasser der &bdquo;Reisebilder&ldquo;.
-Aber es wäre eine Verkennung der ihm in hohem Grade
-angebornen Produktionsgabe, wenn man ihn mit Kuzkow
-der servilen Imitation Heine&rsquo;s bezüchtigen wollte, wogegen
-sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen &bdquo;Erzählungen&ldquo;
-energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter
-selbst weit davon entfernt, alles und jedes in seinem Leben
-wie in seinen Schriften billigend und lobend anzuerkennen,
-so müßten wir doch auch dagegen mit ihm in aller Entschiedenheit
-protestiren, wenn man ihn zum Gesinnungsgenossen
-des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte.
-Die Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des
-&bdquo;jungen Deutschland&ldquo; alles Ernste und Heilige in den Koth
-seiner Leidenschaft herabzog, die Heuchelei des atheistischen
-Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls- und Gesinnungslosigkeit
-mit Seelengröße und Byronischem &bdquo;Weltschmerz&ldquo;
-kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens
-verhaßt. Bei allen jugendlichen Irrungen und allen Stürmen
-des Lebens hatte Koch den Adel seiner liebenswürdigen
-Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, entströmte
-als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen seiner
-überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur.
-</p>
-
-<p>
-Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es
-der Herausgeber für eine Pflicht der Pietät gegen den
-<a id="page-XXII" class="pagenum" title="XXII"></a>
-Verewigten, alle seine hinterlassenen Gedichte ohne Auswahl
-und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm
-auch das eine oder andere in Anlage und Form minder
-vollendet und befriedigend schien: soll doch nur durch das
-Ganze und im Zusammenhang mit seinen übrigen Produktionen
-ein vollständiges Bild von der Individualität
-des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter
-zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst
-schrieb, in der Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt,
-aber auch hoffen durfte, nicht zu den literarischen
-Bettlern geworfen zu werden.
-</p>
-
-<p>
-Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem
-geliebten Sänger, in das Trauerlied einstimmend, das wir
-auf die Gruft unseres Vorgängers als Schüler und Freund
-in dankbarer Erinnerung niederlegten.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-1-2">
-Trost in Thränen.
-</h3>
-
-<p class="subt">
-<em>Grablied auf Professor Koch.</em>
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nach der Harfe greif&rsquo; ich wieder &ndash;</p>
- <p class="verse1">Und sie tönet Grabgesang,</p>
- <p class="verse">Bittern Schmerzes Klagelieder</p>
- <p class="verse1">Zittern durch der Saiten Klang.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-XXIII" class="pagenum" title="XXIII"></a>
- <p class="verse">Ernst, in Wehmuth hingegossen,</p>
- <p class="verse1">Schwieg der Jünger Trauerschaar,</p>
- <p class="verse">Weib und Kind, in Schmerz zerflossen,</p>
- <p class="verse1">Standen an der Leichenbahr&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach! der Sänger, der gerungen</p>
- <p class="verse1">Treu für Gott und Vaterland &ndash;</p>
- <p class="verse">Seine Saiten sind verklungen,</p>
- <p class="verse1">Die er schlug mit Meisterhand!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der uns sang der Minne Sehnen</p>
- <p class="verse1">Und des Helden Sturmesdrang,</p>
- <p class="verse">Und des Dulders stille Thränen</p>
- <p class="verse1">Und des Glaubens Siegessang! &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mußt so früh den Tod Du finden,</p>
- <p class="verse1">Lebensmuthig, liederreich?</p>
- <p class="verse">Wollten Dir die Schläf&rsquo; umwinden</p>
- <p class="verse1">Mit des Ruhmes Lorberzweig. &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht bei Menschen, nicht hienieden</p>
- <p class="verse1">War Dein Hoffen, schön&rsquo;res Loos</p>
- <p class="verse">Ist der Treue dort beschieden.</p>
- <p class="verse1">Wo Du ruh&rsquo;st in Gottes Schooß.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-XXIV" class="pagenum" title="XXIV"></a>
- <p class="verse">Wo die Stirne wird umkränzen</p>
- <p class="verse1">Der Verklärung Siegeskranz,</p>
- <p class="verse">Und ein Engel Du wirst glänzen</p>
- <p class="verse1">In der Sel&rsquo;gen Sonnenglanz&rsquo;.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="date">
-Luxemburg, 1. November 1859.
-</p>
-
-<p class="sign">
-<b>Ludwig Housse,<br />
-Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur.</b>
-</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-2">
-<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a>
-<span class="firstline">Meinen Eltern,</span><br />
-am Neujahrsmorgen 1825.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie einst Memnon&rsquo;s Säule sanft ertönte</p>
- <p class="verse">Bei Aurorens erstem Strahlenkusse:</p>
- <p class="verse">So tönt mir auch dieses Jahres erster</p>
- <p class="verse">Morgenstrahl Gefühle in die Brust,</p>
- <p class="verse">Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen,</p>
- <p class="verse">Wenn es sich an das der Eltern dränget.</p>
- <p class="verse">Auf die Feder scheint die Morgensonne</p>
- <p class="verse">Mir und ladet mich zum frohen Gruße.</p>
- <p class="verse">Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten,</p>
- <p class="verse">Die Minute, wo in Euren Armen</p>
- <p class="verse">Inniger mein Herz dem Eurigen</p>
- <p class="verse">Und der Zukunft ungewissen Tagen</p>
- <p class="verse">Freudig wünschend dann entgegenschläget!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nicht entweihen will ich durch die Feder,</p>
- <p class="verse">Was die dankerfüllte Brust durchglühet,</p>
- <p class="verse">Sagen nicht, wie Eure Elternliebe</p>
- <p class="verse">Mich von meinem ersten bis zu diesem</p>
- <p class="verse">Morgen mit des Dankes Hochgefühlen</p>
- <p class="verse">Ewig an die treuen Herzen bindet;</p>
- <p class="verse">Sagen nicht, was ich aufzählen weder,</p>
-<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a>
- <p class="verse">Noch Euch je vergelten kann, &ndash; ach wenn ich</p>
- <p class="verse">Mir dies denke, alle die Wohlthaten,</p>
- <p class="verse">Mir zurück in meine Seele rufe:</p>
- <p class="verse">Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele),</p>
- <p class="verse">Einer Thräne gleich, mein frommer Dank</p>
- <p class="verse">In dem Meer der elterlichen Liebe,</p>
- <p class="verse">Und das Ziel von allem meinem Streben</p>
- <p class="verse">Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied</p>
- <p class="verse">Auf den kleinen Knaben nieder &ndash; und der</p>
- <p class="verse">Kinderjahre gold&rsquo;nen Traum; &ndash; er wußte</p>
- <p class="verse">Noch nicht, wem er seine Freuden dankte:</p>
- <p class="verse">Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten,</p>
- <p class="verse">Der Natur, der heit&rsquo;re Frühlingshimmel</p>
- <p class="verse">Andere, erhabene Gefühle</p>
- <p class="verse">In die Jünglingsbrust; &ndash; es weiß der Jüngling</p>
- <p class="verse">Nun für wen des Dankes Zähre fließt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Der die Welten schuf und die Natur</p>
- <p class="verse">Und den heitern Frühlingshimmel, der das</p>
- <p class="verse">Leben seinen Menschen gibt und nimmt,</p>
- <p class="verse">Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen</p>
- <p class="verse">Ueber unserer Erde aufgeh&rsquo;n ließ:</p>
- <p class="verse">Er nur kennt der Herzen heil&rsquo;ge Tiefen,</p>
- <p class="verse">Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, &ndash; Beten!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-3">
-<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-Am Geburtstage
-meiner innigst geliebten Mutter
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(am 9. April 1827).
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen,</p>
- <p class="verse">Flur und Haine bau&rsquo;n ihm Ehrenbogen,</p>
- <p class="verse">Ihn begrüßt der Lerchen Chor,</p>
- <p class="verse">Und der Engel treuer Kindesliebe,</p>
- <p class="verse">Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe,</p>
- <p class="verse">Schwingt mit ihnen sich empor.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nimm es mit mein Herz zur ew&rsquo;gen Ferne,</p>
- <p class="verse">Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne</p>
- <p class="verse">Freundlich auf- und niedergeh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Wo die Brüder dort in süßer Wonne</p>
- <p class="verse">Und die heil&rsquo;ge liebende Madonne</p>
- <p class="verse">Nieder auf die Menschen seh&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne,</p>
- <p class="verse">Fleh die Heil&rsquo;ge um die schönste Krone</p>
- <p class="verse">Für ein edles Mutterherz:</p>
- <p class="verse">Wenig Leiden und der Freuden viele,</p>
- <p class="verse">Langes Leben, und am späten Ziele</p>
- <p class="verse">Sanftes Scheiden himmelwärts.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-4">
-<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
-Am Geburtstage meines Vaters
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(während eines heftigen Gewitters geschrieben).
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Glühend in des Mittags Schwüle</p>
- <p class="verse">Schickt die Sonne ihr Geschoß,</p>
- <p class="verse">Keuchend zieht das matte Roß,</p>
- <p class="verse">Sucht der Bäume Schattenkühle.</p>
- <p class="verse">Aller Lebensgluth beraubt,</p>
- <p class="verse">Steht der Hain mit schlaffen Zweigen,</p>
- <p class="verse">Und des Thales Blumen neigen</p>
- <p class="verse">Traurig, farbenlos, ihr Haupt.</p>
- <p class="verse">Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen,</p>
- <p class="verse">Schon im Sarge, noch geschmückt,</p>
- <p class="verse">Wo der Tod von ihren Wangen</p>
- <p class="verse">Noch die Rose nicht gepflückt;</p>
- <p class="verse">Einem holden Frühling gleich</p>
- <p class="verse">Mit unendlicher Blumenfülle;</p>
- <p class="verse">Ohne das ewige Schaffen und Streben,</p>
- <p class="verse">Ohne das blühende, liebende Leben,</p>
- <p class="verse">Eine abgestorbene Hülle</p>
- <p class="verse">Liegt der Erde weites Reich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sieh, da kommt&rsquo;s in schwarzem Bogen</p>
- <p class="verse">Dort im Westen hergezogen,</p>
-<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
- <p class="verse">Wie das Schicksal, langsam, schwer,</p>
- <p class="verse">Wälzt es sich am Himmel her.</p>
- <p class="verse">Und des Aethers Azurschein</p>
- <p class="verse">Hüllt in Nacht sich ein,</p>
- <p class="verse">Und der Ewige naht</p>
- <p class="verse">Auf dem Gewölke den Fuß,</p>
- <p class="verse">Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad</p>
- <p class="verse">Bringen den Jubelgruß. &ndash;</p>
- <p class="verse">Da siehe, ganz helle,</p>
- <p class="verse">Ein zuckender Strahl</p>
- <p class="verse">Mit Gedankenschnelle</p>
- <p class="verse">Erleuchtet das Thal.</p>
- <p class="verse">Ein Funken seiner Glorie kündet</p>
- <p class="verse">Des Herren Angesicht,</p>
- <p class="verse">Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht!</p>
- <p class="verse">Und der Funken hat nicht gezündet,</p>
- <p class="verse">Und der Mensch danket und betet an,</p>
- <p class="verse">Wie er sieht den Ew&rsquo;gen nah&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Horch, da murmelt&rsquo;s am fernen Himmel,</p>
- <p class="verse">Gleich einem rieselnden Felsenbach,</p>
- <p class="verse">Und murmelt näher und näher ohn&rsquo; Ende,</p>
- <p class="verse">Und rollt jetzt lauter am Firmamente,</p>
- <p class="verse">Und bebt in des Berges Schluchten nach,</p>
- <p class="verse">Und donnert und kracht,</p>
- <p class="verse">Und heult in die Nacht,</p>
- <p class="verse">Als wären die Welten im Kampfgetümmel,</p>
-<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
- <p class="verse">Als wollt&rsquo; im angstvollen Beben</p>
- <p class="verse">Die Erd&rsquo; aus den Angeln sich heben,</p>
- <p class="verse">Und ein <em>Schlag</em>, daß die Himmel zittern,</p>
- <p class="verse">Hemmet des Donners furchtbaren Lauf,</p>
- <p class="verse">Und des Eichbaums Aeste splittern:</p>
- <p class="verse">Dampfend zu dem Himmel auf</p>
- <p class="verse">Wallt des Haines Opfergluth</p>
- <p class="verse">Ihm, der uns mit treuer Hut.</p>
- <p class="verse">Schützt in Ungewittern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Siehe, nun kommt der unendliche Segen,</p>
- <p class="verse">Und es ergießt sich der rauschende Regen,</p>
- <p class="verse">Ziehet dahin über Felder und Auen,</p>
- <p class="verse">Sie mit erquickendem Leben zu thauen.</p>
- <p class="verse">Freudig erhebet die Blume das Haupt,</p>
- <p class="verse">Frisch hat der lachende Baum sich belaubt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Holde Nachtigallen</p>
- <p class="verse">Singen in dem Hain,</p>
- <p class="verse">Hörnerklänge schallen,</p>
- <p class="verse">Flöten und Schalmei&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und es grünet die Weide,</p>
- <p class="verse">Und die Heerden zieh&rsquo;n</p>
- <p class="verse">Mit harmonischem Geläute</p>
- <p class="verse">An dem Anger hin.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Der Landmann sieht die Felder blüh&rsquo;n</p>
- <p class="verse">Und seiner Wiesen neu belebtes Grün,</p>
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
- <p class="verse">Und sieht auf seinen Fluren</p>
- <p class="verse">Des Vaters Segensspuren.</p>
- <p class="verse">Zum Himmel hebt er die Hände gern</p>
- <p class="verse">Und dankt dem Herrn.</p>
- <p class="verse">Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm,</p>
- <p class="verse">Drückt an die Brust ihn lieb und warm,</p>
- <p class="verse">Blickt empor zu des Himmels Blau,</p>
- <p class="verse">Sehnsucht im Auge und Thränenthau,</p>
- <p class="verse">Will einen Kranz dem Vater winden,</p>
- <p class="verse">Kann für das Herz nicht Worte finden,</p>
- <p class="verse">Er schaut in den Frühling und findet sie,</p>
- <p class="verse">Und beugt in kindlicher Andacht das Knie:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du in ew&rsquo;gen Fernen,</p>
- <p class="verse">Vater über&rsquo;n Sternen,</p>
- <p class="verse1">Höre mein Gebet!</p>
- <p class="verse">Geber aller Freuden,</p>
- <p class="verse">Du nur kannst es deuten,</p>
- <p class="verse1">Was die Seele fleht.</p>
- <p class="verse">Herr, wie auf Dein Zeichen</p>
- <p class="verse">Die Gewitter weichen,</p>
- <p class="verse1">Und die Wolken fliehen:</p>
- <p class="verse">Also winke liebend,</p>
- <p class="verse">Wenn Gewitter trübend</p>
- <p class="verse1">Seine Stirn&rsquo; umzieh&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Schaffen, Wirken, Streben</p>
- <p class="verse">Sei das frohe Leben,</p>
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
- <p class="verse1">Das Du ihm verlieh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und durch Frühlingstage</p>
- <p class="verse">Ohne Schmerz und Klage</p>
- <p class="verse1">Leite, Vater, ihn.</p>
- <p class="verse">Deine Huld und Güte,</p>
- <p class="verse">Ewiger, verhüte,</p>
- <p class="verse1">Kummer, Gram und Leid;</p>
- <p class="verse">Kräfte gib dem Sohne</p>
- <p class="verse">Zu dem großen Lohne,</p>
- <p class="verse1">Bis die Dankbarkeit</p>
- <p class="verse">Einst in späten Zeiten</p>
- <p class="verse">Unter Trauerweiden</p>
- <p class="verse1">Feuchten Auges steht,</p>
- <p class="verse">Bis die Nebel sinken</p>
- <p class="verse">Und die Fluren winken,</p>
- <p class="verse1">Wo die Palme weht!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-5">
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-Am Anfange der Osterferien.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1826.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da,</p>
- <p class="verse">Laß schweigen das nächtliche Sehnen,</p>
- <p class="verse">Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht,</p>
- <p class="verse">Wo Kronen der Liebe dich krönen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt,</p>
- <p class="verse">Es senket der Lenz seine Flügel,</p>
- <p class="verse">Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur,</p>
- <p class="verse">Hinaus über grünende Hügel!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Warum so still, wenn die Freude Dir lacht?</p>
- <p class="verse">Hast Du nicht dem Himmel vertraut?</p>
- <p class="verse">Und hat der beglückende Frieden in Dir</p>
- <p class="verse">Nicht gold&rsquo;ne Palläste gebaut?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl,</p>
- <p class="verse">Gekämpft und gesieget zu haben?</p>
- <p class="verse">Hast du in den niederen Gängen der Lust</p>
- <p class="verse">Die Hoffnung der Eltern begraben?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
- <p class="verse">Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht?</p>
- <p class="verse">Wenn himmlische Freuden Dir winken?</p>
- <p class="verse">Bald sollst Du an liebender Vaterbrust</p>
- <p class="verse">Die Wonne des Wiederseh&rsquo;ns trinken!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Wohl hab&rsquo; ich dem Himmel vertraut;</p>
- <p class="verse">&bdquo;Wohl hat der beglückende Frieden in mir</p>
- <p class="verse">&bdquo;Die gold&rsquo;nen Dächer gebaut;&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar</p>
- <p class="verse">&bdquo;Der Aether in freundlicher Bläue,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all&rsquo;,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Mit Kränzen der Liebe und Treue:&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Das innig und heiß mich durchglühte,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;<em>Ach! süßer entfloh&rsquo;n, und ich wußte es nicht,</em></p>
- <p class="verse">&bdquo;<em>Im Harren und Sehnen die Stunden,</em></p>
- <p class="verse">&bdquo;<em>Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,</em></p>
- <p class="verse">&bdquo;<em>Die Krone der Freude empfunden!</em>&ldquo;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-6">
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-Am 8. December.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sieh, wie buntes Schneegewimmel</p>
- <p class="verse">Spielet durch den öden Himmel,</p>
- <p class="verse">Und es heult der Stürme Wuth.</p>
- <p class="verse">Ob auch mit erstorb&rsquo;nen Lilienwangen</p>
- <p class="verse">Die Natur im Schlummer ruht,</p>
- <p class="verse">Ist mir doch ein Frühling aufgegangen,</p>
- <p class="verse">Und (ich fühl&rsquo; es an dem Wogen</p>
- <p class="verse">Dieser übersel&rsquo;gen Brust)</p>
- <p class="verse">In mein frohes Herz gezogen,</p>
- <p class="verse">Reich an Blüthen, reich an Luft.</p>
- <p class="verse">War nicht heute, freudig tönt&rsquo;s die Laute,</p>
- <p class="verse">Beben&rsquo;s meine Saiten nach,</p>
- <p class="verse">War nicht heute jener frohe Tag,</p>
- <p class="verse">Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute?</p>
- <p class="verse">Ach, Geliebte, war&rsquo;s nicht heute?</p>
- <p class="verse">Wo ich, noch ein Knab&rsquo;, an Deiner Wiege saß,</p>
- <p class="verse">Und mein Lieblingsspiel vergaß,</p>
- <p class="verse">Und der Schwester königlich mich freute,</p>
- <p class="verse">Selig dir ins Auge blickte,</p>
- <p class="verse">Ja, und dreimal glücklich war,</p>
- <p class="verse">Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar</p>
- <p class="verse">Dir den Kuß der Bruderliebe drückte?</p>
- <p class="verse">Vierzehn Lenze sind geschwunden,</p>
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
- <p class="verse">Doch des Knaben Liebe nicht.</p>
- <p class="verse">Was ich damals schon empfunden,</p>
- <p class="verse">Fühl&rsquo; ich noch in schönen Stunden,</p>
- <p class="verse">Wenn Dein sanftes Angesicht</p>
- <p class="verse">Treue Schwesterliebe spricht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hätt&rsquo; ich Hölty&rsquo;s Lautenklang,</p>
- <p class="verse">Ließe meine Saiten rauschen,</p>
- <p class="verse">Daß die Engel mir im Himmel lauschen,</p>
- <p class="verse">Säng&rsquo; ich meinen schönsten Hochgesang:</p>
- <p class="verse">Nimmer würd&rsquo; es mir gelingen,</p>
- <p class="verse">Meine Liebe Dir zu singen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wandle froh und glücklich durch Dein Leben,</p>
- <p class="verse">Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn,</p>
- <p class="verse">Von den Engeln, welche Dich umschweben,</p>
- <p class="verse">Sei die Sanftmuth Deine Führerin.</p>
- <p class="verse">Unschuld, an der Liebe Hand,</p>
- <p class="verse">Leite Dich zum bessern Land.</p>
- <p class="verse">Ach, noch keinem Menschen war&rsquo;s verliehen</p>
- <p class="verse">Immer glücklich, immer froh zu sein!</p>
- <p class="verse">Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen,</p>
- <p class="verse">Wohl, so sei&rsquo;s im rosenfarbnen Schein,</p>
- <p class="verse">Und sie senk&rsquo; in Freudenthränen sich</p>
- <p class="verse">In Dein stilles Leben nieder.</p>
- <p class="verse">Dann umlächle freundlich wieder</p>
- <p class="verse">Dein entwölkter Himmel Dich!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-7">
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-<span class="firstline">Elegie</span><br />
-auf den Tod meines Kanarienvogels.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So bist auch Du des Todes Beute!</p>
- <p class="verse1">O namenloser Schmerz!</p>
- <p class="verse">Auch Du, mein Glück und meine Freude,</p>
- <p class="verse1">Das einz&rsquo;ge treue Herz?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da liegst Du kalt und ohne Leben,</p>
- <p class="verse1">Geliebtes Thierchen Du,</p>
- <p class="verse">Um Dein gesunk&rsquo;nes Köpfchen schweben</p>
- <p class="verse1">Die Thränen süßer Ruh&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der frohe Lenz er kehret wieder</p>
- <p class="verse1">Mit seiner Blüthenlust,</p>
- <p class="verse">Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder</p>
- <p class="verse1">Aus Deiner frohen Brust.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sonst, wenn die warme Frühlingssonne</p>
- <p class="verse1">Durch&rsquo;s offene Fenster schien,</p>
- <p class="verse">Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne</p>
- <p class="verse1">In zarten Melodien.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-8">
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-<span class="firstline">Meiner kleinen Schwester,</span><br />
-an ihrem Geburtstage.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Spiele, holde Kleine</p>
- <p class="verse1">Mit dem gold&rsquo;nen Sinn,</p>
- <p class="verse">Durch Dein Rosenleben,</p>
- <p class="verse1">Spiele immerhin!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schöne Blumen blühen,</p>
- <p class="verse1">Kleine, rings um Dich,</p>
- <p class="verse">Lilien und Rosen</p>
- <p class="verse1">Duften rings um Dich!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Holde Vöglein singen,</p>
- <p class="verse1">Dir im Blüthenhain,</p>
- <p class="verse">Deine Sonne leuchtet</p>
- <p class="verse1">Milden Purpurschein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Himmel steh&rsquo;n Dir offen,</p>
- <p class="verse1">Und herab zu Dir</p>
- <p class="verse">Schweben kleine Engel,</p>
- <p class="verse1">Spielen gern mit Dir.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
- <p class="verse">Winden mit Dir Kränze.</p>
- <p class="verse1">Deiner Locken Zier,</p>
- <p class="verse">Pflücken mit Dir Blumen,</p>
- <p class="verse1">Freuen sich mit Dir.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Rufen die Gespielen,</p>
- <p class="verse1">Holde Kleine, Dir,</p>
- <p class="verse">Bleib&rsquo;, die Mutter weinet,</p>
- <p class="verse1">Bleibe, Kind, bei ihr.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Durch Dein Rosenleben,</p>
- <p class="verse1">Mit dem Engelssinn,</p>
- <p class="verse">Mit dem frohen Herzen,</p>
- <p class="verse1">Spiele immerhin!</p>
- </div>
-<hr class="tb" />
-
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde,</p>
- <p class="verse1">An Blüthen hängt der Thräne Silberschein,</p>
- <p class="verse">Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde</p>
- <p class="verse1">Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde,</p>
- <p class="verse1">Es webt die Liebe nur die Blumen ein,</p>
- <p class="verse">Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
- <p class="verse">Betritt es nun das künstliche Gebilde,</p>
- <p class="verse1">Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß,</p>
- <p class="verse">Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde,</p>
- <p class="verse1">Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß,</p>
- <p class="verse">Aus beiden weben sich die Lenzgefilde,</p>
- <p class="verse1">Durch die Dein Engel Dich geleiten muß.</p>
- <p class="verse">Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen,</p>
- <p class="verse1">Er wird sie Dir zu Diademen fügen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du hast ein ird&rsquo;sches Leiden tief empfunden,</p>
- <p class="verse1">Das fern von Deinen Lieben Dich gequält.</p>
- <p class="verse">Doch Kronen sind der Dulderin gewunden,</p>
- <p class="verse1">Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt.</p>
- <p class="verse">Nun stehst Du da in blühendem Gesunden,</p>
- <p class="verse1">Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt,</p>
- <p class="verse">Und in dem ros&rsquo;gen Aether Deiner Wangen</p>
- <p class="verse1">Ist uns ein neues Leben aufgegangen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schon wärmer strahlt die Sonn&rsquo; am Firmamente,</p>
- <p class="verse1">Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land</p>
- <p class="verse">Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn&rsquo; Ende,</p>
- <p class="verse1">Umschweben uns die Horen Hand in Hand.</p>
- <p class="verse">O daß der Lenz doch immer wiederfände</p>
- <p class="verse1">Im Kreise, die die Liebe Dir verband!</p>
- <p class="verse">Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-9">
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-Nachtwächter-Lied.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1831.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hört, <em>Ihr Herrn und laßt Euch sagen</em>,</p>
- <p class="verse">Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen,</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht,</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; Euch gesungen bei stürmischer Nacht,</p>
- <p class="verse">Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht!</p>
- <p class="verse">Die Sternlein geh&rsquo;n hinunter &ndash;</p>
- <p class="verse">Halloh, Ihr Herrn, seid munter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1"><em>Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!</em></p>
- <p class="verse">Viel hat sich im Alten zugetragen.</p>
- <p class="verse">Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut,</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rin wohnt eine schöne Himmelsbraut,</p>
- <p class="verse">Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut &ndash;</p>
- <p class="verse">Wer reißt uns das Fähnlein herunter?</p>
- <p class="verse">Halloh, Ihr Herrn, seid munter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1"><em>Bewahrt das Feuer und auch das Licht!</em></p>
- <p class="verse">Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht:</p>
- <p class="verse">Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus,</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus,</p>
- <p class="verse">Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus,</p>
- <p class="verse">Behütet den heiligen Zunder!</p>
- <p class="verse">Halloh, Ihr Herrn, seid munter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
- <p class="verse1"><em>Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!</em></p>
- <p class="verse">Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht,</p>
- <p class="verse">Das Haus umschleichet die Diebesbrut:</p>
- <p class="verse">Sie wollen uns stehlen das heilige Gut,</p>
- <p class="verse">Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut!</p>
- <p class="verse">Die Sternlein geh&rsquo;n hinunter &ndash;</p>
- <p class="verse">Halloh, ihr Herrn, seid munter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1"><em>Und lobet Gott den Herrn!</em></p>
- <p class="verse">Er sendet den Morgenstern!</p>
- <p class="verse">Der lässet den Sturm auf der Erde weh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und die Sternlein auf und nieder geh&rsquo;n!</p>
- <p class="verse">Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe,</p>
- <p class="verse">Denn unser Gott thut Wunder &ndash;</p>
- <p class="verse">Halloh, ihr Herrn, seid munter!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-10" title="Es war mir heut' Abend so einsam, so leer">
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es war mir heut&rsquo; Abend so einsam, so leer,</p>
- <p class="verse">Als wenn ich von etwas geschieden wär&rsquo;;</p>
- <p class="verse">Mir war so betrübt, so wunderbar</p>
- <p class="verse">Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war;</p>
- <p class="verse">Ich war verdrießlich und wußt&rsquo; nicht warum;</p>
- <p class="verse">Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum,</p>
- <p class="verse">Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug</p>
- <p class="verse">Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug,</p>
- <p class="verse">Da blies fern, fern mit bebendem Ton,</p>
- <p class="verse">Ein uraltes Lied ein Postillon.</p>
- <p class="verse">Es handelt, ich hab&rsquo;s einmal aufgeschnappt,</p>
- <p class="verse">Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt.</p>
- <p class="verse">Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an,</p>
- <p class="verse">Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan,</p>
- <p class="verse">Ueberhaupt auch den Postillon kenn&rsquo; ich nicht,</p>
- <p class="verse">Und doch hielt ich mir das Tuch vor&rsquo;s Gesicht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-11">
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-Gruß an die Heimath.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1838.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O was bewegt mir denn den warmen Busen,</p>
- <p class="verse">Und warum schlägt mir denn das Herz so laut?</p>
- <p class="verse">Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen,</p>
- <p class="verse">Nicht das Umfangen meiner lieben Braut.</p>
- <p class="verse">Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten?</p>
- <p class="verse">Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz?</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; Muth, horch&rsquo; jener Abendglocke Läuten,</p>
- <p class="verse">Es sind ja Töne Deines Heimathlands.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wie oft hab&rsquo; ich in ewig weiter Ferne</p>
- <p class="verse">Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut,</p>
- <p class="verse">Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne</p>
- <p class="verse">Die Grüße meines Herzens anvertraut.</p>
- <p class="verse">Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen,</p>
- <p class="verse">Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt,</p>
- <p class="verse">Fragt&rsquo; ich die Wolken, die nach Süden zogen:</p>
- <p class="verse">Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und in der Pyrenäen Schreckensgründen,</p>
- <p class="verse">Auf des Pelargus schauerlicher Höh&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden,</p>
- <p class="verse">Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh.</p>
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
- <p class="verse">Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen,</p>
- <p class="verse">Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor,</p>
- <p class="verse">Gefall&rsquo;ner Kameraden bleiche Lippen,</p>
- <p class="verse">Erzählten mir von meiner Liebe vor.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen,</p>
- <p class="verse">Erneut sich alles Leid und alle Qual;</p>
- <p class="verse">Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen,</p>
- <p class="verse">Und keine Blume find&rsquo; ich in dem Thal,</p>
- <p class="verse">Gestorb&rsquo;ne Liebe und zerriss&rsquo;ne Banden,</p>
- <p class="verse">Zerschlag&rsquo;ne Freuden und zertret&rsquo;ner Keim &ndash;</p>
- <p class="verse">Kaum hat mich Einer hie und da verstanden:</p>
- <p class="verse">Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr&rsquo; ich heim.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nur eins mißlang den finsteren Gewalten:</p>
- <p class="verse">Von allem, was das Leben mir zerbrach,</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; ich doch meine Harfe noch behalten,</p>
- <p class="verse">Und manches Lied, das mir am Herzen lag.</p>
- <p class="verse">Im fremden Lande singt sich&rsquo;s nicht von Herzen,</p>
- <p class="verse">Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand;</p>
- <p class="verse">Drum kommt, ihr meine Lieder, helft&rsquo;s verschmerzen;</p>
- <p class="verse">Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">So send&rsquo; ich Dir denn dieses ohne Zaudern,</p>
- <p class="verse">Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund.</p>
- <p class="verse">Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern,</p>
- <p class="verse">Und währe nicht geschwätz&rsquo;gem Dichtermund!</p>
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
- <p class="verse">Mir ist als würd&rsquo; ich von des Lebens Schaudern,</p>
- <p class="verse">Von all dem Weh mit einemmal gesund,</p>
- <p class="verse">Als könnte mit dem wunderbaren Klingen</p>
- <p class="verse">Mein Herz sich alte Freud&rsquo; und Lieb&rsquo; ersingen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">So ist&rsquo;s, schien einmal Dir mit Morgenröthen</p>
- <p class="verse">Das Ideal tief in die Brust hinein,</p>
- <p class="verse">So bleibt&rsquo;s Dir treu, das Leben kann&rsquo;s nicht tödten;</p>
- <p class="verse">Und bist Du elend, gramvoll und allein,</p>
- <p class="verse">Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken,</p>
- <p class="verse">Du siehst&rsquo;s verklärt in rosenfarb&rsquo;nem Schein,</p>
- <p class="verse">Auf sonn&rsquo;gen Höh&rsquo;n weht seine heil&rsquo;ge Fahne,</p>
- <p class="verse">Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-12">
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-Mein Engel.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Heut&rsquo; vor &rsquo;nem Jahr, in fremdem Land,</p>
- <p class="verse">Da hab&rsquo; ich krank gelegen,</p>
- <p class="verse">Da that mich keine liebe Hand</p>
- <p class="verse">In meinem Fieber pflegen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Bei Nacht im dunkeln Krankensaal</p>
- <p class="verse">Hob ich die schwachen Hände</p>
- <p class="verse">Und bat, daß Gott mir endlich &rsquo;mal</p>
- <p class="verse">Den Todesengel sende.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Der thät wohl auf und ab mit Ruh&rsquo;</p>
- <p class="verse">Von Bett zu Bette wandern,</p>
- <p class="verse">Drückt hier und da die Augen zu</p>
- <p class="verse">Dem einen wie dem andern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Das meine ward &ndash; ich war so froh &ndash;</p>
- <p class="verse">Von Tag zu Tage trüber,</p>
- <p class="verse">Doch ging an meinem Bett von Stroh</p>
- <p class="verse">Der Engel stets vorüber.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
- <p class="verse1">Wie gern ich auch die matte Hand</p>
- <p class="verse">Ihm hingegeben hätte,</p>
- <p class="verse">Ein and&rsquo;rer Bote Gottes stand</p>
- <p class="verse">An meinem Krankenbette.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Er trocknet mit dem weißen Tuch</p>
- <p class="verse">Den Schweiß von meinen Wangen,</p>
- <p class="verse">Und hielt mir hin den irdnen Krug,</p>
- <p class="verse">That ich den Trunk verlangen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer</p>
- <p class="verse">Im stillen Kampfe neigte;</p>
- <p class="verse">Es war ja Niemand um mich her,</p>
- <p class="verse">Der mir den Dienst erzeigte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Hat mir erzählt gar lieb und gut</p>
- <p class="verse">Von meinem Heimathlande,</p>
- <p class="verse">Als ich in einer Fiebergluth</p>
- <p class="verse">Der Mutter Namen nannte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich hab&rsquo; den Engel nicht geseh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und Niemand konnt&rsquo; ihn schauen,</p>
- <p class="verse">Doch muß ich seit dem Aufersteh&rsquo;n</p>
- <p class="verse">Auf seine Vollmacht bauen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-13">
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-Sehnsucht nach dem Tode.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,</p>
- <p class="verse">Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.</p>
- <p class="verse">So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,</p>
- <p class="verse">Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.</p>
- <p class="verse">Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,</p>
- <p class="verse">Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;</p>
- <p class="verse">So herzlich grüß&rsquo; ich einst mit bleichem Munde</p>
- <p class="verse">Den stillen Engel meiner letzten Stunde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich schmäh&rsquo; das Leben nicht, wenn ich&rsquo;s verlasse:</p>
- <p class="verse">Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;</p>
- <p class="verse">Glaub&rsquo; nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,</p>
- <p class="verse">Weil&rsquo;s mich belügend sein Versprechen brach,</p>
- <p class="verse">Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,</p>
- <p class="verse">Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.</p>
- <p class="verse">Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten &ndash;</p>
- <p class="verse">Sie log &ndash; und bin ihr doch nicht gram geworden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
- <p class="verse1">Das Leben ladet uns zu frohen Festen,</p>
- <p class="verse">Den Bettler wie den König allzumal,</p>
- <p class="verse">Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,</p>
- <p class="verse">Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;</p>
- <p class="verse">Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,</p>
- <p class="verse">Zieh&rsquo;n Melodien durch den gold&rsquo;nen Saal,</p>
- <p class="verse">Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,</p>
- <p class="verse">Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und wie sie zu Accorden sich gestalten,</p>
- <p class="verse">Da wird&rsquo;s Dir weh um&rsquo;s Herz, fühlst Dich allein,</p>
- <p class="verse">Und lauschest durch entzückend helle Spalten,</p>
- <p class="verse">Und siehst in rosenfarb&rsquo;nem Morgenschein,</p>
- <p class="verse">Sich einen strahlenden Palast entfalten,</p>
- <p class="verse">Den tragen mit Gesang der Engel Reih&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,</p>
- <p class="verse">Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,</p>
- <p class="verse">Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,</p>
- <p class="verse">Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,</p>
- <p class="verse">Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.</p>
- <p class="verse">Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,</p>
- <p class="verse">Und eine Brust war drunter eingewiegt.</p>
- <p class="verse">Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!</p>
- <p class="verse">Eil&rsquo; hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
- <p class="verse1">Sieh, darum lieb&rsquo; ich dieses arme Leben,</p>
- <p class="verse">Weil&rsquo;s mir die Aussicht auf ein höh&rsquo;res gibt,</p>
- <p class="verse">Ich dank&rsquo; ihm, weil&rsquo;s die Ahnung ihm gegeben:</p>
- <p class="verse">Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.</p>
- <p class="verse">Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,</p>
- <p class="verse">Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,</p>
- <p class="verse">Und klopf&rsquo; ich heimlich an die Gruft der Väter</p>
- <p class="verse">Mit müdem Finger an die morschen Bretter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen</p>
- <p class="verse">Zum Raub&rsquo;, es gibt Dir nichts an ihrer Statt;</p>
- <p class="verse">Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,</p>
- <p class="verse">So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;</p>
- <p class="verse">Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,</p>
- <p class="verse">Verspricht&rsquo;s Dir, was es nicht zu geben hat;</p>
- <p class="verse">Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:</p>
- <p class="verse">Sieh&rsquo;, darum möcht&rsquo; ich gerne von ihm scheiden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,</p>
- <p class="verse">Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:</p>
- <p class="verse">Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,</p>
- <p class="verse">Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,</p>
- <p class="verse">Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde</p>
- <p class="verse">Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih&rsquo;st;</p>
- <p class="verse">Dann magst Du mir die müden Augen schließen,</p>
- <p class="verse">Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
- <p class="verse1">Tröst&rsquo; das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,</p>
- <p class="verse">Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.</p>
- <p class="verse">Sag&rsquo; meinen Schwestern, daß in stiller Kammer</p>
- <p class="verse">Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;</p>
- <p class="verse">Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer</p>
- <p class="verse">Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,</p>
- <p class="verse">Sieh aus dem Fenster ohne Thrän&rsquo; und Klagen,</p>
- <p class="verse">Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-14">
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-Reliquie eines Verschollenen.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es gibt geheime Schmerzen,</p>
- <p class="verse">Sie klaget nie der Mund,</p>
- <p class="verse">Getragen tief im Herzen,</p>
- <p class="verse">Sind sie der Welt nicht kund;</p>
- <p class="verse">Es gibt ein heimlich Sehnen,</p>
- <p class="verse">Es scheuet stets das Licht;</p>
- <p class="verse">Es gibt verborg&rsquo;ne Thränen,</p>
- <p class="verse">Der Fremde sieht sie nicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Es gibt ein still Versinken</p>
- <p class="verse">In eine inn&rsquo;re Welt,</p>
- <p class="verse">Wo Friedensauen winken,</p>
- <p class="verse">Vom Sternenglanz erhellt;</p>
- <p class="verse">Wo auf gefall&rsquo;ne Schranken</p>
- <p class="verse">Die Seele Hoffnung baut,</p>
- <p class="verse">Und jubelnd den Gedanken</p>
- <p class="verse">Den Lippen anvertraut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Es gibt ein still Vergehen,</p>
- <p class="verse">Ein stummer öder Schmerz,</p>
- <p class="verse">Und Niemand darf es sehen,</p>
- <p class="verse">Das schwer gepreßte Herz.</p>
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
- <p class="verse">Es sagt nicht, was ihm fehlet,</p>
- <p class="verse">Und wenn&rsquo;s im Harme bricht,</p>
- <p class="verse">Verblutend und zerquälet,</p>
- <p class="verse">Der Fremde sieht es nicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Es gibt ein sanfter Schlummer,</p>
- <p class="verse">Wo süßer Frieden weilt,</p>
- <p class="verse">Wo stille Ruh&rsquo; den Kummer</p>
- <p class="verse">Der müden Seele heilt. &ndash;</p>
- <p class="verse">Doch gibt&rsquo;s ein schöner Hoffen,</p>
- <p class="verse">Das Welten überfliegt:</p>
- <p class="verse">Da, wo am Herzen offen</p>
- <p class="verse">Das Herz voll Liebe liegt.</p>
- </div>
-<hr class="tb" />
-
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken,</p>
- <p class="verse">Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh&rsquo;n:</p>
- <p class="verse">Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken,</p>
- <p class="verse">Gleich Todten in Kapellen, aufersteh&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Drin seh&rsquo; ich Heil&rsquo;ge, die mir längst versanken,</p>
- <p class="verse">Einher im Geisterlicht des Mondes geh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren</p>
- <p class="verse">Mein Engel an verfallenen Altären.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich höre Töne, lange nicht gekannte,</p>
- <p class="verse">So lieblich, Stimmen gleich im Paradies,</p>
- <p class="verse">Doch frag&rsquo; ich, wer mir aus dem Zauberlande</p>
- <p class="verse">Die Himmelstöne wiederkehren ließ?</p>
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
- <p class="verse">Und frug ich jene Heil&rsquo;ge, wer sie sandte?</p>
- <p class="verse">Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß?</p>
- <p class="verse">Die Traumgedanken all&rsquo;, woher sie kamen?</p>
- <p class="verse">Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ach, jene Tön&rsquo;, aus Aether zart gewoben,</p>
- <p class="verse">Belauscht&rsquo; ich einst mit hochentzücktem Ohr;</p>
- <p class="verse">Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben,</p>
- <p class="verse">Schwang meine Psyche selig sich empor:</p>
- <p class="verse">Da griff mich eine Riesenfaust von Oben,</p>
- <p class="verse">Hinab mich schleudernd, den verweg&rsquo;nen Thor,</p>
- <p class="verse">Hinunter, wo sich ächzend und erblindet,</p>
- <p class="verse">Tellurisches Gewürm im Staube windet.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen,</p>
- <p class="verse">Und Bettler sollen auf Dich niederseh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen,</p>
- <p class="verse">Im Kreis des menschlichen Getriebes geh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und nimmer in dem gold&rsquo;nen Buche lesen,</p>
- <p class="verse">Wo Deiner Träume süße Bilder steh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Was Du gesä&rsquo;t mit kindischem Begreifen,</p>
- <p class="verse">Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Da faßte mich wahnsinniges Verirren,</p>
- <p class="verse">Der Geist vergaß die knechtische Geduld,</p>
- <p class="verse">Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren,</p>
- <p class="verse">Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld;</p>
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
- <p class="verse">Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren,</p>
- <p class="verse">Von Tod und Leben fordert&rsquo; ich die Schuld:</p>
- <p class="verse">Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben</p>
- <p class="verse">Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">So kehrt&rsquo; ich denn zur fernen Heimath wieder,</p>
- <p class="verse">Und fragte nach dem früh verlor&rsquo;nen Pfad,</p>
- <p class="verse">Da, wo im Kindergarten fromme Lieder</p>
- <p class="verse">Sein erst&rsquo; Gefühl mein Herz gestammelt hat,</p>
- <p class="verse">Bückt&rsquo; mich zum Sande, wo ich spielte, nieder,</p>
- <p class="verse">Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat,</p>
- <p class="verse">Und sucht&rsquo; aus Asche von erstorb&rsquo;nen Flammen</p>
- <p class="verse">Mit warmen Thränen meine Welt zusammen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Da trat&rsquo;st Du zu mir, nach so langem Meiden</p>
- <p class="verse">Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland,</p>
- <p class="verse">Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten,</p>
- <p class="verse">Und meinen Heiligen ihr Meßgewand,</p>
- <p class="verse">Gabst mir das alte Spiel der gold&rsquo;nen Saiten,</p>
- <p class="verse">Die Kelle meinem Engel in die Hand,</p>
- <p class="verse">Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder,</p>
- <p class="verse">Und neue Ahnung zeugte neue Lieder.</p>
- </div>
-<hr class="tb" />
-
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Was treibt mich hin zu Dir mit Macht?</p>
- <p class="verse">Was gab mich Dir zu eigen?</p>
- <p class="verse">Was hast Du in mir angefacht,</p>
- <p class="verse">Das ich Dir muß verschweigen?</p>
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
- <p class="verse">Ach, was zu Dir mich zieht,</p>
- <p class="verse">Kein Name nennt&rsquo;s, kein Lied,</p>
- <p class="verse">Und Töne können&rsquo;s nicht bekunden,</p>
- <p class="verse">Doch ewig hat&rsquo;s mich Dir verbunden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und Deiner Stimm&rsquo; und Deinem Wort,</p>
- <p class="verse">Wer gab ihm die Gewalten,</p>
- <p class="verse">An meines Herzens tiefsten Ort</p>
- <p class="verse">Gebieterisch zu schalten? &ndash;</p>
- <p class="verse">Mich reißt&rsquo;s mit trunk&rsquo;nem Sinn</p>
- <p class="verse">Zu Deinen Füßen hin.</p>
- <p class="verse">Darf&rsquo;s auch mein Auge nicht bekunden,</p>
- <p class="verse">Doch ewig hat mich&rsquo;s Dir verbunden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich wünsch&rsquo; es mit geheimer Lust,</p>
- <p class="verse">Und fürcht&rsquo; es doch zu sagen,</p>
- <p class="verse">Wie lieb ich Dich in meiner Brust</p>
- <p class="verse">Seit Monden schon getragen.</p>
- <p class="verse">Verschmähtest Du mein Herz,</p>
- <p class="verse">Verging&rsquo;s im stummen Schmerz,</p>
- <p class="verse">Es liebte Dich mit tausend Wunden,</p>
- <p class="verse">Und ewig blieb es Dir verbunden.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-15">
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-Im Namen eines dreijährigen Kindes
-am Geburtstage seines Vaters.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich habe geschlafen,</p>
- <p class="verse">Ein Kindlein süß,</p>
- <p class="verse">Und habe geträumt</p>
- <p class="verse">Vom Paradies,</p>
- <p class="verse">Und habe geträumt</p>
- <p class="verse">Vom himmlischen Spiel,</p>
- <p class="verse">Und habe geseh&rsquo;n</p>
- <p class="verse">Der Engel viel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und einen mit langem</p>
- <p class="verse">Gelockten Haar,</p>
- <p class="verse">Der nahe dem Vater</p>
- <p class="verse">Zur Rechten war.</p>
- <p class="verse">Der hatte ein Auge</p>
- <p class="verse">So mild und fromm,</p>
- <p class="verse">Und sprach so freundlich:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Mein Kindlein komm!&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
- <p class="verse1">Es sind die Kindlein</p>
- <p class="verse">Mir immer fern,</p>
- <p class="verse">Für wen Du bittest,</p>
- <p class="verse">Den segn&rsquo; ich gern!</p>
- <p class="verse">Ich schlug in die Hände</p>
- <p class="verse">Und bat: Papa!</p>
- <p class="verse">Und darauf erwacht&rsquo; ich,</p>
- <p class="verse">Und Du warst da.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-16">
-<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-Die Waldmühle.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was rauschet dort unter des Waldes Eichen?</p>
- <p class="verse1">Ein Gießbach ist&rsquo;s mit geschwätzigem Mund,</p>
- <p class="verse">Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen,</p>
- <p class="verse1">Die Mühl&rsquo; im blumigen Wiesengrund.</p>
- <p class="verse2">Da treibet des Wassers Stärke</p>
- <p class="verse2">Bei Tag und bei Nacht die Gewerke;</p>
- <p class="verse1">Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt,</p>
- <p class="verse1">Schwerfällig das Mühlrad seine Last.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile,</p>
- <p class="verse1">Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald</p>
- <p class="verse">Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile,</p>
- <p class="verse1">Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt,</p>
- <p class="verse2">Und sieht im Mondschein die Wogen</p>
- <p class="verse2">Zerstieben in glänzendem Bogen.</p>
- <p class="verse1">Doch kommt er näher, da faßt&rsquo;s ihn an,</p>
- <p class="verse1">Ein leises Grauen den Wandersmann.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen</p>
- <p class="verse1">Und wühlen im gährenden Wasserschlund,</p>
- <p class="verse">Da hört&rsquo; er mit lieblicher Stimme singen,</p>
- <p class="verse1">Wie Geister tief unten im feuchten Grund.</p>
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
- <p class="verse2">Drauf sieht er mit eignen Augen</p>
- <p class="verse2">Einen Arm aus den Wellen tauchen.</p>
- <p class="verse1">Und ziehet heim, von Gedanken schwer,</p>
- <p class="verse1">Und erzählet Niemand die schaurige Mähr&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Töchterlein einst von wenig Jahren,</p>
- <p class="verse1">Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt,</p>
- <p class="verse">Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren,</p>
- <p class="verse1">Es war ihm vom Himmel an&rsquo;s Herz gelegt.</p>
- <p class="verse2">Das spielt&rsquo; einst in friedlichen Träumen</p>
- <p class="verse2">Ganz nah, wo die Wogen schäumen,</p>
- <p class="verse1">Und pflückte sich duftende Blümchen ab</p>
- <p class="verse1">Am Rande vom tobenden Wellengrab.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wie es sich bückt, zieh&rsquo;n fremde Gewalten</p>
- <p class="verse1">Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und die Himmlischen können&rsquo;s nicht mehr halten,</p>
- <p class="verse1">Und es sinket hinab, und es ist gescheh&rsquo;n!</p>
- <p class="verse2">Schon wälzet das Mühlrad die Speiche</p>
- <p class="verse2">Zermalmend über der Leiche,</p>
- <p class="verse1">Und siehe, des Kindes purpurnes Blut</p>
- <p class="verse1">Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dort, wo sich die Räder brausend schwingen,</p>
- <p class="verse1">Und wühlen im gährenden Wasserschlund,</p>
- <p class="verse">Wo&rsquo;s der Wandrer höret so lieblich singen,</p>
- <p class="verse1">Wie Geister tief unten im feuchten Grund,</p>
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
- <p class="verse2">Ist des Waldmüllers Kind begraben,</p>
- <p class="verse2">Das die Räder zermalmet haben,</p>
- <p class="verse1">Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht,</p>
- <p class="verse1">Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde:</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Lieb&rsquo; Vater, lieb&rsquo; Mutter, was weinst Du so sehr?</p>
- <p class="verse">&bdquo;Hier unten ist&rsquo;s freundlich, ist kühler wie Erde,</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Lieb&rsquo; Vater, lieb&rsquo; Mutter, o weine nicht mehr!&ldquo;</p>
- <p class="verse2">Den Müller faßt es mit Grausen,</p>
- <p class="verse2">Wenn er höret die Stimme draußen.</p>
- <p class="verse1">In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind,</p>
- <p class="verse1">Da singt das ertrunkene Müllerkind.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-17">
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-Schweizers Sehnsucht.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O wer kühlt dies bange Sehnen,</p>
- <p class="verse1">Das mich glühend heiß erfüllt,</p>
- <p class="verse">Und in stille warme Thränen</p>
- <p class="verse1">Meine matten Augen hüllt?</p>
- <p class="verse">Nicht mehr kann ich sie verhehlen</p>
- <p class="verse">Diese Schmerzen, die mich quälen,</p>
- <p class="verse1">Die sich ewig mir erneu&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn die junge Morgenröthe</p>
- <p class="verse1">Freundlich von dem Himmel lacht,</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; ich einsam, still und öde,</p>
- <p class="verse1">Eine bange Nacht durchwacht,</p>
- <p class="verse">Und der erste Purpurschimmer</p>
- <p class="verse">Hat den süßen Frieden nimmer</p>
- <p class="verse1">In des Schweizers Brust gesandt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, ein Land nenn&rsquo; ich mit Zähren,</p>
- <p class="verse1">Wo der Morgen schöner brennt,</p>
- <p class="verse">Auf der Alpen Hochaltären,</p>
- <p class="verse1">Am entflammten Firmament;</p>
- <p class="verse">Wo die Andacht Blicke feuchtet,</p>
- <p class="verse">Wenn die große Fackel leuchtet,</p>
- <p class="verse1">In der Morgenröthe Gluth.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
- <p class="verse">Jene Höh&rsquo;n, wo seit Aeonen</p>
- <p class="verse1">In der Ewigkeiten Schooß&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Jungfrau und Sanct Gotthard thronen,</p>
- <p class="verse1">Der am Morgen, herrlich groß,</p>
- <p class="verse">Es der Erde froh verkündet,</p>
- <p class="verse">Daß die Opfer angezündet</p>
- <p class="verse1">Frommen Dankes für den Herrn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo der Aar in reinern Lüften</p>
- <p class="verse1">Kühner seine Schwingen hebt,</p>
- <p class="verse">Ueber bodenlosen Klüften</p>
- <p class="verse1">Ungewohnt der Wandrer bebt,</p>
- <p class="verse">Wo von friedlich stillen Matten,</p>
- <p class="verse">Bei des Abends kühlem Schatten,</p>
- <p class="verse">Heerden mit Geläute zieh&rsquo;n.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-18">
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-<span class="firstline">Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen</span><br />
-(von Hessen-Kassel).
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1838.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten</p>
- <p class="verse1">Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Durch eine Brust, wo höhere Gewalten</p>
- <p class="verse1">Der Poesie die lust&rsquo;gen Zelte bau&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Und wenn des Schicksals Händ&rsquo; ein Herz zerspalten,</p>
- <p class="verse1">Und wenn die Engel d&rsquo;rin im Fenster schau&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Ist&rsquo;s allemal ein Herz, das unter Bangen</p>
- <p class="verse">Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch was ergreift das Lied mit mächtiger&rsquo;m Tone,</p>
- <p class="verse1">Als jene weithin leuchtende Gewalt,</p>
- <p class="verse">Die majestätisch stolz dem Fürstensohne</p>
- <p class="verse1">Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt?</p>
- <p class="verse">Als jenes Wort, das von erhab&rsquo;nem Throne</p>
- <p class="verse1">Wie Blitz durch Vaterlandes Thäler hallt?</p>
- <p class="verse">Als jene Hand, von deren sanftem Winken</p>
- <p class="verse">Die Segnungen des Friedens niedersinken?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
- <p class="verse">Denn Engel in den lichten Bäumen weben</p>
- <p class="verse1">Mit frommen Händen eines Königs Kleid,</p>
- <p class="verse">Und droben, über allem ird&rsquo;schen Leben,</p>
- <p class="verse1">Wird von dem Herrn der Fürsten Haupt geweiht.</p>
- <p class="verse">Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben</p>
- <p class="verse1">Wie Genien die Ideen der Heiligkeit,</p>
- <p class="verse">Und Gott, damit des Frevlers Blick entkräftet,</p>
- <p class="verse">Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch Du, den schüchtern meine Worte nennen,</p>
- <p class="verse1">So nah&rsquo; mein Herz auch Deinem Throne ist,</p>
- <p class="verse">Wie muß für Dich nicht die Begeist&rsquo;rung brennen,</p>
- <p class="verse1">Daß Du mein Fürst und mein Gebieter bist;</p>
- <p class="verse">Ein Land, das meine Kinderspiele kennen,</p>
- <p class="verse1">Ein Volk, das seine Treue nicht vergißt,</p>
- <p class="verse">Und Thäler blüh&rsquo;n um Deines Thrones Stufen,</p>
- <p class="verse">Wohin mich Lieb&rsquo; und Pflicht zurückgerufen? &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vom Baierland, der hohen Röhn entwunden,</p>
- <p class="verse1">Zieht stolz die Woge Deinem Schloß vorbei,</p>
- <p class="verse">Und wieder, mir der Schwester treu verbunden,</p>
- <p class="verse1">Als ob es Beiden leid zu scheiden sei,</p>
- <p class="verse">Hat sie alsbald Dein schönes Land gefunden,</p>
- <p class="verse1">Und üpp&rsquo;ger Segen, wie ein stolzer Mai,</p>
- <p class="verse">Begleitet sie, wo auf die reichen Auen</p>
- <p class="verse">Der Pagenburg Ruinen niederschauen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
- <p class="verse">Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte,</p>
- <p class="verse1">Und der Kastal&rsquo;sche Quell, der Marburg grüßt,</p>
- <p class="verse">Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande,</p>
- <p class="verse1">Die Welle, die auf gold&rsquo;nem Grunde fließt,</p>
- <p class="verse">Und jener Strom, an dessen Blüthenstrande</p>
- <p class="verse1">Die Winzer singen und die Rebe sprießt,</p>
- <p class="verse">Sie zieh&rsquo;n dahin mit träumerischen Grüßen,</p>
- <p class="verse">Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Füßen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aus Deinen waldigen Gebirgen dröhnen</p>
- <p class="verse1">Sturmwinde tausendjährigen Gesang,</p>
- <p class="verse">Der seit den kräftigen Cheruskersöhnen</p>
- <p class="verse1">Durch alle vaterländ&rsquo;schen Wälder drang.</p>
- <p class="verse">Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tönen, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Es ist der Volkesliebe mächt&rsquo;ger Klang,</p>
- <p class="verse">Von dessen weithin brausenden Chorälen</p>
- <p class="verse">Sie jetzt noch drüben über&rsquo;m Rhein erzählen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie Du da stehst in kräft&rsquo;ger Jugendfülle,</p>
- <p class="verse1">Von sechs und dreißig Lenzen ausgeschmückt,</p>
- <p class="verse">Von denen jeder in geweihter Stille</p>
- <p class="verse1">Mit einer Tugend Deinen Geist beglückt,</p>
- <p class="verse">Und jeder seiner jugendlichen Hülle</p>
- <p class="verse1">Sanft eine neue Schönheit aufgedrückt!</p>
- <p class="verse">Und so erhalte Dich in langen Jahren,</p>
- <p class="verse">Der hoch gebietet über heil&rsquo;ge Schaaren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
- <p class="verse">Wie du mit Weisheit sätest, also mächtig</p>
- <p class="verse1">Entsprieße nun die dunkel gold&rsquo;ne Saat,</p>
- <p class="verse">Und fruchtbeladen schatte segenskräftig</p>
- <p class="verse1">Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad!</p>
- <p class="verse">So oft durch Deine Berg&rsquo; und Thäler prächtig</p>
- <p class="verse1">Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht,</p>
- <p class="verse">So bring&rsquo; er, wie des Orients Gesandten,</p>
- <p class="verse">Des Glückes Gaben Dir aus Himmelslanden!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und könnt&rsquo; ein Irrthum Dir die Liebe rauben,</p>
- <p class="verse1">Dir sagt&rsquo;s Dein Muth, daß Du gefürchtet wirst.</p>
- <p class="verse">Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben,</p>
- <p class="verse1">Stehst Du ein jugendlicher Trojafürst.</p>
- <p class="verse">Doch wenn Du Liebe und Vertrau&rsquo;n als Tauben</p>
- <p class="verse1">An Deinen königlichen Wagen schirrst,</p>
- <p class="verse">So wirst Du unter siebenfarb&rsquo;nem Bogen,</p>
- <p class="verse1">Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen,</p>
- <p class="verse1">Die Worte hat der Sänger nicht bewacht,</p>
- <p class="verse">Ein treu Gedächtniß hat er&rsquo;s unverdrossen</p>
- <p class="verse1">Mit zagendem Gemüthe dargebracht;</p>
- <p class="verse">Hat&rsquo;s willenlos sich aus der Brust ergossen:</p>
- <p class="verse1">So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht.</p>
- <p class="verse">Mein Fürst! frag&rsquo; nicht, woher die Töne kamen,</p>
- <p class="verse1">Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-19">
-<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>
-Mein Wunsch.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich wollte, ich hätte ein Häuschen im Thal,</p>
- <p class="verse">Und nahe dabei eine Mühle,</p>
- <p class="verse">Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl,</p>
- <p class="verse">Mit kreisendem Rade im Spiele,</p>
- <p class="verse">Ein Gärtchen mit Bäumen und Blumen dazu,</p>
- <p class="verse">Mit Tischen und Bank eine Laube,</p>
- <p class="verse">Und vor mir die Birnen im Abendroth</p>
- <p class="verse">Beim göttlichen Nectar der Traube.</p>
- <p class="verse">Dann neben mir Rosen und, vernünftig und treu,</p>
- <p class="verse">Einen Freund an der traulichen Stätte,</p>
- <p class="verse">Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei,</p>
- <p class="verse">Das wäre, so wie ich&rsquo;s gern hätte.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-20">
-<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-Die letzte Rose.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?</p>
- <p class="verse">So strahlend, hell in jugendlichem Roth?</p>
- <p class="verse">Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,</p>
- <p class="verse">Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.</p>
- <p class="verse">Wird doch mein eig&rsquo;nes Haupt zur Stunde müder,</p>
- <p class="verse">Um meine Wange haucht der frühe Tod.</p>
- <p class="verse">Was mit mir lebt&rsquo; und blühte, sank darnieder,</p>
- <p class="verse">Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen</p>
- <p class="verse">So oft beim frühen Strahle mir geküßt?</p>
- <p class="verse">Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,</p>
- <p class="verse">Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?</p>
- <p class="verse">Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,</p>
- <p class="verse">Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?</p>
- <p class="verse">Komm einmal noch, eh&rsquo; meine Blätter sinken,</p>
- <p class="verse">Die letzte Lieb&rsquo; aus meinem Kelch zu trinken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wo bist Du schnee&rsquo;ge Jungfrau, Nievermählte,</p>
- <p class="verse">Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,</p>
- <p class="verse">Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,</p>
- <p class="verse">Was tief mir im geheimen Busen quillt?</p>
-<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a>
- <p class="verse">O wenn die Blume keine Freundin wählte,</p>
- <p class="verse">Gäb&rsquo;s Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?</p>
- <p class="verse">Gäb&rsquo;s Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,</p>
- <p class="verse">Wenn Lieb&rsquo; und Freud&rsquo; in ihrem Kelche weilte?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,</p>
- <p class="verse">Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?</p>
- <p class="verse">Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen</p>
- <p class="verse">Verstandest Du mein Lieben und mein Leid.</p>
- <p class="verse">Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,</p>
- <p class="verse">Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid&rsquo;.</p>
- <p class="verse">Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.</p>
- <p class="verse">Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Euch sei die letzte Thräne hingegossen,</p>
- <p class="verse">Die auf dem welken Blatte sich noch hält,</p>
- <p class="verse">Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,</p>
- <p class="verse">In meinem Innern trag&rsquo; ich eine Welt,</p>
- <p class="verse">Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,</p>
- <p class="verse">Mit mir hinab in&rsquo;s Reich des Todes fällt.</p>
- <p class="verse">Die Rose mag, von Lieb&rsquo; und Lied verlassen,</p>
- <p class="verse">Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,</p>
- <p class="verse">Er bricht hervor in unbarmherz&rsquo;ger Wuth.</p>
- <p class="verse">Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,</p>
- <p class="verse">Der Paladin, in dem die Rose ruht.</p>
-<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a>
- <p class="verse">Wie? stamm&rsquo; ich nicht aus königlichem Schooße?</p>
- <p class="verse">Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut</p>
- <p class="verse">In meiner Adern zierlichen Geweben,</p>
- <p class="verse">Die noch kein Vater wieder hat gegeben?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,</p>
- <p class="verse">Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!</p>
- <p class="verse">Eh&rsquo; grausam mich entblättert Sturm und Regen,</p>
- <p class="verse">Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!</p>
- <p class="verse">So wird entzückend mich der Traum bewegen,</p>
- <p class="verse">Daß ich die schwesterliche Lilie fand.</p>
- <p class="verse">Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,</p>
- <p class="verse">Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-21">
-<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a>
-Sonett.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe?</p>
- <p class="verse">Wohl, <em>Dir allein</em> gehören diese Zeilen.</p>
- <p class="verse">Vertrau&rsquo; ich gern doch dem Sonett zuweilen</p>
- <p class="verse">Die heimlichen und die enthüllten Triebe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch mein&rsquo; ich, daß es unvollkommen bliebe,</p>
- <p class="verse">Je mehr ich auch an dem Sonette feile. &ndash;</p>
- <p class="verse">Daß ich Dir lieber in die Arme eile</p>
- <p class="verse">Mit einem Kusse meiner Bruderliebe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wohl geht&rsquo;s mir öfters so mit solchen Dingen,</p>
- <p class="verse">Die ich im Liede nimmer sagen mag,</p>
- <p class="verse">Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie angeboren meine Brust durchdringen.</p>
- <p class="verse">Sie klingen ewig mir im Herzen nach,</p>
- <p class="verse">Und doch kann ich sie nicht im Liede singen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-22">
-<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a>
-Sonett.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So eilst Du denn der Königsstadt entgegen,</p>
- <p class="verse">Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen,</p>
- <p class="verse">Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen,</p>
- <p class="verse">Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo die Empfindung fremde Stempel prägen,</p>
- <p class="verse">Wo Deines Vaterlandes Klänge schweigen,</p>
- <p class="verse">Wird sich Dein Herz empfänglich für sie zeigen?</p>
- <p class="verse">Und bleibt es treu den heimathlichen Schlägen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren,</p>
- <p class="verse">Und trübe war, was auch Dir blühen mag,</p>
- <p class="verse">Ich weiß es, Deiner Jugend Frühlingstag.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach,</p>
- <p class="verse">Und bitten zu des Himmels heil&rsquo;gen Schaaren,</p>
- <p class="verse">Daß sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-23">
-<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a>
-Die Johannisblume.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Leben glich einer Blume,</p>
- <p class="verse">Dran hing manch schöner Tag,</p>
- <p class="verse">Und jeder Tag war ein Blättchen, &ndash;</p>
- <p class="verse">Bis das Schicksal die Blume brach.</p>
- <p class="verse">Es pflückte meine Blättchen</p>
- <p class="verse">Eins nach dem andern ab.</p>
- <p class="verse">&bdquo;Sieh her, ob Dir Dein Mädchen</p>
- <p class="verse">&bdquo;Die Liebe wieder gab:</p>
- <p class="verse2">&bdquo;Sie liebt Dich,</p>
- <p class="verse2">&bdquo;Sie liebt Dich nicht,</p>
- <p class="verse2">&bdquo;Sie liebt Dich,</p>
- <p class="verse2">&bdquo;Sie liebt Dich nicht,</p>
- <p class="verse2">&bdquo;Sie liebt Dich doch.&ldquo;</p>
- <p class="verse">O mein Geschick, wie dank ich Dir!</p>
- <p class="verse">Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir?</p>
- <p class="verse">Nun steht mein Leben kahl und leer,</p>
- <p class="verse">Kein Blättchen hat meine Blume mehr.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-24" title="In der Ferne wohnt mein Glück">
-<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In der Ferne</p>
- <p class="verse">Wohnt mein Glück,</p>
- <p class="verse">Wie der Sterne</p>
- <p class="verse">Gold&rsquo;ner Blick.</p>
- <p class="verse">In der Ferne</p>
- <p class="verse">Wohnt mein Schmerz,</p>
- <p class="verse">Ringt zum Sterne</p>
- <p class="verse">Himmelwärts.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">In der Ferne</p>
- <p class="verse">Wohnt ihr Bild,</p>
- <p class="verse">Und die Sterne</p>
- <p class="verse">Grüßen&rsquo;s mild.</p>
- <p class="verse">In der Ferne</p>
- <p class="verse">Wohnt mein Leid,</p>
- <p class="verse">Sagt&rsquo;s ihr, Sterne:</p>
- <p class="verse">Lieb&rsquo; verzeiht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">In die Ferne</p>
- <p class="verse">Schaut&rsquo; ich oft,</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; zum Sterne</p>
- <p class="verse">Treu gehofft.</p>
-<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a>
- <p class="verse">Weit und ferne</p>
- <p class="verse">Wohnest Du,</p>
- <p class="verse">Ueber&rsquo;m Sterne,</p>
- <p class="verse">Meine Ruh&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">In der Ferne,</p>
- <p class="verse">Dort und hier</p>
- <p class="verse">Lieb und gerne</p>
- <p class="verse">Bist Du mir.</p>
- <p class="verse">Lieb und gerne</p>
- <p class="verse">Du allein,</p>
- <p class="verse">Ueber&rsquo;m Sterne,</p>
- <p class="verse">Wirst Du mein.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-25">
-<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a>
-Ihrer Erlaucht
-der Gräfin von Schaumburg,
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-am 18. Mai 1839.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">An Deiner Wiege standen höh&rsquo;re Boten,</p>
- <p class="verse1">Ein jeder mit Geschenken für Dein Leben.</p>
- <p class="verse">Sie schürzten den geheimnißvollen Knoten;</p>
- <p class="verse1">Dich sanft berührend mit den Zauberstäben,</p>
- <p class="verse">Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen,</p>
- <p class="verse1">Mit Schönheit Deine Glieder zu umschweben,</p>
- <p class="verse">Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele</p>
- <p class="verse">Geschmückt mit einem himmlischen Juwele.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben,</p>
- <p class="verse1">Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nächten;</p>
- <p class="verse">Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben,</p>
- <p class="verse1">Und eine Vollmacht trug er in der Rechten,</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rin war Dein künftiger Beruf geschrieben:</p>
- <p class="verse1">In eine Krone Blumen einzuflechten.</p>
- <p class="verse">Die Vollmacht schloß er sammt dem heil&rsquo;gen Worte</p>
- <p class="verse">Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a>
- <p class="verse">Einst gab ein Fürst, umbraust von Sturm und Wetter,</p>
- <p class="verse1">Die Zügel seinem jugendlichen Sohne,</p>
- <p class="verse">Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Götter,</p>
- <p class="verse1">Stieg er empor zum väterlichen Throne.</p>
- <p class="verse">Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter,</p>
- <p class="verse1">Lieb&rsquo; und Bewund&rsquo;rung wurden ihm zum Lohne, &ndash;</p>
- <p class="verse">Doch einsam, unter&rsquo;m Fürstenstern verborgen,</p>
- <p class="verse">Trug er sein Glück, sein Lieben und sein Sorgen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da kamen still in Deines Herzens Grunde</p>
- <p class="verse1">Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten,</p>
- <p class="verse">Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde:</p>
- <p class="verse1">An uns&rsquo;res Fürsten Seite mild zu walten,</p>
- <p class="verse">Mit ihm vereinigt zu dem ew&rsquo;gen Bunde,</p>
- <p class="verse1">In Liebe neu sein Leben zu gestalten.</p>
- <p class="verse">Du folgtest muthig jenem heil&rsquo;gen Rufe,</p>
- <p class="verse">Trat&rsquo;st gottvertrauend zu des Altars Stufe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet,</p>
- <p class="verse1">Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten,</p>
- <p class="verse">Und still gewärtig jedes Ohr ihm lauschet,</p>
- <p class="verse1">Sind&rsquo;s Deine Blicke, die es sanft begleiten;</p>
- <p class="verse">Und wenn das Volk vom Fürsten Liebe lauschet,</p>
- <p class="verse1">Dann bist Du freudelächelnd nahe Beiden,</p>
- <p class="verse">Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben,</p>
- <p class="verse">Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a>
- <p class="verse">Und heute wieder ist der Tag erschienen,</p>
- <p class="verse1">Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden.</p>
- <p class="verse">Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen,</p>
- <p class="verse1">Die hehren Boten aus dem Himmel standen:</p>
- <p class="verse">So grüßen jetzt Dich mit holdsel&rsquo;gen Mienen</p>
- <p class="verse1">Geliebte Pfänder segensvoller Banden,</p>
- <p class="verse">Und über dem erlauchten Haupte weben</p>
- <p class="verse">Wie einst Gestirne Dein zukünft&rsquo;ges Leben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">D&rsquo;rin ist kein Schmerz, d&rsquo;rin waltet keine Klage,</p>
- <p class="verse1">Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen.</p>
- <p class="verse">Wenn um des Fürsten Bild doch späte Tage</p>
- <p class="verse1">Die Lorber seines Ruhmes prächtig schlingen,</p>
- <p class="verse">Wird in dem Vaterland der Enkel Sage</p>
- <p class="verse1">Das fromme Lied von Deinem Namen singen.</p>
- <p class="verse">Denn was da lebt in eines Volks Gemüthe,</p>
- <p class="verse">Das lebt unsterblich fort in seinem Liede.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen</p>
- <p class="verse1">Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gießen,</p>
- <p class="verse">So wehr&rsquo; ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen)</p>
- <p class="verse1">Das anspruchlose Spiel zu Deinen Füßen.</p>
- <p class="verse">Doch frag&rsquo; die Töne nicht nach meinen Schmerzen,</p>
- <p class="verse1">Wenn sie Dich huldigend, bescheiden grüßen.</p>
- <p class="verse">Mein Lied darf kühn um Deine Blicke werben, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Des Dichters Leid muß mit dem Dichter sterben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-26">
-<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a>
-<span class="firstline">An Betty</span><br />
-nach der Flucht ihres Kanarienvogels.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O gebiete Deinen Thränen</p>
- <p class="verse">Und erheit&rsquo;re Deinen Blick,</p>
- <p class="verse">Denn es führt kein banges Sehnen</p>
- <p class="verse">Deinen Flüchtling Dir zurück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Deine Liebe so zu lohnen,</p>
- <p class="verse">Mochte freilich treulos sein,</p>
- <p class="verse">Doch die Schuld wird dem Entfloh&rsquo;nen</p>
- <p class="verse">Gern Dein Edelmuth verzeih&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sieh&rsquo;, wie&rsquo;s draußen in den Auen</p>
- <p class="verse">Dort und dort so freundlich wird,</p>
- <p class="verse">Und wie lieblich in den blauen</p>
- <p class="verse">Höhen schon die Lerche schwirrt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sieh nur, wie die Knospen schwellen,</p>
- <p class="verse">Wie das Leben neu erwacht,</p>
- <p class="verse">Wie aus den enteisten Wellen</p>
- <p class="verse">Uns der Lenz entgegen lacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a>
- <p class="verse1">Hat Dir nie in solchen Tagen,</p>
- <p class="verse">Wenn der Frühling aufgeblüht,</p>
- <p class="verse">Schneller auch Dein Herz geschlagen,</p>
- <p class="verse">Wärmer Deine Brust geglüht?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O dann richte nicht zu strenge,</p>
- <p class="verse">Denn auch ein Kanarienherz,</p>
- <p class="verse">Glaube mir, ist nicht zu enge</p>
- <p class="verse">Für der Sehnsucht bangen Schmerz.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Denke Dir den armen Kleinen,</p>
- <p class="verse">Male Dir sein hartes Loos:</p>
- <p class="verse">Fern von den geliebten Seinen,</p>
- <p class="verse">Schmachtend, seufzend, hoffnungslos!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und nun schwebt der Lenz hernieder;</p>
- <p class="verse">Draußen in der freien Welt</p>
- <p class="verse">Rufen tausend frohe Brüder,</p>
- <p class="verse">Die kein enger Käfig hält.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schon verschwunden war sein Hoffen,</p>
- <p class="verse">Ach! bis jetzt sein einz&rsquo;ges Glück, &ndash;</p>
- <p class="verse">Ha! da blieb das Thürchen offen, &ndash;</p>
- <p class="verse">O, ersehnter Augenblick!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a>
- <p class="verse1">Freundlich, in der Freiheit Schooße</p>
- <p class="verse">Winkte Wonne, winkte Lust,</p>
- <p class="verse">Und es reifte jener große</p>
- <p class="verse">Entschluß in der kleinen Brust.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">O, nun konnt&rsquo; er freudig singen,</p>
- <p class="verse">Hüpfend bald von Baum zu Baum,</p>
- <p class="verse">Bald die ungewohnten Schwingen</p>
- <p class="verse">Übend in dem freien Raum.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Doch, wie kurz war nur die Freude!</p>
- <p class="verse">Als das junge Morgenroth</p>
- <p class="verse">Purpur auf die Fluren streute,</p>
- <p class="verse">Fand es ihn erstarrt und todt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ach! und Wald und Flur vereinte</p>
- <p class="verse">Sich zur Trauer und zum Harm,</p>
- <p class="verse">Jedes kleine Hälmchen weinte</p>
- <p class="verse">Eine Thräne, hell und warm.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">&rsquo;s ist gescheh&rsquo;n! Er ist geschieden!</p>
- <p class="verse">Seine zarte Stimme schweigt,</p>
- <p class="verse">Und hinab zum ew&rsquo;gen Frieden</p>
- <p class="verse">Ist das kleine Haupt geneigt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a>
- <p class="verse1">Drum gebiete Deinen Thränen,</p>
- <p class="verse">Und erheit&rsquo;re Deinen Blick,</p>
- <p class="verse">Denn es führt kein banges Sehnen</p>
- <p class="verse">Deinen Liebling Dir zurück!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-27">
-<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
-<span class="firstline">Worte,</span><br />
-gesprochen vor dem Anfange der Komödie,
-welche die Kinder aus dem Wimez&rsquo;schen
-Institute aufführten.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aengstlich treten wir und schüchtern</p>
- <p class="verse">In der Muse Tempel ein,</p>
- <p class="verse">In der Göttin Heiligthume</p>
- <p class="verse">Den bescheid&rsquo;nen Kranz zu weih&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">&bdquo;Welch gewagtes Unternehmen!</p>
- <p class="verse">Kränze von so kleiner Hand,</p>
- <p class="verse">Die ein Chor von kühnen Mädchen</p>
- <p class="verse">Am Altar der Künste wand!&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">O verzeiht, auf Eure Güte</p>
- <p class="verse">Hat das bange Herz vertraut,</p>
- <p class="verse">Und auf Eurer Milde gläubig</p>
- <p class="verse">All sein Hoffen aufgebaut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
- <p class="verse1">Hebt auch schüchtern und mit Zagen</p>
- <p class="verse">Sich empor der scheue Blick,</p>
- <p class="verse">Gern vertraut die Seele wieder,</p>
- <p class="verse">Und die Hoffnung kehrt zurück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Darum täuschet, Ihr Geliebten,</p>
- <p class="verse">Nicht dies kindliche Gefühl!</p>
- <p class="verse">Muthig haben wir gerungen</p>
- <p class="verse">Nach dem heiß ersehnten Ziel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und verkündet Euren Beifall</p>
- <p class="verse">Nur ein Lächeln, sauft und leicht,</p>
- <p class="verse">O dann ist ja tausendfältig</p>
- <p class="verse">Dieses schöne Ziel erreicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wo der Seligkeiten höchste,</p>
- <p class="verse">Wo nur Dank und Freude wohnt,</p>
- <p class="verse">Wo mit diamant&rsquo;nen Kronen</p>
- <p class="verse">Euer Beifall uns belohnt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-28">
-<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
-Gesang der Sterne.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir ziehen über Berg und Thal</p>
- <p class="verse1">Und über&rsquo;s weite Meer;</p>
- <p class="verse">Wir ziehen über Menschenqual</p>
- <p class="verse1">Und Menschenglück daher.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir kennen, was in stiller Brust</p>
- <p class="verse1">Sich vor der Welt verhüllt,</p>
- <p class="verse">Und was mit namenloser Lust</p>
- <p class="verse1">Ein einsam Auge füllt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn der Schmerz die Seele quält,</p>
- <p class="verse1">Wir geben ihr die Ruh&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Und wenn die Lieb&rsquo; ihr Glück erzählt,</p>
- <p class="verse1">So hören wir ihr zu.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir schau&rsquo;n auf manches kühle Grab,</p>
- <p class="verse1">An dem ein Mensch sich härmt,</p>
- <p class="verse">Und schimmern in die Laub&rsquo; hinab,</p>
- <p class="verse1">In der die Liebe schwärmt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a>
- <p class="verse">Wir reden mit dem Gram und sind</p>
- <p class="verse1">Stets mit dem Kummer wach;</p>
- <p class="verse">Die Thräne des Entzückens rinnt</p>
- <p class="verse1">Gern unter unserm Dach.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir schlingen in den luftigen Höh&rsquo;n</p>
- <p class="verse1">Den stillen frohen Reih&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und scheinen Ruh&rsquo; und Wiederseh&rsquo;n</p>
- <p class="verse1">In jedes Herz hinein. &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-29">
-<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a>
-Der Liebe Sehnen.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(Einer andern Melodie untergelegt.)
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer deutet mir dies bange Sehnen,</p>
- <p class="verse1">Das mir so warm im Herzen glüht,</p>
- <p class="verse1">Das nur nach Dir mich ewig zieht,</p>
- <p class="verse">Und oft das Auge füllt mit Thränen?</p>
- <p class="verse1">Verschwunden ist mein froher Sinn,</p>
- <p class="verse1">Mein gold&rsquo;ner Frieden ist dahin.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker</p>
- <p class="verse1">Voll Schmerz und doch voll süßer Lust!</p>
- <p class="verse1">Was pochst Du an die enge Brust</p>
- <p class="verse">So bang und ängstlich immer stärker?</p>
- <p class="verse1">Könnt&rsquo; ich zerbrechen, was mich hält,</p>
- <p class="verse1">Und eilen in die freie Welt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dir möcht&rsquo; ich stets in&rsquo;s Auge seh&rsquo;n</p>
- <p class="verse1">Und in Dein Antlitz, engelrein;</p>
- <p class="verse1">Wie selig, selig muß es sein,</p>
- <p class="verse">In Deinem Anschau&rsquo;n einst vergeh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse1">Und flieh&rsquo;n im fessellosen Lauf</p>
- <p class="verse1">Vom Himmel zu dem Himmel auf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a>
- <p class="verse">Dort zu den Sternen ew&rsquo;ger Liebe</p>
- <p class="verse1">O könnt&rsquo; ich schwingen mich empor,</p>
- <p class="verse1">Und suchen in der Welten Chor</p>
- <p class="verse">Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe!</p>
- <p class="verse1">Ach, selbst die Unermeßlichkeit</p>
- <p class="verse1">Ist für mein Sehnen nicht zu weit.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich seh&rsquo; den Frühling niederschweben.</p>
- <p class="verse1">Heran mit Deiner Blüthenlust,</p>
- <p class="verse1">Heran an meine enge Brust,</p>
- <p class="verse">Du Lenz mit Deinem jungen Leben!</p>
- <p class="verse1">Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz</p>
- <p class="verse1">Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ihr Nachtigall&rsquo;n im Blüthenhaine,</p>
- <p class="verse1">Ihr Fluren im verjüngten Grün,</p>
- <p class="verse1">Ihr Blumen, die so freundlich blüh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">O sagt es mir, warum ich weine?</p>
- <p class="verse1">Warum, seitdem ich <em>sie</em> erblickt,</p>
- <p class="verse1">Kein Frieden meine Brust beglückt?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-30">
-<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a>
-Veilchenstrauß.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kauft, schöner Herr, die Veilchen!</p>
- <p class="verse1">Zwei Kreuzer gebt ihr mir!</p>
- <p class="verse">Ich steh&rsquo; ein langes Weilchen</p>
- <p class="verse1">Bereits vergebens hier.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Vater liegt im Grabe,</p>
- <p class="verse1">Meine Mutter liegt im Grab.</p>
- <p class="verse">Herr, für die kleine Gabe</p>
- <p class="verse1">Kauft mir die Veilchen ab!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Geh, kleine Dirne, raff&rsquo; Dich!</p>
- <p class="verse1">Die so viel Geld begehrt!</p>
- <p class="verse">Das Sträußchen ist wahrhaftig</p>
- <p class="verse1">Kaum einen Kreuzer werth.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aß heut&rsquo; noch keinen Krumen,</p>
- <p class="verse1">Und, Herr, mich hungert sehr.</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rum nehmt sie, nehmt die Blumen!</p>
- <p class="verse1">Gebt mir den Kreuzer her.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a>
- <p class="verse">Das Mädchen gab die Veilchen, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Da fiel &rsquo;ne Thräne darauf &ndash;</p>
- <p class="verse">Der Herr, der nahm die Veilchen,</p>
- <p class="verse1">Die Thräne mit in Kauf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wie er kommt nach Hause &ndash;</p>
- <p class="verse1">&rsquo;s ist kaum &rsquo;ne Stunde her &ndash;</p>
- <p class="verse">Da blühet an dem Strauße</p>
- <p class="verse1">Kein einzig Veilchen mehr.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Farben, die sie trugen,</p>
- <p class="verse1">Sie sind verwelkt und blaß.</p>
- <p class="verse">Er will den Duft versuchen, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Da sind die Veilchen naß.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da faßt&rsquo;s ihn erst mit Leide,</p>
- <p class="verse1">Und d&rsquo;rauf unheimlich an,</p>
- <p class="verse">Er legt den Strauß bei Seite,</p>
- <p class="verse1">Sieht nie ihn wieder an. &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-31">
-<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a>
-Tag der Vereinigung.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze,</p>
- <p class="verse1">Der mir das Kleinod meines Lebens bringt?</p>
- <p class="verse">Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze</p>
- <p class="verse1">Das theure Haupt der Einzigen umschlingt?</p>
- <p class="verse">Wann wirst Du mir, Du sel&rsquo;ger Tag gewähren,</p>
- <p class="verse1">Was meine heiße Liebe lang&rsquo; ersehnt?</p>
- <p class="verse">Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren,</p>
- <p class="verse1">Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens!</p>
- <p class="verse1">Du Sohn des Himmels, wann begrüß&rsquo; ich Dich?</p>
- <p class="verse">Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens,</p>
- <p class="verse1">Wann schüttest Du das Füllhorn über mich?</p>
- <p class="verse">Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore</p>
- <p class="verse1">Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad?</p>
- <p class="verse">Wann öffnest Du mir jene gold&rsquo;nen Thore,</p>
- <p class="verse1">Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wann wird der Seelenbund geheiligt werden?</p>
- <p class="verse1">Wann werd&rsquo; ich, Vater in den ew&rsquo;gen Höh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden,</p>
- <p class="verse1">Vor Deinem heiligen Altare steh&rsquo;n?</p>
-<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a>
- <p class="verse">Dich bittend: segne Deine frohen Kinder,</p>
- <p class="verse1">Laß über ihrem Glück Dein Auge sein!</p>
- <p class="verse">Wann wird, Allmächt&rsquo;ger, Deines Worts Verkünder</p>
- <p class="verse1">Das ird&rsquo;sche Bündniß durch den Himmel weih&rsquo;n?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen,</p>
- <p class="verse1">Wo die Gebete mit dem frommen Lied</p>
- <p class="verse">In großen Tönen zu dem Himmel wallen,</p>
- <p class="verse1">Wo Glück und Schmerz, und Lieb&rsquo; und Buße kniet, &ndash;</p>
- <p class="verse">An heil&rsquo;ger Stufe, wo in sanftem Weinen,</p>
- <p class="verse1">Der Knab&rsquo; einst seinen Glauben aufgebaut,</p>
- <p class="verse">Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen,</p>
- <p class="verse1">Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen!</p>
- <p class="verse1">Denk&rsquo; ich an Dich, bin ich ein sel&rsquo;ges Kind.</p>
- <p class="verse">O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen</p>
- <p class="verse1">Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind.</p>
- <p class="verse">Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen,</p>
- <p class="verse1">Der fernen Sehnsucht den geduld&rsquo;gen Schmerz.</p>
- <p class="verse">Komm, sel&rsquo;ger Tag, mit Deinen gold&rsquo;nen Kronen,</p>
- <p class="verse1">Schütt&rsquo; Deine Himmel in mein glücklich Herz. &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-32" title="Siehst Du, wo im Abendgolde">
-<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Siehst Du, wo im Abendgolde</p>
- <p class="verse1">Feurig dort die Berge glüh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Wo im stillen Aether holde,</p>
- <p class="verse1">Leuchtende Gewölke zieh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Dort liegt der ersehnte Strand,</p>
- <p class="verse">Meiner Liebe Vaterland.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wo auf den fernen Hügeln</p>
- <p class="verse1">Dort ein Traum der Wehmuth liegt,</p>
- <p class="verse">Wo die Taub&rsquo; auf weißen Flügeln</p>
- <p class="verse1">Schwebend sich im Azur wiegt, &ndash;</p>
- <p class="verse">Hinter dem Gebirge weit,</p>
- <p class="verse">Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-33">
-<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a>
-Der Bürgergardist.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Seht dort den Mann mit Waff&rsquo; und Wehr!</p>
- <p class="verse">Er schreitet so männlich und fest einher;</p>
- <p class="verse1">Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm,</p>
- <p class="verse">Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild,</p>
- <p class="verse">Er schaut so ernst, er schaut so mild,</p>
- <p class="verse1">Als trüg&rsquo; er&rsquo;s im Herzen groß und warm.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That</p>
- <p class="verse">So einfach im Schmucke nie einen Soldat?</p>
- <p class="verse1">Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann?</p>
- <p class="verse">&bdquo;Mir blühet ein einfach und schönes Loos,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Still herrscht meine Königin, heilig und groß,</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Ihr gehör&rsquo; ich im Leben und Sterben an.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo liegt das Land Deiner Königin?</p>
- <p class="verse">Hat&rsquo;s viele der Männer von Deinem Sinn?</p>
- <p class="verse1">Stellt&rsquo;s viele Regimenter in&rsquo;s Feld hinaus?</p>
- <p class="verse">&bdquo;Das Land meiner Königin ist nicht weit.</p>
- <p class="verse">&bdquo;D&rsquo;rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a>
- <p class="verse">So ist Deine Königin reich an Gold?</p>
- <p class="verse">Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold?</p>
- <p class="verse1">Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer?</p>
- <p class="verse">&bdquo;Reich ist uns&rsquo;re Königin, reich unser Lohn;</p>
- <p class="verse">&bdquo;Wir stützen als fleißige Bürger den Thron</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht,</p>
- <p class="verse">Wer ist Deine große ausländische Macht?</p>
- <p class="verse1">Nenn mir Deiner Königin heiliges Land.</p>
- <p class="verse">&bdquo;Die Ordnung ist meine Königin,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Für sie geb&rsquo; ich Glück und Leben hin,</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Und das Land ist Dein eig&rsquo;nes Vaterland.&ldquo;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-34">
-<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a>
-Die Natur.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist auch der Mensch voll Tück&rsquo; und Lügen</p>
- <p class="verse1">Ist doch die Erde wunderschön!</p>
- <p class="verse">Und grinst der Haß aus Menschenzügen,</p>
- <p class="verse1">Die Liebe lacht von Thal und Höh&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden,</p>
- <p class="verse1">In dem die Erde grünt und blüht,</p>
- <p class="verse">So fern von allem Schmerz geschieden,</p>
- <p class="verse1">Der in der Brust des Menschen glüht!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine,</p>
- <p class="verse1">Du Zephyr, der die Aeste wiegt,</p>
- <p class="verse">Du Grün der Saat im Abendscheine,</p>
- <p class="verse1">Du Blau, das auf den Bergen liegt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe,</p>
- <p class="verse1">Mit Deinem Frieden Du, Natur,</p>
- <p class="verse">Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe,</p>
- <p class="verse1">Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a>
- <p class="verse">Das Deine schlägt so warm und ewig,</p>
- <p class="verse1">Und seiner Reinheit sich bewußt,</p>
- <p class="verse">Natur, Du heil&rsquo;ge, in Dir leb&rsquo; ich,</p>
- <p class="verse1">Und ruh&rsquo; im Tod&rsquo; an Deiner Brust. &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-35">
-<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a>
-Vaterfreude.<a class="fnote" href="#footnote-7" id="fnote-7">[7]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen!</p>
- <p class="verse1">Juchheisa, mein Bübchen, nun hat&rsquo;s keine Noth!</p>
- <p class="verse">Auf&rsquo;m Ohr die Haube mit rosigem Bändchen,</p>
- <p class="verse1">Vom Trinken die andere Wange roth.</p>
- <p class="verse">Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh,</p>
- <p class="verse">Wenn ich mit Dir tanze und singe so so,</p>
- <p class="verse2">Und erzähl&rsquo; Dir vom Wolf und vom Schaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse2">Und wiege mein <span class="antiqua">Paul</span>&rsquo;chen in Schlaf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Horch, &rsquo;s war &rsquo;mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines,</p>
- <p class="verse1">Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb,</p>
- <p class="verse">Es hatt&rsquo; ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines,</p>
- <p class="verse1">Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb,</p>
- <p class="verse">Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld.</p>
- <p class="verse">Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt!</p>
- <p class="verse2">Papa kennt das Lämmchen gar wohl,</p>
- <p class="verse2">Es ist ja sein lieblicher <span class="antiqua">Paul</span>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a>
- <p class="verse">Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden,</p>
- <p class="verse1">Dann kriegt er &rsquo;nen Säbel, den hängt er sich um,</p>
- <p class="verse">Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden,</p>
- <p class="verse1">Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum!</p>
- <p class="verse">Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot,</p>
- <p class="verse">Dann schießen wir beide den Wolf maustodt,</p>
- <p class="verse2">Und schlafen dann ruhig und wohl,</p>
- <p class="verse2">Nicht wahr Du, mein herziger <span class="antiqua">Paul</span>?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und marschier&rsquo;n, wie die Preußen, durch die Gassen,</p>
- <p class="verse1">Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus?</p>
- <p class="verse">Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen?</p>
- <p class="verse1">Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus.</p>
- <p class="verse">Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Damit der Mama kein Leids mag gescheh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse2">Denn lieb hat Mama Dich, mein <span class="antiqua">Paul</span>,</p>
- <p class="verse2">Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde</p>
- <p class="verse1">In &rsquo;nem großen Wagen in&rsquo;s deutsche Land,</p>
- <p class="verse">Und <span class="antiqua">Paul</span> nimmt den Säbel mit und auch die Flinte,</p>
- <p class="verse1">Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand,</p>
- <p class="verse">Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot,</p>
- <p class="verse">Doch schieß&rsquo; ich die Wölfe, wie Spatzen, todt.</p>
- <p class="verse2">Puff, puff! schießt der liebliche <span class="antiqua">Paul</span>,</p>
- <p class="verse2">Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a>
- <p class="verse">Nun schlafe und träume vom deutschen Lande,</p>
- <p class="verse1">Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf,</p>
- <p class="verse">Und träume vom Säbel mit goldenem Bande,</p>
- <p class="verse1">Und reise und reise im süßesten Schlaf.</p>
- <p class="verse">Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still!</p>
- <p class="verse">Wir schießen so viel, als mein Junge nur will.</p>
- <p class="verse2">Nun schlafe, mein herziger <span class="antiqua">Paul</span>,</p>
- <p class="verse2">Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-36">
-<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a>
-<span class="firstline">Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande,</span><br />
-<em>Großherzogs von Luxemburg</em>.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1840.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter,</p>
- <p class="verse1">Verblüht sind längst die Wälder und die Flur,</p>
- <p class="verse">Und eingesammelt hat die welken Blätter</p>
- <p class="verse1">Und schlafen geht die liebende Natur.</p>
- <p class="verse">Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen,</p>
- <p class="verse1">Da weht ein Frühling, still und ungeschaut,</p>
- <p class="verse">Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen,</p>
- <p class="verse1">In unsern Herzen seine Tempel baut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und dieser Frühling da ist uns&rsquo;re Liebe,</p>
- <p class="verse1">Mit der das Land stolz seinen König nennt,</p>
- <p class="verse">Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe,</p>
- <p class="verse1">Die&rsquo;s jetzt und ewig seinem Herrn bekennt.</p>
- <p class="verse">Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten</p>
- <p class="verse1">Jung, grün und herrlich in dem Lande steht,</p>
- <p class="verse">Und die Er jüngst mit königlichen Worten,</p>
- <p class="verse1">Mir reicher Huld in unser Herz gesä&rsquo;t.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a>
- <p class="verse">Du altes Land, das nach so bitterm Harme</p>
- <p class="verse1">Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt;</p>
- <p class="verse">Du stolze Mutter, die auf Riesenarme</p>
- <p class="verse1">Die Wiege seines Königshauses trägt;</p>
- <p class="verse">Du tapf&rsquo;res Land, das einst so groß gestritten,</p>
- <p class="verse1">Du schönes Land, wo Reb&rsquo; und Aehre blüh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Du treues Land, das einst so viel gelitten,</p>
- <p class="verse1">Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh&rsquo;n?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du Herr der Welten, wollst dem König geben</p>
- <p class="verse1">Den mächt&rsquo;gen Segen Deiner Vaterhand!</p>
- <p class="verse">Du woll&rsquo;st bekleiden Sein geliebtes Leben</p>
- <p class="verse1">Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand,</p>
- <p class="verse">Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen,</p>
- <p class="verse1">Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit,</p>
- <p class="verse">Damit Sein Heil und uns&rsquo;res sich begegnen,</p>
- <p class="verse1">Und wir Dich loben bis in Ewigkeit!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen&rsquo;s</p>
- <p class="verse1">Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus.</p>
- <p class="verse">Frag&rsquo; Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen&rsquo;s</p>
- <p class="verse1">Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus.</p>
- <p class="verse">Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen</p>
- <p class="verse1">Der alten Halle, die uns einst gebar,</p>
- <p class="verse">Des heil&rsquo;gen Hauses, das in mächt&rsquo;gen Stürmen</p>
- <p class="verse1">Die Wohnung Luxemburger Treue war.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a>
- <p class="verse">Dies Haus sind uns&rsquo;re Bräuche, uns&rsquo;re Sitten,</p>
- <p class="verse1">Und jene Einheit, die daraus ersteht;</p>
- <p class="verse">Das ist der Dom, für den wir oft gestritten,</p>
- <p class="verse1">Von dem die Fahne uns&rsquo;res Volkes weht.</p>
- <p class="verse">Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite,</p>
- <p class="verse1">Und daß der schlaue Feind es nie entweiht!</p>
- <p class="verse">Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide,</p>
- <p class="verse1">Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und steht es fest in seinen guten Fugen,</p>
- <p class="verse1">Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein,</p>
- <p class="verse">Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen,</p>
- <p class="verse1">Die uns verbieten, was wir sind, zu sein.</p>
- <p class="verse">Doch, was wir lieben und was uns erkannte,</p>
- <p class="verse1">Das komm&rsquo; herein, dem sei der Weg gebahnt.</p>
- <p class="verse">Willkommen d&rsquo;rum, erhab&rsquo;ner Fürst, im Lande,</p>
- <p class="verse1">Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-37">
-<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a>
-Ludwig Philipp.<a class="fnote" href="#footnote-8" id="fnote-8">[8]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Frieden, um den Preis der Erde Frieden!</p>
- <p class="verse1">Manche Nacht &ndash; Europa ist&rsquo;s bekannt &ndash;</p>
- <p class="verse">Wenn der Schlaf die Millionen Müden</p>
- <p class="verse1">In die Fesseln seiner Macht gebannt,</p>
- <p class="verse">Und die Sterne Frankreichs niederschieden,</p>
- <p class="verse1">Hing die Wage noch in meiner Hand, &ndash;</p>
- <p class="verse">Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle</p>
- <p class="verse">Meines Sohnes Leichnam in die Schale.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Frankreich! siehe jenen Tempel zittern,</p>
- <p class="verse1">Dem ich deine Zukunft anvertrau&rsquo;t!</p>
- <p class="verse">Sieh, wie klagend unter den Gewittern</p>
- <p class="verse1">Von der Zinne hoch der Genius schaut!</p>
- <p class="verse">Muß <em>mein eigner todter Sohn</em> erschüttern,</p>
- <p class="verse1">Was auf <em>deiner Söhne</em> Grab gebaut?</p>
- <p class="verse">Und ein unerklärliches Vergelten</p>
- <p class="verse">Opfern meinen Sohn für deine Helden?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a>
- <p class="verse">Auf dem <em>Pflaster</em>, das in Juliwettern</p>
- <p class="verse1">Du erzürnt zum Thron geschleudert hast,</p>
- <p class="verse"><em>In den Tagen</em>, die wir gern vergöttern,</p>
- <p class="verse1">Und wo deine eig&rsquo;nen Söhn&rsquo; erblaßt,</p>
- <p class="verse">Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern,</p>
- <p class="verse1">Das, wie du, die Despotie gehaßt?</p>
- <p class="verse">Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben,</p>
- <p class="verse">Und es bebt, ich fühl&rsquo;s, mein eig&rsquo;nes Leben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Diesmal hat&rsquo;s getroffen! Unter sieben</p>
- <p class="verse1">Traf nicht Einer das ersehnte Ziel:</p>
- <p class="verse">Meine Brust ist unversehrt geblieben</p>
- <p class="verse1">Bei dem mörderischen Würfelspiel.</p>
- <p class="verse">Gott hab&rsquo; ich&rsquo;s mit Danke zugeschrieben,</p>
- <p class="verse1">Bis das Haupt von meinem Kinde fiel:</p>
- <p class="verse"><em>Da</em> just war der Fleck, <em>da</em> stirbt mein Hoffen!</p>
- <p class="verse">Sieben Kugeln! <em>Diesmal</em> hat&rsquo;s getroffen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fahre wohl denn, du geliebte Leiche,</p>
- <p class="verse1">Bis wir ewig bei einander sind.</p>
- <p class="verse">Auf die Wange, wo vom Todesstreiche</p>
- <p class="verse1">Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, &ndash;</p>
- <p class="verse">Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Dann leb&rsquo; wohl, mein liebes, liebes Kind!</p>
- <p class="verse">O! daß mir des Weinens Tröstung wäre!</p>
- <p class="verse">Gott! ein Königreich für eine Zähre!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a>
- <p class="verse">Ja, ich fühl&rsquo;s an meiner Pulse Schlägen,</p>
- <p class="verse1">Du nimmst meine letzte Kraft dahin.</p>
- <p class="verse">Willenlos auf meinen dunkeln Wegen</p>
- <p class="verse1">Folg&rsquo; ich, wie ein Kind, der Führerin.</p>
- <p class="verse">Ferdinand, ich zittre dir entgegen,</p>
- <p class="verse1">Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn.</p>
- <p class="verse">Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre!</p>
- <p class="verse">O! ein Königreich für eine Zähre!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Frieden, den ich Frankreich oft erhalten,</p>
- <p class="verse1">Meiner eignen Brust versagt ihn Gott.</p>
- <p class="verse">Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten,</p>
- <p class="verse1">Und der Julithron der Welt zum Spott.</p>
- <p class="verse">Neue Kugeln warten auf den Alten,</p>
- <p class="verse1"><em>Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot</em>.</p>
- <p class="verse">Frieden, um den Preis der Erde Frieden!</p>
- <p class="verse">Und der Alte scheidet gern hienieden!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-38">
-<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a>
-Was ist des Deutschen Vaterland?<a class="fnote" href="#footnote-9" id="fnote-9">[9]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie hat das Lied so schön geklungen,</p>
- <p class="verse">Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang,</p>
- <p class="verse">Und das wir Alle mitgesungen</p>
- <p class="verse">Bei drei und dreißig Jahre lang?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Das Lied vorn deutschen Vaterlande,</p>
- <p class="verse">Wo an dem Rhein die Rebe blüht,</p>
- <p class="verse">Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande,</p>
- <p class="verse">Am fernen Belt die Möve zieht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und wo wir mit Vergnügen sehen,</p>
- <p class="verse">Daß alle Länder, groß und klein,</p>
- <p class="verse">Wie sie im Buch bei Deutschland stehen,</p>
- <p class="verse">Das Vaterland des Deutschen sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Der Deutsche Bund &ndash; Gott geb&rsquo; ihm Friede &ndash;</p>
- <p class="verse">Hat immer, seit der Völkerschlacht,</p>
- <p class="verse">Bei diesem geograph&rsquo;schen Liede</p>
- <p class="verse">Ein fürchterlich Gesicht gemacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a>
- <p class="verse1">Und als der Deutsche Bund entschlafen,</p>
- <p class="verse">Wie ist das Lied dahergebraust!</p>
- <p class="verse">Wie ist&rsquo;s den Fürsten und den Grafen</p>
- <p class="verse">Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Boch-Buschmann, unser Deputirte,</p>
- <p class="verse">Sang&rsquo;s oft zu Frankfurt auf der Zeil,</p>
- <p class="verse">Und wenn er jetzt sich nicht genirte,</p>
- <p class="verse">Er säng&rsquo; das Lied noch alleweil.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Gesungen ward&rsquo;s in allen Städten,</p>
- <p class="verse">In allen Gassen ist&rsquo;s erschallt,</p>
- <p class="verse">Auch haben zwischendurch Musketen</p>
- <p class="verse">Als Accompagnement geknallt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wohin ich mocht&rsquo; durch Deutschland wandern,</p>
- <p class="verse">Am Rhein und an der Donau Strand,</p>
- <p class="verse">Hat einer stets gefragt den andern:</p>
- <p class="verse">Was ist des Deutschen Vaterland?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Da sprach an einem schönen Tage</p>
- <p class="verse">Zu Wien Herr Raveaux frank und frei:</p>
- <p class="verse">Daß nunmehr auf die ew&rsquo;ge Frage</p>
- <p class="verse">Die Antwort schon gefunden sei.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a>
- <p class="verse1">Doch dieses war nur eine Flause, &ndash;</p>
- <p class="verse">Noch heute ist es unbekannt,</p>
- <p class="verse">Noch singen sie bei jedem Schmause:</p>
- <p class="verse">Was ist des Deutschen Vaterland?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Arndt saß hernach im Parlamente</p>
- <p class="verse">&ndash; Inzwischen war ergraut sein Haar &ndash;</p>
- <p class="verse">Sein Votum zeigte, daß am Ende</p>
- <p class="verse">Sein Lied auch eine Lüge war.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ja, eine rechte schöne Lüge,</p>
- <p class="verse">Viel schöner als die Verse sind.</p>
- <p class="verse">Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge,</p>
- <p class="verse">Wenn mir die Thrän&rsquo; vom Auge rinnt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-39">
-<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a>
-Blau, weiß, roth.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(Melodie: <span class="antiqua">Les Girondins.</span>)
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gott grüß&rsquo; euch Vaterlandes Farben!</p>
- <p class="verse">Du stolze Fahne, blau, weiß, roth!</p>
- <p class="verse">Für die einst uns&rsquo;re Väter starben,</p>
- <p class="verse">Mit Dir geh&rsquo;n wir in Kampf und Tod.</p>
- <p class="verse">Dreifarbig Band, umschling&rsquo; das Land,</p>
- <p class="verse">Führ&rsquo; uns zum Sieg an Gottes Hand,</p>
- <p class="verse">Zum Sieg oder Tod!</p>
- <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Das Blau bedeutet Treu und Glauben,</p>
- <p class="verse">Treu Gott und unserm Vaterland,</p>
- <p class="verse">Den Ruhm soll keine Macht uns rauben,</p>
- <p class="verse">Wir dulden weder Schimpf noch Schand&rsquo;.</p>
- <p class="verse">O köstlich Gut! o heil&rsquo;ge Glut!</p>
- <p class="verse">Vernichtung der Tyrannenbrut,</p>
- <p class="verse">Uns Sieg oder Tod!</p>
- <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a>
- <p class="verse1">Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit,</p>
- <p class="verse">Drum sei verdammt der Lug und Trug!</p>
- <p class="verse">Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit,</p>
- <p class="verse">Wenn er die Schuld im Herzen trug.</p>
- <p class="verse">Rein sei die Hand zu Gott gewandt,</p>
- <p class="verse">Die Rettung heischt für&rsquo;s Vaterland.</p>
- <p class="verse">Uns Sieg oder Tod!</p>
- <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Blutroth, Du letzte uns&rsquo;rer Farben!</p>
- <p class="verse">Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth,</p>
- <p class="verse">Wie andere litten, wie andere starben,</p>
- <p class="verse">So geh&rsquo;n auch wir in Kampf und Tod.</p>
- <p class="verse">Nimm unser Gut, nimm unser Blut,</p>
- <p class="verse">Nimm&rsquo;s hin, du niederträchtige Brut!</p>
- <p class="verse">Ja, Sieg oder Tod!</p>
- <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß roth!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-40">
-<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a>
-Bei Sebastopol.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1855.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust,</p>
- <p class="verse">Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust,</p>
- <p class="verse1">Der Tod zermalmet die Braven.</p>
- <p class="verse"><span class="antiqua">En avant!</span> Seht, Brüder, die Mine springt,</p>
- <p class="verse"><span class="antiqua">En avant!</span> Vom Malakoffthurme winkt</p>
- <p class="verse1">Die Tricolorfahne der Zuaven.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Die Redouten springen, und roth erglüht</p>
- <p class="verse1">Der Nebel über dem Hafen.</p>
- <p class="verse">Und unten die Stadt ist ein Feuermeer,</p>
- <p class="verse">Und droben steh&rsquo;n auf den Bergen umher</p>
- <p class="verse1">Die Linien, Garden und Zuaven.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da bringen sie eben von Brück&rsquo; zu Brück&rsquo;</p>
- <p class="verse">Die Verwundeten in das Lager zurück,</p>
- <p class="verse1">Die zerstümmelten blutenden Braven,</p>
- <p class="verse">Und vor jeder Bahre, die kommt daher,</p>
- <p class="verse">Präsentiren im Flammenschein das Gewehr</p>
- <p class="verse1">Die Linien, Garden und Zuaven.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a>
- <p class="verse">Da tragen sie einen Sergeant-Major,</p>
- <p class="verse">Der in der Courtine den Arm verlor,</p>
- <p class="verse1">Und den halben Schädel im Graben,</p>
- <p class="verse">Und am Malakoffthurme commandirte er Halt,</p>
- <p class="verse">Und richtet sich aufrecht, die blut&rsquo;ge Gestalt,</p>
- <p class="verse1">Der Sergeant-Major von den Zuaven.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Von der brennenden Stadt der rothe Schein</p>
- <p class="verse">Und das Licht, das die springenden Forts ausspei&rsquo;n,</p>
- <p class="verse1">Beleuchten sein Antlitz erhaben.</p>
- <p class="verse">Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft,</p>
- <p class="verse">Und nimmt zusammen die letzte Kraft,</p>
- <p class="verse1">Der Sergeant-Major von den Zuaven.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Nun fahr&rsquo; ich mit Freud&rsquo; in die and&rsquo;re Welt,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Der Feind entflieht, Sebastopol fällt,</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Im Flammenmeere begraben!</p>
- <p class="verse">&bdquo;Lebt wohl, Cameraden! <span class="antiqua">Vive l&rsquo;Empereur!</span>&ldquo;</p>
- <p class="verse">Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr</p>
- <p class="verse1">Die Linien, Garden und Zuaven.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-41">
-<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a>
-Ferienweihe.
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-41-1">
-I.
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich sitz&rsquo; im Garten, die gold&rsquo;nen Schleier</p>
- <p class="verse">Des Morgens rauschen um mich her,</p>
- <p class="verse">Und Alles prangt in stolzer Feier,</p>
- <p class="verse">Als ob&rsquo;s ein heil&rsquo;ger Sonntag wär&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nichts hör&rsquo; ich hier vom Weltgetriebe,</p>
- <p class="verse">Und hinter&rsquo;n Bäumen liegt die Stadt,</p>
- <p class="verse">Mit ihrem Haß und ihrer Liebe,</p>
- <p class="verse">Und Allem, was sie Schönes hat;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden,</p>
- <p class="verse">Mit ihren Straßen grad&rsquo; und krumm,</p>
- <p class="verse">Mit ihren großen und kleinen Gebäuden &ndash;</p>
- <p class="verse">Und vor Allem mit dem Gymnasium.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und hinter&rsquo;n Bäumen liegt die Stube,</p>
- <p class="verse">Die stille Zeugin meiner Geduld,</p>
- <p class="verse">Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube,</p>
- <p class="verse">Mit dem tintenbefleckten Schreibepult,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a>
- <p class="verse1">Und mit den Prüfungs-Exercitien,</p>
- <p class="verse">Und zumal mit den Büchern rings herum,</p>
- <p class="verse">Den tiefgelehrten und den witz&rsquo;gen</p>
- <p class="verse">Und dem ganzen heiligen Classikerthum.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Dagegen blühen mir hier die Rosen,</p>
- <p class="verse">Und auf jeder strahlt ein Diamant;</p>
- <p class="verse">Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen</p>
- <p class="verse">Und die Trauben an der Raketenwand.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und ein Heer von Astern und Georginen</p>
- <p class="verse">Und die Sonnenblumen stolzen Wink&rsquo;s,</p>
- <p class="verse">Sie grüßen mich mit gnäd&rsquo;gen Mienen,</p>
- <p class="verse">Und die Schwalben pfeifen rechts und links.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben,</p>
- <p class="verse">Sie schießen aus braunen Kisten empor,</p>
- <p class="verse">Und ein freies Bienchen verließ die Waben,</p>
- <p class="verse">Und singt melodisch mir um das Ohr;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt&rsquo; ich</p>
- <p class="verse">Schon, als ich noch ein Knabe war &ndash;</p>
- <p class="verse">Ich glaube, sie machen sich über mich lustig,</p>
- <p class="verse">Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a>
- <p class="verse1">Ach, freilich ist ja der ganze Garten</p>
- <p class="verse">Eine große lebendige Poesie,</p>
- <p class="verse">Und ach, es bleiben die Dichtungsarten</p>
- <p class="verse">Bei der Biene summender Melodie!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Curies! ich habe keine Schule heute:</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rum glaubt&rsquo; ich, daß es Sonntag wär&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Und horch! es bringen fernes Geläute</p>
- <p class="verse">Die Morgenwinde zu mir her.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">So läutet denn, ihr fernen Glocken</p>
- <p class="verse">Mir feierlich meine Ferien ein, &ndash;</p>
- <p class="verse">Dann will ich mit der Biene frohlocken</p>
- <p class="verse">Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-41-2">
-II.
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schwalben und Bienen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Die Biene lebt in engem Kreise,</p>
- <p class="verse">Der Garten nur ist ihre Welt &ndash;</p>
- <p class="verse">Die Schwalben, sie sausen moderner Weise</p>
- <p class="verse">Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a>
- <p class="verse1">Die Schwalbe badet in Wolkenlüften</p>
- <p class="verse">Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl &ndash;</p>
- <p class="verse">Die Biene badet in Rosendüften</p>
- <p class="verse">Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Verleb&rsquo; ich die Ferien in Schwalbenweise?</p>
- <p class="verse">Versumm&rsquo; ich sie einsam in Bienenmanier?</p>
- <p class="verse">Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise!</p>
- <p class="verse">Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-41-3">
-III.
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Schwalben Spott.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wohl denn! rief auf diese Begrüßung</p>
- <p class="verse1">Spottend die Schwalbe:</p>
- <p class="verse">Herr Professor, Ihre Entschließung</p>
- <p class="verse1">Ist nur &rsquo;ne halbe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Während Sie so mit der Biene summen,</p>
- <p class="verse1">Welken die Blüthen,</p>
- <p class="verse">Und wenn Sie wieder in der Schule brummen,</p>
- <p class="verse1">Sind wir im Süden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a>
- <p class="verse">Während Sie zur Verzweiflung bringt das</p>
- <p class="verse1">Schneegewimmel,</p>
- <p class="verse">Lacht mir &ndash; und wie anders klingt das! &ndash;</p>
- <p class="verse1">Blau der Himmel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen,</p>
- <p class="verse1">Seh&rsquo; ich erstarren,</p>
- <p class="verse">Während der Sonne warme Strahlen</p>
- <p class="verse1">Meiner harren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben?</p>
- <p class="verse1">Und nach Algirien?</p>
- <p class="verse">Bis die Gärten wieder Blüthen haben,</p>
- <p class="verse1">Sind wir die Ihrigen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-42">
-<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a>
-Von der Luxemburger Mosel.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Eile durch die Blumenauen,</p>
- <p class="verse">Holde Mosel, nach dem Rhein,</p>
- <p class="verse">Laß mir meine deutschen Gauen</p>
- <p class="verse">Tausendmal gegrüßet sein!</p>
- <p class="verse">Trage mit dreifarb&rsquo;ger Fahne</p>
- <p class="verse">Meiner Sehnsucht Schifflein fort,</p>
- <p class="verse">Sei behutsam mit dem Kahne,</p>
- <p class="verse">Bring&rsquo; mir ihn zu sicherm Port!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen!</p>
- <p class="verse">Seid <em>noch nicht</em> im deutschen Land,</p>
- <p class="verse">Wenn man&rsquo;s euch auch vorgelogen &ndash;</p>
- <p class="verse">Längst zerrissen ist das Band.</p>
- <p class="verse">Glaubt es nicht dem Klang der Zungen,</p>
- <p class="verse">Der da rechts und links erklingt,</p>
- <p class="verse">Nicht dem Lied des Fischerjungen,</p>
- <p class="verse">Der am Ufer drüben singt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a>
- <p class="verse1">Glaubt es nicht der deutschen Hütte,</p>
- <p class="verse">Die im Dorfe drüben steht;</p>
- <p class="verse">Glaubt es nicht der deutschen Sitte,</p>
- <p class="verse">Die in ihren Mauern weht;</p>
- <p class="verse">Dürft&rsquo;s auch nicht den deutschen Trauben,</p>
- <p class="verse">Nicht einmal dem Bettlerkind,</p>
- <p class="verse">Noch dem Meilenzeiger glauben,</p>
- <p class="verse">Daß wir hier in Deutschland sind.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen,</p>
- <p class="verse">Thut&rsquo;s dem Vater Rheine kund,</p>
- <p class="verse">Was sie hier euch vorgelogen:</p>
- <p class="verse">Hat geträumt dem Deutschen Bund,</p>
- <p class="verse">Und im Schlaf, &ndash; daß Gott erbarme! &ndash;</p>
- <p class="verse">Stahlen sie ihm Land und Leut&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Und Franzosen sind wir heut&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Will es nicht gerad&rsquo; verdammen:</p>
- <p class="verse">Wer sein Kind von Haus&rsquo; entfernt,</p>
- <p class="verse">Gibt&rsquo;s hinaus zu welschen Ammen,</p>
- <p class="verse">Daß der Bub&rsquo; französisch lernt. &ndash;</p>
- <p class="verse">Aber daß das Kind, das deutsche,</p>
- <p class="verse">Man zu Schimpf und Spott verkehrt,</p>
- <p class="verse">Daß man&rsquo;s die Beamtenpeitsche</p>
- <p class="verse">Auf französisch tragen lehrt! &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a>
- <p class="verse1">Das in wilden Wellenschlägen,</p>
- <p class="verse">Das erzählt dem deutschen Land,</p>
- <p class="verse">Macht&rsquo;s von Vaterlandes wegen</p>
- <p class="verse">An dem ganzen Rhein bekannt!</p>
- <p class="verse">Und vergeßt mir nicht das eine:</p>
- <p class="verse">Meiner wärmsten Liebe Kahn,</p>
- <p class="verse">Legt mir ihn am schönen Rheine</p>
- <p class="verse">Bei dem schönsten Ufer an.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-43" title="Es lag mir schon sehr lange nah'">
-<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es lag mir schon sehr lange nah&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Der Welt eins aufzuspielen</p>
- <p class="verse">Von jener Himmelsmusica,</p>
- <p class="verse">Die ich wohl hört&rsquo;, doch nimmer sah,</p>
- <p class="verse">Und die die lieben Engelein</p>
- <p class="verse">An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein,</p>
- <p class="verse">In meinem Herzen singen. &ndash;</p>
- <p class="verse">Nun mein&rsquo; ich wohl, ich hätt&rsquo;s gethan,</p>
- <p class="verse">Erhalt auch Lob von Vielen,</p>
- <p class="verse">Doch hör&rsquo; ich&rsquo;s recht genau mir an,</p>
- <p class="verse">So klingt&rsquo;s doch nimmermehr, nein, nein,</p>
- <p class="verse">Doch nimmer, wie die Engelein</p>
- <p class="verse">In meinem Herzen singen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-44">
-<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a>
-Die Fische.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In einer Kugel von Krystall</p>
- <p class="verse">Zwei gold&rsquo;ne Fischlein wohnten,</p>
- <p class="verse">Die theilten ihre Schmerzen all</p>
- <p class="verse">Seit vielen vielen Monden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Doch war dem kleinen gold&rsquo;nen Paar</p>
- <p class="verse">Der Käfig nicht zum Leide,</p>
- <p class="verse">Denn weil so eins beim andern war,</p>
- <p class="verse">War&rsquo;s eine Welt für beide.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und weil Gelübd&rsquo; und frommer Schwur</p>
- <p class="verse">Die kleinen Zungen banden,</p>
- <p class="verse">So haben, Aug&rsquo; in Auge nur,</p>
- <p class="verse">Die Fischlein sich verstanden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und grüßte draußen froh und laut</p>
- <p class="verse">Das Vöglein in den Zweigen,</p>
- <p class="verse">Hat eins das and&rsquo;re angeschaut</p>
- <p class="verse">Mit wehmuthsvollem Schweigen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a>
- <p class="verse1">Und schienen in&rsquo;s Krystall hinein</p>
- <p class="verse">Der Abendröthe Strahlen,</p>
- <p class="verse">That sich der Liebe heller Schein</p>
- <p class="verse">In Fischleins Auge malen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sie träumten wohl von Meeresgrund,</p>
- <p class="verse">Von ferner Wogen Schäumen,</p>
- <p class="verse">Doch keines that dem andern kund</p>
- <p class="verse">Sein Lieben und sein Träumen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und weil nun eins mit so viel Schmerz</p>
- <p class="verse">Um&rsquo;s and&rsquo;re hat geworben,</p>
- <p class="verse">Da ist gebrochen Fischleins Herz,</p>
- <p class="verse">Und Fischlein ist gestorben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und weil&rsquo;s mit Sprache nicht begabt,</p>
- <p class="verse">Muß still das and&rsquo;re klagen:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Ich hab&rsquo; Dich doch so lieb gehabt,</p>
- <p class="verse">Und konnt&rsquo;s Dir doch nicht sagen.&ldquo;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-45">
-<a id="page-105" class="pagenum" title="105"></a>
-Morgenlied von dem Schäfchen.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Der Vater hüt&rsquo;t die Schaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Die Mutter schüttelt&rsquo;s Bäumelein,</p>
- <p class="verse">Da fällt herab ein Träumelein &ndash;</p>
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Am Himmel zieh&rsquo;n die Schaf&rsquo;:</p>
- <p class="verse">Die Sternlein sind die Lämmelein,</p>
- <p class="verse">Der Mond, der ist das Schäferlein &ndash;</p>
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Christkindlein hat ein Schaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Ist selbst das liebe Gotteslamm,</p>
- <p class="verse">Das um uns all&rsquo; zu Tode kam &ndash;</p>
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-106" class="pagenum" title="106"></a>
- <p class="verse1">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">So schenk ich Dir ein Schaf&rsquo;</p>
- <p class="verse">Mit einer goldnen Schelle fein,</p>
- <p class="verse">Das soll Dein Spielgeselle sein &ndash;</p>
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Und blöck&rsquo; nicht wie ein Schaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Sonst kommt des Schäfers Hündelein</p>
- <p class="verse">Und beißt mein böses Kindelein &ndash;</p>
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;.</p>
- <p class="verse">Geh&rsquo; fort und hüt&rsquo; die Schaf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Geh&rsquo; fort, du schwarzes Hündelein,</p>
- <p class="verse">Und weck&rsquo; mir nicht mein Kindelein!</p>
- <p class="verse">Schlaf&rsquo;, Kindlein, schlaf&rsquo;.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-46">
-<a id="page-107" class="pagenum" title="107"></a>
-Maria und der Doctor.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es ist Nacht. Die düst&rsquo;re Lampe scheint;</p>
- <p class="verse">Am Bettchen sitzet die Mutter und weint,</p>
- <p class="verse">Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind,</p>
- <p class="verse">Und im Bettchen liegt das kranke Kind,</p>
- <p class="verse">Und erzählt im Fieberbrande</p>
- <p class="verse">Vom Engel im weißen Gewande.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und die Mutter ringt sich die Hände wund:</p>
- <p class="verse">Mach&rsquo; heil&rsquo;ge Maria mein Kind gesund;</p>
- <p class="verse">Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind,</p>
- <p class="verse">Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind.</p>
- <p class="verse">Ich bau&rsquo; auf Deinen Namen,</p>
- <p class="verse">So ist es gewißlich, Amen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kaum naht der Tag im Dämmerschein,</p>
- <p class="verse">Da trat der gelehrte Doctor herein.</p>
- <p class="verse">Der prüfet das Kind allüberall,</p>
- <p class="verse">Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall,</p>
- <p class="verse">Den ich nimmer in Praxi erlebt.</p>
- <p class="verse">Und verschreibt ein großes Recept.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-108" class="pagenum" title="108"></a>
- <p class="verse">D&rsquo;rauf standen allerhand Sprüchelein</p>
- <p class="verse">In Zeichen und Wörtern in Latein;</p>
- <p class="verse">Der Apotheker hat d&rsquo;rüber zwei Stunden geschwitzt,</p>
- <p class="verse">Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt.</p>
- <p class="verse">Sogleich hat der Trank das Leben</p>
- <p class="verse">Dem Kinde zurückgegeben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Mutter in freud&rsquo;gem Herzensdrang</p>
- <p class="verse">Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang,</p>
- <p class="verse">Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut,</p>
- <p class="verse">Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut;</p>
- <p class="verse">Der Himmel in höheren Welten,</p>
- <p class="verse">Der mög&rsquo; es euch reichlich vergelten!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn,</p>
- <p class="verse">Entläßt die Mutter mit frohem Sinn.</p>
- <p class="verse">Die aber hurtig schließet sich ein</p>
- <p class="verse">In&rsquo;s heimliche Krankenkämmerlein,</p>
- <p class="verse">Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen</p>
- <p class="verse">Auf die Knie beim Bette des Kleinen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es ist Nacht, und die düst&rsquo;re Lampe scheint,</p>
- <p class="verse">Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint.</p>
- <p class="verse">Warum weinst du Mutter noch himmelwärts,</p>
- <p class="verse">Der Doctor hat ja getröstet dein Herz?</p>
- <p class="verse">Doch nein, ich will dich nicht fragen:</p>
- <p class="verse">Nicht alle Dinge lassen sich sagen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-47">
-<a id="page-109" class="pagenum" title="109"></a>
-Des armen Kindes heiliger Christ.<a class="fnote" href="#footnote-10" id="fnote-10">[10]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Nacht war kalt und schaurig &ndash;</p>
- <p class="verse">Du arme kleine Marie!</p>
- <p class="verse">Sie wandert&rsquo; allein und traurig,</p>
- <p class="verse">Und haucht&rsquo; in die Händchen und schrie.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und sinket ermattet nieder,</p>
- <p class="verse">Vom Froste starret das Blut.</p>
- <p class="verse">&bdquo;O könnt&rsquo; ich die bebenden Glieder</p>
- <p class="verse">Beleben in wärmender Gluth!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wie blinket das schöne Gebäude,</p>
- <p class="verse">Erleuchtet vom Kerzenschein!</p>
- <p class="verse">Da kehrte mit köstlicher Freude</p>
- <p class="verse">Der heilige Christ wohl ein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Er kam aus dem Feenlande,</p>
- <p class="verse">Mit goldener Kron&rsquo; im Haar,</p>
- <p class="verse">Im prächtigen Purpurgewande,</p>
- <p class="verse">So herrlich und wunderbar.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-110" class="pagenum" title="110"></a>
- <p class="verse1">Und bracht&rsquo; ein flimmerndes Bäumchen,</p>
- <p class="verse">Und Aepfel und Nüsse daran.</p>
- <p class="verse">Ach! wer doch beim flimmernden Bäumchen</p>
- <p class="verse">Heut&rsquo; Abend sich freuen kann!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nichts bracht&rsquo; er mir, nichts mir Armen!</p>
- <p class="verse">Wie stürmet der brausende Wind!</p>
- <p class="verse">Ach, wer, wer hat doch Erbarmen</p>
- <p class="verse">Mit dem armen Bettlerkind?&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und wie sie die müden Glieder</p>
- <p class="verse">Nun ruhet auf kaltem Stein,</p>
- <p class="verse">Und senket die Augenlieder,</p>
- <p class="verse">Und schlummert ermattet ein:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Da kam er zu ihr im Traume,</p>
- <p class="verse">Mit goldener Kron&rsquo; im Haar,</p>
- <p class="verse">Im Kleide mit purpurnem Saume,</p>
- <p class="verse">So herrlich und wunderbar.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und schüttete köstliche Gaben,</p>
- <p class="verse">Und goldene Früchte aus:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Das Alles, Marie, sollst Du haben,</p>
- <p class="verse">Willst Du mit mir geh&rsquo;n in mein Haus.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-111" class="pagenum" title="111"></a>
- <p class="verse1">Ich geb&rsquo; auch ein Bäumchen mit vielen</p>
- <p class="verse">Hell flimmernden Lichtern Dir,</p>
- <p class="verse">Und die Engel soll&rsquo;n mit Dir spielen,</p>
- <p class="verse">Komm, liebliches Kind, mit mir.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Da that das Kind Millionen</p>
- <p class="verse">Hell leuchtender Lichtchen seh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und es denkt, dort muß er wohnen!</p>
- <p class="verse">Und es will mit dem Christe geh&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Und als nun die goldene Frühe</p>
- <p class="verse">Verscheuchet die schaurige Nacht,</p>
- <p class="verse">Da ist die kleine Marie</p>
- <p class="verse">Nicht wieder aufgewacht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-48">
-<a id="page-112" class="pagenum" title="112"></a>
-Des Schweizers Heimweh.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ewig Bangen, ewig Sehnen</p>
- <p class="verse1">Nach dem theuren Vaterland,</p>
- <p class="verse">Nie das Auge ohne Thränen</p>
- <p class="verse1">Nach der Ferne hingewandt,</p>
- <p class="verse">O wer kühlt mein Gluthverlangen,</p>
- <p class="verse">Wer mein Sehnen, wer mein Bangen,</p>
- <p class="verse1">Ach, mit jedem Morgen neu!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bei des Tages erstem Schimmer,</p>
- <p class="verse1">Bei der Sonne erstem Blick,</p>
- <p class="verse">Freud&rsquo; und Leben kehrt doch nimmer</p>
- <p class="verse1">In des Schweizers Brust zurück;</p>
- <p class="verse">Heerden blöcken, Glöcklein klingen,</p>
- <p class="verse">Vöglein, die im Walde singen,</p>
- <p class="verse1">Ach, sie können fröhlich sein!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo die Alpenröschen blühen,</p>
- <p class="verse1">Wo am Morgen, herrlich groß,</p>
- <p class="verse">Schreckhorn und die Jungfrau glühen,</p>
- <p class="verse1">Ach! der Heimath stillen Schooß,</p>
- <p class="verse">Könnt&rsquo; ich euch, geliebte Höhen,</p>
- <p class="verse">Nur noch einmal wiedersehen,</p>
- <p class="verse1">Eh&rsquo; das arme Herz mir bricht!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-113" class="pagenum" title="113"></a>
- <p class="verse">Wo der Aar in reinen Lüften</p>
- <p class="verse1">Kühner seine Schwingen hebt,</p>
- <p class="verse">Ueber bodenlosen Klüften</p>
- <p class="verse1">Ungewohnt der Wandrer bebt,</p>
- <p class="verse">Wo von friedlich stillen Matten,</p>
- <p class="verse">Bei des Abends kühlen Schatten,</p>
- <p class="verse1">Läutend Heerden heimwärts zieh&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn am Abend es sich röthet,</p>
- <p class="verse1">Und im still geword&rsquo;nen Hain</p>
- <p class="verse">Nur die Nachtigall noch flötet,</p>
- <p class="verse1">O wie bin ich dann allein!</p>
- <p class="verse">Hör&rsquo; ich ihre sanften Lieder,</p>
- <p class="verse">Kehret meine Sehnsucht wieder</p>
- <p class="verse1">Und das Herz will mir vergeh&rsquo;n.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen,</p>
- <p class="verse1">Vaterland! Du bist gemeint,</p>
- <p class="verse">Land, wo die Schalmeien tönen,</p>
- <p class="verse1">Wo mein Liesli um mich weint,</p>
- <p class="verse">Du mein Thal, geliebte Höhen,</p>
- <p class="verse">Könnt&rsquo; ich euch noch einmal sehen,</p>
- <p class="verse1">Eh&rsquo; das arme Herz mir bricht!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-49">
-<a id="page-114" class="pagenum" title="114"></a>
-Der Morgen im Garten.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer</p>
- <p class="verse1">Die Blumen blüh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">So sah ich nie im Rosenschimmer</p>
- <p class="verse1">Den Garten glüh&rsquo;n!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie jubelt&rsquo;s in den blauen Lüften!</p>
- <p class="verse1">Der Freude Hauch,</p>
- <p class="verse">Er weht in tausend Balsamdüften</p>
- <p class="verse1">Vom Blüthenstrauch.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wohl saß ich oft in jener Hütte;</p>
- <p class="verse1">Wenngleich allein,</p>
- <p class="verse">Konnt&rsquo; ich in meiner Blumen Mitte</p>
- <p class="verse1">So glücklich sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und was des Abends stille Feier</p>
- <p class="verse1">Zum Herzen sprach,</p>
- <p class="verse">Wehmüthig tönte meine Leier</p>
- <p class="verse1">Das Echo nach.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-115" class="pagenum" title="115"></a>
- <p class="verse">Jetzt weint die Seele vor Entzücken,</p>
- <p class="verse1">Zum Himmel steigt</p>
- <p class="verse">Sie mit der Rührung feuchten Blicken,</p>
- <p class="verse1">Die Lyra schweigt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O gold&rsquo;ner Morgen, Blick der Liebe</p>
- <p class="verse1">Im Lenzgewand,</p>
- <p class="verse">Vom Auge ew&rsquo;ger Huld und Güte</p>
- <p class="verse1">Herabgesandt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie will der Sterbliche Dich singen,</p>
- <p class="verse1">Der betend kniet?</p>
- <p class="verse">Wenn Weltenharmonie&rsquo;n erklingen,</p>
- <p class="verse1">Dann schweigt mein Lied!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-50">
-<a id="page-116" class="pagenum" title="116"></a>
-Am Abend.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Senke Deine gold&rsquo;nen Flügel,</p>
- <p class="verse1">Holder Abend Du,</p>
- <p class="verse">Send&rsquo; auf Fluren und auf Hügel</p>
- <p class="verse1">Stille süße Ruh&rsquo;!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Milden Trost auf herbe Thränen,</p>
- <p class="verse1">Guter Genius;</p>
- <p class="verse">Schlägt mein Herz in bangem Sehnen,</p>
- <p class="verse1">Deinen Friedenskuß!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Alles ruht in Wonneträumen,</p>
- <p class="verse1">Jedes Auge blickt</p>
- <p class="verse">Dankbar zu des Himmels Räumen,</p>
- <p class="verse1">Der den Frieden schickt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hüll&rsquo; auch mich in Deinen Schleier,</p>
- <p class="verse1">Seel&rsquo;ger Abend ein,</p>
- <p class="verse">Laß auch mich von Deiner Feier</p>
- <p class="verse1">Still gegrüßet sein!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-117" class="pagenum" title="117"></a>
- <p class="verse">Dann bring&rsquo; ich Dir meine Gabe,</p>
- <p class="verse1">Tief von Dank durchglüht,</p>
- <p class="verse">Bringe freudig, was ich habe,</p>
- <p class="verse1">Dir ein sanftes Lied.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-51">
-<a id="page-118" class="pagenum" title="118"></a>
-<span class="firstline">Nach Durchlesung</span><br />
-<em>des vom Herrn Bischof zu Chersones
-und apostolischen Vikar,
-Johann Theodor Laurent,
-bei seinem Amtsantritte in Luxemburg
-erlassenen Hirtenbriefes.</em>
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1842.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was fühl&rsquo; ich leis&rsquo; in meiner Seele beben?</p>
- <p class="verse1">Ist&rsquo;s Deines Briefes kräft&rsquo;ger Redefluß?</p>
- <p class="verse">Ist&rsquo;s Deiner Worte prächt&rsquo;ges Bilderleben?</p>
- <p class="verse1">Der Sprache, meiner liebsten, eh&rsquo;rner Guß?</p>
- <p class="verse">Ist&rsquo;s die Bewund&rsquo;rung, die ich Deinem Streben?</p>
- <p class="verse1">Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß?</p>
- <p class="verse">Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen,</p>
- <p class="verse">Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten,</p>
- <p class="verse1">Dem Himmel nahe, und die Seele frei,</p>
- <p class="verse">So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten,</p>
- <p class="verse1">Und fernhin klingt die liebliche Schalmei.</p>
-<a id="page-119" class="pagenum" title="119"></a>
- <p class="verse">Da kommen, die sich früh verloren hatten,</p>
- <p class="verse1">Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei.</p>
- <p class="verse">Das sind die Töne, jene freien, süßen,</p>
- <p class="verse">Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Als ich ihn las, da glaubt&rsquo; ich weh&rsquo;n zu hören,</p>
- <p class="verse1">Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt,</p>
- <p class="verse">Den ächten Geist, der wie mit Engelchören</p>
- <p class="verse1">Durch jedes Deiner frommen Worte klingt,</p>
- <p class="verse">Den Silberquell, der aus den gold&rsquo;nen Röhren</p>
- <p class="verse1">Melodisch in das ew&rsquo;ge Leben springt<a class="fnote" href="#footnote-11" id="fnote-11">[11]</a>, &ndash;</p>
- <p class="verse">Des Hirten Töne, die zu heil&rsquo;gen Stufen</p>
- <p class="verse">Verirrte Kinder seiner Heerde rufen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen?</p>
- <p class="verse1">Kann ich verleugnen, was in&rsquo;s Herz mir tief</p>
- <p class="verse">Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen,</p>
- <p class="verse1">Einst an dem heil&rsquo;gen Ostertage rief?</p>
- <p class="verse">Und was mit ew&rsquo;gem Heile mich zu krönen,</p>
- <p class="verse1">Mich auferweckte, als mein Leben schlief?</p>
- <p class="verse">Nun ich die Töne hab&rsquo; von Dir vernommen,</p>
- <p class="verse">Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-52">
-<a id="page-120" class="pagenum" title="120"></a>
-Der Katholik.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich bin ein wahrer Katholik,</p>
- <p class="verse">Ich sag&rsquo; es frei mit kühnem Blick,</p>
- <p class="verse">Ich bin&rsquo;s nicht blos im Gotteshaus,</p>
- <p class="verse">Ich bin es auch im Weltgebraus&rsquo;;</p>
- <p class="verse">Ich leugn&rsquo; es nie und nimmermehr,</p>
- <p class="verse">Und wär&rsquo; der Teufel hinterher:</p>
- <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p>
- <p class="verse">Zum Lügen hab&rsquo; ich kein Geschick;</p>
- <p class="verse">Bin ich im Gotteshaus gekniet,</p>
- <p class="verse">Was kümmert&rsquo;s mich, ob&rsquo;s einer sieht;</p>
- <p class="verse">Schwätz&rsquo; ich nicht Jedem nach dem Bart,</p>
- <p class="verse">Was thut&rsquo;s? Ist Katholikenart:</p>
- <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rauf thu&rsquo; ich mir von Herzen dick;</p>
- <p class="verse">Der Priester hat&rsquo;s mich früh gelehrt:</p>
- <p class="verse">Daß sich im Sturm der Christ bewährt,</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rum, tret&rsquo; ich aus dem Gotteshaus,</p>
- <p class="verse">Dann ford&rsquo;r&rsquo; ich kühn die Welt heraus:</p>
- <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-121" class="pagenum" title="121"></a>
- <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik</p>
- <p class="verse">In Freud&rsquo; und Leid, in Schmerz und Glück,</p>
- <p class="verse">Ich bin&rsquo;s im Friede und im Streit;</p>
- <p class="verse">Und wenn der Teufel Feuer speit,</p>
- <p class="verse">Und wenn die Welt in Trümmer bricht &ndash;</p>
- <p class="verse">Ich wanke nicht und weiche nicht:</p>
- <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p>
- <p class="verse">Nicht blos für einen Augenblick;</p>
- <p class="verse">Es geh&rsquo; uns gut, es geh&rsquo; uns schlecht,</p>
- <p class="verse">Ich halte bei katholisch Recht;</p>
- <p class="verse">Sag&rsquo;s jedem Heuchler in&rsquo;s Gesicht,</p>
- <p class="verse">Ein Sohn der Kirche bist du nicht:</p>
- <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p>
- <p class="verse">Ich bin kein eigennütz&rsquo;ger Strick,</p>
- <p class="verse">Der, wenn der Wind von Norden weht,</p>
- <p class="verse">Für Gott und seine Kirche steht,</p>
- <p class="verse">Doch wenn der Wind von Süden bläst,</p>
- <p class="verse">Gott und die Kirch&rsquo; im Stiche läßt:</p>
- <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-53">
-<a id="page-122" class="pagenum" title="122"></a>
-In einer protestantischen Kirche.<a class="fnote" href="#footnote-12" id="fnote-12">[12]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(Bruchstück aus einem ungedruckten Drama: &bdquo;Der Katholik&ldquo;.)
-</p>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sieh Vater, offen ist die Thüre, laß</p>
- <p class="verse">Zum erstenmal mich eine Kirche sehen.</p>
- <p class="verse">Wie herrlich muß es sein in Gottes Hause!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="d">
-(Sie treten ein.)
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort</p>
- <p class="verse">Sich wölben und sich himmelaufwärts heben!</p>
- <p class="verse">Sieh, wie die riesig großen Pfeiler streben.</p>
- <p class="verse">Man sieht wohl gleich, daß hier ein heil&rsquo;ger Ort.</p>
- <p class="verse">&rsquo;s ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen.</p>
- <p class="verse">Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">O, das Gebäude ist schon alt, mein Sohn!</p>
- <p class="verse">In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren,</p>
- <p class="verse">Als überall noch Aberglauben herrschte,</p>
- <p class="verse">Und alle Leute noch katholisch waren.</p>
-<a id="page-123" class="pagenum" title="123"></a>
- <p class="verse">Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden,</p>
- <p class="verse">Das sie &bdquo;zu Uns&rsquo;rer Lieben Frauen&ldquo; nannten.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Da waren&rsquo;s wohl die Heiden, die&rsquo;s gebaut?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nein, Katholiken haben&rsquo;s aufgeführt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Hu, Katholiken! Später, wie ich denke,</p>
- <p class="verse">Erhielten wir&rsquo;s von denen zum Geschenke?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nein, Kind, wir haben&rsquo;s ihnen weggenommen.</p>
- <p class="verse">So ist die Kirche nun auf uns gekommen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Oh! und wer ist denn Uns&rsquo;re Liebe Frau?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Das ist die heilige Maria, Kind,</p>
- <p class="verse">Die Jesum Christum unsern Herrn geboren.</p>
- <p class="verse">Die Katholiken glaubten auch an <em>die</em>,</p>
- <p class="verse">Und warfen sich vor ihrem Bild&rsquo; auf&rsquo;s Knie.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Maria? Ei so hieß auch meine Mutter,</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rum war sie auch so eine liebe Frau,</p>
- <p class="verse">Wie ich&rsquo;s noch heut&rsquo; in ihrem Bilde schau&rsquo;.</p>
- <p class="verse">Sie hatte mich so lieb, sie war so milde,</p>
-<a id="page-124" class="pagenum" title="124"></a>
- <p class="verse">Und d&rsquo;rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde</p>
- <p class="verse">Oft selbst geweint und auf den Knie&rsquo;n gelegen.</p>
- <p class="verse">Doch was mir, Vater, nicht gefällt, das ist,</p>
- <p class="verse">Daß hier kein Schmuck und keine Bilder sind.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wir sind ja keine Katholiken, Kind!</p>
- <p class="verse">Wir beten nur zu unserm Gott allein,</p>
- <p class="verse">Zu keinem Bild, das würde Sünde sein.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Es wär&rsquo; auch gar zu dumm, zu Bildern beten,</p>
- <p class="verse">Ein Bild kann ja nicht hören und nicht reden.</p>
- <p class="verse">Und dennoch ist&rsquo;s so schön in deiner Stube,</p>
- <p class="verse">Wo du die hohen Gäste gern empfängst,</p>
- <p class="verse">Auch einsam wohl an meine Mutter denkst.</p>
- <p class="verse">Ich weiß, obgleich ich noch ein kleiner Bube,</p>
- <p class="verse">Daß mir&rsquo;s einmal gelang, hinein zu schauen.</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rin hängen Bilder, viel, mit gold&rsquo;nen Rahmen.</p>
- <p class="verse">Auch sah ich d&rsquo;rinnen Uns&rsquo;re Liebe Frauen,</p>
- <p class="verse">Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen.</p>
- <p class="verse">Von allen Häusern hätt&rsquo; ich auf der Welt</p>
- <p class="verse">Mir Gottes Haus am schönsten vorgestellt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Du mußt nicht denken, daß hier Gottes Wohnung.</p>
- <p class="verse">Gott ist an jedem Orte, kein Revier,</p>
- <p class="verse">Kein Raum und keine Mauer schließt ihn ein.</p>
- <p class="verse">Er ist sowohl in meiner Stub&rsquo; als hier.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-<a id="page-125" class="pagenum" title="125"></a>
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wenn ich Gott wär&rsquo;, ich wär&rsquo; am liebsten hier,</p>
- <p class="verse">Und prächtig schmücken ließ&rsquo; ich Alles mir.</p>
- <p class="verse">Weißt du noch Vater, als du meiner Mutter</p>
- <p class="verse">Die schöne neue Laub&rsquo; im Garten bautest,</p>
- <p class="verse">Die wir so gern nach ihrem Namen nennen,</p>
- <p class="verse">Und die ihr so gefiel, weil du sie <em>ihr</em></p>
- <p class="verse">Gewidmet und geschmückt; wo sie am liebsten</p>
- <p class="verse">An jedem Abend mit uns Kindern weilte?</p>
- <p class="verse">Da weilst du auch nun stets am liebsten, da,</p>
- <p class="verse">So sagst du, ist sie dir noch immer nah.</p>
- <p class="verse">Ja, wenn ich Gott wär&rsquo;, unter allen Zonen</p>
- <p class="verse">Thät&rsquo; ich am liebsten in der Kirche wohnen.</p>
- <p class="verse">Da müßten an der Wand und in den Gängen,</p>
- <p class="verse">Wie bei&rsquo;m Papa, die schönsten Bilder hängen,</p>
- <p class="verse">Und meine Mutter müßte bei mir sein.</p>
- <p class="verse1">Doch was bedeutet das Gefäß von Stein,</p>
- <p class="verse">Dicht bei der Thüre zierlich eingemauert?</p>
- <p class="verse">Ein Becken scheint&rsquo;s, um Wasser zu bewahren,</p>
- <p class="verse">Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren,</p>
- <p class="verse">Denn siehe, einsam haben Spinnen oben</p>
- <p class="verse">Die grauen Schleier d&rsquo;rüber her gewoben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">&rsquo;s ist ein Gefäß, aus dem sie Wasser nahmen,</p>
- <p class="verse">Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen,</p>
- <p class="verse">In Vaters, Sohns und heil&rsquo;gen Geistes Namen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-<a id="page-126" class="pagenum" title="126"></a>
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Warum?</p>
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-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Ich weiß nicht, &rsquo;s war so hergebracht,</p>
- <p class="verse">Und darum haben wir&rsquo;s nicht nachgemacht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sieh, Vater, hier das große Eisengitter,</p>
- <p class="verse">Dahinter seh&rsquo; ich der Verwüstung Spuren,</p>
- <p class="verse">Und Mörtel, Steine, Bretter und Figuren,</p>
- <p class="verse">Im Wirrwarr liegt&rsquo;s vergessen und verlassen.</p>
- <p class="verse">Unheimlich dämmrig ist&rsquo;s an diesem Orte,</p>
- <p class="verse">Wär&rsquo; ich allein, mich würde Furcht erfassen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Mein Kind, da stand der alte Hochaltar,</p>
- <p class="verse">Nebst Tabernakel, wie&rsquo;s gebräuchlich war.</p>
- <p class="verse">Auf eines Heil&rsquo;gen Grab ein großer Stein,</p>
- <p class="verse">Geweiht zum Dienst des heil&rsquo;gen Opfers ein.</p>
- <p class="verse">Mit Blumen reich geschmückt von frommen Händen,</p>
- <p class="verse">Und Bildern, Crucifix und Ornamenten;</p>
- <p class="verse">Im gold&rsquo;nen Meßgewand und Cingulum</p>
- <p class="verse">Beging der Priester das Mysterium,</p>
- <p class="verse">Und Alles büßend sich zur Erde neigte,</p>
- <p class="verse">Wenn er die Hostie dem Volke zeigte.</p>
- <p class="verse">Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen,</p>
- <p class="verse">Ein traurig Denkmal aus vergang&rsquo;nen Tagen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-<a id="page-127" class="pagenum" title="127"></a>
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Sieh, ein zerschlag&rsquo;ner Arm ist noch zu schauen,</p>
- <p class="verse">Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand.</p>
- <p class="verse">Wer that das, Vater? Immer sagtest du,</p>
- <p class="verse">Altäre seien heilig, und in Ruh&rsquo;</p>
- <p class="verse">Soll man die Gräber und Altäre lassen.</p>
- <p class="verse">Du lehrtest mich tief in der Seele grauen,</p>
- <p class="verse">Als du erzähltest, wie das Römervolk</p>
- <p class="verse">Die christlichen Altäre einst zerschlagen,</p>
- <p class="verse">An denen fromme Menschen betend lagen.</p>
- <p class="verse">O sicher stürzten dieses Heiligthum</p>
- <p class="verse">Die Katholiken oder Römer um.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wir selber, Kind, die Protestanten thaten&rsquo;s,</p>
- <p class="verse">Und der Altar war ein katholischer.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Wie Schade! da erblick&rsquo; ich unter Trümmern</p>
- <p class="verse">Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt.</p>
- <p class="verse">Wie lieblich seine sanften Züge schimmern!</p>
- <p class="verse">Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt</p>
- <p class="verse">Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen.</p>
- <p class="verse">Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Das ist das Bildniß Uns&rsquo;rer Lieben Frauen.</p>
- <p class="verse">Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-<a id="page-128" class="pagenum" title="128"></a>
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Laß mich noch einmal dieses Bild beschauen,</p>
- <p class="verse">Dann mag der Küster seine Kirche schließen.</p>
- <p class="verse">Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen.</p>
- <p class="verse">Wie blickt es mich so wunderlieblich an!</p>
- <p class="verse">Du liebe Frau, was hast du denn gethan,</p>
- <p class="verse">Daß sie dich brachen, und dein Kind zerstießen?</p>
- <p class="verse">Gern nähm&rsquo; ich&rsquo;s mit in unser Haus, und träumte:</p>
- <p class="verse">Ich sähe meine Mutter, und ich leimte</p>
- <p class="verse">Dem Jesuskind&rsquo; ein and&rsquo;res Händchen an.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="d">
-(Der Küster zieht die Thurmglocke.)
-</p>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Noch eins! sag&rsquo;, warum, wenn die Sonne scheidet,</p>
- <p class="verse">Die Glocke dreimal drei vom Thurme läutet.</p>
- <p class="verse">Es weiß es Niemand, was der Gruß bedeutet.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit.</p>
- <p class="verse">Als nämlich Alles noch katholisch war,</p>
- <p class="verse">Da hat man so das Angelus geläut.</p>
- <p class="verse">Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen,</p>
- <p class="verse">Dann nahmen alle Leut&rsquo; von jedem Stande,</p>
- <p class="verse">Der Städter, wie der Bauer auf dem Lande,</p>
- <p class="verse">Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse,</p>
- <p class="verse">Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse,</p>
-<a id="page-129" class="pagenum" title="129"></a>
- <p class="verse">Von ihrem Haupt den Hut, und beteten</p>
- <p class="verse">Ein still Gebet zu Uns&rsquo;rer Lieben Frauen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="d">
-(Das Kind sinkt auf die Knie.)
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was bet&rsquo;st du Junge, bist du nicht gescheid?</p>
- <p class="verse">Ein protestantisch Kind hier auf den Knien?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Kind.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">O, laß mich beten wie kathol&rsquo;sche Leut&rsquo;.</p>
- <p class="verse">Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien.</p>
- <p class="verse">Laß mich bei Uns&rsquo;rer Lieben Frauen beten!</p>
- <p class="verse">Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten,</p>
- <p class="verse">Doch bitt&rsquo; ich, Vater, daß ich auf der Erden</p>
- <p class="verse">Weit lieber noch ein Katholik soll werden.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="c">
-Vater.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse1">Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern.</p>
- <p class="verse">Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="d">
-(Sie verlassen die Kirche.)
-</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-54">
-<a id="page-130" class="pagenum" title="130"></a>
-Maria!<a class="fnote" href="#footnote-13" id="fnote-13">[13]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O Du süßester von allen Namen!</p>
- <p class="verse1">Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten,</p>
- <p class="verse1">So melodisch, Deine Töne gleiten!</p>
- <p class="verse">Wie Accorde, die von jenseits kamen,</p>
- <p class="verse1">Die aus unbekannten Herrlichkeiten</p>
- <p class="verse">Leise Lüfte zu mir her geleiten, &ndash;</p>
- <p class="verse">Lieblich, wie ein fernes sel&rsquo;ges Amen,</p>
- <p class="verse1">Tönst Du, Name der Gebenedeiten:</p>
- <p class="verse5">Maria.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dunkel ist die Nacht. Verirrt und müde</p>
- <p class="verse1">Hebt empor der Pilger seine Hände,</p>
- <p class="verse1">Daß ein Stern ihm Licht und Tröstung sende.</p>
- <p class="verse">Da, wie wenn der Osten Purpur sprühte,</p>
- <p class="verse1">Wie wenn die Natur in Lieb&rsquo; entbrennte,</p>
- <p class="verse1">Wie das Morgenroth am Firmamente, &ndash;</p>
- <p class="verse">Also flammt Dein Nam&rsquo; in mein Gemüthe,</p>
- <p class="verse1">Und ich nenn&rsquo; ihn tausendmal ohn&rsquo; Ende:</p>
- <p class="verse5">Maria.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-131" class="pagenum" title="131"></a>
- <p class="verse">Ja, den Morgen fühl&rsquo; ich in mir tagen,</p>
- <p class="verse1">Meine Seele glüht in heil&rsquo;ger Freude,</p>
- <p class="verse1">Wenn Du einziehst, lieblichste der Bräute,</p>
- <p class="verse">Wie ein Königsweib auf gold&rsquo;nem Wagen.</p>
- <p class="verse1">Meine Blumen steh&rsquo;n im Festgeschmeide,</p>
- <p class="verse1">Alle Berge steh&rsquo;n in ros&rsquo;gem Kleide,</p>
- <p class="verse">Und die Glocken meines Innern schlagen</p>
- <p class="verse1">Ein unendlich liebliches Geläute:</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O Du Heil&rsquo;ge! Sieh in anderm Bilde</p>
- <p class="verse1">(Denn wie Du bist, singen keine Lieder)</p>
- <p class="verse1">Nahst Du schöner meiner Seele wieder.</p>
- <p class="verse">Nacht und Graus bedecken die Gefilde,</p>
- <p class="verse1">Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er</p>
- <p class="verse1">Hoch einher der Herr und Weltgebieter, &ndash;</p>
- <p class="verse">Plötzlich unter Donnerwetter, milde,</p>
- <p class="verse1">Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder,</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ich so die alten Lieder zähle,</p>
- <p class="verse1">Die ich frisch, von Melodien durchdrungen,</p>
- <p class="verse1">Froh und weinend in die Welt gesungen,</p>
- <p class="verse">Fühl&rsquo; ich schmerzlich eine schwere Fehle.</p>
- <p class="verse1">Wo ein Kranz mir rund und schön gelungen,</p>
- <p class="verse1">Für die Welt nur hatt&rsquo; ich ihn geschlungen;</p>
- <p class="verse">Keiner hat geheiligt meine Seele,</p>
- <p class="verse1">Kein Lied, keines ist für Dich erklungen,</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-132" class="pagenum" title="132"></a>
- <p class="verse">Sieh, mein Götze war ein ird&rsquo;sches Lieben,</p>
- <p class="verse1">Ruhm und Ehre meine gold&rsquo;nen Sterne,</p>
- <p class="verse1">All mein Dichten, Blüthen ohne Kerne,</p>
- <p class="verse">Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben.</p>
- <p class="verse1">Deine Bilder hatt&rsquo; ich lieb&rsquo; und gerne,</p>
- <p class="verse1">Doch Du selber bliebst mir ewig ferne.</p>
- <p class="verse">Ferne? Nein, Du bist mir nah&rsquo; geblieben:</p>
- <p class="verse1">Meine Harfe tönt&rsquo;, ich lausch&rsquo;, ich lerne:</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun und ewig nur zu <em>Deinem</em> Ruhme,</p>
- <p class="verse1">Will ich rauschend meine Saiten schwingen,</p>
- <p class="verse1">Will sie <em>Dir</em> zum Weihgeschenke bringen,</p>
- <p class="verse">Segne sie zu Deinem Heiligthume!</p>
- <p class="verse1">Wenn sich tönend Reim&rsquo; um Reime schlingen,</p>
- <p class="verse1">Soll <em>Dein</em> süßer Name sie durchklingen,</p>
- <p class="verse">Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume,</p>
- <p class="verse1">Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen,</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O, ein Psalm ist schon allein Dein Name,</p>
- <p class="verse1">Und er tönt in allen Erdenkreisen.</p>
- <p class="verse1">Also laß auch mich Dein Sänger heißen,</p>
- <p class="verse">Sei Du, Jungfrau, meine heil&rsquo;ge Dame!</p>
- <p class="verse1">Lehr&rsquo; mein Lied nur einen einz&rsquo;gen leisen</p>
- <p class="verse1">Wiederhall von jenen Himmelsweisen,</p>
- <p class="verse">Meine Stimme, daß sie nicht erlahme,</p>
- <p class="verse1">Deine Schönheit für und für zu preisen,</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-133" class="pagenum" title="133"></a>
- <p class="verse">Du dagegen wollest für mich bitten!</p>
- <p class="verse1">Des Allmächt&rsquo;gen donnernde Gewalten</p>
- <p class="verse1">Hätten längst mein sünd&rsquo;ges Herz zerspalten,</p>
- <p class="verse">Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten.</p>
- <p class="verse1">Bitt&rsquo; für mich, damit sie gnädig walten,</p>
- <p class="verse1">Und den Fluch von meinem Haupte halten!</p>
- <p class="verse">Laß zu Jesus sich die Lieb&rsquo; inmitten</p>
- <p class="verse1">Meiner Seele wie die Blum&rsquo; entfalten!</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und zum andern woll&rsquo;st Du mir erflehen,</p>
- <p class="verse1">Daß ich spät und frühe <em>Dein</em> gedenke,</p>
- <p class="verse1">Treu und warm Dir meine Andacht schenke,</p>
- <p class="verse">Und auf Dich stets meine Augen sehen.</p>
- <p class="verse1">Daß <em>Dein</em> liebes Bild sich zu mir senke,</p>
- <p class="verse1">Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke</p>
- <p class="verse">Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen,</p>
- <p class="verse1">Daß ich nimmer Deine Liebe kränke,</p>
- <p class="verse5">O Mutter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte!</p>
- <p class="verse1">Ach, ich seh&rsquo; Dich mit den bleichen Wangen,</p>
- <p class="verse1">Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen,</p>
- <p class="verse">Seh&rsquo; Dich dringen durch die wilde Horde,</p>
- <p class="verse1">Und vergeh&rsquo;n in jammervollem Bangen,</p>
- <p class="verse1">Als die heil&rsquo;gen Lippen: Mutter! klangen,</p>
- <p class="verse">Seh&rsquo;, wie bei dem blut&rsquo;gen Gottesmorde</p>
- <p class="verse1">Dir das Schwert durch&rsquo;s keusche Herz gegangen,</p>
- <p class="verse5">O Mutter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-134" class="pagenum" title="134"></a>
- <p class="verse">Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen</p>
- <p class="verse1">Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine,</p>
- <p class="verse1">Thronst Du ja in ew&rsquo;gem Glorienscheine,</p>
- <p class="verse">Und die Engel ruh&rsquo;n zu Deinen Füßen.</p>
- <p class="verse1">Mutter! o wie ich vor Freude weine,</p>
- <p class="verse1">Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine,</p>
- <p class="verse">Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen,</p>
- <p class="verse1">Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine:</p>
- <p class="verse5">O Mutter!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bitt&rsquo; für mich, bei Deines Sohnes Wunden!</p>
- <p class="verse1">Laß nicht seine Liebe von mir weichen,</p>
- <p class="verse1">Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen!</p>
- <p class="verse">Und dann, in der letzten meiner Stunden,</p>
- <p class="verse1">Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen,</p>
- <p class="verse1">Daß ich froh Dir mag die Hände reichen,</p>
- <p class="verse">Und mein Herz dem ew&rsquo;gen Licht gesunden,</p>
- <p class="verse5">Maria!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-55">
-<a id="page-135" class="pagenum" title="135"></a>
-Maria in der Seele.<a class="fnote" href="#footnote-14" id="fnote-14">[14]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O heil&rsquo;ge Mutter, wie ich mich betrübte,</p>
- <p class="verse1">Und mich in Unruh&rsquo; quälte Nacht und Tag!</p>
- <p class="verse">Eh&rsquo; meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,</p>
- <p class="verse1">Und wie ich Dir&rsquo;s zu sagen nie vermag!</p>
- <p class="verse">Wie fühl&rsquo; ich, gleich dem mutterlosen Kinde,</p>
- <p class="verse1">Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,</p>
- <p class="verse">Und wie erbärmlich hab&rsquo; ich mit der Sünde</p>
- <p class="verse1">Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,</p>
- <p class="verse1">Die nur mit Mühe noch zusammenhält.</p>
- <p class="verse">Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,</p>
- <p class="verse1">Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.</p>
- <p class="verse">Der Blitz, wie wenn&rsquo;s den Untergang gegolten,</p>
- <p class="verse1">Umzingelte das Haus, und angstgepreßt</p>
- <p class="verse">Hielt d&rsquo;rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,</p>
- <p class="verse1">Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-136" class="pagenum" title="136"></a>
- <p class="verse">Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,</p>
- <p class="verse1">Ist meine Seel&rsquo; ein königliches Haus.</p>
- <p class="verse">Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,</p>
- <p class="verse1">Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.</p>
- <p class="verse">Du wandelst durch die duftigen Gemächer,</p>
- <p class="verse1">Darinnen Flöten klingen und Schalmei&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Die Engel steigen nieder auf die Dächer,</p>
- <p class="verse1">Und Gottes Sonne scheint durch&rsquo;s Fenster &rsquo;nein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie kam&rsquo;s doch? Hab&rsquo; ich oft zu Dir gebetet,</p>
- <p class="verse1">Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,</p>
- <p class="verse1">In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?</p>
- <p class="verse">Du Kön&rsquo;gin, hat mein Herz Dich eingeladen?</p>
- <p class="verse1">Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?</p>
- <p class="verse">Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,</p>
- <p class="verse1">So unverdiente Seligkeiten gab?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,</p>
- <p class="verse1">Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,</p>
- <p class="verse">In meiner Seele dunkles Haus getreten;</p>
- <p class="verse1">In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.</p>
- <p class="verse">Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,</p>
- <p class="verse1">Du hast&rsquo;s gefunden, o wie wohl ist mir!</p>
- <p class="verse">Nun mag der Sturm weh&rsquo;n und die Hölle fluchen,</p>
- <p class="verse1">Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-137" class="pagenum" title="137"></a>
- <p class="verse">Dies Herz &ndash; Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,</p>
- <p class="verse1">Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.</p>
- <p class="verse">Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,</p>
- <p class="verse1">Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.</p>
- <p class="verse">O Heil&rsquo;ge, bleibe bei mir jetzt und immer!</p>
- <p class="verse1">Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,</p>
- <p class="verse">Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,</p>
- <p class="verse1">Und führe rettend mich zum ew&rsquo;gen Licht!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-56">
-<a id="page-138" class="pagenum" title="138"></a>
-Die Verfolgung.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Halt ein! ihr Schergen diabol&rsquo;scher Mächte,</p>
- <p class="verse1">Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag?</p>
- <p class="verse">Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte,</p>
- <p class="verse1">Vernichten könnt&rsquo;t ihr ihn mit Einem Schlag.</p>
- <p class="verse">Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte,</p>
- <p class="verse1">Der ihm den weißen Schädel spalten mag?</p>
- <p class="verse">Ich ruf&rsquo; euch zu mit aufgehob&rsquo;nen Händen:</p>
- <p class="verse">Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne</p>
- <p class="verse1">Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal;</p>
- <p class="verse">Gefangen schleppt ihr&rsquo;s in die Fleischerschirne,</p>
- <p class="verse1">Und freut euch wohlgefällig seiner Qual.</p>
- <p class="verse">Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne,</p>
- <p class="verse1">Woraus er lachend die Vernunft euch stahl.</p>
- <p class="verse">Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger.</p>
- <p class="verse">Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken,</p>
- <p class="verse1">Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb.</p>
- <p class="verse">Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken,</p>
- <p class="verse1">Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. &ndash;</p>
-<a id="page-139" class="pagenum" title="139"></a>
- <p class="verse">Dann thut es diesem einzigen Gedanken,</p>
- <p class="verse1">Thut&rsquo;s dem, was euch noch heilig ist, zu lieb:</p>
- <p class="verse">Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde,</p>
- <p class="verse">Gebt das Signal und koppelt eure Hunde!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und thut ihr&rsquo;s nicht, so höret mit Entsetzen,</p>
- <p class="verse1">Was dann geschieht, ich sag&rsquo;s euch, ich, ein Greis.</p>
- <p class="verse">Ihr denkt, das Wild würd&rsquo; sich zur Wehre setzen,</p>
- <p class="verse1">Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis;</p>
- <p class="verse">In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen,</p>
- <p class="verse1">Und Rettung suchen um des Lebens Preis?</p>
- <p class="verse">Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed&rsquo;schen,</p>
- <p class="verse">Den Zorn mit blut&rsquo;gen Worten zukartätschen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen,</p>
- <p class="verse1">Und rächend hoch auf Barricaden steh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten,</p>
- <p class="verse1">Wie Oriflammen, von den Bergen weh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten,</p>
- <p class="verse1">In Kampf und Tod für uns&rsquo;re Kirche geh&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Ihr denkt&rsquo;s? dann denkt es auch mit allen Schauern,</p>
- <p class="verse">Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen,</p>
- <p class="verse1">Dem Hirsch, der stumm und ohn&rsquo; Empfindung scheint.</p>
- <p class="verse">Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen,</p>
- <p class="verse1">Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind,</p>
-<a id="page-140" class="pagenum" title="140"></a>
- <p class="verse">Dann läßt er hör&rsquo;n ein leises süßes Klagen,</p>
- <p class="verse1">Und was er nie gekonnt und that: er weint.</p>
- <p class="verse">So leiden wir, so weinen wir und klagen,</p>
- <p class="verse">Wenn eure Bleie uns in&rsquo;s Leben schlagen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen,</p>
- <p class="verse1">Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor.</p>
- <p class="verse">Wenn eure Flüch&rsquo; hinab zur Hölle steigen,</p>
- <p class="verse1">Dringt uns&rsquo;re Stimme bis zu Gottes Ohr.</p>
- <p class="verse">Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen,</p>
- <p class="verse1">Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor.</p>
- <p class="verse">Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen,</p>
- <p class="verse">Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&rsquo;s war eine Zeit &ndash; vielleicht in stillen Nächten</p>
- <p class="verse1">Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt;</p>
- <p class="verse">Es war die Zeit, eh&rsquo; ihr von finstern Mächten</p>
- <p class="verse1">Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt,</p>
- <p class="verse">Eh&rsquo; ihr&rsquo;s gelernt, mit Gott und Kirche rechten,</p>
- <p class="verse1">Und eh&rsquo; der Satan euern Geist berückt &ndash;</p>
- <p class="verse">Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten,</p>
- <p class="verse">Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein festlich majestätisches Geläute</p>
- <p class="verse1">Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus.</p>
- <p class="verse">Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute,</p>
- <p class="verse1">Ihr trugt, wie&rsquo;s Brauch ist, einen Blumenstrauß;</p>
-<a id="page-141" class="pagenum" title="141"></a>
- <p class="verse">Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude,</p>
- <p class="verse1">Sah euch die Unschuld aus dem Aug&rsquo; heraus &ndash;</p>
- <p class="verse">Und ihr gelobtet euch im Sacramente</p>
- <p class="verse">Dem lieben Heiland bis an&rsquo;s Lebensende.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Noch seh&rsquo; ich euch am Tisch des Herren essen,</p>
- <p class="verse1">Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt.</p>
- <p class="verse">Noch seh&rsquo; ich euch die keuschen Lippen pressen</p>
- <p class="verse1">Auf&rsquo;s Kruzifix in eurer reinen Hand.</p>
- <p class="verse">O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen,</p>
- <p class="verse1">Die damals euch im frommen Auge stand?</p>
- <p class="verse">Wie weit ist&rsquo;s doch, seit jenen schönen Tagen</p>
- <p class="verse">Bis zu dem heut&rsquo;gen mörderischen Jagen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande,</p>
- <p class="verse1">So denkt an jenen einz&rsquo;gen heil&rsquo;gen Tag &ndash;</p>
- <p class="verse">Und dann &ndash; schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande,</p>
- <p class="verse1">Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag.</p>
- <p class="verse">Noch nie gab&rsquo;s so viel Edelwild im Lande,</p>
- <p class="verse1">Ein Jagen, wo&rsquo;s geduldiger erlag.</p>
- <p class="verse">Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir&rsquo;s nicht gelinder!</p>
- <p class="verse">Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-57">
-<a id="page-142" class="pagenum" title="142"></a>
-1848.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren,</p>
- <p class="verse1">Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer.</p>
- <p class="verse">Prophetenstimmen aus verklung&rsquo;nen Jahren</p>
- <p class="verse1">Zieh&rsquo;n wie Posaunentöne vor ihm her.</p>
- <p class="verse">Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren</p>
- <p class="verse1">Und die Empörung schwingt den blut&rsquo;gen Speer.</p>
- <p class="verse">Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen,</p>
- <p class="verse">Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer ist der Steuermann in solchen Wettern,</p>
- <p class="verse1">Wer ist der Geist, der über&rsquo;n Wassern schwebt?</p>
- <p class="verse">Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern</p>
- <p class="verse1">Maschinenmäßig durch die Wellen hebt?</p>
- <p class="verse">Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern</p>
- <p class="verse1">Sich in die Weichen der Empörung gräbt?</p>
- <p class="verse">Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten,</p>
- <p class="verse">Gibt uns ein Machtwort den verlor&rsquo;nen Frieden?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wohl mag ein <em>Stern</em> uns aus den Wogen retten,</p>
- <p class="verse1">Doch keiner, der auf Uniformen blinkt,</p>
- <p class="verse">Wohl eine <em>Hand</em> vermag uns warm zu betten,</p>
- <p class="verse1">Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt.</p>
-<a id="page-143" class="pagenum" title="143"></a>
- <p class="verse">Und für das Schiff gibt&rsquo;s neue, sich&rsquo;re Ketten,</p>
- <p class="verse1">Doch keine, die uns um die Freiheit bringt.</p>
- <p class="verse">Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung,</p>
- <p class="verse">Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der <em>Stern</em>, die <span class="antiqua">Stella maris</span>, die wir kennen,</p>
- <p class="verse1">Wir seh&rsquo;n ihn hehr und schön vom Himmel schauen,</p>
- <p class="verse">&rsquo;s ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen,</p>
- <p class="verse1">Den süßen Namen Uns&rsquo;rer Lieben Frauen.</p>
- <p class="verse">Wo gibt&rsquo;s Fanale, die so glänzend brennen,</p>
- <p class="verse1">Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen?</p>
- <p class="verse">Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen</p>
- <p class="verse">Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die <em>Hand</em>, das ist die Hand der Braut des Herren,</p>
- <p class="verse1">Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt,</p>
- <p class="verse">Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren,</p>
- <p class="verse1">Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt,</p>
- <p class="verse">Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren,</p>
- <p class="verse1">Den Segen ihres hohen Bräut&rsquo;gams reicht.</p>
- <p class="verse">Wo <em>diese</em> Hand regiert, von Gottes wegen,</p>
- <p class="verse">Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die <em>Kette</em>, die es hält für alle Zeiten,</p>
- <p class="verse1">Reicht von der Erde in die Ewigkeit,</p>
- <p class="verse">Die Kette zweier Welten, die in beiden</p>
- <p class="verse1">Uns zur Gemeinschaft aller Heil&rsquo;gen reiht &ndash;</p>
-<a id="page-144" class="pagenum" title="144"></a>
- <p class="verse">Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden,</p>
- <p class="verse1">In Nacht und Trübsal, Gnad&rsquo; und Herrlichkeit &ndash;</p>
- <p class="verse">Das ist die Kette von Demant und Eisen,</p>
- <p class="verse">Die keine Stürme dieser Welt zerreißen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O süßer Meerstern, der vom Himmel d&rsquo;roben</p>
- <p class="verse1">So mild und freundlich auf uns niederschaut,</p>
- <p class="verse">O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben,</p>
- <p class="verse1">Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut,</p>
- <p class="verse">O diamantnes Band, von Gott gewoben, &ndash;</p>
- <p class="verse1">Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut &ndash;</p>
- <p class="verse">Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben,</p>
- <p class="verse">Wir glauben noch, denn <em>ihr</em> seid uns geblieben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-58">
-<a id="page-145" class="pagenum" title="145"></a>
-Komm!
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O komm, still&rsquo; unser heißestes Verlangen,</p>
- <p class="verse1">O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick;</p>
- <p class="verse">O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen,</p>
- <p class="verse1">Längst wärst Du bei den Trauernden zurück.</p>
- <p class="verse">Mit Dir ist Fried&rsquo; und Freud&rsquo; hinausgezogen;</p>
- <p class="verse1">Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück.</p>
- <p class="verse">So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten,</p>
- <p class="verse">Wie wir bisher die Tag&rsquo; und Stunden zählten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O komm, o komm, ein Jammer ist&rsquo;s im Lande;</p>
- <p class="verse1">Seitdem Du gingst, war&rsquo;s eine schwere Zeit,</p>
- <p class="verse">Ein Hurrah über&rsquo;s and&rsquo;re schreit die Bande,</p>
- <p class="verse1">Der Teufel machte sich noch nie so breit;</p>
- <p class="verse">Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte,</p>
- <p class="verse1">Hat Dir schon manch Gebet geweiht.</p>
- <p class="verse">O komm, du kannst&rsquo;s ja, von Sanct Peter&rsquo;s Stufen,</p>
- <p class="verse">Hat Dir es Pius freundlich zugerufen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O komm, Dir harren tausend Herzen:</p>
- <p class="verse1">Die Kirche mit der Glocken Jubelton,</p>
- <p class="verse">Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen,</p>
- <p class="verse1">Die Gläub&rsquo;gen mit Gesang und Prozession;</p>
-<a id="page-146" class="pagenum" title="146"></a>
- <p class="verse">Empfang&rsquo; die Lieb&rsquo; als Balsam Deiner Schmerzen,</p>
- <p class="verse1">Und für die uns&rsquo;rigen sei Du der Lohn,</p>
- <p class="verse">Damit uns so, mit Gott verbunden,</p>
- <p class="verse">Das Leid vergeht, vernarben uns&rsquo;re Wunden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten,</p>
- <p class="verse1">Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt?</p>
- <p class="verse">Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten</p>
- <p class="verse1">Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt;</p>
- <p class="verse">Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten</p>
- <p class="verse1">Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt,</p>
- <p class="verse">Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen.</p>
- <p class="verse">Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O komm, steh, alle Tage wird es trüber,</p>
- <p class="verse1">Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab,</p>
- <p class="verse">Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber,</p>
- <p class="verse1">Kein Retter uns erschien, der Frieden gab.</p>
- <p class="verse">So komm denn Du, den Hermelin wirf über,</p>
- <p class="verse1">Gebiet dem Sturm mit Deinem gold&rsquo;nen Stab,</p>
- <p class="verse">Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken,</p>
- <p class="verse">Sich Dein gewohnter Segen niedersenken.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-59">
-<a id="page-147" class="pagenum" title="147"></a>
-Das Marienbild zu Rimini.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1850.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wunder! Leben gießt sich in das Todte.</p>
- <p class="verse1">Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist,</p>
- <p class="verse">Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote</p>
- <p class="verse1">Die Gesetze der Natur zerreißt.</p>
- <p class="verse">Seht, das Auge öffnet sich und milde</p>
- <p class="verse1">Strahlt es den unmittelbaren Gruß,</p>
- <p class="verse">Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde &ndash;</p>
- <p class="verse4"><span class="antiqua">Signa dantur infidelibus</span>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun vom Volk zu des Allmächt&rsquo;gen Throne</p>
- <p class="verse1">Hebt der Blick der Heiligen sich empor.</p>
- <p class="verse">&bdquo;Gott allein die Ehr&rsquo; und seinem Sohne,</p>
- <p class="verse1">Der zur Himmelskön&rsquo;gin mich erkor!&ldquo;</p>
- <p class="verse"><span class="antiqua">Sursum corda!</span> und zum Herrn und Meister,</p>
- <p class="verse1">Mit des Auges seligstem Erguß,</p>
- <p class="verse">Reißt sie aufwärts die erschrock&rsquo;nen Geister &ndash;</p>
- <p class="verse4"><span class="antiqua">Signa dantur infidelibus</span>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-148" class="pagenum" title="148"></a>
- <p class="verse">D&rsquo;rauf der Heil&rsquo;gen Auge senkt sich nieder,</p>
- <p class="verse1">Und zurück zu Staube sinkt das Erz,</p>
- <p class="verse">Und das Volk wird seiner Sünde wieder,</p>
- <p class="verse1">Seines Fluchs bewußt das Menschenherz.</p>
- <p class="verse">Laßt uns beten, beten tief im Staube:</p>
- <p class="verse1">&bdquo;Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.&ldquo;</p>
- <p class="verse">Laßt uns einig sein in Lieb&rsquo; und Glaube &ndash;</p>
- <p class="verse4"><span class="antiqua">Signa dantur infidelibus</span>.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-60">
-<a id="page-149" class="pagenum" title="149"></a>
-An Maria.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O Maria, laß gelingen,</p>
- <p class="verse1">Und sei meine Helferin,</p>
- <p class="verse">Laß mich gut und recht vollbringen,</p>
- <p class="verse1">Was ich jetzt gesonnen bin.</p>
- <p class="verse">Mutter Gottes, alle Tage</p>
- <p class="verse1">Warst Du bei mir, sonst und jetzt,</p>
- <p class="verse">Und ich habe keine Klage,</p>
- <p class="verse1">Daß Du mich verlassen hätt&rsquo;st.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hilf mir auch bei diesem Werke,</p>
- <p class="verse1">Gib, wofern Du mich noch liebst,</p>
- <p class="verse">Daß ich mir die Winke merke,</p>
- <p class="verse1">Die Du deinem Diener gibst.</p>
- <p class="verse">Wenn&rsquo;s dann geht, wie ich begehre,</p>
- <p class="verse1">Dann sei Dir das Werk geweiht,</p>
- <p class="verse">Dir allein zu Ruhmes Ehre,</p>
- <p class="verse1">Mutter aller Herrlichkeit.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-61">
-<a id="page-150" class="pagenum" title="150"></a>
-<span class="firstline">Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel,</span><br />
-<em>Direktor des Jünglingsvereines</em>,
-zu seinem Namenstage, den 7. December 1854,
-vom Vereine gewidmet.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen,</p>
- <p class="verse1">Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht;</p>
- <p class="verse">Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen;</p>
- <p class="verse1">Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht;</p>
- <p class="verse">Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen,</p>
- <p class="verse1">Im Hasse einer wild dem andern flucht &ndash;</p>
- <p class="verse">Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe,</p>
- <p class="verse">Wohin willst du dich flüchten, heil&rsquo;ge Liebe?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ringsumher die Völker sich befehden,</p>
- <p class="verse1">Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt;</p>
- <p class="verse">Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden</p>
- <p class="verse1">Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt,</p>
- <p class="verse">Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten,</p>
- <p class="verse1">Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt &ndash;</p>
- <p class="verse">O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten</p>
- <p class="verse">Willst du, der flücht&rsquo;gen Taube gleich, dich retten?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-151" class="pagenum" title="151"></a>
- <p class="verse">Da öffnen sich die großen Geisterhallen,</p>
- <p class="verse1">Die ein Granit auf seinem Haupte trägt,</p>
- <p class="verse">Wo ewig neu die Wogen niederprallen</p>
- <p class="verse1">Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt.</p>
- <p class="verse">Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen,</p>
- <p class="verse1">Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt,</p>
- <p class="verse">Wo keine Ketten dich der Erde binden,</p>
- <p class="verse">O süße Liebe, deine Ruhe finden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und hat dies heil&rsquo;ge Dach zur rechten Stunde</p>
- <p class="verse1">Auch uns vereinigt, eine junge Schaar,</p>
- <p class="verse">Zu Lieb&rsquo; und Treu&rsquo;, zu brüderlichem Bunde,</p>
- <p class="verse1">Ein Obdach gegen Sturm und Tod&rsquo;sgefahr:</p>
- <p class="verse">So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde,</p>
- <p class="verse1">Zu danken dem, der unser Leitstern war,</p>
- <p class="verse">Der uns&rsquo;rer Seelen träges Feuer schürte,</p>
- <p class="verse">Und uns zum Tempel heil&rsquo;ger Liebe führte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und alle Gnaden, die wir uns erwerben,</p>
- <p class="verse1">Und jeder Blick vom lieben Jesuskind;</p>
- <p class="verse">Und jede Huld, im Leben und im Sterben,</p>
- <p class="verse1">Die aus den Händen der Maria rinnt,</p>
- <p class="verse">Und jede Rettung, die aus dem Verderben</p>
- <p class="verse1">Der heil&rsquo;ge Joseph unserm Bund gewinnt,</p>
- <p class="verse">Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet,</p>
- <p class="verse">Sei dankbar unserm Führer zugewendet.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-62">
-<a id="page-152" class="pagenum" title="152"></a>
-Lied für den Jünglingsverein.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1854.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Im Waffenkleid, in blankem Stahl</p>
- <p class="verse1">Vom Kopf bis zu den Waden,</p>
- <p class="verse">Umsteh&rsquo;n den tapfern General</p>
- <p class="verse1">Die muthigen Soldaten.</p>
- <p class="verse">Im Auge blitzt der Heldenmuth,</p>
- <p class="verse1">Verachtung für die Schande.</p>
- <p class="verse">Sie rufen laut &ndash; und schwenken den Hut &ndash;</p>
- <p class="verse1">Ein Hoch! dem Vaterlande.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und Hoch! dem General, der sie</p>
- <p class="verse1">So oft ins Feld geführet,</p>
- <p class="verse">Und gegen manche Schlachtbatt&rsquo;rie</p>
- <p class="verse1">Die Truppen commandiret.</p>
- <p class="verse">Der sitzt mit seinem Ordensband</p>
- <p class="verse1">Auf seinem stolzen Pferde,</p>
- <p class="verse">Und dankt, an seinem Hut die Hand,</p>
- <p class="verse1">Mit freudiger Geberde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-153" class="pagenum" title="153"></a>
- <p class="verse">Auch <em>wir</em> sind eine stärk&rsquo;re Armee,</p>
- <p class="verse1">Als manche Contingente.</p>
- <p class="verse">Es hängt uns zwar kein Portepee,</p>
- <p class="verse1">Kein Schwert um uns&rsquo;re Lende;</p>
- <p class="verse">Doch unser Schwert und uns&rsquo;re Wehr,</p>
- <p class="verse1">Das ist der gute Glaube,</p>
- <p class="verse">Der heil&rsquo;ge Schutz von Oben her</p>
- <p class="verse1">Ist uns&rsquo;re Pickelhaube.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch unser Herz durchglüht der Muth,</p>
- <p class="verse1">Auch wir verachten die Schande,</p>
- <p class="verse">Und rufen auch &ndash; und schwenken den Hut &ndash;</p>
- <p class="verse1">Ein Hoch! dem Vaterlande.</p>
- <p class="verse">Das ist noch größer als Oesterreich,</p>
- <p class="verse1">Als Preußenland und Polen,</p>
- <p class="verse">Man mißt&rsquo;s nicht aus, und lief man gleich</p>
- <p class="verse1">Auf Siebenmeilen-Sohlen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und alle Menschen wohnen d&rsquo;rin,</p>
- <p class="verse1">Die Großen und die Kleinen,</p>
- <p class="verse">Das Land umschließt als Hüterin</p>
- <p class="verse1">Eine Mauer von Edelsteinen.</p>
- <p class="verse">Und unser Herrgott hat gesagt:</p>
- <p class="verse1">Mit Stürmen und Gewittern</p>
- <p class="verse">Soll nicht die Hölle, wenn sie&rsquo;s wagt,</p>
- <p class="verse1">Dies Vaterland erschüttern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-154" class="pagenum" title="154"></a>
- <p class="verse">Es leb&rsquo; auch hoch der General,</p>
- <p class="verse1">Der uns zu Felde führet,</p>
- <p class="verse">Und der uns nicht zum ersten Mal</p>
- <p class="verse1">Zum Kampfe commandiret.</p>
- <p class="verse">Der sitzt nicht mit dem Ordensband</p>
- <p class="verse1">Auf einem stolzen Pferde:</p>
- <p class="verse">Er trägt ein einfach schwarz Gewand</p>
- <p class="verse1">Und geht auf rauher Erde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht streng ist sein Commandowort,</p>
- <p class="verse1">Es dringt aus sanfter Kehle,</p>
- <p class="verse">Und dennoch reißt&rsquo;s wie Sturmwind fort,</p>
- <p class="verse1">Und dringt uns durch die Seele.</p>
- <p class="verse">Er droht uns nicht mit Haft und Strang,</p>
- <p class="verse1">Der Feind nur kriegt die Hiebe,</p>
- <p class="verse">Und unser ganzes Reglement</p>
- <p class="verse1">Ist guter Will&rsquo; und Liebe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sein Hauptquartier und Marschallzelt</p>
- <p class="verse1">Ist eine stille Klause,</p>
- <p class="verse">Dort stünd&rsquo; ein jeder, wenn es gält&rsquo;,</p>
- <p class="verse1">Als Schildwach vor dem Hause.</p>
- <p class="verse">Wir halten bei ihm allzumal,</p>
- <p class="verse1">Im Frieden wie im Streite.</p>
- <p class="verse">Es lebe unser Feldmarschall</p>
- <p class="verse1">In seinem Ordenskleide.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-63">
-<a id="page-155" class="pagenum" title="155"></a>
-<span class="firstline">Der Jünglingsverein an seinen Director,</span><br />
-<em>bei dessen Abreise nach Rom</em>,
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-am 10. April 1855.<a class="fnote" href="#footnote-15" id="fnote-15">[15]</a>
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land</p>
- <p class="verse">Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand.</p>
- <p class="verse">Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur,</p>
- <p class="verse">Wird&rsquo;s lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh,</p>
- <p class="verse">Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee.</p>
- <p class="verse">Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar,</p>
- <p class="verse">Das ist der verwund&rsquo;ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-156" class="pagenum" title="156"></a>
- <p class="verse">Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein,</p>
- <p class="verse">Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib&rsquo; uns nah!</p>
- <p class="verse">Deiner Kinder hier im Lande denk&rsquo; im Land Italia!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn,</p>
- <p class="verse">Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan,</p>
- <p class="verse">Wandelst auf dem welschen Boden, unter&rsquo;m blauen Himmelszelt,</p>
- <p class="verse">Oder durch die ew&rsquo;gen Hallen in der großen Stadt der Welt: &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit,</p>
- <p class="verse">Und die Heil&rsquo;gen, die wir rufen, steh&rsquo;n als Garde Dir zur Seit&rsquo;.</p>
- <p class="verse">Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus,</p>
- <p class="verse">Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht,</p>
- <p class="verse">Heim aus Roma&rsquo;s Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht.</p>
- <p class="verse">Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst,</p>
- <p class="verse">Dann vergiß nicht Deiner Durst&rsquo;gen, daß Du ihnen Labung bringst.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-157" class="pagenum" title="157"></a>
- <p class="verse">O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt,</p>
- <p class="verse">Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt.</p>
- <p class="verse">Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer.</p>
- <p class="verse">Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Segne uns noch, eh&rsquo; Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist,</p>
- <p class="verse">Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil&rsquo;gen Geist.</p>
- <p class="verse">Dann leb&rsquo; wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand,</p>
- <p class="verse">Daß sie aus der Fern&rsquo; uns leite, reich uns deine theure Hand.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-64">
-<a id="page-158" class="pagenum" title="158"></a>
-Der Lehrer an seine Schüler.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es ist ein heilig Band, das um die Herzen</p>
- <p class="verse">Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar</p>
- <p class="verse">Die Wissenschaften und die Künste winden &ndash;</p>
- <p class="verse">Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich,</p>
- <p class="verse">Wenn die Gemüther sich einander finden.</p>
- <p class="verse">Dies Band zu weben, sind geheime Geister</p>
- <p class="verse">Mit raschen Händen früh und spät geschäftig.</p>
- <p class="verse">Bald kommen sie auf Sternenhöh&rsquo;n des Glaubens,</p>
- <p class="verse">Die nicht des Menschen Auge schauen kann;</p>
- <p class="verse">Bald aus den Räumen der geschaffenen</p>
- <p class="verse">Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet;</p>
- <p class="verse">Bald aus den Tiefen der Philosophie;</p>
- <p class="verse">Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen,</p>
- <p class="verse">Die der Verstand zur Harmonie gezwungen:</p>
- <p class="verse">Bald aus des Alterthums entleg&rsquo;nen Welten,</p>
- <p class="verse">Von denen Weise jener Tage melden;</p>
- <p class="verse">Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen,</p>
- <p class="verse">Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-159" class="pagenum" title="159"></a>
- <p class="verse">So kommen sie, mit alt&rsquo; und neuem Leben,</p>
- <p class="verse">Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen,</p>
- <p class="verse">Aus allen Elementen, um zu helfen,</p>
- <p class="verse">Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben.</p>
- <p class="verse">Doch kenn&rsquo; ich zwei von jenen kleinen Webern,</p>
- <p class="verse">Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister.</p>
- <p class="verse">Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge,</p>
- <p class="verse">Von reichem und harmonischem Gemüthe, &ndash;</p>
- <p class="verse">Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe,</p>
- <p class="verse">Die einst als Mädchen aus der Fremde kam,</p>
- <p class="verse">Mit einem Füllhorn überird&rsquo;scher Gaben.</p>
- <p class="verse">Die erste trägt die Tafeln der Gesetze,</p>
- <p class="verse">Wonach die Muttersprache tönt und klingt;</p>
- <p class="verse">Die and&rsquo;re mit dem Amaltheahorne,</p>
- <p class="verse">Sie trägt die gold&rsquo;nen Schlüssel zu dem Borne,</p>
- <p class="verse">Aus welchem in melod&rsquo;schen Wellen</p>
- <p class="verse">Die Lieder uns&rsquo;rer Dichter quellen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was hab&rsquo; ich diesen Schwestern zu verdanken,</p>
- <p class="verse">Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen</p>
- <p class="verse">Die Früchte und die Lieb&rsquo; umranken,</p>
- <p class="verse">Die sich so schön in diesem Strauße zeigen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern,</p>
- <p class="verse">Zu allen Zeiten, heut&rsquo; wie gestern,</p>
- <p class="verse">Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt:</p>
-<a id="page-160" class="pagenum" title="160"></a>
- <p class="verse">So wird auch immer leben, was sie schufen,</p>
- <p class="verse">Und oft den Freund, der ferne von euch geht,</p>
- <p class="verse">Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht,</p>
- <p class="verse">In euer liebendes Gedächtniß rufen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden,</p>
- <p class="verse">Wo ihr der Muttersprache Melodien</p>
- <p class="verse">Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, &ndash;</p>
- <p class="verse">Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden,</p>
- <p class="verse">Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen,</p>
- <p class="verse">In der wir manchen schönen Strauß gebunden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben!</p>
- <p class="verse">Was uns verknüpft, muß ewig bleiben!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-65">
-<a id="page-161" class="pagenum" title="161"></a>
-<span class="firstline">Epilog nach der Preisevertheilung</span><br />
-<em>im K.-G. Athenäum zu Luxemburg</em>
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-am 21. August 1853.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Verklungen sind die brausenden Accorde,</p>
- <p class="verse1">Die durch den glanzerfüllten Saal getönt;</p>
- <p class="verse">Verhallt die Lieder, die gewalt&rsquo;gen Worte,</p>
- <p class="verse1">Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt.</p>
- <p class="verse">Es schließt Athene ihres Tempels Pforte,</p>
- <p class="verse1">Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt,</p>
- <p class="verse">Und unter&rsquo;m Jubel ist entzückter Wogen</p>
- <p class="verse">Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen?</p>
- <p class="verse1">War&rsquo;s nur ein Traum aus dem romant&rsquo;schen Land?</p>
- <p class="verse">Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen,</p>
- <p class="verse1">Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt,</p>
- <p class="verse">Vom &bdquo;Mädchen aus der Fremde&ldquo; nur gelesen,</p>
- <p class="verse1">Die den Geliebten ihres Herzens fand,</p>
- <p class="verse">Und nun beglückend Alles, die Beglückte,</p>
- <p class="verse">Mit Lorbern uns&rsquo;rer Söhne Häupter schmückte?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-162" class="pagenum" title="162"></a>
- <p class="verse">Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren,</p>
- <p class="verse1">Daß Aug&rsquo; und Herz sich selber nicht mehr trau&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Wenn ungetrübt mit seligem Verklären</p>
- <p class="verse1">Entzückungs-Stern&rsquo; in uns&rsquo;re Thäler schau&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren,</p>
- <p class="verse1">Nicht eine Königin der Elfenfrau&rsquo;n &ndash;</p>
- <p class="verse">Sie selber sind&rsquo;s, und uns&rsquo;re Herzen brennen,</p>
- <p class="verse">Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden,</p>
- <p class="verse1">Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein!</p>
- <p class="verse">Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden</p>
- <p class="verse1">Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein?</p>
- <p class="verse">Herbei ihr Künste, die den flücht&rsquo;gen Stunden</p>
- <p class="verse1">Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih&rsquo;n!</p>
- <p class="verse">Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette,</p>
- <p class="verse">Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Malt mir ein Meisterbild &ndash; euch wird zum Lohne</p>
- <p class="verse1">Ein Ruhm, der durch&rsquo;s Jahrhundert wiederhallt &ndash;</p>
- <p class="verse">Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone</p>
- <p class="verse1">Ein Wesen von ätherischer Gestalt,</p>
- <p class="verse">Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone.</p>
- <p class="verse1">Der Schönheit majestätische Gewalt</p>
- <p class="verse">Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen,</p>
- <p class="verse">Und über sie der Jugend Frühling scheinen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-163" class="pagenum" title="163"></a>
- <p class="verse">Malt ihr zur Seite, mit der bärt&rsquo;gen Wange</p>
- <p class="verse1">Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn,</p>
- <p class="verse">Den Admiral von königlichem Range,</p>
- <p class="verse1">Der uns&rsquo;re Flagge, wenn Gefahren droh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Vertheidigt in der Stürme wildem Drange,</p>
- <p class="verse1">Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn,</p>
- <p class="verse">Dann laßt sich über beide Huldgestalten</p>
- <p class="verse">Der Gattenliebe milden Glanz entfalten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Malt mir das Paar von seinem Hof&rsquo; umgeben,</p>
- <p class="verse1">Und von der Würdenträger dichter Schaar &ndash;</p>
- <p class="verse">Von Haus und Kirch&rsquo; und Staat ein buntes Leben &ndash;</p>
- <p class="verse1">Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar.</p>
- <p class="verse">Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben</p>
- <p class="verse1">In Seid&rsquo; und Sammt, auf Kriegskleid und Talar,</p>
- <p class="verse">Und legt in all die Augen und Gesichter</p>
- <p class="verse">Der patriotischen Begeist&rsquo;rung Lichter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle</p>
- <p class="verse1">Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Bevölkert mir die schön geschmückte Halle</p>
- <p class="verse1">Mit einem Meer von Jünglingen und Frau&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle</p>
- <p class="verse1">Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau&rsquo;n &ndash;</p>
- <p class="verse">Und über&rsquo;s Ganze laßt der Sonne Strahlen</p>
- <p class="verse">Durch&rsquo;s off&rsquo;ne Fenster eine Glorie malen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-164" class="pagenum" title="164"></a>
- <p class="verse">Doch jetzt &ndash; verstummt sind die Orchesterklänge &ndash;</p>
- <p class="verse1">Die Palme winkt, um die die Jugend stritt &ndash;</p>
- <p class="verse">Und siehe, zagend aus der bunten Menge</p>
- <p class="verse1">Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt.</p>
- <p class="verse">Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge,</p>
- <p class="verse1">Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt,</p>
- <p class="verse">Und dem Erglüh&rsquo;nden reichen ihre Hände</p>
- <p class="verse">Mit Grazie der Athene Lorberspende.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen &ndash;</p>
- <p class="verse1">Ein and&rsquo;res Reich gehört dem Sänger zu,</p>
- <p class="verse">Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen,</p>
- <p class="verse1">Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du.</p>
- <p class="verse">Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen,</p>
- <p class="verse1">Ist uns&rsquo;rer Brust geheimnißvolle Truh.</p>
- <p class="verse">Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben &ndash;</p>
- <p class="verse">Was sie gebar, kann nur im Liede leben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O diese Thrän&rsquo;, ich sah sie blitzend scheinen</p>
- <p class="verse1">Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau;</p>
- <p class="verse">Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen,</p>
- <p class="verse1">Als man ihn krönte, du glücksel&rsquo;ge Frau.</p>
- <p class="verse">Verhüll&rsquo; sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen &ndash;</p>
- <p class="verse1">Der stolzen Mutterliebe selt&rsquo;ner Thau.</p>
- <p class="verse">Mit solchen Perlen mag sich keine messen,</p>
- <p class="verse">Die dir Tragödien durch die Wimper pressen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-165" class="pagenum" title="165"></a>
- <p class="verse">Auch Vater du? o eine Manneszähre</p>
- <p class="verse1">Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand.</p>
- <p class="verse">Zerdrück sie nicht, du würd&rsquo;ger Greis, und wehre</p>
- <p class="verse1">Dich nicht gewaltsam, wenn&rsquo;s dich übermannt,</p>
- <p class="verse">Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere,</p>
- <p class="verse1">Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt,</p>
- <p class="verse">Dein altes Herz, im Fundament erschüttert,</p>
- <p class="verse">Unter&rsquo;m Ungestüm des Augenblicks erzittert.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege</p>
- <p class="verse1">Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht,</p>
- <p class="verse">Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege</p>
- <p class="verse1">Mit seiner Leidenschaften wilder Macht</p>
- <p class="verse">Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege,</p>
- <p class="verse1">Und nun &ndash; nach all der Zweifel banger Nacht &ndash;</p>
- <p class="verse">Die reiche Ernte mit den gold&rsquo;nen Halmen,</p>
- <p class="verse">Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn ich Dir, erhab&rsquo;ne Fürstin, heute,</p>
- <p class="verse1">Was uns&rsquo;re Seele hat so tief bewegt,</p>
- <p class="verse">In Deinen mütterlichen Klängen deute,</p>
- <p class="verse1">Kühn will ich&rsquo;s sagen, was die mein&rsquo;ge hegt:</p>
- <p class="verse">Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude,</p>
- <p class="verse1">Ein süßes Pfand der Lieb&rsquo; an&rsquo;s Herz gelegt,</p>
- <p class="verse">Dann wird&rsquo;s darin mit Flötenstimmen tönen:</p>
- <p class="verse">Nur Elternfreude mag die Welt verschönen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-66">
-<a id="page-166" class="pagenum" title="166"></a>
-(Nach gegebenen Endreimen.)
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Herzen knüpfen schneller ein Bündniß, als die <em>Staaten</em>. &ndash;</p>
- <p class="verse">Ein junger Gärtner machte im Garten den <em>Besuch</em>,</p>
- <p class="verse">Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund&rsquo;nem <em>Tuch</em>,</p>
- <p class="verse">Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den <em>Spaten</em>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Rosentöpfe standen gereiht auf der <em>Estrade</em></p>
- <p class="verse">Nah&rsquo; bei dem Strom &ndash; da plötzlich, jenseits am andern <em>Strand</em>,</p>
- <p class="verse">Erschien ein lieblich Mägdlein, die bunte Kränze <em>wand</em>.</p>
- <p class="verse">Er warf ihr eine Rose hinüber an&rsquo;s <em>Gestade</em>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Kind war schön &ndash; so malet kein Pinsel, keine <em>Kreide</em> &ndash;</p>
- <p class="verse">Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blüthen<em>duft</em>.</p>
- <p class="verse">Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein <em>Schuft</em>,</p>
- <p class="verse">Sah ich in meinem Leben &rsquo;ne schön&rsquo;re Augen<em>weide</em>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne <em>Stricke</em>,</p>
- <p class="verse">Sie steckt&rsquo; in ihre Flechten die Ros&rsquo; aus seinem <em>Topf</em>,</p>
- <p class="verse">So ward der Bund geschlossen &ndash; die Ros&rsquo; in ihrem <em>Zopf</em></p>
- <p class="verse">Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und <em>Brücke</em>.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-67">
-<a id="page-167" class="pagenum" title="167"></a>
-An P. Klein&rsquo;s Grabe.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(15. Oktober 1855.)
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder,</p>
- <p class="verse1">Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut!</p>
- <p class="verse">Und nun erstarrt die Augen, die so bieder,</p>
- <p class="verse1">So froh und gläubig in die Welt geschaut!</p>
- <p class="verse">Leb&rsquo; wohl, o Freund &ndash; schon rollt die Scholle nieder &ndash;</p>
- <p class="verse1">Leb&rsquo; wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut</p>
- <p class="verse">Hör&rsquo; ich den letzten ird&rsquo;schen Klang verschweben</p>
- <p class="verse">Von Deinem reichen und geliebten Leben!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch wen beklag&rsquo; ich? Wenn <em>uns</em> Todesmahnen</p>
- <p class="verse1">Und Klagelieder hier am Grab&rsquo; umweh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen,</p>
- <p class="verse1">Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh&rsquo;n &ndash;</p>
- <p class="verse">Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen,</p>
- <p class="verse1">Ein freud&rsquo;ger Held, dem Ziel entgegengeh&rsquo;n.</p>
- <p class="verse">Und rein die Freude droben zu erfassen,</p>
- <p class="verse">Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-168" class="pagenum" title="168"></a>
- <p class="verse">Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen.</p>
- <p class="verse1">Was Du hier unten träumtest halbbewußt,</p>
- <p class="verse">Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen.</p>
- <p class="verse1">Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust,</p>
- <p class="verse">Die hier nur unverständlich in Dir klangen,</p>
- <p class="verse1">Die Ideale Deiner Dichterbrust.</p>
- <p class="verse">Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden,</p>
- <p class="verse">Wird eine Krone Dir im ewg&rsquo;en Frieden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Leb&rsquo; wohl! Wir seh&rsquo;n Dich &ndash; wenn im finstern Thale</p>
- <p class="verse1">Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt &ndash;</p>
- <p class="verse">Wir seh&rsquo;n Dich wieder, wenn im Abendstrahle,</p>
- <p class="verse1">Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt.</p>
- <p class="verse">Vielleicht ist&rsquo;s bald, vielleicht zum nächsten Male!</p>
- <p class="verse1">O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt:</p>
- <p class="verse">Daß wir wie Du gerungen und geworben,</p>
- <p class="verse">Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-68">
-<a id="page-169" class="pagenum" title="169"></a>
-Die Schutzengel.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vor einem Muttergottes-Bilde</p>
- <p class="verse1">Lag im Gebet ein frommer Mann,</p>
- <p class="verse">Empfehlend ihrer Lieb&rsquo; und Milde</p>
- <p class="verse1">Vor Allem seine Kinder an.</p>
- <p class="verse">Du Quell so vieler Gnadengaben,</p>
- <p class="verse1">Sprach er, sei ihre Helferin,</p>
- <p class="verse">Und nimm die beiden kleinen Knaben</p>
- <p class="verse1">Als Deine eig&rsquo;nen Kinder hin.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Daß ihnen nichts zu Leid geschehe,</p>
- <p class="verse1">Erleuchte sie mit Deinem Strahl.</p>
- <p class="verse">Bewahre sie vor Schmerz und Wehe,</p>
- <p class="verse1">Vor Fall und Krankheit allzumal.</p>
- <p class="verse">Vor Allem aber ihre Seele</p>
- <p class="verse1">Laß, Heilge, Dir empfohlen sein.</p>
- <p class="verse">Bewahre sie vor jeder Fehle,</p>
- <p class="verse1">Flöß&rsquo; ihnen Deine Liebe ein,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-170" class="pagenum" title="170"></a>
- <p class="verse">Maria hört die fromme Bitte,</p>
- <p class="verse1">Die ihr ein Engel übergab,</p>
- <p class="verse">Und ordnet aus der Engel Mitte</p>
- <p class="verse1">Zwei himmlische Gesandten ab.</p>
- <p class="verse">Geht hin und thut, wie ich euch heiße,</p>
- <p class="verse1">Damit erfüllt die Bitte sei.</p>
- <p class="verse">Gesellt euch still in eurer Weise</p>
- <p class="verse1">Den Geistern jener Knaben bei.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun höret, was darauf geschehen,</p>
- <p class="verse1">Der Kindlein Vater hat&rsquo;s geschaut,</p>
- <p class="verse">Ein And&rsquo;rer hätt&rsquo;s auch nicht gesehen,</p>
- <p class="verse1">Der nicht auf sein Gebet vertraut, &ndash;</p>
- <p class="verse">All überall, wo die Knaben waren,</p>
- <p class="verse1">Da standen ihnen Engel nah&rsquo;.</p>
- <p class="verse">Und immer waren in Gefahren</p>
- <p class="verse1">Zwei unsichtbare Hände da.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Kleinste baut sich Kartenhäuser,</p>
- <p class="verse1">Und siehe keines fällt ihm ein;</p>
- <p class="verse">Der Aelt&rsquo;ste, schon ein wenig weiser,</p>
- <p class="verse1">Baut ein Kapellchen sich von Stein.</p>
- <p class="verse">Als hälfen Meister und Gesellen,</p>
- <p class="verse1">So hurtig war das Werk gethan.</p>
- <p class="verse">Er klebt&rsquo; in Mitten der Kapellen</p>
- <p class="verse1">Ein Muttergottes-Bildchen an.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-171" class="pagenum" title="171"></a>
- <p class="verse">Mit Steinen spielen sie, und stellen</p>
- <p class="verse1">Die bunten Steinchen in die Reih&rsquo; &ndash;</p>
- <p class="verse">Die schönsten Kiesel aus den Wellen,</p>
- <p class="verse1">Sie kommen wie von selbst herbei.</p>
- <p class="verse">Der Ball fliegt an die hohen Wände,</p>
- <p class="verse1">Und in die Bäum&rsquo; auf gutes Glück &ndash;</p>
- <p class="verse">Doch werfen unsichtbare Hände</p>
- <p class="verse1">Den Knaben ihren Ball zurück.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie spielen Reiter und sie jagen</p>
- <p class="verse1">In&rsquo;s Feld und über Stock und Stein,</p>
- <p class="verse">Als würden sie im Flug getragen &ndash;</p>
- <p class="verse1">Ein And&rsquo;rer bräche Hals und Bein.</p>
- <p class="verse">Der eine fiel auf Fels herunter,</p>
- <p class="verse1">Und gab sich einen Todesstreich,</p>
- <p class="verse">Ein Engel hielt seine Händchen d&rsquo;runter,</p>
- <p class="verse1">Das Kind fiel wie auf Moos, so weich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ja, wenn die beiden Knaben spielten,</p>
- <p class="verse1">So war&rsquo;s, als wären ihrer vier,</p>
- <p class="verse">Zwei Brüder schützten sie und hielten</p>
- <p class="verse1">Den einen dort, den andern hier,</p>
- <p class="verse">Und als der and&rsquo;re, dem&rsquo;s gerathen,</p>
- <p class="verse1">Ein Zündholz strich, allein im Haus,</p>
- <p class="verse">Da bliesen ihm die Kameraden</p>
- <p class="verse1">Ein jedesmal die Flamme aus.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-172" class="pagenum" title="172"></a>
- <p class="verse">Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen,</p>
- <p class="verse1">Doch sieh, ich weiß nicht, wie&rsquo;s geschah &ndash;</p>
- <p class="verse">Das erste Wort von ihren Zungen,</p>
- <p class="verse1">Das war der Name Maria.</p>
- <p class="verse">Vermuthlich haben die Kameraden</p>
- <p class="verse1">Sie auch dies erste Wort gelehrt,</p>
- <p class="verse">Und so der Mutter Gottes Gnaden</p>
- <p class="verse1">An diesen Kindern neu bewährt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-69">
-<a id="page-173" class="pagenum" title="173"></a>
-Der Cölibat.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Also gefällst Du mir, wenn die Soutane,</p>
- <p class="verse1">Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt,</p>
- <p class="verse">Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne</p>
- <p class="verse1">Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt,</p>
- <p class="verse">Und wenn Dein Blick begeist&rsquo;rungsvoll der Fahne,</p>
- <p class="verse1">Die der Erlöser schwingt, entgegenfliegt;</p>
- <p class="verse">Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen,</p>
- <p class="verse">Zum Dienst des Heil&rsquo;gen dorthin zu gelangen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet,</p>
- <p class="verse1">Doch nicht die Welt, an die die Welt gewöhnt,</p>
- <p class="verse">Zu heil&rsquo;gen Bergen wirst Du hingeleitet,</p>
- <p class="verse1">Die kein Pallast der Residenz verschönt;</p>
- <p class="verse">Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet,</p>
- <p class="verse1">Und wo sein Horn das Thal herniedertönt;</p>
- <p class="verse">Dort steig&rsquo; hinauf, in&rsquo;s freie Reich der Geister,</p>
- <p class="verse">Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-174" class="pagenum" title="174"></a>
- <p class="verse">Denn auf der Höh&rsquo; des Lebens steht der Priester;</p>
- <p class="verse1">Um seinen Scheitel glänzt des Frühroths Strahl;</p>
- <p class="verse">Den Schrein des Himmels öffnet und erschließt er,</p>
- <p class="verse1">Und speis&rsquo;t die Gläub&rsquo;gen mit dem Opfermahl,</p>
- <p class="verse">Und wie der frische Thau des Morgens gießt er</p>
- <p class="verse1">Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal,</p>
- <p class="verse">Und alle Gläub&rsquo;gen sich verneigend beben,</p>
- <p class="verse">Wenn seine Händ&rsquo; empor die Hostie heben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen,</p>
- <p class="verse1">Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab;</p>
- <p class="verse">Es mag sich ferner zu der Liebe neigen,</p>
- <p class="verse1">Der Gott die Heiligung in Christo gab,</p>
- <p class="verse">Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen,</p>
- <p class="verse1">Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab:</p>
- <p class="verse">Ein einz&rsquo;ges nur von allen schönen Loosen</p>
- <p class="verse">Mußt Du zurück in die Entsagung stoßen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet,</p>
- <p class="verse1">Zum Sakramente hat&rsquo;s sein Wort gemacht,</p>
- <p class="verse">Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet,</p>
- <p class="verse1">Wenn&rsquo;s fromm im Geiste Gottes wird vollbracht;</p>
- <p class="verse">Ein süßer Reiz, dem schon Dein Blick begegnet,</p>
- <p class="verse1">Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht;</p>
- <p class="verse">Den stärksten Fürsten irdischer Gewalten</p>
- <p class="verse">Sollst Du mit stärkerm Fuß im Staube halten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-175" class="pagenum" title="175"></a>
- <p class="verse">Die milde Liebe sollst Du stumm verachten,</p>
- <p class="verse1">Auf ihre Zauber stolz herniederseh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Vergeblich soll mit ihrem süßen Schmachten,</p>
- <p class="verse1">Sie an der Pforte Deiner Seele steh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Ein ros&rsquo;ges Glück sollst Du im Herzen schlachten,</p>
- <p class="verse1">An seiner Wonne kalt vorübergeh&rsquo;n;</p>
- <p class="verse">Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen,</p>
- <p class="verse">Was wir der Erde höchste Schätze nennen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kein schönes Auge soll Dein Herz durchdringen,</p>
- <p class="verse1">Kein süßer Traum, der Deine Seel&rsquo; umspinnt;</p>
- <p class="verse">Kein schöner Arm sich um den Dein&rsquo;gen schlingen,</p>
- <p class="verse1">Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,</p>
- <p class="verse">Von keiner Lippe Dir melodisch klingen</p>
- <p class="verse1">Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt,</p>
- <p class="verse">Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt</p>
- <p class="verse">An einem Glück, das uns entzückt und heiligt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen,</p>
- <p class="verse1">So sollst auch Du, ein jungfräulicher Mann,</p>
- <p class="verse">Hinauf zu seinem heil&rsquo;gen Dienste fliegen,</p>
- <p class="verse1">Ein freier Jüngling, den kein Weib gewann,</p>
- <p class="verse">Dem nie die Sehnsucht nach verbot&rsquo;nen Siegen</p>
- <p class="verse1">In feigen Thränen vom Gesichte rann,</p>
- <p class="verse">Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben,</p>
- <p class="verse">Nicht allzufrüh der Creatur gegeben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-176" class="pagenum" title="176"></a>
- <p class="verse">Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren,</p>
- <p class="verse1">Ein jungfräuliches Weib der Perle gleich;</p>
- <p class="verse">Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren,</p>
- <p class="verse1">Gleichwie die Lotosblum&rsquo; auf Hesper&rsquo;s Teich.</p>
- <p class="verse">Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen,</p>
- <p class="verse1">Bekriegst das Fleisch und seiner Lüste Reich,</p>
- <p class="verse">Schmückst Deine Seele mit den Myrthenzweigen:</p>
- <p class="verse">So magst Du auf zu jenen Höhen steigen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert:</p>
- <p class="verse1">So lang&rsquo; Dein Puls dem Weib entgegenschlägt,</p>
- <p class="verse">So lang&rsquo; die Flamm&rsquo; in Deinem Blute lodert,</p>
- <p class="verse1">Die losgelassen Dich in Asche legt,</p>
- <p class="verse">So lang&rsquo; die gift&rsquo;ge Lust noch unvermodert</p>
- <p class="verse1">Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt:</p>
- <p class="verse">Magst Du mit Laien sein und beten,</p>
- <p class="verse">Doch nimmermehr zum Tabernakel treten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zwar sind&rsquo;s nur wenige, die so hoch berufen,</p>
- <p class="verse1">Doch wenn auch <em>einer</em> nur, der also denkt,</p>
- <p class="verse">Ein einz&rsquo;ger Priester, der an heil&rsquo;gen Stufen</p>
- <p class="verse1">Die ird&rsquo;sche Liebe hinter sich versenkt,</p>
- <p class="verse">Den frei von Schuld die Hände Gottes schufen,</p>
- <p class="verse1">Zu Gott die jungfräuliche Seele lenkt:</p>
- <p class="verse">Sie sollen strömen aus entfernten Zonen,</p>
- <p class="verse">Um seinem reinen Opfer beizuwohnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-177" class="pagenum" title="177"></a>
- <p class="verse">Wohl soll ein schönes Auge Dich durchdringen,</p>
- <p class="verse1">Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt,</p>
- <p class="verse">Ein schönes Weib soll Deine Seel&rsquo; umschlingen,</p>
- <p class="verse1">Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,</p>
- <p class="verse">Von ihren Lippen wird&rsquo;s melodisch klingen:</p>
- <p class="verse1">Du bist mein Bräutigam, mein Kind!</p>
- <p class="verse">Um <em>diese</em> Heil&rsquo;ge sollst Du frei&rsquo;n und werben,</p>
- <p class="verse">Dann wird Dein Herz in Wonn&rsquo; und Liebe sterben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch jene Worte sollen Dich entzücken,</p>
- <p class="verse1">Die mir der Knab&rsquo; auf meinen Knien lallt:</p>
- <p class="verse">Denk Dir die Seele, die sich ließ berücken,</p>
- <p class="verse1">Die sich von Gott gewendet, todt und kalt &ndash;</p>
- <p class="verse">Du kannst mit neuem Leben sie beglücken,</p>
- <p class="verse1">Und im Triumph, mit geistiger Gewalt,</p>
- <p class="verse">Aus ihrer Nacht zu jenen gold&rsquo;nen Thüren</p>
- <p class="verse">Der Gnade und des Lichts zurückeführen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn dann jene Seel&rsquo; in sanftem Weinen,</p>
- <p class="verse1">Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt,</p>
- <p class="verse">Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen,</p>
- <p class="verse1">Entzückt in jubelndem Gebete liegt:</p>
- <p class="verse">Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen,</p>
- <p class="verse1">Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt,</p>
- <p class="verse">Dein neugebor&rsquo;nes Kind, dem Du das Leben,</p>
- <p class="verse">Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-178" class="pagenum" title="178"></a>
- <p class="verse">Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande,</p>
- <p class="verse1">Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Führer zeigt?</p>
- <p class="verse">Früh morgens, eh&rsquo; noch hinterm Alpenrande</p>
- <p class="verse1">Empor die schöne Fackel Gottes steigt;</p>
- <p class="verse">Wenn rings noch still, in nächtlichem Gewande,</p>
- <p class="verse1">Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt,</p>
- <p class="verse">Glüht still und einsam, wie in Andachtwonne</p>
- <p class="verse">Die Jungfrau dort im frühen Kuß der Sonne.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Also dort oben, auf der Menschheit Höhen,</p>
- <p class="verse1">Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt,</p>
- <p class="verse">Dort oben, wo die rein&rsquo;ren Lüfte wehen,</p>
- <p class="verse1">Und wo sich keine Sorge hin versteigt,</p>
- <p class="verse">Sollst Du ein <em>jungfräulicher</em> Priester stehen,</p>
- <p class="verse1">Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt;</p>
- <p class="verse">Wie jene Alpe soll in heil&rsquo;gen Frühen</p>
- <p class="verse">Ein jungfräulicher Glanz Dein Haupt umglühen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-70">
-<a id="page-179" class="pagenum" title="179"></a>
-Arion.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1850.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,</p>
- <p class="verse">Stolz kommen die Segel einhergezogen</p>
- <p class="verse1">Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.</p>
- <p class="verse">Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,</p>
- <p class="verse">Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,</p>
- <p class="verse1">Sie führen Arion zum Heimathland.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hoch steht er am Bord im Abendglanze,</p>
- <p class="verse">Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,</p>
- <p class="verse1">Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.</p>
- <p class="verse">&bdquo;O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!</p>
- <p class="verse">Nun kehr&rsquo; ich dir wieder im größten Glücke,</p>
- <p class="verse1">Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,</p>
- <p class="verse">Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.</p>
- <p class="verse1">In die grollenden Fluthen ruft er hinab:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Poseidon, schütz&rsquo; uns, du Wogendränger!</p>
- <p class="verse">Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,</p>
- <p class="verse1">Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,</p>
- <p class="verse1">So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.</p>
-<a id="page-180" class="pagenum" title="180"></a>
- <p class="verse">Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,</p>
- <p class="verse">Lebendig wirst du uns dem König verrathen,</p>
- <p class="verse1">Den Leichnam bringen wir sicher in Port.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und jener bittet und flehet vergebens.</p>
- <p class="verse">&bdquo;Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?</p>
- <p class="verse1">Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?</p>
- <p class="verse">So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen</p>
- <p class="verse">Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen,</p>
- <p class="verse1">Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die eben noch unerbittlich waren &ndash;</p>
- <p class="verse">Arion zu hören, reizt die Barbaren.</p>
- <p class="verse1">Er kleidet sich d&rsquo;rauf in köstlich Gewand.</p>
- <p class="verse">Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,</p>
- <p class="verse">Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,</p>
- <p class="verse1">So steht er, die Cither in seiner Hand.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Rauschet meine letzten Klänge!</p>
- <p class="verse">Rauschet wie Triumphgesänge</p>
- <p class="verse1">Meiner Lieder schönstes Lied!</p>
- <p class="verse">Kühn, wie zu des Himmels Bogen</p>
- <p class="verse1">Sturmbewegt die Welle flieht,</p>
- <p class="verse">Schlage deine großen Wogen,</p>
- <p class="verse1">Jubelharmonienmeer,</p>
- <p class="verse1">Majestätisch um mich her!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn ich geh&rsquo; zu meinen Göttern.</p>
- <p class="verse">In des Sturmes Donnerwettern</p>
- <p class="verse1">Grüßen sie Arion schon.</p>
-<a id="page-181" class="pagenum" title="181"></a>
- <p class="verse">Durch der Wogen wildes Brausen</p>
- <p class="verse1">Hör&rsquo; ich Orpheus süßen Ton.</p>
- <p class="verse">Hin, wo uns&rsquo;re Helden hausen,</p>
- <p class="verse1">Sink&rsquo; ich, hellumstrahlt vom Ruhm,</p>
- <p class="verse1">Selig in&rsquo;s Elysium.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Rauschet, meiner Cither Klänge,</p>
- <p class="verse">Rauschet, wie Triumphgesänge,</p>
- <p class="verse1">Meiner Lieder letztes Lied!</p>
- <p class="verse">Du Thalassa, die den Bogen</p>
- <p class="verse1">Um der Menschen Länder zieht,</p>
- <p class="verse">Schlage deine großen Wogen,</p>
- <p class="verse1">Wie ein Harmonienmeer,</p>
- <p class="verse1">Majestätisch um mich her!&ldquo;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,</p>
- <p class="verse">Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.</p>
- <p class="verse1">Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter</p>
- <p class="verse">Der bläulichen See lebendige Wunder,</p>
- <p class="verse1">Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,</p>
- <p class="verse">So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken</p>
- <p class="verse1">Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch.</p>
- <p class="verse">Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,</p>
- <p class="verse">Da steiget Arion gerettet zum Lande. &ndash;</p>
- <p class="verse1">Der Sänger steht in der Götter Hut.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-71">
-<a id="page-182" class="pagenum" title="182"></a>
-Militär-Toast.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="year">
-1850.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie glänzt der Tisch im festlichen Gepränge,</p>
- <p class="verse2">Geschütz erschallt, das Echo hallt,</p>
- <p class="verse2">Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt,</p>
- <p class="verse">Und vom Orchester strömen lust&rsquo;ge Klänge,</p>
- <p class="verse">Wer sagt&rsquo;s noch, daß das Herz ihm schwer und enge?</p>
- <p class="verse1">Wer sagt&rsquo;s, wer wagt&rsquo;s? Hurrah, die Augen blinken!</p>
- <p class="verse1">Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken,</p>
- <p class="verse1">Und laßt&rsquo;s ihn aus bis auf den Boden trinken!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze?</p>
- <p class="verse2">Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal,</p>
- <p class="verse2">Und allzumal die Lust im Saal.</p>
- <p class="verse">Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze?</p>
- <p class="verse">Wer schlägt für ihn sein Blut nicht in die Schanze?</p>
- <p class="verse1">Wer sagt&rsquo;s, wer wagt&rsquo;s? Hurrah, auf von den Sitzen,</p>
- <p class="verse1">Und füllt die Gläser mit den gold&rsquo;nen Blitzen,</p>
- <p class="verse1">Gebt das Signal den donnernden Geschützen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-183" class="pagenum" title="183"></a>
- <p class="verse">Gott grüß dich, Vaterland, du uns&rsquo;re Wiege!</p>
- <p class="verse2">Das Auge glüht, die Seele sprüht,</p>
- <p class="verse2">Das Herz durchzieht ein heilig Lied!</p>
- <p class="verse">Gott schütze dich im Frieden und im Kriege!</p>
- <p class="verse">Wer schmäht dich, deinen Ruhm und deine Siege?</p>
- <p class="verse1">Wer sagt&rsquo;s, wer wagt&rsquo;s? Hurrah, die Hand zum Stahle!</p>
- <p class="verse1">Und füllt mit schaum&rsquo;gen Regen die Pokale,</p>
- <p class="verse1">Hoch lebe Preußen, hoch! im Siegesstrahle!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen</p>
- <p class="verse2">Vom Memelstrand bis hier in&rsquo;s Land,</p>
- <p class="verse2">Ein einiges Band, &rsquo;ne einz&rsquo;ge Hand &ndash;</p>
- <p class="verse">So steh&rsquo;n wir auf, werth uns&rsquo;rer tapfern Ahnen!</p>
- <p class="verse">Wem ist sein Blut noch lieb für deine Fahnen?</p>
- <p class="verse1">Wer sagt&rsquo;s, wer wagt&rsquo;s? Hurrah, Tod sei der Schande,</p>
- <p class="verse1">Und laßt die Gläser schäumen bis zum Rande:</p>
- <p class="verse1">Treu unserm König und dem Vaterlande!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir wählen;</p>
- <p class="verse2">Vom Feind bedroht, vom Brand umloh&rsquo;t,</p>
- <p class="verse2">In Sturm und Noth, bis in den Tod,</p>
- <p class="verse">Soll Fürst und Land auf seine Söhne zählen.</p>
- <p class="verse">Wer zweifelt an dem Schwur von Männerseelen!</p>
- <p class="verse1">Wer sagt&rsquo;s, wer wagt&rsquo;s? Wer will uns dort verdammen?</p>
- <p class="verse1">Reicht mir den Becher mit den gold&rsquo;nen Flammen;</p>
- <p class="verse1">Wir bleiben treu, und bräch&rsquo; die Welt zusammen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-72">
-<a id="page-184" class="pagenum" title="184"></a>
-Ein Geister-Ständchen.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="u subt">
-Zum sechzigjährigen Dienstjubiläum<br />
-Sr. Exc. des Herrn Militär-Gouverneurs,<br />
-Generals der Cavallerie,<br />
-<em>von Wedell</em>,<br />
-zu Luxemburg, am 15. April 1856.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Nacht war still, kein Lüftchen ging,</p>
- <p class="verse">Es war zwölf Uhr, und am Himmel hing</p>
- <p class="verse1">Der Mond wie eine bleiche Laterne.</p>
- <p class="verse">Die Welt schlief fest, kein Laut war wach,</p>
- <p class="verse">Als die knarrende Fahne vom Kirchendach</p>
- <p class="verse1">Und der Posten Ruf in der Ferne.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da plötzlich tönt von der Schloßwacht her</p>
- <p class="verse">Ein lautes Werda, sie tritt in&rsquo;s Gewehr &ndash;</p>
- <p class="verse1">D&rsquo;rauf ein Rasseln und Rauschen ohn&rsquo; Ende &ndash;</p>
- <p class="verse">Ein blut&rsquo;ges Regiment, ein bleiches Corps,</p>
- <p class="verse">Als kämen sie just aus den Gräbern hervor,</p>
- <p class="verse1">Dringt über den Fischmarkt behende.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-185" class="pagenum" title="185"></a>
- <p class="verse">Mit Büchsen und Flinten, mit Lanz&rsquo; und mit Schwert</p>
- <p class="verse">Das trippelt und trappelt, zu Fuß und zu Pferd,</p>
- <p class="verse1">Und stehet nicht Antwort und Rede.</p>
- <p class="verse">Sie drängen sich links, sie wissen wohin,</p>
- <p class="verse">Und schwenken sich auf vor St. Maximin,</p>
- <p class="verse1">Ein junger Major an der Tete.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie tragen von allerhand Farben Gewand,</p>
- <p class="verse">Und Keinem ist die Montirung bekannt</p>
- <p class="verse1">Der blutigen Geisterschaaren.</p>
- <p class="verse">Auf Manchen hängt sie in Fetzen nur &ndash;</p>
- <p class="verse">Doch trägt der Major die Parade-Montur</p>
- <p class="verse1">Der brandenburg&rsquo;schen Husaren &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und trägt auf der Brust, wie als er noch stritt,</p>
- <p class="verse">Das stattliche Ordenskreuz <span class="antiqua">pour le mérite</span>,</p>
- <p class="verse1">Mit der kleinen Krone von Perlen.</p>
- <p class="verse">D&rsquo;ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt,</p>
- <p class="verse">Als er todt da lag am Ostseestrand,</p>
- <p class="verse1">Zerfetzt von den dänischen Kerlen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und er winkt, der Trompeter bläst zum Appell,</p>
- <p class="verse">Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell,</p>
- <p class="verse1">Und erheben die blut&rsquo;ge Standarte.</p>
- <p class="verse">Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf,</p>
- <p class="verse">Und es treten hervor aus dem düstern Hauf,</p>
- <p class="verse1">Die man dort im Sande verscharrte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-186" class="pagenum" title="186"></a>
- <p class="verse">Beim Ruf <em>Dodendorf</em> vor die Fronte tritt</p>
- <p class="verse">Diezelsky, geschmückt mit dem Kreuz du mérite,</p>
- <p class="verse1">Auch Stössel und Voigt auf den Rossen,</p>
- <p class="verse">Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant,</p>
- <p class="verse">Mit dem Parlamentärtuch in seiner Hand,</p>
- <p class="verse1">Den sie meuchlerisch todt geschossen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf,</p>
- <p class="verse">Sie reiten herbei auf leichtem Huf &ndash;</p>
- <p class="verse1">Zerhau&rsquo;ne, verweg&rsquo;ne Gesichter.</p>
- <p class="verse">D&rsquo;rauf von <em>Dömitz</em> und <em>Dammgarten</em> rückt&rsquo;s herbei,</p>
- <p class="verse">Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei,</p>
- <p class="verse1">Und der Haufen wird immer dichter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da öffnet der Feldherr wieder den Mund,</p>
- <p class="verse">Und schwingt den Säbel und ruft: <em>Stralsund!</em></p>
- <p class="verse1">Und es melden sich tausend Männer.</p>
- <p class="verse">Voran ein wilder Husarenschwarm,</p>
- <p class="verse">Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm,</p>
- <p class="verse1">Die Andern auf luftigem Renner.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch Billerbeck, Eyb und Halletius,</p>
- <p class="verse">Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß</p>
- <p class="verse1">Zu Stralsund am Knieperthore,</p>
- <p class="verse">Von Alvensleben auch, der wackere Held,</p>
- <p class="verse">Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld,</p>
- <p class="verse1">Sie treten hervor aus dem Chore.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-187" class="pagenum" title="187"></a>
- <p class="verse">Da ruft der Major: <em>Sanct Leonhard!</em></p>
- <p class="verse">D&rsquo;rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt,</p>
- <p class="verse1">Die vierzehn gefangenen Krieger.</p>
- <p class="verse">Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust,</p>
- <p class="verse">Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt,</p>
- <p class="verse1">Und waren im Tode Sieger.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun bleiben noch elf Offiziere zurück &ndash;</p>
- <p class="verse">Der Major ruft: <em>Wesel!</em> und verhüllt den Blick,</p>
- <p class="verse1">Und die Elfe beschließen die Schaaren &ndash;</p>
- <p class="verse">Gar edle Jünglinge, hingestreckt,</p>
- <p class="verse">Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt,</p>
- <p class="verse1">Die im Leben nur Ein Herz waren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und als sie versammelt sind Mann für Mann,</p>
- <p class="verse">Da heben die Trompeter zu blasen an</p>
- <p class="verse1">Die schönste der Serenaden,</p>
- <p class="verse">Ein Jubellied, das zum Herzen dringt</p>
- <p class="verse">Und hell majestätisch die Nacht durchklingt,</p>
- <p class="verse1"><em>Zum Gruß ihrem alten Kameraden</em>.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund,</p>
- <p class="verse">Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund,</p>
- <p class="verse1">Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren.</p>
- <p class="verse">So schauerlich hörte die Stadt noch keins &ndash;</p>
- <p class="verse">Da schlug die Uhr vom Kirchthurm <em>Eins</em> &ndash;</p>
- <p class="verse1">Und zerstoben war Schill mit den Schaaren.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-73">
-<a id="page-188" class="pagenum" title="188"></a>
-Die St.-Helena-Medaille.<a class="fnote" href="#footnote-16" id="fnote-16">[16]</a>
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weis&rsquo; her die wälsche Medaille!</p>
- <p class="verse1">Wie funkelt so neu das Ding!</p>
- <p class="verse">Und so alt schon ist die Bataille,</p>
- <p class="verse1">Wo Dein Arm zum Teufel ging.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wär&rsquo; weiter nichts mitgegangen,</p>
- <p class="verse1">Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz,</p>
- <p class="verse">Sie hätten Dir nicht gehangen</p>
- <p class="verse1">Die Medaille an seinen Platz.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie hätten es nicht probiret,</p>
- <p class="verse1">Nach fünfzig Jahren auf&rsquo;s Neu&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Und zweimal speculiret</p>
- <p class="verse1">Auf Deine Kaisertreu&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Kaiser liegt im Grabe</p>
- <p class="verse1">Und seine Garde dazu.</p>
- <p class="verse">Gott geb&rsquo; ihm und seinem Stabe</p>
- <p class="verse1">Pardon und die ew&rsquo;ge Ruh&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-189" class="pagenum" title="189"></a>
- <p class="verse">Viel Jahre sind gezogen</p>
- <p class="verse1">Wohl über die Gruft daher.</p>
- <p class="verse">Kaum rauschen noch die Wogen</p>
- <p class="verse1">Die blutige Kaisermähr.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und Gras ist viel gewachsen</p>
- <p class="verse1">Ueber Ehr&rsquo; und über Schand&rsquo;,</p>
- <p class="verse">In Preußen und in Sachsen</p>
- <p class="verse1">Und im Franzosenland.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun kommen sie wieder und äffen</p>
- <p class="verse1">Und schmücken sich mit dem Ding</p>
- <p class="verse">Und werben Dich für den Neffen</p>
- <p class="verse1">Um einen Silberling.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kämen sie im Schlachtgebrause</p>
- <p class="verse1">Zu hunderttausend Mann,</p>
- <p class="verse">Wir schickten sie nach Hause,</p>
- <p class="verse1">Wie wir es schon gethan.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und Du greifst nach dem Bande?</p>
- <p class="verse1">Du heftest Dir es an?</p>
- <p class="verse">Du brüstest Dich mit der Schande!</p>
- <p class="verse1">O, schäme Dich, alter Mann!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-74">
-<a id="page-190" class="pagenum" title="190"></a>
-Testament.
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="subt">
-(November 1858.)
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ich ausgelitten hab&rsquo;</p>
- <p class="verse1">Und mich von euch wende,</p>
- <p class="verse">Macht mir doch mit meinem Grab&rsquo;</p>
- <p class="verse1">Nicht viel Complimente.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Setzt mir keinen Stein daher,</p>
- <p class="verse1">Der&rsquo;s den Leuten sage:</p>
- <p class="verse">Freut euch, daß ich keinen mehr</p>
- <p class="verse1">Auf dem Herzen trage.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch mit Rosen bleibt mir fort,</p>
- <p class="verse1">Kränzen oder Kronen,</p>
- <p class="verse">Flechtet sie, wo hier und dort</p>
- <p class="verse1">Frohe Menschen wohnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weder Schutt noch Blumenfeld,</p>
- <p class="verse1">Scherben oder Kräuter,</p>
- <p class="verse">Machen mir die and&rsquo;re Welt</p>
- <p class="verse1">Länger oder breiter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-191" class="pagenum" title="191"></a>
- <p class="verse">Viel Poeten haben&rsquo;s gern</p>
- <p class="verse1">Wenn sich Vöglein&rsquo;s Flügel</p>
- <p class="verse">Um die Zeit vom Abendstern</p>
- <p class="verse1">Senkt auf ihren Hügel,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Oder wenn vom nahen Baum</p>
- <p class="verse1">Nachtigallen pfeifen,</p>
- <p class="verse">Während durch den stillen Raum</p>
- <p class="verse1">Laue Weste streifen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nichts begehr&rsquo; ich von dem All&rsquo;n</p>
- <p class="verse1">Wollt&rsquo; auch eh&rsquo;r erdolcht sein,</p>
- <p class="verse">Als von Mond und Nachtigall&rsquo;n</p>
- <p class="verse1">Bis in&rsquo;s Grab verfolgt sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Im November jedes Jahr</p>
- <p class="verse1">Soll&rsquo;t ihr mich besuchen,</p>
- <p class="verse">Dort, wohin mich auf der Bahr</p>
- <p class="verse1">Fremde Schultern trugen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ob vielleicht schon Schnee und Frost</p>
- <p class="verse1">Mich bedeckt da draußen,</p>
- <p class="verse">Ob die Stürm&rsquo; aus Nord und Ost</p>
- <p class="verse1">Durch die Felder brausen &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-192" class="pagenum" title="192"></a>
- <p class="verse">Grade wenn&rsquo;s recht stürmisch ist,</p>
- <p class="verse1">Sollt ihr zu mir treten,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Vater unser, der du bist&ldquo;,</p>
- <p class="verse1">Herzhaft für mich beten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So befohlen und gestift&rsquo;t</p>
- <p class="verse1">Hier in dem Gedichte,</p>
- <p class="verse">Auf daß Jeder, den&rsquo;s betrifft,</p>
- <p class="verse1">Demgemäß sich richte.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="centerpic">
-<img src="images/i192.jpg" alt="" /></div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="toc" id="chapter-0-75">
-<a id="page-193" class="pagenum" title="193"></a>
-Inhaltsverzeichniß.
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="table">
-<table class="toc" summary="TOC">
-<tbody>
- <tr>
- <td class="col1">Vorwort mit der Biographie des Dichters</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-III">III</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-3">3</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-5">5</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am Geburtstage meines Vaters</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-6">6</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am Anfange der Osterferien</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-11">11</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am 8. December</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-13">13</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-16">16</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Nachtwächter-Lied</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-19">19</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Es war mir heut&rsquo; Abend so einsam, so leer</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-21">21</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Gruß an die Heimath</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-22">22</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Mein Engel</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-25">25</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Sehnsucht nach dem Tode</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-27">27</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Reliquie eines Verschollenen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-31">31</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-36">36</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Waldmühle</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-38">38</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Schweizers Sehnsucht</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-41">41</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Mein Wunsch</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-47">47</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die letzte Rose</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-48">48</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Sonett</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-51">51</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1"><a id="page-194" class="pagenum" title="194"></a>Sonett</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-52">52</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Johannisblume</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-53">53</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">In der Ferne wohnt mein Glück</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-54">54</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-56">56</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-59">59</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem Wimez&rsquo;schen Institute aufführten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-63">63</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Gesang der Sterne</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-65">65</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Liebe Sehnen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-67">67</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Veilchenstrauß</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-69">69</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Tag der Vereinigung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-71">71</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Siehst Du, wo im Abendgolde</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-73">73</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Bürgergardist</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-74">74</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Natur</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-76">76</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Vaterfreude</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-78">78</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs von Luxemburg</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-81">81</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ludwig Philipp</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-84">84</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Was ist des Deutschen Vaterland?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-87">87</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Blau, weiß, roth</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-90">90</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Bei Sebastopol</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-92">92</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ferienweihe</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-94">94</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Von der Luxemburger Mosel</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-99">99</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Es lag mir schon sehr lange nah&rsquo;</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-102">102</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Fische</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-103">103</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Morgenlied von dem Schäfchen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-105">105</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Maria und der Doctor</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-107">107</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Des armen Kindes heiliger Christ</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-109">109</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Des Schweizers Heimweh</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-112">112</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Morgen im Garten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-114">114</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Am Abend</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-116">116</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1"><a id="page-195" class="pagenum" title="195"></a>Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-118">118</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Katholik</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-120">120</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">In einer protestantischen Kirche</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-122">122</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Maria!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-130">130</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Maria in der Seele</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-135">135</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Verfolgung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-138">138</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">1848</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-142">142</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Komm!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-145">145</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Das Marienbild zu Rimini</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-147">147</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">An Maria</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-149">149</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, vom Vereine gewidmet</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-150">150</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Lied für den Jünglingsverein</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-152">152</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach Rom</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-155">155</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Lehrer an seine Schüler</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-158">158</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-161">161</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Nach gegebenen Endreimen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-166">166</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">An P. Klein&rsquo;s Grabe</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-167">167</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Schutzengel</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-169">169</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Cölibat</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-173">173</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Arion</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-179">179</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Militär-Toast</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-182">182</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ein Geister-Ständchen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-184">184</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die St.-Helena-Medaille</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-188">188</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Testament</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-190">190</a></td>
- </tr>
-</tbody>
-</table>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="footnotes" id="chapter-0-76">
-Fußnoten.
-</h2>
-
-</div>
-
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-1" id="footnote-1">[1]</a> Meine Inaugural-Dissertation (<span class="antiqua">De jure ejus, qui speciem ex
-aliena materia fecit</span>) findet sich in den Pandektencompendien citirt.
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-2" id="footnote-2">[2]</a> Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten
-Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem
-Fuße eingerichtet wurde, fing auch Koch&rsquo;s Stellung an zu schwanken. Mit
-dem Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär
-derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef
-(<span class="antiqua">chef de division</span>) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann
-zum Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher
-Stelle er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser
-Zeit an genoß Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen
-Beschäftigung als beeideter Uebersetzer des &bdquo;Memorial&ldquo;, für das er
-den deutschen Text zu besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis
-er vor elf Jahren erst provisorisch, dann definitiv zum Professor der
-deutschen Sprache und Literatur am königl. großherzgl. Athenäum
-ernannt wurde.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-Anm. d. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-3" id="footnote-3">[3]</a> Abgedruckt aus den Mainzer &bdquo;Katholische Sonntagsblätter&ldquo;,
-Jahrgang 1846, Nr. 28.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-4" id="footnote-4">[4]</a> Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand
-1857. Bei dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen:
-<span class="antiqua">E. Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german
-edition by A. v. Beresford. 8.</span>
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-5" id="footnote-5">[5]</a> Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später
-bei Hotop in Cassel (&bdquo;Salon-Novellen&ldquo; 1851, ferner &bdquo;Drei Novellen&ldquo;),
-einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung &bdquo;Was ihr wollt&ldquo;.
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-6" id="footnote-6">[6]</a> Vgl. &bdquo;Morgenblatt&ldquo; 1847, &bdquo;Telegraph für Deutschland&ldquo;, Hamburg
-1847, Nr. 111.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-7" id="footnote-7">[7]</a> Aus dem &bdquo;Salon&ldquo; Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-8" id="footnote-8">[8]</a> Abgedruckt aus dem &bdquo;Salon&ldquo; 1842. Nr. 60.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-9" id="footnote-9">[9]</a> Abgedruckt aus dem &bdquo;Lux. Wort&ldquo;, Jahrg. 1849.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-10" id="footnote-10">[10]</a> Vgl. &bdquo;Des fremden Kindes heiliger Christ&ldquo; von Rückert.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-11" id="footnote-11">[11]</a> Joh. VI.
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-12" id="footnote-12">[12]</a> Abgedruckt aus den Mainzer &bdquo;Katholische Sonntagsblätter&ldquo;,
-Jahrgang 1846, Nr. 31.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-13" id="footnote-13">[13]</a> Abgedruckt aus den Mainzer &bdquo;Katholische Sonntagsblätter&ldquo;,
-Jahrgang 1846, Nr. 33.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-14" id="footnote-14">[14]</a> Abgedruckt aus den Mainzer &bdquo;Katholische Sonntagsblätter&ldquo;,
-Jahrgang 1846, Nr. 33.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-15" id="footnote-15">[15]</a> Abgedruckt aus der &bdquo;<span class="antiqua">Quotidienne Luxembourgeoise</span>&ldquo;, Jahrgang
-1855, Nr. 83.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-16" id="footnote-16">[16]</a> Abgedruckt in der &bdquo;Köln. Ztg.&ldquo;, Jahrgang 1857,
-Nr. 287.
-</p>
-
-<p class="sign footnote2">
-D. H.<br />
-
-</p>
-
-<div class="trnote chapter">
-<p class="transnote">
-Anmerkungen zur Transkription
-</p>
-
-<p>
-Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt.
-</p>
-
-<p>
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-</p>
-
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE ***
-
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-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
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-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
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-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
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-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- http://www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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