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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Ernst Koch's Gedichte - Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem - Freunde des Verstorbenen - -Author: Ernst Koch - -Editor: Ludwig Housse - -Release Date: August 31, 2020 [EBook #63086] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. -This book was produced from images made available by the -Open Repository Kassel. - - - - - - - Ernst Koch's - - - - - Gedichte, - - - aus dessen Nachlasse - gesammelt und herausgegeben - von - einem Freunde des Verstorbenen. - - - Luxemburg. - Druck und Verlag von _B. Bück_. - 1859. - - - - - - -Der Name _Ernst Koch_, dessen poetischen Nachlaß wir in dieser Sammlung -der Oeffentlichkeit übergeben, hat in der Tagesliteratur bereits einen -zu guten Klang, als daß wir hier sein Lob unternehmen müßten. Sein -»Prinz Rosa-Stramin«, seine »Erzählungen« und »Novellen« haben ihn auch -in weitern Kreisen rühmlichst bekannt gemacht, und er dürfte unter der -Legion von Dichtern und Literaten, die in den letzten Decennien in allen -Ecken und Winkeln Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den -wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie einen -bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch die spätere -Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren des Verstorbenen nicht -ohne Mühe zusammengetragen, allen Freunden der schönen Literatur eine -willkommene Gabe sein. Nur bedauern wir, daß ein so frühreifes -reichbegabtes Dichtertalent uns verhältnißmäßig so wenig Früchte und -Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewiß hätte Koch der -köstlichen Blumen noch unendlich mehr in den Blüthenkranz deutscher -Poesie hineingewunden, wenn er ihrer in Frieden und Muße hätte warten -können. Aber es ist ein untrügliches Kennzeichen von der Echtheit der -ihm gewordenen Dichterweihe, daß die harten Schläge des Schicksals und -die Last der prosaischen Tagesgeschäfte, die ihm oft auf der Brust lagen -wie ein drückender Alp, den glimmenden Funken seines Genius nicht -erstickt haben. - -Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der Dichter selbst in -einer biographischen Skizze, die wir einem seiner Manuscripte entnehmen, -aufgezeichnet. Freilich sind es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen -unmöglich ein vollständiges Bild von seiner interessanten -Persönlichkeit, wie sie mit ihrer Gemüthlichkeit und Lebendigkeit und -ihrem unverwüstlichen Humor, dem bei allem Ernst des Lebens etwas -jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit geblieben war, im Geiste -seiner Freunde und Schüler noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und -noch viel weniger von seinem überaus reichen und geheimnißvollen -Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir ihn kennen in -seinen Werken. In seinen Erzählungen und Novellen, worin ein gut Stück -aus dem eigenen Leben hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst -geschildert, und besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermöchte. -Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte, mögen wir am -besten den Tönen ablauschen, welche die Saiten seiner Harfe -durchzitterten. - -»Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in Niederhessen, im Hause -meines Großvaters, des Obervogts Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch -(1847 als pensionirter Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals -Friedensrichter zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach -Waldkappel und 1816 als fürstlich Rotenburgischer Oberschultheiß nach -Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14. Jahre, und erhielt in den -Stadtschulen die Elementar- und die ersten humanistischen Kenntnisse. -Die wundervolle, liebliche Natur des Werrathales und die Lectüre der -Schiller'schen, Körner'schen und Mathisson'schen Lyrik, für die mein -Vater schwärmte, übten ihren Einfluß auf den lebhaften Knaben. 1821, als -mein Vater als Kreisrath nach Kassel berufen wurde, trat ich dort in die -3. Klasse des Lyceums ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der -höhere Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben die -poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon in der Tertia, -lieferte in Secunda himmelstürmende Aufsätze, bei denen dem würdigen -Lehrer der Maßstab der schulmäßigen Prosa versagte, und durchschwärmte -in Prima alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe. -Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universität Marburg, dann -Göttingen und wieder Marburg, wo ich 1829 als _Doctor juris_ -absolvirte[1]. 1830 brachte ich den Sommer in Berlin zu, um mich -dort als Privatdocent zu habilitiren. Indeß riefen mich die -damaligen Ereignisse nach Kassel zurück und ich trat in den -hessischen Staatsdienst als Obergerichts-Referendar ein. Hier -schossen die »Vigilien« unter Bescheid-Entwürfen und gelehrten -Appellations-Relationen auf, und wandten mir, als ein Zufall den -Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten Publikums zu. -Diese erkaltete plötzlich, als ich die Ernennung zum Sekretär des -Landtags-Commissars und 1832 die zum provisorischen außerordentlichen -Referenten im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser -Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurückgeschickt, um mich -zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten. Mit dem Publikum zerfallen, -zerfiel ich bald mit mir selbst, und begann statt der Prüfungsarbeiten, -ein ungebundenes Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung -stürzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschluß brachte, das Vaterland -heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu verlassen. Ich wendete mich nach -Straßburg. Verschiedene Pläne, mir eine Existenz zu gründen, mißglückten -hier und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte mich der -gänzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die französische Armee -einzutreten. Man sandte die Freiwilligen über Toulon nach Algier in die -Fremdenlegion. Diese wurde noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien -als Hülfstruppe der Königin Christine gegen die Carlisten übergeführt, -und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps, das innerhalb zweier -Jahre durch Kugeln und Krankheiten und Strapazen von 7000 auf 381 Mann -herabschmolz, und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren -Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der römisch-katholischen -Kirche übertrat, trug ich mein armes Herz, das nunmehr fest, aber auch -kalt geworden, und aus dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen -Zaubereien und Träume hinausgefegt hatte, der heimathlichen Erde zu. So -kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion nach -sechswöchentlicher Wanderung von Pamplona über Metz und Sierk im -September 1837 bei Marburg an, wo ihn ein Freund aus den -Universitätsjahren auf der Landstraße empfing, der ihm eine Stunde -darauf aus Lewald's »Europa« Franz Dingelstedt's Worte vorlas: »Kassel -hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren, und diesen nur -zufällig, der ist Ernst Koch, der Verfasser des Prinz Rosa-Stramin. -Seitdem er seine Vaterstadt verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge -die Vorsehung ihn schützen auf seinen dunklen Pfaden.« Der Landesfürst -verweigerte dem Zurückgekehrten, der sich bei seinen versöhnten Eltern -in ein einsames Leben zurückzog und eine Darstellung des althessischen -Privatrechtes begann, das fast vollendet ist, jede Anstellung, und mit -Mühe erschwang ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Röfing -das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt vergütete. Da rief -mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug nach Luxemburg, wo ich sofort -als Regierungssekretär angestellt wurde, nach Hassenpflug's Abgang als -Bureauchef in der Verwaltung blieb[2], mich mit einer Luxemburgerin, der -Tochter des Eigenthümers Müllendorf, verheirathete und jetzt als -glücklicher und geachteter Familienvater mit Erfolg das Amt eines -Professors der deutschen Sprache und Literatur beim königl. großherzgl. -Athenäum bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden Nebensache -geworden, für die ich weder um Muße noch um Stoff werben mag. Auch die -Novellen (1847) sind die Frucht weniger müßigen Wochen, da die erste und -zweite derselben schon früher im Dingelstedt'schen »Salon« abgedruckt -waren.« - -Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschätzt, im stillen -Kreise seiner Familie und seiner lieben Zöglinge. Dem armen Dulder -schien endlich, nach vielem Ringen und Herumirren, in seiner zweiten -Heimath die langersehnte Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum -hatte sich unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen -neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, -- wohl die -Nachwehen früherer Anstrengung -- nach einer Ferienreise in seine -Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten Anfänge eines chronischen -Brustkatarrhs, von dem er nicht mehr genesen sollte. Die Strapazen und -Entbehrungen des Legionars in der Sonnengluth Afrika's und in den -Schreckensgründen der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und Leiden des -Familienvaters, dem ein früher Tod sieben von zehn Kindern, und das -letzte noch während seiner Krankheit entrissen hatte, waren nicht -spurlos an ihm vorübergegangen, und die anhaltende Geistesthätigkeit und -körperliche Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21 Stunden -wöchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache, das bei der Feuergluth -einer sanguinisch-cholerischen Natur, die alles, was sie unternahm, mit -dem Schwung der höchsten Begeisterung angriff, die ganze Persönlichkeit -des Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet, seine -zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten die Aerzte die -furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht. Vergebens stellte Koch -seine Curse am Athenäum ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden -Lebenskräfte zu verjüngen. Krank und gebrochen kehrte er nach Luxemburg -zurück, wo er nach langem Leiden und schwerem Kampfe am 24. November -1858, mit den Sakramenten und Tröstungen der heiligen Kirche gestärkt, -der er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben war, -vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging. - - * * * * * - -Koch's Rückkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis auf wenige -Ausnahmen mit seiner früheren Umgebung zerfallen war, hat hie und dort -zu manchem schiefen und lieblosen Urtheil Anlaß gegeben und ist noch -jüngst als eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet -worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener Feder dürfte darum -hier ihren geeigneten Platz finden. - - - Eine Bekehrung.[3] - -»Während des neuesten Religionskrieges in Spanien war der Bischofssitz -in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt geblieben, und der bischöfliche -Palast zum Militärhospital für die Christine'schen Truppen eingerichtet -worden. Dieses Gebäude, kaum noch kenntlich an der über dem -Haupteingange befindlichen Überschrift, war in Folge dieser veränderten -Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und des geistlichen Friedens eine -schmutzige Wohnung unbeschreiblichen Elendes und Jammers geworden. Im -Jahre 1837 waren nicht blos die zwölf Säle, sondern auch die Gänge und -Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in welchem die täglich vom -Heere dort ankommenden Verwundeten, Siechen, Fieberkranken und sonstigen -Leidenden aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im höchsten -Grade erbärmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben. Die Kranken wurden -auf den dürftigen Strohlagern vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die -Armen, aus allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der -untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der fernen Mancha, -stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen schwebten über der ganzen -Einrichtung wie die Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (_hijas -de la caridad_), und der bischöfliche Caplan, D. Raphael Salvador. Die -ersteren besorgten die Wäsche, die Küche u. s. w. und trösteten in ihrer -bekannten liebevollen Weise. Der letztere, ein junger Mann von etwa 35 -Jahren, wandelte durch die Säle mit dem Sacramente und tröstete die -Sterbenden. - -»Am 15. März 1837 ging durch das von Wachen besetzte Thor dieses -Hospitals mit Tornister und Gewehr ein Unteroffizier der französischen -Fremdenlegion (welche bekanntlich von Frankreich der Königin Christine -aus Algier herüber zur Hülfe geschickt war, und binnen zwei Jahren durch -Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381 zusammenschmolz). Der -Fremde zeigte das Eintrittsbillet vor, wankte mit zitternden Knieen -die Treppe hinauf, und war schon nach wenigen Stunden der -Besinnungslosigkeit und einem heftigen Nervenfieber zur Beute. - -»Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwärtigen. Zum ersten Male nach -1½ Jahren Kriegsleben, war ich in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das -Fieber in den Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren. - -»Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen Lande -geboren, und in der sogenannten reformirten Lehre, so wie es zu -geschehen pflegt, erzogen worden. Vom Catechismus kannte ich höchstens -nur noch die Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende -Bedürfniß des Glaubens hatte bei mir sich schon früher in ruhigen -Stunden in der Art geregt, daß ich mir vornahm, wenn ich einmal Zeit -hätte, mir mein vollständiges Glaubensbekenntniß aufzubauen, damit ich -wüßte, woran ich wäre. Denn am Ende muß man doch, dacht' ich, an etwas -glauben, und mit sich in diesem wichtigen Capitel im Reinen sein. -Aehnliches kam mir hier im Hospital in den Sinn, indem ich nach vier -Wochen zum ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem Tode, -wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum fing ich nicht damit -an, die Lehren, in denen ich erzogen war, wenn nicht unbedingt -anzunehmen, doch wenigstens näher zu prüfen? Eben darum nicht, weil ich -darin erzogen war, und nach denselben es meinem forschenden Geiste frei -stand, mich von einer Unterwerfung oder einer Prüfung meiner Einsicht -nach zu dispensiren oder nicht. Es wird keinem Katholiken einfallen, -sich in einer Stunde der Muße seinen Glauben selber machen zu wollen, -oder er tritt, wenn er wirklich diesen Entschluß faßt, sofort auf das -Gebiet des Protestantismus. Daß ich nun die Idee, mir ein System meines -Glaubens zu bauen (welches ich mir wahrscheinlich sehr bequem -eingerichtet haben würde) bald wieder aufgab, läßt sich wohl glauben. -Schon die Umgebungen waren zu erbärmlich und niederschlagend, um meinen -Geist auf das hohe Pferd zu setzen. - -Daß schon früher zweimal, einmal in meiner Heimath 1834, und später in -Spanien 1836, die Gnade Gottes mit dem flüchtigen Gedanken, in die -katholische Kirche zurückzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte -ich nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Früchte geblieben, weil ich mich -fragte: was würden die Leute dazu sagen, wenn du den Glauben deiner -Väter verließest? -- Hätte mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v. -Stolbergs erzählt, welcher dem Könige von Preußen, als ihm dieser sagte: -»Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem Glauben abfallen,« -erwiederte: »Ich auch nicht, Majestät,« und so auf den Abfall im -sechszehnten Jahrhundert mit einer Ironie anspielte, die ein Protestant -selten eher begreift, als bis er mit dem Kopfe darauf stößt. - -»Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien, worin -ich, ich weiß nicht wie viele Tage gelegen hatte, trat folgendes -Ereigniß ein. Nicht weit von meinem Lager wurde ein eben angekommener -spanischer Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend -geberdete, alle ärztliche Hülfe verweigerte, den Arzt und die Nonnen -insultirte, und endlich den Caplan unter Schimpfen und Blasphemien -zurückwies. Der würdige Caplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als -es ihm gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des Kranken zu -nähern, sank dieser langsam auf das Kissen zurück, und beichtete mit -lammfrommer Ruhe zwei Stunden lang. Kurz nachher erklang die Schelle -durch die Treppen und Gänge, Kranke und Gesunde knieten vor dem -hochwürdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem Bette des -Andalusiers trug. Der richtete die großen Augen, aus denen noch vor -wenigen Stunden die Teufel geblitzt hatten, mit einem unbeschreiblich -süßen Verlangen nach der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmäßig die -Calotten vom Kopfe, und falteten die Hände, während der Spanier die -Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem Frieden verschied, -der sein Gesicht verklärte. Ich betete auch mit, weiß aber nicht mehr -was. Jedenfalls war's mir curios zu Sinne. - -»Am anderen Morgen erwacht' ich, das Gesicht nach der Wand gekehrt, -frühe, in jenem süßen Gefühle der wachsenden Genesung, und gestärkt -durch einen erquickenden Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl, -welchen der Frühling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer sandte. -Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang so auf den -Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick geheftet hielt, erschallte auf -einmal von allen Kirchen Pamplona's zu gleicher Zeit ein erhabenes -Glockengeläute. Es war ein Sonntag -- vielleicht Ostern? Nie hat ein -Geläute einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht. - -»Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte und Feder, und bat -den Caplan schriftlich, mich an meinem Bette (Saal IV. Nr. 42) zu -besuchen, um sich mit mir über meinen Wunsch, in der katholischen -Glaubenslehre unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand der -Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor mir. Die Erscheinung -verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas Furchtbares für mich. Ich -erschrack vor dem, was ich gethan. Es war mir, als hätte ich die -katholische Kirche vor mir. Wir verständigten uns bald, da er mir sehr -liebevoll zuredete, in französischer Sprache. Er gab mir zunächst eine -zweibändige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren Verfasser ich -leider vergessen habe, hiernächst den französischen Catechismus, der -unter Napoleon erschien (_de l'Empire français_). Mit Begierde, mit -einem Heißhunger meiner Seele verschlang ich die geistige Speise, -sitzend und betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich -aufstehen und täglich eine Stunde den Caplan auf seinem Zimmer besuchen, -um mich von ihm prüfen zu lassen. Am 27. April wurde ich für reif -erklärt, die Sacramente zu empfangen. Nach genommener Rücksprache mit -dem Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte Taufe, -weil sie unter Ablution im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes, -und Gottes des heiligen Geistes geschehen war, als gültig an. Dieses -Sacrament wurde daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete -ich meinem würdigen Caplan (der für mich ein wirklicher Salvador war), -und am anderen Morgen empfing ich die heilige Communion, beides in der -im Hospital wohlerhaltenen bischöflichen Capelle. Eine förmliche -Abschwörung ist nicht für erforderlich gehalten worden. Der Rücktritt in -die mütterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente der -Beichte und Communion. -- Am folgenden Tage wurde ich vom Arzte für -curirt erklärt, und ging zu meinem Bataillon zurück. Im Monate Juni kam -die unerwartete Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach Hause -geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich mit Abschied von -Pamplona weg und betrat im Anfang September den heimathlichen Boden. - -»Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken sein: - -»1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ehe -ich in das Hospital ging, viele Menschen sterben gesehen, viele Kirchen, -gezwungen oder aus Laune besucht, und all den Pomp der spanischen -Gotteshäuser beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck auf -mich, den später in Pamplona das Glockengeläute auf mich machte? - -»2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines Fremden in -Spanien schnell mit dem Zweifel bei der Hand: ob nicht die Bekehrung die -Folge eines geistigen Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht -auf zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? und die -zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht stellte und stellen -konnte, bestanden darin, daß mein guter Caplan, der selbst so arm war -wie eine Kirchenmaus, mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren -ließ. - -»3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik meine zeitliche -Zukunft in irgend etwas verbessern würde? Nein, denn für den Fall der -Rückkehr in mein Vaterland konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil -und Zurücksetzung, oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst -aber erwartete ich täglich den Soldatentod. - -»4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, katholisch zu werden? -Nein, denn die Krankheit war überstanden, und als Protestant konnte ich -ja überhaupt nicht annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu -sterben. - -»5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung? Wie hätte ich als -Protestant denn annehmen können, daß man Gott einen Gefallen erzeige, -wenn man katholisch werde? - -»6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage nach meiner Bekehrung -aus dem Hospital geschickt wurde. Wäre es einen Tag früher geschehen, so -wäre das Werk unvollendet geblieben. - -»Es war also eine _reine_ und _ganz unverdiente Barmherzigkeit_ des -allmächtigen Vaters, welcher mich, nachdem sein Ruf in der Heimath nicht -gefruchtet, in lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein -zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich in das Lazareth -in Pamplona warf, mich dort von einer schweren Krankheit rettete, und -mir dann mit seinem Sonnenstrahle und dem Glockengeläute seiner Kirchen -die Gnade sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde ich -sagen: _so viel Mühe gibt sich Gott, um ein störriges, eitles Kind, das -nicht hören und nicht sehen will, zurückzuführen_. Der Herr sei -gepriesen in Ewigkeit. Amen!« - - * * * * * - -Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische Laufbahn -eröffnete, war der aus den »Vigilien« entstandene »Prinz -Rosa-Stramin«[4], dem noch nach zwei Decennien die seltene Gunst zu -Theil ward, neu aufgelegt und in's Englische übersetzt zu werden. Wenn -wir in dieser Lieblingsschöpfung des Dichters -- der Frühlingsgabe -seiner Muse -- eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, Einheit und -Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte der Sprache vermissen, -so werden wir um so freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und -Farbenreichthum entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem kühnen -Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo ihn das kecke Flügelroß -hintragen wird. Wir sehen eine Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in -bunter, rascher Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten- -und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers reiche, -gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in die er meist seine -eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen Träume und Verirrungen, seine -Freuden wie seine Leiden hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls, -einer Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den Leser von -einem Ende zum andern in fesselnder Spannung erhalten. - -Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine früheren Erzählungen -und Aufsätze, die er unter den Namen »Leonhard Emil Hubert, Hubertus, -Eduard Helmer« herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H. -Hotop gedruckten »Erzählungen« vor das Forum der Oeffentlichkeit trat, -und alle seine frühern literarischen Versuche als sein Produkt und -Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch hier bilden des Dichters -militärische Thaten, Kriegsscenen und Naturbilder aus Afrika und Spanien -die stets wiederkehrende Staffage. Ausgezeichnet wie »Prinz -Rosa-Stramin« durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche Frische, -sind sie, gleich den spätern Novellen[5], mit größerer Klarheit und mehr -einheitlicher Zusammenstellung angelegt: sie waren nach dem Urtheile -competenter Kunstrichter das Beste, was seit langer Zeit auf dem -deutschen Büchermarkt erschienen war[6]. - -Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über kurhessisches -Recht haben wir unter der Nachlassenschaft des Verstorbenen noch zwei -literarische Commentare, das eine zu Schiller's »Wilhelm Tell«, das -andere zu »Amaranth« und »Thomas Morus« von Oscar v. Redwitz -vorgefunden. Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm des hiesigen -Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt. - -Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner -Jugend, Koch am meisten beeinflußt hat, mag nicht schwer zu errathen -sein. Die überraschenden, oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die -behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem -Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und über sich -selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegespräch einzulassen, die -eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean -Paul, zum Theil an den Verfasser der »Reisebilder«. Aber es wäre eine -Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man -ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine's bezüchtigen wollte, -wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen »Erzählungen« -energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon -entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften -billigend und lobend anzuerkennen, so müßten wir doch auch dagegen mit -ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum -Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. Die -Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des »jungen Deutschland« -alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die -Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls- -und Gesinnungslosigkeit mit Seelengröße und Byronischem »Weltschmerz« -kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhaßt. Bei allen -jugendlichen Irrungen und allen Stürmen des Lebens hatte Koch den Adel -seiner liebenswürdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, -entströmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen -seiner überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur. - -Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber für -eine Pflicht der Pietät gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen -Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm -auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und -befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang -mit seinen übrigen Produktionen ein vollständiges Bild von der -Individualität des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter -zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der -Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen -durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden. - -Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Sänger, in -das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgängers als -Schüler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten. - - - Trost in Thränen. - - _Grablied auf Professor Koch._ - - Nach der Harfe greif' ich wieder -- - Und sie tönet Grabgesang, - Bittern Schmerzes Klagelieder - Zittern durch der Saiten Klang. - - Ernst, in Wehmuth hingegossen, - Schwieg der Jünger Trauerschaar, - Weib und Kind, in Schmerz zerflossen, - Standen an der Leichenbahr'. - - Ach! der Sänger, der gerungen - Treu für Gott und Vaterland -- - Seine Saiten sind verklungen, - Die er schlug mit Meisterhand! - - Der uns sang der Minne Sehnen - Und des Helden Sturmesdrang, - Und des Dulders stille Thränen - Und des Glaubens Siegessang! -- - - Mußt so früh den Tod Du finden, - Lebensmuthig, liederreich? - Wollten Dir die Schläf' umwinden - Mit des Ruhmes Lorberzweig. -- - - Nicht bei Menschen, nicht hienieden - War Dein Hoffen, schön'res Loos - Ist der Treue dort beschieden. - Wo Du ruh'st in Gottes Schooß. - - Wo die Stirne wird umkränzen - Der Verklärung Siegeskranz, - Und ein Engel Du wirst glänzen - In der Sel'gen Sonnenglanz'. - -Luxemburg, 1. November 1859. - - Ludwig Housse, - Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur. - - - - - Meinen Eltern, - - am Neujahrsmorgen 1825. - - - Wie einst Memnon's Säule sanft ertönte - Bei Aurorens erstem Strahlenkusse: - So tönt mir auch dieses Jahres erster - Morgenstrahl Gefühle in die Brust, - Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen, - Wenn es sich an das der Eltern dränget. - Auf die Feder scheint die Morgensonne - Mir und ladet mich zum frohen Gruße. - Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten, - Die Minute, wo in Euren Armen - Inniger mein Herz dem Eurigen - Und der Zukunft ungewissen Tagen - Freudig wünschend dann entgegenschläget! - - Nicht entweihen will ich durch die Feder, - Was die dankerfüllte Brust durchglühet, - Sagen nicht, wie Eure Elternliebe - Mich von meinem ersten bis zu diesem - Morgen mit des Dankes Hochgefühlen - Ewig an die treuen Herzen bindet; - Sagen nicht, was ich aufzählen weder, - Noch Euch je vergelten kann, -- ach wenn ich - Mir dies denke, alle die Wohlthaten, - Mir zurück in meine Seele rufe: - Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele), - Einer Thräne gleich, mein frommer Dank - In dem Meer der elterlichen Liebe, - Und das Ziel von allem meinem Streben - Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen. - - Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied - Auf den kleinen Knaben nieder -- und der - Kinderjahre gold'nen Traum; -- er wußte - Noch nicht, wem er seine Freuden dankte: - Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten, - Der Natur, der heit're Frühlingshimmel - Andere, erhabene Gefühle - In die Jünglingsbrust; -- es weiß der Jüngling - Nun für wen des Dankes Zähre fließt! - - Der die Welten schuf und die Natur - Und den heitern Frühlingshimmel, der das - Leben seinen Menschen gibt und nimmt, - Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen - Ueber unserer Erde aufgeh'n ließ: - Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen, - Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, -- Beten! - - - - - Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter - - - (am 9. April 1827). - - Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen, - Flur und Haine bau'n ihm Ehrenbogen, - Ihn begrüßt der Lerchen Chor, - Und der Engel treuer Kindesliebe, - Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe, - Schwingt mit ihnen sich empor. - - Nimm es mit mein Herz zur ew'gen Ferne, - Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne - Freundlich auf- und niedergeh'n, - Wo die Brüder dort in süßer Wonne - Und die heil'ge liebende Madonne - Nieder auf die Menschen seh'n. - - Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne, - Fleh die Heil'ge um die schönste Krone - Für ein edles Mutterherz: - Wenig Leiden und der Freuden viele, - Langes Leben, und am späten Ziele - Sanftes Scheiden himmelwärts. - - - - - Am Geburtstage meines Vaters - - - (während eines heftigen Gewitters geschrieben). - - Glühend in des Mittags Schwüle - Schickt die Sonne ihr Geschoß, - Keuchend zieht das matte Roß, - Sucht der Bäume Schattenkühle. - Aller Lebensgluth beraubt, - Steht der Hain mit schlaffen Zweigen, - Und des Thales Blumen neigen - Traurig, farbenlos, ihr Haupt. - Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen, - Schon im Sarge, noch geschmückt, - Wo der Tod von ihren Wangen - Noch die Rose nicht gepflückt; - Einem holden Frühling gleich - Mit unendlicher Blumenfülle; - Ohne das ewige Schaffen und Streben, - Ohne das blühende, liebende Leben, - Eine abgestorbene Hülle - Liegt der Erde weites Reich. - - Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen - Dort im Westen hergezogen, - Wie das Schicksal, langsam, schwer, - Wälzt es sich am Himmel her. - Und des Aethers Azurschein - Hüllt in Nacht sich ein, - Und der Ewige naht - Auf dem Gewölke den Fuß, - Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad - Bringen den Jubelgruß. -- - Da siehe, ganz helle, - Ein zuckender Strahl - Mit Gedankenschnelle - Erleuchtet das Thal. - Ein Funken seiner Glorie kündet - Des Herren Angesicht, - Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht! - Und der Funken hat nicht gezündet, - Und der Mensch danket und betet an, - Wie er sieht den Ew'gen nah'n. - - Horch, da murmelt's am fernen Himmel, - Gleich einem rieselnden Felsenbach, - Und murmelt näher und näher ohn' Ende, - Und rollt jetzt lauter am Firmamente, - Und bebt in des Berges Schluchten nach, - Und donnert und kracht, - Und heult in die Nacht, - Als wären die Welten im Kampfgetümmel, - Als wollt' im angstvollen Beben - Die Erd' aus den Angeln sich heben, - Und ein _Schlag_, daß die Himmel zittern, - Hemmet des Donners furchtbaren Lauf, - Und des Eichbaums Aeste splittern: - Dampfend zu dem Himmel auf - Wallt des Haines Opfergluth - Ihm, der uns mit treuer Hut. - Schützt in Ungewittern. - - Siehe, nun kommt der unendliche Segen, - Und es ergießt sich der rauschende Regen, - Ziehet dahin über Felder und Auen, - Sie mit erquickendem Leben zu thauen. - Freudig erhebet die Blume das Haupt, - Frisch hat der lachende Baum sich belaubt. - - Holde Nachtigallen - Singen in dem Hain, - Hörnerklänge schallen, - Flöten und Schalmei'n, - Und es grünet die Weide, - Und die Heerden zieh'n - Mit harmonischem Geläute - An dem Anger hin. - - Der Landmann sieht die Felder blüh'n - Und seiner Wiesen neu belebtes Grün, - Und sieht auf seinen Fluren - Des Vaters Segensspuren. - Zum Himmel hebt er die Hände gern - Und dankt dem Herrn. - Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm, - Drückt an die Brust ihn lieb und warm, - Blickt empor zu des Himmels Blau, - Sehnsucht im Auge und Thränenthau, - Will einen Kranz dem Vater winden, - Kann für das Herz nicht Worte finden, - Er schaut in den Frühling und findet sie, - Und beugt in kindlicher Andacht das Knie: - - Du in ew'gen Fernen, - Vater über'n Sternen, - Höre mein Gebet! - Geber aller Freuden, - Du nur kannst es deuten, - Was die Seele fleht. - Herr, wie auf Dein Zeichen - Die Gewitter weichen, - Und die Wolken fliehen: - Also winke liebend, - Wenn Gewitter trübend - Seine Stirn' umzieh'n. - Schaffen, Wirken, Streben - Sei das frohe Leben, - Das Du ihm verlieh'n, - Und durch Frühlingstage - Ohne Schmerz und Klage - Leite, Vater, ihn. - Deine Huld und Güte, - Ewiger, verhüte, - Kummer, Gram und Leid; - Kräfte gib dem Sohne - Zu dem großen Lohne, - Bis die Dankbarkeit - Einst in späten Zeiten - Unter Trauerweiden - Feuchten Auges steht, - Bis die Nebel sinken - Und die Fluren winken, - Wo die Palme weht! - - - - - Am Anfange der Osterferien. - - - 1826. - - Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da, - Laß schweigen das nächtliche Sehnen, - Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht, - Wo Kronen der Liebe dich krönen! - - Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt, - Es senket der Lenz seine Flügel, - Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur, - Hinaus über grünende Hügel! - - Warum so still, wenn die Freude Dir lacht? - Hast Du nicht dem Himmel vertraut? - Und hat der beglückende Frieden in Dir - Nicht gold'ne Palläste gebaut? - - Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl, - Gekämpft und gesieget zu haben? - Hast du in den niederen Gängen der Lust - Die Hoffnung der Eltern begraben? - - Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht? - Wenn himmlische Freuden Dir winken? - Bald sollst Du an liebender Vaterbrust - Die Wonne des Wiederseh'ns trinken! - - »Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht, - »Wohl hab' ich dem Himmel vertraut; - »Wohl hat der beglückende Frieden in mir - »Die gold'nen Dächer gebaut;« - - »Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar - »Der Aether in freundlicher Bläue, - »Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all', - »Mit Kränzen der Liebe und Treue:« - - »Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin, - »Das innig und heiß mich durchglühte, - »Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin, - »Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.« - - »_Ach! süßer entfloh'n, und ich wußte es nicht,_ - »_Im Harren und Sehnen die Stunden,_ - »_Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,_ - »_Die Krone der Freude empfunden!_« - - - - - Am 8. December. - - - Sieh, wie buntes Schneegewimmel - Spielet durch den öden Himmel, - Und es heult der Stürme Wuth. - Ob auch mit erstorb'nen Lilienwangen - Die Natur im Schlummer ruht, - Ist mir doch ein Frühling aufgegangen, - Und (ich fühl' es an dem Wogen - Dieser übersel'gen Brust) - In mein frohes Herz gezogen, - Reich an Blüthen, reich an Luft. - War nicht heute, freudig tönt's die Laute, - Beben's meine Saiten nach, - War nicht heute jener frohe Tag, - Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute? - Ach, Geliebte, war's nicht heute? - Wo ich, noch ein Knab', an Deiner Wiege saß, - Und mein Lieblingsspiel vergaß, - Und der Schwester königlich mich freute, - Selig dir ins Auge blickte, - Ja, und dreimal glücklich war, - Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar - Dir den Kuß der Bruderliebe drückte? - Vierzehn Lenze sind geschwunden, - Doch des Knaben Liebe nicht. - Was ich damals schon empfunden, - Fühl' ich noch in schönen Stunden, - Wenn Dein sanftes Angesicht - Treue Schwesterliebe spricht. - - Hätt' ich Hölty's Lautenklang, - Ließe meine Saiten rauschen, - Daß die Engel mir im Himmel lauschen, - Säng' ich meinen schönsten Hochgesang: - Nimmer würd' es mir gelingen, - Meine Liebe Dir zu singen. - - Wandle froh und glücklich durch Dein Leben, - Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn, - Von den Engeln, welche Dich umschweben, - Sei die Sanftmuth Deine Führerin. - Unschuld, an der Liebe Hand, - Leite Dich zum bessern Land. - Ach, noch keinem Menschen war's verliehen - Immer glücklich, immer froh zu sein! - Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen, - Wohl, so sei's im rosenfarbnen Schein, - Und sie senk' in Freudenthränen sich - In Dein stilles Leben nieder. - Dann umlächle freundlich wieder - Dein entwölkter Himmel Dich! - - - - - Elegie - - auf den Tod meines Kanarienvogels. - - - So bist auch Du des Todes Beute! - O namenloser Schmerz! - Auch Du, mein Glück und meine Freude, - Das einz'ge treue Herz? - - Da liegst Du kalt und ohne Leben, - Geliebtes Thierchen Du, - Um Dein gesunk'nes Köpfchen schweben - Die Thränen süßer Ruh'. - - Der frohe Lenz er kehret wieder - Mit seiner Blüthenlust, - Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder - Aus Deiner frohen Brust. - - Sonst, wenn die warme Frühlingssonne - Durch's offene Fenster schien, - Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne - In zarten Melodien. - - - - - Meiner kleinen Schwester, - - an ihrem Geburtstage. - - - Spiele, holde Kleine - Mit dem gold'nen Sinn, - Durch Dein Rosenleben, - Spiele immerhin! - - Schöne Blumen blühen, - Kleine, rings um Dich, - Lilien und Rosen - Duften rings um Dich! - - Holde Vöglein singen, - Dir im Blüthenhain, - Deine Sonne leuchtet - Milden Purpurschein. - - Himmel steh'n Dir offen, - Und herab zu Dir - Schweben kleine Engel, - Spielen gern mit Dir. - - Winden mit Dir Kränze. - Deiner Locken Zier, - Pflücken mit Dir Blumen, - Freuen sich mit Dir. - - Rufen die Gespielen, - Holde Kleine, Dir, - Bleib', die Mutter weinet, - Bleibe, Kind, bei ihr. - - Durch Dein Rosenleben, - Mit dem Engelssinn, - Mit dem frohen Herzen, - Spiele immerhin! - - * * * * * - - Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde, - An Blüthen hängt der Thräne Silberschein, - Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde - Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih'n. - Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde, - Es webt die Liebe nur die Blumen ein, - Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, -- - Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet. - - Betritt es nun das künstliche Gebilde, - Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß, - Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde, - Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß, - Aus beiden weben sich die Lenzgefilde, - Durch die Dein Engel Dich geleiten muß. - Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen, - Er wird sie Dir zu Diademen fügen. - - Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden, - Das fern von Deinen Lieben Dich gequält. - Doch Kronen sind der Dulderin gewunden, - Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt. - Nun stehst Du da in blühendem Gesunden, - Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt, - Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen - Ist uns ein neues Leben aufgegangen. - - Schon wärmer strahlt die Sonn' am Firmamente, - Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land - Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende, - Umschweben uns die Horen Hand in Hand. - O daß der Lenz doch immer wiederfände - Im Kreise, die die Liebe Dir verband! - Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, -- - Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben. - - - - - Nachtwächter-Lied. - - - 1831. - - Hört, _Ihr Herrn und laßt Euch sagen_, - Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen, - Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht, - Hab' Euch gesungen bei stürmischer Nacht, - Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht! - Die Sternlein geh'n hinunter -- - Halloh, Ihr Herrn, seid munter! - - _Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_ - Viel hat sich im Alten zugetragen. - Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut, - D'rin wohnt eine schöne Himmelsbraut, - Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut -- - Wer reißt uns das Fähnlein herunter? - Halloh, Ihr Herrn, seid munter! - - _Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_ - Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht: - Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus, - D'rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus, - Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus, - Behütet den heiligen Zunder! - Halloh, Ihr Herrn, seid munter! - - _Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_ - Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht, - Das Haus umschleichet die Diebesbrut: - Sie wollen uns stehlen das heilige Gut, - Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut! - Die Sternlein geh'n hinunter -- - Halloh, ihr Herrn, seid munter! - - _Und lobet Gott den Herrn!_ - Er sendet den Morgenstern! - Der lässet den Sturm auf der Erde weh'n, - Und die Sternlein auf und nieder geh'n! - Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe, - Denn unser Gott thut Wunder -- - Halloh, ihr Herrn, seid munter! - - - - - - - Es war mir heut' Abend so einsam, so leer, - Als wenn ich von etwas geschieden wär'; - Mir war so betrübt, so wunderbar - Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war; - Ich war verdrießlich und wußt' nicht warum; - Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum, - Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug - Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug, - Da blies fern, fern mit bebendem Ton, - Ein uraltes Lied ein Postillon. - Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt, - Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt. - Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an, - Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan, - Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht, - Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht. - - - - - Gruß an die Heimath. - - - 1838. - - O was bewegt mir denn den warmen Busen, - Und warum schlägt mir denn das Herz so laut? - Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen, - Nicht das Umfangen meiner lieben Braut. - Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten? - Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz? - Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Läuten, - Es sind ja Töne Deines Heimathlands. - - Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne - Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut, - Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne - Die Grüße meines Herzens anvertraut. - Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen, - Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt, - Fragt' ich die Wolken, die nach Süden zogen: - Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt? - - Und in der Pyrenäen Schreckensgründen, - Auf des Pelargus schauerlicher Höh', - Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden, - Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh. - Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen, - Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor, - Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen, - Erzählten mir von meiner Liebe vor. - - Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen, - Erneut sich alles Leid und alle Qual; - Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen, - Und keine Blume find' ich in dem Thal, - Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden, - Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim -- - Kaum hat mich Einer hie und da verstanden: - Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim. - - Nur eins mißlang den finsteren Gewalten: - Von allem, was das Leben mir zerbrach, - Hab' ich doch meine Harfe noch behalten, - Und manches Lied, das mir am Herzen lag. - Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen, - Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand; - Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen; - Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland! - - So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern, - Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund. - Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern, - Und währe nicht geschwätz'gem Dichtermund! - Mir ist als würd' ich von des Lebens Schaudern, - Von all dem Weh mit einemmal gesund, - Als könnte mit dem wunderbaren Klingen - Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen. - - So ist's, schien einmal Dir mit Morgenröthen - Das Ideal tief in die Brust hinein, - So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tödten; - Und bist Du elend, gramvoll und allein, - Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken, - Du siehst's verklärt in rosenfarb'nem Schein, - Auf sonn'gen Höh'n weht seine heil'ge Fahne, - Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne. - - - - - Mein Engel. - - - Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land, - Da hab' ich krank gelegen, - Da that mich keine liebe Hand - In meinem Fieber pflegen. - - Bei Nacht im dunkeln Krankensaal - Hob ich die schwachen Hände - Und bat, daß Gott mir endlich 'mal - Den Todesengel sende. - - Der thät wohl auf und ab mit Ruh' - Von Bett zu Bette wandern, - Drückt hier und da die Augen zu - Dem einen wie dem andern. - - Das meine ward -- ich war so froh -- - Von Tag zu Tage trüber, - Doch ging an meinem Bett von Stroh - Der Engel stets vorüber. - - Wie gern ich auch die matte Hand - Ihm hingegeben hätte, - Ein and'rer Bote Gottes stand - An meinem Krankenbette. - - Er trocknet mit dem weißen Tuch - Den Schweiß von meinen Wangen, - Und hielt mir hin den irdnen Krug, - That ich den Trunk verlangen. - - Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer - Im stillen Kampfe neigte; - Es war ja Niemand um mich her, - Der mir den Dienst erzeigte. - - Hat mir erzählt gar lieb und gut - Von meinem Heimathlande, - Als ich in einer Fiebergluth - Der Mutter Namen nannte. - - Ich hab' den Engel nicht geseh'n, - Und Niemand konnt' ihn schauen, - Doch muß ich seit dem Aufersteh'n - Auf seine Vollmacht bauen. - - - - - Sehnsucht nach dem Tode. - - - Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide, - Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt. - So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide, - Als mit der Perle, die Dein Auge trägt. - Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide, - Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt; - So herzlich grüß' ich einst mit bleichem Munde - Den stillen Engel meiner letzten Stunde. - - Ich schmäh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse: - Es war ein blüthenreicher Frühlingstag; - Glaub' nicht, daß ich das süße Traumbild hasse, - Weil's mich belügend sein Versprechen brach, - Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse, - Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag. - Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten -- - Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden. - - Das Leben ladet uns zu frohen Festen, - Den Bettler wie den König allzumal, - Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen, - Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal; - Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen, - Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal, - Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen, - Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen. - - Und wie sie zu Accorden sich gestalten, - Da wird's Dir weh um's Herz, fühlst Dich allein, - Und lauschest durch entzückend helle Spalten, - Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein, - Sich einen strahlenden Palast entfalten, - Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n; - Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen, - Von wo die Töne Deinem Herzen rufen. - - Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen, - Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt, - Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen, - Ein armer Tischler hat sie einst gefügt. - Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen, - Und eine Brust war drunter eingewiegt. - Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum! - Eil' hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum. - - Sieh, darum lieb' ich dieses arme Leben, - Weil's mir die Aussicht auf ein höh'res gibt, - Ich dank' ihm, weil's die Ahnung ihm gegeben: - Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt. - Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben, - Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt, - Und klopf' ich heimlich an die Gruft der Väter - Mit müdem Finger an die morschen Bretter. - - Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen - Zum Raub', es gibt Dir nichts an ihrer Statt; - Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen, - So macht es Dich noch ärmer, leer und satt; - Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen, - Verspricht's Dir, was es nicht zu geben hat; - Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten: - Sieh', darum möcht' ich gerne von ihm scheiden. - - Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde, - Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt: - Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde, - Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist, - Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde - Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih'st; - Dann magst Du mir die müden Augen schließen, - Aus denen nunmehr keine Thränen fließen. - - Tröst' das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer, - Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt. - Sag' meinen Schwestern, daß in stiller Kammer - Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt; - Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer - Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt, - Sieh aus dem Fenster ohne Thrän' und Klagen, - Mich still an Deinem Haus vorüber tragen. - - - - - Reliquie eines Verschollenen. - - - Es gibt geheime Schmerzen, - Sie klaget nie der Mund, - Getragen tief im Herzen, - Sind sie der Welt nicht kund; - Es gibt ein heimlich Sehnen, - Es scheuet stets das Licht; - Es gibt verborg'ne Thränen, - Der Fremde sieht sie nicht. - - Es gibt ein still Versinken - In eine inn're Welt, - Wo Friedensauen winken, - Vom Sternenglanz erhellt; - Wo auf gefall'ne Schranken - Die Seele Hoffnung baut, - Und jubelnd den Gedanken - Den Lippen anvertraut. - - Es gibt ein still Vergehen, - Ein stummer öder Schmerz, - Und Niemand darf es sehen, - Das schwer gepreßte Herz. - Es sagt nicht, was ihm fehlet, - Und wenn's im Harme bricht, - Verblutend und zerquälet, - Der Fremde sieht es nicht. - - Es gibt ein sanfter Schlummer, - Wo süßer Frieden weilt, - Wo stille Ruh' den Kummer - Der müden Seele heilt. -- - Doch gibt's ein schöner Hoffen, - Das Welten überfliegt: - Da, wo am Herzen offen - Das Herz voll Liebe liegt. - - * * * * * - - Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken, - Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh'n: - Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken, - Gleich Todten in Kapellen, aufersteh'n. - Drin seh' ich Heil'ge, die mir längst versanken, - Einher im Geisterlicht des Mondes geh'n; - Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren - Mein Engel an verfallenen Altären. - - Ich höre Töne, lange nicht gekannte, - So lieblich, Stimmen gleich im Paradies, - Doch frag' ich, wer mir aus dem Zauberlande - Die Himmelstöne wiederkehren ließ? - Und frug ich jene Heil'ge, wer sie sandte? - Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß? - Die Traumgedanken all', woher sie kamen? - Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen. - - Ach, jene Tön', aus Aether zart gewoben, - Belauscht' ich einst mit hochentzücktem Ohr; - Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben, - Schwang meine Psyche selig sich empor: - Da griff mich eine Riesenfaust von Oben, - Hinab mich schleudernd, den verweg'nen Thor, - Hinunter, wo sich ächzend und erblindet, - Tellurisches Gewürm im Staube windet. - - Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen, - Und Bettler sollen auf Dich niederseh'n, - Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen, - Im Kreis des menschlichen Getriebes geh'n, - Und nimmer in dem gold'nen Buche lesen, - Wo Deiner Träume süße Bilder steh'n; - Was Du gesä't mit kindischem Begreifen, - Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen. - - Da faßte mich wahnsinniges Verirren, - Der Geist vergaß die knechtische Geduld, - Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren, - Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld; - Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren, - Von Tod und Leben fordert' ich die Schuld: - Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben - Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben. - - So kehrt' ich denn zur fernen Heimath wieder, - Und fragte nach dem früh verlor'nen Pfad, - Da, wo im Kindergarten fromme Lieder - Sein erst' Gefühl mein Herz gestammelt hat, - Bückt' mich zum Sande, wo ich spielte, nieder, - Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat, - Und sucht' aus Asche von erstorb'nen Flammen - Mit warmen Thränen meine Welt zusammen. - - Da trat'st Du zu mir, nach so langem Meiden - Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland, - Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten, - Und meinen Heiligen ihr Meßgewand, - Gabst mir das alte Spiel der gold'nen Saiten, - Die Kelle meinem Engel in die Hand, - Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder, - Und neue Ahnung zeugte neue Lieder. - - * * * * * - - Was treibt mich hin zu Dir mit Macht? - Was gab mich Dir zu eigen? - Was hast Du in mir angefacht, - Das ich Dir muß verschweigen? - Ach, was zu Dir mich zieht, - Kein Name nennt's, kein Lied, - Und Töne können's nicht bekunden, - Doch ewig hat's mich Dir verbunden. - - Und Deiner Stimm' und Deinem Wort, - Wer gab ihm die Gewalten, - An meines Herzens tiefsten Ort - Gebieterisch zu schalten? -- - Mich reißt's mit trunk'nem Sinn - Zu Deinen Füßen hin. - Darf's auch mein Auge nicht bekunden, - Doch ewig hat mich's Dir verbunden. - - Ich wünsch' es mit geheimer Lust, - Und fürcht' es doch zu sagen, - Wie lieb ich Dich in meiner Brust - Seit Monden schon getragen. - Verschmähtest Du mein Herz, - Verging's im stummen Schmerz, - Es liebte Dich mit tausend Wunden, - Und ewig blieb es Dir verbunden. - - - - - Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters. - - - Ich habe geschlafen, - Ein Kindlein süß, - Und habe geträumt - Vom Paradies, - Und habe geträumt - Vom himmlischen Spiel, - Und habe geseh'n - Der Engel viel. - - Und einen mit langem - Gelockten Haar, - Der nahe dem Vater - Zur Rechten war. - Der hatte ein Auge - So mild und fromm, - Und sprach so freundlich: - »Mein Kindlein komm!« - - Es sind die Kindlein - Mir immer fern, - Für wen Du bittest, - Den segn' ich gern! - Ich schlug in die Hände - Und bat: Papa! - Und darauf erwacht' ich, - Und Du warst da. - - - - - Die Waldmühle. - - - Was rauschet dort unter des Waldes Eichen? - Ein Gießbach ist's mit geschwätzigem Mund, - Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen, - Die Mühl' im blumigen Wiesengrund. - Da treibet des Wassers Stärke - Bei Tag und bei Nacht die Gewerke; - Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt, - Schwerfällig das Mühlrad seine Last. - - Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile, - Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald - Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile, - Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt, - Und sieht im Mondschein die Wogen - Zerstieben in glänzendem Bogen. - Doch kommt er näher, da faßt's ihn an, - Ein leises Grauen den Wandersmann. - - Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen - Und wühlen im gährenden Wasserschlund, - Da hört' er mit lieblicher Stimme singen, - Wie Geister tief unten im feuchten Grund. - Drauf sieht er mit eignen Augen - Einen Arm aus den Wellen tauchen. - Und ziehet heim, von Gedanken schwer, - Und erzählet Niemand die schaurige Mähr'. - - Ein Töchterlein einst von wenig Jahren, - Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt, - Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren, - Es war ihm vom Himmel an's Herz gelegt. - Das spielt' einst in friedlichen Träumen - Ganz nah, wo die Wogen schäumen, - Und pflückte sich duftende Blümchen ab - Am Rande vom tobenden Wellengrab. - - Und wie es sich bückt, zieh'n fremde Gewalten - Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh'n, - Und die Himmlischen können's nicht mehr halten, - Und es sinket hinab, und es ist gescheh'n! - Schon wälzet das Mühlrad die Speiche - Zermalmend über der Leiche, - Und siehe, des Kindes purpurnes Blut - Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth. - - Dort, wo sich die Räder brausend schwingen, - Und wühlen im gährenden Wasserschlund, - Wo's der Wandrer höret so lieblich singen, - Wie Geister tief unten im feuchten Grund, - Ist des Waldmüllers Kind begraben, - Das die Räder zermalmet haben, - Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht, - Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht. - - Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde: - »Lieb' Vater, lieb' Mutter, was weinst Du so sehr? - »Hier unten ist's freundlich, ist kühler wie Erde, - »Lieb' Vater, lieb' Mutter, o weine nicht mehr!« - Den Müller faßt es mit Grausen, - Wenn er höret die Stimme draußen. - In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind, - Da singt das ertrunkene Müllerkind. - - - - - Schweizers Sehnsucht. - - - O wer kühlt dies bange Sehnen, - Das mich glühend heiß erfüllt, - Und in stille warme Thränen - Meine matten Augen hüllt? - Nicht mehr kann ich sie verhehlen - Diese Schmerzen, die mich quälen, - Die sich ewig mir erneu'n. - - Wenn die junge Morgenröthe - Freundlich von dem Himmel lacht, - Hab' ich einsam, still und öde, - Eine bange Nacht durchwacht, - Und der erste Purpurschimmer - Hat den süßen Frieden nimmer - In des Schweizers Brust gesandt. - - Ach, ein Land nenn' ich mit Zähren, - Wo der Morgen schöner brennt, - Auf der Alpen Hochaltären, - Am entflammten Firmament; - Wo die Andacht Blicke feuchtet, - Wenn die große Fackel leuchtet, - In der Morgenröthe Gluth. - - Jene Höh'n, wo seit Aeonen - In der Ewigkeiten Schooß', - Jungfrau und Sanct Gotthard thronen, - Der am Morgen, herrlich groß, - Es der Erde froh verkündet, - Daß die Opfer angezündet - Frommen Dankes für den Herrn. - - Wo der Aar in reinern Lüften - Kühner seine Schwingen hebt, - Ueber bodenlosen Klüften - Ungewohnt der Wandrer bebt, - Wo von friedlich stillen Matten, - Bei des Abends kühlem Schatten, - Heerden mit Geläute zieh'n. - - - - - Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen - - (von Hessen-Kassel). - - - 1838. - - Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten - Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau'n, - Durch eine Brust, wo höhere Gewalten - Der Poesie die lust'gen Zelte bau'n. - Und wenn des Schicksals Händ' ein Herz zerspalten, - Und wenn die Engel d'rin im Fenster schau'n, - Ist's allemal ein Herz, das unter Bangen - Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen. - - Doch was ergreift das Lied mit mächtiger'm Tone, - Als jene weithin leuchtende Gewalt, - Die majestätisch stolz dem Fürstensohne - Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt? - Als jenes Wort, das von erhab'nem Throne - Wie Blitz durch Vaterlandes Thäler hallt? - Als jene Hand, von deren sanftem Winken - Die Segnungen des Friedens niedersinken? - - Denn Engel in den lichten Bäumen weben - Mit frommen Händen eines Königs Kleid, - Und droben, über allem ird'schen Leben, - Wird von dem Herrn der Fürsten Haupt geweiht. - Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben - Wie Genien die Ideen der Heiligkeit, - Und Gott, damit des Frevlers Blick entkräftet, - Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet. - - Doch Du, den schüchtern meine Worte nennen, - So nah' mein Herz auch Deinem Throne ist, - Wie muß für Dich nicht die Begeist'rung brennen, - Daß Du mein Fürst und mein Gebieter bist; - Ein Land, das meine Kinderspiele kennen, - Ein Volk, das seine Treue nicht vergißt, - Und Thäler blüh'n um Deines Thrones Stufen, - Wohin mich Lieb' und Pflicht zurückgerufen? -- - - Vom Baierland, der hohen Röhn entwunden, - Zieht stolz die Woge Deinem Schloß vorbei, - Und wieder, mir der Schwester treu verbunden, - Als ob es Beiden leid zu scheiden sei, - Hat sie alsbald Dein schönes Land gefunden, - Und üpp'ger Segen, wie ein stolzer Mai, - Begleitet sie, wo auf die reichen Auen - Der Pagenburg Ruinen niederschauen. - - Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte, - Und der Kastal'sche Quell, der Marburg grüßt, - Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande, - Die Welle, die auf gold'nem Grunde fließt, - Und jener Strom, an dessen Blüthenstrande - Die Winzer singen und die Rebe sprießt, - Sie zieh'n dahin mit träumerischen Grüßen, - Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Füßen. - - Aus Deinen waldigen Gebirgen dröhnen - Sturmwinde tausendjährigen Gesang, - Der seit den kräftigen Cheruskersöhnen - Durch alle vaterländ'schen Wälder drang. - Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tönen, -- - Es ist der Volkesliebe mächt'ger Klang, - Von dessen weithin brausenden Chorälen - Sie jetzt noch drüben über'm Rhein erzählen. - - Wie Du da stehst in kräft'ger Jugendfülle, - Von sechs und dreißig Lenzen ausgeschmückt, - Von denen jeder in geweihter Stille - Mit einer Tugend Deinen Geist beglückt, - Und jeder seiner jugendlichen Hülle - Sanft eine neue Schönheit aufgedrückt! - Und so erhalte Dich in langen Jahren, - Der hoch gebietet über heil'ge Schaaren. - - Wie du mit Weisheit sätest, also mächtig - Entsprieße nun die dunkel gold'ne Saat, - Und fruchtbeladen schatte segenskräftig - Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad! - So oft durch Deine Berg' und Thäler prächtig - Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht, - So bring' er, wie des Orients Gesandten, - Des Glückes Gaben Dir aus Himmelslanden! - - Und könnt' ein Irrthum Dir die Liebe rauben, - Dir sagt's Dein Muth, daß Du gefürchtet wirst. - Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben, - Stehst Du ein jugendlicher Trojafürst. - Doch wenn Du Liebe und Vertrau'n als Tauben - An Deinen königlichen Wagen schirrst, - So wirst Du unter siebenfarb'nem Bogen, - Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen. - - Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen, - Die Worte hat der Sänger nicht bewacht, - Ein treu Gedächtniß hat er's unverdrossen - Mit zagendem Gemüthe dargebracht; - Hat's willenlos sich aus der Brust ergossen: - So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht. - Mein Fürst! frag' nicht, woher die Töne kamen, - Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen. - - - - - Mein Wunsch. - - - Ich wollte, ich hätte ein Häuschen im Thal, - Und nahe dabei eine Mühle, - Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl, - Mit kreisendem Rade im Spiele, - Ein Gärtchen mit Bäumen und Blumen dazu, - Mit Tischen und Bank eine Laube, - Und vor mir die Birnen im Abendroth - Beim göttlichen Nectar der Traube. - Dann neben mir Rosen und, vernünftig und treu, - Einen Freund an der traulichen Stätte, - Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei, - Das wäre, so wie ich's gern hätte. - - - - - Die letzte Rose. - - - Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder? - So strahlend, hell in jugendlichem Roth? - Die Erde nahm zurück die stolzen Güter, - Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht. - Wird doch mein eig'nes Haupt zur Stunde müder, - Um meine Wange haucht der frühe Tod. - Was mit mir lebt' und blühte, sank darnieder, - Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder. - - Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen - So oft beim frühen Strahle mir geküßt? - Bist Du zu fernen Thälern hingegangen, - Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt? - Und wo bei Rosen, welche schöner prangen, - Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt? - Komm einmal noch, eh' meine Blätter sinken, - Die letzte Lieb' aus meinem Kelch zu trinken. - - Wo bist Du schnee'ge Jungfrau, Nievermählte, - Du schwesterliche Lilie, schönes Bild, - Der ich so oft in stiller Nacht erzählte, - Was tief mir im geheimen Busen quillt? - O wenn die Blume keine Freundin wählte, - Gäb's Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt? - Gäb's Jemand, welcher ihr Entzücken theilte, - Wenn Lieb' und Freud' in ihrem Kelche weilte? - - Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen, - Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht? - Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen - Verstandest Du mein Lieben und mein Leid. - Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen, - Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid'. - Soll ich vergehen, einsam, unbesungen. - Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen? - - Euch sei die letzte Thräne hingegossen, - Die auf dem welken Blatte sich noch hält, - Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen, - In meinem Innern trag' ich eine Welt, - Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen, - Mit mir hinab in's Reich des Todes fällt. - Die Rose mag, von Lieb' und Lied verlassen, - Mit unentweihtem Herzen früh erblassen. - - Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose, - Er bricht hervor in unbarmherz'ger Wuth. - Umsonst umhüllen mich die weichen Moose, - Der Paladin, in dem die Rose ruht. - Wie? stamm' ich nicht aus königlichem Schooße? - Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut - In meiner Adern zierlichen Geweben, - Die noch kein Vater wieder hat gegeben? - - Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen, - Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt! - Eh' grausam mich entblättert Sturm und Regen, - Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand! - So wird entzückend mich der Traum bewegen, - Daß ich die schwesterliche Lilie fand. - Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe, - Daß unbesungen nicht die Rose sterbe. - - - - - Sonett. - - - Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe? - Wohl, _Dir allein_ gehören diese Zeilen. - Vertrau' ich gern doch dem Sonett zuweilen - Die heimlichen und die enthüllten Triebe. - - Doch mein' ich, daß es unvollkommen bliebe, - Je mehr ich auch an dem Sonette feile. -- - Daß ich Dir lieber in die Arme eile - Mit einem Kusse meiner Bruderliebe. - - Wohl geht's mir öfters so mit solchen Dingen, - Die ich im Liede nimmer sagen mag, - Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag - - Wie angeboren meine Brust durchdringen. - Sie klingen ewig mir im Herzen nach, - Und doch kann ich sie nicht im Liede singen. - - - - - Sonett. - - - So eilst Du denn der Königsstadt entgegen, - Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen, - Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen, - Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen? - - Wo die Empfindung fremde Stempel prägen, - Wo Deines Vaterlandes Klänge schweigen, - Wird sich Dein Herz empfänglich für sie zeigen? - Und bleibt es treu den heimathlichen Schlägen? - - O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren, - Und trübe war, was auch Dir blühen mag, - Ich weiß es, Deiner Jugend Frühlingstag. - - Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach, - Und bitten zu des Himmels heil'gen Schaaren, - Daß sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren. - - - - - Die Johannisblume. - - - Mein Leben glich einer Blume, - Dran hing manch schöner Tag, - Und jeder Tag war ein Blättchen, -- - Bis das Schicksal die Blume brach. - Es pflückte meine Blättchen - Eins nach dem andern ab. - »Sieh her, ob Dir Dein Mädchen - »Die Liebe wieder gab: - »Sie liebt Dich, - »Sie liebt Dich nicht, - »Sie liebt Dich, - »Sie liebt Dich nicht, - »Sie liebt Dich doch.« - O mein Geschick, wie dank ich Dir! - Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir? - Nun steht mein Leben kahl und leer, - Kein Blättchen hat meine Blume mehr. - - - - - - - In der Ferne - Wohnt mein Glück, - Wie der Sterne - Gold'ner Blick. - In der Ferne - Wohnt mein Schmerz, - Ringt zum Sterne - Himmelwärts. - - In der Ferne - Wohnt ihr Bild, - Und die Sterne - Grüßen's mild. - In der Ferne - Wohnt mein Leid, - Sagt's ihr, Sterne: - Lieb' verzeiht. - - In die Ferne - Schaut' ich oft, - Hab' zum Sterne - Treu gehofft. - Weit und ferne - Wohnest Du, - Ueber'm Sterne, - Meine Ruh'. - - In der Ferne, - Dort und hier - Lieb und gerne - Bist Du mir. - Lieb und gerne - Du allein, - Ueber'm Sterne, - Wirst Du mein. - - - - - Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg, - - - am 18. Mai 1839. - - An Deiner Wiege standen höh're Boten, - Ein jeder mit Geschenken für Dein Leben. - Sie schürzten den geheimnißvollen Knoten; - Dich sanft berührend mit den Zauberstäben, - Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen, - Mit Schönheit Deine Glieder zu umschweben, - Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele - Geschmückt mit einem himmlischen Juwele. - - Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben, - Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nächten; - Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben, - Und eine Vollmacht trug er in der Rechten, - D'rin war Dein künftiger Beruf geschrieben: - In eine Krone Blumen einzuflechten. - Die Vollmacht schloß er sammt dem heil'gen Worte - Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. -- - - Einst gab ein Fürst, umbraust von Sturm und Wetter, - Die Zügel seinem jugendlichen Sohne, - Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Götter, - Stieg er empor zum väterlichen Throne. - Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter, - Lieb' und Bewund'rung wurden ihm zum Lohne, -- - Doch einsam, unter'm Fürstenstern verborgen, - Trug er sein Glück, sein Lieben und sein Sorgen. - - Da kamen still in Deines Herzens Grunde - Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten, - Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde: - An uns'res Fürsten Seite mild zu walten, - Mit ihm vereinigt zu dem ew'gen Bunde, - In Liebe neu sein Leben zu gestalten. - Du folgtest muthig jenem heil'gen Rufe, - Trat'st gottvertrauend zu des Altars Stufe. - - Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet, - Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten, - Und still gewärtig jedes Ohr ihm lauschet, - Sind's Deine Blicke, die es sanft begleiten; - Und wenn das Volk vom Fürsten Liebe lauschet, - Dann bist Du freudelächelnd nahe Beiden, - Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben, - Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben. - - Und heute wieder ist der Tag erschienen, - Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden. - Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen, - Die hehren Boten aus dem Himmel standen: - So grüßen jetzt Dich mit holdsel'gen Mienen - Geliebte Pfänder segensvoller Banden, - Und über dem erlauchten Haupte weben - Wie einst Gestirne Dein zukünft'ges Leben. - - D'rin ist kein Schmerz, d'rin waltet keine Klage, - Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen. - Wenn um des Fürsten Bild doch späte Tage - Die Lorber seines Ruhmes prächtig schlingen, - Wird in dem Vaterland der Enkel Sage - Das fromme Lied von Deinem Namen singen. - Denn was da lebt in eines Volks Gemüthe, - Das lebt unsterblich fort in seinem Liede. - - Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen - Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gießen, - So wehr' ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen) - Das anspruchlose Spiel zu Deinen Füßen. - Doch frag' die Töne nicht nach meinen Schmerzen, - Wenn sie Dich huldigend, bescheiden grüßen. - Mein Lied darf kühn um Deine Blicke werben, -- - Des Dichters Leid muß mit dem Dichter sterben. - - - - - An Betty - - nach der Flucht ihres Kanarienvogels. - - - O gebiete Deinen Thränen - Und erheit're Deinen Blick, - Denn es führt kein banges Sehnen - Deinen Flüchtling Dir zurück. - - Deine Liebe so zu lohnen, - Mochte freilich treulos sein, - Doch die Schuld wird dem Entfloh'nen - Gern Dein Edelmuth verzeih'n. - - Sieh', wie's draußen in den Auen - Dort und dort so freundlich wird, - Und wie lieblich in den blauen - Höhen schon die Lerche schwirrt. - - Sieh nur, wie die Knospen schwellen, - Wie das Leben neu erwacht, - Wie aus den enteisten Wellen - Uns der Lenz entgegen lacht. - - Hat Dir nie in solchen Tagen, - Wenn der Frühling aufgeblüht, - Schneller auch Dein Herz geschlagen, - Wärmer Deine Brust geglüht? - - O dann richte nicht zu strenge, - Denn auch ein Kanarienherz, - Glaube mir, ist nicht zu enge - Für der Sehnsucht bangen Schmerz. - - Denke Dir den armen Kleinen, - Male Dir sein hartes Loos: - Fern von den geliebten Seinen, - Schmachtend, seufzend, hoffnungslos! - - Und nun schwebt der Lenz hernieder; - Draußen in der freien Welt - Rufen tausend frohe Brüder, - Die kein enger Käfig hält. - - Schon verschwunden war sein Hoffen, - Ach! bis jetzt sein einz'ges Glück, -- - Ha! da blieb das Thürchen offen, -- - O, ersehnter Augenblick! - - Freundlich, in der Freiheit Schooße - Winkte Wonne, winkte Lust, - Und es reifte jener große - Entschluß in der kleinen Brust. - - O, nun konnt' er freudig singen, - Hüpfend bald von Baum zu Baum, - Bald die ungewohnten Schwingen - Übend in dem freien Raum. - - Doch, wie kurz war nur die Freude! - Als das junge Morgenroth - Purpur auf die Fluren streute, - Fand es ihn erstarrt und todt. - - Ach! und Wald und Flur vereinte - Sich zur Trauer und zum Harm, - Jedes kleine Hälmchen weinte - Eine Thräne, hell und warm. - - 's ist gescheh'n! Er ist geschieden! - Seine zarte Stimme schweigt, - Und hinab zum ew'gen Frieden - Ist das kleine Haupt geneigt! - - Drum gebiete Deinen Thränen, - Und erheit're Deinen Blick, - Denn es führt kein banges Sehnen - Deinen Liebling Dir zurück! - - - - - Worte, - - gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem - Wimez'schen Institute aufführten. - - - Aengstlich treten wir und schüchtern - In der Muse Tempel ein, - In der Göttin Heiligthume - Den bescheid'nen Kranz zu weih'n. - - »Welch gewagtes Unternehmen! - Kränze von so kleiner Hand, - Die ein Chor von kühnen Mädchen - Am Altar der Künste wand!« - - O verzeiht, auf Eure Güte - Hat das bange Herz vertraut, - Und auf Eurer Milde gläubig - All sein Hoffen aufgebaut. - - Hebt auch schüchtern und mit Zagen - Sich empor der scheue Blick, - Gern vertraut die Seele wieder, - Und die Hoffnung kehrt zurück. - - Darum täuschet, Ihr Geliebten, - Nicht dies kindliche Gefühl! - Muthig haben wir gerungen - Nach dem heiß ersehnten Ziel. - - Und verkündet Euren Beifall - Nur ein Lächeln, sauft und leicht, - O dann ist ja tausendfältig - Dieses schöne Ziel erreicht. - - Wo der Seligkeiten höchste, - Wo nur Dank und Freude wohnt, - Wo mit diamant'nen Kronen - Euer Beifall uns belohnt. - - - - - Gesang der Sterne. - - - Wir ziehen über Berg und Thal - Und über's weite Meer; - Wir ziehen über Menschenqual - Und Menschenglück daher. - - Wir kennen, was in stiller Brust - Sich vor der Welt verhüllt, - Und was mit namenloser Lust - Ein einsam Auge füllt. - - Und wenn der Schmerz die Seele quält, - Wir geben ihr die Ruh', - Und wenn die Lieb' ihr Glück erzählt, - So hören wir ihr zu. - - Wir schau'n auf manches kühle Grab, - An dem ein Mensch sich härmt, - Und schimmern in die Laub' hinab, - In der die Liebe schwärmt. - - Wir reden mit dem Gram und sind - Stets mit dem Kummer wach; - Die Thräne des Entzückens rinnt - Gern unter unserm Dach. - - Wir schlingen in den luftigen Höh'n - Den stillen frohen Reih'n, - Und scheinen Ruh' und Wiederseh'n - In jedes Herz hinein. -- - - - - - Der Liebe Sehnen. - - - (Einer andern Melodie untergelegt.) - - Wer deutet mir dies bange Sehnen, - Das mir so warm im Herzen glüht, - Das nur nach Dir mich ewig zieht, - Und oft das Auge füllt mit Thränen? - Verschwunden ist mein froher Sinn, - Mein gold'ner Frieden ist dahin. - - Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker - Voll Schmerz und doch voll süßer Lust! - Was pochst Du an die enge Brust - So bang und ängstlich immer stärker? - Könnt' ich zerbrechen, was mich hält, - Und eilen in die freie Welt! - - Dir möcht' ich stets in's Auge seh'n - Und in Dein Antlitz, engelrein; - Wie selig, selig muß es sein, - In Deinem Anschau'n einst vergeh'n, - Und flieh'n im fessellosen Lauf - Vom Himmel zu dem Himmel auf. - - Dort zu den Sternen ew'ger Liebe - O könnt' ich schwingen mich empor, - Und suchen in der Welten Chor - Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe! - Ach, selbst die Unermeßlichkeit - Ist für mein Sehnen nicht zu weit. - - Ich seh' den Frühling niederschweben. - Heran mit Deiner Blüthenlust, - Heran an meine enge Brust, - Du Lenz mit Deinem jungen Leben! - Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz - Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz. - - Ihr Nachtigall'n im Blüthenhaine, - Ihr Fluren im verjüngten Grün, - Ihr Blumen, die so freundlich blüh'n, - O sagt es mir, warum ich weine? - Warum, seitdem ich _sie_ erblickt, - Kein Frieden meine Brust beglückt? - - - - - Veilchenstrauß. - - - Kauft, schöner Herr, die Veilchen! - Zwei Kreuzer gebt ihr mir! - Ich steh' ein langes Weilchen - Bereits vergebens hier. - - Mein Vater liegt im Grabe, - Meine Mutter liegt im Grab. - Herr, für die kleine Gabe - Kauft mir die Veilchen ab! - - Geh, kleine Dirne, raff' Dich! - Die so viel Geld begehrt! - Das Sträußchen ist wahrhaftig - Kaum einen Kreuzer werth. - - Aß heut' noch keinen Krumen, - Und, Herr, mich hungert sehr. - D'rum nehmt sie, nehmt die Blumen! - Gebt mir den Kreuzer her. - - Das Mädchen gab die Veilchen, -- - Da fiel 'ne Thräne darauf -- - Der Herr, der nahm die Veilchen, - Die Thräne mit in Kauf. - - Und wie er kommt nach Hause -- - 's ist kaum 'ne Stunde her -- - Da blühet an dem Strauße - Kein einzig Veilchen mehr. - - Die Farben, die sie trugen, - Sie sind verwelkt und blaß. - Er will den Duft versuchen, -- - Da sind die Veilchen naß. - - Da faßt's ihn erst mit Leide, - Und d'rauf unheimlich an, - Er legt den Strauß bei Seite, - Sieht nie ihn wieder an. -- - - - - - Tag der Vereinigung. - - - Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze, - Der mir das Kleinod meines Lebens bringt? - Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze - Das theure Haupt der Einzigen umschlingt? - Wann wirst Du mir, Du sel'ger Tag gewähren, - Was meine heiße Liebe lang' ersehnt? - Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren, - Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt? - - Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens! - Du Sohn des Himmels, wann begrüß' ich Dich? - Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens, - Wann schüttest Du das Füllhorn über mich? - Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore - Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad? - Wann öffnest Du mir jene gold'nen Thore, - Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht? - - Wann wird der Seelenbund geheiligt werden? - Wann werd' ich, Vater in den ew'gen Höh'n, - Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden, - Vor Deinem heiligen Altare steh'n? - Dich bittend: segne Deine frohen Kinder, - Laß über ihrem Glück Dein Auge sein! - Wann wird, Allmächt'ger, Deines Worts Verkünder - Das ird'sche Bündniß durch den Himmel weih'n? - - Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen, - Wo die Gebete mit dem frommen Lied - In großen Tönen zu dem Himmel wallen, - Wo Glück und Schmerz, und Lieb' und Buße kniet, -- - An heil'ger Stufe, wo in sanftem Weinen, - Der Knab' einst seinen Glauben aufgebaut, - Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen, - Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut? - - Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen! - Denk' ich an Dich, bin ich ein sel'ges Kind. - O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen - Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind. - Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen, - Der fernen Sehnsucht den geduld'gen Schmerz. - Komm, sel'ger Tag, mit Deinen gold'nen Kronen, - Schütt' Deine Himmel in mein glücklich Herz. -- - - - - - - - Siehst Du, wo im Abendgolde - Feurig dort die Berge glüh'n, - Wo im stillen Aether holde, - Leuchtende Gewölke zieh'n, - Dort liegt der ersehnte Strand, - Meiner Liebe Vaterland. - - Und wo auf den fernen Hügeln - Dort ein Traum der Wehmuth liegt, - Wo die Taub' auf weißen Flügeln - Schwebend sich im Azur wiegt, -- - Hinter dem Gebirge weit, - Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid. - - - - - Der Bürgergardist. - - - Seht dort den Mann mit Waff' und Wehr! - Er schreitet so männlich und fest einher; - Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm, - Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild, - Er schaut so ernst, er schaut so mild, - Als trüg' er's im Herzen groß und warm. - - Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That - So einfach im Schmucke nie einen Soldat? - Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann? - »Mir blühet ein einfach und schönes Loos, - »Still herrscht meine Königin, heilig und groß, - »Ihr gehör' ich im Leben und Sterben an.« - - Wo liegt das Land Deiner Königin? - Hat's viele der Männer von Deinem Sinn? - Stellt's viele Regimenter in's Feld hinaus? - »Das Land meiner Königin ist nicht weit. - »D'rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit - »Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.« - - So ist Deine Königin reich an Gold? - Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold? - Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer? - »Reich ist uns're Königin, reich unser Lohn; - »Wir stützen als fleißige Bürger den Thron - »Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.« - - So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht, - Wer ist Deine große ausländische Macht? - Nenn mir Deiner Königin heiliges Land. - »Die Ordnung ist meine Königin, - »Für sie geb' ich Glück und Leben hin, - »Und das Land ist Dein eig'nes Vaterland.« - - - - - Die Natur. - - - Ist auch der Mensch voll Tück' und Lügen - Ist doch die Erde wunderschön! - Und grinst der Haß aus Menschenzügen, - Die Liebe lacht von Thal und Höh'n. - - Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden, - In dem die Erde grünt und blüht, - So fern von allem Schmerz geschieden, - Der in der Brust des Menschen glüht! - - Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine, - Du Zephyr, der die Aeste wiegt, - Du Grün der Saat im Abendscheine, - Du Blau, das auf den Bergen liegt! - - Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe, - Mit Deinem Frieden Du, Natur, - Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe, - Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur! - - Das Deine schlägt so warm und ewig, - Und seiner Reinheit sich bewußt, - Natur, Du heil'ge, in Dir leb' ich, - Und ruh' im Tod' an Deiner Brust. -- - - - - - Vaterfreude.[7] - - - Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen! - Juchheisa, mein Bübchen, nun hat's keine Noth! - Auf'm Ohr die Haube mit rosigem Bändchen, - Vom Trinken die andere Wange roth. - Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh, - Wenn ich mit Dir tanze und singe so so, - Und erzähl' Dir vom Wolf und vom Schaf', - Und wiege mein _Paul_'chen in Schlaf. - - Horch, 's war 'mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines, - Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb, - Es hatt' ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines, - Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb, - Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld. - Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt! - Papa kennt das Lämmchen gar wohl, - Es ist ja sein lieblicher _Paul_. - - Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden, - Dann kriegt er 'nen Säbel, den hängt er sich um, - Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden, - Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum! - Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot, - Dann schießen wir beide den Wolf maustodt, - Und schlafen dann ruhig und wohl, - Nicht wahr Du, mein herziger _Paul_? - - Und marschier'n, wie die Preußen, durch die Gassen, - Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus? - Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen? - Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus. - Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh'n, - Damit der Mama kein Leids mag gescheh'n, - Denn lieb hat Mama Dich, mein _Paul_, - Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl! - - Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde - In 'nem großen Wagen in's deutsche Land, - Und _Paul_ nimmt den Säbel mit und auch die Flinte, - Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand, - Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot, - Doch schieß' ich die Wölfe, wie Spatzen, todt. - Puff, puff! schießt der liebliche _Paul_, - Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl! - - Nun schlafe und träume vom deutschen Lande, - Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf, - Und träume vom Säbel mit goldenem Bande, - Und reise und reise im süßesten Schlaf. - Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still! - Wir schießen so viel, als mein Junge nur will. - Nun schlafe, mein herziger _Paul_, - Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl! - - - - - Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, - - _Großherzogs von Luxemburg_. - - - 1840. - - Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter, - Verblüht sind längst die Wälder und die Flur, - Und eingesammelt hat die welken Blätter - Und schlafen geht die liebende Natur. - Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen, - Da weht ein Frühling, still und ungeschaut, - Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen, - In unsern Herzen seine Tempel baut. - - Und dieser Frühling da ist uns're Liebe, - Mit der das Land stolz seinen König nennt, - Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe, - Die's jetzt und ewig seinem Herrn bekennt. - Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten - Jung, grün und herrlich in dem Lande steht, - Und die Er jüngst mit königlichen Worten, - Mir reicher Huld in unser Herz gesä't. - - Du altes Land, das nach so bitterm Harme - Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt; - Du stolze Mutter, die auf Riesenarme - Die Wiege seines Königshauses trägt; - Du tapf'res Land, das einst so groß gestritten, - Du schönes Land, wo Reb' und Aehre blüh'n; - Du treues Land, das einst so viel gelitten, - Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh'n? - - Du Herr der Welten, wollst dem König geben - Den mächt'gen Segen Deiner Vaterhand! - Du woll'st bekleiden Sein geliebtes Leben - Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand, - Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen, - Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit, - Damit Sein Heil und uns'res sich begegnen, - Und wir Dich loben bis in Ewigkeit! - - Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen's - Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus. - Frag' Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen's - Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus. - Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen - Der alten Halle, die uns einst gebar, - Des heil'gen Hauses, das in mächt'gen Stürmen - Die Wohnung Luxemburger Treue war. - - Dies Haus sind uns're Bräuche, uns're Sitten, - Und jene Einheit, die daraus ersteht; - Das ist der Dom, für den wir oft gestritten, - Von dem die Fahne uns'res Volkes weht. - Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite, - Und daß der schlaue Feind es nie entweiht! - Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide, - Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit. - - Und steht es fest in seinen guten Fugen, - Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein, - Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen, - Die uns verbieten, was wir sind, zu sein. - Doch, was wir lieben und was uns erkannte, - Das komm' herein, dem sei der Weg gebahnt. - Willkommen d'rum, erhab'ner Fürst, im Lande, - Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt! - - - - - Ludwig Philipp.[8] - - - Frieden, um den Preis der Erde Frieden! - Manche Nacht -- Europa ist's bekannt -- - Wenn der Schlaf die Millionen Müden - In die Fesseln seiner Macht gebannt, - Und die Sterne Frankreichs niederschieden, - Hing die Wage noch in meiner Hand, -- - Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle - Meines Sohnes Leichnam in die Schale. - - Frankreich! siehe jenen Tempel zittern, - Dem ich deine Zukunft anvertrau't! - Sieh, wie klagend unter den Gewittern - Von der Zinne hoch der Genius schaut! - Muß _mein eigner todter Sohn_ erschüttern, - Was auf _deiner Söhne_ Grab gebaut? - Und ein unerklärliches Vergelten - Opfern meinen Sohn für deine Helden? - - Auf dem _Pflaster_, das in Juliwettern - Du erzürnt zum Thron geschleudert hast, - _In den Tagen_, die wir gern vergöttern, - Und wo deine eig'nen Söhn' erblaßt, - Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern, - Das, wie du, die Despotie gehaßt? - Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben, - Und es bebt, ich fühl's, mein eig'nes Leben. - - Diesmal hat's getroffen! Unter sieben - Traf nicht Einer das ersehnte Ziel: - Meine Brust ist unversehrt geblieben - Bei dem mörderischen Würfelspiel. - Gott hab' ich's mit Danke zugeschrieben, - Bis das Haupt von meinem Kinde fiel: - _Da_ just war der Fleck, _da_ stirbt mein Hoffen! - Sieben Kugeln! _Diesmal_ hat's getroffen! - - Fahre wohl denn, du geliebte Leiche, - Bis wir ewig bei einander sind. - Auf die Wange, wo vom Todesstreiche - Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, -- - Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, -- - Dann leb' wohl, mein liebes, liebes Kind! - O! daß mir des Weinens Tröstung wäre! - Gott! ein Königreich für eine Zähre! - - Ja, ich fühl's an meiner Pulse Schlägen, - Du nimmst meine letzte Kraft dahin. - Willenlos auf meinen dunkeln Wegen - Folg' ich, wie ein Kind, der Führerin. - Ferdinand, ich zittre dir entgegen, - Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn. - Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre! - O! ein Königreich für eine Zähre! - - Frieden, den ich Frankreich oft erhalten, - Meiner eignen Brust versagt ihn Gott. - Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten, - Und der Julithron der Welt zum Spott. - Neue Kugeln warten auf den Alten, - _Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot_. - Frieden, um den Preis der Erde Frieden! - Und der Alte scheidet gern hienieden! - - - - - Was ist des Deutschen Vaterland?[9] - - - Wie hat das Lied so schön geklungen, - Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang, - Und das wir Alle mitgesungen - Bei drei und dreißig Jahre lang? - - Das Lied vorn deutschen Vaterlande, - Wo an dem Rhein die Rebe blüht, - Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande, - Am fernen Belt die Möve zieht. - - Und wo wir mit Vergnügen sehen, - Daß alle Länder, groß und klein, - Wie sie im Buch bei Deutschland stehen, - Das Vaterland des Deutschen sein. - - Der Deutsche Bund -- Gott geb' ihm Friede -- - Hat immer, seit der Völkerschlacht, - Bei diesem geograph'schen Liede - Ein fürchterlich Gesicht gemacht. - - Und als der Deutsche Bund entschlafen, - Wie ist das Lied dahergebraust! - Wie ist's den Fürsten und den Grafen - Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust! - - Boch-Buschmann, unser Deputirte, - Sang's oft zu Frankfurt auf der Zeil, - Und wenn er jetzt sich nicht genirte, - Er säng' das Lied noch alleweil. - - Gesungen ward's in allen Städten, - In allen Gassen ist's erschallt, - Auch haben zwischendurch Musketen - Als Accompagnement geknallt. - - Wohin ich mocht' durch Deutschland wandern, - Am Rhein und an der Donau Strand, - Hat einer stets gefragt den andern: - Was ist des Deutschen Vaterland? - - Da sprach an einem schönen Tage - Zu Wien Herr Raveaux frank und frei: - Daß nunmehr auf die ew'ge Frage - Die Antwort schon gefunden sei. - - Doch dieses war nur eine Flause, -- - Noch heute ist es unbekannt, - Noch singen sie bei jedem Schmause: - Was ist des Deutschen Vaterland? - - Arndt saß hernach im Parlamente - -- Inzwischen war ergraut sein Haar -- - Sein Votum zeigte, daß am Ende - Sein Lied auch eine Lüge war. - - Ja, eine rechte schöne Lüge, - Viel schöner als die Verse sind. - Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge, - Wenn mir die Thrän' vom Auge rinnt. - - - - - Blau, weiß, roth. - - - (Melodie: _Les Girondins._) - - Gott grüß' euch Vaterlandes Farben! - Du stolze Fahne, blau, weiß, roth! - Für die einst uns're Väter starben, - Mit Dir geh'n wir in Kampf und Tod. - Dreifarbig Band, umschling' das Land, - Führ' uns zum Sieg an Gottes Hand, - Zum Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß, roth! - - Das Blau bedeutet Treu und Glauben, - Treu Gott und unserm Vaterland, - Den Ruhm soll keine Macht uns rauben, - Wir dulden weder Schimpf noch Schand'. - O köstlich Gut! o heil'ge Glut! - Vernichtung der Tyrannenbrut, - Uns Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß, roth! - - Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit, - Drum sei verdammt der Lug und Trug! - Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit, - Wenn er die Schuld im Herzen trug. - Rein sei die Hand zu Gott gewandt, - Die Rettung heischt für's Vaterland. - Uns Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß, roth! - - Blutroth, Du letzte uns'rer Farben! - Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth, - Wie andere litten, wie andere starben, - So geh'n auch wir in Kampf und Tod. - Nimm unser Gut, nimm unser Blut, - Nimm's hin, du niederträchtige Brut! - Ja, Sieg oder Tod! - Hurrah, es lebe blau, weiß roth! - - - - - Bei Sebastopol. - - - 1855. - - Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust, - Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust, - Der Tod zermalmet die Braven. - _En avant!_ Seht, Brüder, die Mine springt, - _En avant!_ Vom Malakoffthurme winkt - Die Tricolorfahne der Zuaven. - - Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd', - Die Redouten springen, und roth erglüht - Der Nebel über dem Hafen. - Und unten die Stadt ist ein Feuermeer, - Und droben steh'n auf den Bergen umher - Die Linien, Garden und Zuaven. - - Da bringen sie eben von Brück' zu Brück' - Die Verwundeten in das Lager zurück, - Die zerstümmelten blutenden Braven, - Und vor jeder Bahre, die kommt daher, - Präsentiren im Flammenschein das Gewehr - Die Linien, Garden und Zuaven. - - Da tragen sie einen Sergeant-Major, - Der in der Courtine den Arm verlor, - Und den halben Schädel im Graben, - Und am Malakoffthurme commandirte er Halt, - Und richtet sich aufrecht, die blut'ge Gestalt, - Der Sergeant-Major von den Zuaven. - - Von der brennenden Stadt der rothe Schein - Und das Licht, das die springenden Forts ausspei'n, - Beleuchten sein Antlitz erhaben. - Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft, - Und nimmt zusammen die letzte Kraft, - Der Sergeant-Major von den Zuaven. - - »Nun fahr' ich mit Freud' in die and're Welt, - »Der Feind entflieht, Sebastopol fällt, - »Im Flammenmeere begraben! - »Lebt wohl, Cameraden! _Vive l'Empereur!_« - Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr - Die Linien, Garden und Zuaven. - - - - - Ferienweihe. - - - I. - - Ich sitz' im Garten, die gold'nen Schleier - Des Morgens rauschen um mich her, - Und Alles prangt in stolzer Feier, - Als ob's ein heil'ger Sonntag wär'. - - Nichts hör' ich hier vom Weltgetriebe, - Und hinter'n Bäumen liegt die Stadt, - Mit ihrem Haß und ihrer Liebe, - Und Allem, was sie Schönes hat; - - Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden, - Mit ihren Straßen grad' und krumm, - Mit ihren großen und kleinen Gebäuden -- - Und vor Allem mit dem Gymnasium. - - Und hinter'n Bäumen liegt die Stube, - Die stille Zeugin meiner Geduld, - Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube, - Mit dem tintenbefleckten Schreibepult, - - Und mit den Prüfungs-Exercitien, - Und zumal mit den Büchern rings herum, - Den tiefgelehrten und den witz'gen - Und dem ganzen heiligen Classikerthum. - - Dagegen blühen mir hier die Rosen, - Und auf jeder strahlt ein Diamant; - Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen - Und die Trauben an der Raketenwand. - - Und ein Heer von Astern und Georginen - Und die Sonnenblumen stolzen Wink's, - Sie grüßen mich mit gnäd'gen Mienen, - Und die Schwalben pfeifen rechts und links. - - Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben, - Sie schießen aus braunen Kisten empor, - Und ein freies Bienchen verließ die Waben, - Und singt melodisch mir um das Ohr; - - Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt' ich - Schon, als ich noch ein Knabe war -- - Ich glaube, sie machen sich über mich lustig, - Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar! - - Ach, freilich ist ja der ganze Garten - Eine große lebendige Poesie, - Und ach, es bleiben die Dichtungsarten - Bei der Biene summender Melodie! - - Curies! ich habe keine Schule heute: - D'rum glaubt' ich, daß es Sonntag wär', - Und horch! es bringen fernes Geläute - Die Morgenwinde zu mir her. - - So läutet denn, ihr fernen Glocken - Mir feierlich meine Ferien ein, -- - Dann will ich mit der Biene frohlocken - Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein. - - - II. - - Schwalben und Bienen. - - Die Biene lebt in engem Kreise, - Der Garten nur ist ihre Welt -- - Die Schwalben, sie sausen moderner Weise - Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld. - - Die Schwalbe badet in Wolkenlüften - Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl -- - Die Biene badet in Rosendüften - Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl. - - Verleb' ich die Ferien in Schwalbenweise? - Versumm' ich sie einsam in Bienenmanier? - Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise! - Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier. - - - III. - - Der Schwalben Spott. - - Wohl denn! rief auf diese Begrüßung - Spottend die Schwalbe: - Herr Professor, Ihre Entschließung - Ist nur 'ne halbe. - - Während Sie so mit der Biene summen, - Welken die Blüthen, - Und wenn Sie wieder in der Schule brummen, - Sind wir im Süden. - - Während Sie zur Verzweiflung bringt das - Schneegewimmel, - Lacht mir -- und wie anders klingt das! -- - Blau der Himmel. - - Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen, - Seh' ich erstarren, - Während der Sonne warme Strahlen - Meiner harren. - - Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben? - Und nach Algirien? - Bis die Gärten wieder Blüthen haben, - Sind wir die Ihrigen. - - - - - Von der Luxemburger Mosel. - - - Eile durch die Blumenauen, - Holde Mosel, nach dem Rhein, - Laß mir meine deutschen Gauen - Tausendmal gegrüßet sein! - Trage mit dreifarb'ger Fahne - Meiner Sehnsucht Schifflein fort, - Sei behutsam mit dem Kahne, - Bring' mir ihn zu sicherm Port! - - Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen! - Seid _noch nicht_ im deutschen Land, - Wenn man's euch auch vorgelogen -- - Längst zerrissen ist das Band. - Glaubt es nicht dem Klang der Zungen, - Der da rechts und links erklingt, - Nicht dem Lied des Fischerjungen, - Der am Ufer drüben singt! - - Glaubt es nicht der deutschen Hütte, - Die im Dorfe drüben steht; - Glaubt es nicht der deutschen Sitte, - Die in ihren Mauern weht; - Dürft's auch nicht den deutschen Trauben, - Nicht einmal dem Bettlerkind, - Noch dem Meilenzeiger glauben, - Daß wir hier in Deutschland sind. - - Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen, - Thut's dem Vater Rheine kund, - Was sie hier euch vorgelogen: - Hat geträumt dem Deutschen Bund, - Und im Schlaf, -- daß Gott erbarme! -- - Stahlen sie ihm Land und Leut', - Und Franzosen sind wir heut'. - - Will es nicht gerad' verdammen: - Wer sein Kind von Haus' entfernt, - Gibt's hinaus zu welschen Ammen, - Daß der Bub' französisch lernt. -- - Aber daß das Kind, das deutsche, - Man zu Schimpf und Spott verkehrt, - Daß man's die Beamtenpeitsche - Auf französisch tragen lehrt! -- - - Das in wilden Wellenschlägen, - Das erzählt dem deutschen Land, - Macht's von Vaterlandes wegen - An dem ganzen Rhein bekannt! - Und vergeßt mir nicht das eine: - Meiner wärmsten Liebe Kahn, - Legt mir ihn am schönen Rheine - Bei dem schönsten Ufer an. - - - - - - - Es lag mir schon sehr lange nah', - Der Welt eins aufzuspielen - Von jener Himmelsmusica, - Die ich wohl hört', doch nimmer sah, - Und die die lieben Engelein - An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein, - In meinem Herzen singen. -- - Nun mein' ich wohl, ich hätt's gethan, - Erhalt auch Lob von Vielen, - Doch hör' ich's recht genau mir an, - So klingt's doch nimmermehr, nein, nein, - Doch nimmer, wie die Engelein - In meinem Herzen singen. - - - - - Die Fische. - - - In einer Kugel von Krystall - Zwei gold'ne Fischlein wohnten, - Die theilten ihre Schmerzen all - Seit vielen vielen Monden. - - Doch war dem kleinen gold'nen Paar - Der Käfig nicht zum Leide, - Denn weil so eins beim andern war, - War's eine Welt für beide. - - Und weil Gelübd' und frommer Schwur - Die kleinen Zungen banden, - So haben, Aug' in Auge nur, - Die Fischlein sich verstanden. - - Und grüßte draußen froh und laut - Das Vöglein in den Zweigen, - Hat eins das and're angeschaut - Mit wehmuthsvollem Schweigen. - - Und schienen in's Krystall hinein - Der Abendröthe Strahlen, - That sich der Liebe heller Schein - In Fischleins Auge malen. - - Sie träumten wohl von Meeresgrund, - Von ferner Wogen Schäumen, - Doch keines that dem andern kund - Sein Lieben und sein Träumen. - - Und weil nun eins mit so viel Schmerz - Um's and're hat geworben, - Da ist gebrochen Fischleins Herz, - Und Fischlein ist gestorben. - - Und weil's mit Sprache nicht begabt, - Muß still das and're klagen: - »Ich hab' Dich doch so lieb gehabt, - Und konnt's Dir doch nicht sagen.« - - - - - Morgenlied von dem Schäfchen. - - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Der Vater hüt't die Schaf', - Die Mutter schüttelt's Bäumelein, - Da fällt herab ein Träumelein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Am Himmel zieh'n die Schaf': - Die Sternlein sind die Lämmelein, - Der Mond, der ist das Schäferlein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Christkindlein hat ein Schaf', - Ist selbst das liebe Gotteslamm, - Das um uns all' zu Tode kam -- - Schlaf', Kindlein, schlaf. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - So schenk ich Dir ein Schaf' - Mit einer goldnen Schelle fein, - Das soll Dein Spielgeselle sein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf. - - Schlaf', Kindlein, schlaf', - Und blöck' nicht wie ein Schaf', - Sonst kommt des Schäfers Hündelein - Und beißt mein böses Kindelein -- - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - Geh' fort und hüt' die Schaf', - Geh' fort, du schwarzes Hündelein, - Und weck' mir nicht mein Kindelein! - Schlaf', Kindlein, schlaf'. - - - - - Maria und der Doctor. - - - Es ist Nacht. Die düst're Lampe scheint; - Am Bettchen sitzet die Mutter und weint, - Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind, - Und im Bettchen liegt das kranke Kind, - Und erzählt im Fieberbrande - Vom Engel im weißen Gewande. - - Und die Mutter ringt sich die Hände wund: - Mach' heil'ge Maria mein Kind gesund; - Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind, - Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind. - Ich bau' auf Deinen Namen, - So ist es gewißlich, Amen. - - Kaum naht der Tag im Dämmerschein, - Da trat der gelehrte Doctor herein. - Der prüfet das Kind allüberall, - Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall, - Den ich nimmer in Praxi erlebt. - Und verschreibt ein großes Recept. - - D'rauf standen allerhand Sprüchelein - In Zeichen und Wörtern in Latein; - Der Apotheker hat d'rüber zwei Stunden geschwitzt, - Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt. - Sogleich hat der Trank das Leben - Dem Kinde zurückgegeben. - - Die Mutter in freud'gem Herzensdrang - Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang, - Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut, - Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut; - Der Himmel in höheren Welten, - Der mög' es euch reichlich vergelten! - - Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn, - Entläßt die Mutter mit frohem Sinn. - Die aber hurtig schließet sich ein - In's heimliche Krankenkämmerlein, - Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen - Auf die Knie beim Bette des Kleinen. - - Es ist Nacht, und die düst're Lampe scheint, - Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint. - Warum weinst du Mutter noch himmelwärts, - Der Doctor hat ja getröstet dein Herz? - Doch nein, ich will dich nicht fragen: - Nicht alle Dinge lassen sich sagen. - - - - - Des armen Kindes heiliger Christ.[10] - - - Die Nacht war kalt und schaurig -- - Du arme kleine Marie! - Sie wandert' allein und traurig, - Und haucht' in die Händchen und schrie. - - Und sinket ermattet nieder, - Vom Froste starret das Blut. - »O könnt' ich die bebenden Glieder - Beleben in wärmender Gluth! - - Wie blinket das schöne Gebäude, - Erleuchtet vom Kerzenschein! - Da kehrte mit köstlicher Freude - Der heilige Christ wohl ein. - - Er kam aus dem Feenlande, - Mit goldener Kron' im Haar, - Im prächtigen Purpurgewande, - So herrlich und wunderbar. - - Und bracht' ein flimmerndes Bäumchen, - Und Aepfel und Nüsse daran. - Ach! wer doch beim flimmernden Bäumchen - Heut' Abend sich freuen kann! - - Nichts bracht' er mir, nichts mir Armen! - Wie stürmet der brausende Wind! - Ach, wer, wer hat doch Erbarmen - Mit dem armen Bettlerkind?« - - Und wie sie die müden Glieder - Nun ruhet auf kaltem Stein, - Und senket die Augenlieder, - Und schlummert ermattet ein: - - Da kam er zu ihr im Traume, - Mit goldener Kron' im Haar, - Im Kleide mit purpurnem Saume, - So herrlich und wunderbar. - - Und schüttete köstliche Gaben, - Und goldene Früchte aus: - »Das Alles, Marie, sollst Du haben, - Willst Du mit mir geh'n in mein Haus. - - Ich geb' auch ein Bäumchen mit vielen - Hell flimmernden Lichtern Dir, - Und die Engel soll'n mit Dir spielen, - Komm, liebliches Kind, mit mir.« - - Da that das Kind Millionen - Hell leuchtender Lichtchen seh'n, - Und es denkt, dort muß er wohnen! - Und es will mit dem Christe geh'n. - - Und als nun die goldene Frühe - Verscheuchet die schaurige Nacht, - Da ist die kleine Marie - Nicht wieder aufgewacht. - - - - - Des Schweizers Heimweh. - - - Ewig Bangen, ewig Sehnen - Nach dem theuren Vaterland, - Nie das Auge ohne Thränen - Nach der Ferne hingewandt, - O wer kühlt mein Gluthverlangen, - Wer mein Sehnen, wer mein Bangen, - Ach, mit jedem Morgen neu! - - Bei des Tages erstem Schimmer, - Bei der Sonne erstem Blick, - Freud' und Leben kehrt doch nimmer - In des Schweizers Brust zurück; - Heerden blöcken, Glöcklein klingen, - Vöglein, die im Walde singen, - Ach, sie können fröhlich sein! - - Wo die Alpenröschen blühen, - Wo am Morgen, herrlich groß, - Schreckhorn und die Jungfrau glühen, - Ach! der Heimath stillen Schooß, - Könnt' ich euch, geliebte Höhen, - Nur noch einmal wiedersehen, - Eh' das arme Herz mir bricht! - - Wo der Aar in reinen Lüften - Kühner seine Schwingen hebt, - Ueber bodenlosen Klüften - Ungewohnt der Wandrer bebt, - Wo von friedlich stillen Matten, - Bei des Abends kühlen Schatten, - Läutend Heerden heimwärts zieh'n. - - Wenn am Abend es sich röthet, - Und im still geword'nen Hain - Nur die Nachtigall noch flötet, - O wie bin ich dann allein! - Hör' ich ihre sanften Lieder, - Kehret meine Sehnsucht wieder - Und das Herz will mir vergeh'n. - - Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen, - Vaterland! Du bist gemeint, - Land, wo die Schalmeien tönen, - Wo mein Liesli um mich weint, - Du mein Thal, geliebte Höhen, - Könnt' ich euch noch einmal sehen, - Eh' das arme Herz mir bricht! - - - - - Der Morgen im Garten. - - - Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer - Die Blumen blüh'n, - So sah ich nie im Rosenschimmer - Den Garten glüh'n! - - Wie jubelt's in den blauen Lüften! - Der Freude Hauch, - Er weht in tausend Balsamdüften - Vom Blüthenstrauch. - - Wohl saß ich oft in jener Hütte; - Wenngleich allein, - Konnt' ich in meiner Blumen Mitte - So glücklich sein. - - Und was des Abends stille Feier - Zum Herzen sprach, - Wehmüthig tönte meine Leier - Das Echo nach. - - Jetzt weint die Seele vor Entzücken, - Zum Himmel steigt - Sie mit der Rührung feuchten Blicken, - Die Lyra schweigt. - - O gold'ner Morgen, Blick der Liebe - Im Lenzgewand, - Vom Auge ew'ger Huld und Güte - Herabgesandt! - - Wie will der Sterbliche Dich singen, - Der betend kniet? - Wenn Weltenharmonie'n erklingen, - Dann schweigt mein Lied! - - - - - Am Abend. - - - Senke Deine gold'nen Flügel, - Holder Abend Du, - Send' auf Fluren und auf Hügel - Stille süße Ruh'! - - Milden Trost auf herbe Thränen, - Guter Genius; - Schlägt mein Herz in bangem Sehnen, - Deinen Friedenskuß! - - Alles ruht in Wonneträumen, - Jedes Auge blickt - Dankbar zu des Himmels Räumen, - Der den Frieden schickt. - - Hüll' auch mich in Deinen Schleier, - Seel'ger Abend ein, - Laß auch mich von Deiner Feier - Still gegrüßet sein! - - Dann bring' ich Dir meine Gabe, - Tief von Dank durchglüht, - Bringe freudig, was ich habe, - Dir ein sanftes Lied. - - - - - Nach Durchlesung - - _des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar, - Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg - erlassenen Hirtenbriefes._ - - - 1842. - - Was fühl' ich leis' in meiner Seele beben? - Ist's Deines Briefes kräft'ger Redefluß? - Ist's Deiner Worte prächt'ges Bilderleben? - Der Sprache, meiner liebsten, eh'rner Guß? - Ist's die Bewund'rung, die ich Deinem Streben? - Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß? - Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen, - Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen. - - Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten, - Dem Himmel nahe, und die Seele frei, - So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten, - Und fernhin klingt die liebliche Schalmei. - Da kommen, die sich früh verloren hatten, - Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei. - Das sind die Töne, jene freien, süßen, - Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen. - - Als ich ihn las, da glaubt' ich weh'n zu hören, - Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt, - Den ächten Geist, der wie mit Engelchören - Durch jedes Deiner frommen Worte klingt, - Den Silberquell, der aus den gold'nen Röhren - Melodisch in das ew'ge Leben springt[11], -- - Des Hirten Töne, die zu heil'gen Stufen - Verirrte Kinder seiner Heerde rufen. - - Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen? - Kann ich verleugnen, was in's Herz mir tief - Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen, - Einst an dem heil'gen Ostertage rief? - Und was mit ew'gem Heile mich zu krönen, - Mich auferweckte, als mein Leben schlief? - Nun ich die Töne hab' von Dir vernommen, - Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen. - - - - - Der Katholik. - - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Ich sag' es frei mit kühnem Blick, - Ich bin's nicht blos im Gotteshaus, - Ich bin es auch im Weltgebraus'; - Ich leugn' es nie und nimmermehr, - Und wär' der Teufel hinterher: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Zum Lügen hab' ich kein Geschick; - Bin ich im Gotteshaus gekniet, - Was kümmert's mich, ob's einer sieht; - Schwätz' ich nicht Jedem nach dem Bart, - Was thut's? Ist Katholikenart: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - D'rauf thu' ich mir von Herzen dick; - Der Priester hat's mich früh gelehrt: - Daß sich im Sturm der Christ bewährt, - D'rum, tret' ich aus dem Gotteshaus, - Dann ford'r' ich kühn die Welt heraus: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik - In Freud' und Leid, in Schmerz und Glück, - Ich bin's im Friede und im Streit; - Und wenn der Teufel Feuer speit, - Und wenn die Welt in Trümmer bricht -- - Ich wanke nicht und weiche nicht: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Nicht blos für einen Augenblick; - Es geh' uns gut, es geh' uns schlecht, - Ich halte bei katholisch Recht; - Sag's jedem Heuchler in's Gesicht, - Ein Sohn der Kirche bist du nicht: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - Ich bin ein wahrer Katholik, - Ich bin kein eigennütz'ger Strick, - Der, wenn der Wind von Norden weht, - Für Gott und seine Kirche steht, - Doch wenn der Wind von Süden bläst, - Gott und die Kirch' im Stiche läßt: - Bei Gott ist meine Hülfe. - - - - - In einer protestantischen Kirche.[12] - - - (Bruchstück aus einem ungedruckten Drama: »Der Katholik«.) - - Kind. - - Sieh Vater, offen ist die Thüre, laß - Zum erstenmal mich eine Kirche sehen. - Wie herrlich muß es sein in Gottes Hause! - - (Sie treten ein.) - - O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort - Sich wölben und sich himmelaufwärts heben! - Sieh, wie die riesig großen Pfeiler streben. - Man sieht wohl gleich, daß hier ein heil'ger Ort. - 's ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen. - Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen? - - Vater. - - O, das Gebäude ist schon alt, mein Sohn! - In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren, - Als überall noch Aberglauben herrschte, - Und alle Leute noch katholisch waren. - Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden, - Das sie »zu Uns'rer Lieben Frauen« nannten. - - Kind. - - Da waren's wohl die Heiden, die's gebaut? - - Vater. - - Nein, Katholiken haben's aufgeführt. - - Kind. - - Hu, Katholiken! Später, wie ich denke, - Erhielten wir's von denen zum Geschenke? - - Vater. - - Nein, Kind, wir haben's ihnen weggenommen. - So ist die Kirche nun auf uns gekommen. - - Kind. - - Oh! und wer ist denn Uns're Liebe Frau? - - Vater. - - Das ist die heilige Maria, Kind, - Die Jesum Christum unsern Herrn geboren. - Die Katholiken glaubten auch an _die_, - Und warfen sich vor ihrem Bild' auf's Knie. - - Kind. - - Maria? Ei so hieß auch meine Mutter, - D'rum war sie auch so eine liebe Frau, - Wie ich's noch heut' in ihrem Bilde schau'. - Sie hatte mich so lieb, sie war so milde, - Und d'rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde - Oft selbst geweint und auf den Knie'n gelegen. - Doch was mir, Vater, nicht gefällt, das ist, - Daß hier kein Schmuck und keine Bilder sind. - - Vater. - - Wir sind ja keine Katholiken, Kind! - Wir beten nur zu unserm Gott allein, - Zu keinem Bild, das würde Sünde sein. - - Kind. - - Es wär' auch gar zu dumm, zu Bildern beten, - Ein Bild kann ja nicht hören und nicht reden. - Und dennoch ist's so schön in deiner Stube, - Wo du die hohen Gäste gern empfängst, - Auch einsam wohl an meine Mutter denkst. - Ich weiß, obgleich ich noch ein kleiner Bube, - Daß mir's einmal gelang, hinein zu schauen. - D'rin hängen Bilder, viel, mit gold'nen Rahmen. - Auch sah ich d'rinnen Uns're Liebe Frauen, - Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen. - Von allen Häusern hätt' ich auf der Welt - Mir Gottes Haus am schönsten vorgestellt. - - Vater. - - Du mußt nicht denken, daß hier Gottes Wohnung. - Gott ist an jedem Orte, kein Revier, - Kein Raum und keine Mauer schließt ihn ein. - Er ist sowohl in meiner Stub' als hier. - - Kind. - - Wenn ich Gott wär', ich wär' am liebsten hier, - Und prächtig schmücken ließ' ich Alles mir. - Weißt du noch Vater, als du meiner Mutter - Die schöne neue Laub' im Garten bautest, - Die wir so gern nach ihrem Namen nennen, - Und die ihr so gefiel, weil du sie _ihr_ - Gewidmet und geschmückt; wo sie am liebsten - An jedem Abend mit uns Kindern weilte? - Da weilst du auch nun stets am liebsten, da, - So sagst du, ist sie dir noch immer nah. - Ja, wenn ich Gott wär', unter allen Zonen - Thät' ich am liebsten in der Kirche wohnen. - Da müßten an der Wand und in den Gängen, - Wie bei'm Papa, die schönsten Bilder hängen, - Und meine Mutter müßte bei mir sein. - Doch was bedeutet das Gefäß von Stein, - Dicht bei der Thüre zierlich eingemauert? - Ein Becken scheint's, um Wasser zu bewahren, - Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren, - Denn siehe, einsam haben Spinnen oben - Die grauen Schleier d'rüber her gewoben. - - Vater. - - 's ist ein Gefäß, aus dem sie Wasser nahmen, - Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen, - In Vaters, Sohns und heil'gen Geistes Namen. - - Kind. - - Warum? - - Vater. - - Ich weiß nicht, 's war so hergebracht, - Und darum haben wir's nicht nachgemacht. - - Kind. - - Sieh, Vater, hier das große Eisengitter, - Dahinter seh' ich der Verwüstung Spuren, - Und Mörtel, Steine, Bretter und Figuren, - Im Wirrwarr liegt's vergessen und verlassen. - Unheimlich dämmrig ist's an diesem Orte, - Wär' ich allein, mich würde Furcht erfassen. - - Vater. - - Mein Kind, da stand der alte Hochaltar, - Nebst Tabernakel, wie's gebräuchlich war. - Auf eines Heil'gen Grab ein großer Stein, - Geweiht zum Dienst des heil'gen Opfers ein. - Mit Blumen reich geschmückt von frommen Händen, - Und Bildern, Crucifix und Ornamenten; - Im gold'nen Meßgewand und Cingulum - Beging der Priester das Mysterium, - Und Alles büßend sich zur Erde neigte, - Wenn er die Hostie dem Volke zeigte. - Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen, - Ein traurig Denkmal aus vergang'nen Tagen. - - Kind. - - Sieh, ein zerschlag'ner Arm ist noch zu schauen, - Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand. - Wer that das, Vater? Immer sagtest du, - Altäre seien heilig, und in Ruh' - Soll man die Gräber und Altäre lassen. - Du lehrtest mich tief in der Seele grauen, - Als du erzähltest, wie das Römervolk - Die christlichen Altäre einst zerschlagen, - An denen fromme Menschen betend lagen. - O sicher stürzten dieses Heiligthum - Die Katholiken oder Römer um. - - Vater. - - Wir selber, Kind, die Protestanten thaten's, - Und der Altar war ein katholischer. - - Kind. - - Wie Schade! da erblick' ich unter Trümmern - Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt. - Wie lieblich seine sanften Züge schimmern! - Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt - Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen. - Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter? - - Vater. - - Das ist das Bildniß Uns'rer Lieben Frauen. - Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen. - - Kind. - - Laß mich noch einmal dieses Bild beschauen, - Dann mag der Küster seine Kirche schließen. - Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen. - Wie blickt es mich so wunderlieblich an! - Du liebe Frau, was hast du denn gethan, - Daß sie dich brachen, und dein Kind zerstießen? - Gern nähm' ich's mit in unser Haus, und träumte: - Ich sähe meine Mutter, und ich leimte - Dem Jesuskind' ein and'res Händchen an. - - Vater. - - So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden? - - (Der Küster zieht die Thurmglocke.) - - Kind. - - Noch eins! sag', warum, wenn die Sonne scheidet, - Die Glocke dreimal drei vom Thurme läutet. - Es weiß es Niemand, was der Gruß bedeutet. - - Vater. - - Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit. - Als nämlich Alles noch katholisch war, - Da hat man so das Angelus geläut. - Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen, - Dann nahmen alle Leut' von jedem Stande, - Der Städter, wie der Bauer auf dem Lande, - Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse, - Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse, - Von ihrem Haupt den Hut, und beteten - Ein still Gebet zu Uns'rer Lieben Frauen. - - (Das Kind sinkt auf die Knie.) - - Was bet'st du Junge, bist du nicht gescheid? - Ein protestantisch Kind hier auf den Knien? - - Kind. - - O, laß mich beten wie kathol'sche Leut'. - Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien. - Laß mich bei Uns'rer Lieben Frauen beten! - Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten, - Doch bitt' ich, Vater, daß ich auf der Erden - Weit lieber noch ein Katholik soll werden. - - Vater. - - Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern. - Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern. - - (Sie verlassen die Kirche.) - - - - - Maria![13] - - - O Du süßester von allen Namen! - Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten, - So melodisch, Deine Töne gleiten! - Wie Accorde, die von jenseits kamen, - Die aus unbekannten Herrlichkeiten - Leise Lüfte zu mir her geleiten, -- - Lieblich, wie ein fernes sel'ges Amen, - Tönst Du, Name der Gebenedeiten: - Maria. - - Dunkel ist die Nacht. Verirrt und müde - Hebt empor der Pilger seine Hände, - Daß ein Stern ihm Licht und Tröstung sende. - Da, wie wenn der Osten Purpur sprühte, - Wie wenn die Natur in Lieb' entbrennte, - Wie das Morgenroth am Firmamente, -- - Also flammt Dein Nam' in mein Gemüthe, - Und ich nenn' ihn tausendmal ohn' Ende: - Maria. - - Ja, den Morgen fühl' ich in mir tagen, - Meine Seele glüht in heil'ger Freude, - Wenn Du einziehst, lieblichste der Bräute, - Wie ein Königsweib auf gold'nem Wagen. - Meine Blumen steh'n im Festgeschmeide, - Alle Berge steh'n in ros'gem Kleide, - Und die Glocken meines Innern schlagen - Ein unendlich liebliches Geläute: - Maria! - - O Du Heil'ge! Sieh in anderm Bilde - (Denn wie Du bist, singen keine Lieder) - Nahst Du schöner meiner Seele wieder. - Nacht und Graus bedecken die Gefilde, - Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er - Hoch einher der Herr und Weltgebieter, -- - Plötzlich unter Donnerwetter, milde, - Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder, - Maria! - - Wenn ich so die alten Lieder zähle, - Die ich frisch, von Melodien durchdrungen, - Froh und weinend in die Welt gesungen, - Fühl' ich schmerzlich eine schwere Fehle. - Wo ein Kranz mir rund und schön gelungen, - Für die Welt nur hatt' ich ihn geschlungen; - Keiner hat geheiligt meine Seele, - Kein Lied, keines ist für Dich erklungen, - Maria! - - Sieh, mein Götze war ein ird'sches Lieben, - Ruhm und Ehre meine gold'nen Sterne, - All mein Dichten, Blüthen ohne Kerne, - Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben. - Deine Bilder hatt' ich lieb' und gerne, - Doch Du selber bliebst mir ewig ferne. - Ferne? Nein, Du bist mir nah' geblieben: - Meine Harfe tönt', ich lausch', ich lerne: - Maria! - - Nun und ewig nur zu _Deinem_ Ruhme, - Will ich rauschend meine Saiten schwingen, - Will sie _Dir_ zum Weihgeschenke bringen, - Segne sie zu Deinem Heiligthume! - Wenn sich tönend Reim' um Reime schlingen, - Soll _Dein_ süßer Name sie durchklingen, - Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume, - Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen, - Maria! - - O, ein Psalm ist schon allein Dein Name, - Und er tönt in allen Erdenkreisen. - Also laß auch mich Dein Sänger heißen, - Sei Du, Jungfrau, meine heil'ge Dame! - Lehr' mein Lied nur einen einz'gen leisen - Wiederhall von jenen Himmelsweisen, - Meine Stimme, daß sie nicht erlahme, - Deine Schönheit für und für zu preisen, - Maria! - - Du dagegen wollest für mich bitten! - Des Allmächt'gen donnernde Gewalten - Hätten längst mein sünd'ges Herz zerspalten, - Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten. - Bitt' für mich, damit sie gnädig walten, - Und den Fluch von meinem Haupte halten! - Laß zu Jesus sich die Lieb' inmitten - Meiner Seele wie die Blum' entfalten! - Maria! - - Und zum andern woll'st Du mir erflehen, - Daß ich spät und frühe _Dein_ gedenke, - Treu und warm Dir meine Andacht schenke, - Und auf Dich stets meine Augen sehen. - Daß _Dein_ liebes Bild sich zu mir senke, - Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke - Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen, - Daß ich nimmer Deine Liebe kränke, - O Mutter! - - Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte! - Ach, ich seh' Dich mit den bleichen Wangen, - Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen, - Seh' Dich dringen durch die wilde Horde, - Und vergeh'n in jammervollem Bangen, - Als die heil'gen Lippen: Mutter! klangen, - Seh', wie bei dem blut'gen Gottesmorde - Dir das Schwert durch's keusche Herz gegangen, - O Mutter! - - Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen - Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine, - Thronst Du ja in ew'gem Glorienscheine, - Und die Engel ruh'n zu Deinen Füßen. - Mutter! o wie ich vor Freude weine, - Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine, - Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen, - Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine: - O Mutter! - - Bitt' für mich, bei Deines Sohnes Wunden! - Laß nicht seine Liebe von mir weichen, - Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen! - Und dann, in der letzten meiner Stunden, - Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen, - Daß ich froh Dir mag die Hände reichen, - Und mein Herz dem ew'gen Licht gesunden, - Maria! - - - - - Maria in der Seele.[14] - - - O heil'ge Mutter, wie ich mich betrübte, - Und mich in Unruh' quälte Nacht und Tag! - Eh' meine Seele Dich, wie jetzo, liebte, - Und wie ich Dir's zu sagen nie vermag! - Wie fühl' ich, gleich dem mutterlosen Kinde, - Mein ganzes Leben so verwaist, so halb, - Und wie erbärmlich hab' ich mit der Sünde - Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp. - - Sieh, meine Seele war wie eine Hütte, - Die nur mit Mühe noch zusammenhält. - Der Felsen drohte, daß er sie verschütte, - Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt. - Der Blitz, wie wenn's den Untergang gegolten, - Umzingelte das Haus, und angstgepreßt - Hielt d'rinnen zitternd, wenn die Donner rollten, - Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest. - - Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen, - Ist meine Seel' ein königliches Haus. - Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen, - Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus. - Du wandelst durch die duftigen Gemächer, - Darinnen Flöten klingen und Schalmei'n, - Die Engel steigen nieder auf die Dächer, - Und Gottes Sonne scheint durch's Fenster 'nein. - - Wie kam's doch? Hab' ich oft zu Dir gebetet, - Freiwillig meine Seele Dir geschenkt? - Hab' ich mich oft vor Deinem Bild verspätet, - In Deine Herrlichkeiten mich versenkt? - Du Kön'gin, hat mein Herz Dich eingeladen? - Rief meine fromme Kühnheit Dich herab? - Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden, - So unverdiente Seligkeiten gab? - - Ach nein, Maria, Du bist ungebeten, - Und aus Erbarmen mit des Sünders Last, - In meiner Seele dunkles Haus getreten; - In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast. - Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen, - Du hast's gefunden, o wie wohl ist mir! - Nun mag der Sturm weh'n und die Hölle fluchen, - Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir. - - Dies Herz -- Dein Frieden, Heilige, bewohnt es, - Und Du zerstreutest seine Angst und Qual. - Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes, - Erfreut es sich an Deinem milden Strahl. - O Heil'ge, bleibe bei mir jetzt und immer! - Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht, - Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer, - Und führe rettend mich zum ew'gen Licht! - - - - - Die Verfolgung. - - - Halt ein! ihr Schergen diabol'scher Mächte, - Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag? - Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte, - Vernichten könnt't ihr ihn mit Einem Schlag. - Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte, - Der ihm den weißen Schädel spalten mag? - Ich ruf' euch zu mit aufgehob'nen Händen: - Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden! - - Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne - Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal; - Gefangen schleppt ihr's in die Fleischerschirne, - Und freut euch wohlgefällig seiner Qual. - Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne, - Woraus er lachend die Vernunft euch stahl. - Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger. - Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger! - - Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken, - Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb. - Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken, - Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. -- - Dann thut es diesem einzigen Gedanken, - Thut's dem, was euch noch heilig ist, zu lieb: - Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde, - Gebt das Signal und koppelt eure Hunde! - - Und thut ihr's nicht, so höret mit Entsetzen, - Was dann geschieht, ich sag's euch, ich, ein Greis. - Ihr denkt, das Wild würd' sich zur Wehre setzen, - Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis; - In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen, - Und Rettung suchen um des Lebens Preis? - Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed'schen, - Den Zorn mit blut'gen Worten zukartätschen? - - Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen, - Und rächend hoch auf Barricaden steh'n, - Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten, - Wie Oriflammen, von den Bergen weh'n, - Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten, - In Kampf und Tod für uns're Kirche geh'n. - Ihr denkt's? dann denkt es auch mit allen Schauern, - Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern! - - Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen, - Dem Hirsch, der stumm und ohn' Empfindung scheint. - Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen, - Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind, - Dann läßt er hör'n ein leises süßes Klagen, - Und was er nie gekonnt und that: er weint. - So leiden wir, so weinen wir und klagen, - Wenn eure Bleie uns in's Leben schlagen. - - Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen, - Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor. - Wenn eure Flüch' hinab zur Hölle steigen, - Dringt uns're Stimme bis zu Gottes Ohr. - Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen, - Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor. - Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen, - Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen. - - 's war eine Zeit -- vielleicht in stillen Nächten - Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt; - Es war die Zeit, eh' ihr von finstern Mächten - Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt, - Eh' ihr's gelernt, mit Gott und Kirche rechten, - Und eh' der Satan euern Geist berückt -- - Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten, - Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten. - - Ein festlich majestätisches Geläute - Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus. - Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute, - Ihr trugt, wie's Brauch ist, einen Blumenstrauß; - Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude, - Sah euch die Unschuld aus dem Aug' heraus -- - Und ihr gelobtet euch im Sacramente - Dem lieben Heiland bis an's Lebensende. - - Noch seh' ich euch am Tisch des Herren essen, - Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt. - Noch seh' ich euch die keuschen Lippen pressen - Auf's Kruzifix in eurer reinen Hand. - O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen, - Die damals euch im frommen Auge stand? - Wie weit ist's doch, seit jenen schönen Tagen - Bis zu dem heut'gen mörderischen Jagen? - - Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande, - So denkt an jenen einz'gen heil'gen Tag -- - Und dann -- schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande, - Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag. - Noch nie gab's so viel Edelwild im Lande, - Ein Jagen, wo's geduldiger erlag. - Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir's nicht gelinder! - Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder. - - - - - 1848. - - - Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren, - Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer. - Prophetenstimmen aus verklung'nen Jahren - Zieh'n wie Posaunentöne vor ihm her. - Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren - Und die Empörung schwingt den blut'gen Speer. - Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen, - Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen. - - Wer ist der Steuermann in solchen Wettern, - Wer ist der Geist, der über'n Wassern schwebt? - Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern - Maschinenmäßig durch die Wellen hebt? - Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern - Sich in die Weichen der Empörung gräbt? - Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten, - Gibt uns ein Machtwort den verlor'nen Frieden? - - Wohl mag ein _Stern_ uns aus den Wogen retten, - Doch keiner, der auf Uniformen blinkt, - Wohl eine _Hand_ vermag uns warm zu betten, - Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt. - Und für das Schiff gibt's neue, sich're Ketten, - Doch keine, die uns um die Freiheit bringt. - Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung, - Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung. - - Der _Stern_, die _Stella maris_, die wir kennen, - Wir seh'n ihn hehr und schön vom Himmel schauen, - 's ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen, - Den süßen Namen Uns'rer Lieben Frauen. - Wo gibt's Fanale, die so glänzend brennen, - Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen? - Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen - Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen. - - Die _Hand_, das ist die Hand der Braut des Herren, - Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt, - Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren, - Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt, - Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren, - Den Segen ihres hohen Bräut'gams reicht. - Wo _diese_ Hand regiert, von Gottes wegen, - Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen. - - Die _Kette_, die es hält für alle Zeiten, - Reicht von der Erde in die Ewigkeit, - Die Kette zweier Welten, die in beiden - Uns zur Gemeinschaft aller Heil'gen reiht -- - Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden, - In Nacht und Trübsal, Gnad' und Herrlichkeit -- - Das ist die Kette von Demant und Eisen, - Die keine Stürme dieser Welt zerreißen. - - O süßer Meerstern, der vom Himmel d'roben - So mild und freundlich auf uns niederschaut, - O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben, - Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut, - O diamantnes Band, von Gott gewoben, -- - Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut -- - Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben, - Wir glauben noch, denn _ihr_ seid uns geblieben. - - - - - Komm! - - - O komm, still' unser heißestes Verlangen, - O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick; - O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen, - Längst wärst Du bei den Trauernden zurück. - Mit Dir ist Fried' und Freud' hinausgezogen; - Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück. - So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten, - Wie wir bisher die Tag' und Stunden zählten. - - O komm, o komm, ein Jammer ist's im Lande; - Seitdem Du gingst, war's eine schwere Zeit, - Ein Hurrah über's and're schreit die Bande, - Der Teufel machte sich noch nie so breit; - Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte, - Hat Dir schon manch Gebet geweiht. - O komm, du kannst's ja, von Sanct Peter's Stufen, - Hat Dir es Pius freundlich zugerufen. - - O komm, Dir harren tausend Herzen: - Die Kirche mit der Glocken Jubelton, - Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen, - Die Gläub'gen mit Gesang und Prozession; - Empfang' die Lieb' als Balsam Deiner Schmerzen, - Und für die uns'rigen sei Du der Lohn, - Damit uns so, mit Gott verbunden, - Das Leid vergeht, vernarben uns're Wunden. - - Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten, - Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt? - Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten - Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt; - Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten - Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt, - Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen. - Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen. - - O komm, steh, alle Tage wird es trüber, - Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab, - Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber, - Kein Retter uns erschien, der Frieden gab. - So komm denn Du, den Hermelin wirf über, - Gebiet dem Sturm mit Deinem gold'nen Stab, - Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken, - Sich Dein gewohnter Segen niedersenken. - - - - - Das Marienbild zu Rimini. - - - 1850. - - Wunder! Leben gießt sich in das Todte. - Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist, - Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote - Die Gesetze der Natur zerreißt. - Seht, das Auge öffnet sich und milde - Strahlt es den unmittelbaren Gruß, - Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde -- - _Signa dantur infidelibus_. - - Nun vom Volk zu des Allmächt'gen Throne - Hebt der Blick der Heiligen sich empor. - »Gott allein die Ehr' und seinem Sohne, - Der zur Himmelskön'gin mich erkor!« - _Sursum corda!_ und zum Herrn und Meister, - Mit des Auges seligstem Erguß, - Reißt sie aufwärts die erschrock'nen Geister -- - _Signa dantur infidelibus_. - - D'rauf der Heil'gen Auge senkt sich nieder, - Und zurück zu Staube sinkt das Erz, - Und das Volk wird seiner Sünde wieder, - Seines Fluchs bewußt das Menschenherz. - Laßt uns beten, beten tief im Staube: - »Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.« - Laßt uns einig sein in Lieb' und Glaube -- - _Signa dantur infidelibus_. - - - - - An Maria. - - - O Maria, laß gelingen, - Und sei meine Helferin, - Laß mich gut und recht vollbringen, - Was ich jetzt gesonnen bin. - Mutter Gottes, alle Tage - Warst Du bei mir, sonst und jetzt, - Und ich habe keine Klage, - Daß Du mich verlassen hätt'st. - - Hilf mir auch bei diesem Werke, - Gib, wofern Du mich noch liebst, - Daß ich mir die Winke merke, - Die Du deinem Diener gibst. - Wenn's dann geht, wie ich begehre, - Dann sei Dir das Werk geweiht, - Dir allein zu Ruhmes Ehre, - Mutter aller Herrlichkeit. - - - - - Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, - - _Direktor des Jünglingsvereines_, zu seinem Namenstage, den 7. - December 1854, vom Vereine gewidmet. - - - Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen, - Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht; - Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen; - Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht; - Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen, - Im Hasse einer wild dem andern flucht -- - Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe, - Wohin willst du dich flüchten, heil'ge Liebe? - - Wenn ringsumher die Völker sich befehden, - Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt; - Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden - Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt, - Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten, - Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt -- - O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten - Willst du, der flücht'gen Taube gleich, dich retten? - - Da öffnen sich die großen Geisterhallen, - Die ein Granit auf seinem Haupte trägt, - Wo ewig neu die Wogen niederprallen - Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt. - Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen, - Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt, - Wo keine Ketten dich der Erde binden, - O süße Liebe, deine Ruhe finden. - - Und hat dies heil'ge Dach zur rechten Stunde - Auch uns vereinigt, eine junge Schaar, - Zu Lieb' und Treu', zu brüderlichem Bunde, - Ein Obdach gegen Sturm und Tod'sgefahr: - So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde, - Zu danken dem, der unser Leitstern war, - Der uns'rer Seelen träges Feuer schürte, - Und uns zum Tempel heil'ger Liebe führte. - - Und alle Gnaden, die wir uns erwerben, - Und jeder Blick vom lieben Jesuskind; - Und jede Huld, im Leben und im Sterben, - Die aus den Händen der Maria rinnt, - Und jede Rettung, die aus dem Verderben - Der heil'ge Joseph unserm Bund gewinnt, - Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet, - Sei dankbar unserm Führer zugewendet. - - - - - Lied für den Jünglingsverein. - - - 1854. - - Im Waffenkleid, in blankem Stahl - Vom Kopf bis zu den Waden, - Umsteh'n den tapfern General - Die muthigen Soldaten. - Im Auge blitzt der Heldenmuth, - Verachtung für die Schande. - Sie rufen laut -- und schwenken den Hut -- - Ein Hoch! dem Vaterlande. - - Und Hoch! dem General, der sie - So oft ins Feld geführet, - Und gegen manche Schlachtbatt'rie - Die Truppen commandiret. - Der sitzt mit seinem Ordensband - Auf seinem stolzen Pferde, - Und dankt, an seinem Hut die Hand, - Mit freudiger Geberde. - - Auch _wir_ sind eine stärk're Armee, - Als manche Contingente. - Es hängt uns zwar kein Portepee, - Kein Schwert um uns're Lende; - Doch unser Schwert und uns're Wehr, - Das ist der gute Glaube, - Der heil'ge Schutz von Oben her - Ist uns're Pickelhaube. - - Auch unser Herz durchglüht der Muth, - Auch wir verachten die Schande, - Und rufen auch -- und schwenken den Hut -- - Ein Hoch! dem Vaterlande. - Das ist noch größer als Oesterreich, - Als Preußenland und Polen, - Man mißt's nicht aus, und lief man gleich - Auf Siebenmeilen-Sohlen. - - Und alle Menschen wohnen d'rin, - Die Großen und die Kleinen, - Das Land umschließt als Hüterin - Eine Mauer von Edelsteinen. - Und unser Herrgott hat gesagt: - Mit Stürmen und Gewittern - Soll nicht die Hölle, wenn sie's wagt, - Dies Vaterland erschüttern. - - Es leb' auch hoch der General, - Der uns zu Felde führet, - Und der uns nicht zum ersten Mal - Zum Kampfe commandiret. - Der sitzt nicht mit dem Ordensband - Auf einem stolzen Pferde: - Er trägt ein einfach schwarz Gewand - Und geht auf rauher Erde. - - Nicht streng ist sein Commandowort, - Es dringt aus sanfter Kehle, - Und dennoch reißt's wie Sturmwind fort, - Und dringt uns durch die Seele. - Er droht uns nicht mit Haft und Strang, - Der Feind nur kriegt die Hiebe, - Und unser ganzes Reglement - Ist guter Will' und Liebe. - - Sein Hauptquartier und Marschallzelt - Ist eine stille Klause, - Dort stünd' ein jeder, wenn es gält', - Als Schildwach vor dem Hause. - Wir halten bei ihm allzumal, - Im Frieden wie im Streite. - Es lebe unser Feldmarschall - In seinem Ordenskleide. - - - - - Der Jünglingsverein an seinen Director, - - _bei dessen Abreise nach Rom_, - - - am 10. April 1855.[15] - - Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land - Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand. - Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur, - Wird's lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur. - - O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh, - Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee. - Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar, - Das ist der verwund'ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war. - - Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein, - Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih'n. - Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib' uns nah! - Deiner Kinder hier im Lande denk' im Land Italia! - - Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn, - Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan, - Wandelst auf dem welschen Boden, unter'm blauen Himmelszelt, - Oder durch die ew'gen Hallen in der großen Stadt der Welt: -- - - Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit, - Und die Heil'gen, die wir rufen, steh'n als Garde Dir zur Seit'. - Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus, - Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus. - - Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht, - Heim aus Roma's Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht. - Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst, - Dann vergiß nicht Deiner Durst'gen, daß Du ihnen Labung bringst. - - O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt, - Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt. - Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer. - Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her. - - Segne uns noch, eh' Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist, - Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil'gen Geist. - Dann leb' wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand, - Daß sie aus der Fern' uns leite, reich uns deine theure Hand. - - - - - Der Lehrer an seine Schüler. - - - Es ist ein heilig Band, das um die Herzen - Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar - Die Wissenschaften und die Künste winden -- - Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich, - Wenn die Gemüther sich einander finden. - Dies Band zu weben, sind geheime Geister - Mit raschen Händen früh und spät geschäftig. - Bald kommen sie auf Sternenhöh'n des Glaubens, - Die nicht des Menschen Auge schauen kann; - Bald aus den Räumen der geschaffenen - Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet; - Bald aus den Tiefen der Philosophie; - Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen, - Die der Verstand zur Harmonie gezwungen: - Bald aus des Alterthums entleg'nen Welten, - Von denen Weise jener Tage melden; - Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen, - Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen. - - So kommen sie, mit alt' und neuem Leben, - Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen, - Aus allen Elementen, um zu helfen, - Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben. - Doch kenn' ich zwei von jenen kleinen Webern, - Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister. - Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge, - Von reichem und harmonischem Gemüthe, -- - Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe, - Die einst als Mädchen aus der Fremde kam, - Mit einem Füllhorn überird'scher Gaben. - Die erste trägt die Tafeln der Gesetze, - Wonach die Muttersprache tönt und klingt; - Die and're mit dem Amaltheahorne, - Sie trägt die gold'nen Schlüssel zu dem Borne, - Aus welchem in melod'schen Wellen - Die Lieder uns'rer Dichter quellen. - - Was hab' ich diesen Schwestern zu verdanken, - Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen - Die Früchte und die Lieb' umranken, - Die sich so schön in diesem Strauße zeigen? - - Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern, - Zu allen Zeiten, heut' wie gestern, - Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt: - So wird auch immer leben, was sie schufen, - Und oft den Freund, der ferne von euch geht, - Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht, - In euer liebendes Gedächtniß rufen. - - Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden, - Wo ihr der Muttersprache Melodien - Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, -- - Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden, - Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen, - In der wir manchen schönen Strauß gebunden. - - Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben! - Was uns verknüpft, muß ewig bleiben! - - - - - Epilog nach der Preisevertheilung - - _im K.-G. Athenäum zu Luxemburg_ - - - am 21. August 1853. - - Verklungen sind die brausenden Accorde, - Die durch den glanzerfüllten Saal getönt; - Verhallt die Lieder, die gewalt'gen Worte, - Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt. - Es schließt Athene ihres Tempels Pforte, - Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt, - Und unter'm Jubel ist entzückter Wogen - Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen. - - Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen? - War's nur ein Traum aus dem romant'schen Land? - Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen, - Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt, - Vom »Mädchen aus der Fremde« nur gelesen, - Die den Geliebten ihres Herzens fand, - Und nun beglückend Alles, die Beglückte, - Mit Lorbern uns'rer Söhne Häupter schmückte? - - Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren, - Daß Aug' und Herz sich selber nicht mehr trau'n, - Wenn ungetrübt mit seligem Verklären - Entzückungs-Stern' in uns're Thäler schau'n. - Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren, - Nicht eine Königin der Elfenfrau'n -- - Sie selber sind's, und uns're Herzen brennen, - Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen. - - Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden, - Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein! - Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden - Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein? - Herbei ihr Künste, die den flücht'gen Stunden - Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih'n! - Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette, - Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette! - - Malt mir ein Meisterbild -- euch wird zum Lohne - Ein Ruhm, der durch's Jahrhundert wiederhallt -- - Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone - Ein Wesen von ätherischer Gestalt, - Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone. - Der Schönheit majestätische Gewalt - Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen, - Und über sie der Jugend Frühling scheinen. - - Malt ihr zur Seite, mit der bärt'gen Wange - Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn, - Den Admiral von königlichem Range, - Der uns're Flagge, wenn Gefahren droh'n, - Vertheidigt in der Stürme wildem Drange, - Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn, - Dann laßt sich über beide Huldgestalten - Der Gattenliebe milden Glanz entfalten. - - Malt mir das Paar von seinem Hof' umgeben, - Und von der Würdenträger dichter Schaar -- - Von Haus und Kirch' und Staat ein buntes Leben -- - Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar. - Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben - In Seid' und Sammt, auf Kriegskleid und Talar, - Und legt in all die Augen und Gesichter - Der patriotischen Begeist'rung Lichter. - - Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle - Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau'n. - Bevölkert mir die schön geschmückte Halle - Mit einem Meer von Jünglingen und Frau'n, - Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle - Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau'n -- - Und über's Ganze laßt der Sonne Strahlen - Durch's off'ne Fenster eine Glorie malen. - - Doch jetzt -- verstummt sind die Orchesterklänge -- - Die Palme winkt, um die die Jugend stritt -- - Und siehe, zagend aus der bunten Menge - Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt. - Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge, - Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt, - Und dem Erglüh'nden reichen ihre Hände - Mit Grazie der Athene Lorberspende. - - Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen -- - Ein and'res Reich gehört dem Sänger zu, - Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen, - Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du. - Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen, - Ist uns'rer Brust geheimnißvolle Truh. - Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben -- - Was sie gebar, kann nur im Liede leben. - - O diese Thrän', ich sah sie blitzend scheinen - Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau; - Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen, - Als man ihn krönte, du glücksel'ge Frau. - Verhüll' sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen -- - Der stolzen Mutterliebe selt'ner Thau. - Mit solchen Perlen mag sich keine messen, - Die dir Tragödien durch die Wimper pressen. - - Auch Vater du? o eine Manneszähre - Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand. - Zerdrück sie nicht, du würd'ger Greis, und wehre - Dich nicht gewaltsam, wenn's dich übermannt, - Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere, - Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt, - Dein altes Herz, im Fundament erschüttert, - Unter'm Ungestüm des Augenblicks erzittert. - - Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege - Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht, - Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege - Mit seiner Leidenschaften wilder Macht - Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege, - Und nun -- nach all der Zweifel banger Nacht -- - Die reiche Ernte mit den gold'nen Halmen, - Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen! - - Und wenn ich Dir, erhab'ne Fürstin, heute, - Was uns're Seele hat so tief bewegt, - In Deinen mütterlichen Klängen deute, - Kühn will ich's sagen, was die mein'ge hegt: - Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude, - Ein süßes Pfand der Lieb' an's Herz gelegt, - Dann wird's darin mit Flötenstimmen tönen: - Nur Elternfreude mag die Welt verschönen. - - - - - (Nach gegebenen Endreimen.) - - - Die Herzen knüpfen schneller ein Bündniß, als die _Staaten_. -- - Ein junger Gärtner machte im Garten den _Besuch_, - Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund'nem _Tuch_, - Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den _Spaten_. - - Die Rosentöpfe standen gereiht auf der _Estrade_ - Nah' bei dem Strom -- da plötzlich, jenseits am andern _Strand_, - Erschien ein lieblich Mägdlein, die bunte Kränze _wand_. - Er warf ihr eine Rose hinüber an's _Gestade_. - - Das Kind war schön -- so malet kein Pinsel, keine _Kreide_ -- - Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blüthen_duft_. - Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein _Schuft_, - Sah ich in meinem Leben 'ne schön're Augen_weide_. - - Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne _Stricke_, - Sie steckt' in ihre Flechten die Ros' aus seinem _Topf_, - So ward der Bund geschlossen -- die Ros' in ihrem _Zopf_ - Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und _Brücke_. - - - - - An P. Klein's Grabe. - - - (15. Oktober 1855.) - - Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder, - Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut! - Und nun erstarrt die Augen, die so bieder, - So froh und gläubig in die Welt geschaut! - Leb' wohl, o Freund -- schon rollt die Scholle nieder -- - Leb' wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut - Hör' ich den letzten ird'schen Klang verschweben - Von Deinem reichen und geliebten Leben! - - Doch wen beklag' ich? Wenn _uns_ Todesmahnen - Und Klagelieder hier am Grab' umweh'n; - Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen, - Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh'n -- - Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen, - Ein freud'ger Held, dem Ziel entgegengeh'n. - Und rein die Freude droben zu erfassen, - Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen. - - Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen. - Was Du hier unten träumtest halbbewußt, - Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen. - Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust, - Die hier nur unverständlich in Dir klangen, - Die Ideale Deiner Dichterbrust. - Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden, - Wird eine Krone Dir im ewg'en Frieden. - - Leb' wohl! Wir seh'n Dich -- wenn im finstern Thale - Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt -- - Wir seh'n Dich wieder, wenn im Abendstrahle, - Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt. - Vielleicht ist's bald, vielleicht zum nächsten Male! - O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt: - Daß wir wie Du gerungen und geworben, - Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben. - - - - - Die Schutzengel. - - - Vor einem Muttergottes-Bilde - Lag im Gebet ein frommer Mann, - Empfehlend ihrer Lieb' und Milde - Vor Allem seine Kinder an. - Du Quell so vieler Gnadengaben, - Sprach er, sei ihre Helferin, - Und nimm die beiden kleinen Knaben - Als Deine eig'nen Kinder hin. - - Daß ihnen nichts zu Leid geschehe, - Erleuchte sie mit Deinem Strahl. - Bewahre sie vor Schmerz und Wehe, - Vor Fall und Krankheit allzumal. - Vor Allem aber ihre Seele - Laß, Heilge, Dir empfohlen sein. - Bewahre sie vor jeder Fehle, - Flöß' ihnen Deine Liebe ein, - - Maria hört die fromme Bitte, - Die ihr ein Engel übergab, - Und ordnet aus der Engel Mitte - Zwei himmlische Gesandten ab. - Geht hin und thut, wie ich euch heiße, - Damit erfüllt die Bitte sei. - Gesellt euch still in eurer Weise - Den Geistern jener Knaben bei. - - Nun höret, was darauf geschehen, - Der Kindlein Vater hat's geschaut, - Ein And'rer hätt's auch nicht gesehen, - Der nicht auf sein Gebet vertraut, -- - All überall, wo die Knaben waren, - Da standen ihnen Engel nah'. - Und immer waren in Gefahren - Zwei unsichtbare Hände da. - - Der Kleinste baut sich Kartenhäuser, - Und siehe keines fällt ihm ein; - Der Aelt'ste, schon ein wenig weiser, - Baut ein Kapellchen sich von Stein. - Als hälfen Meister und Gesellen, - So hurtig war das Werk gethan. - Er klebt' in Mitten der Kapellen - Ein Muttergottes-Bildchen an. - - Mit Steinen spielen sie, und stellen - Die bunten Steinchen in die Reih' -- - Die schönsten Kiesel aus den Wellen, - Sie kommen wie von selbst herbei. - Der Ball fliegt an die hohen Wände, - Und in die Bäum' auf gutes Glück -- - Doch werfen unsichtbare Hände - Den Knaben ihren Ball zurück. - - Sie spielen Reiter und sie jagen - In's Feld und über Stock und Stein, - Als würden sie im Flug getragen -- - Ein And'rer bräche Hals und Bein. - Der eine fiel auf Fels herunter, - Und gab sich einen Todesstreich, - Ein Engel hielt seine Händchen d'runter, - Das Kind fiel wie auf Moos, so weich. - - Ja, wenn die beiden Knaben spielten, - So war's, als wären ihrer vier, - Zwei Brüder schützten sie und hielten - Den einen dort, den andern hier, - Und als der and're, dem's gerathen, - Ein Zündholz strich, allein im Haus, - Da bliesen ihm die Kameraden - Ein jedesmal die Flamme aus. - - Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen, - Doch sieh, ich weiß nicht, wie's geschah -- - Das erste Wort von ihren Zungen, - Das war der Name Maria. - Vermuthlich haben die Kameraden - Sie auch dies erste Wort gelehrt, - Und so der Mutter Gottes Gnaden - An diesen Kindern neu bewährt. - - - - - Der Cölibat. - - - Also gefällst Du mir, wenn die Soutane, - Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt, - Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne - Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt, - Und wenn Dein Blick begeist'rungsvoll der Fahne, - Die der Erlöser schwingt, entgegenfliegt; - Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen, - Zum Dienst des Heil'gen dorthin zu gelangen. - - Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet, - Doch nicht die Welt, an die die Welt gewöhnt, - Zu heil'gen Bergen wirst Du hingeleitet, - Die kein Pallast der Residenz verschönt; - Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet, - Und wo sein Horn das Thal herniedertönt; - Dort steig' hinauf, in's freie Reich der Geister, - Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister. - - Denn auf der Höh' des Lebens steht der Priester; - Um seinen Scheitel glänzt des Frühroths Strahl; - Den Schrein des Himmels öffnet und erschließt er, - Und speis't die Gläub'gen mit dem Opfermahl, - Und wie der frische Thau des Morgens gießt er - Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal, - Und alle Gläub'gen sich verneigend beben, - Wenn seine Händ' empor die Hostie heben. - - Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen, - Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab; - Es mag sich ferner zu der Liebe neigen, - Der Gott die Heiligung in Christo gab, - Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen, - Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab: - Ein einz'ges nur von allen schönen Loosen - Mußt Du zurück in die Entsagung stoßen. - - Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet, - Zum Sakramente hat's sein Wort gemacht, - Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet, - Wenn's fromm im Geiste Gottes wird vollbracht; - Ein süßer Reiz, dem schon Dein Blick begegnet, - Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht; - Den stärksten Fürsten irdischer Gewalten - Sollst Du mit stärkerm Fuß im Staube halten. - - Die milde Liebe sollst Du stumm verachten, - Auf ihre Zauber stolz herniederseh'n; - Vergeblich soll mit ihrem süßen Schmachten, - Sie an der Pforte Deiner Seele steh'n; - Ein ros'ges Glück sollst Du im Herzen schlachten, - An seiner Wonne kalt vorübergeh'n; - Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen, - Was wir der Erde höchste Schätze nennen. - - Kein schönes Auge soll Dein Herz durchdringen, - Kein süßer Traum, der Deine Seel' umspinnt; - Kein schöner Arm sich um den Dein'gen schlingen, - Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt, - Von keiner Lippe Dir melodisch klingen - Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt, - Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt - An einem Glück, das uns entzückt und heiligt. - - Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen, - So sollst auch Du, ein jungfräulicher Mann, - Hinauf zu seinem heil'gen Dienste fliegen, - Ein freier Jüngling, den kein Weib gewann, - Dem nie die Sehnsucht nach verbot'nen Siegen - In feigen Thränen vom Gesichte rann, - Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben, - Nicht allzufrüh der Creatur gegeben. - - Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren, - Ein jungfräuliches Weib der Perle gleich; - Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren, - Gleichwie die Lotosblum' auf Hesper's Teich. - Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen, - Bekriegst das Fleisch und seiner Lüste Reich, - Schmückst Deine Seele mit den Myrthenzweigen: - So magst Du auf zu jenen Höhen steigen. - - Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert: - So lang' Dein Puls dem Weib entgegenschlägt, - So lang' die Flamm' in Deinem Blute lodert, - Die losgelassen Dich in Asche legt, - So lang' die gift'ge Lust noch unvermodert - Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt: - Magst Du mit Laien sein und beten, - Doch nimmermehr zum Tabernakel treten. - - Zwar sind's nur wenige, die so hoch berufen, - Doch wenn auch _einer_ nur, der also denkt, - Ein einz'ger Priester, der an heil'gen Stufen - Die ird'sche Liebe hinter sich versenkt, - Den frei von Schuld die Hände Gottes schufen, - Zu Gott die jungfräuliche Seele lenkt: - Sie sollen strömen aus entfernten Zonen, - Um seinem reinen Opfer beizuwohnen. - - Wohl soll ein schönes Auge Dich durchdringen, - Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt, - Ein schönes Weib soll Deine Seel' umschlingen, - Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt, - Von ihren Lippen wird's melodisch klingen: - Du bist mein Bräutigam, mein Kind! - Um _diese_ Heil'ge sollst Du frei'n und werben, - Dann wird Dein Herz in Wonn' und Liebe sterben. - - Auch jene Worte sollen Dich entzücken, - Die mir der Knab' auf meinen Knien lallt: - Denk Dir die Seele, die sich ließ berücken, - Die sich von Gott gewendet, todt und kalt -- - Du kannst mit neuem Leben sie beglücken, - Und im Triumph, mit geistiger Gewalt, - Aus ihrer Nacht zu jenen gold'nen Thüren - Der Gnade und des Lichts zurückeführen. - - Und wenn dann jene Seel' in sanftem Weinen, - Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt, - Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen, - Entzückt in jubelndem Gebete liegt: - Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen, - Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt, - Dein neugebor'nes Kind, dem Du das Leben, - Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben. - - Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande, - Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Führer zeigt? - Früh morgens, eh' noch hinterm Alpenrande - Empor die schöne Fackel Gottes steigt; - Wenn rings noch still, in nächtlichem Gewande, - Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt, - Glüht still und einsam, wie in Andachtwonne - Die Jungfrau dort im frühen Kuß der Sonne. - - Also dort oben, auf der Menschheit Höhen, - Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt, - Dort oben, wo die rein'ren Lüfte wehen, - Und wo sich keine Sorge hin versteigt, - Sollst Du ein _jungfräulicher_ Priester stehen, - Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt; - Wie jene Alpe soll in heil'gen Frühen - Ein jungfräulicher Glanz Dein Haupt umglühen. - - - - - Arion. - - - 1850. - - Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen, - Stolz kommen die Segel einhergezogen - Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand. - Sie bringen den Freund dem Freunde wieder, - Dem König den Sänger der göttlichen Lieder, - Sie führen Arion zum Heimathland. - - Hoch steht er am Bord im Abendglanze, - Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze, - Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent. - »O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke! - Nun kehr' ich dir wieder im größten Glücke, - Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.« - - Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern, - Und höret der Schiffer heimliches Flüstern. - In die grollenden Fluthen ruft er hinab: - »Poseidon, schütz' uns, du Wogendränger! - Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger, - Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!« - - Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte: - »Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte, - So tödte dich selbst an des Schiffes Bord. - Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen, - Lebendig wirst du uns dem König verrathen, - Den Leichnam bringen wir sicher in Port.« - - Und jener bittet und flehet vergebens. - »Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens? - Und soll ich verderben auf einsamer Fluth? - So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen - Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen, - Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.« - - Die eben noch unerbittlich waren -- - Arion zu hören, reizt die Barbaren. - Er kleidet sich d'rauf in köstlich Gewand. - Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare, - Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare, - So steht er, die Cither in seiner Hand. - - »Rauschet meine letzten Klänge! - Rauschet wie Triumphgesänge - Meiner Lieder schönstes Lied! - Kühn, wie zu des Himmels Bogen - Sturmbewegt die Welle flieht, - Schlage deine großen Wogen, - Jubelharmonienmeer, - Majestätisch um mich her! - - Denn ich geh' zu meinen Göttern. - In des Sturmes Donnerwettern - Grüßen sie Arion schon. - Durch der Wogen wildes Brausen - Hör' ich Orpheus süßen Ton. - Hin, wo uns're Helden hausen, - Sink' ich, hellumstrahlt vom Ruhm, - Selig in's Elysium. - - Rauschet, meiner Cither Klänge, - Rauschet, wie Triumphgesänge, - Meiner Lieder letztes Lied! - Du Thalassa, die den Bogen - Um der Menschen Länder zieht, - Schlage deine großen Wogen, - Wie ein Harmonienmeer, - Majestätisch um mich her!« - - Nun springt er hinaus in der Wellen Toben, - Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben. - Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel', - Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter - Der bläulichen See lebendige Wunder, - Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel. - - Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken, - So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken - Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch. - Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande, - Da steiget Arion gerettet zum Lande. -- - Der Sänger steht in der Götter Hut. - - - - - Militär-Toast. - - - 1850. - - Wie glänzt der Tisch im festlichen Gepränge, - Geschütz erschallt, das Echo hallt, - Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt, - Und vom Orchester strömen lust'ge Klänge, - Wer sagt's noch, daß das Herz ihm schwer und enge? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Augen blinken! - Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken, - Und laßt's ihn aus bis auf den Boden trinken! - - Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze? - Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal, - Und allzumal die Lust im Saal. - Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze? - Wer schlägt für ihn sein Blut nicht in die Schanze? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, auf von den Sitzen, - Und füllt die Gläser mit den gold'nen Blitzen, - Gebt das Signal den donnernden Geschützen. - - Gott grüß dich, Vaterland, du uns're Wiege! - Das Auge glüht, die Seele sprüht, - Das Herz durchzieht ein heilig Lied! - Gott schütze dich im Frieden und im Kriege! - Wer schmäht dich, deinen Ruhm und deine Siege? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Hand zum Stahle! - Und füllt mit schaum'gen Regen die Pokale, - Hoch lebe Preußen, hoch! im Siegesstrahle! - - Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen - Vom Memelstrand bis hier in's Land, - Ein einiges Band, 'ne einz'ge Hand -- - So steh'n wir auf, werth uns'rer tapfern Ahnen! - Wem ist sein Blut noch lieb für deine Fahnen? - Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, Tod sei der Schande, - Und laßt die Gläser schäumen bis zum Rande: - Treu unserm König und dem Vaterlande! - - Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir wählen; - Vom Feind bedroht, vom Brand umloh't, - In Sturm und Noth, bis in den Tod, - Soll Fürst und Land auf seine Söhne zählen. - Wer zweifelt an dem Schwur von Männerseelen! - Wer sagt's, wer wagt's? Wer will uns dort verdammen? - Reicht mir den Becher mit den gold'nen Flammen; - Wir bleiben treu, und bräch' die Welt zusammen. - - - - - Ein Geister-Ständchen. - - - Zum sechzigjährigen Dienstjubiläum - Sr. Exc. des Herrn Militär-Gouverneurs, - Generals der Cavallerie, - _von Wedell_, - zu Luxemburg, am 15. April 1856. - - Die Nacht war still, kein Lüftchen ging, - Es war zwölf Uhr, und am Himmel hing - Der Mond wie eine bleiche Laterne. - Die Welt schlief fest, kein Laut war wach, - Als die knarrende Fahne vom Kirchendach - Und der Posten Ruf in der Ferne. - - Da plötzlich tönt von der Schloßwacht her - Ein lautes Werda, sie tritt in's Gewehr -- - D'rauf ein Rasseln und Rauschen ohn' Ende -- - Ein blut'ges Regiment, ein bleiches Corps, - Als kämen sie just aus den Gräbern hervor, - Dringt über den Fischmarkt behende. - - Mit Büchsen und Flinten, mit Lanz' und mit Schwert - Das trippelt und trappelt, zu Fuß und zu Pferd, - Und stehet nicht Antwort und Rede. - Sie drängen sich links, sie wissen wohin, - Und schwenken sich auf vor St. Maximin, - Ein junger Major an der Tete. - - Sie tragen von allerhand Farben Gewand, - Und Keinem ist die Montirung bekannt - Der blutigen Geisterschaaren. - Auf Manchen hängt sie in Fetzen nur -- - Doch trägt der Major die Parade-Montur - Der brandenburg'schen Husaren -- - - Und trägt auf der Brust, wie als er noch stritt, - Das stattliche Ordenskreuz _pour le mérite_, - Mit der kleinen Krone von Perlen. - D'ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt, - Als er todt da lag am Ostseestrand, - Zerfetzt von den dänischen Kerlen. - - Und er winkt, der Trompeter bläst zum Appell, - Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell, - Und erheben die blut'ge Standarte. - Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf, - Und es treten hervor aus dem düstern Hauf, - Die man dort im Sande verscharrte. - - Beim Ruf _Dodendorf_ vor die Fronte tritt - Diezelsky, geschmückt mit dem Kreuz du mérite, - Auch Stössel und Voigt auf den Rossen, - Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant, - Mit dem Parlamentärtuch in seiner Hand, - Den sie meuchlerisch todt geschossen. - - Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf, - Sie reiten herbei auf leichtem Huf -- - Zerhau'ne, verweg'ne Gesichter. - D'rauf von _Dömitz_ und _Dammgarten_ rückt's herbei, - Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei, - Und der Haufen wird immer dichter. - - Da öffnet der Feldherr wieder den Mund, - Und schwingt den Säbel und ruft: _Stralsund!_ - Und es melden sich tausend Männer. - Voran ein wilder Husarenschwarm, - Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm, - Die Andern auf luftigem Renner. - - Auch Billerbeck, Eyb und Halletius, - Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß - Zu Stralsund am Knieperthore, - Von Alvensleben auch, der wackere Held, - Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld, - Sie treten hervor aus dem Chore. - - Da ruft der Major: _Sanct Leonhard!_ - D'rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt, - Die vierzehn gefangenen Krieger. - Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust, - Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt, - Und waren im Tode Sieger. - - Nun bleiben noch elf Offiziere zurück -- - Der Major ruft: _Wesel!_ und verhüllt den Blick, - Und die Elfe beschließen die Schaaren -- - Gar edle Jünglinge, hingestreckt, - Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt, - Die im Leben nur Ein Herz waren. - - Und als sie versammelt sind Mann für Mann, - Da heben die Trompeter zu blasen an - Die schönste der Serenaden, - Ein Jubellied, das zum Herzen dringt - Und hell majestätisch die Nacht durchklingt, - _Zum Gruß ihrem alten Kameraden_. - - Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund, - Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund, - Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren. - So schauerlich hörte die Stadt noch keins -- - Da schlug die Uhr vom Kirchthurm _Eins_ -- - Und zerstoben war Schill mit den Schaaren. - - - - - Die St.-Helena-Medaille.[16] - - - Weis' her die wälsche Medaille! - Wie funkelt so neu das Ding! - Und so alt schon ist die Bataille, - Wo Dein Arm zum Teufel ging. - - Wär' weiter nichts mitgegangen, - Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz, - Sie hätten Dir nicht gehangen - Die Medaille an seinen Platz. - - Sie hätten es nicht probiret, - Nach fünfzig Jahren auf's Neu', - Und zweimal speculiret - Auf Deine Kaisertreu'. - - Der Kaiser liegt im Grabe - Und seine Garde dazu. - Gott geb' ihm und seinem Stabe - Pardon und die ew'ge Ruh'. - - Viel Jahre sind gezogen - Wohl über die Gruft daher. - Kaum rauschen noch die Wogen - Die blutige Kaisermähr. - - Und Gras ist viel gewachsen - Ueber Ehr' und über Schand', - In Preußen und in Sachsen - Und im Franzosenland. - - Nun kommen sie wieder und äffen - Und schmücken sich mit dem Ding - Und werben Dich für den Neffen - Um einen Silberling. - - Kämen sie im Schlachtgebrause - Zu hunderttausend Mann, - Wir schickten sie nach Hause, - Wie wir es schon gethan. - - Und Du greifst nach dem Bande? - Du heftest Dir es an? - Du brüstest Dich mit der Schande! - O, schäme Dich, alter Mann! - - - - - Testament. - - - (November 1858.) - - Wenn ich ausgelitten hab' - Und mich von euch wende, - Macht mir doch mit meinem Grab' - Nicht viel Complimente. - - Setzt mir keinen Stein daher, - Der's den Leuten sage: - Freut euch, daß ich keinen mehr - Auf dem Herzen trage. - - Auch mit Rosen bleibt mir fort, - Kränzen oder Kronen, - Flechtet sie, wo hier und dort - Frohe Menschen wohnen. - - Weder Schutt noch Blumenfeld, - Scherben oder Kräuter, - Machen mir die and're Welt - Länger oder breiter. - - Viel Poeten haben's gern - Wenn sich Vöglein's Flügel - Um die Zeit vom Abendstern - Senkt auf ihren Hügel, - - Oder wenn vom nahen Baum - Nachtigallen pfeifen, - Während durch den stillen Raum - Laue Weste streifen. - - Nichts begehr' ich von dem All'n - Wollt' auch eh'r erdolcht sein, - Als von Mond und Nachtigall'n - Bis in's Grab verfolgt sein. - - Im November jedes Jahr - Soll't ihr mich besuchen, - Dort, wohin mich auf der Bahr - Fremde Schultern trugen. - - Ob vielleicht schon Schnee und Frost - Mich bedeckt da draußen, - Ob die Stürm' aus Nord und Ost - Durch die Felder brausen -- - - Grade wenn's recht stürmisch ist, - Sollt ihr zu mir treten, - »Vater unser, der du bist«, - Herzhaft für mich beten. - - So befohlen und gestift't - Hier in dem Gedichte, - Auf daß Jeder, den's betrifft, - Demgemäß sich richte. - - - - - Inhaltsverzeichniß. - - - Vorwort mit der Biographie des Dichters III - Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3 - Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5 - Am Geburtstage meines Vaters 6 - Am Anfange der Osterferien 11 - Am 8. December 13 - Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15 - Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16 - Nachtwächter-Lied 19 - Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21 - Gruß an die Heimath 22 - Mein Engel 25 - Sehnsucht nach dem Tode 27 - Reliquie eines Verschollenen 31 - Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36 - Die Waldmühle 38 - Schweizers Sehnsucht 41 - Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43 - Mein Wunsch 47 - Die letzte Rose 48 - Sonett 51 - Sonett 52 - Die Johannisblume 53 - In der Ferne wohnt mein Glück 54 - Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg 56 - An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59 - Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder 63 - aus dem Wimez'schen Institute aufführten - Gesang der Sterne 65 - Der Liebe Sehnen 67 - Veilchenstrauß 69 - Tag der Vereinigung 71 - Siehst Du, wo im Abendgolde 73 - Der Bürgergardist 74 - Die Natur 76 - Vaterfreude 78 - Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs 81 - von Luxemburg - Ludwig Philipp 84 - Was ist des Deutschen Vaterland? 87 - Blau, weiß, roth 90 - Bei Sebastopol 92 - Ferienweihe 94 - Von der Luxemburger Mosel 99 - Es lag mir schon sehr lange nah' 102 - Die Fische 103 - Morgenlied von dem Schäfchen 105 - Maria und der Doctor 107 - Des armen Kindes heiliger Christ 109 - Des Schweizers Heimweh 112 - Der Morgen im Garten 114 - Am Abend 116 - Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118 - apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem - Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes - Der Katholik 120 - In einer protestantischen Kirche 122 - Maria! 130 - Maria in der Seele 135 - Die Verfolgung 138 - 1848 142 - Komm! 145 - Das Marienbild zu Rimini 147 - An Maria 149 - Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150 - Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December - 1854, vom Vereine gewidmet - Lied für den Jünglingsverein 152 - Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155 - Rom - Der Lehrer an seine Schüler 158 - Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg 161 - Nach gegebenen Endreimen 166 - An P. Klein's Grabe 167 - Die Schutzengel 169 - Der Cölibat 173 - Arion 179 - Militär-Toast 182 - Ein Geister-Ständchen 184 - Die St.-Helena-Medaille 188 - Testament 190 - - - - - Fußnoten. - - -[1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena -materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt. - -[2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten -Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem Fuße -eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem -Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär -derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de -division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum -Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle -er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an genoß -Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen Beschäftigung als -beeideter Uebersetzer des »Memorial«, für das er den deutschen Text zu -besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst -provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und -Literatur am königl. großherzgl. Athenäum ernannt wurde. - - Anm. d. H. - -[3] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 28. - - D. H. - -[4] Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand 1857. Bei -dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen: _E. -Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german edition by -A. v. Beresford. 8._ - -[5] Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später bei -Hotop in Cassel (»Salon-Novellen« 1851, ferner »Drei Novellen«), -einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung »Was ihr wollt«. - -[6] Vgl. »Morgenblatt« 1847, »Telegraph für Deutschland«, Hamburg 1847, -Nr. 111. - - D. H. - -[7] Aus dem »Salon« Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt. - - D. H. - -[8] Abgedruckt aus dem »Salon« 1842. Nr. 60. - - D. H. - -[9] Abgedruckt aus dem »Lux. Wort«, Jahrg. 1849. - - D. H. - -[10] Vgl. »Des fremden Kindes heiliger Christ« von Rückert. - - D. H. - -[11] Joh. VI. - -[12] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 31. - - D. H. - -[13] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 33. - - D. H. - -[14] Abgedruckt aus den Mainzer »Katholische Sonntagsblätter«, Jahrgang -1846, Nr. 33. - - D. H. - -[15] Abgedruckt aus der »_Quotidienne Luxembourgeoise_«, Jahrgang 1855, -Nr. 83. - - D. H. - -[16] Abgedruckt in der »Köln. Ztg.«, Jahrgang 1857, Nr. 287. - - D. H. - - - Anmerkungen zur Transkription - -Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt. - -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE *** - -***** This file should be named 63086-8.txt or 63086-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/3/0/8/63086/ - -Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. -This book was produced from images made available by the -Open Repository Kassel. - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Bück, Luxemburg" --> - <!-- DATE="1859" --> - <!-- COVER="images/cover.jpg" --> - -<style type='text/css'> - -body { margin-left:15%; margin-right:15%; } - -div.frontmatter { page-break-before:always; } -div.frontmatter .aut { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:1em; - font-size:1.2em; font-weight:bold; margin-top:1em; } -div.frontmatter h1.title { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:1em; } -div.frontmatter .ed { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:4em; - line-height:1.5em; } -div.frontmatter .ed .line2 { font-size:0.8em; } -div.frontmatter .ed .line3 { font-size:0.8em; } -div.frontmatter .pub { text-indent:0; text-align:center; } -div.frontmatter .pub .line1{ font-weight:bold; } - -div.chapter{ page-break-before:always; } -h2 { text-indent:0; text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:1em; } -h2 { font-size:1.2em; font-weight:bold; } -h2.firstline { font-size:1em; font-weight:normal; } -h2.firstline .firstline { font-size:1.2em; font-weight:bold; } -h2.chapter { margin-top:1em; margin-bottom:0.5em; } -h3 { text-indent:0; text-align:center; margin-top:1em; margin-bottom:0.5em; } - -p { margin:0; text-align:justify; text-indent:1em; } -p.first { text-indent:0; } -span.firstchar { font-size:2em; font-weight:bold; } -p.noindent { text-indent:0; } -p.sign { text-indent:0; text-align:right; margin-right:1em; } -hr.tb { margin:1em; border:0; border-top:2px solid black; width:10%; margin-left:45%; } -p.subt { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:0.5em; } -p.year { text-indent:0; text-align:center; margin-bottom:0.5em; } -p.c { text-indent:0; text-align:center; font-style:italic; } -p.d { text-indent:0; text-align:center; font-size:0.8em; } -p.date { margin-top:1em; text-indent:0; } - -p.footnote { margin:1em; margin-bottom:0; text-indent:0; font-size:0.8em; } -p.footnote2 { margin:1em; margin-top:0; margin-bottom:0; text-indent:1em; font-size:0.8em; } -p.footnote2.sign { text-indent:0; } - -span.antiqua { font-style:italic; } -.underline { text-decoration: underline; } -.hidden { display:none; } - -/* poetry */ -div.poem-container { text-align:center; } -div.poem-container div.poem { display:inline-block; } -div.stanza { text-align:left; text-indent:0; margin-top:1em; margin-bottom:1em; } -.stanza .verse { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:2em; } -.stanza .verse1 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:3em; } -.stanza .verse2 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:4em; } -.stanza .verse4 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:6em; } -.stanza .verse5 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:7em; } - -/* TOC */ -div.table { text-align:center; } -table { margin-left:auto; margin-right:auto; border-collapse:collapse; } -table td { padding-left:0em; padding-right:0em; vertical-align:top; text-align:left; } -table.toc { max-width:25em; } -table.toc td { font-size:0.8em; } -table.toc td.col1 { padding-left:2em; text-indent:-2em; } -table.toc td.col_page { padding-left:1em; text-align:right; width:2em; } - -a:link { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); } -a:visited { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); } -a:hover { text-decoration: underline; } -a:active { text-decoration: underline; } - -/* Transcriber's note */ -.trnote { font-size:0.8em; line-height:1.2em; background-color: #ccc; - color: #000; border: black 1px dotted; margin: 2em; padding: 1em; - page-break-before:always; margin-top:3em; } -.trnote p { text-indent:0; margin-bottom:1em; } -.trnote ul { margin-left: 0; padding-left: 0; } -.trnote li { text-align: left; margin-bottom: 0.5em; margin-left: 1em; } -.trnote ul li { list-style-type: square; } -.trnote .transnote { text-indent:0; text-align:center; font-weight:bold; } - -/* page numbers */ -a[title].pagenum { position: absolute; right: 1%; } -a[title].pagenum:after { content: attr(title); color: gray; background-color: inherit; - letter-spacing: 0; text-indent: 0; text-align: right; font-style: normal; - font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: x-small; - border: 1px solid silver; padding: 1px 4px 1px 4px; - display: inline; } - -div.centerpic { text-align:center; text-indent:0; display:block; } - -@media handheld { - body { margin-left:0; margin-right:0; } - div.poem-container div.poem { display:block; margin-left:2em; } - table.toc { max-width:inherit; } - a.pagenum { display:none; } - a.pagenum:after { display:none; } -} - -</style> -</head> - -<body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Ernst Koch's Gedichte - Aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem - Freunde des Verstorbenen - -Author: Ernst Koch - -Editor: Ludwig Housse - -Release Date: August 31, 2020 [EBook #63086] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. -This book was produced from images made available by the -Open Repository Kassel. - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter chapter"> -<p class="aut" title="Ernst Koch"> -Ernst Koch’s -</p> - -<h1 class="title" title="Gedichte"> -Gedichte, -</h1> - -<p class="ed"> -<span class="line1">aus dessen Nachlasse</span><br /> -<span class="line2">gesammelt und herausgegeben</span><br /> -<span class="line3">von</span><br /> -<span class="line4">einem Freunde des Verstorbenen.</span> -</p> - -<p class="pub"> -<span class="line1">Luxemburg.</span><br /> -<span class="line2">Druck und Verlag von <em>B. Bück</em>.</span><br /> -<span class="line3">1859.</span> -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="intro blank" id="chapter-0-1" title="Vorwort mit der Biographie des Dichters"> -<a id="page-III" class="pagenum" title="III"></a> -</h2> - -</div> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">D</span><span class="postfirstchar">er</span> Name <em>Ernst Koch</em>, dessen poetischen Nachlaß wir in -dieser Sammlung der Oeffentlichkeit übergeben, hat in der -Tagesliteratur bereits einen zu guten Klang, als daß wir -hier sein Lob unternehmen müßten. Sein „Prinz Rosa-Stramin“, -seine „Erzählungen“ und „Novellen“ haben ihn -auch in weitern Kreisen rühmlichst bekannt gemacht, und -er dürfte unter der Legion von Dichtern und Literaten, -die in den letzten Decennien in allen Ecken und Winkeln -Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den -wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie -einen bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch -die spätere Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren -des Verstorbenen nicht ohne Mühe zusammengetragen, allen -Freunden der schönen Literatur eine willkommene Gabe -sein. Nur bedauern wir, daß ein so frühreifes reichbegabtes -Dichtertalent uns verhältnißmäßig so wenig Früchte und -Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewiß -hätte Koch der köstlichen Blumen noch unendlich mehr in -den Blüthenkranz deutscher Poesie hineingewunden, wenn -er ihrer in Frieden und Muße hätte warten können. Aber -<a id="page-IV" class="pagenum" title="IV"></a> -es ist ein untrügliches Kennzeichen von der Echtheit der -ihm gewordenen Dichterweihe, daß die harten Schläge des -Schicksals und die Last der prosaischen Tagesgeschäfte, die -ihm oft auf der Brust lagen wie ein drückender Alp, den -glimmenden Funken seines Genius nicht erstickt haben. -</p> - -<p> -Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der -Dichter selbst in einer biographischen Skizze, die wir einem -seiner Manuscripte entnehmen, aufgezeichnet. Freilich sind -es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen unmöglich ein -vollständiges Bild von seiner interessanten Persönlichkeit, -wie sie mit ihrer Gemüthlichkeit und Lebendigkeit und -ihrem unverwüstlichen Humor, dem bei allem Ernst des -Lebens etwas jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit -geblieben war, im Geiste seiner Freunde und Schüler -noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und noch viel -weniger von seinem überaus reichen und geheimnißvollen -Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir -ihn kennen in seinen Werken. In seinen Erzählungen und -Novellen, worin ein gut Stück aus dem eigenen Leben -hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst geschildert, und -besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermöchte. -Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte, -mögen wir am besten den Tönen ablauschen, welche -die Saiten seiner Harfe durchzitterten. -</p> - -<p> -<a id="page-V" class="pagenum" title="V"></a> -„Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in -Niederhessen, im Hause meines Großvaters, des Obervogts -Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch (1847 als pensionirter -Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals Friedensrichter -zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach -Waldkappel und 1816 als fürstlich Rotenburgischer Oberschultheiß -nach Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14. -Jahre, und erhielt in den Stadtschulen die Elementar- und -die ersten humanistischen Kenntnisse. Die wundervolle, liebliche -Natur des Werrathales und die Lectüre der Schiller’schen, -Körner’schen und Mathisson’schen Lyrik, für die mein -Vater schwärmte, übten ihren Einfluß auf den lebhaften -Knaben. 1821, als mein Vater als Kreisrath nach Kassel -berufen wurde, trat ich dort in die 3. Klasse des Lyceums -ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der höhere -Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben -die poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon -in der Tertia, lieferte in Secunda himmelstürmende Aufsätze, -bei denen dem würdigen Lehrer der Maßstab der -schulmäßigen Prosa versagte, und durchschwärmte in Prima -alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe. -Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universität Marburg, -dann Göttingen und wieder Marburg, wo ich 1829 -als <span class="antiqua">Doctor juris</span> absolvirte<a class="fnote" href="#footnote-1" id="fnote-1">[1]</a>. 1830 brachte ich den Sommer -<a id="page-VI" class="pagenum" title="VI"></a> -in Berlin zu, um mich dort als Privatdocent zu -habilitiren. Indeß riefen mich die damaligen Ereignisse -nach Kassel zurück und ich trat in den hessischen Staatsdienst -als Obergerichts-Referendar ein. Hier schossen die -„Vigilien“ unter Bescheid-Entwürfen und gelehrten Appellations-Relationen -auf, und wandten mir, als ein Zufall -den Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten -Publikums zu. Diese erkaltete plötzlich, als ich die -Ernennung zum Sekretär des Landtags-Commissars und -1832 die zum provisorischen außerordentlichen Referenten -im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser -Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurückgeschickt, -um mich zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten. -Mit dem Publikum zerfallen, zerfiel ich bald mit mir selbst, -und begann statt der Prüfungsarbeiten, ein ungebundenes -Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung -stürzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschluß brachte, -das Vaterland heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu -verlassen. Ich wendete mich nach Straßburg. Verschiedene -Pläne, mir eine Existenz zu gründen, mißglückten hier -und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte -mich der gänzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die -französische Armee einzutreten. Man sandte die Freiwilligen -über Toulon nach Algier in die Fremdenlegion. Diese wurde -noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien als -Hülfstruppe der Königin Christine gegen die Carlisten übergeführt, -und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps, -<a id="page-VII" class="pagenum" title="VII"></a> -das innerhalb zweier Jahre durch Kugeln und Krankheiten -und Strapazen von 7000 auf 381 Mann herabschmolz, -und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren -Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der römisch-katholischen -Kirche übertrat, trug ich mein armes -Herz, das nunmehr fest, aber auch kalt geworden, und aus -dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen Zaubereien -und Träume hinausgefegt hatte, der heimathlichen -Erde zu. So kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion -nach sechswöchentlicher Wanderung von Pamplona -über Metz und Sierk im September 1837 bei Marburg -an, wo ihn ein Freund aus den Universitätsjahren auf -der Landstraße empfing, der ihm eine Stunde darauf aus -Lewald’s „Europa“ Franz Dingelstedt’s Worte vorlas: -„Kassel hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren, -und diesen nur zufällig, der ist Ernst Koch, der Verfasser -des Prinz Rosa-Stramin. Seitdem er seine Vaterstadt -verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge die Vorsehung -ihn schützen auf seinen dunklen Pfaden.“ Der Landesfürst -verweigerte dem Zurückgekehrten, der sich bei seinen -versöhnten Eltern in ein einsames Leben zurückzog und eine -Darstellung des althessischen Privatrechtes begann, das fast -vollendet ist, jede Anstellung, und mit Mühe erschwang -ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Röfing -das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt -vergütete. Da rief mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug -nach Luxemburg, wo ich sofort als Regierungssekretär -<a id="page-VIII" class="pagenum" title="VIII"></a> -angestellt wurde, nach Hassenpflug’s Abgang als -Bureauchef in der Verwaltung blieb<a class="fnote" href="#footnote-2" id="fnote-2">[2]</a>, mich mit einer -Luxemburgerin, der Tochter des Eigenthümers Müllendorf, -verheirathete und jetzt als glücklicher und geachteter Familienvater -mit Erfolg das Amt eines Professors der deutschen -Sprache und Literatur beim königl. großherzgl. Athenäum -bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden -Nebensache geworden, für die ich weder um Muße noch -um Stoff werben mag. Auch die Novellen (1847) sind die -Frucht weniger müßigen Wochen, da die erste und zweite -derselben schon früher im Dingelstedt’schen „Salon“ abgedruckt -waren.“ -</p> - -<p> -<a id="page-IX" class="pagenum" title="IX"></a> -Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschätzt, -im stillen Kreise seiner Familie und seiner lieben Zöglinge. -Dem armen Dulder schien endlich, nach vielem Ringen -und Herumirren, in seiner zweiten Heimath die langersehnte -Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum hatte sich -unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen -neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, – -wohl die Nachwehen früherer Anstrengung – nach einer Ferienreise -in seine Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten -Anfänge eines chronischen Brustkatarrhs, von dem er nicht -mehr genesen sollte. Die Strapazen und Entbehrungen des -Legionars in der Sonnengluth Afrika’s und in den Schreckensgründen -der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und -Leiden des Familienvaters, dem ein früher Tod sieben von -zehn Kindern, und das letzte noch während seiner Krankheit -entrissen hatte, waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen, -und die anhaltende Geistesthätigkeit und körperliche -Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21 -Stunden wöchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache, -das bei der Feuergluth einer sanguinisch-cholerischen Natur, -die alles, was sie unternahm, mit dem Schwung der -höchsten Begeisterung angriff, die ganze Persönlichkeit des -Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet, -seine zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten -die Aerzte die furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht. -Vergebens stellte Koch seine Curse am Athenäum -ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden -<a id="page-X" class="pagenum" title="X"></a> -Lebenskräfte zu verjüngen. Krank und gebrochen kehrte er -nach Luxemburg zurück, wo er nach langem Leiden und -schwerem Kampfe am 24. November 1858, mit den Sakramenten -und Tröstungen der heiligen Kirche gestärkt, der -er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben -war, vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging. -</p> - -<hr class="tb" /> - -<p class="noindent"> -Koch’s Rückkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis -auf wenige Ausnahmen mit seiner früheren Umgebung -zerfallen war, hat hie und dort zu manchem schiefen und -lieblosen Urtheil Anlaß gegeben und ist noch jüngst als -eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet -worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener -Feder dürfte darum hier ihren geeigneten Platz finden. -</p> - -<h3 class="section" id="subchap-0-1-1"> -Eine Bekehrung.<a class="fnote" href="#footnote-3" id="fnote-3">[3]</a> -</h3> - -<p class="noindent"> -„Während des neuesten Religionskrieges in Spanien -war der Bischofssitz in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt -geblieben, und der bischöfliche Palast zum Militärhospital -für die Christine’schen Truppen eingerichtet worden. Dieses -Gebäude, kaum noch kenntlich an der über dem Haupteingange -<a id="page-XI" class="pagenum" title="XI"></a> -befindlichen Überschrift, war in Folge dieser veränderten -Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und -des geistlichen Friedens eine schmutzige Wohnung unbeschreiblichen -Elendes und Jammers geworden. Im Jahre -1837 waren nicht blos die zwölf Säle, sondern auch die -Gänge und Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in -welchem die täglich vom Heere dort ankommenden Verwundeten, -Siechen, Fieberkranken und sonstigen Leidenden -aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im -höchsten Grade erbärmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben. -Die Kranken wurden auf den dürftigen Strohlagern -vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die Armen, aus -allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der -untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der -fernen Mancha, stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen -schwebten über der ganzen Einrichtung wie die -Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (<span class="antiqua">hijas de -la caridad</span>), und der bischöfliche Caplan, D. Raphael -Salvador. Die ersteren besorgten die Wäsche, die Küche -u. s. w. und trösteten in ihrer bekannten liebevollen Weise. -Der letztere, ein junger Mann von etwa 35 Jahren, wandelte -durch die Säle mit dem Sacramente und tröstete -die Sterbenden. -</p> - -<p> -„Am 15. März 1837 ging durch das von Wachen besetzte -Thor dieses Hospitals mit Tornister und Gewehr ein -Unteroffizier der französischen Fremdenlegion (welche bekanntlich -von Frankreich der Königin Christine aus Algier -<a id="page-XII" class="pagenum" title="XII"></a> -herüber zur Hülfe geschickt war, und binnen zwei Jahren -durch Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381 -zusammenschmolz). Der Fremde zeigte das Eintrittsbillet -vor, wankte mit zitternden Knieen die Treppe hinauf, und -war schon nach wenigen Stunden der Besinnungslosigkeit -und einem heftigen Nervenfieber zur Beute. -</p> - -<p> -„Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwärtigen. -Zum ersten Male nach 1½ Jahren Kriegsleben, war ich -in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das Fieber in den -Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren. -</p> - -<p> -„Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen -Lande geboren, und in der sogenannten reformirten -Lehre, so wie es zu geschehen pflegt, erzogen worden. -Vom Catechismus kannte ich höchstens nur noch die -Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende -Bedürfniß des Glaubens hatte bei mir sich schon früher -in ruhigen Stunden in der Art geregt, daß ich mir vornahm, -wenn ich einmal Zeit hätte, mir mein vollständiges -Glaubensbekenntniß aufzubauen, damit ich wüßte, -woran ich wäre. Denn am Ende muß man doch, dacht’ -ich, an etwas glauben, und mit sich in diesem wichtigen -Capitel im Reinen sein. Aehnliches kam mir hier im Hospital -in den Sinn, indem ich nach vier Wochen zum -ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem -Tode, wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum -fing ich nicht damit an, die Lehren, in denen ich erzogen -war, wenn nicht unbedingt anzunehmen, doch wenigstens -<a id="page-XIII" class="pagenum" title="XIII"></a> -näher zu prüfen? Eben darum nicht, weil ich darin erzogen -war, und nach denselben es meinem forschenden -Geiste frei stand, mich von einer Unterwerfung oder einer -Prüfung meiner Einsicht nach zu dispensiren oder nicht. -Es wird keinem Katholiken einfallen, sich in einer Stunde -der Muße seinen Glauben selber machen zu wollen, oder -er tritt, wenn er wirklich diesen Entschluß faßt, sofort -auf das Gebiet des Protestantismus. Daß ich nun die -Idee, mir ein System meines Glaubens zu bauen (welches -ich mir wahrscheinlich sehr bequem eingerichtet haben -würde) bald wieder aufgab, läßt sich wohl glauben. Schon -die Umgebungen waren zu erbärmlich und niederschlagend, -um meinen Geist auf das hohe Pferd zu setzen. -</p> - -<p> -Daß schon früher zweimal, einmal in meiner Heimath -1834, und später in Spanien 1836, die Gnade Gottes -mit dem flüchtigen Gedanken, in die katholische Kirche -zurückzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte ich -nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Früchte geblieben, -weil ich mich fragte: was würden die Leute dazu sagen, -wenn du den Glauben deiner Väter verließest? – Hätte -mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v. Stolbergs -erzählt, welcher dem Könige von Preußen, als ihm dieser -sagte: „Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem -Glauben abfallen,“ erwiederte: „Ich auch nicht, Majestät,“ -und so auf den Abfall im sechszehnten Jahrhundert mit -einer Ironie anspielte, die ein Protestant selten eher begreift, -als bis er mit dem Kopfe darauf stößt. -</p> - -<p> -<a id="page-XIV" class="pagenum" title="XIV"></a> -„Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien, -worin ich, ich weiß nicht wie viele Tage gelegen -hatte, trat folgendes Ereigniß ein. Nicht weit von -meinem Lager wurde ein eben angekommener spanischer -Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend -geberdete, alle ärztliche Hülfe verweigerte, den Arzt und -die Nonnen insultirte, und endlich den Caplan unter -Schimpfen und Blasphemien zurückwies. Der würdige -Caplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als es ihm -gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des -Kranken zu nähern, sank dieser langsam auf das Kissen -zurück, und beichtete mit lammfrommer Ruhe zwei Stunden -lang. Kurz nachher erklang die Schelle durch die Treppen -und Gänge, Kranke und Gesunde knieten vor dem -hochwürdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem -Bette des Andalusiers trug. Der richtete die großen Augen, -aus denen noch vor wenigen Stunden die Teufel geblitzt -hatten, mit einem unbeschreiblich süßen Verlangen nach -der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmäßig die Calotten -vom Kopfe, und falteten die Hände, während der Spanier -die Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem -Frieden verschied, der sein Gesicht verklärte. Ich betete -auch mit, weiß aber nicht mehr was. Jedenfalls war’s -mir curios zu Sinne. -</p> - -<p> -„Am anderen Morgen erwacht’ ich, das Gesicht nach der -Wand gekehrt, frühe, in jenem süßen Gefühle der wachsenden -Genesung, und gestärkt durch einen erquickenden -<a id="page-XV" class="pagenum" title="XV"></a> -Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl, welchen -der Frühling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer -sandte. Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang -so auf den Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick -geheftet hielt, erschallte auf einmal von allen Kirchen Pamplona’s -zu gleicher Zeit ein erhabenes Glockengeläute. Es -war ein Sonntag – vielleicht Ostern? Nie hat ein Geläute -einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht. -</p> - -<p> -„Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte -und Feder, und bat den Caplan schriftlich, mich an meinem -Bette (Saal IV. Nr. 42) zu besuchen, um sich mit -mir über meinen Wunsch, in der katholischen Glaubenslehre -unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand -der Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor mir. -Die Erscheinung verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas -Furchtbares für mich. Ich erschrack vor dem, was ich gethan. -Es war mir, als hätte ich die katholische Kirche vor -mir. Wir verständigten uns bald, da er mir sehr liebevoll -zuredete, in französischer Sprache. Er gab mir zunächst -eine zweibändige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren -Verfasser ich leider vergessen habe, hiernächst den französischen -Catechismus, der unter Napoleon erschien (<span class="antiqua">de l’Empire -français</span>). Mit Begierde, mit einem Heißhunger meiner -Seele verschlang ich die geistige Speise, sitzend und -betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich -aufstehen und täglich eine Stunde den Caplan auf seinem -Zimmer besuchen, um mich von ihm prüfen zu lassen. -<a id="page-XVI" class="pagenum" title="XVI"></a> -Am 27. April wurde ich für reif erklärt, die Sacramente -zu empfangen. Nach genommener Rücksprache mit dem -Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte -Taufe, weil sie unter Ablution im Namen Gottes des -Vaters, Gottes des Sohnes, und Gottes des heiligen Geistes -geschehen war, als gültig an. Dieses Sacrament wurde -daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete ich -meinem würdigen Caplan (der für mich ein wirklicher -Salvador war), und am anderen Morgen empfing ich die -heilige Communion, beides in der im Hospital wohlerhaltenen -bischöflichen Capelle. Eine förmliche Abschwörung ist -nicht für erforderlich gehalten worden. Der Rücktritt in -die mütterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente -der Beichte und Communion. – Am folgenden Tage -wurde ich vom Arzte für curirt erklärt, und ging zu -meinem Bataillon zurück. Im Monate Juni kam die unerwartete -Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach -Hause geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich -mit Abschied von Pamplona weg und betrat im Anfang -September den heimathlichen Boden. -</p> - -<p> -„Zur Würdigung dieser Umstände dürfte zu bemerken -sein: -</p> - -<p> -„1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien -beigewohnt, ehe ich in das Hospital ging, viele Menschen -sterben gesehen, viele Kirchen, gezwungen oder aus -Laune besucht, und all den Pomp der spanischen Gotteshäuser -beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck -<a id="page-XVII" class="pagenum" title="XVII"></a> -auf mich, den später in Pamplona das Glockengeläute -auf mich machte? -</p> - -<p> -„2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines -Fremden in Spanien schnell mit dem Zweifel bei der -Hand: ob nicht die Bekehrung die Folge eines geistigen -Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht auf -zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? -und die zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht -stellte und stellen konnte, bestanden darin, daß mein guter -Caplan, der selbst so arm war wie eine Kirchenmaus, -mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren ließ. -</p> - -<p> -„3. Konnte ich überhaupt hoffen, daß ich als Katholik -meine zeitliche Zukunft in irgend etwas verbessern würde? -Nein, denn für den Fall der Rückkehr in mein Vaterland -konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil und Zurücksetzung, -oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst -aber erwartete ich täglich den Soldatentod. -</p> - -<p> -„4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, -katholisch zu werden? Nein, denn die Krankheit war überstanden, -und als Protestant konnte ich ja überhaupt nicht -annehmen, daß man Katholik sein müsse, um gut zu -sterben. -</p> - -<p> -„5. War es Dankbarkeit gegen Gott für die Genesung? -Wie hätte ich als Protestant denn annehmen können, daß -man Gott einen Gefallen erzeige, wenn man katholisch -werde? -</p> - -<p> -<a id="page-XVIII" class="pagenum" title="XVIII"></a> -„6. Es ist sonderbar, daß ich gerade an jenem Tage -nach meiner Bekehrung aus dem Hospital geschickt wurde. -Wäre es einen Tag früher geschehen, so wäre das Werk -unvollendet geblieben. -</p> - -<p> -„Es war also eine <em>reine</em> und <em>ganz unverdiente -Barmherzigkeit</em> des allmächtigen Vaters, welcher mich, -nachdem sein Ruf in der Heimath nicht gefruchtet, in -lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein -zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich -in das Lazareth in Pamplona warf, mich dort von einer -schweren Krankheit rettete, und mir dann mit seinem Sonnenstrahle -und dem Glockengeläute seiner Kirchen die Gnade -sandte. Wäre der Ausdruck nicht so menschlich, so würde -ich sagen: <em>so viel Mühe gibt sich Gott, um ein -störriges, eitles Kind, das nicht hören und -nicht sehen will, zurückzuführen</em>. Der Herr sei -gepriesen in Ewigkeit. Amen!“ -</p> - -<hr class="tb" /> - -<p class="noindent"> -Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische -Laufbahn eröffnete, war der aus den „Vigilien“ entstandene -„Prinz Rosa-Stramin“<a class="fnote" href="#footnote-4" id="fnote-4">[4]</a>, dem noch nach zwei -<a id="page-XIX" class="pagenum" title="XIX"></a> -Decennien die seltene Gunst zu Theil ward, neu aufgelegt -und in’s Englische übersetzt zu werden. Wenn wir in dieser -Lieblingsschöpfung des Dichters – der Frühlingsgabe seiner -Muse – eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, -Einheit und Größe der Conception, Abrundung und Marmorglätte -der Sprache vermissen, so werden wir um so -freigebiger durch Originalität, Scenenwechsel und Farbenreichthum -entschädigt. Ruhig überläßt sich der Dichter dem -kühnen Fluge seiner Phantasie, unbekümmert darum, wo -ihn das kecke Flügelroß hintragen wird. Wir sehen eine -Gallerie der lebendigsten Gemälde, die in bunter, rascher -Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten- -und Philisterleben, in welchen sich überall des Verfassers -reiche, gemüthlich-schwärmerische Natur abspiegelt, und in -die er meist seine eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen -Träume und Verirrungen, seine Freuden wie seine Leiden -hineinträgt, aber mit einer Wärme des Gefühls, einer -Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den -Leser von einem Ende zum andern in fesselnder Spannung -erhalten. -</p> - -<p> -Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine -früheren Erzählungen und Aufsätze, die er unter den Namen -„Leonhard Emil Hubert, Hubertus, Eduard Helmer“ -herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H. Hotop -gedruckten „Erzählungen“ vor das Forum der Oeffentlichkeit -trat, und alle seine frühern literarischen Versuche als -sein Produkt und Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch -<a id="page-XX" class="pagenum" title="XX"></a> -hier bilden des Dichters militärische Thaten, Kriegsscenen -und Naturbilder aus Afrika und Spanien die stets wiederkehrende -Staffage. Ausgezeichnet wie „Prinz Rosa-Stramin“ -durch Wahrheit, Naturwüchsigkeit und jugendliche -Frische, sind sie, gleich den spätern Novellen<a class="fnote" href="#footnote-5" id="fnote-5">[5]</a>, mit -größerer Klarheit und mehr einheitlicher Zusammenstellung -angelegt: sie waren nach dem Urtheile competenter Kunstrichter -das Beste, was seit langer Zeit auf dem deutschen -Büchermarkt erschienen war<a class="fnote" href="#footnote-6" id="fnote-6">[6]</a>. -</p> - -<p> -Außer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit über -kurhessisches Recht haben wir unter der Nachlassenschaft -des Verstorbenen noch zwei literarische Commentare, das -eine zu Schiller’s „Wilhelm Tell“, das andere zu „Amaranth“ -und „Thomas Morus“ von Oscar v. Redwitz vorgefunden. -Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm -des hiesigen Athenäums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt. -</p> - -<p> -Wer außer Schiller, Körner und Mathisson, den Lieblingsdichtern -seiner Jugend, Koch am meisten beeinflußt -hat, mag nicht schwer zu errathen sein. Die überraschenden, -oft brüsken Wendungen und Katastrophen, die behagliche -Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen -von dem Gegenstand, um sich mit dem Leser oder -mit sich selbst und über sich selbst in ein ironisch-humoristisches -<a id="page-XXI" class="pagenum" title="XXI"></a> -Zwiegespräch einzulassen, die eingestreuten komischen -Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean -Paul, zum Theil an den Verfasser der „Reisebilder“. -Aber es wäre eine Verkennung der ihm in hohem Grade -angebornen Produktionsgabe, wenn man ihn mit Kuzkow -der servilen Imitation Heine’s bezüchtigen wollte, wogegen -sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen „Erzählungen“ -energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter -selbst weit davon entfernt, alles und jedes in seinem Leben -wie in seinen Schriften billigend und lobend anzuerkennen, -so müßten wir doch auch dagegen mit ihm in aller Entschiedenheit -protestiren, wenn man ihn zum Gesinnungsgenossen -des getauften Judenheiden herabwürdigen wollte. -Die Gemeinheit, womit der Vater und Chorführer des -„jungen Deutschland“ alles Ernste und Heilige in den Koth -seiner Leidenschaft herabzog, die Heuchelei des atheistischen -Verstandesmenschen, der bei aller Gefühls- und Gesinnungslosigkeit -mit Seelengröße und Byronischem „Weltschmerz“ -kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens -verhaßt. Bei allen jugendlichen Irrungen und allen Stürmen -des Lebens hatte Koch den Adel seiner liebenswürdigen -Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, entströmte -als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen seiner -überaus genialen und überaus gemüthsvollen Dichternatur. -</p> - -<p> -Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es -der Herausgeber für eine Pflicht der Pietät gegen den -<a id="page-XXII" class="pagenum" title="XXII"></a> -Verewigten, alle seine hinterlassenen Gedichte ohne Auswahl -und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm -auch das eine oder andere in Anlage und Form minder -vollendet und befriedigend schien: soll doch nur durch das -Ganze und im Zusammenhang mit seinen übrigen Produktionen -ein vollständiges Bild von der Individualität -des Dichters gewonnen werden. Mögen auch diese Blätter -zur Würdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst -schrieb, in der Literatur nach keinem fürstlichen Kleide gestrebt, -aber auch hoffen durfte, nicht zu den literarischen -Bettlern geworfen zu werden. -</p> - -<p> -Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem -geliebten Sänger, in das Trauerlied einstimmend, das wir -auf die Gruft unseres Vorgängers als Schüler und Freund -in dankbarer Erinnerung niederlegten. -</p> - -<h3 class="section" id="subchap-0-1-2"> -Trost in Thränen. -</h3> - -<p class="subt"> -<em>Grablied auf Professor Koch.</em> -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nach der Harfe greif’ ich wieder –</p> - <p class="verse1">Und sie tönet Grabgesang,</p> - <p class="verse">Bittern Schmerzes Klagelieder</p> - <p class="verse1">Zittern durch der Saiten Klang.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-XXIII" class="pagenum" title="XXIII"></a> - <p class="verse">Ernst, in Wehmuth hingegossen,</p> - <p class="verse1">Schwieg der Jünger Trauerschaar,</p> - <p class="verse">Weib und Kind, in Schmerz zerflossen,</p> - <p class="verse1">Standen an der Leichenbahr’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ach! der Sänger, der gerungen</p> - <p class="verse1">Treu für Gott und Vaterland –</p> - <p class="verse">Seine Saiten sind verklungen,</p> - <p class="verse1">Die er schlug mit Meisterhand!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der uns sang der Minne Sehnen</p> - <p class="verse1">Und des Helden Sturmesdrang,</p> - <p class="verse">Und des Dulders stille Thränen</p> - <p class="verse1">Und des Glaubens Siegessang! –</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Mußt so früh den Tod Du finden,</p> - <p class="verse1">Lebensmuthig, liederreich?</p> - <p class="verse">Wollten Dir die Schläf’ umwinden</p> - <p class="verse1">Mit des Ruhmes Lorberzweig. –</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nicht bei Menschen, nicht hienieden</p> - <p class="verse1">War Dein Hoffen, schön’res Loos</p> - <p class="verse">Ist der Treue dort beschieden.</p> - <p class="verse1">Wo Du ruh’st in Gottes Schooß.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-XXIV" class="pagenum" title="XXIV"></a> - <p class="verse">Wo die Stirne wird umkränzen</p> - <p class="verse1">Der Verklärung Siegeskranz,</p> - <p class="verse">Und ein Engel Du wirst glänzen</p> - <p class="verse1">In der Sel’gen Sonnenglanz’.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="date"> -Luxemburg, 1. November 1859. -</p> - -<p class="sign"> -<b>Ludwig Housse,<br /> -Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur.</b> -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-2"> -<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a> -<span class="firstline">Meinen Eltern,</span><br /> -am Neujahrsmorgen 1825. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie einst Memnon’s Säule sanft ertönte</p> - <p class="verse">Bei Aurorens erstem Strahlenkusse:</p> - <p class="verse">So tönt mir auch dieses Jahres erster</p> - <p class="verse">Morgenstrahl Gefühle in die Brust,</p> - <p class="verse">Wie sie nur des Kindes Herz kann fühlen,</p> - <p class="verse">Wenn es sich an das der Eltern dränget.</p> - <p class="verse">Auf die Feder scheint die Morgensonne</p> - <p class="verse">Mir und ladet mich zum frohen Gruße.</p> - <p class="verse">Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten,</p> - <p class="verse">Die Minute, wo in Euren Armen</p> - <p class="verse">Inniger mein Herz dem Eurigen</p> - <p class="verse">Und der Zukunft ungewissen Tagen</p> - <p class="verse">Freudig wünschend dann entgegenschläget!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nicht entweihen will ich durch die Feder,</p> - <p class="verse">Was die dankerfüllte Brust durchglühet,</p> - <p class="verse">Sagen nicht, wie Eure Elternliebe</p> - <p class="verse">Mich von meinem ersten bis zu diesem</p> - <p class="verse">Morgen mit des Dankes Hochgefühlen</p> - <p class="verse">Ewig an die treuen Herzen bindet;</p> - <p class="verse">Sagen nicht, was ich aufzählen weder,</p> -<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a> - <p class="verse">Noch Euch je vergelten kann, – ach wenn ich</p> - <p class="verse">Mir dies denke, alle die Wohlthaten,</p> - <p class="verse">Mir zurück in meine Seele rufe:</p> - <p class="verse">Dann zerfließt (doch nur in meiner Seele),</p> - <p class="verse">Einer Thräne gleich, mein frommer Dank</p> - <p class="verse">In dem Meer der elterlichen Liebe,</p> - <p class="verse">Und das Ziel von allem meinem Streben</p> - <p class="verse">Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied</p> - <p class="verse">Auf den kleinen Knaben nieder – und der</p> - <p class="verse">Kinderjahre gold’nen Traum; – er wußte</p> - <p class="verse">Noch nicht, wem er seine Freuden dankte:</p> - <p class="verse">Jetzt tönt ihm die Harmonie der Welten,</p> - <p class="verse">Der Natur, der heit’re Frühlingshimmel</p> - <p class="verse">Andere, erhabene Gefühle</p> - <p class="verse">In die Jünglingsbrust; – es weiß der Jüngling</p> - <p class="verse">Nun für wen des Dankes Zähre fließt!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Der die Welten schuf und die Natur</p> - <p class="verse">Und den heitern Frühlingshimmel, der das</p> - <p class="verse">Leben seinen Menschen gibt und nimmt,</p> - <p class="verse">Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen</p> - <p class="verse">Ueber unserer Erde aufgeh’n ließ:</p> - <p class="verse">Er nur kennt der Herzen heil’ge Tiefen,</p> - <p class="verse">Hört mit Huld ihr Wünschen, Hoffen, – Beten!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -Am Geburtstage -meiner innigst geliebten Mutter -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(am 9. April 1827). -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen,</p> - <p class="verse">Flur und Haine bau’n ihm Ehrenbogen,</p> - <p class="verse">Ihn begrüßt der Lerchen Chor,</p> - <p class="verse">Und der Engel treuer Kindesliebe,</p> - <p class="verse">Der die Brust erfüllt mit süßem Triebe,</p> - <p class="verse">Schwingt mit ihnen sich empor.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nimm es mit mein Herz zur ew’gen Ferne,</p> - <p class="verse">Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne</p> - <p class="verse">Freundlich auf- und niedergeh’n,</p> - <p class="verse">Wo die Brüder dort in süßer Wonne</p> - <p class="verse">Und die heil’ge liebende Madonne</p> - <p class="verse">Nieder auf die Menschen seh’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne,</p> - <p class="verse">Fleh die Heil’ge um die schönste Krone</p> - <p class="verse">Für ein edles Mutterherz:</p> - <p class="verse">Wenig Leiden und der Freuden viele,</p> - <p class="verse">Langes Leben, und am späten Ziele</p> - <p class="verse">Sanftes Scheiden himmelwärts.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> -Am Geburtstage meines Vaters -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(während eines heftigen Gewitters geschrieben). -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Glühend in des Mittags Schwüle</p> - <p class="verse">Schickt die Sonne ihr Geschoß,</p> - <p class="verse">Keuchend zieht das matte Roß,</p> - <p class="verse">Sucht der Bäume Schattenkühle.</p> - <p class="verse">Aller Lebensgluth beraubt,</p> - <p class="verse">Steht der Hain mit schlaffen Zweigen,</p> - <p class="verse">Und des Thales Blumen neigen</p> - <p class="verse">Traurig, farbenlos, ihr Haupt.</p> - <p class="verse">Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen,</p> - <p class="verse">Schon im Sarge, noch geschmückt,</p> - <p class="verse">Wo der Tod von ihren Wangen</p> - <p class="verse">Noch die Rose nicht gepflückt;</p> - <p class="verse">Einem holden Frühling gleich</p> - <p class="verse">Mit unendlicher Blumenfülle;</p> - <p class="verse">Ohne das ewige Schaffen und Streben,</p> - <p class="verse">Ohne das blühende, liebende Leben,</p> - <p class="verse">Eine abgestorbene Hülle</p> - <p class="verse">Liegt der Erde weites Reich.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sieh, da kommt’s in schwarzem Bogen</p> - <p class="verse">Dort im Westen hergezogen,</p> -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> - <p class="verse">Wie das Schicksal, langsam, schwer,</p> - <p class="verse">Wälzt es sich am Himmel her.</p> - <p class="verse">Und des Aethers Azurschein</p> - <p class="verse">Hüllt in Nacht sich ein,</p> - <p class="verse">Und der Ewige naht</p> - <p class="verse">Auf dem Gewölke den Fuß,</p> - <p class="verse">Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad</p> - <p class="verse">Bringen den Jubelgruß. –</p> - <p class="verse">Da siehe, ganz helle,</p> - <p class="verse">Ein zuckender Strahl</p> - <p class="verse">Mit Gedankenschnelle</p> - <p class="verse">Erleuchtet das Thal.</p> - <p class="verse">Ein Funken seiner Glorie kündet</p> - <p class="verse">Des Herren Angesicht,</p> - <p class="verse">Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht!</p> - <p class="verse">Und der Funken hat nicht gezündet,</p> - <p class="verse">Und der Mensch danket und betet an,</p> - <p class="verse">Wie er sieht den Ew’gen nah’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Horch, da murmelt’s am fernen Himmel,</p> - <p class="verse">Gleich einem rieselnden Felsenbach,</p> - <p class="verse">Und murmelt näher und näher ohn’ Ende,</p> - <p class="verse">Und rollt jetzt lauter am Firmamente,</p> - <p class="verse">Und bebt in des Berges Schluchten nach,</p> - <p class="verse">Und donnert und kracht,</p> - <p class="verse">Und heult in die Nacht,</p> - <p class="verse">Als wären die Welten im Kampfgetümmel,</p> -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> - <p class="verse">Als wollt’ im angstvollen Beben</p> - <p class="verse">Die Erd’ aus den Angeln sich heben,</p> - <p class="verse">Und ein <em>Schlag</em>, daß die Himmel zittern,</p> - <p class="verse">Hemmet des Donners furchtbaren Lauf,</p> - <p class="verse">Und des Eichbaums Aeste splittern:</p> - <p class="verse">Dampfend zu dem Himmel auf</p> - <p class="verse">Wallt des Haines Opfergluth</p> - <p class="verse">Ihm, der uns mit treuer Hut.</p> - <p class="verse">Schützt in Ungewittern.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Siehe, nun kommt der unendliche Segen,</p> - <p class="verse">Und es ergießt sich der rauschende Regen,</p> - <p class="verse">Ziehet dahin über Felder und Auen,</p> - <p class="verse">Sie mit erquickendem Leben zu thauen.</p> - <p class="verse">Freudig erhebet die Blume das Haupt,</p> - <p class="verse">Frisch hat der lachende Baum sich belaubt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Holde Nachtigallen</p> - <p class="verse">Singen in dem Hain,</p> - <p class="verse">Hörnerklänge schallen,</p> - <p class="verse">Flöten und Schalmei’n,</p> - <p class="verse">Und es grünet die Weide,</p> - <p class="verse">Und die Heerden zieh’n</p> - <p class="verse">Mit harmonischem Geläute</p> - <p class="verse">An dem Anger hin.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Der Landmann sieht die Felder blüh’n</p> - <p class="verse">Und seiner Wiesen neu belebtes Grün,</p> -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> - <p class="verse">Und sieht auf seinen Fluren</p> - <p class="verse">Des Vaters Segensspuren.</p> - <p class="verse">Zum Himmel hebt er die Hände gern</p> - <p class="verse">Und dankt dem Herrn.</p> - <p class="verse">Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm,</p> - <p class="verse">Drückt an die Brust ihn lieb und warm,</p> - <p class="verse">Blickt empor zu des Himmels Blau,</p> - <p class="verse">Sehnsucht im Auge und Thränenthau,</p> - <p class="verse">Will einen Kranz dem Vater winden,</p> - <p class="verse">Kann für das Herz nicht Worte finden,</p> - <p class="verse">Er schaut in den Frühling und findet sie,</p> - <p class="verse">Und beugt in kindlicher Andacht das Knie:</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Du in ew’gen Fernen,</p> - <p class="verse">Vater über’n Sternen,</p> - <p class="verse1">Höre mein Gebet!</p> - <p class="verse">Geber aller Freuden,</p> - <p class="verse">Du nur kannst es deuten,</p> - <p class="verse1">Was die Seele fleht.</p> - <p class="verse">Herr, wie auf Dein Zeichen</p> - <p class="verse">Die Gewitter weichen,</p> - <p class="verse1">Und die Wolken fliehen:</p> - <p class="verse">Also winke liebend,</p> - <p class="verse">Wenn Gewitter trübend</p> - <p class="verse1">Seine Stirn’ umzieh’n.</p> - <p class="verse">Schaffen, Wirken, Streben</p> - <p class="verse">Sei das frohe Leben,</p> -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> - <p class="verse1">Das Du ihm verlieh’n,</p> - <p class="verse">Und durch Frühlingstage</p> - <p class="verse">Ohne Schmerz und Klage</p> - <p class="verse1">Leite, Vater, ihn.</p> - <p class="verse">Deine Huld und Güte,</p> - <p class="verse">Ewiger, verhüte,</p> - <p class="verse1">Kummer, Gram und Leid;</p> - <p class="verse">Kräfte gib dem Sohne</p> - <p class="verse">Zu dem großen Lohne,</p> - <p class="verse1">Bis die Dankbarkeit</p> - <p class="verse">Einst in späten Zeiten</p> - <p class="verse">Unter Trauerweiden</p> - <p class="verse1">Feuchten Auges steht,</p> - <p class="verse">Bis die Nebel sinken</p> - <p class="verse">Und die Fluren winken,</p> - <p class="verse1">Wo die Palme weht!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -Am Anfange der Osterferien. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1826. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auf, auf, mein Herz, der Frühling ist da,</p> - <p class="verse">Laß schweigen das nächtliche Sehnen,</p> - <p class="verse">Hast wacker gekämpft, die Stunde sie naht,</p> - <p class="verse">Wo Kronen der Liebe dich krönen!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt,</p> - <p class="verse">Es senket der Lenz seine Flügel,</p> - <p class="verse">Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur,</p> - <p class="verse">Hinaus über grünende Hügel!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Warum so still, wenn die Freude Dir lacht?</p> - <p class="verse">Hast Du nicht dem Himmel vertraut?</p> - <p class="verse">Und hat der beglückende Frieden in Dir</p> - <p class="verse">Nicht gold’ne Palläste gebaut?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hast Du nicht errungen das Wonnegefühl,</p> - <p class="verse">Gekämpft und gesieget zu haben?</p> - <p class="verse">Hast du in den niederen Gängen der Lust</p> - <p class="verse">Die Hoffnung der Eltern begraben?</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> - <p class="verse">Warum so still, wenn der Frühling Dir lacht?</p> - <p class="verse">Wenn himmlische Freuden Dir winken?</p> - <p class="verse">Bald sollst Du an liebender Vaterbrust</p> - <p class="verse">Die Wonne des Wiederseh’ns trinken!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht,</p> - <p class="verse">„Wohl hab’ ich dem Himmel vertraut;</p> - <p class="verse">„Wohl hat der beglückende Frieden in mir</p> - <p class="verse">„Die gold’nen Dächer gebaut;“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Wohl schwirret die Lerche, es lächelt so klar</p> - <p class="verse">„Der Aether in freundlicher Bläue,</p> - <p class="verse">„Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all’,</p> - <p class="verse">„Mit Kränzen der Liebe und Treue:“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin,</p> - <p class="verse">„Das innig und heiß mich durchglühte,</p> - <p class="verse">„Ich kann nicht mehr wünschen, mein Hoffen ist hin,</p> - <p class="verse">„Gepflückt ist die köstlichste Blüthe.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„<em>Ach! süßer entfloh’n, und ich wußte es nicht,</em></p> - <p class="verse">„<em>Im Harren und Sehnen die Stunden,</em></p> - <p class="verse">„<em>Die Frucht ist gereift, die Blüthe verwelkt,</em></p> - <p class="verse">„<em>Die Krone der Freude empfunden!</em>“</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -Am 8. December. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sieh, wie buntes Schneegewimmel</p> - <p class="verse">Spielet durch den öden Himmel,</p> - <p class="verse">Und es heult der Stürme Wuth.</p> - <p class="verse">Ob auch mit erstorb’nen Lilienwangen</p> - <p class="verse">Die Natur im Schlummer ruht,</p> - <p class="verse">Ist mir doch ein Frühling aufgegangen,</p> - <p class="verse">Und (ich fühl’ es an dem Wogen</p> - <p class="verse">Dieser übersel’gen Brust)</p> - <p class="verse">In mein frohes Herz gezogen,</p> - <p class="verse">Reich an Blüthen, reich an Luft.</p> - <p class="verse">War nicht heute, freudig tönt’s die Laute,</p> - <p class="verse">Beben’s meine Saiten nach,</p> - <p class="verse">War nicht heute jener frohe Tag,</p> - <p class="verse">Wo Dein Blick dies schöne Leben schaute?</p> - <p class="verse">Ach, Geliebte, war’s nicht heute?</p> - <p class="verse">Wo ich, noch ein Knab’, an Deiner Wiege saß,</p> - <p class="verse">Und mein Lieblingsspiel vergaß,</p> - <p class="verse">Und der Schwester königlich mich freute,</p> - <p class="verse">Selig dir ins Auge blickte,</p> - <p class="verse">Ja, und dreimal glücklich war,</p> - <p class="verse">Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar</p> - <p class="verse">Dir den Kuß der Bruderliebe drückte?</p> - <p class="verse">Vierzehn Lenze sind geschwunden,</p> -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> - <p class="verse">Doch des Knaben Liebe nicht.</p> - <p class="verse">Was ich damals schon empfunden,</p> - <p class="verse">Fühl’ ich noch in schönen Stunden,</p> - <p class="verse">Wenn Dein sanftes Angesicht</p> - <p class="verse">Treue Schwesterliebe spricht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hätt’ ich Hölty’s Lautenklang,</p> - <p class="verse">Ließe meine Saiten rauschen,</p> - <p class="verse">Daß die Engel mir im Himmel lauschen,</p> - <p class="verse">Säng’ ich meinen schönsten Hochgesang:</p> - <p class="verse">Nimmer würd’ es mir gelingen,</p> - <p class="verse">Meine Liebe Dir zu singen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wandle froh und glücklich durch Dein Leben,</p> - <p class="verse">Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn,</p> - <p class="verse">Von den Engeln, welche Dich umschweben,</p> - <p class="verse">Sei die Sanftmuth Deine Führerin.</p> - <p class="verse">Unschuld, an der Liebe Hand,</p> - <p class="verse">Leite Dich zum bessern Land.</p> - <p class="verse">Ach, noch keinem Menschen war’s verliehen</p> - <p class="verse">Immer glücklich, immer froh zu sein!</p> - <p class="verse">Und soll über Dir auch eine Wolke ziehen,</p> - <p class="verse">Wohl, so sei’s im rosenfarbnen Schein,</p> - <p class="verse">Und sie senk’ in Freudenthränen sich</p> - <p class="verse">In Dein stilles Leben nieder.</p> - <p class="verse">Dann umlächle freundlich wieder</p> - <p class="verse">Dein entwölkter Himmel Dich!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-7"> -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -<span class="firstline">Elegie</span><br /> -auf den Tod meines Kanarienvogels. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">So bist auch Du des Todes Beute!</p> - <p class="verse1">O namenloser Schmerz!</p> - <p class="verse">Auch Du, mein Glück und meine Freude,</p> - <p class="verse1">Das einz’ge treue Herz?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da liegst Du kalt und ohne Leben,</p> - <p class="verse1">Geliebtes Thierchen Du,</p> - <p class="verse">Um Dein gesunk’nes Köpfchen schweben</p> - <p class="verse1">Die Thränen süßer Ruh’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der frohe Lenz er kehret wieder</p> - <p class="verse1">Mit seiner Blüthenlust,</p> - <p class="verse">Ihn grüßen nicht mehr Jubellieder</p> - <p class="verse1">Aus Deiner frohen Brust.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sonst, wenn die warme Frühlingssonne</p> - <p class="verse1">Durch’s offene Fenster schien,</p> - <p class="verse">Sangst Du Dein Glück und Deine Wonne</p> - <p class="verse1">In zarten Melodien.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-8"> -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -<span class="firstline">Meiner kleinen Schwester,</span><br /> -an ihrem Geburtstage. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Spiele, holde Kleine</p> - <p class="verse1">Mit dem gold’nen Sinn,</p> - <p class="verse">Durch Dein Rosenleben,</p> - <p class="verse1">Spiele immerhin!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Schöne Blumen blühen,</p> - <p class="verse1">Kleine, rings um Dich,</p> - <p class="verse">Lilien und Rosen</p> - <p class="verse1">Duften rings um Dich!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Holde Vöglein singen,</p> - <p class="verse1">Dir im Blüthenhain,</p> - <p class="verse">Deine Sonne leuchtet</p> - <p class="verse1">Milden Purpurschein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Himmel steh’n Dir offen,</p> - <p class="verse1">Und herab zu Dir</p> - <p class="verse">Schweben kleine Engel,</p> - <p class="verse1">Spielen gern mit Dir.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> - <p class="verse">Winden mit Dir Kränze.</p> - <p class="verse1">Deiner Locken Zier,</p> - <p class="verse">Pflücken mit Dir Blumen,</p> - <p class="verse1">Freuen sich mit Dir.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Rufen die Gespielen,</p> - <p class="verse1">Holde Kleine, Dir,</p> - <p class="verse">Bleib’, die Mutter weinet,</p> - <p class="verse1">Bleibe, Kind, bei ihr.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Durch Dein Rosenleben,</p> - <p class="verse1">Mit dem Engelssinn,</p> - <p class="verse">Mit dem frohen Herzen,</p> - <p class="verse1">Spiele immerhin!</p> - </div> -<hr class="tb" /> - - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde,</p> - <p class="verse1">An Blüthen hängt der Thräne Silberschein,</p> - <p class="verse">Und mit der heitern schwingt die trübe Stunde</p> - <p class="verse1">Sich durch der Tage bunt bekränzte Reih’n.</p> - <p class="verse">Das Leben ist gewirkt auf düsterm Grunde,</p> - <p class="verse1">Es webt die Liebe nur die Blumen ein,</p> - <p class="verse">Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, –</p> - <p class="verse1">Zu Deinen Füßen liegen sie entfaltet.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> - <p class="verse">Betritt es nun das künstliche Gebilde,</p> - <p class="verse1">Gern trägt die Blume Deinen zarten Fuß,</p> - <p class="verse">Es winkt die Rose Dir mit Frühlingsmilde,</p> - <p class="verse1">Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gruß,</p> - <p class="verse">Aus beiden weben sich die Lenzgefilde,</p> - <p class="verse1">Durch die Dein Engel Dich geleiten muß.</p> - <p class="verse">Und glänzen Thränen je in Deinen Zügen,</p> - <p class="verse1">Er wird sie Dir zu Diademen fügen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Du hast ein ird’sches Leiden tief empfunden,</p> - <p class="verse1">Das fern von Deinen Lieben Dich gequält.</p> - <p class="verse">Doch Kronen sind der Dulderin gewunden,</p> - <p class="verse1">Und jeder Deiner Schmerzen ist gezählt.</p> - <p class="verse">Nun stehst Du da in blühendem Gesunden,</p> - <p class="verse1">Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt,</p> - <p class="verse">Und in dem ros’gen Aether Deiner Wangen</p> - <p class="verse1">Ist uns ein neues Leben aufgegangen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Schon wärmer strahlt die Sonn’ am Firmamente,</p> - <p class="verse1">Bald kommt der Frühling aus dem fernen Land</p> - <p class="verse">Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn’ Ende,</p> - <p class="verse1">Umschweben uns die Horen Hand in Hand.</p> - <p class="verse">O daß der Lenz doch immer wiederfände</p> - <p class="verse1">Im Kreise, die die Liebe Dir verband!</p> - <p class="verse">Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, –</p> - <p class="verse1">Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-9"> -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -Nachtwächter-Lied. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1831. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hört, <em>Ihr Herrn und laßt Euch sagen</em>,</p> - <p class="verse">Ich bin der Nachtwächter von Freienhagen,</p> - <p class="verse">Hab’ Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht,</p> - <p class="verse">Hab’ Euch gesungen bei stürmischer Nacht,</p> - <p class="verse">Hört mein Lied Ihr Herrn und wacht!</p> - <p class="verse">Die Sternlein geh’n hinunter –</p> - <p class="verse">Halloh, Ihr Herrn, seid munter!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1"><em>Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!</em></p> - <p class="verse">Viel hat sich im Alten zugetragen.</p> - <p class="verse">Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut,</p> - <p class="verse">D’rin wohnt eine schöne Himmelsbraut,</p> - <p class="verse">Und das Fähnlein lustig vom Giebel schaut –</p> - <p class="verse">Wer reißt uns das Fähnlein herunter?</p> - <p class="verse">Halloh, Ihr Herrn, seid munter!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1"><em>Bewahrt das Feuer und auch das Licht!</em></p> - <p class="verse">Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht:</p> - <p class="verse">Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus,</p> - <p class="verse">D’rin glüht eine Flamme Jahr ein Jahr aus,</p> - <p class="verse">Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus,</p> - <p class="verse">Behütet den heiligen Zunder!</p> - <p class="verse">Halloh, Ihr Herrn, seid munter!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> - <p class="verse1"><em>Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!</em></p> - <p class="verse">Bewahrt treu und fleißig und schüret das Licht,</p> - <p class="verse">Das Haus umschleichet die Diebesbrut:</p> - <p class="verse">Sie wollen uns stehlen das heilige Gut,</p> - <p class="verse">Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut!</p> - <p class="verse">Die Sternlein geh’n hinunter –</p> - <p class="verse">Halloh, ihr Herrn, seid munter!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1"><em>Und lobet Gott den Herrn!</em></p> - <p class="verse">Er sendet den Morgenstern!</p> - <p class="verse">Der lässet den Sturm auf der Erde weh’n,</p> - <p class="verse">Und die Sternlein auf und nieder geh’n!</p> - <p class="verse">Vertraut auf den Herrn in seiner Höhe,</p> - <p class="verse">Denn unser Gott thut Wunder –</p> - <p class="verse">Halloh, ihr Herrn, seid munter!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-10" title="Es war mir heut' Abend so einsam, so leer"> -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es war mir heut’ Abend so einsam, so leer,</p> - <p class="verse">Als wenn ich von etwas geschieden wär’;</p> - <p class="verse">Mir war so betrübt, so wunderbar</p> - <p class="verse">Zu Muthe, weiß selbst nicht, was mir war;</p> - <p class="verse">Ich war verdrießlich und wußt’ nicht warum;</p> - <p class="verse">Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum,</p> - <p class="verse">Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug</p> - <p class="verse">Und das gelbe Laub durch die Lüfte trug,</p> - <p class="verse">Da blies fern, fern mit bebendem Ton,</p> - <p class="verse">Ein uraltes Lied ein Postillon.</p> - <p class="verse">Es handelt, ich hab’s einmal aufgeschnappt,</p> - <p class="verse">Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt.</p> - <p class="verse">Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an,</p> - <p class="verse">Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan,</p> - <p class="verse">Ueberhaupt auch den Postillon kenn’ ich nicht,</p> - <p class="verse">Und doch hielt ich mir das Tuch vor’s Gesicht.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-11"> -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -Gruß an die Heimath. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1838. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O was bewegt mir denn den warmen Busen,</p> - <p class="verse">Und warum schlägt mir denn das Herz so laut?</p> - <p class="verse">Es sind nicht Weihegrüße meiner Musen,</p> - <p class="verse">Nicht das Umfangen meiner lieben Braut.</p> - <p class="verse">Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten?</p> - <p class="verse">Was trübt denn nun noch Deiner Freude Glanz?</p> - <p class="verse">Hab’ Muth, horch’ jener Abendglocke Läuten,</p> - <p class="verse">Es sind ja Töne Deines Heimathlands.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wie oft hab’ ich in ewig weiter Ferne</p> - <p class="verse">Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut,</p> - <p class="verse">Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne</p> - <p class="verse">Die Grüße meines Herzens anvertraut.</p> - <p class="verse">Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen,</p> - <p class="verse">Dort, wo das Allah durch die Wüste klingt,</p> - <p class="verse">Fragt’ ich die Wolken, die nach Süden zogen:</p> - <p class="verse">Ist keine, die mir Gruß der Heimath bringt?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und in der Pyrenäen Schreckensgründen,</p> - <p class="verse">Auf des Pelargus schauerlicher Höh’,</p> - <p class="verse">Im Schlachtgetös von tausend Feuerschlünden,</p> - <p class="verse">Vergaß die Seele nicht das tiefe Weh.</p> -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> - <p class="verse">Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen,</p> - <p class="verse">Der Wasserfälle Sturz, der Vögel Chor,</p> - <p class="verse">Gefall’ner Kameraden bleiche Lippen,</p> - <p class="verse">Erzählten mir von meiner Liebe vor.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Doch jetzt, wo mich der Heimath Thäler grüßen,</p> - <p class="verse">Erneut sich alles Leid und alle Qual;</p> - <p class="verse">Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versüßen,</p> - <p class="verse">Und keine Blume find’ ich in dem Thal,</p> - <p class="verse">Gestorb’ne Liebe und zerriss’ne Banden,</p> - <p class="verse">Zerschlag’ne Freuden und zertret’ner Keim –</p> - <p class="verse">Kaum hat mich Einer hie und da verstanden:</p> - <p class="verse">Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr’ ich heim.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nur eins mißlang den finsteren Gewalten:</p> - <p class="verse">Von allem, was das Leben mir zerbrach,</p> - <p class="verse">Hab’ ich doch meine Harfe noch behalten,</p> - <p class="verse">Und manches Lied, das mir am Herzen lag.</p> - <p class="verse">Im fremden Lande singt sich’s nicht von Herzen,</p> - <p class="verse">Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand;</p> - <p class="verse">Drum kommt, ihr meine Lieder, helft’s verschmerzen;</p> - <p class="verse">Sei mir gegrüßt, mein theures Vaterland!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">So send’ ich Dir denn dieses ohne Zaudern,</p> - <p class="verse">Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund.</p> - <p class="verse">Laß so mich oft mit Deinem Herzen plaudern,</p> - <p class="verse">Und währe nicht geschwätz’gem Dichtermund!</p> -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> - <p class="verse">Mir ist als würd’ ich von des Lebens Schaudern,</p> - <p class="verse">Von all dem Weh mit einemmal gesund,</p> - <p class="verse">Als könnte mit dem wunderbaren Klingen</p> - <p class="verse">Mein Herz sich alte Freud’ und Lieb’ ersingen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">So ist’s, schien einmal Dir mit Morgenröthen</p> - <p class="verse">Das Ideal tief in die Brust hinein,</p> - <p class="verse">So bleibt’s Dir treu, das Leben kann’s nicht tödten;</p> - <p class="verse">Und bist Du elend, gramvoll und allein,</p> - <p class="verse">Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken,</p> - <p class="verse">Du siehst’s verklärt in rosenfarb’nem Schein,</p> - <p class="verse">Auf sonn’gen Höh’n weht seine heil’ge Fahne,</p> - <p class="verse">Und Himmelswahrheit liegt in Sängers Wahne.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-12"> -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -Mein Engel. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Heut’ vor ’nem Jahr, in fremdem Land,</p> - <p class="verse">Da hab’ ich krank gelegen,</p> - <p class="verse">Da that mich keine liebe Hand</p> - <p class="verse">In meinem Fieber pflegen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Bei Nacht im dunkeln Krankensaal</p> - <p class="verse">Hob ich die schwachen Hände</p> - <p class="verse">Und bat, daß Gott mir endlich ’mal</p> - <p class="verse">Den Todesengel sende.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Der thät wohl auf und ab mit Ruh’</p> - <p class="verse">Von Bett zu Bette wandern,</p> - <p class="verse">Drückt hier und da die Augen zu</p> - <p class="verse">Dem einen wie dem andern.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Das meine ward – ich war so froh –</p> - <p class="verse">Von Tag zu Tage trüber,</p> - <p class="verse">Doch ging an meinem Bett von Stroh</p> - <p class="verse">Der Engel stets vorüber.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> - <p class="verse1">Wie gern ich auch die matte Hand</p> - <p class="verse">Ihm hingegeben hätte,</p> - <p class="verse">Ein and’rer Bote Gottes stand</p> - <p class="verse">An meinem Krankenbette.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Er trocknet mit dem weißen Tuch</p> - <p class="verse">Den Schweiß von meinen Wangen,</p> - <p class="verse">Und hielt mir hin den irdnen Krug,</p> - <p class="verse">That ich den Trunk verlangen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer</p> - <p class="verse">Im stillen Kampfe neigte;</p> - <p class="verse">Es war ja Niemand um mich her,</p> - <p class="verse">Der mir den Dienst erzeigte.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Hat mir erzählt gar lieb und gut</p> - <p class="verse">Von meinem Heimathlande,</p> - <p class="verse">Als ich in einer Fiebergluth</p> - <p class="verse">Der Mutter Namen nannte.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich hab’ den Engel nicht geseh’n,</p> - <p class="verse">Und Niemand konnt’ ihn schauen,</p> - <p class="verse">Doch muß ich seit dem Aufersteh’n</p> - <p class="verse">Auf seine Vollmacht bauen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-13"> -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -Sehnsucht nach dem Tode. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sei mir gegrüßt mit Deinem herben Leide,</p> - <p class="verse">Der trüben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt.</p> - <p class="verse">So lieb nicht wärst Du mir im Brautgeschmeide,</p> - <p class="verse">Als mit der Perle, die Dein Auge trägt.</p> - <p class="verse">Die Thräne ward das Erbtheil für uns beide,</p> - <p class="verse">Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewägt;</p> - <p class="verse">So herzlich grüß’ ich einst mit bleichem Munde</p> - <p class="verse">Den stillen Engel meiner letzten Stunde.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich schmäh’ das Leben nicht, wenn ich’s verlasse:</p> - <p class="verse">Es war ein blüthenreicher Frühlingstag;</p> - <p class="verse">Glaub’ nicht, daß ich das süße Traumbild hasse,</p> - <p class="verse">Weil’s mich belügend sein Versprechen brach,</p> - <p class="verse">Und daß mein Auge nicht, wenn ich erblasse,</p> - <p class="verse">Zurück sich zärtlich zu ihm wenden mag.</p> - <p class="verse">Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten –</p> - <p class="verse">Sie log – und bin ihr doch nicht gram geworden.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> - <p class="verse1">Das Leben ladet uns zu frohen Festen,</p> - <p class="verse">Den Bettler wie den König allzumal,</p> - <p class="verse">Viel schöne Blumen schenkt es seinen Gästen,</p> - <p class="verse">Kredenzt mit Zauberlächeln den Pokal;</p> - <p class="verse">Wie Nachtigallenlied aus Blüthenästen,</p> - <p class="verse">Zieh’n Melodien durch den gold’nen Saal,</p> - <p class="verse">Hörst sanfter Flöten sehnsuchtsvolle Reigen,</p> - <p class="verse">Weißt nicht, von wannen sie herniedersteigen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und wie sie zu Accorden sich gestalten,</p> - <p class="verse">Da wird’s Dir weh um’s Herz, fühlst Dich allein,</p> - <p class="verse">Und lauschest durch entzückend helle Spalten,</p> - <p class="verse">Und siehst in rosenfarb’nem Morgenschein,</p> - <p class="verse">Sich einen strahlenden Palast entfalten,</p> - <p class="verse">Den tragen mit Gesang der Engel Reih’n;</p> - <p class="verse">Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen,</p> - <p class="verse">Von wo die Töne Deinem Herzen rufen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Du willst sehnsüchtig an die Bretter pochen,</p> - <p class="verse">Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht genügt,</p> - <p class="verse">Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen,</p> - <p class="verse">Ein armer Tischler hat sie einst gefügt.</p> - <p class="verse">Ein Priester drüber sein Gebet gesprochen,</p> - <p class="verse">Und eine Brust war drunter eingewiegt.</p> - <p class="verse">Zerbrich sie, glücklich Kind, mit Deinem Traum!</p> - <p class="verse">Eil’ hin zum blüthenreichen Weihnachtsbaum.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> - <p class="verse1">Sieh, darum lieb’ ich dieses arme Leben,</p> - <p class="verse">Weil’s mir die Aussicht auf ein höh’res gibt,</p> - <p class="verse">Ich dank’ ihm, weil’s die Ahnung ihm gegeben:</p> - <p class="verse">Weiß ich doch nun, was meine Seele liebt.</p> - <p class="verse">Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben,</p> - <p class="verse">Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt,</p> - <p class="verse">Und klopf’ ich heimlich an die Gruft der Väter</p> - <p class="verse">Mit müdem Finger an die morschen Bretter.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ach! Alles wird ja seinen schönen Lügen</p> - <p class="verse">Zum Raub’, es gibt Dir nichts an ihrer Statt;</p> - <p class="verse">Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zügen,</p> - <p class="verse">So macht es Dich noch ärmer, leer und satt;</p> - <p class="verse">Nahst Du mit still bescheidenem Begnügen,</p> - <p class="verse">Verspricht’s Dir, was es nicht zu geben hat;</p> - <p class="verse">Es läßt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten:</p> - <p class="verse">Sieh’, darum möcht’ ich gerne von ihm scheiden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und kommt sie einst, die ernste schöne Stunde,</p> - <p class="verse">Wo los mein Geist sich von dem Leben reißt:</p> - <p class="verse">Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde,</p> - <p class="verse">Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist,</p> - <p class="verse">Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde</p> - <p class="verse">Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih’st;</p> - <p class="verse">Dann magst Du mir die müden Augen schließen,</p> - <p class="verse">Aus denen nunmehr keine Thränen fließen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> - <p class="verse1">Tröst’ das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer,</p> - <p class="verse">Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt.</p> - <p class="verse">Sag’ meinen Schwestern, daß in stiller Kammer</p> - <p class="verse">Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trägt;</p> - <p class="verse">Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer</p> - <p class="verse">Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlägt,</p> - <p class="verse">Sieh aus dem Fenster ohne Thrän’ und Klagen,</p> - <p class="verse">Mich still an Deinem Haus vorüber tragen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-14"> -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -Reliquie eines Verschollenen. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es gibt geheime Schmerzen,</p> - <p class="verse">Sie klaget nie der Mund,</p> - <p class="verse">Getragen tief im Herzen,</p> - <p class="verse">Sind sie der Welt nicht kund;</p> - <p class="verse">Es gibt ein heimlich Sehnen,</p> - <p class="verse">Es scheuet stets das Licht;</p> - <p class="verse">Es gibt verborg’ne Thränen,</p> - <p class="verse">Der Fremde sieht sie nicht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Es gibt ein still Versinken</p> - <p class="verse">In eine inn’re Welt,</p> - <p class="verse">Wo Friedensauen winken,</p> - <p class="verse">Vom Sternenglanz erhellt;</p> - <p class="verse">Wo auf gefall’ne Schranken</p> - <p class="verse">Die Seele Hoffnung baut,</p> - <p class="verse">Und jubelnd den Gedanken</p> - <p class="verse">Den Lippen anvertraut.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Es gibt ein still Vergehen,</p> - <p class="verse">Ein stummer öder Schmerz,</p> - <p class="verse">Und Niemand darf es sehen,</p> - <p class="verse">Das schwer gepreßte Herz.</p> -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> - <p class="verse">Es sagt nicht, was ihm fehlet,</p> - <p class="verse">Und wenn’s im Harme bricht,</p> - <p class="verse">Verblutend und zerquälet,</p> - <p class="verse">Der Fremde sieht es nicht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Es gibt ein sanfter Schlummer,</p> - <p class="verse">Wo süßer Frieden weilt,</p> - <p class="verse">Wo stille Ruh’ den Kummer</p> - <p class="verse">Der müden Seele heilt. –</p> - <p class="verse">Doch gibt’s ein schöner Hoffen,</p> - <p class="verse">Das Welten überfliegt:</p> - <p class="verse">Da, wo am Herzen offen</p> - <p class="verse">Das Herz voll Liebe liegt.</p> - </div> -<hr class="tb" /> - - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wenn draußen Baum und Strauch im Wetter wanken,</p> - <p class="verse">Und durch die Nacht des Sturmwinds Flügel weh’n:</p> - <p class="verse">Dann fühlt mein Herz geliebte Traumgedanken,</p> - <p class="verse">Gleich Todten in Kapellen, aufersteh’n.</p> - <p class="verse">Drin seh’ ich Heil’ge, die mir längst versanken,</p> - <p class="verse">Einher im Geisterlicht des Mondes geh’n;</p> - <p class="verse">Drin mauert ungeschickt mit hellen Zähren</p> - <p class="verse">Mein Engel an verfallenen Altären.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich höre Töne, lange nicht gekannte,</p> - <p class="verse">So lieblich, Stimmen gleich im Paradies,</p> - <p class="verse">Doch frag’ ich, wer mir aus dem Zauberlande</p> - <p class="verse">Die Himmelstöne wiederkehren ließ?</p> -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> - <p class="verse">Und frug ich jene Heil’ge, wer sie sandte?</p> - <p class="verse">Und meinen Engel, wer ihn mauern hieß?</p> - <p class="verse">Die Traumgedanken all’, woher sie kamen?</p> - <p class="verse">Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ach, jene Tön’, aus Aether zart gewoben,</p> - <p class="verse">Belauscht’ ich einst mit hochentzücktem Ohr;</p> - <p class="verse">Von Ahnung ihrer Göttlichkeit gehoben,</p> - <p class="verse">Schwang meine Psyche selig sich empor:</p> - <p class="verse">Da griff mich eine Riesenfaust von Oben,</p> - <p class="verse">Hinab mich schleudernd, den verweg’nen Thor,</p> - <p class="verse">Hinunter, wo sich ächzend und erblindet,</p> - <p class="verse">Tellurisches Gewürm im Staube windet.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen,</p> - <p class="verse">Und Bettler sollen auf Dich niederseh’n,</p> - <p class="verse">Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemäßen,</p> - <p class="verse">Im Kreis des menschlichen Getriebes geh’n,</p> - <p class="verse">Und nimmer in dem gold’nen Buche lesen,</p> - <p class="verse">Wo Deiner Träume süße Bilder steh’n;</p> - <p class="verse">Was Du gesä’t mit kindischem Begreifen,</p> - <p class="verse">Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Da faßte mich wahnsinniges Verirren,</p> - <p class="verse">Der Geist vergaß die knechtische Geduld,</p> - <p class="verse">Ich warf mich in der Sinne süßes Wirren,</p> - <p class="verse">Verhöhnte Menschenwitz und Götterhuld;</p> -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> - <p class="verse">Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren,</p> - <p class="verse">Von Tod und Leben fordert’ ich die Schuld:</p> - <p class="verse">Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben</p> - <p class="verse">Hat meine Traumwelt mir zurückgegeben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">So kehrt’ ich denn zur fernen Heimath wieder,</p> - <p class="verse">Und fragte nach dem früh verlor’nen Pfad,</p> - <p class="verse">Da, wo im Kindergarten fromme Lieder</p> - <p class="verse">Sein erst’ Gefühl mein Herz gestammelt hat,</p> - <p class="verse">Bückt’ mich zum Sande, wo ich spielte, nieder,</p> - <p class="verse">Und zu den Blumen, die mein Fuß zertrat,</p> - <p class="verse">Und sucht’ aus Asche von erstorb’nen Flammen</p> - <p class="verse">Mit warmen Thränen meine Welt zusammen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Da trat’st Du zu mir, nach so langem Meiden</p> - <p class="verse">Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland,</p> - <p class="verse">Gabst mir die Klänge, die den Knaben weihten,</p> - <p class="verse">Und meinen Heiligen ihr Meßgewand,</p> - <p class="verse">Gabst mir das alte Spiel der gold’nen Saiten,</p> - <p class="verse">Die Kelle meinem Engel in die Hand,</p> - <p class="verse">Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder,</p> - <p class="verse">Und neue Ahnung zeugte neue Lieder.</p> - </div> -<hr class="tb" /> - - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Was treibt mich hin zu Dir mit Macht?</p> - <p class="verse">Was gab mich Dir zu eigen?</p> - <p class="verse">Was hast Du in mir angefacht,</p> - <p class="verse">Das ich Dir muß verschweigen?</p> -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> - <p class="verse">Ach, was zu Dir mich zieht,</p> - <p class="verse">Kein Name nennt’s, kein Lied,</p> - <p class="verse">Und Töne können’s nicht bekunden,</p> - <p class="verse">Doch ewig hat’s mich Dir verbunden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und Deiner Stimm’ und Deinem Wort,</p> - <p class="verse">Wer gab ihm die Gewalten,</p> - <p class="verse">An meines Herzens tiefsten Ort</p> - <p class="verse">Gebieterisch zu schalten? –</p> - <p class="verse">Mich reißt’s mit trunk’nem Sinn</p> - <p class="verse">Zu Deinen Füßen hin.</p> - <p class="verse">Darf’s auch mein Auge nicht bekunden,</p> - <p class="verse">Doch ewig hat mich’s Dir verbunden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich wünsch’ es mit geheimer Lust,</p> - <p class="verse">Und fürcht’ es doch zu sagen,</p> - <p class="verse">Wie lieb ich Dich in meiner Brust</p> - <p class="verse">Seit Monden schon getragen.</p> - <p class="verse">Verschmähtest Du mein Herz,</p> - <p class="verse">Verging’s im stummen Schmerz,</p> - <p class="verse">Es liebte Dich mit tausend Wunden,</p> - <p class="verse">Und ewig blieb es Dir verbunden.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-15"> -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -Im Namen eines dreijährigen Kindes -am Geburtstage seines Vaters. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ich habe geschlafen,</p> - <p class="verse">Ein Kindlein süß,</p> - <p class="verse">Und habe geträumt</p> - <p class="verse">Vom Paradies,</p> - <p class="verse">Und habe geträumt</p> - <p class="verse">Vom himmlischen Spiel,</p> - <p class="verse">Und habe geseh’n</p> - <p class="verse">Der Engel viel.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und einen mit langem</p> - <p class="verse">Gelockten Haar,</p> - <p class="verse">Der nahe dem Vater</p> - <p class="verse">Zur Rechten war.</p> - <p class="verse">Der hatte ein Auge</p> - <p class="verse">So mild und fromm,</p> - <p class="verse">Und sprach so freundlich:</p> - <p class="verse">„Mein Kindlein komm!“</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> - <p class="verse1">Es sind die Kindlein</p> - <p class="verse">Mir immer fern,</p> - <p class="verse">Für wen Du bittest,</p> - <p class="verse">Den segn’ ich gern!</p> - <p class="verse">Ich schlug in die Hände</p> - <p class="verse">Und bat: Papa!</p> - <p class="verse">Und darauf erwacht’ ich,</p> - <p class="verse">Und Du warst da.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-16"> -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -Die Waldmühle. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Was rauschet dort unter des Waldes Eichen?</p> - <p class="verse1">Ein Gießbach ist’s mit geschwätzigem Mund,</p> - <p class="verse">Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen,</p> - <p class="verse1">Die Mühl’ im blumigen Wiesengrund.</p> - <p class="verse2">Da treibet des Wassers Stärke</p> - <p class="verse2">Bei Tag und bei Nacht die Gewerke;</p> - <p class="verse1">Es wälzt, von der tobenden Welle gefaßt,</p> - <p class="verse1">Schwerfällig das Mühlrad seine Last.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und kommt des Weges, bei nächtlicher Weile,</p> - <p class="verse1">Der Wandrer gegangen, so hört er alsbald</p> - <p class="verse">Die Wasser schon rauschen in flüchtiger Eile,</p> - <p class="verse1">Und höret der klopfenden Hämmer Gewalt,</p> - <p class="verse2">Und sieht im Mondschein die Wogen</p> - <p class="verse2">Zerstieben in glänzendem Bogen.</p> - <p class="verse1">Doch kommt er näher, da faßt’s ihn an,</p> - <p class="verse1">Ein leises Grauen den Wandersmann.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Denn, wo sich die tosenden Räder schwingen</p> - <p class="verse1">Und wühlen im gährenden Wasserschlund,</p> - <p class="verse">Da hört’ er mit lieblicher Stimme singen,</p> - <p class="verse1">Wie Geister tief unten im feuchten Grund.</p> -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> - <p class="verse2">Drauf sieht er mit eignen Augen</p> - <p class="verse2">Einen Arm aus den Wellen tauchen.</p> - <p class="verse1">Und ziehet heim, von Gedanken schwer,</p> - <p class="verse1">Und erzählet Niemand die schaurige Mähr’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ein Töchterlein einst von wenig Jahren,</p> - <p class="verse1">Das hatte der Müller mit Liebe gepflegt,</p> - <p class="verse">Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren,</p> - <p class="verse1">Es war ihm vom Himmel an’s Herz gelegt.</p> - <p class="verse2">Das spielt’ einst in friedlichen Träumen</p> - <p class="verse2">Ganz nah, wo die Wogen schäumen,</p> - <p class="verse1">Und pflückte sich duftende Blümchen ab</p> - <p class="verse1">Am Rande vom tobenden Wellengrab.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wie es sich bückt, zieh’n fremde Gewalten</p> - <p class="verse1">Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh’n,</p> - <p class="verse">Und die Himmlischen können’s nicht mehr halten,</p> - <p class="verse1">Und es sinket hinab, und es ist gescheh’n!</p> - <p class="verse2">Schon wälzet das Mühlrad die Speiche</p> - <p class="verse2">Zermalmend über der Leiche,</p> - <p class="verse1">Und siehe, des Kindes purpurnes Blut</p> - <p class="verse1">Färbt röthlich die schneeweiße Wasserfluth.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Dort, wo sich die Räder brausend schwingen,</p> - <p class="verse1">Und wühlen im gährenden Wasserschlund,</p> - <p class="verse">Wo’s der Wandrer höret so lieblich singen,</p> - <p class="verse1">Wie Geister tief unten im feuchten Grund,</p> -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> - <p class="verse2">Ist des Waldmüllers Kind begraben,</p> - <p class="verse2">Das die Räder zermalmet haben,</p> - <p class="verse1">Und spät, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht,</p> - <p class="verse1">Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde:</p> - <p class="verse1">„Lieb’ Vater, lieb’ Mutter, was weinst Du so sehr?</p> - <p class="verse">„Hier unten ist’s freundlich, ist kühler wie Erde,</p> - <p class="verse1">„Lieb’ Vater, lieb’ Mutter, o weine nicht mehr!“</p> - <p class="verse2">Den Müller faßt es mit Grausen,</p> - <p class="verse2">Wenn er höret die Stimme draußen.</p> - <p class="verse1">In nächtlicher Stunde, bei Wetter und Wind,</p> - <p class="verse1">Da singt das ertrunkene Müllerkind.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-17"> -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -Schweizers Sehnsucht. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O wer kühlt dies bange Sehnen,</p> - <p class="verse1">Das mich glühend heiß erfüllt,</p> - <p class="verse">Und in stille warme Thränen</p> - <p class="verse1">Meine matten Augen hüllt?</p> - <p class="verse">Nicht mehr kann ich sie verhehlen</p> - <p class="verse">Diese Schmerzen, die mich quälen,</p> - <p class="verse1">Die sich ewig mir erneu’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn die junge Morgenröthe</p> - <p class="verse1">Freundlich von dem Himmel lacht,</p> - <p class="verse">Hab’ ich einsam, still und öde,</p> - <p class="verse1">Eine bange Nacht durchwacht,</p> - <p class="verse">Und der erste Purpurschimmer</p> - <p class="verse">Hat den süßen Frieden nimmer</p> - <p class="verse1">In des Schweizers Brust gesandt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ach, ein Land nenn’ ich mit Zähren,</p> - <p class="verse1">Wo der Morgen schöner brennt,</p> - <p class="verse">Auf der Alpen Hochaltären,</p> - <p class="verse1">Am entflammten Firmament;</p> - <p class="verse">Wo die Andacht Blicke feuchtet,</p> - <p class="verse">Wenn die große Fackel leuchtet,</p> - <p class="verse1">In der Morgenröthe Gluth.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> - <p class="verse">Jene Höh’n, wo seit Aeonen</p> - <p class="verse1">In der Ewigkeiten Schooß’,</p> - <p class="verse">Jungfrau und Sanct Gotthard thronen,</p> - <p class="verse1">Der am Morgen, herrlich groß,</p> - <p class="verse">Es der Erde froh verkündet,</p> - <p class="verse">Daß die Opfer angezündet</p> - <p class="verse1">Frommen Dankes für den Herrn.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wo der Aar in reinern Lüften</p> - <p class="verse1">Kühner seine Schwingen hebt,</p> - <p class="verse">Ueber bodenlosen Klüften</p> - <p class="verse1">Ungewohnt der Wandrer bebt,</p> - <p class="verse">Wo von friedlich stillen Matten,</p> - <p class="verse">Bei des Abends kühlem Schatten,</p> - <p class="verse">Heerden mit Geläute zieh’n.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-18"> -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -<span class="firstline">Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen</span><br /> -(von Hessen-Kassel). -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1838. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten</p> - <p class="verse1">Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau’n,</p> - <p class="verse">Durch eine Brust, wo höhere Gewalten</p> - <p class="verse1">Der Poesie die lust’gen Zelte bau’n.</p> - <p class="verse">Und wenn des Schicksals Händ’ ein Herz zerspalten,</p> - <p class="verse1">Und wenn die Engel d’rin im Fenster schau’n,</p> - <p class="verse">Ist’s allemal ein Herz, das unter Bangen</p> - <p class="verse">Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch was ergreift das Lied mit mächtiger’m Tone,</p> - <p class="verse1">Als jene weithin leuchtende Gewalt,</p> - <p class="verse">Die majestätisch stolz dem Fürstensohne</p> - <p class="verse1">Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt?</p> - <p class="verse">Als jenes Wort, das von erhab’nem Throne</p> - <p class="verse1">Wie Blitz durch Vaterlandes Thäler hallt?</p> - <p class="verse">Als jene Hand, von deren sanftem Winken</p> - <p class="verse">Die Segnungen des Friedens niedersinken?</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> - <p class="verse">Denn Engel in den lichten Bäumen weben</p> - <p class="verse1">Mit frommen Händen eines Königs Kleid,</p> - <p class="verse">Und droben, über allem ird’schen Leben,</p> - <p class="verse1">Wird von dem Herrn der Fürsten Haupt geweiht.</p> - <p class="verse">Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben</p> - <p class="verse1">Wie Genien die Ideen der Heiligkeit,</p> - <p class="verse">Und Gott, damit des Frevlers Blick entkräftet,</p> - <p class="verse">Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch Du, den schüchtern meine Worte nennen,</p> - <p class="verse1">So nah’ mein Herz auch Deinem Throne ist,</p> - <p class="verse">Wie muß für Dich nicht die Begeist’rung brennen,</p> - <p class="verse1">Daß Du mein Fürst und mein Gebieter bist;</p> - <p class="verse">Ein Land, das meine Kinderspiele kennen,</p> - <p class="verse1">Ein Volk, das seine Treue nicht vergißt,</p> - <p class="verse">Und Thäler blüh’n um Deines Thrones Stufen,</p> - <p class="verse">Wohin mich Lieb’ und Pflicht zurückgerufen? –</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Vom Baierland, der hohen Röhn entwunden,</p> - <p class="verse1">Zieht stolz die Woge Deinem Schloß vorbei,</p> - <p class="verse">Und wieder, mir der Schwester treu verbunden,</p> - <p class="verse1">Als ob es Beiden leid zu scheiden sei,</p> - <p class="verse">Hat sie alsbald Dein schönes Land gefunden,</p> - <p class="verse1">Und üpp’ger Segen, wie ein stolzer Mai,</p> - <p class="verse">Begleitet sie, wo auf die reichen Auen</p> - <p class="verse">Der Pagenburg Ruinen niederschauen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> - <p class="verse">Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte,</p> - <p class="verse1">Und der Kastal’sche Quell, der Marburg grüßt,</p> - <p class="verse">Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande,</p> - <p class="verse1">Die Welle, die auf gold’nem Grunde fließt,</p> - <p class="verse">Und jener Strom, an dessen Blüthenstrande</p> - <p class="verse1">Die Winzer singen und die Rebe sprießt,</p> - <p class="verse">Sie zieh’n dahin mit träumerischen Grüßen,</p> - <p class="verse">Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Füßen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Aus Deinen waldigen Gebirgen dröhnen</p> - <p class="verse1">Sturmwinde tausendjährigen Gesang,</p> - <p class="verse">Der seit den kräftigen Cheruskersöhnen</p> - <p class="verse1">Durch alle vaterländ’schen Wälder drang.</p> - <p class="verse">Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tönen, –</p> - <p class="verse1">Es ist der Volkesliebe mächt’ger Klang,</p> - <p class="verse">Von dessen weithin brausenden Chorälen</p> - <p class="verse">Sie jetzt noch drüben über’m Rhein erzählen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie Du da stehst in kräft’ger Jugendfülle,</p> - <p class="verse1">Von sechs und dreißig Lenzen ausgeschmückt,</p> - <p class="verse">Von denen jeder in geweihter Stille</p> - <p class="verse1">Mit einer Tugend Deinen Geist beglückt,</p> - <p class="verse">Und jeder seiner jugendlichen Hülle</p> - <p class="verse1">Sanft eine neue Schönheit aufgedrückt!</p> - <p class="verse">Und so erhalte Dich in langen Jahren,</p> - <p class="verse">Der hoch gebietet über heil’ge Schaaren.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> - <p class="verse">Wie du mit Weisheit sätest, also mächtig</p> - <p class="verse1">Entsprieße nun die dunkel gold’ne Saat,</p> - <p class="verse">Und fruchtbeladen schatte segenskräftig</p> - <p class="verse1">Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad!</p> - <p class="verse">So oft durch Deine Berg’ und Thäler prächtig</p> - <p class="verse1">Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht,</p> - <p class="verse">So bring’ er, wie des Orients Gesandten,</p> - <p class="verse">Des Glückes Gaben Dir aus Himmelslanden!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und könnt’ ein Irrthum Dir die Liebe rauben,</p> - <p class="verse1">Dir sagt’s Dein Muth, daß Du gefürchtet wirst.</p> - <p class="verse">Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben,</p> - <p class="verse1">Stehst Du ein jugendlicher Trojafürst.</p> - <p class="verse">Doch wenn Du Liebe und Vertrau’n als Tauben</p> - <p class="verse1">An Deinen königlichen Wagen schirrst,</p> - <p class="verse">So wirst Du unter siebenfarb’nem Bogen,</p> - <p class="verse1">Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen,</p> - <p class="verse1">Die Worte hat der Sänger nicht bewacht,</p> - <p class="verse">Ein treu Gedächtniß hat er’s unverdrossen</p> - <p class="verse1">Mit zagendem Gemüthe dargebracht;</p> - <p class="verse">Hat’s willenlos sich aus der Brust ergossen:</p> - <p class="verse1">So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht.</p> - <p class="verse">Mein Fürst! frag’ nicht, woher die Töne kamen,</p> - <p class="verse1">Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-19"> -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -Mein Wunsch. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ich wollte, ich hätte ein Häuschen im Thal,</p> - <p class="verse">Und nahe dabei eine Mühle,</p> - <p class="verse">Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl,</p> - <p class="verse">Mit kreisendem Rade im Spiele,</p> - <p class="verse">Ein Gärtchen mit Bäumen und Blumen dazu,</p> - <p class="verse">Mit Tischen und Bank eine Laube,</p> - <p class="verse">Und vor mir die Birnen im Abendroth</p> - <p class="verse">Beim göttlichen Nectar der Traube.</p> - <p class="verse">Dann neben mir Rosen und, vernünftig und treu,</p> - <p class="verse">Einen Freund an der traulichen Stätte,</p> - <p class="verse">Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei,</p> - <p class="verse">Das wäre, so wie ich’s gern hätte.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-20"> -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -Die letzte Rose. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brüder?</p> - <p class="verse">So strahlend, hell in jugendlichem Roth?</p> - <p class="verse">Die Erde nahm zurück die stolzen Güter,</p> - <p class="verse">Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht.</p> - <p class="verse">Wird doch mein eig’nes Haupt zur Stunde müder,</p> - <p class="verse">Um meine Wange haucht der frühe Tod.</p> - <p class="verse">Was mit mir lebt’ und blühte, sank darnieder,</p> - <p class="verse">Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wo bist Du, schöner Zephyr, der die Wangen</p> - <p class="verse">So oft beim frühen Strahle mir geküßt?</p> - <p class="verse">Bist Du zu fernen Thälern hingegangen,</p> - <p class="verse">Wo nicht Dein Kuß die Trauernde vermißt?</p> - <p class="verse">Und wo bei Rosen, welche schöner prangen,</p> - <p class="verse">Dein leichter Sinn die Sterbende vergißt?</p> - <p class="verse">Komm einmal noch, eh’ meine Blätter sinken,</p> - <p class="verse">Die letzte Lieb’ aus meinem Kelch zu trinken.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wo bist Du schnee’ge Jungfrau, Nievermählte,</p> - <p class="verse">Du schwesterliche Lilie, schönes Bild,</p> - <p class="verse">Der ich so oft in stiller Nacht erzählte,</p> - <p class="verse">Was tief mir im geheimen Busen quillt?</p> -<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a> - <p class="verse">O wenn die Blume keine Freundin wählte,</p> - <p class="verse">Gäb’s Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt?</p> - <p class="verse">Gäb’s Jemand, welcher ihr Entzücken theilte,</p> - <p class="verse">Wenn Lieb’ und Freud’ in ihrem Kelche weilte?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wo bist Du süßes Lied der Nachtigallen,</p> - <p class="verse">Das schmerzlich einst die Töne mir gereiht?</p> - <p class="verse">Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen</p> - <p class="verse">Verstandest Du mein Lieben und mein Leid.</p> - <p class="verse">Komm, traute Sängerin, die Blätter fallen,</p> - <p class="verse">Der Sturm raubt mir das bräutliche Geschmeid’.</p> - <p class="verse">Soll ich vergehen, einsam, unbesungen.</p> - <p class="verse">Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Euch sei die letzte Thräne hingegossen,</p> - <p class="verse">Die auf dem welken Blatte sich noch hält,</p> - <p class="verse">Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen,</p> - <p class="verse">In meinem Innern trag’ ich eine Welt,</p> - <p class="verse">Die unentweiht, geheimnißvoll verschlossen,</p> - <p class="verse">Mit mir hinab in’s Reich des Todes fällt.</p> - <p class="verse">Die Rose mag, von Lieb’ und Lied verlassen,</p> - <p class="verse">Mit unentweihtem Herzen früh erblassen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Weh mir! der Sturm mit mächtigem Getose,</p> - <p class="verse">Er bricht hervor in unbarmherz’ger Wuth.</p> - <p class="verse">Umsonst umhüllen mich die weichen Moose,</p> - <p class="verse">Der Paladin, in dem die Rose ruht.</p> -<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a> - <p class="verse">Wie? stamm’ ich nicht aus königlichem Schooße?</p> - <p class="verse">Und fließt nicht tausendfach ein fürstlich Blut</p> - <p class="verse">In meiner Adern zierlichen Geweben,</p> - <p class="verse">Die noch kein Vater wieder hat gegeben?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Drum, die Du wandelst dort auf grünen Wegen,</p> - <p class="verse">Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt!</p> - <p class="verse">Eh’ grausam mich entblättert Sturm und Regen,</p> - <p class="verse">Komm, pflücke mich mit Deiner schönen Hand!</p> - <p class="verse">So wird entzückend mich der Traum bewegen,</p> - <p class="verse">Daß ich die schwesterliche Lilie fand.</p> - <p class="verse">Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe,</p> - <p class="verse">Daß unbesungen nicht die Rose sterbe.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-21"> -<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -Sonett. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe?</p> - <p class="verse">Wohl, <em>Dir allein</em> gehören diese Zeilen.</p> - <p class="verse">Vertrau’ ich gern doch dem Sonett zuweilen</p> - <p class="verse">Die heimlichen und die enthüllten Triebe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch mein’ ich, daß es unvollkommen bliebe,</p> - <p class="verse">Je mehr ich auch an dem Sonette feile. –</p> - <p class="verse">Daß ich Dir lieber in die Arme eile</p> - <p class="verse">Mit einem Kusse meiner Bruderliebe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wohl geht’s mir öfters so mit solchen Dingen,</p> - <p class="verse">Die ich im Liede nimmer sagen mag,</p> - <p class="verse">Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie angeboren meine Brust durchdringen.</p> - <p class="verse">Sie klingen ewig mir im Herzen nach,</p> - <p class="verse">Und doch kann ich sie nicht im Liede singen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-22"> -<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a> -Sonett. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">So eilst Du denn der Königsstadt entgegen,</p> - <p class="verse">Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen,</p> - <p class="verse">Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen,</p> - <p class="verse">Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wo die Empfindung fremde Stempel prägen,</p> - <p class="verse">Wo Deines Vaterlandes Klänge schweigen,</p> - <p class="verse">Wird sich Dein Herz empfänglich für sie zeigen?</p> - <p class="verse">Und bleibt es treu den heimathlichen Schlägen?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren,</p> - <p class="verse">Und trübe war, was auch Dir blühen mag,</p> - <p class="verse">Ich weiß es, Deiner Jugend Frühlingstag.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach,</p> - <p class="verse">Und bitten zu des Himmels heil’gen Schaaren,</p> - <p class="verse">Daß sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-23"> -<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -Die Johannisblume. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Mein Leben glich einer Blume,</p> - <p class="verse">Dran hing manch schöner Tag,</p> - <p class="verse">Und jeder Tag war ein Blättchen, –</p> - <p class="verse">Bis das Schicksal die Blume brach.</p> - <p class="verse">Es pflückte meine Blättchen</p> - <p class="verse">Eins nach dem andern ab.</p> - <p class="verse">„Sieh her, ob Dir Dein Mädchen</p> - <p class="verse">„Die Liebe wieder gab:</p> - <p class="verse2">„Sie liebt Dich,</p> - <p class="verse2">„Sie liebt Dich nicht,</p> - <p class="verse2">„Sie liebt Dich,</p> - <p class="verse2">„Sie liebt Dich nicht,</p> - <p class="verse2">„Sie liebt Dich doch.“</p> - <p class="verse">O mein Geschick, wie dank ich Dir!</p> - <p class="verse">Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir?</p> - <p class="verse">Nun steht mein Leben kahl und leer,</p> - <p class="verse">Kein Blättchen hat meine Blume mehr.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-24" title="In der Ferne wohnt mein Glück"> -<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">In der Ferne</p> - <p class="verse">Wohnt mein Glück,</p> - <p class="verse">Wie der Sterne</p> - <p class="verse">Gold’ner Blick.</p> - <p class="verse">In der Ferne</p> - <p class="verse">Wohnt mein Schmerz,</p> - <p class="verse">Ringt zum Sterne</p> - <p class="verse">Himmelwärts.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">In der Ferne</p> - <p class="verse">Wohnt ihr Bild,</p> - <p class="verse">Und die Sterne</p> - <p class="verse">Grüßen’s mild.</p> - <p class="verse">In der Ferne</p> - <p class="verse">Wohnt mein Leid,</p> - <p class="verse">Sagt’s ihr, Sterne:</p> - <p class="verse">Lieb’ verzeiht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">In die Ferne</p> - <p class="verse">Schaut’ ich oft,</p> - <p class="verse">Hab’ zum Sterne</p> - <p class="verse">Treu gehofft.</p> -<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> - <p class="verse">Weit und ferne</p> - <p class="verse">Wohnest Du,</p> - <p class="verse">Ueber’m Sterne,</p> - <p class="verse">Meine Ruh’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">In der Ferne,</p> - <p class="verse">Dort und hier</p> - <p class="verse">Lieb und gerne</p> - <p class="verse">Bist Du mir.</p> - <p class="verse">Lieb und gerne</p> - <p class="verse">Du allein,</p> - <p class="verse">Ueber’m Sterne,</p> - <p class="verse">Wirst Du mein.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-25"> -<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a> -Ihrer Erlaucht -der Gräfin von Schaumburg, -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -am 18. Mai 1839. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">An Deiner Wiege standen höh’re Boten,</p> - <p class="verse1">Ein jeder mit Geschenken für Dein Leben.</p> - <p class="verse">Sie schürzten den geheimnißvollen Knoten;</p> - <p class="verse1">Dich sanft berührend mit den Zauberstäben,</p> - <p class="verse">Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen,</p> - <p class="verse1">Mit Schönheit Deine Glieder zu umschweben,</p> - <p class="verse">Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele</p> - <p class="verse">Geschmückt mit einem himmlischen Juwele.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben,</p> - <p class="verse1">Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nächten;</p> - <p class="verse">Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben,</p> - <p class="verse1">Und eine Vollmacht trug er in der Rechten,</p> - <p class="verse">D’rin war Dein künftiger Beruf geschrieben:</p> - <p class="verse1">In eine Krone Blumen einzuflechten.</p> - <p class="verse">Die Vollmacht schloß er sammt dem heil’gen Worte</p> - <p class="verse">Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. –</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a> - <p class="verse">Einst gab ein Fürst, umbraust von Sturm und Wetter,</p> - <p class="verse1">Die Zügel seinem jugendlichen Sohne,</p> - <p class="verse">Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Götter,</p> - <p class="verse1">Stieg er empor zum väterlichen Throne.</p> - <p class="verse">Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter,</p> - <p class="verse1">Lieb’ und Bewund’rung wurden ihm zum Lohne, –</p> - <p class="verse">Doch einsam, unter’m Fürstenstern verborgen,</p> - <p class="verse">Trug er sein Glück, sein Lieben und sein Sorgen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da kamen still in Deines Herzens Grunde</p> - <p class="verse1">Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten,</p> - <p class="verse">Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde:</p> - <p class="verse1">An uns’res Fürsten Seite mild zu walten,</p> - <p class="verse">Mit ihm vereinigt zu dem ew’gen Bunde,</p> - <p class="verse1">In Liebe neu sein Leben zu gestalten.</p> - <p class="verse">Du folgtest muthig jenem heil’gen Rufe,</p> - <p class="verse">Trat’st gottvertrauend zu des Altars Stufe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet,</p> - <p class="verse1">Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten,</p> - <p class="verse">Und still gewärtig jedes Ohr ihm lauschet,</p> - <p class="verse1">Sind’s Deine Blicke, die es sanft begleiten;</p> - <p class="verse">Und wenn das Volk vom Fürsten Liebe lauschet,</p> - <p class="verse1">Dann bist Du freudelächelnd nahe Beiden,</p> - <p class="verse">Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben,</p> - <p class="verse">Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a> - <p class="verse">Und heute wieder ist der Tag erschienen,</p> - <p class="verse1">Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden.</p> - <p class="verse">Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen,</p> - <p class="verse1">Die hehren Boten aus dem Himmel standen:</p> - <p class="verse">So grüßen jetzt Dich mit holdsel’gen Mienen</p> - <p class="verse1">Geliebte Pfänder segensvoller Banden,</p> - <p class="verse">Und über dem erlauchten Haupte weben</p> - <p class="verse">Wie einst Gestirne Dein zukünft’ges Leben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">D’rin ist kein Schmerz, d’rin waltet keine Klage,</p> - <p class="verse1">Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen.</p> - <p class="verse">Wenn um des Fürsten Bild doch späte Tage</p> - <p class="verse1">Die Lorber seines Ruhmes prächtig schlingen,</p> - <p class="verse">Wird in dem Vaterland der Enkel Sage</p> - <p class="verse1">Das fromme Lied von Deinem Namen singen.</p> - <p class="verse">Denn was da lebt in eines Volks Gemüthe,</p> - <p class="verse">Das lebt unsterblich fort in seinem Liede.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen</p> - <p class="verse1">Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gießen,</p> - <p class="verse">So wehr’ ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen)</p> - <p class="verse1">Das anspruchlose Spiel zu Deinen Füßen.</p> - <p class="verse">Doch frag’ die Töne nicht nach meinen Schmerzen,</p> - <p class="verse1">Wenn sie Dich huldigend, bescheiden grüßen.</p> - <p class="verse">Mein Lied darf kühn um Deine Blicke werben, –</p> - <p class="verse1">Des Dichters Leid muß mit dem Dichter sterben.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-26"> -<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a> -<span class="firstline">An Betty</span><br /> -nach der Flucht ihres Kanarienvogels. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O gebiete Deinen Thränen</p> - <p class="verse">Und erheit’re Deinen Blick,</p> - <p class="verse">Denn es führt kein banges Sehnen</p> - <p class="verse">Deinen Flüchtling Dir zurück.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Deine Liebe so zu lohnen,</p> - <p class="verse">Mochte freilich treulos sein,</p> - <p class="verse">Doch die Schuld wird dem Entfloh’nen</p> - <p class="verse">Gern Dein Edelmuth verzeih’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sieh’, wie’s draußen in den Auen</p> - <p class="verse">Dort und dort so freundlich wird,</p> - <p class="verse">Und wie lieblich in den blauen</p> - <p class="verse">Höhen schon die Lerche schwirrt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sieh nur, wie die Knospen schwellen,</p> - <p class="verse">Wie das Leben neu erwacht,</p> - <p class="verse">Wie aus den enteisten Wellen</p> - <p class="verse">Uns der Lenz entgegen lacht.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a> - <p class="verse1">Hat Dir nie in solchen Tagen,</p> - <p class="verse">Wenn der Frühling aufgeblüht,</p> - <p class="verse">Schneller auch Dein Herz geschlagen,</p> - <p class="verse">Wärmer Deine Brust geglüht?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O dann richte nicht zu strenge,</p> - <p class="verse">Denn auch ein Kanarienherz,</p> - <p class="verse">Glaube mir, ist nicht zu enge</p> - <p class="verse">Für der Sehnsucht bangen Schmerz.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Denke Dir den armen Kleinen,</p> - <p class="verse">Male Dir sein hartes Loos:</p> - <p class="verse">Fern von den geliebten Seinen,</p> - <p class="verse">Schmachtend, seufzend, hoffnungslos!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und nun schwebt der Lenz hernieder;</p> - <p class="verse">Draußen in der freien Welt</p> - <p class="verse">Rufen tausend frohe Brüder,</p> - <p class="verse">Die kein enger Käfig hält.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schon verschwunden war sein Hoffen,</p> - <p class="verse">Ach! bis jetzt sein einz’ges Glück, –</p> - <p class="verse">Ha! da blieb das Thürchen offen, –</p> - <p class="verse">O, ersehnter Augenblick!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a> - <p class="verse1">Freundlich, in der Freiheit Schooße</p> - <p class="verse">Winkte Wonne, winkte Lust,</p> - <p class="verse">Und es reifte jener große</p> - <p class="verse">Entschluß in der kleinen Brust.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">O, nun konnt’ er freudig singen,</p> - <p class="verse">Hüpfend bald von Baum zu Baum,</p> - <p class="verse">Bald die ungewohnten Schwingen</p> - <p class="verse">Übend in dem freien Raum.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Doch, wie kurz war nur die Freude!</p> - <p class="verse">Als das junge Morgenroth</p> - <p class="verse">Purpur auf die Fluren streute,</p> - <p class="verse">Fand es ihn erstarrt und todt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ach! und Wald und Flur vereinte</p> - <p class="verse">Sich zur Trauer und zum Harm,</p> - <p class="verse">Jedes kleine Hälmchen weinte</p> - <p class="verse">Eine Thräne, hell und warm.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">’s ist gescheh’n! Er ist geschieden!</p> - <p class="verse">Seine zarte Stimme schweigt,</p> - <p class="verse">Und hinab zum ew’gen Frieden</p> - <p class="verse">Ist das kleine Haupt geneigt!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> - <p class="verse1">Drum gebiete Deinen Thränen,</p> - <p class="verse">Und erheit’re Deinen Blick,</p> - <p class="verse">Denn es führt kein banges Sehnen</p> - <p class="verse">Deinen Liebling Dir zurück!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-27"> -<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> -<span class="firstline">Worte,</span><br /> -gesprochen vor dem Anfange der Komödie, -welche die Kinder aus dem Wimez’schen -Institute aufführten. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Aengstlich treten wir und schüchtern</p> - <p class="verse">In der Muse Tempel ein,</p> - <p class="verse">In der Göttin Heiligthume</p> - <p class="verse">Den bescheid’nen Kranz zu weih’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">„Welch gewagtes Unternehmen!</p> - <p class="verse">Kränze von so kleiner Hand,</p> - <p class="verse">Die ein Chor von kühnen Mädchen</p> - <p class="verse">Am Altar der Künste wand!“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">O verzeiht, auf Eure Güte</p> - <p class="verse">Hat das bange Herz vertraut,</p> - <p class="verse">Und auf Eurer Milde gläubig</p> - <p class="verse">All sein Hoffen aufgebaut.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> - <p class="verse1">Hebt auch schüchtern und mit Zagen</p> - <p class="verse">Sich empor der scheue Blick,</p> - <p class="verse">Gern vertraut die Seele wieder,</p> - <p class="verse">Und die Hoffnung kehrt zurück.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Darum täuschet, Ihr Geliebten,</p> - <p class="verse">Nicht dies kindliche Gefühl!</p> - <p class="verse">Muthig haben wir gerungen</p> - <p class="verse">Nach dem heiß ersehnten Ziel.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und verkündet Euren Beifall</p> - <p class="verse">Nur ein Lächeln, sauft und leicht,</p> - <p class="verse">O dann ist ja tausendfältig</p> - <p class="verse">Dieses schöne Ziel erreicht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wo der Seligkeiten höchste,</p> - <p class="verse">Wo nur Dank und Freude wohnt,</p> - <p class="verse">Wo mit diamant’nen Kronen</p> - <p class="verse">Euer Beifall uns belohnt.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-28"> -<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> -Gesang der Sterne. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wir ziehen über Berg und Thal</p> - <p class="verse1">Und über’s weite Meer;</p> - <p class="verse">Wir ziehen über Menschenqual</p> - <p class="verse1">Und Menschenglück daher.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wir kennen, was in stiller Brust</p> - <p class="verse1">Sich vor der Welt verhüllt,</p> - <p class="verse">Und was mit namenloser Lust</p> - <p class="verse1">Ein einsam Auge füllt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wenn der Schmerz die Seele quält,</p> - <p class="verse1">Wir geben ihr die Ruh’,</p> - <p class="verse">Und wenn die Lieb’ ihr Glück erzählt,</p> - <p class="verse1">So hören wir ihr zu.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wir schau’n auf manches kühle Grab,</p> - <p class="verse1">An dem ein Mensch sich härmt,</p> - <p class="verse">Und schimmern in die Laub’ hinab,</p> - <p class="verse1">In der die Liebe schwärmt.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a> - <p class="verse">Wir reden mit dem Gram und sind</p> - <p class="verse1">Stets mit dem Kummer wach;</p> - <p class="verse">Die Thräne des Entzückens rinnt</p> - <p class="verse1">Gern unter unserm Dach.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wir schlingen in den luftigen Höh’n</p> - <p class="verse1">Den stillen frohen Reih’n,</p> - <p class="verse">Und scheinen Ruh’ und Wiederseh’n</p> - <p class="verse1">In jedes Herz hinein. –</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-29"> -<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a> -Der Liebe Sehnen. -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(Einer andern Melodie untergelegt.) -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wer deutet mir dies bange Sehnen,</p> - <p class="verse1">Das mir so warm im Herzen glüht,</p> - <p class="verse1">Das nur nach Dir mich ewig zieht,</p> - <p class="verse">Und oft das Auge füllt mit Thränen?</p> - <p class="verse1">Verschwunden ist mein froher Sinn,</p> - <p class="verse1">Mein gold’ner Frieden ist dahin.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker</p> - <p class="verse1">Voll Schmerz und doch voll süßer Lust!</p> - <p class="verse1">Was pochst Du an die enge Brust</p> - <p class="verse">So bang und ängstlich immer stärker?</p> - <p class="verse1">Könnt’ ich zerbrechen, was mich hält,</p> - <p class="verse1">Und eilen in die freie Welt!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Dir möcht’ ich stets in’s Auge seh’n</p> - <p class="verse1">Und in Dein Antlitz, engelrein;</p> - <p class="verse1">Wie selig, selig muß es sein,</p> - <p class="verse">In Deinem Anschau’n einst vergeh’n,</p> - <p class="verse1">Und flieh’n im fessellosen Lauf</p> - <p class="verse1">Vom Himmel zu dem Himmel auf.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a> - <p class="verse">Dort zu den Sternen ew’ger Liebe</p> - <p class="verse1">O könnt’ ich schwingen mich empor,</p> - <p class="verse1">Und suchen in der Welten Chor</p> - <p class="verse">Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe!</p> - <p class="verse1">Ach, selbst die Unermeßlichkeit</p> - <p class="verse1">Ist für mein Sehnen nicht zu weit.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ich seh’ den Frühling niederschweben.</p> - <p class="verse1">Heran mit Deiner Blüthenlust,</p> - <p class="verse1">Heran an meine enge Brust,</p> - <p class="verse">Du Lenz mit Deinem jungen Leben!</p> - <p class="verse1">Die Knospe schwillt, das Jünglingsherz</p> - <p class="verse1">Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ihr Nachtigall’n im Blüthenhaine,</p> - <p class="verse1">Ihr Fluren im verjüngten Grün,</p> - <p class="verse1">Ihr Blumen, die so freundlich blüh’n,</p> - <p class="verse">O sagt es mir, warum ich weine?</p> - <p class="verse1">Warum, seitdem ich <em>sie</em> erblickt,</p> - <p class="verse1">Kein Frieden meine Brust beglückt?</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-30"> -<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a> -Veilchenstrauß. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kauft, schöner Herr, die Veilchen!</p> - <p class="verse1">Zwei Kreuzer gebt ihr mir!</p> - <p class="verse">Ich steh’ ein langes Weilchen</p> - <p class="verse1">Bereits vergebens hier.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Mein Vater liegt im Grabe,</p> - <p class="verse1">Meine Mutter liegt im Grab.</p> - <p class="verse">Herr, für die kleine Gabe</p> - <p class="verse1">Kauft mir die Veilchen ab!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Geh, kleine Dirne, raff’ Dich!</p> - <p class="verse1">Die so viel Geld begehrt!</p> - <p class="verse">Das Sträußchen ist wahrhaftig</p> - <p class="verse1">Kaum einen Kreuzer werth.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Aß heut’ noch keinen Krumen,</p> - <p class="verse1">Und, Herr, mich hungert sehr.</p> - <p class="verse">D’rum nehmt sie, nehmt die Blumen!</p> - <p class="verse1">Gebt mir den Kreuzer her.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a> - <p class="verse">Das Mädchen gab die Veilchen, –</p> - <p class="verse1">Da fiel ’ne Thräne darauf –</p> - <p class="verse">Der Herr, der nahm die Veilchen,</p> - <p class="verse1">Die Thräne mit in Kauf.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wie er kommt nach Hause –</p> - <p class="verse1">’s ist kaum ’ne Stunde her –</p> - <p class="verse">Da blühet an dem Strauße</p> - <p class="verse1">Kein einzig Veilchen mehr.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Farben, die sie trugen,</p> - <p class="verse1">Sie sind verwelkt und blaß.</p> - <p class="verse">Er will den Duft versuchen, –</p> - <p class="verse1">Da sind die Veilchen naß.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da faßt’s ihn erst mit Leide,</p> - <p class="verse1">Und d’rauf unheimlich an,</p> - <p class="verse">Er legt den Strauß bei Seite,</p> - <p class="verse1">Sieht nie ihn wieder an. –</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-31"> -<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a> -Tag der Vereinigung. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze,</p> - <p class="verse1">Der mir das Kleinod meines Lebens bringt?</p> - <p class="verse">Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze</p> - <p class="verse1">Das theure Haupt der Einzigen umschlingt?</p> - <p class="verse">Wann wirst Du mir, Du sel’ger Tag gewähren,</p> - <p class="verse1">Was meine heiße Liebe lang’ ersehnt?</p> - <p class="verse">Tag meiner Tage, der mit Freudenzähren,</p> - <p class="verse1">Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krönt?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ziel meiner Wünsche, meines ganzen Strebens!</p> - <p class="verse1">Du Sohn des Himmels, wann begrüß’ ich Dich?</p> - <p class="verse">Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens,</p> - <p class="verse1">Wann schüttest Du das Füllhorn über mich?</p> - <p class="verse">Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore</p> - <p class="verse1">Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad?</p> - <p class="verse">Wann öffnest Du mir jene gold’nen Thore,</p> - <p class="verse1">Durch die dem Göttlichen der Mensch sich naht?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wann wird der Seelenbund geheiligt werden?</p> - <p class="verse1">Wann werd’ ich, Vater in den ew’gen Höh’n,</p> - <p class="verse">Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden,</p> - <p class="verse1">Vor Deinem heiligen Altare steh’n?</p> -<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a> - <p class="verse">Dich bittend: segne Deine frohen Kinder,</p> - <p class="verse1">Laß über ihrem Glück Dein Auge sein!</p> - <p class="verse">Wann wird, Allmächt’ger, Deines Worts Verkünder</p> - <p class="verse1">Das ird’sche Bündniß durch den Himmel weih’n?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen,</p> - <p class="verse1">Wo die Gebete mit dem frommen Lied</p> - <p class="verse">In großen Tönen zu dem Himmel wallen,</p> - <p class="verse1">Wo Glück und Schmerz, und Lieb’ und Buße kniet, –</p> - <p class="verse">An heil’ger Stufe, wo in sanftem Weinen,</p> - <p class="verse1">Der Knab’ einst seinen Glauben aufgebaut,</p> - <p class="verse">Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen,</p> - <p class="verse1">Wann giebst Du, Herr, dem Jüngling seine Braut?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Komm schöner Tag, nach dem die Wünsche ringen!</p> - <p class="verse1">Denk’ ich an Dich, bin ich ein sel’ges Kind.</p> - <p class="verse">O zögre nicht, weil Deine bunten Schwingen</p> - <p class="verse1">Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind.</p> - <p class="verse">Du wirst den Muth dem heißen Streben lohnen,</p> - <p class="verse1">Der fernen Sehnsucht den geduld’gen Schmerz.</p> - <p class="verse">Komm, sel’ger Tag, mit Deinen gold’nen Kronen,</p> - <p class="verse1">Schütt’ Deine Himmel in mein glücklich Herz. –</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-32" title="Siehst Du, wo im Abendgolde"> -<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Siehst Du, wo im Abendgolde</p> - <p class="verse1">Feurig dort die Berge glüh’n,</p> - <p class="verse">Wo im stillen Aether holde,</p> - <p class="verse1">Leuchtende Gewölke zieh’n,</p> - <p class="verse">Dort liegt der ersehnte Strand,</p> - <p class="verse">Meiner Liebe Vaterland.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wo auf den fernen Hügeln</p> - <p class="verse1">Dort ein Traum der Wehmuth liegt,</p> - <p class="verse">Wo die Taub’ auf weißen Flügeln</p> - <p class="verse1">Schwebend sich im Azur wiegt, –</p> - <p class="verse">Hinter dem Gebirge weit,</p> - <p class="verse">Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-33"> -<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a> -Der Bürgergardist. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Seht dort den Mann mit Waff’ und Wehr!</p> - <p class="verse">Er schreitet so männlich und fest einher;</p> - <p class="verse1">Ihm schmückt eine weißblaue Binde den Arm,</p> - <p class="verse">Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild,</p> - <p class="verse">Er schaut so ernst, er schaut so mild,</p> - <p class="verse1">Als trüg’ er’s im Herzen groß und warm.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That</p> - <p class="verse">So einfach im Schmucke nie einen Soldat?</p> - <p class="verse1">Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann?</p> - <p class="verse">„Mir blühet ein einfach und schönes Loos,</p> - <p class="verse">„Still herrscht meine Königin, heilig und groß,</p> - <p class="verse1">„Ihr gehör’ ich im Leben und Sterben an.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wo liegt das Land Deiner Königin?</p> - <p class="verse">Hat’s viele der Männer von Deinem Sinn?</p> - <p class="verse1">Stellt’s viele Regimenter in’s Feld hinaus?</p> - <p class="verse">„Das Land meiner Königin ist nicht weit.</p> - <p class="verse">„D’rin schaffet und baut sie für jegliche Zeit</p> - <p class="verse1">„Geräuschlos dem Frieden ein goldenes Haus.“</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a> - <p class="verse">So ist Deine Königin reich an Gold?</p> - <p class="verse">Was erhältst Du, glücklicher Mann, an Sold?</p> - <p class="verse1">Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer?</p> - <p class="verse">„Reich ist uns’re Königin, reich unser Lohn;</p> - <p class="verse">„Wir stützen als fleißige Bürger den Thron</p> - <p class="verse1">„Und greifen als Krieger für ihn zur Wehr.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht,</p> - <p class="verse">Wer ist Deine große ausländische Macht?</p> - <p class="verse1">Nenn mir Deiner Königin heiliges Land.</p> - <p class="verse">„Die Ordnung ist meine Königin,</p> - <p class="verse">„Für sie geb’ ich Glück und Leben hin,</p> - <p class="verse1">„Und das Land ist Dein eig’nes Vaterland.“</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-34"> -<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a> -Die Natur. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ist auch der Mensch voll Tück’ und Lügen</p> - <p class="verse1">Ist doch die Erde wunderschön!</p> - <p class="verse">Und grinst der Haß aus Menschenzügen,</p> - <p class="verse1">Die Liebe lacht von Thal und Höh’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden,</p> - <p class="verse1">In dem die Erde grünt und blüht,</p> - <p class="verse">So fern von allem Schmerz geschieden,</p> - <p class="verse1">Der in der Brust des Menschen glüht!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine,</p> - <p class="verse1">Du Zephyr, der die Aeste wiegt,</p> - <p class="verse">Du Grün der Saat im Abendscheine,</p> - <p class="verse1">Du Blau, das auf den Bergen liegt!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe,</p> - <p class="verse1">Mit Deinem Frieden Du, Natur,</p> - <p class="verse">Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe,</p> - <p class="verse1">Er hätte Trost, bliebst Du ihm nur!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a> - <p class="verse">Das Deine schlägt so warm und ewig,</p> - <p class="verse1">Und seiner Reinheit sich bewußt,</p> - <p class="verse">Natur, Du heil’ge, in Dir leb’ ich,</p> - <p class="verse1">Und ruh’ im Tod’ an Deiner Brust. –</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-35"> -<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a> -Vaterfreude.<a class="fnote" href="#footnote-7" id="fnote-7">[7]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Händchen!</p> - <p class="verse1">Juchheisa, mein Bübchen, nun hat’s keine Noth!</p> - <p class="verse">Auf’m Ohr die Haube mit rosigem Bändchen,</p> - <p class="verse1">Vom Trinken die andere Wange roth.</p> - <p class="verse">Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh,</p> - <p class="verse">Wenn ich mit Dir tanze und singe so so,</p> - <p class="verse2">Und erzähl’ Dir vom Wolf und vom Schaf’,</p> - <p class="verse2">Und wiege mein <span class="antiqua">Paul</span>’chen in Schlaf.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Horch, ’s war ’mal ein Mann, und ein Lämmchen, ein kleines,</p> - <p class="verse1">Und der Mann, der hatte das Lämmchen so lieb,</p> - <p class="verse">Es hatt’ ein weiß Kleidchen, so schneeig wie Deines,</p> - <p class="verse1">Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb,</p> - <p class="verse">Der wollte das Lämmchen gern kaufen für Geld.</p> - <p class="verse">Nein, sprach der Mann, nicht für die ganze Welt!</p> - <p class="verse2">Papa kennt das Lämmchen gar wohl,</p> - <p class="verse2">Es ist ja sein lieblicher <span class="antiqua">Paul</span>.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a> - <p class="verse">Und wenn dann mein Jüngchen ist größer geworden,</p> - <p class="verse1">Dann kriegt er ’nen Säbel, den hängt er sich um,</p> - <p class="verse">Und kriegt eine Mütze mit goldenen Borden,</p> - <p class="verse1">Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum!</p> - <p class="verse">Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot,</p> - <p class="verse">Dann schießen wir beide den Wolf maustodt,</p> - <p class="verse2">Und schlafen dann ruhig und wohl,</p> - <p class="verse2">Nicht wahr Du, mein herziger <span class="antiqua">Paul</span>?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und marschier’n, wie die Preußen, durch die Gassen,</p> - <p class="verse1">Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus?</p> - <p class="verse">Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen?</p> - <p class="verse1">Sonst grämt sich Papa und Mama zu Haus.</p> - <p class="verse">Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh’n,</p> - <p class="verse">Damit der Mama kein Leids mag gescheh’n,</p> - <p class="verse2">Denn lieb hat Mama Dich, mein <span class="antiqua">Paul</span>,</p> - <p class="verse2">Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde</p> - <p class="verse1">In ’nem großen Wagen in’s deutsche Land,</p> - <p class="verse">Und <span class="antiqua">Paul</span> nimmt den Säbel mit und auch die Flinte,</p> - <p class="verse1">Und schlägt seinem Großpapa derb in die Hand,</p> - <p class="verse">Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot,</p> - <p class="verse">Doch schieß’ ich die Wölfe, wie Spatzen, todt.</p> - <p class="verse2">Puff, puff! schießt der liebliche <span class="antiqua">Paul</span>,</p> - <p class="verse2">Nun schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a> - <p class="verse">Nun schlafe und träume vom deutschen Lande,</p> - <p class="verse1">Und träume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf,</p> - <p class="verse">Und träume vom Säbel mit goldenem Bande,</p> - <p class="verse1">Und reise und reise im süßesten Schlaf.</p> - <p class="verse">Wir schießen die Wölfe, ja ja, sei still!</p> - <p class="verse">Wir schießen so viel, als mein Junge nur will.</p> - <p class="verse2">Nun schlafe, mein herziger <span class="antiqua">Paul</span>,</p> - <p class="verse2">Schlaf, schlafe, mein Bübchen, schlaf wohl!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-36"> -<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a> -<span class="firstline">Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande,</span><br /> -<em>Großherzogs von Luxemburg</em>. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1840. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter,</p> - <p class="verse1">Verblüht sind längst die Wälder und die Flur,</p> - <p class="verse">Und eingesammelt hat die welken Blätter</p> - <p class="verse1">Und schlafen geht die liebende Natur.</p> - <p class="verse">Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen,</p> - <p class="verse1">Da weht ein Frühling, still und ungeschaut,</p> - <p class="verse">Der, statt im Blüthenwalde der Ardennen,</p> - <p class="verse1">In unsern Herzen seine Tempel baut.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und dieser Frühling da ist uns’re Liebe,</p> - <p class="verse1">Mit der das Land stolz seinen König nennt,</p> - <p class="verse">Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe,</p> - <p class="verse1">Die’s jetzt und ewig seinem Herrn bekennt.</p> - <p class="verse">Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten</p> - <p class="verse1">Jung, grün und herrlich in dem Lande steht,</p> - <p class="verse">Und die Er jüngst mit königlichen Worten,</p> - <p class="verse1">Mir reicher Huld in unser Herz gesä’t.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a> - <p class="verse">Du altes Land, das nach so bitterm Harme</p> - <p class="verse1">Sich zu des Thrones Füßen treu gelegt;</p> - <p class="verse">Du stolze Mutter, die auf Riesenarme</p> - <p class="verse1">Die Wiege seines Königshauses trägt;</p> - <p class="verse">Du tapf’res Land, das einst so groß gestritten,</p> - <p class="verse1">Du schönes Land, wo Reb’ und Aehre blüh’n;</p> - <p class="verse">Du treues Land, das einst so viel gelitten,</p> - <p class="verse1">Was sind die Wünsche, die Dein Herz durchglüh’n?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Du Herr der Welten, wollst dem König geben</p> - <p class="verse1">Den mächt’gen Segen Deiner Vaterhand!</p> - <p class="verse">Du woll’st bekleiden Sein geliebtes Leben</p> - <p class="verse1">Mit Deiner Gnade köstlichem Gewand,</p> - <p class="verse">Und Sein Gemüth durch Kraft und Weisheit segnen,</p> - <p class="verse1">Damit Sein Ruhm erblühe weit und breit,</p> - <p class="verse">Damit Sein Heil und uns’res sich begegnen,</p> - <p class="verse1">Und wir Dich loben bis in Ewigkeit!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Was sonst noch unser Herz bedrängt, wir sprachen’s</p> - <p class="verse1">Noch jüngst an Seiner Thronen Stufen aus.</p> - <p class="verse">Frag’ Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen’s</p> - <p class="verse1">Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus.</p> - <p class="verse">Es thut uns Noth ein kräftiges Beschirmen</p> - <p class="verse1">Der alten Halle, die uns einst gebar,</p> - <p class="verse">Des heil’gen Hauses, das in mächt’gen Stürmen</p> - <p class="verse1">Die Wohnung Luxemburger Treue war.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a> - <p class="verse">Dies Haus sind uns’re Bräuche, uns’re Sitten,</p> - <p class="verse1">Und jene Einheit, die daraus ersteht;</p> - <p class="verse">Das ist der Dom, für den wir oft gestritten,</p> - <p class="verse1">Von dem die Fahne uns’res Volkes weht.</p> - <p class="verse">Daß Gott den Blitz von diesem Hanse leite,</p> - <p class="verse1">Und daß der schlaue Feind es nie entweiht!</p> - <p class="verse">Denn eines Volkes köstlichstes Geschmeide,</p> - <p class="verse1">Das ist des Volkes Eigenthümlichkeit.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und steht es fest in seinen guten Fugen,</p> - <p class="verse1">Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein,</p> - <p class="verse">Dann kümmern nicht uns jene Wunderklugen,</p> - <p class="verse1">Die uns verbieten, was wir sind, zu sein.</p> - <p class="verse">Doch, was wir lieben und was uns erkannte,</p> - <p class="verse1">Das komm’ herein, dem sei der Weg gebahnt.</p> - <p class="verse">Willkommen d’rum, erhab’ner Fürst, im Lande,</p> - <p class="verse1">Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-37"> -<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a> -Ludwig Philipp.<a class="fnote" href="#footnote-8" id="fnote-8">[8]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Frieden, um den Preis der Erde Frieden!</p> - <p class="verse1">Manche Nacht – Europa ist’s bekannt –</p> - <p class="verse">Wenn der Schlaf die Millionen Müden</p> - <p class="verse1">In die Fesseln seiner Macht gebannt,</p> - <p class="verse">Und die Sterne Frankreichs niederschieden,</p> - <p class="verse1">Hing die Wage noch in meiner Hand, –</p> - <p class="verse">Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle</p> - <p class="verse">Meines Sohnes Leichnam in die Schale.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Frankreich! siehe jenen Tempel zittern,</p> - <p class="verse1">Dem ich deine Zukunft anvertrau’t!</p> - <p class="verse">Sieh, wie klagend unter den Gewittern</p> - <p class="verse1">Von der Zinne hoch der Genius schaut!</p> - <p class="verse">Muß <em>mein eigner todter Sohn</em> erschüttern,</p> - <p class="verse1">Was auf <em>deiner Söhne</em> Grab gebaut?</p> - <p class="verse">Und ein unerklärliches Vergelten</p> - <p class="verse">Opfern meinen Sohn für deine Helden?</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a> - <p class="verse">Auf dem <em>Pflaster</em>, das in Juliwettern</p> - <p class="verse1">Du erzürnt zum Thron geschleudert hast,</p> - <p class="verse"><em>In den Tagen</em>, die wir gern vergöttern,</p> - <p class="verse1">Und wo deine eig’nen Söhn’ erblaßt,</p> - <p class="verse">Muß ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern,</p> - <p class="verse1">Das, wie du, die Despotie gehaßt?</p> - <p class="verse">Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben,</p> - <p class="verse">Und es bebt, ich fühl’s, mein eig’nes Leben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Diesmal hat’s getroffen! Unter sieben</p> - <p class="verse1">Traf nicht Einer das ersehnte Ziel:</p> - <p class="verse">Meine Brust ist unversehrt geblieben</p> - <p class="verse1">Bei dem mörderischen Würfelspiel.</p> - <p class="verse">Gott hab’ ich’s mit Danke zugeschrieben,</p> - <p class="verse1">Bis das Haupt von meinem Kinde fiel:</p> - <p class="verse"><em>Da</em> just war der Fleck, <em>da</em> stirbt mein Hoffen!</p> - <p class="verse">Sieben Kugeln! <em>Diesmal</em> hat’s getroffen!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Fahre wohl denn, du geliebte Leiche,</p> - <p class="verse1">Bis wir ewig bei einander sind.</p> - <p class="verse">Auf die Wange, wo vom Todesstreiche</p> - <p class="verse1">Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, –</p> - <p class="verse">Einen Kuß noch auf die Stirn, die bleiche, –</p> - <p class="verse1">Dann leb’ wohl, mein liebes, liebes Kind!</p> - <p class="verse">O! daß mir des Weinens Tröstung wäre!</p> - <p class="verse">Gott! ein Königreich für eine Zähre!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a> - <p class="verse">Ja, ich fühl’s an meiner Pulse Schlägen,</p> - <p class="verse1">Du nimmst meine letzte Kraft dahin.</p> - <p class="verse">Willenlos auf meinen dunkeln Wegen</p> - <p class="verse1">Folg’ ich, wie ein Kind, der Führerin.</p> - <p class="verse">Ferdinand, ich zittre dir entgegen,</p> - <p class="verse1">Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn.</p> - <p class="verse">Lebe wohl, und daß dich Gott verkläre!</p> - <p class="verse">O! ein Königreich für eine Zähre!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Frieden, den ich Frankreich oft erhalten,</p> - <p class="verse1">Meiner eignen Brust versagt ihn Gott.</p> - <p class="verse">Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten,</p> - <p class="verse1">Und der Julithron der Welt zum Spott.</p> - <p class="verse">Neue Kugeln warten auf den Alten,</p> - <p class="verse1"><em>Rächend steigt der Bourbon vom Schaffot</em>.</p> - <p class="verse">Frieden, um den Preis der Erde Frieden!</p> - <p class="verse">Und der Alte scheidet gern hienieden!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-38"> -<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a> -Was ist des Deutschen Vaterland?<a class="fnote" href="#footnote-9" id="fnote-9">[9]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie hat das Lied so schön geklungen,</p> - <p class="verse">Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang,</p> - <p class="verse">Und das wir Alle mitgesungen</p> - <p class="verse">Bei drei und dreißig Jahre lang?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Das Lied vorn deutschen Vaterlande,</p> - <p class="verse">Wo an dem Rhein die Rebe blüht,</p> - <p class="verse">Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande,</p> - <p class="verse">Am fernen Belt die Möve zieht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und wo wir mit Vergnügen sehen,</p> - <p class="verse">Daß alle Länder, groß und klein,</p> - <p class="verse">Wie sie im Buch bei Deutschland stehen,</p> - <p class="verse">Das Vaterland des Deutschen sein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Der Deutsche Bund – Gott geb’ ihm Friede –</p> - <p class="verse">Hat immer, seit der Völkerschlacht,</p> - <p class="verse">Bei diesem geograph’schen Liede</p> - <p class="verse">Ein fürchterlich Gesicht gemacht.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a> - <p class="verse1">Und als der Deutsche Bund entschlafen,</p> - <p class="verse">Wie ist das Lied dahergebraust!</p> - <p class="verse">Wie ist’s den Fürsten und den Grafen</p> - <p class="verse">Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Boch-Buschmann, unser Deputirte,</p> - <p class="verse">Sang’s oft zu Frankfurt auf der Zeil,</p> - <p class="verse">Und wenn er jetzt sich nicht genirte,</p> - <p class="verse">Er säng’ das Lied noch alleweil.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Gesungen ward’s in allen Städten,</p> - <p class="verse">In allen Gassen ist’s erschallt,</p> - <p class="verse">Auch haben zwischendurch Musketen</p> - <p class="verse">Als Accompagnement geknallt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wohin ich mocht’ durch Deutschland wandern,</p> - <p class="verse">Am Rhein und an der Donau Strand,</p> - <p class="verse">Hat einer stets gefragt den andern:</p> - <p class="verse">Was ist des Deutschen Vaterland?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Da sprach an einem schönen Tage</p> - <p class="verse">Zu Wien Herr Raveaux frank und frei:</p> - <p class="verse">Daß nunmehr auf die ew’ge Frage</p> - <p class="verse">Die Antwort schon gefunden sei.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a> - <p class="verse1">Doch dieses war nur eine Flause, –</p> - <p class="verse">Noch heute ist es unbekannt,</p> - <p class="verse">Noch singen sie bei jedem Schmause:</p> - <p class="verse">Was ist des Deutschen Vaterland?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Arndt saß hernach im Parlamente</p> - <p class="verse">– Inzwischen war ergraut sein Haar –</p> - <p class="verse">Sein Votum zeigte, daß am Ende</p> - <p class="verse">Sein Lied auch eine Lüge war.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ja, eine rechte schöne Lüge,</p> - <p class="verse">Viel schöner als die Verse sind.</p> - <p class="verse">Ich wünsche wohl, daß ich mich trüge,</p> - <p class="verse">Wenn mir die Thrän’ vom Auge rinnt.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-39"> -<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a> -Blau, weiß, roth. -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(Melodie: <span class="antiqua">Les Girondins.</span>) -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Gott grüß’ euch Vaterlandes Farben!</p> - <p class="verse">Du stolze Fahne, blau, weiß, roth!</p> - <p class="verse">Für die einst uns’re Väter starben,</p> - <p class="verse">Mit Dir geh’n wir in Kampf und Tod.</p> - <p class="verse">Dreifarbig Band, umschling’ das Land,</p> - <p class="verse">Führ’ uns zum Sieg an Gottes Hand,</p> - <p class="verse">Zum Sieg oder Tod!</p> - <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Das Blau bedeutet Treu und Glauben,</p> - <p class="verse">Treu Gott und unserm Vaterland,</p> - <p class="verse">Den Ruhm soll keine Macht uns rauben,</p> - <p class="verse">Wir dulden weder Schimpf noch Schand’.</p> - <p class="verse">O köstlich Gut! o heil’ge Glut!</p> - <p class="verse">Vernichtung der Tyrannenbrut,</p> - <p class="verse">Uns Sieg oder Tod!</p> - <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a> - <p class="verse1">Weiß glänzt das Kleid der Seelenreinheit,</p> - <p class="verse">Drum sei verdammt der Lug und Trug!</p> - <p class="verse">Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit,</p> - <p class="verse">Wenn er die Schuld im Herzen trug.</p> - <p class="verse">Rein sei die Hand zu Gott gewandt,</p> - <p class="verse">Die Rettung heischt für’s Vaterland.</p> - <p class="verse">Uns Sieg oder Tod!</p> - <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß, roth!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Blutroth, Du letzte uns’rer Farben!</p> - <p class="verse">Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth,</p> - <p class="verse">Wie andere litten, wie andere starben,</p> - <p class="verse">So geh’n auch wir in Kampf und Tod.</p> - <p class="verse">Nimm unser Gut, nimm unser Blut,</p> - <p class="verse">Nimm’s hin, du niederträchtige Brut!</p> - <p class="verse">Ja, Sieg oder Tod!</p> - <p class="verse">Hurrah, es lebe blau, weiß roth!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-40"> -<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a> -Bei Sebastopol. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1855. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Geschütze krachen, die Schlacht erbraust,</p> - <p class="verse">Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust,</p> - <p class="verse1">Der Tod zermalmet die Braven.</p> - <p class="verse"><span class="antiqua">En avant!</span> Seht, Brüder, die Mine springt,</p> - <p class="verse"><span class="antiqua">En avant!</span> Vom Malakoffthurme winkt</p> - <p class="verse1">Die Tricolorfahne der Zuaven.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht müd’,</p> - <p class="verse">Die Redouten springen, und roth erglüht</p> - <p class="verse1">Der Nebel über dem Hafen.</p> - <p class="verse">Und unten die Stadt ist ein Feuermeer,</p> - <p class="verse">Und droben steh’n auf den Bergen umher</p> - <p class="verse1">Die Linien, Garden und Zuaven.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da bringen sie eben von Brück’ zu Brück’</p> - <p class="verse">Die Verwundeten in das Lager zurück,</p> - <p class="verse1">Die zerstümmelten blutenden Braven,</p> - <p class="verse">Und vor jeder Bahre, die kommt daher,</p> - <p class="verse">Präsentiren im Flammenschein das Gewehr</p> - <p class="verse1">Die Linien, Garden und Zuaven.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a> - <p class="verse">Da tragen sie einen Sergeant-Major,</p> - <p class="verse">Der in der Courtine den Arm verlor,</p> - <p class="verse1">Und den halben Schädel im Graben,</p> - <p class="verse">Und am Malakoffthurme commandirte er Halt,</p> - <p class="verse">Und richtet sich aufrecht, die blut’ge Gestalt,</p> - <p class="verse1">Der Sergeant-Major von den Zuaven.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Von der brennenden Stadt der rothe Schein</p> - <p class="verse">Und das Licht, das die springenden Forts ausspei’n,</p> - <p class="verse1">Beleuchten sein Antlitz erhaben.</p> - <p class="verse">Er entblößt sein Haupt, daß die Wunde klafft,</p> - <p class="verse">Und nimmt zusammen die letzte Kraft,</p> - <p class="verse1">Der Sergeant-Major von den Zuaven.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Nun fahr’ ich mit Freud’ in die and’re Welt,</p> - <p class="verse">„Der Feind entflieht, Sebastopol fällt,</p> - <p class="verse1">„Im Flammenmeere begraben!</p> - <p class="verse">„Lebt wohl, Cameraden! <span class="antiqua">Vive l’Empereur!</span>“</p> - <p class="verse">Er stirbt, und es präsentiren das Gewehr</p> - <p class="verse1">Die Linien, Garden und Zuaven.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-41"> -<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a> -Ferienweihe. -</h2> - -</div> - -<h3 class="section" id="subchap-0-41-1"> -I. -</h3> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ich sitz’ im Garten, die gold’nen Schleier</p> - <p class="verse">Des Morgens rauschen um mich her,</p> - <p class="verse">Und Alles prangt in stolzer Feier,</p> - <p class="verse">Als ob’s ein heil’ger Sonntag wär’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nichts hör’ ich hier vom Weltgetriebe,</p> - <p class="verse">Und hinter’n Bäumen liegt die Stadt,</p> - <p class="verse">Mit ihrem Haß und ihrer Liebe,</p> - <p class="verse">Und Allem, was sie Schönes hat;</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Mit ihrem Verdruß und ihren Freuden,</p> - <p class="verse">Mit ihren Straßen grad’ und krumm,</p> - <p class="verse">Mit ihren großen und kleinen Gebäuden –</p> - <p class="verse">Und vor Allem mit dem Gymnasium.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und hinter’n Bäumen liegt die Stube,</p> - <p class="verse">Die stille Zeugin meiner Geduld,</p> - <p class="verse">Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube,</p> - <p class="verse">Mit dem tintenbefleckten Schreibepult,</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a> - <p class="verse1">Und mit den Prüfungs-Exercitien,</p> - <p class="verse">Und zumal mit den Büchern rings herum,</p> - <p class="verse">Den tiefgelehrten und den witz’gen</p> - <p class="verse">Und dem ganzen heiligen Classikerthum.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Dagegen blühen mir hier die Rosen,</p> - <p class="verse">Und auf jeder strahlt ein Diamant;</p> - <p class="verse">Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen</p> - <p class="verse">Und die Trauben an der Raketenwand.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und ein Heer von Astern und Georginen</p> - <p class="verse">Und die Sonnenblumen stolzen Wink’s,</p> - <p class="verse">Sie grüßen mich mit gnäd’gen Mienen,</p> - <p class="verse">Und die Schwalben pfeifen rechts und links.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben,</p> - <p class="verse">Sie schießen aus braunen Kisten empor,</p> - <p class="verse">Und ein freies Bienchen verließ die Waben,</p> - <p class="verse">Und singt melodisch mir um das Ohr;</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und erzählt mir alte Geschichten, die wußt’ ich</p> - <p class="verse">Schon, als ich noch ein Knabe war –</p> - <p class="verse">Ich glaube, sie machen sich über mich lustig,</p> - <p class="verse">Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a> - <p class="verse1">Ach, freilich ist ja der ganze Garten</p> - <p class="verse">Eine große lebendige Poesie,</p> - <p class="verse">Und ach, es bleiben die Dichtungsarten</p> - <p class="verse">Bei der Biene summender Melodie!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Curies! ich habe keine Schule heute:</p> - <p class="verse">D’rum glaubt’ ich, daß es Sonntag wär’,</p> - <p class="verse">Und horch! es bringen fernes Geläute</p> - <p class="verse">Die Morgenwinde zu mir her.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">So läutet denn, ihr fernen Glocken</p> - <p class="verse">Mir feierlich meine Ferien ein, –</p> - <p class="verse">Dann will ich mit der Biene frohlocken</p> - <p class="verse">Und fröhlich und frei mit den Schwalben sein.</p> - </div> - </div> -</div> - -<h3 class="section" id="subchap-0-41-2"> -II. -</h3> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Schwalben und Bienen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Die Biene lebt in engem Kreise,</p> - <p class="verse">Der Garten nur ist ihre Welt –</p> - <p class="verse">Die Schwalben, sie sausen moderner Weise</p> - <p class="verse">Wie der Blitz durch die Luft über Stadt und Feld.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a> - <p class="verse1">Die Schwalbe badet in Wolkenlüften</p> - <p class="verse">Und verzehrt die Mücken im Sonnenstrahl –</p> - <p class="verse">Die Biene badet in Rosendüften</p> - <p class="verse">Und schwelgt in ihrem ätherischen Mahl.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Verleb’ ich die Ferien in Schwalbenweise?</p> - <p class="verse">Versumm’ ich sie einsam in Bienenmanier?</p> - <p class="verse">Adieu, ihr Schwalben! und glückliche Reise!</p> - <p class="verse">Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier.</p> - </div> - </div> -</div> - -<h3 class="section" id="subchap-0-41-3"> -III. -</h3> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Schwalben Spott.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wohl denn! rief auf diese Begrüßung</p> - <p class="verse1">Spottend die Schwalbe:</p> - <p class="verse">Herr Professor, Ihre Entschließung</p> - <p class="verse1">Ist nur ’ne halbe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Während Sie so mit der Biene summen,</p> - <p class="verse1">Welken die Blüthen,</p> - <p class="verse">Und wenn Sie wieder in der Schule brummen,</p> - <p class="verse1">Sind wir im Süden.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a> - <p class="verse">Während Sie zur Verzweiflung bringt das</p> - <p class="verse1">Schneegewimmel,</p> - <p class="verse">Lacht mir – und wie anders klingt das! –</p> - <p class="verse1">Blau der Himmel.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen,</p> - <p class="verse1">Seh’ ich erstarren,</p> - <p class="verse">Während der Sonne warme Strahlen</p> - <p class="verse1">Meiner harren.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Haben Sie Grüße nach Oestreich und Schwaben?</p> - <p class="verse1">Und nach Algirien?</p> - <p class="verse">Bis die Gärten wieder Blüthen haben,</p> - <p class="verse1">Sind wir die Ihrigen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-42"> -<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a> -Von der Luxemburger Mosel. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Eile durch die Blumenauen,</p> - <p class="verse">Holde Mosel, nach dem Rhein,</p> - <p class="verse">Laß mir meine deutschen Gauen</p> - <p class="verse">Tausendmal gegrüßet sein!</p> - <p class="verse">Trage mit dreifarb’ger Fahne</p> - <p class="verse">Meiner Sehnsucht Schifflein fort,</p> - <p class="verse">Sei behutsam mit dem Kahne,</p> - <p class="verse">Bring’ mir ihn zu sicherm Port!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Eilt, ja eilt, ihr grünen Wogen!</p> - <p class="verse">Seid <em>noch nicht</em> im deutschen Land,</p> - <p class="verse">Wenn man’s euch auch vorgelogen –</p> - <p class="verse">Längst zerrissen ist das Band.</p> - <p class="verse">Glaubt es nicht dem Klang der Zungen,</p> - <p class="verse">Der da rechts und links erklingt,</p> - <p class="verse">Nicht dem Lied des Fischerjungen,</p> - <p class="verse">Der am Ufer drüben singt!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a> - <p class="verse1">Glaubt es nicht der deutschen Hütte,</p> - <p class="verse">Die im Dorfe drüben steht;</p> - <p class="verse">Glaubt es nicht der deutschen Sitte,</p> - <p class="verse">Die in ihren Mauern weht;</p> - <p class="verse">Dürft’s auch nicht den deutschen Trauben,</p> - <p class="verse">Nicht einmal dem Bettlerkind,</p> - <p class="verse">Noch dem Meilenzeiger glauben,</p> - <p class="verse">Daß wir hier in Deutschland sind.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Flieht, o flieht, ihr grünen Wogen,</p> - <p class="verse">Thut’s dem Vater Rheine kund,</p> - <p class="verse">Was sie hier euch vorgelogen:</p> - <p class="verse">Hat geträumt dem Deutschen Bund,</p> - <p class="verse">Und im Schlaf, – daß Gott erbarme! –</p> - <p class="verse">Stahlen sie ihm Land und Leut’,</p> - <p class="verse">Und Franzosen sind wir heut’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Will es nicht gerad’ verdammen:</p> - <p class="verse">Wer sein Kind von Haus’ entfernt,</p> - <p class="verse">Gibt’s hinaus zu welschen Ammen,</p> - <p class="verse">Daß der Bub’ französisch lernt. –</p> - <p class="verse">Aber daß das Kind, das deutsche,</p> - <p class="verse">Man zu Schimpf und Spott verkehrt,</p> - <p class="verse">Daß man’s die Beamtenpeitsche</p> - <p class="verse">Auf französisch tragen lehrt! –</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a> - <p class="verse1">Das in wilden Wellenschlägen,</p> - <p class="verse">Das erzählt dem deutschen Land,</p> - <p class="verse">Macht’s von Vaterlandes wegen</p> - <p class="verse">An dem ganzen Rhein bekannt!</p> - <p class="verse">Und vergeßt mir nicht das eine:</p> - <p class="verse">Meiner wärmsten Liebe Kahn,</p> - <p class="verse">Legt mir ihn am schönen Rheine</p> - <p class="verse">Bei dem schönsten Ufer an.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter blank" id="chapter-0-43" title="Es lag mir schon sehr lange nah'"> -<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es lag mir schon sehr lange nah’,</p> - <p class="verse">Der Welt eins aufzuspielen</p> - <p class="verse">Von jener Himmelsmusica,</p> - <p class="verse">Die ich wohl hört’, doch nimmer sah,</p> - <p class="verse">Und die die lieben Engelein</p> - <p class="verse">An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein,</p> - <p class="verse">In meinem Herzen singen. –</p> - <p class="verse">Nun mein’ ich wohl, ich hätt’s gethan,</p> - <p class="verse">Erhalt auch Lob von Vielen,</p> - <p class="verse">Doch hör’ ich’s recht genau mir an,</p> - <p class="verse">So klingt’s doch nimmermehr, nein, nein,</p> - <p class="verse">Doch nimmer, wie die Engelein</p> - <p class="verse">In meinem Herzen singen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-44"> -<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a> -Die Fische. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">In einer Kugel von Krystall</p> - <p class="verse">Zwei gold’ne Fischlein wohnten,</p> - <p class="verse">Die theilten ihre Schmerzen all</p> - <p class="verse">Seit vielen vielen Monden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Doch war dem kleinen gold’nen Paar</p> - <p class="verse">Der Käfig nicht zum Leide,</p> - <p class="verse">Denn weil so eins beim andern war,</p> - <p class="verse">War’s eine Welt für beide.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und weil Gelübd’ und frommer Schwur</p> - <p class="verse">Die kleinen Zungen banden,</p> - <p class="verse">So haben, Aug’ in Auge nur,</p> - <p class="verse">Die Fischlein sich verstanden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und grüßte draußen froh und laut</p> - <p class="verse">Das Vöglein in den Zweigen,</p> - <p class="verse">Hat eins das and’re angeschaut</p> - <p class="verse">Mit wehmuthsvollem Schweigen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a> - <p class="verse1">Und schienen in’s Krystall hinein</p> - <p class="verse">Der Abendröthe Strahlen,</p> - <p class="verse">That sich der Liebe heller Schein</p> - <p class="verse">In Fischleins Auge malen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sie träumten wohl von Meeresgrund,</p> - <p class="verse">Von ferner Wogen Schäumen,</p> - <p class="verse">Doch keines that dem andern kund</p> - <p class="verse">Sein Lieben und sein Träumen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und weil nun eins mit so viel Schmerz</p> - <p class="verse">Um’s and’re hat geworben,</p> - <p class="verse">Da ist gebrochen Fischleins Herz,</p> - <p class="verse">Und Fischlein ist gestorben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und weil’s mit Sprache nicht begabt,</p> - <p class="verse">Muß still das and’re klagen:</p> - <p class="verse">„Ich hab’ Dich doch so lieb gehabt,</p> - <p class="verse">Und konnt’s Dir doch nicht sagen.“</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-45"> -<a id="page-105" class="pagenum" title="105"></a> -Morgenlied von dem Schäfchen. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf’,</p> - <p class="verse">Der Vater hüt’t die Schaf’,</p> - <p class="verse">Die Mutter schüttelt’s Bäumelein,</p> - <p class="verse">Da fällt herab ein Träumelein –</p> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schlaf’, Kindlein, schlaf’,</p> - <p class="verse">Am Himmel zieh’n die Schaf’:</p> - <p class="verse">Die Sternlein sind die Lämmelein,</p> - <p class="verse">Der Mond, der ist das Schäferlein –</p> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schlaf’, Kindlein, schlaf’,</p> - <p class="verse">Christkindlein hat ein Schaf’,</p> - <p class="verse">Ist selbst das liebe Gotteslamm,</p> - <p class="verse">Das um uns all’ zu Tode kam –</p> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-106" class="pagenum" title="106"></a> - <p class="verse1">Schlaf’, Kindlein, schlaf’,</p> - <p class="verse">So schenk ich Dir ein Schaf’</p> - <p class="verse">Mit einer goldnen Schelle fein,</p> - <p class="verse">Das soll Dein Spielgeselle sein –</p> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schlaf’, Kindlein, schlaf’,</p> - <p class="verse">Und blöck’ nicht wie ein Schaf’,</p> - <p class="verse">Sonst kommt des Schäfers Hündelein</p> - <p class="verse">Und beißt mein böses Kindelein –</p> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Schlaf’, Kindlein, schlaf’.</p> - <p class="verse">Geh’ fort und hüt’ die Schaf’,</p> - <p class="verse">Geh’ fort, du schwarzes Hündelein,</p> - <p class="verse">Und weck’ mir nicht mein Kindelein!</p> - <p class="verse">Schlaf’, Kindlein, schlaf’.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-46"> -<a id="page-107" class="pagenum" title="107"></a> -Maria und der Doctor. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es ist Nacht. Die düst’re Lampe scheint;</p> - <p class="verse">Am Bettchen sitzet die Mutter und weint,</p> - <p class="verse">Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind,</p> - <p class="verse">Und im Bettchen liegt das kranke Kind,</p> - <p class="verse">Und erzählt im Fieberbrande</p> - <p class="verse">Vom Engel im weißen Gewande.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und die Mutter ringt sich die Hände wund:</p> - <p class="verse">Mach’ heil’ge Maria mein Kind gesund;</p> - <p class="verse">Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind,</p> - <p class="verse">Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind.</p> - <p class="verse">Ich bau’ auf Deinen Namen,</p> - <p class="verse">So ist es gewißlich, Amen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kaum naht der Tag im Dämmerschein,</p> - <p class="verse">Da trat der gelehrte Doctor herein.</p> - <p class="verse">Der prüfet das Kind allüberall,</p> - <p class="verse">Und schüttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall,</p> - <p class="verse">Den ich nimmer in Praxi erlebt.</p> - <p class="verse">Und verschreibt ein großes Recept.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-108" class="pagenum" title="108"></a> - <p class="verse">D’rauf standen allerhand Sprüchelein</p> - <p class="verse">In Zeichen und Wörtern in Latein;</p> - <p class="verse">Der Apotheker hat d’rüber zwei Stunden geschwitzt,</p> - <p class="verse">Bis alles gestoßen, gemischt und gehitzt.</p> - <p class="verse">Sogleich hat der Trank das Leben</p> - <p class="verse">Dem Kinde zurückgegeben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Mutter in freud’gem Herzensdrang</p> - <p class="verse">Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang,</p> - <p class="verse">Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut,</p> - <p class="verse">Und daß Ihr gerettet mein liebstes Gut;</p> - <p class="verse">Der Himmel in höheren Welten,</p> - <p class="verse">Der mög’ es euch reichlich vergelten!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn,</p> - <p class="verse">Entläßt die Mutter mit frohem Sinn.</p> - <p class="verse">Die aber hurtig schließet sich ein</p> - <p class="verse">In’s heimliche Krankenkämmerlein,</p> - <p class="verse">Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen</p> - <p class="verse">Auf die Knie beim Bette des Kleinen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es ist Nacht, und die düst’re Lampe scheint,</p> - <p class="verse">Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint.</p> - <p class="verse">Warum weinst du Mutter noch himmelwärts,</p> - <p class="verse">Der Doctor hat ja getröstet dein Herz?</p> - <p class="verse">Doch nein, ich will dich nicht fragen:</p> - <p class="verse">Nicht alle Dinge lassen sich sagen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-47"> -<a id="page-109" class="pagenum" title="109"></a> -Des armen Kindes heiliger Christ.<a class="fnote" href="#footnote-10" id="fnote-10">[10]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Nacht war kalt und schaurig –</p> - <p class="verse">Du arme kleine Marie!</p> - <p class="verse">Sie wandert’ allein und traurig,</p> - <p class="verse">Und haucht’ in die Händchen und schrie.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und sinket ermattet nieder,</p> - <p class="verse">Vom Froste starret das Blut.</p> - <p class="verse">„O könnt’ ich die bebenden Glieder</p> - <p class="verse">Beleben in wärmender Gluth!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wie blinket das schöne Gebäude,</p> - <p class="verse">Erleuchtet vom Kerzenschein!</p> - <p class="verse">Da kehrte mit köstlicher Freude</p> - <p class="verse">Der heilige Christ wohl ein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Er kam aus dem Feenlande,</p> - <p class="verse">Mit goldener Kron’ im Haar,</p> - <p class="verse">Im prächtigen Purpurgewande,</p> - <p class="verse">So herrlich und wunderbar.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-110" class="pagenum" title="110"></a> - <p class="verse1">Und bracht’ ein flimmerndes Bäumchen,</p> - <p class="verse">Und Aepfel und Nüsse daran.</p> - <p class="verse">Ach! wer doch beim flimmernden Bäumchen</p> - <p class="verse">Heut’ Abend sich freuen kann!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nichts bracht’ er mir, nichts mir Armen!</p> - <p class="verse">Wie stürmet der brausende Wind!</p> - <p class="verse">Ach, wer, wer hat doch Erbarmen</p> - <p class="verse">Mit dem armen Bettlerkind?“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und wie sie die müden Glieder</p> - <p class="verse">Nun ruhet auf kaltem Stein,</p> - <p class="verse">Und senket die Augenlieder,</p> - <p class="verse">Und schlummert ermattet ein:</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Da kam er zu ihr im Traume,</p> - <p class="verse">Mit goldener Kron’ im Haar,</p> - <p class="verse">Im Kleide mit purpurnem Saume,</p> - <p class="verse">So herrlich und wunderbar.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und schüttete köstliche Gaben,</p> - <p class="verse">Und goldene Früchte aus:</p> - <p class="verse">„Das Alles, Marie, sollst Du haben,</p> - <p class="verse">Willst Du mit mir geh’n in mein Haus.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-111" class="pagenum" title="111"></a> - <p class="verse1">Ich geb’ auch ein Bäumchen mit vielen</p> - <p class="verse">Hell flimmernden Lichtern Dir,</p> - <p class="verse">Und die Engel soll’n mit Dir spielen,</p> - <p class="verse">Komm, liebliches Kind, mit mir.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Da that das Kind Millionen</p> - <p class="verse">Hell leuchtender Lichtchen seh’n,</p> - <p class="verse">Und es denkt, dort muß er wohnen!</p> - <p class="verse">Und es will mit dem Christe geh’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Und als nun die goldene Frühe</p> - <p class="verse">Verscheuchet die schaurige Nacht,</p> - <p class="verse">Da ist die kleine Marie</p> - <p class="verse">Nicht wieder aufgewacht.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-48"> -<a id="page-112" class="pagenum" title="112"></a> -Des Schweizers Heimweh. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ewig Bangen, ewig Sehnen</p> - <p class="verse1">Nach dem theuren Vaterland,</p> - <p class="verse">Nie das Auge ohne Thränen</p> - <p class="verse1">Nach der Ferne hingewandt,</p> - <p class="verse">O wer kühlt mein Gluthverlangen,</p> - <p class="verse">Wer mein Sehnen, wer mein Bangen,</p> - <p class="verse1">Ach, mit jedem Morgen neu!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Bei des Tages erstem Schimmer,</p> - <p class="verse1">Bei der Sonne erstem Blick,</p> - <p class="verse">Freud’ und Leben kehrt doch nimmer</p> - <p class="verse1">In des Schweizers Brust zurück;</p> - <p class="verse">Heerden blöcken, Glöcklein klingen,</p> - <p class="verse">Vöglein, die im Walde singen,</p> - <p class="verse1">Ach, sie können fröhlich sein!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wo die Alpenröschen blühen,</p> - <p class="verse1">Wo am Morgen, herrlich groß,</p> - <p class="verse">Schreckhorn und die Jungfrau glühen,</p> - <p class="verse1">Ach! der Heimath stillen Schooß,</p> - <p class="verse">Könnt’ ich euch, geliebte Höhen,</p> - <p class="verse">Nur noch einmal wiedersehen,</p> - <p class="verse1">Eh’ das arme Herz mir bricht!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-113" class="pagenum" title="113"></a> - <p class="verse">Wo der Aar in reinen Lüften</p> - <p class="verse1">Kühner seine Schwingen hebt,</p> - <p class="verse">Ueber bodenlosen Klüften</p> - <p class="verse1">Ungewohnt der Wandrer bebt,</p> - <p class="verse">Wo von friedlich stillen Matten,</p> - <p class="verse">Bei des Abends kühlen Schatten,</p> - <p class="verse1">Läutend Heerden heimwärts zieh’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn am Abend es sich röthet,</p> - <p class="verse1">Und im still geword’nen Hain</p> - <p class="verse">Nur die Nachtigall noch flötet,</p> - <p class="verse1">O wie bin ich dann allein!</p> - <p class="verse">Hör’ ich ihre sanften Lieder,</p> - <p class="verse">Kehret meine Sehnsucht wieder</p> - <p class="verse1">Und das Herz will mir vergeh’n.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen,</p> - <p class="verse1">Vaterland! Du bist gemeint,</p> - <p class="verse">Land, wo die Schalmeien tönen,</p> - <p class="verse1">Wo mein Liesli um mich weint,</p> - <p class="verse">Du mein Thal, geliebte Höhen,</p> - <p class="verse">Könnt’ ich euch noch einmal sehen,</p> - <p class="verse1">Eh’ das arme Herz mir bricht!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-49"> -<a id="page-114" class="pagenum" title="114"></a> -Der Morgen im Garten. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer</p> - <p class="verse1">Die Blumen blüh’n,</p> - <p class="verse">So sah ich nie im Rosenschimmer</p> - <p class="verse1">Den Garten glüh’n!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie jubelt’s in den blauen Lüften!</p> - <p class="verse1">Der Freude Hauch,</p> - <p class="verse">Er weht in tausend Balsamdüften</p> - <p class="verse1">Vom Blüthenstrauch.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wohl saß ich oft in jener Hütte;</p> - <p class="verse1">Wenngleich allein,</p> - <p class="verse">Konnt’ ich in meiner Blumen Mitte</p> - <p class="verse1">So glücklich sein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und was des Abends stille Feier</p> - <p class="verse1">Zum Herzen sprach,</p> - <p class="verse">Wehmüthig tönte meine Leier</p> - <p class="verse1">Das Echo nach.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-115" class="pagenum" title="115"></a> - <p class="verse">Jetzt weint die Seele vor Entzücken,</p> - <p class="verse1">Zum Himmel steigt</p> - <p class="verse">Sie mit der Rührung feuchten Blicken,</p> - <p class="verse1">Die Lyra schweigt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O gold’ner Morgen, Blick der Liebe</p> - <p class="verse1">Im Lenzgewand,</p> - <p class="verse">Vom Auge ew’ger Huld und Güte</p> - <p class="verse1">Herabgesandt!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie will der Sterbliche Dich singen,</p> - <p class="verse1">Der betend kniet?</p> - <p class="verse">Wenn Weltenharmonie’n erklingen,</p> - <p class="verse1">Dann schweigt mein Lied!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-50"> -<a id="page-116" class="pagenum" title="116"></a> -Am Abend. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Senke Deine gold’nen Flügel,</p> - <p class="verse1">Holder Abend Du,</p> - <p class="verse">Send’ auf Fluren und auf Hügel</p> - <p class="verse1">Stille süße Ruh’!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Milden Trost auf herbe Thränen,</p> - <p class="verse1">Guter Genius;</p> - <p class="verse">Schlägt mein Herz in bangem Sehnen,</p> - <p class="verse1">Deinen Friedenskuß!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Alles ruht in Wonneträumen,</p> - <p class="verse1">Jedes Auge blickt</p> - <p class="verse">Dankbar zu des Himmels Räumen,</p> - <p class="verse1">Der den Frieden schickt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hüll’ auch mich in Deinen Schleier,</p> - <p class="verse1">Seel’ger Abend ein,</p> - <p class="verse">Laß auch mich von Deiner Feier</p> - <p class="verse1">Still gegrüßet sein!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-117" class="pagenum" title="117"></a> - <p class="verse">Dann bring’ ich Dir meine Gabe,</p> - <p class="verse1">Tief von Dank durchglüht,</p> - <p class="verse">Bringe freudig, was ich habe,</p> - <p class="verse1">Dir ein sanftes Lied.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-51"> -<a id="page-118" class="pagenum" title="118"></a> -<span class="firstline">Nach Durchlesung</span><br /> -<em>des vom Herrn Bischof zu Chersones -und apostolischen Vikar, -Johann Theodor Laurent, -bei seinem Amtsantritte in Luxemburg -erlassenen Hirtenbriefes.</em> -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1842. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Was fühl’ ich leis’ in meiner Seele beben?</p> - <p class="verse1">Ist’s Deines Briefes kräft’ger Redefluß?</p> - <p class="verse">Ist’s Deiner Worte prächt’ges Bilderleben?</p> - <p class="verse1">Der Sprache, meiner liebsten, eh’rner Guß?</p> - <p class="verse">Ist’s die Bewund’rung, die ich Deinem Streben?</p> - <p class="verse1">Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß?</p> - <p class="verse">Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen,</p> - <p class="verse">Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten,</p> - <p class="verse1">Dem Himmel nahe, und die Seele frei,</p> - <p class="verse">So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten,</p> - <p class="verse1">Und fernhin klingt die liebliche Schalmei.</p> -<a id="page-119" class="pagenum" title="119"></a> - <p class="verse">Da kommen, die sich früh verloren hatten,</p> - <p class="verse1">Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei.</p> - <p class="verse">Das sind die Töne, jene freien, süßen,</p> - <p class="verse">Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Als ich ihn las, da glaubt’ ich weh’n zu hören,</p> - <p class="verse1">Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt,</p> - <p class="verse">Den ächten Geist, der wie mit Engelchören</p> - <p class="verse1">Durch jedes Deiner frommen Worte klingt,</p> - <p class="verse">Den Silberquell, der aus den gold’nen Röhren</p> - <p class="verse1">Melodisch in das ew’ge Leben springt<a class="fnote" href="#footnote-11" id="fnote-11">[11]</a>, –</p> - <p class="verse">Des Hirten Töne, die zu heil’gen Stufen</p> - <p class="verse">Verirrte Kinder seiner Heerde rufen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen?</p> - <p class="verse1">Kann ich verleugnen, was in’s Herz mir tief</p> - <p class="verse">Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen,</p> - <p class="verse1">Einst an dem heil’gen Ostertage rief?</p> - <p class="verse">Und was mit ew’gem Heile mich zu krönen,</p> - <p class="verse1">Mich auferweckte, als mein Leben schlief?</p> - <p class="verse">Nun ich die Töne hab’ von Dir vernommen,</p> - <p class="verse">Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-52"> -<a id="page-120" class="pagenum" title="120"></a> -Der Katholik. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ich bin ein wahrer Katholik,</p> - <p class="verse">Ich sag’ es frei mit kühnem Blick,</p> - <p class="verse">Ich bin’s nicht blos im Gotteshaus,</p> - <p class="verse">Ich bin es auch im Weltgebraus’;</p> - <p class="verse">Ich leugn’ es nie und nimmermehr,</p> - <p class="verse">Und wär’ der Teufel hinterher:</p> - <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p> - <p class="verse">Zum Lügen hab’ ich kein Geschick;</p> - <p class="verse">Bin ich im Gotteshaus gekniet,</p> - <p class="verse">Was kümmert’s mich, ob’s einer sieht;</p> - <p class="verse">Schwätz’ ich nicht Jedem nach dem Bart,</p> - <p class="verse">Was thut’s? Ist Katholikenart:</p> - <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p> - <p class="verse">D’rauf thu’ ich mir von Herzen dick;</p> - <p class="verse">Der Priester hat’s mich früh gelehrt:</p> - <p class="verse">Daß sich im Sturm der Christ bewährt,</p> - <p class="verse">D’rum, tret’ ich aus dem Gotteshaus,</p> - <p class="verse">Dann ford’r’ ich kühn die Welt heraus:</p> - <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-121" class="pagenum" title="121"></a> - <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik</p> - <p class="verse">In Freud’ und Leid, in Schmerz und Glück,</p> - <p class="verse">Ich bin’s im Friede und im Streit;</p> - <p class="verse">Und wenn der Teufel Feuer speit,</p> - <p class="verse">Und wenn die Welt in Trümmer bricht –</p> - <p class="verse">Ich wanke nicht und weiche nicht:</p> - <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p> - <p class="verse">Nicht blos für einen Augenblick;</p> - <p class="verse">Es geh’ uns gut, es geh’ uns schlecht,</p> - <p class="verse">Ich halte bei katholisch Recht;</p> - <p class="verse">Sag’s jedem Heuchler in’s Gesicht,</p> - <p class="verse">Ein Sohn der Kirche bist du nicht:</p> - <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich bin ein wahrer Katholik,</p> - <p class="verse">Ich bin kein eigennütz’ger Strick,</p> - <p class="verse">Der, wenn der Wind von Norden weht,</p> - <p class="verse">Für Gott und seine Kirche steht,</p> - <p class="verse">Doch wenn der Wind von Süden bläst,</p> - <p class="verse">Gott und die Kirch’ im Stiche läßt:</p> - <p class="verse1">Bei Gott ist meine Hülfe.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-53"> -<a id="page-122" class="pagenum" title="122"></a> -In einer protestantischen Kirche.<a class="fnote" href="#footnote-12" id="fnote-12">[12]</a> -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(Bruchstück aus einem ungedruckten Drama: „Der Katholik“.) -</p> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sieh Vater, offen ist die Thüre, laß</p> - <p class="verse">Zum erstenmal mich eine Kirche sehen.</p> - <p class="verse">Wie herrlich muß es sein in Gottes Hause!</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="d"> -(Sie treten ein.) -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort</p> - <p class="verse">Sich wölben und sich himmelaufwärts heben!</p> - <p class="verse">Sieh, wie die riesig großen Pfeiler streben.</p> - <p class="verse">Man sieht wohl gleich, daß hier ein heil’ger Ort.</p> - <p class="verse">’s ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen.</p> - <p class="verse">Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">O, das Gebäude ist schon alt, mein Sohn!</p> - <p class="verse">In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren,</p> - <p class="verse">Als überall noch Aberglauben herrschte,</p> - <p class="verse">Und alle Leute noch katholisch waren.</p> -<a id="page-123" class="pagenum" title="123"></a> - <p class="verse">Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden,</p> - <p class="verse">Das sie „zu Uns’rer Lieben Frauen“ nannten.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Da waren’s wohl die Heiden, die’s gebaut?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nein, Katholiken haben’s aufgeführt.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Hu, Katholiken! Später, wie ich denke,</p> - <p class="verse">Erhielten wir’s von denen zum Geschenke?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nein, Kind, wir haben’s ihnen weggenommen.</p> - <p class="verse">So ist die Kirche nun auf uns gekommen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Oh! und wer ist denn Uns’re Liebe Frau?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Das ist die heilige Maria, Kind,</p> - <p class="verse">Die Jesum Christum unsern Herrn geboren.</p> - <p class="verse">Die Katholiken glaubten auch an <em>die</em>,</p> - <p class="verse">Und warfen sich vor ihrem Bild’ auf’s Knie.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Maria? Ei so hieß auch meine Mutter,</p> - <p class="verse">D’rum war sie auch so eine liebe Frau,</p> - <p class="verse">Wie ich’s noch heut’ in ihrem Bilde schau’.</p> - <p class="verse">Sie hatte mich so lieb, sie war so milde,</p> -<a id="page-124" class="pagenum" title="124"></a> - <p class="verse">Und d’rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde</p> - <p class="verse">Oft selbst geweint und auf den Knie’n gelegen.</p> - <p class="verse">Doch was mir, Vater, nicht gefällt, das ist,</p> - <p class="verse">Daß hier kein Schmuck und keine Bilder sind.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wir sind ja keine Katholiken, Kind!</p> - <p class="verse">Wir beten nur zu unserm Gott allein,</p> - <p class="verse">Zu keinem Bild, das würde Sünde sein.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Es wär’ auch gar zu dumm, zu Bildern beten,</p> - <p class="verse">Ein Bild kann ja nicht hören und nicht reden.</p> - <p class="verse">Und dennoch ist’s so schön in deiner Stube,</p> - <p class="verse">Wo du die hohen Gäste gern empfängst,</p> - <p class="verse">Auch einsam wohl an meine Mutter denkst.</p> - <p class="verse">Ich weiß, obgleich ich noch ein kleiner Bube,</p> - <p class="verse">Daß mir’s einmal gelang, hinein zu schauen.</p> - <p class="verse">D’rin hängen Bilder, viel, mit gold’nen Rahmen.</p> - <p class="verse">Auch sah ich d’rinnen Uns’re Liebe Frauen,</p> - <p class="verse">Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen.</p> - <p class="verse">Von allen Häusern hätt’ ich auf der Welt</p> - <p class="verse">Mir Gottes Haus am schönsten vorgestellt.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Du mußt nicht denken, daß hier Gottes Wohnung.</p> - <p class="verse">Gott ist an jedem Orte, kein Revier,</p> - <p class="verse">Kein Raum und keine Mauer schließt ihn ein.</p> - <p class="verse">Er ist sowohl in meiner Stub’ als hier.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -<a id="page-125" class="pagenum" title="125"></a> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wenn ich Gott wär’, ich wär’ am liebsten hier,</p> - <p class="verse">Und prächtig schmücken ließ’ ich Alles mir.</p> - <p class="verse">Weißt du noch Vater, als du meiner Mutter</p> - <p class="verse">Die schöne neue Laub’ im Garten bautest,</p> - <p class="verse">Die wir so gern nach ihrem Namen nennen,</p> - <p class="verse">Und die ihr so gefiel, weil du sie <em>ihr</em></p> - <p class="verse">Gewidmet und geschmückt; wo sie am liebsten</p> - <p class="verse">An jedem Abend mit uns Kindern weilte?</p> - <p class="verse">Da weilst du auch nun stets am liebsten, da,</p> - <p class="verse">So sagst du, ist sie dir noch immer nah.</p> - <p class="verse">Ja, wenn ich Gott wär’, unter allen Zonen</p> - <p class="verse">Thät’ ich am liebsten in der Kirche wohnen.</p> - <p class="verse">Da müßten an der Wand und in den Gängen,</p> - <p class="verse">Wie bei’m Papa, die schönsten Bilder hängen,</p> - <p class="verse">Und meine Mutter müßte bei mir sein.</p> - <p class="verse1">Doch was bedeutet das Gefäß von Stein,</p> - <p class="verse">Dicht bei der Thüre zierlich eingemauert?</p> - <p class="verse">Ein Becken scheint’s, um Wasser zu bewahren,</p> - <p class="verse">Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren,</p> - <p class="verse">Denn siehe, einsam haben Spinnen oben</p> - <p class="verse">Die grauen Schleier d’rüber her gewoben.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">’s ist ein Gefäß, aus dem sie Wasser nahmen,</p> - <p class="verse">Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen,</p> - <p class="verse">In Vaters, Sohns und heil’gen Geistes Namen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -<a id="page-126" class="pagenum" title="126"></a> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Warum?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Ich weiß nicht, ’s war so hergebracht,</p> - <p class="verse">Und darum haben wir’s nicht nachgemacht.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sieh, Vater, hier das große Eisengitter,</p> - <p class="verse">Dahinter seh’ ich der Verwüstung Spuren,</p> - <p class="verse">Und Mörtel, Steine, Bretter und Figuren,</p> - <p class="verse">Im Wirrwarr liegt’s vergessen und verlassen.</p> - <p class="verse">Unheimlich dämmrig ist’s an diesem Orte,</p> - <p class="verse">Wär’ ich allein, mich würde Furcht erfassen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Mein Kind, da stand der alte Hochaltar,</p> - <p class="verse">Nebst Tabernakel, wie’s gebräuchlich war.</p> - <p class="verse">Auf eines Heil’gen Grab ein großer Stein,</p> - <p class="verse">Geweiht zum Dienst des heil’gen Opfers ein.</p> - <p class="verse">Mit Blumen reich geschmückt von frommen Händen,</p> - <p class="verse">Und Bildern, Crucifix und Ornamenten;</p> - <p class="verse">Im gold’nen Meßgewand und Cingulum</p> - <p class="verse">Beging der Priester das Mysterium,</p> - <p class="verse">Und Alles büßend sich zur Erde neigte,</p> - <p class="verse">Wenn er die Hostie dem Volke zeigte.</p> - <p class="verse">Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen,</p> - <p class="verse">Ein traurig Denkmal aus vergang’nen Tagen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -<a id="page-127" class="pagenum" title="127"></a> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Sieh, ein zerschlag’ner Arm ist noch zu schauen,</p> - <p class="verse">Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand.</p> - <p class="verse">Wer that das, Vater? Immer sagtest du,</p> - <p class="verse">Altäre seien heilig, und in Ruh’</p> - <p class="verse">Soll man die Gräber und Altäre lassen.</p> - <p class="verse">Du lehrtest mich tief in der Seele grauen,</p> - <p class="verse">Als du erzähltest, wie das Römervolk</p> - <p class="verse">Die christlichen Altäre einst zerschlagen,</p> - <p class="verse">An denen fromme Menschen betend lagen.</p> - <p class="verse">O sicher stürzten dieses Heiligthum</p> - <p class="verse">Die Katholiken oder Römer um.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wir selber, Kind, die Protestanten thaten’s,</p> - <p class="verse">Und der Altar war ein katholischer.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Wie Schade! da erblick’ ich unter Trümmern</p> - <p class="verse">Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt.</p> - <p class="verse">Wie lieblich seine sanften Züge schimmern!</p> - <p class="verse">Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt</p> - <p class="verse">Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen.</p> - <p class="verse">Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Das ist das Bildniß Uns’rer Lieben Frauen.</p> - <p class="verse">Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -<a id="page-128" class="pagenum" title="128"></a> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Laß mich noch einmal dieses Bild beschauen,</p> - <p class="verse">Dann mag der Küster seine Kirche schließen.</p> - <p class="verse">Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen.</p> - <p class="verse">Wie blickt es mich so wunderlieblich an!</p> - <p class="verse">Du liebe Frau, was hast du denn gethan,</p> - <p class="verse">Daß sie dich brachen, und dein Kind zerstießen?</p> - <p class="verse">Gern nähm’ ich’s mit in unser Haus, und träumte:</p> - <p class="verse">Ich sähe meine Mutter, und ich leimte</p> - <p class="verse">Dem Jesuskind’ ein and’res Händchen an.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="d"> -(Der Küster zieht die Thurmglocke.) -</p> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Noch eins! sag’, warum, wenn die Sonne scheidet,</p> - <p class="verse">Die Glocke dreimal drei vom Thurme läutet.</p> - <p class="verse">Es weiß es Niemand, was der Gruß bedeutet.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit.</p> - <p class="verse">Als nämlich Alles noch katholisch war,</p> - <p class="verse">Da hat man so das Angelus geläut.</p> - <p class="verse">Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen,</p> - <p class="verse">Dann nahmen alle Leut’ von jedem Stande,</p> - <p class="verse">Der Städter, wie der Bauer auf dem Lande,</p> - <p class="verse">Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse,</p> - <p class="verse">Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse,</p> -<a id="page-129" class="pagenum" title="129"></a> - <p class="verse">Von ihrem Haupt den Hut, und beteten</p> - <p class="verse">Ein still Gebet zu Uns’rer Lieben Frauen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="d"> -(Das Kind sinkt auf die Knie.) -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Was bet’st du Junge, bist du nicht gescheid?</p> - <p class="verse">Ein protestantisch Kind hier auf den Knien?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Kind. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">O, laß mich beten wie kathol’sche Leut’.</p> - <p class="verse">Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien.</p> - <p class="verse">Laß mich bei Uns’rer Lieben Frauen beten!</p> - <p class="verse">Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten,</p> - <p class="verse">Doch bitt’ ich, Vater, daß ich auf der Erden</p> - <p class="verse">Weit lieber noch ein Katholik soll werden.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="c"> -Vater. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse1">Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern.</p> - <p class="verse">Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="d"> -(Sie verlassen die Kirche.) -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-54"> -<a id="page-130" class="pagenum" title="130"></a> -Maria!<a class="fnote" href="#footnote-13" id="fnote-13">[13]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O Du süßester von allen Namen!</p> - <p class="verse1">Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten,</p> - <p class="verse1">So melodisch, Deine Töne gleiten!</p> - <p class="verse">Wie Accorde, die von jenseits kamen,</p> - <p class="verse1">Die aus unbekannten Herrlichkeiten</p> - <p class="verse">Leise Lüfte zu mir her geleiten, –</p> - <p class="verse">Lieblich, wie ein fernes sel’ges Amen,</p> - <p class="verse1">Tönst Du, Name der Gebenedeiten:</p> - <p class="verse5">Maria.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Dunkel ist die Nacht. Verirrt und müde</p> - <p class="verse1">Hebt empor der Pilger seine Hände,</p> - <p class="verse1">Daß ein Stern ihm Licht und Tröstung sende.</p> - <p class="verse">Da, wie wenn der Osten Purpur sprühte,</p> - <p class="verse1">Wie wenn die Natur in Lieb’ entbrennte,</p> - <p class="verse1">Wie das Morgenroth am Firmamente, –</p> - <p class="verse">Also flammt Dein Nam’ in mein Gemüthe,</p> - <p class="verse1">Und ich nenn’ ihn tausendmal ohn’ Ende:</p> - <p class="verse5">Maria.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-131" class="pagenum" title="131"></a> - <p class="verse">Ja, den Morgen fühl’ ich in mir tagen,</p> - <p class="verse1">Meine Seele glüht in heil’ger Freude,</p> - <p class="verse1">Wenn Du einziehst, lieblichste der Bräute,</p> - <p class="verse">Wie ein Königsweib auf gold’nem Wagen.</p> - <p class="verse1">Meine Blumen steh’n im Festgeschmeide,</p> - <p class="verse1">Alle Berge steh’n in ros’gem Kleide,</p> - <p class="verse">Und die Glocken meines Innern schlagen</p> - <p class="verse1">Ein unendlich liebliches Geläute:</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O Du Heil’ge! Sieh in anderm Bilde</p> - <p class="verse1">(Denn wie Du bist, singen keine Lieder)</p> - <p class="verse1">Nahst Du schöner meiner Seele wieder.</p> - <p class="verse">Nacht und Graus bedecken die Gefilde,</p> - <p class="verse1">Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er</p> - <p class="verse1">Hoch einher der Herr und Weltgebieter, –</p> - <p class="verse">Plötzlich unter Donnerwetter, milde,</p> - <p class="verse1">Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder,</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn ich so die alten Lieder zähle,</p> - <p class="verse1">Die ich frisch, von Melodien durchdrungen,</p> - <p class="verse1">Froh und weinend in die Welt gesungen,</p> - <p class="verse">Fühl’ ich schmerzlich eine schwere Fehle.</p> - <p class="verse1">Wo ein Kranz mir rund und schön gelungen,</p> - <p class="verse1">Für die Welt nur hatt’ ich ihn geschlungen;</p> - <p class="verse">Keiner hat geheiligt meine Seele,</p> - <p class="verse1">Kein Lied, keines ist für Dich erklungen,</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-132" class="pagenum" title="132"></a> - <p class="verse">Sieh, mein Götze war ein ird’sches Lieben,</p> - <p class="verse1">Ruhm und Ehre meine gold’nen Sterne,</p> - <p class="verse1">All mein Dichten, Blüthen ohne Kerne,</p> - <p class="verse">Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben.</p> - <p class="verse1">Deine Bilder hatt’ ich lieb’ und gerne,</p> - <p class="verse1">Doch Du selber bliebst mir ewig ferne.</p> - <p class="verse">Ferne? Nein, Du bist mir nah’ geblieben:</p> - <p class="verse1">Meine Harfe tönt’, ich lausch’, ich lerne:</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun und ewig nur zu <em>Deinem</em> Ruhme,</p> - <p class="verse1">Will ich rauschend meine Saiten schwingen,</p> - <p class="verse1">Will sie <em>Dir</em> zum Weihgeschenke bringen,</p> - <p class="verse">Segne sie zu Deinem Heiligthume!</p> - <p class="verse1">Wenn sich tönend Reim’ um Reime schlingen,</p> - <p class="verse1">Soll <em>Dein</em> süßer Name sie durchklingen,</p> - <p class="verse">Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume,</p> - <p class="verse1">Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen,</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O, ein Psalm ist schon allein Dein Name,</p> - <p class="verse1">Und er tönt in allen Erdenkreisen.</p> - <p class="verse1">Also laß auch mich Dein Sänger heißen,</p> - <p class="verse">Sei Du, Jungfrau, meine heil’ge Dame!</p> - <p class="verse1">Lehr’ mein Lied nur einen einz’gen leisen</p> - <p class="verse1">Wiederhall von jenen Himmelsweisen,</p> - <p class="verse">Meine Stimme, daß sie nicht erlahme,</p> - <p class="verse1">Deine Schönheit für und für zu preisen,</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-133" class="pagenum" title="133"></a> - <p class="verse">Du dagegen wollest für mich bitten!</p> - <p class="verse1">Des Allmächt’gen donnernde Gewalten</p> - <p class="verse1">Hätten längst mein sünd’ges Herz zerspalten,</p> - <p class="verse">Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten.</p> - <p class="verse1">Bitt’ für mich, damit sie gnädig walten,</p> - <p class="verse1">Und den Fluch von meinem Haupte halten!</p> - <p class="verse">Laß zu Jesus sich die Lieb’ inmitten</p> - <p class="verse1">Meiner Seele wie die Blum’ entfalten!</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und zum andern woll’st Du mir erflehen,</p> - <p class="verse1">Daß ich spät und frühe <em>Dein</em> gedenke,</p> - <p class="verse1">Treu und warm Dir meine Andacht schenke,</p> - <p class="verse">Und auf Dich stets meine Augen sehen.</p> - <p class="verse1">Daß <em>Dein</em> liebes Bild sich zu mir senke,</p> - <p class="verse1">Wenn mit Gaukelbildern mir die Ränke</p> - <p class="verse">Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen,</p> - <p class="verse1">Daß ich nimmer Deine Liebe kränke,</p> - <p class="verse5">O Mutter!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte!</p> - <p class="verse1">Ach, ich seh’ Dich mit den bleichen Wangen,</p> - <p class="verse1">Wie die Söldner ihre Geißeln schwangen,</p> - <p class="verse">Seh’ Dich dringen durch die wilde Horde,</p> - <p class="verse1">Und vergeh’n in jammervollem Bangen,</p> - <p class="verse1">Als die heil’gen Lippen: Mutter! klangen,</p> - <p class="verse">Seh’, wie bei dem blut’gen Gottesmorde</p> - <p class="verse1">Dir das Schwert durch’s keusche Herz gegangen,</p> - <p class="verse5">O Mutter!</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-134" class="pagenum" title="134"></a> - <p class="verse">Dennoch gibt dies Wort mir Trost und süßen</p> - <p class="verse1">Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine,</p> - <p class="verse1">Thronst Du ja in ew’gem Glorienscheine,</p> - <p class="verse">Und die Engel ruh’n zu Deinen Füßen.</p> - <p class="verse1">Mutter! o wie ich vor Freude weine,</p> - <p class="verse1">Daß Du, Mutter Gottes, auch die meine,</p> - <p class="verse">Daß ich Dich mit diesem Namen grüßen,</p> - <p class="verse1">Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine:</p> - <p class="verse5">O Mutter!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Bitt’ für mich, bei Deines Sohnes Wunden!</p> - <p class="verse1">Laß nicht seine Liebe von mir weichen,</p> - <p class="verse1">Laß mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen!</p> - <p class="verse">Und dann, in der letzten meiner Stunden,</p> - <p class="verse1">Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen,</p> - <p class="verse1">Daß ich froh Dir mag die Hände reichen,</p> - <p class="verse">Und mein Herz dem ew’gen Licht gesunden,</p> - <p class="verse5">Maria!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-55"> -<a id="page-135" class="pagenum" title="135"></a> -Maria in der Seele.<a class="fnote" href="#footnote-14" id="fnote-14">[14]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O heil’ge Mutter, wie ich mich betrübte,</p> - <p class="verse1">Und mich in Unruh’ quälte Nacht und Tag!</p> - <p class="verse">Eh’ meine Seele Dich, wie jetzo, liebte,</p> - <p class="verse1">Und wie ich Dir’s zu sagen nie vermag!</p> - <p class="verse">Wie fühl’ ich, gleich dem mutterlosen Kinde,</p> - <p class="verse1">Mein ganzes Leben so verwaist, so halb,</p> - <p class="verse">Und wie erbärmlich hab’ ich mit der Sünde</p> - <p class="verse1">Gerungen, gleich dem Schäfer mit dem Alp.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sieh, meine Seele war wie eine Hütte,</p> - <p class="verse1">Die nur mit Mühe noch zusammenhält.</p> - <p class="verse">Der Felsen drohte, daß er sie verschütte,</p> - <p class="verse1">Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt.</p> - <p class="verse">Der Blitz, wie wenn’s den Untergang gegolten,</p> - <p class="verse1">Umzingelte das Haus, und angstgepreßt</p> - <p class="verse">Hielt d’rinnen zitternd, wenn die Donner rollten,</p> - <p class="verse1">Mein Glaube sich an Erdenhülfe fest.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-136" class="pagenum" title="136"></a> - <p class="verse">Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen,</p> - <p class="verse1">Ist meine Seel’ ein königliches Haus.</p> - <p class="verse">Zum Himmel wölben sich die stolzen Bogen,</p> - <p class="verse1">Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus.</p> - <p class="verse">Du wandelst durch die duftigen Gemächer,</p> - <p class="verse1">Darinnen Flöten klingen und Schalmei’n,</p> - <p class="verse">Die Engel steigen nieder auf die Dächer,</p> - <p class="verse1">Und Gottes Sonne scheint durch’s Fenster ’nein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie kam’s doch? Hab’ ich oft zu Dir gebetet,</p> - <p class="verse1">Freiwillig meine Seele Dir geschenkt?</p> - <p class="verse">Hab’ ich mich oft vor Deinem Bild verspätet,</p> - <p class="verse1">In Deine Herrlichkeiten mich versenkt?</p> - <p class="verse">Du Kön’gin, hat mein Herz Dich eingeladen?</p> - <p class="verse1">Rief meine fromme Kühnheit Dich herab?</p> - <p class="verse">Daß Deine Liebe mir so süße Gnaden,</p> - <p class="verse1">So unverdiente Seligkeiten gab?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ach nein, Maria, Du bist ungebeten,</p> - <p class="verse1">Und aus Erbarmen mit des Sünders Last,</p> - <p class="verse">In meiner Seele dunkles Haus getreten;</p> - <p class="verse1">In Scham erglüht sie vor dem hohen Gast.</p> - <p class="verse">Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen,</p> - <p class="verse1">Du hast’s gefunden, o wie wohl ist mir!</p> - <p class="verse">Nun mag der Sturm weh’n und die Hölle fluchen,</p> - <p class="verse1">Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-137" class="pagenum" title="137"></a> - <p class="verse">Dies Herz – Dein Frieden, Heilige, bewohnt es,</p> - <p class="verse1">Und Du zerstreutest seine Angst und Qual.</p> - <p class="verse">Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes,</p> - <p class="verse1">Erfreut es sich an Deinem milden Strahl.</p> - <p class="verse">O Heil’ge, bleibe bei mir jetzt und immer!</p> - <p class="verse1">Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht,</p> - <p class="verse">Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer,</p> - <p class="verse1">Und führe rettend mich zum ew’gen Licht!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-56"> -<a id="page-138" class="pagenum" title="138"></a> -Die Verfolgung. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Halt ein! ihr Schergen diabol’scher Mächte,</p> - <p class="verse1">Was soll das wüste Waidwerk Tag für Tag?</p> - <p class="verse">Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte,</p> - <p class="verse1">Vernichten könnt’t ihr ihn mit Einem Schlag.</p> - <p class="verse">Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte,</p> - <p class="verse1">Der ihm den weißen Schädel spalten mag?</p> - <p class="verse">Ich ruf’ euch zu mit aufgehob’nen Händen:</p> - <p class="verse">Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schänden!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne</p> - <p class="verse1">Jagt ihr das Wildpret über Berg und Thal;</p> - <p class="verse">Gefangen schleppt ihr’s in die Fleischerschirne,</p> - <p class="verse1">Und freut euch wohlgefällig seiner Qual.</p> - <p class="verse">Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne,</p> - <p class="verse1">Woraus er lachend die Vernunft euch stahl.</p> - <p class="verse">Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jäger.</p> - <p class="verse">Pfui! dreimal pfui für solche Würdenträger!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch hört! vielleicht noch respectirt ihr Schranken,</p> - <p class="verse1">Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb.</p> - <p class="verse">Ein Klang aus frühern Jahren, der dem kranken,</p> - <p class="verse1">Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. –</p> -<a id="page-139" class="pagenum" title="139"></a> - <p class="verse">Dann thut es diesem einzigen Gedanken,</p> - <p class="verse1">Thut’s dem, was euch noch heilig ist, zu lieb:</p> - <p class="verse">Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde,</p> - <p class="verse">Gebt das Signal und koppelt eure Hunde!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und thut ihr’s nicht, so höret mit Entsetzen,</p> - <p class="verse1">Was dann geschieht, ich sag’s euch, ich, ein Greis.</p> - <p class="verse">Ihr denkt, das Wild würd’ sich zur Wehre setzen,</p> - <p class="verse1">Mit Nimrod kämpfen die verfolgte Geis;</p> - <p class="verse">In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen,</p> - <p class="verse1">Und Rettung suchen um des Lebens Preis?</p> - <p class="verse">Wir würden euch, wie Tilly einst den Schwed’schen,</p> - <p class="verse">Den Zorn mit blut’gen Worten zukartätschen?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Aufspringen, denkt ihr, würden die Ementen,</p> - <p class="verse1">Und rächend hoch auf Barricaden steh’n,</p> - <p class="verse">Die Glaubensbanner unter Sturmesläuten,</p> - <p class="verse1">Wie Oriflammen, von den Bergen weh’n,</p> - <p class="verse">Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbräuten,</p> - <p class="verse1">In Kampf und Tod für uns’re Kirche geh’n.</p> - <p class="verse">Ihr denkt’s? dann denkt es auch mit allen Schauern,</p> - <p class="verse">Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen,</p> - <p class="verse1">Dem Hirsch, der stumm und ohn’ Empfindung scheint.</p> - <p class="verse">Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen,</p> - <p class="verse1">Und tödtlich ihn verwundet hat der Feind,</p> -<a id="page-140" class="pagenum" title="140"></a> - <p class="verse">Dann läßt er hör’n ein leises süßes Klagen,</p> - <p class="verse1">Und was er nie gekonnt und that: er weint.</p> - <p class="verse">So leiden wir, so weinen wir und klagen,</p> - <p class="verse">Wenn eure Bleie uns in’s Leben schlagen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen,</p> - <p class="verse1">Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor.</p> - <p class="verse">Wenn eure Flüch’ hinab zur Hölle steigen,</p> - <p class="verse1">Dringt uns’re Stimme bis zu Gottes Ohr.</p> - <p class="verse">Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen,</p> - <p class="verse1">Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor.</p> - <p class="verse">Gott schreibt sie in die großen Jagdannalen,</p> - <p class="verse">Um Wild und Jäger einst den Lohn zu zahlen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">’s war eine Zeit – vielleicht in stillen Nächten</p> - <p class="verse1">Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt;</p> - <p class="verse">Es war die Zeit, eh’ ihr von finstern Mächten</p> - <p class="verse1">Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zückt,</p> - <p class="verse">Eh’ ihr’s gelernt, mit Gott und Kirche rechten,</p> - <p class="verse1">Und eh’ der Satan euern Geist berückt –</p> - <p class="verse">Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten,</p> - <p class="verse">Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ein festlich majestätisches Geläute</p> - <p class="verse1">Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus.</p> - <p class="verse">Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute,</p> - <p class="verse1">Ihr trugt, wie’s Brauch ist, einen Blumenstrauß;</p> -<a id="page-141" class="pagenum" title="141"></a> - <p class="verse">Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude,</p> - <p class="verse1">Sah euch die Unschuld aus dem Aug’ heraus –</p> - <p class="verse">Und ihr gelobtet euch im Sacramente</p> - <p class="verse">Dem lieben Heiland bis an’s Lebensende.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Noch seh’ ich euch am Tisch des Herren essen,</p> - <p class="verse1">Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt.</p> - <p class="verse">Noch seh’ ich euch die keuschen Lippen pressen</p> - <p class="verse1">Auf’s Kruzifix in eurer reinen Hand.</p> - <p class="verse">O sagt, habt ihr die Thräne ganz vergessen,</p> - <p class="verse1">Die damals euch im frommen Auge stand?</p> - <p class="verse">Wie weit ist’s doch, seit jenen schönen Tagen</p> - <p class="verse">Bis zu dem heut’gen mörderischen Jagen?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande,</p> - <p class="verse1">So denkt an jenen einz’gen heil’gen Tag –</p> - <p class="verse">Und dann – schlagt zu! dann laßt sie los, die Bande,</p> - <p class="verse1">Dann schießt und mordet durch Gebüsch und Hag.</p> - <p class="verse">Noch nie gab’s so viel Edelwild im Lande,</p> - <p class="verse1">Ein Jagen, wo’s geduldiger erlag.</p> - <p class="verse">Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir’s nicht gelinder!</p> - <p class="verse">Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-57"> -<a id="page-142" class="pagenum" title="142"></a> -1848. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren,</p> - <p class="verse1">Durchwühlt die Völker, wie ein brausend Meer.</p> - <p class="verse">Prophetenstimmen aus verklung’nen Jahren</p> - <p class="verse1">Zieh’n wie Posaunentöne vor ihm her.</p> - <p class="verse">Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren</p> - <p class="verse1">Und die Empörung schwingt den blut’gen Speer.</p> - <p class="verse">Es ist ein Toben und ein wildes Kämpfen,</p> - <p class="verse">Als wälzte sich die Zeit in schweren Krämpfen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wer ist der Steuermann in solchen Wettern,</p> - <p class="verse1">Wer ist der Geist, der über’n Wassern schwebt?</p> - <p class="verse">Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern</p> - <p class="verse1">Maschinenmäßig durch die Wellen hebt?</p> - <p class="verse">Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern</p> - <p class="verse1">Sich in die Weichen der Empörung gräbt?</p> - <p class="verse">Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten,</p> - <p class="verse">Gibt uns ein Machtwort den verlor’nen Frieden?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wohl mag ein <em>Stern</em> uns aus den Wogen retten,</p> - <p class="verse1">Doch keiner, der auf Uniformen blinkt,</p> - <p class="verse">Wohl eine <em>Hand</em> vermag uns warm zu betten,</p> - <p class="verse1">Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt.</p> -<a id="page-143" class="pagenum" title="143"></a> - <p class="verse">Und für das Schiff gibt’s neue, sich’re Ketten,</p> - <p class="verse1">Doch keine, die uns um die Freiheit bringt.</p> - <p class="verse">Wo Geister kämpfen mit der wilden Brandung,</p> - <p class="verse">Führt nur ein Geist die Ringenden zur Landung.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der <em>Stern</em>, die <span class="antiqua">Stella maris</span>, die wir kennen,</p> - <p class="verse1">Wir seh’n ihn hehr und schön vom Himmel schauen,</p> - <p class="verse">’s ist kein Pilot, der ihn nicht weiß zu nennen,</p> - <p class="verse1">Den süßen Namen Uns’rer Lieben Frauen.</p> - <p class="verse">Wo gibt’s Fanale, die so glänzend brennen,</p> - <p class="verse1">Wenn uns die Nacht umfängt und Tod und Grauen?</p> - <p class="verse">Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen</p> - <p class="verse">Die Wogen ihre stolzen Häupter neigen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die <em>Hand</em>, das ist die Hand der Braut des Herren,</p> - <p class="verse1">Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt,</p> - <p class="verse">Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren,</p> - <p class="verse1">Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt,</p> - <p class="verse">Und, daß die Wogen ihn nicht abwärts zerren,</p> - <p class="verse1">Den Segen ihres hohen Bräut’gams reicht.</p> - <p class="verse">Wo <em>diese</em> Hand regiert, von Gottes wegen,</p> - <p class="verse">Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die <em>Kette</em>, die es hält für alle Zeiten,</p> - <p class="verse1">Reicht von der Erde in die Ewigkeit,</p> - <p class="verse">Die Kette zweier Welten, die in beiden</p> - <p class="verse1">Uns zur Gemeinschaft aller Heil’gen reiht –</p> -<a id="page-144" class="pagenum" title="144"></a> - <p class="verse">Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden,</p> - <p class="verse1">In Nacht und Trübsal, Gnad’ und Herrlichkeit –</p> - <p class="verse">Das ist die Kette von Demant und Eisen,</p> - <p class="verse">Die keine Stürme dieser Welt zerreißen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O süßer Meerstern, der vom Himmel d’roben</p> - <p class="verse1">So mild und freundlich auf uns niederschaut,</p> - <p class="verse">O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben,</p> - <p class="verse1">Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut,</p> - <p class="verse">O diamantnes Band, von Gott gewoben, –</p> - <p class="verse1">Ja, wenn es uns in Nacht und Stürmen graut –</p> - <p class="verse">Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben,</p> - <p class="verse">Wir glauben noch, denn <em>ihr</em> seid uns geblieben.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-58"> -<a id="page-145" class="pagenum" title="145"></a> -Komm! -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O komm, still’ unser heißestes Verlangen,</p> - <p class="verse1">O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick;</p> - <p class="verse">O wüßtest Du nur unsers Herzens Bangen,</p> - <p class="verse1">Längst wärst Du bei den Trauernden zurück.</p> - <p class="verse">Mit Dir ist Fried’ und Freud’ hinausgezogen;</p> - <p class="verse1">Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glück.</p> - <p class="verse">So harrt die Braut nicht ihres Auserwählten,</p> - <p class="verse">Wie wir bisher die Tag’ und Stunden zählten.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O komm, o komm, ein Jammer ist’s im Lande;</p> - <p class="verse1">Seitdem Du gingst, war’s eine schwere Zeit,</p> - <p class="verse">Ein Hurrah über’s and’re schreit die Bande,</p> - <p class="verse1">Der Teufel machte sich noch nie so breit;</p> - <p class="verse">Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte,</p> - <p class="verse1">Hat Dir schon manch Gebet geweiht.</p> - <p class="verse">O komm, du kannst’s ja, von Sanct Peter’s Stufen,</p> - <p class="verse">Hat Dir es Pius freundlich zugerufen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O komm, Dir harren tausend Herzen:</p> - <p class="verse1">Die Kirche mit der Glocken Jubelton,</p> - <p class="verse">Die Hochaltäre mit dem Schmuck der Kerzen,</p> - <p class="verse1">Die Gläub’gen mit Gesang und Prozession;</p> -<a id="page-146" class="pagenum" title="146"></a> - <p class="verse">Empfang’ die Lieb’ als Balsam Deiner Schmerzen,</p> - <p class="verse1">Und für die uns’rigen sei Du der Lohn,</p> - <p class="verse">Damit uns so, mit Gott verbunden,</p> - <p class="verse">Das Leid vergeht, vernarben uns’re Wunden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten,</p> - <p class="verse1">Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt?</p> - <p class="verse">Der Vater weiß, mit welchen Trotzgewalten</p> - <p class="verse1">Der böse Geist sich Dir entgegenstemmt;</p> - <p class="verse">Doch wenn die Kinder ihre Händchen falten</p> - <p class="verse1">Und Abends fragen, wann ihr Bischof kömmt,</p> - <p class="verse">Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen.</p> - <p class="verse">Das Kind entschläft, die Mutter wacht in Sorgen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O komm, steh, alle Tage wird es trüber,</p> - <p class="verse1">Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab,</p> - <p class="verse">Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorüber,</p> - <p class="verse1">Kein Retter uns erschien, der Frieden gab.</p> - <p class="verse">So komm denn Du, den Hermelin wirf über,</p> - <p class="verse1">Gebiet dem Sturm mit Deinem gold’nen Stab,</p> - <p class="verse">Laß auf die Wogen, die wir bang durchlenken,</p> - <p class="verse">Sich Dein gewohnter Segen niedersenken.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-59"> -<a id="page-147" class="pagenum" title="147"></a> -Das Marienbild zu Rimini. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1850. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wunder! Leben gießt sich in das Todte.</p> - <p class="verse1">Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist,</p> - <p class="verse">Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote</p> - <p class="verse1">Die Gesetze der Natur zerreißt.</p> - <p class="verse">Seht, das Auge öffnet sich und milde</p> - <p class="verse1">Strahlt es den unmittelbaren Gruß,</p> - <p class="verse">Und das Volk fällt nieder vor dem Bilde –</p> - <p class="verse4"><span class="antiqua">Signa dantur infidelibus</span>.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun vom Volk zu des Allmächt’gen Throne</p> - <p class="verse1">Hebt der Blick der Heiligen sich empor.</p> - <p class="verse">„Gott allein die Ehr’ und seinem Sohne,</p> - <p class="verse1">Der zur Himmelskön’gin mich erkor!“</p> - <p class="verse"><span class="antiqua">Sursum corda!</span> und zum Herrn und Meister,</p> - <p class="verse1">Mit des Auges seligstem Erguß,</p> - <p class="verse">Reißt sie aufwärts die erschrock’nen Geister –</p> - <p class="verse4"><span class="antiqua">Signa dantur infidelibus</span>.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-148" class="pagenum" title="148"></a> - <p class="verse">D’rauf der Heil’gen Auge senkt sich nieder,</p> - <p class="verse1">Und zurück zu Staube sinkt das Erz,</p> - <p class="verse">Und das Volk wird seiner Sünde wieder,</p> - <p class="verse1">Seines Fluchs bewußt das Menschenherz.</p> - <p class="verse">Laßt uns beten, beten tief im Staube:</p> - <p class="verse1">„Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fuß.“</p> - <p class="verse">Laßt uns einig sein in Lieb’ und Glaube –</p> - <p class="verse4"><span class="antiqua">Signa dantur infidelibus</span>.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-60"> -<a id="page-149" class="pagenum" title="149"></a> -An Maria. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O Maria, laß gelingen,</p> - <p class="verse1">Und sei meine Helferin,</p> - <p class="verse">Laß mich gut und recht vollbringen,</p> - <p class="verse1">Was ich jetzt gesonnen bin.</p> - <p class="verse">Mutter Gottes, alle Tage</p> - <p class="verse1">Warst Du bei mir, sonst und jetzt,</p> - <p class="verse">Und ich habe keine Klage,</p> - <p class="verse1">Daß Du mich verlassen hätt’st.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hilf mir auch bei diesem Werke,</p> - <p class="verse1">Gib, wofern Du mich noch liebst,</p> - <p class="verse">Daß ich mir die Winke merke,</p> - <p class="verse1">Die Du deinem Diener gibst.</p> - <p class="verse">Wenn’s dann geht, wie ich begehre,</p> - <p class="verse1">Dann sei Dir das Werk geweiht,</p> - <p class="verse">Dir allein zu Ruhmes Ehre,</p> - <p class="verse1">Mutter aller Herrlichkeit.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-61"> -<a id="page-150" class="pagenum" title="150"></a> -<span class="firstline">Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel,</span><br /> -<em>Direktor des Jünglingsvereines</em>, -zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, -vom Vereine gewidmet. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn ringsumher die Bösen uns umschleichen,</p> - <p class="verse1">Dem Löwen gleich, der seine Beute sucht;</p> - <p class="verse">Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen;</p> - <p class="verse1">Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht;</p> - <p class="verse">Wenn Brüder, statt die Hände sich zu reichen,</p> - <p class="verse1">Im Hasse einer wild dem andern flucht –</p> - <p class="verse">Wohin mit deinem süßen Himmelstriebe,</p> - <p class="verse">Wohin willst du dich flüchten, heil’ge Liebe?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn ringsumher die Völker sich befehden,</p> - <p class="verse1">Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt;</p> - <p class="verse">Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden</p> - <p class="verse1">Der Tod aus tausend Feuerschlünden singt,</p> - <p class="verse">Und, wo noch jüngst des Friedens Palmen wehten,</p> - <p class="verse1">Der Haß die Fackel der Vernichtung schwingt –</p> - <p class="verse">O Liebe dann, zu welchen Freiheitsstätten</p> - <p class="verse">Willst du, der flücht’gen Taube gleich, dich retten?</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-151" class="pagenum" title="151"></a> - <p class="verse">Da öffnen sich die großen Geisterhallen,</p> - <p class="verse1">Die ein Granit auf seinem Haupte trägt,</p> - <p class="verse">Wo ewig neu die Wogen niederprallen</p> - <p class="verse1">Der Brandung, die an ihre Mauern schlägt.</p> - <p class="verse">Dort ist die Stätte, dorthin magst du wallen,</p> - <p class="verse1">Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt,</p> - <p class="verse">Wo keine Ketten dich der Erde binden,</p> - <p class="verse">O süße Liebe, deine Ruhe finden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und hat dies heil’ge Dach zur rechten Stunde</p> - <p class="verse1">Auch uns vereinigt, eine junge Schaar,</p> - <p class="verse">Zu Lieb’ und Treu’, zu brüderlichem Bunde,</p> - <p class="verse1">Ein Obdach gegen Sturm und Tod’sgefahr:</p> - <p class="verse">So drängt es sich vom Herzen nach dem Munde,</p> - <p class="verse1">Zu danken dem, der unser Leitstern war,</p> - <p class="verse">Der uns’rer Seelen träges Feuer schürte,</p> - <p class="verse">Und uns zum Tempel heil’ger Liebe führte.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und alle Gnaden, die wir uns erwerben,</p> - <p class="verse1">Und jeder Blick vom lieben Jesuskind;</p> - <p class="verse">Und jede Huld, im Leben und im Sterben,</p> - <p class="verse1">Die aus den Händen der Maria rinnt,</p> - <p class="verse">Und jede Rettung, die aus dem Verderben</p> - <p class="verse1">Der heil’ge Joseph unserm Bund gewinnt,</p> - <p class="verse">Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet,</p> - <p class="verse">Sei dankbar unserm Führer zugewendet.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-62"> -<a id="page-152" class="pagenum" title="152"></a> -Lied für den Jünglingsverein. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1854. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Im Waffenkleid, in blankem Stahl</p> - <p class="verse1">Vom Kopf bis zu den Waden,</p> - <p class="verse">Umsteh’n den tapfern General</p> - <p class="verse1">Die muthigen Soldaten.</p> - <p class="verse">Im Auge blitzt der Heldenmuth,</p> - <p class="verse1">Verachtung für die Schande.</p> - <p class="verse">Sie rufen laut – und schwenken den Hut –</p> - <p class="verse1">Ein Hoch! dem Vaterlande.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und Hoch! dem General, der sie</p> - <p class="verse1">So oft ins Feld geführet,</p> - <p class="verse">Und gegen manche Schlachtbatt’rie</p> - <p class="verse1">Die Truppen commandiret.</p> - <p class="verse">Der sitzt mit seinem Ordensband</p> - <p class="verse1">Auf seinem stolzen Pferde,</p> - <p class="verse">Und dankt, an seinem Hut die Hand,</p> - <p class="verse1">Mit freudiger Geberde.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-153" class="pagenum" title="153"></a> - <p class="verse">Auch <em>wir</em> sind eine stärk’re Armee,</p> - <p class="verse1">Als manche Contingente.</p> - <p class="verse">Es hängt uns zwar kein Portepee,</p> - <p class="verse1">Kein Schwert um uns’re Lende;</p> - <p class="verse">Doch unser Schwert und uns’re Wehr,</p> - <p class="verse1">Das ist der gute Glaube,</p> - <p class="verse">Der heil’ge Schutz von Oben her</p> - <p class="verse1">Ist uns’re Pickelhaube.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auch unser Herz durchglüht der Muth,</p> - <p class="verse1">Auch wir verachten die Schande,</p> - <p class="verse">Und rufen auch – und schwenken den Hut –</p> - <p class="verse1">Ein Hoch! dem Vaterlande.</p> - <p class="verse">Das ist noch größer als Oesterreich,</p> - <p class="verse1">Als Preußenland und Polen,</p> - <p class="verse">Man mißt’s nicht aus, und lief man gleich</p> - <p class="verse1">Auf Siebenmeilen-Sohlen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und alle Menschen wohnen d’rin,</p> - <p class="verse1">Die Großen und die Kleinen,</p> - <p class="verse">Das Land umschließt als Hüterin</p> - <p class="verse1">Eine Mauer von Edelsteinen.</p> - <p class="verse">Und unser Herrgott hat gesagt:</p> - <p class="verse1">Mit Stürmen und Gewittern</p> - <p class="verse">Soll nicht die Hölle, wenn sie’s wagt,</p> - <p class="verse1">Dies Vaterland erschüttern.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-154" class="pagenum" title="154"></a> - <p class="verse">Es leb’ auch hoch der General,</p> - <p class="verse1">Der uns zu Felde führet,</p> - <p class="verse">Und der uns nicht zum ersten Mal</p> - <p class="verse1">Zum Kampfe commandiret.</p> - <p class="verse">Der sitzt nicht mit dem Ordensband</p> - <p class="verse1">Auf einem stolzen Pferde:</p> - <p class="verse">Er trägt ein einfach schwarz Gewand</p> - <p class="verse1">Und geht auf rauher Erde.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nicht streng ist sein Commandowort,</p> - <p class="verse1">Es dringt aus sanfter Kehle,</p> - <p class="verse">Und dennoch reißt’s wie Sturmwind fort,</p> - <p class="verse1">Und dringt uns durch die Seele.</p> - <p class="verse">Er droht uns nicht mit Haft und Strang,</p> - <p class="verse1">Der Feind nur kriegt die Hiebe,</p> - <p class="verse">Und unser ganzes Reglement</p> - <p class="verse1">Ist guter Will’ und Liebe.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sein Hauptquartier und Marschallzelt</p> - <p class="verse1">Ist eine stille Klause,</p> - <p class="verse">Dort stünd’ ein jeder, wenn es gält’,</p> - <p class="verse1">Als Schildwach vor dem Hause.</p> - <p class="verse">Wir halten bei ihm allzumal,</p> - <p class="verse1">Im Frieden wie im Streite.</p> - <p class="verse">Es lebe unser Feldmarschall</p> - <p class="verse1">In seinem Ordenskleide.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-63"> -<a id="page-155" class="pagenum" title="155"></a> -<span class="firstline">Der Jünglingsverein an seinen Director,</span><br /> -<em>bei dessen Abreise nach Rom</em>, -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -am 10. April 1855.<a class="fnote" href="#footnote-15" id="fnote-15">[15]</a> -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Großer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land</p> - <p class="verse">Bringen uns die frohe Kunde, daß der Herr vom Tod erstand.</p> - <p class="verse">Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur,</p> - <p class="verse">Wird’s lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O das ist ein Tag, da läßt sich wohl verwinden manches Weh,</p> - <p class="verse">Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frühlingsschnee.</p> - <p class="verse">Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thräne hell und klar,</p> - <p class="verse">Das ist der verwund’ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-156" class="pagenum" title="156"></a> - <p class="verse">Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein,</p> - <p class="verse">Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih’n.</p> - <p class="verse">Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib’ uns nah!</p> - <p class="verse">Deiner Kinder hier im Lande denk’ im Land Italia!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn,</p> - <p class="verse">Schaukelst auf der Ströme Wellen, oder auf des Meeres Plan,</p> - <p class="verse">Wandelst auf dem welschen Boden, unter’m blauen Himmelszelt,</p> - <p class="verse">Oder durch die ew’gen Hallen in der großen Stadt der Welt: –</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit,</p> - <p class="verse">Und die Heil’gen, die wir rufen, steh’n als Garde Dir zur Seit’.</p> - <p class="verse">Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus,</p> - <p class="verse">Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfüllt ist Deine Pflicht,</p> - <p class="verse">Heim aus Roma’s Herrlichkeiten, heimzukehren zögre nicht.</p> - <p class="verse">Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst,</p> - <p class="verse">Dann vergiß nicht Deiner Durst’gen, daß Du ihnen Labung bringst.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-157" class="pagenum" title="157"></a> - <p class="verse">O dann zählen wir die Stunden, wo das Boot die Räder schlägt,</p> - <p class="verse">Das, vom lauen Süd beflügelt, den Geliebten zu uns trägt.</p> - <p class="verse">Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer.</p> - <p class="verse">Zögre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Segne uns noch, eh’ Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist,</p> - <p class="verse">Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil’gen Geist.</p> - <p class="verse">Dann leb’ wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand,</p> - <p class="verse">Daß sie aus der Fern’ uns leite, reich uns deine theure Hand.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-64"> -<a id="page-158" class="pagenum" title="158"></a> -Der Lehrer an seine Schüler. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es ist ein heilig Band, das um die Herzen</p> - <p class="verse">Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar</p> - <p class="verse">Die Wissenschaften und die Künste winden –</p> - <p class="verse">Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergänglich,</p> - <p class="verse">Wenn die Gemüther sich einander finden.</p> - <p class="verse">Dies Band zu weben, sind geheime Geister</p> - <p class="verse">Mit raschen Händen früh und spät geschäftig.</p> - <p class="verse">Bald kommen sie auf Sternenhöh’n des Glaubens,</p> - <p class="verse">Die nicht des Menschen Auge schauen kann;</p> - <p class="verse">Bald aus den Räumen der geschaffenen</p> - <p class="verse">Naturwelt, die sein kühner Blick durchdringet;</p> - <p class="verse">Bald aus den Tiefen der Philosophie;</p> - <p class="verse">Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen,</p> - <p class="verse">Die der Verstand zur Harmonie gezwungen:</p> - <p class="verse">Bald aus des Alterthums entleg’nen Welten,</p> - <p class="verse">Von denen Weise jener Tage melden;</p> - <p class="verse">Bald aus den Wäldern weit entfernter Zonen,</p> - <p class="verse">Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-159" class="pagenum" title="159"></a> - <p class="verse">So kommen sie, mit alt’ und neuem Leben,</p> - <p class="verse">Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen,</p> - <p class="verse">Aus allen Elementen, um zu helfen,</p> - <p class="verse">Geheimnißvoll der Liebe Band zu weben.</p> - <p class="verse">Doch kenn’ ich zwei von jenen kleinen Webern,</p> - <p class="verse">Gar sehr geschäftig, mächtig, flink Geschwister.</p> - <p class="verse">Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge,</p> - <p class="verse">Von reichem und harmonischem Gemüthe, –</p> - <p class="verse">Die Schwester, eine schöne Himmelsblüthe,</p> - <p class="verse">Die einst als Mädchen aus der Fremde kam,</p> - <p class="verse">Mit einem Füllhorn überird’scher Gaben.</p> - <p class="verse">Die erste trägt die Tafeln der Gesetze,</p> - <p class="verse">Wonach die Muttersprache tönt und klingt;</p> - <p class="verse">Die and’re mit dem Amaltheahorne,</p> - <p class="verse">Sie trägt die gold’nen Schlüssel zu dem Borne,</p> - <p class="verse">Aus welchem in melod’schen Wellen</p> - <p class="verse">Die Lieder uns’rer Dichter quellen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Was hab’ ich diesen Schwestern zu verdanken,</p> - <p class="verse">Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen</p> - <p class="verse">Die Früchte und die Lieb’ umranken,</p> - <p class="verse">Die sich so schön in diesem Strauße zeigen?</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Dann bin ich glücklich, denn, wie jene Schwestern,</p> - <p class="verse">Zu allen Zeiten, heut’ wie gestern,</p> - <p class="verse">Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt:</p> -<a id="page-160" class="pagenum" title="160"></a> - <p class="verse">So wird auch immer leben, was sie schufen,</p> - <p class="verse">Und oft den Freund, der ferne von euch geht,</p> - <p class="verse">Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht,</p> - <p class="verse">In euer liebendes Gedächtniß rufen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Lebt wohl, ich dank euch für die schönen Stunden,</p> - <p class="verse">Wo ihr der Muttersprache Melodien</p> - <p class="verse">Ein freundlich und empfänglich Ohr geliehen, –</p> - <p class="verse">Wo ich für kurze Zeit das Glück gefunden,</p> - <p class="verse">Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen,</p> - <p class="verse">In der wir manchen schönen Strauß gebunden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Lebt wohl, und laßt der Welt ihr eitles Treiben!</p> - <p class="verse">Was uns verknüpft, muß ewig bleiben!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter firstline" id="chapter-0-65"> -<a id="page-161" class="pagenum" title="161"></a> -<span class="firstline">Epilog nach der Preisevertheilung</span><br /> -<em>im K.-G. Athenäum zu Luxemburg</em> -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -am 21. August 1853. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Verklungen sind die brausenden Accorde,</p> - <p class="verse1">Die durch den glanzerfüllten Saal getönt;</p> - <p class="verse">Verhallt die Lieder, die gewalt’gen Worte,</p> - <p class="verse1">Und all der Pomp, der dieses Fest verschönt.</p> - <p class="verse">Es schließt Athene ihres Tempels Pforte,</p> - <p class="verse1">Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrönt,</p> - <p class="verse">Und unter’m Jubel ist entzückter Wogen</p> - <p class="verse">Das hohe Fürstenpaar dahin gezogen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wir fragen, ist es Täuschung nur gewesen?</p> - <p class="verse1">War’s nur ein Traum aus dem romant’schen Land?</p> - <p class="verse">Und haben wir ein Mährchen nur von Wesen,</p> - <p class="verse1">Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt,</p> - <p class="verse">Vom „Mädchen aus der Fremde“ nur gelesen,</p> - <p class="verse1">Die den Geliebten ihres Herzens fand,</p> - <p class="verse">Und nun beglückend Alles, die Beglückte,</p> - <p class="verse">Mit Lorbern uns’rer Söhne Häupter schmückte?</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-162" class="pagenum" title="162"></a> - <p class="verse">Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren,</p> - <p class="verse1">Daß Aug’ und Herz sich selber nicht mehr trau’n,</p> - <p class="verse">Wenn ungetrübt mit seligem Verklären</p> - <p class="verse1">Entzückungs-Stern’ in uns’re Thäler schau’n.</p> - <p class="verse">Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mähren,</p> - <p class="verse1">Nicht eine Königin der Elfenfrau’n –</p> - <p class="verse">Sie selber sind’s, und uns’re Herzen brennen,</p> - <p class="verse">Vor Freude, daß wir sie die unsern nennen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden,</p> - <p class="verse1">Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein!</p> - <p class="verse">Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden</p> - <p class="verse1">Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein?</p> - <p class="verse">Herbei ihr Künste, die den flücht’gen Stunden</p> - <p class="verse1">Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih’n!</p> - <p class="verse">Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette,</p> - <p class="verse">Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Malt mir ein Meisterbild – euch wird zum Lohne</p> - <p class="verse1">Ein Ruhm, der durch’s Jahrhundert wiederhallt –</p> - <p class="verse">Malt mir auf sammtgeschmücktem Blumenthrone</p> - <p class="verse1">Ein Wesen von ätherischer Gestalt,</p> - <p class="verse">Ein fürstlich Weib, und aller Frauen Krone.</p> - <p class="verse1">Der Schönheit majestätische Gewalt</p> - <p class="verse">Laßt mit der Anmuth Grazie sich vereinen,</p> - <p class="verse">Und über sie der Jugend Frühling scheinen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-163" class="pagenum" title="163"></a> - <p class="verse">Malt ihr zur Seite, mit der bärt’gen Wange</p> - <p class="verse1">Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn,</p> - <p class="verse">Den Admiral von königlichem Range,</p> - <p class="verse1">Der uns’re Flagge, wenn Gefahren droh’n,</p> - <p class="verse">Vertheidigt in der Stürme wildem Drange,</p> - <p class="verse1">Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn,</p> - <p class="verse">Dann laßt sich über beide Huldgestalten</p> - <p class="verse">Der Gattenliebe milden Glanz entfalten.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Malt mir das Paar von seinem Hof’ umgeben,</p> - <p class="verse1">Und von der Würdenträger dichter Schaar –</p> - <p class="verse">Von Haus und Kirch’ und Staat ein buntes Leben –</p> - <p class="verse1">Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar.</p> - <p class="verse">Laßt Sterne sich und Kreuze blitzend weben</p> - <p class="verse1">In Seid’ und Sammt, auf Kriegskleid und Talar,</p> - <p class="verse">Und legt in all die Augen und Gesichter</p> - <p class="verse">Der patriotischen Begeist’rung Lichter.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Dann laßt die Wände beim Fanfarenschalle</p> - <p class="verse1">Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau’n.</p> - <p class="verse">Bevölkert mir die schön geschmückte Halle</p> - <p class="verse1">Mit einem Meer von Jünglingen und Frau’n,</p> - <p class="verse">Mit tausend Köpfen, jung und frisch, die alle</p> - <p class="verse1">Entzückt hinauf zum Fürstenpaare schau’n –</p> - <p class="verse">Und über’s Ganze laßt der Sonne Strahlen</p> - <p class="verse">Durch’s off’ne Fenster eine Glorie malen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-164" class="pagenum" title="164"></a> - <p class="verse">Doch jetzt – verstummt sind die Orchesterklänge –</p> - <p class="verse1">Die Palme winkt, um die die Jugend stritt –</p> - <p class="verse">Und siehe, zagend aus der bunten Menge</p> - <p class="verse1">Ein schmucker Jüngling nach dem andern tritt.</p> - <p class="verse">Sein Auge glänzt, die Brust wird ihm zu enge,</p> - <p class="verse1">Zur Fürstin lenkt er ungewohnt den Schritt,</p> - <p class="verse">Und dem Erglüh’nden reichen ihre Hände</p> - <p class="verse">Mit Grazie der Athene Lorberspende.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen –</p> - <p class="verse1">Ein and’res Reich gehört dem Sänger zu,</p> - <p class="verse">Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen,</p> - <p class="verse1">Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du.</p> - <p class="verse">Das Geisterreich, wo die Gefühle ringen,</p> - <p class="verse1">Ist uns’rer Brust geheimnißvolle Truh.</p> - <p class="verse">Die Thräne kann kein Pinsel wiedergeben –</p> - <p class="verse">Was sie gebar, kann nur im Liede leben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O diese Thrän’, ich sah sie blitzend scheinen</p> - <p class="verse1">Aus deinem Auge, Jüngling, saphirblau;</p> - <p class="verse">Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen,</p> - <p class="verse1">Als man ihn krönte, du glücksel’ge Frau.</p> - <p class="verse">Verhüll’ sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen –</p> - <p class="verse1">Der stolzen Mutterliebe selt’ner Thau.</p> - <p class="verse">Mit solchen Perlen mag sich keine messen,</p> - <p class="verse">Die dir Tragödien durch die Wimper pressen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-165" class="pagenum" title="165"></a> - <p class="verse">Auch Vater du? o eine Manneszähre</p> - <p class="verse1">Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand.</p> - <p class="verse">Zerdrück sie nicht, du würd’ger Greis, und wehre</p> - <p class="verse1">Dich nicht gewaltsam, wenn’s dich übermannt,</p> - <p class="verse">Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere,</p> - <p class="verse1">Das kein ohnmächtig Wort der Sitte bannt,</p> - <p class="verse">Dein altes Herz, im Fundament erschüttert,</p> - <p class="verse">Unter’m Ungestüm des Augenblicks erzittert.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege</p> - <p class="verse1">Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht,</p> - <p class="verse">Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege</p> - <p class="verse1">Mit seiner Leidenschaften wilder Macht</p> - <p class="verse">Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege,</p> - <p class="verse1">Und nun – nach all der Zweifel banger Nacht –</p> - <p class="verse">Die reiche Ernte mit den gold’nen Halmen,</p> - <p class="verse">Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wenn ich Dir, erhab’ne Fürstin, heute,</p> - <p class="verse1">Was uns’re Seele hat so tief bewegt,</p> - <p class="verse">In Deinen mütterlichen Klängen deute,</p> - <p class="verse1">Kühn will ich’s sagen, was die mein’ge hegt:</p> - <p class="verse">Wird Dir einst eine Bürgschaft Deiner Freude,</p> - <p class="verse1">Ein süßes Pfand der Lieb’ an’s Herz gelegt,</p> - <p class="verse">Dann wird’s darin mit Flötenstimmen tönen:</p> - <p class="verse">Nur Elternfreude mag die Welt verschönen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-66"> -<a id="page-166" class="pagenum" title="166"></a> -(Nach gegebenen Endreimen.) -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Herzen knüpfen schneller ein Bündniß, als die <em>Staaten</em>. –</p> - <p class="verse">Ein junger Gärtner machte im Garten den <em>Besuch</em>,</p> - <p class="verse">Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund’nem <em>Tuch</em>,</p> - <p class="verse">Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den <em>Spaten</em>.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Rosentöpfe standen gereiht auf der <em>Estrade</em></p> - <p class="verse">Nah’ bei dem Strom – da plötzlich, jenseits am andern <em>Strand</em>,</p> - <p class="verse">Erschien ein lieblich Mägdlein, die bunte Kränze <em>wand</em>.</p> - <p class="verse">Er warf ihr eine Rose hinüber an’s <em>Gestade</em>.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Das Kind war schön – so malet kein Pinsel, keine <em>Kreide</em> –</p> - <p class="verse">Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blüthen<em>duft</em>.</p> - <p class="verse">Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein <em>Schuft</em>,</p> - <p class="verse">Sah ich in meinem Leben ’ne schön’re Augen<em>weide</em>.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne <em>Stricke</em>,</p> - <p class="verse">Sie steckt’ in ihre Flechten die Ros’ aus seinem <em>Topf</em>,</p> - <p class="verse">So ward der Bund geschlossen – die Ros’ in ihrem <em>Zopf</em></p> - <p class="verse">Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und <em>Brücke</em>.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-67"> -<a id="page-167" class="pagenum" title="167"></a> -An P. Klein’s Grabe. -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(15. Oktober 1855.) -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder,</p> - <p class="verse1">Das Herz voll Hoffnung, das Gemüth so traut!</p> - <p class="verse">Und nun erstarrt die Augen, die so bieder,</p> - <p class="verse1">So froh und gläubig in die Welt geschaut!</p> - <p class="verse">Leb’ wohl, o Freund – schon rollt die Scholle nieder –</p> - <p class="verse1">Leb’ wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut</p> - <p class="verse">Hör’ ich den letzten ird’schen Klang verschweben</p> - <p class="verse">Von Deinem reichen und geliebten Leben!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch wen beklag’ ich? Wenn <em>uns</em> Todesmahnen</p> - <p class="verse1">Und Klagelieder hier am Grab’ umweh’n;</p> - <p class="verse">Wenn Deine Schüler mit beflorten Fahnen,</p> - <p class="verse1">Mit Thränen Deine Freunde Dich umsteh’n –</p> - <p class="verse">Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen,</p> - <p class="verse1">Ein freud’ger Held, dem Ziel entgegengeh’n.</p> - <p class="verse">Und rein die Freude droben zu erfassen,</p> - <p class="verse">Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-168" class="pagenum" title="168"></a> - <p class="verse">Dort ist erfüllt Dein Sehnen und Verlangen.</p> - <p class="verse1">Was Du hier unten träumtest halbbewußt,</p> - <p class="verse">Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen.</p> - <p class="verse1">Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust,</p> - <p class="verse">Die hier nur unverständlich in Dir klangen,</p> - <p class="verse1">Die Ideale Deiner Dichterbrust.</p> - <p class="verse">Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden,</p> - <p class="verse">Wird eine Krone Dir im ewg’en Frieden.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Leb’ wohl! Wir seh’n Dich – wenn im finstern Thale</p> - <p class="verse1">Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt –</p> - <p class="verse">Wir seh’n Dich wieder, wenn im Abendstrahle,</p> - <p class="verse1">Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt.</p> - <p class="verse">Vielleicht ist’s bald, vielleicht zum nächsten Male!</p> - <p class="verse1">O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt:</p> - <p class="verse">Daß wir wie Du gerungen und geworben,</p> - <p class="verse">Daß wir wie Du gelebt, wie Du gestorben.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-68"> -<a id="page-169" class="pagenum" title="169"></a> -Die Schutzengel. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Vor einem Muttergottes-Bilde</p> - <p class="verse1">Lag im Gebet ein frommer Mann,</p> - <p class="verse">Empfehlend ihrer Lieb’ und Milde</p> - <p class="verse1">Vor Allem seine Kinder an.</p> - <p class="verse">Du Quell so vieler Gnadengaben,</p> - <p class="verse1">Sprach er, sei ihre Helferin,</p> - <p class="verse">Und nimm die beiden kleinen Knaben</p> - <p class="verse1">Als Deine eig’nen Kinder hin.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Daß ihnen nichts zu Leid geschehe,</p> - <p class="verse1">Erleuchte sie mit Deinem Strahl.</p> - <p class="verse">Bewahre sie vor Schmerz und Wehe,</p> - <p class="verse1">Vor Fall und Krankheit allzumal.</p> - <p class="verse">Vor Allem aber ihre Seele</p> - <p class="verse1">Laß, Heilge, Dir empfohlen sein.</p> - <p class="verse">Bewahre sie vor jeder Fehle,</p> - <p class="verse1">Flöß’ ihnen Deine Liebe ein,</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-170" class="pagenum" title="170"></a> - <p class="verse">Maria hört die fromme Bitte,</p> - <p class="verse1">Die ihr ein Engel übergab,</p> - <p class="verse">Und ordnet aus der Engel Mitte</p> - <p class="verse1">Zwei himmlische Gesandten ab.</p> - <p class="verse">Geht hin und thut, wie ich euch heiße,</p> - <p class="verse1">Damit erfüllt die Bitte sei.</p> - <p class="verse">Gesellt euch still in eurer Weise</p> - <p class="verse1">Den Geistern jener Knaben bei.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun höret, was darauf geschehen,</p> - <p class="verse1">Der Kindlein Vater hat’s geschaut,</p> - <p class="verse">Ein And’rer hätt’s auch nicht gesehen,</p> - <p class="verse1">Der nicht auf sein Gebet vertraut, –</p> - <p class="verse">All überall, wo die Knaben waren,</p> - <p class="verse1">Da standen ihnen Engel nah’.</p> - <p class="verse">Und immer waren in Gefahren</p> - <p class="verse1">Zwei unsichtbare Hände da.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Kleinste baut sich Kartenhäuser,</p> - <p class="verse1">Und siehe keines fällt ihm ein;</p> - <p class="verse">Der Aelt’ste, schon ein wenig weiser,</p> - <p class="verse1">Baut ein Kapellchen sich von Stein.</p> - <p class="verse">Als hälfen Meister und Gesellen,</p> - <p class="verse1">So hurtig war das Werk gethan.</p> - <p class="verse">Er klebt’ in Mitten der Kapellen</p> - <p class="verse1">Ein Muttergottes-Bildchen an.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-171" class="pagenum" title="171"></a> - <p class="verse">Mit Steinen spielen sie, und stellen</p> - <p class="verse1">Die bunten Steinchen in die Reih’ –</p> - <p class="verse">Die schönsten Kiesel aus den Wellen,</p> - <p class="verse1">Sie kommen wie von selbst herbei.</p> - <p class="verse">Der Ball fliegt an die hohen Wände,</p> - <p class="verse1">Und in die Bäum’ auf gutes Glück –</p> - <p class="verse">Doch werfen unsichtbare Hände</p> - <p class="verse1">Den Knaben ihren Ball zurück.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sie spielen Reiter und sie jagen</p> - <p class="verse1">In’s Feld und über Stock und Stein,</p> - <p class="verse">Als würden sie im Flug getragen –</p> - <p class="verse1">Ein And’rer bräche Hals und Bein.</p> - <p class="verse">Der eine fiel auf Fels herunter,</p> - <p class="verse1">Und gab sich einen Todesstreich,</p> - <p class="verse">Ein Engel hielt seine Händchen d’runter,</p> - <p class="verse1">Das Kind fiel wie auf Moos, so weich.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ja, wenn die beiden Knaben spielten,</p> - <p class="verse1">So war’s, als wären ihrer vier,</p> - <p class="verse">Zwei Brüder schützten sie und hielten</p> - <p class="verse1">Den einen dort, den andern hier,</p> - <p class="verse">Und als der and’re, dem’s gerathen,</p> - <p class="verse1">Ein Zündholz strich, allein im Haus,</p> - <p class="verse">Da bliesen ihm die Kameraden</p> - <p class="verse1">Ein jedesmal die Flamme aus.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-172" class="pagenum" title="172"></a> - <p class="verse">Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen,</p> - <p class="verse1">Doch sieh, ich weiß nicht, wie’s geschah –</p> - <p class="verse">Das erste Wort von ihren Zungen,</p> - <p class="verse1">Das war der Name Maria.</p> - <p class="verse">Vermuthlich haben die Kameraden</p> - <p class="verse1">Sie auch dies erste Wort gelehrt,</p> - <p class="verse">Und so der Mutter Gottes Gnaden</p> - <p class="verse1">An diesen Kindern neu bewährt.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-69"> -<a id="page-173" class="pagenum" title="173"></a> -Der Cölibat. -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Also gefällst Du mir, wenn die Soutane,</p> - <p class="verse1">Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt,</p> - <p class="verse">Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne</p> - <p class="verse1">Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt,</p> - <p class="verse">Und wenn Dein Blick begeist’rungsvoll der Fahne,</p> - <p class="verse1">Die der Erlöser schwingt, entgegenfliegt;</p> - <p class="verse">Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen,</p> - <p class="verse">Zum Dienst des Heil’gen dorthin zu gelangen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet,</p> - <p class="verse1">Doch nicht die Welt, an die die Welt gewöhnt,</p> - <p class="verse">Zu heil’gen Bergen wirst Du hingeleitet,</p> - <p class="verse1">Die kein Pallast der Residenz verschönt;</p> - <p class="verse">Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet,</p> - <p class="verse1">Und wo sein Horn das Thal herniedertönt;</p> - <p class="verse">Dort steig’ hinauf, in’s freie Reich der Geister,</p> - <p class="verse">Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-174" class="pagenum" title="174"></a> - <p class="verse">Denn auf der Höh’ des Lebens steht der Priester;</p> - <p class="verse1">Um seinen Scheitel glänzt des Frühroths Strahl;</p> - <p class="verse">Den Schrein des Himmels öffnet und erschließt er,</p> - <p class="verse1">Und speis’t die Gläub’gen mit dem Opfermahl,</p> - <p class="verse">Und wie der frische Thau des Morgens gießt er</p> - <p class="verse1">Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal,</p> - <p class="verse">Und alle Gläub’gen sich verneigend beben,</p> - <p class="verse">Wenn seine Händ’ empor die Hostie heben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen,</p> - <p class="verse1">Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab;</p> - <p class="verse">Es mag sich ferner zu der Liebe neigen,</p> - <p class="verse1">Der Gott die Heiligung in Christo gab,</p> - <p class="verse">Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen,</p> - <p class="verse1">Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab:</p> - <p class="verse">Ein einz’ges nur von allen schönen Loosen</p> - <p class="verse">Mußt Du zurück in die Entsagung stoßen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet,</p> - <p class="verse1">Zum Sakramente hat’s sein Wort gemacht,</p> - <p class="verse">Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet,</p> - <p class="verse1">Wenn’s fromm im Geiste Gottes wird vollbracht;</p> - <p class="verse">Ein süßer Reiz, dem schon Dein Blick begegnet,</p> - <p class="verse1">Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht;</p> - <p class="verse">Den stärksten Fürsten irdischer Gewalten</p> - <p class="verse">Sollst Du mit stärkerm Fuß im Staube halten.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-175" class="pagenum" title="175"></a> - <p class="verse">Die milde Liebe sollst Du stumm verachten,</p> - <p class="verse1">Auf ihre Zauber stolz herniederseh’n;</p> - <p class="verse">Vergeblich soll mit ihrem süßen Schmachten,</p> - <p class="verse1">Sie an der Pforte Deiner Seele steh’n;</p> - <p class="verse">Ein ros’ges Glück sollst Du im Herzen schlachten,</p> - <p class="verse1">An seiner Wonne kalt vorübergeh’n;</p> - <p class="verse">Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen,</p> - <p class="verse">Was wir der Erde höchste Schätze nennen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kein schönes Auge soll Dein Herz durchdringen,</p> - <p class="verse1">Kein süßer Traum, der Deine Seel’ umspinnt;</p> - <p class="verse">Kein schöner Arm sich um den Dein’gen schlingen,</p> - <p class="verse1">Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,</p> - <p class="verse">Von keiner Lippe Dir melodisch klingen</p> - <p class="verse1">Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt,</p> - <p class="verse">Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt</p> - <p class="verse">An einem Glück, das uns entzückt und heiligt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen,</p> - <p class="verse1">So sollst auch Du, ein jungfräulicher Mann,</p> - <p class="verse">Hinauf zu seinem heil’gen Dienste fliegen,</p> - <p class="verse1">Ein freier Jüngling, den kein Weib gewann,</p> - <p class="verse">Dem nie die Sehnsucht nach verbot’nen Siegen</p> - <p class="verse1">In feigen Thränen vom Gesichte rann,</p> - <p class="verse">Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben,</p> - <p class="verse">Nicht allzufrüh der Creatur gegeben.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-176" class="pagenum" title="176"></a> - <p class="verse">Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren,</p> - <p class="verse1">Ein jungfräuliches Weib der Perle gleich;</p> - <p class="verse">Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren,</p> - <p class="verse1">Gleichwie die Lotosblum’ auf Hesper’s Teich.</p> - <p class="verse">Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen,</p> - <p class="verse1">Bekriegst das Fleisch und seiner Lüste Reich,</p> - <p class="verse">Schmückst Deine Seele mit den Myrthenzweigen:</p> - <p class="verse">So magst Du auf zu jenen Höhen steigen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert:</p> - <p class="verse1">So lang’ Dein Puls dem Weib entgegenschlägt,</p> - <p class="verse">So lang’ die Flamm’ in Deinem Blute lodert,</p> - <p class="verse1">Die losgelassen Dich in Asche legt,</p> - <p class="verse">So lang’ die gift’ge Lust noch unvermodert</p> - <p class="verse1">Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt:</p> - <p class="verse">Magst Du mit Laien sein und beten,</p> - <p class="verse">Doch nimmermehr zum Tabernakel treten.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Zwar sind’s nur wenige, die so hoch berufen,</p> - <p class="verse1">Doch wenn auch <em>einer</em> nur, der also denkt,</p> - <p class="verse">Ein einz’ger Priester, der an heil’gen Stufen</p> - <p class="verse1">Die ird’sche Liebe hinter sich versenkt,</p> - <p class="verse">Den frei von Schuld die Hände Gottes schufen,</p> - <p class="verse1">Zu Gott die jungfräuliche Seele lenkt:</p> - <p class="verse">Sie sollen strömen aus entfernten Zonen,</p> - <p class="verse">Um seinem reinen Opfer beizuwohnen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-177" class="pagenum" title="177"></a> - <p class="verse">Wohl soll ein schönes Auge Dich durchdringen,</p> - <p class="verse1">Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt,</p> - <p class="verse">Ein schönes Weib soll Deine Seel’ umschlingen,</p> - <p class="verse1">Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt,</p> - <p class="verse">Von ihren Lippen wird’s melodisch klingen:</p> - <p class="verse1">Du bist mein Bräutigam, mein Kind!</p> - <p class="verse">Um <em>diese</em> Heil’ge sollst Du frei’n und werben,</p> - <p class="verse">Dann wird Dein Herz in Wonn’ und Liebe sterben.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auch jene Worte sollen Dich entzücken,</p> - <p class="verse1">Die mir der Knab’ auf meinen Knien lallt:</p> - <p class="verse">Denk Dir die Seele, die sich ließ berücken,</p> - <p class="verse1">Die sich von Gott gewendet, todt und kalt –</p> - <p class="verse">Du kannst mit neuem Leben sie beglücken,</p> - <p class="verse1">Und im Triumph, mit geistiger Gewalt,</p> - <p class="verse">Aus ihrer Nacht zu jenen gold’nen Thüren</p> - <p class="verse">Der Gnade und des Lichts zurückeführen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wenn dann jene Seel’ in sanftem Weinen,</p> - <p class="verse1">Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt,</p> - <p class="verse">Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen,</p> - <p class="verse1">Entzückt in jubelndem Gebete liegt:</p> - <p class="verse">Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen,</p> - <p class="verse1">Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt,</p> - <p class="verse">Dein neugebor’nes Kind, dem Du das Leben,</p> - <p class="verse">Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-178" class="pagenum" title="178"></a> - <p class="verse">Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande,</p> - <p class="verse1">Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Führer zeigt?</p> - <p class="verse">Früh morgens, eh’ noch hinterm Alpenrande</p> - <p class="verse1">Empor die schöne Fackel Gottes steigt;</p> - <p class="verse">Wenn rings noch still, in nächtlichem Gewande,</p> - <p class="verse1">Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt,</p> - <p class="verse">Glüht still und einsam, wie in Andachtwonne</p> - <p class="verse">Die Jungfrau dort im frühen Kuß der Sonne.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Also dort oben, auf der Menschheit Höhen,</p> - <p class="verse1">Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt,</p> - <p class="verse">Dort oben, wo die rein’ren Lüfte wehen,</p> - <p class="verse1">Und wo sich keine Sorge hin versteigt,</p> - <p class="verse">Sollst Du ein <em>jungfräulicher</em> Priester stehen,</p> - <p class="verse1">Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt;</p> - <p class="verse">Wie jene Alpe soll in heil’gen Frühen</p> - <p class="verse">Ein jungfräulicher Glanz Dein Haupt umglühen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-70"> -<a id="page-179" class="pagenum" title="179"></a> -Arion. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1850. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen,</p> - <p class="verse">Stolz kommen die Segel einhergezogen</p> - <p class="verse1">Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand.</p> - <p class="verse">Sie bringen den Freund dem Freunde wieder,</p> - <p class="verse">Dem König den Sänger der göttlichen Lieder,</p> - <p class="verse1">Sie führen Arion zum Heimathland.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hoch steht er am Bord im Abendglanze,</p> - <p class="verse">Sein Blick folgt träumend dem Wellentanze,</p> - <p class="verse1">Schon seit zwei Tagen verließ er Tarent.</p> - <p class="verse">„O Freund! daß dich nicht mehr die Sorge berücke!</p> - <p class="verse">Nun kehr’ ich dir wieder im größten Glücke,</p> - <p class="verse1">Mit Schätzen, wie sie kein König kennt.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da sieht er die Wolken den Himmel umdüstern,</p> - <p class="verse">Und höret der Schiffer heimliches Flüstern.</p> - <p class="verse1">In die grollenden Fluthen ruft er hinab:</p> - <p class="verse">„Poseidon, schütz’ uns, du Wogendränger!</p> - <p class="verse">Poseidon, du mächtiger, schütze den Sänger,</p> - <p class="verse1">Und laß mir in heiliger Erde mein Grab!“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Jetzt plötzlich heran tritt der Schiffer Rotte:</p> - <p class="verse">„Und willst du erhört sein vom nahenden Gotte,</p> - <p class="verse1">So tödte dich selbst an des Schiffes Bord.</p> -<a id="page-180" class="pagenum" title="180"></a> - <p class="verse">Uns verlangt nach den Schätzen, die wir geladen,</p> - <p class="verse">Lebendig wirst du uns dem König verrathen,</p> - <p class="verse1">Den Leichnam bringen wir sicher in Port.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und jener bittet und flehet vergebens.</p> - <p class="verse">„Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens?</p> - <p class="verse1">Und soll ich verderben auf einsamer Fluth?</p> - <p class="verse">So gebt mir mein Festgewand, laßt mich mit Tönen</p> - <p class="verse">Begrüßen den Tod und den Hades versöhnen,</p> - <p class="verse1">Und wenn ich gesungen, dann ströme mein Blut.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die eben noch unerbittlich waren –</p> - <p class="verse">Arion zu hören, reizt die Barbaren.</p> - <p class="verse1">Er kleidet sich d’rauf in köstlich Gewand.</p> - <p class="verse">Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare,</p> - <p class="verse">Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare,</p> - <p class="verse1">So steht er, die Cither in seiner Hand.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Rauschet meine letzten Klänge!</p> - <p class="verse">Rauschet wie Triumphgesänge</p> - <p class="verse1">Meiner Lieder schönstes Lied!</p> - <p class="verse">Kühn, wie zu des Himmels Bogen</p> - <p class="verse1">Sturmbewegt die Welle flieht,</p> - <p class="verse">Schlage deine großen Wogen,</p> - <p class="verse1">Jubelharmonienmeer,</p> - <p class="verse1">Majestätisch um mich her!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Denn ich geh’ zu meinen Göttern.</p> - <p class="verse">In des Sturmes Donnerwettern</p> - <p class="verse1">Grüßen sie Arion schon.</p> -<a id="page-181" class="pagenum" title="181"></a> - <p class="verse">Durch der Wogen wildes Brausen</p> - <p class="verse1">Hör’ ich Orpheus süßen Ton.</p> - <p class="verse">Hin, wo uns’re Helden hausen,</p> - <p class="verse1">Sink’ ich, hellumstrahlt vom Ruhm,</p> - <p class="verse1">Selig in’s Elysium.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Rauschet, meiner Cither Klänge,</p> - <p class="verse">Rauschet, wie Triumphgesänge,</p> - <p class="verse1">Meiner Lieder letztes Lied!</p> - <p class="verse">Du Thalassa, die den Bogen</p> - <p class="verse1">Um der Menschen Länder zieht,</p> - <p class="verse">Schlage deine großen Wogen,</p> - <p class="verse1">Wie ein Harmonienmeer,</p> - <p class="verse1">Majestätisch um mich her!“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun springt er hinaus in der Wellen Toben,</p> - <p class="verse">Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben.</p> - <p class="verse1">Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel’,</p> - <p class="verse">Umschwimmen erstaunt, und umhüpfen munter</p> - <p class="verse">Der bläulichen See lebendige Wunder,</p> - <p class="verse1">Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rücken,</p> - <p class="verse">So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzücken</p> - <p class="verse1">Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch.</p> - <p class="verse">Als der Fährmann kommt zu Tänaros Strande,</p> - <p class="verse">Da steiget Arion gerettet zum Lande. –</p> - <p class="verse1">Der Sänger steht in der Götter Hut.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-71"> -<a id="page-182" class="pagenum" title="182"></a> -Militär-Toast. -</h2> - -</div> - -<p class="year"> -1850. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wie glänzt der Tisch im festlichen Gepränge,</p> - <p class="verse2">Geschütz erschallt, das Echo hallt,</p> - <p class="verse2">Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt,</p> - <p class="verse">Und vom Orchester strömen lust’ge Klänge,</p> - <p class="verse">Wer sagt’s noch, daß das Herz ihm schwer und enge?</p> - <p class="verse1">Wer sagt’s, wer wagt’s? Hurrah, die Augen blinken!</p> - <p class="verse1">Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken,</p> - <p class="verse1">Und laßt’s ihn aus bis auf den Boden trinken!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze?</p> - <p class="verse2">Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal,</p> - <p class="verse2">Und allzumal die Lust im Saal.</p> - <p class="verse">Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze?</p> - <p class="verse">Wer schlägt für ihn sein Blut nicht in die Schanze?</p> - <p class="verse1">Wer sagt’s, wer wagt’s? Hurrah, auf von den Sitzen,</p> - <p class="verse1">Und füllt die Gläser mit den gold’nen Blitzen,</p> - <p class="verse1">Gebt das Signal den donnernden Geschützen.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-183" class="pagenum" title="183"></a> - <p class="verse">Gott grüß dich, Vaterland, du uns’re Wiege!</p> - <p class="verse2">Das Auge glüht, die Seele sprüht,</p> - <p class="verse2">Das Herz durchzieht ein heilig Lied!</p> - <p class="verse">Gott schütze dich im Frieden und im Kriege!</p> - <p class="verse">Wer schmäht dich, deinen Ruhm und deine Siege?</p> - <p class="verse1">Wer sagt’s, wer wagt’s? Hurrah, die Hand zum Stahle!</p> - <p class="verse1">Und füllt mit schaum’gen Regen die Pokale,</p> - <p class="verse1">Hoch lebe Preußen, hoch! im Siegesstrahle!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen</p> - <p class="verse2">Vom Memelstrand bis hier in’s Land,</p> - <p class="verse2">Ein einiges Band, ’ne einz’ge Hand –</p> - <p class="verse">So steh’n wir auf, werth uns’rer tapfern Ahnen!</p> - <p class="verse">Wem ist sein Blut noch lieb für deine Fahnen?</p> - <p class="verse1">Wer sagt’s, wer wagt’s? Hurrah, Tod sei der Schande,</p> - <p class="verse1">Und laßt die Gläser schäumen bis zum Rande:</p> - <p class="verse1">Treu unserm König und dem Vaterlande!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir wählen;</p> - <p class="verse2">Vom Feind bedroht, vom Brand umloh’t,</p> - <p class="verse2">In Sturm und Noth, bis in den Tod,</p> - <p class="verse">Soll Fürst und Land auf seine Söhne zählen.</p> - <p class="verse">Wer zweifelt an dem Schwur von Männerseelen!</p> - <p class="verse1">Wer sagt’s, wer wagt’s? Wer will uns dort verdammen?</p> - <p class="verse1">Reicht mir den Becher mit den gold’nen Flammen;</p> - <p class="verse1">Wir bleiben treu, und bräch’ die Welt zusammen.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-72"> -<a id="page-184" class="pagenum" title="184"></a> -Ein Geister-Ständchen. -</h2> - -</div> - -<p class="u subt"> -Zum sechzigjährigen Dienstjubiläum<br /> -Sr. Exc. des Herrn Militär-Gouverneurs,<br /> -Generals der Cavallerie,<br /> -<em>von Wedell</em>,<br /> -zu Luxemburg, am 15. April 1856. -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Nacht war still, kein Lüftchen ging,</p> - <p class="verse">Es war zwölf Uhr, und am Himmel hing</p> - <p class="verse1">Der Mond wie eine bleiche Laterne.</p> - <p class="verse">Die Welt schlief fest, kein Laut war wach,</p> - <p class="verse">Als die knarrende Fahne vom Kirchendach</p> - <p class="verse1">Und der Posten Ruf in der Ferne.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da plötzlich tönt von der Schloßwacht her</p> - <p class="verse">Ein lautes Werda, sie tritt in’s Gewehr –</p> - <p class="verse1">D’rauf ein Rasseln und Rauschen ohn’ Ende –</p> - <p class="verse">Ein blut’ges Regiment, ein bleiches Corps,</p> - <p class="verse">Als kämen sie just aus den Gräbern hervor,</p> - <p class="verse1">Dringt über den Fischmarkt behende.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-185" class="pagenum" title="185"></a> - <p class="verse">Mit Büchsen und Flinten, mit Lanz’ und mit Schwert</p> - <p class="verse">Das trippelt und trappelt, zu Fuß und zu Pferd,</p> - <p class="verse1">Und stehet nicht Antwort und Rede.</p> - <p class="verse">Sie drängen sich links, sie wissen wohin,</p> - <p class="verse">Und schwenken sich auf vor St. Maximin,</p> - <p class="verse1">Ein junger Major an der Tete.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sie tragen von allerhand Farben Gewand,</p> - <p class="verse">Und Keinem ist die Montirung bekannt</p> - <p class="verse1">Der blutigen Geisterschaaren.</p> - <p class="verse">Auf Manchen hängt sie in Fetzen nur –</p> - <p class="verse">Doch trägt der Major die Parade-Montur</p> - <p class="verse1">Der brandenburg’schen Husaren –</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und trägt auf der Brust, wie als er noch stritt,</p> - <p class="verse">Das stattliche Ordenskreuz <span class="antiqua">pour le mérite</span>,</p> - <p class="verse1">Mit der kleinen Krone von Perlen.</p> - <p class="verse">D’ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt,</p> - <p class="verse">Als er todt da lag am Ostseestrand,</p> - <p class="verse1">Zerfetzt von den dänischen Kerlen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und er winkt, der Trompeter bläst zum Appell,</p> - <p class="verse">Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell,</p> - <p class="verse1">Und erheben die blut’ge Standarte.</p> - <p class="verse">Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf,</p> - <p class="verse">Und es treten hervor aus dem düstern Hauf,</p> - <p class="verse1">Die man dort im Sande verscharrte.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-186" class="pagenum" title="186"></a> - <p class="verse">Beim Ruf <em>Dodendorf</em> vor die Fronte tritt</p> - <p class="verse">Diezelsky, geschmückt mit dem Kreuz du mérite,</p> - <p class="verse1">Auch Stössel und Voigt auf den Rossen,</p> - <p class="verse">Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant,</p> - <p class="verse">Mit dem Parlamentärtuch in seiner Hand,</p> - <p class="verse1">Den sie meuchlerisch todt geschossen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf,</p> - <p class="verse">Sie reiten herbei auf leichtem Huf –</p> - <p class="verse1">Zerhau’ne, verweg’ne Gesichter.</p> - <p class="verse">D’rauf von <em>Dömitz</em> und <em>Dammgarten</em> rückt’s herbei,</p> - <p class="verse">Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei,</p> - <p class="verse1">Und der Haufen wird immer dichter.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Da öffnet der Feldherr wieder den Mund,</p> - <p class="verse">Und schwingt den Säbel und ruft: <em>Stralsund!</em></p> - <p class="verse1">Und es melden sich tausend Männer.</p> - <p class="verse">Voran ein wilder Husarenschwarm,</p> - <p class="verse">Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm,</p> - <p class="verse1">Die Andern auf luftigem Renner.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auch Billerbeck, Eyb und Halletius,</p> - <p class="verse">Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schuß</p> - <p class="verse1">Zu Stralsund am Knieperthore,</p> - <p class="verse">Von Alvensleben auch, der wackere Held,</p> - <p class="verse">Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld,</p> - <p class="verse1">Sie treten hervor aus dem Chore.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-187" class="pagenum" title="187"></a> - <p class="verse">Da ruft der Major: <em>Sanct Leonhard!</em></p> - <p class="verse">D’rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt,</p> - <p class="verse1">Die vierzehn gefangenen Krieger.</p> - <p class="verse">Sechs Kugeln trägt jeder in seiner Brust,</p> - <p class="verse">Sie starben sich ihres Ruhmes bewußt,</p> - <p class="verse1">Und waren im Tode Sieger.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun bleiben noch elf Offiziere zurück –</p> - <p class="verse">Der Major ruft: <em>Wesel!</em> und verhüllt den Blick,</p> - <p class="verse1">Und die Elfe beschließen die Schaaren –</p> - <p class="verse">Gar edle Jünglinge, hingestreckt,</p> - <p class="verse">Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt,</p> - <p class="verse1">Die im Leben nur Ein Herz waren.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und als sie versammelt sind Mann für Mann,</p> - <p class="verse">Da heben die Trompeter zu blasen an</p> - <p class="verse1">Die schönste der Serenaden,</p> - <p class="verse">Ein Jubellied, das zum Herzen dringt</p> - <p class="verse">Und hell majestätisch die Nacht durchklingt,</p> - <p class="verse1"><em>Zum Gruß ihrem alten Kameraden</em>.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund,</p> - <p class="verse">Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund,</p> - <p class="verse1">Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren.</p> - <p class="verse">So schauerlich hörte die Stadt noch keins –</p> - <p class="verse">Da schlug die Uhr vom Kirchthurm <em>Eins</em> –</p> - <p class="verse1">Und zerstoben war Schill mit den Schaaren.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-73"> -<a id="page-188" class="pagenum" title="188"></a> -Die St.-Helena-Medaille.<a class="fnote" href="#footnote-16" id="fnote-16">[16]</a> -</h2> - -</div> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Weis’ her die wälsche Medaille!</p> - <p class="verse1">Wie funkelt so neu das Ding!</p> - <p class="verse">Und so alt schon ist die Bataille,</p> - <p class="verse1">Wo Dein Arm zum Teufel ging.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wär’ weiter nichts mitgegangen,</p> - <p class="verse1">Nicht Dein Herz, Dein größter Schatz,</p> - <p class="verse">Sie hätten Dir nicht gehangen</p> - <p class="verse1">Die Medaille an seinen Platz.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Sie hätten es nicht probiret,</p> - <p class="verse1">Nach fünfzig Jahren auf’s Neu’,</p> - <p class="verse">Und zweimal speculiret</p> - <p class="verse1">Auf Deine Kaisertreu’.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Kaiser liegt im Grabe</p> - <p class="verse1">Und seine Garde dazu.</p> - <p class="verse">Gott geb’ ihm und seinem Stabe</p> - <p class="verse1">Pardon und die ew’ge Ruh’.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-189" class="pagenum" title="189"></a> - <p class="verse">Viel Jahre sind gezogen</p> - <p class="verse1">Wohl über die Gruft daher.</p> - <p class="verse">Kaum rauschen noch die Wogen</p> - <p class="verse1">Die blutige Kaisermähr.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und Gras ist viel gewachsen</p> - <p class="verse1">Ueber Ehr’ und über Schand’,</p> - <p class="verse">In Preußen und in Sachsen</p> - <p class="verse1">Und im Franzosenland.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nun kommen sie wieder und äffen</p> - <p class="verse1">Und schmücken sich mit dem Ding</p> - <p class="verse">Und werben Dich für den Neffen</p> - <p class="verse1">Um einen Silberling.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kämen sie im Schlachtgebrause</p> - <p class="verse1">Zu hunderttausend Mann,</p> - <p class="verse">Wir schickten sie nach Hause,</p> - <p class="verse1">Wie wir es schon gethan.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Und Du greifst nach dem Bande?</p> - <p class="verse1">Du heftest Dir es an?</p> - <p class="verse">Du brüstest Dich mit der Schande!</p> - <p class="verse1">O, schäme Dich, alter Mann!</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-74"> -<a id="page-190" class="pagenum" title="190"></a> -Testament. -</h2> - -</div> - -<p class="subt"> -(November 1858.) -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Wenn ich ausgelitten hab’</p> - <p class="verse1">Und mich von euch wende,</p> - <p class="verse">Macht mir doch mit meinem Grab’</p> - <p class="verse1">Nicht viel Complimente.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Setzt mir keinen Stein daher,</p> - <p class="verse1">Der’s den Leuten sage:</p> - <p class="verse">Freut euch, daß ich keinen mehr</p> - <p class="verse1">Auf dem Herzen trage.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Auch mit Rosen bleibt mir fort,</p> - <p class="verse1">Kränzen oder Kronen,</p> - <p class="verse">Flechtet sie, wo hier und dort</p> - <p class="verse1">Frohe Menschen wohnen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Weder Schutt noch Blumenfeld,</p> - <p class="verse1">Scherben oder Kräuter,</p> - <p class="verse">Machen mir die and’re Welt</p> - <p class="verse1">Länger oder breiter.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-191" class="pagenum" title="191"></a> - <p class="verse">Viel Poeten haben’s gern</p> - <p class="verse1">Wenn sich Vöglein’s Flügel</p> - <p class="verse">Um die Zeit vom Abendstern</p> - <p class="verse1">Senkt auf ihren Hügel,</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Oder wenn vom nahen Baum</p> - <p class="verse1">Nachtigallen pfeifen,</p> - <p class="verse">Während durch den stillen Raum</p> - <p class="verse1">Laue Weste streifen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Nichts begehr’ ich von dem All’n</p> - <p class="verse1">Wollt’ auch eh’r erdolcht sein,</p> - <p class="verse">Als von Mond und Nachtigall’n</p> - <p class="verse1">Bis in’s Grab verfolgt sein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Im November jedes Jahr</p> - <p class="verse1">Soll’t ihr mich besuchen,</p> - <p class="verse">Dort, wohin mich auf der Bahr</p> - <p class="verse1">Fremde Schultern trugen.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ob vielleicht schon Schnee und Frost</p> - <p class="verse1">Mich bedeckt da draußen,</p> - <p class="verse">Ob die Stürm’ aus Nord und Ost</p> - <p class="verse1">Durch die Felder brausen –</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-192" class="pagenum" title="192"></a> - <p class="verse">Grade wenn’s recht stürmisch ist,</p> - <p class="verse1">Sollt ihr zu mir treten,</p> - <p class="verse">„Vater unser, der du bist“,</p> - <p class="verse1">Herzhaft für mich beten.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">So befohlen und gestift’t</p> - <p class="verse1">Hier in dem Gedichte,</p> - <p class="verse">Auf daß Jeder, den’s betrifft,</p> - <p class="verse1">Demgemäß sich richte.</p> - </div> - </div> -</div> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/i192.jpg" alt="" /></div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="toc" id="chapter-0-75"> -<a id="page-193" class="pagenum" title="193"></a> -Inhaltsverzeichniß. -</h2> - -</div> - -<div class="table"> -<table class="toc" summary="TOC"> -<tbody> - <tr> - <td class="col1">Vorwort mit der Biographie des Dichters</td> - <td class="col_page"><a href="#page-III">III</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825</td> - <td class="col_page"><a href="#page-3">3</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter</td> - <td class="col_page"><a href="#page-5">5</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am Geburtstage meines Vaters</td> - <td class="col_page"><a href="#page-6">6</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am Anfange der Osterferien</td> - <td class="col_page"><a href="#page-11">11</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am 8. December</td> - <td class="col_page"><a href="#page-13">13</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels</td> - <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage</td> - <td class="col_page"><a href="#page-16">16</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Nachtwächter-Lied</td> - <td class="col_page"><a href="#page-19">19</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Es war mir heut’ Abend so einsam, so leer</td> - <td class="col_page"><a href="#page-21">21</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Gruß an die Heimath</td> - <td class="col_page"><a href="#page-22">22</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Mein Engel</td> - <td class="col_page"><a href="#page-25">25</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Sehnsucht nach dem Tode</td> - <td class="col_page"><a href="#page-27">27</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Reliquie eines Verschollenen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-31">31</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Im Namen eines dreijährigen Kindes am Geburtstage seines Vaters</td> - <td class="col_page"><a href="#page-36">36</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Waldmühle</td> - <td class="col_page"><a href="#page-38">38</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Schweizers Sehnsucht</td> - <td class="col_page"><a href="#page-41">41</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel</td> - <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Mein Wunsch</td> - <td class="col_page"><a href="#page-47">47</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die letzte Rose</td> - <td class="col_page"><a href="#page-48">48</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Sonett</td> - <td class="col_page"><a href="#page-51">51</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><a id="page-194" class="pagenum" title="194"></a>Sonett</td> - <td class="col_page"><a href="#page-52">52</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Johannisblume</td> - <td class="col_page"><a href="#page-53">53</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">In der Ferne wohnt mein Glück</td> - <td class="col_page"><a href="#page-54">54</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Ihrer Erlaucht der Gräfin von Schaumburg</td> - <td class="col_page"><a href="#page-56">56</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels</td> - <td class="col_page"><a href="#page-59">59</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem Wimez’schen Institute aufführten</td> - <td class="col_page"><a href="#page-63">63</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Gesang der Sterne</td> - <td class="col_page"><a href="#page-65">65</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Liebe Sehnen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-67">67</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Veilchenstrauß</td> - <td class="col_page"><a href="#page-69">69</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Tag der Vereinigung</td> - <td class="col_page"><a href="#page-71">71</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Siehst Du, wo im Abendgolde</td> - <td class="col_page"><a href="#page-73">73</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Bürgergardist</td> - <td class="col_page"><a href="#page-74">74</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Natur</td> - <td class="col_page"><a href="#page-76">76</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Vaterfreude</td> - <td class="col_page"><a href="#page-78">78</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am Geburtsfeste S. M. des Königs der Niederlande, Großherzogs von Luxemburg</td> - <td class="col_page"><a href="#page-81">81</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Ludwig Philipp</td> - <td class="col_page"><a href="#page-84">84</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Was ist des Deutschen Vaterland?</td> - <td class="col_page"><a href="#page-87">87</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Blau, weiß, roth</td> - <td class="col_page"><a href="#page-90">90</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Bei Sebastopol</td> - <td class="col_page"><a href="#page-92">92</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Ferienweihe</td> - <td class="col_page"><a href="#page-94">94</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Von der Luxemburger Mosel</td> - <td class="col_page"><a href="#page-99">99</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Es lag mir schon sehr lange nah’</td> - <td class="col_page"><a href="#page-102">102</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Fische</td> - <td class="col_page"><a href="#page-103">103</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Morgenlied von dem Schäfchen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-105">105</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Maria und der Doctor</td> - <td class="col_page"><a href="#page-107">107</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Des armen Kindes heiliger Christ</td> - <td class="col_page"><a href="#page-109">109</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Des Schweizers Heimweh</td> - <td class="col_page"><a href="#page-112">112</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Morgen im Garten</td> - <td class="col_page"><a href="#page-114">114</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Am Abend</td> - <td class="col_page"><a href="#page-116">116</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1"><a id="page-195" class="pagenum" title="195"></a>Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes</td> - <td class="col_page"><a href="#page-118">118</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Katholik</td> - <td class="col_page"><a href="#page-120">120</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">In einer protestantischen Kirche</td> - <td class="col_page"><a href="#page-122">122</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Maria!</td> - <td class="col_page"><a href="#page-130">130</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Maria in der Seele</td> - <td class="col_page"><a href="#page-135">135</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Verfolgung</td> - <td class="col_page"><a href="#page-138">138</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">1848</td> - <td class="col_page"><a href="#page-142">142</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Komm!</td> - <td class="col_page"><a href="#page-145">145</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Das Marienbild zu Rimini</td> - <td class="col_page"><a href="#page-147">147</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">An Maria</td> - <td class="col_page"><a href="#page-149">149</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Dem hochwürdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des Jünglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, vom Vereine gewidmet</td> - <td class="col_page"><a href="#page-150">150</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Lied für den Jünglingsverein</td> - <td class="col_page"><a href="#page-152">152</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Jünglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach Rom</td> - <td class="col_page"><a href="#page-155">155</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Lehrer an seine Schüler</td> - <td class="col_page"><a href="#page-158">158</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenäum zu Luxemburg</td> - <td class="col_page"><a href="#page-161">161</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Nach gegebenen Endreimen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-166">166</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">An P. Klein’s Grabe</td> - <td class="col_page"><a href="#page-167">167</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die Schutzengel</td> - <td class="col_page"><a href="#page-169">169</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Der Cölibat</td> - <td class="col_page"><a href="#page-173">173</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Arion</td> - <td class="col_page"><a href="#page-179">179</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Militär-Toast</td> - <td class="col_page"><a href="#page-182">182</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Ein Geister-Ständchen</td> - <td class="col_page"><a href="#page-184">184</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Die St.-Helena-Medaille</td> - <td class="col_page"><a href="#page-188">188</a></td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">Testament</td> - <td class="col_page"><a href="#page-190">190</a></td> - </tr> -</tbody> -</table> -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="footnotes" id="chapter-0-76"> -Fußnoten. -</h2> - -</div> - - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-1" id="footnote-1">[1]</a> Meine Inaugural-Dissertation (<span class="antiqua">De jure ejus, qui speciem ex -aliena materia fecit</span>) findet sich in den Pandektencompendien citirt. -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-2" id="footnote-2">[2]</a> Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten -Constitution die Verwaltung des Landes auf französischem -Fuße eingerichtet wurde, fing auch Koch’s Stellung an zu schwanken. Mit -dem Aufhören der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretär -derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef -(<span class="antiqua">chef de division</span>) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann -zum Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher -Stelle er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser -Zeit an genoß Koch ein Wartegehalt und blieb, außer der geringen -Beschäftigung als beeideter Uebersetzer des „Memorial“, für das er -den deutschen Text zu besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis -er vor elf Jahren erst provisorisch, dann definitiv zum Professor der -deutschen Sprache und Literatur am königl. großherzgl. Athenäum -ernannt wurde. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -Anm. d. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-3" id="footnote-3">[3]</a> Abgedruckt aus den Mainzer „Katholische Sonntagsblätter“, -Jahrgang 1846, Nr. 28. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-4" id="footnote-4">[4]</a> Kassel. Luckhardt 1834, und Göttingen bei Georg H. Wigand -1857. Bei dem Letztern ist so eben auch die englische Übersetzung erschienen: -<span class="antiqua">E. Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german -edition by A. v. Beresford. 8.</span> -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-5" id="footnote-5">[5]</a> Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, später -bei Hotop in Cassel („Salon-Novellen“ 1851, ferner „Drei Novellen“), -einzelne bei Wigand in Göttingen in der Sammlung „Was ihr wollt“. -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-6" id="footnote-6">[6]</a> Vgl. „Morgenblatt“ 1847, „Telegraph für Deutschland“, Hamburg -1847, Nr. 111. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-7" id="footnote-7">[7]</a> Aus dem „Salon“ Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-8" id="footnote-8">[8]</a> Abgedruckt aus dem „Salon“ 1842. Nr. 60. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-9" id="footnote-9">[9]</a> Abgedruckt aus dem „Lux. Wort“, Jahrg. 1849. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-10" id="footnote-10">[10]</a> Vgl. „Des fremden Kindes heiliger Christ“ von Rückert. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-11" id="footnote-11">[11]</a> Joh. VI. -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-12" id="footnote-12">[12]</a> Abgedruckt aus den Mainzer „Katholische Sonntagsblätter“, -Jahrgang 1846, Nr. 31. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-13" id="footnote-13">[13]</a> Abgedruckt aus den Mainzer „Katholische Sonntagsblätter“, -Jahrgang 1846, Nr. 33. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-14" id="footnote-14">[14]</a> Abgedruckt aus den Mainzer „Katholische Sonntagsblätter“, -Jahrgang 1846, Nr. 33. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-15" id="footnote-15">[15]</a> Abgedruckt aus der „<span class="antiqua">Quotidienne Luxembourgeoise</span>“, Jahrgang -1855, Nr. 83. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<p class="footnote"> -<a class="footnote" href="#fnote-16" id="footnote-16">[16]</a> Abgedruckt in der „Köln. Ztg.“, Jahrgang 1857, -Nr. 287. -</p> - -<p class="sign footnote2"> -D. H.<br /> - -</p> - -<div class="trnote chapter"> -<p class="transnote"> -Anmerkungen zur Transkription -</p> - -<p> -Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt. -</p> - -<p> -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> - -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERNST KOCH'S GEDICHTE *** - -***** This file should be named 63086-h.htm or 63086-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/3/0/8/63086/ - -Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online -Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. -This book was produced from images made available by the -Open Repository Kassel. - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. -To donate, please visit: http://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - http://www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/63086-h/images/cover.jpg b/old/63086-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ca0be4d..0000000 --- a/old/63086-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/63086-h/images/i192.jpg b/old/63086-h/images/i192.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ee4bc00..0000000 --- a/old/63086-h/images/i192.jpg +++ /dev/null |
