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- The Project Gutenberg eBook of Komet und Erde. Eine astronomische Erzählung, by Camille Flammarion.
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-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Komet und Erde, by Camille Flammarion
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll
-have to check the laws of the country where you are located before using
-this ebook.
-
-
-
-Title: Komet und Erde
- Eine astronomische Erzählung
-
-Author: Camille Flammarion
-
-Translator: J. Cassirer
-
-Release Date: December 15, 2019 [EBook #60930]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND ERDE ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-<div class="transnote">
-<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.
-Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.
-</p>
-
-<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich
-am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<h1>Komet und Erde.</h1>
-
-<p class="center">Eine astronomische Erzählung</p>
-
-<p class="center smaller">von</p>
-
-<p class="h2">Camille Flammarion.</p>
-
-<p class="center">Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen</p>
-
-<p class="center smaller">von</p>
-
-<p class="center larger">J. Cassirer.</p>
-
-<p class="center p2"><b>Leipzig</b></p>
-
-<p class="center">Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
-</p>
-<hr class="chap" />
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_3">[3]</a></span></p>
-
-<h2 id="Einleitung">Einleitung.</h2>
-</div>
-
-<p>Was wir hier erzählen wollen, ist kein Phantasiegebilde,
-das aus den Gefilden einer oft nur zu schöpferischen Einbildung
-hervorgegangen ist; vielmehr haben eingehende Studien
-das Material hierzu geliefert, und auf wissenschaftlichem
-Boden ist unser Bericht gewachsen.</p>
-
-<p>Der Komet, den wir hier vorführen wollen und der
-uns die Grundlagen zu unserer Erzählung bieten soll, ist
-keine Mythe; er existiert, und Millionen von Menschen haben
-ihn über ihrem Haupte leuchten sehen, wie das Ende unserer
-Erzählung beweisen wird.</p>
-
-<p>Die Daten seiner früheren Erscheinungen sind nicht willkürlich
-angenommen, sondern nach elliptischen Elementen
-berechnet worden; man kann den Berechnungen getrost
-Glauben schenken, denn diese Elemente sind den Astronomen
-wohlbekannt, und die bei ihnen überhaupt mögliche Fehlergrenze
-beträgt nicht mehr als ein Hundertstel.<a id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">1</a></p>
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_4">[4]</a></span></p>
-<p>Auch in der Beschreibung der Gebiete, die unser kühner
-Reisender besucht, sind wir nicht planlos vorgegangen, sie
-beruht vielmehr zum Teil auf direkten Beobachtungen, zum
-Teil auf wissenschaftlichen Folgerungen.</p>
-
-<p>Keine der erwähnten Erscheinungen, auch nicht die kleinste
-ausgenommen, ist erfunden. Nicht in das Blaue hinein
-haben wir unser Wort ergehen lassen, sondern es ist stets
-im Dienste der Wissenschaft und ihrer erhabenen Herrin,
-der Wahrheit, geblieben.</p>
-
-<p>Aus solch festem Faden ist der Stoff gewebt, den wir
-jetzt das Vergnügen haben, vor unseren geneigten Lesern
-aufzurollen.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<h3>Fußnoten</h3>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">1</span></a> Astronomisch gebildete Leser werden sofort wissen, um welchen
-Kometen es sich handelt, wenn wir ihnen nachstehende Elemente nennen:
-</p>
-<ul class="index">
-<li>Τ = 1811, Septbr. 12. 26</li>
-<li>π = 75° 1´ 0´´</li>
-<li>Ω = 140° 25´ 1´´</li>
-<li><em class="antiqua">i</em> = 73° 2´ 43´´</li>
-<li><em class="antiqua">q</em> = 1.03542.</li>
-</ul>
-<p>
-Als beinahe überflüssig könnten wir noch hinzufügen, daß die Entfernung
-des Kometen im Aphelium 421.02, seine halbe große Achse 208,
-seine Exzentrizität 0.9951 beträgt und daß seine Bewegung rückläufig ist.</p></div></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_5">[5]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-<h2 id="Erstes_Kapitel"><span class="h2meta">Erstes Kapitel.</span><br />
-Erste Begegnung des Kometen mit der Erde.</h2>
-</div>
-
-<p>Es mag im Jahre Sechshundertelftausendundneunundachtzig
-vor Christi Geburt gewesen sein, als der
-große Komet, der von den Bewohnern des Saturn
-schon fast seit hundertundvierzigtausend Jahren beobachtet
-worden war, einen winzigen Planeten entdeckte,
-der gegen achthundertmal kleiner war als der,
-den wir soeben genannt haben. Der neue Planet
-machte einen recht armseligen Eindruck: eine kleine
-Kugel, die sich ziemlich unbeholfen um sich selbst drehte,
-und die in dicke Rauchwolken eingehüllt war, welche
-von furchtbaren geologischen und atmosphärischen Umwälzungen,
-die sich in ihrem Inneren vollzogen, Kunde
-gaben. Für Menschen war sie gänzlich unbewohnbar.</p>
-
-<p>Der Komet, dessen Schweif nicht weniger als vierzig
-Millionen Meilen Länge besaß, dessen noch nicht fester
-Kern fünftausendvierhundert Meilen im Durchmesser
-maß und dessen Strahlen sich auf vierhundertsechsundachtzigtausend
-Meilen Ausdehnung in der Breite erstreckten
-&ndash; heutzutage sind seine Dimensionen nur halb
-so groß, als sie damals waren&nbsp;&ndash;, der Komet, der
-sich bisher höchstens mit den Monden des Jupiter,
-Saturn, Uranus und Neptun befaßt hatte und der
-immer nur unter der vornehmsten Gesellschaft des
-Firmaments umhergestreift war, sah sich beim Anblick
-unseres kleinen irdischen Gestirns seltsam und fast unangenehm
-überrascht.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_6">[6]</a></span></p>
-
-<p>Wenn sich auch unser Held der unendlichen Mannigfaltigkeit
-der Schöpfung bewußt war, so hatte er sich
-doch niemals vorstellen können, daß es auch solch kleine
-Weltkörper geben könnte. Er mußte unsere Erde
-mehrmals ansehen, bevor er seinen Augen glauben
-wollte, und erst, als er sich überzeugt hatte, daß jede
-Täuschung ausgeschlossen sei, ließ er sich herab, von
-dem Dasein der neuen Weltkugel Kenntnis zu nehmen.
-Die niedrige Stellung, die diese unter den Gestirnen
-des Himmels einnahm, erschien in den Augen des
-Kometen noch geringer. Indem er sich in seine kometarische
-Majestät hüllte, flog er stolz an dem kleinen
-neuen Sprößling der Schöpfung vorüber, wobei er
-den Kopf abwandte. Seinen strahlenden Schweif aufrichtend,
-nahm er dann seinen alten Weg wieder auf,
-um stolz seinen glänzenden Flug durch die Tiefen des
-Weltalls fortzusetzen.</p>
-
-<p>So gehen &ndash; leider nur zu oft in der Welt &ndash; die
-Großen an den Kleinen, die Mächtigen an den Schwachen
-vorüber. In ihrem Hochmut erkennen sie den Wert
-des Kleinen nicht und ihre Verblendung macht sie ungerecht.
-Als ob Geschöpfe, denen Schönheit und Anmut
-abgeht, nicht auch Kinder derselben Natur wie
-sie und Glieder derselben großen Familie wären!</p>
-
-<p>Man muß indessen zugeben, daß unsere Erde für
-diejenigen, die sich über ihre Bedeutung in keiner Täuschung
-befinden, wie wir, eine recht kleine Welt ist.
-Unser Patriotismus für unsere »Mutter Erde«, so
-berechtigt er auch an sich sein mag, läßt sie uns größer
-und bedeutender erscheinen, als sie es in der Tat ist,
-und die Wanderer, die den Himmelsraum durchfliegen,
-mögen es durchaus nicht begreifen können, daß wir
-davon so viel Wesens machen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_7">[7]</a></span></p>
-
-<p>Der Komet, einer der schönsten, wenn nicht überhaupt
-der schönste unseres gesamten Sonnensystems,
-kommt nicht näher an die Sonne als die Erde
-heran: Zwanzig Millionen Meilen. In seiner Bahn
-beschreibt er eine Ellipse, und sobald er in die
-Gegend kommt, in der wir uns befinden, kehrt er in
-einem großen Halbkreise wieder um. Mit einer
-Schnelligkeit von vierhundert Meilen in der Minute
-eilt der himmlische Wanderer zu den Grenzen des
-Sonnensystems und kreuzt dabei die Bahnen sämtlicher
-darin kreisender Welten. Als ob es ihm leid tue, sich
-von der Sonne mit ihrer leuchtenden Krone entfernen
-zu müssen, verlangsamt er seinen Flug, je weiter er sich
-von ihr entfernt. Bis auf acht Milliarden dreihundertundsiebzehn
-Millionen Meilen Entfernung von der
-Sonne führt ihn seine Wanderung; soviel beträgt sein
-Aphelium, seine Sonnenferne. In diesen unfaßbaren
-Tiefen des Weltenraumes hat sich seine Schnelligkeit
-sehr verringert, und sie ist nicht mehr größer als die des
-Windes, das heißt, einige Meter in der Sekunde. Seine
-Kurve schließt sich jetzt von neuem, und er kehrt zu
-dem leuchtenden Tagesgestirn zurück, dessen Scheibe
-in dieser ungeheuren Entfernung allmählich so an
-Größe abgenommen hat, daß sie nur noch als ein
-kleiner Stern zu erkennen ist. Aus dieser erschreckenden
-Entfernung noch ruft ihn die Sonne, und der
-Komet hört ihre Stimme. Er wendet sich um und
-von seinen Polhöhen aus stürzt er sich auf die Sonnenbahn,
-wobei er es sorgfältig vermeidet, zu nahe an
-Jupiter und Saturn heranzukommen. Seine Schnelligkeit
-vergrößert sich zusehends, sie wächst und wird ungeheuer,
-heiß und gewaltig wie das Verlangen, und
-von neuem fliegt er der Sonne zu, die auf alle<span class="pagenum"><a id="Page_8">[8]</a></span>
-Planeten solch wunderbare Anziehung ausübt. Nach
-einer Reise von fünfzehnhundert Jahren erreicht er wieder
-sein Perihelium, seine Sonnennähe. Sein leuchtender
-Schweif, der immer blasser geworden war, je weiter sich
-der Komet von der Sonne entfernte, und der schließlich
-vollständig verschwunden war, kommt wieder zum Vorschein
-und wächst in dem Maße, in dem sich der Komet
-dem Mittelpunkt der Sphäre nähert. Seine Gestalt
-nimmt an Umfang zu, ebenso sein Schweif an Pracht
-und Glanz. Es ist gleichsam so, als ob ein hoher
-irdischer Würdenträger vor seinen Herrscher treten soll
-und zu diesem Behufe seine mit Gold und Edelsteinen
-reich geschmückten Festkleider anlegt. Der Komet hat
-das Gebiet der Königin des Lichtes betreten, und
-vor den erstaunten Augen entfaltet er majestätisch die
-Reize seiner Schönheit und seiner prächtigen Gewandung.</p>
-
-<p>Als im Jahre Sechshundertachttausend&shy;einhundertvierundzwanzig
-vor Christi Geburt das leuchtende
-Gestirn auf seiner Wanderung wiederum in die Gegend
-kam, in der sich unsere Erde bewegt, wurde seine Aufmerksamkeit
-von neuem auf diesen kleinen meergrünen
-Ball gelenkt, und es gewann es nicht mehr über sich,
-ihn unbeachtet zu lassen. Große Personen interessieren
-sich ja oft für Kinder, und auch der Komet hielt es nicht
-unter seiner Würde, Beobachtungen über die Erde
-anzustellen; er wollte gern wissen, bis zu welchem
-Grade sich auf solch unscheinbarer Kugel wohl das
-Leben entwickeln könnte.</p>
-
-<p>Es traf sich insofern recht gut, als gerade damals
-der Komet ein volles Jahr lang in Sicht der Erde
-blieb und eine vorteilhafte Stellung für ihre Beobachtung
-einnahm; aber dies vermochte ihn doch nicht<span class="pagenum"><a id="Page_9">[9]</a></span>
-von der entgegengesetzten Richtung seines Umlaufs
-abwendig zu machen, die ihn wieder fortführte.</p>
-
-<p>Anstatt wie alle Planeten und fast alle Begleitsterne
-unseres Sonnensystems sich von Osten nach
-Westen zu bewegen, bewegt sich unser Komet von Westen
-nach Osten, also gerade entgegengesetzt. Diese konträre
-Bewegung machte die Beobachtung zwar schwieriger,
-aber gerade dadurch wurde sein Forschungseifer noch
-mehr angespornt, und während der zwölf Monate,
-während deren die Erde in seinem Gesichtsfelde blieb,
-ließ er keinen Tag und keine Nacht unbenutzt für seine
-Beobachtungen vorübergehen.</p>
-
-<p>Was er bereits vorher geahnt hatte, fand er jetzt
-bestätigt, nämlich, daß dieser kleine Sproß von einer
-Welt für vernunftbegabte Wesen noch unbewohnbar
-war. Langsam drehte sich der Weltkörper um sich
-selbst; der Wechsel von Tag und Nacht brachte auf
-ihm keine Wirkung hervor, denn die ungeheure Hitze,
-die er aus seinem Innern ausstrahlte, war um vieles
-größer als die, die er von der Sonne empfing. Übrigens
-würden auch die Nebel, die Gase und die Rauchwolken,
-die ihn einhüllten, den Sonnenstrahlen gar
-keinen Zutritt gewährt haben. Je mehr sich der Komet
-der irdischen Welt näherte, desto größere Mühe gab
-er sich, die Beschaffenheit ihrer Oberfläche zu erkennen;
-aber da er eine solch armselige Welt noch nie gesehen
-hatte und sich darüber nicht klar zu werden vermochte,
-welchem Zwecke ein solch dürftig ausgestatteter
-Planet wohl dienen könnte, wartete er, bis ein lichter
-Punkt in der Atmosphäre den Sonnenstrahlen erlauben
-würde, hindurchzudringen, um den Schauplatz einigermaßen
-zu beleuchten. Das traf endlich zur Zeit der
-Sonnenwende ein. War es aber die Winter- oder die<span class="pagenum"><a id="Page_10">[10]</a></span>
-Sommersonnenwende? Die Geschichte berichtet hierüber
-um so weniger, als es in jenen entlegenen Zeiträumen
-noch keine Jahreszeiten auf der Erde gab,
-und als es infolge der großen Eigenhitze der Erde sozusagen
-im tiefsten Winter ebenso heiß war wie im vollsten
-Sommer. Gleichviel an welchem Tage es gewesen
-sein mag, der Komet mußte vor Erstaunen fast aufschreien,
-als er endlich die Oberfläche der Erde deutlich
-unterscheiden konnte.</p>
-
-<p>»Eine Welt von Muscheln!« rief er.</p>
-
-<p>Er hatte sich nicht getäuscht. Die Erde befand
-sich damals in dem Stadium ihrer Entwicklung, das
-man als Sekundärzeit bezeichnet; die Triasformen
-bildeten sich, und es war die Zeit der Muschelkalkformation.&nbsp;&ndash;</p>
-
-<p>Einige Millionen Jahre vorher hatte sich die Erde,
-die damals eine noch ganz flüssige Kugel war, allmählich
-abgekühlt, und große Wasserbäche waren auf sie
-herniedergestürzt; der Rauch, die Gase, die Wolken,
-die von der Erde aufstiegen, gingen die verschiedenartigsten
-Verbindungen miteinander ein und hinterließen
-ihre Spuren auf der noch glühenden und unfesten
-Kugel. Gewaltige Umwälzungen erschütterten die
-in stetem Aufruhr befindlichen Fundamente der neugeschaffenen
-Welt, und furchtbares Toben und Brausen
-ließen das aufgeregte feurige Erdinnere nicht zur
-Ruhe kommen. Der Gewalt des in unausgesetzter
-Tätigkeit befindlichen Feuerherdes fiel die ganze Erdkugel
-zum Opfer. In diesem riesigen Laboratorium
-hat die Natur die chemischen Gemische vorbereitet,
-aus denen die feuerspeienden Berge, die
-Lava-Eruptionen, die aus der Erde aufsteigenden
-heißen Quellen usw. hervorgegangen sind. In derselben Weise,<span class="pagenum"><a id="Page_11">[11]</a></span>
-wie man im Schmelztiegel auf geschmolzenem
-Blei, das im Begriff ist, zu erkalten, sich ein
-Häutchen bilden sieht, bildete sich um den Erdball
-eine Kruste, und die beständigen Zuckungen ließen
-allmählich nach.</p>
-
-<p>Auf diese Entwicklungsperiode &ndash; die Primärzeit &ndash;
-während der es auf der Erde noch kein lebendes Wesen,
-weder Tier noch Pflanze, gab, folgte eine Übergangszeit,
-die so weit zurück liegt und so ungeheuer lange
-dauerte, daß kein menschlicher Geist sich von ihr eine
-Vorstellung machen kann. In dieser Periode war
-es, daß sich die ersten Keime zur Bildung lebender
-Wesen gestalteten, und unter unablässigen Wallungen
-und Änderungen der immer noch nicht erstarrten Erdoberfläche
-erschienen die ersten Pflanzen: Algen und
-Seetang, und auch auf dem Grunde des Meeres zeigten
-sich die ersten lebenden Gebilde: Korallen und
-Polypen.</p>
-
-<p>Noch später überzogen sich die Sümpfe der Urzeit
-mit einer endlosen Pflanzendecke, und mit ihr hatte
-das Reich der Pflanzen seine glänzende und prächtige
-Herrschaft angetreten. Als erster Regent des Erdballs
-entfaltete es all seine Reichtümer und Schätze, und
-die Erde sah keine Zeit mehr wiederkehren, in der sie
-eine solche Fülle pflanzlicher Formen und Gestalten
-bevölkerte. Es waren Pflanzen von höchst einfachem
-Bau und kunstlosen Formen, solche, die weder Blüten
-noch Früchte trugen, aber von gewaltiger Stärke
-und kolossaler Höhe waren. Mit ihrem Grün überdeckten
-sie jede Lagune, jede Bank, jede Landzunge,
-auf welche das weite Meer nicht seine Herrschaft
-ausgedehnt hatte. Die Erde sah aus wie ein einziger
-Ozean, der mit grünen Inseln durchsetzt war.<span class="pagenum"><a id="Page_12">[12]</a></span>
-Baumartige Farne, Kalamiten, Sigillarien und zahlreiche
-andere Arten stritten sich um den Vorrang auf
-den Inseln. Aus jener Epoche rührt die Bildung
-unserer Steinkohlen her, mit der wir heute unsere
-Zimmer heizen, jener ungeheuren, in längst entschwundenen
-Zeiten abgelagerten Pflanzenschichten, die wir
-jetzt ans Tageslicht bringen. Ihre Bildung geschah
-etwa eine Million Jahre vor der Zeit, in der unsere
-Geschichte anfängt. Von da an hat sich die Entwicklung
-des irdischen Lebens fort und fort vervollkommnet,
-und niemand vermag zu sagen, ob es schon seinen
-Gipfel erreicht hat.</p>
-
-<p>Als sich der Komet der Erde näherte, hatte er nur
-Muscheln wahrnehmen können. Trotzdem die schaffende
-Welt es an gutem Willen nicht hatte fehlen lassen,
-war es ihm doch nicht möglich gewesen, etwas anderes
-zu erkennen. Das Meer nahm noch die gesamte Oberfläche
-der Erde ein, wie es ja heutzutage noch drei
-Viertel von ihr bedeckt. Damals gab es noch kein
-Festland, sondern nur Inseln und Sümpfe. König
-der Schöpfung war damals eine Art Seeschnecke, ein
-Kopffüßler, ein ganz harmloses Tier.</p>
-
-<p>Dieses unschuldige Geschöpf, das wohl kaum ahnen
-mochte, daß es eines Tages nach Jupiter Ammon
-getauft werden würde, herrschte also als unumschränkter
-Souverän im Königreich des Neptun: »Der Dreizack
-des Neptun ist das Zepter der Welt«, sagt Lemierre.
-Kein Engländer könnte dieses Zepter mit größerem
-Rechte in Anspruch nehmen, als diese kleinen Tiere,
-von denen wir sprechen. Wie heutzutage jene Molluskenart,
-die unter dem Namen »Nautilus« bekannt ist,
-sah man sie in ihrem weißen oder vielfarbigen Nachen
-auf der Oberfläche des Meeres dahintreiben; große<span class="pagenum"><a id="Page_13">[13]</a></span>
-und kleine, in allen Gestalten; ganze Flotten von ihnen
-schwammen auf den Wassern, ihrer Beute nachstellend.
-Man sah sie rasch und zierlich dahinschießen, sich
-kreuzen, sich ausweichen, sich überholen, ganz so, als
-ob sie eine Regatta aufführten. »Man« sah sie; dieses
-»man« bedeutet den Kometen, denn außer ihm
-gab es keinen Zuschauer, der sich an diesem urweltlichen
-Schauspiel hätte ergötzen können. Überall Einsamkeit
-und Schweigen&nbsp;…</p>
-
-<p>Unser Komet, der nicht wenig überrascht war, nur
-Muscheln zu sehen, Muscheln im Meer, Muscheln auf
-der Erde und überall nur Muscheln, erging sich in
-Mutmaßungen, wozu denn überhaupt die Erde eigentlich
-geschaffen sein mochte. »Es ist und bleibt ein
-großes Geheimnis,« sagte er sich, »daß man für derartige
-Wesen eigens eine Welt geformt hat.« Er
-versuchte sich vorzustellen, über welche geistige Kraft
-diese Geschöpfe wohl verfügen mochten, wie weit ihre
-Fähigkeiten gingen, ob sie wohl denken konnten usw.
-Trotz der Geringfügigkeit und Unansehnlichkeit des
-Erdballs konnte sich sein Geist doch nicht zu dem
-Glauben aufschwingen, daß dieser kleine Weltkörper
-nur dazu geschaffen sein sollte, um Mollusken zur
-Wohnung zu dienen. Er sah sich die verschiedenen
-Lebewesen genauer an, und es fielen ihm die Geselligkeit
-der Miesmuscheln und die Geschicklichkeit der
-Schildkröten, deren erste Exemplare gerade zum Leben
-erwachten, wohl auf. Er ließ die verschiedenen Arten
-der Mollusken: die Kopffüßler, die Bauchfüßler, die
-Blattkiemer, und wie sie alle heißen mögen, vor seinen
-Augen vorbeimarschieren; auch die Rankenfüßler
-(<em class="antiqua">Cirripediae</em>), die weder Kopf noch Füße noch Arme
-haben, übersah er nicht. Aber in dieser ganzen Gesellschaft<span class="pagenum"><a id="Page_14">[14]</a></span>
-fand er niemand, dem er die heilige Gabe der
-Vernunft zutrauen konnte.</p>
-
-<p>Seiner fruchtlosen Nachforschungen müde geworden,
-kehrte der Komet um, und ebenso wie in unendlich
-späterer Zukunft der ewige Jude, so dachte er, während
-er weiterging, und er ging weiter, während er dachte,
-bis plötzlich ein furchtbarer Schrei die Luft erzittern
-machte. »O,« rief der Komet aus, »da ist er wahrscheinlich,
-der König der neuen Welt. Ich danke dem
-Himmel dafür, daß er mich ihn noch vor meiner Abreise
-hat sehen lassen.« Er wandte sich um, und in
-der Tat &ndash; er war da!</p>
-
-<p>Ein mißgestaltetes Ungeheuer von schwärzlicher
-Farbe, kolossalem Bau, höckrichter Haut, mit einem
-sehr langen Krokodilsrachen, der am Halse eines Nilpferdes
-befestigt zu sein schien, ein Ungetüm, dessen
-Vorderbeine anscheinend verkürzt waren, während
-seine Hinterbeine ebenso lang wie die eines Kamels
-waren, schleppte sich unbeholfen zu dem Rande eines
-Sumpfes hin.</p>
-
-<p>»Schön ist er zwar nicht,« sagte der Komet zu
-sich, »aber Schönheit ist ja nur Geschmackssache, ein
-bedingter Begriff, der nichts Absolutes an sich hat.
-Das also soll der Herr der Erde sein &ndash; im Reiche
-der Blinden ist ja der Einäugige König &ndash; und die
-Ammoniten sind dann die Fürstinnen des Meeres.
-Er scheint im allgemeinen auf dem Lande zu leben
-und auf gute Sitten nicht viel Wert zu legen. Er
-ist einfältig, bescheiden und häßlich, mit einem Wort,
-für die Welt, in der er lebt, vollkommen passend.
-Gleichviel, ich hätte es mir niemals träumen lassen
-mögen, daß es auch solche Schöpfungen geben kann,
-aber es nutzt nichts, es noch weiter leugnen zu wollen.<span class="pagenum"><a id="Page_15">[15]</a></span>
-Das Labyrinthodon ist das einzige Tier, welches die
-Macht hat, auf dieser Welt das Zepter zu führen,
-also ist es auch ihr König. Das also ist das erste
-Auftreten der Majestät! Macht geht vor Recht!« Er
-erging sich in seinem Selbstgespräch noch des weiteren
-in Betrachtungen im Sinne etwa der Darwinschen Lehre
-von der geschlechtlichen Zuchtwahl, aus der folgert,
-daß der Beweisgrund des Stärkeren auch immer der
-bessere ist.</p>
-
-<p>Durch das Erscheinen dieses irdischen Ungeheuers
-war unser Komet doch einigermaßen aus seiner gewohnten
-Ruhe gebracht worden, und noch immer
-träumend setzte er seine Rückreise fort, die ihn bis
-an die Grenzen des Sonnensystems führte. Weder
-bemerkte er hierbei, mit welcher Schnelligkeit er selber
-dahinschoß, noch auch, wie rasch sich die Weltkörper,
-die er unterwegs traf, fortbewegten. Erst als er sich
-in der Nähe des Saturn befand, kam er wieder recht
-zum Bewußtsein.</p>
-
-<p>Die glänzende Pracht und der Reichtum einer
-Zivilisation, die Jahrhunderte voller Arbeit hervorgerufen
-hatten, umgaben dieses strahlende Gestirn.
-Auf ihm wohnten die Fruchtbarkeit und der Friede.
-Schon wenn man näher an diese Welt herankam,
-fühlte man, daß hier das Leben wogte. Es war schon
-unendlich lange her, daß der Saturn aus den Finsternissen
-des Chaos emporgestiegen war und allmählich
-sich immer mehr vervollkommnet hatte. Wie einige
-jener glücklichen Sterblichen, die es wohl verdienten,
-daß sie den Geist der Natur begriffen und in ihre
-erhabenen Geheimnisse eindrangen, gelehrt haben, steht
-die Entfernung der Planeten von der Sonne mit ihrem
-Alter in einem ursächlichen Zusammenhange. Die<span class="pagenum"><a id="Page_16">[16]</a></span>
-entferntesten sind gleichzeitig die ältesten und die in
-ihrer Entwicklung am weitesten vorgeschrittenen.</p>
-
-<p>Neptun, der sechshundertundfünf Millionen Meilen
-von der Sonne entfernt ist, ist vor Milliarden von
-Jahrhunderten zuerst aus dem Sonnennebel hervorgegangen
-&ndash; Uranus, der sich in einer Entfernung von
-dreihundertsechsundachtzig Millionen Meilen um den
-gemeinsamen Mittelpunkt aller Planeten bewegt, zählt
-ein Alter von mehreren hundert Millionen von Jahrhunderten
-&ndash; Saturn, dessen Entfernung von der Sonne
-hundertzweiundneunzig Millionen Meilen beträgt, hat
-an seinem ehrwürdigen Haupte auch schon mehr als
-hundert Millionen von Jahrhunderten vorbeiziehen
-sehen &ndash; Jupiter, dessen ungeheure Masse in einer
-Entfernung von hundertundfünf Millionen Meilen
-um die Sonne ihre Bahnen zieht, ist siebzig Millionen
-von Jahrhunderten alt. Mars zählt tausend Millionen
-von Jahren; von der Sonne ist er dreißig und eine
-halbe Million Meilen entfernt. Unsere Erde wandert
-in einem Abstand von zwanzig Millionen Meilen
-um die Sonne und ist aus ihrem glühenden Schoß
-vor hundert Millionen Jahren hervorgegangen. &ndash;
-Erst fünfzig Millionen Jahre mögen es her sein, daß
-Venus sich von der Sonne getrennt hat; in einem
-Kreise von vierzehn und einer halben Million Meilen
-bewegt sie sich um die Sonne. Nur ein Alter von zehn
-Millionen Jahren zählt Merkur, dessen Entfernung
-von der Sonne gegen acht Millionen Meilen beträgt.
-Auch er hat in der Sonne seinen Ursprung genommen,
-dagegen ist der Mond ein Kind der Erde.</p>
-
-<p>Unser wanderndes Gestirn war bei allen diesen
-Schöpfungen zugegen gewesen, und besser als jeder
-andere kannte es die himmlische Genealogie, aber wie<span class="pagenum"><a id="Page_17">[17]</a></span>
-es ja Personen von großem Wissen immer tun, suchte
-auch es stets, seine Kenntnisse zu vermehren, und sein
-ganzes Leben verbrachte es damit, Beobachtungen
-anzustellen. Saturn also, dessen Bahn der Komet
-jetzt entlang fuhr, befand sich in voller Blüte. Der
-Segen, den eine unter begünstigenden Umständen vorgenommene
-Arbeit gewährte, machte sich überall bemerkbar.
-Da sah man Binnenmeere, die mit zahlreichen
-Fahrzeugen bedeckt waren, die, in keiner Weise durch
-das flüssige Element behindert, rasch dahinfuhren; da
-gab es Häfen, in denen die Schätze aller Länder zur
-Schau gestellt waren. Kleinere Schiffe bevölkerten die
-Flüsse, und das Land war von einem engen Netz von
-Straßen durchzogen, auf denen hohe, prächtige Gefährte
-dahinrollten. In den blauen Lüften sah man eine
-ganze Flotte segeln, und hoch oben von Türmen stiegen
-weitere Luftschiffe empor, um ihren Weg nach den
-Gipfeln steil abfallender Berge zu nehmen. Hier hatte
-in der Tat der Geist die Materie überwunden, und
-das Reich der Saturnbewohner erstreckte sich von tief
-unten, vom Boden der Abgründe, bis hoch hinauf auf
-die Gipfel der Berge. Wie in einem unsichtbaren Gewebe
-vereinigten sich die Fäden dieses Organismus
-an einer einzigen Stelle. Betrachtete man diesen
-Weltkörper von seinen Polen aus, so bemerkte man
-ein ungeheuer großes System von Ringen, die über
-ihm in unermeßlicher Höhe ausgespannt waren, und
-bis zu denen doch die Luftschiffe emporstiegen. Außer
-der »inneren« Welt auf dem Saturn, wie wir sie
-nennen wollen, gab es noch eine andere, eine »äußere«
-Welt, die von der ersten vierundeinhalbtausend Meilen
-entfernt war und sich fünfundvierzigtausend Meilen
-weit erstreckte. Nur durch die Luft, die Atmosphäre,<span class="pagenum"><a id="Page_18">[18]</a></span>
-stand sie mit der »inneren« Welt in Verbindung. Jenseits
-dieser zweiten Welt, die einem Ringe gleich Saturn
-umschloß, konnte man noch acht andere Ringe erkennen,
-die Kreisen von orange oder grünlicher Farbe glichen
-und sich umeinander drehten. Der Geist und Scharfsinn
-der Saturnbewohner hatte diesen Weltkörper vollständig
-unter seine Herrschaft gebracht, und von seiner
-»inneren« Welt aus strahlte ihre Macht aus, um sich
-auf ihre »äußeren« Welten zu verbreiten.</p>
-
-<p>Wenn man, unter dem Schatten einer Palme gelagert,
-die üppige, in Farbenpracht erglühende Landschaft
-Afrikas betrachtet, mag es wohl vorkommen, daß
-man einschlummert und dann plötzlich aus einem düstern
-Traum aufschreckt, um sich inmitten der fruchtbarsten
-Landschaft zu sehen. Ganz ebenso erging es unserem
-Kometen, als er nach dem Abschied von der unansehnlichen
-Erde von Träumen umfangen, erst in der Nähe
-des prächtigen Saturn erwachte. Er verlangsamte
-seinen Weg und mit größerer Aufmerksamkeit als je
-vorher betrachtete er diese wunderbare Welt &ndash; die
-dadurch entstandene Verzögerung in seiner Umlaufszeit
-verzeichnen die Astronomen des Neptun als
-»saturnale Störung«&nbsp;&ndash;. Und als er an diesem großen
-und schönen Weltkörper vorbeifuhr, da glaubte er
-wirklich aus einem bösen Alpdrücken erwacht zu sein.</p>
-
-<p>Was war die Erde neben diesem prächtigen Stern?
-Die Erde! Eine winzige, unscheinbare Kugel, auf der
-das Leben sich gerade zu regen begann und sich in Formen
-kleidete, von denen zu reden kaum erfreulich war;
-eine chaotische Masse, deren verschiedene Elemente
-untereinander vermischt blieben, kurz &ndash; ein reines
-Nichts. Denn als der Komet sich umwandte, konnte
-er bei der ungeheuer großen Entfernung die Erde nur<span class="pagenum"><a id="Page_19">[19]</a></span>
-noch als einen schwarzen Fleck vor der Sonne erkennen.
-Das mag es auch entschuldigen, daß die Erde bei
-dem Kometen ins Vergessen geriet und daß ihm eine
-geringfügige Schöpfung, wie es unser Planet damals
-noch war, gleichgültig blieb.</p>
-
-<hr class="chap" />
-<div class="chapter">
-<h2 id="Zweites_Kapitel"><span class="h2meta">Zweites Kapitel.</span><br />
-Umwälzungen auf der Erde.</h2>
-</div>
-
-<p>Die Gleichgültigkeit, die der Komet der Erde gegenüber
-bewahrte, war so stark und andauernd, daß er
-dreiundzwanzigmal in seine Sonnennähe kam, ohne
-daß er es sich einfallen ließ, auch nur einen einzigen
-Blick auf den kleinen Erdball zu werfen. Und wäre
-nicht ein ganz merkwürdiges Ereignis eingetreten, das
-ihn ganz ohne seine Absicht zwang, der Erde ein wenig
-Aufmerksamkeit zuzuwenden, so würde er sie wohl
-noch länger unbeachtet gelassen haben.</p>
-
-<p>Als der Komet zum vierundzwanzigsten Male
-in ihre Nähe kam &ndash; es war dies gegen das Jahr
-Fünfhundertvierunddreißigtausend&shy;fünfhundertundvierundsechzig
-vor Christi Geburt &ndash; führte ihn sein Weg
-sehr dicht an der Erde vorbei, denn die beiden Gestirne
-kreuzten sich auf ihren Wegen, und zwar so
-nahe, daß die Erde während fünf Tagen und fünf
-Nächten in dem neblichten Schweife des Kometen
-blieb. Der Schweif gab dem Kometen eine Ausdehnung
-von achtunddreißig Millionen Meilen, vom
-Kopfe bis zur äußersten Spitze gemessen, und er bildete
-eine ungeheure Nebelfläche, die einige hunderttausend
-Meilen in der Breite maß. Im allgemeinen<span class="pagenum"><a id="Page_20">[20]</a></span>
-ist dies die Gestalt des Schweifes der Kometen; die
-Fläche ist mehr oder weniger ausgeweitet und nähert
-sich bisweilen auch der Fächerform. Infolge der
-großen Abstoßungskraft des Sonnenlichtes ist die
-Atmosphäre von einer außerordentlichen Dünne. Die
-Hitze löst alle Teile des Kometen, die dafür empfänglich
-sind, und was sich während der langen Entfernung
-des Kometen von dem Feuerherde der Sonne verdichtet
-hatte, verflüchtigt sich. Diese verflüchtigten
-Teile, die von nur sehr geringem Gewichte sind, nehmen
-aber sehr viel Raum ein und suchen sich vom
-Kern des Kometen, der auf sie eine nur schwache Anziehung
-ausübt, zu entfernen. Wie groß auch ihre
-Ausdehnung sein mag, ihr Gewicht beträgt nicht viel,
-und man könnte ganz gut ein Stück von der Größe
-der Notre-Dame-Kirche oder der Pariser Sternwarte
-aus ihnen herausschneiden und es wie eine Luftblase
-verschlucken.</p>
-
-<p>Wir sagten, daß die Erde fünf Tage und fünf
-Nächte lang in dieser Dunsthülle blieb. Man wird
-vielleicht erstaunt sein, daß nach einer solchen Begegnung
-unser Planet noch existiert, aber noch mehr
-wird man wohl erstaunen, wenn wir erwähnen, daß
-die zu jener Zeit lebenden Wesen von dieser Begegnung
-gar nichts merkten. Es hätte also wenig Zweck,
-bei diesem Kapitel von der Möglichkeit eines Zusammenstoßes
-der Erde mit einem Kometen lange zu
-verweilen; wir wollen indessen hören, welcher Meinung
-namhafte Astronomen hierüber sind.</p>
-
-<p>Einer der bedeutendsten<a id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">2</a> unter ihnen glaubte, daß
-die Kometen viel schwerer seien, als man auf Grund<span class="pagenum"><a id="Page_21">[21]</a></span>
-früherer Hypothesen bis dahin anzunehmen wagte.
-»Die Meere ergießen sich aus ihren bisherigen Becken,«
-sagte er, »um auf einen neuen Äquator zuzuströmen.
-Eine große Zahl von Menschen und Tieren wird in
-dieser neuen allgemeinen Sintflut ertrinken oder infolge
-des heftigen Stoßes, dem der Erdball ausgesetzt ist,
-umkommen. Ganze Arten von Tieren werden vollständig
-vernichtet werden. Alle Denkmäler menschlichen
-Fleißes werden zugrunde gehen. Solche unheilvolle
-Folgen müßte der Zusammenstoß mit einem Kometen
-nach sich ziehen.« &ndash; »Wenn der Schweif eines Kometen
-mit der Erde zusammenträfe«, urteilt ein anderer,<a id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">3</a>
-»oder wenn ein Teil des Stoffes, aus dem sich dieser
-zusammensetzt, in den Tiefen des Weltalls auseinanderginge
-und infolge seiner Schwerkraft auf die
-Erde herniederfiele, dann würden die damit verbundenen
-Ausdünstungen bei Tieren und Pflanzen recht
-empfindliche Wirkungen hervorbringen. Denn es ist
-sehr wahrscheinlich, daß Gase, die aus so weit entfernten
-und so seltsam beschaffenen Welten zu uns
-kommen, die überdies noch im höchsten Grade erhitzt
-sind, für alles, was sich auf der Erde befindet, verhängnisvoll
-werden und dort die größten Verheerungen
-anrichten müßten«. Und ein Dritter<a id="FNanchor_4_4"></a><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">4</a> meint: »Schon
-bei der gegenseitigen Annäherung zweier solcher Körper
-müßten sich ohne Zweifel große Änderungen in
-ihrem Laufe vollziehen, sei es, daß diese Änderungen
-durch die gegenseitige Anziehung herbeigeführt
-würden, sei es, daß die Gase, die sich zwischen
-ihnen befänden, unter zu hohen Druck kämen. Das
-mindeste, was eine derartige Annäherung zuwege<span class="pagenum"><a id="Page_22">[22]</a></span>
-bringen müßte, wäre eine Verschiebung der Achse
-und der Pole der Erde. &ndash; Ohne Zweifel stellen die
-Schweife der Kometen ungeheure Ströme von Ausdünstungen
-und Gasen dar, die infolge der Wirkung
-der Sonnenhitze aus dem festen Kern des Kometen
-entwichen sind. Ein Komet könnte mit seinem Schweif
-so nahe an der Erde vorbeigehen, daß wir in dem
-feurigen Strom, den er mit sich schleppt, ertrinken,
-oder in der Atmosphäre, die ihn umgibt und die von
-derselben Beschaffenheit ist, umkommen müßten. Bei
-ihrem Herannahen an die Sonne haben einige Kometen
-einen so hohen Hitzegrad erreicht, daß sie erst in
-fünfzigtausend Jahren sich abkühlen können. Welche
-Wirkung würde diese Hitze nun auf die Erde ausüben?
-Sie würde in Asche zerfallen oder in eine
-glasige Masse verwandelt werden. Der Schweif allein
-würde die Erde mit einem feurigen Strom überschwemmen
-und ihre sämtlichen Bewohner vernichten,
-genau so wie ein Haufen Ameisen in kochendem Wasser
-umkommt, das man über ihn gießt.«<a id="FNanchor_5_5"></a><a href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">5</a></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_23">[23]</a></span></p>
-
-<p>Der Engländer Whiston war der erste, der den
-verschiedenen Kometen bestimmte verhängnisvolle Einwirkungen<span class="pagenum"><a id="Page_24">[24]</a></span>
-auf unsere Erde zugeschrieben hat. Den
-Kometen von 1680 sah er als die Ursache der Sintflut
-an und er behauptet, daß dieser Komet auf seinem
-Rückweg von der Sonne eines schönen Tages die Erde
-mit seinen feurigen und todbringenden Ausdünstungen
-überschütten werde und so ihren Bewohnern all das
-Unheil bringen würde, das ihnen für den Jüngsten
-Tag prophezeit ist; zu guter Letzt würde er den allgemeinen
-Weltenbrand entzünden, der unseren Planeten
-aufzehren müßte.</p>
-
-<p>Anderseits versichert uns Newton, daß ein Komet
-ohne Kern, wenn er auch so groß wäre, daß er von der
-Erde bis zum Saturn reichte, doch in einem Würfel
-von fünfundzwanzig Millimeter Seitenlänge Platz finden
-könnte, wenn er auf denselben Grad verdichtet
-würde wie die atmosphärische Luft, die wir atmen.
-Neuere Forschungen über die Masse der Kometen haben
-ein Resultat ergeben, das auch die geringste Beunruhigung
-schwinden läßt. Wenn der größte Komet
-auf unsere Erde stürzen würde, könnte er keine andere
-Wirkung hervorrufen als etwa eine Mücke, die eine
-Lokomotive aufhalten will, und auch seine Gase können
-unsere Atmosphäre in keiner Weise beeinflussen.</p>
-
-<p>Die Bewohner unserer vorsintflutlichen Welt
-brauchten aber die Begegnung, die ihnen drohte, um<span class="pagenum"><a id="Page_25">[25]</a></span>
-so weniger zu fürchten, als sie damals noch vollkommen
-im Wasser lebten und dort ihr Dasein fristeten.
-Die nur unter dem Mikroskop wahrnehmbaren Infusorien,
-die Fische und Amphibien merkten nichts von
-dem Vorgang.</p>
-
-<p>Für unsere Erde war das Ereignis vielmehr von
-Vorteil, insofern als die Begegnung unseren erhabenen
-Reisenden aus seiner jahrtausendelang dauernden
-Gleichgültigkeit gegen sie riß. Der Durchgang des
-Erdballs, der nicht weit von seinem Kopfe erfolgte,
-übte auf seinen Geist, wenigstens vom irdischen Gesichtspunkte
-aus betrachtet, einen recht günstigen Einfluß
-aus. Er geruhte von der Kugel Kenntnis zu
-nehmen, die durch seinen Schweif hindurchpassierte.
-Man wird es gewiß glauben, daß die Erde, der ihre
-lange Einsamkeit wohl nicht kurzweilig gewesen sein
-mochte, den Augenblick des Durchgangs nicht verschlafen
-hat; und ein seltsameres Schauspiel als jetzt
-hatte sich dem Auge des Kometen noch nie geboten.
-Zwei steil abfallende Felsen schützten die Einfahrt zu
-einer Halbinsel, und auf diesen, hoch in die Wolken
-ragenden Felsen saßen als bizarre Gruppe zwei wunderlich
-aussehende, ungewöhnlich gebaute Geschöpfe,
-die sich, ohne eine Miene zu verziehen, unausgesetzt
-scharf ansahen.</p>
-
-<p>Es waren dies der Pterodaktylus und der Ramphorynchus,
-zwei Arten von Fledermäusen in der ungefähren
-Größe eines Hammels, zwei lebende Sphinxe,
-die mit ihren ausgebreiteten Flügeln Bäumen mit lang
-herabhängenden Blättern glichen. Von diesem Anblick
-betroffen, rief der Komet seine Erinnerungen
-wach, und es fiel ihm ein, daß er schon vor dreiundsiebzigtausend&shy;fünfhundertundsechzig
-Jahren Gelegenheit<span class="pagenum"><a id="Page_26">[26]</a></span>
-gehabt hatte, diese kleine Kugel und ihre höchst
-sonderbare Bevölkerung wahrzunehmen.</p>
-
-<p>Und er ging nun ernstlich ans Werk, sich die Erde
-recht genau anzusehen. Auf den ersten Blick erkannte
-er, daß die äußere Gestaltung der Oberfläche sich ganz
-auffallend verändert hatte, daß sich in dem großen
-Ozean, der vorher die ganze Erde bedeckte, nunmehr
-bereits kleine Kontinente gebildet hatten, und daß eine
-noch immer sehr üppige Vegetation ihre Herrschaft
-über den Erdball jetzt mit einem schon ziemlich bedeutenden
-Tierreich zu teilen hatte. Auch die Gestalt, die
-diesem Tierreich eigentümlich war, fiel ihm sofort auf,
-und er war darüber in nicht geringem Grade erstaunt.
-Bei seinem letzten Besuche hatte er in der Hauptsache
-nur Muscheln entdecken können, und jetzt erregten
-seine Aufmerksamkeit &ndash; Krokodile, aber Krokodile von
-jeder Gestalt, von jeder Farbe, von jeder Größe. Auf
-dem Festlande, im Meere, hoch in den Lüften, waren
-Krokodile, Eidechsen und andere Reptilien zu sehen,
-hier solche mit Flossen, dort andere mit Flügeln, kurz,
-eine Unmasse von Krokodilen.</p>
-
-<p>Er ließ seinen Blick forschend auf die Ebene und
-das Gebirge schweifen und die ungeheure Menge der
-riesenhaften Saurier an seinem Auge vorbeiziehen.
-Da waren die verschiedenen Ichthyosaurusarten, der
-<em class="antiqua">I. communis</em>, der <em class="antiqua">I. intermedius</em>, der <em class="antiqua">I. platyodon</em>, der
-<em class="antiqua">I. tenuirostris</em> usw. usw. Einige maßen dreißig Fuß
-in der Länge. Ganze Herden dieser Reptilien schwammen
-im offenen Meer wie heutzutage die Walfische;
-oben, an ihrem Kopfe, und zwar wagerecht liegend,
-trugen sie Augen, die einen Fuß lang und so gebaut
-waren, daß sie nach Belieben entweder als Fernrohr
-oder als Mikroskop benutzt werden konnten. Bewaffnet<span class="pagenum"><a id="Page_27">[27]</a></span>
-waren sie mit einem vorzüglichen Gebiß, und wenn
-sich das Maul auftat, maß die Öffnung des Rachens
-mehr als drei Fuß, und es zeigten sich zwei Reihen
-von hundertundachtzig Zähnen. Die Wirbelsäule setzte
-sich bei ihnen aus hundert Wirbeln zusammen und
-ermöglichte ihnen die gelenkigsten und biegsamsten
-Gliederbewegungen. Er sah ganze Scharen von Plesiosauriern
-sich vom Ufer ins Meer stürzen. Es waren
-dies mit den geschilderten Arten verwandte Reptilien,
-die aber zu gleicher Zeit von der Schlange
-den unverhältnismäßig langgestreckten, dünnen Hals,
-von den Vierfüßlern den Rumpf und von den Walfischen
-die Flossen hatten. Er sah in gefährlichen
-Zusammenrottungen die furchtbaren Poekilopleurusarten
-mit ihren gewaltigen Krallen und ihren spitzen
-Zähnen, ferner die Hyleosaurier, die Cetiosaurier,
-die Stenosaurier und die Streptospondylen. Auch
-die Teleosaurier, jene Freibeuter der vorsintflutlichen
-Meere, bemerkte er. Er sah ganze Scharen von Pterodaktylen
-in die Lüfte aufsteigen, jener riesigen Fledermäuse,
-deren entsetzlicher Rachen sechzig drohende
-Zähne zeigte, und die ihr Leben damit verbrachten,
-daß sie von einem Baum zum anderen, von einem
-Felsen zum anderen flogen. Auch die mit Pflanzen
-bewachsenen Höhen setzten durch ihr düster-ernstes
-Aussehen den Kometen in recht große Verwunderung.
-Da waren dicke Stämme von großen Schachtelhalmen,
-langes Schilfrohr, riesenhafte Farnkräuter, Nadelhölzer,
-die unserer Tanne ziemlich ähnlich waren, und
-schlanke Pandangen (<em class="antiqua">Pandanus</em>) mit ihren hoch über
-den Boden aufragenden Luftwurzeln.</p>
-
-<p>Beim Anblick dieses mehr unheimlich als schön
-wirkenden Panoramas wurde der Komet nachdenklich.<span class="pagenum"><a id="Page_28">[28]</a></span>
-Dreihundertfünfundsechzigmal sah er vor seinen Augen
-die Erde sich um sich selbst drehen, und dreihundertfünfundsechzigmal
-hatte er Gelegenheit, die gesamte
-Erdoberfläche zu überschauen. Da, plötzlich, ertönte
-ein furchtbares Krachen. Auf dem Grunde des Meeres
-hatte sich die Rinde der Erdoberfläche gespalten, und
-während aus den im Aufruhr befindlichen Eingeweiden
-der Erde wütende Flammen emporschossen, ergoß sich
-mit grauenhaftem Getöse das Meer in einen Abgrund,
-der sich plötzlich aufgetan hatte. Die oben geschilderten
-Ungetüme wurden von den Wogen der mit furchtbarer
-Gewalt daherströmenden Wasserfluten fortgerissen,
-und wütende Schreie ausstoßend, kamen sie
-darin um, während die geflügelten Reptilien mit unheilverkündendem
-Gekrächze so rasch als möglich durch
-die Luft zu entkommen suchten. Die Gestade entvölkerten
-sich, und die mit Elektrizität überladene
-Atmosphäre entlud sich in heftigen Blitzschlägen, die
-die Luft durchzuckten. Bald vermischte sich auch das
-dumpfe Rollen eines bisher noch nie gehörten Donners
-mit dem Toben und Brausen des Unwetters, und es
-schien, als ob eine ungeheure Umwälzung die gesamte
-Erdoberfläche zerrissen und gespalten hätte.</p>
-
-<p>Unser Komet hatte leider seine Geringschätzung
-gegen unsere Erde noch immer nicht überwunden und
-er dachte gar nicht daran, unseren Planeten ernst zu
-nehmen. Seit Tausenden von Jahrhunderten war er
-gewohnt, an seinen Augen Welten vorbeiziehen zu
-sehen, die auf den Pfaden der Zivilisation schon weit
-vorgeschritten waren, wie das mit Neptun und Uranus
-der Fall war, andere, wie Saturn, waren eben auf
-der Höhe ihrer Entwicklung angelangt, und er
-konnte sie in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit<span class="pagenum"><a id="Page_29">[29]</a></span>
-überschauen; wieder andere &ndash; Jupiter gehörte zu diesen
-&ndash; bereiteten sich zu einer großartigen Entfaltung
-vor, und noch andere schließlich &ndash; zu diesen
-zählte Mars &ndash; befanden sich noch im Frühling ihres
-Lebens. Der Verkehr mit diesen der Erde überlegenen
-Planeten hinderte ihn vorläufig daran, dem Erdball
-eine gerechte Würdigung zuteil werden zu lassen, und
-so beharrte er in seinem Vorurteil und verfiel auch
-bald wieder in seine frühere Gleichgültigkeit.</p>
-
-<p>Während er noch in seinen Träumereien befangen
-war, nahm die gewaltige Erdrevolution ihren Fortgang.
-Es erstand die Juraformation; bei ihrer
-Bildung wurden die Fundamente des Erdballs von
-Grund aus erschüttert, und die Erde bebte, als ob sie
-von einem heftigen Taumel befallen worden wäre.
-Die Meere ergossen sich in die brennenden Tiefen oder
-überströmten Gegenden, die durch die geologische Umwälzung
-eingesunken waren. Aus Quellen, die plötzlich
-im Schoße der Erde entsprangen, stiegen neue
-Meere auf, und Ebenen krümmten sich empor, ähnlich,
-wie man auf der Oberfläche des im Schmelzen befindlichen
-Metalls sich Luftblasen bilden sieht. Das flache
-Land machte neuen Gebirgen Platz, und dort, wo sich
-früher Berge und Hügel erhoben, dehnte sich jetzt eine
-kahle oder durch mannigfache Erhebungen unterbrochene
-Ebene aus. So hatte die Oberfläche des Erdballs
-sich ganz und gar geändert. Der Komet hatte auf
-seinem Fluge durch das Weltall die Erde noch nicht
-aus seiner Sehweite verloren, als ihm klar wurde,
-daß die Umwälzungen, deren Vorspiel für einen Augenblick
-seine Gedanken abgelenkt hatte, mit unvermindertem
-Ungestüm fortdauerten, und daß für die Erde eine
-neue Schöpfungsperiode begonnen hatte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_30">[30]</a></span></p>
-
-<p>Mit einer Schnelligkeit von ungefähr vierzigtausend
-Meilen in der Stunde, oder neunhundertsechzigtausend
-Meilen an einem Tage, setzte der Komet
-seine Reise fort. Diese Schnelligkeit, mit der er
-seine Reise angetreten hatte, verminderte sich, je
-weiter er sich von seinem Ausgangspunkte entfernte,
-und drei Monate, nachdem er aus dem Bannkreise der
-Erde entschwunden war, bot sich dem himmlischen
-Wanderer eines der seltsamsten Schauspiele dar. Zu
-damaliger Zeit kreisten zwischen der Umlaufsbahn,
-die der Mars beschreibt, und derjenigen des Jupiter
-verschiedene Planeten, die ursprünglich einen Ring
-gebildet hatten, der sich in der Zwischenzeit, die
-zwischen dem Entstehen des Jupiter und dem des
-Mars liegt, von der gemeinschaftlichen Mutter aller
-Planeten, der Sonne, losgelöst hatte. Anstatt nun,
-wie es bei allen anderen Planeten der Fall gewesen
-war, sich in <em class="gesperrt">eine</em> Weltkugel umzuwandeln, hatte dieser
-sonderbare Weltenring eine ganze Menge neuer
-Weltkörper aus sich heraus entstehen lassen, die sämtlich
-so eigenartig und zerbrechlich wie er selbst waren.
-Wie alle anderen Planeten drehten sich auch diese
-Weltkugeln um die Sonne, wie diese hatten auch sie
-ihre Jahre, ihre Jahreszeiten und ihren Wechsel von
-Tag und Nacht. Als nun der Komet, der über die
-gewaltsamen Veränderungen auf der Erde noch in
-Nachdenken versunken war und gerade darüber philosophierte,
-welches Geschick wohl einst dem ganzen
-Weltenall bevorstehen werde, sich der Bahn des größten
-unter diesen kleineren Planeten näherte, kam diese
-immerhin gewaltige Kugel, die sich mit einer Geschwindigkeit
-von neuntausend Meilen in der Stunde vorwärts
-bewegte, in gerader Linie auf ihn losgestürzt; sie<span class="pagenum"><a id="Page_31">[31]</a></span>
-mußte auf den Kometen an dem Punkte auftreffen,
-an welchem er ihre Bahn zu kreuzen im Begriffe
-stand. Ein Zusammenstoß schien ganz unvermeidlich
-&ndash; da, wenige Augenblicke vor der drohenden
-Katastrophe explodierte dieser Himmelskörper wie eine
-Bombe. Gase stiegen auf und verbanden sich mit
-den im Schweife des Kometen vorhandenen, und man
-konnte sehen, wie etwa zehn einzelne Teile sich loslösten
-und selbständig ihre Reise durch den Weltenraum
-fortsetzen. Es ereignete sich hier ein Weltuntergang,
-und zwar hatte der zerstörte Himmelskörper
-zweifellos ein frühzeitiges Ende gefunden, das schon
-lange Zeit in seinem Innern wirkende Kräfte mußten
-hervorgerufen haben. Die Katastrophe fand in einer
-Entfernung von achtundsechzig Millionen zweihundertundsechzehntausend
-Meilen von der Sonne statt. Vielleicht
-haben wir hier den Ursprung jener kleinen, nur
-durch den Refraktor wahrnehmbaren Planeten Ceres,
-Daphne, Thisbe, Sirona und Arduina zu suchen, welche
-sämtlich 2.77 von der Sonne entfernt sind, wenn man
-die Entfernung der Erde von der Sonne als Einheit
-nimmt. Es sieht fast so aus, als ob diese kleinen Gestirne
-Jahr für Jahr einmal den Ort wiedersehen müssen,
-an dem jenes furchtbare Naturereignis stattfand, das
-sie für immer trennen sollte.</p>
-
-<p>Hier fand unser Komet seinen Weg nach Damaskus
-und hier vollzog sich in seinem Geiste eine dauernde
-Wandlung. Hier war es, wo er für die Erde jene
-Sympathie faßte, von der er seitdem stets beseelt geblieben
-ist. Es ist wohl möglich, daß er ohne diese
-erschütternde Katastrophe noch lange in seiner Gleichgültigkeit
-gegen die Erde verharrt hätte. Aber auch
-bei ihm zeigte sich, was man schon so vielfach beobachtet<span class="pagenum"><a id="Page_32">[32]</a></span>
-hat: es bedarf nur eines plötzlichen Anlasses, um selbst
-starke Charaktere umzuwandeln. Das Gefühl wohlwollender
-Anteilnahme, wie es im allgemeinen die
-Mächtigen der Welt den Kleinen entgegenbringen,
-war es, das angesichts dieser Katastrophe schmerzliche
-Erinnerungen an die Erde in ihm wachrief. Einen
-Augenblick lang fürchtete er auch für das Dasein der
-Erde! Arme Erde! Wenn die furchtbare Umwälzung,
-die auf ihr vor kurzem begonnen hatte, ihr verhängnisvoll
-werden und sie daran zugrunde gehen sollte,
-bevor sie überhaupt noch geboren war! Wie würde
-sie sich in den schweren Kämpfen behaupten können,
-die sie noch zu bestehen hatte? Ob sie Kraft genug
-besaß, die Krisis zu überwinden und ihr Dasein zu
-verteidigen? Ob es ihr wirklich beschieden sein mochte,
-für immer solch wilden und grausamen Geschöpfen
-ungastlichen Aufenthalt zu gewähren?</p>
-
-<p>Von diesem Tage an interessierte er sich für die Erde,
-und ihr Schicksal ging ihm um so mehr zu Herzen, je
-unvollkommener sie in ihrer Entwicklung noch war. Oft
-überraschte er sich dabei, wie sich ganz unwillkürlich
-seine Gedanken mit dieser bescheidenen Schöpfung befaßten,
-und oft zog er, in seinen Gedanken tief bekümmert,
-an den glänzendsten Welten vorbei, ohne
-diese auch nur eines Blickes zu würdigen. Ja, es kam
-so weit mit ihm, daß ihm seine Reise durch den Weltenraum
-zu lang wurde. Dreitausendunddreiundsechzig
-und ein halbes Jahr von der Erde entfernt zu bleiben
-und nur höchstens achtzehn Monate in ihrer Nähe verweilen
-zu dürfen, schien ihm ganz außer Verhältnis
-zu stehen. Der kleine Erdball faßte schließlich in seinen
-Gedanken Platz und schien sich dort immer mehr befestigen
-zu wollen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_33">[33]</a></span></p>
-
-<p>Mit Ungeduld erwartete der Komet das Herannahen
-des Sommers. Der Sommer-Sonnenstillstand
-bedeutet für die Kometen den Zeitabschnitt, in dem
-sie ihren Flug nach ihrem Perihelium richten, d. h.
-sich wieder der Sonne zuwenden und somit auch der
-Erde wieder nähern. Sobald er merkte, daß die
-Strahlen der Sonne immer wärmer wurden, und
-sehen konnte, wie ihre Scheibe sich mehr und mehr vergrößerte,
-wußte er auch, daß das Ende des Frühlings
-gekommen war. Kaum wurde er der Erde wieder
-ansichtig &ndash; und zwar sah er sie bald vor der Sonne
-in Gestalt eines schwarzen, runden Fleckes, in Form
-einer Mondsichel oder eines Halbmondes, bald auf
-der rechten, bald auf der linken Seite des leuchtenden
-Gestirns &ndash; als er auch mit Wohlbehagen merkte, wie
-seine Geschwindigkeit zunahm und er seinem sehnsüchtig
-erstrebten Ziele immer näher kam. In seinem
-schnellen Laufe erreichte er endlich die Erde, die er
-immer mehr liebgewinnen sollte, und schon am ersten
-Tage seiner Ankunft unterzog er seine kleine Welt
-einer genauen Betrachtung.</p>
-
-<p>Er beobachtete das Erwachen der Tierwelt während
-der ganzen Sekundärzeit, von der Jura- und Liasperiode
-bis in die letzten Abschnitte der Kreidezeit.
-In einem Zwischenraume von dreitausend zu dreitausend
-Jahren konnte er verfolgen, wie die verschiedenen
-Arten, sowohl der Tier- als auch der Pflanzenwelt,
-sich langsam aber stetig weiter entwickelten. Da
-der Komet sich allmählich an die Umwälzungen, unter
-denen sich neue Ereignisse zu vollziehen pflegten, gewöhnt
-hatte; da er Zeuge gewesen war, wie große
-Fluten von Grund aus einzelne Teile der Erdoberfläche
-umgewandelt hatten; da er gesehen hatte, wie<span class="pagenum"><a id="Page_34">[34]</a></span>
-Kämpfe im Innern der Erde sich in Vulkanausbrüchen
-Luft machten, und wahrgenommen hatte, wie Gebirgsketten
-sich aus der Ebene erhoben und die Erdoberfläche
-bereits anfing, die Gestalt zu erhalten, die ihr
-in Zukunft eigentümlich sein sollte, wurde er auch
-allmählich ruhiger und fürchtete für die Erde die Folgen
-dieser Naturereignisse nicht mehr. Er glaubte
-schließlich, daß sie nur Konsequenzen eines unbekannten
-Gesetzes wären, und gewissermaßen Prüfungen,
-die der Erdkugel nur zum Nutzen gereichen könnten.
-So verfolgte er von einem seiner Jahre zum andern,
-wie sich das kleine irdische Kind in seiner Wiege
-weiter entwickelte.</p>
-
-<p>Die Wahrheit zwingt uns jedoch, nicht unerwähnt
-zu lassen, daß die liebende Sorgfalt des Kometen für
-die Erde doch noch einmal eine kleine Einbuße erlitt.
-Die Ursache davon war allgemeiner Art, und es lohnt
-sich wohl der Mühe, einen Augenblick dabei zu verweilen:
-Es war die Tatsache, daß der Umgang mit den
-Großen unsere Sympathien sehr leicht zum Nachteil
-der Kleinen beeinflussen kann. Den schöneren, oder
-sagen wir nur den größeren Teil seines Lebens verbrachte
-der Komet in der Gesellschaft der Patrizier
-des Sonnensystems, und ohne daß er es selber wußte,
-wurde er von ihrer Gesinnung angesteckt und selbst
-ein wenig hochmütig. Sein Interesse für die Erde hielt
-sich während ungefähr vierzigtausend Jahren auf derselben
-Höhe, dann aber geschah es, daß er, ganz unbewußt,
-die schöne Jahreszeit mit geringerer Sehnsucht
-erwartete. Er hatte sich an den Anblick, den
-ihm die Erde bot, gewöhnt, und er teilte seine
-Aufmerksamkeit jetzt zwischen ihr und den anderen
-Planeten. Wenn er an diesen vorüberflog, betrachtete<span class="pagenum"><a id="Page_35">[35]</a></span>
-er sie genau, und von neuem stellte er Vergleiche mit
-der Erde an, die für diese nicht vorteilhaft ausfielen.
-Zwanzigtausend Jahre lang blieb es so, und schon
-konnte man befürchten, daß die höheren Weltkörper wieder
-die vorherrschende Stellung in seinem Geiste erlangen
-würden, die sie früher darin eingenommen
-hatten. Aber die Erde schritt in ihrer Entwicklung
-rascher vor, als jene es taten, denn sie war noch
-jünger, und als zur Tertiärzeit die Oberfläche der
-Erde sich wieder vollkommen veränderte, wandte ihr
-der Komet wieder seine ungeteilte Gunst zu, an der er
-eine kurze Zeit die anderen planetarischen Welten hatte
-teilnehmen lassen.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<h3>Fußnoten</h3>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">2</span></a> Laplace.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">3</span></a> Gregory.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_4_4"></a><a href="#FNanchor_4_4"><span class="label">4</span></a> Maupertuis.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_5_5"></a><a href="#FNanchor_5_5"><span class="label">5</span></a> Es scheint fast so, als ob M. de Maupertuis hier in das Gebiet
-des reinen Romans geraten sei, denn wer erinnert sich dabei nicht
-an das seltsamste Phantasiegemälde dieser Art, an die »Unterhaltung
-von Eiros mit Charmion«, eines der originellsten Gebilde jenes originellen
-transatlantischen Erzählers? Die Begegnung des Kometen
-mit der Erde hatte zum Glück keinen so schrecklichen Verlauf. Unser
-Komet war huldvoll genug, ihre Bewohner nicht zu vergiften, dagegen
-hätte der von Edgar Poe ihr Dasein vollständig vernichtet, wie
-er auch, wenn wir dem phantastischen Dichter folgen, an jener seltsamen
-Agonie die Schuld trägt, in welche die Erde versank.
-</p>
-<p>
-»Der gefürchtete Komet kam immer näher, seine rote Scheibe wurde
-zusehends größer und nahm auch an Glanz zu. Bei seinem Herannahen
-erblaßte der Geist der Menschheit und alles menschliche Tun und
-Treiben hatte sein Ende erreicht.
-</p>
-<p>
-Auch dem Tapfersten unseres Geschlechtes schlug das Herz heftig
-in der Brust. Dieses <em class="gesperrt">neue</em> Meteor war keine astronomische Erscheinung
-mehr, sondern es war vielmehr ein Alp, der allen auf der Brust
-lag, ein Schatten, der das Gehirn verfinsterte. Mit einer Schnelligkeit,
-die das menschliche Fassungsvermögen übersteigt, hatte er das
-Aussehen eines ungeheuren leuchtenden Flammenmantels angenommen,
-der in seiner ganzen Länge am Himmel ausgespannt war.
-</p>
-<p>
-Noch einen Tag &ndash; und die Menschheit atmete viel freier. Es
-war zweifellos, sagt der Augenzeuge, daß wir bereits unter dem Einflusse
-des Kometen standen, und doch lebten wir immer noch. Ja,
-wir erfreuten uns sogar einer viel größeren Elastizität der Glieder
-und einer ganz außergewöhnlichen geistigen Spannkraft. Aber auch
-die Vegetation hatte sich zur selben Zeit ganz merkwürdig verändert.
-Alle Pflanzen entfalteten wie durch einen Zauberspruch eine so wunderbare
-Blüten- und Blätterpracht, wie sie vorher noch nie gesehen
-worden war.
-</p>
-<p>
-Aber auch noch eine andere, höchst seltsame Erscheinung griff bei
-allen Menschen Platz: die erste Empfindung des <em class="gesperrt">Schmerzes</em> gab das
-Zeichen zu allgemeinem Wehklagen und Schrecken. Dieser Schmerz
-äußerte sich in einer heftigen Zusammenziehung der Brust und der
-Lungen und in einer fast unerträglichen Trockenheit der Haut. Es
-ließ sich nicht mehr leugnen, daß die Luft ganz und gar infiziert war.
-Als die wissenschaftliche Forschung dies bestätigte, ging mit Blitzesschnelle
-ein Schaudern, das sich bald in furchtbarsten Schreck verwandelte,
-durch das Herz jedes fühlenden Menschen.
-</p>
-<p>
-Die Luft verlor ihren Gehalt an Stickstoff&nbsp;… Dagegen vermehrte
-sich in ganz auffallender Weise ihr Gehalt an Sauerstoff, dem
-Haupterfordernis zum Atmen und zum Leben. Der Komet war da
-und das war seine Wirkung. Die Überreizung der Lebensgeister und
-die Pracht, die die Pflanzenwelt entfaltete, waren die ersten Symptome.
-Wenn aller Stickstoff der Luft entzogen war, dann mußte eine
-unabänderliche, alles sofort vernichtende Verbrennung aller Dinge auf
-Erden stattfinden, der auf keine Weise zu entrinnen war.
-</p>
-<p>
-Der letzte Tag des Lebens&nbsp;… Wir atmen eine Luft, die sich
-zusehends ändert. Das Blut strömt ungestüm in seinen engen Gefäßen.
-Eine wahnsinnige Wut bemächtigt sich aller Lebenden, die geballte
-Faust strecken sie dem zürnenden Himmel entgegen und vor Angst
-zittern sie und schreien heftig&nbsp;… Einen Augenblick lang erscheint
-plötzlich ein seltsames, unheimliches Licht, das überallhin dringt und
-alles beleuchtet&nbsp;… Dann läßt sich ein schriller, durchdringender
-Donner vernehmen, als ob der Herr selbst gesprochen hätte &ndash; und
-die ganze gewaltige Menge der Luft, die uns umgibt, in der wir
-lebten, hatte sich mit einem Schlage in ein furchtbares Feuermeer
-verwandelt&nbsp;…«
-</p>
-<p>
-So Edgar Poe. Schon die bloße Erzählung einer derartigen
-Katastrophe macht uns schaudern. Aber unser Komet ist nicht so gefährlich.
-Er ist ein ehrsamer Reisender, der nur Land und Leute sehen
-will und der uns in seiner Begleitung eine wirkliche »Reise um die
-Welt« machen läßt, gegen die eine Reise um die irdische Welt ein wahres
-Kinderspiel ist.</p></div></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 id="Drittes_Kapitel"><span class="h2meta">Drittes Kapitel.</span><br />
-Morgenröte der Erde.</h2>
-</div>
-
-<p>Wie klein der Erdball auch immer war und welch
-bescheidene Stellung er auch in der unendlichen
-Schöpfung einnehmen mochte, so zeigte er sich doch
-recht wohl der Beachtung würdig, mit der ihn unser
-Komet beehrte. Nicht immer machen Gestalt und
-Größe den Wert eines Geschöpfes aus, sondern das
-Geschöpf selbst als Erzeugnis einer unendlichen Macht
-trägt an der Stirn das Siegel seines göttlichen Urhebers.
-Der kleinste Gegenstand, den die Natur geschaffen
-hat, ist so wunderbar wie der größte; die
-Allmacht, die ihn ins Leben gerufen, hat ihn für immer
-gezeichnet, und so sehen wir auch, daß sich in einem
-Wassertropfen das Sonnenlicht ebenso leuchtend spiegelt<span class="pagenum"><a id="Page_36">[36]</a></span>
-wie in dem großen Ozean. Auf seinen langen
-Wanderungen hatte sich unserem Weltreisenden diese
-Beobachtung schon längst aufgedrängt, und wenn er
-sich seinen Gedanken überließ und die auf seiner Reise
-gewonnenen Eindrücke geistig verarbeitete, dann konnte
-er nicht umhin, auch der Erde den Platz anzuweisen,
-der ihr durch den Adel ihrer Geburt zukam.</p>
-
-<p>Was die Erde betrifft, so zeigte auch sie allmählich,
-von welch vornehmer Herkunft sie war. Ganz unmerklich
-zog sie ihre Kinderschuhe aus und entledigte sich
-ihrer ungestalteten Formen, um schönere dafür einzutauschen.
-Sie strebte nach Zierlichkeit der Erscheinung.
-Früher zeigten Pflanzen und Tiere ein rohes, unförmliches
-Aussehen und boten dem Auge wenig Reiz; die
-Bäume, von schwermütigem Charakter, hatten weder
-Blüten noch Blätter, die Tiere mußten des wärmenden
-Pelzes, der schützenden Wolle, des Federkleides
-entbehren, und auch sie hatten noch keinen
-Schmuck angelegt. Aber zu der Zeit, die wir jetzt
-erreicht haben, konnte man bei den Pflanzen bereits
-Blüten und Blätter, bei den Tieren schon prächtig
-gefärbte Bekleidungen erkennen. Die Familie der
-Proteazeen wies in den verschiedenen Banksia-Arten
-bereits großartige Pflanzen mit schöngestalteten fruchttragenden
-Zweigen auf.</p>
-
-<p>Unter den Mimosoideen gab es schon Akazien und
-andere Pflanzen, die man heute nur noch im fernen
-Australien findet, dessen Pflanzen- und Tierwelt ja noch
-vielfach an die der Urwelt erinnert. Birken, Buchen,
-Nußbäume, Erlen erhoben sich neben Palmen, Tannen,
-Zypressen und Eibenbäumen, und die Arten waren
-nicht wie heutzutage durch die Schranken geographischer
-Verbreitung voneinander getrennt. In den Sümpfen,<span class="pagenum"><a id="Page_37">[37]</a></span>
-auf den Teichen und in den Flüssen sah man noch
-Schachtelhalme und Wasserkastanien; aber die riesigen
-Blumen aus der Familie der Nymphäazeen bedeckten
-bereits die Oberfläche der stehenden Gewässer mit ihren
-schönen Blüten.</p>
-
-<p>Für welches Auge waren diese Schönheiten der
-Erde in ihrer Jugendblüte geschaffen? Für welche
-Ohren war der Wohlklang, der die Natur im Brausen
-der Wellen und im Rauschen der Blätter erfüllte,
-bestimmt? Für wen boten die schattigen
-Wälder lauschige Schlupfwinkel, für wen eröffneten
-sich die herrlichen Ausblicke, für wen breiteten sich
-diese Pflanzenteppiche, die ein wechselvolles Licht mit
-schönen Mustern verzierte, aus? Wer erfreute sich
-an der Sternenpracht der stillen Nächte, die der Mond
-mit seinem ruhigen, silbernen Schein erleuchtete? Für
-wen diese erhabene Pracht? Für wen dieser strahlende
-Himmel, diese grünenden Ebenen, das Flüstern
-des sich zu natürlichen Lauben verdichtenden Blätterwerkes,
-diese prächtigen Schauspiele, die Wasser und
-Land unausgesetzt boten? Für wen die Sonne am
-Tage und die Sterne in der Nacht, der blaue Himmel,
-die vielfarbigen Wetterwolken, die goldene Pracht
-der Dämmerung, das Hervorbrechen des Regenbogens
-und der Fall der Meteore? … Für wen schuf die
-Natur diese ungeheure Arbeit? … Verständige oder
-mit Vernunft begabte Wesen waren auf der Erde
-noch nicht erschienen.</p>
-
-<p>Das Land, das heute von der Zivilisation beherrscht
-wird, die Gegend, in der Frankreichs glänzende Hauptstadt
-sich erhebt, war damals noch mit Wasser bedeckt.
-Noch nichts ließ die Gestalt erkennen, in der
-sich Frankreich heute unserem Auge darbietet. Nur<span class="pagenum"><a id="Page_38">[38]</a></span>
-große Seen und Halbinseln nahmen seine Stelle ein.
-Das Meer erstreckte sich über Paris hinaus, bis
-nach Bourges; von Valenciennes bis nach Saint-Lô
-konnte man an seinen Ufern entlang die unregelmäßige
-Kette der Kreideformation verfolgen. Während der
-Juraformation hatte sich bereits die Hochebene von
-Langres gebildet und beherrschte das eben genannte
-Meer. Die Berge, die sich mit ihren schwarzen Zinnen
-über Langres erheben, dieselben, auf denen Cäsar
-seine Wachtfeuer entzündete, die Bergeshöhlen, in denen
-sich Sabinus vor dem Zorn des römischen Adlers verbarg,
-diese ehrwürdigen Gipfel wachten schon über den
-Wogen des vorsintflutlichen Meeres. Die alte Auvergne
-und Bretagne zur Linken und die Alpen zur Rechten
-sind in den fernen Jahrhunderten der Primärzeit aus
-den Wassern entstanden. Dagegen schlief zu der Zeit,
-von der wir sprechen, die Gegend von Lyon, Tours,
-Dünkirchen noch auf dem Grunde des Meeres, und
-erst während der Tertiärzeit erhob sich das Land,
-auf dem die genannten Städte stehen, wenn auch
-nicht zu ewiger, so doch wohl zu einer recht langen
-Dauer.</p>
-
-<p>Nach der Reihenfolge ihres Erscheinens auf der Erde
-traten die Vorfahren der verschiedenen Arten unserer
-heutigen Tierwelt in deutlich zu erkennenden Entwicklungsstufen
-hervor. Auf die ausschließlich im Wasser
-lebenden Tiere waren die im Wasser und auf dem
-Lande lebenden Amphibien gefolgt, nach diesen kamen
-Geschöpfe, die nur für das feste Land bestimmt waren;
-wieder ein Hinweis darauf, daß es in der Natur keinen
-Zufall gibt, und daß die Reihenfolge und Entwicklung
-der Arten durch ewige, unabänderliche Gesetze bestimmt
-wird. Von den vierfüßigen Säugetieren erschienen zuerst<span class="pagenum"><a id="Page_39">[39]</a></span>
-die Dickhäuter: das Palaeotherium, das Anoplotherium,
-das Xiphodon, Geschöpfe, die ihrer Gestalt nach eine
-Zwischenstufe zwischen dem Rhinozeros, dem Pferde
-und dem Tapir einnahmen. Das erstgenannte, das etwa
-so groß wie ein Pferd sein mochte, hatte vom Tapir
-den Kopf, der in einen fleischigen Rüssel auslief, kleine,
-ausdruckslose Augen und kurze, plumpe Beine. Im
-Gegensatz zum Palaeotherium hatte das Anoplotherium
-lange Beine und dazu noch einen mehr als einen Meter
-langen Schwanz, der ihm beim Durchschwimmen von
-Seen oder Flüssen als Ruder diente. Das Xiphodon
-endlich ähnelte mehr unserer heutigen Gemse und war,
-wie diese, zierlich gebaut, furchtsam und schnellfüßig.
-Neben ihnen tummelten sich noch andere Arten, so das
-Lophiodon, das in seinen verschiedenen Abarten auch die
-verschiedensten Formen zeigte und in seinen Maßen von
-der Größe des Kaninchens bis zu der des Rhinozeros
-variierte, der Chiropotamus, der die Flüsse bewohnte.
-Das Meer, über dessen Wellen von Zeit zu Zeit der
-Mosasaurus sein furchtbares, drei Fuß langes Gebiß
-fletschte, bevölkerten friedliche Wale, die Delphine
-waren seine Könige.</p>
-
-<p>Wenn wir uns in die damalige Zeit zu versetzen
-suchen, so wird uns die eigenartige Formenwelt wundernehmen,
-die unsere Erde in jener Epoche noch
-zeigte; sie bewahrte noch viel von dem fremdartigen
-Charakter, der uns bei der Betrachtung der früheren
-Perioden so sehr in Staunen gesetzt hat.</p>
-
-<p>Es war gerade zur Zeit des Beginnes der letztgeschilderten
-Periode, der Eozän-Zeit, als der Komet
-wieder die Erde erreicht hatte, und es bot sich ihm
-jetzt Gelegenheit, die irdische Landschaft in der Fülle
-ihrer Entwicklung und ihrer Fortschritte zu betrachten.<span class="pagenum"><a id="Page_40">[40]</a></span>
-In diesem Schauspiel offenbarte sich ihm das Gesetz
-der Bestimmung, und er mutmaßte, daß ein höherer,
-unbekannter Wille die Bildung dieser kleinen Welt leite
-und sie zum Aufenthalt für irgendein neues Wesen,
-das würdig sei, das Zepter einer Welt zu führen,
-vorbereite.</p>
-
-<p>Die reine Luft erlaubte es der Sonne, ihre fruchtspendenden
-Strahlen mit vollen Händen über die Erde
-auszuschütten; aus den stillen und friedlichen Gewässern
-leuchtete der blaue Himmel; Tausende von Pflanzen
-schaukelten ihren grünenden Stengel in den Lüften
-und die ersten Blumen, die am Rande der Gewässer
-standen, spiegelten sich in ihren Wellen wieder. Zahlreiche
-Herden weideten auf dem Lande und die fröhlichen
-Bewohner der Luft nahmen zu höheren Regionen
-ihren Aufschwung. Überall lachte das Leben. Schon
-traten die Unterschiede der verschiedenen Jahreszeiten
-deutlich hervor, und der Komet erkannte bereits, daß
-die Einrichtungen der Erde sich allmählich denen
-höher organisierter Welten näherten. Wie alle Kometen
-hatte auch er in seiner Bahn die größtmöglichste
-Hitze und die alleräußerste Kälte zu ertragen.
-Kam er in seinem glühenden Sommer ganz nahe an
-die Sonne heran, so entfernte er sich in seinem Winter
-so weit von ihr, daß dieser tausendmal kälter
-war als der Winter auf der Erde. In seiner Selbstlosigkeit
-war er daher stets erfreut, wenn er Welten
-begegnete, die es in dieser Beziehung besser als er
-hatten.<a id="FNanchor_6_6"></a><a href="#Footnote_6_6" class="fnanchor">6</a> Die Erde befand sich in der glücklichen
-Lage der Planeten. Das war ein Umstand, der sie<span class="pagenum"><a id="Page_41">[41]</a></span>
-in den Augen des Kometen an die andern, höher organisierten
-Welten näher heranrückte, und mit einem gewissen
-freudigen Gefühl merkte er, daß sein Interesse
-für die Erde noch immer wuchs. Die Stellung, die
-er in seinem Geiste ihr einzuräumen hatte, wurde ihm
-immer deutlicher.</p>
-
-<p>Die zwar langsamen, aber doch recht merklichen
-Fortschritte, welche die Erde in ihrer Entwicklung
-machte, gewährten unserem reisenden Gestirn Freuden,
-die ihm bis dahin unbekannt geblieben waren. Als der
-Komet einmal auf seinem Fluge durch die Welt wieder
-der Sonne sehr nahegekommen war, entdeckte er, daß
-zwischen Erde und Sonne noch zwei andere Planeten
-schwebten, nämlich Venus und Merkur. Er wollte
-seine Aufmerksamkeit nicht durch diese neuen Welten
-ablenken lassen und sich lieber das Vergnügen, das
-die Beobachtung der ersten Stufen ihrer Entwicklung
-ohne Zweifel gewähren mußte, versagen, als<span class="pagenum"><a id="Page_42">[42]</a></span>
-ihretwegen die ihm liebgewordene Erde vergessen;
-er zog es vor, die neuen Welten ganz zu übersehen,
-wie sie ja auch früher für ihn nicht vorhanden waren.
-Als er ein anderes Mal nahe an Mars vorbeizog,
-fiel ihm auf dieser Weltkugel eine ganz ähnliche
-Schöpfung, wie er sie auf der Erde gesehen hatte,
-auf, was einem Touristen eigentlich denselben Grund
-zur Neugier hätte bieten müssen. Aber wie er es
-mit Venus und Merkur gemacht hatte, so hielt er
-es auch mit Mars: er ließ ihn unbeachtet einsam
-seines Weges ziehen. Nur mit dem Erdball beschäftigte
-er sich, wenn ihn seine Bahn in die Gegenden
-führte, in denen sich unsere Erde bewegt. Aus dieser
-beiläufigen Bemerkung mag man erkennen, wie sehr er
-von seiner früheren Gleichgültigkeit gegen uns zurückgekommen
-war, und daß er in Zukunft alles sehr aufmerksam
-verfolgte, was die Erde betraf.</p>
-
-<p>Es war zur Zeit seiner hundertsten Reise &ndash;
-wenn man die, die wir zu Beginn unserer Erzählung
-erwähnt haben, als erste zählt &ndash; das heißt um das
-Jahr Dreihundertundviertausend&shy;sechshundertneunundachtzig,
-als er Zeuge des Vorspiels war, mit dem sich
-die große geologische Epoche einführte, die derjenigen,
-in der wir uns befinden, vorangegangen ist. Fünfzigtausend
-Jahre später konnte er sehen, wie jener
-Abschnitt in der Entwicklungsgeschichte der Erde &ndash;
-die Eozänformation &ndash; sein Ende erreichte. Zweihunderttausend
-Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung
-nahm dann die Periode, der man den Namen
-Miozänformation beigelegt hat, ihren Anfang.</p>
-
-<p>Aurora! Morgen des Lebens! Leuchtender Anfang!
-Später mögen die Formen des Erschaffenen wohl eine
-ausgesuchtere Eleganz, eine vollkommenere Schönheit<span class="pagenum"><a id="Page_43">[43]</a></span>
-angenommen haben, aber in dieser Frühlingszeit fühlt
-man es fast, wie in den Pflanzen der Saft aus der
-Wurzel emporsteigt und bis in die Spitze des Stengels
-dringt. Später wird der nie ruhende Fortschritt sein
-Werk vollenden: jetzt aber stehen alle Kräfte der Natur
-in ihrer größten Fülle und erwecken so viel frohe
-Hoffnungen für die Zukunft, wie dies keine spätere
-Zeit mehr tun kann.</p>
-
-<p>Wenn man sich das Weltgebäude als eine riesenhafte
-Uhr vorstellt, auf der eine Sekunde ein Erden-Jahrhundert
-bedeutet, und wenn man sich vergegenwärtigt,
-daß ein <em class="gesperrt">Tag</em> der Erde, im astronomischen
-Sinne gedacht, Tausende von Jahrhunderten umfaßt,
-dann wird man nicht mehr erstaunen, daß die
-Morgenröte eines solchen Tages nach gleichem Maße
-zu messen ist und daß sie sich über eine lange Reihe
-von Jahrhunderten erstreckt haben muß. Die Zeiten,
-nach denen wir die einzelnen Abschnitte unseres geschichtlichen
-Lebens rechnen, sind im Leben der Natur
-ein reines Nichts. Ein Jahrhundert geht an
-ihrer ewigen Jugend spurlos vorüber, und zehn, auch
-hundert Jahrhunderte rufen auf ihrer Stirn noch
-keine Altersfalte hervor.</p>
-
-<p>Wie die Kometen im allgemeinen, so befand sich
-auch unser Komet in einer viel günstigeren Lage, die
-ersten Jahre eines Weltkörpers, die nach Jahrtausenden
-zählen, zu messen, als es uns Erdenbewohnern
-vergönnt ist. Das Jahr unseres Kometen ist ja mehr
-als dreitausendmal so lang als eines von unseren
-Jahren, und dadurch hat er einen immerhin recht
-brauchbaren Anhalt, der ihm als Maßstab für die
-Dauer der verschiedenen Entwicklungsperioden der
-Erde dienen kann.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_44">[44]</a></span></p>
-
-<p>Trotz dieser langen Intervalle zwischen seinen
-Reisen, die zwar unseren Augen ungeheuer groß erscheinen,
-bei der unendlichen Dauer der himmlischen
-Körper aber recht klein sind, kam es doch vor, daß
-der Komet bei einem neuen Besuche die Änderungen,
-die sich auf der Erde seit seiner letzten Anwesenheit
-vollzogen hatten, nicht wahrnahm, denn die Umwälzungen
-auf der Erde gingen, wie gesagt, langsam vor
-sich; oft wollte es ihm scheinen, als sähe er dieselben
-Gegenden, dieselben Landschaften, dieselben
-Pflanzen und Tiere, die er schon vor dreitausend
-Jahren und früher gesehen hatte, ja er mochte sogar
-glauben, daß er dieselben Individuen, die er damals
-erblickt, noch in vollster Kraft und in demselben Alter
-vor sich habe. Wenn das schon bei der langen Dauer
-seines Jahres so war, wie würde es erst gewesen
-sein, wenn er eine kürzere Umlaufszeit gehabt hätte?
-Bei aller Anstrengung würde es ihm wohl niemals
-möglich geworden sein, sich ein genaues Bild
-von den verschiedenen Stadien der Schöpfung zu
-machen.</p>
-
-<p>Zu diesen, der Natur des Kometen eigentümlichen
-Vorzügen traten aber für unseren Helden noch andere,
-nicht minder wichtige hinzu: nämlich die ihm gegebene
-Möglichkeit, fortwährende Vergleiche zwischen der Erde
-und den anderen Planeten anzustellen.</p>
-
-<p>Die Entfernung der Planeten von der Sonne steht
-ja im Verhältnis zu ihrem Alter. Die älteste Welt
-unseres Systems ist Neptun, die jüngste Merkur. Als
-der Komet zum erstenmal in unserem Sonnensystem
-erschien, waren die älteren Planeten bereits bewohnt;
-es war ihm nicht vergönnt, Zeuge zu sein, wie sich
-auf ihnen das Leben bildete.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_45">[45]</a></span></p>
-
-<p>Neptun, der älteste und von uns am weitesten entfernte
-Planet, hatte bereits die Höhe seiner Entwicklung
-überschritten. In den entlegenen Gegenden des
-Weltenraumes, in denen er seine Bahn wandelt, würde
-unsere Erde rasch erstarren und zu Eis erkalten; nicht
-so Neptun, den, wie alle anderen Welten, die gütige
-Natur so geschaffen hat, daß seine Eigenschaften in
-vollster Harmonie mit seinen Daseinsbedingungen
-stehen. Er zieht seine Kreise um die Sonne in Jahren,
-von denen eines so groß ist wie hundertvierundsechzig
-Erdenjahre.</p>
-
-<p>Uranus, der jüngeren Datums ist, befand sich gerade
-im Mittag seines Lebenstages. Dort herrschte
-ein anderes Leben unter anderen Formen und nach
-anderen Gesetzen &ndash; ein Leben, das mit dem auf
-dem Neptun vorhandenen gar keine Ähnlichkeit hatte
-und auch von dem auf den anderen Planeten grundverschieden
-war. Uns hiervon eine Vorstellung zu
-machen, ist ganz unmöglich, denn selbst unsere kühnste
-Phantasie ist nicht imstande, sich mit Vernunft begabte
-Wesen vorzustellen, die anders als wir organisiert sein
-sollen, sie vermag es nicht, sich unbekannte Formen
-vorzustellen. Um die Welt des Uranus kreisten in
-rückläufiger Bewegung vier Monde, die, gleich ihrem
-Regenten, ihre erste Jugend schon lange als vergangene
-Zeiten betrachten durften. Ein Jahr des
-Uranus umfaßt vierundachtzig Erdenjahre.</p>
-
-<p>Wie wir früher bereits gesehen haben, stand Saturn
-in seiner schönsten Blüte und vervollkommnete
-sich immer mehr. Damit soll aber keineswegs gesagt
-sein, daß seine Bewohner mit großen Schritten der
-Höhe entgegeneilten, auf der die Bewohner des Uranus
-bereits angekommen waren. Dies würde in keiner<span class="pagenum"><a id="Page_46">[46]</a></span>
-Weise das Richtige treffen; denn was für eine Welt
-die Vollendung darstellt, ist es noch keineswegs für eine
-andere, und in der langen Geschichte der Gestirne gibt
-es keine Epoche, in der man etwa die verschiedenen
-Welten in eine bestimmte Reihe gliedern und jeder
-Welt eine bestimmte Nummer in dieser Reihe anweisen
-könnte. Jede Welt hat ihre eigene Bestimmung und
-verfolgt ihr eigentümliche Mittel, um diese Bestimmung
-zu erreichen. Bei den Bewohnern des Saturn
-ist ein Jahr dreißigmal so lang als bei uns, und ihr
-Kalender hat die Umlaufszeit von zehn Monden mit
-zu berücksichtigen.</p>
-
-<p>Jupiter befand sich noch in vollster Jugend und
-strotzte von Kraft und Leben. Man konnte ohne große
-Mühe erkennen, daß er das Stadium der Entwicklung,
-in dem sich die Erde gerade jetzt befand, schon seit
-langer Zeit durchgemacht hatte, daß aber seine Lebensäußerungen
-mit einer immer noch ziemlich beträchtlichen
-Langsamkeit vor sich gingen. Während die
-Erde zwölf Jahre zurücklegte, vollendete er erst ein
-Jahr, und noch immer herrschte auf ihm beständiger
-Frühling, obwohl die verschiedenen Jahreszeiten
-auf seiner Oberfläche bereits ihr Erscheinen zu erkennen
-gegeben hatten; acht Monde drehten sich rasch
-um ihn.</p>
-
-<p>Schon bevor der Komet die Erde zum erstenmal
-gesehen hatte, hatte er diese Beobachtungen bereits
-gemacht, und es unterliegt keinem Zweifel, daß hierin
-der Grund für seine anfängliche Geringschätzung der
-Erde zu suchen ist. Was ihm aber bei seinen Wahrnehmungen
-am meisten aufgefallen war und wohl
-auch dazu beigetragen hatte, sein Vorurteil gegen die
-Erde immer mehr zu bestärken, das war die Kleinheit<span class="pagenum"><a id="Page_47">[47]</a></span>
-unseres Planeten im Verhältnis gerade zum
-Jupiter. Es wollte ihm scheinen, als sei die Erde
-nur ein vom Jupiter losgelöster Mond, und er war
-lange Zeit nicht geneigt, sich eines Besseren belehren zu
-lassen. In der Tat muß ihm ja zugegeben werden, daß
-der Kontrast zwischen den Größenverhältnissen des
-Jupiter und der Erde ungeheuer ist. Nicht weniger
-als elfmal ist der Durchmesser des Jupiter größer
-als der der Erde, und dementsprechend mißt seine
-Oberfläche hundertundzwanzigmal mehr und beträgt
-sein Körperinhalt dreizehnhundertmal mehr als der
-der Erde!</p>
-
-<p>Mars befand sich um jene Zeit in einer ähnlichen
-Lage wie die Erde. Obgleich er ihr älterer Bruder
-ist, war er doch nicht rasch vorgeschritten, vielmehr
-war er in seiner Entwicklung aufgehalten worden.
-Als später der Komet die Erde zum Gegenstand
-seiner Forschungen gemacht hatte, beschränkte er
-sich nur auf sie, und es wäre ihm schwer gefallen,
-seine Aufmerksamkeit zwischen der Erde und einem
-anderen Gegenstand zu teilen, wenn ihm dieser nicht
-etwas weit Interessanteres dargeboten hätte. Die Erde
-blieb das Objekt seiner Gedanken.</p>
-
-<p>Der Mond war damals von dem kleinen Volk der
-Seleniten bewohnt. Man wird es leicht glauben, daß
-diese Welt in der Tat zu klein war, um das Interesse
-des erhabenen Reisenden für längere Zeit in Anspruch
-zu nehmen.</p>
-
-<p>Trotz der unserer Erde in so hohem Maße entgegengebrachten
-Neigung des Kometen, hätte doch
-beinahe ein Ereignis, wie es im Leben eines jeden
-eines Tages vorkommen kann, diesen seinen so beharrlichen<span class="pagenum"><a id="Page_48">[48]</a></span>
-und lehrreichen Beobachtungen ein Ende gemacht.
-Auch bei den Bewohnern des Weltenraumes
-gibt es gewisse Vorgänge, die man mit solchen bei
-den Erdenbewohnern in Parallele stellen kann. Wir
-müssen einen Augenblick bei einem derartigen Ereignis
-verweilen, denn es kommt ihm immerhin eine gewisse
-Bedeutung zu: wir sprechen nämlich von einer Art
-ehelicher Verbindung des Kometen.</p>
-
-<p>Schon seit siebenundzwanzigtausend Jahren hatte
-ein prächtiges Meteor, das mit schönster Form einen
-Farbenglanz von reinstem Wasser verband, von weitem
-in den Gefilden des Himmelsraumes den Schweifstern
-daherziehen sehen. Die Einsamkeit macht nachdenklich,
-und man wird es daher glaubhaft finden,
-daß sich das Meteor in seiner Einsamkeit zu dem
-Gestirn mit den langen goldenen Haaren hingezogen
-fühlte. Siebenundzwanzigtausend Jahre lang näherte
-sich, infolge des Gesetzes der allgemeinen Schwerkraft,
-die Bahn dieses Meteorsteines, der zu den größten
-seiner Gattung gehörte, immer mehr der des Kometen.
-Bemerkt sei hierbei, daß diese großen Meteorsteine
-ganz ebenso wie die Kometen ihre Bahnen um die
-Sonne ziehen. Je näher er an den Kometen herankam,
-desto rascher flog er auf ihn zu, und zuletzt schoß
-er mit einer Geschwindigkeit von viertausend Meilen
-in weniger als einer Minute in die Sphäre des Kometen
-hinein, so daß er, von weitem gesehen, dessen
-Kern darzustellen schien. Ob dies vielleicht der Anfang
-zur Bildung neuer Kometen war? Darüber schweigt
-die Geschichte, und die Philosophen, die bei der Erklärung
-dieses Umstandes sich durch nicht passende
-Analogien haben bestimmen lassen, sind in lächerliche
-Übertreibungen verfallen. Auf welche Weise aber auch<span class="pagenum"><a id="Page_49">[49]</a></span>
-die Kometen sich bilden mögen, das eine steht fest, daß
-es am Himmel so viele gibt als Fische im Meere;
-wir berufen uns hierbei auf Kepler und fragen: Was
-müßte geschehen, wenn sich ihre Zahl willkürlich ins
-Ungeheure vermehrte? Es bedarf einer gewissen Entschlossenheit,
-um mit kaltem Blute die zahllose Masse
-jener Gestirne zu betrachten, die in raschem Fluge ihre
-Bahnen gegenseitig kreuzen, und man muß staunen,
-daß ihre vielfältigen Bahnen, welche die Bahn der Erde
-nach allen Richtungen hin kreuzen, nicht häufige Zusammenstöße
-zwischen den Planeten und Kometen herbeiführen.</p>
-
-<p>Wir wollen uns jedoch hierbei nicht länger aufhalten.
-Für uns bleibt der Komet, was er war, die
-handelnde Person unserer Erzählung. Das Meteor ist
-in ihm aufgegangen und seine Persönlichkeit existiert
-nicht mehr.</p>
-
-<p>Inzwischen war das Meer von jener Ebene, auf
-der sich Paris erheben sollte, zurückgetreten; ein gewaltiger
-Strom, weit größer als die heutige
-Seine, nahm deren Flußbett ein, sowie einen breiten
-Saum längs desselben, und warf sich nicht
-weit von ihrer heutigen berühmten Mündung bei
-Havre, aber etwas oberhalb derselben, in der Gegend
-von Caudebec, ins Meer; dagegen war das Cap de
-la Hève weiter in den Ozean vorgeschoben. Bekanntlich
-rücken die Ufer eines Flusses infolge des Sandes,
-den das Wasser mit sich führt, einander immer
-näher, und auch die Mündung versandet allmählich,
-während das Meer hingegen die vorspringenden felsigen
-Gestade nach und nach abrundet. So ist die
-Gestalt der Küste in fortwährender Umwandlung begriffen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_50">[50]</a></span></p>
-
-<p>Die Natur ging ihrem jetzigen Aussehen entgegen.
-Vögel sangen bereits in den Wäldern, die wohl das
-ganze heutige Frankreich bedeckten. Murmeltiere, Eichhörnchen,
-Feldmäuse, Biber, Pferde, Hunde usw.
-waren die ersten Vertreter jener harmloseren Tierwelt,
-die dann, nachdem der Mensch erschaffen worden
-war, bestehen bleiben sollte. In den geschmeidigen
-Zweigen der Liane kletterten bereits die ersten
-Affen und schnitten ihre Grimassen, auch sie, von
-allen Geschöpfen am meisten den Menschen ähnlich,
-waren Vorläufer des »Herrn der Schöpfung«.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<h3>Fußnoten</h3>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_6_6"></a><a href="#FNanchor_6_6"><span class="label">6</span></a> Die Ellipse einiger Kometen ist so lang, daß sie zur Zeit
-ihres Apheliums eine Kälte zu ertragen haben, von der wir uns keine
-Vorstellung machen können, während sie zur Zeit ihres Periheliums so
-nahe an der Sonne vorbeigehen, daß sie einer ebenso unfaßbaren
-Hitze ausgesetzt sind. Newton schätzt das Wärmequantum, welches der
-Komet von 1680 bei seinem Vorbeigange an der Sonne in sich aufnehmen
-mußte, achtundzwanzigtausendmal so groß als die Wärme, die
-wir zur Zeit der Sommer-Sonnenwende von der Sonne empfangen,
-und setzt seine Temperatur zweitausendmal größer an als die von rotglühendem
-Eisen. Newton fügt hinzu, daß es die Bestimmung der
-Kometen sei, dereinst in die Sonne zu fallen, um deren Glühen zu
-unterhalten. Hierauf wollte wahrscheinlich der Verfasser der »Briefe
-aus dem Grabe« anspielen, als er folgendes schrieb: »Ein kolossaler
-Komet, größer noch als Jupiter, hatte noch dadurch an Umfang zugenommen,
-daß er unterwegs verschiedene kleinere Kometen, die bereits
-in der Auflösung begriffen waren, in sich aufgenommen hatte. So
-durch verschiedene kleine Erschütterungen einmal aus seiner Bahn gebracht,
-konnte er sich nicht mehr in seine Ellipse hineinfinden, und dieser
-Unglückliche stürzte in die verzehrende Glut der Sonne&nbsp;… Man
-will wissen, daß der arme Komet, der so bei Lebzeiten verbrannt
-wurde, schrecklich geschrien haben soll.«</p></div></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 id="Viertes_Kapitel"><span class="h2meta">Viertes Kapitel.</span><br />
-Die vorpariserischen Pariser.</h2>
-</div>
-
-<p>Bei den ständigen Beobachtungen, welche die Kometen
-auf ihren Wanderungen anstellen, haben sie die
-sehr lobenswerte Angewohnheit angenommen, sich niemals
-auf ihr jeweiliges Urteil allein, so scharf und unparteiisch
-es auch sein mag, zu verlassen. Sie sind von jeder
-Voreingenommenheit frei, und man kann ihnen nicht
-den Vorwurf machen, daß sie etwa irgendeinem Machthaber
-zu Gefallen etwas nicht sagten, was sie dächten,
-oder etwas sagten, was sie nicht dächten. Nach jeder
-Richtung hin unabhängige Reisende, wie sie es sind,
-verbringen sie ihre Zeit damit, vergleichende Beobachtungen
-anzustellen, und sie sind vielleicht die weisesten
-von allen Himmelskindern. Um ein Beispiel von der
-Klugheit, die sie bei keiner ihrer Handlungen vermissen
-lassen, anzuführen, wollen wir nur erwähnen, daß
-unser Komet bei allem Wohlwollen, das er der Erde<span class="pagenum"><a id="Page_51">[51]</a></span>
-entgegenbrachte, und trotz des vorgeschrittenen Zustandes,
-in dem sich der Planet zurzeit befand, doch
-das Vergnügen herbeisehnte, auf dieser so zur Freude
-geschaffenen Welt ein mit Vernunft begabtes Wesen
-begrüßen zu können. Gegen das Ende der Tertiärperiode,
-das heißt vor vierzig Kometenjahren oder
-gegen das Jahr hundertundviertausend&shy;vierhundertundneunzig
-vor Beginn unserer Zeitrechnung, suchte er
-dieses Wesen auf der Erde, denn er folgerte sehr
-richtig, daß, da auf den anderen Planeten vernunftbegabte
-Geschöpfe vorhanden waren, solche auch auf
-der Erde erscheinen müßten. Da er aber von derartigen
-Wesen noch keine Spur entdecken konnte, so beruhigte
-er sich damit, daß die Erde für diese neue Schöpfung,
-die doch einst kommen müsse, noch nicht reif wäre,
-und daß all ihre Pracht und Herrlichkeit zunächst noch
-für eine vernunftlose Lebewelt da sei.</p>
-
-<p>Frankreich war eben aus den Wassern emporgestiegen.
-Wie es ja vorkommt, daß hervorragende
-Geister die Zukunft ganzer Reiche im Geiste vor
-sich sehen, so ahnte der Komet die künftige Bedeutung
-dieses Teiles der Erde und wandte ihm sein
-Interesse zu. Zweimal hatte sich bereits das Meer von
-neuem über den herrlichen Landstrich ergossen, bevor
-sein Gestade diejenige Gliederung annahm, deren
-Charakter ihm auch für die Zukunft bleiben sollte.
-Eine Bevölkerung, die sich aus den verschiedensten
-Elementen zusammensetzte, bewohnte das Land. Dort,
-wo einst Paris stehen sollte, sah der Komet sehr merkwürdige
-Vorfahren der zukünftigen Großstädter. Im
-Schlamme der Moräste brüllten Nilpferde und Megatherien;
-Kamele und andere Wiederkäuer zogen ihres
-Weges einher. Hirsche mit riesigen Geweihen und<span class="pagenum"><a id="Page_52">[52]</a></span>
-flinke Hirschkühe suchten und flohen einander in den tiefen
-Gründen des Waldes. An den Ufern der Seine, auf
-deren schönen Promenaden später Stutzer ihre elegante
-Erscheinung bewundern lassen sollten, waren schon
-Pfauen als erste Vertreter der Eitelkeit zu erblicken
-und in ihrer Nähe stolzierten Störche mit gravitätischen
-Schritten.</p>
-
-<p>Wie heutzutage war auch damals die Fauna
-bunt gemischt. Hasen liefen Schildkröten in den Weg,
-und Hunde blickten auf Katzen mit Verachtung herab;
-die kleinen Gänse liefen hinter den großen einher,
-aber die Raben hatten es noch nicht gelernt, sich mit
-fremden Federn zu schmücken. In voller Freiheit
-sprangen die Pferde auf den weiten Wiesen umher
-und ließen ihre Mähne lustig im Winde flattern. Die
-Rinderarten lebten in Herden gesellig beisammen und
-man sah sie in Gruppen mit den jungen Tieren zur
-Tränke wandern und von einer Weide zur andern ziehen.
-Die gesetzten Schrittes daherschreitenden Elefanten, die
-ältesten Glieder dieser Periode, betrachteten sich als
-Herren dieses friedlichen Reiches. Um diesem schönen
-Gemälde, das nur die Gegenwart des Menschen noch
-vermissen ließ, noch den letzten Pinselstrich zu geben,
-sah man in der Ferne die schneebedeckten Gipfel hoher
-Berge sich in den Wolken verlieren. Näher heran
-konnte man dunkle Wälder erkennen, die in ihrem
-überwiegenden Teile mit schwarzen Tannen bestanden
-waren. Am Rande der Wälder erhoben sich dichtbelaubte
-Erlen und Eichen in Abwechslung mit saftigen
-grünen Linden; in der Ebene waren hochaufstrebende
-Pappeln zu schauen und über den Ufern
-der murmelnden Quellen wiegten sich die Büsche der
-Weiden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_53">[53]</a></span></p>
-
-<p>Die Verschiedenheit, die zwischen den Gebilden
-zweier Welten herrscht, ist ganz ungeheuer, und die
-Geschöpfe eines Weltkörpers ähneln in keiner Weise
-denen eines anderen. Der Stoff, aus dem die Gebilde
-bestehen, ist durchaus passiver Natur; er fügt
-sich gehorsam der Kraft, die ihn leitet, und diese
-allein herrscht unumschränkt. Daher kommt es denn
-auch, daß die Naturkraft, welche auf den verschiedenen
-Weltkörpern an Intensität nicht gleich ist, auf
-ihnen Wesen hervorgebracht hat, die voneinander so
-bedeutend abweichen. Trotz der Verschiedenheit aller
-Bedingungen konnte der Komet doch bereits erkennen,
-daß auch die Erde sich jenem bleibenden Zustande
-näherte, in dem sich ihre Gefährten im Weltenraum
-bereits befanden, jenem Zustande, in dem ein Herrscher
-endlich von seinem Reiche Besitz ergreift. Es
-war deutlich zu sehen, daß sie sich für ihren Gebieter
-einrichtete, wobei freilich alle Entwicklungsformen
-einen ganz eigenen Charakter aufwiesen. So konnte
-ein aufmerksames Auge ohne Mühe erkennen, daß
-die Erde mannigfache Wohnungen vorbereitet hatte,
-die &ndash; von denen anderer Planeten freilich sehr abweichend
-ausgestattet &ndash; darauf warteten, ihren Benutzer
-demnächst einziehen zu sehen.</p>
-
-<p>Sollte man es jedoch wohl glauben, daß der Komet
-noch gegen dreißig seiner Jahre, von denen jedes
-mehr als dreitausend Erdenjahre umfaßt, warten
-mußte, bevor seine Hoffnungen sich zu verwirklichen
-schienen? Oft machte er trügerische Entdeckungen, und
-zuweilen glaubte er menschliche Spuren zu erkennen.
-In der großen Entfernung, in der er sich immerhin
-von der Erdoberfläche hielt, erblickte er oft Scharen
-neuer Wesen: Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans,<span class="pagenum"><a id="Page_54">[54]</a></span>
-die ihm das so sehr gesuchte Wesen zu sein schienen,
-aber immer wieder mußte er seinen Irrtum erkennen.
-Zu gewissen Zeiten, nämlich in den Jahren Vierundvierzigtausend&shy;undhundertvierundsechzig,
-Einundvierzigtausendundneunundneunzig,
-Achtunddreißigtausendundvierunddreißig
-und Vierunddreißigtausend&shy;neunhundertundneunundsechzig
-hatten seine Hoffnungen ihren
-Höhepunkt erreicht. Wie uns gelegentlich im Monat
-April schöne Sommertage, an denen vom Erdboden
-Licht, Wärme und Blumenduft in die weichen Lüfte
-aufsteigen, durch ihr frühzeitiges Erscheinen erfreuen, so
-gab es auch in diesem April der Entwicklungsgeschichte
-der Erde einen verfrühten Sommer. Ein neues Wesen,
-das ganz dazu angetan schien, die Herrschaft über die
-Erde an sich zu nehmen, war in den lachenden Fluren
-eines großen Erdteils, der inzwischen bereits wieder
-verschwunden ist, aufgetaucht. Schon gesellten sich die
-Viehherden zu ihm, als wollten sie ganz von selbst
-dem neuen Wesen untertänig werden, schon schienen
-die Elemente dem Einzuge des Königs und der Errichtung
-seiner Herrschaft geneigt zu sein, aber es
-handelte sich auch hier um eine frühzeitige Frucht, und
-der Komet erkannte bald, daß es noch keine Menschen
-waren.</p>
-
-<p>Vielleicht darf man diesen ursprünglichen Wesen,
-von denen ich eben sprach, den Namen »Troglodyten«
-geben, weil sie natürliche Höhlen, die sich entweder
-an den Seiten von Bergen oder in der Einsamkeit
-der Wälder befanden, bewohnten. Niemals legten sie
-Steine aufeinander, um einen größeren Bau aufzuführen.
-Möglich, daß sie die Ahnen des Menschengeschlechtes
-und das verbindende Glied zwischen dem
-Menschen und den früheren Tierarten waren, denn<span class="pagenum"><a id="Page_55">[55]</a></span>
-<em class="antiqua">natura non facit saltum</em>. Unser aufmerksamer Reisender
-konnte dieses große Rätsel jedoch nicht lösen.
-Während der vier Jahre, die wir genannt haben,
-beobachtete er sie unausgesetzt, ohne daß er über ihre
-wahre Natur mit sich ins Reine kam, und als im
-Jahre Einunddreißigtausendneunhundertundvier vor
-unserer Zeitrechnung der Komet wieder in sein Perihelium
-trat, waren sie wieder verschwunden, und vergeblich
-suchte er auf der Erde ihre Spuren oder ihre
-Nachfolger.</p>
-
-<p>In den Lichtungen der jungfräulichen Wälder sah
-man bisweilen auch große Affen herumspazieren, einen
-Stock in der Hand schleppend, und manchmal konnte
-man auch zwei große Parteien, die sich mit abgerissenen
-Baumzweigen bewaffnet hatten, erkennen,
-wie sie am Rande eines Gehölzes aufeinander losschlugen.
-Tote und Verwundete blieben auf dem
-Platze, und man ließ sie liegen, ohne sich weiter um
-sie zu bekümmern. Andere Affen, die miteinander
-harmlos und zutraulich spielten, zeigten sich hinterlistig,
-sobald sich ihnen Gelegenheit zu losen Streichen
-bot, was immerhin auf eine gewisse Intelligenz schließen
-ließ. Mehrere dieser gespieligen Geschöpfe taten sich
-bisweilen zusammen, um ein träges Krokodil aus dem
-Schlummer aufzuschrecken. Fuhr dieses nun plötzlich
-aus dem Schlafe auf, so liefen sie eiligst davon, und
-das Krokodil vergnügte sich nun seinerseits damit,
-unversehens zuzuschnappen und den Kleinsten oder Ungeschicktesten,
-den es greifen konnte, zu verspeisen.
-Auch vereinigten sich ganze Scharen zu fröhlichen Gelagen,
-bei denen vermutlich die Hochzeit irgendeines
-hervorragenden Mitgliedes ihres Kreises gefeiert
-wurde. Um die Wahrheit zu gestehen, waren dies die<span class="pagenum"><a id="Page_56">[56]</a></span>
-einzigen irdischen Wesen, die damals den Kometen
-interessierten. Fünfzigtausend Jahre lang sah er sie
-immer wieder, ohne daß sie ihn langweilten. Die anderen
-auf der Erde lebenden Geschöpfe schienen auch noch nicht
-den vierten Teil ihres Verstandes zu besitzen. Pferde,
-Elefanten, Hunde und Katzen schienen wohl gelehriger,
-und es war wohl möglich, daß ihre Erziehung durch
-den Menschen sie einst in ferner Zukunft auf eine
-höhere geistige Stufe bringen und sie verständiger
-als die Affen machen würde; für jetzt aber nahmen
-unbestreitbar die Affen den ersten Rang in der Schöpfung
-ein.</p>
-
-<p>In den heißen Gegenden des Äquators entdeckte
-der Komet später andere Geschöpfe, die mit den eben
-geschilderten die größte Ähnlichkeit hatten. Sie waren
-genau so wie diese behaart, lebten ebenso wie diese
-in kleinen Familien in Schluchten oder Wäldern,
-schlugen sich von Zeit zu Zeit tot, machten auf die
-Vögel des Himmels Jagd und hielten sich während
-der Nacht verborgen. Nur in zwei Punkten unterschieden
-sie sich unwesentlich von den vorher geschilderten
-Geschöpfen, und zwar einmal darin, daß,
-während jene viel miteinander spielten, diese von
-wilderem Charakter zu sein schienen, und daß sie
-zweitens bisweilen Stämme zu Scheiterhaufen aufeinander
-schichteten und verbrannten, was die früher
-Beobachteten niemals versucht hatten. Davon abgesehen,
-glichen sie sich fast wie zwei Wassertropfen
-einander.</p>
-
-<p>Durch einen jener glücklichen Zufälle, wie sie
-sonst nur in Romanen vorkommen, begegnete unser
-Komet in demselben Jahre, in dem er die eben geschilderte
-Beobachtung machte, einem anderen großen,<span class="pagenum"><a id="Page_57">[57]</a></span>
-»parabolischen«<a id="FNanchor_7_7"></a><a href="#Footnote_7_7" class="fnanchor">7</a> Kometen, der vom Stern α im Zentauren
-heranzog, unserem Nachbarn, der uns bekanntlich
-jedoch nur auf fünf und eine halbe Billion Meilen
-nahe kommt. Die beiden Kometen freuten sich der so
-selten vorkommenden Gelegenheit einer Begegnung,
-und der aus dem Zentauren begleitete unseren Helden,
-bis sie an die Bahn des Neptun kamen. Sie
-plauderten zwar nur einen kurzen Kometenaugenblick
-zusammen, das heißt nur dreihundertundneunzig Jahre
-lang, aber diese Zeit genügte vollkommen, um unseren
-Kometen in gute Laune zu versetzen, denn sein Kollege,
-der viel Scharfsinn besaß, hatte ihn versichert, daß er
-ohne Zweifel, wenn er auf der Erde habe Feuer
-anzünden sehen, auch Grund zu der Annahme hätte,
-daß dort ein mit Vernunft begabtes Geschlecht leben
-müsse.</p>
-
-<p>Sie hatten sich von den weiten Reichen unterhalten,
-die jenseit des Neptun sich erstreckten, und der
-parabolische Komet hatte dabei von einer großen Bildung
-und bedeutender Erfahrung Zeugnis abgelegt.
-Sein Gefährte war lebhaft interessiert, denn um uns
-über Wert und Eigenart verschiedener Gebiete zu
-unterrichten, gibt es kein besseres Mittel als die Berichte
-zuverlässiger Reisender. Aber anderseits stimmen
-diese Berichte oft nicht mit unseren Anschauungen
-über gewisse feststehende Wahrheiten, die z. B. mit<span class="pagenum"><a id="Page_58">[58]</a></span>
-Volksangehörigkeit nichts zu tun haben, überein, und
-auch der Komet aus dem Zentauren geriet in große
-Widersprüche, wenn auf derartige Wahrheiten die
-Rede kam. Aus diesem Grunde entschloß sich unser
-Held, allen Lockungen unbekannter Fernen gegenüber
-fest zu bleiben und niemals parabolisch zu werden.
-Von ihrer weiteren Unterhaltung will ich nichts
-erzählen, denn wir würden davon doch nichts verstehen.
-Selbst mit unseren schärfsten Fernrohren können wir
-kein Bild des Lebens auf dem Neptun erhalten, und
-um diesen Punkt drehte sich ihr Gespräch.</p>
-
-<p>Als auf seinem Rückwege sich unser unerschrockener
-Wanderer wiederum der Erde näherte, erwartete ihn
-Gutes. Seine geliebte Erde zeigte sich ihm bei Sonnenaufgang
-und bot ihm einen solch sinnberückenden und
-wunderbar schönen Anblick, wie er ihn noch nie gesehen
-hatte. Bei dem blauen Himmel strahlte sie förmlich
-von Jugend und Schönheit. Die Wiesen prangten
-in frischem, taubenetztem Grün, die Knospen der Blumen
-entfalteten sich, und am Hagedorn blühten die
-wilden Rosen. Ganz zweifellos war die letzte Periode
-in der Entwicklungsgeschichte der Erde herangenaht &ndash;
-die Quartärzeit hatte begonnen.</p>
-
-<p>Freilich, wenn noch zahlreiche Vulkane inmitten der
-Gebirgsketten rauchten und der rötliche Qualm wirbelnd
-zum Himmel stieg, wenn die Erde noch zitterte
-und ihre trägen Glieder gewaltsam zu dehnen suchte;
-wenn noch plumpe Dickhäuter den grünen, saftigen
-Schmuck der Wiesen zerstampften, während in den Wüsten
-Löwen und Tiger brüllten; wenn die großen geflügelten
-Jäger aus den Lüften sich auf kleine furchtsame
-Geschöpfe stürzten, um sie zu verschlingen, wenn in der
-salzigen Meeresflut noch unerbittliche Ungeheuer lauerten<span class="pagenum"><a id="Page_59">[59]</a></span>
-&ndash; dann konnte die Erde noch keine vollkommene
-Schöpfung sein, dann mußte sie eine untergeordnete
-Welt bleiben, in der das Gesetz der Vernichtung
-herrschen sollte, das ja, leider, über dem Gesetz des
-Lebens steht. Auf der anderen Seite war auch nicht
-zu verkennen, daß die ursprünglichen unförmlichen Gestalten
-bereits verschwunden waren, um neuen Formen
-Platz zu machen, die sicherlich eine bleibende
-Stätte finden sollten. Es war ganz augenscheinlich,
-daß für die Berge auf dem festen Lande und für die
-Wälder am Meere die Zeit, in der ein Wesen kommen
-sollte, das ihren Wert wohl zu würdigen verstände,
-in der Gegenwart und nicht mehr in der fernen Zukunft
-lag.</p>
-
-<p>Im höchsten Grade begierig, endlich auf der Erde
-Wesen erscheinen zu sehen, die fähig wären, die
-Schönheit ihrer großartigen Landschaften zu bewundern,
-edle und kräftige Geschöpfe, in deren Kopfe
-die heilige Flamme des göttlichen Gedankens Platz
-gegriffen hätte, blieb dem aufmerksamen Kometen nichts
-übrig, als abzuwarten. Vor sechs Kometenjahren
-hatte er gesehen, wie unbehaarte Zweifüßler von
-Höhle zu Höhle liefen und sich leidenschaftlich der
-Jagd ergaben. Das Jahr darauf hatte er Wesen entdeckt,
-die mit Pfeil und Bogen, mit steinernen Messern
-und Äxten bewaffnet waren und sich bisweilen auch
-in kleinen, von Sümpfen geschützten Behausungen
-zusammentaten, ja sogar nach Art der Biber ihre
-Wohnungen in die Seen bauten. Aber es wollte dem
-Kometen nicht einleuchten, daß das menschliche Geschlecht
-nicht höher geartete Vertreter als diese haben sollte.
-Bei jedem Vorbeigange nach seinem Perihelium war
-er auf das eifrigste bemüht, die gesamte Oberfläche<span class="pagenum"><a id="Page_60">[60]</a></span>
-der Erde mit seinen Blicken zu durchmustern, und sein
-Herz zitterte dabei vor Erregung, jeden Augenblick eine
-neue Enttäuschung erleben zu müssen. Seit fünfzigtausend
-Jahren, ganz besonders aber seit den letzten
-zehntausend Jahren wartete er auf das Erscheinen des
-Menschen, und sein Eifer verdiente es wohl, von Erfolg
-gekrönt zu werden.</p>
-
-<p>In den fruchtbaren Tälern, welche die oberen Zuflüsse
-des Indus bewässern, am Fuße der Riesenketten
-des Himalaja, herrscht ein ewiger Frühling, der seinen
-wohltätigen Einfluß weithin verbreitet. Hier war es
-auch, wo der iranische Tierkreis entstand, der von einem
-Punkte am Himmel, welcher die Sonnenwende des Jahres
-Neunzehntausend&shy;dreihundertsiebenunddreißig vor
-unserer Zeitrechnung bezeichnet, seinen Ausgang nimmt.
-Nach diesem ersten astronomischen Kalender richteten
-später zwei große Völkerrassen ihr Leben ein. Zur Zeit,
-als der Komet vorbeiging, waren sie noch vereint, es
-waren die Arier, ein Hirtenvolk, das, wie der Komet
-auf den ersten Blick erkannte, den Völkern, die bisher
-auf der Erde gelebt hatten, überlegen war. Abgesehen
-von einer mehr entwickelten äußeren Gestalt,
-gaben sie durch untrügliche Zeichen von ihrer geistigen
-Regsamkeit Kunde. Die einzelnen Familien
-hatten sich zu Stämmen zusammengetan und schlugen
-bald hier, bald dort ihre Zelte auf, wobei sie sich
-stets nach der Sonne richteten. Der Orient erwachte,
-und vielleicht sollte in ihm die Wiege des Geistes
-entstehen. Hatte vielleicht Gott schon auf sein letzterschaffenes
-Wesen seine Hand gelegt, um seine Stirn
-mit dem für alle Zeiten unvergänglichen Zeichen seines
-Geistes zu schmücken? Oder hatte er die gebrechliche
-Stirn dieses noch zu jungen Geschöpfes noch nicht berührt?<span class="pagenum"><a id="Page_61">[61]</a></span>
-… Nicht gleich am ersten Tage nach seiner
-Geburt kann das Kind von seiner Vernunft Gebrauch
-machen.</p>
-
-<p>Legt man eine Eichel in fruchtbares Erdreich, dann
-wird sich allmählich der in ihr verborgene Keim entwickeln.
-Viel Schnee wird den Boden des Waldes
-mit seinem weißen Tuche überdecken, viel Tau wird
-im Frühling darauf herniedersinken, und durch die
-dichtbelaubten Wipfel wird oft die heiße Julisonne
-ihre wohltuenden Strahlen senden. Und es wird zwar
-lange dauern, aber endlich wird sich doch eine junge,
-grüne Eiche im Winde schaukeln; noch können die
-kleinen Vögel, die auf ihr sitzen, ihren dünnen Stamm
-zur Seite biegen. Aber wenn die Jahrhunderte an
-ihrem sich immer mehr ausbreitenden Gipfel vorüberziehen,
-dann wird sich erst die ganze Größe des Baumes
-in seinem reichen Blätterschmuck an den vielfach verästelten
-Zweigen entfalten. Generationen werden unter
-seinem Schatten sitzen, und die Zahl seiner Jahre
-kann kaum noch gezählt werden. So geht in der
-Natur jeder Fortschritt nur gemach vonstatten, und
-so folgt auch in dem göttlichen Werke der Schöpfung
-ein Weltenalter mit gemessenem Schritt auf das andere.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<h3>Fußnoten</h3>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_7_7"></a><a href="#FNanchor_7_7"><span class="label">7</span></a> Parabolische Kometen nennt man diejenigen, die anstatt in
-einer geschlossenen Kurve um die Sonne zu kreisen und in gewissen
-Perioden stets den nämlichen Punkt zu berühren, sich aus der Ellipse
-entfernen, um nicht mehr dahin zurückzukehren. Sie wandern in unfaßbare
-Entfernungen, verschwinden aus dem Bereich der Anziehung
-unserer Sonne, gehen in andere Systeme über und setzen so ihr
-vagabundierendes Leben fort.</p></div></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_62">[62]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-<h2 id="Funftes_Kapitel"><span class="h2meta">Fünftes Kapitel.</span><br />
-Im Orient.</h2>
-</div>
-
-<p>Dem Gestirn, das mit liebevoller Sorgfalt die
-weitere Entwicklung der Erde verfolgte, war es nicht
-entgangen, daß in der letzten Zeit die einzelnen Stufen
-rascher aufeinander gefolgt waren. Dreitausend Jahre
-sind indessen ein verhältnismäßig so geringer Zeitraum,
-daß der darin erreichte Fortschritt von keiner
-großen Bedeutung sein kann. Nur an der Zahl seiner
-Vorübergänge an der Erde vermochte der Komet
-festzustellen, welche Fortschritte die Erde in der Zwischenzeit
-gemacht hatte und wie weit sie auf ihrem
-Wege zu vielleicht unendlicher Vervollkommnung gelangt
-war.</p>
-
-<p>Mehr als jemals in seinen Hoffnungen bestärkt,
-machte sich unser Philosoph mit größtem Eifer daran,
-die Sitten jener patriarchalischen Stämme Indiens
-einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Aber welch
-großer Unterschied lag doch zwischen ihnen und denen
-der Bewohner anderer Welten, die er vor langer,
-langer Zeit kennen gelernt hatte! Wie weit waren
-diese Völker doch noch von dem wahren Zeitalter
-der Humanität entfernt, in dem Poesie, Wissenschaft
-und Kunst die Bildung einer Nation ausmachen!
-Wenn unter dieser flachen Hirnschale der Geist schon
-erwacht und sich seiner Kraft bewußt geworden war,
-dann war er ganz gewiß noch nicht über jenen halbnächtlichen
-Zustand, in dem noch die Traumwelt
-vorherrscht, hinausgekommen. Er lebt in einer beständigen
-Furcht; als höhere Wesen betet er die Elemente,<span class="pagenum"><a id="Page_63">[63]</a></span>
-die Naturerscheinungen an. Aber sein Sinnen ist schon
-erwacht, und die Poesie führt ihn bereits zum gemeinsamen
-Urquell aller Dinge.</p>
-
-<p>Erst im Jahre Dreizehntausendfünfhundertundvierzehn
-vor unserer Zeitrechnung geschah es, daß der
-Komet zum erstenmal auf der Erde etwas zu entdecken
-glaubte, was einer menschlichen Stadt ähnlich sah;
-in Wahrheit war es jedoch nur ein unregelmäßiger
-Haufen aus Stein erbauter Hütten. Der Enthusiasmus
-aber, mit dem er diese Entdeckung begrüßte, läßt sich
-nicht in Worten ausdrücken; glücklich war er, nun
-endlich einen handgreiflichen Beweis dafür zu haben,
-daß die Herren der Erde in ihrer Entwicklung und in
-ihrem Familienleben Fortschritte machten. Aus einer
-ungeheuren flüssigen Ebene, die den größten Teil der
-Erdoberfläche gleich einem smaragdenen Tuche überdeckte,
-hob sich ein weites unregelmäßiges Dreieck in ockergelber
-Farbe ab. Dieser Erdteil schien nicht so fruchtbar
-zu sein wie der benachbarte, der zu seiner Rechten
-angrenzte, und auf dem noch die bereits oben erwähnten
-indischen Stämme lebten; in seinem äußersten
-Norden war aber eine Landschaft von außerordentlicher
-Fruchtbarkeit und größter Schönheit zu erblicken.
-Es schien fast so, als ob der Mensch imstande gewesen
-wäre, das Gebiet der Erde vollständig zu übersehen,
-die verschiedenen Gegenden miteinander zu vergleichen,
-und gerade die fruchtbarste und schönste zu seiner
-Niederlassung auserwählt hätte. Inmitten dieser
-von der Natur bevorzugten Gegend strömte ein
-breiter, mächtiger Fluß dahin, der sich kurz vor
-seiner Einmündung ins Meer in zwei Arme teilte,
-und oberhalb des Deltas war die erste Stadt
-entstanden. Memphis hieß sie, die in späteren Jahren<span class="pagenum"><a id="Page_64">[64]</a></span>
-ihre königliche Oberherrschaft an This, eine Stadt
-Oberägyptens, abgeben sollte, bis noch später Theben
-die beiden Städte ablöste und in den Schatten
-stellte.</p>
-
-<p>Wohl ist es wahr, daß der himmlische Beobachter
-die weiße Rasse unter den Menschen noch nicht bemerkt
-hatte, aber es entging ihm auch nicht, daß sich
-in der äußeren Erscheinung der Menschen doch schon
-ein ganz gewaltiger Fortschritt kundgab. Er sah, wie
-zur Ausführung größerer Arbeiten Menschen sich zu
-Gruppen zusammenscharten und daß bereits ein festes
-Band die einzelnen Familien eines Stammes zusammenhielt.
-Wenn des Abends sein feuriger Schweif
-den Horizont schmückte, konnte er sehen, wie Menschen
-ihren Führern an den Nil folgten, an seinen Ufern
-niederknieten, um in den stillen Gewässern des Stromes
-das Bild des Kometen zu betrachten. Andere,
-in ihrer Kleidung wesentlich von jenen unterschieden,
-stiegen in der Nacht auf hohe Pyramiden und suchten
-dort den Stand des Kometen unter den anderen Sternen
-festzustellen. Es war dies der Ursprung wissenschaftlicher
-Forschung, aber auch zu gleicher Zeit der Anfang
-der Unterjochung furchtsamer und unwissender
-Völker durch tyrannische und rücksichtslose Männer.</p>
-
-<p>Da der Komet die Erde doch nur in langen
-Zwischenräumen besuchte, wird man es begreiflich
-finden, daß er von all dem, was der Mensch in seinem
-Hochmut mit der stolzen Bezeichnung »Weltgeschichte«
-benennt, nur eine ganz unbestimmte Vorstellung gewann.
-Nur in großen Zügen konnte er von seinem
-Stand am Himmel verfolgen, wie die einzelnen Perioden
-der Schöpfung der Erde aufeinander gefolgt
-waren, er sah sie aber nicht durch den trügerischen<span class="pagenum"><a id="Page_65">[65]</a></span>
-Spiegel, dessen die Menschen sich bedienen, um alles,
-was sie betrifft, recht groß zu machen, und das, was
-ihnen fremd oder unbegreiflich ist, recht klein erscheinen
-zu lassen. Der Komet konnte sich zwar naturgemäß
-nicht rühmen, alle Einzelheiten der Geschichte
-der Erde zu kennen; aber er konnte sich &ndash; und es
-ist dies auch mehrmals geschehen &ndash; zum Dolmetscher
-der Erde bei den anderen Gestirnen machen und ihnen
-die Geschichte unseres Planeten mit einer Klarheit
-und einer auf eigner Anschauung beruhenden Genauigkeit
-erzählen, die allen Täuschungen der Menschen
-bedeutend überlegen war. Es wäre daher sehr unrecht,
-wenn man sich etwa darüber wundern wollte, daß unser
-beobachtender Freund sich nicht besser über die Einzelheiten
-des irdischen Lebens zu unterrichten suchte.
-Seine Art, zu beobachten, konnte keine andere werden,
-und das Erscheinen des Menschen auf der Erde hat
-ihn auch nicht zu bewegen vermocht, seine Besuche in
-kürzeren Zwischenräumen zu wiederholen.</p>
-
-<p>So würde er zwar nicht bestimmen können, ob
-sein Vorbeigang im Jahre Zehntausendvierhundertundneunundvierzig
-in die Periode der Ptah oder erst
-in die des Re, des Chons oder des Set fiel, nach
-denen die ägyptischen Priester ihre Jahre zählten; er
-wußte aber ganz genau, daß eine der unserigen benachbarte
-Sonne, von der Kometen, die von dort kamen,
-ihm glänzende Schilderungen entworfen hatten, der
-große und schöne Sirius, es vermocht hatte, die
-Blicke und Gedanken, die Bewunderung und Verehrung
-der Priester von Ober- und Unterägypten auf
-sich zu ziehen. Er dürfte wohl auch nicht bestätigen
-können, daß in dem entlegenen Zeitabschnitt, von dem
-der indische Kalender seinen Ausgang nimmt, die<span class="pagenum"><a id="Page_66">[66]</a></span>
-Söhne des Ostens bereits imstande waren, den Punkt
-der Sonnenwende festzustellen; ganz zweifellos wußte
-er aber, daß die Inder die Sonne verehrten, ebenso
-Agni, den Gott des Feuers, und daß sie dagegen
-Indra, den Gott des Blitzes, fürchteten. Aus eigener
-Beobachtung wußte er auch, daß aus dem Orient
-das Licht der Erkenntnis hervorgehen würde, das
-später den Okzident erhellen sollte.</p>
-
-<p>Dem Kometen war es auch vollkommen klar, daß,
-wenn es der Erde beschieden sein sollte, ein Wohnort
-für vernunftbegabte Wesen zu werden, diese Wandlung
-nicht in zwei Tagen geschehen könnte, sondern daß
-auch die Menschheit zu diesem Ende eine lange Lehrzeit
-durchmachen müßte. Es ist ein weiter Weg, der
-zur Zivilisation einer Welt führt! Nach seinen Jahren
-von dreitausend Erdenjahren Länge hatte der Komet
-in der Theorie sich ausgerechnet, daß die Erde in vier
-bis fünf Jahren die Kinderschuhe werde ausziehen
-können. Vier Jahre, zu dem hinzugerechnet, bei
-dem wir jetzt in unserer Erzählung stehen, ergeben
-1811 unserer Zeitrechnung! Hat sich der Komet getäuscht?
-In der Praxis freilich, sagte sich der Komet
-selbst, wird hierzu ein viel längerer Zeitraum erforderlich
-sein, da nach allem, was er sehen konnte,
-die Menschen durchaus nicht von dem Verlangen, sich
-zu vervollkommnen, beseelt zu sein schienen, sondern
-viel lieber sich gegenseitig zu schädigen suchten. Eine
-Beobachtung, die sich ihm aufdrängte, machte ihn
-im höchsten Grade betroffen, und er hat sie nie vergessen
-können. Noch immer steht er unter dem Eindruck,
-den er erhielt, als er aus seinen Himmelshöhen
-Zeuge einer jener großen und blutigen Schlachten
-war, wie sie in der Frühzeit der Geschichte geschlagen<span class="pagenum"><a id="Page_67">[67]</a></span>
-wurden, ein Eindruck, der sich im Laufe der Zeiten
-nicht verwischte, sondern sich immer wieder erneuerte,
-denn, solange es auf der Erde Menschen gibt, hat
-unser teilnehmender Freund auch nicht ein einziges
-Mal die Erde besucht, ohne daß er nicht irgendwo
-gesehen hätte, wie diese Geschöpfe sich gegenseitig totschlugen.
-Es schien ihm fast so, als ob sie nur dazu
-geboren wären, ihre Kräfte aneinander zu messen, und
-sobald sie sich stark genug dazu fühlten, ihre Macht
-gegeneinander zu gebrauchen. Anstatt, wie auf anderen
-Welten, eine geeinte, solidarische Familie zu bilden,
-lagen die Menschen der Erde fortwährend mit sich
-selber im Kampfe. Nach dieser Erfahrung, folgerte er,
-müsse man die Zahl der Jahre, die für die Lehrzeit
-der Menschen erforderlich sei, vervierfachen.</p>
-
-<p>Durch ein unvorhergesehenes Ereignis, das wir
-hier nur beiläufig erwähnen wollen, sollten die Beobachtungen
-des Kometen zu der Zeit, in der wir uns
-jetzt befinden, eine kleine Lücke erhalten. Bei seinem
-Vorübergange im Jahre Siebentausend&shy;dreihundertundvierundachtzig
-wurde seine Aufmerksamkeit ausschließlich
-durch den Mond in Anspruch genommen, und die
-neun Monate, die der Komet angesichts der Erde verweilte,
-flossen dahin, ohne daß er Zeit gefunden hätte,
-seine Beobachtungen auf unserem Planeten fortzusetzen.
-Schon im Jahre Neunundfünfzigtausend&shy;vierhundertundneunundachtzig,
-also siebzehn seiner Jahre vorher,
-war dem Kometen auf dem der Erde benachbarten
-Gestirn, der sie wie ein treuer Trabant unablässig begleitet,
-eine allgemeine Bewegung aufgefallen, die auf
-der Oberfläche des Mondes eine ganz ungewohnte
-Änderung herbeiführte. Zwei voneinander ganz verschiedene
-Naturen hatten auf seinen beiden Halbkugeln<span class="pagenum"><a id="Page_68">[68]</a></span>
-Platz gegriffen; Mondbewohner, die von einer der beiden
-Hemisphären auf die andere übergingen, glaubten
-in eine ganz andere Welt zu kommen. Als ob das
-Gesetz von dem Gleichgewicht der Kräfte dort nicht existierte,
-nahm der reichere Teil den ärmeren Teil unmerklich
-in sich auf. Er sog ihm förmlich den Saft des Lebens
-aus, als ob es sein Wille gewesen wäre, das Reich
-der Mondbewohner allein ohne einen Nebenbuhler beherrschen
-zu wollen. Sämtliche flüssige Massen sowie
-alle zu Gasen verflüchtigten Körper zogen von der
-der Erde zugewandten Seite auf die andere hinüber,
-und gerade zu der Zeit, in der der Komet an der
-Erde vorbeiging, fand der Auszug der Seleniten, der
-Mondbewohner, nach der Halbkugel ihres Gestirnes
-statt, die nur noch allein bewohnbar blieb. Man sah
-sie überall sich rüsten, und von allen Seiten liefen sie
-nach der Grenze des Horizontes, und alles, alt und
-jung, groß und klein, arm und reich, wanderte nach
-der neuen Welt. Die unglückselige Hälfte des Mondes
-blieb von der Zeit an vollkommen verödet, und wir
-sehen heute ihre erloschenen Krater und die ausgetrockneten
-Meere, die ewig in ein grausiges Schweigen
-gehüllt sind.</p>
-
-<p>Fast hätte noch ein anderes Ereignis den Studien
-unseres Kometen ein frühzeitiges Ende gemacht. Bei
-seinem drittletzten Vorübergange glaubte er schon alles
-Leben auf der Erde der Vernichtung preisgegeben zu
-sehen. Eine ungeheure Flut hatte sich über sie ergossen,
-angeschwollene Ströme hatten Wiesen und Felder verwüstet,
-Ebenen und Gebirge schienen unterwühlt zu
-sein; auch das Meer schien die Grenzen seines Reiches
-überschritten zu haben, um die bisherigen Kontinente
-seiner todbringenden Herrschaft zu unterwerfen. Als<span class="pagenum"><a id="Page_69">[69]</a></span>
-sich aber gegen Abend die Erde gedreht hatte und dem
-Kometen ihre andere Hälfte zuwandte, vermochte er zu
-erkennen, daß diese Sintflut keine allgemeine war. Sie
-beschränkte sich nur auf die uralten Gegenden Asiens,
-während die beiden ungeheuren Dreiecke Amerikas im
-schönsten Sonnenschein dalagen. Die üppigste Vegetation
-herrschte hier, die Tierwelt befand sich auf
-der Höhe ihrer Blüte, und die Menschen, die dort
-wohnten, freuten sich ihres Lebens und beteten ihre
-schöne Natur an. Es waren die Vorfahren der Tolteken,
-auf die zuerst die Chichimeken und dann die
-Azteken folgten. Diesen war es auch beschieden, das
-Reich der Tapaneken, Akolhuaner usw. in das ihrige
-einzuverleiben. Sie gründeten die berühmte Stadt
-Tenochtitlan auf den Inseln des Tezcuco-Sees, die sie
-später zu einer einzigen Insel umschufen, um eine
-feste Grundlage für die Hauptstadt Mexikos zu gewinnen.
-Man sah auch die Berge, auf denen Manco-Capac
-eines Tages die Republik der Inkas, die Sonnenanbeter
-waren, gründen sollte. In ihr Reich zog später
-Pizarro ein, um es zu erobern und dann das Vize-Königreich
-Peru zu gründen. In den beiden Amerika
-lagen viele voneinander getrennte kleine Staaten. Nicht
-mit Unrecht dachte der Komet, daß, wenn durch ein
-plötzlich hereinbrechendes Unglück die asiatische Kultur
-auf dem Grunde des Meeres verschwände, Amerika
-sie recht wohl ersetzen könnte. Bald aber hatte er die
-Gewißheit, daß die Menschheit doch nicht in Gefahr
-stand, vom Erdboden zu verschwinden. Während die
-»neue Welt« zum Leben erwachte, wuchs die »alte«
-immer mehr und schuf so Ersatz für den kleinen Teil,
-den sie tatsächlich der großen Flut hatte zum Opfer
-bringen müssen. Ägypten besaß auch schon eine wirkliche<span class="pagenum"><a id="Page_70">[70]</a></span>
-Stadt, in der man bereits Paläste und Türme
-unterscheiden und die Anfänge einer einförmigen
-Skulptur erkennen konnte. Hohe Pyramiden bildeten
-Wahrzeichen der dortigen Kultur, und in Indien entstanden
-ebenfalls große Städte. Auch Europa machte
-sich schon bemerkbar; erwachend, erkannte es, daß es
-bereits Tag geworden war, und fühlte das Verlangen
-aufzustehen und an der Kultur mitzuarbeiten. Nur
-in Australien konnte unser Komet noch keine höher gearteten
-Wesen, als große Affen, erkennen, die einander
-Grimassen schnitten.</p>
-
-<p>In Gesellschaft der so verschiedenartig gestalteten
-menschlichen Rassen entdeckte der Komet auch seltsam
-geartete Tierformen, die heute nicht mehr vorhanden
-sind: Da war der <em class="antiqua">Elephas primigenius</em> oder das
-Mammut, ein ungeheurer Elefant, der 15&ndash;18 Fuß
-hoch war und mit gekrümmten Stoßzähnen, die wenigstens
-12 Fuß in der Länge maßen, bewaffnet war.
-Als man in späteren Zeitaltern fossile Knochen dieses
-Mammut zusammen mit menschlichen Gebeinen fand,
-hielt man sie irrtümlich für Überreste von Riesen, die
-20 Fuß groß gewesen sein sollten! Da sah man das
-<em class="antiqua">Rhinoceros tichorhinus</em>, ein über und über mit Haaren
-bedecktes Ungeheuer, in dem wir wohl das Urbild des
-die Höhle bewachenden Drachen der Sage zu erblicken
-haben; auf der Höhe des Montmartre hauste der
-Höhlenbär in Gesellschaft riesenhafter Tiger; der
-Wisent und der Auerochs, welcher in Gallien von
-Cäsar auf dessen Rückwege von Bibracte noch gesehen
-wurde, bevölkerten die Wälder, ebenso der <em class="antiqua">Cervus
-megaceros</em>, eine Hirschart, die mit einem kolossalen
-Geweih von 10&ndash;12 Fuß Breite geziert war; diese
-Hirsche fielen den ersten menschlichen Jägern, die mit<span class="pagenum"><a id="Page_71">[71]</a></span>
-Pfeil und Bogen schossen, als Beute zu. Auch prächtige
-Vögel, wie man sie heute nicht mehr sieht, gab
-es, wie der Dinornis oder Epiornis, dessen Eier
-25 Zentimeter lang waren. Sie gehörten zu der
-Familie der Strauße und gaben in der damaligen
-Fauna eine sehr gute Figur ab.</p>
-
-<p>Die Ureinwohner Frankreichs, die Kelten, die ein
-Glied der indogermanischen Völkerfamilie waren, kannten
-diese würdigen Nachkommen vorsintflutlicher Tiergeschlechter
-noch ganz gut. Der Komet beobachtete die
-Kelten mit Interesse, und sie verdienten es auch, daß
-er ihnen seine Aufmerksamkeit zuwandte, die hunderttausend
-Jahre vorher die Riesen der Vorwelt auf sich
-gezogen hatten; übrigens eine bedeutungsvolle Perspektive,
-daß dasselbe Gestirn, zu dem wir aufblicken,
-schon Geschlechtern, die seit Jahrhunderten erloschen,
-und Völkern, die bereits für immer in den Abgrund
-der Zeiten verschwunden sind, leuchtete. So vergehen
-wie Eintagsfliegen die Wesen, die für uns alles Dasein
-darstellen, während die Natur, die wir als etwas
-Selbstverständliches hinnehmen, ewig in ihrer erhabenen
-Größe bestehen bleibt.</p>
-
-<p>Es war im Jahre 1254 vor Christi Geburt, als unser
-ehrwürdiger Reisender zum vorletztenmal an der Erde
-vorüberging. Damals führten unsere Ahnen noch ihr
-einförmiges Naturleben inmitten der dunklen Wälder,
-die zu jener Zeit noch das Land bedeckten. Ihr Ehrgeiz
-ging über die Scholle, auf der sie geboren waren,
-nicht hinaus, und sie genossen in Frieden das Licht
-des Himmels und die Güter der Erde. Ihre Großonkel,
-die wir bereits vor einigen tausend Jahren im
-fernen Orient kennen gelernt haben, führten noch immer
-dasselbe frohgemute Leben. Aber im Gegensatz zu<span class="pagenum"><a id="Page_72">[72]</a></span>
-den Kelten, die friedlich in den Wäldern ihres Landes
-wohnten, suchten sie weitere Eroberungen zu machen.
-Doch die Zeit ist nicht mehr fern, in der auch die
-Kelten nach dem Süden wandern und hinter sich die
-Kimmerier, Scordisken, Taurisker, Boier und Zimbern
-lassen werden; jetzt aber erfreuen sie sich noch des
-Glückes ihrer Kindheit, aber auch sie werden groß
-und mächtig werden. Anderseits jedoch sind die Völker,
-die wir bereits betrachtet haben, von ihrer Höhe
-zurückgegangen. Ägypten schläft, Memphis ist tot,
-This träumt und Theben, das hunderttorige, erwacht.
-Aber es dauert nicht mehr lange, und der Wüstensturm
-wird alle diese Städte hinwegfegen. Ach wieviel
-verschwundene Kulturen! Babylon, das vor fünfzehnhundert
-Jahren gegründet wurde, ist bereits gesunken,
-und Ninive, das ihm folgte, liegt in Trümmern.
-Ecbatana taucht auf, aber nur um später
-Persepolis Platz zu machen, das auch seinerseits wieder
-fallen wird. Assyrer, Meder, Perser, Chaldäer waren
-nichts weiter als abgestoßene Glieder einer großen Völkerfamilie.
-Auf der anderen Halbkugel schritt Amerika
-nur langsam vorwärts. Im östlichen Asien waren
-in China die Keime der Kultur aufgegangen; und
-überallhin sandte die Sonne ihre befruchtenden
-Strahlen und hüllte Länder und Meere in ihr
-friedliches Licht. Vor kurzem erst war ein kleines
-Volk aus Ägypten ausgezogen, jetzt setzte es sich
-längs des Meeres fest, aber es hatte sich noch
-keine Könige gewählt. Schließlich ist noch im Süden
-Europas eine kleine Halbinsel zu erwähnen, deren
-Bewohner, die erst vor achthundert Jahren dorthin
-gekommen waren, älter als der Mond sein wollten und
-behaupteten, der Grille gleich, die von ihren Frauen als<span class="pagenum"><a id="Page_73">[73]</a></span>
-Wahrzeichen im Haare getragen wurde, aus dem Boden
-der Erde entstanden zu sein. Damals beschäftigte eine
-wichtige Begebenheit die Bewohner dieses Landes.
-Ein gewisser Paris hatte eine sehr schöne Dame,
-namens Helena, die rechtmäßige Gattin des Königs
-Menelaus, entführt und nach einer einige Grade entfernten
-Stadt Kleinasiens gebracht. Das ganze Volk
-geriet dadurch in Aufregung. Überall wurden Waffen
-hergestellt, Pferde gezäumt, Säbel geschärft, Harnische
-geglättet, Panzerhemden gewebt, Schilde geschmiedet,
-Beinschienen gefertigt, Lanzenspitzen befestigt, Stöcke
-mit Eisen beschlagen, das Gepäck gepackt. Solch
-große Vorbereitungen hatte der Komet noch nie gesehen.
-Zu seinem Unglück, oder besser gesagt, zu
-seinem Glück, konnte er das Ende des Krieges nicht
-abwarten, denn die Belagerung der Stadt dauerte
-nicht weniger als zehn Jahre, und in diesen zehn
-Jahren hatte der Komet viele Millionen Meilen durchflogen;
-das hinderte ihn aber nicht, sich darüber
-klar zu werden, daß man einer Kleinigkeit wegen
-sehr viel Lärm mache, und sich zu sagen, daß er
-den Bewohnern der Erde, wenn sie fortfahren sollten,
-sich um Nichtigkeiten so hinzumorden, schließlich
-nicht mehr die Ehre seiner Beachtung würde zuteil
-werden lassen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_74">[74]</a></span></p>
-
-<h2 id="Sechstes_Kapitel"><span class="h2meta">Sechstes Kapitel.</span><br />
-Von der Sintflut bis zum Jahre 1811.</h2>
-</div>
-
-<p>»Welche Veränderung seit vorigem Jahr!« rief
-der Stern mit dem leuchtenden Schweif, als er bei
-seinem letzten Erscheinen, von dem die Geschichte
-berichtet, zur Erde zurückkam. »Ist das dieselbe Welt,
-die ich vor ganz kurzer Zeit noch in ihrer Kindheit
-sah? Ist dies dasselbe Volk, das vordem so gering
-an Wert und klein an Zahl, so furchtsam und schwach
-war? Ist denn nichts mehr von dem vorhanden, was
-ich hier gesehen und gehört habe? Menschen, Völker,
-Städte, Länder &ndash; alles hat sich geändert! Wo sind
-die alten Barden, die mich zum Zeugen für keltisches
-Gesetz und Recht anriefen? Wo ihre Altäre
-und Druidensteine? Wie viele Umwälzungen seit
-meinem Weggange! Ich sehe hier weder die Kelten
-noch die Kimrier, und dort unten weder Griechen noch
-die Völker Mediens. Was für eine Stadt ist dies
-hier? Unmöglich, das kann nicht die Erde sein!« …
-Vor Staunen konnte der Komet sich kaum fassen.</p>
-
-<p>Seit seinem letzten Besuch hatte die Erde sich tatsächlich
-sehr verändert, denn man zählte das Jahr des
-Heils 1811, und in vollem Glanze leuchtete der Komet
-über Paris.<a id="FNanchor_8_8"></a><a href="#Footnote_8_8" class="fnanchor">8</a></p>
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_75">[75]</a></span></p>
-<p>Für die Sterne im allgemeinen und für die großen
-Kometen im besonderen wollen dreitausend Jahre nicht
-gerade viel sagen: Im Kalender der Ewigkeit sind sie
-weniger als eine Sekunde. Aber für den Menschen
-&ndash; das wissen wir alle sehr gut &ndash; sind dreitausend
-Jahre viel, sehr viel!</p>
-
-<p>Wie viele Generationen hat die Welt gesehen seit
-1254 vor Christi Geburt! Griechenland, Latium
-und seine Könige, die römische Republik, Karthago,
-das römische Kaiserreich und sein Sturz, die Barbaren,
-das west-römische Reich, die Gründung von fränkischen,
-deutschen, angelsächsischen, heidnischen, christlichen,
-mohammedanischen Reichen, das Aufkommen und der
-Verfall des Lehnswesens in Frankreich, das dann die
-Monarchie, die Republik und das Kaiserreich erlebte!
-Alle diese Veränderungen hatten sich langsam vollzogen,
-und für den Kometen waren sie nicht vorhanden.
-Und was müßte sich erst ergeben, wenn wir,
-anstatt uns auf ein einziges Land zu beschränken, den
-ganzen Erdball in den Kreis unserer Darstellung
-zögen? Die ganze Geschichte der Menschheit könnte
-in dem Zeitraum von 1254 v. Chr. bis 1811 n. Chr.
-eingeschlossen werden, der für den Kometen doch nur<span class="pagenum"><a id="Page_76">[76]</a></span>
-ein einziges Jahr bedeutet. Seine Überraschung war
-daher ganz gerechtfertigt und zu verzeihen. Ohne es
-zu merken, war er von heute auf morgen von Agamemnon
-zu Napoleon übergegangen, und man wird
-zugeben müssen, daß es einen größeren Sprung nicht
-gut geben kann.</p>
-
-<p>Städte und Völker hatten sich geändert. Viele
-waren verschwunden, andere neu erstanden. Es war
-ganz klar, die Menschheit hatte einen großen Schritt
-weiter getan. Ob aber vorwärts oder rückwärts? Der
-Komet, der doch ein scharfer Beobachter war, glaubte
-zu der Annahme Grund zu haben, daß die Menschheit
-nicht rückwärts gegangen war. Aber nicht allein
-der Mensch hatte sich mit allem, was mit ihm in näherer
-Beziehung steht, geändert; es schienen sich auch in der
-Natur Umwandlungen vollzogen zu haben, die nicht
-ausschließlich dem Zahn der Zeit zuzuschreiben waren.
-Die Wälder waren zurückgedrängt und bedeckten nicht
-mehr den ungeheuren Raum, den sie ehemals eingenommen
-hatten. Von Menschenhand angelegte Wasserläufe
-hatten sich in die natürlichen Flußsysteme eingeschoben.
-Sümpfe waren ausgetrocknet und die Meeresufer schienen
-geschützt. Das Land war mit weißen Linien
-durchschnitten und an den Hügeln bauten sich terrassenförmig
-Dörfer auf. Gewerbtreibende Städte erhoben
-sich an den Ufern großer Ströme und ließen ihren
-Grund von den rasch dahinströmenden Wellen benetzen;
-Gärten und Parkanlagen umrahmten die Gruppen
-menschlicher Wohnungen. Man mußte es wohl bekennen:
-diesem kleinen Teil der Erdkugel hatte der
-Mensch das Siegel seiner Gegenwart aufgedrückt.</p>
-
-<p>Aber … und wo gibt es kein »Aber«? … noch
-immer hörte der Komet auf der Erde Waffengeklirr.<span class="pagenum"><a id="Page_77">[77]</a></span>
-»Auch jetzt noch! Leider!« rief er aus. »Fast muß
-ich glauben, daß den Erdenleuten das Kriegführen zur
-Gewohnheit geworden ist. Die armen Menschen! Und
-dabei ist ihr Planet doch keineswegs häßlich. Warum
-schlagen sie in den sie entwürdigenden Kriegen einander
-tot? Kann es etwas Schöneres geben, als unter der
-lachenden Sonne in Frieden zu schaffen? Ob sie denn
-überhaupt wissen mögen, was sie tun?«</p>
-
-<p>In den stillen und unendlichen Tiefen des Weltenraumes
-ist das Gefühl für Entfernungen aufgehoben,
-und Organe, die imstande wären, auch den schwächsten
-Ton zu vernehmen, könnten sich durch den unendlichen,
-unfühlbaren Äther verständlich machen. Alles
-ist relativ, die Stärke des Tons sowohl als die des
-Lichts. Wenn die Kometen nach den entlegenen Wüsten
-ihrer größten Entfernung kommen, verlangsamen sie
-ihren Gang, als ob sie in den Tiefen des Raumes dem
-Unbekannten ein aufmerksames Ohr schenken wollten.
-Man will sogar wissen, daß sie manchmal, ebenso wie
-in ein fernes Land Verbannte, sich leicht aneinander
-schließen, sich durch den unermeßlichen Raum ihre Gedanken
-mitteilen und daß sie sich die Langeweile der
-Einsamkeit und der Finsternis durch eine Unterhaltung
-über die Natur der Dinge und das Schicksal der Wesen,
-die sie auf ihren Reisen gesehen haben, zu verkürzen
-suchen. Vor einigen Jahren traf unser Komet
-in der Einöde jenseits des Neptun den Halleyschen
-Kometen, der, wenn er auch nicht ganz so vornehm
-und berühmt wie unser Held ist, sich doch immerhin
-bedeutend über den Durchschnitt der gewöhnlichen
-Kometen erhebt. Die beiden Reisenden gingen sofort
-daran, ihre Erinnerungen und Erlebnisse miteinander
-auszutauschen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_78">[78]</a></span></p>
-
-<p>»Seit meinem letzten Besuche habe ich die Erde
-sehr verändert gefunden,« begann der größere und
-ältere von beiden. »Man arbeitet dort unten sehr
-rasch, und es will mir scheinen, daß eines meiner
-Jahre so lang ist wie dreitausend der ihrigen, und
-daß in dieser winzigen Spanne Zeit neunzig verschiedene
-Generationen geboren werden und sterben
-könnten. Welch Unterschied doch zum Neptun, auf
-dem ich seit sechstausend Jahren auch nicht ein Jota
-sich habe ändern sehen.«</p>
-
-<p>»Mit Verlaub, mein verehrter Kollege,« entgegnete
-der andere. »Auch meine Jahre vergehen viel
-schneller als die Eurigen, denn während ich einen Umlauf
-um unsere herrliche Königin, die Sonne, vollende,
-haben die Erdbewohner erst fünfundsiebzig ihrer Jahre
-verlebt, und um die Wahrheit zu gestehen, muß man
-zugeben, daß man während dieses kurzen Zeitraumes
-auf der kleinen Erde Zeit findet, viel zu bauen und
-niederzureißen. Glaubt es mir, werter Kollege, ich
-bin über den Leichtsinn der Erdbewohner nicht weniger
-erstaunt als Ihr es seid.«</p>
-
-<p>»Unter uns gesagt, diese Leute scheinen mir entweder
-sehr oberflächlich oder sehr tätig zu sein. Seitdem
-es Menschen auf der Erde gibt, verändert sie sich
-zusehends. Früher, bevor diese Geschöpfe erschaffen
-waren, kann ich mich erinnern, zwanzig und auch
-dreißig Reisen gemacht zu haben, ohne daß ich große
-Änderungen auf der Erdoberfläche bemerkt hätte. Aber
-seit fünf Jahren« (der Komet meinte fünfzehntausend
-Jahre) »haben sie es gelernt, in ihrem Lande zu bauen,
-niederzureißen, zu graben, Dämme aufzuschütten und
-es in einer Weise umzugestalten, als ob sie damit ein
-reines Gaukelspiel aufführen wollten.«</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_79">[79]</a></span></p>
-
-<p>»In welchem Erdenjahre waret Ihr zum vorletztenmal
-da?«</p>
-
-<p>»Mein lieber junger Freund, wenn ich mich recht
-erinnere, mögen dies dreißig irdische Jahrhunderte her
-sein. Ich kenne ihren Kalender zu wenig, um die
-Zeit genau angeben zu können. Ich war gerade damals
-in meinem zweihundertfünfundvierzigsten Jahre,
-denn ich zählte fünfundvierzig Jahr, als ich die Erde
-zum erstenmal bemerkte, und seit jener Zeit bin ich
-zweihundertmal an ihr vorbeigekommen.«</p>
-
-<p>Der kleine Komet, der sehr gut zu rechnen verstand,
-hatte ohne große Mühe sofort herausgefunden, daß
-dieser vorletzte Besuch keinesfalls später als um die
-Mitte des dreizehnten Jahrhunderts vor Beginn der
-christlichen Zeitrechnung stattgefunden haben konnte.
-Häufigere Besuche auf der Erde hatten ihn mit der
-dortigen Art, die Jahre vor und nach Christi Geburt
-zu zählen, vertraut gemacht. Und er konnte sich eines
-Lächelns nicht enthalten, wenn er an die Verwunderung
-seines ehrwürdigen Gefährten über die Veränderungen
-dachte, die sich seit jener Zeit auf der Erde
-vollzogen hatten. Da er gern erzählte und sich seinem
-vornehmeren Kollegen angenehm machen wollte, gelüstete
-es ihn, die Unterhaltung fortzusetzen und seine
-persönlichen Beobachtungen über die Bewohner der
-Erde zum besten zu geben. Sein Kamerad bemerkte dies.</p>
-
-<p>»Lieber Kollege,« begann er, »Ihr müßt doch über
-den Gegenstand, von dem wir sprechen, viel besser als
-ich unterrichtet sein. Ihr seid viel öfter als ich der
-Erde nahegekommen, und Ihr könnt ihre Geschichte
-besser verfolgen. Ist der Stand der Dinge, wie ich
-ihn auf meiner letzten Reise« (er meinte im Jahre
-1811) »auf der Erde gesehen habe, unmittelbar auf<span class="pagenum"><a id="Page_80">[80]</a></span>
-den gefolgt, der sich meinem Auge bei meinem vorletzten
-Durchgange« (also zur Zeit des Trojanischen
-Krieges) »darbot? Zwischen diesen beiden Daten scheint
-mir doch eine große Lücke zu liegen, und ich glaube,
-Ihr könntet mir darüber hinweghelfen.«</p>
-
-<p>»Seit Eurem vorletzten Besuche«, erwiderte dieser,
-»bin ich vierzigmal in die Nähe der Erde gekommen,
-und, wollt Ihr es mir glauben? jedesmal habe ich Veränderungen
-auf der Erde wahrgenommen. Die Menschen
-leben auf ihrer Weltkugel eine so kurze Zeit, daß
-es wohl schwerlich viele gibt, die sich rühmen dürfen,
-mich bei zwei meiner aufeinander folgenden Erscheinungen
-am Himmel leuchten gesehen zu haben, ja die
-meisten Menschen haben mich auch nicht ein einziges
-Mal gesehen. Und dabei«, fuhr er in traurigem Tone
-fort, »ist mein Jahr doch vierzigmal kürzer als das
-Eurige. Von meinen verschiedenen Erscheinungen auf
-der Erde erinnere ich mich, nach der irdischen Zeitrechnung,
-derjenigen im Jahre 12 vor Christi Geburt,
-dann 837, 1066, 1456, 1531 und 1759 nach Christi
-Geburt am deutlichsten, weil Ereignisse, deren unschuldige
-Ursache ich werden sollte, mich in hohem
-Grade bewegten. Wenn es Euch interessiert, will ich
-Euch gern mehr davon erzählen. Es wäre mir dies
-ein um so größeres Vergnügen, als ich ja nur selten
-Gelegenheit habe, davon sprechen zu können.«</p>
-
-<p>Da unser Komet sich ganz außerordentlich für
-alle menschlichen Angelegenheiten interessierte, und da
-ihm in der tiefen Einöde des Weltenraumes, die sie
-jetzt durchflogen, die Gesellschaft seines jüngeren Gefährten
-ganz willkommen war, so hörte er dessen Bericht
-mit gespanntester Aufmerksamkeit zu.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_81">[81]</a></span></p>
-
-<p>Und nun erzählte ihm dieser, wie im Jahre 12
-vor Beginn unserer Zeitrechnung im chinesischen
-Reiche, unter der glorreichen Herrschaft der Han, die
-auf die Dynastie der Tsin gefolgt waren, auf Befehl
-des Kaisers der Fong-siang-chi, der kaiserliche Astronom,
-den Kometen beobachtet und in ihm einen neuen Beweis
-für den Zorn des Himmels auf Tsin-chin-hoang-ti
-erkannt hatte, weil dieser, noch nicht zufrieden
-damit, daß er die vom Kaiser Wu-wang auf
-dem »Turm der Geister« errichtete Sternwarte hatte
-einäschern und außerdem vierhundertfünfzig der gelehrtesten
-Weisen des Reiches hatte enthaupten lassen,
-bei Todesstrafe anbefohlen habe, innerhalb vierzehn
-Tagen sämtliche über Moral, Philosophie, Astronomie
-und Geschichte handelnde Bücher zu verbrennen; wie
-ferner der kaiserliche Astronom dem Fürsten anempfohlen
-habe, ebenso wie es ja im Winter zu geschehen
-pflegte, sich in den zur Linken gelegenen Saal des
-Schwarzen Palastes zu begeben, und durch ein dem
-Gotte Hiuen-ming dargebrachtes Opfer symbolisch
-eine neue Ära für Kunst und Wissenschaft einzuleiten;
-wie dann der Tatsung-pe die Mandarinen,
-ebenso wie zur Zeit der letzten Sonnenfinsternis, um
-den kaiserlichen Thron versammelt hatte, um dem Gestirn
-zu huldigen, und wie ganz China zwei lange
-irdische Monate hindurch auf den Beinen geblieben
-war. Er erzählte weiter, wie im Jahre des Heils
-837 Ludwig der Fromme, der Sohn und Nachfolger
-Karls des Großen, sich in einem dunklen Winkel der
-Burgterrasse vor ihm auf die Knie geworfen und
-ihn gefragt habe, welche Botschaft ihm der Komet
-vom Himmel brächte; wie dann statt des stummen
-Kometen des Kaisers geistliche Würdenträger geantwortet<span class="pagenum"><a id="Page_82">[82]</a></span>
-hätten und der fromme Kaiser die drei Jahre,
-die er noch zu leben hatte, damit verbrachte, Dome
-zu erbauen, reiche Abteien zu stiften, große Klöster zu
-errichten und Kirchen und Schulen mit reichen Mitteln
-auszustatten. Ferner erzählte er, wie im Jahre 1066
-Wilhelm der Eroberer in der ganzen Normandie habe
-ausrufen lassen: »<em class="antiqua">Nova stella, novus rex</em>« (»Ein neuer
-Stern, ein neuer König«); wie er sich den Kometen
-zum Führer auserkor und unter seiner Führung England
-eroberte. Auf der berühmten Stickerei in der
-Bibliothek der Stadt Bayeux kann man dies noch heute
-sehen; das Werk stammt von der Königin Mathilde,
-der Frau des Eroberers. Sie bildete die bedeutendsten
-Szenen der Eroberung ab und verewigte dabei auch den
-Kometen, wie er über einer Gruppe von vielen Leuten
-steht, die Kopf und Hände zu ihm erheben. Und
-weiter berichtete der Wandergefährte unseres Kometen
-ganz ausführlich, wie im Jahre 1456 Christen und
-Muselmanen, die miteinander im Kriege lagen, in
-seiner Gestalt ein flammendes Schwert erkennen wollten,
-das am Himmel ausgesteckt worden sei, um ihnen
-das schrecklichste Unglück anzukündigen. Mohammed II.,
-in dessen Besitz Konstantinopel bereits übergegangen
-war, hatte geschworen, daß er sein Pferd auf dem
-Altar der Sankt Peterskirche in Rom tränken werde,
-und auf dem Wege dahin belagerte er Belgrad. Als
-nun die Gestalt eines feurigen türkischen Schwertes
-am Himmel erschien, sah der Papst Calixt III. alle
-seine schlimmen Befürchtungen in Erfüllung gehen. Der
-Komet schilderte weiter, wie der Papst in seinem Zorn
-Gestirn und Türken feierlich verfluchte, wie er sodann
-das Angelus, ein Gebet, das beim Klange der Glocken
-gesprochen werden sollte, angeordnet habe, und wie dann<span class="pagenum"><a id="Page_83">[83]</a></span>
-jenes große Belgrader Blutbad begann, das ohne Unterbrechung
-zwei Tage lang dauerte, und bei dem die Franziskaner-Mönche
-mit keiner anderen Waffe als einem
-Kruzifixe in der Hand »in der vordersten Reihe standen
-und zum Papste flehten, er möge die himmlische
-Erscheinung beschwören, daß sie ihren verhängnisvollen
-Einfluß auf ihre Feinde ausübe«. Der Komet fuhr in
-seinem Berichte fort und erzählte, welche ganz andere
-Wirkung sein Erscheinen im Jahre 1531 hervorgerufen
-hätte. Luise von Savoyen, die Mutter Franz' I., hatte
-drei Tage vor ihrem Tode eine außerordentliche Helle
-in ihrem Zimmer bemerkt. Sie ließ den Vorhang
-hinwegziehen, und von dem Anblick des Kometen ganz
-betroffen, rief sie aus: »Ein solches Zeichen gibt der
-Himmel nicht für gewöhnliche Menschen. Gott hat
-es nur für uns Große der Erde vorbehalten. Schließt
-das Fenster! Es ist ein Komet, der mir den Tod
-anzeigt, wir wollen uns darauf vorbereiten!« Weiter
-erwähnte der Komet, daß von seinem Erscheinen im
-Jahre 1682 seine astronomische Registrierung datierte.
-Denn bei seinem Vorübergang in diesem Jahre wurden
-seine Elemente berechnet und festgestellt, daß er derselbe
-Komet sei, der in den Jahren 1531 und 1607
-an der Erde vorübergezogen war. Dem berühmten
-Astronomen Halley war es vorbehalten, ihn der
-Wissenschaft einzuverleiben und ihm seinen Namen zu
-geben, und für das Jahr 1759 kündigte Halley sein
-abermaliges Erscheinen an.</p>
-
-<p>Sodann erzählte der Halleysche Komet seinem älteren
-Bruder die Geschichte der Aufeinanderfolge der verschiedenen
-irdischen Reiche, und zwar vom Jahre 1254
-vor Christi Geburt bis zum Jahre 1835 nach Christi
-Geburt, in welchem Jahre er zum letztenmal die Erde<span class="pagenum"><a id="Page_84">[84]</a></span>
-besucht hatte. Der große Komet war nicht wenig
-erstaunt, als er hörte, wie rasch sich auf der Erde neue
-Reiche bildeten und wie sie noch schneller wieder zerfielen.
-Was ihn aber am meisten, und leider auch
-am schmerzlichsten überraschte, das waren die Mittel,
-welche die Bewohner der Erde anwandten, um ihre
-Eroberungszüge gegeneinander ins Werk zu setzen.
-Eisen, Blut, die wildesten und ausgesuchtesten Grausamkeiten!
-Soviel Bosheit in so kleinen Körpern und
-in so gebrechlichen Wesen; solch übermütiger Eigendünkel
-bei den Großen und dagegen wieder solch angeborene
-Schwäche bei den Kleinen! Die Weltgeschichte
-schien ihm wenig erbaulich, und hätte er nicht in Wirklichkeit
-von seiner erhabenen Höhe aus die Schwächen
-der Menschheit verachtet, so hätten ihm bei dem
-schreckensvollen Bericht seines jüngeren Kollegen wohl
-mehr als einmal sozusagen seine langen Haare zu
-Berge gestanden.</p>
-
-<p>Sie flogen weiter, und ohne daß sie es merkten,
-zogen sie am Neptun vorüber. Der Halleysche Komet
-fuhr in der Darstellung seiner Lebensschicksale fort:</p>
-
-<p>»Während der fünfundzwanzig Jahre bis zu meinem
-Erscheinen im Jahre 1682 irdischen Stils hatte die
-Astronomie so große Fortschritte gemacht, daß der
-Forscher, der mir seinen Namen gab, mein Erscheinen
-für das Jahr 1759 voraussagen konnte. Hierin lag
-sicherlich keine geringe Kühnheit. Ihr wißt jedoch,
-daß ich mich nicht so weit wie Ihr in die Tiefen
-des Weltalls stürzen kann &ndash; denn schon nach etwa
-37 Jahren muß ich umkehren, während Ihr, Kollege,
-noch fünfzehnhundert Jahre lang Eure Reise fortsetzen
-könnt. Es ist Euch bekannt, daß ich mich jedesmal
-bis auf sechsunddreiviertel Millionen Meilen von der<span class="pagenum"><a id="Page_85">[85]</a></span>
-Erde entferne. Für uns will das nicht so sehr viel
-sagen; für die kleinen Bewohner der Erde bedeutet
-es aber eine unermeßliche Entfernung. Auf meinem
-Fluge werde ich bisweilen durch gewisse Bewohner
-des Weltenalls zurückgehalten, und wenn ich durch ihr
-Gebiet gehe, bin ich gezwungen, meine Bewegung zu
-verlangsamen. Die Herren von der Sternwarte müssen
-außerordentlich scharfe Augen haben, oder richtiger gesagt,
-mit einem fast übermenschlichen Ahnungsvermögen
-begabt sein. Denn als ich in das Gebiet des Jupiter
-kam, war ich ihrem Gesichtskreis schon längst entschwunden
-und konnte auch mit Hilfe ihrer schärfsten
-Fernrohre nicht mehr aufgefunden werden. Ich glaubte
-annehmen zu dürfen, ihrer Aufmerksamkeit entgangen
-zu sein. Aber damit war es nichts. Durch Jupiter
-verlor ich 518 Tage, und Saturn veranlaßte eine Verzögerung
-meiner Bahn um weitere 100 Tage. Nun
-gut. Alles dies war bis auf einen Monat berechnet,
-festgestellt und bekanntgegeben worden. Den Astronomen
-können wir nichts mehr verheimlichen.</p>
-
-<p>Ein glücklicher Zufall fügte es, daß man auf mein
-erneutes Erscheinen bei der Erde schon fünfzehn Jahr
-vorher aufmerksam geworden war, und zwar durch
-den schönsten Schweif, den man je gesehen hat, einen
-sechsfachen Schweif, der jedoch, wie ich gleich bemerken
-will, nicht mir gehörte. Ihr habt sicherlich,
-lieber Kollege, neulich jenen Vaganten gesehen, der
-von einer Welt zur andern fliegt und nie wieder
-an demselben Ort sich sehen läßt. Seine Bahn ist
-so exzentrisch, daß er schließlich parabolisch geworden
-ist. Ganz gewiß ist es auch Euch nicht entgangen,
-daß er den herrlichen Schmuck von sechs Schweifen
-besitzt. Nun, im Jahre 1744 war er mein Vorreiter,<span class="pagenum"><a id="Page_86">[86]</a></span>
-und nach dem irdischen Kalender gilt er als der schönste
-Komet des achtzehnten Jahrhunderts. An dem Abend,
-als er zum erstenmal am Himmel stand, glaubte man,
-eine zweite Sonne ginge unter, so groß war der Glanz,
-den seine Schweife ausstrahlten.</p>
-
-<p>Ich sagte Euch wohl schon, daß ich bei jeder
-Wiederkehr zur Erde dort immer etwas Neues in den
-Sitten, Gebräuchen und dem Geist der Völker gefunden
-hätte. Niemals hat sich mir jedoch diese Beobachtung
-lebhafter aufgedrängt als bei meinem letzten Besuche.
-Den Teil der Erde, den ich 1759 besuchte, sollte ich
-1835 wieder sehen. Noch genauer als vorher hatte
-man die Verzögerung berechnet, die ich bei Jupiter,
-Saturn und Uranus erleiden mußte, ja, man hatte
-mir sogar den Weg vorgezeichnet, den ich auf meiner
-Rückkehr durch den Himmelsraum zu nehmen hatte.
-Am 20. August 1835 sollte ich am Stern ζ im Sternbild
-des Stiers vorübergehen, am 28. zwischen den
-Zwillingen und dem Fuhrmann stehen, am 21. September
-im Fuhrmann sein, am 3. Oktober im Luchs,
-am 6. im Großen Bären, am 13. in der Krone, am
-15. zwischen Herkules und Schlange, am 19. im Ophiuchus,
-am 16. November beim Stern η desselben Sternbildes
-und am 26. Dezember beim Stern Antares im
-Skorpion. Und was gewiß viel heißen will, von dieser
-mir so weise vorgezeichneten Marschroute brauchte
-ich nirgends abzuweichen. Aber, ich versichere Euch,
-niemals in meinem Leben und auch auf keiner anderen
-Welt habe ich so viel Umwälzungen und einen solchen
-Umschwung der Geister kennen gelernt, wie bei meinem
-letzten Besuch der Erde. Um Euch die Wahrheit
-zu gestehen, ist mir dies sehr nahe gegangen und ich bin
-darüber so traurig geworden, daß meine Betrübnis<span class="pagenum"><a id="Page_87">[87]</a></span>
-den Bewohnern der Erde nicht entgangen sein kann.<a id="FNanchor_9_9"></a><a href="#Footnote_9_9" class="fnanchor">9</a>
-Was hat man auf der Erde von 1759 bis 1835 gemacht?
-Welche Umwälzung hat sich bei den Menschen
-vollzogen? Je mehr ich über die Ursachen und das
-Wesen dieser Neuerungen nachdenke, desto mehr gerate
-ich ins völlig Dunkle. Auch der Komet Karl V. scheint
-sich darin verloren zu haben.«</p>
-
-<p>»Der Komet Karl V.? Was hat es mit dem für
-eine Bewandtnis?«</p>
-
-<p>»Ach, entschuldigt, verehrtester Kollege, ich vergaß
-vollständig, daß Ihr über die irdischen Ereignisse
-nicht genügend unterrichtet seid. Karl V. war
-ein Kaiser von Deutschland, der seine Krone niederlegte,
-als im Jahre 1556 einer unserer leuchtenden
-Brüder, der bis dahin sicherlich keine Ahnung von der
-Existenz der Erde hatte, zufällig in ihre Nähe kam.
-Es ist dies derselbe Komet, der nach Ansicht der Erdbewohner
-schuld an der Sintflut tragen und später
-beim Tode Cäsars geleuchtet haben soll. Aller dreihundert
-Jahre sollte er wiederkommen, also auch 1856.<span class="pagenum"><a id="Page_88">[88]</a></span>
-Aber er mag wohl inzwischen den dummen Hochmut
-der Großen der Erde kennen gelernt haben, die sich
-einbilden, daß sie im Mittelpunkt des ganzen Weltalls
-stehen &ndash; genug, er hat dieser kleinen, eitlen Welt
-Valet gesagt und ist in ein anderes Sonnensystem geflogen.
-Er befindet sich jetzt im Gebiet des Polarsterns,
-und die Menschen können auf ihn warten; er
-kommt nicht wieder. Um jedoch den Faden unserer
-Unterhaltung, die durch diesen Muster-Kometen eine
-kleine Ablenkung erfahren hat, wieder aufzunehmen,
-wiederhole ich, daß ich mich in Mutmaßungen darüber
-erging, welches die Ursachen der großen Änderungen
-sein mögen, die sich während meiner Abwesenheit von der
-Erde in der europäischen Gesellschaft vollzogen haben.«</p>
-
-<p>»Dieses Mal kann ich Euch vielleicht Aufklärung
-geben, mein lieber junger Freund. Wenn die Großen
-auch oft zu hoch gestellt sind, um das, was sich in den
-unteren Regionen zuträgt, nach Gebühr sehen und
-würdigen zu können, und dadurch in eine bedauerliche
-Unkenntnis geraten, so verstehen sie es anderseits infolge
-ihres überlegenen Urteils doch, aus diesen Vorgängen
-die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das wenige,
-was ich gesehen habe, kann daher vielleicht dazu
-dienen, die Lücke in Eurer Vorstellung auszufüllen.
-Ich weiß nur, daß es im Jahre 1811 in Frankreich
-keinen »König von Gottes Gnaden« mehr
-gab, sondern einen Kaiser, und gerade in derselben
-Woche, in der ich bei der Erde ankam, wurde diesem
-Kaiser ein Sohn geboren. Vom März 1811 bis zum
-April 1812 blieb ich bei der Erde. Ich glaube erkannt
-zu haben, daß die Eroberungen des Kaisers und die
-Vergrößerung Frankreichs die Nachbarreiche in Angst
-und Schrecken versetzten, und was mich in meiner<span class="pagenum"><a id="Page_89">[89]</a></span>
-Annahme bestärkte, war der Umstand, daß der große
-Machthaber eine Armee von 450&nbsp;000 Mann aushob, um
-mit dieser halben Million nach den russischen Steppen
-zu marschieren. Was aus ihnen geworden ist, vermag
-auch ich nicht zu sagen, denn vom Juli 1812 ab konnte
-ich auf der Oberfläche der kleinen Erdkugel nichts
-mehr erkennen.«</p>
-
-<p>Die Kometen sind gute Logiker. Indem sie sich
-einander mit ihren Erinnerungen aushalfen und die
-Erfahrungen, die sie bei ihren Beobachtungen der Erdbewohner
-gesammelt hatten, austauschten, waren sie
-imstande, sich unsere Geschichte aufzubauen. Sie verfuhren
-dabei ganz nach Vernunftschlüssen. Im Jahre
-1759, so sagte der eine, gab es in Frankreich soziale
-Zustände, die in sich vollkommen morsch waren und auf
-die nun große Hämmer, Philosophen genannt, um die
-Wette loshieben. Im Jahre 1811, meinte der andere,
-gab es in Frankreich einen Kaiser und Kriegsrüstungen.
-Im Jahre 1835, nahm der erste wieder das Wort,
-hatte Frankreich einen konstitutionellen König und lebte
-in tiefstem Frieden. Mit diesen drei vorhandenen
-Tatsachen hatten sie sich in großen Zügen die Umrisse
-der französischen Geschichte geschaffen. Ihre
-Unterhaltung berührte in derselben Weise auch das
-Geschick der anderen Völker, denn die Kometen haben
-für eine Schar Ameisen keine größere Vorliebe als
-für die andere. Da aber diese Entwicklungen sich im
-großen und ganzen sehr ähneln und für uns, die wir
-doch keine Kometen sind, weniger Interesse haben, so
-verzichten wir darauf, diese siderischen Unterhaltungen
-hier wiederzugeben.</p>
-
-<p>So hatten die beiden Forschungsreisenden im Weltenraum,
-die sonst gewohnt waren, sich nur mit großen<span class="pagenum"><a id="Page_90">[90]</a></span>
-Dingen abzugeben, die kleine Erdkugel, auf der wir
-uns befinden, nach allen Richtungen hin besprochen.
-Bald aber mußte der Halleysche Komet abbiegen,
-um in seiner Ellipse dem Aphelium zuzufliegen,
-während der majestätische Komet von 1811 in gerader
-Linie seine Reise fortsetzte, denn <span id="corr090">bis zum</span> Jahre 3343
-wird er sich von der Sonne entfernen, um dann
-in demselben Marschtempo wieder zu ihr zurückzukehren.
-In den unermeßlichen Tiefen des Himmelsmeeres
-mag er dann wohl Welten begegnen, die uns
-unbekannt sind, einstigen Welten, deren Sonne erloschen
-und die in grausigem Schweigen ihre kosmischen
-Ruinen und die Gräber versunkener Kulturen durch
-den unendlichen Raum tragen.</p>
-
-<div class="footnotes"><h3>Fußnoten</h3>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_8_8"></a><a href="#FNanchor_8_8"><span class="label">8</span></a> Der himmlische Reisende, dessen Geschichte wir erzählen, ist in
-der Tat kein anderer als der Komet vom Jahre 1811. Die Wirkung,
-die das Auftauchen dieses herrlichen Gestirns am Abend des 26. März
-1811 überall hervorrief, war unbeschreiblich. Die fruchtbare Hitze des
-Sommers und die Güte des Weines in jenem merkwürdigen Jahr
-schrieb man dem Kometen zu. Alle Zeitungen brachten Artikel über
-ihn, in allen Sprachen unterhielt man sich von ihm und alle möglichen
-Erklärungen über seine Natur wurden gegeben. Einige schmeichelten
-ihm, während andere ihn fürchteten. Diese sahen in ihm die Verwirklichung
-einer uralten Prophezeiung, während jene in ihm ein
-Gnadenzeichen erblicken wollten, mit dem der Himmel die Geburt des
-Königs von Rom feierte. Auf ein Fensterkreuz der Tuilerien gestützt,
-fragte Napoleon seinen Onkel, den Kardinal Fesch, was er von dem
-wunderbaren Gestirn halte. Ganz Paris sah zu dem Kometen auf, und der
-Sommer verging nicht, ohne daß man unter anderem »Kometen-Krawatten«
-und »Kometen-Hüte« verfertigt hätte. Sogar einer Sauce verlieh
-man seinen Namen. So viel Aufsehen rief er hervor, daß alle, die jene
-Zeit erlebt hatten, sich ihrer bis in ihr spätes Alter erinnerten.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Footnote_9_9"></a><a href="#FNanchor_9_9"><span class="label">9</span></a> Die Edinburgh Review von 1836 schreibt: »Der Halleysche Komet
-erschien selbst in den Nächten, in denen er sich am deutlichsten zeigte,
-bleich und verschwommen, er rief mehr Neugier als Bewunderung
-hervor. Wir haben ihn durch das Fernrohr beobachtet und können
-den traurigen Eindruck nicht schildern, den sein melancholisches Licht
-erweckt. Je mehr man sich mit einem derartigen Objekt befaßt, desto
-weniger kann man über seine Natur ins reine kommen. Ein bläuliches,
-unklares Licht, das zur Hälfte durch eine große Wolkenhülle verfinstert
-wird, das ist der Anblick, der sich dem Auge bietet. Die Beschaffenheit
-dieses Lichtes ist uns unbekannt. Es ähnelt weder dem
-Lichte der Sonne noch dem des Begleiters der Erde, auch nicht dem
-der Sterne, ja nicht einmal dem des Nebels der Milchstraße. Nur
-wenn man Saturn durch ein starkes Vergrößerungsglas gesehen hat,
-kann man sich eine zutreffende Vorstellung von dem bleiernen Schimmer
-machen, den dieser Komet warf.« John Herschel.</p></div></div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_91">[91]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-<h2 id="Nachschrift">Nachschrift.</h2>
-</div>
-
-<p>Wenn im Jahre 1910 der Komet von 1835 wieder
-erscheint, wird er uns vielleicht nur um fünfundsiebzig
-Jahre älter finden. Was will das heißen?
-Aber wen oder was wird sein ehrwürdiger Kollege
-auf der Erde vorfinden, wenn er ihr im Jahre 4876
-wiederum einen Besuch abstatten wird? Vielleicht
-wird dann auch Frankreichs glänzende Hauptstadt dahingeschwunden
-sein, wie es heute die großen Städte
-sind, die der Komet bei seiner letzten Annäherung an
-die Erde sah: Troja, Ninive, Theben und hundert
-andere, deren Namen mit ihren Ruinen nicht auf uns
-gekommen sind. Möglich, daß tiefste Einsamkeit dort
-lagert, wo einst Frankreich war, und daß sich Trauerweiden
-über dem Flusse schaukeln, der einst die Seine
-hieß. Wird der Komet Frankreich mit Paris, England
-mit London, Italien mit Rom nochmals zu sehen bekommen?
-Dieser Komet mit seiner langen Umlaufszeit,
-der bis jetzt weder dieselbe Stadt noch dasselbe Volk
-zum zweitenmal geschaut hat! Wenn in etwa fünfzigtausend
-Jahren wir &ndash; oder irgendwelche andere &ndash; diese
-Erzählung fortsetzen wollten, wird dann auch immer
-von neuen Dingen, die das Frühere verdrängt haben,
-berichtet werden müssen und wird die Geschichte der
-Erde jemals eine andere sein als die Geschichte von
-Umwälzungen und Neueinrichtungen, die nicht von
-Dauer sind?</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_92">[92]</a></span></p>
-
-<p>Die Kometen besitzen zwar nicht die Gabe der
-Weissagung. Da jedoch der Verfasser dieser Schrift
-das Glück hat, einige Kometen zu seinen Freunden
-zu zählen, und da er in dem heißen Sommer des
-Jahres 1811 noch zu klein war, um sich selbst an den
-großen und stolzen Kometen jenes Jahres wenden zu
-können, so erlaubte er sich erst ganz vor kurzem einen
-blondgeschweiften Boten an den erhabenen Reisenden
-mit der Bitte zu schicken, daß er ihm doch ganz im
-Vertrauen sagen lassen möchte, wie er die Erde bei
-seinem nächsten Besuche zu finden hoffe. Und der
-Autor hat das große Vergnügen, diese wahrhafte Geschichte
-mit einem angenehmen Bescheid abschließen zu
-können. Der große Komet hat sich zwar nicht ganz
-deutlich ausgedrückt &ndash; man muß das zugestehen &ndash; aber
-es ist dies auch wieder ein Beweis für die hohe
-Stellung, die er einnimmt, und ein Zeichen für seine
-große Klugheit. Er hat dem kleinen Kometen also
-gesagt, er solle mit einem freudigen Gesicht zu dem
-sonderbaren Astronomen, der ihn ausgesandt, zurückkehren.
-»Denn«, fügte er hinzu &ndash; und das sind seine
-eigenen Worte&nbsp;&ndash;, »sage ihm, mein lieber Kleiner, daß
-die Menschheit, die sich selbst schon so alt vorkommt,
-sich noch in ihrer frühen Kindheit befindet. Sie hat
-noch ihre Kinderkrankheiten durchzumachen. Aber nur
-nicht die Hoffnung verlieren! Ich möchte sogar meinen
-Schweif wetten, daß es keine hunderttausend Jahre mehr
-dauern wird, bis die Menschheit nicht nur zur Reife
-der Vernunft gelangt sein wird, sondern auch unentgeltlichen
-und obligatorischen Unterricht, allgemeines
-Stimmrecht, unabhängige republikanische Staatsverfassung,
-Befreiung der Geister von jedem Druck, und
-schließlich Abschaffung der stehenden Heere und endgültige<span class="pagenum"><a id="Page_93">[93]</a></span>
-Beseitigung der gegenseitigen Abschlachtungen errungen
-haben wird.«</p>
-
-<p>Das waren seine letzten Worte, die letzten Worte
-jenes wandernden Gestirnes, das es wohl versteht, von
-seinem erhabenen Standpunkte aus die Geschichte des
-irdischen Planeten und seiner menschlichen Bewohner
-zu beurteilen. Man kann daraus entnehmen, daß wir
-schließlich in dem ungeheuren Weltall zwar nur ein
-winziges Körnchen sind, daß wir aber dennoch, wenn
-wir nur unsere Fähigkeiten richtig anzuwenden verstehen,
-uns einen Wert erringen können, der uns über
-die Materie erhebt: <em class="gesperrt">Geistige</em> Wesen zu werden, das
-muß, wie ja auch der Komet meinte, das Endziel
-aller unserer Mühen sein.</p>
-
-<p class="center p2">Ende.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_95">[95]</a></span></p>
-
-<h2 id="Flammarion_Komet_und_Erde">Flammarion, Komet und Erde.<br />
-<span class="h2meta">Inhalt.</span></h2>
-</div>
-
-<table summary="Inhalt">
-<tr>
-<td></td>
-<td class="tdr">Seite</td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Einleitung</td>
- <td class="tdr"><a href="#Einleitung">3</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Erstes Kapitel. Erste Begegnung des Kometen mit der Erde</td>
- <td class="tdr"><a href="#Erstes_Kapitel">5</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Zweites Kapitel. Umwälzungen auf der Erde</td>
- <td class="tdr"><a href="#Zweites_Kapitel">19</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Drittes Kapitel. Morgenröte der Erde</td>
- <td class="tdr"><a href="#Drittes_Kapitel">35</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Viertes Kapitel. Die vorpariserischen Pariser</td>
- <td class="tdr"><a href="#Viertes_Kapitel">50</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Fünftes Kapitel. Im Orient</td>
- <td class="tdr"><a href="#Funftes_Kapitel">62</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Sechstes Kapitel. Von der Sintflut bis zum Jahre 1811</td>
- <td class="tdr"><a href="#Sechstes_Kapitel">74</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td>Nachschrift</td>
- <td class="tdr"><a href="#Nachschrift">91</a></td>
-</tr>
-</table>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-
-<p class="center"><b>Naturwissenschaftliche Werke aus</b></p>
-
-<p class="h2">Philipp Reclams Universal-Bibliothek.</p>
-
-<p class="center">Jede Nummer ist für 20 Pf. durch alle Buchhandlungen zu beziehen</p>
-</div>
-
-<p class="h2">Bücher der Naturwissenschaft</p>
-
-<p class="center">herausgegeben von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Siegmund Günther</p>
-
-<div class="hang">
-
-<p>1. Band. <b>Grundriß der Naturphilosophie.</b> Von Prof.
-<em class="antiqua">Dr.</em> Wilhelm Ostwald. <span class="smaller">2. Aufl. Mit dem Bildnis des Verfassers.
-Nr. 4992/93. In Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband
-M. 1.80.</span></p>
-
-<p>2. Band. <b>Geschichte der Naturwissenschaften.</b> Von
-Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Siegm. Günther. <span class="smaller"><b>I. Teil.</b> 2. Aufl. Mit dem
-Bildnis des Verf., 2 farbigen u. 4 schwarzen Tafeln. Nr. 5069/70.</span></p>
-
-<p>3. Band. <b>Geschichte der Naturwissenschaften.</b> Von
-Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Siegm. Günther. <span class="smaller"><b>II. Teil.</b> 2. Auflage. Mit
-2 farbigen und 8 schwarzen Tafeln. Nr. 5071&ndash;74. Beide Teile
-zusammen in einem Leinenband M. 1.50. In Leder- oder Halbpergamentband
-M. 3.&ndash;.</span></p>
-
-<p>4. Band. <b>Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen
-und Radioaktivität.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> G. Bugge. <span class="smaller">3. Aufl. Mit
-4 Tafeln und 20 Zeichnungen im Text. Nr. 5151/52. In Leinen
-80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80.</span></p>
-
-<p>5. Band. <b>Licht und Farbe.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Rob. Geigel.
-<span class="smaller">2. Aufl. Mit 1 Porträt, 4 bunten Tafeln u. 75 Zeichnungen im Text.
-Nr. 5188&ndash;90. In Leinen M. 1.&ndash;. In Leder- oder Halbpergamentband
-M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>6. Band. <b>Der Sternenhimmel.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> J. B.
-Messerschmitt. <span class="smaller">Mit dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen,
-9 schwarzen Tafeln und 24 Zeichnungen im Text. 2. Auflage.
-Nr. 5228&ndash;30. In Leinen M. 1.&ndash;. In Leder- od. Hlbpgtbd. M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>7. Band. <b>Die Abstammungslehre.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em>
-Kurt Lampert. <span class="smaller">Mit dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen,
-7 schwarzen Tafeln und 9 Abbildungen im Text. Nr. 5241&ndash;43.
-In Leinen M. 1.&ndash;. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>8. Band. <b>Die chemischen Grundstoffe.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Max
-Speter. <span class="smaller">Mit 4 farbigen, 6 schwarzen Tafeln, einer Atomgewichtstabelle
-u. 10 Figuren im Text. Nr. 5269/70. In Leinen
-80 Pf. Zus. geb. mit Bd. 17 unter d. Titel <em class="gesperrt">Stoff und Energie
-im Lichte der Chemie</em> in Leder- od. Halbpgmtbd. M. 2.50.</span></p>
-
-<p>9. Band. <b>Die Elektrizität.</b> Von Prof. Franz Adami.
-<span class="smaller"><b>I. Teil.</b> Mit 1 Porträt, 4 schwarzen Tafeln und 29 Textfiguren.
-2. Aufl. Nr. 5298/99. Gebunden zus. mit Teil II, s. 14. Band.</span></p>
-
-<p>10. Band. <b>Die Wärme.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Robert Geigel.
-<span class="smaller">Mit 4 Tafeln und 32 Zeichnungen im Text. Nr. 5321&ndash;23. In
-Leinen M. 1.&ndash;. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>11. Band. <b>Chemie und Technik.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Günther
-Bugge. <span class="smaller">Mit 7 Tafeln u. 14 Zeichnungen im Text. Nr. 5348&ndash;50.
-In Leinen M. 1.&ndash;. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>12. Band. <b>Das Klima.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Eugen Alt. <span class="smaller">Mit 3 farbigen
-Erdkarten und 4 Zeichnungen im Text. Nr. 5431/32.
-In Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80.</span></p>
-
-<p>13. Band. <b>Physik der Gestirne.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> J. B.
-Messerschmitt. <span class="smaller">Mit 4 farbigen und 9 schwarzen Tafeln und
-21 Zeichnungen im Text. Nr. 5451&ndash;53. In Leinen M. 1.&ndash;.
-In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>14. Band. <b>Die Elektrizität.</b> Von Prof. Franz Adami.
-<span class="smaller"><b>II. Teil.</b> Mit 4 farbigen und 8 schwarzen Tafeln, 89 Zeichnungen
-im Text und einem Gesamtregister für Elektrizität I
-u. II. Nr. 5478&ndash;80. Teil I u. II zusammen in einem Leinenband
-M. 1.50. In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70.</span></p>
-
-<p>15. Band. <b>Vom Keim zum Leben.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Kurt
-Lampert. <span class="smaller">Mit 4 bunten und 8 schwarzen Tafeln und
-13 Abbildungen im Text. Nr. 5501&ndash;3. In Leinen M. 1.&ndash;.
-In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>16. Band. <b>Schnee und Eis der Erde.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> H.
-Wieleitner. <span class="smaller">Mit 16 Tafeln und 26 Abbildungen im Text.
-Nr. 5521&ndash;23. In Leinen M. 1.&ndash;. In Leder- od. Hlbpgtbd. M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>17. Band. <b>Die chemische Verwandtschaft und ihre
-Beziehungen zu den übrigen Energieformen.</b>
-Von <em class="antiqua">Dr.</em> Max Speter. <span class="smaller">Mit 4 Porträttafeln und 6 Abbildungen
-im Text. Nr. 5571/72. In Leinen 80 Pf. Zusammen
-gebunden mit Band 8 unter dem Titel <em class="gesperrt">Stoff und Energie
-im Lichte der Chemie</em> in Leder- oder Hlbpgtbd. M. 2.50.</span></p>
-
-<p>18. Band. <b>Der Wirbeltierkörper.</b> Eine vergleichende
-Anatomie von <em class="antiqua">Dr.</em> Fr. Hempelmann. <span class="smaller"><b>I. Teil.</b> Mit
-2 bunten und 2 einfarbigen Tafeln und 62 Abbildungen im
-Text. Nr. 5609/10. Mit Teil II zus. in einem Leinenband
-M. 1.50. In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70.</span></p>
-
-<p>19. Band. <b>Der Wirbeltierkörper.</b> Eine vergleichende
-Anatomie von <em class="antiqua">Dr.</em> Fr. Hempelmann. <span class="smaller"><b>II. Teil.</b> Mit 2
-bunten und 2 einfarbigen Tafeln und 71 Abbildungen im Text
-und einem Gesamtregister für Der Wirbeltierkörper I u. II.
-Nr. 5611&ndash;13. Mit Teil I zus. in einem Leinenband M. 1.50.
-In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70.</span></p>
-
-<p>20. Band. <b>Meereskunde.</b> Von Prof <em class="antiqua">Dr.</em> Adolf Pahde.
-<span class="smaller">Mit 3 farbigen Kartenbeilagen, 7 schwarzen Tafeln, 1 Porträtbeilage
-und 13 Abbildungen im Text. Nr. 5632&ndash;34. In Leinen
-M 1.&ndash;. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-
-<p>21. Band. <b>Die Welt der Kolloide.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Heinr. Leiser.
-<span class="smaller">Mit 7 Tafeln und 15 Abbildungen im Text. Nr. 5651/52. In
-Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80.</span></p>
-
-<p>22. Band. <b>Der Säugetierorganismus und seine
-Leistungen.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Ernst Th. v. Brücke.
-<span class="smaller"><b>I. Teil.</b> Mit 4 bunten und 3 einfarbigen Tafeln und 21 Zeichnungen
-im Text. Nr. 5678&ndash;80.</span></p>
-
-<p>23. Band. <b>Der Säugetierorganismus und seine
-Leistungen.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Ernst Th. v. Brücke.
-<span class="smaller"><b>II. Teil.</b> Mit 3 Tafeln und 28 Zeichnungen im Text und einem
-Gesamtregister für Der Säugetierorganismus und seine
-Leistungen I und II. Nr. 5681&ndash;83. Mit Teil I zus. in einem
-Leinenbd. M. 1.75. In einem Leder- od. Hlbpgtbd. M. 3.&ndash;.</span></p>
-
-<p>24. Band. <b>Das Süßwasser der Erde.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em>
-W. Halbfaß. <span class="smaller">Mit einem Porträt, 14 Tafeln und 13 Abbildungen
-im Text. Nr. 5708&ndash;10. In Leinen M. 1.&ndash;. In
-Leder- oder Halbpergamentband M. 2.&ndash;.</span></p>
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="transnote chapter" id="tnextra">
-
-<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die vordere
-Werbeseite wurde ans Buchende verschoben. Die Fußnoten wurden jeweils
-ans Kapitelende verschoben.</p>
-
-<p>Korrekturen:</p>
-
-<div class="corr">
-<p>
-S. 90: erst im → bis zum<br />
-<a href="#corr090">bis zum</a> Jahre 3343 wird er sich von der Sonne entfernen</p>
-</div>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Komet und Erde, by Camille Flammarion
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND ERDE ***
-
-***** This file should be named 60930-h.htm or 60930-h.zip *****
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-
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-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
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-Gutenberg-tm License.
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-without further opportunities to fix the problem.
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-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
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-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
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-Defect you cause.
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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