diff options
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 4 | ||||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 | ||||
| -rw-r--r-- | old/60930-0.txt | 3043 | ||||
| -rw-r--r-- | old/60930-0.zip | bin | 68044 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/60930-h.zip | bin | 160871 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/60930-h/60930-h.htm | 3986 | ||||
| -rw-r--r-- | old/60930-h/images/cover.jpg | bin | 90808 -> 0 bytes |
8 files changed, 17 insertions, 7029 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..08e75c3 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #60930 (https://www.gutenberg.org/ebooks/60930) diff --git a/old/60930-0.txt b/old/60930-0.txt deleted file mode 100644 index 7cf895c..0000000 --- a/old/60930-0.txt +++ /dev/null @@ -1,3043 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Komet und Erde, by Camille Flammarion - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Komet und Erde - Eine astronomische Erzählung - -Author: Camille Flammarion - -Translator: J. Cassirer - -Release Date: December 15, 2019 [EBook #60930] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND ERDE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Komet und Erde. - - Eine astronomische Erzählung - - von - - Camille Flammarion. - - Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen - - von - - J. Cassirer. - - Leipzig - - Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. - - - - -Einleitung. - - -Was wir hier erzählen wollen, ist kein Phantasiegebilde, das aus den -Gefilden einer oft nur zu schöpferischen Einbildung hervorgegangen ist; -vielmehr haben eingehende Studien das Material hierzu geliefert, und -auf wissenschaftlichem Boden ist unser Bericht gewachsen. - -Der Komet, den wir hier vorführen wollen und der uns die Grundlagen -zu unserer Erzählung bieten soll, ist keine Mythe; er existiert, und -Millionen von Menschen haben ihn über ihrem Haupte leuchten sehen, wie -das Ende unserer Erzählung beweisen wird. - -Die Daten seiner früheren Erscheinungen sind nicht willkürlich -angenommen, sondern nach elliptischen Elementen berechnet worden; man -kann den Berechnungen getrost Glauben schenken, denn diese Elemente -sind den Astronomen wohlbekannt, und die bei ihnen überhaupt mögliche -Fehlergrenze beträgt nicht mehr als ein Hundertstel.[1] - -Auch in der Beschreibung der Gebiete, die unser kühner Reisender -besucht, sind wir nicht planlos vorgegangen, sie beruht vielmehr zum -Teil auf direkten Beobachtungen, zum Teil auf wissenschaftlichen -Folgerungen. - -Keine der erwähnten Erscheinungen, auch nicht die kleinste ausgenommen, -ist erfunden. Nicht in das Blaue hinein haben wir unser Wort ergehen -lassen, sondern es ist stets im Dienste der Wissenschaft und ihrer -erhabenen Herrin, der Wahrheit, geblieben. - -Aus solch festem Faden ist der Stoff gewebt, den wir jetzt das -Vergnügen haben, vor unseren geneigten Lesern aufzurollen. - - -Fußnoten - -[1] Astronomisch gebildete Leser werden sofort wissen, um welchen -Kometen es sich handelt, wenn wir ihnen nachstehende Elemente nennen: - - Τ = 1811, Septbr. 12. 26 - π = 75° 1´ 0´´ - Ω = 140° 25´ 1´´ - ~i~ = 73° 2´ 43´´ - ~q~ = 1.03542. - -Als beinahe überflüssig könnten wir noch hinzufügen, daß die Entfernung -des Kometen im Aphelium 421.02, seine halbe große Achse 208, seine -Exzentrizität 0.9951 beträgt und daß seine Bewegung rückläufig ist. - - - - -Erstes Kapitel. - -Erste Begegnung des Kometen mit der Erde. - - -Es mag im Jahre Sechshundertelftausendundneunundachtzig vor Christi -Geburt gewesen sein, als der große Komet, der von den Bewohnern des -Saturn schon fast seit hundertundvierzigtausend Jahren beobachtet -worden war, einen winzigen Planeten entdeckte, der gegen achthundertmal -kleiner war als der, den wir soeben genannt haben. Der neue Planet -machte einen recht armseligen Eindruck: eine kleine Kugel, die sich -ziemlich unbeholfen um sich selbst drehte, und die in dicke Rauchwolken -eingehüllt war, welche von furchtbaren geologischen und atmosphärischen -Umwälzungen, die sich in ihrem Inneren vollzogen, Kunde gaben. Für -Menschen war sie gänzlich unbewohnbar. - -Der Komet, dessen Schweif nicht weniger als vierzig Millionen Meilen -Länge besaß, dessen noch nicht fester Kern fünftausendvierhundert -Meilen im Durchmesser maß und dessen Strahlen sich auf -vierhundertsechsundachtzigtausend Meilen Ausdehnung in der Breite -erstreckten -- heutzutage sind seine Dimensionen nur halb so groß, -als sie damals waren --, der Komet, der sich bisher höchstens mit -den Monden des Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun befaßt hatte und -der immer nur unter der vornehmsten Gesellschaft des Firmaments -umhergestreift war, sah sich beim Anblick unseres kleinen irdischen -Gestirns seltsam und fast unangenehm überrascht. - -Wenn sich auch unser Held der unendlichen Mannigfaltigkeit der -Schöpfung bewußt war, so hatte er sich doch niemals vorstellen können, -daß es auch solch kleine Weltkörper geben könnte. Er mußte unsere Erde -mehrmals ansehen, bevor er seinen Augen glauben wollte, und erst, als -er sich überzeugt hatte, daß jede Täuschung ausgeschlossen sei, ließ er -sich herab, von dem Dasein der neuen Weltkugel Kenntnis zu nehmen. Die -niedrige Stellung, die diese unter den Gestirnen des Himmels einnahm, -erschien in den Augen des Kometen noch geringer. Indem er sich in -seine kometarische Majestät hüllte, flog er stolz an dem kleinen neuen -Sprößling der Schöpfung vorüber, wobei er den Kopf abwandte. Seinen -strahlenden Schweif aufrichtend, nahm er dann seinen alten Weg wieder -auf, um stolz seinen glänzenden Flug durch die Tiefen des Weltalls -fortzusetzen. - -So gehen -- leider nur zu oft in der Welt -- die Großen an den Kleinen, -die Mächtigen an den Schwachen vorüber. In ihrem Hochmut erkennen sie -den Wert des Kleinen nicht und ihre Verblendung macht sie ungerecht. -Als ob Geschöpfe, denen Schönheit und Anmut abgeht, nicht auch Kinder -derselben Natur wie sie und Glieder derselben großen Familie wären! - -Man muß indessen zugeben, daß unsere Erde für diejenigen, die sich über -ihre Bedeutung in keiner Täuschung befinden, wie wir, eine recht kleine -Welt ist. Unser Patriotismus für unsere »Mutter Erde«, so berechtigt er -auch an sich sein mag, läßt sie uns größer und bedeutender erscheinen, -als sie es in der Tat ist, und die Wanderer, die den Himmelsraum -durchfliegen, mögen es durchaus nicht begreifen können, daß wir davon -so viel Wesens machen. - -Der Komet, einer der schönsten, wenn nicht überhaupt der schönste -unseres gesamten Sonnensystems, kommt nicht näher an die Sonne als -die Erde heran: Zwanzig Millionen Meilen. In seiner Bahn beschreibt -er eine Ellipse, und sobald er in die Gegend kommt, in der wir uns -befinden, kehrt er in einem großen Halbkreise wieder um. Mit einer -Schnelligkeit von vierhundert Meilen in der Minute eilt der himmlische -Wanderer zu den Grenzen des Sonnensystems und kreuzt dabei die Bahnen -sämtlicher darin kreisender Welten. Als ob es ihm leid tue, sich von -der Sonne mit ihrer leuchtenden Krone entfernen zu müssen, verlangsamt -er seinen Flug, je weiter er sich von ihr entfernt. Bis auf acht -Milliarden dreihundertundsiebzehn Millionen Meilen Entfernung von der -Sonne führt ihn seine Wanderung; soviel beträgt sein Aphelium, seine -Sonnenferne. In diesen unfaßbaren Tiefen des Weltenraumes hat sich -seine Schnelligkeit sehr verringert, und sie ist nicht mehr größer -als die des Windes, das heißt, einige Meter in der Sekunde. Seine -Kurve schließt sich jetzt von neuem, und er kehrt zu dem leuchtenden -Tagesgestirn zurück, dessen Scheibe in dieser ungeheuren Entfernung -allmählich so an Größe abgenommen hat, daß sie nur noch als ein kleiner -Stern zu erkennen ist. Aus dieser erschreckenden Entfernung noch ruft -ihn die Sonne, und der Komet hört ihre Stimme. Er wendet sich um und -von seinen Polhöhen aus stürzt er sich auf die Sonnenbahn, wobei er -es sorgfältig vermeidet, zu nahe an Jupiter und Saturn heranzukommen. -Seine Schnelligkeit vergrößert sich zusehends, sie wächst und wird -ungeheuer, heiß und gewaltig wie das Verlangen, und von neuem fliegt -er der Sonne zu, die auf alle Planeten solch wunderbare Anziehung -ausübt. Nach einer Reise von fünfzehnhundert Jahren erreicht er wieder -sein Perihelium, seine Sonnennähe. Sein leuchtender Schweif, der immer -blasser geworden war, je weiter sich der Komet von der Sonne entfernte, -und der schließlich vollständig verschwunden war, kommt wieder zum -Vorschein und wächst in dem Maße, in dem sich der Komet dem Mittelpunkt -der Sphäre nähert. Seine Gestalt nimmt an Umfang zu, ebenso sein -Schweif an Pracht und Glanz. Es ist gleichsam so, als ob ein hoher -irdischer Würdenträger vor seinen Herrscher treten soll und zu diesem -Behufe seine mit Gold und Edelsteinen reich geschmückten Festkleider -anlegt. Der Komet hat das Gebiet der Königin des Lichtes betreten, und -vor den erstaunten Augen entfaltet er majestätisch die Reize seiner -Schönheit und seiner prächtigen Gewandung. - -Als im Jahre Sechshundertachttausendeinhundertvierundzwanzig vor -Christi Geburt das leuchtende Gestirn auf seiner Wanderung wiederum -in die Gegend kam, in der sich unsere Erde bewegt, wurde seine -Aufmerksamkeit von neuem auf diesen kleinen meergrünen Ball gelenkt, -und es gewann es nicht mehr über sich, ihn unbeachtet zu lassen. -Große Personen interessieren sich ja oft für Kinder, und auch der -Komet hielt es nicht unter seiner Würde, Beobachtungen über die Erde -anzustellen; er wollte gern wissen, bis zu welchem Grade sich auf solch -unscheinbarer Kugel wohl das Leben entwickeln könnte. - -Es traf sich insofern recht gut, als gerade damals der Komet ein volles -Jahr lang in Sicht der Erde blieb und eine vorteilhafte Stellung für -ihre Beobachtung einnahm; aber dies vermochte ihn doch nicht von der -entgegengesetzten Richtung seines Umlaufs abwendig zu machen, die ihn -wieder fortführte. - -Anstatt wie alle Planeten und fast alle Begleitsterne unseres -Sonnensystems sich von Osten nach Westen zu bewegen, bewegt sich -unser Komet von Westen nach Osten, also gerade entgegengesetzt. Diese -konträre Bewegung machte die Beobachtung zwar schwieriger, aber gerade -dadurch wurde sein Forschungseifer noch mehr angespornt, und während -der zwölf Monate, während deren die Erde in seinem Gesichtsfelde blieb, -ließ er keinen Tag und keine Nacht unbenutzt für seine Beobachtungen -vorübergehen. - -Was er bereits vorher geahnt hatte, fand er jetzt bestätigt, nämlich, -daß dieser kleine Sproß von einer Welt für vernunftbegabte Wesen noch -unbewohnbar war. Langsam drehte sich der Weltkörper um sich selbst; -der Wechsel von Tag und Nacht brachte auf ihm keine Wirkung hervor, -denn die ungeheure Hitze, die er aus seinem Innern ausstrahlte, war um -vieles größer als die, die er von der Sonne empfing. Übrigens würden -auch die Nebel, die Gase und die Rauchwolken, die ihn einhüllten, den -Sonnenstrahlen gar keinen Zutritt gewährt haben. Je mehr sich der -Komet der irdischen Welt näherte, desto größere Mühe gab er sich, die -Beschaffenheit ihrer Oberfläche zu erkennen; aber da er eine solch -armselige Welt noch nie gesehen hatte und sich darüber nicht klar zu -werden vermochte, welchem Zwecke ein solch dürftig ausgestatteter -Planet wohl dienen könnte, wartete er, bis ein lichter Punkt in der -Atmosphäre den Sonnenstrahlen erlauben würde, hindurchzudringen, um den -Schauplatz einigermaßen zu beleuchten. Das traf endlich zur Zeit der -Sonnenwende ein. War es aber die Winter- oder die Sommersonnenwende? -Die Geschichte berichtet hierüber um so weniger, als es in jenen -entlegenen Zeiträumen noch keine Jahreszeiten auf der Erde gab, und als -es infolge der großen Eigenhitze der Erde sozusagen im tiefsten Winter -ebenso heiß war wie im vollsten Sommer. Gleichviel an welchem Tage es -gewesen sein mag, der Komet mußte vor Erstaunen fast aufschreien, als -er endlich die Oberfläche der Erde deutlich unterscheiden konnte. - -»Eine Welt von Muscheln!« rief er. - -Er hatte sich nicht getäuscht. Die Erde befand sich damals -in dem Stadium ihrer Entwicklung, das man als Sekundärzeit -bezeichnet; die Triasformen bildeten sich, und es war die Zeit der -Muschelkalkformation. -- - -Einige Millionen Jahre vorher hatte sich die Erde, die damals eine -noch ganz flüssige Kugel war, allmählich abgekühlt, und große -Wasserbäche waren auf sie herniedergestürzt; der Rauch, die Gase, die -Wolken, die von der Erde aufstiegen, gingen die verschiedenartigsten -Verbindungen miteinander ein und hinterließen ihre Spuren auf der noch -glühenden und unfesten Kugel. Gewaltige Umwälzungen erschütterten -die in stetem Aufruhr befindlichen Fundamente der neugeschaffenen -Welt, und furchtbares Toben und Brausen ließen das aufgeregte feurige -Erdinnere nicht zur Ruhe kommen. Der Gewalt des in unausgesetzter -Tätigkeit befindlichen Feuerherdes fiel die ganze Erdkugel zum Opfer. -In diesem riesigen Laboratorium hat die Natur die chemischen Gemische -vorbereitet, aus denen die feuerspeienden Berge, die Lava-Eruptionen, -die aus der Erde aufsteigenden heißen Quellen usw. hervorgegangen -sind. In derselben Weise, wie man im Schmelztiegel auf geschmolzenem -Blei, das im Begriff ist, zu erkalten, sich ein Häutchen bilden sieht, -bildete sich um den Erdball eine Kruste, und die beständigen Zuckungen -ließen allmählich nach. - -Auf diese Entwicklungsperiode -- die Primärzeit -- während der es auf -der Erde noch kein lebendes Wesen, weder Tier noch Pflanze, gab, folgte -eine Übergangszeit, die so weit zurück liegt und so ungeheuer lange -dauerte, daß kein menschlicher Geist sich von ihr eine Vorstellung -machen kann. In dieser Periode war es, daß sich die ersten Keime zur -Bildung lebender Wesen gestalteten, und unter unablässigen Wallungen -und Änderungen der immer noch nicht erstarrten Erdoberfläche erschienen -die ersten Pflanzen: Algen und Seetang, und auch auf dem Grunde des -Meeres zeigten sich die ersten lebenden Gebilde: Korallen und Polypen. - -Noch später überzogen sich die Sümpfe der Urzeit mit einer endlosen -Pflanzendecke, und mit ihr hatte das Reich der Pflanzen seine glänzende -und prächtige Herrschaft angetreten. Als erster Regent des Erdballs -entfaltete es all seine Reichtümer und Schätze, und die Erde sah keine -Zeit mehr wiederkehren, in der sie eine solche Fülle pflanzlicher -Formen und Gestalten bevölkerte. Es waren Pflanzen von höchst einfachem -Bau und kunstlosen Formen, solche, die weder Blüten noch Früchte -trugen, aber von gewaltiger Stärke und kolossaler Höhe waren. Mit ihrem -Grün überdeckten sie jede Lagune, jede Bank, jede Landzunge, auf welche -das weite Meer nicht seine Herrschaft ausgedehnt hatte. Die Erde sah -aus wie ein einziger Ozean, der mit grünen Inseln durchsetzt war. -Baumartige Farne, Kalamiten, Sigillarien und zahlreiche andere Arten -stritten sich um den Vorrang auf den Inseln. Aus jener Epoche rührt -die Bildung unserer Steinkohlen her, mit der wir heute unsere Zimmer -heizen, jener ungeheuren, in längst entschwundenen Zeiten abgelagerten -Pflanzenschichten, die wir jetzt ans Tageslicht bringen. Ihre Bildung -geschah etwa eine Million Jahre vor der Zeit, in der unsere Geschichte -anfängt. Von da an hat sich die Entwicklung des irdischen Lebens fort -und fort vervollkommnet, und niemand vermag zu sagen, ob es schon -seinen Gipfel erreicht hat. - -Als sich der Komet der Erde näherte, hatte er nur Muscheln wahrnehmen -können. Trotzdem die schaffende Welt es an gutem Willen nicht hatte -fehlen lassen, war es ihm doch nicht möglich gewesen, etwas anderes zu -erkennen. Das Meer nahm noch die gesamte Oberfläche der Erde ein, wie -es ja heutzutage noch drei Viertel von ihr bedeckt. Damals gab es noch -kein Festland, sondern nur Inseln und Sümpfe. König der Schöpfung war -damals eine Art Seeschnecke, ein Kopffüßler, ein ganz harmloses Tier. - -Dieses unschuldige Geschöpf, das wohl kaum ahnen mochte, daß es -eines Tages nach Jupiter Ammon getauft werden würde, herrschte also -als unumschränkter Souverän im Königreich des Neptun: »Der Dreizack -des Neptun ist das Zepter der Welt«, sagt Lemierre. Kein Engländer -könnte dieses Zepter mit größerem Rechte in Anspruch nehmen, als -diese kleinen Tiere, von denen wir sprechen. Wie heutzutage jene -Molluskenart, die unter dem Namen »Nautilus« bekannt ist, sah man sie -in ihrem weißen oder vielfarbigen Nachen auf der Oberfläche des Meeres -dahintreiben; große und kleine, in allen Gestalten; ganze Flotten von -ihnen schwammen auf den Wassern, ihrer Beute nachstellend. Man sah -sie rasch und zierlich dahinschießen, sich kreuzen, sich ausweichen, -sich überholen, ganz so, als ob sie eine Regatta aufführten. »Man« sah -sie; dieses »man« bedeutet den Kometen, denn außer ihm gab es keinen -Zuschauer, der sich an diesem urweltlichen Schauspiel hätte ergötzen -können. Überall Einsamkeit und Schweigen ... - -Unser Komet, der nicht wenig überrascht war, nur Muscheln zu sehen, -Muscheln im Meer, Muscheln auf der Erde und überall nur Muscheln, -erging sich in Mutmaßungen, wozu denn überhaupt die Erde eigentlich -geschaffen sein mochte. »Es ist und bleibt ein großes Geheimnis,« -sagte er sich, »daß man für derartige Wesen eigens eine Welt geformt -hat.« Er versuchte sich vorzustellen, über welche geistige Kraft -diese Geschöpfe wohl verfügen mochten, wie weit ihre Fähigkeiten -gingen, ob sie wohl denken konnten usw. Trotz der Geringfügigkeit und -Unansehnlichkeit des Erdballs konnte sich sein Geist doch nicht zu dem -Glauben aufschwingen, daß dieser kleine Weltkörper nur dazu geschaffen -sein sollte, um Mollusken zur Wohnung zu dienen. Er sah sich die -verschiedenen Lebewesen genauer an, und es fielen ihm die Geselligkeit -der Miesmuscheln und die Geschicklichkeit der Schildkröten, deren -erste Exemplare gerade zum Leben erwachten, wohl auf. Er ließ die -verschiedenen Arten der Mollusken: die Kopffüßler, die Bauchfüßler, -die Blattkiemer, und wie sie alle heißen mögen, vor seinen Augen -vorbeimarschieren; auch die Rankenfüßler (~Cirripediae~), die weder -Kopf noch Füße noch Arme haben, übersah er nicht. Aber in dieser ganzen -Gesellschaft fand er niemand, dem er die heilige Gabe der Vernunft -zutrauen konnte. - -Seiner fruchtlosen Nachforschungen müde geworden, kehrte der Komet um, -und ebenso wie in unendlich späterer Zukunft der ewige Jude, so dachte -er, während er weiterging, und er ging weiter, während er dachte, bis -plötzlich ein furchtbarer Schrei die Luft erzittern machte. »O,« rief -der Komet aus, »da ist er wahrscheinlich, der König der neuen Welt. Ich -danke dem Himmel dafür, daß er mich ihn noch vor meiner Abreise hat -sehen lassen.« Er wandte sich um, und in der Tat -- er war da! - -Ein mißgestaltetes Ungeheuer von schwärzlicher Farbe, kolossalem -Bau, höckrichter Haut, mit einem sehr langen Krokodilsrachen, der am -Halse eines Nilpferdes befestigt zu sein schien, ein Ungetüm, dessen -Vorderbeine anscheinend verkürzt waren, während seine Hinterbeine -ebenso lang wie die eines Kamels waren, schleppte sich unbeholfen zu -dem Rande eines Sumpfes hin. - -»Schön ist er zwar nicht,« sagte der Komet zu sich, »aber Schönheit ist -ja nur Geschmackssache, ein bedingter Begriff, der nichts Absolutes -an sich hat. Das also soll der Herr der Erde sein -- im Reiche der -Blinden ist ja der Einäugige König -- und die Ammoniten sind dann die -Fürstinnen des Meeres. Er scheint im allgemeinen auf dem Lande zu -leben und auf gute Sitten nicht viel Wert zu legen. Er ist einfältig, -bescheiden und häßlich, mit einem Wort, für die Welt, in der er lebt, -vollkommen passend. Gleichviel, ich hätte es mir niemals träumen lassen -mögen, daß es auch solche Schöpfungen geben kann, aber es nutzt nichts, -es noch weiter leugnen zu wollen. Das Labyrinthodon ist das einzige -Tier, welches die Macht hat, auf dieser Welt das Zepter zu führen, also -ist es auch ihr König. Das also ist das erste Auftreten der Majestät! -Macht geht vor Recht!« Er erging sich in seinem Selbstgespräch noch des -weiteren in Betrachtungen im Sinne etwa der Darwinschen Lehre von der -geschlechtlichen Zuchtwahl, aus der folgert, daß der Beweisgrund des -Stärkeren auch immer der bessere ist. - -Durch das Erscheinen dieses irdischen Ungeheuers war unser Komet doch -einigermaßen aus seiner gewohnten Ruhe gebracht worden, und noch immer -träumend setzte er seine Rückreise fort, die ihn bis an die Grenzen -des Sonnensystems führte. Weder bemerkte er hierbei, mit welcher -Schnelligkeit er selber dahinschoß, noch auch, wie rasch sich die -Weltkörper, die er unterwegs traf, fortbewegten. Erst als er sich in -der Nähe des Saturn befand, kam er wieder recht zum Bewußtsein. - -Die glänzende Pracht und der Reichtum einer Zivilisation, die -Jahrhunderte voller Arbeit hervorgerufen hatten, umgaben dieses -strahlende Gestirn. Auf ihm wohnten die Fruchtbarkeit und der Friede. -Schon wenn man näher an diese Welt herankam, fühlte man, daß hier das -Leben wogte. Es war schon unendlich lange her, daß der Saturn aus den -Finsternissen des Chaos emporgestiegen war und allmählich sich immer -mehr vervollkommnet hatte. Wie einige jener glücklichen Sterblichen, -die es wohl verdienten, daß sie den Geist der Natur begriffen und -in ihre erhabenen Geheimnisse eindrangen, gelehrt haben, steht die -Entfernung der Planeten von der Sonne mit ihrem Alter in einem -ursächlichen Zusammenhange. Die entferntesten sind gleichzeitig die -ältesten und die in ihrer Entwicklung am weitesten vorgeschrittenen. - -Neptun, der sechshundertundfünf Millionen Meilen von der Sonne -entfernt ist, ist vor Milliarden von Jahrhunderten zuerst aus dem -Sonnennebel hervorgegangen -- Uranus, der sich in einer Entfernung -von dreihundertsechsundachtzig Millionen Meilen um den gemeinsamen -Mittelpunkt aller Planeten bewegt, zählt ein Alter von mehreren -hundert Millionen von Jahrhunderten -- Saturn, dessen Entfernung von -der Sonne hundertzweiundneunzig Millionen Meilen beträgt, hat an -seinem ehrwürdigen Haupte auch schon mehr als hundert Millionen von -Jahrhunderten vorbeiziehen sehen -- Jupiter, dessen ungeheure Masse in -einer Entfernung von hundertundfünf Millionen Meilen um die Sonne ihre -Bahnen zieht, ist siebzig Millionen von Jahrhunderten alt. Mars zählt -tausend Millionen von Jahren; von der Sonne ist er dreißig und eine -halbe Million Meilen entfernt. Unsere Erde wandert in einem Abstand von -zwanzig Millionen Meilen um die Sonne und ist aus ihrem glühenden Schoß -vor hundert Millionen Jahren hervorgegangen. -- Erst fünfzig Millionen -Jahre mögen es her sein, daß Venus sich von der Sonne getrennt hat; -in einem Kreise von vierzehn und einer halben Million Meilen bewegt -sie sich um die Sonne. Nur ein Alter von zehn Millionen Jahren zählt -Merkur, dessen Entfernung von der Sonne gegen acht Millionen Meilen -beträgt. Auch er hat in der Sonne seinen Ursprung genommen, dagegen ist -der Mond ein Kind der Erde. - -Unser wanderndes Gestirn war bei allen diesen Schöpfungen zugegen -gewesen, und besser als jeder andere kannte es die himmlische -Genealogie, aber wie es ja Personen von großem Wissen immer tun, -suchte auch es stets, seine Kenntnisse zu vermehren, und sein ganzes -Leben verbrachte es damit, Beobachtungen anzustellen. Saturn also, -dessen Bahn der Komet jetzt entlang fuhr, befand sich in voller Blüte. -Der Segen, den eine unter begünstigenden Umständen vorgenommene Arbeit -gewährte, machte sich überall bemerkbar. Da sah man Binnenmeere, -die mit zahlreichen Fahrzeugen bedeckt waren, die, in keiner Weise -durch das flüssige Element behindert, rasch dahinfuhren; da gab es -Häfen, in denen die Schätze aller Länder zur Schau gestellt waren. -Kleinere Schiffe bevölkerten die Flüsse, und das Land war von einem -engen Netz von Straßen durchzogen, auf denen hohe, prächtige Gefährte -dahinrollten. In den blauen Lüften sah man eine ganze Flotte segeln, -und hoch oben von Türmen stiegen weitere Luftschiffe empor, um ihren -Weg nach den Gipfeln steil abfallender Berge zu nehmen. Hier hatte -in der Tat der Geist die Materie überwunden, und das Reich der -Saturnbewohner erstreckte sich von tief unten, vom Boden der Abgründe, -bis hoch hinauf auf die Gipfel der Berge. Wie in einem unsichtbaren -Gewebe vereinigten sich die Fäden dieses Organismus an einer einzigen -Stelle. Betrachtete man diesen Weltkörper von seinen Polen aus, so -bemerkte man ein ungeheuer großes System von Ringen, die über ihm -in unermeßlicher Höhe ausgespannt waren, und bis zu denen doch die -Luftschiffe emporstiegen. Außer der »inneren« Welt auf dem Saturn, wie -wir sie nennen wollen, gab es noch eine andere, eine »äußere« Welt, -die von der ersten vierundeinhalbtausend Meilen entfernt war und sich -fünfundvierzigtausend Meilen weit erstreckte. Nur durch die Luft, die -Atmosphäre, stand sie mit der »inneren« Welt in Verbindung. Jenseits -dieser zweiten Welt, die einem Ringe gleich Saturn umschloß, konnte man -noch acht andere Ringe erkennen, die Kreisen von orange oder grünlicher -Farbe glichen und sich umeinander drehten. Der Geist und Scharfsinn -der Saturnbewohner hatte diesen Weltkörper vollständig unter seine -Herrschaft gebracht, und von seiner »inneren« Welt aus strahlte ihre -Macht aus, um sich auf ihre »äußeren« Welten zu verbreiten. - -Wenn man, unter dem Schatten einer Palme gelagert, die üppige, in -Farbenpracht erglühende Landschaft Afrikas betrachtet, mag es wohl -vorkommen, daß man einschlummert und dann plötzlich aus einem düstern -Traum aufschreckt, um sich inmitten der fruchtbarsten Landschaft zu -sehen. Ganz ebenso erging es unserem Kometen, als er nach dem Abschied -von der unansehnlichen Erde von Träumen umfangen, erst in der Nähe des -prächtigen Saturn erwachte. Er verlangsamte seinen Weg und mit größerer -Aufmerksamkeit als je vorher betrachtete er diese wunderbare Welt -- -die dadurch entstandene Verzögerung in seiner Umlaufszeit verzeichnen -die Astronomen des Neptun als »saturnale Störung« --. Und als er an -diesem großen und schönen Weltkörper vorbeifuhr, da glaubte er wirklich -aus einem bösen Alpdrücken erwacht zu sein. - -Was war die Erde neben diesem prächtigen Stern? Die Erde! Eine winzige, -unscheinbare Kugel, auf der das Leben sich gerade zu regen begann und -sich in Formen kleidete, von denen zu reden kaum erfreulich war; eine -chaotische Masse, deren verschiedene Elemente untereinander vermischt -blieben, kurz -- ein reines Nichts. Denn als der Komet sich umwandte, -konnte er bei der ungeheuer großen Entfernung die Erde nur noch -als einen schwarzen Fleck vor der Sonne erkennen. Das mag es auch -entschuldigen, daß die Erde bei dem Kometen ins Vergessen geriet und -daß ihm eine geringfügige Schöpfung, wie es unser Planet damals noch -war, gleichgültig blieb. - - - - -Zweites Kapitel. - -Umwälzungen auf der Erde. - - -Die Gleichgültigkeit, die der Komet der Erde gegenüber bewahrte, war -so stark und andauernd, daß er dreiundzwanzigmal in seine Sonnennähe -kam, ohne daß er es sich einfallen ließ, auch nur einen einzigen Blick -auf den kleinen Erdball zu werfen. Und wäre nicht ein ganz merkwürdiges -Ereignis eingetreten, das ihn ganz ohne seine Absicht zwang, der Erde -ein wenig Aufmerksamkeit zuzuwenden, so würde er sie wohl noch länger -unbeachtet gelassen haben. - -Als der Komet zum vierundzwanzigsten Male in -ihre Nähe kam -- es war dies gegen das Jahr -Fünfhundertvierunddreißigtausendfünfhundertundvierundsechzig vor -Christi Geburt -- führte ihn sein Weg sehr dicht an der Erde vorbei, -denn die beiden Gestirne kreuzten sich auf ihren Wegen, und zwar -so nahe, daß die Erde während fünf Tagen und fünf Nächten in dem -neblichten Schweife des Kometen blieb. Der Schweif gab dem Kometen -eine Ausdehnung von achtunddreißig Millionen Meilen, vom Kopfe bis zur -äußersten Spitze gemessen, und er bildete eine ungeheure Nebelfläche, -die einige hunderttausend Meilen in der Breite maß. Im allgemeinen -ist dies die Gestalt des Schweifes der Kometen; die Fläche ist mehr -oder weniger ausgeweitet und nähert sich bisweilen auch der Fächerform. -Infolge der großen Abstoßungskraft des Sonnenlichtes ist die Atmosphäre -von einer außerordentlichen Dünne. Die Hitze löst alle Teile des -Kometen, die dafür empfänglich sind, und was sich während der langen -Entfernung des Kometen von dem Feuerherde der Sonne verdichtet hatte, -verflüchtigt sich. Diese verflüchtigten Teile, die von nur sehr -geringem Gewichte sind, nehmen aber sehr viel Raum ein und suchen sich -vom Kern des Kometen, der auf sie eine nur schwache Anziehung ausübt, -zu entfernen. Wie groß auch ihre Ausdehnung sein mag, ihr Gewicht -beträgt nicht viel, und man könnte ganz gut ein Stück von der Größe der -Notre-Dame-Kirche oder der Pariser Sternwarte aus ihnen herausschneiden -und es wie eine Luftblase verschlucken. - -Wir sagten, daß die Erde fünf Tage und fünf Nächte lang in dieser -Dunsthülle blieb. Man wird vielleicht erstaunt sein, daß nach einer -solchen Begegnung unser Planet noch existiert, aber noch mehr wird man -wohl erstaunen, wenn wir erwähnen, daß die zu jener Zeit lebenden Wesen -von dieser Begegnung gar nichts merkten. Es hätte also wenig Zweck, bei -diesem Kapitel von der Möglichkeit eines Zusammenstoßes der Erde mit -einem Kometen lange zu verweilen; wir wollen indessen hören, welcher -Meinung namhafte Astronomen hierüber sind. - -Einer der bedeutendsten[2] unter ihnen glaubte, daß die Kometen viel -schwerer seien, als man auf Grund früherer Hypothesen bis dahin -anzunehmen wagte. »Die Meere ergießen sich aus ihren bisherigen -Becken,« sagte er, »um auf einen neuen Äquator zuzuströmen. Eine -große Zahl von Menschen und Tieren wird in dieser neuen allgemeinen -Sintflut ertrinken oder infolge des heftigen Stoßes, dem der Erdball -ausgesetzt ist, umkommen. Ganze Arten von Tieren werden vollständig -vernichtet werden. Alle Denkmäler menschlichen Fleißes werden zugrunde -gehen. Solche unheilvolle Folgen müßte der Zusammenstoß mit einem -Kometen nach sich ziehen.« -- »Wenn der Schweif eines Kometen mit -der Erde zusammenträfe«, urteilt ein anderer,[3] »oder wenn ein Teil -des Stoffes, aus dem sich dieser zusammensetzt, in den Tiefen des -Weltalls auseinanderginge und infolge seiner Schwerkraft auf die Erde -herniederfiele, dann würden die damit verbundenen Ausdünstungen bei -Tieren und Pflanzen recht empfindliche Wirkungen hervorbringen. Denn -es ist sehr wahrscheinlich, daß Gase, die aus so weit entfernten und -so seltsam beschaffenen Welten zu uns kommen, die überdies noch im -höchsten Grade erhitzt sind, für alles, was sich auf der Erde befindet, -verhängnisvoll werden und dort die größten Verheerungen anrichten -müßten«. Und ein Dritter[4] meint: »Schon bei der gegenseitigen -Annäherung zweier solcher Körper müßten sich ohne Zweifel große -Änderungen in ihrem Laufe vollziehen, sei es, daß diese Änderungen -durch die gegenseitige Anziehung herbeigeführt würden, sei es, daß die -Gase, die sich zwischen ihnen befänden, unter zu hohen Druck kämen. Das -mindeste, was eine derartige Annäherung zuwege bringen müßte, wäre -eine Verschiebung der Achse und der Pole der Erde. -- Ohne Zweifel -stellen die Schweife der Kometen ungeheure Ströme von Ausdünstungen und -Gasen dar, die infolge der Wirkung der Sonnenhitze aus dem festen Kern -des Kometen entwichen sind. Ein Komet könnte mit seinem Schweif so nahe -an der Erde vorbeigehen, daß wir in dem feurigen Strom, den er mit sich -schleppt, ertrinken, oder in der Atmosphäre, die ihn umgibt und die von -derselben Beschaffenheit ist, umkommen müßten. Bei ihrem Herannahen -an die Sonne haben einige Kometen einen so hohen Hitzegrad erreicht, -daß sie erst in fünfzigtausend Jahren sich abkühlen können. Welche -Wirkung würde diese Hitze nun auf die Erde ausüben? Sie würde in Asche -zerfallen oder in eine glasige Masse verwandelt werden. Der Schweif -allein würde die Erde mit einem feurigen Strom überschwemmen und ihre -sämtlichen Bewohner vernichten, genau so wie ein Haufen Ameisen in -kochendem Wasser umkommt, das man über ihn gießt.«[5] - -Der Engländer Whiston war der erste, der den verschiedenen Kometen -bestimmte verhängnisvolle Einwirkungen auf unsere Erde zugeschrieben -hat. Den Kometen von 1680 sah er als die Ursache der Sintflut an -und er behauptet, daß dieser Komet auf seinem Rückweg von der Sonne -eines schönen Tages die Erde mit seinen feurigen und todbringenden -Ausdünstungen überschütten werde und so ihren Bewohnern all das Unheil -bringen würde, das ihnen für den Jüngsten Tag prophezeit ist; zu guter -Letzt würde er den allgemeinen Weltenbrand entzünden, der unseren -Planeten aufzehren müßte. - -Anderseits versichert uns Newton, daß ein Komet ohne Kern, wenn er auch -so groß wäre, daß er von der Erde bis zum Saturn reichte, doch in einem -Würfel von fünfundzwanzig Millimeter Seitenlänge Platz finden könnte, -wenn er auf denselben Grad verdichtet würde wie die atmosphärische -Luft, die wir atmen. Neuere Forschungen über die Masse der Kometen -haben ein Resultat ergeben, das auch die geringste Beunruhigung -schwinden läßt. Wenn der größte Komet auf unsere Erde stürzen würde, -könnte er keine andere Wirkung hervorrufen als etwa eine Mücke, die -eine Lokomotive aufhalten will, und auch seine Gase können unsere -Atmosphäre in keiner Weise beeinflussen. - -Die Bewohner unserer vorsintflutlichen Welt brauchten aber die -Begegnung, die ihnen drohte, um so weniger zu fürchten, als sie damals -noch vollkommen im Wasser lebten und dort ihr Dasein fristeten. Die nur -unter dem Mikroskop wahrnehmbaren Infusorien, die Fische und Amphibien -merkten nichts von dem Vorgang. - -Für unsere Erde war das Ereignis vielmehr von Vorteil, insofern als -die Begegnung unseren erhabenen Reisenden aus seiner jahrtausendelang -dauernden Gleichgültigkeit gegen sie riß. Der Durchgang des Erdballs, -der nicht weit von seinem Kopfe erfolgte, übte auf seinen Geist, -wenigstens vom irdischen Gesichtspunkte aus betrachtet, einen recht -günstigen Einfluß aus. Er geruhte von der Kugel Kenntnis zu nehmen, -die durch seinen Schweif hindurchpassierte. Man wird es gewiß glauben, -daß die Erde, der ihre lange Einsamkeit wohl nicht kurzweilig gewesen -sein mochte, den Augenblick des Durchgangs nicht verschlafen hat; und -ein seltsameres Schauspiel als jetzt hatte sich dem Auge des Kometen -noch nie geboten. Zwei steil abfallende Felsen schützten die Einfahrt -zu einer Halbinsel, und auf diesen, hoch in die Wolken ragenden Felsen -saßen als bizarre Gruppe zwei wunderlich aussehende, ungewöhnlich -gebaute Geschöpfe, die sich, ohne eine Miene zu verziehen, unausgesetzt -scharf ansahen. - -Es waren dies der Pterodaktylus und der Ramphorynchus, zwei Arten -von Fledermäusen in der ungefähren Größe eines Hammels, zwei lebende -Sphinxe, die mit ihren ausgebreiteten Flügeln Bäumen mit lang -herabhängenden Blättern glichen. Von diesem Anblick betroffen, rief -der Komet seine Erinnerungen wach, und es fiel ihm ein, daß er schon -vor dreiundsiebzigtausendfünfhundertundsechzig Jahren Gelegenheit -gehabt hatte, diese kleine Kugel und ihre höchst sonderbare Bevölkerung -wahrzunehmen. - -Und er ging nun ernstlich ans Werk, sich die Erde recht genau -anzusehen. Auf den ersten Blick erkannte er, daß die äußere Gestaltung -der Oberfläche sich ganz auffallend verändert hatte, daß sich in dem -großen Ozean, der vorher die ganze Erde bedeckte, nunmehr bereits -kleine Kontinente gebildet hatten, und daß eine noch immer sehr üppige -Vegetation ihre Herrschaft über den Erdball jetzt mit einem schon -ziemlich bedeutenden Tierreich zu teilen hatte. Auch die Gestalt, die -diesem Tierreich eigentümlich war, fiel ihm sofort auf, und er war -darüber in nicht geringem Grade erstaunt. Bei seinem letzten Besuche -hatte er in der Hauptsache nur Muscheln entdecken können, und jetzt -erregten seine Aufmerksamkeit -- Krokodile, aber Krokodile von jeder -Gestalt, von jeder Farbe, von jeder Größe. Auf dem Festlande, im Meere, -hoch in den Lüften, waren Krokodile, Eidechsen und andere Reptilien zu -sehen, hier solche mit Flossen, dort andere mit Flügeln, kurz, eine -Unmasse von Krokodilen. - -Er ließ seinen Blick forschend auf die Ebene und das Gebirge schweifen -und die ungeheure Menge der riesenhaften Saurier an seinem Auge -vorbeiziehen. Da waren die verschiedenen Ichthyosaurusarten, der -~I. communis~, der ~I. intermedius~, der ~I. platyodon~, der ~I. -tenuirostris~ usw. usw. Einige maßen dreißig Fuß in der Länge. Ganze -Herden dieser Reptilien schwammen im offenen Meer wie heutzutage die -Walfische; oben, an ihrem Kopfe, und zwar wagerecht liegend, trugen sie -Augen, die einen Fuß lang und so gebaut waren, daß sie nach Belieben -entweder als Fernrohr oder als Mikroskop benutzt werden konnten. -Bewaffnet waren sie mit einem vorzüglichen Gebiß, und wenn sich das -Maul auftat, maß die Öffnung des Rachens mehr als drei Fuß, und es -zeigten sich zwei Reihen von hundertundachtzig Zähnen. Die Wirbelsäule -setzte sich bei ihnen aus hundert Wirbeln zusammen und ermöglichte -ihnen die gelenkigsten und biegsamsten Gliederbewegungen. Er sah ganze -Scharen von Plesiosauriern sich vom Ufer ins Meer stürzen. Es waren -dies mit den geschilderten Arten verwandte Reptilien, die aber zu -gleicher Zeit von der Schlange den unverhältnismäßig langgestreckten, -dünnen Hals, von den Vierfüßlern den Rumpf und von den Walfischen -die Flossen hatten. Er sah in gefährlichen Zusammenrottungen die -furchtbaren Poekilopleurusarten mit ihren gewaltigen Krallen und -ihren spitzen Zähnen, ferner die Hyleosaurier, die Cetiosaurier, -die Stenosaurier und die Streptospondylen. Auch die Teleosaurier, -jene Freibeuter der vorsintflutlichen Meere, bemerkte er. Er sah -ganze Scharen von Pterodaktylen in die Lüfte aufsteigen, jener -riesigen Fledermäuse, deren entsetzlicher Rachen sechzig drohende -Zähne zeigte, und die ihr Leben damit verbrachten, daß sie von einem -Baum zum anderen, von einem Felsen zum anderen flogen. Auch die mit -Pflanzen bewachsenen Höhen setzten durch ihr düster-ernstes Aussehen -den Kometen in recht große Verwunderung. Da waren dicke Stämme von -großen Schachtelhalmen, langes Schilfrohr, riesenhafte Farnkräuter, -Nadelhölzer, die unserer Tanne ziemlich ähnlich waren, und schlanke -Pandangen (~Pandanus~) mit ihren hoch über den Boden aufragenden -Luftwurzeln. - -Beim Anblick dieses mehr unheimlich als schön wirkenden Panoramas -wurde der Komet nachdenklich. Dreihundertfünfundsechzigmal sah -er vor seinen Augen die Erde sich um sich selbst drehen, und -dreihundertfünfundsechzigmal hatte er Gelegenheit, die gesamte -Erdoberfläche zu überschauen. Da, plötzlich, ertönte ein furchtbares -Krachen. Auf dem Grunde des Meeres hatte sich die Rinde der -Erdoberfläche gespalten, und während aus den im Aufruhr befindlichen -Eingeweiden der Erde wütende Flammen emporschossen, ergoß sich mit -grauenhaftem Getöse das Meer in einen Abgrund, der sich plötzlich -aufgetan hatte. Die oben geschilderten Ungetüme wurden von den Wogen -der mit furchtbarer Gewalt daherströmenden Wasserfluten fortgerissen, -und wütende Schreie ausstoßend, kamen sie darin um, während die -geflügelten Reptilien mit unheilverkündendem Gekrächze so rasch als -möglich durch die Luft zu entkommen suchten. Die Gestade entvölkerten -sich, und die mit Elektrizität überladene Atmosphäre entlud sich in -heftigen Blitzschlägen, die die Luft durchzuckten. Bald vermischte sich -auch das dumpfe Rollen eines bisher noch nie gehörten Donners mit dem -Toben und Brausen des Unwetters, und es schien, als ob eine ungeheure -Umwälzung die gesamte Erdoberfläche zerrissen und gespalten hätte. - -Unser Komet hatte leider seine Geringschätzung gegen unsere Erde noch -immer nicht überwunden und er dachte gar nicht daran, unseren Planeten -ernst zu nehmen. Seit Tausenden von Jahrhunderten war er gewohnt, an -seinen Augen Welten vorbeiziehen zu sehen, die auf den Pfaden der -Zivilisation schon weit vorgeschritten waren, wie das mit Neptun und -Uranus der Fall war, andere, wie Saturn, waren eben auf der Höhe ihrer -Entwicklung angelangt, und er konnte sie in ihrer ganzen Pracht und -Herrlichkeit überschauen; wieder andere -- Jupiter gehörte zu diesen --- bereiteten sich zu einer großartigen Entfaltung vor, und noch andere -schließlich -- zu diesen zählte Mars -- befanden sich noch im Frühling -ihres Lebens. Der Verkehr mit diesen der Erde überlegenen Planeten -hinderte ihn vorläufig daran, dem Erdball eine gerechte Würdigung -zuteil werden zu lassen, und so beharrte er in seinem Vorurteil und -verfiel auch bald wieder in seine frühere Gleichgültigkeit. - -Während er noch in seinen Träumereien befangen war, nahm die gewaltige -Erdrevolution ihren Fortgang. Es erstand die Juraformation; bei ihrer -Bildung wurden die Fundamente des Erdballs von Grund aus erschüttert, -und die Erde bebte, als ob sie von einem heftigen Taumel befallen -worden wäre. Die Meere ergossen sich in die brennenden Tiefen oder -überströmten Gegenden, die durch die geologische Umwälzung eingesunken -waren. Aus Quellen, die plötzlich im Schoße der Erde entsprangen, -stiegen neue Meere auf, und Ebenen krümmten sich empor, ähnlich, wie -man auf der Oberfläche des im Schmelzen befindlichen Metalls sich -Luftblasen bilden sieht. Das flache Land machte neuen Gebirgen Platz, -und dort, wo sich früher Berge und Hügel erhoben, dehnte sich jetzt -eine kahle oder durch mannigfache Erhebungen unterbrochene Ebene aus. -So hatte die Oberfläche des Erdballs sich ganz und gar geändert. Der -Komet hatte auf seinem Fluge durch das Weltall die Erde noch nicht aus -seiner Sehweite verloren, als ihm klar wurde, daß die Umwälzungen, -deren Vorspiel für einen Augenblick seine Gedanken abgelenkt hatte, mit -unvermindertem Ungestüm fortdauerten, und daß für die Erde eine neue -Schöpfungsperiode begonnen hatte. - -Mit einer Schnelligkeit von ungefähr vierzigtausend Meilen in der -Stunde, oder neunhundertsechzigtausend Meilen an einem Tage, setzte -der Komet seine Reise fort. Diese Schnelligkeit, mit der er seine -Reise angetreten hatte, verminderte sich, je weiter er sich von -seinem Ausgangspunkte entfernte, und drei Monate, nachdem er aus dem -Bannkreise der Erde entschwunden war, bot sich dem himmlischen Wanderer -eines der seltsamsten Schauspiele dar. Zu damaliger Zeit kreisten -zwischen der Umlaufsbahn, die der Mars beschreibt, und derjenigen des -Jupiter verschiedene Planeten, die ursprünglich einen Ring gebildet -hatten, der sich in der Zwischenzeit, die zwischen dem Entstehen des -Jupiter und dem des Mars liegt, von der gemeinschaftlichen Mutter -aller Planeten, der Sonne, losgelöst hatte. Anstatt nun, wie es bei -allen anderen Planeten der Fall gewesen war, sich in _eine_ Weltkugel -umzuwandeln, hatte dieser sonderbare Weltenring eine ganze Menge neuer -Weltkörper aus sich heraus entstehen lassen, die sämtlich so eigenartig -und zerbrechlich wie er selbst waren. Wie alle anderen Planeten drehten -sich auch diese Weltkugeln um die Sonne, wie diese hatten auch sie -ihre Jahre, ihre Jahreszeiten und ihren Wechsel von Tag und Nacht. Als -nun der Komet, der über die gewaltsamen Veränderungen auf der Erde -noch in Nachdenken versunken war und gerade darüber philosophierte, -welches Geschick wohl einst dem ganzen Weltenall bevorstehen werde, -sich der Bahn des größten unter diesen kleineren Planeten näherte, kam -diese immerhin gewaltige Kugel, die sich mit einer Geschwindigkeit von -neuntausend Meilen in der Stunde vorwärts bewegte, in gerader Linie auf -ihn losgestürzt; sie mußte auf den Kometen an dem Punkte auftreffen, -an welchem er ihre Bahn zu kreuzen im Begriffe stand. Ein Zusammenstoß -schien ganz unvermeidlich -- da, wenige Augenblicke vor der drohenden -Katastrophe explodierte dieser Himmelskörper wie eine Bombe. Gase -stiegen auf und verbanden sich mit den im Schweife des Kometen -vorhandenen, und man konnte sehen, wie etwa zehn einzelne Teile sich -loslösten und selbständig ihre Reise durch den Weltenraum fortsetzen. -Es ereignete sich hier ein Weltuntergang, und zwar hatte der zerstörte -Himmelskörper zweifellos ein frühzeitiges Ende gefunden, das schon -lange Zeit in seinem Innern wirkende Kräfte mußten hervorgerufen haben. -Die Katastrophe fand in einer Entfernung von achtundsechzig Millionen -zweihundertundsechzehntausend Meilen von der Sonne statt. Vielleicht -haben wir hier den Ursprung jener kleinen, nur durch den Refraktor -wahrnehmbaren Planeten Ceres, Daphne, Thisbe, Sirona und Arduina zu -suchen, welche sämtlich 2.77 von der Sonne entfernt sind, wenn man die -Entfernung der Erde von der Sonne als Einheit nimmt. Es sieht fast -so aus, als ob diese kleinen Gestirne Jahr für Jahr einmal den Ort -wiedersehen müssen, an dem jenes furchtbare Naturereignis stattfand, -das sie für immer trennen sollte. - -Hier fand unser Komet seinen Weg nach Damaskus und hier vollzog sich -in seinem Geiste eine dauernde Wandlung. Hier war es, wo er für die -Erde jene Sympathie faßte, von der er seitdem stets beseelt geblieben -ist. Es ist wohl möglich, daß er ohne diese erschütternde Katastrophe -noch lange in seiner Gleichgültigkeit gegen die Erde verharrt hätte. -Aber auch bei ihm zeigte sich, was man schon so vielfach beobachtet -hat: es bedarf nur eines plötzlichen Anlasses, um selbst starke -Charaktere umzuwandeln. Das Gefühl wohlwollender Anteilnahme, wie es -im allgemeinen die Mächtigen der Welt den Kleinen entgegenbringen, war -es, das angesichts dieser Katastrophe schmerzliche Erinnerungen an die -Erde in ihm wachrief. Einen Augenblick lang fürchtete er auch für das -Dasein der Erde! Arme Erde! Wenn die furchtbare Umwälzung, die auf ihr -vor kurzem begonnen hatte, ihr verhängnisvoll werden und sie daran -zugrunde gehen sollte, bevor sie überhaupt noch geboren war! Wie würde -sie sich in den schweren Kämpfen behaupten können, die sie noch zu -bestehen hatte? Ob sie Kraft genug besaß, die Krisis zu überwinden und -ihr Dasein zu verteidigen? Ob es ihr wirklich beschieden sein mochte, -für immer solch wilden und grausamen Geschöpfen ungastlichen Aufenthalt -zu gewähren? - -Von diesem Tage an interessierte er sich für die Erde, und ihr -Schicksal ging ihm um so mehr zu Herzen, je unvollkommener sie in -ihrer Entwicklung noch war. Oft überraschte er sich dabei, wie sich -ganz unwillkürlich seine Gedanken mit dieser bescheidenen Schöpfung -befaßten, und oft zog er, in seinen Gedanken tief bekümmert, an den -glänzendsten Welten vorbei, ohne diese auch nur eines Blickes zu -würdigen. Ja, es kam so weit mit ihm, daß ihm seine Reise durch den -Weltenraum zu lang wurde. Dreitausendunddreiundsechzig und ein halbes -Jahr von der Erde entfernt zu bleiben und nur höchstens achtzehn Monate -in ihrer Nähe verweilen zu dürfen, schien ihm ganz außer Verhältnis zu -stehen. Der kleine Erdball faßte schließlich in seinen Gedanken Platz -und schien sich dort immer mehr befestigen zu wollen. - -Mit Ungeduld erwartete der Komet das Herannahen des Sommers. Der -Sommer-Sonnenstillstand bedeutet für die Kometen den Zeitabschnitt, in -dem sie ihren Flug nach ihrem Perihelium richten, d. h. sich wieder -der Sonne zuwenden und somit auch der Erde wieder nähern. Sobald er -merkte, daß die Strahlen der Sonne immer wärmer wurden, und sehen -konnte, wie ihre Scheibe sich mehr und mehr vergrößerte, wußte er -auch, daß das Ende des Frühlings gekommen war. Kaum wurde er der -Erde wieder ansichtig -- und zwar sah er sie bald vor der Sonne in -Gestalt eines schwarzen, runden Fleckes, in Form einer Mondsichel oder -eines Halbmondes, bald auf der rechten, bald auf der linken Seite des -leuchtenden Gestirns -- als er auch mit Wohlbehagen merkte, wie seine -Geschwindigkeit zunahm und er seinem sehnsüchtig erstrebten Ziele immer -näher kam. In seinem schnellen Laufe erreichte er endlich die Erde, -die er immer mehr liebgewinnen sollte, und schon am ersten Tage seiner -Ankunft unterzog er seine kleine Welt einer genauen Betrachtung. - -Er beobachtete das Erwachen der Tierwelt während der ganzen -Sekundärzeit, von der Jura- und Liasperiode bis in die letzten -Abschnitte der Kreidezeit. In einem Zwischenraume von dreitausend zu -dreitausend Jahren konnte er verfolgen, wie die verschiedenen Arten, -sowohl der Tier- als auch der Pflanzenwelt, sich langsam aber stetig -weiter entwickelten. Da der Komet sich allmählich an die Umwälzungen, -unter denen sich neue Ereignisse zu vollziehen pflegten, gewöhnt hatte; -da er Zeuge gewesen war, wie große Fluten von Grund aus einzelne -Teile der Erdoberfläche umgewandelt hatten; da er gesehen hatte, wie -Kämpfe im Innern der Erde sich in Vulkanausbrüchen Luft machten, und -wahrgenommen hatte, wie Gebirgsketten sich aus der Ebene erhoben und -die Erdoberfläche bereits anfing, die Gestalt zu erhalten, die ihr in -Zukunft eigentümlich sein sollte, wurde er auch allmählich ruhiger und -fürchtete für die Erde die Folgen dieser Naturereignisse nicht mehr. -Er glaubte schließlich, daß sie nur Konsequenzen eines unbekannten -Gesetzes wären, und gewissermaßen Prüfungen, die der Erdkugel nur -zum Nutzen gereichen könnten. So verfolgte er von einem seiner Jahre -zum andern, wie sich das kleine irdische Kind in seiner Wiege weiter -entwickelte. - -Die Wahrheit zwingt uns jedoch, nicht unerwähnt zu lassen, daß die -liebende Sorgfalt des Kometen für die Erde doch noch einmal eine kleine -Einbuße erlitt. Die Ursache davon war allgemeiner Art, und es lohnt -sich wohl der Mühe, einen Augenblick dabei zu verweilen: Es war die -Tatsache, daß der Umgang mit den Großen unsere Sympathien sehr leicht -zum Nachteil der Kleinen beeinflussen kann. Den schöneren, oder sagen -wir nur den größeren Teil seines Lebens verbrachte der Komet in der -Gesellschaft der Patrizier des Sonnensystems, und ohne daß er es selber -wußte, wurde er von ihrer Gesinnung angesteckt und selbst ein wenig -hochmütig. Sein Interesse für die Erde hielt sich während ungefähr -vierzigtausend Jahren auf derselben Höhe, dann aber geschah es, daß -er, ganz unbewußt, die schöne Jahreszeit mit geringerer Sehnsucht -erwartete. Er hatte sich an den Anblick, den ihm die Erde bot, gewöhnt, -und er teilte seine Aufmerksamkeit jetzt zwischen ihr und den anderen -Planeten. Wenn er an diesen vorüberflog, betrachtete er sie genau, -und von neuem stellte er Vergleiche mit der Erde an, die für diese -nicht vorteilhaft ausfielen. Zwanzigtausend Jahre lang blieb es so, -und schon konnte man befürchten, daß die höheren Weltkörper wieder -die vorherrschende Stellung in seinem Geiste erlangen würden, die -sie früher darin eingenommen hatten. Aber die Erde schritt in ihrer -Entwicklung rascher vor, als jene es taten, denn sie war noch jünger, -und als zur Tertiärzeit die Oberfläche der Erde sich wieder vollkommen -veränderte, wandte ihr der Komet wieder seine ungeteilte Gunst zu, -an der er eine kurze Zeit die anderen planetarischen Welten hatte -teilnehmen lassen. - - -Fußnoten - -[2] Laplace. - -[3] Gregory. - -[4] Maupertuis. - -[5] Es scheint fast so, als ob M. de Maupertuis hier in das Gebiet -des reinen Romans geraten sei, denn wer erinnert sich dabei nicht an -das seltsamste Phantasiegemälde dieser Art, an die »Unterhaltung von -Eiros mit Charmion«, eines der originellsten Gebilde jenes originellen -transatlantischen Erzählers? Die Begegnung des Kometen mit der Erde -hatte zum Glück keinen so schrecklichen Verlauf. Unser Komet war -huldvoll genug, ihre Bewohner nicht zu vergiften, dagegen hätte der von -Edgar Poe ihr Dasein vollständig vernichtet, wie er auch, wenn wir dem -phantastischen Dichter folgen, an jener seltsamen Agonie die Schuld -trägt, in welche die Erde versank. - -»Der gefürchtete Komet kam immer näher, seine rote Scheibe wurde -zusehends größer und nahm auch an Glanz zu. Bei seinem Herannahen -erblaßte der Geist der Menschheit und alles menschliche Tun und Treiben -hatte sein Ende erreicht. - -Auch dem Tapfersten unseres Geschlechtes schlug das Herz heftig in der -Brust. Dieses _neue_ Meteor war keine astronomische Erscheinung mehr, -sondern es war vielmehr ein Alp, der allen auf der Brust lag, ein -Schatten, der das Gehirn verfinsterte. Mit einer Schnelligkeit, die das -menschliche Fassungsvermögen übersteigt, hatte er das Aussehen eines -ungeheuren leuchtenden Flammenmantels angenommen, der in seiner ganzen -Länge am Himmel ausgespannt war. - -Noch einen Tag -- und die Menschheit atmete viel freier. Es war -zweifellos, sagt der Augenzeuge, daß wir bereits unter dem Einflusse -des Kometen standen, und doch lebten wir immer noch. Ja, wir erfreuten -uns sogar einer viel größeren Elastizität der Glieder und einer ganz -außergewöhnlichen geistigen Spannkraft. Aber auch die Vegetation -hatte sich zur selben Zeit ganz merkwürdig verändert. Alle Pflanzen -entfalteten wie durch einen Zauberspruch eine so wunderbare Blüten- und -Blätterpracht, wie sie vorher noch nie gesehen worden war. - -Aber auch noch eine andere, höchst seltsame Erscheinung griff bei -allen Menschen Platz: die erste Empfindung des _Schmerzes_ gab das -Zeichen zu allgemeinem Wehklagen und Schrecken. Dieser Schmerz äußerte -sich in einer heftigen Zusammenziehung der Brust und der Lungen und -in einer fast unerträglichen Trockenheit der Haut. Es ließ sich -nicht mehr leugnen, daß die Luft ganz und gar infiziert war. Als die -wissenschaftliche Forschung dies bestätigte, ging mit Blitzesschnelle -ein Schaudern, das sich bald in furchtbarsten Schreck verwandelte, -durch das Herz jedes fühlenden Menschen. - -Die Luft verlor ihren Gehalt an Stickstoff ... Dagegen vermehrte -sich in ganz auffallender Weise ihr Gehalt an Sauerstoff, dem -Haupterfordernis zum Atmen und zum Leben. Der Komet war da und das war -seine Wirkung. Die Überreizung der Lebensgeister und die Pracht, die -die Pflanzenwelt entfaltete, waren die ersten Symptome. Wenn aller -Stickstoff der Luft entzogen war, dann mußte eine unabänderliche, alles -sofort vernichtende Verbrennung aller Dinge auf Erden stattfinden, der -auf keine Weise zu entrinnen war. - -Der letzte Tag des Lebens ... Wir atmen eine Luft, die sich zusehends -ändert. Das Blut strömt ungestüm in seinen engen Gefäßen. Eine -wahnsinnige Wut bemächtigt sich aller Lebenden, die geballte Faust -strecken sie dem zürnenden Himmel entgegen und vor Angst zittern sie -und schreien heftig ... Einen Augenblick lang erscheint plötzlich -ein seltsames, unheimliches Licht, das überallhin dringt und alles -beleuchtet ... Dann läßt sich ein schriller, durchdringender Donner -vernehmen, als ob der Herr selbst gesprochen hätte -- und die ganze -gewaltige Menge der Luft, die uns umgibt, in der wir lebten, hatte sich -mit einem Schlage in ein furchtbares Feuermeer verwandelt ...« - -So Edgar Poe. Schon die bloße Erzählung einer derartigen Katastrophe -macht uns schaudern. Aber unser Komet ist nicht so gefährlich. Er ist -ein ehrsamer Reisender, der nur Land und Leute sehen will und der uns -in seiner Begleitung eine wirkliche »Reise um die Welt« machen läßt, -gegen die eine Reise um die irdische Welt ein wahres Kinderspiel ist. - - - - -Drittes Kapitel. - -Morgenröte der Erde. - - -Wie klein der Erdball auch immer war und welch bescheidene Stellung er -auch in der unendlichen Schöpfung einnehmen mochte, so zeigte er sich -doch recht wohl der Beachtung würdig, mit der ihn unser Komet beehrte. -Nicht immer machen Gestalt und Größe den Wert eines Geschöpfes aus, -sondern das Geschöpf selbst als Erzeugnis einer unendlichen Macht -trägt an der Stirn das Siegel seines göttlichen Urhebers. Der kleinste -Gegenstand, den die Natur geschaffen hat, ist so wunderbar wie der -größte; die Allmacht, die ihn ins Leben gerufen, hat ihn für immer -gezeichnet, und so sehen wir auch, daß sich in einem Wassertropfen -das Sonnenlicht ebenso leuchtend spiegelt wie in dem großen Ozean. -Auf seinen langen Wanderungen hatte sich unserem Weltreisenden diese -Beobachtung schon längst aufgedrängt, und wenn er sich seinen Gedanken -überließ und die auf seiner Reise gewonnenen Eindrücke geistig -verarbeitete, dann konnte er nicht umhin, auch der Erde den Platz -anzuweisen, der ihr durch den Adel ihrer Geburt zukam. - -Was die Erde betrifft, so zeigte auch sie allmählich, von welch -vornehmer Herkunft sie war. Ganz unmerklich zog sie ihre Kinderschuhe -aus und entledigte sich ihrer ungestalteten Formen, um schönere dafür -einzutauschen. Sie strebte nach Zierlichkeit der Erscheinung. Früher -zeigten Pflanzen und Tiere ein rohes, unförmliches Aussehen und boten -dem Auge wenig Reiz; die Bäume, von schwermütigem Charakter, hatten -weder Blüten noch Blätter, die Tiere mußten des wärmenden Pelzes, der -schützenden Wolle, des Federkleides entbehren, und auch sie hatten -noch keinen Schmuck angelegt. Aber zu der Zeit, die wir jetzt erreicht -haben, konnte man bei den Pflanzen bereits Blüten und Blätter, bei den -Tieren schon prächtig gefärbte Bekleidungen erkennen. Die Familie der -Proteazeen wies in den verschiedenen Banksia-Arten bereits großartige -Pflanzen mit schöngestalteten fruchttragenden Zweigen auf. - -Unter den Mimosoideen gab es schon Akazien und andere Pflanzen, die -man heute nur noch im fernen Australien findet, dessen Pflanzen- -und Tierwelt ja noch vielfach an die der Urwelt erinnert. Birken, -Buchen, Nußbäume, Erlen erhoben sich neben Palmen, Tannen, Zypressen -und Eibenbäumen, und die Arten waren nicht wie heutzutage durch -die Schranken geographischer Verbreitung voneinander getrennt. -In den Sümpfen, auf den Teichen und in den Flüssen sah man noch -Schachtelhalme und Wasserkastanien; aber die riesigen Blumen aus der -Familie der Nymphäazeen bedeckten bereits die Oberfläche der stehenden -Gewässer mit ihren schönen Blüten. - -Für welches Auge waren diese Schönheiten der Erde in ihrer Jugendblüte -geschaffen? Für welche Ohren war der Wohlklang, der die Natur im -Brausen der Wellen und im Rauschen der Blätter erfüllte, bestimmt? -Für wen boten die schattigen Wälder lauschige Schlupfwinkel, für wen -eröffneten sich die herrlichen Ausblicke, für wen breiteten sich diese -Pflanzenteppiche, die ein wechselvolles Licht mit schönen Mustern -verzierte, aus? Wer erfreute sich an der Sternenpracht der stillen -Nächte, die der Mond mit seinem ruhigen, silbernen Schein erleuchtete? -Für wen diese erhabene Pracht? Für wen dieser strahlende Himmel, -diese grünenden Ebenen, das Flüstern des sich zu natürlichen Lauben -verdichtenden Blätterwerkes, diese prächtigen Schauspiele, die Wasser -und Land unausgesetzt boten? Für wen die Sonne am Tage und die Sterne -in der Nacht, der blaue Himmel, die vielfarbigen Wetterwolken, die -goldene Pracht der Dämmerung, das Hervorbrechen des Regenbogens und der -Fall der Meteore? ... Für wen schuf die Natur diese ungeheure Arbeit? -... Verständige oder mit Vernunft begabte Wesen waren auf der Erde noch -nicht erschienen. - -Das Land, das heute von der Zivilisation beherrscht wird, die Gegend, -in der Frankreichs glänzende Hauptstadt sich erhebt, war damals noch -mit Wasser bedeckt. Noch nichts ließ die Gestalt erkennen, in der sich -Frankreich heute unserem Auge darbietet. Nur große Seen und Halbinseln -nahmen seine Stelle ein. Das Meer erstreckte sich über Paris hinaus, -bis nach Bourges; von Valenciennes bis nach Saint-Lô konnte man an -seinen Ufern entlang die unregelmäßige Kette der Kreideformation -verfolgen. Während der Juraformation hatte sich bereits die Hochebene -von Langres gebildet und beherrschte das eben genannte Meer. Die Berge, -die sich mit ihren schwarzen Zinnen über Langres erheben, dieselben, -auf denen Cäsar seine Wachtfeuer entzündete, die Bergeshöhlen, in -denen sich Sabinus vor dem Zorn des römischen Adlers verbarg, diese -ehrwürdigen Gipfel wachten schon über den Wogen des vorsintflutlichen -Meeres. Die alte Auvergne und Bretagne zur Linken und die Alpen zur -Rechten sind in den fernen Jahrhunderten der Primärzeit aus den Wassern -entstanden. Dagegen schlief zu der Zeit, von der wir sprechen, die -Gegend von Lyon, Tours, Dünkirchen noch auf dem Grunde des Meeres, und -erst während der Tertiärzeit erhob sich das Land, auf dem die genannten -Städte stehen, wenn auch nicht zu ewiger, so doch wohl zu einer recht -langen Dauer. - -Nach der Reihenfolge ihres Erscheinens auf der Erde traten die -Vorfahren der verschiedenen Arten unserer heutigen Tierwelt in deutlich -zu erkennenden Entwicklungsstufen hervor. Auf die ausschließlich im -Wasser lebenden Tiere waren die im Wasser und auf dem Lande lebenden -Amphibien gefolgt, nach diesen kamen Geschöpfe, die nur für das -feste Land bestimmt waren; wieder ein Hinweis darauf, daß es in der -Natur keinen Zufall gibt, und daß die Reihenfolge und Entwicklung -der Arten durch ewige, unabänderliche Gesetze bestimmt wird. Von -den vierfüßigen Säugetieren erschienen zuerst die Dickhäuter: das -Palaeotherium, das Anoplotherium, das Xiphodon, Geschöpfe, die ihrer -Gestalt nach eine Zwischenstufe zwischen dem Rhinozeros, dem Pferde -und dem Tapir einnahmen. Das erstgenannte, das etwa so groß wie ein -Pferd sein mochte, hatte vom Tapir den Kopf, der in einen fleischigen -Rüssel auslief, kleine, ausdruckslose Augen und kurze, plumpe Beine. -Im Gegensatz zum Palaeotherium hatte das Anoplotherium lange Beine -und dazu noch einen mehr als einen Meter langen Schwanz, der ihm beim -Durchschwimmen von Seen oder Flüssen als Ruder diente. Das Xiphodon -endlich ähnelte mehr unserer heutigen Gemse und war, wie diese, -zierlich gebaut, furchtsam und schnellfüßig. Neben ihnen tummelten -sich noch andere Arten, so das Lophiodon, das in seinen verschiedenen -Abarten auch die verschiedensten Formen zeigte und in seinen Maßen -von der Größe des Kaninchens bis zu der des Rhinozeros variierte, der -Chiropotamus, der die Flüsse bewohnte. Das Meer, über dessen Wellen von -Zeit zu Zeit der Mosasaurus sein furchtbares, drei Fuß langes Gebiß -fletschte, bevölkerten friedliche Wale, die Delphine waren seine Könige. - -Wenn wir uns in die damalige Zeit zu versetzen suchen, so wird uns die -eigenartige Formenwelt wundernehmen, die unsere Erde in jener Epoche -noch zeigte; sie bewahrte noch viel von dem fremdartigen Charakter, -der uns bei der Betrachtung der früheren Perioden so sehr in Staunen -gesetzt hat. - -Es war gerade zur Zeit des Beginnes der letztgeschilderten Periode, der -Eozän-Zeit, als der Komet wieder die Erde erreicht hatte, und es bot -sich ihm jetzt Gelegenheit, die irdische Landschaft in der Fülle ihrer -Entwicklung und ihrer Fortschritte zu betrachten. In diesem Schauspiel -offenbarte sich ihm das Gesetz der Bestimmung, und er mutmaßte, daß -ein höherer, unbekannter Wille die Bildung dieser kleinen Welt leite -und sie zum Aufenthalt für irgendein neues Wesen, das würdig sei, das -Zepter einer Welt zu führen, vorbereite. - -Die reine Luft erlaubte es der Sonne, ihre fruchtspendenden Strahlen -mit vollen Händen über die Erde auszuschütten; aus den stillen und -friedlichen Gewässern leuchtete der blaue Himmel; Tausende von -Pflanzen schaukelten ihren grünenden Stengel in den Lüften und die -ersten Blumen, die am Rande der Gewässer standen, spiegelten sich in -ihren Wellen wieder. Zahlreiche Herden weideten auf dem Lande und -die fröhlichen Bewohner der Luft nahmen zu höheren Regionen ihren -Aufschwung. Überall lachte das Leben. Schon traten die Unterschiede -der verschiedenen Jahreszeiten deutlich hervor, und der Komet erkannte -bereits, daß die Einrichtungen der Erde sich allmählich denen höher -organisierter Welten näherten. Wie alle Kometen hatte auch er in -seiner Bahn die größtmöglichste Hitze und die alleräußerste Kälte zu -ertragen. Kam er in seinem glühenden Sommer ganz nahe an die Sonne -heran, so entfernte er sich in seinem Winter so weit von ihr, daß -dieser tausendmal kälter war als der Winter auf der Erde. In seiner -Selbstlosigkeit war er daher stets erfreut, wenn er Welten begegnete, -die es in dieser Beziehung besser als er hatten.[6] Die Erde befand -sich in der glücklichen Lage der Planeten. Das war ein Umstand, der -sie in den Augen des Kometen an die andern, höher organisierten Welten -näher heranrückte, und mit einem gewissen freudigen Gefühl merkte er, -daß sein Interesse für die Erde noch immer wuchs. Die Stellung, die er -in seinem Geiste ihr einzuräumen hatte, wurde ihm immer deutlicher. - -Die zwar langsamen, aber doch recht merklichen Fortschritte, welche -die Erde in ihrer Entwicklung machte, gewährten unserem reisenden -Gestirn Freuden, die ihm bis dahin unbekannt geblieben waren. Als der -Komet einmal auf seinem Fluge durch die Welt wieder der Sonne sehr -nahegekommen war, entdeckte er, daß zwischen Erde und Sonne noch zwei -andere Planeten schwebten, nämlich Venus und Merkur. Er wollte seine -Aufmerksamkeit nicht durch diese neuen Welten ablenken lassen und sich -lieber das Vergnügen, das die Beobachtung der ersten Stufen ihrer -Entwicklung ohne Zweifel gewähren mußte, versagen, als ihretwegen die -ihm liebgewordene Erde vergessen; er zog es vor, die neuen Welten ganz -zu übersehen, wie sie ja auch früher für ihn nicht vorhanden waren. -Als er ein anderes Mal nahe an Mars vorbeizog, fiel ihm auf dieser -Weltkugel eine ganz ähnliche Schöpfung, wie er sie auf der Erde gesehen -hatte, auf, was einem Touristen eigentlich denselben Grund zur Neugier -hätte bieten müssen. Aber wie er es mit Venus und Merkur gemacht hatte, -so hielt er es auch mit Mars: er ließ ihn unbeachtet einsam seines -Weges ziehen. Nur mit dem Erdball beschäftigte er sich, wenn ihn seine -Bahn in die Gegenden führte, in denen sich unsere Erde bewegt. Aus -dieser beiläufigen Bemerkung mag man erkennen, wie sehr er von seiner -früheren Gleichgültigkeit gegen uns zurückgekommen war, und daß er in -Zukunft alles sehr aufmerksam verfolgte, was die Erde betraf. - -Es war zur Zeit seiner hundertsten Reise -- wenn man die, die wir zu -Beginn unserer Erzählung erwähnt haben, als erste zählt -- das heißt -um das Jahr Dreihundertundviertausendsechshundertneunundachtzig, als -er Zeuge des Vorspiels war, mit dem sich die große geologische Epoche -einführte, die derjenigen, in der wir uns befinden, vorangegangen ist. -Fünfzigtausend Jahre später konnte er sehen, wie jener Abschnitt in -der Entwicklungsgeschichte der Erde -- die Eozänformation -- sein Ende -erreichte. Zweihunderttausend Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung -nahm dann die Periode, der man den Namen Miozänformation beigelegt hat, -ihren Anfang. - -Aurora! Morgen des Lebens! Leuchtender Anfang! Später mögen die Formen -des Erschaffenen wohl eine ausgesuchtere Eleganz, eine vollkommenere -Schönheit angenommen haben, aber in dieser Frühlingszeit fühlt man -es fast, wie in den Pflanzen der Saft aus der Wurzel emporsteigt und -bis in die Spitze des Stengels dringt. Später wird der nie ruhende -Fortschritt sein Werk vollenden: jetzt aber stehen alle Kräfte der -Natur in ihrer größten Fülle und erwecken so viel frohe Hoffnungen für -die Zukunft, wie dies keine spätere Zeit mehr tun kann. - -Wenn man sich das Weltgebäude als eine riesenhafte Uhr vorstellt, -auf der eine Sekunde ein Erden-Jahrhundert bedeutet, und wenn man -sich vergegenwärtigt, daß ein _Tag_ der Erde, im astronomischen Sinne -gedacht, Tausende von Jahrhunderten umfaßt, dann wird man nicht mehr -erstaunen, daß die Morgenröte eines solchen Tages nach gleichem Maße -zu messen ist und daß sie sich über eine lange Reihe von Jahrhunderten -erstreckt haben muß. Die Zeiten, nach denen wir die einzelnen -Abschnitte unseres geschichtlichen Lebens rechnen, sind im Leben der -Natur ein reines Nichts. Ein Jahrhundert geht an ihrer ewigen Jugend -spurlos vorüber, und zehn, auch hundert Jahrhunderte rufen auf ihrer -Stirn noch keine Altersfalte hervor. - -Wie die Kometen im allgemeinen, so befand sich auch unser Komet in -einer viel günstigeren Lage, die ersten Jahre eines Weltkörpers, -die nach Jahrtausenden zählen, zu messen, als es uns Erdenbewohnern -vergönnt ist. Das Jahr unseres Kometen ist ja mehr als dreitausendmal -so lang als eines von unseren Jahren, und dadurch hat er einen immerhin -recht brauchbaren Anhalt, der ihm als Maßstab für die Dauer der -verschiedenen Entwicklungsperioden der Erde dienen kann. - -Trotz dieser langen Intervalle zwischen seinen Reisen, die zwar -unseren Augen ungeheuer groß erscheinen, bei der unendlichen Dauer -der himmlischen Körper aber recht klein sind, kam es doch vor, daß -der Komet bei einem neuen Besuche die Änderungen, die sich auf der -Erde seit seiner letzten Anwesenheit vollzogen hatten, nicht wahrnahm, -denn die Umwälzungen auf der Erde gingen, wie gesagt, langsam vor -sich; oft wollte es ihm scheinen, als sähe er dieselben Gegenden, -dieselben Landschaften, dieselben Pflanzen und Tiere, die er schon -vor dreitausend Jahren und früher gesehen hatte, ja er mochte sogar -glauben, daß er dieselben Individuen, die er damals erblickt, noch in -vollster Kraft und in demselben Alter vor sich habe. Wenn das schon bei -der langen Dauer seines Jahres so war, wie würde es erst gewesen sein, -wenn er eine kürzere Umlaufszeit gehabt hätte? Bei aller Anstrengung -würde es ihm wohl niemals möglich geworden sein, sich ein genaues Bild -von den verschiedenen Stadien der Schöpfung zu machen. - -Zu diesen, der Natur des Kometen eigentümlichen Vorzügen traten aber -für unseren Helden noch andere, nicht minder wichtige hinzu: nämlich -die ihm gegebene Möglichkeit, fortwährende Vergleiche zwischen der Erde -und den anderen Planeten anzustellen. - -Die Entfernung der Planeten von der Sonne steht ja im Verhältnis zu -ihrem Alter. Die älteste Welt unseres Systems ist Neptun, die jüngste -Merkur. Als der Komet zum erstenmal in unserem Sonnensystem erschien, -waren die älteren Planeten bereits bewohnt; es war ihm nicht vergönnt, -Zeuge zu sein, wie sich auf ihnen das Leben bildete. - -Neptun, der älteste und von uns am weitesten entfernte Planet, hatte -bereits die Höhe seiner Entwicklung überschritten. In den entlegenen -Gegenden des Weltenraumes, in denen er seine Bahn wandelt, würde unsere -Erde rasch erstarren und zu Eis erkalten; nicht so Neptun, den, wie -alle anderen Welten, die gütige Natur so geschaffen hat, daß seine -Eigenschaften in vollster Harmonie mit seinen Daseinsbedingungen -stehen. Er zieht seine Kreise um die Sonne in Jahren, von denen eines -so groß ist wie hundertvierundsechzig Erdenjahre. - -Uranus, der jüngeren Datums ist, befand sich gerade im Mittag seines -Lebenstages. Dort herrschte ein anderes Leben unter anderen Formen -und nach anderen Gesetzen -- ein Leben, das mit dem auf dem Neptun -vorhandenen gar keine Ähnlichkeit hatte und auch von dem auf den -anderen Planeten grundverschieden war. Uns hiervon eine Vorstellung -zu machen, ist ganz unmöglich, denn selbst unsere kühnste Phantasie -ist nicht imstande, sich mit Vernunft begabte Wesen vorzustellen, die -anders als wir organisiert sein sollen, sie vermag es nicht, sich -unbekannte Formen vorzustellen. Um die Welt des Uranus kreisten in -rückläufiger Bewegung vier Monde, die, gleich ihrem Regenten, ihre -erste Jugend schon lange als vergangene Zeiten betrachten durften. Ein -Jahr des Uranus umfaßt vierundachtzig Erdenjahre. - -Wie wir früher bereits gesehen haben, stand Saturn in seiner schönsten -Blüte und vervollkommnete sich immer mehr. Damit soll aber keineswegs -gesagt sein, daß seine Bewohner mit großen Schritten der Höhe -entgegeneilten, auf der die Bewohner des Uranus bereits angekommen -waren. Dies würde in keiner Weise das Richtige treffen; denn was -für eine Welt die Vollendung darstellt, ist es noch keineswegs für -eine andere, und in der langen Geschichte der Gestirne gibt es keine -Epoche, in der man etwa die verschiedenen Welten in eine bestimmte -Reihe gliedern und jeder Welt eine bestimmte Nummer in dieser Reihe -anweisen könnte. Jede Welt hat ihre eigene Bestimmung und verfolgt -ihr eigentümliche Mittel, um diese Bestimmung zu erreichen. Bei den -Bewohnern des Saturn ist ein Jahr dreißigmal so lang als bei uns, und -ihr Kalender hat die Umlaufszeit von zehn Monden mit zu berücksichtigen. - -Jupiter befand sich noch in vollster Jugend und strotzte von Kraft -und Leben. Man konnte ohne große Mühe erkennen, daß er das Stadium -der Entwicklung, in dem sich die Erde gerade jetzt befand, schon seit -langer Zeit durchgemacht hatte, daß aber seine Lebensäußerungen mit -einer immer noch ziemlich beträchtlichen Langsamkeit vor sich gingen. -Während die Erde zwölf Jahre zurücklegte, vollendete er erst ein Jahr, -und noch immer herrschte auf ihm beständiger Frühling, obwohl die -verschiedenen Jahreszeiten auf seiner Oberfläche bereits ihr Erscheinen -zu erkennen gegeben hatten; acht Monde drehten sich rasch um ihn. - -Schon bevor der Komet die Erde zum erstenmal gesehen hatte, hatte er -diese Beobachtungen bereits gemacht, und es unterliegt keinem Zweifel, -daß hierin der Grund für seine anfängliche Geringschätzung der Erde -zu suchen ist. Was ihm aber bei seinen Wahrnehmungen am meisten -aufgefallen war und wohl auch dazu beigetragen hatte, sein Vorurteil -gegen die Erde immer mehr zu bestärken, das war die Kleinheit unseres -Planeten im Verhältnis gerade zum Jupiter. Es wollte ihm scheinen, -als sei die Erde nur ein vom Jupiter losgelöster Mond, und er war -lange Zeit nicht geneigt, sich eines Besseren belehren zu lassen. In -der Tat muß ihm ja zugegeben werden, daß der Kontrast zwischen den -Größenverhältnissen des Jupiter und der Erde ungeheuer ist. Nicht -weniger als elfmal ist der Durchmesser des Jupiter größer als der der -Erde, und dementsprechend mißt seine Oberfläche hundertundzwanzigmal -mehr und beträgt sein Körperinhalt dreizehnhundertmal mehr als der der -Erde! - -Mars befand sich um jene Zeit in einer ähnlichen Lage wie die -Erde. Obgleich er ihr älterer Bruder ist, war er doch nicht rasch -vorgeschritten, vielmehr war er in seiner Entwicklung aufgehalten -worden. Als später der Komet die Erde zum Gegenstand seiner Forschungen -gemacht hatte, beschränkte er sich nur auf sie, und es wäre ihm schwer -gefallen, seine Aufmerksamkeit zwischen der Erde und einem anderen -Gegenstand zu teilen, wenn ihm dieser nicht etwas weit Interessanteres -dargeboten hätte. Die Erde blieb das Objekt seiner Gedanken. - -Der Mond war damals von dem kleinen Volk der Seleniten bewohnt. Man -wird es leicht glauben, daß diese Welt in der Tat zu klein war, um -das Interesse des erhabenen Reisenden für längere Zeit in Anspruch zu -nehmen. - -Trotz der unserer Erde in so hohem Maße entgegengebrachten Neigung -des Kometen, hätte doch beinahe ein Ereignis, wie es im Leben eines -jeden eines Tages vorkommen kann, diesen seinen so beharrlichen und -lehrreichen Beobachtungen ein Ende gemacht. Auch bei den Bewohnern des -Weltenraumes gibt es gewisse Vorgänge, die man mit solchen bei den -Erdenbewohnern in Parallele stellen kann. Wir müssen einen Augenblick -bei einem derartigen Ereignis verweilen, denn es kommt ihm immerhin -eine gewisse Bedeutung zu: wir sprechen nämlich von einer Art ehelicher -Verbindung des Kometen. - -Schon seit siebenundzwanzigtausend Jahren hatte ein prächtiges -Meteor, das mit schönster Form einen Farbenglanz von reinstem Wasser -verband, von weitem in den Gefilden des Himmelsraumes den Schweifstern -daherziehen sehen. Die Einsamkeit macht nachdenklich, und man wird -es daher glaubhaft finden, daß sich das Meteor in seiner Einsamkeit -zu dem Gestirn mit den langen goldenen Haaren hingezogen fühlte. -Siebenundzwanzigtausend Jahre lang näherte sich, infolge des Gesetzes -der allgemeinen Schwerkraft, die Bahn dieses Meteorsteines, der zu -den größten seiner Gattung gehörte, immer mehr der des Kometen. -Bemerkt sei hierbei, daß diese großen Meteorsteine ganz ebenso wie -die Kometen ihre Bahnen um die Sonne ziehen. Je näher er an den -Kometen herankam, desto rascher flog er auf ihn zu, und zuletzt schoß -er mit einer Geschwindigkeit von viertausend Meilen in weniger als -einer Minute in die Sphäre des Kometen hinein, so daß er, von weitem -gesehen, dessen Kern darzustellen schien. Ob dies vielleicht der Anfang -zur Bildung neuer Kometen war? Darüber schweigt die Geschichte, und -die Philosophen, die bei der Erklärung dieses Umstandes sich durch -nicht passende Analogien haben bestimmen lassen, sind in lächerliche -Übertreibungen verfallen. Auf welche Weise aber auch die Kometen sich -bilden mögen, das eine steht fest, daß es am Himmel so viele gibt -als Fische im Meere; wir berufen uns hierbei auf Kepler und fragen: -Was müßte geschehen, wenn sich ihre Zahl willkürlich ins Ungeheure -vermehrte? Es bedarf einer gewissen Entschlossenheit, um mit kaltem -Blute die zahllose Masse jener Gestirne zu betrachten, die in raschem -Fluge ihre Bahnen gegenseitig kreuzen, und man muß staunen, daß ihre -vielfältigen Bahnen, welche die Bahn der Erde nach allen Richtungen hin -kreuzen, nicht häufige Zusammenstöße zwischen den Planeten und Kometen -herbeiführen. - -Wir wollen uns jedoch hierbei nicht länger aufhalten. Für uns bleibt -der Komet, was er war, die handelnde Person unserer Erzählung. Das -Meteor ist in ihm aufgegangen und seine Persönlichkeit existiert nicht -mehr. - -Inzwischen war das Meer von jener Ebene, auf der sich Paris erheben -sollte, zurückgetreten; ein gewaltiger Strom, weit größer als die -heutige Seine, nahm deren Flußbett ein, sowie einen breiten Saum längs -desselben, und warf sich nicht weit von ihrer heutigen berühmten -Mündung bei Havre, aber etwas oberhalb derselben, in der Gegend von -Caudebec, ins Meer; dagegen war das Cap de la Hève weiter in den -Ozean vorgeschoben. Bekanntlich rücken die Ufer eines Flusses infolge -des Sandes, den das Wasser mit sich führt, einander immer näher, und -auch die Mündung versandet allmählich, während das Meer hingegen die -vorspringenden felsigen Gestade nach und nach abrundet. So ist die -Gestalt der Küste in fortwährender Umwandlung begriffen. - -Die Natur ging ihrem jetzigen Aussehen entgegen. Vögel sangen bereits -in den Wäldern, die wohl das ganze heutige Frankreich bedeckten. -Murmeltiere, Eichhörnchen, Feldmäuse, Biber, Pferde, Hunde usw. waren -die ersten Vertreter jener harmloseren Tierwelt, die dann, nachdem -der Mensch erschaffen worden war, bestehen bleiben sollte. In den -geschmeidigen Zweigen der Liane kletterten bereits die ersten Affen und -schnitten ihre Grimassen, auch sie, von allen Geschöpfen am meisten den -Menschen ähnlich, waren Vorläufer des »Herrn der Schöpfung«. - - -Fußnoten - -[6] Die Ellipse einiger Kometen ist so lang, daß sie zur Zeit ihres -Apheliums eine Kälte zu ertragen haben, von der wir uns keine -Vorstellung machen können, während sie zur Zeit ihres Periheliums -so nahe an der Sonne vorbeigehen, daß sie einer ebenso unfaßbaren -Hitze ausgesetzt sind. Newton schätzt das Wärmequantum, welches der -Komet von 1680 bei seinem Vorbeigange an der Sonne in sich aufnehmen -mußte, achtundzwanzigtausendmal so groß als die Wärme, die wir zur -Zeit der Sommer-Sonnenwende von der Sonne empfangen, und setzt seine -Temperatur zweitausendmal größer an als die von rotglühendem Eisen. -Newton fügt hinzu, daß es die Bestimmung der Kometen sei, dereinst in -die Sonne zu fallen, um deren Glühen zu unterhalten. Hierauf wollte -wahrscheinlich der Verfasser der »Briefe aus dem Grabe« anspielen, als -er folgendes schrieb: »Ein kolossaler Komet, größer noch als Jupiter, -hatte noch dadurch an Umfang zugenommen, daß er unterwegs verschiedene -kleinere Kometen, die bereits in der Auflösung begriffen waren, in sich -aufgenommen hatte. So durch verschiedene kleine Erschütterungen einmal -aus seiner Bahn gebracht, konnte er sich nicht mehr in seine Ellipse -hineinfinden, und dieser Unglückliche stürzte in die verzehrende Glut -der Sonne ... Man will wissen, daß der arme Komet, der so bei Lebzeiten -verbrannt wurde, schrecklich geschrien haben soll.« - - - - -Viertes Kapitel. - -Die vorpariserischen Pariser. - - -Bei den ständigen Beobachtungen, welche die Kometen auf ihren -Wanderungen anstellen, haben sie die sehr lobenswerte Angewohnheit -angenommen, sich niemals auf ihr jeweiliges Urteil allein, so scharf -und unparteiisch es auch sein mag, zu verlassen. Sie sind von jeder -Voreingenommenheit frei, und man kann ihnen nicht den Vorwurf machen, -daß sie etwa irgendeinem Machthaber zu Gefallen etwas nicht sagten, -was sie dächten, oder etwas sagten, was sie nicht dächten. Nach jeder -Richtung hin unabhängige Reisende, wie sie es sind, verbringen sie -ihre Zeit damit, vergleichende Beobachtungen anzustellen, und sie sind -vielleicht die weisesten von allen Himmelskindern. Um ein Beispiel -von der Klugheit, die sie bei keiner ihrer Handlungen vermissen -lassen, anzuführen, wollen wir nur erwähnen, daß unser Komet bei -allem Wohlwollen, das er der Erde entgegenbrachte, und trotz des -vorgeschrittenen Zustandes, in dem sich der Planet zurzeit befand, -doch das Vergnügen herbeisehnte, auf dieser so zur Freude geschaffenen -Welt ein mit Vernunft begabtes Wesen begrüßen zu können. Gegen das -Ende der Tertiärperiode, das heißt vor vierzig Kometenjahren oder -gegen das Jahr hundertundviertausendvierhundertundneunzig vor Beginn -unserer Zeitrechnung, suchte er dieses Wesen auf der Erde, denn er -folgerte sehr richtig, daß, da auf den anderen Planeten vernunftbegabte -Geschöpfe vorhanden waren, solche auch auf der Erde erscheinen müßten. -Da er aber von derartigen Wesen noch keine Spur entdecken konnte, so -beruhigte er sich damit, daß die Erde für diese neue Schöpfung, die -doch einst kommen müsse, noch nicht reif wäre, und daß all ihre Pracht -und Herrlichkeit zunächst noch für eine vernunftlose Lebewelt da sei. - -Frankreich war eben aus den Wassern emporgestiegen. Wie es ja vorkommt, -daß hervorragende Geister die Zukunft ganzer Reiche im Geiste vor -sich sehen, so ahnte der Komet die künftige Bedeutung dieses Teiles -der Erde und wandte ihm sein Interesse zu. Zweimal hatte sich bereits -das Meer von neuem über den herrlichen Landstrich ergossen, bevor -sein Gestade diejenige Gliederung annahm, deren Charakter ihm auch -für die Zukunft bleiben sollte. Eine Bevölkerung, die sich aus den -verschiedensten Elementen zusammensetzte, bewohnte das Land. Dort, wo -einst Paris stehen sollte, sah der Komet sehr merkwürdige Vorfahren der -zukünftigen Großstädter. Im Schlamme der Moräste brüllten Nilpferde und -Megatherien; Kamele und andere Wiederkäuer zogen ihres Weges einher. -Hirsche mit riesigen Geweihen und flinke Hirschkühe suchten und flohen -einander in den tiefen Gründen des Waldes. An den Ufern der Seine, -auf deren schönen Promenaden später Stutzer ihre elegante Erscheinung -bewundern lassen sollten, waren schon Pfauen als erste Vertreter der -Eitelkeit zu erblicken und in ihrer Nähe stolzierten Störche mit -gravitätischen Schritten. - -Wie heutzutage war auch damals die Fauna bunt gemischt. Hasen liefen -Schildkröten in den Weg, und Hunde blickten auf Katzen mit Verachtung -herab; die kleinen Gänse liefen hinter den großen einher, aber die -Raben hatten es noch nicht gelernt, sich mit fremden Federn zu -schmücken. In voller Freiheit sprangen die Pferde auf den weiten Wiesen -umher und ließen ihre Mähne lustig im Winde flattern. Die Rinderarten -lebten in Herden gesellig beisammen und man sah sie in Gruppen mit den -jungen Tieren zur Tränke wandern und von einer Weide zur andern ziehen. -Die gesetzten Schrittes daherschreitenden Elefanten, die ältesten -Glieder dieser Periode, betrachteten sich als Herren dieses friedlichen -Reiches. Um diesem schönen Gemälde, das nur die Gegenwart des Menschen -noch vermissen ließ, noch den letzten Pinselstrich zu geben, sah man -in der Ferne die schneebedeckten Gipfel hoher Berge sich in den Wolken -verlieren. Näher heran konnte man dunkle Wälder erkennen, die in ihrem -überwiegenden Teile mit schwarzen Tannen bestanden waren. Am Rande der -Wälder erhoben sich dichtbelaubte Erlen und Eichen in Abwechslung mit -saftigen grünen Linden; in der Ebene waren hochaufstrebende Pappeln -zu schauen und über den Ufern der murmelnden Quellen wiegten sich die -Büsche der Weiden. - -Die Verschiedenheit, die zwischen den Gebilden zweier Welten herrscht, -ist ganz ungeheuer, und die Geschöpfe eines Weltkörpers ähneln in -keiner Weise denen eines anderen. Der Stoff, aus dem die Gebilde -bestehen, ist durchaus passiver Natur; er fügt sich gehorsam der Kraft, -die ihn leitet, und diese allein herrscht unumschränkt. Daher kommt es -denn auch, daß die Naturkraft, welche auf den verschiedenen Weltkörpern -an Intensität nicht gleich ist, auf ihnen Wesen hervorgebracht hat, die -voneinander so bedeutend abweichen. Trotz der Verschiedenheit aller -Bedingungen konnte der Komet doch bereits erkennen, daß auch die Erde -sich jenem bleibenden Zustande näherte, in dem sich ihre Gefährten -im Weltenraum bereits befanden, jenem Zustande, in dem ein Herrscher -endlich von seinem Reiche Besitz ergreift. Es war deutlich zu sehen, -daß sie sich für ihren Gebieter einrichtete, wobei freilich alle -Entwicklungsformen einen ganz eigenen Charakter aufwiesen. So konnte -ein aufmerksames Auge ohne Mühe erkennen, daß die Erde mannigfache -Wohnungen vorbereitet hatte, die -- von denen anderer Planeten freilich -sehr abweichend ausgestattet -- darauf warteten, ihren Benutzer -demnächst einziehen zu sehen. - -Sollte man es jedoch wohl glauben, daß der Komet noch gegen dreißig -seiner Jahre, von denen jedes mehr als dreitausend Erdenjahre -umfaßt, warten mußte, bevor seine Hoffnungen sich zu verwirklichen -schienen? Oft machte er trügerische Entdeckungen, und zuweilen -glaubte er menschliche Spuren zu erkennen. In der großen Entfernung, -in der er sich immerhin von der Erdoberfläche hielt, erblickte -er oft Scharen neuer Wesen: Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans, -die ihm das so sehr gesuchte Wesen zu sein schienen, aber immer -wieder mußte er seinen Irrtum erkennen. Zu gewissen Zeiten, nämlich -in den Jahren Vierundvierzigtausendundhundertvierundsechzig, -Einundvierzigtausendundneunundneunzig, -Achtunddreißigtausendundvierunddreißig und -Vierunddreißigtausendneunhundertundneunundsechzig hatten seine -Hoffnungen ihren Höhepunkt erreicht. Wie uns gelegentlich im -Monat April schöne Sommertage, an denen vom Erdboden Licht, -Wärme und Blumenduft in die weichen Lüfte aufsteigen, durch ihr -frühzeitiges Erscheinen erfreuen, so gab es auch in diesem April der -Entwicklungsgeschichte der Erde einen verfrühten Sommer. Ein neues -Wesen, das ganz dazu angetan schien, die Herrschaft über die Erde an -sich zu nehmen, war in den lachenden Fluren eines großen Erdteils, -der inzwischen bereits wieder verschwunden ist, aufgetaucht. Schon -gesellten sich die Viehherden zu ihm, als wollten sie ganz von selbst -dem neuen Wesen untertänig werden, schon schienen die Elemente dem -Einzuge des Königs und der Errichtung seiner Herrschaft geneigt zu -sein, aber es handelte sich auch hier um eine frühzeitige Frucht, und -der Komet erkannte bald, daß es noch keine Menschen waren. - -Vielleicht darf man diesen ursprünglichen Wesen, von denen ich eben -sprach, den Namen »Troglodyten« geben, weil sie natürliche Höhlen, -die sich entweder an den Seiten von Bergen oder in der Einsamkeit der -Wälder befanden, bewohnten. Niemals legten sie Steine aufeinander, -um einen größeren Bau aufzuführen. Möglich, daß sie die Ahnen des -Menschengeschlechtes und das verbindende Glied zwischen dem Menschen -und den früheren Tierarten waren, denn ~natura non facit saltum~. -Unser aufmerksamer Reisender konnte dieses große Rätsel jedoch nicht -lösen. Während der vier Jahre, die wir genannt haben, beobachtete -er sie unausgesetzt, ohne daß er über ihre wahre Natur mit sich ins -Reine kam, und als im Jahre Einunddreißigtausendneunhundertundvier vor -unserer Zeitrechnung der Komet wieder in sein Perihelium trat, waren -sie wieder verschwunden, und vergeblich suchte er auf der Erde ihre -Spuren oder ihre Nachfolger. - -In den Lichtungen der jungfräulichen Wälder sah man bisweilen auch -große Affen herumspazieren, einen Stock in der Hand schleppend, und -manchmal konnte man auch zwei große Parteien, die sich mit abgerissenen -Baumzweigen bewaffnet hatten, erkennen, wie sie am Rande eines Gehölzes -aufeinander losschlugen. Tote und Verwundete blieben auf dem Platze, -und man ließ sie liegen, ohne sich weiter um sie zu bekümmern. Andere -Affen, die miteinander harmlos und zutraulich spielten, zeigten sich -hinterlistig, sobald sich ihnen Gelegenheit zu losen Streichen bot, was -immerhin auf eine gewisse Intelligenz schließen ließ. Mehrere dieser -gespieligen Geschöpfe taten sich bisweilen zusammen, um ein träges -Krokodil aus dem Schlummer aufzuschrecken. Fuhr dieses nun plötzlich -aus dem Schlafe auf, so liefen sie eiligst davon, und das Krokodil -vergnügte sich nun seinerseits damit, unversehens zuzuschnappen und den -Kleinsten oder Ungeschicktesten, den es greifen konnte, zu verspeisen. -Auch vereinigten sich ganze Scharen zu fröhlichen Gelagen, bei denen -vermutlich die Hochzeit irgendeines hervorragenden Mitgliedes ihres -Kreises gefeiert wurde. Um die Wahrheit zu gestehen, waren dies die -einzigen irdischen Wesen, die damals den Kometen interessierten. -Fünfzigtausend Jahre lang sah er sie immer wieder, ohne daß sie ihn -langweilten. Die anderen auf der Erde lebenden Geschöpfe schienen auch -noch nicht den vierten Teil ihres Verstandes zu besitzen. Pferde, -Elefanten, Hunde und Katzen schienen wohl gelehriger, und es war wohl -möglich, daß ihre Erziehung durch den Menschen sie einst in ferner -Zukunft auf eine höhere geistige Stufe bringen und sie verständiger als -die Affen machen würde; für jetzt aber nahmen unbestreitbar die Affen -den ersten Rang in der Schöpfung ein. - -In den heißen Gegenden des Äquators entdeckte der Komet später andere -Geschöpfe, die mit den eben geschilderten die größte Ähnlichkeit -hatten. Sie waren genau so wie diese behaart, lebten ebenso wie diese -in kleinen Familien in Schluchten oder Wäldern, schlugen sich von Zeit -zu Zeit tot, machten auf die Vögel des Himmels Jagd und hielten sich -während der Nacht verborgen. Nur in zwei Punkten unterschieden sie sich -unwesentlich von den vorher geschilderten Geschöpfen, und zwar einmal -darin, daß, während jene viel miteinander spielten, diese von wilderem -Charakter zu sein schienen, und daß sie zweitens bisweilen Stämme zu -Scheiterhaufen aufeinander schichteten und verbrannten, was die früher -Beobachteten niemals versucht hatten. Davon abgesehen, glichen sie sich -fast wie zwei Wassertropfen einander. - -Durch einen jener glücklichen Zufälle, wie sie sonst nur in Romanen -vorkommen, begegnete unser Komet in demselben Jahre, in dem er -die eben geschilderte Beobachtung machte, einem anderen großen, -»parabolischen«[7] Kometen, der vom Stern α im Zentauren heranzog, -unserem Nachbarn, der uns bekanntlich jedoch nur auf fünf und eine -halbe Billion Meilen nahe kommt. Die beiden Kometen freuten sich der -so selten vorkommenden Gelegenheit einer Begegnung, und der aus dem -Zentauren begleitete unseren Helden, bis sie an die Bahn des Neptun -kamen. Sie plauderten zwar nur einen kurzen Kometenaugenblick zusammen, -das heißt nur dreihundertundneunzig Jahre lang, aber diese Zeit genügte -vollkommen, um unseren Kometen in gute Laune zu versetzen, denn sein -Kollege, der viel Scharfsinn besaß, hatte ihn versichert, daß er ohne -Zweifel, wenn er auf der Erde habe Feuer anzünden sehen, auch Grund zu -der Annahme hätte, daß dort ein mit Vernunft begabtes Geschlecht leben -müsse. - -Sie hatten sich von den weiten Reichen unterhalten, die jenseit des -Neptun sich erstreckten, und der parabolische Komet hatte dabei von -einer großen Bildung und bedeutender Erfahrung Zeugnis abgelegt. Sein -Gefährte war lebhaft interessiert, denn um uns über Wert und Eigenart -verschiedener Gebiete zu unterrichten, gibt es kein besseres Mittel als -die Berichte zuverlässiger Reisender. Aber anderseits stimmen diese -Berichte oft nicht mit unseren Anschauungen über gewisse feststehende -Wahrheiten, die z. B. mit Volksangehörigkeit nichts zu tun haben, -überein, und auch der Komet aus dem Zentauren geriet in große -Widersprüche, wenn auf derartige Wahrheiten die Rede kam. Aus diesem -Grunde entschloß sich unser Held, allen Lockungen unbekannter Fernen -gegenüber fest zu bleiben und niemals parabolisch zu werden. Von ihrer -weiteren Unterhaltung will ich nichts erzählen, denn wir würden davon -doch nichts verstehen. Selbst mit unseren schärfsten Fernrohren können -wir kein Bild des Lebens auf dem Neptun erhalten, und um diesen Punkt -drehte sich ihr Gespräch. - -Als auf seinem Rückwege sich unser unerschrockener Wanderer wiederum -der Erde näherte, erwartete ihn Gutes. Seine geliebte Erde zeigte -sich ihm bei Sonnenaufgang und bot ihm einen solch sinnberückenden -und wunderbar schönen Anblick, wie er ihn noch nie gesehen hatte. Bei -dem blauen Himmel strahlte sie förmlich von Jugend und Schönheit. -Die Wiesen prangten in frischem, taubenetztem Grün, die Knospen der -Blumen entfalteten sich, und am Hagedorn blühten die wilden Rosen. Ganz -zweifellos war die letzte Periode in der Entwicklungsgeschichte der -Erde herangenaht -- die Quartärzeit hatte begonnen. - -Freilich, wenn noch zahlreiche Vulkane inmitten der Gebirgsketten -rauchten und der rötliche Qualm wirbelnd zum Himmel stieg, wenn -die Erde noch zitterte und ihre trägen Glieder gewaltsam zu dehnen -suchte; wenn noch plumpe Dickhäuter den grünen, saftigen Schmuck der -Wiesen zerstampften, während in den Wüsten Löwen und Tiger brüllten; -wenn die großen geflügelten Jäger aus den Lüften sich auf kleine -furchtsame Geschöpfe stürzten, um sie zu verschlingen, wenn in der -salzigen Meeresflut noch unerbittliche Ungeheuer lauerten -- dann -konnte die Erde noch keine vollkommene Schöpfung sein, dann mußte sie -eine untergeordnete Welt bleiben, in der das Gesetz der Vernichtung -herrschen sollte, das ja, leider, über dem Gesetz des Lebens steht. Auf -der anderen Seite war auch nicht zu verkennen, daß die ursprünglichen -unförmlichen Gestalten bereits verschwunden waren, um neuen Formen -Platz zu machen, die sicherlich eine bleibende Stätte finden sollten. -Es war ganz augenscheinlich, daß für die Berge auf dem festen Lande und -für die Wälder am Meere die Zeit, in der ein Wesen kommen sollte, das -ihren Wert wohl zu würdigen verstände, in der Gegenwart und nicht mehr -in der fernen Zukunft lag. - -Im höchsten Grade begierig, endlich auf der Erde Wesen erscheinen zu -sehen, die fähig wären, die Schönheit ihrer großartigen Landschaften -zu bewundern, edle und kräftige Geschöpfe, in deren Kopfe die -heilige Flamme des göttlichen Gedankens Platz gegriffen hätte, blieb -dem aufmerksamen Kometen nichts übrig, als abzuwarten. Vor sechs -Kometenjahren hatte er gesehen, wie unbehaarte Zweifüßler von Höhle -zu Höhle liefen und sich leidenschaftlich der Jagd ergaben. Das Jahr -darauf hatte er Wesen entdeckt, die mit Pfeil und Bogen, mit steinernen -Messern und Äxten bewaffnet waren und sich bisweilen auch in kleinen, -von Sümpfen geschützten Behausungen zusammentaten, ja sogar nach Art -der Biber ihre Wohnungen in die Seen bauten. Aber es wollte dem Kometen -nicht einleuchten, daß das menschliche Geschlecht nicht höher geartete -Vertreter als diese haben sollte. Bei jedem Vorbeigange nach seinem -Perihelium war er auf das eifrigste bemüht, die gesamte Oberfläche -der Erde mit seinen Blicken zu durchmustern, und sein Herz zitterte -dabei vor Erregung, jeden Augenblick eine neue Enttäuschung erleben -zu müssen. Seit fünfzigtausend Jahren, ganz besonders aber seit den -letzten zehntausend Jahren wartete er auf das Erscheinen des Menschen, -und sein Eifer verdiente es wohl, von Erfolg gekrönt zu werden. - -In den fruchtbaren Tälern, welche die oberen Zuflüsse des Indus -bewässern, am Fuße der Riesenketten des Himalaja, herrscht ein -ewiger Frühling, der seinen wohltätigen Einfluß weithin verbreitet. -Hier war es auch, wo der iranische Tierkreis entstand, der von -einem Punkte am Himmel, welcher die Sonnenwende des Jahres -Neunzehntausenddreihundertsiebenunddreißig vor unserer Zeitrechnung -bezeichnet, seinen Ausgang nimmt. Nach diesem ersten astronomischen -Kalender richteten später zwei große Völkerrassen ihr Leben ein. Zur -Zeit, als der Komet vorbeiging, waren sie noch vereint, es waren -die Arier, ein Hirtenvolk, das, wie der Komet auf den ersten Blick -erkannte, den Völkern, die bisher auf der Erde gelebt hatten, überlegen -war. Abgesehen von einer mehr entwickelten äußeren Gestalt, gaben sie -durch untrügliche Zeichen von ihrer geistigen Regsamkeit Kunde. Die -einzelnen Familien hatten sich zu Stämmen zusammengetan und schlugen -bald hier, bald dort ihre Zelte auf, wobei sie sich stets nach der -Sonne richteten. Der Orient erwachte, und vielleicht sollte in ihm -die Wiege des Geistes entstehen. Hatte vielleicht Gott schon auf sein -letzterschaffenes Wesen seine Hand gelegt, um seine Stirn mit dem für -alle Zeiten unvergänglichen Zeichen seines Geistes zu schmücken? Oder -hatte er die gebrechliche Stirn dieses noch zu jungen Geschöpfes noch -nicht berührt? ... Nicht gleich am ersten Tage nach seiner Geburt kann -das Kind von seiner Vernunft Gebrauch machen. - -Legt man eine Eichel in fruchtbares Erdreich, dann wird sich allmählich -der in ihr verborgene Keim entwickeln. Viel Schnee wird den Boden des -Waldes mit seinem weißen Tuche überdecken, viel Tau wird im Frühling -darauf herniedersinken, und durch die dichtbelaubten Wipfel wird oft -die heiße Julisonne ihre wohltuenden Strahlen senden. Und es wird zwar -lange dauern, aber endlich wird sich doch eine junge, grüne Eiche im -Winde schaukeln; noch können die kleinen Vögel, die auf ihr sitzen, -ihren dünnen Stamm zur Seite biegen. Aber wenn die Jahrhunderte an -ihrem sich immer mehr ausbreitenden Gipfel vorüberziehen, dann wird -sich erst die ganze Größe des Baumes in seinem reichen Blätterschmuck -an den vielfach verästelten Zweigen entfalten. Generationen werden -unter seinem Schatten sitzen, und die Zahl seiner Jahre kann kaum noch -gezählt werden. So geht in der Natur jeder Fortschritt nur gemach -vonstatten, und so folgt auch in dem göttlichen Werke der Schöpfung ein -Weltenalter mit gemessenem Schritt auf das andere. - - -Fußnoten - -[7] Parabolische Kometen nennt man diejenigen, die anstatt in -einer geschlossenen Kurve um die Sonne zu kreisen und in gewissen -Perioden stets den nämlichen Punkt zu berühren, sich aus der Ellipse -entfernen, um nicht mehr dahin zurückzukehren. Sie wandern in unfaßbare -Entfernungen, verschwinden aus dem Bereich der Anziehung unserer Sonne, -gehen in andere Systeme über und setzen so ihr vagabundierendes Leben -fort. - - - - -Fünftes Kapitel. - -Im Orient. - - -Dem Gestirn, das mit liebevoller Sorgfalt die weitere Entwicklung der -Erde verfolgte, war es nicht entgangen, daß in der letzten Zeit die -einzelnen Stufen rascher aufeinander gefolgt waren. Dreitausend Jahre -sind indessen ein verhältnismäßig so geringer Zeitraum, daß der darin -erreichte Fortschritt von keiner großen Bedeutung sein kann. Nur an der -Zahl seiner Vorübergänge an der Erde vermochte der Komet festzustellen, -welche Fortschritte die Erde in der Zwischenzeit gemacht hatte und -wie weit sie auf ihrem Wege zu vielleicht unendlicher Vervollkommnung -gelangt war. - -Mehr als jemals in seinen Hoffnungen bestärkt, machte sich unser -Philosoph mit größtem Eifer daran, die Sitten jener patriarchalischen -Stämme Indiens einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Aber welch -großer Unterschied lag doch zwischen ihnen und denen der Bewohner -anderer Welten, die er vor langer, langer Zeit kennen gelernt hatte! -Wie weit waren diese Völker doch noch von dem wahren Zeitalter der -Humanität entfernt, in dem Poesie, Wissenschaft und Kunst die Bildung -einer Nation ausmachen! Wenn unter dieser flachen Hirnschale der Geist -schon erwacht und sich seiner Kraft bewußt geworden war, dann war er -ganz gewiß noch nicht über jenen halbnächtlichen Zustand, in dem noch -die Traumwelt vorherrscht, hinausgekommen. Er lebt in einer beständigen -Furcht; als höhere Wesen betet er die Elemente, die Naturerscheinungen -an. Aber sein Sinnen ist schon erwacht, und die Poesie führt ihn -bereits zum gemeinsamen Urquell aller Dinge. - -Erst im Jahre Dreizehntausendfünfhundertundvierzehn vor unserer -Zeitrechnung geschah es, daß der Komet zum erstenmal auf der Erde -etwas zu entdecken glaubte, was einer menschlichen Stadt ähnlich sah; -in Wahrheit war es jedoch nur ein unregelmäßiger Haufen aus Stein -erbauter Hütten. Der Enthusiasmus aber, mit dem er diese Entdeckung -begrüßte, läßt sich nicht in Worten ausdrücken; glücklich war er, nun -endlich einen handgreiflichen Beweis dafür zu haben, daß die Herren -der Erde in ihrer Entwicklung und in ihrem Familienleben Fortschritte -machten. Aus einer ungeheuren flüssigen Ebene, die den größten Teil -der Erdoberfläche gleich einem smaragdenen Tuche überdeckte, hob sich -ein weites unregelmäßiges Dreieck in ockergelber Farbe ab. Dieser -Erdteil schien nicht so fruchtbar zu sein wie der benachbarte, der zu -seiner Rechten angrenzte, und auf dem noch die bereits oben erwähnten -indischen Stämme lebten; in seinem äußersten Norden war aber eine -Landschaft von außerordentlicher Fruchtbarkeit und größter Schönheit -zu erblicken. Es schien fast so, als ob der Mensch imstande gewesen -wäre, das Gebiet der Erde vollständig zu übersehen, die verschiedenen -Gegenden miteinander zu vergleichen, und gerade die fruchtbarste und -schönste zu seiner Niederlassung auserwählt hätte. Inmitten dieser von -der Natur bevorzugten Gegend strömte ein breiter, mächtiger Fluß dahin, -der sich kurz vor seiner Einmündung ins Meer in zwei Arme teilte, und -oberhalb des Deltas war die erste Stadt entstanden. Memphis hieß sie, -die in späteren Jahren ihre königliche Oberherrschaft an This, eine -Stadt Oberägyptens, abgeben sollte, bis noch später Theben die beiden -Städte ablöste und in den Schatten stellte. - -Wohl ist es wahr, daß der himmlische Beobachter die weiße Rasse unter -den Menschen noch nicht bemerkt hatte, aber es entging ihm auch nicht, -daß sich in der äußeren Erscheinung der Menschen doch schon ein ganz -gewaltiger Fortschritt kundgab. Er sah, wie zur Ausführung größerer -Arbeiten Menschen sich zu Gruppen zusammenscharten und daß bereits ein -festes Band die einzelnen Familien eines Stammes zusammenhielt. Wenn -des Abends sein feuriger Schweif den Horizont schmückte, konnte er -sehen, wie Menschen ihren Führern an den Nil folgten, an seinen Ufern -niederknieten, um in den stillen Gewässern des Stromes das Bild des -Kometen zu betrachten. Andere, in ihrer Kleidung wesentlich von jenen -unterschieden, stiegen in der Nacht auf hohe Pyramiden und suchten dort -den Stand des Kometen unter den anderen Sternen festzustellen. Es war -dies der Ursprung wissenschaftlicher Forschung, aber auch zu gleicher -Zeit der Anfang der Unterjochung furchtsamer und unwissender Völker -durch tyrannische und rücksichtslose Männer. - -Da der Komet die Erde doch nur in langen Zwischenräumen besuchte, wird -man es begreiflich finden, daß er von all dem, was der Mensch in seinem -Hochmut mit der stolzen Bezeichnung »Weltgeschichte« benennt, nur eine -ganz unbestimmte Vorstellung gewann. Nur in großen Zügen konnte er -von seinem Stand am Himmel verfolgen, wie die einzelnen Perioden der -Schöpfung der Erde aufeinander gefolgt waren, er sah sie aber nicht -durch den trügerischen Spiegel, dessen die Menschen sich bedienen, -um alles, was sie betrifft, recht groß zu machen, und das, was ihnen -fremd oder unbegreiflich ist, recht klein erscheinen zu lassen. Der -Komet konnte sich zwar naturgemäß nicht rühmen, alle Einzelheiten der -Geschichte der Erde zu kennen; aber er konnte sich -- und es ist dies -auch mehrmals geschehen -- zum Dolmetscher der Erde bei den anderen -Gestirnen machen und ihnen die Geschichte unseres Planeten mit einer -Klarheit und einer auf eigner Anschauung beruhenden Genauigkeit -erzählen, die allen Täuschungen der Menschen bedeutend überlegen war. -Es wäre daher sehr unrecht, wenn man sich etwa darüber wundern wollte, -daß unser beobachtender Freund sich nicht besser über die Einzelheiten -des irdischen Lebens zu unterrichten suchte. Seine Art, zu beobachten, -konnte keine andere werden, und das Erscheinen des Menschen auf der -Erde hat ihn auch nicht zu bewegen vermocht, seine Besuche in kürzeren -Zwischenräumen zu wiederholen. - -So würde er zwar nicht bestimmen können, ob sein Vorbeigang im Jahre -Zehntausendvierhundertundneunundvierzig in die Periode der Ptah oder -erst in die des Re, des Chons oder des Set fiel, nach denen die -ägyptischen Priester ihre Jahre zählten; er wußte aber ganz genau, -daß eine der unserigen benachbarte Sonne, von der Kometen, die von -dort kamen, ihm glänzende Schilderungen entworfen hatten, der große -und schöne Sirius, es vermocht hatte, die Blicke und Gedanken, die -Bewunderung und Verehrung der Priester von Ober- und Unterägypten auf -sich zu ziehen. Er dürfte wohl auch nicht bestätigen können, daß in -dem entlegenen Zeitabschnitt, von dem der indische Kalender seinen -Ausgang nimmt, die Söhne des Ostens bereits imstande waren, den Punkt -der Sonnenwende festzustellen; ganz zweifellos wußte er aber, daß -die Inder die Sonne verehrten, ebenso Agni, den Gott des Feuers, und -daß sie dagegen Indra, den Gott des Blitzes, fürchteten. Aus eigener -Beobachtung wußte er auch, daß aus dem Orient das Licht der Erkenntnis -hervorgehen würde, das später den Okzident erhellen sollte. - -Dem Kometen war es auch vollkommen klar, daß, wenn es der Erde -beschieden sein sollte, ein Wohnort für vernunftbegabte Wesen zu -werden, diese Wandlung nicht in zwei Tagen geschehen könnte, sondern -daß auch die Menschheit zu diesem Ende eine lange Lehrzeit durchmachen -müßte. Es ist ein weiter Weg, der zur Zivilisation einer Welt führt! -Nach seinen Jahren von dreitausend Erdenjahren Länge hatte der Komet -in der Theorie sich ausgerechnet, daß die Erde in vier bis fünf -Jahren die Kinderschuhe werde ausziehen können. Vier Jahre, zu dem -hinzugerechnet, bei dem wir jetzt in unserer Erzählung stehen, ergeben -1811 unserer Zeitrechnung! Hat sich der Komet getäuscht? In der Praxis -freilich, sagte sich der Komet selbst, wird hierzu ein viel längerer -Zeitraum erforderlich sein, da nach allem, was er sehen konnte, die -Menschen durchaus nicht von dem Verlangen, sich zu vervollkommnen, -beseelt zu sein schienen, sondern viel lieber sich gegenseitig zu -schädigen suchten. Eine Beobachtung, die sich ihm aufdrängte, machte -ihn im höchsten Grade betroffen, und er hat sie nie vergessen können. -Noch immer steht er unter dem Eindruck, den er erhielt, als er aus -seinen Himmelshöhen Zeuge einer jener großen und blutigen Schlachten -war, wie sie in der Frühzeit der Geschichte geschlagen wurden, ein -Eindruck, der sich im Laufe der Zeiten nicht verwischte, sondern -sich immer wieder erneuerte, denn, solange es auf der Erde Menschen -gibt, hat unser teilnehmender Freund auch nicht ein einziges Mal die -Erde besucht, ohne daß er nicht irgendwo gesehen hätte, wie diese -Geschöpfe sich gegenseitig totschlugen. Es schien ihm fast so, als -ob sie nur dazu geboren wären, ihre Kräfte aneinander zu messen, und -sobald sie sich stark genug dazu fühlten, ihre Macht gegeneinander zu -gebrauchen. Anstatt, wie auf anderen Welten, eine geeinte, solidarische -Familie zu bilden, lagen die Menschen der Erde fortwährend mit sich -selber im Kampfe. Nach dieser Erfahrung, folgerte er, müsse man die -Zahl der Jahre, die für die Lehrzeit der Menschen erforderlich sei, -vervierfachen. - -Durch ein unvorhergesehenes Ereignis, das wir hier nur beiläufig -erwähnen wollen, sollten die Beobachtungen des Kometen zu der Zeit, -in der wir uns jetzt befinden, eine kleine Lücke erhalten. Bei seinem -Vorübergange im Jahre Siebentausenddreihundertundvierundachtzig -wurde seine Aufmerksamkeit ausschließlich durch den Mond in Anspruch -genommen, und die neun Monate, die der Komet angesichts der Erde -verweilte, flossen dahin, ohne daß er Zeit gefunden hätte, seine -Beobachtungen auf unserem Planeten fortzusetzen. Schon im Jahre -Neunundfünfzigtausendvierhundertundneunundachtzig, also siebzehn -seiner Jahre vorher, war dem Kometen auf dem der Erde benachbarten -Gestirn, der sie wie ein treuer Trabant unablässig begleitet, eine -allgemeine Bewegung aufgefallen, die auf der Oberfläche des Mondes -eine ganz ungewohnte Änderung herbeiführte. Zwei voneinander ganz -verschiedene Naturen hatten auf seinen beiden Halbkugeln Platz -gegriffen; Mondbewohner, die von einer der beiden Hemisphären auf die -andere übergingen, glaubten in eine ganz andere Welt zu kommen. Als -ob das Gesetz von dem Gleichgewicht der Kräfte dort nicht existierte, -nahm der reichere Teil den ärmeren Teil unmerklich in sich auf. -Er sog ihm förmlich den Saft des Lebens aus, als ob es sein Wille -gewesen wäre, das Reich der Mondbewohner allein ohne einen Nebenbuhler -beherrschen zu wollen. Sämtliche flüssige Massen sowie alle zu Gasen -verflüchtigten Körper zogen von der der Erde zugewandten Seite auf die -andere hinüber, und gerade zu der Zeit, in der der Komet an der Erde -vorbeiging, fand der Auszug der Seleniten, der Mondbewohner, nach der -Halbkugel ihres Gestirnes statt, die nur noch allein bewohnbar blieb. -Man sah sie überall sich rüsten, und von allen Seiten liefen sie nach -der Grenze des Horizontes, und alles, alt und jung, groß und klein, arm -und reich, wanderte nach der neuen Welt. Die unglückselige Hälfte des -Mondes blieb von der Zeit an vollkommen verödet, und wir sehen heute -ihre erloschenen Krater und die ausgetrockneten Meere, die ewig in ein -grausiges Schweigen gehüllt sind. - -Fast hätte noch ein anderes Ereignis den Studien unseres Kometen ein -frühzeitiges Ende gemacht. Bei seinem drittletzten Vorübergange glaubte -er schon alles Leben auf der Erde der Vernichtung preisgegeben zu -sehen. Eine ungeheure Flut hatte sich über sie ergossen, angeschwollene -Ströme hatten Wiesen und Felder verwüstet, Ebenen und Gebirge -schienen unterwühlt zu sein; auch das Meer schien die Grenzen seines -Reiches überschritten zu haben, um die bisherigen Kontinente seiner -todbringenden Herrschaft zu unterwerfen. Als sich aber gegen Abend -die Erde gedreht hatte und dem Kometen ihre andere Hälfte zuwandte, -vermochte er zu erkennen, daß diese Sintflut keine allgemeine war. -Sie beschränkte sich nur auf die uralten Gegenden Asiens, während -die beiden ungeheuren Dreiecke Amerikas im schönsten Sonnenschein -dalagen. Die üppigste Vegetation herrschte hier, die Tierwelt befand -sich auf der Höhe ihrer Blüte, und die Menschen, die dort wohnten, -freuten sich ihres Lebens und beteten ihre schöne Natur an. Es waren -die Vorfahren der Tolteken, auf die zuerst die Chichimeken und dann -die Azteken folgten. Diesen war es auch beschieden, das Reich der -Tapaneken, Akolhuaner usw. in das ihrige einzuverleiben. Sie gründeten -die berühmte Stadt Tenochtitlan auf den Inseln des Tezcuco-Sees, -die sie später zu einer einzigen Insel umschufen, um eine feste -Grundlage für die Hauptstadt Mexikos zu gewinnen. Man sah auch die -Berge, auf denen Manco-Capac eines Tages die Republik der Inkas, -die Sonnenanbeter waren, gründen sollte. In ihr Reich zog später -Pizarro ein, um es zu erobern und dann das Vize-Königreich Peru zu -gründen. In den beiden Amerika lagen viele voneinander getrennte -kleine Staaten. Nicht mit Unrecht dachte der Komet, daß, wenn durch -ein plötzlich hereinbrechendes Unglück die asiatische Kultur auf dem -Grunde des Meeres verschwände, Amerika sie recht wohl ersetzen könnte. -Bald aber hatte er die Gewißheit, daß die Menschheit doch nicht in -Gefahr stand, vom Erdboden zu verschwinden. Während die »neue Welt« -zum Leben erwachte, wuchs die »alte« immer mehr und schuf so Ersatz -für den kleinen Teil, den sie tatsächlich der großen Flut hatte zum -Opfer bringen müssen. Ägypten besaß auch schon eine wirkliche Stadt, -in der man bereits Paläste und Türme unterscheiden und die Anfänge -einer einförmigen Skulptur erkennen konnte. Hohe Pyramiden bildeten -Wahrzeichen der dortigen Kultur, und in Indien entstanden ebenfalls -große Städte. Auch Europa machte sich schon bemerkbar; erwachend, -erkannte es, daß es bereits Tag geworden war, und fühlte das Verlangen -aufzustehen und an der Kultur mitzuarbeiten. Nur in Australien konnte -unser Komet noch keine höher gearteten Wesen, als große Affen, -erkennen, die einander Grimassen schnitten. - -In Gesellschaft der so verschiedenartig gestalteten menschlichen Rassen -entdeckte der Komet auch seltsam geartete Tierformen, die heute nicht -mehr vorhanden sind: Da war der ~Elephas primigenius~ oder das Mammut, -ein ungeheurer Elefant, der 15--18 Fuß hoch war und mit gekrümmten -Stoßzähnen, die wenigstens 12 Fuß in der Länge maßen, bewaffnet war. -Als man in späteren Zeitaltern fossile Knochen dieses Mammut zusammen -mit menschlichen Gebeinen fand, hielt man sie irrtümlich für Überreste -von Riesen, die 20 Fuß groß gewesen sein sollten! Da sah man das -~Rhinoceros tichorhinus~, ein über und über mit Haaren bedecktes -Ungeheuer, in dem wir wohl das Urbild des die Höhle bewachenden -Drachen der Sage zu erblicken haben; auf der Höhe des Montmartre -hauste der Höhlenbär in Gesellschaft riesenhafter Tiger; der Wisent -und der Auerochs, welcher in Gallien von Cäsar auf dessen Rückwege von -Bibracte noch gesehen wurde, bevölkerten die Wälder, ebenso der ~Cervus -megaceros~, eine Hirschart, die mit einem kolossalen Geweih von 10--12 -Fuß Breite geziert war; diese Hirsche fielen den ersten menschlichen -Jägern, die mit Pfeil und Bogen schossen, als Beute zu. Auch prächtige -Vögel, wie man sie heute nicht mehr sieht, gab es, wie der Dinornis -oder Epiornis, dessen Eier 25 Zentimeter lang waren. Sie gehörten zu -der Familie der Strauße und gaben in der damaligen Fauna eine sehr gute -Figur ab. - -Die Ureinwohner Frankreichs, die Kelten, die ein Glied der -indogermanischen Völkerfamilie waren, kannten diese würdigen -Nachkommen vorsintflutlicher Tiergeschlechter noch ganz gut. Der -Komet beobachtete die Kelten mit Interesse, und sie verdienten es -auch, daß er ihnen seine Aufmerksamkeit zuwandte, die hunderttausend -Jahre vorher die Riesen der Vorwelt auf sich gezogen hatten; übrigens -eine bedeutungsvolle Perspektive, daß dasselbe Gestirn, zu dem wir -aufblicken, schon Geschlechtern, die seit Jahrhunderten erloschen, und -Völkern, die bereits für immer in den Abgrund der Zeiten verschwunden -sind, leuchtete. So vergehen wie Eintagsfliegen die Wesen, die für -uns alles Dasein darstellen, während die Natur, die wir als etwas -Selbstverständliches hinnehmen, ewig in ihrer erhabenen Größe bestehen -bleibt. - -Es war im Jahre 1254 vor Christi Geburt, als unser ehrwürdiger -Reisender zum vorletztenmal an der Erde vorüberging. Damals führten -unsere Ahnen noch ihr einförmiges Naturleben inmitten der dunklen -Wälder, die zu jener Zeit noch das Land bedeckten. Ihr Ehrgeiz ging -über die Scholle, auf der sie geboren waren, nicht hinaus, und sie -genossen in Frieden das Licht des Himmels und die Güter der Erde. -Ihre Großonkel, die wir bereits vor einigen tausend Jahren im fernen -Orient kennen gelernt haben, führten noch immer dasselbe frohgemute -Leben. Aber im Gegensatz zu den Kelten, die friedlich in den Wäldern -ihres Landes wohnten, suchten sie weitere Eroberungen zu machen. Doch -die Zeit ist nicht mehr fern, in der auch die Kelten nach dem Süden -wandern und hinter sich die Kimmerier, Scordisken, Taurisker, Boier -und Zimbern lassen werden; jetzt aber erfreuen sie sich noch des -Glückes ihrer Kindheit, aber auch sie werden groß und mächtig werden. -Anderseits jedoch sind die Völker, die wir bereits betrachtet haben, -von ihrer Höhe zurückgegangen. Ägypten schläft, Memphis ist tot, This -träumt und Theben, das hunderttorige, erwacht. Aber es dauert nicht -mehr lange, und der Wüstensturm wird alle diese Städte hinwegfegen. Ach -wieviel verschwundene Kulturen! Babylon, das vor fünfzehnhundert Jahren -gegründet wurde, ist bereits gesunken, und Ninive, das ihm folgte, -liegt in Trümmern. Ecbatana taucht auf, aber nur um später Persepolis -Platz zu machen, das auch seinerseits wieder fallen wird. Assyrer, -Meder, Perser, Chaldäer waren nichts weiter als abgestoßene Glieder -einer großen Völkerfamilie. Auf der anderen Halbkugel schritt Amerika -nur langsam vorwärts. Im östlichen Asien waren in China die Keime der -Kultur aufgegangen; und überallhin sandte die Sonne ihre befruchtenden -Strahlen und hüllte Länder und Meere in ihr friedliches Licht. Vor -kurzem erst war ein kleines Volk aus Ägypten ausgezogen, jetzt setzte -es sich längs des Meeres fest, aber es hatte sich noch keine Könige -gewählt. Schließlich ist noch im Süden Europas eine kleine Halbinsel -zu erwähnen, deren Bewohner, die erst vor achthundert Jahren dorthin -gekommen waren, älter als der Mond sein wollten und behaupteten, der -Grille gleich, die von ihren Frauen als Wahrzeichen im Haare getragen -wurde, aus dem Boden der Erde entstanden zu sein. Damals beschäftigte -eine wichtige Begebenheit die Bewohner dieses Landes. Ein gewisser -Paris hatte eine sehr schöne Dame, namens Helena, die rechtmäßige -Gattin des Königs Menelaus, entführt und nach einer einige Grade -entfernten Stadt Kleinasiens gebracht. Das ganze Volk geriet dadurch -in Aufregung. Überall wurden Waffen hergestellt, Pferde gezäumt, -Säbel geschärft, Harnische geglättet, Panzerhemden gewebt, Schilde -geschmiedet, Beinschienen gefertigt, Lanzenspitzen befestigt, Stöcke -mit Eisen beschlagen, das Gepäck gepackt. Solch große Vorbereitungen -hatte der Komet noch nie gesehen. Zu seinem Unglück, oder besser -gesagt, zu seinem Glück, konnte er das Ende des Krieges nicht abwarten, -denn die Belagerung der Stadt dauerte nicht weniger als zehn Jahre, -und in diesen zehn Jahren hatte der Komet viele Millionen Meilen -durchflogen; das hinderte ihn aber nicht, sich darüber klar zu werden, -daß man einer Kleinigkeit wegen sehr viel Lärm mache, und sich zu -sagen, daß er den Bewohnern der Erde, wenn sie fortfahren sollten, sich -um Nichtigkeiten so hinzumorden, schließlich nicht mehr die Ehre seiner -Beachtung würde zuteil werden lassen. - - - - -Sechstes Kapitel. - -Von der Sintflut bis zum Jahre 1811. - - -»Welche Veränderung seit vorigem Jahr!« rief der Stern mit dem -leuchtenden Schweif, als er bei seinem letzten Erscheinen, von dem die -Geschichte berichtet, zur Erde zurückkam. »Ist das dieselbe Welt, die -ich vor ganz kurzer Zeit noch in ihrer Kindheit sah? Ist dies dasselbe -Volk, das vordem so gering an Wert und klein an Zahl, so furchtsam -und schwach war? Ist denn nichts mehr von dem vorhanden, was ich hier -gesehen und gehört habe? Menschen, Völker, Städte, Länder -- alles -hat sich geändert! Wo sind die alten Barden, die mich zum Zeugen für -keltisches Gesetz und Recht anriefen? Wo ihre Altäre und Druidensteine? -Wie viele Umwälzungen seit meinem Weggange! Ich sehe hier weder die -Kelten noch die Kimrier, und dort unten weder Griechen noch die Völker -Mediens. Was für eine Stadt ist dies hier? Unmöglich, das kann nicht -die Erde sein!« ... Vor Staunen konnte der Komet sich kaum fassen. - -Seit seinem letzten Besuch hatte die Erde sich tatsächlich sehr -verändert, denn man zählte das Jahr des Heils 1811, und in vollem -Glanze leuchtete der Komet über Paris.[8] - -Für die Sterne im allgemeinen und für die großen Kometen im besonderen -wollen dreitausend Jahre nicht gerade viel sagen: Im Kalender der -Ewigkeit sind sie weniger als eine Sekunde. Aber für den Menschen -- -das wissen wir alle sehr gut -- sind dreitausend Jahre viel, sehr viel! - -Wie viele Generationen hat die Welt gesehen seit 1254 vor Christi -Geburt! Griechenland, Latium und seine Könige, die römische Republik, -Karthago, das römische Kaiserreich und sein Sturz, die Barbaren, -das west-römische Reich, die Gründung von fränkischen, deutschen, -angelsächsischen, heidnischen, christlichen, mohammedanischen Reichen, -das Aufkommen und der Verfall des Lehnswesens in Frankreich, das dann -die Monarchie, die Republik und das Kaiserreich erlebte! Alle diese -Veränderungen hatten sich langsam vollzogen, und für den Kometen waren -sie nicht vorhanden. Und was müßte sich erst ergeben, wenn wir, anstatt -uns auf ein einziges Land zu beschränken, den ganzen Erdball in den -Kreis unserer Darstellung zögen? Die ganze Geschichte der Menschheit -könnte in dem Zeitraum von 1254 v. Chr. bis 1811 n. Chr. eingeschlossen -werden, der für den Kometen doch nur ein einziges Jahr bedeutet. Seine -Überraschung war daher ganz gerechtfertigt und zu verzeihen. Ohne -es zu merken, war er von heute auf morgen von Agamemnon zu Napoleon -übergegangen, und man wird zugeben müssen, daß es einen größeren Sprung -nicht gut geben kann. - -Städte und Völker hatten sich geändert. Viele waren verschwunden, -andere neu erstanden. Es war ganz klar, die Menschheit hatte einen -großen Schritt weiter getan. Ob aber vorwärts oder rückwärts? Der -Komet, der doch ein scharfer Beobachter war, glaubte zu der Annahme -Grund zu haben, daß die Menschheit nicht rückwärts gegangen war. -Aber nicht allein der Mensch hatte sich mit allem, was mit ihm in -näherer Beziehung steht, geändert; es schienen sich auch in der Natur -Umwandlungen vollzogen zu haben, die nicht ausschließlich dem Zahn der -Zeit zuzuschreiben waren. Die Wälder waren zurückgedrängt und bedeckten -nicht mehr den ungeheuren Raum, den sie ehemals eingenommen hatten. -Von Menschenhand angelegte Wasserläufe hatten sich in die natürlichen -Flußsysteme eingeschoben. Sümpfe waren ausgetrocknet und die Meeresufer -schienen geschützt. Das Land war mit weißen Linien durchschnitten und -an den Hügeln bauten sich terrassenförmig Dörfer auf. Gewerbtreibende -Städte erhoben sich an den Ufern großer Ströme und ließen ihren Grund -von den rasch dahinströmenden Wellen benetzen; Gärten und Parkanlagen -umrahmten die Gruppen menschlicher Wohnungen. Man mußte es wohl -bekennen: diesem kleinen Teil der Erdkugel hatte der Mensch das Siegel -seiner Gegenwart aufgedrückt. - -Aber ... und wo gibt es kein »Aber«? ... noch immer hörte der Komet -auf der Erde Waffengeklirr. »Auch jetzt noch! Leider!« rief er -aus. »Fast muß ich glauben, daß den Erdenleuten das Kriegführen zur -Gewohnheit geworden ist. Die armen Menschen! Und dabei ist ihr Planet -doch keineswegs häßlich. Warum schlagen sie in den sie entwürdigenden -Kriegen einander tot? Kann es etwas Schöneres geben, als unter der -lachenden Sonne in Frieden zu schaffen? Ob sie denn überhaupt wissen -mögen, was sie tun?« - -In den stillen und unendlichen Tiefen des Weltenraumes ist das Gefühl -für Entfernungen aufgehoben, und Organe, die imstande wären, auch den -schwächsten Ton zu vernehmen, könnten sich durch den unendlichen, -unfühlbaren Äther verständlich machen. Alles ist relativ, die -Stärke des Tons sowohl als die des Lichts. Wenn die Kometen nach -den entlegenen Wüsten ihrer größten Entfernung kommen, verlangsamen -sie ihren Gang, als ob sie in den Tiefen des Raumes dem Unbekannten -ein aufmerksames Ohr schenken wollten. Man will sogar wissen, daß -sie manchmal, ebenso wie in ein fernes Land Verbannte, sich leicht -aneinander schließen, sich durch den unermeßlichen Raum ihre Gedanken -mitteilen und daß sie sich die Langeweile der Einsamkeit und der -Finsternis durch eine Unterhaltung über die Natur der Dinge und das -Schicksal der Wesen, die sie auf ihren Reisen gesehen haben, zu -verkürzen suchen. Vor einigen Jahren traf unser Komet in der Einöde -jenseits des Neptun den Halleyschen Kometen, der, wenn er auch nicht -ganz so vornehm und berühmt wie unser Held ist, sich doch immerhin -bedeutend über den Durchschnitt der gewöhnlichen Kometen erhebt. Die -beiden Reisenden gingen sofort daran, ihre Erinnerungen und Erlebnisse -miteinander auszutauschen. - -»Seit meinem letzten Besuche habe ich die Erde sehr verändert -gefunden,« begann der größere und ältere von beiden. »Man arbeitet dort -unten sehr rasch, und es will mir scheinen, daß eines meiner Jahre -so lang ist wie dreitausend der ihrigen, und daß in dieser winzigen -Spanne Zeit neunzig verschiedene Generationen geboren werden und -sterben könnten. Welch Unterschied doch zum Neptun, auf dem ich seit -sechstausend Jahren auch nicht ein Jota sich habe ändern sehen.« - -»Mit Verlaub, mein verehrter Kollege,« entgegnete der andere. »Auch -meine Jahre vergehen viel schneller als die Eurigen, denn während -ich einen Umlauf um unsere herrliche Königin, die Sonne, vollende, -haben die Erdbewohner erst fünfundsiebzig ihrer Jahre verlebt, und -um die Wahrheit zu gestehen, muß man zugeben, daß man während dieses -kurzen Zeitraumes auf der kleinen Erde Zeit findet, viel zu bauen -und niederzureißen. Glaubt es mir, werter Kollege, ich bin über den -Leichtsinn der Erdbewohner nicht weniger erstaunt als Ihr es seid.« - -»Unter uns gesagt, diese Leute scheinen mir entweder sehr oberflächlich -oder sehr tätig zu sein. Seitdem es Menschen auf der Erde gibt, -verändert sie sich zusehends. Früher, bevor diese Geschöpfe erschaffen -waren, kann ich mich erinnern, zwanzig und auch dreißig Reisen gemacht -zu haben, ohne daß ich große Änderungen auf der Erdoberfläche bemerkt -hätte. Aber seit fünf Jahren« (der Komet meinte fünfzehntausend Jahre) -»haben sie es gelernt, in ihrem Lande zu bauen, niederzureißen, zu -graben, Dämme aufzuschütten und es in einer Weise umzugestalten, als ob -sie damit ein reines Gaukelspiel aufführen wollten.« - -»In welchem Erdenjahre waret Ihr zum vorletztenmal da?« - -»Mein lieber junger Freund, wenn ich mich recht erinnere, mögen dies -dreißig irdische Jahrhunderte her sein. Ich kenne ihren Kalender zu -wenig, um die Zeit genau angeben zu können. Ich war gerade damals -in meinem zweihundertfünfundvierzigsten Jahre, denn ich zählte -fünfundvierzig Jahr, als ich die Erde zum erstenmal bemerkte, und seit -jener Zeit bin ich zweihundertmal an ihr vorbeigekommen.« - -Der kleine Komet, der sehr gut zu rechnen verstand, hatte ohne große -Mühe sofort herausgefunden, daß dieser vorletzte Besuch keinesfalls -später als um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts vor Beginn der -christlichen Zeitrechnung stattgefunden haben konnte. Häufigere Besuche -auf der Erde hatten ihn mit der dortigen Art, die Jahre vor und -nach Christi Geburt zu zählen, vertraut gemacht. Und er konnte sich -eines Lächelns nicht enthalten, wenn er an die Verwunderung seines -ehrwürdigen Gefährten über die Veränderungen dachte, die sich seit -jener Zeit auf der Erde vollzogen hatten. Da er gern erzählte und sich -seinem vornehmeren Kollegen angenehm machen wollte, gelüstete es ihn, -die Unterhaltung fortzusetzen und seine persönlichen Beobachtungen über -die Bewohner der Erde zum besten zu geben. Sein Kamerad bemerkte dies. - -»Lieber Kollege,« begann er, »Ihr müßt doch über den Gegenstand, -von dem wir sprechen, viel besser als ich unterrichtet sein. Ihr -seid viel öfter als ich der Erde nahegekommen, und Ihr könnt ihre -Geschichte besser verfolgen. Ist der Stand der Dinge, wie ich ihn -auf meiner letzten Reise« (er meinte im Jahre 1811) »auf der Erde -gesehen habe, unmittelbar auf den gefolgt, der sich meinem Auge bei -meinem vorletzten Durchgange« (also zur Zeit des Trojanischen Krieges) -»darbot? Zwischen diesen beiden Daten scheint mir doch eine große Lücke -zu liegen, und ich glaube, Ihr könntet mir darüber hinweghelfen.« - -»Seit Eurem vorletzten Besuche«, erwiderte dieser, »bin ich vierzigmal -in die Nähe der Erde gekommen, und, wollt Ihr es mir glauben? jedesmal -habe ich Veränderungen auf der Erde wahrgenommen. Die Menschen leben -auf ihrer Weltkugel eine so kurze Zeit, daß es wohl schwerlich viele -gibt, die sich rühmen dürfen, mich bei zwei meiner aufeinander -folgenden Erscheinungen am Himmel leuchten gesehen zu haben, ja die -meisten Menschen haben mich auch nicht ein einziges Mal gesehen. Und -dabei«, fuhr er in traurigem Tone fort, »ist mein Jahr doch vierzigmal -kürzer als das Eurige. Von meinen verschiedenen Erscheinungen auf der -Erde erinnere ich mich, nach der irdischen Zeitrechnung, derjenigen im -Jahre 12 vor Christi Geburt, dann 837, 1066, 1456, 1531 und 1759 nach -Christi Geburt am deutlichsten, weil Ereignisse, deren unschuldige -Ursache ich werden sollte, mich in hohem Grade bewegten. Wenn es Euch -interessiert, will ich Euch gern mehr davon erzählen. Es wäre mir dies -ein um so größeres Vergnügen, als ich ja nur selten Gelegenheit habe, -davon sprechen zu können.« - -Da unser Komet sich ganz außerordentlich für alle menschlichen -Angelegenheiten interessierte, und da ihm in der tiefen Einöde des -Weltenraumes, die sie jetzt durchflogen, die Gesellschaft seines -jüngeren Gefährten ganz willkommen war, so hörte er dessen Bericht mit -gespanntester Aufmerksamkeit zu. - -Und nun erzählte ihm dieser, wie im Jahre 12 vor Beginn unserer -Zeitrechnung im chinesischen Reiche, unter der glorreichen Herrschaft -der Han, die auf die Dynastie der Tsin gefolgt waren, auf Befehl des -Kaisers der Fong-siang-chi, der kaiserliche Astronom, den Kometen -beobachtet und in ihm einen neuen Beweis für den Zorn des Himmels auf -Tsin-chin-hoang-ti erkannt hatte, weil dieser, noch nicht zufrieden -damit, daß er die vom Kaiser Wu-wang auf dem »Turm der Geister« -errichtete Sternwarte hatte einäschern und außerdem vierhundertfünfzig -der gelehrtesten Weisen des Reiches hatte enthaupten lassen, bei -Todesstrafe anbefohlen habe, innerhalb vierzehn Tagen sämtliche über -Moral, Philosophie, Astronomie und Geschichte handelnde Bücher zu -verbrennen; wie ferner der kaiserliche Astronom dem Fürsten anempfohlen -habe, ebenso wie es ja im Winter zu geschehen pflegte, sich in den zur -Linken gelegenen Saal des Schwarzen Palastes zu begeben, und durch -ein dem Gotte Hiuen-ming dargebrachtes Opfer symbolisch eine neue Ära -für Kunst und Wissenschaft einzuleiten; wie dann der Tatsung-pe die -Mandarinen, ebenso wie zur Zeit der letzten Sonnenfinsternis, um den -kaiserlichen Thron versammelt hatte, um dem Gestirn zu huldigen, und -wie ganz China zwei lange irdische Monate hindurch auf den Beinen -geblieben war. Er erzählte weiter, wie im Jahre des Heils 837 Ludwig -der Fromme, der Sohn und Nachfolger Karls des Großen, sich in einem -dunklen Winkel der Burgterrasse vor ihm auf die Knie geworfen und ihn -gefragt habe, welche Botschaft ihm der Komet vom Himmel brächte; wie -dann statt des stummen Kometen des Kaisers geistliche Würdenträger -geantwortet hätten und der fromme Kaiser die drei Jahre, die er noch -zu leben hatte, damit verbrachte, Dome zu erbauen, reiche Abteien zu -stiften, große Klöster zu errichten und Kirchen und Schulen mit reichen -Mitteln auszustatten. Ferner erzählte er, wie im Jahre 1066 Wilhelm der -Eroberer in der ganzen Normandie habe ausrufen lassen: »~Nova stella, -novus rex~« (»Ein neuer Stern, ein neuer König«); wie er sich den -Kometen zum Führer auserkor und unter seiner Führung England eroberte. -Auf der berühmten Stickerei in der Bibliothek der Stadt Bayeux kann -man dies noch heute sehen; das Werk stammt von der Königin Mathilde, -der Frau des Eroberers. Sie bildete die bedeutendsten Szenen der -Eroberung ab und verewigte dabei auch den Kometen, wie er über einer -Gruppe von vielen Leuten steht, die Kopf und Hände zu ihm erheben. Und -weiter berichtete der Wandergefährte unseres Kometen ganz ausführlich, -wie im Jahre 1456 Christen und Muselmanen, die miteinander im Kriege -lagen, in seiner Gestalt ein flammendes Schwert erkennen wollten, das -am Himmel ausgesteckt worden sei, um ihnen das schrecklichste Unglück -anzukündigen. Mohammed II., in dessen Besitz Konstantinopel bereits -übergegangen war, hatte geschworen, daß er sein Pferd auf dem Altar -der Sankt Peterskirche in Rom tränken werde, und auf dem Wege dahin -belagerte er Belgrad. Als nun die Gestalt eines feurigen türkischen -Schwertes am Himmel erschien, sah der Papst Calixt III. alle seine -schlimmen Befürchtungen in Erfüllung gehen. Der Komet schilderte -weiter, wie der Papst in seinem Zorn Gestirn und Türken feierlich -verfluchte, wie er sodann das Angelus, ein Gebet, das beim Klange der -Glocken gesprochen werden sollte, angeordnet habe, und wie dann jenes -große Belgrader Blutbad begann, das ohne Unterbrechung zwei Tage lang -dauerte, und bei dem die Franziskaner-Mönche mit keiner anderen Waffe -als einem Kruzifixe in der Hand »in der vordersten Reihe standen und -zum Papste flehten, er möge die himmlische Erscheinung beschwören, -daß sie ihren verhängnisvollen Einfluß auf ihre Feinde ausübe«. Der -Komet fuhr in seinem Berichte fort und erzählte, welche ganz andere -Wirkung sein Erscheinen im Jahre 1531 hervorgerufen hätte. Luise von -Savoyen, die Mutter Franz' I., hatte drei Tage vor ihrem Tode eine -außerordentliche Helle in ihrem Zimmer bemerkt. Sie ließ den Vorhang -hinwegziehen, und von dem Anblick des Kometen ganz betroffen, rief -sie aus: »Ein solches Zeichen gibt der Himmel nicht für gewöhnliche -Menschen. Gott hat es nur für uns Große der Erde vorbehalten. -Schließt das Fenster! Es ist ein Komet, der mir den Tod anzeigt, wir -wollen uns darauf vorbereiten!« Weiter erwähnte der Komet, daß von -seinem Erscheinen im Jahre 1682 seine astronomische Registrierung -datierte. Denn bei seinem Vorübergang in diesem Jahre wurden seine -Elemente berechnet und festgestellt, daß er derselbe Komet sei, der -in den Jahren 1531 und 1607 an der Erde vorübergezogen war. Dem -berühmten Astronomen Halley war es vorbehalten, ihn der Wissenschaft -einzuverleiben und ihm seinen Namen zu geben, und für das Jahr 1759 -kündigte Halley sein abermaliges Erscheinen an. - -Sodann erzählte der Halleysche Komet seinem älteren Bruder die -Geschichte der Aufeinanderfolge der verschiedenen irdischen Reiche, -und zwar vom Jahre 1254 vor Christi Geburt bis zum Jahre 1835 nach -Christi Geburt, in welchem Jahre er zum letztenmal die Erde besucht -hatte. Der große Komet war nicht wenig erstaunt, als er hörte, -wie rasch sich auf der Erde neue Reiche bildeten und wie sie noch -schneller wieder zerfielen. Was ihn aber am meisten, und leider auch am -schmerzlichsten überraschte, das waren die Mittel, welche die Bewohner -der Erde anwandten, um ihre Eroberungszüge gegeneinander ins Werk zu -setzen. Eisen, Blut, die wildesten und ausgesuchtesten Grausamkeiten! -Soviel Bosheit in so kleinen Körpern und in so gebrechlichen Wesen; -solch übermütiger Eigendünkel bei den Großen und dagegen wieder -solch angeborene Schwäche bei den Kleinen! Die Weltgeschichte schien -ihm wenig erbaulich, und hätte er nicht in Wirklichkeit von seiner -erhabenen Höhe aus die Schwächen der Menschheit verachtet, so hätten -ihm bei dem schreckensvollen Bericht seines jüngeren Kollegen wohl mehr -als einmal sozusagen seine langen Haare zu Berge gestanden. - -Sie flogen weiter, und ohne daß sie es merkten, zogen sie am Neptun -vorüber. Der Halleysche Komet fuhr in der Darstellung seiner -Lebensschicksale fort: - -»Während der fünfundzwanzig Jahre bis zu meinem Erscheinen im Jahre -1682 irdischen Stils hatte die Astronomie so große Fortschritte -gemacht, daß der Forscher, der mir seinen Namen gab, mein Erscheinen -für das Jahr 1759 voraussagen konnte. Hierin lag sicherlich keine -geringe Kühnheit. Ihr wißt jedoch, daß ich mich nicht so weit wie Ihr -in die Tiefen des Weltalls stürzen kann -- denn schon nach etwa 37 -Jahren muß ich umkehren, während Ihr, Kollege, noch fünfzehnhundert -Jahre lang Eure Reise fortsetzen könnt. Es ist Euch bekannt, daß -ich mich jedesmal bis auf sechsunddreiviertel Millionen Meilen von -der Erde entferne. Für uns will das nicht so sehr viel sagen; für -die kleinen Bewohner der Erde bedeutet es aber eine unermeßliche -Entfernung. Auf meinem Fluge werde ich bisweilen durch gewisse Bewohner -des Weltenalls zurückgehalten, und wenn ich durch ihr Gebiet gehe, -bin ich gezwungen, meine Bewegung zu verlangsamen. Die Herren von der -Sternwarte müssen außerordentlich scharfe Augen haben, oder richtiger -gesagt, mit einem fast übermenschlichen Ahnungsvermögen begabt sein. -Denn als ich in das Gebiet des Jupiter kam, war ich ihrem Gesichtskreis -schon längst entschwunden und konnte auch mit Hilfe ihrer schärfsten -Fernrohre nicht mehr aufgefunden werden. Ich glaubte annehmen zu -dürfen, ihrer Aufmerksamkeit entgangen zu sein. Aber damit war es -nichts. Durch Jupiter verlor ich 518 Tage, und Saturn veranlaßte eine -Verzögerung meiner Bahn um weitere 100 Tage. Nun gut. Alles dies war -bis auf einen Monat berechnet, festgestellt und bekanntgegeben worden. -Den Astronomen können wir nichts mehr verheimlichen. - -Ein glücklicher Zufall fügte es, daß man auf mein erneutes Erscheinen -bei der Erde schon fünfzehn Jahr vorher aufmerksam geworden war, -und zwar durch den schönsten Schweif, den man je gesehen hat, einen -sechsfachen Schweif, der jedoch, wie ich gleich bemerken will, nicht -mir gehörte. Ihr habt sicherlich, lieber Kollege, neulich jenen -Vaganten gesehen, der von einer Welt zur andern fliegt und nie wieder -an demselben Ort sich sehen läßt. Seine Bahn ist so exzentrisch, daß er -schließlich parabolisch geworden ist. Ganz gewiß ist es auch Euch nicht -entgangen, daß er den herrlichen Schmuck von sechs Schweifen besitzt. -Nun, im Jahre 1744 war er mein Vorreiter, und nach dem irdischen -Kalender gilt er als der schönste Komet des achtzehnten Jahrhunderts. -An dem Abend, als er zum erstenmal am Himmel stand, glaubte man, eine -zweite Sonne ginge unter, so groß war der Glanz, den seine Schweife -ausstrahlten. - -Ich sagte Euch wohl schon, daß ich bei jeder Wiederkehr zur Erde -dort immer etwas Neues in den Sitten, Gebräuchen und dem Geist der -Völker gefunden hätte. Niemals hat sich mir jedoch diese Beobachtung -lebhafter aufgedrängt als bei meinem letzten Besuche. Den Teil der -Erde, den ich 1759 besuchte, sollte ich 1835 wieder sehen. Noch genauer -als vorher hatte man die Verzögerung berechnet, die ich bei Jupiter, -Saturn und Uranus erleiden mußte, ja, man hatte mir sogar den Weg -vorgezeichnet, den ich auf meiner Rückkehr durch den Himmelsraum zu -nehmen hatte. Am 20. August 1835 sollte ich am Stern ζ im Sternbild des -Stiers vorübergehen, am 28. zwischen den Zwillingen und dem Fuhrmann -stehen, am 21. September im Fuhrmann sein, am 3. Oktober im Luchs, am -6. im Großen Bären, am 13. in der Krone, am 15. zwischen Herkules und -Schlange, am 19. im Ophiuchus, am 16. November beim Stern η desselben -Sternbildes und am 26. Dezember beim Stern Antares im Skorpion. Und -was gewiß viel heißen will, von dieser mir so weise vorgezeichneten -Marschroute brauchte ich nirgends abzuweichen. Aber, ich versichere -Euch, niemals in meinem Leben und auch auf keiner anderen Welt habe -ich so viel Umwälzungen und einen solchen Umschwung der Geister kennen -gelernt, wie bei meinem letzten Besuch der Erde. Um Euch die Wahrheit -zu gestehen, ist mir dies sehr nahe gegangen und ich bin darüber so -traurig geworden, daß meine Betrübnis den Bewohnern der Erde nicht -entgangen sein kann.[9] Was hat man auf der Erde von 1759 bis 1835 -gemacht? Welche Umwälzung hat sich bei den Menschen vollzogen? Je mehr -ich über die Ursachen und das Wesen dieser Neuerungen nachdenke, desto -mehr gerate ich ins völlig Dunkle. Auch der Komet Karl V. scheint sich -darin verloren zu haben.« - -»Der Komet Karl V.? Was hat es mit dem für eine Bewandtnis?« - -»Ach, entschuldigt, verehrtester Kollege, ich vergaß vollständig, daß -Ihr über die irdischen Ereignisse nicht genügend unterrichtet seid. -Karl V. war ein Kaiser von Deutschland, der seine Krone niederlegte, -als im Jahre 1556 einer unserer leuchtenden Brüder, der bis dahin -sicherlich keine Ahnung von der Existenz der Erde hatte, zufällig -in ihre Nähe kam. Es ist dies derselbe Komet, der nach Ansicht der -Erdbewohner schuld an der Sintflut tragen und später beim Tode Cäsars -geleuchtet haben soll. Aller dreihundert Jahre sollte er wiederkommen, -also auch 1856. Aber er mag wohl inzwischen den dummen Hochmut der -Großen der Erde kennen gelernt haben, die sich einbilden, daß sie -im Mittelpunkt des ganzen Weltalls stehen -- genug, er hat dieser -kleinen, eitlen Welt Valet gesagt und ist in ein anderes Sonnensystem -geflogen. Er befindet sich jetzt im Gebiet des Polarsterns, und die -Menschen können auf ihn warten; er kommt nicht wieder. Um jedoch den -Faden unserer Unterhaltung, die durch diesen Muster-Kometen eine kleine -Ablenkung erfahren hat, wieder aufzunehmen, wiederhole ich, daß ich -mich in Mutmaßungen darüber erging, welches die Ursachen der großen -Änderungen sein mögen, die sich während meiner Abwesenheit von der Erde -in der europäischen Gesellschaft vollzogen haben.« - -»Dieses Mal kann ich Euch vielleicht Aufklärung geben, mein lieber -junger Freund. Wenn die Großen auch oft zu hoch gestellt sind, um -das, was sich in den unteren Regionen zuträgt, nach Gebühr sehen -und würdigen zu können, und dadurch in eine bedauerliche Unkenntnis -geraten, so verstehen sie es anderseits infolge ihres überlegenen -Urteils doch, aus diesen Vorgängen die richtigen Schlüsse zu ziehen. -Das wenige, was ich gesehen habe, kann daher vielleicht dazu dienen, -die Lücke in Eurer Vorstellung auszufüllen. Ich weiß nur, daß es im -Jahre 1811 in Frankreich keinen »König von Gottes Gnaden« mehr gab, -sondern einen Kaiser, und gerade in derselben Woche, in der ich bei der -Erde ankam, wurde diesem Kaiser ein Sohn geboren. Vom März 1811 bis -zum April 1812 blieb ich bei der Erde. Ich glaube erkannt zu haben, -daß die Eroberungen des Kaisers und die Vergrößerung Frankreichs die -Nachbarreiche in Angst und Schrecken versetzten, und was mich in -meiner Annahme bestärkte, war der Umstand, daß der große Machthaber -eine Armee von 450000 Mann aushob, um mit dieser halben Million nach -den russischen Steppen zu marschieren. Was aus ihnen geworden ist, -vermag auch ich nicht zu sagen, denn vom Juli 1812 ab konnte ich auf -der Oberfläche der kleinen Erdkugel nichts mehr erkennen.« - -Die Kometen sind gute Logiker. Indem sie sich einander mit ihren -Erinnerungen aushalfen und die Erfahrungen, die sie bei ihren -Beobachtungen der Erdbewohner gesammelt hatten, austauschten, waren sie -imstande, sich unsere Geschichte aufzubauen. Sie verfuhren dabei ganz -nach Vernunftschlüssen. Im Jahre 1759, so sagte der eine, gab es in -Frankreich soziale Zustände, die in sich vollkommen morsch waren und -auf die nun große Hämmer, Philosophen genannt, um die Wette loshieben. -Im Jahre 1811, meinte der andere, gab es in Frankreich einen Kaiser und -Kriegsrüstungen. Im Jahre 1835, nahm der erste wieder das Wort, hatte -Frankreich einen konstitutionellen König und lebte in tiefstem Frieden. -Mit diesen drei vorhandenen Tatsachen hatten sie sich in großen Zügen -die Umrisse der französischen Geschichte geschaffen. Ihre Unterhaltung -berührte in derselben Weise auch das Geschick der anderen Völker, denn -die Kometen haben für eine Schar Ameisen keine größere Vorliebe als für -die andere. Da aber diese Entwicklungen sich im großen und ganzen sehr -ähneln und für uns, die wir doch keine Kometen sind, weniger Interesse -haben, so verzichten wir darauf, diese siderischen Unterhaltungen hier -wiederzugeben. - -So hatten die beiden Forschungsreisenden im Weltenraum, die sonst -gewohnt waren, sich nur mit großen Dingen abzugeben, die kleine -Erdkugel, auf der wir uns befinden, nach allen Richtungen hin -besprochen. Bald aber mußte der Halleysche Komet abbiegen, um in seiner -Ellipse dem Aphelium zuzufliegen, während der majestätische Komet von -1811 in gerader Linie seine Reise fortsetzte, denn bis zum Jahre 3343 -wird er sich von der Sonne entfernen, um dann in demselben Marschtempo -wieder zu ihr zurückzukehren. In den unermeßlichen Tiefen des -Himmelsmeeres mag er dann wohl Welten begegnen, die uns unbekannt sind, -einstigen Welten, deren Sonne erloschen und die in grausigem Schweigen -ihre kosmischen Ruinen und die Gräber versunkener Kulturen durch den -unendlichen Raum tragen. - - -Fußnoten - -[8] Der himmlische Reisende, dessen Geschichte wir erzählen, ist in -der Tat kein anderer als der Komet vom Jahre 1811. Die Wirkung, die -das Auftauchen dieses herrlichen Gestirns am Abend des 26. März 1811 -überall hervorrief, war unbeschreiblich. Die fruchtbare Hitze des -Sommers und die Güte des Weines in jenem merkwürdigen Jahr schrieb man -dem Kometen zu. Alle Zeitungen brachten Artikel über ihn, in allen -Sprachen unterhielt man sich von ihm und alle möglichen Erklärungen -über seine Natur wurden gegeben. Einige schmeichelten ihm, während -andere ihn fürchteten. Diese sahen in ihm die Verwirklichung einer -uralten Prophezeiung, während jene in ihm ein Gnadenzeichen erblicken -wollten, mit dem der Himmel die Geburt des Königs von Rom feierte. Auf -ein Fensterkreuz der Tuilerien gestützt, fragte Napoleon seinen Onkel, -den Kardinal Fesch, was er von dem wunderbaren Gestirn halte. Ganz -Paris sah zu dem Kometen auf, und der Sommer verging nicht, ohne daß -man unter anderem »Kometen-Krawatten« und »Kometen-Hüte« verfertigt -hätte. Sogar einer Sauce verlieh man seinen Namen. So viel Aufsehen -rief er hervor, daß alle, die jene Zeit erlebt hatten, sich ihrer bis -in ihr spätes Alter erinnerten. - -[9] Die Edinburgh Review von 1836 schreibt: »Der Halleysche Komet -erschien selbst in den Nächten, in denen er sich am deutlichsten -zeigte, bleich und verschwommen, er rief mehr Neugier als Bewunderung -hervor. Wir haben ihn durch das Fernrohr beobachtet und können den -traurigen Eindruck nicht schildern, den sein melancholisches Licht -erweckt. Je mehr man sich mit einem derartigen Objekt befaßt, desto -weniger kann man über seine Natur ins reine kommen. Ein bläuliches, -unklares Licht, das zur Hälfte durch eine große Wolkenhülle verfinstert -wird, das ist der Anblick, der sich dem Auge bietet. Die Beschaffenheit -dieses Lichtes ist uns unbekannt. Es ähnelt weder dem Lichte der Sonne -noch dem des Begleiters der Erde, auch nicht dem der Sterne, ja nicht -einmal dem des Nebels der Milchstraße. Nur wenn man Saturn durch ein -starkes Vergrößerungsglas gesehen hat, kann man sich eine zutreffende -Vorstellung von dem bleiernen Schimmer machen, den dieser Komet warf.« -John Herschel. - - - - -Nachschrift. - - -Wenn im Jahre 1910 der Komet von 1835 wieder erscheint, wird er uns -vielleicht nur um fünfundsiebzig Jahre älter finden. Was will das -heißen? Aber wen oder was wird sein ehrwürdiger Kollege auf der Erde -vorfinden, wenn er ihr im Jahre 4876 wiederum einen Besuch abstatten -wird? Vielleicht wird dann auch Frankreichs glänzende Hauptstadt -dahingeschwunden sein, wie es heute die großen Städte sind, die der -Komet bei seiner letzten Annäherung an die Erde sah: Troja, Ninive, -Theben und hundert andere, deren Namen mit ihren Ruinen nicht auf uns -gekommen sind. Möglich, daß tiefste Einsamkeit dort lagert, wo einst -Frankreich war, und daß sich Trauerweiden über dem Flusse schaukeln, -der einst die Seine hieß. Wird der Komet Frankreich mit Paris, England -mit London, Italien mit Rom nochmals zu sehen bekommen? Dieser Komet -mit seiner langen Umlaufszeit, der bis jetzt weder dieselbe Stadt noch -dasselbe Volk zum zweitenmal geschaut hat! Wenn in etwa fünfzigtausend -Jahren wir -- oder irgendwelche andere -- diese Erzählung fortsetzen -wollten, wird dann auch immer von neuen Dingen, die das Frühere -verdrängt haben, berichtet werden müssen und wird die Geschichte der -Erde jemals eine andere sein als die Geschichte von Umwälzungen und -Neueinrichtungen, die nicht von Dauer sind? - -Die Kometen besitzen zwar nicht die Gabe der Weissagung. Da jedoch -der Verfasser dieser Schrift das Glück hat, einige Kometen zu seinen -Freunden zu zählen, und da er in dem heißen Sommer des Jahres 1811 noch -zu klein war, um sich selbst an den großen und stolzen Kometen jenes -Jahres wenden zu können, so erlaubte er sich erst ganz vor kurzem einen -blondgeschweiften Boten an den erhabenen Reisenden mit der Bitte zu -schicken, daß er ihm doch ganz im Vertrauen sagen lassen möchte, wie er -die Erde bei seinem nächsten Besuche zu finden hoffe. Und der Autor hat -das große Vergnügen, diese wahrhafte Geschichte mit einem angenehmen -Bescheid abschließen zu können. Der große Komet hat sich zwar nicht -ganz deutlich ausgedrückt -- man muß das zugestehen -- aber es ist -dies auch wieder ein Beweis für die hohe Stellung, die er einnimmt, -und ein Zeichen für seine große Klugheit. Er hat dem kleinen Kometen -also gesagt, er solle mit einem freudigen Gesicht zu dem sonderbaren -Astronomen, der ihn ausgesandt, zurückkehren. »Denn«, fügte er hinzu -- -und das sind seine eigenen Worte --, »sage ihm, mein lieber Kleiner, -daß die Menschheit, die sich selbst schon so alt vorkommt, sich noch -in ihrer frühen Kindheit befindet. Sie hat noch ihre Kinderkrankheiten -durchzumachen. Aber nur nicht die Hoffnung verlieren! Ich möchte sogar -meinen Schweif wetten, daß es keine hunderttausend Jahre mehr dauern -wird, bis die Menschheit nicht nur zur Reife der Vernunft gelangt sein -wird, sondern auch unentgeltlichen und obligatorischen Unterricht, -allgemeines Stimmrecht, unabhängige republikanische Staatsverfassung, -Befreiung der Geister von jedem Druck, und schließlich Abschaffung -der stehenden Heere und endgültige Beseitigung der gegenseitigen -Abschlachtungen errungen haben wird.« - -Das waren seine letzten Worte, die letzten Worte jenes wandernden -Gestirnes, das es wohl versteht, von seinem erhabenen Standpunkte aus -die Geschichte des irdischen Planeten und seiner menschlichen Bewohner -zu beurteilen. Man kann daraus entnehmen, daß wir schließlich in dem -ungeheuren Weltall zwar nur ein winziges Körnchen sind, daß wir aber -dennoch, wenn wir nur unsere Fähigkeiten richtig anzuwenden verstehen, -uns einen Wert erringen können, der uns über die Materie erhebt: -_Geistige_ Wesen zu werden, das muß, wie ja auch der Komet meinte, das -Endziel aller unserer Mühen sein. - - - Ende. - - - - -Flammarion, Komet und Erde. - -Inhalt. - - - Seite - - Einleitung 3 - - Erstes Kapitel. Erste Begegnung des Kometen mit der Erde 5 - - Zweites Kapitel. Umwälzungen auf der Erde 19 - - Drittes Kapitel. Morgenröte der Erde 35 - - Viertes Kapitel. Die vorpariserischen Pariser 50 - - Fünftes Kapitel. Im Orient 62 - - Sechstes Kapitel. Von der Sintflut bis zum Jahre 1811 74 - - Nachschrift 91 - - - - -Naturwissenschaftliche Werke aus - -Philipp Reclams Universal-Bibliothek. - -Jede Nummer ist für 20 Pf. durch alle Buchhandlungen zu beziehen - - -Bücher der Naturwissenschaft - -herausgegeben von Prof. ~Dr.~ Siegmund Günther - - 1. Band. =Grundriß der Naturphilosophie.= Von Prof. ~Dr.~ - Wilhelm Ostwald. 2. Aufl. Mit dem Bildnis des Verfassers. Nr. - 4992/93. In Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. - 1.80. - - 2. Band. =Geschichte der Naturwissenschaften.= Von Prof. ~Dr.~ - Siegm. Günther. =I. Teil.= 2. Aufl. Mit dem Bildnis des - Verf., 2 farbigen u. 4 schwarzen Tafeln. Nr. 5069/70. - - 3. Band. =Geschichte der Naturwissenschaften.= Von Prof. ~Dr.~ - Siegm. Günther. =II. Teil.= 2. Auflage. Mit 2 farbigen und 8 - schwarzen Tafeln. Nr. 5071--74. Beide Teile zusammen in einem - Leinenband M. 1.50. In Leder- oder Halbpergamentband M. 3.--. - - 4. Band. =Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen und - Radioaktivität.= Von ~Dr.~ G. Bugge. 3. Aufl. Mit 4 Tafeln - und 20 Zeichnungen im Text. Nr. 5151/52. In Leinen 80 Pf. In - Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80. - - 5. Band. =Licht und Farbe.= Von Prof. ~Dr.~ Rob. Geigel. 2. - Aufl. Mit 1 Porträt, 4 bunten Tafeln u. 75 Zeichnungen - im Text. Nr. 5188--90. In Leinen M. 1.--. In Leder- oder - Halbpergamentband M. 2.--. - - 6. Band. =Der Sternenhimmel.= Von Prof. ~Dr.~ J. B. - Messerschmitt. Mit dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, 9 - schwarzen Tafeln und 24 Zeichnungen im Text. 2. Auflage. Nr. - 5228--30. In Leinen M. 1.--. In Leder- od. Hlbpgtbd. M. 2.--. - - 7. Band. =Die Abstammungslehre.= Von Prof. ~Dr.~ Kurt Lampert. - Mit dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, 7 schwarzen - Tafeln und 9 Abbildungen im Text. Nr. 5241--43. In Leinen M. - 1.--. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.--. - - 8. Band. =Die chemischen Grundstoffe.= Von ~Dr.~ Max Speter. - Mit 4 farbigen, 6 schwarzen Tafeln, einer Atomgewichtstabelle - u. 10 Figuren im Text. Nr. 5269/70. In Leinen 80 Pf. Zus. - geb. mit Bd. 17 unter d. Titel _Stoff und Energie im Lichte - der Chemie_ in Leder- od. Halbpgmtbd. M. 2.50. - - 9. Band. =Die Elektrizität.= Von Prof. Franz Adami. =I. Teil.= - Mit 1 Porträt, 4 schwarzen Tafeln und 29 Textfiguren. 2. - Aufl. Nr. 5298/99. Gebunden zus. mit Teil II, s. 14. Band. - - 10. Band. =Die Wärme.= Von Prof. ~Dr.~ Robert Geigel. Mit 4 - Tafeln und 32 Zeichnungen im Text. Nr. 5321--23. In Leinen M. - 1.--. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.--. - - 11. Band. =Chemie und Technik.= Von ~Dr.~ Günther Bugge. Mit 7 - Tafeln u. 14 Zeichnungen im Text. Nr. 5348--50. In Leinen M. - 1.--. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.--. - - 12. Band. =Das Klima.= Von ~Dr.~ Eugen Alt. Mit 3 farbigen - Erdkarten und 4 Zeichnungen im Text. Nr. 5431/32. In Leinen - 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80. - - 13. Band. =Physik der Gestirne.= Von Prof. ~Dr.~ J. B. - Messerschmitt. Mit 4 farbigen und 9 schwarzen Tafeln und 21 - Zeichnungen im Text. Nr. 5451--53. In Leinen M. 1.--. In - Leder- oder Halbpergamentband M. 2.--. - - 14. Band. =Die Elektrizität.= Von Prof. Franz Adami. =II. - Teil.= Mit 4 farbigen und 8 schwarzen Tafeln, 89 Zeichnungen - im Text und einem Gesamtregister für Elektrizität I u. II. - Nr. 5478--80. Teil I u. II zusammen in einem Leinenband M. - 1.50. In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70. - - 15. Band. =Vom Keim zum Leben.= Von Prof. ~Dr.~ Kurt Lampert. - Mit 4 bunten und 8 schwarzen Tafeln und 13 Abbildungen - im Text. Nr. 5501--3. In Leinen M. 1.--. In Leder- oder - Halbpergamentband M. 2.--. - - 16. Band. =Schnee und Eis der Erde.= Von Prof. ~Dr.~ H. - Wieleitner. Mit 16 Tafeln und 26 Abbildungen im Text. Nr. - 5521--23. In Leinen M. 1.--. In Leder- od. Hlbpgtbd. M. 2.--. - - 17. Band. =Die chemische Verwandtschaft und ihre Beziehungen - zu den übrigen Energieformen.= Von ~Dr.~ Max Speter. Mit 4 - Porträttafeln und 6 Abbildungen im Text. Nr. 5571/72. In - Leinen 80 Pf. Zusammen gebunden mit Band 8 unter dem Titel - _Stoff und Energie im Lichte der Chemie_ in Leder- oder - Hlbpgtbd. M. 2.50. - - 18. Band. =Der Wirbeltierkörper.= Eine vergleichende Anatomie - von ~Dr.~ Fr. Hempelmann. =I. Teil.= Mit 2 bunten und 2 - einfarbigen Tafeln und 62 Abbildungen im Text. Nr. 5609/10. - Mit Teil II zus. in einem Leinenband M. 1.50. In einem Leder- - oder Halbpergamentband M. 2.70. - - 19. Band. =Der Wirbeltierkörper.= Eine vergleichende Anatomie - von ~Dr.~ Fr. Hempelmann. =II. Teil.= Mit 2 bunten und 2 - einfarbigen Tafeln und 71 Abbildungen im Text und einem - Gesamtregister für Der Wirbeltierkörper I u. II. Nr. - 5611--13. Mit Teil I zus. in einem Leinenband M. 1.50. In - einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70. - - 20. Band. =Meereskunde.= Von Prof ~Dr.~ Adolf Pahde. Mit 3 - farbigen Kartenbeilagen, 7 schwarzen Tafeln, 1 Porträtbeilage - und 13 Abbildungen im Text. Nr. 5632--34. In Leinen M 1.--. - In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.--. - - 21. Band. =Die Welt der Kolloide.= Von ~Dr.~ Heinr. Leiser. Mit - 7 Tafeln und 15 Abbildungen im Text. Nr. 5651/52. In Leinen - 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80. - - 22. Band. =Der Säugetierorganismus und seine Leistungen.= Von - Prof. ~Dr.~ Ernst Th. v. Brücke. =I. Teil.= Mit 4 bunten und - 3 einfarbigen Tafeln und 21 Zeichnungen im Text. Nr. 5678--80. - - 23. Band. =Der Säugetierorganismus und seine Leistungen.= Von - Prof. ~Dr.~ Ernst Th. v. Brücke. =II. Teil.= Mit 3 Tafeln - und 28 Zeichnungen im Text und einem Gesamtregister für - Der Säugetierorganismus und seine Leistungen I und II. Nr. - 5681--83. Mit Teil I zus. in einem Leinenbd. M. 1.75. In - einem Leder- od. Hlbpgtbd. M. 3.--. - - 24. Band. =Das Süßwasser der Erde.= Von Prof. ~Dr.~ W. Halbfaß. - Mit einem Porträt, 14 Tafeln und 13 Abbildungen im Text. Nr. - 5708--10. In Leinen M. 1.--. In Leder- oder Halbpergamentband - M. 2.--. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - vordere Werbeseite wurde ans Buchende verschoben. Die Fußnoten - wurden jeweils ans Kapitelende verschoben. - - Korrekturen: - - S. 90: erst im → bis zum - {bis zum} Jahre 3343 wird er sich von der Sonne entfernen - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Komet und Erde, by Camille Flammarion - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND ERDE *** - -***** This file should be named 60930-0.txt or 60930-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/9/3/60930/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/old/60930-0.zip b/old/60930-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 1600869..0000000 --- a/old/60930-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/60930-h.zip b/old/60930-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 427b37f..0000000 --- a/old/60930-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/60930-h/60930-h.htm b/old/60930-h/60930-h.htm deleted file mode 100644 index 9bf87e9..0000000 --- a/old/60930-h/60930-h.htm +++ /dev/null @@ -1,3986 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - The Project Gutenberg eBook of Komet und Erde. Eine astronomische Erzählung, by Camille Flammarion. - </title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -.chapter { - page-break-before: always; -} - -h1, h2, h3 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -.h2 { - text-indent: 0; - text-align: center; - font-size: x-large; -} - -.h2meta { - font-weight: normal; -} - -p { - margin-top: 1ex; - margin-bottom: 1ex; - text-align: justify; - text-indent: 1em; -} - -.p2 {margin-top: 2em;} - -hr { - width: 33%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: 33.5%; - margin-right: 33.5%; - clear: both; -} - -hr.chap {width: 65%; margin-left: 17.5%; margin-right: 17.5%; } - -ul.index { list-style-type: none; } - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto; -} - -.tdr {text-align: right;} - -.pagenum { - position: absolute; - left: 90%; - width: 8%; - font-family: sans-serif; - font-style: normal; - font-weight: normal; - font-size: small; - text-align: right; -} /* page numbers */ - -.pagenum a { - color: gray; -} - -.hang p { - margin-left: 2em; - text-indent: -2em; -} - -.center { - text-align: center; - text-indent: 0; -} - -.larger { - font-size: larger; -} - -.smaller { - font-size: smaller; -} - -.antiqua { - font-family: sans-serif; - font-style: normal; - font-size: 95%; -} - -.gesperrt { - font-style: italic; -} - -/* Footnotes */ -.footnotes {border: dashed 1px;} - -.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;} - -.footnote .label {position: absolute; right: 84%; text-align: right;} - -.footnote p { - text-indent: 0; -} - -.fnanchor { - vertical-align: top; - font-size: 70%; - text-decoration: none; -} - -/* Transcriber's notes */ -.transnote {background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em; -} - -.transnote p { - text-indent: 0; -} - -.corr p { - margin-left: 2em; - text-indent: -1em; -} - </style> - </head> -<body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Komet und Erde, by Camille Flammarion - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Komet und Erde - Eine astronomische Erzählung - -Author: Camille Flammarion - -Translator: J. Cassirer - -Release Date: December 15, 2019 [EBook #60930] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND ERDE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>. -Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>. -</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich -am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p> -</div> - -<div class="chapter"> -<h1>Komet und Erde.</h1> - -<p class="center">Eine astronomische Erzählung</p> - -<p class="center smaller">von</p> - -<p class="h2">Camille Flammarion.</p> - -<p class="center">Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen</p> - -<p class="center smaller">von</p> - -<p class="center larger">J. Cassirer.</p> - -<p class="center p2"><b>Leipzig</b></p> - -<p class="center">Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_3">[3]</a></span></p> - -<h2 id="Einleitung">Einleitung.</h2> -</div> - -<p>Was wir hier erzählen wollen, ist kein Phantasiegebilde, -das aus den Gefilden einer oft nur zu schöpferischen Einbildung -hervorgegangen ist; vielmehr haben eingehende Studien -das Material hierzu geliefert, und auf wissenschaftlichem -Boden ist unser Bericht gewachsen.</p> - -<p>Der Komet, den wir hier vorführen wollen und der -uns die Grundlagen zu unserer Erzählung bieten soll, ist -keine Mythe; er existiert, und Millionen von Menschen haben -ihn über ihrem Haupte leuchten sehen, wie das Ende unserer -Erzählung beweisen wird.</p> - -<p>Die Daten seiner früheren Erscheinungen sind nicht willkürlich -angenommen, sondern nach elliptischen Elementen -berechnet worden; man kann den Berechnungen getrost -Glauben schenken, denn diese Elemente sind den Astronomen -wohlbekannt, und die bei ihnen überhaupt mögliche Fehlergrenze -beträgt nicht mehr als ein Hundertstel.<a id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">1</a></p> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_4">[4]</a></span></p> -<p>Auch in der Beschreibung der Gebiete, die unser kühner -Reisender besucht, sind wir nicht planlos vorgegangen, sie -beruht vielmehr zum Teil auf direkten Beobachtungen, zum -Teil auf wissenschaftlichen Folgerungen.</p> - -<p>Keine der erwähnten Erscheinungen, auch nicht die kleinste -ausgenommen, ist erfunden. Nicht in das Blaue hinein -haben wir unser Wort ergehen lassen, sondern es ist stets -im Dienste der Wissenschaft und ihrer erhabenen Herrin, -der Wahrheit, geblieben.</p> - -<p>Aus solch festem Faden ist der Stoff gewebt, den wir -jetzt das Vergnügen haben, vor unseren geneigten Lesern -aufzurollen.</p> - -<div class="footnotes"> -<h3>Fußnoten</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">1</span></a> Astronomisch gebildete Leser werden sofort wissen, um welchen -Kometen es sich handelt, wenn wir ihnen nachstehende Elemente nennen: -</p> -<ul class="index"> -<li>Τ = 1811, Septbr. 12. 26</li> -<li>π = 75° 1´ 0´´</li> -<li>Ω = 140° 25´ 1´´</li> -<li><em class="antiqua">i</em> = 73° 2´ 43´´</li> -<li><em class="antiqua">q</em> = 1.03542.</li> -</ul> -<p> -Als beinahe überflüssig könnten wir noch hinzufügen, daß die Entfernung -des Kometen im Aphelium 421.02, seine halbe große Achse 208, -seine Exzentrizität 0.9951 beträgt und daß seine Bewegung rückläufig ist.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_5">[5]</a></span></p> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Erstes_Kapitel"><span class="h2meta">Erstes Kapitel.</span><br /> -Erste Begegnung des Kometen mit der Erde.</h2> -</div> - -<p>Es mag im Jahre Sechshundertelftausendundneunundachtzig -vor Christi Geburt gewesen sein, als der -große Komet, der von den Bewohnern des Saturn -schon fast seit hundertundvierzigtausend Jahren beobachtet -worden war, einen winzigen Planeten entdeckte, -der gegen achthundertmal kleiner war als der, -den wir soeben genannt haben. Der neue Planet -machte einen recht armseligen Eindruck: eine kleine -Kugel, die sich ziemlich unbeholfen um sich selbst drehte, -und die in dicke Rauchwolken eingehüllt war, welche -von furchtbaren geologischen und atmosphärischen Umwälzungen, -die sich in ihrem Inneren vollzogen, Kunde -gaben. Für Menschen war sie gänzlich unbewohnbar.</p> - -<p>Der Komet, dessen Schweif nicht weniger als vierzig -Millionen Meilen Länge besaß, dessen noch nicht fester -Kern fünftausendvierhundert Meilen im Durchmesser -maß und dessen Strahlen sich auf vierhundertsechsundachtzigtausend -Meilen Ausdehnung in der Breite erstreckten -– heutzutage sind seine Dimensionen nur halb -so groß, als sie damals waren –, der Komet, der -sich bisher höchstens mit den Monden des Jupiter, -Saturn, Uranus und Neptun befaßt hatte und der -immer nur unter der vornehmsten Gesellschaft des -Firmaments umhergestreift war, sah sich beim Anblick -unseres kleinen irdischen Gestirns seltsam und fast unangenehm -überrascht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_6">[6]</a></span></p> - -<p>Wenn sich auch unser Held der unendlichen Mannigfaltigkeit -der Schöpfung bewußt war, so hatte er sich -doch niemals vorstellen können, daß es auch solch kleine -Weltkörper geben könnte. Er mußte unsere Erde -mehrmals ansehen, bevor er seinen Augen glauben -wollte, und erst, als er sich überzeugt hatte, daß jede -Täuschung ausgeschlossen sei, ließ er sich herab, von -dem Dasein der neuen Weltkugel Kenntnis zu nehmen. -Die niedrige Stellung, die diese unter den Gestirnen -des Himmels einnahm, erschien in den Augen des -Kometen noch geringer. Indem er sich in seine kometarische -Majestät hüllte, flog er stolz an dem kleinen -neuen Sprößling der Schöpfung vorüber, wobei er -den Kopf abwandte. Seinen strahlenden Schweif aufrichtend, -nahm er dann seinen alten Weg wieder auf, -um stolz seinen glänzenden Flug durch die Tiefen des -Weltalls fortzusetzen.</p> - -<p>So gehen – leider nur zu oft in der Welt – die -Großen an den Kleinen, die Mächtigen an den Schwachen -vorüber. In ihrem Hochmut erkennen sie den Wert -des Kleinen nicht und ihre Verblendung macht sie ungerecht. -Als ob Geschöpfe, denen Schönheit und Anmut -abgeht, nicht auch Kinder derselben Natur wie -sie und Glieder derselben großen Familie wären!</p> - -<p>Man muß indessen zugeben, daß unsere Erde für -diejenigen, die sich über ihre Bedeutung in keiner Täuschung -befinden, wie wir, eine recht kleine Welt ist. -Unser Patriotismus für unsere »Mutter Erde«, so -berechtigt er auch an sich sein mag, läßt sie uns größer -und bedeutender erscheinen, als sie es in der Tat ist, -und die Wanderer, die den Himmelsraum durchfliegen, -mögen es durchaus nicht begreifen können, daß wir -davon so viel Wesens machen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_7">[7]</a></span></p> - -<p>Der Komet, einer der schönsten, wenn nicht überhaupt -der schönste unseres gesamten Sonnensystems, -kommt nicht näher an die Sonne als die Erde -heran: Zwanzig Millionen Meilen. In seiner Bahn -beschreibt er eine Ellipse, und sobald er in die -Gegend kommt, in der wir uns befinden, kehrt er in -einem großen Halbkreise wieder um. Mit einer -Schnelligkeit von vierhundert Meilen in der Minute -eilt der himmlische Wanderer zu den Grenzen des -Sonnensystems und kreuzt dabei die Bahnen sämtlicher -darin kreisender Welten. Als ob es ihm leid tue, sich -von der Sonne mit ihrer leuchtenden Krone entfernen -zu müssen, verlangsamt er seinen Flug, je weiter er sich -von ihr entfernt. Bis auf acht Milliarden dreihundertundsiebzehn -Millionen Meilen Entfernung von der -Sonne führt ihn seine Wanderung; soviel beträgt sein -Aphelium, seine Sonnenferne. In diesen unfaßbaren -Tiefen des Weltenraumes hat sich seine Schnelligkeit -sehr verringert, und sie ist nicht mehr größer als die des -Windes, das heißt, einige Meter in der Sekunde. Seine -Kurve schließt sich jetzt von neuem, und er kehrt zu -dem leuchtenden Tagesgestirn zurück, dessen Scheibe -in dieser ungeheuren Entfernung allmählich so an -Größe abgenommen hat, daß sie nur noch als ein -kleiner Stern zu erkennen ist. Aus dieser erschreckenden -Entfernung noch ruft ihn die Sonne, und der -Komet hört ihre Stimme. Er wendet sich um und -von seinen Polhöhen aus stürzt er sich auf die Sonnenbahn, -wobei er es sorgfältig vermeidet, zu nahe an -Jupiter und Saturn heranzukommen. Seine Schnelligkeit -vergrößert sich zusehends, sie wächst und wird ungeheuer, -heiß und gewaltig wie das Verlangen, und -von neuem fliegt er der Sonne zu, die auf alle<span class="pagenum"><a id="Page_8">[8]</a></span> -Planeten solch wunderbare Anziehung ausübt. Nach -einer Reise von fünfzehnhundert Jahren erreicht er wieder -sein Perihelium, seine Sonnennähe. Sein leuchtender -Schweif, der immer blasser geworden war, je weiter sich -der Komet von der Sonne entfernte, und der schließlich -vollständig verschwunden war, kommt wieder zum Vorschein -und wächst in dem Maße, in dem sich der Komet -dem Mittelpunkt der Sphäre nähert. Seine Gestalt -nimmt an Umfang zu, ebenso sein Schweif an Pracht -und Glanz. Es ist gleichsam so, als ob ein hoher -irdischer Würdenträger vor seinen Herrscher treten soll -und zu diesem Behufe seine mit Gold und Edelsteinen -reich geschmückten Festkleider anlegt. Der Komet hat -das Gebiet der Königin des Lichtes betreten, und -vor den erstaunten Augen entfaltet er majestätisch die -Reize seiner Schönheit und seiner prächtigen Gewandung.</p> - -<p>Als im Jahre Sechshundertachttausend­einhundertvierundzwanzig -vor Christi Geburt das leuchtende -Gestirn auf seiner Wanderung wiederum in die Gegend -kam, in der sich unsere Erde bewegt, wurde seine Aufmerksamkeit -von neuem auf diesen kleinen meergrünen -Ball gelenkt, und es gewann es nicht mehr über sich, -ihn unbeachtet zu lassen. Große Personen interessieren -sich ja oft für Kinder, und auch der Komet hielt es nicht -unter seiner Würde, Beobachtungen über die Erde -anzustellen; er wollte gern wissen, bis zu welchem -Grade sich auf solch unscheinbarer Kugel wohl das -Leben entwickeln könnte.</p> - -<p>Es traf sich insofern recht gut, als gerade damals -der Komet ein volles Jahr lang in Sicht der Erde -blieb und eine vorteilhafte Stellung für ihre Beobachtung -einnahm; aber dies vermochte ihn doch nicht<span class="pagenum"><a id="Page_9">[9]</a></span> -von der entgegengesetzten Richtung seines Umlaufs -abwendig zu machen, die ihn wieder fortführte.</p> - -<p>Anstatt wie alle Planeten und fast alle Begleitsterne -unseres Sonnensystems sich von Osten nach -Westen zu bewegen, bewegt sich unser Komet von Westen -nach Osten, also gerade entgegengesetzt. Diese konträre -Bewegung machte die Beobachtung zwar schwieriger, -aber gerade dadurch wurde sein Forschungseifer noch -mehr angespornt, und während der zwölf Monate, -während deren die Erde in seinem Gesichtsfelde blieb, -ließ er keinen Tag und keine Nacht unbenutzt für seine -Beobachtungen vorübergehen.</p> - -<p>Was er bereits vorher geahnt hatte, fand er jetzt -bestätigt, nämlich, daß dieser kleine Sproß von einer -Welt für vernunftbegabte Wesen noch unbewohnbar -war. Langsam drehte sich der Weltkörper um sich -selbst; der Wechsel von Tag und Nacht brachte auf -ihm keine Wirkung hervor, denn die ungeheure Hitze, -die er aus seinem Innern ausstrahlte, war um vieles -größer als die, die er von der Sonne empfing. Übrigens -würden auch die Nebel, die Gase und die Rauchwolken, -die ihn einhüllten, den Sonnenstrahlen gar -keinen Zutritt gewährt haben. Je mehr sich der Komet -der irdischen Welt näherte, desto größere Mühe gab -er sich, die Beschaffenheit ihrer Oberfläche zu erkennen; -aber da er eine solch armselige Welt noch nie gesehen -hatte und sich darüber nicht klar zu werden vermochte, -welchem Zwecke ein solch dürftig ausgestatteter -Planet wohl dienen könnte, wartete er, bis ein lichter -Punkt in der Atmosphäre den Sonnenstrahlen erlauben -würde, hindurchzudringen, um den Schauplatz einigermaßen -zu beleuchten. Das traf endlich zur Zeit der -Sonnenwende ein. War es aber die Winter- oder die<span class="pagenum"><a id="Page_10">[10]</a></span> -Sommersonnenwende? Die Geschichte berichtet hierüber -um so weniger, als es in jenen entlegenen Zeiträumen -noch keine Jahreszeiten auf der Erde gab, -und als es infolge der großen Eigenhitze der Erde sozusagen -im tiefsten Winter ebenso heiß war wie im vollsten -Sommer. Gleichviel an welchem Tage es gewesen -sein mag, der Komet mußte vor Erstaunen fast aufschreien, -als er endlich die Oberfläche der Erde deutlich -unterscheiden konnte.</p> - -<p>»Eine Welt von Muscheln!« rief er.</p> - -<p>Er hatte sich nicht getäuscht. Die Erde befand -sich damals in dem Stadium ihrer Entwicklung, das -man als Sekundärzeit bezeichnet; die Triasformen -bildeten sich, und es war die Zeit der Muschelkalkformation. –</p> - -<p>Einige Millionen Jahre vorher hatte sich die Erde, -die damals eine noch ganz flüssige Kugel war, allmählich -abgekühlt, und große Wasserbäche waren auf sie -herniedergestürzt; der Rauch, die Gase, die Wolken, -die von der Erde aufstiegen, gingen die verschiedenartigsten -Verbindungen miteinander ein und hinterließen -ihre Spuren auf der noch glühenden und unfesten -Kugel. Gewaltige Umwälzungen erschütterten die -in stetem Aufruhr befindlichen Fundamente der neugeschaffenen -Welt, und furchtbares Toben und Brausen -ließen das aufgeregte feurige Erdinnere nicht zur -Ruhe kommen. Der Gewalt des in unausgesetzter -Tätigkeit befindlichen Feuerherdes fiel die ganze Erdkugel -zum Opfer. In diesem riesigen Laboratorium -hat die Natur die chemischen Gemische vorbereitet, -aus denen die feuerspeienden Berge, die -Lava-Eruptionen, die aus der Erde aufsteigenden -heißen Quellen usw. hervorgegangen sind. In derselben Weise,<span class="pagenum"><a id="Page_11">[11]</a></span> -wie man im Schmelztiegel auf geschmolzenem -Blei, das im Begriff ist, zu erkalten, sich ein -Häutchen bilden sieht, bildete sich um den Erdball -eine Kruste, und die beständigen Zuckungen ließen -allmählich nach.</p> - -<p>Auf diese Entwicklungsperiode – die Primärzeit – -während der es auf der Erde noch kein lebendes Wesen, -weder Tier noch Pflanze, gab, folgte eine Übergangszeit, -die so weit zurück liegt und so ungeheuer lange -dauerte, daß kein menschlicher Geist sich von ihr eine -Vorstellung machen kann. In dieser Periode war -es, daß sich die ersten Keime zur Bildung lebender -Wesen gestalteten, und unter unablässigen Wallungen -und Änderungen der immer noch nicht erstarrten Erdoberfläche -erschienen die ersten Pflanzen: Algen und -Seetang, und auch auf dem Grunde des Meeres zeigten -sich die ersten lebenden Gebilde: Korallen und -Polypen.</p> - -<p>Noch später überzogen sich die Sümpfe der Urzeit -mit einer endlosen Pflanzendecke, und mit ihr hatte -das Reich der Pflanzen seine glänzende und prächtige -Herrschaft angetreten. Als erster Regent des Erdballs -entfaltete es all seine Reichtümer und Schätze, und -die Erde sah keine Zeit mehr wiederkehren, in der sie -eine solche Fülle pflanzlicher Formen und Gestalten -bevölkerte. Es waren Pflanzen von höchst einfachem -Bau und kunstlosen Formen, solche, die weder Blüten -noch Früchte trugen, aber von gewaltiger Stärke -und kolossaler Höhe waren. Mit ihrem Grün überdeckten -sie jede Lagune, jede Bank, jede Landzunge, -auf welche das weite Meer nicht seine Herrschaft -ausgedehnt hatte. Die Erde sah aus wie ein einziger -Ozean, der mit grünen Inseln durchsetzt war.<span class="pagenum"><a id="Page_12">[12]</a></span> -Baumartige Farne, Kalamiten, Sigillarien und zahlreiche -andere Arten stritten sich um den Vorrang auf -den Inseln. Aus jener Epoche rührt die Bildung -unserer Steinkohlen her, mit der wir heute unsere -Zimmer heizen, jener ungeheuren, in längst entschwundenen -Zeiten abgelagerten Pflanzenschichten, die wir -jetzt ans Tageslicht bringen. Ihre Bildung geschah -etwa eine Million Jahre vor der Zeit, in der unsere -Geschichte anfängt. Von da an hat sich die Entwicklung -des irdischen Lebens fort und fort vervollkommnet, -und niemand vermag zu sagen, ob es schon seinen -Gipfel erreicht hat.</p> - -<p>Als sich der Komet der Erde näherte, hatte er nur -Muscheln wahrnehmen können. Trotzdem die schaffende -Welt es an gutem Willen nicht hatte fehlen lassen, -war es ihm doch nicht möglich gewesen, etwas anderes -zu erkennen. Das Meer nahm noch die gesamte Oberfläche -der Erde ein, wie es ja heutzutage noch drei -Viertel von ihr bedeckt. Damals gab es noch kein -Festland, sondern nur Inseln und Sümpfe. König -der Schöpfung war damals eine Art Seeschnecke, ein -Kopffüßler, ein ganz harmloses Tier.</p> - -<p>Dieses unschuldige Geschöpf, das wohl kaum ahnen -mochte, daß es eines Tages nach Jupiter Ammon -getauft werden würde, herrschte also als unumschränkter -Souverän im Königreich des Neptun: »Der Dreizack -des Neptun ist das Zepter der Welt«, sagt Lemierre. -Kein Engländer könnte dieses Zepter mit größerem -Rechte in Anspruch nehmen, als diese kleinen Tiere, -von denen wir sprechen. Wie heutzutage jene Molluskenart, -die unter dem Namen »Nautilus« bekannt ist, -sah man sie in ihrem weißen oder vielfarbigen Nachen -auf der Oberfläche des Meeres dahintreiben; große<span class="pagenum"><a id="Page_13">[13]</a></span> -und kleine, in allen Gestalten; ganze Flotten von ihnen -schwammen auf den Wassern, ihrer Beute nachstellend. -Man sah sie rasch und zierlich dahinschießen, sich -kreuzen, sich ausweichen, sich überholen, ganz so, als -ob sie eine Regatta aufführten. »Man« sah sie; dieses -»man« bedeutet den Kometen, denn außer ihm -gab es keinen Zuschauer, der sich an diesem urweltlichen -Schauspiel hätte ergötzen können. Überall Einsamkeit -und Schweigen …</p> - -<p>Unser Komet, der nicht wenig überrascht war, nur -Muscheln zu sehen, Muscheln im Meer, Muscheln auf -der Erde und überall nur Muscheln, erging sich in -Mutmaßungen, wozu denn überhaupt die Erde eigentlich -geschaffen sein mochte. »Es ist und bleibt ein -großes Geheimnis,« sagte er sich, »daß man für derartige -Wesen eigens eine Welt geformt hat.« Er -versuchte sich vorzustellen, über welche geistige Kraft -diese Geschöpfe wohl verfügen mochten, wie weit ihre -Fähigkeiten gingen, ob sie wohl denken konnten usw. -Trotz der Geringfügigkeit und Unansehnlichkeit des -Erdballs konnte sich sein Geist doch nicht zu dem -Glauben aufschwingen, daß dieser kleine Weltkörper -nur dazu geschaffen sein sollte, um Mollusken zur -Wohnung zu dienen. Er sah sich die verschiedenen -Lebewesen genauer an, und es fielen ihm die Geselligkeit -der Miesmuscheln und die Geschicklichkeit der -Schildkröten, deren erste Exemplare gerade zum Leben -erwachten, wohl auf. Er ließ die verschiedenen Arten -der Mollusken: die Kopffüßler, die Bauchfüßler, die -Blattkiemer, und wie sie alle heißen mögen, vor seinen -Augen vorbeimarschieren; auch die Rankenfüßler -(<em class="antiqua">Cirripediae</em>), die weder Kopf noch Füße noch Arme -haben, übersah er nicht. Aber in dieser ganzen Gesellschaft<span class="pagenum"><a id="Page_14">[14]</a></span> -fand er niemand, dem er die heilige Gabe der -Vernunft zutrauen konnte.</p> - -<p>Seiner fruchtlosen Nachforschungen müde geworden, -kehrte der Komet um, und ebenso wie in unendlich -späterer Zukunft der ewige Jude, so dachte er, während -er weiterging, und er ging weiter, während er dachte, -bis plötzlich ein furchtbarer Schrei die Luft erzittern -machte. »O,« rief der Komet aus, »da ist er wahrscheinlich, -der König der neuen Welt. Ich danke dem -Himmel dafür, daß er mich ihn noch vor meiner Abreise -hat sehen lassen.« Er wandte sich um, und in -der Tat – er war da!</p> - -<p>Ein mißgestaltetes Ungeheuer von schwärzlicher -Farbe, kolossalem Bau, höckrichter Haut, mit einem -sehr langen Krokodilsrachen, der am Halse eines Nilpferdes -befestigt zu sein schien, ein Ungetüm, dessen -Vorderbeine anscheinend verkürzt waren, während -seine Hinterbeine ebenso lang wie die eines Kamels -waren, schleppte sich unbeholfen zu dem Rande eines -Sumpfes hin.</p> - -<p>»Schön ist er zwar nicht,« sagte der Komet zu -sich, »aber Schönheit ist ja nur Geschmackssache, ein -bedingter Begriff, der nichts Absolutes an sich hat. -Das also soll der Herr der Erde sein – im Reiche -der Blinden ist ja der Einäugige König – und die -Ammoniten sind dann die Fürstinnen des Meeres. -Er scheint im allgemeinen auf dem Lande zu leben -und auf gute Sitten nicht viel Wert zu legen. Er -ist einfältig, bescheiden und häßlich, mit einem Wort, -für die Welt, in der er lebt, vollkommen passend. -Gleichviel, ich hätte es mir niemals träumen lassen -mögen, daß es auch solche Schöpfungen geben kann, -aber es nutzt nichts, es noch weiter leugnen zu wollen.<span class="pagenum"><a id="Page_15">[15]</a></span> -Das Labyrinthodon ist das einzige Tier, welches die -Macht hat, auf dieser Welt das Zepter zu führen, -also ist es auch ihr König. Das also ist das erste -Auftreten der Majestät! Macht geht vor Recht!« Er -erging sich in seinem Selbstgespräch noch des weiteren -in Betrachtungen im Sinne etwa der Darwinschen Lehre -von der geschlechtlichen Zuchtwahl, aus der folgert, -daß der Beweisgrund des Stärkeren auch immer der -bessere ist.</p> - -<p>Durch das Erscheinen dieses irdischen Ungeheuers -war unser Komet doch einigermaßen aus seiner gewohnten -Ruhe gebracht worden, und noch immer -träumend setzte er seine Rückreise fort, die ihn bis -an die Grenzen des Sonnensystems führte. Weder -bemerkte er hierbei, mit welcher Schnelligkeit er selber -dahinschoß, noch auch, wie rasch sich die Weltkörper, -die er unterwegs traf, fortbewegten. Erst als er sich -in der Nähe des Saturn befand, kam er wieder recht -zum Bewußtsein.</p> - -<p>Die glänzende Pracht und der Reichtum einer -Zivilisation, die Jahrhunderte voller Arbeit hervorgerufen -hatten, umgaben dieses strahlende Gestirn. -Auf ihm wohnten die Fruchtbarkeit und der Friede. -Schon wenn man näher an diese Welt herankam, -fühlte man, daß hier das Leben wogte. Es war schon -unendlich lange her, daß der Saturn aus den Finsternissen -des Chaos emporgestiegen war und allmählich -sich immer mehr vervollkommnet hatte. Wie einige -jener glücklichen Sterblichen, die es wohl verdienten, -daß sie den Geist der Natur begriffen und in ihre -erhabenen Geheimnisse eindrangen, gelehrt haben, steht -die Entfernung der Planeten von der Sonne mit ihrem -Alter in einem ursächlichen Zusammenhange. Die<span class="pagenum"><a id="Page_16">[16]</a></span> -entferntesten sind gleichzeitig die ältesten und die in -ihrer Entwicklung am weitesten vorgeschrittenen.</p> - -<p>Neptun, der sechshundertundfünf Millionen Meilen -von der Sonne entfernt ist, ist vor Milliarden von -Jahrhunderten zuerst aus dem Sonnennebel hervorgegangen -– Uranus, der sich in einer Entfernung von -dreihundertsechsundachtzig Millionen Meilen um den -gemeinsamen Mittelpunkt aller Planeten bewegt, zählt -ein Alter von mehreren hundert Millionen von Jahrhunderten -– Saturn, dessen Entfernung von der Sonne -hundertzweiundneunzig Millionen Meilen beträgt, hat -an seinem ehrwürdigen Haupte auch schon mehr als -hundert Millionen von Jahrhunderten vorbeiziehen -sehen – Jupiter, dessen ungeheure Masse in einer -Entfernung von hundertundfünf Millionen Meilen -um die Sonne ihre Bahnen zieht, ist siebzig Millionen -von Jahrhunderten alt. Mars zählt tausend Millionen -von Jahren; von der Sonne ist er dreißig und eine -halbe Million Meilen entfernt. Unsere Erde wandert -in einem Abstand von zwanzig Millionen Meilen -um die Sonne und ist aus ihrem glühenden Schoß -vor hundert Millionen Jahren hervorgegangen. – -Erst fünfzig Millionen Jahre mögen es her sein, daß -Venus sich von der Sonne getrennt hat; in einem -Kreise von vierzehn und einer halben Million Meilen -bewegt sie sich um die Sonne. Nur ein Alter von zehn -Millionen Jahren zählt Merkur, dessen Entfernung -von der Sonne gegen acht Millionen Meilen beträgt. -Auch er hat in der Sonne seinen Ursprung genommen, -dagegen ist der Mond ein Kind der Erde.</p> - -<p>Unser wanderndes Gestirn war bei allen diesen -Schöpfungen zugegen gewesen, und besser als jeder -andere kannte es die himmlische Genealogie, aber wie<span class="pagenum"><a id="Page_17">[17]</a></span> -es ja Personen von großem Wissen immer tun, suchte -auch es stets, seine Kenntnisse zu vermehren, und sein -ganzes Leben verbrachte es damit, Beobachtungen -anzustellen. Saturn also, dessen Bahn der Komet -jetzt entlang fuhr, befand sich in voller Blüte. Der -Segen, den eine unter begünstigenden Umständen vorgenommene -Arbeit gewährte, machte sich überall bemerkbar. -Da sah man Binnenmeere, die mit zahlreichen -Fahrzeugen bedeckt waren, die, in keiner Weise durch -das flüssige Element behindert, rasch dahinfuhren; da -gab es Häfen, in denen die Schätze aller Länder zur -Schau gestellt waren. Kleinere Schiffe bevölkerten die -Flüsse, und das Land war von einem engen Netz von -Straßen durchzogen, auf denen hohe, prächtige Gefährte -dahinrollten. In den blauen Lüften sah man eine -ganze Flotte segeln, und hoch oben von Türmen stiegen -weitere Luftschiffe empor, um ihren Weg nach den -Gipfeln steil abfallender Berge zu nehmen. Hier hatte -in der Tat der Geist die Materie überwunden, und -das Reich der Saturnbewohner erstreckte sich von tief -unten, vom Boden der Abgründe, bis hoch hinauf auf -die Gipfel der Berge. Wie in einem unsichtbaren Gewebe -vereinigten sich die Fäden dieses Organismus -an einer einzigen Stelle. Betrachtete man diesen -Weltkörper von seinen Polen aus, so bemerkte man -ein ungeheuer großes System von Ringen, die über -ihm in unermeßlicher Höhe ausgespannt waren, und -bis zu denen doch die Luftschiffe emporstiegen. Außer -der »inneren« Welt auf dem Saturn, wie wir sie -nennen wollen, gab es noch eine andere, eine »äußere« -Welt, die von der ersten vierundeinhalbtausend Meilen -entfernt war und sich fünfundvierzigtausend Meilen -weit erstreckte. Nur durch die Luft, die Atmosphäre,<span class="pagenum"><a id="Page_18">[18]</a></span> -stand sie mit der »inneren« Welt in Verbindung. Jenseits -dieser zweiten Welt, die einem Ringe gleich Saturn -umschloß, konnte man noch acht andere Ringe erkennen, -die Kreisen von orange oder grünlicher Farbe glichen -und sich umeinander drehten. Der Geist und Scharfsinn -der Saturnbewohner hatte diesen Weltkörper vollständig -unter seine Herrschaft gebracht, und von seiner -»inneren« Welt aus strahlte ihre Macht aus, um sich -auf ihre »äußeren« Welten zu verbreiten.</p> - -<p>Wenn man, unter dem Schatten einer Palme gelagert, -die üppige, in Farbenpracht erglühende Landschaft -Afrikas betrachtet, mag es wohl vorkommen, daß -man einschlummert und dann plötzlich aus einem düstern -Traum aufschreckt, um sich inmitten der fruchtbarsten -Landschaft zu sehen. Ganz ebenso erging es unserem -Kometen, als er nach dem Abschied von der unansehnlichen -Erde von Träumen umfangen, erst in der Nähe -des prächtigen Saturn erwachte. Er verlangsamte -seinen Weg und mit größerer Aufmerksamkeit als je -vorher betrachtete er diese wunderbare Welt – die -dadurch entstandene Verzögerung in seiner Umlaufszeit -verzeichnen die Astronomen des Neptun als -»saturnale Störung« –. Und als er an diesem großen -und schönen Weltkörper vorbeifuhr, da glaubte er -wirklich aus einem bösen Alpdrücken erwacht zu sein.</p> - -<p>Was war die Erde neben diesem prächtigen Stern? -Die Erde! Eine winzige, unscheinbare Kugel, auf der -das Leben sich gerade zu regen begann und sich in Formen -kleidete, von denen zu reden kaum erfreulich war; -eine chaotische Masse, deren verschiedene Elemente -untereinander vermischt blieben, kurz – ein reines -Nichts. Denn als der Komet sich umwandte, konnte -er bei der ungeheuer großen Entfernung die Erde nur<span class="pagenum"><a id="Page_19">[19]</a></span> -noch als einen schwarzen Fleck vor der Sonne erkennen. -Das mag es auch entschuldigen, daß die Erde bei -dem Kometen ins Vergessen geriet und daß ihm eine -geringfügige Schöpfung, wie es unser Planet damals -noch war, gleichgültig blieb.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="Zweites_Kapitel"><span class="h2meta">Zweites Kapitel.</span><br /> -Umwälzungen auf der Erde.</h2> -</div> - -<p>Die Gleichgültigkeit, die der Komet der Erde gegenüber -bewahrte, war so stark und andauernd, daß er -dreiundzwanzigmal in seine Sonnennähe kam, ohne -daß er es sich einfallen ließ, auch nur einen einzigen -Blick auf den kleinen Erdball zu werfen. Und wäre -nicht ein ganz merkwürdiges Ereignis eingetreten, das -ihn ganz ohne seine Absicht zwang, der Erde ein wenig -Aufmerksamkeit zuzuwenden, so würde er sie wohl -noch länger unbeachtet gelassen haben.</p> - -<p>Als der Komet zum vierundzwanzigsten Male -in ihre Nähe kam – es war dies gegen das Jahr -Fünfhundertvierunddreißigtausend­fünfhundertundvierundsechzig -vor Christi Geburt – führte ihn sein Weg -sehr dicht an der Erde vorbei, denn die beiden Gestirne -kreuzten sich auf ihren Wegen, und zwar so -nahe, daß die Erde während fünf Tagen und fünf -Nächten in dem neblichten Schweife des Kometen -blieb. Der Schweif gab dem Kometen eine Ausdehnung -von achtunddreißig Millionen Meilen, vom -Kopfe bis zur äußersten Spitze gemessen, und er bildete -eine ungeheure Nebelfläche, die einige hunderttausend -Meilen in der Breite maß. Im allgemeinen<span class="pagenum"><a id="Page_20">[20]</a></span> -ist dies die Gestalt des Schweifes der Kometen; die -Fläche ist mehr oder weniger ausgeweitet und nähert -sich bisweilen auch der Fächerform. Infolge der -großen Abstoßungskraft des Sonnenlichtes ist die -Atmosphäre von einer außerordentlichen Dünne. Die -Hitze löst alle Teile des Kometen, die dafür empfänglich -sind, und was sich während der langen Entfernung -des Kometen von dem Feuerherde der Sonne verdichtet -hatte, verflüchtigt sich. Diese verflüchtigten -Teile, die von nur sehr geringem Gewichte sind, nehmen -aber sehr viel Raum ein und suchen sich vom -Kern des Kometen, der auf sie eine nur schwache Anziehung -ausübt, zu entfernen. Wie groß auch ihre -Ausdehnung sein mag, ihr Gewicht beträgt nicht viel, -und man könnte ganz gut ein Stück von der Größe -der Notre-Dame-Kirche oder der Pariser Sternwarte -aus ihnen herausschneiden und es wie eine Luftblase -verschlucken.</p> - -<p>Wir sagten, daß die Erde fünf Tage und fünf -Nächte lang in dieser Dunsthülle blieb. Man wird -vielleicht erstaunt sein, daß nach einer solchen Begegnung -unser Planet noch existiert, aber noch mehr -wird man wohl erstaunen, wenn wir erwähnen, daß -die zu jener Zeit lebenden Wesen von dieser Begegnung -gar nichts merkten. Es hätte also wenig Zweck, -bei diesem Kapitel von der Möglichkeit eines Zusammenstoßes -der Erde mit einem Kometen lange zu -verweilen; wir wollen indessen hören, welcher Meinung -namhafte Astronomen hierüber sind.</p> - -<p>Einer der bedeutendsten<a id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">2</a> unter ihnen glaubte, daß -die Kometen viel schwerer seien, als man auf Grund<span class="pagenum"><a id="Page_21">[21]</a></span> -früherer Hypothesen bis dahin anzunehmen wagte. -»Die Meere ergießen sich aus ihren bisherigen Becken,« -sagte er, »um auf einen neuen Äquator zuzuströmen. -Eine große Zahl von Menschen und Tieren wird in -dieser neuen allgemeinen Sintflut ertrinken oder infolge -des heftigen Stoßes, dem der Erdball ausgesetzt ist, -umkommen. Ganze Arten von Tieren werden vollständig -vernichtet werden. Alle Denkmäler menschlichen -Fleißes werden zugrunde gehen. Solche unheilvolle -Folgen müßte der Zusammenstoß mit einem Kometen -nach sich ziehen.« – »Wenn der Schweif eines Kometen -mit der Erde zusammenträfe«, urteilt ein anderer,<a id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">3</a> -»oder wenn ein Teil des Stoffes, aus dem sich dieser -zusammensetzt, in den Tiefen des Weltalls auseinanderginge -und infolge seiner Schwerkraft auf die -Erde herniederfiele, dann würden die damit verbundenen -Ausdünstungen bei Tieren und Pflanzen recht -empfindliche Wirkungen hervorbringen. Denn es ist -sehr wahrscheinlich, daß Gase, die aus so weit entfernten -und so seltsam beschaffenen Welten zu uns -kommen, die überdies noch im höchsten Grade erhitzt -sind, für alles, was sich auf der Erde befindet, verhängnisvoll -werden und dort die größten Verheerungen -anrichten müßten«. Und ein Dritter<a id="FNanchor_4_4"></a><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">4</a> meint: »Schon -bei der gegenseitigen Annäherung zweier solcher Körper -müßten sich ohne Zweifel große Änderungen in -ihrem Laufe vollziehen, sei es, daß diese Änderungen -durch die gegenseitige Anziehung herbeigeführt -würden, sei es, daß die Gase, die sich zwischen -ihnen befänden, unter zu hohen Druck kämen. Das -mindeste, was eine derartige Annäherung zuwege<span class="pagenum"><a id="Page_22">[22]</a></span> -bringen müßte, wäre eine Verschiebung der Achse -und der Pole der Erde. – Ohne Zweifel stellen die -Schweife der Kometen ungeheure Ströme von Ausdünstungen -und Gasen dar, die infolge der Wirkung -der Sonnenhitze aus dem festen Kern des Kometen -entwichen sind. Ein Komet könnte mit seinem Schweif -so nahe an der Erde vorbeigehen, daß wir in dem -feurigen Strom, den er mit sich schleppt, ertrinken, -oder in der Atmosphäre, die ihn umgibt und die von -derselben Beschaffenheit ist, umkommen müßten. Bei -ihrem Herannahen an die Sonne haben einige Kometen -einen so hohen Hitzegrad erreicht, daß sie erst in -fünfzigtausend Jahren sich abkühlen können. Welche -Wirkung würde diese Hitze nun auf die Erde ausüben? -Sie würde in Asche zerfallen oder in eine -glasige Masse verwandelt werden. Der Schweif allein -würde die Erde mit einem feurigen Strom überschwemmen -und ihre sämtlichen Bewohner vernichten, -genau so wie ein Haufen Ameisen in kochendem Wasser -umkommt, das man über ihn gießt.«<a id="FNanchor_5_5"></a><a href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">5</a></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_23">[23]</a></span></p> - -<p>Der Engländer Whiston war der erste, der den -verschiedenen Kometen bestimmte verhängnisvolle Einwirkungen<span class="pagenum"><a id="Page_24">[24]</a></span> -auf unsere Erde zugeschrieben hat. Den -Kometen von 1680 sah er als die Ursache der Sintflut -an und er behauptet, daß dieser Komet auf seinem -Rückweg von der Sonne eines schönen Tages die Erde -mit seinen feurigen und todbringenden Ausdünstungen -überschütten werde und so ihren Bewohnern all das -Unheil bringen würde, das ihnen für den Jüngsten -Tag prophezeit ist; zu guter Letzt würde er den allgemeinen -Weltenbrand entzünden, der unseren Planeten -aufzehren müßte.</p> - -<p>Anderseits versichert uns Newton, daß ein Komet -ohne Kern, wenn er auch so groß wäre, daß er von der -Erde bis zum Saturn reichte, doch in einem Würfel -von fünfundzwanzig Millimeter Seitenlänge Platz finden -könnte, wenn er auf denselben Grad verdichtet -würde wie die atmosphärische Luft, die wir atmen. -Neuere Forschungen über die Masse der Kometen haben -ein Resultat ergeben, das auch die geringste Beunruhigung -schwinden läßt. Wenn der größte Komet -auf unsere Erde stürzen würde, könnte er keine andere -Wirkung hervorrufen als etwa eine Mücke, die eine -Lokomotive aufhalten will, und auch seine Gase können -unsere Atmosphäre in keiner Weise beeinflussen.</p> - -<p>Die Bewohner unserer vorsintflutlichen Welt -brauchten aber die Begegnung, die ihnen drohte, um<span class="pagenum"><a id="Page_25">[25]</a></span> -so weniger zu fürchten, als sie damals noch vollkommen -im Wasser lebten und dort ihr Dasein fristeten. -Die nur unter dem Mikroskop wahrnehmbaren Infusorien, -die Fische und Amphibien merkten nichts von -dem Vorgang.</p> - -<p>Für unsere Erde war das Ereignis vielmehr von -Vorteil, insofern als die Begegnung unseren erhabenen -Reisenden aus seiner jahrtausendelang dauernden -Gleichgültigkeit gegen sie riß. Der Durchgang des -Erdballs, der nicht weit von seinem Kopfe erfolgte, -übte auf seinen Geist, wenigstens vom irdischen Gesichtspunkte -aus betrachtet, einen recht günstigen Einfluß -aus. Er geruhte von der Kugel Kenntnis zu -nehmen, die durch seinen Schweif hindurchpassierte. -Man wird es gewiß glauben, daß die Erde, der ihre -lange Einsamkeit wohl nicht kurzweilig gewesen sein -mochte, den Augenblick des Durchgangs nicht verschlafen -hat; und ein seltsameres Schauspiel als jetzt -hatte sich dem Auge des Kometen noch nie geboten. -Zwei steil abfallende Felsen schützten die Einfahrt zu -einer Halbinsel, und auf diesen, hoch in die Wolken -ragenden Felsen saßen als bizarre Gruppe zwei wunderlich -aussehende, ungewöhnlich gebaute Geschöpfe, -die sich, ohne eine Miene zu verziehen, unausgesetzt -scharf ansahen.</p> - -<p>Es waren dies der Pterodaktylus und der Ramphorynchus, -zwei Arten von Fledermäusen in der ungefähren -Größe eines Hammels, zwei lebende Sphinxe, -die mit ihren ausgebreiteten Flügeln Bäumen mit lang -herabhängenden Blättern glichen. Von diesem Anblick -betroffen, rief der Komet seine Erinnerungen -wach, und es fiel ihm ein, daß er schon vor dreiundsiebzigtausend­fünfhundertundsechzig -Jahren Gelegenheit<span class="pagenum"><a id="Page_26">[26]</a></span> -gehabt hatte, diese kleine Kugel und ihre höchst -sonderbare Bevölkerung wahrzunehmen.</p> - -<p>Und er ging nun ernstlich ans Werk, sich die Erde -recht genau anzusehen. Auf den ersten Blick erkannte -er, daß die äußere Gestaltung der Oberfläche sich ganz -auffallend verändert hatte, daß sich in dem großen -Ozean, der vorher die ganze Erde bedeckte, nunmehr -bereits kleine Kontinente gebildet hatten, und daß eine -noch immer sehr üppige Vegetation ihre Herrschaft -über den Erdball jetzt mit einem schon ziemlich bedeutenden -Tierreich zu teilen hatte. Auch die Gestalt, die -diesem Tierreich eigentümlich war, fiel ihm sofort auf, -und er war darüber in nicht geringem Grade erstaunt. -Bei seinem letzten Besuche hatte er in der Hauptsache -nur Muscheln entdecken können, und jetzt erregten -seine Aufmerksamkeit – Krokodile, aber Krokodile von -jeder Gestalt, von jeder Farbe, von jeder Größe. Auf -dem Festlande, im Meere, hoch in den Lüften, waren -Krokodile, Eidechsen und andere Reptilien zu sehen, -hier solche mit Flossen, dort andere mit Flügeln, kurz, -eine Unmasse von Krokodilen.</p> - -<p>Er ließ seinen Blick forschend auf die Ebene und -das Gebirge schweifen und die ungeheure Menge der -riesenhaften Saurier an seinem Auge vorbeiziehen. -Da waren die verschiedenen Ichthyosaurusarten, der -<em class="antiqua">I. communis</em>, der <em class="antiqua">I. intermedius</em>, der <em class="antiqua">I. platyodon</em>, der -<em class="antiqua">I. tenuirostris</em> usw. usw. Einige maßen dreißig Fuß -in der Länge. Ganze Herden dieser Reptilien schwammen -im offenen Meer wie heutzutage die Walfische; -oben, an ihrem Kopfe, und zwar wagerecht liegend, -trugen sie Augen, die einen Fuß lang und so gebaut -waren, daß sie nach Belieben entweder als Fernrohr -oder als Mikroskop benutzt werden konnten. Bewaffnet<span class="pagenum"><a id="Page_27">[27]</a></span> -waren sie mit einem vorzüglichen Gebiß, und wenn -sich das Maul auftat, maß die Öffnung des Rachens -mehr als drei Fuß, und es zeigten sich zwei Reihen -von hundertundachtzig Zähnen. Die Wirbelsäule setzte -sich bei ihnen aus hundert Wirbeln zusammen und -ermöglichte ihnen die gelenkigsten und biegsamsten -Gliederbewegungen. Er sah ganze Scharen von Plesiosauriern -sich vom Ufer ins Meer stürzen. Es waren -dies mit den geschilderten Arten verwandte Reptilien, -die aber zu gleicher Zeit von der Schlange -den unverhältnismäßig langgestreckten, dünnen Hals, -von den Vierfüßlern den Rumpf und von den Walfischen -die Flossen hatten. Er sah in gefährlichen -Zusammenrottungen die furchtbaren Poekilopleurusarten -mit ihren gewaltigen Krallen und ihren spitzen -Zähnen, ferner die Hyleosaurier, die Cetiosaurier, -die Stenosaurier und die Streptospondylen. Auch -die Teleosaurier, jene Freibeuter der vorsintflutlichen -Meere, bemerkte er. Er sah ganze Scharen von Pterodaktylen -in die Lüfte aufsteigen, jener riesigen Fledermäuse, -deren entsetzlicher Rachen sechzig drohende -Zähne zeigte, und die ihr Leben damit verbrachten, -daß sie von einem Baum zum anderen, von einem -Felsen zum anderen flogen. Auch die mit Pflanzen -bewachsenen Höhen setzten durch ihr düster-ernstes -Aussehen den Kometen in recht große Verwunderung. -Da waren dicke Stämme von großen Schachtelhalmen, -langes Schilfrohr, riesenhafte Farnkräuter, Nadelhölzer, -die unserer Tanne ziemlich ähnlich waren, und -schlanke Pandangen (<em class="antiqua">Pandanus</em>) mit ihren hoch über -den Boden aufragenden Luftwurzeln.</p> - -<p>Beim Anblick dieses mehr unheimlich als schön -wirkenden Panoramas wurde der Komet nachdenklich.<span class="pagenum"><a id="Page_28">[28]</a></span> -Dreihundertfünfundsechzigmal sah er vor seinen Augen -die Erde sich um sich selbst drehen, und dreihundertfünfundsechzigmal -hatte er Gelegenheit, die gesamte -Erdoberfläche zu überschauen. Da, plötzlich, ertönte -ein furchtbares Krachen. Auf dem Grunde des Meeres -hatte sich die Rinde der Erdoberfläche gespalten, und -während aus den im Aufruhr befindlichen Eingeweiden -der Erde wütende Flammen emporschossen, ergoß sich -mit grauenhaftem Getöse das Meer in einen Abgrund, -der sich plötzlich aufgetan hatte. Die oben geschilderten -Ungetüme wurden von den Wogen der mit furchtbarer -Gewalt daherströmenden Wasserfluten fortgerissen, -und wütende Schreie ausstoßend, kamen sie -darin um, während die geflügelten Reptilien mit unheilverkündendem -Gekrächze so rasch als möglich durch -die Luft zu entkommen suchten. Die Gestade entvölkerten -sich, und die mit Elektrizität überladene -Atmosphäre entlud sich in heftigen Blitzschlägen, die -die Luft durchzuckten. Bald vermischte sich auch das -dumpfe Rollen eines bisher noch nie gehörten Donners -mit dem Toben und Brausen des Unwetters, und es -schien, als ob eine ungeheure Umwälzung die gesamte -Erdoberfläche zerrissen und gespalten hätte.</p> - -<p>Unser Komet hatte leider seine Geringschätzung -gegen unsere Erde noch immer nicht überwunden und -er dachte gar nicht daran, unseren Planeten ernst zu -nehmen. Seit Tausenden von Jahrhunderten war er -gewohnt, an seinen Augen Welten vorbeiziehen zu -sehen, die auf den Pfaden der Zivilisation schon weit -vorgeschritten waren, wie das mit Neptun und Uranus -der Fall war, andere, wie Saturn, waren eben auf -der Höhe ihrer Entwicklung angelangt, und er -konnte sie in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit<span class="pagenum"><a id="Page_29">[29]</a></span> -überschauen; wieder andere – Jupiter gehörte zu diesen -– bereiteten sich zu einer großartigen Entfaltung -vor, und noch andere schließlich – zu diesen -zählte Mars – befanden sich noch im Frühling ihres -Lebens. Der Verkehr mit diesen der Erde überlegenen -Planeten hinderte ihn vorläufig daran, dem Erdball -eine gerechte Würdigung zuteil werden zu lassen, und -so beharrte er in seinem Vorurteil und verfiel auch -bald wieder in seine frühere Gleichgültigkeit.</p> - -<p>Während er noch in seinen Träumereien befangen -war, nahm die gewaltige Erdrevolution ihren Fortgang. -Es erstand die Juraformation; bei ihrer -Bildung wurden die Fundamente des Erdballs von -Grund aus erschüttert, und die Erde bebte, als ob sie -von einem heftigen Taumel befallen worden wäre. -Die Meere ergossen sich in die brennenden Tiefen oder -überströmten Gegenden, die durch die geologische Umwälzung -eingesunken waren. Aus Quellen, die plötzlich -im Schoße der Erde entsprangen, stiegen neue -Meere auf, und Ebenen krümmten sich empor, ähnlich, -wie man auf der Oberfläche des im Schmelzen befindlichen -Metalls sich Luftblasen bilden sieht. Das flache -Land machte neuen Gebirgen Platz, und dort, wo sich -früher Berge und Hügel erhoben, dehnte sich jetzt eine -kahle oder durch mannigfache Erhebungen unterbrochene -Ebene aus. So hatte die Oberfläche des Erdballs -sich ganz und gar geändert. Der Komet hatte auf -seinem Fluge durch das Weltall die Erde noch nicht -aus seiner Sehweite verloren, als ihm klar wurde, -daß die Umwälzungen, deren Vorspiel für einen Augenblick -seine Gedanken abgelenkt hatte, mit unvermindertem -Ungestüm fortdauerten, und daß für die Erde eine -neue Schöpfungsperiode begonnen hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_30">[30]</a></span></p> - -<p>Mit einer Schnelligkeit von ungefähr vierzigtausend -Meilen in der Stunde, oder neunhundertsechzigtausend -Meilen an einem Tage, setzte der Komet -seine Reise fort. Diese Schnelligkeit, mit der er -seine Reise angetreten hatte, verminderte sich, je -weiter er sich von seinem Ausgangspunkte entfernte, -und drei Monate, nachdem er aus dem Bannkreise der -Erde entschwunden war, bot sich dem himmlischen -Wanderer eines der seltsamsten Schauspiele dar. Zu -damaliger Zeit kreisten zwischen der Umlaufsbahn, -die der Mars beschreibt, und derjenigen des Jupiter -verschiedene Planeten, die ursprünglich einen Ring -gebildet hatten, der sich in der Zwischenzeit, die -zwischen dem Entstehen des Jupiter und dem des -Mars liegt, von der gemeinschaftlichen Mutter aller -Planeten, der Sonne, losgelöst hatte. Anstatt nun, -wie es bei allen anderen Planeten der Fall gewesen -war, sich in <em class="gesperrt">eine</em> Weltkugel umzuwandeln, hatte dieser -sonderbare Weltenring eine ganze Menge neuer -Weltkörper aus sich heraus entstehen lassen, die sämtlich -so eigenartig und zerbrechlich wie er selbst waren. -Wie alle anderen Planeten drehten sich auch diese -Weltkugeln um die Sonne, wie diese hatten auch sie -ihre Jahre, ihre Jahreszeiten und ihren Wechsel von -Tag und Nacht. Als nun der Komet, der über die -gewaltsamen Veränderungen auf der Erde noch in -Nachdenken versunken war und gerade darüber philosophierte, -welches Geschick wohl einst dem ganzen -Weltenall bevorstehen werde, sich der Bahn des größten -unter diesen kleineren Planeten näherte, kam diese -immerhin gewaltige Kugel, die sich mit einer Geschwindigkeit -von neuntausend Meilen in der Stunde vorwärts -bewegte, in gerader Linie auf ihn losgestürzt; sie<span class="pagenum"><a id="Page_31">[31]</a></span> -mußte auf den Kometen an dem Punkte auftreffen, -an welchem er ihre Bahn zu kreuzen im Begriffe -stand. Ein Zusammenstoß schien ganz unvermeidlich -– da, wenige Augenblicke vor der drohenden -Katastrophe explodierte dieser Himmelskörper wie eine -Bombe. Gase stiegen auf und verbanden sich mit -den im Schweife des Kometen vorhandenen, und man -konnte sehen, wie etwa zehn einzelne Teile sich loslösten -und selbständig ihre Reise durch den Weltenraum -fortsetzen. Es ereignete sich hier ein Weltuntergang, -und zwar hatte der zerstörte Himmelskörper -zweifellos ein frühzeitiges Ende gefunden, das schon -lange Zeit in seinem Innern wirkende Kräfte mußten -hervorgerufen haben. Die Katastrophe fand in einer -Entfernung von achtundsechzig Millionen zweihundertundsechzehntausend -Meilen von der Sonne statt. Vielleicht -haben wir hier den Ursprung jener kleinen, nur -durch den Refraktor wahrnehmbaren Planeten Ceres, -Daphne, Thisbe, Sirona und Arduina zu suchen, welche -sämtlich 2.77 von der Sonne entfernt sind, wenn man -die Entfernung der Erde von der Sonne als Einheit -nimmt. Es sieht fast so aus, als ob diese kleinen Gestirne -Jahr für Jahr einmal den Ort wiedersehen müssen, -an dem jenes furchtbare Naturereignis stattfand, das -sie für immer trennen sollte.</p> - -<p>Hier fand unser Komet seinen Weg nach Damaskus -und hier vollzog sich in seinem Geiste eine dauernde -Wandlung. Hier war es, wo er für die Erde jene -Sympathie faßte, von der er seitdem stets beseelt geblieben -ist. Es ist wohl möglich, daß er ohne diese -erschütternde Katastrophe noch lange in seiner Gleichgültigkeit -gegen die Erde verharrt hätte. Aber auch -bei ihm zeigte sich, was man schon so vielfach beobachtet<span class="pagenum"><a id="Page_32">[32]</a></span> -hat: es bedarf nur eines plötzlichen Anlasses, um selbst -starke Charaktere umzuwandeln. Das Gefühl wohlwollender -Anteilnahme, wie es im allgemeinen die -Mächtigen der Welt den Kleinen entgegenbringen, -war es, das angesichts dieser Katastrophe schmerzliche -Erinnerungen an die Erde in ihm wachrief. Einen -Augenblick lang fürchtete er auch für das Dasein der -Erde! Arme Erde! Wenn die furchtbare Umwälzung, -die auf ihr vor kurzem begonnen hatte, ihr verhängnisvoll -werden und sie daran zugrunde gehen sollte, -bevor sie überhaupt noch geboren war! Wie würde -sie sich in den schweren Kämpfen behaupten können, -die sie noch zu bestehen hatte? Ob sie Kraft genug -besaß, die Krisis zu überwinden und ihr Dasein zu -verteidigen? Ob es ihr wirklich beschieden sein mochte, -für immer solch wilden und grausamen Geschöpfen -ungastlichen Aufenthalt zu gewähren?</p> - -<p>Von diesem Tage an interessierte er sich für die Erde, -und ihr Schicksal ging ihm um so mehr zu Herzen, je -unvollkommener sie in ihrer Entwicklung noch war. Oft -überraschte er sich dabei, wie sich ganz unwillkürlich -seine Gedanken mit dieser bescheidenen Schöpfung befaßten, -und oft zog er, in seinen Gedanken tief bekümmert, -an den glänzendsten Welten vorbei, ohne -diese auch nur eines Blickes zu würdigen. Ja, es kam -so weit mit ihm, daß ihm seine Reise durch den Weltenraum -zu lang wurde. Dreitausendunddreiundsechzig -und ein halbes Jahr von der Erde entfernt zu bleiben -und nur höchstens achtzehn Monate in ihrer Nähe verweilen -zu dürfen, schien ihm ganz außer Verhältnis -zu stehen. Der kleine Erdball faßte schließlich in seinen -Gedanken Platz und schien sich dort immer mehr befestigen -zu wollen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_33">[33]</a></span></p> - -<p>Mit Ungeduld erwartete der Komet das Herannahen -des Sommers. Der Sommer-Sonnenstillstand -bedeutet für die Kometen den Zeitabschnitt, in dem -sie ihren Flug nach ihrem Perihelium richten, d. h. -sich wieder der Sonne zuwenden und somit auch der -Erde wieder nähern. Sobald er merkte, daß die -Strahlen der Sonne immer wärmer wurden, und -sehen konnte, wie ihre Scheibe sich mehr und mehr vergrößerte, -wußte er auch, daß das Ende des Frühlings -gekommen war. Kaum wurde er der Erde wieder -ansichtig – und zwar sah er sie bald vor der Sonne -in Gestalt eines schwarzen, runden Fleckes, in Form -einer Mondsichel oder eines Halbmondes, bald auf -der rechten, bald auf der linken Seite des leuchtenden -Gestirns – als er auch mit Wohlbehagen merkte, wie -seine Geschwindigkeit zunahm und er seinem sehnsüchtig -erstrebten Ziele immer näher kam. In seinem -schnellen Laufe erreichte er endlich die Erde, die er -immer mehr liebgewinnen sollte, und schon am ersten -Tage seiner Ankunft unterzog er seine kleine Welt -einer genauen Betrachtung.</p> - -<p>Er beobachtete das Erwachen der Tierwelt während -der ganzen Sekundärzeit, von der Jura- und Liasperiode -bis in die letzten Abschnitte der Kreidezeit. -In einem Zwischenraume von dreitausend zu dreitausend -Jahren konnte er verfolgen, wie die verschiedenen -Arten, sowohl der Tier- als auch der Pflanzenwelt, -sich langsam aber stetig weiter entwickelten. Da -der Komet sich allmählich an die Umwälzungen, unter -denen sich neue Ereignisse zu vollziehen pflegten, gewöhnt -hatte; da er Zeuge gewesen war, wie große -Fluten von Grund aus einzelne Teile der Erdoberfläche -umgewandelt hatten; da er gesehen hatte, wie<span class="pagenum"><a id="Page_34">[34]</a></span> -Kämpfe im Innern der Erde sich in Vulkanausbrüchen -Luft machten, und wahrgenommen hatte, wie Gebirgsketten -sich aus der Ebene erhoben und die Erdoberfläche -bereits anfing, die Gestalt zu erhalten, die ihr -in Zukunft eigentümlich sein sollte, wurde er auch -allmählich ruhiger und fürchtete für die Erde die Folgen -dieser Naturereignisse nicht mehr. Er glaubte -schließlich, daß sie nur Konsequenzen eines unbekannten -Gesetzes wären, und gewissermaßen Prüfungen, -die der Erdkugel nur zum Nutzen gereichen könnten. -So verfolgte er von einem seiner Jahre zum andern, -wie sich das kleine irdische Kind in seiner Wiege -weiter entwickelte.</p> - -<p>Die Wahrheit zwingt uns jedoch, nicht unerwähnt -zu lassen, daß die liebende Sorgfalt des Kometen für -die Erde doch noch einmal eine kleine Einbuße erlitt. -Die Ursache davon war allgemeiner Art, und es lohnt -sich wohl der Mühe, einen Augenblick dabei zu verweilen: -Es war die Tatsache, daß der Umgang mit den -Großen unsere Sympathien sehr leicht zum Nachteil -der Kleinen beeinflussen kann. Den schöneren, oder -sagen wir nur den größeren Teil seines Lebens verbrachte -der Komet in der Gesellschaft der Patrizier -des Sonnensystems, und ohne daß er es selber wußte, -wurde er von ihrer Gesinnung angesteckt und selbst -ein wenig hochmütig. Sein Interesse für die Erde hielt -sich während ungefähr vierzigtausend Jahren auf derselben -Höhe, dann aber geschah es, daß er, ganz unbewußt, -die schöne Jahreszeit mit geringerer Sehnsucht -erwartete. Er hatte sich an den Anblick, den -ihm die Erde bot, gewöhnt, und er teilte seine -Aufmerksamkeit jetzt zwischen ihr und den anderen -Planeten. Wenn er an diesen vorüberflog, betrachtete<span class="pagenum"><a id="Page_35">[35]</a></span> -er sie genau, und von neuem stellte er Vergleiche mit -der Erde an, die für diese nicht vorteilhaft ausfielen. -Zwanzigtausend Jahre lang blieb es so, und schon -konnte man befürchten, daß die höheren Weltkörper wieder -die vorherrschende Stellung in seinem Geiste erlangen -würden, die sie früher darin eingenommen -hatten. Aber die Erde schritt in ihrer Entwicklung -rascher vor, als jene es taten, denn sie war noch -jünger, und als zur Tertiärzeit die Oberfläche der -Erde sich wieder vollkommen veränderte, wandte ihr -der Komet wieder seine ungeteilte Gunst zu, an der er -eine kurze Zeit die anderen planetarischen Welten hatte -teilnehmen lassen.</p> - -<div class="footnotes"> -<h3>Fußnoten</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">2</span></a> Laplace.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">3</span></a> Gregory.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_4_4"></a><a href="#FNanchor_4_4"><span class="label">4</span></a> Maupertuis.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_5_5"></a><a href="#FNanchor_5_5"><span class="label">5</span></a> Es scheint fast so, als ob M. de Maupertuis hier in das Gebiet -des reinen Romans geraten sei, denn wer erinnert sich dabei nicht -an das seltsamste Phantasiegemälde dieser Art, an die »Unterhaltung -von Eiros mit Charmion«, eines der originellsten Gebilde jenes originellen -transatlantischen Erzählers? Die Begegnung des Kometen -mit der Erde hatte zum Glück keinen so schrecklichen Verlauf. Unser -Komet war huldvoll genug, ihre Bewohner nicht zu vergiften, dagegen -hätte der von Edgar Poe ihr Dasein vollständig vernichtet, wie -er auch, wenn wir dem phantastischen Dichter folgen, an jener seltsamen -Agonie die Schuld trägt, in welche die Erde versank. -</p> -<p> -»Der gefürchtete Komet kam immer näher, seine rote Scheibe wurde -zusehends größer und nahm auch an Glanz zu. Bei seinem Herannahen -erblaßte der Geist der Menschheit und alles menschliche Tun und -Treiben hatte sein Ende erreicht. -</p> -<p> -Auch dem Tapfersten unseres Geschlechtes schlug das Herz heftig -in der Brust. Dieses <em class="gesperrt">neue</em> Meteor war keine astronomische Erscheinung -mehr, sondern es war vielmehr ein Alp, der allen auf der Brust -lag, ein Schatten, der das Gehirn verfinsterte. Mit einer Schnelligkeit, -die das menschliche Fassungsvermögen übersteigt, hatte er das -Aussehen eines ungeheuren leuchtenden Flammenmantels angenommen, -der in seiner ganzen Länge am Himmel ausgespannt war. -</p> -<p> -Noch einen Tag – und die Menschheit atmete viel freier. Es -war zweifellos, sagt der Augenzeuge, daß wir bereits unter dem Einflusse -des Kometen standen, und doch lebten wir immer noch. Ja, -wir erfreuten uns sogar einer viel größeren Elastizität der Glieder -und einer ganz außergewöhnlichen geistigen Spannkraft. Aber auch -die Vegetation hatte sich zur selben Zeit ganz merkwürdig verändert. -Alle Pflanzen entfalteten wie durch einen Zauberspruch eine so wunderbare -Blüten- und Blätterpracht, wie sie vorher noch nie gesehen -worden war. -</p> -<p> -Aber auch noch eine andere, höchst seltsame Erscheinung griff bei -allen Menschen Platz: die erste Empfindung des <em class="gesperrt">Schmerzes</em> gab das -Zeichen zu allgemeinem Wehklagen und Schrecken. Dieser Schmerz -äußerte sich in einer heftigen Zusammenziehung der Brust und der -Lungen und in einer fast unerträglichen Trockenheit der Haut. Es -ließ sich nicht mehr leugnen, daß die Luft ganz und gar infiziert war. -Als die wissenschaftliche Forschung dies bestätigte, ging mit Blitzesschnelle -ein Schaudern, das sich bald in furchtbarsten Schreck verwandelte, -durch das Herz jedes fühlenden Menschen. -</p> -<p> -Die Luft verlor ihren Gehalt an Stickstoff … Dagegen vermehrte -sich in ganz auffallender Weise ihr Gehalt an Sauerstoff, dem -Haupterfordernis zum Atmen und zum Leben. Der Komet war da -und das war seine Wirkung. Die Überreizung der Lebensgeister und -die Pracht, die die Pflanzenwelt entfaltete, waren die ersten Symptome. -Wenn aller Stickstoff der Luft entzogen war, dann mußte eine -unabänderliche, alles sofort vernichtende Verbrennung aller Dinge auf -Erden stattfinden, der auf keine Weise zu entrinnen war. -</p> -<p> -Der letzte Tag des Lebens … Wir atmen eine Luft, die sich -zusehends ändert. Das Blut strömt ungestüm in seinen engen Gefäßen. -Eine wahnsinnige Wut bemächtigt sich aller Lebenden, die geballte -Faust strecken sie dem zürnenden Himmel entgegen und vor Angst -zittern sie und schreien heftig … Einen Augenblick lang erscheint -plötzlich ein seltsames, unheimliches Licht, das überallhin dringt und -alles beleuchtet … Dann läßt sich ein schriller, durchdringender -Donner vernehmen, als ob der Herr selbst gesprochen hätte – und -die ganze gewaltige Menge der Luft, die uns umgibt, in der wir -lebten, hatte sich mit einem Schlage in ein furchtbares Feuermeer -verwandelt …« -</p> -<p> -So Edgar Poe. Schon die bloße Erzählung einer derartigen -Katastrophe macht uns schaudern. Aber unser Komet ist nicht so gefährlich. -Er ist ein ehrsamer Reisender, der nur Land und Leute sehen -will und der uns in seiner Begleitung eine wirkliche »Reise um die -Welt« machen läßt, gegen die eine Reise um die irdische Welt ein wahres -Kinderspiel ist.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Drittes_Kapitel"><span class="h2meta">Drittes Kapitel.</span><br /> -Morgenröte der Erde.</h2> -</div> - -<p>Wie klein der Erdball auch immer war und welch -bescheidene Stellung er auch in der unendlichen -Schöpfung einnehmen mochte, so zeigte er sich doch -recht wohl der Beachtung würdig, mit der ihn unser -Komet beehrte. Nicht immer machen Gestalt und -Größe den Wert eines Geschöpfes aus, sondern das -Geschöpf selbst als Erzeugnis einer unendlichen Macht -trägt an der Stirn das Siegel seines göttlichen Urhebers. -Der kleinste Gegenstand, den die Natur geschaffen -hat, ist so wunderbar wie der größte; die -Allmacht, die ihn ins Leben gerufen, hat ihn für immer -gezeichnet, und so sehen wir auch, daß sich in einem -Wassertropfen das Sonnenlicht ebenso leuchtend spiegelt<span class="pagenum"><a id="Page_36">[36]</a></span> -wie in dem großen Ozean. Auf seinen langen -Wanderungen hatte sich unserem Weltreisenden diese -Beobachtung schon längst aufgedrängt, und wenn er -sich seinen Gedanken überließ und die auf seiner Reise -gewonnenen Eindrücke geistig verarbeitete, dann konnte -er nicht umhin, auch der Erde den Platz anzuweisen, -der ihr durch den Adel ihrer Geburt zukam.</p> - -<p>Was die Erde betrifft, so zeigte auch sie allmählich, -von welch vornehmer Herkunft sie war. Ganz unmerklich -zog sie ihre Kinderschuhe aus und entledigte sich -ihrer ungestalteten Formen, um schönere dafür einzutauschen. -Sie strebte nach Zierlichkeit der Erscheinung. -Früher zeigten Pflanzen und Tiere ein rohes, unförmliches -Aussehen und boten dem Auge wenig Reiz; die -Bäume, von schwermütigem Charakter, hatten weder -Blüten noch Blätter, die Tiere mußten des wärmenden -Pelzes, der schützenden Wolle, des Federkleides -entbehren, und auch sie hatten noch keinen -Schmuck angelegt. Aber zu der Zeit, die wir jetzt -erreicht haben, konnte man bei den Pflanzen bereits -Blüten und Blätter, bei den Tieren schon prächtig -gefärbte Bekleidungen erkennen. Die Familie der -Proteazeen wies in den verschiedenen Banksia-Arten -bereits großartige Pflanzen mit schöngestalteten fruchttragenden -Zweigen auf.</p> - -<p>Unter den Mimosoideen gab es schon Akazien und -andere Pflanzen, die man heute nur noch im fernen -Australien findet, dessen Pflanzen- und Tierwelt ja noch -vielfach an die der Urwelt erinnert. Birken, Buchen, -Nußbäume, Erlen erhoben sich neben Palmen, Tannen, -Zypressen und Eibenbäumen, und die Arten waren -nicht wie heutzutage durch die Schranken geographischer -Verbreitung voneinander getrennt. In den Sümpfen,<span class="pagenum"><a id="Page_37">[37]</a></span> -auf den Teichen und in den Flüssen sah man noch -Schachtelhalme und Wasserkastanien; aber die riesigen -Blumen aus der Familie der Nymphäazeen bedeckten -bereits die Oberfläche der stehenden Gewässer mit ihren -schönen Blüten.</p> - -<p>Für welches Auge waren diese Schönheiten der -Erde in ihrer Jugendblüte geschaffen? Für welche -Ohren war der Wohlklang, der die Natur im Brausen -der Wellen und im Rauschen der Blätter erfüllte, -bestimmt? Für wen boten die schattigen -Wälder lauschige Schlupfwinkel, für wen eröffneten -sich die herrlichen Ausblicke, für wen breiteten sich -diese Pflanzenteppiche, die ein wechselvolles Licht mit -schönen Mustern verzierte, aus? Wer erfreute sich -an der Sternenpracht der stillen Nächte, die der Mond -mit seinem ruhigen, silbernen Schein erleuchtete? Für -wen diese erhabene Pracht? Für wen dieser strahlende -Himmel, diese grünenden Ebenen, das Flüstern -des sich zu natürlichen Lauben verdichtenden Blätterwerkes, -diese prächtigen Schauspiele, die Wasser und -Land unausgesetzt boten? Für wen die Sonne am -Tage und die Sterne in der Nacht, der blaue Himmel, -die vielfarbigen Wetterwolken, die goldene Pracht -der Dämmerung, das Hervorbrechen des Regenbogens -und der Fall der Meteore? … Für wen schuf die -Natur diese ungeheure Arbeit? … Verständige oder -mit Vernunft begabte Wesen waren auf der Erde -noch nicht erschienen.</p> - -<p>Das Land, das heute von der Zivilisation beherrscht -wird, die Gegend, in der Frankreichs glänzende Hauptstadt -sich erhebt, war damals noch mit Wasser bedeckt. -Noch nichts ließ die Gestalt erkennen, in der -sich Frankreich heute unserem Auge darbietet. Nur<span class="pagenum"><a id="Page_38">[38]</a></span> -große Seen und Halbinseln nahmen seine Stelle ein. -Das Meer erstreckte sich über Paris hinaus, bis -nach Bourges; von Valenciennes bis nach Saint-Lô -konnte man an seinen Ufern entlang die unregelmäßige -Kette der Kreideformation verfolgen. Während der -Juraformation hatte sich bereits die Hochebene von -Langres gebildet und beherrschte das eben genannte -Meer. Die Berge, die sich mit ihren schwarzen Zinnen -über Langres erheben, dieselben, auf denen Cäsar -seine Wachtfeuer entzündete, die Bergeshöhlen, in denen -sich Sabinus vor dem Zorn des römischen Adlers verbarg, -diese ehrwürdigen Gipfel wachten schon über den -Wogen des vorsintflutlichen Meeres. Die alte Auvergne -und Bretagne zur Linken und die Alpen zur Rechten -sind in den fernen Jahrhunderten der Primärzeit aus -den Wassern entstanden. Dagegen schlief zu der Zeit, -von der wir sprechen, die Gegend von Lyon, Tours, -Dünkirchen noch auf dem Grunde des Meeres, und -erst während der Tertiärzeit erhob sich das Land, -auf dem die genannten Städte stehen, wenn auch -nicht zu ewiger, so doch wohl zu einer recht langen -Dauer.</p> - -<p>Nach der Reihenfolge ihres Erscheinens auf der Erde -traten die Vorfahren der verschiedenen Arten unserer -heutigen Tierwelt in deutlich zu erkennenden Entwicklungsstufen -hervor. Auf die ausschließlich im Wasser -lebenden Tiere waren die im Wasser und auf dem -Lande lebenden Amphibien gefolgt, nach diesen kamen -Geschöpfe, die nur für das feste Land bestimmt waren; -wieder ein Hinweis darauf, daß es in der Natur keinen -Zufall gibt, und daß die Reihenfolge und Entwicklung -der Arten durch ewige, unabänderliche Gesetze bestimmt -wird. Von den vierfüßigen Säugetieren erschienen zuerst<span class="pagenum"><a id="Page_39">[39]</a></span> -die Dickhäuter: das Palaeotherium, das Anoplotherium, -das Xiphodon, Geschöpfe, die ihrer Gestalt nach eine -Zwischenstufe zwischen dem Rhinozeros, dem Pferde -und dem Tapir einnahmen. Das erstgenannte, das etwa -so groß wie ein Pferd sein mochte, hatte vom Tapir -den Kopf, der in einen fleischigen Rüssel auslief, kleine, -ausdruckslose Augen und kurze, plumpe Beine. Im -Gegensatz zum Palaeotherium hatte das Anoplotherium -lange Beine und dazu noch einen mehr als einen Meter -langen Schwanz, der ihm beim Durchschwimmen von -Seen oder Flüssen als Ruder diente. Das Xiphodon -endlich ähnelte mehr unserer heutigen Gemse und war, -wie diese, zierlich gebaut, furchtsam und schnellfüßig. -Neben ihnen tummelten sich noch andere Arten, so das -Lophiodon, das in seinen verschiedenen Abarten auch die -verschiedensten Formen zeigte und in seinen Maßen von -der Größe des Kaninchens bis zu der des Rhinozeros -variierte, der Chiropotamus, der die Flüsse bewohnte. -Das Meer, über dessen Wellen von Zeit zu Zeit der -Mosasaurus sein furchtbares, drei Fuß langes Gebiß -fletschte, bevölkerten friedliche Wale, die Delphine -waren seine Könige.</p> - -<p>Wenn wir uns in die damalige Zeit zu versetzen -suchen, so wird uns die eigenartige Formenwelt wundernehmen, -die unsere Erde in jener Epoche noch -zeigte; sie bewahrte noch viel von dem fremdartigen -Charakter, der uns bei der Betrachtung der früheren -Perioden so sehr in Staunen gesetzt hat.</p> - -<p>Es war gerade zur Zeit des Beginnes der letztgeschilderten -Periode, der Eozän-Zeit, als der Komet -wieder die Erde erreicht hatte, und es bot sich ihm -jetzt Gelegenheit, die irdische Landschaft in der Fülle -ihrer Entwicklung und ihrer Fortschritte zu betrachten.<span class="pagenum"><a id="Page_40">[40]</a></span> -In diesem Schauspiel offenbarte sich ihm das Gesetz -der Bestimmung, und er mutmaßte, daß ein höherer, -unbekannter Wille die Bildung dieser kleinen Welt leite -und sie zum Aufenthalt für irgendein neues Wesen, -das würdig sei, das Zepter einer Welt zu führen, -vorbereite.</p> - -<p>Die reine Luft erlaubte es der Sonne, ihre fruchtspendenden -Strahlen mit vollen Händen über die Erde -auszuschütten; aus den stillen und friedlichen Gewässern -leuchtete der blaue Himmel; Tausende von Pflanzen -schaukelten ihren grünenden Stengel in den Lüften -und die ersten Blumen, die am Rande der Gewässer -standen, spiegelten sich in ihren Wellen wieder. Zahlreiche -Herden weideten auf dem Lande und die fröhlichen -Bewohner der Luft nahmen zu höheren Regionen -ihren Aufschwung. Überall lachte das Leben. Schon -traten die Unterschiede der verschiedenen Jahreszeiten -deutlich hervor, und der Komet erkannte bereits, daß -die Einrichtungen der Erde sich allmählich denen -höher organisierter Welten näherten. Wie alle Kometen -hatte auch er in seiner Bahn die größtmöglichste -Hitze und die alleräußerste Kälte zu ertragen. -Kam er in seinem glühenden Sommer ganz nahe an -die Sonne heran, so entfernte er sich in seinem Winter -so weit von ihr, daß dieser tausendmal kälter -war als der Winter auf der Erde. In seiner Selbstlosigkeit -war er daher stets erfreut, wenn er Welten -begegnete, die es in dieser Beziehung besser als er -hatten.<a id="FNanchor_6_6"></a><a href="#Footnote_6_6" class="fnanchor">6</a> Die Erde befand sich in der glücklichen -Lage der Planeten. Das war ein Umstand, der sie<span class="pagenum"><a id="Page_41">[41]</a></span> -in den Augen des Kometen an die andern, höher organisierten -Welten näher heranrückte, und mit einem gewissen -freudigen Gefühl merkte er, daß sein Interesse -für die Erde noch immer wuchs. Die Stellung, die -er in seinem Geiste ihr einzuräumen hatte, wurde ihm -immer deutlicher.</p> - -<p>Die zwar langsamen, aber doch recht merklichen -Fortschritte, welche die Erde in ihrer Entwicklung -machte, gewährten unserem reisenden Gestirn Freuden, -die ihm bis dahin unbekannt geblieben waren. Als der -Komet einmal auf seinem Fluge durch die Welt wieder -der Sonne sehr nahegekommen war, entdeckte er, daß -zwischen Erde und Sonne noch zwei andere Planeten -schwebten, nämlich Venus und Merkur. Er wollte -seine Aufmerksamkeit nicht durch diese neuen Welten -ablenken lassen und sich lieber das Vergnügen, das -die Beobachtung der ersten Stufen ihrer Entwicklung -ohne Zweifel gewähren mußte, versagen, als<span class="pagenum"><a id="Page_42">[42]</a></span> -ihretwegen die ihm liebgewordene Erde vergessen; -er zog es vor, die neuen Welten ganz zu übersehen, -wie sie ja auch früher für ihn nicht vorhanden waren. -Als er ein anderes Mal nahe an Mars vorbeizog, -fiel ihm auf dieser Weltkugel eine ganz ähnliche -Schöpfung, wie er sie auf der Erde gesehen hatte, -auf, was einem Touristen eigentlich denselben Grund -zur Neugier hätte bieten müssen. Aber wie er es -mit Venus und Merkur gemacht hatte, so hielt er -es auch mit Mars: er ließ ihn unbeachtet einsam -seines Weges ziehen. Nur mit dem Erdball beschäftigte -er sich, wenn ihn seine Bahn in die Gegenden -führte, in denen sich unsere Erde bewegt. Aus dieser -beiläufigen Bemerkung mag man erkennen, wie sehr er -von seiner früheren Gleichgültigkeit gegen uns zurückgekommen -war, und daß er in Zukunft alles sehr aufmerksam -verfolgte, was die Erde betraf.</p> - -<p>Es war zur Zeit seiner hundertsten Reise – -wenn man die, die wir zu Beginn unserer Erzählung -erwähnt haben, als erste zählt – das heißt um das -Jahr Dreihundertundviertausend­sechshundertneunundachtzig, -als er Zeuge des Vorspiels war, mit dem sich -die große geologische Epoche einführte, die derjenigen, -in der wir uns befinden, vorangegangen ist. Fünfzigtausend -Jahre später konnte er sehen, wie jener -Abschnitt in der Entwicklungsgeschichte der Erde – -die Eozänformation – sein Ende erreichte. Zweihunderttausend -Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung -nahm dann die Periode, der man den Namen -Miozänformation beigelegt hat, ihren Anfang.</p> - -<p>Aurora! Morgen des Lebens! Leuchtender Anfang! -Später mögen die Formen des Erschaffenen wohl eine -ausgesuchtere Eleganz, eine vollkommenere Schönheit<span class="pagenum"><a id="Page_43">[43]</a></span> -angenommen haben, aber in dieser Frühlingszeit fühlt -man es fast, wie in den Pflanzen der Saft aus der -Wurzel emporsteigt und bis in die Spitze des Stengels -dringt. Später wird der nie ruhende Fortschritt sein -Werk vollenden: jetzt aber stehen alle Kräfte der Natur -in ihrer größten Fülle und erwecken so viel frohe -Hoffnungen für die Zukunft, wie dies keine spätere -Zeit mehr tun kann.</p> - -<p>Wenn man sich das Weltgebäude als eine riesenhafte -Uhr vorstellt, auf der eine Sekunde ein Erden-Jahrhundert -bedeutet, und wenn man sich vergegenwärtigt, -daß ein <em class="gesperrt">Tag</em> der Erde, im astronomischen -Sinne gedacht, Tausende von Jahrhunderten umfaßt, -dann wird man nicht mehr erstaunen, daß die -Morgenröte eines solchen Tages nach gleichem Maße -zu messen ist und daß sie sich über eine lange Reihe -von Jahrhunderten erstreckt haben muß. Die Zeiten, -nach denen wir die einzelnen Abschnitte unseres geschichtlichen -Lebens rechnen, sind im Leben der Natur -ein reines Nichts. Ein Jahrhundert geht an -ihrer ewigen Jugend spurlos vorüber, und zehn, auch -hundert Jahrhunderte rufen auf ihrer Stirn noch -keine Altersfalte hervor.</p> - -<p>Wie die Kometen im allgemeinen, so befand sich -auch unser Komet in einer viel günstigeren Lage, die -ersten Jahre eines Weltkörpers, die nach Jahrtausenden -zählen, zu messen, als es uns Erdenbewohnern -vergönnt ist. Das Jahr unseres Kometen ist ja mehr -als dreitausendmal so lang als eines von unseren -Jahren, und dadurch hat er einen immerhin recht -brauchbaren Anhalt, der ihm als Maßstab für die -Dauer der verschiedenen Entwicklungsperioden der -Erde dienen kann.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_44">[44]</a></span></p> - -<p>Trotz dieser langen Intervalle zwischen seinen -Reisen, die zwar unseren Augen ungeheuer groß erscheinen, -bei der unendlichen Dauer der himmlischen -Körper aber recht klein sind, kam es doch vor, daß -der Komet bei einem neuen Besuche die Änderungen, -die sich auf der Erde seit seiner letzten Anwesenheit -vollzogen hatten, nicht wahrnahm, denn die Umwälzungen -auf der Erde gingen, wie gesagt, langsam vor -sich; oft wollte es ihm scheinen, als sähe er dieselben -Gegenden, dieselben Landschaften, dieselben -Pflanzen und Tiere, die er schon vor dreitausend -Jahren und früher gesehen hatte, ja er mochte sogar -glauben, daß er dieselben Individuen, die er damals -erblickt, noch in vollster Kraft und in demselben Alter -vor sich habe. Wenn das schon bei der langen Dauer -seines Jahres so war, wie würde es erst gewesen -sein, wenn er eine kürzere Umlaufszeit gehabt hätte? -Bei aller Anstrengung würde es ihm wohl niemals -möglich geworden sein, sich ein genaues Bild -von den verschiedenen Stadien der Schöpfung zu -machen.</p> - -<p>Zu diesen, der Natur des Kometen eigentümlichen -Vorzügen traten aber für unseren Helden noch andere, -nicht minder wichtige hinzu: nämlich die ihm gegebene -Möglichkeit, fortwährende Vergleiche zwischen der Erde -und den anderen Planeten anzustellen.</p> - -<p>Die Entfernung der Planeten von der Sonne steht -ja im Verhältnis zu ihrem Alter. Die älteste Welt -unseres Systems ist Neptun, die jüngste Merkur. Als -der Komet zum erstenmal in unserem Sonnensystem -erschien, waren die älteren Planeten bereits bewohnt; -es war ihm nicht vergönnt, Zeuge zu sein, wie sich -auf ihnen das Leben bildete.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_45">[45]</a></span></p> - -<p>Neptun, der älteste und von uns am weitesten entfernte -Planet, hatte bereits die Höhe seiner Entwicklung -überschritten. In den entlegenen Gegenden des -Weltenraumes, in denen er seine Bahn wandelt, würde -unsere Erde rasch erstarren und zu Eis erkalten; nicht -so Neptun, den, wie alle anderen Welten, die gütige -Natur so geschaffen hat, daß seine Eigenschaften in -vollster Harmonie mit seinen Daseinsbedingungen -stehen. Er zieht seine Kreise um die Sonne in Jahren, -von denen eines so groß ist wie hundertvierundsechzig -Erdenjahre.</p> - -<p>Uranus, der jüngeren Datums ist, befand sich gerade -im Mittag seines Lebenstages. Dort herrschte -ein anderes Leben unter anderen Formen und nach -anderen Gesetzen – ein Leben, das mit dem auf -dem Neptun vorhandenen gar keine Ähnlichkeit hatte -und auch von dem auf den anderen Planeten grundverschieden -war. Uns hiervon eine Vorstellung zu -machen, ist ganz unmöglich, denn selbst unsere kühnste -Phantasie ist nicht imstande, sich mit Vernunft begabte -Wesen vorzustellen, die anders als wir organisiert sein -sollen, sie vermag es nicht, sich unbekannte Formen -vorzustellen. Um die Welt des Uranus kreisten in -rückläufiger Bewegung vier Monde, die, gleich ihrem -Regenten, ihre erste Jugend schon lange als vergangene -Zeiten betrachten durften. Ein Jahr des -Uranus umfaßt vierundachtzig Erdenjahre.</p> - -<p>Wie wir früher bereits gesehen haben, stand Saturn -in seiner schönsten Blüte und vervollkommnete -sich immer mehr. Damit soll aber keineswegs gesagt -sein, daß seine Bewohner mit großen Schritten der -Höhe entgegeneilten, auf der die Bewohner des Uranus -bereits angekommen waren. Dies würde in keiner<span class="pagenum"><a id="Page_46">[46]</a></span> -Weise das Richtige treffen; denn was für eine Welt -die Vollendung darstellt, ist es noch keineswegs für eine -andere, und in der langen Geschichte der Gestirne gibt -es keine Epoche, in der man etwa die verschiedenen -Welten in eine bestimmte Reihe gliedern und jeder -Welt eine bestimmte Nummer in dieser Reihe anweisen -könnte. Jede Welt hat ihre eigene Bestimmung und -verfolgt ihr eigentümliche Mittel, um diese Bestimmung -zu erreichen. Bei den Bewohnern des Saturn -ist ein Jahr dreißigmal so lang als bei uns, und ihr -Kalender hat die Umlaufszeit von zehn Monden mit -zu berücksichtigen.</p> - -<p>Jupiter befand sich noch in vollster Jugend und -strotzte von Kraft und Leben. Man konnte ohne große -Mühe erkennen, daß er das Stadium der Entwicklung, -in dem sich die Erde gerade jetzt befand, schon seit -langer Zeit durchgemacht hatte, daß aber seine Lebensäußerungen -mit einer immer noch ziemlich beträchtlichen -Langsamkeit vor sich gingen. Während die -Erde zwölf Jahre zurücklegte, vollendete er erst ein -Jahr, und noch immer herrschte auf ihm beständiger -Frühling, obwohl die verschiedenen Jahreszeiten -auf seiner Oberfläche bereits ihr Erscheinen zu erkennen -gegeben hatten; acht Monde drehten sich rasch -um ihn.</p> - -<p>Schon bevor der Komet die Erde zum erstenmal -gesehen hatte, hatte er diese Beobachtungen bereits -gemacht, und es unterliegt keinem Zweifel, daß hierin -der Grund für seine anfängliche Geringschätzung der -Erde zu suchen ist. Was ihm aber bei seinen Wahrnehmungen -am meisten aufgefallen war und wohl -auch dazu beigetragen hatte, sein Vorurteil gegen die -Erde immer mehr zu bestärken, das war die Kleinheit<span class="pagenum"><a id="Page_47">[47]</a></span> -unseres Planeten im Verhältnis gerade zum -Jupiter. Es wollte ihm scheinen, als sei die Erde -nur ein vom Jupiter losgelöster Mond, und er war -lange Zeit nicht geneigt, sich eines Besseren belehren zu -lassen. In der Tat muß ihm ja zugegeben werden, daß -der Kontrast zwischen den Größenverhältnissen des -Jupiter und der Erde ungeheuer ist. Nicht weniger -als elfmal ist der Durchmesser des Jupiter größer -als der der Erde, und dementsprechend mißt seine -Oberfläche hundertundzwanzigmal mehr und beträgt -sein Körperinhalt dreizehnhundertmal mehr als der -der Erde!</p> - -<p>Mars befand sich um jene Zeit in einer ähnlichen -Lage wie die Erde. Obgleich er ihr älterer Bruder -ist, war er doch nicht rasch vorgeschritten, vielmehr -war er in seiner Entwicklung aufgehalten worden. -Als später der Komet die Erde zum Gegenstand -seiner Forschungen gemacht hatte, beschränkte er -sich nur auf sie, und es wäre ihm schwer gefallen, -seine Aufmerksamkeit zwischen der Erde und einem -anderen Gegenstand zu teilen, wenn ihm dieser nicht -etwas weit Interessanteres dargeboten hätte. Die Erde -blieb das Objekt seiner Gedanken.</p> - -<p>Der Mond war damals von dem kleinen Volk der -Seleniten bewohnt. Man wird es leicht glauben, daß -diese Welt in der Tat zu klein war, um das Interesse -des erhabenen Reisenden für längere Zeit in Anspruch -zu nehmen.</p> - -<p>Trotz der unserer Erde in so hohem Maße entgegengebrachten -Neigung des Kometen, hätte doch -beinahe ein Ereignis, wie es im Leben eines jeden -eines Tages vorkommen kann, diesen seinen so beharrlichen<span class="pagenum"><a id="Page_48">[48]</a></span> -und lehrreichen Beobachtungen ein Ende gemacht. -Auch bei den Bewohnern des Weltenraumes -gibt es gewisse Vorgänge, die man mit solchen bei -den Erdenbewohnern in Parallele stellen kann. Wir -müssen einen Augenblick bei einem derartigen Ereignis -verweilen, denn es kommt ihm immerhin eine gewisse -Bedeutung zu: wir sprechen nämlich von einer Art -ehelicher Verbindung des Kometen.</p> - -<p>Schon seit siebenundzwanzigtausend Jahren hatte -ein prächtiges Meteor, das mit schönster Form einen -Farbenglanz von reinstem Wasser verband, von weitem -in den Gefilden des Himmelsraumes den Schweifstern -daherziehen sehen. Die Einsamkeit macht nachdenklich, -und man wird es daher glaubhaft finden, -daß sich das Meteor in seiner Einsamkeit zu dem -Gestirn mit den langen goldenen Haaren hingezogen -fühlte. Siebenundzwanzigtausend Jahre lang näherte -sich, infolge des Gesetzes der allgemeinen Schwerkraft, -die Bahn dieses Meteorsteines, der zu den größten -seiner Gattung gehörte, immer mehr der des Kometen. -Bemerkt sei hierbei, daß diese großen Meteorsteine -ganz ebenso wie die Kometen ihre Bahnen um die -Sonne ziehen. Je näher er an den Kometen herankam, -desto rascher flog er auf ihn zu, und zuletzt schoß -er mit einer Geschwindigkeit von viertausend Meilen -in weniger als einer Minute in die Sphäre des Kometen -hinein, so daß er, von weitem gesehen, dessen -Kern darzustellen schien. Ob dies vielleicht der Anfang -zur Bildung neuer Kometen war? Darüber schweigt -die Geschichte, und die Philosophen, die bei der Erklärung -dieses Umstandes sich durch nicht passende -Analogien haben bestimmen lassen, sind in lächerliche -Übertreibungen verfallen. Auf welche Weise aber auch<span class="pagenum"><a id="Page_49">[49]</a></span> -die Kometen sich bilden mögen, das eine steht fest, daß -es am Himmel so viele gibt als Fische im Meere; -wir berufen uns hierbei auf Kepler und fragen: Was -müßte geschehen, wenn sich ihre Zahl willkürlich ins -Ungeheure vermehrte? Es bedarf einer gewissen Entschlossenheit, -um mit kaltem Blute die zahllose Masse -jener Gestirne zu betrachten, die in raschem Fluge ihre -Bahnen gegenseitig kreuzen, und man muß staunen, -daß ihre vielfältigen Bahnen, welche die Bahn der Erde -nach allen Richtungen hin kreuzen, nicht häufige Zusammenstöße -zwischen den Planeten und Kometen herbeiführen.</p> - -<p>Wir wollen uns jedoch hierbei nicht länger aufhalten. -Für uns bleibt der Komet, was er war, die -handelnde Person unserer Erzählung. Das Meteor ist -in ihm aufgegangen und seine Persönlichkeit existiert -nicht mehr.</p> - -<p>Inzwischen war das Meer von jener Ebene, auf -der sich Paris erheben sollte, zurückgetreten; ein gewaltiger -Strom, weit größer als die heutige -Seine, nahm deren Flußbett ein, sowie einen breiten -Saum längs desselben, und warf sich nicht -weit von ihrer heutigen berühmten Mündung bei -Havre, aber etwas oberhalb derselben, in der Gegend -von Caudebec, ins Meer; dagegen war das Cap de -la Hève weiter in den Ozean vorgeschoben. Bekanntlich -rücken die Ufer eines Flusses infolge des Sandes, -den das Wasser mit sich führt, einander immer -näher, und auch die Mündung versandet allmählich, -während das Meer hingegen die vorspringenden felsigen -Gestade nach und nach abrundet. So ist die -Gestalt der Küste in fortwährender Umwandlung begriffen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_50">[50]</a></span></p> - -<p>Die Natur ging ihrem jetzigen Aussehen entgegen. -Vögel sangen bereits in den Wäldern, die wohl das -ganze heutige Frankreich bedeckten. Murmeltiere, Eichhörnchen, -Feldmäuse, Biber, Pferde, Hunde usw. -waren die ersten Vertreter jener harmloseren Tierwelt, -die dann, nachdem der Mensch erschaffen worden -war, bestehen bleiben sollte. In den geschmeidigen -Zweigen der Liane kletterten bereits die ersten -Affen und schnitten ihre Grimassen, auch sie, von -allen Geschöpfen am meisten den Menschen ähnlich, -waren Vorläufer des »Herrn der Schöpfung«.</p> - -<div class="footnotes"> -<h3>Fußnoten</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_6_6"></a><a href="#FNanchor_6_6"><span class="label">6</span></a> Die Ellipse einiger Kometen ist so lang, daß sie zur Zeit -ihres Apheliums eine Kälte zu ertragen haben, von der wir uns keine -Vorstellung machen können, während sie zur Zeit ihres Periheliums so -nahe an der Sonne vorbeigehen, daß sie einer ebenso unfaßbaren -Hitze ausgesetzt sind. Newton schätzt das Wärmequantum, welches der -Komet von 1680 bei seinem Vorbeigange an der Sonne in sich aufnehmen -mußte, achtundzwanzigtausendmal so groß als die Wärme, die -wir zur Zeit der Sommer-Sonnenwende von der Sonne empfangen, -und setzt seine Temperatur zweitausendmal größer an als die von rotglühendem -Eisen. Newton fügt hinzu, daß es die Bestimmung der -Kometen sei, dereinst in die Sonne zu fallen, um deren Glühen zu -unterhalten. Hierauf wollte wahrscheinlich der Verfasser der »Briefe -aus dem Grabe« anspielen, als er folgendes schrieb: »Ein kolossaler -Komet, größer noch als Jupiter, hatte noch dadurch an Umfang zugenommen, -daß er unterwegs verschiedene kleinere Kometen, die bereits -in der Auflösung begriffen waren, in sich aufgenommen hatte. So -durch verschiedene kleine Erschütterungen einmal aus seiner Bahn gebracht, -konnte er sich nicht mehr in seine Ellipse hineinfinden, und dieser -Unglückliche stürzte in die verzehrende Glut der Sonne … Man -will wissen, daß der arme Komet, der so bei Lebzeiten verbrannt -wurde, schrecklich geschrien haben soll.«</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Viertes_Kapitel"><span class="h2meta">Viertes Kapitel.</span><br /> -Die vorpariserischen Pariser.</h2> -</div> - -<p>Bei den ständigen Beobachtungen, welche die Kometen -auf ihren Wanderungen anstellen, haben sie die -sehr lobenswerte Angewohnheit angenommen, sich niemals -auf ihr jeweiliges Urteil allein, so scharf und unparteiisch -es auch sein mag, zu verlassen. Sie sind von jeder -Voreingenommenheit frei, und man kann ihnen nicht -den Vorwurf machen, daß sie etwa irgendeinem Machthaber -zu Gefallen etwas nicht sagten, was sie dächten, -oder etwas sagten, was sie nicht dächten. Nach jeder -Richtung hin unabhängige Reisende, wie sie es sind, -verbringen sie ihre Zeit damit, vergleichende Beobachtungen -anzustellen, und sie sind vielleicht die weisesten -von allen Himmelskindern. Um ein Beispiel von der -Klugheit, die sie bei keiner ihrer Handlungen vermissen -lassen, anzuführen, wollen wir nur erwähnen, daß -unser Komet bei allem Wohlwollen, das er der Erde<span class="pagenum"><a id="Page_51">[51]</a></span> -entgegenbrachte, und trotz des vorgeschrittenen Zustandes, -in dem sich der Planet zurzeit befand, doch -das Vergnügen herbeisehnte, auf dieser so zur Freude -geschaffenen Welt ein mit Vernunft begabtes Wesen -begrüßen zu können. Gegen das Ende der Tertiärperiode, -das heißt vor vierzig Kometenjahren oder -gegen das Jahr hundertundviertausend­vierhundertundneunzig -vor Beginn unserer Zeitrechnung, suchte er -dieses Wesen auf der Erde, denn er folgerte sehr -richtig, daß, da auf den anderen Planeten vernunftbegabte -Geschöpfe vorhanden waren, solche auch auf -der Erde erscheinen müßten. Da er aber von derartigen -Wesen noch keine Spur entdecken konnte, so beruhigte -er sich damit, daß die Erde für diese neue Schöpfung, -die doch einst kommen müsse, noch nicht reif wäre, -und daß all ihre Pracht und Herrlichkeit zunächst noch -für eine vernunftlose Lebewelt da sei.</p> - -<p>Frankreich war eben aus den Wassern emporgestiegen. -Wie es ja vorkommt, daß hervorragende -Geister die Zukunft ganzer Reiche im Geiste vor -sich sehen, so ahnte der Komet die künftige Bedeutung -dieses Teiles der Erde und wandte ihm sein -Interesse zu. Zweimal hatte sich bereits das Meer von -neuem über den herrlichen Landstrich ergossen, bevor -sein Gestade diejenige Gliederung annahm, deren -Charakter ihm auch für die Zukunft bleiben sollte. -Eine Bevölkerung, die sich aus den verschiedensten -Elementen zusammensetzte, bewohnte das Land. Dort, -wo einst Paris stehen sollte, sah der Komet sehr merkwürdige -Vorfahren der zukünftigen Großstädter. Im -Schlamme der Moräste brüllten Nilpferde und Megatherien; -Kamele und andere Wiederkäuer zogen ihres -Weges einher. Hirsche mit riesigen Geweihen und<span class="pagenum"><a id="Page_52">[52]</a></span> -flinke Hirschkühe suchten und flohen einander in den tiefen -Gründen des Waldes. An den Ufern der Seine, auf -deren schönen Promenaden später Stutzer ihre elegante -Erscheinung bewundern lassen sollten, waren schon -Pfauen als erste Vertreter der Eitelkeit zu erblicken -und in ihrer Nähe stolzierten Störche mit gravitätischen -Schritten.</p> - -<p>Wie heutzutage war auch damals die Fauna -bunt gemischt. Hasen liefen Schildkröten in den Weg, -und Hunde blickten auf Katzen mit Verachtung herab; -die kleinen Gänse liefen hinter den großen einher, -aber die Raben hatten es noch nicht gelernt, sich mit -fremden Federn zu schmücken. In voller Freiheit -sprangen die Pferde auf den weiten Wiesen umher -und ließen ihre Mähne lustig im Winde flattern. Die -Rinderarten lebten in Herden gesellig beisammen und -man sah sie in Gruppen mit den jungen Tieren zur -Tränke wandern und von einer Weide zur andern ziehen. -Die gesetzten Schrittes daherschreitenden Elefanten, die -ältesten Glieder dieser Periode, betrachteten sich als -Herren dieses friedlichen Reiches. Um diesem schönen -Gemälde, das nur die Gegenwart des Menschen noch -vermissen ließ, noch den letzten Pinselstrich zu geben, -sah man in der Ferne die schneebedeckten Gipfel hoher -Berge sich in den Wolken verlieren. Näher heran -konnte man dunkle Wälder erkennen, die in ihrem -überwiegenden Teile mit schwarzen Tannen bestanden -waren. Am Rande der Wälder erhoben sich dichtbelaubte -Erlen und Eichen in Abwechslung mit saftigen -grünen Linden; in der Ebene waren hochaufstrebende -Pappeln zu schauen und über den Ufern -der murmelnden Quellen wiegten sich die Büsche der -Weiden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_53">[53]</a></span></p> - -<p>Die Verschiedenheit, die zwischen den Gebilden -zweier Welten herrscht, ist ganz ungeheuer, und die -Geschöpfe eines Weltkörpers ähneln in keiner Weise -denen eines anderen. Der Stoff, aus dem die Gebilde -bestehen, ist durchaus passiver Natur; er fügt -sich gehorsam der Kraft, die ihn leitet, und diese -allein herrscht unumschränkt. Daher kommt es denn -auch, daß die Naturkraft, welche auf den verschiedenen -Weltkörpern an Intensität nicht gleich ist, auf -ihnen Wesen hervorgebracht hat, die voneinander so -bedeutend abweichen. Trotz der Verschiedenheit aller -Bedingungen konnte der Komet doch bereits erkennen, -daß auch die Erde sich jenem bleibenden Zustande -näherte, in dem sich ihre Gefährten im Weltenraum -bereits befanden, jenem Zustande, in dem ein Herrscher -endlich von seinem Reiche Besitz ergreift. Es -war deutlich zu sehen, daß sie sich für ihren Gebieter -einrichtete, wobei freilich alle Entwicklungsformen -einen ganz eigenen Charakter aufwiesen. So konnte -ein aufmerksames Auge ohne Mühe erkennen, daß -die Erde mannigfache Wohnungen vorbereitet hatte, -die – von denen anderer Planeten freilich sehr abweichend -ausgestattet – darauf warteten, ihren Benutzer -demnächst einziehen zu sehen.</p> - -<p>Sollte man es jedoch wohl glauben, daß der Komet -noch gegen dreißig seiner Jahre, von denen jedes -mehr als dreitausend Erdenjahre umfaßt, warten -mußte, bevor seine Hoffnungen sich zu verwirklichen -schienen? Oft machte er trügerische Entdeckungen, und -zuweilen glaubte er menschliche Spuren zu erkennen. -In der großen Entfernung, in der er sich immerhin -von der Erdoberfläche hielt, erblickte er oft Scharen -neuer Wesen: Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans,<span class="pagenum"><a id="Page_54">[54]</a></span> -die ihm das so sehr gesuchte Wesen zu sein schienen, -aber immer wieder mußte er seinen Irrtum erkennen. -Zu gewissen Zeiten, nämlich in den Jahren Vierundvierzigtausend­undhundertvierundsechzig, -Einundvierzigtausendundneunundneunzig, -Achtunddreißigtausendundvierunddreißig -und Vierunddreißigtausend­neunhundertundneunundsechzig -hatten seine Hoffnungen ihren -Höhepunkt erreicht. Wie uns gelegentlich im Monat -April schöne Sommertage, an denen vom Erdboden -Licht, Wärme und Blumenduft in die weichen Lüfte -aufsteigen, durch ihr frühzeitiges Erscheinen erfreuen, so -gab es auch in diesem April der Entwicklungsgeschichte -der Erde einen verfrühten Sommer. Ein neues Wesen, -das ganz dazu angetan schien, die Herrschaft über die -Erde an sich zu nehmen, war in den lachenden Fluren -eines großen Erdteils, der inzwischen bereits wieder -verschwunden ist, aufgetaucht. Schon gesellten sich die -Viehherden zu ihm, als wollten sie ganz von selbst -dem neuen Wesen untertänig werden, schon schienen -die Elemente dem Einzuge des Königs und der Errichtung -seiner Herrschaft geneigt zu sein, aber es -handelte sich auch hier um eine frühzeitige Frucht, und -der Komet erkannte bald, daß es noch keine Menschen -waren.</p> - -<p>Vielleicht darf man diesen ursprünglichen Wesen, -von denen ich eben sprach, den Namen »Troglodyten« -geben, weil sie natürliche Höhlen, die sich entweder -an den Seiten von Bergen oder in der Einsamkeit -der Wälder befanden, bewohnten. Niemals legten sie -Steine aufeinander, um einen größeren Bau aufzuführen. -Möglich, daß sie die Ahnen des Menschengeschlechtes -und das verbindende Glied zwischen dem -Menschen und den früheren Tierarten waren, denn<span class="pagenum"><a id="Page_55">[55]</a></span> -<em class="antiqua">natura non facit saltum</em>. Unser aufmerksamer Reisender -konnte dieses große Rätsel jedoch nicht lösen. -Während der vier Jahre, die wir genannt haben, -beobachtete er sie unausgesetzt, ohne daß er über ihre -wahre Natur mit sich ins Reine kam, und als im -Jahre Einunddreißigtausendneunhundertundvier vor -unserer Zeitrechnung der Komet wieder in sein Perihelium -trat, waren sie wieder verschwunden, und vergeblich -suchte er auf der Erde ihre Spuren oder ihre -Nachfolger.</p> - -<p>In den Lichtungen der jungfräulichen Wälder sah -man bisweilen auch große Affen herumspazieren, einen -Stock in der Hand schleppend, und manchmal konnte -man auch zwei große Parteien, die sich mit abgerissenen -Baumzweigen bewaffnet hatten, erkennen, -wie sie am Rande eines Gehölzes aufeinander losschlugen. -Tote und Verwundete blieben auf dem -Platze, und man ließ sie liegen, ohne sich weiter um -sie zu bekümmern. Andere Affen, die miteinander -harmlos und zutraulich spielten, zeigten sich hinterlistig, -sobald sich ihnen Gelegenheit zu losen Streichen -bot, was immerhin auf eine gewisse Intelligenz schließen -ließ. Mehrere dieser gespieligen Geschöpfe taten sich -bisweilen zusammen, um ein träges Krokodil aus dem -Schlummer aufzuschrecken. Fuhr dieses nun plötzlich -aus dem Schlafe auf, so liefen sie eiligst davon, und -das Krokodil vergnügte sich nun seinerseits damit, -unversehens zuzuschnappen und den Kleinsten oder Ungeschicktesten, -den es greifen konnte, zu verspeisen. -Auch vereinigten sich ganze Scharen zu fröhlichen Gelagen, -bei denen vermutlich die Hochzeit irgendeines -hervorragenden Mitgliedes ihres Kreises gefeiert -wurde. Um die Wahrheit zu gestehen, waren dies die<span class="pagenum"><a id="Page_56">[56]</a></span> -einzigen irdischen Wesen, die damals den Kometen -interessierten. Fünfzigtausend Jahre lang sah er sie -immer wieder, ohne daß sie ihn langweilten. Die anderen -auf der Erde lebenden Geschöpfe schienen auch noch nicht -den vierten Teil ihres Verstandes zu besitzen. Pferde, -Elefanten, Hunde und Katzen schienen wohl gelehriger, -und es war wohl möglich, daß ihre Erziehung durch -den Menschen sie einst in ferner Zukunft auf eine -höhere geistige Stufe bringen und sie verständiger -als die Affen machen würde; für jetzt aber nahmen -unbestreitbar die Affen den ersten Rang in der Schöpfung -ein.</p> - -<p>In den heißen Gegenden des Äquators entdeckte -der Komet später andere Geschöpfe, die mit den eben -geschilderten die größte Ähnlichkeit hatten. Sie waren -genau so wie diese behaart, lebten ebenso wie diese -in kleinen Familien in Schluchten oder Wäldern, -schlugen sich von Zeit zu Zeit tot, machten auf die -Vögel des Himmels Jagd und hielten sich während -der Nacht verborgen. Nur in zwei Punkten unterschieden -sie sich unwesentlich von den vorher geschilderten -Geschöpfen, und zwar einmal darin, daß, -während jene viel miteinander spielten, diese von -wilderem Charakter zu sein schienen, und daß sie -zweitens bisweilen Stämme zu Scheiterhaufen aufeinander -schichteten und verbrannten, was die früher -Beobachteten niemals versucht hatten. Davon abgesehen, -glichen sie sich fast wie zwei Wassertropfen -einander.</p> - -<p>Durch einen jener glücklichen Zufälle, wie sie -sonst nur in Romanen vorkommen, begegnete unser -Komet in demselben Jahre, in dem er die eben geschilderte -Beobachtung machte, einem anderen großen,<span class="pagenum"><a id="Page_57">[57]</a></span> -»parabolischen«<a id="FNanchor_7_7"></a><a href="#Footnote_7_7" class="fnanchor">7</a> Kometen, der vom Stern α im Zentauren -heranzog, unserem Nachbarn, der uns bekanntlich -jedoch nur auf fünf und eine halbe Billion Meilen -nahe kommt. Die beiden Kometen freuten sich der so -selten vorkommenden Gelegenheit einer Begegnung, -und der aus dem Zentauren begleitete unseren Helden, -bis sie an die Bahn des Neptun kamen. Sie -plauderten zwar nur einen kurzen Kometenaugenblick -zusammen, das heißt nur dreihundertundneunzig Jahre -lang, aber diese Zeit genügte vollkommen, um unseren -Kometen in gute Laune zu versetzen, denn sein Kollege, -der viel Scharfsinn besaß, hatte ihn versichert, daß er -ohne Zweifel, wenn er auf der Erde habe Feuer -anzünden sehen, auch Grund zu der Annahme hätte, -daß dort ein mit Vernunft begabtes Geschlecht leben -müsse.</p> - -<p>Sie hatten sich von den weiten Reichen unterhalten, -die jenseit des Neptun sich erstreckten, und der -parabolische Komet hatte dabei von einer großen Bildung -und bedeutender Erfahrung Zeugnis abgelegt. -Sein Gefährte war lebhaft interessiert, denn um uns -über Wert und Eigenart verschiedener Gebiete zu -unterrichten, gibt es kein besseres Mittel als die Berichte -zuverlässiger Reisender. Aber anderseits stimmen -diese Berichte oft nicht mit unseren Anschauungen -über gewisse feststehende Wahrheiten, die z. B. mit<span class="pagenum"><a id="Page_58">[58]</a></span> -Volksangehörigkeit nichts zu tun haben, überein, und -auch der Komet aus dem Zentauren geriet in große -Widersprüche, wenn auf derartige Wahrheiten die -Rede kam. Aus diesem Grunde entschloß sich unser -Held, allen Lockungen unbekannter Fernen gegenüber -fest zu bleiben und niemals parabolisch zu werden. -Von ihrer weiteren Unterhaltung will ich nichts -erzählen, denn wir würden davon doch nichts verstehen. -Selbst mit unseren schärfsten Fernrohren können wir -kein Bild des Lebens auf dem Neptun erhalten, und -um diesen Punkt drehte sich ihr Gespräch.</p> - -<p>Als auf seinem Rückwege sich unser unerschrockener -Wanderer wiederum der Erde näherte, erwartete ihn -Gutes. Seine geliebte Erde zeigte sich ihm bei Sonnenaufgang -und bot ihm einen solch sinnberückenden und -wunderbar schönen Anblick, wie er ihn noch nie gesehen -hatte. Bei dem blauen Himmel strahlte sie förmlich -von Jugend und Schönheit. Die Wiesen prangten -in frischem, taubenetztem Grün, die Knospen der Blumen -entfalteten sich, und am Hagedorn blühten die -wilden Rosen. Ganz zweifellos war die letzte Periode -in der Entwicklungsgeschichte der Erde herangenaht – -die Quartärzeit hatte begonnen.</p> - -<p>Freilich, wenn noch zahlreiche Vulkane inmitten der -Gebirgsketten rauchten und der rötliche Qualm wirbelnd -zum Himmel stieg, wenn die Erde noch zitterte -und ihre trägen Glieder gewaltsam zu dehnen suchte; -wenn noch plumpe Dickhäuter den grünen, saftigen -Schmuck der Wiesen zerstampften, während in den Wüsten -Löwen und Tiger brüllten; wenn die großen geflügelten -Jäger aus den Lüften sich auf kleine furchtsame -Geschöpfe stürzten, um sie zu verschlingen, wenn in der -salzigen Meeresflut noch unerbittliche Ungeheuer lauerten<span class="pagenum"><a id="Page_59">[59]</a></span> -– dann konnte die Erde noch keine vollkommene -Schöpfung sein, dann mußte sie eine untergeordnete -Welt bleiben, in der das Gesetz der Vernichtung -herrschen sollte, das ja, leider, über dem Gesetz des -Lebens steht. Auf der anderen Seite war auch nicht -zu verkennen, daß die ursprünglichen unförmlichen Gestalten -bereits verschwunden waren, um neuen Formen -Platz zu machen, die sicherlich eine bleibende -Stätte finden sollten. Es war ganz augenscheinlich, -daß für die Berge auf dem festen Lande und für die -Wälder am Meere die Zeit, in der ein Wesen kommen -sollte, das ihren Wert wohl zu würdigen verstände, -in der Gegenwart und nicht mehr in der fernen Zukunft -lag.</p> - -<p>Im höchsten Grade begierig, endlich auf der Erde -Wesen erscheinen zu sehen, die fähig wären, die -Schönheit ihrer großartigen Landschaften zu bewundern, -edle und kräftige Geschöpfe, in deren Kopfe -die heilige Flamme des göttlichen Gedankens Platz -gegriffen hätte, blieb dem aufmerksamen Kometen nichts -übrig, als abzuwarten. Vor sechs Kometenjahren -hatte er gesehen, wie unbehaarte Zweifüßler von -Höhle zu Höhle liefen und sich leidenschaftlich der -Jagd ergaben. Das Jahr darauf hatte er Wesen entdeckt, -die mit Pfeil und Bogen, mit steinernen Messern -und Äxten bewaffnet waren und sich bisweilen auch -in kleinen, von Sümpfen geschützten Behausungen -zusammentaten, ja sogar nach Art der Biber ihre -Wohnungen in die Seen bauten. Aber es wollte dem -Kometen nicht einleuchten, daß das menschliche Geschlecht -nicht höher geartete Vertreter als diese haben sollte. -Bei jedem Vorbeigange nach seinem Perihelium war -er auf das eifrigste bemüht, die gesamte Oberfläche<span class="pagenum"><a id="Page_60">[60]</a></span> -der Erde mit seinen Blicken zu durchmustern, und sein -Herz zitterte dabei vor Erregung, jeden Augenblick eine -neue Enttäuschung erleben zu müssen. Seit fünfzigtausend -Jahren, ganz besonders aber seit den letzten -zehntausend Jahren wartete er auf das Erscheinen des -Menschen, und sein Eifer verdiente es wohl, von Erfolg -gekrönt zu werden.</p> - -<p>In den fruchtbaren Tälern, welche die oberen Zuflüsse -des Indus bewässern, am Fuße der Riesenketten -des Himalaja, herrscht ein ewiger Frühling, der seinen -wohltätigen Einfluß weithin verbreitet. Hier war es -auch, wo der iranische Tierkreis entstand, der von einem -Punkte am Himmel, welcher die Sonnenwende des Jahres -Neunzehntausend­dreihundertsiebenunddreißig vor -unserer Zeitrechnung bezeichnet, seinen Ausgang nimmt. -Nach diesem ersten astronomischen Kalender richteten -später zwei große Völkerrassen ihr Leben ein. Zur Zeit, -als der Komet vorbeiging, waren sie noch vereint, es -waren die Arier, ein Hirtenvolk, das, wie der Komet -auf den ersten Blick erkannte, den Völkern, die bisher -auf der Erde gelebt hatten, überlegen war. Abgesehen -von einer mehr entwickelten äußeren Gestalt, -gaben sie durch untrügliche Zeichen von ihrer geistigen -Regsamkeit Kunde. Die einzelnen Familien -hatten sich zu Stämmen zusammengetan und schlugen -bald hier, bald dort ihre Zelte auf, wobei sie sich -stets nach der Sonne richteten. Der Orient erwachte, -und vielleicht sollte in ihm die Wiege des Geistes -entstehen. Hatte vielleicht Gott schon auf sein letzterschaffenes -Wesen seine Hand gelegt, um seine Stirn -mit dem für alle Zeiten unvergänglichen Zeichen seines -Geistes zu schmücken? Oder hatte er die gebrechliche -Stirn dieses noch zu jungen Geschöpfes noch nicht berührt?<span class="pagenum"><a id="Page_61">[61]</a></span> -… Nicht gleich am ersten Tage nach seiner -Geburt kann das Kind von seiner Vernunft Gebrauch -machen.</p> - -<p>Legt man eine Eichel in fruchtbares Erdreich, dann -wird sich allmählich der in ihr verborgene Keim entwickeln. -Viel Schnee wird den Boden des Waldes -mit seinem weißen Tuche überdecken, viel Tau wird -im Frühling darauf herniedersinken, und durch die -dichtbelaubten Wipfel wird oft die heiße Julisonne -ihre wohltuenden Strahlen senden. Und es wird zwar -lange dauern, aber endlich wird sich doch eine junge, -grüne Eiche im Winde schaukeln; noch können die -kleinen Vögel, die auf ihr sitzen, ihren dünnen Stamm -zur Seite biegen. Aber wenn die Jahrhunderte an -ihrem sich immer mehr ausbreitenden Gipfel vorüberziehen, -dann wird sich erst die ganze Größe des Baumes -in seinem reichen Blätterschmuck an den vielfach verästelten -Zweigen entfalten. Generationen werden unter -seinem Schatten sitzen, und die Zahl seiner Jahre -kann kaum noch gezählt werden. So geht in der -Natur jeder Fortschritt nur gemach vonstatten, und -so folgt auch in dem göttlichen Werke der Schöpfung -ein Weltenalter mit gemessenem Schritt auf das andere.</p> - -<div class="footnotes"> -<h3>Fußnoten</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_7_7"></a><a href="#FNanchor_7_7"><span class="label">7</span></a> Parabolische Kometen nennt man diejenigen, die anstatt in -einer geschlossenen Kurve um die Sonne zu kreisen und in gewissen -Perioden stets den nämlichen Punkt zu berühren, sich aus der Ellipse -entfernen, um nicht mehr dahin zurückzukehren. Sie wandern in unfaßbare -Entfernungen, verschwinden aus dem Bereich der Anziehung -unserer Sonne, gehen in andere Systeme über und setzen so ihr -vagabundierendes Leben fort.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_62">[62]</a></span></p> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Funftes_Kapitel"><span class="h2meta">Fünftes Kapitel.</span><br /> -Im Orient.</h2> -</div> - -<p>Dem Gestirn, das mit liebevoller Sorgfalt die -weitere Entwicklung der Erde verfolgte, war es nicht -entgangen, daß in der letzten Zeit die einzelnen Stufen -rascher aufeinander gefolgt waren. Dreitausend Jahre -sind indessen ein verhältnismäßig so geringer Zeitraum, -daß der darin erreichte Fortschritt von keiner -großen Bedeutung sein kann. Nur an der Zahl seiner -Vorübergänge an der Erde vermochte der Komet -festzustellen, welche Fortschritte die Erde in der Zwischenzeit -gemacht hatte und wie weit sie auf ihrem -Wege zu vielleicht unendlicher Vervollkommnung gelangt -war.</p> - -<p>Mehr als jemals in seinen Hoffnungen bestärkt, -machte sich unser Philosoph mit größtem Eifer daran, -die Sitten jener patriarchalischen Stämme Indiens -einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Aber welch -großer Unterschied lag doch zwischen ihnen und denen -der Bewohner anderer Welten, die er vor langer, -langer Zeit kennen gelernt hatte! Wie weit waren -diese Völker doch noch von dem wahren Zeitalter -der Humanität entfernt, in dem Poesie, Wissenschaft -und Kunst die Bildung einer Nation ausmachen! -Wenn unter dieser flachen Hirnschale der Geist schon -erwacht und sich seiner Kraft bewußt geworden war, -dann war er ganz gewiß noch nicht über jenen halbnächtlichen -Zustand, in dem noch die Traumwelt -vorherrscht, hinausgekommen. Er lebt in einer beständigen -Furcht; als höhere Wesen betet er die Elemente,<span class="pagenum"><a id="Page_63">[63]</a></span> -die Naturerscheinungen an. Aber sein Sinnen ist schon -erwacht, und die Poesie führt ihn bereits zum gemeinsamen -Urquell aller Dinge.</p> - -<p>Erst im Jahre Dreizehntausendfünfhundertundvierzehn -vor unserer Zeitrechnung geschah es, daß der -Komet zum erstenmal auf der Erde etwas zu entdecken -glaubte, was einer menschlichen Stadt ähnlich sah; -in Wahrheit war es jedoch nur ein unregelmäßiger -Haufen aus Stein erbauter Hütten. Der Enthusiasmus -aber, mit dem er diese Entdeckung begrüßte, läßt sich -nicht in Worten ausdrücken; glücklich war er, nun -endlich einen handgreiflichen Beweis dafür zu haben, -daß die Herren der Erde in ihrer Entwicklung und in -ihrem Familienleben Fortschritte machten. Aus einer -ungeheuren flüssigen Ebene, die den größten Teil der -Erdoberfläche gleich einem smaragdenen Tuche überdeckte, -hob sich ein weites unregelmäßiges Dreieck in ockergelber -Farbe ab. Dieser Erdteil schien nicht so fruchtbar -zu sein wie der benachbarte, der zu seiner Rechten -angrenzte, und auf dem noch die bereits oben erwähnten -indischen Stämme lebten; in seinem äußersten -Norden war aber eine Landschaft von außerordentlicher -Fruchtbarkeit und größter Schönheit zu erblicken. -Es schien fast so, als ob der Mensch imstande gewesen -wäre, das Gebiet der Erde vollständig zu übersehen, -die verschiedenen Gegenden miteinander zu vergleichen, -und gerade die fruchtbarste und schönste zu seiner -Niederlassung auserwählt hätte. Inmitten dieser -von der Natur bevorzugten Gegend strömte ein -breiter, mächtiger Fluß dahin, der sich kurz vor -seiner Einmündung ins Meer in zwei Arme teilte, -und oberhalb des Deltas war die erste Stadt -entstanden. Memphis hieß sie, die in späteren Jahren<span class="pagenum"><a id="Page_64">[64]</a></span> -ihre königliche Oberherrschaft an This, eine Stadt -Oberägyptens, abgeben sollte, bis noch später Theben -die beiden Städte ablöste und in den Schatten -stellte.</p> - -<p>Wohl ist es wahr, daß der himmlische Beobachter -die weiße Rasse unter den Menschen noch nicht bemerkt -hatte, aber es entging ihm auch nicht, daß sich -in der äußeren Erscheinung der Menschen doch schon -ein ganz gewaltiger Fortschritt kundgab. Er sah, wie -zur Ausführung größerer Arbeiten Menschen sich zu -Gruppen zusammenscharten und daß bereits ein festes -Band die einzelnen Familien eines Stammes zusammenhielt. -Wenn des Abends sein feuriger Schweif -den Horizont schmückte, konnte er sehen, wie Menschen -ihren Führern an den Nil folgten, an seinen Ufern -niederknieten, um in den stillen Gewässern des Stromes -das Bild des Kometen zu betrachten. Andere, -in ihrer Kleidung wesentlich von jenen unterschieden, -stiegen in der Nacht auf hohe Pyramiden und suchten -dort den Stand des Kometen unter den anderen Sternen -festzustellen. Es war dies der Ursprung wissenschaftlicher -Forschung, aber auch zu gleicher Zeit der Anfang -der Unterjochung furchtsamer und unwissender -Völker durch tyrannische und rücksichtslose Männer.</p> - -<p>Da der Komet die Erde doch nur in langen -Zwischenräumen besuchte, wird man es begreiflich -finden, daß er von all dem, was der Mensch in seinem -Hochmut mit der stolzen Bezeichnung »Weltgeschichte« -benennt, nur eine ganz unbestimmte Vorstellung gewann. -Nur in großen Zügen konnte er von seinem -Stand am Himmel verfolgen, wie die einzelnen Perioden -der Schöpfung der Erde aufeinander gefolgt -waren, er sah sie aber nicht durch den trügerischen<span class="pagenum"><a id="Page_65">[65]</a></span> -Spiegel, dessen die Menschen sich bedienen, um alles, -was sie betrifft, recht groß zu machen, und das, was -ihnen fremd oder unbegreiflich ist, recht klein erscheinen -zu lassen. Der Komet konnte sich zwar naturgemäß -nicht rühmen, alle Einzelheiten der Geschichte -der Erde zu kennen; aber er konnte sich – und es -ist dies auch mehrmals geschehen – zum Dolmetscher -der Erde bei den anderen Gestirnen machen und ihnen -die Geschichte unseres Planeten mit einer Klarheit -und einer auf eigner Anschauung beruhenden Genauigkeit -erzählen, die allen Täuschungen der Menschen -bedeutend überlegen war. Es wäre daher sehr unrecht, -wenn man sich etwa darüber wundern wollte, daß unser -beobachtender Freund sich nicht besser über die Einzelheiten -des irdischen Lebens zu unterrichten suchte. -Seine Art, zu beobachten, konnte keine andere werden, -und das Erscheinen des Menschen auf der Erde hat -ihn auch nicht zu bewegen vermocht, seine Besuche in -kürzeren Zwischenräumen zu wiederholen.</p> - -<p>So würde er zwar nicht bestimmen können, ob -sein Vorbeigang im Jahre Zehntausendvierhundertundneunundvierzig -in die Periode der Ptah oder erst -in die des Re, des Chons oder des Set fiel, nach -denen die ägyptischen Priester ihre Jahre zählten; er -wußte aber ganz genau, daß eine der unserigen benachbarte -Sonne, von der Kometen, die von dort kamen, -ihm glänzende Schilderungen entworfen hatten, der -große und schöne Sirius, es vermocht hatte, die -Blicke und Gedanken, die Bewunderung und Verehrung -der Priester von Ober- und Unterägypten auf -sich zu ziehen. Er dürfte wohl auch nicht bestätigen -können, daß in dem entlegenen Zeitabschnitt, von dem -der indische Kalender seinen Ausgang nimmt, die<span class="pagenum"><a id="Page_66">[66]</a></span> -Söhne des Ostens bereits imstande waren, den Punkt -der Sonnenwende festzustellen; ganz zweifellos wußte -er aber, daß die Inder die Sonne verehrten, ebenso -Agni, den Gott des Feuers, und daß sie dagegen -Indra, den Gott des Blitzes, fürchteten. Aus eigener -Beobachtung wußte er auch, daß aus dem Orient -das Licht der Erkenntnis hervorgehen würde, das -später den Okzident erhellen sollte.</p> - -<p>Dem Kometen war es auch vollkommen klar, daß, -wenn es der Erde beschieden sein sollte, ein Wohnort -für vernunftbegabte Wesen zu werden, diese Wandlung -nicht in zwei Tagen geschehen könnte, sondern daß -auch die Menschheit zu diesem Ende eine lange Lehrzeit -durchmachen müßte. Es ist ein weiter Weg, der -zur Zivilisation einer Welt führt! Nach seinen Jahren -von dreitausend Erdenjahren Länge hatte der Komet -in der Theorie sich ausgerechnet, daß die Erde in vier -bis fünf Jahren die Kinderschuhe werde ausziehen -können. Vier Jahre, zu dem hinzugerechnet, bei -dem wir jetzt in unserer Erzählung stehen, ergeben -1811 unserer Zeitrechnung! Hat sich der Komet getäuscht? -In der Praxis freilich, sagte sich der Komet -selbst, wird hierzu ein viel längerer Zeitraum erforderlich -sein, da nach allem, was er sehen konnte, -die Menschen durchaus nicht von dem Verlangen, sich -zu vervollkommnen, beseelt zu sein schienen, sondern -viel lieber sich gegenseitig zu schädigen suchten. Eine -Beobachtung, die sich ihm aufdrängte, machte ihn -im höchsten Grade betroffen, und er hat sie nie vergessen -können. Noch immer steht er unter dem Eindruck, -den er erhielt, als er aus seinen Himmelshöhen -Zeuge einer jener großen und blutigen Schlachten -war, wie sie in der Frühzeit der Geschichte geschlagen<span class="pagenum"><a id="Page_67">[67]</a></span> -wurden, ein Eindruck, der sich im Laufe der Zeiten -nicht verwischte, sondern sich immer wieder erneuerte, -denn, solange es auf der Erde Menschen gibt, hat -unser teilnehmender Freund auch nicht ein einziges -Mal die Erde besucht, ohne daß er nicht irgendwo -gesehen hätte, wie diese Geschöpfe sich gegenseitig totschlugen. -Es schien ihm fast so, als ob sie nur dazu -geboren wären, ihre Kräfte aneinander zu messen, und -sobald sie sich stark genug dazu fühlten, ihre Macht -gegeneinander zu gebrauchen. Anstatt, wie auf anderen -Welten, eine geeinte, solidarische Familie zu bilden, -lagen die Menschen der Erde fortwährend mit sich -selber im Kampfe. Nach dieser Erfahrung, folgerte er, -müsse man die Zahl der Jahre, die für die Lehrzeit -der Menschen erforderlich sei, vervierfachen.</p> - -<p>Durch ein unvorhergesehenes Ereignis, das wir -hier nur beiläufig erwähnen wollen, sollten die Beobachtungen -des Kometen zu der Zeit, in der wir uns -jetzt befinden, eine kleine Lücke erhalten. Bei seinem -Vorübergange im Jahre Siebentausend­dreihundertundvierundachtzig -wurde seine Aufmerksamkeit ausschließlich -durch den Mond in Anspruch genommen, und die -neun Monate, die der Komet angesichts der Erde verweilte, -flossen dahin, ohne daß er Zeit gefunden hätte, -seine Beobachtungen auf unserem Planeten fortzusetzen. -Schon im Jahre Neunundfünfzigtausend­vierhundertundneunundachtzig, -also siebzehn seiner Jahre vorher, -war dem Kometen auf dem der Erde benachbarten -Gestirn, der sie wie ein treuer Trabant unablässig begleitet, -eine allgemeine Bewegung aufgefallen, die auf -der Oberfläche des Mondes eine ganz ungewohnte -Änderung herbeiführte. Zwei voneinander ganz verschiedene -Naturen hatten auf seinen beiden Halbkugeln<span class="pagenum"><a id="Page_68">[68]</a></span> -Platz gegriffen; Mondbewohner, die von einer der beiden -Hemisphären auf die andere übergingen, glaubten -in eine ganz andere Welt zu kommen. Als ob das -Gesetz von dem Gleichgewicht der Kräfte dort nicht existierte, -nahm der reichere Teil den ärmeren Teil unmerklich -in sich auf. Er sog ihm förmlich den Saft des Lebens -aus, als ob es sein Wille gewesen wäre, das Reich -der Mondbewohner allein ohne einen Nebenbuhler beherrschen -zu wollen. Sämtliche flüssige Massen sowie -alle zu Gasen verflüchtigten Körper zogen von der -der Erde zugewandten Seite auf die andere hinüber, -und gerade zu der Zeit, in der der Komet an der -Erde vorbeiging, fand der Auszug der Seleniten, der -Mondbewohner, nach der Halbkugel ihres Gestirnes -statt, die nur noch allein bewohnbar blieb. Man sah -sie überall sich rüsten, und von allen Seiten liefen sie -nach der Grenze des Horizontes, und alles, alt und -jung, groß und klein, arm und reich, wanderte nach -der neuen Welt. Die unglückselige Hälfte des Mondes -blieb von der Zeit an vollkommen verödet, und wir -sehen heute ihre erloschenen Krater und die ausgetrockneten -Meere, die ewig in ein grausiges Schweigen -gehüllt sind.</p> - -<p>Fast hätte noch ein anderes Ereignis den Studien -unseres Kometen ein frühzeitiges Ende gemacht. Bei -seinem drittletzten Vorübergange glaubte er schon alles -Leben auf der Erde der Vernichtung preisgegeben zu -sehen. Eine ungeheure Flut hatte sich über sie ergossen, -angeschwollene Ströme hatten Wiesen und Felder verwüstet, -Ebenen und Gebirge schienen unterwühlt zu -sein; auch das Meer schien die Grenzen seines Reiches -überschritten zu haben, um die bisherigen Kontinente -seiner todbringenden Herrschaft zu unterwerfen. Als<span class="pagenum"><a id="Page_69">[69]</a></span> -sich aber gegen Abend die Erde gedreht hatte und dem -Kometen ihre andere Hälfte zuwandte, vermochte er zu -erkennen, daß diese Sintflut keine allgemeine war. Sie -beschränkte sich nur auf die uralten Gegenden Asiens, -während die beiden ungeheuren Dreiecke Amerikas im -schönsten Sonnenschein dalagen. Die üppigste Vegetation -herrschte hier, die Tierwelt befand sich auf -der Höhe ihrer Blüte, und die Menschen, die dort -wohnten, freuten sich ihres Lebens und beteten ihre -schöne Natur an. Es waren die Vorfahren der Tolteken, -auf die zuerst die Chichimeken und dann die -Azteken folgten. Diesen war es auch beschieden, das -Reich der Tapaneken, Akolhuaner usw. in das ihrige -einzuverleiben. Sie gründeten die berühmte Stadt -Tenochtitlan auf den Inseln des Tezcuco-Sees, die sie -später zu einer einzigen Insel umschufen, um eine -feste Grundlage für die Hauptstadt Mexikos zu gewinnen. -Man sah auch die Berge, auf denen Manco-Capac -eines Tages die Republik der Inkas, die Sonnenanbeter -waren, gründen sollte. In ihr Reich zog später -Pizarro ein, um es zu erobern und dann das Vize-Königreich -Peru zu gründen. In den beiden Amerika -lagen viele voneinander getrennte kleine Staaten. Nicht -mit Unrecht dachte der Komet, daß, wenn durch ein -plötzlich hereinbrechendes Unglück die asiatische Kultur -auf dem Grunde des Meeres verschwände, Amerika -sie recht wohl ersetzen könnte. Bald aber hatte er die -Gewißheit, daß die Menschheit doch nicht in Gefahr -stand, vom Erdboden zu verschwinden. Während die -»neue Welt« zum Leben erwachte, wuchs die »alte« -immer mehr und schuf so Ersatz für den kleinen Teil, -den sie tatsächlich der großen Flut hatte zum Opfer -bringen müssen. Ägypten besaß auch schon eine wirkliche<span class="pagenum"><a id="Page_70">[70]</a></span> -Stadt, in der man bereits Paläste und Türme -unterscheiden und die Anfänge einer einförmigen -Skulptur erkennen konnte. Hohe Pyramiden bildeten -Wahrzeichen der dortigen Kultur, und in Indien entstanden -ebenfalls große Städte. Auch Europa machte -sich schon bemerkbar; erwachend, erkannte es, daß es -bereits Tag geworden war, und fühlte das Verlangen -aufzustehen und an der Kultur mitzuarbeiten. Nur -in Australien konnte unser Komet noch keine höher gearteten -Wesen, als große Affen, erkennen, die einander -Grimassen schnitten.</p> - -<p>In Gesellschaft der so verschiedenartig gestalteten -menschlichen Rassen entdeckte der Komet auch seltsam -geartete Tierformen, die heute nicht mehr vorhanden -sind: Da war der <em class="antiqua">Elephas primigenius</em> oder das -Mammut, ein ungeheurer Elefant, der 15–18 Fuß -hoch war und mit gekrümmten Stoßzähnen, die wenigstens -12 Fuß in der Länge maßen, bewaffnet war. -Als man in späteren Zeitaltern fossile Knochen dieses -Mammut zusammen mit menschlichen Gebeinen fand, -hielt man sie irrtümlich für Überreste von Riesen, die -20 Fuß groß gewesen sein sollten! Da sah man das -<em class="antiqua">Rhinoceros tichorhinus</em>, ein über und über mit Haaren -bedecktes Ungeheuer, in dem wir wohl das Urbild des -die Höhle bewachenden Drachen der Sage zu erblicken -haben; auf der Höhe des Montmartre hauste der -Höhlenbär in Gesellschaft riesenhafter Tiger; der -Wisent und der Auerochs, welcher in Gallien von -Cäsar auf dessen Rückwege von Bibracte noch gesehen -wurde, bevölkerten die Wälder, ebenso der <em class="antiqua">Cervus -megaceros</em>, eine Hirschart, die mit einem kolossalen -Geweih von 10–12 Fuß Breite geziert war; diese -Hirsche fielen den ersten menschlichen Jägern, die mit<span class="pagenum"><a id="Page_71">[71]</a></span> -Pfeil und Bogen schossen, als Beute zu. Auch prächtige -Vögel, wie man sie heute nicht mehr sieht, gab -es, wie der Dinornis oder Epiornis, dessen Eier -25 Zentimeter lang waren. Sie gehörten zu der -Familie der Strauße und gaben in der damaligen -Fauna eine sehr gute Figur ab.</p> - -<p>Die Ureinwohner Frankreichs, die Kelten, die ein -Glied der indogermanischen Völkerfamilie waren, kannten -diese würdigen Nachkommen vorsintflutlicher Tiergeschlechter -noch ganz gut. Der Komet beobachtete die -Kelten mit Interesse, und sie verdienten es auch, daß -er ihnen seine Aufmerksamkeit zuwandte, die hunderttausend -Jahre vorher die Riesen der Vorwelt auf sich -gezogen hatten; übrigens eine bedeutungsvolle Perspektive, -daß dasselbe Gestirn, zu dem wir aufblicken, -schon Geschlechtern, die seit Jahrhunderten erloschen, -und Völkern, die bereits für immer in den Abgrund -der Zeiten verschwunden sind, leuchtete. So vergehen -wie Eintagsfliegen die Wesen, die für uns alles Dasein -darstellen, während die Natur, die wir als etwas -Selbstverständliches hinnehmen, ewig in ihrer erhabenen -Größe bestehen bleibt.</p> - -<p>Es war im Jahre 1254 vor Christi Geburt, als unser -ehrwürdiger Reisender zum vorletztenmal an der Erde -vorüberging. Damals führten unsere Ahnen noch ihr -einförmiges Naturleben inmitten der dunklen Wälder, -die zu jener Zeit noch das Land bedeckten. Ihr Ehrgeiz -ging über die Scholle, auf der sie geboren waren, -nicht hinaus, und sie genossen in Frieden das Licht -des Himmels und die Güter der Erde. Ihre Großonkel, -die wir bereits vor einigen tausend Jahren im -fernen Orient kennen gelernt haben, führten noch immer -dasselbe frohgemute Leben. Aber im Gegensatz zu<span class="pagenum"><a id="Page_72">[72]</a></span> -den Kelten, die friedlich in den Wäldern ihres Landes -wohnten, suchten sie weitere Eroberungen zu machen. -Doch die Zeit ist nicht mehr fern, in der auch die -Kelten nach dem Süden wandern und hinter sich die -Kimmerier, Scordisken, Taurisker, Boier und Zimbern -lassen werden; jetzt aber erfreuen sie sich noch des -Glückes ihrer Kindheit, aber auch sie werden groß -und mächtig werden. Anderseits jedoch sind die Völker, -die wir bereits betrachtet haben, von ihrer Höhe -zurückgegangen. Ägypten schläft, Memphis ist tot, -This träumt und Theben, das hunderttorige, erwacht. -Aber es dauert nicht mehr lange, und der Wüstensturm -wird alle diese Städte hinwegfegen. Ach wieviel -verschwundene Kulturen! Babylon, das vor fünfzehnhundert -Jahren gegründet wurde, ist bereits gesunken, -und Ninive, das ihm folgte, liegt in Trümmern. -Ecbatana taucht auf, aber nur um später -Persepolis Platz zu machen, das auch seinerseits wieder -fallen wird. Assyrer, Meder, Perser, Chaldäer waren -nichts weiter als abgestoßene Glieder einer großen Völkerfamilie. -Auf der anderen Halbkugel schritt Amerika -nur langsam vorwärts. Im östlichen Asien waren -in China die Keime der Kultur aufgegangen; und -überallhin sandte die Sonne ihre befruchtenden -Strahlen und hüllte Länder und Meere in ihr -friedliches Licht. Vor kurzem erst war ein kleines -Volk aus Ägypten ausgezogen, jetzt setzte es sich -längs des Meeres fest, aber es hatte sich noch -keine Könige gewählt. Schließlich ist noch im Süden -Europas eine kleine Halbinsel zu erwähnen, deren -Bewohner, die erst vor achthundert Jahren dorthin -gekommen waren, älter als der Mond sein wollten und -behaupteten, der Grille gleich, die von ihren Frauen als<span class="pagenum"><a id="Page_73">[73]</a></span> -Wahrzeichen im Haare getragen wurde, aus dem Boden -der Erde entstanden zu sein. Damals beschäftigte eine -wichtige Begebenheit die Bewohner dieses Landes. -Ein gewisser Paris hatte eine sehr schöne Dame, -namens Helena, die rechtmäßige Gattin des Königs -Menelaus, entführt und nach einer einige Grade entfernten -Stadt Kleinasiens gebracht. Das ganze Volk -geriet dadurch in Aufregung. Überall wurden Waffen -hergestellt, Pferde gezäumt, Säbel geschärft, Harnische -geglättet, Panzerhemden gewebt, Schilde geschmiedet, -Beinschienen gefertigt, Lanzenspitzen befestigt, Stöcke -mit Eisen beschlagen, das Gepäck gepackt. Solch -große Vorbereitungen hatte der Komet noch nie gesehen. -Zu seinem Unglück, oder besser gesagt, zu -seinem Glück, konnte er das Ende des Krieges nicht -abwarten, denn die Belagerung der Stadt dauerte -nicht weniger als zehn Jahre, und in diesen zehn -Jahren hatte der Komet viele Millionen Meilen durchflogen; -das hinderte ihn aber nicht, sich darüber -klar zu werden, daß man einer Kleinigkeit wegen -sehr viel Lärm mache, und sich zu sagen, daß er -den Bewohnern der Erde, wenn sie fortfahren sollten, -sich um Nichtigkeiten so hinzumorden, schließlich -nicht mehr die Ehre seiner Beachtung würde zuteil -werden lassen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_74">[74]</a></span></p> - -<h2 id="Sechstes_Kapitel"><span class="h2meta">Sechstes Kapitel.</span><br /> -Von der Sintflut bis zum Jahre 1811.</h2> -</div> - -<p>»Welche Veränderung seit vorigem Jahr!« rief -der Stern mit dem leuchtenden Schweif, als er bei -seinem letzten Erscheinen, von dem die Geschichte -berichtet, zur Erde zurückkam. »Ist das dieselbe Welt, -die ich vor ganz kurzer Zeit noch in ihrer Kindheit -sah? Ist dies dasselbe Volk, das vordem so gering -an Wert und klein an Zahl, so furchtsam und schwach -war? Ist denn nichts mehr von dem vorhanden, was -ich hier gesehen und gehört habe? Menschen, Völker, -Städte, Länder – alles hat sich geändert! Wo sind -die alten Barden, die mich zum Zeugen für keltisches -Gesetz und Recht anriefen? Wo ihre Altäre -und Druidensteine? Wie viele Umwälzungen seit -meinem Weggange! Ich sehe hier weder die Kelten -noch die Kimrier, und dort unten weder Griechen noch -die Völker Mediens. Was für eine Stadt ist dies -hier? Unmöglich, das kann nicht die Erde sein!« … -Vor Staunen konnte der Komet sich kaum fassen.</p> - -<p>Seit seinem letzten Besuch hatte die Erde sich tatsächlich -sehr verändert, denn man zählte das Jahr des -Heils 1811, und in vollem Glanze leuchtete der Komet -über Paris.<a id="FNanchor_8_8"></a><a href="#Footnote_8_8" class="fnanchor">8</a></p> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_75">[75]</a></span></p> -<p>Für die Sterne im allgemeinen und für die großen -Kometen im besonderen wollen dreitausend Jahre nicht -gerade viel sagen: Im Kalender der Ewigkeit sind sie -weniger als eine Sekunde. Aber für den Menschen -– das wissen wir alle sehr gut – sind dreitausend -Jahre viel, sehr viel!</p> - -<p>Wie viele Generationen hat die Welt gesehen seit -1254 vor Christi Geburt! Griechenland, Latium -und seine Könige, die römische Republik, Karthago, -das römische Kaiserreich und sein Sturz, die Barbaren, -das west-römische Reich, die Gründung von fränkischen, -deutschen, angelsächsischen, heidnischen, christlichen, -mohammedanischen Reichen, das Aufkommen und der -Verfall des Lehnswesens in Frankreich, das dann die -Monarchie, die Republik und das Kaiserreich erlebte! -Alle diese Veränderungen hatten sich langsam vollzogen, -und für den Kometen waren sie nicht vorhanden. -Und was müßte sich erst ergeben, wenn wir, -anstatt uns auf ein einziges Land zu beschränken, den -ganzen Erdball in den Kreis unserer Darstellung -zögen? Die ganze Geschichte der Menschheit könnte -in dem Zeitraum von 1254 v. Chr. bis 1811 n. Chr. -eingeschlossen werden, der für den Kometen doch nur<span class="pagenum"><a id="Page_76">[76]</a></span> -ein einziges Jahr bedeutet. Seine Überraschung war -daher ganz gerechtfertigt und zu verzeihen. Ohne es -zu merken, war er von heute auf morgen von Agamemnon -zu Napoleon übergegangen, und man wird -zugeben müssen, daß es einen größeren Sprung nicht -gut geben kann.</p> - -<p>Städte und Völker hatten sich geändert. Viele -waren verschwunden, andere neu erstanden. Es war -ganz klar, die Menschheit hatte einen großen Schritt -weiter getan. Ob aber vorwärts oder rückwärts? Der -Komet, der doch ein scharfer Beobachter war, glaubte -zu der Annahme Grund zu haben, daß die Menschheit -nicht rückwärts gegangen war. Aber nicht allein -der Mensch hatte sich mit allem, was mit ihm in näherer -Beziehung steht, geändert; es schienen sich auch in der -Natur Umwandlungen vollzogen zu haben, die nicht -ausschließlich dem Zahn der Zeit zuzuschreiben waren. -Die Wälder waren zurückgedrängt und bedeckten nicht -mehr den ungeheuren Raum, den sie ehemals eingenommen -hatten. Von Menschenhand angelegte Wasserläufe -hatten sich in die natürlichen Flußsysteme eingeschoben. -Sümpfe waren ausgetrocknet und die Meeresufer schienen -geschützt. Das Land war mit weißen Linien -durchschnitten und an den Hügeln bauten sich terrassenförmig -Dörfer auf. Gewerbtreibende Städte erhoben -sich an den Ufern großer Ströme und ließen ihren -Grund von den rasch dahinströmenden Wellen benetzen; -Gärten und Parkanlagen umrahmten die Gruppen -menschlicher Wohnungen. Man mußte es wohl bekennen: -diesem kleinen Teil der Erdkugel hatte der -Mensch das Siegel seiner Gegenwart aufgedrückt.</p> - -<p>Aber … und wo gibt es kein »Aber«? … noch -immer hörte der Komet auf der Erde Waffengeklirr.<span class="pagenum"><a id="Page_77">[77]</a></span> -»Auch jetzt noch! Leider!« rief er aus. »Fast muß -ich glauben, daß den Erdenleuten das Kriegführen zur -Gewohnheit geworden ist. Die armen Menschen! Und -dabei ist ihr Planet doch keineswegs häßlich. Warum -schlagen sie in den sie entwürdigenden Kriegen einander -tot? Kann es etwas Schöneres geben, als unter der -lachenden Sonne in Frieden zu schaffen? Ob sie denn -überhaupt wissen mögen, was sie tun?«</p> - -<p>In den stillen und unendlichen Tiefen des Weltenraumes -ist das Gefühl für Entfernungen aufgehoben, -und Organe, die imstande wären, auch den schwächsten -Ton zu vernehmen, könnten sich durch den unendlichen, -unfühlbaren Äther verständlich machen. Alles -ist relativ, die Stärke des Tons sowohl als die des -Lichts. Wenn die Kometen nach den entlegenen Wüsten -ihrer größten Entfernung kommen, verlangsamen sie -ihren Gang, als ob sie in den Tiefen des Raumes dem -Unbekannten ein aufmerksames Ohr schenken wollten. -Man will sogar wissen, daß sie manchmal, ebenso wie -in ein fernes Land Verbannte, sich leicht aneinander -schließen, sich durch den unermeßlichen Raum ihre Gedanken -mitteilen und daß sie sich die Langeweile der -Einsamkeit und der Finsternis durch eine Unterhaltung -über die Natur der Dinge und das Schicksal der Wesen, -die sie auf ihren Reisen gesehen haben, zu verkürzen -suchen. Vor einigen Jahren traf unser Komet -in der Einöde jenseits des Neptun den Halleyschen -Kometen, der, wenn er auch nicht ganz so vornehm -und berühmt wie unser Held ist, sich doch immerhin -bedeutend über den Durchschnitt der gewöhnlichen -Kometen erhebt. Die beiden Reisenden gingen sofort -daran, ihre Erinnerungen und Erlebnisse miteinander -auszutauschen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_78">[78]</a></span></p> - -<p>»Seit meinem letzten Besuche habe ich die Erde -sehr verändert gefunden,« begann der größere und -ältere von beiden. »Man arbeitet dort unten sehr -rasch, und es will mir scheinen, daß eines meiner -Jahre so lang ist wie dreitausend der ihrigen, und -daß in dieser winzigen Spanne Zeit neunzig verschiedene -Generationen geboren werden und sterben -könnten. Welch Unterschied doch zum Neptun, auf -dem ich seit sechstausend Jahren auch nicht ein Jota -sich habe ändern sehen.«</p> - -<p>»Mit Verlaub, mein verehrter Kollege,« entgegnete -der andere. »Auch meine Jahre vergehen viel -schneller als die Eurigen, denn während ich einen Umlauf -um unsere herrliche Königin, die Sonne, vollende, -haben die Erdbewohner erst fünfundsiebzig ihrer Jahre -verlebt, und um die Wahrheit zu gestehen, muß man -zugeben, daß man während dieses kurzen Zeitraumes -auf der kleinen Erde Zeit findet, viel zu bauen und -niederzureißen. Glaubt es mir, werter Kollege, ich -bin über den Leichtsinn der Erdbewohner nicht weniger -erstaunt als Ihr es seid.«</p> - -<p>»Unter uns gesagt, diese Leute scheinen mir entweder -sehr oberflächlich oder sehr tätig zu sein. Seitdem -es Menschen auf der Erde gibt, verändert sie sich -zusehends. Früher, bevor diese Geschöpfe erschaffen -waren, kann ich mich erinnern, zwanzig und auch -dreißig Reisen gemacht zu haben, ohne daß ich große -Änderungen auf der Erdoberfläche bemerkt hätte. Aber -seit fünf Jahren« (der Komet meinte fünfzehntausend -Jahre) »haben sie es gelernt, in ihrem Lande zu bauen, -niederzureißen, zu graben, Dämme aufzuschütten und -es in einer Weise umzugestalten, als ob sie damit ein -reines Gaukelspiel aufführen wollten.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_79">[79]</a></span></p> - -<p>»In welchem Erdenjahre waret Ihr zum vorletztenmal -da?«</p> - -<p>»Mein lieber junger Freund, wenn ich mich recht -erinnere, mögen dies dreißig irdische Jahrhunderte her -sein. Ich kenne ihren Kalender zu wenig, um die -Zeit genau angeben zu können. Ich war gerade damals -in meinem zweihundertfünfundvierzigsten Jahre, -denn ich zählte fünfundvierzig Jahr, als ich die Erde -zum erstenmal bemerkte, und seit jener Zeit bin ich -zweihundertmal an ihr vorbeigekommen.«</p> - -<p>Der kleine Komet, der sehr gut zu rechnen verstand, -hatte ohne große Mühe sofort herausgefunden, daß -dieser vorletzte Besuch keinesfalls später als um die -Mitte des dreizehnten Jahrhunderts vor Beginn der -christlichen Zeitrechnung stattgefunden haben konnte. -Häufigere Besuche auf der Erde hatten ihn mit der -dortigen Art, die Jahre vor und nach Christi Geburt -zu zählen, vertraut gemacht. Und er konnte sich eines -Lächelns nicht enthalten, wenn er an die Verwunderung -seines ehrwürdigen Gefährten über die Veränderungen -dachte, die sich seit jener Zeit auf der Erde -vollzogen hatten. Da er gern erzählte und sich seinem -vornehmeren Kollegen angenehm machen wollte, gelüstete -es ihn, die Unterhaltung fortzusetzen und seine -persönlichen Beobachtungen über die Bewohner der -Erde zum besten zu geben. Sein Kamerad bemerkte dies.</p> - -<p>»Lieber Kollege,« begann er, »Ihr müßt doch über -den Gegenstand, von dem wir sprechen, viel besser als -ich unterrichtet sein. Ihr seid viel öfter als ich der -Erde nahegekommen, und Ihr könnt ihre Geschichte -besser verfolgen. Ist der Stand der Dinge, wie ich -ihn auf meiner letzten Reise« (er meinte im Jahre -1811) »auf der Erde gesehen habe, unmittelbar auf<span class="pagenum"><a id="Page_80">[80]</a></span> -den gefolgt, der sich meinem Auge bei meinem vorletzten -Durchgange« (also zur Zeit des Trojanischen -Krieges) »darbot? Zwischen diesen beiden Daten scheint -mir doch eine große Lücke zu liegen, und ich glaube, -Ihr könntet mir darüber hinweghelfen.«</p> - -<p>»Seit Eurem vorletzten Besuche«, erwiderte dieser, -»bin ich vierzigmal in die Nähe der Erde gekommen, -und, wollt Ihr es mir glauben? jedesmal habe ich Veränderungen -auf der Erde wahrgenommen. Die Menschen -leben auf ihrer Weltkugel eine so kurze Zeit, daß -es wohl schwerlich viele gibt, die sich rühmen dürfen, -mich bei zwei meiner aufeinander folgenden Erscheinungen -am Himmel leuchten gesehen zu haben, ja die -meisten Menschen haben mich auch nicht ein einziges -Mal gesehen. Und dabei«, fuhr er in traurigem Tone -fort, »ist mein Jahr doch vierzigmal kürzer als das -Eurige. Von meinen verschiedenen Erscheinungen auf -der Erde erinnere ich mich, nach der irdischen Zeitrechnung, -derjenigen im Jahre 12 vor Christi Geburt, -dann 837, 1066, 1456, 1531 und 1759 nach Christi -Geburt am deutlichsten, weil Ereignisse, deren unschuldige -Ursache ich werden sollte, mich in hohem -Grade bewegten. Wenn es Euch interessiert, will ich -Euch gern mehr davon erzählen. Es wäre mir dies -ein um so größeres Vergnügen, als ich ja nur selten -Gelegenheit habe, davon sprechen zu können.«</p> - -<p>Da unser Komet sich ganz außerordentlich für -alle menschlichen Angelegenheiten interessierte, und da -ihm in der tiefen Einöde des Weltenraumes, die sie -jetzt durchflogen, die Gesellschaft seines jüngeren Gefährten -ganz willkommen war, so hörte er dessen Bericht -mit gespanntester Aufmerksamkeit zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_81">[81]</a></span></p> - -<p>Und nun erzählte ihm dieser, wie im Jahre 12 -vor Beginn unserer Zeitrechnung im chinesischen -Reiche, unter der glorreichen Herrschaft der Han, die -auf die Dynastie der Tsin gefolgt waren, auf Befehl -des Kaisers der Fong-siang-chi, der kaiserliche Astronom, -den Kometen beobachtet und in ihm einen neuen Beweis -für den Zorn des Himmels auf Tsin-chin-hoang-ti -erkannt hatte, weil dieser, noch nicht zufrieden -damit, daß er die vom Kaiser Wu-wang auf -dem »Turm der Geister« errichtete Sternwarte hatte -einäschern und außerdem vierhundertfünfzig der gelehrtesten -Weisen des Reiches hatte enthaupten lassen, -bei Todesstrafe anbefohlen habe, innerhalb vierzehn -Tagen sämtliche über Moral, Philosophie, Astronomie -und Geschichte handelnde Bücher zu verbrennen; wie -ferner der kaiserliche Astronom dem Fürsten anempfohlen -habe, ebenso wie es ja im Winter zu geschehen -pflegte, sich in den zur Linken gelegenen Saal des -Schwarzen Palastes zu begeben, und durch ein dem -Gotte Hiuen-ming dargebrachtes Opfer symbolisch -eine neue Ära für Kunst und Wissenschaft einzuleiten; -wie dann der Tatsung-pe die Mandarinen, -ebenso wie zur Zeit der letzten Sonnenfinsternis, um -den kaiserlichen Thron versammelt hatte, um dem Gestirn -zu huldigen, und wie ganz China zwei lange -irdische Monate hindurch auf den Beinen geblieben -war. Er erzählte weiter, wie im Jahre des Heils -837 Ludwig der Fromme, der Sohn und Nachfolger -Karls des Großen, sich in einem dunklen Winkel der -Burgterrasse vor ihm auf die Knie geworfen und -ihn gefragt habe, welche Botschaft ihm der Komet -vom Himmel brächte; wie dann statt des stummen -Kometen des Kaisers geistliche Würdenträger geantwortet<span class="pagenum"><a id="Page_82">[82]</a></span> -hätten und der fromme Kaiser die drei Jahre, -die er noch zu leben hatte, damit verbrachte, Dome -zu erbauen, reiche Abteien zu stiften, große Klöster zu -errichten und Kirchen und Schulen mit reichen Mitteln -auszustatten. Ferner erzählte er, wie im Jahre 1066 -Wilhelm der Eroberer in der ganzen Normandie habe -ausrufen lassen: »<em class="antiqua">Nova stella, novus rex</em>« (»Ein neuer -Stern, ein neuer König«); wie er sich den Kometen -zum Führer auserkor und unter seiner Führung England -eroberte. Auf der berühmten Stickerei in der -Bibliothek der Stadt Bayeux kann man dies noch heute -sehen; das Werk stammt von der Königin Mathilde, -der Frau des Eroberers. Sie bildete die bedeutendsten -Szenen der Eroberung ab und verewigte dabei auch den -Kometen, wie er über einer Gruppe von vielen Leuten -steht, die Kopf und Hände zu ihm erheben. Und -weiter berichtete der Wandergefährte unseres Kometen -ganz ausführlich, wie im Jahre 1456 Christen und -Muselmanen, die miteinander im Kriege lagen, in -seiner Gestalt ein flammendes Schwert erkennen wollten, -das am Himmel ausgesteckt worden sei, um ihnen -das schrecklichste Unglück anzukündigen. Mohammed II., -in dessen Besitz Konstantinopel bereits übergegangen -war, hatte geschworen, daß er sein Pferd auf dem -Altar der Sankt Peterskirche in Rom tränken werde, -und auf dem Wege dahin belagerte er Belgrad. Als -nun die Gestalt eines feurigen türkischen Schwertes -am Himmel erschien, sah der Papst Calixt III. alle -seine schlimmen Befürchtungen in Erfüllung gehen. Der -Komet schilderte weiter, wie der Papst in seinem Zorn -Gestirn und Türken feierlich verfluchte, wie er sodann -das Angelus, ein Gebet, das beim Klange der Glocken -gesprochen werden sollte, angeordnet habe, und wie dann<span class="pagenum"><a id="Page_83">[83]</a></span> -jenes große Belgrader Blutbad begann, das ohne Unterbrechung -zwei Tage lang dauerte, und bei dem die Franziskaner-Mönche -mit keiner anderen Waffe als einem -Kruzifixe in der Hand »in der vordersten Reihe standen -und zum Papste flehten, er möge die himmlische -Erscheinung beschwören, daß sie ihren verhängnisvollen -Einfluß auf ihre Feinde ausübe«. Der Komet fuhr in -seinem Berichte fort und erzählte, welche ganz andere -Wirkung sein Erscheinen im Jahre 1531 hervorgerufen -hätte. Luise von Savoyen, die Mutter Franz' I., hatte -drei Tage vor ihrem Tode eine außerordentliche Helle -in ihrem Zimmer bemerkt. Sie ließ den Vorhang -hinwegziehen, und von dem Anblick des Kometen ganz -betroffen, rief sie aus: »Ein solches Zeichen gibt der -Himmel nicht für gewöhnliche Menschen. Gott hat -es nur für uns Große der Erde vorbehalten. Schließt -das Fenster! Es ist ein Komet, der mir den Tod -anzeigt, wir wollen uns darauf vorbereiten!« Weiter -erwähnte der Komet, daß von seinem Erscheinen im -Jahre 1682 seine astronomische Registrierung datierte. -Denn bei seinem Vorübergang in diesem Jahre wurden -seine Elemente berechnet und festgestellt, daß er derselbe -Komet sei, der in den Jahren 1531 und 1607 -an der Erde vorübergezogen war. Dem berühmten -Astronomen Halley war es vorbehalten, ihn der -Wissenschaft einzuverleiben und ihm seinen Namen zu -geben, und für das Jahr 1759 kündigte Halley sein -abermaliges Erscheinen an.</p> - -<p>Sodann erzählte der Halleysche Komet seinem älteren -Bruder die Geschichte der Aufeinanderfolge der verschiedenen -irdischen Reiche, und zwar vom Jahre 1254 -vor Christi Geburt bis zum Jahre 1835 nach Christi -Geburt, in welchem Jahre er zum letztenmal die Erde<span class="pagenum"><a id="Page_84">[84]</a></span> -besucht hatte. Der große Komet war nicht wenig -erstaunt, als er hörte, wie rasch sich auf der Erde neue -Reiche bildeten und wie sie noch schneller wieder zerfielen. -Was ihn aber am meisten, und leider auch -am schmerzlichsten überraschte, das waren die Mittel, -welche die Bewohner der Erde anwandten, um ihre -Eroberungszüge gegeneinander ins Werk zu setzen. -Eisen, Blut, die wildesten und ausgesuchtesten Grausamkeiten! -Soviel Bosheit in so kleinen Körpern und -in so gebrechlichen Wesen; solch übermütiger Eigendünkel -bei den Großen und dagegen wieder solch angeborene -Schwäche bei den Kleinen! Die Weltgeschichte -schien ihm wenig erbaulich, und hätte er nicht in Wirklichkeit -von seiner erhabenen Höhe aus die Schwächen -der Menschheit verachtet, so hätten ihm bei dem -schreckensvollen Bericht seines jüngeren Kollegen wohl -mehr als einmal sozusagen seine langen Haare zu -Berge gestanden.</p> - -<p>Sie flogen weiter, und ohne daß sie es merkten, -zogen sie am Neptun vorüber. Der Halleysche Komet -fuhr in der Darstellung seiner Lebensschicksale fort:</p> - -<p>»Während der fünfundzwanzig Jahre bis zu meinem -Erscheinen im Jahre 1682 irdischen Stils hatte die -Astronomie so große Fortschritte gemacht, daß der -Forscher, der mir seinen Namen gab, mein Erscheinen -für das Jahr 1759 voraussagen konnte. Hierin lag -sicherlich keine geringe Kühnheit. Ihr wißt jedoch, -daß ich mich nicht so weit wie Ihr in die Tiefen -des Weltalls stürzen kann – denn schon nach etwa -37 Jahren muß ich umkehren, während Ihr, Kollege, -noch fünfzehnhundert Jahre lang Eure Reise fortsetzen -könnt. Es ist Euch bekannt, daß ich mich jedesmal -bis auf sechsunddreiviertel Millionen Meilen von der<span class="pagenum"><a id="Page_85">[85]</a></span> -Erde entferne. Für uns will das nicht so sehr viel -sagen; für die kleinen Bewohner der Erde bedeutet -es aber eine unermeßliche Entfernung. Auf meinem -Fluge werde ich bisweilen durch gewisse Bewohner -des Weltenalls zurückgehalten, und wenn ich durch ihr -Gebiet gehe, bin ich gezwungen, meine Bewegung zu -verlangsamen. Die Herren von der Sternwarte müssen -außerordentlich scharfe Augen haben, oder richtiger gesagt, -mit einem fast übermenschlichen Ahnungsvermögen -begabt sein. Denn als ich in das Gebiet des Jupiter -kam, war ich ihrem Gesichtskreis schon längst entschwunden -und konnte auch mit Hilfe ihrer schärfsten -Fernrohre nicht mehr aufgefunden werden. Ich glaubte -annehmen zu dürfen, ihrer Aufmerksamkeit entgangen -zu sein. Aber damit war es nichts. Durch Jupiter -verlor ich 518 Tage, und Saturn veranlaßte eine Verzögerung -meiner Bahn um weitere 100 Tage. Nun -gut. Alles dies war bis auf einen Monat berechnet, -festgestellt und bekanntgegeben worden. Den Astronomen -können wir nichts mehr verheimlichen.</p> - -<p>Ein glücklicher Zufall fügte es, daß man auf mein -erneutes Erscheinen bei der Erde schon fünfzehn Jahr -vorher aufmerksam geworden war, und zwar durch -den schönsten Schweif, den man je gesehen hat, einen -sechsfachen Schweif, der jedoch, wie ich gleich bemerken -will, nicht mir gehörte. Ihr habt sicherlich, -lieber Kollege, neulich jenen Vaganten gesehen, der -von einer Welt zur andern fliegt und nie wieder -an demselben Ort sich sehen läßt. Seine Bahn ist -so exzentrisch, daß er schließlich parabolisch geworden -ist. Ganz gewiß ist es auch Euch nicht entgangen, -daß er den herrlichen Schmuck von sechs Schweifen -besitzt. Nun, im Jahre 1744 war er mein Vorreiter,<span class="pagenum"><a id="Page_86">[86]</a></span> -und nach dem irdischen Kalender gilt er als der schönste -Komet des achtzehnten Jahrhunderts. An dem Abend, -als er zum erstenmal am Himmel stand, glaubte man, -eine zweite Sonne ginge unter, so groß war der Glanz, -den seine Schweife ausstrahlten.</p> - -<p>Ich sagte Euch wohl schon, daß ich bei jeder -Wiederkehr zur Erde dort immer etwas Neues in den -Sitten, Gebräuchen und dem Geist der Völker gefunden -hätte. Niemals hat sich mir jedoch diese Beobachtung -lebhafter aufgedrängt als bei meinem letzten Besuche. -Den Teil der Erde, den ich 1759 besuchte, sollte ich -1835 wieder sehen. Noch genauer als vorher hatte -man die Verzögerung berechnet, die ich bei Jupiter, -Saturn und Uranus erleiden mußte, ja, man hatte -mir sogar den Weg vorgezeichnet, den ich auf meiner -Rückkehr durch den Himmelsraum zu nehmen hatte. -Am 20. August 1835 sollte ich am Stern ζ im Sternbild -des Stiers vorübergehen, am 28. zwischen den -Zwillingen und dem Fuhrmann stehen, am 21. September -im Fuhrmann sein, am 3. Oktober im Luchs, -am 6. im Großen Bären, am 13. in der Krone, am -15. zwischen Herkules und Schlange, am 19. im Ophiuchus, -am 16. November beim Stern η desselben Sternbildes -und am 26. Dezember beim Stern Antares im -Skorpion. Und was gewiß viel heißen will, von dieser -mir so weise vorgezeichneten Marschroute brauchte -ich nirgends abzuweichen. Aber, ich versichere Euch, -niemals in meinem Leben und auch auf keiner anderen -Welt habe ich so viel Umwälzungen und einen solchen -Umschwung der Geister kennen gelernt, wie bei meinem -letzten Besuch der Erde. Um Euch die Wahrheit -zu gestehen, ist mir dies sehr nahe gegangen und ich bin -darüber so traurig geworden, daß meine Betrübnis<span class="pagenum"><a id="Page_87">[87]</a></span> -den Bewohnern der Erde nicht entgangen sein kann.<a id="FNanchor_9_9"></a><a href="#Footnote_9_9" class="fnanchor">9</a> -Was hat man auf der Erde von 1759 bis 1835 gemacht? -Welche Umwälzung hat sich bei den Menschen -vollzogen? Je mehr ich über die Ursachen und das -Wesen dieser Neuerungen nachdenke, desto mehr gerate -ich ins völlig Dunkle. Auch der Komet Karl V. scheint -sich darin verloren zu haben.«</p> - -<p>»Der Komet Karl V.? Was hat es mit dem für -eine Bewandtnis?«</p> - -<p>»Ach, entschuldigt, verehrtester Kollege, ich vergaß -vollständig, daß Ihr über die irdischen Ereignisse -nicht genügend unterrichtet seid. Karl V. war -ein Kaiser von Deutschland, der seine Krone niederlegte, -als im Jahre 1556 einer unserer leuchtenden -Brüder, der bis dahin sicherlich keine Ahnung von der -Existenz der Erde hatte, zufällig in ihre Nähe kam. -Es ist dies derselbe Komet, der nach Ansicht der Erdbewohner -schuld an der Sintflut tragen und später -beim Tode Cäsars geleuchtet haben soll. Aller dreihundert -Jahre sollte er wiederkommen, also auch 1856.<span class="pagenum"><a id="Page_88">[88]</a></span> -Aber er mag wohl inzwischen den dummen Hochmut -der Großen der Erde kennen gelernt haben, die sich -einbilden, daß sie im Mittelpunkt des ganzen Weltalls -stehen – genug, er hat dieser kleinen, eitlen Welt -Valet gesagt und ist in ein anderes Sonnensystem geflogen. -Er befindet sich jetzt im Gebiet des Polarsterns, -und die Menschen können auf ihn warten; er -kommt nicht wieder. Um jedoch den Faden unserer -Unterhaltung, die durch diesen Muster-Kometen eine -kleine Ablenkung erfahren hat, wieder aufzunehmen, -wiederhole ich, daß ich mich in Mutmaßungen darüber -erging, welches die Ursachen der großen Änderungen -sein mögen, die sich während meiner Abwesenheit von der -Erde in der europäischen Gesellschaft vollzogen haben.«</p> - -<p>»Dieses Mal kann ich Euch vielleicht Aufklärung -geben, mein lieber junger Freund. Wenn die Großen -auch oft zu hoch gestellt sind, um das, was sich in den -unteren Regionen zuträgt, nach Gebühr sehen und -würdigen zu können, und dadurch in eine bedauerliche -Unkenntnis geraten, so verstehen sie es anderseits infolge -ihres überlegenen Urteils doch, aus diesen Vorgängen -die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das wenige, -was ich gesehen habe, kann daher vielleicht dazu -dienen, die Lücke in Eurer Vorstellung auszufüllen. -Ich weiß nur, daß es im Jahre 1811 in Frankreich -keinen »König von Gottes Gnaden« mehr -gab, sondern einen Kaiser, und gerade in derselben -Woche, in der ich bei der Erde ankam, wurde diesem -Kaiser ein Sohn geboren. Vom März 1811 bis zum -April 1812 blieb ich bei der Erde. Ich glaube erkannt -zu haben, daß die Eroberungen des Kaisers und die -Vergrößerung Frankreichs die Nachbarreiche in Angst -und Schrecken versetzten, und was mich in meiner<span class="pagenum"><a id="Page_89">[89]</a></span> -Annahme bestärkte, war der Umstand, daß der große -Machthaber eine Armee von 450 000 Mann aushob, um -mit dieser halben Million nach den russischen Steppen -zu marschieren. Was aus ihnen geworden ist, vermag -auch ich nicht zu sagen, denn vom Juli 1812 ab konnte -ich auf der Oberfläche der kleinen Erdkugel nichts -mehr erkennen.«</p> - -<p>Die Kometen sind gute Logiker. Indem sie sich -einander mit ihren Erinnerungen aushalfen und die -Erfahrungen, die sie bei ihren Beobachtungen der Erdbewohner -gesammelt hatten, austauschten, waren sie -imstande, sich unsere Geschichte aufzubauen. Sie verfuhren -dabei ganz nach Vernunftschlüssen. Im Jahre -1759, so sagte der eine, gab es in Frankreich soziale -Zustände, die in sich vollkommen morsch waren und auf -die nun große Hämmer, Philosophen genannt, um die -Wette loshieben. Im Jahre 1811, meinte der andere, -gab es in Frankreich einen Kaiser und Kriegsrüstungen. -Im Jahre 1835, nahm der erste wieder das Wort, -hatte Frankreich einen konstitutionellen König und lebte -in tiefstem Frieden. Mit diesen drei vorhandenen -Tatsachen hatten sie sich in großen Zügen die Umrisse -der französischen Geschichte geschaffen. Ihre -Unterhaltung berührte in derselben Weise auch das -Geschick der anderen Völker, denn die Kometen haben -für eine Schar Ameisen keine größere Vorliebe als -für die andere. Da aber diese Entwicklungen sich im -großen und ganzen sehr ähneln und für uns, die wir -doch keine Kometen sind, weniger Interesse haben, so -verzichten wir darauf, diese siderischen Unterhaltungen -hier wiederzugeben.</p> - -<p>So hatten die beiden Forschungsreisenden im Weltenraum, -die sonst gewohnt waren, sich nur mit großen<span class="pagenum"><a id="Page_90">[90]</a></span> -Dingen abzugeben, die kleine Erdkugel, auf der wir -uns befinden, nach allen Richtungen hin besprochen. -Bald aber mußte der Halleysche Komet abbiegen, -um in seiner Ellipse dem Aphelium zuzufliegen, -während der majestätische Komet von 1811 in gerader -Linie seine Reise fortsetzte, denn <span id="corr090">bis zum</span> Jahre 3343 -wird er sich von der Sonne entfernen, um dann -in demselben Marschtempo wieder zu ihr zurückzukehren. -In den unermeßlichen Tiefen des Himmelsmeeres -mag er dann wohl Welten begegnen, die uns -unbekannt sind, einstigen Welten, deren Sonne erloschen -und die in grausigem Schweigen ihre kosmischen -Ruinen und die Gräber versunkener Kulturen durch -den unendlichen Raum tragen.</p> - -<div class="footnotes"><h3>Fußnoten</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_8_8"></a><a href="#FNanchor_8_8"><span class="label">8</span></a> Der himmlische Reisende, dessen Geschichte wir erzählen, ist in -der Tat kein anderer als der Komet vom Jahre 1811. Die Wirkung, -die das Auftauchen dieses herrlichen Gestirns am Abend des 26. März -1811 überall hervorrief, war unbeschreiblich. Die fruchtbare Hitze des -Sommers und die Güte des Weines in jenem merkwürdigen Jahr -schrieb man dem Kometen zu. Alle Zeitungen brachten Artikel über -ihn, in allen Sprachen unterhielt man sich von ihm und alle möglichen -Erklärungen über seine Natur wurden gegeben. Einige schmeichelten -ihm, während andere ihn fürchteten. Diese sahen in ihm die Verwirklichung -einer uralten Prophezeiung, während jene in ihm ein -Gnadenzeichen erblicken wollten, mit dem der Himmel die Geburt des -Königs von Rom feierte. Auf ein Fensterkreuz der Tuilerien gestützt, -fragte Napoleon seinen Onkel, den Kardinal Fesch, was er von dem -wunderbaren Gestirn halte. Ganz Paris sah zu dem Kometen auf, und der -Sommer verging nicht, ohne daß man unter anderem »Kometen-Krawatten« -und »Kometen-Hüte« verfertigt hätte. Sogar einer Sauce verlieh -man seinen Namen. So viel Aufsehen rief er hervor, daß alle, die jene -Zeit erlebt hatten, sich ihrer bis in ihr spätes Alter erinnerten.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Footnote_9_9"></a><a href="#FNanchor_9_9"><span class="label">9</span></a> Die Edinburgh Review von 1836 schreibt: »Der Halleysche Komet -erschien selbst in den Nächten, in denen er sich am deutlichsten zeigte, -bleich und verschwommen, er rief mehr Neugier als Bewunderung -hervor. Wir haben ihn durch das Fernrohr beobachtet und können -den traurigen Eindruck nicht schildern, den sein melancholisches Licht -erweckt. Je mehr man sich mit einem derartigen Objekt befaßt, desto -weniger kann man über seine Natur ins reine kommen. Ein bläuliches, -unklares Licht, das zur Hälfte durch eine große Wolkenhülle verfinstert -wird, das ist der Anblick, der sich dem Auge bietet. Die Beschaffenheit -dieses Lichtes ist uns unbekannt. Es ähnelt weder dem -Lichte der Sonne noch dem des Begleiters der Erde, auch nicht dem -der Sterne, ja nicht einmal dem des Nebels der Milchstraße. Nur -wenn man Saturn durch ein starkes Vergrößerungsglas gesehen hat, -kann man sich eine zutreffende Vorstellung von dem bleiernen Schimmer -machen, den dieser Komet warf.« John Herschel.</p></div></div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_91">[91]</a></span></p> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Nachschrift">Nachschrift.</h2> -</div> - -<p>Wenn im Jahre 1910 der Komet von 1835 wieder -erscheint, wird er uns vielleicht nur um fünfundsiebzig -Jahre älter finden. Was will das heißen? -Aber wen oder was wird sein ehrwürdiger Kollege -auf der Erde vorfinden, wenn er ihr im Jahre 4876 -wiederum einen Besuch abstatten wird? Vielleicht -wird dann auch Frankreichs glänzende Hauptstadt dahingeschwunden -sein, wie es heute die großen Städte -sind, die der Komet bei seiner letzten Annäherung an -die Erde sah: Troja, Ninive, Theben und hundert -andere, deren Namen mit ihren Ruinen nicht auf uns -gekommen sind. Möglich, daß tiefste Einsamkeit dort -lagert, wo einst Frankreich war, und daß sich Trauerweiden -über dem Flusse schaukeln, der einst die Seine -hieß. Wird der Komet Frankreich mit Paris, England -mit London, Italien mit Rom nochmals zu sehen bekommen? -Dieser Komet mit seiner langen Umlaufszeit, -der bis jetzt weder dieselbe Stadt noch dasselbe Volk -zum zweitenmal geschaut hat! Wenn in etwa fünfzigtausend -Jahren wir – oder irgendwelche andere – diese -Erzählung fortsetzen wollten, wird dann auch immer -von neuen Dingen, die das Frühere verdrängt haben, -berichtet werden müssen und wird die Geschichte der -Erde jemals eine andere sein als die Geschichte von -Umwälzungen und Neueinrichtungen, die nicht von -Dauer sind?</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_92">[92]</a></span></p> - -<p>Die Kometen besitzen zwar nicht die Gabe der -Weissagung. Da jedoch der Verfasser dieser Schrift -das Glück hat, einige Kometen zu seinen Freunden -zu zählen, und da er in dem heißen Sommer des -Jahres 1811 noch zu klein war, um sich selbst an den -großen und stolzen Kometen jenes Jahres wenden zu -können, so erlaubte er sich erst ganz vor kurzem einen -blondgeschweiften Boten an den erhabenen Reisenden -mit der Bitte zu schicken, daß er ihm doch ganz im -Vertrauen sagen lassen möchte, wie er die Erde bei -seinem nächsten Besuche zu finden hoffe. Und der -Autor hat das große Vergnügen, diese wahrhafte Geschichte -mit einem angenehmen Bescheid abschließen zu -können. Der große Komet hat sich zwar nicht ganz -deutlich ausgedrückt – man muß das zugestehen – aber -es ist dies auch wieder ein Beweis für die hohe -Stellung, die er einnimmt, und ein Zeichen für seine -große Klugheit. Er hat dem kleinen Kometen also -gesagt, er solle mit einem freudigen Gesicht zu dem -sonderbaren Astronomen, der ihn ausgesandt, zurückkehren. -»Denn«, fügte er hinzu – und das sind seine -eigenen Worte –, »sage ihm, mein lieber Kleiner, daß -die Menschheit, die sich selbst schon so alt vorkommt, -sich noch in ihrer frühen Kindheit befindet. Sie hat -noch ihre Kinderkrankheiten durchzumachen. Aber nur -nicht die Hoffnung verlieren! Ich möchte sogar meinen -Schweif wetten, daß es keine hunderttausend Jahre mehr -dauern wird, bis die Menschheit nicht nur zur Reife -der Vernunft gelangt sein wird, sondern auch unentgeltlichen -und obligatorischen Unterricht, allgemeines -Stimmrecht, unabhängige republikanische Staatsverfassung, -Befreiung der Geister von jedem Druck, und -schließlich Abschaffung der stehenden Heere und endgültige<span class="pagenum"><a id="Page_93">[93]</a></span> -Beseitigung der gegenseitigen Abschlachtungen errungen -haben wird.«</p> - -<p>Das waren seine letzten Worte, die letzten Worte -jenes wandernden Gestirnes, das es wohl versteht, von -seinem erhabenen Standpunkte aus die Geschichte des -irdischen Planeten und seiner menschlichen Bewohner -zu beurteilen. Man kann daraus entnehmen, daß wir -schließlich in dem ungeheuren Weltall zwar nur ein -winziges Körnchen sind, daß wir aber dennoch, wenn -wir nur unsere Fähigkeiten richtig anzuwenden verstehen, -uns einen Wert erringen können, der uns über -die Materie erhebt: <em class="gesperrt">Geistige</em> Wesen zu werden, das -muß, wie ja auch der Komet meinte, das Endziel -aller unserer Mühen sein.</p> - -<p class="center p2">Ende.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Page_95">[95]</a></span></p> - -<h2 id="Flammarion_Komet_und_Erde">Flammarion, Komet und Erde.<br /> -<span class="h2meta">Inhalt.</span></h2> -</div> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td></td> -<td class="tdr">Seite</td> -</tr> -<tr> -<td>Einleitung</td> - <td class="tdr"><a href="#Einleitung">3</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Erstes Kapitel. Erste Begegnung des Kometen mit der Erde</td> - <td class="tdr"><a href="#Erstes_Kapitel">5</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Zweites Kapitel. Umwälzungen auf der Erde</td> - <td class="tdr"><a href="#Zweites_Kapitel">19</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Drittes Kapitel. Morgenröte der Erde</td> - <td class="tdr"><a href="#Drittes_Kapitel">35</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Viertes Kapitel. Die vorpariserischen Pariser</td> - <td class="tdr"><a href="#Viertes_Kapitel">50</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Fünftes Kapitel. Im Orient</td> - <td class="tdr"><a href="#Funftes_Kapitel">62</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Sechstes Kapitel. Von der Sintflut bis zum Jahre 1811</td> - <td class="tdr"><a href="#Sechstes_Kapitel">74</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Nachschrift</td> - <td class="tdr"><a href="#Nachschrift">91</a></td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p class="center"><b>Naturwissenschaftliche Werke aus</b></p> - -<p class="h2">Philipp Reclams Universal-Bibliothek.</p> - -<p class="center">Jede Nummer ist für 20 Pf. durch alle Buchhandlungen zu beziehen</p> -</div> - -<p class="h2">Bücher der Naturwissenschaft</p> - -<p class="center">herausgegeben von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Siegmund Günther</p> - -<div class="hang"> - -<p>1. Band. <b>Grundriß der Naturphilosophie.</b> Von Prof. -<em class="antiqua">Dr.</em> Wilhelm Ostwald. <span class="smaller">2. Aufl. Mit dem Bildnis des Verfassers. -Nr. 4992/93. In Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband -M. 1.80.</span></p> - -<p>2. Band. <b>Geschichte der Naturwissenschaften.</b> Von -Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Siegm. Günther. <span class="smaller"><b>I. Teil.</b> 2. Aufl. Mit dem -Bildnis des Verf., 2 farbigen u. 4 schwarzen Tafeln. Nr. 5069/70.</span></p> - -<p>3. Band. <b>Geschichte der Naturwissenschaften.</b> Von -Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Siegm. Günther. <span class="smaller"><b>II. Teil.</b> 2. Auflage. Mit -2 farbigen und 8 schwarzen Tafeln. Nr. 5071–74. Beide Teile -zusammen in einem Leinenband M. 1.50. In Leder- oder Halbpergamentband -M. 3.–.</span></p> - -<p>4. Band. <b>Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen -und Radioaktivität.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> G. Bugge. <span class="smaller">3. Aufl. Mit -4 Tafeln und 20 Zeichnungen im Text. Nr. 5151/52. In Leinen -80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80.</span></p> - -<p>5. Band. <b>Licht und Farbe.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Rob. Geigel. -<span class="smaller">2. Aufl. Mit 1 Porträt, 4 bunten Tafeln u. 75 Zeichnungen im Text. -Nr. 5188–90. In Leinen M. 1.–. In Leder- oder Halbpergamentband -M. 2.–.</span></p> - -<p>6. Band. <b>Der Sternenhimmel.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> J. B. -Messerschmitt. <span class="smaller">Mit dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, -9 schwarzen Tafeln und 24 Zeichnungen im Text. 2. Auflage. -Nr. 5228–30. In Leinen M. 1.–. In Leder- od. Hlbpgtbd. M. 2.–.</span></p> - -<p>7. Band. <b>Die Abstammungslehre.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> -Kurt Lampert. <span class="smaller">Mit dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, -7 schwarzen Tafeln und 9 Abbildungen im Text. Nr. 5241–43. -In Leinen M. 1.–. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> - -<p>8. Band. <b>Die chemischen Grundstoffe.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Max -Speter. <span class="smaller">Mit 4 farbigen, 6 schwarzen Tafeln, einer Atomgewichtstabelle -u. 10 Figuren im Text. Nr. 5269/70. In Leinen -80 Pf. Zus. geb. mit Bd. 17 unter d. Titel <em class="gesperrt">Stoff und Energie -im Lichte der Chemie</em> in Leder- od. Halbpgmtbd. M. 2.50.</span></p> - -<p>9. Band. <b>Die Elektrizität.</b> Von Prof. Franz Adami. -<span class="smaller"><b>I. Teil.</b> Mit 1 Porträt, 4 schwarzen Tafeln und 29 Textfiguren. -2. Aufl. Nr. 5298/99. Gebunden zus. mit Teil II, s. 14. Band.</span></p> - -<p>10. Band. <b>Die Wärme.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Robert Geigel. -<span class="smaller">Mit 4 Tafeln und 32 Zeichnungen im Text. Nr. 5321–23. In -Leinen M. 1.–. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> - -<p>11. Band. <b>Chemie und Technik.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Günther -Bugge. <span class="smaller">Mit 7 Tafeln u. 14 Zeichnungen im Text. Nr. 5348–50. -In Leinen M. 1.–. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> - -<p>12. Band. <b>Das Klima.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Eugen Alt. <span class="smaller">Mit 3 farbigen -Erdkarten und 4 Zeichnungen im Text. Nr. 5431/32. -In Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80.</span></p> - -<p>13. Band. <b>Physik der Gestirne.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> J. B. -Messerschmitt. <span class="smaller">Mit 4 farbigen und 9 schwarzen Tafeln und -21 Zeichnungen im Text. Nr. 5451–53. In Leinen M. 1.–. -In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> - -<p>14. Band. <b>Die Elektrizität.</b> Von Prof. Franz Adami. -<span class="smaller"><b>II. Teil.</b> Mit 4 farbigen und 8 schwarzen Tafeln, 89 Zeichnungen -im Text und einem Gesamtregister für Elektrizität I -u. II. Nr. 5478–80. Teil I u. II zusammen in einem Leinenband -M. 1.50. In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70.</span></p> - -<p>15. Band. <b>Vom Keim zum Leben.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Kurt -Lampert. <span class="smaller">Mit 4 bunten und 8 schwarzen Tafeln und -13 Abbildungen im Text. Nr. 5501–3. In Leinen M. 1.–. -In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> - -<p>16. Band. <b>Schnee und Eis der Erde.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> H. -Wieleitner. <span class="smaller">Mit 16 Tafeln und 26 Abbildungen im Text. -Nr. 5521–23. In Leinen M. 1.–. In Leder- od. Hlbpgtbd. M. 2.–.</span></p> - -<p>17. Band. <b>Die chemische Verwandtschaft und ihre -Beziehungen zu den übrigen Energieformen.</b> -Von <em class="antiqua">Dr.</em> Max Speter. <span class="smaller">Mit 4 Porträttafeln und 6 Abbildungen -im Text. Nr. 5571/72. In Leinen 80 Pf. Zusammen -gebunden mit Band 8 unter dem Titel <em class="gesperrt">Stoff und Energie -im Lichte der Chemie</em> in Leder- oder Hlbpgtbd. M. 2.50.</span></p> - -<p>18. Band. <b>Der Wirbeltierkörper.</b> Eine vergleichende -Anatomie von <em class="antiqua">Dr.</em> Fr. Hempelmann. <span class="smaller"><b>I. Teil.</b> Mit -2 bunten und 2 einfarbigen Tafeln und 62 Abbildungen im -Text. Nr. 5609/10. Mit Teil II zus. in einem Leinenband -M. 1.50. In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70.</span></p> - -<p>19. Band. <b>Der Wirbeltierkörper.</b> Eine vergleichende -Anatomie von <em class="antiqua">Dr.</em> Fr. Hempelmann. <span class="smaller"><b>II. Teil.</b> Mit 2 -bunten und 2 einfarbigen Tafeln und 71 Abbildungen im Text -und einem Gesamtregister für Der Wirbeltierkörper I u. II. -Nr. 5611–13. Mit Teil I zus. in einem Leinenband M. 1.50. -In einem Leder- oder Halbpergamentband M. 2.70.</span></p> - -<p>20. Band. <b>Meereskunde.</b> Von Prof <em class="antiqua">Dr.</em> Adolf Pahde. -<span class="smaller">Mit 3 farbigen Kartenbeilagen, 7 schwarzen Tafeln, 1 Porträtbeilage -und 13 Abbildungen im Text. Nr. 5632–34. In Leinen -M 1.–. In Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> - -<p>21. Band. <b>Die Welt der Kolloide.</b> Von <em class="antiqua">Dr.</em> Heinr. Leiser. -<span class="smaller">Mit 7 Tafeln und 15 Abbildungen im Text. Nr. 5651/52. In -Leinen 80 Pf. In Leder- oder Halbpergamentband M. 1.80.</span></p> - -<p>22. Band. <b>Der Säugetierorganismus und seine -Leistungen.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Ernst Th. v. Brücke. -<span class="smaller"><b>I. Teil.</b> Mit 4 bunten und 3 einfarbigen Tafeln und 21 Zeichnungen -im Text. Nr. 5678–80.</span></p> - -<p>23. Band. <b>Der Säugetierorganismus und seine -Leistungen.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> Ernst Th. v. Brücke. -<span class="smaller"><b>II. Teil.</b> Mit 3 Tafeln und 28 Zeichnungen im Text und einem -Gesamtregister für Der Säugetierorganismus und seine -Leistungen I und II. Nr. 5681–83. Mit Teil I zus. in einem -Leinenbd. M. 1.75. In einem Leder- od. Hlbpgtbd. M. 3.–.</span></p> - -<p>24. Band. <b>Das Süßwasser der Erde.</b> Von Prof. <em class="antiqua">Dr.</em> -W. Halbfaß. <span class="smaller">Mit einem Porträt, 14 Tafeln und 13 Abbildungen -im Text. Nr. 5708–10. In Leinen M. 1.–. In -Leder- oder Halbpergamentband M. 2.–.</span></p> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die vordere -Werbeseite wurde ans Buchende verschoben. Die Fußnoten wurden jeweils -ans Kapitelende verschoben.</p> - -<p>Korrekturen:</p> - -<div class="corr"> -<p> -S. 90: erst im → bis zum<br /> -<a href="#corr090">bis zum</a> Jahre 3343 wird er sich von der Sonne entfernen</p> -</div> -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Komet und Erde, by Camille Flammarion - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND ERDE *** - -***** This file should be named 60930-h.htm or 60930-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/0/9/3/60930/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/60930-h/images/cover.jpg b/old/60930-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 697b505..0000000 --- a/old/60930-h/images/cover.jpg +++ /dev/null |
