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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Germaniens Götter - -Author: Rudolf Herzog - -Illustrator: Robert Engels - Paul Hartmann - -Release Date: December 17, 2017 [EBook #56192] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMANIENS GÖTTER *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original fetter Text ist =so markiert=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Germaniens - Götter - - von - - Rudolf Herzog - - [Illustration] - - Verlag Quelle & Meyer · Leipzig - - - - - Copyright 1919 by Quelle & Meyer, Leipzig - - Alle Rechte vorbehalten - - Schwarzweißzeichnungen von Professor Robert Engels - Einbandzeichnung von Paul Hartmann - Druck von Radelli & Hille, Leipzig - - - - - Den - Nachkommen - Hermanns - des - Cheruskers - - - - -Zum Geleit. - - -Von den Göttern spricht dies Buch. Von Germaniens Göttern. Immerdar -sind eines Volkes Götter das Abbild seiner innersten Art gewesen, -seiner Tugenden, seiner Fehler, seiner verlangenden Sehnsucht. Wenn -unsere Väter zu den Göttern riefen, riefen sie an, was an Kraft und -Zuversicht bewußt oder unbewußt in ihnen selber lebte, sahen sie -Wunsch und Willen im Lichte eines überirdisch gesteigerten Mannes- und -Heldentums. - -Ein Volk, das seiner Götter vergißt, vergißt seines Ursprungs, seiner -Ahnen, seiner selbst und seiner Wurzelkraft. Wer sich seiner Herkunft -und Vergangenheit schämt, baut seine Zukunft in den Wirbelwind. Aus den -rauhen Wäldern Germaniens stammen wir, stammen unsere Götter. Nicht -aus dem sonnentrunkenen Hellas und dem hochmuttrunkenen Rom. Lernt es -aufs neue, ihr Deutschen. Lernt es mit dem Stolz, der allein die Kraft -verleiht, ein _Volk_ zu sein und keine Sklavenherde von Mantelträgern -und kriechenden Liebedienern. Den Göttern Griechenlands, den Göttern -Roms unsern Gruß. Germaniens Götter grüßen euch mit _derselben_ Stimme -der Unsterblichkeit! Nie waren die Götter Deutschlands herrlicher und -gewaltiger, als in den Tagen, da sie um Untergang und Auferstehung -kämpften. - -Was sind Jahrhunderte, was Jahrtausende, gemessen an der urewigen Zeit? -Germaniens Götter rufen heute wie ehedem. Und immer riefen sie am -stärksten, wenn der Sturm die Wolken über den deutschen Himmel jagte. - -Beilzeit, Schwertzeit -- Windzeit, Wolfzeit! - -Wiederum heute, wie zu der Urväter Zeit. - -Um Untergang und Auferstehung kämpft Deutschlands Volk. Euren Göttern -nach, ihr Deutschen! Zur neuen Sonne! Zur neuen, geläuterten Zukunft. - - _Rudolf Herzog._ - - Obere Burg zu Rheinbreitbach - 18. Oktober 1919. - - - - -Inhaltsverzeichnis - - - Der Götter Erscheinen 1 - - Der Menschen Werden und Wachsen 12 - - Das goldene Zeitalter 24 - - Der Wanenkrieg 36 - - Die Götter auf schiefer Bahn 52 - - In Schuld und Schicksalskampf 63 - - Die Götter auf Kundschaft 80 - - Im Zeichen des Hammers 102 - - Wodans Wunschmädchen 130 - - Unter den Einheriern 147 - - Um Baldur 177 - - Der letzte Kampf 198 - - - - -Der Götter Erscheinen. - - -Regungslos lag die _Weltseele_ ... - -Über der Leere lag sie, der ungeheueren, die nicht Wasser noch Erde -wies, nicht Feuer noch Luft. Nichts als die leblose Leere. Starr und -unendlich. Regungslos lag die Weltseele über der toten Leere. Bis daß -sie träumte ... Leben träumte sie ... - -Und als der erste Traum durch die Weltseele rann, war es wie ein -erstes, wärmendes Leben, und aus der aufsteigenden Wärme sprang wie ein -Funke der _Gedanke_, der zur Flamme wurde und aufloderte in die Leere. - -Das _Feuer_ war in die Welt gekommen und stand, eine Welt für sich, -hoch und heiß und sengend am Rande der Leere. _Muspelheim_ hieß -diese Welt, und Feuergeister waren, was aus der Weltenseele in sie -hinübergeglitten war. - -Weiter sann die Weltseele. Und sie sann hinter dem feurigen Gedanken -her, der Muspelheim entzündet hatte und nun unaufhaltsam war. Nicht -Wärme, nicht Kälte hatte die ungeheure Leere gekannt. Nun aber, da -an ihrem Südrande Muspels Flammen lohten, ward sich der Nordrand der -Kälte bewußt, und die dunklen Nebel brauten, daß es eine Welt voll -Nebel war und _Niflheim_, Nebelheim geheißen. Die Nebel aber stiegen -auf und wurden _Luft_, und sie stiegen nieder und wurden _Wasser_. -Und die Wasser Niflheims strömten in die ungeheure Leere, die sie -zur Eisschicht erstarren ließ, und die Wasser strömten immerzu, und -Eisschicht lagerte sich über Eisschicht, bis die Leere ausgefüllt -war. Und die Stürme, die aus Niflheims Luft wuchsen, zermürbten die -Decke zu Schnee und Reif, und die Glut, die aus Muspelheims Flammen -hinüberlangte, mischte Glutasche hinein und schmolz das Wasser hinaus, -daß _Erde_ wurde und aus Erde, Wasser, Feuer und Luft die Wildnis der -_Erdenwelt_. So ward die Erdenwelt geboren und geschwängert von allen -Gedanken der Weltseele. - -Die irdischen Gedanken aber lagen nahe der Oberfläche und drängten -nach Form und Gestalt, hastig und ungeschlacht, während die göttlichen -Gedanken noch in der Tiefe lagen und über Vollkommenheit sannen. Und -als der Funkenregen, der von Muspelheim herüberstob, kaum erst die -oberste Reifschicht durchbrochen und die vorgeschobenen, die irdischen -Gedanken der Weltseele mit seinem lebenheischenden Anruf getroffen -hatte, rissen die noch unvollkommenen sich los, griffen nach dem -rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen Geistes, und als Erstes -entstand ein Ungetüm, das alle Erde, die da wurde, in sich fraß, und -alle Wasser, die da rauschten, in sich schluckte, das alle Luft aufsog -und alle Feuerwärme für sich begehrte -- der _Riese Ymir_. - -Der Riese Ymir wälzte seinen immer hungrigen und durstigen Leib im -dampfenden Reif, und wo er ausruhte, drohten seine massigen Gliedmaßen -das junge, lebenhegende Erdreich zu ersticken. Und als er sich -übernommen hatte an Speise und Trank und ächzend lag, rieb er im -Angstschweiß seine Hände, und es sprang ein neues Riesenpaar heraus, -das dem Vater beistand im Fressen und Schlucken, und er rieb seine Füße -aneinander, da zeugten auch diese ein Riesenpaar, das noch ungefüger -war, als das erste. Sie alle aber wußten nichts, als ihren Bauch zu -mästen und Kinder zu zeugen, die dasselbe taten, und die Luft mit ihrem -Brausen und Brüllen zu erfüllen. - -Als der Riese Ymir, unreifer Gedanken voll, sich ins Leben gewälzt -hatte, drängte eine Schar unruhiger, flatternder Gedanken ihm nach, -fanden aber, bei Ymirs gewaltsamer Ausdehnung, nicht genug des -Rohstoffes mehr, um sich einen irdischen Körper zu schaffen, und fuhren -in Grimm und Unlust als wütende und boshafte _Gespenster_ durch die -Luft und das Land. Schrate und Trolle wurden sie und Maren, Truden und -schwarze Alben. Steckengeblieben waren sie in ihrem Werden zwischen -Irdischem und Göttlichem, überragten das rohe Riesengeschlecht an -Witz und Geist, reichten dennoch nicht heran an das Erhabene, das dem -Geist erst seine edle Führung gibt. Unstet und zerfahren, ohne Zucht -und Ordnung, vermehrten sie den Wirrwarr, den die riesischen Urnaturen -verübten, jagten mit ihnen gemeinsam und hockten ihnen auf, krochen -zwischen sie und hetzten sie gegeneinander durch Stoßen, Treten und -Zerren, und freuten sich aus sicherem Versteck, wenn die Ungeschlachten -übereinander herfielen und brüllend die eben erst gewordene Erde -zusammenstampften. So wetteiferte das ungezügelte Geisterheer mit den -rohen Naturgewalten der Riesen, die junge Erdenwelt nur als Tummelplatz -aller wilden Lüste zu nutzen und jede Entwicklung zu einer höheren Welt -im Keime zu ersticken. - -Der göttliche Gedanke jedoch hatte nicht brach gelegen. Langsamer, -als die eilfertig und verwahrlost Schwärmenden, aber unaufhaltsam, -forschend, sich klärend, neuschöpfend, drang er aus der stillen Tiefe -empor zum Licht. Er nahm _nur_ die wenigen und die edlen Stoffe, die -dem stumpfen Blick der Riesen entgangen und der Gier der Gespenster -zu gering erschienen waren, und gab dem Geist die Vorherrschaft über -den Körper. Schlank und ebenmäßig formten sich die Glieder, ein jedes -untertan der Verrichtung, die es erfüllen sollte, und sinngemäß danach -erschaffen. Stark wölbte sich die Brust, straff spannten sich die -Muskeln, blau blitzten die Augen und goldfarben wehte das Haar. In der -Wärme des Tags stand _der erste Gott_. Und er nannte sich Buri. - -Gewaltig in wilder Naturkraft stand der Riese Ymir. In Schönheit stand -Buri, der Gott, und sein Geist war höher als des Riesen Felsenhaupt. - -Und als der erste Gott geruhsam erforscht hatte, was der Erdenwelt -not tue, schuf er sich lächelnd um in seinen Sohn Bur, der sonach -erdgeboren wurde aus göttlichem Geist und sich ein Weib aus der Riesen -Geschlecht wählte und sich aus ihr heraus, zum dritten Mal, neu erschuf -in drei Söhnen, _Wodan_, _Wili_, _We_. Damit die erhabenen Götter das -gerechte Empfinden behielten für irdische Dinge. - -_Asen_ nannten sie sich, die »göttlichen«. Ihr Haupt und Held war -_Wodan_. -- - -Immer noch lag die Erdenwelt wie eine wüste Wildnis. Ymir, der Fresser -und Säufer, lastete mit seiner zahllosen Sippe zu schwer auf ihr, -als daß sie hätte atmen und gedeihen können. Über ihre ganze Länge -und Breite schob sich schon sein Leib. Sein Blick aber ging nicht -weiter als bis zu der tückischen Geisterschar, die ihn mit blödem -Blendwerk umgaukelte und ihn und seine Sippe billigen Zauber lehrte -statt fruchtbringende Arbeit. Dreimal hatten sich die erhabenen -Götter umgeschaffen, um immer vollkommener zu werden für die Größe -ihrer Sendung und ihrer Aufgabe. Das ungeschlachte Riesengeschlecht -hielt sich für vollkommen, wie es roh aus dem Reife stieg, und griff -mit tölpelhaften Händen nach den Erzeugungen der Erdenwelt, um sie -zu vertilgen, statt zu vermehren und zu veredeln. So verschwand die -Erdenwelt im unersättlichen Bauche Ymirs und seiner Sippe, und alles -Weiterwerden drohte zu vergehen. - -Wodan, der junge, sah es, und er rief Wili und We, seine Brüder, und -sie gingen zu Ymir, als er auf dem Rücken lag und verdaute. Das war -sein einzig Tagewerk. - -»Wozu bist du hier?« fragte ihn Wodan. - -»Ich bin hier, um zu leben«, knurrte Ymir böse. »Die Erde sorgt, daß -ich wachse.« - -»Nein,« sagte der Ase, »du lebst, damit die _Erde_ wachse. Kannst du -weiteres verstehn? Steh auf und schaffe.« - -Da drehte sich der Riese wie ein Flegel auf den Bauch und wies die -Kehrseite, daß die Männer und Weiber seiner Sippe vor Vergnügen -brüllten und sich das Mißgunstvolk der Maren und Schrate, der Truden -und Alben meckernd in der Luft überschlug. - -Wodan lachte über die Welt hin. - -»Packt an,« gebot er den Brüdern. Und sie packten den ungefügen -Erdenkloß, den Erdaussauger, zu dritt, hoben ihn hoch und zertrümmerten -ihn an dem Felseneis. - -Krachend schlug Ymirs Riesenleib über die Erde, daß sie fast -zerschmettert war und in kreischendem Getöse bebte und schütterte. -Brausend und alles mit sich reißend schoß aus dem zerplatzten -Riesenleib das Blut, und so gewaltig und ungeheuerlich waren die -Blutströme, daß sie die Erdenwelt überschwemmten, die gähnenden Klüfte -in schäumende Seen wandelten, bis zu den Gipfeln der Eisberge stiegen -und alles Lebende ersäuften. Das Riesengeschlecht watete durch die -Fluten. Das brüllende Lachen war ihm vergangen. Das Blutmeer stieg -ihm an den Hals. Männer hoben ihre Weiber, Weiber ihre Kinder auf -die Schulter, daß sie sich auf die Eisberge retteten. Mit entsetzten -Blicken hingen sie an den Höhen. Und eine heulende Blutwoge schlug -sie herunter und ertränkte und erstickte sie im Knäul der zappelnden -Riesenleiber. Als die Sintflut sich verlief, war Ymirs Geschlecht -vertilgt. Nur in ferner Ferne fuhr noch ein einziger Riese mit seinem -Weib auf einem Floß dahin, ließ sich von der verlaufenden Flut treiben -weithin bis ans Ende der Welt -- und entkam. - -Auf dem höchsten Grat, hoch über der Sintflut, stand Wodan mit seinen -Brüdern. - -»Sieghaft auferstehn soll der erhabene Geist über die rohen -Stoffgebilde. Beseelen soll er die wilden Naturgewalten, sie zur -Ordnung leiten und zu schöpferischer Arbeit. Nur das ist Leben.« - -Über die Sintflut hinweg jagte das heulende Heer der Spukgestalten und -suchte sich in kreischender Angst vor dem Blick des gewaltigen Gottes -zu verbergen. - -»Verruchtes Volk der Halbheit,« ergrimmte der Gott. »Von den Göttern -holtest du Wissen und wandeltest das Göttliche in gemeine Lüste und -billigen Zauberspuk, der die Irdischen gierig macht in die Tiefe und -ihre Augen für das Höchste verblödet. Ich fege euch weg!« - -Und wie der Sturmwind fuhr Wodan hinaus und würgte zwischen den Händen, -was er erfassen konnte von den tausenden von Truggespenstern, und hing -die erdrosselten an seinen Gürtel. Und nur wenige waren, die ihm in -den Ritzen und Ranken entkamen. - -Der wilde Jäger kehrte zurück. »Ich werd' dich noch jagen manche -Sturmnacht, lichtscheues Gesindel,« lachte er in den Bart, warf seine -Last ab und strich sich aufatmend über die Brauen. »An die Arbeit -jetzt!« - -»Du bist Haupt und Held,« sprachen Wili und We, die Brüder, »_Allvater_ -bist du, und ein Führer muß sein selbst unter Göttern. Wir ratschlagen -mit dir. Dein ist der Befehl!« - -Da ratschlagten die Götter in ernstem Wägen, um eine Ordnung zu -schaffen, in der ein jedes seinen Platz erhielte und seine Bestimmung. -Und sie nahmen den Schädel Ymirs und richteten ihn auf ragenden Säulen -als Himmelskuppel auf, und das Gehirn ward zu Wolken, die das Wetter -bargen. Aus Ymirs Fleisch schufen sie das gesättigte Erdreich, aus -den beinernen Knochen Stein und Fels, aus dem wirren Haar Bäume und -Gesträuch, aus dem Blut das brausende Meer. Sie zogen dem Riesen -die scharfen Wimperhaare aus und bauten aus ihnen kreisrund um das -wirtlichste Land einen mächtigen Wall gegen das ungebärdige Meer und -die Tücken der zum Weltend entflohenen Riesen. Und sie nannten das -inmitten gelegene Land, das von einem neuen Geschlecht bevölkert -werden sollte, _Midgard_. Und den Himmel, den sie als Wohnung der Asen -bestimmten, nannten sie _Asgard_. Die Funken aus Muspelheim fingen -sie auf und hingen sie als Leuchten an den Himmel. Die außengelegene -Welt aber, in die sich die letzten Riesen und das irrlichtende Volk -der Alben und Trolle geflüchtet hatten, nannten sie _Utgard_, und tief -unter die Erde verwiesen sie Niflheim, die Nebelhölle, die Totenwelt. - -Und Allvater sprach: »Der göttliche Gedanke hat sich noch nicht -erschöpft. Zusammen ruf ich seine ganze Kraft.« Und er hob die Hände an -den Mund und stieß einen Ruf aus, der in die Tiefen der Unendlichkeit -ging: »Herbei, was göttlich ist in aller Weltenseele seit Urbeginn!« - -Da stieg aus der fruchtbar gewordenen Erde _Frigg_ hervor, die erste -Göttin, und lehnte sich an Wodans Schulter. Und es sammelte sich ein -Kreis lichter Gestalten um den obersten Gott, und sie alle suchten -ihren Platz und hörten Wodans Gebot. Eine Schar der Lichtgötter aber, -die sich _Wanen_, die Wissenden, nannten, jauchzten in die junge Welt -hinein, faßten sich an den Händen zum Reigen und schwangen sich, des -Jubels voll, hoch in die frühlingslauen Lüfte. Von der Stätte der -harten Arbeit verloren sie sich im Spiel, und sie beschlossen, singend -und klingend, ein milderes Reich im Reiche zu gründen unter der -Herrschaft der Schönheit und des Glücksgenusses. - -Mit den erstgewordenen Göttern, den Göttern seit Urbeginn, stieg Wodan -auf gen Asgard, die Schöpfung zu vollenden, zu veredeln, zu leiten. - -Die Erdenwelt war lebendig in der Natur. Allvater gedachte, ihr das -göttliche Leben zu geben in dem _Menschen_. -- - -Unter den Urgöttern aber stand an ragender Stelle der Schwertgott -Tuisko, _Teut_, der den Mannus zeugte, den Mann. Mannus gab drei -Söhnen das Leben, Ingo, Isk und Irmin. Sie wurden die Stammväter der -Ingävonen, der Iskävonen und der Erminonen, der drei Hauptstämme der -Teutmänner, _der Deutschen_. - - - - -Der Menschen Werden und Wachsen. - - -In Asgard saß Wodan, der Götter Haupt und Held. Eine Türschwelle hatte -er vor dem Götterheim zu einem Hochsitz geschichtet. Wohl erwählt war -der Platz, denn von dem Hochsitz aus überschaute Allvater die ganze -Welt und alles Werden und Vergehen. Und er sah mit durchdringendem -Auge, daß im Leibe der Erde ein seltsam Leben wimmelte. - -Er berief den Götterrat, und sie erforschten, daß des Riesen Ymirs -träges Fleisch voller Maden gesteckt habe, die sich, mit der -Verwandlung von Ymirs Fleisch in fruchtbaren Erdboden, ebenso zu einer -höheren Stufe entwickelt hatten und als absonderliche _Zwerge_ und -_Wichte_ zwischen den Rippen der Erde wühlten. In guter Laune formten -und feilten die Götter an den drolligen Gestalten, ohne sie um vieles -schöner herausputzen zu können, schlossen sie deshalb vom Tageslicht -aus und bannten sie ins dunkle Erdinnere zurück, beschenkten sie aber -in göttlichem Mitleid mit Verstand und Rückerinnern. - -Und Allvater sprach: - -»Nur der vermag das Sonnenlicht auf Erden zu ertragen, der in der Sonne -geboren ist. Das Sonnenlicht hebt die Gedanken stolz und hoch zum -Himmel und schafft ihnen höhere Gleichnisse. Darum taugt es nicht, daß -die Unterirdischen die Macht auf Erden gewinnen, denn ihre Gedanken -steigen in die Dunkelheit und zum wimmelnden Gewürm.« - -Und Wodan warf seinen Sturmmantel um und entbot _Hönir_, den Gott des -Waldes und der Heide, und _Loki_, den Heißen und Leuchtenden, dem das -Feuer untertan war, und fuhr mit den Ratgesellen zur Erde. - -Sie wanderten dahin im Licht der Sonne, die aus Muspelheims Funken am -Himmel hing, und das Schweigen der Wälder umgab sie. Prüfend gingen -ihre Augen über alles, was war. Und sinnend schritten die drei Götter -dahin. - -Da bot sich ihnen auf der Lichtung eines Hügels ein wunderbares Bild. -Kraftvoll war es und lieblich zugleich. Vom Schatten des Waldes -umkränzt, hob sich sonnenübergossen der blumige Hügel, und eine -mächtige Esche reckte sich daraus und eine breitausladende Ulme, und -beide streckten sie ihre Wipfel sehnsüchtig dem Himmel entgegen, und -sehnsüchtig vermählte sich ihr starkes Untergeäst, als wollte ein Baum -den anderen stützen und umschlingen, und ihre Wurzeln tranken tief aus -der Erde, während ihre Wipfel hoch nach dem Himmel verlangten. - -In lächelnder Gewähr blickte Allvater Wodan auf das Bild, segnend stand -Hönir, der Wälder Gott, feurig und leidenschaftlich trat Loki heran. - -Und Wodan nickte mit dem Haupt und strich mit leisen Händen über die -Rinde der Bäume. Und von seinen Händen ging eine Kraft aus, die drang -in das Mark der Esche und drang in das Mark der Ulme und erfüllte beide -mit der göttlichen Seele. - -Da ging ein Raunen und Rauschen durch die Bäume von der Wurzel bis zur -Krone. - -Und Hönir tat wie Wodan und streichelte liebkosend Stämme und -Blätterdach und flüsterte mit ihnen. - -[Illustration: »Da standen Esche und Ulme horchend und wurden -sehend ...«] - -Da standen Esche wie Ulme horchend und wurden sehend und regten ihre -Äste und standen, mit offenen Sinnen, in freier Bewegung in all der -Sonne. - -Der feurige Loki aber sprang vor, riß sie an seine Brust, daß sie -taumelnd die Glut seines Herzens spürten, ließ einen Blutstropfen in -sie überspringen und gab die Menschgewordenen aus seiner brünstigen -Umarmung frei. - -Auf der Erde standen _die ersten Menschen_. -- - -Und die ersten Menschen sahen die Götter und sahen dann sich selbst. -Und sie erblickten in ihren Augen die Sonne des Himmels und schritten -mit heißen Wangen aufeinander zu und faßten sich bei den Händen. - -_Ask_ hieß die Esche. _Embla_ die Ulme. So hießen die ersten Menschen. -Und Embla lehnte ihr Haupt an die Schulter des Ask, wie Frigg getan -hatte, die erste Göttin, als sie Wodan erblickte. - -Da winkte Wodan seinen Gefährten und fuhr mit ihnen gen Asgard zurück. - -»Wir gaben ihnen viel,« sprach Wodan, »mehr noch müssen sie sich selber -geben.« - -Die Gefährten suchten Allvaters sinnenden Blick. - -»Die Erkenntnis,« sprach Wodan, »daß sie nur mit den Göttern -Edelmenschen und Herren der Erde sind; ohne die Götter -- Schlagholz im -Walde.« - -Loki erwiderte: »Aus dem Schlagholz im Walde springt hell und lustig -die Flamme. Das deucht mich kein übles Los.« - -»Wehe den Menschen,« sprach Wodan, »die göttliches Feuer mit irdischer -Flamme verwechseln. Die irdische Flamme ist die Zerstörung, die -göttliche führt zur Ewigkeit.« - -Da schwieg Loki. -- - -Auf dem Hochsitz über der heiligen Türschwelle saß Wodan und blickte -über die ganze Welt. Von den Tieren, die er erschaffen hatte, hatte -er zwei Raben ausgewählt, die hießen Hugin und Munin, Denkkraft -und Erinnerung, und hockten ihm zur Rechten und zur Linken auf der -Schulter. Täglich sandte er sie über die ganze Welt hinaus, und was sie -auf ihren Flügen erspäht hatten, flüsterten sie Wodan ins Ohr, wenn sie -auf seinen Schultern hockten. An seine Füße schmiegten sich zwei graue -Wölfe, Geri und Freki geheißen, des Gottes würgende Jagdhunde, wenn er -als wilder Jäger durch die Lüfte brauste oder über die Walstatt der -Kämpfer. - -Von Asgard, der himmlischen Heimburg, blickte mit Wodan die Schar der -Götter hinunter nach Midgard, ins Land der Menschen. Und der göttliche -Teutsohn Mannus ersah mit Freuden ein kraftvolles Menschenkind mit -goldrotem Haar und blaublitzenden Augen, das der Umarmung des Ask und -der Embla entsprossen war, und er suchte sie auf in Midgard, und sie -verbanden sich in Liebe und Kraft. Da wurden ihre Söhne Ingo, Isk und -Irmin nach Ask, dem Urvater, die ersten Männer, die über das Erdreich -schritten, und waren die Stammväter der Deutschen. - -Unter den Göttern war _Heimdall_, der lichte Ase, den Wodan zum Wächter -gesetzt hatte über alles Geschehen. Nie kam ihm der Schlaf. Vor der -Sonne schon beleuchtete er den Himmel- und Erdenkreis mit goldenem -Frührot und horchte aufmerksam auf die Atemzüge der Welt. Heimdall aber -sah, wie schnell sich das Menschengeschlecht vermehrte und wie es nicht -zum frohen Genusse des Lebens kam, weil ihr Schaffen ungeordnet war und -ein Jeder jede Arbeit tat, ohne sie recht zu verstehen. So mühten sie -sich ohne Erfolg und bald ohne Freude und brachten es zu nichts. Das -bekümmerte den guten Gott, und er beschloß Wandel. - -In menschlicher Gestalt betrat er die Erde und spähte in alle Hütten. -Und er ersah ein Ehepaar, das war knochig und gedrungen und muskelhart -an Armen und Beinen. Es buk sein schwarzes Brot aus den Körnern, wie -sie vom Felde kamen, und trank die Milch warm, wie sie die Euter -der Kühe spendeten. Zu ihnen trat Heimdall als Gast, und als er mit -ihnen gegessen und getrunken hatte, weissagte er ihnen, daß aus der -anspruchslosen Kraft die Fülle des Wohlstandes erwachsen würde, und er -schlief bei ihnen in der Kammer und schied im Frühlicht. - -Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben von schwerem Körperbau, -und als er aufwuchs, rodete er Äcker, bestellte sie von morgens bis in -den Abend und umzäunte sie, bewässerte Wiesen und schuf Weideland für -Pferde und Kühe, Ziegen und Schafe und trieb die Schweine zur Mast in -den Eichenwald. Er arbeitete im Schweiße seines Angesichts und lehrte -wiederum die eigenen Kinder so, denn sein Gemüt war fröhlich bei allem -Mühen, und wenn er durch die wogenden Saaten schritt und durch die -wachsenden Herden, sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk -meiner Hände, und es ward, weil ich es verstehen lernte und ihm all -meine Liebe schenkte. - -So wurde der _Bauernstand_, und er war göttlich durch Heimdall, den -Wächter. - -Und Heimdall spähte weiter in alle Hütten der Menschen, und er -erschaute ein Ehepaar, das war stattlich und von kluger Stirn, hinter -der die Gedanken arbeiteten. Der Mann hatte der Frau einen Spinnrocken -geschnitzt und sich selber einen Webestuhl, und sie spannen und webten -Linnen und Tuch und schmückten sich mit den schönen Gewändern, auf daß -sie eine immer größere Freude aneinander hätten trotz Wind und Wetter. -Bei ihnen trat Heimdall ein, und sie luden den Fremdling zu Gast, und -die Frau kochte auf dem Herdfeuer ein feines Gericht aus den Kräutern -des Gartens und zartem Fleisch. Und als der Gott sich gesättigt hatte, -weissagte er ihnen, daß aus der durchdachten Kunst ihrer Handfertigkeit -die Fülle des Wohlstandes erwachsen würde, und er schlief bei ihnen in -der Kammer und schied im Frühlicht. - -Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben, der war schlank und -gelenkig und von besonderem Verstande. Als er aufwuchs, zimmerte -er kunstvoll verzierte Häuser und weitgeschwungene Hallen, baute -Schmiedewerkstätten, in denen aus den Erzen der Erde köstlicher Schmuck -bereitet wurde und aus dem Eisen Schwerter und Pflugscharen, veredelte -Rocken und Webstuhl und mit ihnen Gespinnst und Tuch und tauschte seine -Erzeugnisse mit den Früchten des Bauern und dem Fleiß aller Welt. Sein -Tagewerk ging grübelnd und wirkend bis in die Nacht, und er lehrte es -wiederum die eigenen Kinder so, denn sein Gemüt war fröhlich bei allem -Mühen, und wenn er durch Häuser und Hallen und Werkstätten schritt, und -sein Auge Gewebe und Schmuck jeder Art, Waren und Werkzeuge musterte, -sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk meines Hauptes und -meiner Hände, und es ward, weil ich es verstehen lernte und ihm all -meine Liebe schenkte. - -So wurde der _Gewerbestand_, und er war göttlich durch Heimdall, den -Wächter. - -Und zum drittenmal spähte Heimdall in alle Hausungen der Menschen, und -er erblickte ein Ehepaar, das war schlank und muskelhart zugleich, -stark und furchtlos wie kein anderes, und wer Rat und Tat suchte, -klopfte an seine Tür. Der Mann kam staubbedeckt von der Jagd, warf -das Untier des Waldes, den erlegten Bären, vor die Feuerstelle und -spannte den Bogen neu und schärfte die Speerspitze nach, bevor er sich -erfrischte. Lachend schloß die schöngeschmückte Hausfrau den Wilden in -die Arme. Und er saß bei ihr, den Arm um ihren Nacken geschlungen, und -besprach mit ihr all sein tapferes Planen gegen das Raubzeug der Tiere, -der Menschen und der bösen Geister, und sie gab ihm Rat und rief das -Gesinde der Mägde und lehrte sie, das Wildpret zerlegen, zubereiten und -die Armen und Hungrigen damit sättigen. Und Heimdall trat zu dem edlen -Paar an den gastfreien Tisch, ließ sich den Bärenschinken munden und -den schäumenden Met aus dem Auerochsenhorn, freute sich der würzigen -Reden und weissagte den Starken zum Dank, daß aus ihrer Kraft und ihrem -hochgemuten Sinn die Fülle des Wohlstandes erwachsen würde über das -Haus hinaus zum Besten aller, die um das Haus sich scharten. Und er -schlief bei ihnen in der Kammer und schied im Frührot. - -Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben, der hatte die Kraft des -Bären, die Schnelligkeit des Hirschen, das Auge des Falken. Stärker -aber, rascher und schärfer noch war sein Geist. Und Geist und Körper -waren wie Blitz und Schlag. Als er der Wiege entsprang, rannte er in -den Wald, erkletterte er die Berge und ließ sein Jauchzen erschallen, -daß die Menschen, die ihn hörten, Kopf und Nacken streckten und das -Echo jubelten. Auf der Wiese griff er sich die Hengste und ritt mit -den Winden um die Wette, ohne zu ermüden. Sein Pfeil holte den Vogel -aus der Luft, sein Speer den Wolf auf der Flucht. In der Brandung der -See kämpfte er mit den geschmeidigen Robben, als stände er auf festem -Land. Und wo es Hilfe galt, war er der erste. Als er heranwuchs, baute -er eine feste Burg, und die Nachbarn siedelten sich an im Schutz -seiner Mauern und seines Schwertes. Im Kampf mit dem Feind war er -allen voran und zeigte den Seinen den Sieg! Im Gericht kannte er nur -die Gerechtigkeit, dann erst die Milde. Im Rat aber war er, daß alle -Nachbarn ihm ihre Sorgen brachten, und er nahm sie, als wären es -die seinen. Sein Leben war Kampf und Sieg, für die andern mehr denn -für sich, Tag und Nacht, ohne die Rast des Bauern, ohne die Ruhe des -Bürgers, und er lehrte es wiederum die eigenen Kinder so, denn sein -Gemüt war fröhlich bei allem Mühen, und wenn er durch die Schanzen -seiner Burg, durch die Reihen seiner todesmutigen Mannen, durch die -Gehöfte und Siedlungen der glücklichen Bauern und Bürger schritt, -sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk meines Geistes, der -mich und die Scharen lenkt, und es ward, weil ich es verstehen lernte -und ihm all meine Liebe schenkte. - -So wurde der Stand der _Krieger_ und _Heerkönige_, und er war göttlich -durch Heimdall, den Wächter. - -Von Stund an tat jeder der Stände seine Pflicht in seinem Kreis, und es -herrschte in der Menschen Leben, ihrer Arbeit und ihrer Freude Ordnung -und Lohn. -- - -Lächelnd reichte Wodan Heimdall die Hand zur Heimkehr. Auf dem -Hochsitz über der heiligen Türschwelle saß er und ließ eine Esche -wachsen, die ihre Wurzeln in alle Welten senkte und deren Krone bis -nach Asgard ragte. Drei Wurzeln senkte sie hinab. Die eine saugte -ihre Säfte aus einem Brunnen unter Midgard, der Menschenerde, an dem -die _Schicksalsfrauen_ wohnen, die Nornen Urd, Skuld und Werdandi, -die Künderinnen alles Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen im -Menschenleben. Die zweite Wurzel saugte ihre Säfte aus einem Brunnen -unter Niflheim, dem Geheimnis der Totenwelt, und der Drache _Nidhögg_ -benagt sie, um sie zum Sterben zu bringen. Die dritte Wurzel aber -saugte ihre Kräfte aus einem Brunnen unter Utgard, der Welt der Riesen -und Trolle, und _Mimir_ birgt sich in ihm aus Ymirs Geschlecht, der -Wissen und Weisheit aus der Urzeit bewahrte, bevor die Götter waren. - -_Yggdrasil_, Baum des Gerichts, hieß die Esche, die Allvater gepflanzt -hatte, um alle Welten fest ineinander zu wurzeln unter der Herrschaft -des Himmels. Einen Adler setzte er in die Krone mit einem Falken -zwischen den Augen, daß ihm nichts entgehe. Ein Eichhörnchen hüpft den -Stamm hinauf und hinunter und hinterbringt dem Adler und dem Drachen -alle Scheltworte, die der eine dem anderen gönnt. So bleiben sie alle -zornig wach. - -Und Allvater lachte zufrieden. -- -- -- - - - - -Das goldene Zeitalter. - - -Ein Frühling, der nie verging, blühte und duftete über Asgard, und die -Götter gingen einher mit seliglachenden Augen. Die wilden Naturkräfte -waren gebändigt, in ihre Schranken verwiesen und dem Wechsel der -Jahreszeiten dienstbar gemacht. Jenseits des breiten Meergürtels, den -die Asen um Midgard gelegt hatten, hausten die Riesen. Auf der Erde -wuchs zahlreich und kräftig das Menschengeschlecht empor und brachte an -heiligen Stätten den Göttern geweihte Opfer dar. Tief im Erdinnern aber -schafften die Zwerge, klopften die köstlichen Erze aus dem Gestein und -schmiedeten wunderbares Geschmeide, mit dem sich die Götter schmückten. - -Das schwerste Tagewerk, die Erschaffung und Ordnung der Welt, war -geschehen. Es war die Zeit, in der die Götter an sich selber denken -durften und an frohe Feiertage. - -Geschwisterlich vereint, einer dem anderen in Liebe zugetan, durchzogen -sie die Blumenwiesen Asgards und bauten sich himmlische Burgen auf mit -ragenden Hallen und zahllosen Fenstern zum Ausblick auf das Riesenland -und die Menschenerde. Viele Namen gaben die Menschen den Göttern je -nach der Sprache, in der sie sie verehrten, und die Nordmänner riefen -den allweisen Wodan _Odin_. - -Gladsheim hieß Wodans goldglänzende Burg in Asgard, die »Welt der -Wonnen«, und der mächtigste Saal darin war _Walhall_. Ebenbürtig war -ihm in Gladsheim nur ein zweiter, _Wingolf_, die heitere Halle der -Göttinnen. Mit Frigg, seiner hohen Gemahlin, zeugte Wotan herrliche -Asensöhne. Der herrlichste und beste unter ihnen war _Baldur_, der -Lichte, den alle Götter mehr liebten als sich selbst, weil er das -Vollkommenste war an Leib und an Seele, was Asgard hervorgebracht hatte -und durch seine frühlingsfrohe Erscheinung, die kraftvolle Schönheit -seines Wuchses und die Reinheit seines Gemütes Freude hervorrief, -wo immer er ging. Breidablick hieß sein glänzender Saal, blank wie -die Sonne, und nichts Unreines durfte über die Schwelle. Vorbildlich -in allen Tugenden des Himmels und der Erde, hell und klar wie der -sonnige Tag stand Baldur vor Göttern und Menschen, und sein Sohn, -_Forsetti_, den ihm sein glückliches Gemahl _Nanna_ geschenkt hatte, -saß im Himmelssaale Glitnir als Gott der Gerechtigkeit und übte die -richterliche Obergewalt. _Hermodur_ aber, der schnelle Götterbote, war -Baldurs Bruder und hing ihm zärtlich an. - -Neben seinem Vater Wodan ragte über alle Asen _Donar_ hinaus, den die -Nordmänner _Thor_ riefen. Nichts kam seiner Körperkraft und seinem -heldischen Mute gleich. Er liebte die Menschen und ihr fruchtbares -Ackerland, bekriegte die Unholde und Riesen, die die Erde bedrohten, -und brauste mit seinem Bockgespann durch die Wetterwolken, daß sie der -dürstenden Erde die heilbringenden Gewitterregen spenden mußten und -die erfrischende Luft. Tanngniost, der Zahnknisterer, und Tanngrisnir, -der Zahnknirscher, hießen die Böcke vor seinem Wetterwagen. Seine -Halle aber hieß Bilskirnir, der Blitz. Selten war er daheim, der -Vielbeschäftigte, und die Menschen, wo immer sie den nährenden Boden -bestellten, liebten ihn in ihren Herzen und Hirnen über alle die -anderen Asen und hingen ihm an in Not und Gefahr, denn sie fühlten -sich ihm nahe, weil _Jord_ seine Mutter gewesen war, die Erdgöttin. -Darum liebte auch er den Bauernstand. Seine Gemahlin war _Sif_, die so -schönhaarig war wie goldenwogendes Getreidefeld. Seine Tochter _Thrud_ -wuchs auf in des Vaters gütiger Art, während seine Söhne, _Modi_, der -Zorn, und _Magni_, die Kraft, des Vaters Kämpferblut ererbt hatten. -Bedurften die Götter des stärksten aller Asen Hilfe, so riefen sie -nur seinen Namen, und wie der Blitz stand Asathor unter ihnen. Das -Volk der Menschen aber opferte dem Stärksten der Starken unter den -ragendsten Eichen. - -Donar-Thor am nächsten an Heldenhaftigkeit und Sorge um Menschenvolk -und Menschenerde stand Tuisko, _Ziu_ genannt und von den Nordmännern -_Tyr_. Als Gott über den strahlenden Himmel gesetzt, beschenkte er -die Erde mit Wärme und Licht, bevor die Nacht kam, und steigerte ihre -Fruchtbarkeit. Feind war er darum allen zerstörenden Kräften und -hob das Schwert gegen die gierigen Kriegerscharen, die sengend und -mordend ins Land fielen. Als Schwertgott feierte ihn deshalb das Volk, -ritzte seine Runen in die Klingen und huldigte ihm in Schwertertänzen, -wenn es galt, die Jünglinge mutig und mannhaft zu machen; in -Menschenopfern, wenn es unter stürmischer Anrufung seines Namens die -Schlachtreihen des Feindes durchbrochen und niedergestreckt hatte. In -heiligen Hainen verehrte ihn das dankbare Volk, und es bezeugte dem -strahlenden Himmelssieger die Ehrfurcht des Menschenkindes, daß es -seinen Tempelhain nur in freiwillig gewählten Fesseln und tief zur Erde -gebeugt betrat. Weiße Rosse waren dem Schwertgott heilig, die mit den -Hufen salzige Quellen geöffnet hatten zur Kräftigung der kriegswunden -Glieder, und das Wiehern der Rosse galt als Weissagung. - -Wie der frühlingsfrohe Baldur als Gott des Tages, so herrschte der -blinde _Hödur_ als Gott der Nacht. Einsam war er und schweigsam. -Nur wenn das Licht sich neigte, trat er in die Dämmerung, um in das -Dunkel zu wandern. Und da er blind geboren war, wußte er wenig von dem -fröhlichen Tun der Götter, die ihn still seine Wege gehen ließen. - -Auch _Hönir_ wohnte in Asgard, der Fahrtgenosse Wodans, der dem ersten -Menschenpaare in Midgard die Seele geschenkt hatte und die Bewegung der -Glieder. Er machte wenig Worte und war ein Mann des Friedens und der -Ruhe. - -Königlich anzusehen war _Uller_, der über den Winter gesetzt war und -auf gewaltigen Schneeschuhen über Schnee und Eis dahinstob, mit Pfeil -und Bogen das Wild zu jagen. Ihm jubelten die Jäger zu. - -Am königlichsten neben Wodan-Odin erschien _Loki_, der Gott des Feuers -und der Hitze. Von verführerischer Anmut und blendender Geistesschärfe, -berufen, neben Allvater zu stehen, fehlte ihm Wodans Willenskraft und -Baldurs sittliche Größe, so daß er oft und gern seine hohen Gaben -verwandte, um durch übermütiges Trugwerk und geistreiche Listen das -Gelächter der Götter zu erregen und sich im billig erworbenen Ruhm zu -sonnen. Da es seiner Herrschsucht und Eitelkeit nicht gelungen war, der -Erste der Götter zu werden, so wünschte er ihnen seine überlegene List -und Klugheit ständig zu bezeigen, und was zuerst ein leichtfertig Spiel -erschien und lustiges Gelächter erregte, konnte leicht zu unheilvollem -Ernst werden, wenn die Götter ihm nicht die Grenzen seines Tuns -umschrieben. Als Wodans Fahrtgenosse bei der Erschaffung der Menschen -hatte er dem ersten Menschenpaare einen Tropfen seines Blutes vererbt: -die ungezügelte Leidenschaft. Die Menschen aber fürchteten sich vor -dem unbeständigen, bald schmeichlerischen, bald jähzornigen Gott und -hielten sich in ihren Anrufungen vor seinem Namen zurück. - -Asgards Wächter, der treue _Heimdall_, saß als Markgraf in seiner Halle -an der Brücke _Bilfrost_, die sich wie ein Regenbogen vom Himmel zur -Erde spannte. Der Scharfäugigste war er und der Hellhörigste. Hunderte -von Tagereisen weit sah sein Auge durch Tag und Dunkel, und sein Ohr -hörte das Gras auf der Erde, die Blätter an den Bäumen, ja die Wolle -auf den Schafen wachsen. Er war der Früheste, denn er schlief nicht -ein, weil er aus der Dämmerung des Abends schon die Dämmerung des -Morgens ersah. Keinen besseren Mann konnten die Götter an die einzige -Brücke stellen, die gen Asgard führte. -- - -Ein Frühling, der unvergänglich schien, blühte und duftete über -Asgard, und die Götter gingen einher mit seliglachenden Augen. -Geschwisterlich vereint, einer dem andern in Liebe zugetan, durchzogen -sie die Blumenwiesen, trieben ritterliches Spiel, huldigten Frigg, -der erhabenen Himmelsmutter, und den jüngeren Göttinnen ihres Hofes, -_Saga_, der weisen, mit der Allvater den Trunk des Wissens aus goldenen -Schalen schöpfte, _Fulla_, der listigen Vertrauten der Himmelsmutter, -_Menglod_, der flammenden Morgenröte, _Idun_, der jugendschönen, der -ewig jungen, die die Zauberäpfel bewahrt, von denen die Götter essen, -um nimmer zu altern, _Gefjon_, der klugen, zu der die Mädchen beteten. -Manche gleich schöne, gleich kluge Götterjungfrau lächelte aus Friggs -Gefolge den Götterhelden zu, wenn sie auf blitzschnellen Rossen über -die Wiesen jagten, den Speer schossen oder die heißen Schwerter über -Schild und Brünnen fegen ließen. Oder wenn sie auf den Bänken der -Halle saßen, Lieder zur Harfe sangen und den Met sich zutranken, den -die Holden ihnen in den kostbaren Trinkgefäßen reichten, gefertigt -aus blinkendem Gold von dem reichen Volk der Zwerge. Dann legten -die Götter den frohen Frauen funkelnden Schmuck um Hals und Nacken, -Edelgestein, das die Zwerge erschürft hatten, glitzernde Halsbänder und -schimmernde Kronreifen, die Flut der Locken zu fassen, und schlangen -die Arme um die schlanken Hüften und wußten nur von Liebe und nichts -von Leid, weil sie einig waren und einer des anderen sicher im selben -Sippschaftsgefühl. Und weil sie schuldlos waren und gerecht. - -So lebten die Götter ihr goldenes Zeitalter, und der ewige Frühling -blühte und duftete über Asgard und sandte seine Sonne in alle Welten. -- - -Heiteren Auges saß Wodan auf dem Hochsitz über der heiligen Türschwelle -seines Saales, die den Ausblick bot nach Midgard, dem Land der -Menschen, und nach Utgard, dem Land der Riesen und Trolle. Seine -Jagdwölfe lagen ihm zu Füßen, und seine Weisheitsraben flogen von -seiner Schulter her und hin und kehrten geruhsamen Fluges zurück. -Denn nichts Böses gab es zu melden. Das Volk der Menschen gedieh in -den drei Ständen, in die der treue Hüter Heimdall Bauern, Bürger -und Krieger gegliedert hatte, zu Wohlstand, Glück und Ehre, und das -Riesengeschlecht lag schlemmend und zechend in den Grenzen, die ihm -gezogen waren, sang und brüllte beim Gelage, daß oft Meer und Erde -erbebte, und schielte nur zuweilen wie in erwachender Erinnerung -nach den Göttern in Asgard. Die _Thursen_, das ist die Starken, -nannten sie sich, die Asen aber nannten sie um ihrer Gefräßigkeit -willen die _Joten_, das ist die Fresser, und ihr Reich _Jotunheim_, -das Vielfraßland. Oft waren die Thursen von ebenso plumpem Wesen -wie Gliedern, und es bedurfte nur eines neckenden Wortes, daß sie -wie Schlagetote mit losgebrochenen Felsen und entwurzelten Bäumen -aufeinander loshieben. Wo aber etlichen unter ihnen Weisheit geschenkt -war, traten sie auf als Beherrscher der Elemente und lenkten Meerflut, -Sturm und Feuersbrunst. Als gewaltige Baumeister suchten sie -ihresgleichen, denn ein kleines war es für sie, Felsen auf Felsen zu -türmen und Burgen zu erbauen, die bis zum Himmel ragten. Oft waren ihre -Weiber scheußlich und verzerrt wie Strudel und Gischt, oft aber auch -über die Maßen schön wie lächelnd atmende Meeresstille. - -Denn mächtige Wasserriesen gab es und furchtbare Sturmriesen, Berg- -und Waldriesen von ungeheuerlicher Stärke und hitzige Feuerriesen. -Ihre Jahreszeit hob an, wenn der Sommer geschwunden war. Der heulende -Herbst, der krachende Winter blieb ihre Freude, bis die frühlingsfrohen -Götter ihrem Gelärm Einhalt geboten. - -Der gutmütigste unter ihnen war _Ägir_, der Herrscher der weiten, der -offenen Meere. Wenn die Götter ausfuhren in die Welt, kehrten sie -oft in seiner Meereshalle ein und taten gewaltige Züge Metes bei dem -fröhlichen Alten. Bösartiger Natur war _Ran_, sein Weib, die Räuberin. -Auf dem Grunde des Meeres kauerte sie und stellte grausam ihre Netze -nach den Schiffern, die über sie dahinfuhren. Neun Töchter zeugte das -Paar, die wie spielende Wellen verführerisch lockten und die in Liebe -entbrannten Söhne der Männererde in ihre Umarmung zogen und auf den -Meeresgrund, in den Todessaal ihrer Mutter Ran. - -Über das Eismeer herrschte _Hymir_, der Frostriese, vor dessen eisigem -Blick Felsen zerbarsten wie Glas. Den größten Braukessel besaß er, tief -wie das Meer, aber er hielt ihn unter Schloß und Riegel als unwirscher -Gesell. - -Scheusälig aber war _Grendel_ anzuschauen, der Nebelriese der -Sturmflut, mit drachenförmigem Haupt und Krallen wie Stahl, gezeugt -von einer wölfischen Mutter, die bei ihm hauste und ihm auf seinen -Unholdfahrten gierig folgte. Unheimliche Schlupfwinkel wählten sie zu -Wohnstätten, im fiebrigen Moor, in feurigen Gewässern. Und Mensch und -Tier erschauerte vor diesem fiebrigen Feueratem. - -Jetzt aber gaben die Riesen Ruhe, denn der allweise Wodan hielt sie im -Bann seiner Gerechtigkeit. Nicht umsonst hatte er Yggdrasil geschaffen, -die Weltesche, die ihre Wurzeln unter Midgard, Utgard und Niflheim -senkte und ihm Wissen gab aus allen Welten. Wenn die Götter aus Asgard -hinabstiegen, um über das Menschenvolk zu richten, so stiegen sie zu -dem Brunnen der Nornen, aus dem eine Wurzel der Weltesche trank, zu -den Schicksalsmädchen Urd, Skuld und Werdandi, die die Geschicke jedes -Menschen wußten von seiner Geburtsstunde an bis zur Todesstunde. Oft -aber stieg Wodan ungeleitet zum Brunnen Mimirs, des Weisesten der -Weisen aus Ymirs Geschlecht, das Welt und Urzeit sah, bevor die Götter -waren. Und er bot ihm göttliche Freundschaft, wenn er ihm alles sagte -aus der tiefsten Tiefe. - -»Wie soll ich deiner Freundschaft trauen?« sprach Mimir. »Du bist ein -Ase und ich ein Thurse.« - -»Wähl dir ein Pfand,« sprach Wotan. - -»Was hältst du am höchsten an dir?« fragte Mimir. - -»Meine allsehenden Augen.« - -»So gib mir das eine zum Pfand.« - -Da gab der Gott das Auge zum Pfand und gewann Mimir zum Freunde. Und -Mimir schöpfte mit Wodans Auge die Tropfen aus der tiefsten Tiefe, und -sie saßen beieinander und raunten miteinander manche Nacht. - -Einäugig kehrte Wodan gen Asgard zurück. Aus Liebe zu seiner Schöpfung, -aus Liebe zu den Göttern und Menschen hatte er sein Auge dargebracht. -Denn nun war der Allweise allwissend geworden. - -[Illustration: »... und trank mit ihr aus einer Schale ...«] - -Oft wandelte er in Asgard zum Wohnsitz der Saga, der ernstgerichteten -Göttin, und trank mit ihr aus einer Schale und besprach mit ihr -feierliche Dinge, die wie Gesang waren aus tiefen Brunnen. Und die Saga -ritzte sie in heilige Zauberrunen, während die Götter und Göttinnen -draußen über die blumigen Wiesen jagten und sich in Liebe fanden, -an festlichen Tafeln saßen und sich mit Kränzen schmückten und dem -funkelnden Goldgeschmeide. - -Kinderselig hallte das Lachen über Asgards Wiesen, durch Asgards Hallen. - -Wodans Ohr hörte es wohl. Sein Auge blickte sinnend. - -Über Sagas Haar strich er und erhob sich. - -»Sie sollen fröhlich sein. Lange, lange ... Denn so lange die Götter -schuldlos sind, sind sie unsterblich.« - - - - -Der Wanenkrieg. - - -Waffenruhe war auch auf Erden. Solange die Götter in Gerechtigkeit -ihres Amtes walteten, erhaben über Neid, Selbstsucht und Gier, und sie -zur Muße ihre heiteren Spiele trieben, eiferten die Menschen ihnen -nach und freuten sich ihres Lebens. Sie erfüllten ihr Tagewerk, und -je reicher und lohnender es war, desto fröhlicher gedachten sie der -himmlischen Spender, errichteten ihnen Heiligtümer und Altäre und -brachten ihnen in Begeisterung ihre Opfer dar. - -Seltsames bewegte Wodan in dieser glücklichen Zeit. Übermütig macht -das Glück, Götter wie Menschen, und treibt sie über die Grenzen ihres -Wesens. Wenn er über der heiligen Türschwelle saß und alle Lande vor -ihm lagen, spähte er immer schärfer aus in das Leben aller Dinge, -sandte er immer häufiger seine Raben aus, werdende Geheimnisse zu -erforschen, und seine Jagdwölfe wedelten unruhig mit dem Schweif. -Ihm war, als seien Kräfte am Werk, das Glück zu erschleichen, das er -erschaffen hatte, und das Köstlichste, was den Asengöttern wurde, die -Opfer des Menschenvolkes, abzulenken. Und Wodan deutete die Vorzeichen. - -Nicht überall strebte der Opferrauch gen Asgard, dem Asenhimmel. Wohl -wirbelten die Opferwolken im Saxland, das steil unter seinem Sitze -lag, mächtig wie immer zu ihm empor, doch nördlich der Sachsen, dort, -wo Dänen und Schweden saßen, trieben sie ab und suchten einen anderen -Himmel. Und Wodan erspähte, daß es der Himmel der Lichtgötter, der -_Wanen_ war, die sich beim Erscheinen der Götter in der Welt singend -und klingend von der Stätte harter Arbeit emporgeschwungen hatten, um -ein Reich der Schönheit und des Glücksgenusses zu begründen. - -Da sprach Wodan zu sich selber: - -»Glück ist göttlich. Glück ist der Besitz. Glücksgenuß ist irdisch. -Glücksgenuß ist die Verschwendung. Da die Masse der Menschen irdischer -ist als göttlich, wird sie nach dem Genusse greifen, statt nach dem -Glück. Und nur die Helden werden den kargeren Besitz des Glückes -wählen, der Arbeit ist und Aufopferung.« - -Und Wodan hörte und erspähte alles, was er von den Wanen zu wissen -begehrte. Verschwenderisch streuten sie Fruchtbarkeit über Länder und -Seen allen, die sie anriefen, lehrten sie den Wert des Goldes, lehrten -sie, den Fleiß ihrer Hände in Gold umsetzen und das Gold in üppigen -Genuß, also, daß die Menschen nur noch zu arbeiten wünschten um des -_Goldes_ willen und um durch Gold alles zu beherrschen, Menschen und -Dinge, Länder, Völker und ihre Schätze, was immer ihnen auf Erden zum -mühelosen Genuß des Lebens verhelfen könne. Feiner und wählerischer -wurden die Anhänger der Wanen, klüger und wissender, und sie dünkten -sich bald in ihrer verfeinerten Lebensführung hoch erhaben über -die rohen Sachsen in Saxland und die anderen Völkerstämme, die auf -Wodan schwuren, den Sturmgott, auf Donar, den Gewitterbringer, und -auf Ziu, den Gott des blanken Schwertes. Über sie alle, die rauhen -und schlichten, denen die Arbeit Freude war, Kraftempfinden und -Lebenszweck, und der Feierabend das Bewußtsein ihrer hart erworbenen -und darum doppelt gesteigerten Fröhlichkeit. Und Wodan witterte die -Gefahr. - -Einst, als er mit seinen Brüdern Wili und We den stumpfsinnig -verschlingenden Urriesen Ymir erschlagen hatte, hatte er die niedere -Geisterwelt gejagt, die von den Göttern das Wissen geholt aus der -gebärenden Weltseele und das Göttliche gewandelt hatte in gemeine -Lüste und billigen Zauberspuk. Tausende waren erwürgt an seinem -Gürtel geblieben, wenige nur entkommen. Aber einige waren zu den -leichtherzigeren Wanen entschlüpft, hatten sich zu wildquirlenden -Scharen vermehrt und aufs neue die gold- und zaubersüchtigen Menschen -aufgesucht, die die verschwenderisch spendenden Wanen opfernd -verehrten. So kam mit der steigenden Genußsucht der _Aberglaube_ in die -Welt, der Feind des Göttlichen. -- - -Aufstanden Wodans Jagdwölfe und streckten die Rute. Mit gesträubtem -Haar standen sie und warteten des Befehls des Meisters. - -Nacht war es und Wodan sattelte sein Sturmroß. - -In wehendem Mantel, den breitrandigen Wetterhut tief über die blutige -Augenhöhle gedrückt, damit das andere, das Einauge, um so schärfer -funkele, saß er horchend im Sattel. Aufkreischten seine Raben. Von -seinen Schultern schwangen sie sich auf und jagten voran. Hinter -ihnen drein mit heiserem Gebell jagten die Wölfe. Da gab Wodan seinem -Sturmroß das Maul frei, und der wilde Jäger stob mit Hussa und -Peitschengeknall in die Nacht. »Rafft, meine Raben! Würgt, meine Wölfe! -Stampf' sie, mein Sturmroß, in Kot! Hussa! Hussa! Horrido!« - -Hinter den Gespensterscharen, die heimlich aus Wanenland -herübergeschlichen waren, seine Menschen zu verführen, hetzte er -einher. Entsetzt fuhr das Gelichter der Schwarzalben und Truden, der -Maren und Schrate wie Nebel- und Wolkenfetzen durch die Wipfel der -Bäume und suchte heulend das Weite. Wodans Sturmroß holte sie ein. -Seine Peitsche fuhr knallend durch die Luft, und wen sie traf, den -traf der Tod. »Hussa! Hussa! Horrido!« Die Wolken jagten über den -Himmel, als wollten sie mit weitaufgerissenem Rachen den tanzenden Mond -verschlingen. Und im fahlen Licht der Sturmnacht hetzte Wodan ohne -Ermüden die unholden Geister, den Alb, der sich den Menschen auf die -Brust setzte und sie bedrückte, den Mar, der ihnen das Blut aussog, -den Schrat, der sie äffte und die Trud, die sie behexte. Sie alle, die -seine Menschen quälten und sich zu willen machten, bis die Erdgeborenen -glaubten, es seien die Götter selbst und nicht unholde Wesen, und sich -den Gespenstern ergaben. - -»Rafft, meine Raben! Würgt, meine Wölfe! Stampf' sie, mein Sturmroß, in -Kot! Hussa! Hussa! Horrido!« - -»Da jagt der wilde Wode!« stammelten die Menschen, die im Geheul der -Sturmnacht von den Lagern auffuhren und angstvoll gen Himmel starrten. -»Der wilde Gespensterjäger fährt um.« - -Und doch öffneten sie hastig Fenster und Türen, um den gejagten -Spukgestalten Unterschlupf zu gewähren, denn sie versprachen sich -goldenen Dank von den Wichten und gierten nach irdischen Schätzen, -statt nach der stolzen Höhe der Götter. - -Nächte hindurch, Monde hindurch fegte Wodans Mantel durch die Lüfte, -knallte seine Peitsche wie krachendes Holz, schrieen seine Raben, -heulten seine Jagdwölfe. »Auf daß das Geschlecht sich nicht vermehre!« -lachte er grimmig in den Bart und setzte vor allem anderen Wild den -kreischenden Frauen und Fräulein der albischen Wesen nach, packte sie -am Gewand, griff sie beim Schleier, zog die Zappelnden hinauf auf sein -Roß und erstickte sie in seinen Umarmungen. »Frauenräuber!« schalten -die verblendeten Menschen hinter ihm drein, »Weiberjäger!« Denn sie -hielten für Liebesgier, was Wodan in göttlichem Zorne tat, und ließen -sich von den Wichten, die sie abergläubisch hüteten, leicht bereden. - -Noch blieb viel Koboldvolk auf der Erde zurück, Hausgeister und -Waldfräulein, Korngeister und Wassernixen, und Nächte und Monde jagte -Wodan daher, den Spuk zu vernichten, die Menschen auf sich selbst -zu stellen. Oft auch stieg er zu Mimir hinab und raunte mit ihm am -Brunnen. Denn er hielt das luftige Gesindel der Alben nur für die -Plänkler und Wegemacher eines gefährlicheren Feindes, der Macht der -Wanen, und er wußte es in seiner Allwissenheit. - -Einst kehrte er heim nach Asgard, sinnend und grübelnd, und fand die -Götter beim lärmenden Gelage wie in einer großen Trunkenheit. So hatte -er sie noch nie geschaut. Nur Baldur stand abseits. Ihn ekelte das -weibische Getue. - -Einen strahlenden Blick warf Wodan auf seinen Lieblingssohn. Dann trat -er zürnend in den Kreis. Doch keiner hatte Augen für ihn. - -Vor den Bänken der Götter und Göttinnen tanzte ein nacktes Mädchen von -niegesehener Schönheit. Farbenfunkelnde Geschmeide von auserlesenem -Feuer schmiegten sich an ihre Brüste, daß ihr Weiß heller leuchtete -als der Schnee auf den Hügeln, rotgoldene Spangen, zart wie Blattgold -und von meisterlicher Arbeit umschlossen die Fesseln ihrer Füße, daß -die Glieder aus den Goldblättern hervorwuchsen wie Lilienstengel, -umschlossen die Arme, daß sie sich dehnten und streckten wie -heimlich Geliebte, und Perlenschnüre träumten in ihrem Dufthaar wie -schmeichelnde Mondlichter in kosender Nacht. - -»Tanze, tanze,« riefen die Götter mit funkelnden Augen, »so wunderbar -Schönes sahen wir nie, wie dich, du Mädchen!« - -»Tanze, tanze,« riefen die Göttinnen mit heißen Blicken, »so wunderbar -Schönes sahen wir nie, wie dein Geschmeide!« - -»Das Mädchen ist es!« beharrten die Götter erhitzt. - -»Das Geschmeide ist es!« eiferten die Göttinnen. »So schön sind wir, -wie die Fremde, aber der Schmuck, mit dem ihr uns beschenkt, ist plump -wie Bauernschmuck und hängt sich schwerfällig an unsere Glieder, statt -ihre Reize zu heben. Schafft uns solch Geschmeide, und das Mädchen ist -vergessen! Schöner sind wir, schöner!« - -»Wer bist du?« riefen die Asen, und es lag wie Rausch über ihren Augen. -»Wer gab dir den Schmuck? Wo finden wir ihn?« - -»_Gullweig_ heiß ich,« sang die Tänzerin, »vom göttlichen Wanenstamm -bin ich. Wir leben in Schönheit und Freude! In Arbeit und kindlichen -Spielen ihr! Wißt ihr, was Freude ist? Verschwendung und lachendes -Leben! Seht her, so verschwende ich!« - -Und sie wirbelte vor den heißen Blicken der Männer. - -»Der Schmuck! Der Schmuck!« riefen die Göttinnen und waren erblaßt vor -Erregung. - -»Schmuck will erworben sein,« sang die Tänzerin. »Einen Wert hat das -Gold, mehr als ihr wißt! Für rotes Gold und schimmernd Gestein kaufe -ich Länder und Völker, Weiber und Rosse, Leiber und Seelen. Es liegt -bei den Riesen, es liegt bei den Zwergen, es liegt bei den Menschen. -Hervorlocken muß man es durch Zauber oder Raub. Holt es euch, schmückt -euch, genießt! Nichts weiß euer Blut vom glühenden Leben!« - -Aller Arme streckten sich nach der tanzenden Wanentochter aus. -Sehnsüchtige Arme. Neidvoll gereckte Hände. Da hob Wodan den Speer. - -Dreimal durchbohrte er Gullweig, die Wanentochter, mit dem Speer. -Dreimal schleuderte er ihren weißen, schimmernden Leib in den -flammenden Holzstoß, der die Halle erwärmte und erleuchtete. Dreimal -verbrannte das Mädchen zu Staub. Dreimal erhob sie sich aus der Asche. -Da ersah Wodan, daß sie eine Zauberin der Wanen sei, und ließ die -Mißhandelte entfliehen. - -»Melde den Deinen, was dir widerfuhr, was ihrer wartet!« - -Loki aber, der Geschmeidige, sammelte hastig aus der Glut des Feuers -den seltenen Goldschmuck, Perlen und Geschmeide, und gab alles den -Göttinnen und setzte sich in Gunst. Finster gingen die Asen umher und -neideten dem Listigen den Vorzug. - -Wodan berief sie alle zum Rat. - -»Wer hat dem Wanenmädchen Einlaß gewährt zu Asgards Wiesen?« - -Und Heimdall antwortete: »Ich tat's, auf Gebot der Götter, die sich -berieten, als du fern warst. Sie war ein Mädchen und ohne Waffen.« - -»Ihr Törichten,« sprach Wodan, »habt ihre Waffen kennengelernt. Schwer -seid ihr von ihren Waffen verwundet. Schwerer als von Schwert und Ger. -Denn die Wunden, die sie euch schlug, heilen nicht und eitern fort in -der Gier nach Gold und Genuß. Vorbei ist es mit der heiteren Ruhe. Wir -müssen uns regen.« - -Da stimmten die Götter beschämt ihm zu und gaben ihm Vollmacht, für -alle zu handeln. -- - -Einsam fuhr Wodan aus. Nur Gefjon nahm er mit sich, die Kluge, zu -der die Mädchen beteten. Von Saxland fuhr er gen Norden, denn es war -sein Plan, die Wanenanhänger durch eine augenfällige Tat zu sich -zurückzuführen und die Menschen, die im Norden noch nichts wußten -von Wodan und den Seinen, zum Asenopfer zu bekehren. So fuhr er gen -Dänemark, das den Wanen huldigte, und gedachte dem Volke über Nacht ein -reiches Neuland zu schenken, Ackerland für einen seßhaften Bauernstand, -der mit der Scholle die Arbeit liebte und nicht die Leichtfertigkeit -der Goldanbeter. Neuland auch für neue Heiligtümer der Asengötter. - -Auf Fünen kehrte Wodan ein und lehrte Gefjon, die kluge, seine Pläne -und verlieh ihr zur Ausführung seine Zauberrunen. Da fuhr Gefjon, als -listige Gauklerin gekleidet, nach Schweden und vollführte vor dem -Beherrscher des Landes, dem König Gylfi, so lustige Dinge, daß der -König ihr einen Wunsch freigab. Und sie erbat sich so viel Land zur -freien Verfügung, wie sie mit vier Ochsen während eines Tages und einer -Nacht umzupflügen vermöchte. Das gestand ihr der König lachend zu. -Gefjon aber fuhr noch in selber Stunde nach dem Riesenland Jotunheim, -gebar in der nächsten Nacht einem Riesen vier Söhne, ließ sie kraft -ihrer Zauberrunen gleich bei der Geburt zu ihrer ganzen Größe und -Stärke aufwachsen, verwandelte sie durch den Runenzauber in vier -ungeheure Ochsen und kehrte in nächster Nacht mit ihnen zu König Gylfi -zurück. Und Gefjon, die Kluge, spannte die Riesenochsen vor den Pflug -und packte die Pflugschar. Da schnitt das Pflugeisen gewaltig tief -und breit in das Land und ackerte ein Stück Erde heraus, das nicht zu -überblicken war, und die Ochsen zogen noch einmal an und zogen das -herausgepflügte Land weiter und weiter gen Westen, stiegen ins Meer -und zogen es bis in den dänischen Sund. Dort entließ Gefjon die Ochsen -und nannte das neugewonnene Inselland der See _Seeland_. Das Loch -aber, das sie in König Gylfis Land gerissen hatte, füllte sich zu einem -Binnensee, der der _Mälarsee_ hieß, und in seine Buchten paßten bis ins -Kleinste die Landzungen und Vorgebirge Seelands. - -Und Wodan dehnte die Macht der Asen aus auf die Insel und schuf -ein Heiligtum auf ihr, zu dem die beschenkten Dänen in Dankbarkeit -opferten. Aber auch König Gylfi in Schweden und viele andere Könige im -Norden, zu denen die Kunde kam, riefen erschreckt Wodan an, den sie -Odin nannten, und baten ihn in ihr Reich. -- - -Wodan war heimgekehrt nach Asgard, wo ihn die Asen sehnsüchtig -erwarteten. Viel Streit gab es zu schlichten, den der listige Loki -schadenfroh geschürt hatte, und die alte Einigkeit war gestört im Rat -und auf der Metbank wie beim ritterlichen Kampf- und Wettspiel, seitdem -das lockende Weib in Asgard erschienen war. Zu Mimirs Brunnen stieg -Wodan hinab und raunte lange mit dem Weisen. - -Und es war ihm offenbar, daß die Wanen heranrückten, den Schimpf -an Gullweig zu rächen und die reichen Opfer der Menschen im Norden -zurückzugewinnen. Und Wodan wußte vieles und mehr und saß, in die -Zukunft grübelnd, auf seinem Hochsitz. - -In hellen Haufen rückten die Wanen an. Die Luft wimmelte von ihnen, -wohin das Auge sah. Lichtgötter waren sie. Darum ritten sie durch die -Lüfte und brauchten nicht über die Brücke Bilfrost hinweg, die Heimdall -hütete. Was ihnen an Kraft den Asen gegenüber gebrach, ersetzten sie -dreimal durch wunderbare Waffen, zu denen ihnen ihr Reichtum, und durch -die Kriegskunst, zu der ihnen ihre verfeinerte Geistespflege verholfen -hatte. Jäh erschienen sie vor Asgard und zerbrachen in geeintem Angriff -den Burgwall der Asen. - -Dröhnend rief Wodan die Männer Asgards zum Kampf. Ihnen allen -voran stand er und schleuderte als Heervater den Speer über die -anstürmenden Völker. Aber die Waffen der Asen waren wie Bauernwaffen -zu den erlesenen und erklügelten Waffen der Wanen, wie der Schmuck -ihrer Frauen und Jungfrauen ein plumper Bauernschmuck geschienen -war zu den berauschenden Köstlichkeiten der tanzenden Gullweig. -Donars malmende Keule zersplitterte auf stahlhartem Wanenhelm. Zius -blankes Breitschwert brach und sprang aus dem Griff, als er es gegen -eine goldene Wanenbrünne stieß, Ullers Pfeil und Bogen war wie ein -Kinderspiel vor den manneshohen Schilden der Wanen, und Baldurs -leuchtender Mut fand zwölf neue Gegner, wenn er einen gefällt hatte. -Loki stand als Schutz und Schirm bei den Göttinnen und stachelte -die kämpfenden Asen an, sich vor den Frauen zu zeigen und ihre Huld -zu gewinnen, denn er gedachte, übrig zu bleiben und höhere Macht -zu erringen. Und die Asen wurden uneins im Kampf, trennten sich -voneinander und suchten in heldischem Zweikampf mit den Wanenführern -die Augen der Frauen auf sich zu ziehen, während die Scharen der -Feinde immer tiefer eindrangen in Asgards geheiligte Fluren und die -Himmelsburgen in Schutt und Asche legten. - -Da packte Donar die Felsen an und riß sie aus dem Grund und zermalmte -mit ihnen die Haufen. Und Ziu entwurzelte die ragendste Eiche und fegte -mit ihr die Stürmenden zu Hunderten. Die Himmel krachten, die Menschen -lagen betend auf ihrer Erde und die Riesen in Jotunheim erhoben drohend -ihre Häupter, um über die erschöpften Asen- und Wanengötter in Haß und -Rache herzufallen. - -Wodan sah es. Er erkannte die größere Gefahr. - -Wie Donner rollte seine Stimme über die Köpfe der Kämpfenden: - -»Ihr habt euch in den Waffen gemessen, ihr Götter -- nun meßt euch im -Rat!« - -Die Wanen wiederum aber hatten erkannt, daß sie nur einen -Augenblickssieg erringen konnten und vor dem kraftvollen Asengeschlecht -nicht bestehen würden, wenn es in der neugewordenen Zeit sich seines -schaffenden Geistes entsann. Sie waren zum Verhandeln bereit. - -Im Rate saßen sie, Asen und Wanen, und stritten lange um den Vergleich. -Klug wie Kaufleute setzten die Wanen zuerst den Preis des Friedens -hoch, um ablassen zu können und als die Gebenden zu erscheinen. Sie -forderten für Gullweigs Mißhandlung Zins. Da lachten die Asen, daß -sie sich krümmten, und wollten von ihren Sitzen. Die Wanen beharrten -nur scheinbar auf ihrem Beschluß. Ihnen war um anderes zu tun. Sie -boten an, die Zinsforderung fallen zu lassen, wenn sie von Stund an -als gleichberechtigte Götter gälten, den Asen gleich an Ehrung im -Himmel und auf Erden, gleichberechtigt zum Empfang der Opfer und durch -auszutauschende Geiseln _eine_ große Götterfamilie. - -Wodan, der allwissende, der in die Zukunft schaute, schlug ein. Und -die Asen bestimmten Hönir zur Geisel für die Wanen, den Fahrtgenossen -Wodans bei der Menschenerschaffung. Da er aber langsam denkend war, gab -Wodan ihm den Mimir bei, den Freund und Vertrauten am Brunnen, und die -Wanen hielten ihn für einen der Asen. Sie selber ließen den reichen -_Njord_ als Geisel, der seinen lichten Sohn _Freyer_ mit sich führte -und seine liebliche Tochter _Freya_. Und alle die Götter, die Asen und -Wanen, traten zur Bekräftigung ihres Vertrages an ein Gefäß und spien -hinein und mischten den Speichel mit Honig und schufen daraus gemeinsam -den weisesten Mann. Der hieß _Kwasir_. - -So aber endete der erste Weltkrieg. - - - - -Die Götter auf schiefer Bahn. - - -In den Kreis der Asen war Njord ausgenommen mit seinem Sohne Freyer -und seiner Tochter Freya. Gewaltiger Reichtum kam mit ihnen nach -Asgard, aber auch viel böse Lust nach Reichtum und manche Sucht -nach räuberischem Erwerb. Mehr und mehr ging die Schlichtheit der -Lebensführung dahin. Die Gelage mehrten sich, die Abenteuerfahrten -dehnten sich aus, Liebeshändel kamen auf und nahmen zu im Himmel und -auf Erden, die Freude am Kriege erwachte und führte in ihrem Gefolge -Gewalttat, List und Betrug. - -Wohl waren die Wanen, die von nun an zu den Asen gerechnet wurden, -vornehme Wesen, doch ihre ganze Art und Daseinsauffassung war freier, -üppiger und leichtherziger, und der Aufwand, den sie trieben und der -den Menschen reichere Opfer und prunkvollere Feiern auferlegte, brachte -die Asen von ihrem einfachen Götterwandel ab und näherte sie den -Begierden und Untugenden der Menschen. - -_Njord_ liebte Jagd, Seefahrt, Fischfang und Handel. Er machte das -Meer fruchtbar und bevölkerte die Wälder mit Wild. Er beschenkte die -Menschen mit Reichtum, gab den Schiffen günstigen Wind und ruhige See, -den Jägern Beute über Beute. So riefen ihn alle an, die Seefahrt und -Jagd betrieben. Auch stammte die Göttin Nertha von ihm, die in heiligem -Hain am Meeresstrande wohnte und die Fluren segnete zu wogenden Saaten. - -Schön war _Freyer_, sein Sohn. Schön fast wie Baldur. Licht und heiter -übte er sein Amt als Himmelsgott, tat es seinem Vater gleich in der -Spendung von Reichtum und Fruchtbarkeit und schätzte deshalb den -Frieden, damit seine Gaben zu gedeihen vermöchten und Freude brächten. -Doch war er aller ritterlicher Übungen nicht minder Herr, und er besaß -ein Roß, das wabernde Lohe durchstürmte, und ein Schwert, das sich von -selber schwang, galt es einen Feind. - -Die schönste im Himmel und auf Erden war _Freya_, Freyers Schwester. -So reizvoll war sie an Wuchs, Antlitz und Gebärde, daß sie Götter und -Riesen, ja Menschen und Zwerge entzückte und berückte und keine Göttin -begehrter und verehrter war als sie. Als Göttin der Liebe wurde sie -angerufen, gefeiert und besungen; viele der Helden wünschten sich zu -ihr und die Frauen verlangten nach ihrem Saal, wenn der Tod ihnen -nahte. Folkwang hieß ihr Wohnsitz in Asgard, das ist »Sammelstätte -des Volkes«, und Seßrymnir ihr Saal, »der an Sitzen geräumige«. Die -Zauberkunde der Wanen, die den derben Asen fremd gewesen war bis -auf Wodans Runen, brachte sie nach Asgard und lehrte vor allem den -Liebeszauber Götter und Menschen. Fuhr sie sichtbar hinaus, so fuhr sie -auf einem schimmernden Wagen, den ein geschmeidiges Katzenpaar zog. -Fuhr sie heimlich hinaus, so legte sie ihr zaubrisches Falkenhemd an, -daß sie blitzschnellen Flugs wie ein Vogel durch die Lüfte glitt. Sie -war so heiter, daß sie ihre Sitten oft und gerne darüber vergaß, und wo -sie erschien, herrschte Jubel und Seligsein. - -Die Besten ihres Geschlechtes hatten die Wanen hingegeben. Was sie -dagegen erlangt hatten, war kein guter Tausch und ließ sie bald -verkümmern. Wohl wußte Hönir, der ihnen von den Asen zugeteilt war, -immerdar klugen Rat, solange der weise Mimir bei ihm stand und ihm -Rede und Antwort einflüsterte. Geschah es aber, daß Mimir abwesend war -und die Wanen guten Rats bedurften, so wußte sich Hönir, den sie zum -Häuptling erkoren hatten, nicht zu helfen und stammelte schwerfällige -Worte, die nichts besagten. Stutzig geworden, forschten die Wanen dem -Rätsel nach. Und sie erforschten Mimirs Herkunft und den Betrug beim -Vergleich und ergrimmten dermaßen, daß sie Mimir das Haupt abschlugen, -das Haupt des Getöteten höhnisch heimsandten und den Asen vor die Füße -werfen ließen. - -Wortlos hob Wodan das Haupt des erschlagenen Freundes auf. Er salbte es -ein und besprach es mit Runensprüchen, die das tote Hirn auferweckten -und der Zunge die Sprache wiedergaben. Zur Weltesche Yggdrasil -ging er in der Nacht und stieg durch die Welt hinab bis zu Mimirs -Weisheitsbrunnen. In dem blanken Brunnen barg er Mimirs Haupt, und -oft stieg er vom Himmel hinab zu dem tiefen Brunnen, wie die Sonne -hinabsteigt ins Meer, und holte sich neue Kraft und Weisheit zu allen -seinen schweren Werken. - -Denn oft machten die Götter Allvater das Leben schwer durch wenig -vorbildliches Wesen, und die Menschen eiferten ihnen lieber in den -Untugenden als in den Tugenden nach, weil die Untugenden leichter zu -verrichten und meist um ein bedeutendes fröhlicher waren. Seit Freya -durch den Himmel schritt, gab es unter den Göttern und Göttinnen -viel Eifersucht, Neid und Streit. Die lose Liebesgöttin aber hatte -ihre heimliche Freude daran und suchte immer neuen Anlaß, sich zu -schmücken und die anderen zu reizen. So fand sie einst in einer Höhle -vier Zwerge bei der Arbeit, die ein goldenes Halsband von blendender -Schönheit und unermeßlichem Werte schmiedeten. Sofort beschloß sie, -es zu besitzen. Aber die Zwerge, von den nie erschauten Reizen Freyas -berauscht, lehnten jeden dargebotenen Preis ab und forderten endlich -auf der Liebesgöttin Drängen für einen jeden von sich eine Liebesnacht -mit der lachend gewährenden Göttin. Nach vier Nächten kehrte sie nach -Asgard zurück, und um Hals und Nacken trug sie das Wundergeschmeide -Brisingamen, dessen Name soviel heißt wie Zusammenflechter, denn wenn -sie erwachte und Brisingamen um Hals und Nacken legte, glitzerte es -über Himmel und Erde, und das Frühlicht stieg auf, das den jungen Tag -mit der schwindenden Nacht zusammenflicht. - -Weit rissen die Götter die Augen auf, als Freya so goldenstrahlend -vorüberschritt. Und Loki, der listenreiche, sann auf einen ebenbürtigen -Schmuck, und er sah Sifs, der Gattin Donars, den sie auch Thor nannten, -goldwogendes Haar und schlich ihr heimlich nach und schnitt es ihr ab. -Tobend vor Grimm suchte Thor den Täter. Bald hatte er Loki erwischt, -und seine mächtigen Fäuste packten den Geschmeidigen, daß ihm die -Knochen im Leibe krachten. Wie ein Wurm wand sich Loki und schwur alle -Eide, der weinenden Sif neues Haar zu schaffen aus echtestem Gold und -so fein gesponnen wie Sonnenstrahlen. Da gewährte Thor ihm Zeit, denn -ihm lag daran, die Schönheit seines Weibes wiederhergestellt zu sehen -und den Spott zum Verstummen zu bringen. Und der geängstigte Loki fuhr -ab zu den Zwergen. - -Zwei Zwergenbrüder waren _Brock_ und _Sindri_, die galten für die -größten Meister aller Unterirdischen. Freundlich sagten sie dem -geängstigten Gotte zu, sein Begehr zu erfüllen, und sie schmiedeten -das Gold und zogen es in Fäden so fein wie Sonnenstrahlen, und da -ihre Kunst eine lebenschaffende Kunst war, wie nur die echte Kunst, -so gewann das Goldhaar alle Eigenschaften des natürlichen Haares -und wuchs in goldenen Locken. Die freundlichen Zwerge aber wollten -Loki nicht reisen lassen, ohne ihm Weihegeschenke mitzugeben für die -heiligen Götter, und sie schmiedeten für Wodan den wunderbaren Speer -Gungnir, dessen Wurf, ja dessen bloßer Schwung den Tod bringt, und für -die anderen Asen das Wunderschiff Skidbladnir, das ohne Wind zu fahren -vermochte und durch den ärgsten Sturm, und das sich zusammenfalten und -in die Tasche stecken ließ. - -Lüstern sah Loki den Künstlern zu, und seine arglistige Seele sann, wie -er den Zwergen noch andere Meisterwerke entlocken könne. Da nun der -Zwerg Brock den Hauptanteil an der Arbeit getan hatte, so gedachte -Loki, einen der Zwerge gegen den anderen auszuspielen, und er wettete -scheinbar harmlos und wie aus fröhlicher Laune heraus, daß Brocks -Bruder Sindri die drei Meisterwerke nicht durch seine Kunst überbieten -oder auch nur annähernd Gleichwertiges schaffen könne. Brock, der -seinen Bruder zärtlich liebte, nahm sofort Partei, und Loki reizte ihn -in eine Wette hinein, in der der listige Gott sein Haupt verwettete -gegen die drei Kleinodien, die nunmehr Sindri schaffen solle. - -Ohne zu zögern, begann Sindri sein erstes Werk. Und als es so weit war, -daß es ins Schmiedefeuer mußte, um geglüht und gehärtet zu werden, zog -Brock den Blasebalg, ohne auch nur eine Pause zu machen. - -»Weshalb setzest du nicht einmal aus?« forschte Loki wie in harmloser -Neugier. - -»Zöge ich den Blasebalg nicht nach Gebühr und setzte ich nur eine -Sekunde aus,« erwiderte der Zwerg, »so würde das Werk einen Fehler -erleiden.« - -Da verwandelte sich der ränkereiche Gott schnell in eine Stechfliege, -flog auf Brocks Hand, die den Blasebalg zog, und stach ihn in den -Finger. Aber Brock verbiß den Schmerz, um des Werkes seines Bruders -willen, und hielt aus, bis das Werk fertig aus der Esse kam. Da war es -ein Eber mit goldenen Borsten, der schneller als ein Himmelsroß durch -die Lüfte rannte und dessen goldene Borsten taghell die dunkelste Nacht -durchleuchteten. - -Und Sindri begann sein zweites Werk, und als es im Schmiedefeuer lag -und Brock den Blasebalg zog, flog ihm Loki als Stechfliege in den -Nacken und stach erbärmlich zu. Aber Brock zuckte nicht mit der Wimper, -so wahnsinnig der Stich ihn schmerzte, bis das Werk fertig aus der -Esse kam. Da war es der Ring Draupnir, der Tröpfler, von dem in jeder -neunten Nacht acht neue kostbare Ringe abtropften, so daß sein Besitzer -immer der Reichste war. - -Und Sindri begann sein drittes und letztes Werk und schob es in das -Schmiedefeuer, und Brock zog den Blasebalg in brüderlicher Treue. Da -setzte sich ihm Loki als Stechfliege mitten auf das Augenlid und stach -zu, daß ihm das Blut in die Augen floß. Brock zog und zog, bis er vor -rinnendem Blut nicht Esse noch Blasebalg mehr erkennen konnte. Eine -Sekunde nur ließ er los, schlug nach der Fliege und wischte hastig das -Blut aus den Augen. Aber er hatte ausgehalten bis gegen den Schluß, und -als Sindri das Werk aus der Esse nahm, war es ein Hammer, _Mjolnir_, -der Zermalmer, der nie zerbrechen konnte, nicht an Stahl und nicht -an Stein, und, wenn er geworfen wurde, immer in die Hand des Werfers -zurückkehrte. Nur der Hammerstiel war ein wenig zu kurz geraten. Das -war geschehen, als Brock das Blut aus den Augen wischte. - -Voller Zorn über Lokis Arglist und Tücke verlangte Brock den Preis -der Wette, Lokis boshaftes Haupt. Loki aber lachte ihn aus und wies -auf den Hammer, der mißraten sei. Da machte sich Brock mit Loki auf -nach Asgard, den Göttern die Gaben zu bringen und ihren Schiedsspruch -anzurufen. - -Wie staunten die Götter über die Wunderwerke, über Sifs goldenes Haar, -über Wodans Todesspeer und über das zaubertätige Götterschiff. Mehr -aber noch staunten sie über den Ring Draupnir, den Tröpfler, den der -Zwerg Allvater Wodan zur Gabe brachte, über den rennenden Goldeber, -den er dem Wohltäter Freyer verehrte, und am meisten über den Hammer -Mjolnir, den Zermalmer, denn es fehlte ihnen an gewaltigen Waffen, -denen der Feind nichts entgegenzusetzen wußte. Und Brock überantwortete -den Hammer dem freudig zugreifenden Thor. - -Und Thor sprach: - -»Es ist der Hammer und der Mann, der hinter ihm steht, auf den es -ankommt. Mag der Stiel nun lang oder kurz sein.« - -Da fiel der Schiedsspruch der Götter zugunsten des Zwerges, und Loki -legte sich auf das Handeln und bot allerlei Lösegeld, aber der erzürnte -Zwerg beharrte auf seinem Preis. - -»So hol dir den Kopf, du verkümmerter Gnom,« lachte Loki und entglitt -dem Verhöhnten auf seinen Zauberschuhen in die Lüfte. - -Thors Biedersinn empörte sich über Lokis Betrug. Er schirrte seine -Böcke vor den Donnerwagen, den Zahnknisterer und den Zahnknirscher, und -brauste hinter dem Flüchtenden her. Er holte ihn ein, zwang ihn in den -Wagen und brachte ihn dem Zwerg. - -»Halt,« rief Loki, als der Zwerg das Messer zog, um den erwetteten Kopf -herunterzuschneiden, »nur der Kopf ist dein; schneidest du mir in den -Hals, so gilt es dein Leben.« - -Da lachten die Götter über Lokis gelungenen Scherz, daß die Halle -erbebte. Der Zwerg stand betroffen. Ohne den Hals zu verletzen, -vermochte er den Kopf nicht abzulösen. Aber er zitterte nach -Genugtuung. Und da der Kopf sein war, ergriff er wütend eine Ahle und -einen Riemen und nähte dem Lästerer Loki das böse Maul zu. Dann erst -trollte er sich befriedigt. - -Lange ließen die Götter Loki mit vernähtem Lästermaule laufen. Dann -aber fehlte ihnen sein scharfer Witz wie sein kluger Rat, und sie zogen -den Riemen heraus. Denn sie wußten sich in einer schweren Sache, die -den Himmel bedrohte, nicht zu helfen. - - - - -In Schuld und Schicksalskampf. - - -Die Bekriegung der Gottheiten untereinander, der Kampf zwischen -Asen und Wanen, hatte alle Feinde der Himmelsordnung das Haupt -recken lassen in aufhorchendem Frohlocken. Die Macht der Götter war -nicht unangreifbar. Sie beruhte auf ihrer Einigkeit, dem festen -Zusammenschluß aller ihrer Glieder und Gaben. Uneinigkeit, ein -Zersplittern ihrer Machtfülle und Zugeständnisse an die anderen Welten -mußten sie bald verwundbar machen. So rechnete man in Utgard, dem Land -der Riesen und Trolle, wo alle Hasser saßen. - -Noch lag in Asgard die Himmelsburg mit Türmen und Wällen zerstört. -Unmutig dachten die Götter an die gewaltige Arbeit des Wiederaufbaues. -Gerade jetzt, wo mit Njord und Freyer Reichtum und Wohlleben, wo mit -Freya, der Heischenden, Lust und Laune am Liebesspiel fröhlichen Einzug -gehalten hatten, waren sie der Arbeit entwöhnt, und sie ratschlagten -her und hin, wie die Veste neu und noch stärker als zuvor erbaut werden -könne, ohne daß einer der Götter Zeit und Mühe zu opfern brauche. Schon -war es zu Unstimmigkeiten und heftigem Hader gekommen, als unvermutet -Heimdall, der Wächter, einen Gast meldete. - -Es war ein Mann von so ungeheueren Körpermaßen und Leibeskräften, wie -sie die Götter nie erschaut hatten. Er ritt auf einem Roß, das des -riesigen Reiters würdig war, und gab an, aus fremden Welten zu kommen -und der größte Baumeister aller Zeiten zu sein. - -Da horchten die Götter auf. Das war der Mann, der ihnen fehlte. - -Sie führten ihn rings um Asgard und ließen ihn das Werk, das sie ihm zu -übertragen gedachten, in Augenschein nehmen und begutachten. »Eile tut -not,« sprachen sie, »es muß in kürzester Frist errichtet sein.« Dies -stellten sie zur Bedingung. - -Der gewaltige Baumeister ließ forschend seine Blicke über Götter und -Göttinnen schweifen. - -»Ich will die Burg uneinnehmbar bauen,« antwortete er, »und noch -während dieses einen Winters. Doch müssen mir meine Bedingungen treu -erfüllt werden.« - -Da rieben sich die Asen vergnügt die Hände. »Fordere was du willst.« - -Und der Baumeister sprach: - -»Wenn ich die Burg innerhalb der genannten Frist und ohne auch nur -einen Tag darüber hinaus zu gebrauchen, errichtet habe, so sollt ihr -mir als Lohn Freya, die Liebliche, zur Frau geben und zu ihrer -Bedienung die Sonnenjungfrau und die Mondjungfrau. Bedarf ich zu meiner -Arbeit auch nur eines Tages Länge mehr, so habt ihr das ganze Werk, das -ich geleistet habe, umsonst und ohne Entgelt, und ihr könnt mich von -hinnen jagen.« - -Da wurden die Götter ernst und traten zum Rat zusammen. Sie fühlten -ihre Zusammengehörigkeit als ihr Heiligtum und wünschten den Verlust -der wärmespendenden Freya und der lichtspendenden Jungfrauen Sonne und -Mond nicht aufs Spiel zu setzen. Schon wollten sie das Ansinnen des -starken Baumeisters als eine Beleidigung zurückweisen, als Loki, der -Vielgewandte, das Wort ergriff. Er bewies den ernstgewordenen Asen, daß -es selbst für sie, die Götter, eine Unmöglichkeit wäre, Asgards Veste -in einem Winter zu erbauen, um wie viel mehr für diesen grobknochigen -Schwätzer, der sich großtuerisch vermesse, die ganze Arbeit allein zu -verrichten und nur mit Hilfe seines Pferdes. Jedenfalls aber würde der -Fremde in seinem Ehrgeiz ein hübsches Stück Arbeit zuwege bringen, -bevor er weggejagt würde, so daß den lachenden Göttern nur noch die -letzte Vollendung des Werkes übrig bliebe. Und Loki redete so lustig -und listig, daß er die Lacher auf seiner Seite hatte und sie ihm -zustimmten, ohne an seine Heimtücke zu denken. Loki selber aber dachte -sehr wohl an das Fehlschlagen seines Rates. Seine Eifersucht jedoch -erhoffte immer aufs neue ein Aufsteigen seiner persönlichen Macht, -sobald die Macht derjenigen Götter, die ihm an Kraft und Ansehen -überlegen waren, geschwächt wurde. - -Der Baumeister wurde vor den Rat gerufen. Der Tag des Winterendes -wurde auf die Stunde bestimmt und dem Festungsbauer Freya als Gattin -zugesprochen und die Jungfrauen Sonne und Mond als Dienerinnen, wenn -der Vertrag pünktlich eingehalten und eingelöst werde. - -Der Baumeister verlangte zur Bekräftigung den Eid der Götter. - -Da beschwuren die Götter die Wahrhaftigkeit des Vertrages mit ihren -höchsten Eiden. Nur Donar, der donnernde Thor, schwur nicht mit. Denn -er war nicht anwesend und, wie immer vielbeschäftigt, ausgezogen, um -den im Schweiße ihres Angesichtes arbeitenden Bauern beizustehen gegen -die zerstörenden Gewalten aus Utland, dem Riesenheim. - -[Illustration: »... umschlang mit seinen Armen die höchsten -Felsenberge ...«] - -Der Baumeister begann, ohne zu zögern, mit der Arbeit. Er reckte seine -Glieder ins Ungeheuerliche, umschlang mit seinen Armen die höchsten -Felsenberge, hob sie aus dem Grund und spannte sein Roß Swadilfari vor, -das sie mit Windeseile zu dem Bauplatz zog, wo der ungetüme Meister sie -kunstgerecht schichtete. Tag und Nacht war Mann und Roß bei der Arbeit, -und die Burg wuchs und wuchs, und staunend standen die Götter. Aber in -ihr Staunen trat bald eine tiefe Beklommenheit, und die Beklommenheit -wandelte sich in blassen Schrecken, als nur noch acht, dann fünf und -jetzt nur noch drei Tage zwischen der letzten Vollendung der Burg und -der Auslieferung der geliebten Göttinnen lagen. Eifernd zog Freya -umher, traurig schlichen ihre Freundinnen Sonne und Mond ihr nach. - -Da traten die Götter zum Rate zusammen, und sie schwuren Loki, dem -Verführer, furchtbare Rache auf ewige Zeit, wenn er den Vertrag, den -er ihnen aufgeschwätzt, in letzter Stunde nicht hinfällig mache. Denn -sie waren sich bewußt, daß ohne Freyas Wärme und ohne der Sonne und des -Mondes Licht Himmel und Erde vereisen und verkümmern müsse. Sie packten -Loki und schüttelten ihn im Zorn, daß ihm Feuer aus den Augen sprang -und er in Todesängsten alles versprach, die Götter zu befreien. - -Wohl hatte er gesehen, daß der fremde Baumeister seine Arbeit nur mit -Hilfe seines Hengstes Swadilfari schaffen könne. Den Hengst mußte er -ablenken. Und er nahm die Gestalt einer schönen Stute an und lief dem -arbeitenden Hengst in den Weg. Der Hengst blieb stehen, schnob durch -die Nüstern und stieß ein liebestrunkenes Wiehern aus. Alsbald tänzelte -ihm die Stute vor der Nase herum, tat verliebt und vertraulich und stob -von dannen, wenn der Hengst sie zu fassen glaubte. Dem Hengst stieg das -Blut in die Augen. Das Liebesspiel brachte ihn um die Vernunft. Und als -die Stute ihm wieder schmeichlerisch nahe kam, ließ er Arbeit Arbeit -sein, warf das Geschirr ab und jagte hinter der gefallsüchtigen Schönen -drein. Da flogen die Funken von ihren Hufen, und ganz Asgard erdröhnte -von dem wilden Galopp. Drei Tage und drei Nächte ging die wilde Jagd, -bis sich die Stute dem Hengst ergab, und der Baumeister stand in der -Stunde, in der er die Burg übergeben sollte, vor dem unvollendeten Werk. - -Zornbebend rief er die Götter herbei, schrie ihnen Lokis Verrat ins -Gesicht und forderte sie auf, ihre Eidschwüre zu halten, wie es die -Wahrhaftigkeit geböte. - -Die Götter aber blieben kalt bei seinem Toben. Sie wiesen auf das -unvollendete Werk und schickten Freya und die Jungfrauen Sonne und -Mond in ihre Gemächer. - -»Meineidige seid ihr!« brüllte der gewaltige Fremdling, griff seine -Werkzeuge auf und holte aus, um die Burg und mit ihr die Götter zu -zerschlagen. - -In Todesnot riefen die Götter Thors, des Donnerers Namen. Und in selber -Sekunde stand der Donnerer mitten unter ihnen, denn er fuhr mit dem -Blitze. In der Hand wuchtete dem rotbärtigen Gotte der Hammer Mjolnir. -Beim ersten Blick erkannte sein Auge, daß der ungetüme Baumeister ein -Abgesandter des eisigen und dunklen Riesenreiches sei, das sich Freyas -Wärme und das Licht von Sonne und Mond dienstbar machen wollte, und -ohne auch nur ein Wort zu reden, lief er den Riesen an und schmetterte -ihm den Hammer in den Schädel, daß der fürchterliche Unhold wie ein -gefällter Baum tot zusammenbrach. - -Der Donnerer wischte den Hammer ab und steckte ihn in den Gürtel. Er -strich seinen gesträubten roten Bart zurück und sah sich schweigend im -Kreise um. - -Dann erst sprach er. - -»Nicht Rat und Rat und wieder Rat erhält am Leben. Nicht bei Göttern -und nicht bei Menschen. Am Leben erhält nur die Tat!« - -Sprach's, drehte sich um und ging seiner Wege. - -Die Stute aber, in die Loki sich verwandelt hatte, warf von dem -Riesenhengste Swadilfari ein wolkengraues Fohlen, wie es schneller nie -gewesen war und niemals wieder wurde, denn es griff die Luft mit acht -Füßen und überholte den Sturmwind. Sleipnir hieß es und wurde Wodans, -des nordischen Odins, Roß. -- - -Schwer an Gedanken saß Wodan an Mimirs Brunnen. Das Riesenreich hatte -es gewagt, einen heimlichen Abgesandten nach Asgard zu entsenden, um -die Einigkeit der Götter zu zerstören und ihnen Wärme und Licht zu -rauben. Fast wäre den Riesen der Anschlag gelungen. Und Wodan wußte, -als er einsam in Mimirs Brunnen starrte, daß sie von jetzt ab Anschlag -auf Anschlag wiederholen würden, um die Götter zu verderben und über -den Gestürzten das Reich der rohen Kraft und Gewalt und die Herrschaft -der Zügellosigkeit aufzurichten. Und der einsam grübelnde Allvater -wußte mehr. Von der wachsenden Üppigkeit waren die Götter zur Habgier -und List, von der List zum Meineid fortgeschritten. Meineidig waren -die Götter. War das besser als rohe Kraft und Gewalt der Riesen? Den -Meineid strafte die wahrhaftige Weltseele. - -Und Wodan, der Allwissende, sah die Strafe. - -Noch war sie fern, noch konnte sie durch glühende Willenskraft -zurückgedrängt, durch neuerwachte, neu geschürte Begeisterung an der -Ordnung der Welt hintangehalten werden. Wegzuzaubern war sie nicht. -Denn über Götterrunen und Himmelskunst stand die Wahrhaftigkeit -der Weltseele, die sich selbst als oberstes Gebot -- auch für die -Herrschenden -- eingesetzt hatte. - -Am Brunnen Mimirs blickte Wodan, der Einsame, in die Zukunft. Der -allmächtige Vater der Götter und Menschen erschauerte nicht. Allvater -erkannte Allvaters Pflicht. Ob sie schwer war, ob sie unerfüllbar war --- es durfte ihn nicht kümmern. Läßt ein Vater seine Pflicht, wenn -tausendfältig anstürmender Feind seine Kinder zu zertreten droht? Der -Vater nimmt den Kampf auf, wirft sich dem Feind entgegen, lenkt ihn -ab, tut ihm Schaden und sucht, da er sie nicht zu retten vermag, die -Todesstunde seiner Kinder mit verdreifachten Kräften hinauszuschieben, -so weit er es nur vermag. - -So auch dachte Wodan, der einsame Wanderer zur Quelle Mimirs, als er -sich vom Brunnenrand erhob und in tiefem Sinnen heimkehrte gen Asgard. - -»Sie müssen den _Begeisterungstrunk_ haben,« murmelte er. »Der -Begeisterte verdoppelt Leben und Kraft, der Zagende bringt sich -um Willen und Frieden. Ich will ihnen den Begeisterungstrunk -herbeischaffen, daß sie das Fürchten verlernen. Herrscher können irren, -aber sie dürfen sich nicht fürchten.« - -Es war gewesen, als Asen und Wanen sich geeinigt und sich gemischt -und dessen zum Zeichen aus ihrem vermischten Speichel den _Kwasir_ -geschaffen hatten, der die Weisheit der Asen und die Lebensfrohheit der -Wanen wie einen feurigen Rausch im Blute trug und alle Welt mit seinen -Gaben entzückte. Im Berge hockten ein paar Neidlinge, Zwerge von kalter -und berechnender Klugheit, die Kwasirs hohe Gaben wohl einzuschätzen -verstanden, ohne daß es ihnen gelang, je aus einem ähnlichen feurigen -Götterrausch heraus zu schaffen wie Kwasir. Sie blieben Handwerker, wo -jener Künstler war. So gedachten sie, ihm das Künstlerblut zu rauben -und es sich zu eigen zu machen. Sie baten den göttlichen Kwasir, als er -über die Erde wandelte und die Menschen zu veredeln trachtete, zu einem -Gastmahl und stießen den Ahnungslosen, als er bei ihnen niedergesessen -war, mit ihren Messern zu Tode. Das aufspritzende Blut fingen sie -bis auf den letzten Tropfen in zwei Krügen auf und in einem Kessel, -der _Odrerir_ genannt wurde nach dem berauschenden Blute. Die Krüge -nannten sie Son und Bodn, das ist soviel wie Sühne und Anbietung. -Dem Blute setzten die kundigen Zwerge Honig zu, so daß ein Met, ein -Dichtermet daraus wurde, der jeden, der von ihm trank, mit Begeisterung -erfüllte und zum Dichter und heldischen Sänger machte. Zu den Asen aber -trugen die Zwerge die Kunde, der weise Kwasir sei eines Tages, da ihm -die Gedanken mehr denn je zuflogen, an seinem eigenen Witz erstickt. - -Die beiden Zwerge hoben jetzt um so frecher das Haupt. Hatten sie dem -göttlichen Kwasir seine begeisterungweckenden künstlerischen Gaben -geneidet, so neideten sie dem reichen Riesen Gilling seine irdischen -Schätze. Sie luden den Riesen ehrerbietig zu einem Fischzug ein, -trieben das Boot zum Kentern in eine Brandung und schwammen tauchend -an Land, während der ungefüge Riese jämmerlich ertrinken mußte. Dem -jammernden Weibe Gillings aber ließen sie, als sie aus dem Hause trat, -um den Leichnam des Mannes zu bergen, vom Dache aus einen Mühlstein -auf den Kopf fallen, der sie zerschmetterte, und aus der unbewachten -Wohnung raubten sie, was sie tragen konnten. - -Gillings Sohn jedoch, der Riese _Suttung_, verfolgte ihre Spuren, -entdeckte die verbrecherischen Gernegroße und band sie mit Stricken, -daß sie kaum noch atmen konnten. Er verurteilte die Gefesselten zum -qualvollen Hungertode auf einer Meeresklippe. Vergebens boten die -Schwächlinge Hab und Gut zur Rettung ihres Lebens. Als jedoch der -Riese davonrudern wollte, sprachen sie ihm von dem Köstlichsten auf -der Welt, von dem Rauschtrunk, dem Dichtermet, der da ewige Liebe, -ewige Jugendlust, ewigen Heldenruhm schaffe. Der Riese horchte auf. Das -dünkte dem Mann aus dem Geschlecht der Thursen und Joten, der Säufer -und Fresser, ein begehrenswertes Lösegeld. Er nahm die Wimmernden -mit sich, ließ sie die beiden Krüge mitsamt dem Kessel Odrerir -herausschaffen und schenkte ihnen das armselige Dasein. Von diesen -Beiden aber stammt die Sippe der Neidlinge allüberall. - -Den Rauschtrunk der Begeisterung brachte Suttung ins Riesenland heim -und versteckte ihn in einen hohlen Berg, zu dem es keinen Zugang gab. -Seine schöne Tochter Gunnlod steckte er mit in den Berg, damit der -kostbare Met die kostbarste Wache habe. - -Diesen Wundertrank Odrerir gedachte Wodan seinen Göttern gen Asgard zu -holen. -- - -In Menschengestalt zog er über die Erde und fuhr über das Meer, das -zwischen Midgard, dem Menschenheim, und Utland, dem Jotenheim, -brandet. Und er nannte sich Bolwerk, das heißt: Böseswoller. Zuerst -suchte er Baugi, des Riesen Suttung Bruder auf, denn er wußte, daß -Suttung mißtrauisch sei und unzugänglich für Fremde. Neun Riesenknechte -mähten die Felder vor Baugis Haus. Sie riefen den Fremdling an, in -welchen Geschäften er reise und was er hier herumlungere, und Wodan -erwiderte bescheiden, er heiße Bolwerk und sei seines Zeichens ein -Sensenschärfer. Sein Wetzstein vermöge die Sensen zu schärfen, daß -sie in Wiesen und Acker hineinschnitten wie in weiche Butter und kein -Knecht mehr einen Tropfen Schweiß verlöre. - -Da drängten die Riesenknechte herbei und hielten ihm lüstern die -nackten Sensen hin, daß er sie wetze. Bolwerk aber zog einen gemeinen -Wetzstein hervor und warf ihn hoch über ihre Köpfe. »Fangt ihn!« rief -er. »Wer ihn fängt, kann ihn behalten!« Und so hastig und wild fuhren -die Riesenknechte nach dem sausenden Stein herum, daß die ungeschützten -Sensen durcheinander wirbelten und einer dem andern, im Drange, den -Stein zu erwischen, den Kopf vom Halse säbelte. Wodan aber entwich, bis -es Abend war. - -Er fand den Riesen Baugi jammernd vor seinem Hause sitzen und befragte -ihn nach dem Grunde seiner Traurigkeit. - -»Meine Knechte,« wetterte der Riese, »müssen sich während des Mähens -toll und voll gesoffen haben, denn sie haben jählings das Raufen -bekommen und sich allzumal umgebracht. Ich aber kriege für die -drängende Ernte keine Knechte mehr.« - -Der fremde Wanderer, der sich Bolwerk nannte, tröstete den Riesen. - -»Was ist dabei? Ich habe Kräfte für neun. Wohl schaffe ich dir die -Ernte ganz allein, wenn du mir dagegen ein Trünklein von dem Wundermet -deines Bruders Suttung verschaffst, von dem ich in fernen Landen so -viel Rühmendes hörte.« - -Der Riese Baugi kratzte sich bedächtig den Kopf. - -»Was den Met angeht, o Bolwerk, so ist mein Bruder Suttung in der -Spendung auch nur eines Schlückleins hartleibiger als ein Drache. Aber -eine Liebe ist die andere wert. Hilfst du mir, so helf ich dir.« Und -sie gaben sich den Handschlag darauf. - -Einen Sommer lang mähete Wodan des Riesen Felder und brachte die Garben -bis auf die letzte unter Dach und Fach. Er, der einzige, allein. Und -Baugi gedachte seines ehrlichen Wortes und ging zur Winterszeit mit -seinem Knechte Bolwerk zu seinem Bruder Suttung, der sie beide vor die -Türe warf. - -»Geht's nicht auf gradem, so muß es auf krummem Wege gehen,« sprach -Bolwerk zu Baugi. »Zeige du mir nur den Berg.« - -Da wies ihm Baugi heimlich den Berg, den undurchdringbaren, und -freute sich hämisch, daß er nun seines Wortes ledig sei, ohne daß er -den Bruder dem Fremdling zuliebe verriete. Wodan jedoch trug einen -Zauberbohrer bei sich, mit dem er ein feines Löchlein in den Felsen -bohrte, bis der Bohrer in die Höhlung stieß, und er verwandelte sich in -ein blitzschnell gleitendes Schlänglein und glitt durch das Bohrloch in -den Berg, verwandelte sich in seine Göttergestalt zurück und stand in -bezwingender Allgewalt vor der heiß erglühenden Jungfrau Gunnlod. - -»Nie sah ich einen Mann,« stammelte die Erregte, »so herrlich -anzuschaun wie du.« - -»Wodan bin ich, der Herrscher aller Welten, und ich komme zu der -Schönsten, die da lebt. Reich mir den Willkommentrunk, mein Mädchen.« - -Da reichte sie ihm den Krug Son, und er trank ihn leer in der ersten -Nacht, die sie in seinen Armen lag, und reichte ihm den Krug Bodn, und -er trank ihn leer in der zweiten Nacht, die sie in seinen Armen lag, -und reichte ihm alles vergessend den Kessel Odrerir, und er trank ihn -leer in der dritten Nacht, die sie in seinen Armen lag. Und in seliger -Begeisterung gebar sie ihm einen Sohn, der hieß _Bragi_. - -Und als Wodan den letzten Tropfen des Begeisterungstrankes in sich -aufgenommen hatte, verließ er mit seinem Sohne den Berg, wandelte sich -in einen Adler und schwang sich mit Bragi, der als jauchzendes Lied auf -seinem Rücken ritt, in Himmelshöhen zum Flug gen Asgard. - -Der Riese Suttung vernahm den jauchzenden Sang und den Flügelschlag. -Da wußte er jäh, was ihm geschehen war. Den Zauber der Riesen ließ er -spielen und stürmte als Adler dem Adler nach. Hin flog das stürmende -Lied in die göttliche Freiheit, und die riesische Unvernunft setzte -ihm nach, um es in ihren hohlen Berg zu sperren. Asgard nahe war -Wodans Adler, der den Trank Odrerir im Leibe trug. Fast hatte ihn -der Riesenadler erreicht. Die Götter eilten herbei. Schon flog die -Begeisterung zu ihnen hinüber. »Heil!« riefen sie Wodan zu. »Dreifach -Heil!« Und Becher und Schalen trugen sie herbei und hielten sie -Wodans Adler entgegen. Und der Adler ließ aus seinem Schnabel den -Begeisterungstrunk Odrerir, den er in sich trug, in die Becher und -Schalen brausen, den schalen Bodensatz aber, der im Bauche verblieben -war, in scharfem Strahl aus dem After fahren, also, daß er dem -Riesenadler in die Augen beizte und Suttung wie verblödet niederfuhr. - -Von diesem stammt die Sippe der Afterdichter, die echter Begeisterung -bar sind. - -In Walhall aber, in Wodans gewaltiger Halle, kreiste der Becher der -Begeisterung, erbrausten die Dichterlieder und schufen Heldenblut. Und -als Bragi heranwuchs, der Gott der Dichter und der Sänger, vermählten -ihn die Götter mit Idun, der Göttin der ewigen Jugend, die die Äpfel -des Jungseins hütete, die nimmern altern lassen. - -Seit jener Zeit gehören göttliche Dichtkunst und ewige Jugend unlösbar -zusammen. - - - - -Die Götter auf Kundschaft. - - -Seit der Begeisterungstrunk in Walhall die Runde machte und Bragi, der -Dichtergott, seine Lieder sang von Heldentum und ewig jungem Ruhm, -gewannen die Götter ihre alte Festigkeit zurück, und ihr Mut loderte -auf wie eine heilige Flamme gegen jedes dunkle Schicksal, das an ihrer -Vernichtung arbeitete. Reicher denn je und freudiger denn je stiegen -die Opfer gen Himmel, welche die Menschen darbrachten, die wie die -Götter zu kämpfen hatten gegen dunkle Mächte und sichtbare Feinde -allüberall und darum _die_ Gottheiten am meisten liebten, die ein -kriegerisch Herz in der Brust trugen wie sie selber. - -Das sah Loki, der neidische, mit starkem Unbehagen, und seine Arglist -suchte, wie er den im Opfer bevorzugten Göttern Schaden antun könne, -um sie niederzuhalten und sich selbst zu heben. Es war zu der Zeit, -da Donar, der donnernde Thor, seine Kampffahrten plante gegen die -unheilstiftenden Riesenmächte in Utgard, die seit des Riesenbaumeisters -Erschlagung in rastloser Unruhe blieben. - -Loki war nicht wählerisch, wenn es sich um die Erreichung seiner -ehrgeizigen Ziele handelte. Er wünschte insgeheim die Aufrührer zu -stärken und ihnen einen Zuschuß von der Unbeugsamkeit der Götter zu -geben. Darum fuhr er gen Utland ins riesische Jotenreich und fand eine -Riesin, Angurboda, ein fürchterliches Weib, die ihm grinsend zu Willen -war und ihm Drillinge gebar von scheusäligem Aussehen. Den Fenriswolf, -die Schlange Jormungand und ein grausiges Weibsgeschöpf, die Hel. - -Allvater erforschte die Drei, als er in einsamer Stunde den Runenzauber -befragte nach den Feinden Asgards und der Asen. Die Götter gingen zu -Rat und beschlossen, den Riesen die Kinder Lokis abzufordern, da sie -zum Wohnsitz des Vaters gehörten. Die Riesen willfahrten knirschend, -denn noch wagten sie nicht offene Auflehnung gegen ihre Beherrscher. - -Die Götter prallten zurück, als man die Scheusale vor sie brachte. -Lokis Brut zu ermorden, widerstand ihnen an geheiligter Himmelsstätte. -Aber unschädlich sollte sie gemacht werden. Und Wodan packte die -Schlange und schleuderte sie in das Meer, das sich brausend um Midgard -schlingt, und die _Midgardschlange_ dehnte ihren eklen Leib, daß er -rund um die Erde reichte und das Meer erfüllte, und sie biß sich mit -scharfem Gebiß in den eigenen Schwanz, also, daß sie einen ungeheuren -Ring bildete. Das grausige Weib, die _Hel_, verbannte Wodan in die -tiefste Tiefe von Niflheim und setzte sie über die Totenwelt, in die -nur gelangte, der an schleichendem Alter und Krankheiten aller Art, -nicht aber an ehrlichen Schlachtenwunden gestorben war. Und Hel trat -die Herrschaft an und war eine unerbittliche Forderin des Todes. - -Noch war der _Fenriswolf_ zurückgeblieben. Erst trieben die Götter -ihren Scherz mit dem Wilden. Aber das Ungetüm wuchs mit jeder Nacht und -drohte jeden zu verschlingen, der sich ihm näherte. Da hielten es die -Götter bald für rätlich, ihn in Fesseln zu legen. - -Sie wanden eine Schlinge, fesselten sich selber damit und zerrissen sie -vor des Wolfes Augen. - -»Nun, Fenris,« sprachen sie, »bist du auch so stark, so tue es nach.« -Der Wolf ließ sich binden und sprengte die Fessel mit einem Ruck. - -Da wanden die Asen eine dreifach starke Schlinge und reizten den Wolf, -bis er sich wieder binden und schnüren ließ. Dreimal mußte der Wolf -anrücken. Dann sprang die Fessel in Stücke. - -Zu den kunstreichen Zwergen sandte Wodan und befahl ihnen, eine -Fessel herzustellen, die nicht zu lockern sei. Und die Zwerge suchten -die seltensten Stoffe aus aller Welt zusammen, Barthaare eines -Weibes, Wurzelfasern eines Felsen, Sehnenfäden eines Bären, mischten -alles mit dem Speichel eines Vogels, dem Atem eines Fisches, der -Geräuschlosigkeit einer Katze und wanden eine schmiegsame Fessel -daraus, die sich umso stärker zusammenzog, je heftiger man gegen sie -anging. Und die Fessel hieß Gleipnir. - -An einen weltfernen, einsamen Ort begaben sich die Götter und nahmen -den Fenriswolf wie zur Begleitung und Unterhaltung mit sich. Dort -wiesen sie ihm die Fessel und reizten ihn wie schon zu zweien Malen, -seine Kraft zu erproben. Aber der Wolf war mißtrauisch geworden und -wollte nicht. - -»Welch einen Feigling führen wir in unserer Mitte,« höhnten die Götter -ihn aus. - -Der Wolf wurde ärgerlich und wollte den Vorwurf nicht auf sich sitzen -lassen. - -»Ich fürchte mich vor nichts,« grollte er, »aber ihr könntet mich bös -verzaubern, während ich beschäftigt bin, die Fesseln zu sprengen. -Lege mir also einer von euch die rechte Hand in den Rachen, damit das -Wagestück ordnungsmäßig vonstatten geht. Ich beiße sie ab, wenn ihr -Zaubereien treibt.« - -Verblüfft sahen sich die Götter an. Die Schwerthand wünschte nicht -einer zu opfern. Da trat heißen Angesichtes der tapfere Ziu vor, -den die Nordmänner Tyr nannten und dem die jungen Krieger als ihrem -Schlachtengott in blanken Schwertertänzen huldigten; er schob dem -Untier wortlos die Rechte in den Rachen. Nun ließ der Fenriswolf -das Abenteuer geschehen. Aber als ihn die Fessel Gleipnir wie mit -Schlangenarmen umwand, daß ihm der ohnmächtige Schweiß aus allen -Poren brach und er spürte, daß seine Kraft überwältigt sei, als die -Götter die Fessel im Grunde der Erde verankerten, so daß er nimmer los -konnte, schnappte er zornwütig zu und biß Tyr, der nicht mit der Wimper -zuckte, die rechte Hand ab. So gab der Gott selber seine Buße. Dem -Wolf aber, der alles um sich her zu verschlingen drohte und mit seinem -durchdringenden Geheul Lebende und Tote erschreckte, stießen die Asen -ein Schwert zwischen die aufgerissenen Kiefern, daß das Geheul erstarb -und nur der Geifer des Wütenden in Strömen hervorschoß. Dann ließen sie -ihn in der Einsamkeit. -- - -Wieder saß in Asgard Wodan, der Odin der Nordmänner, und lange währte -sein Gespräch mit Donar, dem donnernden Thor, der nach ihm der -mächtigste war, der Mann der Tat. Ernst blickte Thor, und er nickte zu -allem, was Allvater sprach. - -»Das Schicksal der Götter,« sprach Allvater, »liegt in der Götter -eigener Hand. Mut schreckt es zurück.« - -»Es ist wie bei den Menschen,« sprach Thor. »Jeder ist Herr seines -Schicksals, solange er um sich schlägt.« - -»Herrscher und Führer,« sprach Allvater, »sitzen auf weithin sichtbaren -Stühlen. All ihr Tun ist leicht zu übersehen, und es ist leicht darum, -sie anzugreifen.« - -»So sollen sie,« sprach Thor, »nicht auf den Angriff warten, sondern -den Angriff vorantragen.« - -»Du bist des Vaters echter Sohn,« schloß Allvater. »So gehe denn hin -und forsche den Feind in seinem Lager aus.« - -Asathor schirrte seine Böcke in den Wagen. Er schnallte den -Stärkegürtel um, der seine Kraft verdreifachte, und legte die -Eisenhandschuhe an, mit denen er den Stiel seines Hammers Mjolnir -fassen konnte, wenn der Hammer mitsamt dem Stiel glühend geworden war -in der Hitze des Kampfes. Den Hammer selbst barg er am Busen. Dann lud -er Loki zum Fahrtgenossen. - -»Es ist besser, ich habe dich bei mir, als daß du in Asgard Schabernack -treibst.« Und Loki, dem das Schicksal seiner Brut vor ängstlichen Augen -stand, sagte ihm gute Reisekameradschaft zu. - -Gen Utgard ging die Fahrt, und am Abend des ersten Tages hatten sie -den Rand der bewohnten Erde am Meeresstrande erreicht und luden sich -bei einem Bauern zur Nacht ein. Schwer hatten die Felder des Bauern -mit den unwirtlichen Mächten aus dem jenseitigen Utgard zu kämpfen, -und um die Armut des Mannes zu schonen, schlachtete Thor seine Böcke -zur Abendmahlzeit, gebot aber jedem in der Familie, die Knochen fein -säuberlich zu behandeln und unversehrt auf die Bockfelle zu legen. So -sättigten sich alle und dankten dem gütigen Spender. Loki aber trieb -es schon wieder, dem starken Gott Verlegenheiten zu schaffen, und er -beschwatzte den Sohn des Bauern, ein Schenkelknöchlein zu öffnen und -das leckere Mark herauszusaugen. - -In der Morgenfrühe stand der Donnerer zur Weiterfahrt bereit. Er -beschrieb mit dem Hammer sein Zeichen über Felle und Knochen, und -augenblicks standen die Böcke fahrtbereit im Geschirr. Der eine Bock -aber lahmte ein wenig und hinderte die schnelle Fahrt. - -Thor griff nach seinem Hammer. Seine Augen blitzten vor Zorn und -sein Rotbart sträubte sich. Da erkannten ihn die Bauersleute als den -Gewaltigen, der ihre Äcker und ihr Leben schützte, und sie umfaßten -seine Knie und blickten ihn aus treuen Augen an. - -»Asathor, es ist nicht unsere Schuld. Der, den du bei dir führst, -erlaubte unserem Sohne _Thjalfi_, den Knochen zu öffnen und das Mark zu -saugen. Nimm unseren Sohn Thjalfi zur Sühne als deinen Diener mit dir. -Keinen schnelleren im Lauf findest du unter den Menschen.« - -Der Donnerer nahm die Sühne an und reichte die Hand freundlich zum -Abschied. Und zu Loki gewandt, meinte er lächelnd: »Ich sehe, daß du -lieber läufst, als fährst. Es wird ein beschwerlicher Marsch werden, -der Schweiß kostet und Blasen unter den Füßen, aber du hast es gewollt. -Auf, Thjalfi!« - -Und er ließ das Bockgespann bei dem Bauern, daß er es bis zu seiner -Rückkehr gut verpflege und den Schaden heile. - -Durch das Meer schwamm Thor mit Loki und Thjalfi, und er wanderte mit -ihnen durch die Wälderwildnis von Utgard, daß Loki oft erseufzte. -Und sie fanden nichts Lebendiges und keine Herberge. Erst in dunkler -Nacht stießen sie auf eine Behausung. Aber statt durch eine Tür -mußten sie durch eine Art großen Schuppens kriechen und zählten vier -langgestreckte Hallen mit einer fünften gekrümmten als Nebengelaß. -Todmüde sanken sie in Schlaf. Plötzlich fuhren sie wieder empor. Das -Haus schwankte unter einem greulichen Sturmgezeter wie ein Schiff, das -kieloben zu gehen droht, und sie retteten sich eilends ins Freie und -wachten den Morgen heran. - -Am Morgen machte sich Thor auf Kundschaft. Er ging dem Sturmgezeter -nach und stieß bald auf einen Riesen, der den Wald mit seinem -Schnarchen füllte wie die Sturmtrompeten die Luft, und Thor nahm -seinen Hammer. Im selben Augenblicke sprang der Riese auf und war so -bergehoch, daß Thor kaum zu seinem Haupte hinaufzusehen vermochte -und den Hammerwurf unterließ. »Ich suche meinen Handschuh,« knurrte -der Riese, spähte umher und hob die Behausung auf mit den vier -langgestreckten Sälen und dem fünften als Nebengelaß. Thor machte runde -Augen. Im Handschuh des Riesen hatte er mit seinen Gesellen genächtigt. - -Der Riese aber machte sich gutmütig mit den fremden Wanderern bekannt, -nannte sich selber _Skrymir_, das ist so viel wie Großmaul, und meinte, -auf den Donnerer weisend. »Dieser da ist unverkennbar. Es ist Asathor, -der den Hammer führt.« Und er erbot sich, ihnen den Weg zur Königsburg -in Utgard zu weisen. - -»Ihr seid für den Marsch zu sehr mit euren Vorratssäcken belastet,« -meinte er bei der gemeinsamen Wanderung. »Gebt mir die Bündel. Einem -Kerl wie mir macht es nichts aus.« Und er öffnete den eigenen Rucksack, -packte die Bündel seiner Begleiter hinein, schnürte den Sack zu und -warf ihn wie eine Feder über die Schulter. Damit waren die drei -Wanderer wohl zufrieden. Weniger zufrieden aber waren sie, daß sie -mit den Riesenbeinen Schritt halten und einen ganzen Tag lang, bis -zum Einbruch der Nacht, Jagdhunden gleich hinter Skrymir durch nicht -endenwollende Waldwildnisse rennen und stolpern mußten, ohne essen -oder trinken zu können. Und als der Riese endlich Halt machte, weil es -pechdunkel im Walde geworden war, und die drei Gesellen atemlos bei -ihm anlangten, hatte sich Skrymir bereits in das Moos gebettet und -schnarchte, daß die Baumwipfel brausten und die Vögel aus den Nestern -stürzten. - -Loki drehte sich vor Hunger auf einem Beine und verwünschte die -verunglückte Reise. Thjalfi, der Läufer, ließ die ausgetrocknete Zunge -bis zum Kinn hinunterhängen. Thor aber donnerte sie an: »Nie hilft -schimpfen zum Ziel oder schweigendes Ertragen! Regt die Hände! Packt -an!« Und sie packten zu dritt des Riesen Rucksack und wälzten ihn -herum und mühten und mühten sich vergebens, die Verschnürung zu öffnen. - -Thor griff nach dem Hammer. - -»Wach auf, du Schnarcher,« rief er, »wir verhungern!« Und er schlug ihm -den Hammer auf den Schädel, daß der Wald wie von einer Pauke erdröhnte. - -Der Riese wischte schlaftrunken über seine Stirn. »Es ist mir ein Blatt -auf den Kopf gefallen,« murmelte er, und schon schnarchte er weiter. - -Thor stutzte. Dann sammelte er eine Zeit lang weise seine Kräfte, hob -den Hammer und jagte ihn in Skrymirs Wirbel, daß von dem Gedröhne die -Berge hüpften. - -Wieder fuhr sich der Riese schlaftrunken über den Kopf. »Diesmal -ist mir eine Eichel auf den Kopf gehüpft,« murmelte er, und schon -schnarchte er weiter. - -Sprachlos starrte der Donnerer auf den ungeheuren Mann, bei dem selbst -sein Hammer versagte. - -»Laß ab,« bat Loki in Ängsten, »hier findest du leicht deinen Meister. -Laß uns umkehren und nimmer wiederkommen.« - -Mit einer Handbewegung tat Thor den Schwätzer ab. Bis es dämmerte, -ruhte er. Dann erhob er sich neu gestärkt, ließ so schnell den Hammer -kreisen, daß er Blitze schoß, und schmetterte ihn mit Donnergekrach -tief in des Riesen Schläfenbein. - -Der aber wurde munter und sprang auf die Füße. Mit der Hand wischte er -sich den Kopf. - -»Pfui! Pfui! Da hat ein Vogel mir 'was auf den Kopf klatschen lassen. -Ich mach mich davon.« - -»Erst zeig den Weg zu Ende!« verlangte Thor. - -Der Riese sah die von den Nachtwachen, von Hunger und Durst Ermüdeten -forschend an. »Wenn ihr auf eurer Reise besteht, so sei's. Aber ich -warne euch. Der König _Utgardloki_, zu dem ihr wollt, gebietet über -Riesenkerle, gegen die ich nur ein Kinderspaß bin. Seid also fein -bescheiden an seinem Hof, haltet die Zunge im Zaum und überhebt euch -nicht, damit ihr halbwegs gesund von dannen schlüpft. Ich an eurer -Stelle trollte mich schleunigst und setzte meinen guten Namen nicht -aufs Spiel.« - -»Schweig, du Großmaul,« gebot Thor, »und weise den Weg.« - -Da deutete Skrymir auf eine Waldlichtung, schulterte seinen Sack und -verschwand zwischen den Bäumen. - -Ohne Zögern marschierte Thor auf die Waldlichtung zu, ob auch Loki -ihn anflehte, das Abenteuer auf günstigere Zeiten zu verschieben. Und -als sie die Waldlichtung erreicht hatten, sprang vor ihnen auf einem -Felsen Utgardlokis Burg bis in die Wolken, von einem Eisengitter dicht -verschlossen. Kein Wächter meldete sich, als sie riefen. - -»Wir sind so klein wie die Ameisen vor diesem Riesenwall,« jammerte -Loki. - -»Auch Kleinheit kann vom Flecke helfen,« entgegnete Thor. »Sieh her!« -Und er zwängte sich leicht durch die Gitterstäbe und half den Gefährten -nach. So kamen sie in den Burghof, auf den die Königshalle mündete, und -Thor führte die Gefährten hocherhobenen Hauptes in die Halle. - -Auf erhabenem Throne, die Schar seiner Riesenmannen um sich, saß in -dunkler Pracht der König Utgardloki. Er zwinkerte mit den Augen, als -vermöge er nicht recht zu erkennen, was sich über den Boden zu seinen -Füßen auf ihn zu bewege. - -»Ei, du putziger Kleiner,« rief er dem Donnerer zu, »was bist denn du -für ein Kerlchen?« - -»Ich bin Donar, der Ase, den sie den Thor nennen. Ich komme, dich zu -besuchen.« - -»Kleiner Scherzbold,« spottete der Riesenkönig, »Asathor willst du -sein? Den hatte ich mir als einen Mann gedacht, immerhin mir bis -zum Bauche. Doch vielleicht -- wer weiß es -- kannst du mit deinen -Gefährten da allerlei Taten, die euch ein Wettspiel mit meinen Mannen -suchen lassen.« Und er lachte, daß sein Bauch schütterte. - -Der hungernde Loki sprang vor. - -»Ich vermesse mich,« rief der Listige, »jeden zu schlagen, der es mit -mir im Essen aufnehmen will. Und sei sein Magen so lang, daß ich selbst -darin wohnen könnte.« - -Die Wette machte dem König Spaß, und er winkte einem seiner Hofleute, -den er Logi rief, sich bereit zu machen. Da wurde zwischen die beiden -Kämpen ein Trog geschoben, bis zum Rande gehäuft mit Rindervierteln, -und Loki, der Ase, setzte sich an das eine Ende des Troges, und Logi, -der Riese, an das andere. Dann gab der König das Zeichen. Und sie -aßen und fraßen, daß ihnen die Augen aus den Höhlen quollen und den -Zuschauern die Haare zu Berge standen, und als sie in der Mitte des -Troges mit den Köpfen aneinanderprallten, war der Trog bis auf den -Boden leer, und sie leckten sich die Lippen. - -Der König kam und sah in den Trog hinein. Da lagen in der Hälfte, die -Loki, der Ase, leergezehrt hatte, die Knochen abgenagt und ausgesogen -bis aufs Mark. Logi, der Riese, aber hatte die Knochen samt dem -Fleisch verschlungen und seinen halben Holztrog obendrein. Darum wurde -der Riese für den Sieger erklärt. Loki war es einerlei. Er war satt -geworden. - -Und der König wandte sich an Thjalfi und fragte ihn, in welcher Kunst -er sich etwas zutraue. - -»Ich bin ein Schnelläufer,« antwortete der Jüngling, »stellt mich auf -die Probe.« - -Der König rief einen Diener, den er Hugi nannte, und alle gingen sie -auf ein weites Feld. Der Knabe rannte wie der Wind nach dem Ziel, aber -Hugi flog ihm voraus und kehrte zu ihm zurück, und Thjalfi mußte sich -geschlagen geben. - -Nun wandte sich der König Utgardloki dem Donnerer zu. - -»Die Reihe ist an dir. Beweise uns die überlegene Kunst der Asen und -wähle selber.« - -Da wählte Asathor das Trinkhorn. Denn er war ein Zecher, der alles -Lebende unter die Bänke trank. - -So saßen sie in der Halle auf der Metbank nieder, und Utgardloki hieß -das Horn bringen. - -»Sieh dir meine Mannen an, Thor. Sie leeren dies Horn auf einen Zug, -wenn sie bei Laune sind. Sicherlich aber in zwei Zügen. Wer es aber mit -dreien nicht zu leeren vermag, der läßt das Trinken den Männern und -schleicht sich hinaus zu den zullenden Knaben.« - -»Laß dein törichtes Reden,« sprach Asathor und hob dürstend das Horn, -daß der Inhalt in Strömen in ihn hineinlief und alle Mannen die Hälse -reckten. Aber als er tiefatmend das Horn absetzte und hineinblickte, -bemerkte er zu seiner Bestürzung, daß das Getränk nicht um eines -Fingers Breite abgenommen hatte. - -»Du bist weise,« sagte Utgardloki. »Du hast zunächst nur eine Kostprobe -nehmen wollen.« - -Zornig setzte Thor das Horn zum zweiten Male an. Aber nur der Innenrand -des Hornes war freigelegt. - -»Nun hast du dir zur Genüge den Mund ausgespült,« heuchelte der -Riesenkönig. »Bist du nun endlich auf den Geschmack gekommen, so -trinke!« - -Asathors Antlitz färbte sich so rot wie sein Bart. Er packte das -Trinkhorn, daß es knirschte. Und zum dritten Zuge hob er es an den -Mund und sog und sog, daß ihm die Adern wie Stricke über den Schläfen -schwollen, und stürzte und stürzte, daß es wie Meerflut in seinem -Halse rauschte, und setzte endlich ab. Da war der Trank im Horn weit -zurückgegangen, aber ausgetrunken war er nicht. - -»Du bist heute nicht durstig,« meinte Utgardloki, der mit allen seinen -Mannen ein wenig blaß geworden war bei des Gottes wildempörtem Zuge. -»Vielleicht gefällt es dir, dich an ein Spiel zu machen, wie es unsere -Jungmannen zu ihrem Vergnügen treiben, nämlich meine große Katze vom -Boden zu heben. Es wird für deine Kraft eher passen.« - -Der Donnerer spürte den Hohn. Aber er zügelte seinen Zorn. Er ergriff -die Riesenkatze, die sich auf den Fliesen sonnte, am Bauchfell und -glaubte sie zu heben, aber die Katze hatte nur einen Buckel gemacht. Er -biß die Zähne zusammen und rüttelte das Vieh, das sich steif auf den -Beinen sperrte, zusammen. Und dann glückte es ihm, ein Bein der Katze -hochzuheben und nicht mehr. - -Der Riesenkönig lächelte wie in Mitleiden. »Es ist nicht recht von mir, -dich mit deinem schwachen Körper an Aufgaben zu stellen, die meine -Leute mit ihren Riesenkräften spielend lösen. In Asgard magst du der -stärkste sein. Hier kommst du, wie du selber siehst, nicht in Betracht.« - -»Stelle mir einen Gegner,« brüllte Thor auf in schäumender Wut, »jeden -von euch, wer es auch sei. Ich will ihn im Ringkampf werfen, daß er das -Aufstehen auf immer vergißt.« - -Die Riesen rührten sich nicht. Und erst nach einer Pause sprach -Utgardloki sanft: - -»Die Bärenkraft meiner Männer scheint mir zu unsanft für dich. Versuche -es zuerst mit einem Weibe. Ruft mir einmal meine alte Amme Elli her. -Sie genügt für diesen Fall.« - -[Illustration: »Da stellte ihm die Alte jählings ein Bein, über das er -stolperte ...«] - -Die Alte kam grinsend auf den Asen zu, und Thor nahm den Ringkampf -auf. Mit geschlossenen Augen, wortlos vor Grimm, rang er, daß ihm die -Muskeln auf den Armen zu tanzenden Ballen wurden. Er bekam das Weib -nicht unter. Da stellte ihm die Alte jählings ein Bein, über das er -stolperte und auf ein Knie stürzte. Schon war er wieder auf den Füßen, -als Utgardloki die Kämpfer trennte und den schäumenden Asen für besiegt -erklärte. - -»Nun aber wollen wir uns zum Mahle setzen und auch den Becher kreisen -lassen, denn ihr habt euch nach euren Kräften gut gehalten.« - -Das gnädige Lob vermochte nichts über den Donnerer. Speise und Trank -mundeten ihm nicht, und er war froh, als alle zur Ruhe gingen. In der -Frühe wollte er mit seinen Gesellen fort. - -Der König der Riesen und Trolle, Utgardloki, stand am Burgtor, als die -Wanderer am Morgen Abschied nahmen. »Nun werde ich euch wohl niemals -wiedersehen,« sagte er bedauernd. - -»Nicht eher, als bis ich meiner Kräfte wieder Herr und Meister bin,« -entgegnete Thor finster. - -Der König hob beschwörend die Hand. - -»Stärkster der Asen, du hast gesehen, daß deine Kräfte bei uns nicht -für eine Katze und ein altes Weib ausreichen. Ich aber will dir mehr -sagen: dein Geist reichte noch um vieles weniger aus. Eitel Blendwerk -habe ich dir vorgemacht, und du bist ihm nicht auf die Spur gekommen. -Ich wußte von deinem Nahen. Als Riese Skrymir begegnete ich dir im -Walde und suchte dir deine Abenteuer zu verleiden, indem ich dich in -die Irre führte und dich hungern und dürsten ließ. Mein Bündel war mit -Eisenklammern verschlossen statt mit Stricken. Dreimal schlugst du -mir auf den Schädel, und jeder Schlag hätte mich zermalmt. Aber ich -hielt mir jedesmal einen Felsblock vor, und du merktest es nicht und -schlugst Löcher in den Stein so tief wie ein Brunnenloch. Nie sah ich -einen einzelnen Mann fressen, wie der verhungerte Loki fraß. Aber mein -Logi war kein Mann, sondern wildes Feuer, das den Fraß mitsamt dem -Trog verzehrte. Nie sah ich einen Menschen rennen, wie der Thjalfi -rannte. Aber mein Hugi war der hin und her jagende Gedanke. Dann hobst -du das Trinkhorn und merktest nicht, daß ich seine gewundene Spitze -tief in das Weltmeer versenkt hatte. Meiner Treu, du hast die Flut so -niedergetrunken, daß von heute ein Zustand im Meere eingetreten ist, -den man die Ebbe nennen wird. Als du die Katze beim Bauchfell packtest, -merktest du nicht, daß du die Midgardschlange gepackt hattest, die wie -ein Ring um die Erde liegt. Als du der Katze das Hinterbein hobst, -hattest du schon den Schwanz der Schlange aus dem Meere emporgerissen. -Die alte Amme Elli aber, du blinder Thor, war das Alter, das keiner -überwindet und dem keiner stand hält. Dir mußte sie erst ein Bein -stellen, und trotzdem --« - -Thors Gestalt begann zu wachsen. Jedes Haar in seinem Rotbart richtete -sich steil empor. Seine Hand tastete nach dem Hammer. - -Utgardloki, der König der Riesen und der zaubergewandten Trolle, ließ -kein Auge von ihm. Seine Stimme wurde kreischend. Der Triumph über -seinen Sieg raubte ihm die Vernunft. - -»Hör mich zu Ende, schneller Gott. Wir haben dich und deine Asenkraft -jämmerlich betrogen und werden es wieder und wieder tun. Nimm dein -Erlebnis als Warnung! Kehre nie zu uns zurück! Wir machen deinem -Schädel neues Blendwerk vor, daß du wie ein brüllend Tier in der Irre -läufst und das Gelächter der Welt dich nach Hause hetzt. Schau her und -such die Burg von Utgard!« - -Thor schwang den Hammer. Jäh hielt er ein, denn er hätte ihn ins -Wesenlose geschleudert. Die ragende Burg zerfloß vor seinen sehenden -Augen in Nebelstreifen. Und wo der König Utgardloki gestanden hatte, -zog ein dampfender Schwaden durch die Luft. -- -- - -Zornigen Mutes wanderte der Donnerer dem Meere zu. Seine Begleiter -folgten ihm scheu. Und der Zorn verwandelte sich in Nachdenklichkeit -und befreite sich in einem fröhlichen Götterlachen. - -»Ich habe eine Lehre erhalten,« sprach der starke Ase, »und eine Lehre -ist so viel wie ein Sieg. Denn eine Lehre ist die Gebärmutter neuer -Taten.« - -»Wie nennt sich die Lehre?« fragte Loki und schlich sich horchend -herbei. - -»Wenn du zu Spitzbuben gehst, _schlag zu_, bevor sie dich prellen,« -antwortete Thor, schwamm, von seinen Begleitern gefolgt, durch das -Meer, fand bei den Bauern am Erdenrand seine geheilten Böcke wieder -und fuhr, durch die Wolken donnernd, heim gen Asgard. - -Lange weilte er bei Wodan im Gespräch, und als er ihn hochgemut -verlassen hatte, begab sich Allvater zu der Göttin Saga kühlem Saal, -über den die Wogen rauschten, und trank mit ihr aus goldenen Gefäßen, -während er in Dichterworten sprach und Saga sang. -- -- - - - - -Im Zeichen des Hammers. - - -Immer mehr häuften sich die Klagen über die Gewalttaten der -Riesenmächte. Seit sie die Asen in Schuld verstrickt wußten, seit sie -an den Himmlischen Schwächen und Fehler erkannt hatten, seit sie in dem -gefürchteten Donnerer, nach Thors Fahrt zu Utgardloki, nichts anderes -als einen Tölpel von Bauerngott zu erkennen glaubten und in dem Asen -Loki oft genug einen stillen Verbündeten, wuchs ihre freche Anmaßung -zur Unerträglichkeit, und besonders die Menschen hatten unter ihren -räuberischen Übergriffen schwer zu leiden. - -Der Donnerer aber hatte die erhaltene Lehre nicht vergessen. Tag und -Nacht war er auf der Fahrt, und wohin ihn sein Bockgespann nicht -trug, dorthin wanderte er mit seinem Hammer zu Fuß. Reißende Ströme -durchwatete er, steile Felsenhäupter erklomm er, um der Räuber und -Mörder der Menschen habhaft zu werden. Wo immer er sie antraf, stellte -er sie wortlos zum Kampf und zerschmetterte ihnen mit seinem Hammer den -Schädel. Da die Säufer und Fresser aber, die Thursen und Joten, Scharen -von Kindern erzeugten, die in wenig Nächten stark und dick wie ihre -Väter waren, so hatte der Hammer Tag und Nacht zu tun, ohne daß er die -furchtbare Arbeit vollauf zu bewältigen vermochte. Und der Donnerer sah -die wachsende Gefahr, wie Allvater Wodan am Brunnen Mimirs, mit stiller -Sorge und schlug um so unerbittlicher drauflos, um Luft zu schaffen und -den Göttern Zeit. - -Nach _Freya_ stand der gierige Sinn der Riesen. Ihre strahlende -Wärme brauchten sie für ihr kaltes Reich und ihre Lieblichkeit zur -Auffrischung ihres Wesens. Dessen waren die Götter sich wohl bewußt, -und sie hatten Ursache genug, offene und versteckte Angriffe zu -erwarten und abzuschlagen. Im übrigen aber schützte sie Thors Hammer. - -Um so furchtbarer war darum die Bestürzung, als eines Morgens der -Hammer verschwunden war. Der Donnerer hatte ihn in einer Nacht, die -er daheim verbringen konnte, neben sich auf dem Lager gehabt. Als -er erwachte, griff er, wie stets zuerst, nach dem Stil. Er tastete -vergebens. Mit einem Satz war er auf den Beinen, suchte sein Haus ab -und donnerte die Götter aus dem Schlummer. »Wer hat mir den Schabernack -angetan? Das ist kein Scherzspiel, und ich will es nicht leiden!« - -Die Götter jedoch waren unschuldig an dem Verschwinden und blickten -dem Erzürnten offen in die Augen, ohne sich Rats zu wissen. Nur -Loki grinste ein wenig in sich hinein. Als ihn aber der Donnerer mit -zornfunkelnden Augen anfuhr, und die Götter klagend den Untergang -Asgards weissagten, wenn der schützende Hammer nicht zur Stelle -geschafft würde, wurde Loki geschmeidig, trat in den Kreis und gab sich -ein großes Ansehen. - -»Obwohl ihr es euch nicht zugestehen wollt, daß ich der Klügste bin, -um nicht das winzigste Steinlein aus eurer Krone zu verlieren, will -ich euch noch einmal den Beweis liefern und euch damit zur Anerkennung -zwingen. Jammert weiter. Ich fahre in die Welt und suche den Hammer bei -Riesen und bei Zwergen, im Schoße der Erde und auf dem Meeresgrund. Und -ich werde ihn finden.« - -Dann bat er Thor, ihm zu Freya das Geleit zu geben, denn er wünschte -sich Freyas Falkenkleid zur Reise zu leihen, war aber bei Freya um -seiner tückischen Liebeswerbungen willen nicht wohl gelitten. Freya -willfahrte auf der Stelle und gab das Kleid. »Und wenn es von Gold und -Silber wäre, ich gäb es her für den Hammer, der mich vor dem Begehr der -scheußlichen Riesen schützt.« - -Loki legte es an und fuhr brausend von dannen. Er fuhr nicht in den -Schoß der Erde und nicht auf den Meeresgrund. Stracks fuhr er ins -Riesenland nach Jotunheim und fand den Riesenfürsten _Thrym_ vergnügt -seine Rosse striegeln und schmücken. - -»Nun?« rief er dem heranbrausenden Loki entgegen. »Was jagt dich so -sturmschnell nach Jotunheim? Geht es den Asen nicht gut, und suchst du -ein Mittel gegen ihren Kopfschmerz?« - -»Höre mich, Thrym,« sagte Loki schmeichelnd, »ich muß den Hammer wieder -holen. Käme ich ohne ihn heim, so möchte es mir auf ewige Zeiten übel -ergehen.« - -»Ach nein,« sprach Thrym vergnügt, »den Hammer willst du zurück? Ich -bin froh, daß ich ihn habe.« - -»Du kannst ihn ja doch nicht verwenden,« redete Loki ihm zu. »Nur in -des Donnerers Hand zeigt er seine Kraft.« - -»Wohl, wohl,« nickte Thrym. »Und wenn er sich nicht in des Donnerers -Hand befindet, ist er nicht gefährlicher als ein kurzgestieltes Stück -alten Eisens. Damit ist viel gewonnen, wenn es zum Kampfe kommt.« - -»Zum Kampfe um Freya, Thrym?« - -»Um Freya, die liebliche, die süße. Aber es braucht nicht einmal zum -Kampfe zu kommen. Die Asen können ihre heilen Köpfe und ich mein -fröhliches Blut bewahren, wenn sie mir im Tausch Freya ausliefern -gegen Thors Hammer. Im Arme der Lieblichen verzichte ich auf den Ruhm, -euch zu prügeln.« - -»Ich werde es gerne bestellen,« lächelte Loki schadenfroh und brauste -gen Asgard zurück. Großtuerisch trat er in den Kreis der Götter. »Wo -ist der Hammer?« donnerte Thor. - -»Auf daß ihr seht, daß ich der Klügste bin -- der Hammer ist gefunden. -Bei Thrym liegt er, dem Riesenfürsten, zehn Klafter tief in der Erde -versteckt, und das Versteck weiß nur Thrym.« - -»Was frohlockst du denn, Prahlhans, der Hammer sei gefunden?« schnob -der Donnerer. - -»Weil ich,« versetzte Loki mit Wichtigkeit, »den Riesen bewog, -freiwillig den Hammer herauszugeben. Er will es tun, so ihr ihm im -Austausch Freya zum Weibe gebt.« - -»Niemals,« rief Freya, die liebliche, entsetzt, »niemals lasse ich -meinen schlanken Leib an die Dickwänste verschachern!« Und die Götter -standen in tiefer Verlegenheit und wachsender Sorge. - -Nur der Donnerer hatte sein Gleichgewicht wiedergefunden. - -»Meine Lehre besagt,« sprach er grimmig, »wenn du zu Spitzbuben gehst, -schlag' zu, bevor sie dich prellen. Das gedenke ich auch diesmal zu -tun, und ich werde selber gehen.« - -Da berieten die Götter heftig über die Ausführung der Reise, und -Heimdall, der treue Wächter, sprach: »Sie werden dir wieder ein -Blendwerk vorgaukeln, wenn du offen als Asathor zu ihnen kommst. Drum -rate ich dir, lege Freyas Brautkleid an und umhülle dein Gesicht mit -Freyas bräutlichem Schleier, daß dich niemand erkennt und dich der -liebesblinde Thrym mit offenen Armen in seinen Saal aufnimmt. Das -andere bleibe dann leicht dir überlassen.« - -Wohl wehrte sich der stolze Donnergott gewaltig gegen die weibische -Verkleidung, aber zuletzt mußte er sich dem Bitten und Drängen der Asen -fügen, da auch er keinen besseren Rat wußte, und er ließ sich in die -Weiberröcke zwängen, hing den klirrenden Schlüsselbund an, schmückte -Hals und Nacken mit dem leuchtenden Schmuck Brisingamen und wickelte -den Schleier dicht um Haupt und Feuerbart. Dann winkte er Loki. - -»Du begleitest mich als meine Magd. Du sollst auch deine Freude haben.« - -Und Loki mußte, obwohl er lieber beiseite geblieben wäre, in die -Magdkleider hinein und mit auf die Fahrt. Funkenstiebend flog des -Donnerers Bockgespann mit den Beiden durch die Lüfte. - -»Sie kommt, sie kommt,« jubelte Thrym. »Freya, die liebliche, kommt, -mein Lager zu wärmen! Auf, schmückt mir den Hochzeitssaal, rüstet das -Mahl, schleppt Met herbei! Diese Nacht noch ruh ich am Herzen der -lieblichsten Göttin!« - -Sie saßen beim Hochzeitsmahle, und neben dem Freudetrunkenen saß -Asathor im Brautgewand, das Antlitz dicht vom Schleier umhüllt. Wortlos -saß er im Saal, den wohl hundert Riesen und Riesinnen füllten, um sich -durch seine rauhe Sprache nicht zu verraten, aber er klimperte zuweilen -mit dem Schlüsselbund und zupfte die Steine seines Geschmeides hervor, -daß sie berauschend schimmerten und blitzten. Als aber das leckere Mahl -mitsamt dem Met aufgetragen wurde, vergaß er die Vorsicht, aß einen -ganzen Ochsen und acht Lachse auf einem Sitz und vertilgte dazu drei -mächtige Fässer Met. - -Der Riesenfürst riß vor Staunen Mund und Nüstern auf. »Wie gefräßig das -Täubchen ist!« - -Da sprang Loki dem Donnerer bei, Loki in der Magdkleidung, und er -flüsterte dem Riesen zu: - -»Acht Tage hat Freya aus Sehnsucht nach dem heutigen Tage keinen -Bissen über die Lippen gebracht.« - -Das tat dem eitlen Thrym in der Seele wohl, und er umfing zärtlich -das Bräutchen und wollte es küssen. Thor gab nur den oberen Teil des -Schleiers frei, und mit einem Schreckensschrei taumelte Thrym zurück, -als ihn ein paar wildfunkelnde Augen trafen. - -Wieder begütigte Loki, Loki in der Magdkleidung, und er flüsterte dem -Riesen zu: - -»Habt Ihr Freyas Augen gesehen? Acht Tage ist kein Schlaf -hineingekommen aus Sehnsucht nach Euch! Nimmer noch brannten -Frauenaugen in solcher Liebesglut.« - -»Holt den Hammer,« brüllte der Riese in trunkener Lust, »holt den -Hammer Mjolnir! Im Zeichen des Hammers soll unser Ehebund gesegnet -werden, wie es bei den Göttern Brauch! Freu dich, mein Mädchen!« - -Der Hammer wurde gebracht und in den Schoß der Braut gelegt. Da -klingelte Asathor nicht mehr mit dem Schlüsselring. Seine Hand -umspannte den geliebten Hammerstiel. - -Und plötzlich warf er den Schleier zurück und zeigte sein flammendes -Angesicht mit dem roten, aufwärts gesträubten Feuerbart. Ein einziger -Schrei durchgellte den Saal. Und der Hammer sauste zuerst in Thryms, -des Riesenfürsten, Schädel und zermalmte ihn zu Brei. Und der Hammer -sauste durch den ganzen Saal, bald hierin, bald dorthin, und wer da -flüchten wollte, den holte er ein. Mitten im Saale stand der Donnerer -und schlug mit seinem Hammer Mjolnir die ganze Hochzeitsgesellschaft, -mehr als Hundert Riesen und Riesinnen, zu Tode. Wie feierte er mit -seinem Hammer das Wiedersehen! -- - -So groß wie die Freude in Asgard, so groß war die Wut im Jotenreich. -Da sie dieses Mal Freya nicht haben konnten, beschlossen die Riesen, -die Götter durch das Alter kraftlos zu machen und sich zu diesem Zwecke -_Iduns_ zu bemächtigen, des Dichtergottes Bragi Ehegemahl, die die -Äpfel der ewigen Jugend hütete. Doch die Jugendgöttin ging nicht über -Asgards Wiesen hinaus, und es mußte schon ein Ase gefangen werden zum -Austausch. - -Es begab sich aber, daß Wodan mit anderen Göttern eine Fahrt durch die -Welt machte, und auch Loki gehörte der Reisegesellschaft an. An einem -Abend trieb sie der Hunger, sich auf einer entlegenen Weide einen -Ochsen zu greifen, und sie brieten ihn unter einer ragenden Eiche. -Aber so lange sie ihn auch brieten, das Fleisch wurde nicht gar. Da -gewahrten sie im Wipfel des Baumes einen Adler, der vor Freude mit -den Flügeln schlug und ihnen zurief: »Ich leid's nicht, daß euch der -Braten gerät! Oder ihr gebt mir so viel von dem Ochsen, als ich mag.« -Verwundert über das seltsame Abenteuer, sagten die Götter zu; der Adler -rauschte vom Wipfel nieder, und das Fleisch wurde gar. Der Adler jedoch -begehrte hämisch das Beste für sich und schlug seine Krallen in die -festen Lenden und den saftigen Bug. Da stieß ihm der gefräßige Loki -eine Eisenstange in den Bauch. - -Die Stange aber blieb haften, so sehr Loki auch zog und rüttelte. -Und der Adler erhob sich und schleifte Loki hinter sich drein, durch -Stoppelfelder und Morast, durch stachliche Sträucher und scharfe -Felstrümmer, also daß der Tückegott jämmerlich geschunden wurde und arg -um Gnade flehte. Die Götter, die zurückgeblieben waren, hielten sich -den Leib vor Lachen über des Listigen Mißgeschick und vernahmen nicht, -was die Beiden verhandelten. - -»Hör mich an,« rief der Adler. »Ich bin _Thjazzi_, der Riesenfürst. Du -sollst die Freiheit haben, wenn du mir versprichst, mir heimlich Idun -mit den Äpfeln zu bringen. Schwöre deine heiligsten Schwüre.« Und Loki -schwur, was von ihm verlangt wurde. - -Die Götter lachten noch immer, als er wieder zu ihnen stieß. - -»Lieblich schaust du aus, vorwitziger Loki. Man könnte dich als -Spatzenschreck in die Felder stellen.« - -»Wartet ab, ob ihr nicht auch bald den Vogelscheuchen gleicht,« knurrte -Loki tückisch und gedachte der Idun und ihrer Jugendäpfel. - -Nach Asgard heimgekehrt, machte er sich an die Jugendspendende listig -heran und erzählte ihr Wunderdinge von Äpfeln, die er ganz nahe Asgard -in einem Wäldchen vorgefunden habe, tausendmal schöner, als Iduns -Zauberäpfel, und stachelte ihre Neugier, mit ihm hinzulaufen und die -Äpfel zu vergleichen. Als aber die Göttin mit ihren Äpfeln in den Wald -gerannt kam, packte sie der Riese Thjazzi und brauste, als Adler, mit -seiner kostbaren Beute davon. - -Ein Kurzes, und die Götter wunderten sich, daß die holden Göttinnen -abmagerten wie die Heuschrecken und Hängefalten bekamen und eselgraues -Haar. Und sie wollten von ihren Liebkosungen nichts mehr wissen. Die -Göttinnen aber zeigten mit Fingern auf die Kahlköpfe und Schmerbäuche -der Götter und zählten ihnen die Zahnlücken auf. Da gewahrten sie mit -Schrecken, daß sie alterten, und sie riefen nach Idun, um an ihren -Äpfeln die Jugend zurückzugewinnen. Aber Idun war in ganz Asgard nicht -zu finden. - -Heimdall, der treue Wächter, sprach: »Ich sah sie mit Loki in den -Grenzwald gehen.« - -Da bedrohten sie Loki mit allen Martern, und der Donnerer schwang den -Hammer über ihn, bis Loki gestand. »Ich habe dem Riesen meinen Eid -gehalten. Jetzt schwöre ich euch einen neuen Eid, sie wiederzuholen.« -Und er entlieh Freyas Falkengewand und sauste, als wäre Thors Hammer -hinter ihm, durch die Lüfte gen Jotunheim, wo er die weinende Idun -einsam in Thjazzis Halle fand, denn der Riese war auf das Meer hinaus, -für die Untröstliche ein leckeres Fischgericht zu holen. - -Blitzschnell verzauberte Loki die lachende Idun in eine Haselnuß, barg -sie in seinen Falkenfängen und sauste mit ihr durch die Lüfte gen -Asgard davon. - -Aber der Riese hörte auf dem Meere das Flügelsausen, nahm die Gestalt -eines Seeadlers an und brauste hinterdrein. Schon war Loki mit Idun -in Asgard angelangt, als der blindwütende Seeadler die Grenzscheide -überstürmte. Einen Scheiterhaufen entzündeten die Götter, und Thjazzi -flog geblendet hinein und verbrannte elendiglich. - -Die Götter aber und Göttinnen schmausten wie Ausgehungerte von Iduns -Äpfeln; ihre Haut wurde wieder straff, ihre Körper schlank und stark, -ihre Augen glänzend und ihre Lippen rot. Und es war an dem Abend eitel -Liebesgirren in allen Kammern Asgards. -- - -Nur des Donnerers Hammer ruhte nicht. Wo die Menschen auf Erden von -Riesengewalten bedroht wurden, riefen sie nach dem Gott mit seiner -malmenden Waffe, wie die Asen selbst es taten, und Thor erschien wie -der Gewitterblitz und reinigte Land und Luft von den Unholden. Nie war -er daheim zu treffen, immer stand er irgendwo im Kampf, und so machte -sich Allvater Wodan einst allein auf den Weg, um einen Blick auf die -Kräfte des Riesenreiches zu gewinnen. - -Auf seinem achtfüßigen Hengst Sleipnir jagte er hinaus nach Jotunheim, -und als er mancherlei gesehen hatte, kam er an dem Reiche _Hrungnirs_, -des mächtigsten und stärksten der Steinriesen, vorübergeritten, der ihn -anrief. - -»Was reitest du für ein Roß, du Mann im Goldhelm? Es scheint mir kein -schlechtes.« - -»Glaub's dir,« rief Wodan zurück. »Kein Roß im Riesenreich kommt ihm -im Wettlauf ans Schwanzhaar.« - -»Hoho,« prahlte der Riese, »mein Hengst Gullfaxi wird es dem deinen -zeigen. Gib acht, ich fange dich ein wie eine Fliege.« - -Und er warf sich auf den Hengst und jagte hinter Wodan drein, der ihm -lachend entkam. - -In Asgard sprang Wodan vom Rossesrücken, Hrungnir aber war so tollen -Rittes, daß er die Grenzmark übersah und wie Wodan in Asgard landete, -von den Göttern umringt. - -»Fürchte dich nicht,« riefen sie ihm zu, »du sollst unser Gast sein und -dich gesättigt heimwärts trollen.« - -»Seh ich wie das Fürchten aus?« höhnte Hrungnir und schritt -unverschämten Ganges zur Halle. »Bringt mir die größte Kanne Met, daß -ich in etwa meinen Groll ersäufe.« - -Da wurden ihm die Trinkhörner zugereicht, die nur Asathor allein zu -leeren verstand, und der Riese stürzte den Met so hastig durch den -Hals, daß er trunken wurde und in der Trunkenheit alle Götter des -Himmels bedrohte. »Dieses Walhall nehm ich in die hohle Hand und trag -es nach Jotunheim. Das ganze Asgard schmeiß ich ins Meer. Das ganze -Göttergesindel prügle ich zu Tode. Nein -- doch nicht das ganze. -Diese da, die mir den Met einschenkt, die liebliche Freya, und diese -da, die die Farbe des reifen Kornfelds im Goldhaar trägt, die üppige -Sif, sie nehme ich beide zu Frauen. Beide miteinander. Wer wagt und -widerspricht?« - -Die Götter wichen zurück vor dem Wilden. Nur Freya schenkte ihm -lächelnd weiter ein. Aber das trunkene Toben des Riesen wurde so -lästerlich und sein Drohen so handgreiflich, daß einer der Asen des -Donnerers Namen rief. »Wäre doch Thor hier und lehrte ihn Anstand!« - -Im selben Augenblick fuhr der Donnerer, der seinen Namensruf bis ans -Ende der Welt zu hören vermochte, wie der Blitz in den Saal und stand -vor des staunenden Hrungnirs Füßen. - -»Fort, Freya,« gebot er, »es war gut gemeint, aber für Scheusale bist -du kein Schenkenmädchen.« Er wandte sich an den staunenden Riesen. »Was -saugst du mit deinem ungewaschnen Maul an meinen Methörnern, trunkener -Schuft?« Und er schlug ihm die Trinkhörner mit gewaltigem Schlage aus -den Händen, daß der Riese vom Met ganz übergossen saß. Dann holte der -Donnerer mit dem Hammer aus. »Jetzt aber sollst du die Zeche bezahlen.« - -In des Riesen Hirn wurde es licht. Er sprang vom Sitz und hob die Hände -hoch. - -»Gastrecht genieß ich in Walhall. Wodan selber lud mich zu Gast! Willst -du Asgards heiliges Gastrecht schänden?« - -»Ich lud dich nicht!« donnerte Thor. »Mach mir nicht lange Umstände!« - -»Feigling!« schrie der Riese. »Du wagst dich an den waffenlosen Mann? -Vor allen Göttern fordere ich dich zum Zweikampf zu gegebener Frist, -wenn du Mut im Leibe hast!« - -Da ließ Thor den Hammer sinken. - -»Trolle dich schleunigst. Ich nehme die Herausforderung an. Auf der -Grenzscheide zwischen Asgard und Jotunheim treffe ich dich heute in -dreien Tagen.« - -Pünktlich nach dreien Tagen war der Donnerer zur Stelle, und sein -Diener Thjalfi war als Zeuge bei ihm. Die Freunde Hrungnirs aber -hatten einen neun Meilen hohen Riesen aus Lehm aufgebaut, ihm das Herz -einer Stute eingesetzt und ihn mit fürchterlichen Waffen versehen, als -Beistand Hrungnirs. - -Thjalfi lief dem Donnerer voraus. - -»Wahre dich, Hrungnir,« schrie er. »Der Ase kommt unter der Erde her -und haut dir die Füße weg.« - -Da warf der Riese schnell den Schild nieder und sprang mit den Füßen -drauf, um sich zu schützen. Aber der Donnerer kam durch die Luft und -schwang den Hammer, und der Riese warf ihm mit wilder Wucht einen -felsengroßen Wetzstein entgegen, der den sausenden Hammer traf. Doch -war der Hammer so unwiderstehlich geschleudert, daß der Wetzstein in -tausend Stücke splitterte und der Steinkopf Hrungnirs zermalmt durch -die Lüfte flog. Von einem Steinsplitter war auch Thor in der Stirn -getroffen, so daß er vornüber stürzte, und als Hrungnir sank, wälzte -sich ein Bein des Erschlagenen über des Donnerers Hals. - -Der neun Meilen lange Lehmriese mit dem Stutenherz wollte Fersengeld -geben, aber der wackere Thjalfi, der Schnelläufer, holte ihn ein und -haute ihn in die Kniekehlen, daß er stürzte und zerbarst. Vergebens -jedoch mühte sich Thjalfi, das ungetüme Bein des erschlagenen Hrungnir -von seines Herrn Hals zu wälzen, und die Götter, die er zur Hilfe rief, -vermochten es nicht besser. - -Es war aber zu der Zeit, daß dem Donnerer der Sohn _Magni_ geboren war. -Der kam herbeigelaufen, obwohl er erst drei Nächte zählte, und warf das -Riesenbein zornig von des Vaters Hals. »Schade, mein Vater, daß ich -nicht früher zur Stelle sein konnte. Ich hätte dir den Kerl mit der -nackten Faust erschlagen.« - -Da erhob sich Thor und nahm seinen Sohn ungestüm in die Arme. - -»Mein Blut wird im Himmel und auf Erden nicht untergehen. Immer wieder -werden Männer erstehen. Männer in der Not. Männer der Tat!« -- - -Des Donnerers Name ging wie Todesschauern durch das Riesenreich. Manche -der Thursenfürsten suchten sich freundlich zu den Asen zu stellen, und -_Ägir_, der Herrscher der offenen Meere, lud sie zu einem fröhlichen -Umtrunk in sein Reich. Als aber die Götter kamen, war nichts zum Feste -vorbereitet, und Ägir versuchte es mit einer Ausrede. Es sei kein -Braukessel vorhanden, der das nötige Maß hielte. - -Thor aber hatte keine Lust, auf den Männertrunk zu verzichten, und der -Schwertgott Ziu, den die Nordmänner Tyr nannten, pflichtete ihm bei, -denn er wußte einen Kessel. - -»_Hymir_«, so kündete er, »heißt der Beherrscher des Eismeeres. Der -Gedanke der Weltseele, der mich in der Urzeit gebar und mir die -schneidige Schärfe des Sonnenschwertes verlieh, diese göttliche -Mutter wurde von dem Eisriesen Hymir geraubt und zu seinem Weibe -gemacht, damit die schneidende Schärfe des Eises auch einen Abglanz -der Sonne erhalte. So schenkt die goldene Frau dem Eismeere Hymir die -Mitternachtsonne. Mir blieb sie mütterlich gewogen, und wenn wir Hymir, -der den gewaltigsten Braukessel besitzt und seine Verwendung der Welt -vorenthält, den Kessel abzufordern vermögen, so ist es nicht nur uns, -sondern der ganzen Welt zum Gewinn. Möge mich der Donnerer mit seinem -Hammer auf der Fahrt ins Eis begleiten.« - -Da war der Donnerer wohl zufrieden. Mehr noch, als seinen Durst zu -stillen, freute es ihn, die Menschheit neuer Segnungen teilhaftig -werden zu lassen, und schleunigst umgürtete er sich mit dem -Stärkegürtel, steckte den Hammer handgerecht und brauste auf seinem -Bockgespann mit dem Fahrtgenossen davon. - -In seiner unwirtlichen kristallenen Halle, die sich auf meterdicken -Eissäulen wölbte, war Hymir bei der Ankunft der Gäste nicht anwesend. -Gütig nahm die stille Göttin der Mitternachtsonne den Wunsch des -geliebten Sohnes aus der Urzeit entgegen, bewirtete ihn und Asathor -und verbarg sie einstweilen hinter einer mächtigen Eissäule, als -Hymir von der Walfischjagd zurückkehrte. Kaum jedoch hatte sie dem -Riesen den Wunsch der Asen nach dem Kessel überbracht, als Hymir den -Aufenthaltsort der Götter witterte und seinen schneidenden Frostblick -so scharf durch die meterdicke Eissäule sandte, daß die Säule zerbarst -und zersplitterte und die Asen sich dem Wüterich preisgegeben sahen. -Bevor aber Hymir zugreifen konnte, hatte der Donnerer seinen Hammer -wurfbereit. Da wurde der Riese zugänglicher und lud knurrend die -Gäste zu Tisch. Der fröhliche Donnerer aber verspeiste zwei Ochsen -auf einem Sitz, also daß dem geizigen Hymir graute und er den starken -Asen aufforderte, am Morgen mit ihm zur Auffüllung der Vorräte auf -den Fischfang zu fahren. Dort gedachte er sich des Widerwärtigen zu -entledigen. - -Als der Donnerer am nächsten Morgen mit dem Eisriesen zu Schiff ging, -bat er Hymir um einen Köder für seine Angelschnur. »Such ihn dir -selber!« hauchte ihn der frostige Gastgeber an. Der Donnerer wandte -sich um, packte einen der Stiere Hymirs, riß ihm mit einem einzigen -Ruck das Haupt ab und steckte es als Köder an die Angelschnur. Dann -fuhr er mit dem fassungslos dreinschauenden Riesen ins Meer hinaus, -und sie warfen ihre Angelschnüre. Frohlockend zog der Riese ein -paar mächtige Wale ins Boot. Der Ase aber ruderte weiter hinaus ins -Meer, und obschon der Eisriese zornig widerriet, aus Furcht vor der -Midgardschlange in den offenen Gewässern, warf der Donnerer im Schwung -den Stierkopf in die Flut, und schon hatte die wütende Schlange den -Köder verschluckt und suchte an der Leine das Boot mitsamt seinen -Insassen zu sich hinunter zu ziehen. - -Der starke Ase nahm seine ganze Kraft zusammen. Er hielt die Schnur -mit eisernen Fäusten und stemmte sich mit den Füßen so unwiderstehlich -gegen die Planken des Fahrzeuges, daß beide Beine durch den Boden -durchbrachen und er mit den Füßen auf den Meeresgrund geriet. - -»Desto besser,« lachte Asathor, »hier steh ich nur umso fester.« Und -er holte die Schnur in gewaltigen Zügen an sich heran, bis sich der -scheusälige Kopf des Ungetüms über Wasser hob. Mit furchtbaren Augen -starrten sich die beiden Feinde an. Dann hob der Ase den Hammer, um der -Weltschlange den Schädel zu zerschmettern. Der Riese aber, der sein -Schiff verloren wähnte, durchschnitt in Todesangst die Angelschnur, und -die unheilvolle Feindin der Götter und Menschen verschwand spurlos in -der Tiefe. - -Unwirsch wandte sich der Donnerer dem hilfeschreienden Riesen zu. Aber -als er ihn im Wasser sinken sah, gedachte er des Kessels und packte den -Riesen mitsamt dem Boot und der Walfischbeute, warf alles über die -Schulter und watete an Land zurück. - -»Nun gib den Kessel,« gebot er in der Halle. - -Noch einmal suchte der Riese den Asen zu überlisten. Er reichte ihm -seinen Trinkbecher dar zu einem Wettspiel. Könne der Ase den Kelch -zerschmettern, so sei der Kessel frei. Sonst aber bliebe der Kessel, wo -und wie er sich befände. - -Der Donnerer ging lachend auf den Handel ein. Aber die Felsen -zerbarsten, gegen die er das Trinkgefäß schmetterte, der Kelch blieb -heil. Da raunte ihm die gütige Göttin der Mitternachtssonne zu. »Härter -als alles ist Hymirs Schädel«, und der Donnerer verstand und schlug den -Kelch gegen des Eisriesen Haupt, und der Kelch sprang in tausend Stücke. - -»Der Kessel ist mein,« sprach der Ase, und während sich Hymir die -zerbeulte Stirn an einem der Eispfeiler kühlte, griff Ziu, den die -Nordmänner den Tyr nannten, den Kessel an, ohne ihn aufrichten zu -können. Der Donnerer aber packte ihn und stülpte ihn sich wie eine -Mütze über den Kopf. - -Gen Asgard richtete sich der Lauf des Bockgespannes. Doch Hymir war -zu sich gekommen, brüllte über sein Gebiet hin, daß aus allen Löchern -und Ritzen Riesen und Trolle kletterten, und umzingelte mit seiner -Unholdschar den vorwärtsstürmenden Wagen. - -Thor gab Tyr die Zügel. Er selber faßte den Hammer. »Achtung, er -beißt!« donnerte er in den Haufen hinein, und der Hammer Mjolnir -zermalmte Hymir und nach ihm seiner ganzen Schar die Schädel. - -So brachten der Donnerer und sein Schwertgenosse den Kessel heim, und -als sie ihn in Ägirs Halle schafften, war er so groß, daß das freie -Meer sich weitete zugunsten aller Schiffahrt, und dem starren und -vernichtenden Eismeer sein tiefstes Becken genommen war. - - * * * * * - -Und wieder und wieder zog der Donnerer aus, die drohenden Gefahren von -Göttern und Menschen zu scheuchen. Selbst für Loki, den Arglistigen, -stand er ein, weil er dennoch ein Ase war. Wohl hatte Loki aufs neue -Tücke geübt und der schlummernden Freya das lichtspendende Halsband -Brisingamen entwendet. Eben noch vermochte Heimdall, der treue Wächter, -dem Flüchtigen nachzusetzen und ihn mit seinem guten Schwerte zu -stellen. Loki aber entschlüpfte dem Schwertstreich als geschmeidige -Robbe und tauchte in See. Doch schon war auch Heimdall in Robbengestalt -in See getaucht, und die Robbe ergriff die andere beim Genick und biß -sie dermaßen zu schanden, daß Loki, als er sich schleunigst wieder -zurückverwandelte, im Gesicht und an den Gliedern zerschunden war, als -hätte er in einem Brennesselfeld genächtigt, und reumütig das Halsband -der Freya herausgab. - -Der Donnerer wußte um diese Streiche und um manche andere. Aber im -Stich ließ er auch den Heimtücker und Schadenfrohen nicht, der zu den -Asen zählte. So ehrlich dachte Asathor. - -Loki gedachte zur Abwechslung zu dem Glutriesen _Geirröd_ zu fahren, -wie der Donnerer zu dem Eisriesen Hymir gefahren war. Er entnahm Freya -das Falkengewand und flog hinaus, bis er Geirröds Dachstuhl fand und -neugierig durch die Esse schaute. »Fangt mir den seltenen Vogel«, -befahl Geirröd seinen Riesen, und die ungeschlachten Kerle kletterten -so täppisch an den Hauswänden hinauf, daß Loki seine helle Freude hatte -und, um sie zu ärgern, in Ruhe sitzen blieb. Als endlich einer der -riesigen Gesellen die Hand nach ihm strecken konnte, hob er voll Spott -die Flügel, um sich nachlässig zu verabschieden -- aber o Schreck, die -Beine klebten fest. Er war dem Riesen auf den Vogelleim gegangen. Vom -Dachstuhl heruntergeholt, weigerte sich der sonderbare Vogel, Namen und -Herkunft zu nennen, und Geirröd sperrte ihn drei Monate lang in einen -engen Käfig, bis er sich vor Hunger krümmte. Da wurde er mitteilsamer -und gab Auskunft. - -»Ei,« schmunzelte der Glutriese, »ich wüßte schon einen Handel, der dir -die Freiheit schenken könnte. Wenn an deiner Statt der Donnerer, dieser -verhaßteste aller Asen, zu mir kommen würde, ohne seinen Hammer, ohne -seinen Stärkegürtel, so brauchtest du nicht zurückzukehren.« - -Loki nahm Urlaub von dem Riesen und kehrte nach Asgard heim. Schweigend -hörte der Donnerer den Geängstigten an. Und er rüstete sich zum -Aufbruch. - -»Du gehörst zu uns,« sagte er nur. »Trotz deiner sündhaften Fehler. Ich -will dir noch einmal zeigen, was wahre Kameradschaft ist.« - -Am Abend kehrte der Ase waffenlos mit Loki bei der Erdriesin -_Grid_ ein. Die hatte vor Zeiten dem Wodan einen Sohn geboren, den -schweigsamen aber bärenstarken Widar, »den Asen mit dem Schuh«, wie ihn -die Götter nannten. Denn er trug einen Schuh aus aller Länder Leder, -der undurchdringlich war. - -»Sei auf der Hut, du Starker,« warnte die Asenfreundin den furchtlosen -Gott. »Geirröd ist der Bösartigsten einer und sucht dich zu verderben. -Er wird keinen Zauber und keine Hinterlist scheuen, um dich, den -Schrecken des Riesenreiches, auf immer zu vernichten.« - -»Wenn ich Loki frei bekommen soll von seinem Wort,« entgegnete der -Donnerer, »so muß ich ohne meinen Hammer, ohne meinen Stärkegürtel bei -Geirröd erscheinen. Es wird ein schwer Stück Arbeit werden.« - -»So lautet der Vertrag,« sprach die Asenfreundin nachdenklich. »Aber -höre! Auch ich besitze einen Stärkegürtel, auch ich besitze feuerfeste -Handschuhe. Davon verlautet nichts im Vertrag. Einen Hammer kann -ich dir nicht schaffen, aber meinen Stab sollst du zu Gürtel und -Handschuhen nehmen. Das wird dir dienen.« - -Der kluge Vorschlag leuchtete dem Donnerer ein, und er schloß die weise -Frau lachend in die Arme. - -In der Frühe des Tages zog er mit Loki weiter und kam an den Grenzfluß -von Geirröds Reich. Auf Grids Stab gestützt, stieg er unbekümmert in -die tiefen Wasser, und Loki klammerte sich fest an seinen Gürtel. Aber -als sie die Mitte des Stromes erreicht hatten, stürzte plötzlich eine -wilde Wogenflut über sie her und suchte sie zu ersäufen. Der Donnerer -blickte nach oben. Und er gewahrte, wie stromauf eine der Riesentöchter -Geirröds breitbeinig über dem Flusse hockte und die Wasser anschwellen -ließ. »Pfui, du Freche!« schrie der Donnerer, warf und traf sie mit -einem Felsstück gegen die Schenkel, daß sie in die eigenen Wasser -purzelte. Ein Vogelbeerbaum reckte dem Donnergott hilfreich vom Ufer -seine Äste entgegen. Sie ergriff er und zog sich mit Loki ans Land. Von -jener Stunde an ist der Vogelbeerbaum dem Donnergott heilig. - -In Geirröds Gehöft angelangt, wurde dem starken Asen zuerst ein Gemach -angewiesen und ein Stuhl zum Ausruhen. Kaum aber hatte er sich gesetzt, -so hob sich der Stuhl schnell in die Höhe, und des Gottes Schädel -wäre an der eisernen Decke des Gemachs zerquetscht worden, hätte der -Donnerer nicht Grids Stab gehabt. Den hob er hoch und stemmte ihn gegen -die Decke und drückte den Stuhl mit Gewalt auf den Boden zurück. Ein -Knacken und Krachen erfolgte wie von zermalmenden Knochen. Todesgeheul. -Und dann tiefe Stille. - -Der Ase sprang vom Stuhl und forschte nach. Da hatten die beiden -Riesentöchter Geirröds unter dem Stuhle gehockt und den Gast zu -zerquetschen versucht. Nun aber lagen sie beide tot und mit gebrochenem -Rückgrat. - -Ein Bote stand unter der Tür und forderte den Donnergott zu einem -Wettkampf mit Geirröd, dem ungezähmten Glutriesen, in die Halle. In -einer mächtigen Esse lag ein weißglühendes Eisenstück. Das griff -Geirröd mit einer Zange heraus und schleuderte es dem Donnerer gegen -den Kopf. Der Ase aber haschte es mit den feuerfesten Handschuhen -der Freundin Grid, wog es in der Hand und holte aus. Wohl flüchtete -sich Geirröd hinter die dickste Steinsäule der Halle -- dem Donnerer -war, als führte er seinen Hammer, und mit solcher Wucht warf er den -weißglühenden Eisenklotz, daß die zerschmetterte Säule mitsamt dem -Eisenklotz dem Riesen in den Leib fuhr und seinen Leichnam gleich einen -Klafter tief in der Erde begrub. - -Ohne weiteres kehrte der Donnerer zu der Erdriesin Grid zurück, und der -befreite Loki trabte hinter ihm drein. Und als Thor der Asenfreundin -Stab, Gürtel und Handschuhe zurückerstattet und ihr eine Nacht lang -zärtlich wie ein Bär die Backen gestreichelt hatte, fuhr er mit Loki -gen Asgard, und Loki vergaß ihm den Dank zu sagen. - -Was kümmerte das Asathor! Er holte sich nur seinen Hammer Mjolnir und -fuhr wieder hinaus zu neuen Kämpfen, um Göttern und Menschen Luft zu -schaffen vor dem drohenden Schicksal. - - - - -Wodans Wunschmädchen. - - -Mehr als alle die anderen Götter kämpfte Wodan um das Schicksal -Asgards und seiner Bewohner. Nicht allein mit dem todbringenden Speer -Gungnir, den er über die Heereswogen schleuderte, um seinen Anhängern -auf Erden den Sieg zu verleihen oder sich die Besten und Tapfersten -für Walhall zu erkiesen. Seine Gedanken holten weiter aus, suchten die -Wurzel der Dinge auf und begannen die Fäden der Schicksalsgöttinnen zu -dehnen und zu längen. Der König der Götter nahm sein Amt als Pflicht, -Verantwortung und Fürsorge. - -Wodan wußte von keiner Erholung. Er wußte nur, daß an einem -Schicksalstag das Ende hereinbrechen würde und der Götter letzter -Kampf. Und gerade weil er es wußte, wurde ihm königlich zumut. Die -letzte Schlacht sollte ihn und die Götter gewappnet finden. Waren sie -dem Untergang geweiht, so sollte bis zum letzten Atemzug gekämpft, -mit den letzten furchtbaren Schwerthieben noch die Welt von den -Unholden der Dunkelmächte gereinigt werden. Das waren Wodans königliche -Heldengedanken. - -Alles Wissen mußte er besitzen von Vergangenheit, Gegenwart und -Zukunft. Keine Mühe war ihm zu groß, es zu erwerben, um danach die -Fäden seiner Gedanken spinnen zu können. Am Fuße der Weltesche saß er -bei den Nornen, den Schicksalsmädchen Urd, Werdandi und Skuld, und -forschte, was sie über Leben und Sterben seiner Menschen beschlossen -hatten. Am Brunnen Mimirs raunte er mit dem Haupte des Urzeitweisen, -um aller Geschehnisse Ursprung zu erkunden und ihre verwundbaren -Stellen. Ja selbst die Toten rief er ins Leben zurück, damit sie ihm -das Zukünftige, das sie früher erschaut hatten als die Lebenden, -aussagten, und oft lagerte er sich auf den Richtplätzen, unter den -Galgen der Gehenkten, und beschwor sie so zauberkräftig, daß die armen -Seelen ihm anhingen und in allen Dingen zu willen waren. Wenn dann die -Herbststürme erbrausten, setzte er sich an ihre Spitze und raste mit -ihnen in wilden Jagdzügen durch die Luft, um sie bei kriegerischer -Laune und Wildheit zu erhalten. Für die Stunde des Kampfes. - -Zum Wanderer war Wodan geworden, und er ging zu den Lebenden und -prüfte sie auf ihr Heldentum und merkte sich die Unerschrockenen und -Schwertkundigen. Den herabfallenden Hut tief in die Stirn gedrückt, -den verwitterten blauen Mantel um sich geschlagen, wanderte der -Einäugige durch die Welt und sah mit tausend Augen. Über Meere und -Ströme fuhr er mit dem Wunderboot Skidbladnir, einst dem Freyer -geschenkt von den Zwergen, das ohne Wind und gegen jeden Wind fuhr -und sich zusammenfalten und in der Manteltasche bergen ließ. Zu allen -Stämmen kam er, die den Göttern in Asgard opferten, und er nannte sie, -die kriegerischen Blutes und heldischen Mutes den Ger schwangen, den -Jagd- und Schlachtenspeer, die Ger-Mannen, die Germanen. Oft blieb er -in ihren Gehöften zur Nacht, veredelte ihr Blut und ihren Sinn und -zeugte neue Heldengeschlechter, würdig, einzureiten in Walhall. Für den -letzten Kampf. - -»Kampf« hieß die letzte Schicksalslosung der Götter und der Menschen. -Wenn am letzten Tage aller Dinge Surt losbrach, der König der -Feuergeister in Muspelheim, wenn die Riesen aus Jotunheim anstürmten -mit den Trollen aus Utgard, wenn der wütende Fenriswolf seine Bande -zerriß, die giftgeifernde Midgardschlange sich heranwälzte und die -dunkle Hel mit aufgerissenem Schlund Leichen schlang, hieß die Losung: -Kampf dem Verhängnis! Daher liebte Wodan schon heute die Kämpfe auf -Erden und begünstigte sie als Vorbereitung für den letzten schwersten -Kampf. - -Die Heerkönige der Germanen wünschte er in Walhall und ihre -Heldenscharen, ungezählte Tapfere, Tausende und Hunderttausende. -Zuvor sollten sie Bankgenossen sein beim Met, einst aber seine -Schwertgenossen. Alle die Ger-Mannen, die auf Erden rühmlichen -Waffentod erlitten hatten. - -Hoch und herrlich war Walhall gebaut, seine Wände aus Speeren, seine -Dächer aus Schilden, und statt der weichlichen Polsterung schmückten -die Bänke im Saal schimmernde Brünnen. Wodans Zeichen, Wolf und Adler, -hingen über dem Eingang. Doch hatte der Saal noch fünfhundertundvierzig -Türen, eine jede für den Auszug von achthundert gewappneten Streitern -berechnet. Und am Abend blitzte das Licht spiegelblanker Schwerter -durch die Halle, als wäre sie von Fackeln erleuchtet. - -Hierher kamen die Tapfern, die auf Erden ihren Kampfwunden erlegen -waren, hierher und in den Saal Wingolf, die Halle der Göttinnen. Und -sie wurden von den Göttern, die sie mit offenen Armen empfingen, die -»_Einherier_« genannt, die »göttlichen Streiter«. - -Allvater selber wählte sie aus, die auf der Walstatt fielen. Walvater -hieß er darum, und Walsöhne, Wunschsöhne, die er nach Walhall berief. -Oft rief er sie selber, wenn er auf seinem Hengste Sleipnir, den -goldblitzenden Flügelhelm auf dem Haupt und den Todesspeer Gungnir -in der Faust, über die ringenden Heere brauste. Kein herrlicheres -Männerlos, als Wodans Ruf nach Walhall teilhaftig zu werden! Oft auch, -wenn andere und dringendere Verrichtungen ihn hinderten, sandte Wodan -seine Saaltöchter aus, seine Schildmädchen und Wunschmädchen, die -_Walküren_, Sieg und Tod zu verleihen und die Auserwählten nach Walhall -zu rufen. - -Auf stürmenden Wolkenrossen jagen sie dahin, den jungfräulichen Leib -von schimmernder Brünne umpanzert, den leuchtenden Helm in das goldrot -flatternde Haar gedrückt, den Schild am Armgelenk, den flammenden Speer -wurfgerecht in der Faust. Überirdisch schön und die Sehnsucht der -Helden, die nach ihnen verlangen, das Wunschziel der irdischen Frauen, -die in Helm und Harnisch den Männern folgen in die Schlacht oder auf -wilde Wikingsfahrt. - -In der heiligen Dreizahl stürmen die Walküren dahin, zu dritt oder -zu zweimal Drei, dreimal Drei oder zu Zwölf. Sie entscheiden die -Schlachten, ihr Speer bringt den Tod, aber neue Wonnen bringt er mit -dem Tod -- den Ruf nach Walhall. Wunschlos und nach des Schicksals -Vorschrift müssen die Walküren entscheiden. Jungfräulich müssen sie -sein und dürfen niemanden angehören als den Helden in Walhall, den -Einheriern. Wer sich von den Schildmädchen gegen Wodans Gebot vergeht, -wird in Schlaf versenkt oder verbannt. -- - -Mehr als bisher sah man in diesen Zeiten, da Wodan als Wanderer die -Welt durchzog und bei Königen und Kriegern nach Helden forschte, die -Walküren reiten. Denn mehr als bisher herrschte auf Erden der Krieg, -verlangten die Männer, die die höchsten Mannesehren ersehnten, nach -Walhall, horchten sie auf den Schrei der Walküren, auf den sausenden -Speer, der sie entbot. Dann machten sich die Geister der Gefallenen auf -den Weg, durchwateten einen reißenden Strom und pochten an die heilige -Totenpforte _Walgrind_, die Eingangspforte zu Walhall. Von Walküren -geleitet, traten sie in den Saal, vom jubelnden Zuruf der versammelten -Einherier umbraust, von den Göttern gerühmt und bewillkommnet. -Selig saßen sie nieder auf den Bänken und nahmen aus den Händen der -Schildmädchen den schäumenden Humpen Met, der aus dem Euter der Ziege -_Heidrun_ auf Walhalls gewölbtem Dache floß, ohne je zu versiegen, oder -den saftigen Braten vom Eber _Sanhrimnir_, der sich täglich erneuerte. -War Wodan in Asgard, so thronte er unter ihnen, doch aß er nicht und -gab das Fleisch seinen Jagdwölfen. Nur dem Wein sprach er zu, der -göttlichsten aller Gaben. - -Frühmorgens ritten die Einherier hinaus auf die Wiesen zum Kampfspiel. -Da pfiffen die Klingen, da sausten die Speere, da wurde mancher Schild -zerbeult und aus manchem Helm Funken geschlagen. Purpurne Wunden gab es -und Heldentod, aber wenn der Abend nahte und das Göttermahl, sprangen -Tote und Verwundete heil und gesund wieder auf die Füße, schüttelten -sich strahlend die Hände und saßen Schulter an Schulter auf der -Zecherbank. Die Wunschmädchen reichten ihnen den Trunk, lehnten sich -an sie und horchten ihren brausenden Gesängen. Dann sang auch Bragi, -der Dichtergott, und er sang den Ruhm der Einherier, daß aller Augen -leuchteten und der Wunschmädchen Hände ihre Häupter liebkosten. - -Eine Seligkeit war es, in Walhall zu hausen, und die Sehnsucht aller -Männer. Wodan aber sorgte wohl, daß sein Heerbann wuchs. Wodan, der -Walvater und Allvater. Er sorgte für den letzten Kampf. - -Immer kriegerischer wurde der Sinn der Völker. Auf weiten Wikingfahrten -fuhren sie über die See, sie kämpften an Land, wo ein Schlachtfeld -sich bot. Schutzgeister schuf Wodan seinen Lieblingen, die ihnen -vor sehenden Augen erschienen, ihnen rieten und sie schirmten. Das -waren die _Fylgien_, die Seelenfrauen. Aber auch Wolfsgestalt und -Bärengestalt verlieh er oft den Kämpfern, daß sie wie wild und besessen -in die Feinde stürmten und alles niederrissen. _Werwölfe_ nannte man -die Wolfshäutigen und _Berserker_ die Bärenhäutigen, die aus- und -einfuhren in Tier- und Menschengestalt und dem Schlachtengott Scharen -von Einheriern zuführten. Wie Wodan sie liebte! -- -- -- - -Wieder und wieder mußten die Walküren reiten, wenn Wodan von den -Nornen oder von Mimirs Brunnen kam. Oft auch eilten sie frei und ohne -Geheiß hinaus, lagerten die Nacht vor der Schlacht in einer Hütte -auf der Walstatt und woben aus Schwertern und Speeren heimlich das -Schicksalsgewebe für Heerkönige und Krieger. Dann rauschte ihr dunkles -Lied wie suchender Sturm durch die Nacht: - -»Mit Schwertern schlagen wir dies Siegesgewebe. Wir kamen zu weben mit -gezogenen Schwertern. Schaft wird zerkrachen, Schild wird zerbersten, -die Axt in die Rüstung dringen. Winden wir, winden wir das Gewebe des -Speeres! Folgen wir dem König, dem siegreichen Helden! Blutige Schilde -wird man sehen. Winden wir, winden wir das Gewebe des Speeres. Voran -wollen wir gehen und in die Schlachtreihe schreiten, wo unsere Freunde -die Waffen kreuzen. Winden wir, winden wir das Gewebe des Speeres, wo -die Fahnen kämpfender Männer wehen! Nicht lassen wir zu, daß ihr Leben -vergehe. Die Walküren haben des Kampfes Kür. Die Freunde sollen siegen -und die Feinde unterliegen. Das Gewebe ist gewoben, das Feld gerötet. -Schrecklich zu sehen, ziehen blutige Wolken am Himmel. So singen dem -König wir Siegeslieder und reiten auf schnaubenden Hengsten, die -Schwerter gezogen, fort von hier.« - -Wie Blitz und Wetterleuchten über der tobenden Männerschlacht, so -jagten sie auf ihren Wolkenrossen, Flammen auf den Spitzen ihrer -Speere, über die Reihen der Kämpfer hin, hemmten den Anlauf der Feinde, -verwirrten seine Linien, fesselten die Gefangenen, befreiten die -Freunde und warfen den, dem sie das Schicksal gewoben, durchbohrt vom -Roß. - - * * * * * - -Krieg war entbrannt zwischen den Königen _Hialmgunnar_ und _Agnar_. Der -alte König Hialmgunnar, ein fester Degen, bat Wodan um Gunst und Sieg -und versprach ihm ein blutig Schlachtfeld. Da lachte Wodan das Herz im -Leibe, und er sagte ihm Sieg und Leben zu. Seine Wunschmädchen rief er -herbei und hieß sie reiten für König Hialmgunnar, den Alten, und befahl -_Brynhild_, der Walküren Führerin, den Agnar zu fällen und sein Heer in -die Flucht zu jagen. - -[Illustration: »Sie richtete die Lanze hoch auf und jagte an ihm -vorbei.«] - -Jubelnd stürmten die kampffrohen Walküren von dannen und suchten die -Walstatt auf. Hart rang der jugendblonde Agnar gegen den wütigen -Greis. Schlachtrufe schreiend, warfen sich die Walküren auf des -jungen Königs Heer und jagten es in Verwirrung. Nun hatte Brynhild -ihr Opfer erreicht. Einsam kämpfte der Jüngling mit dem Mute der -Verzweiflung, von den Menschen verlassen, von den Göttern aufgegeben -und von nicht einer der Schildjungfrauen beschirmt. Schon hob -Brynhild den todbringenden Speer. Da gewahrte der junge König sie -mit hellseherischem Blick, mit dem man den nahenden Tod erschaut, -und des Jünglings Augen brannten mit der heißen Liebe am Leben in -den staunenden Augen der Jungfrau Wodans. Ein Ruck ging durch den -Mädchenkörper der Reiterin. Sie richtete die Lanze hoch auf und jagte -an ihm vorbei. - -»Was tust du?« wirbelte es ihr durch das Hirn. »Du handelst wider -Wodans Gebot!« - -Sie riß den Hengst herum und fällte den Speer zum zweiten Male. Aber -Agnar blickte sie an in heller Bewunderung und dachte nicht mehr an -sein bedrohtes Leben. Da jagte sie zum zweiten Male an ihm vorüber und -vergaß Wodans Gebot über den begeisterten Jünglingsaugen. - -Zum dritten und letzten Male hetzte sie den Hengst zum Ansprung. - -»Er ist so jung, so schön,« murmelten ihre Lippen, »und Hialmgunnar ist -alt und greis und hat das Leben gelebt. O Agnar, wie ich dein junges -Leben liebe.« -- - -Und plötzlich tat sie einen Schrei, der wild über die Walstatt gellte, -stürmte zwischen die kämpfenden Könige und stieß dem alten König -Hialmgunnar den Todesspeer mitten durch die Halsbrünne. - -Die Königsleiche lag auf dem Feld. Als Sieger jagte Agnar die Feinde -von dannen. -- - -Staunend fuhr Wodan von seinem Hochsitz. Mit einem Blicke sah er, was -geschehen war. Er rief nach seinem Rosse Sleipnir und jagte wie der -Sturm zur Erde nieder. Dort fand er Brynhild traurig an den Speer -gelehnt. - -»Leg dein Walkürenkleid ab, unbotmäßig Mädchen,« rief er ihr zornig zu -und sprang vom Rosse. »Was will dein töricht Mädchenherz dreinreden, -wenn es sich um Allvaters unerforschliche Wege handelt? Walküre bist -du gewesen für Zeit und Ewigkeit. Den Rausch des Schlachtenglücks, -die seligen Wonnen Walhalls nehme ich von dir und gebe dir dafür, was -du gewollt: das bißchen Menschenglück und das bißchen Liebeswonne. -Vermählen soll sich dein jungfräulicher Leib einem irdischen Mann! Ich -stoße dich aus!« - -»Allvater!« bat Brynhild mit zuckenden Lippen. - -»Du warst mein Lieblingsmädchen unter allen meinen Wunschtöchtern,« -sprach Wodan leise. »Dennoch -- ich kann dich nicht schirmen gegen mein -eigenes Wort. Beuge dich zu mir. Ich will in barmherzigen Schlaf dich -senken.« - -»Allvater,« flehte Brynhild, »laß kein anderer mich als Gemahl berühren -denn ein furchtloser Held.« - -Stumm nickte ihr Wodan Gewähr. Und sie beugte sich zu ihm, und er stach -sie mit seinem Schlafdorn in die Schläfe, daß sie schlummernd zu seinen -Füßen hinsank. Wodan aber gedachte seines Versprechens vom furchtlosen -Helden und zog eine wabernde Lohe rings um den Platz, auf dem Brynhild -schlummernd lag. Nur ein Held, der das Fürchten nicht kannte und das -Sterben verlachte, würde die Flamme durchreiten. Und sinnend und -forschend ritt Wodan heim nach Walhall. -- - -Wieder flogen Walküren aus, und sie kamen an eine Bucht und legten ihre -Schwanengewänder ab, um zu baden. Im Laube versteckt aber saß _Wölund_, -der kunstreiche Schmied, den sie auch _Wieland_ nannten, mit seinen -Brüdern, und sie nahmen den Jungfrauen heimlich die Gewänder weg und -zwangen sie so in ihren Dienst. Neun Jahre lehrten die Himmelsmädchen -die Brüder alle Geheimnisse, bis sie die verborgenen Gewänder -wiederfanden und sich im Schwanenkleid auf und gen Asgard schwangen. -Wieland aber wurde tiefsinnig aus Liebe nach dem entschwundenen -Himmelsglück, und die Gemeinschaft der Menschen war ihm unerträglich. -Als sein Feind, der König Nidung, ihn durch List gefangengenommen -und ihm die Sehnen an den Füßen durchschnitten hatte, damit er nicht -entfliehen könne und ihm Schwerter und Kostbarkeiten schmieden -müsse, soviel er begehre, fertigte Wieland nach dem Schwanengewand -seiner entschwundenen Liebe, dessen Geheimnisse er wieder und wieder -durchforscht hatte, in jahrelanger Arbeit ein Flügelkleid für sich -selbst, spannte es um seinen zermarterten Körper und flog mit glühendem -Geist gen Himmel. So gewaltig wirkte der Walküre Zauber auf den nach -dem Höchsten strebenden Mann. -- - -Wieder aber flogen Walküren aus und trafen auf einen jungen Königssohn, -den die Stiefmutter Knechtesdienste verrichten und bei Nacht die Herden -hüten ließ, damit er blöde würde und dem Thron ungefährlich. _Svanhvit_ -war die Führerin, und als sie mit ihren Gefährtinnen auf das Feld kam, -sahen sie in der Ferne Unholde und Gespenster gegen den einsamen Knaben -reiten. Der aber weidete ruhig seine Herden. »Verberge dich,« rief sie -ihm zu, »die Nachtmare kommen über dich!« - -Der Königsknabe hob lächelnd die Augen zu der eifrigen Warnerin. - -»Soll ich mich etwa fürchten, wunderbare Jungfrau?« - -»Ich bin's, die für dich fürchtet, du Lieber,« rief die Walküre, -gerührt von so viel Knabenreinheit, »und ich leihe dir mein eigenes -Schwert, damit du um dich schlagen kannst. Ich aber will dir zusehen -und mich an dir freuen.« - -Strahlend nahm der Schäfer das Schwert und wog es in den Händen. Die -Blödigkeit des Hirten schwand aus seinen Mienen, das Königsblut schoß -ihm ins Gesicht. Mitten auf dem Weg, den die Unholde kamen, stand er -und schwang lachend das Schwert und schlug um sich die ganze Nacht, -bis beim Morgengrauen das letzte Nachtgespenst zur Strecke gebracht -war. Und er zog weiter und warf sich zum rechtmäßigen König auf, und -Svanhvit stand ihm zur Seite und weckte alle seine Heldenkräfte, bis er -den Thron gewann. Da legte die in Liebe entbrannte Walküre freiwillig -das Flügelkleid ab und blieb bei ihm als seine Königin. - -Wodan saß auf seinem Hochsitz, und seine Raben hatten ihm alles -zugetragen. Er nickte nur vor sich hin. -- - -Und wieder flogen Walküren aus, stürmten auf schnaubenden Hengsten -zur Erde hinab, in den Männerkampf, brausten im Schwanengefieder zu -Häupten ihrer Helden. Schwerter sangen und Gere klangen allüberall. -Denn _Helgi_, der Haddingenheld, focht in vielen Schlachten wider König -_Hromund_. - -_Kara_, die hellschimmernde Wunschmaid, führte die Schwestern. Aber als -sie den Haddingenheld zum ersten Male fechten gesehen hatte in seiner -Kühnheit und Wildheit, verlor sie ihr Herz an den stürmischen Mann und -schenkte sich ihm als Geliebte. - -Anderen Tages tobte die Entscheidungsschlacht. - -Glückseligen Gesichtes schwang Helgi, der Haddingenheld, sein Schwert, -und wo es in die Brünnen biß, da biß der Tod. Heißen Herzens schlug -Helgi in den Feind, denn er dachte an Kara, die ihn umhalsen würde nach -des Tages Blutarbeit. Wie sie ihn in der Nacht umhalst hatte. - -Über seinem Haupte vernahm er ein Rauschen und ein wunderbares Singen -und Klingen. Über seinem Haupte flog die Walküre Kara und hielt vor -Helgi den Schild, daß kein Schwert ihn schneiden, kein Speer ihn -ritzen, keine Axt ihn zerspalten konnte. Und aus Karas Munde drang ein -Lied, ein wildes, seliges Zauberlied, daß den Feinden die Arme sanken, -und sie wie in Fesseln lauschen mußten. Über das feindliche Heer hin -brausten die Zauberweisen, und hinter ihnen drein stürmte Helgi, der -glückselige Mann, und schwang das Schwert und mähte die Gebannten -nieder. - -Wodan saß auf seinem Hochsitz und lächelte. Jetzt streckte er die Hand. -Da hob Helgi das Schwert, um einem riesenhaften Feind das Haupt vor die -Füße zu werfen, und schwang das Schwert zu hoch. Ein Schwanenschrei -gellte durch die Luft. Das Zauberlied war verstummt. - -Vor Helgis Füße sank im zerfetzten Fluggewand die Walküre. Im Jauchzen -des Kampfes hatte der Held der Schildmaid nicht acht gehabt und die -Geliebte ins Herz getroffen. - -Tot war sein Liebesglück, zu Ende sein Schlachtenglück. - -Noch immer lächelte Wodan sein seltsames Lächeln. Dann erhob er sich, -hieß den Helden nach Walhall entbieten und Kara seine Wegweiserin sein. - -Im Goldhelm und blauen Königsmantel empfing er den gewaltigen Recken. - -»Auf daß du auch in Walhall ein so fröhlicher Kämpe seist, wie auf der -Walstatt auf Erden, geb ich dir die Hellschimmernde zur Schenkin,« -sprach er und wies ihm seinen Platz unter den besten der Einherier. - -Da lachte Helgi, der Haddingenheld, daß es durch alle Hausungen der -Götter schallte, und führte sein Mädchen stolz an die Tafel der Zecher, -die dem Paare donnernden Heilgruß entboten. - -Wodan aber hatte eines Helden Seele an sich geschmiedet für alle -Ewigkeit. - - - - -Unter den Einheriern. - - -Männer, Männer! war Wodans einziger Gedanke geworden. Männer im Himmel -und auf Erden. Männer der Tat, die wiederum Heldengeschlechter zeugten, -Helden, die durch Tat und Todesverachtung auf Erden schon heranrückten -an die Götter und im Himmel Wodans Söhne wurden. Was sonst brauchte -die Welt, als Männer, wenn die Schicksalsstunde nahte, Männer, die -Mannesehre über alles stellten, bereit allzeit, ihr Leben in die -Schanze zu schlagen, um noch sterbend den feindlichen Mächten Abbruch -zu tun und den Ruhm zu retten. - -Manche seiner Wunschmädchen gebaren den Irdischen Helden; er selber -zeugte auf seinen Wanderungen manches Heldengeschlecht und war anderen -ein väterlicher Freund. Ein Freund jedoch, der sich unerbittlich selbst -bezahlt machte und seine Schützlinge zu der Stunde, die ihm die rechte -schien, auf der Höhe ihrer Kraft oder nach einem schlachtenreichen -Leben, das Tausende nach Walhall gesandt hatte, einholte zu den -Einheriern. So unerbittlich wie das Schicksal, das die Götter bedrohte, -so unerbittlich war Wodan in der Wahl der Mittel, dem unabwendbaren -Schicksal den letzten Ruhm abzugewinnen und, wenn es ihn schon -untergehen hieß, nur als Sieger über die Unheilsmächte unterzugehen. Im -letzten großen Atemzuge noch Schöpfer einer neuen, kommenden Welt. - -Darum war vom Tode gezeichnet, wer Wodans Freund auf der Erde hieß. -Aber auch vom Ruhme bekränzt und durch die Sänger aller Zeiten zur -Unsterblichkeit erhoben. - -Wer aber ein Mann sich fühlte in germanischen Landen, der zögerte -keinen Herzschlag lang und wählte Wodan für sich und seine -Geschlechter. Lieber als ein königlich Volk mit seinen Göttern -untergehen, denn als namenloser Sklave fronen. Und es waren die -Besten Germaniens, die sich als Einherier in Walhall auf Wodans -Bänken sammelten und nach ihrem irdischen Tode noch ihre Namen -ehrfurchtgebietender und strahlender hielten, als alle die lebenden -Weichlinge und Feiglinge zusammen. - - * * * * * - -Da saßen auf bevorzugten Platzen Helden und Heerkönige. Da saß -_Sigmund_ unter ihnen, der Rheinfranken König, der ein Sohn Wolsungs -war und von Wodans Blut. Denn Wodan selbst hatte den Wolsungenstamm -gezeugt in dem Wolsungen-Ahn Sigi, um den Tisch der Einherier zu -schmücken durch die Erziehung von Helden, Geschlechterreihen hindurch. - -Jung war noch Sigmund, als sein Vater Wolsung die Tochter _Signy_ dem -ungeliebten König Siggeir von Gautland vermählte. In der Festhalle -Wolsungs saßen die Männer beisammen, und die Franken und die Gauten -erzählten von der Abkunft ihrer Geschlechter. Plötzlich verstummte -jedes Getön. Ein hochgewachsener Alter, einäugig, in breitrandigem Hut -und blauem Mantel, war unbemerkt von den Wachen in die Halle getreten -und auf den Eichbaum zugeschritten, der mitten in der Halle wuchs und -seinen Wipfel über das Dach breitete. Ein Schwert trug er unterm Arm, -und er nahm es und stieß die Klinge bis ans Heft in den eisenharten -Stamm. - -»Kein besser Schwert als dies! Dem Besten nur gehör es an! Wer es -herauszuziehen vermag, der führe es!« - -Der Einäugige sprach es, blickte sich im Kreise um und ging aus der -Halle, wie er gekommen war, unbemerkt. - -»Wodan, der Wolsungen Stammvater, kam zum Hochzeitsfest,« raunten die -Rheinfranken. Und es herrschte langes Schweigen und seltsames Grübeln -im Saal. Dann aber traten die Männer an den Baum. - -Wolsung packte den Schwertgriff und rüttelte daran. Umsonst. Seine -stärksten Helden nach ihm. Vergeblich. Sein Schwiegersohn, der -Gautenkönig Siggeir zog und riß in wilder Wut. Das Schwert rührte sich -nicht. Sigmund, der junge, trat heran. Mit leichtem Ruck riß er das -Schwert aus dem Stamm und schwang das Aufblitzende durch die Halle. - -Ruhm brachte ihm Wodans Schwert und ein schweres Heldenleben. Siggeir -forderte den Stahl von dem jungen Schwager, der das Begehr lachend -abwehrte. Da lud Siggeir den König Wolsung und seine ganze Sippe -nach Gautland und erschlug sie alle trotz flehentlicher Bitten der -Wolsungentochter Signy, seines Gemahls, bis auf Sigmund, dem er das -Schwert Gram -- das ist »Zorn« -- entwendet hatte. Ihn ließ er im -finstern Wald in eine Erdhöhle werfen, wo er ohne Heldenehre schmählich -verkommen sollte. Signy aber liebte den strahlenden Bruder Sigmund so -heiß, daß sie sich nächtens heimlich zu ihm schlich und ihn tränkte -und pflegte und koste. Und sie schenkte ihm einen Knaben, der hieß -_Sinfiötli_, und Sigmund und Sinfiötli lebten im Walde wie die -Werwölfe, unbändig, furchtlos und riesenstark, bis Sigmund die Stunde -für gekommen erachtete, nach Germanengebot Blutrache zu nehmen an dem -Mörder seines Vaters Wolsung. - -Der erste Anschlag mißglückte. Siggeirs spielender Knabe entdeckte die -wilden Männer hinter einer Mettonne, und der König ließ die Beiden -einmauern wie wilde Tiere, beider Gelaß durch einen Felsen voneinander -getrennt. Noch einmal kam Signy, Sigmunds Schwester, bei der Nacht. -Sie kam bis an die Grube ihres Sohnes Sinfiötli und ließ hastig einen -Strohbund hinuntergleiten. Als der riesenstarke Knabe ihn öffnete, -fand er darin Sigmunds Schwert Gram. Er packte es beim Knauf, setzte -die Spitze gegen die trennende Felswand und drückte, daß ihm die Adern -an den Schläfen zu platzen drohten. Da schnitt das Schwert durch den -Felsen, und der Sohn drückte, bis der Vater es in seiner Grube an -der Spitze zu fassen kriegte, und nun sägten Vater und Sohn mit des -Schwertes Schärfe den Felsen durch, bis sie zueinander kriechen und -Sigmund auf Sinfiötlis Schultern aus der Grube steigen konnte. Dann zog -Sigmund den Sohn am Schwerte hinaus. - -Durch die Nacht schritten sie zur Halle König Siggeirs und legten Feuer -an. An der Tür des flammenumlohten Hauses hielten sie mit dem Schwerte -Wacht, daß nichts Lebendiges heraus konnte. Nur Signy, die Königin, -riefen sie. Aber die Königin wehrte der Rettung. - -»Im Leben durfte ich Wolsungs Tochter sein und auf Blutrache für den -Vater bedacht. Im Tode gehör ich an meines Mannes, des Königs, Seite, -ob ich ihn liebe oder nicht.« - -So entgegnete die königliche Frau und starb den Flammentod mit König -Siggeir und seiner ganzen Sippe. - -Heim segelte Sigmund an der Spitze eines Heeres und gewann mit -Waffengewalt das Land der Wolsungen zurück. Mit der Königstochter -_Borghild von Bralund_ vermählte sich König Sigmund, und sie gebar ihm -einen Sohn, _Helgi_, als Sigmund, wie immer, auf Heldenfahrten war. -Und Wodan sandte seine Raben, dem Knaben der Wolsungen Kriegsglück zu -weissagen. Fünfzehn Lenze zählte Helgi, als er mit seinem Stiefbruder -Sinfiötli auszog gegen König Hunding, der Wolsungen Erbfeind und -Länderräuber, und ihn mit eigener Hand in der Schlacht erlegte. _Helgi -Hundingstöter_ riefen ihn seitdem die Helden, und die Sänger sangen -seinen Namen. - -Die Hundingssöhne begehrten Buße von Helgi für den Vatermord. -»Gewärtigt wilde Wetter, graue Gere und Wodans Gram!« ließ der junge -Fürst ihnen vermelden und rückte mit einem Heere gegen die Stürmenden -an. Unbekümmert um den Hagel der Gere und Pfeile rückte er vor. Über -seinem Haupte war ein Rauschen wie von Schwanenflügeln. Neun Walküren -schwebten schirmend über ihm, von der Schildmaid _Sigrun_ geführt. Da -schüttelte Helgi seine Locken und jauchzte Sigrun zu und brach wie ein -Wolf in die Feinde, erschlug ihren Bannerträger und die meisten der -Hundingssöhne. - -[Illustration: »Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die -Walstatt.«] - -Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die Walstatt. Sein Arm lag -um Sigrun, die Schildmaid. - -»Ich liebe dich,« sagte er, und sie antwortete ihm: »Auch ich liebe nur -dich. Doch bin ich dem König Hödbrod angelobt, der mich jenseit der See -erwartet. Hilf mir von ihm.« - -Da sammelte Helgi Hundingstöter sein Heer zum anderen Male und stieß -die Drachenschiffe ins Meer und fuhr aus um sein Liebesglück. Das -sah des Seebeherrschers Ägir wildes Weib Ran, und sie sandte ihre -Wogentöchter aus, die die Schiffe auf den Rücken nahmen und das -Fürstenschiff hoch zu den Wolken werfen sollten, um es als Wrack -hinabzuziehen. Schon hatte die leichengierige Ran ihre Klauen in den -Schiffsrand geschlagen, um die Helden zu schlingen, da war ein Rauschen -über den Masten wie von Schwanenflügeln, und Helgi Hundingstöter -blickte empor und gewahrte die neun Walküren, von Sigrun stürmisch -geführt. Und die Schildmaid schlug der rasenden Ran das Schiff aus -der Hand und brachte den Helden mit seinem ganzen Heere glücklich an -Land. Eine furchtbare Schlacht entbrannte. Mit König Hödbrod und seinen -Brüdern ritt und stritt auch König Högni, der Vater der Schildmaid. -Aber Helgi Hundingstöter, von Sinfiötli geleitet, durchbrach den Keil -des feindlichen Heeres, erschlug König Hödbrod und seine Brüder, -erschlug auch König Högni und schonte nur Högnis Sohn Dag. Sinfiötli -aber würgte die anderen Häuptlinge, daß sie nimmer die Sonne sahen. - -Auf der blutigen Walstatt traf Helgi Hundingstöter Sigrun. Ob ihr -auch über den Tod ihres Vaters die Tränen aus den Augen stürzten, sie -kränzte den Sieger und gab sich ihm, auf ihr Walkürenkleid für immer -verzichtend, als Weib. Nie war ein glücklicheres Paar in nordischen -Landen. - -Dag aber, Sigruns Bruder, flehte Wodan an um Vaterrache. Und Wodan -gedachte der Wolsungen und gedachte seiner Einherier. Da lieh er Dag -seinen Todesspeer Gungnir, und Dag lauerte Helgi im Walde auf und -rannte ihm den Todesspeer durch den Rücken. - -Unstillbar war Sigruns Schmerz um den Heißgeliebten. Sie richtete ein -Lager in der Grabkammer, breit genug für sich und ihren abgeschiedenen -Helden, und saß am Hügel und weinte blutige Tränen. Um Mitternacht -klirrte es von Waffen in der Luft. Aufgeweckt, sah sie Helgi -Hundingstöter mit großem Geleite durch die Lüfte niederreiten und sah -den Geliebten die Grabkammer betreten. Da warf sich Wodans einstige -Schildmaid dem Heimgekehrten ans Herz und küßte ihm Augen, Mund und -Hände. Und Helgi sprach: »Deine Tränen haben mich aus Wodans seligem -Saal zurückgerufen. Sie brennen mir wie Feuertropfen auf der Brust, daß -ich mit den Helden Walhalls nicht fröhlich werden kann. Warum weinst -du so sehr, da dein Geliebter der Ewigkeit Ruhm gewann?« Und Sigrun -schmiegte sich an sein Herz und sprach: »Nun will ich nie mehr klagen -und still bei dir liegen.« - -Als fahl der erste Frühschein über den Himmel glitt, schied Helgi -Hundingstöter für immer und jagte frohgemut mit seinen Begleitern gen -Walhall zurück, von Wodan freudig empfangen. Sigrun aber legte sich -zum Sterben und lag in der Kammer angeschmiegt an den irdischen Leib -ihres toten Gemahls. -- - -Sinfiötli hatte inzwischen nicht gefeiert. Während Vater Sigmund zu -Ehren Wodans auf Wikingsfahrten war, hatte auch er Kämpfe auf Kämpfe -bestanden und, um Hand und Kronland einer Königin zu gewinnen, seiner -Stiefmutter Borghild von Barlunds Bruder im Zweikampf erschlagen. Rache -schwur ihm Sigmunds Weib, Buße an Leib und Leben. Doch Sigmund kehrte -heim und wehrte ihr und erklärte sich bereit, selber Buße zu zahlen, -auf daß Sinfiötli, den er brennend liebte, frei sei. Da mußte sich die -Königin zufrieden geben, aber beim Leichenmahl für den erstochenen -Bruder reichte sie Sinfiötli im Trinkhorn vergifteten Met. Dreimal -weigerte sich Sinfiötli zu trinken, und Sigmund, dem keinerlei Gift -Schaden tat, trank ihm zu. Da trank auch Sinfiötli und stürzte tot zu -Boden. - -Aufheulte Sigmund vor Weh. Sein Weib verstieß er, und den Sohn, den -Gefährten aus wilden Wolfstagen, nahm er in die Arme und irrte durch -das Land, bis er zur Nachtzeit an einen breiten Strom kam. Dort fand -er einen Fergen warten, einen einäugigen Alten in blauem Mantel und -breitrandigem Hut. Der nahm die Heldenleiche in sein Schiff, aber dem -klagenden Vater wehrte er den Zutritt und führte das Schiff schnell -über den dunklen Strom. - -Lange starrte Sigmund in die Dunkelheit. Er wußte, daß es Wodan war, -der Wolsungen Ahn, der den Helden Sinfiötli der grausamen Hel entführte -und ihn nach Walhall an die Tafel der Einherier brachte. Da wurde sein -Gemüt fröhlich. Und so alt er war, er ritt aufs neue und ritt in des -Königs Eylimi Land, dessen Tochter _Hiördis_ die schönste aller Frauen -war, und warb um ihre Hand. Mit ihm aber warb auch der König Lyngi, ein -Hundingssohn. Die schöne Hiördis wählte nicht lange, sie wählte den -Ruhmgekrönten trotz seines Alters und wurde König Sigmunds Eheweib. - -Wutbebend sammelte Lyngi, der Hundingssohn, ein Heer und überfiel -Sigmund in seinen Landen. Der ließ schleunigst Weib und kostbarste -Habe in den Wald schaffen und drang an der Spitze seiner Mannen der -Übermacht entgegen. Silberweiß flog ihm das Haar im Wind. Aber sein -Arm schwang das Wodansschwert Gram, und wo der König Sigmund den -Seinen voranschritt, da bahnte er eine blutige Gasse, und immer weiter -watete der Wolsung, alles niederschmetternd, durch das Blut. Schon war -der Sieg sein, da trat ihm ein alter Kämpe entgegen, einäugig, in -breitrandigem Hut und blauem Mantel. Der fällte den Speer gegen ihn, -und König Sigmunds Schwert zersprang an dem Speer in Stücke. Mit allen -seinen Helden wurde Sigmund im Kampfe erschlagen. Wodan selbst hatte -ihn nach Walhall entboten. - -Ein Kind Sigmunds trug Hiördis unter dem Herzen. Als es zur Welt kam, -war es ein goldblonder Knabe von schlankem Wuchs, und sie nannte ihn -_Sigurd_. Noch war Sigurd ein Knabe, als er ein Roß verlangte, das -er sich unter den Hengsten aus der Weide wählen durfte. Ein alter -Mann kam über die Weide, einäugig, in blauem Mantel und breitrandigem -Hut. Der trieb die Rosse in den vorüberrauschenden Strom, aber nur -ein junger Grauhengst schwamm quer hindurch, die anderen schwammen -das Ufer entlang. »Den nimm,« riet der Einäugige. »Er stammt von -Sleipnir, dem Hengste Wodans.« Da nahm ihn Sigurd und nannte ihn nach -seiner grauen Farbe Grani. Auch ein Schwert forderte er, und als sein -kräftiger Arm jede Klinge am Amboß zerschlug, gab ihm die Mutter die -Stücke des Wodanschwertes Gram, das Erbe seines Vaters Sigmund, und ein -kunstreicher Zwerg schmiedete ihm daraus aufs neue eine unbesiegbare -Waffe. Dann rüstete Sigurd Drachenschiffe und fuhr mit einer Schar -auserwählter Männer ins Reich der Hundingssöhne, als echter Wolsung -zuerst Blutrache zu nehmen für den erschlagenen Vater Sigmund. - -Stürmisch war die See und gefahrvoll die Fahrt. Aber da war der alte -Einäugige wieder, der sprang in Sigurds Schiff und steuerte es sicher -durch den Wogenbraus und lehrte den feurigen Jüngling auf dem Wege -tiefe Geheimnisse der Kriegskunst. Kaum, daß Sigurd erwarten konnte, an -Land zu gelangen. - -König Lyngi, der Hunding, zog dem Wolsung entgegen. Eine mörderische -Schlacht hob an, bis Sigurd, alles niedermähend, zum Banner König -Lyngis drang und im furchtbaren Zweikampf mit seinem Schwerte Gram den -Hunding vom Wirbel bis zum Sitz in zwei Teile spaltete. - -Allein zog er weiter auf Abenteuer und erlegte auf ragendem Rheinfelsen -den Drachen Fafnir, den Hüter der Schätze, die einst die drei -wandernden Götter Wodan, Hönir und Loki einem Riesen als Buße für den -irrig erschlagenen Sohn geleistet hatten, und er aß das Drachenherz und -trank das Drachenblut und verstand mit einem Male die Stimme der Vögel, -die von der allerschönsten Maid sangen, von Brynhild, der Wunschmaid -in der wabernden Lohe. Wie lachte da Sigurds Jünglingsherz. - -Auf seinem Hengste Grani, das gute Schwert Gram an der Seite, ritt er -durchs Land, bis er den Feuerschein gewahrte, und sprengte furchtlos -durch die Flammen, die über seinem Haupte zusammenschlugen, und -gelangte zu der schönen Schlafenden, die er erschauernd auf den Mund -küßte. »Sigurd bin ich, der Wolsung! Wach auf, Brynhild, und werde mein -Weib!« - -Mit staunenden Augen richtete sich Brynhild empor. - -»Ein Furchtloser ist gekommen, ein Furchtloser! Allvater sei Dank für -meine Erlösung!« - -Und sie legte dem liebeglühenden Jüngling beide Arme um den Hals und -erzählte ihm von ihrer Herkunft und ihrem langen Harren, und sie -tauschten heiße Schwüre und verlobten sich einander. - -Noch einmal wollte er vor der Hochzeit in die Welt, Heldenruhm -heimzubringen, und er kam auf seiner Fahrt zu König Gibich, der drei -Söhne besaß und eine Tochter. Die Königin aber wünschte sich den -herrlichen Helden zum Eidam, denn seine Kraft erschien ihr gefährlich -für das Reich und sein reiches Goldgut angenehm für des Hauses Schatz. -Einen Vergessenheitstrunk gab sie Sigurd zu trinken, also, daß er -Brynhild vergaß und die Gibichentochter zum Weibe nahm. Als dann der -alte König Gibich gestorben war, wünschte der junge König die schöne -und reiche Brynhild zu freien, und Sigurd, der nichts mehr wußte von -seinem einst beschworenen Verlöbnis, ließ sich bereden und tauschte mit -dem König die Gestalt und gewann ihm Brynhild. Das tat er zu seinem -Verderben. - -Die stolze Wunschtochter Wodans, das Weib des Gibichensohns, kam hinter -den Betrug. Denn ihr Gatte war lässig, und Sigurd erfüllte die Lande -mit seinen Heldentaten. Ein Streit brach aus zwischen der Stolzen und -Sigurds Weib, und Brynhild, die verhöhnte, beschloß Sigurds Tod. Da -ging sie hin und warb einen Getreuen. Und der Getreue fragte nicht -viel und nahm einen Speer und stieß ihn Sigurd, der Brynhild vergessen -hatte, in den Rücken. - -Die stolze Schildmaid aber hatte Sigurds nicht vergessen. Als der -Holzstoß lohte, der des Helden Leiche trug, warf sie sich zu Sigurd -in die Flammen, barg sein Haupt an ihrer Brust und starb, ihren -furchtlosen Erwecker in den Armen. -- - -Hochgefeiert saßen die Wolsungen, die Helden vom Rhein, saßen Wolsung -und König Sigmund, saßen Helgi, der Hundingstöter, Sinfiötli und -Sigurd Drachentöter unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die -Nordmänner Odin nannten. - - * * * * * - -Da saß der Dänenkönig _Harald Hildetand_, das ist »Eberzahn«. Blutjung -war er mit seinen Drachenschiffen ausgefahren, um sich in Dänemark, -seines Vaters Landen, die Krone aufs Haupt setzen zu lassen, als ein -wütender Seesturm ihn überfiel und seine Krieger verzagten. Harald -Hildetand verlor den Mut nicht einen Pulsschlag lang. Laut rief er -Wodan an und weihte sich ihm und sein ganzes Heer, wenn Walvater einst -sein irdisch Werk für abgeschlossen erachte. Und als er aufblickte -- -siehe da stand ein einäugiger Alter in Wetterhut und Wettermantel am -Steuer, und das Schiff flog wie ein Falke über das Meer und in den -dänischen Hafen. - -Gekrönt war Harald, der Eberzahn, von den glücklichen Dänen. Hildetand, -Eberzahn, nannten sie ihn, weil ihm zwei schimmernde Schneidezähne -wie Eberzähne wuchsen. Aber die Schweden, die das Land widerrechtlich -in ihrem Besitz gehalten hatten, wollten es nicht leichten Kaufes -aufgeben, sondern zogen ein so übermächtiges Heer zusammen, daß der -Dänenschar graute. Wieder rief der junge König Wodan an und weihte ihm -sein Leben aufs neue. Und aus der Reihe der Krieger trat der Einäugige -im blauen Mantel und trat heimlich belehrend zu Harald Hildetand und -stellte das Kriegsvolk keilförmig auf in Gestalt eines Eberrüssels. Den -Schild warf der junge Held hinweg, packte in jede Hand ein Schwert, -sprang an die Spitze des Keiles und ließ die Hörner blasen. Und der -Keil drang in das Schwedenheer und dehnte sich und sprengte es in -Fetzen auseinander. Und vorn an der Spitze schritt Harald Hildetand -und schnitt mit seinen Schwertern wie mit Sensen nach links und rechts -die Garben und weihte die Haufen der Toten Wodan. Das war für Walvater -willkommene Beute. - -Hundert Kriegszüge und Wikingsfahrten unternahm Harald Hildetand Wodan -zu Ehren, und fünfzig Jahre der Regierung schenkte ihm Allvater. -Dann aber wünschte er den Helden zu holen. Er nahm die Gestalt von -Harald Hildetands vertrautestem Manne an, dem Ratgeber Brugi, der mit -einer Geheimbotschaft zu Haralds Neffen Sigurd Ring gefahren und auf -der Reise ertrunken war. Harald Hildetand selbst hatte den tapferen -Neffen zum König über Schweden eingesetzt. Als Brugi kehrte Wodan nach -Dänemark zurück und säete Feindschaft zwischen Harald Hildetand und -Sigurd Ring, die nur das Schwert lösen konnte. Sieben Jahre rüsteten -Schweden und Dänen zum Entscheidungskampf, so groß war der Haß -geworden und der glühende Wille, den anderen für immer zu vernichten. -Und nach sieben Jahren trafen sich die Heere aus dem Brawallafeld in -schwedischen Südlanden. - -Blind war König Harald Hildetand geworden von der Zahl der Jahre und -ein Greis. Kein Roß vermochte er mehr zu besteigen. Aber auf einen -Schlachtwagen ließ er sich heben und hob das Schwert. »Vorwärts, ihr -Dänen! Vorwärts mit Wodan!« Da rannten seine Dänen an. - -»Ich höre ihr Jauchzen nicht mehr,« murmelte der blinde Greis nach -einer Weile. »Wie kämpft der Feind?« - -Und Brugi, der neben ihm hielt, erwiderte lachend: »Er kämpft in der -Keilform des Eberrüssels!« - -Harald Hildetand fuhr zusammen. Nur ihm und Wodan war dies Geheimnis -der Schlachtordnung bekannt. Der da zu ihm sprach, war nicht Brugi, -es war Wodan selber. Wodan rief ihn. Und er hob das blinde Haupt und -machte sich ruhig zum Sterben bereit. - -Der Friese Ubbi jedoch, Harald Hildetands treuster und tapferster Held, -wollte nichts vom geruhigen Sterben wissen. Wie ein Berserker warf -er sich mit seiner mächtigen Streitaxt in den schwedischen Keil und -zerspaltete die Schädel und Rückenwirbel, als spalte er Eichenklötze. -Dreimal schlug er hin und zurück eine dampfende Bahn aus Blut, Gehirn -und Knochen und jauchzte Harald Hildetand »Heil!«, wenn er zurückkam. -Zu Dutzenden ließen die Schwedenhäuptlinge ihr Leben, schon wandten -sich Heeresteile zur Flucht. Da befahl Sigurd Ring seinen sämtlichen -Bogenschützen, nur auf den Friesen zu zielen, und von den Pfeilen -gefiedert wie ein Aar stürzte Ubbi, der getreueste Mann, zusammen und -hauchte seine Seele aus. - -Harald Hildetand vernahm die Botschaft. Hochaufgerichtet gab er seinen -Wagenrossen die Zügel frei, daß sie ihn mitten in die Feinde führten. -Blinden Auges mähte er, wie als Jüngling in jeder Hand ein Schwert, -nach links und nach rechts in die Feindeshaufen. Da sprang Wodan in -Brugis Gestalt auf den Wagen und zerschmetterte mit einem Streitkolben -Harald Hildetands Haupt. Keine fremde Hand sollte die Silberlocken -seines Schützlings berühren. »Dank dir, Wodan,« lächelte sterbend der -König. - -Hochgefeiert saß König Harald Hildetand, der Däne, unter den Einheriern -an der Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. - - * * * * * - -Da saß auch ein anderer Dänenkönig, _Hrolf Kraki_. Der hatte, als er -erst zwölf Jahre zählte, die Größe und Kraft eines erwachsenen Mannes -und wurde darum Kraki, die »Stange«, zubenannt. In heißer Jugendlust -schwur er mit zwölf seiner tapfersten Recken zu Wodan, daß sie jeden -Kampf gemeinsam bestehen und nur zusammen sterben wollten. Das hörte -Walvater gern, denn er gedachte seiner Einherier. - -Da wurde Hrolf Krakis Name berühmt in allen Meeren, die er auf -Wikingsfahrten durchzog, und in allen Landen, die er eroberte und sich -zinspflichtig machte. Er war ein Held nach Wodans Sinn. - -Einmal aber war's, daß er nach Upsala in Schweden zog, eine alte Buße -einzufordern für den Vater, den die Schweden dort einst erschlagen -hatten. Sein Heer litt Hunger und Durst, und nirgend war Herberge. -Plötzlich stand ein Gehöft vor ihnen, und ein Bauer, Hrani geheißen, -lud sie zu sich ein. Aber als die Hungernden und Durstenden sich -gelagert hatten, entzog ihnen der Bauer Speise, Trank und Herdfeuer -und beriet den König, nur die mit sich zu führen, die diese Probe ohne -Murren bestanden hätten. Da waren es nur die zwölf Eidgesellen, und -Hrolf Kraki ritt mit seinen Zwölfen weiter an des Schwedenkönigs Hof, -der sie in ihrer Herberge ohne Brot und Wasser einmauern ließ und -nach qualvollen Tagen Feuer an das Gebäude legen ließ. Hrolf Kraki und -seine zwölf Gesellen besannen sich nicht lang. Sie warfen sich mit der -Wucht ihrer Körper, als wäre es nur ein einziger Körper, gegen die -Wand, daß die Mauer zusammenbrach und sie ins Feuer, aber auch ins -Freie stürzten. Ein furchtbares Blutbad richteten die Wilden unter den -Schweden an und kehrten, mit Schätzen beladen, zum Gehöft des Bauern -Hrani zurück. - -Hrani blickte sie strahlend an. Und er holte ein altes Gewaffe hervor, -ein Schwert, einen Schild und eine Brünne, und bot alles dem König -Hrolf Kraki als Gastgeschenk. Aber der Übermütige wies das uralte -Gewaffe lachend zurück. - -»Unweise bist du,« zürnte der Bauer, »du wirst es zu spät erkennen,« -und er kündigte ihnen die Herberge auf. - -Als König Hrolf mit seinen zwölf Gesellen nun durch die dunkle Nacht -ritt, erkannte sein Geist, daß der Bauer Hrani Wodan selbst gewesen -war, der ihm mit geweihten Waffen ein langes Leben verleihen wollte, -und er wandte sein Roß und sprengte zurück. Wie er aber auch suchte, -Gehöft und Bauer blieben verschwunden. Nun wollte Wodan sein Leben -früher als bisher. - -In Dänemark saß Hrolf Kraki und regierte ohne Krieg. Da gedachte seiner -Schwester Mann, es sei an der Zeit, die Krone zu stehlen, und er kam -mit einem unabsehbaren Gefolge und lud sich bei ihm freundlich zu Gast. -In der Nacht aber ließ er alles Lebendige in der Burg niedermetzeln, -und nur den zwölf Eidgesellen gelang es, sich zur Schlafkammer ihres -Königs durchzuschlagen. Noch einmal tranken sie wie in Jugendtagen aus -demselben Horn sich zu und erneuerten den alten Schwur. Dann warfen sie -sich singend auf den Feind, erschlugen die Hälfte und sanken erst zu -Tode, als keine heile Stelle mehr an ihrem Körper war. - -Trunken lehnte der Verräter auf König Hrolf Krakis Thron. »Ist noch ein -Mann übrig von meines Schwähers Gesindel?« Und die Tür öffnete sich, -und ein alter einäugiger Kämpe trat herein. Der sprach: »Hier ist noch -einer,« und stieß ihm das Schwert durch den Hals. -- - -Hochgefeiert saß der Dänenkönig Hrolf Kraki unter den Einheriern an der -Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. -- - - * * * * * - -Da saß auch ein Schwedenheld, König _Beowulf_. Abenteuerlustig und -furchtlos war er gewesen, wie kaum ein anderer. Dem Stamm der Wägmunde -gehörte er an, die ihren Stammbaum bis auf die Götter führten. Und eine -Tat, der Götter würdig, hatte er getan. - -Von dem scheußlichen Meerriesen _Grendel_ ging zu jener Zeit erneut -Gerücht durch alle Lande. Der Dänenkönig Hrodgar hatte nahe dem Meere -eine herrliche Halle aufführen lassen für Helden und Sänger, und -Lachen und Lebensfreude scholl weit über die Wasser. Da tappte bei -Nacht aus den Nebeln der Meere lüstern der Meerriese Grendel hervor, -und das Ungeheuer würgte dreißig der sorglos schlafenden Helden und -schleppte die Leichen in sein Versteck. Nacht für Nacht schlich er auf -Nebelschuhen in den Saal, kein Stahl ritzte seine Haut, kein Männerherz -konnte ihm widerstehen. Verödet lag die herrliche Halle bald, und wer -sie betrat, der wurde bei Nacht erwürgt und ausgesogen. Laut jammerte -das dänische Volk und rief nach dem Retter. - -Das hörte der starke Beowulf in Schweden, der nichts von Gruseln -kannte und nur das Zupacken, wie es der Donnerer liebte. Als halber -Knabe noch hatte er fünf Tage und Nächte ohne Unterbrechung schwimmend -im Meere zugebracht, um Abenteuer zu bestehen, auf dem Meeresgrunde -Wasserungetüme erlegt und von den nadelspitzen Klippen neun -Wassermänner heruntergestochen, bis ihn eine Woge glücklich wieder ans -Land geworfen hatte. Nun zog Beowulf in seiner stärksten Manneskraft -aus, den scheusäligen Unhold Grendel zu bekämpfen, und er nahm vierzehn -unerschrockene Männer mit sich. - -Da des Meerriesen Haut kein Stahl durchdrang, so beschloß der kühne -Schwede, ihm waffenlos und nur mit den bloßen Fäusten zu begegnen. -Seine Gefährten schliefen in der Halle, die der Dänenkönig Hrodgar mit -allen seinen Helden und Höflingen am Abend verlassen hatte. Beowulf lag -zwischen den Seinen mit wachen Augen. Dunkle Nebel stiegen vom Moor -und Sumpf und schlichen wie Pesthauch ins Gemach. Das war Grendels -Atem. Jetzt tappte er selbst heran, zerbrach den Türriegel, schlürfte -in den Saal, ergriff den ersten der Schlafenden, riß ihn in Stücke -und sog das Blut aus. Jetzt griff er mit der Krallenhand nach dem -zweiten. Der zweite war Beowulf. Blitzschnell packte Beowulf zu und -packte so furchtbar stark, daß er dem Ungetüm alle Finger der Hand -zerbrach. Brüllend wollte der Meerriese fliehen, aber Beowulf hielt -fest. Aus dem Saale wollte Grendel, aber Beowulf stemmte den Fuß -gegen die Mauer und hielt des Riesen Handgelenk in seinen Fäusten -wie in einem Schraubstock. Da rissen des Riesen Achselsehnen von der -übergewaltigen Anstrengung, der Arm riß in der Wurzel aus und blieb mit -der Riesenfaust in Beowulfs Händen. Der nagelte die Faust unter dem -Jubel der erwachten Gefährten an die Saaldecke, während der Riese, der -sich hastig verbluten mußte, durch den Nebel taumelte und schwand. - -Ein großes Gelage gaben die fröhlichen Dänen dem siegreichen Kämpen -und füllten ihm und seinen Gefährten die Schilde mit Gold. Die Nacht -über blieben alle und dachten nicht mehr an die Furcht, als sie sich -auf die Polster streckten. Aber da tappte im Nebel Grendels Mutter -einher, ein wölfisches Ungeheuer. Mit stickigem Atem kam sie, den Tod -des Sohnes zu rächen, und ergriff und zermalmte einen der dänischen -Edelinge. Vom wilden Waffenlärm erschreckt, entfloh die Mörderin in -ihren Unterschlupf. - -Beowulf verfolgte ihre Spur. Immer unheimlicher wurde der Weg, immer -schauriger der Wald, immer sumpfiger der schwankende Boden, den das -Meer unterhöhlte. Feuerflammen tanzten auf den Fluten, ekelhaft Gewürm -spreizte sich auf den Klippen, Riesenkrebse und boshafte Nixe. Hier war -der Eingang zu Grendels Behausung, und Beowulf tauchte ohne Zögern -in die Schrecken der See. Sofort fiel ihn mit Scheeren und Zangen das -Wassergetier an, aber seine gute Brünne widerstand, und er tauchte -tiefer zu Grund. Jetzt packte ihn die Wölfin, Grendels Mutter, bei den -Beinen und schleifte ihn in eine wasserleere Grotte. Aufsprang der -Held und warf sich mit Macht auf das geifernde Wolfsweib. Aber seine -Kräfte ließen nach, und schon schien es, als müsse er der rasenden -Unholdin erliegen. Ein Riesenschwert erblickte er an der Wand. Er riß -es herunter und stach nach der Wölfin. Die scharfe Spitze ritzte nicht -ihre Haut. Da überkam ihn der Berserkerzorn, und er packte das Schwert -bei der Klinge und holte aus und zerschmetterte mit dem Knauf der -wölfischen Riesin das Rückgrat, daß sie winselnd verendete. Und nun -gewahrte er auch den Körper des toten Grendel und schnitt ihm den Kopf -ab und stieg nach mühseligem Suchen und Wandern vom Meeresgrund auf zu -den stürmisch jubelnden Gefährten. - -Heimgekehrt nach Schweden, verübte er als hochsinniger König viele -Heldentaten bis in sein Alter, und die letzte war, daß er, der Greis, -einen menschenmordenden Drachen erlegte, den die Jünglinge und Männer -flohen. Den überreichen Hort schenkte er den Schweden als letzte -Königsgabe. Er selbst aber verschied an den Wunden des Kampfes und -wurde zu Hronesnäß auf dem Holzstoß verbrannt, während aller Augen -weinten. Über seiner Asche ward ein gewaltiger Hügel getürmt, und als -Beowulfs Burg blickte das Heldenmal über die See, allen Wikingen ein -ehrfürchtig Zeichen. -- - -Hochgefeiert saß der Schwedenkönig Beowulf unter den Einheriern an der -Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. -- - - * * * * * - -Da saßen auch die Norwegerkönige _Harald Harfagar_, das ist Harald -Schönhaar, und _Erik Blutaxt_ und _Hakon der Gute_, die Haraldssöhne. -In einem Meer von Blut hatte Harald Harfagar den Übermut der -norwegischen Großen erstickt und mit fester Faust ein norwegisches -Reich unter seinem Zepter errichtet. In einem Meer von Blut hatte des -Schönhaars Sohn, Erik Blutaxt, gewatet, bis er aus dem Lande weichen -mußte und auf wilder Wikingsfahrt in England ein neues Reich gewann. In -neuem Kampf gegen Englands König fiel er und nahm fünf Könige mit in -den Tod und tausende von Mannen. Wodan selbst befahl, ihn festlich zu -empfangen, Bragi, der Dichtergott, griff begeistert in die Saiten, und -König Sigmund vom Rhein erhob sich mit Sinfiötli, seinem Sohn, Erik -Blutaxt entgegenzugehen. - -»Nur eins sage mir, Wodan,« bat König Sigmund, »weshalb nahmst du dem -blutigen Erik den Sieg, da er dich doch der kühnste der Könige dünkt?« - -Da sprach Wodan und sah ihm fest in die Augen: »Weil es ungewiß ist, -wann der graue Wolf zum Sitze der Götter kommt.« - -Und Sigmund wußte, daß Allvater vom heulenden Fenriswolf und vom -letzten Kampfe gesprochen hatte und schritt mit Sinfiötli zum Tor und -bewillkommnete jubelnd Erik Blutaxt und die fünf Könige, die ihm folgen -mußten, und den Heerbann der Helden. - -Und wieder stand Wodan aufhorchend in Walhall und wies Bragi an, den -Dichtergott, und Hermod, den Götterboten, vors Tor zu schreiten und den -Haraldssohn Hakon festlich zu empfangen. Abgeirrt von den alten Göttern -war Hakon, als er an seines Bruders Erik Statt das Zepter von Norwegen -ergriff, aber heimgefunden hatte er vor der letzten Schlacht zu dem -Glauben an Wodan. Darum wollte ihn Allvater besonders ehren. Seine -Walküren sandte er auf die rauchende Walstatt, auf der König Hakon mit -den Erikssöhnen rang, die aus England heimgekehrt waren, und alles -Volk kämpfte für seinen König, den es um seiner Guttaten willen liebte. - -König Hakon rief zu Wodan und hörte die Walküren rauschen. Und er hörte -ihr Jauchzen: »Nun wächst der Götter Glück, weil die Waltenden Hakon -mit einem großen Heere zu sich heim entboten.« - -Siegreich blieb König Hakon in der Schlacht, aber von Wunden bedeckt, -lag er auf dem Schilde. Freunde und Feinde umdrängten den Sterbenden, -um noch einen Blick aus seinen Augen zu erhaschen, der der beste König -war in Norwegen, und kein besserer war nach ihm. - -Blutbespritzt stand der König mit seinen Mannen an der Pforte Walhalls, -von Hermod geleitet, von Bragi mit Heldenliedern begrüßt. - -»Helme und Brünnen wollen wir anbehalten und das Schwert nicht von uns -tun,« sprach der König zu Wodan. »Es ist gut, bereit zu sein.« Und -Wodan nickte, denn er kannte die Nähe der Stunde. - -Hochgefeiert saßen Norwegens Könige, Harald Harfagar, Erik Blutaxt -und Hakon der Gute, unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die -Nordmänner Odin nannten. -- - - * * * * * - -Noch einer aber saß unter dem Hunderttausend. Der war aus Westfalenland -und hieß _Hermann, der Cherusker_. In Germanien war er aufgestanden, -als es keinen Mann gab, die deutschen Gaue von der alles erdrosselnden -Römerherrschaft zu befreien. Er, der Einzige, rief die hadernden -Stämme zusammen und rief den Mannesmut und den Heldenzorn an in den -erloschenen Gemütern. Er, der Einzige, zeigte den verzagten Deutschen, -was Schwerter wert sind in der Hand von Männern, denen die Ehre lieber -ist als das Leben. Und sie ballten sich zusammen und erschlugen im -Teutoburger Wald das römische Heer, mehr denn zwanzigtausend Mann. Der -Befreier des Vaterlandes wurde der Cheruskerfürst und ward zum Dank von -Neidlingen erdolcht. -- - -Auf dem Ehrenplatz an der Einheriertafel in Walhall saß Hermann, der -Cherusker, und keinen liebte Wodan wie ihn. -- -- - - - - -Um Baldur. - - -»Gut ist's, bereit zu sein.« - -Am Tische der Einherier war das Wort gefallen. Wodan wußte es lange. -Und er wußte die Vorzeichen, die das Nahen der Stunde kündigten. Wenn -das volle Licht getötet wird von der blinden Nacht, wenn der sonnenlose -Winter die Lichtzeiten Frühling und Sommer vernichtet haben wird. - -Noch lebte der Gott des lachenden Frühlings und der Sommerhöhe, noch -lebte Baldur, der fleckenlose. Auf seiner himmlischen Burg Breidablick, -dem Breitglanz des Himmels, lebte er mit seinem süßen Weibe Nanna, -die da war wie eine Blume zwischen Blüte und Frucht, und das Glück -der Wärme ging von ihm aus. Alle liebten sie ihn, die Götter wie die -Menschen, und selbst die Riesen der Eisländer waren ihm zugetan, da -auch sie seines Lichtes und seiner Wärme bedurften. Lebensfröhlichkeit -war, wo Baldur erschien, selige Hoffnung, Liebe zur Arbeit, Glaube an -eine höhere Welt. Die Menschen hoben die Häupter, blickten lächelnd in -das Licht und ließen ihren Arbeitsgeist bestrahlen zu höheren Dingen. -Da wuchs aus dem Werktag der Feiertag und aus dem Feiertag wuchsen die -Künste, die wiederum den Werktag veredelten, und Baldur war es, der -allen Empfindungen des Geistes und der Seele zur höheren Weihe verhalf. - -Solange Baldur lebte, wuchs die Welt und in der Welt die Gesittung. - -Nun war es seit etlicher Zeit, daß Baldur am Tage schwermütig -dahinschritt und in der Nacht von beängstigenden Träumen zerquält -wurde. Schnell merkten es die Götter, denn das glückliche Lachen tönte -nicht mehr von Breidablick über Asgards Fluren hin, bald merkten es -auch die Menschen, denn der Frühling kam karg und der Sommer ohne -Freude, und selbst die Riesen spähten unruhig nach dem bißchen Licht -und Wärme ihres Himmels aus. Trübsinn zog in die Gemüter der Asen, und -sie erforschten den traurigen Baldur, bis er ihnen alle seine Träume -und Gedanken offenbarte. - -Frigg, die stillsorgende Himmelsmutter und Mutter Baldurs, faßte sich -zuerst. Ihr Sohn war in Gefahr. Also galt es, nicht zu beratschlagen, -wie die Männer taten, sondern zu handeln. Und sie machte sich auf -und ging zu allem, was da lebte und webte, wuchs und beharrte, zu -Menschen und Riesen und Alben, zu Feuer und Wasser und Erde, zu Erzen -und Steinen, Pflanzen und Giften und zu sämtlichem Getier, und alles -nahm sie in feierlichen Eid, dem Leib und Leben Baldurs nimmermehr -zu schaden. Da war große Freude, als die stillsorgende Himmelsmutter -wiederkehrte und in Asgard Baldurs Unverletzlichkeit verkünden konnte. -Wie die Kinder wurden die Götter in ihrer Ausgelassenheit, und sie -trieben Spiele und Scherze mit Baldur, um den Zauber zu erproben. Nur -Loki stand mißgünstig zur Seite, wenn die Götter mit Geren und Pfeilen -auf Baldur schossen, mit Schwertern und Steinen nach ihm zielten, ohne -dem leuchtenden Gott auch nur das geringste Leid antun zu können. Denn -Loki empfand, daß seine neidische Seele nur noch tiefer in den Schatten -sinke vor Baldurs sonnenreiner Klarheit. - -Allvater Wodan aber schritt sinnend aus dem Kreise der Fröhlichen und -sattelte seinen Hengst Sleipnir. Denn er vermochte nicht freier zu -atmen trotz der Eide, die Frigg, seine Gemahlin, genommen hatte, weil -er die Zukunft kannte und wußte, daß sich das Schicksal nicht betrügen -ließe. Nur eine Gegenprobe zu dem eigenen Wissen wollte er machen und -in die finstere Hel, das Reich der Todesgöttin, reiten. - -»Wir reiten zur _Wolwa_, der Weissagerin, die jenseit der Hel im Grabe -ruht,« sprach er zu seinem Rosse, und Sleipnir schoß wie ein Vogel -hinab gen Niflheim. Geifernd bellte der blutige Hund der Hel, doch -Wodan achtete seiner nicht und ritt durch die dunklen Schrecknisse, bis -er am Rande des Totenreichs das Grab der Wolwa fand. Hier saß er ab und -sang der Hexe den Leichenzauber, bis sie sich widerwillig erhob. - -»Tot war ich lange. Was willst du von mir?« - -»Antwort will ich, für wen im Hause der Hel die Bänke mit glitzernden -Brünnen, und mit Gold die Dielen belegt sind!« - -»Für Baldur geschah's. Auf ihn wartet das Methorn der Hel. Laß mich -schweigen.« - -»Noch schweigst du nicht. Wissen will ich, wer es ist, der Baldurs Blut -vergießen wird.« - -»Hödur heißt er. Nun begehr ich zu schweigen.« - -»Noch schweigst du nicht. Wissen will ich, wer die Blutrache nimmt für -die ruchlose Tat.« - -»Ried wird Wodan den Wali gebären. Eine Nacht nur alt, zieht er aus in -den Kampf. Das Haupt nicht kämmt er, die Hände nicht wäscht er, bis -Baldurs Mörder im Blute liegt. Nicht gerne sprach ich, begehr nun zu -schweigen.« - -Erschauernd hatte die Wolwa Wodan erkannt, den alten Schöpfer der Welt. - -»Kein anderer Mann soll wieder mich wecken, bis von den Fesseln Loki -sich löst und die Feinde kommen zum Sturze der Götter!« rief sie mit -letzter Kraft und sank in das Grab zurück. -- - -Wodan ritt heim. Er hatte die Probe auf sein Wissen gemacht, und sein -Wissen war Wahrheit. - -Immer noch trieben die Götter auf Asgards Wiesen mit Baldur die -fröhlichen Kampfspiele. Immer noch ging Loki neidverzehrt umher. Eine -neue Arglist sann er aus, und er humpelte in Gestalt einer alten -Dienerin zu Frigg, der stillsorgenden Himmelsmutter, und plauderte mit -ihr. - -»Welch ein Wunder ist es mit Baldur, unserm Liebling. Nichts und nichts -auf der Welt vermag ihm zu schaden.« - -»Ich nahm alle Dinge in Eid, wie Mütter tun,« erwiderte freundlich -Frigg und zählte sie alle her, bei denen sie gewesen war. - -»Vergaßest du auch nichts? Hast du auch nichts übersehen?« - -»Nichts übersah ich. Nur die Mistel ließ ich aus, die in den Bäumen -wuchert. Kaum hat sie das eigene Leben.« - -Loki aber begab sich alsbald in den Wald und fand die unscheinbare -Mistel, die nur im Winter blüht, und schnitt sie ab und fertigte aus -der Ranke einen dünnen, scharfen Ger. Und er kehrte zurück in den Kreis -der Götter, die lachend auf Baldur, den lichten Gott des Frühlings und -der Sommerhöhe, ihre Speere schossen, und traf auf den blinden Hödur, -den Gott der Nächte und des sonnenlosen Winters. - -»Weshalb bleibst du dem Spiele fern?« fragte der Arglistige. »Auf, -versuch deine Kunst.« - -»Ich bin blind,« klagte Hödur, »sehe das Ziel nicht und führe keine -Waffe.« - -Da drückte ihm Loki den Ger aus Mistelzweig in die Hand und lenkte -seinen Arm. Mächtig warf der blinde Hödur, pfeifend durchschnitt der -dünne scharfe Ger die Luft, durchbohrte Baldurs Leib und Leben. - -Entsetzen lähmte die Glieder der Götter. Kein Laut entrang sich ihrem -Munde. Tot war Baldur, und ein Mord war geschehen im Himmel. Und -plötzlich war ein wildes Weinen in ganz Asgard. - -An der heiligen Freistätte durften die Götter die Übeltäter nicht -greifen. Hastig entwich Loki, und Hödur stand wie versteinert. Frigg -aber, die Schmerzensmutter, wischte zuerst die Tränen vom Angesicht. - -»Zur bleichen Hel ist Baldur gefahren, mein liebster Sohn. Wer reitet -den Weg und bittet ihn los von der Hel gegen alles Lösegeld, das sie -verlangt? Wer fürchtet sich nicht und reitet um meiner Liebe willen?« - -Da trat Hermod vor, Wodans schneller Sohn, und das schnellste Roß wurde -gebracht, Sleipnir, Wodans achtfüßiger Hengst. Und Hermod schwang sich -in den Sattel und trat den Helritt an. - -Denn das verlangte die unerbittliche Gerechtigkeit, der auch die Götter -unterworfen waren, daß die Seele dessen, der in Asgard verschied, -zur Hel mußte. Wie wäre es sonst ein Sterben für die Asgardbewohner -gewesen, wenn sie in derselben Stunde des Todes in Walhall auferstanden -wären und wiederum unter Göttern und Helden gesessen hätten! Wer von -den Göttern fiel, schied aus. Er gehörte der Hel. So verlangte es die -ausgleichende Gerechtigkeit. - -»Blutrache«, war der Götter erster Gedanke, als sie zur Besinnung -kamen. Bei Göttern und Menschen, soweit es Männer waren, gab es kein -heiliger Wort. Und sie blickten einander in die Augen, wer sie üben -solle. - -»Mein ist die Rache,« sprach Allvater, »aus meinem Blute wird Baldur -gerächt werden. Euch aber brauch ich zu anderen Taten.« Und er ging hin -und fand die riesische Jungfrau _Ried_, die sich zu den Asen hielt, und -sie gebar ihm in selber Nacht einen Knaben, den Wodanssohn _Wali_. -In selbiger Nacht wuchs Wali zu seiner ganzen Manneskraft auf, und er -kämmte nicht sein Haar und wusch nicht seine Hände, bis er wichtigeres -vollbracht hatte, das Wichtigste, das dem Bruder ziemte. Hödur, -Baldurs Mörder, suchte er auf und traf den Unglücklichen am Rande der -Morgendämmerung und erwürgte ihn. -- - -Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. Er stob dahin, daß -aus den acht Hufen Sleipnirs Funkengarben sprangen wie wirres -Wetterleuchten. - -Die Asen aber trugen Baldurs Leiche ans Meer und betteten sie hoch oben -auf dem Holzstoß, den sie auf des toten Gottes Luftschiff Hringhorn -geschichtet hatten. Wodan kam mit seinen Raben und Wölfen, und Frigg -kam mit ihm und die Schar der Walküren. Mit seinem Bockgespann brauste -der Donnerer herbei, Freyer fuhr mit seinem goldborstigen Eber, dem -Geschenk der Zwerge, Heimdall, der getreue Himmelswächter, ritt seinen -schnellen Hengst, und die liebliche Freya lenkte ihr Katzengespann. Zu -Fuß, zu Roß und zu Wagen kamen die Götter und Göttinnen alle, und viel -trauerndes Volk der Riesen und Alben kam, das, obschon es im ständigen -Kampfe mit den Asen lag, den einzigen Baldur ausnahm aus aller -Feindschaft. Die Himmel weinten, die Erde erschauerte im Schmerz, und -ein wildes Klagen erschütterte die ganze Natur. - -Nanna aber, Baldurs geliebtes Weib, die in des Gottes leuchtender und -wärmender Liebe wie eine Blume gewesen war zwischen Blüte und Frucht, -vermochte ihr Leid nicht mehr zu fassen. »Baldur!« schrie sie auf, daß -der Schrei des Namens wie aller Klagen Klage durch die Welten lief, und -in diesem einen Schrei brach ihr das Herz. - -Da legten die Götter Nannas Blumenleiche auf den Holzstoß, und sie lag -zur Seite des Geliebten, dem Frühling und Sommer das Leben waren. - -Auf runden Hölzern ruhte das Schiff, um schnell in das Meer gerollt zu -werden. Aber von allen Opfergaben war es so schwer, daß es sich nicht -von der Stelle bewegte, denn auch Baldurs Sonnenroß, aufgezäumt in -seinem blitzenden Geschirr, war auf den Scheiterhaufen geführt worden -und Schätze über Schätze aus allen Landen. So sehr ward Baldur geliebt. - -Die Riesen rieten in der Not der Götter, die Stärkste der Starken, das -Riesenweib Hyrockin, holen zu lassen. Das Weib kam angesprengt auf -einem gewaltigen Wolf, dem sie statt eines Zaumes eine Natter durch -das Maul gezogen hatte, um den Göttern furchtbarer zu erscheinen. Und -um die Götter mit ihrer Kraft zu schrecken, stieß sie, während vier -Berserker ihren Wolf kaum auf dem Boden halten konnten, das Schiff mit -einem so unbändigen Ruck ins Wasser, daß die Holzrollen Feuer spien und -fast das ganze Schiff mit seiner heiligen Ladung vom unheiligen Feuer -verzehrt worden wäre. - -Blut trat dem Donnerer in die Augen. Er hob den Hammer, um die -Unverschämte zu zerschmettern. Aber die Götter fielen ihm in den Arm, -und die Riesen baten für ihr Leben, da ihr freies Geleit zugesichert -sei. Da ließ er sie laufen. - -Im Wasser schwamm das Schiff mit der teueren Last. Noch einmal nahm -Wodan Abschied von dem schönen Leib des Sohnes und legte ihm als letzte -Gabe den kostbaren Ring Draupnir auf den Holzstoß, den Tröpfler, das -Geschenk der Zwerge, dem jede neunte Nacht acht neue Ringe enttropften. -Dann trat der Donnerer an den Holzstoß und weihte die Götterleichen mit -dem Zeichen des Hammers. - -Alsbald entzündeten die Asen die Scheiter mit dem heiligen Feuer aus -Asgard, und das Schiff fuhr wie eine Fackel hinaus auf das dunkle Meer, -immer weiter und weiter, bis es in Flammen verging. - -Fröstelnd kehrten die Asen, fröstelnd kehrten die Riesen und Albe heim. -Wie in Todesfrost erschauerten die Menschen. - -Immer aber und immer noch kreiste Nannas Schrei um Baldur durch die -Welt und wollte nimmer vergehen. -- - -Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. Er stob dahin, daß -aus den acht Hufen Sleipnirs Funkengarben sprangen wie wirres -Wetterleuchten. Das war das einzige Licht, das ihm den Weg erleuchtete -durch die gräßliche Finsternis der Unterwelt. - -Am Abend des neunten Tages gelangte er an den Totenstrom Gioll, der -das Reich der Hel von allen anderen Reichen trennt, und die goldene -Giollbrücke krachte in allen Fugen, als Sleipnirs Hufe über die -Planken donnerten. Eine Jungfrau erschien, Modgud mit Namen, das ist -»Seelenkampf«, die warf sich dem Reiter entgegen. »Wer bist du, und was -suchst du Lebender im Reich der Toten?« - -»Ich bin Hermod, Wodans Sohn, und suche Baldur, meinen Bruder.« - -»Ich dachte es mir, daß du kein Gewöhnlicher bist,« entgegnete Modgud -besänftigt. »Fünf Haufen Toter ritten gestern über die Brücke, aber -die Hufe aller ihrer Rosse donnerten nicht so auf der Brücke, als die -deines einzigen.« - -»Sahst du auch Baldur reiten?« drängte der Ase sie. - -»Wohl sah ich Baldur. Er ritt zur Ehrenhalle der Hel, wo sie selber -thront.« Und sie wies ihm den Weg. - -Weiter sprengte Hermod den Helweg durch die Finsternis und gelangte an -ein haushohes Eisengitter, das die Wohnung der Hel umschloß. Siebenfach -verriegelt war die Pforte und sonst kein Eingang und Ausgang. - -»Sleipnir, es gilt!« hauchte Hermod dem Hengste ins Ohr und nahm ihn -zum Sprunge zurück. Und Wodans Jagdpferd setzte an und setzte im -Steilsprung über das Gitter und hielt wie aus Stein vor Hels Halle. -Dankbar klopfte ihm Hermod den Hals. Dann trat er ein. - -Den Asenmut nahm Hermod zusammen, als er das Bild, das dort sich ihm -bot, erblickte. - -Zur Hälfte schwarz, zur Hälfte fleischfarben, saß die grausige Hel mit -hängendem Kopf und klaffenden Kiefern auf ihrem Thron. Unerbittlich war -ihr Gesicht. Und um die Erbarmungslose geschart, saßen mit tottraurigen -Augen Könige und Helden, die den Strohtod gestorben waren an Krankheit -oder Altersschwäche, und nicht den Jubeltod im Schlachtenwetter, in -dem die Walküren zu Walhall entbieten. - -So still und traurig war es, daß man die Tropfen von den Steinwänden -fallen hörte in grauenhaft eintöniger Wiederkehr. - -Auf hohem Ehrensitz, die Bank mit goldenen Brünnen, den Boden -mit goldenen Fliesen belegt, saß traumverloren Baldur, von Nanna -umschlungen. Vor ihm stand der Metkrug, wie vor den Königen und Helden, -aber unberührt hatte ihn der Träumer gelassen. Des Gottes Geist träumte -in die Zukunft. - -Zu dem stillgewordenen Bruder trat Hermod und setzte sich zu ihm. Die -ganze Nacht sprach er zu ihm über das Weh der Welt und über die Wünsche -Friggs, den Sohn wiederkehren zu sehen zum Besten aller Wesen. Und -Baldur hörte ihm zu und spann seine Gedanken. - -Als der Tag anbrach, ging Hermod zum Throne der Hel. - -»Wisse,« sprach er zu ihr, »daß ich dir die Wünsche der mächtigen Asen -bringe, Baldur heimzusenden nach Asgard. Seit er schied, ist die Welt -von Schmerzen erschüttert und will nicht mehr leben. Was aber sind -die Götter, was bist auch du ohne die immer sich neugebärende Welt! -Verzichte auf dein Recht auf Baldur, und die Menschen werden dich -lieben, wie sie Baldur lieben.« - -»Deine Worte klingen gut,« antwortete die finstere Hel, »aber der -Bittende hat tausend Gründe, wo das Recht nur einen hat. Trotzdem: -ich will deine Gründe erproben. Wenn alle Wesen und Dinge der Welt -um Baldur als den geliebtesten und unersetzlichen weinen, so soll er -heimkehren in das Licht. Weigert ein Einziges Liebe und Tränen, so muß -er bleiben. Geh hin und künd es den Göttern.« - -Und Hermod ging und nahm fröhlichen Abschied von Baldur, und Baldur gab -ihm für Wodan den Ring Draupnir, den Tröpfler, zurück, da es im Reiche -der Hel kein Verwenden für ihn gäbe. Und Nanna gab von den reichen -Opfergaben, die ihren Holzstoß geschmückt hatten, Gewänder und Gewebe -für Frigg und Freya und die Göttinnen alle. Hochgemut ritt Hermod den -Helweg zurück, wußte er doch, daß alle Welt um Baldur weinte und weiter -weinen würde, um Baldur, den jeder lieben mußte. - -Wieder griff Sleipnir aus und donnerte den Helweg entlang. Und -Hermod sah die Scharen der Müden und Stillen des Weges ziehn, die -sich freuten, im Reiche der Hel die Ruhe zu finden, aber er sah -auch die Scharen der Meineidigen und Mörder, und der Landesverräter, -die schlimmer als Mörder und Meineidige sind, und sie durften nicht -über die Brücke des Totenstromes Gioll hinüberwandern und mußten mit -nackten Füßen durch das Flußbett waten, das mit hunderttausend scharfen -Schwerterspitzen gespickt war. Brünstige Giftschlangen lauerten in Hels -Reich auf die, die um eigenen Vorteils willen das Leben der Völker -vergiftet hatten. - -»Sleipnir, greif aus,« schmeichelte Hermod dem Hengst, und der Hengst -verstand und stob durch die Hel und das ganze, unendliche Niflheim -und gewann die Oberwelt und stürmte, die Wolkenrosse weit hinter sich -lassend, nach Asgard hinauf, wo die Götter harrten. - -Da herrschte Freude in allen Hallen, als Hels hoffnungsvoll klingender -Spruch offenbar wurde, und alsobald eilten die Boten durch Himmel und -Erde und Jotunheim und forderten die Tränen von den Lebendigen und von -allen leblosen Dingen. Und die Menschen weinten mit den Göttern, und -die Riesen weinten mit den Alben, von den Bäumen und Blumen tropften -die Tränen, und selbst die Steine weinten, da Baldurs Sommer ihre -Winternässe nicht mehr hinwegnahm. - -Loki saß in einer Höhle und fürchtete fiebernd für sein Neidlingswerk. -Er nahm die Gestalt eines Riesenweibes an und nannte sich Thock, als -die Boten der Asen bei ihm einkehrten, das ist: das Dunkel. - -Und die Boten sprachen: »Du bist das letzte Wesen, das wir fanden und -noch nicht baten. So bitten wir auch dich: Weine, weine um Baldurs, des -Vielgeliebten, Tod und Wiederkehr.« - -Die Riesin Thock wiegte kaum den Kopf. - -»Ich heiße das Dunkel und dämmere im Dunkel dahin. Was schiert mich -der lichte Baldur! Sein Leben hat so wenig Nutzen für mich wie sein -Sterben, und mein Auge hat keine Tränen. Hel behalte ihr Eigentum.« - -Sie verschwand in der Tiefe der Klüfte, und die Boten erkannten -entsetzt, daß es Loki gewesen war. - -Gebrochen kehrten sie heim durch die Tränenbäche der Welt, die umsonst -geflossen waren, und kündeten den Göttern das Geschehnis. In tiefem -Schweigen vernahmen es die Asen. Sie blickten auf Wodan, den Vater. Der -saß wie aus Stein, nur sein Einauge blitzte. Endlich erhob er sich. - -»Die als Götter gelebt haben, müssen auch als Götter zu sterben wissen. -Sprecht es weiter.« - -Und er hüllte sich in Mantel und Hut, um Mimirs stillen Quell -aufzusuchen. -- - -Ein Gastmahl bot Ägir, der Beherrscher der Meere, den Asen an, um sie -seiner Freundschaft zu versichern. Und sie gingen alle hin, die Götter -und Göttinnen, auf ein paar Stunden anderen Sinnes zu werden. Denn -Ägirs kristallene Halle war eine Freistatt, und Frevel war, sie durch -Streit zu entweihen. - -So saßen sie bei dem Meerbeherrscher und freuten sich des Mahles und -des Metes, und nur der Donnerer war abwesend. Plötzlich aber vernahmen -sie heftigen Wortwechsel und sahen Loki, der sich die unantastbare -Freistatt zu nutze machte und einzutreten begehrte. Als ihm der -Türhüter den Zutritt um des Friedens willen Diener wehrte, schlug ihn -der erboste Loki so hart, daß der treue entseelt zu Boden sank. - -In wilderwachtem Grimm sprangen die Asen auf und griffen zu den Waffen, -den Bösewicht unschädlich zu machen. Der aber berief sich höhnend -auf die Heiligkeit der Freistätte und erzwang sich seinen Platz an -der Tafel. Und während er frech zugriff und den Metkrug leerte wie -ein gerngesehener Gast, überschüttete er Götter und Göttinnen mit -Schmähreden, warf dem einen Ungerechtigkeit, Treulosigkeit, dem anderen -Feigheit, Gier, Geilheit den Dritten vor und zieh die Göttinnen der -Schamlosigkeit, der Unzucht und aller Weiberuntugenden von tausenden -von Jahren. Seine Lästerzunge lief wie ein Rad. Er wußte, daß er -verfemt war, und wollte darum Gift und Galle seiner verdorbenen Seele -über die früheren Bank- und Fahrtgenossen ausspritzen, bevor er auf -immer verschwinden mußte. Er schonte selbst die Himmelsmutter nicht und -nicht die goldhaarige Sif, als Sifs Gatte, der Donnerer, eintrat und -der Lästerzunge Einhalt gebot. - -»Du willst mir gebieten?« höhnte ihn Loki, »du, der sich im Däumling -eines Riesenhandschuhs verkroch?« - -Schweigend griff der Donnerer nach dem Hammer Mjolnir. Die Sprache -verstand der Verräter. - -»Zum letzten Male sitzt ihr bei Ägir zum Trunk! Das letzte Bier hat er -euch gebraut! Feuer soll bald diese Halle verzehren, wie euch Asen der -Wolf verschlingen wird und Muspels Feuer und meine Tochter, die Hel!« - -Kreischend schrie er seine Verwünschungen, und bevor die Götter einen -Gedanken zu fassen vermochten, stürzte er sich in Gestalt eines Lachses -ins Wasser und war verschwunden. - -Die Asen machten sich auf. - -»Der Tod wäre zu große Wohltat für solchen Bösewicht,« und sie kamen -überein, ihn zu fangen und so zu fesseln, daß sein Weiterleben eine -einzige Kette von Qualen bilden solle. - -Von seinem Hochsitz aus blickte Wodan forschend in die Welt. Und er -gewahrte Loki in einem Hause mitten in der Felsenwildnis sitzen, und -das Haus war über einen Sturzbach gebaut und trug Fenster in allen -vier Wänden. Beständig auf der Hut, lugte Loki rastlos nach allen -Himmelsrichtungen aus und flocht dabei ein Netz, um Fische ins Garn zu -locken. - -Jäh sprang er auf. Er hatte das Nahen der Asen erspäht. Und mit einem -Satz war er als Lachs in dem Sturzbach verschwunden. - -Da fanden die Asen das Netz und nahmen es und zogen es quer durch den -Sturzbach. Zweimal schnellte sich der Lachs über das Hindernis und -verschwand in der Tiefe. Beim dritten Male geriet er in das Netz und -hätte das Netz mit sich weggerissen, wenn nicht der Donnerer, der bis -zur Brust im Wasser stand, zugegriffen und den Lachs beim Schwanze -erwischt hätte. Da half kein Drehen und Winden, des starken Asen Faust -riß ihn aus dem Netz, das sich der Böse selber gefertigt hatte. - -Loki, der Verderber des Himmels und der Erden, lag vor den Göttern. - -Das Urteil war bald gefällt. In der Felsenwildnis, in die er sich -begeben hatte, schmiedete man ihn an, den nackten Rücken auf den -messerscharfen Felsenkanten, ihn, der vom Gott zum Unhold gesunken -war. Sein verzerrtes Antlitz richtete man nach oben, daß er es nicht -nach rechts, nicht nach links zu wenden vermochte, und befestigte -über seinem Gesicht eine ekele Schlange, die ihm unaufhörlich die -Gifttropfen ihres Schlundes wie brennendes Feuer ins Gesicht fallen -ließ. Verlassen und verloren sollte er liegen und Qualen leiden bis an -der Welt Ende. - -Die rächenden Götter waren heimgekehrt. Schaurig lag die Felseneinöde, -durchgellt von den Schreien des Verdammten. -- - -Da tastete es auf nackten Sohlen durch die Felsenwildnis. Da -huschte es auf blutigen Füßen durch das messerscharfe Gestein, -und weitaufgerissene Frauenaugen suchten und suchten den Ort der -Verdammnis, bis sie ihn fanden. Weiter huschte die Frau, bis sie neben -dem Körper des Gefesselten niederglitt. - -Das war _Signy_, des Bösen mißhandeltes Eheweib, dessen treues Werben -er immerdar verspottet und mit Untreue gelohnt hatte. Was wußte Signy -davon und von allen ihren Leiden? Sie sah nur den Mann, den sie geliebt -hatte in seiner Schönheit und in seinen Fehlern, und den sie heute in -seiner Qual mehr noch lieben mußte als je zuvor. Signy allein war zu -ihm gekommen. - -An seinen Fesseln biß und zerrte sie, ohne sie um Haaresbreite zu -lockern. Ohnmächtig sank sie zuletzt in die Felsen. Aber das Brüllen -des Verurteilten jagte sie wieder auf. Die Gifttropfen der Schlange -zerbrannten und zerfraßen Loki das Gesicht. Und Signy ergriff einen -Scherben und hockte sich neben den Mann und fing in ihrem Scherben die -Gifttropfen auf, die niederfielen. - -War die Schale gefüllt, so mußte sie sich einen Herzschlag lang wenden -und die Schale entleeren. Dann fielen die Tropfen aus der Giftschlange -Schlund aufs neue dem Elenden in die Augenhöhlen, daß er aufbrüllte vor -wahnsinnigem Schmerz und sich in den Fesseln bäumte, daß die Menschen -in allen Ländern erschrocken niederfielen und meinten, ein Erdbeben -erschüttere die Grundfesten der Welt. - -Und wieder saß Signy, die Treue, neben dem ungetreuen Manne und hielt -ihm die Schale vor das Gesicht, wieder und wieder, in unermüdlicher -Geduld. - - - - -Der letzte Kampf. - - -Eiskalt ward es auf Erden. Baldur war tot, und Frühling und Sommer -starben hastig ihm nach. Jäh brach der Winter herein, ein Winter, -wie er nie erlebt wurde, seitdem die Welt erschaffen war. Die Bäume -platzten auf in dem scharfen Frost, und ihr Saft rann die Stämme hinab, -gefror und verstopfte die Poren. Die Pflanzen und Blumen traf's bis in -den Wurzelstock, und die Kälte preßte ihnen die letzten Tränen aus und -ließ sie vergehn wie zersplittertes Glas. Selbst die Steine schwitzten -ihr weißes Blut, dehnten sich in klingenden Seufzern und zersprangen zu -Staub. - -Baldur war tot, und es war nicht Frühling und nicht Sommer mehr. - -Frost lief durch die Welt, und er tötete die Äcker, die Wiesen, die -Wälder. Im Starrkrampf lag das Leben. - -Und als müsse ein Leichentuch her, Tod und Sterben zu decken, setzte -ein Schneesturm ein, der unaufhörlich tobte, unaufhörlich seine weißen -Massen auf die Erde schleuderte. So dicht brausten und wirbelten die -Flocken, daß aller Raum zwischen Himmel und Erde ausgefüllt schien, daß -die Sonne vom Himmel verschwand und der Tag von der Nacht verschlungen -blieb in der immerwährenden Finsternis. - -Drei Jahre lang dauerte der eine Winter, den kein Frühling milderte, -kein Sommer durchbrach. Drei Jahre, die nicht enden wollten, gingen -dahin in einem einzigen Winter. - -Da türmte sich das Eis zu Gletschern und rückte vor, von den Eisriesen -gepeitscht, die nach dem Licht verlangten. Da begann das Feuer in -Muspelheim, das hinter Eisesmauern keinen Ausweg fand, zu kochen und zu -zischen, und seine eingeschlossenen Dämpfe suchten sich zu entladen. -Bis zu den Wolken sprang der Gischt des Meeres, das enger und enger -zusammengetrieben wurde in seinem Becken. -- - -Von seinem Hochsitz aus sah es Allvater, und er sah mehr. - -Er sah die Menschen dem heraufziehenden Schicksal unterliegen. Baldur -war tot, und alle Gesittung starb ihm nach. Frost und Hunger und -Finsternis machten aus Menschen gierige Tiere, die da raubten und -mordeten und plünderten, nur um des eigenen Bauches willen. Alle Bande -des Blutes, alle Bande der Gesetze brachen. Brüder erlegten Brüder, -Ehen wurden gebrochen, Unzucht herrschte und Faustrecht. Ganze Stämme -zogen aus und warfen sich blutgierig auf friedliche Nachbarstämme, um -sie zu vertilgen. Schlachten wurden geschlagen aus roher Mordlust und -nicht um Heldenehren willen. Ehre der Väter war eine Sage, und Macht -ging vor Recht. Beilzeit war und Schwertzeit, Windzeit und Wolfzeit. -Nicht einer schonte des anderen mehr, und jedermanns Hand war wider -jedermanns Hand. - -Von seinem Hochsitz aus sah es Allvater, und er sah mehr. - -Er sah zwei Wölfe der Riesen am Himmel jagen, und der eine jagte -die Sonne, der andere den Mond. So stark waren sie geworden, weil -die Menschen ihre Toten unbeerdigt ließen und die Wölfe sich vom -Leichenfleische mästeten. Schon kamen sie den Fliehenden nahe -und packten sie in der Flanke, daß Sonnenfinsternis wurde und -Mondfinsternis und die Menschen der Erde aufheulten in irrsinniger -Wirrnis. Noch einmal rissen sich Sonne und Mond los von ihren -Bedrängern und stürmten weiter durch die mit ihnen jagenden Wolken, daß -ihre Lichter aufblitzten und verschwanden und ihre Schatten im Taumel -über die Erde tanzten. - -Beilzeit, Schwertzeit -- Windzeit, Wolfzeit! - -Dann warf sich Wodan wie in alten Tagen auf sein Sturmroß und jagte -hinaus an der Spitze seines Geisterheeres mit Hussa, Horridoh und -Peitschengeknall und säuberte die Lüfte vom tollsten Spuk, und die -Menschen hielten ihn und seine wilde Jagd für der Spuke größten. Hinter -ihm aber ballte es sich wieder zusammen und stürmte in Wut und Wirrnis, -und Allvater saß auf dem Hochsitz und sah und wußte alles. - -Und er sah, wie die Feuer in Muspelheim sich zur Siedehitze -gesteigert hatten, und er erhob sich und sah, wie sie, zu aller Kraft -zusammengefaßt, sich donnernd entluden und die lastenden Gletscherberge -sprengten und in wildgewordener Freiheit ihre Flammen über die Erde -und gen Himmel schlugen. In allen Fugen erkrachte die Welt, das feste -Land hob und senkte sich wie tobende Meeresflut, Klüfte verschlangen -die entwurzelten Wälder, Berge türmten sich über Berge und stürzten in -die kochende See, und die See flutete über und ersäufte die Küsten, die -Midgardschlange stieg geifernd empor, suchte das Land und wälzte sich -vorwärts, und die Sterne fielen erloschen vom Himmel. - -Und in die grausenden, brausenden Schrecknisse hinein, über sie hinweg -und sie alle übertönend, schrie wie ein Adlerschrei lang und gellend -ein Hornruf. - -Heimdalls Horn! - -Heimdalls Horn rief die Asen, rief die Einherier, rief alle -Asgardmänner auf zum letzten Kampf. - -Da eilten die Götter, Wodans letztes Gebot zu empfangen, und umstanden, -tief atmend, den Vater der Schöpfung. - -Und Allvater sprach: - -»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen neu, wenn sie sich -würdig erwiesen. Würde ist nicht das bißchen Tugend des Tages. Würde -ist, für sein Leben und Schaffen sterben können. Das allein macht -_un_sterblich. Wohlauf denn, ihr Asen und ihr Helden alle, nun folgt -mir nach in die Unsterblichkeit.« - -Da waffneten sich Götter und Helden mit ihren besten Waffen, in -unabsehbaren Scharen zogen die Einherier aus, und mit den Walküren -ritten die Göttinnen, den Ger in der Faust. -- - -Der rote Hahn des Riesenreiches krähte in den Morgen und rief die -Schläfer wach, wie der goldene Hahn krähte in Asgard und der nußbraune -Hahn in der Hel. - -Ganz Riesenheim tobte in hellem Aufruhr. In Scharen krochen -Schwarzalben und Trolle aus Klüften und Schluchten und spornten -kreischend die Riesen an. - -Die jauchzten auf, als der Wirbel der Flut, aus der die Midgardschlange -sich wälzte, das Schiff _Naglfar_ flottmachte, das Nagelschiff, -das aus den unbeschnittenen Nägeln der Toten erbaut wurde. Nie wäre -es fertig geworden, hätte Baldur gelebt. Denn die Gewissenspflicht -gebot den Menschen, ihren Toten vor der letzten Ausfahrt die Nägel zu -beschneiden, damit die finsteren Mächte sie ihnen nicht nehmen konnten -zum Bau von Naglfar. Wer aber von den Menschen fragte noch nach der -Pflege der Toten? Beilzeit war und Wolfzeit. - -Der Reifriesenfürst _Hrymir_ bemannte das Schiff und steuerte die -Tausende gegen Asgard. -- - -Aufs neue stöhnt von der Entladung der Flammen, die Eis und Stein -durchbrechen, die Welt in allen Fugen. Ein Sterbeschauer durchbebt die -Weltesche Yggdrasil, und die Brunnen an ihren Wurzeln schäumen über. - -Zum letzten Mal beugt sich Wodan über den Brunnen Mimirs und raunt mit -dem Haupte des Urweisen. Dann schreitet er einsam nach Asgard zurück, -bindet den Goldhelm unter dem Kinn und greift nach dem Speere Gungnir. -Er kennt sein Schicksal. Sein Einauge blickt groß und königlich. -- - -Ein neuer Donnerschlag erschüttert das Weltall. Die Flammen haben die -Gewalt. Schlag folgt auf Schlag, ein tosendes Erdbeben dem anderen, -daß kein Felsen auf dem andern bleibt. Ein Jubelgeheul macht die -Lüfte erdröhnen. _Loki_ ist losgekommen! Die Felswand ist geborsten, -die seine Fesseln hielt, die Fesseln sind zerplatzt! Hinstürmt er zur -Hel, seiner grausigen Tochter, und ruft die Mörder und Schufte, die -Meineidigen und die Hochverräter der Helleute auf zum Kampf gegen die -Götter. Entvölkert ist Hel, denn die guten Geister sind geflüchtet im -blutigen Wirrsal der Geschehnisse. Aber mit wüstem Totenvolk überladen, -steuert Loki das Schiff der Hel gegen Asgard. - -Und _Fenris_ ist los, der wahnsinnige Wolf, wie Loki, sein Vater, -loskam. Blutigen Schaum an den Lefzen, jedes Haar gesträubt, kommt -er gerannt, und Loki schreit ihm zu und nimmt ihn an Bord des -Höllenschiffes. - -Blitzend aber reitet der schwarze _Surtur_ heran, der Fürst der -zerstörenden Feuergewalten. Auf tausenden von Flammenrossen folgen ihm -die Seinen. Über die Brücke Bilfrost reiten sie gegen Asgard, und die -Himmelsbrücke birst unter den Hufen ihrer Pferde. - -In Rauch und Flammen gehüllt, kreist die entsetzte Erde, und die Zwerge -hasten an den verschütteten Höhlen auf und nieder und suchen wimmernd -den Eingang. - -Zum zweiten Male stößt Heimdall ins Horn, gellend und gebietend wie -Adlerruf. Da ordnen sich die Scharen der Asen und Einherier. - -Und zum dritten und letzten Male stößt Heimdall ins Horn. »Vorwärts, -ihr Asengötter, vorwärts, ihr Einherierhelden, in die Unsterblichkeit!« - -Aufsprangen die fünfhundertundvierzig Türen Walhalls. Und die -Wodansmänner zogen aus zu Fuß, zu Roß und zu Wagen, und Walvater Wodan -führte sie. - -Auf dem Sturmroß Sleipnir ritt er in schimmernder Brünne, den Goldhelm -auf dem Haupt, den Todesspeer in der Hand. An seiner Seite schritt -wuchtenden Ganges der Donnerer, den Hammer Mjolnir in der Faust. -Unbeirrt ihnen nach alle die anderen, die Todesmutigen. -- - -Auf der Ebene Wigrid, dem Kampfreitplatz vor Walhall, treffen sie auf -den Feind, der wie nimmer sich erschöpfende Wasserfluten anschwillt und -vorwärtsdrängt. Hoch hebt sich Wodan in den Steigbügel. Sein Einauge -funkelt und blitzt. Und zischend fährt sein Todesspeer als erster -Kampfgruß über die Köpfe der Drängenden. - -Schon sind die Massen im Kampf. Surturs Feuerreiter verbrennen Wiesen -und Weiden. Aber die Einherier fürchten nicht Flammen noch Rauch. -Nicht umsonst ist Sigurd durch die wabernde Lohe zu Brynhild, der -Walküre geritten, nicht umsonst kämpften die Helden alle in brennenden -Hallen. Mit dem Blute der Erschlagenen dämpfen sie die Glut des -Kampfplatzes und werfen die Brandreiter zurück. - -Mit den Riesen vermengen sich die Leute der Hel und wüten wie Tiere. -Felsen schleudern die Riesen, die zermalmend niederschmettern, und -die Helleute geben den Verwundeten den Rest mit dem feigen Dolch. Der -Donnerer sieht es. Schon ist er mitten unter ihnen. Von den Riesen -kennt er die meisten. Nun lernen sie seinen Hammer kennen. Der krachte -in die Schädeldecken und fuhr im Schwung in des Gottes Faust zurück, -um sie im Schwunge wieder zu verlassen und Schädel zu zertrümmern, -Schädel, nichts als Schädel. - -Wo die Gefahr am größten war, dorthin spornte Wodan sein Roß. Mit dem -Schwerte schlug er die Gefährten aus den blutigen Knäueln heraus, -sammelte die Aufatmenden um sich und führte sie aufs neue ins -Handgemenge. Mit der Peitsche holte er die Schwarzalben und tückischen -Trolle aus der Luft, daß sie wimmernd verschieden. Wo Wodan ritt, -häuften sich Leichen. - -Und plötzlich erschauert die Welt, wie sie nie erschauert war. - -Der _Fenriswolf_ rennt. Alle Grenzen hat seine losgelöste Wut -überschritten. Mit aufgerissenem Rachen rennt er, daß sein Unterkiefer -über die Erde fegt und sein Oberkiefer die Wolken durchstößt. Alles -schlingt er herunter, was zwischen Himmel und Erde ist. - -Da packt selbst die Tapfersten lähmendes Grauen, und die Schar der -Asen, die Haufen der Einherier weichen zurück. Wodan sieht es. Er weiß, -das Werk der Götter ist noch nicht vollbracht. Kein neuer Himmel kann -sein, wenn die alten Unholde bleiben. - -Ein Opfer muß her! - -Wer bringt das Opfer, das ein Leben verlangt? - -Der Führer bringt es, wer sonst? - -Dem rasenden Wolfe entgegen wirft sich Wodan, der Eine allein. Er -schwingt sich vom Roß, und der wütende Wolf schlingt den ledigen -Hengst. Wodan greift an. Er hemmt des Untieres Lauf und bringt es aus -der Bahn. Asen und Einherier sammeln sich. Sie kommen zu sich und -sehen: es gibt keine Gefahr, die ein Mutiger nicht angehen kann. Das -aber hat Walvater gewollt. Dafür ist die Preisgabe des besten Lebens -nicht zu groß. Im Kampf mit dem Fenriswolf endet das seine. Wodans -Königsseele weicht ins All. -- - -Widar gewahrt es, der »Gott mit dem Schuh«, der Wodanssohn. Nun kommt -ihm der Schuh, der das Leder aller Länder als Opfergaben trägt, wohl -zu statten. Er tritt dem Wolf in den Rachen und stemmt ihm mit dem -zentnerschweren, undurchdringlichen Schuh den geifernden Unterkiefer -auf dem Erdboden fest. Mit der Linken packt er den Oberkiefer. Die -Rechte, die Schwerthand, hält die zweischneidige Klinge. Weit aus holt -Widar und stößt dem Untier das Schwert bis an den Knauf durch den -Rachen ins Herz. Blutrache! Blutrache für Allvater Wodan. - -Da ward das Werk vollendet. Da brachen die Asen und Einherier wie -Wetter in den Feind, das Vorbild zu erreichen, im Sterben würdig zu -sein ihres Lebens, das ist: würdig der Unsterblichkeit. - -Giftschnaubend wälzte sich die _Midgardschlange_ heran. Ihr Pesthauch -allein tötete. Aber schon stand der Donnerer vor ihr, der sie schon -einmal an der Angel fing, als er Hymirs Kessel holte. Aufbäumte sich -die Riesenschlange gegen den alten Todfeind. Diesmal entging sie -ihrem Schicksal nicht. Der Hammer Mjolnir stand funkelnd über ihrem -Haupt, und der Zermalmer durchschlug ihr den Schädel. In einer Wolke -von giftigem Odem verging die Midgardschlange. Neun Schritte tat der -Donnerer in der Giftwolke zurück. Dann verging ihm der Atem. Er, der -den Menschen mit Blitz und Donner die Lüfte gereinigt hatte, konnte -nicht leben im Dunst des Wurms. Die Freiheitsaugen brachen ihm. So -folgte er Wodan. -- - -Und Freyer, der Sonnengott, folgte, vom Schwerte Surturs, des unheilig -lodernden Feuers, getroffen. Und Ziu, der furchtlose Schwertgott, den -die Nordmänner Tyr anriefen und dem die Jünglinge ihre Schwertertänze -weihten, er, der dem Fenriswolf einstens die Rechte in den Rachen -gelegt hatte, traf auf den leichenzerreißenden Hund der Hel, und -während ihn der Hund zu Tode biß, erwürgte er ihn. Heimdall aber, der -treue Wächter, stieß auf Loki, den Verräter, den er schon einmal im -Kampf um Freyas Halsgeschmeide Brisingamen bestanden hatte, und so wild -gingen sie aufeinander an und so wenig wollten sie voneinander lassen, -daß sie beide von Wunden überdeckt zu Tode sanken. -- - -In dem Glutmeer, das Surtur entfachte, ist nicht mehr zu leben. Und -dennoch geht das Würgen weiter, weiter bis auf den letzten Mann. -Die Walküren sind gefallen, die gerbewaffneten Göttinnen mit ihnen. -Die Einherier, die Germanenhelden, haben sich den Göttern gleich -erwiesen und die Riesen und Unholde trotz ihrer Übermacht zu eklem -Brei gestampft. Fast mit den letzten Feinden fallen ihre Letzten. Die -riesischen Wölfe haben Sonne und Mond erreicht und sie verschlungen. -Aber die Sonne gebar in ihrer Not ein Kind, und es spielt abseits auf -einer Himmelswiese. - -Durch die Welt lodert das Feuer, und das Eis der Gletscher schmilzt und -wirft sich in Wasserströmen über glühende Erde, bis endlich, endlich -die Glut erlischt. - -Nacht bricht herein. In Nacht versinkt die sterbende Welt. -- - - * * * * * - -Und ein Tag bricht an, ein neuer Tag. - -Das spielende Sonnenkind hebt sich am Himmelsrand und lacht in Unschuld -auf die Erde nieder. Es lockt und schmeichelt und tut schön mit seinen -hellen Augen und seinen warmen Händen, bis es unter dem Schutt sich -regt, den Feuer, Wasser und Erde hinterlassen haben, und ein paar -schüchterne Gräser hervorkeimen. Ah, wie ist die Luft so klar und rein, -das Leben so köstlich und lebenswert. Bald ist der Boden von Blumen -übersäet, die Sträucher schlagen aus, die Bäume treiben Knospen. Und -aus einem hohlen Baumstamm, der sich über und über mit Laub bedeckt, -tritt ein Menschenpaar, das sich vor Feuersbrunst und Wasserflut in -die rettende Höhlung geflüchtet, tastet sich furchtsam vor und steht -überrascht in der neuen Sonne, dem neuen Lenz der Erde, dem neuen -Menschenfrühling. - -Und das überglückliche Menschenpaar hebt seine Augen und sucht seine -Götter. -- - -Über Asgards verwüstete Fluren schreitet ein Wanderer. Schlank ist er -und ewigjung, und goldrote Locken wehen ihm um die Schläfen. Er kommt -aus der Hel gewandert, die verlassen liegt. Und wo er geht, ist Licht -und Wärme, Werden und Schöpfermut. - -_Baldur_ ist heimgekehrt. Nun muß alles Leben auferstehen. - -An der Hand führt er Hödur, den blinden, der ihn einst mit der Mistel -niederwarf. Wie Brüder wandern sie Hand in Hand, und wenn der eine im -Schlaf neue Kräfte sammelt, wacht der andere. Bald Baldur, bald Hödur. -Tag und Nacht haben sich gefunden und sich verbunden zum Wohle der Welt -und ihrer Kräftigung. Tag und Nacht, Sommer und Winter. - -Unter Baldurs Schritten wachen die Fluren Asgards auf. Es grünt und -blüht auf allen Gefilden, und kein Platz ist mehr für üble Gelüste und -unwürdig Tun. Die Luft ist geläutert. Frühling --! - -Es ist das alte Asgard nicht mehr, ein neues blüht aus den -Kampfestrümmern und will neues Glück. _Idafeld_ nennt Baldur das alte -Asgardland, das »Feld der Auferstehung«. - -Und wie er hinausblickt über alle Wege, sieht er zwei Wanderer -schreiten von rechts und zwei Wanderer von links. Und die Wanderer -von rechts erreichen ihn, und es sind die Wodanssöhne Widar und Wali. -Widar, der den Vater rächte, und Wali, der Blutrache nahm für den -Bruder Baldur. Darum gehen sie in den neuen Himmel der Germanen ein. -Und die Wanderer von links treten hinzu, und es sind die Donarsöhne -Modi und Magni, die den Hammer des Donnerers bringen, mit ihm des -Vaters Kraft und den Zorn seiner Gerechtigkeit. - -Nach links und nach rechts streckt Baldur seine Hände, Glückslachen auf -den Lippen. - -»Wodan und Donar, ihr konntet nicht sterben, ihr lebt fort im -Germanenvolk in verjüngter Gestalt, ewig und ewig, solange der -Donner kracht zur Sommerzeit, solange der Herbststurm braust und ein -Menschenaug in Wolken die wilde Jagd erblickt. Willkommen ihr alle zu -neuen Schöpfungswerken! Den Frieden wollen wir im Himmel und auf Erden. -Den Frieden der Freien. Keinen anderen Frieden für und für. Deß sei uns -des starken und gerechten Donars Hammer ein Zeichen.« - -Sie legen die Hände ineinander zum Schwur und schaffen einen neuen -Hochsitz. - -»Für den großen Gott, der uns führen wird.« - -Und sie sprechen Allvaters Worte nach: - -»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen neu, wenn sie sich -würdig erwiesen. Würde ist nicht das bißchen Tugend des Tages. Würde -ist, für sein Leben und Schaffen sterben können. Das allein macht -_un_sterblich.« - - * * * * * - -Zu allen Zeiten lebte das Germanenvolk wie seine Götter. Der Götter -Tugenden waren die seinen und der Götter Fehler, der Götter Kraft und -der Götter Kriege, der Götter Niedergang und der Götter Auferstehung. -Du aber, mächtigster Germanenstamm, deutsches Volk, von der Maas bis an -die Memel, von der Etsch bis an den Belt, erkenn aus der Urväter Tagen, -daß deine Götter und Helden niemals dem Schicksal schwächlich in die -Augen sahen, daß sie es kühn erwarteten und sich bis aufs letzte Blut -mit ihm schlugen, wie Männer tun im deutschen Zeichen des Hammers. Vom -Blute Wodans lebt es in dir, vom Blute Donars, vom Blute Baldurs, und --- so der große Gott, »der uns führen wird«, uns liebt, weil wir Männer -sind und keine Knechte -- immerdar vom Blute - - _Hermanns, des Cheruskers_. - - - - -Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig - - -RUDOLF HERZOG - -Preußens Geschichte - -31. bis 40. Tausend / 390 Seiten mit zahlreichen schwarzen Bildern von -Prof. A. Kampf / Buchschmuck von Prof. G. Belwe / Geb. M. 6.60. - -»Alle wichtigen Epochen, alle hervorragenden Herrschergestalten sind -hier in der _fesselnden Erzählungsweise_ Herzogs, in seinem feinen Stil -geschildert. Man weiß nicht, ob man mehr die packenden, feingemeißelten -Porträts der großen Preußenkönige oder die dramatisch bewegten -Schilderungen der Schlachten von Fehrbellin, von Torgau, Leuthen, -Leipzig, Königgrätz oder Sedan bewundern soll. Wie einen Roman, dessen -Handlung wir mit Spannung folgen, lesen wir diese Schilderungen, die -uns doch Altbekanntes in ganz neuem Lichte und Zusammenhang zeigen. -_Herrliche Balladen_ unterbrechen zuweilen den Lauf der Darstellung. -Gedichte wie ›Rheinsberger Tage‹, ›Bei Torgau‹, ›Blücher zieht über -den Rhein‹, ›König Wilhelms Heldenschau‹ und andere mehr werden zu den -_Perlen patriotischer Dichtungen_ zählen. Ein feiner Buchschmuck paßt -sich der Stimmung des Ganzen trefflich an. Alles ist dazu angetan, -diese Geschichte Preußens zu _einem Volksbuch_ werden zu lassen.« - - Deutsche Revue. - - -Ritter, Tod und Teufel - -Gedichte / 61. bis 70. Tausend / 156 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.--. - -»Es gibt wohl kaum eine Stimmung in dem unheimlichen Wirbel der -Kriegseindrücke, die den Dichter nicht zur Gestaltung gedrängt, -deren Ausdruck ihm nicht gelungen wäre. Heldenmut und Treue, -unerschütterliche, begeisterte, bis zur Selbstaufopferung hingebende -Liebe zu Vaterland und Kaiser sind die Grundtöne, die die Sammlung -durchklingen ... _Der Band ist eine köstliche Perle in dem reichen -Schatze unserer Kriegslyrik._« - - Literarisches Zentralblatt f. Deutschland. - - -Stürmen, Sterben, Auferstehn - -Gedichte / 21. bis 30. Tausend / 127 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.--. - -»Die zweite Gedichtsammlung zeigt die gleiche _glühende -Vaterlandsliebe_ und die gleiche Kraft im Ausdruck und Kunst der -Stimmungsmalerei, denselben _hohen Persönlichkeitswert_ wie der erste -Band, und doch finden sich auch wieder neue Züge in Stoff und Form, -ja man ist versucht, eine noch _größere Tiefe_ der Empfindung, noch -schwereren Ernst in den Gedanken an Tod und Unsterblichkeit in ihr zu -spüren.« - - Literarisches Zentralblatt für Deutschland. - - - - -J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger - -Stuttgart und Berlin - - -RUDOLF HERZOG - - Geb. - =Das goldene Zeitalter= M. - Roman. 13. u. 14. Aufl. 6.50 - - =Der Adjutant= - Roman. 15.--17. Aufl. 6.50 - - =Der Graf von Gleichen= - Ein Gegenwartsroman - 39.--41. Aufl. 8.50 - - =Die vom Niederrhein= - Roman. 86.--95. Aufl. 8.50 - - =Das Lebenslied= - Roman. 101.--110. Aufl. 8.50 - - =Die Wiskottens= - Roman. 141.--150. Aufl. 8.50 - - =Der alten Sehnsucht Lied= - Erzählungen. - 15. u. 16. Aufl. 6.50 - - =Der Abenteurer= - Roman - Mit Bildnis des Verfassers - 46.--50. Aufl. 8.50 - - =Hanseaten= - Roman. 101.--110. Aufl. 8.50 - - =Es gibt ein Glück ...= - Novellen. 34.--36. Aufl. 7.-- - - =Die Burgkinder= - Roman. 131.--140. Aufl. 8.50 - - =Ausgewählte Novellen= - Mit einer biogr. Einleit. - von _J. G. Sprengel_. - 21.--25. Tausend 2.20 - - =Die Welt in Gold= - Novelle. 16.--.20. Aufl. 2.50 - - =Das große Heimweh= - Roman. 101.--105. Aufl. 9.50 - - =Die Stoltenkamps - und ihre Frauen= - Roman. 126.--135. Aufl. 9.50 - - =Jungbrunnen= - Novellen. 51.--80. Aufl. 7.50 - - =Gedichte.= - 5. Auflage 3.50 - - =Wir sterben nicht!= - Lieder und Balladen - 2.--5. Auflage 3.-- - - =Die Condottieri= - Schauspiel in vier Akten - 3. Auflage 4.-- - - =Auf Rissenskoog= - Schauspiel in vier Akten - 2. Auflage 4.-- - - =Herrgottsmusikanten= - Lustspiel in vier Akten - 2. u. 3. Auflage 4.50 - - =Stromübergang= - Dramatisches Gedicht - in einem Aufzug - 1.--10. Tausend 1.-- - - =Die Nibelungen= - Des Heldenliedes beide - Teile, neu erzählt. Mit Bildern - von Professor _Franz - Stassen_. (Verlag von - Ullstein & Co., Berlin) 6.-- - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription. - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die - Antiqua-Auszeichnungen dienten nur der Dekoration und wurden - entfernt. - - Die Abbildung wurden an die zugehörige Textstelle verschoben, deren - Seitenreferenz wurde entfernt. - - Korrekturen: - - S. 4: die ersten beiden Zeilen → Anfang von S. 3: - griffen nach - {dem rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen - Geistes, und als Erstes entstand ein Ungetüm, das alle} - Erde, die da wurde, - - S. 6: Wil → Wili - Wodan, der junge, sah es, und er rief {Wili} und We, - - S. 120: Das → Da - {Da} war der Donnerer wohl zufrieden. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Germaniens Götter, by Rudolf Herzog - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMANIENS GÖTTER *** - -***** This file should be named 56192-0.txt or 56192-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/1/9/56192/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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