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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Germaniens Götter - -Author: Rudolf Herzog - -Illustrator: Robert Engels - Paul Hartmann - -Release Date: December 17, 2017 [EBook #56192] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMANIENS GÖTTER *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original fetter Text ist =so markiert=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Germaniens - Götter - - von - - Rudolf Herzog - - [Illustration] - - Verlag Quelle & Meyer · Leipzig - - - - - Copyright 1919 by Quelle & Meyer, Leipzig - - Alle Rechte vorbehalten - - Schwarzweißzeichnungen von Professor Robert Engels - Einbandzeichnung von Paul Hartmann - Druck von Radelli & Hille, Leipzig - - - - - Den - Nachkommen - Hermanns - des - Cheruskers - - - - -Zum Geleit. - - -Von den Göttern spricht dies Buch. Von Germaniens Göttern. Immerdar -sind eines Volkes Götter das Abbild seiner innersten Art gewesen, -seiner Tugenden, seiner Fehler, seiner verlangenden Sehnsucht. Wenn -unsere Väter zu den Göttern riefen, riefen sie an, was an Kraft und -Zuversicht bewußt oder unbewußt in ihnen selber lebte, sahen sie -Wunsch und Willen im Lichte eines überirdisch gesteigerten Mannes- und -Heldentums. - -Ein Volk, das seiner Götter vergißt, vergißt seines Ursprungs, seiner -Ahnen, seiner selbst und seiner Wurzelkraft. Wer sich seiner Herkunft -und Vergangenheit schämt, baut seine Zukunft in den Wirbelwind. Aus den -rauhen Wäldern Germaniens stammen wir, stammen unsere Götter. Nicht -aus dem sonnentrunkenen Hellas und dem hochmuttrunkenen Rom. Lernt es -aufs neue, ihr Deutschen. Lernt es mit dem Stolz, der allein die Kraft -verleiht, ein _Volk_ zu sein und keine Sklavenherde von Mantelträgern -und kriechenden Liebedienern. Den Göttern Griechenlands, den Göttern -Roms unsern Gruß. Germaniens Götter grüßen euch mit _derselben_ Stimme -der Unsterblichkeit! Nie waren die Götter Deutschlands herrlicher und -gewaltiger, als in den Tagen, da sie um Untergang und Auferstehung -kämpften. - -Was sind Jahrhunderte, was Jahrtausende, gemessen an der urewigen Zeit? -Germaniens Götter rufen heute wie ehedem. Und immer riefen sie am -stärksten, wenn der Sturm die Wolken über den deutschen Himmel jagte. - -Beilzeit, Schwertzeit -- Windzeit, Wolfzeit! - -Wiederum heute, wie zu der Urväter Zeit. - -Um Untergang und Auferstehung kämpft Deutschlands Volk. Euren Göttern -nach, ihr Deutschen! Zur neuen Sonne! Zur neuen, geläuterten Zukunft. - - _Rudolf Herzog._ - - Obere Burg zu Rheinbreitbach - 18. Oktober 1919. - - - - -Inhaltsverzeichnis - - - Der Götter Erscheinen 1 - - Der Menschen Werden und Wachsen 12 - - Das goldene Zeitalter 24 - - Der Wanenkrieg 36 - - Die Götter auf schiefer Bahn 52 - - In Schuld und Schicksalskampf 63 - - Die Götter auf Kundschaft 80 - - Im Zeichen des Hammers 102 - - Wodans Wunschmädchen 130 - - Unter den Einheriern 147 - - Um Baldur 177 - - Der letzte Kampf 198 - - - - -Der Götter Erscheinen. - - -Regungslos lag die _Weltseele_ ... - -Über der Leere lag sie, der ungeheueren, die nicht Wasser noch Erde -wies, nicht Feuer noch Luft. Nichts als die leblose Leere. Starr und -unendlich. Regungslos lag die Weltseele über der toten Leere. Bis daß -sie träumte ... Leben träumte sie ... - -Und als der erste Traum durch die Weltseele rann, war es wie ein -erstes, wärmendes Leben, und aus der aufsteigenden Wärme sprang wie ein -Funke der _Gedanke_, der zur Flamme wurde und aufloderte in die Leere. - -Das _Feuer_ war in die Welt gekommen und stand, eine Welt für sich, -hoch und heiß und sengend am Rande der Leere. _Muspelheim_ hieß -diese Welt, und Feuergeister waren, was aus der Weltenseele in sie -hinübergeglitten war. - -Weiter sann die Weltseele. Und sie sann hinter dem feurigen Gedanken -her, der Muspelheim entzündet hatte und nun unaufhaltsam war. Nicht -Wärme, nicht Kälte hatte die ungeheure Leere gekannt. Nun aber, da -an ihrem Südrande Muspels Flammen lohten, ward sich der Nordrand der -Kälte bewußt, und die dunklen Nebel brauten, daß es eine Welt voll -Nebel war und _Niflheim_, Nebelheim geheißen. Die Nebel aber stiegen -auf und wurden _Luft_, und sie stiegen nieder und wurden _Wasser_. -Und die Wasser Niflheims strömten in die ungeheure Leere, die sie -zur Eisschicht erstarren ließ, und die Wasser strömten immerzu, und -Eisschicht lagerte sich über Eisschicht, bis die Leere ausgefüllt -war. Und die Stürme, die aus Niflheims Luft wuchsen, zermürbten die -Decke zu Schnee und Reif, und die Glut, die aus Muspelheims Flammen -hinüberlangte, mischte Glutasche hinein und schmolz das Wasser hinaus, -daß _Erde_ wurde und aus Erde, Wasser, Feuer und Luft die Wildnis der -_Erdenwelt_. So ward die Erdenwelt geboren und geschwängert von allen -Gedanken der Weltseele. - -Die irdischen Gedanken aber lagen nahe der Oberfläche und drängten -nach Form und Gestalt, hastig und ungeschlacht, während die göttlichen -Gedanken noch in der Tiefe lagen und über Vollkommenheit sannen. Und -als der Funkenregen, der von Muspelheim herüberstob, kaum erst die -oberste Reifschicht durchbrochen und die vorgeschobenen, die irdischen -Gedanken der Weltseele mit seinem lebenheischenden Anruf getroffen -hatte, rissen die noch unvollkommenen sich los, griffen nach dem -rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen Geistes, und als Erstes -entstand ein Ungetüm, das alle Erde, die da wurde, in sich fraß, und -alle Wasser, die da rauschten, in sich schluckte, das alle Luft aufsog -und alle Feuerwärme für sich begehrte -- der _Riese Ymir_. - -Der Riese Ymir wälzte seinen immer hungrigen und durstigen Leib im -dampfenden Reif, und wo er ausruhte, drohten seine massigen Gliedmaßen -das junge, lebenhegende Erdreich zu ersticken. Und als er sich -übernommen hatte an Speise und Trank und ächzend lag, rieb er im -Angstschweiß seine Hände, und es sprang ein neues Riesenpaar heraus, -das dem Vater beistand im Fressen und Schlucken, und er rieb seine Füße -aneinander, da zeugten auch diese ein Riesenpaar, das noch ungefüger -war, als das erste. Sie alle aber wußten nichts, als ihren Bauch zu -mästen und Kinder zu zeugen, die dasselbe taten, und die Luft mit ihrem -Brausen und Brüllen zu erfüllen. - -Als der Riese Ymir, unreifer Gedanken voll, sich ins Leben gewälzt -hatte, drängte eine Schar unruhiger, flatternder Gedanken ihm nach, -fanden aber, bei Ymirs gewaltsamer Ausdehnung, nicht genug des -Rohstoffes mehr, um sich einen irdischen Körper zu schaffen, und fuhren -in Grimm und Unlust als wütende und boshafte _Gespenster_ durch die -Luft und das Land. Schrate und Trolle wurden sie und Maren, Truden und -schwarze Alben. Steckengeblieben waren sie in ihrem Werden zwischen -Irdischem und Göttlichem, überragten das rohe Riesengeschlecht an -Witz und Geist, reichten dennoch nicht heran an das Erhabene, das dem -Geist erst seine edle Führung gibt. Unstet und zerfahren, ohne Zucht -und Ordnung, vermehrten sie den Wirrwarr, den die riesischen Urnaturen -verübten, jagten mit ihnen gemeinsam und hockten ihnen auf, krochen -zwischen sie und hetzten sie gegeneinander durch Stoßen, Treten und -Zerren, und freuten sich aus sicherem Versteck, wenn die Ungeschlachten -übereinander herfielen und brüllend die eben erst gewordene Erde -zusammenstampften. So wetteiferte das ungezügelte Geisterheer mit den -rohen Naturgewalten der Riesen, die junge Erdenwelt nur als Tummelplatz -aller wilden Lüste zu nutzen und jede Entwicklung zu einer höheren Welt -im Keime zu ersticken. - -Der göttliche Gedanke jedoch hatte nicht brach gelegen. Langsamer, -als die eilfertig und verwahrlost Schwärmenden, aber unaufhaltsam, -forschend, sich klärend, neuschöpfend, drang er aus der stillen Tiefe -empor zum Licht. Er nahm _nur_ die wenigen und die edlen Stoffe, die -dem stumpfen Blick der Riesen entgangen und der Gier der Gespenster -zu gering erschienen waren, und gab dem Geist die Vorherrschaft über -den Körper. Schlank und ebenmäßig formten sich die Glieder, ein jedes -untertan der Verrichtung, die es erfüllen sollte, und sinngemäß danach -erschaffen. Stark wölbte sich die Brust, straff spannten sich die -Muskeln, blau blitzten die Augen und goldfarben wehte das Haar. In der -Wärme des Tags stand _der erste Gott_. Und er nannte sich Buri. - -Gewaltig in wilder Naturkraft stand der Riese Ymir. In Schönheit stand -Buri, der Gott, und sein Geist war höher als des Riesen Felsenhaupt. - -Und als der erste Gott geruhsam erforscht hatte, was der Erdenwelt -not tue, schuf er sich lächelnd um in seinen Sohn Bur, der sonach -erdgeboren wurde aus göttlichem Geist und sich ein Weib aus der Riesen -Geschlecht wählte und sich aus ihr heraus, zum dritten Mal, neu erschuf -in drei Söhnen, _Wodan_, _Wili_, _We_. Damit die erhabenen Götter das -gerechte Empfinden behielten für irdische Dinge. - -_Asen_ nannten sie sich, die »göttlichen«. Ihr Haupt und Held war -_Wodan_. -- - -Immer noch lag die Erdenwelt wie eine wüste Wildnis. Ymir, der Fresser -und Säufer, lastete mit seiner zahllosen Sippe zu schwer auf ihr, -als daß sie hätte atmen und gedeihen können. Über ihre ganze Länge -und Breite schob sich schon sein Leib. Sein Blick aber ging nicht -weiter als bis zu der tückischen Geisterschar, die ihn mit blödem -Blendwerk umgaukelte und ihn und seine Sippe billigen Zauber lehrte -statt fruchtbringende Arbeit. Dreimal hatten sich die erhabenen -Götter umgeschaffen, um immer vollkommener zu werden für die Größe -ihrer Sendung und ihrer Aufgabe. Das ungeschlachte Riesengeschlecht -hielt sich für vollkommen, wie es roh aus dem Reife stieg, und griff -mit tölpelhaften Händen nach den Erzeugungen der Erdenwelt, um sie -zu vertilgen, statt zu vermehren und zu veredeln. So verschwand die -Erdenwelt im unersättlichen Bauche Ymirs und seiner Sippe, und alles -Weiterwerden drohte zu vergehen. - -Wodan, der junge, sah es, und er rief Wili und We, seine Brüder, und -sie gingen zu Ymir, als er auf dem Rücken lag und verdaute. Das war -sein einzig Tagewerk. - -»Wozu bist du hier?« fragte ihn Wodan. - -»Ich bin hier, um zu leben«, knurrte Ymir böse. »Die Erde sorgt, daß -ich wachse.« - -»Nein,« sagte der Ase, »du lebst, damit die _Erde_ wachse. Kannst du -weiteres verstehn? Steh auf und schaffe.« - -Da drehte sich der Riese wie ein Flegel auf den Bauch und wies die -Kehrseite, daß die Männer und Weiber seiner Sippe vor Vergnügen -brüllten und sich das Mißgunstvolk der Maren und Schrate, der Truden -und Alben meckernd in der Luft überschlug. - -Wodan lachte über die Welt hin. - -»Packt an,« gebot er den Brüdern. Und sie packten den ungefügen -Erdenkloß, den Erdaussauger, zu dritt, hoben ihn hoch und zertrümmerten -ihn an dem Felseneis. - -Krachend schlug Ymirs Riesenleib über die Erde, daß sie fast -zerschmettert war und in kreischendem Getöse bebte und schütterte. -Brausend und alles mit sich reißend schoß aus dem zerplatzten -Riesenleib das Blut, und so gewaltig und ungeheuerlich waren die -Blutströme, daß sie die Erdenwelt überschwemmten, die gähnenden Klüfte -in schäumende Seen wandelten, bis zu den Gipfeln der Eisberge stiegen -und alles Lebende ersäuften. Das Riesengeschlecht watete durch die -Fluten. Das brüllende Lachen war ihm vergangen. Das Blutmeer stieg -ihm an den Hals. Männer hoben ihre Weiber, Weiber ihre Kinder auf -die Schulter, daß sie sich auf die Eisberge retteten. Mit entsetzten -Blicken hingen sie an den Höhen. Und eine heulende Blutwoge schlug -sie herunter und ertränkte und erstickte sie im Knäul der zappelnden -Riesenleiber. Als die Sintflut sich verlief, war Ymirs Geschlecht -vertilgt. Nur in ferner Ferne fuhr noch ein einziger Riese mit seinem -Weib auf einem Floß dahin, ließ sich von der verlaufenden Flut treiben -weithin bis ans Ende der Welt -- und entkam. - -Auf dem höchsten Grat, hoch über der Sintflut, stand Wodan mit seinen -Brüdern. - -»Sieghaft auferstehn soll der erhabene Geist über die rohen -Stoffgebilde. Beseelen soll er die wilden Naturgewalten, sie zur -Ordnung leiten und zu schöpferischer Arbeit. Nur das ist Leben.« - -Über die Sintflut hinweg jagte das heulende Heer der Spukgestalten und -suchte sich in kreischender Angst vor dem Blick des gewaltigen Gottes -zu verbergen. - -»Verruchtes Volk der Halbheit,« ergrimmte der Gott. »Von den Göttern -holtest du Wissen und wandeltest das Göttliche in gemeine Lüste und -billigen Zauberspuk, der die Irdischen gierig macht in die Tiefe und -ihre Augen für das Höchste verblödet. Ich fege euch weg!« - -Und wie der Sturmwind fuhr Wodan hinaus und würgte zwischen den Händen, -was er erfassen konnte von den tausenden von Truggespenstern, und hing -die erdrosselten an seinen Gürtel. Und nur wenige waren, die ihm in -den Ritzen und Ranken entkamen. - -Der wilde Jäger kehrte zurück. »Ich werd' dich noch jagen manche -Sturmnacht, lichtscheues Gesindel,« lachte er in den Bart, warf seine -Last ab und strich sich aufatmend über die Brauen. »An die Arbeit -jetzt!« - -»Du bist Haupt und Held,« sprachen Wili und We, die Brüder, »_Allvater_ -bist du, und ein Führer muß sein selbst unter Göttern. Wir ratschlagen -mit dir. Dein ist der Befehl!« - -Da ratschlagten die Götter in ernstem Wägen, um eine Ordnung zu -schaffen, in der ein jedes seinen Platz erhielte und seine Bestimmung. -Und sie nahmen den Schädel Ymirs und richteten ihn auf ragenden Säulen -als Himmelskuppel auf, und das Gehirn ward zu Wolken, die das Wetter -bargen. Aus Ymirs Fleisch schufen sie das gesättigte Erdreich, aus -den beinernen Knochen Stein und Fels, aus dem wirren Haar Bäume und -Gesträuch, aus dem Blut das brausende Meer. Sie zogen dem Riesen -die scharfen Wimperhaare aus und bauten aus ihnen kreisrund um das -wirtlichste Land einen mächtigen Wall gegen das ungebärdige Meer und -die Tücken der zum Weltend entflohenen Riesen. Und sie nannten das -inmitten gelegene Land, das von einem neuen Geschlecht bevölkert -werden sollte, _Midgard_. Und den Himmel, den sie als Wohnung der Asen -bestimmten, nannten sie _Asgard_. Die Funken aus Muspelheim fingen -sie auf und hingen sie als Leuchten an den Himmel. Die außengelegene -Welt aber, in die sich die letzten Riesen und das irrlichtende Volk -der Alben und Trolle geflüchtet hatten, nannten sie _Utgard_, und tief -unter die Erde verwiesen sie Niflheim, die Nebelhölle, die Totenwelt. - -Und Allvater sprach: »Der göttliche Gedanke hat sich noch nicht -erschöpft. Zusammen ruf ich seine ganze Kraft.« Und er hob die Hände an -den Mund und stieß einen Ruf aus, der in die Tiefen der Unendlichkeit -ging: »Herbei, was göttlich ist in aller Weltenseele seit Urbeginn!« - -Da stieg aus der fruchtbar gewordenen Erde _Frigg_ hervor, die erste -Göttin, und lehnte sich an Wodans Schulter. Und es sammelte sich ein -Kreis lichter Gestalten um den obersten Gott, und sie alle suchten -ihren Platz und hörten Wodans Gebot. Eine Schar der Lichtgötter aber, -die sich _Wanen_, die Wissenden, nannten, jauchzten in die junge Welt -hinein, faßten sich an den Händen zum Reigen und schwangen sich, des -Jubels voll, hoch in die frühlingslauen Lüfte. Von der Stätte der -harten Arbeit verloren sie sich im Spiel, und sie beschlossen, singend -und klingend, ein milderes Reich im Reiche zu gründen unter der -Herrschaft der Schönheit und des Glücksgenusses. - -Mit den erstgewordenen Göttern, den Göttern seit Urbeginn, stieg Wodan -auf gen Asgard, die Schöpfung zu vollenden, zu veredeln, zu leiten. - -Die Erdenwelt war lebendig in der Natur. Allvater gedachte, ihr das -göttliche Leben zu geben in dem _Menschen_. -- - -Unter den Urgöttern aber stand an ragender Stelle der Schwertgott -Tuisko, _Teut_, der den Mannus zeugte, den Mann. Mannus gab drei -Söhnen das Leben, Ingo, Isk und Irmin. Sie wurden die Stammväter der -Ingävonen, der Iskävonen und der Erminonen, der drei Hauptstämme der -Teutmänner, _der Deutschen_. - - - - -Der Menschen Werden und Wachsen. - - -In Asgard saß Wodan, der Götter Haupt und Held. Eine Türschwelle hatte -er vor dem Götterheim zu einem Hochsitz geschichtet. Wohl erwählt war -der Platz, denn von dem Hochsitz aus überschaute Allvater die ganze -Welt und alles Werden und Vergehen. Und er sah mit durchdringendem -Auge, daß im Leibe der Erde ein seltsam Leben wimmelte. - -Er berief den Götterrat, und sie erforschten, daß des Riesen Ymirs -träges Fleisch voller Maden gesteckt habe, die sich, mit der -Verwandlung von Ymirs Fleisch in fruchtbaren Erdboden, ebenso zu einer -höheren Stufe entwickelt hatten und als absonderliche _Zwerge_ und -_Wichte_ zwischen den Rippen der Erde wühlten. In guter Laune formten -und feilten die Götter an den drolligen Gestalten, ohne sie um vieles -schöner herausputzen zu können, schlossen sie deshalb vom Tageslicht -aus und bannten sie ins dunkle Erdinnere zurück, beschenkten sie aber -in göttlichem Mitleid mit Verstand und Rückerinnern. - -Und Allvater sprach: - -»Nur der vermag das Sonnenlicht auf Erden zu ertragen, der in der Sonne -geboren ist. Das Sonnenlicht hebt die Gedanken stolz und hoch zum -Himmel und schafft ihnen höhere Gleichnisse. Darum taugt es nicht, daß -die Unterirdischen die Macht auf Erden gewinnen, denn ihre Gedanken -steigen in die Dunkelheit und zum wimmelnden Gewürm.« - -Und Wodan warf seinen Sturmmantel um und entbot _Hönir_, den Gott des -Waldes und der Heide, und _Loki_, den Heißen und Leuchtenden, dem das -Feuer untertan war, und fuhr mit den Ratgesellen zur Erde. - -Sie wanderten dahin im Licht der Sonne, die aus Muspelheims Funken am -Himmel hing, und das Schweigen der Wälder umgab sie. Prüfend gingen -ihre Augen über alles, was war. Und sinnend schritten die drei Götter -dahin. - -Da bot sich ihnen auf der Lichtung eines Hügels ein wunderbares Bild. -Kraftvoll war es und lieblich zugleich. Vom Schatten des Waldes -umkränzt, hob sich sonnenübergossen der blumige Hügel, und eine -mächtige Esche reckte sich daraus und eine breitausladende Ulme, und -beide streckten sie ihre Wipfel sehnsüchtig dem Himmel entgegen, und -sehnsüchtig vermählte sich ihr starkes Untergeäst, als wollte ein Baum -den anderen stützen und umschlingen, und ihre Wurzeln tranken tief aus -der Erde, während ihre Wipfel hoch nach dem Himmel verlangten. - -In lächelnder Gewähr blickte Allvater Wodan auf das Bild, segnend stand -Hönir, der Wälder Gott, feurig und leidenschaftlich trat Loki heran. - -Und Wodan nickte mit dem Haupt und strich mit leisen Händen über die -Rinde der Bäume. Und von seinen Händen ging eine Kraft aus, die drang -in das Mark der Esche und drang in das Mark der Ulme und erfüllte beide -mit der göttlichen Seele. - -Da ging ein Raunen und Rauschen durch die Bäume von der Wurzel bis zur -Krone. - -Und Hönir tat wie Wodan und streichelte liebkosend Stämme und -Blätterdach und flüsterte mit ihnen. - -[Illustration: »Da standen Esche und Ulme horchend und wurden -sehend ...«] - -Da standen Esche wie Ulme horchend und wurden sehend und regten ihre -Äste und standen, mit offenen Sinnen, in freier Bewegung in all der -Sonne. - -Der feurige Loki aber sprang vor, riß sie an seine Brust, daß sie -taumelnd die Glut seines Herzens spürten, ließ einen Blutstropfen in -sie überspringen und gab die Menschgewordenen aus seiner brünstigen -Umarmung frei. - -Auf der Erde standen _die ersten Menschen_. -- - -Und die ersten Menschen sahen die Götter und sahen dann sich selbst. -Und sie erblickten in ihren Augen die Sonne des Himmels und schritten -mit heißen Wangen aufeinander zu und faßten sich bei den Händen. - -_Ask_ hieß die Esche. _Embla_ die Ulme. So hießen die ersten Menschen. -Und Embla lehnte ihr Haupt an die Schulter des Ask, wie Frigg getan -hatte, die erste Göttin, als sie Wodan erblickte. - -Da winkte Wodan seinen Gefährten und fuhr mit ihnen gen Asgard zurück. - -»Wir gaben ihnen viel,« sprach Wodan, »mehr noch müssen sie sich selber -geben.« - -Die Gefährten suchten Allvaters sinnenden Blick. - -»Die Erkenntnis,« sprach Wodan, »daß sie nur mit den Göttern -Edelmenschen und Herren der Erde sind; ohne die Götter -- Schlagholz im -Walde.« - -Loki erwiderte: »Aus dem Schlagholz im Walde springt hell und lustig -die Flamme. Das deucht mich kein übles Los.« - -»Wehe den Menschen,« sprach Wodan, »die göttliches Feuer mit irdischer -Flamme verwechseln. Die irdische Flamme ist die Zerstörung, die -göttliche führt zur Ewigkeit.« - -Da schwieg Loki. -- - -Auf dem Hochsitz über der heiligen Türschwelle saß Wodan und blickte -über die ganze Welt. Von den Tieren, die er erschaffen hatte, hatte -er zwei Raben ausgewählt, die hießen Hugin und Munin, Denkkraft -und Erinnerung, und hockten ihm zur Rechten und zur Linken auf der -Schulter. Täglich sandte er sie über die ganze Welt hinaus, und was sie -auf ihren Flügen erspäht hatten, flüsterten sie Wodan ins Ohr, wenn sie -auf seinen Schultern hockten. An seine Füße schmiegten sich zwei graue -Wölfe, Geri und Freki geheißen, des Gottes würgende Jagdhunde, wenn er -als wilder Jäger durch die Lüfte brauste oder über die Walstatt der -Kämpfer. - -Von Asgard, der himmlischen Heimburg, blickte mit Wodan die Schar der -Götter hinunter nach Midgard, ins Land der Menschen. Und der göttliche -Teutsohn Mannus ersah mit Freuden ein kraftvolles Menschenkind mit -goldrotem Haar und blaublitzenden Augen, das der Umarmung des Ask und -der Embla entsprossen war, und er suchte sie auf in Midgard, und sie -verbanden sich in Liebe und Kraft. Da wurden ihre Söhne Ingo, Isk und -Irmin nach Ask, dem Urvater, die ersten Männer, die über das Erdreich -schritten, und waren die Stammväter der Deutschen. - -Unter den Göttern war _Heimdall_, der lichte Ase, den Wodan zum Wächter -gesetzt hatte über alles Geschehen. Nie kam ihm der Schlaf. Vor der -Sonne schon beleuchtete er den Himmel- und Erdenkreis mit goldenem -Frührot und horchte aufmerksam auf die Atemzüge der Welt. Heimdall aber -sah, wie schnell sich das Menschengeschlecht vermehrte und wie es nicht -zum frohen Genusse des Lebens kam, weil ihr Schaffen ungeordnet war und -ein Jeder jede Arbeit tat, ohne sie recht zu verstehen. So mühten sie -sich ohne Erfolg und bald ohne Freude und brachten es zu nichts. Das -bekümmerte den guten Gott, und er beschloß Wandel. - -In menschlicher Gestalt betrat er die Erde und spähte in alle Hütten. -Und er ersah ein Ehepaar, das war knochig und gedrungen und muskelhart -an Armen und Beinen. Es buk sein schwarzes Brot aus den Körnern, wie -sie vom Felde kamen, und trank die Milch warm, wie sie die Euter -der Kühe spendeten. Zu ihnen trat Heimdall als Gast, und als er mit -ihnen gegessen und getrunken hatte, weissagte er ihnen, daß aus der -anspruchslosen Kraft die Fülle des Wohlstandes erwachsen würde, und er -schlief bei ihnen in der Kammer und schied im Frühlicht. - -Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben von schwerem Körperbau, -und als er aufwuchs, rodete er Äcker, bestellte sie von morgens bis in -den Abend und umzäunte sie, bewässerte Wiesen und schuf Weideland für -Pferde und Kühe, Ziegen und Schafe und trieb die Schweine zur Mast in -den Eichenwald. Er arbeitete im Schweiße seines Angesichts und lehrte -wiederum die eigenen Kinder so, denn sein Gemüt war fröhlich bei allem -Mühen, und wenn er durch die wogenden Saaten schritt und durch die -wachsenden Herden, sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk -meiner Hände, und es ward, weil ich es verstehen lernte und ihm all -meine Liebe schenkte. - -So wurde der _Bauernstand_, und er war göttlich durch Heimdall, den -Wächter. - -Und Heimdall spähte weiter in alle Hütten der Menschen, und er -erschaute ein Ehepaar, das war stattlich und von kluger Stirn, hinter -der die Gedanken arbeiteten. Der Mann hatte der Frau einen Spinnrocken -geschnitzt und sich selber einen Webestuhl, und sie spannen und webten -Linnen und Tuch und schmückten sich mit den schönen Gewändern, auf daß -sie eine immer größere Freude aneinander hätten trotz Wind und Wetter. -Bei ihnen trat Heimdall ein, und sie luden den Fremdling zu Gast, und -die Frau kochte auf dem Herdfeuer ein feines Gericht aus den Kräutern -des Gartens und zartem Fleisch. Und als der Gott sich gesättigt hatte, -weissagte er ihnen, daß aus der durchdachten Kunst ihrer Handfertigkeit -die Fülle des Wohlstandes erwachsen würde, und er schlief bei ihnen in -der Kammer und schied im Frühlicht. - -Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben, der war schlank und -gelenkig und von besonderem Verstande. Als er aufwuchs, zimmerte -er kunstvoll verzierte Häuser und weitgeschwungene Hallen, baute -Schmiedewerkstätten, in denen aus den Erzen der Erde köstlicher Schmuck -bereitet wurde und aus dem Eisen Schwerter und Pflugscharen, veredelte -Rocken und Webstuhl und mit ihnen Gespinnst und Tuch und tauschte seine -Erzeugnisse mit den Früchten des Bauern und dem Fleiß aller Welt. Sein -Tagewerk ging grübelnd und wirkend bis in die Nacht, und er lehrte es -wiederum die eigenen Kinder so, denn sein Gemüt war fröhlich bei allem -Mühen, und wenn er durch Häuser und Hallen und Werkstätten schritt, und -sein Auge Gewebe und Schmuck jeder Art, Waren und Werkzeuge musterte, -sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk meines Hauptes und -meiner Hände, und es ward, weil ich es verstehen lernte und ihm all -meine Liebe schenkte. - -So wurde der _Gewerbestand_, und er war göttlich durch Heimdall, den -Wächter. - -Und zum drittenmal spähte Heimdall in alle Hausungen der Menschen, und -er erblickte ein Ehepaar, das war schlank und muskelhart zugleich, -stark und furchtlos wie kein anderes, und wer Rat und Tat suchte, -klopfte an seine Tür. Der Mann kam staubbedeckt von der Jagd, warf -das Untier des Waldes, den erlegten Bären, vor die Feuerstelle und -spannte den Bogen neu und schärfte die Speerspitze nach, bevor er sich -erfrischte. Lachend schloß die schöngeschmückte Hausfrau den Wilden in -die Arme. Und er saß bei ihr, den Arm um ihren Nacken geschlungen, und -besprach mit ihr all sein tapferes Planen gegen das Raubzeug der Tiere, -der Menschen und der bösen Geister, und sie gab ihm Rat und rief das -Gesinde der Mägde und lehrte sie, das Wildpret zerlegen, zubereiten und -die Armen und Hungrigen damit sättigen. Und Heimdall trat zu dem edlen -Paar an den gastfreien Tisch, ließ sich den Bärenschinken munden und -den schäumenden Met aus dem Auerochsenhorn, freute sich der würzigen -Reden und weissagte den Starken zum Dank, daß aus ihrer Kraft und ihrem -hochgemuten Sinn die Fülle des Wohlstandes erwachsen würde über das -Haus hinaus zum Besten aller, die um das Haus sich scharten. Und er -schlief bei ihnen in der Kammer und schied im Frührot. - -Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben, der hatte die Kraft des -Bären, die Schnelligkeit des Hirschen, das Auge des Falken. Stärker -aber, rascher und schärfer noch war sein Geist. Und Geist und Körper -waren wie Blitz und Schlag. Als er der Wiege entsprang, rannte er in -den Wald, erkletterte er die Berge und ließ sein Jauchzen erschallen, -daß die Menschen, die ihn hörten, Kopf und Nacken streckten und das -Echo jubelten. Auf der Wiese griff er sich die Hengste und ritt mit -den Winden um die Wette, ohne zu ermüden. Sein Pfeil holte den Vogel -aus der Luft, sein Speer den Wolf auf der Flucht. In der Brandung der -See kämpfte er mit den geschmeidigen Robben, als stände er auf festem -Land. Und wo es Hilfe galt, war er der erste. Als er heranwuchs, baute -er eine feste Burg, und die Nachbarn siedelten sich an im Schutz -seiner Mauern und seines Schwertes. Im Kampf mit dem Feind war er -allen voran und zeigte den Seinen den Sieg! Im Gericht kannte er nur -die Gerechtigkeit, dann erst die Milde. Im Rat aber war er, daß alle -Nachbarn ihm ihre Sorgen brachten, und er nahm sie, als wären es -die seinen. Sein Leben war Kampf und Sieg, für die andern mehr denn -für sich, Tag und Nacht, ohne die Rast des Bauern, ohne die Ruhe des -Bürgers, und er lehrte es wiederum die eigenen Kinder so, denn sein -Gemüt war fröhlich bei allem Mühen, und wenn er durch die Schanzen -seiner Burg, durch die Reihen seiner todesmutigen Mannen, durch die -Gehöfte und Siedlungen der glücklichen Bauern und Bürger schritt, -sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk meines Geistes, der -mich und die Scharen lenkt, und es ward, weil ich es verstehen lernte -und ihm all meine Liebe schenkte. - -So wurde der Stand der _Krieger_ und _Heerkönige_, und er war göttlich -durch Heimdall, den Wächter. - -Von Stund an tat jeder der Stände seine Pflicht in seinem Kreis, und es -herrschte in der Menschen Leben, ihrer Arbeit und ihrer Freude Ordnung -und Lohn. -- - -Lächelnd reichte Wodan Heimdall die Hand zur Heimkehr. Auf dem -Hochsitz über der heiligen Türschwelle saß er und ließ eine Esche -wachsen, die ihre Wurzeln in alle Welten senkte und deren Krone bis -nach Asgard ragte. Drei Wurzeln senkte sie hinab. Die eine saugte -ihre Säfte aus einem Brunnen unter Midgard, der Menschenerde, an dem -die _Schicksalsfrauen_ wohnen, die Nornen Urd, Skuld und Werdandi, -die Künderinnen alles Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen im -Menschenleben. Die zweite Wurzel saugte ihre Säfte aus einem Brunnen -unter Niflheim, dem Geheimnis der Totenwelt, und der Drache _Nidhögg_ -benagt sie, um sie zum Sterben zu bringen. Die dritte Wurzel aber -saugte ihre Kräfte aus einem Brunnen unter Utgard, der Welt der Riesen -und Trolle, und _Mimir_ birgt sich in ihm aus Ymirs Geschlecht, der -Wissen und Weisheit aus der Urzeit bewahrte, bevor die Götter waren. - -_Yggdrasil_, Baum des Gerichts, hieß die Esche, die Allvater gepflanzt -hatte, um alle Welten fest ineinander zu wurzeln unter der Herrschaft -des Himmels. Einen Adler setzte er in die Krone mit einem Falken -zwischen den Augen, daß ihm nichts entgehe. Ein Eichhörnchen hüpft den -Stamm hinauf und hinunter und hinterbringt dem Adler und dem Drachen -alle Scheltworte, die der eine dem anderen gönnt. So bleiben sie alle -zornig wach. - -Und Allvater lachte zufrieden. -- -- -- - - - - -Das goldene Zeitalter. - - -Ein Frühling, der nie verging, blühte und duftete über Asgard, und die -Götter gingen einher mit seliglachenden Augen. Die wilden Naturkräfte -waren gebändigt, in ihre Schranken verwiesen und dem Wechsel der -Jahreszeiten dienstbar gemacht. Jenseits des breiten Meergürtels, den -die Asen um Midgard gelegt hatten, hausten die Riesen. Auf der Erde -wuchs zahlreich und kräftig das Menschengeschlecht empor und brachte an -heiligen Stätten den Göttern geweihte Opfer dar. Tief im Erdinnern aber -schafften die Zwerge, klopften die köstlichen Erze aus dem Gestein und -schmiedeten wunderbares Geschmeide, mit dem sich die Götter schmückten. - -Das schwerste Tagewerk, die Erschaffung und Ordnung der Welt, war -geschehen. Es war die Zeit, in der die Götter an sich selber denken -durften und an frohe Feiertage. - -Geschwisterlich vereint, einer dem anderen in Liebe zugetan, durchzogen -sie die Blumenwiesen Asgards und bauten sich himmlische Burgen auf mit -ragenden Hallen und zahllosen Fenstern zum Ausblick auf das Riesenland -und die Menschenerde. Viele Namen gaben die Menschen den Göttern je -nach der Sprache, in der sie sie verehrten, und die Nordmänner riefen -den allweisen Wodan _Odin_. - -Gladsheim hieß Wodans goldglänzende Burg in Asgard, die »Welt der -Wonnen«, und der mächtigste Saal darin war _Walhall_. Ebenbürtig war -ihm in Gladsheim nur ein zweiter, _Wingolf_, die heitere Halle der -Göttinnen. Mit Frigg, seiner hohen Gemahlin, zeugte Wotan herrliche -Asensöhne. Der herrlichste und beste unter ihnen war _Baldur_, der -Lichte, den alle Götter mehr liebten als sich selbst, weil er das -Vollkommenste war an Leib und an Seele, was Asgard hervorgebracht hatte -und durch seine frühlingsfrohe Erscheinung, die kraftvolle Schönheit -seines Wuchses und die Reinheit seines Gemütes Freude hervorrief, -wo immer er ging. Breidablick hieß sein glänzender Saal, blank wie -die Sonne, und nichts Unreines durfte über die Schwelle. Vorbildlich -in allen Tugenden des Himmels und der Erde, hell und klar wie der -sonnige Tag stand Baldur vor Göttern und Menschen, und sein Sohn, -_Forsetti_, den ihm sein glückliches Gemahl _Nanna_ geschenkt hatte, -saß im Himmelssaale Glitnir als Gott der Gerechtigkeit und übte die -richterliche Obergewalt. _Hermodur_ aber, der schnelle Götterbote, war -Baldurs Bruder und hing ihm zärtlich an. - -Neben seinem Vater Wodan ragte über alle Asen _Donar_ hinaus, den die -Nordmänner _Thor_ riefen. Nichts kam seiner Körperkraft und seinem -heldischen Mute gleich. Er liebte die Menschen und ihr fruchtbares -Ackerland, bekriegte die Unholde und Riesen, die die Erde bedrohten, -und brauste mit seinem Bockgespann durch die Wetterwolken, daß sie der -dürstenden Erde die heilbringenden Gewitterregen spenden mußten und -die erfrischende Luft. Tanngniost, der Zahnknisterer, und Tanngrisnir, -der Zahnknirscher, hießen die Böcke vor seinem Wetterwagen. Seine -Halle aber hieß Bilskirnir, der Blitz. Selten war er daheim, der -Vielbeschäftigte, und die Menschen, wo immer sie den nährenden Boden -bestellten, liebten ihn in ihren Herzen und Hirnen über alle die -anderen Asen und hingen ihm an in Not und Gefahr, denn sie fühlten -sich ihm nahe, weil _Jord_ seine Mutter gewesen war, die Erdgöttin. -Darum liebte auch er den Bauernstand. Seine Gemahlin war _Sif_, die so -schönhaarig war wie goldenwogendes Getreidefeld. Seine Tochter _Thrud_ -wuchs auf in des Vaters gütiger Art, während seine Söhne, _Modi_, der -Zorn, und _Magni_, die Kraft, des Vaters Kämpferblut ererbt hatten. -Bedurften die Götter des stärksten aller Asen Hilfe, so riefen sie -nur seinen Namen, und wie der Blitz stand Asathor unter ihnen. Das -Volk der Menschen aber opferte dem Stärksten der Starken unter den -ragendsten Eichen. - -Donar-Thor am nächsten an Heldenhaftigkeit und Sorge um Menschenvolk -und Menschenerde stand Tuisko, _Ziu_ genannt und von den Nordmännern -_Tyr_. Als Gott über den strahlenden Himmel gesetzt, beschenkte er -die Erde mit Wärme und Licht, bevor die Nacht kam, und steigerte ihre -Fruchtbarkeit. Feind war er darum allen zerstörenden Kräften und -hob das Schwert gegen die gierigen Kriegerscharen, die sengend und -mordend ins Land fielen. Als Schwertgott feierte ihn deshalb das Volk, -ritzte seine Runen in die Klingen und huldigte ihm in Schwertertänzen, -wenn es galt, die Jünglinge mutig und mannhaft zu machen; in -Menschenopfern, wenn es unter stürmischer Anrufung seines Namens die -Schlachtreihen des Feindes durchbrochen und niedergestreckt hatte. In -heiligen Hainen verehrte ihn das dankbare Volk, und es bezeugte dem -strahlenden Himmelssieger die Ehrfurcht des Menschenkindes, daß es -seinen Tempelhain nur in freiwillig gewählten Fesseln und tief zur Erde -gebeugt betrat. Weiße Rosse waren dem Schwertgott heilig, die mit den -Hufen salzige Quellen geöffnet hatten zur Kräftigung der kriegswunden -Glieder, und das Wiehern der Rosse galt als Weissagung. - -Wie der frühlingsfrohe Baldur als Gott des Tages, so herrschte der -blinde _Hödur_ als Gott der Nacht. Einsam war er und schweigsam. -Nur wenn das Licht sich neigte, trat er in die Dämmerung, um in das -Dunkel zu wandern. Und da er blind geboren war, wußte er wenig von dem -fröhlichen Tun der Götter, die ihn still seine Wege gehen ließen. - -Auch _Hönir_ wohnte in Asgard, der Fahrtgenosse Wodans, der dem ersten -Menschenpaare in Midgard die Seele geschenkt hatte und die Bewegung der -Glieder. Er machte wenig Worte und war ein Mann des Friedens und der -Ruhe. - -Königlich anzusehen war _Uller_, der über den Winter gesetzt war und -auf gewaltigen Schneeschuhen über Schnee und Eis dahinstob, mit Pfeil -und Bogen das Wild zu jagen. Ihm jubelten die Jäger zu. - -Am königlichsten neben Wodan-Odin erschien _Loki_, der Gott des Feuers -und der Hitze. Von verführerischer Anmut und blendender Geistesschärfe, -berufen, neben Allvater zu stehen, fehlte ihm Wodans Willenskraft und -Baldurs sittliche Größe, so daß er oft und gern seine hohen Gaben -verwandte, um durch übermütiges Trugwerk und geistreiche Listen das -Gelächter der Götter zu erregen und sich im billig erworbenen Ruhm zu -sonnen. Da es seiner Herrschsucht und Eitelkeit nicht gelungen war, der -Erste der Götter zu werden, so wünschte er ihnen seine überlegene List -und Klugheit ständig zu bezeigen, und was zuerst ein leichtfertig Spiel -erschien und lustiges Gelächter erregte, konnte leicht zu unheilvollem -Ernst werden, wenn die Götter ihm nicht die Grenzen seines Tuns -umschrieben. Als Wodans Fahrtgenosse bei der Erschaffung der Menschen -hatte er dem ersten Menschenpaare einen Tropfen seines Blutes vererbt: -die ungezügelte Leidenschaft. Die Menschen aber fürchteten sich vor -dem unbeständigen, bald schmeichlerischen, bald jähzornigen Gott und -hielten sich in ihren Anrufungen vor seinem Namen zurück. - -Asgards Wächter, der treue _Heimdall_, saß als Markgraf in seiner Halle -an der Brücke _Bilfrost_, die sich wie ein Regenbogen vom Himmel zur -Erde spannte. Der Scharfäugigste war er und der Hellhörigste. Hunderte -von Tagereisen weit sah sein Auge durch Tag und Dunkel, und sein Ohr -hörte das Gras auf der Erde, die Blätter an den Bäumen, ja die Wolle -auf den Schafen wachsen. Er war der Früheste, denn er schlief nicht -ein, weil er aus der Dämmerung des Abends schon die Dämmerung des -Morgens ersah. Keinen besseren Mann konnten die Götter an die einzige -Brücke stellen, die gen Asgard führte. -- - -Ein Frühling, der unvergänglich schien, blühte und duftete über -Asgard, und die Götter gingen einher mit seliglachenden Augen. -Geschwisterlich vereint, einer dem andern in Liebe zugetan, durchzogen -sie die Blumenwiesen, trieben ritterliches Spiel, huldigten Frigg, -der erhabenen Himmelsmutter, und den jüngeren Göttinnen ihres Hofes, -_Saga_, der weisen, mit der Allvater den Trunk des Wissens aus goldenen -Schalen schöpfte, _Fulla_, der listigen Vertrauten der Himmelsmutter, -_Menglod_, der flammenden Morgenröte, _Idun_, der jugendschönen, der -ewig jungen, die die Zauberäpfel bewahrt, von denen die Götter essen, -um nimmer zu altern, _Gefjon_, der klugen, zu der die Mädchen beteten. -Manche gleich schöne, gleich kluge Götterjungfrau lächelte aus Friggs -Gefolge den Götterhelden zu, wenn sie auf blitzschnellen Rossen über -die Wiesen jagten, den Speer schossen oder die heißen Schwerter über -Schild und Brünnen fegen ließen. Oder wenn sie auf den Bänken der -Halle saßen, Lieder zur Harfe sangen und den Met sich zutranken, den -die Holden ihnen in den kostbaren Trinkgefäßen reichten, gefertigt -aus blinkendem Gold von dem reichen Volk der Zwerge. Dann legten -die Götter den frohen Frauen funkelnden Schmuck um Hals und Nacken, -Edelgestein, das die Zwerge erschürft hatten, glitzernde Halsbänder und -schimmernde Kronreifen, die Flut der Locken zu fassen, und schlangen -die Arme um die schlanken Hüften und wußten nur von Liebe und nichts -von Leid, weil sie einig waren und einer des anderen sicher im selben -Sippschaftsgefühl. Und weil sie schuldlos waren und gerecht. - -So lebten die Götter ihr goldenes Zeitalter, und der ewige Frühling -blühte und duftete über Asgard und sandte seine Sonne in alle Welten. -- - -Heiteren Auges saß Wodan auf dem Hochsitz über der heiligen Türschwelle -seines Saales, die den Ausblick bot nach Midgard, dem Land der -Menschen, und nach Utgard, dem Land der Riesen und Trolle. Seine -Jagdwölfe lagen ihm zu Füßen, und seine Weisheitsraben flogen von -seiner Schulter her und hin und kehrten geruhsamen Fluges zurück. -Denn nichts Böses gab es zu melden. Das Volk der Menschen gedieh in -den drei Ständen, in die der treue Hüter Heimdall Bauern, Bürger -und Krieger gegliedert hatte, zu Wohlstand, Glück und Ehre, und das -Riesengeschlecht lag schlemmend und zechend in den Grenzen, die ihm -gezogen waren, sang und brüllte beim Gelage, daß oft Meer und Erde -erbebte, und schielte nur zuweilen wie in erwachender Erinnerung -nach den Göttern in Asgard. Die _Thursen_, das ist die Starken, -nannten sie sich, die Asen aber nannten sie um ihrer Gefräßigkeit -willen die _Joten_, das ist die Fresser, und ihr Reich _Jotunheim_, -das Vielfraßland. Oft waren die Thursen von ebenso plumpem Wesen -wie Gliedern, und es bedurfte nur eines neckenden Wortes, daß sie -wie Schlagetote mit losgebrochenen Felsen und entwurzelten Bäumen -aufeinander loshieben. Wo aber etlichen unter ihnen Weisheit geschenkt -war, traten sie auf als Beherrscher der Elemente und lenkten Meerflut, -Sturm und Feuersbrunst. Als gewaltige Baumeister suchten sie -ihresgleichen, denn ein kleines war es für sie, Felsen auf Felsen zu -türmen und Burgen zu erbauen, die bis zum Himmel ragten. Oft waren ihre -Weiber scheußlich und verzerrt wie Strudel und Gischt, oft aber auch -über die Maßen schön wie lächelnd atmende Meeresstille. - -Denn mächtige Wasserriesen gab es und furchtbare Sturmriesen, Berg- -und Waldriesen von ungeheuerlicher Stärke und hitzige Feuerriesen. -Ihre Jahreszeit hob an, wenn der Sommer geschwunden war. Der heulende -Herbst, der krachende Winter blieb ihre Freude, bis die frühlingsfrohen -Götter ihrem Gelärm Einhalt geboten. - -Der gutmütigste unter ihnen war _Ägir_, der Herrscher der weiten, der -offenen Meere. Wenn die Götter ausfuhren in die Welt, kehrten sie -oft in seiner Meereshalle ein und taten gewaltige Züge Metes bei dem -fröhlichen Alten. Bösartiger Natur war _Ran_, sein Weib, die Räuberin. -Auf dem Grunde des Meeres kauerte sie und stellte grausam ihre Netze -nach den Schiffern, die über sie dahinfuhren. Neun Töchter zeugte das -Paar, die wie spielende Wellen verführerisch lockten und die in Liebe -entbrannten Söhne der Männererde in ihre Umarmung zogen und auf den -Meeresgrund, in den Todessaal ihrer Mutter Ran. - -Über das Eismeer herrschte _Hymir_, der Frostriese, vor dessen eisigem -Blick Felsen zerbarsten wie Glas. Den größten Braukessel besaß er, tief -wie das Meer, aber er hielt ihn unter Schloß und Riegel als unwirscher -Gesell. - -Scheusälig aber war _Grendel_ anzuschauen, der Nebelriese der -Sturmflut, mit drachenförmigem Haupt und Krallen wie Stahl, gezeugt -von einer wölfischen Mutter, die bei ihm hauste und ihm auf seinen -Unholdfahrten gierig folgte. Unheimliche Schlupfwinkel wählten sie zu -Wohnstätten, im fiebrigen Moor, in feurigen Gewässern. Und Mensch und -Tier erschauerte vor diesem fiebrigen Feueratem. - -Jetzt aber gaben die Riesen Ruhe, denn der allweise Wodan hielt sie im -Bann seiner Gerechtigkeit. Nicht umsonst hatte er Yggdrasil geschaffen, -die Weltesche, die ihre Wurzeln unter Midgard, Utgard und Niflheim -senkte und ihm Wissen gab aus allen Welten. Wenn die Götter aus Asgard -hinabstiegen, um über das Menschenvolk zu richten, so stiegen sie zu -dem Brunnen der Nornen, aus dem eine Wurzel der Weltesche trank, zu -den Schicksalsmädchen Urd, Skuld und Werdandi, die die Geschicke jedes -Menschen wußten von seiner Geburtsstunde an bis zur Todesstunde. Oft -aber stieg Wodan ungeleitet zum Brunnen Mimirs, des Weisesten der -Weisen aus Ymirs Geschlecht, das Welt und Urzeit sah, bevor die Götter -waren. Und er bot ihm göttliche Freundschaft, wenn er ihm alles sagte -aus der tiefsten Tiefe. - -»Wie soll ich deiner Freundschaft trauen?« sprach Mimir. »Du bist ein -Ase und ich ein Thurse.« - -»Wähl dir ein Pfand,« sprach Wotan. - -»Was hältst du am höchsten an dir?« fragte Mimir. - -»Meine allsehenden Augen.« - -»So gib mir das eine zum Pfand.« - -Da gab der Gott das Auge zum Pfand und gewann Mimir zum Freunde. Und -Mimir schöpfte mit Wodans Auge die Tropfen aus der tiefsten Tiefe, und -sie saßen beieinander und raunten miteinander manche Nacht. - -Einäugig kehrte Wodan gen Asgard zurück. Aus Liebe zu seiner Schöpfung, -aus Liebe zu den Göttern und Menschen hatte er sein Auge dargebracht. -Denn nun war der Allweise allwissend geworden. - -[Illustration: »... und trank mit ihr aus einer Schale ...«] - -Oft wandelte er in Asgard zum Wohnsitz der Saga, der ernstgerichteten -Göttin, und trank mit ihr aus einer Schale und besprach mit ihr -feierliche Dinge, die wie Gesang waren aus tiefen Brunnen. Und die Saga -ritzte sie in heilige Zauberrunen, während die Götter und Göttinnen -draußen über die blumigen Wiesen jagten und sich in Liebe fanden, -an festlichen Tafeln saßen und sich mit Kränzen schmückten und dem -funkelnden Goldgeschmeide. - -Kinderselig hallte das Lachen über Asgards Wiesen, durch Asgards Hallen. - -Wodans Ohr hörte es wohl. Sein Auge blickte sinnend. - -Über Sagas Haar strich er und erhob sich. - -»Sie sollen fröhlich sein. Lange, lange ... Denn so lange die Götter -schuldlos sind, sind sie unsterblich.« - - - - -Der Wanenkrieg. - - -Waffenruhe war auch auf Erden. Solange die Götter in Gerechtigkeit -ihres Amtes walteten, erhaben über Neid, Selbstsucht und Gier, und sie -zur Muße ihre heiteren Spiele trieben, eiferten die Menschen ihnen -nach und freuten sich ihres Lebens. Sie erfüllten ihr Tagewerk, und -je reicher und lohnender es war, desto fröhlicher gedachten sie der -himmlischen Spender, errichteten ihnen Heiligtümer und Altäre und -brachten ihnen in Begeisterung ihre Opfer dar. - -Seltsames bewegte Wodan in dieser glücklichen Zeit. Übermütig macht -das Glück, Götter wie Menschen, und treibt sie über die Grenzen ihres -Wesens. Wenn er über der heiligen Türschwelle saß und alle Lande vor -ihm lagen, spähte er immer schärfer aus in das Leben aller Dinge, -sandte er immer häufiger seine Raben aus, werdende Geheimnisse zu -erforschen, und seine Jagdwölfe wedelten unruhig mit dem Schweif. -Ihm war, als seien Kräfte am Werk, das Glück zu erschleichen, das er -erschaffen hatte, und das Köstlichste, was den Asengöttern wurde, die -Opfer des Menschenvolkes, abzulenken. Und Wodan deutete die Vorzeichen. - -Nicht überall strebte der Opferrauch gen Asgard, dem Asenhimmel. Wohl -wirbelten die Opferwolken im Saxland, das steil unter seinem Sitze -lag, mächtig wie immer zu ihm empor, doch nördlich der Sachsen, dort, -wo Dänen und Schweden saßen, trieben sie ab und suchten einen anderen -Himmel. Und Wodan erspähte, daß es der Himmel der Lichtgötter, der -_Wanen_ war, die sich beim Erscheinen der Götter in der Welt singend -und klingend von der Stätte harter Arbeit emporgeschwungen hatten, um -ein Reich der Schönheit und des Glücksgenusses zu begründen. - -Da sprach Wodan zu sich selber: - -»Glück ist göttlich. Glück ist der Besitz. Glücksgenuß ist irdisch. -Glücksgenuß ist die Verschwendung. Da die Masse der Menschen irdischer -ist als göttlich, wird sie nach dem Genusse greifen, statt nach dem -Glück. Und nur die Helden werden den kargeren Besitz des Glückes -wählen, der Arbeit ist und Aufopferung.« - -Und Wodan hörte und erspähte alles, was er von den Wanen zu wissen -begehrte. Verschwenderisch streuten sie Fruchtbarkeit über Länder und -Seen allen, die sie anriefen, lehrten sie den Wert des Goldes, lehrten -sie, den Fleiß ihrer Hände in Gold umsetzen und das Gold in üppigen -Genuß, also, daß die Menschen nur noch zu arbeiten wünschten um des -_Goldes_ willen und um durch Gold alles zu beherrschen, Menschen und -Dinge, Länder, Völker und ihre Schätze, was immer ihnen auf Erden zum -mühelosen Genuß des Lebens verhelfen könne. Feiner und wählerischer -wurden die Anhänger der Wanen, klüger und wissender, und sie dünkten -sich bald in ihrer verfeinerten Lebensführung hoch erhaben über -die rohen Sachsen in Saxland und die anderen Völkerstämme, die auf -Wodan schwuren, den Sturmgott, auf Donar, den Gewitterbringer, und -auf Ziu, den Gott des blanken Schwertes. Über sie alle, die rauhen -und schlichten, denen die Arbeit Freude war, Kraftempfinden und -Lebenszweck, und der Feierabend das Bewußtsein ihrer hart erworbenen -und darum doppelt gesteigerten Fröhlichkeit. Und Wodan witterte die -Gefahr. - -Einst, als er mit seinen Brüdern Wili und We den stumpfsinnig -verschlingenden Urriesen Ymir erschlagen hatte, hatte er die niedere -Geisterwelt gejagt, die von den Göttern das Wissen geholt aus der -gebärenden Weltseele und das Göttliche gewandelt hatte in gemeine -Lüste und billigen Zauberspuk. Tausende waren erwürgt an seinem -Gürtel geblieben, wenige nur entkommen. Aber einige waren zu den -leichtherzigeren Wanen entschlüpft, hatten sich zu wildquirlenden -Scharen vermehrt und aufs neue die gold- und zaubersüchtigen Menschen -aufgesucht, die die verschwenderisch spendenden Wanen opfernd -verehrten. So kam mit der steigenden Genußsucht der _Aberglaube_ in die -Welt, der Feind des Göttlichen. -- - -Aufstanden Wodans Jagdwölfe und streckten die Rute. Mit gesträubtem -Haar standen sie und warteten des Befehls des Meisters. - -Nacht war es und Wodan sattelte sein Sturmroß. - -In wehendem Mantel, den breitrandigen Wetterhut tief über die blutige -Augenhöhle gedrückt, damit das andere, das Einauge, um so schärfer -funkele, saß er horchend im Sattel. Aufkreischten seine Raben. Von -seinen Schultern schwangen sie sich auf und jagten voran. Hinter -ihnen drein mit heiserem Gebell jagten die Wölfe. Da gab Wodan seinem -Sturmroß das Maul frei, und der wilde Jäger stob mit Hussa und -Peitschengeknall in die Nacht. »Rafft, meine Raben! Würgt, meine Wölfe! -Stampf' sie, mein Sturmroß, in Kot! Hussa! Hussa! Horrido!« - -Hinter den Gespensterscharen, die heimlich aus Wanenland -herübergeschlichen waren, seine Menschen zu verführen, hetzte er -einher. Entsetzt fuhr das Gelichter der Schwarzalben und Truden, der -Maren und Schrate wie Nebel- und Wolkenfetzen durch die Wipfel der -Bäume und suchte heulend das Weite. Wodans Sturmroß holte sie ein. -Seine Peitsche fuhr knallend durch die Luft, und wen sie traf, den -traf der Tod. »Hussa! Hussa! Horrido!« Die Wolken jagten über den -Himmel, als wollten sie mit weitaufgerissenem Rachen den tanzenden Mond -verschlingen. Und im fahlen Licht der Sturmnacht hetzte Wodan ohne -Ermüden die unholden Geister, den Alb, der sich den Menschen auf die -Brust setzte und sie bedrückte, den Mar, der ihnen das Blut aussog, -den Schrat, der sie äffte und die Trud, die sie behexte. Sie alle, die -seine Menschen quälten und sich zu willen machten, bis die Erdgeborenen -glaubten, es seien die Götter selbst und nicht unholde Wesen, und sich -den Gespenstern ergaben. - -»Rafft, meine Raben! Würgt, meine Wölfe! Stampf' sie, mein Sturmroß, in -Kot! Hussa! Hussa! Horrido!« - -»Da jagt der wilde Wode!« stammelten die Menschen, die im Geheul der -Sturmnacht von den Lagern auffuhren und angstvoll gen Himmel starrten. -»Der wilde Gespensterjäger fährt um.« - -Und doch öffneten sie hastig Fenster und Türen, um den gejagten -Spukgestalten Unterschlupf zu gewähren, denn sie versprachen sich -goldenen Dank von den Wichten und gierten nach irdischen Schätzen, -statt nach der stolzen Höhe der Götter. - -Nächte hindurch, Monde hindurch fegte Wodans Mantel durch die Lüfte, -knallte seine Peitsche wie krachendes Holz, schrieen seine Raben, -heulten seine Jagdwölfe. »Auf daß das Geschlecht sich nicht vermehre!« -lachte er grimmig in den Bart und setzte vor allem anderen Wild den -kreischenden Frauen und Fräulein der albischen Wesen nach, packte sie -am Gewand, griff sie beim Schleier, zog die Zappelnden hinauf auf sein -Roß und erstickte sie in seinen Umarmungen. »Frauenräuber!« schalten -die verblendeten Menschen hinter ihm drein, »Weiberjäger!« Denn sie -hielten für Liebesgier, was Wodan in göttlichem Zorne tat, und ließen -sich von den Wichten, die sie abergläubisch hüteten, leicht bereden. - -Noch blieb viel Koboldvolk auf der Erde zurück, Hausgeister und -Waldfräulein, Korngeister und Wassernixen, und Nächte und Monde jagte -Wodan daher, den Spuk zu vernichten, die Menschen auf sich selbst -zu stellen. Oft auch stieg er zu Mimir hinab und raunte mit ihm am -Brunnen. Denn er hielt das luftige Gesindel der Alben nur für die -Plänkler und Wegemacher eines gefährlicheren Feindes, der Macht der -Wanen, und er wußte es in seiner Allwissenheit. - -Einst kehrte er heim nach Asgard, sinnend und grübelnd, und fand die -Götter beim lärmenden Gelage wie in einer großen Trunkenheit. So hatte -er sie noch nie geschaut. Nur Baldur stand abseits. Ihn ekelte das -weibische Getue. - -Einen strahlenden Blick warf Wodan auf seinen Lieblingssohn. Dann trat -er zürnend in den Kreis. Doch keiner hatte Augen für ihn. - -Vor den Bänken der Götter und Göttinnen tanzte ein nacktes Mädchen von -niegesehener Schönheit. Farbenfunkelnde Geschmeide von auserlesenem -Feuer schmiegten sich an ihre Brüste, daß ihr Weiß heller leuchtete -als der Schnee auf den Hügeln, rotgoldene Spangen, zart wie Blattgold -und von meisterlicher Arbeit umschlossen die Fesseln ihrer Füße, daß -die Glieder aus den Goldblättern hervorwuchsen wie Lilienstengel, -umschlossen die Arme, daß sie sich dehnten und streckten wie -heimlich Geliebte, und Perlenschnüre träumten in ihrem Dufthaar wie -schmeichelnde Mondlichter in kosender Nacht. - -»Tanze, tanze,« riefen die Götter mit funkelnden Augen, »so wunderbar -Schönes sahen wir nie, wie dich, du Mädchen!« - -»Tanze, tanze,« riefen die Göttinnen mit heißen Blicken, »so wunderbar -Schönes sahen wir nie, wie dein Geschmeide!« - -»Das Mädchen ist es!« beharrten die Götter erhitzt. - -»Das Geschmeide ist es!« eiferten die Göttinnen. »So schön sind wir, -wie die Fremde, aber der Schmuck, mit dem ihr uns beschenkt, ist plump -wie Bauernschmuck und hängt sich schwerfällig an unsere Glieder, statt -ihre Reize zu heben. Schafft uns solch Geschmeide, und das Mädchen ist -vergessen! Schöner sind wir, schöner!« - -»Wer bist du?« riefen die Asen, und es lag wie Rausch über ihren Augen. -»Wer gab dir den Schmuck? Wo finden wir ihn?« - -»_Gullweig_ heiß ich,« sang die Tänzerin, »vom göttlichen Wanenstamm -bin ich. Wir leben in Schönheit und Freude! In Arbeit und kindlichen -Spielen ihr! Wißt ihr, was Freude ist? Verschwendung und lachendes -Leben! Seht her, so verschwende ich!« - -Und sie wirbelte vor den heißen Blicken der Männer. - -»Der Schmuck! Der Schmuck!« riefen die Göttinnen und waren erblaßt vor -Erregung. - -»Schmuck will erworben sein,« sang die Tänzerin. »Einen Wert hat das -Gold, mehr als ihr wißt! Für rotes Gold und schimmernd Gestein kaufe -ich Länder und Völker, Weiber und Rosse, Leiber und Seelen. Es liegt -bei den Riesen, es liegt bei den Zwergen, es liegt bei den Menschen. -Hervorlocken muß man es durch Zauber oder Raub. Holt es euch, schmückt -euch, genießt! Nichts weiß euer Blut vom glühenden Leben!« - -Aller Arme streckten sich nach der tanzenden Wanentochter aus. -Sehnsüchtige Arme. Neidvoll gereckte Hände. Da hob Wodan den Speer. - -Dreimal durchbohrte er Gullweig, die Wanentochter, mit dem Speer. -Dreimal schleuderte er ihren weißen, schimmernden Leib in den -flammenden Holzstoß, der die Halle erwärmte und erleuchtete. Dreimal -verbrannte das Mädchen zu Staub. Dreimal erhob sie sich aus der Asche. -Da ersah Wodan, daß sie eine Zauberin der Wanen sei, und ließ die -Mißhandelte entfliehen. - -»Melde den Deinen, was dir widerfuhr, was ihrer wartet!« - -Loki aber, der Geschmeidige, sammelte hastig aus der Glut des Feuers -den seltenen Goldschmuck, Perlen und Geschmeide, und gab alles den -Göttinnen und setzte sich in Gunst. Finster gingen die Asen umher und -neideten dem Listigen den Vorzug. - -Wodan berief sie alle zum Rat. - -»Wer hat dem Wanenmädchen Einlaß gewährt zu Asgards Wiesen?« - -Und Heimdall antwortete: »Ich tat's, auf Gebot der Götter, die sich -berieten, als du fern warst. Sie war ein Mädchen und ohne Waffen.« - -»Ihr Törichten,« sprach Wodan, »habt ihre Waffen kennengelernt. Schwer -seid ihr von ihren Waffen verwundet. Schwerer als von Schwert und Ger. -Denn die Wunden, die sie euch schlug, heilen nicht und eitern fort in -der Gier nach Gold und Genuß. Vorbei ist es mit der heiteren Ruhe. Wir -müssen uns regen.« - -Da stimmten die Götter beschämt ihm zu und gaben ihm Vollmacht, für -alle zu handeln. -- - -Einsam fuhr Wodan aus. Nur Gefjon nahm er mit sich, die Kluge, zu -der die Mädchen beteten. Von Saxland fuhr er gen Norden, denn es war -sein Plan, die Wanenanhänger durch eine augenfällige Tat zu sich -zurückzuführen und die Menschen, die im Norden noch nichts wußten -von Wodan und den Seinen, zum Asenopfer zu bekehren. So fuhr er gen -Dänemark, das den Wanen huldigte, und gedachte dem Volke über Nacht ein -reiches Neuland zu schenken, Ackerland für einen seßhaften Bauernstand, -der mit der Scholle die Arbeit liebte und nicht die Leichtfertigkeit -der Goldanbeter. Neuland auch für neue Heiligtümer der Asengötter. - -Auf Fünen kehrte Wodan ein und lehrte Gefjon, die kluge, seine Pläne -und verlieh ihr zur Ausführung seine Zauberrunen. Da fuhr Gefjon, als -listige Gauklerin gekleidet, nach Schweden und vollführte vor dem -Beherrscher des Landes, dem König Gylfi, so lustige Dinge, daß der -König ihr einen Wunsch freigab. Und sie erbat sich so viel Land zur -freien Verfügung, wie sie mit vier Ochsen während eines Tages und einer -Nacht umzupflügen vermöchte. Das gestand ihr der König lachend zu. -Gefjon aber fuhr noch in selber Stunde nach dem Riesenland Jotunheim, -gebar in der nächsten Nacht einem Riesen vier Söhne, ließ sie kraft -ihrer Zauberrunen gleich bei der Geburt zu ihrer ganzen Größe und -Stärke aufwachsen, verwandelte sie durch den Runenzauber in vier -ungeheure Ochsen und kehrte in nächster Nacht mit ihnen zu König Gylfi -zurück. Und Gefjon, die Kluge, spannte die Riesenochsen vor den Pflug -und packte die Pflugschar. Da schnitt das Pflugeisen gewaltig tief -und breit in das Land und ackerte ein Stück Erde heraus, das nicht zu -überblicken war, und die Ochsen zogen noch einmal an und zogen das -herausgepflügte Land weiter und weiter gen Westen, stiegen ins Meer -und zogen es bis in den dänischen Sund. Dort entließ Gefjon die Ochsen -und nannte das neugewonnene Inselland der See _Seeland_. Das Loch -aber, das sie in König Gylfis Land gerissen hatte, füllte sich zu einem -Binnensee, der der _Mälarsee_ hieß, und in seine Buchten paßten bis ins -Kleinste die Landzungen und Vorgebirge Seelands. - -Und Wodan dehnte die Macht der Asen aus auf die Insel und schuf -ein Heiligtum auf ihr, zu dem die beschenkten Dänen in Dankbarkeit -opferten. Aber auch König Gylfi in Schweden und viele andere Könige im -Norden, zu denen die Kunde kam, riefen erschreckt Wodan an, den sie -Odin nannten, und baten ihn in ihr Reich. -- - -Wodan war heimgekehrt nach Asgard, wo ihn die Asen sehnsüchtig -erwarteten. Viel Streit gab es zu schlichten, den der listige Loki -schadenfroh geschürt hatte, und die alte Einigkeit war gestört im Rat -und auf der Metbank wie beim ritterlichen Kampf- und Wettspiel, seitdem -das lockende Weib in Asgard erschienen war. Zu Mimirs Brunnen stieg -Wodan hinab und raunte lange mit dem Weisen. - -Und es war ihm offenbar, daß die Wanen heranrückten, den Schimpf -an Gullweig zu rächen und die reichen Opfer der Menschen im Norden -zurückzugewinnen. Und Wodan wußte vieles und mehr und saß, in die -Zukunft grübelnd, auf seinem Hochsitz. - -In hellen Haufen rückten die Wanen an. Die Luft wimmelte von ihnen, -wohin das Auge sah. Lichtgötter waren sie. Darum ritten sie durch die -Lüfte und brauchten nicht über die Brücke Bilfrost hinweg, die Heimdall -hütete. Was ihnen an Kraft den Asen gegenüber gebrach, ersetzten sie -dreimal durch wunderbare Waffen, zu denen ihnen ihr Reichtum, und durch -die Kriegskunst, zu der ihnen ihre verfeinerte Geistespflege verholfen -hatte. Jäh erschienen sie vor Asgard und zerbrachen in geeintem Angriff -den Burgwall der Asen. - -Dröhnend rief Wodan die Männer Asgards zum Kampf. Ihnen allen -voran stand er und schleuderte als Heervater den Speer über die -anstürmenden Völker. Aber die Waffen der Asen waren wie Bauernwaffen -zu den erlesenen und erklügelten Waffen der Wanen, wie der Schmuck -ihrer Frauen und Jungfrauen ein plumper Bauernschmuck geschienen -war zu den berauschenden Köstlichkeiten der tanzenden Gullweig. -Donars malmende Keule zersplitterte auf stahlhartem Wanenhelm. Zius -blankes Breitschwert brach und sprang aus dem Griff, als er es gegen -eine goldene Wanenbrünne stieß, Ullers Pfeil und Bogen war wie ein -Kinderspiel vor den manneshohen Schilden der Wanen, und Baldurs -leuchtender Mut fand zwölf neue Gegner, wenn er einen gefällt hatte. -Loki stand als Schutz und Schirm bei den Göttinnen und stachelte -die kämpfenden Asen an, sich vor den Frauen zu zeigen und ihre Huld -zu gewinnen, denn er gedachte, übrig zu bleiben und höhere Macht -zu erringen. Und die Asen wurden uneins im Kampf, trennten sich -voneinander und suchten in heldischem Zweikampf mit den Wanenführern -die Augen der Frauen auf sich zu ziehen, während die Scharen der -Feinde immer tiefer eindrangen in Asgards geheiligte Fluren und die -Himmelsburgen in Schutt und Asche legten. - -Da packte Donar die Felsen an und riß sie aus dem Grund und zermalmte -mit ihnen die Haufen. Und Ziu entwurzelte die ragendste Eiche und fegte -mit ihr die Stürmenden zu Hunderten. Die Himmel krachten, die Menschen -lagen betend auf ihrer Erde und die Riesen in Jotunheim erhoben drohend -ihre Häupter, um über die erschöpften Asen- und Wanengötter in Haß und -Rache herzufallen. - -Wodan sah es. Er erkannte die größere Gefahr. - -Wie Donner rollte seine Stimme über die Köpfe der Kämpfenden: - -»Ihr habt euch in den Waffen gemessen, ihr Götter -- nun meßt euch im -Rat!« - -Die Wanen wiederum aber hatten erkannt, daß sie nur einen -Augenblickssieg erringen konnten und vor dem kraftvollen Asengeschlecht -nicht bestehen würden, wenn es in der neugewordenen Zeit sich seines -schaffenden Geistes entsann. Sie waren zum Verhandeln bereit. - -Im Rate saßen sie, Asen und Wanen, und stritten lange um den Vergleich. -Klug wie Kaufleute setzten die Wanen zuerst den Preis des Friedens -hoch, um ablassen zu können und als die Gebenden zu erscheinen. Sie -forderten für Gullweigs Mißhandlung Zins. Da lachten die Asen, daß -sie sich krümmten, und wollten von ihren Sitzen. Die Wanen beharrten -nur scheinbar auf ihrem Beschluß. Ihnen war um anderes zu tun. Sie -boten an, die Zinsforderung fallen zu lassen, wenn sie von Stund an -als gleichberechtigte Götter gälten, den Asen gleich an Ehrung im -Himmel und auf Erden, gleichberechtigt zum Empfang der Opfer und durch -auszutauschende Geiseln _eine_ große Götterfamilie. - -Wodan, der allwissende, der in die Zukunft schaute, schlug ein. Und -die Asen bestimmten Hönir zur Geisel für die Wanen, den Fahrtgenossen -Wodans bei der Menschenerschaffung. Da er aber langsam denkend war, gab -Wodan ihm den Mimir bei, den Freund und Vertrauten am Brunnen, und die -Wanen hielten ihn für einen der Asen. Sie selber ließen den reichen -_Njord_ als Geisel, der seinen lichten Sohn _Freyer_ mit sich führte -und seine liebliche Tochter _Freya_. Und alle die Götter, die Asen und -Wanen, traten zur Bekräftigung ihres Vertrages an ein Gefäß und spien -hinein und mischten den Speichel mit Honig und schufen daraus gemeinsam -den weisesten Mann. Der hieß _Kwasir_. - -So aber endete der erste Weltkrieg. - - - - -Die Götter auf schiefer Bahn. - - -In den Kreis der Asen war Njord ausgenommen mit seinem Sohne Freyer -und seiner Tochter Freya. Gewaltiger Reichtum kam mit ihnen nach -Asgard, aber auch viel böse Lust nach Reichtum und manche Sucht -nach räuberischem Erwerb. Mehr und mehr ging die Schlichtheit der -Lebensführung dahin. Die Gelage mehrten sich, die Abenteuerfahrten -dehnten sich aus, Liebeshändel kamen auf und nahmen zu im Himmel und -auf Erden, die Freude am Kriege erwachte und führte in ihrem Gefolge -Gewalttat, List und Betrug. - -Wohl waren die Wanen, die von nun an zu den Asen gerechnet wurden, -vornehme Wesen, doch ihre ganze Art und Daseinsauffassung war freier, -üppiger und leichtherziger, und der Aufwand, den sie trieben und der -den Menschen reichere Opfer und prunkvollere Feiern auferlegte, brachte -die Asen von ihrem einfachen Götterwandel ab und näherte sie den -Begierden und Untugenden der Menschen. - -_Njord_ liebte Jagd, Seefahrt, Fischfang und Handel. Er machte das -Meer fruchtbar und bevölkerte die Wälder mit Wild. Er beschenkte die -Menschen mit Reichtum, gab den Schiffen günstigen Wind und ruhige See, -den Jägern Beute über Beute. So riefen ihn alle an, die Seefahrt und -Jagd betrieben. Auch stammte die Göttin Nertha von ihm, die in heiligem -Hain am Meeresstrande wohnte und die Fluren segnete zu wogenden Saaten. - -Schön war _Freyer_, sein Sohn. Schön fast wie Baldur. Licht und heiter -übte er sein Amt als Himmelsgott, tat es seinem Vater gleich in der -Spendung von Reichtum und Fruchtbarkeit und schätzte deshalb den -Frieden, damit seine Gaben zu gedeihen vermöchten und Freude brächten. -Doch war er aller ritterlicher Übungen nicht minder Herr, und er besaß -ein Roß, das wabernde Lohe durchstürmte, und ein Schwert, das sich von -selber schwang, galt es einen Feind. - -Die schönste im Himmel und auf Erden war _Freya_, Freyers Schwester. -So reizvoll war sie an Wuchs, Antlitz und Gebärde, daß sie Götter und -Riesen, ja Menschen und Zwerge entzückte und berückte und keine Göttin -begehrter und verehrter war als sie. Als Göttin der Liebe wurde sie -angerufen, gefeiert und besungen; viele der Helden wünschten sich zu -ihr und die Frauen verlangten nach ihrem Saal, wenn der Tod ihnen -nahte. Folkwang hieß ihr Wohnsitz in Asgard, das ist »Sammelstätte -des Volkes«, und Seßrymnir ihr Saal, »der an Sitzen geräumige«. Die -Zauberkunde der Wanen, die den derben Asen fremd gewesen war bis -auf Wodans Runen, brachte sie nach Asgard und lehrte vor allem den -Liebeszauber Götter und Menschen. Fuhr sie sichtbar hinaus, so fuhr sie -auf einem schimmernden Wagen, den ein geschmeidiges Katzenpaar zog. -Fuhr sie heimlich hinaus, so legte sie ihr zaubrisches Falkenhemd an, -daß sie blitzschnellen Flugs wie ein Vogel durch die Lüfte glitt. Sie -war so heiter, daß sie ihre Sitten oft und gerne darüber vergaß, und wo -sie erschien, herrschte Jubel und Seligsein. - -Die Besten ihres Geschlechtes hatten die Wanen hingegeben. Was sie -dagegen erlangt hatten, war kein guter Tausch und ließ sie bald -verkümmern. Wohl wußte Hönir, der ihnen von den Asen zugeteilt war, -immerdar klugen Rat, solange der weise Mimir bei ihm stand und ihm -Rede und Antwort einflüsterte. Geschah es aber, daß Mimir abwesend war -und die Wanen guten Rats bedurften, so wußte sich Hönir, den sie zum -Häuptling erkoren hatten, nicht zu helfen und stammelte schwerfällige -Worte, die nichts besagten. Stutzig geworden, forschten die Wanen dem -Rätsel nach. Und sie erforschten Mimirs Herkunft und den Betrug beim -Vergleich und ergrimmten dermaßen, daß sie Mimir das Haupt abschlugen, -das Haupt des Getöteten höhnisch heimsandten und den Asen vor die Füße -werfen ließen. - -Wortlos hob Wodan das Haupt des erschlagenen Freundes auf. Er salbte es -ein und besprach es mit Runensprüchen, die das tote Hirn auferweckten -und der Zunge die Sprache wiedergaben. Zur Weltesche Yggdrasil -ging er in der Nacht und stieg durch die Welt hinab bis zu Mimirs -Weisheitsbrunnen. In dem blanken Brunnen barg er Mimirs Haupt, und -oft stieg er vom Himmel hinab zu dem tiefen Brunnen, wie die Sonne -hinabsteigt ins Meer, und holte sich neue Kraft und Weisheit zu allen -seinen schweren Werken. - -Denn oft machten die Götter Allvater das Leben schwer durch wenig -vorbildliches Wesen, und die Menschen eiferten ihnen lieber in den -Untugenden als in den Tugenden nach, weil die Untugenden leichter zu -verrichten und meist um ein bedeutendes fröhlicher waren. Seit Freya -durch den Himmel schritt, gab es unter den Göttern und Göttinnen -viel Eifersucht, Neid und Streit. Die lose Liebesgöttin aber hatte -ihre heimliche Freude daran und suchte immer neuen Anlaß, sich zu -schmücken und die anderen zu reizen. So fand sie einst in einer Höhle -vier Zwerge bei der Arbeit, die ein goldenes Halsband von blendender -Schönheit und unermeßlichem Werte schmiedeten. Sofort beschloß sie, -es zu besitzen. Aber die Zwerge, von den nie erschauten Reizen Freyas -berauscht, lehnten jeden dargebotenen Preis ab und forderten endlich -auf der Liebesgöttin Drängen für einen jeden von sich eine Liebesnacht -mit der lachend gewährenden Göttin. Nach vier Nächten kehrte sie nach -Asgard zurück, und um Hals und Nacken trug sie das Wundergeschmeide -Brisingamen, dessen Name soviel heißt wie Zusammenflechter, denn wenn -sie erwachte und Brisingamen um Hals und Nacken legte, glitzerte es -über Himmel und Erde, und das Frühlicht stieg auf, das den jungen Tag -mit der schwindenden Nacht zusammenflicht. - -Weit rissen die Götter die Augen auf, als Freya so goldenstrahlend -vorüberschritt. Und Loki, der listenreiche, sann auf einen ebenbürtigen -Schmuck, und er sah Sifs, der Gattin Donars, den sie auch Thor nannten, -goldwogendes Haar und schlich ihr heimlich nach und schnitt es ihr ab. -Tobend vor Grimm suchte Thor den Täter. Bald hatte er Loki erwischt, -und seine mächtigen Fäuste packten den Geschmeidigen, daß ihm die -Knochen im Leibe krachten. Wie ein Wurm wand sich Loki und schwur alle -Eide, der weinenden Sif neues Haar zu schaffen aus echtestem Gold und -so fein gesponnen wie Sonnenstrahlen. Da gewährte Thor ihm Zeit, denn -ihm lag daran, die Schönheit seines Weibes wiederhergestellt zu sehen -und den Spott zum Verstummen zu bringen. Und der geängstigte Loki fuhr -ab zu den Zwergen. - -Zwei Zwergenbrüder waren _Brock_ und _Sindri_, die galten für die -größten Meister aller Unterirdischen. Freundlich sagten sie dem -geängstigten Gotte zu, sein Begehr zu erfüllen, und sie schmiedeten -das Gold und zogen es in Fäden so fein wie Sonnenstrahlen, und da -ihre Kunst eine lebenschaffende Kunst war, wie nur die echte Kunst, -so gewann das Goldhaar alle Eigenschaften des natürlichen Haares -und wuchs in goldenen Locken. Die freundlichen Zwerge aber wollten -Loki nicht reisen lassen, ohne ihm Weihegeschenke mitzugeben für die -heiligen Götter, und sie schmiedeten für Wodan den wunderbaren Speer -Gungnir, dessen Wurf, ja dessen bloßer Schwung den Tod bringt, und für -die anderen Asen das Wunderschiff Skidbladnir, das ohne Wind zu fahren -vermochte und durch den ärgsten Sturm, und das sich zusammenfalten und -in die Tasche stecken ließ. - -Lüstern sah Loki den Künstlern zu, und seine arglistige Seele sann, wie -er den Zwergen noch andere Meisterwerke entlocken könne. Da nun der -Zwerg Brock den Hauptanteil an der Arbeit getan hatte, so gedachte -Loki, einen der Zwerge gegen den anderen auszuspielen, und er wettete -scheinbar harmlos und wie aus fröhlicher Laune heraus, daß Brocks -Bruder Sindri die drei Meisterwerke nicht durch seine Kunst überbieten -oder auch nur annähernd Gleichwertiges schaffen könne. Brock, der -seinen Bruder zärtlich liebte, nahm sofort Partei, und Loki reizte ihn -in eine Wette hinein, in der der listige Gott sein Haupt verwettete -gegen die drei Kleinodien, die nunmehr Sindri schaffen solle. - -Ohne zu zögern, begann Sindri sein erstes Werk. Und als es so weit war, -daß es ins Schmiedefeuer mußte, um geglüht und gehärtet zu werden, zog -Brock den Blasebalg, ohne auch nur eine Pause zu machen. - -»Weshalb setzest du nicht einmal aus?« forschte Loki wie in harmloser -Neugier. - -»Zöge ich den Blasebalg nicht nach Gebühr und setzte ich nur eine -Sekunde aus,« erwiderte der Zwerg, »so würde das Werk einen Fehler -erleiden.« - -Da verwandelte sich der ränkereiche Gott schnell in eine Stechfliege, -flog auf Brocks Hand, die den Blasebalg zog, und stach ihn in den -Finger. Aber Brock verbiß den Schmerz, um des Werkes seines Bruders -willen, und hielt aus, bis das Werk fertig aus der Esse kam. Da war es -ein Eber mit goldenen Borsten, der schneller als ein Himmelsroß durch -die Lüfte rannte und dessen goldene Borsten taghell die dunkelste Nacht -durchleuchteten. - -Und Sindri begann sein zweites Werk, und als es im Schmiedefeuer lag -und Brock den Blasebalg zog, flog ihm Loki als Stechfliege in den -Nacken und stach erbärmlich zu. Aber Brock zuckte nicht mit der Wimper, -so wahnsinnig der Stich ihn schmerzte, bis das Werk fertig aus der -Esse kam. Da war es der Ring Draupnir, der Tröpfler, von dem in jeder -neunten Nacht acht neue kostbare Ringe abtropften, so daß sein Besitzer -immer der Reichste war. - -Und Sindri begann sein drittes und letztes Werk und schob es in das -Schmiedefeuer, und Brock zog den Blasebalg in brüderlicher Treue. Da -setzte sich ihm Loki als Stechfliege mitten auf das Augenlid und stach -zu, daß ihm das Blut in die Augen floß. Brock zog und zog, bis er vor -rinnendem Blut nicht Esse noch Blasebalg mehr erkennen konnte. Eine -Sekunde nur ließ er los, schlug nach der Fliege und wischte hastig das -Blut aus den Augen. Aber er hatte ausgehalten bis gegen den Schluß, und -als Sindri das Werk aus der Esse nahm, war es ein Hammer, _Mjolnir_, -der Zermalmer, der nie zerbrechen konnte, nicht an Stahl und nicht -an Stein, und, wenn er geworfen wurde, immer in die Hand des Werfers -zurückkehrte. Nur der Hammerstiel war ein wenig zu kurz geraten. Das -war geschehen, als Brock das Blut aus den Augen wischte. - -Voller Zorn über Lokis Arglist und Tücke verlangte Brock den Preis -der Wette, Lokis boshaftes Haupt. Loki aber lachte ihn aus und wies -auf den Hammer, der mißraten sei. Da machte sich Brock mit Loki auf -nach Asgard, den Göttern die Gaben zu bringen und ihren Schiedsspruch -anzurufen. - -Wie staunten die Götter über die Wunderwerke, über Sifs goldenes Haar, -über Wodans Todesspeer und über das zaubertätige Götterschiff. Mehr -aber noch staunten sie über den Ring Draupnir, den Tröpfler, den der -Zwerg Allvater Wodan zur Gabe brachte, über den rennenden Goldeber, -den er dem Wohltäter Freyer verehrte, und am meisten über den Hammer -Mjolnir, den Zermalmer, denn es fehlte ihnen an gewaltigen Waffen, -denen der Feind nichts entgegenzusetzen wußte. Und Brock überantwortete -den Hammer dem freudig zugreifenden Thor. - -Und Thor sprach: - -»Es ist der Hammer und der Mann, der hinter ihm steht, auf den es -ankommt. Mag der Stiel nun lang oder kurz sein.« - -Da fiel der Schiedsspruch der Götter zugunsten des Zwerges, und Loki -legte sich auf das Handeln und bot allerlei Lösegeld, aber der erzürnte -Zwerg beharrte auf seinem Preis. - -»So hol dir den Kopf, du verkümmerter Gnom,« lachte Loki und entglitt -dem Verhöhnten auf seinen Zauberschuhen in die Lüfte. - -Thors Biedersinn empörte sich über Lokis Betrug. Er schirrte seine -Böcke vor den Donnerwagen, den Zahnknisterer und den Zahnknirscher, und -brauste hinter dem Flüchtenden her. Er holte ihn ein, zwang ihn in den -Wagen und brachte ihn dem Zwerg. - -»Halt,« rief Loki, als der Zwerg das Messer zog, um den erwetteten Kopf -herunterzuschneiden, »nur der Kopf ist dein; schneidest du mir in den -Hals, so gilt es dein Leben.« - -Da lachten die Götter über Lokis gelungenen Scherz, daß die Halle -erbebte. Der Zwerg stand betroffen. Ohne den Hals zu verletzen, -vermochte er den Kopf nicht abzulösen. Aber er zitterte nach -Genugtuung. Und da der Kopf sein war, ergriff er wütend eine Ahle und -einen Riemen und nähte dem Lästerer Loki das böse Maul zu. Dann erst -trollte er sich befriedigt. - -Lange ließen die Götter Loki mit vernähtem Lästermaule laufen. Dann -aber fehlte ihnen sein scharfer Witz wie sein kluger Rat, und sie zogen -den Riemen heraus. Denn sie wußten sich in einer schweren Sache, die -den Himmel bedrohte, nicht zu helfen. - - - - -In Schuld und Schicksalskampf. - - -Die Bekriegung der Gottheiten untereinander, der Kampf zwischen -Asen und Wanen, hatte alle Feinde der Himmelsordnung das Haupt -recken lassen in aufhorchendem Frohlocken. Die Macht der Götter war -nicht unangreifbar. Sie beruhte auf ihrer Einigkeit, dem festen -Zusammenschluß aller ihrer Glieder und Gaben. Uneinigkeit, ein -Zersplittern ihrer Machtfülle und Zugeständnisse an die anderen Welten -mußten sie bald verwundbar machen. So rechnete man in Utgard, dem Land -der Riesen und Trolle, wo alle Hasser saßen. - -Noch lag in Asgard die Himmelsburg mit Türmen und Wällen zerstört. -Unmutig dachten die Götter an die gewaltige Arbeit des Wiederaufbaues. -Gerade jetzt, wo mit Njord und Freyer Reichtum und Wohlleben, wo mit -Freya, der Heischenden, Lust und Laune am Liebesspiel fröhlichen Einzug -gehalten hatten, waren sie der Arbeit entwöhnt, und sie ratschlagten -her und hin, wie die Veste neu und noch stärker als zuvor erbaut werden -könne, ohne daß einer der Götter Zeit und Mühe zu opfern brauche. Schon -war es zu Unstimmigkeiten und heftigem Hader gekommen, als unvermutet -Heimdall, der Wächter, einen Gast meldete. - -Es war ein Mann von so ungeheueren Körpermaßen und Leibeskräften, wie -sie die Götter nie erschaut hatten. Er ritt auf einem Roß, das des -riesigen Reiters würdig war, und gab an, aus fremden Welten zu kommen -und der größte Baumeister aller Zeiten zu sein. - -Da horchten die Götter auf. Das war der Mann, der ihnen fehlte. - -Sie führten ihn rings um Asgard und ließen ihn das Werk, das sie ihm zu -übertragen gedachten, in Augenschein nehmen und begutachten. »Eile tut -not,« sprachen sie, »es muß in kürzester Frist errichtet sein.« Dies -stellten sie zur Bedingung. - -Der gewaltige Baumeister ließ forschend seine Blicke über Götter und -Göttinnen schweifen. - -»Ich will die Burg uneinnehmbar bauen,« antwortete er, »und noch -während dieses einen Winters. Doch müssen mir meine Bedingungen treu -erfüllt werden.« - -Da rieben sich die Asen vergnügt die Hände. »Fordere was du willst.« - -Und der Baumeister sprach: - -»Wenn ich die Burg innerhalb der genannten Frist und ohne auch nur -einen Tag darüber hinaus zu gebrauchen, errichtet habe, so sollt ihr -mir als Lohn Freya, die Liebliche, zur Frau geben und zu ihrer -Bedienung die Sonnenjungfrau und die Mondjungfrau. Bedarf ich zu meiner -Arbeit auch nur eines Tages Länge mehr, so habt ihr das ganze Werk, das -ich geleistet habe, umsonst und ohne Entgelt, und ihr könnt mich von -hinnen jagen.« - -Da wurden die Götter ernst und traten zum Rat zusammen. Sie fühlten -ihre Zusammengehörigkeit als ihr Heiligtum und wünschten den Verlust -der wärmespendenden Freya und der lichtspendenden Jungfrauen Sonne und -Mond nicht aufs Spiel zu setzen. Schon wollten sie das Ansinnen des -starken Baumeisters als eine Beleidigung zurückweisen, als Loki, der -Vielgewandte, das Wort ergriff. Er bewies den ernstgewordenen Asen, daß -es selbst für sie, die Götter, eine Unmöglichkeit wäre, Asgards Veste -in einem Winter zu erbauen, um wie viel mehr für diesen grobknochigen -Schwätzer, der sich großtuerisch vermesse, die ganze Arbeit allein zu -verrichten und nur mit Hilfe seines Pferdes. Jedenfalls aber würde der -Fremde in seinem Ehrgeiz ein hübsches Stück Arbeit zuwege bringen, -bevor er weggejagt würde, so daß den lachenden Göttern nur noch die -letzte Vollendung des Werkes übrig bliebe. Und Loki redete so lustig -und listig, daß er die Lacher auf seiner Seite hatte und sie ihm -zustimmten, ohne an seine Heimtücke zu denken. Loki selber aber dachte -sehr wohl an das Fehlschlagen seines Rates. Seine Eifersucht jedoch -erhoffte immer aufs neue ein Aufsteigen seiner persönlichen Macht, -sobald die Macht derjenigen Götter, die ihm an Kraft und Ansehen -überlegen waren, geschwächt wurde. - -Der Baumeister wurde vor den Rat gerufen. Der Tag des Winterendes -wurde auf die Stunde bestimmt und dem Festungsbauer Freya als Gattin -zugesprochen und die Jungfrauen Sonne und Mond als Dienerinnen, wenn -der Vertrag pünktlich eingehalten und eingelöst werde. - -Der Baumeister verlangte zur Bekräftigung den Eid der Götter. - -Da beschwuren die Götter die Wahrhaftigkeit des Vertrages mit ihren -höchsten Eiden. Nur Donar, der donnernde Thor, schwur nicht mit. Denn -er war nicht anwesend und, wie immer vielbeschäftigt, ausgezogen, um -den im Schweiße ihres Angesichtes arbeitenden Bauern beizustehen gegen -die zerstörenden Gewalten aus Utland, dem Riesenheim. - -[Illustration: »... umschlang mit seinen Armen die höchsten -Felsenberge ...«] - -Der Baumeister begann, ohne zu zögern, mit der Arbeit. Er reckte seine -Glieder ins Ungeheuerliche, umschlang mit seinen Armen die höchsten -Felsenberge, hob sie aus dem Grund und spannte sein Roß Swadilfari vor, -das sie mit Windeseile zu dem Bauplatz zog, wo der ungetüme Meister sie -kunstgerecht schichtete. Tag und Nacht war Mann und Roß bei der Arbeit, -und die Burg wuchs und wuchs, und staunend standen die Götter. Aber in -ihr Staunen trat bald eine tiefe Beklommenheit, und die Beklommenheit -wandelte sich in blassen Schrecken, als nur noch acht, dann fünf und -jetzt nur noch drei Tage zwischen der letzten Vollendung der Burg und -der Auslieferung der geliebten Göttinnen lagen. Eifernd zog Freya -umher, traurig schlichen ihre Freundinnen Sonne und Mond ihr nach. - -Da traten die Götter zum Rate zusammen, und sie schwuren Loki, dem -Verführer, furchtbare Rache auf ewige Zeit, wenn er den Vertrag, den -er ihnen aufgeschwätzt, in letzter Stunde nicht hinfällig mache. Denn -sie waren sich bewußt, daß ohne Freyas Wärme und ohne der Sonne und des -Mondes Licht Himmel und Erde vereisen und verkümmern müsse. Sie packten -Loki und schüttelten ihn im Zorn, daß ihm Feuer aus den Augen sprang -und er in Todesängsten alles versprach, die Götter zu befreien. - -Wohl hatte er gesehen, daß der fremde Baumeister seine Arbeit nur mit -Hilfe seines Hengstes Swadilfari schaffen könne. Den Hengst mußte er -ablenken. Und er nahm die Gestalt einer schönen Stute an und lief dem -arbeitenden Hengst in den Weg. Der Hengst blieb stehen, schnob durch -die Nüstern und stieß ein liebestrunkenes Wiehern aus. Alsbald tänzelte -ihm die Stute vor der Nase herum, tat verliebt und vertraulich und stob -von dannen, wenn der Hengst sie zu fassen glaubte. Dem Hengst stieg das -Blut in die Augen. Das Liebesspiel brachte ihn um die Vernunft. Und als -die Stute ihm wieder schmeichlerisch nahe kam, ließ er Arbeit Arbeit -sein, warf das Geschirr ab und jagte hinter der gefallsüchtigen Schönen -drein. Da flogen die Funken von ihren Hufen, und ganz Asgard erdröhnte -von dem wilden Galopp. Drei Tage und drei Nächte ging die wilde Jagd, -bis sich die Stute dem Hengst ergab, und der Baumeister stand in der -Stunde, in der er die Burg übergeben sollte, vor dem unvollendeten Werk. - -Zornbebend rief er die Götter herbei, schrie ihnen Lokis Verrat ins -Gesicht und forderte sie auf, ihre Eidschwüre zu halten, wie es die -Wahrhaftigkeit geböte. - -Die Götter aber blieben kalt bei seinem Toben. Sie wiesen auf das -unvollendete Werk und schickten Freya und die Jungfrauen Sonne und -Mond in ihre Gemächer. - -»Meineidige seid ihr!« brüllte der gewaltige Fremdling, griff seine -Werkzeuge auf und holte aus, um die Burg und mit ihr die Götter zu -zerschlagen. - -In Todesnot riefen die Götter Thors, des Donnerers Namen. Und in selber -Sekunde stand der Donnerer mitten unter ihnen, denn er fuhr mit dem -Blitze. In der Hand wuchtete dem rotbärtigen Gotte der Hammer Mjolnir. -Beim ersten Blick erkannte sein Auge, daß der ungetüme Baumeister ein -Abgesandter des eisigen und dunklen Riesenreiches sei, das sich Freyas -Wärme und das Licht von Sonne und Mond dienstbar machen wollte, und -ohne auch nur ein Wort zu reden, lief er den Riesen an und schmetterte -ihm den Hammer in den Schädel, daß der fürchterliche Unhold wie ein -gefällter Baum tot zusammenbrach. - -Der Donnerer wischte den Hammer ab und steckte ihn in den Gürtel. Er -strich seinen gesträubten roten Bart zurück und sah sich schweigend im -Kreise um. - -Dann erst sprach er. - -»Nicht Rat und Rat und wieder Rat erhält am Leben. Nicht bei Göttern -und nicht bei Menschen. Am Leben erhält nur die Tat!« - -Sprach's, drehte sich um und ging seiner Wege. - -Die Stute aber, in die Loki sich verwandelt hatte, warf von dem -Riesenhengste Swadilfari ein wolkengraues Fohlen, wie es schneller nie -gewesen war und niemals wieder wurde, denn es griff die Luft mit acht -Füßen und überholte den Sturmwind. Sleipnir hieß es und wurde Wodans, -des nordischen Odins, Roß. -- - -Schwer an Gedanken saß Wodan an Mimirs Brunnen. Das Riesenreich hatte -es gewagt, einen heimlichen Abgesandten nach Asgard zu entsenden, um -die Einigkeit der Götter zu zerstören und ihnen Wärme und Licht zu -rauben. Fast wäre den Riesen der Anschlag gelungen. Und Wodan wußte, -als er einsam in Mimirs Brunnen starrte, daß sie von jetzt ab Anschlag -auf Anschlag wiederholen würden, um die Götter zu verderben und über -den Gestürzten das Reich der rohen Kraft und Gewalt und die Herrschaft -der Zügellosigkeit aufzurichten. Und der einsam grübelnde Allvater -wußte mehr. Von der wachsenden Üppigkeit waren die Götter zur Habgier -und List, von der List zum Meineid fortgeschritten. Meineidig waren -die Götter. War das besser als rohe Kraft und Gewalt der Riesen? Den -Meineid strafte die wahrhaftige Weltseele. - -Und Wodan, der Allwissende, sah die Strafe. - -Noch war sie fern, noch konnte sie durch glühende Willenskraft -zurückgedrängt, durch neuerwachte, neu geschürte Begeisterung an der -Ordnung der Welt hintangehalten werden. Wegzuzaubern war sie nicht. -Denn über Götterrunen und Himmelskunst stand die Wahrhaftigkeit -der Weltseele, die sich selbst als oberstes Gebot -- auch für die -Herrschenden -- eingesetzt hatte. - -Am Brunnen Mimirs blickte Wodan, der Einsame, in die Zukunft. Der -allmächtige Vater der Götter und Menschen erschauerte nicht. Allvater -erkannte Allvaters Pflicht. Ob sie schwer war, ob sie unerfüllbar war --- es durfte ihn nicht kümmern. Läßt ein Vater seine Pflicht, wenn -tausendfältig anstürmender Feind seine Kinder zu zertreten droht? Der -Vater nimmt den Kampf auf, wirft sich dem Feind entgegen, lenkt ihn -ab, tut ihm Schaden und sucht, da er sie nicht zu retten vermag, die -Todesstunde seiner Kinder mit verdreifachten Kräften hinauszuschieben, -so weit er es nur vermag. - -So auch dachte Wodan, der einsame Wanderer zur Quelle Mimirs, als er -sich vom Brunnenrand erhob und in tiefem Sinnen heimkehrte gen Asgard. - -»Sie müssen den _Begeisterungstrunk_ haben,« murmelte er. »Der -Begeisterte verdoppelt Leben und Kraft, der Zagende bringt sich -um Willen und Frieden. Ich will ihnen den Begeisterungstrunk -herbeischaffen, daß sie das Fürchten verlernen. Herrscher können irren, -aber sie dürfen sich nicht fürchten.« - -Es war gewesen, als Asen und Wanen sich geeinigt und sich gemischt -und dessen zum Zeichen aus ihrem vermischten Speichel den _Kwasir_ -geschaffen hatten, der die Weisheit der Asen und die Lebensfrohheit der -Wanen wie einen feurigen Rausch im Blute trug und alle Welt mit seinen -Gaben entzückte. Im Berge hockten ein paar Neidlinge, Zwerge von kalter -und berechnender Klugheit, die Kwasirs hohe Gaben wohl einzuschätzen -verstanden, ohne daß es ihnen gelang, je aus einem ähnlichen feurigen -Götterrausch heraus zu schaffen wie Kwasir. Sie blieben Handwerker, wo -jener Künstler war. So gedachten sie, ihm das Künstlerblut zu rauben -und es sich zu eigen zu machen. Sie baten den göttlichen Kwasir, als er -über die Erde wandelte und die Menschen zu veredeln trachtete, zu einem -Gastmahl und stießen den Ahnungslosen, als er bei ihnen niedergesessen -war, mit ihren Messern zu Tode. Das aufspritzende Blut fingen sie -bis auf den letzten Tropfen in zwei Krügen auf und in einem Kessel, -der _Odrerir_ genannt wurde nach dem berauschenden Blute. Die Krüge -nannten sie Son und Bodn, das ist soviel wie Sühne und Anbietung. -Dem Blute setzten die kundigen Zwerge Honig zu, so daß ein Met, ein -Dichtermet daraus wurde, der jeden, der von ihm trank, mit Begeisterung -erfüllte und zum Dichter und heldischen Sänger machte. Zu den Asen aber -trugen die Zwerge die Kunde, der weise Kwasir sei eines Tages, da ihm -die Gedanken mehr denn je zuflogen, an seinem eigenen Witz erstickt. - -Die beiden Zwerge hoben jetzt um so frecher das Haupt. Hatten sie dem -göttlichen Kwasir seine begeisterungweckenden künstlerischen Gaben -geneidet, so neideten sie dem reichen Riesen Gilling seine irdischen -Schätze. Sie luden den Riesen ehrerbietig zu einem Fischzug ein, -trieben das Boot zum Kentern in eine Brandung und schwammen tauchend -an Land, während der ungefüge Riese jämmerlich ertrinken mußte. Dem -jammernden Weibe Gillings aber ließen sie, als sie aus dem Hause trat, -um den Leichnam des Mannes zu bergen, vom Dache aus einen Mühlstein -auf den Kopf fallen, der sie zerschmetterte, und aus der unbewachten -Wohnung raubten sie, was sie tragen konnten. - -Gillings Sohn jedoch, der Riese _Suttung_, verfolgte ihre Spuren, -entdeckte die verbrecherischen Gernegroße und band sie mit Stricken, -daß sie kaum noch atmen konnten. Er verurteilte die Gefesselten zum -qualvollen Hungertode auf einer Meeresklippe. Vergebens boten die -Schwächlinge Hab und Gut zur Rettung ihres Lebens. Als jedoch der -Riese davonrudern wollte, sprachen sie ihm von dem Köstlichsten auf -der Welt, von dem Rauschtrunk, dem Dichtermet, der da ewige Liebe, -ewige Jugendlust, ewigen Heldenruhm schaffe. Der Riese horchte auf. Das -dünkte dem Mann aus dem Geschlecht der Thursen und Joten, der Säufer -und Fresser, ein begehrenswertes Lösegeld. Er nahm die Wimmernden -mit sich, ließ sie die beiden Krüge mitsamt dem Kessel Odrerir -herausschaffen und schenkte ihnen das armselige Dasein. Von diesen -Beiden aber stammt die Sippe der Neidlinge allüberall. - -Den Rauschtrunk der Begeisterung brachte Suttung ins Riesenland heim -und versteckte ihn in einen hohlen Berg, zu dem es keinen Zugang gab. -Seine schöne Tochter Gunnlod steckte er mit in den Berg, damit der -kostbare Met die kostbarste Wache habe. - -Diesen Wundertrank Odrerir gedachte Wodan seinen Göttern gen Asgard zu -holen. -- - -In Menschengestalt zog er über die Erde und fuhr über das Meer, das -zwischen Midgard, dem Menschenheim, und Utland, dem Jotenheim, -brandet. Und er nannte sich Bolwerk, das heißt: Böseswoller. Zuerst -suchte er Baugi, des Riesen Suttung Bruder auf, denn er wußte, daß -Suttung mißtrauisch sei und unzugänglich für Fremde. Neun Riesenknechte -mähten die Felder vor Baugis Haus. Sie riefen den Fremdling an, in -welchen Geschäften er reise und was er hier herumlungere, und Wodan -erwiderte bescheiden, er heiße Bolwerk und sei seines Zeichens ein -Sensenschärfer. Sein Wetzstein vermöge die Sensen zu schärfen, daß -sie in Wiesen und Acker hineinschnitten wie in weiche Butter und kein -Knecht mehr einen Tropfen Schweiß verlöre. - -Da drängten die Riesenknechte herbei und hielten ihm lüstern die -nackten Sensen hin, daß er sie wetze. Bolwerk aber zog einen gemeinen -Wetzstein hervor und warf ihn hoch über ihre Köpfe. »Fangt ihn!« rief -er. »Wer ihn fängt, kann ihn behalten!« Und so hastig und wild fuhren -die Riesenknechte nach dem sausenden Stein herum, daß die ungeschützten -Sensen durcheinander wirbelten und einer dem andern, im Drange, den -Stein zu erwischen, den Kopf vom Halse säbelte. Wodan aber entwich, bis -es Abend war. - -Er fand den Riesen Baugi jammernd vor seinem Hause sitzen und befragte -ihn nach dem Grunde seiner Traurigkeit. - -»Meine Knechte,« wetterte der Riese, »müssen sich während des Mähens -toll und voll gesoffen haben, denn sie haben jählings das Raufen -bekommen und sich allzumal umgebracht. Ich aber kriege für die -drängende Ernte keine Knechte mehr.« - -Der fremde Wanderer, der sich Bolwerk nannte, tröstete den Riesen. - -»Was ist dabei? Ich habe Kräfte für neun. Wohl schaffe ich dir die -Ernte ganz allein, wenn du mir dagegen ein Trünklein von dem Wundermet -deines Bruders Suttung verschaffst, von dem ich in fernen Landen so -viel Rühmendes hörte.« - -Der Riese Baugi kratzte sich bedächtig den Kopf. - -»Was den Met angeht, o Bolwerk, so ist mein Bruder Suttung in der -Spendung auch nur eines Schlückleins hartleibiger als ein Drache. Aber -eine Liebe ist die andere wert. Hilfst du mir, so helf ich dir.« Und -sie gaben sich den Handschlag darauf. - -Einen Sommer lang mähete Wodan des Riesen Felder und brachte die Garben -bis auf die letzte unter Dach und Fach. Er, der einzige, allein. Und -Baugi gedachte seines ehrlichen Wortes und ging zur Winterszeit mit -seinem Knechte Bolwerk zu seinem Bruder Suttung, der sie beide vor die -Türe warf. - -»Geht's nicht auf gradem, so muß es auf krummem Wege gehen,« sprach -Bolwerk zu Baugi. »Zeige du mir nur den Berg.« - -Da wies ihm Baugi heimlich den Berg, den undurchdringbaren, und -freute sich hämisch, daß er nun seines Wortes ledig sei, ohne daß er -den Bruder dem Fremdling zuliebe verriete. Wodan jedoch trug einen -Zauberbohrer bei sich, mit dem er ein feines Löchlein in den Felsen -bohrte, bis der Bohrer in die Höhlung stieß, und er verwandelte sich in -ein blitzschnell gleitendes Schlänglein und glitt durch das Bohrloch in -den Berg, verwandelte sich in seine Göttergestalt zurück und stand in -bezwingender Allgewalt vor der heiß erglühenden Jungfrau Gunnlod. - -»Nie sah ich einen Mann,« stammelte die Erregte, »so herrlich -anzuschaun wie du.« - -»Wodan bin ich, der Herrscher aller Welten, und ich komme zu der -Schönsten, die da lebt. Reich mir den Willkommentrunk, mein Mädchen.« - -Da reichte sie ihm den Krug Son, und er trank ihn leer in der ersten -Nacht, die sie in seinen Armen lag, und reichte ihm den Krug Bodn, und -er trank ihn leer in der zweiten Nacht, die sie in seinen Armen lag, -und reichte ihm alles vergessend den Kessel Odrerir, und er trank ihn -leer in der dritten Nacht, die sie in seinen Armen lag. Und in seliger -Begeisterung gebar sie ihm einen Sohn, der hieß _Bragi_. - -Und als Wodan den letzten Tropfen des Begeisterungstrankes in sich -aufgenommen hatte, verließ er mit seinem Sohne den Berg, wandelte sich -in einen Adler und schwang sich mit Bragi, der als jauchzendes Lied auf -seinem Rücken ritt, in Himmelshöhen zum Flug gen Asgard. - -Der Riese Suttung vernahm den jauchzenden Sang und den Flügelschlag. -Da wußte er jäh, was ihm geschehen war. Den Zauber der Riesen ließ er -spielen und stürmte als Adler dem Adler nach. Hin flog das stürmende -Lied in die göttliche Freiheit, und die riesische Unvernunft setzte -ihm nach, um es in ihren hohlen Berg zu sperren. Asgard nahe war -Wodans Adler, der den Trank Odrerir im Leibe trug. Fast hatte ihn -der Riesenadler erreicht. Die Götter eilten herbei. Schon flog die -Begeisterung zu ihnen hinüber. »Heil!« riefen sie Wodan zu. »Dreifach -Heil!« Und Becher und Schalen trugen sie herbei und hielten sie -Wodans Adler entgegen. Und der Adler ließ aus seinem Schnabel den -Begeisterungstrunk Odrerir, den er in sich trug, in die Becher und -Schalen brausen, den schalen Bodensatz aber, der im Bauche verblieben -war, in scharfem Strahl aus dem After fahren, also, daß er dem -Riesenadler in die Augen beizte und Suttung wie verblödet niederfuhr. - -Von diesem stammt die Sippe der Afterdichter, die echter Begeisterung -bar sind. - -In Walhall aber, in Wodans gewaltiger Halle, kreiste der Becher der -Begeisterung, erbrausten die Dichterlieder und schufen Heldenblut. Und -als Bragi heranwuchs, der Gott der Dichter und der Sänger, vermählten -ihn die Götter mit Idun, der Göttin der ewigen Jugend, die die Äpfel -des Jungseins hütete, die nimmern altern lassen. - -Seit jener Zeit gehören göttliche Dichtkunst und ewige Jugend unlösbar -zusammen. - - - - -Die Götter auf Kundschaft. - - -Seit der Begeisterungstrunk in Walhall die Runde machte und Bragi, der -Dichtergott, seine Lieder sang von Heldentum und ewig jungem Ruhm, -gewannen die Götter ihre alte Festigkeit zurück, und ihr Mut loderte -auf wie eine heilige Flamme gegen jedes dunkle Schicksal, das an ihrer -Vernichtung arbeitete. Reicher denn je und freudiger denn je stiegen -die Opfer gen Himmel, welche die Menschen darbrachten, die wie die -Götter zu kämpfen hatten gegen dunkle Mächte und sichtbare Feinde -allüberall und darum _die_ Gottheiten am meisten liebten, die ein -kriegerisch Herz in der Brust trugen wie sie selber. - -Das sah Loki, der neidische, mit starkem Unbehagen, und seine Arglist -suchte, wie er den im Opfer bevorzugten Göttern Schaden antun könne, -um sie niederzuhalten und sich selbst zu heben. Es war zu der Zeit, -da Donar, der donnernde Thor, seine Kampffahrten plante gegen die -unheilstiftenden Riesenmächte in Utgard, die seit des Riesenbaumeisters -Erschlagung in rastloser Unruhe blieben. - -Loki war nicht wählerisch, wenn es sich um die Erreichung seiner -ehrgeizigen Ziele handelte. Er wünschte insgeheim die Aufrührer zu -stärken und ihnen einen Zuschuß von der Unbeugsamkeit der Götter zu -geben. Darum fuhr er gen Utland ins riesische Jotenreich und fand eine -Riesin, Angurboda, ein fürchterliches Weib, die ihm grinsend zu Willen -war und ihm Drillinge gebar von scheusäligem Aussehen. Den Fenriswolf, -die Schlange Jormungand und ein grausiges Weibsgeschöpf, die Hel. - -Allvater erforschte die Drei, als er in einsamer Stunde den Runenzauber -befragte nach den Feinden Asgards und der Asen. Die Götter gingen zu -Rat und beschlossen, den Riesen die Kinder Lokis abzufordern, da sie -zum Wohnsitz des Vaters gehörten. Die Riesen willfahrten knirschend, -denn noch wagten sie nicht offene Auflehnung gegen ihre Beherrscher. - -Die Götter prallten zurück, als man die Scheusale vor sie brachte. -Lokis Brut zu ermorden, widerstand ihnen an geheiligter Himmelsstätte. -Aber unschädlich sollte sie gemacht werden. Und Wodan packte die -Schlange und schleuderte sie in das Meer, das sich brausend um Midgard -schlingt, und die _Midgardschlange_ dehnte ihren eklen Leib, daß er -rund um die Erde reichte und das Meer erfüllte, und sie biß sich mit -scharfem Gebiß in den eigenen Schwanz, also, daß sie einen ungeheuren -Ring bildete. Das grausige Weib, die _Hel_, verbannte Wodan in die -tiefste Tiefe von Niflheim und setzte sie über die Totenwelt, in die -nur gelangte, der an schleichendem Alter und Krankheiten aller Art, -nicht aber an ehrlichen Schlachtenwunden gestorben war. Und Hel trat -die Herrschaft an und war eine unerbittliche Forderin des Todes. - -Noch war der _Fenriswolf_ zurückgeblieben. Erst trieben die Götter -ihren Scherz mit dem Wilden. Aber das Ungetüm wuchs mit jeder Nacht und -drohte jeden zu verschlingen, der sich ihm näherte. Da hielten es die -Götter bald für rätlich, ihn in Fesseln zu legen. - -Sie wanden eine Schlinge, fesselten sich selber damit und zerrissen sie -vor des Wolfes Augen. - -»Nun, Fenris,« sprachen sie, »bist du auch so stark, so tue es nach.« -Der Wolf ließ sich binden und sprengte die Fessel mit einem Ruck. - -Da wanden die Asen eine dreifach starke Schlinge und reizten den Wolf, -bis er sich wieder binden und schnüren ließ. Dreimal mußte der Wolf -anrücken. Dann sprang die Fessel in Stücke. - -Zu den kunstreichen Zwergen sandte Wodan und befahl ihnen, eine -Fessel herzustellen, die nicht zu lockern sei. Und die Zwerge suchten -die seltensten Stoffe aus aller Welt zusammen, Barthaare eines -Weibes, Wurzelfasern eines Felsen, Sehnenfäden eines Bären, mischten -alles mit dem Speichel eines Vogels, dem Atem eines Fisches, der -Geräuschlosigkeit einer Katze und wanden eine schmiegsame Fessel -daraus, die sich umso stärker zusammenzog, je heftiger man gegen sie -anging. Und die Fessel hieß Gleipnir. - -An einen weltfernen, einsamen Ort begaben sich die Götter und nahmen -den Fenriswolf wie zur Begleitung und Unterhaltung mit sich. Dort -wiesen sie ihm die Fessel und reizten ihn wie schon zu zweien Malen, -seine Kraft zu erproben. Aber der Wolf war mißtrauisch geworden und -wollte nicht. - -»Welch einen Feigling führen wir in unserer Mitte,« höhnten die Götter -ihn aus. - -Der Wolf wurde ärgerlich und wollte den Vorwurf nicht auf sich sitzen -lassen. - -»Ich fürchte mich vor nichts,« grollte er, »aber ihr könntet mich bös -verzaubern, während ich beschäftigt bin, die Fesseln zu sprengen. -Lege mir also einer von euch die rechte Hand in den Rachen, damit das -Wagestück ordnungsmäßig vonstatten geht. Ich beiße sie ab, wenn ihr -Zaubereien treibt.« - -Verblüfft sahen sich die Götter an. Die Schwerthand wünschte nicht -einer zu opfern. Da trat heißen Angesichtes der tapfere Ziu vor, -den die Nordmänner Tyr nannten und dem die jungen Krieger als ihrem -Schlachtengott in blanken Schwertertänzen huldigten; er schob dem -Untier wortlos die Rechte in den Rachen. Nun ließ der Fenriswolf -das Abenteuer geschehen. Aber als ihn die Fessel Gleipnir wie mit -Schlangenarmen umwand, daß ihm der ohnmächtige Schweiß aus allen -Poren brach und er spürte, daß seine Kraft überwältigt sei, als die -Götter die Fessel im Grunde der Erde verankerten, so daß er nimmer los -konnte, schnappte er zornwütig zu und biß Tyr, der nicht mit der Wimper -zuckte, die rechte Hand ab. So gab der Gott selber seine Buße. Dem -Wolf aber, der alles um sich her zu verschlingen drohte und mit seinem -durchdringenden Geheul Lebende und Tote erschreckte, stießen die Asen -ein Schwert zwischen die aufgerissenen Kiefern, daß das Geheul erstarb -und nur der Geifer des Wütenden in Strömen hervorschoß. Dann ließen sie -ihn in der Einsamkeit. -- - -Wieder saß in Asgard Wodan, der Odin der Nordmänner, und lange währte -sein Gespräch mit Donar, dem donnernden Thor, der nach ihm der -mächtigste war, der Mann der Tat. Ernst blickte Thor, und er nickte zu -allem, was Allvater sprach. - -»Das Schicksal der Götter,« sprach Allvater, »liegt in der Götter -eigener Hand. Mut schreckt es zurück.« - -»Es ist wie bei den Menschen,« sprach Thor. »Jeder ist Herr seines -Schicksals, solange er um sich schlägt.« - -»Herrscher und Führer,« sprach Allvater, »sitzen auf weithin sichtbaren -Stühlen. All ihr Tun ist leicht zu übersehen, und es ist leicht darum, -sie anzugreifen.« - -»So sollen sie,« sprach Thor, »nicht auf den Angriff warten, sondern -den Angriff vorantragen.« - -»Du bist des Vaters echter Sohn,« schloß Allvater. »So gehe denn hin -und forsche den Feind in seinem Lager aus.« - -Asathor schirrte seine Böcke in den Wagen. Er schnallte den -Stärkegürtel um, der seine Kraft verdreifachte, und legte die -Eisenhandschuhe an, mit denen er den Stiel seines Hammers Mjolnir -fassen konnte, wenn der Hammer mitsamt dem Stiel glühend geworden war -in der Hitze des Kampfes. Den Hammer selbst barg er am Busen. Dann lud -er Loki zum Fahrtgenossen. - -»Es ist besser, ich habe dich bei mir, als daß du in Asgard Schabernack -treibst.« Und Loki, dem das Schicksal seiner Brut vor ängstlichen Augen -stand, sagte ihm gute Reisekameradschaft zu. - -Gen Utgard ging die Fahrt, und am Abend des ersten Tages hatten sie -den Rand der bewohnten Erde am Meeresstrande erreicht und luden sich -bei einem Bauern zur Nacht ein. Schwer hatten die Felder des Bauern -mit den unwirtlichen Mächten aus dem jenseitigen Utgard zu kämpfen, -und um die Armut des Mannes zu schonen, schlachtete Thor seine Böcke -zur Abendmahlzeit, gebot aber jedem in der Familie, die Knochen fein -säuberlich zu behandeln und unversehrt auf die Bockfelle zu legen. So -sättigten sich alle und dankten dem gütigen Spender. Loki aber trieb -es schon wieder, dem starken Gott Verlegenheiten zu schaffen, und er -beschwatzte den Sohn des Bauern, ein Schenkelknöchlein zu öffnen und -das leckere Mark herauszusaugen. - -In der Morgenfrühe stand der Donnerer zur Weiterfahrt bereit. Er -beschrieb mit dem Hammer sein Zeichen über Felle und Knochen, und -augenblicks standen die Böcke fahrtbereit im Geschirr. Der eine Bock -aber lahmte ein wenig und hinderte die schnelle Fahrt. - -Thor griff nach seinem Hammer. Seine Augen blitzten vor Zorn und -sein Rotbart sträubte sich. Da erkannten ihn die Bauersleute als den -Gewaltigen, der ihre Äcker und ihr Leben schützte, und sie umfaßten -seine Knie und blickten ihn aus treuen Augen an. - -»Asathor, es ist nicht unsere Schuld. Der, den du bei dir führst, -erlaubte unserem Sohne _Thjalfi_, den Knochen zu öffnen und das Mark zu -saugen. Nimm unseren Sohn Thjalfi zur Sühne als deinen Diener mit dir. -Keinen schnelleren im Lauf findest du unter den Menschen.« - -Der Donnerer nahm die Sühne an und reichte die Hand freundlich zum -Abschied. Und zu Loki gewandt, meinte er lächelnd: »Ich sehe, daß du -lieber läufst, als fährst. Es wird ein beschwerlicher Marsch werden, -der Schweiß kostet und Blasen unter den Füßen, aber du hast es gewollt. -Auf, Thjalfi!« - -Und er ließ das Bockgespann bei dem Bauern, daß er es bis zu seiner -Rückkehr gut verpflege und den Schaden heile. - -Durch das Meer schwamm Thor mit Loki und Thjalfi, und er wanderte mit -ihnen durch die Wälderwildnis von Utgard, daß Loki oft erseufzte. -Und sie fanden nichts Lebendiges und keine Herberge. Erst in dunkler -Nacht stießen sie auf eine Behausung. Aber statt durch eine Tür -mußten sie durch eine Art großen Schuppens kriechen und zählten vier -langgestreckte Hallen mit einer fünften gekrümmten als Nebengelaß. -Todmüde sanken sie in Schlaf. Plötzlich fuhren sie wieder empor. Das -Haus schwankte unter einem greulichen Sturmgezeter wie ein Schiff, das -kieloben zu gehen droht, und sie retteten sich eilends ins Freie und -wachten den Morgen heran. - -Am Morgen machte sich Thor auf Kundschaft. Er ging dem Sturmgezeter -nach und stieß bald auf einen Riesen, der den Wald mit seinem -Schnarchen füllte wie die Sturmtrompeten die Luft, und Thor nahm -seinen Hammer. Im selben Augenblicke sprang der Riese auf und war so -bergehoch, daß Thor kaum zu seinem Haupte hinaufzusehen vermochte -und den Hammerwurf unterließ. »Ich suche meinen Handschuh,« knurrte -der Riese, spähte umher und hob die Behausung auf mit den vier -langgestreckten Sälen und dem fünften als Nebengelaß. Thor machte runde -Augen. Im Handschuh des Riesen hatte er mit seinen Gesellen genächtigt. - -Der Riese aber machte sich gutmütig mit den fremden Wanderern bekannt, -nannte sich selber _Skrymir_, das ist so viel wie Großmaul, und meinte, -auf den Donnerer weisend. »Dieser da ist unverkennbar. Es ist Asathor, -der den Hammer führt.« Und er erbot sich, ihnen den Weg zur Königsburg -in Utgard zu weisen. - -»Ihr seid für den Marsch zu sehr mit euren Vorratssäcken belastet,« -meinte er bei der gemeinsamen Wanderung. »Gebt mir die Bündel. Einem -Kerl wie mir macht es nichts aus.« Und er öffnete den eigenen Rucksack, -packte die Bündel seiner Begleiter hinein, schnürte den Sack zu und -warf ihn wie eine Feder über die Schulter. Damit waren die drei -Wanderer wohl zufrieden. Weniger zufrieden aber waren sie, daß sie -mit den Riesenbeinen Schritt halten und einen ganzen Tag lang, bis -zum Einbruch der Nacht, Jagdhunden gleich hinter Skrymir durch nicht -endenwollende Waldwildnisse rennen und stolpern mußten, ohne essen -oder trinken zu können. Und als der Riese endlich Halt machte, weil es -pechdunkel im Walde geworden war, und die drei Gesellen atemlos bei -ihm anlangten, hatte sich Skrymir bereits in das Moos gebettet und -schnarchte, daß die Baumwipfel brausten und die Vögel aus den Nestern -stürzten. - -Loki drehte sich vor Hunger auf einem Beine und verwünschte die -verunglückte Reise. Thjalfi, der Läufer, ließ die ausgetrocknete Zunge -bis zum Kinn hinunterhängen. Thor aber donnerte sie an: »Nie hilft -schimpfen zum Ziel oder schweigendes Ertragen! Regt die Hände! Packt -an!« Und sie packten zu dritt des Riesen Rucksack und wälzten ihn -herum und mühten und mühten sich vergebens, die Verschnürung zu öffnen. - -Thor griff nach dem Hammer. - -»Wach auf, du Schnarcher,« rief er, »wir verhungern!« Und er schlug ihm -den Hammer auf den Schädel, daß der Wald wie von einer Pauke erdröhnte. - -Der Riese wischte schlaftrunken über seine Stirn. »Es ist mir ein Blatt -auf den Kopf gefallen,« murmelte er, und schon schnarchte er weiter. - -Thor stutzte. Dann sammelte er eine Zeit lang weise seine Kräfte, hob -den Hammer und jagte ihn in Skrymirs Wirbel, daß von dem Gedröhne die -Berge hüpften. - -Wieder fuhr sich der Riese schlaftrunken über den Kopf. »Diesmal -ist mir eine Eichel auf den Kopf gehüpft,« murmelte er, und schon -schnarchte er weiter. - -Sprachlos starrte der Donnerer auf den ungeheuren Mann, bei dem selbst -sein Hammer versagte. - -»Laß ab,« bat Loki in Ängsten, »hier findest du leicht deinen Meister. -Laß uns umkehren und nimmer wiederkommen.« - -Mit einer Handbewegung tat Thor den Schwätzer ab. Bis es dämmerte, -ruhte er. Dann erhob er sich neu gestärkt, ließ so schnell den Hammer -kreisen, daß er Blitze schoß, und schmetterte ihn mit Donnergekrach -tief in des Riesen Schläfenbein. - -Der aber wurde munter und sprang auf die Füße. Mit der Hand wischte er -sich den Kopf. - -»Pfui! Pfui! Da hat ein Vogel mir 'was auf den Kopf klatschen lassen. -Ich mach mich davon.« - -»Erst zeig den Weg zu Ende!« verlangte Thor. - -Der Riese sah die von den Nachtwachen, von Hunger und Durst Ermüdeten -forschend an. »Wenn ihr auf eurer Reise besteht, so sei's. Aber ich -warne euch. Der König _Utgardloki_, zu dem ihr wollt, gebietet über -Riesenkerle, gegen die ich nur ein Kinderspaß bin. Seid also fein -bescheiden an seinem Hof, haltet die Zunge im Zaum und überhebt euch -nicht, damit ihr halbwegs gesund von dannen schlüpft. Ich an eurer -Stelle trollte mich schleunigst und setzte meinen guten Namen nicht -aufs Spiel.« - -»Schweig, du Großmaul,« gebot Thor, »und weise den Weg.« - -Da deutete Skrymir auf eine Waldlichtung, schulterte seinen Sack und -verschwand zwischen den Bäumen. - -Ohne Zögern marschierte Thor auf die Waldlichtung zu, ob auch Loki -ihn anflehte, das Abenteuer auf günstigere Zeiten zu verschieben. Und -als sie die Waldlichtung erreicht hatten, sprang vor ihnen auf einem -Felsen Utgardlokis Burg bis in die Wolken, von einem Eisengitter dicht -verschlossen. Kein Wächter meldete sich, als sie riefen. - -»Wir sind so klein wie die Ameisen vor diesem Riesenwall,« jammerte -Loki. - -»Auch Kleinheit kann vom Flecke helfen,« entgegnete Thor. »Sieh her!« -Und er zwängte sich leicht durch die Gitterstäbe und half den Gefährten -nach. So kamen sie in den Burghof, auf den die Königshalle mündete, und -Thor führte die Gefährten hocherhobenen Hauptes in die Halle. - -Auf erhabenem Throne, die Schar seiner Riesenmannen um sich, saß in -dunkler Pracht der König Utgardloki. Er zwinkerte mit den Augen, als -vermöge er nicht recht zu erkennen, was sich über den Boden zu seinen -Füßen auf ihn zu bewege. - -»Ei, du putziger Kleiner,« rief er dem Donnerer zu, »was bist denn du -für ein Kerlchen?« - -»Ich bin Donar, der Ase, den sie den Thor nennen. Ich komme, dich zu -besuchen.« - -»Kleiner Scherzbold,« spottete der Riesenkönig, »Asathor willst du -sein? Den hatte ich mir als einen Mann gedacht, immerhin mir bis -zum Bauche. Doch vielleicht -- wer weiß es -- kannst du mit deinen -Gefährten da allerlei Taten, die euch ein Wettspiel mit meinen Mannen -suchen lassen.« Und er lachte, daß sein Bauch schütterte. - -Der hungernde Loki sprang vor. - -»Ich vermesse mich,« rief der Listige, »jeden zu schlagen, der es mit -mir im Essen aufnehmen will. Und sei sein Magen so lang, daß ich selbst -darin wohnen könnte.« - -Die Wette machte dem König Spaß, und er winkte einem seiner Hofleute, -den er Logi rief, sich bereit zu machen. Da wurde zwischen die beiden -Kämpen ein Trog geschoben, bis zum Rande gehäuft mit Rindervierteln, -und Loki, der Ase, setzte sich an das eine Ende des Troges, und Logi, -der Riese, an das andere. Dann gab der König das Zeichen. Und sie -aßen und fraßen, daß ihnen die Augen aus den Höhlen quollen und den -Zuschauern die Haare zu Berge standen, und als sie in der Mitte des -Troges mit den Köpfen aneinanderprallten, war der Trog bis auf den -Boden leer, und sie leckten sich die Lippen. - -Der König kam und sah in den Trog hinein. Da lagen in der Hälfte, die -Loki, der Ase, leergezehrt hatte, die Knochen abgenagt und ausgesogen -bis aufs Mark. Logi, der Riese, aber hatte die Knochen samt dem -Fleisch verschlungen und seinen halben Holztrog obendrein. Darum wurde -der Riese für den Sieger erklärt. Loki war es einerlei. Er war satt -geworden. - -Und der König wandte sich an Thjalfi und fragte ihn, in welcher Kunst -er sich etwas zutraue. - -»Ich bin ein Schnelläufer,« antwortete der Jüngling, »stellt mich auf -die Probe.« - -Der König rief einen Diener, den er Hugi nannte, und alle gingen sie -auf ein weites Feld. Der Knabe rannte wie der Wind nach dem Ziel, aber -Hugi flog ihm voraus und kehrte zu ihm zurück, und Thjalfi mußte sich -geschlagen geben. - -Nun wandte sich der König Utgardloki dem Donnerer zu. - -»Die Reihe ist an dir. Beweise uns die überlegene Kunst der Asen und -wähle selber.« - -Da wählte Asathor das Trinkhorn. Denn er war ein Zecher, der alles -Lebende unter die Bänke trank. - -So saßen sie in der Halle auf der Metbank nieder, und Utgardloki hieß -das Horn bringen. - -»Sieh dir meine Mannen an, Thor. Sie leeren dies Horn auf einen Zug, -wenn sie bei Laune sind. Sicherlich aber in zwei Zügen. Wer es aber mit -dreien nicht zu leeren vermag, der läßt das Trinken den Männern und -schleicht sich hinaus zu den zullenden Knaben.« - -»Laß dein törichtes Reden,« sprach Asathor und hob dürstend das Horn, -daß der Inhalt in Strömen in ihn hineinlief und alle Mannen die Hälse -reckten. Aber als er tiefatmend das Horn absetzte und hineinblickte, -bemerkte er zu seiner Bestürzung, daß das Getränk nicht um eines -Fingers Breite abgenommen hatte. - -»Du bist weise,« sagte Utgardloki. »Du hast zunächst nur eine Kostprobe -nehmen wollen.« - -Zornig setzte Thor das Horn zum zweiten Male an. Aber nur der Innenrand -des Hornes war freigelegt. - -»Nun hast du dir zur Genüge den Mund ausgespült,« heuchelte der -Riesenkönig. »Bist du nun endlich auf den Geschmack gekommen, so -trinke!« - -Asathors Antlitz färbte sich so rot wie sein Bart. Er packte das -Trinkhorn, daß es knirschte. Und zum dritten Zuge hob er es an den -Mund und sog und sog, daß ihm die Adern wie Stricke über den Schläfen -schwollen, und stürzte und stürzte, daß es wie Meerflut in seinem -Halse rauschte, und setzte endlich ab. Da war der Trank im Horn weit -zurückgegangen, aber ausgetrunken war er nicht. - -»Du bist heute nicht durstig,« meinte Utgardloki, der mit allen seinen -Mannen ein wenig blaß geworden war bei des Gottes wildempörtem Zuge. -»Vielleicht gefällt es dir, dich an ein Spiel zu machen, wie es unsere -Jungmannen zu ihrem Vergnügen treiben, nämlich meine große Katze vom -Boden zu heben. Es wird für deine Kraft eher passen.« - -Der Donnerer spürte den Hohn. Aber er zügelte seinen Zorn. Er ergriff -die Riesenkatze, die sich auf den Fliesen sonnte, am Bauchfell und -glaubte sie zu heben, aber die Katze hatte nur einen Buckel gemacht. Er -biß die Zähne zusammen und rüttelte das Vieh, das sich steif auf den -Beinen sperrte, zusammen. Und dann glückte es ihm, ein Bein der Katze -hochzuheben und nicht mehr. - -Der Riesenkönig lächelte wie in Mitleiden. »Es ist nicht recht von mir, -dich mit deinem schwachen Körper an Aufgaben zu stellen, die meine -Leute mit ihren Riesenkräften spielend lösen. In Asgard magst du der -stärkste sein. Hier kommst du, wie du selber siehst, nicht in Betracht.« - -»Stelle mir einen Gegner,« brüllte Thor auf in schäumender Wut, »jeden -von euch, wer es auch sei. Ich will ihn im Ringkampf werfen, daß er das -Aufstehen auf immer vergißt.« - -Die Riesen rührten sich nicht. Und erst nach einer Pause sprach -Utgardloki sanft: - -»Die Bärenkraft meiner Männer scheint mir zu unsanft für dich. Versuche -es zuerst mit einem Weibe. Ruft mir einmal meine alte Amme Elli her. -Sie genügt für diesen Fall.« - -[Illustration: »Da stellte ihm die Alte jählings ein Bein, über das er -stolperte ...«] - -Die Alte kam grinsend auf den Asen zu, und Thor nahm den Ringkampf -auf. Mit geschlossenen Augen, wortlos vor Grimm, rang er, daß ihm die -Muskeln auf den Armen zu tanzenden Ballen wurden. Er bekam das Weib -nicht unter. Da stellte ihm die Alte jählings ein Bein, über das er -stolperte und auf ein Knie stürzte. Schon war er wieder auf den Füßen, -als Utgardloki die Kämpfer trennte und den schäumenden Asen für besiegt -erklärte. - -»Nun aber wollen wir uns zum Mahle setzen und auch den Becher kreisen -lassen, denn ihr habt euch nach euren Kräften gut gehalten.« - -Das gnädige Lob vermochte nichts über den Donnerer. Speise und Trank -mundeten ihm nicht, und er war froh, als alle zur Ruhe gingen. In der -Frühe wollte er mit seinen Gesellen fort. - -Der König der Riesen und Trolle, Utgardloki, stand am Burgtor, als die -Wanderer am Morgen Abschied nahmen. »Nun werde ich euch wohl niemals -wiedersehen,« sagte er bedauernd. - -»Nicht eher, als bis ich meiner Kräfte wieder Herr und Meister bin,« -entgegnete Thor finster. - -Der König hob beschwörend die Hand. - -»Stärkster der Asen, du hast gesehen, daß deine Kräfte bei uns nicht -für eine Katze und ein altes Weib ausreichen. Ich aber will dir mehr -sagen: dein Geist reichte noch um vieles weniger aus. Eitel Blendwerk -habe ich dir vorgemacht, und du bist ihm nicht auf die Spur gekommen. -Ich wußte von deinem Nahen. Als Riese Skrymir begegnete ich dir im -Walde und suchte dir deine Abenteuer zu verleiden, indem ich dich in -die Irre führte und dich hungern und dürsten ließ. Mein Bündel war mit -Eisenklammern verschlossen statt mit Stricken. Dreimal schlugst du -mir auf den Schädel, und jeder Schlag hätte mich zermalmt. Aber ich -hielt mir jedesmal einen Felsblock vor, und du merktest es nicht und -schlugst Löcher in den Stein so tief wie ein Brunnenloch. Nie sah ich -einen einzelnen Mann fressen, wie der verhungerte Loki fraß. Aber mein -Logi war kein Mann, sondern wildes Feuer, das den Fraß mitsamt dem -Trog verzehrte. Nie sah ich einen Menschen rennen, wie der Thjalfi -rannte. Aber mein Hugi war der hin und her jagende Gedanke. Dann hobst -du das Trinkhorn und merktest nicht, daß ich seine gewundene Spitze -tief in das Weltmeer versenkt hatte. Meiner Treu, du hast die Flut so -niedergetrunken, daß von heute ein Zustand im Meere eingetreten ist, -den man die Ebbe nennen wird. Als du die Katze beim Bauchfell packtest, -merktest du nicht, daß du die Midgardschlange gepackt hattest, die wie -ein Ring um die Erde liegt. Als du der Katze das Hinterbein hobst, -hattest du schon den Schwanz der Schlange aus dem Meere emporgerissen. -Die alte Amme Elli aber, du blinder Thor, war das Alter, das keiner -überwindet und dem keiner stand hält. Dir mußte sie erst ein Bein -stellen, und trotzdem --« - -Thors Gestalt begann zu wachsen. Jedes Haar in seinem Rotbart richtete -sich steil empor. Seine Hand tastete nach dem Hammer. - -Utgardloki, der König der Riesen und der zaubergewandten Trolle, ließ -kein Auge von ihm. Seine Stimme wurde kreischend. Der Triumph über -seinen Sieg raubte ihm die Vernunft. - -»Hör mich zu Ende, schneller Gott. Wir haben dich und deine Asenkraft -jämmerlich betrogen und werden es wieder und wieder tun. Nimm dein -Erlebnis als Warnung! Kehre nie zu uns zurück! Wir machen deinem -Schädel neues Blendwerk vor, daß du wie ein brüllend Tier in der Irre -läufst und das Gelächter der Welt dich nach Hause hetzt. Schau her und -such die Burg von Utgard!« - -Thor schwang den Hammer. Jäh hielt er ein, denn er hätte ihn ins -Wesenlose geschleudert. Die ragende Burg zerfloß vor seinen sehenden -Augen in Nebelstreifen. Und wo der König Utgardloki gestanden hatte, -zog ein dampfender Schwaden durch die Luft. -- -- - -Zornigen Mutes wanderte der Donnerer dem Meere zu. Seine Begleiter -folgten ihm scheu. Und der Zorn verwandelte sich in Nachdenklichkeit -und befreite sich in einem fröhlichen Götterlachen. - -»Ich habe eine Lehre erhalten,« sprach der starke Ase, »und eine Lehre -ist so viel wie ein Sieg. Denn eine Lehre ist die Gebärmutter neuer -Taten.« - -»Wie nennt sich die Lehre?« fragte Loki und schlich sich horchend -herbei. - -»Wenn du zu Spitzbuben gehst, _schlag zu_, bevor sie dich prellen,« -antwortete Thor, schwamm, von seinen Begleitern gefolgt, durch das -Meer, fand bei den Bauern am Erdenrand seine geheilten Böcke wieder -und fuhr, durch die Wolken donnernd, heim gen Asgard. - -Lange weilte er bei Wodan im Gespräch, und als er ihn hochgemut -verlassen hatte, begab sich Allvater zu der Göttin Saga kühlem Saal, -über den die Wogen rauschten, und trank mit ihr aus goldenen Gefäßen, -während er in Dichterworten sprach und Saga sang. -- -- - - - - -Im Zeichen des Hammers. - - -Immer mehr häuften sich die Klagen über die Gewalttaten der -Riesenmächte. Seit sie die Asen in Schuld verstrickt wußten, seit sie -an den Himmlischen Schwächen und Fehler erkannt hatten, seit sie in dem -gefürchteten Donnerer, nach Thors Fahrt zu Utgardloki, nichts anderes -als einen Tölpel von Bauerngott zu erkennen glaubten und in dem Asen -Loki oft genug einen stillen Verbündeten, wuchs ihre freche Anmaßung -zur Unerträglichkeit, und besonders die Menschen hatten unter ihren -räuberischen Übergriffen schwer zu leiden. - -Der Donnerer aber hatte die erhaltene Lehre nicht vergessen. Tag und -Nacht war er auf der Fahrt, und wohin ihn sein Bockgespann nicht -trug, dorthin wanderte er mit seinem Hammer zu Fuß. Reißende Ströme -durchwatete er, steile Felsenhäupter erklomm er, um der Räuber und -Mörder der Menschen habhaft zu werden. Wo immer er sie antraf, stellte -er sie wortlos zum Kampf und zerschmetterte ihnen mit seinem Hammer den -Schädel. Da die Säufer und Fresser aber, die Thursen und Joten, Scharen -von Kindern erzeugten, die in wenig Nächten stark und dick wie ihre -Väter waren, so hatte der Hammer Tag und Nacht zu tun, ohne daß er die -furchtbare Arbeit vollauf zu bewältigen vermochte. Und der Donnerer sah -die wachsende Gefahr, wie Allvater Wodan am Brunnen Mimirs, mit stiller -Sorge und schlug um so unerbittlicher drauflos, um Luft zu schaffen und -den Göttern Zeit. - -Nach _Freya_ stand der gierige Sinn der Riesen. Ihre strahlende -Wärme brauchten sie für ihr kaltes Reich und ihre Lieblichkeit zur -Auffrischung ihres Wesens. Dessen waren die Götter sich wohl bewußt, -und sie hatten Ursache genug, offene und versteckte Angriffe zu -erwarten und abzuschlagen. Im übrigen aber schützte sie Thors Hammer. - -Um so furchtbarer war darum die Bestürzung, als eines Morgens der -Hammer verschwunden war. Der Donnerer hatte ihn in einer Nacht, die -er daheim verbringen konnte, neben sich auf dem Lager gehabt. Als -er erwachte, griff er, wie stets zuerst, nach dem Stil. Er tastete -vergebens. Mit einem Satz war er auf den Beinen, suchte sein Haus ab -und donnerte die Götter aus dem Schlummer. »Wer hat mir den Schabernack -angetan? Das ist kein Scherzspiel, und ich will es nicht leiden!« - -Die Götter jedoch waren unschuldig an dem Verschwinden und blickten -dem Erzürnten offen in die Augen, ohne sich Rats zu wissen. Nur -Loki grinste ein wenig in sich hinein. Als ihn aber der Donnerer mit -zornfunkelnden Augen anfuhr, und die Götter klagend den Untergang -Asgards weissagten, wenn der schützende Hammer nicht zur Stelle -geschafft würde, wurde Loki geschmeidig, trat in den Kreis und gab sich -ein großes Ansehen. - -»Obwohl ihr es euch nicht zugestehen wollt, daß ich der Klügste bin, -um nicht das winzigste Steinlein aus eurer Krone zu verlieren, will -ich euch noch einmal den Beweis liefern und euch damit zur Anerkennung -zwingen. Jammert weiter. Ich fahre in die Welt und suche den Hammer bei -Riesen und bei Zwergen, im Schoße der Erde und auf dem Meeresgrund. Und -ich werde ihn finden.« - -Dann bat er Thor, ihm zu Freya das Geleit zu geben, denn er wünschte -sich Freyas Falkenkleid zur Reise zu leihen, war aber bei Freya um -seiner tückischen Liebeswerbungen willen nicht wohl gelitten. Freya -willfahrte auf der Stelle und gab das Kleid. »Und wenn es von Gold und -Silber wäre, ich gäb es her für den Hammer, der mich vor dem Begehr der -scheußlichen Riesen schützt.« - -Loki legte es an und fuhr brausend von dannen. Er fuhr nicht in den -Schoß der Erde und nicht auf den Meeresgrund. Stracks fuhr er ins -Riesenland nach Jotunheim und fand den Riesenfürsten _Thrym_ vergnügt -seine Rosse striegeln und schmücken. - -»Nun?« rief er dem heranbrausenden Loki entgegen. »Was jagt dich so -sturmschnell nach Jotunheim? Geht es den Asen nicht gut, und suchst du -ein Mittel gegen ihren Kopfschmerz?« - -»Höre mich, Thrym,« sagte Loki schmeichelnd, »ich muß den Hammer wieder -holen. Käme ich ohne ihn heim, so möchte es mir auf ewige Zeiten übel -ergehen.« - -»Ach nein,« sprach Thrym vergnügt, »den Hammer willst du zurück? Ich -bin froh, daß ich ihn habe.« - -»Du kannst ihn ja doch nicht verwenden,« redete Loki ihm zu. »Nur in -des Donnerers Hand zeigt er seine Kraft.« - -»Wohl, wohl,« nickte Thrym. »Und wenn er sich nicht in des Donnerers -Hand befindet, ist er nicht gefährlicher als ein kurzgestieltes Stück -alten Eisens. Damit ist viel gewonnen, wenn es zum Kampfe kommt.« - -»Zum Kampfe um Freya, Thrym?« - -»Um Freya, die liebliche, die süße. Aber es braucht nicht einmal zum -Kampfe zu kommen. Die Asen können ihre heilen Köpfe und ich mein -fröhliches Blut bewahren, wenn sie mir im Tausch Freya ausliefern -gegen Thors Hammer. Im Arme der Lieblichen verzichte ich auf den Ruhm, -euch zu prügeln.« - -»Ich werde es gerne bestellen,« lächelte Loki schadenfroh und brauste -gen Asgard zurück. Großtuerisch trat er in den Kreis der Götter. »Wo -ist der Hammer?« donnerte Thor. - -»Auf daß ihr seht, daß ich der Klügste bin -- der Hammer ist gefunden. -Bei Thrym liegt er, dem Riesenfürsten, zehn Klafter tief in der Erde -versteckt, und das Versteck weiß nur Thrym.« - -»Was frohlockst du denn, Prahlhans, der Hammer sei gefunden?« schnob -der Donnerer. - -»Weil ich,« versetzte Loki mit Wichtigkeit, »den Riesen bewog, -freiwillig den Hammer herauszugeben. Er will es tun, so ihr ihm im -Austausch Freya zum Weibe gebt.« - -»Niemals,« rief Freya, die liebliche, entsetzt, »niemals lasse ich -meinen schlanken Leib an die Dickwänste verschachern!« Und die Götter -standen in tiefer Verlegenheit und wachsender Sorge. - -Nur der Donnerer hatte sein Gleichgewicht wiedergefunden. - -»Meine Lehre besagt,« sprach er grimmig, »wenn du zu Spitzbuben gehst, -schlag' zu, bevor sie dich prellen. Das gedenke ich auch diesmal zu -tun, und ich werde selber gehen.« - -Da berieten die Götter heftig über die Ausführung der Reise, und -Heimdall, der treue Wächter, sprach: »Sie werden dir wieder ein -Blendwerk vorgaukeln, wenn du offen als Asathor zu ihnen kommst. Drum -rate ich dir, lege Freyas Brautkleid an und umhülle dein Gesicht mit -Freyas bräutlichem Schleier, daß dich niemand erkennt und dich der -liebesblinde Thrym mit offenen Armen in seinen Saal aufnimmt. Das -andere bleibe dann leicht dir überlassen.« - -Wohl wehrte sich der stolze Donnergott gewaltig gegen die weibische -Verkleidung, aber zuletzt mußte er sich dem Bitten und Drängen der Asen -fügen, da auch er keinen besseren Rat wußte, und er ließ sich in die -Weiberröcke zwängen, hing den klirrenden Schlüsselbund an, schmückte -Hals und Nacken mit dem leuchtenden Schmuck Brisingamen und wickelte -den Schleier dicht um Haupt und Feuerbart. Dann winkte er Loki. - -»Du begleitest mich als meine Magd. Du sollst auch deine Freude haben.« - -Und Loki mußte, obwohl er lieber beiseite geblieben wäre, in die -Magdkleider hinein und mit auf die Fahrt. Funkenstiebend flog des -Donnerers Bockgespann mit den Beiden durch die Lüfte. - -»Sie kommt, sie kommt,« jubelte Thrym. »Freya, die liebliche, kommt, -mein Lager zu wärmen! Auf, schmückt mir den Hochzeitssaal, rüstet das -Mahl, schleppt Met herbei! Diese Nacht noch ruh ich am Herzen der -lieblichsten Göttin!« - -Sie saßen beim Hochzeitsmahle, und neben dem Freudetrunkenen saß -Asathor im Brautgewand, das Antlitz dicht vom Schleier umhüllt. Wortlos -saß er im Saal, den wohl hundert Riesen und Riesinnen füllten, um sich -durch seine rauhe Sprache nicht zu verraten, aber er klimperte zuweilen -mit dem Schlüsselbund und zupfte die Steine seines Geschmeides hervor, -daß sie berauschend schimmerten und blitzten. Als aber das leckere Mahl -mitsamt dem Met aufgetragen wurde, vergaß er die Vorsicht, aß einen -ganzen Ochsen und acht Lachse auf einem Sitz und vertilgte dazu drei -mächtige Fässer Met. - -Der Riesenfürst riß vor Staunen Mund und Nüstern auf. »Wie gefräßig das -Täubchen ist!« - -Da sprang Loki dem Donnerer bei, Loki in der Magdkleidung, und er -flüsterte dem Riesen zu: - -»Acht Tage hat Freya aus Sehnsucht nach dem heutigen Tage keinen -Bissen über die Lippen gebracht.« - -Das tat dem eitlen Thrym in der Seele wohl, und er umfing zärtlich -das Bräutchen und wollte es küssen. Thor gab nur den oberen Teil des -Schleiers frei, und mit einem Schreckensschrei taumelte Thrym zurück, -als ihn ein paar wildfunkelnde Augen trafen. - -Wieder begütigte Loki, Loki in der Magdkleidung, und er flüsterte dem -Riesen zu: - -»Habt Ihr Freyas Augen gesehen? Acht Tage ist kein Schlaf -hineingekommen aus Sehnsucht nach Euch! Nimmer noch brannten -Frauenaugen in solcher Liebesglut.« - -»Holt den Hammer,« brüllte der Riese in trunkener Lust, »holt den -Hammer Mjolnir! Im Zeichen des Hammers soll unser Ehebund gesegnet -werden, wie es bei den Göttern Brauch! Freu dich, mein Mädchen!« - -Der Hammer wurde gebracht und in den Schoß der Braut gelegt. Da -klingelte Asathor nicht mehr mit dem Schlüsselring. Seine Hand -umspannte den geliebten Hammerstiel. - -Und plötzlich warf er den Schleier zurück und zeigte sein flammendes -Angesicht mit dem roten, aufwärts gesträubten Feuerbart. Ein einziger -Schrei durchgellte den Saal. Und der Hammer sauste zuerst in Thryms, -des Riesenfürsten, Schädel und zermalmte ihn zu Brei. Und der Hammer -sauste durch den ganzen Saal, bald hierin, bald dorthin, und wer da -flüchten wollte, den holte er ein. Mitten im Saale stand der Donnerer -und schlug mit seinem Hammer Mjolnir die ganze Hochzeitsgesellschaft, -mehr als Hundert Riesen und Riesinnen, zu Tode. Wie feierte er mit -seinem Hammer das Wiedersehen! -- - -So groß wie die Freude in Asgard, so groß war die Wut im Jotenreich. -Da sie dieses Mal Freya nicht haben konnten, beschlossen die Riesen, -die Götter durch das Alter kraftlos zu machen und sich zu diesem Zwecke -_Iduns_ zu bemächtigen, des Dichtergottes Bragi Ehegemahl, die die -Äpfel der ewigen Jugend hütete. Doch die Jugendgöttin ging nicht über -Asgards Wiesen hinaus, und es mußte schon ein Ase gefangen werden zum -Austausch. - -Es begab sich aber, daß Wodan mit anderen Göttern eine Fahrt durch die -Welt machte, und auch Loki gehörte der Reisegesellschaft an. An einem -Abend trieb sie der Hunger, sich auf einer entlegenen Weide einen -Ochsen zu greifen, und sie brieten ihn unter einer ragenden Eiche. -Aber so lange sie ihn auch brieten, das Fleisch wurde nicht gar. Da -gewahrten sie im Wipfel des Baumes einen Adler, der vor Freude mit -den Flügeln schlug und ihnen zurief: »Ich leid's nicht, daß euch der -Braten gerät! Oder ihr gebt mir so viel von dem Ochsen, als ich mag.« -Verwundert über das seltsame Abenteuer, sagten die Götter zu; der Adler -rauschte vom Wipfel nieder, und das Fleisch wurde gar. Der Adler jedoch -begehrte hämisch das Beste für sich und schlug seine Krallen in die -festen Lenden und den saftigen Bug. Da stieß ihm der gefräßige Loki -eine Eisenstange in den Bauch. - -Die Stange aber blieb haften, so sehr Loki auch zog und rüttelte. -Und der Adler erhob sich und schleifte Loki hinter sich drein, durch -Stoppelfelder und Morast, durch stachliche Sträucher und scharfe -Felstrümmer, also daß der Tückegott jämmerlich geschunden wurde und arg -um Gnade flehte. Die Götter, die zurückgeblieben waren, hielten sich -den Leib vor Lachen über des Listigen Mißgeschick und vernahmen nicht, -was die Beiden verhandelten. - -»Hör mich an,« rief der Adler. »Ich bin _Thjazzi_, der Riesenfürst. Du -sollst die Freiheit haben, wenn du mir versprichst, mir heimlich Idun -mit den Äpfeln zu bringen. Schwöre deine heiligsten Schwüre.« Und Loki -schwur, was von ihm verlangt wurde. - -Die Götter lachten noch immer, als er wieder zu ihnen stieß. - -»Lieblich schaust du aus, vorwitziger Loki. Man könnte dich als -Spatzenschreck in die Felder stellen.« - -»Wartet ab, ob ihr nicht auch bald den Vogelscheuchen gleicht,« knurrte -Loki tückisch und gedachte der Idun und ihrer Jugendäpfel. - -Nach Asgard heimgekehrt, machte er sich an die Jugendspendende listig -heran und erzählte ihr Wunderdinge von Äpfeln, die er ganz nahe Asgard -in einem Wäldchen vorgefunden habe, tausendmal schöner, als Iduns -Zauberäpfel, und stachelte ihre Neugier, mit ihm hinzulaufen und die -Äpfel zu vergleichen. Als aber die Göttin mit ihren Äpfeln in den Wald -gerannt kam, packte sie der Riese Thjazzi und brauste, als Adler, mit -seiner kostbaren Beute davon. - -Ein Kurzes, und die Götter wunderten sich, daß die holden Göttinnen -abmagerten wie die Heuschrecken und Hängefalten bekamen und eselgraues -Haar. Und sie wollten von ihren Liebkosungen nichts mehr wissen. Die -Göttinnen aber zeigten mit Fingern auf die Kahlköpfe und Schmerbäuche -der Götter und zählten ihnen die Zahnlücken auf. Da gewahrten sie mit -Schrecken, daß sie alterten, und sie riefen nach Idun, um an ihren -Äpfeln die Jugend zurückzugewinnen. Aber Idun war in ganz Asgard nicht -zu finden. - -Heimdall, der treue Wächter, sprach: »Ich sah sie mit Loki in den -Grenzwald gehen.« - -Da bedrohten sie Loki mit allen Martern, und der Donnerer schwang den -Hammer über ihn, bis Loki gestand. »Ich habe dem Riesen meinen Eid -gehalten. Jetzt schwöre ich euch einen neuen Eid, sie wiederzuholen.« -Und er entlieh Freyas Falkengewand und sauste, als wäre Thors Hammer -hinter ihm, durch die Lüfte gen Jotunheim, wo er die weinende Idun -einsam in Thjazzis Halle fand, denn der Riese war auf das Meer hinaus, -für die Untröstliche ein leckeres Fischgericht zu holen. - -Blitzschnell verzauberte Loki die lachende Idun in eine Haselnuß, barg -sie in seinen Falkenfängen und sauste mit ihr durch die Lüfte gen -Asgard davon. - -Aber der Riese hörte auf dem Meere das Flügelsausen, nahm die Gestalt -eines Seeadlers an und brauste hinterdrein. Schon war Loki mit Idun -in Asgard angelangt, als der blindwütende Seeadler die Grenzscheide -überstürmte. Einen Scheiterhaufen entzündeten die Götter, und Thjazzi -flog geblendet hinein und verbrannte elendiglich. - -Die Götter aber und Göttinnen schmausten wie Ausgehungerte von Iduns -Äpfeln; ihre Haut wurde wieder straff, ihre Körper schlank und stark, -ihre Augen glänzend und ihre Lippen rot. Und es war an dem Abend eitel -Liebesgirren in allen Kammern Asgards. -- - -Nur des Donnerers Hammer ruhte nicht. Wo die Menschen auf Erden von -Riesengewalten bedroht wurden, riefen sie nach dem Gott mit seiner -malmenden Waffe, wie die Asen selbst es taten, und Thor erschien wie -der Gewitterblitz und reinigte Land und Luft von den Unholden. Nie war -er daheim zu treffen, immer stand er irgendwo im Kampf, und so machte -sich Allvater Wodan einst allein auf den Weg, um einen Blick auf die -Kräfte des Riesenreiches zu gewinnen. - -Auf seinem achtfüßigen Hengst Sleipnir jagte er hinaus nach Jotunheim, -und als er mancherlei gesehen hatte, kam er an dem Reiche _Hrungnirs_, -des mächtigsten und stärksten der Steinriesen, vorübergeritten, der ihn -anrief. - -»Was reitest du für ein Roß, du Mann im Goldhelm? Es scheint mir kein -schlechtes.« - -»Glaub's dir,« rief Wodan zurück. »Kein Roß im Riesenreich kommt ihm -im Wettlauf ans Schwanzhaar.« - -»Hoho,« prahlte der Riese, »mein Hengst Gullfaxi wird es dem deinen -zeigen. Gib acht, ich fange dich ein wie eine Fliege.« - -Und er warf sich auf den Hengst und jagte hinter Wodan drein, der ihm -lachend entkam. - -In Asgard sprang Wodan vom Rossesrücken, Hrungnir aber war so tollen -Rittes, daß er die Grenzmark übersah und wie Wodan in Asgard landete, -von den Göttern umringt. - -»Fürchte dich nicht,« riefen sie ihm zu, »du sollst unser Gast sein und -dich gesättigt heimwärts trollen.« - -»Seh ich wie das Fürchten aus?« höhnte Hrungnir und schritt -unverschämten Ganges zur Halle. »Bringt mir die größte Kanne Met, daß -ich in etwa meinen Groll ersäufe.« - -Da wurden ihm die Trinkhörner zugereicht, die nur Asathor allein zu -leeren verstand, und der Riese stürzte den Met so hastig durch den -Hals, daß er trunken wurde und in der Trunkenheit alle Götter des -Himmels bedrohte. »Dieses Walhall nehm ich in die hohle Hand und trag -es nach Jotunheim. Das ganze Asgard schmeiß ich ins Meer. Das ganze -Göttergesindel prügle ich zu Tode. Nein -- doch nicht das ganze. -Diese da, die mir den Met einschenkt, die liebliche Freya, und diese -da, die die Farbe des reifen Kornfelds im Goldhaar trägt, die üppige -Sif, sie nehme ich beide zu Frauen. Beide miteinander. Wer wagt und -widerspricht?« - -Die Götter wichen zurück vor dem Wilden. Nur Freya schenkte ihm -lächelnd weiter ein. Aber das trunkene Toben des Riesen wurde so -lästerlich und sein Drohen so handgreiflich, daß einer der Asen des -Donnerers Namen rief. »Wäre doch Thor hier und lehrte ihn Anstand!« - -Im selben Augenblick fuhr der Donnerer, der seinen Namensruf bis ans -Ende der Welt zu hören vermochte, wie der Blitz in den Saal und stand -vor des staunenden Hrungnirs Füßen. - -»Fort, Freya,« gebot er, »es war gut gemeint, aber für Scheusale bist -du kein Schenkenmädchen.« Er wandte sich an den staunenden Riesen. »Was -saugst du mit deinem ungewaschnen Maul an meinen Methörnern, trunkener -Schuft?« Und er schlug ihm die Trinkhörner mit gewaltigem Schlage aus -den Händen, daß der Riese vom Met ganz übergossen saß. Dann holte der -Donnerer mit dem Hammer aus. »Jetzt aber sollst du die Zeche bezahlen.« - -In des Riesen Hirn wurde es licht. Er sprang vom Sitz und hob die Hände -hoch. - -»Gastrecht genieß ich in Walhall. Wodan selber lud mich zu Gast! Willst -du Asgards heiliges Gastrecht schänden?« - -»Ich lud dich nicht!« donnerte Thor. »Mach mir nicht lange Umstände!« - -»Feigling!« schrie der Riese. »Du wagst dich an den waffenlosen Mann? -Vor allen Göttern fordere ich dich zum Zweikampf zu gegebener Frist, -wenn du Mut im Leibe hast!« - -Da ließ Thor den Hammer sinken. - -»Trolle dich schleunigst. Ich nehme die Herausforderung an. Auf der -Grenzscheide zwischen Asgard und Jotunheim treffe ich dich heute in -dreien Tagen.« - -Pünktlich nach dreien Tagen war der Donnerer zur Stelle, und sein -Diener Thjalfi war als Zeuge bei ihm. Die Freunde Hrungnirs aber -hatten einen neun Meilen hohen Riesen aus Lehm aufgebaut, ihm das Herz -einer Stute eingesetzt und ihn mit fürchterlichen Waffen versehen, als -Beistand Hrungnirs. - -Thjalfi lief dem Donnerer voraus. - -»Wahre dich, Hrungnir,« schrie er. »Der Ase kommt unter der Erde her -und haut dir die Füße weg.« - -Da warf der Riese schnell den Schild nieder und sprang mit den Füßen -drauf, um sich zu schützen. Aber der Donnerer kam durch die Luft und -schwang den Hammer, und der Riese warf ihm mit wilder Wucht einen -felsengroßen Wetzstein entgegen, der den sausenden Hammer traf. Doch -war der Hammer so unwiderstehlich geschleudert, daß der Wetzstein in -tausend Stücke splitterte und der Steinkopf Hrungnirs zermalmt durch -die Lüfte flog. Von einem Steinsplitter war auch Thor in der Stirn -getroffen, so daß er vornüber stürzte, und als Hrungnir sank, wälzte -sich ein Bein des Erschlagenen über des Donnerers Hals. - -Der neun Meilen lange Lehmriese mit dem Stutenherz wollte Fersengeld -geben, aber der wackere Thjalfi, der Schnelläufer, holte ihn ein und -haute ihn in die Kniekehlen, daß er stürzte und zerbarst. Vergebens -jedoch mühte sich Thjalfi, das ungetüme Bein des erschlagenen Hrungnir -von seines Herrn Hals zu wälzen, und die Götter, die er zur Hilfe rief, -vermochten es nicht besser. - -Es war aber zu der Zeit, daß dem Donnerer der Sohn _Magni_ geboren war. -Der kam herbeigelaufen, obwohl er erst drei Nächte zählte, und warf das -Riesenbein zornig von des Vaters Hals. »Schade, mein Vater, daß ich -nicht früher zur Stelle sein konnte. Ich hätte dir den Kerl mit der -nackten Faust erschlagen.« - -Da erhob sich Thor und nahm seinen Sohn ungestüm in die Arme. - -»Mein Blut wird im Himmel und auf Erden nicht untergehen. Immer wieder -werden Männer erstehen. Männer in der Not. Männer der Tat!« -- - -Des Donnerers Name ging wie Todesschauern durch das Riesenreich. Manche -der Thursenfürsten suchten sich freundlich zu den Asen zu stellen, und -_Ägir_, der Herrscher der offenen Meere, lud sie zu einem fröhlichen -Umtrunk in sein Reich. Als aber die Götter kamen, war nichts zum Feste -vorbereitet, und Ägir versuchte es mit einer Ausrede. Es sei kein -Braukessel vorhanden, der das nötige Maß hielte. - -Thor aber hatte keine Lust, auf den Männertrunk zu verzichten, und der -Schwertgott Ziu, den die Nordmänner Tyr nannten, pflichtete ihm bei, -denn er wußte einen Kessel. - -»_Hymir_«, so kündete er, »heißt der Beherrscher des Eismeeres. Der -Gedanke der Weltseele, der mich in der Urzeit gebar und mir die -schneidige Schärfe des Sonnenschwertes verlieh, diese göttliche -Mutter wurde von dem Eisriesen Hymir geraubt und zu seinem Weibe -gemacht, damit die schneidende Schärfe des Eises auch einen Abglanz -der Sonne erhalte. So schenkt die goldene Frau dem Eismeere Hymir die -Mitternachtsonne. Mir blieb sie mütterlich gewogen, und wenn wir Hymir, -der den gewaltigsten Braukessel besitzt und seine Verwendung der Welt -vorenthält, den Kessel abzufordern vermögen, so ist es nicht nur uns, -sondern der ganzen Welt zum Gewinn. Möge mich der Donnerer mit seinem -Hammer auf der Fahrt ins Eis begleiten.« - -Da war der Donnerer wohl zufrieden. Mehr noch, als seinen Durst zu -stillen, freute es ihn, die Menschheit neuer Segnungen teilhaftig -werden zu lassen, und schleunigst umgürtete er sich mit dem -Stärkegürtel, steckte den Hammer handgerecht und brauste auf seinem -Bockgespann mit dem Fahrtgenossen davon. - -In seiner unwirtlichen kristallenen Halle, die sich auf meterdicken -Eissäulen wölbte, war Hymir bei der Ankunft der Gäste nicht anwesend. -Gütig nahm die stille Göttin der Mitternachtsonne den Wunsch des -geliebten Sohnes aus der Urzeit entgegen, bewirtete ihn und Asathor -und verbarg sie einstweilen hinter einer mächtigen Eissäule, als -Hymir von der Walfischjagd zurückkehrte. Kaum jedoch hatte sie dem -Riesen den Wunsch der Asen nach dem Kessel überbracht, als Hymir den -Aufenthaltsort der Götter witterte und seinen schneidenden Frostblick -so scharf durch die meterdicke Eissäule sandte, daß die Säule zerbarst -und zersplitterte und die Asen sich dem Wüterich preisgegeben sahen. -Bevor aber Hymir zugreifen konnte, hatte der Donnerer seinen Hammer -wurfbereit. Da wurde der Riese zugänglicher und lud knurrend die -Gäste zu Tisch. Der fröhliche Donnerer aber verspeiste zwei Ochsen -auf einem Sitz, also daß dem geizigen Hymir graute und er den starken -Asen aufforderte, am Morgen mit ihm zur Auffüllung der Vorräte auf -den Fischfang zu fahren. Dort gedachte er sich des Widerwärtigen zu -entledigen. - -Als der Donnerer am nächsten Morgen mit dem Eisriesen zu Schiff ging, -bat er Hymir um einen Köder für seine Angelschnur. »Such ihn dir -selber!« hauchte ihn der frostige Gastgeber an. Der Donnerer wandte -sich um, packte einen der Stiere Hymirs, riß ihm mit einem einzigen -Ruck das Haupt ab und steckte es als Köder an die Angelschnur. Dann -fuhr er mit dem fassungslos dreinschauenden Riesen ins Meer hinaus, -und sie warfen ihre Angelschnüre. Frohlockend zog der Riese ein -paar mächtige Wale ins Boot. Der Ase aber ruderte weiter hinaus ins -Meer, und obschon der Eisriese zornig widerriet, aus Furcht vor der -Midgardschlange in den offenen Gewässern, warf der Donnerer im Schwung -den Stierkopf in die Flut, und schon hatte die wütende Schlange den -Köder verschluckt und suchte an der Leine das Boot mitsamt seinen -Insassen zu sich hinunter zu ziehen. - -Der starke Ase nahm seine ganze Kraft zusammen. Er hielt die Schnur -mit eisernen Fäusten und stemmte sich mit den Füßen so unwiderstehlich -gegen die Planken des Fahrzeuges, daß beide Beine durch den Boden -durchbrachen und er mit den Füßen auf den Meeresgrund geriet. - -»Desto besser,« lachte Asathor, »hier steh ich nur umso fester.« Und -er holte die Schnur in gewaltigen Zügen an sich heran, bis sich der -scheusälige Kopf des Ungetüms über Wasser hob. Mit furchtbaren Augen -starrten sich die beiden Feinde an. Dann hob der Ase den Hammer, um der -Weltschlange den Schädel zu zerschmettern. Der Riese aber, der sein -Schiff verloren wähnte, durchschnitt in Todesangst die Angelschnur, und -die unheilvolle Feindin der Götter und Menschen verschwand spurlos in -der Tiefe. - -Unwirsch wandte sich der Donnerer dem hilfeschreienden Riesen zu. Aber -als er ihn im Wasser sinken sah, gedachte er des Kessels und packte den -Riesen mitsamt dem Boot und der Walfischbeute, warf alles über die -Schulter und watete an Land zurück. - -»Nun gib den Kessel,« gebot er in der Halle. - -Noch einmal suchte der Riese den Asen zu überlisten. Er reichte ihm -seinen Trinkbecher dar zu einem Wettspiel. Könne der Ase den Kelch -zerschmettern, so sei der Kessel frei. Sonst aber bliebe der Kessel, wo -und wie er sich befände. - -Der Donnerer ging lachend auf den Handel ein. Aber die Felsen -zerbarsten, gegen die er das Trinkgefäß schmetterte, der Kelch blieb -heil. Da raunte ihm die gütige Göttin der Mitternachtssonne zu. »Härter -als alles ist Hymirs Schädel«, und der Donnerer verstand und schlug den -Kelch gegen des Eisriesen Haupt, und der Kelch sprang in tausend Stücke. - -»Der Kessel ist mein,« sprach der Ase, und während sich Hymir die -zerbeulte Stirn an einem der Eispfeiler kühlte, griff Ziu, den die -Nordmänner den Tyr nannten, den Kessel an, ohne ihn aufrichten zu -können. Der Donnerer aber packte ihn und stülpte ihn sich wie eine -Mütze über den Kopf. - -Gen Asgard richtete sich der Lauf des Bockgespannes. Doch Hymir war -zu sich gekommen, brüllte über sein Gebiet hin, daß aus allen Löchern -und Ritzen Riesen und Trolle kletterten, und umzingelte mit seiner -Unholdschar den vorwärtsstürmenden Wagen. - -Thor gab Tyr die Zügel. Er selber faßte den Hammer. »Achtung, er -beißt!« donnerte er in den Haufen hinein, und der Hammer Mjolnir -zermalmte Hymir und nach ihm seiner ganzen Schar die Schädel. - -So brachten der Donnerer und sein Schwertgenosse den Kessel heim, und -als sie ihn in Ägirs Halle schafften, war er so groß, daß das freie -Meer sich weitete zugunsten aller Schiffahrt, und dem starren und -vernichtenden Eismeer sein tiefstes Becken genommen war. - - * * * * * - -Und wieder und wieder zog der Donnerer aus, die drohenden Gefahren von -Göttern und Menschen zu scheuchen. Selbst für Loki, den Arglistigen, -stand er ein, weil er dennoch ein Ase war. Wohl hatte Loki aufs neue -Tücke geübt und der schlummernden Freya das lichtspendende Halsband -Brisingamen entwendet. Eben noch vermochte Heimdall, der treue Wächter, -dem Flüchtigen nachzusetzen und ihn mit seinem guten Schwerte zu -stellen. Loki aber entschlüpfte dem Schwertstreich als geschmeidige -Robbe und tauchte in See. Doch schon war auch Heimdall in Robbengestalt -in See getaucht, und die Robbe ergriff die andere beim Genick und biß -sie dermaßen zu schanden, daß Loki, als er sich schleunigst wieder -zurückverwandelte, im Gesicht und an den Gliedern zerschunden war, als -hätte er in einem Brennesselfeld genächtigt, und reumütig das Halsband -der Freya herausgab. - -Der Donnerer wußte um diese Streiche und um manche andere. Aber im -Stich ließ er auch den Heimtücker und Schadenfrohen nicht, der zu den -Asen zählte. So ehrlich dachte Asathor. - -Loki gedachte zur Abwechslung zu dem Glutriesen _Geirröd_ zu fahren, -wie der Donnerer zu dem Eisriesen Hymir gefahren war. Er entnahm Freya -das Falkengewand und flog hinaus, bis er Geirröds Dachstuhl fand und -neugierig durch die Esse schaute. »Fangt mir den seltenen Vogel«, -befahl Geirröd seinen Riesen, und die ungeschlachten Kerle kletterten -so täppisch an den Hauswänden hinauf, daß Loki seine helle Freude hatte -und, um sie zu ärgern, in Ruhe sitzen blieb. Als endlich einer der -riesigen Gesellen die Hand nach ihm strecken konnte, hob er voll Spott -die Flügel, um sich nachlässig zu verabschieden -- aber o Schreck, die -Beine klebten fest. Er war dem Riesen auf den Vogelleim gegangen. Vom -Dachstuhl heruntergeholt, weigerte sich der sonderbare Vogel, Namen und -Herkunft zu nennen, und Geirröd sperrte ihn drei Monate lang in einen -engen Käfig, bis er sich vor Hunger krümmte. Da wurde er mitteilsamer -und gab Auskunft. - -»Ei,« schmunzelte der Glutriese, »ich wüßte schon einen Handel, der dir -die Freiheit schenken könnte. Wenn an deiner Statt der Donnerer, dieser -verhaßteste aller Asen, zu mir kommen würde, ohne seinen Hammer, ohne -seinen Stärkegürtel, so brauchtest du nicht zurückzukehren.« - -Loki nahm Urlaub von dem Riesen und kehrte nach Asgard heim. Schweigend -hörte der Donnerer den Geängstigten an. Und er rüstete sich zum -Aufbruch. - -»Du gehörst zu uns,« sagte er nur. »Trotz deiner sündhaften Fehler. Ich -will dir noch einmal zeigen, was wahre Kameradschaft ist.« - -Am Abend kehrte der Ase waffenlos mit Loki bei der Erdriesin -_Grid_ ein. Die hatte vor Zeiten dem Wodan einen Sohn geboren, den -schweigsamen aber bärenstarken Widar, »den Asen mit dem Schuh«, wie ihn -die Götter nannten. Denn er trug einen Schuh aus aller Länder Leder, -der undurchdringlich war. - -»Sei auf der Hut, du Starker,« warnte die Asenfreundin den furchtlosen -Gott. »Geirröd ist der Bösartigsten einer und sucht dich zu verderben. -Er wird keinen Zauber und keine Hinterlist scheuen, um dich, den -Schrecken des Riesenreiches, auf immer zu vernichten.« - -»Wenn ich Loki frei bekommen soll von seinem Wort,« entgegnete der -Donnerer, »so muß ich ohne meinen Hammer, ohne meinen Stärkegürtel bei -Geirröd erscheinen. Es wird ein schwer Stück Arbeit werden.« - -»So lautet der Vertrag,« sprach die Asenfreundin nachdenklich. »Aber -höre! Auch ich besitze einen Stärkegürtel, auch ich besitze feuerfeste -Handschuhe. Davon verlautet nichts im Vertrag. Einen Hammer kann -ich dir nicht schaffen, aber meinen Stab sollst du zu Gürtel und -Handschuhen nehmen. Das wird dir dienen.« - -Der kluge Vorschlag leuchtete dem Donnerer ein, und er schloß die weise -Frau lachend in die Arme. - -In der Frühe des Tages zog er mit Loki weiter und kam an den Grenzfluß -von Geirröds Reich. Auf Grids Stab gestützt, stieg er unbekümmert in -die tiefen Wasser, und Loki klammerte sich fest an seinen Gürtel. Aber -als sie die Mitte des Stromes erreicht hatten, stürzte plötzlich eine -wilde Wogenflut über sie her und suchte sie zu ersäufen. Der Donnerer -blickte nach oben. Und er gewahrte, wie stromauf eine der Riesentöchter -Geirröds breitbeinig über dem Flusse hockte und die Wasser anschwellen -ließ. »Pfui, du Freche!« schrie der Donnerer, warf und traf sie mit -einem Felsstück gegen die Schenkel, daß sie in die eigenen Wasser -purzelte. Ein Vogelbeerbaum reckte dem Donnergott hilfreich vom Ufer -seine Äste entgegen. Sie ergriff er und zog sich mit Loki ans Land. Von -jener Stunde an ist der Vogelbeerbaum dem Donnergott heilig. - -In Geirröds Gehöft angelangt, wurde dem starken Asen zuerst ein Gemach -angewiesen und ein Stuhl zum Ausruhen. Kaum aber hatte er sich gesetzt, -so hob sich der Stuhl schnell in die Höhe, und des Gottes Schädel -wäre an der eisernen Decke des Gemachs zerquetscht worden, hätte der -Donnerer nicht Grids Stab gehabt. Den hob er hoch und stemmte ihn gegen -die Decke und drückte den Stuhl mit Gewalt auf den Boden zurück. Ein -Knacken und Krachen erfolgte wie von zermalmenden Knochen. Todesgeheul. -Und dann tiefe Stille. - -Der Ase sprang vom Stuhl und forschte nach. Da hatten die beiden -Riesentöchter Geirröds unter dem Stuhle gehockt und den Gast zu -zerquetschen versucht. Nun aber lagen sie beide tot und mit gebrochenem -Rückgrat. - -Ein Bote stand unter der Tür und forderte den Donnergott zu einem -Wettkampf mit Geirröd, dem ungezähmten Glutriesen, in die Halle. In -einer mächtigen Esse lag ein weißglühendes Eisenstück. Das griff -Geirröd mit einer Zange heraus und schleuderte es dem Donnerer gegen -den Kopf. Der Ase aber haschte es mit den feuerfesten Handschuhen -der Freundin Grid, wog es in der Hand und holte aus. Wohl flüchtete -sich Geirröd hinter die dickste Steinsäule der Halle -- dem Donnerer -war, als führte er seinen Hammer, und mit solcher Wucht warf er den -weißglühenden Eisenklotz, daß die zerschmetterte Säule mitsamt dem -Eisenklotz dem Riesen in den Leib fuhr und seinen Leichnam gleich einen -Klafter tief in der Erde begrub. - -Ohne weiteres kehrte der Donnerer zu der Erdriesin Grid zurück, und der -befreite Loki trabte hinter ihm drein. Und als Thor der Asenfreundin -Stab, Gürtel und Handschuhe zurückerstattet und ihr eine Nacht lang -zärtlich wie ein Bär die Backen gestreichelt hatte, fuhr er mit Loki -gen Asgard, und Loki vergaß ihm den Dank zu sagen. - -Was kümmerte das Asathor! Er holte sich nur seinen Hammer Mjolnir und -fuhr wieder hinaus zu neuen Kämpfen, um Göttern und Menschen Luft zu -schaffen vor dem drohenden Schicksal. - - - - -Wodans Wunschmädchen. - - -Mehr als alle die anderen Götter kämpfte Wodan um das Schicksal -Asgards und seiner Bewohner. Nicht allein mit dem todbringenden Speer -Gungnir, den er über die Heereswogen schleuderte, um seinen Anhängern -auf Erden den Sieg zu verleihen oder sich die Besten und Tapfersten -für Walhall zu erkiesen. Seine Gedanken holten weiter aus, suchten die -Wurzel der Dinge auf und begannen die Fäden der Schicksalsgöttinnen zu -dehnen und zu längen. Der König der Götter nahm sein Amt als Pflicht, -Verantwortung und Fürsorge. - -Wodan wußte von keiner Erholung. Er wußte nur, daß an einem -Schicksalstag das Ende hereinbrechen würde und der Götter letzter -Kampf. Und gerade weil er es wußte, wurde ihm königlich zumut. Die -letzte Schlacht sollte ihn und die Götter gewappnet finden. Waren sie -dem Untergang geweiht, so sollte bis zum letzten Atemzug gekämpft, -mit den letzten furchtbaren Schwerthieben noch die Welt von den -Unholden der Dunkelmächte gereinigt werden. Das waren Wodans königliche -Heldengedanken. - -Alles Wissen mußte er besitzen von Vergangenheit, Gegenwart und -Zukunft. Keine Mühe war ihm zu groß, es zu erwerben, um danach die -Fäden seiner Gedanken spinnen zu können. Am Fuße der Weltesche saß er -bei den Nornen, den Schicksalsmädchen Urd, Werdandi und Skuld, und -forschte, was sie über Leben und Sterben seiner Menschen beschlossen -hatten. Am Brunnen Mimirs raunte er mit dem Haupte des Urzeitweisen, -um aller Geschehnisse Ursprung zu erkunden und ihre verwundbaren -Stellen. Ja selbst die Toten rief er ins Leben zurück, damit sie ihm -das Zukünftige, das sie früher erschaut hatten als die Lebenden, -aussagten, und oft lagerte er sich auf den Richtplätzen, unter den -Galgen der Gehenkten, und beschwor sie so zauberkräftig, daß die armen -Seelen ihm anhingen und in allen Dingen zu willen waren. Wenn dann die -Herbststürme erbrausten, setzte er sich an ihre Spitze und raste mit -ihnen in wilden Jagdzügen durch die Luft, um sie bei kriegerischer -Laune und Wildheit zu erhalten. Für die Stunde des Kampfes. - -Zum Wanderer war Wodan geworden, und er ging zu den Lebenden und -prüfte sie auf ihr Heldentum und merkte sich die Unerschrockenen und -Schwertkundigen. Den herabfallenden Hut tief in die Stirn gedrückt, -den verwitterten blauen Mantel um sich geschlagen, wanderte der -Einäugige durch die Welt und sah mit tausend Augen. Über Meere und -Ströme fuhr er mit dem Wunderboot Skidbladnir, einst dem Freyer -geschenkt von den Zwergen, das ohne Wind und gegen jeden Wind fuhr -und sich zusammenfalten und in der Manteltasche bergen ließ. Zu allen -Stämmen kam er, die den Göttern in Asgard opferten, und er nannte sie, -die kriegerischen Blutes und heldischen Mutes den Ger schwangen, den -Jagd- und Schlachtenspeer, die Ger-Mannen, die Germanen. Oft blieb er -in ihren Gehöften zur Nacht, veredelte ihr Blut und ihren Sinn und -zeugte neue Heldengeschlechter, würdig, einzureiten in Walhall. Für den -letzten Kampf. - -»Kampf« hieß die letzte Schicksalslosung der Götter und der Menschen. -Wenn am letzten Tage aller Dinge Surt losbrach, der König der -Feuergeister in Muspelheim, wenn die Riesen aus Jotunheim anstürmten -mit den Trollen aus Utgard, wenn der wütende Fenriswolf seine Bande -zerriß, die giftgeifernde Midgardschlange sich heranwälzte und die -dunkle Hel mit aufgerissenem Schlund Leichen schlang, hieß die Losung: -Kampf dem Verhängnis! Daher liebte Wodan schon heute die Kämpfe auf -Erden und begünstigte sie als Vorbereitung für den letzten schwersten -Kampf. - -Die Heerkönige der Germanen wünschte er in Walhall und ihre -Heldenscharen, ungezählte Tapfere, Tausende und Hunderttausende. -Zuvor sollten sie Bankgenossen sein beim Met, einst aber seine -Schwertgenossen. Alle die Ger-Mannen, die auf Erden rühmlichen -Waffentod erlitten hatten. - -Hoch und herrlich war Walhall gebaut, seine Wände aus Speeren, seine -Dächer aus Schilden, und statt der weichlichen Polsterung schmückten -die Bänke im Saal schimmernde Brünnen. Wodans Zeichen, Wolf und Adler, -hingen über dem Eingang. Doch hatte der Saal noch fünfhundertundvierzig -Türen, eine jede für den Auszug von achthundert gewappneten Streitern -berechnet. Und am Abend blitzte das Licht spiegelblanker Schwerter -durch die Halle, als wäre sie von Fackeln erleuchtet. - -Hierher kamen die Tapfern, die auf Erden ihren Kampfwunden erlegen -waren, hierher und in den Saal Wingolf, die Halle der Göttinnen. Und -sie wurden von den Göttern, die sie mit offenen Armen empfingen, die -»_Einherier_« genannt, die »göttlichen Streiter«. - -Allvater selber wählte sie aus, die auf der Walstatt fielen. Walvater -hieß er darum, und Walsöhne, Wunschsöhne, die er nach Walhall berief. -Oft rief er sie selber, wenn er auf seinem Hengste Sleipnir, den -goldblitzenden Flügelhelm auf dem Haupt und den Todesspeer Gungnir -in der Faust, über die ringenden Heere brauste. Kein herrlicheres -Männerlos, als Wodans Ruf nach Walhall teilhaftig zu werden! Oft auch, -wenn andere und dringendere Verrichtungen ihn hinderten, sandte Wodan -seine Saaltöchter aus, seine Schildmädchen und Wunschmädchen, die -_Walküren_, Sieg und Tod zu verleihen und die Auserwählten nach Walhall -zu rufen. - -Auf stürmenden Wolkenrossen jagen sie dahin, den jungfräulichen Leib -von schimmernder Brünne umpanzert, den leuchtenden Helm in das goldrot -flatternde Haar gedrückt, den Schild am Armgelenk, den flammenden Speer -wurfgerecht in der Faust. Überirdisch schön und die Sehnsucht der -Helden, die nach ihnen verlangen, das Wunschziel der irdischen Frauen, -die in Helm und Harnisch den Männern folgen in die Schlacht oder auf -wilde Wikingsfahrt. - -In der heiligen Dreizahl stürmen die Walküren dahin, zu dritt oder -zu zweimal Drei, dreimal Drei oder zu Zwölf. Sie entscheiden die -Schlachten, ihr Speer bringt den Tod, aber neue Wonnen bringt er mit -dem Tod -- den Ruf nach Walhall. Wunschlos und nach des Schicksals -Vorschrift müssen die Walküren entscheiden. Jungfräulich müssen sie -sein und dürfen niemanden angehören als den Helden in Walhall, den -Einheriern. Wer sich von den Schildmädchen gegen Wodans Gebot vergeht, -wird in Schlaf versenkt oder verbannt. -- - -Mehr als bisher sah man in diesen Zeiten, da Wodan als Wanderer die -Welt durchzog und bei Königen und Kriegern nach Helden forschte, die -Walküren reiten. Denn mehr als bisher herrschte auf Erden der Krieg, -verlangten die Männer, die die höchsten Mannesehren ersehnten, nach -Walhall, horchten sie auf den Schrei der Walküren, auf den sausenden -Speer, der sie entbot. Dann machten sich die Geister der Gefallenen auf -den Weg, durchwateten einen reißenden Strom und pochten an die heilige -Totenpforte _Walgrind_, die Eingangspforte zu Walhall. Von Walküren -geleitet, traten sie in den Saal, vom jubelnden Zuruf der versammelten -Einherier umbraust, von den Göttern gerühmt und bewillkommnet. -Selig saßen sie nieder auf den Bänken und nahmen aus den Händen der -Schildmädchen den schäumenden Humpen Met, der aus dem Euter der Ziege -_Heidrun_ auf Walhalls gewölbtem Dache floß, ohne je zu versiegen, oder -den saftigen Braten vom Eber _Sanhrimnir_, der sich täglich erneuerte. -War Wodan in Asgard, so thronte er unter ihnen, doch aß er nicht und -gab das Fleisch seinen Jagdwölfen. Nur dem Wein sprach er zu, der -göttlichsten aller Gaben. - -Frühmorgens ritten die Einherier hinaus auf die Wiesen zum Kampfspiel. -Da pfiffen die Klingen, da sausten die Speere, da wurde mancher Schild -zerbeult und aus manchem Helm Funken geschlagen. Purpurne Wunden gab es -und Heldentod, aber wenn der Abend nahte und das Göttermahl, sprangen -Tote und Verwundete heil und gesund wieder auf die Füße, schüttelten -sich strahlend die Hände und saßen Schulter an Schulter auf der -Zecherbank. Die Wunschmädchen reichten ihnen den Trunk, lehnten sich -an sie und horchten ihren brausenden Gesängen. Dann sang auch Bragi, -der Dichtergott, und er sang den Ruhm der Einherier, daß aller Augen -leuchteten und der Wunschmädchen Hände ihre Häupter liebkosten. - -Eine Seligkeit war es, in Walhall zu hausen, und die Sehnsucht aller -Männer. Wodan aber sorgte wohl, daß sein Heerbann wuchs. Wodan, der -Walvater und Allvater. Er sorgte für den letzten Kampf. - -Immer kriegerischer wurde der Sinn der Völker. Auf weiten Wikingfahrten -fuhren sie über die See, sie kämpften an Land, wo ein Schlachtfeld -sich bot. Schutzgeister schuf Wodan seinen Lieblingen, die ihnen -vor sehenden Augen erschienen, ihnen rieten und sie schirmten. Das -waren die _Fylgien_, die Seelenfrauen. Aber auch Wolfsgestalt und -Bärengestalt verlieh er oft den Kämpfern, daß sie wie wild und besessen -in die Feinde stürmten und alles niederrissen. _Werwölfe_ nannte man -die Wolfshäutigen und _Berserker_ die Bärenhäutigen, die aus- und -einfuhren in Tier- und Menschengestalt und dem Schlachtengott Scharen -von Einheriern zuführten. Wie Wodan sie liebte! -- -- -- - -Wieder und wieder mußten die Walküren reiten, wenn Wodan von den -Nornen oder von Mimirs Brunnen kam. Oft auch eilten sie frei und ohne -Geheiß hinaus, lagerten die Nacht vor der Schlacht in einer Hütte -auf der Walstatt und woben aus Schwertern und Speeren heimlich das -Schicksalsgewebe für Heerkönige und Krieger. Dann rauschte ihr dunkles -Lied wie suchender Sturm durch die Nacht: - -»Mit Schwertern schlagen wir dies Siegesgewebe. Wir kamen zu weben mit -gezogenen Schwertern. Schaft wird zerkrachen, Schild wird zerbersten, -die Axt in die Rüstung dringen. Winden wir, winden wir das Gewebe des -Speeres! Folgen wir dem König, dem siegreichen Helden! Blutige Schilde -wird man sehen. Winden wir, winden wir das Gewebe des Speeres. Voran -wollen wir gehen und in die Schlachtreihe schreiten, wo unsere Freunde -die Waffen kreuzen. Winden wir, winden wir das Gewebe des Speeres, wo -die Fahnen kämpfender Männer wehen! Nicht lassen wir zu, daß ihr Leben -vergehe. Die Walküren haben des Kampfes Kür. Die Freunde sollen siegen -und die Feinde unterliegen. Das Gewebe ist gewoben, das Feld gerötet. -Schrecklich zu sehen, ziehen blutige Wolken am Himmel. So singen dem -König wir Siegeslieder und reiten auf schnaubenden Hengsten, die -Schwerter gezogen, fort von hier.« - -Wie Blitz und Wetterleuchten über der tobenden Männerschlacht, so -jagten sie auf ihren Wolkenrossen, Flammen auf den Spitzen ihrer -Speere, über die Reihen der Kämpfer hin, hemmten den Anlauf der Feinde, -verwirrten seine Linien, fesselten die Gefangenen, befreiten die -Freunde und warfen den, dem sie das Schicksal gewoben, durchbohrt vom -Roß. - - * * * * * - -Krieg war entbrannt zwischen den Königen _Hialmgunnar_ und _Agnar_. Der -alte König Hialmgunnar, ein fester Degen, bat Wodan um Gunst und Sieg -und versprach ihm ein blutig Schlachtfeld. Da lachte Wodan das Herz im -Leibe, und er sagte ihm Sieg und Leben zu. Seine Wunschmädchen rief er -herbei und hieß sie reiten für König Hialmgunnar, den Alten, und befahl -_Brynhild_, der Walküren Führerin, den Agnar zu fällen und sein Heer in -die Flucht zu jagen. - -[Illustration: »Sie richtete die Lanze hoch auf und jagte an ihm -vorbei.«] - -Jubelnd stürmten die kampffrohen Walküren von dannen und suchten die -Walstatt auf. Hart rang der jugendblonde Agnar gegen den wütigen -Greis. Schlachtrufe schreiend, warfen sich die Walküren auf des -jungen Königs Heer und jagten es in Verwirrung. Nun hatte Brynhild -ihr Opfer erreicht. Einsam kämpfte der Jüngling mit dem Mute der -Verzweiflung, von den Menschen verlassen, von den Göttern aufgegeben -und von nicht einer der Schildjungfrauen beschirmt. Schon hob -Brynhild den todbringenden Speer. Da gewahrte der junge König sie -mit hellseherischem Blick, mit dem man den nahenden Tod erschaut, -und des Jünglings Augen brannten mit der heißen Liebe am Leben in -den staunenden Augen der Jungfrau Wodans. Ein Ruck ging durch den -Mädchenkörper der Reiterin. Sie richtete die Lanze hoch auf und jagte -an ihm vorbei. - -»Was tust du?« wirbelte es ihr durch das Hirn. »Du handelst wider -Wodans Gebot!« - -Sie riß den Hengst herum und fällte den Speer zum zweiten Male. Aber -Agnar blickte sie an in heller Bewunderung und dachte nicht mehr an -sein bedrohtes Leben. Da jagte sie zum zweiten Male an ihm vorüber und -vergaß Wodans Gebot über den begeisterten Jünglingsaugen. - -Zum dritten und letzten Male hetzte sie den Hengst zum Ansprung. - -»Er ist so jung, so schön,« murmelten ihre Lippen, »und Hialmgunnar ist -alt und greis und hat das Leben gelebt. O Agnar, wie ich dein junges -Leben liebe.« -- - -Und plötzlich tat sie einen Schrei, der wild über die Walstatt gellte, -stürmte zwischen die kämpfenden Könige und stieß dem alten König -Hialmgunnar den Todesspeer mitten durch die Halsbrünne. - -Die Königsleiche lag auf dem Feld. Als Sieger jagte Agnar die Feinde -von dannen. -- - -Staunend fuhr Wodan von seinem Hochsitz. Mit einem Blicke sah er, was -geschehen war. Er rief nach seinem Rosse Sleipnir und jagte wie der -Sturm zur Erde nieder. Dort fand er Brynhild traurig an den Speer -gelehnt. - -»Leg dein Walkürenkleid ab, unbotmäßig Mädchen,« rief er ihr zornig zu -und sprang vom Rosse. »Was will dein töricht Mädchenherz dreinreden, -wenn es sich um Allvaters unerforschliche Wege handelt? Walküre bist -du gewesen für Zeit und Ewigkeit. Den Rausch des Schlachtenglücks, -die seligen Wonnen Walhalls nehme ich von dir und gebe dir dafür, was -du gewollt: das bißchen Menschenglück und das bißchen Liebeswonne. -Vermählen soll sich dein jungfräulicher Leib einem irdischen Mann! Ich -stoße dich aus!« - -»Allvater!« bat Brynhild mit zuckenden Lippen. - -»Du warst mein Lieblingsmädchen unter allen meinen Wunschtöchtern,« -sprach Wodan leise. »Dennoch -- ich kann dich nicht schirmen gegen mein -eigenes Wort. Beuge dich zu mir. Ich will in barmherzigen Schlaf dich -senken.« - -»Allvater,« flehte Brynhild, »laß kein anderer mich als Gemahl berühren -denn ein furchtloser Held.« - -Stumm nickte ihr Wodan Gewähr. Und sie beugte sich zu ihm, und er stach -sie mit seinem Schlafdorn in die Schläfe, daß sie schlummernd zu seinen -Füßen hinsank. Wodan aber gedachte seines Versprechens vom furchtlosen -Helden und zog eine wabernde Lohe rings um den Platz, auf dem Brynhild -schlummernd lag. Nur ein Held, der das Fürchten nicht kannte und das -Sterben verlachte, würde die Flamme durchreiten. Und sinnend und -forschend ritt Wodan heim nach Walhall. -- - -Wieder flogen Walküren aus, und sie kamen an eine Bucht und legten ihre -Schwanengewänder ab, um zu baden. Im Laube versteckt aber saß _Wölund_, -der kunstreiche Schmied, den sie auch _Wieland_ nannten, mit seinen -Brüdern, und sie nahmen den Jungfrauen heimlich die Gewänder weg und -zwangen sie so in ihren Dienst. Neun Jahre lehrten die Himmelsmädchen -die Brüder alle Geheimnisse, bis sie die verborgenen Gewänder -wiederfanden und sich im Schwanenkleid auf und gen Asgard schwangen. -Wieland aber wurde tiefsinnig aus Liebe nach dem entschwundenen -Himmelsglück, und die Gemeinschaft der Menschen war ihm unerträglich. -Als sein Feind, der König Nidung, ihn durch List gefangengenommen -und ihm die Sehnen an den Füßen durchschnitten hatte, damit er nicht -entfliehen könne und ihm Schwerter und Kostbarkeiten schmieden -müsse, soviel er begehre, fertigte Wieland nach dem Schwanengewand -seiner entschwundenen Liebe, dessen Geheimnisse er wieder und wieder -durchforscht hatte, in jahrelanger Arbeit ein Flügelkleid für sich -selbst, spannte es um seinen zermarterten Körper und flog mit glühendem -Geist gen Himmel. So gewaltig wirkte der Walküre Zauber auf den nach -dem Höchsten strebenden Mann. -- - -Wieder aber flogen Walküren aus und trafen auf einen jungen Königssohn, -den die Stiefmutter Knechtesdienste verrichten und bei Nacht die Herden -hüten ließ, damit er blöde würde und dem Thron ungefährlich. _Svanhvit_ -war die Führerin, und als sie mit ihren Gefährtinnen auf das Feld kam, -sahen sie in der Ferne Unholde und Gespenster gegen den einsamen Knaben -reiten. Der aber weidete ruhig seine Herden. »Verberge dich,« rief sie -ihm zu, »die Nachtmare kommen über dich!« - -Der Königsknabe hob lächelnd die Augen zu der eifrigen Warnerin. - -»Soll ich mich etwa fürchten, wunderbare Jungfrau?« - -»Ich bin's, die für dich fürchtet, du Lieber,« rief die Walküre, -gerührt von so viel Knabenreinheit, »und ich leihe dir mein eigenes -Schwert, damit du um dich schlagen kannst. Ich aber will dir zusehen -und mich an dir freuen.« - -Strahlend nahm der Schäfer das Schwert und wog es in den Händen. Die -Blödigkeit des Hirten schwand aus seinen Mienen, das Königsblut schoß -ihm ins Gesicht. Mitten auf dem Weg, den die Unholde kamen, stand er -und schwang lachend das Schwert und schlug um sich die ganze Nacht, -bis beim Morgengrauen das letzte Nachtgespenst zur Strecke gebracht -war. Und er zog weiter und warf sich zum rechtmäßigen König auf, und -Svanhvit stand ihm zur Seite und weckte alle seine Heldenkräfte, bis er -den Thron gewann. Da legte die in Liebe entbrannte Walküre freiwillig -das Flügelkleid ab und blieb bei ihm als seine Königin. - -Wodan saß auf seinem Hochsitz, und seine Raben hatten ihm alles -zugetragen. Er nickte nur vor sich hin. -- - -Und wieder flogen Walküren aus, stürmten auf schnaubenden Hengsten -zur Erde hinab, in den Männerkampf, brausten im Schwanengefieder zu -Häupten ihrer Helden. Schwerter sangen und Gere klangen allüberall. -Denn _Helgi_, der Haddingenheld, focht in vielen Schlachten wider König -_Hromund_. - -_Kara_, die hellschimmernde Wunschmaid, führte die Schwestern. Aber als -sie den Haddingenheld zum ersten Male fechten gesehen hatte in seiner -Kühnheit und Wildheit, verlor sie ihr Herz an den stürmischen Mann und -schenkte sich ihm als Geliebte. - -Anderen Tages tobte die Entscheidungsschlacht. - -Glückseligen Gesichtes schwang Helgi, der Haddingenheld, sein Schwert, -und wo es in die Brünnen biß, da biß der Tod. Heißen Herzens schlug -Helgi in den Feind, denn er dachte an Kara, die ihn umhalsen würde nach -des Tages Blutarbeit. Wie sie ihn in der Nacht umhalst hatte. - -Über seinem Haupte vernahm er ein Rauschen und ein wunderbares Singen -und Klingen. Über seinem Haupte flog die Walküre Kara und hielt vor -Helgi den Schild, daß kein Schwert ihn schneiden, kein Speer ihn -ritzen, keine Axt ihn zerspalten konnte. Und aus Karas Munde drang ein -Lied, ein wildes, seliges Zauberlied, daß den Feinden die Arme sanken, -und sie wie in Fesseln lauschen mußten. Über das feindliche Heer hin -brausten die Zauberweisen, und hinter ihnen drein stürmte Helgi, der -glückselige Mann, und schwang das Schwert und mähte die Gebannten -nieder. - -Wodan saß auf seinem Hochsitz und lächelte. Jetzt streckte er die Hand. -Da hob Helgi das Schwert, um einem riesenhaften Feind das Haupt vor die -Füße zu werfen, und schwang das Schwert zu hoch. Ein Schwanenschrei -gellte durch die Luft. Das Zauberlied war verstummt. - -Vor Helgis Füße sank im zerfetzten Fluggewand die Walküre. Im Jauchzen -des Kampfes hatte der Held der Schildmaid nicht acht gehabt und die -Geliebte ins Herz getroffen. - -Tot war sein Liebesglück, zu Ende sein Schlachtenglück. - -Noch immer lächelte Wodan sein seltsames Lächeln. Dann erhob er sich, -hieß den Helden nach Walhall entbieten und Kara seine Wegweiserin sein. - -Im Goldhelm und blauen Königsmantel empfing er den gewaltigen Recken. - -»Auf daß du auch in Walhall ein so fröhlicher Kämpe seist, wie auf der -Walstatt auf Erden, geb ich dir die Hellschimmernde zur Schenkin,« -sprach er und wies ihm seinen Platz unter den besten der Einherier. - -Da lachte Helgi, der Haddingenheld, daß es durch alle Hausungen der -Götter schallte, und führte sein Mädchen stolz an die Tafel der Zecher, -die dem Paare donnernden Heilgruß entboten. - -Wodan aber hatte eines Helden Seele an sich geschmiedet für alle -Ewigkeit. - - - - -Unter den Einheriern. - - -Männer, Männer! war Wodans einziger Gedanke geworden. Männer im Himmel -und auf Erden. Männer der Tat, die wiederum Heldengeschlechter zeugten, -Helden, die durch Tat und Todesverachtung auf Erden schon heranrückten -an die Götter und im Himmel Wodans Söhne wurden. Was sonst brauchte -die Welt, als Männer, wenn die Schicksalsstunde nahte, Männer, die -Mannesehre über alles stellten, bereit allzeit, ihr Leben in die -Schanze zu schlagen, um noch sterbend den feindlichen Mächten Abbruch -zu tun und den Ruhm zu retten. - -Manche seiner Wunschmädchen gebaren den Irdischen Helden; er selber -zeugte auf seinen Wanderungen manches Heldengeschlecht und war anderen -ein väterlicher Freund. Ein Freund jedoch, der sich unerbittlich selbst -bezahlt machte und seine Schützlinge zu der Stunde, die ihm die rechte -schien, auf der Höhe ihrer Kraft oder nach einem schlachtenreichen -Leben, das Tausende nach Walhall gesandt hatte, einholte zu den -Einheriern. So unerbittlich wie das Schicksal, das die Götter bedrohte, -so unerbittlich war Wodan in der Wahl der Mittel, dem unabwendbaren -Schicksal den letzten Ruhm abzugewinnen und, wenn es ihn schon -untergehen hieß, nur als Sieger über die Unheilsmächte unterzugehen. Im -letzten großen Atemzuge noch Schöpfer einer neuen, kommenden Welt. - -Darum war vom Tode gezeichnet, wer Wodans Freund auf der Erde hieß. -Aber auch vom Ruhme bekränzt und durch die Sänger aller Zeiten zur -Unsterblichkeit erhoben. - -Wer aber ein Mann sich fühlte in germanischen Landen, der zögerte -keinen Herzschlag lang und wählte Wodan für sich und seine -Geschlechter. Lieber als ein königlich Volk mit seinen Göttern -untergehen, denn als namenloser Sklave fronen. Und es waren die -Besten Germaniens, die sich als Einherier in Walhall auf Wodans -Bänken sammelten und nach ihrem irdischen Tode noch ihre Namen -ehrfurchtgebietender und strahlender hielten, als alle die lebenden -Weichlinge und Feiglinge zusammen. - - * * * * * - -Da saßen auf bevorzugten Platzen Helden und Heerkönige. Da saß -_Sigmund_ unter ihnen, der Rheinfranken König, der ein Sohn Wolsungs -war und von Wodans Blut. Denn Wodan selbst hatte den Wolsungenstamm -gezeugt in dem Wolsungen-Ahn Sigi, um den Tisch der Einherier zu -schmücken durch die Erziehung von Helden, Geschlechterreihen hindurch. - -Jung war noch Sigmund, als sein Vater Wolsung die Tochter _Signy_ dem -ungeliebten König Siggeir von Gautland vermählte. In der Festhalle -Wolsungs saßen die Männer beisammen, und die Franken und die Gauten -erzählten von der Abkunft ihrer Geschlechter. Plötzlich verstummte -jedes Getön. Ein hochgewachsener Alter, einäugig, in breitrandigem Hut -und blauem Mantel, war unbemerkt von den Wachen in die Halle getreten -und auf den Eichbaum zugeschritten, der mitten in der Halle wuchs und -seinen Wipfel über das Dach breitete. Ein Schwert trug er unterm Arm, -und er nahm es und stieß die Klinge bis ans Heft in den eisenharten -Stamm. - -»Kein besser Schwert als dies! Dem Besten nur gehör es an! Wer es -herauszuziehen vermag, der führe es!« - -Der Einäugige sprach es, blickte sich im Kreise um und ging aus der -Halle, wie er gekommen war, unbemerkt. - -»Wodan, der Wolsungen Stammvater, kam zum Hochzeitsfest,« raunten die -Rheinfranken. Und es herrschte langes Schweigen und seltsames Grübeln -im Saal. Dann aber traten die Männer an den Baum. - -Wolsung packte den Schwertgriff und rüttelte daran. Umsonst. Seine -stärksten Helden nach ihm. Vergeblich. Sein Schwiegersohn, der -Gautenkönig Siggeir zog und riß in wilder Wut. Das Schwert rührte sich -nicht. Sigmund, der junge, trat heran. Mit leichtem Ruck riß er das -Schwert aus dem Stamm und schwang das Aufblitzende durch die Halle. - -Ruhm brachte ihm Wodans Schwert und ein schweres Heldenleben. Siggeir -forderte den Stahl von dem jungen Schwager, der das Begehr lachend -abwehrte. Da lud Siggeir den König Wolsung und seine ganze Sippe -nach Gautland und erschlug sie alle trotz flehentlicher Bitten der -Wolsungentochter Signy, seines Gemahls, bis auf Sigmund, dem er das -Schwert Gram -- das ist »Zorn« -- entwendet hatte. Ihn ließ er im -finstern Wald in eine Erdhöhle werfen, wo er ohne Heldenehre schmählich -verkommen sollte. Signy aber liebte den strahlenden Bruder Sigmund so -heiß, daß sie sich nächtens heimlich zu ihm schlich und ihn tränkte -und pflegte und koste. Und sie schenkte ihm einen Knaben, der hieß -_Sinfiötli_, und Sigmund und Sinfiötli lebten im Walde wie die -Werwölfe, unbändig, furchtlos und riesenstark, bis Sigmund die Stunde -für gekommen erachtete, nach Germanengebot Blutrache zu nehmen an dem -Mörder seines Vaters Wolsung. - -Der erste Anschlag mißglückte. Siggeirs spielender Knabe entdeckte die -wilden Männer hinter einer Mettonne, und der König ließ die Beiden -einmauern wie wilde Tiere, beider Gelaß durch einen Felsen voneinander -getrennt. Noch einmal kam Signy, Sigmunds Schwester, bei der Nacht. -Sie kam bis an die Grube ihres Sohnes Sinfiötli und ließ hastig einen -Strohbund hinuntergleiten. Als der riesenstarke Knabe ihn öffnete, -fand er darin Sigmunds Schwert Gram. Er packte es beim Knauf, setzte -die Spitze gegen die trennende Felswand und drückte, daß ihm die Adern -an den Schläfen zu platzen drohten. Da schnitt das Schwert durch den -Felsen, und der Sohn drückte, bis der Vater es in seiner Grube an -der Spitze zu fassen kriegte, und nun sägten Vater und Sohn mit des -Schwertes Schärfe den Felsen durch, bis sie zueinander kriechen und -Sigmund auf Sinfiötlis Schultern aus der Grube steigen konnte. Dann zog -Sigmund den Sohn am Schwerte hinaus. - -Durch die Nacht schritten sie zur Halle König Siggeirs und legten Feuer -an. An der Tür des flammenumlohten Hauses hielten sie mit dem Schwerte -Wacht, daß nichts Lebendiges heraus konnte. Nur Signy, die Königin, -riefen sie. Aber die Königin wehrte der Rettung. - -»Im Leben durfte ich Wolsungs Tochter sein und auf Blutrache für den -Vater bedacht. Im Tode gehör ich an meines Mannes, des Königs, Seite, -ob ich ihn liebe oder nicht.« - -So entgegnete die königliche Frau und starb den Flammentod mit König -Siggeir und seiner ganzen Sippe. - -Heim segelte Sigmund an der Spitze eines Heeres und gewann mit -Waffengewalt das Land der Wolsungen zurück. Mit der Königstochter -_Borghild von Bralund_ vermählte sich König Sigmund, und sie gebar ihm -einen Sohn, _Helgi_, als Sigmund, wie immer, auf Heldenfahrten war. -Und Wodan sandte seine Raben, dem Knaben der Wolsungen Kriegsglück zu -weissagen. Fünfzehn Lenze zählte Helgi, als er mit seinem Stiefbruder -Sinfiötli auszog gegen König Hunding, der Wolsungen Erbfeind und -Länderräuber, und ihn mit eigener Hand in der Schlacht erlegte. _Helgi -Hundingstöter_ riefen ihn seitdem die Helden, und die Sänger sangen -seinen Namen. - -Die Hundingssöhne begehrten Buße von Helgi für den Vatermord. -»Gewärtigt wilde Wetter, graue Gere und Wodans Gram!« ließ der junge -Fürst ihnen vermelden und rückte mit einem Heere gegen die Stürmenden -an. Unbekümmert um den Hagel der Gere und Pfeile rückte er vor. Über -seinem Haupte war ein Rauschen wie von Schwanenflügeln. Neun Walküren -schwebten schirmend über ihm, von der Schildmaid _Sigrun_ geführt. Da -schüttelte Helgi seine Locken und jauchzte Sigrun zu und brach wie ein -Wolf in die Feinde, erschlug ihren Bannerträger und die meisten der -Hundingssöhne. - -[Illustration: »Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die -Walstatt.«] - -Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die Walstatt. Sein Arm lag -um Sigrun, die Schildmaid. - -»Ich liebe dich,« sagte er, und sie antwortete ihm: »Auch ich liebe nur -dich. Doch bin ich dem König Hödbrod angelobt, der mich jenseit der See -erwartet. Hilf mir von ihm.« - -Da sammelte Helgi Hundingstöter sein Heer zum anderen Male und stieß -die Drachenschiffe ins Meer und fuhr aus um sein Liebesglück. Das -sah des Seebeherrschers Ägir wildes Weib Ran, und sie sandte ihre -Wogentöchter aus, die die Schiffe auf den Rücken nahmen und das -Fürstenschiff hoch zu den Wolken werfen sollten, um es als Wrack -hinabzuziehen. Schon hatte die leichengierige Ran ihre Klauen in den -Schiffsrand geschlagen, um die Helden zu schlingen, da war ein Rauschen -über den Masten wie von Schwanenflügeln, und Helgi Hundingstöter -blickte empor und gewahrte die neun Walküren, von Sigrun stürmisch -geführt. Und die Schildmaid schlug der rasenden Ran das Schiff aus -der Hand und brachte den Helden mit seinem ganzen Heere glücklich an -Land. Eine furchtbare Schlacht entbrannte. Mit König Hödbrod und seinen -Brüdern ritt und stritt auch König Högni, der Vater der Schildmaid. -Aber Helgi Hundingstöter, von Sinfiötli geleitet, durchbrach den Keil -des feindlichen Heeres, erschlug König Hödbrod und seine Brüder, -erschlug auch König Högni und schonte nur Högnis Sohn Dag. Sinfiötli -aber würgte die anderen Häuptlinge, daß sie nimmer die Sonne sahen. - -Auf der blutigen Walstatt traf Helgi Hundingstöter Sigrun. Ob ihr -auch über den Tod ihres Vaters die Tränen aus den Augen stürzten, sie -kränzte den Sieger und gab sich ihm, auf ihr Walkürenkleid für immer -verzichtend, als Weib. Nie war ein glücklicheres Paar in nordischen -Landen. - -Dag aber, Sigruns Bruder, flehte Wodan an um Vaterrache. Und Wodan -gedachte der Wolsungen und gedachte seiner Einherier. Da lieh er Dag -seinen Todesspeer Gungnir, und Dag lauerte Helgi im Walde auf und -rannte ihm den Todesspeer durch den Rücken. - -Unstillbar war Sigruns Schmerz um den Heißgeliebten. Sie richtete ein -Lager in der Grabkammer, breit genug für sich und ihren abgeschiedenen -Helden, und saß am Hügel und weinte blutige Tränen. Um Mitternacht -klirrte es von Waffen in der Luft. Aufgeweckt, sah sie Helgi -Hundingstöter mit großem Geleite durch die Lüfte niederreiten und sah -den Geliebten die Grabkammer betreten. Da warf sich Wodans einstige -Schildmaid dem Heimgekehrten ans Herz und küßte ihm Augen, Mund und -Hände. Und Helgi sprach: »Deine Tränen haben mich aus Wodans seligem -Saal zurückgerufen. Sie brennen mir wie Feuertropfen auf der Brust, daß -ich mit den Helden Walhalls nicht fröhlich werden kann. Warum weinst -du so sehr, da dein Geliebter der Ewigkeit Ruhm gewann?« Und Sigrun -schmiegte sich an sein Herz und sprach: »Nun will ich nie mehr klagen -und still bei dir liegen.« - -Als fahl der erste Frühschein über den Himmel glitt, schied Helgi -Hundingstöter für immer und jagte frohgemut mit seinen Begleitern gen -Walhall zurück, von Wodan freudig empfangen. Sigrun aber legte sich -zum Sterben und lag in der Kammer angeschmiegt an den irdischen Leib -ihres toten Gemahls. -- - -Sinfiötli hatte inzwischen nicht gefeiert. Während Vater Sigmund zu -Ehren Wodans auf Wikingsfahrten war, hatte auch er Kämpfe auf Kämpfe -bestanden und, um Hand und Kronland einer Königin zu gewinnen, seiner -Stiefmutter Borghild von Barlunds Bruder im Zweikampf erschlagen. Rache -schwur ihm Sigmunds Weib, Buße an Leib und Leben. Doch Sigmund kehrte -heim und wehrte ihr und erklärte sich bereit, selber Buße zu zahlen, -auf daß Sinfiötli, den er brennend liebte, frei sei. Da mußte sich die -Königin zufrieden geben, aber beim Leichenmahl für den erstochenen -Bruder reichte sie Sinfiötli im Trinkhorn vergifteten Met. Dreimal -weigerte sich Sinfiötli zu trinken, und Sigmund, dem keinerlei Gift -Schaden tat, trank ihm zu. Da trank auch Sinfiötli und stürzte tot zu -Boden. - -Aufheulte Sigmund vor Weh. Sein Weib verstieß er, und den Sohn, den -Gefährten aus wilden Wolfstagen, nahm er in die Arme und irrte durch -das Land, bis er zur Nachtzeit an einen breiten Strom kam. Dort fand -er einen Fergen warten, einen einäugigen Alten in blauem Mantel und -breitrandigem Hut. Der nahm die Heldenleiche in sein Schiff, aber dem -klagenden Vater wehrte er den Zutritt und führte das Schiff schnell -über den dunklen Strom. - -Lange starrte Sigmund in die Dunkelheit. Er wußte, daß es Wodan war, -der Wolsungen Ahn, der den Helden Sinfiötli der grausamen Hel entführte -und ihn nach Walhall an die Tafel der Einherier brachte. Da wurde sein -Gemüt fröhlich. Und so alt er war, er ritt aufs neue und ritt in des -Königs Eylimi Land, dessen Tochter _Hiördis_ die schönste aller Frauen -war, und warb um ihre Hand. Mit ihm aber warb auch der König Lyngi, ein -Hundingssohn. Die schöne Hiördis wählte nicht lange, sie wählte den -Ruhmgekrönten trotz seines Alters und wurde König Sigmunds Eheweib. - -Wutbebend sammelte Lyngi, der Hundingssohn, ein Heer und überfiel -Sigmund in seinen Landen. Der ließ schleunigst Weib und kostbarste -Habe in den Wald schaffen und drang an der Spitze seiner Mannen der -Übermacht entgegen. Silberweiß flog ihm das Haar im Wind. Aber sein -Arm schwang das Wodansschwert Gram, und wo der König Sigmund den -Seinen voranschritt, da bahnte er eine blutige Gasse, und immer weiter -watete der Wolsung, alles niederschmetternd, durch das Blut. Schon war -der Sieg sein, da trat ihm ein alter Kämpe entgegen, einäugig, in -breitrandigem Hut und blauem Mantel. Der fällte den Speer gegen ihn, -und König Sigmunds Schwert zersprang an dem Speer in Stücke. Mit allen -seinen Helden wurde Sigmund im Kampfe erschlagen. Wodan selbst hatte -ihn nach Walhall entboten. - -Ein Kind Sigmunds trug Hiördis unter dem Herzen. Als es zur Welt kam, -war es ein goldblonder Knabe von schlankem Wuchs, und sie nannte ihn -_Sigurd_. Noch war Sigurd ein Knabe, als er ein Roß verlangte, das -er sich unter den Hengsten aus der Weide wählen durfte. Ein alter -Mann kam über die Weide, einäugig, in blauem Mantel und breitrandigem -Hut. Der trieb die Rosse in den vorüberrauschenden Strom, aber nur -ein junger Grauhengst schwamm quer hindurch, die anderen schwammen -das Ufer entlang. »Den nimm,« riet der Einäugige. »Er stammt von -Sleipnir, dem Hengste Wodans.« Da nahm ihn Sigurd und nannte ihn nach -seiner grauen Farbe Grani. Auch ein Schwert forderte er, und als sein -kräftiger Arm jede Klinge am Amboß zerschlug, gab ihm die Mutter die -Stücke des Wodanschwertes Gram, das Erbe seines Vaters Sigmund, und ein -kunstreicher Zwerg schmiedete ihm daraus aufs neue eine unbesiegbare -Waffe. Dann rüstete Sigurd Drachenschiffe und fuhr mit einer Schar -auserwählter Männer ins Reich der Hundingssöhne, als echter Wolsung -zuerst Blutrache zu nehmen für den erschlagenen Vater Sigmund. - -Stürmisch war die See und gefahrvoll die Fahrt. Aber da war der alte -Einäugige wieder, der sprang in Sigurds Schiff und steuerte es sicher -durch den Wogenbraus und lehrte den feurigen Jüngling auf dem Wege -tiefe Geheimnisse der Kriegskunst. Kaum, daß Sigurd erwarten konnte, an -Land zu gelangen. - -König Lyngi, der Hunding, zog dem Wolsung entgegen. Eine mörderische -Schlacht hob an, bis Sigurd, alles niedermähend, zum Banner König -Lyngis drang und im furchtbaren Zweikampf mit seinem Schwerte Gram den -Hunding vom Wirbel bis zum Sitz in zwei Teile spaltete. - -Allein zog er weiter auf Abenteuer und erlegte auf ragendem Rheinfelsen -den Drachen Fafnir, den Hüter der Schätze, die einst die drei -wandernden Götter Wodan, Hönir und Loki einem Riesen als Buße für den -irrig erschlagenen Sohn geleistet hatten, und er aß das Drachenherz und -trank das Drachenblut und verstand mit einem Male die Stimme der Vögel, -die von der allerschönsten Maid sangen, von Brynhild, der Wunschmaid -in der wabernden Lohe. Wie lachte da Sigurds Jünglingsherz. - -Auf seinem Hengste Grani, das gute Schwert Gram an der Seite, ritt er -durchs Land, bis er den Feuerschein gewahrte, und sprengte furchtlos -durch die Flammen, die über seinem Haupte zusammenschlugen, und -gelangte zu der schönen Schlafenden, die er erschauernd auf den Mund -küßte. »Sigurd bin ich, der Wolsung! Wach auf, Brynhild, und werde mein -Weib!« - -Mit staunenden Augen richtete sich Brynhild empor. - -»Ein Furchtloser ist gekommen, ein Furchtloser! Allvater sei Dank für -meine Erlösung!« - -Und sie legte dem liebeglühenden Jüngling beide Arme um den Hals und -erzählte ihm von ihrer Herkunft und ihrem langen Harren, und sie -tauschten heiße Schwüre und verlobten sich einander. - -Noch einmal wollte er vor der Hochzeit in die Welt, Heldenruhm -heimzubringen, und er kam auf seiner Fahrt zu König Gibich, der drei -Söhne besaß und eine Tochter. Die Königin aber wünschte sich den -herrlichen Helden zum Eidam, denn seine Kraft erschien ihr gefährlich -für das Reich und sein reiches Goldgut angenehm für des Hauses Schatz. -Einen Vergessenheitstrunk gab sie Sigurd zu trinken, also, daß er -Brynhild vergaß und die Gibichentochter zum Weibe nahm. Als dann der -alte König Gibich gestorben war, wünschte der junge König die schöne -und reiche Brynhild zu freien, und Sigurd, der nichts mehr wußte von -seinem einst beschworenen Verlöbnis, ließ sich bereden und tauschte mit -dem König die Gestalt und gewann ihm Brynhild. Das tat er zu seinem -Verderben. - -Die stolze Wunschtochter Wodans, das Weib des Gibichensohns, kam hinter -den Betrug. Denn ihr Gatte war lässig, und Sigurd erfüllte die Lande -mit seinen Heldentaten. Ein Streit brach aus zwischen der Stolzen und -Sigurds Weib, und Brynhild, die verhöhnte, beschloß Sigurds Tod. Da -ging sie hin und warb einen Getreuen. Und der Getreue fragte nicht -viel und nahm einen Speer und stieß ihn Sigurd, der Brynhild vergessen -hatte, in den Rücken. - -Die stolze Schildmaid aber hatte Sigurds nicht vergessen. Als der -Holzstoß lohte, der des Helden Leiche trug, warf sie sich zu Sigurd -in die Flammen, barg sein Haupt an ihrer Brust und starb, ihren -furchtlosen Erwecker in den Armen. -- - -Hochgefeiert saßen die Wolsungen, die Helden vom Rhein, saßen Wolsung -und König Sigmund, saßen Helgi, der Hundingstöter, Sinfiötli und -Sigurd Drachentöter unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die -Nordmänner Odin nannten. - - * * * * * - -Da saß der Dänenkönig _Harald Hildetand_, das ist »Eberzahn«. Blutjung -war er mit seinen Drachenschiffen ausgefahren, um sich in Dänemark, -seines Vaters Landen, die Krone aufs Haupt setzen zu lassen, als ein -wütender Seesturm ihn überfiel und seine Krieger verzagten. Harald -Hildetand verlor den Mut nicht einen Pulsschlag lang. Laut rief er -Wodan an und weihte sich ihm und sein ganzes Heer, wenn Walvater einst -sein irdisch Werk für abgeschlossen erachte. Und als er aufblickte -- -siehe da stand ein einäugiger Alter in Wetterhut und Wettermantel am -Steuer, und das Schiff flog wie ein Falke über das Meer und in den -dänischen Hafen. - -Gekrönt war Harald, der Eberzahn, von den glücklichen Dänen. Hildetand, -Eberzahn, nannten sie ihn, weil ihm zwei schimmernde Schneidezähne -wie Eberzähne wuchsen. Aber die Schweden, die das Land widerrechtlich -in ihrem Besitz gehalten hatten, wollten es nicht leichten Kaufes -aufgeben, sondern zogen ein so übermächtiges Heer zusammen, daß der -Dänenschar graute. Wieder rief der junge König Wodan an und weihte ihm -sein Leben aufs neue. Und aus der Reihe der Krieger trat der Einäugige -im blauen Mantel und trat heimlich belehrend zu Harald Hildetand und -stellte das Kriegsvolk keilförmig auf in Gestalt eines Eberrüssels. Den -Schild warf der junge Held hinweg, packte in jede Hand ein Schwert, -sprang an die Spitze des Keiles und ließ die Hörner blasen. Und der -Keil drang in das Schwedenheer und dehnte sich und sprengte es in -Fetzen auseinander. Und vorn an der Spitze schritt Harald Hildetand -und schnitt mit seinen Schwertern wie mit Sensen nach links und rechts -die Garben und weihte die Haufen der Toten Wodan. Das war für Walvater -willkommene Beute. - -Hundert Kriegszüge und Wikingsfahrten unternahm Harald Hildetand Wodan -zu Ehren, und fünfzig Jahre der Regierung schenkte ihm Allvater. -Dann aber wünschte er den Helden zu holen. Er nahm die Gestalt von -Harald Hildetands vertrautestem Manne an, dem Ratgeber Brugi, der mit -einer Geheimbotschaft zu Haralds Neffen Sigurd Ring gefahren und auf -der Reise ertrunken war. Harald Hildetand selbst hatte den tapferen -Neffen zum König über Schweden eingesetzt. Als Brugi kehrte Wodan nach -Dänemark zurück und säete Feindschaft zwischen Harald Hildetand und -Sigurd Ring, die nur das Schwert lösen konnte. Sieben Jahre rüsteten -Schweden und Dänen zum Entscheidungskampf, so groß war der Haß -geworden und der glühende Wille, den anderen für immer zu vernichten. -Und nach sieben Jahren trafen sich die Heere aus dem Brawallafeld in -schwedischen Südlanden. - -Blind war König Harald Hildetand geworden von der Zahl der Jahre und -ein Greis. Kein Roß vermochte er mehr zu besteigen. Aber auf einen -Schlachtwagen ließ er sich heben und hob das Schwert. »Vorwärts, ihr -Dänen! Vorwärts mit Wodan!« Da rannten seine Dänen an. - -»Ich höre ihr Jauchzen nicht mehr,« murmelte der blinde Greis nach -einer Weile. »Wie kämpft der Feind?« - -Und Brugi, der neben ihm hielt, erwiderte lachend: »Er kämpft in der -Keilform des Eberrüssels!« - -Harald Hildetand fuhr zusammen. Nur ihm und Wodan war dies Geheimnis -der Schlachtordnung bekannt. Der da zu ihm sprach, war nicht Brugi, -es war Wodan selber. Wodan rief ihn. Und er hob das blinde Haupt und -machte sich ruhig zum Sterben bereit. - -Der Friese Ubbi jedoch, Harald Hildetands treuster und tapferster Held, -wollte nichts vom geruhigen Sterben wissen. Wie ein Berserker warf -er sich mit seiner mächtigen Streitaxt in den schwedischen Keil und -zerspaltete die Schädel und Rückenwirbel, als spalte er Eichenklötze. -Dreimal schlug er hin und zurück eine dampfende Bahn aus Blut, Gehirn -und Knochen und jauchzte Harald Hildetand »Heil!«, wenn er zurückkam. -Zu Dutzenden ließen die Schwedenhäuptlinge ihr Leben, schon wandten -sich Heeresteile zur Flucht. Da befahl Sigurd Ring seinen sämtlichen -Bogenschützen, nur auf den Friesen zu zielen, und von den Pfeilen -gefiedert wie ein Aar stürzte Ubbi, der getreueste Mann, zusammen und -hauchte seine Seele aus. - -Harald Hildetand vernahm die Botschaft. Hochaufgerichtet gab er seinen -Wagenrossen die Zügel frei, daß sie ihn mitten in die Feinde führten. -Blinden Auges mähte er, wie als Jüngling in jeder Hand ein Schwert, -nach links und nach rechts in die Feindeshaufen. Da sprang Wodan in -Brugis Gestalt auf den Wagen und zerschmetterte mit einem Streitkolben -Harald Hildetands Haupt. Keine fremde Hand sollte die Silberlocken -seines Schützlings berühren. »Dank dir, Wodan,« lächelte sterbend der -König. - -Hochgefeiert saß König Harald Hildetand, der Däne, unter den Einheriern -an der Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. - - * * * * * - -Da saß auch ein anderer Dänenkönig, _Hrolf Kraki_. Der hatte, als er -erst zwölf Jahre zählte, die Größe und Kraft eines erwachsenen Mannes -und wurde darum Kraki, die »Stange«, zubenannt. In heißer Jugendlust -schwur er mit zwölf seiner tapfersten Recken zu Wodan, daß sie jeden -Kampf gemeinsam bestehen und nur zusammen sterben wollten. Das hörte -Walvater gern, denn er gedachte seiner Einherier. - -Da wurde Hrolf Krakis Name berühmt in allen Meeren, die er auf -Wikingsfahrten durchzog, und in allen Landen, die er eroberte und sich -zinspflichtig machte. Er war ein Held nach Wodans Sinn. - -Einmal aber war's, daß er nach Upsala in Schweden zog, eine alte Buße -einzufordern für den Vater, den die Schweden dort einst erschlagen -hatten. Sein Heer litt Hunger und Durst, und nirgend war Herberge. -Plötzlich stand ein Gehöft vor ihnen, und ein Bauer, Hrani geheißen, -lud sie zu sich ein. Aber als die Hungernden und Durstenden sich -gelagert hatten, entzog ihnen der Bauer Speise, Trank und Herdfeuer -und beriet den König, nur die mit sich zu führen, die diese Probe ohne -Murren bestanden hätten. Da waren es nur die zwölf Eidgesellen, und -Hrolf Kraki ritt mit seinen Zwölfen weiter an des Schwedenkönigs Hof, -der sie in ihrer Herberge ohne Brot und Wasser einmauern ließ und -nach qualvollen Tagen Feuer an das Gebäude legen ließ. Hrolf Kraki und -seine zwölf Gesellen besannen sich nicht lang. Sie warfen sich mit der -Wucht ihrer Körper, als wäre es nur ein einziger Körper, gegen die -Wand, daß die Mauer zusammenbrach und sie ins Feuer, aber auch ins -Freie stürzten. Ein furchtbares Blutbad richteten die Wilden unter den -Schweden an und kehrten, mit Schätzen beladen, zum Gehöft des Bauern -Hrani zurück. - -Hrani blickte sie strahlend an. Und er holte ein altes Gewaffe hervor, -ein Schwert, einen Schild und eine Brünne, und bot alles dem König -Hrolf Kraki als Gastgeschenk. Aber der Übermütige wies das uralte -Gewaffe lachend zurück. - -»Unweise bist du,« zürnte der Bauer, »du wirst es zu spät erkennen,« -und er kündigte ihnen die Herberge auf. - -Als König Hrolf mit seinen zwölf Gesellen nun durch die dunkle Nacht -ritt, erkannte sein Geist, daß der Bauer Hrani Wodan selbst gewesen -war, der ihm mit geweihten Waffen ein langes Leben verleihen wollte, -und er wandte sein Roß und sprengte zurück. Wie er aber auch suchte, -Gehöft und Bauer blieben verschwunden. Nun wollte Wodan sein Leben -früher als bisher. - -In Dänemark saß Hrolf Kraki und regierte ohne Krieg. Da gedachte seiner -Schwester Mann, es sei an der Zeit, die Krone zu stehlen, und er kam -mit einem unabsehbaren Gefolge und lud sich bei ihm freundlich zu Gast. -In der Nacht aber ließ er alles Lebendige in der Burg niedermetzeln, -und nur den zwölf Eidgesellen gelang es, sich zur Schlafkammer ihres -Königs durchzuschlagen. Noch einmal tranken sie wie in Jugendtagen aus -demselben Horn sich zu und erneuerten den alten Schwur. Dann warfen sie -sich singend auf den Feind, erschlugen die Hälfte und sanken erst zu -Tode, als keine heile Stelle mehr an ihrem Körper war. - -Trunken lehnte der Verräter auf König Hrolf Krakis Thron. »Ist noch ein -Mann übrig von meines Schwähers Gesindel?« Und die Tür öffnete sich, -und ein alter einäugiger Kämpe trat herein. Der sprach: »Hier ist noch -einer,« und stieß ihm das Schwert durch den Hals. -- - -Hochgefeiert saß der Dänenkönig Hrolf Kraki unter den Einheriern an der -Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. -- - - * * * * * - -Da saß auch ein Schwedenheld, König _Beowulf_. Abenteuerlustig und -furchtlos war er gewesen, wie kaum ein anderer. Dem Stamm der Wägmunde -gehörte er an, die ihren Stammbaum bis auf die Götter führten. Und eine -Tat, der Götter würdig, hatte er getan. - -Von dem scheußlichen Meerriesen _Grendel_ ging zu jener Zeit erneut -Gerücht durch alle Lande. Der Dänenkönig Hrodgar hatte nahe dem Meere -eine herrliche Halle aufführen lassen für Helden und Sänger, und -Lachen und Lebensfreude scholl weit über die Wasser. Da tappte bei -Nacht aus den Nebeln der Meere lüstern der Meerriese Grendel hervor, -und das Ungeheuer würgte dreißig der sorglos schlafenden Helden und -schleppte die Leichen in sein Versteck. Nacht für Nacht schlich er auf -Nebelschuhen in den Saal, kein Stahl ritzte seine Haut, kein Männerherz -konnte ihm widerstehen. Verödet lag die herrliche Halle bald, und wer -sie betrat, der wurde bei Nacht erwürgt und ausgesogen. Laut jammerte -das dänische Volk und rief nach dem Retter. - -Das hörte der starke Beowulf in Schweden, der nichts von Gruseln -kannte und nur das Zupacken, wie es der Donnerer liebte. Als halber -Knabe noch hatte er fünf Tage und Nächte ohne Unterbrechung schwimmend -im Meere zugebracht, um Abenteuer zu bestehen, auf dem Meeresgrunde -Wasserungetüme erlegt und von den nadelspitzen Klippen neun -Wassermänner heruntergestochen, bis ihn eine Woge glücklich wieder ans -Land geworfen hatte. Nun zog Beowulf in seiner stärksten Manneskraft -aus, den scheusäligen Unhold Grendel zu bekämpfen, und er nahm vierzehn -unerschrockene Männer mit sich. - -Da des Meerriesen Haut kein Stahl durchdrang, so beschloß der kühne -Schwede, ihm waffenlos und nur mit den bloßen Fäusten zu begegnen. -Seine Gefährten schliefen in der Halle, die der Dänenkönig Hrodgar mit -allen seinen Helden und Höflingen am Abend verlassen hatte. Beowulf lag -zwischen den Seinen mit wachen Augen. Dunkle Nebel stiegen vom Moor -und Sumpf und schlichen wie Pesthauch ins Gemach. Das war Grendels -Atem. Jetzt tappte er selbst heran, zerbrach den Türriegel, schlürfte -in den Saal, ergriff den ersten der Schlafenden, riß ihn in Stücke -und sog das Blut aus. Jetzt griff er mit der Krallenhand nach dem -zweiten. Der zweite war Beowulf. Blitzschnell packte Beowulf zu und -packte so furchtbar stark, daß er dem Ungetüm alle Finger der Hand -zerbrach. Brüllend wollte der Meerriese fliehen, aber Beowulf hielt -fest. Aus dem Saale wollte Grendel, aber Beowulf stemmte den Fuß -gegen die Mauer und hielt des Riesen Handgelenk in seinen Fäusten -wie in einem Schraubstock. Da rissen des Riesen Achselsehnen von der -übergewaltigen Anstrengung, der Arm riß in der Wurzel aus und blieb mit -der Riesenfaust in Beowulfs Händen. Der nagelte die Faust unter dem -Jubel der erwachten Gefährten an die Saaldecke, während der Riese, der -sich hastig verbluten mußte, durch den Nebel taumelte und schwand. - -Ein großes Gelage gaben die fröhlichen Dänen dem siegreichen Kämpen -und füllten ihm und seinen Gefährten die Schilde mit Gold. Die Nacht -über blieben alle und dachten nicht mehr an die Furcht, als sie sich -auf die Polster streckten. Aber da tappte im Nebel Grendels Mutter -einher, ein wölfisches Ungeheuer. Mit stickigem Atem kam sie, den Tod -des Sohnes zu rächen, und ergriff und zermalmte einen der dänischen -Edelinge. Vom wilden Waffenlärm erschreckt, entfloh die Mörderin in -ihren Unterschlupf. - -Beowulf verfolgte ihre Spur. Immer unheimlicher wurde der Weg, immer -schauriger der Wald, immer sumpfiger der schwankende Boden, den das -Meer unterhöhlte. Feuerflammen tanzten auf den Fluten, ekelhaft Gewürm -spreizte sich auf den Klippen, Riesenkrebse und boshafte Nixe. Hier war -der Eingang zu Grendels Behausung, und Beowulf tauchte ohne Zögern -in die Schrecken der See. Sofort fiel ihn mit Scheeren und Zangen das -Wassergetier an, aber seine gute Brünne widerstand, und er tauchte -tiefer zu Grund. Jetzt packte ihn die Wölfin, Grendels Mutter, bei den -Beinen und schleifte ihn in eine wasserleere Grotte. Aufsprang der -Held und warf sich mit Macht auf das geifernde Wolfsweib. Aber seine -Kräfte ließen nach, und schon schien es, als müsse er der rasenden -Unholdin erliegen. Ein Riesenschwert erblickte er an der Wand. Er riß -es herunter und stach nach der Wölfin. Die scharfe Spitze ritzte nicht -ihre Haut. Da überkam ihn der Berserkerzorn, und er packte das Schwert -bei der Klinge und holte aus und zerschmetterte mit dem Knauf der -wölfischen Riesin das Rückgrat, daß sie winselnd verendete. Und nun -gewahrte er auch den Körper des toten Grendel und schnitt ihm den Kopf -ab und stieg nach mühseligem Suchen und Wandern vom Meeresgrund auf zu -den stürmisch jubelnden Gefährten. - -Heimgekehrt nach Schweden, verübte er als hochsinniger König viele -Heldentaten bis in sein Alter, und die letzte war, daß er, der Greis, -einen menschenmordenden Drachen erlegte, den die Jünglinge und Männer -flohen. Den überreichen Hort schenkte er den Schweden als letzte -Königsgabe. Er selbst aber verschied an den Wunden des Kampfes und -wurde zu Hronesnäß auf dem Holzstoß verbrannt, während aller Augen -weinten. Über seiner Asche ward ein gewaltiger Hügel getürmt, und als -Beowulfs Burg blickte das Heldenmal über die See, allen Wikingen ein -ehrfürchtig Zeichen. -- - -Hochgefeiert saß der Schwedenkönig Beowulf unter den Einheriern an der -Tafel Wodans, den die Nordmänner Odin nannten. -- - - * * * * * - -Da saßen auch die Norwegerkönige _Harald Harfagar_, das ist Harald -Schönhaar, und _Erik Blutaxt_ und _Hakon der Gute_, die Haraldssöhne. -In einem Meer von Blut hatte Harald Harfagar den Übermut der -norwegischen Großen erstickt und mit fester Faust ein norwegisches -Reich unter seinem Zepter errichtet. In einem Meer von Blut hatte des -Schönhaars Sohn, Erik Blutaxt, gewatet, bis er aus dem Lande weichen -mußte und auf wilder Wikingsfahrt in England ein neues Reich gewann. In -neuem Kampf gegen Englands König fiel er und nahm fünf Könige mit in -den Tod und tausende von Mannen. Wodan selbst befahl, ihn festlich zu -empfangen, Bragi, der Dichtergott, griff begeistert in die Saiten, und -König Sigmund vom Rhein erhob sich mit Sinfiötli, seinem Sohn, Erik -Blutaxt entgegenzugehen. - -»Nur eins sage mir, Wodan,« bat König Sigmund, »weshalb nahmst du dem -blutigen Erik den Sieg, da er dich doch der kühnste der Könige dünkt?« - -Da sprach Wodan und sah ihm fest in die Augen: »Weil es ungewiß ist, -wann der graue Wolf zum Sitze der Götter kommt.« - -Und Sigmund wußte, daß Allvater vom heulenden Fenriswolf und vom -letzten Kampfe gesprochen hatte und schritt mit Sinfiötli zum Tor und -bewillkommnete jubelnd Erik Blutaxt und die fünf Könige, die ihm folgen -mußten, und den Heerbann der Helden. - -Und wieder stand Wodan aufhorchend in Walhall und wies Bragi an, den -Dichtergott, und Hermod, den Götterboten, vors Tor zu schreiten und den -Haraldssohn Hakon festlich zu empfangen. Abgeirrt von den alten Göttern -war Hakon, als er an seines Bruders Erik Statt das Zepter von Norwegen -ergriff, aber heimgefunden hatte er vor der letzten Schlacht zu dem -Glauben an Wodan. Darum wollte ihn Allvater besonders ehren. Seine -Walküren sandte er auf die rauchende Walstatt, auf der König Hakon mit -den Erikssöhnen rang, die aus England heimgekehrt waren, und alles -Volk kämpfte für seinen König, den es um seiner Guttaten willen liebte. - -König Hakon rief zu Wodan und hörte die Walküren rauschen. Und er hörte -ihr Jauchzen: »Nun wächst der Götter Glück, weil die Waltenden Hakon -mit einem großen Heere zu sich heim entboten.« - -Siegreich blieb König Hakon in der Schlacht, aber von Wunden bedeckt, -lag er auf dem Schilde. Freunde und Feinde umdrängten den Sterbenden, -um noch einen Blick aus seinen Augen zu erhaschen, der der beste König -war in Norwegen, und kein besserer war nach ihm. - -Blutbespritzt stand der König mit seinen Mannen an der Pforte Walhalls, -von Hermod geleitet, von Bragi mit Heldenliedern begrüßt. - -»Helme und Brünnen wollen wir anbehalten und das Schwert nicht von uns -tun,« sprach der König zu Wodan. »Es ist gut, bereit zu sein.« Und -Wodan nickte, denn er kannte die Nähe der Stunde. - -Hochgefeiert saßen Norwegens Könige, Harald Harfagar, Erik Blutaxt -und Hakon der Gute, unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die -Nordmänner Odin nannten. -- - - * * * * * - -Noch einer aber saß unter dem Hunderttausend. Der war aus Westfalenland -und hieß _Hermann, der Cherusker_. In Germanien war er aufgestanden, -als es keinen Mann gab, die deutschen Gaue von der alles erdrosselnden -Römerherrschaft zu befreien. Er, der Einzige, rief die hadernden -Stämme zusammen und rief den Mannesmut und den Heldenzorn an in den -erloschenen Gemütern. Er, der Einzige, zeigte den verzagten Deutschen, -was Schwerter wert sind in der Hand von Männern, denen die Ehre lieber -ist als das Leben. Und sie ballten sich zusammen und erschlugen im -Teutoburger Wald das römische Heer, mehr denn zwanzigtausend Mann. Der -Befreier des Vaterlandes wurde der Cheruskerfürst und ward zum Dank von -Neidlingen erdolcht. -- - -Auf dem Ehrenplatz an der Einheriertafel in Walhall saß Hermann, der -Cherusker, und keinen liebte Wodan wie ihn. -- -- - - - - -Um Baldur. - - -»Gut ist's, bereit zu sein.« - -Am Tische der Einherier war das Wort gefallen. Wodan wußte es lange. -Und er wußte die Vorzeichen, die das Nahen der Stunde kündigten. Wenn -das volle Licht getötet wird von der blinden Nacht, wenn der sonnenlose -Winter die Lichtzeiten Frühling und Sommer vernichtet haben wird. - -Noch lebte der Gott des lachenden Frühlings und der Sommerhöhe, noch -lebte Baldur, der fleckenlose. Auf seiner himmlischen Burg Breidablick, -dem Breitglanz des Himmels, lebte er mit seinem süßen Weibe Nanna, -die da war wie eine Blume zwischen Blüte und Frucht, und das Glück -der Wärme ging von ihm aus. Alle liebten sie ihn, die Götter wie die -Menschen, und selbst die Riesen der Eisländer waren ihm zugetan, da -auch sie seines Lichtes und seiner Wärme bedurften. Lebensfröhlichkeit -war, wo Baldur erschien, selige Hoffnung, Liebe zur Arbeit, Glaube an -eine höhere Welt. Die Menschen hoben die Häupter, blickten lächelnd in -das Licht und ließen ihren Arbeitsgeist bestrahlen zu höheren Dingen. -Da wuchs aus dem Werktag der Feiertag und aus dem Feiertag wuchsen die -Künste, die wiederum den Werktag veredelten, und Baldur war es, der -allen Empfindungen des Geistes und der Seele zur höheren Weihe verhalf. - -Solange Baldur lebte, wuchs die Welt und in der Welt die Gesittung. - -Nun war es seit etlicher Zeit, daß Baldur am Tage schwermütig -dahinschritt und in der Nacht von beängstigenden Träumen zerquält -wurde. Schnell merkten es die Götter, denn das glückliche Lachen tönte -nicht mehr von Breidablick über Asgards Fluren hin, bald merkten es -auch die Menschen, denn der Frühling kam karg und der Sommer ohne -Freude, und selbst die Riesen spähten unruhig nach dem bißchen Licht -und Wärme ihres Himmels aus. Trübsinn zog in die Gemüter der Asen, und -sie erforschten den traurigen Baldur, bis er ihnen alle seine Träume -und Gedanken offenbarte. - -Frigg, die stillsorgende Himmelsmutter und Mutter Baldurs, faßte sich -zuerst. Ihr Sohn war in Gefahr. Also galt es, nicht zu beratschlagen, -wie die Männer taten, sondern zu handeln. Und sie machte sich auf -und ging zu allem, was da lebte und webte, wuchs und beharrte, zu -Menschen und Riesen und Alben, zu Feuer und Wasser und Erde, zu Erzen -und Steinen, Pflanzen und Giften und zu sämtlichem Getier, und alles -nahm sie in feierlichen Eid, dem Leib und Leben Baldurs nimmermehr -zu schaden. Da war große Freude, als die stillsorgende Himmelsmutter -wiederkehrte und in Asgard Baldurs Unverletzlichkeit verkünden konnte. -Wie die Kinder wurden die Götter in ihrer Ausgelassenheit, und sie -trieben Spiele und Scherze mit Baldur, um den Zauber zu erproben. Nur -Loki stand mißgünstig zur Seite, wenn die Götter mit Geren und Pfeilen -auf Baldur schossen, mit Schwertern und Steinen nach ihm zielten, ohne -dem leuchtenden Gott auch nur das geringste Leid antun zu können. Denn -Loki empfand, daß seine neidische Seele nur noch tiefer in den Schatten -sinke vor Baldurs sonnenreiner Klarheit. - -Allvater Wodan aber schritt sinnend aus dem Kreise der Fröhlichen und -sattelte seinen Hengst Sleipnir. Denn er vermochte nicht freier zu -atmen trotz der Eide, die Frigg, seine Gemahlin, genommen hatte, weil -er die Zukunft kannte und wußte, daß sich das Schicksal nicht betrügen -ließe. Nur eine Gegenprobe zu dem eigenen Wissen wollte er machen und -in die finstere Hel, das Reich der Todesgöttin, reiten. - -»Wir reiten zur _Wolwa_, der Weissagerin, die jenseit der Hel im Grabe -ruht,« sprach er zu seinem Rosse, und Sleipnir schoß wie ein Vogel -hinab gen Niflheim. Geifernd bellte der blutige Hund der Hel, doch -Wodan achtete seiner nicht und ritt durch die dunklen Schrecknisse, bis -er am Rande des Totenreichs das Grab der Wolwa fand. Hier saß er ab und -sang der Hexe den Leichenzauber, bis sie sich widerwillig erhob. - -»Tot war ich lange. Was willst du von mir?« - -»Antwort will ich, für wen im Hause der Hel die Bänke mit glitzernden -Brünnen, und mit Gold die Dielen belegt sind!« - -»Für Baldur geschah's. Auf ihn wartet das Methorn der Hel. Laß mich -schweigen.« - -»Noch schweigst du nicht. Wissen will ich, wer es ist, der Baldurs Blut -vergießen wird.« - -»Hödur heißt er. Nun begehr ich zu schweigen.« - -»Noch schweigst du nicht. Wissen will ich, wer die Blutrache nimmt für -die ruchlose Tat.« - -»Ried wird Wodan den Wali gebären. Eine Nacht nur alt, zieht er aus in -den Kampf. Das Haupt nicht kämmt er, die Hände nicht wäscht er, bis -Baldurs Mörder im Blute liegt. Nicht gerne sprach ich, begehr nun zu -schweigen.« - -Erschauernd hatte die Wolwa Wodan erkannt, den alten Schöpfer der Welt. - -»Kein anderer Mann soll wieder mich wecken, bis von den Fesseln Loki -sich löst und die Feinde kommen zum Sturze der Götter!« rief sie mit -letzter Kraft und sank in das Grab zurück. -- - -Wodan ritt heim. Er hatte die Probe auf sein Wissen gemacht, und sein -Wissen war Wahrheit. - -Immer noch trieben die Götter auf Asgards Wiesen mit Baldur die -fröhlichen Kampfspiele. Immer noch ging Loki neidverzehrt umher. Eine -neue Arglist sann er aus, und er humpelte in Gestalt einer alten -Dienerin zu Frigg, der stillsorgenden Himmelsmutter, und plauderte mit -ihr. - -»Welch ein Wunder ist es mit Baldur, unserm Liebling. Nichts und nichts -auf der Welt vermag ihm zu schaden.« - -»Ich nahm alle Dinge in Eid, wie Mütter tun,« erwiderte freundlich -Frigg und zählte sie alle her, bei denen sie gewesen war. - -»Vergaßest du auch nichts? Hast du auch nichts übersehen?« - -»Nichts übersah ich. Nur die Mistel ließ ich aus, die in den Bäumen -wuchert. Kaum hat sie das eigene Leben.« - -Loki aber begab sich alsbald in den Wald und fand die unscheinbare -Mistel, die nur im Winter blüht, und schnitt sie ab und fertigte aus -der Ranke einen dünnen, scharfen Ger. Und er kehrte zurück in den Kreis -der Götter, die lachend auf Baldur, den lichten Gott des Frühlings und -der Sommerhöhe, ihre Speere schossen, und traf auf den blinden Hödur, -den Gott der Nächte und des sonnenlosen Winters. - -»Weshalb bleibst du dem Spiele fern?« fragte der Arglistige. »Auf, -versuch deine Kunst.« - -»Ich bin blind,« klagte Hödur, »sehe das Ziel nicht und führe keine -Waffe.« - -Da drückte ihm Loki den Ger aus Mistelzweig in die Hand und lenkte -seinen Arm. Mächtig warf der blinde Hödur, pfeifend durchschnitt der -dünne scharfe Ger die Luft, durchbohrte Baldurs Leib und Leben. - -Entsetzen lähmte die Glieder der Götter. Kein Laut entrang sich ihrem -Munde. Tot war Baldur, und ein Mord war geschehen im Himmel. Und -plötzlich war ein wildes Weinen in ganz Asgard. - -An der heiligen Freistätte durften die Götter die Übeltäter nicht -greifen. Hastig entwich Loki, und Hödur stand wie versteinert. Frigg -aber, die Schmerzensmutter, wischte zuerst die Tränen vom Angesicht. - -»Zur bleichen Hel ist Baldur gefahren, mein liebster Sohn. Wer reitet -den Weg und bittet ihn los von der Hel gegen alles Lösegeld, das sie -verlangt? Wer fürchtet sich nicht und reitet um meiner Liebe willen?« - -Da trat Hermod vor, Wodans schneller Sohn, und das schnellste Roß wurde -gebracht, Sleipnir, Wodans achtfüßiger Hengst. Und Hermod schwang sich -in den Sattel und trat den Helritt an. - -Denn das verlangte die unerbittliche Gerechtigkeit, der auch die Götter -unterworfen waren, daß die Seele dessen, der in Asgard verschied, -zur Hel mußte. Wie wäre es sonst ein Sterben für die Asgardbewohner -gewesen, wenn sie in derselben Stunde des Todes in Walhall auferstanden -wären und wiederum unter Göttern und Helden gesessen hätten! Wer von -den Göttern fiel, schied aus. Er gehörte der Hel. So verlangte es die -ausgleichende Gerechtigkeit. - -»Blutrache«, war der Götter erster Gedanke, als sie zur Besinnung -kamen. Bei Göttern und Menschen, soweit es Männer waren, gab es kein -heiliger Wort. Und sie blickten einander in die Augen, wer sie üben -solle. - -»Mein ist die Rache,« sprach Allvater, »aus meinem Blute wird Baldur -gerächt werden. Euch aber brauch ich zu anderen Taten.« Und er ging hin -und fand die riesische Jungfrau _Ried_, die sich zu den Asen hielt, und -sie gebar ihm in selber Nacht einen Knaben, den Wodanssohn _Wali_. -In selbiger Nacht wuchs Wali zu seiner ganzen Manneskraft auf, und er -kämmte nicht sein Haar und wusch nicht seine Hände, bis er wichtigeres -vollbracht hatte, das Wichtigste, das dem Bruder ziemte. Hödur, -Baldurs Mörder, suchte er auf und traf den Unglücklichen am Rande der -Morgendämmerung und erwürgte ihn. -- - -Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. Er stob dahin, daß -aus den acht Hufen Sleipnirs Funkengarben sprangen wie wirres -Wetterleuchten. - -Die Asen aber trugen Baldurs Leiche ans Meer und betteten sie hoch oben -auf dem Holzstoß, den sie auf des toten Gottes Luftschiff Hringhorn -geschichtet hatten. Wodan kam mit seinen Raben und Wölfen, und Frigg -kam mit ihm und die Schar der Walküren. Mit seinem Bockgespann brauste -der Donnerer herbei, Freyer fuhr mit seinem goldborstigen Eber, dem -Geschenk der Zwerge, Heimdall, der getreue Himmelswächter, ritt seinen -schnellen Hengst, und die liebliche Freya lenkte ihr Katzengespann. Zu -Fuß, zu Roß und zu Wagen kamen die Götter und Göttinnen alle, und viel -trauerndes Volk der Riesen und Alben kam, das, obschon es im ständigen -Kampfe mit den Asen lag, den einzigen Baldur ausnahm aus aller -Feindschaft. Die Himmel weinten, die Erde erschauerte im Schmerz, und -ein wildes Klagen erschütterte die ganze Natur. - -Nanna aber, Baldurs geliebtes Weib, die in des Gottes leuchtender und -wärmender Liebe wie eine Blume gewesen war zwischen Blüte und Frucht, -vermochte ihr Leid nicht mehr zu fassen. »Baldur!« schrie sie auf, daß -der Schrei des Namens wie aller Klagen Klage durch die Welten lief, und -in diesem einen Schrei brach ihr das Herz. - -Da legten die Götter Nannas Blumenleiche auf den Holzstoß, und sie lag -zur Seite des Geliebten, dem Frühling und Sommer das Leben waren. - -Auf runden Hölzern ruhte das Schiff, um schnell in das Meer gerollt zu -werden. Aber von allen Opfergaben war es so schwer, daß es sich nicht -von der Stelle bewegte, denn auch Baldurs Sonnenroß, aufgezäumt in -seinem blitzenden Geschirr, war auf den Scheiterhaufen geführt worden -und Schätze über Schätze aus allen Landen. So sehr ward Baldur geliebt. - -Die Riesen rieten in der Not der Götter, die Stärkste der Starken, das -Riesenweib Hyrockin, holen zu lassen. Das Weib kam angesprengt auf -einem gewaltigen Wolf, dem sie statt eines Zaumes eine Natter durch -das Maul gezogen hatte, um den Göttern furchtbarer zu erscheinen. Und -um die Götter mit ihrer Kraft zu schrecken, stieß sie, während vier -Berserker ihren Wolf kaum auf dem Boden halten konnten, das Schiff mit -einem so unbändigen Ruck ins Wasser, daß die Holzrollen Feuer spien und -fast das ganze Schiff mit seiner heiligen Ladung vom unheiligen Feuer -verzehrt worden wäre. - -Blut trat dem Donnerer in die Augen. Er hob den Hammer, um die -Unverschämte zu zerschmettern. Aber die Götter fielen ihm in den Arm, -und die Riesen baten für ihr Leben, da ihr freies Geleit zugesichert -sei. Da ließ er sie laufen. - -Im Wasser schwamm das Schiff mit der teueren Last. Noch einmal nahm -Wodan Abschied von dem schönen Leib des Sohnes und legte ihm als letzte -Gabe den kostbaren Ring Draupnir auf den Holzstoß, den Tröpfler, das -Geschenk der Zwerge, dem jede neunte Nacht acht neue Ringe enttropften. -Dann trat der Donnerer an den Holzstoß und weihte die Götterleichen mit -dem Zeichen des Hammers. - -Alsbald entzündeten die Asen die Scheiter mit dem heiligen Feuer aus -Asgard, und das Schiff fuhr wie eine Fackel hinaus auf das dunkle Meer, -immer weiter und weiter, bis es in Flammen verging. - -Fröstelnd kehrten die Asen, fröstelnd kehrten die Riesen und Albe heim. -Wie in Todesfrost erschauerten die Menschen. - -Immer aber und immer noch kreiste Nannas Schrei um Baldur durch die -Welt und wollte nimmer vergehen. -- - -Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. Er stob dahin, daß -aus den acht Hufen Sleipnirs Funkengarben sprangen wie wirres -Wetterleuchten. Das war das einzige Licht, das ihm den Weg erleuchtete -durch die gräßliche Finsternis der Unterwelt. - -Am Abend des neunten Tages gelangte er an den Totenstrom Gioll, der -das Reich der Hel von allen anderen Reichen trennt, und die goldene -Giollbrücke krachte in allen Fugen, als Sleipnirs Hufe über die -Planken donnerten. Eine Jungfrau erschien, Modgud mit Namen, das ist -»Seelenkampf«, die warf sich dem Reiter entgegen. »Wer bist du, und was -suchst du Lebender im Reich der Toten?« - -»Ich bin Hermod, Wodans Sohn, und suche Baldur, meinen Bruder.« - -»Ich dachte es mir, daß du kein Gewöhnlicher bist,« entgegnete Modgud -besänftigt. »Fünf Haufen Toter ritten gestern über die Brücke, aber -die Hufe aller ihrer Rosse donnerten nicht so auf der Brücke, als die -deines einzigen.« - -»Sahst du auch Baldur reiten?« drängte der Ase sie. - -»Wohl sah ich Baldur. Er ritt zur Ehrenhalle der Hel, wo sie selber -thront.« Und sie wies ihm den Weg. - -Weiter sprengte Hermod den Helweg durch die Finsternis und gelangte an -ein haushohes Eisengitter, das die Wohnung der Hel umschloß. Siebenfach -verriegelt war die Pforte und sonst kein Eingang und Ausgang. - -»Sleipnir, es gilt!« hauchte Hermod dem Hengste ins Ohr und nahm ihn -zum Sprunge zurück. Und Wodans Jagdpferd setzte an und setzte im -Steilsprung über das Gitter und hielt wie aus Stein vor Hels Halle. -Dankbar klopfte ihm Hermod den Hals. Dann trat er ein. - -Den Asenmut nahm Hermod zusammen, als er das Bild, das dort sich ihm -bot, erblickte. - -Zur Hälfte schwarz, zur Hälfte fleischfarben, saß die grausige Hel mit -hängendem Kopf und klaffenden Kiefern auf ihrem Thron. Unerbittlich war -ihr Gesicht. Und um die Erbarmungslose geschart, saßen mit tottraurigen -Augen Könige und Helden, die den Strohtod gestorben waren an Krankheit -oder Altersschwäche, und nicht den Jubeltod im Schlachtenwetter, in -dem die Walküren zu Walhall entbieten. - -So still und traurig war es, daß man die Tropfen von den Steinwänden -fallen hörte in grauenhaft eintöniger Wiederkehr. - -Auf hohem Ehrensitz, die Bank mit goldenen Brünnen, den Boden -mit goldenen Fliesen belegt, saß traumverloren Baldur, von Nanna -umschlungen. Vor ihm stand der Metkrug, wie vor den Königen und Helden, -aber unberührt hatte ihn der Träumer gelassen. Des Gottes Geist träumte -in die Zukunft. - -Zu dem stillgewordenen Bruder trat Hermod und setzte sich zu ihm. Die -ganze Nacht sprach er zu ihm über das Weh der Welt und über die Wünsche -Friggs, den Sohn wiederkehren zu sehen zum Besten aller Wesen. Und -Baldur hörte ihm zu und spann seine Gedanken. - -Als der Tag anbrach, ging Hermod zum Throne der Hel. - -»Wisse,« sprach er zu ihr, »daß ich dir die Wünsche der mächtigen Asen -bringe, Baldur heimzusenden nach Asgard. Seit er schied, ist die Welt -von Schmerzen erschüttert und will nicht mehr leben. Was aber sind -die Götter, was bist auch du ohne die immer sich neugebärende Welt! -Verzichte auf dein Recht auf Baldur, und die Menschen werden dich -lieben, wie sie Baldur lieben.« - -»Deine Worte klingen gut,« antwortete die finstere Hel, »aber der -Bittende hat tausend Gründe, wo das Recht nur einen hat. Trotzdem: -ich will deine Gründe erproben. Wenn alle Wesen und Dinge der Welt -um Baldur als den geliebtesten und unersetzlichen weinen, so soll er -heimkehren in das Licht. Weigert ein Einziges Liebe und Tränen, so muß -er bleiben. Geh hin und künd es den Göttern.« - -Und Hermod ging und nahm fröhlichen Abschied von Baldur, und Baldur gab -ihm für Wodan den Ring Draupnir, den Tröpfler, zurück, da es im Reiche -der Hel kein Verwenden für ihn gäbe. Und Nanna gab von den reichen -Opfergaben, die ihren Holzstoß geschmückt hatten, Gewänder und Gewebe -für Frigg und Freya und die Göttinnen alle. Hochgemut ritt Hermod den -Helweg zurück, wußte er doch, daß alle Welt um Baldur weinte und weiter -weinen würde, um Baldur, den jeder lieben mußte. - -Wieder griff Sleipnir aus und donnerte den Helweg entlang. Und -Hermod sah die Scharen der Müden und Stillen des Weges ziehn, die -sich freuten, im Reiche der Hel die Ruhe zu finden, aber er sah -auch die Scharen der Meineidigen und Mörder, und der Landesverräter, -die schlimmer als Mörder und Meineidige sind, und sie durften nicht -über die Brücke des Totenstromes Gioll hinüberwandern und mußten mit -nackten Füßen durch das Flußbett waten, das mit hunderttausend scharfen -Schwerterspitzen gespickt war. Brünstige Giftschlangen lauerten in Hels -Reich auf die, die um eigenen Vorteils willen das Leben der Völker -vergiftet hatten. - -»Sleipnir, greif aus,« schmeichelte Hermod dem Hengst, und der Hengst -verstand und stob durch die Hel und das ganze, unendliche Niflheim -und gewann die Oberwelt und stürmte, die Wolkenrosse weit hinter sich -lassend, nach Asgard hinauf, wo die Götter harrten. - -Da herrschte Freude in allen Hallen, als Hels hoffnungsvoll klingender -Spruch offenbar wurde, und alsobald eilten die Boten durch Himmel und -Erde und Jotunheim und forderten die Tränen von den Lebendigen und von -allen leblosen Dingen. Und die Menschen weinten mit den Göttern, und -die Riesen weinten mit den Alben, von den Bäumen und Blumen tropften -die Tränen, und selbst die Steine weinten, da Baldurs Sommer ihre -Winternässe nicht mehr hinwegnahm. - -Loki saß in einer Höhle und fürchtete fiebernd für sein Neidlingswerk. -Er nahm die Gestalt eines Riesenweibes an und nannte sich Thock, als -die Boten der Asen bei ihm einkehrten, das ist: das Dunkel. - -Und die Boten sprachen: »Du bist das letzte Wesen, das wir fanden und -noch nicht baten. So bitten wir auch dich: Weine, weine um Baldurs, des -Vielgeliebten, Tod und Wiederkehr.« - -Die Riesin Thock wiegte kaum den Kopf. - -»Ich heiße das Dunkel und dämmere im Dunkel dahin. Was schiert mich -der lichte Baldur! Sein Leben hat so wenig Nutzen für mich wie sein -Sterben, und mein Auge hat keine Tränen. Hel behalte ihr Eigentum.« - -Sie verschwand in der Tiefe der Klüfte, und die Boten erkannten -entsetzt, daß es Loki gewesen war. - -Gebrochen kehrten sie heim durch die Tränenbäche der Welt, die umsonst -geflossen waren, und kündeten den Göttern das Geschehnis. In tiefem -Schweigen vernahmen es die Asen. Sie blickten auf Wodan, den Vater. Der -saß wie aus Stein, nur sein Einauge blitzte. Endlich erhob er sich. - -»Die als Götter gelebt haben, müssen auch als Götter zu sterben wissen. -Sprecht es weiter.« - -Und er hüllte sich in Mantel und Hut, um Mimirs stillen Quell -aufzusuchen. -- - -Ein Gastmahl bot Ägir, der Beherrscher der Meere, den Asen an, um sie -seiner Freundschaft zu versichern. Und sie gingen alle hin, die Götter -und Göttinnen, auf ein paar Stunden anderen Sinnes zu werden. Denn -Ägirs kristallene Halle war eine Freistatt, und Frevel war, sie durch -Streit zu entweihen. - -So saßen sie bei dem Meerbeherrscher und freuten sich des Mahles und -des Metes, und nur der Donnerer war abwesend. Plötzlich aber vernahmen -sie heftigen Wortwechsel und sahen Loki, der sich die unantastbare -Freistatt zu nutze machte und einzutreten begehrte. Als ihm der -Türhüter den Zutritt um des Friedens willen Diener wehrte, schlug ihn -der erboste Loki so hart, daß der treue entseelt zu Boden sank. - -In wilderwachtem Grimm sprangen die Asen auf und griffen zu den Waffen, -den Bösewicht unschädlich zu machen. Der aber berief sich höhnend -auf die Heiligkeit der Freistätte und erzwang sich seinen Platz an -der Tafel. Und während er frech zugriff und den Metkrug leerte wie -ein gerngesehener Gast, überschüttete er Götter und Göttinnen mit -Schmähreden, warf dem einen Ungerechtigkeit, Treulosigkeit, dem anderen -Feigheit, Gier, Geilheit den Dritten vor und zieh die Göttinnen der -Schamlosigkeit, der Unzucht und aller Weiberuntugenden von tausenden -von Jahren. Seine Lästerzunge lief wie ein Rad. Er wußte, daß er -verfemt war, und wollte darum Gift und Galle seiner verdorbenen Seele -über die früheren Bank- und Fahrtgenossen ausspritzen, bevor er auf -immer verschwinden mußte. Er schonte selbst die Himmelsmutter nicht und -nicht die goldhaarige Sif, als Sifs Gatte, der Donnerer, eintrat und -der Lästerzunge Einhalt gebot. - -»Du willst mir gebieten?« höhnte ihn Loki, »du, der sich im Däumling -eines Riesenhandschuhs verkroch?« - -Schweigend griff der Donnerer nach dem Hammer Mjolnir. Die Sprache -verstand der Verräter. - -»Zum letzten Male sitzt ihr bei Ägir zum Trunk! Das letzte Bier hat er -euch gebraut! Feuer soll bald diese Halle verzehren, wie euch Asen der -Wolf verschlingen wird und Muspels Feuer und meine Tochter, die Hel!« - -Kreischend schrie er seine Verwünschungen, und bevor die Götter einen -Gedanken zu fassen vermochten, stürzte er sich in Gestalt eines Lachses -ins Wasser und war verschwunden. - -Die Asen machten sich auf. - -»Der Tod wäre zu große Wohltat für solchen Bösewicht,« und sie kamen -überein, ihn zu fangen und so zu fesseln, daß sein Weiterleben eine -einzige Kette von Qualen bilden solle. - -Von seinem Hochsitz aus blickte Wodan forschend in die Welt. Und er -gewahrte Loki in einem Hause mitten in der Felsenwildnis sitzen, und -das Haus war über einen Sturzbach gebaut und trug Fenster in allen -vier Wänden. Beständig auf der Hut, lugte Loki rastlos nach allen -Himmelsrichtungen aus und flocht dabei ein Netz, um Fische ins Garn zu -locken. - -Jäh sprang er auf. Er hatte das Nahen der Asen erspäht. Und mit einem -Satz war er als Lachs in dem Sturzbach verschwunden. - -Da fanden die Asen das Netz und nahmen es und zogen es quer durch den -Sturzbach. Zweimal schnellte sich der Lachs über das Hindernis und -verschwand in der Tiefe. Beim dritten Male geriet er in das Netz und -hätte das Netz mit sich weggerissen, wenn nicht der Donnerer, der bis -zur Brust im Wasser stand, zugegriffen und den Lachs beim Schwanze -erwischt hätte. Da half kein Drehen und Winden, des starken Asen Faust -riß ihn aus dem Netz, das sich der Böse selber gefertigt hatte. - -Loki, der Verderber des Himmels und der Erden, lag vor den Göttern. - -Das Urteil war bald gefällt. In der Felsenwildnis, in die er sich -begeben hatte, schmiedete man ihn an, den nackten Rücken auf den -messerscharfen Felsenkanten, ihn, der vom Gott zum Unhold gesunken -war. Sein verzerrtes Antlitz richtete man nach oben, daß er es nicht -nach rechts, nicht nach links zu wenden vermochte, und befestigte -über seinem Gesicht eine ekele Schlange, die ihm unaufhörlich die -Gifttropfen ihres Schlundes wie brennendes Feuer ins Gesicht fallen -ließ. Verlassen und verloren sollte er liegen und Qualen leiden bis an -der Welt Ende. - -Die rächenden Götter waren heimgekehrt. Schaurig lag die Felseneinöde, -durchgellt von den Schreien des Verdammten. -- - -Da tastete es auf nackten Sohlen durch die Felsenwildnis. Da -huschte es auf blutigen Füßen durch das messerscharfe Gestein, -und weitaufgerissene Frauenaugen suchten und suchten den Ort der -Verdammnis, bis sie ihn fanden. Weiter huschte die Frau, bis sie neben -dem Körper des Gefesselten niederglitt. - -Das war _Signy_, des Bösen mißhandeltes Eheweib, dessen treues Werben -er immerdar verspottet und mit Untreue gelohnt hatte. Was wußte Signy -davon und von allen ihren Leiden? Sie sah nur den Mann, den sie geliebt -hatte in seiner Schönheit und in seinen Fehlern, und den sie heute in -seiner Qual mehr noch lieben mußte als je zuvor. Signy allein war zu -ihm gekommen. - -An seinen Fesseln biß und zerrte sie, ohne sie um Haaresbreite zu -lockern. Ohnmächtig sank sie zuletzt in die Felsen. Aber das Brüllen -des Verurteilten jagte sie wieder auf. Die Gifttropfen der Schlange -zerbrannten und zerfraßen Loki das Gesicht. Und Signy ergriff einen -Scherben und hockte sich neben den Mann und fing in ihrem Scherben die -Gifttropfen auf, die niederfielen. - -War die Schale gefüllt, so mußte sie sich einen Herzschlag lang wenden -und die Schale entleeren. Dann fielen die Tropfen aus der Giftschlange -Schlund aufs neue dem Elenden in die Augenhöhlen, daß er aufbrüllte vor -wahnsinnigem Schmerz und sich in den Fesseln bäumte, daß die Menschen -in allen Ländern erschrocken niederfielen und meinten, ein Erdbeben -erschüttere die Grundfesten der Welt. - -Und wieder saß Signy, die Treue, neben dem ungetreuen Manne und hielt -ihm die Schale vor das Gesicht, wieder und wieder, in unermüdlicher -Geduld. - - - - -Der letzte Kampf. - - -Eiskalt ward es auf Erden. Baldur war tot, und Frühling und Sommer -starben hastig ihm nach. Jäh brach der Winter herein, ein Winter, -wie er nie erlebt wurde, seitdem die Welt erschaffen war. Die Bäume -platzten auf in dem scharfen Frost, und ihr Saft rann die Stämme hinab, -gefror und verstopfte die Poren. Die Pflanzen und Blumen traf's bis in -den Wurzelstock, und die Kälte preßte ihnen die letzten Tränen aus und -ließ sie vergehn wie zersplittertes Glas. Selbst die Steine schwitzten -ihr weißes Blut, dehnten sich in klingenden Seufzern und zersprangen zu -Staub. - -Baldur war tot, und es war nicht Frühling und nicht Sommer mehr. - -Frost lief durch die Welt, und er tötete die Äcker, die Wiesen, die -Wälder. Im Starrkrampf lag das Leben. - -Und als müsse ein Leichentuch her, Tod und Sterben zu decken, setzte -ein Schneesturm ein, der unaufhörlich tobte, unaufhörlich seine weißen -Massen auf die Erde schleuderte. So dicht brausten und wirbelten die -Flocken, daß aller Raum zwischen Himmel und Erde ausgefüllt schien, daß -die Sonne vom Himmel verschwand und der Tag von der Nacht verschlungen -blieb in der immerwährenden Finsternis. - -Drei Jahre lang dauerte der eine Winter, den kein Frühling milderte, -kein Sommer durchbrach. Drei Jahre, die nicht enden wollten, gingen -dahin in einem einzigen Winter. - -Da türmte sich das Eis zu Gletschern und rückte vor, von den Eisriesen -gepeitscht, die nach dem Licht verlangten. Da begann das Feuer in -Muspelheim, das hinter Eisesmauern keinen Ausweg fand, zu kochen und zu -zischen, und seine eingeschlossenen Dämpfe suchten sich zu entladen. -Bis zu den Wolken sprang der Gischt des Meeres, das enger und enger -zusammengetrieben wurde in seinem Becken. -- - -Von seinem Hochsitz aus sah es Allvater, und er sah mehr. - -Er sah die Menschen dem heraufziehenden Schicksal unterliegen. Baldur -war tot, und alle Gesittung starb ihm nach. Frost und Hunger und -Finsternis machten aus Menschen gierige Tiere, die da raubten und -mordeten und plünderten, nur um des eigenen Bauches willen. Alle Bande -des Blutes, alle Bande der Gesetze brachen. Brüder erlegten Brüder, -Ehen wurden gebrochen, Unzucht herrschte und Faustrecht. Ganze Stämme -zogen aus und warfen sich blutgierig auf friedliche Nachbarstämme, um -sie zu vertilgen. Schlachten wurden geschlagen aus roher Mordlust und -nicht um Heldenehren willen. Ehre der Väter war eine Sage, und Macht -ging vor Recht. Beilzeit war und Schwertzeit, Windzeit und Wolfzeit. -Nicht einer schonte des anderen mehr, und jedermanns Hand war wider -jedermanns Hand. - -Von seinem Hochsitz aus sah es Allvater, und er sah mehr. - -Er sah zwei Wölfe der Riesen am Himmel jagen, und der eine jagte -die Sonne, der andere den Mond. So stark waren sie geworden, weil -die Menschen ihre Toten unbeerdigt ließen und die Wölfe sich vom -Leichenfleische mästeten. Schon kamen sie den Fliehenden nahe -und packten sie in der Flanke, daß Sonnenfinsternis wurde und -Mondfinsternis und die Menschen der Erde aufheulten in irrsinniger -Wirrnis. Noch einmal rissen sich Sonne und Mond los von ihren -Bedrängern und stürmten weiter durch die mit ihnen jagenden Wolken, daß -ihre Lichter aufblitzten und verschwanden und ihre Schatten im Taumel -über die Erde tanzten. - -Beilzeit, Schwertzeit -- Windzeit, Wolfzeit! - -Dann warf sich Wodan wie in alten Tagen auf sein Sturmroß und jagte -hinaus an der Spitze seines Geisterheeres mit Hussa, Horridoh und -Peitschengeknall und säuberte die Lüfte vom tollsten Spuk, und die -Menschen hielten ihn und seine wilde Jagd für der Spuke größten. Hinter -ihm aber ballte es sich wieder zusammen und stürmte in Wut und Wirrnis, -und Allvater saß auf dem Hochsitz und sah und wußte alles. - -Und er sah, wie die Feuer in Muspelheim sich zur Siedehitze -gesteigert hatten, und er erhob sich und sah, wie sie, zu aller Kraft -zusammengefaßt, sich donnernd entluden und die lastenden Gletscherberge -sprengten und in wildgewordener Freiheit ihre Flammen über die Erde -und gen Himmel schlugen. In allen Fugen erkrachte die Welt, das feste -Land hob und senkte sich wie tobende Meeresflut, Klüfte verschlangen -die entwurzelten Wälder, Berge türmten sich über Berge und stürzten in -die kochende See, und die See flutete über und ersäufte die Küsten, die -Midgardschlange stieg geifernd empor, suchte das Land und wälzte sich -vorwärts, und die Sterne fielen erloschen vom Himmel. - -Und in die grausenden, brausenden Schrecknisse hinein, über sie hinweg -und sie alle übertönend, schrie wie ein Adlerschrei lang und gellend -ein Hornruf. - -Heimdalls Horn! - -Heimdalls Horn rief die Asen, rief die Einherier, rief alle -Asgardmänner auf zum letzten Kampf. - -Da eilten die Götter, Wodans letztes Gebot zu empfangen, und umstanden, -tief atmend, den Vater der Schöpfung. - -Und Allvater sprach: - -»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen neu, wenn sie sich -würdig erwiesen. Würde ist nicht das bißchen Tugend des Tages. Würde -ist, für sein Leben und Schaffen sterben können. Das allein macht -_un_sterblich. Wohlauf denn, ihr Asen und ihr Helden alle, nun folgt -mir nach in die Unsterblichkeit.« - -Da waffneten sich Götter und Helden mit ihren besten Waffen, in -unabsehbaren Scharen zogen die Einherier aus, und mit den Walküren -ritten die Göttinnen, den Ger in der Faust. -- - -Der rote Hahn des Riesenreiches krähte in den Morgen und rief die -Schläfer wach, wie der goldene Hahn krähte in Asgard und der nußbraune -Hahn in der Hel. - -Ganz Riesenheim tobte in hellem Aufruhr. In Scharen krochen -Schwarzalben und Trolle aus Klüften und Schluchten und spornten -kreischend die Riesen an. - -Die jauchzten auf, als der Wirbel der Flut, aus der die Midgardschlange -sich wälzte, das Schiff _Naglfar_ flottmachte, das Nagelschiff, -das aus den unbeschnittenen Nägeln der Toten erbaut wurde. Nie wäre -es fertig geworden, hätte Baldur gelebt. Denn die Gewissenspflicht -gebot den Menschen, ihren Toten vor der letzten Ausfahrt die Nägel zu -beschneiden, damit die finsteren Mächte sie ihnen nicht nehmen konnten -zum Bau von Naglfar. Wer aber von den Menschen fragte noch nach der -Pflege der Toten? Beilzeit war und Wolfzeit. - -Der Reifriesenfürst _Hrymir_ bemannte das Schiff und steuerte die -Tausende gegen Asgard. -- - -Aufs neue stöhnt von der Entladung der Flammen, die Eis und Stein -durchbrechen, die Welt in allen Fugen. Ein Sterbeschauer durchbebt die -Weltesche Yggdrasil, und die Brunnen an ihren Wurzeln schäumen über. - -Zum letzten Mal beugt sich Wodan über den Brunnen Mimirs und raunt mit -dem Haupte des Urweisen. Dann schreitet er einsam nach Asgard zurück, -bindet den Goldhelm unter dem Kinn und greift nach dem Speere Gungnir. -Er kennt sein Schicksal. Sein Einauge blickt groß und königlich. -- - -Ein neuer Donnerschlag erschüttert das Weltall. Die Flammen haben die -Gewalt. Schlag folgt auf Schlag, ein tosendes Erdbeben dem anderen, -daß kein Felsen auf dem andern bleibt. Ein Jubelgeheul macht die -Lüfte erdröhnen. _Loki_ ist losgekommen! Die Felswand ist geborsten, -die seine Fesseln hielt, die Fesseln sind zerplatzt! Hinstürmt er zur -Hel, seiner grausigen Tochter, und ruft die Mörder und Schufte, die -Meineidigen und die Hochverräter der Helleute auf zum Kampf gegen die -Götter. Entvölkert ist Hel, denn die guten Geister sind geflüchtet im -blutigen Wirrsal der Geschehnisse. Aber mit wüstem Totenvolk überladen, -steuert Loki das Schiff der Hel gegen Asgard. - -Und _Fenris_ ist los, der wahnsinnige Wolf, wie Loki, sein Vater, -loskam. Blutigen Schaum an den Lefzen, jedes Haar gesträubt, kommt -er gerannt, und Loki schreit ihm zu und nimmt ihn an Bord des -Höllenschiffes. - -Blitzend aber reitet der schwarze _Surtur_ heran, der Fürst der -zerstörenden Feuergewalten. Auf tausenden von Flammenrossen folgen ihm -die Seinen. Über die Brücke Bilfrost reiten sie gegen Asgard, und die -Himmelsbrücke birst unter den Hufen ihrer Pferde. - -In Rauch und Flammen gehüllt, kreist die entsetzte Erde, und die Zwerge -hasten an den verschütteten Höhlen auf und nieder und suchen wimmernd -den Eingang. - -Zum zweiten Male stößt Heimdall ins Horn, gellend und gebietend wie -Adlerruf. Da ordnen sich die Scharen der Asen und Einherier. - -Und zum dritten und letzten Male stößt Heimdall ins Horn. »Vorwärts, -ihr Asengötter, vorwärts, ihr Einherierhelden, in die Unsterblichkeit!« - -Aufsprangen die fünfhundertundvierzig Türen Walhalls. Und die -Wodansmänner zogen aus zu Fuß, zu Roß und zu Wagen, und Walvater Wodan -führte sie. - -Auf dem Sturmroß Sleipnir ritt er in schimmernder Brünne, den Goldhelm -auf dem Haupt, den Todesspeer in der Hand. An seiner Seite schritt -wuchtenden Ganges der Donnerer, den Hammer Mjolnir in der Faust. -Unbeirrt ihnen nach alle die anderen, die Todesmutigen. -- - -Auf der Ebene Wigrid, dem Kampfreitplatz vor Walhall, treffen sie auf -den Feind, der wie nimmer sich erschöpfende Wasserfluten anschwillt und -vorwärtsdrängt. Hoch hebt sich Wodan in den Steigbügel. Sein Einauge -funkelt und blitzt. Und zischend fährt sein Todesspeer als erster -Kampfgruß über die Köpfe der Drängenden. - -Schon sind die Massen im Kampf. Surturs Feuerreiter verbrennen Wiesen -und Weiden. Aber die Einherier fürchten nicht Flammen noch Rauch. -Nicht umsonst ist Sigurd durch die wabernde Lohe zu Brynhild, der -Walküre geritten, nicht umsonst kämpften die Helden alle in brennenden -Hallen. Mit dem Blute der Erschlagenen dämpfen sie die Glut des -Kampfplatzes und werfen die Brandreiter zurück. - -Mit den Riesen vermengen sich die Leute der Hel und wüten wie Tiere. -Felsen schleudern die Riesen, die zermalmend niederschmettern, und -die Helleute geben den Verwundeten den Rest mit dem feigen Dolch. Der -Donnerer sieht es. Schon ist er mitten unter ihnen. Von den Riesen -kennt er die meisten. Nun lernen sie seinen Hammer kennen. Der krachte -in die Schädeldecken und fuhr im Schwung in des Gottes Faust zurück, -um sie im Schwunge wieder zu verlassen und Schädel zu zertrümmern, -Schädel, nichts als Schädel. - -Wo die Gefahr am größten war, dorthin spornte Wodan sein Roß. Mit dem -Schwerte schlug er die Gefährten aus den blutigen Knäueln heraus, -sammelte die Aufatmenden um sich und führte sie aufs neue ins -Handgemenge. Mit der Peitsche holte er die Schwarzalben und tückischen -Trolle aus der Luft, daß sie wimmernd verschieden. Wo Wodan ritt, -häuften sich Leichen. - -Und plötzlich erschauert die Welt, wie sie nie erschauert war. - -Der _Fenriswolf_ rennt. Alle Grenzen hat seine losgelöste Wut -überschritten. Mit aufgerissenem Rachen rennt er, daß sein Unterkiefer -über die Erde fegt und sein Oberkiefer die Wolken durchstößt. Alles -schlingt er herunter, was zwischen Himmel und Erde ist. - -Da packt selbst die Tapfersten lähmendes Grauen, und die Schar der -Asen, die Haufen der Einherier weichen zurück. Wodan sieht es. Er weiß, -das Werk der Götter ist noch nicht vollbracht. Kein neuer Himmel kann -sein, wenn die alten Unholde bleiben. - -Ein Opfer muß her! - -Wer bringt das Opfer, das ein Leben verlangt? - -Der Führer bringt es, wer sonst? - -Dem rasenden Wolfe entgegen wirft sich Wodan, der Eine allein. Er -schwingt sich vom Roß, und der wütende Wolf schlingt den ledigen -Hengst. Wodan greift an. Er hemmt des Untieres Lauf und bringt es aus -der Bahn. Asen und Einherier sammeln sich. Sie kommen zu sich und -sehen: es gibt keine Gefahr, die ein Mutiger nicht angehen kann. Das -aber hat Walvater gewollt. Dafür ist die Preisgabe des besten Lebens -nicht zu groß. Im Kampf mit dem Fenriswolf endet das seine. Wodans -Königsseele weicht ins All. -- - -Widar gewahrt es, der »Gott mit dem Schuh«, der Wodanssohn. Nun kommt -ihm der Schuh, der das Leder aller Länder als Opfergaben trägt, wohl -zu statten. Er tritt dem Wolf in den Rachen und stemmt ihm mit dem -zentnerschweren, undurchdringlichen Schuh den geifernden Unterkiefer -auf dem Erdboden fest. Mit der Linken packt er den Oberkiefer. Die -Rechte, die Schwerthand, hält die zweischneidige Klinge. Weit aus holt -Widar und stößt dem Untier das Schwert bis an den Knauf durch den -Rachen ins Herz. Blutrache! Blutrache für Allvater Wodan. - -Da ward das Werk vollendet. Da brachen die Asen und Einherier wie -Wetter in den Feind, das Vorbild zu erreichen, im Sterben würdig zu -sein ihres Lebens, das ist: würdig der Unsterblichkeit. - -Giftschnaubend wälzte sich die _Midgardschlange_ heran. Ihr Pesthauch -allein tötete. Aber schon stand der Donnerer vor ihr, der sie schon -einmal an der Angel fing, als er Hymirs Kessel holte. Aufbäumte sich -die Riesenschlange gegen den alten Todfeind. Diesmal entging sie -ihrem Schicksal nicht. Der Hammer Mjolnir stand funkelnd über ihrem -Haupt, und der Zermalmer durchschlug ihr den Schädel. In einer Wolke -von giftigem Odem verging die Midgardschlange. Neun Schritte tat der -Donnerer in der Giftwolke zurück. Dann verging ihm der Atem. Er, der -den Menschen mit Blitz und Donner die Lüfte gereinigt hatte, konnte -nicht leben im Dunst des Wurms. Die Freiheitsaugen brachen ihm. So -folgte er Wodan. -- - -Und Freyer, der Sonnengott, folgte, vom Schwerte Surturs, des unheilig -lodernden Feuers, getroffen. Und Ziu, der furchtlose Schwertgott, den -die Nordmänner Tyr anriefen und dem die Jünglinge ihre Schwertertänze -weihten, er, der dem Fenriswolf einstens die Rechte in den Rachen -gelegt hatte, traf auf den leichenzerreißenden Hund der Hel, und -während ihn der Hund zu Tode biß, erwürgte er ihn. Heimdall aber, der -treue Wächter, stieß auf Loki, den Verräter, den er schon einmal im -Kampf um Freyas Halsgeschmeide Brisingamen bestanden hatte, und so wild -gingen sie aufeinander an und so wenig wollten sie voneinander lassen, -daß sie beide von Wunden überdeckt zu Tode sanken. -- - -In dem Glutmeer, das Surtur entfachte, ist nicht mehr zu leben. Und -dennoch geht das Würgen weiter, weiter bis auf den letzten Mann. -Die Walküren sind gefallen, die gerbewaffneten Göttinnen mit ihnen. -Die Einherier, die Germanenhelden, haben sich den Göttern gleich -erwiesen und die Riesen und Unholde trotz ihrer Übermacht zu eklem -Brei gestampft. Fast mit den letzten Feinden fallen ihre Letzten. Die -riesischen Wölfe haben Sonne und Mond erreicht und sie verschlungen. -Aber die Sonne gebar in ihrer Not ein Kind, und es spielt abseits auf -einer Himmelswiese. - -Durch die Welt lodert das Feuer, und das Eis der Gletscher schmilzt und -wirft sich in Wasserströmen über glühende Erde, bis endlich, endlich -die Glut erlischt. - -Nacht bricht herein. In Nacht versinkt die sterbende Welt. -- - - * * * * * - -Und ein Tag bricht an, ein neuer Tag. - -Das spielende Sonnenkind hebt sich am Himmelsrand und lacht in Unschuld -auf die Erde nieder. Es lockt und schmeichelt und tut schön mit seinen -hellen Augen und seinen warmen Händen, bis es unter dem Schutt sich -regt, den Feuer, Wasser und Erde hinterlassen haben, und ein paar -schüchterne Gräser hervorkeimen. Ah, wie ist die Luft so klar und rein, -das Leben so köstlich und lebenswert. Bald ist der Boden von Blumen -übersäet, die Sträucher schlagen aus, die Bäume treiben Knospen. Und -aus einem hohlen Baumstamm, der sich über und über mit Laub bedeckt, -tritt ein Menschenpaar, das sich vor Feuersbrunst und Wasserflut in -die rettende Höhlung geflüchtet, tastet sich furchtsam vor und steht -überrascht in der neuen Sonne, dem neuen Lenz der Erde, dem neuen -Menschenfrühling. - -Und das überglückliche Menschenpaar hebt seine Augen und sucht seine -Götter. -- - -Über Asgards verwüstete Fluren schreitet ein Wanderer. Schlank ist er -und ewigjung, und goldrote Locken wehen ihm um die Schläfen. Er kommt -aus der Hel gewandert, die verlassen liegt. Und wo er geht, ist Licht -und Wärme, Werden und Schöpfermut. - -_Baldur_ ist heimgekehrt. Nun muß alles Leben auferstehen. - -An der Hand führt er Hödur, den blinden, der ihn einst mit der Mistel -niederwarf. Wie Brüder wandern sie Hand in Hand, und wenn der eine im -Schlaf neue Kräfte sammelt, wacht der andere. Bald Baldur, bald Hödur. -Tag und Nacht haben sich gefunden und sich verbunden zum Wohle der Welt -und ihrer Kräftigung. Tag und Nacht, Sommer und Winter. - -Unter Baldurs Schritten wachen die Fluren Asgards auf. Es grünt und -blüht auf allen Gefilden, und kein Platz ist mehr für üble Gelüste und -unwürdig Tun. Die Luft ist geläutert. Frühling --! - -Es ist das alte Asgard nicht mehr, ein neues blüht aus den -Kampfestrümmern und will neues Glück. _Idafeld_ nennt Baldur das alte -Asgardland, das »Feld der Auferstehung«. - -Und wie er hinausblickt über alle Wege, sieht er zwei Wanderer -schreiten von rechts und zwei Wanderer von links. Und die Wanderer -von rechts erreichen ihn, und es sind die Wodanssöhne Widar und Wali. -Widar, der den Vater rächte, und Wali, der Blutrache nahm für den -Bruder Baldur. Darum gehen sie in den neuen Himmel der Germanen ein. -Und die Wanderer von links treten hinzu, und es sind die Donarsöhne -Modi und Magni, die den Hammer des Donnerers bringen, mit ihm des -Vaters Kraft und den Zorn seiner Gerechtigkeit. - -Nach links und nach rechts streckt Baldur seine Hände, Glückslachen auf -den Lippen. - -»Wodan und Donar, ihr konntet nicht sterben, ihr lebt fort im -Germanenvolk in verjüngter Gestalt, ewig und ewig, solange der -Donner kracht zur Sommerzeit, solange der Herbststurm braust und ein -Menschenaug in Wolken die wilde Jagd erblickt. Willkommen ihr alle zu -neuen Schöpfungswerken! Den Frieden wollen wir im Himmel und auf Erden. -Den Frieden der Freien. Keinen anderen Frieden für und für. Deß sei uns -des starken und gerechten Donars Hammer ein Zeichen.« - -Sie legen die Hände ineinander zum Schwur und schaffen einen neuen -Hochsitz. - -»Für den großen Gott, der uns führen wird.« - -Und sie sprechen Allvaters Worte nach: - -»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen neu, wenn sie sich -würdig erwiesen. Würde ist nicht das bißchen Tugend des Tages. Würde -ist, für sein Leben und Schaffen sterben können. Das allein macht -_un_sterblich.« - - * * * * * - -Zu allen Zeiten lebte das Germanenvolk wie seine Götter. Der Götter -Tugenden waren die seinen und der Götter Fehler, der Götter Kraft und -der Götter Kriege, der Götter Niedergang und der Götter Auferstehung. -Du aber, mächtigster Germanenstamm, deutsches Volk, von der Maas bis an -die Memel, von der Etsch bis an den Belt, erkenn aus der Urväter Tagen, -daß deine Götter und Helden niemals dem Schicksal schwächlich in die -Augen sahen, daß sie es kühn erwarteten und sich bis aufs letzte Blut -mit ihm schlugen, wie Männer tun im deutschen Zeichen des Hammers. Vom -Blute Wodans lebt es in dir, vom Blute Donars, vom Blute Baldurs, und --- so der große Gott, »der uns führen wird«, uns liebt, weil wir Männer -sind und keine Knechte -- immerdar vom Blute - - _Hermanns, des Cheruskers_. - - - - -Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig - - -RUDOLF HERZOG - -Preußens Geschichte - -31. bis 40. Tausend / 390 Seiten mit zahlreichen schwarzen Bildern von -Prof. A. Kampf / Buchschmuck von Prof. G. Belwe / Geb. M. 6.60. - -»Alle wichtigen Epochen, alle hervorragenden Herrschergestalten sind -hier in der _fesselnden Erzählungsweise_ Herzogs, in seinem feinen Stil -geschildert. Man weiß nicht, ob man mehr die packenden, feingemeißelten -Porträts der großen Preußenkönige oder die dramatisch bewegten -Schilderungen der Schlachten von Fehrbellin, von Torgau, Leuthen, -Leipzig, Königgrätz oder Sedan bewundern soll. Wie einen Roman, dessen -Handlung wir mit Spannung folgen, lesen wir diese Schilderungen, die -uns doch Altbekanntes in ganz neuem Lichte und Zusammenhang zeigen. -_Herrliche Balladen_ unterbrechen zuweilen den Lauf der Darstellung. -Gedichte wie ›Rheinsberger Tage‹, ›Bei Torgau‹, ›Blücher zieht über -den Rhein‹, ›König Wilhelms Heldenschau‹ und andere mehr werden zu den -_Perlen patriotischer Dichtungen_ zählen. Ein feiner Buchschmuck paßt -sich der Stimmung des Ganzen trefflich an. Alles ist dazu angetan, -diese Geschichte Preußens zu _einem Volksbuch_ werden zu lassen.« - - Deutsche Revue. - - -Ritter, Tod und Teufel - -Gedichte / 61. bis 70. Tausend / 156 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.--. - -»Es gibt wohl kaum eine Stimmung in dem unheimlichen Wirbel der -Kriegseindrücke, die den Dichter nicht zur Gestaltung gedrängt, -deren Ausdruck ihm nicht gelungen wäre. Heldenmut und Treue, -unerschütterliche, begeisterte, bis zur Selbstaufopferung hingebende -Liebe zu Vaterland und Kaiser sind die Grundtöne, die die Sammlung -durchklingen ... _Der Band ist eine köstliche Perle in dem reichen -Schatze unserer Kriegslyrik._« - - Literarisches Zentralblatt f. Deutschland. - - -Stürmen, Sterben, Auferstehn - -Gedichte / 21. bis 30. Tausend / 127 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.--. - -»Die zweite Gedichtsammlung zeigt die gleiche _glühende -Vaterlandsliebe_ und die gleiche Kraft im Ausdruck und Kunst der -Stimmungsmalerei, denselben _hohen Persönlichkeitswert_ wie der erste -Band, und doch finden sich auch wieder neue Züge in Stoff und Form, -ja man ist versucht, eine noch _größere Tiefe_ der Empfindung, noch -schwereren Ernst in den Gedanken an Tod und Unsterblichkeit in ihr zu -spüren.« - - Literarisches Zentralblatt für Deutschland. - - - - -J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger - -Stuttgart und Berlin - - -RUDOLF HERZOG - - Geb. - =Das goldene Zeitalter= M. - Roman. 13. u. 14. Aufl. 6.50 - - =Der Adjutant= - Roman. 15.--17. Aufl. 6.50 - - =Der Graf von Gleichen= - Ein Gegenwartsroman - 39.--41. Aufl. 8.50 - - =Die vom Niederrhein= - Roman. 86.--95. Aufl. 8.50 - - =Das Lebenslied= - Roman. 101.--110. Aufl. 8.50 - - =Die Wiskottens= - Roman. 141.--150. Aufl. 8.50 - - =Der alten Sehnsucht Lied= - Erzählungen. - 15. u. 16. Aufl. 6.50 - - =Der Abenteurer= - Roman - Mit Bildnis des Verfassers - 46.--50. Aufl. 8.50 - - =Hanseaten= - Roman. 101.--110. Aufl. 8.50 - - =Es gibt ein Glück ...= - Novellen. 34.--36. Aufl. 7.-- - - =Die Burgkinder= - Roman. 131.--140. Aufl. 8.50 - - =Ausgewählte Novellen= - Mit einer biogr. Einleit. - von _J. G. Sprengel_. - 21.--25. Tausend 2.20 - - =Die Welt in Gold= - Novelle. 16.--.20. Aufl. 2.50 - - =Das große Heimweh= - Roman. 101.--105. Aufl. 9.50 - - =Die Stoltenkamps - und ihre Frauen= - Roman. 126.--135. Aufl. 9.50 - - =Jungbrunnen= - Novellen. 51.--80. Aufl. 7.50 - - =Gedichte.= - 5. Auflage 3.50 - - =Wir sterben nicht!= - Lieder und Balladen - 2.--5. Auflage 3.-- - - =Die Condottieri= - Schauspiel in vier Akten - 3. Auflage 4.-- - - =Auf Rissenskoog= - Schauspiel in vier Akten - 2. Auflage 4.-- - - =Herrgottsmusikanten= - Lustspiel in vier Akten - 2. u. 3. Auflage 4.50 - - =Stromübergang= - Dramatisches Gedicht - in einem Aufzug - 1.--10. Tausend 1.-- - - =Die Nibelungen= - Des Heldenliedes beide - Teile, neu erzählt. Mit Bildern - von Professor _Franz - Stassen_. (Verlag von - Ullstein & Co., Berlin) 6.-- - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription. - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die - Antiqua-Auszeichnungen dienten nur der Dekoration und wurden - entfernt. - - Die Abbildung wurden an die zugehörige Textstelle verschoben, deren - Seitenreferenz wurde entfernt. - - Korrekturen: - - S. 4: die ersten beiden Zeilen → Anfang von S. 3: - griffen nach - {dem rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen - Geistes, und als Erstes entstand ein Ungetüm, das alle} - Erde, die da wurde, - - S. 6: Wil → Wili - Wodan, der junge, sah es, und er rief {Wili} und We, - - S. 120: Das → Da - {Da} war der Donnerer wohl zufrieden. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Germaniens Götter, by Rudolf Herzog - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMANIENS GÖTTER *** - -***** This file should be named 56192-0.txt or 56192-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/1/9/56192/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Germaniens Götter - -Author: Rudolf Herzog - -Illustrator: Robert Engels - Paul Hartmann - -Release Date: December 17, 2017 [EBook #56192] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMANIENS GÖTTER *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich -am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p> -</div> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/title.jpg" alt="Titelseite" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h1>Germaniens<br /> -Götter</h1> - -<p class="center">von</p> - -<p class="h2">Rudolf Herzog</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-title.png" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p class="center">Verlag Quelle & Meyer · Leipzig -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="center"> -<em class="antiqua">Copyright 1919 by Quelle & Meyer, Leipzig</em><br /> -Alle Rechte vorbehalten<br /> -Schwarzweißzeichnungen von Professor Robert Engels<br /> -Einbandzeichnung von Paul Hartmann<br /> -Druck von Radelli & Hille, Leipzig -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h2"> -Den<br /> -Nachkommen<br /> -Hermanns<br /> -des<br /> -Cheruskers -</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Zum_Geleit">Zum Geleit.</h2> -</div> - -<p class="drop">Von den Göttern spricht dies Buch. Von Germaniens -Göttern. Immerdar sind eines Volkes Götter das -Abbild seiner innersten Art gewesen, seiner Tugenden, -seiner Fehler, seiner verlangenden Sehnsucht. Wenn -unsere Väter zu den Göttern riefen, riefen sie an, was -an Kraft und Zuversicht bewußt oder unbewußt in -ihnen selber lebte, sahen sie Wunsch und Willen im -Lichte eines überirdisch gesteigerten Mannes- und Heldentums.</p> - -<p>Ein Volk, das seiner Götter vergißt, vergißt seines -Ursprungs, seiner Ahnen, seiner selbst und seiner Wurzelkraft. -Wer sich seiner Herkunft und Vergangenheit -schämt, baut seine Zukunft in den Wirbelwind. Aus -den rauhen Wäldern Germaniens stammen wir, stammen -unsere Götter. Nicht aus dem sonnentrunkenen -Hellas und dem hochmuttrunkenen Rom. Lernt es aufs -neue, ihr Deutschen. Lernt es mit dem Stolz, der allein -die Kraft verleiht, ein <em class="gesperrt">Volk</em> zu sein und keine Sklavenherde -von Mantelträgern und kriechenden Liebedienern. -Den Göttern Griechenlands, den Göttern Roms unsern -Gruß. Germaniens Götter grüßen euch mit <em class="gesperrt">derselben</em> -Stimme der Unsterblichkeit! Nie waren die Götter -Deutschlands herrlicher und gewaltiger, als in den -Tagen, da sie um Untergang und Auferstehung kämpften.</p> - -<p>Was sind Jahrhunderte, was Jahrtausende, gemessen -an der urewigen Zeit? Germaniens Götter rufen heute -wie ehedem. Und immer riefen sie am stärksten, wenn -der Sturm die Wolken über den deutschen Himmel -jagte.</p> - -<p>Beilzeit, Schwertzeit – Windzeit, Wolfzeit!</p> - -<p>Wiederum heute, wie zu der Urväter Zeit.</p> - -<p>Um Untergang und Auferstehung kämpft Deutschlands -Volk. Euren Göttern nach, ihr Deutschen! Zur -neuen Sonne! Zur neuen, geläuterten Zukunft.</p> - -<p class="right"> -<em class="gesperrt">Rudolf Herzog.</em> -</p> -<p class="hang"> -Obere Burg zu Rheinbreitbach<br /> -18. Oktober 1919. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h2 id="Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis</h2> - -<table summary="Inhalt"> -<tr> -<td>Der Götter Erscheinen</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Goetter_Erscheinen">1</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der Menschen Werden und Wachsen</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Menschen_Werden_und_Wachsen">12</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Das goldene Zeitalter</td> - <td class="tdr"><a href="#Das_goldene_Zeitalter">24</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der Wanenkrieg</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_Wanenkrieg">36</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Die Götter auf schiefer Bahn</td> - <td class="tdr"><a href="#Die_Goetter_auf_schiefer_Bahn">52</a></td> -</tr> -<tr> -<td>In Schuld und Schicksalskampf</td> - <td class="tdr"><a href="#In_Schuld_und_Schicksalskampf">63</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Die Götter auf Kundschaft</td> - <td class="tdr"><a href="#Die_Goetter_auf_Kundschaft">80</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Im Zeichen des Hammers</td> - <td class="tdr"><a href="#Im_Zeichen_des_Hammers">102</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Wodans Wunschmädchen</td> - <td class="tdr"><a href="#Wodans_Wunschmaedchen">130</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Unter den Einheriern</td> - <td class="tdr"><a href="#Unter_den_Einheriern">147</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Um Baldur</td> - <td class="tdr"><a href="#Um_Baldur">177</a></td> -</tr> -<tr> -<td>Der letzte Kampf</td> - <td class="tdr"><a href="#Der_letzte_Kampf">198</a></td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<span class="pagenum"><a id="Seite_1">[1]</a></span> - -<h2 id="Der_Goetter_Erscheinen">Der Götter Erscheinen.</h2> -</div> - -<p class="drop">Regungslos lag die <em class="gesperrt">Weltseele</em> …</p> - -<p>Über der Leere lag sie, der ungeheueren, die nicht -Wasser noch Erde wies, nicht Feuer noch Luft. Nichts -als die leblose Leere. Starr und unendlich. Regungslos -lag die Weltseele über der toten Leere. Bis daß sie -träumte … Leben träumte sie …</p> - -<p>Und als der erste Traum durch die Weltseele rann, -war es wie ein erstes, wärmendes Leben, und aus der -aufsteigenden Wärme sprang wie ein Funke der <em class="gesperrt">Gedanke</em>, -der zur Flamme wurde und aufloderte in die -Leere.</p> - -<p>Das <em class="gesperrt">Feuer</em> war in die Welt gekommen und stand, -eine Welt für sich, hoch und heiß und sengend am Rande -der Leere. <em class="gesperrt">Muspelheim</em> hieß diese Welt, und Feuergeister -waren, was aus der Weltenseele in sie hinübergeglitten -war.</p> - -<p>Weiter sann die Weltseele. Und sie sann hinter dem -feurigen Gedanken her, der Muspelheim entzündet hatte -und nun unaufhaltsam war. Nicht Wärme, nicht Kälte -hatte die ungeheure Leere gekannt. Nun aber, da an -ihrem Südrande Muspels Flammen lohten, ward sich -der Nordrand der Kälte bewußt, und die dunklen Nebel<span class="pagenum"><a id="Seite_2">[2]</a></span> -brauten, daß es eine Welt voll Nebel war und <em class="gesperrt">Niflheim</em>, -Nebelheim geheißen. Die Nebel aber stiegen auf -und wurden <em class="gesperrt">Luft</em>, und sie stiegen nieder und wurden -<em class="gesperrt">Wasser</em>. Und die Wasser Niflheims strömten in die ungeheure -Leere, die sie zur Eisschicht erstarren ließ, und -die Wasser strömten immerzu, und Eisschicht lagerte -sich über Eisschicht, bis die Leere ausgefüllt war. Und -die Stürme, die aus Niflheims Luft wuchsen, zermürbten -die Decke zu Schnee und Reif, und die Glut, die aus -Muspelheims Flammen hinüberlangte, mischte Glutasche -hinein und schmolz das Wasser hinaus, daß <em class="gesperrt">Erde</em> -wurde und aus Erde, Wasser, Feuer und Luft die -Wildnis der <em class="gesperrt">Erdenwelt</em>. So ward die Erdenwelt geboren -und geschwängert von allen Gedanken der Weltseele.</p> - -<p>Die irdischen Gedanken aber lagen nahe der Oberfläche -und drängten nach Form und Gestalt, hastig und -ungeschlacht, während die göttlichen Gedanken noch in -der Tiefe lagen und über Vollkommenheit sannen. -Und als der Funkenregen, der von Muspelheim herüberstob, -kaum erst die oberste Reifschicht durchbrochen -und die vorgeschobenen, die irdischen Gedanken der Weltseele -mit seinem lebenheischenden Anruf getroffen hatte, -rissen die noch unvollkommenen sich los, griffen nach<span class="pagenum"><a id="Seite_3">[3]</a></span> -<span id="corr003">dem rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen -Geistes, und als Erstes entstand ein Ungetüm, das alle</span> -Erde, die da wurde, in sich fraß, und alle Wasser, die -da rauschten, in sich schluckte, das alle Luft aufsog und -alle Feuerwärme für sich begehrte – der <em class="gesperrt">Riese Ymir</em>.</p> - -<p>Der Riese Ymir wälzte seinen immer hungrigen und -durstigen Leib im dampfenden Reif, und wo er ausruhte, -drohten seine massigen Gliedmaßen das junge, -lebenhegende Erdreich zu ersticken. Und als er sich übernommen -hatte an Speise und Trank und ächzend lag, -rieb er im Angstschweiß seine Hände, und es sprang -ein neues Riesenpaar heraus, das dem Vater beistand -im Fressen und Schlucken, und er rieb seine Füße aneinander, -da zeugten auch diese ein Riesenpaar, das -noch ungefüger war, als das erste. Sie alle aber wußten -nichts, als ihren Bauch zu mästen und Kinder zu -zeugen, die dasselbe taten, und die Luft mit ihrem -Brausen und Brüllen zu erfüllen.</p> - -<p>Als der Riese Ymir, unreifer Gedanken voll, sich ins -Leben gewälzt hatte, drängte eine Schar unruhiger, -flatternder Gedanken ihm nach, fanden aber, bei Ymirs -gewaltsamer Ausdehnung, nicht genug des Rohstoffes -mehr, um sich einen irdischen Körper zu schaffen, und -fuhren in Grimm und Unlust als wütende und boshafte -<em class="gesperrt">Gespenster</em> durch die Luft und das Land. Schrate -und Trolle wurden sie und Maren, Truden und schwarze<span class="pagenum"><a id="Seite_4">[4]</a></span> -Alben. Steckengeblieben waren sie in ihrem Werden -zwischen Irdischem und Göttlichem, überragten das rohe -Riesengeschlecht an Witz und Geist, reichten dennoch -nicht heran an das Erhabene, das dem Geist erst seine -edle Führung gibt. Unstet und zerfahren, ohne Zucht -und Ordnung, vermehrten sie den Wirrwarr, den die -riesischen Urnaturen verübten, jagten mit ihnen gemeinsam -und hockten ihnen auf, krochen zwischen sie und -hetzten sie gegeneinander durch Stoßen, Treten und -Zerren, und freuten sich aus sicherem Versteck, wenn -die Ungeschlachten übereinander herfielen und brüllend -die eben erst gewordene Erde zusammenstampften. So -wetteiferte das ungezügelte Geisterheer mit den rohen -Naturgewalten der Riesen, die junge Erdenwelt nur -als Tummelplatz aller wilden Lüste zu nutzen und jede -Entwicklung zu einer höheren Welt im Keime zu ersticken.</p> - -<p>Der göttliche Gedanke jedoch hatte nicht brach gelegen. -Langsamer, als die eilfertig und verwahrlost Schwärmenden, -aber unaufhaltsam, forschend, sich klärend, neuschöpfend, -drang er aus der stillen Tiefe empor zum -Licht. Er nahm <em class="gesperrt">nur</em> die wenigen und die edlen Stoffe, -die dem stumpfen Blick der Riesen entgangen und der<span class="pagenum"><a id="Seite_5">[5]</a></span> -Gier der Gespenster zu gering erschienen waren, und -gab dem Geist die Vorherrschaft über den Körper. -Schlank und ebenmäßig formten sich die Glieder, ein -jedes untertan der Verrichtung, die es erfüllen sollte, -und sinngemäß danach erschaffen. Stark wölbte sich die -Brust, straff spannten sich die Muskeln, blau blitzten die -Augen und goldfarben wehte das Haar. In der Wärme -des Tags stand <em class="gesperrt">der erste Gott</em>. Und er nannte sich Buri.</p> - -<p>Gewaltig in wilder Naturkraft stand der Riese Ymir. -In Schönheit stand Buri, der Gott, und sein Geist war -höher als des Riesen Felsenhaupt.</p> - -<p>Und als der erste Gott geruhsam erforscht hatte, was -der Erdenwelt not tue, schuf er sich lächelnd um in -seinen Sohn Bur, der sonach erdgeboren wurde aus -göttlichem Geist und sich ein Weib aus der Riesen Geschlecht -wählte und sich aus ihr heraus, zum dritten -Mal, neu erschuf in drei Söhnen, <em class="gesperrt">Wodan</em>, <em class="gesperrt">Wili</em>, <em class="gesperrt">We</em>. -Damit die erhabenen Götter das gerechte Empfinden -behielten für irdische Dinge.</p> - -<p><em class="gesperrt">Asen</em> nannten sie sich, die »göttlichen«. Ihr Haupt -und Held war <em class="gesperrt">Wodan</em>. –</p> - -<p>Immer noch lag die Erdenwelt wie eine wüste Wildnis. -Ymir, der Fresser und Säufer, lastete mit seiner -zahllosen Sippe zu schwer auf ihr, als daß sie hätte<span class="pagenum"><a id="Seite_6">[6]</a></span> -atmen und gedeihen können. Über ihre ganze Länge und -Breite schob sich schon sein Leib. Sein Blick aber ging -nicht weiter als bis zu der tückischen Geisterschar, die -ihn mit blödem Blendwerk umgaukelte und ihn und -seine Sippe billigen Zauber lehrte statt fruchtbringende -Arbeit. Dreimal hatten sich die erhabenen Götter umgeschaffen, -um immer vollkommener zu werden für die -Größe ihrer Sendung und ihrer Aufgabe. Das ungeschlachte -Riesengeschlecht hielt sich für vollkommen, wie -es roh aus dem Reife stieg, und griff mit tölpelhaften -Händen nach den Erzeugungen der Erdenwelt, um sie -zu vertilgen, statt zu vermehren und zu veredeln. So -verschwand die Erdenwelt im unersättlichen Bauche -Ymirs und seiner Sippe, und alles Weiterwerden drohte -zu vergehen.</p> - -<p>Wodan, der junge, sah es, und er rief <span id="corr006">Wili</span> und We, -seine Brüder, und sie gingen zu Ymir, als er auf dem -Rücken lag und verdaute. Das war sein einzig Tagewerk.</p> - -<p>»Wozu bist du hier?« fragte ihn Wodan.</p> - -<p>»Ich bin hier, um zu leben«, knurrte Ymir böse. -»Die Erde sorgt, daß ich wachse.«</p> - -<p>»Nein,« sagte der Ase, »du lebst, damit die <em class="gesperrt">Erde</em> -wachse. Kannst du weiteres verstehn? Steh auf und -schaffe.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span></p> - -<p>Da drehte sich der Riese wie ein Flegel auf den -Bauch und wies die Kehrseite, daß die Männer und -Weiber seiner Sippe vor Vergnügen brüllten und sich -das Mißgunstvolk der Maren und Schrate, der Truden -und Alben meckernd in der Luft überschlug.</p> - -<p>Wodan lachte über die Welt hin.</p> - -<p>»Packt an,« gebot er den Brüdern. Und sie packten -den ungefügen Erdenkloß, den Erdaussauger, zu dritt, -hoben ihn hoch und zertrümmerten ihn an dem Felseneis.</p> - -<p>Krachend schlug Ymirs Riesenleib über die Erde, daß -sie fast zerschmettert war und in kreischendem Getöse -bebte und schütterte. Brausend und alles mit sich -reißend schoß aus dem zerplatzten Riesenleib das Blut, -und so gewaltig und ungeheuerlich waren die Blutströme, -daß sie die Erdenwelt überschwemmten, die -gähnenden Klüfte in schäumende Seen wandelten, bis -zu den Gipfeln der Eisberge stiegen und alles Lebende -ersäuften. Das Riesengeschlecht watete durch die Fluten. -Das brüllende Lachen war ihm vergangen. Das Blutmeer -stieg ihm an den Hals. Männer hoben ihre -Weiber, Weiber ihre Kinder auf die Schulter, daß sie -sich auf die Eisberge retteten. Mit entsetzten Blicken -hingen sie an den Höhen. Und eine heulende Blutwoge -schlug sie herunter und ertränkte und erstickte sie<span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span> -im Knäul der zappelnden Riesenleiber. Als die Sintflut -sich verlief, war Ymirs Geschlecht vertilgt. Nur -in ferner Ferne fuhr noch ein einziger Riese mit -seinem Weib auf einem Floß dahin, ließ sich von der -verlaufenden Flut treiben weithin bis ans Ende der -Welt – und entkam.</p> - -<p>Auf dem höchsten Grat, hoch über der Sintflut, stand -Wodan mit seinen Brüdern.</p> - -<p>»Sieghaft auferstehn soll der erhabene Geist über -die rohen Stoffgebilde. Beseelen soll er die wilden -Naturgewalten, sie zur Ordnung leiten und zu schöpferischer -Arbeit. Nur das ist Leben.«</p> - -<p>Über die Sintflut hinweg jagte das heulende Heer -der Spukgestalten und suchte sich in kreischender Angst -vor dem Blick des gewaltigen Gottes zu verbergen.</p> - -<p>»Verruchtes Volk der Halbheit,« ergrimmte der Gott. -»Von den Göttern holtest du Wissen und wandeltest -das Göttliche in gemeine Lüste und billigen Zauberspuk, -der die Irdischen gierig macht in die Tiefe und -ihre Augen für das Höchste verblödet. Ich fege euch -weg!«</p> - -<p>Und wie der Sturmwind fuhr Wodan hinaus und -würgte zwischen den Händen, was er erfassen konnte -von den tausenden von Truggespenstern, und hing die<span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span> -erdrosselten an seinen Gürtel. Und nur wenige waren, -die ihm in den Ritzen und Ranken entkamen.</p> - -<p>Der wilde Jäger kehrte zurück. »Ich werd' dich noch -jagen manche Sturmnacht, lichtscheues Gesindel,« lachte -er in den Bart, warf seine Last ab und strich sich aufatmend -über die Brauen. »An die Arbeit jetzt!«</p> - -<p>»Du bist Haupt und Held,« sprachen Wili und We, -die Brüder, »<em class="gesperrt">Allvater</em> bist du, und ein Führer muß -sein selbst unter Göttern. Wir ratschlagen mit dir. -Dein ist der Befehl!«</p> - -<p>Da ratschlagten die Götter in ernstem Wägen, um -eine Ordnung zu schaffen, in der ein jedes seinen Platz -erhielte und seine Bestimmung. Und sie nahmen den -Schädel Ymirs und richteten ihn auf ragenden Säulen -als Himmelskuppel auf, und das Gehirn ward zu -Wolken, die das Wetter bargen. Aus Ymirs Fleisch -schufen sie das gesättigte Erdreich, aus den beinernen -Knochen Stein und Fels, aus dem wirren Haar Bäume -und Gesträuch, aus dem Blut das brausende Meer. -Sie zogen dem Riesen die scharfen Wimperhaare aus -und bauten aus ihnen kreisrund um das wirtlichste -Land einen mächtigen Wall gegen das ungebärdige -Meer und die Tücken der zum Weltend entflohenen -Riesen. Und sie nannten das inmitten gelegene Land,<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span> -das von einem neuen Geschlecht bevölkert werden sollte, -<em class="gesperrt">Midgard</em>. Und den Himmel, den sie als Wohnung -der Asen bestimmten, nannten sie <em class="gesperrt">Asgard</em>. Die Funken -aus Muspelheim fingen sie auf und hingen sie als -Leuchten an den Himmel. Die außengelegene Welt -aber, in die sich die letzten Riesen und das irrlichtende -Volk der Alben und Trolle geflüchtet hatten, nannten -sie <em class="gesperrt">Utgard</em>, und tief unter die Erde verwiesen sie -Niflheim, die Nebelhölle, die Totenwelt.</p> - -<p>Und Allvater sprach: »Der göttliche Gedanke hat -sich noch nicht erschöpft. Zusammen ruf ich seine ganze -Kraft.« Und er hob die Hände an den Mund und -stieß einen Ruf aus, der in die Tiefen der Unendlichkeit -ging: »Herbei, was göttlich ist in aller Weltenseele -seit Urbeginn!«</p> - -<p>Da stieg aus der fruchtbar gewordenen Erde <em class="gesperrt">Frigg</em> -hervor, die erste Göttin, und lehnte sich an Wodans -Schulter. Und es sammelte sich ein Kreis lichter Gestalten -um den obersten Gott, und sie alle suchten ihren -Platz und hörten Wodans Gebot. Eine Schar der Lichtgötter -aber, die sich <em class="gesperrt">Wanen</em>, die Wissenden, nannten, -jauchzten in die junge Welt hinein, faßten sich an den -Händen zum Reigen und schwangen sich, des Jubels -voll, hoch in die frühlingslauen Lüfte. Von der Stätte<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span> -der harten Arbeit verloren sie sich im Spiel, und sie -beschlossen, singend und klingend, ein milderes Reich im -Reiche zu gründen unter der Herrschaft der Schönheit -und des Glücksgenusses.</p> - -<p>Mit den erstgewordenen Göttern, den Göttern seit -Urbeginn, stieg Wodan auf gen Asgard, die Schöpfung -zu vollenden, zu veredeln, zu leiten.</p> - -<p>Die Erdenwelt war lebendig in der Natur. Allvater -gedachte, ihr das göttliche Leben zu geben in -dem <em class="gesperrt">Menschen</em>. –</p> - -<p>Unter den Urgöttern aber stand an ragender Stelle -der Schwertgott Tuisko, <em class="gesperrt">Teut</em>, der den Mannus zeugte, -den Mann. Mannus gab drei Söhnen das Leben, -Ingo, Isk und Irmin. Sie wurden die Stammväter -der Ingävonen, der Iskävonen und der Erminonen, der -drei Hauptstämme der Teutmänner, <em class="gesperrt">der Deutschen</em>.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span></p> - -<h2 id="Der_Menschen_Werden_und_Wachsen">Der Menschen Werden und Wachsen.</h2> -</div> - -<p class="drop">In Asgard saß Wodan, der Götter Haupt und Held. -Eine Türschwelle hatte er vor dem Götterheim zu -einem Hochsitz geschichtet. Wohl erwählt war der Platz, -denn von dem Hochsitz aus überschaute Allvater die -ganze Welt und alles Werden und Vergehen. Und er -sah mit durchdringendem Auge, daß im Leibe der Erde -ein seltsam Leben wimmelte.</p> - -<p>Er berief den Götterrat, und sie erforschten, daß des -Riesen Ymirs träges Fleisch voller Maden gesteckt habe, -die sich, mit der Verwandlung von Ymirs Fleisch in -fruchtbaren Erdboden, ebenso zu einer höheren Stufe -entwickelt hatten und als absonderliche <em class="gesperrt">Zwerge</em> und -<em class="gesperrt">Wichte</em> zwischen den Rippen der Erde wühlten. In -guter Laune formten und feilten die Götter an den -drolligen Gestalten, ohne sie um vieles schöner herausputzen -zu können, schlossen sie deshalb vom Tageslicht -aus und bannten sie ins dunkle Erdinnere zurück, beschenkten -sie aber in göttlichem Mitleid mit Verstand -und Rückerinnern.</p> - -<p>Und Allvater sprach:</p> - -<p>»Nur der vermag das Sonnenlicht auf Erden zu ertragen, -der in der Sonne geboren ist. Das Sonnenlicht<span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span> -hebt die Gedanken stolz und hoch zum Himmel und -schafft ihnen höhere Gleichnisse. Darum taugt es nicht, -daß die Unterirdischen die Macht auf Erden gewinnen, -denn ihre Gedanken steigen in die Dunkelheit und zum -wimmelnden Gewürm.«</p> - -<p>Und Wodan warf seinen Sturmmantel um und entbot -<em class="gesperrt">Hönir</em>, den Gott des Waldes und der Heide, und -<em class="gesperrt">Loki</em>, den Heißen und Leuchtenden, dem das Feuer -untertan war, und fuhr mit den Ratgesellen zur -Erde.</p> - -<p>Sie wanderten dahin im Licht der Sonne, die aus -Muspelheims Funken am Himmel hing, und das -Schweigen der Wälder umgab sie. Prüfend gingen -ihre Augen über alles, was war. Und sinnend schritten -die drei Götter dahin.</p> - -<p>Da bot sich ihnen auf der Lichtung eines Hügels -ein wunderbares Bild. Kraftvoll war es und lieblich -zugleich. Vom Schatten des Waldes umkränzt, hob -sich sonnenübergossen der blumige Hügel, und eine -mächtige Esche reckte sich daraus und eine breitausladende -Ulme, und beide streckten sie ihre Wipfel sehnsüchtig -dem Himmel entgegen, und sehnsüchtig vermählte -sich ihr starkes Untergeäst, als wollte ein Baum -den anderen stützen und umschlingen, und ihre Wurzeln<span class="pagenum"><a id="Seite_14">[14]</a></span> -tranken tief aus der Erde, während ihre Wipfel -hoch nach dem Himmel verlangten.</p> - -<p>In lächelnder Gewähr blickte Allvater Wodan auf -das Bild, segnend stand Hönir, der Wälder Gott, feurig -und leidenschaftlich trat Loki heran.</p> - -<p>Und Wodan nickte mit dem Haupt und strich mit -leisen Händen über die Rinde der Bäume. Und von -seinen Händen ging eine Kraft aus, die drang in das -Mark der Esche und drang in das Mark der Ulme und -erfüllte beide mit der göttlichen Seele.</p> - -<p>Da ging ein Raunen und Rauschen durch die Bäume -von der Wurzel bis zur Krone.</p> - -<p>Und Hönir tat wie Wodan und streichelte liebkosend -Stämme und Blätterdach und flüsterte mit ihnen.</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-014.png" alt="" /> -<div class="caption">»Da standen Esche und Ulme horchend und wurden sehend …«</div> -</div> - -<p>Da standen Esche wie Ulme horchend und wurden -sehend und regten ihre Äste und standen, mit offenen -Sinnen, in freier Bewegung in all der Sonne.</p> - -<p>Der feurige Loki aber sprang vor, riß sie an seine -Brust, daß sie taumelnd die Glut seines Herzens -spürten, ließ einen Blutstropfen in sie überspringen -und gab die Menschgewordenen aus seiner brünstigen -Umarmung frei.</p> - -<p>Auf der Erde standen <em class="gesperrt">die ersten Menschen</em>. –</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span></p> - -<p>Und die ersten Menschen sahen die Götter und sahen -dann sich selbst. Und sie erblickten in ihren Augen die -Sonne des Himmels und schritten mit heißen Wangen -aufeinander zu und faßten sich bei den Händen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Ask</em> hieß die Esche. <em class="gesperrt">Embla</em> die Ulme. So hießen -die ersten Menschen. Und Embla lehnte ihr Haupt -an die Schulter des Ask, wie Frigg getan hatte, die -erste Göttin, als sie Wodan erblickte.</p> - -<p>Da winkte Wodan seinen Gefährten und fuhr mit -ihnen gen Asgard zurück.</p> - -<p>»Wir gaben ihnen viel,« sprach Wodan, »mehr noch -müssen sie sich selber geben.«</p> - -<p>Die Gefährten suchten Allvaters sinnenden Blick.</p> - -<p>»Die Erkenntnis,« sprach Wodan, »daß sie nur -mit den Göttern Edelmenschen und Herren der Erde -sind; ohne die Götter – Schlagholz im Walde.«</p> - -<p>Loki erwiderte: »Aus dem Schlagholz im Walde -springt hell und lustig die Flamme. Das deucht mich -kein übles Los.«</p> - -<p>»Wehe den Menschen,« sprach Wodan, »die göttliches -Feuer mit irdischer Flamme verwechseln. Die irdische -Flamme ist die Zerstörung, die göttliche führt zur Ewigkeit.«</p> - -<p>Da schwieg Loki. –</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_16">[16]</a></span></p> - -<p>Auf dem Hochsitz über der heiligen Türschwelle saß -Wodan und blickte über die ganze Welt. Von den -Tieren, die er erschaffen hatte, hatte er zwei Raben -ausgewählt, die hießen Hugin und Munin, Denkkraft -und Erinnerung, und hockten ihm zur Rechten und zur -Linken auf der Schulter. Täglich sandte er sie über -die ganze Welt hinaus, und was sie auf ihren Flügen -erspäht hatten, flüsterten sie Wodan ins Ohr, wenn sie -auf seinen Schultern hockten. An seine Füße schmiegten -sich zwei graue Wölfe, Geri und Freki geheißen, des -Gottes würgende Jagdhunde, wenn er als wilder -Jäger durch die Lüfte brauste oder über die Walstatt -der Kämpfer.</p> - -<p>Von Asgard, der himmlischen Heimburg, blickte mit -Wodan die Schar der Götter hinunter nach Midgard, -ins Land der Menschen. Und der göttliche Teutsohn -Mannus ersah mit Freuden ein kraftvolles Menschenkind -mit goldrotem Haar und blaublitzenden Augen, -das der Umarmung des Ask und der Embla entsprossen -war, und er suchte sie auf in Midgard, und sie verbanden -sich in Liebe und Kraft. Da wurden ihre Söhne -Ingo, Isk und Irmin nach Ask, dem Urvater, die ersten -Männer, die über das Erdreich schritten, und waren -die Stammväter der Deutschen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span></p> - -<p>Unter den Göttern war <em class="gesperrt">Heimdall</em>, der lichte Ase, -den Wodan zum Wächter gesetzt hatte über alles Geschehen. -Nie kam ihm der Schlaf. Vor der Sonne -schon beleuchtete er den Himmel- und Erdenkreis mit -goldenem Frührot und horchte aufmerksam auf die Atemzüge -der Welt. Heimdall aber sah, wie schnell sich das -Menschengeschlecht vermehrte und wie es nicht zum -frohen Genusse des Lebens kam, weil ihr Schaffen ungeordnet -war und ein Jeder jede Arbeit tat, ohne sie -recht zu verstehen. So mühten sie sich ohne Erfolg und -bald ohne Freude und brachten es zu nichts. Das bekümmerte -den guten Gott, und er beschloß Wandel.</p> - -<p>In menschlicher Gestalt betrat er die Erde und spähte -in alle Hütten. Und er ersah ein Ehepaar, das war -knochig und gedrungen und muskelhart an Armen und -Beinen. Es buk sein schwarzes Brot aus den Körnern, -wie sie vom Felde kamen, und trank die Milch warm, -wie sie die Euter der Kühe spendeten. Zu ihnen trat -Heimdall als Gast, und als er mit ihnen gegessen und -getrunken hatte, weissagte er ihnen, daß aus der anspruchslosen -Kraft die Fülle des Wohlstandes erwachsen -würde, und er schlief bei ihnen in der Kammer und -schied im Frühlicht.</p> - -<p>Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben von<span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span> -schwerem Körperbau, und als er aufwuchs, rodete er -Äcker, bestellte sie von morgens bis in den Abend und -umzäunte sie, bewässerte Wiesen und schuf Weideland -für Pferde und Kühe, Ziegen und Schafe und trieb -die Schweine zur Mast in den Eichenwald. Er arbeitete -im Schweiße seines Angesichts und lehrte wiederum die -eigenen Kinder so, denn sein Gemüt war fröhlich bei -allem Mühen, und wenn er durch die wogenden Saaten -schritt und durch die wachsenden Herden, sprach er stolz -zu sich: Dies alles ist das Werk meiner Hände, und es -ward, weil ich es verstehen lernte und ihm all meine -Liebe schenkte.</p> - -<p>So wurde der <em class="gesperrt">Bauernstand</em>, und er war göttlich -durch Heimdall, den Wächter.</p> - -<p>Und Heimdall spähte weiter in alle Hütten der -Menschen, und er erschaute ein Ehepaar, das war stattlich -und von kluger Stirn, hinter der die Gedanken -arbeiteten. Der Mann hatte der Frau einen Spinnrocken -geschnitzt und sich selber einen Webestuhl, und -sie spannen und webten Linnen und Tuch und schmückten -sich mit den schönen Gewändern, auf daß sie eine -immer größere Freude aneinander hätten trotz Wind -und Wetter. Bei ihnen trat Heimdall ein, und sie -luden den Fremdling zu Gast, und die Frau kochte auf<span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span> -dem Herdfeuer ein feines Gericht aus den Kräutern -des Gartens und zartem Fleisch. Und als der Gott -sich gesättigt hatte, weissagte er ihnen, daß aus der -durchdachten Kunst ihrer Handfertigkeit die Fülle des -Wohlstandes erwachsen würde, und er schlief bei ihnen -in der Kammer und schied im Frühlicht.</p> - -<p>Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben, -der war schlank und gelenkig und von besonderem Verstande. -Als er aufwuchs, zimmerte er kunstvoll verzierte -Häuser und weitgeschwungene Hallen, baute -Schmiedewerkstätten, in denen aus den Erzen der Erde -köstlicher Schmuck bereitet wurde und aus dem Eisen -Schwerter und Pflugscharen, veredelte Rocken und Webstuhl -und mit ihnen Gespinnst und Tuch und tauschte -seine Erzeugnisse mit den Früchten des Bauern und -dem Fleiß aller Welt. Sein Tagewerk ging grübelnd -und wirkend bis in die Nacht, und er lehrte es wiederum -die eigenen Kinder so, denn sein Gemüt war fröhlich -bei allem Mühen, und wenn er durch Häuser und -Hallen und Werkstätten schritt, und sein Auge Gewebe -und Schmuck jeder Art, Waren und Werkzeuge musterte, -sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk meines -Hauptes und meiner Hände, und es ward, weil ich es -verstehen lernte und ihm all meine Liebe schenkte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span></p> - -<p>So wurde der <em class="gesperrt">Gewerbestand</em>, und er war göttlich -durch Heimdall, den Wächter.</p> - -<p>Und zum drittenmal spähte Heimdall in alle Hausungen -der Menschen, und er erblickte ein Ehepaar, das -war schlank und muskelhart zugleich, stark und furchtlos -wie kein anderes, und wer Rat und Tat suchte, -klopfte an seine Tür. Der Mann kam staubbedeckt von -der Jagd, warf das Untier des Waldes, den erlegten -Bären, vor die Feuerstelle und spannte den Bogen -neu und schärfte die Speerspitze nach, bevor er sich erfrischte. -Lachend schloß die schöngeschmückte Hausfrau -den Wilden in die Arme. Und er saß bei ihr, den -Arm um ihren Nacken geschlungen, und besprach mit -ihr all sein tapferes Planen gegen das Raubzeug der -Tiere, der Menschen und der bösen Geister, und sie -gab ihm Rat und rief das Gesinde der Mägde und -lehrte sie, das Wildpret zerlegen, zubereiten und die -Armen und Hungrigen damit sättigen. Und Heimdall -trat zu dem edlen Paar an den gastfreien Tisch, ließ -sich den Bärenschinken munden und den schäumenden -Met aus dem Auerochsenhorn, freute sich der würzigen -Reden und weissagte den Starken zum Dank, daß aus -ihrer Kraft und ihrem hochgemuten Sinn die Fülle des -Wohlstandes erwachsen würde über das Haus hinaus<span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span> -zum Besten aller, die um das Haus sich scharten. Und -er schlief bei ihnen in der Kammer und schied im -Frührot.</p> - -<p>Die Frau aber gebar nach kurzem einen Knaben, -der hatte die Kraft des Bären, die Schnelligkeit des -Hirschen, das Auge des Falken. Stärker aber, rascher -und schärfer noch war sein Geist. Und Geist und Körper -waren wie Blitz und Schlag. Als er der Wiege entsprang, -rannte er in den Wald, erkletterte er die Berge -und ließ sein Jauchzen erschallen, daß die Menschen, -die ihn hörten, Kopf und Nacken streckten und das Echo -jubelten. Auf der Wiese griff er sich die Hengste und -ritt mit den Winden um die Wette, ohne zu ermüden. -Sein Pfeil holte den Vogel aus der Luft, sein Speer -den Wolf auf der Flucht. In der Brandung der See -kämpfte er mit den geschmeidigen Robben, als stände -er auf festem Land. Und wo es Hilfe galt, war er der -erste. Als er heranwuchs, baute er eine feste Burg, -und die Nachbarn siedelten sich an im Schutz seiner -Mauern und seines Schwertes. Im Kampf mit dem -Feind war er allen voran und zeigte den Seinen den -Sieg! Im Gericht kannte er nur die Gerechtigkeit, dann -erst die Milde. Im Rat aber war er, daß alle Nachbarn -ihm ihre Sorgen brachten, und er nahm sie, als<span class="pagenum"><a id="Seite_22">[22]</a></span> -wären es die seinen. Sein Leben war Kampf und Sieg, -für die andern mehr denn für sich, Tag und Nacht, -ohne die Rast des Bauern, ohne die Ruhe des Bürgers, -und er lehrte es wiederum die eigenen Kinder so, denn -sein Gemüt war fröhlich bei allem Mühen, und wenn -er durch die Schanzen seiner Burg, durch die Reihen -seiner todesmutigen Mannen, durch die Gehöfte und -Siedlungen der glücklichen Bauern und Bürger schritt, -sprach er stolz zu sich: Dies alles ist das Werk meines -Geistes, der mich und die Scharen lenkt, und es ward, -weil ich es verstehen lernte und ihm all meine Liebe -schenkte.</p> - -<p>So wurde der Stand der <em class="gesperrt">Krieger</em> und <em class="gesperrt">Heerkönige</em>, -und er war göttlich durch Heimdall, den -Wächter.</p> - -<p>Von Stund an tat jeder der Stände seine Pflicht in -seinem Kreis, und es herrschte in der Menschen Leben, -ihrer Arbeit und ihrer Freude Ordnung und Lohn. –</p> - -<p>Lächelnd reichte Wodan Heimdall die Hand zur Heimkehr. -Auf dem Hochsitz über der heiligen Türschwelle -saß er und ließ eine Esche wachsen, die ihre Wurzeln -in alle Welten senkte und deren Krone bis nach Asgard -ragte. Drei Wurzeln senkte sie hinab. Die eine saugte -ihre Säfte aus einem Brunnen unter Midgard, der<span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span> -Menschenerde, an dem die <em class="gesperrt">Schicksalsfrauen</em> wohnen, -die Nornen Urd, Skuld und Werdandi, die Künderinnen -alles Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen -im Menschenleben. Die zweite Wurzel saugte ihre -Säfte aus einem Brunnen unter Niflheim, dem Geheimnis -der Totenwelt, und der Drache <em class="gesperrt">Nidhögg</em> benagt -sie, um sie zum Sterben zu bringen. Die dritte Wurzel -aber saugte ihre Kräfte aus einem Brunnen unter -Utgard, der Welt der Riesen und Trolle, und <em class="gesperrt">Mimir</em> -birgt sich in ihm aus Ymirs Geschlecht, der Wissen und -Weisheit aus der Urzeit bewahrte, bevor die Götter -waren.</p> - -<p><em class="gesperrt">Yggdrasil</em>, Baum des Gerichts, hieß die Esche, die -Allvater gepflanzt hatte, um alle Welten fest ineinander -zu wurzeln unter der Herrschaft des Himmels. Einen -Adler setzte er in die Krone mit einem Falken zwischen -den Augen, daß ihm nichts entgehe. Ein Eichhörnchen -hüpft den Stamm hinauf und hinunter und hinterbringt -dem Adler und dem Drachen alle Scheltworte, die der -eine dem anderen gönnt. So bleiben sie alle zornig -wach.</p> - -<p>Und Allvater lachte zufrieden. – – –</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_24">[24]</a></span></p> - -<h2 id="Das_goldene_Zeitalter">Das goldene Zeitalter.</h2> -</div> - -<p class="drop">Ein Frühling, der nie verging, blühte und duftete -über Asgard, und die Götter gingen einher mit seliglachenden -Augen. Die wilden Naturkräfte waren gebändigt, -in ihre Schranken verwiesen und dem Wechsel -der Jahreszeiten dienstbar gemacht. Jenseits des breiten -Meergürtels, den die Asen um Midgard gelegt hatten, -hausten die Riesen. Auf der Erde wuchs zahlreich und -kräftig das Menschengeschlecht empor und brachte an -heiligen Stätten den Göttern geweihte Opfer dar. Tief -im Erdinnern aber schafften die Zwerge, klopften die -köstlichen Erze aus dem Gestein und schmiedeten wunderbares -Geschmeide, mit dem sich die Götter schmückten.</p> - -<p>Das schwerste Tagewerk, die Erschaffung und Ordnung -der Welt, war geschehen. Es war die Zeit, in -der die Götter an sich selber denken durften und an frohe -Feiertage.</p> - -<p>Geschwisterlich vereint, einer dem anderen in Liebe -zugetan, durchzogen sie die Blumenwiesen Asgards und -bauten sich himmlische Burgen auf mit ragenden Hallen -und zahllosen Fenstern zum Ausblick auf das Riesenland -und die Menschenerde. Viele Namen gaben die -Menschen den Göttern je nach der Sprache, in der sie<span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span> -sie verehrten, und die Nordmänner riefen den allweisen -Wodan <em class="gesperrt">Odin</em>.</p> - -<p>Gladsheim hieß Wodans goldglänzende Burg in -Asgard, die »Welt der Wonnen«, und der mächtigste -Saal darin war <em class="gesperrt">Walhall</em>. Ebenbürtig war ihm in -Gladsheim nur ein zweiter, <em class="gesperrt">Wingolf</em>, die heitere Halle -der Göttinnen. Mit Frigg, seiner hohen Gemahlin, -zeugte Wotan herrliche Asensöhne. Der herrlichste und -beste unter ihnen war <em class="gesperrt">Baldur</em>, der Lichte, den alle -Götter mehr liebten als sich selbst, weil er das Vollkommenste -war an Leib und an Seele, was Asgard hervorgebracht -hatte und durch seine frühlingsfrohe Erscheinung, -die kraftvolle Schönheit seines Wuchses und die -Reinheit seines Gemütes Freude hervorrief, wo immer -er ging. Breidablick hieß sein glänzender Saal, blank -wie die Sonne, und nichts Unreines durfte über die -Schwelle. Vorbildlich in allen Tugenden des Himmels -und der Erde, hell und klar wie der sonnige Tag stand -Baldur vor Göttern und Menschen, und sein Sohn, -<em class="gesperrt">Forsetti</em>, den ihm sein glückliches Gemahl <em class="gesperrt">Nanna</em> geschenkt -hatte, saß im Himmelssaale Glitnir als Gott -der Gerechtigkeit und übte die richterliche Obergewalt. -<em class="gesperrt">Hermodur</em> aber, der schnelle Götterbote, war Baldurs -Bruder und hing ihm zärtlich an.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span></p> - -<p>Neben seinem Vater Wodan ragte über alle Asen -<em class="gesperrt">Donar</em> hinaus, den die Nordmänner <em class="gesperrt">Thor</em> riefen. -Nichts kam seiner Körperkraft und seinem heldischen -Mute gleich. Er liebte die Menschen und ihr fruchtbares -Ackerland, bekriegte die Unholde und Riesen, -die die Erde bedrohten, und brauste mit seinem Bockgespann -durch die Wetterwolken, daß sie der dürstenden -Erde die heilbringenden Gewitterregen spenden mußten -und die erfrischende Luft. Tanngniost, der Zahnknisterer, -und Tanngrisnir, der Zahnknirscher, hießen die Böcke -vor seinem Wetterwagen. Seine Halle aber hieß Bilskirnir, -der Blitz. Selten war er daheim, der Vielbeschäftigte, -und die Menschen, wo immer sie den nährenden -Boden bestellten, liebten ihn in ihren Herzen und -Hirnen über alle die anderen Asen und hingen ihm -an in Not und Gefahr, denn sie fühlten sich ihm nahe, -weil <em class="gesperrt">Jord</em> seine Mutter gewesen war, die Erdgöttin. -Darum liebte auch er den Bauernstand. Seine Gemahlin -war <em class="gesperrt">Sif</em>, die so schönhaarig war wie goldenwogendes -Getreidefeld. Seine Tochter <em class="gesperrt">Thrud</em> wuchs -auf in des Vaters gütiger Art, während seine Söhne, -<em class="gesperrt">Modi</em>, der Zorn, und <em class="gesperrt">Magni</em>, die Kraft, des Vaters -Kämpferblut ererbt hatten. Bedurften die Götter des -stärksten aller Asen Hilfe, so riefen sie nur seinen<span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span> -Namen, und wie der Blitz stand Asathor unter ihnen. -Das Volk der Menschen aber opferte dem Stärksten der -Starken unter den ragendsten Eichen.</p> - -<p>Donar-Thor am nächsten an Heldenhaftigkeit und -Sorge um Menschenvolk und Menschenerde stand Tuisko, -<em class="gesperrt">Ziu</em> genannt und von den Nordmännern <em class="gesperrt">Tyr</em>. Als -Gott über den strahlenden Himmel gesetzt, beschenkte er -die Erde mit Wärme und Licht, bevor die Nacht kam, -und steigerte ihre Fruchtbarkeit. Feind war er darum -allen zerstörenden Kräften und hob das Schwert gegen -die gierigen Kriegerscharen, die sengend und mordend -ins Land fielen. Als Schwertgott feierte ihn deshalb -das Volk, ritzte seine Runen in die Klingen und huldigte -ihm in Schwertertänzen, wenn es galt, die Jünglinge -mutig und mannhaft zu machen; in Menschenopfern, -wenn es unter stürmischer Anrufung seines -Namens die Schlachtreihen des Feindes durchbrochen -und niedergestreckt hatte. In heiligen Hainen verehrte -ihn das dankbare Volk, und es bezeugte dem strahlenden -Himmelssieger die Ehrfurcht des Menschenkindes, -daß es seinen Tempelhain nur in freiwillig gewählten -Fesseln und tief zur Erde gebeugt betrat. Weiße Rosse -waren dem Schwertgott heilig, die mit den Hufen salzige -Quellen geöffnet hatten zur Kräftigung der kriegswunden<span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span> -Glieder, und das Wiehern der Rosse galt als -Weissagung.</p> - -<p>Wie der frühlingsfrohe Baldur als Gott des Tages, -so herrschte der blinde <em class="gesperrt">Hödur</em> als Gott der Nacht. -Einsam war er und schweigsam. Nur wenn das Licht -sich neigte, trat er in die Dämmerung, um in das -Dunkel zu wandern. Und da er blind geboren war, -wußte er wenig von dem fröhlichen Tun der Götter, die -ihn still seine Wege gehen ließen.</p> - -<p>Auch <em class="gesperrt">Hönir</em> wohnte in Asgard, der Fahrtgenosse -Wodans, der dem ersten Menschenpaare in Midgard -die Seele geschenkt hatte und die Bewegung der Glieder. -Er machte wenig Worte und war ein Mann des Friedens -und der Ruhe.</p> - -<p>Königlich anzusehen war <em class="gesperrt">Uller</em>, der über den Winter -gesetzt war und auf gewaltigen Schneeschuhen über -Schnee und Eis dahinstob, mit Pfeil und Bogen das -Wild zu jagen. Ihm jubelten die Jäger zu.</p> - -<p>Am königlichsten neben Wodan-Odin erschien <em class="gesperrt">Loki</em>, -der Gott des Feuers und der Hitze. Von verführerischer -Anmut und blendender Geistesschärfe, berufen, neben -Allvater zu stehen, fehlte ihm Wodans Willenskraft -und Baldurs sittliche Größe, so daß er oft und gern -seine hohen Gaben verwandte, um durch übermütiges<span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span> -Trugwerk und geistreiche Listen das Gelächter der Götter -zu erregen und sich im billig erworbenen Ruhm zu -sonnen. Da es seiner Herrschsucht und Eitelkeit nicht -gelungen war, der Erste der Götter zu werden, so -wünschte er ihnen seine überlegene List und Klugheit -ständig zu bezeigen, und was zuerst ein leichtfertig -Spiel erschien und lustiges Gelächter erregte, konnte -leicht zu unheilvollem Ernst werden, wenn die Götter -ihm nicht die Grenzen seines Tuns umschrieben. Als -Wodans Fahrtgenosse bei der Erschaffung der Menschen -hatte er dem ersten Menschenpaare einen Tropfen seines -Blutes vererbt: die ungezügelte Leidenschaft. Die Menschen -aber fürchteten sich vor dem unbeständigen, bald -schmeichlerischen, bald jähzornigen Gott und hielten sich -in ihren Anrufungen vor seinem Namen zurück.</p> - -<p>Asgards Wächter, der treue <em class="gesperrt">Heimdall</em>, saß als -Markgraf in seiner Halle an der Brücke <em class="gesperrt">Bilfrost</em>, -die sich wie ein Regenbogen vom Himmel zur Erde -spannte. Der Scharfäugigste war er und der Hellhörigste. -Hunderte von Tagereisen weit sah sein Auge -durch Tag und Dunkel, und sein Ohr hörte das Gras -auf der Erde, die Blätter an den Bäumen, ja die Wolle -auf den Schafen wachsen. Er war der Früheste, denn -er schlief nicht ein, weil er aus der Dämmerung des<span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span> -Abends schon die Dämmerung des Morgens ersah. -Keinen besseren Mann konnten die Götter an die einzige -Brücke stellen, die gen Asgard führte. –</p> - -<p>Ein Frühling, der unvergänglich schien, blühte und -duftete über Asgard, und die Götter gingen einher mit -seliglachenden Augen. Geschwisterlich vereint, einer dem -andern in Liebe zugetan, durchzogen sie die Blumenwiesen, -trieben ritterliches Spiel, huldigten Frigg, der -erhabenen Himmelsmutter, und den jüngeren Göttinnen -ihres Hofes, <em class="gesperrt">Saga</em>, der weisen, mit der Allvater den -Trunk des Wissens aus goldenen Schalen schöpfte, -<em class="gesperrt">Fulla</em>, der listigen Vertrauten der Himmelsmutter, -<em class="gesperrt">Menglod</em>, der flammenden Morgenröte, <em class="gesperrt">Idun</em>, der -jugendschönen, der ewig jungen, die die Zauberäpfel -bewahrt, von denen die Götter essen, um nimmer zu -altern, <em class="gesperrt">Gefjon</em>, der klugen, zu der die Mädchen beteten. -Manche gleich schöne, gleich kluge Götterjungfrau lächelte -aus Friggs Gefolge den Götterhelden zu, wenn sie auf -blitzschnellen Rossen über die Wiesen jagten, den Speer -schossen oder die heißen Schwerter über Schild und -Brünnen fegen ließen. Oder wenn sie auf den Bänken -der Halle saßen, Lieder zur Harfe sangen und den Met -sich zutranken, den die Holden ihnen in den kostbaren -Trinkgefäßen reichten, gefertigt aus blinkendem Gold<span class="pagenum"><a id="Seite_31">[31]</a></span> -von dem reichen Volk der Zwerge. Dann legten -die Götter den frohen Frauen funkelnden Schmuck um -Hals und Nacken, Edelgestein, das die Zwerge erschürft -hatten, glitzernde Halsbänder und schimmernde Kronreifen, -die Flut der Locken zu fassen, und schlangen die -Arme um die schlanken Hüften und wußten nur von -Liebe und nichts von Leid, weil sie einig waren und -einer des anderen sicher im selben Sippschaftsgefühl. -Und weil sie schuldlos waren und gerecht.</p> - -<p>So lebten die Götter ihr goldenes Zeitalter, und der -ewige Frühling blühte und duftete über Asgard und -sandte seine Sonne in alle Welten. –</p> - -<p>Heiteren Auges saß Wodan auf dem Hochsitz über -der heiligen Türschwelle seines Saales, die den Ausblick -bot nach Midgard, dem Land der Menschen, und -nach Utgard, dem Land der Riesen und Trolle. Seine -Jagdwölfe lagen ihm zu Füßen, und seine Weisheitsraben -flogen von seiner Schulter her und hin und -kehrten geruhsamen Fluges zurück. Denn nichts Böses -gab es zu melden. Das Volk der Menschen gedieh in -den drei Ständen, in die der treue Hüter Heimdall -Bauern, Bürger und Krieger gegliedert hatte, zu Wohlstand, -Glück und Ehre, und das Riesengeschlecht lag -schlemmend und zechend in den Grenzen, die ihm gezogen<span class="pagenum"><a id="Seite_32">[32]</a></span> -waren, sang und brüllte beim Gelage, daß oft -Meer und Erde erbebte, und schielte nur zuweilen wie -in erwachender Erinnerung nach den Göttern in Asgard. -Die <em class="gesperrt">Thursen</em>, das ist die Starken, nannten sie -sich, die Asen aber nannten sie um ihrer Gefräßigkeit -willen die <em class="gesperrt">Joten</em>, das ist die Fresser, und ihr Reich -<em class="gesperrt">Jotunheim</em>, das Vielfraßland. Oft waren die Thursen -von ebenso plumpem Wesen wie Gliedern, und es bedurfte -nur eines neckenden Wortes, daß sie wie Schlagetote -mit losgebrochenen Felsen und entwurzelten Bäumen -aufeinander loshieben. Wo aber etlichen unter ihnen -Weisheit geschenkt war, traten sie auf als Beherrscher -der Elemente und lenkten Meerflut, Sturm und -Feuersbrunst. Als gewaltige Baumeister suchten sie -ihresgleichen, denn ein kleines war es für sie, Felsen -auf Felsen zu türmen und Burgen zu erbauen, die -bis zum Himmel ragten. Oft waren ihre Weiber scheußlich -und verzerrt wie Strudel und Gischt, oft aber -auch über die Maßen schön wie lächelnd atmende -Meeresstille.</p> - -<p>Denn mächtige Wasserriesen gab es und furchtbare -Sturmriesen, Berg- und Waldriesen von ungeheuerlicher -Stärke und hitzige Feuerriesen. Ihre Jahreszeit hob an, -wenn der Sommer geschwunden war. Der heulende<span class="pagenum"><a id="Seite_33">[33]</a></span> -Herbst, der krachende Winter blieb ihre Freude, bis die -frühlingsfrohen Götter ihrem Gelärm Einhalt geboten.</p> - -<p>Der gutmütigste unter ihnen war <em class="gesperrt">Ägir</em>, der Herrscher -der weiten, der offenen Meere. Wenn die Götter -ausfuhren in die Welt, kehrten sie oft in seiner Meereshalle -ein und taten gewaltige Züge Metes bei dem fröhlichen -Alten. Bösartiger Natur war <em class="gesperrt">Ran</em>, sein Weib, -die Räuberin. Auf dem Grunde des Meeres kauerte sie -und stellte grausam ihre Netze nach den Schiffern, die -über sie dahinfuhren. Neun Töchter zeugte das Paar, -die wie spielende Wellen verführerisch lockten und die -in Liebe entbrannten Söhne der Männererde in ihre -Umarmung zogen und auf den Meeresgrund, in den -Todessaal ihrer Mutter Ran.</p> - -<p>Über das Eismeer herrschte <em class="gesperrt">Hymir</em>, der Frostriese, -vor dessen eisigem Blick Felsen zerbarsten wie Glas. -Den größten Braukessel besaß er, tief wie das Meer, -aber er hielt ihn unter Schloß und Riegel als unwirscher -Gesell.</p> - -<p>Scheusälig aber war <em class="gesperrt">Grendel</em> anzuschauen, der -Nebelriese der Sturmflut, mit drachenförmigem Haupt -und Krallen wie Stahl, gezeugt von einer wölfischen -Mutter, die bei ihm hauste und ihm auf seinen Unholdfahrten -gierig folgte. Unheimliche Schlupfwinkel wählten<span class="pagenum"><a id="Seite_34">[34]</a></span> -sie zu Wohnstätten, im fiebrigen Moor, in feurigen -Gewässern. Und Mensch und Tier erschauerte vor diesem -fiebrigen Feueratem.</p> - -<p>Jetzt aber gaben die Riesen Ruhe, denn der allweise -Wodan hielt sie im Bann seiner Gerechtigkeit. Nicht -umsonst hatte er Yggdrasil geschaffen, die Weltesche, die -ihre Wurzeln unter Midgard, Utgard und Niflheim -senkte und ihm Wissen gab aus allen Welten. Wenn -die Götter aus Asgard hinabstiegen, um über das Menschenvolk -zu richten, so stiegen sie zu dem Brunnen der -Nornen, aus dem eine Wurzel der Weltesche trank, zu -den Schicksalsmädchen Urd, Skuld und Werdandi, die -die Geschicke jedes Menschen wußten von seiner Geburtsstunde -an bis zur Todesstunde. Oft aber stieg Wodan -ungeleitet zum Brunnen Mimirs, des Weisesten der -Weisen aus Ymirs Geschlecht, das Welt und Urzeit sah, -bevor die Götter waren. Und er bot ihm göttliche Freundschaft, -wenn er ihm alles sagte aus der tiefsten Tiefe.</p> - -<p>»Wie soll ich deiner Freundschaft trauen?« sprach -Mimir. »Du bist ein Ase und ich ein Thurse.«</p> - -<p>»Wähl dir ein Pfand,« sprach Wotan.</p> - -<p>»Was hältst du am höchsten an dir?« fragte Mimir.</p> - -<p>»Meine allsehenden Augen.«</p> - -<p>»So gib mir das eine zum Pfand.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_35">[35]</a></span></p> - -<p>Da gab der Gott das Auge zum Pfand und gewann -Mimir zum Freunde. Und Mimir schöpfte mit Wodans -Auge die Tropfen aus der tiefsten Tiefe, und sie saßen -beieinander und raunten miteinander manche Nacht.</p> - -<p>Einäugig kehrte Wodan gen Asgard zurück. Aus -Liebe zu seiner Schöpfung, aus Liebe zu den Göttern -und Menschen hatte er sein Auge dargebracht. Denn -nun war der Allweise allwissend geworden.</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-035.png" alt="" /> -<div class="caption">»… und trank mit ihr aus einer Schale …«</div> -</div> - -<p>Oft wandelte er in Asgard zum Wohnsitz der Saga, -der ernstgerichteten Göttin, und trank mit ihr aus einer -Schale und besprach mit ihr feierliche Dinge, die wie Gesang -waren aus tiefen Brunnen. Und die Saga ritzte -sie in heilige Zauberrunen, während die Götter und -Göttinnen draußen über die blumigen Wiesen jagten -und sich in Liebe fanden, an festlichen Tafeln saßen -und sich mit Kränzen schmückten und dem funkelnden -Goldgeschmeide.</p> - -<p>Kinderselig hallte das Lachen über Asgards Wiesen, -durch Asgards Hallen.</p> - -<p>Wodans Ohr hörte es wohl. Sein Auge blickte -sinnend.</p> - -<p>Über Sagas Haar strich er und erhob sich.</p> - -<p>»Sie sollen fröhlich sein. Lange, lange … Denn so -lange die Götter schuldlos sind, sind sie unsterblich.«</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_36">[36]</a></span></p> - -<h2 id="Der_Wanenkrieg">Der Wanenkrieg.</h2> -</div> - -<p class="drop">Waffenruhe war auch auf Erden. Solange die -Götter in Gerechtigkeit ihres Amtes walteten, -erhaben über Neid, Selbstsucht und Gier, und sie zur -Muße ihre heiteren Spiele trieben, eiferten die Menschen -ihnen nach und freuten sich ihres Lebens. Sie -erfüllten ihr Tagewerk, und je reicher und lohnender -es war, desto fröhlicher gedachten sie der himmlischen -Spender, errichteten ihnen Heiligtümer und Altäre und -brachten ihnen in Begeisterung ihre Opfer dar.</p> - -<p>Seltsames bewegte Wodan in dieser glücklichen Zeit. -Übermütig macht das Glück, Götter wie Menschen, und -treibt sie über die Grenzen ihres Wesens. Wenn er -über der heiligen Türschwelle saß und alle Lande vor -ihm lagen, spähte er immer schärfer aus in das Leben -aller Dinge, sandte er immer häufiger seine Raben aus, -werdende Geheimnisse zu erforschen, und seine Jagdwölfe -wedelten unruhig mit dem Schweif. Ihm war, als seien -Kräfte am Werk, das Glück zu erschleichen, das er erschaffen -hatte, und das Köstlichste, was den Asengöttern -wurde, die Opfer des Menschenvolkes, abzulenken. Und -Wodan deutete die Vorzeichen.</p> - -<p>Nicht überall strebte der Opferrauch gen Asgard,<span class="pagenum"><a id="Seite_37">[37]</a></span> -dem Asenhimmel. Wohl wirbelten die Opferwolken im -Saxland, das steil unter seinem Sitze lag, mächtig wie -immer zu ihm empor, doch nördlich der Sachsen, dort, -wo Dänen und Schweden saßen, trieben sie ab und -suchten einen anderen Himmel. Und Wodan erspähte, -daß es der Himmel der Lichtgötter, der <em class="gesperrt">Wanen</em> war, -die sich beim Erscheinen der Götter in der Welt singend -und klingend von der Stätte harter Arbeit emporgeschwungen -hatten, um ein Reich der Schönheit und -des Glücksgenusses zu begründen.</p> - -<p>Da sprach Wodan zu sich selber:</p> - -<p>»Glück ist göttlich. Glück ist der Besitz. Glücksgenuß -ist irdisch. Glücksgenuß ist die Verschwendung. -Da die Masse der Menschen irdischer ist als göttlich, -wird sie nach dem Genusse greifen, statt nach dem Glück. -Und nur die Helden werden den kargeren Besitz des -Glückes wählen, der Arbeit ist und Aufopferung.«</p> - -<p>Und Wodan hörte und erspähte alles, was er von -den Wanen zu wissen begehrte. Verschwenderisch streuten -sie Fruchtbarkeit über Länder und Seen allen, die sie -anriefen, lehrten sie den Wert des Goldes, lehrten sie, -den Fleiß ihrer Hände in Gold umsetzen und das Gold -in üppigen Genuß, also, daß die Menschen nur noch zu -arbeiten wünschten um des <em class="gesperrt">Goldes</em> willen und um<span class="pagenum"><a id="Seite_38">[38]</a></span> -durch Gold alles zu beherrschen, Menschen und Dinge, -Länder, Völker und ihre Schätze, was immer ihnen auf -Erden zum mühelosen Genuß des Lebens verhelfen -könne. Feiner und wählerischer wurden die Anhänger -der Wanen, klüger und wissender, und sie dünkten sich -bald in ihrer verfeinerten Lebensführung hoch erhaben -über die rohen Sachsen in Saxland und die anderen -Völkerstämme, die auf Wodan schwuren, den Sturmgott, -auf Donar, den Gewitterbringer, und auf Ziu, -den Gott des blanken Schwertes. Über sie alle, die -rauhen und schlichten, denen die Arbeit Freude war, -Kraftempfinden und Lebenszweck, und der Feierabend -das Bewußtsein ihrer hart erworbenen und darum -doppelt gesteigerten Fröhlichkeit. Und Wodan witterte -die Gefahr.</p> - -<p>Einst, als er mit seinen Brüdern Wili und We den -stumpfsinnig verschlingenden Urriesen Ymir erschlagen -hatte, hatte er die niedere Geisterwelt gejagt, die von -den Göttern das Wissen geholt aus der gebärenden -Weltseele und das Göttliche gewandelt hatte in gemeine -Lüste und billigen Zauberspuk. Tausende waren -erwürgt an seinem Gürtel geblieben, wenige nur entkommen. -Aber einige waren zu den leichtherzigeren -Wanen entschlüpft, hatten sich zu wildquirlenden Scharen<span class="pagenum"><a id="Seite_39">[39]</a></span> -vermehrt und aufs neue die gold- und zaubersüchtigen -Menschen aufgesucht, die die verschwenderisch spendenden -Wanen opfernd verehrten. So kam mit der steigenden -Genußsucht der <em class="gesperrt">Aberglaube</em> in die Welt, der Feind -des Göttlichen. –</p> - -<p>Aufstanden Wodans Jagdwölfe und streckten die -Rute. Mit gesträubtem Haar standen sie und warteten -des Befehls des Meisters.</p> - -<p>Nacht war es und Wodan sattelte sein Sturmroß.</p> - -<p>In wehendem Mantel, den breitrandigen Wetterhut -tief über die blutige Augenhöhle gedrückt, damit das -andere, das Einauge, um so schärfer funkele, saß er -horchend im Sattel. Aufkreischten seine Raben. Von -seinen Schultern schwangen sie sich auf und jagten -voran. Hinter ihnen drein mit heiserem Gebell jagten -die Wölfe. Da gab Wodan seinem Sturmroß das Maul -frei, und der wilde Jäger stob mit Hussa und Peitschengeknall -in die Nacht. »Rafft, meine Raben! Würgt, -meine Wölfe! Stampf' sie, mein Sturmroß, in Kot! -Hussa! Hussa! Horrido!«</p> - -<p>Hinter den Gespensterscharen, die heimlich aus Wanenland -herübergeschlichen waren, seine Menschen zu verführen, -hetzte er einher. Entsetzt fuhr das Gelichter der -Schwarzalben und Truden, der Maren und Schrate wie<span class="pagenum"><a id="Seite_40">[40]</a></span> -Nebel- und Wolkenfetzen durch die Wipfel der Bäume -und suchte heulend das Weite. Wodans Sturmroß holte -sie ein. Seine Peitsche fuhr knallend durch die Luft, -und wen sie traf, den traf der Tod. »Hussa! Hussa! -Horrido!« Die Wolken jagten über den Himmel, als -wollten sie mit weitaufgerissenem Rachen den tanzenden -Mond verschlingen. Und im fahlen Licht der Sturmnacht -hetzte Wodan ohne Ermüden die unholden Geister, -den Alb, der sich den Menschen auf die Brust setzte und -sie bedrückte, den Mar, der ihnen das Blut aussog, den -Schrat, der sie äffte und die Trud, die sie behexte. Sie -alle, die seine Menschen quälten und sich zu willen -machten, bis die Erdgeborenen glaubten, es seien die -Götter selbst und nicht unholde Wesen, und sich den Gespenstern -ergaben.</p> - -<p>»Rafft, meine Raben! Würgt, meine Wölfe! Stampf' -sie, mein Sturmroß, in Kot! Hussa! Hussa! Horrido!«</p> - -<p>»Da jagt der wilde Wode!« stammelten die Menschen, -die im Geheul der Sturmnacht von den Lagern auffuhren -und angstvoll gen Himmel starrten. »Der wilde -Gespensterjäger fährt um.«</p> - -<p>Und doch öffneten sie hastig Fenster und Türen, um -den gejagten Spukgestalten Unterschlupf zu gewähren, -denn sie versprachen sich goldenen Dank von den Wichten<span class="pagenum"><a id="Seite_41">[41]</a></span> -und gierten nach irdischen Schätzen, statt nach der stolzen -Höhe der Götter.</p> - -<p>Nächte hindurch, Monde hindurch fegte Wodans -Mantel durch die Lüfte, knallte seine Peitsche wie krachendes -Holz, schrieen seine Raben, heulten seine Jagdwölfe. -»Auf daß das Geschlecht sich nicht vermehre!« -lachte er grimmig in den Bart und setzte vor allem -anderen Wild den kreischenden Frauen und Fräulein -der albischen Wesen nach, packte sie am Gewand, griff -sie beim Schleier, zog die Zappelnden hinauf auf sein -Roß und erstickte sie in seinen Umarmungen. »Frauenräuber!« -schalten die verblendeten Menschen hinter ihm -drein, »Weiberjäger!« Denn sie hielten für Liebesgier, -was Wodan in göttlichem Zorne tat, und ließen sich von -den Wichten, die sie abergläubisch hüteten, leicht bereden.</p> - -<p>Noch blieb viel Koboldvolk auf der Erde zurück, -Hausgeister und Waldfräulein, Korngeister und Wassernixen, -und Nächte und Monde jagte Wodan daher, den -Spuk zu vernichten, die Menschen auf sich selbst zu -stellen. Oft auch stieg er zu Mimir hinab und raunte -mit ihm am Brunnen. Denn er hielt das luftige Gesindel -der Alben nur für die Plänkler und Wegemacher -eines gefährlicheren Feindes, der Macht der Wanen, -und er wußte es in seiner Allwissenheit.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_42">[42]</a></span></p> - -<p>Einst kehrte er heim nach Asgard, sinnend und grübelnd, -und fand die Götter beim lärmenden Gelage wie -in einer großen Trunkenheit. So hatte er sie noch nie -geschaut. Nur Baldur stand abseits. Ihn ekelte das -weibische Getue.</p> - -<p>Einen strahlenden Blick warf Wodan auf seinen -Lieblingssohn. Dann trat er zürnend in den Kreis. -Doch keiner hatte Augen für ihn.</p> - -<p>Vor den Bänken der Götter und Göttinnen tanzte ein -nacktes Mädchen von niegesehener Schönheit. Farbenfunkelnde -Geschmeide von auserlesenem Feuer schmiegten -sich an ihre Brüste, daß ihr Weiß heller leuchtete als -der Schnee auf den Hügeln, rotgoldene Spangen, zart -wie Blattgold und von meisterlicher Arbeit umschlossen -die Fesseln ihrer Füße, daß die Glieder aus den Goldblättern -hervorwuchsen wie Lilienstengel, umschlossen -die Arme, daß sie sich dehnten und streckten wie heimlich -Geliebte, und Perlenschnüre träumten in ihrem -Dufthaar wie schmeichelnde Mondlichter in kosender -Nacht.</p> - -<p>»Tanze, tanze,« riefen die Götter mit funkelnden -Augen, »so wunderbar Schönes sahen wir nie, wie dich, -du Mädchen!«</p> - -<p>»Tanze, tanze,« riefen die Göttinnen mit heißen<span class="pagenum"><a id="Seite_43">[43]</a></span> -Blicken, »so wunderbar Schönes sahen wir nie, wie dein -Geschmeide!«</p> - -<p>»Das Mädchen ist es!« beharrten die Götter erhitzt.</p> - -<p>»Das Geschmeide ist es!« eiferten die Göttinnen. -»So schön sind wir, wie die Fremde, aber der Schmuck, -mit dem ihr uns beschenkt, ist plump wie Bauernschmuck -und hängt sich schwerfällig an unsere Glieder, statt ihre -Reize zu heben. Schafft uns solch Geschmeide, und das -Mädchen ist vergessen! Schöner sind wir, schöner!«</p> - -<p>»Wer bist du?« riefen die Asen, und es lag wie -Rausch über ihren Augen. »Wer gab dir den Schmuck? -Wo finden wir ihn?«</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Gullweig</em> heiß ich,« sang die Tänzerin, »vom -göttlichen Wanenstamm bin ich. Wir leben in Schönheit -und Freude! In Arbeit und kindlichen Spielen -ihr! Wißt ihr, was Freude ist? Verschwendung und -lachendes Leben! Seht her, so verschwende ich!«</p> - -<p>Und sie wirbelte vor den heißen Blicken der Männer.</p> - -<p>»Der Schmuck! Der Schmuck!« riefen die Göttinnen -und waren erblaßt vor Erregung.</p> - -<p>»Schmuck will erworben sein,« sang die Tänzerin. -»Einen Wert hat das Gold, mehr als ihr wißt! Für -rotes Gold und schimmernd Gestein kaufe ich Länder -und Völker, Weiber und Rosse, Leiber und Seelen. Es<span class="pagenum"><a id="Seite_44">[44]</a></span> -liegt bei den Riesen, es liegt bei den Zwergen, es liegt -bei den Menschen. Hervorlocken muß man es durch -Zauber oder Raub. Holt es euch, schmückt euch, genießt! -Nichts weiß euer Blut vom glühenden Leben!«</p> - -<p>Aller Arme streckten sich nach der tanzenden Wanentochter -aus. Sehnsüchtige Arme. Neidvoll gereckte -Hände. Da hob Wodan den Speer.</p> - -<p>Dreimal durchbohrte er Gullweig, die Wanentochter, -mit dem Speer. Dreimal schleuderte er ihren weißen, -schimmernden Leib in den flammenden Holzstoß, der -die Halle erwärmte und erleuchtete. Dreimal verbrannte -das Mädchen zu Staub. Dreimal erhob sie sich aus der -Asche. Da ersah Wodan, daß sie eine Zauberin der -Wanen sei, und ließ die Mißhandelte entfliehen.</p> - -<p>»Melde den Deinen, was dir widerfuhr, was ihrer -wartet!«</p> - -<p>Loki aber, der Geschmeidige, sammelte hastig aus der -Glut des Feuers den seltenen Goldschmuck, Perlen und -Geschmeide, und gab alles den Göttinnen und setzte sich in -Gunst. Finster gingen die Asen umher und neideten -dem Listigen den Vorzug.</p> - -<p>Wodan berief sie alle zum Rat.</p> - -<p>»Wer hat dem Wanenmädchen Einlaß gewährt zu -Asgards Wiesen?«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_45">[45]</a></span></p> - -<p>Und Heimdall antwortete: »Ich tat's, auf Gebot der -Götter, die sich berieten, als du fern warst. Sie war -ein Mädchen und ohne Waffen.«</p> - -<p>»Ihr Törichten,« sprach Wodan, »habt ihre Waffen -kennengelernt. Schwer seid ihr von ihren Waffen verwundet. -Schwerer als von Schwert und Ger. Denn -die Wunden, die sie euch schlug, heilen nicht und eitern -fort in der Gier nach Gold und Genuß. Vorbei ist es -mit der heiteren Ruhe. Wir müssen uns regen.«</p> - -<p>Da stimmten die Götter beschämt ihm zu und gaben -ihm Vollmacht, für alle zu handeln. –</p> - -<p>Einsam fuhr Wodan aus. Nur Gefjon nahm er mit -sich, die Kluge, zu der die Mädchen beteten. Von Saxland -fuhr er gen Norden, denn es war sein Plan, die -Wanenanhänger durch eine augenfällige Tat zu sich -zurückzuführen und die Menschen, die im Norden noch -nichts wußten von Wodan und den Seinen, zum Asenopfer -zu bekehren. So fuhr er gen Dänemark, das den -Wanen huldigte, und gedachte dem Volke über Nacht -ein reiches Neuland zu schenken, Ackerland für einen -seßhaften Bauernstand, der mit der Scholle die Arbeit -liebte und nicht die Leichtfertigkeit der Goldanbeter. -Neuland auch für neue Heiligtümer der Asengötter.</p> - -<p>Auf Fünen kehrte Wodan ein und lehrte Gefjon,<span class="pagenum"><a id="Seite_46">[46]</a></span> -die kluge, seine Pläne und verlieh ihr zur Ausführung -seine Zauberrunen. Da fuhr Gefjon, als listige Gauklerin -gekleidet, nach Schweden und vollführte vor dem -Beherrscher des Landes, dem König Gylfi, so lustige -Dinge, daß der König ihr einen Wunsch freigab. Und -sie erbat sich so viel Land zur freien Verfügung, wie sie -mit vier Ochsen während eines Tages und einer Nacht -umzupflügen vermöchte. Das gestand ihr der König -lachend zu. Gefjon aber fuhr noch in selber Stunde -nach dem Riesenland Jotunheim, gebar in der nächsten -Nacht einem Riesen vier Söhne, ließ sie kraft ihrer -Zauberrunen gleich bei der Geburt zu ihrer ganzen -Größe und Stärke aufwachsen, verwandelte sie durch -den Runenzauber in vier ungeheure Ochsen und kehrte -in nächster Nacht mit ihnen zu König Gylfi zurück. -Und Gefjon, die Kluge, spannte die Riesenochsen vor -den Pflug und packte die Pflugschar. Da schnitt das -Pflugeisen gewaltig tief und breit in das Land und -ackerte ein Stück Erde heraus, das nicht zu überblicken -war, und die Ochsen zogen noch einmal an und zogen -das herausgepflügte Land weiter und weiter gen Westen, -stiegen ins Meer und zogen es bis in den dänischen -Sund. Dort entließ Gefjon die Ochsen und nannte -das neugewonnene Inselland der See <em class="gesperrt">Seeland</em>. Das<span class="pagenum"><a id="Seite_47">[47]</a></span> -Loch aber, das sie in König Gylfis Land gerissen hatte, -füllte sich zu einem Binnensee, der der <em class="gesperrt">Mälarsee</em> -hieß, und in seine Buchten paßten bis ins Kleinste die -Landzungen und Vorgebirge Seelands.</p> - -<p>Und Wodan dehnte die Macht der Asen aus auf die -Insel und schuf ein Heiligtum auf ihr, zu dem die beschenkten -Dänen in Dankbarkeit opferten. Aber auch -König Gylfi in Schweden und viele andere Könige im -Norden, zu denen die Kunde kam, riefen erschreckt Wodan -an, den sie Odin nannten, und baten ihn in ihr -Reich. –</p> - -<p>Wodan war heimgekehrt nach Asgard, wo ihn die -Asen sehnsüchtig erwarteten. Viel Streit gab es zu -schlichten, den der listige Loki schadenfroh geschürt hatte, -und die alte Einigkeit war gestört im Rat und auf der -Metbank wie beim ritterlichen Kampf- und Wettspiel, -seitdem das lockende Weib in Asgard erschienen war. -Zu Mimirs Brunnen stieg Wodan hinab und raunte -lange mit dem Weisen.</p> - -<p>Und es war ihm offenbar, daß die Wanen heranrückten, -den Schimpf an Gullweig zu rächen und die -reichen Opfer der Menschen im Norden zurückzugewinnen. -Und Wodan wußte vieles und mehr und saß, -in die Zukunft grübelnd, auf seinem Hochsitz.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_48">[48]</a></span></p> - -<p>In hellen Haufen rückten die Wanen an. Die Luft -wimmelte von ihnen, wohin das Auge sah. Lichtgötter -waren sie. Darum ritten sie durch die Lüfte und -brauchten nicht über die Brücke Bilfrost hinweg, die -Heimdall hütete. Was ihnen an Kraft den Asen gegenüber -gebrach, ersetzten sie dreimal durch wunderbare -Waffen, zu denen ihnen ihr Reichtum, und durch die -Kriegskunst, zu der ihnen ihre verfeinerte Geistespflege -verholfen hatte. Jäh erschienen sie vor Asgard und -zerbrachen in geeintem Angriff den Burgwall der Asen.</p> - -<p>Dröhnend rief Wodan die Männer Asgards zum -Kampf. Ihnen allen voran stand er und schleuderte -als Heervater den Speer über die anstürmenden Völker. -Aber die Waffen der Asen waren wie Bauernwaffen -zu den erlesenen und erklügelten Waffen der Wanen, -wie der Schmuck ihrer Frauen und Jungfrauen ein -plumper Bauernschmuck geschienen war zu den berauschenden -Köstlichkeiten der tanzenden Gullweig. Donars -malmende Keule zersplitterte auf stahlhartem Wanenhelm. -Zius blankes Breitschwert brach und sprang aus -dem Griff, als er es gegen eine goldene Wanenbrünne -stieß, Ullers Pfeil und Bogen war wie ein Kinderspiel -vor den manneshohen Schilden der Wanen, und Baldurs -leuchtender Mut fand zwölf neue Gegner, wenn<span class="pagenum"><a id="Seite_49">[49]</a></span> -er einen gefällt hatte. Loki stand als Schutz und Schirm -bei den Göttinnen und stachelte die kämpfenden Asen -an, sich vor den Frauen zu zeigen und ihre Huld zu -gewinnen, denn er gedachte, übrig zu bleiben und höhere -Macht zu erringen. Und die Asen wurden uneins im -Kampf, trennten sich voneinander und suchten in heldischem -Zweikampf mit den Wanenführern die Augen -der Frauen auf sich zu ziehen, während die Scharen der -Feinde immer tiefer eindrangen in Asgards geheiligte -Fluren und die Himmelsburgen in Schutt und Asche -legten.</p> - -<p>Da packte Donar die Felsen an und riß sie aus -dem Grund und zermalmte mit ihnen die Haufen. Und -Ziu entwurzelte die ragendste Eiche und fegte mit ihr -die Stürmenden zu Hunderten. Die Himmel krachten, -die Menschen lagen betend auf ihrer Erde und die Riesen -in Jotunheim erhoben drohend ihre Häupter, um über -die erschöpften Asen- und Wanengötter in Haß und -Rache herzufallen.</p> - -<p>Wodan sah es. Er erkannte die größere Gefahr.</p> - -<p>Wie Donner rollte seine Stimme über die Köpfe der -Kämpfenden:</p> - -<p>»Ihr habt euch in den Waffen gemessen, ihr Götter -– nun meßt euch im Rat!«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_50">[50]</a></span></p> - -<p>Die Wanen wiederum aber hatten erkannt, daß sie -nur einen Augenblickssieg erringen konnten und vor -dem kraftvollen Asengeschlecht nicht bestehen würden, -wenn es in der neugewordenen Zeit sich seines schaffenden -Geistes entsann. Sie waren zum Verhandeln bereit.</p> - -<p>Im Rate saßen sie, Asen und Wanen, und stritten -lange um den Vergleich. Klug wie Kaufleute setzten -die Wanen zuerst den Preis des Friedens hoch, um ablassen -zu können und als die Gebenden zu erscheinen. -Sie forderten für Gullweigs Mißhandlung Zins. Da -lachten die Asen, daß sie sich krümmten, und wollten -von ihren Sitzen. Die Wanen beharrten nur scheinbar -auf ihrem Beschluß. Ihnen war um anderes zu tun. -Sie boten an, die Zinsforderung fallen zu lassen, wenn -sie von Stund an als gleichberechtigte Götter gälten, -den Asen gleich an Ehrung im Himmel und auf Erden, -gleichberechtigt zum Empfang der Opfer und durch auszutauschende -Geiseln <em class="gesperrt">eine</em> große Götterfamilie.</p> - -<p>Wodan, der allwissende, der in die Zukunft schaute, -schlug ein. Und die Asen bestimmten Hönir zur Geisel -für die Wanen, den Fahrtgenossen Wodans bei der -Menschenerschaffung. Da er aber langsam denkend war, -gab Wodan ihm den Mimir bei, den Freund und Vertrauten -am Brunnen, und die Wanen hielten ihn für<span class="pagenum"><a id="Seite_51">[51]</a></span> -einen der Asen. Sie selber ließen den reichen <em class="gesperrt">Njord</em> -als Geisel, der seinen lichten Sohn <em class="gesperrt">Freyer</em> mit sich -führte und seine liebliche Tochter <em class="gesperrt">Freya</em>. Und alle -die Götter, die Asen und Wanen, traten zur Bekräftigung -ihres Vertrages an ein Gefäß und spien hinein -und mischten den Speichel mit Honig und schufen -daraus gemeinsam den weisesten Mann. Der hieß -<em class="gesperrt">Kwasir</em>.</p> - -<p>So aber endete der erste Weltkrieg.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_52">[52]</a></span></p> - -<h2 id="Die_Goetter_auf_schiefer_Bahn">Die Götter auf schiefer Bahn.</h2> -</div> - -<p>In den Kreis der Asen war Njord ausgenommen -mit seinem Sohne Freyer und seiner Tochter Freya. -Gewaltiger Reichtum kam mit ihnen nach Asgard, aber -auch viel böse Lust nach Reichtum und manche Sucht -nach räuberischem Erwerb. Mehr und mehr ging die -Schlichtheit der Lebensführung dahin. Die Gelage -mehrten sich, die Abenteuerfahrten dehnten sich aus, -Liebeshändel kamen auf und nahmen zu im Himmel -und auf Erden, die Freude am Kriege erwachte und -führte in ihrem Gefolge Gewalttat, List und Betrug.</p> - -<p>Wohl waren die Wanen, die von nun an zu den -Asen gerechnet wurden, vornehme Wesen, doch ihre ganze -Art und Daseinsauffassung war freier, üppiger und -leichtherziger, und der Aufwand, den sie trieben und der -den Menschen reichere Opfer und prunkvollere Feiern -auferlegte, brachte die Asen von ihrem einfachen Götterwandel -ab und näherte sie den Begierden und Untugenden -der Menschen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Njord</em> liebte Jagd, Seefahrt, Fischfang und Handel. -Er machte das Meer fruchtbar und bevölkerte die Wälder -mit Wild. Er beschenkte die Menschen mit Reichtum, -gab den Schiffen günstigen Wind und ruhige See, den<span class="pagenum"><a id="Seite_53">[53]</a></span> -Jägern Beute über Beute. So riefen ihn alle an, die -Seefahrt und Jagd betrieben. Auch stammte die Göttin -Nertha von ihm, die in heiligem Hain am Meeresstrande -wohnte und die Fluren segnete zu wogenden -Saaten.</p> - -<p>Schön war <em class="gesperrt">Freyer</em>, sein Sohn. Schön fast wie Baldur. -Licht und heiter übte er sein Amt als Himmelsgott, tat -es seinem Vater gleich in der Spendung von Reichtum -und Fruchtbarkeit und schätzte deshalb den Frieden, damit -seine Gaben zu gedeihen vermöchten und Freude -brächten. Doch war er aller ritterlicher Übungen nicht -minder Herr, und er besaß ein Roß, das wabernde Lohe -durchstürmte, und ein Schwert, das sich von selber schwang, -galt es einen Feind.</p> - -<p>Die schönste im Himmel und auf Erden war <em class="gesperrt">Freya</em>, -Freyers Schwester. So reizvoll war sie an Wuchs, Antlitz -und Gebärde, daß sie Götter und Riesen, ja Menschen -und Zwerge entzückte und berückte und keine -Göttin begehrter und verehrter war als sie. Als -Göttin der Liebe wurde sie angerufen, gefeiert und besungen; -viele der Helden wünschten sich zu ihr und die -Frauen verlangten nach ihrem Saal, wenn der Tod -ihnen nahte. Folkwang hieß ihr Wohnsitz in Asgard, -das ist »Sammelstätte des Volkes«, und Seßrymnir ihr<span class="pagenum"><a id="Seite_54">[54]</a></span> -Saal, »der an Sitzen geräumige«. Die Zauberkunde der -Wanen, die den derben Asen fremd gewesen war bis auf -Wodans Runen, brachte sie nach Asgard und lehrte vor -allem den Liebeszauber Götter und Menschen. Fuhr -sie sichtbar hinaus, so fuhr sie auf einem schimmernden -Wagen, den ein geschmeidiges Katzenpaar zog. Fuhr sie -heimlich hinaus, so legte sie ihr zaubrisches Falkenhemd -an, daß sie blitzschnellen Flugs wie ein Vogel durch die -Lüfte glitt. Sie war so heiter, daß sie ihre Sitten oft -und gerne darüber vergaß, und wo sie erschien, herrschte -Jubel und Seligsein.</p> - -<p>Die Besten ihres Geschlechtes hatten die Wanen hingegeben. -Was sie dagegen erlangt hatten, war kein guter -Tausch und ließ sie bald verkümmern. Wohl wußte -Hönir, der ihnen von den Asen zugeteilt war, immerdar -klugen Rat, solange der weise Mimir bei ihm stand -und ihm Rede und Antwort einflüsterte. Geschah es -aber, daß Mimir abwesend war und die Wanen guten -Rats bedurften, so wußte sich Hönir, den sie zum Häuptling -erkoren hatten, nicht zu helfen und stammelte -schwerfällige Worte, die nichts besagten. Stutzig geworden, -forschten die Wanen dem Rätsel nach. Und sie -erforschten Mimirs Herkunft und den Betrug beim Vergleich -und ergrimmten dermaßen, daß sie Mimir das<span class="pagenum"><a id="Seite_55">[55]</a></span> -Haupt abschlugen, das Haupt des Getöteten höhnisch -heimsandten und den Asen vor die Füße werfen ließen.</p> - -<p>Wortlos hob Wodan das Haupt des erschlagenen -Freundes auf. Er salbte es ein und besprach es mit -Runensprüchen, die das tote Hirn auferweckten und der -Zunge die Sprache wiedergaben. Zur Weltesche Yggdrasil -ging er in der Nacht und stieg durch die Welt -hinab bis zu Mimirs Weisheitsbrunnen. In dem -blanken Brunnen barg er Mimirs Haupt, und oft stieg -er vom Himmel hinab zu dem tiefen Brunnen, wie die -Sonne hinabsteigt ins Meer, und holte sich neue Kraft -und Weisheit zu allen seinen schweren Werken.</p> - -<p>Denn oft machten die Götter Allvater das Leben -schwer durch wenig vorbildliches Wesen, und die Menschen -eiferten ihnen lieber in den Untugenden als in den -Tugenden nach, weil die Untugenden leichter zu verrichten -und meist um ein bedeutendes fröhlicher waren. -Seit Freya durch den Himmel schritt, gab es unter den -Göttern und Göttinnen viel Eifersucht, Neid und Streit. -Die lose Liebesgöttin aber hatte ihre heimliche Freude -daran und suchte immer neuen Anlaß, sich zu schmücken -und die anderen zu reizen. So fand sie einst in einer -Höhle vier Zwerge bei der Arbeit, die ein goldenes -Halsband von blendender Schönheit und unermeßlichem<span class="pagenum"><a id="Seite_56">[56]</a></span> -Werte schmiedeten. Sofort beschloß sie, es zu besitzen. -Aber die Zwerge, von den nie erschauten Reizen Freyas -berauscht, lehnten jeden dargebotenen Preis ab und -forderten endlich auf der Liebesgöttin Drängen für -einen jeden von sich eine Liebesnacht mit der lachend -gewährenden Göttin. Nach vier Nächten kehrte sie nach -Asgard zurück, und um Hals und Nacken trug sie das -Wundergeschmeide Brisingamen, dessen Name soviel heißt -wie Zusammenflechter, denn wenn sie erwachte und Brisingamen -um Hals und Nacken legte, glitzerte es über -Himmel und Erde, und das Frühlicht stieg auf, das -den jungen Tag mit der schwindenden Nacht zusammenflicht.</p> - -<p>Weit rissen die Götter die Augen auf, als Freya so -goldenstrahlend vorüberschritt. Und Loki, der listenreiche, -sann auf einen ebenbürtigen Schmuck, und er sah -Sifs, der Gattin Donars, den sie auch Thor nannten, -goldwogendes Haar und schlich ihr heimlich nach und -schnitt es ihr ab. Tobend vor Grimm suchte Thor den -Täter. Bald hatte er Loki erwischt, und seine mächtigen -Fäuste packten den Geschmeidigen, daß ihm die -Knochen im Leibe krachten. Wie ein Wurm wand sich -Loki und schwur alle Eide, der weinenden Sif neues -Haar zu schaffen aus echtestem Gold und so fein gesponnen<span class="pagenum"><a id="Seite_57">[57]</a></span> -wie Sonnenstrahlen. Da gewährte Thor ihm -Zeit, denn ihm lag daran, die Schönheit seines Weibes -wiederhergestellt zu sehen und den Spott zum Verstummen -zu bringen. Und der geängstigte Loki fuhr ab -zu den Zwergen.</p> - -<p>Zwei Zwergenbrüder waren <em class="gesperrt">Brock</em> und <em class="gesperrt">Sindri</em>, die -galten für die größten Meister aller Unterirdischen. -Freundlich sagten sie dem geängstigten Gotte zu, sein -Begehr zu erfüllen, und sie schmiedeten das Gold und -zogen es in Fäden so fein wie Sonnenstrahlen, und da -ihre Kunst eine lebenschaffende Kunst war, wie nur die -echte Kunst, so gewann das Goldhaar alle Eigenschaften -des natürlichen Haares und wuchs in goldenen Locken. -Die freundlichen Zwerge aber wollten Loki nicht reisen -lassen, ohne ihm Weihegeschenke mitzugeben für die -heiligen Götter, und sie schmiedeten für Wodan den -wunderbaren Speer Gungnir, dessen Wurf, ja dessen -bloßer Schwung den Tod bringt, und für die anderen -Asen das Wunderschiff Skidbladnir, das ohne Wind zu -fahren vermochte und durch den ärgsten Sturm, und -das sich zusammenfalten und in die Tasche stecken ließ.</p> - -<p>Lüstern sah Loki den Künstlern zu, und seine arglistige -Seele sann, wie er den Zwergen noch andere -Meisterwerke entlocken könne. Da nun der Zwerg Brock<span class="pagenum"><a id="Seite_58">[58]</a></span> -den Hauptanteil an der Arbeit getan hatte, so gedachte -Loki, einen der Zwerge gegen den anderen auszuspielen, -und er wettete scheinbar harmlos und wie aus fröhlicher -Laune heraus, daß Brocks Bruder Sindri die drei -Meisterwerke nicht durch seine Kunst überbieten oder -auch nur annähernd Gleichwertiges schaffen könne. Brock, -der seinen Bruder zärtlich liebte, nahm sofort Partei, -und Loki reizte ihn in eine Wette hinein, in der der -listige Gott sein Haupt verwettete gegen die drei Kleinodien, -die nunmehr Sindri schaffen solle.</p> - -<p>Ohne zu zögern, begann Sindri sein erstes Werk. -Und als es so weit war, daß es ins Schmiedefeuer mußte, -um geglüht und gehärtet zu werden, zog Brock den -Blasebalg, ohne auch nur eine Pause zu machen.</p> - -<p>»Weshalb setzest du nicht einmal aus?« forschte Loki -wie in harmloser Neugier.</p> - -<p>»Zöge ich den Blasebalg nicht nach Gebühr und setzte -ich nur eine Sekunde aus,« erwiderte der Zwerg, »so -würde das Werk einen Fehler erleiden.«</p> - -<p>Da verwandelte sich der ränkereiche Gott schnell in -eine Stechfliege, flog auf Brocks Hand, die den Blasebalg -zog, und stach ihn in den Finger. Aber Brock -verbiß den Schmerz, um des Werkes seines Bruders -willen, und hielt aus, bis das Werk fertig aus der Esse<span class="pagenum"><a id="Seite_59">[59]</a></span> -kam. Da war es ein Eber mit goldenen Borsten, der -schneller als ein Himmelsroß durch die Lüfte rannte -und dessen goldene Borsten taghell die dunkelste Nacht -durchleuchteten.</p> - -<p>Und Sindri begann sein zweites Werk, und als es -im Schmiedefeuer lag und Brock den Blasebalg zog, -flog ihm Loki als Stechfliege in den Nacken und stach -erbärmlich zu. Aber Brock zuckte nicht mit der Wimper, -so wahnsinnig der Stich ihn schmerzte, bis das Werk -fertig aus der Esse kam. Da war es der Ring Draupnir, -der Tröpfler, von dem in jeder neunten Nacht acht neue -kostbare Ringe abtropften, so daß sein Besitzer immer -der Reichste war.</p> - -<p>Und Sindri begann sein drittes und letztes Werk -und schob es in das Schmiedefeuer, und Brock zog den -Blasebalg in brüderlicher Treue. Da setzte sich ihm -Loki als Stechfliege mitten auf das Augenlid und stach -zu, daß ihm das Blut in die Augen floß. Brock zog -und zog, bis er vor rinnendem Blut nicht Esse noch -Blasebalg mehr erkennen konnte. Eine Sekunde nur -ließ er los, schlug nach der Fliege und wischte hastig -das Blut aus den Augen. Aber er hatte ausgehalten -bis gegen den Schluß, und als Sindri das Werk aus -der Esse nahm, war es ein Hammer, <em class="gesperrt">Mjolnir</em>, der<span class="pagenum"><a id="Seite_60">[60]</a></span> -Zermalmer, der nie zerbrechen konnte, nicht an Stahl -und nicht an Stein, und, wenn er geworfen wurde, -immer in die Hand des Werfers zurückkehrte. Nur der -Hammerstiel war ein wenig zu kurz geraten. Das war -geschehen, als Brock das Blut aus den Augen wischte.</p> - -<p>Voller Zorn über Lokis Arglist und Tücke verlangte -Brock den Preis der Wette, Lokis boshaftes Haupt. -Loki aber lachte ihn aus und wies auf den Hammer, -der mißraten sei. Da machte sich Brock mit Loki auf -nach Asgard, den Göttern die Gaben zu bringen und -ihren Schiedsspruch anzurufen.</p> - -<p>Wie staunten die Götter über die Wunderwerke, -über Sifs goldenes Haar, über Wodans Todesspeer -und über das zaubertätige Götterschiff. Mehr aber noch -staunten sie über den Ring Draupnir, den Tröpfler, -den der Zwerg Allvater Wodan zur Gabe brachte, über -den rennenden Goldeber, den er dem Wohltäter Freyer -verehrte, und am meisten über den Hammer Mjolnir, -den Zermalmer, denn es fehlte ihnen an gewaltigen -Waffen, denen der Feind nichts entgegenzusetzen wußte. -Und Brock überantwortete den Hammer dem freudig -zugreifenden Thor.</p> - -<p>Und Thor sprach:</p> - -<p>»Es ist der Hammer und der Mann, der hinter ihm<span class="pagenum"><a id="Seite_61">[61]</a></span> -steht, auf den es ankommt. Mag der Stiel nun lang -oder kurz sein.«</p> - -<p>Da fiel der Schiedsspruch der Götter zugunsten des -Zwerges, und Loki legte sich auf das Handeln und bot -allerlei Lösegeld, aber der erzürnte Zwerg beharrte auf -seinem Preis.</p> - -<p>»So hol dir den Kopf, du verkümmerter Gnom,« -lachte Loki und entglitt dem Verhöhnten auf seinen -Zauberschuhen in die Lüfte.</p> - -<p>Thors Biedersinn empörte sich über Lokis Betrug. -Er schirrte seine Böcke vor den Donnerwagen, den -Zahnknisterer und den Zahnknirscher, und brauste hinter -dem Flüchtenden her. Er holte ihn ein, zwang ihn in -den Wagen und brachte ihn dem Zwerg.</p> - -<p>»Halt,« rief Loki, als der Zwerg das Messer zog, -um den erwetteten Kopf herunterzuschneiden, »nur der -Kopf ist dein; schneidest du mir in den Hals, so gilt es -dein Leben.«</p> - -<p>Da lachten die Götter über Lokis gelungenen Scherz, -daß die Halle erbebte. Der Zwerg stand betroffen. -Ohne den Hals zu verletzen, vermochte er den Kopf -nicht abzulösen. Aber er zitterte nach Genugtuung. -Und da der Kopf sein war, ergriff er wütend eine Ahle<span class="pagenum"><a id="Seite_62">[62]</a></span> -und einen Riemen und nähte dem Lästerer Loki das -böse Maul zu. Dann erst trollte er sich befriedigt.</p> - -<p>Lange ließen die Götter Loki mit vernähtem Lästermaule -laufen. Dann aber fehlte ihnen sein scharfer -Witz wie sein kluger Rat, und sie zogen den Riemen -heraus. Denn sie wußten sich in einer schweren Sache, -die den Himmel bedrohte, nicht zu helfen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_63">[63]</a></span></p> - -<h2 id="In_Schuld_und_Schicksalskampf">In Schuld und Schicksalskampf.</h2> -</div> - -<p class="drop">Die Bekriegung der Gottheiten untereinander, der -Kampf zwischen Asen und Wanen, hatte alle Feinde -der Himmelsordnung das Haupt recken lassen in aufhorchendem -Frohlocken. Die Macht der Götter war nicht -unangreifbar. Sie beruhte auf ihrer Einigkeit, dem -festen Zusammenschluß aller ihrer Glieder und Gaben. -Uneinigkeit, ein Zersplittern ihrer Machtfülle und Zugeständnisse -an die anderen Welten mußten sie bald -verwundbar machen. So rechnete man in Utgard, dem -Land der Riesen und Trolle, wo alle Hasser saßen.</p> - -<p>Noch lag in Asgard die Himmelsburg mit Türmen -und Wällen zerstört. Unmutig dachten die Götter an -die gewaltige Arbeit des Wiederaufbaues. Gerade jetzt, -wo mit Njord und Freyer Reichtum und Wohlleben, -wo mit Freya, der Heischenden, Lust und Laune am -Liebesspiel fröhlichen Einzug gehalten hatten, waren -sie der Arbeit entwöhnt, und sie ratschlagten her und -hin, wie die Veste neu und noch stärker als zuvor erbaut -werden könne, ohne daß einer der Götter Zeit und -Mühe zu opfern brauche. Schon war es zu Unstimmigkeiten -und heftigem Hader gekommen, als unvermutet -Heimdall, der Wächter, einen Gast meldete.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_64">[64]</a></span></p> - -<p>Es war ein Mann von so ungeheueren Körpermaßen -und Leibeskräften, wie sie die Götter nie erschaut hatten. -Er ritt auf einem Roß, das des riesigen Reiters würdig -war, und gab an, aus fremden Welten zu kommen und -der größte Baumeister aller Zeiten zu sein.</p> - -<p>Da horchten die Götter auf. Das war der Mann, -der ihnen fehlte.</p> - -<p>Sie führten ihn rings um Asgard und ließen ihn -das Werk, das sie ihm zu übertragen gedachten, in -Augenschein nehmen und begutachten. »Eile tut not,« -sprachen sie, »es muß in kürzester Frist errichtet sein.« -Dies stellten sie zur Bedingung.</p> - -<p>Der gewaltige Baumeister ließ forschend seine Blicke -über Götter und Göttinnen schweifen.</p> - -<p>»Ich will die Burg uneinnehmbar bauen,« antwortete -er, »und noch während dieses einen Winters. -Doch müssen mir meine Bedingungen treu erfüllt -werden.«</p> - -<p>Da rieben sich die Asen vergnügt die Hände. »Fordere -was du willst.«</p> - -<p>Und der Baumeister sprach:</p> - -<p>»Wenn ich die Burg innerhalb der genannten Frist -und ohne auch nur einen Tag darüber hinaus zu gebrauchen, -errichtet habe, so sollt ihr mir als Lohn Freya,<span class="pagenum"><a id="Seite_65">[65]</a></span> -die Liebliche, zur Frau geben und zu ihrer Bedienung -die Sonnenjungfrau und die Mondjungfrau. Bedarf -ich zu meiner Arbeit auch nur eines Tages Länge -mehr, so habt ihr das ganze Werk, das ich geleistet -habe, umsonst und ohne Entgelt, und ihr könnt mich -von hinnen jagen.«</p> - -<p>Da wurden die Götter ernst und traten zum Rat zusammen. -Sie fühlten ihre Zusammengehörigkeit als ihr -Heiligtum und wünschten den Verlust der wärmespendenden -Freya und der lichtspendenden Jungfrauen -Sonne und Mond nicht aufs Spiel zu setzen. Schon -wollten sie das Ansinnen des starken Baumeisters als -eine Beleidigung zurückweisen, als Loki, der Vielgewandte, -das Wort ergriff. Er bewies den ernstgewordenen -Asen, daß es selbst für sie, die Götter, eine Unmöglichkeit -wäre, Asgards Veste in einem Winter zu -erbauen, um wie viel mehr für diesen grobknochigen -Schwätzer, der sich großtuerisch vermesse, die ganze -Arbeit allein zu verrichten und nur mit Hilfe seines -Pferdes. Jedenfalls aber würde der Fremde in seinem -Ehrgeiz ein hübsches Stück Arbeit zuwege bringen, bevor -er weggejagt würde, so daß den lachenden Göttern -nur noch die letzte Vollendung des Werkes übrig bliebe. -Und Loki redete so lustig und listig, daß er die Lacher<span class="pagenum"><a id="Seite_66">[66]</a></span> -auf seiner Seite hatte und sie ihm zustimmten, ohne -an seine Heimtücke zu denken. Loki selber aber dachte -sehr wohl an das Fehlschlagen seines Rates. Seine -Eifersucht jedoch erhoffte immer aufs neue ein Aufsteigen -seiner persönlichen Macht, sobald die Macht derjenigen -Götter, die ihm an Kraft und Ansehen überlegen -waren, geschwächt wurde.</p> - -<p>Der Baumeister wurde vor den Rat gerufen. Der -Tag des Winterendes wurde auf die Stunde bestimmt -und dem Festungsbauer Freya als Gattin zugesprochen -und die Jungfrauen Sonne und Mond als Dienerinnen, -wenn der Vertrag pünktlich eingehalten und eingelöst -werde.</p> - -<p>Der Baumeister verlangte zur Bekräftigung den Eid -der Götter.</p> - -<p>Da beschwuren die Götter die Wahrhaftigkeit des -Vertrages mit ihren höchsten Eiden. Nur Donar, der -donnernde Thor, schwur nicht mit. Denn er war nicht -anwesend und, wie immer vielbeschäftigt, ausgezogen, -um den im Schweiße ihres Angesichtes arbeitenden -Bauern beizustehen gegen die zerstörenden Gewalten -aus Utland, dem Riesenheim.</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-067.png" alt="" /> -<div class="caption">»… umschlang mit seinen Armen die höchsten Felsenberge …«</div> -</div> - -<p>Der Baumeister begann, ohne zu zögern, mit der -Arbeit. Er reckte seine Glieder ins Ungeheuerliche,<span class="pagenum"><a id="Seite_67">[67]</a></span> -umschlang mit seinen Armen die höchsten Felsenberge, -hob sie aus dem Grund und spannte sein Roß -Swadilfari vor, das sie mit Windeseile zu dem Bauplatz -zog, wo der ungetüme Meister sie kunstgerecht -schichtete. Tag und Nacht war Mann und Roß bei der -Arbeit, und die Burg wuchs und wuchs, und staunend -standen die Götter. Aber in ihr Staunen trat bald -eine tiefe Beklommenheit, und die Beklommenheit wandelte -sich in blassen Schrecken, als nur noch acht, dann -fünf und jetzt nur noch drei Tage zwischen der letzten -Vollendung der Burg und der Auslieferung der geliebten -Göttinnen lagen. Eifernd zog Freya umher, -traurig schlichen ihre Freundinnen Sonne und Mond -ihr nach.</p> - -<p>Da traten die Götter zum Rate zusammen, und sie -schwuren Loki, dem Verführer, furchtbare Rache auf -ewige Zeit, wenn er den Vertrag, den er ihnen aufgeschwätzt, -in letzter Stunde nicht hinfällig mache. Denn -sie waren sich bewußt, daß ohne Freyas Wärme und -ohne der Sonne und des Mondes Licht Himmel und -Erde vereisen und verkümmern müsse. Sie packten Loki -und schüttelten ihn im Zorn, daß ihm Feuer aus den -Augen sprang und er in Todesängsten alles versprach, -die Götter zu befreien.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_68">[68]</a></span></p> - -<p>Wohl hatte er gesehen, daß der fremde Baumeister -seine Arbeit nur mit Hilfe seines Hengstes Swadilfari -schaffen könne. Den Hengst mußte er ablenken. Und -er nahm die Gestalt einer schönen Stute an und lief -dem arbeitenden Hengst in den Weg. Der Hengst blieb -stehen, schnob durch die Nüstern und stieß ein liebestrunkenes -Wiehern aus. Alsbald tänzelte ihm die Stute -vor der Nase herum, tat verliebt und vertraulich und -stob von dannen, wenn der Hengst sie zu fassen glaubte. -Dem Hengst stieg das Blut in die Augen. Das Liebesspiel -brachte ihn um die Vernunft. Und als die Stute -ihm wieder schmeichlerisch nahe kam, ließ er Arbeit -Arbeit sein, warf das Geschirr ab und jagte hinter der -gefallsüchtigen Schönen drein. Da flogen die Funken -von ihren Hufen, und ganz Asgard erdröhnte von dem -wilden Galopp. Drei Tage und drei Nächte ging die -wilde Jagd, bis sich die Stute dem Hengst ergab, und -der Baumeister stand in der Stunde, in der er die Burg -übergeben sollte, vor dem unvollendeten Werk.</p> - -<p>Zornbebend rief er die Götter herbei, schrie ihnen -Lokis Verrat ins Gesicht und forderte sie auf, ihre Eidschwüre -zu halten, wie es die Wahrhaftigkeit geböte.</p> - -<p>Die Götter aber blieben kalt bei seinem Toben. Sie -wiesen auf das unvollendete Werk und schickten Freya<span class="pagenum"><a id="Seite_69">[69]</a></span> -und die Jungfrauen Sonne und Mond in ihre Gemächer.</p> - -<p>»Meineidige seid ihr!« brüllte der gewaltige Fremdling, -griff seine Werkzeuge auf und holte aus, um die -Burg und mit ihr die Götter zu zerschlagen.</p> - -<p>In Todesnot riefen die Götter Thors, des Donnerers -Namen. Und in selber Sekunde stand der Donnerer -mitten unter ihnen, denn er fuhr mit dem Blitze. In -der Hand wuchtete dem rotbärtigen Gotte der Hammer -Mjolnir. Beim ersten Blick erkannte sein Auge, daß -der ungetüme Baumeister ein Abgesandter des eisigen -und dunklen Riesenreiches sei, das sich Freyas Wärme -und das Licht von Sonne und Mond dienstbar machen -wollte, und ohne auch nur ein Wort zu reden, lief er -den Riesen an und schmetterte ihm den Hammer in den -Schädel, daß der fürchterliche Unhold wie ein gefällter -Baum tot zusammenbrach.</p> - -<p>Der Donnerer wischte den Hammer ab und steckte -ihn in den Gürtel. Er strich seinen gesträubten roten -Bart zurück und sah sich schweigend im Kreise um.</p> - -<p>Dann erst sprach er.</p> - -<p>»Nicht Rat und Rat und wieder Rat erhält am -Leben. Nicht bei Göttern und nicht bei Menschen. -Am Leben erhält nur die Tat!«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_70">[70]</a></span></p> - -<p>Sprach's, drehte sich um und ging seiner Wege.</p> - -<p>Die Stute aber, in die Loki sich verwandelt hatte, -warf von dem Riesenhengste Swadilfari ein wolkengraues -Fohlen, wie es schneller nie gewesen war und -niemals wieder wurde, denn es griff die Luft mit acht -Füßen und überholte den Sturmwind. Sleipnir hieß -es und wurde Wodans, des nordischen Odins, Roß. –</p> - -<p>Schwer an Gedanken saß Wodan an Mimirs Brunnen. -Das Riesenreich hatte es gewagt, einen heimlichen -Abgesandten nach Asgard zu entsenden, um die Einigkeit -der Götter zu zerstören und ihnen Wärme und -Licht zu rauben. Fast wäre den Riesen der Anschlag -gelungen. Und Wodan wußte, als er einsam in Mimirs -Brunnen starrte, daß sie von jetzt ab Anschlag auf Anschlag -wiederholen würden, um die Götter zu verderben -und über den Gestürzten das Reich der rohen Kraft -und Gewalt und die Herrschaft der Zügellosigkeit aufzurichten. -Und der einsam grübelnde Allvater wußte -mehr. Von der wachsenden Üppigkeit waren die Götter -zur Habgier und List, von der List zum Meineid fortgeschritten. -Meineidig waren die Götter. War das besser -als rohe Kraft und Gewalt der Riesen? Den Meineid -strafte die wahrhaftige Weltseele.</p> - -<p>Und Wodan, der Allwissende, sah die Strafe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_71">[71]</a></span></p> - -<p>Noch war sie fern, noch konnte sie durch glühende -Willenskraft zurückgedrängt, durch neuerwachte, neu -geschürte Begeisterung an der Ordnung der Welt hintangehalten -werden. Wegzuzaubern war sie nicht. Denn -über Götterrunen und Himmelskunst stand die Wahrhaftigkeit -der Weltseele, die sich selbst als oberstes Gebot -– auch für die Herrschenden – eingesetzt hatte.</p> - -<p>Am Brunnen Mimirs blickte Wodan, der Einsame, -in die Zukunft. Der allmächtige Vater der Götter und -Menschen erschauerte nicht. Allvater erkannte Allvaters -Pflicht. Ob sie schwer war, ob sie unerfüllbar war – -es durfte ihn nicht kümmern. Läßt ein Vater seine -Pflicht, wenn tausendfältig anstürmender Feind seine -Kinder zu zertreten droht? Der Vater nimmt den -Kampf auf, wirft sich dem Feind entgegen, lenkt ihn -ab, tut ihm Schaden und sucht, da er sie nicht zu retten -vermag, die Todesstunde seiner Kinder mit verdreifachten -Kräften hinauszuschieben, so weit er es nur -vermag.</p> - -<p>So auch dachte Wodan, der einsame Wanderer zur -Quelle Mimirs, als er sich vom Brunnenrand erhob -und in tiefem Sinnen heimkehrte gen Asgard.</p> - -<p>»Sie müssen den <em class="gesperrt">Begeisterungstrunk</em> haben,« -murmelte er. »Der Begeisterte verdoppelt Leben und<span class="pagenum"><a id="Seite_72">[72]</a></span> -Kraft, der Zagende bringt sich um Willen und Frieden. -Ich will ihnen den Begeisterungstrunk herbeischaffen, -daß sie das Fürchten verlernen. Herrscher können irren, -aber sie dürfen sich nicht fürchten.«</p> - -<p>Es war gewesen, als Asen und Wanen sich geeinigt -und sich gemischt und dessen zum Zeichen aus ihrem -vermischten Speichel den <em class="gesperrt">Kwasir</em> geschaffen hatten, der -die Weisheit der Asen und die Lebensfrohheit der Wanen -wie einen feurigen Rausch im Blute trug und alle Welt -mit seinen Gaben entzückte. Im Berge hockten ein paar -Neidlinge, Zwerge von kalter und berechnender Klugheit, -die Kwasirs hohe Gaben wohl einzuschätzen verstanden, -ohne daß es ihnen gelang, je aus einem ähnlichen -feurigen Götterrausch heraus zu schaffen wie -Kwasir. Sie blieben Handwerker, wo jener Künstler -war. So gedachten sie, ihm das Künstlerblut zu rauben -und es sich zu eigen zu machen. Sie baten den göttlichen -Kwasir, als er über die Erde wandelte und die -Menschen zu veredeln trachtete, zu einem Gastmahl und -stießen den Ahnungslosen, als er bei ihnen niedergesessen -war, mit ihren Messern zu Tode. Das aufspritzende -Blut fingen sie bis auf den letzten Tropfen -in zwei Krügen auf und in einem Kessel, der <em class="gesperrt">Odrerir</em> -genannt wurde nach dem berauschenden Blute. Die<span class="pagenum"><a id="Seite_73">[73]</a></span> -Krüge nannten sie Son und Bodn, das ist soviel wie -Sühne und Anbietung. Dem Blute setzten die kundigen -Zwerge Honig zu, so daß ein Met, ein Dichtermet -daraus wurde, der jeden, der von ihm trank, mit -Begeisterung erfüllte und zum Dichter und heldischen -Sänger machte. Zu den Asen aber trugen die Zwerge -die Kunde, der weise Kwasir sei eines Tages, da ihm -die Gedanken mehr denn je zuflogen, an seinem eigenen -Witz erstickt.</p> - -<p>Die beiden Zwerge hoben jetzt um so frecher das -Haupt. Hatten sie dem göttlichen Kwasir seine begeisterungweckenden -künstlerischen Gaben geneidet, so -neideten sie dem reichen Riesen Gilling seine irdischen -Schätze. Sie luden den Riesen ehrerbietig zu einem -Fischzug ein, trieben das Boot zum Kentern in eine -Brandung und schwammen tauchend an Land, während -der ungefüge Riese jämmerlich ertrinken mußte. Dem -jammernden Weibe Gillings aber ließen sie, als sie aus -dem Hause trat, um den Leichnam des Mannes zu -bergen, vom Dache aus einen Mühlstein auf den Kopf -fallen, der sie zerschmetterte, und aus der unbewachten -Wohnung raubten sie, was sie tragen konnten.</p> - -<p>Gillings Sohn jedoch, der Riese <em class="gesperrt">Suttung</em>, verfolgte -ihre Spuren, entdeckte die verbrecherischen Gernegroße<span class="pagenum"><a id="Seite_74">[74]</a></span> -und band sie mit Stricken, daß sie kaum noch atmen -konnten. Er verurteilte die Gefesselten zum qualvollen -Hungertode auf einer Meeresklippe. Vergebens boten -die Schwächlinge Hab und Gut zur Rettung ihres -Lebens. Als jedoch der Riese davonrudern wollte, -sprachen sie ihm von dem Köstlichsten auf der Welt, -von dem Rauschtrunk, dem Dichtermet, der da ewige -Liebe, ewige Jugendlust, ewigen Heldenruhm schaffe. -Der Riese horchte auf. Das dünkte dem Mann aus -dem Geschlecht der Thursen und Joten, der Säufer -und Fresser, ein begehrenswertes Lösegeld. Er nahm -die Wimmernden mit sich, ließ sie die beiden Krüge -mitsamt dem Kessel Odrerir herausschaffen und schenkte -ihnen das armselige Dasein. Von diesen Beiden aber -stammt die Sippe der Neidlinge allüberall.</p> - -<p>Den Rauschtrunk der Begeisterung brachte Suttung -ins Riesenland heim und versteckte ihn in einen hohlen -Berg, zu dem es keinen Zugang gab. Seine schöne -Tochter Gunnlod steckte er mit in den Berg, damit der -kostbare Met die kostbarste Wache habe.</p> - -<p>Diesen Wundertrank Odrerir gedachte Wodan seinen -Göttern gen Asgard zu holen. –</p> - -<p>In Menschengestalt zog er über die Erde und fuhr -über das Meer, das zwischen Midgard, dem Menschenheim,<span class="pagenum"><a id="Seite_75">[75]</a></span> -und Utland, dem Jotenheim, brandet. Und er -nannte sich Bolwerk, das heißt: Böseswoller. Zuerst -suchte er Baugi, des Riesen Suttung Bruder auf, denn -er wußte, daß Suttung mißtrauisch sei und unzugänglich -für Fremde. Neun Riesenknechte mähten die Felder -vor Baugis Haus. Sie riefen den Fremdling an, in -welchen Geschäften er reise und was er hier herumlungere, -und Wodan erwiderte bescheiden, er heiße Bolwerk -und sei seines Zeichens ein Sensenschärfer. Sein -Wetzstein vermöge die Sensen zu schärfen, daß sie in -Wiesen und Acker hineinschnitten wie in weiche -Butter und kein Knecht mehr einen Tropfen Schweiß -verlöre.</p> - -<p>Da drängten die Riesenknechte herbei und hielten ihm -lüstern die nackten Sensen hin, daß er sie wetze. Bolwerk -aber zog einen gemeinen Wetzstein hervor und -warf ihn hoch über ihre Köpfe. »Fangt ihn!« rief er. -»Wer ihn fängt, kann ihn behalten!« Und so hastig -und wild fuhren die Riesenknechte nach dem sausenden -Stein herum, daß die ungeschützten Sensen durcheinander -wirbelten und einer dem andern, im Drange, den -Stein zu erwischen, den Kopf vom Halse säbelte. Wodan -aber entwich, bis es Abend war.</p> - -<p>Er fand den Riesen Baugi jammernd vor seinem<span class="pagenum"><a id="Seite_76">[76]</a></span> -Hause sitzen und befragte ihn nach dem Grunde seiner -Traurigkeit.</p> - -<p>»Meine Knechte,« wetterte der Riese, »müssen sich -während des Mähens toll und voll gesoffen haben, denn -sie haben jählings das Raufen bekommen und sich allzumal -umgebracht. Ich aber kriege für die drängende -Ernte keine Knechte mehr.«</p> - -<p>Der fremde Wanderer, der sich Bolwerk nannte, -tröstete den Riesen.</p> - -<p>»Was ist dabei? Ich habe Kräfte für neun. Wohl -schaffe ich dir die Ernte ganz allein, wenn du mir dagegen -ein Trünklein von dem Wundermet deines Bruders -Suttung verschaffst, von dem ich in fernen Landen -so viel Rühmendes hörte.«</p> - -<p>Der Riese Baugi kratzte sich bedächtig den Kopf.</p> - -<p>»Was den Met angeht, o Bolwerk, so ist mein -Bruder Suttung in der Spendung auch nur eines -Schlückleins hartleibiger als ein Drache. Aber eine -Liebe ist die andere wert. Hilfst du mir, so helf ich -dir.« Und sie gaben sich den Handschlag darauf.</p> - -<p>Einen Sommer lang mähete Wodan des Riesen -Felder und brachte die Garben bis auf die letzte unter -Dach und Fach. Er, der einzige, allein. Und Baugi -gedachte seines ehrlichen Wortes und ging zur Winterszeit<span class="pagenum"><a id="Seite_77">[77]</a></span> -mit seinem Knechte Bolwerk zu seinem Bruder -Suttung, der sie beide vor die Türe warf.</p> - -<p>»Geht's nicht auf gradem, so muß es auf krummem -Wege gehen,« sprach Bolwerk zu Baugi. »Zeige du -mir nur den Berg.«</p> - -<p>Da wies ihm Baugi heimlich den Berg, den undurchdringbaren, -und freute sich hämisch, daß er nun -seines Wortes ledig sei, ohne daß er den Bruder dem -Fremdling zuliebe verriete. Wodan jedoch trug einen -Zauberbohrer bei sich, mit dem er ein feines Löchlein -in den Felsen bohrte, bis der Bohrer in die Höhlung -stieß, und er verwandelte sich in ein blitzschnell gleitendes -Schlänglein und glitt durch das Bohrloch in den Berg, -verwandelte sich in seine Göttergestalt zurück und stand -in bezwingender Allgewalt vor der heiß erglühenden -Jungfrau Gunnlod.</p> - -<p>»Nie sah ich einen Mann,« stammelte die Erregte, -»so herrlich anzuschaun wie du.«</p> - -<p>»Wodan bin ich, der Herrscher aller Welten, und ich -komme zu der Schönsten, die da lebt. Reich mir den -Willkommentrunk, mein Mädchen.«</p> - -<p>Da reichte sie ihm den Krug Son, und er trank ihn -leer in der ersten Nacht, die sie in seinen Armen lag, -und reichte ihm den Krug Bodn, und er trank ihn leer<span class="pagenum"><a id="Seite_78">[78]</a></span> -in der zweiten Nacht, die sie in seinen Armen lag, und -reichte ihm alles vergessend den Kessel Odrerir, und er -trank ihn leer in der dritten Nacht, die sie in seinen -Armen lag. Und in seliger Begeisterung gebar sie ihm -einen Sohn, der hieß <em class="gesperrt">Bragi</em>.</p> - -<p>Und als Wodan den letzten Tropfen des Begeisterungstrankes -in sich aufgenommen hatte, verließ er -mit seinem Sohne den Berg, wandelte sich in einen -Adler und schwang sich mit Bragi, der als jauchzendes -Lied auf seinem Rücken ritt, in Himmelshöhen zum -Flug gen Asgard.</p> - -<p>Der Riese Suttung vernahm den jauchzenden Sang -und den Flügelschlag. Da wußte er jäh, was ihm geschehen -war. Den Zauber der Riesen ließ er spielen -und stürmte als Adler dem Adler nach. Hin flog das -stürmende Lied in die göttliche Freiheit, und die riesische -Unvernunft setzte ihm nach, um es in ihren hohlen -Berg zu sperren. Asgard nahe war Wodans Adler, der -den Trank Odrerir im Leibe trug. Fast hatte ihn der -Riesenadler erreicht. Die Götter eilten herbei. Schon -flog die Begeisterung zu ihnen hinüber. »Heil!« riefen -sie Wodan zu. »Dreifach Heil!« Und Becher und -Schalen trugen sie herbei und hielten sie Wodans -Adler entgegen. Und der Adler ließ aus seinem<span class="pagenum"><a id="Seite_79">[79]</a></span> -Schnabel den Begeisterungstrunk Odrerir, den er in -sich trug, in die Becher und Schalen brausen, den schalen -Bodensatz aber, der im Bauche verblieben war, in -scharfem Strahl aus dem After fahren, also, daß er -dem Riesenadler in die Augen beizte und Suttung wie -verblödet niederfuhr.</p> - -<p>Von diesem stammt die Sippe der Afterdichter, die -echter Begeisterung bar sind.</p> - -<p>In Walhall aber, in Wodans gewaltiger Halle, -kreiste der Becher der Begeisterung, erbrausten die -Dichterlieder und schufen Heldenblut. Und als Bragi -heranwuchs, der Gott der Dichter und der Sänger, vermählten -ihn die Götter mit Idun, der Göttin der -ewigen Jugend, die die Äpfel des Jungseins hütete, -die nimmern altern lassen.</p> - -<p>Seit jener Zeit gehören göttliche Dichtkunst und -ewige Jugend unlösbar zusammen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_80">[80]</a></span></p> - -<h2 id="Die_Goetter_auf_Kundschaft">Die Götter auf Kundschaft.</h2> -</div> - -<p class="drop">Seit der Begeisterungstrunk in Walhall die Runde -machte und Bragi, der Dichtergott, seine Lieder sang -von Heldentum und ewig jungem Ruhm, gewannen die -Götter ihre alte Festigkeit zurück, und ihr Mut loderte -auf wie eine heilige Flamme gegen jedes dunkle Schicksal, -das an ihrer Vernichtung arbeitete. Reicher denn je und -freudiger denn je stiegen die Opfer gen Himmel, welche -die Menschen darbrachten, die wie die Götter zu kämpfen -hatten gegen dunkle Mächte und sichtbare Feinde allüberall -und darum <em class="gesperrt">die</em> Gottheiten am meisten liebten, -die ein kriegerisch Herz in der Brust trugen wie sie -selber.</p> - -<p>Das sah Loki, der neidische, mit starkem Unbehagen, -und seine Arglist suchte, wie er den im Opfer bevorzugten -Göttern Schaden antun könne, um sie niederzuhalten -und sich selbst zu heben. Es war zu der Zeit, da -Donar, der donnernde Thor, seine Kampffahrten plante -gegen die unheilstiftenden Riesenmächte in Utgard, die -seit des Riesenbaumeisters Erschlagung in rastloser -Unruhe blieben.</p> - -<p>Loki war nicht wählerisch, wenn es sich um die Erreichung -seiner ehrgeizigen Ziele handelte. Er wünschte<span class="pagenum"><a id="Seite_81">[81]</a></span> -insgeheim die Aufrührer zu stärken und ihnen einen -Zuschuß von der Unbeugsamkeit der Götter zu geben. -Darum fuhr er gen Utland ins riesische Jotenreich und -fand eine Riesin, Angurboda, ein fürchterliches Weib, -die ihm grinsend zu Willen war und ihm Drillinge -gebar von scheusäligem Aussehen. Den Fenriswolf, -die Schlange Jormungand und ein grausiges Weibsgeschöpf, -die Hel.</p> - -<p>Allvater erforschte die Drei, als er in einsamer -Stunde den Runenzauber befragte nach den Feinden -Asgards und der Asen. Die Götter gingen zu Rat und -beschlossen, den Riesen die Kinder Lokis abzufordern, -da sie zum Wohnsitz des Vaters gehörten. Die Riesen -willfahrten knirschend, denn noch wagten sie nicht offene -Auflehnung gegen ihre Beherrscher.</p> - -<p>Die Götter prallten zurück, als man die Scheusale -vor sie brachte. Lokis Brut zu ermorden, widerstand -ihnen an geheiligter Himmelsstätte. Aber unschädlich -sollte sie gemacht werden. Und Wodan packte die -Schlange und schleuderte sie in das Meer, das sich -brausend um Midgard schlingt, und die <em class="gesperrt">Midgardschlange</em> -dehnte ihren eklen Leib, daß er rund um die -Erde reichte und das Meer erfüllte, und sie biß sich mit -scharfem Gebiß in den eigenen Schwanz, also, daß sie<span class="pagenum"><a id="Seite_82">[82]</a></span> -einen ungeheuren Ring bildete. Das grausige Weib, -die <em class="gesperrt">Hel</em>, verbannte Wodan in die tiefste Tiefe von -Niflheim und setzte sie über die Totenwelt, in die nur -gelangte, der an schleichendem Alter und Krankheiten -aller Art, nicht aber an ehrlichen Schlachtenwunden -gestorben war. Und Hel trat die Herrschaft an und -war eine unerbittliche Forderin des Todes.</p> - -<p>Noch war der <em class="gesperrt">Fenriswolf</em> zurückgeblieben. Erst -trieben die Götter ihren Scherz mit dem Wilden. Aber -das Ungetüm wuchs mit jeder Nacht und drohte jeden -zu verschlingen, der sich ihm näherte. Da hielten es -die Götter bald für rätlich, ihn in Fesseln zu legen.</p> - -<p>Sie wanden eine Schlinge, fesselten sich selber damit -und zerrissen sie vor des Wolfes Augen.</p> - -<p>»Nun, Fenris,« sprachen sie, »bist du auch so stark, so -tue es nach.« Der Wolf ließ sich binden und sprengte -die Fessel mit einem Ruck.</p> - -<p>Da wanden die Asen eine dreifach starke Schlinge -und reizten den Wolf, bis er sich wieder binden und -schnüren ließ. Dreimal mußte der Wolf anrücken. Dann -sprang die Fessel in Stücke.</p> - -<p>Zu den kunstreichen Zwergen sandte Wodan und -befahl ihnen, eine Fessel herzustellen, die nicht zu lockern -sei. Und die Zwerge suchten die seltensten Stoffe aus<span class="pagenum"><a id="Seite_83">[83]</a></span> -aller Welt zusammen, Barthaare eines Weibes, Wurzelfasern -eines Felsen, Sehnenfäden eines Bären, mischten -alles mit dem Speichel eines Vogels, dem Atem eines -Fisches, der Geräuschlosigkeit einer Katze und wanden -eine schmiegsame Fessel daraus, die sich umso stärker -zusammenzog, je heftiger man gegen sie anging. Und -die Fessel hieß Gleipnir.</p> - -<p>An einen weltfernen, einsamen Ort begaben sich die -Götter und nahmen den Fenriswolf wie zur Begleitung -und Unterhaltung mit sich. Dort wiesen sie ihm die -Fessel und reizten ihn wie schon zu zweien Malen, -seine Kraft zu erproben. Aber der Wolf war mißtrauisch -geworden und wollte nicht.</p> - -<p>»Welch einen Feigling führen wir in unserer Mitte,« -höhnten die Götter ihn aus.</p> - -<p>Der Wolf wurde ärgerlich und wollte den Vorwurf -nicht auf sich sitzen lassen.</p> - -<p>»Ich fürchte mich vor nichts,« grollte er, »aber ihr -könntet mich bös verzaubern, während ich beschäftigt -bin, die Fesseln zu sprengen. Lege mir also einer von -euch die rechte Hand in den Rachen, damit das Wagestück -ordnungsmäßig vonstatten geht. Ich beiße sie ab, -wenn ihr Zaubereien treibt.«</p> - -<p>Verblüfft sahen sich die Götter an. Die Schwerthand<span class="pagenum"><a id="Seite_84">[84]</a></span> -wünschte nicht einer zu opfern. Da trat heißen -Angesichtes der tapfere Ziu vor, den die Nordmänner -Tyr nannten und dem die jungen Krieger als ihrem -Schlachtengott in blanken Schwertertänzen huldigten; -er schob dem Untier wortlos die Rechte in den Rachen. -Nun ließ der Fenriswolf das Abenteuer geschehen. Aber -als ihn die Fessel Gleipnir wie mit Schlangenarmen -umwand, daß ihm der ohnmächtige Schweiß aus allen -Poren brach und er spürte, daß seine Kraft überwältigt -sei, als die Götter die Fessel im Grunde der Erde verankerten, -so daß er nimmer los konnte, schnappte er zornwütig -zu und biß Tyr, der nicht mit der Wimper zuckte, -die rechte Hand ab. So gab der Gott selber seine Buße. -Dem Wolf aber, der alles um sich her zu verschlingen -drohte und mit seinem durchdringenden Geheul Lebende -und Tote erschreckte, stießen die Asen ein Schwert -zwischen die aufgerissenen Kiefern, daß das Geheul erstarb -und nur der Geifer des Wütenden in Strömen -hervorschoß. Dann ließen sie ihn in der Einsamkeit. –</p> - -<p>Wieder saß in Asgard Wodan, der Odin der Nordmänner, -und lange währte sein Gespräch mit Donar, -dem donnernden Thor, der nach ihm der mächtigste -war, der Mann der Tat. Ernst blickte Thor, und er -nickte zu allem, was Allvater sprach.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_85">[85]</a></span></p> - -<p>»Das Schicksal der Götter,« sprach Allvater, »liegt -in der Götter eigener Hand. Mut schreckt es zurück.«</p> - -<p>»Es ist wie bei den Menschen,« sprach Thor. »Jeder -ist Herr seines Schicksals, solange er um sich schlägt.«</p> - -<p>»Herrscher und Führer,« sprach Allvater, »sitzen -auf weithin sichtbaren Stühlen. All ihr Tun ist leicht -zu übersehen, und es ist leicht darum, sie anzugreifen.«</p> - -<p>»So sollen sie,« sprach Thor, »nicht auf den Angriff -warten, sondern den Angriff vorantragen.«</p> - -<p>»Du bist des Vaters echter Sohn,« schloß Allvater. -»So gehe denn hin und forsche den Feind in seinem -Lager aus.«</p> - -<p>Asathor schirrte seine Böcke in den Wagen. Er -schnallte den Stärkegürtel um, der seine Kraft verdreifachte, -und legte die Eisenhandschuhe an, mit denen er -den Stiel seines Hammers Mjolnir fassen konnte, wenn -der Hammer mitsamt dem Stiel glühend geworden war -in der Hitze des Kampfes. Den Hammer selbst barg er -am Busen. Dann lud er Loki zum Fahrtgenossen.</p> - -<p>»Es ist besser, ich habe dich bei mir, als daß du in -Asgard Schabernack treibst.« Und Loki, dem das Schicksal -seiner Brut vor ängstlichen Augen stand, sagte ihm -gute Reisekameradschaft zu.</p> - -<p>Gen Utgard ging die Fahrt, und am Abend des<span class="pagenum"><a id="Seite_86">[86]</a></span> -ersten Tages hatten sie den Rand der bewohnten Erde -am Meeresstrande erreicht und luden sich bei einem -Bauern zur Nacht ein. Schwer hatten die Felder des -Bauern mit den unwirtlichen Mächten aus dem jenseitigen -Utgard zu kämpfen, und um die Armut des -Mannes zu schonen, schlachtete Thor seine Böcke zur -Abendmahlzeit, gebot aber jedem in der Familie, die -Knochen fein säuberlich zu behandeln und unversehrt -auf die Bockfelle zu legen. So sättigten sich alle und -dankten dem gütigen Spender. Loki aber trieb es schon -wieder, dem starken Gott Verlegenheiten zu schaffen, und -er beschwatzte den Sohn des Bauern, ein Schenkelknöchlein -zu öffnen und das leckere Mark herauszusaugen.</p> - -<p>In der Morgenfrühe stand der Donnerer zur Weiterfahrt -bereit. Er beschrieb mit dem Hammer sein Zeichen -über Felle und Knochen, und augenblicks standen die -Böcke fahrtbereit im Geschirr. Der eine Bock aber -lahmte ein wenig und hinderte die schnelle Fahrt.</p> - -<p>Thor griff nach seinem Hammer. Seine Augen -blitzten vor Zorn und sein Rotbart sträubte sich. Da -erkannten ihn die Bauersleute als den Gewaltigen, der -ihre Äcker und ihr Leben schützte, und sie umfaßten -seine Knie und blickten ihn aus treuen Augen an.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_87">[87]</a></span></p> - -<p>»Asathor, es ist nicht unsere Schuld. Der, den du -bei dir führst, erlaubte unserem Sohne <em class="gesperrt">Thjalfi</em>, den -Knochen zu öffnen und das Mark zu saugen. Nimm -unseren Sohn Thjalfi zur Sühne als deinen Diener -mit dir. Keinen schnelleren im Lauf findest du unter -den Menschen.«</p> - -<p>Der Donnerer nahm die Sühne an und reichte die -Hand freundlich zum Abschied. Und zu Loki gewandt, -meinte er lächelnd: »Ich sehe, daß du lieber läufst, als -fährst. Es wird ein beschwerlicher Marsch werden, der -Schweiß kostet und Blasen unter den Füßen, aber du -hast es gewollt. Auf, Thjalfi!«</p> - -<p>Und er ließ das Bockgespann bei dem Bauern, daß -er es bis zu seiner Rückkehr gut verpflege und den -Schaden heile.</p> - -<p>Durch das Meer schwamm Thor mit Loki und Thjalfi, -und er wanderte mit ihnen durch die Wälderwildnis -von Utgard, daß Loki oft erseufzte. Und sie fanden -nichts Lebendiges und keine Herberge. Erst in dunkler -Nacht stießen sie auf eine Behausung. Aber statt durch -eine Tür mußten sie durch eine Art großen Schuppens -kriechen und zählten vier langgestreckte Hallen mit -einer fünften gekrümmten als Nebengelaß. Todmüde -sanken sie in Schlaf. Plötzlich fuhren sie wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_88">[88]</a></span> -empor. Das Haus schwankte unter einem greulichen -Sturmgezeter wie ein Schiff, das kieloben zu gehen -droht, und sie retteten sich eilends ins Freie und -wachten den Morgen heran.</p> - -<p>Am Morgen machte sich Thor auf Kundschaft. Er -ging dem Sturmgezeter nach und stieß bald auf einen -Riesen, der den Wald mit seinem Schnarchen füllte wie -die Sturmtrompeten die Luft, und Thor nahm seinen -Hammer. Im selben Augenblicke sprang der Riese auf -und war so bergehoch, daß Thor kaum zu seinem -Haupte hinaufzusehen vermochte und den Hammerwurf -unterließ. »Ich suche meinen Handschuh,« knurrte -der Riese, spähte umher und hob die Behausung auf -mit den vier langgestreckten Sälen und dem fünften -als Nebengelaß. Thor machte runde Augen. Im -Handschuh des Riesen hatte er mit seinen Gesellen genächtigt.</p> - -<p>Der Riese aber machte sich gutmütig mit den fremden -Wanderern bekannt, nannte sich selber <em class="gesperrt">Skrymir</em>, das -ist so viel wie Großmaul, und meinte, auf den Donnerer -weisend. »Dieser da ist unverkennbar. Es ist -Asathor, der den Hammer führt.« Und er erbot -sich, ihnen den Weg zur Königsburg in Utgard zu -weisen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_89">[89]</a></span></p> - -<p>»Ihr seid für den Marsch zu sehr mit euren Vorratssäcken -belastet,« meinte er bei der gemeinsamen Wanderung. -»Gebt mir die Bündel. Einem Kerl wie mir -macht es nichts aus.« Und er öffnete den eigenen Rucksack, -packte die Bündel seiner Begleiter hinein, schnürte -den Sack zu und warf ihn wie eine Feder über die -Schulter. Damit waren die drei Wanderer wohl zufrieden. -Weniger zufrieden aber waren sie, daß sie mit -den Riesenbeinen Schritt halten und einen ganzen Tag -lang, bis zum Einbruch der Nacht, Jagdhunden gleich -hinter Skrymir durch nicht endenwollende Waldwildnisse -rennen und stolpern mußten, ohne essen oder -trinken zu können. Und als der Riese endlich Halt -machte, weil es pechdunkel im Walde geworden war, -und die drei Gesellen atemlos bei ihm anlangten, hatte -sich Skrymir bereits in das Moos gebettet und schnarchte, -daß die Baumwipfel brausten und die Vögel aus den -Nestern stürzten.</p> - -<p>Loki drehte sich vor Hunger auf einem Beine und -verwünschte die verunglückte Reise. Thjalfi, der Läufer, -ließ die ausgetrocknete Zunge bis zum Kinn hinunterhängen. -Thor aber donnerte sie an: »Nie hilft schimpfen -zum Ziel oder schweigendes Ertragen! Regt die Hände! -Packt an!« Und sie packten zu dritt des Riesen Rucksack<span class="pagenum"><a id="Seite_90">[90]</a></span> -und wälzten ihn herum und mühten und mühten -sich vergebens, die Verschnürung zu öffnen.</p> - -<p>Thor griff nach dem Hammer.</p> - -<p>»Wach auf, du Schnarcher,« rief er, »wir verhungern!« -Und er schlug ihm den Hammer auf den -Schädel, daß der Wald wie von einer Pauke erdröhnte.</p> - -<p>Der Riese wischte schlaftrunken über seine Stirn. -»Es ist mir ein Blatt auf den Kopf gefallen,« murmelte -er, und schon schnarchte er weiter.</p> - -<p>Thor stutzte. Dann sammelte er eine Zeit lang -weise seine Kräfte, hob den Hammer und jagte ihn in -Skrymirs Wirbel, daß von dem Gedröhne die Berge -hüpften.</p> - -<p>Wieder fuhr sich der Riese schlaftrunken über den -Kopf. »Diesmal ist mir eine Eichel auf den Kopf gehüpft,« -murmelte er, und schon schnarchte er weiter.</p> - -<p>Sprachlos starrte der Donnerer auf den ungeheuren -Mann, bei dem selbst sein Hammer versagte.</p> - -<p>»Laß ab,« bat Loki in Ängsten, »hier findest du -leicht deinen Meister. Laß uns umkehren und nimmer -wiederkommen.«</p> - -<p>Mit einer Handbewegung tat Thor den Schwätzer -ab. Bis es dämmerte, ruhte er. Dann erhob er sich -neu gestärkt, ließ so schnell den Hammer kreisen, daß<span class="pagenum"><a id="Seite_91">[91]</a></span> -er Blitze schoß, und schmetterte ihn mit Donnergekrach -tief in des Riesen Schläfenbein.</p> - -<p>Der aber wurde munter und sprang auf die Füße. -Mit der Hand wischte er sich den Kopf.</p> - -<p>»Pfui! Pfui! Da hat ein Vogel mir 'was auf den -Kopf klatschen lassen. Ich mach mich davon.«</p> - -<p>»Erst zeig den Weg zu Ende!« verlangte Thor.</p> - -<p>Der Riese sah die von den Nachtwachen, von Hunger -und Durst Ermüdeten forschend an. »Wenn ihr auf -eurer Reise besteht, so sei's. Aber ich warne euch. Der -König <em class="gesperrt">Utgardloki</em>, zu dem ihr wollt, gebietet über -Riesenkerle, gegen die ich nur ein Kinderspaß bin. -Seid also fein bescheiden an seinem Hof, haltet die -Zunge im Zaum und überhebt euch nicht, damit ihr -halbwegs gesund von dannen schlüpft. Ich an eurer -Stelle trollte mich schleunigst und setzte meinen guten -Namen nicht aufs Spiel.«</p> - -<p>»Schweig, du Großmaul,« gebot Thor, »und weise -den Weg.«</p> - -<p>Da deutete Skrymir auf eine Waldlichtung, schulterte -seinen Sack und verschwand zwischen den Bäumen.</p> - -<p>Ohne Zögern marschierte Thor auf die Waldlichtung -zu, ob auch Loki ihn anflehte, das Abenteuer auf günstigere -Zeiten zu verschieben. Und als sie die Waldlichtung<span class="pagenum"><a id="Seite_92">[92]</a></span> -erreicht hatten, sprang vor ihnen auf einem -Felsen Utgardlokis Burg bis in die Wolken, von einem -Eisengitter dicht verschlossen. Kein Wächter meldete -sich, als sie riefen.</p> - -<p>»Wir sind so klein wie die Ameisen vor diesem -Riesenwall,« jammerte Loki.</p> - -<p>»Auch Kleinheit kann vom Flecke helfen,« entgegnete -Thor. »Sieh her!« Und er zwängte sich leicht -durch die Gitterstäbe und half den Gefährten nach. So -kamen sie in den Burghof, auf den die Königshalle -mündete, und Thor führte die Gefährten hocherhobenen -Hauptes in die Halle.</p> - -<p>Auf erhabenem Throne, die Schar seiner Riesenmannen -um sich, saß in dunkler Pracht der König Utgardloki. -Er zwinkerte mit den Augen, als vermöge -er nicht recht zu erkennen, was sich über den Boden -zu seinen Füßen auf ihn zu bewege.</p> - -<p>»Ei, du putziger Kleiner,« rief er dem Donnerer zu, -»was bist denn du für ein Kerlchen?«</p> - -<p>»Ich bin Donar, der Ase, den sie den Thor nennen. -Ich komme, dich zu besuchen.«</p> - -<p>»Kleiner Scherzbold,« spottete der Riesenkönig, -»Asathor willst du sein? Den hatte ich mir als einen -Mann gedacht, immerhin mir bis zum Bauche. Doch<span class="pagenum"><a id="Seite_93">[93]</a></span> -vielleicht – wer weiß es – kannst du mit deinen Gefährten -da allerlei Taten, die euch ein Wettspiel mit -meinen Mannen suchen lassen.« Und er lachte, daß sein -Bauch schütterte.</p> - -<p>Der hungernde Loki sprang vor.</p> - -<p>»Ich vermesse mich,« rief der Listige, »jeden zu -schlagen, der es mit mir im Essen aufnehmen will. Und -sei sein Magen so lang, daß ich selbst darin wohnen -könnte.«</p> - -<p>Die Wette machte dem König Spaß, und er winkte -einem seiner Hofleute, den er Logi rief, sich bereit zu -machen. Da wurde zwischen die beiden Kämpen ein -Trog geschoben, bis zum Rande gehäuft mit Rindervierteln, -und Loki, der Ase, setzte sich an das eine Ende -des Troges, und Logi, der Riese, an das andere. Dann -gab der König das Zeichen. Und sie aßen und fraßen, -daß ihnen die Augen aus den Höhlen quollen und den -Zuschauern die Haare zu Berge standen, und als sie in -der Mitte des Troges mit den Köpfen aneinanderprallten, -war der Trog bis auf den Boden leer, und sie -leckten sich die Lippen.</p> - -<p>Der König kam und sah in den Trog hinein. Da -lagen in der Hälfte, die Loki, der Ase, leergezehrt hatte, -die Knochen abgenagt und ausgesogen bis aufs Mark.<span class="pagenum"><a id="Seite_94">[94]</a></span> -Logi, der Riese, aber hatte die Knochen samt dem -Fleisch verschlungen und seinen halben Holztrog obendrein. -Darum wurde der Riese für den Sieger erklärt. -Loki war es einerlei. Er war satt geworden.</p> - -<p>Und der König wandte sich an Thjalfi und fragte -ihn, in welcher Kunst er sich etwas zutraue.</p> - -<p>»Ich bin ein Schnelläufer,« antwortete der Jüngling, -»stellt mich auf die Probe.«</p> - -<p>Der König rief einen Diener, den er Hugi nannte, -und alle gingen sie auf ein weites Feld. Der Knabe -rannte wie der Wind nach dem Ziel, aber Hugi flog -ihm voraus und kehrte zu ihm zurück, und Thjalfi -mußte sich geschlagen geben.</p> - -<p>Nun wandte sich der König Utgardloki dem Donnerer -zu.</p> - -<p>»Die Reihe ist an dir. Beweise uns die überlegene -Kunst der Asen und wähle selber.«</p> - -<p>Da wählte Asathor das Trinkhorn. Denn er war -ein Zecher, der alles Lebende unter die Bänke trank.</p> - -<p>So saßen sie in der Halle auf der Metbank nieder, -und Utgardloki hieß das Horn bringen.</p> - -<p>»Sieh dir meine Mannen an, Thor. Sie leeren dies -Horn auf einen Zug, wenn sie bei Laune sind. Sicherlich -aber in zwei Zügen. Wer es aber mit dreien nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_95">[95]</a></span> -zu leeren vermag, der läßt das Trinken den Männern -und schleicht sich hinaus zu den zullenden Knaben.«</p> - -<p>»Laß dein törichtes Reden,« sprach Asathor und hob -dürstend das Horn, daß der Inhalt in Strömen in ihn -hineinlief und alle Mannen die Hälse reckten. Aber -als er tiefatmend das Horn absetzte und hineinblickte, -bemerkte er zu seiner Bestürzung, daß das Getränk -nicht um eines Fingers Breite abgenommen hatte.</p> - -<p>»Du bist weise,« sagte Utgardloki. »Du hast zunächst -nur eine Kostprobe nehmen wollen.«</p> - -<p>Zornig setzte Thor das Horn zum zweiten Male an. -Aber nur der Innenrand des Hornes war freigelegt.</p> - -<p>»Nun hast du dir zur Genüge den Mund ausgespült,« -heuchelte der Riesenkönig. »Bist du nun endlich -auf den Geschmack gekommen, so trinke!«</p> - -<p>Asathors Antlitz färbte sich so rot wie sein Bart. Er -packte das Trinkhorn, daß es knirschte. Und zum dritten -Zuge hob er es an den Mund und sog und sog, daß -ihm die Adern wie Stricke über den Schläfen schwollen, -und stürzte und stürzte, daß es wie Meerflut in seinem -Halse rauschte, und setzte endlich ab. Da war der Trank -im Horn weit zurückgegangen, aber ausgetrunken war -er nicht.</p> - -<p>»Du bist heute nicht durstig,« meinte Utgardloki,<span class="pagenum"><a id="Seite_96">[96]</a></span> -der mit allen seinen Mannen ein wenig blaß geworden -war bei des Gottes wildempörtem Zuge. »Vielleicht -gefällt es dir, dich an ein Spiel zu machen, wie es -unsere Jungmannen zu ihrem Vergnügen treiben, -nämlich meine große Katze vom Boden zu heben. Es -wird für deine Kraft eher passen.«</p> - -<p>Der Donnerer spürte den Hohn. Aber er zügelte -seinen Zorn. Er ergriff die Riesenkatze, die sich auf -den Fliesen sonnte, am Bauchfell und glaubte sie zu -heben, aber die Katze hatte nur einen Buckel gemacht. -Er biß die Zähne zusammen und rüttelte das Vieh, -das sich steif auf den Beinen sperrte, zusammen. Und -dann glückte es ihm, ein Bein der Katze hochzuheben -und nicht mehr.</p> - -<p>Der Riesenkönig lächelte wie in Mitleiden. »Es ist -nicht recht von mir, dich mit deinem schwachen Körper -an Aufgaben zu stellen, die meine Leute mit ihren -Riesenkräften spielend lösen. In Asgard magst du der -stärkste sein. Hier kommst du, wie du selber siehst, nicht -in Betracht.«</p> - -<p>»Stelle mir einen Gegner,« brüllte Thor auf in -schäumender Wut, »jeden von euch, wer es auch sei. -Ich will ihn im Ringkampf werfen, daß er das Aufstehen -auf immer vergißt.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_97">[97]</a></span></p> - -<p>Die Riesen rührten sich nicht. Und erst nach einer -Pause sprach Utgardloki sanft:</p> - -<p>»Die Bärenkraft meiner Männer scheint mir zu unsanft -für dich. Versuche es zuerst mit einem Weibe. -Ruft mir einmal meine alte Amme Elli her. Sie genügt -für diesen Fall.«</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-097.png" alt="" /> -<div class="caption">»Da stellte ihm die Alte jählings ein Bein, über das er stolperte …«</div> -</div> - -<p>Die Alte kam grinsend auf den Asen zu, und Thor -nahm den Ringkampf auf. Mit geschlossenen Augen, -wortlos vor Grimm, rang er, daß ihm die Muskeln auf -den Armen zu tanzenden Ballen wurden. Er bekam -das Weib nicht unter. Da stellte ihm die Alte jählings -ein Bein, über das er stolperte und auf ein Knie stürzte. -Schon war er wieder auf den Füßen, als Utgardloki -die Kämpfer trennte und den schäumenden Asen für -besiegt erklärte.</p> - -<p>»Nun aber wollen wir uns zum Mahle setzen und -auch den Becher kreisen lassen, denn ihr habt euch nach -euren Kräften gut gehalten.«</p> - -<p>Das gnädige Lob vermochte nichts über den Donnerer. -Speise und Trank mundeten ihm nicht, und er -war froh, als alle zur Ruhe gingen. In der Frühe -wollte er mit seinen Gesellen fort.</p> - -<p>Der König der Riesen und Trolle, Utgardloki, stand<span class="pagenum"><a id="Seite_98">[98]</a></span> -am Burgtor, als die Wanderer am Morgen Abschied -nahmen. »Nun werde ich euch wohl niemals wiedersehen,« -sagte er bedauernd.</p> - -<p>»Nicht eher, als bis ich meiner Kräfte wieder Herr -und Meister bin,« entgegnete Thor finster.</p> - -<p>Der König hob beschwörend die Hand.</p> - -<p>»Stärkster der Asen, du hast gesehen, daß deine -Kräfte bei uns nicht für eine Katze und ein altes Weib -ausreichen. Ich aber will dir mehr sagen: dein Geist -reichte noch um vieles weniger aus. Eitel Blendwerk -habe ich dir vorgemacht, und du bist ihm nicht auf die -Spur gekommen. Ich wußte von deinem Nahen. Als -Riese Skrymir begegnete ich dir im Walde und suchte -dir deine Abenteuer zu verleiden, indem ich dich in die -Irre führte und dich hungern und dürsten ließ. Mein -Bündel war mit Eisenklammern verschlossen statt mit -Stricken. Dreimal schlugst du mir auf den Schädel, -und jeder Schlag hätte mich zermalmt. Aber ich hielt -mir jedesmal einen Felsblock vor, und du merktest es -nicht und schlugst Löcher in den Stein so tief wie ein -Brunnenloch. Nie sah ich einen einzelnen Mann -fressen, wie der verhungerte Loki fraß. Aber mein -Logi war kein Mann, sondern wildes Feuer, das den -Fraß mitsamt dem Trog verzehrte. Nie sah ich einen<span class="pagenum"><a id="Seite_99">[99]</a></span> -Menschen rennen, wie der Thjalfi rannte. Aber mein -Hugi war der hin und her jagende Gedanke. Dann -hobst du das Trinkhorn und merktest nicht, daß ich -seine gewundene Spitze tief in das Weltmeer versenkt -hatte. Meiner Treu, du hast die Flut so niedergetrunken, -daß von heute ein Zustand im Meere eingetreten -ist, den man die Ebbe nennen wird. Als du die -Katze beim Bauchfell packtest, merktest du nicht, daß du -die Midgardschlange gepackt hattest, die wie ein Ring -um die Erde liegt. Als du der Katze das Hinterbein -hobst, hattest du schon den Schwanz der Schlange aus -dem Meere emporgerissen. Die alte Amme Elli aber, -du blinder Thor, war das Alter, das keiner überwindet -und dem keiner stand hält. Dir mußte sie erst ein -Bein stellen, und trotzdem –«</p> - -<p>Thors Gestalt begann zu wachsen. Jedes Haar in -seinem Rotbart richtete sich steil empor. Seine Hand -tastete nach dem Hammer.</p> - -<p>Utgardloki, der König der Riesen und der zaubergewandten -Trolle, ließ kein Auge von ihm. Seine -Stimme wurde kreischend. Der Triumph über seinen -Sieg raubte ihm die Vernunft.</p> - -<p>»Hör mich zu Ende, schneller Gott. Wir haben dich -und deine Asenkraft jämmerlich betrogen und werden<span class="pagenum"><a id="Seite_100">[100]</a></span> -es wieder und wieder tun. Nimm dein Erlebnis als -Warnung! Kehre nie zu uns zurück! Wir machen -deinem Schädel neues Blendwerk vor, daß du wie ein -brüllend Tier in der Irre läufst und das Gelächter der -Welt dich nach Hause hetzt. Schau her und such die -Burg von Utgard!«</p> - -<p>Thor schwang den Hammer. Jäh hielt er ein, denn -er hätte ihn ins Wesenlose geschleudert. Die ragende -Burg zerfloß vor seinen sehenden Augen in Nebelstreifen. -Und wo der König Utgardloki gestanden hatte, -zog ein dampfender Schwaden durch die Luft. – –</p> - -<p>Zornigen Mutes wanderte der Donnerer dem Meere -zu. Seine Begleiter folgten ihm scheu. Und der Zorn -verwandelte sich in Nachdenklichkeit und befreite sich in -einem fröhlichen Götterlachen.</p> - -<p>»Ich habe eine Lehre erhalten,« sprach der starke -Ase, »und eine Lehre ist so viel wie ein Sieg. Denn -eine Lehre ist die Gebärmutter neuer Taten.«</p> - -<p>»Wie nennt sich die Lehre?« fragte Loki und schlich -sich horchend herbei.</p> - -<p>»Wenn du zu Spitzbuben gehst, <em class="gesperrt">schlag zu</em>, bevor -sie dich prellen,« antwortete Thor, schwamm, von -seinen Begleitern gefolgt, durch das Meer, fand bei den<span class="pagenum"><a id="Seite_101">[101]</a></span> -Bauern am Erdenrand seine geheilten Böcke wieder und -fuhr, durch die Wolken donnernd, heim gen Asgard.</p> - -<p>Lange weilte er bei Wodan im Gespräch, und -als er ihn hochgemut verlassen hatte, begab sich Allvater -zu der Göttin Saga kühlem Saal, über den die -Wogen rauschten, und trank mit ihr aus goldenen -Gefäßen, während er in Dichterworten sprach und -Saga sang. – –</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_102">[102]</a></span></p> - -<h2 id="Im_Zeichen_des_Hammers">Im Zeichen des Hammers.</h2> -</div> - -<p class="drop">Immer mehr häuften sich die Klagen über die Gewalttaten -der Riesenmächte. Seit sie die Asen in -Schuld verstrickt wußten, seit sie an den Himmlischen -Schwächen und Fehler erkannt hatten, seit sie in dem -gefürchteten Donnerer, nach Thors Fahrt zu Utgardloki, -nichts anderes als einen Tölpel von Bauerngott zu erkennen -glaubten und in dem Asen Loki oft genug einen -stillen Verbündeten, wuchs ihre freche Anmaßung zur -Unerträglichkeit, und besonders die Menschen hatten -unter ihren räuberischen Übergriffen schwer zu leiden.</p> - -<p>Der Donnerer aber hatte die erhaltene Lehre nicht -vergessen. Tag und Nacht war er auf der Fahrt, und -wohin ihn sein Bockgespann nicht trug, dorthin wanderte -er mit seinem Hammer zu Fuß. Reißende Ströme -durchwatete er, steile Felsenhäupter erklomm er, um der -Räuber und Mörder der Menschen habhaft zu werden. -Wo immer er sie antraf, stellte er sie wortlos zum -Kampf und zerschmetterte ihnen mit seinem Hammer -den Schädel. Da die Säufer und Fresser aber, die -Thursen und Joten, Scharen von Kindern erzeugten, -die in wenig Nächten stark und dick wie ihre Väter -waren, so hatte der Hammer Tag und Nacht zu tun,<span class="pagenum"><a id="Seite_103">[103]</a></span> -ohne daß er die furchtbare Arbeit vollauf zu bewältigen -vermochte. Und der Donnerer sah die wachsende Gefahr, -wie Allvater Wodan am Brunnen Mimirs, mit -stiller Sorge und schlug um so unerbittlicher drauflos, -um Luft zu schaffen und den Göttern Zeit.</p> - -<p>Nach <em class="gesperrt">Freya</em> stand der gierige Sinn der Riesen. -Ihre strahlende Wärme brauchten sie für ihr kaltes -Reich und ihre Lieblichkeit zur Auffrischung ihres -Wesens. Dessen waren die Götter sich wohl bewußt, -und sie hatten Ursache genug, offene und versteckte Angriffe -zu erwarten und abzuschlagen. Im übrigen aber -schützte sie Thors Hammer.</p> - -<p>Um so furchtbarer war darum die Bestürzung, als -eines Morgens der Hammer verschwunden war. Der -Donnerer hatte ihn in einer Nacht, die er daheim verbringen -konnte, neben sich auf dem Lager gehabt. Als -er erwachte, griff er, wie stets zuerst, nach dem Stil. Er -tastete vergebens. Mit einem Satz war er auf den -Beinen, suchte sein Haus ab und donnerte die Götter -aus dem Schlummer. »Wer hat mir den Schabernack -angetan? Das ist kein Scherzspiel, und ich will es nicht -leiden!«</p> - -<p>Die Götter jedoch waren unschuldig an dem Verschwinden -und blickten dem Erzürnten offen in die<span class="pagenum"><a id="Seite_104">[104]</a></span> -Augen, ohne sich Rats zu wissen. Nur Loki grinste ein -wenig in sich hinein. Als ihn aber der Donnerer mit -zornfunkelnden Augen anfuhr, und die Götter klagend -den Untergang Asgards weissagten, wenn der schützende -Hammer nicht zur Stelle geschafft würde, wurde Loki -geschmeidig, trat in den Kreis und gab sich ein großes -Ansehen.</p> - -<p>»Obwohl ihr es euch nicht zugestehen wollt, daß ich -der Klügste bin, um nicht das winzigste Steinlein aus -eurer Krone zu verlieren, will ich euch noch einmal den -Beweis liefern und euch damit zur Anerkennung zwingen. -Jammert weiter. Ich fahre in die Welt und suche -den Hammer bei Riesen und bei Zwergen, im Schoße -der Erde und auf dem Meeresgrund. Und ich werde ihn -finden.«</p> - -<p>Dann bat er Thor, ihm zu Freya das Geleit zu -geben, denn er wünschte sich Freyas Falkenkleid zur -Reise zu leihen, war aber bei Freya um seiner tückischen -Liebeswerbungen willen nicht wohl gelitten. Freya -willfahrte auf der Stelle und gab das Kleid. »Und -wenn es von Gold und Silber wäre, ich gäb es her für -den Hammer, der mich vor dem Begehr der scheußlichen -Riesen schützt.«</p> - -<p>Loki legte es an und fuhr brausend von dannen. Er<span class="pagenum"><a id="Seite_105">[105]</a></span> -fuhr nicht in den Schoß der Erde und nicht auf den -Meeresgrund. Stracks fuhr er ins Riesenland nach -Jotunheim und fand den Riesenfürsten <em class="gesperrt">Thrym</em> vergnügt -seine Rosse striegeln und schmücken.</p> - -<p>»Nun?« rief er dem heranbrausenden Loki entgegen. -»Was jagt dich so sturmschnell nach Jotunheim? Geht -es den Asen nicht gut, und suchst du ein Mittel gegen -ihren Kopfschmerz?«</p> - -<p>»Höre mich, Thrym,« sagte Loki schmeichelnd, »ich -muß den Hammer wieder holen. Käme ich ohne ihn -heim, so möchte es mir auf ewige Zeiten übel ergehen.«</p> - -<p>»Ach nein,« sprach Thrym vergnügt, »den Hammer -willst du zurück? Ich bin froh, daß ich ihn habe.«</p> - -<p>»Du kannst ihn ja doch nicht verwenden,« redete Loki -ihm zu. »Nur in des Donnerers Hand zeigt er seine -Kraft.«</p> - -<p>»Wohl, wohl,« nickte Thrym. »Und wenn er sich -nicht in des Donnerers Hand befindet, ist er nicht gefährlicher -als ein kurzgestieltes Stück alten Eisens. -Damit ist viel gewonnen, wenn es zum Kampfe kommt.«</p> - -<p>»Zum Kampfe um Freya, Thrym?«</p> - -<p>»Um Freya, die liebliche, die süße. Aber es braucht -nicht einmal zum Kampfe zu kommen. Die Asen können -ihre heilen Köpfe und ich mein fröhliches Blut bewahren,<span class="pagenum"><a id="Seite_106">[106]</a></span> -wenn sie mir im Tausch Freya ausliefern gegen Thors -Hammer. Im Arme der Lieblichen verzichte ich auf den -Ruhm, euch zu prügeln.«</p> - -<p>»Ich werde es gerne bestellen,« lächelte Loki schadenfroh -und brauste gen Asgard zurück. Großtuerisch trat -er in den Kreis der Götter. »Wo ist der Hammer?« -donnerte Thor.</p> - -<p>»Auf daß ihr seht, daß ich der Klügste bin – der -Hammer ist gefunden. Bei Thrym liegt er, dem Riesenfürsten, -zehn Klafter tief in der Erde versteckt, und das -Versteck weiß nur Thrym.«</p> - -<p>»Was frohlockst du denn, Prahlhans, der Hammer -sei gefunden?« schnob der Donnerer.</p> - -<p>»Weil ich,« versetzte Loki mit Wichtigkeit, »den Riesen -bewog, freiwillig den Hammer herauszugeben. Er will -es tun, so ihr ihm im Austausch Freya zum Weibe -gebt.«</p> - -<p>»Niemals,« rief Freya, die liebliche, entsetzt, »niemals -lasse ich meinen schlanken Leib an die Dickwänste verschachern!« -Und die Götter standen in tiefer Verlegenheit -und wachsender Sorge.</p> - -<p>Nur der Donnerer hatte sein Gleichgewicht wiedergefunden.</p> - -<p>»Meine Lehre besagt,« sprach er grimmig, »wenn<span class="pagenum"><a id="Seite_107">[107]</a></span> -du zu Spitzbuben gehst, schlag' zu, bevor sie dich prellen. -Das gedenke ich auch diesmal zu tun, und ich werde -selber gehen.«</p> - -<p>Da berieten die Götter heftig über die Ausführung -der Reise, und Heimdall, der treue Wächter, sprach: -»Sie werden dir wieder ein Blendwerk vorgaukeln, -wenn du offen als Asathor zu ihnen kommst. Drum -rate ich dir, lege Freyas Brautkleid an und umhülle -dein Gesicht mit Freyas bräutlichem Schleier, daß dich -niemand erkennt und dich der liebesblinde Thrym mit -offenen Armen in seinen Saal aufnimmt. Das andere -bleibe dann leicht dir überlassen.«</p> - -<p>Wohl wehrte sich der stolze Donnergott gewaltig gegen -die weibische Verkleidung, aber zuletzt mußte er sich dem -Bitten und Drängen der Asen fügen, da auch er keinen -besseren Rat wußte, und er ließ sich in die Weiberröcke -zwängen, hing den klirrenden Schlüsselbund an, schmückte -Hals und Nacken mit dem leuchtenden Schmuck Brisingamen -und wickelte den Schleier dicht um Haupt und -Feuerbart. Dann winkte er Loki.</p> - -<p>»Du begleitest mich als meine Magd. Du sollst auch -deine Freude haben.«</p> - -<p>Und Loki mußte, obwohl er lieber beiseite geblieben -wäre, in die Magdkleider hinein und mit auf die Fahrt.<span class="pagenum"><a id="Seite_108">[108]</a></span> -Funkenstiebend flog des Donnerers Bockgespann mit -den Beiden durch die Lüfte.</p> - -<p>»Sie kommt, sie kommt,« jubelte Thrym. »Freya, -die liebliche, kommt, mein Lager zu wärmen! Auf, -schmückt mir den Hochzeitssaal, rüstet das Mahl, schleppt -Met herbei! Diese Nacht noch ruh ich am Herzen der -lieblichsten Göttin!«</p> - -<p>Sie saßen beim Hochzeitsmahle, und neben dem -Freudetrunkenen saß Asathor im Brautgewand, das -Antlitz dicht vom Schleier umhüllt. Wortlos saß er -im Saal, den wohl hundert Riesen und Riesinnen -füllten, um sich durch seine rauhe Sprache nicht zu verraten, -aber er klimperte zuweilen mit dem Schlüsselbund -und zupfte die Steine seines Geschmeides hervor, -daß sie berauschend schimmerten und blitzten. Als aber -das leckere Mahl mitsamt dem Met aufgetragen wurde, -vergaß er die Vorsicht, aß einen ganzen Ochsen und -acht Lachse auf einem Sitz und vertilgte dazu drei -mächtige Fässer Met.</p> - -<p>Der Riesenfürst riß vor Staunen Mund und Nüstern -auf. »Wie gefräßig das Täubchen ist!«</p> - -<p>Da sprang Loki dem Donnerer bei, Loki in der -Magdkleidung, und er flüsterte dem Riesen zu:</p> - -<p>»Acht Tage hat Freya aus Sehnsucht nach dem<span class="pagenum"><a id="Seite_109">[109]</a></span> -heutigen Tage keinen Bissen über die Lippen gebracht.«</p> - -<p>Das tat dem eitlen Thrym in der Seele wohl, und -er umfing zärtlich das Bräutchen und wollte es küssen. -Thor gab nur den oberen Teil des Schleiers frei, und -mit einem Schreckensschrei taumelte Thrym zurück, als -ihn ein paar wildfunkelnde Augen trafen.</p> - -<p>Wieder begütigte Loki, Loki in der Magdkleidung, -und er flüsterte dem Riesen zu:</p> - -<p>»Habt Ihr Freyas Augen gesehen? Acht Tage ist -kein Schlaf hineingekommen aus Sehnsucht nach Euch! -Nimmer noch brannten Frauenaugen in solcher Liebesglut.«</p> - -<p>»Holt den Hammer,« brüllte der Riese in trunkener -Lust, »holt den Hammer Mjolnir! Im Zeichen des -Hammers soll unser Ehebund gesegnet werden, wie -es bei den Göttern Brauch! Freu dich, mein Mädchen!«</p> - -<p>Der Hammer wurde gebracht und in den Schoß der -Braut gelegt. Da klingelte Asathor nicht mehr mit dem -Schlüsselring. Seine Hand umspannte den geliebten -Hammerstiel.</p> - -<p>Und plötzlich warf er den Schleier zurück und zeigte -sein flammendes Angesicht mit dem roten, aufwärts<span class="pagenum"><a id="Seite_110">[110]</a></span> -gesträubten Feuerbart. Ein einziger Schrei durchgellte -den Saal. Und der Hammer sauste zuerst in Thryms, -des Riesenfürsten, Schädel und zermalmte ihn zu Brei. -Und der Hammer sauste durch den ganzen Saal, bald -hierin, bald dorthin, und wer da flüchten wollte, den -holte er ein. Mitten im Saale stand der Donnerer -und schlug mit seinem Hammer Mjolnir die ganze -Hochzeitsgesellschaft, mehr als Hundert Riesen und -Riesinnen, zu Tode. Wie feierte er mit seinem Hammer -das Wiedersehen! –</p> - -<p>So groß wie die Freude in Asgard, so groß war die -Wut im Jotenreich. Da sie dieses Mal Freya nicht -haben konnten, beschlossen die Riesen, die Götter durch -das Alter kraftlos zu machen und sich zu diesem -Zwecke <em class="gesperrt">Iduns</em> zu bemächtigen, des Dichtergottes Bragi -Ehegemahl, die die Äpfel der ewigen Jugend hütete. -Doch die Jugendgöttin ging nicht über Asgards Wiesen -hinaus, und es mußte schon ein Ase gefangen werden -zum Austausch.</p> - -<p>Es begab sich aber, daß Wodan mit anderen Göttern -eine Fahrt durch die Welt machte, und auch Loki gehörte -der Reisegesellschaft an. An einem Abend trieb -sie der Hunger, sich auf einer entlegenen Weide einen -Ochsen zu greifen, und sie brieten ihn unter einer ragenden<span class="pagenum"><a id="Seite_111">[111]</a></span> -Eiche. Aber so lange sie ihn auch brieten, das -Fleisch wurde nicht gar. Da gewahrten sie im Wipfel -des Baumes einen Adler, der vor Freude mit den -Flügeln schlug und ihnen zurief: »Ich leid's nicht, daß -euch der Braten gerät! Oder ihr gebt mir so viel von -dem Ochsen, als ich mag.« Verwundert über das seltsame -Abenteuer, sagten die Götter zu; der Adler rauschte -vom Wipfel nieder, und das Fleisch wurde gar. Der -Adler jedoch begehrte hämisch das Beste für sich und schlug -seine Krallen in die festen Lenden und den saftigen Bug. -Da stieß ihm der gefräßige Loki eine Eisenstange in -den Bauch.</p> - -<p>Die Stange aber blieb haften, so sehr Loki auch zog -und rüttelte. Und der Adler erhob sich und schleifte -Loki hinter sich drein, durch Stoppelfelder und Morast, -durch stachliche Sträucher und scharfe Felstrümmer, -also daß der Tückegott jämmerlich geschunden wurde -und arg um Gnade flehte. Die Götter, die zurückgeblieben -waren, hielten sich den Leib vor Lachen über -des Listigen Mißgeschick und vernahmen nicht, was die -Beiden verhandelten.</p> - -<p>»Hör mich an,« rief der Adler. »Ich bin <em class="gesperrt">Thjazzi</em>, -der Riesenfürst. Du sollst die Freiheit haben, wenn du -mir versprichst, mir heimlich Idun mit den Äpfeln zu<span class="pagenum"><a id="Seite_112">[112]</a></span> -bringen. Schwöre deine heiligsten Schwüre.« Und -Loki schwur, was von ihm verlangt wurde.</p> - -<p>Die Götter lachten noch immer, als er wieder zu -ihnen stieß.</p> - -<p>»Lieblich schaust du aus, vorwitziger Loki. Man -könnte dich als Spatzenschreck in die Felder stellen.«</p> - -<p>»Wartet ab, ob ihr nicht auch bald den Vogelscheuchen -gleicht,« knurrte Loki tückisch und gedachte der Idun -und ihrer Jugendäpfel.</p> - -<p>Nach Asgard heimgekehrt, machte er sich an die -Jugendspendende listig heran und erzählte ihr Wunderdinge -von Äpfeln, die er ganz nahe Asgard in einem -Wäldchen vorgefunden habe, tausendmal schöner, als -Iduns Zauberäpfel, und stachelte ihre Neugier, mit ihm -hinzulaufen und die Äpfel zu vergleichen. Als aber -die Göttin mit ihren Äpfeln in den Wald gerannt kam, -packte sie der Riese Thjazzi und brauste, als Adler, mit -seiner kostbaren Beute davon.</p> - -<p>Ein Kurzes, und die Götter wunderten sich, daß die -holden Göttinnen abmagerten wie die Heuschrecken und -Hängefalten bekamen und eselgraues Haar. Und sie -wollten von ihren Liebkosungen nichts mehr wissen. -Die Göttinnen aber zeigten mit Fingern auf die Kahlköpfe -und Schmerbäuche der Götter und zählten ihnen<span class="pagenum"><a id="Seite_113">[113]</a></span> -die Zahnlücken auf. Da gewahrten sie mit Schrecken, -daß sie alterten, und sie riefen nach Idun, um an ihren -Äpfeln die Jugend zurückzugewinnen. Aber Idun war -in ganz Asgard nicht zu finden.</p> - -<p>Heimdall, der treue Wächter, sprach: »Ich sah sie -mit Loki in den Grenzwald gehen.«</p> - -<p>Da bedrohten sie Loki mit allen Martern, und der -Donnerer schwang den Hammer über ihn, bis Loki gestand. -»Ich habe dem Riesen meinen Eid gehalten. -Jetzt schwöre ich euch einen neuen Eid, sie wiederzuholen.« -Und er entlieh Freyas Falkengewand und -sauste, als wäre Thors Hammer hinter ihm, durch die -Lüfte gen Jotunheim, wo er die weinende Idun einsam -in Thjazzis Halle fand, denn der Riese war auf das -Meer hinaus, für die Untröstliche ein leckeres Fischgericht -zu holen.</p> - -<p>Blitzschnell verzauberte Loki die lachende Idun in eine -Haselnuß, barg sie in seinen Falkenfängen und sauste -mit ihr durch die Lüfte gen Asgard davon.</p> - -<p>Aber der Riese hörte auf dem Meere das Flügelsausen, -nahm die Gestalt eines Seeadlers an und brauste -hinterdrein. Schon war Loki mit Idun in Asgard angelangt, -als der blindwütende Seeadler die Grenzscheide -überstürmte. Einen Scheiterhaufen entzündeten die<span class="pagenum"><a id="Seite_114">[114]</a></span> -Götter, und Thjazzi flog geblendet hinein und verbrannte -elendiglich.</p> - -<p>Die Götter aber und Göttinnen schmausten wie Ausgehungerte -von Iduns Äpfeln; ihre Haut wurde wieder -straff, ihre Körper schlank und stark, ihre Augen glänzend -und ihre Lippen rot. Und es war an dem Abend eitel -Liebesgirren in allen Kammern Asgards. –</p> - -<p>Nur des Donnerers Hammer ruhte nicht. Wo die -Menschen auf Erden von Riesengewalten bedroht wurden, -riefen sie nach dem Gott mit seiner malmenden -Waffe, wie die Asen selbst es taten, und Thor erschien -wie der Gewitterblitz und reinigte Land und Luft von -den Unholden. Nie war er daheim zu treffen, immer -stand er irgendwo im Kampf, und so machte sich Allvater -Wodan einst allein auf den Weg, um einen Blick -auf die Kräfte des Riesenreiches zu gewinnen.</p> - -<p>Auf seinem achtfüßigen Hengst Sleipnir jagte er -hinaus nach Jotunheim, und als er mancherlei gesehen -hatte, kam er an dem Reiche <em class="gesperrt">Hrungnirs</em>, des mächtigsten -und stärksten der Steinriesen, vorübergeritten, -der ihn anrief.</p> - -<p>»Was reitest du für ein Roß, du Mann im Goldhelm? -Es scheint mir kein schlechtes.«</p> - -<p>»Glaub's dir,« rief Wodan zurück. »Kein Roß im<span class="pagenum"><a id="Seite_115">[115]</a></span> -Riesenreich kommt ihm im Wettlauf ans Schwanzhaar.«</p> - -<p>»Hoho,« prahlte der Riese, »mein Hengst Gullfaxi -wird es dem deinen zeigen. Gib acht, ich fange dich ein -wie eine Fliege.«</p> - -<p>Und er warf sich auf den Hengst und jagte hinter -Wodan drein, der ihm lachend entkam.</p> - -<p>In Asgard sprang Wodan vom Rossesrücken, Hrungnir -aber war so tollen Rittes, daß er die Grenzmark übersah -und wie Wodan in Asgard landete, von den Göttern -umringt.</p> - -<p>»Fürchte dich nicht,« riefen sie ihm zu, »du sollst -unser Gast sein und dich gesättigt heimwärts trollen.«</p> - -<p>»Seh ich wie das Fürchten aus?« höhnte Hrungnir -und schritt unverschämten Ganges zur Halle. »Bringt -mir die größte Kanne Met, daß ich in etwa meinen -Groll ersäufe.«</p> - -<p>Da wurden ihm die Trinkhörner zugereicht, die nur -Asathor allein zu leeren verstand, und der Riese stürzte -den Met so hastig durch den Hals, daß er trunken wurde -und in der Trunkenheit alle Götter des Himmels bedrohte. -»Dieses Walhall nehm ich in die hohle Hand -und trag es nach Jotunheim. Das ganze Asgard schmeiß -ich ins Meer. Das ganze Göttergesindel prügle ich zu<span class="pagenum"><a id="Seite_116">[116]</a></span> -Tode. Nein – doch nicht das ganze. Diese da, die mir -den Met einschenkt, die liebliche Freya, und diese da, -die die Farbe des reifen Kornfelds im Goldhaar trägt, -die üppige Sif, sie nehme ich beide zu Frauen. Beide -miteinander. Wer wagt und widerspricht?«</p> - -<p>Die Götter wichen zurück vor dem Wilden. Nur -Freya schenkte ihm lächelnd weiter ein. Aber das trunkene -Toben des Riesen wurde so lästerlich und sein -Drohen so handgreiflich, daß einer der Asen des Donnerers -Namen rief. »Wäre doch Thor hier und lehrte -ihn Anstand!«</p> - -<p>Im selben Augenblick fuhr der Donnerer, der seinen -Namensruf bis ans Ende der Welt zu hören vermochte, -wie der Blitz in den Saal und stand vor des staunenden -Hrungnirs Füßen.</p> - -<p>»Fort, Freya,« gebot er, »es war gut gemeint, aber -für Scheusale bist du kein Schenkenmädchen.« Er -wandte sich an den staunenden Riesen. »Was saugst -du mit deinem ungewaschnen Maul an meinen Methörnern, -trunkener Schuft?« Und er schlug ihm die -Trinkhörner mit gewaltigem Schlage aus den Händen, -daß der Riese vom Met ganz übergossen saß. Dann -holte der Donnerer mit dem Hammer aus. »Jetzt aber -sollst du die Zeche bezahlen.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_117">[117]</a></span></p> - -<p>In des Riesen Hirn wurde es licht. Er sprang vom -Sitz und hob die Hände hoch.</p> - -<p>»Gastrecht genieß ich in Walhall. Wodan selber lud -mich zu Gast! Willst du Asgards heiliges Gastrecht -schänden?«</p> - -<p>»Ich lud dich nicht!« donnerte Thor. »Mach mir -nicht lange Umstände!«</p> - -<p>»Feigling!« schrie der Riese. »Du wagst dich an den -waffenlosen Mann? Vor allen Göttern fordere ich dich -zum Zweikampf zu gegebener Frist, wenn du Mut im -Leibe hast!«</p> - -<p>Da ließ Thor den Hammer sinken.</p> - -<p>»Trolle dich schleunigst. Ich nehme die Herausforderung -an. Auf der Grenzscheide zwischen Asgard und -Jotunheim treffe ich dich heute in dreien Tagen.«</p> - -<p>Pünktlich nach dreien Tagen war der Donnerer zur -Stelle, und sein Diener Thjalfi war als Zeuge bei -ihm. Die Freunde Hrungnirs aber hatten einen neun -Meilen hohen Riesen aus Lehm aufgebaut, ihm das -Herz einer Stute eingesetzt und ihn mit fürchterlichen -Waffen versehen, als Beistand Hrungnirs.</p> - -<p>Thjalfi lief dem Donnerer voraus.</p> - -<p>»Wahre dich, Hrungnir,« schrie er. »Der Ase kommt -unter der Erde her und haut dir die Füße weg.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_118">[118]</a></span></p> - -<p>Da warf der Riese schnell den Schild nieder und -sprang mit den Füßen drauf, um sich zu schützen. Aber -der Donnerer kam durch die Luft und schwang den -Hammer, und der Riese warf ihm mit wilder Wucht -einen felsengroßen Wetzstein entgegen, der den sausenden -Hammer traf. Doch war der Hammer so unwiderstehlich -geschleudert, daß der Wetzstein in tausend Stücke -splitterte und der Steinkopf Hrungnirs zermalmt durch -die Lüfte flog. Von einem Steinsplitter war auch Thor -in der Stirn getroffen, so daß er vornüber stürzte, und -als Hrungnir sank, wälzte sich ein Bein des Erschlagenen -über des Donnerers Hals.</p> - -<p>Der neun Meilen lange Lehmriese mit dem Stutenherz -wollte Fersengeld geben, aber der wackere Thjalfi, -der Schnelläufer, holte ihn ein und haute ihn in die -Kniekehlen, daß er stürzte und zerbarst. Vergebens -jedoch mühte sich Thjalfi, das ungetüme Bein des erschlagenen -Hrungnir von seines Herrn Hals zu wälzen, -und die Götter, die er zur Hilfe rief, vermochten es -nicht besser.</p> - -<p>Es war aber zu der Zeit, daß dem Donnerer der -Sohn <em class="gesperrt">Magni</em> geboren war. Der kam herbeigelaufen, -obwohl er erst drei Nächte zählte, und warf das Riesenbein -zornig von des Vaters Hals. »Schade, mein Vater,<span class="pagenum"><a id="Seite_119">[119]</a></span> -daß ich nicht früher zur Stelle sein konnte. Ich hätte -dir den Kerl mit der nackten Faust erschlagen.«</p> - -<p>Da erhob sich Thor und nahm seinen Sohn ungestüm -in die Arme.</p> - -<p>»Mein Blut wird im Himmel und auf Erden nicht -untergehen. Immer wieder werden Männer erstehen. -Männer in der Not. Männer der Tat!« –</p> - -<p>Des Donnerers Name ging wie Todesschauern durch -das Riesenreich. Manche der Thursenfürsten suchten -sich freundlich zu den Asen zu stellen, und <em class="gesperrt">Ägir</em>, der -Herrscher der offenen Meere, lud sie zu einem fröhlichen -Umtrunk in sein Reich. Als aber die Götter kamen, -war nichts zum Feste vorbereitet, und Ägir versuchte -es mit einer Ausrede. Es sei kein Braukessel vorhanden, -der das nötige Maß hielte.</p> - -<p>Thor aber hatte keine Lust, auf den Männertrunk -zu verzichten, und der Schwertgott Ziu, den die Nordmänner -Tyr nannten, pflichtete ihm bei, denn er wußte -einen Kessel.</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Hymir</em>«, so kündete er, »heißt der Beherrscher des -Eismeeres. Der Gedanke der Weltseele, der mich in der -Urzeit gebar und mir die schneidige Schärfe des Sonnenschwertes -verlieh, diese göttliche Mutter wurde von dem -Eisriesen Hymir geraubt und zu seinem Weibe gemacht,<span class="pagenum"><a id="Seite_120">[120]</a></span> -damit die schneidende Schärfe des Eises auch einen Abglanz -der Sonne erhalte. So schenkt die goldene Frau -dem Eismeere Hymir die Mitternachtsonne. Mir blieb -sie mütterlich gewogen, und wenn wir Hymir, der den -gewaltigsten Braukessel besitzt und seine Verwendung -der Welt vorenthält, den Kessel abzufordern vermögen, -so ist es nicht nur uns, sondern der ganzen Welt zum -Gewinn. Möge mich der Donnerer mit seinem Hammer -auf der Fahrt ins Eis begleiten.«</p> - -<p><span id="corr120">Da</span> war der Donnerer wohl zufrieden. Mehr noch, -als seinen Durst zu stillen, freute es ihn, die Menschheit -neuer Segnungen teilhaftig werden zu lassen, und -schleunigst umgürtete er sich mit dem Stärkegürtel, -steckte den Hammer handgerecht und brauste auf seinem -Bockgespann mit dem Fahrtgenossen davon.</p> - -<p>In seiner unwirtlichen kristallenen Halle, die sich auf -meterdicken Eissäulen wölbte, war Hymir bei der Ankunft -der Gäste nicht anwesend. Gütig nahm die stille -Göttin der Mitternachtsonne den Wunsch des geliebten -Sohnes aus der Urzeit entgegen, bewirtete ihn und -Asathor und verbarg sie einstweilen hinter einer mächtigen -Eissäule, als Hymir von der Walfischjagd zurückkehrte. -Kaum jedoch hatte sie dem Riesen den Wunsch -der Asen nach dem Kessel überbracht, als Hymir den<span class="pagenum"><a id="Seite_121">[121]</a></span> -Aufenthaltsort der Götter witterte und seinen schneidenden -Frostblick so scharf durch die meterdicke Eissäule -sandte, daß die Säule zerbarst und zersplitterte und die -Asen sich dem Wüterich preisgegeben sahen. Bevor aber -Hymir zugreifen konnte, hatte der Donnerer seinen -Hammer wurfbereit. Da wurde der Riese zugänglicher -und lud knurrend die Gäste zu Tisch. Der fröhliche -Donnerer aber verspeiste zwei Ochsen auf einem Sitz, -also daß dem geizigen Hymir graute und er den starken -Asen aufforderte, am Morgen mit ihm zur Auffüllung -der Vorräte auf den Fischfang zu fahren. Dort gedachte -er sich des Widerwärtigen zu entledigen.</p> - -<p>Als der Donnerer am nächsten Morgen mit dem Eisriesen -zu Schiff ging, bat er Hymir um einen Köder für -seine Angelschnur. »Such ihn dir selber!« hauchte ihn -der frostige Gastgeber an. Der Donnerer wandte sich -um, packte einen der Stiere Hymirs, riß ihm mit einem -einzigen Ruck das Haupt ab und steckte es als Köder -an die Angelschnur. Dann fuhr er mit dem fassungslos -dreinschauenden Riesen ins Meer hinaus, und sie -warfen ihre Angelschnüre. Frohlockend zog der Riese -ein paar mächtige Wale ins Boot. Der Ase aber ruderte -weiter hinaus ins Meer, und obschon der Eisriese zornig -widerriet, aus Furcht vor der Midgardschlange in<span class="pagenum"><a id="Seite_122">[122]</a></span> -den offenen Gewässern, warf der Donnerer im Schwung -den Stierkopf in die Flut, und schon hatte die wütende -Schlange den Köder verschluckt und suchte an der Leine -das Boot mitsamt seinen Insassen zu sich hinunter zu -ziehen.</p> - -<p>Der starke Ase nahm seine ganze Kraft zusammen. -Er hielt die Schnur mit eisernen Fäusten und stemmte -sich mit den Füßen so unwiderstehlich gegen die Planken -des Fahrzeuges, daß beide Beine durch den Boden durchbrachen -und er mit den Füßen auf den Meeresgrund -geriet.</p> - -<p>»Desto besser,« lachte Asathor, »hier steh ich nur -umso fester.« Und er holte die Schnur in gewaltigen -Zügen an sich heran, bis sich der scheusälige Kopf des -Ungetüms über Wasser hob. Mit furchtbaren Augen -starrten sich die beiden Feinde an. Dann hob der Ase -den Hammer, um der Weltschlange den Schädel zu zerschmettern. -Der Riese aber, der sein Schiff verloren -wähnte, durchschnitt in Todesangst die Angelschnur, -und die unheilvolle Feindin der Götter und Menschen -verschwand spurlos in der Tiefe.</p> - -<p>Unwirsch wandte sich der Donnerer dem hilfeschreienden -Riesen zu. Aber als er ihn im Wasser sinken sah, -gedachte er des Kessels und packte den Riesen mitsamt<span class="pagenum"><a id="Seite_123">[123]</a></span> -dem Boot und der Walfischbeute, warf alles über die -Schulter und watete an Land zurück.</p> - -<p>»Nun gib den Kessel,« gebot er in der Halle.</p> - -<p>Noch einmal suchte der Riese den Asen zu überlisten. -Er reichte ihm seinen Trinkbecher dar zu einem Wettspiel. -Könne der Ase den Kelch zerschmettern, so sei der -Kessel frei. Sonst aber bliebe der Kessel, wo und wie -er sich befände.</p> - -<p>Der Donnerer ging lachend auf den Handel ein. -Aber die Felsen zerbarsten, gegen die er das Trinkgefäß -schmetterte, der Kelch blieb heil. Da raunte ihm die -gütige Göttin der Mitternachtssonne zu. »Härter als -alles ist Hymirs Schädel«, und der Donnerer verstand -und schlug den Kelch gegen des Eisriesen Haupt, und -der Kelch sprang in tausend Stücke.</p> - -<p>»Der Kessel ist mein,« sprach der Ase, und während -sich Hymir die zerbeulte Stirn an einem der Eispfeiler -kühlte, griff Ziu, den die Nordmänner den Tyr nannten, -den Kessel an, ohne ihn aufrichten zu können. Der -Donnerer aber packte ihn und stülpte ihn sich wie eine -Mütze über den Kopf.</p> - -<p>Gen Asgard richtete sich der Lauf des Bockgespannes. -Doch Hymir war zu sich gekommen, brüllte über sein -Gebiet hin, daß aus allen Löchern und Ritzen Riesen<span class="pagenum"><a id="Seite_124">[124]</a></span> -und Trolle kletterten, und umzingelte mit seiner Unholdschar -den vorwärtsstürmenden Wagen.</p> - -<p>Thor gab Tyr die Zügel. Er selber faßte den Hammer. -»Achtung, er beißt!« donnerte er in den Haufen hinein, -und der Hammer Mjolnir zermalmte Hymir und nach -ihm seiner ganzen Schar die Schädel.</p> - -<p>So brachten der Donnerer und sein Schwertgenosse -den Kessel heim, und als sie ihn in Ägirs Halle schafften, -war er so groß, daß das freie Meer sich weitete zugunsten -aller Schiffahrt, und dem starren und vernichtenden Eismeer -sein tiefstes Becken genommen war.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Und wieder und wieder zog der Donnerer aus, die -drohenden Gefahren von Göttern und Menschen zu -scheuchen. Selbst für Loki, den Arglistigen, stand er -ein, weil er dennoch ein Ase war. Wohl hatte Loki -aufs neue Tücke geübt und der schlummernden Freya das -lichtspendende Halsband Brisingamen entwendet. Eben -noch vermochte Heimdall, der treue Wächter, dem Flüchtigen -nachzusetzen und ihn mit seinem guten Schwerte -zu stellen. Loki aber entschlüpfte dem Schwertstreich als -geschmeidige Robbe und tauchte in See. Doch schon war -auch Heimdall in Robbengestalt in See getaucht, und -die Robbe ergriff die andere beim Genick und biß sie<span class="pagenum"><a id="Seite_125">[125]</a></span> -dermaßen zu schanden, daß Loki, als er sich schleunigst -wieder zurückverwandelte, im Gesicht und an den Gliedern -zerschunden war, als hätte er in einem Brennesselfeld -genächtigt, und reumütig das Halsband der Freya -herausgab.</p> - -<p>Der Donnerer wußte um diese Streiche und um -manche andere. Aber im Stich ließ er auch den Heimtücker -und Schadenfrohen nicht, der zu den Asen zählte. -So ehrlich dachte Asathor.</p> - -<p>Loki gedachte zur Abwechslung zu dem Glutriesen -<em class="gesperrt">Geirröd</em> zu fahren, wie der Donnerer zu dem Eisriesen -Hymir gefahren war. Er entnahm Freya das Falkengewand -und flog hinaus, bis er Geirröds Dachstuhl -fand und neugierig durch die Esse schaute. »Fangt mir -den seltenen Vogel«, befahl Geirröd seinen Riesen, und -die ungeschlachten Kerle kletterten so täppisch an den -Hauswänden hinauf, daß Loki seine helle Freude hatte -und, um sie zu ärgern, in Ruhe sitzen blieb. Als endlich -einer der riesigen Gesellen die Hand nach ihm strecken -konnte, hob er voll Spott die Flügel, um sich nachlässig -zu verabschieden – aber o Schreck, die Beine klebten -fest. Er war dem Riesen auf den Vogelleim gegangen. -Vom Dachstuhl heruntergeholt, weigerte sich der sonderbare -Vogel, Namen und Herkunft zu nennen, und<span class="pagenum"><a id="Seite_126">[126]</a></span> -Geirröd sperrte ihn drei Monate lang in einen engen -Käfig, bis er sich vor Hunger krümmte. Da wurde er -mitteilsamer und gab Auskunft.</p> - -<p>»Ei,« schmunzelte der Glutriese, »ich wüßte schon -einen Handel, der dir die Freiheit schenken könnte. -Wenn an deiner Statt der Donnerer, dieser verhaßteste -aller Asen, zu mir kommen würde, ohne seinen Hammer, -ohne seinen Stärkegürtel, so brauchtest du nicht zurückzukehren.«</p> - -<p>Loki nahm Urlaub von dem Riesen und kehrte nach -Asgard heim. Schweigend hörte der Donnerer den Geängstigten -an. Und er rüstete sich zum Aufbruch.</p> - -<p>»Du gehörst zu uns,« sagte er nur. »Trotz deiner -sündhaften Fehler. Ich will dir noch einmal zeigen, -was wahre Kameradschaft ist.«</p> - -<p>Am Abend kehrte der Ase waffenlos mit Loki bei der -Erdriesin <em class="gesperrt">Grid</em> ein. Die hatte vor Zeiten dem Wodan -einen Sohn geboren, den schweigsamen aber bärenstarken -Widar, »den Asen mit dem Schuh«, wie ihn die Götter -nannten. Denn er trug einen Schuh aus aller Länder -Leder, der undurchdringlich war.</p> - -<p>»Sei auf der Hut, du Starker,« warnte die Asenfreundin -den furchtlosen Gott. »Geirröd ist der Bösartigsten -einer und sucht dich zu verderben. Er wird<span class="pagenum"><a id="Seite_127">[127]</a></span> -keinen Zauber und keine Hinterlist scheuen, um dich, den -Schrecken des Riesenreiches, auf immer zu vernichten.«</p> - -<p>»Wenn ich Loki frei bekommen soll von seinem Wort,« -entgegnete der Donnerer, »so muß ich ohne meinen -Hammer, ohne meinen Stärkegürtel bei Geirröd erscheinen. -Es wird ein schwer Stück Arbeit werden.«</p> - -<p>»So lautet der Vertrag,« sprach die Asenfreundin -nachdenklich. »Aber höre! Auch ich besitze einen Stärkegürtel, -auch ich besitze feuerfeste Handschuhe. Davon -verlautet nichts im Vertrag. Einen Hammer kann ich -dir nicht schaffen, aber meinen Stab sollst du zu Gürtel -und Handschuhen nehmen. Das wird dir dienen.«</p> - -<p>Der kluge Vorschlag leuchtete dem Donnerer ein, und -er schloß die weise Frau lachend in die Arme.</p> - -<p>In der Frühe des Tages zog er mit Loki weiter und -kam an den Grenzfluß von Geirröds Reich. Auf Grids -Stab gestützt, stieg er unbekümmert in die tiefen Wasser, -und Loki klammerte sich fest an seinen Gürtel. Aber -als sie die Mitte des Stromes erreicht hatten, stürzte -plötzlich eine wilde Wogenflut über sie her und suchte -sie zu ersäufen. Der Donnerer blickte nach oben. Und er -gewahrte, wie stromauf eine der Riesentöchter Geirröds -breitbeinig über dem Flusse hockte und die Wasser anschwellen -ließ. »Pfui, du Freche!« schrie der Donnerer,<span class="pagenum"><a id="Seite_128">[128]</a></span> -warf und traf sie mit einem Felsstück gegen die Schenkel, -daß sie in die eigenen Wasser purzelte. Ein Vogelbeerbaum -reckte dem Donnergott hilfreich vom Ufer seine -Äste entgegen. Sie ergriff er und zog sich mit Loki ans -Land. Von jener Stunde an ist der Vogelbeerbaum -dem Donnergott heilig.</p> - -<p>In Geirröds Gehöft angelangt, wurde dem starken -Asen zuerst ein Gemach angewiesen und ein Stuhl zum -Ausruhen. Kaum aber hatte er sich gesetzt, so hob sich -der Stuhl schnell in die Höhe, und des Gottes Schädel -wäre an der eisernen Decke des Gemachs zerquetscht -worden, hätte der Donnerer nicht Grids Stab gehabt. -Den hob er hoch und stemmte ihn gegen die Decke und -drückte den Stuhl mit Gewalt auf den Boden zurück. -Ein Knacken und Krachen erfolgte wie von zermalmenden -Knochen. Todesgeheul. Und dann tiefe Stille.</p> - -<p>Der Ase sprang vom Stuhl und forschte nach. Da -hatten die beiden Riesentöchter Geirröds unter dem -Stuhle gehockt und den Gast zu zerquetschen versucht. -Nun aber lagen sie beide tot und mit gebrochenem -Rückgrat.</p> - -<p>Ein Bote stand unter der Tür und forderte den -Donnergott zu einem Wettkampf mit Geirröd, dem ungezähmten -Glutriesen, in die Halle. In einer mächtigen<span class="pagenum"><a id="Seite_129">[129]</a></span> -Esse lag ein weißglühendes Eisenstück. Das griff Geirröd -mit einer Zange heraus und schleuderte es dem Donnerer -gegen den Kopf. Der Ase aber haschte es mit den -feuerfesten Handschuhen der Freundin Grid, wog es in -der Hand und holte aus. Wohl flüchtete sich Geirröd -hinter die dickste Steinsäule der Halle – dem Donnerer -war, als führte er seinen Hammer, und mit solcher -Wucht warf er den weißglühenden Eisenklotz, daß die -zerschmetterte Säule mitsamt dem Eisenklotz dem Riesen -in den Leib fuhr und seinen Leichnam gleich einen -Klafter tief in der Erde begrub.</p> - -<p>Ohne weiteres kehrte der Donnerer zu der Erdriesin -Grid zurück, und der befreite Loki trabte hinter ihm -drein. Und als Thor der Asenfreundin Stab, Gürtel und -Handschuhe zurückerstattet und ihr eine Nacht lang -zärtlich wie ein Bär die Backen gestreichelt hatte, fuhr -er mit Loki gen Asgard, und Loki vergaß ihm den -Dank zu sagen.</p> - -<p>Was kümmerte das Asathor! Er holte sich nur seinen -Hammer Mjolnir und fuhr wieder hinaus zu neuen -Kämpfen, um Göttern und Menschen Luft zu schaffen -vor dem drohenden Schicksal.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_130">[130]</a></span></p> - -<h2 id="Wodans_Wunschmaedchen">Wodans Wunschmädchen.</h2> -</div> - -<p class="drop">Mehr als alle die anderen Götter kämpfte Wodan -um das Schicksal Asgards und seiner Bewohner. -Nicht allein mit dem todbringenden Speer Gungnir, -den er über die Heereswogen schleuderte, um seinen -Anhängern auf Erden den Sieg zu verleihen oder sich -die Besten und Tapfersten für Walhall zu erkiesen. -Seine Gedanken holten weiter aus, suchten die Wurzel -der Dinge auf und begannen die Fäden der Schicksalsgöttinnen -zu dehnen und zu längen. Der König der -Götter nahm sein Amt als Pflicht, Verantwortung -und Fürsorge.</p> - -<p>Wodan wußte von keiner Erholung. Er wußte nur, -daß an einem Schicksalstag das Ende hereinbrechen -würde und der Götter letzter Kampf. Und gerade weil -er es wußte, wurde ihm königlich zumut. Die letzte -Schlacht sollte ihn und die Götter gewappnet finden. -Waren sie dem Untergang geweiht, so sollte bis zum -letzten Atemzug gekämpft, mit den letzten furchtbaren -Schwerthieben noch die Welt von den Unholden der -Dunkelmächte gereinigt werden. Das waren Wodans -königliche Heldengedanken.</p> - -<p>Alles Wissen mußte er besitzen von Vergangenheit,<span class="pagenum"><a id="Seite_131">[131]</a></span> -Gegenwart und Zukunft. Keine Mühe war ihm zu -groß, es zu erwerben, um danach die Fäden seiner Gedanken -spinnen zu können. Am Fuße der Weltesche -saß er bei den Nornen, den Schicksalsmädchen Urd, -Werdandi und Skuld, und forschte, was sie über Leben -und Sterben seiner Menschen beschlossen hatten. Am -Brunnen Mimirs raunte er mit dem Haupte des Urzeitweisen, -um aller Geschehnisse Ursprung zu erkunden -und ihre verwundbaren Stellen. Ja selbst die Toten -rief er ins Leben zurück, damit sie ihm das Zukünftige, -das sie früher erschaut hatten als die Lebenden, aussagten, -und oft lagerte er sich auf den Richtplätzen, -unter den Galgen der Gehenkten, und beschwor sie so -zauberkräftig, daß die armen Seelen ihm anhingen und -in allen Dingen zu willen waren. Wenn dann die -Herbststürme erbrausten, setzte er sich an ihre Spitze -und raste mit ihnen in wilden Jagdzügen durch die -Luft, um sie bei kriegerischer Laune und Wildheit zu -erhalten. Für die Stunde des Kampfes.</p> - -<p>Zum Wanderer war Wodan geworden, und er ging -zu den Lebenden und prüfte sie auf ihr Heldentum und -merkte sich die Unerschrockenen und Schwertkundigen. -Den herabfallenden Hut tief in die Stirn gedrückt, den -verwitterten blauen Mantel um sich geschlagen, wanderte<span class="pagenum"><a id="Seite_132">[132]</a></span> -der Einäugige durch die Welt und sah mit tausend -Augen. Über Meere und Ströme fuhr er mit -dem Wunderboot Skidbladnir, einst dem Freyer geschenkt -von den Zwergen, das ohne Wind und gegen -jeden Wind fuhr und sich zusammenfalten und in der -Manteltasche bergen ließ. Zu allen Stämmen kam er, -die den Göttern in Asgard opferten, und er nannte sie, -die kriegerischen Blutes und heldischen Mutes den Ger -schwangen, den Jagd- und Schlachtenspeer, die Ger-Mannen, -die Germanen. Oft blieb er in ihren Gehöften -zur Nacht, veredelte ihr Blut und ihren Sinn -und zeugte neue Heldengeschlechter, würdig, einzureiten -in Walhall. Für den letzten Kampf.</p> - -<p>»Kampf« hieß die letzte Schicksalslosung der Götter -und der Menschen. Wenn am letzten Tage aller Dinge -Surt losbrach, der König der Feuergeister in Muspelheim, -wenn die Riesen aus Jotunheim anstürmten mit -den Trollen aus Utgard, wenn der wütende Fenriswolf -seine Bande zerriß, die giftgeifernde Midgardschlange -sich heranwälzte und die dunkle Hel mit aufgerissenem -Schlund Leichen schlang, hieß die Losung: -Kampf dem Verhängnis! Daher liebte Wodan schon -heute die Kämpfe auf Erden und begünstigte sie als -Vorbereitung für den letzten schwersten Kampf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_133">[133]</a></span></p> - -<p>Die Heerkönige der Germanen wünschte er in Walhall -und ihre Heldenscharen, ungezählte Tapfere, Tausende -und Hunderttausende. Zuvor sollten sie Bankgenossen -sein beim Met, einst aber seine Schwertgenossen. -Alle die Ger-Mannen, die auf Erden rühmlichen Waffentod -erlitten hatten.</p> - -<p>Hoch und herrlich war Walhall gebaut, seine Wände -aus Speeren, seine Dächer aus Schilden, und statt der -weichlichen Polsterung schmückten die Bänke im Saal -schimmernde Brünnen. Wodans Zeichen, Wolf und -Adler, hingen über dem Eingang. Doch hatte der Saal -noch fünfhundertundvierzig Türen, eine jede für den -Auszug von achthundert gewappneten Streitern berechnet. -Und am Abend blitzte das Licht spiegelblanker -Schwerter durch die Halle, als wäre sie von Fackeln -erleuchtet.</p> - -<p>Hierher kamen die Tapfern, die auf Erden ihren -Kampfwunden erlegen waren, hierher und in den Saal -Wingolf, die Halle der Göttinnen. Und sie wurden -von den Göttern, die sie mit offenen Armen empfingen, -die »<em class="gesperrt">Einherier</em>« genannt, die »göttlichen Streiter«.</p> - -<p>Allvater selber wählte sie aus, die auf der Walstatt -fielen. Walvater hieß er darum, und Walsöhne, Wunschsöhne, -die er nach Walhall berief. Oft rief er sie selber,<span class="pagenum"><a id="Seite_134">[134]</a></span> -wenn er auf seinem Hengste Sleipnir, den goldblitzenden -Flügelhelm auf dem Haupt und den Todesspeer -Gungnir in der Faust, über die ringenden Heere brauste. -Kein herrlicheres Männerlos, als Wodans Ruf nach -Walhall teilhaftig zu werden! Oft auch, wenn andere -und dringendere Verrichtungen ihn hinderten, sandte -Wodan seine Saaltöchter aus, seine Schildmädchen und -Wunschmädchen, die <em class="gesperrt">Walküren</em>, Sieg und Tod zu verleihen -und die Auserwählten nach Walhall zu rufen.</p> - -<p>Auf stürmenden Wolkenrossen jagen sie dahin, den -jungfräulichen Leib von schimmernder Brünne umpanzert, -den leuchtenden Helm in das goldrot flatternde -Haar gedrückt, den Schild am Armgelenk, den flammenden -Speer wurfgerecht in der Faust. Überirdisch -schön und die Sehnsucht der Helden, die nach ihnen verlangen, -das Wunschziel der irdischen Frauen, die in -Helm und Harnisch den Männern folgen in die Schlacht -oder auf wilde Wikingsfahrt.</p> - -<p>In der heiligen Dreizahl stürmen die Walküren -dahin, zu dritt oder zu zweimal Drei, dreimal Drei -oder zu Zwölf. Sie entscheiden die Schlachten, ihr -Speer bringt den Tod, aber neue Wonnen bringt er -mit dem Tod – den Ruf nach Walhall. Wunschlos -und nach des Schicksals Vorschrift müssen die Walküren<span class="pagenum"><a id="Seite_135">[135]</a></span> -entscheiden. Jungfräulich müssen sie sein und dürfen -niemanden angehören als den Helden in Walhall, den -Einheriern. Wer sich von den Schildmädchen gegen -Wodans Gebot vergeht, wird in Schlaf versenkt oder -verbannt. –</p> - -<p>Mehr als bisher sah man in diesen Zeiten, da Wodan -als Wanderer die Welt durchzog und bei Königen und -Kriegern nach Helden forschte, die Walküren reiten. -Denn mehr als bisher herrschte auf Erden der Krieg, -verlangten die Männer, die die höchsten Mannesehren -ersehnten, nach Walhall, horchten sie auf den -Schrei der Walküren, auf den sausenden Speer, der -sie entbot. Dann machten sich die Geister der Gefallenen -auf den Weg, durchwateten einen reißenden -Strom und pochten an die heilige Totenpforte <em class="gesperrt">Walgrind</em>, -die Eingangspforte zu Walhall. Von Walküren -geleitet, traten sie in den Saal, vom jubelnden Zuruf -der versammelten Einherier umbraust, von den Göttern -gerühmt und bewillkommnet. Selig saßen sie nieder auf -den Bänken und nahmen aus den Händen der Schildmädchen -den schäumenden Humpen Met, der aus dem -Euter der Ziege <em class="gesperrt">Heidrun</em> auf Walhalls gewölbtem -Dache floß, ohne je zu versiegen, oder den saftigen -Braten vom Eber <em class="gesperrt">Sanhrimnir</em>, der sich täglich erneuerte.<span class="pagenum"><a id="Seite_136">[136]</a></span> -War Wodan in Asgard, so thronte er unter -ihnen, doch aß er nicht und gab das Fleisch seinen -Jagdwölfen. Nur dem Wein sprach er zu, der göttlichsten -aller Gaben.</p> - -<p>Frühmorgens ritten die Einherier hinaus auf die -Wiesen zum Kampfspiel. Da pfiffen die Klingen, da -sausten die Speere, da wurde mancher Schild zerbeult -und aus manchem Helm Funken geschlagen. Purpurne -Wunden gab es und Heldentod, aber wenn der Abend -nahte und das Göttermahl, sprangen Tote und Verwundete -heil und gesund wieder auf die Füße, schüttelten -sich strahlend die Hände und saßen Schulter an Schulter -auf der Zecherbank. Die Wunschmädchen reichten ihnen -den Trunk, lehnten sich an sie und horchten ihren brausenden -Gesängen. Dann sang auch Bragi, der Dichtergott, -und er sang den Ruhm der Einherier, daß aller -Augen leuchteten und der Wunschmädchen Hände ihre -Häupter liebkosten.</p> - -<p>Eine Seligkeit war es, in Walhall zu hausen, und -die Sehnsucht aller Männer. Wodan aber sorgte wohl, -daß sein Heerbann wuchs. Wodan, der Walvater und -Allvater. Er sorgte für den letzten Kampf.</p> - -<p>Immer kriegerischer wurde der Sinn der Völker. -Auf weiten Wikingfahrten fuhren sie über die See, sie<span class="pagenum"><a id="Seite_137">[137]</a></span> -kämpften an Land, wo ein Schlachtfeld sich bot. Schutzgeister -schuf Wodan seinen Lieblingen, die ihnen vor -sehenden Augen erschienen, ihnen rieten und sie schirmten. -Das waren die <em class="gesperrt">Fylgien</em>, die Seelenfrauen. Aber auch -Wolfsgestalt und Bärengestalt verlieh er oft den -Kämpfern, daß sie wie wild und besessen in die Feinde -stürmten und alles niederrissen. <em class="gesperrt">Werwölfe</em> nannte -man die Wolfshäutigen und <em class="gesperrt">Berserker</em> die Bärenhäutigen, -die aus- und einfuhren in Tier- und Menschengestalt -und dem Schlachtengott Scharen von Einheriern -zuführten. Wie Wodan sie liebte! – – –</p> - -<p>Wieder und wieder mußten die Walküren reiten, -wenn Wodan von den Nornen oder von Mimirs -Brunnen kam. Oft auch eilten sie frei und ohne Geheiß -hinaus, lagerten die Nacht vor der Schlacht in -einer Hütte auf der Walstatt und woben aus Schwertern -und Speeren heimlich das Schicksalsgewebe für -Heerkönige und Krieger. Dann rauschte ihr dunkles -Lied wie suchender Sturm durch die Nacht:</p> - -<p>»Mit Schwertern schlagen wir dies Siegesgewebe. -Wir kamen zu weben mit gezogenen Schwertern. Schaft -wird zerkrachen, Schild wird zerbersten, die Axt in die -Rüstung dringen. Winden wir, winden wir das Gewebe -des Speeres! Folgen wir dem König, dem siegreichen<span class="pagenum"><a id="Seite_138">[138]</a></span> -Helden! Blutige Schilde wird man sehen. -Winden wir, winden wir das Gewebe des Speeres. -Voran wollen wir gehen und in die Schlachtreihe -schreiten, wo unsere Freunde die Waffen kreuzen. -Winden wir, winden wir das Gewebe des Speeres, wo -die Fahnen kämpfender Männer wehen! Nicht lassen -wir zu, daß ihr Leben vergehe. Die Walküren haben des -Kampfes Kür. Die Freunde sollen siegen und die Feinde -unterliegen. Das Gewebe ist gewoben, das Feld gerötet. -Schrecklich zu sehen, ziehen blutige Wolken am Himmel. -So singen dem König wir Siegeslieder und reiten auf -schnaubenden Hengsten, die Schwerter gezogen, fort von -hier.«</p> - -<p>Wie Blitz und Wetterleuchten über der tobenden -Männerschlacht, so jagten sie auf ihren Wolkenrossen, -Flammen auf den Spitzen ihrer Speere, über die Reihen -der Kämpfer hin, hemmten den Anlauf der Feinde, -verwirrten seine Linien, fesselten die Gefangenen, befreiten -die Freunde und warfen den, dem sie das Schicksal -gewoben, durchbohrt vom Roß.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Krieg war entbrannt zwischen den Königen <em class="gesperrt">Hialmgunnar</em> -und <em class="gesperrt">Agnar</em>. Der alte König Hialmgunnar, -ein fester Degen, bat Wodan um Gunst und Sieg<span class="pagenum"><a id="Seite_139">[139]</a></span> -und versprach ihm ein blutig Schlachtfeld. Da lachte -Wodan das Herz im Leibe, und er sagte ihm Sieg und -Leben zu. Seine Wunschmädchen rief er herbei und -hieß sie reiten für König Hialmgunnar, den Alten, und -befahl <em class="gesperrt">Brynhild</em>, der Walküren Führerin, den Agnar -zu fällen und sein Heer in die Flucht zu jagen.</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-139.png" alt="" /> -<div class="caption">»Sie richtete die Lanze hoch auf und jagte an ihm vorbei.«</div> -</div> - -<p>Jubelnd stürmten die kampffrohen Walküren von -dannen und suchten die Walstatt auf. Hart rang der -jugendblonde Agnar gegen den wütigen Greis. Schlachtrufe -schreiend, warfen sich die Walküren auf des jungen -Königs Heer und jagten es in Verwirrung. Nun hatte -Brynhild ihr Opfer erreicht. Einsam kämpfte der Jüngling -mit dem Mute der Verzweiflung, von den Menschen -verlassen, von den Göttern aufgegeben und von -nicht einer der Schildjungfrauen beschirmt. Schon hob -Brynhild den todbringenden Speer. Da gewahrte der -junge König sie mit hellseherischem Blick, mit dem man -den nahenden Tod erschaut, und des Jünglings Augen -brannten mit der heißen Liebe am Leben in den staunenden -Augen der Jungfrau Wodans. Ein Ruck ging -durch den Mädchenkörper der Reiterin. Sie richtete die -Lanze hoch auf und jagte an ihm vorbei.</p> - -<p>»Was tust du?« wirbelte es ihr durch das Hirn. -»Du handelst wider Wodans Gebot!«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_140">[140]</a></span></p> - -<p>Sie riß den Hengst herum und fällte den Speer zum -zweiten Male. Aber Agnar blickte sie an in heller Bewunderung -und dachte nicht mehr an sein bedrohtes -Leben. Da jagte sie zum zweiten Male an ihm vorüber -und vergaß Wodans Gebot über den begeisterten -Jünglingsaugen.</p> - -<p>Zum dritten und letzten Male hetzte sie den Hengst -zum Ansprung.</p> - -<p>»Er ist so jung, so schön,« murmelten ihre Lippen, -»und Hialmgunnar ist alt und greis und hat das -Leben gelebt. O Agnar, wie ich dein junges Leben -liebe.« –</p> - -<p>Und plötzlich tat sie einen Schrei, der wild über die -Walstatt gellte, stürmte zwischen die kämpfenden Könige -und stieß dem alten König Hialmgunnar den Todesspeer -mitten durch die Halsbrünne.</p> - -<p>Die Königsleiche lag auf dem Feld. Als Sieger jagte -Agnar die Feinde von dannen. –</p> - -<p>Staunend fuhr Wodan von seinem Hochsitz. Mit -einem Blicke sah er, was geschehen war. Er rief nach -seinem Rosse Sleipnir und jagte wie der Sturm zur -Erde nieder. Dort fand er Brynhild traurig an den -Speer gelehnt.</p> - -<p>»Leg dein Walkürenkleid ab, unbotmäßig Mädchen,«<span class="pagenum"><a id="Seite_141">[141]</a></span> -rief er ihr zornig zu und sprang vom Rosse. »Was -will dein töricht Mädchenherz dreinreden, wenn es sich -um Allvaters unerforschliche Wege handelt? Walküre -bist du gewesen für Zeit und Ewigkeit. Den Rausch -des Schlachtenglücks, die seligen Wonnen Walhalls -nehme ich von dir und gebe dir dafür, was du gewollt: -das bißchen Menschenglück und das bißchen Liebeswonne. -Vermählen soll sich dein jungfräulicher Leib -einem irdischen Mann! Ich stoße dich aus!«</p> - -<p>»Allvater!« bat Brynhild mit zuckenden Lippen.</p> - -<p>»Du warst mein Lieblingsmädchen unter allen meinen -Wunschtöchtern,« sprach Wodan leise. »Dennoch – ich -kann dich nicht schirmen gegen mein eigenes Wort. -Beuge dich zu mir. Ich will in barmherzigen Schlaf -dich senken.«</p> - -<p>»Allvater,« flehte Brynhild, »laß kein anderer mich -als Gemahl berühren denn ein furchtloser Held.«</p> - -<p>Stumm nickte ihr Wodan Gewähr. Und sie beugte -sich zu ihm, und er stach sie mit seinem Schlafdorn in -die Schläfe, daß sie schlummernd zu seinen Füßen hinsank. -Wodan aber gedachte seines Versprechens vom -furchtlosen Helden und zog eine wabernde Lohe rings -um den Platz, auf dem Brynhild schlummernd lag. -Nur ein Held, der das Fürchten nicht kannte und das<span class="pagenum"><a id="Seite_142">[142]</a></span> -Sterben verlachte, würde die Flamme durchreiten. Und -sinnend und forschend ritt Wodan heim nach Walhall. –</p> - -<p>Wieder flogen Walküren aus, und sie kamen an -eine Bucht und legten ihre Schwanengewänder ab, -um zu baden. Im Laube versteckt aber saß <em class="gesperrt">Wölund</em>, -der kunstreiche Schmied, den sie auch <em class="gesperrt">Wieland</em> nannten, -mit seinen Brüdern, und sie nahmen den Jungfrauen -heimlich die Gewänder weg und zwangen sie so in -ihren Dienst. Neun Jahre lehrten die Himmelsmädchen -die Brüder alle Geheimnisse, bis sie die verborgenen -Gewänder wiederfanden und sich im Schwanenkleid auf -und gen Asgard schwangen. Wieland aber wurde tiefsinnig -aus Liebe nach dem entschwundenen Himmelsglück, -und die Gemeinschaft der Menschen war ihm unerträglich. -Als sein Feind, der König Nidung, ihn durch -List gefangengenommen und ihm die Sehnen an den -Füßen durchschnitten hatte, damit er nicht entfliehen -könne und ihm Schwerter und Kostbarkeiten schmieden -müsse, soviel er begehre, fertigte Wieland nach dem -Schwanengewand seiner entschwundenen Liebe, dessen -Geheimnisse er wieder und wieder durchforscht hatte, in -jahrelanger Arbeit ein Flügelkleid für sich selbst, spannte -es um seinen zermarterten Körper und flog mit glühendem -Geist gen Himmel. So gewaltig wirkte der Walküre<span class="pagenum"><a id="Seite_143">[143]</a></span> -Zauber auf den nach dem Höchsten strebenden -Mann. –</p> - -<p>Wieder aber flogen Walküren aus und trafen auf -einen jungen Königssohn, den die Stiefmutter Knechtesdienste -verrichten und bei Nacht die Herden hüten -ließ, damit er blöde würde und dem Thron ungefährlich. -<em class="gesperrt">Svanhvit</em> war die Führerin, und als sie mit -ihren Gefährtinnen auf das Feld kam, sahen sie in -der Ferne Unholde und Gespenster gegen den einsamen -Knaben reiten. Der aber weidete ruhig seine Herden. -»Verberge dich,« rief sie ihm zu, »die Nachtmare -kommen über dich!«</p> - -<p>Der Königsknabe hob lächelnd die Augen zu der eifrigen -Warnerin.</p> - -<p>»Soll ich mich etwa fürchten, wunderbare Jungfrau?«</p> - -<p>»Ich bin's, die für dich fürchtet, du Lieber,« rief die -Walküre, gerührt von so viel Knabenreinheit, »und ich -leihe dir mein eigenes Schwert, damit du um dich schlagen -kannst. Ich aber will dir zusehen und mich an dir -freuen.«</p> - -<p>Strahlend nahm der Schäfer das Schwert und wog -es in den Händen. Die Blödigkeit des Hirten schwand -aus seinen Mienen, das Königsblut schoß ihm ins Gesicht.<span class="pagenum"><a id="Seite_144">[144]</a></span> -Mitten auf dem Weg, den die Unholde kamen, -stand er und schwang lachend das Schwert und schlug -um sich die ganze Nacht, bis beim Morgengrauen das -letzte Nachtgespenst zur Strecke gebracht war. Und er -zog weiter und warf sich zum rechtmäßigen König auf, -und Svanhvit stand ihm zur Seite und weckte alle seine -Heldenkräfte, bis er den Thron gewann. Da legte die -in Liebe entbrannte Walküre freiwillig das Flügelkleid -ab und blieb bei ihm als seine Königin.</p> - -<p>Wodan saß auf seinem Hochsitz, und seine Raben -hatten ihm alles zugetragen. Er nickte nur vor sich -hin. –</p> - -<p>Und wieder flogen Walküren aus, stürmten auf -schnaubenden Hengsten zur Erde hinab, in den Männerkampf, -brausten im Schwanengefieder zu Häupten ihrer -Helden. Schwerter sangen und Gere klangen allüberall. -Denn <em class="gesperrt">Helgi</em>, der Haddingenheld, focht in vielen -Schlachten wider König <em class="gesperrt">Hromund</em>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Kara</em>, die hellschimmernde Wunschmaid, führte die -Schwestern. Aber als sie den Haddingenheld zum ersten -Male fechten gesehen hatte in seiner Kühnheit und -Wildheit, verlor sie ihr Herz an den stürmischen Mann -und schenkte sich ihm als Geliebte.</p> - -<p>Anderen Tages tobte die Entscheidungsschlacht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_145">[145]</a></span></p> - -<p>Glückseligen Gesichtes schwang Helgi, der Haddingenheld, -sein Schwert, und wo es in die Brünnen biß, da -biß der Tod. Heißen Herzens schlug Helgi in den Feind, -denn er dachte an Kara, die ihn umhalsen würde nach -des Tages Blutarbeit. Wie sie ihn in der Nacht umhalst -hatte.</p> - -<p>Über seinem Haupte vernahm er ein Rauschen und -ein wunderbares Singen und Klingen. Über seinem -Haupte flog die Walküre Kara und hielt vor Helgi den -Schild, daß kein Schwert ihn schneiden, kein Speer ihn -ritzen, keine Axt ihn zerspalten konnte. Und aus Karas -Munde drang ein Lied, ein wildes, seliges Zauberlied, -daß den Feinden die Arme sanken, und sie wie in Fesseln -lauschen mußten. Über das feindliche Heer hin -brausten die Zauberweisen, und hinter ihnen drein -stürmte Helgi, der glückselige Mann, und schwang das -Schwert und mähte die Gebannten nieder.</p> - -<p>Wodan saß auf seinem Hochsitz und lächelte. Jetzt -streckte er die Hand. Da hob Helgi das Schwert, um -einem riesenhaften Feind das Haupt vor die Füße zu -werfen, und schwang das Schwert zu hoch. Ein Schwanenschrei -gellte durch die Luft. Das Zauberlied war verstummt.</p> - -<p>Vor Helgis Füße sank im zerfetzten Fluggewand die<span class="pagenum"><a id="Seite_146">[146]</a></span> -Walküre. Im Jauchzen des Kampfes hatte der Held -der Schildmaid nicht acht gehabt und die Geliebte ins -Herz getroffen.</p> - -<p>Tot war sein Liebesglück, zu Ende sein Schlachtenglück.</p> - -<p>Noch immer lächelte Wodan sein seltsames Lächeln. -Dann erhob er sich, hieß den Helden nach Walhall entbieten -und Kara seine Wegweiserin sein.</p> - -<p>Im Goldhelm und blauen Königsmantel empfing er -den gewaltigen Recken.</p> - -<p>»Auf daß du auch in Walhall ein so fröhlicher Kämpe -seist, wie auf der Walstatt auf Erden, geb ich dir die -Hellschimmernde zur Schenkin,« sprach er und wies ihm -seinen Platz unter den besten der Einherier.</p> - -<p>Da lachte Helgi, der Haddingenheld, daß es durch -alle Hausungen der Götter schallte, und führte sein -Mädchen stolz an die Tafel der Zecher, die dem Paare -donnernden Heilgruß entboten.</p> - -<p>Wodan aber hatte eines Helden Seele an sich geschmiedet -für alle Ewigkeit.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_147">[147]</a></span></p> - -<h2 id="Unter_den_Einheriern">Unter den Einheriern.</h2> -</div> - -<p class="drop">Männer, Männer! war Wodans einziger Gedanke -geworden. Männer im Himmel und auf -Erden. Männer der Tat, die wiederum Heldengeschlechter -zeugten, Helden, die durch Tat und Todesverachtung auf -Erden schon heranrückten an die Götter und im Himmel -Wodans Söhne wurden. Was sonst brauchte die Welt, als -Männer, wenn die Schicksalsstunde nahte, Männer, die -Mannesehre über alles stellten, bereit allzeit, ihr Leben -in die Schanze zu schlagen, um noch sterbend den feindlichen -Mächten Abbruch zu tun und den Ruhm zu -retten.</p> - -<p>Manche seiner Wunschmädchen gebaren den Irdischen -Helden; er selber zeugte auf seinen Wanderungen manches -Heldengeschlecht und war anderen ein väterlicher -Freund. Ein Freund jedoch, der sich unerbittlich selbst -bezahlt machte und seine Schützlinge zu der Stunde, -die ihm die rechte schien, auf der Höhe ihrer Kraft oder -nach einem schlachtenreichen Leben, das Tausende nach -Walhall gesandt hatte, einholte zu den Einheriern. So -unerbittlich wie das Schicksal, das die Götter bedrohte, -so unerbittlich war Wodan in der Wahl der Mittel, -dem unabwendbaren Schicksal den letzten Ruhm abzugewinnen<span class="pagenum"><a id="Seite_148">[148]</a></span> -und, wenn es ihn schon untergehen hieß, nur -als Sieger über die Unheilsmächte unterzugehen. Im -letzten großen Atemzuge noch Schöpfer einer neuen, -kommenden Welt.</p> - -<p>Darum war vom Tode gezeichnet, wer Wodans -Freund auf der Erde hieß. Aber auch vom Ruhme -bekränzt und durch die Sänger aller Zeiten zur Unsterblichkeit -erhoben.</p> - -<p>Wer aber ein Mann sich fühlte in germanischen -Landen, der zögerte keinen Herzschlag lang und wählte -Wodan für sich und seine Geschlechter. Lieber als ein -königlich Volk mit seinen Göttern untergehen, denn als -namenloser Sklave fronen. Und es waren die Besten -Germaniens, die sich als Einherier in Walhall auf -Wodans Bänken sammelten und nach ihrem irdischen -Tode noch ihre Namen ehrfurchtgebietender und strahlender -hielten, als alle die lebenden Weichlinge und -Feiglinge zusammen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Da saßen auf bevorzugten Platzen Helden und Heerkönige. -Da saß <em class="gesperrt">Sigmund</em> unter ihnen, der Rheinfranken -König, der ein Sohn Wolsungs war und von -Wodans Blut. Denn Wodan selbst hatte den Wolsungenstamm<span class="pagenum"><a id="Seite_149">[149]</a></span> -gezeugt in dem Wolsungen-Ahn Sigi, um -den Tisch der Einherier zu schmücken durch die Erziehung -von Helden, Geschlechterreihen hindurch.</p> - -<p>Jung war noch Sigmund, als sein Vater Wolsung -die Tochter <em class="gesperrt">Signy</em> dem ungeliebten König Siggeir von -Gautland vermählte. In der Festhalle Wolsungs saßen -die Männer beisammen, und die Franken und die Gauten -erzählten von der Abkunft ihrer Geschlechter. Plötzlich -verstummte jedes Getön. Ein hochgewachsener Alter, -einäugig, in breitrandigem Hut und blauem Mantel, -war unbemerkt von den Wachen in die Halle getreten -und auf den Eichbaum zugeschritten, der mitten in der -Halle wuchs und seinen Wipfel über das Dach breitete. -Ein Schwert trug er unterm Arm, und er nahm es -und stieß die Klinge bis ans Heft in den eisenharten -Stamm.</p> - -<p>»Kein besser Schwert als dies! Dem Besten nur gehör -es an! Wer es herauszuziehen vermag, der führe -es!«</p> - -<p>Der Einäugige sprach es, blickte sich im Kreise um -und ging aus der Halle, wie er gekommen war, unbemerkt.</p> - -<p>»Wodan, der Wolsungen Stammvater, kam zum Hochzeitsfest,« -raunten die Rheinfranken. Und es herrschte<span class="pagenum"><a id="Seite_150">[150]</a></span> -langes Schweigen und seltsames Grübeln im Saal. -Dann aber traten die Männer an den Baum.</p> - -<p>Wolsung packte den Schwertgriff und rüttelte daran. -Umsonst. Seine stärksten Helden nach ihm. Vergeblich. -Sein Schwiegersohn, der Gautenkönig Siggeir zog und -riß in wilder Wut. Das Schwert rührte sich nicht. -Sigmund, der junge, trat heran. Mit leichtem Ruck -riß er das Schwert aus dem Stamm und schwang das -Aufblitzende durch die Halle.</p> - -<p>Ruhm brachte ihm Wodans Schwert und ein schweres -Heldenleben. Siggeir forderte den Stahl von dem jungen -Schwager, der das Begehr lachend abwehrte. Da lud -Siggeir den König Wolsung und seine ganze Sippe -nach Gautland und erschlug sie alle trotz flehentlicher -Bitten der Wolsungentochter Signy, seines Gemahls, -bis auf Sigmund, dem er das Schwert Gram – das ist -»Zorn« – entwendet hatte. Ihn ließ er im finstern -Wald in eine Erdhöhle werfen, wo er ohne Heldenehre -schmählich verkommen sollte. Signy aber liebte den -strahlenden Bruder Sigmund so heiß, daß sie sich nächtens -heimlich zu ihm schlich und ihn tränkte und pflegte -und koste. Und sie schenkte ihm einen Knaben, der hieß -<em class="gesperrt">Sinfiötli</em>, und Sigmund und Sinfiötli lebten im -Walde wie die Werwölfe, unbändig, furchtlos und riesenstark,<span class="pagenum"><a id="Seite_151">[151]</a></span> -bis Sigmund die Stunde für gekommen erachtete, -nach Germanengebot Blutrache zu nehmen an dem -Mörder seines Vaters Wolsung.</p> - -<p>Der erste Anschlag mißglückte. Siggeirs spielender -Knabe entdeckte die wilden Männer hinter einer Mettonne, -und der König ließ die Beiden einmauern wie -wilde Tiere, beider Gelaß durch einen Felsen voneinander -getrennt. Noch einmal kam Signy, Sigmunds -Schwester, bei der Nacht. Sie kam bis an die Grube -ihres Sohnes Sinfiötli und ließ hastig einen Strohbund -hinuntergleiten. Als der riesenstarke Knabe ihn -öffnete, fand er darin Sigmunds Schwert Gram. Er -packte es beim Knauf, setzte die Spitze gegen die trennende -Felswand und drückte, daß ihm die Adern an -den Schläfen zu platzen drohten. Da schnitt das Schwert -durch den Felsen, und der Sohn drückte, bis der Vater -es in seiner Grube an der Spitze zu fassen kriegte, und -nun sägten Vater und Sohn mit des Schwertes Schärfe -den Felsen durch, bis sie zueinander kriechen und Sigmund -auf Sinfiötlis Schultern aus der Grube steigen -konnte. Dann zog Sigmund den Sohn am Schwerte -hinaus.</p> - -<p>Durch die Nacht schritten sie zur Halle König Siggeirs -und legten Feuer an. An der Tür des flammenumlohten<span class="pagenum"><a id="Seite_152">[152]</a></span> -Hauses hielten sie mit dem Schwerte Wacht, -daß nichts Lebendiges heraus konnte. Nur Signy, die -Königin, riefen sie. Aber die Königin wehrte der Rettung.</p> - -<p>»Im Leben durfte ich Wolsungs Tochter sein und -auf Blutrache für den Vater bedacht. Im Tode gehör -ich an meines Mannes, des Königs, Seite, ob ich ihn -liebe oder nicht.«</p> - -<p>So entgegnete die königliche Frau und starb den -Flammentod mit König Siggeir und seiner ganzen -Sippe.</p> - -<p>Heim segelte Sigmund an der Spitze eines Heeres -und gewann mit Waffengewalt das Land der Wolsungen -zurück. Mit der Königstochter <em class="gesperrt">Borghild von Bralund</em> -vermählte sich König Sigmund, und sie gebar ihm einen -Sohn, <em class="gesperrt">Helgi</em>, als Sigmund, wie immer, auf Heldenfahrten -war. Und Wodan sandte seine Raben, dem -Knaben der Wolsungen Kriegsglück zu weissagen. Fünfzehn -Lenze zählte Helgi, als er mit seinem Stiefbruder -Sinfiötli auszog gegen König Hunding, der Wolsungen -Erbfeind und Länderräuber, und ihn mit eigener -Hand in der Schlacht erlegte. <em class="gesperrt">Helgi Hundingstöter</em> -riefen ihn seitdem die Helden, und die Sänger sangen -seinen Namen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_153">[153]</a></span></p> - -<p>Die Hundingssöhne begehrten Buße von Helgi für -den Vatermord. »Gewärtigt wilde Wetter, graue Gere -und Wodans Gram!« ließ der junge Fürst ihnen vermelden -und rückte mit einem Heere gegen die Stürmenden -an. Unbekümmert um den Hagel der Gere und -Pfeile rückte er vor. Über seinem Haupte war ein -Rauschen wie von Schwanenflügeln. Neun Walküren -schwebten schirmend über ihm, von der Schildmaid -<em class="gesperrt">Sigrun</em> geführt. Da schüttelte Helgi seine Locken und -jauchzte Sigrun zu und brach wie ein Wolf in die -Feinde, erschlug ihren Bannerträger und die meisten -der Hundingssöhne.</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/illu-153.png" alt="" /> -<div class="caption">»Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die Walstatt.«</div> -</div> - -<p>Als Sieger schritt Helgi Hundingstöter über die -Walstatt. Sein Arm lag um Sigrun, die Schildmaid.</p> - -<p>»Ich liebe dich,« sagte er, und sie antwortete ihm: -»Auch ich liebe nur dich. Doch bin ich dem König Hödbrod -angelobt, der mich jenseit der See erwartet. Hilf -mir von ihm.«</p> - -<p>Da sammelte Helgi Hundingstöter sein Heer zum -anderen Male und stieß die Drachenschiffe ins Meer -und fuhr aus um sein Liebesglück. Das sah des Seebeherrschers -Ägir wildes Weib Ran, und sie sandte -ihre Wogentöchter aus, die die Schiffe auf den Rücken -nahmen und das Fürstenschiff hoch zu den Wolken<span class="pagenum"><a id="Seite_154">[154]</a></span> -werfen sollten, um es als Wrack hinabzuziehen. Schon -hatte die leichengierige Ran ihre Klauen in den Schiffsrand -geschlagen, um die Helden zu schlingen, da war ein -Rauschen über den Masten wie von Schwanenflügeln, -und Helgi Hundingstöter blickte empor und gewahrte -die neun Walküren, von Sigrun stürmisch geführt. -Und die Schildmaid schlug der rasenden Ran das Schiff -aus der Hand und brachte den Helden mit seinem ganzen -Heere glücklich an Land. Eine furchtbare Schlacht entbrannte. -Mit König Hödbrod und seinen Brüdern ritt -und stritt auch König Högni, der Vater der Schildmaid. -Aber Helgi Hundingstöter, von Sinfiötli geleitet, -durchbrach den Keil des feindlichen Heeres, erschlug -König Hödbrod und seine Brüder, erschlug auch König -Högni und schonte nur Högnis Sohn Dag. Sinfiötli -aber würgte die anderen Häuptlinge, daß sie nimmer -die Sonne sahen.</p> - -<p>Auf der blutigen Walstatt traf Helgi Hundingstöter -Sigrun. Ob ihr auch über den Tod ihres Vaters -die Tränen aus den Augen stürzten, sie kränzte den -Sieger und gab sich ihm, auf ihr Walkürenkleid für -immer verzichtend, als Weib. Nie war ein glücklicheres -Paar in nordischen Landen.</p> - -<p>Dag aber, Sigruns Bruder, flehte Wodan an um<span class="pagenum"><a id="Seite_155">[155]</a></span> -Vaterrache. Und Wodan gedachte der Wolsungen und -gedachte seiner Einherier. Da lieh er Dag seinen Todesspeer -Gungnir, und Dag lauerte Helgi im Walde auf -und rannte ihm den Todesspeer durch den Rücken.</p> - -<p>Unstillbar war Sigruns Schmerz um den Heißgeliebten. -Sie richtete ein Lager in der Grabkammer, -breit genug für sich und ihren abgeschiedenen Helden, -und saß am Hügel und weinte blutige Tränen. Um -Mitternacht klirrte es von Waffen in der Luft. Aufgeweckt, -sah sie Helgi Hundingstöter mit großem Geleite -durch die Lüfte niederreiten und sah den Geliebten -die Grabkammer betreten. Da warf sich Wodans einstige -Schildmaid dem Heimgekehrten ans Herz und küßte -ihm Augen, Mund und Hände. Und Helgi sprach: -»Deine Tränen haben mich aus Wodans seligem Saal -zurückgerufen. Sie brennen mir wie Feuertropfen auf -der Brust, daß ich mit den Helden Walhalls nicht fröhlich -werden kann. Warum weinst du so sehr, da dein -Geliebter der Ewigkeit Ruhm gewann?« Und Sigrun -schmiegte sich an sein Herz und sprach: »Nun will ich -nie mehr klagen und still bei dir liegen.«</p> - -<p>Als fahl der erste Frühschein über den Himmel glitt, -schied Helgi Hundingstöter für immer und jagte frohgemut -mit seinen Begleitern gen Walhall zurück, von<span class="pagenum"><a id="Seite_156">[156]</a></span> -Wodan freudig empfangen. Sigrun aber legte sich zum -Sterben und lag in der Kammer angeschmiegt an den -irdischen Leib ihres toten Gemahls. –</p> - -<p>Sinfiötli hatte inzwischen nicht gefeiert. Während -Vater Sigmund zu Ehren Wodans auf Wikingsfahrten -war, hatte auch er Kämpfe auf Kämpfe bestanden und, -um Hand und Kronland einer Königin zu gewinnen, -seiner Stiefmutter Borghild von Barlunds Bruder im -Zweikampf erschlagen. Rache schwur ihm Sigmunds -Weib, Buße an Leib und Leben. Doch Sigmund kehrte -heim und wehrte ihr und erklärte sich bereit, selber -Buße zu zahlen, auf daß Sinfiötli, den er brennend -liebte, frei sei. Da mußte sich die Königin zufrieden -geben, aber beim Leichenmahl für den erstochenen -Bruder reichte sie Sinfiötli im Trinkhorn vergifteten -Met. Dreimal weigerte sich Sinfiötli zu trinken, und -Sigmund, dem keinerlei Gift Schaden tat, trank ihm -zu. Da trank auch Sinfiötli und stürzte tot zu Boden.</p> - -<p>Aufheulte Sigmund vor Weh. Sein Weib verstieß -er, und den Sohn, den Gefährten aus wilden Wolfstagen, -nahm er in die Arme und irrte durch das Land, -bis er zur Nachtzeit an einen breiten Strom kam. Dort -fand er einen Fergen warten, einen einäugigen Alten -in blauem Mantel und breitrandigem Hut. Der nahm<span class="pagenum"><a id="Seite_157">[157]</a></span> -die Heldenleiche in sein Schiff, aber dem klagenden Vater -wehrte er den Zutritt und führte das Schiff schnell über -den dunklen Strom.</p> - -<p>Lange starrte Sigmund in die Dunkelheit. Er wußte, -daß es Wodan war, der Wolsungen Ahn, der den Helden -Sinfiötli der grausamen Hel entführte und ihn nach -Walhall an die Tafel der Einherier brachte. Da wurde -sein Gemüt fröhlich. Und so alt er war, er ritt aufs -neue und ritt in des Königs Eylimi Land, dessen -Tochter <em class="gesperrt">Hiördis</em> die schönste aller Frauen war, und -warb um ihre Hand. Mit ihm aber warb auch der -König Lyngi, ein Hundingssohn. Die schöne Hiördis -wählte nicht lange, sie wählte den Ruhmgekrönten trotz -seines Alters und wurde König Sigmunds Eheweib.</p> - -<p>Wutbebend sammelte Lyngi, der Hundingssohn, ein -Heer und überfiel Sigmund in seinen Landen. Der -ließ schleunigst Weib und kostbarste Habe in den Wald -schaffen und drang an der Spitze seiner Mannen der -Übermacht entgegen. Silberweiß flog ihm das Haar -im Wind. Aber sein Arm schwang das Wodansschwert -Gram, und wo der König Sigmund den Seinen voranschritt, -da bahnte er eine blutige Gasse, und immer -weiter watete der Wolsung, alles niederschmetternd, -durch das Blut. Schon war der Sieg sein, da trat ihm<span class="pagenum"><a id="Seite_158">[158]</a></span> -ein alter Kämpe entgegen, einäugig, in breitrandigem -Hut und blauem Mantel. Der fällte den Speer gegen -ihn, und König Sigmunds Schwert zersprang an dem -Speer in Stücke. Mit allen seinen Helden wurde Sigmund -im Kampfe erschlagen. Wodan selbst hatte ihn -nach Walhall entboten.</p> - -<p>Ein Kind Sigmunds trug Hiördis unter dem Herzen. -Als es zur Welt kam, war es ein goldblonder Knabe -von schlankem Wuchs, und sie nannte ihn <em class="gesperrt">Sigurd</em>. -Noch war Sigurd ein Knabe, als er ein Roß verlangte, -das er sich unter den Hengsten aus der Weide wählen -durfte. Ein alter Mann kam über die Weide, einäugig, -in blauem Mantel und breitrandigem Hut. Der trieb -die Rosse in den vorüberrauschenden Strom, aber nur -ein junger Grauhengst schwamm quer hindurch, die -anderen schwammen das Ufer entlang. »Den nimm,« -riet der Einäugige. »Er stammt von Sleipnir, dem -Hengste Wodans.« Da nahm ihn Sigurd und nannte -ihn nach seiner grauen Farbe Grani. Auch ein Schwert -forderte er, und als sein kräftiger Arm jede Klinge am -Amboß zerschlug, gab ihm die Mutter die Stücke des -Wodanschwertes Gram, das Erbe seines Vaters Sigmund, -und ein kunstreicher Zwerg schmiedete ihm daraus -aufs neue eine unbesiegbare Waffe. Dann rüstete<span class="pagenum"><a id="Seite_159">[159]</a></span> -Sigurd Drachenschiffe und fuhr mit einer Schar auserwählter -Männer ins Reich der Hundingssöhne, als -echter Wolsung zuerst Blutrache zu nehmen für den -erschlagenen Vater Sigmund.</p> - -<p>Stürmisch war die See und gefahrvoll die Fahrt. -Aber da war der alte Einäugige wieder, der sprang in -Sigurds Schiff und steuerte es sicher durch den Wogenbraus -und lehrte den feurigen Jüngling auf dem Wege -tiefe Geheimnisse der Kriegskunst. Kaum, daß Sigurd -erwarten konnte, an Land zu gelangen.</p> - -<p>König Lyngi, der Hunding, zog dem Wolsung entgegen. -Eine mörderische Schlacht hob an, bis Sigurd, alles -niedermähend, zum Banner König Lyngis drang und -im furchtbaren Zweikampf mit seinem Schwerte Gram -den Hunding vom Wirbel bis zum Sitz in zwei Teile -spaltete.</p> - -<p>Allein zog er weiter auf Abenteuer und erlegte auf -ragendem Rheinfelsen den Drachen Fafnir, den Hüter -der Schätze, die einst die drei wandernden Götter Wodan, -Hönir und Loki einem Riesen als Buße für den irrig -erschlagenen Sohn geleistet hatten, und er aß das -Drachenherz und trank das Drachenblut und verstand -mit einem Male die Stimme der Vögel, die von der -allerschönsten Maid sangen, von Brynhild, der Wunschmaid<span class="pagenum"><a id="Seite_160">[160]</a></span> -in der wabernden Lohe. Wie lachte da Sigurds -Jünglingsherz.</p> - -<p>Auf seinem Hengste Grani, das gute Schwert Gram -an der Seite, ritt er durchs Land, bis er den Feuerschein -gewahrte, und sprengte furchtlos durch die Flammen, -die über seinem Haupte zusammenschlugen, und -gelangte zu der schönen Schlafenden, die er erschauernd -auf den Mund küßte. »Sigurd bin ich, der Wolsung! -Wach auf, Brynhild, und werde mein Weib!«</p> - -<p>Mit staunenden Augen richtete sich Brynhild empor.</p> - -<p>»Ein Furchtloser ist gekommen, ein Furchtloser! Allvater -sei Dank für meine Erlösung!«</p> - -<p>Und sie legte dem liebeglühenden Jüngling beide -Arme um den Hals und erzählte ihm von ihrer Herkunft -und ihrem langen Harren, und sie tauschten heiße -Schwüre und verlobten sich einander.</p> - -<p>Noch einmal wollte er vor der Hochzeit in die Welt, -Heldenruhm heimzubringen, und er kam auf seiner -Fahrt zu König Gibich, der drei Söhne besaß und eine -Tochter. Die Königin aber wünschte sich den herrlichen -Helden zum Eidam, denn seine Kraft erschien ihr gefährlich -für das Reich und sein reiches Goldgut angenehm -für des Hauses Schatz. Einen Vergessenheitstrunk -gab sie Sigurd zu trinken, also, daß er Brynhild<span class="pagenum"><a id="Seite_161">[161]</a></span> -vergaß und die Gibichentochter zum Weibe nahm. Als -dann der alte König Gibich gestorben war, wünschte der -junge König die schöne und reiche Brynhild zu freien, -und Sigurd, der nichts mehr wußte von seinem einst -beschworenen Verlöbnis, ließ sich bereden und tauschte -mit dem König die Gestalt und gewann ihm Brynhild. -Das tat er zu seinem Verderben.</p> - -<p>Die stolze Wunschtochter Wodans, das Weib des -Gibichensohns, kam hinter den Betrug. Denn ihr Gatte -war lässig, und Sigurd erfüllte die Lande mit seinen -Heldentaten. Ein Streit brach aus zwischen der Stolzen -und Sigurds Weib, und Brynhild, die verhöhnte, beschloß -Sigurds Tod. Da ging sie hin und warb einen -Getreuen. Und der Getreue fragte nicht viel und nahm -einen Speer und stieß ihn Sigurd, der Brynhild vergessen -hatte, in den Rücken.</p> - -<p>Die stolze Schildmaid aber hatte Sigurds nicht vergessen. -Als der Holzstoß lohte, der des Helden Leiche -trug, warf sie sich zu Sigurd in die Flammen, barg -sein Haupt an ihrer Brust und starb, ihren furchtlosen -Erwecker in den Armen. –</p> - -<p>Hochgefeiert saßen die Wolsungen, die Helden vom -Rhein, saßen Wolsung und König Sigmund, saßen -Helgi, der Hundingstöter, Sinfiötli und Sigurd Drachentöter<span class="pagenum"><a id="Seite_162">[162]</a></span> -unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den -die Nordmänner Odin nannten.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Da saß der Dänenkönig <em class="gesperrt">Harald Hildetand</em>, das -ist »Eberzahn«. Blutjung war er mit seinen Drachenschiffen -ausgefahren, um sich in Dänemark, seines Vaters -Landen, die Krone aufs Haupt setzen zu lassen, als ein -wütender Seesturm ihn überfiel und seine Krieger verzagten. -Harald Hildetand verlor den Mut nicht einen -Pulsschlag lang. Laut rief er Wodan an und weihte -sich ihm und sein ganzes Heer, wenn Walvater einst sein -irdisch Werk für abgeschlossen erachte. Und als er aufblickte -– siehe da stand ein einäugiger Alter in Wetterhut -und Wettermantel am Steuer, und das Schiff flog wie -ein Falke über das Meer und in den dänischen Hafen.</p> - -<p>Gekrönt war Harald, der Eberzahn, von den glücklichen -Dänen. Hildetand, Eberzahn, nannten sie ihn, -weil ihm zwei schimmernde Schneidezähne wie Eberzähne -wuchsen. Aber die Schweden, die das Land widerrechtlich -in ihrem Besitz gehalten hatten, wollten es nicht -leichten Kaufes aufgeben, sondern zogen ein so übermächtiges -Heer zusammen, daß der Dänenschar graute. -Wieder rief der junge König Wodan an und weihte ihm -sein Leben aufs neue. Und aus der Reihe der Krieger<span class="pagenum"><a id="Seite_163">[163]</a></span> -trat der Einäugige im blauen Mantel und trat heimlich -belehrend zu Harald Hildetand und stellte das -Kriegsvolk keilförmig auf in Gestalt eines Eberrüssels. -Den Schild warf der junge Held hinweg, packte in jede -Hand ein Schwert, sprang an die Spitze des Keiles und -ließ die Hörner blasen. Und der Keil drang in das -Schwedenheer und dehnte sich und sprengte es in Fetzen -auseinander. Und vorn an der Spitze schritt Harald -Hildetand und schnitt mit seinen Schwertern wie mit -Sensen nach links und rechts die Garben und weihte -die Haufen der Toten Wodan. Das war für Walvater -willkommene Beute.</p> - -<p>Hundert Kriegszüge und Wikingsfahrten unternahm -Harald Hildetand Wodan zu Ehren, und fünfzig Jahre -der Regierung schenkte ihm Allvater. Dann aber wünschte -er den Helden zu holen. Er nahm die Gestalt von Harald -Hildetands vertrautestem Manne an, dem Ratgeber -Brugi, der mit einer Geheimbotschaft zu Haralds Neffen -Sigurd Ring gefahren und auf der Reise ertrunken war. -Harald Hildetand selbst hatte den tapferen Neffen zum -König über Schweden eingesetzt. Als Brugi kehrte Wodan -nach Dänemark zurück und säete Feindschaft zwischen -Harald Hildetand und Sigurd Ring, die nur das Schwert -lösen konnte. Sieben Jahre rüsteten Schweden und<span class="pagenum"><a id="Seite_164">[164]</a></span> -Dänen zum Entscheidungskampf, so groß war der Haß -geworden und der glühende Wille, den anderen für -immer zu vernichten. Und nach sieben Jahren trafen -sich die Heere aus dem Brawallafeld in schwedischen -Südlanden.</p> - -<p>Blind war König Harald Hildetand geworden von -der Zahl der Jahre und ein Greis. Kein Roß vermochte -er mehr zu besteigen. Aber auf einen Schlachtwagen -ließ er sich heben und hob das Schwert. »Vorwärts, -ihr Dänen! Vorwärts mit Wodan!« Da rannten seine -Dänen an.</p> - -<p>»Ich höre ihr Jauchzen nicht mehr,« murmelte der -blinde Greis nach einer Weile. »Wie kämpft der Feind?«</p> - -<p>Und Brugi, der neben ihm hielt, erwiderte lachend: -»Er kämpft in der Keilform des Eberrüssels!«</p> - -<p>Harald Hildetand fuhr zusammen. Nur ihm und -Wodan war dies Geheimnis der Schlachtordnung bekannt. -Der da zu ihm sprach, war nicht Brugi, es war -Wodan selber. Wodan rief ihn. Und er hob das blinde -Haupt und machte sich ruhig zum Sterben bereit.</p> - -<p>Der Friese Ubbi jedoch, Harald Hildetands treuster -und tapferster Held, wollte nichts vom geruhigen Sterben -wissen. Wie ein Berserker warf er sich mit seiner mächtigen -Streitaxt in den schwedischen Keil und zerspaltete<span class="pagenum"><a id="Seite_165">[165]</a></span> -die Schädel und Rückenwirbel, als spalte er Eichenklötze. -Dreimal schlug er hin und zurück eine dampfende Bahn -aus Blut, Gehirn und Knochen und jauchzte Harald -Hildetand »Heil!«, wenn er zurückkam. Zu Dutzenden -ließen die Schwedenhäuptlinge ihr Leben, schon wandten -sich Heeresteile zur Flucht. Da befahl Sigurd Ring seinen -sämtlichen Bogenschützen, nur auf den Friesen zu zielen, -und von den Pfeilen gefiedert wie ein Aar stürzte -Ubbi, der getreueste Mann, zusammen und hauchte seine -Seele aus.</p> - -<p>Harald Hildetand vernahm die Botschaft. Hochaufgerichtet -gab er seinen Wagenrossen die Zügel frei, daß -sie ihn mitten in die Feinde führten. Blinden Auges -mähte er, wie als Jüngling in jeder Hand ein Schwert, -nach links und nach rechts in die Feindeshaufen. Da -sprang Wodan in Brugis Gestalt auf den Wagen und -zerschmetterte mit einem Streitkolben Harald Hildetands -Haupt. Keine fremde Hand sollte die Silberlocken seines -Schützlings berühren. »Dank dir, Wodan,« lächelte -sterbend der König.</p> - -<p>Hochgefeiert saß König Harald Hildetand, der Däne, -unter den Einheriern an der Tafel Wodans, den die -Nordmänner Odin nannten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_166">[166]</a></span></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Da saß auch ein anderer Dänenkönig, <em class="gesperrt">Hrolf Kraki</em>. -Der hatte, als er erst zwölf Jahre zählte, die Größe und -Kraft eines erwachsenen Mannes und wurde darum -Kraki, die »Stange«, zubenannt. In heißer Jugendlust -schwur er mit zwölf seiner tapfersten Recken zu Wodan, -daß sie jeden Kampf gemeinsam bestehen und nur zusammen -sterben wollten. Das hörte Walvater gern, -denn er gedachte seiner Einherier.</p> - -<p>Da wurde Hrolf Krakis Name berühmt in allen -Meeren, die er auf Wikingsfahrten durchzog, und in -allen Landen, die er eroberte und sich zinspflichtig machte. -Er war ein Held nach Wodans Sinn.</p> - -<p>Einmal aber war's, daß er nach Upsala in Schweden -zog, eine alte Buße einzufordern für den Vater, den -die Schweden dort einst erschlagen hatten. Sein Heer -litt Hunger und Durst, und nirgend war Herberge. -Plötzlich stand ein Gehöft vor ihnen, und ein Bauer, -Hrani geheißen, lud sie zu sich ein. Aber als die Hungernden -und Durstenden sich gelagert hatten, entzog -ihnen der Bauer Speise, Trank und Herdfeuer und beriet -den König, nur die mit sich zu führen, die diese -Probe ohne Murren bestanden hätten. Da waren es -nur die zwölf Eidgesellen, und Hrolf Kraki ritt mit -seinen Zwölfen weiter an des Schwedenkönigs Hof, der<span class="pagenum"><a id="Seite_167">[167]</a></span> -sie in ihrer Herberge ohne Brot und Wasser einmauern -ließ und nach qualvollen Tagen Feuer an das Gebäude -legen ließ. Hrolf Kraki und seine zwölf Gesellen besannen -sich nicht lang. Sie warfen sich mit der Wucht -ihrer Körper, als wäre es nur ein einziger Körper, gegen -die Wand, daß die Mauer zusammenbrach und sie ins -Feuer, aber auch ins Freie stürzten. Ein furchtbares Blutbad -richteten die Wilden unter den Schweden an und -kehrten, mit Schätzen beladen, zum Gehöft des Bauern -Hrani zurück.</p> - -<p>Hrani blickte sie strahlend an. Und er holte ein altes -Gewaffe hervor, ein Schwert, einen Schild und eine -Brünne, und bot alles dem König Hrolf Kraki als Gastgeschenk. -Aber der Übermütige wies das uralte Gewaffe -lachend zurück.</p> - -<p>»Unweise bist du,« zürnte der Bauer, »du wirst es zu -spät erkennen,« und er kündigte ihnen die Herberge auf.</p> - -<p>Als König Hrolf mit seinen zwölf Gesellen nun durch -die dunkle Nacht ritt, erkannte sein Geist, daß der Bauer -Hrani Wodan selbst gewesen war, der ihm mit geweihten -Waffen ein langes Leben verleihen wollte, und er wandte -sein Roß und sprengte zurück. Wie er aber auch suchte, -Gehöft und Bauer blieben verschwunden. Nun wollte -Wodan sein Leben früher als bisher.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_168">[168]</a></span></p> - -<p>In Dänemark saß Hrolf Kraki und regierte ohne -Krieg. Da gedachte seiner Schwester Mann, es sei an -der Zeit, die Krone zu stehlen, und er kam mit einem -unabsehbaren Gefolge und lud sich bei ihm freundlich -zu Gast. In der Nacht aber ließ er alles Lebendige in -der Burg niedermetzeln, und nur den zwölf Eidgesellen -gelang es, sich zur Schlafkammer ihres Königs durchzuschlagen. -Noch einmal tranken sie wie in Jugendtagen -aus demselben Horn sich zu und erneuerten den -alten Schwur. Dann warfen sie sich singend auf den -Feind, erschlugen die Hälfte und sanken erst zu Tode, -als keine heile Stelle mehr an ihrem Körper war.</p> - -<p>Trunken lehnte der Verräter auf König Hrolf Krakis -Thron. »Ist noch ein Mann übrig von meines Schwähers -Gesindel?« Und die Tür öffnete sich, und ein alter einäugiger -Kämpe trat herein. Der sprach: »Hier ist noch -einer,« und stieß ihm das Schwert durch den Hals. –</p> - -<p>Hochgefeiert saß der Dänenkönig Hrolf Kraki unter -den Einheriern an der Tafel Wodans, den die Nordmänner -Odin nannten. –</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Da saß auch ein Schwedenheld, König <em class="gesperrt">Beowulf</em>. -Abenteuerlustig und furchtlos war er gewesen, wie kaum<span class="pagenum"><a id="Seite_169">[169]</a></span> -ein anderer. Dem Stamm der Wägmunde gehörte er -an, die ihren Stammbaum bis auf die Götter führten. -Und eine Tat, der Götter würdig, hatte er getan.</p> - -<p>Von dem scheußlichen Meerriesen <em class="gesperrt">Grendel</em> ging zu -jener Zeit erneut Gerücht durch alle Lande. Der Dänenkönig -Hrodgar hatte nahe dem Meere eine herrliche -Halle aufführen lassen für Helden und Sänger, und -Lachen und Lebensfreude scholl weit über die Wasser. -Da tappte bei Nacht aus den Nebeln der Meere lüstern -der Meerriese Grendel hervor, und das Ungeheuer -würgte dreißig der sorglos schlafenden Helden und -schleppte die Leichen in sein Versteck. Nacht für Nacht -schlich er auf Nebelschuhen in den Saal, kein Stahl -ritzte seine Haut, kein Männerherz konnte ihm widerstehen. -Verödet lag die herrliche Halle bald, und wer sie -betrat, der wurde bei Nacht erwürgt und ausgesogen. -Laut jammerte das dänische Volk und rief nach dem -Retter.</p> - -<p>Das hörte der starke Beowulf in Schweden, der nichts -von Gruseln kannte und nur das Zupacken, wie es der -Donnerer liebte. Als halber Knabe noch hatte er fünf -Tage und Nächte ohne Unterbrechung schwimmend im -Meere zugebracht, um Abenteuer zu bestehen, auf dem -Meeresgrunde Wasserungetüme erlegt und von den<span class="pagenum"><a id="Seite_170">[170]</a></span> -nadelspitzen Klippen neun Wassermänner heruntergestochen, -bis ihn eine Woge glücklich wieder ans Land -geworfen hatte. Nun zog Beowulf in seiner stärksten -Manneskraft aus, den scheusäligen Unhold Grendel zu -bekämpfen, und er nahm vierzehn unerschrockene Männer -mit sich.</p> - -<p>Da des Meerriesen Haut kein Stahl durchdrang, so -beschloß der kühne Schwede, ihm waffenlos und nur mit -den bloßen Fäusten zu begegnen. Seine Gefährten -schliefen in der Halle, die der Dänenkönig Hrodgar mit -allen seinen Helden und Höflingen am Abend verlassen -hatte. Beowulf lag zwischen den Seinen mit wachen -Augen. Dunkle Nebel stiegen vom Moor und Sumpf -und schlichen wie Pesthauch ins Gemach. Das war -Grendels Atem. Jetzt tappte er selbst heran, zerbrach -den Türriegel, schlürfte in den Saal, ergriff den ersten -der Schlafenden, riß ihn in Stücke und sog das Blut -aus. Jetzt griff er mit der Krallenhand nach dem -zweiten. Der zweite war Beowulf. Blitzschnell packte -Beowulf zu und packte so furchtbar stark, daß er dem -Ungetüm alle Finger der Hand zerbrach. Brüllend -wollte der Meerriese fliehen, aber Beowulf hielt fest. -Aus dem Saale wollte Grendel, aber Beowulf stemmte -den Fuß gegen die Mauer und hielt des Riesen Handgelenk<span class="pagenum"><a id="Seite_171">[171]</a></span> -in seinen Fäusten wie in einem Schraubstock. -Da rissen des Riesen Achselsehnen von der übergewaltigen -Anstrengung, der Arm riß in der Wurzel aus -und blieb mit der Riesenfaust in Beowulfs Händen. -Der nagelte die Faust unter dem Jubel der erwachten -Gefährten an die Saaldecke, während der Riese, der -sich hastig verbluten mußte, durch den Nebel taumelte -und schwand.</p> - -<p>Ein großes Gelage gaben die fröhlichen Dänen dem -siegreichen Kämpen und füllten ihm und seinen Gefährten -die Schilde mit Gold. Die Nacht über blieben -alle und dachten nicht mehr an die Furcht, als sie sich -auf die Polster streckten. Aber da tappte im Nebel -Grendels Mutter einher, ein wölfisches Ungeheuer. -Mit stickigem Atem kam sie, den Tod des Sohnes zu -rächen, und ergriff und zermalmte einen der dänischen -Edelinge. Vom wilden Waffenlärm erschreckt, entfloh -die Mörderin in ihren Unterschlupf.</p> - -<p>Beowulf verfolgte ihre Spur. Immer unheimlicher -wurde der Weg, immer schauriger der Wald, immer -sumpfiger der schwankende Boden, den das Meer unterhöhlte. -Feuerflammen tanzten auf den Fluten, ekelhaft -Gewürm spreizte sich auf den Klippen, Riesenkrebse und -boshafte Nixe. Hier war der Eingang zu Grendels Behausung,<span class="pagenum"><a id="Seite_172">[172]</a></span> -und Beowulf tauchte ohne Zögern in die -Schrecken der See. Sofort fiel ihn mit Scheeren und -Zangen das Wassergetier an, aber seine gute Brünne -widerstand, und er tauchte tiefer zu Grund. Jetzt packte -ihn die Wölfin, Grendels Mutter, bei den Beinen und -schleifte ihn in eine wasserleere Grotte. Aufsprang der -Held und warf sich mit Macht auf das geifernde Wolfsweib. -Aber seine Kräfte ließen nach, und schon schien -es, als müsse er der rasenden Unholdin erliegen. Ein -Riesenschwert erblickte er an der Wand. Er riß es herunter -und stach nach der Wölfin. Die scharfe Spitze -ritzte nicht ihre Haut. Da überkam ihn der Berserkerzorn, -und er packte das Schwert bei der Klinge und -holte aus und zerschmetterte mit dem Knauf der wölfischen -Riesin das Rückgrat, daß sie winselnd verendete. -Und nun gewahrte er auch den Körper des toten Grendel -und schnitt ihm den Kopf ab und stieg nach mühseligem -Suchen und Wandern vom Meeresgrund auf zu den -stürmisch jubelnden Gefährten.</p> - -<p>Heimgekehrt nach Schweden, verübte er als hochsinniger -König viele Heldentaten bis in sein Alter, und -die letzte war, daß er, der Greis, einen menschenmordenden -Drachen erlegte, den die Jünglinge und Männer -flohen. Den überreichen Hort schenkte er den Schweden<span class="pagenum"><a id="Seite_173">[173]</a></span> -als letzte Königsgabe. Er selbst aber verschied an den -Wunden des Kampfes und wurde zu Hronesnäß auf -dem Holzstoß verbrannt, während aller Augen weinten. -Über seiner Asche ward ein gewaltiger Hügel getürmt, -und als Beowulfs Burg blickte das Heldenmal über die -See, allen Wikingen ein ehrfürchtig Zeichen. –</p> - -<p>Hochgefeiert saß der Schwedenkönig Beowulf unter -den Einheriern an der Tafel Wodans, den die Nordmänner -Odin nannten. –</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Da saßen auch die Norwegerkönige <em class="gesperrt">Harald Harfagar</em>, -das ist Harald Schönhaar, und <em class="gesperrt">Erik Blutaxt</em> -und <em class="gesperrt">Hakon der Gute</em>, die Haraldssöhne. In einem -Meer von Blut hatte Harald Harfagar den Übermut -der norwegischen Großen erstickt und mit fester Faust -ein norwegisches Reich unter seinem Zepter errichtet. -In einem Meer von Blut hatte des Schönhaars Sohn, -Erik Blutaxt, gewatet, bis er aus dem Lande weichen -mußte und auf wilder Wikingsfahrt in England ein -neues Reich gewann. In neuem Kampf gegen Englands -König fiel er und nahm fünf Könige mit in den Tod -und tausende von Mannen. Wodan selbst befahl, ihn -festlich zu empfangen, Bragi, der Dichtergott, griff begeistert -in die Saiten, und König Sigmund vom Rhein<span class="pagenum"><a id="Seite_174">[174]</a></span> -erhob sich mit Sinfiötli, seinem Sohn, Erik Blutaxt -entgegenzugehen.</p> - -<p>»Nur eins sage mir, Wodan,« bat König Sigmund, -»weshalb nahmst du dem blutigen Erik den Sieg, da -er dich doch der kühnste der Könige dünkt?«</p> - -<p>Da sprach Wodan und sah ihm fest in die Augen: -»Weil es ungewiß ist, wann der graue Wolf zum Sitze -der Götter kommt.«</p> - -<p>Und Sigmund wußte, daß Allvater vom heulenden -Fenriswolf und vom letzten Kampfe gesprochen hatte -und schritt mit Sinfiötli zum Tor und bewillkommnete -jubelnd Erik Blutaxt und die fünf Könige, die ihm -folgen mußten, und den Heerbann der Helden.</p> - -<p>Und wieder stand Wodan aufhorchend in Walhall -und wies Bragi an, den Dichtergott, und Hermod, den -Götterboten, vors Tor zu schreiten und den Haraldssohn -Hakon festlich zu empfangen. Abgeirrt von den -alten Göttern war Hakon, als er an seines Bruders -Erik Statt das Zepter von Norwegen ergriff, aber heimgefunden -hatte er vor der letzten Schlacht zu dem -Glauben an Wodan. Darum wollte ihn Allvater besonders -ehren. Seine Walküren sandte er auf die rauchende -Walstatt, auf der König Hakon mit den Erikssöhnen -rang, die aus England heimgekehrt waren, und<span class="pagenum"><a id="Seite_175">[175]</a></span> -alles Volk kämpfte für seinen König, den es um seiner -Guttaten willen liebte.</p> - -<p>König Hakon rief zu Wodan und hörte die Walküren -rauschen. Und er hörte ihr Jauchzen: »Nun wächst der -Götter Glück, weil die Waltenden Hakon mit einem -großen Heere zu sich heim entboten.«</p> - -<p>Siegreich blieb König Hakon in der Schlacht, aber -von Wunden bedeckt, lag er auf dem Schilde. Freunde -und Feinde umdrängten den Sterbenden, um noch einen -Blick aus seinen Augen zu erhaschen, der der beste König -war in Norwegen, und kein besserer war nach ihm.</p> - -<p>Blutbespritzt stand der König mit seinen Mannen an -der Pforte Walhalls, von Hermod geleitet, von Bragi -mit Heldenliedern begrüßt.</p> - -<p>»Helme und Brünnen wollen wir anbehalten und -das Schwert nicht von uns tun,« sprach der König zu -Wodan. »Es ist gut, bereit zu sein.« Und Wodan -nickte, denn er kannte die Nähe der Stunde.</p> - -<p>Hochgefeiert saßen Norwegens Könige, Harald Harfagar, -Erik Blutaxt und Hakon der Gute, unter den -Einheriern an der Tafel Wodans, den die Nordmänner -Odin nannten. –</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_176">[176]</a></span></p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Noch einer aber saß unter dem Hunderttausend. Der -war aus Westfalenland und hieß <em class="gesperrt">Hermann, der Cherusker</em>. -In Germanien war er aufgestanden, als es -keinen Mann gab, die deutschen Gaue von der alles erdrosselnden -Römerherrschaft zu befreien. Er, der Einzige, -rief die hadernden Stämme zusammen und rief den -Mannesmut und den Heldenzorn an in den erloschenen -Gemütern. Er, der Einzige, zeigte den verzagten Deutschen, -was Schwerter wert sind in der Hand von Männern, -denen die Ehre lieber ist als das Leben. Und sie -ballten sich zusammen und erschlugen im Teutoburger -Wald das römische Heer, mehr denn zwanzigtausend -Mann. Der Befreier des Vaterlandes wurde der Cheruskerfürst -und ward zum Dank von Neidlingen erdolcht. –</p> - -<p>Auf dem Ehrenplatz an der Einheriertafel in Walhall -saß Hermann, der Cherusker, und keinen liebte -Wodan wie ihn. – –</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_177">[177]</a></span></p> - -<h2 id="Um_Baldur">Um Baldur.</h2> -</div> - -<p class="drop">»Gut ist's, bereit zu sein.«</p> - -<p>Am Tische der Einherier war das Wort gefallen. -Wodan wußte es lange. Und er wußte die Vorzeichen, -die das Nahen der Stunde kündigten. Wenn -das volle Licht getötet wird von der blinden Nacht, wenn -der sonnenlose Winter die Lichtzeiten Frühling und -Sommer vernichtet haben wird.</p> - -<p>Noch lebte der Gott des lachenden Frühlings und -der Sommerhöhe, noch lebte Baldur, der fleckenlose. -Auf seiner himmlischen Burg Breidablick, dem Breitglanz -des Himmels, lebte er mit seinem süßen Weibe -Nanna, die da war wie eine Blume zwischen Blüte und -Frucht, und das Glück der Wärme ging von ihm aus. -Alle liebten sie ihn, die Götter wie die Menschen, und -selbst die Riesen der Eisländer waren ihm zugetan, da -auch sie seines Lichtes und seiner Wärme bedurften. -Lebensfröhlichkeit war, wo Baldur erschien, selige Hoffnung, -Liebe zur Arbeit, Glaube an eine höhere Welt. -Die Menschen hoben die Häupter, blickten lächelnd in -das Licht und ließen ihren Arbeitsgeist bestrahlen zu -höheren Dingen. Da wuchs aus dem Werktag der Feiertag -und aus dem Feiertag wuchsen die Künste, die<span class="pagenum"><a id="Seite_178">[178]</a></span> -wiederum den Werktag veredelten, und Baldur war es, -der allen Empfindungen des Geistes und der Seele zur -höheren Weihe verhalf.</p> - -<p>Solange Baldur lebte, wuchs die Welt und in der -Welt die Gesittung.</p> - -<p>Nun war es seit etlicher Zeit, daß Baldur am Tage -schwermütig dahinschritt und in der Nacht von beängstigenden -Träumen zerquält wurde. Schnell merkten es -die Götter, denn das glückliche Lachen tönte nicht mehr -von Breidablick über Asgards Fluren hin, bald merkten -es auch die Menschen, denn der Frühling kam karg und -der Sommer ohne Freude, und selbst die Riesen spähten -unruhig nach dem bißchen Licht und Wärme ihres Himmels -aus. Trübsinn zog in die Gemüter der Asen, und -sie erforschten den traurigen Baldur, bis er ihnen alle -seine Träume und Gedanken offenbarte.</p> - -<p>Frigg, die stillsorgende Himmelsmutter und Mutter -Baldurs, faßte sich zuerst. Ihr Sohn war in Gefahr. -Also galt es, nicht zu beratschlagen, wie die Männer -taten, sondern zu handeln. Und sie machte sich auf und -ging zu allem, was da lebte und webte, wuchs und beharrte, -zu Menschen und Riesen und Alben, zu Feuer -und Wasser und Erde, zu Erzen und Steinen, Pflanzen -und Giften und zu sämtlichem Getier, und alles nahm<span class="pagenum"><a id="Seite_179">[179]</a></span> -sie in feierlichen Eid, dem Leib und Leben Baldurs -nimmermehr zu schaden. Da war große Freude, als die -stillsorgende Himmelsmutter wiederkehrte und in Asgard -Baldurs Unverletzlichkeit verkünden konnte. Wie -die Kinder wurden die Götter in ihrer Ausgelassenheit, -und sie trieben Spiele und Scherze mit Baldur, um -den Zauber zu erproben. Nur Loki stand mißgünstig -zur Seite, wenn die Götter mit Geren und Pfeilen auf -Baldur schossen, mit Schwertern und Steinen nach ihm -zielten, ohne dem leuchtenden Gott auch nur das geringste Leid -antun zu können. Denn Loki empfand, daß -seine neidische Seele nur noch tiefer in den Schatten -sinke vor Baldurs sonnenreiner Klarheit.</p> - -<p>Allvater Wodan aber schritt sinnend aus dem Kreise -der Fröhlichen und sattelte seinen Hengst Sleipnir. -Denn er vermochte nicht freier zu atmen trotz der Eide, -die Frigg, seine Gemahlin, genommen hatte, weil er die -Zukunft kannte und wußte, daß sich das Schicksal nicht -betrügen ließe. Nur eine Gegenprobe zu dem eigenen -Wissen wollte er machen und in die finstere Hel, das -Reich der Todesgöttin, reiten.</p> - -<p>»Wir reiten zur <em class="gesperrt">Wolwa</em>, der Weissagerin, die jenseit -der Hel im Grabe ruht,« sprach er zu seinem Rosse, -und Sleipnir schoß wie ein Vogel hinab gen Niflheim.<span class="pagenum"><a id="Seite_180">[180]</a></span> -Geifernd bellte der blutige Hund der Hel, doch Wodan -achtete seiner nicht und ritt durch die dunklen Schrecknisse, -bis er am Rande des Totenreichs das Grab der -Wolwa fand. Hier saß er ab und sang der Hexe den -Leichenzauber, bis sie sich widerwillig erhob.</p> - -<p>»Tot war ich lange. Was willst du von mir?«</p> - -<p>»Antwort will ich, für wen im Hause der Hel die -Bänke mit glitzernden Brünnen, und mit Gold die Dielen -belegt sind!«</p> - -<p>»Für Baldur geschah's. Auf ihn wartet das Methorn -der Hel. Laß mich schweigen.«</p> - -<p>»Noch schweigst du nicht. Wissen will ich, wer es ist, -der Baldurs Blut vergießen wird.«</p> - -<p>»Hödur heißt er. Nun begehr ich zu schweigen.«</p> - -<p>»Noch schweigst du nicht. Wissen will ich, wer die -Blutrache nimmt für die ruchlose Tat.«</p> - -<p>»Ried wird Wodan den Wali gebären. Eine Nacht -nur alt, zieht er aus in den Kampf. Das Haupt nicht -kämmt er, die Hände nicht wäscht er, bis Baldurs Mörder -im Blute liegt. Nicht gerne sprach ich, begehr nun zu -schweigen.«</p> - -<p>Erschauernd hatte die Wolwa Wodan erkannt, den -alten Schöpfer der Welt.</p> - -<p>»Kein anderer Mann soll wieder mich wecken, bis<span class="pagenum"><a id="Seite_181">[181]</a></span> -von den Fesseln Loki sich löst und die Feinde kommen -zum Sturze der Götter!« rief sie mit letzter Kraft und -sank in das Grab zurück. –</p> - -<p>Wodan ritt heim. Er hatte die Probe auf sein -Wissen gemacht, und sein Wissen war Wahrheit.</p> - -<p>Immer noch trieben die Götter auf Asgards Wiesen -mit Baldur die fröhlichen Kampfspiele. Immer noch -ging Loki neidverzehrt umher. Eine neue Arglist sann -er aus, und er humpelte in Gestalt einer alten Dienerin -zu Frigg, der stillsorgenden Himmelsmutter, und plauderte -mit ihr.</p> - -<p>»Welch ein Wunder ist es mit Baldur, unserm Liebling. -Nichts und nichts auf der Welt vermag ihm zu -schaden.«</p> - -<p>»Ich nahm alle Dinge in Eid, wie Mütter tun,« erwiderte -freundlich Frigg und zählte sie alle her, bei -denen sie gewesen war.</p> - -<p>»Vergaßest du auch nichts? Hast du auch nichts übersehen?«</p> - -<p>»Nichts übersah ich. Nur die Mistel ließ ich aus, -die in den Bäumen wuchert. Kaum hat sie das eigene -Leben.«</p> - -<p>Loki aber begab sich alsbald in den Wald und fand -die unscheinbare Mistel, die nur im Winter blüht, und<span class="pagenum"><a id="Seite_182">[182]</a></span> -schnitt sie ab und fertigte aus der Ranke einen dünnen, -scharfen Ger. Und er kehrte zurück in den Kreis der -Götter, die lachend auf Baldur, den lichten Gott des -Frühlings und der Sommerhöhe, ihre Speere schossen, -und traf auf den blinden Hödur, den Gott der Nächte -und des sonnenlosen Winters.</p> - -<p>»Weshalb bleibst du dem Spiele fern?« fragte der -Arglistige. »Auf, versuch deine Kunst.«</p> - -<p>»Ich bin blind,« klagte Hödur, »sehe das Ziel nicht -und führe keine Waffe.«</p> - -<p>Da drückte ihm Loki den Ger aus Mistelzweig in die -Hand und lenkte seinen Arm. Mächtig warf der blinde -Hödur, pfeifend durchschnitt der dünne scharfe Ger die -Luft, durchbohrte Baldurs Leib und Leben.</p> - -<p>Entsetzen lähmte die Glieder der Götter. Kein Laut -entrang sich ihrem Munde. Tot war Baldur, und ein -Mord war geschehen im Himmel. Und plötzlich war ein -wildes Weinen in ganz Asgard.</p> - -<p>An der heiligen Freistätte durften die Götter die -Übeltäter nicht greifen. Hastig entwich Loki, und Hödur -stand wie versteinert. Frigg aber, die Schmerzensmutter, -wischte zuerst die Tränen vom Angesicht.</p> - -<p>»Zur bleichen Hel ist Baldur gefahren, mein liebster -Sohn. Wer reitet den Weg und bittet ihn los von der<span class="pagenum"><a id="Seite_183">[183]</a></span> -Hel gegen alles Lösegeld, das sie verlangt? Wer fürchtet -sich nicht und reitet um meiner Liebe willen?«</p> - -<p>Da trat Hermod vor, Wodans schneller Sohn, und -das schnellste Roß wurde gebracht, Sleipnir, Wodans -achtfüßiger Hengst. Und Hermod schwang sich in den -Sattel und trat den Helritt an.</p> - -<p>Denn das verlangte die unerbittliche Gerechtigkeit, -der auch die Götter unterworfen waren, daß die Seele -dessen, der in Asgard verschied, zur Hel mußte. Wie -wäre es sonst ein Sterben für die Asgardbewohner gewesen, -wenn sie in derselben Stunde des Todes in -Walhall auferstanden wären und wiederum unter Göttern -und Helden gesessen hätten! Wer von den Göttern -fiel, schied aus. Er gehörte der Hel. So verlangte es -die ausgleichende Gerechtigkeit.</p> - -<p>»Blutrache«, war der Götter erster Gedanke, als sie -zur Besinnung kamen. Bei Göttern und Menschen, soweit -es Männer waren, gab es kein heiliger Wort. Und -sie blickten einander in die Augen, wer sie üben solle.</p> - -<p>»Mein ist die Rache,« sprach Allvater, »aus meinem -Blute wird Baldur gerächt werden. Euch aber brauch -ich zu anderen Taten.« Und er ging hin und fand die -riesische Jungfrau <em class="gesperrt">Ried</em>, die sich zu den Asen hielt, -und sie gebar ihm in selber Nacht einen Knaben, den<span class="pagenum"><a id="Seite_184">[184]</a></span> -Wodanssohn <em class="gesperrt">Wali</em>. In selbiger Nacht wuchs Wali zu -seiner ganzen Manneskraft auf, und er kämmte nicht -sein Haar und wusch nicht seine Hände, bis er wichtigeres -vollbracht hatte, das Wichtigste, das dem Bruder -ziemte. Hödur, Baldurs Mörder, suchte er auf und traf -den Unglücklichen am Rande der Morgendämmerung -und erwürgte ihn. –</p> - -<p>Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. -Er stob dahin, daß aus den acht Hufen Sleipnirs -Funkengarben sprangen wie wirres Wetterleuchten.</p> - -<p>Die Asen aber trugen Baldurs Leiche ans Meer und -betteten sie hoch oben auf dem Holzstoß, den sie auf des -toten Gottes Luftschiff Hringhorn geschichtet hatten. -Wodan kam mit seinen Raben und Wölfen, und Frigg -kam mit ihm und die Schar der Walküren. Mit seinem -Bockgespann brauste der Donnerer herbei, Freyer fuhr -mit seinem goldborstigen Eber, dem Geschenk der Zwerge, -Heimdall, der getreue Himmelswächter, ritt seinen -schnellen Hengst, und die liebliche Freya lenkte ihr -Katzengespann. Zu Fuß, zu Roß und zu Wagen kamen -die Götter und Göttinnen alle, und viel trauerndes -Volk der Riesen und Alben kam, das, obschon es im -ständigen Kampfe mit den Asen lag, den einzigen Baldur -ausnahm aus aller Feindschaft. Die Himmel<span class="pagenum"><a id="Seite_185">[185]</a></span> -weinten, die Erde erschauerte im Schmerz, und ein -wildes Klagen erschütterte die ganze Natur.</p> - -<p>Nanna aber, Baldurs geliebtes Weib, die in des -Gottes leuchtender und wärmender Liebe wie eine -Blume gewesen war zwischen Blüte und Frucht, vermochte -ihr Leid nicht mehr zu fassen. »Baldur!« schrie -sie auf, daß der Schrei des Namens wie aller Klagen -Klage durch die Welten lief, und in diesem einen Schrei -brach ihr das Herz.</p> - -<p>Da legten die Götter Nannas Blumenleiche auf den -Holzstoß, und sie lag zur Seite des Geliebten, dem -Frühling und Sommer das Leben waren.</p> - -<p>Auf runden Hölzern ruhte das Schiff, um schnell in -das Meer gerollt zu werden. Aber von allen Opfergaben -war es so schwer, daß es sich nicht von der Stelle -bewegte, denn auch Baldurs Sonnenroß, aufgezäumt -in seinem blitzenden Geschirr, war auf den Scheiterhaufen -geführt worden und Schätze über Schätze aus -allen Landen. So sehr ward Baldur geliebt.</p> - -<p>Die Riesen rieten in der Not der Götter, die Stärkste -der Starken, das Riesenweib Hyrockin, holen zu lassen. -Das Weib kam angesprengt auf einem gewaltigen -Wolf, dem sie statt eines Zaumes eine Natter durch -das Maul gezogen hatte, um den Göttern furchtbarer<span class="pagenum"><a id="Seite_186">[186]</a></span> -zu erscheinen. Und um die Götter mit ihrer Kraft zu -schrecken, stieß sie, während vier Berserker ihren Wolf -kaum auf dem Boden halten konnten, das Schiff mit -einem so unbändigen Ruck ins Wasser, daß die Holzrollen -Feuer spien und fast das ganze Schiff mit seiner -heiligen Ladung vom unheiligen Feuer verzehrt worden -wäre.</p> - -<p>Blut trat dem Donnerer in die Augen. Er hob den -Hammer, um die Unverschämte zu zerschmettern. Aber -die Götter fielen ihm in den Arm, und die Riesen baten -für ihr Leben, da ihr freies Geleit zugesichert sei. Da -ließ er sie laufen.</p> - -<p>Im Wasser schwamm das Schiff mit der teueren -Last. Noch einmal nahm Wodan Abschied von dem -schönen Leib des Sohnes und legte ihm als letzte Gabe -den kostbaren Ring Draupnir auf den Holzstoß, den -Tröpfler, das Geschenk der Zwerge, dem jede neunte -Nacht acht neue Ringe enttropften. Dann trat der -Donnerer an den Holzstoß und weihte die Götterleichen -mit dem Zeichen des Hammers.</p> - -<p>Alsbald entzündeten die Asen die Scheiter mit dem -heiligen Feuer aus Asgard, und das Schiff fuhr wie -eine Fackel hinaus auf das dunkle Meer, immer weiter -und weiter, bis es in Flammen verging.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_187">[187]</a></span></p> - -<p>Fröstelnd kehrten die Asen, fröstelnd kehrten die -Riesen und Albe heim. Wie in Todesfrost erschauerten -die Menschen.</p> - -<p>Immer aber und immer noch kreiste Nannas Schrei -um Baldur durch die Welt und wollte nimmer vergehen. –</p> - -<p>Neun Tage und neun Nächte ritt Hermod zur Hel. -Er stob dahin, daß aus den acht Hufen Sleipnirs -Funkengarben sprangen wie wirres Wetterleuchten. -Das war das einzige Licht, das ihm den Weg erleuchtete -durch die gräßliche Finsternis der Unterwelt.</p> - -<p>Am Abend des neunten Tages gelangte er an den -Totenstrom Gioll, der das Reich der Hel von allen -anderen Reichen trennt, und die goldene Giollbrücke -krachte in allen Fugen, als Sleipnirs Hufe über die -Planken donnerten. Eine Jungfrau erschien, Modgud -mit Namen, das ist »Seelenkampf«, die warf sich dem -Reiter entgegen. »Wer bist du, und was suchst du -Lebender im Reich der Toten?«</p> - -<p>»Ich bin Hermod, Wodans Sohn, und suche Baldur, -meinen Bruder.«</p> - -<p>»Ich dachte es mir, daß du kein Gewöhnlicher bist,« -entgegnete Modgud besänftigt. »Fünf Haufen Toter -ritten gestern über die Brücke, aber die Hufe aller ihrer<span class="pagenum"><a id="Seite_188">[188]</a></span> -Rosse donnerten nicht so auf der Brücke, als die deines -einzigen.«</p> - -<p>»Sahst du auch Baldur reiten?« drängte der Ase sie.</p> - -<p>»Wohl sah ich Baldur. Er ritt zur Ehrenhalle der -Hel, wo sie selber thront.« Und sie wies ihm den -Weg.</p> - -<p>Weiter sprengte Hermod den Helweg durch die Finsternis -und gelangte an ein haushohes Eisengitter, das die -Wohnung der Hel umschloß. Siebenfach verriegelt war -die Pforte und sonst kein Eingang und Ausgang.</p> - -<p>»Sleipnir, es gilt!« hauchte Hermod dem Hengste -ins Ohr und nahm ihn zum Sprunge zurück. Und -Wodans Jagdpferd setzte an und setzte im Steilsprung -über das Gitter und hielt wie aus Stein vor Hels Halle. -Dankbar klopfte ihm Hermod den Hals. Dann trat -er ein.</p> - -<p>Den Asenmut nahm Hermod zusammen, als er das -Bild, das dort sich ihm bot, erblickte.</p> - -<p>Zur Hälfte schwarz, zur Hälfte fleischfarben, saß die -grausige Hel mit hängendem Kopf und klaffenden Kiefern -auf ihrem Thron. Unerbittlich war ihr Gesicht. -Und um die Erbarmungslose geschart, saßen mit tottraurigen -Augen Könige und Helden, die den Strohtod -gestorben waren an Krankheit oder Altersschwäche,<span class="pagenum"><a id="Seite_189">[189]</a></span> -und nicht den Jubeltod im Schlachtenwetter, in dem -die Walküren zu Walhall entbieten.</p> - -<p>So still und traurig war es, daß man die Tropfen -von den Steinwänden fallen hörte in grauenhaft eintöniger -Wiederkehr.</p> - -<p>Auf hohem Ehrensitz, die Bank mit goldenen Brünnen, -den Boden mit goldenen Fliesen belegt, saß traumverloren -Baldur, von Nanna umschlungen. Vor ihm stand -der Metkrug, wie vor den Königen und Helden, aber -unberührt hatte ihn der Träumer gelassen. Des Gottes -Geist träumte in die Zukunft.</p> - -<p>Zu dem stillgewordenen Bruder trat Hermod und -setzte sich zu ihm. Die ganze Nacht sprach er zu ihm -über das Weh der Welt und über die Wünsche Friggs, -den Sohn wiederkehren zu sehen zum Besten aller -Wesen. Und Baldur hörte ihm zu und spann seine Gedanken.</p> - -<p>Als der Tag anbrach, ging Hermod zum Throne -der Hel.</p> - -<p>»Wisse,« sprach er zu ihr, »daß ich dir die Wünsche -der mächtigen Asen bringe, Baldur heimzusenden nach -Asgard. Seit er schied, ist die Welt von Schmerzen erschüttert -und will nicht mehr leben. Was aber sind die -Götter, was bist auch du ohne die immer sich neugebärende<span class="pagenum"><a id="Seite_190">[190]</a></span> -Welt! Verzichte auf dein Recht auf Baldur, -und die Menschen werden dich lieben, wie sie Baldur -lieben.«</p> - -<p>»Deine Worte klingen gut,« antwortete die finstere -Hel, »aber der Bittende hat tausend Gründe, wo das -Recht nur einen hat. Trotzdem: ich will deine Gründe -erproben. Wenn alle Wesen und Dinge der Welt um -Baldur als den geliebtesten und unersetzlichen weinen, -so soll er heimkehren in das Licht. Weigert ein Einziges -Liebe und Tränen, so muß er bleiben. Geh hin und -künd es den Göttern.«</p> - -<p>Und Hermod ging und nahm fröhlichen Abschied von -Baldur, und Baldur gab ihm für Wodan den Ring -Draupnir, den Tröpfler, zurück, da es im Reiche der -Hel kein Verwenden für ihn gäbe. Und Nanna gab -von den reichen Opfergaben, die ihren Holzstoß geschmückt -hatten, Gewänder und Gewebe für Frigg und -Freya und die Göttinnen alle. Hochgemut ritt Hermod -den Helweg zurück, wußte er doch, daß alle Welt um -Baldur weinte und weiter weinen würde, um Baldur, -den jeder lieben mußte.</p> - -<p>Wieder griff Sleipnir aus und donnerte den Helweg -entlang. Und Hermod sah die Scharen der Müden und -Stillen des Weges ziehn, die sich freuten, im Reiche der<span class="pagenum"><a id="Seite_191">[191]</a></span> -Hel die Ruhe zu finden, aber er sah auch die Scharen -der Meineidigen und Mörder, und der Landesverräter, -die schlimmer als Mörder und Meineidige sind, und sie -durften nicht über die Brücke des Totenstromes Gioll -hinüberwandern und mußten mit nackten Füßen durch -das Flußbett waten, das mit hunderttausend scharfen -Schwerterspitzen gespickt war. Brünstige Giftschlangen -lauerten in Hels Reich auf die, die um eigenen Vorteils -willen das Leben der Völker vergiftet hatten.</p> - -<p>»Sleipnir, greif aus,« schmeichelte Hermod dem -Hengst, und der Hengst verstand und stob durch die Hel -und das ganze, unendliche Niflheim und gewann die -Oberwelt und stürmte, die Wolkenrosse weit hinter sich -lassend, nach Asgard hinauf, wo die Götter harrten.</p> - -<p>Da herrschte Freude in allen Hallen, als Hels hoffnungsvoll -klingender Spruch offenbar wurde, und alsobald -eilten die Boten durch Himmel und Erde und -Jotunheim und forderten die Tränen von den Lebendigen -und von allen leblosen Dingen. Und die Menschen -weinten mit den Göttern, und die Riesen weinten -mit den Alben, von den Bäumen und Blumen tropften -die Tränen, und selbst die Steine weinten, da Baldurs -Sommer ihre Winternässe nicht mehr hinwegnahm.</p> - -<p>Loki saß in einer Höhle und fürchtete fiebernd für<span class="pagenum"><a id="Seite_192">[192]</a></span> -sein Neidlingswerk. Er nahm die Gestalt eines Riesenweibes -an und nannte sich Thock, als die Boten der -Asen bei ihm einkehrten, das ist: das Dunkel.</p> - -<p>Und die Boten sprachen: »Du bist das letzte Wesen, -das wir fanden und noch nicht baten. So bitten wir -auch dich: Weine, weine um Baldurs, des Vielgeliebten, -Tod und Wiederkehr.«</p> - -<p>Die Riesin Thock wiegte kaum den Kopf.</p> - -<p>»Ich heiße das Dunkel und dämmere im Dunkel -dahin. Was schiert mich der lichte Baldur! Sein Leben -hat so wenig Nutzen für mich wie sein Sterben, und -mein Auge hat keine Tränen. Hel behalte ihr Eigentum.«</p> - -<p>Sie verschwand in der Tiefe der Klüfte, und die -Boten erkannten entsetzt, daß es Loki gewesen war.</p> - -<p>Gebrochen kehrten sie heim durch die Tränenbäche -der Welt, die umsonst geflossen waren, und kündeten -den Göttern das Geschehnis. In tiefem Schweigen vernahmen -es die Asen. Sie blickten auf Wodan, den -Vater. Der saß wie aus Stein, nur sein Einauge blitzte. -Endlich erhob er sich.</p> - -<p>»Die als Götter gelebt haben, müssen auch als Götter -zu sterben wissen. Sprecht es weiter.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_193">[193]</a></span></p> - -<p>Und er hüllte sich in Mantel und Hut, um Mimirs -stillen Quell aufzusuchen. –</p> - -<p>Ein Gastmahl bot Ägir, der Beherrscher der Meere, -den Asen an, um sie seiner Freundschaft zu versichern. -Und sie gingen alle hin, die Götter und Göttinnen, -auf ein paar Stunden anderen Sinnes zu werden. -Denn Ägirs kristallene Halle war eine Freistatt, und -Frevel war, sie durch Streit zu entweihen.</p> - -<p>So saßen sie bei dem Meerbeherrscher und freuten -sich des Mahles und des Metes, und nur der Donnerer -war abwesend. Plötzlich aber vernahmen sie heftigen -Wortwechsel und sahen Loki, der sich die unantastbare -Freistatt zu nutze machte und einzutreten begehrte. Als -ihm der Türhüter den Zutritt um des Friedens willen -Diener wehrte, schlug ihn der erboste Loki so hart, daß -der treue entseelt zu Boden sank.</p> - -<p>In wilderwachtem Grimm sprangen die Asen auf -und griffen zu den Waffen, den Bösewicht unschädlich -zu machen. Der aber berief sich höhnend auf die Heiligkeit -der Freistätte und erzwang sich seinen Platz an der -Tafel. Und während er frech zugriff und den Metkrug -leerte wie ein gerngesehener Gast, überschüttete er Götter -und Göttinnen mit Schmähreden, warf dem einen Ungerechtigkeit, -Treulosigkeit, dem anderen Feigheit, Gier,<span class="pagenum"><a id="Seite_194">[194]</a></span> -Geilheit den Dritten vor und zieh die Göttinnen der -Schamlosigkeit, der Unzucht und aller Weiberuntugenden -von tausenden von Jahren. Seine Lästerzunge lief -wie ein Rad. Er wußte, daß er verfemt war, und -wollte darum Gift und Galle seiner verdorbenen Seele -über die früheren Bank- und Fahrtgenossen ausspritzen, -bevor er auf immer verschwinden mußte. Er schonte -selbst die Himmelsmutter nicht und nicht die goldhaarige -Sif, als Sifs Gatte, der Donnerer, eintrat und der -Lästerzunge Einhalt gebot.</p> - -<p>»Du willst mir gebieten?« höhnte ihn Loki, »du, der -sich im Däumling eines Riesenhandschuhs verkroch?«</p> - -<p>Schweigend griff der Donnerer nach dem Hammer -Mjolnir. Die Sprache verstand der Verräter.</p> - -<p>»Zum letzten Male sitzt ihr bei Ägir zum Trunk! -Das letzte Bier hat er euch gebraut! Feuer soll bald -diese Halle verzehren, wie euch Asen der Wolf verschlingen -wird und Muspels Feuer und meine Tochter, -die Hel!«</p> - -<p>Kreischend schrie er seine Verwünschungen, und bevor -die Götter einen Gedanken zu fassen vermochten, -stürzte er sich in Gestalt eines Lachses ins Wasser und -war verschwunden.</p> - -<p>Die Asen machten sich auf.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_195">[195]</a></span></p> - -<p>»Der Tod wäre zu große Wohltat für solchen Bösewicht,« -und sie kamen überein, ihn zu fangen und so -zu fesseln, daß sein Weiterleben eine einzige Kette von -Qualen bilden solle.</p> - -<p>Von seinem Hochsitz aus blickte Wodan forschend in -die Welt. Und er gewahrte Loki in einem Hause mitten -in der Felsenwildnis sitzen, und das Haus war über -einen Sturzbach gebaut und trug Fenster in allen vier -Wänden. Beständig auf der Hut, lugte Loki rastlos nach -allen Himmelsrichtungen aus und flocht dabei ein Netz, -um Fische ins Garn zu locken.</p> - -<p>Jäh sprang er auf. Er hatte das Nahen der Asen -erspäht. Und mit einem Satz war er als Lachs in dem -Sturzbach verschwunden.</p> - -<p>Da fanden die Asen das Netz und nahmen es und -zogen es quer durch den Sturzbach. Zweimal schnellte -sich der Lachs über das Hindernis und verschwand in -der Tiefe. Beim dritten Male geriet er in das Netz und -hätte das Netz mit sich weggerissen, wenn nicht der -Donnerer, der bis zur Brust im Wasser stand, zugegriffen -und den Lachs beim Schwanze erwischt hätte. -Da half kein Drehen und Winden, des starken Asen Faust -riß ihn aus dem Netz, das sich der Böse selber gefertigt -hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_196">[196]</a></span></p> - -<p>Loki, der Verderber des Himmels und der Erden, lag -vor den Göttern.</p> - -<p>Das Urteil war bald gefällt. In der Felsenwildnis, -in die er sich begeben hatte, schmiedete man ihn an, den -nackten Rücken auf den messerscharfen Felsenkanten, ihn, -der vom Gott zum Unhold gesunken war. Sein verzerrtes -Antlitz richtete man nach oben, daß er es nicht nach -rechts, nicht nach links zu wenden vermochte, und befestigte -über seinem Gesicht eine ekele Schlange, die ihm unaufhörlich -die Gifttropfen ihres Schlundes wie brennendes -Feuer ins Gesicht fallen ließ. Verlassen und verloren -sollte er liegen und Qualen leiden bis an der Welt -Ende.</p> - -<p>Die rächenden Götter waren heimgekehrt. Schaurig -lag die Felseneinöde, durchgellt von den Schreien des -Verdammten. –</p> - -<p>Da tastete es auf nackten Sohlen durch die Felsenwildnis. -Da huschte es auf blutigen Füßen durch das -messerscharfe Gestein, und weitaufgerissene Frauenaugen -suchten und suchten den Ort der Verdammnis, bis sie -ihn fanden. Weiter huschte die Frau, bis sie neben dem -Körper des Gefesselten niederglitt.</p> - -<p>Das war <em class="gesperrt">Signy</em>, des Bösen mißhandeltes Eheweib, -dessen treues Werben er immerdar verspottet und mit<span class="pagenum"><a id="Seite_197">[197]</a></span> -Untreue gelohnt hatte. Was wußte Signy davon und -von allen ihren Leiden? Sie sah nur den Mann, den -sie geliebt hatte in seiner Schönheit und in seinen -Fehlern, und den sie heute in seiner Qual mehr noch -lieben mußte als je zuvor. Signy allein war zu ihm -gekommen.</p> - -<p>An seinen Fesseln biß und zerrte sie, ohne sie um -Haaresbreite zu lockern. Ohnmächtig sank sie zuletzt -in die Felsen. Aber das Brüllen des Verurteilten jagte -sie wieder auf. Die Gifttropfen der Schlange zerbrannten -und zerfraßen Loki das Gesicht. Und Signy ergriff -einen Scherben und hockte sich neben den Mann und fing -in ihrem Scherben die Gifttropfen auf, die niederfielen.</p> - -<p>War die Schale gefüllt, so mußte sie sich einen Herzschlag -lang wenden und die Schale entleeren. Dann -fielen die Tropfen aus der Giftschlange Schlund aufs -neue dem Elenden in die Augenhöhlen, daß er aufbrüllte -vor wahnsinnigem Schmerz und sich in den Fesseln -bäumte, daß die Menschen in allen Ländern erschrocken -niederfielen und meinten, ein Erdbeben erschüttere die -Grundfesten der Welt.</p> - -<p>Und wieder saß Signy, die Treue, neben dem ungetreuen -Manne und hielt ihm die Schale vor das Gesicht, -wieder und wieder, in unermüdlicher Geduld.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_198">[198]</a></span></p> - -<h2 id="Der_letzte_Kampf">Der letzte Kampf.</h2> -</div> - -<p class="drop">Eiskalt ward es auf Erden. Baldur war tot, und -Frühling und Sommer starben hastig ihm nach. -Jäh brach der Winter herein, ein Winter, wie er nie -erlebt wurde, seitdem die Welt erschaffen war. Die -Bäume platzten auf in dem scharfen Frost, und ihr Saft -rann die Stämme hinab, gefror und verstopfte die Poren. -Die Pflanzen und Blumen traf's bis in den Wurzelstock, -und die Kälte preßte ihnen die letzten Tränen aus -und ließ sie vergehn wie zersplittertes Glas. Selbst die -Steine schwitzten ihr weißes Blut, dehnten sich in klingenden -Seufzern und zersprangen zu Staub.</p> - -<p>Baldur war tot, und es war nicht Frühling und nicht -Sommer mehr.</p> - -<p>Frost lief durch die Welt, und er tötete die Äcker, -die Wiesen, die Wälder. Im Starrkrampf lag das -Leben.</p> - -<p>Und als müsse ein Leichentuch her, Tod und Sterben -zu decken, setzte ein Schneesturm ein, der unaufhörlich -tobte, unaufhörlich seine weißen Massen auf die Erde -schleuderte. So dicht brausten und wirbelten die Flocken, -daß aller Raum zwischen Himmel und Erde ausgefüllt -schien, daß die Sonne vom Himmel verschwand und der<span class="pagenum"><a id="Seite_199">[199]</a></span> -Tag von der Nacht verschlungen blieb in der immerwährenden -Finsternis.</p> - -<p>Drei Jahre lang dauerte der eine Winter, den kein -Frühling milderte, kein Sommer durchbrach. Drei Jahre, -die nicht enden wollten, gingen dahin in einem einzigen -Winter.</p> - -<p>Da türmte sich das Eis zu Gletschern und rückte vor, -von den Eisriesen gepeitscht, die nach dem Licht verlangten. -Da begann das Feuer in Muspelheim, das -hinter Eisesmauern keinen Ausweg fand, zu kochen und -zu zischen, und seine eingeschlossenen Dämpfe suchten -sich zu entladen. Bis zu den Wolken sprang der Gischt -des Meeres, das enger und enger zusammengetrieben -wurde in seinem Becken. –</p> - -<p>Von seinem Hochsitz aus sah es Allvater, und er sah -mehr.</p> - -<p>Er sah die Menschen dem heraufziehenden Schicksal -unterliegen. Baldur war tot, und alle Gesittung starb -ihm nach. Frost und Hunger und Finsternis machten -aus Menschen gierige Tiere, die da raubten und mordeten -und plünderten, nur um des eigenen Bauches -willen. Alle Bande des Blutes, alle Bande der Gesetze -brachen. Brüder erlegten Brüder, Ehen wurden gebrochen, -Unzucht herrschte und Faustrecht. Ganze Stämme<span class="pagenum"><a id="Seite_200">[200]</a></span> -zogen aus und warfen sich blutgierig auf friedliche Nachbarstämme, -um sie zu vertilgen. Schlachten wurden geschlagen -aus roher Mordlust und nicht um Heldenehren -willen. Ehre der Väter war eine Sage, und Macht ging -vor Recht. Beilzeit war und Schwertzeit, Windzeit und -Wolfzeit. Nicht einer schonte des anderen mehr, und -jedermanns Hand war wider jedermanns Hand.</p> - -<p>Von seinem Hochsitz aus sah es Allvater, und er sah -mehr.</p> - -<p>Er sah zwei Wölfe der Riesen am Himmel jagen, -und der eine jagte die Sonne, der andere den Mond. -So stark waren sie geworden, weil die Menschen ihre -Toten unbeerdigt ließen und die Wölfe sich vom Leichenfleische -mästeten. Schon kamen sie den Fliehenden nahe -und packten sie in der Flanke, daß Sonnenfinsternis -wurde und Mondfinsternis und die Menschen der Erde -aufheulten in irrsinniger Wirrnis. Noch einmal rissen -sich Sonne und Mond los von ihren Bedrängern und -stürmten weiter durch die mit ihnen jagenden Wolken, -daß ihre Lichter aufblitzten und verschwanden und ihre -Schatten im Taumel über die Erde tanzten.</p> - -<p>Beilzeit, Schwertzeit – Windzeit, Wolfzeit!</p> - -<p>Dann warf sich Wodan wie in alten Tagen auf sein<span class="pagenum"><a id="Seite_201">[201]</a></span> -Sturmroß und jagte hinaus an der Spitze seines Geisterheeres -mit Hussa, Horridoh und Peitschengeknall und -säuberte die Lüfte vom tollsten Spuk, und die Menschen -hielten ihn und seine wilde Jagd für der Spuke größten. -Hinter ihm aber ballte es sich wieder zusammen und -stürmte in Wut und Wirrnis, und Allvater saß auf -dem Hochsitz und sah und wußte alles.</p> - -<p>Und er sah, wie die Feuer in Muspelheim sich zur -Siedehitze gesteigert hatten, und er erhob sich und sah, -wie sie, zu aller Kraft zusammengefaßt, sich donnernd -entluden und die lastenden Gletscherberge sprengten und -in wildgewordener Freiheit ihre Flammen über die Erde -und gen Himmel schlugen. In allen Fugen erkrachte -die Welt, das feste Land hob und senkte sich wie tobende -Meeresflut, Klüfte verschlangen die entwurzelten Wälder, -Berge türmten sich über Berge und stürzten in die -kochende See, und die See flutete über und ersäufte die -Küsten, die Midgardschlange stieg geifernd empor, suchte -das Land und wälzte sich vorwärts, und die Sterne -fielen erloschen vom Himmel.</p> - -<p>Und in die grausenden, brausenden Schrecknisse hinein, -über sie hinweg und sie alle übertönend, schrie wie -ein Adlerschrei lang und gellend ein Hornruf.</p> - -<p>Heimdalls Horn!</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_202">[202]</a></span></p> - -<p>Heimdalls Horn rief die Asen, rief die Einherier, -rief alle Asgardmänner auf zum letzten Kampf.</p> - -<p>Da eilten die Götter, Wodans letztes Gebot zu empfangen, -und umstanden, tief atmend, den Vater der -Schöpfung.</p> - -<p>Und Allvater sprach:</p> - -<p>»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen -neu, wenn sie sich würdig erwiesen. Würde ist nicht -das bißchen Tugend des Tages. Würde ist, für sein -Leben und Schaffen sterben können. Das allein macht -<em class="gesperrt">un</em>sterblich. Wohlauf denn, ihr Asen und ihr Helden -alle, nun folgt mir nach in die Unsterblichkeit.«</p> - -<p>Da waffneten sich Götter und Helden mit ihren -besten Waffen, in unabsehbaren Scharen zogen die Einherier -aus, und mit den Walküren ritten die Göttinnen, -den Ger in der Faust. –</p> - -<p>Der rote Hahn des Riesenreiches krähte in den Morgen -und rief die Schläfer wach, wie der goldene Hahn krähte -in Asgard und der nußbraune Hahn in der Hel.</p> - -<p>Ganz Riesenheim tobte in hellem Aufruhr. In -Scharen krochen Schwarzalben und Trolle aus Klüften -und Schluchten und spornten kreischend die Riesen an.</p> - -<p>Die jauchzten auf, als der Wirbel der Flut, aus der -die Midgardschlange sich wälzte, das Schiff <em class="gesperrt">Naglfar</em><span class="pagenum"><a id="Seite_203">[203]</a></span> -flottmachte, das Nagelschiff, das aus den unbeschnittenen -Nägeln der Toten erbaut wurde. Nie wäre es fertig -geworden, hätte Baldur gelebt. Denn die Gewissenspflicht -gebot den Menschen, ihren Toten vor der letzten -Ausfahrt die Nägel zu beschneiden, damit die finsteren -Mächte sie ihnen nicht nehmen konnten zum Bau von -Naglfar. Wer aber von den Menschen fragte noch nach -der Pflege der Toten? Beilzeit war und Wolfzeit.</p> - -<p>Der Reifriesenfürst <em class="gesperrt">Hrymir</em> bemannte das Schiff -und steuerte die Tausende gegen Asgard. –</p> - -<p>Aufs neue stöhnt von der Entladung der Flammen, -die Eis und Stein durchbrechen, die Welt in allen -Fugen. Ein Sterbeschauer durchbebt die Weltesche -Yggdrasil, und die Brunnen an ihren Wurzeln schäumen -über.</p> - -<p>Zum letzten Mal beugt sich Wodan über den Brunnen -Mimirs und raunt mit dem Haupte des Urweisen. -Dann schreitet er einsam nach Asgard zurück, bindet -den Goldhelm unter dem Kinn und greift nach dem -Speere Gungnir. Er kennt sein Schicksal. Sein Einauge -blickt groß und königlich. –</p> - -<p>Ein neuer Donnerschlag erschüttert das Weltall. Die -Flammen haben die Gewalt. Schlag folgt auf Schlag, -ein tosendes Erdbeben dem anderen, daß kein Felsen<span class="pagenum"><a id="Seite_204">[204]</a></span> -auf dem andern bleibt. Ein Jubelgeheul macht die -Lüfte erdröhnen. <em class="gesperrt">Loki</em> ist losgekommen! Die Felswand -ist geborsten, die seine Fesseln hielt, die Fesseln -sind zerplatzt! Hinstürmt er zur Hel, seiner grausigen -Tochter, und ruft die Mörder und Schufte, die Meineidigen -und die Hochverräter der Helleute auf zum -Kampf gegen die Götter. Entvölkert ist Hel, denn die -guten Geister sind geflüchtet im blutigen Wirrsal der -Geschehnisse. Aber mit wüstem Totenvolk überladen, -steuert Loki das Schiff der Hel gegen Asgard.</p> - -<p>Und <em class="gesperrt">Fenris</em> ist los, der wahnsinnige Wolf, wie Loki, -sein Vater, loskam. Blutigen Schaum an den Lefzen, -jedes Haar gesträubt, kommt er gerannt, und Loki -schreit ihm zu und nimmt ihn an Bord des Höllenschiffes.</p> - -<p>Blitzend aber reitet der schwarze <em class="gesperrt">Surtur</em> heran, der -Fürst der zerstörenden Feuergewalten. Auf tausenden -von Flammenrossen folgen ihm die Seinen. Über die -Brücke Bilfrost reiten sie gegen Asgard, und die Himmelsbrücke -birst unter den Hufen ihrer Pferde.</p> - -<p>In Rauch und Flammen gehüllt, kreist die entsetzte -Erde, und die Zwerge hasten an den verschütteten -Höhlen auf und nieder und suchen wimmernd den Eingang.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_205">[205]</a></span></p> - -<p>Zum zweiten Male stößt Heimdall ins Horn, gellend -und gebietend wie Adlerruf. Da ordnen sich die Scharen -der Asen und Einherier.</p> - -<p>Und zum dritten und letzten Male stößt Heimdall ins -Horn. »Vorwärts, ihr Asengötter, vorwärts, ihr Einherierhelden, -in die Unsterblichkeit!«</p> - -<p>Aufsprangen die fünfhundertundvierzig Türen Walhalls. -Und die Wodansmänner zogen aus zu Fuß, zu -Roß und zu Wagen, und Walvater Wodan führte sie.</p> - -<p>Auf dem Sturmroß Sleipnir ritt er in schimmernder -Brünne, den Goldhelm auf dem Haupt, den Todesspeer -in der Hand. An seiner Seite schritt wuchtenden -Ganges der Donnerer, den Hammer Mjolnir in der -Faust. Unbeirrt ihnen nach alle die anderen, die Todesmutigen. –</p> - -<p>Auf der Ebene Wigrid, dem Kampfreitplatz vor -Walhall, treffen sie auf den Feind, der wie nimmer sich -erschöpfende Wasserfluten anschwillt und vorwärtsdrängt. -Hoch hebt sich Wodan in den Steigbügel. Sein -Einauge funkelt und blitzt. Und zischend fährt sein -Todesspeer als erster Kampfgruß über die Köpfe der -Drängenden.</p> - -<p>Schon sind die Massen im Kampf. Surturs Feuerreiter -verbrennen Wiesen und Weiden. Aber die Einherier<span class="pagenum"><a id="Seite_206">[206]</a></span> -fürchten nicht Flammen noch Rauch. Nicht umsonst -ist Sigurd durch die wabernde Lohe zu Brynhild, -der Walküre geritten, nicht umsonst kämpften die Helden -alle in brennenden Hallen. Mit dem Blute der Erschlagenen -dämpfen sie die Glut des Kampfplatzes und -werfen die Brandreiter zurück.</p> - -<p>Mit den Riesen vermengen sich die Leute der Hel -und wüten wie Tiere. Felsen schleudern die Riesen, die -zermalmend niederschmettern, und die Helleute geben -den Verwundeten den Rest mit dem feigen Dolch. Der -Donnerer sieht es. Schon ist er mitten unter ihnen. -Von den Riesen kennt er die meisten. Nun lernen sie -seinen Hammer kennen. Der krachte in die Schädeldecken -und fuhr im Schwung in des Gottes Faust zurück, -um sie im Schwunge wieder zu verlassen und Schädel -zu zertrümmern, Schädel, nichts als Schädel.</p> - -<p>Wo die Gefahr am größten war, dorthin spornte -Wodan sein Roß. Mit dem Schwerte schlug er die Gefährten -aus den blutigen Knäueln heraus, sammelte die -Aufatmenden um sich und führte sie aufs neue ins -Handgemenge. Mit der Peitsche holte er die Schwarzalben -und tückischen Trolle aus der Luft, daß sie -wimmernd verschieden. Wo Wodan ritt, häuften sich -Leichen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_207">[207]</a></span></p> - -<p>Und plötzlich erschauert die Welt, wie sie nie erschauert -war.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Fenriswolf</em> rennt. Alle Grenzen hat seine -losgelöste Wut überschritten. Mit aufgerissenem Rachen -rennt er, daß sein Unterkiefer über die Erde fegt und -sein Oberkiefer die Wolken durchstößt. Alles schlingt er -herunter, was zwischen Himmel und Erde ist.</p> - -<p>Da packt selbst die Tapfersten lähmendes Grauen, -und die Schar der Asen, die Haufen der Einherier -weichen zurück. Wodan sieht es. Er weiß, das Werk -der Götter ist noch nicht vollbracht. Kein neuer Himmel -kann sein, wenn die alten Unholde bleiben.</p> - -<p>Ein Opfer muß her!</p> - -<p>Wer bringt das Opfer, das ein Leben verlangt?</p> - -<p>Der Führer bringt es, wer sonst?</p> - -<p>Dem rasenden Wolfe entgegen wirft sich Wodan, der -Eine allein. Er schwingt sich vom Roß, und der wütende -Wolf schlingt den ledigen Hengst. Wodan greift an. Er -hemmt des Untieres Lauf und bringt es aus der Bahn. -Asen und Einherier sammeln sich. Sie kommen zu sich -und sehen: es gibt keine Gefahr, die ein Mutiger nicht -angehen kann. Das aber hat Walvater gewollt. Dafür -ist die Preisgabe des besten Lebens nicht zu groß. Im<span class="pagenum"><a id="Seite_208">[208]</a></span> -Kampf mit dem Fenriswolf endet das seine. Wodans -Königsseele weicht ins All. –</p> - -<p>Widar gewahrt es, der »Gott mit dem Schuh«, der -Wodanssohn. Nun kommt ihm der Schuh, der das Leder -aller Länder als Opfergaben trägt, wohl zu statten. Er -tritt dem Wolf in den Rachen und stemmt ihm mit dem -zentnerschweren, undurchdringlichen Schuh den geifernden -Unterkiefer auf dem Erdboden fest. Mit der Linken -packt er den Oberkiefer. Die Rechte, die Schwerthand, -hält die zweischneidige Klinge. Weit aus holt Widar -und stößt dem Untier das Schwert bis an den Knauf -durch den Rachen ins Herz. Blutrache! Blutrache für -Allvater Wodan.</p> - -<p>Da ward das Werk vollendet. Da brachen die Asen -und Einherier wie Wetter in den Feind, das Vorbild zu -erreichen, im Sterben würdig zu sein ihres Lebens, das -ist: würdig der Unsterblichkeit.</p> - -<p>Giftschnaubend wälzte sich die <em class="gesperrt">Midgardschlange</em> -heran. Ihr Pesthauch allein tötete. Aber schon stand -der Donnerer vor ihr, der sie schon einmal an der -Angel fing, als er Hymirs Kessel holte. Aufbäumte sich -die Riesenschlange gegen den alten Todfeind. Diesmal -entging sie ihrem Schicksal nicht. Der Hammer Mjolnir -stand funkelnd über ihrem Haupt, und der Zermalmer<span class="pagenum"><a id="Seite_209">[209]</a></span> -durchschlug ihr den Schädel. In einer Wolke von giftigem -Odem verging die Midgardschlange. Neun Schritte tat -der Donnerer in der Giftwolke zurück. Dann verging -ihm der Atem. Er, der den Menschen mit Blitz und -Donner die Lüfte gereinigt hatte, konnte nicht leben im -Dunst des Wurms. Die Freiheitsaugen brachen ihm. -So folgte er Wodan. –</p> - -<p>Und Freyer, der Sonnengott, folgte, vom Schwerte -Surturs, des unheilig lodernden Feuers, getroffen. Und -Ziu, der furchtlose Schwertgott, den die Nordmänner -Tyr anriefen und dem die Jünglinge ihre Schwertertänze -weihten, er, der dem Fenriswolf einstens die -Rechte in den Rachen gelegt hatte, traf auf den leichenzerreißenden -Hund der Hel, und während ihn der Hund -zu Tode biß, erwürgte er ihn. Heimdall aber, der treue -Wächter, stieß auf Loki, den Verräter, den er schon einmal -im Kampf um Freyas Halsgeschmeide Brisingamen -bestanden hatte, und so wild gingen sie aufeinander an -und so wenig wollten sie voneinander lassen, daß sie -beide von Wunden überdeckt zu Tode sanken. –</p> - -<p>In dem Glutmeer, das Surtur entfachte, ist nicht -mehr zu leben. Und dennoch geht das Würgen weiter, -weiter bis auf den letzten Mann. Die Walküren sind -gefallen, die gerbewaffneten Göttinnen mit ihnen. Die<span class="pagenum"><a id="Seite_210">[210]</a></span> -Einherier, die Germanenhelden, haben sich den Göttern -gleich erwiesen und die Riesen und Unholde trotz ihrer -Übermacht zu eklem Brei gestampft. Fast mit den letzten -Feinden fallen ihre Letzten. Die riesischen Wölfe haben -Sonne und Mond erreicht und sie verschlungen. Aber -die Sonne gebar in ihrer Not ein Kind, und es spielt -abseits auf einer Himmelswiese.</p> - -<p>Durch die Welt lodert das Feuer, und das Eis der -Gletscher schmilzt und wirft sich in Wasserströmen über -glühende Erde, bis endlich, endlich die Glut erlischt.</p> - -<p>Nacht bricht herein. In Nacht versinkt die sterbende -Welt. –</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Und ein Tag bricht an, ein neuer Tag.</p> - -<p>Das spielende Sonnenkind hebt sich am Himmelsrand -und lacht in Unschuld auf die Erde nieder. Es -lockt und schmeichelt und tut schön mit seinen hellen -Augen und seinen warmen Händen, bis es unter dem -Schutt sich regt, den Feuer, Wasser und Erde hinterlassen -haben, und ein paar schüchterne Gräser hervorkeimen. -Ah, wie ist die Luft so klar und rein, das Leben -so köstlich und lebenswert. Bald ist der Boden von -Blumen übersäet, die Sträucher schlagen aus, die<span class="pagenum"><a id="Seite_211">[211]</a></span> -Bäume treiben Knospen. Und aus einem hohlen Baumstamm, -der sich über und über mit Laub bedeckt, tritt -ein Menschenpaar, das sich vor Feuersbrunst und Wasserflut -in die rettende Höhlung geflüchtet, tastet sich furchtsam -vor und steht überrascht in der neuen Sonne, dem -neuen Lenz der Erde, dem neuen Menschenfrühling.</p> - -<p>Und das überglückliche Menschenpaar hebt seine -Augen und sucht seine Götter. –</p> - -<p>Über Asgards verwüstete Fluren schreitet ein Wanderer. -Schlank ist er und ewigjung, und goldrote Locken -wehen ihm um die Schläfen. Er kommt aus der Hel -gewandert, die verlassen liegt. Und wo er geht, ist Licht -und Wärme, Werden und Schöpfermut.</p> - -<p><em class="gesperrt">Baldur</em> ist heimgekehrt. Nun muß alles Leben auferstehen.</p> - -<p>An der Hand führt er Hödur, den blinden, der ihn -einst mit der Mistel niederwarf. Wie Brüder wandern -sie Hand in Hand, und wenn der eine im Schlaf neue -Kräfte sammelt, wacht der andere. Bald Baldur, bald -Hödur. Tag und Nacht haben sich gefunden und sich -verbunden zum Wohle der Welt und ihrer Kräftigung. -Tag und Nacht, Sommer und Winter.</p> - -<p>Unter Baldurs Schritten wachen die Fluren Asgards -auf. Es grünt und blüht auf allen Gefilden, und kein<span class="pagenum"><a id="Seite_212">[212]</a></span> -Platz ist mehr für üble Gelüste und unwürdig Tun. -Die Luft ist geläutert. Frühling –!</p> - -<p>Es ist das alte Asgard nicht mehr, ein neues blüht -aus den Kampfestrümmern und will neues Glück. -<em class="gesperrt">Idafeld</em> nennt Baldur das alte Asgardland, das »Feld -der Auferstehung«.</p> - -<p>Und wie er hinausblickt über alle Wege, sieht er -zwei Wanderer schreiten von rechts und zwei Wanderer -von links. Und die Wanderer von rechts erreichen ihn, -und es sind die Wodanssöhne Widar und Wali. Widar, -der den Vater rächte, und Wali, der Blutrache nahm -für den Bruder Baldur. Darum gehen sie in den neuen -Himmel der Germanen ein. Und die Wanderer von -links treten hinzu, und es sind die Donarsöhne Modi -und Magni, die den Hammer des Donnerers bringen, -mit ihm des Vaters Kraft und den Zorn seiner Gerechtigkeit.</p> - -<p>Nach links und nach rechts streckt Baldur seine Hände, -Glückslachen auf den Lippen.</p> - -<p>»Wodan und Donar, ihr konntet nicht sterben, ihr -lebt fort im Germanenvolk in verjüngter Gestalt, ewig -und ewig, solange der Donner kracht zur Sommerzeit, -solange der Herbststurm braust und ein Menschenaug -in Wolken die wilde Jagd erblickt. Willkommen ihr alle<span class="pagenum"><a id="Seite_213">[213]</a></span> -zu neuen Schöpfungswerken! Den Frieden wollen wir -im Himmel und auf Erden. Den Frieden der Freien. -Keinen anderen Frieden für und für. Deß sei uns -des starken und gerechten Donars Hammer ein -Zeichen.«</p> - -<p>Sie legen die Hände ineinander zum Schwur und -schaffen einen neuen Hochsitz.</p> - -<p>»Für den großen Gott, der uns führen wird.«</p> - -<p>Und sie sprechen Allvaters Worte nach:</p> - -<p>»Götter sterben nicht. Götter und Helden erstehen -neu, wenn sie sich würdig erwiesen. Würde ist nicht das -bißchen Tugend des Tages. Würde ist, für sein Leben -und Schaffen sterben können. Das allein macht <em class="gesperrt">un</em>sterblich.«</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Zu allen Zeiten lebte das Germanenvolk wie seine -Götter. Der Götter Tugenden waren die seinen und -der Götter Fehler, der Götter Kraft und der Götter -Kriege, der Götter Niedergang und der Götter Auferstehung. -Du aber, mächtigster Germanenstamm, deutsches -Volk, von der Maas bis an die Memel, von der -Etsch bis an den Belt, erkenn aus der Urväter Tagen, -daß deine Götter und Helden niemals dem Schicksal<span class="pagenum"><a id="Seite_214">[214]</a></span> -schwächlich in die Augen sahen, daß sie es kühn erwarteten -und sich bis aufs letzte Blut mit ihm schlugen, -wie Männer tun im deutschen Zeichen des Hammers. -Vom Blute Wodans lebt es in dir, vom Blute Donars, -vom Blute Baldurs, und – so der große Gott, »der -uns führen wird«, uns liebt, weil wir Männer sind -und keine Knechte – immerdar vom Blute</p> - -<p class="center"> -<em class="gesperrt">Hermanns, des Cheruskers</em>. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p class="h2"><em class="antiqua">Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig</em></p> -</div> - -<p class="center"><em class="antiqua">RUDOLF HERZOG</em></p> - -<p class="h2">Preußens Geschichte</p> - -<p class="center">31. bis 40. Tausend / 390 Seiten mit zahlreichen schwarzen Bildern -von Prof. A. Kampf / Buchschmuck von Prof. G. Belwe / Geb. M. 6.60.</p> - -<p class="noind">»Alle wichtigen Epochen, alle hervorragenden Herrschergestalten sind -hier in der <em class="gesperrt">fesselnden Erzählungsweise</em> Herzogs, in seinem -feinen Stil geschildert. Man weiß nicht, ob man mehr die packenden, -feingemeißelten Porträts der großen Preußenkönige oder die dramatisch -bewegten Schilderungen der Schlachten von Fehrbellin, von Torgau, -Leuthen, Leipzig, Königgrätz oder Sedan bewundern soll. Wie -einen Roman, dessen Handlung wir mit Spannung folgen, lesen wir -diese Schilderungen, die uns doch Altbekanntes in ganz neuem Lichte -und Zusammenhang zeigen. <em class="gesperrt">Herrliche Balladen</em> unterbrechen zuweilen -den Lauf der Darstellung. Gedichte wie ›Rheinsberger Tage‹, -›Bei Torgau‹, ›Blücher zieht über den Rhein‹, ›König Wilhelms Heldenschau‹ -und andere mehr werden zu den <em class="gesperrt">Perlen patriotischer -Dichtungen</em> zählen. Ein feiner Buchschmuck paßt sich der Stimmung -des Ganzen trefflich an. Alles ist dazu angetan, diese Geschichte -Preußens zu <em class="gesperrt">einem Volksbuch</em> werden zu lassen.«</p> - -<p class="right"> -Deutsche Revue. -</p> - -<p class="h2">Ritter, Tod und Teufel</p> - -<p class="center">Gedichte / 61. bis 70. Tausend / 156 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.–.</p> - -<p class="noind">»Es gibt wohl kaum eine Stimmung in dem unheimlichen Wirbel -der Kriegseindrücke, die den Dichter nicht zur Gestaltung gedrängt, -deren Ausdruck ihm nicht gelungen wäre. Heldenmut und Treue, unerschütterliche, -begeisterte, bis zur Selbstaufopferung hingebende Liebe -zu Vaterland und Kaiser sind die Grundtöne, die die Sammlung durchklingen -… <em class="gesperrt">Der Band ist eine köstliche Perle in dem reichen -Schatze unserer Kriegslyrik.</em>«</p> - -<p class="right"> -Literarisches Zentralblatt f. Deutschland. -</p> - -<p class="h2">Stürmen, Sterben, Auferstehn</p> - -<p class="center">Gedichte / 21. bis 30. Tausend / 127 S. u. Buchschmuck / Geb. M. 2.–.</p> - -<p class="noind">»Die zweite Gedichtsammlung zeigt die gleiche <em class="gesperrt">glühende Vaterlandsliebe</em> -und die gleiche Kraft im Ausdruck und Kunst der -Stimmungsmalerei, denselben <em class="gesperrt">hohen Persönlichkeitswert</em> wie -der erste Band, und doch finden sich auch wieder neue Züge in Stoff -und Form, ja man ist versucht, eine noch <em class="gesperrt">größere Tiefe</em> der Empfindung, -noch schwereren Ernst in den Gedanken an Tod und Unsterblichkeit -in ihr zu spüren.«</p> - -<p class="right"> -Literarisches Zentralblatt für Deutschland. -</p> - -<hr class="chap" /> - -<p class="h2"><em class="antiqua">J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger</em></p> - -<p class="center"><em class="antiqua">Stuttgart und Berlin</em></p> - -<p class="h2"><em class="antiqua">RUDOLF HERZOG</em></p> - -<table summary="Buchkatalog"> -<tr> -<td></td><td class="tdrb">Geb. M.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Das goldene Zeitalter</b><br /> -Roman. 13. u. 14. Aufl.</td><td class="tdrb">6.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Der Adjutant</b><br /> -Roman. 15.–17. Aufl.</td><td class="tdrb">6.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Der Graf von Gleichen</b><br /> -Ein Gegenwartsroman -39.–41. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die vom Niederrhein</b><br /> -Roman. 86.–95. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Das Lebenslied</b><br /> -Roman. 101.–110. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die Wiskottens</b><br /> -Roman. 141.–150. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Der alten Sehnsucht Lied</b><br /> -Erzählungen.<br /> -15. u. 16. Aufl.</td><td class="tdrb">6.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Der Abenteurer</b><br /> -Roman<br /> -Mit Bildnis des Verfassers<br /> -46.–50. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Hanseaten</b><br /> -Roman. 101.–110. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Es gibt ein Glück …</b><br /> -Novellen. 34.–36. Aufl.</td><td class="tdrb">7.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die Burgkinder</b><br /> -Roman. 131.–140. Aufl.</td><td class="tdrb">8.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Ausgewählte Novellen</b><br /> -Mit einer biogr. Einleit. -von <em class="gesperrt">J. G. Sprengel</em>.<br /> -21.–25. Tausend</td><td class="tdrb">2.20</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die Welt in Gold</b><br /> -Novelle. 16.–.20. Aufl.</td><td class="tdrb">2.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Das große Heimweh</b><br /> -Roman. 101.–105. Aufl.</td><td class="tdrb">9.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die Stoltenkamps und ihre Frauen</b><br /> -Roman. 126.–135. Aufl.</td><td class="tdrb">9.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Jungbrunnen</b><br /> -Novellen. 51.–80. Aufl.</td><td class="tdrb">7.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Gedichte.</b><br /> -5. Auflage</td><td class="tdrb">3.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Wir sterben nicht!</b><br /> -Lieder und Balladen<br /> -2.–5. Auflage</td><td class="tdrb">3.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die Condottieri</b><br /> -Schauspiel in vier Akten<br /> -3. Auflage</td><td class="tdrb">4.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Auf Rissenskoog</b><br /> -Schauspiel in vier Akten<br /> -2. Auflage</td><td class="tdrb">4.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Herrgottsmusikanten</b><br /> -Lustspiel in vier Akten<br /> -2. u. 3. Auflage</td><td class="tdrb">4.50</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Stromübergang</b><br /> -Dramatisches Gedicht in einem Aufzug<br /> -1.–10. Tausend</td><td class="tdrb">1.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdlt"><b>Die Nibelungen</b><br /> -Des Heldenliedes beide Teile, neu erzählt.<br /> -Mit Bildern von Professor <em class="gesperrt">Franz -Stassen</em>.<br /> -(Verlag von Ullstein & Co., Berlin)</td><td class="tdrb">6.–</td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription.</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung -der Ellipsen wurde vereinheitlicht.</p> - -<p>Die Abbildung wurden an die zugehörige Textstelle verschoben, deren -Seitenreferenz wurde entfernt.</p> - -<p>Korrekturen:</p> -<div class="corr"> -<p> -S. 4: die ersten beiden Zeilen → Anfang von S. 3:<br /> -griffen nach -<a href="#corr003">dem rohen Stoff und gedachten wenig des göttlichen -Geistes, und als Erstes entstand ein Ungetüm, das alle</a> -Erde, die da wurde,</p> -<p> -S. 6: Wil → Wili<br /> -Wodan, der junge, sah es, und er rief <a href="#corr006">Wili</a> und We,</p> -<p> -S. 120: Das → Da<br /> -<a href="#corr120">Da</a> war der Donnerer wohl zufrieden.</p> -</div> -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Germaniens Götter, by Rudolf Herzog - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GERMANIENS GÖTTER *** - -***** This file should be named 56192-h.htm or 56192-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/1/9/56192/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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