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-The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
-63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges, by Anonymous
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
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-
-Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges
-
-Author: Anonymous
-
-Release Date: November 28, 2017 [EBook #56068]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
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-
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-
- 63. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen.
- Preis 10 Pf. (15 Heller.)
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-
- Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.
-
-
-
-
- Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.
-
-
- [Illustration: Immer tiefer sank der Koloß in die glühend
- heiße, weiche Masse, deren Feuerwellen über dem Fahrzeug
- zusammenzuschlagen drohten.]
-
-
- Druck- und Verlags-Gesellschaft
- Berlin
-
-
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-
- Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.
-
-
-
-
- 1. Kapitel.
- Die Welt in Gefahr.
-
-
-»Halt, wer da! Antwort -- oder ich schieße!«
-
-Diesen Worten folgte das scharfe Knacken eines Revolverhahns. Sonst
-umgab Dunkelheit diese nächtliche Szene.
-
-»Schießen Sie nicht,« tönte eine sonore Stimme. »Ich komme zwar zu
-ungewöhnlicher Stunde, aber ich bin kein Dieb, kein Mörder.«
-
-Im nächsten Moment blitzte das helle Licht einer elektrischen Lampe auf.
-
-Das blendende Licht beleuchtete ein geräumiges, sehr behaglich
-eingerichtetes Zimmer, an welches ein großes Schlafzimmer stieß.
-
-Der Vorhang, welcher dies Gemach von dem Zimmer trennte, war
-zurückgeschoben.
-
-Dort stand ein Mann in mittleren Jahren, der in aller Hast einen
-Schlafrock angezogen zu haben schien.
-
-Er war wohl offenbar aus dem Bett gesprungen, seine bloßen Füße steckten
-in Pantoffeln und in der rechten Hand hielt der Mann einen
-scharfgeladenen Armeerevolver.
-
-Die Unruhe dieses Herrn war erklärlich, denn das Geräusch eines
-zerbrochenen Fensters weckte ihn aus dem besten Schlummer.
-
-Der Fensterladen vor der großen Spiegelglasscheibe war emporgehoben und
-die Scheibe selbst durch einen anscheinend mit großer Wucht geführten
-Schlag zertrümmert.
-
-Das elektrische Licht aber hatte nicht der Bewohner dieser Räume
-entflammen lassen, sondern ein Eindringling, der zur Mitternachtsstunde
-durch das zerbrochene Fenster hereingekommen sein mußte.
-
-Da stand dieser Mann, dessen athletische Gestalt durch einen grauen
-Mantel in militärischem Schnitt verhüllt wurde.
-
-Er stand hoch aufgerichtet, in der Linken die elektrische Lampe haltend,
-eine blaue Mütze mit breitem, goldenem Streifen bedeckte seinen Kopf,
-während eine schwarze Halbmaske das energische, kühn geschnittene
-Antlitz bedeckte.
-
-»Da bin ich,« sprach er zu dem schier fassungslosen Bewohner dieser
-Räume. »Sie haben mich gerufen. Ich habe den geheimnisvollen Hilferuf in
-einer der größten Zeitungen des Kontinents gelesen. Ich habe die
-Bedeutung desselben verstanden. Daß ich zur Nachtzeit hierherkommen
-mußte, ist freilich ungewöhnlich, aber ich kann nicht anders. Kapitän
-Mors steht vor Ihnen!«
-
-Gleichzeitig hatte der rätselhafte Besucher ein großes Zeitungsblatt
-unter seinem Mantel hervorgezogen.
-
-»Dieses Inserat stammt von Ihnen, nicht wahr?« fuhr er fort, während der
-so jäh aufgeweckte Mann vor ihm noch immer nicht wußte, ob er wachte
-oder träumte. »Hier lesen Sie, das ist das Inserat, in welchem ich,
-Kapitän Mors, aufgefordert werde, die Welt und deren Bewohner vor einer
-Katastrophe zu bewahren. Und zwar vor einer Katastrophe, wie sie die
-Weltgeschichte noch nicht kennen soll. Diese Worte hier sind nur für
-mich berechnet. Anderen würde dies Inserat als die Eingabe eines
-Wahnwitzigen erscheinen. Aber Sie haben Ihre Gründe gehabt, dieses
-Inserat so geheim zu halten. Ich bin dem Rufe gefolgt. Sprechen Sie. Wie
-kann ich Ihnen helfen?«
-
-Der Aufgeweckte ließ den Revolver sinken.
-
-Sein Gesicht war ungemein geistvoll und verriet den Denker, zugleich
-aber auch den Mann, der, wenn er wollte, auch recht energisch
-aufzutreten vermochte.
-
-»Sie sind Ingenieur Reymond,« fuhr Kapitän Mors fort. »Sie haben gewußt,
-daß ich mich stets über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem
-Laufenden halte, daß ich alle großen Zeitungen genau lese. Nun sagen Sie
-mir alles, denn ich habe Zeit, so lange die Dunkelheit dauert. Beim
-ersten Morgengrauen muß ich den Rückweg antreten.«
-
-»Aber um Himmels willen, wie sind Sie nur hier hereingekommen?« fragte
-der Ingenieur, als er sah, daß sich Kapitän Mors ruhig in einem Sessel
-niederließ. »Dieses turmartige Gebäude ist ja sechs Stock hoch. Da
-vermöchte nicht einmal eine Katze hinaufzugelangen.«
-
-»Je höher, desto besser,« erwiderte der Luftpirat mit eisiger Ruhe. »Im
-übrigen gibt es für mich wenig Hindernisse. Doch zur Sache. Ich nehme
-an, daß die Angelegenheit, die mich hierher geführt hat, eilig ist und
-daß es sich in der Tat um das Schicksal der ganzen Welt handelt.«
-
-Ingenieur Reymond war gewiß kein Feigling, er gewann bald seine
-Selbstbeherrschung wieder.
-
-Er betrachtete den berühmten Mann, von dem die Welt so viel erzählte,
-mit einem Gemisch von heimlichem Grauen und Bewunderung.
-
-Rasch war eine Lampe entzündet und der Ingenieur nahm seinem
-unheimlichen Besucher gegenüber Platz.
-
-»Ich will mich kurz fassen,« begann er. »Genug, ich bin der technische
-Leiter eines riesigen Etablissements, welches Maschinenteile liefert.
-Dort erschienen vor einiger Zeit ein paar Männer, die ich für Amerikaner
-halte. Sie machten verschiedene Bestellungen und sprachen hauptsächlich
-mit dem zweiten Leiter der Fabrik, ich hatte zu jener Zeit eine andere,
-sehr wichtige Arbeit vor und achtete wenig auf die Fremdlinge. Erst
-durch einen Zufall wurde mein Verdacht rege, nämlich, als ich von meinem
-Kollegen erfuhr, daß an die fremden Herren Maschinenteile abgeliefert
-wären, über deren Verwendung man sich gar keinen Begriff machen könnte.
-Unglücklicherweise war der Auftrag schon ausgeführt und der Rest der
-Bestellung abgeliefert, ohne daß ich es zu verhindern vermochte. Nun,
-ich will wenig Worte machen, Kapitän Mors. Jene Fremden, die übrigens
-über bedeutende Summen verfügten, haben zweifellos einige
-Weltenfahrzeuge hergestellt, welche möglicherweise dem wunderbaren
-Fahrzeug ähneln, mit welchem Sie durch die Weltenräume kreuzen.«
-
-»Ihre Ausführungen setzen mich in einige Verwunderung,« erwiderte Mors,
-nachdem er einen Augenblick nachgesonnen. »Indessen lassen sich ja
-wenige Geheimnisse bewahren, und so mag es schon sein, daß hier und da
-etwas von meinem Weltenfahrzeug bekannt wurde, ganz so, wie ja auch mein
-Luftschiff von vielen gesehen, betrachtet, von einigen sogar
-photographiert wurde. Aber das alles überzeugt mich noch nicht, ob der
-Welt auch wirklich Gefahr droht. Angenommen, jene Fremden hätten in der
-Tat einige Weltenfahrzeuge hergerichtet, was könnte das der Erde für
-Schaden bringen?«
-
-»Jetzt kommt die Hauptsache,« erwiderte Ingenieur Reymond. »Deshalb habe
-ich ja auch meinen Hilferuf in der Zeitung erlassen. Nachdem ich
-Verdacht geschöpft, spürte ich den Fremden nach und es gelang mir eines
-Abends durch List, über die ich hier nicht näher sprechen will, die
-Fremden zu belauschen. Genug, ich verbarg mich in ihrer Nähe und hörte
-ihren Gesprächen zu, die mich mit Entsetzen erfüllten. Diese
-gefährlichen Männer wollen eine geradezu grauenvolle Katastrophe
-herbeiführen und sich dadurch zu Herren der Erde machen. Der eine dieser
-Unmenschen meinte, die Erde sei viel zu stark bevölkert und es würde gar
-nicht schaden, wenn die Hälfte der Menschheit vernichtet würde. Hierauf
-wollte er mit seinem Kumpan eine Tyrannenherrschaft über das Weltall
-ausüben.«
-
-»So, so,« meinte Mors. »Darüber möchte ich noch einige Fragen stellen.
-Zunächst, war es Ihnen, mein Herr, denn nicht möglich, diese
-gefährlichen Menschen verhaften zu lassen?«
-
-»Nein,« erwiderte Reymond. »Ich war allein, ein unglücklicher Zufall
-wollte es, daß sie mich entdeckten. Sie verfolgten mich sofort und
-hätten sie mich eingeholt, so wäre ich zweifellos ermordet worden. So
-aber stürzte ich mich in den Fluß und da ich ein ausgezeichneter
-Schwimmer bin, hielt ich mich lange genug unter Wasser, während sie
-überall herumsuchten. Sie glaubten, ich sei ertrunken. Glücklicherweise
-haben sie mich nicht erkannt, denn sonst gehörte ich längst zu den
-Toten. Wenn sie aber jenes Inserat in der Zeitung gelesen haben, kommen
-sie auf die Spur. Deshalb habe ich auch, um mich zu schützen,
-Vorsichtsmaßregeln getroffen und wohne hier in diesem unzugänglichen
-Gebäude, hoffend, daß ich von Ihnen eine Nachricht erhalten würde. Statt
-dessen kommen Sie selbst und das ist umso besser.«
-
-Mors überlegte noch einen Augenblick.
-
-»Herr Reymond,« sprach er dann in seiner gewinnenden Art und Weise. »Ich
-glaube bestimmt, daß jene Unholde das Inserat gelesen haben und daß sie
-Ihnen möglicherweise nach dem Leben trachten. Ich mache Ihnen einen
-Vorschlag. Wollen Sie mit mir gehen? Wollen Sie meine Heimat aufsuchen,
-die geheimnisvolle Insel, die ich bewohne, den Ort, wo Ihnen kein Mörder
-nahen dürfte? Dort sind Sie sicher.«
-
-»Nein, das kann ich nicht,« entgegnete Reymond. »Ich möchte hier in
-Frankreich bleiben, bei meinen Instrumenten, bei meinen Büchern.«
-
-»Aber dann kann ich Sie nicht schützen,« erwiderte Mors, »und ich
-fürchte, daß Sie alsdann dem Verderben verfallen.«
-
-»Nun, ich lasse es darauf ankommen,« erwiderte Reymond. »Ich glaube,
-hier bin ich sicher.«
-
-»So wenig sicher wie vor mir,« erwiderte der Luftpirat. »Sie sehen ja,
-daß auch ich hier eingedrungen bin, und diese Unholde könnten das
-gleiche tun. Also ich biete Ihnen nochmals Schutz in meiner
-geheimnisvollen Heimat an. Wollen Sie?«
-
-»Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Anerbieten, aber ich kann nicht. Ich
-hänge zu sehr an Frankreich. Hoffentlich haben jene Unholde auch anderes
-zu tun, als sich mit mir zu beschäftigen. Doch nun zur Hauptsache. Das,
-was ich Ihnen sagen will, betrifft die Katastrophe, die den Bewohnern
-der Erde droht.«
-
-»Ganz recht, das interessiert mich,« erwiderte Mors. »Angenommen, jene
-Menschen hätten einige Weltenfahrzeuge erbaut, so genügt das nicht, um
-die Bewohner der Erde zu vernichten, dazu gehören noch kolossale
-Zerstörungsmittel von einer Furchtbarkeit, gegen die unsere irdischen
-Sprengstoffe als Kinderspielzeug erscheinen.«
-
-Reymond war aufgestanden.
-
-»Das ist es ja, Kapitän Mors,« sprach er mit furchtbarem Ernst und mit
-gedämpfter Stimme. »Die Unholde wollen sich einen furchtbaren,
-zerstörenden Stoff verschaffen, den sie mittelst ihrer Weltenfahrzeuge
-holen wollen und zwar aus ungeheurer Ferne. Haben sie diesen Stoff, der
-von geradezu vernichtender Wirkung sein muß, so verwandeln sie ihre
-Weltenfahrzeuge in Zerstörungsmaschinen und dann wird die Erde von einem
-Schicksal betroffen, wie es in der ganzen Weltgeschichte noch nicht
-dagewesen ist. Jene unheimlichen Männer müssen große Kenntnisse in der
-Mathematik, Astronomie und der Physik besitzen. Wunderbare Kenntnisse,
-die sie allerdings zu Verbrechen anwenden wollen.«
-
-»Woher gedenken jene Elenden den Zerstörungsstoff zu holen?« fragte
-Mors, jedes Wort betonend.
-
-»Vom Planeten Saturn,« lautete die Antwort. »Von jenem mächtigen
-Weltkörper, der seltsamerweise das einzige Gestirn ist, das von Ringen
-umgeben wird, und diese Ringe, die den Riesenkörper des Planeten
-umkreisen, bergen nach genauen wissenschaftlichen Beobachtungen eine
-Materie, die so fürchterlich wirkt, daß sie imstande ist, die ganze Erde
-in Trümmer zu zerspalten. Diesen furchtbaren Stoff wollen jene
-Unmenschen holen und damit zur Erde zurückkehren.«
-
-»Ich verstehe,« versetzte Mors mit großer Ruhe. »Sie wünschen, daß ich
-mit meinem Weltenfahrzeug dies Vorhaben vereitle? Wenn jene Unholde mit
-dem Zerstörungsstoff zurückkehren, ist es zu spät. Sie würden zuerst
-mich und meine Fahrzeuge vernichten. Ich bin Ihnen sehr zu Dank
-verpflichtet, Herr Reymond, und ich erneuere zum dritten Male mein
-Anerbieten, mit mir nach meiner fernen Insel zu reisen.«
-
-»Nein, ich bleibe in Frankreich,« erwiderte Reymond. »Ich habe jetzt
-meine Pflicht getan und das Schicksal der Erde in Ihre Hände gelegt.«
-
-»Aber Sie sind verloren, Herr Reymond,« sprach Mors, indem er sich
-langsam erhob. »Ich fürcht das Schlimmste.«
-
-Es war umsonst. Reymond gab nicht nach, er hing zu sehr an seiner
-schönen, sonnigen Heimat. In dieser Beziehung war er ein Starrkopf.
-
-Er gab Mors noch verschiedene Informationen, aus denen der Luftpirat den
-Ort entnehmen konnte, an welchem die Weltenfahrzeuge erbaut wurden.
-
-»Ich schulde Ihnen wirklich außerordentlichen Dank,« erwiderte der
-Luftpirat. »Ich habe Ihnen sogar das Fenster zerbrochen und Sie in ihrem
-Schlaf gestört. Sprechen Sie, Herr Reymond, kann ich Sie nicht in irgend
-einer Weise für diese wichtigen Mitteilungen belohnen?«
-
-»Nein,« erwiderte der Franzose. »Ich bin selbst sehr vermögend und
-bedarf nichts. Ich habe jene Pflicht erfüllt, welche das Gebot der
-Menschenliebe vorschreibt und bin überzeugt, daß Sie alles aufbieten
-werden, um das Furchtbare zu verhindern. Damit bin ich reich belohnt,
-das genügt vollkommen.«
-
-»Nun denn, so muß ich handeln,« rief der Luftpirat. »Ich darf keine Zeit
-verlieren. Hier ist vielleicht jede Minute kostbar. Leben Sie wohl, mein
-Herr, ich ruhe und raste nicht, bis ich das Furchtbare verhindert habe.
-Gelingt es mir nicht, dann habe ich meinen Untergang gefunden.«
-
-Er sprach diese Worte mit finsterem Entschluß und schwang sich auf das
-Fensterbrett.
-
-Außerhalb befand sich eine kleine Brüstung, da glaubte der Ingenieur
-trotz der Dunkelheit zu sehen, daß sich dort etwas Schattenhaftes
-bewegte.
-
-Er hörte auch ein leises Sausen und Summen, dann schien es, als ob
-Kapitän Mors in die Nacht hinausspränge.
-
-Er hörte einen leichten Aufprall, aber unmittelbar am Fenster, dann
-folgte ein Rauschen und Schwirren und da sah Reymond, als ob durch die
-Finsternis etwas Schwarzes, Schattenhaftes von dannen huschte.
-
-Vorsichtig ließ er den Fensterladen wieder herab, aber er fand in dieser
-Nacht keine Ruhe.
-
-Wohl aber fand er sie vierundzwanzig Stunden später, und zwar für immer,
-denn da wurde der Ingenieur Reymond, dieser wackere, von allen
-geschätzte Mann, auf unerklärliche Weise ermordet aufgefunden.
-
-Der Luftpirat hatte es geahnt, aber Reymond die Warnung des seltsamen
-Mannes mißachtet. Er war zurückgeblieben, er hatte den Schutz, den ihm
-Mors anbot, verschmäht. Der wackere Mann mußte seine Menschenliebe mit
-seinem Leben bezahlen.
-
-
-
-
- 2. Kapitel.
- Zu spät gekommen.
-
-
-Kapitän Mors hatte mit einer kleinen Flugmaschine, die sich auf dem
-lenkbaren Luftschiff befand, den Franzosen besucht.
-
-Das Luftschiff selbst lag auf einer der Felseninseln, an der
-französischen Küste und in der nächsten Nacht befand sich Mors bereits
-auf dem Rückwege.
-
-Nach glücklicher Fahrt gelangte er auf seiner Insel an, da war es sein
-erstes, das Weltenfahrzeug zu inspizieren.
-
-Der »Meteor« war jeden Augenblick zu seinem Flug in den Weltenraum
-bereit und Mors säumte nicht, das Fahrzeug mit einer ausgewählten
-Mannschaft zu besteigen.
-
-Auch der Professor nahm daran teil, obwohl ihn Mors vor den Gefahren der
-bevorstehenden Reise warnte.
-
-»Diesmal werden wir uns der Wissenschaft wenig widmen können,
-Professor,« sprach Mors zu seinem gelehrten Freunde. »Diesmal gilt es
-eine entsetzliche Katastrophe zu verhindern. Es wäre besser, Sie blieben
-hier. Ich glaube, es kommt zu den furchtbarsten Abenteuern, zu
-gefährlichen Kämpfen. Es geht auf Tod und Leben.«
-
-Der Professor war aber nicht zu halten.
-
-Er wußte ja, daß möglicherweise der Saturn besucht wurde. Mors sprach ja
-die Vermutung aus, daß jene Unheimlichen bereits die Reise nach dem
-fernen Weltkörper angetreten haben könnten.
-
-»Wie, eine solche Gelegenheit sollte ich verpassen,« rief Professor van
-Halen enthusiasmiert, »nimmermehr, der Saturn birgt ja die größten
-Rätsel, ich bebe förmlich bei dem Gedanken, diesen wunderbaren
-Weltkörper in der Nähe zu sehen. Nehmen Sie mich mit, Kapitän, ich bitte
-Sie darum. Sie machen mich unglücklich, wenn Sie mich zurücklassen.«
-
-Mors gab nach, aber er war diesmal ernst und düster wie nie zuvor.
-
-Er nahm nur Terror mit und hinterließ Star und Herbert genaueste
-Instruktionen für den Fall, daß er von der abenteuerlichen Fahrt nicht
-mehr wiederkehren sollte.
-
-Diese Instruktionen betrafen das Schicksal der Insel mit allem, was sich
-darauf befand. Es war kein Zweifel, wenn Mors zu Grunde ging, so würde
-auch sein ganzes Werk vernichtet.
-
-Inzwischen hatte der Luftpirat die Kunde von Reymonds Tod erfahren.
-
-»Ich habe ihn gewarnt,« sprach er, als er die Nachricht las. »Aber der
-Unglückliche wollte ja nicht hören. Nun, vielleicht kann ich ihn
-wenigstens rächen.«
-
-Nach den Angaben des Ingenieurs befand sich der Ort, an dem die
-geheimnisvollen Amerikaner ihre Weltenfahrzeuge erbaut hatten, irgendwo
-im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas.
-
-Dorthin waren die Maschinenteile geschickt worden und Reymond, der sich
-um diese Angelegenheiten sehr bekümmert, hatte Mors noch Winke gegeben,
-welche die Nachforschungen des Luftpiraten erleichterten.
-
-Diesmal wendete sich das Weltenfahrzeug nicht nach dem Weltenraum,
-sondern durchschoß mit Blitzesschnelligkeit die Luftzonen über der
-Südsee und wendete sich nach den südkalifornischen Landschaften.
-
-Ein Zufall unterstützte Mors, der sein wunderbares Fahrzeug in den
-wilden Gebirgen der Sierra Nevada landen ließ und von dort aus einige
-Späher aussandte.
-
-Bald erhielt er die Nachricht, daß an der Grenze des Staates Sonora, der
-schon zu Mexiko gehörte, merkwürdige Dinge beobachtet worden seien, die
-auf eine sonderbare Arbeit schließen ließen.
-
-Wenige Tage später wurde der Verdacht bestätigt, dort hatten die
-geheimnisvollen Amerikaner gearbeitet, dort hatten sie ihre
-Weltenfahrzeuge, zu denen sie sich die Materialien in verschiedenen
-Ländern bestellt, zusammengesetzt.
-
-Ob die Pläne zu diesen wunderbaren Fahrzeugen von ihnen selbst
-ausgesonnen worden waren, ob sie einiges über Mors' Weltenfahrzeug durch
-Verrat vernommen, blieb in Dunkel gehüllt. Genug, die Geheimnisvollen
-hatten derartige Fahrzeuge zusammengestellt, montiert und für die Fahrt
-in den Weltenraum bereit gemacht.
-
-In der nächsten Nacht befand sich Mors mit seiner ganzen Mannschaft
-wieder im »Meteor«, der ihn mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit nach der
-bezeichneten Gegend brachte.
-
-Das war eine Einöde, die selten oder nie von Menschen betreten wurde.
-Dort hatten die Unheimlichen mit Muße arbeiten können.
-
-Als der Morgen graute, war Mors an Ort und Stelle, fest entschlossen,
-alles, was er an Zerstörungsmaschinen besaß, zur Vernichtung dieser
-gefährlichen Menschen und ihrer Werke aufzubieten.
-
-Schon sah er in der Einöde große Wellblechhallen, die zum Schutz gegen
-die Witterung gedient hatten.
-
-Regen gab es hier selten, deshalb dienten diese Wellblechhallen wohl nur
-als Schutz gegen die glühende Sonne.
-
-Der »Meteor« erhob sich über diesen Hallen, alles war bereit, um das
-Zerstörungswerk auszuüben.
-
-Der Luftpirat aber ballte grimmig die Fäuste, denn er sah von oben in
-leere Räume. Die drei großen Hallen bargen nichts mehr als einige
-Gerätschaften und Werkzeuge. Die Flugmaschinen aber, die man drin
-montiert, die waren verschwunden.
-
-Mors ließ den »Meteor« zu Boden sinken und verließ mit einigen Indern
-das Weltenfahrzeug.
-
-Plötzlich begannen einige der Inder zu rennen und zu laufen und sausten
-wie Antilopen hinter einer Gestalt her, die mit wilden Sprüngen zu
-entkommen suchte.
-
-Bald darauf vernahm Mors lautes Gekreisch, die Inder kehrten zurück und
-führten in ihrer Mitte einen Mischling, einen sogenannten Mulatten.
-
-Der Mann war halbtot vor Angst und glaubte, daß es ihm an den Kragen
-ginge. Beim Anblick des Luftpiraten schnappte er beinahe über und flehte
-mit jämmerlicher Stimme, ihm das Leben zu schenken.
-
-Mors beruhigte den Zitternden. Es stellte sich heraus, daß der Mulatte
-zu den Arbeitern gehörte, die an dieser Stätte für die Fremdlinge tätig
-gewesen waren.
-
-Die Unheimlichen hatten die Arbeiter reichlich belohnt und sie dann
-entlassen. Der Mulatte aber war dem Trunke ergeben und hatte sich zur
-Feier, daß die Arbeit beendigt, so bezecht, daß er in einer Felsenspalte
-zurückblieb.
-
-Als er erwachte, fand er sich allein und war gerade im Begriff gewesen,
-den Weg nach der nächsten Ansiedlung zu suchen.
-
-»Wo sind die Leute, die hier gearbeitet haben?« fragte Mors hastig.
-
-»Sie haben drei wunderbare Maschinen gebaut,« erwiderte der Mulatte
-zaghaft. »Damit sind sie in den Himmel hineingeflogen.«
-
-»Also zu spät gekommen,« erwiderte Mors. »Aber der Vorsprung kann nicht
-allzugroß sein. Ich muß ihnen nach. Ich muß das Schreckliche verhindern!
-Freilich, es wird im Weltenraum zum Kampf auf Tod und Leben kommen.«
-
-Dem Mulatten wurden noch einige Fragen vorgelegt, und Mors entnahm
-daraus, daß jene unheimlichen Amerikaner einen Vorsprung von
-sechsunddreißig bis vierzig Stunden besitzen müßten.
-
-Mors gab dem Erschrockenen noch einige Goldstücke und bestieg mit seinen
-Mannschaften das Weltenfahrzeug, welches der Mulatte dumm und blöde
-anstarrte.
-
-Seinen Aussagen nach hatten die Weltenfahrzeuge der Amerikaner ein
-anderes Aussehen besessen, als der »Meteor«; sie waren etwas kleiner,
-aber auch mit flüssiger Luft und mit Riesenmagneten ausgerüstet.
-
-Mors gab den Befehl zur Abfahrt, die Türen schlossen sich, der »Meteor«
-hob sich.
-
-Dann hörte man das eigentümliche Surren, welches die Tätigkeit des
-Riesenmagneten verkündete. Der »Meteor« hob sich, und schoß mit
-furchtbarer Geschwindigkeit in die Lüfte, den Augen des nachschauenden
-Mulatten im Nu entschwindend.
-
- * * * * *
-
-Mors hatte den Professor und Terror von allem, was er erfahren, in
-Kenntnis gesetzt.
-
-»Es handelt sich darum, die Erde vor einer Katastrophe zu schützen,«
-sprach er kalt. »Wir haben es mit drei Gegnern zu tun und wenn dieselben
-auch etwas kleiner sind, als unser Fahrzeug, so könnten sie doch durch
-ihre Ueberzahl einen Vorteil gewinnen. Es handelt sich also darum, daß
-wir nicht allein diese drei Weltenfahrzeuge einholen, sondern sie
-einzeln vernichten, vor allen Dingen aber verhindern, daß sie vor uns
-nach dem Planeten Saturn kommen. Erreichen sie diesen Planeten vor uns
-und gelingt es ihnen, sich des zerstörenden Stoffes, der in den Ringen
-zu finden ist, zu bemächtigen, so ist die letzte Hoffnung geschwunden.
-Jene Schurken sind Verbrecher, obgleich sehr gebildete Verbrecher. Sie
-werden ihre Wissenschaft und ihre Kenntnisse zum Unheilstiften anwenden.
-Zunächst würden sie uns vernichten und dann nach der Erde zurückkehren,
-um daselbst ein Blutbad anzurichten, gegen welches die fürchterlichsten
-Kriege der Weltgeschichte als Spielerei erscheinen. So steht es. Wir
-haben auf keine Schonung zu rechnen. So wenig wie wir solche selbst
-ausüben werden. Vorerst bleibt uns nichts übrig, als die ganze
-Schnelligkeit des »Meteor« zu benutzen und Ausguck nach den drei
-Weltenfahrzeugen zu halten.«
-
-Letzteres übernahm der Professor, der ja am Fernrohr die größte Uebung
-besaß. Mors und Terror teilten sich in die Handhabung der Maschinen.
-
-Noch nie hatte der »Meteor« so schnell die Luftzone der Erde
-durchschnitten wie dieses Mal. Noch nie war er mit so furchtbarer
-Schnelligkeit in den Weltenraum hinausgefahren.
-
-Mors schien die Gefahren, die der Weltenraum barg, diesmal gar nicht zu
-beachten. Er kümmerte sich nicht einmal darum, daß er bei dieser
-Gelegenheit eine Meteorsteinzone streifte.
-
-Terror war gewiß ein Mann von Eisen, aber ihm grauste beinahe, als er
-sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit Mors diesmal das Fahrzeug
-handhabte.
-
-Bei einem Zusammenstoß wäre das Weltenfahrzeug in Atome zermalmt worden,
-aber Mors pochte auf sein Glück, welches ihm schon so oft in den
-gefährlichsten Tagen seines Lebens beigestanden.
-
-Er trotzte den Gefahren, er steigerte die Schnelligkeit des »Meteor« bis
-ins Unglaublichste.
-
-Selbst der Professor beobachtete manchmal kopfschüttelnd die
-Instrumente, welche die Schnelligkeit des Fahrzeuges anzeigten.
-
-»Kapitän,« sprach er zu dem Luftpiraten. »Wir fahren mit einer geradezu
-entsetzlichen Geschwindigkeit. Stoßen wir bei dieser Gelegenheit mit
-einem Weltkörper zusammen, so werden von unserem »Meteor« nicht einmal
-Atome übrig bleiben.«
-
-»So ist es,« versetzte Mors. »Aber es handelt sich hier um das Geschick
-von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das Schicksal
-herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben wir, so
-geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das ewige
-Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten wir sie,
-so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß uns dankbar
-sein. Vorwärts!«
-
-Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit, und
-da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber begab
-sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die Tiefen des
-Himmelsraumes zu durchsuchen.
-
-Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich
-nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten noch
-immer einen großen Vorsprung besitzen.
-
-Inzwischen wurde nichts verabsäumt.
-
-Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden Moment
-benutzt werden konnten. Die Leute waren immer auf ihren Posten.
-
-Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten Saturn
-trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet zwölfhundert
-Millionen Kilometer.
-
-Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn sein
-»Meteor« durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des Blitzes.
-
-Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man schärfste
-Umschau halten mußte.
-
-In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars ein
-ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert worden.
-
-Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den Raum und
-wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet.
-
-Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug teilweise
-begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort war also
-große Vorsicht geboten.
-
-Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier, wo die
-Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag und Nacht
-reden konnte.
-
-Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die
-verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des »Meteor« war im
-Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken.
-
-Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug
-diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände, denen
-gegenüber man die Schnelligkeit abmaß.
-
-Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich Zeiger
-mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten
-Kilometertausende verzeichneten.
-
-Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu stehen
-und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen.
-
-Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein.
-
-Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als man
-ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr. Hier
-mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges.
-
-
-
-
- 3. Kapitel.
- Der erste Kampf mit den Gegnern.
-
-
-Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem
-Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte.
-
-Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel, welche
-aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte.
-
-Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr.
-
-»Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,« hörte er die Stimme des Professors.
-»Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er sich in
-der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.«
-
-Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum.
-
-Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier.
-
-Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein
-blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die
-massive Glasscheibe schützte das Innere des »Meteor« vor der Kälte des
-Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im
-luftleeren Raum herrschen.
-
-Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich der
-»Meteor« stark genähert hatte.
-
-Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber nicht rund
-oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und glich einem
-Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den Weltenraum
-dahinsauste.
-
-Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt den
-riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser
-fürchterlichen Katastrophe.
-
-Der Astroid schien eine Lufthülle zu besitzen, wenigstens gewahrte man
-einen nebelartigen Schimmer an den Rändern und Vorsprüngen.
-
-Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper,
-dann suchte er nach dem Feinde.
-
-Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors heftete
-seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne.
-
-»Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,« sprach der
-Luftpirat. »Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte
-allerdings das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir
-haben ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein
-Werk, welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel,
-das ist ein Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.«
-
-Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden und
-schien Schutz gesucht zu haben.
-
-Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich um,
-möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen
-Welt verborgen.
-
-Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt und
-warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle des
-Luftpiraten.
-
-Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum, in
-welchem Terror weilte.
-
-»Wir halten auf den Astroiden zu,« lautete das Kommando. »Die
-Mannschaften haben alles für einen Kampf fertig zu machen. Sowie wir in
-die Luftzone des Weltenkörpers kommen, wird das Fahrzeug dort
-angegriffen.«
-
-Terror gehorchte auf der Stelle.
-
-Der »Meteor« beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann mit
-fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu.
-
-Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast
-undurchsichtig wie Glas diese unbekannte Welt umgab.
-
-Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses
-Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu
-entsetzliche Stein- und Sandwüste erschien.
-
-Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen zu
-machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er jetzt
-schon mit bloßen Augen gewahren konnte.
-
-Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte.
-
-Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und mochte
-vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der Dunsthülle
-schweben.
-
-Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das Fahrzeug
-während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem abzuhelfen
-versuchte.
-
-Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte sehr
-leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht kamen.
-
-Weiter sauste der »Meteor«, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen von dem
-Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe.
-
-Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den Befehl zum
-Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung von fünfhundert
-Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten.
-
-Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem
-Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben.
-
-Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges bildeten,
-dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß seine
-Vermutungen völlig zutrafen.
-
-Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu sein.
-
-Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand,
-als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte.
-
-»Sie bereiten sich zum Kampfe vor,« murmelte Mors. »Sie besitzen
-sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg
-erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur
-noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die
-Entscheidung fallen.«
-
-Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe zum
-Atmen geeignet war.
-
-Einer der Inder unternahm den Versuch, indem er sich mit einem Glashelm
-versehen in einen luftleeren Raum begab.
-
-Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück.
-
-»Kapitän,« meldete er, »die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist etwas
-dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge. Dies kann
-uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben, daß
-wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die
-Zerstörungsmaschinen verdecken, geöffnet werden.«
-
-Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige
-freundliche Worte.
-
-Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu.
-
-Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon frühzeitig
-bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den Kampf
-aufnehmen.
-
-Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges
-kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen.
-
-Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners.
-
-Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten des
-feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte.
-
-Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und genau auf
-die Bordwand des »Meteor« zufliegen.
-
-Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit, sodaß
-die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten.
-
-Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das war
-alles.
-
-»Der »Meteor« widersteht,« sprach Mors, als er flüchtig die Wände seines
-Wunderwerkes prüfte. »Das feindliche Geschoß kann die Metallwand nicht
-durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.«
-
-Auf dem »Meteor« befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen.
-
-Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die auf fahrbaren Lafetten
-ruhten, andere wie kleine Geschütze.
-
-Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im äußersten
-Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden aber als
-gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten.
-
-Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen Maschinen
-in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen.
-
-Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten
-gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den »Meteor«
-kreiste.
-
-Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der Schüsse, die
-ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis
-erweckten.
-
-Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die Wand
-des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge erhielt
-und hin- und herschwankte.
-
-Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen, sie
-genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert.
-
-Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig.
-
-Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges zum Ziel
-und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen, welche die
-Riesenmagneten in Tätigkeit setzten.
-
-Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem Lenkraum.
-
-Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem Feinde
-abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor
-Verletzungen gesichert.
-
-Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche.
-
-Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen.
-
-Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im
-Weltenfahrzeug befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem
-»Meteor« wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten.
-
-»Kapitän,« schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine
-Schießscharte die Bewegungen des Feindes beobachtete, »aufgepaßt,
-Kapitän, sie wollen rammen!«
-
-»Ich sehe es, mein Getreuer,« erwiderte Mors, indem er das Glas
-absetzte. »Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug
-besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig
-zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer
-die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die
-Amerikaner dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.«
-
-Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder.
-
-»Zieht diese Maschinen zurück,« befahl er, auf die gewehrähnlichen
-Zerstörungsmaschinen deutend. »Jetzt werden die anderen verwendet. Aber
-erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich gehe nach dem
-Lenkraum, denn ich muß meinen »Meteor« in dieser entscheidenden Stunde
-selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando über Euch
-übernehmen.«
-
-Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der alle
-Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte.
-
-»Brav gemacht,« sprach Mors anerkennend. »Nun will ich Dich ablösen.
-Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern übernimm den
-Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die
-Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er will
-uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.«
-
-Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem
-Beobachtungsraum hinüber.
-
-Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten bewegte
-und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite.
-
-Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit.
-
-Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er seinen
-Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte.
-
-Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts.
-
-Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste. Es
-schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den »Meteor« in
-der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in zwei Teile
-schneiden.
-
-Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes. Er besaß
-keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem Gegner
-ebenbürtig machten.
-
-Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von Zaubergewalt
-bewegt, schnellte sich der »Meteor« in die Höhe.
-
-Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste mit
-furchtbarer Gewalt unter dem »Meteor« hinweg.
-
-Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre der
-Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden.
-
-Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung.
-
-Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig
-drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal
-vermittelte. Es war das Zeichen zum neuen Feuern.
-
-Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug von
-einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben.
-
-Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze,
-scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich selber.
-
-Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten über, er
-drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch an einer
-einzigen Lenkstange.
-
-Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug
-wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens.
-
-Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum
-hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen.
-
-Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen, jetzt
-wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit furchtbarer
-Gewalt nach unten.
-
-Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit
-entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in
-die Steinwildnis des Asteroiden.
-
-
-
-
- 4. Kapitel.
- Neue Verfolgung.
-
-
-Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen.
-
-Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind seinen
-furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger im Kampf
-geblieben.
-
-Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in der
-Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke
-zerschellen.
-
-Terror kam in den Lenkraum gestürzt.
-
-»Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,« rief er triumphierend. »Der fügt
-uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des Fahrzeuges.«
-
-»Gut, wir wollen hinunter,« erwiderte Mors. »Ich will sehen, was wir
-noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus
-entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.«
-
-»Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,« erwiderte Terror. »Der
-Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen
-hinunter!«
-
-Wenige Minuten später senkte sich der »Meteor« langsam und allmählich
-auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab.
-
-Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten
-Feindes.
-
-Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar.
-
-Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch und
-dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von Menschen.
-
-Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des
-Weltenfahrzeuges nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren
-buchstäblich in Stücke zerrissen.
-
-Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von zwei
-Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch
-einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen
-Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich
-Brutalität und Grausamkeit.
-
-Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern bestanden zu
-haben.
-
-Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges,
-und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend kräftigen,
-muskulösen Schwarzen zu tun gehabt.
-
-Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise zu
-sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges
-durchaus nicht ungefährlich.
-
-Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die
-gefährliche Stelle verließen.
-
-Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente oder
-Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte
-eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere lagen.
-
-Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern wieder
-nach dem »Meteor« zurück, der sich kurz darauf stolz in die Lüfte erhob.
-
-Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen?
-Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden einen
-anderen Ankerplatz gefunden?
-
-Mors faßte einen schnellen Entschluß.
-
-Er gab Terror den Befehl, daß der »Meteor« den Asteroiden umkreisen
-sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen
-Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte.
-
-Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare
-für Mors völlig genügend.
-
-Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte, mit
-hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern der
-Erde aufzuwerfen gedachten.
-
-Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und sich
-zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen.
-
-Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals mißbrauchte,
-während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung eines grauenvollen
-Verbrechens benutzen wollten.
-
-Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt um den
-Asteroiden.
-
-Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters.
-
-»Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,«
-sprach er, »aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht haben
-sich die Feinde anderweitig verborgen.«
-
-»Nein,« erwiderte Mors. »Sie sind weiter gefahren. Die beiden Fahrzeuge
-haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir bekämpften,
-zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in demselben guten
-Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte, wie ich aus den
-Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen werden. Den einen
-Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden anderen
-aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen die Fahrt
-nach dem Planeten Saturn fortsetzen.«
-
-»Meinetwegen bis ans Ende der Welt,« erwiderte Terror. »Mir ist es
-gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.«
-
-»Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der Welt,«
-erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. »Ein Ende gibt es nicht,
-sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit
-unseres »Meteor« aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit
-Blitzgeschwindigkeit dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt
-kommen, denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja
-verhältnismäßig nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit
-seinen Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem
-Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung
-verschafft.«
-
-Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der »Meteor«
-den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit in
-das Reich der Weltenkörper.
-
-Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu
-fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß seine
-ungeheure Anziehungskraft dem »Meteor« keinen Schaden zufügen konnte.
-
-Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu statten
-gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie befanden sich
-auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen, um jeden Preis.
-
-Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des
-Weltenfahrzeuges, jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines
-Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren
-mehr, das war ein Lauf mit dem Tode.
-
-Vor dem »Meteor« lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu
-vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der
-durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit der
-Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen.
-
-Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge ins
-Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame
-Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt,
-die den Giganten umschwebten.
-
-Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen ab und
-zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten
-bezogen.
-
-»Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,« setzte Mors
-hinzu, als er seine Bedenken geäußert. »Jetzt fragt es sich nur, wo wir
-landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht
-auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten
-wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern zu tun,
-die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen. Es wird ein
-Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens von den
-Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen, verschont bleiben.
-Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der mir schon oft die
-größten Dienste leistete.«
-
-»Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,«
-entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. »Nach den
-Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt hat,
-zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der Saturn in
-einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet. Seine
-Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen Wassers,
-die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse, die allerdings
-noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal die Tragfähigkeit
-des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel landen, müßten wir
-mit unserem »Meteor« ins Bodenlose versinken. Dagegen sind die Monde
-sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich auch bei ihnen noch
-manche Verschiedenheit von dem irdischen Mond vorhanden sein dürfte. Es
-ist auch möglich, daß auf den Ringen gelandet werden kann, wenn diese,
-wie einige Beobachter behaupten, aus einer Unmenge neben einander
-dahinrollender winziger Weltkörper bestehen. Aber das müßte man erst
-untersuchen.«
-
-»Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,« erwiderte
-Mors. »Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als
-Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen
-Kriegszug beginnen.«
-
-Weiter sauste der »Meteor«, während sich der Planet von Stunde zu Stunde
-vergrößerte.
-
-Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen Firmament,
-während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel drehten, einen
-geradezu märchenhaften Anblick darboten.
-
-Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben und
-darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer zwei oder
-auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden.
-
-Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen dieser
-Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet. Dorthin
-schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit dem Fernrohr nach
-den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte.
-
-Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors schwere
-Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den Ringen
-angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen Stoffes zu
-beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und darauf
-konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen.
-
-Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im
-Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden, die mit
-ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder darboten.
-
-Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn die
-Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend.
-
-Immer schneller sauste der »Meteor«, sodaß sich die Zeiger der
-Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke
-arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor schon
-an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte.
-
-Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer wollte
-Mors die Schnelligkeit des »Meteor« nicht mindern. Noch immer war der
-Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt mit geradezu
-unglaublicher Schnelligkeit näherte.
-
-Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da griff Mors
-nach den Hebeln, welche den Magneten regierten.
-
-Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das gewaltige
-Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden, als ob
-der »Meteor« plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die sich von
-allen Seiten an ihn schmiegte.
-
-Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren rasenden
-Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie die Zeiger
-einer Uhr. Der »Meteor« aber schwebte in der Nähe des kleinsten der acht
-Monde, die mit der Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz
-vorschrieb, den Giganten umkreisten.
-
-
-
-
- 5. Kapitel.
- Ein Kampf ohne gleichen.
-
-
-»Meine Vermutungen haben sich bestätigt,« rief der Professor, der schon
-seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. »Der Mond, dem wir
-uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Das ist
-eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben wohl schon
-seit Jahrtausenden erloschen.«
-
-Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde bot in der
-Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige Gebirgszüge,
-aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein Ueberrest von
-Wasser.
-
-Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr leicht
-möglich sein, daß man auf den anderen Trabanten Lebensbedingungen
-entdeckte.
-
-Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten oder
-die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von ganz
-anderen Dingen in Anspruch genommen.
-
-»Da sind sie,« rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen schienen.
-»Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die von uns
-Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.«
-
-Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe
-am Vorderteil des Weltenfahrzeuges.
-
-Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte des
-Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, daß die höchsten
-Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten.
-
-Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge deutlich
-erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die Fahrzeuge
-der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen Landungsplatz
-gesucht hatten.
-
-Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond
-gelandet und erst beim Erblicken von Mors' Fahrzeug wieder
-emporgestiegen.
-
-Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und schneller.
-Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender Geschwindigkeit
-die Räume durchfuhren.
-
-Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um noch
-Signale zu wechseln.
-
-Deutlich sah man vom »Meteor« aus blinkende Lichtstreifen in
-verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün.
-
-Hierauf trennten sich die beiden Kolosse.
-
-Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein paar
-ungeheure Halbkreise.
-
-Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner.
-
-»Sie haben uns bemerkt,« sprach er nach kurzem Besinnen, »und denken gar
-nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich zum Angriff und
-wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und von links, um uns
-alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. Sie wollen das Manöver
-des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. Vorwärts, es gilt!«
-
-Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der Luftpirat
-zu manövrieren.
-
-Seltsamerweise lenkte er den »Meteor« nach den riesigen Gebirgen, wo
-schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten.
-
-Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im leeren
-Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem er
-blindes Vertrauen schenkte.
-
-Die Feinde hatten dies nicht erwartet.
-
-Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose hinaus,
-während der »Meteor« schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte.
-
-Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der Nähe des
-gigantischen Fahrzeuges. Der »Meteor« fuhr bis zu dem Bergsattel und
-erwartete dort die Angreifer.
-
-Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum wieder
-zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale.
-
-Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit
-fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust.
-
-Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten auf
-die Befehle ihres Gebieters.
-
-Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich sahen,
-einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen auf
-die Gegner ausübten.
-
-Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen,
-schießschartenähnlichen Oeffnungen.
-
-Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen im
-luftleeren Raum zu fechten.
-
-Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug
-war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet.
-
-Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die sich
-nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten.
-
-Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig von
-dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde durch
-Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich.
-
-Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine Spur
-einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen
-geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz wie
-die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt des Todes.
-
-Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen besaßen,
-ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber das mußte sich
-ja binnen kurzem entscheiden.
-
-Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den Rammsporn
-anzuwenden.
-
-Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der Feind
-in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische
-Signal zum Beginn des Schießens gab.
-
-Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches
-Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen. Kein
-Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches den
-Schall hervorbrachte.
-
-Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich, wie die
-Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf des feindlichen
-Weltenfahrzeuges trafen.
-
-Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche
-Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde.
-
-Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber blickte
-öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser Feind in
-den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat zu zerstören
-suchte.
-
-Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden. Mors
-wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft zum
-schnellsten Schießen aufforderte.
-
-Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den
-hartnäckigen Angriff erstaunt.
-
-Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf des
-amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder
-seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu
-sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff
-übergehen zu können.
-
-Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger
-Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen benutzen
-konnten. Der »Meteor« wendete und drehte sich, als wäre er ein lebendes
-Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper immer
-wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze erzitterte.
-
-Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse
-herübergeflogen.
-
-Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung besaß,
-wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen Luft, die
-aus den Schießscharten hervorströmte.
-
-Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte
-sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten Formen
-annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin und her, bis
-sie spurlos ins Nichts verschwanden.
-
-Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger Geschosse
-zurückgeworfen.
-
-Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte. Er war
-dem »Meteor« schon ganz nahe, man sah seinen spitzen, stählernen Sporn
-in grellster Beleuchtung funkeln.
-
-Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn, den
-das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des »Meteor« bohren würde.
-Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur
-vermochten.
-
-Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf
-des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam.
-
-Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch mit
-gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen
-weit hervorragenden Felsen.
-
-Es war die Rettung für den »Meteor«, denn beim zweiten Angriff wäre der
-Koloß sicherlich angebohrt worden.
-
-Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das Dröhnen
-des Anpralls Geräusch verursachte.
-
-Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen, daß
-durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes
-aufgerissen sein mußte.
-
-Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich
-zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den Felsen
-hinunter.
-
-Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen
-schleifte.
-
-Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb. Schwerfällig
-wälzte er sich auf die Seite.
-
-Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst zugefügt.
-Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort klaffte eine
-furchtbare Bresche.
-
-Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche sich
-einen Ausweg suchte.
-
-Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit sich,
-aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte sich
-im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen des
-halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein.
-
-Mors nahm sein Glas und sah hinüber.
-
-Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten, die
-sich wie toll gebärdeten.
-
-Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde
-herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein
-Hindernis entgegensetzte.
-
-Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen Kapsel,
-die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack mit
-Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu wehren.
-
-Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem
-halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen
-wollten.
-
-Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger. Mors
-sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar mit dem
-Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten
-Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten und dann
-leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten.
-
-Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles Lebende in
-dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte.
-
-Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische
-Glocke.
-
-Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und letzte
-amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit
-fürchterlicher Geschwindigkeit auf den »Meteor« losgeschossen.
-
-
-
-
- 6. Kapitel.
- Im Urstoff versunken.
-
-
-Der Luftpirat hatte gerade noch Zeit, den Hebel des Riesenmagneten
-herumzuwerfen.
-
-Eine Sekunde später und der »Meteor« wäre von dem Rammstoß getroffen und
-höchstwahrscheinlich in zwei Teile gespalten worden.
-
-So aber entging Mors noch durch eine geschickte Wendung seines
-Fahrzeuges der drohenden Gefahr, obwohl ihn dieses verzweifelte Manöver
-beinahe gegen die leuchtenden Felsen schleuderte.
-
-Er sah noch, wie der graue Körper des Feindes dicht an der gläsernen
-Scheibe vorüberglitt und dann zurückprallte.
-
-Der Feind war mit dem gefährlichen Rammsporn gegen die Bergwand
-gestoßen, aber er hatte mehr Glück als das zweite Weltenfahrzeug.
-
-Der Koloß zerbrach nicht, nur der Sporn wurde etwas verbogen. Deutlich
-sah Mors, wie dieser spitze, stählerne Sporn in eine Art Papageischnabel
-verwandelt worden war. Er war bedeutend gekrümmt und deshalb lange nicht
-mehr so gefährlich.
-
-Unmittelbar darauf wendete Mors sein Fahrzeug, sodaß die Inder ihre
-Geschütze gebrauchen konnten.
-
-Sie zögerten keinen Augenblick, und überschütteten den Feind mit einem
-Hagel von Geschossen. Diese trafen gut, und da die Geschosse aus
-ziemlicher Nähe abgefeuert wurden, merkte der Gegner den Ernst der Lage.
-
-Ferner hatte man dort das zweite zerstörte Weltenfahrzeug gesehen und da
-mochte man das gleiche Schicksal befürchten.
-
-Genug, der Riese erhob sich und fuhr mit fürchterlicher Geschwindigkeit
-in die Höhe, Mors aber war gleich hinter ihm her, fest entschlossen, die
-Entscheidung herbeizuführen.
-
-Das Blättchen hatte sich gewendet. Aus dem Angreifer war ein Flüchtender
-geworden. Das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge wendete sich und
-sauste mit unheimlicher Geschwindigkeit ins Endlose hinein.
-
-»Wir dürfen ihn nicht entkommen lassen,« rief Mors seinem treuen Terror
-zu. »Zwei der Feinde sind vernichtet und auch der dritte muß fallen.
-Vorwärts, ihm nach, wir müssen das äußerste aufbieten.«
-
-Wieder begann die wilde Fahrt, aber diesmal in die Saturnwelt hinein.
-
-Mors behielt den Feind unablässig im Auge und da sah er, wie derselbe
-dem größten der acht Saturn-Trabanten zustrebte.
-
-Dieser Mond, der eine eigentümlich gelbrote Färbung besaß, war das
-nächste Ziel. Dort schien der Verfolgte Schutz suchen zu wollen.
-
-Es war ein großartiger Anblick, wie die beiden Weltenfahrzeuge durch den
-Raum dahinjagten, dem riesigen Mond zu, der mit jedem Augenblick an
-Größe zunahm.
-
-Sicherlich besaß dieser Trabant Luft oder wenigstens eine Hülle, die der
-Luft sehr ähnelte.
-
-Diese Schicht schien aber ungemein dick zu sein und glich einem grauen
-Nebel, aus dem nur zuweilen die gelbrote Oberfläche des Gestirns
-hervorleuchtete.
-
-Der Verfolgte strebte unablässig auf diese nebligen Massen zu. Dort
-wollte er sich vielleicht verbergen, einen Platz suchen, an dem er die
-Schäden ausbessern und vor allen Dingen den gefährlichen Stahlsporn für
-einen neuen Angriff bereit machen konnte.
-
-Das mußte Mors vermeiden, aber er sah ein, daß der Gegner vor ihm auf
-dem Monde des Saturn anlangen mußte.
-
-Immer näher kam die Nebelhülle. Mors sah deutlich, wie der verfolgte
-Feind hineintauchte.
-
-»Ihm nach, ihm nach,« rief Mors unwillkürlich, als ob er mit sich selber
-spräche. »Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Schließlich
-benutzt er die Dunsthülle, um die Ringe des Saturn zu erreichen. Das
-wäre das Schlimmste. Ich muß ihm auf den Fersen bleiben.«
-
-Wenige Minuten später tauchte der »Meteor« gleichfalls in die
-Dunsthülle.
-
-»Terror, prüfe ob das Luft ist,« rief Mors seinem Gefährten zu. »Sieh
-zu, ob diese eigenartige Dunsthülle die Elemente enthält, welche zum
-Leben nötig sind.«
-
-Der wackere Ingenieur ließ sich das nicht zweimal sagen. Hastig begab er
-sich zu einem Apparat, der in einer Ecke des Lenkraumes angebracht war
-und zur Prüfung der Außenwelt diente.
-
-Kleine Röhren führten durch die Metallwand des Weltenfahrzeuges hindurch
-und in wenigen Augenblicken konnte sich Terror über die Beschaffenheit
-der sonderbaren Dunsthülle orientieren.
-
-»Es ist Luft, Kapitän,« rief er freudig. »Sie ist zwar dick und schwer,
-aber sie läßt sich atmen.«
-
-Die Dunsthülle schien sehr dick zu sein und umgab den »Meteor« wie ein
-leichter Nebel. Man konnte nicht weit sehen, sodaß Mors die
-Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges vermindern mußte.
-
-Da schrie Terror laut auf.
-
-»Kapitän, Vorsicht, Vorsicht!« rief er. »Da seht, unter uns, da ist
-alles glühend.«
-
-Mors übergab seinem treuen Gefährten die Maschinen, und sprang an das
-Ausguckfenster.
-
-Ein unheimlicher Anblick bot sich dar.
-
-Es schien, als ob die Oberfläche des Saturnmondes, die man jetzt
-erblickte, aus einer feurig-flüssigen Masse bestände. Diese Masse glich
-einem glühenden Ozean und wogte hin und her.
-
-Aus diesem scheinbar glühenden Meere aber ragten hier und dort zackige
-Kuppen hervor, die kleinen Inseln glichen.
-
-Der »Meteor« schwebte schon dicht über der gefährlichen Oberfläche des
-Saturnmondes.
-
-Mors legte die Hand an die Glasscheibe.
-
-War das wirklich Glut, so mußte sich die Hitze bemerkbar machen. Wie
-wunderte sich daher der Luftpirat, als er beim vorsichtigen Berühren der
-dicken Glasscheibe keine merkbare Veränderung entdeckte.
-
-»Terror,« rief er seinem Gefährten zu. »Das sind keine feurigen Massen,
-sondern jener Stoff, von dem der Professor gesprochen hat. Der ist noch
-nicht so dicht wie Wasser und auch kein Gas, es ist der Urstoff, aus dem
-die Welten entstanden sind. Der ist nur feurig gefärbt, er enthält keine
-Glut. Von einer unnatürlichen Hitze haben wir nichts zu befürchten.«
-
-»Mag sein,« brummte Terror. »Davon verstehe ich wenig, aber ich habe
-doch die Empfindung, als ob mit dem glänzenden, funkelnden Zeug da unten
-nicht zu spaßen ist.«
-
-Mors blickte jetzt durch die Glasscheiben.
-
-Es schien, als ob sich der Nebeldunst verzog, als ob das Himmelsgewölbe
-wieder sichtbar wurde. Gleichzeitig erblickte er den Riesenplaneten mit
-seinen Ringen.
-
-»Da ist der Feind,« schrie Terror, als er neben Mors getreten. »Dort,
-Kapitän, dort -- seht Ihr, da fliegt er eben schwerfällig über die
-Felsenspitzen.«
-
-»Wirklich, da ist er,« antwortete der Luftpirat, »aber der macht ja ganz
-sonderbare Bewegungen.«
-
-»So ist es, Kapitän,« versetzte Terror. »Es sieht wahrhaftig aus, als ob
-das kolossale Ding hüpfte und springt, es scheint, als wollte der Koloß
-empor und könnte nicht, als würde er von einer unnatürlichen Gewalt
-immer wieder herabgezogen.«
-
-»Du hast recht,« erwiderte Mors. »So ist es, und er wird auch
-hinabgezogen. Ganz so wie wir in diesem Augenblick. Betrachte die
-Instrumente, wir sind am Sinken.«
-
-»Alle Teufel,« rief Terror. »Da müssen wir ja rasch in die Höhe! Rasch,
-Kapitän, es ist gerade so, als ob die zähe Masse uns hinunterzwingt. Das
-ist ja unheimlich.«
-
-Mors ergriff die Hebel, die den Riesenmagneten in Bewegung setzten.
-
-Er riß und zog daran, alles gehorchte. Man hörte deutlich, wie sich die
-Diamanten laut knirschend drehten. Man sah, wie sprühende Blitze aus den
-großen Edelsteinen hervorfuhren. Aber es war umsonst. Vergebens wurde
-der Magnet gegen die grauen Felsspitzen gerichtet. Tiefer sank der
-»Meteor«, immer tiefer.
-
-Da deutete Terror wieder auf das Fenster.
-
-»Kapitän, seht, seht,« rief er.
-
-Der Luftpirat vergaß einen Moment sein eigenes bedrohtes Fahrzeug. Der
-Anblick, der sich ihm darbot, war geradezu grausig.
-
-Dort war das verfolgte amerikanische Weltenfahrzeug, aber es hüpfte und
-sprang nicht mehr. Es befand sich bereits über der wogenden, scheinbar
-glühenden Masse. Der Urstoff leckte daran empor wie die feurigen Zungen.
-
-Jetzt tauchte der Riese ein, langsam, ganz langsam, drüben machte man
-offenbar verzweifelte Anstrengungen, um der Katastrophe zu entgehen.
-
-Es war vergebens, das feindliche Fahrzeug sank tiefer und tiefer, die
-seltsame Masse brodelte um das dem Verderben geweihte Werk von
-Menschenhand herum.
-
-Jetzt ragte nur noch der Aufbau auf der Galerie empor, noch einmal
-funkelte der stählerne Sporn, welcher Kapitän Mors bald verhängnisvoll
-geworden.
-
-Nun schlugen die leuchtenden Massen hoch empor, ganz wie das Wasser,
-wenn etwas Schweres hineinstürzt. Das dritte und letzte Weltenfahrzeug
-der Amerikaner war spurlos verschwunden.
-
-»Die Natur hat selbst gerichtet,« sprach Mors. »Die Elemente haben ihr
-Zerstörungswerk ausgeübt. Sie haben das getan, was uns vielleicht nicht
-möglich gewesen wäre. Terror, die Erde ist von einer ungeheuren
-Katastrophe gerettet.«
-
-»Und das hat sie Euch zu verdanken, Kapitän,« erwiderte der treue Mann.
-»Wäret Ihr nicht gewesen, so würde eine geradezu entsetzliche
-Katastrophe über die irdische Welt hereingebrochen sein. Aber ich
-bezweifle, ob man Euch dafür danken wird.«
-
-»Ich begehre auch gar keinen Dank,« erwiderte der Luftpirat finster.
-»Ich habe das, was ich getan, nur aus Menschlichkeit vollbracht. Das ist
-meine Befriedigung, das ist mir tausendfacher Lohn.«
-
-»Ganz recht, Kapitän,« brummte Terror. »Aber ich fürchte, Ihr müßt Eure
-Aufopferung teuer bezahlen und wir mit Euch. Seht auf die Instrumente.
-Wir sinken tiefer und tiefer. Der Magnet wirkt nicht mehr, wir werden
-von diesen Massen da unten mit unwiderstehlicher Kraft angezogen. Wir
-teilen das Schicksal der Amerikaner!«
-
-Terror hatte recht.
-
-Der »Meteor« begann jetzt ebenfalls mit jenen hüpfenden und springenden
-Bewegungen, die man vorher bei dem versunkenen Fahrzeug gewahrt. Er
-begann sich ebenfalls in ganz eigentümlicher Weise zu bewegen.
-
-Das Vorderteil strebte empor, das Hinterteil mit dem Magneten wurde
-unablässig hinabgezogen.
-
-»Jetzt ist es aus, Kapitän,« meinte Terror. »Jetzt kommt das letzte.«
-
-»Noch nicht,« erwiderte Mors. »Ich sehe jetzt, woran es liegt, daß wir
-nicht in die Höhe kommen können. Die brodelnde Masse da unten übt nur
-einen Einfluß auf die Lenkstangen aus, die aus einem Metall bestehen,
-welches der Anziehung nicht widerstehen kann. Wir müssen die
-Isolierketten einschalten, dann wird sich der »Meteor« wieder erheben.«
-
-Terror sprang schon nach der Maschinerie, welche diese Aenderung
-bewerkstelligte.
-
-»Zu spät, Kapitän,« rief er tonlos, »wir tauchen schon ein. Wir haben
-die Oberfläche dieses unheimlichen Weltkörpers erreicht, wir sind im
-Sinken!«
-
-»Nein, noch ist es nicht zu spät,« rief Mors. »Wir müssen hinauf und die
-Lenkstangen von der Galerie aus lösen. Wenn die Ketten den Magneten
-allein halten, kommen wir hoch. Rasch, rasch, es ist kein Augenblick zu
-verlieren.«
-
-Die beiden Männer stürmten nach vorn.
-
-Das Fahrzeug lag schräg, sein Vorderteil ragte noch hoch über die weiche
-Masse hinaus, in welche das Achterteil des »Meteor« bereits eingesunken
-war.
-
-Ein Blick überzeugte Mors, daß die Türen, die zur Galerie führten, nicht
-mehr geöffnet werden konnten. Auch dieser Teil des »Meteor« war bereits
-in dem rätselhaften Urstoff verschwunden.
-
-Weiter rannten die beiden Männer. Jetzt erreichten sie den vorderen
-Raum, wo die Inder und der Professor standen.
-
-»Das Fenster auf,« schrie Mors mit Donnerstimme. »Rasch, das Fenster
-geöffnet!«
-
-Vier baumstarke Inder sprangen zu den Kurbeln, welche die Glasscheibe
-bewegten und rissen aus Leibeskräften daran.
-
-Es schien aber, als hätte sich heute alles gegen Kapitän Mors
-verschworen.
-
-Ob die starken Männer zu hastig gedreht hatten, ob das Fenster gequollen
-war, genug, man hörte ein Bersten und Krachen.
-
-Die vier Inder stürzten zur Erde und hielten den eisernen Handgriff noch
-fest. Die Kurbel, welche die Glasscheibe bewegte, war abgebrochen.
-
-Es war übrigens das einzige Glasfenster auf der Vorderseite des
-»Meteor«, welches geöffnet werden konnte. Die zweite bewegliche
-Glasscheibe befand sich im Hinterteil des Fahrzeuges.
-
-»Nun ist alles vorbei,« murmelte Terror, der sich mit eisiger Ruhe in
-das Unvermeidliche zu ergeben schien. »Jetzt geht es hinunter in diese
-schauerliche Masse. Da verschwinden wir auf Nimmerwiedersehen.«
-
-Mors warf einen wilden Blick in die Runde.
-
-Er sann auf einen Ausweg, aber er wußte sich keinen Rat mehr.
-
-»Kapitän, die Masse ist doch heiß,« rief jetzt Terror, indem er die Hand
-an die dicke Glasscheibe legte. »Man spürt es deutlich, hier ist Glut
-vorhanden.«
-
-Zwei der Inder griffen jetzt nach Werkzeugen und schlugen
-verzweiflungsvoll auf das dicke Glas.
-
-Es war ganz unmöglich, dasselbe gab nicht nach, ebenso gut hätte man auf
-einen Felsen schlagen können.
-
-Immer tiefer sank der Koloß inzwischen in die heiße weiche Masse,
-deren gelb und rot gefärbte feurige Wellen über dem Fahrzeug
-zusammenzuschlagen drohten.
-
-»Zurück da!« schallte plötzlich die Donnerstimme des Luftpiraten.
-»Tretet beiseite. Ich schaffe einen Ausweg, koste es, was es wolle!«
-
-Mors hatte eiligst eine jener Zerstörungsmaschinen herbeigezogen, die
-man bei den letzten Kämpfen nicht mehr benutzt hatte. Es war eines jener
-Gewehre, die auf einer Lafette standen, die mit Rädern versehen war.
-Mors richtete die Mündung der kleinen Maschine auf das Fenster und zog
-den Hebel ab. Es krachte. Im Weltenfahrzeug stürzte alles zu Boden. Aber
-es war nur der Luftdruck, der die Leute niederwarf, das Geschoß tat
-seine Wirkung. Es zertrümmerte die starke Glasscheibe.
-
-Die Stücke flogen hinaus, die eisernen Bänder, welche das Glas
-verstärkten, brachen wie morsche Holzstäbchen.
-
-Halb betäubt richteten sich die Inder empor, aber Mors war ihnen bereits
-zuvorgekommen. Er stand an der Oeffnung, umfaßte mit seinen Händen die
-zersplitterten Kanten.
-
-Ein Ruck, ein Schwung und der Luftpirat befand sich auf der Metallwand
-des Weltenfahrzeuges.
-
-Er warf einen flüchtigen Blick in die Runde, er sah den Planeten Saturn,
-der scheinbar in greifbarer Nähe schwebte.
-
-Dann aber rannte Mors mit mächtigen Sätzen über die Galerie nach dem
-Achterteil des Fahrzeuges.
-
-Ein leiser Aufschrei der Erleichterung kam von seinen Lippen. Noch war
-der Lenkapparat nicht völlig versunken.
-
-Mors hatte keine anderen Werkzeuge als seine Hände, aber die genügten
-ihm. Er packte die Lenkstangen, welche der unheimlichen Anziehungskraft
-des Trabanten nachgaben. Ein furchtbarer Ruck und noch einer, dann riß
-er sie aus den Angeln.
-
-Der Magnet war jetzt nur noch durch die Ketten mit dem Weltenfahrzeug
-verbunden, denn sowie die obere Lenkstange gelöst war, wurde auch die
-untere isoliert.
-
-»Bleibt drinnen!« schrie Mors mit donnernder Stimme, als er bemerkte,
-daß ihm einige der Inder nachklettern wollten. »Bleibt und klammert Euch
-fest, es geht in die Höhe.«
-
-Gleichzeitig warf sich der Luftpirat auf die Metallwand des »Meteor« und
-klammerte sich mit beiden Händen an eine Galeriestange.
-
-Es war hohe Zeit, daß er es tat, denn das Fahrzeug erhielt einen Ruck,
-der jeder Beschreibung spottete.
-
-Es war der Riesenmagnet, der jetzt seine Tätigkeit begann. Der Magnet
-war es, der das Fahrzeug hob, der den »Meteor« vom sicheren Untergange
-rettete.
-
-Mors zog sich auf die Galerie hinauf, indem er sich noch immer an den
-Eisenstangen festhielt. Er sah, wie Terrors Gesicht vorn an der
-zertrümmerten Fensterscheibe auftauchte.
-
-»Nach dem Lenkraum!« tönte sein Kommando. »Rasch, Terror -- halte den
-»Meteor« innerhalb der Nebelhülle schwebend, damit wir nicht in die
-luftleere Zone geraten. Ich komme gleich hinein. Wir müssen die
-zerstörte Fensterscheibe versperren.«
-
-Terror gehorchte und stürzte nach dem Lenkraum.
-
-Es war hohe Zeit, daß er das mit fürchterlicher Geschwindigkeit
-emporstrebende Fahrzeug zum Halten brachte, denn sonst hätte Mors oben
-in dem luftleeren Räume ersticken müssen.
-
-So aber brachte der Ingenieur den Koloß in die Dunstzone zum Halten,
-wenige Augenblicke später schwang sich Mors durch das zerstörte Fenster.
-
-Dieses ließ sich vorläufig nicht ersetzen, wohl aber luftdicht
-verschließen. Die Metallplatte war ja noch intakt, und die Inder griffen
-jetzt nach den Hebeln, um die gesprengte Oeffnung zu versperren.
-
-Hierauf wurde mit flüssigem Gummi alles gedichtet, und eine Masse von
-Guttapercha darüber geklebt. Stundenlang dauerte diese Arbeit, aber sie
-war nötig, die zerstörte Stelle ward luftdicht gemacht.
-
-Dann schoß der »Meteor« über die Dunstzone empor und schwebte wieder im
-Weltenraum, hoch über dem unheilvollen Monde, dessen heiße Gasmassen im
-urewigen Wellenspiel kochten und brodelten.
-
-Da lag der Saturn, jetzt wieder rein weiß leuchtend, der Saturn mit
-seinen Ringen, mit dem fürchterlichen Zerstörungsstoff.
-
-Van Halen trat zu dem Luftpiraten.
-
-»Wir sind gerettet,« sprach der Astronom. »Wir sind dem schrecklichen
-Verderben entronnen.«
-
-»Vor allem ist die Katastrophe von der Erde abgewälzt,« sprach Mors,
-indem er mit der Rechten auf den glänzenden Planeten deutete. »Dort
-liegt der höllische Stoff, den die Gegner holen wollten. Dort liegt die
-furchtbare Materie, die in ungerechten Händen grauenvolles Verderben
-anrichten kann.«
-
-Höher hob sich der »Meteor«, immer höher.
-
-Ueber dem Trabanten rissen die Nebelschleier; man sah den brodelnden
-Urstoff, in dessen Tiefen das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge ein
-schauriges Grab gefunden.
-
-Der unglückliche Ingenieur Reymond war gerächt, die Katastrophe, die der
-Erde gedroht, beseitigt. Im Weltenraume schwebte das Weltenfahrzeug des
-Kapitän Mors, das den Heimweg zur Erde suchte.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
-J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
-von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 197-231. Moderne Zusätze und Anmerkungen
-wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige
-Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten.
-
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
-Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
-Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
-Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges, by Anonymous
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
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-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
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-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
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-volunteers and employees are scattered throughout numerous
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-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
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- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
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-The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
-63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges, by Anonymous
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-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges
-
-Author: Anonymous
-
-Release Date: November 28, 2017 [EBook #56068]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
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-
-
-
-
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-
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-
-<div class="frontmatter">
-<p class="vol">
-<span class="bolder">63. Band.</span> Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. <span class="bolder">Preis 10 Pf.</span> (15 Heller.)
-</p>
-
-<p class="ser">
-<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span>
-<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span>
-</p>
-
-<h1 class="title">
-Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.
-</h1>
-
-<div class="centerpic">
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-<p class="cap">
-Immer tiefer sank der Koloß in die glühend heiße, weiche Masse, deren Feuerwellen
-über dem Fahrzeug zusammenzuschlagen drohten.
-</p>
-
-</div>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="pub">
-Druck- und Verlags-Gesellschaft<br />
-Berlin
-</p>
-
-</div>
-
-<p class="tit">
-Die Schreckensreise des
-Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-1">
-<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br />
-Die Welt in Gefahr.
-</h2>
-
-<p class="first">
-&bdquo;Halt, wer da! Antwort &mdash; oder ich schieße!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Diesen Worten folgte das scharfe Knacken eines Revolverhahns.
-Sonst umgab Dunkelheit diese nächtliche Szene.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Schießen Sie nicht,&ldquo; tönte eine sonore Stimme. &bdquo;Ich komme zwar
-zu ungewöhnlicher Stunde, aber ich bin kein Dieb, kein Mörder.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Im nächsten Moment blitzte das helle Licht einer elektrischen
-Lampe auf.
-</p>
-
-<p>
-Das blendende Licht beleuchtete ein geräumiges, sehr behaglich
-eingerichtetes Zimmer, an welches ein großes Schlafzimmer stieß.
-</p>
-
-<p>
-Der Vorhang, welcher dies Gemach von dem Zimmer trennte, war
-zurückgeschoben.
-</p>
-
-<p>
-Dort stand ein Mann in mittleren Jahren, der in aller Hast einen
-Schlafrock angezogen zu haben schien.
-</p>
-
-<p>
-Er war wohl offenbar aus dem Bett gesprungen, seine bloßen Füße
-steckten in Pantoffeln und in der rechten Hand hielt der Mann einen
-scharfgeladenen Armeerevolver.
-</p>
-
-<p>
-Die Unruhe dieses Herrn war erklärlich, denn das Geräusch eines
-zerbrochenen Fensters weckte ihn aus dem besten Schlummer.
-</p>
-
-<p>
-Der Fensterladen vor der großen Spiegelglasscheibe war emporgehoben
-und die Scheibe selbst durch einen anscheinend mit großer
-Wucht geführten Schlag zertrümmert.
-</p>
-
-<p>
-Das elektrische Licht aber hatte nicht der Bewohner dieser Räume
-entflammen lassen, sondern ein Eindringling, der zur Mitternachtsstunde
-durch das zerbrochene Fenster hereingekommen sein mußte.
-</p>
-
-<p>
-Da stand dieser Mann, dessen athletische Gestalt durch einen
-grauen Mantel in militärischem Schnitt verhüllt wurde.
-</p>
-
-<p>
-Er stand hoch aufgerichtet, in der Linken die elektrische Lampe
-haltend, eine blaue Mütze mit breitem, goldenem Streifen bedeckte
-seinen Kopf, während eine schwarze Halbmaske das energische, kühn
-geschnittene Antlitz bedeckte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Da bin ich,&ldquo; sprach er zu dem schier fassungslosen Bewohner
-dieser Räume. &bdquo;Sie haben mich gerufen. Ich habe den geheimnisvollen
-Hilferuf in einer der größten Zeitungen des Kontinents gelesen. Ich
-habe die Bedeutung desselben verstanden. Daß ich zur Nachtzeit
-hierherkommen mußte, ist freilich ungewöhnlich, aber ich kann nicht
-anders. Kapitän Mors steht vor Ihnen!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Gleichzeitig hatte der rätselhafte Besucher ein großes Zeitungsblatt
-unter seinem Mantel hervorgezogen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Dieses Inserat stammt von Ihnen, nicht wahr?&ldquo; fuhr er fort, während
-der so jäh aufgeweckte Mann vor ihm noch immer nicht wußte,
-ob er wachte oder träumte. &bdquo;Hier lesen Sie, das ist das Inserat, in welchem
-ich, Kapitän Mors, aufgefordert werde, die Welt und deren Bewohner
-vor einer Katastrophe zu bewahren. Und zwar vor einer Katastrophe,
-wie sie die Weltgeschichte noch nicht kennen soll. Diese Worte
-hier sind nur für mich berechnet. Anderen würde dies Inserat als die
-Eingabe eines Wahnwitzigen erscheinen. Aber Sie haben Ihre Gründe
-gehabt, dieses Inserat so geheim zu halten. Ich bin dem Rufe gefolgt.
-Sprechen Sie. Wie kann ich Ihnen helfen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Aufgeweckte ließ den Revolver sinken.
-</p>
-
-<p>
-Sein Gesicht war ungemein geistvoll und verriet den Denker,
-zugleich aber auch den Mann, der, wenn er wollte, auch recht energisch
-aufzutreten vermochte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie sind Ingenieur Reymond,&ldquo; fuhr Kapitän Mors fort. &bdquo;Sie haben
-gewußt, daß ich mich stets über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem
-Laufenden halte, daß ich alle großen Zeitungen genau lese. Nun sagen
-Sie mir alles, denn ich habe Zeit, so lange die Dunkelheit dauert. Beim
-ersten Morgengrauen muß ich den Rückweg antreten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Aber um Himmels willen, wie sind Sie nur hier hereingekommen?&ldquo;
-fragte der Ingenieur, als er sah, daß sich Kapitän Mors ruhig in
-einem Sessel niederließ. &bdquo;Dieses turmartige Gebäude ist ja sechs Stock
-hoch. Da vermöchte nicht einmal eine Katze hinaufzugelangen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Je höher, desto besser,&ldquo; erwiderte der Luftpirat mit eisiger Ruhe.
-&bdquo;Im übrigen gibt es für mich wenig Hindernisse. Doch zur Sache. Ich
-nehme an, daß die Angelegenheit, die mich hierher geführt hat, eilig ist
-und daß es sich in der Tat um das Schicksal der ganzen Welt handelt.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Ingenieur Reymond war gewiß kein Feigling, er gewann bald seine
-Selbstbeherrschung wieder.
-</p>
-
-<p>
-Er betrachtete den berühmten Mann, von dem die Welt so viel
-erzählte, mit einem Gemisch von heimlichem Grauen und Bewunderung.
-</p>
-
-<p>
-Rasch war eine Lampe entzündet und der Ingenieur nahm seinem
-unheimlichen Besucher gegenüber Platz.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich will mich kurz fassen,&ldquo; begann er. &bdquo;Genug, ich bin der technische
-Leiter eines riesigen Etablissements, welches Maschinenteile liefert.
-Dort erschienen vor einiger Zeit ein paar Männer, die ich für Amerikaner
-halte. Sie machten verschiedene Bestellungen und sprachen hauptsächlich
-mit dem zweiten Leiter der Fabrik, ich hatte zu jener Zeit eine
-andere, sehr wichtige Arbeit vor und achtete wenig auf die Fremdlinge.
-Erst durch einen Zufall wurde mein Verdacht rege, nämlich, als ich von
-meinem Kollegen erfuhr, daß an die fremden Herren Maschinenteile
-abgeliefert wären, über deren Verwendung man sich gar keinen Begriff
-machen könnte. Unglücklicherweise war der Auftrag schon ausgeführt
-und der Rest der Bestellung abgeliefert, ohne daß ich es zu verhindern
-vermochte. Nun, ich will wenig Worte machen, Kapitän Mors. Jene
-Fremden, die übrigens über bedeutende Summen verfügten, haben zweifellos
-einige Weltenfahrzeuge hergestellt, welche möglicherweise dem
-wunderbaren Fahrzeug ähneln, mit welchem Sie durch die Weltenräume
-kreuzen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ihre Ausführungen setzen mich in einige Verwunderung,&ldquo; erwiderte
-Mors, nachdem er einen Augenblick nachgesonnen. &bdquo;Indessen lassen
-sich ja wenige Geheimnisse bewahren, und so mag es schon sein, daß
-hier und da etwas von meinem Weltenfahrzeug bekannt wurde, ganz so,
-wie ja auch mein Luftschiff von vielen gesehen, betrachtet, von einigen
-sogar photographiert wurde. Aber das alles überzeugt mich noch nicht,
-ob der Welt auch wirklich Gefahr droht. Angenommen, jene Fremden
-hätten in der Tat einige Weltenfahrzeuge hergerichtet, was könnte das
-der Erde für Schaden bringen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Jetzt kommt die Hauptsache,&ldquo; erwiderte Ingenieur Reymond.
-&bdquo;Deshalb habe ich ja auch meinen Hilferuf in der Zeitung erlassen.
-Nachdem ich Verdacht geschöpft, spürte ich den Fremden nach und es
-gelang mir eines Abends durch List, über die ich hier nicht näher sprechen
-will, die Fremden zu belauschen. Genug, ich verbarg mich in ihrer
-Nähe und hörte ihren Gesprächen zu, die mich mit Entsetzen erfüllten.
-Diese gefährlichen Männer wollen eine geradezu grauenvolle Katastrophe
-herbeiführen und sich dadurch zu Herren der Erde machen. Der
-eine dieser Unmenschen meinte, die Erde sei viel zu stark bevölkert und
-es würde gar nicht schaden, wenn die Hälfte der Menschheit vernichtet
-würde. Hierauf wollte er mit seinem Kumpan eine Tyrannenherrschaft
-über das Weltall ausüben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So, so,&ldquo; meinte Mors. &bdquo;Darüber möchte ich noch einige Fragen
-stellen. Zunächst, war es Ihnen, mein Herr, denn nicht möglich, diese
-gefährlichen Menschen verhaften zu lassen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein,&ldquo; erwiderte Reymond. &bdquo;Ich war allein, ein unglücklicher
-Zufall wollte es, daß sie mich entdeckten. Sie verfolgten mich sofort
-und hätten sie mich eingeholt, so wäre ich zweifellos ermordet worden.
-So aber stürzte ich mich in den Fluß und da ich ein ausgezeichneter
-Schwimmer bin, hielt ich mich lange genug unter Wasser, während sie
-überall herumsuchten. Sie glaubten, ich sei ertrunken. Glücklicherweise
-haben sie mich nicht erkannt, denn sonst gehörte ich längst zu den
-Toten. Wenn sie aber jenes Inserat in der Zeitung gelesen haben, kommen
-sie auf die Spur. Deshalb habe ich auch, um mich zu schützen,
-Vorsichtsmaßregeln getroffen und wohne hier in diesem unzugänglichen
-Gebäude, hoffend, daß ich von Ihnen eine Nachricht erhalten würde.
-Statt dessen kommen Sie selbst und das ist umso besser.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors überlegte noch einen Augenblick.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Herr Reymond,&ldquo; sprach er dann in seiner gewinnenden Art und
-Weise. &bdquo;Ich glaube bestimmt, daß jene Unholde das Inserat gelesen
-haben und daß sie Ihnen möglicherweise nach dem Leben trachten. Ich
-mache Ihnen einen Vorschlag. Wollen Sie mit mir gehen? Wollen Sie
-meine Heimat aufsuchen, die geheimnisvolle Insel, die ich bewohne,
-den Ort, wo Ihnen kein Mörder nahen dürfte? Dort sind Sie sicher.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, das kann ich nicht,&ldquo; entgegnete Reymond. &bdquo;Ich möchte
-hier in Frankreich bleiben, bei meinen Instrumenten, bei meinen Büchern.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Aber dann kann ich Sie nicht schützen,&ldquo; erwiderte Mors, &bdquo;und
-ich fürchte, daß Sie alsdann dem Verderben verfallen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, ich lasse es darauf ankommen,&ldquo; erwiderte Reymond. &bdquo;Ich
-glaube, hier bin ich sicher.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So wenig sicher wie vor mir,&ldquo; erwiderte der Luftpirat. &bdquo;Sie sehen
-ja, daß auch ich hier eingedrungen bin, und diese Unholde könnten das
-gleiche tun. Also ich biete Ihnen nochmals Schutz in meiner geheimnisvollen
-Heimat an. Wollen Sie?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Anerbieten, aber ich kann
-nicht. Ich hänge zu sehr an Frankreich. Hoffentlich haben jene Unholde
-auch anderes zu tun, als sich mit mir zu beschäftigen. Doch nun zur
-Hauptsache. Das, was ich Ihnen sagen will, betrifft die Katastrophe, die
-den Bewohnern der Erde droht.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ganz recht, das interessiert mich,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Angenommen,
-jene Menschen hätten einige Weltenfahrzeuge erbaut, so genügt
-das nicht, um die Bewohner der Erde zu vernichten, dazu gehören noch
-kolossale Zerstörungsmittel von einer Furchtbarkeit, gegen die unsere
-irdischen Sprengstoffe als Kinderspielzeug erscheinen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Reymond war aufgestanden.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist es ja, Kapitän Mors,&ldquo; sprach er mit furchtbarem Ernst
-und mit gedämpfter Stimme. &bdquo;Die Unholde wollen sich einen furchtbaren,
-zerstörenden Stoff verschaffen, den sie mittelst ihrer Weltenfahrzeuge
-holen wollen und zwar aus ungeheurer Ferne. Haben sie diesen Stoff,
-der von geradezu vernichtender Wirkung sein muß, so verwandeln sie
-ihre Weltenfahrzeuge in Zerstörungsmaschinen und dann wird die Erde
-von einem Schicksal betroffen, wie es in der ganzen Weltgeschichte
-noch nicht dagewesen ist. Jene unheimlichen Männer müssen große
-Kenntnisse in der Mathematik, Astronomie und der Physik besitzen.
-Wunderbare Kenntnisse, die sie allerdings zu Verbrechen anwenden
-wollen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Woher gedenken jene Elenden den Zerstörungsstoff zu holen?&ldquo;
-fragte Mors, jedes Wort betonend.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Vom Planeten Saturn,&ldquo; lautete die Antwort. &bdquo;Von jenem mächtigen
-Weltkörper, der seltsamerweise das einzige Gestirn ist, das von Ringen
-umgeben wird, und diese Ringe, die den Riesenkörper des Planeten
-umkreisen, bergen nach genauen wissenschaftlichen Beobachtungen eine
-Materie, die so fürchterlich wirkt, daß sie imstande ist, die ganze Erde
-in Trümmer zu zerspalten. Diesen furchtbaren Stoff wollen jene Unmenschen
-holen und damit zur Erde zurückkehren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich verstehe,&ldquo; versetzte Mors mit großer Ruhe. &bdquo;Sie wünschen,
-daß ich mit meinem Weltenfahrzeug dies Vorhaben vereitle? Wenn jene
-Unholde mit dem Zerstörungsstoff zurückkehren, ist es zu spät. Sie
-würden zuerst mich und meine Fahrzeuge vernichten. Ich bin Ihnen
-sehr zu Dank verpflichtet, Herr Reymond, und ich erneuere zum dritten
-Male mein Anerbieten, mit mir nach meiner fernen Insel zu reisen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, ich bleibe in Frankreich,&ldquo; erwiderte Reymond. &bdquo;Ich habe
-jetzt meine Pflicht getan und das Schicksal der Erde in Ihre Hände gelegt.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Aber Sie sind verloren, Herr Reymond,&ldquo; sprach Mors, indem er
-sich langsam erhob. &bdquo;Ich fürcht das Schlimmste.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Es war umsonst. Reymond gab nicht nach, er hing zu sehr an
-seiner schönen, sonnigen Heimat. In dieser Beziehung war er ein Starrkopf.
-</p>
-
-<p>
-Er gab Mors noch verschiedene Informationen, aus denen der
-Luftpirat den Ort entnehmen konnte, an welchem die Weltenfahrzeuge
-erbaut wurden.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich schulde Ihnen wirklich außerordentlichen Dank,&ldquo; erwiderte
-der Luftpirat. &bdquo;Ich habe Ihnen sogar das Fenster zerbrochen und Sie in
-ihrem Schlaf gestört. Sprechen Sie, Herr Reymond, kann ich Sie nicht
-in irgend einer Weise für diese wichtigen Mitteilungen belohnen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein,&ldquo; erwiderte der Franzose. &bdquo;Ich bin selbst sehr vermögend
-und bedarf nichts. Ich habe jene Pflicht erfüllt, welche das Gebot der
-Menschenliebe vorschreibt und bin überzeugt, daß Sie alles aufbieten
-werden, um das Furchtbare zu verhindern. Damit bin ich reich belohnt,
-das genügt vollkommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun denn, so muß ich handeln,&ldquo; rief der Luftpirat. &bdquo;Ich darf
-keine Zeit verlieren. Hier ist vielleicht jede Minute kostbar. Leben Sie
-wohl, mein Herr, ich ruhe und raste nicht, bis ich das Furchtbare verhindert
-habe. Gelingt es mir nicht, dann habe ich meinen Untergang
-gefunden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Er sprach diese Worte mit finsterem Entschluß und schwang sich
-auf das Fensterbrett.
-</p>
-
-<p>
-Außerhalb befand sich eine kleine Brüstung, da glaubte der Ingenieur
-trotz der Dunkelheit zu sehen, daß sich dort etwas Schattenhaftes
-bewegte.
-</p>
-
-<p>
-Er hörte auch ein leises Sausen und Summen, dann schien es, als
-ob Kapitän Mors in die Nacht hinausspränge.
-</p>
-
-<p>
-Er hörte einen leichten Aufprall, aber unmittelbar am Fenster,
-dann folgte ein Rauschen und Schwirren und da sah Reymond, als ob
-durch die Finsternis etwas Schwarzes, Schattenhaftes von dannen huschte.
-</p>
-
-<p>
-Vorsichtig ließ er den Fensterladen wieder herab, aber er fand in
-dieser Nacht keine Ruhe.
-</p>
-
-<p>
-Wohl aber fand er sie vierundzwanzig Stunden später, und zwar
-für immer, denn da wurde der Ingenieur Reymond, dieser wackere, von
-allen geschätzte Mann, auf unerklärliche Weise ermordet aufgefunden.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat hatte es geahnt, aber Reymond die Warnung des
-seltsamen Mannes mißachtet. Er war zurückgeblieben, er hatte den
-Schutz, den ihm Mors anbot, verschmäht. Der wackere Mann mußte
-seine Menschenliebe mit seinem Leben bezahlen.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-2">
-<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br />
-Zu spät gekommen.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Kapitän Mors hatte mit einer kleinen Flugmaschine, die sich auf dem
-lenkbaren Luftschiff befand, den Franzosen besucht.
-</p>
-
-<p>
-Das Luftschiff selbst lag auf einer der Felseninseln, an der französischen
-Küste und in der nächsten Nacht befand sich Mors bereits auf
-dem Rückwege.
-</p>
-
-<p>
-Nach glücklicher Fahrt gelangte er auf seiner Insel an, da war es
-sein erstes, das Weltenfahrzeug zu inspizieren.
-</p>
-
-<p>
-Der &bdquo;Meteor&ldquo; war jeden Augenblick zu seinem Flug in den Weltenraum
-bereit und Mors säumte nicht, das Fahrzeug mit einer ausgewählten
-Mannschaft zu besteigen.
-</p>
-
-<p>
-Auch der Professor nahm daran teil, obwohl ihn Mors vor den
-Gefahren der bevorstehenden Reise warnte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Diesmal werden wir uns der Wissenschaft wenig widmen können,
-Professor,&ldquo; sprach Mors zu seinem gelehrten Freunde. &bdquo;Diesmal gilt es
-eine entsetzliche Katastrophe zu verhindern. Es wäre besser,
-Sie blieben hier. Ich glaube, es kommt zu den furchtbarsten Abenteuern,
-zu gefährlichen Kämpfen. Es geht auf Tod und Leben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor war aber nicht zu halten.
-</p>
-
-<p>
-Er wußte ja, daß möglicherweise der Saturn besucht wurde. Mors
-sprach ja die Vermutung aus, daß jene Unheimlichen bereits die Reise
-nach dem fernen Weltkörper angetreten haben könnten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wie, eine solche Gelegenheit sollte ich verpassen,&ldquo; rief Professor
-van Halen enthusiasmiert, &bdquo;nimmermehr, der Saturn birgt ja die größten
-Rätsel, ich bebe förmlich bei dem Gedanken, diesen wunderbaren Weltkörper
-in der Nähe zu sehen. Nehmen Sie mich mit, Kapitän, ich bitte
-Sie darum. Sie machen mich unglücklich, wenn Sie mich zurücklassen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors gab nach, aber er war diesmal ernst und düster wie nie zuvor.
-</p>
-
-<p>
-Er nahm nur Terror mit und hinterließ Star und Herbert genaueste
-Instruktionen für den Fall, daß er von der abenteuerlichen Fahrt
-nicht mehr wiederkehren sollte.
-</p>
-
-<p>
-Diese Instruktionen betrafen das Schicksal der Insel mit allem, was
-sich darauf befand. Es war kein Zweifel, wenn Mors zu Grunde ging, so
-würde auch sein ganzes Werk vernichtet.
-</p>
-
-<p>
-Inzwischen hatte der Luftpirat die Kunde von Reymonds Tod
-erfahren.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich habe ihn gewarnt,&ldquo; sprach er, als er die Nachricht las. &bdquo;Aber
-der Unglückliche wollte ja nicht hören. Nun, vielleicht kann ich ihn
-wenigstens rächen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Nach den Angaben des Ingenieurs befand sich der Ort, an dem
-die geheimnisvollen Amerikaner ihre Weltenfahrzeuge erbaut hatten,
-irgendwo im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas.
-</p>
-
-<p>
-Dorthin waren die Maschinenteile geschickt worden und Reymond,
-der sich um diese Angelegenheiten sehr bekümmert, hatte Mors
-noch Winke gegeben, welche die Nachforschungen des Luftpiraten erleichterten.
-</p>
-
-<p>
-Diesmal wendete sich das Weltenfahrzeug nicht nach dem Weltenraum,
-sondern durchschoß mit Blitzesschnelligkeit die Luftzonen über
-der Südsee und wendete sich nach den südkalifornischen Landschaften.
-</p>
-
-<p>
-Ein Zufall unterstützte Mors, der sein wunderbares Fahrzeug in
-den wilden Gebirgen der Sierra Nevada landen ließ und von dort aus
-einige Späher aussandte.
-</p>
-
-<p>
-Bald erhielt er die Nachricht, daß an der Grenze des Staates Sonora,
-der schon zu Mexiko gehörte, merkwürdige Dinge beobachtet worden
-seien, die auf eine sonderbare Arbeit schließen ließen.
-</p>
-
-<p>
-Wenige Tage später wurde der Verdacht bestätigt, dort hatten die
-geheimnisvollen Amerikaner gearbeitet, dort hatten sie ihre Weltenfahrzeuge,
-zu denen sie sich die Materialien in verschiedenen Ländern bestellt,
-zusammengesetzt.
-</p>
-
-<p>
-Ob die Pläne zu diesen wunderbaren Fahrzeugen von ihnen selbst
-ausgesonnen worden waren, ob sie einiges über Mors&rsquo; Weltenfahrzeug
-durch Verrat vernommen, blieb in Dunkel gehüllt. Genug, die Geheimnisvollen
-hatten derartige Fahrzeuge zusammengestellt, montiert und
-für die Fahrt in den Weltenraum bereit gemacht.
-</p>
-
-<p>
-In der nächsten Nacht befand sich Mors mit seiner ganzen Mannschaft
-wieder im &bdquo;Meteor&ldquo;, der ihn mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit
-nach der bezeichneten Gegend brachte.
-</p>
-
-<p>
-Das war eine Einöde, die selten oder nie von Menschen betreten
-wurde. Dort hatten die Unheimlichen mit Muße arbeiten können.
-</p>
-
-<p>
-Als der Morgen graute, war Mors an Ort und Stelle, fest entschlossen,
-alles, was er an Zerstörungsmaschinen besaß, zur Vernichtung dieser
-gefährlichen Menschen und ihrer Werke aufzubieten.
-</p>
-
-<p>
-Schon sah er in der Einöde große Wellblechhallen, die zum
-Schutz gegen die Witterung gedient hatten.
-</p>
-
-<p>
-Regen gab es hier selten, deshalb dienten diese Wellblechhallen
-wohl nur als Schutz gegen die glühende Sonne.
-</p>
-
-<p>
-Der &bdquo;Meteor&ldquo; erhob sich über diesen Hallen, alles war bereit, um
-das Zerstörungswerk auszuüben.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat aber ballte grimmig die Fäuste, denn er sah von
-oben in leere Räume. Die drei großen Hallen bargen nichts mehr als
-einige Gerätschaften und Werkzeuge. Die Flugmaschinen aber, die man
-drin montiert, die waren verschwunden.
-</p>
-
-<p>
-Mors ließ den &bdquo;Meteor&ldquo; zu Boden sinken und verließ mit einigen
-Indern das Weltenfahrzeug.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich begannen einige der Inder zu rennen und zu laufen und
-sausten wie Antilopen hinter einer Gestalt her, die mit wilden Sprüngen
-zu entkommen suchte.
-</p>
-
-<p>
-Bald darauf vernahm Mors lautes Gekreisch, die Inder kehrten zurück
-und führten in ihrer Mitte einen Mischling, einen sogenannten
-Mulatten.
-</p>
-
-<p>
-Der Mann war halbtot vor Angst und glaubte, daß es ihm an den
-Kragen ginge. Beim Anblick des Luftpiraten schnappte er beinahe über
-und flehte mit jämmerlicher Stimme, ihm das Leben zu schenken.
-</p>
-
-<p>
-Mors beruhigte den Zitternden. Es stellte sich heraus, daß der
-Mulatte zu den Arbeitern gehörte, die an dieser Stätte für die Fremdlinge
-tätig gewesen waren.
-</p>
-
-<p>
-Die Unheimlichen hatten die Arbeiter reichlich belohnt und sie
-dann entlassen. Der Mulatte aber war dem Trunke ergeben und hatte
-sich zur Feier, daß die Arbeit beendigt, so bezecht, daß er in einer Felsenspalte
-zurückblieb.
-</p>
-
-<p>
-Als er erwachte, fand er sich allein und war gerade im Begriff gewesen,
-den Weg nach der nächsten Ansiedlung zu suchen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wo sind die Leute, die hier gearbeitet haben?&ldquo; fragte Mors hastig.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie haben drei wunderbare Maschinen gebaut,&ldquo; erwiderte der
-Mulatte zaghaft. &bdquo;Damit sind sie in den Himmel hineingeflogen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Also zu spät gekommen,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Aber der Vorsprung
-kann nicht allzugroß sein. Ich muß ihnen nach. Ich muß das Schreckliche
-verhindern! Freilich, es wird im Weltenraum zum Kampf auf Tod
-und Leben kommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Dem Mulatten wurden noch einige Fragen vorgelegt, und Mors
-entnahm daraus, daß jene unheimlichen Amerikaner einen Vorsprung
-von sechsunddreißig bis vierzig Stunden besitzen müßten.
-</p>
-
-<p>
-Mors gab dem Erschrockenen noch einige Goldstücke und bestieg
-mit seinen Mannschaften das Weltenfahrzeug, welches der Mulatte
-dumm und blöde anstarrte.
-</p>
-
-<p>
-Seinen Aussagen nach hatten die Weltenfahrzeuge der Amerikaner
-ein anderes Aussehen besessen, als der &bdquo;Meteor&ldquo;; sie waren etwas kleiner,
-aber auch mit flüssiger Luft und mit Riesenmagneten ausgerüstet.
-</p>
-
-<p>
-Mors gab den Befehl zur Abfahrt, die Türen schlossen sich, der
-&bdquo;Meteor&ldquo; hob sich.
-</p>
-
-<p>
-Dann hörte man das eigentümliche Surren, welches die Tätigkeit
-des Riesenmagneten verkündete. Der &bdquo;Meteor&ldquo; hob sich, und schoß mit
-furchtbarer Geschwindigkeit in die Lüfte, den Augen des nachschauenden
-Mulatten im Nu entschwindend.
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>
-Mors hatte den Professor und Terror von allem, was er erfahren, in
-Kenntnis gesetzt.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es handelt sich darum, die Erde vor einer Katastrophe zu schützen,&ldquo;
-sprach er kalt. &bdquo;Wir haben es mit drei Gegnern zu tun und wenn
-dieselben auch etwas kleiner sind, als unser Fahrzeug, so könnten sie
-doch durch ihre Ueberzahl einen Vorteil gewinnen. Es handelt sich also
-darum, daß wir nicht allein diese drei Weltenfahrzeuge einholen, sondern
-sie einzeln vernichten, vor allen Dingen aber verhindern, daß sie
-vor uns nach dem Planeten Saturn kommen. Erreichen sie diesen Planeten
-vor uns und gelingt es ihnen, sich des zerstörenden Stoffes, der in
-den Ringen zu finden ist, zu bemächtigen, so ist die letzte Hoffnung
-geschwunden. Jene Schurken sind Verbrecher, obgleich sehr gebildete
-Verbrecher. Sie werden ihre Wissenschaft und ihre Kenntnisse zum Unheilstiften
-anwenden. Zunächst würden sie uns vernichten und dann
-nach der Erde zurückkehren, um daselbst ein Blutbad anzurichten, gegen
-welches die fürchterlichsten Kriege der Weltgeschichte als Spielerei
-erscheinen. So steht es. Wir haben auf keine Schonung zu rechnen. So
-wenig wie wir solche selbst ausüben werden. Vorerst bleibt uns nichts
-übrig, als die ganze Schnelligkeit des &bdquo;Meteor&ldquo; zu benutzen und Ausguck
-nach den drei Weltenfahrzeugen zu halten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Letzteres übernahm der Professor, der ja am Fernrohr die größte
-Uebung besaß. Mors und Terror teilten sich in die Handhabung der
-Maschinen.
-</p>
-
-<p>
-Noch nie hatte der &bdquo;Meteor&ldquo; so schnell die Luftzone der Erde
-durchschnitten wie dieses Mal. Noch nie war er mit so furchtbarer
-Schnelligkeit in den Weltenraum hinausgefahren.
-</p>
-
-<p>
-Mors schien die Gefahren, die der Weltenraum barg, diesmal
-gar nicht zu beachten. Er kümmerte sich nicht einmal darum, daß
-er bei dieser Gelegenheit eine Meteorsteinzone streifte.
-</p>
-
-<p>
-Terror war gewiß ein Mann von Eisen, aber ihm grauste beinahe,
-als er sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit Mors diesmal das Fahrzeug
-handhabte.
-</p>
-
-<p>
-Bei einem Zusammenstoß wäre das Weltenfahrzeug in Atome zermalmt
-worden, aber Mors pochte auf sein Glück, welches ihm schon so
-oft in den gefährlichsten Tagen seines Lebens beigestanden.
-</p>
-
-<p>
-Er trotzte den Gefahren, er steigerte die Schnelligkeit des &bdquo;Meteor&ldquo;
-bis ins Unglaublichste.
-</p>
-
-<p>
-Selbst der Professor beobachtete manchmal kopfschüttelnd die
-Instrumente, welche die Schnelligkeit des Fahrzeuges anzeigten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; sprach er zu dem Luftpiraten. &bdquo;Wir fahren mit einer
-geradezu entsetzlichen Geschwindigkeit. Stoßen wir bei dieser Gelegenheit
-mit einem Weltkörper zusammen, so werden von unserem &bdquo;Meteor&ldquo;
-nicht einmal Atome übrig bleiben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So ist es,&ldquo; versetzte Mors. &bdquo;Aber es handelt sich hier um das Geschick
-von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das
-Schicksal herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben
-wir, so geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das
-ewige Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten
-wir sie, so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß
-uns dankbar sein. Vorwärts!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit,
-und da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber
-begab sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die
-Tiefen des Himmelsraumes zu durchsuchen.
-</p>
-
-<p>
-Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich
-nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten
-noch immer einen großen Vorsprung besitzen.
-</p>
-
-<p>
-Inzwischen wurde nichts verabsäumt.
-</p>
-
-<p>
-Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden
-Moment benutzt werden konnten.
-Die Leute waren immer auf ihren Posten.
-</p>
-
-<p>
-Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten
-Saturn trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet
-zwölfhundert Millionen Kilometer.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn
-sein &bdquo;Meteor&ldquo; durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des
-Blitzes.
-</p>
-
-<p>
-Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man
-schärfste Umschau halten mußte.
-</p>
-
-<p>
-In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars
-ein ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert
-worden.
-</p>
-
-<p>
-Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den
-Raum und wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet.
-</p>
-
-<p>
-Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug
-teilweise begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort
-war also große Vorsicht geboten.
-</p>
-
-<p>
-Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier,
-wo die Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag
-und Nacht reden konnte.
-</p>
-
-<p>
-Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die
-verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des &bdquo;Meteor&ldquo; war im
-Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken.
-</p>
-
-<p>
-Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das
-Fahrzeug diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände,
-denen gegenüber man die Schnelligkeit abmaß.
-</p>
-
-<p>
-Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich
-Zeiger mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten
-Kilometertausende verzeichneten.
-</p>
-
-<p>
-Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu
-stehen und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen.
-</p>
-
-<p>
-Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein.
-</p>
-
-<p>
-Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als
-man ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr.
-Hier mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-3">
-<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br />
-Der erste Kampf mit den Gegnern.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem
-Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte.
-</p>
-
-<p>
-Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel,
-welche aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte.
-</p>
-
-<p>
-Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,&ldquo; hörte er die Stimme des
-Professors. &bdquo;Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er
-sich in der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum.
-</p>
-
-<p>
-Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein
-blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die
-massive Glasscheibe schützte das Innere des &bdquo;Meteor&ldquo; vor der Kälte des
-Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im luftleeren
-Raum herrschen.
-</p>
-
-<p>
-Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich
-der &bdquo;Meteor&ldquo; stark genähert hatte.
-</p>
-
-<p>
-Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber
-nicht rund oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und
-glich einem Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den
-Weltenraum dahinsauste.
-</p>
-
-<p>
-Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt
-den riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser
-fürchterlichen Katastrophe.
-</p>
-
-<p>
-Der Astroid schien eine Lufthülle zu
-besitzen, wenigstens gewahrte man einen nebelartigen Schimmer an den
-Rändern und Vorsprüngen.
-</p>
-
-<p>
-Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper,
-dann suchte er nach dem Feinde.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors
-heftete seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,&ldquo; sprach der Luftpirat.
-&bdquo;Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte allerdings
-das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir haben
-ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein Werk,
-welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel, das ist ein
-Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden
-und schien Schutz gesucht zu haben.
-</p>
-
-<p>
-Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich
-um, möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen
-Welt verborgen.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt
-und warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle
-des Luftpiraten.
-</p>
-
-<p>
-Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum,
-in welchem Terror weilte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir halten auf den Astroiden
-zu,&ldquo; lautete das Kommando. &bdquo;Die Mannschaften haben alles für einen
-Kampf fertig zu machen. Sowie wir in die Luftzone des Weltenkörpers
-kommen, wird das Fahrzeug dort angegriffen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror gehorchte auf der Stelle.
-</p>
-
-<p>
-Der &bdquo;Meteor&ldquo; beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann
-mit fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu.
-</p>
-
-<p>
-Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast
-undurchsichtig wie Glas
-diese unbekannte Welt umgab.
-</p>
-
-<p>
-Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses
-Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu entsetzliche
-Stein- und Sandwüste erschien.
-</p>
-
-<p>
-Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen
-zu machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er
-jetzt schon mit bloßen Augen gewahren konnte.
-</p>
-
-<p>
-Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte.
-</p>
-
-<p>
-Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und
-mochte vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der
-Dunsthülle schweben.
-</p>
-
-<p>
-Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das
-Fahrzeug während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem
-abzuhelfen versuchte.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte
-sehr leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht
-kamen.
-</p>
-
-<p>
-Weiter sauste der &bdquo;Meteor&ldquo;, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen
-von dem Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe.
-</p>
-
-<p>
-Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den
-Befehl zum Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung
-von fünfhundert Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten.
-</p>
-
-<p>
-Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem
-Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben.
-</p>
-
-<p>
-Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges
-bildeten, dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß
-seine Vermutungen völlig zutrafen.
-</p>
-
-<p>
-Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu
-sein.
-</p>
-
-<p>
-Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand,
-als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie bereiten sich zum Kampfe vor,&ldquo; murmelte Mors. &bdquo;Sie besitzen
-sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg
-erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur
-noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die Entscheidung
-fallen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe
-zum Atmen geeignet war.
-</p>
-
-<p>
-Einer der Inder unternahm den
-Versuch, indem er sich mit einem Glashelm versehen in einen luftleeren
-Raum begab.
-</p>
-
-<p>
-Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; meldete er, &bdquo;die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist
-etwas dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge.
-Dies kann uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben,
-daß wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die Zerstörungsmaschinen
-verdecken, geöffnet werden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige
-freundliche Worte.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu.
-</p>
-
-<p>
-Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon
-frühzeitig bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den
-Kampf aufnehmen.
-</p>
-
-<p>
-Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges
-kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen.
-</p>
-
-<p>
-Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners.
-</p>
-
-<p>
-Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten
-des feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte.
-</p>
-
-<p>
-Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und
-genau auf die Bordwand des &bdquo;Meteor&ldquo; zufliegen.
-</p>
-
-<p>
-Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit,
-sodaß die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten.
-</p>
-
-<p>
-Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das
-war alles.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Der &bdquo;Meteor&ldquo; widersteht,&ldquo; sprach Mors, als er flüchtig die Wände
-seines Wunderwerkes prüfte. &bdquo;Das feindliche Geschoß kann die Metallwand
-nicht durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Auf dem &bdquo;Meteor&ldquo; befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen.
-</p>
-
-<p>
-Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die
-auf fahrbaren Lafetten ruhten, andere wie kleine Geschütze.
-</p>
-
-<p>
-Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im
-äußersten Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden
-aber als gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten.
-</p>
-
-<p>
-Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen
-Maschinen in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten
-gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den &bdquo;Meteor&ldquo;
-kreiste.
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der
-Schüsse, die ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis
-erweckten.
-</p>
-
-<p>
-Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die
-Wand des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge
-erhielt und hin- und herschwankte.
-</p>
-
-<p>
-Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen,
-sie genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert.
-</p>
-
-<p>
-Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig.
-</p>
-
-<p>
-Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges
-zum Ziel und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen,
-welche die Riesenmagneten in Tätigkeit setzten.
-</p>
-
-<p>
-Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem
-Lenkraum.
-</p>
-
-<p>
-Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem
-Feinde abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor
-Verletzungen gesichert.
-</p>
-
-<p>
-Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche.
-</p>
-
-<p>
-Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen.
-</p>
-
-<p>
-Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im Weltenfahrzeug
-befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem &bdquo;Meteor&ldquo;
-wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine Schießscharte
-die Bewegungen des Feindes beobachtete, &bdquo;aufgepaßt, Kapitän,
-sie wollen rammen!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich sehe es, mein Getreuer,&ldquo; erwiderte Mors, indem er das Glas
-absetzte. &bdquo;Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug
-besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig
-zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer
-die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die Amerikaner
-dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Zieht diese Maschinen zurück,&ldquo; befahl er, auf die gewehrähnlichen
-Zerstörungsmaschinen deutend. &bdquo;Jetzt werden die anderen verwendet.
-Aber erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich
-gehe nach dem Lenkraum, denn ich muß meinen &bdquo;Meteor&ldquo; in dieser
-entscheidenden Stunde selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando
-über Euch übernehmen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der
-alle Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Brav gemacht,&ldquo; sprach Mors anerkennend. &bdquo;Nun will ich Dich
-ablösen. Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern
-übernimm den Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die
-Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er
-will uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem
-Beobachtungsraum hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten
-bewegte und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite.
-</p>
-
-<p>
-Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit.
-</p>
-
-<p>
-Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er
-seinen Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte.
-</p>
-
-<p>
-Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts.
-</p>
-
-<p>
-Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste.
-Es schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den
-&bdquo;Meteor&ldquo; in der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in
-zwei Teile schneiden.
-</p>
-
-<p>
-Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes.
-Er besaß keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem
-Gegner ebenbürtig machten.
-</p>
-
-<p>
-Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von
-Zaubergewalt bewegt, schnellte sich der &bdquo;Meteor&ldquo; in die Höhe.
-</p>
-
-<p>
-Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste
-mit furchtbarer Gewalt unter dem &bdquo;Meteor&ldquo; hinweg.
-</p>
-
-<p>
-Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre
-der Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden.
-</p>
-
-<p>
-Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung.
-</p>
-
-<p>
-Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig
-drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal vermittelte.
-Es war das Zeichen zum neuen Feuern.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug
-von einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben.
-</p>
-
-<p>
-Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze,
-scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich
-selber.
-</p>
-
-<p>
-Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten
-über, er drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch
-an einer einzigen Lenkstange.
-</p>
-
-<p>
-Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug
-wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens.
-
-</p>
-
-<p>
-Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum
-hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen.
-</p>
-
-<p>
-Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen,
-jetzt wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit
-furchtbarer Gewalt nach unten.
-</p>
-
-<p>
-Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit
-entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in die
-Steinwildnis des Asteroiden.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-4">
-<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br />
-Neue Verfolgung.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen.
-</p>
-
-<p>
-Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind
-seinen furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger
-im Kampf geblieben.
-</p>
-
-<p>
-Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in
-der Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke
-zerschellen.
-</p>
-
-<p>
-Terror kam in den Lenkraum gestürzt.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,&ldquo; rief er triumphierend. &bdquo;Der
-fügt uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des
-Fahrzeuges.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Gut, wir wollen hinunter,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Ich will sehen, was
-wir noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus
-entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,&ldquo; erwiderte Terror. &bdquo;Der
-Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen
-hinunter!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später senkte sich der &bdquo;Meteor&ldquo; langsam und
-allmählich auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab.
-</p>
-
-<p>
-Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten
-Feindes.
-</p>
-
-<p>
-Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar.
-</p>
-
-<p>
-Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch
-und dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von
-Menschen.
-</p>
-
-<p>
-Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des Weltenfahrzeuges
-nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren buchstäblich
-in Stücke zerrissen.
-</p>
-
-<p>
-Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von
-zwei Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch
-einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen
-Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich Brutalität
-und Grausamkeit.
-</p>
-
-<p>
-Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern
-bestanden zu haben.
-</p>
-
-<p>
-Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges,
-und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend
-kräftigen, muskulösen Schwarzen zu tun gehabt.
-</p>
-
-<p>
-Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise
-zu sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges
-durchaus nicht ungefährlich.
-</p>
-
-<p>
-Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die
-gefährliche Stelle verließen.
-</p>
-
-<p>
-Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente
-oder Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte
-eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere
-lagen.
-</p>
-
-<p>
-Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern
-wieder nach dem &bdquo;Meteor&ldquo; zurück, der sich kurz darauf stolz in die
-Lüfte erhob.
-</p>
-
-<p>
-Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen?
-Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden
-einen anderen Ankerplatz gefunden?
-</p>
-
-<p>
-Mors faßte einen schnellen Entschluß.
-</p>
-
-<p>
-Er gab Terror den Befehl, daß der &bdquo;Meteor&ldquo; den Asteroiden umkreisen
-sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen
-Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte.
-</p>
-
-<p>
-Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare
-für Mors völlig genügend.
-</p>
-
-<p>
-Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte,
-mit hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern
-der Erde aufzuwerfen gedachten.
-</p>
-
-<p>
-Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und
-sich zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen.
-</p>
-
-<p>
-Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals
-mißbrauchte, während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung
-eines grauenvollen Verbrechens benutzen wollten.
-</p>
-
-<p>
-Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt
-um den Asteroiden.
-</p>
-
-<p>
-Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,&ldquo;
-sprach er, &bdquo;aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht
-haben sich die Feinde anderweitig verborgen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Sie sind weiter gefahren. Die beiden
-Fahrzeuge haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir
-bekämpften, zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in
-demselben guten Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte,
-wie ich aus den Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen
-werden. Den einen Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden
-anderen aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen
-die Fahrt nach dem Planeten Saturn fortsetzen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Meinetwegen bis ans Ende der Welt,&ldquo; erwiderte Terror. &bdquo;Mir ist
-es gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der
-Welt,&ldquo; erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. &bdquo;Ein Ende gibt es
-nicht, sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit
-unseres &bdquo;Meteor&ldquo; aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit Blitzgeschwindigkeit
-dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt kommen,
-denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja verhältnismäßig
-nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit seinen
-Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem
-Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung
-verschafft.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der
-&bdquo;Meteor&ldquo; den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit
-in das Reich der Weltenkörper.
-</p>
-
-<p>
-Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu
-fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß
-seine ungeheure Anziehungskraft dem &bdquo;Meteor&ldquo; keinen Schaden zufügen
-konnte.
-</p>
-
-<p>
-Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu
-statten gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie
-befanden sich auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen,
-um jeden Preis.
-</p>
-
-<p>
-Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des Weltenfahrzeuges,
-jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines
-Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren
-mehr, das war ein Lauf mit dem Tode.
-</p>
-
-<p>
-Vor dem &bdquo;Meteor&ldquo; lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu
-vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der
-durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit
-der Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen.
-</p>
-
-<p>
-Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge
-ins Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame
-Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt,
-die den Giganten umschwebten.
-</p>
-
-<p>
-Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen
-ab und zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten
-bezogen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,&ldquo; setzte
-Mors hinzu, als er seine Bedenken geäußert. &bdquo;Jetzt fragt es sich nur, wo
-wir landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht
-auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten
-wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern
-zu tun, die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen.
-Es wird ein Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens
-von den Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen,
-verschont bleiben. Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der
-mir schon oft die größten Dienste leistete.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,&ldquo;
-entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. &bdquo;Nach
-den Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt
-hat, zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der
-Saturn in einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet.
-Seine Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen
-Wassers, die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse,
-die allerdings noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal
-die Tragfähigkeit des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel
-landen, müßten wir mit unserem &bdquo;Meteor&ldquo; ins Bodenlose versinken.
-Dagegen sind die Monde sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich
-auch bei ihnen noch manche Verschiedenheit von dem irdischen
-Mond vorhanden sein dürfte. Es ist auch möglich, daß auf den Ringen
-gelandet werden kann, wenn diese, wie einige Beobachter behaupten,
-aus einer Unmenge neben einander dahinrollender winziger Weltkörper
-bestehen. Aber das müßte man erst untersuchen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,&ldquo; erwiderte
-Mors. &bdquo;Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als
-Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen
-Kriegszug beginnen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Weiter sauste der &bdquo;Meteor&ldquo;, während sich der Planet von Stunde
-zu Stunde vergrößerte.
-</p>
-
-<p>
-Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen
-Firmament, während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel
-drehten, einen geradezu märchenhaften Anblick darboten.
-</p>
-
-<p>
-Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben
-und darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer
-zwei oder auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen
-dieser Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet.
-Dorthin schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit
-dem Fernrohr nach den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte.
-</p>
-
-<p>
-Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors
-schwere Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den
-Ringen angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen
-Stoffes zu beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und
-darauf konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen.
-</p>
-
-<p>
-Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im
-Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden,
-die mit ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder
-darboten.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn
-die Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend.
-</p>
-
-<p>
-Immer schneller sauste der &bdquo;Meteor&ldquo;, sodaß sich die Zeiger der
-Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke
-arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor
-schon an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte.
-</p>
-
-<p>
-Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer
-wollte Mors die Schnelligkeit des &bdquo;Meteor&ldquo; nicht mindern. Noch immer
-war der Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt
-mit geradezu unglaublicher Schnelligkeit näherte.
-</p>
-
-<p>
-Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da
-griff Mors nach den Hebeln, welche den Magneten regierten.
-</p>
-
-<p>
-Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das
-gewaltige Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden,
-als ob der &bdquo;Meteor&ldquo; plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die
-sich von allen Seiten an ihn schmiegte.
-</p>
-
-<p>
-Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren
-rasenden Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie
-die Zeiger einer Uhr. Der &bdquo;Meteor&ldquo; aber schwebte in der Nähe des
-kleinsten der acht Monde, die mit der
-Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz vorschrieb, den Giganten
-umkreisten.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-5">
-<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br />
-Ein Kampf ohne gleichen.
-</h2>
-
-<p class="first">
-&bdquo;Meine Vermutungen haben sich bestätigt,&ldquo; rief der Professor, der
-schon seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. &bdquo;Der Mond,
-dem wir uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung.
-Das ist eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben
-wohl schon seit Jahrtausenden erloschen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde
-bot in der Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige
-Gebirgszüge, aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein
-Ueberrest von Wasser.
-</p>
-
-<p>
-Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr
-leicht möglich sein, daß man auf den
-anderen Trabanten Lebensbedingungen entdeckte.
-</p>
-
-<p>
-Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten
-oder die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von
-ganz anderen Dingen in Anspruch genommen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Da sind sie,&ldquo; rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen
-schienen. &bdquo;Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die
-von uns Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe
-am Vorderteil des Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte
-des Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe,
-daß die höchsten Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten.
-</p>
-
-<p>
-Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge
-deutlich erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die
-Fahrzeuge der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen
-Landungsplatz gesucht hatten.
-</p>
-
-<p>
-Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond
-gelandet und erst beim Erblicken von Mors&rsquo; Fahrzeug wieder
-emporgestiegen.
-</p>
-
-<p>
-Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und
-schneller. Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender
-Geschwindigkeit die Räume durchfuhren.
-</p>
-
-<p>
-Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um
-noch Signale zu wechseln.
-</p>
-
-<p>
-Deutlich sah man vom &bdquo;Meteor&ldquo; aus blinkende Lichtstreifen in
-verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf trennten sich die beiden Kolosse.
-</p>
-
-<p>
-Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein
-paar ungeheure Halbkreise.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie haben uns bemerkt,&ldquo; sprach er nach kurzem Besinnen, &bdquo;und
-denken gar nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich
-zum Angriff und wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und
-von links, um uns alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen.
-Sie wollen das Manöver des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen.
-Vorwärts, es gilt!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der
-Luftpirat zu manövrieren.
-</p>
-
-<p>
-Seltsamerweise lenkte er den &bdquo;Meteor&ldquo; nach den riesigen Gebirgen,
-wo schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten.
-</p>
-
-<p>
-Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im
-leeren Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem
-er blindes Vertrauen schenkte.
-</p>
-
-<p>
-Die Feinde hatten dies nicht erwartet.
-</p>
-
-<p>
-Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose
-hinaus, während der &bdquo;Meteor&ldquo; schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte.
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der
-Nähe des gigantischen Fahrzeuges. Der &bdquo;Meteor&ldquo; fuhr bis zu dem Bergsattel
-und erwartete dort die Angreifer.
-</p>
-
-<p>
-Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum
-wieder zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale.
-</p>
-
-<p>
-Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit
-fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten
-auf die Befehle ihres Gebieters.
-</p>
-
-<p>
-Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich
-sahen, einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen
-auf die Gegner ausübten.
-</p>
-
-<p>
-Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen, schießschartenähnlichen
-Oeffnungen.
-</p>
-
-<p>
-Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen
-im luftleeren Raum zu fechten.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug
-war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet.
-</p>
-
-<p>
-Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die
-sich nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig
-von dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde
-durch Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich.
-</p>
-
-<p>
-Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine
-Spur einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen
-geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz
-wie die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt
-des Todes.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen
-besaßen, ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber
-das mußte sich ja binnen kurzem entscheiden.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den
-Rammsporn anzuwenden.
-</p>
-
-<p>
-Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der
-Feind in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische
-Signal zum Beginn des Schießens gab.
-</p>
-
-<p>
-Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches
-Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen.
-Kein Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches
-den Schall hervorbrachte.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich,
-wie die Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf
-des feindlichen Weltenfahrzeuges trafen.
-</p>
-
-<p>
-Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche
-Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde.
-</p>
-
-<p>
-Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber
-blickte öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser
-Feind in den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat
-zu zerstören suchte.
-</p>
-
-<p>
-Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden.
-Mors wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft
-zum schnellsten Schießen aufforderte.
-</p>
-
-<p>
-Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den
-hartnäckigen Angriff erstaunt.
-</p>
-
-<p>
-Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf
-des amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder
-seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu
-sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff
-übergehen zu können.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger
-Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen
-benutzen konnten. Der &bdquo;Meteor&ldquo; wendete und drehte sich, als wäre
-er ein lebendes Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper
-immer wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze
-erzitterte.
-</p>
-
-<p>
-Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse
-herübergeflogen.
-</p>
-
-<p>
-Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung
-besaß, wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen
-Luft, die aus den Schießscharten hervorströmte.
-</p>
-
-<p>
-Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte
-sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten
-Formen annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin
-und her, bis sie spurlos ins Nichts verschwanden.
-</p>
-
-<p>
-Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger
-Geschosse zurückgeworfen.
-</p>
-
-<p>
-Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte.
-Er war dem &bdquo;Meteor&ldquo; schon ganz nahe, man sah seinen spitzen,
-stählernen Sporn in grellster Beleuchtung funkeln.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn,
-den das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des &bdquo;Meteor&ldquo; bohren
-würde. Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur
-vermochten.
-</p>
-
-<p>
-Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf
-des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam.
-</p>
-
-<p>
-Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch
-mit gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen
-weit hervorragenden Felsen.
-</p>
-
-<p>
-Es war die Rettung für den &bdquo;Meteor&ldquo;, denn beim zweiten Angriff
-wäre der Koloß sicherlich angebohrt worden.
-</p>
-
-<p>
-Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das
-Dröhnen des Anpralls Geräusch verursachte.
-</p>
-
-<p>
-Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen,
-daß durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes
-aufgerissen sein mußte.
-</p>
-
-<p>
-Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich
-zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den
-Felsen hinunter.
-</p>
-
-<p>
-Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen
-schleifte.
-</p>
-
-<p>
-Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb.
-Schwerfällig wälzte er sich auf die Seite.
-</p>
-
-<p>
-Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst
-zugefügt. Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort
-klaffte eine furchtbare Bresche.
-</p>
-
-<p>
-Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche
-sich einen Ausweg suchte.
-</p>
-
-<p>
-Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit
-sich, aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte
-sich im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen
-des halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein.
-</p>
-
-<p>
-Mors nahm sein Glas und sah hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten,
-die sich wie toll gebärdeten.
-</p>
-
-<p>
-Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde
-herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein Hindernis
-entgegensetzte.
-</p>
-
-<p>
-Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen
-Kapsel, die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack
-mit Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu
-wehren.
-</p>
-
-<p>
-Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem
-halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen
-wollten.
-</p>
-
-<p>
-Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger.
-Mors sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar
-mit dem Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten
-Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten
-und dann leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten.
-</p>
-
-<p>
-Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles
-Lebende in dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte.
-</p>
-
-<p>
-Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische
-Glocke.
-</p>
-
-<p>
-Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und
-letzte amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit
-fürchterlicher Geschwindigkeit auf den &bdquo;Meteor&ldquo; losgeschossen.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-6">
-<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br />
-Im Urstoff versunken.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Der Luftpirat hatte gerade noch Zeit, den Hebel des Riesenmagneten
-herumzuwerfen.
-</p>
-
-<p>
-Eine Sekunde später und der &bdquo;Meteor&ldquo; wäre von dem Rammstoß
-getroffen und höchstwahrscheinlich in zwei Teile gespalten worden.
-</p>
-
-<p>
-So aber entging Mors noch durch eine geschickte Wendung seines
-Fahrzeuges der drohenden Gefahr, obwohl ihn dieses verzweifelte Manöver
-beinahe gegen die leuchtenden Felsen schleuderte.
-</p>
-
-<p>
-Er sah noch, wie der graue Körper des Feindes dicht an der gläsernen
-Scheibe vorüberglitt und dann zurückprallte.
-</p>
-
-<p>
-Der Feind war mit dem gefährlichen Rammsporn gegen die Bergwand
-gestoßen, aber er hatte mehr Glück als das zweite Weltenfahrzeug.
-</p>
-
-<p>
-Der Koloß zerbrach nicht, nur der Sporn wurde etwas verbogen.
-Deutlich sah Mors, wie dieser spitze, stählerne Sporn in eine Art Papageischnabel
-verwandelt worden war. Er war bedeutend gekrümmt und
-deshalb lange nicht mehr so gefährlich.
-</p>
-
-<p>
-Unmittelbar darauf wendete Mors sein Fahrzeug, sodaß die Inder
-ihre Geschütze gebrauchen konnten.
-</p>
-
-<p>
-Sie zögerten keinen Augenblick, und überschütteten den Feind
-mit einem Hagel von Geschossen. Diese trafen gut, und da die Geschosse
-aus ziemlicher Nähe abgefeuert wurden, merkte der Gegner den Ernst
-der Lage.
-</p>
-
-<p>
-Ferner hatte man dort das zweite zerstörte Weltenfahrzeug gesehen
-und da mochte man das gleiche Schicksal befürchten.
-</p>
-
-<p>
-Genug, der Riese erhob sich und fuhr mit fürchterlicher Geschwindigkeit
-in die Höhe, Mors aber war gleich hinter ihm her, fest entschlossen,
-die Entscheidung herbeizuführen.
-</p>
-
-<p>
-Das Blättchen hatte sich gewendet. Aus dem Angreifer war ein
-Flüchtender geworden. Das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge wendete
-sich und sauste mit unheimlicher Geschwindigkeit ins Endlose hinein.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir dürfen ihn nicht entkommen lassen,&ldquo; rief Mors seinem treuen
-Terror zu. &bdquo;Zwei der Feinde sind vernichtet und auch der dritte muß
-fallen. Vorwärts, ihm nach, wir müssen das äußerste aufbieten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wieder begann die wilde Fahrt, aber diesmal in die Saturnwelt
-hinein.
-</p>
-
-<p>
-Mors behielt den Feind unablässig im Auge und da sah er, wie
-derselbe dem größten der acht Saturn-Trabanten zustrebte.
-</p>
-
-<p>
-Dieser Mond, der eine eigentümlich gelbrote Färbung besaß, war
-das nächste Ziel. Dort schien der Verfolgte Schutz suchen zu wollen.
-</p>
-
-<p>
-Es war ein großartiger Anblick, wie die beiden Weltenfahrzeuge
-durch den Raum dahinjagten, dem riesigen Mond zu, der mit jedem
-Augenblick an Größe zunahm.
-</p>
-
-<p>
-Sicherlich besaß dieser Trabant Luft oder wenigstens eine Hülle,
-die der Luft sehr ähnelte.
-</p>
-
-<p>
-Diese Schicht schien aber ungemein dick zu sein und glich einem
-grauen Nebel, aus dem nur zuweilen die gelbrote Oberfläche des Gestirns
-hervorleuchtete.
-</p>
-
-<p>
-Der Verfolgte strebte unablässig auf diese nebligen Massen zu.
-Dort wollte er sich vielleicht verbergen, einen Platz suchen, an dem er
-die Schäden ausbessern und vor allen Dingen den gefährlichen Stahlsporn
-für einen neuen Angriff bereit machen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Das mußte Mors vermeiden, aber er sah ein, daß der Gegner vor
-ihm auf dem Monde des Saturn anlangen mußte.
-</p>
-
-<p>
-Immer näher kam die Nebelhülle. Mors sah deutlich, wie der verfolgte
-Feind hineintauchte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ihm nach, ihm nach,&ldquo; rief Mors unwillkürlich, als ob er mit sich
-selber spräche. &bdquo;Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Schließlich
-benutzt er die Dunsthülle, um die Ringe des Saturn zu erreichen.
-Das wäre das Schlimmste. Ich muß ihm auf den Fersen bleiben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später tauchte der &bdquo;Meteor&ldquo; gleichfalls in die
-Dunsthülle.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Terror, prüfe ob das Luft ist,&ldquo; rief Mors seinem Gefährten zu.
-&bdquo;Sieh zu, ob diese eigenartige Dunsthülle die Elemente enthält, welche
-zum Leben nötig sind.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der wackere Ingenieur ließ sich das nicht zweimal sagen. Hastig
-begab er sich zu einem Apparat, der in einer Ecke des Lenkraumes angebracht
-war und zur Prüfung der Außenwelt diente.
-</p>
-
-<p>
-Kleine Röhren führten durch die Metallwand des Weltenfahrzeuges
-hindurch und in wenigen Augenblicken konnte sich Terror über die
-Beschaffenheit der sonderbaren Dunsthülle orientieren.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es ist Luft, Kapitän,&ldquo; rief er freudig. &bdquo;Sie ist zwar dick und
-schwer, aber sie läßt sich atmen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die Dunsthülle schien sehr dick zu sein und umgab den &bdquo;Meteor&ldquo;
-wie ein leichter Nebel. Man konnte nicht weit sehen, sodaß Mors die
-Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges vermindern mußte.
-</p>
-
-<p>
-Da schrie Terror laut auf.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän, Vorsicht, Vorsicht!&ldquo; rief er. &bdquo;Da seht, unter uns, da ist
-alles glühend.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors übergab seinem treuen Gefährten die Maschinen, und
-sprang an das Ausguckfenster.
-</p>
-
-<p>
-Ein unheimlicher Anblick bot sich dar.
-</p>
-
-<p>
-Es schien, als ob die Oberfläche des Saturnmondes, die man jetzt
-erblickte, aus einer feurig-flüssigen Masse bestände. Diese Masse glich
-einem glühenden Ozean und wogte hin und her.
-</p>
-
-<p>
-Aus diesem scheinbar glühenden Meere aber ragten hier und dort
-zackige Kuppen hervor, die kleinen Inseln glichen.
-</p>
-
-<p>
-Der &bdquo;Meteor&ldquo; schwebte schon dicht über der gefährlichen Oberfläche
-des Saturnmondes.
-</p>
-
-<p>
-Mors legte die Hand an die Glasscheibe.
-</p>
-
-<p>
-War das wirklich Glut, so mußte sich die Hitze bemerkbar machen.
-Wie wunderte sich daher der Luftpirat, als er beim vorsichtigen
-Berühren der dicken Glasscheibe keine merkbare Veränderung entdeckte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Terror,&ldquo; rief er seinem Gefährten zu. &bdquo;Das sind keine feurigen
-Massen, sondern jener Stoff, von dem der Professor gesprochen hat.
-Der ist noch nicht so dicht wie Wasser und auch kein Gas, es ist der
-Urstoff, aus dem die Welten entstanden sind. Der ist nur feurig gefärbt,
-er enthält keine Glut. Von einer unnatürlichen Hitze haben wir nichts
-zu befürchten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Mag sein,&ldquo; brummte Terror. &bdquo;Davon verstehe ich wenig, aber ich
-habe doch die Empfindung, als ob mit dem glänzenden, funkelnden
-Zeug da unten nicht zu spaßen ist.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors blickte jetzt durch die Glasscheiben.
-</p>
-
-<p>
-Es schien, als ob sich der Nebeldunst verzog, als ob das Himmelsgewölbe
-wieder sichtbar wurde. Gleichzeitig erblickte er den Riesenplaneten
-mit seinen Ringen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Da ist der Feind,&ldquo; schrie Terror, als er neben Mors getreten.
-&bdquo;Dort, Kapitän, dort &mdash; seht Ihr, da fliegt er eben schwerfällig über die
-Felsenspitzen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wirklich, da ist er,&ldquo; antwortete der Luftpirat, &bdquo;aber der macht ja
-ganz sonderbare Bewegungen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So ist es, Kapitän,&ldquo; versetzte Terror. &bdquo;Es sieht wahrhaftig aus, als
-ob das kolossale Ding hüpfte und springt, es scheint, als wollte der
-Koloß empor und könnte nicht, als würde er von einer unnatürlichen
-Gewalt immer wieder herabgezogen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Du hast recht,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;So ist es, und er wird auch hinabgezogen.
-Ganz so wie wir in diesem Augenblick. Betrachte die Instrumente,
-wir sind am Sinken.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Alle Teufel,&ldquo; rief Terror. &bdquo;Da müssen wir ja rasch in die Höhe!
-Rasch, Kapitän, es ist gerade so, als ob die zähe Masse uns hinunterzwingt.
-Das ist ja unheimlich.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors ergriff die Hebel, die den Riesenmagneten in Bewegung setzten.
-</p>
-
-<p>
-Er riß und zog daran, alles gehorchte. Man hörte deutlich, wie
-sich die Diamanten laut knirschend drehten. Man sah, wie sprühende
-Blitze aus den großen Edelsteinen hervorfuhren. Aber es war umsonst.
-Vergebens wurde der Magnet gegen die grauen Felsspitzen gerichtet.
-Tiefer sank der &bdquo;Meteor&ldquo;, immer tiefer.
-</p>
-
-<p>
-Da deutete Terror wieder auf das Fenster.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän, seht, seht,&ldquo; rief er.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat vergaß einen Moment sein eigenes bedrohtes Fahrzeug.
-Der Anblick, der sich ihm darbot, war geradezu grausig.
-</p>
-
-<p>
-Dort war das verfolgte amerikanische Weltenfahrzeug, aber es
-hüpfte und sprang nicht mehr. Es befand sich bereits über der wogenden,
-scheinbar glühenden Masse. Der Urstoff leckte daran empor wie
-die feurigen Zungen.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt tauchte der Riese ein, langsam, ganz langsam, drüben machte
-man offenbar verzweifelte Anstrengungen, um der Katastrophe zu entgehen.
-</p>
-
-<p>
-Es war vergebens, das feindliche Fahrzeug sank tiefer und tiefer,
-die seltsame Masse brodelte um das dem Verderben geweihte Werk von
-Menschenhand herum.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt ragte nur noch der Aufbau auf der Galerie empor, noch einmal
-funkelte der stählerne Sporn, welcher Kapitän Mors bald verhängnisvoll
-geworden.
-</p>
-
-<p>
-Nun schlugen die leuchtenden Massen hoch empor, ganz wie das
-Wasser, wenn etwas Schweres hineinstürzt. Das dritte und letzte Weltenfahrzeug
-der Amerikaner war spurlos verschwunden.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Die Natur hat selbst gerichtet,&ldquo; sprach Mors. &bdquo;Die Elemente haben
-ihr Zerstörungswerk ausgeübt. Sie haben das getan, was uns vielleicht
-nicht möglich gewesen wäre. Terror, die Erde ist von einer ungeheuren
-Katastrophe gerettet.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Und das hat sie Euch zu verdanken, Kapitän,&ldquo; erwiderte der treue
-Mann. &bdquo;Wäret Ihr nicht gewesen, so würde eine geradezu entsetzliche
-Katastrophe über die irdische Welt hereingebrochen sein. Aber ich bezweifle,
-ob man Euch dafür danken wird.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich begehre auch gar keinen Dank,&ldquo; erwiderte der Luftpirat finster.
-&bdquo;Ich habe das, was ich getan, nur aus Menschlichkeit vollbracht.
-Das ist meine Befriedigung, das ist mir tausendfacher Lohn.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ganz recht, Kapitän,&ldquo; brummte Terror. &bdquo;Aber ich fürchte, Ihr
-müßt Eure Aufopferung teuer bezahlen und wir mit Euch. Seht auf die
-Instrumente. Wir sinken tiefer und tiefer. Der Magnet wirkt nicht mehr,
-wir werden von diesen Massen da unten mit unwiderstehlicher Kraft
-angezogen. Wir teilen das Schicksal der Amerikaner!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror hatte recht.
-</p>
-
-<p>
-Der &bdquo;Meteor&ldquo; begann jetzt ebenfalls mit jenen hüpfenden und
-springenden Bewegungen, die man vorher bei dem versunkenen Fahrzeug
-gewahrt. Er begann sich ebenfalls in ganz eigentümlicher Weise zu
-bewegen.
-</p>
-
-<p>
-Das Vorderteil strebte empor, das Hinterteil mit dem Magneten
-wurde unablässig hinabgezogen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Jetzt ist es aus, Kapitän,&ldquo; meinte Terror. &bdquo;Jetzt kommt das letzte.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Noch nicht,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Ich sehe jetzt, woran es liegt, daß
-wir nicht in die Höhe kommen können. Die brodelnde Masse da unten
-übt nur einen Einfluß auf die Lenkstangen aus, die aus einem Metall
-bestehen, welches der Anziehung nicht widerstehen kann. Wir müssen
-die Isolierketten einschalten, dann wird sich der &bdquo;Meteor&ldquo; wieder erheben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror sprang schon nach der Maschinerie, welche diese Aenderung
-bewerkstelligte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Zu spät, Kapitän,&ldquo; rief er tonlos, &bdquo;wir tauchen schon ein. Wir
-haben die Oberfläche dieses unheimlichen Weltkörpers erreicht, wir
-sind im Sinken!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, noch ist es nicht zu spät,&ldquo; rief Mors. &bdquo;Wir müssen hinauf
-und die Lenkstangen von der Galerie aus lösen. Wenn die Ketten den
-Magneten allein halten, kommen wir hoch. Rasch, rasch, es ist kein
-Augenblick zu verlieren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die beiden Männer stürmten nach vorn.
-</p>
-
-<p>
-Das Fahrzeug lag schräg, sein Vorderteil ragte noch hoch über die
-weiche Masse hinaus, in welche das Achterteil des &bdquo;Meteor&ldquo; bereits
-eingesunken war.
-</p>
-
-<p>
-Ein Blick überzeugte Mors, daß die Türen, die zur Galerie führten,
-nicht mehr geöffnet werden konnten. Auch dieser Teil des &bdquo;Meteor&ldquo;
-war bereits in dem rätselhaften Urstoff verschwunden.
-</p>
-
-<p>
-Weiter rannten die beiden Männer. Jetzt erreichten sie den vorderen
-Raum, wo die Inder und der Professor standen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das Fenster auf,&ldquo; schrie Mors mit Donnerstimme. &bdquo;Rasch, das
-Fenster geöffnet!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Vier baumstarke Inder sprangen zu den Kurbeln, welche die Glasscheibe
-bewegten und rissen aus Leibeskräften daran.
-</p>
-
-<p>
-Es schien aber, als hätte sich heute alles gegen Kapitän Mors verschworen.
-</p>
-
-<p>
-Ob die starken Männer zu hastig gedreht hatten, ob das Fenster
-gequollen war, genug, man hörte ein Bersten und Krachen.
-</p>
-
-<p>
-Die vier Inder stürzten zur Erde und hielten den eisernen Handgriff
-noch fest. Die Kurbel, welche die Glasscheibe bewegte, war abgebrochen.
-</p>
-
-<p>
-Es war übrigens das einzige Glasfenster auf der Vorderseite des
-&bdquo;Meteor&ldquo;, welches geöffnet werden konnte. Die zweite bewegliche Glasscheibe
-befand sich im Hinterteil des Fahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun ist alles vorbei,&ldquo; murmelte Terror, der sich mit eisiger Ruhe
-in das Unvermeidliche zu ergeben schien. &bdquo;Jetzt geht es hinunter in
-diese schauerliche Masse. Da verschwinden wir auf Nimmerwiedersehen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors warf einen wilden Blick in die Runde.
-</p>
-
-<p>
-Er sann auf einen Ausweg, aber er wußte sich keinen Rat mehr.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän, die Masse ist doch heiß,&ldquo; rief jetzt Terror, indem er die
-Hand an die dicke Glasscheibe legte. &bdquo;Man spürt es deutlich, hier ist
-Glut vorhanden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Zwei der Inder griffen jetzt nach Werkzeugen und schlugen verzweiflungsvoll
-auf das dicke Glas.
-</p>
-
-<p>
-Es war ganz unmöglich, dasselbe gab nicht nach, ebenso gut hätte
-man auf einen Felsen schlagen können.
-</p>
-
-<p>
-Immer tiefer sank der Koloß inzwischen in die heiße weiche Masse,
-deren gelb und rot gefärbte feurige Wellen über dem Fahrzeug zusammenzuschlagen
-drohten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Zurück da!&ldquo; schallte plötzlich die Donnerstimme des Luftpiraten.
-&bdquo;Tretet beiseite. Ich schaffe einen Ausweg, koste es, was es wolle!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte eiligst eine jener Zerstörungsmaschinen herbeigezogen,
-die man bei den letzten Kämpfen nicht mehr benutzt hatte. Es war
-eines jener Gewehre, die auf einer Lafette standen, die mit Rädern versehen
-war. Mors richtete die Mündung der kleinen Maschine auf das
-Fenster und zog den Hebel ab. Es krachte. Im Weltenfahrzeug stürzte
-alles zu Boden. Aber es war nur der Luftdruck, der die Leute niederwarf,
-das Geschoß tat seine Wirkung. Es zertrümmerte die starke Glasscheibe.
-</p>
-
-<p>
-Die Stücke flogen hinaus, die eisernen Bänder, welche das Glas
-verstärkten, brachen wie morsche Holzstäbchen.
-</p>
-
-<p>
-Halb betäubt richteten sich die Inder empor, aber Mors war ihnen
-bereits zuvorgekommen. Er stand an der Oeffnung, umfaßte mit seinen
-Händen die zersplitterten Kanten.
-</p>
-
-<p>
-Ein Ruck, ein Schwung und der Luftpirat befand sich auf der Metallwand
-des Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Er warf einen flüchtigen Blick in die Runde, er sah den Planeten
-Saturn, der scheinbar in greifbarer Nähe schwebte.
-</p>
-
-<p>
-Dann aber rannte Mors mit mächtigen Sätzen über die Galerie
-nach dem Achterteil des Fahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Ein leiser Aufschrei der Erleichterung kam von seinen Lippen.
-Noch war der Lenkapparat nicht völlig versunken.
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte keine anderen Werkzeuge als seine Hände, aber die
-genügten ihm. Er packte die Lenkstangen, welche der unheimlichen
-Anziehungskraft des Trabanten nachgaben. Ein furchtbarer Ruck und
-noch einer, dann riß er sie aus den Angeln.
-</p>
-
-<p>
-Der Magnet war jetzt nur noch durch die Ketten mit dem Weltenfahrzeug
-verbunden, denn sowie die obere Lenkstange gelöst war, wurde
-auch die untere isoliert.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Bleibt drinnen!&ldquo; schrie Mors mit donnernder Stimme, als er bemerkte,
-daß ihm einige der Inder nachklettern wollten. &bdquo;Bleibt und
-klammert Euch fest, es geht in die Höhe.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Gleichzeitig warf sich der Luftpirat auf die Metallwand des &bdquo;Meteor&ldquo;
-und klammerte sich mit beiden Händen an eine Galeriestange.
-</p>
-
-<p>
-Es war hohe Zeit, daß er es tat, denn das Fahrzeug erhielt einen
-Ruck, der jeder Beschreibung spottete.
-</p>
-
-<p>
-Es war der Riesenmagnet, der jetzt seine Tätigkeit begann. Der
-Magnet war es, der das Fahrzeug hob, der den &bdquo;Meteor&ldquo; vom sicheren
-Untergange rettete.
-</p>
-
-<p>
-Mors zog sich auf die Galerie hinauf, indem er sich noch immer
-an den Eisenstangen festhielt. Er sah, wie Terrors Gesicht vorn an der
-zertrümmerten Fensterscheibe auftauchte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nach dem Lenkraum!&ldquo; tönte sein Kommando. &bdquo;Rasch, Terror &mdash;
-halte den &bdquo;Meteor&ldquo; innerhalb der Nebelhülle schwebend, damit wir
-nicht in die luftleere Zone geraten. Ich komme gleich hinein. Wir müssen
-die zerstörte Fensterscheibe versperren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror gehorchte und stürzte nach dem Lenkraum.
-</p>
-
-<p>
-Es war hohe Zeit, daß er das mit fürchterlicher Geschwindigkeit
-emporstrebende Fahrzeug zum Halten brachte, denn sonst hätte Mors
-oben in dem luftleeren Räume ersticken müssen.
-</p>
-
-<p>
-So aber brachte der Ingenieur den Koloß in die Dunstzone zum
-Halten, wenige Augenblicke später schwang sich Mors durch das zerstörte
-Fenster.
-</p>
-
-<p>
-Dieses ließ sich vorläufig nicht ersetzen, wohl aber luftdicht verschließen.
-Die Metallplatte war ja noch intakt, und die Inder griffen
-jetzt nach den Hebeln, um die gesprengte Oeffnung zu versperren.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf wurde mit flüssigem Gummi alles gedichtet, und eine
-Masse von Guttapercha darüber geklebt. Stundenlang dauerte diese
-Arbeit, aber sie war nötig, die zerstörte Stelle ward luftdicht gemacht.
-</p>
-
-<p>
-Dann schoß der &bdquo;Meteor&ldquo; über die Dunstzone empor und
-schwebte wieder im Weltenraum, hoch über dem unheilvollen Monde,
-dessen heiße Gasmassen im urewigen Wellenspiel kochten und brodelten.
-</p>
-
-<p>
-Da lag der Saturn, jetzt wieder rein weiß leuchtend, der Saturn mit
-seinen Ringen, mit dem fürchterlichen Zerstörungsstoff.
-</p>
-
-<p>
-Van Halen trat zu dem Luftpiraten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir sind gerettet,&ldquo; sprach der Astronom. &bdquo;Wir sind dem schrecklichen
-Verderben entronnen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Vor allem ist die Katastrophe von der Erde abgewälzt,&ldquo; sprach
-Mors, indem er mit der Rechten auf den glänzenden Planeten deutete.
-&bdquo;Dort liegt der höllische Stoff, den die Gegner holen wollten. Dort liegt
-die furchtbare Materie, die in ungerechten Händen grauenvolles Verderben
-anrichten kann.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Höher hob sich der &bdquo;Meteor&ldquo;, immer höher.
-</p>
-
-<p>
-Ueber dem Trabanten rissen die Nebelschleier; man sah den brodelnden
-Urstoff, in dessen Tiefen das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge
-ein schauriges Grab gefunden.
-</p>
-
-<p>
-Der unglückliche Ingenieur Reymond war gerächt, die Katastrophe,
-die der Erde gedroht, beseitigt. Im Weltenraume schwebte das Weltenfahrzeug
-des Kapitän Mors, das den Heimweg zur Erde suchte.
-</p>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p>
-Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
-J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
-von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 197-231. Moderne Zusätze und Anmerkungen
-wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige
-Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten.
-</p>
-
-<p>
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
-Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
-Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-</p>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
-Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges, by Anonymous
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-***** This file should be named 56068-h.htm or 56068-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
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-
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-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
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