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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 19:45:17 -0800 |
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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56068] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - 63. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. - Preis 10 Pf. (15 Heller.) - - - - - Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. - - - - - Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges. - - - [Illustration: Immer tiefer sank der Koloß in die glühend - heiße, weiche Masse, deren Feuerwellen über dem Fahrzeug - zusammenzuschlagen drohten.] - - - Druck- und Verlags-Gesellschaft - Berlin - - - - - Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges. - - - - - 1. Kapitel. - Die Welt in Gefahr. - - -»Halt, wer da! Antwort -- oder ich schieße!« - -Diesen Worten folgte das scharfe Knacken eines Revolverhahns. Sonst -umgab Dunkelheit diese nächtliche Szene. - -»Schießen Sie nicht,« tönte eine sonore Stimme. »Ich komme zwar zu -ungewöhnlicher Stunde, aber ich bin kein Dieb, kein Mörder.« - -Im nächsten Moment blitzte das helle Licht einer elektrischen Lampe auf. - -Das blendende Licht beleuchtete ein geräumiges, sehr behaglich -eingerichtetes Zimmer, an welches ein großes Schlafzimmer stieß. - -Der Vorhang, welcher dies Gemach von dem Zimmer trennte, war -zurückgeschoben. - -Dort stand ein Mann in mittleren Jahren, der in aller Hast einen -Schlafrock angezogen zu haben schien. - -Er war wohl offenbar aus dem Bett gesprungen, seine bloßen Füße steckten -in Pantoffeln und in der rechten Hand hielt der Mann einen -scharfgeladenen Armeerevolver. - -Die Unruhe dieses Herrn war erklärlich, denn das Geräusch eines -zerbrochenen Fensters weckte ihn aus dem besten Schlummer. - -Der Fensterladen vor der großen Spiegelglasscheibe war emporgehoben und -die Scheibe selbst durch einen anscheinend mit großer Wucht geführten -Schlag zertrümmert. - -Das elektrische Licht aber hatte nicht der Bewohner dieser Räume -entflammen lassen, sondern ein Eindringling, der zur Mitternachtsstunde -durch das zerbrochene Fenster hereingekommen sein mußte. - -Da stand dieser Mann, dessen athletische Gestalt durch einen grauen -Mantel in militärischem Schnitt verhüllt wurde. - -Er stand hoch aufgerichtet, in der Linken die elektrische Lampe haltend, -eine blaue Mütze mit breitem, goldenem Streifen bedeckte seinen Kopf, -während eine schwarze Halbmaske das energische, kühn geschnittene -Antlitz bedeckte. - -»Da bin ich,« sprach er zu dem schier fassungslosen Bewohner dieser -Räume. »Sie haben mich gerufen. Ich habe den geheimnisvollen Hilferuf in -einer der größten Zeitungen des Kontinents gelesen. Ich habe die -Bedeutung desselben verstanden. Daß ich zur Nachtzeit hierherkommen -mußte, ist freilich ungewöhnlich, aber ich kann nicht anders. Kapitän -Mors steht vor Ihnen!« - -Gleichzeitig hatte der rätselhafte Besucher ein großes Zeitungsblatt -unter seinem Mantel hervorgezogen. - -»Dieses Inserat stammt von Ihnen, nicht wahr?« fuhr er fort, während der -so jäh aufgeweckte Mann vor ihm noch immer nicht wußte, ob er wachte -oder träumte. »Hier lesen Sie, das ist das Inserat, in welchem ich, -Kapitän Mors, aufgefordert werde, die Welt und deren Bewohner vor einer -Katastrophe zu bewahren. Und zwar vor einer Katastrophe, wie sie die -Weltgeschichte noch nicht kennen soll. Diese Worte hier sind nur für -mich berechnet. Anderen würde dies Inserat als die Eingabe eines -Wahnwitzigen erscheinen. Aber Sie haben Ihre Gründe gehabt, dieses -Inserat so geheim zu halten. Ich bin dem Rufe gefolgt. Sprechen Sie. Wie -kann ich Ihnen helfen?« - -Der Aufgeweckte ließ den Revolver sinken. - -Sein Gesicht war ungemein geistvoll und verriet den Denker, zugleich -aber auch den Mann, der, wenn er wollte, auch recht energisch -aufzutreten vermochte. - -»Sie sind Ingenieur Reymond,« fuhr Kapitän Mors fort. »Sie haben gewußt, -daß ich mich stets über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem -Laufenden halte, daß ich alle großen Zeitungen genau lese. Nun sagen Sie -mir alles, denn ich habe Zeit, so lange die Dunkelheit dauert. Beim -ersten Morgengrauen muß ich den Rückweg antreten.« - -»Aber um Himmels willen, wie sind Sie nur hier hereingekommen?« fragte -der Ingenieur, als er sah, daß sich Kapitän Mors ruhig in einem Sessel -niederließ. »Dieses turmartige Gebäude ist ja sechs Stock hoch. Da -vermöchte nicht einmal eine Katze hinaufzugelangen.« - -»Je höher, desto besser,« erwiderte der Luftpirat mit eisiger Ruhe. »Im -übrigen gibt es für mich wenig Hindernisse. Doch zur Sache. Ich nehme -an, daß die Angelegenheit, die mich hierher geführt hat, eilig ist und -daß es sich in der Tat um das Schicksal der ganzen Welt handelt.« - -Ingenieur Reymond war gewiß kein Feigling, er gewann bald seine -Selbstbeherrschung wieder. - -Er betrachtete den berühmten Mann, von dem die Welt so viel erzählte, -mit einem Gemisch von heimlichem Grauen und Bewunderung. - -Rasch war eine Lampe entzündet und der Ingenieur nahm seinem -unheimlichen Besucher gegenüber Platz. - -»Ich will mich kurz fassen,« begann er. »Genug, ich bin der technische -Leiter eines riesigen Etablissements, welches Maschinenteile liefert. -Dort erschienen vor einiger Zeit ein paar Männer, die ich für Amerikaner -halte. Sie machten verschiedene Bestellungen und sprachen hauptsächlich -mit dem zweiten Leiter der Fabrik, ich hatte zu jener Zeit eine andere, -sehr wichtige Arbeit vor und achtete wenig auf die Fremdlinge. Erst -durch einen Zufall wurde mein Verdacht rege, nämlich, als ich von meinem -Kollegen erfuhr, daß an die fremden Herren Maschinenteile abgeliefert -wären, über deren Verwendung man sich gar keinen Begriff machen könnte. -Unglücklicherweise war der Auftrag schon ausgeführt und der Rest der -Bestellung abgeliefert, ohne daß ich es zu verhindern vermochte. Nun, -ich will wenig Worte machen, Kapitän Mors. Jene Fremden, die übrigens -über bedeutende Summen verfügten, haben zweifellos einige -Weltenfahrzeuge hergestellt, welche möglicherweise dem wunderbaren -Fahrzeug ähneln, mit welchem Sie durch die Weltenräume kreuzen.« - -»Ihre Ausführungen setzen mich in einige Verwunderung,« erwiderte Mors, -nachdem er einen Augenblick nachgesonnen. »Indessen lassen sich ja -wenige Geheimnisse bewahren, und so mag es schon sein, daß hier und da -etwas von meinem Weltenfahrzeug bekannt wurde, ganz so, wie ja auch mein -Luftschiff von vielen gesehen, betrachtet, von einigen sogar -photographiert wurde. Aber das alles überzeugt mich noch nicht, ob der -Welt auch wirklich Gefahr droht. Angenommen, jene Fremden hätten in der -Tat einige Weltenfahrzeuge hergerichtet, was könnte das der Erde für -Schaden bringen?« - -»Jetzt kommt die Hauptsache,« erwiderte Ingenieur Reymond. »Deshalb habe -ich ja auch meinen Hilferuf in der Zeitung erlassen. Nachdem ich -Verdacht geschöpft, spürte ich den Fremden nach und es gelang mir eines -Abends durch List, über die ich hier nicht näher sprechen will, die -Fremden zu belauschen. Genug, ich verbarg mich in ihrer Nähe und hörte -ihren Gesprächen zu, die mich mit Entsetzen erfüllten. Diese -gefährlichen Männer wollen eine geradezu grauenvolle Katastrophe -herbeiführen und sich dadurch zu Herren der Erde machen. Der eine dieser -Unmenschen meinte, die Erde sei viel zu stark bevölkert und es würde gar -nicht schaden, wenn die Hälfte der Menschheit vernichtet würde. Hierauf -wollte er mit seinem Kumpan eine Tyrannenherrschaft über das Weltall -ausüben.« - -»So, so,« meinte Mors. »Darüber möchte ich noch einige Fragen stellen. -Zunächst, war es Ihnen, mein Herr, denn nicht möglich, diese -gefährlichen Menschen verhaften zu lassen?« - -»Nein,« erwiderte Reymond. »Ich war allein, ein unglücklicher Zufall -wollte es, daß sie mich entdeckten. Sie verfolgten mich sofort und -hätten sie mich eingeholt, so wäre ich zweifellos ermordet worden. So -aber stürzte ich mich in den Fluß und da ich ein ausgezeichneter -Schwimmer bin, hielt ich mich lange genug unter Wasser, während sie -überall herumsuchten. Sie glaubten, ich sei ertrunken. Glücklicherweise -haben sie mich nicht erkannt, denn sonst gehörte ich längst zu den -Toten. Wenn sie aber jenes Inserat in der Zeitung gelesen haben, kommen -sie auf die Spur. Deshalb habe ich auch, um mich zu schützen, -Vorsichtsmaßregeln getroffen und wohne hier in diesem unzugänglichen -Gebäude, hoffend, daß ich von Ihnen eine Nachricht erhalten würde. Statt -dessen kommen Sie selbst und das ist umso besser.« - -Mors überlegte noch einen Augenblick. - -»Herr Reymond,« sprach er dann in seiner gewinnenden Art und Weise. »Ich -glaube bestimmt, daß jene Unholde das Inserat gelesen haben und daß sie -Ihnen möglicherweise nach dem Leben trachten. Ich mache Ihnen einen -Vorschlag. Wollen Sie mit mir gehen? Wollen Sie meine Heimat aufsuchen, -die geheimnisvolle Insel, die ich bewohne, den Ort, wo Ihnen kein Mörder -nahen dürfte? Dort sind Sie sicher.« - -»Nein, das kann ich nicht,« entgegnete Reymond. »Ich möchte hier in -Frankreich bleiben, bei meinen Instrumenten, bei meinen Büchern.« - -»Aber dann kann ich Sie nicht schützen,« erwiderte Mors, »und ich -fürchte, daß Sie alsdann dem Verderben verfallen.« - -»Nun, ich lasse es darauf ankommen,« erwiderte Reymond. »Ich glaube, -hier bin ich sicher.« - -»So wenig sicher wie vor mir,« erwiderte der Luftpirat. »Sie sehen ja, -daß auch ich hier eingedrungen bin, und diese Unholde könnten das -gleiche tun. Also ich biete Ihnen nochmals Schutz in meiner -geheimnisvollen Heimat an. Wollen Sie?« - -»Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Anerbieten, aber ich kann nicht. Ich -hänge zu sehr an Frankreich. Hoffentlich haben jene Unholde auch anderes -zu tun, als sich mit mir zu beschäftigen. Doch nun zur Hauptsache. Das, -was ich Ihnen sagen will, betrifft die Katastrophe, die den Bewohnern -der Erde droht.« - -»Ganz recht, das interessiert mich,« erwiderte Mors. »Angenommen, jene -Menschen hätten einige Weltenfahrzeuge erbaut, so genügt das nicht, um -die Bewohner der Erde zu vernichten, dazu gehören noch kolossale -Zerstörungsmittel von einer Furchtbarkeit, gegen die unsere irdischen -Sprengstoffe als Kinderspielzeug erscheinen.« - -Reymond war aufgestanden. - -»Das ist es ja, Kapitän Mors,« sprach er mit furchtbarem Ernst und mit -gedämpfter Stimme. »Die Unholde wollen sich einen furchtbaren, -zerstörenden Stoff verschaffen, den sie mittelst ihrer Weltenfahrzeuge -holen wollen und zwar aus ungeheurer Ferne. Haben sie diesen Stoff, der -von geradezu vernichtender Wirkung sein muß, so verwandeln sie ihre -Weltenfahrzeuge in Zerstörungsmaschinen und dann wird die Erde von einem -Schicksal betroffen, wie es in der ganzen Weltgeschichte noch nicht -dagewesen ist. Jene unheimlichen Männer müssen große Kenntnisse in der -Mathematik, Astronomie und der Physik besitzen. Wunderbare Kenntnisse, -die sie allerdings zu Verbrechen anwenden wollen.« - -»Woher gedenken jene Elenden den Zerstörungsstoff zu holen?« fragte -Mors, jedes Wort betonend. - -»Vom Planeten Saturn,« lautete die Antwort. »Von jenem mächtigen -Weltkörper, der seltsamerweise das einzige Gestirn ist, das von Ringen -umgeben wird, und diese Ringe, die den Riesenkörper des Planeten -umkreisen, bergen nach genauen wissenschaftlichen Beobachtungen eine -Materie, die so fürchterlich wirkt, daß sie imstande ist, die ganze Erde -in Trümmer zu zerspalten. Diesen furchtbaren Stoff wollen jene -Unmenschen holen und damit zur Erde zurückkehren.« - -»Ich verstehe,« versetzte Mors mit großer Ruhe. »Sie wünschen, daß ich -mit meinem Weltenfahrzeug dies Vorhaben vereitle? Wenn jene Unholde mit -dem Zerstörungsstoff zurückkehren, ist es zu spät. Sie würden zuerst -mich und meine Fahrzeuge vernichten. Ich bin Ihnen sehr zu Dank -verpflichtet, Herr Reymond, und ich erneuere zum dritten Male mein -Anerbieten, mit mir nach meiner fernen Insel zu reisen.« - -»Nein, ich bleibe in Frankreich,« erwiderte Reymond. »Ich habe jetzt -meine Pflicht getan und das Schicksal der Erde in Ihre Hände gelegt.« - -»Aber Sie sind verloren, Herr Reymond,« sprach Mors, indem er sich -langsam erhob. »Ich fürcht das Schlimmste.« - -Es war umsonst. Reymond gab nicht nach, er hing zu sehr an seiner -schönen, sonnigen Heimat. In dieser Beziehung war er ein Starrkopf. - -Er gab Mors noch verschiedene Informationen, aus denen der Luftpirat den -Ort entnehmen konnte, an welchem die Weltenfahrzeuge erbaut wurden. - -»Ich schulde Ihnen wirklich außerordentlichen Dank,« erwiderte der -Luftpirat. »Ich habe Ihnen sogar das Fenster zerbrochen und Sie in ihrem -Schlaf gestört. Sprechen Sie, Herr Reymond, kann ich Sie nicht in irgend -einer Weise für diese wichtigen Mitteilungen belohnen?« - -»Nein,« erwiderte der Franzose. »Ich bin selbst sehr vermögend und -bedarf nichts. Ich habe jene Pflicht erfüllt, welche das Gebot der -Menschenliebe vorschreibt und bin überzeugt, daß Sie alles aufbieten -werden, um das Furchtbare zu verhindern. Damit bin ich reich belohnt, -das genügt vollkommen.« - -»Nun denn, so muß ich handeln,« rief der Luftpirat. »Ich darf keine Zeit -verlieren. Hier ist vielleicht jede Minute kostbar. Leben Sie wohl, mein -Herr, ich ruhe und raste nicht, bis ich das Furchtbare verhindert habe. -Gelingt es mir nicht, dann habe ich meinen Untergang gefunden.« - -Er sprach diese Worte mit finsterem Entschluß und schwang sich auf das -Fensterbrett. - -Außerhalb befand sich eine kleine Brüstung, da glaubte der Ingenieur -trotz der Dunkelheit zu sehen, daß sich dort etwas Schattenhaftes -bewegte. - -Er hörte auch ein leises Sausen und Summen, dann schien es, als ob -Kapitän Mors in die Nacht hinausspränge. - -Er hörte einen leichten Aufprall, aber unmittelbar am Fenster, dann -folgte ein Rauschen und Schwirren und da sah Reymond, als ob durch die -Finsternis etwas Schwarzes, Schattenhaftes von dannen huschte. - -Vorsichtig ließ er den Fensterladen wieder herab, aber er fand in dieser -Nacht keine Ruhe. - -Wohl aber fand er sie vierundzwanzig Stunden später, und zwar für immer, -denn da wurde der Ingenieur Reymond, dieser wackere, von allen -geschätzte Mann, auf unerklärliche Weise ermordet aufgefunden. - -Der Luftpirat hatte es geahnt, aber Reymond die Warnung des seltsamen -Mannes mißachtet. Er war zurückgeblieben, er hatte den Schutz, den ihm -Mors anbot, verschmäht. Der wackere Mann mußte seine Menschenliebe mit -seinem Leben bezahlen. - - - - - 2. Kapitel. - Zu spät gekommen. - - -Kapitän Mors hatte mit einer kleinen Flugmaschine, die sich auf dem -lenkbaren Luftschiff befand, den Franzosen besucht. - -Das Luftschiff selbst lag auf einer der Felseninseln, an der -französischen Küste und in der nächsten Nacht befand sich Mors bereits -auf dem Rückwege. - -Nach glücklicher Fahrt gelangte er auf seiner Insel an, da war es sein -erstes, das Weltenfahrzeug zu inspizieren. - -Der »Meteor« war jeden Augenblick zu seinem Flug in den Weltenraum -bereit und Mors säumte nicht, das Fahrzeug mit einer ausgewählten -Mannschaft zu besteigen. - -Auch der Professor nahm daran teil, obwohl ihn Mors vor den Gefahren der -bevorstehenden Reise warnte. - -»Diesmal werden wir uns der Wissenschaft wenig widmen können, -Professor,« sprach Mors zu seinem gelehrten Freunde. »Diesmal gilt es -eine entsetzliche Katastrophe zu verhindern. Es wäre besser, Sie blieben -hier. Ich glaube, es kommt zu den furchtbarsten Abenteuern, zu -gefährlichen Kämpfen. Es geht auf Tod und Leben.« - -Der Professor war aber nicht zu halten. - -Er wußte ja, daß möglicherweise der Saturn besucht wurde. Mors sprach ja -die Vermutung aus, daß jene Unheimlichen bereits die Reise nach dem -fernen Weltkörper angetreten haben könnten. - -»Wie, eine solche Gelegenheit sollte ich verpassen,« rief Professor van -Halen enthusiasmiert, »nimmermehr, der Saturn birgt ja die größten -Rätsel, ich bebe förmlich bei dem Gedanken, diesen wunderbaren -Weltkörper in der Nähe zu sehen. Nehmen Sie mich mit, Kapitän, ich bitte -Sie darum. Sie machen mich unglücklich, wenn Sie mich zurücklassen.« - -Mors gab nach, aber er war diesmal ernst und düster wie nie zuvor. - -Er nahm nur Terror mit und hinterließ Star und Herbert genaueste -Instruktionen für den Fall, daß er von der abenteuerlichen Fahrt nicht -mehr wiederkehren sollte. - -Diese Instruktionen betrafen das Schicksal der Insel mit allem, was sich -darauf befand. Es war kein Zweifel, wenn Mors zu Grunde ging, so würde -auch sein ganzes Werk vernichtet. - -Inzwischen hatte der Luftpirat die Kunde von Reymonds Tod erfahren. - -»Ich habe ihn gewarnt,« sprach er, als er die Nachricht las. »Aber der -Unglückliche wollte ja nicht hören. Nun, vielleicht kann ich ihn -wenigstens rächen.« - -Nach den Angaben des Ingenieurs befand sich der Ort, an dem die -geheimnisvollen Amerikaner ihre Weltenfahrzeuge erbaut hatten, irgendwo -im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas. - -Dorthin waren die Maschinenteile geschickt worden und Reymond, der sich -um diese Angelegenheiten sehr bekümmert, hatte Mors noch Winke gegeben, -welche die Nachforschungen des Luftpiraten erleichterten. - -Diesmal wendete sich das Weltenfahrzeug nicht nach dem Weltenraum, -sondern durchschoß mit Blitzesschnelligkeit die Luftzonen über der -Südsee und wendete sich nach den südkalifornischen Landschaften. - -Ein Zufall unterstützte Mors, der sein wunderbares Fahrzeug in den -wilden Gebirgen der Sierra Nevada landen ließ und von dort aus einige -Späher aussandte. - -Bald erhielt er die Nachricht, daß an der Grenze des Staates Sonora, der -schon zu Mexiko gehörte, merkwürdige Dinge beobachtet worden seien, die -auf eine sonderbare Arbeit schließen ließen. - -Wenige Tage später wurde der Verdacht bestätigt, dort hatten die -geheimnisvollen Amerikaner gearbeitet, dort hatten sie ihre -Weltenfahrzeuge, zu denen sie sich die Materialien in verschiedenen -Ländern bestellt, zusammengesetzt. - -Ob die Pläne zu diesen wunderbaren Fahrzeugen von ihnen selbst -ausgesonnen worden waren, ob sie einiges über Mors' Weltenfahrzeug durch -Verrat vernommen, blieb in Dunkel gehüllt. Genug, die Geheimnisvollen -hatten derartige Fahrzeuge zusammengestellt, montiert und für die Fahrt -in den Weltenraum bereit gemacht. - -In der nächsten Nacht befand sich Mors mit seiner ganzen Mannschaft -wieder im »Meteor«, der ihn mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit nach der -bezeichneten Gegend brachte. - -Das war eine Einöde, die selten oder nie von Menschen betreten wurde. -Dort hatten die Unheimlichen mit Muße arbeiten können. - -Als der Morgen graute, war Mors an Ort und Stelle, fest entschlossen, -alles, was er an Zerstörungsmaschinen besaß, zur Vernichtung dieser -gefährlichen Menschen und ihrer Werke aufzubieten. - -Schon sah er in der Einöde große Wellblechhallen, die zum Schutz gegen -die Witterung gedient hatten. - -Regen gab es hier selten, deshalb dienten diese Wellblechhallen wohl nur -als Schutz gegen die glühende Sonne. - -Der »Meteor« erhob sich über diesen Hallen, alles war bereit, um das -Zerstörungswerk auszuüben. - -Der Luftpirat aber ballte grimmig die Fäuste, denn er sah von oben in -leere Räume. Die drei großen Hallen bargen nichts mehr als einige -Gerätschaften und Werkzeuge. Die Flugmaschinen aber, die man drin -montiert, die waren verschwunden. - -Mors ließ den »Meteor« zu Boden sinken und verließ mit einigen Indern -das Weltenfahrzeug. - -Plötzlich begannen einige der Inder zu rennen und zu laufen und sausten -wie Antilopen hinter einer Gestalt her, die mit wilden Sprüngen zu -entkommen suchte. - -Bald darauf vernahm Mors lautes Gekreisch, die Inder kehrten zurück und -führten in ihrer Mitte einen Mischling, einen sogenannten Mulatten. - -Der Mann war halbtot vor Angst und glaubte, daß es ihm an den Kragen -ginge. Beim Anblick des Luftpiraten schnappte er beinahe über und flehte -mit jämmerlicher Stimme, ihm das Leben zu schenken. - -Mors beruhigte den Zitternden. Es stellte sich heraus, daß der Mulatte -zu den Arbeitern gehörte, die an dieser Stätte für die Fremdlinge tätig -gewesen waren. - -Die Unheimlichen hatten die Arbeiter reichlich belohnt und sie dann -entlassen. Der Mulatte aber war dem Trunke ergeben und hatte sich zur -Feier, daß die Arbeit beendigt, so bezecht, daß er in einer Felsenspalte -zurückblieb. - -Als er erwachte, fand er sich allein und war gerade im Begriff gewesen, -den Weg nach der nächsten Ansiedlung zu suchen. - -»Wo sind die Leute, die hier gearbeitet haben?« fragte Mors hastig. - -»Sie haben drei wunderbare Maschinen gebaut,« erwiderte der Mulatte -zaghaft. »Damit sind sie in den Himmel hineingeflogen.« - -»Also zu spät gekommen,« erwiderte Mors. »Aber der Vorsprung kann nicht -allzugroß sein. Ich muß ihnen nach. Ich muß das Schreckliche verhindern! -Freilich, es wird im Weltenraum zum Kampf auf Tod und Leben kommen.« - -Dem Mulatten wurden noch einige Fragen vorgelegt, und Mors entnahm -daraus, daß jene unheimlichen Amerikaner einen Vorsprung von -sechsunddreißig bis vierzig Stunden besitzen müßten. - -Mors gab dem Erschrockenen noch einige Goldstücke und bestieg mit seinen -Mannschaften das Weltenfahrzeug, welches der Mulatte dumm und blöde -anstarrte. - -Seinen Aussagen nach hatten die Weltenfahrzeuge der Amerikaner ein -anderes Aussehen besessen, als der »Meteor«; sie waren etwas kleiner, -aber auch mit flüssiger Luft und mit Riesenmagneten ausgerüstet. - -Mors gab den Befehl zur Abfahrt, die Türen schlossen sich, der »Meteor« -hob sich. - -Dann hörte man das eigentümliche Surren, welches die Tätigkeit des -Riesenmagneten verkündete. Der »Meteor« hob sich, und schoß mit -furchtbarer Geschwindigkeit in die Lüfte, den Augen des nachschauenden -Mulatten im Nu entschwindend. - - * * * * * - -Mors hatte den Professor und Terror von allem, was er erfahren, in -Kenntnis gesetzt. - -»Es handelt sich darum, die Erde vor einer Katastrophe zu schützen,« -sprach er kalt. »Wir haben es mit drei Gegnern zu tun und wenn dieselben -auch etwas kleiner sind, als unser Fahrzeug, so könnten sie doch durch -ihre Ueberzahl einen Vorteil gewinnen. Es handelt sich also darum, daß -wir nicht allein diese drei Weltenfahrzeuge einholen, sondern sie -einzeln vernichten, vor allen Dingen aber verhindern, daß sie vor uns -nach dem Planeten Saturn kommen. Erreichen sie diesen Planeten vor uns -und gelingt es ihnen, sich des zerstörenden Stoffes, der in den Ringen -zu finden ist, zu bemächtigen, so ist die letzte Hoffnung geschwunden. -Jene Schurken sind Verbrecher, obgleich sehr gebildete Verbrecher. Sie -werden ihre Wissenschaft und ihre Kenntnisse zum Unheilstiften anwenden. -Zunächst würden sie uns vernichten und dann nach der Erde zurückkehren, -um daselbst ein Blutbad anzurichten, gegen welches die fürchterlichsten -Kriege der Weltgeschichte als Spielerei erscheinen. So steht es. Wir -haben auf keine Schonung zu rechnen. So wenig wie wir solche selbst -ausüben werden. Vorerst bleibt uns nichts übrig, als die ganze -Schnelligkeit des »Meteor« zu benutzen und Ausguck nach den drei -Weltenfahrzeugen zu halten.« - -Letzteres übernahm der Professor, der ja am Fernrohr die größte Uebung -besaß. Mors und Terror teilten sich in die Handhabung der Maschinen. - -Noch nie hatte der »Meteor« so schnell die Luftzone der Erde -durchschnitten wie dieses Mal. Noch nie war er mit so furchtbarer -Schnelligkeit in den Weltenraum hinausgefahren. - -Mors schien die Gefahren, die der Weltenraum barg, diesmal gar nicht zu -beachten. Er kümmerte sich nicht einmal darum, daß er bei dieser -Gelegenheit eine Meteorsteinzone streifte. - -Terror war gewiß ein Mann von Eisen, aber ihm grauste beinahe, als er -sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit Mors diesmal das Fahrzeug -handhabte. - -Bei einem Zusammenstoß wäre das Weltenfahrzeug in Atome zermalmt worden, -aber Mors pochte auf sein Glück, welches ihm schon so oft in den -gefährlichsten Tagen seines Lebens beigestanden. - -Er trotzte den Gefahren, er steigerte die Schnelligkeit des »Meteor« bis -ins Unglaublichste. - -Selbst der Professor beobachtete manchmal kopfschüttelnd die -Instrumente, welche die Schnelligkeit des Fahrzeuges anzeigten. - -»Kapitän,« sprach er zu dem Luftpiraten. »Wir fahren mit einer geradezu -entsetzlichen Geschwindigkeit. Stoßen wir bei dieser Gelegenheit mit -einem Weltkörper zusammen, so werden von unserem »Meteor« nicht einmal -Atome übrig bleiben.« - -»So ist es,« versetzte Mors. »Aber es handelt sich hier um das Geschick -von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das Schicksal -herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben wir, so -geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das ewige -Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten wir sie, -so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß uns dankbar -sein. Vorwärts!« - -Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit, und -da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber begab -sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die Tiefen des -Himmelsraumes zu durchsuchen. - -Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich -nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten noch -immer einen großen Vorsprung besitzen. - -Inzwischen wurde nichts verabsäumt. - -Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden Moment -benutzt werden konnten. Die Leute waren immer auf ihren Posten. - -Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten Saturn -trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet zwölfhundert -Millionen Kilometer. - -Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn sein -»Meteor« durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des Blitzes. - -Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man schärfste -Umschau halten mußte. - -In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars ein -ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert worden. - -Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den Raum und -wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet. - -Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug teilweise -begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort war also -große Vorsicht geboten. - -Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier, wo die -Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag und Nacht -reden konnte. - -Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die -verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des »Meteor« war im -Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken. - -Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug -diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände, denen -gegenüber man die Schnelligkeit abmaß. - -Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich Zeiger -mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten -Kilometertausende verzeichneten. - -Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu stehen -und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen. - -Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein. - -Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als man -ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr. Hier -mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges. - - - - - 3. Kapitel. - Der erste Kampf mit den Gegnern. - - -Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem -Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte. - -Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel, welche -aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte. - -Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr. - -»Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,« hörte er die Stimme des Professors. -»Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er sich in -der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.« - -Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum. - -Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier. - -Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein -blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die -massive Glasscheibe schützte das Innere des »Meteor« vor der Kälte des -Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im -luftleeren Raum herrschen. - -Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich der -»Meteor« stark genähert hatte. - -Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber nicht rund -oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und glich einem -Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den Weltenraum -dahinsauste. - -Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt den -riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser -fürchterlichen Katastrophe. - -Der Astroid schien eine Lufthülle zu besitzen, wenigstens gewahrte man -einen nebelartigen Schimmer an den Rändern und Vorsprüngen. - -Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper, -dann suchte er nach dem Feinde. - -Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors heftete -seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne. - -»Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,« sprach der -Luftpirat. »Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte -allerdings das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir -haben ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein -Werk, welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel, -das ist ein Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.« - -Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden und -schien Schutz gesucht zu haben. - -Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich um, -möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen -Welt verborgen. - -Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt und -warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle des -Luftpiraten. - -Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum, in -welchem Terror weilte. - -»Wir halten auf den Astroiden zu,« lautete das Kommando. »Die -Mannschaften haben alles für einen Kampf fertig zu machen. Sowie wir in -die Luftzone des Weltenkörpers kommen, wird das Fahrzeug dort -angegriffen.« - -Terror gehorchte auf der Stelle. - -Der »Meteor« beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann mit -fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu. - -Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast -undurchsichtig wie Glas diese unbekannte Welt umgab. - -Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses -Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu -entsetzliche Stein- und Sandwüste erschien. - -Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen zu -machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er jetzt -schon mit bloßen Augen gewahren konnte. - -Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte. - -Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und mochte -vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der Dunsthülle -schweben. - -Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das Fahrzeug -während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem abzuhelfen -versuchte. - -Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte sehr -leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht kamen. - -Weiter sauste der »Meteor«, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen von dem -Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe. - -Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den Befehl zum -Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung von fünfhundert -Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten. - -Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem -Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben. - -Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges bildeten, -dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß seine -Vermutungen völlig zutrafen. - -Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu sein. - -Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand, -als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte. - -»Sie bereiten sich zum Kampfe vor,« murmelte Mors. »Sie besitzen -sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg -erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur -noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die -Entscheidung fallen.« - -Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe zum -Atmen geeignet war. - -Einer der Inder unternahm den Versuch, indem er sich mit einem Glashelm -versehen in einen luftleeren Raum begab. - -Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück. - -»Kapitän,« meldete er, »die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist etwas -dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge. Dies kann -uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben, daß -wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die -Zerstörungsmaschinen verdecken, geöffnet werden.« - -Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige -freundliche Worte. - -Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu. - -Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon frühzeitig -bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den Kampf -aufnehmen. - -Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges -kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen. - -Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners. - -Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten des -feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte. - -Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und genau auf -die Bordwand des »Meteor« zufliegen. - -Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit, sodaß -die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten. - -Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das war -alles. - -»Der »Meteor« widersteht,« sprach Mors, als er flüchtig die Wände seines -Wunderwerkes prüfte. »Das feindliche Geschoß kann die Metallwand nicht -durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.« - -Auf dem »Meteor« befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen. - -Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die auf fahrbaren Lafetten -ruhten, andere wie kleine Geschütze. - -Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im äußersten -Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden aber als -gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten. - -Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen Maschinen -in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen. - -Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten -gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den »Meteor« -kreiste. - -Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der Schüsse, die -ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis -erweckten. - -Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die Wand -des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge erhielt -und hin- und herschwankte. - -Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen, sie -genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert. - -Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig. - -Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges zum Ziel -und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen, welche die -Riesenmagneten in Tätigkeit setzten. - -Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem Lenkraum. - -Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem Feinde -abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor -Verletzungen gesichert. - -Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche. - -Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen. - -Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im -Weltenfahrzeug befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem -»Meteor« wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten. - -»Kapitän,« schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine -Schießscharte die Bewegungen des Feindes beobachtete, »aufgepaßt, -Kapitän, sie wollen rammen!« - -»Ich sehe es, mein Getreuer,« erwiderte Mors, indem er das Glas -absetzte. »Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug -besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig -zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer -die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die -Amerikaner dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.« - -Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder. - -»Zieht diese Maschinen zurück,« befahl er, auf die gewehrähnlichen -Zerstörungsmaschinen deutend. »Jetzt werden die anderen verwendet. Aber -erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich gehe nach dem -Lenkraum, denn ich muß meinen »Meteor« in dieser entscheidenden Stunde -selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando über Euch -übernehmen.« - -Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der alle -Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte. - -»Brav gemacht,« sprach Mors anerkennend. »Nun will ich Dich ablösen. -Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern übernimm den -Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die -Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er will -uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.« - -Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem -Beobachtungsraum hinüber. - -Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten bewegte -und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite. - -Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit. - -Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er seinen -Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte. - -Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts. - -Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste. Es -schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den »Meteor« in -der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in zwei Teile -schneiden. - -Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes. Er besaß -keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem Gegner -ebenbürtig machten. - -Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von Zaubergewalt -bewegt, schnellte sich der »Meteor« in die Höhe. - -Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste mit -furchtbarer Gewalt unter dem »Meteor« hinweg. - -Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre der -Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden. - -Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung. - -Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig -drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal -vermittelte. Es war das Zeichen zum neuen Feuern. - -Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug von -einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben. - -Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze, -scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich selber. - -Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten über, er -drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch an einer -einzigen Lenkstange. - -Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug -wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens. - -Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum -hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen. - -Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen, jetzt -wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit furchtbarer -Gewalt nach unten. - -Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit -entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in -die Steinwildnis des Asteroiden. - - - - - 4. Kapitel. - Neue Verfolgung. - - -Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen. - -Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind seinen -furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger im Kampf -geblieben. - -Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in der -Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke -zerschellen. - -Terror kam in den Lenkraum gestürzt. - -»Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,« rief er triumphierend. »Der fügt -uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des Fahrzeuges.« - -»Gut, wir wollen hinunter,« erwiderte Mors. »Ich will sehen, was wir -noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus -entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.« - -»Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,« erwiderte Terror. »Der -Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen -hinunter!« - -Wenige Minuten später senkte sich der »Meteor« langsam und allmählich -auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab. - -Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten -Feindes. - -Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar. - -Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch und -dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von Menschen. - -Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des -Weltenfahrzeuges nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren -buchstäblich in Stücke zerrissen. - -Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von zwei -Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch -einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen -Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich -Brutalität und Grausamkeit. - -Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern bestanden zu -haben. - -Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges, -und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend kräftigen, -muskulösen Schwarzen zu tun gehabt. - -Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise zu -sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges -durchaus nicht ungefährlich. - -Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die -gefährliche Stelle verließen. - -Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente oder -Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte -eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere lagen. - -Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern wieder -nach dem »Meteor« zurück, der sich kurz darauf stolz in die Lüfte erhob. - -Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen? -Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden einen -anderen Ankerplatz gefunden? - -Mors faßte einen schnellen Entschluß. - -Er gab Terror den Befehl, daß der »Meteor« den Asteroiden umkreisen -sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen -Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte. - -Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare -für Mors völlig genügend. - -Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte, mit -hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern der -Erde aufzuwerfen gedachten. - -Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und sich -zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen. - -Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals mißbrauchte, -während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung eines grauenvollen -Verbrechens benutzen wollten. - -Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt um den -Asteroiden. - -Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters. - -»Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,« -sprach er, »aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht haben -sich die Feinde anderweitig verborgen.« - -»Nein,« erwiderte Mors. »Sie sind weiter gefahren. Die beiden Fahrzeuge -haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir bekämpften, -zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in demselben guten -Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte, wie ich aus den -Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen werden. Den einen -Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden anderen -aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen die Fahrt -nach dem Planeten Saturn fortsetzen.« - -»Meinetwegen bis ans Ende der Welt,« erwiderte Terror. »Mir ist es -gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.« - -»Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der Welt,« -erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. »Ein Ende gibt es nicht, -sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit -unseres »Meteor« aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit -Blitzgeschwindigkeit dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt -kommen, denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja -verhältnismäßig nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit -seinen Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem -Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung -verschafft.« - -Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der »Meteor« -den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit in -das Reich der Weltenkörper. - -Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu -fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß seine -ungeheure Anziehungskraft dem »Meteor« keinen Schaden zufügen konnte. - -Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu statten -gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie befanden sich -auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen, um jeden Preis. - -Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des -Weltenfahrzeuges, jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines -Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren -mehr, das war ein Lauf mit dem Tode. - -Vor dem »Meteor« lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu -vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der -durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit der -Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen. - -Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge ins -Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame -Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt, -die den Giganten umschwebten. - -Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen ab und -zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten -bezogen. - -»Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,« setzte Mors -hinzu, als er seine Bedenken geäußert. »Jetzt fragt es sich nur, wo wir -landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht -auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten -wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern zu tun, -die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen. Es wird ein -Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens von den -Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen, verschont bleiben. -Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der mir schon oft die -größten Dienste leistete.« - -»Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,« -entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. »Nach den -Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt hat, -zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der Saturn in -einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet. Seine -Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen Wassers, -die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse, die allerdings -noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal die Tragfähigkeit -des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel landen, müßten wir -mit unserem »Meteor« ins Bodenlose versinken. Dagegen sind die Monde -sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich auch bei ihnen noch -manche Verschiedenheit von dem irdischen Mond vorhanden sein dürfte. Es -ist auch möglich, daß auf den Ringen gelandet werden kann, wenn diese, -wie einige Beobachter behaupten, aus einer Unmenge neben einander -dahinrollender winziger Weltkörper bestehen. Aber das müßte man erst -untersuchen.« - -»Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,« erwiderte -Mors. »Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als -Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen -Kriegszug beginnen.« - -Weiter sauste der »Meteor«, während sich der Planet von Stunde zu Stunde -vergrößerte. - -Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen Firmament, -während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel drehten, einen -geradezu märchenhaften Anblick darboten. - -Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben und -darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer zwei oder -auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden. - -Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen dieser -Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet. Dorthin -schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit dem Fernrohr nach -den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte. - -Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors schwere -Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den Ringen -angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen Stoffes zu -beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und darauf -konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen. - -Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im -Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden, die mit -ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder darboten. - -Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn die -Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend. - -Immer schneller sauste der »Meteor«, sodaß sich die Zeiger der -Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke -arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor schon -an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte. - -Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer wollte -Mors die Schnelligkeit des »Meteor« nicht mindern. Noch immer war der -Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt mit geradezu -unglaublicher Schnelligkeit näherte. - -Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da griff Mors -nach den Hebeln, welche den Magneten regierten. - -Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das gewaltige -Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden, als ob -der »Meteor« plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die sich von -allen Seiten an ihn schmiegte. - -Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren rasenden -Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie die Zeiger -einer Uhr. Der »Meteor« aber schwebte in der Nähe des kleinsten der acht -Monde, die mit der Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz -vorschrieb, den Giganten umkreisten. - - - - - 5. Kapitel. - Ein Kampf ohne gleichen. - - -»Meine Vermutungen haben sich bestätigt,« rief der Professor, der schon -seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. »Der Mond, dem wir -uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Das ist -eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben wohl schon -seit Jahrtausenden erloschen.« - -Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde bot in der -Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige Gebirgszüge, -aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein Ueberrest von -Wasser. - -Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr leicht -möglich sein, daß man auf den anderen Trabanten Lebensbedingungen -entdeckte. - -Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten oder -die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von ganz -anderen Dingen in Anspruch genommen. - -»Da sind sie,« rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen schienen. -»Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die von uns -Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.« - -Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe -am Vorderteil des Weltenfahrzeuges. - -Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte des -Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, daß die höchsten -Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten. - -Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge deutlich -erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die Fahrzeuge -der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen Landungsplatz -gesucht hatten. - -Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond -gelandet und erst beim Erblicken von Mors' Fahrzeug wieder -emporgestiegen. - -Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und schneller. -Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender Geschwindigkeit -die Räume durchfuhren. - -Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um noch -Signale zu wechseln. - -Deutlich sah man vom »Meteor« aus blinkende Lichtstreifen in -verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün. - -Hierauf trennten sich die beiden Kolosse. - -Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein paar -ungeheure Halbkreise. - -Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner. - -»Sie haben uns bemerkt,« sprach er nach kurzem Besinnen, »und denken gar -nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich zum Angriff und -wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und von links, um uns -alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. Sie wollen das Manöver -des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. Vorwärts, es gilt!« - -Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der Luftpirat -zu manövrieren. - -Seltsamerweise lenkte er den »Meteor« nach den riesigen Gebirgen, wo -schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten. - -Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im leeren -Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem er -blindes Vertrauen schenkte. - -Die Feinde hatten dies nicht erwartet. - -Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose hinaus, -während der »Meteor« schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte. - -Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der Nähe des -gigantischen Fahrzeuges. Der »Meteor« fuhr bis zu dem Bergsattel und -erwartete dort die Angreifer. - -Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum wieder -zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale. - -Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit -fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust. - -Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten auf -die Befehle ihres Gebieters. - -Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich sahen, -einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen auf -die Gegner ausübten. - -Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen, -schießschartenähnlichen Oeffnungen. - -Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen im -luftleeren Raum zu fechten. - -Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug -war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet. - -Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die sich -nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten. - -Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig von -dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde durch -Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich. - -Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine Spur -einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen -geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz wie -die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt des Todes. - -Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen besaßen, -ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber das mußte sich -ja binnen kurzem entscheiden. - -Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den Rammsporn -anzuwenden. - -Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der Feind -in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische -Signal zum Beginn des Schießens gab. - -Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches -Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen. Kein -Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches den -Schall hervorbrachte. - -Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich, wie die -Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf des feindlichen -Weltenfahrzeuges trafen. - -Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche -Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde. - -Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber blickte -öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser Feind in -den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat zu zerstören -suchte. - -Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden. Mors -wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft zum -schnellsten Schießen aufforderte. - -Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den -hartnäckigen Angriff erstaunt. - -Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf des -amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder -seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu -sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff -übergehen zu können. - -Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger -Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen benutzen -konnten. Der »Meteor« wendete und drehte sich, als wäre er ein lebendes -Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper immer -wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze erzitterte. - -Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse -herübergeflogen. - -Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung besaß, -wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen Luft, die -aus den Schießscharten hervorströmte. - -Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte -sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten Formen -annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin und her, bis -sie spurlos ins Nichts verschwanden. - -Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger Geschosse -zurückgeworfen. - -Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte. Er war -dem »Meteor« schon ganz nahe, man sah seinen spitzen, stählernen Sporn -in grellster Beleuchtung funkeln. - -Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn, den -das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des »Meteor« bohren würde. -Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur -vermochten. - -Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf -des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam. - -Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch mit -gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen -weit hervorragenden Felsen. - -Es war die Rettung für den »Meteor«, denn beim zweiten Angriff wäre der -Koloß sicherlich angebohrt worden. - -Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das Dröhnen -des Anpralls Geräusch verursachte. - -Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen, daß -durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes -aufgerissen sein mußte. - -Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich -zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den Felsen -hinunter. - -Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen -schleifte. - -Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb. Schwerfällig -wälzte er sich auf die Seite. - -Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst zugefügt. -Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort klaffte eine -furchtbare Bresche. - -Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche sich -einen Ausweg suchte. - -Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit sich, -aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte sich -im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen des -halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein. - -Mors nahm sein Glas und sah hinüber. - -Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten, die -sich wie toll gebärdeten. - -Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde -herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein -Hindernis entgegensetzte. - -Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen Kapsel, -die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack mit -Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu wehren. - -Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem -halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen -wollten. - -Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger. Mors -sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar mit dem -Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten -Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten und dann -leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten. - -Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles Lebende in -dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte. - -Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische -Glocke. - -Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und letzte -amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit -fürchterlicher Geschwindigkeit auf den »Meteor« losgeschossen. - - - - - 6. Kapitel. - Im Urstoff versunken. - - -Der Luftpirat hatte gerade noch Zeit, den Hebel des Riesenmagneten -herumzuwerfen. - -Eine Sekunde später und der »Meteor« wäre von dem Rammstoß getroffen und -höchstwahrscheinlich in zwei Teile gespalten worden. - -So aber entging Mors noch durch eine geschickte Wendung seines -Fahrzeuges der drohenden Gefahr, obwohl ihn dieses verzweifelte Manöver -beinahe gegen die leuchtenden Felsen schleuderte. - -Er sah noch, wie der graue Körper des Feindes dicht an der gläsernen -Scheibe vorüberglitt und dann zurückprallte. - -Der Feind war mit dem gefährlichen Rammsporn gegen die Bergwand -gestoßen, aber er hatte mehr Glück als das zweite Weltenfahrzeug. - -Der Koloß zerbrach nicht, nur der Sporn wurde etwas verbogen. Deutlich -sah Mors, wie dieser spitze, stählerne Sporn in eine Art Papageischnabel -verwandelt worden war. Er war bedeutend gekrümmt und deshalb lange nicht -mehr so gefährlich. - -Unmittelbar darauf wendete Mors sein Fahrzeug, sodaß die Inder ihre -Geschütze gebrauchen konnten. - -Sie zögerten keinen Augenblick, und überschütteten den Feind mit einem -Hagel von Geschossen. Diese trafen gut, und da die Geschosse aus -ziemlicher Nähe abgefeuert wurden, merkte der Gegner den Ernst der Lage. - -Ferner hatte man dort das zweite zerstörte Weltenfahrzeug gesehen und da -mochte man das gleiche Schicksal befürchten. - -Genug, der Riese erhob sich und fuhr mit fürchterlicher Geschwindigkeit -in die Höhe, Mors aber war gleich hinter ihm her, fest entschlossen, die -Entscheidung herbeizuführen. - -Das Blättchen hatte sich gewendet. Aus dem Angreifer war ein Flüchtender -geworden. Das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge wendete sich und -sauste mit unheimlicher Geschwindigkeit ins Endlose hinein. - -»Wir dürfen ihn nicht entkommen lassen,« rief Mors seinem treuen Terror -zu. »Zwei der Feinde sind vernichtet und auch der dritte muß fallen. -Vorwärts, ihm nach, wir müssen das äußerste aufbieten.« - -Wieder begann die wilde Fahrt, aber diesmal in die Saturnwelt hinein. - -Mors behielt den Feind unablässig im Auge und da sah er, wie derselbe -dem größten der acht Saturn-Trabanten zustrebte. - -Dieser Mond, der eine eigentümlich gelbrote Färbung besaß, war das -nächste Ziel. Dort schien der Verfolgte Schutz suchen zu wollen. - -Es war ein großartiger Anblick, wie die beiden Weltenfahrzeuge durch den -Raum dahinjagten, dem riesigen Mond zu, der mit jedem Augenblick an -Größe zunahm. - -Sicherlich besaß dieser Trabant Luft oder wenigstens eine Hülle, die der -Luft sehr ähnelte. - -Diese Schicht schien aber ungemein dick zu sein und glich einem grauen -Nebel, aus dem nur zuweilen die gelbrote Oberfläche des Gestirns -hervorleuchtete. - -Der Verfolgte strebte unablässig auf diese nebligen Massen zu. Dort -wollte er sich vielleicht verbergen, einen Platz suchen, an dem er die -Schäden ausbessern und vor allen Dingen den gefährlichen Stahlsporn für -einen neuen Angriff bereit machen konnte. - -Das mußte Mors vermeiden, aber er sah ein, daß der Gegner vor ihm auf -dem Monde des Saturn anlangen mußte. - -Immer näher kam die Nebelhülle. Mors sah deutlich, wie der verfolgte -Feind hineintauchte. - -»Ihm nach, ihm nach,« rief Mors unwillkürlich, als ob er mit sich selber -spräche. »Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Schließlich -benutzt er die Dunsthülle, um die Ringe des Saturn zu erreichen. Das -wäre das Schlimmste. Ich muß ihm auf den Fersen bleiben.« - -Wenige Minuten später tauchte der »Meteor« gleichfalls in die -Dunsthülle. - -»Terror, prüfe ob das Luft ist,« rief Mors seinem Gefährten zu. »Sieh -zu, ob diese eigenartige Dunsthülle die Elemente enthält, welche zum -Leben nötig sind.« - -Der wackere Ingenieur ließ sich das nicht zweimal sagen. Hastig begab er -sich zu einem Apparat, der in einer Ecke des Lenkraumes angebracht war -und zur Prüfung der Außenwelt diente. - -Kleine Röhren führten durch die Metallwand des Weltenfahrzeuges hindurch -und in wenigen Augenblicken konnte sich Terror über die Beschaffenheit -der sonderbaren Dunsthülle orientieren. - -»Es ist Luft, Kapitän,« rief er freudig. »Sie ist zwar dick und schwer, -aber sie läßt sich atmen.« - -Die Dunsthülle schien sehr dick zu sein und umgab den »Meteor« wie ein -leichter Nebel. Man konnte nicht weit sehen, sodaß Mors die -Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges vermindern mußte. - -Da schrie Terror laut auf. - -»Kapitän, Vorsicht, Vorsicht!« rief er. »Da seht, unter uns, da ist -alles glühend.« - -Mors übergab seinem treuen Gefährten die Maschinen, und sprang an das -Ausguckfenster. - -Ein unheimlicher Anblick bot sich dar. - -Es schien, als ob die Oberfläche des Saturnmondes, die man jetzt -erblickte, aus einer feurig-flüssigen Masse bestände. Diese Masse glich -einem glühenden Ozean und wogte hin und her. - -Aus diesem scheinbar glühenden Meere aber ragten hier und dort zackige -Kuppen hervor, die kleinen Inseln glichen. - -Der »Meteor« schwebte schon dicht über der gefährlichen Oberfläche des -Saturnmondes. - -Mors legte die Hand an die Glasscheibe. - -War das wirklich Glut, so mußte sich die Hitze bemerkbar machen. Wie -wunderte sich daher der Luftpirat, als er beim vorsichtigen Berühren der -dicken Glasscheibe keine merkbare Veränderung entdeckte. - -»Terror,« rief er seinem Gefährten zu. »Das sind keine feurigen Massen, -sondern jener Stoff, von dem der Professor gesprochen hat. Der ist noch -nicht so dicht wie Wasser und auch kein Gas, es ist der Urstoff, aus dem -die Welten entstanden sind. Der ist nur feurig gefärbt, er enthält keine -Glut. Von einer unnatürlichen Hitze haben wir nichts zu befürchten.« - -»Mag sein,« brummte Terror. »Davon verstehe ich wenig, aber ich habe -doch die Empfindung, als ob mit dem glänzenden, funkelnden Zeug da unten -nicht zu spaßen ist.« - -Mors blickte jetzt durch die Glasscheiben. - -Es schien, als ob sich der Nebeldunst verzog, als ob das Himmelsgewölbe -wieder sichtbar wurde. Gleichzeitig erblickte er den Riesenplaneten mit -seinen Ringen. - -»Da ist der Feind,« schrie Terror, als er neben Mors getreten. »Dort, -Kapitän, dort -- seht Ihr, da fliegt er eben schwerfällig über die -Felsenspitzen.« - -»Wirklich, da ist er,« antwortete der Luftpirat, »aber der macht ja ganz -sonderbare Bewegungen.« - -»So ist es, Kapitän,« versetzte Terror. »Es sieht wahrhaftig aus, als ob -das kolossale Ding hüpfte und springt, es scheint, als wollte der Koloß -empor und könnte nicht, als würde er von einer unnatürlichen Gewalt -immer wieder herabgezogen.« - -»Du hast recht,« erwiderte Mors. »So ist es, und er wird auch -hinabgezogen. Ganz so wie wir in diesem Augenblick. Betrachte die -Instrumente, wir sind am Sinken.« - -»Alle Teufel,« rief Terror. »Da müssen wir ja rasch in die Höhe! Rasch, -Kapitän, es ist gerade so, als ob die zähe Masse uns hinunterzwingt. Das -ist ja unheimlich.« - -Mors ergriff die Hebel, die den Riesenmagneten in Bewegung setzten. - -Er riß und zog daran, alles gehorchte. Man hörte deutlich, wie sich die -Diamanten laut knirschend drehten. Man sah, wie sprühende Blitze aus den -großen Edelsteinen hervorfuhren. Aber es war umsonst. Vergebens wurde -der Magnet gegen die grauen Felsspitzen gerichtet. Tiefer sank der -»Meteor«, immer tiefer. - -Da deutete Terror wieder auf das Fenster. - -»Kapitän, seht, seht,« rief er. - -Der Luftpirat vergaß einen Moment sein eigenes bedrohtes Fahrzeug. Der -Anblick, der sich ihm darbot, war geradezu grausig. - -Dort war das verfolgte amerikanische Weltenfahrzeug, aber es hüpfte und -sprang nicht mehr. Es befand sich bereits über der wogenden, scheinbar -glühenden Masse. Der Urstoff leckte daran empor wie die feurigen Zungen. - -Jetzt tauchte der Riese ein, langsam, ganz langsam, drüben machte man -offenbar verzweifelte Anstrengungen, um der Katastrophe zu entgehen. - -Es war vergebens, das feindliche Fahrzeug sank tiefer und tiefer, die -seltsame Masse brodelte um das dem Verderben geweihte Werk von -Menschenhand herum. - -Jetzt ragte nur noch der Aufbau auf der Galerie empor, noch einmal -funkelte der stählerne Sporn, welcher Kapitän Mors bald verhängnisvoll -geworden. - -Nun schlugen die leuchtenden Massen hoch empor, ganz wie das Wasser, -wenn etwas Schweres hineinstürzt. Das dritte und letzte Weltenfahrzeug -der Amerikaner war spurlos verschwunden. - -»Die Natur hat selbst gerichtet,« sprach Mors. »Die Elemente haben ihr -Zerstörungswerk ausgeübt. Sie haben das getan, was uns vielleicht nicht -möglich gewesen wäre. Terror, die Erde ist von einer ungeheuren -Katastrophe gerettet.« - -»Und das hat sie Euch zu verdanken, Kapitän,« erwiderte der treue Mann. -»Wäret Ihr nicht gewesen, so würde eine geradezu entsetzliche -Katastrophe über die irdische Welt hereingebrochen sein. Aber ich -bezweifle, ob man Euch dafür danken wird.« - -»Ich begehre auch gar keinen Dank,« erwiderte der Luftpirat finster. -»Ich habe das, was ich getan, nur aus Menschlichkeit vollbracht. Das ist -meine Befriedigung, das ist mir tausendfacher Lohn.« - -»Ganz recht, Kapitän,« brummte Terror. »Aber ich fürchte, Ihr müßt Eure -Aufopferung teuer bezahlen und wir mit Euch. Seht auf die Instrumente. -Wir sinken tiefer und tiefer. Der Magnet wirkt nicht mehr, wir werden -von diesen Massen da unten mit unwiderstehlicher Kraft angezogen. Wir -teilen das Schicksal der Amerikaner!« - -Terror hatte recht. - -Der »Meteor« begann jetzt ebenfalls mit jenen hüpfenden und springenden -Bewegungen, die man vorher bei dem versunkenen Fahrzeug gewahrt. Er -begann sich ebenfalls in ganz eigentümlicher Weise zu bewegen. - -Das Vorderteil strebte empor, das Hinterteil mit dem Magneten wurde -unablässig hinabgezogen. - -»Jetzt ist es aus, Kapitän,« meinte Terror. »Jetzt kommt das letzte.« - -»Noch nicht,« erwiderte Mors. »Ich sehe jetzt, woran es liegt, daß wir -nicht in die Höhe kommen können. Die brodelnde Masse da unten übt nur -einen Einfluß auf die Lenkstangen aus, die aus einem Metall bestehen, -welches der Anziehung nicht widerstehen kann. Wir müssen die -Isolierketten einschalten, dann wird sich der »Meteor« wieder erheben.« - -Terror sprang schon nach der Maschinerie, welche diese Aenderung -bewerkstelligte. - -»Zu spät, Kapitän,« rief er tonlos, »wir tauchen schon ein. Wir haben -die Oberfläche dieses unheimlichen Weltkörpers erreicht, wir sind im -Sinken!« - -»Nein, noch ist es nicht zu spät,« rief Mors. »Wir müssen hinauf und die -Lenkstangen von der Galerie aus lösen. Wenn die Ketten den Magneten -allein halten, kommen wir hoch. Rasch, rasch, es ist kein Augenblick zu -verlieren.« - -Die beiden Männer stürmten nach vorn. - -Das Fahrzeug lag schräg, sein Vorderteil ragte noch hoch über die weiche -Masse hinaus, in welche das Achterteil des »Meteor« bereits eingesunken -war. - -Ein Blick überzeugte Mors, daß die Türen, die zur Galerie führten, nicht -mehr geöffnet werden konnten. Auch dieser Teil des »Meteor« war bereits -in dem rätselhaften Urstoff verschwunden. - -Weiter rannten die beiden Männer. Jetzt erreichten sie den vorderen -Raum, wo die Inder und der Professor standen. - -»Das Fenster auf,« schrie Mors mit Donnerstimme. »Rasch, das Fenster -geöffnet!« - -Vier baumstarke Inder sprangen zu den Kurbeln, welche die Glasscheibe -bewegten und rissen aus Leibeskräften daran. - -Es schien aber, als hätte sich heute alles gegen Kapitän Mors -verschworen. - -Ob die starken Männer zu hastig gedreht hatten, ob das Fenster gequollen -war, genug, man hörte ein Bersten und Krachen. - -Die vier Inder stürzten zur Erde und hielten den eisernen Handgriff noch -fest. Die Kurbel, welche die Glasscheibe bewegte, war abgebrochen. - -Es war übrigens das einzige Glasfenster auf der Vorderseite des -»Meteor«, welches geöffnet werden konnte. Die zweite bewegliche -Glasscheibe befand sich im Hinterteil des Fahrzeuges. - -»Nun ist alles vorbei,« murmelte Terror, der sich mit eisiger Ruhe in -das Unvermeidliche zu ergeben schien. »Jetzt geht es hinunter in diese -schauerliche Masse. Da verschwinden wir auf Nimmerwiedersehen.« - -Mors warf einen wilden Blick in die Runde. - -Er sann auf einen Ausweg, aber er wußte sich keinen Rat mehr. - -»Kapitän, die Masse ist doch heiß,« rief jetzt Terror, indem er die Hand -an die dicke Glasscheibe legte. »Man spürt es deutlich, hier ist Glut -vorhanden.« - -Zwei der Inder griffen jetzt nach Werkzeugen und schlugen -verzweiflungsvoll auf das dicke Glas. - -Es war ganz unmöglich, dasselbe gab nicht nach, ebenso gut hätte man auf -einen Felsen schlagen können. - -Immer tiefer sank der Koloß inzwischen in die heiße weiche Masse, -deren gelb und rot gefärbte feurige Wellen über dem Fahrzeug -zusammenzuschlagen drohten. - -»Zurück da!« schallte plötzlich die Donnerstimme des Luftpiraten. -»Tretet beiseite. Ich schaffe einen Ausweg, koste es, was es wolle!« - -Mors hatte eiligst eine jener Zerstörungsmaschinen herbeigezogen, die -man bei den letzten Kämpfen nicht mehr benutzt hatte. Es war eines jener -Gewehre, die auf einer Lafette standen, die mit Rädern versehen war. -Mors richtete die Mündung der kleinen Maschine auf das Fenster und zog -den Hebel ab. Es krachte. Im Weltenfahrzeug stürzte alles zu Boden. Aber -es war nur der Luftdruck, der die Leute niederwarf, das Geschoß tat -seine Wirkung. Es zertrümmerte die starke Glasscheibe. - -Die Stücke flogen hinaus, die eisernen Bänder, welche das Glas -verstärkten, brachen wie morsche Holzstäbchen. - -Halb betäubt richteten sich die Inder empor, aber Mors war ihnen bereits -zuvorgekommen. Er stand an der Oeffnung, umfaßte mit seinen Händen die -zersplitterten Kanten. - -Ein Ruck, ein Schwung und der Luftpirat befand sich auf der Metallwand -des Weltenfahrzeuges. - -Er warf einen flüchtigen Blick in die Runde, er sah den Planeten Saturn, -der scheinbar in greifbarer Nähe schwebte. - -Dann aber rannte Mors mit mächtigen Sätzen über die Galerie nach dem -Achterteil des Fahrzeuges. - -Ein leiser Aufschrei der Erleichterung kam von seinen Lippen. Noch war -der Lenkapparat nicht völlig versunken. - -Mors hatte keine anderen Werkzeuge als seine Hände, aber die genügten -ihm. Er packte die Lenkstangen, welche der unheimlichen Anziehungskraft -des Trabanten nachgaben. Ein furchtbarer Ruck und noch einer, dann riß -er sie aus den Angeln. - -Der Magnet war jetzt nur noch durch die Ketten mit dem Weltenfahrzeug -verbunden, denn sowie die obere Lenkstange gelöst war, wurde auch die -untere isoliert. - -»Bleibt drinnen!« schrie Mors mit donnernder Stimme, als er bemerkte, -daß ihm einige der Inder nachklettern wollten. »Bleibt und klammert Euch -fest, es geht in die Höhe.« - -Gleichzeitig warf sich der Luftpirat auf die Metallwand des »Meteor« und -klammerte sich mit beiden Händen an eine Galeriestange. - -Es war hohe Zeit, daß er es tat, denn das Fahrzeug erhielt einen Ruck, -der jeder Beschreibung spottete. - -Es war der Riesenmagnet, der jetzt seine Tätigkeit begann. Der Magnet -war es, der das Fahrzeug hob, der den »Meteor« vom sicheren Untergange -rettete. - -Mors zog sich auf die Galerie hinauf, indem er sich noch immer an den -Eisenstangen festhielt. Er sah, wie Terrors Gesicht vorn an der -zertrümmerten Fensterscheibe auftauchte. - -»Nach dem Lenkraum!« tönte sein Kommando. »Rasch, Terror -- halte den -»Meteor« innerhalb der Nebelhülle schwebend, damit wir nicht in die -luftleere Zone geraten. Ich komme gleich hinein. Wir müssen die -zerstörte Fensterscheibe versperren.« - -Terror gehorchte und stürzte nach dem Lenkraum. - -Es war hohe Zeit, daß er das mit fürchterlicher Geschwindigkeit -emporstrebende Fahrzeug zum Halten brachte, denn sonst hätte Mors oben -in dem luftleeren Räume ersticken müssen. - -So aber brachte der Ingenieur den Koloß in die Dunstzone zum Halten, -wenige Augenblicke später schwang sich Mors durch das zerstörte Fenster. - -Dieses ließ sich vorläufig nicht ersetzen, wohl aber luftdicht -verschließen. Die Metallplatte war ja noch intakt, und die Inder griffen -jetzt nach den Hebeln, um die gesprengte Oeffnung zu versperren. - -Hierauf wurde mit flüssigem Gummi alles gedichtet, und eine Masse von -Guttapercha darüber geklebt. Stundenlang dauerte diese Arbeit, aber sie -war nötig, die zerstörte Stelle ward luftdicht gemacht. - -Dann schoß der »Meteor« über die Dunstzone empor und schwebte wieder im -Weltenraum, hoch über dem unheilvollen Monde, dessen heiße Gasmassen im -urewigen Wellenspiel kochten und brodelten. - -Da lag der Saturn, jetzt wieder rein weiß leuchtend, der Saturn mit -seinen Ringen, mit dem fürchterlichen Zerstörungsstoff. - -Van Halen trat zu dem Luftpiraten. - -»Wir sind gerettet,« sprach der Astronom. »Wir sind dem schrecklichen -Verderben entronnen.« - -»Vor allem ist die Katastrophe von der Erde abgewälzt,« sprach Mors, -indem er mit der Rechten auf den glänzenden Planeten deutete. »Dort -liegt der höllische Stoff, den die Gegner holen wollten. Dort liegt die -furchtbare Materie, die in ungerechten Händen grauenvolles Verderben -anrichten kann.« - -Höher hob sich der »Meteor«, immer höher. - -Ueber dem Trabanten rissen die Nebelschleier; man sah den brodelnden -Urstoff, in dessen Tiefen das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge ein -schauriges Grab gefunden. - -Der unglückliche Ingenieur Reymond war gerächt, die Katastrophe, die der -Erde gedroht, beseitigt. Im Weltenraume schwebte das Weltenfahrzeug des -Kapitän Mors, das den Heimweg zur Erde suchte. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 197-231. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten. - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56068-8.txt or 56068-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56068/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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Band.</span> Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. <span class="bolder">Preis 10 Pf.</span> (15 Heller.) -</p> - -<p class="ser"> -<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span> -<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span> -</p> - -<h1 class="title"> -Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges. -</h1> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/pic063.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Immer tiefer sank der Koloß in die glühend heiße, weiche Masse, deren Feuerwellen -über dem Fahrzeug zusammenzuschlagen drohten. -</p> - -</div> - -</div> - -<div class="frontmatter"> -<p class="pub"> -Druck- und Verlags-Gesellschaft<br /> -Berlin -</p> - -</div> - -<p class="tit"> -Die Schreckensreise des -Weltenfahrzeuges. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-1"> -<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br /> -Die Welt in Gefahr. -</h2> - -<p class="first"> -„Halt, wer da! Antwort — oder ich schieße!“ -</p> - -<p> -Diesen Worten folgte das scharfe Knacken eines Revolverhahns. -Sonst umgab Dunkelheit diese nächtliche Szene. -</p> - -<p> -„Schießen Sie nicht,“ tönte eine sonore Stimme. „Ich komme zwar -zu ungewöhnlicher Stunde, aber ich bin kein Dieb, kein Mörder.“ -</p> - -<p> -Im nächsten Moment blitzte das helle Licht einer elektrischen -Lampe auf. -</p> - -<p> -Das blendende Licht beleuchtete ein geräumiges, sehr behaglich -eingerichtetes Zimmer, an welches ein großes Schlafzimmer stieß. -</p> - -<p> -Der Vorhang, welcher dies Gemach von dem Zimmer trennte, war -zurückgeschoben. -</p> - -<p> -Dort stand ein Mann in mittleren Jahren, der in aller Hast einen -Schlafrock angezogen zu haben schien. -</p> - -<p> -Er war wohl offenbar aus dem Bett gesprungen, seine bloßen Füße -steckten in Pantoffeln und in der rechten Hand hielt der Mann einen -scharfgeladenen Armeerevolver. -</p> - -<p> -Die Unruhe dieses Herrn war erklärlich, denn das Geräusch eines -zerbrochenen Fensters weckte ihn aus dem besten Schlummer. -</p> - -<p> -Der Fensterladen vor der großen Spiegelglasscheibe war emporgehoben -und die Scheibe selbst durch einen anscheinend mit großer -Wucht geführten Schlag zertrümmert. -</p> - -<p> -Das elektrische Licht aber hatte nicht der Bewohner dieser Räume -entflammen lassen, sondern ein Eindringling, der zur Mitternachtsstunde -durch das zerbrochene Fenster hereingekommen sein mußte. -</p> - -<p> -Da stand dieser Mann, dessen athletische Gestalt durch einen -grauen Mantel in militärischem Schnitt verhüllt wurde. -</p> - -<p> -Er stand hoch aufgerichtet, in der Linken die elektrische Lampe -haltend, eine blaue Mütze mit breitem, goldenem Streifen bedeckte -seinen Kopf, während eine schwarze Halbmaske das energische, kühn -geschnittene Antlitz bedeckte. -</p> - -<p> -„Da bin ich,“ sprach er zu dem schier fassungslosen Bewohner -dieser Räume. „Sie haben mich gerufen. Ich habe den geheimnisvollen -Hilferuf in einer der größten Zeitungen des Kontinents gelesen. Ich -habe die Bedeutung desselben verstanden. Daß ich zur Nachtzeit -hierherkommen mußte, ist freilich ungewöhnlich, aber ich kann nicht -anders. Kapitän Mors steht vor Ihnen!“ -</p> - -<p> -Gleichzeitig hatte der rätselhafte Besucher ein großes Zeitungsblatt -unter seinem Mantel hervorgezogen. -</p> - -<p> -„Dieses Inserat stammt von Ihnen, nicht wahr?“ fuhr er fort, während -der so jäh aufgeweckte Mann vor ihm noch immer nicht wußte, -ob er wachte oder träumte. „Hier lesen Sie, das ist das Inserat, in welchem -ich, Kapitän Mors, aufgefordert werde, die Welt und deren Bewohner -vor einer Katastrophe zu bewahren. Und zwar vor einer Katastrophe, -wie sie die Weltgeschichte noch nicht kennen soll. Diese Worte -hier sind nur für mich berechnet. Anderen würde dies Inserat als die -Eingabe eines Wahnwitzigen erscheinen. Aber Sie haben Ihre Gründe -gehabt, dieses Inserat so geheim zu halten. Ich bin dem Rufe gefolgt. -Sprechen Sie. Wie kann ich Ihnen helfen?“ -</p> - -<p> -Der Aufgeweckte ließ den Revolver sinken. -</p> - -<p> -Sein Gesicht war ungemein geistvoll und verriet den Denker, -zugleich aber auch den Mann, der, wenn er wollte, auch recht energisch -aufzutreten vermochte. -</p> - -<p> -„Sie sind Ingenieur Reymond,“ fuhr Kapitän Mors fort. „Sie haben -gewußt, daß ich mich stets über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem -Laufenden halte, daß ich alle großen Zeitungen genau lese. Nun sagen -Sie mir alles, denn ich habe Zeit, so lange die Dunkelheit dauert. Beim -ersten Morgengrauen muß ich den Rückweg antreten.“ -</p> - -<p> -„Aber um Himmels willen, wie sind Sie nur hier hereingekommen?“ -fragte der Ingenieur, als er sah, daß sich Kapitän Mors ruhig in -einem Sessel niederließ. „Dieses turmartige Gebäude ist ja sechs Stock -hoch. Da vermöchte nicht einmal eine Katze hinaufzugelangen.“ -</p> - -<p> -„Je höher, desto besser,“ erwiderte der Luftpirat mit eisiger Ruhe. -„Im übrigen gibt es für mich wenig Hindernisse. Doch zur Sache. Ich -nehme an, daß die Angelegenheit, die mich hierher geführt hat, eilig ist -und daß es sich in der Tat um das Schicksal der ganzen Welt handelt.“ -</p> - -<p> -Ingenieur Reymond war gewiß kein Feigling, er gewann bald seine -Selbstbeherrschung wieder. -</p> - -<p> -Er betrachtete den berühmten Mann, von dem die Welt so viel -erzählte, mit einem Gemisch von heimlichem Grauen und Bewunderung. -</p> - -<p> -Rasch war eine Lampe entzündet und der Ingenieur nahm seinem -unheimlichen Besucher gegenüber Platz. -</p> - -<p> -„Ich will mich kurz fassen,“ begann er. „Genug, ich bin der technische -Leiter eines riesigen Etablissements, welches Maschinenteile liefert. -Dort erschienen vor einiger Zeit ein paar Männer, die ich für Amerikaner -halte. Sie machten verschiedene Bestellungen und sprachen hauptsächlich -mit dem zweiten Leiter der Fabrik, ich hatte zu jener Zeit eine -andere, sehr wichtige Arbeit vor und achtete wenig auf die Fremdlinge. -Erst durch einen Zufall wurde mein Verdacht rege, nämlich, als ich von -meinem Kollegen erfuhr, daß an die fremden Herren Maschinenteile -abgeliefert wären, über deren Verwendung man sich gar keinen Begriff -machen könnte. Unglücklicherweise war der Auftrag schon ausgeführt -und der Rest der Bestellung abgeliefert, ohne daß ich es zu verhindern -vermochte. Nun, ich will wenig Worte machen, Kapitän Mors. Jene -Fremden, die übrigens über bedeutende Summen verfügten, haben zweifellos -einige Weltenfahrzeuge hergestellt, welche möglicherweise dem -wunderbaren Fahrzeug ähneln, mit welchem Sie durch die Weltenräume -kreuzen.“ -</p> - -<p> -„Ihre Ausführungen setzen mich in einige Verwunderung,“ erwiderte -Mors, nachdem er einen Augenblick nachgesonnen. „Indessen lassen -sich ja wenige Geheimnisse bewahren, und so mag es schon sein, daß -hier und da etwas von meinem Weltenfahrzeug bekannt wurde, ganz so, -wie ja auch mein Luftschiff von vielen gesehen, betrachtet, von einigen -sogar photographiert wurde. Aber das alles überzeugt mich noch nicht, -ob der Welt auch wirklich Gefahr droht. Angenommen, jene Fremden -hätten in der Tat einige Weltenfahrzeuge hergerichtet, was könnte das -der Erde für Schaden bringen?“ -</p> - -<p> -„Jetzt kommt die Hauptsache,“ erwiderte Ingenieur Reymond. -„Deshalb habe ich ja auch meinen Hilferuf in der Zeitung erlassen. -Nachdem ich Verdacht geschöpft, spürte ich den Fremden nach und es -gelang mir eines Abends durch List, über die ich hier nicht näher sprechen -will, die Fremden zu belauschen. Genug, ich verbarg mich in ihrer -Nähe und hörte ihren Gesprächen zu, die mich mit Entsetzen erfüllten. -Diese gefährlichen Männer wollen eine geradezu grauenvolle Katastrophe -herbeiführen und sich dadurch zu Herren der Erde machen. Der -eine dieser Unmenschen meinte, die Erde sei viel zu stark bevölkert und -es würde gar nicht schaden, wenn die Hälfte der Menschheit vernichtet -würde. Hierauf wollte er mit seinem Kumpan eine Tyrannenherrschaft -über das Weltall ausüben.“ -</p> - -<p> -„So, so,“ meinte Mors. „Darüber möchte ich noch einige Fragen -stellen. Zunächst, war es Ihnen, mein Herr, denn nicht möglich, diese -gefährlichen Menschen verhaften zu lassen?“ -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte Reymond. „Ich war allein, ein unglücklicher -Zufall wollte es, daß sie mich entdeckten. Sie verfolgten mich sofort -und hätten sie mich eingeholt, so wäre ich zweifellos ermordet worden. -So aber stürzte ich mich in den Fluß und da ich ein ausgezeichneter -Schwimmer bin, hielt ich mich lange genug unter Wasser, während sie -überall herumsuchten. Sie glaubten, ich sei ertrunken. Glücklicherweise -haben sie mich nicht erkannt, denn sonst gehörte ich längst zu den -Toten. Wenn sie aber jenes Inserat in der Zeitung gelesen haben, kommen -sie auf die Spur. Deshalb habe ich auch, um mich zu schützen, -Vorsichtsmaßregeln getroffen und wohne hier in diesem unzugänglichen -Gebäude, hoffend, daß ich von Ihnen eine Nachricht erhalten würde. -Statt dessen kommen Sie selbst und das ist umso besser.“ -</p> - -<p> -Mors überlegte noch einen Augenblick. -</p> - -<p> -„Herr Reymond,“ sprach er dann in seiner gewinnenden Art und -Weise. „Ich glaube bestimmt, daß jene Unholde das Inserat gelesen -haben und daß sie Ihnen möglicherweise nach dem Leben trachten. Ich -mache Ihnen einen Vorschlag. Wollen Sie mit mir gehen? Wollen Sie -meine Heimat aufsuchen, die geheimnisvolle Insel, die ich bewohne, -den Ort, wo Ihnen kein Mörder nahen dürfte? Dort sind Sie sicher.“ -</p> - -<p> -„Nein, das kann ich nicht,“ entgegnete Reymond. „Ich möchte -hier in Frankreich bleiben, bei meinen Instrumenten, bei meinen Büchern.“ -</p> - -<p> -„Aber dann kann ich Sie nicht schützen,“ erwiderte Mors, „und -ich fürchte, daß Sie alsdann dem Verderben verfallen.“ -</p> - -<p> -„Nun, ich lasse es darauf ankommen,“ erwiderte Reymond. „Ich -glaube, hier bin ich sicher.“ -</p> - -<p> -„So wenig sicher wie vor mir,“ erwiderte der Luftpirat. „Sie sehen -ja, daß auch ich hier eingedrungen bin, und diese Unholde könnten das -gleiche tun. Also ich biete Ihnen nochmals Schutz in meiner geheimnisvollen -Heimat an. Wollen Sie?“ -</p> - -<p> -„Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Anerbieten, aber ich kann -nicht. Ich hänge zu sehr an Frankreich. Hoffentlich haben jene Unholde -auch anderes zu tun, als sich mit mir zu beschäftigen. Doch nun zur -Hauptsache. Das, was ich Ihnen sagen will, betrifft die Katastrophe, die -den Bewohnern der Erde droht.“ -</p> - -<p> -„Ganz recht, das interessiert mich,“ erwiderte Mors. „Angenommen, -jene Menschen hätten einige Weltenfahrzeuge erbaut, so genügt -das nicht, um die Bewohner der Erde zu vernichten, dazu gehören noch -kolossale Zerstörungsmittel von einer Furchtbarkeit, gegen die unsere -irdischen Sprengstoffe als Kinderspielzeug erscheinen.“ -</p> - -<p> -Reymond war aufgestanden. -</p> - -<p> -„Das ist es ja, Kapitän Mors,“ sprach er mit furchtbarem Ernst -und mit gedämpfter Stimme. „Die Unholde wollen sich einen furchtbaren, -zerstörenden Stoff verschaffen, den sie mittelst ihrer Weltenfahrzeuge -holen wollen und zwar aus ungeheurer Ferne. Haben sie diesen Stoff, -der von geradezu vernichtender Wirkung sein muß, so verwandeln sie -ihre Weltenfahrzeuge in Zerstörungsmaschinen und dann wird die Erde -von einem Schicksal betroffen, wie es in der ganzen Weltgeschichte -noch nicht dagewesen ist. Jene unheimlichen Männer müssen große -Kenntnisse in der Mathematik, Astronomie und der Physik besitzen. -Wunderbare Kenntnisse, die sie allerdings zu Verbrechen anwenden -wollen.“ -</p> - -<p> -„Woher gedenken jene Elenden den Zerstörungsstoff zu holen?“ -fragte Mors, jedes Wort betonend. -</p> - -<p> -„Vom Planeten Saturn,“ lautete die Antwort. „Von jenem mächtigen -Weltkörper, der seltsamerweise das einzige Gestirn ist, das von Ringen -umgeben wird, und diese Ringe, die den Riesenkörper des Planeten -umkreisen, bergen nach genauen wissenschaftlichen Beobachtungen eine -Materie, die so fürchterlich wirkt, daß sie imstande ist, die ganze Erde -in Trümmer zu zerspalten. Diesen furchtbaren Stoff wollen jene Unmenschen -holen und damit zur Erde zurückkehren.“ -</p> - -<p> -„Ich verstehe,“ versetzte Mors mit großer Ruhe. „Sie wünschen, -daß ich mit meinem Weltenfahrzeug dies Vorhaben vereitle? Wenn jene -Unholde mit dem Zerstörungsstoff zurückkehren, ist es zu spät. Sie -würden zuerst mich und meine Fahrzeuge vernichten. Ich bin Ihnen -sehr zu Dank verpflichtet, Herr Reymond, und ich erneuere zum dritten -Male mein Anerbieten, mit mir nach meiner fernen Insel zu reisen.“ -</p> - -<p> -„Nein, ich bleibe in Frankreich,“ erwiderte Reymond. „Ich habe -jetzt meine Pflicht getan und das Schicksal der Erde in Ihre Hände gelegt.“ -</p> - -<p> -„Aber Sie sind verloren, Herr Reymond,“ sprach Mors, indem er -sich langsam erhob. „Ich fürcht das Schlimmste.“ -</p> - -<p> -Es war umsonst. Reymond gab nicht nach, er hing zu sehr an -seiner schönen, sonnigen Heimat. In dieser Beziehung war er ein Starrkopf. -</p> - -<p> -Er gab Mors noch verschiedene Informationen, aus denen der -Luftpirat den Ort entnehmen konnte, an welchem die Weltenfahrzeuge -erbaut wurden. -</p> - -<p> -„Ich schulde Ihnen wirklich außerordentlichen Dank,“ erwiderte -der Luftpirat. „Ich habe Ihnen sogar das Fenster zerbrochen und Sie in -ihrem Schlaf gestört. Sprechen Sie, Herr Reymond, kann ich Sie nicht -in irgend einer Weise für diese wichtigen Mitteilungen belohnen?“ -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte der Franzose. „Ich bin selbst sehr vermögend -und bedarf nichts. Ich habe jene Pflicht erfüllt, welche das Gebot der -Menschenliebe vorschreibt und bin überzeugt, daß Sie alles aufbieten -werden, um das Furchtbare zu verhindern. Damit bin ich reich belohnt, -das genügt vollkommen.“ -</p> - -<p> -„Nun denn, so muß ich handeln,“ rief der Luftpirat. „Ich darf -keine Zeit verlieren. Hier ist vielleicht jede Minute kostbar. Leben Sie -wohl, mein Herr, ich ruhe und raste nicht, bis ich das Furchtbare verhindert -habe. Gelingt es mir nicht, dann habe ich meinen Untergang -gefunden.“ -</p> - -<p> -Er sprach diese Worte mit finsterem Entschluß und schwang sich -auf das Fensterbrett. -</p> - -<p> -Außerhalb befand sich eine kleine Brüstung, da glaubte der Ingenieur -trotz der Dunkelheit zu sehen, daß sich dort etwas Schattenhaftes -bewegte. -</p> - -<p> -Er hörte auch ein leises Sausen und Summen, dann schien es, als -ob Kapitän Mors in die Nacht hinausspränge. -</p> - -<p> -Er hörte einen leichten Aufprall, aber unmittelbar am Fenster, -dann folgte ein Rauschen und Schwirren und da sah Reymond, als ob -durch die Finsternis etwas Schwarzes, Schattenhaftes von dannen huschte. -</p> - -<p> -Vorsichtig ließ er den Fensterladen wieder herab, aber er fand in -dieser Nacht keine Ruhe. -</p> - -<p> -Wohl aber fand er sie vierundzwanzig Stunden später, und zwar -für immer, denn da wurde der Ingenieur Reymond, dieser wackere, von -allen geschätzte Mann, auf unerklärliche Weise ermordet aufgefunden. -</p> - -<p> -Der Luftpirat hatte es geahnt, aber Reymond die Warnung des -seltsamen Mannes mißachtet. Er war zurückgeblieben, er hatte den -Schutz, den ihm Mors anbot, verschmäht. Der wackere Mann mußte -seine Menschenliebe mit seinem Leben bezahlen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br /> -Zu spät gekommen. -</h2> - -<p class="first"> -Kapitän Mors hatte mit einer kleinen Flugmaschine, die sich auf dem -lenkbaren Luftschiff befand, den Franzosen besucht. -</p> - -<p> -Das Luftschiff selbst lag auf einer der Felseninseln, an der französischen -Küste und in der nächsten Nacht befand sich Mors bereits auf -dem Rückwege. -</p> - -<p> -Nach glücklicher Fahrt gelangte er auf seiner Insel an, da war es -sein erstes, das Weltenfahrzeug zu inspizieren. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ war jeden Augenblick zu seinem Flug in den Weltenraum -bereit und Mors säumte nicht, das Fahrzeug mit einer ausgewählten -Mannschaft zu besteigen. -</p> - -<p> -Auch der Professor nahm daran teil, obwohl ihn Mors vor den -Gefahren der bevorstehenden Reise warnte. -</p> - -<p> -„Diesmal werden wir uns der Wissenschaft wenig widmen können, -Professor,“ sprach Mors zu seinem gelehrten Freunde. „Diesmal gilt es -eine entsetzliche Katastrophe zu verhindern. Es wäre besser, -Sie blieben hier. Ich glaube, es kommt zu den furchtbarsten Abenteuern, -zu gefährlichen Kämpfen. Es geht auf Tod und Leben.“ -</p> - -<p> -Der Professor war aber nicht zu halten. -</p> - -<p> -Er wußte ja, daß möglicherweise der Saturn besucht wurde. Mors -sprach ja die Vermutung aus, daß jene Unheimlichen bereits die Reise -nach dem fernen Weltkörper angetreten haben könnten. -</p> - -<p> -„Wie, eine solche Gelegenheit sollte ich verpassen,“ rief Professor -van Halen enthusiasmiert, „nimmermehr, der Saturn birgt ja die größten -Rätsel, ich bebe förmlich bei dem Gedanken, diesen wunderbaren Weltkörper -in der Nähe zu sehen. Nehmen Sie mich mit, Kapitän, ich bitte -Sie darum. Sie machen mich unglücklich, wenn Sie mich zurücklassen.“ -</p> - -<p> -Mors gab nach, aber er war diesmal ernst und düster wie nie zuvor. -</p> - -<p> -Er nahm nur Terror mit und hinterließ Star und Herbert genaueste -Instruktionen für den Fall, daß er von der abenteuerlichen Fahrt -nicht mehr wiederkehren sollte. -</p> - -<p> -Diese Instruktionen betrafen das Schicksal der Insel mit allem, was -sich darauf befand. Es war kein Zweifel, wenn Mors zu Grunde ging, so -würde auch sein ganzes Werk vernichtet. -</p> - -<p> -Inzwischen hatte der Luftpirat die Kunde von Reymonds Tod -erfahren. -</p> - -<p> -„Ich habe ihn gewarnt,“ sprach er, als er die Nachricht las. „Aber -der Unglückliche wollte ja nicht hören. Nun, vielleicht kann ich ihn -wenigstens rächen.“ -</p> - -<p> -Nach den Angaben des Ingenieurs befand sich der Ort, an dem -die geheimnisvollen Amerikaner ihre Weltenfahrzeuge erbaut hatten, -irgendwo im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas. -</p> - -<p> -Dorthin waren die Maschinenteile geschickt worden und Reymond, -der sich um diese Angelegenheiten sehr bekümmert, hatte Mors -noch Winke gegeben, welche die Nachforschungen des Luftpiraten erleichterten. -</p> - -<p> -Diesmal wendete sich das Weltenfahrzeug nicht nach dem Weltenraum, -sondern durchschoß mit Blitzesschnelligkeit die Luftzonen über -der Südsee und wendete sich nach den südkalifornischen Landschaften. -</p> - -<p> -Ein Zufall unterstützte Mors, der sein wunderbares Fahrzeug in -den wilden Gebirgen der Sierra Nevada landen ließ und von dort aus -einige Späher aussandte. -</p> - -<p> -Bald erhielt er die Nachricht, daß an der Grenze des Staates Sonora, -der schon zu Mexiko gehörte, merkwürdige Dinge beobachtet worden -seien, die auf eine sonderbare Arbeit schließen ließen. -</p> - -<p> -Wenige Tage später wurde der Verdacht bestätigt, dort hatten die -geheimnisvollen Amerikaner gearbeitet, dort hatten sie ihre Weltenfahrzeuge, -zu denen sie sich die Materialien in verschiedenen Ländern bestellt, -zusammengesetzt. -</p> - -<p> -Ob die Pläne zu diesen wunderbaren Fahrzeugen von ihnen selbst -ausgesonnen worden waren, ob sie einiges über Mors’ Weltenfahrzeug -durch Verrat vernommen, blieb in Dunkel gehüllt. Genug, die Geheimnisvollen -hatten derartige Fahrzeuge zusammengestellt, montiert und -für die Fahrt in den Weltenraum bereit gemacht. -</p> - -<p> -In der nächsten Nacht befand sich Mors mit seiner ganzen Mannschaft -wieder im „Meteor“, der ihn mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit -nach der bezeichneten Gegend brachte. -</p> - -<p> -Das war eine Einöde, die selten oder nie von Menschen betreten -wurde. Dort hatten die Unheimlichen mit Muße arbeiten können. -</p> - -<p> -Als der Morgen graute, war Mors an Ort und Stelle, fest entschlossen, -alles, was er an Zerstörungsmaschinen besaß, zur Vernichtung dieser -gefährlichen Menschen und ihrer Werke aufzubieten. -</p> - -<p> -Schon sah er in der Einöde große Wellblechhallen, die zum -Schutz gegen die Witterung gedient hatten. -</p> - -<p> -Regen gab es hier selten, deshalb dienten diese Wellblechhallen -wohl nur als Schutz gegen die glühende Sonne. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ erhob sich über diesen Hallen, alles war bereit, um -das Zerstörungswerk auszuüben. -</p> - -<p> -Der Luftpirat aber ballte grimmig die Fäuste, denn er sah von -oben in leere Räume. Die drei großen Hallen bargen nichts mehr als -einige Gerätschaften und Werkzeuge. Die Flugmaschinen aber, die man -drin montiert, die waren verschwunden. -</p> - -<p> -Mors ließ den „Meteor“ zu Boden sinken und verließ mit einigen -Indern das Weltenfahrzeug. -</p> - -<p> -Plötzlich begannen einige der Inder zu rennen und zu laufen und -sausten wie Antilopen hinter einer Gestalt her, die mit wilden Sprüngen -zu entkommen suchte. -</p> - -<p> -Bald darauf vernahm Mors lautes Gekreisch, die Inder kehrten zurück -und führten in ihrer Mitte einen Mischling, einen sogenannten -Mulatten. -</p> - -<p> -Der Mann war halbtot vor Angst und glaubte, daß es ihm an den -Kragen ginge. Beim Anblick des Luftpiraten schnappte er beinahe über -und flehte mit jämmerlicher Stimme, ihm das Leben zu schenken. -</p> - -<p> -Mors beruhigte den Zitternden. Es stellte sich heraus, daß der -Mulatte zu den Arbeitern gehörte, die an dieser Stätte für die Fremdlinge -tätig gewesen waren. -</p> - -<p> -Die Unheimlichen hatten die Arbeiter reichlich belohnt und sie -dann entlassen. Der Mulatte aber war dem Trunke ergeben und hatte -sich zur Feier, daß die Arbeit beendigt, so bezecht, daß er in einer Felsenspalte -zurückblieb. -</p> - -<p> -Als er erwachte, fand er sich allein und war gerade im Begriff gewesen, -den Weg nach der nächsten Ansiedlung zu suchen. -</p> - -<p> -„Wo sind die Leute, die hier gearbeitet haben?“ fragte Mors hastig. -</p> - -<p> -„Sie haben drei wunderbare Maschinen gebaut,“ erwiderte der -Mulatte zaghaft. „Damit sind sie in den Himmel hineingeflogen.“ -</p> - -<p> -„Also zu spät gekommen,“ erwiderte Mors. „Aber der Vorsprung -kann nicht allzugroß sein. Ich muß ihnen nach. Ich muß das Schreckliche -verhindern! Freilich, es wird im Weltenraum zum Kampf auf Tod -und Leben kommen.“ -</p> - -<p> -Dem Mulatten wurden noch einige Fragen vorgelegt, und Mors -entnahm daraus, daß jene unheimlichen Amerikaner einen Vorsprung -von sechsunddreißig bis vierzig Stunden besitzen müßten. -</p> - -<p> -Mors gab dem Erschrockenen noch einige Goldstücke und bestieg -mit seinen Mannschaften das Weltenfahrzeug, welches der Mulatte -dumm und blöde anstarrte. -</p> - -<p> -Seinen Aussagen nach hatten die Weltenfahrzeuge der Amerikaner -ein anderes Aussehen besessen, als der „Meteor“; sie waren etwas kleiner, -aber auch mit flüssiger Luft und mit Riesenmagneten ausgerüstet. -</p> - -<p> -Mors gab den Befehl zur Abfahrt, die Türen schlossen sich, der -„Meteor“ hob sich. -</p> - -<p> -Dann hörte man das eigentümliche Surren, welches die Tätigkeit -des Riesenmagneten verkündete. Der „Meteor“ hob sich, und schoß mit -furchtbarer Geschwindigkeit in die Lüfte, den Augen des nachschauenden -Mulatten im Nu entschwindend. -</p> - -<hr class="tb" /> - -<p> -Mors hatte den Professor und Terror von allem, was er erfahren, in -Kenntnis gesetzt. -</p> - -<p> -„Es handelt sich darum, die Erde vor einer Katastrophe zu schützen,“ -sprach er kalt. „Wir haben es mit drei Gegnern zu tun und wenn -dieselben auch etwas kleiner sind, als unser Fahrzeug, so könnten sie -doch durch ihre Ueberzahl einen Vorteil gewinnen. Es handelt sich also -darum, daß wir nicht allein diese drei Weltenfahrzeuge einholen, sondern -sie einzeln vernichten, vor allen Dingen aber verhindern, daß sie -vor uns nach dem Planeten Saturn kommen. Erreichen sie diesen Planeten -vor uns und gelingt es ihnen, sich des zerstörenden Stoffes, der in -den Ringen zu finden ist, zu bemächtigen, so ist die letzte Hoffnung -geschwunden. Jene Schurken sind Verbrecher, obgleich sehr gebildete -Verbrecher. Sie werden ihre Wissenschaft und ihre Kenntnisse zum Unheilstiften -anwenden. Zunächst würden sie uns vernichten und dann -nach der Erde zurückkehren, um daselbst ein Blutbad anzurichten, gegen -welches die fürchterlichsten Kriege der Weltgeschichte als Spielerei -erscheinen. So steht es. Wir haben auf keine Schonung zu rechnen. So -wenig wie wir solche selbst ausüben werden. Vorerst bleibt uns nichts -übrig, als die ganze Schnelligkeit des „Meteor“ zu benutzen und Ausguck -nach den drei Weltenfahrzeugen zu halten.“ -</p> - -<p> -Letzteres übernahm der Professor, der ja am Fernrohr die größte -Uebung besaß. Mors und Terror teilten sich in die Handhabung der -Maschinen. -</p> - -<p> -Noch nie hatte der „Meteor“ so schnell die Luftzone der Erde -durchschnitten wie dieses Mal. Noch nie war er mit so furchtbarer -Schnelligkeit in den Weltenraum hinausgefahren. -</p> - -<p> -Mors schien die Gefahren, die der Weltenraum barg, diesmal -gar nicht zu beachten. Er kümmerte sich nicht einmal darum, daß -er bei dieser Gelegenheit eine Meteorsteinzone streifte. -</p> - -<p> -Terror war gewiß ein Mann von Eisen, aber ihm grauste beinahe, -als er sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit Mors diesmal das Fahrzeug -handhabte. -</p> - -<p> -Bei einem Zusammenstoß wäre das Weltenfahrzeug in Atome zermalmt -worden, aber Mors pochte auf sein Glück, welches ihm schon so -oft in den gefährlichsten Tagen seines Lebens beigestanden. -</p> - -<p> -Er trotzte den Gefahren, er steigerte die Schnelligkeit des „Meteor“ -bis ins Unglaublichste. -</p> - -<p> -Selbst der Professor beobachtete manchmal kopfschüttelnd die -Instrumente, welche die Schnelligkeit des Fahrzeuges anzeigten. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ sprach er zu dem Luftpiraten. „Wir fahren mit einer -geradezu entsetzlichen Geschwindigkeit. Stoßen wir bei dieser Gelegenheit -mit einem Weltkörper zusammen, so werden von unserem „Meteor“ -nicht einmal Atome übrig bleiben.“ -</p> - -<p> -„So ist es,“ versetzte Mors. „Aber es handelt sich hier um das Geschick -von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das -Schicksal herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben -wir, so geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das -ewige Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten -wir sie, so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß -uns dankbar sein. Vorwärts!“ -</p> - -<p> -Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit, -und da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber -begab sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die -Tiefen des Himmelsraumes zu durchsuchen. -</p> - -<p> -Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich -nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten -noch immer einen großen Vorsprung besitzen. -</p> - -<p> -Inzwischen wurde nichts verabsäumt. -</p> - -<p> -Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden -Moment benutzt werden konnten. -Die Leute waren immer auf ihren Posten. -</p> - -<p> -Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten -Saturn trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet -zwölfhundert Millionen Kilometer. -</p> - -<p> -Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn -sein „Meteor“ durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des -Blitzes. -</p> - -<p> -Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man -schärfste Umschau halten mußte. -</p> - -<p> -In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars -ein ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert -worden. -</p> - -<p> -Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den -Raum und wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet. -</p> - -<p> -Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug -teilweise begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort -war also große Vorsicht geboten. -</p> - -<p> -Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier, -wo die Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag -und Nacht reden konnte. -</p> - -<p> -Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die -verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des „Meteor“ war im -Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken. -</p> - -<p> -Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das -Fahrzeug diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände, -denen gegenüber man die Schnelligkeit abmaß. -</p> - -<p> -Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich -Zeiger mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten -Kilometertausende verzeichneten. -</p> - -<p> -Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu -stehen und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen. -</p> - -<p> -Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein. -</p> - -<p> -Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als -man ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr. -Hier mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br /> -Der erste Kampf mit den Gegnern. -</h2> - -<p class="first"> -Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem -Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte. -</p> - -<p> -Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel, -welche aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte. -</p> - -<p> -Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr. -</p> - -<p> -„Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,“ hörte er die Stimme des -Professors. „Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er -sich in der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.“ -</p> - -<p> -Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum. -</p> - -<p> -Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier. -</p> - -<p> -Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein -blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die -massive Glasscheibe schützte das Innere des „Meteor“ vor der Kälte des -Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im luftleeren -Raum herrschen. -</p> - -<p> -Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich -der „Meteor“ stark genähert hatte. -</p> - -<p> -Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber -nicht rund oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und -glich einem Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den -Weltenraum dahinsauste. -</p> - -<p> -Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt -den riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser -fürchterlichen Katastrophe. -</p> - -<p> -Der Astroid schien eine Lufthülle zu -besitzen, wenigstens gewahrte man einen nebelartigen Schimmer an den -Rändern und Vorsprüngen. -</p> - -<p> -Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper, -dann suchte er nach dem Feinde. -</p> - -<p> -Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors -heftete seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne. -</p> - -<p> -„Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,“ sprach der Luftpirat. -„Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte allerdings -das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir haben -ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein Werk, -welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel, das ist ein -Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.“ -</p> - -<p> -Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden -und schien Schutz gesucht zu haben. -</p> - -<p> -Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich -um, möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen -Welt verborgen. -</p> - -<p> -Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt -und warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle -des Luftpiraten. -</p> - -<p> -Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum, -in welchem Terror weilte. -</p> - -<p> -„Wir halten auf den Astroiden -zu,“ lautete das Kommando. „Die Mannschaften haben alles für einen -Kampf fertig zu machen. Sowie wir in die Luftzone des Weltenkörpers -kommen, wird das Fahrzeug dort angegriffen.“ -</p> - -<p> -Terror gehorchte auf der Stelle. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann -mit fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu. -</p> - -<p> -Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast -undurchsichtig wie Glas -diese unbekannte Welt umgab. -</p> - -<p> -Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses -Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu entsetzliche -Stein- und Sandwüste erschien. -</p> - -<p> -Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen -zu machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er -jetzt schon mit bloßen Augen gewahren konnte. -</p> - -<p> -Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte. -</p> - -<p> -Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und -mochte vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der -Dunsthülle schweben. -</p> - -<p> -Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das -Fahrzeug während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem -abzuhelfen versuchte. -</p> - -<p> -Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte -sehr leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht -kamen. -</p> - -<p> -Weiter sauste der „Meteor“, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen -von dem Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe. -</p> - -<p> -Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den -Befehl zum Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung -von fünfhundert Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten. -</p> - -<p> -Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem -Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben. -</p> - -<p> -Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges -bildeten, dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß -seine Vermutungen völlig zutrafen. -</p> - -<p> -Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu -sein. -</p> - -<p> -Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand, -als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte. -</p> - -<p> -„Sie bereiten sich zum Kampfe vor,“ murmelte Mors. „Sie besitzen -sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg -erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur -noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die Entscheidung -fallen.“ -</p> - -<p> -Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe -zum Atmen geeignet war. -</p> - -<p> -Einer der Inder unternahm den -Versuch, indem er sich mit einem Glashelm versehen in einen luftleeren -Raum begab. -</p> - -<p> -Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ meldete er, „die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist -etwas dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge. -Dies kann uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben, -daß wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die Zerstörungsmaschinen -verdecken, geöffnet werden.“ -</p> - -<p> -Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige -freundliche Worte. -</p> - -<p> -Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu. -</p> - -<p> -Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon -frühzeitig bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den -Kampf aufnehmen. -</p> - -<p> -Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges -kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen. -</p> - -<p> -Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners. -</p> - -<p> -Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten -des feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte. -</p> - -<p> -Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und -genau auf die Bordwand des „Meteor“ zufliegen. -</p> - -<p> -Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit, -sodaß die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten. -</p> - -<p> -Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das -war alles. -</p> - -<p> -„Der „Meteor“ widersteht,“ sprach Mors, als er flüchtig die Wände -seines Wunderwerkes prüfte. „Das feindliche Geschoß kann die Metallwand -nicht durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.“ -</p> - -<p> -Auf dem „Meteor“ befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen. -</p> - -<p> -Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die -auf fahrbaren Lafetten ruhten, andere wie kleine Geschütze. -</p> - -<p> -Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im -äußersten Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden -aber als gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten. -</p> - -<p> -Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen -Maschinen in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen. -</p> - -<p> -Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten -gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den „Meteor“ -kreiste. -</p> - -<p> -Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der -Schüsse, die ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis -erweckten. -</p> - -<p> -Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die -Wand des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge -erhielt und hin- und herschwankte. -</p> - -<p> -Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen, -sie genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert. -</p> - -<p> -Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig. -</p> - -<p> -Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges -zum Ziel und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen, -welche die Riesenmagneten in Tätigkeit setzten. -</p> - -<p> -Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem -Lenkraum. -</p> - -<p> -Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem -Feinde abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor -Verletzungen gesichert. -</p> - -<p> -Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche. -</p> - -<p> -Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen. -</p> - -<p> -Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im Weltenfahrzeug -befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem „Meteor“ -wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine Schießscharte -die Bewegungen des Feindes beobachtete, „aufgepaßt, Kapitän, -sie wollen rammen!“ -</p> - -<p> -„Ich sehe es, mein Getreuer,“ erwiderte Mors, indem er das Glas -absetzte. „Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug -besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig -zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer -die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die Amerikaner -dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.“ -</p> - -<p> -Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder. -</p> - -<p> -„Zieht diese Maschinen zurück,“ befahl er, auf die gewehrähnlichen -Zerstörungsmaschinen deutend. „Jetzt werden die anderen verwendet. -Aber erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich -gehe nach dem Lenkraum, denn ich muß meinen „Meteor“ in dieser -entscheidenden Stunde selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando -über Euch übernehmen.“ -</p> - -<p> -Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der -alle Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte. -</p> - -<p> -„Brav gemacht,“ sprach Mors anerkennend. „Nun will ich Dich -ablösen. Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern -übernimm den Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die -Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er -will uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.“ -</p> - -<p> -Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem -Beobachtungsraum hinüber. -</p> - -<p> -Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten -bewegte und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite. -</p> - -<p> -Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit. -</p> - -<p> -Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er -seinen Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte. -</p> - -<p> -Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts. -</p> - -<p> -Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste. -Es schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den -„Meteor“ in der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in -zwei Teile schneiden. -</p> - -<p> -Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes. -Er besaß keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem -Gegner ebenbürtig machten. -</p> - -<p> -Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von -Zaubergewalt bewegt, schnellte sich der „Meteor“ in die Höhe. -</p> - -<p> -Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste -mit furchtbarer Gewalt unter dem „Meteor“ hinweg. -</p> - -<p> -Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre -der Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden. -</p> - -<p> -Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung. -</p> - -<p> -Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig -drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal vermittelte. -Es war das Zeichen zum neuen Feuern. -</p> - -<p> -Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug -von einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben. -</p> - -<p> -Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze, -scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich -selber. -</p> - -<p> -Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten -über, er drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch -an einer einzigen Lenkstange. -</p> - -<p> -Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug -wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens. - -</p> - -<p> -Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum -hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen. -</p> - -<p> -Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen, -jetzt wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit -furchtbarer Gewalt nach unten. -</p> - -<p> -Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit -entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in die -Steinwildnis des Asteroiden. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br /> -Neue Verfolgung. -</h2> - -<p class="first"> -Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen. -</p> - -<p> -Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind -seinen furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger -im Kampf geblieben. -</p> - -<p> -Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in -der Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke -zerschellen. -</p> - -<p> -Terror kam in den Lenkraum gestürzt. -</p> - -<p> -„Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,“ rief er triumphierend. „Der -fügt uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des -Fahrzeuges.“ -</p> - -<p> -„Gut, wir wollen hinunter,“ erwiderte Mors. „Ich will sehen, was -wir noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus -entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.“ -</p> - -<p> -„Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,“ erwiderte Terror. „Der -Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen -hinunter!“ -</p> - -<p> -Wenige Minuten später senkte sich der „Meteor“ langsam und -allmählich auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab. -</p> - -<p> -Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten -Feindes. -</p> - -<p> -Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar. -</p> - -<p> -Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch -und dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von -Menschen. -</p> - -<p> -Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des Weltenfahrzeuges -nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren buchstäblich -in Stücke zerrissen. -</p> - -<p> -Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von -zwei Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch -einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen -Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich Brutalität -und Grausamkeit. -</p> - -<p> -Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern -bestanden zu haben. -</p> - -<p> -Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges, -und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend -kräftigen, muskulösen Schwarzen zu tun gehabt. -</p> - -<p> -Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise -zu sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges -durchaus nicht ungefährlich. -</p> - -<p> -Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die -gefährliche Stelle verließen. -</p> - -<p> -Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente -oder Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte -eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere -lagen. -</p> - -<p> -Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern -wieder nach dem „Meteor“ zurück, der sich kurz darauf stolz in die -Lüfte erhob. -</p> - -<p> -Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen? -Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden -einen anderen Ankerplatz gefunden? -</p> - -<p> -Mors faßte einen schnellen Entschluß. -</p> - -<p> -Er gab Terror den Befehl, daß der „Meteor“ den Asteroiden umkreisen -sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen -Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte. -</p> - -<p> -Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare -für Mors völlig genügend. -</p> - -<p> -Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte, -mit hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern -der Erde aufzuwerfen gedachten. -</p> - -<p> -Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und -sich zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen. -</p> - -<p> -Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals -mißbrauchte, während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung -eines grauenvollen Verbrechens benutzen wollten. -</p> - -<p> -Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt -um den Asteroiden. -</p> - -<p> -Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters. -</p> - -<p> -„Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,“ -sprach er, „aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht -haben sich die Feinde anderweitig verborgen.“ -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte Mors. „Sie sind weiter gefahren. Die beiden -Fahrzeuge haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir -bekämpften, zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in -demselben guten Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte, -wie ich aus den Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen -werden. Den einen Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden -anderen aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen -die Fahrt nach dem Planeten Saturn fortsetzen.“ -</p> - -<p> -„Meinetwegen bis ans Ende der Welt,“ erwiderte Terror. „Mir ist -es gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.“ -</p> - -<p> -„Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der -Welt,“ erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. „Ein Ende gibt es -nicht, sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit -unseres „Meteor“ aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit Blitzgeschwindigkeit -dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt kommen, -denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja verhältnismäßig -nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit seinen -Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem -Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung -verschafft.“ -</p> - -<p> -Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der -„Meteor“ den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit -in das Reich der Weltenkörper. -</p> - -<p> -Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu -fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß -seine ungeheure Anziehungskraft dem „Meteor“ keinen Schaden zufügen -konnte. -</p> - -<p> -Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu -statten gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie -befanden sich auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen, -um jeden Preis. -</p> - -<p> -Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des Weltenfahrzeuges, -jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines -Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren -mehr, das war ein Lauf mit dem Tode. -</p> - -<p> -Vor dem „Meteor“ lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu -vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der -durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit -der Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen. -</p> - -<p> -Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge -ins Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame -Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt, -die den Giganten umschwebten. -</p> - -<p> -Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen -ab und zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten -bezogen. -</p> - -<p> -„Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,“ setzte -Mors hinzu, als er seine Bedenken geäußert. „Jetzt fragt es sich nur, wo -wir landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht -auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten -wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern -zu tun, die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen. -Es wird ein Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens -von den Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen, -verschont bleiben. Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der -mir schon oft die größten Dienste leistete.“ -</p> - -<p> -„Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,“ -entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. „Nach -den Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt -hat, zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der -Saturn in einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet. -Seine Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen -Wassers, die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse, -die allerdings noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal -die Tragfähigkeit des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel -landen, müßten wir mit unserem „Meteor“ ins Bodenlose versinken. -Dagegen sind die Monde sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich -auch bei ihnen noch manche Verschiedenheit von dem irdischen -Mond vorhanden sein dürfte. Es ist auch möglich, daß auf den Ringen -gelandet werden kann, wenn diese, wie einige Beobachter behaupten, -aus einer Unmenge neben einander dahinrollender winziger Weltkörper -bestehen. Aber das müßte man erst untersuchen.“ -</p> - -<p> -„Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,“ erwiderte -Mors. „Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als -Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen -Kriegszug beginnen.“ -</p> - -<p> -Weiter sauste der „Meteor“, während sich der Planet von Stunde -zu Stunde vergrößerte. -</p> - -<p> -Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen -Firmament, während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel -drehten, einen geradezu märchenhaften Anblick darboten. -</p> - -<p> -Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben -und darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer -zwei oder auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden. -</p> - -<p> -Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen -dieser Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet. -Dorthin schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit -dem Fernrohr nach den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte. -</p> - -<p> -Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors -schwere Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den -Ringen angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen -Stoffes zu beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und -darauf konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen. -</p> - -<p> -Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im -Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden, -die mit ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder -darboten. -</p> - -<p> -Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn -die Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend. -</p> - -<p> -Immer schneller sauste der „Meteor“, sodaß sich die Zeiger der -Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke -arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor -schon an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte. -</p> - -<p> -Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer -wollte Mors die Schnelligkeit des „Meteor“ nicht mindern. Noch immer -war der Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt -mit geradezu unglaublicher Schnelligkeit näherte. -</p> - -<p> -Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da -griff Mors nach den Hebeln, welche den Magneten regierten. -</p> - -<p> -Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das -gewaltige Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden, -als ob der „Meteor“ plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die -sich von allen Seiten an ihn schmiegte. -</p> - -<p> -Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren -rasenden Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie -die Zeiger einer Uhr. Der „Meteor“ aber schwebte in der Nähe des -kleinsten der acht Monde, die mit der -Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz vorschrieb, den Giganten -umkreisten. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br /> -Ein Kampf ohne gleichen. -</h2> - -<p class="first"> -„Meine Vermutungen haben sich bestätigt,“ rief der Professor, der -schon seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. „Der Mond, -dem wir uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. -Das ist eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben -wohl schon seit Jahrtausenden erloschen.“ -</p> - -<p> -Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde -bot in der Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige -Gebirgszüge, aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein -Ueberrest von Wasser. -</p> - -<p> -Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr -leicht möglich sein, daß man auf den -anderen Trabanten Lebensbedingungen entdeckte. -</p> - -<p> -Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten -oder die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von -ganz anderen Dingen in Anspruch genommen. -</p> - -<p> -„Da sind sie,“ rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen -schienen. „Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die -von uns Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.“ -</p> - -<p> -Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe -am Vorderteil des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte -des Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, -daß die höchsten Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten. -</p> - -<p> -Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge -deutlich erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die -Fahrzeuge der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen -Landungsplatz gesucht hatten. -</p> - -<p> -Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond -gelandet und erst beim Erblicken von Mors’ Fahrzeug wieder -emporgestiegen. -</p> - -<p> -Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und -schneller. Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender -Geschwindigkeit die Räume durchfuhren. -</p> - -<p> -Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um -noch Signale zu wechseln. -</p> - -<p> -Deutlich sah man vom „Meteor“ aus blinkende Lichtstreifen in -verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün. -</p> - -<p> -Hierauf trennten sich die beiden Kolosse. -</p> - -<p> -Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein -paar ungeheure Halbkreise. -</p> - -<p> -Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner. -</p> - -<p> -„Sie haben uns bemerkt,“ sprach er nach kurzem Besinnen, „und -denken gar nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich -zum Angriff und wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und -von links, um uns alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. -Sie wollen das Manöver des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. -Vorwärts, es gilt!“ -</p> - -<p> -Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der -Luftpirat zu manövrieren. -</p> - -<p> -Seltsamerweise lenkte er den „Meteor“ nach den riesigen Gebirgen, -wo schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten. -</p> - -<p> -Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im -leeren Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem -er blindes Vertrauen schenkte. -</p> - -<p> -Die Feinde hatten dies nicht erwartet. -</p> - -<p> -Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose -hinaus, während der „Meteor“ schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte. -</p> - -<p> -Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der -Nähe des gigantischen Fahrzeuges. Der „Meteor“ fuhr bis zu dem Bergsattel -und erwartete dort die Angreifer. -</p> - -<p> -Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum -wieder zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale. -</p> - -<p> -Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit -fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust. -</p> - -<p> -Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten -auf die Befehle ihres Gebieters. -</p> - -<p> -Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich -sahen, einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen -auf die Gegner ausübten. -</p> - -<p> -Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen, schießschartenähnlichen -Oeffnungen. -</p> - -<p> -Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen -im luftleeren Raum zu fechten. -</p> - -<p> -Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug -war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet. -</p> - -<p> -Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die -sich nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten. -</p> - -<p> -Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig -von dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde -durch Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich. -</p> - -<p> -Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine -Spur einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen -geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz -wie die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt -des Todes. -</p> - -<p> -Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen -besaßen, ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber -das mußte sich ja binnen kurzem entscheiden. -</p> - -<p> -Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den -Rammsporn anzuwenden. -</p> - -<p> -Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der -Feind in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische -Signal zum Beginn des Schießens gab. -</p> - -<p> -Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches -Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen. -Kein Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches -den Schall hervorbrachte. -</p> - -<p> -Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich, -wie die Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf -des feindlichen Weltenfahrzeuges trafen. -</p> - -<p> -Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche -Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde. -</p> - -<p> -Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber -blickte öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser -Feind in den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat -zu zerstören suchte. -</p> - -<p> -Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden. -Mors wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft -zum schnellsten Schießen aufforderte. -</p> - -<p> -Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den -hartnäckigen Angriff erstaunt. -</p> - -<p> -Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf -des amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder -seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu -sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff -übergehen zu können. -</p> - -<p> -Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger -Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen -benutzen konnten. Der „Meteor“ wendete und drehte sich, als wäre -er ein lebendes Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper -immer wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze -erzitterte. -</p> - -<p> -Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse -herübergeflogen. -</p> - -<p> -Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung -besaß, wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen -Luft, die aus den Schießscharten hervorströmte. -</p> - -<p> -Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte -sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten -Formen annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin -und her, bis sie spurlos ins Nichts verschwanden. -</p> - -<p> -Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger -Geschosse zurückgeworfen. -</p> - -<p> -Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte. -Er war dem „Meteor“ schon ganz nahe, man sah seinen spitzen, -stählernen Sporn in grellster Beleuchtung funkeln. -</p> - -<p> -Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn, -den das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des „Meteor“ bohren -würde. Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur -vermochten. -</p> - -<p> -Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf -des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam. -</p> - -<p> -Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch -mit gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen -weit hervorragenden Felsen. -</p> - -<p> -Es war die Rettung für den „Meteor“, denn beim zweiten Angriff -wäre der Koloß sicherlich angebohrt worden. -</p> - -<p> -Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das -Dröhnen des Anpralls Geräusch verursachte. -</p> - -<p> -Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen, -daß durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes -aufgerissen sein mußte. -</p> - -<p> -Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich -zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den -Felsen hinunter. -</p> - -<p> -Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen -schleifte. -</p> - -<p> -Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb. -Schwerfällig wälzte er sich auf die Seite. -</p> - -<p> -Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst -zugefügt. Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort -klaffte eine furchtbare Bresche. -</p> - -<p> -Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche -sich einen Ausweg suchte. -</p> - -<p> -Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit -sich, aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte -sich im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen -des halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein. -</p> - -<p> -Mors nahm sein Glas und sah hinüber. -</p> - -<p> -Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten, -die sich wie toll gebärdeten. -</p> - -<p> -Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde -herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein Hindernis -entgegensetzte. -</p> - -<p> -Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen -Kapsel, die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack -mit Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu -wehren. -</p> - -<p> -Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem -halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen -wollten. -</p> - -<p> -Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger. -Mors sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar -mit dem Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten -Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten -und dann leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten. -</p> - -<p> -Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles -Lebende in dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte. -</p> - -<p> -Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische -Glocke. -</p> - -<p> -Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und -letzte amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit -fürchterlicher Geschwindigkeit auf den „Meteor“ losgeschossen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br /> -Im Urstoff versunken. -</h2> - -<p class="first"> -Der Luftpirat hatte gerade noch Zeit, den Hebel des Riesenmagneten -herumzuwerfen. -</p> - -<p> -Eine Sekunde später und der „Meteor“ wäre von dem Rammstoß -getroffen und höchstwahrscheinlich in zwei Teile gespalten worden. -</p> - -<p> -So aber entging Mors noch durch eine geschickte Wendung seines -Fahrzeuges der drohenden Gefahr, obwohl ihn dieses verzweifelte Manöver -beinahe gegen die leuchtenden Felsen schleuderte. -</p> - -<p> -Er sah noch, wie der graue Körper des Feindes dicht an der gläsernen -Scheibe vorüberglitt und dann zurückprallte. -</p> - -<p> -Der Feind war mit dem gefährlichen Rammsporn gegen die Bergwand -gestoßen, aber er hatte mehr Glück als das zweite Weltenfahrzeug. -</p> - -<p> -Der Koloß zerbrach nicht, nur der Sporn wurde etwas verbogen. -Deutlich sah Mors, wie dieser spitze, stählerne Sporn in eine Art Papageischnabel -verwandelt worden war. Er war bedeutend gekrümmt und -deshalb lange nicht mehr so gefährlich. -</p> - -<p> -Unmittelbar darauf wendete Mors sein Fahrzeug, sodaß die Inder -ihre Geschütze gebrauchen konnten. -</p> - -<p> -Sie zögerten keinen Augenblick, und überschütteten den Feind -mit einem Hagel von Geschossen. Diese trafen gut, und da die Geschosse -aus ziemlicher Nähe abgefeuert wurden, merkte der Gegner den Ernst -der Lage. -</p> - -<p> -Ferner hatte man dort das zweite zerstörte Weltenfahrzeug gesehen -und da mochte man das gleiche Schicksal befürchten. -</p> - -<p> -Genug, der Riese erhob sich und fuhr mit fürchterlicher Geschwindigkeit -in die Höhe, Mors aber war gleich hinter ihm her, fest entschlossen, -die Entscheidung herbeizuführen. -</p> - -<p> -Das Blättchen hatte sich gewendet. Aus dem Angreifer war ein -Flüchtender geworden. Das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge wendete -sich und sauste mit unheimlicher Geschwindigkeit ins Endlose hinein. -</p> - -<p> -„Wir dürfen ihn nicht entkommen lassen,“ rief Mors seinem treuen -Terror zu. „Zwei der Feinde sind vernichtet und auch der dritte muß -fallen. Vorwärts, ihm nach, wir müssen das äußerste aufbieten.“ -</p> - -<p> -Wieder begann die wilde Fahrt, aber diesmal in die Saturnwelt -hinein. -</p> - -<p> -Mors behielt den Feind unablässig im Auge und da sah er, wie -derselbe dem größten der acht Saturn-Trabanten zustrebte. -</p> - -<p> -Dieser Mond, der eine eigentümlich gelbrote Färbung besaß, war -das nächste Ziel. Dort schien der Verfolgte Schutz suchen zu wollen. -</p> - -<p> -Es war ein großartiger Anblick, wie die beiden Weltenfahrzeuge -durch den Raum dahinjagten, dem riesigen Mond zu, der mit jedem -Augenblick an Größe zunahm. -</p> - -<p> -Sicherlich besaß dieser Trabant Luft oder wenigstens eine Hülle, -die der Luft sehr ähnelte. -</p> - -<p> -Diese Schicht schien aber ungemein dick zu sein und glich einem -grauen Nebel, aus dem nur zuweilen die gelbrote Oberfläche des Gestirns -hervorleuchtete. -</p> - -<p> -Der Verfolgte strebte unablässig auf diese nebligen Massen zu. -Dort wollte er sich vielleicht verbergen, einen Platz suchen, an dem er -die Schäden ausbessern und vor allen Dingen den gefährlichen Stahlsporn -für einen neuen Angriff bereit machen konnte. -</p> - -<p> -Das mußte Mors vermeiden, aber er sah ein, daß der Gegner vor -ihm auf dem Monde des Saturn anlangen mußte. -</p> - -<p> -Immer näher kam die Nebelhülle. Mors sah deutlich, wie der verfolgte -Feind hineintauchte. -</p> - -<p> -„Ihm nach, ihm nach,“ rief Mors unwillkürlich, als ob er mit sich -selber spräche. „Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Schließlich -benutzt er die Dunsthülle, um die Ringe des Saturn zu erreichen. -Das wäre das Schlimmste. Ich muß ihm auf den Fersen bleiben.“ -</p> - -<p> -Wenige Minuten später tauchte der „Meteor“ gleichfalls in die -Dunsthülle. -</p> - -<p> -„Terror, prüfe ob das Luft ist,“ rief Mors seinem Gefährten zu. -„Sieh zu, ob diese eigenartige Dunsthülle die Elemente enthält, welche -zum Leben nötig sind.“ -</p> - -<p> -Der wackere Ingenieur ließ sich das nicht zweimal sagen. Hastig -begab er sich zu einem Apparat, der in einer Ecke des Lenkraumes angebracht -war und zur Prüfung der Außenwelt diente. -</p> - -<p> -Kleine Röhren führten durch die Metallwand des Weltenfahrzeuges -hindurch und in wenigen Augenblicken konnte sich Terror über die -Beschaffenheit der sonderbaren Dunsthülle orientieren. -</p> - -<p> -„Es ist Luft, Kapitän,“ rief er freudig. „Sie ist zwar dick und -schwer, aber sie läßt sich atmen.“ -</p> - -<p> -Die Dunsthülle schien sehr dick zu sein und umgab den „Meteor“ -wie ein leichter Nebel. Man konnte nicht weit sehen, sodaß Mors die -Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges vermindern mußte. -</p> - -<p> -Da schrie Terror laut auf. -</p> - -<p> -„Kapitän, Vorsicht, Vorsicht!“ rief er. „Da seht, unter uns, da ist -alles glühend.“ -</p> - -<p> -Mors übergab seinem treuen Gefährten die Maschinen, und -sprang an das Ausguckfenster. -</p> - -<p> -Ein unheimlicher Anblick bot sich dar. -</p> - -<p> -Es schien, als ob die Oberfläche des Saturnmondes, die man jetzt -erblickte, aus einer feurig-flüssigen Masse bestände. Diese Masse glich -einem glühenden Ozean und wogte hin und her. -</p> - -<p> -Aus diesem scheinbar glühenden Meere aber ragten hier und dort -zackige Kuppen hervor, die kleinen Inseln glichen. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ schwebte schon dicht über der gefährlichen Oberfläche -des Saturnmondes. -</p> - -<p> -Mors legte die Hand an die Glasscheibe. -</p> - -<p> -War das wirklich Glut, so mußte sich die Hitze bemerkbar machen. -Wie wunderte sich daher der Luftpirat, als er beim vorsichtigen -Berühren der dicken Glasscheibe keine merkbare Veränderung entdeckte. -</p> - -<p> -„Terror,“ rief er seinem Gefährten zu. „Das sind keine feurigen -Massen, sondern jener Stoff, von dem der Professor gesprochen hat. -Der ist noch nicht so dicht wie Wasser und auch kein Gas, es ist der -Urstoff, aus dem die Welten entstanden sind. Der ist nur feurig gefärbt, -er enthält keine Glut. Von einer unnatürlichen Hitze haben wir nichts -zu befürchten.“ -</p> - -<p> -„Mag sein,“ brummte Terror. „Davon verstehe ich wenig, aber ich -habe doch die Empfindung, als ob mit dem glänzenden, funkelnden -Zeug da unten nicht zu spaßen ist.“ -</p> - -<p> -Mors blickte jetzt durch die Glasscheiben. -</p> - -<p> -Es schien, als ob sich der Nebeldunst verzog, als ob das Himmelsgewölbe -wieder sichtbar wurde. Gleichzeitig erblickte er den Riesenplaneten -mit seinen Ringen. -</p> - -<p> -„Da ist der Feind,“ schrie Terror, als er neben Mors getreten. -„Dort, Kapitän, dort — seht Ihr, da fliegt er eben schwerfällig über die -Felsenspitzen.“ -</p> - -<p> -„Wirklich, da ist er,“ antwortete der Luftpirat, „aber der macht ja -ganz sonderbare Bewegungen.“ -</p> - -<p> -„So ist es, Kapitän,“ versetzte Terror. „Es sieht wahrhaftig aus, als -ob das kolossale Ding hüpfte und springt, es scheint, als wollte der -Koloß empor und könnte nicht, als würde er von einer unnatürlichen -Gewalt immer wieder herabgezogen.“ -</p> - -<p> -„Du hast recht,“ erwiderte Mors. „So ist es, und er wird auch hinabgezogen. -Ganz so wie wir in diesem Augenblick. Betrachte die Instrumente, -wir sind am Sinken.“ -</p> - -<p> -„Alle Teufel,“ rief Terror. „Da müssen wir ja rasch in die Höhe! -Rasch, Kapitän, es ist gerade so, als ob die zähe Masse uns hinunterzwingt. -Das ist ja unheimlich.“ -</p> - -<p> -Mors ergriff die Hebel, die den Riesenmagneten in Bewegung setzten. -</p> - -<p> -Er riß und zog daran, alles gehorchte. Man hörte deutlich, wie -sich die Diamanten laut knirschend drehten. Man sah, wie sprühende -Blitze aus den großen Edelsteinen hervorfuhren. Aber es war umsonst. -Vergebens wurde der Magnet gegen die grauen Felsspitzen gerichtet. -Tiefer sank der „Meteor“, immer tiefer. -</p> - -<p> -Da deutete Terror wieder auf das Fenster. -</p> - -<p> -„Kapitän, seht, seht,“ rief er. -</p> - -<p> -Der Luftpirat vergaß einen Moment sein eigenes bedrohtes Fahrzeug. -Der Anblick, der sich ihm darbot, war geradezu grausig. -</p> - -<p> -Dort war das verfolgte amerikanische Weltenfahrzeug, aber es -hüpfte und sprang nicht mehr. Es befand sich bereits über der wogenden, -scheinbar glühenden Masse. Der Urstoff leckte daran empor wie -die feurigen Zungen. -</p> - -<p> -Jetzt tauchte der Riese ein, langsam, ganz langsam, drüben machte -man offenbar verzweifelte Anstrengungen, um der Katastrophe zu entgehen. -</p> - -<p> -Es war vergebens, das feindliche Fahrzeug sank tiefer und tiefer, -die seltsame Masse brodelte um das dem Verderben geweihte Werk von -Menschenhand herum. -</p> - -<p> -Jetzt ragte nur noch der Aufbau auf der Galerie empor, noch einmal -funkelte der stählerne Sporn, welcher Kapitän Mors bald verhängnisvoll -geworden. -</p> - -<p> -Nun schlugen die leuchtenden Massen hoch empor, ganz wie das -Wasser, wenn etwas Schweres hineinstürzt. Das dritte und letzte Weltenfahrzeug -der Amerikaner war spurlos verschwunden. -</p> - -<p> -„Die Natur hat selbst gerichtet,“ sprach Mors. „Die Elemente haben -ihr Zerstörungswerk ausgeübt. Sie haben das getan, was uns vielleicht -nicht möglich gewesen wäre. Terror, die Erde ist von einer ungeheuren -Katastrophe gerettet.“ -</p> - -<p> -„Und das hat sie Euch zu verdanken, Kapitän,“ erwiderte der treue -Mann. „Wäret Ihr nicht gewesen, so würde eine geradezu entsetzliche -Katastrophe über die irdische Welt hereingebrochen sein. Aber ich bezweifle, -ob man Euch dafür danken wird.“ -</p> - -<p> -„Ich begehre auch gar keinen Dank,“ erwiderte der Luftpirat finster. -„Ich habe das, was ich getan, nur aus Menschlichkeit vollbracht. -Das ist meine Befriedigung, das ist mir tausendfacher Lohn.“ -</p> - -<p> -„Ganz recht, Kapitän,“ brummte Terror. „Aber ich fürchte, Ihr -müßt Eure Aufopferung teuer bezahlen und wir mit Euch. Seht auf die -Instrumente. Wir sinken tiefer und tiefer. Der Magnet wirkt nicht mehr, -wir werden von diesen Massen da unten mit unwiderstehlicher Kraft -angezogen. Wir teilen das Schicksal der Amerikaner!“ -</p> - -<p> -Terror hatte recht. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ begann jetzt ebenfalls mit jenen hüpfenden und -springenden Bewegungen, die man vorher bei dem versunkenen Fahrzeug -gewahrt. Er begann sich ebenfalls in ganz eigentümlicher Weise zu -bewegen. -</p> - -<p> -Das Vorderteil strebte empor, das Hinterteil mit dem Magneten -wurde unablässig hinabgezogen. -</p> - -<p> -„Jetzt ist es aus, Kapitän,“ meinte Terror. „Jetzt kommt das letzte.“ -</p> - -<p> -„Noch nicht,“ erwiderte Mors. „Ich sehe jetzt, woran es liegt, daß -wir nicht in die Höhe kommen können. Die brodelnde Masse da unten -übt nur einen Einfluß auf die Lenkstangen aus, die aus einem Metall -bestehen, welches der Anziehung nicht widerstehen kann. Wir müssen -die Isolierketten einschalten, dann wird sich der „Meteor“ wieder erheben.“ -</p> - -<p> -Terror sprang schon nach der Maschinerie, welche diese Aenderung -bewerkstelligte. -</p> - -<p> -„Zu spät, Kapitän,“ rief er tonlos, „wir tauchen schon ein. Wir -haben die Oberfläche dieses unheimlichen Weltkörpers erreicht, wir -sind im Sinken!“ -</p> - -<p> -„Nein, noch ist es nicht zu spät,“ rief Mors. „Wir müssen hinauf -und die Lenkstangen von der Galerie aus lösen. Wenn die Ketten den -Magneten allein halten, kommen wir hoch. Rasch, rasch, es ist kein -Augenblick zu verlieren.“ -</p> - -<p> -Die beiden Männer stürmten nach vorn. -</p> - -<p> -Das Fahrzeug lag schräg, sein Vorderteil ragte noch hoch über die -weiche Masse hinaus, in welche das Achterteil des „Meteor“ bereits -eingesunken war. -</p> - -<p> -Ein Blick überzeugte Mors, daß die Türen, die zur Galerie führten, -nicht mehr geöffnet werden konnten. Auch dieser Teil des „Meteor“ -war bereits in dem rätselhaften Urstoff verschwunden. -</p> - -<p> -Weiter rannten die beiden Männer. Jetzt erreichten sie den vorderen -Raum, wo die Inder und der Professor standen. -</p> - -<p> -„Das Fenster auf,“ schrie Mors mit Donnerstimme. „Rasch, das -Fenster geöffnet!“ -</p> - -<p> -Vier baumstarke Inder sprangen zu den Kurbeln, welche die Glasscheibe -bewegten und rissen aus Leibeskräften daran. -</p> - -<p> -Es schien aber, als hätte sich heute alles gegen Kapitän Mors verschworen. -</p> - -<p> -Ob die starken Männer zu hastig gedreht hatten, ob das Fenster -gequollen war, genug, man hörte ein Bersten und Krachen. -</p> - -<p> -Die vier Inder stürzten zur Erde und hielten den eisernen Handgriff -noch fest. Die Kurbel, welche die Glasscheibe bewegte, war abgebrochen. -</p> - -<p> -Es war übrigens das einzige Glasfenster auf der Vorderseite des -„Meteor“, welches geöffnet werden konnte. Die zweite bewegliche Glasscheibe -befand sich im Hinterteil des Fahrzeuges. -</p> - -<p> -„Nun ist alles vorbei,“ murmelte Terror, der sich mit eisiger Ruhe -in das Unvermeidliche zu ergeben schien. „Jetzt geht es hinunter in -diese schauerliche Masse. Da verschwinden wir auf Nimmerwiedersehen.“ -</p> - -<p> -Mors warf einen wilden Blick in die Runde. -</p> - -<p> -Er sann auf einen Ausweg, aber er wußte sich keinen Rat mehr. -</p> - -<p> -„Kapitän, die Masse ist doch heiß,“ rief jetzt Terror, indem er die -Hand an die dicke Glasscheibe legte. „Man spürt es deutlich, hier ist -Glut vorhanden.“ -</p> - -<p> -Zwei der Inder griffen jetzt nach Werkzeugen und schlugen verzweiflungsvoll -auf das dicke Glas. -</p> - -<p> -Es war ganz unmöglich, dasselbe gab nicht nach, ebenso gut hätte -man auf einen Felsen schlagen können. -</p> - -<p> -Immer tiefer sank der Koloß inzwischen in die heiße weiche Masse, -deren gelb und rot gefärbte feurige Wellen über dem Fahrzeug zusammenzuschlagen -drohten. -</p> - -<p> -„Zurück da!“ schallte plötzlich die Donnerstimme des Luftpiraten. -„Tretet beiseite. Ich schaffe einen Ausweg, koste es, was es wolle!“ -</p> - -<p> -Mors hatte eiligst eine jener Zerstörungsmaschinen herbeigezogen, -die man bei den letzten Kämpfen nicht mehr benutzt hatte. Es war -eines jener Gewehre, die auf einer Lafette standen, die mit Rädern versehen -war. Mors richtete die Mündung der kleinen Maschine auf das -Fenster und zog den Hebel ab. Es krachte. Im Weltenfahrzeug stürzte -alles zu Boden. Aber es war nur der Luftdruck, der die Leute niederwarf, -das Geschoß tat seine Wirkung. Es zertrümmerte die starke Glasscheibe. -</p> - -<p> -Die Stücke flogen hinaus, die eisernen Bänder, welche das Glas -verstärkten, brachen wie morsche Holzstäbchen. -</p> - -<p> -Halb betäubt richteten sich die Inder empor, aber Mors war ihnen -bereits zuvorgekommen. Er stand an der Oeffnung, umfaßte mit seinen -Händen die zersplitterten Kanten. -</p> - -<p> -Ein Ruck, ein Schwung und der Luftpirat befand sich auf der Metallwand -des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Er warf einen flüchtigen Blick in die Runde, er sah den Planeten -Saturn, der scheinbar in greifbarer Nähe schwebte. -</p> - -<p> -Dann aber rannte Mors mit mächtigen Sätzen über die Galerie -nach dem Achterteil des Fahrzeuges. -</p> - -<p> -Ein leiser Aufschrei der Erleichterung kam von seinen Lippen. -Noch war der Lenkapparat nicht völlig versunken. -</p> - -<p> -Mors hatte keine anderen Werkzeuge als seine Hände, aber die -genügten ihm. Er packte die Lenkstangen, welche der unheimlichen -Anziehungskraft des Trabanten nachgaben. Ein furchtbarer Ruck und -noch einer, dann riß er sie aus den Angeln. -</p> - -<p> -Der Magnet war jetzt nur noch durch die Ketten mit dem Weltenfahrzeug -verbunden, denn sowie die obere Lenkstange gelöst war, wurde -auch die untere isoliert. -</p> - -<p> -„Bleibt drinnen!“ schrie Mors mit donnernder Stimme, als er bemerkte, -daß ihm einige der Inder nachklettern wollten. „Bleibt und -klammert Euch fest, es geht in die Höhe.“ -</p> - -<p> -Gleichzeitig warf sich der Luftpirat auf die Metallwand des „Meteor“ -und klammerte sich mit beiden Händen an eine Galeriestange. -</p> - -<p> -Es war hohe Zeit, daß er es tat, denn das Fahrzeug erhielt einen -Ruck, der jeder Beschreibung spottete. -</p> - -<p> -Es war der Riesenmagnet, der jetzt seine Tätigkeit begann. Der -Magnet war es, der das Fahrzeug hob, der den „Meteor“ vom sicheren -Untergange rettete. -</p> - -<p> -Mors zog sich auf die Galerie hinauf, indem er sich noch immer -an den Eisenstangen festhielt. Er sah, wie Terrors Gesicht vorn an der -zertrümmerten Fensterscheibe auftauchte. -</p> - -<p> -„Nach dem Lenkraum!“ tönte sein Kommando. „Rasch, Terror — -halte den „Meteor“ innerhalb der Nebelhülle schwebend, damit wir -nicht in die luftleere Zone geraten. Ich komme gleich hinein. Wir müssen -die zerstörte Fensterscheibe versperren.“ -</p> - -<p> -Terror gehorchte und stürzte nach dem Lenkraum. -</p> - -<p> -Es war hohe Zeit, daß er das mit fürchterlicher Geschwindigkeit -emporstrebende Fahrzeug zum Halten brachte, denn sonst hätte Mors -oben in dem luftleeren Räume ersticken müssen. -</p> - -<p> -So aber brachte der Ingenieur den Koloß in die Dunstzone zum -Halten, wenige Augenblicke später schwang sich Mors durch das zerstörte -Fenster. -</p> - -<p> -Dieses ließ sich vorläufig nicht ersetzen, wohl aber luftdicht verschließen. -Die Metallplatte war ja noch intakt, und die Inder griffen -jetzt nach den Hebeln, um die gesprengte Oeffnung zu versperren. -</p> - -<p> -Hierauf wurde mit flüssigem Gummi alles gedichtet, und eine -Masse von Guttapercha darüber geklebt. Stundenlang dauerte diese -Arbeit, aber sie war nötig, die zerstörte Stelle ward luftdicht gemacht. -</p> - -<p> -Dann schoß der „Meteor“ über die Dunstzone empor und -schwebte wieder im Weltenraum, hoch über dem unheilvollen Monde, -dessen heiße Gasmassen im urewigen Wellenspiel kochten und brodelten. -</p> - -<p> -Da lag der Saturn, jetzt wieder rein weiß leuchtend, der Saturn mit -seinen Ringen, mit dem fürchterlichen Zerstörungsstoff. -</p> - -<p> -Van Halen trat zu dem Luftpiraten. -</p> - -<p> -„Wir sind gerettet,“ sprach der Astronom. „Wir sind dem schrecklichen -Verderben entronnen.“ -</p> - -<p> -„Vor allem ist die Katastrophe von der Erde abgewälzt,“ sprach -Mors, indem er mit der Rechten auf den glänzenden Planeten deutete. -„Dort liegt der höllische Stoff, den die Gegner holen wollten. Dort liegt -die furchtbare Materie, die in ungerechten Händen grauenvolles Verderben -anrichten kann.“ -</p> - -<p> -Höher hob sich der „Meteor“, immer höher. -</p> - -<p> -Ueber dem Trabanten rissen die Nebelschleier; man sah den brodelnden -Urstoff, in dessen Tiefen das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge -ein schauriges Grab gefunden. -</p> - -<p> -Der unglückliche Ingenieur Reymond war gerächt, die Katastrophe, -die der Erde gedroht, beseitigt. Im Weltenraume schwebte das Weltenfahrzeug -des Kapitän Mors, das den Heimweg zur Erde suchte. -</p> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 197-231. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten. -</p> - -<p> -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56068-h.htm or 56068-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56068/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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