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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56067] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - 56. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. - Preis 10 Pf. (15 Heller.) - - - - - Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. - - - - - Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten. - - - [Illustration: »Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen - beginnt!« schrie Mors mit furchtbarer Stimme.] - - - Druck- und Verlags-Gesellschaft - Berlin - - - - - Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten. - - - - - 1. Kapitel. - Ungelöste Rätsel des Weltenraumes. - - -Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen über dem Festland und den -Meeren, die allmählich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen. - -Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Koloß aus gesehen, -der plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphäre der Erde -hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner. - -War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und sich -nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen Welten -wendete? - -Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug -des maskierten Luftpiraten, welches den Namen »Meteor« führte. - -Fast schien es, als wollte Kapitän Mors, der Erbauer des -Weltenfahrzeuges, der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und -seiner Leute Leben zum Opfer bringen. - -Eben war er erst auf Erden mit Mühe und Not dem drohenden Verhängnis -entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenräume auf, in denen zu -fast jeder Minute das Verderben drohte. - -Dennoch ging Kapitän Mors nach einem genau bestimmten Plan vor, er -konnte eben nicht müßig bleiben. - -Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte, jeder Tag -sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft -verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenräumen erproben konnte. - -Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung. - -Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen, sogar die -Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und gefährlichsten -Abenteuer erlebt. - -Er wußte aus Erfahrung, daß jene intelligenten Bewohner der Planeten ihn -und sein Werk stets feindlich betrachteten. Daß sie durch größeres -Wissen Machtmittel besaßen, welche ihm und seinen Leuten leicht -verderblich werden konnten. - -Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch den -Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten -vermieden wurde. - -Diesmal lockte Mors ein anderes Rätsel. - -Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht hatte, -eins der größten Rätsel der Sternenwelt lösen zu wollen. - -Dies Rätsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn. - -Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte schon bei -den früheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente auf diesen -merkwürdigsten aller Himmelskörper gerichtet und ihn mit dem Eifer eines -Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen, woraus der Ring des -Saturn eigentlich bestand. - -Nun hatte schon vor Jahren ein äußerst scharfsinniger Astronom die -Vermutung aufgestellt, daß sich die Ringe des Saturns aus unzähligen -kleinen Körpern zusammensetzten. - -Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie bestätigt wissen, -und als er Kapitän Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den Kurs -des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet. - -In den Räumen des mächtigen Fahrzeuges standen Kapitän Mors und der -Professor im Gespräch neben den wissenschaftlichen Apparaten. - -»Meine Leute sind während der letzten abenteuerlichen Fahrt auf der Erde -nicht müßig gewesen,« sagte Kapitän Mors. »Sie haben alle meine -Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug in einer -Weise hergerichtet, daß es selbst den höchsten Anforderungen genügt. Der -Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert worden, und so -habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen fremder -Weltenfahrzeuge gesichert.« - -»Jetzt können die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich würde nicht einmal die -Blitze mehr fürchten, mit denen sie damals einen Teil meines »Meteor« -demolierten, jetzt trotze ich ihnen.« - -»Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nähe vorüber,« meinte der -Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glühte. - -»Nein, das ist allerdings nicht der Fall,« meinte Mors, »aber Sie, -bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, daß die intelligenten -Bewohner jener zwei gefährlichen Planeten weite Weltenreisen -unternehmen. Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt, -denn so muß ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl -noch, wie wir einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da muß -ich stets und ständig auf Angriffe gefaßt sein. Aber ich denke, wir -werden diesmal verschont bleiben und die Rätsel lösen, an denen Ihnen so -viel gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, muß sich uns das -Geheimnis des Saturnringes enthüllen.« - -»Gewiß!« erwiderte der Professor. »Bei den Vorsichtsmaßnahmen, die wir -getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen, daß uns Unfälle -begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz außer unserem Kurs, wir -müssen nur die ungeheure Anziehungskraft des größten aller Planeten, des -Jupiter berücksichtigen, denn die hat uns schon einmal sehr zu schaffen -gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure Masse selbst unserem -Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja, Kapitän, der Jupiter hat -schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male Weltenkörper abgefangen.« - -»Nun, das war nicht allzu schwer,« meinte Mors. »Darüber hat man ja -klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem -Kurs geworfen, ihren Lauf verändert, ja sie sogar in Atome -auseinandergetrieben. Aber das sind ja gasförmige Körper, die keinen -Widerstand zu leisten vermögen.« - -»Das ist richtig,« erwiderte der Professor. »Aber ich huldige da noch -einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen. Früher -glaubte man, daß die Monde, von denen der Jupiter vier größere besitzt, -während der Saturn sogar acht Trabanten mit sich führt, der Festwerdung -und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube, daß dies -kleine Weltkörper sind, welche die beiden Riesen durch ihre ungeheure -Anziehungskraft gewissermaßen abfingen und sie bereits seit ungezählten -Millionen Jahren mit sich führen. Kommen wir näher an diese Weltkörper -heran, so hoffe ich auch dies Rätsel lösen zu können.« - -Damit ging der Professor an seine Arbeit. - -Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gemäß die Räume des -Weltenfahrzeugs. - -Unsere Leser werden sich entsinnen, daß der Luftpirat bei seinen letzten -Abenteuern die größte Anzahl seiner Mannschaften einbüßte. - -Der Verlust war jetzt einigermaßen ersetzt durch eine Anzahl Inder aus -den Hochgebirgen, die Kapitän Mors in seine Dienste genommen. - -Er war bis jetzt mit diesen Männern sehr zufrieden, zumal diese ihr -geliebtes Vaterland für immer verlassen mußten. Diese Inder hatten sich -an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer -Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Engländer -kläglich scheitern mußte. - -Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwörer wurde im Kampf getötet, -andere gefangen und nach kurzem Prozeß hingerichtet. Diejenigen, welche -zu flüchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge, wurden -aber auch dort von den Engländern verfolgt und wie die wilden Tiere -umhergehetzt. - -Die freiheitsliebenden Männer gaben sich schon verloren, als sie mit -Kapitän Mors' Sendboten zusammentrafen. - -Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt, -um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem lenkbaren -Luftschiff über den schneebedeckten Hochgebirgen. - -Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Geächteten das Anerbieten -Lindos an und schwuren den fürchterlichen Eid, durch den sie sich für -immer an Kapitän Mors banden. - -Bald führte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Südmeer und -die zähesten und widerstandsfähigsten dieser Männer waren es, welche -Mors bei seiner neuen großen Reise in den Weltenraum begleiteten. - -Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die zwanzig -Köpfe zählte. Dazu kamen noch Mors und der Professor. - -Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nämlich die Schwester des -ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten. - -Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten -schwor. - -Ihren dämonischen Bruder, den Kapitän Mors vernichtet, hatte sie längst -vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhängerin des Mannes mit der -Maske geworden. Dieses noch so junge Mädchen besaß einen wahren -Feuergeist und einen glühenden Hang zu phantastischen Abenteuern; sie -besaß außergewöhnliche mechanische und technische Kenntnisse, in denen -sie sogar die Töchter des Ingenieurs Long, die beide auf der Insel als -glückliche junge Frauen zurückgeblieben waren, übertraf. - -Anita war die Gattin des Professors und auch Lucy Long hatte einen Mann -gefunden. Es war einer der stolzen Inder aus den Hochgebirgen, in dessen -Adern fürstliches Blut rollte. - -Da Nelly dem Professor bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten behülflich -war, und Terror, der Mors diesmal begleitete, die Maschinen im Lenkraum -bediente, gab ihr der Kapitän auf ihr Bitten endlich die Erlaubnis, an -der Weltenfahrt teilnehmen zu dürfen, was sie mit größter Freude -erfüllte. - -Sie hatte es auch übernommen, die Speisen für die Mannschaft -zuzubereiten und war bei dieser Arbeit ebenso zufrieden, als wenn sie an -den Instrumenten saß. - -Mors warf einen Blick in den Raum, der als Küche diente. - -Dort stand Nelly am Herd und Mors konnte sich nicht verhehlen, daß sie -bildschön war. - -In einer gewissen Beziehung war ihm das nicht lieb, denn ein schönes -Mädchen ist auf einem Fahrzeug, welches eine Reise in unbekannte Welten -unternimmt, immerhin eine gewisse Gefahr. - -Hätte Mors noch seine Mannschaft besessen, die er damals bei Ned Gullys -Angriff verlor, so hätte er sich nicht die geringsten Sorgen gemacht, -denn diese Männer waren ja unbedingt zuverlässig gewesen. - -Aber er hatte ja schon mit einem Teil der Normannen früher -Unannehmlichkeiten gehabt und alle diese Gedanken kamen ihm durch den -Sinn, als er die schmiegsame Gestalt seiner reizenden Begleiterin -betrachtete. - -Er besann sich einen Augenblick und trat dann in diesen blitzsauberen -Raum, wo Elektrizität die Dienste des Feuers verrichtete. - -Nelly hörte den Schritt des Luftpiraten und wendete sich schnell um. Ihr -schönes Gesicht wurde rot, als sie den stolzen Mann mit der Maske -gewahrte. - -Es ging ja ein eigentümlicher Zauber von Kapitän Mors aus, ein Zauber, -dem alle Frauen- und Mädchenherzen erlagen. - -Auch Nelly konnte sich diesem merkwürdigen Zauber nicht entziehen. - -Ein bitteres Lächeln schwebte um den Mund des Luftpiraten, als er in den -dunklen Augen des Mädchens die Verwirrung las. - -Mors dachte an die Zeiten, wo auch er glücklich gewesen war. Er -erinnerte sich an jene furchtbaren Tage, wo er alles verlor, was er lieb -hatte, wo die Verzweiflung, der Grimm gegen die Menschheit, ihn zum -Luftpiraten machte, wo er seine furchtbare Waffe, das lenkbare -Luftschiff erbaute. - -Aber das ging rasch vorüber. - -»Nelly,« sprach der Mann mit der Maske. »Ich habe Euch etwas zu sagen. -Ich fahre diesmal mit einer Mannschaft, die ich noch nicht ganz genau -kenne, die beiden Normannen sind freilich treu und zuverlässig, aber die -Inder habe ich, obwohl sie mir den Treueid geschworen, doch noch nicht -so prüfen können, wie meine Veteranen. Nun hört. Sollte jemand Euch in -irgend einer Weise unbescheiden nahen, dann kommt Ihr sofort zu mir und -teilt mir alles mit. Laßt Euch nicht durch Scheu oder durch Rücksicht -anderen Sinnes machen. Sagt es mir ganz offen, wenn Euch jemand -irgendwie belästigt oder beleidigt. Das ist nötig, schon um die -Autorität aufrecht zu erhalten. Ich erwarte, daß Ihr mir in diesem Falle -sofort Meldung erstattet.« - -Nelly versprach das und schien über das ihr bezeigte Vertrauen ganz -glücklich zu sein. Der stolze Mann aber verließ den Raum und schritt -weiter, durch die Gänge und Räume des Weltenfahrzeugs, welches mit -geradezu unheimlicher Schnelligkeit durch die Unendlichkeit dahinflog. - - - - - 2. Kapitel. - Unbekannte Verfolger. - - -Seit dem Beginn der Weltenfahrt waren Wochen verstrichen. - -Die Erde erschien schon längst als ein Stern, der sich nur durch etwas -helleren Glanz von den übrigen Himmelskörpern unterschied. - -Dagegen hatte man sich dem Ziel, welchem man zustrebte, um ein -Bedeutendes genähert. - -Schon konnte man mit bloßem Auge die Gestalt des Saturn und selbst mit -dem kleinsten Fernrohr das Ringsystem dieses merkwürdigsten aller -Weltenkörper betrachten. - -Professor von Halen befand sich in fieberhafter Aufregung und gönnte -sich kaum die nötigste Ruhe. - -Er schrieb seine Beobachtungen nieder und versicherte oftmals mit -leuchtenden Augen, daß die Welt über alle diese Entdeckungen staunen -würde. - -Aber dasjenige, was ihm am meisten am Herzen lag, das Geheimnis des -Saturnringes, hatte der Professor noch immer nicht enträtseln können. - -Es schien, als wollte der Planet mit seinem Ring der menschlichen -Wissenschaft spotten. - -Der Professor richtete die stärksten Instrumente auf den Planeten und -glaubte mehrmals seine Vermutung bestätigt zu sehen. Aber bestimmt ließ -es sich noch nicht sagen, daß der Ring aus lauter kleinen rotierenden -Weltenkörperchen bestand. Man mußte noch näher herankommen. - -Terror versah seinen Dienst mit Eifer und Hingebung. Er wurde dabei -zuweilen von einem der als treu befundenen Normannen abgelöst, aber es -war auch nicht selten, daß sich Kapitän Mors halbe Tage lang im -Maschinenraum aufhielt. - -Die Geschwindigkeit, mit welcher das Weltenfahrzeug durch den -unendlichen Raum schoß, war geradezu unheimlich. Es mochte an -Schnelligkeit sogar diejenige der Meteore und Sternschnuppen -übertreffen. - -»Würde uns Luft umgeben, so würde der Panzer unseres Fahrzeuges durch -die furchtbare Reibung zu glühen anfangen,« sprach Professor von Halen -öfters. »Aber hier fehlt ja die Luft. Hier herrscht nur die tödliche -Kälte des Weltenraumes.« - -Von dieser furchtbaren Kälte aber verspürten die Insassen des -merkwürdigen Fahrzeuges nicht das geringste. Dagegen schützten die -doppelten Wände, in denen sich Behälter mit flüssiger Luft befanden. -Drinnen im Weltenfahrzeug war es warm und behaglich, die Elektrizität -spendete die Wärme, die man brauchte. - -Diese Kraft bereitete die Speisen, sie trieb Maschinen und setzte -Signale in Bewegung, sie speiste auch den riesenhaften Scheinwerfer, der -von Zeit zu Zeit in den Weltenraum hinausleuchtete. - -Nelly war ebenso tätig wie alle anderen und schien sich unentbehrlich -machen zu wollen. Sie hoffte, daß Kapitän Mors sie auch bei fernern -Weltenfahrten mitnehmen würde, denn sie sehnte sich nach Abenteuern. - -Der phantastische Sinn von Ned Gullys Schwester liebte das Ungewöhnliche -und Ungeheuerliche. - -So waren die Wochen vergangen, als plötzlich ein Signal aus dem Lenkraum -erschallte. - -Mors, der sich gerade bei Professor von Halen befand, sah rasch auf die -kleinen bunten Fahnen, die aus bemaltem Blech bestanden. - -Diese Fahnen besaßen verschiedene Farben. Sie waren blau, grün, gelb, -weiß. - -Alle diese Farben hatten ihre besondere Bestimmung, aber Gefahr -verkündeten nur zwei solcher Blechfahnen, von denen die eine rot, die -andere schwarz war. - -Bemerkte man irgend etwas Ungewöhnliches, was Gefahr verkündete, so -richtete sich das rote Fähnchen empor. War die Gefahr aber schon ganz -nahe und unvermutet aufgetaucht, so zeigte sich die schwarze Flagge. - -Mors sah, daß dort, wo der Apparat arbeitete, das rote Fähnchen aufrecht -stand und eilte hastig nach dem Lenkraum. Der Professor folgte ihm auf -dem Fuße. - -Terror befand sich bei seinen Maschinen. Er putzte, reinigte und ölte -sie immer eigenhändig, sodaß er die geringste Unregelmäßigkeit sofort -bemerkte. - -Mors bemerkte sogleich, daß der Schieber von einem der -Beobachtungsfenster entfernt war. - -»Hast Du was Besonderes bemerkt, Terror?« fragte er seinen getreuen -Begleiter. - -»Gesehen habe ich was, Kapitän, aber ich kann nicht recht daraus klug -werden, es scheint irgend was hinter uns herzukommen und zwar sind es -wohl mehrere Dinger. Eins weiß ich aber sicher, es hat von Zeit zu Zeit -rötlich aufgeleuchtet und beim Schein war es mir, als ob kugelförmige -Gegenstände hinter uns hergeflogen kämen. Deshalb gab ich das -Warnungszeichen.« - -Van Halen hatte schon bei den ersten Worten Terrors einen -Beobachtungsapparat herbeigeholt. - -Er stellte ihn so auf, daß er durch die Fenster des Achterteils am -Magneten vorüber in den Weltenraum blicken konnte. - -Draußen bot sich das gewöhnliche Bild. - -Man sah den rabenschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen, mitten -unter diesen die Sonne, welche den Riesenleib des Weltenfahrzeugs grell -beleuchtete. - -Das war merkwürdig, aber erklärlich, denn bei solchen Fahrten herrschte -immer Tag und Nacht zugleich. - -Die Sonne konnte nie verschwinden. Andererseits aber sah man unablässig -die Sterne, weil ja die Luft fehlte. Auch erschien die Sonne nicht als -Strahlenkugel, wie auf der Erde, sondern als gelbrote Scheibe, die -freilich ein ungemein grelles Licht ausstrahlte. - -Van Halen war an solche Beleuchtungen schon gewöhnt und so richtete er -langsam das Beobachtungsinstrument nach der Richtung, wo Terror die -sonderbaren Dinge erblickt haben wollte. Auch Mors schaute hinaus. - -»Ich glaube, es zu haben,« sprach er plötzlich und zwar im selben -Moment, als der Professor eine Bewegung mit der Hand machte. - -»Ich sehe es auch,« rief der Gelehrte. »Ja, ja, Terror hat recht. Die -Dinger kommen hinter uns her und leuchten von Zeit zu Zeit rot auf, um -dann wieder zu verschwinden. Sie erscheinen aber nur kugelförmig, weil -wir sie von vorn sehen. Ich glaube doch, daß sie in Wirklichkeit eine -etwas längliche Form besitzen.« - -Nun kam die Frage, ob man unbekannte Weltkörper vor sich hatte, die den -ewigen Naturgesetzen gehorchend, eine bestimmte Bahn verfolgen. - -Das konnte man sehr leicht feststellen, denn man brauchte ja nur den -Kurs des Fahrzeuges zu ändern. Waren die unbekannten Dinger, von deren -Größe man sich noch keine Vorstellung machen konnte, Weltenkörper, so -mußten sie eben die Bahn, die hinter dem »Meteor« herzuführen schien, -inne halten und bald aus dem Gesichtskreis verschwinden. - -Der Riesenmagnet wendete sich und das merkwürdige Fahrzeug gehorchte wie -ein Schiff dem Steuer. - -Seine Geschwindigkeit mäßigte sich nicht im geringsten, aber es schoß -jetzt in einer anderen Richtung davon, die mit der bisher innegehaltenen -einen spitzen Winkel bildete. - -Nun vergingen zwei Stunden, ohne daß im Lenkraum ein Wort gesprochen -wurde. - -Der Luftpirat hatte sich ein Beobachtungsinstrument herbeigeholt und den -Schieber geöffnet, der das zweite Ausgucksfenster verdeckte. - -Er saß rechts, der Professor links und nun beobachteten die beiden -Männer mit Aufmerksamkeit die befremdlichen Erscheinungen. - -Die dritte Stunde war beinahe zu Ende. - -Da erhob sich Mors von seinem Sitz und sprach mit eisiger Ruhe: - -»Professor, es sind keine Weltkörper, die merkwürdigen Erscheinungen -haben ihren Kurs geändert und kommen wieder hinter uns her.« - -»Eben wollte ich das gleiche sagen,« erwiderte van Halen, indem er sich -umblickte. »Es ist kein Zweifel übrig, wir werden verfolgt.« - -Mors ging mehrere Male im Lenkraum hin und her. - -»Was halten Sie davon, Kapitän?« sprach der Professor, als der Luftpirat -endlich stehen blieb. - -»Ich weiß es wirklich nicht,« lautete die Antwort. »Das, was ich gesehen -habe, läßt sich mit meinen früheren Beobachtungen im Weltenraum absolut -nicht in Vereinbarung bringen. Wir haben Weltenfahrzeuge vom Mars und -von der Venus gesehen, diese Erscheinungen aber sind gänzlich -verschieden. Im übrigen zweifle ich nicht daran, daß wir das Werk irgend -einer Intelligenz vor uns haben, die uns verfolgt und es ist möglich, -daß es so fürchterliche Gegner sind, daß sie uns vernichten können. Eins -aber habe ich entdeckt, die Schnelligkeit, mit der sie sich bewegen, ist -nicht viel größer als die unsere und noch habe ich unsere Schnelligkeit -nicht aufs Höchste gesteigert. Wir können, wenn wir wollen, noch rascher -fahren, ja vielleicht schneller als unsere geheimnisvollen Verfolger und -ihnen auf diese Weise entkommen.« - -Der Professor nickte zustimmend. - -»Da wenden wir einfach unseren Magneten nach dem Saturn zu,« fuhr Mors -fort. »Das wird die Geschwindigkeit bedeutend steigern.« - -»Allerdings,« erwiderte der Professor. »Aber es ist ein zweischneidiges -Schwert. Wir können bei dieser Gelegenheit sehr leicht in den Bannkreis -des Planeten Jupiter geraten. Da steht der Riese.« - -Van Halen deutete durch das Fenster hinaus auf eine kleine, glänzende -Scheibe, neben der man vier helle, leuchtende Punkte gewahrte. - -Ja, das war der größte aller Planeten, der Jupiter, der die Erde im -Volumen an Größe um das fast Dreizehnhundertfache übertrifft. - -Der Riese, der, wie der Professor meint, schon öfter Weltenkörper -abgefangen hatte. - -Kam der »Meteor« in den Bannkreis dieses Kolosses, so konnte er mit -rasender Geschwindigkeit angezogen und für immer festgehalten werden. - -Aber vielleicht war es doch noch besser, mit solcher Gefahr zu rechnen, -als sich auf ein Zusammentreffen mit den rätselhaften Verfolgern -einzulassen. - -Es waren sicherlich Fahrzeuge, die von intelligenten Wesen erbaut worden -waren. Als der Professor ihre Größe berechnete, fand er, daß sie wohl -fünfzigmal größer als das Weltenfahrzeug sein müßten. - -Es wäre Tollkühnheit gewesen, sich diesen Giganten entgegen zu stellen. -Mors entschloß sich deshalb, die größte Geschwindigkeit anzuwenden. - -Wieder wurde der Riesenmagnet gedreht und zum geheimen Bedauern des -Professors auf den Saturn gerichtet. - -Das Weltenfahrzeug verfolgte jetzt einen Kurs, der mit dem bisherigen -einen rechten Winkel bildete. - -Der letzte Zweifel schwand schnell als man sah, wie die Verfolger, fünf -an der Zahl, ihren Lauf auch änderten und hinter dem Fahrzeug des -Luftpiraten herjagten. - -Am unheimlichsten erschien das zeitweilige Aufglühen der Verfolger, denn -es sah so aus, als ob sie in Glut getaucht wären. - -Niemand konnte sagen, was es bedeutete, nur der Professor meinte, daß -sich die Verfolger wohl zu einem Angriff bereit machten. - -Ueber ihre eigentliche Form, die Gestaltung und alles andere konnte man -sich vorerst keine genauere Kenntnis verschaffen. - -Merkwürdigerweise erschien es auch so, als ob sie das Sonnenlicht gar -nicht reflektierten, sondern sich eher an das geheimnisvolle Dunkel des -Weltenraums anpaßten. - -Noch immer schienen sie näher zu kommen, ihre ganze Erscheinung hatte -etwas Grausiges, Entsetzliches. - -Mors war fest davon überzeugt, daß er mitsamt seinem Weltenfahrzeug und -dessen Insassen verloren war, wenn ihn diese unheimlichen Verfolger -erreichten. - -Doch nun hatte sich der Riesenmagnet gewendet und in kurzer Zeit machte -sich eine vermehrte Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges bemerkbar. - -Nachdem zwei Stunden vergangen waren, rief der Professor: »Sie bleiben -zurück, Kapitän, sie werden immer kleiner und kleiner.« - -»Das bewirkt unsere unheimliche Schnelligkeit,« entgegnete Mors. »Es war -das einzige Mittel, um uns diesen unheimlichen und ganz unbekannten -Gegnern zu entziehen. Wenn wir so weiter fahren, werden wir sie -allmählich aus den Augen verlieren.« - -So schnell ging es aber doch nicht, denn die rätselhaften Erscheinungen -waren noch nach vielen Stunden sichtbar. - -Von Zeit zu Zeit zeigte sich auch noch das merkwürdige rötliche -Aufleuchten, aber auch dieses nahm allmählich ab und zuletzt erschienen -die Verfolger nur noch wie unheimliche, glühende rote Punkte. - -Mors gab jetzt den Befehl, die Richtung nochmals zu verändern, denn er -meinte, daß die seltsamen Verfolger nun die Jagd aufgeben würden. - -Terror drehte die Kurbeln und ließ die Maschinen arbeiten, er versuchte -es zwei- und dreimal, aber vergeblich. - -»Kapitän,« rief er. »Das Fahrzeug gehorcht ja nicht mehr.« - -»Ich fürchtete das,« erwiderte Mors. »Aber, unter den Umständen blieb -uns nichts anderes übrig. Wir müssen auf unser gutes Glück vertrauen. -Jetzt sind wir in den Bannkreis des Planeten Jupiter geraten.« - - - - - 3. Kapitel. - Die rote Wolke. - - -Wieder war ein Tag vergangen. - -Die merkwürdigen Verfolger des Weltenfahrzeugs waren verschwunden und -irgend wo in den unendlichen Raum des Weltalls untergetaucht. - -Möglicherweise hatten jene intelligenten Wesen, welche diese -rätselhaften Fahrzeuge leiteten, eingesehen, daß sie das Weltenfahrzeug -nicht einholen konnten. Möglicherweise aber waren sie nur der -gefahrdrohenden Anziehungskraft des Jupiter aus dem Wege gegangen. - -Mors hatte übrigens verschiedenes getan, um dem Bannkreis zu entkommen, -aber als er merkte, daß dies keinen Zweck hatte, ließ er die Dinge ihren -Lauf gehen. - -Er vertraute seinem Glücksstern, er meinte, es würde ihm schon gelingen, -wieder von dem Riesenplaneten hinwegzukommen. - -Nun schoß sein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit nach dem Planeten -Jupiter hinüber. - -Es war überraschend, mit welcher Schnelligkeit sich derselbe -vergrößerte. Ein Beweis, daß er eine ungeheure Anziehungskraft ausübte. - -Schon verschwand die leuchtende Sonne neben der ungeheuren strahlenden -Scheibe, die schließlich den größten Teil des Firmaments einnehmen -mußte. - -Die Mannschaften des Weltenfahrzeuges betrachteten natürlich diese sich -fast mit jeder Stunde vergrößernde Scheibe des Riesenplaneten mit -gemischten Gefühlen. - -Die einzigen, welche kaltblütig darüber dachten, waren die beiden -Normannen, die ja schon mehrere Weltenfahrten mitgemacht hatten, dagegen -verrieten die neuangeworbenen Inder trotz ihres sonstigen Mutes und -ihrer Entschlossenheit jene abergläubische Scheu, die sich beim Anblick -von etwas Fremdartigem nie ganz verbergen ließ. - -Die Leute sahen alle auf Mors, aber als sie bemerkten, daß dieser ganz -ruhig blieb, schienen auch sie ruhiger zu werden. - -Vielleicht ergaben sie sich mit jenem Fatalismus, der den Orientalen -eigen ist, in das Unvermeidliche. Aber sie meinten wohl im Geheimen, daß -ihre Laufbahn hier ein Ende nehmen würde. - -An Mors wagte sich niemand heran, denn vor diesem Manne empfanden die -Leute bei aller Verehrung immerhin Scheu. - -Deshalb gingen sie zu Terror, der freilich auch nicht viel gesprächiger -als der Kapitän war. - -Die neuangeworbenen Inder hatten einen der ihren zum Wortführer erwählt -und dieser Mann wendete sich an Terror mit der Frage, wohin die Reise -eigentlich ginge. - -»Na, Ihr seht es ja, zu diesem Planeten dort,« erwiderte Terror etwas -knurrig. »Bei solchen Reisen, wie wir sie unternehmen, müssen wir immer -auf Abenteuer rechnen. Der Kapitän hat übrigens gesagt, daß die Sache -nicht viel zu bedeuten hat, und daß auf diesem riesigen Weltkörper dort -sicherlich Luft und Wasser existiert. Na und wenn wir da auch ein -Weilchen bleiben müssen, das schadet nichts. Der Kapitän hat schon ganz -andere Dinge vollführt, der wird auch von da wieder loskommen.« - -»Und wenn wir nicht wieder loskommen?« fragte der Inder. - -»Dann bleiben wir eben dort,« erwiderte Terror. »Ich bin ganz zufrieden -damit, wenn ich nur bei meinem Kapitän bin, alles andere ist mir -gleichgiltig.« - -Der Inder hatte aber noch eine wichtige Frage auf dem Herzen. - -»Werden wir unseren Gott Brahma dort vorfinden?« fragte er feierlich. -»Wenn uns der Tod bevorsteht, so wollen wir wenigstens in das Paradies -Brahmas gelangen.« - -Terror aber war kein Freund von den Heldengöttern, besonders nicht von -Brahma, da derselbe, wie er einmal gehört, mehrere Köpfe und eine ganze -Anzahl Arme besitzen sollte. - -»Ja, das weiß ich wirklich nicht,« erwiderte er. »Wenn Ihr hinkommt, -könnt Ihr Euch ja mal nach ihm umsehen. Vielleicht findet Ihr ihn. Im -übrigen laßt mich nun mal in Ruhe, denn ich habe mich um meine -Instrumente zu bekümmern. Die Maschinen müssen tadellos funktionieren, -wenn es nötig wird. Mit Eurem Brahma hat es noch Zeit, bis wir ankommen. -Vorläufig braucht Ihr ihn ja noch nicht, denn Ihr seid ja noch alle am -Leben.« - -Der Inder schnitt ein verdrießliches Gesicht, denn es gefiel ihm ganz -und gar nicht, daß sich Terror in solcher Weise über ihre Gottheit -äußerte. - -Terror wendete ihnen einfach den Rücken zu und ließ die Inder mit ihrem -Brahma machen, was sie wollten. - -Die Leute kehrten also wieder an ihre Beschäftigung zurück, aber sie -befanden sich offenbar in einiger Erregung. - -Man hörte sie öfter flüsternd sprechen und Bemerkungen über das Kommende -austauschen. Einige meinten auch, Terror müsse, da er so unehrerbietig -über Brahma gesprochen, zur Strafe in die Hölle geschleudert werden. - -Der Ingenieur aber kümmerte sich nicht mehr um das indische Paradies, -sondern setzte alle seine Maschinen instand, damit sie im Notfalle ihre -ebenso furchtbaren als nützlichen Dienste leisten konnten. - -Näher kam man dem Riesenplaneten und schon sah man mit bloßen Augen ein -höchst merkwürdiges Gebilde. - -Dieses war schon vor ungefähr vierzig Jahren auf der Erde entdeckt -worden und hatte zu den seltsamsten Vermutungen Anlaß gegeben. - -Man bezeichnete es als die rote Wolke. Es war dies ein eiförmiger Fleck, -der in der dichten Atmosphäre des Jupiter zu schweben schien. - -Einige Astronomen glaubten, es sei eine besonders starke Wolkenbildung, -die durch irgend einen Umstand die dunkelrote Färbung zeigte. - -Andere Beobachter aber glaubten an fürchterliche Vulkanausbrüche dieses -Planeten, der sich noch im Urzustand befinden mußte. Die gleiche Meinung -hatte auch der Professor. - -Beim Näherkommen gewahrte man übrigens, daß man von der Oberfläche des -Planeten so gut wie gar nichts sehen konnte. - -Das, was man erblickte, waren alles Wolken, welche den Riesenkörper -umhüllten, Wolken, welche die Sonnenstrahlen aufleuchtend grell -reflektierten. - -Der Professor meinte, es würde schon noch anders kommen und war -überzeugt, daß man über kurz oder lang einen Blick auf die Oberfläche -des Planeten werfen könne. - -Der Gelehrte vergaß jede Gefahr und war nur darauf gespannt, die Rätsel -des ungeheuren Weltkörpers enthüllt zu sehen. - -Er gönnte sich keine Ruhe, vergaß Speise und Trank, und es kam oft genug -vor, daß er bei seinen Fernröhren und Instrumenten, von der Müdigkeit -überwältigt, die Augen schloß. - -Die rote Wolke verschwand übrigens bald, was nicht verwunderlich war, da -sich ja der riesige Planet in noch nicht zehn Stunden um seine eigene -Achse dreht. - -Diese furchtbare Geschwindigkeit mußte es auch bewirken, daß der Koloß -an den Polenden stark abgeplattet erschien. Alles aber, was man sah, -verriet eine ungemein dichte, im übrigen aber der Erde sehr ähnliche -Atmosphäre. - -»Luft werden wir genug haben,« sprach der Professor zu Nelly, als sie -ihm wieder einmal mit sanfter Gewalt einige Nahrungsmittel aufnötigte. -»Ich glaube sogar, unsere Lungen werden ordentlich Mühe haben, in dieser -starken Luftmasse zu atmen. Aber der Mensch gewöhnt sich eben an alles. -Wasser ist dort auch zu finden. Es sollte mich übrigens nicht wundern, -wenn wir durch die ungeheure Anziehungskraft gezwungen würden, bis zu -unserem Ende Bewohner des Jupiters zu bleiben.« - -Nelly zuckte mit den runden Schultern und ihre Augen glänzten. Solch -Abenteuer war recht nach dem Geschmack der phantastisch veranlagten -Schönen. - -Die Normannen ergaben sich mit Gleichmut in alles, was ihnen bevorstand. -Die Inder dagegen saßen oft zusammen und meinten, wie schrecklich es -sein müsse, wenn ihr Gott Brahma nicht auf dem Planeten hauste, denn -dann wäre ihnen ja das Paradies für ewig verloren. - -Unter einem Teil dieser Leute machte sich bereits Unzufriedenheit -bemerkbar, aber da die anderen treu zu Mors hielten, so verbargen die -Unzufriedenen ihre Empfindungen auf das Sorgfältigste. - -Nach zehn Stunden wurde die rote Wolke wieder sichtbar und da sah man -schon mit bloßen Augen, daß sie eine ungeheure Ausdehnung besaß. Ihr -Umfang war geradezu ungeheuer und es schien, daß dieser dunkelrote Fleck -wohl den zwanzigsten Teil der den Weltenfahrern sichtbaren -Jupiterscheibe bedeckte. - -Ferner sah man andere ungeheure Wolkenmassen, vor allen Dingen aber jene -Ringe, die der Jupiterscheibe ein so merkwürdiges Aussehen verleihen. - -Zeitweise glaubte auch der Professor, einen Blick durch die dichte -Atmosphäre tun zu können. - -Es sah zuweilen so aus, als ob die Wolkenmassen zerrissen und Teile der -Oberfläche des riesigen Planeten enthüllten. - -Geschah dies, so war der Professor gleich mit seinen Instrumenten zur -Hand, aber diese Perioden dauerten immer nur ganz kurze Zeit, sodaß van -Halen nur wenige klare Beobachtungen machen konnte. - -Mors erkundigte sich übrigens bei dem Gelehrten, was er bemerkt hatte, -und der Professor gab bereitwilligst Auskunft. - -»Man hatte auf unserer Erde angenommen, daß der Jupiter noch fast -flüssig sein soll,« sprach er, als er wieder einmal eine Beobachtung -gemacht. »Aber nach reiflicher Ueberlegung bin ich überzeugt, daß dies -nicht der Fall ist. Das, was ich durch das Fernrohr sehe, bestärkt meine -Annahme. Der Koloß befindet sich in einem Zustande, den man auf Erden -als die sogenannte Devon-Zeit bezeichnet hat, als die Zeit der -Panzerfische, und der ersten Landpflanzen. Aber ich vermute auch, daß -auf dem Jupiter noch ungeheuerliche vulkanische Ausbrüche stattfinden -und zwar Ausbrüche, bei denen Wasser und Feuer zusammen in Aktion -treten.« - -»Und was schließen Sie daraus?« fragte der Luftpirat. - -»Nun, das eine, daß wir in eine sehr seltsame Welt kommen,« lautete die -Antwort, »in eine Welt, wo alle Augenblicke Katastrophen eintreten, -Feuer- und Wasserausbrüche, schreckliche Erschütterungen des Festlandes, -kurzum, ein wahres wildes Durcheinander, welches jeder menschlichen -Beschreibung spottet.« - -»Hauptsache ist, daß ich mein Fahrzeug fliegend erhalte,« bemerkte -Kapitän Mors. »Wenn mir das gelingt, so können wir vorerst der Wut der -Elemente trotzen. Schlimmer wäre es freilich, wenn wir direkt durch die -ungeheure Anziehungskraft an den Planeten gebannt würden, sodaß mein -Weltenfahrzeug hilflos wird. Versagt der Magnet dann seine Dienste, so -können wir nimmermehr nach der Erde zurückkehren.« - -»Nun, wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen,« erwiderte der -Professor. »Bei solchen großartigen Naturereignissen kann der Mensch -sein Wissen und seine Erfahrungen benutzen. Solche Naturereignisse -können uns vielleicht sogar zur Rettung dienen.« - -Bei den letzten Worten deutete der Gelehrte auf die geheimnisvolle rote -Wolke, welche gerade in der Mitte des Planeten schwebte. - -Mors zuckte die Achseln und begab sich in den Lenkraum. - -Dort arbeitete Terror wie ein Verzweifelter. - -Der Brave machte sich wenig aus dem Jupiter, denn als er hörte, wie es -dort aussehen sollte, verstärkte sich die Abneigung gegen diese neue -Welt. - -»Was soll ich dort unter den Panzerfischen und Stachelpflanzen,« brummte -er. »Fische esse ich zwar ganz gern, aber ob die Biester dort zu essen -sein werden, möchte ich mit Recht bezweifeln, und die Gemüse aus solchen -Pflanzen würden uns zwischen den Zähnen stecken bleiben. Aber was hilft -es, wenn wir dort bleiben müssen und unsere Vorräte allmählich zu Ende -gehen, müssen wir doch mit dem Vorlieb nehmen, was sich dort befindet. -In der Not frißt der Teufel Fliegen.« - -Terror ließ den Magneten nach allen Richtungen spielen, aber es war -umsonst. Die Anziehungskraft des Giganten spottete seinen Bemühungen. - -Sein einziger Trost war nur der, daß die Schnelligkeit, mit der das -Weltenfahrzeug dahin sauste, einigermaßen gemildert werden konnte. - -Immerhin war mit einem Aufsturz des Fahrzeuges auf den Jupiter zu -rechnen. - -Geschah dies, so mußte das Fahrzeug in Trümmer gehen und alles -menschliche Leben darin vernichtet werden. - -Aber das ließ sich nicht ändern und es kam sicherlich die Stunde, wo -alle menschlichen Machtmittel versagten. - -Immer größer wurde der Planet, dem man mit zunehmender Schnelligkeit -näher kam. Allmählich breitete sich die kolossale Scheibe über das ganze -Firmament aus. - -War es Tag, so blendeten die leuchtenden Wolken derartig, daß man -Schutzbrillen tragen mußte. Stand die Sonne aber hinter dem ungeheuren -Planeten, so wurde es dennoch nicht dunkel, denn die Atmosphäre des -Jupiter schien ein eigenes Licht zu besitzen. - -Dies war freilich schwach im Vergleich zu dem reflektierten Sonnenlicht, -wenn der Planet ganz beleuchtet wurde, war der Glanz derselben kaum zu -ertragen. - -Der Magnet wurde auf die Scheibe des Jupiter gerichtet, um so die -Anziehungskraft nach Möglichkeit abzuschwächen. Mehr konnte man nicht -tun. Das Weitere war dem Walten des Schicksals überlassen. - -Der Professor berechnete kaltblütig die Zeit, in welcher der Aufsturz -stattfinden würde. - -Erst waren es noch Tage, nun wurden es nur noch Stunden. - -Man hörte van Halen, der jetzt nicht mehr von seinen Instrumenten ging, -zuweilen halblaute Worte vor sich hinmurmeln. - -»Vier Stunden vierzig Minuten, vier Stunden dreißig Minuten. Vier -Stunden zwanzig Minuten, jetzt nur noch vier Stunden!« - -Die Inder machten sich auf ein furchtbares Ende gefaßt. - -Da sie sehr religiös waren, so empfahlen sie ihre unsterbliche Seele -Brahma, der mächtigen, indischen Gottheit. - -Die beiden Normannen dagegen machten sich wenig aus dem, was nach ihrem -Ende wurde. Van Halen und Terror, sowie Mors hatten nur Sinn für ihre -Instrumente und Maschinen. - -Mors blieb so ruhig und gelassen, als wenn er sich auf Erden auf seiner -geheimnisvollen Insel befände. Er, Terror und van Halen bewunderten im -Stillen Nelly, die eine unglaubliche Entschlossenheit zeigte und keine -Furcht zu kennen schien. - -Sie besorgte die Mahlzeiten wie gewöhnlich und redete den ziemlich -niedergeschlagenen Indern zu, daß sie Speise und Trank zu sich nehmen -sollten. - -Wieder neigte sich der Professor auf seine Instrumente. - -»Noch dreißig Minuten,« sprach er. »Dann haben wir den Planeten -erreicht. In einer halben Stunde muß sich unser Schicksal entscheiden.« - - - - - 4. Kapitel. - Wunderbare Abenteuer. - - -Die dreißig Minuten schienen eine Ewigkeit zu werden. - -Bald sah man nichts mehr, denn das Weltenfahrzeug befand sich zwischen -den ungeheuren Wolkenmassen, die den Jupiter verhüllten. - -Mors warf noch einen letzten Blick durch die Gucklöcher, welche durch -starke Gläser verschlossen wurden. - -Er sah nichts als eine wirbelnde Masse, graue, weiße, braune Wolken, -zuweilen auch ein rötliches Aufleuchten. - -Jedenfalls befand sich die Atmosphäre des Riesenplaneten in ungeheurer -Erregung. - -Was da aber vorging, konnte kein Sterblicher sagen. - -Die letzten Minuten vergingen. - -»Jetzt kommt der Luftprall,« sprach der Professor zu Mors, der mit der -Uhr in der Hand die kommenden Dinge erwartete. - -Nelly war auch da und sah mit ihren feurigen Augen auf den Luftpiraten. - -Wenn es zum Sterben kam, wollte sie wenigstens in seiner Nähe den Tod -erleiden. - -Jeden Augenblick erwartete man die Katastrophe. - -Der Luftpirat war darauf gefaßt, daß das Fahrzeug in Stücke zerschellen -würde. - -Mit einem Male verspürte man eine seltsame Berührung. - -Es war, als hätte das Fahrzeug etwas Weiches, Widerstandsfähiges berührt -und dann vernahm man deutlich, wie etwas gegen die gepanzerten Wände -schlug. - -Der Professor sprang empor. - -»Wir sind angelangt,« rief er. »Aber wir sind nicht auf festem Boden, -sondern auf Wasser angekommen. Kein Zweifel, der »Meteor« ist mit großer -Geschwindigkeit in eine ungeheure Wasseransammlung hineingetaucht.« - -Das Meer oder der See oder was es nun sein mochte, mußte sehr tief sein. - -Plötzlich richtete sich das Fahrzeug, welches bis dahin eine schräge -Lage gezeigt, wieder auf und schoß so schnell empor, daß Nelly und der -Professor sich festklammern mußten. - -Es schoß direkt aufwärts, aber nun verlangsamte sich die Bewegung nach -vorwärts, dafür aber geschah etwas anderes, was nicht minder merkwürdig -war. - -Das Weltenfahrzeug geriet nämlich in schaukelnde Bewegungen, es war -gerade so, als ob irgend etwas Geheimnisvolles, Starkes mit dem »Meteor« -spielte. - -»Was ist das?« rief Nelly, die sich tapfer festgehalten. - -»Wir schwimmen,« sprach Mors, »wir sind wieder aufgetaucht und da der -»Meteor« trotz seines ungeheuren Gewichtes, dank seiner Innenräume und -der Behälter mit flüssiger Luft, leichter ist als Wasser, so schwimmen -wir höchstwahrscheinlich auf der Oberfläche eines Jupiter-Gewässers.« - -»Da mag es aber toll hergehen,« meinte Terror, der eben an der Tür -erschien. »Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht ein fürchterlicher -Sturm diesen Jupiter-See von Grund auf aufwühlt. Wir werden ja hin- und -hergeschleudert, als ob unser Koloß eine Seifenblase ist.« - -Mors sah wieder durch die kleinen Gucklöcher. - -In wenigen Augenblicken überzeugte er sich, daß Terror Recht hatte. - -Der »Meteor« schwamm auf einer empörten See, die durch einen -fürchterlichen Sturm aufgewühlt wurde. - -Da sah man Wellen, gegen die die der irdischen Gewässer harmlos -erschienen, Riesenwellen, die das sonderbare Fahrzeug wie einen -Spielball hin- und herwirbelten. - -Terror und der Professor waren jetzt auch an die Gucklöcher getreten, -ebenso Nelly, die mit glänzenden Augen das Naturschauspiel einer -unbekannten Welt bewunderte. - -Die Schwester Ned Gullys besaß scharfe Augen, und sie war es auch, -welche zuerst etwas Ungewöhnliches bemerkte. - -»Kapitän,« rief sie plötzlich. »Da ist etwas Dunkles. Das ist Land!« - -Wenige Augenblicke später erhielt das umhergeschleuderte Fahrzeug einen -gewaltigen Stoß. - -Es war aber sicherlich kein Felsen, gegen den es stieß, sondern eine -Sandbank. - -Man vernahm deutlich, wie das Fahrzeug sich auf der Sandbank hin- und -herschob und wie es sich allmählich immer höher auf das Land -hinaufwühlte. - -Der Sand türmte sich zur Linken und Rechten empor und bildete allmählich -einen Schutzwall. Die von dem Sturm gepeitschten Wogen schlugen noch -zuweilen über das Achterteil des Weltenfahrzeuges, bis es zuletzt still -und unbeweglich im weichen Triebsand ruhte. -- -- -- -- -- - -Es vergingen viele Stunden, ehe sich der Aufruhr der Elemente legte. - -Der Sturm schien schon längst zu Ende gegangen zu sein, aber die Wellen -gingen noch immer hoch. Man sah durch die Gucklöcher, wie die Wogenberge -über die Oberfläche des unbekannten Meeres hinüberfegten. - -Dann kam ja die Nacht, da ja bekanntlich der Tag auf dem Jupiter kaum -zehn Stunden lang dauert. - -Aber dunkel wurde es nicht, denn der Jupiter besaß ja vier Monde, die -eine großartige Beleuchtung spendeten. - -Bei diesem Schein sah man die noch immer außerordentlich unruhige -Oberfläche der See, auch hörte man das Donnern einer entfernten -Brandung. - -Mors glaubte auch zuweilen durch die Gucklöcher Umrisse von Felsen und -Hügeln sehen zu können, aber die Atmosphäre war sehr wenig durchsichtig. - -So blieb denn vorläufig nichts weiter übrig, als daß man die Ruhestätte -aufsuchte, aber Mors sorgte dafür, daß stets einige Wachen Ausguck -hielten. - -Als die Nacht zu Ende ging, gewahrte Mors, daß sich die Oberfläche des -Jupitermeeres bedeutend beruhigt hatte. - -Da drängte es ihn, hinauszugehen und die Luft dieser neuen, unbekannten -Welt zu atmen. - -Das war nicht unbedenklich, indessen hatte der Professor schon einige -Beobachtungen gemacht und die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß die -dicke Luft des Jupiter, wenn auch mit einigen Beschwerden, geatmet -werden konnte. - -Das Weltenfahrzeug lag ungefähr zur Hälfte in den Sand gebettet, aber -die luftdicht schließenden Türen, welche nach außen führten, waren -freigeblieben. - -Mors öffnete die innere Tür und schloß sie wieder sorgfältig. Er wies -jede Begleitung zurück, obwohl Nelly und van Halen ihn nicht verlassen -wollten. - -Hierauf öffnete der Kapitän vorsichtig die äußere Tür und versuchte, die -Luft zu atmen. - -Sie war dick, schwer, aber zu ertragen. Sie schien nur eine ungeheure -Menge Kohlensäure zu enthalten. Dies verursachte die Empfindung eines -leichten Rausches. Da aber der menschliche Organismus sehr -anpassungsfähig ist, meinte Mors, daß sich seine Mannschaft auch daran -gewöhnen würde. - -Jetzt stieg der Luftpirat langsam an der eisernen Treppe hinan, die zur -oberen Plattform führte. - -Er hatte ein merkwürdiges Empfinden, denn es war ihm zu Mute, als ob -sein ganzer Körper aus Blei bestände. - -Das war erklärlich, da der Planet Jupiter um soviel mal größer als die -Erde war, mußte naturgemäß alles, was sich da befand, auch bedeutend -schwerer wiegen. - -Immerhin erwies sich dies nicht hinderlich, wenn man Bewegungen mit den -Gliedern machte. Mors kam es so vor, als besäße er jetzt die Kraft, -einen Felsen zertrümmern zu können. - -Jetzt stand er auf der Plattform. - -Zur Rechten lag das Meer, dessen Oberfläche noch immer in ziemlicher -Bewegung war. Zur Linken aber sah man das Land, welches freilich ein -höchst sonderbares Aussehen besaß. - -An den Ufern des Meeres dehnte sich ein mächtiger Sandstrand aus, -weiterhin stieg das Land empor. Da sah Kapitän Mors Felsen, Hügel und -Klippen. - -Die meisten aber besaßen eine höchst eigentümliche Form, denn sie waren -kegelförmig und auf ihren Höhen befanden sich kreisrunde Öffnungen. - -Ferner sah Mors merkwürdige Felsenringe, die fast riesigen -Springbrunnenbecken glichen. Das Sonderbarste aber war, daß sie mit -Wasser angefüllt waren, welches zuweilen aufbrodelte. - -Mors sah sich um, ob er nicht irgendwo Pflanzenleben entdeckte. Es -dauerte einige Zeit, ehe er dieses bemerkte, aber endlich gewahrte er -solches zwischen den Hügeln. - -Diese Flora war sehr spärlich, aber immerhin sah Mors hier und da üppige -Pflanzen stehen. - -Es waren eine Art Gräser, aber wie der Professor vorausgesagt, ungemein -stachelig, alles schien von Dornen förmlich zu starren und das Ganze -besaß direkt ein unheimliches Aussehen. - -Als Mors in das Wasser blickte, gewahrte er, daß es recht klar und -durchsichtig war. - -Da unten war ein ganz anderes Leben und da sah Mors zunächst eine Menge -Algen und Tang, er sah auch lebende Geschöpfe, die dort ihr Wesen -trieben. Fischartige, anscheinend mit Knorpeln und Horn gepanzerte -Ungetüme. - -»Van Halen hat recht gehabt,« murmelte der Luftpirat. »Das ist hier eine -Epoche, die man auf Erden längst überwunden hat. Eine Zeit, die noch der -Steinkohlenperiode voranging. Vor allen Dingen eine Welt, in der -fürchterliche, vulkanische Erscheinungen zu den alltäglichen Ereignissen -gehören. Aber es hilft nichts, wir müssen uns damit abfinden.« - -Er erprobte noch einmal die Luft und ging dann hinunter, um seine -Gefährten von seinen Beobachtungen zu benachrichtigen. - -Mors forderte alle Insassen des Weltenfahrzeuges auf, nach der Plattform -zu kommen und die fremdartige Umgebung zu betrachten. - -Der Professor und Nelly waren natürlich die ersten, welche diesem Rufe -folgten und sich nicht wenig über die bleierne Schwere in den Gliedern -wunderten. Mißtrauischer benahm sich schon Terror, der bedächtig die -neue Luft einsog und nach allen Richtungen umherschnüffelte. - -Er brummte auch allerlei Bemerkungen in den Bart, die keine -Schmeicheleien für die neue Welt sein mochten. - -Dann kamen die Normannen, die ziemlich gleichgültig die fremdartige -Umgebung betrachteten. - -Die Inder waren die letzten, die sich auf die Plattform hinauswagten. - -Mors beobachtete diese Leute aufmerksam, denn er hatte schon bemerkt, -daß die Inder ein wenig verzagt schienen. - -Der Luftpirat staunte aber, als die Bewohner der indischen Gebirgswelt, -nachdem sie kaum ein paar Blicke auf die Umgebung geworfen, sichtliche -Freude verrieten. - -Ihre Augen begannen zu glänzen, sie deuteten bald hier hin, bald -dorthin, und machten sich auf die sonderbaren Formen der Hügel und -Felsen aufmerksam. - -Mors trat zu den braunen Leuten. - -»Nun, was sagt ihr zu dieser neuen Welt?« forschte er, die Inder -betrachtend. - -»O Herr,« erwiderte der eine, der das Wort führte, »dieses Land ist uns -schon bekannt. Das haben wir schon früher gesehen.« - -»Nicht möglich,« erwiderte Mors mit flüchtigem Lächeln. »Ihr habt doch -noch keine Reise nach dem Planeten Jupiter unternommen?« - -»Wir haben dieses Land auf den Bildern in unseren Tempeln gesehen,« -lautete die Antwort. »Es ist das Land, in welchem unser Gott Brahma -wohnt. Es ist seine Heimat und deshalb sind wir glücklich. Dort aber, -jene wassergefüllten Ringe sind die Eingänge zur Hölle, in welche die -grasgrünen Teufel alle die hinabziehen, welche nicht an Gott Brahma -glauben.« - -»Der Henker hole euch mit euren grasgrünen Teufeln und eurem Brahma,« -murmelte Terror, der sich hier ganz und gar nicht behaglich fühlte. »Ich -wollte, wir schwebten fünfzigtausend Meilen von dieser vertrackten Welt, -anstatt daß wir hier im Sande eines unbekannten Ozeans liegen. Der -Teufel weiß, wann wir hier wieder loskommen. Meinethalben kann mir der -ganze Jupiter gestohlen bleiben.« - - - - - 5. Kapitel. - Im Bann des Aberglaubens. - - -Am glücklichsten war der Professor, denn der geriet vor Entzücken außer -sich. - -Mors mußte ihn festhalten, sonst wäre der Professor Hals über Kopf in -den Sand hinuntergesprungen und in die fremdartige Landschaft -hineingelaufen. - -Das gab der Luftpirat aber nicht zu, denn er wollte sich erst -überzeugen, ob nicht etwa Gefahren in diesem fremden Lande lauerten. - -Allerdings hatte es zur irdischen Devonzeit keine Ungeheuer gegeben, die -den Menschen gefährlich werden konnten. Aber auf dem Jupiter konnte sich -das anders verhalten und Mors dachte nicht im mindesten daran, van Halen -einer Gefahr auszusetzen. - -Mors hatte den Professor, der mit solcher Begeisterung an ihm und seinen -Werken hing, schon sehr lieb gewonnen und zählte ihn zu den -vertrautesten seiner Gefährten. Auch dachte er daran, daß Anita -verzweifeln würde, wenn der Professor nicht nach der Erde zurückkehrte. - -Aber konnte man denn überhaupt zurück? Blieb denn nicht das -Weltenfahrzeug für immer an diesen Planeten gebannt? Jetzt sah es so -aus, als ob die tollkühnen Abenteurer ihr Leben auf dem Jupiter -beschließen müßten. - -Mors beobachtete mit dem Glas aufs sorgfältigste die Umgebung. Aber er -sah nirgends ein verdächtig aussehendes Tier. Die Zeit für die Tiere am -Lande war wohl noch nicht gekommen und in der See sah man nur -Panzerfische und Trilobiten; ferner gewahrte man die sonderbarsten -Meergewächse und wunderlich geformte Muscheln. Da war man um Millionen -Jahre in den Zeiten zurückversetzt, denn dieser Planet befand sich erst -im Werdezustande. - -Als Mors die Umgebung genug betrachtet, bemerkte er, wie das Meer rasch -zurückwich. - -Naturgemäß mußten hier, wo vier riesige Monde existierten, Ebbe und Flut -in ganz ungeahntem Maße auftreten. - -Höchstwahrscheinlich war die Flut gewesen, als der »Meteor« strandete, -denn in kurzer Zeit war alles in der Runde trocken. Man sah nur noch in -der Ferne eine weißblaue Linie, die den Rand des Jupiterozeans -andeutete. - -Mors faßte einen kurzen Entschluß. - -Gerätschaften fanden sich ja in Menge in seinem Fahrzeug und so ließ der -Luftpirat seine Inder und Normannen mit Schaufeln über die Treppe auf -den Sand hinabsteigen. - -Sie sollten den feuchten, weißen Sand so viel als möglich bei Seite -schaufeln und das Fahrzeug auf diese Weise befreien. - -Mors vermutete nämlich, daß nicht die ungeheure Masse des Planeten es -sei, welche das Weltenfahrzeug herniedergezogen, sondern -elektrisch-magnetische Ströme, die unter der noch dünnen Kruste des -Jupiter ihr Wesen trieben. - -Alle legten mit Hand an, selbst Nelly schaufelte unverdrossen und in -vier Stunden war rund um den »Meteor« herum eine Rinne gegraben. - -Die Flut war noch immer nicht zurückgekehrt, aber sie mußte sicherlich -nach einigen Stunden kommen. - -Mors hieß jetzt alle seine Leute wieder auf den »Meteor« hinaufsteigen -und sich in das Innere des Fahrzeuges begeben. Dann wurde der Magnet, -der bis dahin nach oben gerichtet war, möglichst gesenkt, sodaß er sich -auf die Sandfläche richtete. - -Im nächsten Augenblick erhielt das gewaltige Fahrzeug einen mächtigen -Ruck. Man hörte den Sand knirschen und im nächsten Augenblick schnellte -das Weltenfahrzeug in die Höhe. - -Terror war ganz außer sich vor Freude, als er dies bemerkte, dagegen -schienen die Inder eher traurig, als freudig bewegt zu sein. - -Das Weltenfahrzeug schwebte einige hundert Meter empor, aber dann -erhielt es wieder einen Ruck und neigte sich langsam nach unten. - -»Jetzt weiß ich es, weshalb wir hier so gebannt bleiben,« sprach Mors zu -Terror und dem Professor. »Wir befinden uns wieder über der dünnen -Kruste, welche die magnetischen und elektrischen Strömungen deckt. -Dadurch werden wir hinabgezogen. Jetzt müssen wir vorsichtig -manövrieren, daß wir wieder auf dem Sande landen. Auf den anderen Boden -dürfen wir nicht hinunterkommen, denn dadurch würden wir der ungeheuren -Anziehungskraft ausgesetzt bleiben. Der Sand schützt uns, denn der -leitet keine Elektrizität. Also wollen wir uns wieder am Rande dieses -seltsamen Meeres niederlassen.« - -Das geschah denn auch und nach kaum einer halben Stunde lag der »Meteor« -auf einer Sanddüne, die sicherlich nicht von den Wogen bespült wurde. - -Die Situation war klar. - -Kam man mit dem Weltenfahrzeug über die sonderbaren Felsformationen des -Planeten, so wurde der Riesenmagnet nutzlos. Man mußte also, um fliegen -zu können, immer in der Nähe des Meeres bleiben. - -Aber auch das genügte nicht, denn, als man nach einer Weile emporstieg, -gelangte das Weltenfahrzeug höchstens fünfhundert Meter über die -Oberfläche des Jupiter. - -Dann schienen die geheimnisvollen Ausstrahlungen wieder zu wirken und -trotz aller Anstrengungen mußte man wieder auf die Sanddüne hinunter. - -Terror war über diese Ereignisse ziemlich niedergeschlagen und meinte, -man könne den Planeten nimmer verlassen. - -Aber Mors und der Professor waren anderer Meinung. - -»Wir dürfen nie den Mut verlieren,« sprach der erstere. »Es ist ja -richtig, daß wir augenblicklich nicht hochsteigen können. Aber -möglicherweise tritt doch ein Ereignis ein, welches uns die Abfahrt -gestattet. Wir sind mit Vorräten versehen, wir können also warten.« - -Mors hatte einen geschützten Platz gewählt, wo das Weltenfahrzeug -zwischen zwei kolossalen Sanddünen ruhte. - -Er vermutete nämlich, daß hier ungeheure Stürme tobten, Orkane von -fürchterlicher Wut. - -Dort, wo man sich befand, war das aber nicht zu befürchten, und so -konnte man geschützt die Umgebung betrachten. - -Der Professor und Mors verließen den »Meteor« und erstiegen die nach dem -Lande zugewendete Sanddüne. Von da aus betrachteten sie mit Fernrohren -die Stachelpflanzen und die wunderbaren Erscheinungen am Himmelskörper. - -Der kurze Tag, die kurze Nacht, die Phasenbildung der vier Monde und -deren Erscheinen und Verschwinden war so großartig, daß man gar nicht -wußte, was man alles bewundern sollte. - -Dazu kamen fürchterliche elektrische Entladungen in den Wolkenmassen, -die von Zeit zu Zeit das ganze Firmament bedeckten. Dann schien es, als -ob sich eine ungeheure graue Masse über Land und Wasser herabsenkte. - -Mors und seine Begleiter waren so in Erstaunen versunken, daß sie gar -nicht auf die Mannschaft achteten. - -Die Normannen nahmen alles mit Gleichmut hin und meinten, der Luftpirat, -der so viel geleistet, würde das Fahrzeug schon wieder aus dieser -fremden Welt hinwegführen. Auch einige Inder zeigten sich gleichmütig, -aber die anderen standen immer zusammen, zischelten und flüsterten. Sie -schwiegen aber, wenn jemand in ihrer Nähe vorüberging. - -Von Zeit zu Zeit stiegen sie auch auf die Plattform und von dort auf die -Düne, denn Mors hatte jedem seiner Leute freigestellt, die Umgebung des -Weltenfahrzeugs in Augenschein zu nehmen. - -Plötzlich bemerkte man dort, wo die merkwürdigen Felsen aufstiegen, -etwas Sonderbares. - -Aus einem der Kegel, die kleinen Kratern ähnlich sahen, stieg plötzlich -eine mächtige Wassersäule wie ein riesiger Springbrunnen empor. - -Gleichzeitig begannen die Gewässer in den nahe befindlichen großen -Felsenringen zu schäumen und zu sprudeln. - -Mors und dem Professor waren diese Erscheinungen nicht fremd. - -Solche gab es auch auf der Erde, auf der Insel Island und in den -Felsengebirgen Nordamerikas, man pflegte solche Wasservulkane mit dem -Namen Geyser zu bezeichnen. - -Hier schienen sie in wahrer Unzahl vorhanden zu sein und das ganze Land, -so weit das Auge reichte, zu bedecken. - -Diese Wasservulkane waren es wohl auch, welche im Ruhezustande den -elektrischen und magnetischen Strömen einen Ausgang gewährten, so daß -sie ihre verderbliche Anziehungskraft auf alles Metallene ausüben -konnten. - -Die Inder dagegen, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Wasservulkan -gesehen hatten, betrachteten diese Erscheinung mit ehrerbietigem -Staunen. - -Das hatte seine Gründe. - -Auf indischen Bildern werden nämlich die Gottheiten sehr häufig auf den -heiligen Bergen dargestellt und zwar auf einem Thronsessel, um den rings -umher Wolken aus der Erde emporsteigen. - -Diese Malereien aber erinnerten merkwürdigerweise an solche Geyser, weil -der Dampf auf den indischen Bildern scheinbar stoßweise aus der Erde -kam. - -Da glaubten die Inder, abergläubisch wie sie nun einmal waren, daß sie -sich jetzt in dem Lande befänden, von welchem ihnen ihre Priester so oft -erzählten, nämlich im himmlischen Paradiese. - -Hier wohnte Brahma, kein Zweifel, der Göttergeist lebte hier zwischen -diesen wasserspeienden Kratern und dort, wo Wolken die Aussicht -versperrten, mußte sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Paradies -befinden. - -Alle Furcht war bei den Indern verschwunden, sie dachten jetzt gar nicht -mehr daran, auf die Erde zurückzukehren. - -Hat doch nach dem indischen Glauben der Gestorbene eine ungemein lange -und mühselige, gefahrreiche Reise durchzumachen, ehe er in das Paradies -gelangt. Wenn er irgendwie gesündigt hat, wird er nach dem Volksglauben -der Inder verwandelt, als Katze, als Hund, als Schlange, dann muß er -immer und immer wieder die mühselige Erdenwanderung von neuem beginnen. - -Vielleicht fühlten sich diese Männer nicht ganz von Sünden frei, genug, -sie dachten gar nicht daran, dies seltsame Land zu verlassen, sie -wollten gleich hier bleiben und zu ihrem mächtigen Gott Brahma ins -Paradies eingehen. - -Nun gehörte einer von ihnen, der auch bis jetzt den Sprecher gemacht, -und der, wie er oft betonte, von fürstlichem Blute abstammte, zur -Priesterkaste der Brahmanen. Dieser Mann war es, der seine Gefährten in -diesem Aberglauben bestärkte. - -Er zweifelte gar nicht daran, daß man sich im Paradies befand und gab -zuerst seine Absicht kund, hierzubleiben und die Seligkeit des Jenseits -zu genießen. - -»Brahma wird uns mit offenen Armen aufnehmen,« sprach er zu den Indern, -die ihm willig zuhörten. »Die Gottheit wohnt hinter diesen Felsen, denn -es sind die heiligen Tempel, die den Göttersitz umgeben. Wir wollen -ihnen nahen und dann sind uns die ewigen Freuden beschieden. Das -Geschick hat uns hierhergeführt, wo Brahma auf uns wartet.« - -Es waren freilich nur wenige der Männer, die so fanatisch veranlagt -waren, daß sie alles, was der ehemalige Priester sagte, für volle -Wahrheit nahmen. Die anderen mochten freilich noch einige Zweifel hegen. - -Darum kümmerten sich aber diejenigen, welche an das Paradies glaubten, -nicht im mindesten und waren fest entschlossen, die ewigen Freuden zu -erringen. - -Aber dazu gehörte noch eins. Man mußte dem mächtigen Gott Brahma ein -Opfer bringen. - -Der ehemalige Brahmanenpriester wußte auch hier Rat. Er kannte die -ganzen alten Bücher und heiligen Schriften, nämlich die sogenannten -Veden. - -Da erzählte er den Männern, die seinen Worten wie einem Evangelium -lauschten, folgendes: - -»Es war einst ein Brahmane, der wurde durch einen Zufall mit einem -Schiff auf das Meer geführt. Dort entstand eine ungeheure Windhose, die -das Schiff in die Höhe riß und es nach langer, langer Fahrt nach dem -Lande der Glückseligkeit brachte. Das ist dieses Land hier gewesen.« - -Die Worte des Mannes verrieten freilich, daß er wenig von der -Beschaffenheit eines Weltenfahrzeuges wußte, denn man hätte fragen -können, wie diese Kunde von dem Ereignis auf die Erde gekommen war. - -Aber danach fragten die Inder nicht, denn ihre alten Ueberlieferungen -galten ihnen als etwas, an dem nicht gezweifelt werden durfte. - -»Ja, sie gelangten nach jenem Lande,« fuhr der Brahmane fort, »und als -sie da ankamen, erkannten sie, daß sie sich im Reiche der Gottheit -befinden mußten. Sie wollten Brahmas Paradies nahen, aber die -Dampfwolken versperrten ihnen den Weg. Da gedachten sie einer alten -Vorschrift unserer heiligen Bücher und sie opferten ein Weib, welches -sich bei ihnen befand. Und so wie das Blut dieses Weibes den heiligen -Boden tränkte, wichen die Dämpfe und die Männer gingen in das irdische -Paradies, wo sie mit Jauchzen und Frohlocken empfangen wurden.« - -Es waren noch vier Männer, die sich um den Brahmanen drängten und seinen -Worten lauschten, Leute, die nach dem Paradies förmlich lechzten. - -»Und das Opfer?« fragten sie, als der Mann schwieg. - -Der Brahmane deutete auf Nelly, die gerade ahnungslos nach der Plattform -schritt. - -»Ist es nicht wie damals?« flüsterte er. »Sind wir nicht auch -hierhergelangt und befindet sich nicht auch ein Weib unter uns? Laßt uns -dies Mädchen opfern, denn Weiber sind nicht würdig, in Brahmas Paradies -zu gelangen. Auch ist sie eine Ungläubige.« - -»Was aber wird der Mann mit der Maske dazu sagen?« fragte ein zweiter. - -Der Brahmane schien schon ganz verzückt zu sein, seine Augen glänzten in -unnatürlichem Feuer. - -»Mag er sagen was er will,« erwiderte er. »Wenn wir uns im Paradies -befinden, denken wir nur an die ewige Glückseligkeit. Brahma aber wird -alle diejenigen, die nicht seine Diener sind, aus seinem Reich -ausschließen. Wir werden allein zum Antlitz der Gottheit gelangen.« - -So kam es, daß sich die fünf Männer mit einander verbanden. - -Ihren anderen Genossen trauten sie nicht recht, auch gehörten diese -einer niederen Kaste an, während die Verschwörer alle aus der -Priesterkaste oder doch aus der Kriegerkaste stammten. - -Sie sprachen einen seltsamen Eid und zwar eine unheimlich klingende -Formel. Wurde ein solcher Eid gebrochen, so verlor derjenige, welcher -ihn brach, jedes Anrecht auf die himmlische Glückseligkeit. - -Die fünf Männer flüsterten zusammen, aber ihr Plan war bereits gefaßt. -Die Abergläubischen waren fest davon überzeugt, daß dort hinter den -sonderbar gestalteten Felsen und Hügeln das indische Paradies lag. - -Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sie ihr Unternehmen ins Werk -setzen konnten. Sie wollten an jenen glücklichen Ort gelangen und hatten -insgeheim den Tod der ahnungslosen Nelly beschlossen. - - - - - 6. Kapitel. - Der Geyser-Ausbruch. - - -Tag auf Tag ging vorüber, ohne daß sich etwas Besonderes ereignete. - -Am Horizont zeigten sich zuweilen die Wogen des rätselhaften Ozeans, -dessen blaue Linie aber niemals bis zu den Sanddünen vorrückte. - -Freilich war die erste Landungsstelle, wo das Weltenfahrzeug strandete, -ziemlich weit entfernt und die mochte von Zeit zu Zeit vom Ozean -überflutet werden. - -Alles deutete darauf hin, daß die neue Welt hier erst in der Entwicklung -begriffen war. - -Es gab grauenvolle Stürme, die mit entsetzlicher Wut tobten. Stürme, die -es begreiflich machten, daß hier kein höherer Pflanzenwuchs vorhanden -war. Jeder Baum wäre durch diese fürchterlichen Orkane entwurzelt -worden, aber die zähen, stachligen Graspflanzen beugten sich nur und -schienen durch den Ansturm desto festeren Halt zu bekommen. - -Die Fische und sonstigen Lebewesen im Meere wurden durch die Wut der -Stürme gar nicht berührt, sondern tummelten sich lustig in der klaren -Tiefe. - -Die ungeheuren Sanddünen schützten das Weltenfahrzeug und wenn das -Wetter ruhig war, konnte man zuweilen in einiger Entfernung die -Ausbrüche der Geyser beobachten. - -Am großartigsten sah es aus, wenn von den Felsen kochende Gewässer -herabrieselten und wunderbar gefärbte Dämpfe in die Höhe stiegen. Dann -glich die Landschaft in der Tat einem übernatürlichen Ort, auf dem -zahllose Wunderfontänen emporsprudelten. - -Die fünf Inder aber, welche sich mit einander verschworen hatten, waren -mehr als je überzeugt, daß sie sich hier an der Schwelle des himmlischen -Paradieses befanden, in dem sie sich durch das geplante Opfer Eintritt -verschaffen konnten. - -Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sich Nelly allein aus der -Umgebung des Weltenfahrzeugs entfernte. Dann wollten sie den Eingang in -das vermeintliche Paradies erzwingen. - -Man gewöhnte sich allgemach an die sonderbare Welt und es kam oft vor, -daß die Insassen des Weltenfahrzeuges eine Strecke landeinwärts -wanderten. - -Mors warnte seine Leute, daß sie sich nur nicht in die Nähe der Geyser -begaben, damit nicht etwa ein größerer Ausbruch Unheil anrichte. - -Wenn es dunkel wurde, verschwanden die Wolken, dann leuchteten die Monde -und die Sterne in schier überirdischem Glanze. - -Der Professor meinte sogar, der Anblick der Geyser sei bei -Mondbeleuchtung viel großartiger als bei Tage, da dann immer -Wolkenmassen das Firmament verhüllen, und Nelly teilte seine Meinung. - -Mors setzte jetzt unablässig seine Beobachtungen fort. Er trachtete -danach, eine Stelle zu finden, wo sich größere Sandmassen befanden. - -Am liebsten hätte er eine Wüste auf dem Planeten gefunden, denn der die -Elektrizität hemmende Sand hätte ihm dann die Rückkehr in den Weltenraum -gestattet. - -Aber derartiges war nicht zu finden, und so mußte Mors schon seinem -guten Glück vertrauen. Wohl aber hatte er Terror angewiesen, bei -Gelegenheit kleine Aufstiege zu machen und zu sehen, ob irgend wo die -Anziehungskraft des Planeten minder heftig wirkte. - -Terror tat dies gern, denn er sehnte sich sobald als möglich von dem -unheimlichen Weltkörper fort, er hatte nicht die geringste Lust, hier -sein Leben zu beschließen. - -Das war nicht etwa Furcht, denn die kannte Terror nicht, aber er meinte, -man könnte anderes verrichten, als hier in dieser fremdartigen Welt das -Dasein zu vertrauern. Abenteuer wollte er haben, hier erschien ihm alles -zu eintönig. - -Der Abend nahte, als Nelly wieder nach dem Reich der Geyser -hinüberwandelte. Sie hatte das schon öfters getan und konnte sich gar -nicht daran satt sehen, besonders gefiel es ihr, wenn im Mondschein die -natürlichen Fontänen emporsprudelten. - -In gemessener Entfernung von diesen Geysern hielt sie an und setzte sich -auf einen Stein, um in Muße das grandiose Naturschauspiel betrachten zu -können. - -Plötzlich vernahm Nelly Schritte und sah fünf Leute von der Besatzung -herankommen. - -Sie ahnte nichts Schlimmes, wußte sie doch nicht, daß es die fünf -Verschworenen waren, die nach Brahmas Paradies trachteten. - -Schon war die Sonne verschwunden und mit ihr wie gewöhnlich die -Wolkenmassen. Die Monde des Jupiter begannen wieder zu glänzen. - -Beim Umblicken hatte Nelly auch gewahrt, daß das Weltenfahrzeug wieder -einmal in die Höhe stieg. Jedenfalls machte Terror wieder -Schwebeversuche. - -Sie sah noch hin und hatte den Indern den Rücken zugekehrt, als sie -plötzlich fühlte, wie sie von kräftigen Armen umschlungen wurde. -Erschrocken wendete Nelly den Kopf und da sah sie in fanatische -Gesichter, in schier überirdisch blickende Augen. - -Sofort überkam sie die Ahnung, daß ihr Gefahr drohte, sie schrie laut -auf. - -Sie konnte nur einen einzigen Schrei tun, da sich gleich darauf eine -Hand auf ihre Lippen preßte. Dann wurde sie emporgehoben und die fünf -Männer schleppten sie nach den wasserspeienden Kratern hinüber. - -Nur ein einziger Mann hatte den Schrei vernommen und auch nur gedämpft, -aber er ahnte, daß hier jemand in Angst aufschrie. - -Es war Kapitän Mors, der sich nicht auf dem Weltenfahrzeug befand. - -Er stand in der Nähe der Sanddünen und beobachtete die Bewegungen, die -das Fahrzeug machte. - -Mors hatte nämlich bemerkt, daß der »Meteor«, wenn er hoch stieg, immer -erst die Spitze nach oben wendete, dann aber wieder von der unheimlichen -Macht hinuntergezogen wurde. Diese Bewegung wollte er genau beobachten, -um sie vielleicht bei Befreiungsversuchen verwenden zu können. Jetzt -aber wurde er durch den fernen Hilfeschrei unterbrochen. - -Im nächsten Moment rannte der Luftpirat mit gewaltigen Sprüngen nach den -Geysern hinüber. - -Hier waren überall Felsen, die seine Gestalt verbargen. Er strengte alle -Kräfte an, um rasch vorwärts zu kommen und erreichte bald den Platz, wo -seine Leute sonst die Naturerscheinung zu beobachten pflegten. Aber -dieser Platz war heute leer. - -Mors sah nach den Geysern hinüber und da glaubte er in den Strahlen des -Mondes etwas Bewegliches zu sehen. Wieder rannte er vorwärts. - -Plötzlich blieb er betroffen stehen. - -Er sah Seltsames. - -Zur Linken und zur Rechten gewahrte er die Wasserkrater und zwischen -denselben sah er eine Menschengruppe. - -Zwei der Inder hielten eine Gestalt fest, die eine dünne weiße Hülle -trug. - -Es war Nelly. - -Die Inder hatten das Mädchen auf einen Felsblock gelegt und zwar so, daß -die Arme und Füße herabhingen. Ein Mann hielt die beiden entblößten Arme -Nellys fest, ein zweiter die Füße. - -So war die halbenthüllte Brust frei und emporgereckt, und neben ihr -stand der dritte der Männer, der ehemalige Brahmane. - -Die Linke preßte er auf den Mund Nellys, damit sie nicht schreien -konnte. In der Rechten aber hielt er eine jener dolchartigen Klingen, -wie sie die Inder immer mit sich führten. - -Seitwärts aber knieten die beiden letzten Inder auf dem Boden und -streckten die Arme flehend nach der Stelle aus, wo leichte Dämpfe auf -einem Wasserkrater emporstiegen. - -»Brahma, Brahma,« riefen sie mit halblauter Stimme. »Höre das Flehen -deiner treuen Diener. Sieh, wir bringen Dir ein Opfer dar, ein junges -Mädchen. Das Blut des Opfers soll fließen und uns das Paradies öffnen. -Brahma, öffne uns Deine Arme, Deine treuen Diener sehnen sich nach -Deinem Anblick.« - -Mors wußte in wenigen Augenblicken, was hier geschehen sollte. - -Diese Inder befanden sich im Banne des finsteren Aberglaubens, sie -wollten Nelly töten, um sich Einlaß in ein hier vermutetes Paradies zu -verschaffen. - -Der unheimliche Brahmane wartete nur, bis das Gebet seiner Gefährten zu -Ende war. Nun hob er das Messer und wollte die Klinge in Nellys Brust -stoßen. - -Wenn Mors jetzt noch einen Augenblick zögerte, war das junge Mädchen -verloren. - -Mit furchtbarem Satz schwang sich der Luftpirat über den nächsten -Steinblock. - -Der Brahmane wollte den tötlichen Stoß führen, als ihn die eiserne Faust -des Maskierten im Genick packte. - -»Was tust Du!« schrie der Luftpirat mit mächtiger Stimme, indem er den -Aufheulenden weit hinwegschleuderte. - -Die beiden anderen Inder ließen Nelly los und prallten zurück. Sie -kannten den Kapitän, seine Kraft und Entschlossenheit. Sie kannten auch -seine fürchterlichen Waffen. - -Auch die Betenden sprangen empor und schauten verdutzt auf Mors, der so -unerwartet unter ihnen erschienen war. - -Der Luftpirat aber kam nicht dazu, Aufklärung zu fordern. - -Denn in diesem Augenblick begann es zu sausen und zu brausen, man hörte -ein Zischen und Schäumen. - -Von den Felsen sprudelte Wasser herunter und aus den Rissen am Boden -quoll es empor. Gleichzeitig begann es im Innern des nahen Geysers -seltsam zu poltern und zu grollen. - -Das Wasser stieg so schnell empor, daß die fünf Inder im Nu bis an den -Gürteln im Wasser standen. - -Mors aber hatte Nelly, die ohnmächtig geworden war, emporgehoben und -hielt das schöne Mädchen in seinen Armen. Hinter ihm zischte und brauste -es, aus dem Geyser aber stieg eine Wassersäule. - -»Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt,« schrie Mors -mit furchtbarer Stimme. - -Der Zuruf galt den Indern, denn trotz ihres unheimlichen Aberglaubens -wollte Mors diese Leute erhalten. - -Er selbst aber sprang schnell entschlossen auf den Rand eines -Felsenringes, in dessen Innern das Wasser langsam emporstieg. Er wußte -ja, was kommen würde. Das Wasser, welches bis jetzt emporgedrungen und -nur eine mäßig warme Temperatur besessen, begann jetzt zu kochen. - -Aber die Inder hörten nicht auf die Stimme des Kapitäns, wenigstens -nicht die drei, welche das Opfer vollziehen wollten. - -Nur die beiden, welche gebetet hatten, erreichten noch im letzten -Augenblick einen Felsblock, an dem sie hinaufkletterten und sich -anklammerten. Der Brahmane und seine beiden fanatischen Genossen wälzten -sich schreiend in den heißer und heißer werdenden Fluten. - -Mors hatte jetzt mit sich selbst zu tun, denn es galt ja, den kochenden -Wassermassen auszuweichen. - -Seine eiserne Kaltblütigkeit kam ihm da sehr zu statten. - -Mors lief, Nelly tragend, immer auf dem Rand des ausgedehnten -Felsenringes herum. - -Er mußte immer in Bewegung bleiben, denn das Wasser sprudelte bald hier -bald dort. Kochende Massen schossen von den Felsen herunter und -zeitweise war alles in Dämpfen eingehüllt, so heiß, so glühend, daß man -kaum zu atmen vermochte. - -Mors hörte, wie die beiden Inder, die sich gerettet hatten, laut -schrieen und jammerten. - -Sie flehten zu Brahma, aber als von diesem Gott keine Hilfe kam, wurden -die Männer in ihrem Aberglauben schwankend. Sie schrieen jetzt zu Mors, -daß er ihnen helfen solle. - -»Das ist besser, als wenn Ihr zu Euren Göttern schreit,« rief der -Luftpirat. »Haltet Euch nur an den Felsen fest und deckt Euch gegen die -Wassermassen. Dann werdet Ihr schon mit dem Leben davonkommen. -Aushalten, der Ausbruch geht schon vorüber.« - -Mors irrte sich nicht. - -Es dauerte allerdings eine Stunde, ehe die entfesselten unterirdischen -Gewalten zu toben aufhörten. - -Dann verstummte das Brausen und Zischen wie mit einem Zauberschlag, der -Geyser schleuderte keine Wassermassen mehr empor und die eben noch -überschwemmte Strecke wurde trocken, das emporsprudelnde Wasser durch -die Felsspalten wieder in das Innere der Erde zurückströmte. - -Am Boden aber lagen drei grauenvoll entstellte Körper, die drei Inder, -welche im siedenden Wasser ein schreckliches Ende gefunden hatten. - -Nelly war wieder zu sich gekommen und befand sich in den Armen des -Kapitäns. - -Anfangs schrie sie laut auf, da sie glaubte, daß sie sich noch in der -Gewalt der Inder befände, die sie der Gottheit opfern wollten. - -Dann aber erkannte sie ihren Retter. - -»Sie sind plötzlich über mich hergefallen,« stammelte Nelly. »Ich konnte -nur einmal schreien. Dann wurde mir der Mund zugehalten.« - -»Finsterer Aberglauben war es,« sprach Mors. »Sie wollten Euch einer -Gottheit opfern, um in ein hier vermutetes Paradies zu gelangen. Drei -dieser Männer sind vom Verderben ereilt worden, und die beiden anderen -werden ihre Strafe für ihre Unbesonnenheit und ihren Aberglauben später -erhalten.« - -Nelly bemerkte erst jetzt, daß ihr die Inder die Kleider abgerissen -hatten und wollte vor Scham vergehen. Mors aber blickte gar nicht auf -die reizvolle Gestalt, sondern rief nur den beiden noch immer zitternden -Indern zu, daß sie ihm so schnell als möglich folgen sollten. - -Dann zog der Luftpirat seinen blauen Uniformrock aus und deckte ihn als -Kavalier über Nellys entblößte Arme und Schultern. So führte er die noch -immer heftig Zitternde, von den beiden ganz niedergeschlagenen Indern -gefolgt, zurück zur Sanddüne. - -Dort war inzwischen das Weltenfahrzeug wieder nieder gegangen und die -Besatzung wunderte sich sehr, als Mors, Nelly und die beiden Inder in -einem solchen Aufzug zurückkehrten. - -Nelly eilte rasch schamglühend in das Weltenfahrzeug, um sich mit neuen -Kleidern zu versehen, während Mors hastig das eben erlebte Abenteuer -erzählte. - -Die beiden abergläubischen Inder, welche den Tod ihrer Gefährten mit -angesehen hatten, mußten bittere Vorwürfe über sich ergehen lassen. - -Terror aber brachte dem Kapitän eine besondere Nachricht. - -Es war ihm gewesen, als hätte sich die furchtbare Anziehungskraft des -Jupiter weit weniger geäußert als sonst und da entschloß sich Mors noch -einmal in die Lüfte zu steigen. - -Er verschob es aber bis zum Tagesanbruch und als die Sonne erschien, -kamen auch die gewaltigen Wolkenmassen, die tagsüber regelmäßig das -Firmament bedeckten. - -Plötzlich machte sich im Osten ein seltsamer roter Schein bemerkbar. - -Terror sah ihn zuerst und benachrichtigte Mors und den Professor von der -neuen Erscheinung. - -»Das ist die rote Wolke,« rief van Halen. »Das ist jene ungeheure Masse, -die über dem Jupiter schwebt und die in ihrem Innern jedenfalls die -fürchterlichen elektrischen Entladungen birgt. Kapitän, rasch, wir -müssen nach der Düne hinunter.« - -Mors gab sofort ein Signal nach dem Lenkraum, um Terror zu bestimmen, -daß er den »Meteor« wieder nach seinem geschützten Ankerplatz brächte. - -Aber seine Finger berührten noch den Druckknopf, als das Weltenfahrzeug -plötzlich wie von einer furchtbaren Kraft hin- und hergeschüttelt wurde. - -»Zu spät, zu spät!« schrie der Professor, als er durch das Guckloch sah, -daß alles rings herum blutrot leuchtete. »Kapitän, wir sind in die rote -Wolke des Jupiter geraten!« - -Von dem, was jetzt vorging, hatten die Insassen des Weltenfahrzeuges -später nur noch eine unbestimmte Vorstellung. - -Es war ihnen aber zu Mute, als würde mit ihnen buchstäblich Fangeball -gespielt. Der »Meteor« schien sich in der Gewalt ungeheuer boshafter -Kobolde zu befinden. - -Bald wurde er hierhin, bald dorthin geworfen. Bald richtete er sich mit -dem Vorteil, dann wieder mit dem Hinterteil in die Höhe. Einige Male -schien es, als sollte das Fahrzeug Kopf stehen. - -Dazu vernahm man außerhalb geradezu entsetzliche Töne. - -Vermutlich waren es elektrische Entladungen, welche in der roten Wolke -tobten. Aber man konnte diese fürchterlichen Entladungen nicht mehr als -Donnerschläge bezeichnen. Nein, das war etwas anderes. Das waren -gräßliche, gigantisch schmetternde Töne, sie waren so fürchterlich, daß -man glaubte, es müsse alles in Trümmer gehen. - -Selbst Mors gab alles verloren und erwartete den Augenblick, wo der -»Meteor« in Atome zertrümmert werden mußte. - -Aber das wunderbare Fahrzeug hielt, es trotzte den entfesselten -Elementen, kein Bolzen gab nach, alles blieb in bester Ordnung. - -Van Halen, Nelly, die Inder und Normannen bewahrten ihre Fassung. -Kapitän Mors gab ihnen ja ein heldenhaftes Beispiel. - -Der Luftpirat bekam es sogar fertig, nach dem Lenkraum zu gehen oder -vielmehr zu kriechen. Dort traf er Terror, der sich zwischen seinen -Maschinen festgebunden hatte. - -»Hält der Magnet noch?« war Mors' erste Frage. - -»Ja, Kapitän,« lautete die Antwort. »Der Magnet ist noch in Ordnung, -aber ich denke, es geht jetzt alles in Trümmer!« - -»Ich meine, wir haben das Schlimmste schon überstanden,« erwiderte Mors. - -»Wie meint Ihr das, Kapitän?« stotterte Terror. - -»Das will ich dir sofort sagen,« erwiderte der Luftpirat. »Die rote -Wolke, diese sonderbare Erscheinung, kann möglicherweise zu unserer -Rettung dienen. Die schrecklichen, entfesselten elektrischen Kräfte -können uns möglicherweise in den Weltenraum hinausschleudern.« - -In diesem Moment vernahm man ein lautes Surren und Summen. - -»Kapitän,« schrie Terror freudig auf. »Ihr habt recht. Der Magnet -arbeitet. Das Weltenfahrzeug befindet sich in voller Fahrt!« - -Die furchtbaren schlingernden Bewegungen hatten aufgehört. Mors stürzte -zu dem Schieber, der die starke Glasscheibe verdeckte. - -Er sah hinaus in den Weltenraum. - -Noch gewahrte man den Jupiter als ungeheure, leuchtende Scheibe. Man sah -die Wolkenmassen und in diesen den unheimlichen roten Fleck, dieses -geheimnisvolle Rätsel des Riesenplaneten. - -Aber die fürchterliche Naturkraft hatte die Weltenfahrer gerettet. - -Wie es kam, daß sie so weit in den Weltenraum hinausgeschleudert wurden, -konnte niemand sagen. Aber der Magnet wirkte. Mit rasender Schnelligkeit -schoß der »Meteor« vom Jupiter hinweg und seine Spitze richtete sich auf -die ferne Erde. - -Terror stieß einen Jubelruf aus und rannte, nachdem er sich losgebunden, -in den Beobachtungsraum, um das fast Unglaubliche zu verkünden. - -Mors aber blieb im Lenkraum und ruhig, als wäre nichts geschehen, lenkte -er sein wunderbares Fahrzeug zurück zur Mutter Erde. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 161-196. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten. - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56067-8.txt or 56067-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56067/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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