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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56067] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - 56. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. - Preis 10 Pf. (15 Heller.) - - - - - Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. - - - - - Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten. - - - [Illustration: »Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen - beginnt!« schrie Mors mit furchtbarer Stimme.] - - - Druck- und Verlags-Gesellschaft - Berlin - - - - - Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten. - - - - - 1. Kapitel. - Ungelöste Rätsel des Weltenraumes. - - -Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen über dem Festland und den -Meeren, die allmählich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen. - -Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Koloß aus gesehen, -der plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphäre der Erde -hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner. - -War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und sich -nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen Welten -wendete? - -Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug -des maskierten Luftpiraten, welches den Namen »Meteor« führte. - -Fast schien es, als wollte Kapitän Mors, der Erbauer des -Weltenfahrzeuges, der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und -seiner Leute Leben zum Opfer bringen. - -Eben war er erst auf Erden mit Mühe und Not dem drohenden Verhängnis -entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenräume auf, in denen zu -fast jeder Minute das Verderben drohte. - -Dennoch ging Kapitän Mors nach einem genau bestimmten Plan vor, er -konnte eben nicht müßig bleiben. - -Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte, jeder Tag -sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft -verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenräumen erproben konnte. - -Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung. - -Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen, sogar die -Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und gefährlichsten -Abenteuer erlebt. - -Er wußte aus Erfahrung, daß jene intelligenten Bewohner der Planeten ihn -und sein Werk stets feindlich betrachteten. Daß sie durch größeres -Wissen Machtmittel besaßen, welche ihm und seinen Leuten leicht -verderblich werden konnten. - -Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch den -Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten -vermieden wurde. - -Diesmal lockte Mors ein anderes Rätsel. - -Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht hatte, -eins der größten Rätsel der Sternenwelt lösen zu wollen. - -Dies Rätsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn. - -Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte schon bei -den früheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente auf diesen -merkwürdigsten aller Himmelskörper gerichtet und ihn mit dem Eifer eines -Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen, woraus der Ring des -Saturn eigentlich bestand. - -Nun hatte schon vor Jahren ein äußerst scharfsinniger Astronom die -Vermutung aufgestellt, daß sich die Ringe des Saturns aus unzähligen -kleinen Körpern zusammensetzten. - -Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie bestätigt wissen, -und als er Kapitän Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den Kurs -des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet. - -In den Räumen des mächtigen Fahrzeuges standen Kapitän Mors und der -Professor im Gespräch neben den wissenschaftlichen Apparaten. - -»Meine Leute sind während der letzten abenteuerlichen Fahrt auf der Erde -nicht müßig gewesen,« sagte Kapitän Mors. »Sie haben alle meine -Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug in einer -Weise hergerichtet, daß es selbst den höchsten Anforderungen genügt. Der -Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert worden, und so -habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen fremder -Weltenfahrzeuge gesichert.« - -»Jetzt können die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich würde nicht einmal die -Blitze mehr fürchten, mit denen sie damals einen Teil meines »Meteor« -demolierten, jetzt trotze ich ihnen.« - -»Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nähe vorüber,« meinte der -Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glühte. - -»Nein, das ist allerdings nicht der Fall,« meinte Mors, »aber Sie, -bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, daß die intelligenten -Bewohner jener zwei gefährlichen Planeten weite Weltenreisen -unternehmen. Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt, -denn so muß ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl -noch, wie wir einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da muß -ich stets und ständig auf Angriffe gefaßt sein. Aber ich denke, wir -werden diesmal verschont bleiben und die Rätsel lösen, an denen Ihnen so -viel gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, muß sich uns das -Geheimnis des Saturnringes enthüllen.« - -»Gewiß!« erwiderte der Professor. »Bei den Vorsichtsmaßnahmen, die wir -getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen, daß uns Unfälle -begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz außer unserem Kurs, wir -müssen nur die ungeheure Anziehungskraft des größten aller Planeten, des -Jupiter berücksichtigen, denn die hat uns schon einmal sehr zu schaffen -gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure Masse selbst unserem -Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja, Kapitän, der Jupiter hat -schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male Weltenkörper abgefangen.« - -»Nun, das war nicht allzu schwer,« meinte Mors. »Darüber hat man ja -klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem -Kurs geworfen, ihren Lauf verändert, ja sie sogar in Atome -auseinandergetrieben. Aber das sind ja gasförmige Körper, die keinen -Widerstand zu leisten vermögen.« - -»Das ist richtig,« erwiderte der Professor. »Aber ich huldige da noch -einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen. Früher -glaubte man, daß die Monde, von denen der Jupiter vier größere besitzt, -während der Saturn sogar acht Trabanten mit sich führt, der Festwerdung -und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube, daß dies -kleine Weltkörper sind, welche die beiden Riesen durch ihre ungeheure -Anziehungskraft gewissermaßen abfingen und sie bereits seit ungezählten -Millionen Jahren mit sich führen. Kommen wir näher an diese Weltkörper -heran, so hoffe ich auch dies Rätsel lösen zu können.« - -Damit ging der Professor an seine Arbeit. - -Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gemäß die Räume des -Weltenfahrzeugs. - -Unsere Leser werden sich entsinnen, daß der Luftpirat bei seinen letzten -Abenteuern die größte Anzahl seiner Mannschaften einbüßte. - -Der Verlust war jetzt einigermaßen ersetzt durch eine Anzahl Inder aus -den Hochgebirgen, die Kapitän Mors in seine Dienste genommen. - -Er war bis jetzt mit diesen Männern sehr zufrieden, zumal diese ihr -geliebtes Vaterland für immer verlassen mußten. Diese Inder hatten sich -an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer -Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Engländer -kläglich scheitern mußte. - -Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwörer wurde im Kampf getötet, -andere gefangen und nach kurzem Prozeß hingerichtet. Diejenigen, welche -zu flüchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge, wurden -aber auch dort von den Engländern verfolgt und wie die wilden Tiere -umhergehetzt. - -Die freiheitsliebenden Männer gaben sich schon verloren, als sie mit -Kapitän Mors' Sendboten zusammentrafen. - -Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt, -um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem lenkbaren -Luftschiff über den schneebedeckten Hochgebirgen. - -Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Geächteten das Anerbieten -Lindos an und schwuren den fürchterlichen Eid, durch den sie sich für -immer an Kapitän Mors banden. - -Bald führte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Südmeer und -die zähesten und widerstandsfähigsten dieser Männer waren es, welche -Mors bei seiner neuen großen Reise in den Weltenraum begleiteten. - -Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die zwanzig -Köpfe zählte. Dazu kamen noch Mors und der Professor. - -Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nämlich die Schwester des -ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten. - -Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten -schwor. - -Ihren dämonischen Bruder, den Kapitän Mors vernichtet, hatte sie längst -vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhängerin des Mannes mit der -Maske geworden. Dieses noch so junge Mädchen besaß einen wahren -Feuergeist und einen glühenden Hang zu phantastischen Abenteuern; sie -besaß außergewöhnliche mechanische und technische Kenntnisse, in denen -sie sogar die Töchter des Ingenieurs Long, die beide auf der Insel als -glückliche junge Frauen zurückgeblieben waren, übertraf. - -Anita war die Gattin des Professors und auch Lucy Long hatte einen Mann -gefunden. Es war einer der stolzen Inder aus den Hochgebirgen, in dessen -Adern fürstliches Blut rollte. - -Da Nelly dem Professor bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten behülflich -war, und Terror, der Mors diesmal begleitete, die Maschinen im Lenkraum -bediente, gab ihr der Kapitän auf ihr Bitten endlich die Erlaubnis, an -der Weltenfahrt teilnehmen zu dürfen, was sie mit größter Freude -erfüllte. - -Sie hatte es auch übernommen, die Speisen für die Mannschaft -zuzubereiten und war bei dieser Arbeit ebenso zufrieden, als wenn sie an -den Instrumenten saß. - -Mors warf einen Blick in den Raum, der als Küche diente. - -Dort stand Nelly am Herd und Mors konnte sich nicht verhehlen, daß sie -bildschön war. - -In einer gewissen Beziehung war ihm das nicht lieb, denn ein schönes -Mädchen ist auf einem Fahrzeug, welches eine Reise in unbekannte Welten -unternimmt, immerhin eine gewisse Gefahr. - -Hätte Mors noch seine Mannschaft besessen, die er damals bei Ned Gullys -Angriff verlor, so hätte er sich nicht die geringsten Sorgen gemacht, -denn diese Männer waren ja unbedingt zuverlässig gewesen. - -Aber er hatte ja schon mit einem Teil der Normannen früher -Unannehmlichkeiten gehabt und alle diese Gedanken kamen ihm durch den -Sinn, als er die schmiegsame Gestalt seiner reizenden Begleiterin -betrachtete. - -Er besann sich einen Augenblick und trat dann in diesen blitzsauberen -Raum, wo Elektrizität die Dienste des Feuers verrichtete. - -Nelly hörte den Schritt des Luftpiraten und wendete sich schnell um. Ihr -schönes Gesicht wurde rot, als sie den stolzen Mann mit der Maske -gewahrte. - -Es ging ja ein eigentümlicher Zauber von Kapitän Mors aus, ein Zauber, -dem alle Frauen- und Mädchenherzen erlagen. - -Auch Nelly konnte sich diesem merkwürdigen Zauber nicht entziehen. - -Ein bitteres Lächeln schwebte um den Mund des Luftpiraten, als er in den -dunklen Augen des Mädchens die Verwirrung las. - -Mors dachte an die Zeiten, wo auch er glücklich gewesen war. Er -erinnerte sich an jene furchtbaren Tage, wo er alles verlor, was er lieb -hatte, wo die Verzweiflung, der Grimm gegen die Menschheit, ihn zum -Luftpiraten machte, wo er seine furchtbare Waffe, das lenkbare -Luftschiff erbaute. - -Aber das ging rasch vorüber. - -»Nelly,« sprach der Mann mit der Maske. »Ich habe Euch etwas zu sagen. -Ich fahre diesmal mit einer Mannschaft, die ich noch nicht ganz genau -kenne, die beiden Normannen sind freilich treu und zuverlässig, aber die -Inder habe ich, obwohl sie mir den Treueid geschworen, doch noch nicht -so prüfen können, wie meine Veteranen. Nun hört. Sollte jemand Euch in -irgend einer Weise unbescheiden nahen, dann kommt Ihr sofort zu mir und -teilt mir alles mit. Laßt Euch nicht durch Scheu oder durch Rücksicht -anderen Sinnes machen. Sagt es mir ganz offen, wenn Euch jemand -irgendwie belästigt oder beleidigt. Das ist nötig, schon um die -Autorität aufrecht zu erhalten. Ich erwarte, daß Ihr mir in diesem Falle -sofort Meldung erstattet.« - -Nelly versprach das und schien über das ihr bezeigte Vertrauen ganz -glücklich zu sein. Der stolze Mann aber verließ den Raum und schritt -weiter, durch die Gänge und Räume des Weltenfahrzeugs, welches mit -geradezu unheimlicher Schnelligkeit durch die Unendlichkeit dahinflog. - - - - - 2. Kapitel. - Unbekannte Verfolger. - - -Seit dem Beginn der Weltenfahrt waren Wochen verstrichen. - -Die Erde erschien schon längst als ein Stern, der sich nur durch etwas -helleren Glanz von den übrigen Himmelskörpern unterschied. - -Dagegen hatte man sich dem Ziel, welchem man zustrebte, um ein -Bedeutendes genähert. - -Schon konnte man mit bloßem Auge die Gestalt des Saturn und selbst mit -dem kleinsten Fernrohr das Ringsystem dieses merkwürdigsten aller -Weltenkörper betrachten. - -Professor von Halen befand sich in fieberhafter Aufregung und gönnte -sich kaum die nötigste Ruhe. - -Er schrieb seine Beobachtungen nieder und versicherte oftmals mit -leuchtenden Augen, daß die Welt über alle diese Entdeckungen staunen -würde. - -Aber dasjenige, was ihm am meisten am Herzen lag, das Geheimnis des -Saturnringes, hatte der Professor noch immer nicht enträtseln können. - -Es schien, als wollte der Planet mit seinem Ring der menschlichen -Wissenschaft spotten. - -Der Professor richtete die stärksten Instrumente auf den Planeten und -glaubte mehrmals seine Vermutung bestätigt zu sehen. Aber bestimmt ließ -es sich noch nicht sagen, daß der Ring aus lauter kleinen rotierenden -Weltenkörperchen bestand. Man mußte noch näher herankommen. - -Terror versah seinen Dienst mit Eifer und Hingebung. Er wurde dabei -zuweilen von einem der als treu befundenen Normannen abgelöst, aber es -war auch nicht selten, daß sich Kapitän Mors halbe Tage lang im -Maschinenraum aufhielt. - -Die Geschwindigkeit, mit welcher das Weltenfahrzeug durch den -unendlichen Raum schoß, war geradezu unheimlich. Es mochte an -Schnelligkeit sogar diejenige der Meteore und Sternschnuppen -übertreffen. - -»Würde uns Luft umgeben, so würde der Panzer unseres Fahrzeuges durch -die furchtbare Reibung zu glühen anfangen,« sprach Professor von Halen -öfters. »Aber hier fehlt ja die Luft. Hier herrscht nur die tödliche -Kälte des Weltenraumes.« - -Von dieser furchtbaren Kälte aber verspürten die Insassen des -merkwürdigen Fahrzeuges nicht das geringste. Dagegen schützten die -doppelten Wände, in denen sich Behälter mit flüssiger Luft befanden. -Drinnen im Weltenfahrzeug war es warm und behaglich, die Elektrizität -spendete die Wärme, die man brauchte. - -Diese Kraft bereitete die Speisen, sie trieb Maschinen und setzte -Signale in Bewegung, sie speiste auch den riesenhaften Scheinwerfer, der -von Zeit zu Zeit in den Weltenraum hinausleuchtete. - -Nelly war ebenso tätig wie alle anderen und schien sich unentbehrlich -machen zu wollen. Sie hoffte, daß Kapitän Mors sie auch bei fernern -Weltenfahrten mitnehmen würde, denn sie sehnte sich nach Abenteuern. - -Der phantastische Sinn von Ned Gullys Schwester liebte das Ungewöhnliche -und Ungeheuerliche. - -So waren die Wochen vergangen, als plötzlich ein Signal aus dem Lenkraum -erschallte. - -Mors, der sich gerade bei Professor von Halen befand, sah rasch auf die -kleinen bunten Fahnen, die aus bemaltem Blech bestanden. - -Diese Fahnen besaßen verschiedene Farben. Sie waren blau, grün, gelb, -weiß. - -Alle diese Farben hatten ihre besondere Bestimmung, aber Gefahr -verkündeten nur zwei solcher Blechfahnen, von denen die eine rot, die -andere schwarz war. - -Bemerkte man irgend etwas Ungewöhnliches, was Gefahr verkündete, so -richtete sich das rote Fähnchen empor. War die Gefahr aber schon ganz -nahe und unvermutet aufgetaucht, so zeigte sich die schwarze Flagge. - -Mors sah, daß dort, wo der Apparat arbeitete, das rote Fähnchen aufrecht -stand und eilte hastig nach dem Lenkraum. Der Professor folgte ihm auf -dem Fuße. - -Terror befand sich bei seinen Maschinen. Er putzte, reinigte und ölte -sie immer eigenhändig, sodaß er die geringste Unregelmäßigkeit sofort -bemerkte. - -Mors bemerkte sogleich, daß der Schieber von einem der -Beobachtungsfenster entfernt war. - -»Hast Du was Besonderes bemerkt, Terror?« fragte er seinen getreuen -Begleiter. - -»Gesehen habe ich was, Kapitän, aber ich kann nicht recht daraus klug -werden, es scheint irgend was hinter uns herzukommen und zwar sind es -wohl mehrere Dinger. Eins weiß ich aber sicher, es hat von Zeit zu Zeit -rötlich aufgeleuchtet und beim Schein war es mir, als ob kugelförmige -Gegenstände hinter uns hergeflogen kämen. Deshalb gab ich das -Warnungszeichen.« - -Van Halen hatte schon bei den ersten Worten Terrors einen -Beobachtungsapparat herbeigeholt. - -Er stellte ihn so auf, daß er durch die Fenster des Achterteils am -Magneten vorüber in den Weltenraum blicken konnte. - -Draußen bot sich das gewöhnliche Bild. - -Man sah den rabenschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen, mitten -unter diesen die Sonne, welche den Riesenleib des Weltenfahrzeugs grell -beleuchtete. - -Das war merkwürdig, aber erklärlich, denn bei solchen Fahrten herrschte -immer Tag und Nacht zugleich. - -Die Sonne konnte nie verschwinden. Andererseits aber sah man unablässig -die Sterne, weil ja die Luft fehlte. Auch erschien die Sonne nicht als -Strahlenkugel, wie auf der Erde, sondern als gelbrote Scheibe, die -freilich ein ungemein grelles Licht ausstrahlte. - -Van Halen war an solche Beleuchtungen schon gewöhnt und so richtete er -langsam das Beobachtungsinstrument nach der Richtung, wo Terror die -sonderbaren Dinge erblickt haben wollte. Auch Mors schaute hinaus. - -»Ich glaube, es zu haben,« sprach er plötzlich und zwar im selben -Moment, als der Professor eine Bewegung mit der Hand machte. - -»Ich sehe es auch,« rief der Gelehrte. »Ja, ja, Terror hat recht. Die -Dinger kommen hinter uns her und leuchten von Zeit zu Zeit rot auf, um -dann wieder zu verschwinden. Sie erscheinen aber nur kugelförmig, weil -wir sie von vorn sehen. Ich glaube doch, daß sie in Wirklichkeit eine -etwas längliche Form besitzen.« - -Nun kam die Frage, ob man unbekannte Weltkörper vor sich hatte, die den -ewigen Naturgesetzen gehorchend, eine bestimmte Bahn verfolgen. - -Das konnte man sehr leicht feststellen, denn man brauchte ja nur den -Kurs des Fahrzeuges zu ändern. Waren die unbekannten Dinger, von deren -Größe man sich noch keine Vorstellung machen konnte, Weltenkörper, so -mußten sie eben die Bahn, die hinter dem »Meteor« herzuführen schien, -inne halten und bald aus dem Gesichtskreis verschwinden. - -Der Riesenmagnet wendete sich und das merkwürdige Fahrzeug gehorchte wie -ein Schiff dem Steuer. - -Seine Geschwindigkeit mäßigte sich nicht im geringsten, aber es schoß -jetzt in einer anderen Richtung davon, die mit der bisher innegehaltenen -einen spitzen Winkel bildete. - -Nun vergingen zwei Stunden, ohne daß im Lenkraum ein Wort gesprochen -wurde. - -Der Luftpirat hatte sich ein Beobachtungsinstrument herbeigeholt und den -Schieber geöffnet, der das zweite Ausgucksfenster verdeckte. - -Er saß rechts, der Professor links und nun beobachteten die beiden -Männer mit Aufmerksamkeit die befremdlichen Erscheinungen. - -Die dritte Stunde war beinahe zu Ende. - -Da erhob sich Mors von seinem Sitz und sprach mit eisiger Ruhe: - -»Professor, es sind keine Weltkörper, die merkwürdigen Erscheinungen -haben ihren Kurs geändert und kommen wieder hinter uns her.« - -»Eben wollte ich das gleiche sagen,« erwiderte van Halen, indem er sich -umblickte. »Es ist kein Zweifel übrig, wir werden verfolgt.« - -Mors ging mehrere Male im Lenkraum hin und her. - -»Was halten Sie davon, Kapitän?« sprach der Professor, als der Luftpirat -endlich stehen blieb. - -»Ich weiß es wirklich nicht,« lautete die Antwort. »Das, was ich gesehen -habe, läßt sich mit meinen früheren Beobachtungen im Weltenraum absolut -nicht in Vereinbarung bringen. Wir haben Weltenfahrzeuge vom Mars und -von der Venus gesehen, diese Erscheinungen aber sind gänzlich -verschieden. Im übrigen zweifle ich nicht daran, daß wir das Werk irgend -einer Intelligenz vor uns haben, die uns verfolgt und es ist möglich, -daß es so fürchterliche Gegner sind, daß sie uns vernichten können. Eins -aber habe ich entdeckt, die Schnelligkeit, mit der sie sich bewegen, ist -nicht viel größer als die unsere und noch habe ich unsere Schnelligkeit -nicht aufs Höchste gesteigert. Wir können, wenn wir wollen, noch rascher -fahren, ja vielleicht schneller als unsere geheimnisvollen Verfolger und -ihnen auf diese Weise entkommen.« - -Der Professor nickte zustimmend. - -»Da wenden wir einfach unseren Magneten nach dem Saturn zu,« fuhr Mors -fort. »Das wird die Geschwindigkeit bedeutend steigern.« - -»Allerdings,« erwiderte der Professor. »Aber es ist ein zweischneidiges -Schwert. Wir können bei dieser Gelegenheit sehr leicht in den Bannkreis -des Planeten Jupiter geraten. Da steht der Riese.« - -Van Halen deutete durch das Fenster hinaus auf eine kleine, glänzende -Scheibe, neben der man vier helle, leuchtende Punkte gewahrte. - -Ja, das war der größte aller Planeten, der Jupiter, der die Erde im -Volumen an Größe um das fast Dreizehnhundertfache übertrifft. - -Der Riese, der, wie der Professor meint, schon öfter Weltenkörper -abgefangen hatte. - -Kam der »Meteor« in den Bannkreis dieses Kolosses, so konnte er mit -rasender Geschwindigkeit angezogen und für immer festgehalten werden. - -Aber vielleicht war es doch noch besser, mit solcher Gefahr zu rechnen, -als sich auf ein Zusammentreffen mit den rätselhaften Verfolgern -einzulassen. - -Es waren sicherlich Fahrzeuge, die von intelligenten Wesen erbaut worden -waren. Als der Professor ihre Größe berechnete, fand er, daß sie wohl -fünfzigmal größer als das Weltenfahrzeug sein müßten. - -Es wäre Tollkühnheit gewesen, sich diesen Giganten entgegen zu stellen. -Mors entschloß sich deshalb, die größte Geschwindigkeit anzuwenden. - -Wieder wurde der Riesenmagnet gedreht und zum geheimen Bedauern des -Professors auf den Saturn gerichtet. - -Das Weltenfahrzeug verfolgte jetzt einen Kurs, der mit dem bisherigen -einen rechten Winkel bildete. - -Der letzte Zweifel schwand schnell als man sah, wie die Verfolger, fünf -an der Zahl, ihren Lauf auch änderten und hinter dem Fahrzeug des -Luftpiraten herjagten. - -Am unheimlichsten erschien das zeitweilige Aufglühen der Verfolger, denn -es sah so aus, als ob sie in Glut getaucht wären. - -Niemand konnte sagen, was es bedeutete, nur der Professor meinte, daß -sich die Verfolger wohl zu einem Angriff bereit machten. - -Ueber ihre eigentliche Form, die Gestaltung und alles andere konnte man -sich vorerst keine genauere Kenntnis verschaffen. - -Merkwürdigerweise erschien es auch so, als ob sie das Sonnenlicht gar -nicht reflektierten, sondern sich eher an das geheimnisvolle Dunkel des -Weltenraums anpaßten. - -Noch immer schienen sie näher zu kommen, ihre ganze Erscheinung hatte -etwas Grausiges, Entsetzliches. - -Mors war fest davon überzeugt, daß er mitsamt seinem Weltenfahrzeug und -dessen Insassen verloren war, wenn ihn diese unheimlichen Verfolger -erreichten. - -Doch nun hatte sich der Riesenmagnet gewendet und in kurzer Zeit machte -sich eine vermehrte Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges bemerkbar. - -Nachdem zwei Stunden vergangen waren, rief der Professor: »Sie bleiben -zurück, Kapitän, sie werden immer kleiner und kleiner.« - -»Das bewirkt unsere unheimliche Schnelligkeit,« entgegnete Mors. »Es war -das einzige Mittel, um uns diesen unheimlichen und ganz unbekannten -Gegnern zu entziehen. Wenn wir so weiter fahren, werden wir sie -allmählich aus den Augen verlieren.« - -So schnell ging es aber doch nicht, denn die rätselhaften Erscheinungen -waren noch nach vielen Stunden sichtbar. - -Von Zeit zu Zeit zeigte sich auch noch das merkwürdige rötliche -Aufleuchten, aber auch dieses nahm allmählich ab und zuletzt erschienen -die Verfolger nur noch wie unheimliche, glühende rote Punkte. - -Mors gab jetzt den Befehl, die Richtung nochmals zu verändern, denn er -meinte, daß die seltsamen Verfolger nun die Jagd aufgeben würden. - -Terror drehte die Kurbeln und ließ die Maschinen arbeiten, er versuchte -es zwei- und dreimal, aber vergeblich. - -»Kapitän,« rief er. »Das Fahrzeug gehorcht ja nicht mehr.« - -»Ich fürchtete das,« erwiderte Mors. »Aber, unter den Umständen blieb -uns nichts anderes übrig. Wir müssen auf unser gutes Glück vertrauen. -Jetzt sind wir in den Bannkreis des Planeten Jupiter geraten.« - - - - - 3. Kapitel. - Die rote Wolke. - - -Wieder war ein Tag vergangen. - -Die merkwürdigen Verfolger des Weltenfahrzeugs waren verschwunden und -irgend wo in den unendlichen Raum des Weltalls untergetaucht. - -Möglicherweise hatten jene intelligenten Wesen, welche diese -rätselhaften Fahrzeuge leiteten, eingesehen, daß sie das Weltenfahrzeug -nicht einholen konnten. Möglicherweise aber waren sie nur der -gefahrdrohenden Anziehungskraft des Jupiter aus dem Wege gegangen. - -Mors hatte übrigens verschiedenes getan, um dem Bannkreis zu entkommen, -aber als er merkte, daß dies keinen Zweck hatte, ließ er die Dinge ihren -Lauf gehen. - -Er vertraute seinem Glücksstern, er meinte, es würde ihm schon gelingen, -wieder von dem Riesenplaneten hinwegzukommen. - -Nun schoß sein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit nach dem Planeten -Jupiter hinüber. - -Es war überraschend, mit welcher Schnelligkeit sich derselbe -vergrößerte. Ein Beweis, daß er eine ungeheure Anziehungskraft ausübte. - -Schon verschwand die leuchtende Sonne neben der ungeheuren strahlenden -Scheibe, die schließlich den größten Teil des Firmaments einnehmen -mußte. - -Die Mannschaften des Weltenfahrzeuges betrachteten natürlich diese sich -fast mit jeder Stunde vergrößernde Scheibe des Riesenplaneten mit -gemischten Gefühlen. - -Die einzigen, welche kaltblütig darüber dachten, waren die beiden -Normannen, die ja schon mehrere Weltenfahrten mitgemacht hatten, dagegen -verrieten die neuangeworbenen Inder trotz ihres sonstigen Mutes und -ihrer Entschlossenheit jene abergläubische Scheu, die sich beim Anblick -von etwas Fremdartigem nie ganz verbergen ließ. - -Die Leute sahen alle auf Mors, aber als sie bemerkten, daß dieser ganz -ruhig blieb, schienen auch sie ruhiger zu werden. - -Vielleicht ergaben sie sich mit jenem Fatalismus, der den Orientalen -eigen ist, in das Unvermeidliche. Aber sie meinten wohl im Geheimen, daß -ihre Laufbahn hier ein Ende nehmen würde. - -An Mors wagte sich niemand heran, denn vor diesem Manne empfanden die -Leute bei aller Verehrung immerhin Scheu. - -Deshalb gingen sie zu Terror, der freilich auch nicht viel gesprächiger -als der Kapitän war. - -Die neuangeworbenen Inder hatten einen der ihren zum Wortführer erwählt -und dieser Mann wendete sich an Terror mit der Frage, wohin die Reise -eigentlich ginge. - -»Na, Ihr seht es ja, zu diesem Planeten dort,« erwiderte Terror etwas -knurrig. »Bei solchen Reisen, wie wir sie unternehmen, müssen wir immer -auf Abenteuer rechnen. Der Kapitän hat übrigens gesagt, daß die Sache -nicht viel zu bedeuten hat, und daß auf diesem riesigen Weltkörper dort -sicherlich Luft und Wasser existiert. Na und wenn wir da auch ein -Weilchen bleiben müssen, das schadet nichts. Der Kapitän hat schon ganz -andere Dinge vollführt, der wird auch von da wieder loskommen.« - -»Und wenn wir nicht wieder loskommen?« fragte der Inder. - -»Dann bleiben wir eben dort,« erwiderte Terror. »Ich bin ganz zufrieden -damit, wenn ich nur bei meinem Kapitän bin, alles andere ist mir -gleichgiltig.« - -Der Inder hatte aber noch eine wichtige Frage auf dem Herzen. - -»Werden wir unseren Gott Brahma dort vorfinden?« fragte er feierlich. -»Wenn uns der Tod bevorsteht, so wollen wir wenigstens in das Paradies -Brahmas gelangen.« - -Terror aber war kein Freund von den Heldengöttern, besonders nicht von -Brahma, da derselbe, wie er einmal gehört, mehrere Köpfe und eine ganze -Anzahl Arme besitzen sollte. - -»Ja, das weiß ich wirklich nicht,« erwiderte er. »Wenn Ihr hinkommt, -könnt Ihr Euch ja mal nach ihm umsehen. Vielleicht findet Ihr ihn. Im -übrigen laßt mich nun mal in Ruhe, denn ich habe mich um meine -Instrumente zu bekümmern. Die Maschinen müssen tadellos funktionieren, -wenn es nötig wird. Mit Eurem Brahma hat es noch Zeit, bis wir ankommen. -Vorläufig braucht Ihr ihn ja noch nicht, denn Ihr seid ja noch alle am -Leben.« - -Der Inder schnitt ein verdrießliches Gesicht, denn es gefiel ihm ganz -und gar nicht, daß sich Terror in solcher Weise über ihre Gottheit -äußerte. - -Terror wendete ihnen einfach den Rücken zu und ließ die Inder mit ihrem -Brahma machen, was sie wollten. - -Die Leute kehrten also wieder an ihre Beschäftigung zurück, aber sie -befanden sich offenbar in einiger Erregung. - -Man hörte sie öfter flüsternd sprechen und Bemerkungen über das Kommende -austauschen. Einige meinten auch, Terror müsse, da er so unehrerbietig -über Brahma gesprochen, zur Strafe in die Hölle geschleudert werden. - -Der Ingenieur aber kümmerte sich nicht mehr um das indische Paradies, -sondern setzte alle seine Maschinen instand, damit sie im Notfalle ihre -ebenso furchtbaren als nützlichen Dienste leisten konnten. - -Näher kam man dem Riesenplaneten und schon sah man mit bloßen Augen ein -höchst merkwürdiges Gebilde. - -Dieses war schon vor ungefähr vierzig Jahren auf der Erde entdeckt -worden und hatte zu den seltsamsten Vermutungen Anlaß gegeben. - -Man bezeichnete es als die rote Wolke. Es war dies ein eiförmiger Fleck, -der in der dichten Atmosphäre des Jupiter zu schweben schien. - -Einige Astronomen glaubten, es sei eine besonders starke Wolkenbildung, -die durch irgend einen Umstand die dunkelrote Färbung zeigte. - -Andere Beobachter aber glaubten an fürchterliche Vulkanausbrüche dieses -Planeten, der sich noch im Urzustand befinden mußte. Die gleiche Meinung -hatte auch der Professor. - -Beim Näherkommen gewahrte man übrigens, daß man von der Oberfläche des -Planeten so gut wie gar nichts sehen konnte. - -Das, was man erblickte, waren alles Wolken, welche den Riesenkörper -umhüllten, Wolken, welche die Sonnenstrahlen aufleuchtend grell -reflektierten. - -Der Professor meinte, es würde schon noch anders kommen und war -überzeugt, daß man über kurz oder lang einen Blick auf die Oberfläche -des Planeten werfen könne. - -Der Gelehrte vergaß jede Gefahr und war nur darauf gespannt, die Rätsel -des ungeheuren Weltkörpers enthüllt zu sehen. - -Er gönnte sich keine Ruhe, vergaß Speise und Trank, und es kam oft genug -vor, daß er bei seinen Fernröhren und Instrumenten, von der Müdigkeit -überwältigt, die Augen schloß. - -Die rote Wolke verschwand übrigens bald, was nicht verwunderlich war, da -sich ja der riesige Planet in noch nicht zehn Stunden um seine eigene -Achse dreht. - -Diese furchtbare Geschwindigkeit mußte es auch bewirken, daß der Koloß -an den Polenden stark abgeplattet erschien. Alles aber, was man sah, -verriet eine ungemein dichte, im übrigen aber der Erde sehr ähnliche -Atmosphäre. - -»Luft werden wir genug haben,« sprach der Professor zu Nelly, als sie -ihm wieder einmal mit sanfter Gewalt einige Nahrungsmittel aufnötigte. -»Ich glaube sogar, unsere Lungen werden ordentlich Mühe haben, in dieser -starken Luftmasse zu atmen. Aber der Mensch gewöhnt sich eben an alles. -Wasser ist dort auch zu finden. Es sollte mich übrigens nicht wundern, -wenn wir durch die ungeheure Anziehungskraft gezwungen würden, bis zu -unserem Ende Bewohner des Jupiters zu bleiben.« - -Nelly zuckte mit den runden Schultern und ihre Augen glänzten. Solch -Abenteuer war recht nach dem Geschmack der phantastisch veranlagten -Schönen. - -Die Normannen ergaben sich mit Gleichmut in alles, was ihnen bevorstand. -Die Inder dagegen saßen oft zusammen und meinten, wie schrecklich es -sein müsse, wenn ihr Gott Brahma nicht auf dem Planeten hauste, denn -dann wäre ihnen ja das Paradies für ewig verloren. - -Unter einem Teil dieser Leute machte sich bereits Unzufriedenheit -bemerkbar, aber da die anderen treu zu Mors hielten, so verbargen die -Unzufriedenen ihre Empfindungen auf das Sorgfältigste. - -Nach zehn Stunden wurde die rote Wolke wieder sichtbar und da sah man -schon mit bloßen Augen, daß sie eine ungeheure Ausdehnung besaß. Ihr -Umfang war geradezu ungeheuer und es schien, daß dieser dunkelrote Fleck -wohl den zwanzigsten Teil der den Weltenfahrern sichtbaren -Jupiterscheibe bedeckte. - -Ferner sah man andere ungeheure Wolkenmassen, vor allen Dingen aber jene -Ringe, die der Jupiterscheibe ein so merkwürdiges Aussehen verleihen. - -Zeitweise glaubte auch der Professor, einen Blick durch die dichte -Atmosphäre tun zu können. - -Es sah zuweilen so aus, als ob die Wolkenmassen zerrissen und Teile der -Oberfläche des riesigen Planeten enthüllten. - -Geschah dies, so war der Professor gleich mit seinen Instrumenten zur -Hand, aber diese Perioden dauerten immer nur ganz kurze Zeit, sodaß van -Halen nur wenige klare Beobachtungen machen konnte. - -Mors erkundigte sich übrigens bei dem Gelehrten, was er bemerkt hatte, -und der Professor gab bereitwilligst Auskunft. - -»Man hatte auf unserer Erde angenommen, daß der Jupiter noch fast -flüssig sein soll,« sprach er, als er wieder einmal eine Beobachtung -gemacht. »Aber nach reiflicher Ueberlegung bin ich überzeugt, daß dies -nicht der Fall ist. Das, was ich durch das Fernrohr sehe, bestärkt meine -Annahme. Der Koloß befindet sich in einem Zustande, den man auf Erden -als die sogenannte Devon-Zeit bezeichnet hat, als die Zeit der -Panzerfische, und der ersten Landpflanzen. Aber ich vermute auch, daß -auf dem Jupiter noch ungeheuerliche vulkanische Ausbrüche stattfinden -und zwar Ausbrüche, bei denen Wasser und Feuer zusammen in Aktion -treten.« - -»Und was schließen Sie daraus?« fragte der Luftpirat. - -»Nun, das eine, daß wir in eine sehr seltsame Welt kommen,« lautete die -Antwort, »in eine Welt, wo alle Augenblicke Katastrophen eintreten, -Feuer- und Wasserausbrüche, schreckliche Erschütterungen des Festlandes, -kurzum, ein wahres wildes Durcheinander, welches jeder menschlichen -Beschreibung spottet.« - -»Hauptsache ist, daß ich mein Fahrzeug fliegend erhalte,« bemerkte -Kapitän Mors. »Wenn mir das gelingt, so können wir vorerst der Wut der -Elemente trotzen. Schlimmer wäre es freilich, wenn wir direkt durch die -ungeheure Anziehungskraft an den Planeten gebannt würden, sodaß mein -Weltenfahrzeug hilflos wird. Versagt der Magnet dann seine Dienste, so -können wir nimmermehr nach der Erde zurückkehren.« - -»Nun, wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen,« erwiderte der -Professor. »Bei solchen großartigen Naturereignissen kann der Mensch -sein Wissen und seine Erfahrungen benutzen. Solche Naturereignisse -können uns vielleicht sogar zur Rettung dienen.« - -Bei den letzten Worten deutete der Gelehrte auf die geheimnisvolle rote -Wolke, welche gerade in der Mitte des Planeten schwebte. - -Mors zuckte die Achseln und begab sich in den Lenkraum. - -Dort arbeitete Terror wie ein Verzweifelter. - -Der Brave machte sich wenig aus dem Jupiter, denn als er hörte, wie es -dort aussehen sollte, verstärkte sich die Abneigung gegen diese neue -Welt. - -»Was soll ich dort unter den Panzerfischen und Stachelpflanzen,« brummte -er. »Fische esse ich zwar ganz gern, aber ob die Biester dort zu essen -sein werden, möchte ich mit Recht bezweifeln, und die Gemüse aus solchen -Pflanzen würden uns zwischen den Zähnen stecken bleiben. Aber was hilft -es, wenn wir dort bleiben müssen und unsere Vorräte allmählich zu Ende -gehen, müssen wir doch mit dem Vorlieb nehmen, was sich dort befindet. -In der Not frißt der Teufel Fliegen.« - -Terror ließ den Magneten nach allen Richtungen spielen, aber es war -umsonst. Die Anziehungskraft des Giganten spottete seinen Bemühungen. - -Sein einziger Trost war nur der, daß die Schnelligkeit, mit der das -Weltenfahrzeug dahin sauste, einigermaßen gemildert werden konnte. - -Immerhin war mit einem Aufsturz des Fahrzeuges auf den Jupiter zu -rechnen. - -Geschah dies, so mußte das Fahrzeug in Trümmer gehen und alles -menschliche Leben darin vernichtet werden. - -Aber das ließ sich nicht ändern und es kam sicherlich die Stunde, wo -alle menschlichen Machtmittel versagten. - -Immer größer wurde der Planet, dem man mit zunehmender Schnelligkeit -näher kam. Allmählich breitete sich die kolossale Scheibe über das ganze -Firmament aus. - -War es Tag, so blendeten die leuchtenden Wolken derartig, daß man -Schutzbrillen tragen mußte. Stand die Sonne aber hinter dem ungeheuren -Planeten, so wurde es dennoch nicht dunkel, denn die Atmosphäre des -Jupiter schien ein eigenes Licht zu besitzen. - -Dies war freilich schwach im Vergleich zu dem reflektierten Sonnenlicht, -wenn der Planet ganz beleuchtet wurde, war der Glanz derselben kaum zu -ertragen. - -Der Magnet wurde auf die Scheibe des Jupiter gerichtet, um so die -Anziehungskraft nach Möglichkeit abzuschwächen. Mehr konnte man nicht -tun. Das Weitere war dem Walten des Schicksals überlassen. - -Der Professor berechnete kaltblütig die Zeit, in welcher der Aufsturz -stattfinden würde. - -Erst waren es noch Tage, nun wurden es nur noch Stunden. - -Man hörte van Halen, der jetzt nicht mehr von seinen Instrumenten ging, -zuweilen halblaute Worte vor sich hinmurmeln. - -»Vier Stunden vierzig Minuten, vier Stunden dreißig Minuten. Vier -Stunden zwanzig Minuten, jetzt nur noch vier Stunden!« - -Die Inder machten sich auf ein furchtbares Ende gefaßt. - -Da sie sehr religiös waren, so empfahlen sie ihre unsterbliche Seele -Brahma, der mächtigen, indischen Gottheit. - -Die beiden Normannen dagegen machten sich wenig aus dem, was nach ihrem -Ende wurde. Van Halen und Terror, sowie Mors hatten nur Sinn für ihre -Instrumente und Maschinen. - -Mors blieb so ruhig und gelassen, als wenn er sich auf Erden auf seiner -geheimnisvollen Insel befände. Er, Terror und van Halen bewunderten im -Stillen Nelly, die eine unglaubliche Entschlossenheit zeigte und keine -Furcht zu kennen schien. - -Sie besorgte die Mahlzeiten wie gewöhnlich und redete den ziemlich -niedergeschlagenen Indern zu, daß sie Speise und Trank zu sich nehmen -sollten. - -Wieder neigte sich der Professor auf seine Instrumente. - -»Noch dreißig Minuten,« sprach er. »Dann haben wir den Planeten -erreicht. In einer halben Stunde muß sich unser Schicksal entscheiden.« - - - - - 4. Kapitel. - Wunderbare Abenteuer. - - -Die dreißig Minuten schienen eine Ewigkeit zu werden. - -Bald sah man nichts mehr, denn das Weltenfahrzeug befand sich zwischen -den ungeheuren Wolkenmassen, die den Jupiter verhüllten. - -Mors warf noch einen letzten Blick durch die Gucklöcher, welche durch -starke Gläser verschlossen wurden. - -Er sah nichts als eine wirbelnde Masse, graue, weiße, braune Wolken, -zuweilen auch ein rötliches Aufleuchten. - -Jedenfalls befand sich die Atmosphäre des Riesenplaneten in ungeheurer -Erregung. - -Was da aber vorging, konnte kein Sterblicher sagen. - -Die letzten Minuten vergingen. - -»Jetzt kommt der Luftprall,« sprach der Professor zu Mors, der mit der -Uhr in der Hand die kommenden Dinge erwartete. - -Nelly war auch da und sah mit ihren feurigen Augen auf den Luftpiraten. - -Wenn es zum Sterben kam, wollte sie wenigstens in seiner Nähe den Tod -erleiden. - -Jeden Augenblick erwartete man die Katastrophe. - -Der Luftpirat war darauf gefaßt, daß das Fahrzeug in Stücke zerschellen -würde. - -Mit einem Male verspürte man eine seltsame Berührung. - -Es war, als hätte das Fahrzeug etwas Weiches, Widerstandsfähiges berührt -und dann vernahm man deutlich, wie etwas gegen die gepanzerten Wände -schlug. - -Der Professor sprang empor. - -»Wir sind angelangt,« rief er. »Aber wir sind nicht auf festem Boden, -sondern auf Wasser angekommen. Kein Zweifel, der »Meteor« ist mit großer -Geschwindigkeit in eine ungeheure Wasseransammlung hineingetaucht.« - -Das Meer oder der See oder was es nun sein mochte, mußte sehr tief sein. - -Plötzlich richtete sich das Fahrzeug, welches bis dahin eine schräge -Lage gezeigt, wieder auf und schoß so schnell empor, daß Nelly und der -Professor sich festklammern mußten. - -Es schoß direkt aufwärts, aber nun verlangsamte sich die Bewegung nach -vorwärts, dafür aber geschah etwas anderes, was nicht minder merkwürdig -war. - -Das Weltenfahrzeug geriet nämlich in schaukelnde Bewegungen, es war -gerade so, als ob irgend etwas Geheimnisvolles, Starkes mit dem »Meteor« -spielte. - -»Was ist das?« rief Nelly, die sich tapfer festgehalten. - -»Wir schwimmen,« sprach Mors, »wir sind wieder aufgetaucht und da der -»Meteor« trotz seines ungeheuren Gewichtes, dank seiner Innenräume und -der Behälter mit flüssiger Luft, leichter ist als Wasser, so schwimmen -wir höchstwahrscheinlich auf der Oberfläche eines Jupiter-Gewässers.« - -»Da mag es aber toll hergehen,« meinte Terror, der eben an der Tür -erschien. »Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht ein fürchterlicher -Sturm diesen Jupiter-See von Grund auf aufwühlt. Wir werden ja hin- und -hergeschleudert, als ob unser Koloß eine Seifenblase ist.« - -Mors sah wieder durch die kleinen Gucklöcher. - -In wenigen Augenblicken überzeugte er sich, daß Terror Recht hatte. - -Der »Meteor« schwamm auf einer empörten See, die durch einen -fürchterlichen Sturm aufgewühlt wurde. - -Da sah man Wellen, gegen die die der irdischen Gewässer harmlos -erschienen, Riesenwellen, die das sonderbare Fahrzeug wie einen -Spielball hin- und herwirbelten. - -Terror und der Professor waren jetzt auch an die Gucklöcher getreten, -ebenso Nelly, die mit glänzenden Augen das Naturschauspiel einer -unbekannten Welt bewunderte. - -Die Schwester Ned Gullys besaß scharfe Augen, und sie war es auch, -welche zuerst etwas Ungewöhnliches bemerkte. - -»Kapitän,« rief sie plötzlich. »Da ist etwas Dunkles. Das ist Land!« - -Wenige Augenblicke später erhielt das umhergeschleuderte Fahrzeug einen -gewaltigen Stoß. - -Es war aber sicherlich kein Felsen, gegen den es stieß, sondern eine -Sandbank. - -Man vernahm deutlich, wie das Fahrzeug sich auf der Sandbank hin- und -herschob und wie es sich allmählich immer höher auf das Land -hinaufwühlte. - -Der Sand türmte sich zur Linken und Rechten empor und bildete allmählich -einen Schutzwall. Die von dem Sturm gepeitschten Wogen schlugen noch -zuweilen über das Achterteil des Weltenfahrzeuges, bis es zuletzt still -und unbeweglich im weichen Triebsand ruhte. -- -- -- -- -- - -Es vergingen viele Stunden, ehe sich der Aufruhr der Elemente legte. - -Der Sturm schien schon längst zu Ende gegangen zu sein, aber die Wellen -gingen noch immer hoch. Man sah durch die Gucklöcher, wie die Wogenberge -über die Oberfläche des unbekannten Meeres hinüberfegten. - -Dann kam ja die Nacht, da ja bekanntlich der Tag auf dem Jupiter kaum -zehn Stunden lang dauert. - -Aber dunkel wurde es nicht, denn der Jupiter besaß ja vier Monde, die -eine großartige Beleuchtung spendeten. - -Bei diesem Schein sah man die noch immer außerordentlich unruhige -Oberfläche der See, auch hörte man das Donnern einer entfernten -Brandung. - -Mors glaubte auch zuweilen durch die Gucklöcher Umrisse von Felsen und -Hügeln sehen zu können, aber die Atmosphäre war sehr wenig durchsichtig. - -So blieb denn vorläufig nichts weiter übrig, als daß man die Ruhestätte -aufsuchte, aber Mors sorgte dafür, daß stets einige Wachen Ausguck -hielten. - -Als die Nacht zu Ende ging, gewahrte Mors, daß sich die Oberfläche des -Jupitermeeres bedeutend beruhigt hatte. - -Da drängte es ihn, hinauszugehen und die Luft dieser neuen, unbekannten -Welt zu atmen. - -Das war nicht unbedenklich, indessen hatte der Professor schon einige -Beobachtungen gemacht und die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß die -dicke Luft des Jupiter, wenn auch mit einigen Beschwerden, geatmet -werden konnte. - -Das Weltenfahrzeug lag ungefähr zur Hälfte in den Sand gebettet, aber -die luftdicht schließenden Türen, welche nach außen führten, waren -freigeblieben. - -Mors öffnete die innere Tür und schloß sie wieder sorgfältig. Er wies -jede Begleitung zurück, obwohl Nelly und van Halen ihn nicht verlassen -wollten. - -Hierauf öffnete der Kapitän vorsichtig die äußere Tür und versuchte, die -Luft zu atmen. - -Sie war dick, schwer, aber zu ertragen. Sie schien nur eine ungeheure -Menge Kohlensäure zu enthalten. Dies verursachte die Empfindung eines -leichten Rausches. Da aber der menschliche Organismus sehr -anpassungsfähig ist, meinte Mors, daß sich seine Mannschaft auch daran -gewöhnen würde. - -Jetzt stieg der Luftpirat langsam an der eisernen Treppe hinan, die zur -oberen Plattform führte. - -Er hatte ein merkwürdiges Empfinden, denn es war ihm zu Mute, als ob -sein ganzer Körper aus Blei bestände. - -Das war erklärlich, da der Planet Jupiter um soviel mal größer als die -Erde war, mußte naturgemäß alles, was sich da befand, auch bedeutend -schwerer wiegen. - -Immerhin erwies sich dies nicht hinderlich, wenn man Bewegungen mit den -Gliedern machte. Mors kam es so vor, als besäße er jetzt die Kraft, -einen Felsen zertrümmern zu können. - -Jetzt stand er auf der Plattform. - -Zur Rechten lag das Meer, dessen Oberfläche noch immer in ziemlicher -Bewegung war. Zur Linken aber sah man das Land, welches freilich ein -höchst sonderbares Aussehen besaß. - -An den Ufern des Meeres dehnte sich ein mächtiger Sandstrand aus, -weiterhin stieg das Land empor. Da sah Kapitän Mors Felsen, Hügel und -Klippen. - -Die meisten aber besaßen eine höchst eigentümliche Form, denn sie waren -kegelförmig und auf ihren Höhen befanden sich kreisrunde Öffnungen. - -Ferner sah Mors merkwürdige Felsenringe, die fast riesigen -Springbrunnenbecken glichen. Das Sonderbarste aber war, daß sie mit -Wasser angefüllt waren, welches zuweilen aufbrodelte. - -Mors sah sich um, ob er nicht irgendwo Pflanzenleben entdeckte. Es -dauerte einige Zeit, ehe er dieses bemerkte, aber endlich gewahrte er -solches zwischen den Hügeln. - -Diese Flora war sehr spärlich, aber immerhin sah Mors hier und da üppige -Pflanzen stehen. - -Es waren eine Art Gräser, aber wie der Professor vorausgesagt, ungemein -stachelig, alles schien von Dornen förmlich zu starren und das Ganze -besaß direkt ein unheimliches Aussehen. - -Als Mors in das Wasser blickte, gewahrte er, daß es recht klar und -durchsichtig war. - -Da unten war ein ganz anderes Leben und da sah Mors zunächst eine Menge -Algen und Tang, er sah auch lebende Geschöpfe, die dort ihr Wesen -trieben. Fischartige, anscheinend mit Knorpeln und Horn gepanzerte -Ungetüme. - -»Van Halen hat recht gehabt,« murmelte der Luftpirat. »Das ist hier eine -Epoche, die man auf Erden längst überwunden hat. Eine Zeit, die noch der -Steinkohlenperiode voranging. Vor allen Dingen eine Welt, in der -fürchterliche, vulkanische Erscheinungen zu den alltäglichen Ereignissen -gehören. Aber es hilft nichts, wir müssen uns damit abfinden.« - -Er erprobte noch einmal die Luft und ging dann hinunter, um seine -Gefährten von seinen Beobachtungen zu benachrichtigen. - -Mors forderte alle Insassen des Weltenfahrzeuges auf, nach der Plattform -zu kommen und die fremdartige Umgebung zu betrachten. - -Der Professor und Nelly waren natürlich die ersten, welche diesem Rufe -folgten und sich nicht wenig über die bleierne Schwere in den Gliedern -wunderten. Mißtrauischer benahm sich schon Terror, der bedächtig die -neue Luft einsog und nach allen Richtungen umherschnüffelte. - -Er brummte auch allerlei Bemerkungen in den Bart, die keine -Schmeicheleien für die neue Welt sein mochten. - -Dann kamen die Normannen, die ziemlich gleichgültig die fremdartige -Umgebung betrachteten. - -Die Inder waren die letzten, die sich auf die Plattform hinauswagten. - -Mors beobachtete diese Leute aufmerksam, denn er hatte schon bemerkt, -daß die Inder ein wenig verzagt schienen. - -Der Luftpirat staunte aber, als die Bewohner der indischen Gebirgswelt, -nachdem sie kaum ein paar Blicke auf die Umgebung geworfen, sichtliche -Freude verrieten. - -Ihre Augen begannen zu glänzen, sie deuteten bald hier hin, bald -dorthin, und machten sich auf die sonderbaren Formen der Hügel und -Felsen aufmerksam. - -Mors trat zu den braunen Leuten. - -»Nun, was sagt ihr zu dieser neuen Welt?« forschte er, die Inder -betrachtend. - -»O Herr,« erwiderte der eine, der das Wort führte, »dieses Land ist uns -schon bekannt. Das haben wir schon früher gesehen.« - -»Nicht möglich,« erwiderte Mors mit flüchtigem Lächeln. »Ihr habt doch -noch keine Reise nach dem Planeten Jupiter unternommen?« - -»Wir haben dieses Land auf den Bildern in unseren Tempeln gesehen,« -lautete die Antwort. »Es ist das Land, in welchem unser Gott Brahma -wohnt. Es ist seine Heimat und deshalb sind wir glücklich. Dort aber, -jene wassergefüllten Ringe sind die Eingänge zur Hölle, in welche die -grasgrünen Teufel alle die hinabziehen, welche nicht an Gott Brahma -glauben.« - -»Der Henker hole euch mit euren grasgrünen Teufeln und eurem Brahma,« -murmelte Terror, der sich hier ganz und gar nicht behaglich fühlte. »Ich -wollte, wir schwebten fünfzigtausend Meilen von dieser vertrackten Welt, -anstatt daß wir hier im Sande eines unbekannten Ozeans liegen. Der -Teufel weiß, wann wir hier wieder loskommen. Meinethalben kann mir der -ganze Jupiter gestohlen bleiben.« - - - - - 5. Kapitel. - Im Bann des Aberglaubens. - - -Am glücklichsten war der Professor, denn der geriet vor Entzücken außer -sich. - -Mors mußte ihn festhalten, sonst wäre der Professor Hals über Kopf in -den Sand hinuntergesprungen und in die fremdartige Landschaft -hineingelaufen. - -Das gab der Luftpirat aber nicht zu, denn er wollte sich erst -überzeugen, ob nicht etwa Gefahren in diesem fremden Lande lauerten. - -Allerdings hatte es zur irdischen Devonzeit keine Ungeheuer gegeben, die -den Menschen gefährlich werden konnten. Aber auf dem Jupiter konnte sich -das anders verhalten und Mors dachte nicht im mindesten daran, van Halen -einer Gefahr auszusetzen. - -Mors hatte den Professor, der mit solcher Begeisterung an ihm und seinen -Werken hing, schon sehr lieb gewonnen und zählte ihn zu den -vertrautesten seiner Gefährten. Auch dachte er daran, daß Anita -verzweifeln würde, wenn der Professor nicht nach der Erde zurückkehrte. - -Aber konnte man denn überhaupt zurück? Blieb denn nicht das -Weltenfahrzeug für immer an diesen Planeten gebannt? Jetzt sah es so -aus, als ob die tollkühnen Abenteurer ihr Leben auf dem Jupiter -beschließen müßten. - -Mors beobachtete mit dem Glas aufs sorgfältigste die Umgebung. Aber er -sah nirgends ein verdächtig aussehendes Tier. Die Zeit für die Tiere am -Lande war wohl noch nicht gekommen und in der See sah man nur -Panzerfische und Trilobiten; ferner gewahrte man die sonderbarsten -Meergewächse und wunderlich geformte Muscheln. Da war man um Millionen -Jahre in den Zeiten zurückversetzt, denn dieser Planet befand sich erst -im Werdezustande. - -Als Mors die Umgebung genug betrachtet, bemerkte er, wie das Meer rasch -zurückwich. - -Naturgemäß mußten hier, wo vier riesige Monde existierten, Ebbe und Flut -in ganz ungeahntem Maße auftreten. - -Höchstwahrscheinlich war die Flut gewesen, als der »Meteor« strandete, -denn in kurzer Zeit war alles in der Runde trocken. Man sah nur noch in -der Ferne eine weißblaue Linie, die den Rand des Jupiterozeans -andeutete. - -Mors faßte einen kurzen Entschluß. - -Gerätschaften fanden sich ja in Menge in seinem Fahrzeug und so ließ der -Luftpirat seine Inder und Normannen mit Schaufeln über die Treppe auf -den Sand hinabsteigen. - -Sie sollten den feuchten, weißen Sand so viel als möglich bei Seite -schaufeln und das Fahrzeug auf diese Weise befreien. - -Mors vermutete nämlich, daß nicht die ungeheure Masse des Planeten es -sei, welche das Weltenfahrzeug herniedergezogen, sondern -elektrisch-magnetische Ströme, die unter der noch dünnen Kruste des -Jupiter ihr Wesen trieben. - -Alle legten mit Hand an, selbst Nelly schaufelte unverdrossen und in -vier Stunden war rund um den »Meteor« herum eine Rinne gegraben. - -Die Flut war noch immer nicht zurückgekehrt, aber sie mußte sicherlich -nach einigen Stunden kommen. - -Mors hieß jetzt alle seine Leute wieder auf den »Meteor« hinaufsteigen -und sich in das Innere des Fahrzeuges begeben. Dann wurde der Magnet, -der bis dahin nach oben gerichtet war, möglichst gesenkt, sodaß er sich -auf die Sandfläche richtete. - -Im nächsten Augenblick erhielt das gewaltige Fahrzeug einen mächtigen -Ruck. Man hörte den Sand knirschen und im nächsten Augenblick schnellte -das Weltenfahrzeug in die Höhe. - -Terror war ganz außer sich vor Freude, als er dies bemerkte, dagegen -schienen die Inder eher traurig, als freudig bewegt zu sein. - -Das Weltenfahrzeug schwebte einige hundert Meter empor, aber dann -erhielt es wieder einen Ruck und neigte sich langsam nach unten. - -»Jetzt weiß ich es, weshalb wir hier so gebannt bleiben,« sprach Mors zu -Terror und dem Professor. »Wir befinden uns wieder über der dünnen -Kruste, welche die magnetischen und elektrischen Strömungen deckt. -Dadurch werden wir hinabgezogen. Jetzt müssen wir vorsichtig -manövrieren, daß wir wieder auf dem Sande landen. Auf den anderen Boden -dürfen wir nicht hinunterkommen, denn dadurch würden wir der ungeheuren -Anziehungskraft ausgesetzt bleiben. Der Sand schützt uns, denn der -leitet keine Elektrizität. Also wollen wir uns wieder am Rande dieses -seltsamen Meeres niederlassen.« - -Das geschah denn auch und nach kaum einer halben Stunde lag der »Meteor« -auf einer Sanddüne, die sicherlich nicht von den Wogen bespült wurde. - -Die Situation war klar. - -Kam man mit dem Weltenfahrzeug über die sonderbaren Felsformationen des -Planeten, so wurde der Riesenmagnet nutzlos. Man mußte also, um fliegen -zu können, immer in der Nähe des Meeres bleiben. - -Aber auch das genügte nicht, denn, als man nach einer Weile emporstieg, -gelangte das Weltenfahrzeug höchstens fünfhundert Meter über die -Oberfläche des Jupiter. - -Dann schienen die geheimnisvollen Ausstrahlungen wieder zu wirken und -trotz aller Anstrengungen mußte man wieder auf die Sanddüne hinunter. - -Terror war über diese Ereignisse ziemlich niedergeschlagen und meinte, -man könne den Planeten nimmer verlassen. - -Aber Mors und der Professor waren anderer Meinung. - -»Wir dürfen nie den Mut verlieren,« sprach der erstere. »Es ist ja -richtig, daß wir augenblicklich nicht hochsteigen können. Aber -möglicherweise tritt doch ein Ereignis ein, welches uns die Abfahrt -gestattet. Wir sind mit Vorräten versehen, wir können also warten.« - -Mors hatte einen geschützten Platz gewählt, wo das Weltenfahrzeug -zwischen zwei kolossalen Sanddünen ruhte. - -Er vermutete nämlich, daß hier ungeheure Stürme tobten, Orkane von -fürchterlicher Wut. - -Dort, wo man sich befand, war das aber nicht zu befürchten, und so -konnte man geschützt die Umgebung betrachten. - -Der Professor und Mors verließen den »Meteor« und erstiegen die nach dem -Lande zugewendete Sanddüne. Von da aus betrachteten sie mit Fernrohren -die Stachelpflanzen und die wunderbaren Erscheinungen am Himmelskörper. - -Der kurze Tag, die kurze Nacht, die Phasenbildung der vier Monde und -deren Erscheinen und Verschwinden war so großartig, daß man gar nicht -wußte, was man alles bewundern sollte. - -Dazu kamen fürchterliche elektrische Entladungen in den Wolkenmassen, -die von Zeit zu Zeit das ganze Firmament bedeckten. Dann schien es, als -ob sich eine ungeheure graue Masse über Land und Wasser herabsenkte. - -Mors und seine Begleiter waren so in Erstaunen versunken, daß sie gar -nicht auf die Mannschaft achteten. - -Die Normannen nahmen alles mit Gleichmut hin und meinten, der Luftpirat, -der so viel geleistet, würde das Fahrzeug schon wieder aus dieser -fremden Welt hinwegführen. Auch einige Inder zeigten sich gleichmütig, -aber die anderen standen immer zusammen, zischelten und flüsterten. Sie -schwiegen aber, wenn jemand in ihrer Nähe vorüberging. - -Von Zeit zu Zeit stiegen sie auch auf die Plattform und von dort auf die -Düne, denn Mors hatte jedem seiner Leute freigestellt, die Umgebung des -Weltenfahrzeugs in Augenschein zu nehmen. - -Plötzlich bemerkte man dort, wo die merkwürdigen Felsen aufstiegen, -etwas Sonderbares. - -Aus einem der Kegel, die kleinen Kratern ähnlich sahen, stieg plötzlich -eine mächtige Wassersäule wie ein riesiger Springbrunnen empor. - -Gleichzeitig begannen die Gewässer in den nahe befindlichen großen -Felsenringen zu schäumen und zu sprudeln. - -Mors und dem Professor waren diese Erscheinungen nicht fremd. - -Solche gab es auch auf der Erde, auf der Insel Island und in den -Felsengebirgen Nordamerikas, man pflegte solche Wasservulkane mit dem -Namen Geyser zu bezeichnen. - -Hier schienen sie in wahrer Unzahl vorhanden zu sein und das ganze Land, -so weit das Auge reichte, zu bedecken. - -Diese Wasservulkane waren es wohl auch, welche im Ruhezustande den -elektrischen und magnetischen Strömen einen Ausgang gewährten, so daß -sie ihre verderbliche Anziehungskraft auf alles Metallene ausüben -konnten. - -Die Inder dagegen, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Wasservulkan -gesehen hatten, betrachteten diese Erscheinung mit ehrerbietigem -Staunen. - -Das hatte seine Gründe. - -Auf indischen Bildern werden nämlich die Gottheiten sehr häufig auf den -heiligen Bergen dargestellt und zwar auf einem Thronsessel, um den rings -umher Wolken aus der Erde emporsteigen. - -Diese Malereien aber erinnerten merkwürdigerweise an solche Geyser, weil -der Dampf auf den indischen Bildern scheinbar stoßweise aus der Erde -kam. - -Da glaubten die Inder, abergläubisch wie sie nun einmal waren, daß sie -sich jetzt in dem Lande befänden, von welchem ihnen ihre Priester so oft -erzählten, nämlich im himmlischen Paradiese. - -Hier wohnte Brahma, kein Zweifel, der Göttergeist lebte hier zwischen -diesen wasserspeienden Kratern und dort, wo Wolken die Aussicht -versperrten, mußte sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Paradies -befinden. - -Alle Furcht war bei den Indern verschwunden, sie dachten jetzt gar nicht -mehr daran, auf die Erde zurückzukehren. - -Hat doch nach dem indischen Glauben der Gestorbene eine ungemein lange -und mühselige, gefahrreiche Reise durchzumachen, ehe er in das Paradies -gelangt. Wenn er irgendwie gesündigt hat, wird er nach dem Volksglauben -der Inder verwandelt, als Katze, als Hund, als Schlange, dann muß er -immer und immer wieder die mühselige Erdenwanderung von neuem beginnen. - -Vielleicht fühlten sich diese Männer nicht ganz von Sünden frei, genug, -sie dachten gar nicht daran, dies seltsame Land zu verlassen, sie -wollten gleich hier bleiben und zu ihrem mächtigen Gott Brahma ins -Paradies eingehen. - -Nun gehörte einer von ihnen, der auch bis jetzt den Sprecher gemacht, -und der, wie er oft betonte, von fürstlichem Blute abstammte, zur -Priesterkaste der Brahmanen. Dieser Mann war es, der seine Gefährten in -diesem Aberglauben bestärkte. - -Er zweifelte gar nicht daran, daß man sich im Paradies befand und gab -zuerst seine Absicht kund, hierzubleiben und die Seligkeit des Jenseits -zu genießen. - -»Brahma wird uns mit offenen Armen aufnehmen,« sprach er zu den Indern, -die ihm willig zuhörten. »Die Gottheit wohnt hinter diesen Felsen, denn -es sind die heiligen Tempel, die den Göttersitz umgeben. Wir wollen -ihnen nahen und dann sind uns die ewigen Freuden beschieden. Das -Geschick hat uns hierhergeführt, wo Brahma auf uns wartet.« - -Es waren freilich nur wenige der Männer, die so fanatisch veranlagt -waren, daß sie alles, was der ehemalige Priester sagte, für volle -Wahrheit nahmen. Die anderen mochten freilich noch einige Zweifel hegen. - -Darum kümmerten sich aber diejenigen, welche an das Paradies glaubten, -nicht im mindesten und waren fest entschlossen, die ewigen Freuden zu -erringen. - -Aber dazu gehörte noch eins. Man mußte dem mächtigen Gott Brahma ein -Opfer bringen. - -Der ehemalige Brahmanenpriester wußte auch hier Rat. Er kannte die -ganzen alten Bücher und heiligen Schriften, nämlich die sogenannten -Veden. - -Da erzählte er den Männern, die seinen Worten wie einem Evangelium -lauschten, folgendes: - -»Es war einst ein Brahmane, der wurde durch einen Zufall mit einem -Schiff auf das Meer geführt. Dort entstand eine ungeheure Windhose, die -das Schiff in die Höhe riß und es nach langer, langer Fahrt nach dem -Lande der Glückseligkeit brachte. Das ist dieses Land hier gewesen.« - -Die Worte des Mannes verrieten freilich, daß er wenig von der -Beschaffenheit eines Weltenfahrzeuges wußte, denn man hätte fragen -können, wie diese Kunde von dem Ereignis auf die Erde gekommen war. - -Aber danach fragten die Inder nicht, denn ihre alten Ueberlieferungen -galten ihnen als etwas, an dem nicht gezweifelt werden durfte. - -»Ja, sie gelangten nach jenem Lande,« fuhr der Brahmane fort, »und als -sie da ankamen, erkannten sie, daß sie sich im Reiche der Gottheit -befinden mußten. Sie wollten Brahmas Paradies nahen, aber die -Dampfwolken versperrten ihnen den Weg. Da gedachten sie einer alten -Vorschrift unserer heiligen Bücher und sie opferten ein Weib, welches -sich bei ihnen befand. Und so wie das Blut dieses Weibes den heiligen -Boden tränkte, wichen die Dämpfe und die Männer gingen in das irdische -Paradies, wo sie mit Jauchzen und Frohlocken empfangen wurden.« - -Es waren noch vier Männer, die sich um den Brahmanen drängten und seinen -Worten lauschten, Leute, die nach dem Paradies förmlich lechzten. - -»Und das Opfer?« fragten sie, als der Mann schwieg. - -Der Brahmane deutete auf Nelly, die gerade ahnungslos nach der Plattform -schritt. - -»Ist es nicht wie damals?« flüsterte er. »Sind wir nicht auch -hierhergelangt und befindet sich nicht auch ein Weib unter uns? Laßt uns -dies Mädchen opfern, denn Weiber sind nicht würdig, in Brahmas Paradies -zu gelangen. Auch ist sie eine Ungläubige.« - -»Was aber wird der Mann mit der Maske dazu sagen?« fragte ein zweiter. - -Der Brahmane schien schon ganz verzückt zu sein, seine Augen glänzten in -unnatürlichem Feuer. - -»Mag er sagen was er will,« erwiderte er. »Wenn wir uns im Paradies -befinden, denken wir nur an die ewige Glückseligkeit. Brahma aber wird -alle diejenigen, die nicht seine Diener sind, aus seinem Reich -ausschließen. Wir werden allein zum Antlitz der Gottheit gelangen.« - -So kam es, daß sich die fünf Männer mit einander verbanden. - -Ihren anderen Genossen trauten sie nicht recht, auch gehörten diese -einer niederen Kaste an, während die Verschwörer alle aus der -Priesterkaste oder doch aus der Kriegerkaste stammten. - -Sie sprachen einen seltsamen Eid und zwar eine unheimlich klingende -Formel. Wurde ein solcher Eid gebrochen, so verlor derjenige, welcher -ihn brach, jedes Anrecht auf die himmlische Glückseligkeit. - -Die fünf Männer flüsterten zusammen, aber ihr Plan war bereits gefaßt. -Die Abergläubischen waren fest davon überzeugt, daß dort hinter den -sonderbar gestalteten Felsen und Hügeln das indische Paradies lag. - -Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sie ihr Unternehmen ins Werk -setzen konnten. Sie wollten an jenen glücklichen Ort gelangen und hatten -insgeheim den Tod der ahnungslosen Nelly beschlossen. - - - - - 6. Kapitel. - Der Geyser-Ausbruch. - - -Tag auf Tag ging vorüber, ohne daß sich etwas Besonderes ereignete. - -Am Horizont zeigten sich zuweilen die Wogen des rätselhaften Ozeans, -dessen blaue Linie aber niemals bis zu den Sanddünen vorrückte. - -Freilich war die erste Landungsstelle, wo das Weltenfahrzeug strandete, -ziemlich weit entfernt und die mochte von Zeit zu Zeit vom Ozean -überflutet werden. - -Alles deutete darauf hin, daß die neue Welt hier erst in der Entwicklung -begriffen war. - -Es gab grauenvolle Stürme, die mit entsetzlicher Wut tobten. Stürme, die -es begreiflich machten, daß hier kein höherer Pflanzenwuchs vorhanden -war. Jeder Baum wäre durch diese fürchterlichen Orkane entwurzelt -worden, aber die zähen, stachligen Graspflanzen beugten sich nur und -schienen durch den Ansturm desto festeren Halt zu bekommen. - -Die Fische und sonstigen Lebewesen im Meere wurden durch die Wut der -Stürme gar nicht berührt, sondern tummelten sich lustig in der klaren -Tiefe. - -Die ungeheuren Sanddünen schützten das Weltenfahrzeug und wenn das -Wetter ruhig war, konnte man zuweilen in einiger Entfernung die -Ausbrüche der Geyser beobachten. - -Am großartigsten sah es aus, wenn von den Felsen kochende Gewässer -herabrieselten und wunderbar gefärbte Dämpfe in die Höhe stiegen. Dann -glich die Landschaft in der Tat einem übernatürlichen Ort, auf dem -zahllose Wunderfontänen emporsprudelten. - -Die fünf Inder aber, welche sich mit einander verschworen hatten, waren -mehr als je überzeugt, daß sie sich hier an der Schwelle des himmlischen -Paradieses befanden, in dem sie sich durch das geplante Opfer Eintritt -verschaffen konnten. - -Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sich Nelly allein aus der -Umgebung des Weltenfahrzeugs entfernte. Dann wollten sie den Eingang in -das vermeintliche Paradies erzwingen. - -Man gewöhnte sich allgemach an die sonderbare Welt und es kam oft vor, -daß die Insassen des Weltenfahrzeuges eine Strecke landeinwärts -wanderten. - -Mors warnte seine Leute, daß sie sich nur nicht in die Nähe der Geyser -begaben, damit nicht etwa ein größerer Ausbruch Unheil anrichte. - -Wenn es dunkel wurde, verschwanden die Wolken, dann leuchteten die Monde -und die Sterne in schier überirdischem Glanze. - -Der Professor meinte sogar, der Anblick der Geyser sei bei -Mondbeleuchtung viel großartiger als bei Tage, da dann immer -Wolkenmassen das Firmament verhüllen, und Nelly teilte seine Meinung. - -Mors setzte jetzt unablässig seine Beobachtungen fort. Er trachtete -danach, eine Stelle zu finden, wo sich größere Sandmassen befanden. - -Am liebsten hätte er eine Wüste auf dem Planeten gefunden, denn der die -Elektrizität hemmende Sand hätte ihm dann die Rückkehr in den Weltenraum -gestattet. - -Aber derartiges war nicht zu finden, und so mußte Mors schon seinem -guten Glück vertrauen. Wohl aber hatte er Terror angewiesen, bei -Gelegenheit kleine Aufstiege zu machen und zu sehen, ob irgend wo die -Anziehungskraft des Planeten minder heftig wirkte. - -Terror tat dies gern, denn er sehnte sich sobald als möglich von dem -unheimlichen Weltkörper fort, er hatte nicht die geringste Lust, hier -sein Leben zu beschließen. - -Das war nicht etwa Furcht, denn die kannte Terror nicht, aber er meinte, -man könnte anderes verrichten, als hier in dieser fremdartigen Welt das -Dasein zu vertrauern. Abenteuer wollte er haben, hier erschien ihm alles -zu eintönig. - -Der Abend nahte, als Nelly wieder nach dem Reich der Geyser -hinüberwandelte. Sie hatte das schon öfters getan und konnte sich gar -nicht daran satt sehen, besonders gefiel es ihr, wenn im Mondschein die -natürlichen Fontänen emporsprudelten. - -In gemessener Entfernung von diesen Geysern hielt sie an und setzte sich -auf einen Stein, um in Muße das grandiose Naturschauspiel betrachten zu -können. - -Plötzlich vernahm Nelly Schritte und sah fünf Leute von der Besatzung -herankommen. - -Sie ahnte nichts Schlimmes, wußte sie doch nicht, daß es die fünf -Verschworenen waren, die nach Brahmas Paradies trachteten. - -Schon war die Sonne verschwunden und mit ihr wie gewöhnlich die -Wolkenmassen. Die Monde des Jupiter begannen wieder zu glänzen. - -Beim Umblicken hatte Nelly auch gewahrt, daß das Weltenfahrzeug wieder -einmal in die Höhe stieg. Jedenfalls machte Terror wieder -Schwebeversuche. - -Sie sah noch hin und hatte den Indern den Rücken zugekehrt, als sie -plötzlich fühlte, wie sie von kräftigen Armen umschlungen wurde. -Erschrocken wendete Nelly den Kopf und da sah sie in fanatische -Gesichter, in schier überirdisch blickende Augen. - -Sofort überkam sie die Ahnung, daß ihr Gefahr drohte, sie schrie laut -auf. - -Sie konnte nur einen einzigen Schrei tun, da sich gleich darauf eine -Hand auf ihre Lippen preßte. Dann wurde sie emporgehoben und die fünf -Männer schleppten sie nach den wasserspeienden Kratern hinüber. - -Nur ein einziger Mann hatte den Schrei vernommen und auch nur gedämpft, -aber er ahnte, daß hier jemand in Angst aufschrie. - -Es war Kapitän Mors, der sich nicht auf dem Weltenfahrzeug befand. - -Er stand in der Nähe der Sanddünen und beobachtete die Bewegungen, die -das Fahrzeug machte. - -Mors hatte nämlich bemerkt, daß der »Meteor«, wenn er hoch stieg, immer -erst die Spitze nach oben wendete, dann aber wieder von der unheimlichen -Macht hinuntergezogen wurde. Diese Bewegung wollte er genau beobachten, -um sie vielleicht bei Befreiungsversuchen verwenden zu können. Jetzt -aber wurde er durch den fernen Hilfeschrei unterbrochen. - -Im nächsten Moment rannte der Luftpirat mit gewaltigen Sprüngen nach den -Geysern hinüber. - -Hier waren überall Felsen, die seine Gestalt verbargen. Er strengte alle -Kräfte an, um rasch vorwärts zu kommen und erreichte bald den Platz, wo -seine Leute sonst die Naturerscheinung zu beobachten pflegten. Aber -dieser Platz war heute leer. - -Mors sah nach den Geysern hinüber und da glaubte er in den Strahlen des -Mondes etwas Bewegliches zu sehen. Wieder rannte er vorwärts. - -Plötzlich blieb er betroffen stehen. - -Er sah Seltsames. - -Zur Linken und zur Rechten gewahrte er die Wasserkrater und zwischen -denselben sah er eine Menschengruppe. - -Zwei der Inder hielten eine Gestalt fest, die eine dünne weiße Hülle -trug. - -Es war Nelly. - -Die Inder hatten das Mädchen auf einen Felsblock gelegt und zwar so, daß -die Arme und Füße herabhingen. Ein Mann hielt die beiden entblößten Arme -Nellys fest, ein zweiter die Füße. - -So war die halbenthüllte Brust frei und emporgereckt, und neben ihr -stand der dritte der Männer, der ehemalige Brahmane. - -Die Linke preßte er auf den Mund Nellys, damit sie nicht schreien -konnte. In der Rechten aber hielt er eine jener dolchartigen Klingen, -wie sie die Inder immer mit sich führten. - -Seitwärts aber knieten die beiden letzten Inder auf dem Boden und -streckten die Arme flehend nach der Stelle aus, wo leichte Dämpfe auf -einem Wasserkrater emporstiegen. - -»Brahma, Brahma,« riefen sie mit halblauter Stimme. »Höre das Flehen -deiner treuen Diener. Sieh, wir bringen Dir ein Opfer dar, ein junges -Mädchen. Das Blut des Opfers soll fließen und uns das Paradies öffnen. -Brahma, öffne uns Deine Arme, Deine treuen Diener sehnen sich nach -Deinem Anblick.« - -Mors wußte in wenigen Augenblicken, was hier geschehen sollte. - -Diese Inder befanden sich im Banne des finsteren Aberglaubens, sie -wollten Nelly töten, um sich Einlaß in ein hier vermutetes Paradies zu -verschaffen. - -Der unheimliche Brahmane wartete nur, bis das Gebet seiner Gefährten zu -Ende war. Nun hob er das Messer und wollte die Klinge in Nellys Brust -stoßen. - -Wenn Mors jetzt noch einen Augenblick zögerte, war das junge Mädchen -verloren. - -Mit furchtbarem Satz schwang sich der Luftpirat über den nächsten -Steinblock. - -Der Brahmane wollte den tötlichen Stoß führen, als ihn die eiserne Faust -des Maskierten im Genick packte. - -»Was tust Du!« schrie der Luftpirat mit mächtiger Stimme, indem er den -Aufheulenden weit hinwegschleuderte. - -Die beiden anderen Inder ließen Nelly los und prallten zurück. Sie -kannten den Kapitän, seine Kraft und Entschlossenheit. Sie kannten auch -seine fürchterlichen Waffen. - -Auch die Betenden sprangen empor und schauten verdutzt auf Mors, der so -unerwartet unter ihnen erschienen war. - -Der Luftpirat aber kam nicht dazu, Aufklärung zu fordern. - -Denn in diesem Augenblick begann es zu sausen und zu brausen, man hörte -ein Zischen und Schäumen. - -Von den Felsen sprudelte Wasser herunter und aus den Rissen am Boden -quoll es empor. Gleichzeitig begann es im Innern des nahen Geysers -seltsam zu poltern und zu grollen. - -Das Wasser stieg so schnell empor, daß die fünf Inder im Nu bis an den -Gürteln im Wasser standen. - -Mors aber hatte Nelly, die ohnmächtig geworden war, emporgehoben und -hielt das schöne Mädchen in seinen Armen. Hinter ihm zischte und brauste -es, aus dem Geyser aber stieg eine Wassersäule. - -»Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt,« schrie Mors -mit furchtbarer Stimme. - -Der Zuruf galt den Indern, denn trotz ihres unheimlichen Aberglaubens -wollte Mors diese Leute erhalten. - -Er selbst aber sprang schnell entschlossen auf den Rand eines -Felsenringes, in dessen Innern das Wasser langsam emporstieg. Er wußte -ja, was kommen würde. Das Wasser, welches bis jetzt emporgedrungen und -nur eine mäßig warme Temperatur besessen, begann jetzt zu kochen. - -Aber die Inder hörten nicht auf die Stimme des Kapitäns, wenigstens -nicht die drei, welche das Opfer vollziehen wollten. - -Nur die beiden, welche gebetet hatten, erreichten noch im letzten -Augenblick einen Felsblock, an dem sie hinaufkletterten und sich -anklammerten. Der Brahmane und seine beiden fanatischen Genossen wälzten -sich schreiend in den heißer und heißer werdenden Fluten. - -Mors hatte jetzt mit sich selbst zu tun, denn es galt ja, den kochenden -Wassermassen auszuweichen. - -Seine eiserne Kaltblütigkeit kam ihm da sehr zu statten. - -Mors lief, Nelly tragend, immer auf dem Rand des ausgedehnten -Felsenringes herum. - -Er mußte immer in Bewegung bleiben, denn das Wasser sprudelte bald hier -bald dort. Kochende Massen schossen von den Felsen herunter und -zeitweise war alles in Dämpfen eingehüllt, so heiß, so glühend, daß man -kaum zu atmen vermochte. - -Mors hörte, wie die beiden Inder, die sich gerettet hatten, laut -schrieen und jammerten. - -Sie flehten zu Brahma, aber als von diesem Gott keine Hilfe kam, wurden -die Männer in ihrem Aberglauben schwankend. Sie schrieen jetzt zu Mors, -daß er ihnen helfen solle. - -»Das ist besser, als wenn Ihr zu Euren Göttern schreit,« rief der -Luftpirat. »Haltet Euch nur an den Felsen fest und deckt Euch gegen die -Wassermassen. Dann werdet Ihr schon mit dem Leben davonkommen. -Aushalten, der Ausbruch geht schon vorüber.« - -Mors irrte sich nicht. - -Es dauerte allerdings eine Stunde, ehe die entfesselten unterirdischen -Gewalten zu toben aufhörten. - -Dann verstummte das Brausen und Zischen wie mit einem Zauberschlag, der -Geyser schleuderte keine Wassermassen mehr empor und die eben noch -überschwemmte Strecke wurde trocken, das emporsprudelnde Wasser durch -die Felsspalten wieder in das Innere der Erde zurückströmte. - -Am Boden aber lagen drei grauenvoll entstellte Körper, die drei Inder, -welche im siedenden Wasser ein schreckliches Ende gefunden hatten. - -Nelly war wieder zu sich gekommen und befand sich in den Armen des -Kapitäns. - -Anfangs schrie sie laut auf, da sie glaubte, daß sie sich noch in der -Gewalt der Inder befände, die sie der Gottheit opfern wollten. - -Dann aber erkannte sie ihren Retter. - -»Sie sind plötzlich über mich hergefallen,« stammelte Nelly. »Ich konnte -nur einmal schreien. Dann wurde mir der Mund zugehalten.« - -»Finsterer Aberglauben war es,« sprach Mors. »Sie wollten Euch einer -Gottheit opfern, um in ein hier vermutetes Paradies zu gelangen. Drei -dieser Männer sind vom Verderben ereilt worden, und die beiden anderen -werden ihre Strafe für ihre Unbesonnenheit und ihren Aberglauben später -erhalten.« - -Nelly bemerkte erst jetzt, daß ihr die Inder die Kleider abgerissen -hatten und wollte vor Scham vergehen. Mors aber blickte gar nicht auf -die reizvolle Gestalt, sondern rief nur den beiden noch immer zitternden -Indern zu, daß sie ihm so schnell als möglich folgen sollten. - -Dann zog der Luftpirat seinen blauen Uniformrock aus und deckte ihn als -Kavalier über Nellys entblößte Arme und Schultern. So führte er die noch -immer heftig Zitternde, von den beiden ganz niedergeschlagenen Indern -gefolgt, zurück zur Sanddüne. - -Dort war inzwischen das Weltenfahrzeug wieder nieder gegangen und die -Besatzung wunderte sich sehr, als Mors, Nelly und die beiden Inder in -einem solchen Aufzug zurückkehrten. - -Nelly eilte rasch schamglühend in das Weltenfahrzeug, um sich mit neuen -Kleidern zu versehen, während Mors hastig das eben erlebte Abenteuer -erzählte. - -Die beiden abergläubischen Inder, welche den Tod ihrer Gefährten mit -angesehen hatten, mußten bittere Vorwürfe über sich ergehen lassen. - -Terror aber brachte dem Kapitän eine besondere Nachricht. - -Es war ihm gewesen, als hätte sich die furchtbare Anziehungskraft des -Jupiter weit weniger geäußert als sonst und da entschloß sich Mors noch -einmal in die Lüfte zu steigen. - -Er verschob es aber bis zum Tagesanbruch und als die Sonne erschien, -kamen auch die gewaltigen Wolkenmassen, die tagsüber regelmäßig das -Firmament bedeckten. - -Plötzlich machte sich im Osten ein seltsamer roter Schein bemerkbar. - -Terror sah ihn zuerst und benachrichtigte Mors und den Professor von der -neuen Erscheinung. - -»Das ist die rote Wolke,« rief van Halen. »Das ist jene ungeheure Masse, -die über dem Jupiter schwebt und die in ihrem Innern jedenfalls die -fürchterlichen elektrischen Entladungen birgt. Kapitän, rasch, wir -müssen nach der Düne hinunter.« - -Mors gab sofort ein Signal nach dem Lenkraum, um Terror zu bestimmen, -daß er den »Meteor« wieder nach seinem geschützten Ankerplatz brächte. - -Aber seine Finger berührten noch den Druckknopf, als das Weltenfahrzeug -plötzlich wie von einer furchtbaren Kraft hin- und hergeschüttelt wurde. - -»Zu spät, zu spät!« schrie der Professor, als er durch das Guckloch sah, -daß alles rings herum blutrot leuchtete. »Kapitän, wir sind in die rote -Wolke des Jupiter geraten!« - -Von dem, was jetzt vorging, hatten die Insassen des Weltenfahrzeuges -später nur noch eine unbestimmte Vorstellung. - -Es war ihnen aber zu Mute, als würde mit ihnen buchstäblich Fangeball -gespielt. Der »Meteor« schien sich in der Gewalt ungeheuer boshafter -Kobolde zu befinden. - -Bald wurde er hierhin, bald dorthin geworfen. Bald richtete er sich mit -dem Vorteil, dann wieder mit dem Hinterteil in die Höhe. Einige Male -schien es, als sollte das Fahrzeug Kopf stehen. - -Dazu vernahm man außerhalb geradezu entsetzliche Töne. - -Vermutlich waren es elektrische Entladungen, welche in der roten Wolke -tobten. Aber man konnte diese fürchterlichen Entladungen nicht mehr als -Donnerschläge bezeichnen. Nein, das war etwas anderes. Das waren -gräßliche, gigantisch schmetternde Töne, sie waren so fürchterlich, daß -man glaubte, es müsse alles in Trümmer gehen. - -Selbst Mors gab alles verloren und erwartete den Augenblick, wo der -»Meteor« in Atome zertrümmert werden mußte. - -Aber das wunderbare Fahrzeug hielt, es trotzte den entfesselten -Elementen, kein Bolzen gab nach, alles blieb in bester Ordnung. - -Van Halen, Nelly, die Inder und Normannen bewahrten ihre Fassung. -Kapitän Mors gab ihnen ja ein heldenhaftes Beispiel. - -Der Luftpirat bekam es sogar fertig, nach dem Lenkraum zu gehen oder -vielmehr zu kriechen. Dort traf er Terror, der sich zwischen seinen -Maschinen festgebunden hatte. - -»Hält der Magnet noch?« war Mors' erste Frage. - -»Ja, Kapitän,« lautete die Antwort. »Der Magnet ist noch in Ordnung, -aber ich denke, es geht jetzt alles in Trümmer!« - -»Ich meine, wir haben das Schlimmste schon überstanden,« erwiderte Mors. - -»Wie meint Ihr das, Kapitän?« stotterte Terror. - -»Das will ich dir sofort sagen,« erwiderte der Luftpirat. »Die rote -Wolke, diese sonderbare Erscheinung, kann möglicherweise zu unserer -Rettung dienen. Die schrecklichen, entfesselten elektrischen Kräfte -können uns möglicherweise in den Weltenraum hinausschleudern.« - -In diesem Moment vernahm man ein lautes Surren und Summen. - -»Kapitän,« schrie Terror freudig auf. »Ihr habt recht. Der Magnet -arbeitet. Das Weltenfahrzeug befindet sich in voller Fahrt!« - -Die furchtbaren schlingernden Bewegungen hatten aufgehört. Mors stürzte -zu dem Schieber, der die starke Glasscheibe verdeckte. - -Er sah hinaus in den Weltenraum. - -Noch gewahrte man den Jupiter als ungeheure, leuchtende Scheibe. Man sah -die Wolkenmassen und in diesen den unheimlichen roten Fleck, dieses -geheimnisvolle Rätsel des Riesenplaneten. - -Aber die fürchterliche Naturkraft hatte die Weltenfahrer gerettet. - -Wie es kam, daß sie so weit in den Weltenraum hinausgeschleudert wurden, -konnte niemand sagen. Aber der Magnet wirkte. Mit rasender Schnelligkeit -schoß der »Meteor« vom Jupiter hinweg und seine Spitze richtete sich auf -die ferne Erde. - -Terror stieß einen Jubelruf aus und rannte, nachdem er sich losgebunden, -in den Beobachtungsraum, um das fast Unglaubliche zu verkünden. - -Mors aber blieb im Lenkraum und ruhig, als wäre nichts geschehen, lenkte -er sein wunderbares Fahrzeug zurück zur Mutter Erde. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 161-196. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten. - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56067-8.txt or 56067-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56067/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56067] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter"> -<p class="vol"> -<span class="bolder">56. Band.</span> Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. <span class="bolder">Preis 10 Pf.</span> (15 Heller.) -</p> - -<p class="ser"> -<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span> -<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span> -</p> - -<h1 class="title"> -Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten. -</h1> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/pic056.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -„Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt!“ -schrie Mors mit furchtbarer Stimme. -</p> - -</div> - -</div> - -<div class="frontmatter"> -<p class="pub"> -Druck- und Verlags-Gesellschaft<br /> -Berlin -</p> - -</div> - -<p class="tit"> -Die Weltenfahrer auf -dem Riesen-Planeten. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-1"> -<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br /> -Ungelöste Rätsel des Weltenraumes. -</h2> - -<p class="first"> -Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen über dem Festland und -den Meeren, die allmählich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen. -</p> - -<p> -Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Koloß aus -gesehen, der plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphäre -der Erde hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner. -</p> - -<p> -War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und -sich nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen -Welten wendete? -</p> - -<p> -Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug -des maskierten Luftpiraten, welches den Namen „Meteor“ -führte. -</p> - -<p> -Fast schien es, als wollte Kapitän Mors, der Erbauer des Weltenfahrzeuges, -der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und seiner Leute -Leben zum Opfer bringen. -</p> - -<p> -Eben war er erst auf Erden mit Mühe und Not dem drohenden -Verhängnis entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenräume -auf, in denen zu fast jeder Minute das Verderben drohte. -</p> - -<p> -Dennoch ging Kapitän Mors nach einem genau bestimmten Plan -vor, er konnte eben nicht müßig bleiben. -</p> - -<p> -Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte, -jeder Tag sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft -verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenräumen erproben -konnte. -</p> - -<p> -Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung. -</p> - -<p> -Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen, -sogar die Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und -gefährlichsten Abenteuer erlebt. -</p> - -<p> -Er wußte aus Erfahrung, daß jene intelligenten Bewohner der Planeten -ihn und sein Werk stets feindlich betrachteten. Daß sie durch -größeres Wissen Machtmittel besaßen, welche ihm und seinen Leuten -leicht verderblich werden konnten. -</p> - -<p> -Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch -den Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten -vermieden wurde. -</p> - -<p> -Diesmal lockte Mors ein anderes Rätsel. -</p> - -<p> -Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht -hatte, eins der größten Rätsel der Sternenwelt lösen zu wollen. -</p> - -<p> -Dies Rätsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn. -</p> - -<p> -Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte -schon bei den früheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente -auf diesen merkwürdigsten aller Himmelskörper gerichtet und ihn -mit dem Eifer eines Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen, -woraus der Ring des Saturn eigentlich bestand. -</p> - -<p> -Nun hatte schon vor Jahren ein äußerst scharfsinniger Astronom -die Vermutung aufgestellt, daß sich die Ringe des Saturns aus unzähligen -kleinen Körpern zusammensetzten. -</p> - -<p> -Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie bestätigt -wissen, und als er Kapitän Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den -Kurs des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet. -</p> - -<p> -In den Räumen des mächtigen Fahrzeuges standen Kapitän Mors -und der Professor im Gespräch neben den wissenschaftlichen Apparaten. -</p> - -<p> -„Meine Leute sind während der letzten abenteuerlichen Fahrt auf -der Erde nicht müßig gewesen,“ sagte Kapitän Mors. „Sie haben alle -meine Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug -in einer Weise hergerichtet, daß es selbst den höchsten Anforderungen -genügt. Der Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert -worden, und so habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen -fremder Weltenfahrzeuge gesichert.“ -</p> - -<p> -„Jetzt können die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich würde nicht -einmal die Blitze mehr fürchten, mit denen sie damals einen Teil meines -„Meteor“ demolierten, jetzt trotze ich ihnen.“ -</p> - -<p> -„Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nähe vorüber,“ meinte -der Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glühte. -</p> - -<p> -„Nein, das ist allerdings nicht der Fall,“ meinte Mors, „aber Sie, -bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, daß die intelligenten Bewohner -jener zwei gefährlichen Planeten weite Weltenreisen unternehmen. -Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt, denn so muß -ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl noch, wie wir -einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da muß ich stets -und ständig auf Angriffe gefaßt sein. Aber ich denke, wir werden diesmal -verschont bleiben und die Rätsel lösen, an denen Ihnen so viel -gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, muß sich uns das Geheimnis -des Saturnringes enthüllen.“ -</p> - -<p> -„Gewiß!“ erwiderte der Professor. „Bei den -Vorsichtsmaßnahmen, -die wir getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen, -daß uns Unfälle begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz -außer unserem Kurs, wir müssen nur die ungeheure Anziehungskraft des -größten aller Planeten, des Jupiter berücksichtigen, denn die hat uns -schon einmal sehr zu schaffen gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure -Masse selbst unserem Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja, -Kapitän, der Jupiter hat schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male -Weltenkörper abgefangen.“ -</p> - -<p> -„Nun, das war nicht allzu schwer,“ meinte Mors. „Darüber hat -man ja klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem Kurs -geworfen, ihren Lauf verändert, ja sie sogar in Atome auseinandergetrieben. -Aber das sind ja gasförmige Körper, die keinen Widerstand zu leisten -vermögen.“ -</p> - -<p> -„Das ist richtig,“ erwiderte der Professor. „Aber ich huldige da -noch einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen. -Früher glaubte man, daß die Monde, von denen der Jupiter vier größere -besitzt, während der Saturn sogar acht Trabanten mit sich führt, der -Festwerdung und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube, -daß dies kleine Weltkörper sind, welche die beiden Riesen durch -ihre ungeheure Anziehungskraft gewissermaßen abfingen und sie bereits -seit ungezählten Millionen Jahren mit sich führen. Kommen wir näher -an diese Weltkörper heran, so hoffe ich auch dies Rätsel lösen zu können.“ -</p> - -<p> -Damit ging der Professor an seine Arbeit. -</p> - -<p> -Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gemäß die Räume des -Weltenfahrzeugs. -</p> - -<p> -Unsere Leser werden sich entsinnen, daß der Luftpirat bei seinen -letzten Abenteuern die größte Anzahl seiner Mannschaften einbüßte. -</p> - -<p> -Der Verlust war jetzt einigermaßen ersetzt durch eine Anzahl Inder -aus den Hochgebirgen, die Kapitän Mors in seine Dienste genommen. -</p> - -<p> -Er war bis jetzt mit diesen Männern sehr zufrieden, zumal diese -ihr geliebtes Vaterland für immer verlassen mußten. Diese Inder hatten -sich an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer -Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Engländer kläglich -scheitern mußte. -</p> - -<p> -Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwörer wurde im Kampf -getötet, andere gefangen und nach kurzem Prozeß hingerichtet. Diejenigen, -welche zu flüchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge, -wurden aber auch dort von den Engländern verfolgt und wie die -wilden Tiere umhergehetzt. -</p> - -<p> -Die freiheitsliebenden Männer gaben sich schon verloren, als sie -mit Kapitän Mors’ Sendboten zusammentrafen. -</p> - -<p> -Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt, -um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem -lenkbaren Luftschiff über den schneebedeckten Hochgebirgen. -</p> - -<p> -Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Geächteten das -Anerbieten Lindos an und schwuren den fürchterlichen Eid, durch den -sie sich für immer an Kapitän Mors banden. -</p> - -<p> -Bald führte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Südmeer -und die zähesten und widerstandsfähigsten dieser Männer waren es, -welche Mors bei seiner neuen großen Reise in den Weltenraum begleiteten. -</p> - -<p> -Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die -zwanzig Köpfe zählte. Dazu kamen noch Mors und der Professor. -</p> - -<p> -Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nämlich die Schwester -des ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten. -</p> - -<p> -Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten -schwor. -</p> - -<p> -Ihren dämonischen Bruder, den Kapitän Mors vernichtet, hatte sie -längst vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhängerin des Mannes -mit der Maske geworden. Dieses noch so junge Mädchen besaß -einen wahren Feuergeist und einen glühenden Hang zu phantastischen -Abenteuern; sie besaß außergewöhnliche mechanische und technische -Kenntnisse, in denen sie sogar die Töchter des Ingenieurs Long, die -beide auf der Insel als glückliche junge Frauen zurückgeblieben waren, -übertraf. -</p> - -<p> -Anita war die Gattin des Professors und auch Lucy Long hatte -einen Mann gefunden. Es war einer der stolzen Inder aus den Hochgebirgen, -in dessen Adern fürstliches Blut rollte. -</p> - -<p> -Da Nelly dem Professor bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten -behülflich war, und Terror, der Mors diesmal begleitete, die Maschinen -im Lenkraum bediente, gab ihr der Kapitän auf ihr Bitten endlich die -Erlaubnis, an der Weltenfahrt teilnehmen zu dürfen, was sie mit größter -Freude erfüllte. -</p> - -<p> -Sie hatte es auch übernommen, die Speisen für die Mannschaft -zuzubereiten und war bei dieser Arbeit ebenso zufrieden, als wenn sie -an den Instrumenten saß. -</p> - -<p> -Mors warf einen Blick in den Raum, der als Küche diente. -</p> - -<p> -Dort stand Nelly am Herd und Mors konnte sich nicht verhehlen, -daß sie bildschön war. -</p> - -<p> -In einer gewissen Beziehung war ihm das nicht lieb, denn ein -schönes Mädchen ist auf einem Fahrzeug, welches eine Reise in unbekannte -Welten unternimmt, immerhin eine gewisse Gefahr. -</p> - -<p> -Hätte Mors noch seine Mannschaft besessen, die er damals bei -Ned Gullys Angriff verlor, so hätte er sich nicht die geringsten Sorgen -gemacht, denn diese Männer waren ja unbedingt zuverlässig gewesen. -</p> - -<p> -Aber er hatte ja schon mit einem Teil der Normannen früher Unannehmlichkeiten -gehabt und alle diese Gedanken kamen ihm durch -den Sinn, als er die schmiegsame Gestalt seiner reizenden Begleiterin -betrachtete. -</p> - -<p> -Er besann sich einen Augenblick und trat dann in diesen blitzsauberen -Raum, wo Elektrizität die Dienste des Feuers verrichtete. -</p> - -<p> -Nelly hörte den Schritt des Luftpiraten und wendete sich schnell -um. Ihr schönes Gesicht wurde rot, als sie den stolzen Mann mit der -Maske gewahrte. -</p> - -<p> -Es ging ja ein eigentümlicher Zauber von Kapitän Mors aus, ein -Zauber, dem alle Frauen- und Mädchenherzen erlagen. -</p> - -<p> -Auch Nelly konnte sich diesem merkwürdigen Zauber nicht entziehen. -</p> - -<p> -Ein bitteres Lächeln schwebte um den Mund des Luftpiraten, als -er in den dunklen Augen des Mädchens die Verwirrung las. -</p> - -<p> -Mors dachte an die Zeiten, wo auch er glücklich gewesen war. Er -erinnerte sich an jene furchtbaren Tage, wo er alles verlor, was er lieb -hatte, wo die Verzweiflung, der Grimm gegen die Menschheit, ihn zum -Luftpiraten machte, wo er seine furchtbare Waffe, das lenkbare Luftschiff -erbaute. -</p> - -<p> -Aber das ging rasch vorüber. -</p> - -<p> -„Nelly,“ sprach der Mann mit der Maske. „Ich habe Euch etwas -zu sagen. Ich fahre diesmal mit einer Mannschaft, die ich noch nicht -ganz genau kenne, die beiden Normannen sind freilich treu und zuverlässig, -aber die Inder habe ich, obwohl sie mir den Treueid geschworen, -doch noch nicht so prüfen können, wie meine Veteranen. Nun hört. -Sollte jemand Euch in irgend einer Weise unbescheiden nahen, dann -kommt Ihr sofort zu mir und teilt mir alles mit. Laßt Euch nicht durch -Scheu oder durch Rücksicht anderen Sinnes machen. Sagt es mir ganz -offen, wenn Euch jemand irgendwie belästigt oder beleidigt. Das ist -nötig, schon um die Autorität aufrecht zu erhalten. Ich erwarte, daß Ihr -mir in diesem Falle sofort Meldung erstattet.“ -</p> - -<p> -Nelly versprach das und schien über das ihr bezeigte Vertrauen -ganz glücklich zu sein. Der stolze Mann aber verließ den Raum und -schritt weiter, durch die Gänge und Räume des Weltenfahrzeugs, welches -mit geradezu unheimlicher Schnelligkeit durch die Unendlichkeit -dahinflog. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br /> -Unbekannte Verfolger. -</h2> - -<p class="first"> -Seit dem Beginn der Weltenfahrt waren Wochen verstrichen. -</p> - -<p> -Die Erde erschien schon längst als ein Stern, der sich nur durch -etwas helleren Glanz von den übrigen Himmelskörpern unterschied. -</p> - -<p> -Dagegen hatte man sich dem Ziel, welchem man zustrebte, um ein -Bedeutendes genähert. -</p> - -<p> -Schon konnte man mit bloßem Auge die Gestalt des Saturn und -selbst mit dem kleinsten Fernrohr das Ringsystem dieses merkwürdigsten -aller Weltenkörper betrachten. -</p> - -<p> -Professor von Halen befand sich in fieberhafter Aufregung und -gönnte sich kaum die nötigste Ruhe. -</p> - -<p> -Er schrieb seine Beobachtungen nieder und versicherte oftmals mit -leuchtenden Augen, daß die Welt über alle diese Entdeckungen staunen -würde. -</p> - -<p> -Aber dasjenige, was ihm am meisten am Herzen lag, das Geheimnis -des Saturnringes, hatte der Professor noch immer nicht enträtseln -können. -</p> - -<p> -Es schien, als wollte der Planet mit seinem Ring der menschlichen -Wissenschaft spotten. -</p> - -<p> -Der Professor richtete die stärksten Instrumente auf den Planeten -und glaubte mehrmals seine Vermutung bestätigt zu sehen. Aber bestimmt -ließ es sich noch nicht sagen, daß der Ring aus lauter kleinen -rotierenden Weltenkörperchen bestand. Man mußte noch näher herankommen. -</p> - -<p> -Terror versah seinen Dienst mit Eifer und Hingebung. Er wurde -dabei zuweilen von einem der als treu befundenen Normannen abgelöst, -aber es war auch nicht selten, daß sich Kapitän Mors halbe Tage -lang im Maschinenraum aufhielt. -</p> - -<p> -Die Geschwindigkeit, mit welcher das Weltenfahrzeug durch den -unendlichen Raum schoß, war geradezu unheimlich. Es mochte an -Schnelligkeit sogar diejenige der Meteore und Sternschnuppen übertreffen. -</p> - -<p> -„Würde uns Luft umgeben, so würde der Panzer unseres Fahrzeuges -durch die furchtbare Reibung zu glühen anfangen,“ sprach Professor -von Halen öfters. „Aber hier fehlt ja die Luft. Hier herrscht nur die -tödliche Kälte des Weltenraumes.“ -</p> - -<p> -Von dieser furchtbaren Kälte aber verspürten die Insassen des -merkwürdigen Fahrzeuges nicht das geringste. Dagegen schützten die -doppelten Wände, in denen sich Behälter mit flüssiger Luft befanden. -Drinnen im Weltenfahrzeug war es warm und behaglich, die Elektrizität -spendete die Wärme, die man brauchte. -</p> - -<p> -Diese Kraft bereitete die Speisen, sie trieb Maschinen und setzte -Signale in Bewegung, sie speiste auch den riesenhaften Scheinwerfer, der -von Zeit zu Zeit in den Weltenraum hinausleuchtete. -</p> - -<p> -Nelly war ebenso tätig wie alle anderen und schien sich unentbehrlich -machen zu wollen. Sie hoffte, daß Kapitän Mors sie auch bei fernern -Weltenfahrten mitnehmen würde, denn sie sehnte sich nach Abenteuern. -</p> - -<p> -Der phantastische Sinn von Ned Gullys Schwester liebte das Ungewöhnliche -und Ungeheuerliche. -</p> - -<p> -So waren die Wochen vergangen, als plötzlich ein Signal aus dem -Lenkraum erschallte. -</p> - -<p> -Mors, der sich gerade bei Professor von Halen befand, sah rasch -auf die kleinen bunten Fahnen, die aus bemaltem Blech bestanden. -</p> - -<p> -Diese Fahnen besaßen verschiedene Farben. Sie waren blau, grün, -gelb, weiß. -</p> - -<p> -Alle diese Farben hatten ihre besondere Bestimmung, aber Gefahr -verkündeten nur zwei solcher Blechfahnen, von denen die eine rot, die -andere schwarz war. -</p> - -<p> -Bemerkte man irgend etwas Ungewöhnliches, was Gefahr verkündete, -so richtete sich das rote Fähnchen empor. War die Gefahr aber -schon ganz nahe und unvermutet aufgetaucht, so zeigte sich die schwarze -Flagge. -</p> - -<p> -Mors sah, daß dort, wo der Apparat arbeitete, das rote Fähnchen -aufrecht stand und eilte hastig nach dem Lenkraum. Der Professor folgte -ihm auf dem Fuße. -</p> - -<p> -Terror befand sich bei seinen Maschinen. Er putzte, reinigte und -ölte sie immer eigenhändig, sodaß er die geringste Unregelmäßigkeit -sofort bemerkte. -</p> - -<p> -Mors bemerkte sogleich, daß der Schieber von einem der Beobachtungsfenster -entfernt war. -</p> - -<p> -„Hast Du was Besonderes bemerkt, Terror?“ fragte er seinen getreuen -Begleiter. -</p> - -<p> -„Gesehen habe ich was, Kapitän, aber ich kann nicht recht daraus -klug werden, es scheint irgend was hinter uns herzukommen und zwar -sind es wohl mehrere Dinger. Eins weiß ich aber sicher, es hat von Zeit -zu Zeit rötlich aufgeleuchtet und beim Schein war es mir, als ob kugelförmige -Gegenstände hinter uns hergeflogen kämen. Deshalb gab ich -das Warnungszeichen.“ -</p> - -<p> -Van Halen hatte schon bei den ersten Worten Terrors einen Beobachtungsapparat -herbeigeholt. -</p> - -<p> -Er stellte ihn so auf, daß er durch die Fenster des Achterteils am -Magneten vorüber in den Weltenraum blicken konnte. -</p> - -<p> -Draußen bot sich das gewöhnliche Bild. -</p> - -<p> -Man sah den rabenschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen, -mitten unter diesen die Sonne, welche den Riesenleib des Weltenfahrzeugs -grell beleuchtete. -</p> - -<p> -Das war merkwürdig, aber erklärlich, denn bei solchen Fahrten -herrschte immer Tag und Nacht zugleich. -</p> - -<p> -Die Sonne konnte nie verschwinden. Andererseits aber sah man -unablässig die Sterne, weil ja die Luft fehlte. Auch erschien die Sonne -nicht als Strahlenkugel, wie auf der Erde, sondern als gelbrote Scheibe, -die freilich ein ungemein grelles Licht ausstrahlte. -</p> - -<p> -Van Halen war an solche Beleuchtungen schon gewöhnt und so -richtete er langsam das Beobachtungsinstrument nach der Richtung, wo -Terror die sonderbaren Dinge erblickt haben wollte. Auch Mors schaute -hinaus. -</p> - -<p> -„Ich glaube, es zu haben,“ sprach er plötzlich und zwar im selben -Moment, als der Professor eine Bewegung mit der Hand machte. -</p> - -<p> -„Ich sehe es auch,“ rief der Gelehrte. „Ja, ja, Terror hat recht. Die -Dinger kommen hinter uns her und leuchten von Zeit zu Zeit rot auf, -um dann wieder zu verschwinden. Sie erscheinen aber nur kugelförmig, -weil wir sie von vorn sehen. Ich glaube doch, daß sie in Wirklichkeit -eine etwas längliche Form besitzen.“ -</p> - -<p> -Nun kam die Frage, ob man unbekannte Weltkörper vor sich hatte, -die den ewigen Naturgesetzen gehorchend, eine bestimmte Bahn -verfolgen. -</p> - -<p> -Das konnte man sehr leicht feststellen, denn man brauchte ja nur -den Kurs des Fahrzeuges zu ändern. Waren die unbekannten Dinger, -von deren Größe man sich noch keine Vorstellung machen konnte, -Weltenkörper, so mußten sie eben die Bahn, die hinter dem „Meteor“ -herzuführen schien, inne halten und bald aus dem Gesichtskreis verschwinden. -</p> - -<p> -Der Riesenmagnet wendete sich und das merkwürdige Fahrzeug -gehorchte wie ein Schiff dem Steuer. -</p> - -<p> -Seine Geschwindigkeit mäßigte sich nicht im geringsten, aber es -schoß jetzt in einer anderen Richtung davon, die mit der bisher innegehaltenen -einen spitzen Winkel bildete. -</p> - -<p> -Nun vergingen zwei Stunden, ohne daß im Lenkraum ein Wort -gesprochen wurde. -</p> - -<p> -Der Luftpirat hatte sich ein Beobachtungsinstrument herbeigeholt -und den Schieber geöffnet, der das zweite Ausgucksfenster verdeckte. -</p> - -<p> -Er saß rechts, der Professor links und nun beobachteten die beiden -Männer mit Aufmerksamkeit die befremdlichen Erscheinungen. -</p> - -<p> -Die dritte Stunde war beinahe zu Ende. -</p> - -<p> -Da erhob sich Mors von seinem Sitz und sprach mit eisiger Ruhe: -</p> - -<p> -„Professor, es sind keine Weltkörper, die merkwürdigen Erscheinungen -haben ihren Kurs geändert und kommen wieder hinter uns -her.“ -</p> - -<p> -„Eben wollte ich das gleiche sagen,“ erwiderte van Halen, indem er -sich umblickte. „Es ist kein Zweifel übrig, wir werden verfolgt.“ -</p> - -<p> -Mors ging mehrere Male im Lenkraum hin und her. -</p> - -<p> -„Was halten Sie davon, Kapitän?“ sprach der Professor, als der -Luftpirat endlich stehen blieb. -</p> - -<p> -„Ich weiß es wirklich nicht,“ lautete die Antwort. „Das, was ich -gesehen habe, läßt sich mit meinen früheren Beobachtungen im Weltenraum -absolut nicht in Vereinbarung bringen. Wir haben Weltenfahrzeuge -vom Mars und von der Venus gesehen, diese Erscheinungen aber -sind gänzlich verschieden. Im übrigen zweifle ich nicht daran, daß wir -das Werk irgend einer Intelligenz vor uns haben, die uns verfolgt und es -ist möglich, daß es so fürchterliche Gegner sind, daß sie uns vernichten -können. Eins aber habe ich entdeckt, die Schnelligkeit, mit der sie sich -bewegen, ist nicht viel größer als die unsere und noch habe ich unsere -Schnelligkeit nicht aufs Höchste gesteigert. Wir können, wenn wir wollen, -noch rascher fahren, ja vielleicht schneller als unsere geheimnisvollen -Verfolger und ihnen auf diese Weise entkommen.“ -</p> - -<p> -Der Professor nickte zustimmend. -</p> - -<p> -„Da wenden wir einfach unseren Magneten nach dem Saturn zu,“ -fuhr Mors fort. „Das wird die Geschwindigkeit bedeutend steigern.“ -</p> - -<p> -„Allerdings,“ erwiderte der Professor. „Aber es ist ein zweischneidiges -Schwert. Wir können bei dieser Gelegenheit sehr leicht in den Bannkreis -des Planeten Jupiter geraten. Da steht der Riese.“ -</p> - -<p> -Van Halen deutete durch das Fenster hinaus auf eine kleine, glänzende -Scheibe, neben der man vier helle, leuchtende Punkte gewahrte. -</p> - -<p> -Ja, das war der größte aller Planeten, der Jupiter, der die Erde im -Volumen an Größe um das fast Dreizehnhundertfache übertrifft. -</p> - -<p> -Der Riese, der, wie der Professor meint, schon öfter Weltenkörper -abgefangen hatte. -</p> - -<p> -Kam der „Meteor“ in den Bannkreis dieses Kolosses, so konnte er -mit rasender Geschwindigkeit angezogen und für immer festgehalten -werden. -</p> - -<p> -Aber vielleicht war es doch noch besser, mit solcher Gefahr zu -rechnen, als sich auf ein Zusammentreffen mit den rätselhaften Verfolgern -einzulassen. -</p> - -<p> -Es waren sicherlich Fahrzeuge, die von intelligenten Wesen erbaut -worden waren. Als der Professor ihre Größe berechnete, fand er, daß sie -wohl fünfzigmal größer als das Weltenfahrzeug sein müßten. -</p> - -<p> -Es wäre Tollkühnheit gewesen, sich diesen Giganten entgegen zu -stellen. Mors entschloß sich deshalb, die größte Geschwindigkeit anzuwenden. -</p> - -<p> -Wieder wurde der Riesenmagnet gedreht und zum geheimen Bedauern -des Professors auf den Saturn gerichtet. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug verfolgte jetzt einen Kurs, der mit dem bisherigen -einen rechten Winkel bildete. -</p> - -<p> -Der letzte Zweifel schwand schnell als man sah, wie die Verfolger, -fünf an der Zahl, ihren Lauf auch änderten und hinter dem Fahrzeug -des Luftpiraten herjagten. -</p> - -<p> -Am unheimlichsten erschien das zeitweilige Aufglühen der Verfolger, -denn es sah so aus, als ob sie in Glut getaucht wären. -</p> - -<p> -Niemand konnte sagen, was es bedeutete, nur der Professor meinte, -daß sich die Verfolger wohl zu einem Angriff bereit machten. -</p> - -<p> -Ueber ihre eigentliche Form, die Gestaltung und alles andere -konnte man sich vorerst keine genauere Kenntnis verschaffen. -</p> - -<p> -Merkwürdigerweise erschien es auch so, als ob sie das Sonnenlicht -gar nicht reflektierten, sondern sich eher an das geheimnisvolle Dunkel -des Weltenraums anpaßten. -</p> - -<p> -Noch immer schienen sie näher zu kommen, ihre ganze Erscheinung -hatte etwas Grausiges, Entsetzliches. -</p> - -<p> -Mors war fest davon überzeugt, daß er mitsamt seinem Weltenfahrzeug -und dessen Insassen verloren war, wenn ihn diese unheimlichen -Verfolger erreichten. -</p> - -<p> -Doch nun hatte sich der Riesenmagnet gewendet und in kurzer -Zeit machte sich eine vermehrte Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges -bemerkbar. -</p> - -<p> -Nachdem zwei Stunden vergangen waren, rief der Professor: „Sie -bleiben zurück, Kapitän, sie werden immer kleiner und kleiner.“ -</p> - -<p> -„Das bewirkt unsere unheimliche Schnelligkeit,“ entgegnete -Mors. „Es war das einzige Mittel, um uns diesen unheimlichen und -ganz unbekannten Gegnern zu entziehen. Wenn wir so weiter fahren, -werden wir sie allmählich aus den Augen verlieren.“ -</p> - -<p> -So schnell ging es aber doch nicht, denn die rätselhaften Erscheinungen -waren noch nach vielen Stunden sichtbar. -</p> - -<p> -Von Zeit zu Zeit zeigte sich auch noch das merkwürdige rötliche -Aufleuchten, aber auch dieses nahm allmählich ab und zuletzt erschienen -die Verfolger nur noch wie unheimliche, glühende rote Punkte. -</p> - -<p> -Mors gab jetzt den Befehl, die Richtung nochmals zu verändern, -denn er meinte, daß die seltsamen Verfolger nun die Jagd aufgeben würden. -</p> - -<p> -Terror drehte die Kurbeln und ließ die Maschinen arbeiten, er -versuchte es zwei- und dreimal, aber vergeblich. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ rief er. „Das Fahrzeug gehorcht ja nicht mehr.“ -</p> - -<p> -„Ich fürchtete das,“ erwiderte Mors. „Aber, unter den Umständen -blieb uns nichts anderes übrig. Wir müssen auf unser gutes Glück vertrauen. -Jetzt sind wir in den Bannkreis des Planeten Jupiter geraten.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br /> -Die rote Wolke. -</h2> - -<p class="first"> -Wieder war ein Tag vergangen. -</p> - -<p> -Die merkwürdigen Verfolger des Weltenfahrzeugs waren verschwunden -und irgend wo in den unendlichen Raum des Weltalls untergetaucht. -</p> - -<p> -Möglicherweise hatten jene intelligenten Wesen, welche diese rätselhaften -Fahrzeuge leiteten, eingesehen, daß sie das Weltenfahrzeug -nicht einholen konnten. Möglicherweise aber waren sie nur der gefahrdrohenden -Anziehungskraft des Jupiter aus dem Wege gegangen. -</p> - -<p> -Mors hatte übrigens verschiedenes getan, um dem Bannkreis zu -entkommen, aber als er merkte, daß dies keinen Zweck hatte, ließ er die -Dinge ihren Lauf gehen. -</p> - -<p> -Er vertraute seinem Glücksstern, er meinte, es würde ihm schon -gelingen, wieder von dem Riesenplaneten hinwegzukommen. -</p> - -<p> -Nun schoß sein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit nach dem -Planeten Jupiter hinüber. -</p> - -<p> -Es war überraschend, mit welcher Schnelligkeit sich derselbe vergrößerte. -Ein Beweis, daß er eine ungeheure Anziehungskraft ausübte. -</p> - -<p> -Schon verschwand die leuchtende Sonne neben der ungeheuren -strahlenden Scheibe, die schließlich den größten Teil des Firmaments -einnehmen mußte. -</p> - -<p> -Die Mannschaften des Weltenfahrzeuges betrachteten natürlich -diese sich fast mit jeder Stunde vergrößernde Scheibe des Riesenplaneten -mit gemischten Gefühlen. -</p> - -<p> -Die einzigen, welche kaltblütig darüber dachten, waren die beiden -Normannen, die ja schon mehrere Weltenfahrten mitgemacht hatten, -dagegen verrieten die neuangeworbenen Inder trotz ihres sonstigen Mutes -und ihrer Entschlossenheit jene abergläubische Scheu, die sich beim -Anblick von etwas Fremdartigem nie ganz verbergen ließ. -</p> - -<p> -Die Leute sahen alle auf Mors, aber als sie bemerkten, daß dieser -ganz ruhig blieb, schienen auch sie ruhiger zu werden. -</p> - -<p> -Vielleicht ergaben sie sich mit jenem Fatalismus, der den Orientalen -eigen ist, in das Unvermeidliche. Aber sie meinten wohl im Geheimen, -daß ihre Laufbahn hier ein Ende nehmen würde. -</p> - -<p> -An Mors wagte sich niemand heran, denn vor diesem Manne empfanden -die Leute bei aller Verehrung immerhin Scheu. -</p> - -<p> -Deshalb gingen sie zu Terror, der freilich auch nicht viel gesprächiger -als der Kapitän war. -</p> - -<p> -Die neuangeworbenen Inder hatten einen der ihren zum Wortführer -erwählt und dieser Mann wendete sich an Terror mit der Frage, wohin -die Reise eigentlich ginge. -</p> - -<p> -„Na, Ihr seht es ja, zu diesem Planeten dort,“ erwiderte Terror -etwas knurrig. „Bei solchen Reisen, wie wir sie unternehmen, müssen wir -immer auf Abenteuer rechnen. Der Kapitän hat übrigens gesagt, daß die -Sache nicht viel zu bedeuten hat, und daß auf diesem riesigen Weltkörper -dort sicherlich Luft und Wasser existiert. Na und wenn wir da auch -ein Weilchen bleiben müssen, das schadet nichts. Der Kapitän hat -schon ganz andere Dinge vollführt, der wird auch von da wieder loskommen.“ -</p> - -<p> -„Und wenn wir nicht wieder loskommen?“ fragte der Inder. -</p> - -<p> -„Dann bleiben wir eben dort,“ erwiderte Terror. „Ich bin ganz -zufrieden damit, wenn ich nur bei meinem Kapitän bin, alles andere ist -mir gleichgiltig.“ -</p> - -<p> -Der Inder hatte aber noch eine wichtige Frage auf dem Herzen. -</p> - -<p> -„Werden wir unseren Gott Brahma dort vorfinden?“ fragte er feierlich. -„Wenn uns der Tod bevorsteht, so wollen wir wenigstens in das -Paradies Brahmas gelangen.“ -</p> - -<p> -Terror aber war kein Freund von den Heldengöttern, besonders -nicht von Brahma, da derselbe, wie er einmal gehört, mehrere Köpfe -und eine ganze Anzahl Arme besitzen sollte. -</p> - -<p> -„Ja, das weiß ich wirklich nicht,“ erwiderte er. „Wenn Ihr hinkommt, -könnt Ihr Euch ja mal nach ihm umsehen. Vielleicht findet Ihr -ihn. Im übrigen laßt mich nun mal in Ruhe, denn ich habe mich um -meine Instrumente zu bekümmern. Die Maschinen müssen tadellos -funktionieren, wenn es nötig wird. Mit Eurem Brahma hat es noch Zeit, -bis wir ankommen. Vorläufig braucht Ihr ihn ja noch nicht, denn Ihr -seid ja noch alle am Leben.“ -</p> - -<p> -Der Inder schnitt ein verdrießliches Gesicht, denn es gefiel ihm -ganz und gar nicht, daß sich Terror in solcher Weise über ihre Gottheit -äußerte. -</p> - -<p> -Terror wendete ihnen einfach den Rücken zu und ließ die Inder -mit ihrem Brahma machen, was sie wollten. -</p> - -<p> -Die Leute kehrten also wieder an ihre Beschäftigung zurück, aber -sie befanden sich offenbar in einiger Erregung. -</p> - -<p> -Man hörte sie öfter flüsternd sprechen und Bemerkungen über das -Kommende austauschen. Einige meinten auch, Terror müsse, da er so -unehrerbietig über Brahma gesprochen, zur Strafe in die Hölle geschleudert -werden. -</p> - -<p> -Der Ingenieur aber kümmerte sich nicht mehr um das indische -Paradies, sondern setzte alle seine Maschinen instand, damit sie im Notfalle -ihre ebenso furchtbaren als nützlichen Dienste leisten konnten. -</p> - -<p> -Näher kam man dem Riesenplaneten und schon sah man mit bloßen -Augen ein höchst merkwürdiges Gebilde. -</p> - -<p> -Dieses war schon vor ungefähr vierzig Jahren auf der Erde entdeckt -worden und hatte zu den seltsamsten Vermutungen Anlaß gegeben. -</p> - -<p> -Man bezeichnete es als die rote Wolke. Es war dies ein eiförmiger -Fleck, der in der dichten Atmosphäre des Jupiter zu schweben schien. -</p> - -<p> -Einige Astronomen glaubten, es sei eine besonders starke Wolkenbildung, -die durch irgend einen Umstand die dunkelrote Färbung zeigte. -</p> - -<p> -Andere Beobachter aber glaubten an fürchterliche Vulkanausbrüche -dieses Planeten, der sich noch im Urzustand befinden mußte. Die -gleiche Meinung hatte auch der Professor. -</p> - -<p> -Beim Näherkommen gewahrte man übrigens, daß man von der -Oberfläche des Planeten so gut wie gar nichts sehen konnte. -</p> - -<p> -Das, was man erblickte, waren alles Wolken, welche den Riesenkörper -umhüllten, Wolken, welche die Sonnenstrahlen aufleuchtend grell -reflektierten. -</p> - -<p> -Der Professor meinte, es würde schon noch anders kommen und -war überzeugt, daß man über kurz oder lang einen Blick auf die Oberfläche -des Planeten werfen könne. -</p> - -<p> -Der Gelehrte vergaß jede Gefahr und war nur darauf gespannt, die -Rätsel des ungeheuren Weltkörpers enthüllt zu sehen. -</p> - -<p> -Er gönnte sich keine Ruhe, vergaß Speise und Trank, und es kam -oft genug vor, daß er bei seinen Fernröhren und Instrumenten, von der -Müdigkeit überwältigt, die Augen schloß. -</p> - -<p> -Die rote Wolke verschwand übrigens bald, was nicht verwunderlich -war, da sich ja der riesige Planet in noch nicht zehn Stunden um -seine eigene Achse dreht. -</p> - -<p> -Diese furchtbare Geschwindigkeit mußte es auch bewirken, daß -der Koloß an den Polenden stark abgeplattet erschien. Alles aber, was -man sah, verriet eine ungemein dichte, im übrigen aber der Erde sehr -ähnliche Atmosphäre. -</p> - -<p> -„Luft werden wir genug haben,“ sprach der Professor zu Nelly, als -sie ihm wieder einmal mit sanfter Gewalt einige Nahrungsmittel aufnötigte. -„Ich glaube sogar, unsere Lungen werden ordentlich Mühe haben, -in dieser starken Luftmasse zu atmen. Aber der Mensch gewöhnt sich -eben an alles. Wasser ist dort auch zu finden. Es sollte mich übrigens -nicht wundern, wenn wir durch die ungeheure Anziehungskraft gezwungen -würden, bis zu unserem Ende Bewohner des Jupiters zu bleiben.“ -</p> - -<p> -Nelly zuckte mit den runden Schultern und ihre Augen glänzten. -Solch Abenteuer war recht nach dem Geschmack der phantastisch veranlagten -Schönen. -</p> - -<p> -Die Normannen ergaben sich mit Gleichmut in alles, was ihnen -bevorstand. Die Inder dagegen saßen oft zusammen und meinten, wie -schrecklich es sein müsse, wenn ihr Gott Brahma nicht auf dem Planeten -hauste, denn dann wäre ihnen ja das Paradies für ewig verloren. -</p> - -<p> -Unter einem Teil dieser Leute machte sich bereits Unzufriedenheit -bemerkbar, aber da die anderen treu zu Mors hielten, so verbargen die -Unzufriedenen ihre Empfindungen auf das Sorgfältigste. -</p> - -<p> -Nach zehn Stunden wurde die rote Wolke wieder sichtbar und da -sah man schon mit bloßen Augen, daß sie eine ungeheure Ausdehnung -besaß. Ihr Umfang war geradezu ungeheuer und es schien, daß dieser -dunkelrote Fleck wohl den zwanzigsten Teil der den Weltenfahrern -sichtbaren Jupiterscheibe bedeckte. -</p> - -<p> -Ferner sah man andere ungeheure Wolkenmassen, vor allen Dingen -aber jene Ringe, die der Jupiterscheibe ein so merkwürdiges Aussehen -verleihen. -</p> - -<p> -Zeitweise glaubte auch der Professor, einen Blick durch die dichte -Atmosphäre tun zu können. -</p> - -<p> -Es sah zuweilen so aus, als ob die Wolkenmassen zerrissen und -Teile der Oberfläche des riesigen Planeten enthüllten. -</p> - -<p> -Geschah dies, so war der Professor gleich mit seinen Instrumenten -zur Hand, aber diese Perioden dauerten immer nur ganz kurze Zeit, -sodaß van Halen nur wenige klare Beobachtungen machen konnte. -</p> - -<p> -Mors erkundigte sich übrigens bei dem Gelehrten, was er bemerkt -hatte, und der Professor gab bereitwilligst Auskunft. -</p> - -<p> -„Man hatte auf unserer Erde angenommen, daß der Jupiter noch -fast flüssig sein soll,“ sprach er, als er wieder einmal eine Beobachtung -gemacht. „Aber nach reiflicher Ueberlegung bin ich überzeugt, daß dies -nicht der Fall ist. Das, was ich durch das Fernrohr sehe, bestärkt meine -Annahme. Der Koloß befindet sich in einem Zustande, den man auf -Erden als die sogenannte Devon-Zeit bezeichnet hat, als die Zeit der -Panzerfische, und der ersten Landpflanzen. Aber ich vermute auch, daß -auf dem Jupiter noch ungeheuerliche vulkanische Ausbrüche stattfinden -und zwar Ausbrüche, bei denen Wasser und Feuer zusammen in Aktion -treten.“ -</p> - -<p> -„Und was schließen Sie daraus?“ fragte der Luftpirat. -</p> - -<p> -„Nun, das eine, daß wir in eine sehr seltsame Welt kommen,“ lautete -die Antwort, „in eine Welt, wo alle Augenblicke Katastrophen eintreten, -Feuer- und Wasserausbrüche, schreckliche Erschütterungen des -Festlandes, kurzum, ein wahres wildes Durcheinander, welches jeder -menschlichen Beschreibung spottet.“ -</p> - -<p> -„Hauptsache ist, daß ich mein Fahrzeug fliegend erhalte,“ bemerkte -Kapitän Mors. „Wenn mir das gelingt, so können wir vorerst der Wut -der Elemente trotzen. Schlimmer wäre es freilich, wenn wir direkt durch -die ungeheure Anziehungskraft an den Planeten gebannt würden, sodaß -mein Weltenfahrzeug hilflos wird. Versagt der Magnet dann seine Dienste, -so können wir nimmermehr nach der Erde zurückkehren.“ -</p> - -<p> -„Nun, wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen,“ erwiderte der -Professor. „Bei solchen großartigen Naturereignissen kann der Mensch -sein Wissen und seine Erfahrungen benutzen. Solche Naturereignisse -können uns vielleicht sogar zur Rettung dienen.“ -</p> - -<p> -Bei den letzten Worten deutete der Gelehrte auf die geheimnisvolle -rote Wolke, welche gerade in der Mitte des Planeten schwebte. -</p> - -<p> -Mors zuckte die Achseln und begab sich in den Lenkraum. -</p> - -<p> -Dort arbeitete Terror wie ein Verzweifelter. -</p> - -<p> -Der Brave machte sich wenig aus dem Jupiter, denn als er hörte, -wie es dort aussehen sollte, verstärkte sich die Abneigung gegen diese -neue Welt. -</p> - -<p> -„Was soll ich dort unter den Panzerfischen und Stachelpflanzen,“ -brummte er. „Fische esse ich zwar ganz gern, aber ob die Biester dort zu -essen sein werden, möchte ich mit Recht bezweifeln, und die Gemüse -aus solchen Pflanzen würden uns zwischen den Zähnen stecken bleiben. -Aber was hilft es, wenn wir dort bleiben müssen und unsere Vorräte -allmählich zu Ende gehen, müssen wir doch mit dem Vorlieb nehmen, -was sich dort befindet. In der Not frißt der Teufel Fliegen.“ -</p> - -<p> -Terror ließ den Magneten nach allen Richtungen spielen, aber es -war umsonst. Die Anziehungskraft des Giganten spottete seinen Bemühungen. -</p> - -<p> -Sein einziger Trost war nur der, daß die Schnelligkeit, mit der das -Weltenfahrzeug dahin sauste, einigermaßen gemildert werden konnte. -</p> - -<p> -Immerhin war mit einem Aufsturz des Fahrzeuges auf den Jupiter -zu rechnen. -</p> - -<p> -Geschah dies, so mußte das Fahrzeug in Trümmer gehen und alles -menschliche Leben darin vernichtet werden. -</p> - -<p> -Aber das ließ sich nicht ändern und es kam sicherlich die Stunde, -wo alle menschlichen Machtmittel versagten. -</p> - -<p> -Immer größer wurde der Planet, dem man mit zunehmender -Schnelligkeit näher kam. Allmählich breitete sich die kolossale Scheibe -über das ganze Firmament aus. -</p> - -<p> -War es Tag, so blendeten die leuchtenden Wolken derartig, daß -man Schutzbrillen tragen mußte. Stand die Sonne aber hinter dem ungeheuren -Planeten, so wurde es dennoch nicht dunkel, denn die Atmosphäre -des Jupiter schien ein eigenes Licht zu besitzen. -</p> - -<p> -Dies war freilich schwach im Vergleich zu dem reflektierten Sonnenlicht, -wenn der Planet ganz beleuchtet wurde, war der Glanz derselben -kaum zu ertragen. -</p> - -<p> -Der Magnet wurde auf die Scheibe des Jupiter gerichtet, um so die -Anziehungskraft nach Möglichkeit abzuschwächen. Mehr konnte man -nicht tun. Das Weitere war dem Walten des Schicksals überlassen. -</p> - -<p> -Der Professor berechnete kaltblütig die Zeit, in welcher der Aufsturz -stattfinden würde. -</p> - -<p> -Erst waren es noch Tage, nun wurden es nur noch Stunden. -</p> - -<p> -Man hörte van Halen, der jetzt nicht mehr von seinen Instrumenten -ging, zuweilen halblaute Worte vor sich hinmurmeln. -</p> - -<p> -„Vier Stunden vierzig Minuten, vier Stunden dreißig Minuten. Vier -Stunden zwanzig Minuten, jetzt nur noch vier Stunden!“ -</p> - -<p> -Die Inder machten sich auf ein furchtbares Ende gefaßt. -</p> - -<p> -Da sie sehr religiös waren, so empfahlen sie ihre unsterbliche Seele -Brahma, der mächtigen, indischen Gottheit. -</p> - -<p> -Die beiden Normannen dagegen machten sich wenig aus dem, was -nach ihrem Ende wurde. Van Halen und Terror, sowie Mors hatten nur -Sinn für ihre Instrumente und Maschinen. -</p> - -<p> -Mors blieb so ruhig und gelassen, als wenn er sich auf Erden auf -seiner geheimnisvollen Insel befände. Er, Terror und van Halen bewunderten -im Stillen Nelly, die eine unglaubliche Entschlossenheit zeigte -und keine Furcht zu kennen schien. -</p> - -<p> -Sie besorgte die Mahlzeiten wie gewöhnlich und redete den ziemlich -niedergeschlagenen Indern zu, daß sie Speise und Trank zu sich -nehmen sollten. -</p> - -<p> -Wieder neigte sich der Professor auf seine Instrumente. -</p> - -<p> -„Noch dreißig Minuten,“ sprach er. „Dann haben wir den Planeten -erreicht. In einer halben Stunde muß sich unser Schicksal entscheiden.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br /> -Wunderbare Abenteuer. -</h2> - -<p class="first"> -Die dreißig Minuten schienen eine Ewigkeit zu werden. -</p> - -<p> -Bald sah man nichts mehr, denn das Weltenfahrzeug befand sich -zwischen den ungeheuren Wolkenmassen, die den Jupiter verhüllten. -</p> - -<p> -Mors warf noch einen letzten Blick durch die Gucklöcher, welche -durch starke Gläser verschlossen wurden. -</p> - -<p> -Er sah nichts als eine wirbelnde Masse, graue, weiße, braune Wolken, -zuweilen auch ein rötliches Aufleuchten. -</p> - -<p> -Jedenfalls befand sich die Atmosphäre des Riesenplaneten in ungeheurer -Erregung. -</p> - -<p> -Was da aber vorging, konnte kein Sterblicher sagen. -</p> - -<p> -Die letzten Minuten vergingen. -</p> - -<p> -„Jetzt kommt der Luftprall,“ sprach der Professor zu Mors, der mit -der Uhr in der Hand die kommenden Dinge erwartete. -</p> - -<p> -Nelly war auch da und sah mit ihren feurigen Augen auf den Luftpiraten. -</p> - -<p> -Wenn es zum Sterben kam, wollte sie wenigstens in seiner Nähe -den Tod erleiden. -</p> - -<p> -Jeden Augenblick erwartete man die Katastrophe. -</p> - -<p> -Der Luftpirat war darauf gefaßt, daß das Fahrzeug in Stücke zerschellen -würde. -</p> - -<p> -Mit einem Male verspürte man eine seltsame Berührung. -</p> - -<p> -Es war, als hätte das Fahrzeug etwas Weiches, Widerstandsfähiges -berührt und dann vernahm man deutlich, wie etwas gegen die gepanzerten -Wände schlug. -</p> - -<p> -Der Professor sprang empor. -</p> - -<p> -„Wir sind angelangt,“ rief er. „Aber wir sind nicht auf festem Boden, -sondern auf Wasser angekommen. Kein Zweifel, der „Meteor“ ist -mit großer Geschwindigkeit in eine ungeheure Wasseransammlung hineingetaucht.“ -</p> - -<p> -Das Meer oder der See oder was es nun sein mochte, mußte sehr -tief sein. -</p> - -<p> -Plötzlich richtete sich das Fahrzeug, welches bis dahin eine schräge -Lage gezeigt, wieder auf und schoß so schnell empor, daß Nelly und der -Professor sich festklammern mußten. -</p> - -<p> -Es schoß direkt aufwärts, aber nun verlangsamte sich die Bewegung -nach vorwärts, dafür aber geschah etwas anderes, was nicht minder -merkwürdig war. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug geriet nämlich in schaukelnde Bewegungen, es -war gerade so, als ob irgend etwas Geheimnisvolles, Starkes mit dem -„Meteor“ spielte. -</p> - -<p> -„Was ist das?“ rief Nelly, die sich tapfer festgehalten. -</p> - -<p> -„Wir schwimmen,“ sprach Mors, „wir sind wieder aufgetaucht und -da der „Meteor“ trotz seines ungeheuren Gewichtes, dank seiner Innenräume -und der Behälter mit flüssiger Luft, leichter ist als Wasser, so -schwimmen wir höchstwahrscheinlich auf der Oberfläche eines Jupiter-Gewässers.“ -</p> - -<p> -„Da mag es aber toll hergehen,“ meinte Terror, der eben an der -Tür erschien. „Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht ein fürchterlicher -Sturm diesen Jupiter-See von Grund auf aufwühlt. Wir werden ja -hin- und hergeschleudert, als ob unser Koloß eine Seifenblase ist.“ -</p> - -<p> -Mors sah wieder durch die kleinen Gucklöcher. -</p> - -<p> -In wenigen Augenblicken überzeugte er sich, daß Terror Recht -hatte. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ schwamm auf einer empörten See, die durch einen -fürchterlichen Sturm aufgewühlt wurde. -</p> - -<p> -Da sah man Wellen, gegen die die der irdischen Gewässer harmlos -erschienen, Riesenwellen, die das sonderbare Fahrzeug wie einen Spielball -hin- und herwirbelten. -</p> - -<p> -Terror und der Professor waren jetzt auch an die Gucklöcher getreten, -ebenso Nelly, die mit glänzenden Augen das Naturschauspiel einer -unbekannten Welt bewunderte. -</p> - -<p> -Die Schwester Ned Gullys besaß scharfe Augen, und sie war es -auch, welche zuerst etwas Ungewöhnliches bemerkte. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ rief sie plötzlich. „Da ist etwas Dunkles. Das ist Land!“ -</p> - -<p> -Wenige Augenblicke später erhielt das umhergeschleuderte Fahrzeug -einen gewaltigen Stoß. -</p> - -<p> -Es war aber sicherlich kein Felsen, gegen den es stieß, sondern eine -Sandbank. -</p> - -<p> -Man vernahm deutlich, wie das Fahrzeug sich auf der Sandbank -hin- und herschob und wie es sich allmählich immer höher auf das -Land hinaufwühlte. -</p> - -<p> -Der Sand türmte sich zur Linken und Rechten empor und bildete -allmählich einen Schutzwall. Die von dem Sturm gepeitschten Wogen -schlugen noch zuweilen über das Achterteil des Weltenfahrzeuges, bis es -zuletzt still und unbeweglich im weichen Triebsand -ruhte. — — — — — -</p> - -<p> -Es vergingen viele Stunden, ehe sich der Aufruhr der Elemente -legte. -</p> - -<p> -Der Sturm schien schon längst zu Ende gegangen zu sein, aber die -Wellen gingen noch immer hoch. Man sah durch die Gucklöcher, wie -die Wogenberge über die Oberfläche des unbekannten Meeres hinüberfegten. -</p> - -<p> -Dann kam ja die Nacht, da ja bekanntlich der Tag auf dem Jupiter -kaum zehn Stunden lang dauert. -</p> - -<p> -Aber dunkel wurde es nicht, denn der Jupiter besaß ja vier Monde, -die eine großartige Beleuchtung spendeten. -</p> - -<p> -Bei diesem Schein sah man die noch immer außerordentlich unruhige -Oberfläche der See, auch hörte man das Donnern einer entfernten -Brandung. -</p> - -<p> -Mors glaubte auch zuweilen durch die Gucklöcher Umrisse von -Felsen und Hügeln sehen zu können, aber die Atmosphäre war sehr -wenig durchsichtig. -</p> - -<p> -So blieb denn vorläufig nichts weiter übrig, als daß man die Ruhestätte -aufsuchte, aber Mors sorgte dafür, daß stets einige Wachen Ausguck -hielten. -</p> - -<p> -Als die Nacht zu Ende ging, gewahrte Mors, daß sich die Oberfläche -des Jupitermeeres bedeutend beruhigt hatte. -</p> - -<p> -Da drängte es ihn, hinauszugehen und die Luft dieser neuen, unbekannten -Welt zu atmen. -</p> - -<p> -Das war nicht unbedenklich, indessen hatte der Professor schon -einige Beobachtungen gemacht und die feste Ueberzeugung ausgesprochen, -daß die dicke Luft des Jupiter, wenn auch mit einigen Beschwerden, -geatmet werden konnte. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug lag ungefähr zur Hälfte in den Sand gebettet, -aber die luftdicht schließenden Türen, welche nach außen führten, waren -freigeblieben. -</p> - -<p> -Mors öffnete die innere Tür und schloß sie wieder sorgfältig. Er -wies jede Begleitung zurück, obwohl Nelly und van Halen ihn nicht -verlassen wollten. -</p> - -<p> -Hierauf öffnete der Kapitän vorsichtig die äußere Tür und versuchte, -die Luft zu atmen. -</p> - -<p> -Sie war dick, schwer, aber zu ertragen. Sie schien nur eine ungeheure -Menge Kohlensäure zu enthalten. Dies verursachte die Empfindung -eines leichten Rausches. Da aber der menschliche Organismus -sehr anpassungsfähig ist, meinte Mors, daß sich seine Mannschaft auch -daran gewöhnen würde. -</p> - -<p> -Jetzt stieg der Luftpirat langsam an der eisernen Treppe hinan, die -zur oberen Plattform führte. -</p> - -<p> -Er hatte ein merkwürdiges Empfinden, denn es war ihm zu Mute, -als ob sein ganzer Körper aus Blei bestände. -</p> - -<p> -Das war erklärlich, da der Planet Jupiter um soviel mal größer als -die Erde war, mußte naturgemäß alles, was sich da befand, auch bedeutend -schwerer wiegen. -</p> - -<p> -Immerhin erwies sich dies nicht hinderlich, wenn man Bewegungen -mit den Gliedern machte. Mors kam es so vor, als besäße er jetzt -die Kraft, einen Felsen zertrümmern zu können. -</p> - -<p> -Jetzt stand er auf der Plattform. -</p> - -<p> -Zur Rechten lag das Meer, dessen Oberfläche noch immer in ziemlicher -Bewegung war. Zur Linken aber sah man das Land, welches freilich -ein höchst sonderbares Aussehen besaß. -</p> - -<p> -An den Ufern des Meeres dehnte sich ein mächtiger Sandstrand -aus, weiterhin stieg das Land empor. Da sah Kapitän Mors Felsen, Hügel -und Klippen. -</p> - -<p> -Die meisten aber besaßen eine höchst eigentümliche Form, denn -sie waren kegelförmig und auf ihren Höhen befanden sich kreisrunde -Öffnungen. -</p> - -<p> -Ferner sah Mors merkwürdige Felsenringe, die fast riesigen Springbrunnenbecken -glichen. Das Sonderbarste aber war, daß sie mit Wasser -angefüllt waren, welches zuweilen aufbrodelte. -</p> - -<p> -Mors sah sich um, ob er nicht irgendwo Pflanzenleben entdeckte. -Es dauerte einige Zeit, ehe er dieses bemerkte, aber endlich gewahrte er -solches zwischen den Hügeln. -</p> - -<p> -Diese Flora war sehr spärlich, aber immerhin sah Mors hier und -da üppige Pflanzen stehen. -</p> - -<p> -Es waren eine Art Gräser, aber wie der Professor vorausgesagt, -ungemein stachelig, alles schien von Dornen förmlich zu starren und -das Ganze besaß direkt ein unheimliches Aussehen. -</p> - -<p> -Als Mors in das Wasser blickte, gewahrte er, daß es recht klar und -durchsichtig war. -</p> - -<p> -Da unten war ein ganz anderes Leben und da sah Mors zunächst -eine Menge Algen und Tang, er sah auch lebende Geschöpfe, die dort -ihr Wesen trieben. Fischartige, anscheinend mit Knorpeln und Horn -gepanzerte Ungetüme. -</p> - -<p> -„Van Halen hat recht gehabt,“ murmelte der Luftpirat. „Das ist -hier eine Epoche, die man auf Erden längst überwunden hat. Eine Zeit, -die noch der Steinkohlenperiode voranging. Vor allen Dingen eine -Welt, in der fürchterliche, vulkanische Erscheinungen zu den alltäglichen -Ereignissen gehören. Aber es hilft nichts, wir müssen uns damit -abfinden.“ -</p> - -<p> -Er erprobte noch einmal die Luft und ging dann hinunter, um -seine Gefährten von seinen Beobachtungen zu benachrichtigen. -</p> - -<p> -Mors forderte alle Insassen des Weltenfahrzeuges auf, nach der -Plattform zu kommen und die fremdartige Umgebung zu betrachten. -</p> - -<p> -Der Professor und Nelly waren natürlich die ersten, welche diesem -Rufe folgten und sich nicht wenig über die bleierne Schwere in den -Gliedern wunderten. Mißtrauischer benahm sich schon Terror, der bedächtig -die neue Luft einsog und nach allen Richtungen umherschnüffelte. -</p> - -<p> -Er brummte auch allerlei Bemerkungen in den Bart, die keine -Schmeicheleien für die neue Welt sein mochten. -</p> - -<p> -Dann kamen die Normannen, die ziemlich gleichgültig die fremdartige -Umgebung betrachteten. -</p> - -<p> -Die Inder waren die letzten, die sich auf die Plattform hinauswagten. -</p> - -<p> -Mors beobachtete diese Leute aufmerksam, denn er hatte schon -bemerkt, daß die Inder ein wenig verzagt schienen. -</p> - -<p> -Der Luftpirat staunte aber, als die Bewohner der indischen Gebirgswelt, -nachdem sie kaum ein paar Blicke auf die Umgebung geworfen, -sichtliche Freude verrieten. -</p> - -<p> -Ihre Augen begannen zu glänzen, sie deuteten bald hier hin, bald -dorthin, und machten sich auf die sonderbaren Formen der Hügel und -Felsen aufmerksam. -</p> - -<p> -Mors trat zu den braunen Leuten. -</p> - -<p> -„Nun, was sagt ihr zu dieser neuen Welt?“ forschte er, die Inder -betrachtend. -</p> - -<p> -„O Herr,“ erwiderte der eine, der das Wort führte, „dieses Land ist -uns schon bekannt. Das haben wir schon früher gesehen.“ -</p> - -<p> -„Nicht möglich,“ erwiderte Mors mit flüchtigem Lächeln. „Ihr -habt doch noch keine Reise nach dem Planeten Jupiter unternommen?“ -</p> - -<p> -„Wir haben dieses Land auf den Bildern in unseren Tempeln gesehen,“ -lautete die Antwort. „Es ist das Land, in welchem unser Gott -Brahma wohnt. Es ist seine Heimat und deshalb sind wir glücklich. -Dort aber, jene wassergefüllten Ringe sind die Eingänge zur Hölle, in -welche die grasgrünen Teufel alle die hinabziehen, welche nicht an Gott -Brahma glauben.“ -</p> - -<p> -„Der Henker hole euch mit euren grasgrünen Teufeln und eurem -Brahma,“ murmelte Terror, der sich hier ganz und gar nicht behaglich -fühlte. „Ich wollte, wir schwebten fünfzigtausend Meilen von dieser -vertrackten Welt, anstatt daß wir -hier im Sande eines unbekannten Ozeans liegen. Der Teufel weiß, wann -wir hier wieder loskommen. Meinethalben kann mir der ganze Jupiter -gestohlen bleiben.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br /> -Im Bann des Aberglaubens. -</h2> - -<p class="first"> -Am glücklichsten war der Professor, denn der geriet vor Entzücken außer -sich. -</p> - -<p> -Mors mußte ihn festhalten, sonst wäre der Professor Hals über -Kopf in den Sand hinuntergesprungen und in die fremdartige Landschaft -hineingelaufen. -</p> - -<p> -Das gab der Luftpirat aber nicht zu, denn er wollte sich erst überzeugen, -ob nicht etwa Gefahren in diesem fremden Lande lauerten. -</p> - -<p> -Allerdings hatte es zur irdischen Devonzeit keine Ungeheuer gegeben, -die den Menschen gefährlich werden konnten. Aber auf dem Jupiter -konnte sich das anders verhalten und Mors dachte nicht im mindesten -daran, van Halen einer Gefahr auszusetzen. -</p> - -<p> -Mors hatte den Professor, der mit solcher Begeisterung an ihm -und seinen Werken hing, schon sehr lieb gewonnen und zählte ihn zu -den vertrautesten seiner Gefährten. Auch dachte er daran, daß Anita -verzweifeln würde, wenn der Professor nicht nach der Erde zurückkehrte. -</p> - -<p> -Aber konnte man denn überhaupt zurück? Blieb denn nicht das -Weltenfahrzeug für immer an diesen Planeten gebannt? Jetzt sah es so -aus, als ob die tollkühnen Abenteurer ihr Leben auf dem Jupiter beschließen -müßten. -</p> - -<p> -Mors beobachtete mit dem Glas aufs sorgfältigste die Umgebung. -Aber er sah nirgends ein verdächtig aussehendes Tier. Die Zeit für die -Tiere am Lande war wohl noch nicht gekommen und in der See sah -man nur Panzerfische und Trilobiten; ferner gewahrte man die sonderbarsten -Meergewächse und wunderlich geformte Muscheln. Da war man -um Millionen Jahre in den Zeiten zurückversetzt, denn dieser Planet -befand sich erst im Werdezustande. -</p> - -<p> -Als Mors die Umgebung genug betrachtet, bemerkte er, wie das -Meer rasch zurückwich. -</p> - -<p> -Naturgemäß mußten hier, wo vier riesige Monde existierten, Ebbe -und Flut in ganz ungeahntem Maße auftreten. -</p> - -<p> -Höchstwahrscheinlich war die Flut gewesen, als der „Meteor“ -strandete, denn in kurzer Zeit war alles in der Runde trocken. Man sah -nur noch in der Ferne eine weißblaue Linie, die den Rand des Jupiterozeans -andeutete. -</p> - -<p> -Mors faßte einen kurzen Entschluß. -</p> - -<p> -Gerätschaften fanden sich ja in Menge in seinem Fahrzeug und so -ließ der Luftpirat seine Inder und Normannen mit Schaufeln über die -Treppe auf den Sand hinabsteigen. -</p> - -<p> -Sie sollten den feuchten, weißen Sand so viel als möglich bei Seite -schaufeln und das Fahrzeug auf diese Weise befreien. -</p> - -<p> -Mors vermutete nämlich, daß nicht die ungeheure Masse des Planeten -es sei, welche das Weltenfahrzeug herniedergezogen, sondern elektrisch-magnetische -Ströme, die unter der noch dünnen Kruste des Jupiter -ihr Wesen trieben. -</p> - -<p> -Alle legten mit Hand an, selbst Nelly schaufelte unverdrossen und -in vier Stunden war rund um den „Meteor“ herum eine Rinne gegraben. -</p> - -<p> -Die Flut war noch immer nicht zurückgekehrt, aber sie mußte -sicherlich nach einigen Stunden kommen. -</p> - -<p> -Mors hieß jetzt alle seine Leute wieder auf den „Meteor“ hinaufsteigen -und sich in das Innere des Fahrzeuges begeben. Dann wurde der -Magnet, der bis dahin nach oben gerichtet war, möglichst gesenkt, sodaß -er sich auf die Sandfläche richtete. -</p> - -<p> -Im nächsten Augenblick erhielt das gewaltige Fahrzeug einen -mächtigen Ruck. Man hörte den Sand knirschen und im nächsten Augenblick -schnellte das Weltenfahrzeug in die Höhe. -</p> - -<p> -Terror war ganz außer sich vor Freude, als er dies bemerkte, dagegen -schienen die Inder eher traurig, als freudig bewegt zu sein. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug schwebte einige hundert Meter empor, aber -dann erhielt es wieder einen Ruck und neigte sich langsam nach unten. -</p> - -<p> -„Jetzt weiß ich es, weshalb wir hier so gebannt bleiben,“ sprach -Mors zu Terror und dem Professor. „Wir befinden uns wieder über der -dünnen Kruste, welche die magnetischen und elektrischen Strömungen -deckt. Dadurch werden wir hinabgezogen. Jetzt müssen wir vorsichtig -manövrieren, daß wir wieder auf dem Sande landen. Auf den anderen -Boden dürfen wir nicht hinunterkommen, denn dadurch würden wir -der ungeheuren Anziehungskraft ausgesetzt bleiben. Der Sand schützt -uns, denn der leitet keine Elektrizität. Also wollen wir uns wieder am -Rande dieses seltsamen Meeres niederlassen.“ -</p> - -<p> -Das geschah denn auch und nach kaum einer halben Stunde lag -der „Meteor“ auf einer Sanddüne, die sicherlich nicht von den Wogen -bespült wurde. -</p> - -<p> -Die Situation war klar. -</p> - -<p> -Kam man mit dem Weltenfahrzeug über die sonderbaren Felsformationen -des Planeten, so wurde der Riesenmagnet nutzlos. Man mußte -also, um fliegen zu können, immer in der Nähe des Meeres bleiben. -</p> - -<p> -Aber auch das genügte nicht, denn, als man nach einer Weile emporstieg, -gelangte das Weltenfahrzeug höchstens fünfhundert Meter -über die Oberfläche des Jupiter. -</p> - -<p> -Dann schienen die geheimnisvollen Ausstrahlungen wieder zu -wirken und trotz aller Anstrengungen mußte man wieder auf die Sanddüne -hinunter. -</p> - -<p> -Terror war über diese Ereignisse ziemlich niedergeschlagen und -meinte, man könne den Planeten nimmer verlassen. -</p> - -<p> -Aber Mors und der Professor waren anderer Meinung. -</p> - -<p> -„Wir dürfen nie den Mut verlieren,“ sprach der erstere. „Es ist ja -richtig, daß wir augenblicklich nicht hochsteigen können. Aber möglicherweise -tritt doch ein Ereignis ein, welches uns die Abfahrt gestattet. -Wir sind mit Vorräten versehen, wir können also warten.“ -</p> - -<p> -Mors hatte einen geschützten Platz gewählt, wo das Weltenfahrzeug -zwischen zwei kolossalen Sanddünen ruhte. -</p> - -<p> -Er vermutete nämlich, daß hier ungeheure Stürme tobten, Orkane -von fürchterlicher Wut. -</p> - -<p> -Dort, wo man sich befand, war das aber nicht zu befürchten, und -so konnte man geschützt die Umgebung betrachten. -</p> - -<p> -Der Professor und Mors verließen den „Meteor“ und erstiegen die -nach dem Lande zugewendete Sanddüne. Von da aus betrachteten sie -mit Fernrohren die Stachelpflanzen und die wunderbaren Erscheinungen -am Himmelskörper. -</p> - -<p> -Der kurze Tag, die kurze Nacht, die Phasenbildung der vier Monde -und deren Erscheinen und Verschwinden war so großartig, daß man -gar nicht wußte, was man alles bewundern sollte. -</p> - -<p> -Dazu kamen fürchterliche elektrische Entladungen in den Wolkenmassen, -die von Zeit zu Zeit das ganze Firmament bedeckten. Dann -schien es, als ob sich eine ungeheure graue Masse über Land und Wasser -herabsenkte. -</p> - -<p> -Mors und seine Begleiter waren so in Erstaunen versunken, daß sie -gar nicht auf die Mannschaft achteten. -</p> - -<p> -Die Normannen nahmen alles mit Gleichmut hin und meinten, -der Luftpirat, der so viel geleistet, würde das Fahrzeug schon wieder aus -dieser fremden Welt hinwegführen. Auch einige Inder zeigten sich -gleichmütig, aber die anderen standen immer zusammen, zischelten und -flüsterten. Sie schwiegen aber, wenn jemand in ihrer Nähe vorüberging. -</p> - -<p> -Von Zeit zu Zeit stiegen sie auch auf die Plattform und von dort -auf die Düne, denn Mors hatte jedem seiner Leute freigestellt, die Umgebung -des Weltenfahrzeugs in Augenschein zu nehmen. -</p> - -<p> -Plötzlich bemerkte man dort, wo die merkwürdigen Felsen aufstiegen, -etwas Sonderbares. -</p> - -<p> -Aus einem der Kegel, die kleinen Kratern ähnlich sahen, stieg -plötzlich eine mächtige Wassersäule wie ein riesiger Springbrunnen empor. -</p> - -<p> -Gleichzeitig begannen die Gewässer in den nahe befindlichen großen -Felsenringen zu schäumen und zu sprudeln. -</p> - -<p> -Mors und dem Professor waren diese Erscheinungen nicht fremd. -</p> - -<p> -Solche gab es auch auf der Erde, auf der Insel Island und in den -Felsengebirgen Nordamerikas, man pflegte solche Wasservulkane mit -dem Namen Geyser zu bezeichnen. -</p> - -<p> -Hier schienen sie in wahrer Unzahl vorhanden zu sein und das -ganze Land, so weit das Auge reichte, zu bedecken. -</p> - -<p> -Diese Wasservulkane waren es wohl auch, welche im Ruhezustande -den elektrischen und magnetischen Strömen einen Ausgang gewährten, -so daß sie ihre verderbliche Anziehungskraft auf alles Metallene ausüben -konnten. -</p> - -<p> -Die Inder dagegen, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Wasservulkan -gesehen hatten, betrachteten diese Erscheinung mit ehrerbietigem -Staunen. -</p> - -<p> -Das hatte seine Gründe. -</p> - -<p> -Auf indischen Bildern werden nämlich die Gottheiten sehr häufig -auf den heiligen Bergen dargestellt und zwar auf einem Thronsessel, um -den rings umher Wolken aus der Erde emporsteigen. -</p> - -<p> -Diese Malereien aber erinnerten merkwürdigerweise an solche Geyser, -weil der Dampf auf den indischen Bildern scheinbar stoßweise aus -der Erde kam. -</p> - -<p> -Da glaubten die Inder, abergläubisch wie sie nun einmal waren, -daß sie sich jetzt in dem Lande befänden, von welchem ihnen ihre -Priester so oft erzählten, nämlich im himmlischen Paradiese. -</p> - -<p> -Hier wohnte Brahma, kein Zweifel, der Göttergeist lebte hier zwischen -diesen wasserspeienden Kratern und dort, wo Wolken die Aussicht -versperrten, mußte sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Paradies -befinden. -</p> - -<p> -Alle Furcht war bei den Indern verschwunden, sie dachten jetzt gar -nicht mehr daran, auf die Erde zurückzukehren. -</p> - -<p> -Hat doch nach dem indischen Glauben der Gestorbene eine ungemein -lange und mühselige, gefahrreiche Reise durchzumachen, ehe er in -das Paradies gelangt. Wenn er irgendwie gesündigt hat, wird er nach -dem Volksglauben der Inder verwandelt, als Katze, als Hund, als Schlange, -dann muß er immer und immer wieder die mühselige Erdenwanderung -von neuem beginnen. -</p> - -<p> -Vielleicht fühlten sich diese Männer nicht ganz von Sünden frei, -genug, sie dachten gar nicht daran, dies seltsame Land zu verlassen, sie -wollten gleich hier bleiben und zu ihrem mächtigen Gott Brahma ins -Paradies eingehen. -</p> - -<p> -Nun gehörte einer von ihnen, der auch bis jetzt den Sprecher gemacht, -und der, wie er oft betonte, von fürstlichem Blute abstammte, -zur Priesterkaste der Brahmanen. Dieser Mann war es, der seine Gefährten -in diesem Aberglauben bestärkte. -</p> - -<p> -Er zweifelte gar nicht daran, daß man sich im Paradies befand und -gab zuerst seine Absicht kund, hierzubleiben und die Seligkeit des Jenseits -zu genießen. -</p> - -<p> -„Brahma wird uns mit offenen Armen aufnehmen,“ sprach er zu -den Indern, die ihm willig zuhörten. „Die Gottheit wohnt hinter diesen -Felsen, denn es sind die heiligen Tempel, die den Göttersitz umgeben. -Wir wollen ihnen nahen und dann sind uns die ewigen Freuden beschieden. -Das Geschick hat uns hierhergeführt, wo Brahma auf uns wartet.“ -</p> - -<p> -Es waren freilich nur wenige der Männer, die so fanatisch veranlagt -waren, daß sie alles, was der ehemalige Priester sagte, für volle -Wahrheit nahmen. Die anderen mochten freilich noch einige Zweifel -hegen. -</p> - -<p> -Darum kümmerten sich aber diejenigen, welche an das Paradies -glaubten, nicht im mindesten und waren fest entschlossen, die ewigen -Freuden zu erringen. -</p> - -<p> -Aber dazu gehörte noch eins. Man mußte dem mächtigen Gott -Brahma ein Opfer bringen. -</p> - -<p> -Der ehemalige Brahmanenpriester wußte auch hier Rat. Er kannte -die ganzen alten Bücher und heiligen Schriften, nämlich die sogenannten -Veden. -</p> - -<p> -Da erzählte er den Männern, die seinen Worten wie einem Evangelium -lauschten, folgendes: -</p> - -<p> -„Es war einst ein Brahmane, der wurde durch einen Zufall mit -einem Schiff auf das Meer geführt. Dort entstand eine ungeheure Windhose, -die das Schiff in die Höhe riß und es nach langer, langer Fahrt -nach dem Lande der Glückseligkeit brachte. Das ist dieses Land hier -gewesen.“ -</p> - -<p> -Die Worte des Mannes verrieten freilich, daß er wenig von der -Beschaffenheit eines Weltenfahrzeuges wußte, denn man hätte fragen -können, wie diese Kunde von dem Ereignis auf die Erde gekommen -war. -</p> - -<p> -Aber danach fragten die Inder nicht, denn ihre alten Ueberlieferungen -galten ihnen als etwas, an dem nicht gezweifelt werden durfte. -</p> - -<p> -„Ja, sie gelangten nach jenem Lande,“ fuhr der Brahmane fort, -„und als sie da ankamen, erkannten sie, daß sie sich im Reiche der Gottheit -befinden mußten. Sie wollten Brahmas Paradies nahen, aber die -Dampfwolken versperrten ihnen den Weg. Da gedachten sie einer alten -Vorschrift unserer heiligen Bücher und sie opferten ein Weib, welches -sich bei ihnen befand. Und so wie das Blut dieses Weibes den heiligen -Boden tränkte, wichen die Dämpfe und die Männer gingen in das irdische -Paradies, wo sie mit Jauchzen -und Frohlocken empfangen wurden.“ -</p> - -<p> -Es waren noch vier Männer, die sich um den Brahmanen drängten -und seinen Worten lauschten, Leute, die nach dem Paradies förmlich -lechzten. -</p> - -<p> -„Und das Opfer?“ fragten sie, als der Mann schwieg. -</p> - -<p> -Der Brahmane deutete auf Nelly, die gerade ahnungslos nach der -Plattform schritt. -</p> - -<p> -„Ist es nicht wie damals?“ flüsterte er. „Sind wir nicht auch -hierhergelangt und befindet sich nicht auch ein Weib unter uns? Laßt -uns dies Mädchen opfern, denn Weiber sind nicht würdig, in Brahmas -Paradies zu gelangen. Auch ist sie eine Ungläubige.“ -</p> - -<p> -„Was aber wird der Mann mit der Maske dazu sagen?“ fragte ein -zweiter. -</p> - -<p> -Der Brahmane schien schon ganz verzückt zu sein, seine Augen -glänzten in unnatürlichem Feuer. -</p> - -<p> -„Mag er sagen was er will,“ erwiderte er. „Wenn wir uns im Paradies -befinden, denken wir nur an die ewige Glückseligkeit. Brahma aber -wird alle diejenigen, die nicht seine Diener sind, aus seinem Reich ausschließen. -Wir werden allein zum Antlitz der Gottheit gelangen.“ -</p> - -<p> -So kam es, daß sich die fünf Männer mit einander verbanden. -</p> - -<p> -Ihren anderen Genossen trauten sie nicht recht, auch gehörten -diese einer niederen Kaste an, während die Verschwörer alle aus der -Priesterkaste oder doch aus der Kriegerkaste stammten. -</p> - -<p> -Sie sprachen einen seltsamen Eid und zwar eine unheimlich klingende -Formel. Wurde ein solcher Eid gebrochen, so verlor derjenige, -welcher ihn brach, jedes Anrecht auf die himmlische Glückseligkeit. -</p> - -<p> -Die fünf Männer flüsterten zusammen, aber ihr Plan war bereits -gefaßt. Die Abergläubischen waren fest davon überzeugt, daß dort hinter -den sonderbar gestalteten Felsen und Hügeln das indische Paradies -lag. -</p> - -<p> -Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sie ihr Unternehmen ins -Werk setzen konnten. Sie wollten an jenen glücklichen Ort gelangen -und hatten insgeheim den Tod der ahnungslosen Nelly beschlossen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br /> -Der Geyser-Ausbruch. -</h2> - -<p class="first"> -Tag auf Tag ging vorüber, ohne daß sich etwas Besonderes ereignete. -</p> - -<p> -Am Horizont zeigten sich zuweilen die Wogen des rätselhaften -Ozeans, dessen blaue Linie aber niemals bis zu den Sanddünen vorrückte. -</p> - -<p> -Freilich war die erste Landungsstelle, wo das Weltenfahrzeug strandete, -ziemlich weit entfernt und die mochte von Zeit zu Zeit vom Ozean -überflutet werden. -</p> - -<p> -Alles deutete darauf hin, daß die neue Welt hier erst in der Entwicklung -begriffen war. -</p> - -<p> -Es gab grauenvolle Stürme, die mit entsetzlicher Wut tobten. Stürme, -die es begreiflich machten, daß hier kein höherer Pflanzenwuchs -vorhanden war. Jeder Baum wäre durch diese fürchterlichen Orkane -entwurzelt worden, aber die zähen, stachligen Graspflanzen beugten sich -nur und schienen durch den Ansturm desto festeren Halt zu bekommen. -</p> - -<p> -Die Fische und sonstigen Lebewesen im Meere wurden durch die -Wut der Stürme gar nicht berührt, sondern tummelten sich lustig in der -klaren Tiefe. -</p> - -<p> -Die ungeheuren Sanddünen schützten das Weltenfahrzeug und -wenn das Wetter ruhig war, konnte man zuweilen in einiger Entfernung -die Ausbrüche der Geyser beobachten. -</p> - -<p> -Am großartigsten sah es aus, wenn von den Felsen kochende Gewässer -herabrieselten und wunderbar gefärbte Dämpfe in die Höhe stiegen. -Dann glich die Landschaft in der Tat einem übernatürlichen Ort, -auf dem zahllose Wunderfontänen emporsprudelten. -</p> - -<p> -Die fünf Inder aber, welche sich mit einander verschworen hatten, -waren mehr als je überzeugt, daß sie sich hier an der Schwelle des -himmlischen Paradieses befanden, in dem sie sich durch das geplante -Opfer Eintritt verschaffen konnten. -</p> - -<p> -Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sich Nelly allein aus der -Umgebung des Weltenfahrzeugs entfernte. Dann wollten sie den Eingang -in das vermeintliche Paradies erzwingen. -</p> - -<p> -Man gewöhnte sich allgemach an die sonderbare Welt und es kam -oft vor, daß die Insassen des Weltenfahrzeuges eine Strecke landeinwärts -wanderten. -</p> - -<p> -Mors warnte seine Leute, daß sie sich nur nicht in die Nähe der -Geyser begaben, damit nicht etwa ein größerer Ausbruch Unheil anrichte. -</p> - -<p> -Wenn es dunkel wurde, verschwanden die Wolken, dann leuchteten -die Monde und die Sterne in schier überirdischem Glanze. -</p> - -<p> -Der Professor meinte sogar, der Anblick der Geyser sei bei Mondbeleuchtung -viel großartiger als bei Tage, da dann immer Wolkenmassen -das Firmament verhüllen, und Nelly teilte seine Meinung. -</p> - -<p> -Mors setzte jetzt unablässig seine Beobachtungen fort. Er trachtete -danach, eine Stelle zu finden, wo sich größere Sandmassen befanden. -</p> - -<p> -Am liebsten hätte er eine Wüste auf dem Planeten gefunden, denn -der die Elektrizität hemmende Sand hätte ihm dann die Rückkehr in -den Weltenraum gestattet. -</p> - -<p> -Aber derartiges war nicht zu finden, und so mußte Mors schon -seinem guten Glück vertrauen. Wohl aber hatte er Terror angewiesen, -bei Gelegenheit kleine Aufstiege zu machen und zu sehen, ob irgend wo -die Anziehungskraft des Planeten minder heftig wirkte. -</p> - -<p> -Terror tat dies gern, denn er sehnte sich sobald als möglich von -dem unheimlichen Weltkörper fort, er hatte nicht die geringste Lust, -hier sein Leben zu beschließen. -</p> - -<p> -Das war nicht etwa Furcht, denn die kannte Terror nicht, aber er -meinte, man könnte anderes verrichten, als hier in dieser fremdartigen -Welt das Dasein zu vertrauern. Abenteuer wollte er haben, hier erschien -ihm alles zu eintönig. -</p> - -<p> -Der Abend nahte, als Nelly wieder nach dem Reich der Geyser -hinüberwandelte. Sie hatte das schon öfters getan und konnte sich gar -nicht daran satt sehen, besonders gefiel es ihr, wenn im Mondschein die -natürlichen Fontänen emporsprudelten. -</p> - -<p> -In gemessener Entfernung von diesen Geysern hielt sie an und -setzte sich auf einen Stein, um in Muße das grandiose Naturschauspiel -betrachten zu können. -</p> - -<p> -Plötzlich vernahm Nelly Schritte und sah fünf Leute von der Besatzung -herankommen. -</p> - -<p> -Sie ahnte nichts Schlimmes, wußte sie doch nicht, daß es die fünf -Verschworenen waren, die nach Brahmas Paradies trachteten. -</p> - -<p> -Schon war die Sonne verschwunden und mit ihr wie gewöhnlich -die Wolkenmassen. Die Monde des Jupiter begannen wieder zu glänzen. -</p> - -<p> -Beim Umblicken hatte Nelly auch gewahrt, daß das Weltenfahrzeug -wieder einmal in die Höhe stieg. Jedenfalls machte Terror wieder -Schwebeversuche. -</p> - -<p> -Sie sah noch hin und hatte den Indern den Rücken zugekehrt, als -sie plötzlich fühlte, wie sie von kräftigen Armen umschlungen wurde. -Erschrocken wendete Nelly den Kopf und da sah sie in fanatische Gesichter, -in schier überirdisch blickende Augen. -</p> - -<p> -Sofort überkam sie die Ahnung, daß ihr Gefahr drohte, sie schrie -laut auf. -</p> - -<p> -Sie konnte nur einen einzigen Schrei tun, da sich gleich darauf -eine Hand auf ihre Lippen preßte. Dann wurde sie emporgehoben und -die fünf Männer schleppten sie nach den wasserspeienden Kratern hinüber. -</p> - -<p> -Nur ein einziger Mann hatte den Schrei vernommen und auch nur -gedämpft, aber er ahnte, daß hier jemand in Angst aufschrie. -</p> - -<p> -Es war Kapitän Mors, der sich nicht auf dem Weltenfahrzeug befand. -</p> - -<p> -Er stand in der Nähe der Sanddünen und beobachtete die Bewegungen, -die das Fahrzeug machte. -</p> - -<p> -Mors hatte nämlich bemerkt, daß der „Meteor“, wenn er hoch -stieg, immer erst die Spitze nach oben wendete, dann aber wieder von -der unheimlichen Macht hinuntergezogen wurde. Diese Bewegung wollte -er genau beobachten, um sie vielleicht bei Befreiungsversuchen verwenden -zu können. Jetzt aber wurde er durch den fernen Hilfeschrei -unterbrochen. -</p> - -<p> -Im nächsten Moment rannte der Luftpirat mit gewaltigen Sprüngen -nach den Geysern hinüber. -</p> - -<p> -Hier waren überall Felsen, die seine Gestalt verbargen. Er strengte -alle Kräfte an, um rasch vorwärts zu kommen und erreichte bald den -Platz, wo seine Leute sonst die Naturerscheinung zu beobachten pflegten. -Aber dieser Platz war heute leer. -</p> - -<p> -Mors sah nach den Geysern hinüber und da glaubte er in den -Strahlen des Mondes etwas Bewegliches zu sehen. Wieder rannte er vorwärts. -</p> - -<p> -Plötzlich blieb er betroffen stehen. -</p> - -<p> -Er sah Seltsames. -</p> - -<p> -Zur Linken und zur Rechten gewahrte er die Wasserkrater und -zwischen denselben sah er eine Menschengruppe. -</p> - -<p> -Zwei der Inder hielten eine Gestalt fest, die eine dünne weiße Hülle -trug. -</p> - -<p> -Es war Nelly. -</p> - -<p> -Die Inder hatten das Mädchen auf einen Felsblock gelegt und -zwar so, daß die Arme und Füße herabhingen. Ein Mann hielt die beiden -entblößten Arme Nellys fest, ein zweiter die Füße. -</p> - -<p> -So war die halbenthüllte Brust frei und emporgereckt, und neben -ihr stand der dritte der Männer, der ehemalige Brahmane. -</p> - -<p> -Die Linke preßte er auf den Mund Nellys, damit sie nicht schreien -konnte. In der Rechten aber hielt er eine jener dolchartigen Klingen, wie -sie die Inder immer mit sich führten. -</p> - -<p> -Seitwärts aber knieten die beiden letzten Inder auf dem Boden -und streckten die Arme flehend nach der Stelle aus, wo leichte Dämpfe -auf einem Wasserkrater emporstiegen. -</p> - -<p> -„Brahma, Brahma,“ riefen sie mit halblauter Stimme. „Höre das -Flehen deiner treuen Diener. Sieh, wir bringen Dir ein Opfer dar, ein -junges Mädchen. Das Blut des Opfers soll fließen und uns das Paradies -öffnen. Brahma, öffne uns Deine Arme, Deine treuen Diener sehnen -sich nach Deinem Anblick.“ -</p> - -<p> -Mors wußte in wenigen Augenblicken, was hier geschehen sollte. -</p> - -<p> -Diese Inder befanden sich im Banne des finsteren Aberglaubens, -sie wollten Nelly töten, um sich Einlaß in ein hier vermutetes Paradies -zu verschaffen. -</p> - -<p> -Der unheimliche Brahmane wartete nur, bis das Gebet seiner Gefährten -zu Ende war. Nun hob er das Messer und wollte die Klinge in -Nellys Brust stoßen. -</p> - -<p> -Wenn Mors jetzt noch einen Augenblick zögerte, war das junge -Mädchen verloren. -</p> - -<p> -Mit furchtbarem Satz schwang sich der Luftpirat über den nächsten -Steinblock. -</p> - -<p> -Der Brahmane wollte den tötlichen -Stoß führen, als ihn die eiserne Faust des Maskierten im Genick packte. -</p> - -<p> -„Was tust Du!“ schrie der Luftpirat mit mächtiger Stimme, indem -er den Aufheulenden weit hinwegschleuderte. -</p> - -<p> -Die beiden anderen Inder ließen Nelly los und prallten zurück. Sie -kannten den Kapitän, seine Kraft und Entschlossenheit. Sie kannten -auch seine fürchterlichen Waffen. -</p> - -<p> -Auch die Betenden sprangen empor und schauten verdutzt auf -Mors, der so unerwartet unter ihnen erschienen war. -</p> - -<p> -Der Luftpirat aber kam nicht dazu, Aufklärung zu fordern. -</p> - -<p> -Denn in diesem Augenblick begann es zu sausen und zu brausen, -man hörte ein Zischen und Schäumen. -</p> - -<p> -Von den Felsen sprudelte Wasser herunter und aus den Rissen am -Boden quoll es empor. Gleichzeitig begann es im Innern des nahen -Geysers seltsam zu poltern und zu grollen. -</p> - -<p> -Das Wasser stieg so schnell empor, daß die fünf Inder im Nu bis -an den Gürteln im Wasser standen. -</p> - -<p> -Mors aber hatte Nelly, die ohnmächtig geworden war, emporgehoben -und hielt das schöne Mädchen in seinen Armen. Hinter ihm zischte -und brauste es, aus dem Geyser aber stieg eine Wassersäule. -</p> - -<p> -„Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt,“ schrie -Mors mit furchtbarer Stimme. -</p> - -<p> -Der Zuruf galt den Indern, denn trotz ihres unheimlichen Aberglaubens -wollte Mors diese Leute erhalten. -</p> - -<p> -Er selbst aber sprang schnell entschlossen auf den Rand eines Felsenringes, -in dessen Innern das Wasser langsam emporstieg. -Er wußte ja, was kommen würde. Das Wasser, welches bis jetzt emporgedrungen -und nur eine mäßig warme Temperatur besessen, begann -jetzt zu kochen. -</p> - -<p> -Aber die Inder hörten nicht auf die Stimme des Kapitäns, wenigstens -nicht die drei, welche das Opfer vollziehen wollten. -</p> - -<p> -Nur die beiden, welche gebetet hatten, erreichten noch im letzten -Augenblick einen Felsblock, an dem sie hinaufkletterten und sich anklammerten. -Der Brahmane und seine beiden fanatischen Genossen -wälzten sich schreiend in den heißer und heißer werdenden Fluten. -</p> - -<p> -Mors hatte jetzt mit sich selbst zu tun, denn es galt ja, den kochenden -Wassermassen auszuweichen. -</p> - -<p> -Seine eiserne Kaltblütigkeit kam ihm da sehr zu statten. -</p> - -<p> -Mors lief, Nelly tragend, immer auf dem Rand des ausgedehnten -Felsenringes herum. -</p> - -<p> -Er mußte immer in Bewegung bleiben, denn das Wasser sprudelte -bald hier bald dort. Kochende Massen schossen von den Felsen herunter -und zeitweise war alles in Dämpfen eingehüllt, so heiß, so glühend, -daß man kaum zu atmen vermochte. -</p> - -<p> -Mors hörte, wie die beiden Inder, die sich gerettet hatten, laut -schrieen und jammerten. -</p> - -<p> -Sie flehten zu Brahma, aber als von diesem Gott keine Hilfe kam, -wurden die Männer in ihrem Aberglauben schwankend. Sie schrieen -jetzt zu Mors, daß er ihnen helfen solle. -</p> - -<p> -„Das ist besser, als wenn Ihr zu Euren Göttern schreit,“ rief der -Luftpirat. „Haltet Euch nur an den Felsen fest und deckt Euch gegen -die Wassermassen. Dann werdet Ihr schon mit dem Leben davonkommen. -Aushalten, der Ausbruch geht schon vorüber.“ -</p> - -<p> -Mors irrte sich nicht. -</p> - -<p> -Es dauerte allerdings eine Stunde, ehe die entfesselten unterirdischen -Gewalten zu toben aufhörten. -</p> - -<p> -Dann verstummte das Brausen und Zischen wie mit einem Zauberschlag, -der Geyser schleuderte keine Wassermassen mehr empor und die -eben noch überschwemmte Strecke wurde trocken, das emporsprudelnde -Wasser durch die Felsspalten wieder in das Innere der Erde zurückströmte. -</p> - -<p> -Am Boden aber lagen drei grauenvoll entstellte Körper, die drei -Inder, welche im siedenden Wasser ein schreckliches Ende gefunden -hatten. -</p> - -<p> -Nelly war wieder zu sich gekommen und befand sich in den Armen -des Kapitäns. -</p> - -<p> -Anfangs schrie sie laut auf, da sie glaubte, daß sie sich noch in der -Gewalt der Inder befände, die sie der Gottheit opfern wollten. -</p> - -<p> -Dann aber erkannte sie ihren Retter. -</p> - -<p> -„Sie sind plötzlich über mich hergefallen,“ stammelte Nelly. „Ich -konnte nur einmal schreien. Dann wurde mir der Mund zugehalten.“ -</p> - -<p> -„Finsterer Aberglauben war es,“ sprach Mors. „Sie wollten Euch -einer Gottheit opfern, um in ein hier vermutetes Paradies zu gelangen. -Drei dieser Männer sind vom Verderben ereilt worden, und die beiden -anderen werden ihre Strafe für ihre Unbesonnenheit und ihren Aberglauben -später erhalten.“ -</p> - -<p> -Nelly bemerkte erst jetzt, daß ihr die Inder die Kleider abgerissen -hatten und wollte vor Scham vergehen. Mors aber blickte gar nicht auf -die reizvolle Gestalt, sondern rief nur den beiden noch immer zitternden -Indern zu, daß sie ihm so schnell als möglich folgen sollten. -</p> - -<p> -Dann zog der Luftpirat seinen blauen Uniformrock aus und deckte -ihn als Kavalier über Nellys entblößte Arme und Schultern. So führte -er die noch immer heftig Zitternde, von den beiden ganz niedergeschlagenen -Indern gefolgt, zurück zur Sanddüne. -</p> - -<p> -Dort war inzwischen das Weltenfahrzeug wieder nieder gegangen -und die Besatzung wunderte sich sehr, als Mors, Nelly und die beiden -Inder in einem solchen Aufzug zurückkehrten. -</p> - -<p> -Nelly eilte rasch schamglühend in das Weltenfahrzeug, um sich -mit neuen Kleidern zu versehen, während Mors hastig das eben erlebte -Abenteuer erzählte. -</p> - -<p> -Die beiden abergläubischen Inder, welche den Tod ihrer Gefährten -mit angesehen hatten, mußten bittere Vorwürfe über sich ergehen lassen. -</p> - -<p> -Terror aber brachte dem Kapitän eine besondere Nachricht. -</p> - -<p> -Es war ihm gewesen, als hätte sich die furchtbare Anziehungskraft -des Jupiter weit weniger geäußert als sonst und da entschloß sich Mors -noch einmal in die Lüfte zu steigen. -</p> - -<p> -Er verschob es aber bis zum Tagesanbruch und als die Sonne erschien, -kamen auch die gewaltigen Wolkenmassen, die tagsüber regelmäßig -das Firmament bedeckten. -</p> - -<p> -Plötzlich machte sich im Osten ein seltsamer roter Schein bemerkbar. -</p> - -<p> -Terror sah ihn zuerst und benachrichtigte Mors und den Professor -von der neuen Erscheinung. -</p> - -<p> -„Das ist die rote Wolke,“ rief van Halen. „Das ist jene ungeheure -Masse, die über dem Jupiter schwebt und die in ihrem Innern jedenfalls -die fürchterlichen elektrischen Entladungen birgt. Kapitän, rasch, wir -müssen nach der Düne hinunter.“ -</p> - -<p> -Mors gab sofort ein Signal nach dem Lenkraum, um Terror zu -bestimmen, daß er den „Meteor“ wieder nach seinem geschützten Ankerplatz -brächte. -</p> - -<p> -Aber seine Finger berührten noch den Druckknopf, als das Weltenfahrzeug -plötzlich wie von einer furchtbaren Kraft hin- und hergeschüttelt -wurde. -</p> - -<p> -„Zu spät, zu spät!“ schrie der Professor, als er durch das Guckloch -sah, daß alles rings herum blutrot leuchtete. „Kapitän, wir sind in die -rote Wolke des Jupiter geraten!“ -</p> - -<p> -Von dem, was jetzt vorging, hatten die Insassen des Weltenfahrzeuges -später nur noch eine unbestimmte Vorstellung. -</p> - -<p> -Es war ihnen aber zu Mute, als würde mit ihnen buchstäblich -Fangeball gespielt. Der „Meteor“ schien sich in der Gewalt ungeheuer -boshafter Kobolde zu befinden. -</p> - -<p> -Bald wurde er hierhin, bald dorthin geworfen. Bald richtete er sich -mit dem Vorteil, dann wieder mit dem Hinterteil in die Höhe. Einige -Male schien es, als sollte das Fahrzeug Kopf stehen. -</p> - -<p> -Dazu vernahm man außerhalb geradezu entsetzliche Töne. -</p> - -<p> -Vermutlich waren es elektrische Entladungen, welche in der roten -Wolke tobten. Aber man konnte diese fürchterlichen Entladungen nicht -mehr als Donnerschläge bezeichnen. Nein, das war etwas anderes. Das -waren gräßliche, gigantisch schmetternde Töne, sie waren so fürchterlich, -daß man glaubte, es müsse alles in Trümmer gehen. -</p> - -<p> -Selbst Mors gab alles verloren und erwartete den Augenblick, wo -der „Meteor“ in Atome zertrümmert werden mußte. -</p> - -<p> -Aber das wunderbare Fahrzeug hielt, es trotzte den entfesselten -Elementen, kein Bolzen gab nach, alles blieb in bester Ordnung. -</p> - -<p> -Van Halen, Nelly, die Inder und Normannen bewahrten ihre Fassung. -Kapitän Mors gab ihnen ja ein heldenhaftes Beispiel. -</p> - -<p> -Der Luftpirat bekam es sogar fertig, nach dem Lenkraum zu gehen -oder vielmehr zu kriechen. Dort traf er Terror, der sich zwischen seinen -Maschinen festgebunden hatte. -</p> - -<p> -„Hält der Magnet noch?“ war Mors’ erste Frage. -</p> - -<p> -„Ja, Kapitän,“ lautete die Antwort. „Der Magnet ist noch in Ordnung, -aber ich denke, es geht jetzt alles in Trümmer!“ -</p> - -<p> -„Ich meine, wir haben das Schlimmste schon überstanden,“ erwiderte -Mors. -</p> - -<p> -„Wie meint Ihr das, Kapitän?“ stotterte Terror. -</p> - -<p> -„Das will ich dir sofort sagen,“ erwiderte der Luftpirat. „Die rote -Wolke, diese sonderbare Erscheinung, kann möglicherweise zu unserer -Rettung dienen. Die schrecklichen, entfesselten elektrischen Kräfte können -uns möglicherweise in den Weltenraum hinausschleudern.“ -</p> - -<p> -In diesem Moment vernahm man ein lautes Surren und Summen. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ schrie Terror freudig auf. „Ihr habt recht. Der Magnet -arbeitet. Das Weltenfahrzeug befindet sich in voller Fahrt!“ -</p> - -<p> -Die furchtbaren schlingernden Bewegungen hatten aufgehört. -Mors stürzte zu dem Schieber, der die starke Glasscheibe verdeckte. -</p> - -<p> -Er sah hinaus in den Weltenraum. -</p> - -<p> -Noch gewahrte man den Jupiter als ungeheure, leuchtende Scheibe. -Man sah die Wolkenmassen und in diesen den unheimlichen roten -Fleck, dieses geheimnisvolle Rätsel des Riesenplaneten. -</p> - -<p> -Aber die fürchterliche Naturkraft hatte die Weltenfahrer gerettet. -</p> - -<p> -Wie es kam, daß sie so weit in den Weltenraum hinausgeschleudert -wurden, konnte niemand sagen. Aber der Magnet wirkte. Mit rasender -Schnelligkeit schoß der „Meteor“ vom Jupiter hinweg und seine -Spitze richtete sich auf die ferne Erde. -</p> - -<p> -Terror stieß einen Jubelruf aus und rannte, nachdem er sich losgebunden, -in den Beobachtungsraum, um das fast Unglaubliche zu verkünden. -</p> - -<p> -Mors aber blieb im Lenkraum und ruhig, als wäre nichts geschehen, -lenkte er sein wunderbares Fahrzeug zurück zur Mutter Erde. -</p> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 161-196. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten. -</p> - -<p> -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56067-h.htm or 56067-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56067/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. 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