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-The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
-56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten
-
-Author: Anonymous
-
-Release Date: November 28, 2017 [EBook #56067]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
- 56. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen.
- Preis 10 Pf. (15 Heller.)
-
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-
-
- Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.
-
-
-
-
- Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten.
-
-
- [Illustration: »Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen
- beginnt!« schrie Mors mit furchtbarer Stimme.]
-
-
- Druck- und Verlags-Gesellschaft
- Berlin
-
-
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-
- Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten.
-
-
-
-
- 1. Kapitel.
- Ungelöste Rätsel des Weltenraumes.
-
-
-Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen über dem Festland und den
-Meeren, die allmählich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen.
-
-Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Koloß aus gesehen,
-der plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphäre der Erde
-hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner.
-
-War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und sich
-nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen Welten
-wendete?
-
-Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug
-des maskierten Luftpiraten, welches den Namen »Meteor« führte.
-
-Fast schien es, als wollte Kapitän Mors, der Erbauer des
-Weltenfahrzeuges, der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und
-seiner Leute Leben zum Opfer bringen.
-
-Eben war er erst auf Erden mit Mühe und Not dem drohenden Verhängnis
-entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenräume auf, in denen zu
-fast jeder Minute das Verderben drohte.
-
-Dennoch ging Kapitän Mors nach einem genau bestimmten Plan vor, er
-konnte eben nicht müßig bleiben.
-
-Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte, jeder Tag
-sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft
-verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenräumen erproben konnte.
-
-Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung.
-
-Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen, sogar die
-Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und gefährlichsten
-Abenteuer erlebt.
-
-Er wußte aus Erfahrung, daß jene intelligenten Bewohner der Planeten ihn
-und sein Werk stets feindlich betrachteten. Daß sie durch größeres
-Wissen Machtmittel besaßen, welche ihm und seinen Leuten leicht
-verderblich werden konnten.
-
-Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch den
-Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten
-vermieden wurde.
-
-Diesmal lockte Mors ein anderes Rätsel.
-
-Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht hatte,
-eins der größten Rätsel der Sternenwelt lösen zu wollen.
-
-Dies Rätsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn.
-
-Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte schon bei
-den früheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente auf diesen
-merkwürdigsten aller Himmelskörper gerichtet und ihn mit dem Eifer eines
-Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen, woraus der Ring des
-Saturn eigentlich bestand.
-
-Nun hatte schon vor Jahren ein äußerst scharfsinniger Astronom die
-Vermutung aufgestellt, daß sich die Ringe des Saturns aus unzähligen
-kleinen Körpern zusammensetzten.
-
-Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie bestätigt wissen,
-und als er Kapitän Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den Kurs
-des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet.
-
-In den Räumen des mächtigen Fahrzeuges standen Kapitän Mors und der
-Professor im Gespräch neben den wissenschaftlichen Apparaten.
-
-»Meine Leute sind während der letzten abenteuerlichen Fahrt auf der Erde
-nicht müßig gewesen,« sagte Kapitän Mors. »Sie haben alle meine
-Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug in einer
-Weise hergerichtet, daß es selbst den höchsten Anforderungen genügt. Der
-Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert worden, und so
-habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen fremder
-Weltenfahrzeuge gesichert.«
-
-»Jetzt können die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich würde nicht einmal die
-Blitze mehr fürchten, mit denen sie damals einen Teil meines »Meteor«
-demolierten, jetzt trotze ich ihnen.«
-
-»Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nähe vorüber,« meinte der
-Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glühte.
-
-»Nein, das ist allerdings nicht der Fall,« meinte Mors, »aber Sie,
-bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, daß die intelligenten
-Bewohner jener zwei gefährlichen Planeten weite Weltenreisen
-unternehmen. Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt,
-denn so muß ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl
-noch, wie wir einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da muß
-ich stets und ständig auf Angriffe gefaßt sein. Aber ich denke, wir
-werden diesmal verschont bleiben und die Rätsel lösen, an denen Ihnen so
-viel gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, muß sich uns das
-Geheimnis des Saturnringes enthüllen.«
-
-»Gewiß!« erwiderte der Professor. »Bei den Vorsichtsmaßnahmen, die wir
-getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen, daß uns Unfälle
-begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz außer unserem Kurs, wir
-müssen nur die ungeheure Anziehungskraft des größten aller Planeten, des
-Jupiter berücksichtigen, denn die hat uns schon einmal sehr zu schaffen
-gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure Masse selbst unserem
-Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja, Kapitän, der Jupiter hat
-schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male Weltenkörper abgefangen.«
-
-»Nun, das war nicht allzu schwer,« meinte Mors. »Darüber hat man ja
-klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem
-Kurs geworfen, ihren Lauf verändert, ja sie sogar in Atome
-auseinandergetrieben. Aber das sind ja gasförmige Körper, die keinen
-Widerstand zu leisten vermögen.«
-
-»Das ist richtig,« erwiderte der Professor. »Aber ich huldige da noch
-einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen. Früher
-glaubte man, daß die Monde, von denen der Jupiter vier größere besitzt,
-während der Saturn sogar acht Trabanten mit sich führt, der Festwerdung
-und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube, daß dies
-kleine Weltkörper sind, welche die beiden Riesen durch ihre ungeheure
-Anziehungskraft gewissermaßen abfingen und sie bereits seit ungezählten
-Millionen Jahren mit sich führen. Kommen wir näher an diese Weltkörper
-heran, so hoffe ich auch dies Rätsel lösen zu können.«
-
-Damit ging der Professor an seine Arbeit.
-
-Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gemäß die Räume des
-Weltenfahrzeugs.
-
-Unsere Leser werden sich entsinnen, daß der Luftpirat bei seinen letzten
-Abenteuern die größte Anzahl seiner Mannschaften einbüßte.
-
-Der Verlust war jetzt einigermaßen ersetzt durch eine Anzahl Inder aus
-den Hochgebirgen, die Kapitän Mors in seine Dienste genommen.
-
-Er war bis jetzt mit diesen Männern sehr zufrieden, zumal diese ihr
-geliebtes Vaterland für immer verlassen mußten. Diese Inder hatten sich
-an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer
-Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Engländer
-kläglich scheitern mußte.
-
-Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwörer wurde im Kampf getötet,
-andere gefangen und nach kurzem Prozeß hingerichtet. Diejenigen, welche
-zu flüchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge, wurden
-aber auch dort von den Engländern verfolgt und wie die wilden Tiere
-umhergehetzt.
-
-Die freiheitsliebenden Männer gaben sich schon verloren, als sie mit
-Kapitän Mors' Sendboten zusammentrafen.
-
-Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt,
-um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem lenkbaren
-Luftschiff über den schneebedeckten Hochgebirgen.
-
-Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Geächteten das Anerbieten
-Lindos an und schwuren den fürchterlichen Eid, durch den sie sich für
-immer an Kapitän Mors banden.
-
-Bald führte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Südmeer und
-die zähesten und widerstandsfähigsten dieser Männer waren es, welche
-Mors bei seiner neuen großen Reise in den Weltenraum begleiteten.
-
-Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die zwanzig
-Köpfe zählte. Dazu kamen noch Mors und der Professor.
-
-Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nämlich die Schwester des
-ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten.
-
-Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten
-schwor.
-
-Ihren dämonischen Bruder, den Kapitän Mors vernichtet, hatte sie längst
-vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhängerin des Mannes mit der
-Maske geworden. Dieses noch so junge Mädchen besaß einen wahren
-Feuergeist und einen glühenden Hang zu phantastischen Abenteuern; sie
-besaß außergewöhnliche mechanische und technische Kenntnisse, in denen
-sie sogar die Töchter des Ingenieurs Long, die beide auf der Insel als
-glückliche junge Frauen zurückgeblieben waren, übertraf.
-
-Anita war die Gattin des Professors und auch Lucy Long hatte einen Mann
-gefunden. Es war einer der stolzen Inder aus den Hochgebirgen, in dessen
-Adern fürstliches Blut rollte.
-
-Da Nelly dem Professor bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten behülflich
-war, und Terror, der Mors diesmal begleitete, die Maschinen im Lenkraum
-bediente, gab ihr der Kapitän auf ihr Bitten endlich die Erlaubnis, an
-der Weltenfahrt teilnehmen zu dürfen, was sie mit größter Freude
-erfüllte.
-
-Sie hatte es auch übernommen, die Speisen für die Mannschaft
-zuzubereiten und war bei dieser Arbeit ebenso zufrieden, als wenn sie an
-den Instrumenten saß.
-
-Mors warf einen Blick in den Raum, der als Küche diente.
-
-Dort stand Nelly am Herd und Mors konnte sich nicht verhehlen, daß sie
-bildschön war.
-
-In einer gewissen Beziehung war ihm das nicht lieb, denn ein schönes
-Mädchen ist auf einem Fahrzeug, welches eine Reise in unbekannte Welten
-unternimmt, immerhin eine gewisse Gefahr.
-
-Hätte Mors noch seine Mannschaft besessen, die er damals bei Ned Gullys
-Angriff verlor, so hätte er sich nicht die geringsten Sorgen gemacht,
-denn diese Männer waren ja unbedingt zuverlässig gewesen.
-
-Aber er hatte ja schon mit einem Teil der Normannen früher
-Unannehmlichkeiten gehabt und alle diese Gedanken kamen ihm durch den
-Sinn, als er die schmiegsame Gestalt seiner reizenden Begleiterin
-betrachtete.
-
-Er besann sich einen Augenblick und trat dann in diesen blitzsauberen
-Raum, wo Elektrizität die Dienste des Feuers verrichtete.
-
-Nelly hörte den Schritt des Luftpiraten und wendete sich schnell um. Ihr
-schönes Gesicht wurde rot, als sie den stolzen Mann mit der Maske
-gewahrte.
-
-Es ging ja ein eigentümlicher Zauber von Kapitän Mors aus, ein Zauber,
-dem alle Frauen- und Mädchenherzen erlagen.
-
-Auch Nelly konnte sich diesem merkwürdigen Zauber nicht entziehen.
-
-Ein bitteres Lächeln schwebte um den Mund des Luftpiraten, als er in den
-dunklen Augen des Mädchens die Verwirrung las.
-
-Mors dachte an die Zeiten, wo auch er glücklich gewesen war. Er
-erinnerte sich an jene furchtbaren Tage, wo er alles verlor, was er lieb
-hatte, wo die Verzweiflung, der Grimm gegen die Menschheit, ihn zum
-Luftpiraten machte, wo er seine furchtbare Waffe, das lenkbare
-Luftschiff erbaute.
-
-Aber das ging rasch vorüber.
-
-»Nelly,« sprach der Mann mit der Maske. »Ich habe Euch etwas zu sagen.
-Ich fahre diesmal mit einer Mannschaft, die ich noch nicht ganz genau
-kenne, die beiden Normannen sind freilich treu und zuverlässig, aber die
-Inder habe ich, obwohl sie mir den Treueid geschworen, doch noch nicht
-so prüfen können, wie meine Veteranen. Nun hört. Sollte jemand Euch in
-irgend einer Weise unbescheiden nahen, dann kommt Ihr sofort zu mir und
-teilt mir alles mit. Laßt Euch nicht durch Scheu oder durch Rücksicht
-anderen Sinnes machen. Sagt es mir ganz offen, wenn Euch jemand
-irgendwie belästigt oder beleidigt. Das ist nötig, schon um die
-Autorität aufrecht zu erhalten. Ich erwarte, daß Ihr mir in diesem Falle
-sofort Meldung erstattet.«
-
-Nelly versprach das und schien über das ihr bezeigte Vertrauen ganz
-glücklich zu sein. Der stolze Mann aber verließ den Raum und schritt
-weiter, durch die Gänge und Räume des Weltenfahrzeugs, welches mit
-geradezu unheimlicher Schnelligkeit durch die Unendlichkeit dahinflog.
-
-
-
-
- 2. Kapitel.
- Unbekannte Verfolger.
-
-
-Seit dem Beginn der Weltenfahrt waren Wochen verstrichen.
-
-Die Erde erschien schon längst als ein Stern, der sich nur durch etwas
-helleren Glanz von den übrigen Himmelskörpern unterschied.
-
-Dagegen hatte man sich dem Ziel, welchem man zustrebte, um ein
-Bedeutendes genähert.
-
-Schon konnte man mit bloßem Auge die Gestalt des Saturn und selbst mit
-dem kleinsten Fernrohr das Ringsystem dieses merkwürdigsten aller
-Weltenkörper betrachten.
-
-Professor von Halen befand sich in fieberhafter Aufregung und gönnte
-sich kaum die nötigste Ruhe.
-
-Er schrieb seine Beobachtungen nieder und versicherte oftmals mit
-leuchtenden Augen, daß die Welt über alle diese Entdeckungen staunen
-würde.
-
-Aber dasjenige, was ihm am meisten am Herzen lag, das Geheimnis des
-Saturnringes, hatte der Professor noch immer nicht enträtseln können.
-
-Es schien, als wollte der Planet mit seinem Ring der menschlichen
-Wissenschaft spotten.
-
-Der Professor richtete die stärksten Instrumente auf den Planeten und
-glaubte mehrmals seine Vermutung bestätigt zu sehen. Aber bestimmt ließ
-es sich noch nicht sagen, daß der Ring aus lauter kleinen rotierenden
-Weltenkörperchen bestand. Man mußte noch näher herankommen.
-
-Terror versah seinen Dienst mit Eifer und Hingebung. Er wurde dabei
-zuweilen von einem der als treu befundenen Normannen abgelöst, aber es
-war auch nicht selten, daß sich Kapitän Mors halbe Tage lang im
-Maschinenraum aufhielt.
-
-Die Geschwindigkeit, mit welcher das Weltenfahrzeug durch den
-unendlichen Raum schoß, war geradezu unheimlich. Es mochte an
-Schnelligkeit sogar diejenige der Meteore und Sternschnuppen
-übertreffen.
-
-»Würde uns Luft umgeben, so würde der Panzer unseres Fahrzeuges durch
-die furchtbare Reibung zu glühen anfangen,« sprach Professor von Halen
-öfters. »Aber hier fehlt ja die Luft. Hier herrscht nur die tödliche
-Kälte des Weltenraumes.«
-
-Von dieser furchtbaren Kälte aber verspürten die Insassen des
-merkwürdigen Fahrzeuges nicht das geringste. Dagegen schützten die
-doppelten Wände, in denen sich Behälter mit flüssiger Luft befanden.
-Drinnen im Weltenfahrzeug war es warm und behaglich, die Elektrizität
-spendete die Wärme, die man brauchte.
-
-Diese Kraft bereitete die Speisen, sie trieb Maschinen und setzte
-Signale in Bewegung, sie speiste auch den riesenhaften Scheinwerfer, der
-von Zeit zu Zeit in den Weltenraum hinausleuchtete.
-
-Nelly war ebenso tätig wie alle anderen und schien sich unentbehrlich
-machen zu wollen. Sie hoffte, daß Kapitän Mors sie auch bei fernern
-Weltenfahrten mitnehmen würde, denn sie sehnte sich nach Abenteuern.
-
-Der phantastische Sinn von Ned Gullys Schwester liebte das Ungewöhnliche
-und Ungeheuerliche.
-
-So waren die Wochen vergangen, als plötzlich ein Signal aus dem Lenkraum
-erschallte.
-
-Mors, der sich gerade bei Professor von Halen befand, sah rasch auf die
-kleinen bunten Fahnen, die aus bemaltem Blech bestanden.
-
-Diese Fahnen besaßen verschiedene Farben. Sie waren blau, grün, gelb,
-weiß.
-
-Alle diese Farben hatten ihre besondere Bestimmung, aber Gefahr
-verkündeten nur zwei solcher Blechfahnen, von denen die eine rot, die
-andere schwarz war.
-
-Bemerkte man irgend etwas Ungewöhnliches, was Gefahr verkündete, so
-richtete sich das rote Fähnchen empor. War die Gefahr aber schon ganz
-nahe und unvermutet aufgetaucht, so zeigte sich die schwarze Flagge.
-
-Mors sah, daß dort, wo der Apparat arbeitete, das rote Fähnchen aufrecht
-stand und eilte hastig nach dem Lenkraum. Der Professor folgte ihm auf
-dem Fuße.
-
-Terror befand sich bei seinen Maschinen. Er putzte, reinigte und ölte
-sie immer eigenhändig, sodaß er die geringste Unregelmäßigkeit sofort
-bemerkte.
-
-Mors bemerkte sogleich, daß der Schieber von einem der
-Beobachtungsfenster entfernt war.
-
-»Hast Du was Besonderes bemerkt, Terror?« fragte er seinen getreuen
-Begleiter.
-
-»Gesehen habe ich was, Kapitän, aber ich kann nicht recht daraus klug
-werden, es scheint irgend was hinter uns herzukommen und zwar sind es
-wohl mehrere Dinger. Eins weiß ich aber sicher, es hat von Zeit zu Zeit
-rötlich aufgeleuchtet und beim Schein war es mir, als ob kugelförmige
-Gegenstände hinter uns hergeflogen kämen. Deshalb gab ich das
-Warnungszeichen.«
-
-Van Halen hatte schon bei den ersten Worten Terrors einen
-Beobachtungsapparat herbeigeholt.
-
-Er stellte ihn so auf, daß er durch die Fenster des Achterteils am
-Magneten vorüber in den Weltenraum blicken konnte.
-
-Draußen bot sich das gewöhnliche Bild.
-
-Man sah den rabenschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen, mitten
-unter diesen die Sonne, welche den Riesenleib des Weltenfahrzeugs grell
-beleuchtete.
-
-Das war merkwürdig, aber erklärlich, denn bei solchen Fahrten herrschte
-immer Tag und Nacht zugleich.
-
-Die Sonne konnte nie verschwinden. Andererseits aber sah man unablässig
-die Sterne, weil ja die Luft fehlte. Auch erschien die Sonne nicht als
-Strahlenkugel, wie auf der Erde, sondern als gelbrote Scheibe, die
-freilich ein ungemein grelles Licht ausstrahlte.
-
-Van Halen war an solche Beleuchtungen schon gewöhnt und so richtete er
-langsam das Beobachtungsinstrument nach der Richtung, wo Terror die
-sonderbaren Dinge erblickt haben wollte. Auch Mors schaute hinaus.
-
-»Ich glaube, es zu haben,« sprach er plötzlich und zwar im selben
-Moment, als der Professor eine Bewegung mit der Hand machte.
-
-»Ich sehe es auch,« rief der Gelehrte. »Ja, ja, Terror hat recht. Die
-Dinger kommen hinter uns her und leuchten von Zeit zu Zeit rot auf, um
-dann wieder zu verschwinden. Sie erscheinen aber nur kugelförmig, weil
-wir sie von vorn sehen. Ich glaube doch, daß sie in Wirklichkeit eine
-etwas längliche Form besitzen.«
-
-Nun kam die Frage, ob man unbekannte Weltkörper vor sich hatte, die den
-ewigen Naturgesetzen gehorchend, eine bestimmte Bahn verfolgen.
-
-Das konnte man sehr leicht feststellen, denn man brauchte ja nur den
-Kurs des Fahrzeuges zu ändern. Waren die unbekannten Dinger, von deren
-Größe man sich noch keine Vorstellung machen konnte, Weltenkörper, so
-mußten sie eben die Bahn, die hinter dem »Meteor« herzuführen schien,
-inne halten und bald aus dem Gesichtskreis verschwinden.
-
-Der Riesenmagnet wendete sich und das merkwürdige Fahrzeug gehorchte wie
-ein Schiff dem Steuer.
-
-Seine Geschwindigkeit mäßigte sich nicht im geringsten, aber es schoß
-jetzt in einer anderen Richtung davon, die mit der bisher innegehaltenen
-einen spitzen Winkel bildete.
-
-Nun vergingen zwei Stunden, ohne daß im Lenkraum ein Wort gesprochen
-wurde.
-
-Der Luftpirat hatte sich ein Beobachtungsinstrument herbeigeholt und den
-Schieber geöffnet, der das zweite Ausgucksfenster verdeckte.
-
-Er saß rechts, der Professor links und nun beobachteten die beiden
-Männer mit Aufmerksamkeit die befremdlichen Erscheinungen.
-
-Die dritte Stunde war beinahe zu Ende.
-
-Da erhob sich Mors von seinem Sitz und sprach mit eisiger Ruhe:
-
-»Professor, es sind keine Weltkörper, die merkwürdigen Erscheinungen
-haben ihren Kurs geändert und kommen wieder hinter uns her.«
-
-»Eben wollte ich das gleiche sagen,« erwiderte van Halen, indem er sich
-umblickte. »Es ist kein Zweifel übrig, wir werden verfolgt.«
-
-Mors ging mehrere Male im Lenkraum hin und her.
-
-»Was halten Sie davon, Kapitän?« sprach der Professor, als der Luftpirat
-endlich stehen blieb.
-
-»Ich weiß es wirklich nicht,« lautete die Antwort. »Das, was ich gesehen
-habe, läßt sich mit meinen früheren Beobachtungen im Weltenraum absolut
-nicht in Vereinbarung bringen. Wir haben Weltenfahrzeuge vom Mars und
-von der Venus gesehen, diese Erscheinungen aber sind gänzlich
-verschieden. Im übrigen zweifle ich nicht daran, daß wir das Werk irgend
-einer Intelligenz vor uns haben, die uns verfolgt und es ist möglich,
-daß es so fürchterliche Gegner sind, daß sie uns vernichten können. Eins
-aber habe ich entdeckt, die Schnelligkeit, mit der sie sich bewegen, ist
-nicht viel größer als die unsere und noch habe ich unsere Schnelligkeit
-nicht aufs Höchste gesteigert. Wir können, wenn wir wollen, noch rascher
-fahren, ja vielleicht schneller als unsere geheimnisvollen Verfolger und
-ihnen auf diese Weise entkommen.«
-
-Der Professor nickte zustimmend.
-
-»Da wenden wir einfach unseren Magneten nach dem Saturn zu,« fuhr Mors
-fort. »Das wird die Geschwindigkeit bedeutend steigern.«
-
-»Allerdings,« erwiderte der Professor. »Aber es ist ein zweischneidiges
-Schwert. Wir können bei dieser Gelegenheit sehr leicht in den Bannkreis
-des Planeten Jupiter geraten. Da steht der Riese.«
-
-Van Halen deutete durch das Fenster hinaus auf eine kleine, glänzende
-Scheibe, neben der man vier helle, leuchtende Punkte gewahrte.
-
-Ja, das war der größte aller Planeten, der Jupiter, der die Erde im
-Volumen an Größe um das fast Dreizehnhundertfache übertrifft.
-
-Der Riese, der, wie der Professor meint, schon öfter Weltenkörper
-abgefangen hatte.
-
-Kam der »Meteor« in den Bannkreis dieses Kolosses, so konnte er mit
-rasender Geschwindigkeit angezogen und für immer festgehalten werden.
-
-Aber vielleicht war es doch noch besser, mit solcher Gefahr zu rechnen,
-als sich auf ein Zusammentreffen mit den rätselhaften Verfolgern
-einzulassen.
-
-Es waren sicherlich Fahrzeuge, die von intelligenten Wesen erbaut worden
-waren. Als der Professor ihre Größe berechnete, fand er, daß sie wohl
-fünfzigmal größer als das Weltenfahrzeug sein müßten.
-
-Es wäre Tollkühnheit gewesen, sich diesen Giganten entgegen zu stellen.
-Mors entschloß sich deshalb, die größte Geschwindigkeit anzuwenden.
-
-Wieder wurde der Riesenmagnet gedreht und zum geheimen Bedauern des
-Professors auf den Saturn gerichtet.
-
-Das Weltenfahrzeug verfolgte jetzt einen Kurs, der mit dem bisherigen
-einen rechten Winkel bildete.
-
-Der letzte Zweifel schwand schnell als man sah, wie die Verfolger, fünf
-an der Zahl, ihren Lauf auch änderten und hinter dem Fahrzeug des
-Luftpiraten herjagten.
-
-Am unheimlichsten erschien das zeitweilige Aufglühen der Verfolger, denn
-es sah so aus, als ob sie in Glut getaucht wären.
-
-Niemand konnte sagen, was es bedeutete, nur der Professor meinte, daß
-sich die Verfolger wohl zu einem Angriff bereit machten.
-
-Ueber ihre eigentliche Form, die Gestaltung und alles andere konnte man
-sich vorerst keine genauere Kenntnis verschaffen.
-
-Merkwürdigerweise erschien es auch so, als ob sie das Sonnenlicht gar
-nicht reflektierten, sondern sich eher an das geheimnisvolle Dunkel des
-Weltenraums anpaßten.
-
-Noch immer schienen sie näher zu kommen, ihre ganze Erscheinung hatte
-etwas Grausiges, Entsetzliches.
-
-Mors war fest davon überzeugt, daß er mitsamt seinem Weltenfahrzeug und
-dessen Insassen verloren war, wenn ihn diese unheimlichen Verfolger
-erreichten.
-
-Doch nun hatte sich der Riesenmagnet gewendet und in kurzer Zeit machte
-sich eine vermehrte Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges bemerkbar.
-
-Nachdem zwei Stunden vergangen waren, rief der Professor: »Sie bleiben
-zurück, Kapitän, sie werden immer kleiner und kleiner.«
-
-»Das bewirkt unsere unheimliche Schnelligkeit,« entgegnete Mors. »Es war
-das einzige Mittel, um uns diesen unheimlichen und ganz unbekannten
-Gegnern zu entziehen. Wenn wir so weiter fahren, werden wir sie
-allmählich aus den Augen verlieren.«
-
-So schnell ging es aber doch nicht, denn die rätselhaften Erscheinungen
-waren noch nach vielen Stunden sichtbar.
-
-Von Zeit zu Zeit zeigte sich auch noch das merkwürdige rötliche
-Aufleuchten, aber auch dieses nahm allmählich ab und zuletzt erschienen
-die Verfolger nur noch wie unheimliche, glühende rote Punkte.
-
-Mors gab jetzt den Befehl, die Richtung nochmals zu verändern, denn er
-meinte, daß die seltsamen Verfolger nun die Jagd aufgeben würden.
-
-Terror drehte die Kurbeln und ließ die Maschinen arbeiten, er versuchte
-es zwei- und dreimal, aber vergeblich.
-
-»Kapitän,« rief er. »Das Fahrzeug gehorcht ja nicht mehr.«
-
-»Ich fürchtete das,« erwiderte Mors. »Aber, unter den Umständen blieb
-uns nichts anderes übrig. Wir müssen auf unser gutes Glück vertrauen.
-Jetzt sind wir in den Bannkreis des Planeten Jupiter geraten.«
-
-
-
-
- 3. Kapitel.
- Die rote Wolke.
-
-
-Wieder war ein Tag vergangen.
-
-Die merkwürdigen Verfolger des Weltenfahrzeugs waren verschwunden und
-irgend wo in den unendlichen Raum des Weltalls untergetaucht.
-
-Möglicherweise hatten jene intelligenten Wesen, welche diese
-rätselhaften Fahrzeuge leiteten, eingesehen, daß sie das Weltenfahrzeug
-nicht einholen konnten. Möglicherweise aber waren sie nur der
-gefahrdrohenden Anziehungskraft des Jupiter aus dem Wege gegangen.
-
-Mors hatte übrigens verschiedenes getan, um dem Bannkreis zu entkommen,
-aber als er merkte, daß dies keinen Zweck hatte, ließ er die Dinge ihren
-Lauf gehen.
-
-Er vertraute seinem Glücksstern, er meinte, es würde ihm schon gelingen,
-wieder von dem Riesenplaneten hinwegzukommen.
-
-Nun schoß sein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit nach dem Planeten
-Jupiter hinüber.
-
-Es war überraschend, mit welcher Schnelligkeit sich derselbe
-vergrößerte. Ein Beweis, daß er eine ungeheure Anziehungskraft ausübte.
-
-Schon verschwand die leuchtende Sonne neben der ungeheuren strahlenden
-Scheibe, die schließlich den größten Teil des Firmaments einnehmen
-mußte.
-
-Die Mannschaften des Weltenfahrzeuges betrachteten natürlich diese sich
-fast mit jeder Stunde vergrößernde Scheibe des Riesenplaneten mit
-gemischten Gefühlen.
-
-Die einzigen, welche kaltblütig darüber dachten, waren die beiden
-Normannen, die ja schon mehrere Weltenfahrten mitgemacht hatten, dagegen
-verrieten die neuangeworbenen Inder trotz ihres sonstigen Mutes und
-ihrer Entschlossenheit jene abergläubische Scheu, die sich beim Anblick
-von etwas Fremdartigem nie ganz verbergen ließ.
-
-Die Leute sahen alle auf Mors, aber als sie bemerkten, daß dieser ganz
-ruhig blieb, schienen auch sie ruhiger zu werden.
-
-Vielleicht ergaben sie sich mit jenem Fatalismus, der den Orientalen
-eigen ist, in das Unvermeidliche. Aber sie meinten wohl im Geheimen, daß
-ihre Laufbahn hier ein Ende nehmen würde.
-
-An Mors wagte sich niemand heran, denn vor diesem Manne empfanden die
-Leute bei aller Verehrung immerhin Scheu.
-
-Deshalb gingen sie zu Terror, der freilich auch nicht viel gesprächiger
-als der Kapitän war.
-
-Die neuangeworbenen Inder hatten einen der ihren zum Wortführer erwählt
-und dieser Mann wendete sich an Terror mit der Frage, wohin die Reise
-eigentlich ginge.
-
-»Na, Ihr seht es ja, zu diesem Planeten dort,« erwiderte Terror etwas
-knurrig. »Bei solchen Reisen, wie wir sie unternehmen, müssen wir immer
-auf Abenteuer rechnen. Der Kapitän hat übrigens gesagt, daß die Sache
-nicht viel zu bedeuten hat, und daß auf diesem riesigen Weltkörper dort
-sicherlich Luft und Wasser existiert. Na und wenn wir da auch ein
-Weilchen bleiben müssen, das schadet nichts. Der Kapitän hat schon ganz
-andere Dinge vollführt, der wird auch von da wieder loskommen.«
-
-»Und wenn wir nicht wieder loskommen?« fragte der Inder.
-
-»Dann bleiben wir eben dort,« erwiderte Terror. »Ich bin ganz zufrieden
-damit, wenn ich nur bei meinem Kapitän bin, alles andere ist mir
-gleichgiltig.«
-
-Der Inder hatte aber noch eine wichtige Frage auf dem Herzen.
-
-»Werden wir unseren Gott Brahma dort vorfinden?« fragte er feierlich.
-»Wenn uns der Tod bevorsteht, so wollen wir wenigstens in das Paradies
-Brahmas gelangen.«
-
-Terror aber war kein Freund von den Heldengöttern, besonders nicht von
-Brahma, da derselbe, wie er einmal gehört, mehrere Köpfe und eine ganze
-Anzahl Arme besitzen sollte.
-
-»Ja, das weiß ich wirklich nicht,« erwiderte er. »Wenn Ihr hinkommt,
-könnt Ihr Euch ja mal nach ihm umsehen. Vielleicht findet Ihr ihn. Im
-übrigen laßt mich nun mal in Ruhe, denn ich habe mich um meine
-Instrumente zu bekümmern. Die Maschinen müssen tadellos funktionieren,
-wenn es nötig wird. Mit Eurem Brahma hat es noch Zeit, bis wir ankommen.
-Vorläufig braucht Ihr ihn ja noch nicht, denn Ihr seid ja noch alle am
-Leben.«
-
-Der Inder schnitt ein verdrießliches Gesicht, denn es gefiel ihm ganz
-und gar nicht, daß sich Terror in solcher Weise über ihre Gottheit
-äußerte.
-
-Terror wendete ihnen einfach den Rücken zu und ließ die Inder mit ihrem
-Brahma machen, was sie wollten.
-
-Die Leute kehrten also wieder an ihre Beschäftigung zurück, aber sie
-befanden sich offenbar in einiger Erregung.
-
-Man hörte sie öfter flüsternd sprechen und Bemerkungen über das Kommende
-austauschen. Einige meinten auch, Terror müsse, da er so unehrerbietig
-über Brahma gesprochen, zur Strafe in die Hölle geschleudert werden.
-
-Der Ingenieur aber kümmerte sich nicht mehr um das indische Paradies,
-sondern setzte alle seine Maschinen instand, damit sie im Notfalle ihre
-ebenso furchtbaren als nützlichen Dienste leisten konnten.
-
-Näher kam man dem Riesenplaneten und schon sah man mit bloßen Augen ein
-höchst merkwürdiges Gebilde.
-
-Dieses war schon vor ungefähr vierzig Jahren auf der Erde entdeckt
-worden und hatte zu den seltsamsten Vermutungen Anlaß gegeben.
-
-Man bezeichnete es als die rote Wolke. Es war dies ein eiförmiger Fleck,
-der in der dichten Atmosphäre des Jupiter zu schweben schien.
-
-Einige Astronomen glaubten, es sei eine besonders starke Wolkenbildung,
-die durch irgend einen Umstand die dunkelrote Färbung zeigte.
-
-Andere Beobachter aber glaubten an fürchterliche Vulkanausbrüche dieses
-Planeten, der sich noch im Urzustand befinden mußte. Die gleiche Meinung
-hatte auch der Professor.
-
-Beim Näherkommen gewahrte man übrigens, daß man von der Oberfläche des
-Planeten so gut wie gar nichts sehen konnte.
-
-Das, was man erblickte, waren alles Wolken, welche den Riesenkörper
-umhüllten, Wolken, welche die Sonnenstrahlen aufleuchtend grell
-reflektierten.
-
-Der Professor meinte, es würde schon noch anders kommen und war
-überzeugt, daß man über kurz oder lang einen Blick auf die Oberfläche
-des Planeten werfen könne.
-
-Der Gelehrte vergaß jede Gefahr und war nur darauf gespannt, die Rätsel
-des ungeheuren Weltkörpers enthüllt zu sehen.
-
-Er gönnte sich keine Ruhe, vergaß Speise und Trank, und es kam oft genug
-vor, daß er bei seinen Fernröhren und Instrumenten, von der Müdigkeit
-überwältigt, die Augen schloß.
-
-Die rote Wolke verschwand übrigens bald, was nicht verwunderlich war, da
-sich ja der riesige Planet in noch nicht zehn Stunden um seine eigene
-Achse dreht.
-
-Diese furchtbare Geschwindigkeit mußte es auch bewirken, daß der Koloß
-an den Polenden stark abgeplattet erschien. Alles aber, was man sah,
-verriet eine ungemein dichte, im übrigen aber der Erde sehr ähnliche
-Atmosphäre.
-
-»Luft werden wir genug haben,« sprach der Professor zu Nelly, als sie
-ihm wieder einmal mit sanfter Gewalt einige Nahrungsmittel aufnötigte.
-»Ich glaube sogar, unsere Lungen werden ordentlich Mühe haben, in dieser
-starken Luftmasse zu atmen. Aber der Mensch gewöhnt sich eben an alles.
-Wasser ist dort auch zu finden. Es sollte mich übrigens nicht wundern,
-wenn wir durch die ungeheure Anziehungskraft gezwungen würden, bis zu
-unserem Ende Bewohner des Jupiters zu bleiben.«
-
-Nelly zuckte mit den runden Schultern und ihre Augen glänzten. Solch
-Abenteuer war recht nach dem Geschmack der phantastisch veranlagten
-Schönen.
-
-Die Normannen ergaben sich mit Gleichmut in alles, was ihnen bevorstand.
-Die Inder dagegen saßen oft zusammen und meinten, wie schrecklich es
-sein müsse, wenn ihr Gott Brahma nicht auf dem Planeten hauste, denn
-dann wäre ihnen ja das Paradies für ewig verloren.
-
-Unter einem Teil dieser Leute machte sich bereits Unzufriedenheit
-bemerkbar, aber da die anderen treu zu Mors hielten, so verbargen die
-Unzufriedenen ihre Empfindungen auf das Sorgfältigste.
-
-Nach zehn Stunden wurde die rote Wolke wieder sichtbar und da sah man
-schon mit bloßen Augen, daß sie eine ungeheure Ausdehnung besaß. Ihr
-Umfang war geradezu ungeheuer und es schien, daß dieser dunkelrote Fleck
-wohl den zwanzigsten Teil der den Weltenfahrern sichtbaren
-Jupiterscheibe bedeckte.
-
-Ferner sah man andere ungeheure Wolkenmassen, vor allen Dingen aber jene
-Ringe, die der Jupiterscheibe ein so merkwürdiges Aussehen verleihen.
-
-Zeitweise glaubte auch der Professor, einen Blick durch die dichte
-Atmosphäre tun zu können.
-
-Es sah zuweilen so aus, als ob die Wolkenmassen zerrissen und Teile der
-Oberfläche des riesigen Planeten enthüllten.
-
-Geschah dies, so war der Professor gleich mit seinen Instrumenten zur
-Hand, aber diese Perioden dauerten immer nur ganz kurze Zeit, sodaß van
-Halen nur wenige klare Beobachtungen machen konnte.
-
-Mors erkundigte sich übrigens bei dem Gelehrten, was er bemerkt hatte,
-und der Professor gab bereitwilligst Auskunft.
-
-»Man hatte auf unserer Erde angenommen, daß der Jupiter noch fast
-flüssig sein soll,« sprach er, als er wieder einmal eine Beobachtung
-gemacht. »Aber nach reiflicher Ueberlegung bin ich überzeugt, daß dies
-nicht der Fall ist. Das, was ich durch das Fernrohr sehe, bestärkt meine
-Annahme. Der Koloß befindet sich in einem Zustande, den man auf Erden
-als die sogenannte Devon-Zeit bezeichnet hat, als die Zeit der
-Panzerfische, und der ersten Landpflanzen. Aber ich vermute auch, daß
-auf dem Jupiter noch ungeheuerliche vulkanische Ausbrüche stattfinden
-und zwar Ausbrüche, bei denen Wasser und Feuer zusammen in Aktion
-treten.«
-
-»Und was schließen Sie daraus?« fragte der Luftpirat.
-
-»Nun, das eine, daß wir in eine sehr seltsame Welt kommen,« lautete die
-Antwort, »in eine Welt, wo alle Augenblicke Katastrophen eintreten,
-Feuer- und Wasserausbrüche, schreckliche Erschütterungen des Festlandes,
-kurzum, ein wahres wildes Durcheinander, welches jeder menschlichen
-Beschreibung spottet.«
-
-»Hauptsache ist, daß ich mein Fahrzeug fliegend erhalte,« bemerkte
-Kapitän Mors. »Wenn mir das gelingt, so können wir vorerst der Wut der
-Elemente trotzen. Schlimmer wäre es freilich, wenn wir direkt durch die
-ungeheure Anziehungskraft an den Planeten gebannt würden, sodaß mein
-Weltenfahrzeug hilflos wird. Versagt der Magnet dann seine Dienste, so
-können wir nimmermehr nach der Erde zurückkehren.«
-
-»Nun, wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen,« erwiderte der
-Professor. »Bei solchen großartigen Naturereignissen kann der Mensch
-sein Wissen und seine Erfahrungen benutzen. Solche Naturereignisse
-können uns vielleicht sogar zur Rettung dienen.«
-
-Bei den letzten Worten deutete der Gelehrte auf die geheimnisvolle rote
-Wolke, welche gerade in der Mitte des Planeten schwebte.
-
-Mors zuckte die Achseln und begab sich in den Lenkraum.
-
-Dort arbeitete Terror wie ein Verzweifelter.
-
-Der Brave machte sich wenig aus dem Jupiter, denn als er hörte, wie es
-dort aussehen sollte, verstärkte sich die Abneigung gegen diese neue
-Welt.
-
-»Was soll ich dort unter den Panzerfischen und Stachelpflanzen,« brummte
-er. »Fische esse ich zwar ganz gern, aber ob die Biester dort zu essen
-sein werden, möchte ich mit Recht bezweifeln, und die Gemüse aus solchen
-Pflanzen würden uns zwischen den Zähnen stecken bleiben. Aber was hilft
-es, wenn wir dort bleiben müssen und unsere Vorräte allmählich zu Ende
-gehen, müssen wir doch mit dem Vorlieb nehmen, was sich dort befindet.
-In der Not frißt der Teufel Fliegen.«
-
-Terror ließ den Magneten nach allen Richtungen spielen, aber es war
-umsonst. Die Anziehungskraft des Giganten spottete seinen Bemühungen.
-
-Sein einziger Trost war nur der, daß die Schnelligkeit, mit der das
-Weltenfahrzeug dahin sauste, einigermaßen gemildert werden konnte.
-
-Immerhin war mit einem Aufsturz des Fahrzeuges auf den Jupiter zu
-rechnen.
-
-Geschah dies, so mußte das Fahrzeug in Trümmer gehen und alles
-menschliche Leben darin vernichtet werden.
-
-Aber das ließ sich nicht ändern und es kam sicherlich die Stunde, wo
-alle menschlichen Machtmittel versagten.
-
-Immer größer wurde der Planet, dem man mit zunehmender Schnelligkeit
-näher kam. Allmählich breitete sich die kolossale Scheibe über das ganze
-Firmament aus.
-
-War es Tag, so blendeten die leuchtenden Wolken derartig, daß man
-Schutzbrillen tragen mußte. Stand die Sonne aber hinter dem ungeheuren
-Planeten, so wurde es dennoch nicht dunkel, denn die Atmosphäre des
-Jupiter schien ein eigenes Licht zu besitzen.
-
-Dies war freilich schwach im Vergleich zu dem reflektierten Sonnenlicht,
-wenn der Planet ganz beleuchtet wurde, war der Glanz derselben kaum zu
-ertragen.
-
-Der Magnet wurde auf die Scheibe des Jupiter gerichtet, um so die
-Anziehungskraft nach Möglichkeit abzuschwächen. Mehr konnte man nicht
-tun. Das Weitere war dem Walten des Schicksals überlassen.
-
-Der Professor berechnete kaltblütig die Zeit, in welcher der Aufsturz
-stattfinden würde.
-
-Erst waren es noch Tage, nun wurden es nur noch Stunden.
-
-Man hörte van Halen, der jetzt nicht mehr von seinen Instrumenten ging,
-zuweilen halblaute Worte vor sich hinmurmeln.
-
-»Vier Stunden vierzig Minuten, vier Stunden dreißig Minuten. Vier
-Stunden zwanzig Minuten, jetzt nur noch vier Stunden!«
-
-Die Inder machten sich auf ein furchtbares Ende gefaßt.
-
-Da sie sehr religiös waren, so empfahlen sie ihre unsterbliche Seele
-Brahma, der mächtigen, indischen Gottheit.
-
-Die beiden Normannen dagegen machten sich wenig aus dem, was nach ihrem
-Ende wurde. Van Halen und Terror, sowie Mors hatten nur Sinn für ihre
-Instrumente und Maschinen.
-
-Mors blieb so ruhig und gelassen, als wenn er sich auf Erden auf seiner
-geheimnisvollen Insel befände. Er, Terror und van Halen bewunderten im
-Stillen Nelly, die eine unglaubliche Entschlossenheit zeigte und keine
-Furcht zu kennen schien.
-
-Sie besorgte die Mahlzeiten wie gewöhnlich und redete den ziemlich
-niedergeschlagenen Indern zu, daß sie Speise und Trank zu sich nehmen
-sollten.
-
-Wieder neigte sich der Professor auf seine Instrumente.
-
-»Noch dreißig Minuten,« sprach er. »Dann haben wir den Planeten
-erreicht. In einer halben Stunde muß sich unser Schicksal entscheiden.«
-
-
-
-
- 4. Kapitel.
- Wunderbare Abenteuer.
-
-
-Die dreißig Minuten schienen eine Ewigkeit zu werden.
-
-Bald sah man nichts mehr, denn das Weltenfahrzeug befand sich zwischen
-den ungeheuren Wolkenmassen, die den Jupiter verhüllten.
-
-Mors warf noch einen letzten Blick durch die Gucklöcher, welche durch
-starke Gläser verschlossen wurden.
-
-Er sah nichts als eine wirbelnde Masse, graue, weiße, braune Wolken,
-zuweilen auch ein rötliches Aufleuchten.
-
-Jedenfalls befand sich die Atmosphäre des Riesenplaneten in ungeheurer
-Erregung.
-
-Was da aber vorging, konnte kein Sterblicher sagen.
-
-Die letzten Minuten vergingen.
-
-»Jetzt kommt der Luftprall,« sprach der Professor zu Mors, der mit der
-Uhr in der Hand die kommenden Dinge erwartete.
-
-Nelly war auch da und sah mit ihren feurigen Augen auf den Luftpiraten.
-
-Wenn es zum Sterben kam, wollte sie wenigstens in seiner Nähe den Tod
-erleiden.
-
-Jeden Augenblick erwartete man die Katastrophe.
-
-Der Luftpirat war darauf gefaßt, daß das Fahrzeug in Stücke zerschellen
-würde.
-
-Mit einem Male verspürte man eine seltsame Berührung.
-
-Es war, als hätte das Fahrzeug etwas Weiches, Widerstandsfähiges berührt
-und dann vernahm man deutlich, wie etwas gegen die gepanzerten Wände
-schlug.
-
-Der Professor sprang empor.
-
-»Wir sind angelangt,« rief er. »Aber wir sind nicht auf festem Boden,
-sondern auf Wasser angekommen. Kein Zweifel, der »Meteor« ist mit großer
-Geschwindigkeit in eine ungeheure Wasseransammlung hineingetaucht.«
-
-Das Meer oder der See oder was es nun sein mochte, mußte sehr tief sein.
-
-Plötzlich richtete sich das Fahrzeug, welches bis dahin eine schräge
-Lage gezeigt, wieder auf und schoß so schnell empor, daß Nelly und der
-Professor sich festklammern mußten.
-
-Es schoß direkt aufwärts, aber nun verlangsamte sich die Bewegung nach
-vorwärts, dafür aber geschah etwas anderes, was nicht minder merkwürdig
-war.
-
-Das Weltenfahrzeug geriet nämlich in schaukelnde Bewegungen, es war
-gerade so, als ob irgend etwas Geheimnisvolles, Starkes mit dem »Meteor«
-spielte.
-
-»Was ist das?« rief Nelly, die sich tapfer festgehalten.
-
-»Wir schwimmen,« sprach Mors, »wir sind wieder aufgetaucht und da der
-»Meteor« trotz seines ungeheuren Gewichtes, dank seiner Innenräume und
-der Behälter mit flüssiger Luft, leichter ist als Wasser, so schwimmen
-wir höchstwahrscheinlich auf der Oberfläche eines Jupiter-Gewässers.«
-
-»Da mag es aber toll hergehen,« meinte Terror, der eben an der Tür
-erschien. »Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht ein fürchterlicher
-Sturm diesen Jupiter-See von Grund auf aufwühlt. Wir werden ja hin- und
-hergeschleudert, als ob unser Koloß eine Seifenblase ist.«
-
-Mors sah wieder durch die kleinen Gucklöcher.
-
-In wenigen Augenblicken überzeugte er sich, daß Terror Recht hatte.
-
-Der »Meteor« schwamm auf einer empörten See, die durch einen
-fürchterlichen Sturm aufgewühlt wurde.
-
-Da sah man Wellen, gegen die die der irdischen Gewässer harmlos
-erschienen, Riesenwellen, die das sonderbare Fahrzeug wie einen
-Spielball hin- und herwirbelten.
-
-Terror und der Professor waren jetzt auch an die Gucklöcher getreten,
-ebenso Nelly, die mit glänzenden Augen das Naturschauspiel einer
-unbekannten Welt bewunderte.
-
-Die Schwester Ned Gullys besaß scharfe Augen, und sie war es auch,
-welche zuerst etwas Ungewöhnliches bemerkte.
-
-»Kapitän,« rief sie plötzlich. »Da ist etwas Dunkles. Das ist Land!«
-
-Wenige Augenblicke später erhielt das umhergeschleuderte Fahrzeug einen
-gewaltigen Stoß.
-
-Es war aber sicherlich kein Felsen, gegen den es stieß, sondern eine
-Sandbank.
-
-Man vernahm deutlich, wie das Fahrzeug sich auf der Sandbank hin- und
-herschob und wie es sich allmählich immer höher auf das Land
-hinaufwühlte.
-
-Der Sand türmte sich zur Linken und Rechten empor und bildete allmählich
-einen Schutzwall. Die von dem Sturm gepeitschten Wogen schlugen noch
-zuweilen über das Achterteil des Weltenfahrzeuges, bis es zuletzt still
-und unbeweglich im weichen Triebsand ruhte. -- -- -- -- --
-
-Es vergingen viele Stunden, ehe sich der Aufruhr der Elemente legte.
-
-Der Sturm schien schon längst zu Ende gegangen zu sein, aber die Wellen
-gingen noch immer hoch. Man sah durch die Gucklöcher, wie die Wogenberge
-über die Oberfläche des unbekannten Meeres hinüberfegten.
-
-Dann kam ja die Nacht, da ja bekanntlich der Tag auf dem Jupiter kaum
-zehn Stunden lang dauert.
-
-Aber dunkel wurde es nicht, denn der Jupiter besaß ja vier Monde, die
-eine großartige Beleuchtung spendeten.
-
-Bei diesem Schein sah man die noch immer außerordentlich unruhige
-Oberfläche der See, auch hörte man das Donnern einer entfernten
-Brandung.
-
-Mors glaubte auch zuweilen durch die Gucklöcher Umrisse von Felsen und
-Hügeln sehen zu können, aber die Atmosphäre war sehr wenig durchsichtig.
-
-So blieb denn vorläufig nichts weiter übrig, als daß man die Ruhestätte
-aufsuchte, aber Mors sorgte dafür, daß stets einige Wachen Ausguck
-hielten.
-
-Als die Nacht zu Ende ging, gewahrte Mors, daß sich die Oberfläche des
-Jupitermeeres bedeutend beruhigt hatte.
-
-Da drängte es ihn, hinauszugehen und die Luft dieser neuen, unbekannten
-Welt zu atmen.
-
-Das war nicht unbedenklich, indessen hatte der Professor schon einige
-Beobachtungen gemacht und die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß die
-dicke Luft des Jupiter, wenn auch mit einigen Beschwerden, geatmet
-werden konnte.
-
-Das Weltenfahrzeug lag ungefähr zur Hälfte in den Sand gebettet, aber
-die luftdicht schließenden Türen, welche nach außen führten, waren
-freigeblieben.
-
-Mors öffnete die innere Tür und schloß sie wieder sorgfältig. Er wies
-jede Begleitung zurück, obwohl Nelly und van Halen ihn nicht verlassen
-wollten.
-
-Hierauf öffnete der Kapitän vorsichtig die äußere Tür und versuchte, die
-Luft zu atmen.
-
-Sie war dick, schwer, aber zu ertragen. Sie schien nur eine ungeheure
-Menge Kohlensäure zu enthalten. Dies verursachte die Empfindung eines
-leichten Rausches. Da aber der menschliche Organismus sehr
-anpassungsfähig ist, meinte Mors, daß sich seine Mannschaft auch daran
-gewöhnen würde.
-
-Jetzt stieg der Luftpirat langsam an der eisernen Treppe hinan, die zur
-oberen Plattform führte.
-
-Er hatte ein merkwürdiges Empfinden, denn es war ihm zu Mute, als ob
-sein ganzer Körper aus Blei bestände.
-
-Das war erklärlich, da der Planet Jupiter um soviel mal größer als die
-Erde war, mußte naturgemäß alles, was sich da befand, auch bedeutend
-schwerer wiegen.
-
-Immerhin erwies sich dies nicht hinderlich, wenn man Bewegungen mit den
-Gliedern machte. Mors kam es so vor, als besäße er jetzt die Kraft,
-einen Felsen zertrümmern zu können.
-
-Jetzt stand er auf der Plattform.
-
-Zur Rechten lag das Meer, dessen Oberfläche noch immer in ziemlicher
-Bewegung war. Zur Linken aber sah man das Land, welches freilich ein
-höchst sonderbares Aussehen besaß.
-
-An den Ufern des Meeres dehnte sich ein mächtiger Sandstrand aus,
-weiterhin stieg das Land empor. Da sah Kapitän Mors Felsen, Hügel und
-Klippen.
-
-Die meisten aber besaßen eine höchst eigentümliche Form, denn sie waren
-kegelförmig und auf ihren Höhen befanden sich kreisrunde Öffnungen.
-
-Ferner sah Mors merkwürdige Felsenringe, die fast riesigen
-Springbrunnenbecken glichen. Das Sonderbarste aber war, daß sie mit
-Wasser angefüllt waren, welches zuweilen aufbrodelte.
-
-Mors sah sich um, ob er nicht irgendwo Pflanzenleben entdeckte. Es
-dauerte einige Zeit, ehe er dieses bemerkte, aber endlich gewahrte er
-solches zwischen den Hügeln.
-
-Diese Flora war sehr spärlich, aber immerhin sah Mors hier und da üppige
-Pflanzen stehen.
-
-Es waren eine Art Gräser, aber wie der Professor vorausgesagt, ungemein
-stachelig, alles schien von Dornen förmlich zu starren und das Ganze
-besaß direkt ein unheimliches Aussehen.
-
-Als Mors in das Wasser blickte, gewahrte er, daß es recht klar und
-durchsichtig war.
-
-Da unten war ein ganz anderes Leben und da sah Mors zunächst eine Menge
-Algen und Tang, er sah auch lebende Geschöpfe, die dort ihr Wesen
-trieben. Fischartige, anscheinend mit Knorpeln und Horn gepanzerte
-Ungetüme.
-
-»Van Halen hat recht gehabt,« murmelte der Luftpirat. »Das ist hier eine
-Epoche, die man auf Erden längst überwunden hat. Eine Zeit, die noch der
-Steinkohlenperiode voranging. Vor allen Dingen eine Welt, in der
-fürchterliche, vulkanische Erscheinungen zu den alltäglichen Ereignissen
-gehören. Aber es hilft nichts, wir müssen uns damit abfinden.«
-
-Er erprobte noch einmal die Luft und ging dann hinunter, um seine
-Gefährten von seinen Beobachtungen zu benachrichtigen.
-
-Mors forderte alle Insassen des Weltenfahrzeuges auf, nach der Plattform
-zu kommen und die fremdartige Umgebung zu betrachten.
-
-Der Professor und Nelly waren natürlich die ersten, welche diesem Rufe
-folgten und sich nicht wenig über die bleierne Schwere in den Gliedern
-wunderten. Mißtrauischer benahm sich schon Terror, der bedächtig die
-neue Luft einsog und nach allen Richtungen umherschnüffelte.
-
-Er brummte auch allerlei Bemerkungen in den Bart, die keine
-Schmeicheleien für die neue Welt sein mochten.
-
-Dann kamen die Normannen, die ziemlich gleichgültig die fremdartige
-Umgebung betrachteten.
-
-Die Inder waren die letzten, die sich auf die Plattform hinauswagten.
-
-Mors beobachtete diese Leute aufmerksam, denn er hatte schon bemerkt,
-daß die Inder ein wenig verzagt schienen.
-
-Der Luftpirat staunte aber, als die Bewohner der indischen Gebirgswelt,
-nachdem sie kaum ein paar Blicke auf die Umgebung geworfen, sichtliche
-Freude verrieten.
-
-Ihre Augen begannen zu glänzen, sie deuteten bald hier hin, bald
-dorthin, und machten sich auf die sonderbaren Formen der Hügel und
-Felsen aufmerksam.
-
-Mors trat zu den braunen Leuten.
-
-»Nun, was sagt ihr zu dieser neuen Welt?« forschte er, die Inder
-betrachtend.
-
-»O Herr,« erwiderte der eine, der das Wort führte, »dieses Land ist uns
-schon bekannt. Das haben wir schon früher gesehen.«
-
-»Nicht möglich,« erwiderte Mors mit flüchtigem Lächeln. »Ihr habt doch
-noch keine Reise nach dem Planeten Jupiter unternommen?«
-
-»Wir haben dieses Land auf den Bildern in unseren Tempeln gesehen,«
-lautete die Antwort. »Es ist das Land, in welchem unser Gott Brahma
-wohnt. Es ist seine Heimat und deshalb sind wir glücklich. Dort aber,
-jene wassergefüllten Ringe sind die Eingänge zur Hölle, in welche die
-grasgrünen Teufel alle die hinabziehen, welche nicht an Gott Brahma
-glauben.«
-
-»Der Henker hole euch mit euren grasgrünen Teufeln und eurem Brahma,«
-murmelte Terror, der sich hier ganz und gar nicht behaglich fühlte. »Ich
-wollte, wir schwebten fünfzigtausend Meilen von dieser vertrackten Welt,
-anstatt daß wir hier im Sande eines unbekannten Ozeans liegen. Der
-Teufel weiß, wann wir hier wieder loskommen. Meinethalben kann mir der
-ganze Jupiter gestohlen bleiben.«
-
-
-
-
- 5. Kapitel.
- Im Bann des Aberglaubens.
-
-
-Am glücklichsten war der Professor, denn der geriet vor Entzücken außer
-sich.
-
-Mors mußte ihn festhalten, sonst wäre der Professor Hals über Kopf in
-den Sand hinuntergesprungen und in die fremdartige Landschaft
-hineingelaufen.
-
-Das gab der Luftpirat aber nicht zu, denn er wollte sich erst
-überzeugen, ob nicht etwa Gefahren in diesem fremden Lande lauerten.
-
-Allerdings hatte es zur irdischen Devonzeit keine Ungeheuer gegeben, die
-den Menschen gefährlich werden konnten. Aber auf dem Jupiter konnte sich
-das anders verhalten und Mors dachte nicht im mindesten daran, van Halen
-einer Gefahr auszusetzen.
-
-Mors hatte den Professor, der mit solcher Begeisterung an ihm und seinen
-Werken hing, schon sehr lieb gewonnen und zählte ihn zu den
-vertrautesten seiner Gefährten. Auch dachte er daran, daß Anita
-verzweifeln würde, wenn der Professor nicht nach der Erde zurückkehrte.
-
-Aber konnte man denn überhaupt zurück? Blieb denn nicht das
-Weltenfahrzeug für immer an diesen Planeten gebannt? Jetzt sah es so
-aus, als ob die tollkühnen Abenteurer ihr Leben auf dem Jupiter
-beschließen müßten.
-
-Mors beobachtete mit dem Glas aufs sorgfältigste die Umgebung. Aber er
-sah nirgends ein verdächtig aussehendes Tier. Die Zeit für die Tiere am
-Lande war wohl noch nicht gekommen und in der See sah man nur
-Panzerfische und Trilobiten; ferner gewahrte man die sonderbarsten
-Meergewächse und wunderlich geformte Muscheln. Da war man um Millionen
-Jahre in den Zeiten zurückversetzt, denn dieser Planet befand sich erst
-im Werdezustande.
-
-Als Mors die Umgebung genug betrachtet, bemerkte er, wie das Meer rasch
-zurückwich.
-
-Naturgemäß mußten hier, wo vier riesige Monde existierten, Ebbe und Flut
-in ganz ungeahntem Maße auftreten.
-
-Höchstwahrscheinlich war die Flut gewesen, als der »Meteor« strandete,
-denn in kurzer Zeit war alles in der Runde trocken. Man sah nur noch in
-der Ferne eine weißblaue Linie, die den Rand des Jupiterozeans
-andeutete.
-
-Mors faßte einen kurzen Entschluß.
-
-Gerätschaften fanden sich ja in Menge in seinem Fahrzeug und so ließ der
-Luftpirat seine Inder und Normannen mit Schaufeln über die Treppe auf
-den Sand hinabsteigen.
-
-Sie sollten den feuchten, weißen Sand so viel als möglich bei Seite
-schaufeln und das Fahrzeug auf diese Weise befreien.
-
-Mors vermutete nämlich, daß nicht die ungeheure Masse des Planeten es
-sei, welche das Weltenfahrzeug herniedergezogen, sondern
-elektrisch-magnetische Ströme, die unter der noch dünnen Kruste des
-Jupiter ihr Wesen trieben.
-
-Alle legten mit Hand an, selbst Nelly schaufelte unverdrossen und in
-vier Stunden war rund um den »Meteor« herum eine Rinne gegraben.
-
-Die Flut war noch immer nicht zurückgekehrt, aber sie mußte sicherlich
-nach einigen Stunden kommen.
-
-Mors hieß jetzt alle seine Leute wieder auf den »Meteor« hinaufsteigen
-und sich in das Innere des Fahrzeuges begeben. Dann wurde der Magnet,
-der bis dahin nach oben gerichtet war, möglichst gesenkt, sodaß er sich
-auf die Sandfläche richtete.
-
-Im nächsten Augenblick erhielt das gewaltige Fahrzeug einen mächtigen
-Ruck. Man hörte den Sand knirschen und im nächsten Augenblick schnellte
-das Weltenfahrzeug in die Höhe.
-
-Terror war ganz außer sich vor Freude, als er dies bemerkte, dagegen
-schienen die Inder eher traurig, als freudig bewegt zu sein.
-
-Das Weltenfahrzeug schwebte einige hundert Meter empor, aber dann
-erhielt es wieder einen Ruck und neigte sich langsam nach unten.
-
-»Jetzt weiß ich es, weshalb wir hier so gebannt bleiben,« sprach Mors zu
-Terror und dem Professor. »Wir befinden uns wieder über der dünnen
-Kruste, welche die magnetischen und elektrischen Strömungen deckt.
-Dadurch werden wir hinabgezogen. Jetzt müssen wir vorsichtig
-manövrieren, daß wir wieder auf dem Sande landen. Auf den anderen Boden
-dürfen wir nicht hinunterkommen, denn dadurch würden wir der ungeheuren
-Anziehungskraft ausgesetzt bleiben. Der Sand schützt uns, denn der
-leitet keine Elektrizität. Also wollen wir uns wieder am Rande dieses
-seltsamen Meeres niederlassen.«
-
-Das geschah denn auch und nach kaum einer halben Stunde lag der »Meteor«
-auf einer Sanddüne, die sicherlich nicht von den Wogen bespült wurde.
-
-Die Situation war klar.
-
-Kam man mit dem Weltenfahrzeug über die sonderbaren Felsformationen des
-Planeten, so wurde der Riesenmagnet nutzlos. Man mußte also, um fliegen
-zu können, immer in der Nähe des Meeres bleiben.
-
-Aber auch das genügte nicht, denn, als man nach einer Weile emporstieg,
-gelangte das Weltenfahrzeug höchstens fünfhundert Meter über die
-Oberfläche des Jupiter.
-
-Dann schienen die geheimnisvollen Ausstrahlungen wieder zu wirken und
-trotz aller Anstrengungen mußte man wieder auf die Sanddüne hinunter.
-
-Terror war über diese Ereignisse ziemlich niedergeschlagen und meinte,
-man könne den Planeten nimmer verlassen.
-
-Aber Mors und der Professor waren anderer Meinung.
-
-»Wir dürfen nie den Mut verlieren,« sprach der erstere. »Es ist ja
-richtig, daß wir augenblicklich nicht hochsteigen können. Aber
-möglicherweise tritt doch ein Ereignis ein, welches uns die Abfahrt
-gestattet. Wir sind mit Vorräten versehen, wir können also warten.«
-
-Mors hatte einen geschützten Platz gewählt, wo das Weltenfahrzeug
-zwischen zwei kolossalen Sanddünen ruhte.
-
-Er vermutete nämlich, daß hier ungeheure Stürme tobten, Orkane von
-fürchterlicher Wut.
-
-Dort, wo man sich befand, war das aber nicht zu befürchten, und so
-konnte man geschützt die Umgebung betrachten.
-
-Der Professor und Mors verließen den »Meteor« und erstiegen die nach dem
-Lande zugewendete Sanddüne. Von da aus betrachteten sie mit Fernrohren
-die Stachelpflanzen und die wunderbaren Erscheinungen am Himmelskörper.
-
-Der kurze Tag, die kurze Nacht, die Phasenbildung der vier Monde und
-deren Erscheinen und Verschwinden war so großartig, daß man gar nicht
-wußte, was man alles bewundern sollte.
-
-Dazu kamen fürchterliche elektrische Entladungen in den Wolkenmassen,
-die von Zeit zu Zeit das ganze Firmament bedeckten. Dann schien es, als
-ob sich eine ungeheure graue Masse über Land und Wasser herabsenkte.
-
-Mors und seine Begleiter waren so in Erstaunen versunken, daß sie gar
-nicht auf die Mannschaft achteten.
-
-Die Normannen nahmen alles mit Gleichmut hin und meinten, der Luftpirat,
-der so viel geleistet, würde das Fahrzeug schon wieder aus dieser
-fremden Welt hinwegführen. Auch einige Inder zeigten sich gleichmütig,
-aber die anderen standen immer zusammen, zischelten und flüsterten. Sie
-schwiegen aber, wenn jemand in ihrer Nähe vorüberging.
-
-Von Zeit zu Zeit stiegen sie auch auf die Plattform und von dort auf die
-Düne, denn Mors hatte jedem seiner Leute freigestellt, die Umgebung des
-Weltenfahrzeugs in Augenschein zu nehmen.
-
-Plötzlich bemerkte man dort, wo die merkwürdigen Felsen aufstiegen,
-etwas Sonderbares.
-
-Aus einem der Kegel, die kleinen Kratern ähnlich sahen, stieg plötzlich
-eine mächtige Wassersäule wie ein riesiger Springbrunnen empor.
-
-Gleichzeitig begannen die Gewässer in den nahe befindlichen großen
-Felsenringen zu schäumen und zu sprudeln.
-
-Mors und dem Professor waren diese Erscheinungen nicht fremd.
-
-Solche gab es auch auf der Erde, auf der Insel Island und in den
-Felsengebirgen Nordamerikas, man pflegte solche Wasservulkane mit dem
-Namen Geyser zu bezeichnen.
-
-Hier schienen sie in wahrer Unzahl vorhanden zu sein und das ganze Land,
-so weit das Auge reichte, zu bedecken.
-
-Diese Wasservulkane waren es wohl auch, welche im Ruhezustande den
-elektrischen und magnetischen Strömen einen Ausgang gewährten, so daß
-sie ihre verderbliche Anziehungskraft auf alles Metallene ausüben
-konnten.
-
-Die Inder dagegen, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Wasservulkan
-gesehen hatten, betrachteten diese Erscheinung mit ehrerbietigem
-Staunen.
-
-Das hatte seine Gründe.
-
-Auf indischen Bildern werden nämlich die Gottheiten sehr häufig auf den
-heiligen Bergen dargestellt und zwar auf einem Thronsessel, um den rings
-umher Wolken aus der Erde emporsteigen.
-
-Diese Malereien aber erinnerten merkwürdigerweise an solche Geyser, weil
-der Dampf auf den indischen Bildern scheinbar stoßweise aus der Erde
-kam.
-
-Da glaubten die Inder, abergläubisch wie sie nun einmal waren, daß sie
-sich jetzt in dem Lande befänden, von welchem ihnen ihre Priester so oft
-erzählten, nämlich im himmlischen Paradiese.
-
-Hier wohnte Brahma, kein Zweifel, der Göttergeist lebte hier zwischen
-diesen wasserspeienden Kratern und dort, wo Wolken die Aussicht
-versperrten, mußte sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Paradies
-befinden.
-
-Alle Furcht war bei den Indern verschwunden, sie dachten jetzt gar nicht
-mehr daran, auf die Erde zurückzukehren.
-
-Hat doch nach dem indischen Glauben der Gestorbene eine ungemein lange
-und mühselige, gefahrreiche Reise durchzumachen, ehe er in das Paradies
-gelangt. Wenn er irgendwie gesündigt hat, wird er nach dem Volksglauben
-der Inder verwandelt, als Katze, als Hund, als Schlange, dann muß er
-immer und immer wieder die mühselige Erdenwanderung von neuem beginnen.
-
-Vielleicht fühlten sich diese Männer nicht ganz von Sünden frei, genug,
-sie dachten gar nicht daran, dies seltsame Land zu verlassen, sie
-wollten gleich hier bleiben und zu ihrem mächtigen Gott Brahma ins
-Paradies eingehen.
-
-Nun gehörte einer von ihnen, der auch bis jetzt den Sprecher gemacht,
-und der, wie er oft betonte, von fürstlichem Blute abstammte, zur
-Priesterkaste der Brahmanen. Dieser Mann war es, der seine Gefährten in
-diesem Aberglauben bestärkte.
-
-Er zweifelte gar nicht daran, daß man sich im Paradies befand und gab
-zuerst seine Absicht kund, hierzubleiben und die Seligkeit des Jenseits
-zu genießen.
-
-»Brahma wird uns mit offenen Armen aufnehmen,« sprach er zu den Indern,
-die ihm willig zuhörten. »Die Gottheit wohnt hinter diesen Felsen, denn
-es sind die heiligen Tempel, die den Göttersitz umgeben. Wir wollen
-ihnen nahen und dann sind uns die ewigen Freuden beschieden. Das
-Geschick hat uns hierhergeführt, wo Brahma auf uns wartet.«
-
-Es waren freilich nur wenige der Männer, die so fanatisch veranlagt
-waren, daß sie alles, was der ehemalige Priester sagte, für volle
-Wahrheit nahmen. Die anderen mochten freilich noch einige Zweifel hegen.
-
-Darum kümmerten sich aber diejenigen, welche an das Paradies glaubten,
-nicht im mindesten und waren fest entschlossen, die ewigen Freuden zu
-erringen.
-
-Aber dazu gehörte noch eins. Man mußte dem mächtigen Gott Brahma ein
-Opfer bringen.
-
-Der ehemalige Brahmanenpriester wußte auch hier Rat. Er kannte die
-ganzen alten Bücher und heiligen Schriften, nämlich die sogenannten
-Veden.
-
-Da erzählte er den Männern, die seinen Worten wie einem Evangelium
-lauschten, folgendes:
-
-»Es war einst ein Brahmane, der wurde durch einen Zufall mit einem
-Schiff auf das Meer geführt. Dort entstand eine ungeheure Windhose, die
-das Schiff in die Höhe riß und es nach langer, langer Fahrt nach dem
-Lande der Glückseligkeit brachte. Das ist dieses Land hier gewesen.«
-
-Die Worte des Mannes verrieten freilich, daß er wenig von der
-Beschaffenheit eines Weltenfahrzeuges wußte, denn man hätte fragen
-können, wie diese Kunde von dem Ereignis auf die Erde gekommen war.
-
-Aber danach fragten die Inder nicht, denn ihre alten Ueberlieferungen
-galten ihnen als etwas, an dem nicht gezweifelt werden durfte.
-
-»Ja, sie gelangten nach jenem Lande,« fuhr der Brahmane fort, »und als
-sie da ankamen, erkannten sie, daß sie sich im Reiche der Gottheit
-befinden mußten. Sie wollten Brahmas Paradies nahen, aber die
-Dampfwolken versperrten ihnen den Weg. Da gedachten sie einer alten
-Vorschrift unserer heiligen Bücher und sie opferten ein Weib, welches
-sich bei ihnen befand. Und so wie das Blut dieses Weibes den heiligen
-Boden tränkte, wichen die Dämpfe und die Männer gingen in das irdische
-Paradies, wo sie mit Jauchzen und Frohlocken empfangen wurden.«
-
-Es waren noch vier Männer, die sich um den Brahmanen drängten und seinen
-Worten lauschten, Leute, die nach dem Paradies förmlich lechzten.
-
-»Und das Opfer?« fragten sie, als der Mann schwieg.
-
-Der Brahmane deutete auf Nelly, die gerade ahnungslos nach der Plattform
-schritt.
-
-»Ist es nicht wie damals?« flüsterte er. »Sind wir nicht auch
-hierhergelangt und befindet sich nicht auch ein Weib unter uns? Laßt uns
-dies Mädchen opfern, denn Weiber sind nicht würdig, in Brahmas Paradies
-zu gelangen. Auch ist sie eine Ungläubige.«
-
-»Was aber wird der Mann mit der Maske dazu sagen?« fragte ein zweiter.
-
-Der Brahmane schien schon ganz verzückt zu sein, seine Augen glänzten in
-unnatürlichem Feuer.
-
-»Mag er sagen was er will,« erwiderte er. »Wenn wir uns im Paradies
-befinden, denken wir nur an die ewige Glückseligkeit. Brahma aber wird
-alle diejenigen, die nicht seine Diener sind, aus seinem Reich
-ausschließen. Wir werden allein zum Antlitz der Gottheit gelangen.«
-
-So kam es, daß sich die fünf Männer mit einander verbanden.
-
-Ihren anderen Genossen trauten sie nicht recht, auch gehörten diese
-einer niederen Kaste an, während die Verschwörer alle aus der
-Priesterkaste oder doch aus der Kriegerkaste stammten.
-
-Sie sprachen einen seltsamen Eid und zwar eine unheimlich klingende
-Formel. Wurde ein solcher Eid gebrochen, so verlor derjenige, welcher
-ihn brach, jedes Anrecht auf die himmlische Glückseligkeit.
-
-Die fünf Männer flüsterten zusammen, aber ihr Plan war bereits gefaßt.
-Die Abergläubischen waren fest davon überzeugt, daß dort hinter den
-sonderbar gestalteten Felsen und Hügeln das indische Paradies lag.
-
-Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sie ihr Unternehmen ins Werk
-setzen konnten. Sie wollten an jenen glücklichen Ort gelangen und hatten
-insgeheim den Tod der ahnungslosen Nelly beschlossen.
-
-
-
-
- 6. Kapitel.
- Der Geyser-Ausbruch.
-
-
-Tag auf Tag ging vorüber, ohne daß sich etwas Besonderes ereignete.
-
-Am Horizont zeigten sich zuweilen die Wogen des rätselhaften Ozeans,
-dessen blaue Linie aber niemals bis zu den Sanddünen vorrückte.
-
-Freilich war die erste Landungsstelle, wo das Weltenfahrzeug strandete,
-ziemlich weit entfernt und die mochte von Zeit zu Zeit vom Ozean
-überflutet werden.
-
-Alles deutete darauf hin, daß die neue Welt hier erst in der Entwicklung
-begriffen war.
-
-Es gab grauenvolle Stürme, die mit entsetzlicher Wut tobten. Stürme, die
-es begreiflich machten, daß hier kein höherer Pflanzenwuchs vorhanden
-war. Jeder Baum wäre durch diese fürchterlichen Orkane entwurzelt
-worden, aber die zähen, stachligen Graspflanzen beugten sich nur und
-schienen durch den Ansturm desto festeren Halt zu bekommen.
-
-Die Fische und sonstigen Lebewesen im Meere wurden durch die Wut der
-Stürme gar nicht berührt, sondern tummelten sich lustig in der klaren
-Tiefe.
-
-Die ungeheuren Sanddünen schützten das Weltenfahrzeug und wenn das
-Wetter ruhig war, konnte man zuweilen in einiger Entfernung die
-Ausbrüche der Geyser beobachten.
-
-Am großartigsten sah es aus, wenn von den Felsen kochende Gewässer
-herabrieselten und wunderbar gefärbte Dämpfe in die Höhe stiegen. Dann
-glich die Landschaft in der Tat einem übernatürlichen Ort, auf dem
-zahllose Wunderfontänen emporsprudelten.
-
-Die fünf Inder aber, welche sich mit einander verschworen hatten, waren
-mehr als je überzeugt, daß sie sich hier an der Schwelle des himmlischen
-Paradieses befanden, in dem sie sich durch das geplante Opfer Eintritt
-verschaffen konnten.
-
-Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sich Nelly allein aus der
-Umgebung des Weltenfahrzeugs entfernte. Dann wollten sie den Eingang in
-das vermeintliche Paradies erzwingen.
-
-Man gewöhnte sich allgemach an die sonderbare Welt und es kam oft vor,
-daß die Insassen des Weltenfahrzeuges eine Strecke landeinwärts
-wanderten.
-
-Mors warnte seine Leute, daß sie sich nur nicht in die Nähe der Geyser
-begaben, damit nicht etwa ein größerer Ausbruch Unheil anrichte.
-
-Wenn es dunkel wurde, verschwanden die Wolken, dann leuchteten die Monde
-und die Sterne in schier überirdischem Glanze.
-
-Der Professor meinte sogar, der Anblick der Geyser sei bei
-Mondbeleuchtung viel großartiger als bei Tage, da dann immer
-Wolkenmassen das Firmament verhüllen, und Nelly teilte seine Meinung.
-
-Mors setzte jetzt unablässig seine Beobachtungen fort. Er trachtete
-danach, eine Stelle zu finden, wo sich größere Sandmassen befanden.
-
-Am liebsten hätte er eine Wüste auf dem Planeten gefunden, denn der die
-Elektrizität hemmende Sand hätte ihm dann die Rückkehr in den Weltenraum
-gestattet.
-
-Aber derartiges war nicht zu finden, und so mußte Mors schon seinem
-guten Glück vertrauen. Wohl aber hatte er Terror angewiesen, bei
-Gelegenheit kleine Aufstiege zu machen und zu sehen, ob irgend wo die
-Anziehungskraft des Planeten minder heftig wirkte.
-
-Terror tat dies gern, denn er sehnte sich sobald als möglich von dem
-unheimlichen Weltkörper fort, er hatte nicht die geringste Lust, hier
-sein Leben zu beschließen.
-
-Das war nicht etwa Furcht, denn die kannte Terror nicht, aber er meinte,
-man könnte anderes verrichten, als hier in dieser fremdartigen Welt das
-Dasein zu vertrauern. Abenteuer wollte er haben, hier erschien ihm alles
-zu eintönig.
-
-Der Abend nahte, als Nelly wieder nach dem Reich der Geyser
-hinüberwandelte. Sie hatte das schon öfters getan und konnte sich gar
-nicht daran satt sehen, besonders gefiel es ihr, wenn im Mondschein die
-natürlichen Fontänen emporsprudelten.
-
-In gemessener Entfernung von diesen Geysern hielt sie an und setzte sich
-auf einen Stein, um in Muße das grandiose Naturschauspiel betrachten zu
-können.
-
-Plötzlich vernahm Nelly Schritte und sah fünf Leute von der Besatzung
-herankommen.
-
-Sie ahnte nichts Schlimmes, wußte sie doch nicht, daß es die fünf
-Verschworenen waren, die nach Brahmas Paradies trachteten.
-
-Schon war die Sonne verschwunden und mit ihr wie gewöhnlich die
-Wolkenmassen. Die Monde des Jupiter begannen wieder zu glänzen.
-
-Beim Umblicken hatte Nelly auch gewahrt, daß das Weltenfahrzeug wieder
-einmal in die Höhe stieg. Jedenfalls machte Terror wieder
-Schwebeversuche.
-
-Sie sah noch hin und hatte den Indern den Rücken zugekehrt, als sie
-plötzlich fühlte, wie sie von kräftigen Armen umschlungen wurde.
-Erschrocken wendete Nelly den Kopf und da sah sie in fanatische
-Gesichter, in schier überirdisch blickende Augen.
-
-Sofort überkam sie die Ahnung, daß ihr Gefahr drohte, sie schrie laut
-auf.
-
-Sie konnte nur einen einzigen Schrei tun, da sich gleich darauf eine
-Hand auf ihre Lippen preßte. Dann wurde sie emporgehoben und die fünf
-Männer schleppten sie nach den wasserspeienden Kratern hinüber.
-
-Nur ein einziger Mann hatte den Schrei vernommen und auch nur gedämpft,
-aber er ahnte, daß hier jemand in Angst aufschrie.
-
-Es war Kapitän Mors, der sich nicht auf dem Weltenfahrzeug befand.
-
-Er stand in der Nähe der Sanddünen und beobachtete die Bewegungen, die
-das Fahrzeug machte.
-
-Mors hatte nämlich bemerkt, daß der »Meteor«, wenn er hoch stieg, immer
-erst die Spitze nach oben wendete, dann aber wieder von der unheimlichen
-Macht hinuntergezogen wurde. Diese Bewegung wollte er genau beobachten,
-um sie vielleicht bei Befreiungsversuchen verwenden zu können. Jetzt
-aber wurde er durch den fernen Hilfeschrei unterbrochen.
-
-Im nächsten Moment rannte der Luftpirat mit gewaltigen Sprüngen nach den
-Geysern hinüber.
-
-Hier waren überall Felsen, die seine Gestalt verbargen. Er strengte alle
-Kräfte an, um rasch vorwärts zu kommen und erreichte bald den Platz, wo
-seine Leute sonst die Naturerscheinung zu beobachten pflegten. Aber
-dieser Platz war heute leer.
-
-Mors sah nach den Geysern hinüber und da glaubte er in den Strahlen des
-Mondes etwas Bewegliches zu sehen. Wieder rannte er vorwärts.
-
-Plötzlich blieb er betroffen stehen.
-
-Er sah Seltsames.
-
-Zur Linken und zur Rechten gewahrte er die Wasserkrater und zwischen
-denselben sah er eine Menschengruppe.
-
-Zwei der Inder hielten eine Gestalt fest, die eine dünne weiße Hülle
-trug.
-
-Es war Nelly.
-
-Die Inder hatten das Mädchen auf einen Felsblock gelegt und zwar so, daß
-die Arme und Füße herabhingen. Ein Mann hielt die beiden entblößten Arme
-Nellys fest, ein zweiter die Füße.
-
-So war die halbenthüllte Brust frei und emporgereckt, und neben ihr
-stand der dritte der Männer, der ehemalige Brahmane.
-
-Die Linke preßte er auf den Mund Nellys, damit sie nicht schreien
-konnte. In der Rechten aber hielt er eine jener dolchartigen Klingen,
-wie sie die Inder immer mit sich führten.
-
-Seitwärts aber knieten die beiden letzten Inder auf dem Boden und
-streckten die Arme flehend nach der Stelle aus, wo leichte Dämpfe auf
-einem Wasserkrater emporstiegen.
-
-»Brahma, Brahma,« riefen sie mit halblauter Stimme. »Höre das Flehen
-deiner treuen Diener. Sieh, wir bringen Dir ein Opfer dar, ein junges
-Mädchen. Das Blut des Opfers soll fließen und uns das Paradies öffnen.
-Brahma, öffne uns Deine Arme, Deine treuen Diener sehnen sich nach
-Deinem Anblick.«
-
-Mors wußte in wenigen Augenblicken, was hier geschehen sollte.
-
-Diese Inder befanden sich im Banne des finsteren Aberglaubens, sie
-wollten Nelly töten, um sich Einlaß in ein hier vermutetes Paradies zu
-verschaffen.
-
-Der unheimliche Brahmane wartete nur, bis das Gebet seiner Gefährten zu
-Ende war. Nun hob er das Messer und wollte die Klinge in Nellys Brust
-stoßen.
-
-Wenn Mors jetzt noch einen Augenblick zögerte, war das junge Mädchen
-verloren.
-
-Mit furchtbarem Satz schwang sich der Luftpirat über den nächsten
-Steinblock.
-
-Der Brahmane wollte den tötlichen Stoß führen, als ihn die eiserne Faust
-des Maskierten im Genick packte.
-
-»Was tust Du!« schrie der Luftpirat mit mächtiger Stimme, indem er den
-Aufheulenden weit hinwegschleuderte.
-
-Die beiden anderen Inder ließen Nelly los und prallten zurück. Sie
-kannten den Kapitän, seine Kraft und Entschlossenheit. Sie kannten auch
-seine fürchterlichen Waffen.
-
-Auch die Betenden sprangen empor und schauten verdutzt auf Mors, der so
-unerwartet unter ihnen erschienen war.
-
-Der Luftpirat aber kam nicht dazu, Aufklärung zu fordern.
-
-Denn in diesem Augenblick begann es zu sausen und zu brausen, man hörte
-ein Zischen und Schäumen.
-
-Von den Felsen sprudelte Wasser herunter und aus den Rissen am Boden
-quoll es empor. Gleichzeitig begann es im Innern des nahen Geysers
-seltsam zu poltern und zu grollen.
-
-Das Wasser stieg so schnell empor, daß die fünf Inder im Nu bis an den
-Gürteln im Wasser standen.
-
-Mors aber hatte Nelly, die ohnmächtig geworden war, emporgehoben und
-hielt das schöne Mädchen in seinen Armen. Hinter ihm zischte und brauste
-es, aus dem Geyser aber stieg eine Wassersäule.
-
-»Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt,« schrie Mors
-mit furchtbarer Stimme.
-
-Der Zuruf galt den Indern, denn trotz ihres unheimlichen Aberglaubens
-wollte Mors diese Leute erhalten.
-
-Er selbst aber sprang schnell entschlossen auf den Rand eines
-Felsenringes, in dessen Innern das Wasser langsam emporstieg. Er wußte
-ja, was kommen würde. Das Wasser, welches bis jetzt emporgedrungen und
-nur eine mäßig warme Temperatur besessen, begann jetzt zu kochen.
-
-Aber die Inder hörten nicht auf die Stimme des Kapitäns, wenigstens
-nicht die drei, welche das Opfer vollziehen wollten.
-
-Nur die beiden, welche gebetet hatten, erreichten noch im letzten
-Augenblick einen Felsblock, an dem sie hinaufkletterten und sich
-anklammerten. Der Brahmane und seine beiden fanatischen Genossen wälzten
-sich schreiend in den heißer und heißer werdenden Fluten.
-
-Mors hatte jetzt mit sich selbst zu tun, denn es galt ja, den kochenden
-Wassermassen auszuweichen.
-
-Seine eiserne Kaltblütigkeit kam ihm da sehr zu statten.
-
-Mors lief, Nelly tragend, immer auf dem Rand des ausgedehnten
-Felsenringes herum.
-
-Er mußte immer in Bewegung bleiben, denn das Wasser sprudelte bald hier
-bald dort. Kochende Massen schossen von den Felsen herunter und
-zeitweise war alles in Dämpfen eingehüllt, so heiß, so glühend, daß man
-kaum zu atmen vermochte.
-
-Mors hörte, wie die beiden Inder, die sich gerettet hatten, laut
-schrieen und jammerten.
-
-Sie flehten zu Brahma, aber als von diesem Gott keine Hilfe kam, wurden
-die Männer in ihrem Aberglauben schwankend. Sie schrieen jetzt zu Mors,
-daß er ihnen helfen solle.
-
-»Das ist besser, als wenn Ihr zu Euren Göttern schreit,« rief der
-Luftpirat. »Haltet Euch nur an den Felsen fest und deckt Euch gegen die
-Wassermassen. Dann werdet Ihr schon mit dem Leben davonkommen.
-Aushalten, der Ausbruch geht schon vorüber.«
-
-Mors irrte sich nicht.
-
-Es dauerte allerdings eine Stunde, ehe die entfesselten unterirdischen
-Gewalten zu toben aufhörten.
-
-Dann verstummte das Brausen und Zischen wie mit einem Zauberschlag, der
-Geyser schleuderte keine Wassermassen mehr empor und die eben noch
-überschwemmte Strecke wurde trocken, das emporsprudelnde Wasser durch
-die Felsspalten wieder in das Innere der Erde zurückströmte.
-
-Am Boden aber lagen drei grauenvoll entstellte Körper, die drei Inder,
-welche im siedenden Wasser ein schreckliches Ende gefunden hatten.
-
-Nelly war wieder zu sich gekommen und befand sich in den Armen des
-Kapitäns.
-
-Anfangs schrie sie laut auf, da sie glaubte, daß sie sich noch in der
-Gewalt der Inder befände, die sie der Gottheit opfern wollten.
-
-Dann aber erkannte sie ihren Retter.
-
-»Sie sind plötzlich über mich hergefallen,« stammelte Nelly. »Ich konnte
-nur einmal schreien. Dann wurde mir der Mund zugehalten.«
-
-»Finsterer Aberglauben war es,« sprach Mors. »Sie wollten Euch einer
-Gottheit opfern, um in ein hier vermutetes Paradies zu gelangen. Drei
-dieser Männer sind vom Verderben ereilt worden, und die beiden anderen
-werden ihre Strafe für ihre Unbesonnenheit und ihren Aberglauben später
-erhalten.«
-
-Nelly bemerkte erst jetzt, daß ihr die Inder die Kleider abgerissen
-hatten und wollte vor Scham vergehen. Mors aber blickte gar nicht auf
-die reizvolle Gestalt, sondern rief nur den beiden noch immer zitternden
-Indern zu, daß sie ihm so schnell als möglich folgen sollten.
-
-Dann zog der Luftpirat seinen blauen Uniformrock aus und deckte ihn als
-Kavalier über Nellys entblößte Arme und Schultern. So führte er die noch
-immer heftig Zitternde, von den beiden ganz niedergeschlagenen Indern
-gefolgt, zurück zur Sanddüne.
-
-Dort war inzwischen das Weltenfahrzeug wieder nieder gegangen und die
-Besatzung wunderte sich sehr, als Mors, Nelly und die beiden Inder in
-einem solchen Aufzug zurückkehrten.
-
-Nelly eilte rasch schamglühend in das Weltenfahrzeug, um sich mit neuen
-Kleidern zu versehen, während Mors hastig das eben erlebte Abenteuer
-erzählte.
-
-Die beiden abergläubischen Inder, welche den Tod ihrer Gefährten mit
-angesehen hatten, mußten bittere Vorwürfe über sich ergehen lassen.
-
-Terror aber brachte dem Kapitän eine besondere Nachricht.
-
-Es war ihm gewesen, als hätte sich die furchtbare Anziehungskraft des
-Jupiter weit weniger geäußert als sonst und da entschloß sich Mors noch
-einmal in die Lüfte zu steigen.
-
-Er verschob es aber bis zum Tagesanbruch und als die Sonne erschien,
-kamen auch die gewaltigen Wolkenmassen, die tagsüber regelmäßig das
-Firmament bedeckten.
-
-Plötzlich machte sich im Osten ein seltsamer roter Schein bemerkbar.
-
-Terror sah ihn zuerst und benachrichtigte Mors und den Professor von der
-neuen Erscheinung.
-
-»Das ist die rote Wolke,« rief van Halen. »Das ist jene ungeheure Masse,
-die über dem Jupiter schwebt und die in ihrem Innern jedenfalls die
-fürchterlichen elektrischen Entladungen birgt. Kapitän, rasch, wir
-müssen nach der Düne hinunter.«
-
-Mors gab sofort ein Signal nach dem Lenkraum, um Terror zu bestimmen,
-daß er den »Meteor« wieder nach seinem geschützten Ankerplatz brächte.
-
-Aber seine Finger berührten noch den Druckknopf, als das Weltenfahrzeug
-plötzlich wie von einer furchtbaren Kraft hin- und hergeschüttelt wurde.
-
-»Zu spät, zu spät!« schrie der Professor, als er durch das Guckloch sah,
-daß alles rings herum blutrot leuchtete. »Kapitän, wir sind in die rote
-Wolke des Jupiter geraten!«
-
-Von dem, was jetzt vorging, hatten die Insassen des Weltenfahrzeuges
-später nur noch eine unbestimmte Vorstellung.
-
-Es war ihnen aber zu Mute, als würde mit ihnen buchstäblich Fangeball
-gespielt. Der »Meteor« schien sich in der Gewalt ungeheuer boshafter
-Kobolde zu befinden.
-
-Bald wurde er hierhin, bald dorthin geworfen. Bald richtete er sich mit
-dem Vorteil, dann wieder mit dem Hinterteil in die Höhe. Einige Male
-schien es, als sollte das Fahrzeug Kopf stehen.
-
-Dazu vernahm man außerhalb geradezu entsetzliche Töne.
-
-Vermutlich waren es elektrische Entladungen, welche in der roten Wolke
-tobten. Aber man konnte diese fürchterlichen Entladungen nicht mehr als
-Donnerschläge bezeichnen. Nein, das war etwas anderes. Das waren
-gräßliche, gigantisch schmetternde Töne, sie waren so fürchterlich, daß
-man glaubte, es müsse alles in Trümmer gehen.
-
-Selbst Mors gab alles verloren und erwartete den Augenblick, wo der
-»Meteor« in Atome zertrümmert werden mußte.
-
-Aber das wunderbare Fahrzeug hielt, es trotzte den entfesselten
-Elementen, kein Bolzen gab nach, alles blieb in bester Ordnung.
-
-Van Halen, Nelly, die Inder und Normannen bewahrten ihre Fassung.
-Kapitän Mors gab ihnen ja ein heldenhaftes Beispiel.
-
-Der Luftpirat bekam es sogar fertig, nach dem Lenkraum zu gehen oder
-vielmehr zu kriechen. Dort traf er Terror, der sich zwischen seinen
-Maschinen festgebunden hatte.
-
-»Hält der Magnet noch?« war Mors' erste Frage.
-
-»Ja, Kapitän,« lautete die Antwort. »Der Magnet ist noch in Ordnung,
-aber ich denke, es geht jetzt alles in Trümmer!«
-
-»Ich meine, wir haben das Schlimmste schon überstanden,« erwiderte Mors.
-
-»Wie meint Ihr das, Kapitän?« stotterte Terror.
-
-»Das will ich dir sofort sagen,« erwiderte der Luftpirat. »Die rote
-Wolke, diese sonderbare Erscheinung, kann möglicherweise zu unserer
-Rettung dienen. Die schrecklichen, entfesselten elektrischen Kräfte
-können uns möglicherweise in den Weltenraum hinausschleudern.«
-
-In diesem Moment vernahm man ein lautes Surren und Summen.
-
-»Kapitän,« schrie Terror freudig auf. »Ihr habt recht. Der Magnet
-arbeitet. Das Weltenfahrzeug befindet sich in voller Fahrt!«
-
-Die furchtbaren schlingernden Bewegungen hatten aufgehört. Mors stürzte
-zu dem Schieber, der die starke Glasscheibe verdeckte.
-
-Er sah hinaus in den Weltenraum.
-
-Noch gewahrte man den Jupiter als ungeheure, leuchtende Scheibe. Man sah
-die Wolkenmassen und in diesen den unheimlichen roten Fleck, dieses
-geheimnisvolle Rätsel des Riesenplaneten.
-
-Aber die fürchterliche Naturkraft hatte die Weltenfahrer gerettet.
-
-Wie es kam, daß sie so weit in den Weltenraum hinausgeschleudert wurden,
-konnte niemand sagen. Aber der Magnet wirkte. Mit rasender Schnelligkeit
-schoß der »Meteor« vom Jupiter hinweg und seine Spitze richtete sich auf
-die ferne Erde.
-
-Terror stieß einen Jubelruf aus und rannte, nachdem er sich losgebunden,
-in den Beobachtungsraum, um das fast Unglaubliche zu verkünden.
-
-Mors aber blieb im Lenkraum und ruhig, als wäre nichts geschehen, lenkte
-er sein wunderbares Fahrzeug zurück zur Mutter Erde.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
-J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
-von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 161-196. Moderne Zusätze und Anmerkungen
-wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige
-Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten.
-
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
-Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
-Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
-Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
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-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
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-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
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-electronic works. See paragraph 1.E below.
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-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
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-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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-volunteers and employees are scattered throughout numerous
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-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
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- Chief Executive and Director
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-<title>The Project Gutenberg eBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten</title>
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-The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
-56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous
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-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
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-Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten
-
-Author: Anonymous
-
-Release Date: November 28, 2017 [EBook #56067]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
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-
-
-
-
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-<div class="frontmatter">
-<p class="vol">
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-</p>
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-<p class="ser">
-<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span>
-<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span>
-</p>
-
-<h1 class="title">
-Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten.
-</h1>
-
-<div class="centerpic">
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-<p class="cap">
-&bdquo;Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt!&ldquo;
-schrie Mors mit furchtbarer Stimme.
-</p>
-
-</div>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="pub">
-Druck- und Verlags-Gesellschaft<br />
-Berlin
-</p>
-
-</div>
-
-<p class="tit">
-Die Weltenfahrer auf
-dem Riesen-Planeten.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-1">
-<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br />
-Ungelöste Rätsel des Weltenraumes.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen über dem Festland und
-den Meeren, die allmählich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen.
-</p>
-
-<p>
-Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Koloß aus
-gesehen, der plötzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphäre
-der Erde hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner.
-</p>
-
-<p>
-War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und
-sich nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen
-Welten wendete?
-</p>
-
-<p>
-Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug
-des maskierten Luftpiraten, welches den Namen &bdquo;Meteor&ldquo;
-führte.
-</p>
-
-<p>
-Fast schien es, als wollte Kapitän Mors, der Erbauer des Weltenfahrzeuges,
-der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und seiner Leute
-Leben zum Opfer bringen.
-</p>
-
-<p>
-Eben war er erst auf Erden mit Mühe und Not dem drohenden
-Verhängnis entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenräume
-auf, in denen zu fast jeder Minute das Verderben drohte.
-</p>
-
-<p>
-Dennoch ging Kapitän Mors nach einem genau bestimmten Plan
-vor, er konnte eben nicht müßig bleiben.
-</p>
-
-<p>
-Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte,
-jeder Tag sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft
-verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenräumen erproben
-konnte.
-</p>
-
-<p>
-Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung.
-</p>
-
-<p>
-Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen,
-sogar die Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und
-gefährlichsten Abenteuer erlebt.
-</p>
-
-<p>
-Er wußte aus Erfahrung, daß jene intelligenten Bewohner der Planeten
-ihn und sein Werk stets feindlich betrachteten. Daß sie durch
-größeres Wissen Machtmittel besaßen, welche ihm und seinen Leuten
-leicht verderblich werden konnten.
-</p>
-
-<p>
-Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch
-den Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten
-vermieden wurde.
-</p>
-
-<p>
-Diesmal lockte Mors ein anderes Rätsel.
-</p>
-
-<p>
-Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht
-hatte, eins der größten Rätsel der Sternenwelt lösen zu wollen.
-</p>
-
-<p>
-Dies Rätsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn.
-</p>
-
-<p>
-Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte
-schon bei den früheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente
-auf diesen merkwürdigsten aller Himmelskörper gerichtet und ihn
-mit dem Eifer eines Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen,
-woraus der Ring des Saturn eigentlich bestand.
-</p>
-
-<p>
-Nun hatte schon vor Jahren ein äußerst scharfsinniger Astronom
-die Vermutung aufgestellt, daß sich die Ringe des Saturns aus unzähligen
-kleinen Körpern zusammensetzten.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie bestätigt
-wissen, und als er Kapitän Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den
-Kurs des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet.
-</p>
-
-<p>
-In den Räumen des mächtigen Fahrzeuges standen Kapitän Mors
-und der Professor im Gespräch neben den wissenschaftlichen Apparaten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Meine Leute sind während der letzten abenteuerlichen Fahrt auf
-der Erde nicht müßig gewesen,&ldquo; sagte Kapitän Mors. &bdquo;Sie haben alle
-meine Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug
-in einer Weise hergerichtet, daß es selbst den höchsten Anforderungen
-genügt. Der Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert
-worden, und so habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen
-fremder Weltenfahrzeuge gesichert.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Jetzt können die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich würde nicht
-einmal die Blitze mehr fürchten, mit denen sie damals einen Teil meines
-&bdquo;Meteor&ldquo; demolierten, jetzt trotze ich ihnen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nähe vorüber,&ldquo; meinte
-der Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glühte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, das ist allerdings nicht der Fall,&ldquo; meinte Mors, &bdquo;aber Sie,
-bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, daß die intelligenten Bewohner
-jener zwei gefährlichen Planeten weite Weltenreisen unternehmen.
-Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt, denn so muß
-ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl noch, wie wir
-einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da muß ich stets
-und ständig auf Angriffe gefaßt sein. Aber ich denke, wir werden diesmal
-verschont bleiben und die Rätsel lösen, an denen Ihnen so viel
-gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, muß sich uns das Geheimnis
-des Saturnringes enthüllen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Gewiß!&ldquo; erwiderte der Professor. &bdquo;Bei den
-Vorsichtsmaßnahmen,
-die wir getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen,
-daß uns Unfälle begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz
-außer unserem Kurs, wir müssen nur die ungeheure Anziehungskraft des
-größten aller Planeten, des Jupiter berücksichtigen, denn die hat uns
-schon einmal sehr zu schaffen gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure
-Masse selbst unserem Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja,
-Kapitän, der Jupiter hat schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male
-Weltenkörper abgefangen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, das war nicht allzu schwer,&ldquo; meinte Mors. &bdquo;Darüber hat
-man ja klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem Kurs
-geworfen, ihren Lauf verändert, ja sie sogar in Atome auseinandergetrieben.
-Aber das sind ja gasförmige Körper, die keinen Widerstand zu leisten
-vermögen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist richtig,&ldquo; erwiderte der Professor. &bdquo;Aber ich huldige da
-noch einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen.
-Früher glaubte man, daß die Monde, von denen der Jupiter vier größere
-besitzt, während der Saturn sogar acht Trabanten mit sich führt, der
-Festwerdung und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube,
-daß dies kleine Weltkörper sind, welche die beiden Riesen durch
-ihre ungeheure Anziehungskraft gewissermaßen abfingen und sie bereits
-seit ungezählten Millionen Jahren mit sich führen. Kommen wir näher
-an diese Weltkörper heran, so hoffe ich auch dies Rätsel lösen zu können.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Damit ging der Professor an seine Arbeit.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gemäß die Räume des
-Weltenfahrzeugs.
-</p>
-
-<p>
-Unsere Leser werden sich entsinnen, daß der Luftpirat bei seinen
-letzten Abenteuern die größte Anzahl seiner Mannschaften einbüßte.
-</p>
-
-<p>
-Der Verlust war jetzt einigermaßen ersetzt durch eine Anzahl Inder
-aus den Hochgebirgen, die Kapitän Mors in seine Dienste genommen.
-</p>
-
-<p>
-Er war bis jetzt mit diesen Männern sehr zufrieden, zumal diese
-ihr geliebtes Vaterland für immer verlassen mußten. Diese Inder hatten
-sich an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer
-Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Engländer kläglich
-scheitern mußte.
-</p>
-
-<p>
-Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwörer wurde im Kampf
-getötet, andere gefangen und nach kurzem Prozeß hingerichtet. Diejenigen,
-welche zu flüchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge,
-wurden aber auch dort von den Engländern verfolgt und wie die
-wilden Tiere umhergehetzt.
-</p>
-
-<p>
-Die freiheitsliebenden Männer gaben sich schon verloren, als sie
-mit Kapitän Mors&rsquo; Sendboten zusammentrafen.
-</p>
-
-<p>
-Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt,
-um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem
-lenkbaren Luftschiff über den schneebedeckten Hochgebirgen.
-</p>
-
-<p>
-Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Geächteten das
-Anerbieten Lindos an und schwuren den fürchterlichen Eid, durch den
-sie sich für immer an Kapitän Mors banden.
-</p>
-
-<p>
-Bald führte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Südmeer
-und die zähesten und widerstandsfähigsten dieser Männer waren es,
-welche Mors bei seiner neuen großen Reise in den Weltenraum begleiteten.
-</p>
-
-<p>
-Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die
-zwanzig Köpfe zählte. Dazu kamen noch Mors und der Professor.
-</p>
-
-<p>
-Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nämlich die Schwester
-des ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten.
-</p>
-
-<p>
-Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten
-schwor.
-</p>
-
-<p>
-Ihren dämonischen Bruder, den Kapitän Mors vernichtet, hatte sie
-längst vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhängerin des Mannes
-mit der Maske geworden. Dieses noch so junge Mädchen besaß
-einen wahren Feuergeist und einen glühenden Hang zu phantastischen
-Abenteuern; sie besaß außergewöhnliche mechanische und technische
-Kenntnisse, in denen sie sogar die Töchter des Ingenieurs Long, die
-beide auf der Insel als glückliche junge Frauen zurückgeblieben waren,
-übertraf.
-</p>
-
-<p>
-Anita war die Gattin des Professors und auch Lucy Long hatte
-einen Mann gefunden. Es war einer der stolzen Inder aus den Hochgebirgen,
-in dessen Adern fürstliches Blut rollte.
-</p>
-
-<p>
-Da Nelly dem Professor bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten
-behülflich war, und Terror, der Mors diesmal begleitete, die Maschinen
-im Lenkraum bediente, gab ihr der Kapitän auf ihr Bitten endlich die
-Erlaubnis, an der Weltenfahrt teilnehmen zu dürfen, was sie mit größter
-Freude erfüllte.
-</p>
-
-<p>
-Sie hatte es auch übernommen, die Speisen für die Mannschaft
-zuzubereiten und war bei dieser Arbeit ebenso zufrieden, als wenn sie
-an den Instrumenten saß.
-</p>
-
-<p>
-Mors warf einen Blick in den Raum, der als Küche diente.
-</p>
-
-<p>
-Dort stand Nelly am Herd und Mors konnte sich nicht verhehlen,
-daß sie bildschön war.
-</p>
-
-<p>
-In einer gewissen Beziehung war ihm das nicht lieb, denn ein
-schönes Mädchen ist auf einem Fahrzeug, welches eine Reise in unbekannte
-Welten unternimmt, immerhin eine gewisse Gefahr.
-</p>
-
-<p>
-Hätte Mors noch seine Mannschaft besessen, die er damals bei
-Ned Gullys Angriff verlor, so hätte er sich nicht die geringsten Sorgen
-gemacht, denn diese Männer waren ja unbedingt zuverlässig gewesen.
-</p>
-
-<p>
-Aber er hatte ja schon mit einem Teil der Normannen früher Unannehmlichkeiten
-gehabt und alle diese Gedanken kamen ihm durch
-den Sinn, als er die schmiegsame Gestalt seiner reizenden Begleiterin
-betrachtete.
-</p>
-
-<p>
-Er besann sich einen Augenblick und trat dann in diesen blitzsauberen
-Raum, wo Elektrizität die Dienste des Feuers verrichtete.
-</p>
-
-<p>
-Nelly hörte den Schritt des Luftpiraten und wendete sich schnell
-um. Ihr schönes Gesicht wurde rot, als sie den stolzen Mann mit der
-Maske gewahrte.
-</p>
-
-<p>
-Es ging ja ein eigentümlicher Zauber von Kapitän Mors aus, ein
-Zauber, dem alle Frauen- und Mädchenherzen erlagen.
-</p>
-
-<p>
-Auch Nelly konnte sich diesem merkwürdigen Zauber nicht entziehen.
-</p>
-
-<p>
-Ein bitteres Lächeln schwebte um den Mund des Luftpiraten, als
-er in den dunklen Augen des Mädchens die Verwirrung las.
-</p>
-
-<p>
-Mors dachte an die Zeiten, wo auch er glücklich gewesen war. Er
-erinnerte sich an jene furchtbaren Tage, wo er alles verlor, was er lieb
-hatte, wo die Verzweiflung, der Grimm gegen die Menschheit, ihn zum
-Luftpiraten machte, wo er seine furchtbare Waffe, das lenkbare Luftschiff
-erbaute.
-</p>
-
-<p>
-Aber das ging rasch vorüber.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nelly,&ldquo; sprach der Mann mit der Maske. &bdquo;Ich habe Euch etwas
-zu sagen. Ich fahre diesmal mit einer Mannschaft, die ich noch nicht
-ganz genau kenne, die beiden Normannen sind freilich treu und zuverlässig,
-aber die Inder habe ich, obwohl sie mir den Treueid geschworen,
-doch noch nicht so prüfen können, wie meine Veteranen. Nun hört.
-Sollte jemand Euch in irgend einer Weise unbescheiden nahen, dann
-kommt Ihr sofort zu mir und teilt mir alles mit. Laßt Euch nicht durch
-Scheu oder durch Rücksicht anderen Sinnes machen. Sagt es mir ganz
-offen, wenn Euch jemand irgendwie belästigt oder beleidigt. Das ist
-nötig, schon um die Autorität aufrecht zu erhalten. Ich erwarte, daß Ihr
-mir in diesem Falle sofort Meldung erstattet.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Nelly versprach das und schien über das ihr bezeigte Vertrauen
-ganz glücklich zu sein. Der stolze Mann aber verließ den Raum und
-schritt weiter, durch die Gänge und Räume des Weltenfahrzeugs, welches
-mit geradezu unheimlicher Schnelligkeit durch die Unendlichkeit
-dahinflog.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-2">
-<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br />
-Unbekannte Verfolger.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Seit dem Beginn der Weltenfahrt waren Wochen verstrichen.
-</p>
-
-<p>
-Die Erde erschien schon längst als ein Stern, der sich nur durch
-etwas helleren Glanz von den übrigen Himmelskörpern unterschied.
-</p>
-
-<p>
-Dagegen hatte man sich dem Ziel, welchem man zustrebte, um ein
-Bedeutendes genähert.
-</p>
-
-<p>
-Schon konnte man mit bloßem Auge die Gestalt des Saturn und
-selbst mit dem kleinsten Fernrohr das Ringsystem dieses merkwürdigsten
-aller Weltenkörper betrachten.
-</p>
-
-<p>
-Professor von Halen befand sich in fieberhafter Aufregung und
-gönnte sich kaum die nötigste Ruhe.
-</p>
-
-<p>
-Er schrieb seine Beobachtungen nieder und versicherte oftmals mit
-leuchtenden Augen, daß die Welt über alle diese Entdeckungen staunen
-würde.
-</p>
-
-<p>
-Aber dasjenige, was ihm am meisten am Herzen lag, das Geheimnis
-des Saturnringes, hatte der Professor noch immer nicht enträtseln
-können.
-</p>
-
-<p>
-Es schien, als wollte der Planet mit seinem Ring der menschlichen
-Wissenschaft spotten.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor richtete die stärksten Instrumente auf den Planeten
-und glaubte mehrmals seine Vermutung bestätigt zu sehen. Aber bestimmt
-ließ es sich noch nicht sagen, daß der Ring aus lauter kleinen
-rotierenden Weltenkörperchen bestand. Man mußte noch näher herankommen.
-</p>
-
-<p>
-Terror versah seinen Dienst mit Eifer und Hingebung. Er wurde
-dabei zuweilen von einem der als treu befundenen Normannen abgelöst,
-aber es war auch nicht selten, daß sich Kapitän Mors halbe Tage
-lang im Maschinenraum aufhielt.
-</p>
-
-<p>
-Die Geschwindigkeit, mit welcher das Weltenfahrzeug durch den
-unendlichen Raum schoß, war geradezu unheimlich. Es mochte an
-Schnelligkeit sogar diejenige der Meteore und Sternschnuppen übertreffen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Würde uns Luft umgeben, so würde der Panzer unseres Fahrzeuges
-durch die furchtbare Reibung zu glühen anfangen,&ldquo; sprach Professor
-von Halen öfters. &bdquo;Aber hier fehlt ja die Luft. Hier herrscht nur die
-tödliche Kälte des Weltenraumes.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Von dieser furchtbaren Kälte aber verspürten die Insassen des
-merkwürdigen Fahrzeuges nicht das geringste. Dagegen schützten die
-doppelten Wände, in denen sich Behälter mit flüssiger Luft befanden.
-Drinnen im Weltenfahrzeug war es warm und behaglich, die Elektrizität
-spendete die Wärme, die man brauchte.
-</p>
-
-<p>
-Diese Kraft bereitete die Speisen, sie trieb Maschinen und setzte
-Signale in Bewegung, sie speiste auch den riesenhaften Scheinwerfer, der
-von Zeit zu Zeit in den Weltenraum hinausleuchtete.
-</p>
-
-<p>
-Nelly war ebenso tätig wie alle anderen und schien sich unentbehrlich
-machen zu wollen. Sie hoffte, daß Kapitän Mors sie auch bei fernern
-Weltenfahrten mitnehmen würde, denn sie sehnte sich nach Abenteuern.
-</p>
-
-<p>
-Der phantastische Sinn von Ned Gullys Schwester liebte das Ungewöhnliche
-und Ungeheuerliche.
-</p>
-
-<p>
-So waren die Wochen vergangen, als plötzlich ein Signal aus dem
-Lenkraum erschallte.
-</p>
-
-<p>
-Mors, der sich gerade bei Professor von Halen befand, sah rasch
-auf die kleinen bunten Fahnen, die aus bemaltem Blech bestanden.
-</p>
-
-<p>
-Diese Fahnen besaßen verschiedene Farben. Sie waren blau, grün,
-gelb, weiß.
-</p>
-
-<p>
-Alle diese Farben hatten ihre besondere Bestimmung, aber Gefahr
-verkündeten nur zwei solcher Blechfahnen, von denen die eine rot, die
-andere schwarz war.
-</p>
-
-<p>
-Bemerkte man irgend etwas Ungewöhnliches, was Gefahr verkündete,
-so richtete sich das rote Fähnchen empor. War die Gefahr aber
-schon ganz nahe und unvermutet aufgetaucht, so zeigte sich die schwarze
-Flagge.
-</p>
-
-<p>
-Mors sah, daß dort, wo der Apparat arbeitete, das rote Fähnchen
-aufrecht stand und eilte hastig nach dem Lenkraum. Der Professor folgte
-ihm auf dem Fuße.
-</p>
-
-<p>
-Terror befand sich bei seinen Maschinen. Er putzte, reinigte und
-ölte sie immer eigenhändig, sodaß er die geringste Unregelmäßigkeit
-sofort bemerkte.
-</p>
-
-<p>
-Mors bemerkte sogleich, daß der Schieber von einem der Beobachtungsfenster
-entfernt war.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hast Du was Besonderes bemerkt, Terror?&ldquo; fragte er seinen getreuen
-Begleiter.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Gesehen habe ich was, Kapitän, aber ich kann nicht recht daraus
-klug werden, es scheint irgend was hinter uns herzukommen und zwar
-sind es wohl mehrere Dinger. Eins weiß ich aber sicher, es hat von Zeit
-zu Zeit rötlich aufgeleuchtet und beim Schein war es mir, als ob kugelförmige
-Gegenstände hinter uns hergeflogen kämen. Deshalb gab ich
-das Warnungszeichen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Van Halen hatte schon bei den ersten Worten Terrors einen Beobachtungsapparat
-herbeigeholt.
-</p>
-
-<p>
-Er stellte ihn so auf, daß er durch die Fenster des Achterteils am
-Magneten vorüber in den Weltenraum blicken konnte.
-</p>
-
-<p>
-Draußen bot sich das gewöhnliche Bild.
-</p>
-
-<p>
-Man sah den rabenschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen,
-mitten unter diesen die Sonne, welche den Riesenleib des Weltenfahrzeugs
-grell beleuchtete.
-</p>
-
-<p>
-Das war merkwürdig, aber erklärlich, denn bei solchen Fahrten
-herrschte immer Tag und Nacht zugleich.
-</p>
-
-<p>
-Die Sonne konnte nie verschwinden. Andererseits aber sah man
-unablässig die Sterne, weil ja die Luft fehlte. Auch erschien die Sonne
-nicht als Strahlenkugel, wie auf der Erde, sondern als gelbrote Scheibe,
-die freilich ein ungemein grelles Licht ausstrahlte.
-</p>
-
-<p>
-Van Halen war an solche Beleuchtungen schon gewöhnt und so
-richtete er langsam das Beobachtungsinstrument nach der Richtung, wo
-Terror die sonderbaren Dinge erblickt haben wollte. Auch Mors schaute
-hinaus.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich glaube, es zu haben,&ldquo; sprach er plötzlich und zwar im selben
-Moment, als der Professor eine Bewegung mit der Hand machte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich sehe es auch,&ldquo; rief der Gelehrte. &bdquo;Ja, ja, Terror hat recht. Die
-Dinger kommen hinter uns her und leuchten von Zeit zu Zeit rot auf,
-um dann wieder zu verschwinden. Sie erscheinen aber nur kugelförmig,
-weil wir sie von vorn sehen. Ich glaube doch, daß sie in Wirklichkeit
-eine etwas längliche Form besitzen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Nun kam die Frage, ob man unbekannte Weltkörper vor sich hatte,
-die den ewigen Naturgesetzen gehorchend, eine bestimmte Bahn
-verfolgen.
-</p>
-
-<p>
-Das konnte man sehr leicht feststellen, denn man brauchte ja nur
-den Kurs des Fahrzeuges zu ändern. Waren die unbekannten Dinger,
-von deren Größe man sich noch keine Vorstellung machen konnte,
-Weltenkörper, so mußten sie eben die Bahn, die hinter dem &bdquo;Meteor&ldquo;
-herzuführen schien, inne halten und bald aus dem Gesichtskreis verschwinden.
-</p>
-
-<p>
-Der Riesenmagnet wendete sich und das merkwürdige Fahrzeug
-gehorchte wie ein Schiff dem Steuer.
-</p>
-
-<p>
-Seine Geschwindigkeit mäßigte sich nicht im geringsten, aber es
-schoß jetzt in einer anderen Richtung davon, die mit der bisher innegehaltenen
-einen spitzen Winkel bildete.
-</p>
-
-<p>
-Nun vergingen zwei Stunden, ohne daß im Lenkraum ein Wort
-gesprochen wurde.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat hatte sich ein Beobachtungsinstrument herbeigeholt
-und den Schieber geöffnet, der das zweite Ausgucksfenster verdeckte.
-</p>
-
-<p>
-Er saß rechts, der Professor links und nun beobachteten die beiden
-Männer mit Aufmerksamkeit die befremdlichen Erscheinungen.
-</p>
-
-<p>
-Die dritte Stunde war beinahe zu Ende.
-</p>
-
-<p>
-Da erhob sich Mors von seinem Sitz und sprach mit eisiger Ruhe:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Professor, es sind keine Weltkörper, die merkwürdigen Erscheinungen
-haben ihren Kurs geändert und kommen wieder hinter uns
-her.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Eben wollte ich das gleiche sagen,&ldquo; erwiderte van Halen, indem er
-sich umblickte. &bdquo;Es ist kein Zweifel übrig, wir werden verfolgt.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors ging mehrere Male im Lenkraum hin und her.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was halten Sie davon, Kapitän?&ldquo; sprach der Professor, als der
-Luftpirat endlich stehen blieb.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich weiß es wirklich nicht,&ldquo; lautete die Antwort. &bdquo;Das, was ich
-gesehen habe, läßt sich mit meinen früheren Beobachtungen im Weltenraum
-absolut nicht in Vereinbarung bringen. Wir haben Weltenfahrzeuge
-vom Mars und von der Venus gesehen, diese Erscheinungen aber
-sind gänzlich verschieden. Im übrigen zweifle ich nicht daran, daß wir
-das Werk irgend einer Intelligenz vor uns haben, die uns verfolgt und es
-ist möglich, daß es so fürchterliche Gegner sind, daß sie uns vernichten
-können. Eins aber habe ich entdeckt, die Schnelligkeit, mit der sie sich
-bewegen, ist nicht viel größer als die unsere und noch habe ich unsere
-Schnelligkeit nicht aufs Höchste gesteigert. Wir können, wenn wir wollen,
-noch rascher fahren, ja vielleicht schneller als unsere geheimnisvollen
-Verfolger und ihnen auf diese Weise entkommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor nickte zustimmend.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Da wenden wir einfach unseren Magneten nach dem Saturn zu,&ldquo;
-fuhr Mors fort. &bdquo;Das wird die Geschwindigkeit bedeutend steigern.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Allerdings,&ldquo; erwiderte der Professor. &bdquo;Aber es ist ein zweischneidiges
-Schwert. Wir können bei dieser Gelegenheit sehr leicht in den Bannkreis
-des Planeten Jupiter geraten. Da steht der Riese.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Van Halen deutete durch das Fenster hinaus auf eine kleine, glänzende
-Scheibe, neben der man vier helle, leuchtende Punkte gewahrte.
-</p>
-
-<p>
-Ja, das war der größte aller Planeten, der Jupiter, der die Erde im
-Volumen an Größe um das fast Dreizehnhundertfache übertrifft.
-</p>
-
-<p>
-Der Riese, der, wie der Professor meint, schon öfter Weltenkörper
-abgefangen hatte.
-</p>
-
-<p>
-Kam der &bdquo;Meteor&ldquo; in den Bannkreis dieses Kolosses, so konnte er
-mit rasender Geschwindigkeit angezogen und für immer festgehalten
-werden.
-</p>
-
-<p>
-Aber vielleicht war es doch noch besser, mit solcher Gefahr zu
-rechnen, als sich auf ein Zusammentreffen mit den rätselhaften Verfolgern
-einzulassen.
-</p>
-
-<p>
-Es waren sicherlich Fahrzeuge, die von intelligenten Wesen erbaut
-worden waren. Als der Professor ihre Größe berechnete, fand er, daß sie
-wohl fünfzigmal größer als das Weltenfahrzeug sein müßten.
-</p>
-
-<p>
-Es wäre Tollkühnheit gewesen, sich diesen Giganten entgegen zu
-stellen. Mors entschloß sich deshalb, die größte Geschwindigkeit anzuwenden.
-</p>
-
-<p>
-Wieder wurde der Riesenmagnet gedreht und zum geheimen Bedauern
-des Professors auf den Saturn gerichtet.
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug verfolgte jetzt einen Kurs, der mit dem bisherigen
-einen rechten Winkel bildete.
-</p>
-
-<p>
-Der letzte Zweifel schwand schnell als man sah, wie die Verfolger,
-fünf an der Zahl, ihren Lauf auch änderten und hinter dem Fahrzeug
-des Luftpiraten herjagten.
-</p>
-
-<p>
-Am unheimlichsten erschien das zeitweilige Aufglühen der Verfolger,
-denn es sah so aus, als ob sie in Glut getaucht wären.
-</p>
-
-<p>
-Niemand konnte sagen, was es bedeutete, nur der Professor meinte,
-daß sich die Verfolger wohl zu einem Angriff bereit machten.
-</p>
-
-<p>
-Ueber ihre eigentliche Form, die Gestaltung und alles andere
-konnte man sich vorerst keine genauere Kenntnis verschaffen.
-</p>
-
-<p>
-Merkwürdigerweise erschien es auch so, als ob sie das Sonnenlicht
-gar nicht reflektierten, sondern sich eher an das geheimnisvolle Dunkel
-des Weltenraums anpaßten.
-</p>
-
-<p>
-Noch immer schienen sie näher zu kommen, ihre ganze Erscheinung
-hatte etwas Grausiges, Entsetzliches.
-</p>
-
-<p>
-Mors war fest davon überzeugt, daß er mitsamt seinem Weltenfahrzeug
-und dessen Insassen verloren war, wenn ihn diese unheimlichen
-Verfolger erreichten.
-</p>
-
-<p>
-Doch nun hatte sich der Riesenmagnet gewendet und in kurzer
-Zeit machte sich eine vermehrte Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges
-bemerkbar.
-</p>
-
-<p>
-Nachdem zwei Stunden vergangen waren, rief der Professor: &bdquo;Sie
-bleiben zurück, Kapitän, sie werden immer kleiner und kleiner.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das bewirkt unsere unheimliche Schnelligkeit,&ldquo; entgegnete
-Mors. &bdquo;Es war das einzige Mittel, um uns diesen unheimlichen und
-ganz unbekannten Gegnern zu entziehen. Wenn wir so weiter fahren,
-werden wir sie allmählich aus den Augen verlieren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-So schnell ging es aber doch nicht, denn die rätselhaften Erscheinungen
-waren noch nach vielen Stunden sichtbar.
-</p>
-
-<p>
-Von Zeit zu Zeit zeigte sich auch noch das merkwürdige rötliche
-Aufleuchten, aber auch dieses nahm allmählich ab und zuletzt erschienen
-die Verfolger nur noch wie unheimliche, glühende rote Punkte.
-</p>
-
-<p>
-Mors gab jetzt den Befehl, die Richtung nochmals zu verändern,
-denn er meinte, daß die seltsamen Verfolger nun die Jagd aufgeben würden.
-</p>
-
-<p>
-Terror drehte die Kurbeln und ließ die Maschinen arbeiten, er
-versuchte es zwei- und dreimal, aber vergeblich.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; rief er. &bdquo;Das Fahrzeug gehorcht ja nicht mehr.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich fürchtete das,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Aber, unter den Umständen
-blieb uns nichts anderes übrig. Wir müssen auf unser gutes Glück vertrauen.
-Jetzt sind wir in den Bannkreis des Planeten Jupiter geraten.&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-3">
-<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br />
-Die rote Wolke.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Wieder war ein Tag vergangen.
-</p>
-
-<p>
-Die merkwürdigen Verfolger des Weltenfahrzeugs waren verschwunden
-und irgend wo in den unendlichen Raum des Weltalls untergetaucht.
-</p>
-
-<p>
-Möglicherweise hatten jene intelligenten Wesen, welche diese rätselhaften
-Fahrzeuge leiteten, eingesehen, daß sie das Weltenfahrzeug
-nicht einholen konnten. Möglicherweise aber waren sie nur der gefahrdrohenden
-Anziehungskraft des Jupiter aus dem Wege gegangen.
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte übrigens verschiedenes getan, um dem Bannkreis zu
-entkommen, aber als er merkte, daß dies keinen Zweck hatte, ließ er die
-Dinge ihren Lauf gehen.
-</p>
-
-<p>
-Er vertraute seinem Glücksstern, er meinte, es würde ihm schon
-gelingen, wieder von dem Riesenplaneten hinwegzukommen.
-</p>
-
-<p>
-Nun schoß sein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit nach dem
-Planeten Jupiter hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Es war überraschend, mit welcher Schnelligkeit sich derselbe vergrößerte.
-Ein Beweis, daß er eine ungeheure Anziehungskraft ausübte.
-</p>
-
-<p>
-Schon verschwand die leuchtende Sonne neben der ungeheuren
-strahlenden Scheibe, die schließlich den größten Teil des Firmaments
-einnehmen mußte.
-</p>
-
-<p>
-Die Mannschaften des Weltenfahrzeuges betrachteten natürlich
-diese sich fast mit jeder Stunde vergrößernde Scheibe des Riesenplaneten
-mit gemischten Gefühlen.
-</p>
-
-<p>
-Die einzigen, welche kaltblütig darüber dachten, waren die beiden
-Normannen, die ja schon mehrere Weltenfahrten mitgemacht hatten,
-dagegen verrieten die neuangeworbenen Inder trotz ihres sonstigen Mutes
-und ihrer Entschlossenheit jene abergläubische Scheu, die sich beim
-Anblick von etwas Fremdartigem nie ganz verbergen ließ.
-</p>
-
-<p>
-Die Leute sahen alle auf Mors, aber als sie bemerkten, daß dieser
-ganz ruhig blieb, schienen auch sie ruhiger zu werden.
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht ergaben sie sich mit jenem Fatalismus, der den Orientalen
-eigen ist, in das Unvermeidliche. Aber sie meinten wohl im Geheimen,
-daß ihre Laufbahn hier ein Ende nehmen würde.
-</p>
-
-<p>
-An Mors wagte sich niemand heran, denn vor diesem Manne empfanden
-die Leute bei aller Verehrung immerhin Scheu.
-</p>
-
-<p>
-Deshalb gingen sie zu Terror, der freilich auch nicht viel gesprächiger
-als der Kapitän war.
-</p>
-
-<p>
-Die neuangeworbenen Inder hatten einen der ihren zum Wortführer
-erwählt und dieser Mann wendete sich an Terror mit der Frage, wohin
-die Reise eigentlich ginge.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Na, Ihr seht es ja, zu diesem Planeten dort,&ldquo; erwiderte Terror
-etwas knurrig. &bdquo;Bei solchen Reisen, wie wir sie unternehmen, müssen wir
-immer auf Abenteuer rechnen. Der Kapitän hat übrigens gesagt, daß die
-Sache nicht viel zu bedeuten hat, und daß auf diesem riesigen Weltkörper
-dort sicherlich Luft und Wasser existiert. Na und wenn wir da auch
-ein Weilchen bleiben müssen, das schadet nichts. Der Kapitän hat
-schon ganz andere Dinge vollführt, der wird auch von da wieder loskommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Und wenn wir nicht wieder loskommen?&ldquo; fragte der Inder.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Dann bleiben wir eben dort,&ldquo; erwiderte Terror. &bdquo;Ich bin ganz
-zufrieden damit, wenn ich nur bei meinem Kapitän bin, alles andere ist
-mir gleichgiltig.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Inder hatte aber noch eine wichtige Frage auf dem Herzen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Werden wir unseren Gott Brahma dort vorfinden?&ldquo; fragte er feierlich.
-&bdquo;Wenn uns der Tod bevorsteht, so wollen wir wenigstens in das
-Paradies Brahmas gelangen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror aber war kein Freund von den Heldengöttern, besonders
-nicht von Brahma, da derselbe, wie er einmal gehört, mehrere Köpfe
-und eine ganze Anzahl Arme besitzen sollte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, das weiß ich wirklich nicht,&ldquo; erwiderte er. &bdquo;Wenn Ihr hinkommt,
-könnt Ihr Euch ja mal nach ihm umsehen. Vielleicht findet Ihr
-ihn. Im übrigen laßt mich nun mal in Ruhe, denn ich habe mich um
-meine Instrumente zu bekümmern. Die Maschinen müssen tadellos
-funktionieren, wenn es nötig wird. Mit Eurem Brahma hat es noch Zeit,
-bis wir ankommen. Vorläufig braucht Ihr ihn ja noch nicht, denn Ihr
-seid ja noch alle am Leben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Inder schnitt ein verdrießliches Gesicht, denn es gefiel ihm
-ganz und gar nicht, daß sich Terror in solcher Weise über ihre Gottheit
-äußerte.
-</p>
-
-<p>
-Terror wendete ihnen einfach den Rücken zu und ließ die Inder
-mit ihrem Brahma machen, was sie wollten.
-</p>
-
-<p>
-Die Leute kehrten also wieder an ihre Beschäftigung zurück, aber
-sie befanden sich offenbar in einiger Erregung.
-</p>
-
-<p>
-Man hörte sie öfter flüsternd sprechen und Bemerkungen über das
-Kommende austauschen. Einige meinten auch, Terror müsse, da er so
-unehrerbietig über Brahma gesprochen, zur Strafe in die Hölle geschleudert
-werden.
-</p>
-
-<p>
-Der Ingenieur aber kümmerte sich nicht mehr um das indische
-Paradies, sondern setzte alle seine Maschinen instand, damit sie im Notfalle
-ihre ebenso furchtbaren als nützlichen Dienste leisten konnten.
-</p>
-
-<p>
-Näher kam man dem Riesenplaneten und schon sah man mit bloßen
-Augen ein höchst merkwürdiges Gebilde.
-</p>
-
-<p>
-Dieses war schon vor ungefähr vierzig Jahren auf der Erde entdeckt
-worden und hatte zu den seltsamsten Vermutungen Anlaß gegeben.
-</p>
-
-<p>
-Man bezeichnete es als die rote Wolke. Es war dies ein eiförmiger
-Fleck, der in der dichten Atmosphäre des Jupiter zu schweben schien.
-</p>
-
-<p>
-Einige Astronomen glaubten, es sei eine besonders starke Wolkenbildung,
-die durch irgend einen Umstand die dunkelrote Färbung zeigte.
-</p>
-
-<p>
-Andere Beobachter aber glaubten an fürchterliche Vulkanausbrüche
-dieses Planeten, der sich noch im Urzustand befinden mußte. Die
-gleiche Meinung hatte auch der Professor.
-</p>
-
-<p>
-Beim Näherkommen gewahrte man übrigens, daß man von der
-Oberfläche des Planeten so gut wie gar nichts sehen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Das, was man erblickte, waren alles Wolken, welche den Riesenkörper
-umhüllten, Wolken, welche die Sonnenstrahlen aufleuchtend grell
-reflektierten.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor meinte, es würde schon noch anders kommen und
-war überzeugt, daß man über kurz oder lang einen Blick auf die Oberfläche
-des Planeten werfen könne.
-</p>
-
-<p>
-Der Gelehrte vergaß jede Gefahr und war nur darauf gespannt, die
-Rätsel des ungeheuren Weltkörpers enthüllt zu sehen.
-</p>
-
-<p>
-Er gönnte sich keine Ruhe, vergaß Speise und Trank, und es kam
-oft genug vor, daß er bei seinen Fernröhren und Instrumenten, von der
-Müdigkeit überwältigt, die Augen schloß.
-</p>
-
-<p>
-Die rote Wolke verschwand übrigens bald, was nicht verwunderlich
-war, da sich ja der riesige Planet in noch nicht zehn Stunden um
-seine eigene Achse dreht.
-</p>
-
-<p>
-Diese furchtbare Geschwindigkeit mußte es auch bewirken, daß
-der Koloß an den Polenden stark abgeplattet erschien. Alles aber, was
-man sah, verriet eine ungemein dichte, im übrigen aber der Erde sehr
-ähnliche Atmosphäre.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Luft werden wir genug haben,&ldquo; sprach der Professor zu Nelly, als
-sie ihm wieder einmal mit sanfter Gewalt einige Nahrungsmittel aufnötigte.
-&bdquo;Ich glaube sogar, unsere Lungen werden ordentlich Mühe haben,
-in dieser starken Luftmasse zu atmen. Aber der Mensch gewöhnt sich
-eben an alles. Wasser ist dort auch zu finden. Es sollte mich übrigens
-nicht wundern, wenn wir durch die ungeheure Anziehungskraft gezwungen
-würden, bis zu unserem Ende Bewohner des Jupiters zu bleiben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Nelly zuckte mit den runden Schultern und ihre Augen glänzten.
-Solch Abenteuer war recht nach dem Geschmack der phantastisch veranlagten
-Schönen.
-</p>
-
-<p>
-Die Normannen ergaben sich mit Gleichmut in alles, was ihnen
-bevorstand. Die Inder dagegen saßen oft zusammen und meinten, wie
-schrecklich es sein müsse, wenn ihr Gott Brahma nicht auf dem Planeten
-hauste, denn dann wäre ihnen ja das Paradies für ewig verloren.
-</p>
-
-<p>
-Unter einem Teil dieser Leute machte sich bereits Unzufriedenheit
-bemerkbar, aber da die anderen treu zu Mors hielten, so verbargen die
-Unzufriedenen ihre Empfindungen auf das Sorgfältigste.
-</p>
-
-<p>
-Nach zehn Stunden wurde die rote Wolke wieder sichtbar und da
-sah man schon mit bloßen Augen, daß sie eine ungeheure Ausdehnung
-besaß. Ihr Umfang war geradezu ungeheuer und es schien, daß dieser
-dunkelrote Fleck wohl den zwanzigsten Teil der den Weltenfahrern
-sichtbaren Jupiterscheibe bedeckte.
-</p>
-
-<p>
-Ferner sah man andere ungeheure Wolkenmassen, vor allen Dingen
-aber jene Ringe, die der Jupiterscheibe ein so merkwürdiges Aussehen
-verleihen.
-</p>
-
-<p>
-Zeitweise glaubte auch der Professor, einen Blick durch die dichte
-Atmosphäre tun zu können.
-</p>
-
-<p>
-Es sah zuweilen so aus, als ob die Wolkenmassen zerrissen und
-Teile der Oberfläche des riesigen Planeten enthüllten.
-</p>
-
-<p>
-Geschah dies, so war der Professor gleich mit seinen Instrumenten
-zur Hand, aber diese Perioden dauerten immer nur ganz kurze Zeit,
-sodaß van Halen nur wenige klare Beobachtungen machen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Mors erkundigte sich übrigens bei dem Gelehrten, was er bemerkt
-hatte, und der Professor gab bereitwilligst Auskunft.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Man hatte auf unserer Erde angenommen, daß der Jupiter noch
-fast flüssig sein soll,&ldquo; sprach er, als er wieder einmal eine Beobachtung
-gemacht. &bdquo;Aber nach reiflicher Ueberlegung bin ich überzeugt, daß dies
-nicht der Fall ist. Das, was ich durch das Fernrohr sehe, bestärkt meine
-Annahme. Der Koloß befindet sich in einem Zustande, den man auf
-Erden als die sogenannte Devon-Zeit bezeichnet hat, als die Zeit der
-Panzerfische, und der ersten Landpflanzen. Aber ich vermute auch, daß
-auf dem Jupiter noch ungeheuerliche vulkanische Ausbrüche stattfinden
-und zwar Ausbrüche, bei denen Wasser und Feuer zusammen in Aktion
-treten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Und was schließen Sie daraus?&ldquo; fragte der Luftpirat.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, das eine, daß wir in eine sehr seltsame Welt kommen,&ldquo; lautete
-die Antwort, &bdquo;in eine Welt, wo alle Augenblicke Katastrophen eintreten,
-Feuer- und Wasserausbrüche, schreckliche Erschütterungen des
-Festlandes, kurzum, ein wahres wildes Durcheinander, welches jeder
-menschlichen Beschreibung spottet.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hauptsache ist, daß ich mein Fahrzeug fliegend erhalte,&ldquo; bemerkte
-Kapitän Mors. &bdquo;Wenn mir das gelingt, so können wir vorerst der Wut
-der Elemente trotzen. Schlimmer wäre es freilich, wenn wir direkt durch
-die ungeheure Anziehungskraft an den Planeten gebannt würden, sodaß
-mein Weltenfahrzeug hilflos wird. Versagt der Magnet dann seine Dienste,
-so können wir nimmermehr nach der Erde zurückkehren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen,&ldquo; erwiderte der
-Professor. &bdquo;Bei solchen großartigen Naturereignissen kann der Mensch
-sein Wissen und seine Erfahrungen benutzen. Solche Naturereignisse
-können uns vielleicht sogar zur Rettung dienen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Bei den letzten Worten deutete der Gelehrte auf die geheimnisvolle
-rote Wolke, welche gerade in der Mitte des Planeten schwebte.
-</p>
-
-<p>
-Mors zuckte die Achseln und begab sich in den Lenkraum.
-</p>
-
-<p>
-Dort arbeitete Terror wie ein Verzweifelter.
-</p>
-
-<p>
-Der Brave machte sich wenig aus dem Jupiter, denn als er hörte,
-wie es dort aussehen sollte, verstärkte sich die Abneigung gegen diese
-neue Welt.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was soll ich dort unter den Panzerfischen und Stachelpflanzen,&ldquo;
-brummte er. &bdquo;Fische esse ich zwar ganz gern, aber ob die Biester dort zu
-essen sein werden, möchte ich mit Recht bezweifeln, und die Gemüse
-aus solchen Pflanzen würden uns zwischen den Zähnen stecken bleiben.
-Aber was hilft es, wenn wir dort bleiben müssen und unsere Vorräte
-allmählich zu Ende gehen, müssen wir doch mit dem Vorlieb nehmen,
-was sich dort befindet. In der Not frißt der Teufel Fliegen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Terror ließ den Magneten nach allen Richtungen spielen, aber es
-war umsonst. Die Anziehungskraft des Giganten spottete seinen Bemühungen.
-</p>
-
-<p>
-Sein einziger Trost war nur der, daß die Schnelligkeit, mit der das
-Weltenfahrzeug dahin sauste, einigermaßen gemildert werden konnte.
-</p>
-
-<p>
-Immerhin war mit einem Aufsturz des Fahrzeuges auf den Jupiter
-zu rechnen.
-</p>
-
-<p>
-Geschah dies, so mußte das Fahrzeug in Trümmer gehen und alles
-menschliche Leben darin vernichtet werden.
-</p>
-
-<p>
-Aber das ließ sich nicht ändern und es kam sicherlich die Stunde,
-wo alle menschlichen Machtmittel versagten.
-</p>
-
-<p>
-Immer größer wurde der Planet, dem man mit zunehmender
-Schnelligkeit näher kam. Allmählich breitete sich die kolossale Scheibe
-über das ganze Firmament aus.
-</p>
-
-<p>
-War es Tag, so blendeten die leuchtenden Wolken derartig, daß
-man Schutzbrillen tragen mußte. Stand die Sonne aber hinter dem ungeheuren
-Planeten, so wurde es dennoch nicht dunkel, denn die Atmosphäre
-des Jupiter schien ein eigenes Licht zu besitzen.
-</p>
-
-<p>
-Dies war freilich schwach im Vergleich zu dem reflektierten Sonnenlicht,
-wenn der Planet ganz beleuchtet wurde, war der Glanz derselben
-kaum zu ertragen.
-</p>
-
-<p>
-Der Magnet wurde auf die Scheibe des Jupiter gerichtet, um so die
-Anziehungskraft nach Möglichkeit abzuschwächen. Mehr konnte man
-nicht tun. Das Weitere war dem Walten des Schicksals überlassen.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor berechnete kaltblütig die Zeit, in welcher der Aufsturz
-stattfinden würde.
-</p>
-
-<p>
-Erst waren es noch Tage, nun wurden es nur noch Stunden.
-</p>
-
-<p>
-Man hörte van Halen, der jetzt nicht mehr von seinen Instrumenten
-ging, zuweilen halblaute Worte vor sich hinmurmeln.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Vier Stunden vierzig Minuten, vier Stunden dreißig Minuten. Vier
-Stunden zwanzig Minuten, jetzt nur noch vier Stunden!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die Inder machten sich auf ein furchtbares Ende gefaßt.
-</p>
-
-<p>
-Da sie sehr religiös waren, so empfahlen sie ihre unsterbliche Seele
-Brahma, der mächtigen, indischen Gottheit.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden Normannen dagegen machten sich wenig aus dem, was
-nach ihrem Ende wurde. Van Halen und Terror, sowie Mors hatten nur
-Sinn für ihre Instrumente und Maschinen.
-</p>
-
-<p>
-Mors blieb so ruhig und gelassen, als wenn er sich auf Erden auf
-seiner geheimnisvollen Insel befände. Er, Terror und van Halen bewunderten
-im Stillen Nelly, die eine unglaubliche Entschlossenheit zeigte
-und keine Furcht zu kennen schien.
-</p>
-
-<p>
-Sie besorgte die Mahlzeiten wie gewöhnlich und redete den ziemlich
-niedergeschlagenen Indern zu, daß sie Speise und Trank zu sich
-nehmen sollten.
-</p>
-
-<p>
-Wieder neigte sich der Professor auf seine Instrumente.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Noch dreißig Minuten,&ldquo; sprach er. &bdquo;Dann haben wir den Planeten
-erreicht. In einer halben Stunde muß sich unser Schicksal entscheiden.&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-4">
-<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br />
-Wunderbare Abenteuer.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Die dreißig Minuten schienen eine Ewigkeit zu werden.
-</p>
-
-<p>
-Bald sah man nichts mehr, denn das Weltenfahrzeug befand sich
-zwischen den ungeheuren Wolkenmassen, die den Jupiter verhüllten.
-</p>
-
-<p>
-Mors warf noch einen letzten Blick durch die Gucklöcher, welche
-durch starke Gläser verschlossen wurden.
-</p>
-
-<p>
-Er sah nichts als eine wirbelnde Masse, graue, weiße, braune Wolken,
-zuweilen auch ein rötliches Aufleuchten.
-</p>
-
-<p>
-Jedenfalls befand sich die Atmosphäre des Riesenplaneten in ungeheurer
-Erregung.
-</p>
-
-<p>
-Was da aber vorging, konnte kein Sterblicher sagen.
-</p>
-
-<p>
-Die letzten Minuten vergingen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Jetzt kommt der Luftprall,&ldquo; sprach der Professor zu Mors, der mit
-der Uhr in der Hand die kommenden Dinge erwartete.
-</p>
-
-<p>
-Nelly war auch da und sah mit ihren feurigen Augen auf den Luftpiraten.
-</p>
-
-<p>
-Wenn es zum Sterben kam, wollte sie wenigstens in seiner Nähe
-den Tod erleiden.
-</p>
-
-<p>
-Jeden Augenblick erwartete man die Katastrophe.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat war darauf gefaßt, daß das Fahrzeug in Stücke zerschellen
-würde.
-</p>
-
-<p>
-Mit einem Male verspürte man eine seltsame Berührung.
-</p>
-
-<p>
-Es war, als hätte das Fahrzeug etwas Weiches, Widerstandsfähiges
-berührt und dann vernahm man deutlich, wie etwas gegen die gepanzerten
-Wände schlug.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor sprang empor.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir sind angelangt,&ldquo; rief er. &bdquo;Aber wir sind nicht auf festem Boden,
-sondern auf Wasser angekommen. Kein Zweifel, der &bdquo;Meteor&ldquo; ist
-mit großer Geschwindigkeit in eine ungeheure Wasseransammlung hineingetaucht.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das Meer oder der See oder was es nun sein mochte, mußte sehr
-tief sein.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich richtete sich das Fahrzeug, welches bis dahin eine schräge
-Lage gezeigt, wieder auf und schoß so schnell empor, daß Nelly und der
-Professor sich festklammern mußten.
-</p>
-
-<p>
-Es schoß direkt aufwärts, aber nun verlangsamte sich die Bewegung
-nach vorwärts, dafür aber geschah etwas anderes, was nicht minder
-merkwürdig war.
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug geriet nämlich in schaukelnde Bewegungen, es
-war gerade so, als ob irgend etwas Geheimnisvolles, Starkes mit dem
-&bdquo;Meteor&ldquo; spielte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was ist das?&ldquo; rief Nelly, die sich tapfer festgehalten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir schwimmen,&ldquo; sprach Mors, &bdquo;wir sind wieder aufgetaucht und
-da der &bdquo;Meteor&ldquo; trotz seines ungeheuren Gewichtes, dank seiner Innenräume
-und der Behälter mit flüssiger Luft, leichter ist als Wasser, so
-schwimmen wir höchstwahrscheinlich auf der Oberfläche eines Jupiter-Gewässers.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Da mag es aber toll hergehen,&ldquo; meinte Terror, der eben an der
-Tür erschien. &bdquo;Ich müßte mich sehr täuschen, wenn nicht ein fürchterlicher
-Sturm diesen Jupiter-See von Grund auf aufwühlt. Wir werden ja
-hin- und hergeschleudert, als ob unser Koloß eine Seifenblase ist.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors sah wieder durch die kleinen Gucklöcher.
-</p>
-
-<p>
-In wenigen Augenblicken überzeugte er sich, daß Terror Recht
-hatte.
-</p>
-
-<p>
-Der &bdquo;Meteor&ldquo; schwamm auf einer empörten See, die durch einen
-fürchterlichen Sturm aufgewühlt wurde.
-</p>
-
-<p>
-Da sah man Wellen, gegen die die der irdischen Gewässer harmlos
-erschienen, Riesenwellen, die das sonderbare Fahrzeug wie einen Spielball
-hin- und herwirbelten.
-</p>
-
-<p>
-Terror und der Professor waren jetzt auch an die Gucklöcher getreten,
-ebenso Nelly, die mit glänzenden Augen das Naturschauspiel einer
-unbekannten Welt bewunderte.
-</p>
-
-<p>
-Die Schwester Ned Gullys besaß scharfe Augen, und sie war es
-auch, welche zuerst etwas Ungewöhnliches bemerkte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; rief sie plötzlich. &bdquo;Da ist etwas Dunkles. Das ist Land!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenige Augenblicke später erhielt das umhergeschleuderte Fahrzeug
-einen gewaltigen Stoß.
-</p>
-
-<p>
-Es war aber sicherlich kein Felsen, gegen den es stieß, sondern eine
-Sandbank.
-</p>
-
-<p>
-Man vernahm deutlich, wie das Fahrzeug sich auf der Sandbank
-hin- und herschob und wie es sich allmählich immer höher auf das
-Land hinaufwühlte.
-</p>
-
-<p>
-Der Sand türmte sich zur Linken und Rechten empor und bildete
-allmählich einen Schutzwall. Die von dem Sturm gepeitschten Wogen
-schlugen noch zuweilen über das Achterteil des Weltenfahrzeuges, bis es
-zuletzt still und unbeweglich im weichen Triebsand
-ruhte. &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;
-</p>
-
-<p>
-Es vergingen viele Stunden, ehe sich der Aufruhr der Elemente
-legte.
-</p>
-
-<p>
-Der Sturm schien schon längst zu Ende gegangen zu sein, aber die
-Wellen gingen noch immer hoch. Man sah durch die Gucklöcher, wie
-die Wogenberge über die Oberfläche des unbekannten Meeres hinüberfegten.
-</p>
-
-<p>
-Dann kam ja die Nacht, da ja bekanntlich der Tag auf dem Jupiter
-kaum zehn Stunden lang dauert.
-</p>
-
-<p>
-Aber dunkel wurde es nicht, denn der Jupiter besaß ja vier Monde,
-die eine großartige Beleuchtung spendeten.
-</p>
-
-<p>
-Bei diesem Schein sah man die noch immer außerordentlich unruhige
-Oberfläche der See, auch hörte man das Donnern einer entfernten
-Brandung.
-</p>
-
-<p>
-Mors glaubte auch zuweilen durch die Gucklöcher Umrisse von
-Felsen und Hügeln sehen zu können, aber die Atmosphäre war sehr
-wenig durchsichtig.
-</p>
-
-<p>
-So blieb denn vorläufig nichts weiter übrig, als daß man die Ruhestätte
-aufsuchte, aber Mors sorgte dafür, daß stets einige Wachen Ausguck
-hielten.
-</p>
-
-<p>
-Als die Nacht zu Ende ging, gewahrte Mors, daß sich die Oberfläche
-des Jupitermeeres bedeutend beruhigt hatte.
-</p>
-
-<p>
-Da drängte es ihn, hinauszugehen und die Luft dieser neuen, unbekannten
-Welt zu atmen.
-</p>
-
-<p>
-Das war nicht unbedenklich, indessen hatte der Professor schon
-einige Beobachtungen gemacht und die feste Ueberzeugung ausgesprochen,
-daß die dicke Luft des Jupiter, wenn auch mit einigen Beschwerden,
-geatmet werden konnte.
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug lag ungefähr zur Hälfte in den Sand gebettet,
-aber die luftdicht schließenden Türen, welche nach außen führten, waren
-freigeblieben.
-</p>
-
-<p>
-Mors öffnete die innere Tür und schloß sie wieder sorgfältig. Er
-wies jede Begleitung zurück, obwohl Nelly und van Halen ihn nicht
-verlassen wollten.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf öffnete der Kapitän vorsichtig die äußere Tür und versuchte,
-die Luft zu atmen.
-</p>
-
-<p>
-Sie war dick, schwer, aber zu ertragen. Sie schien nur eine ungeheure
-Menge Kohlensäure zu enthalten. Dies verursachte die Empfindung
-eines leichten Rausches. Da aber der menschliche Organismus
-sehr anpassungsfähig ist, meinte Mors, daß sich seine Mannschaft auch
-daran gewöhnen würde.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt stieg der Luftpirat langsam an der eisernen Treppe hinan, die
-zur oberen Plattform führte.
-</p>
-
-<p>
-Er hatte ein merkwürdiges Empfinden, denn es war ihm zu Mute,
-als ob sein ganzer Körper aus Blei bestände.
-</p>
-
-<p>
-Das war erklärlich, da der Planet Jupiter um soviel mal größer als
-die Erde war, mußte naturgemäß alles, was sich da befand, auch bedeutend
-schwerer wiegen.
-</p>
-
-<p>
-Immerhin erwies sich dies nicht hinderlich, wenn man Bewegungen
-mit den Gliedern machte. Mors kam es so vor, als besäße er jetzt
-die Kraft, einen Felsen zertrümmern zu können.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt stand er auf der Plattform.
-</p>
-
-<p>
-Zur Rechten lag das Meer, dessen Oberfläche noch immer in ziemlicher
-Bewegung war. Zur Linken aber sah man das Land, welches freilich
-ein höchst sonderbares Aussehen besaß.
-</p>
-
-<p>
-An den Ufern des Meeres dehnte sich ein mächtiger Sandstrand
-aus, weiterhin stieg das Land empor. Da sah Kapitän Mors Felsen, Hügel
-und Klippen.
-</p>
-
-<p>
-Die meisten aber besaßen eine höchst eigentümliche Form, denn
-sie waren kegelförmig und auf ihren Höhen befanden sich kreisrunde
-Öffnungen.
-</p>
-
-<p>
-Ferner sah Mors merkwürdige Felsenringe, die fast riesigen Springbrunnenbecken
-glichen. Das Sonderbarste aber war, daß sie mit Wasser
-angefüllt waren, welches zuweilen aufbrodelte.
-</p>
-
-<p>
-Mors sah sich um, ob er nicht irgendwo Pflanzenleben entdeckte.
-Es dauerte einige Zeit, ehe er dieses bemerkte, aber endlich gewahrte er
-solches zwischen den Hügeln.
-</p>
-
-<p>
-Diese Flora war sehr spärlich, aber immerhin sah Mors hier und
-da üppige Pflanzen stehen.
-</p>
-
-<p>
-Es waren eine Art Gräser, aber wie der Professor vorausgesagt,
-ungemein stachelig, alles schien von Dornen förmlich zu starren und
-das Ganze besaß direkt ein unheimliches Aussehen.
-</p>
-
-<p>
-Als Mors in das Wasser blickte, gewahrte er, daß es recht klar und
-durchsichtig war.
-</p>
-
-<p>
-Da unten war ein ganz anderes Leben und da sah Mors zunächst
-eine Menge Algen und Tang, er sah auch lebende Geschöpfe, die dort
-ihr Wesen trieben. Fischartige, anscheinend mit Knorpeln und Horn
-gepanzerte Ungetüme.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Van Halen hat recht gehabt,&ldquo; murmelte der Luftpirat. &bdquo;Das ist
-hier eine Epoche, die man auf Erden längst überwunden hat. Eine Zeit,
-die noch der Steinkohlenperiode voranging. Vor allen Dingen eine
-Welt, in der fürchterliche, vulkanische Erscheinungen zu den alltäglichen
-Ereignissen gehören. Aber es hilft nichts, wir müssen uns damit
-abfinden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Er erprobte noch einmal die Luft und ging dann hinunter, um
-seine Gefährten von seinen Beobachtungen zu benachrichtigen.
-</p>
-
-<p>
-Mors forderte alle Insassen des Weltenfahrzeuges auf, nach der
-Plattform zu kommen und die fremdartige Umgebung zu betrachten.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor und Nelly waren natürlich die ersten, welche diesem
-Rufe folgten und sich nicht wenig über die bleierne Schwere in den
-Gliedern wunderten. Mißtrauischer benahm sich schon Terror, der bedächtig
-die neue Luft einsog und nach allen Richtungen umherschnüffelte.
-</p>
-
-<p>
-Er brummte auch allerlei Bemerkungen in den Bart, die keine
-Schmeicheleien für die neue Welt sein mochten.
-</p>
-
-<p>
-Dann kamen die Normannen, die ziemlich gleichgültig die fremdartige
-Umgebung betrachteten.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder waren die letzten, die sich auf die Plattform hinauswagten.
-</p>
-
-<p>
-Mors beobachtete diese Leute aufmerksam, denn er hatte schon
-bemerkt, daß die Inder ein wenig verzagt schienen.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat staunte aber, als die Bewohner der indischen Gebirgswelt,
-nachdem sie kaum ein paar Blicke auf die Umgebung geworfen,
-sichtliche Freude verrieten.
-</p>
-
-<p>
-Ihre Augen begannen zu glänzen, sie deuteten bald hier hin, bald
-dorthin, und machten sich auf die sonderbaren Formen der Hügel und
-Felsen aufmerksam.
-</p>
-
-<p>
-Mors trat zu den braunen Leuten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, was sagt ihr zu dieser neuen Welt?&ldquo; forschte er, die Inder
-betrachtend.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;O Herr,&ldquo; erwiderte der eine, der das Wort führte, &bdquo;dieses Land ist
-uns schon bekannt. Das haben wir schon früher gesehen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nicht möglich,&ldquo; erwiderte Mors mit flüchtigem Lächeln. &bdquo;Ihr
-habt doch noch keine Reise nach dem Planeten Jupiter unternommen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir haben dieses Land auf den Bildern in unseren Tempeln gesehen,&ldquo;
-lautete die Antwort. &bdquo;Es ist das Land, in welchem unser Gott
-Brahma wohnt. Es ist seine Heimat und deshalb sind wir glücklich.
-Dort aber, jene wassergefüllten Ringe sind die Eingänge zur Hölle, in
-welche die grasgrünen Teufel alle die hinabziehen, welche nicht an Gott
-Brahma glauben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Der Henker hole euch mit euren grasgrünen Teufeln und eurem
-Brahma,&ldquo; murmelte Terror, der sich hier ganz und gar nicht behaglich
-fühlte. &bdquo;Ich wollte, wir schwebten fünfzigtausend Meilen von dieser
-vertrackten Welt, anstatt daß wir
-hier im Sande eines unbekannten Ozeans liegen. Der Teufel weiß, wann
-wir hier wieder loskommen. Meinethalben kann mir der ganze Jupiter
-gestohlen bleiben.&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-5">
-<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br />
-Im Bann des Aberglaubens.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Am glücklichsten war der Professor, denn der geriet vor Entzücken außer
-sich.
-</p>
-
-<p>
-Mors mußte ihn festhalten, sonst wäre der Professor Hals über
-Kopf in den Sand hinuntergesprungen und in die fremdartige Landschaft
-hineingelaufen.
-</p>
-
-<p>
-Das gab der Luftpirat aber nicht zu, denn er wollte sich erst überzeugen,
-ob nicht etwa Gefahren in diesem fremden Lande lauerten.
-</p>
-
-<p>
-Allerdings hatte es zur irdischen Devonzeit keine Ungeheuer gegeben,
-die den Menschen gefährlich werden konnten. Aber auf dem Jupiter
-konnte sich das anders verhalten und Mors dachte nicht im mindesten
-daran, van Halen einer Gefahr auszusetzen.
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte den Professor, der mit solcher Begeisterung an ihm
-und seinen Werken hing, schon sehr lieb gewonnen und zählte ihn zu
-den vertrautesten seiner Gefährten. Auch dachte er daran, daß Anita
-verzweifeln würde, wenn der Professor nicht nach der Erde zurückkehrte.
-</p>
-
-<p>
-Aber konnte man denn überhaupt zurück? Blieb denn nicht das
-Weltenfahrzeug für immer an diesen Planeten gebannt? Jetzt sah es so
-aus, als ob die tollkühnen Abenteurer ihr Leben auf dem Jupiter beschließen
-müßten.
-</p>
-
-<p>
-Mors beobachtete mit dem Glas aufs sorgfältigste die Umgebung.
-Aber er sah nirgends ein verdächtig aussehendes Tier. Die Zeit für die
-Tiere am Lande war wohl noch nicht gekommen und in der See sah
-man nur Panzerfische und Trilobiten; ferner gewahrte man die sonderbarsten
-Meergewächse und wunderlich geformte Muscheln. Da war man
-um Millionen Jahre in den Zeiten zurückversetzt, denn dieser Planet
-befand sich erst im Werdezustande.
-</p>
-
-<p>
-Als Mors die Umgebung genug betrachtet, bemerkte er, wie das
-Meer rasch zurückwich.
-</p>
-
-<p>
-Naturgemäß mußten hier, wo vier riesige Monde existierten, Ebbe
-und Flut in ganz ungeahntem Maße auftreten.
-</p>
-
-<p>
-Höchstwahrscheinlich war die Flut gewesen, als der &bdquo;Meteor&ldquo;
-strandete, denn in kurzer Zeit war alles in der Runde trocken. Man sah
-nur noch in der Ferne eine weißblaue Linie, die den Rand des Jupiterozeans
-andeutete.
-</p>
-
-<p>
-Mors faßte einen kurzen Entschluß.
-</p>
-
-<p>
-Gerätschaften fanden sich ja in Menge in seinem Fahrzeug und so
-ließ der Luftpirat seine Inder und Normannen mit Schaufeln über die
-Treppe auf den Sand hinabsteigen.
-</p>
-
-<p>
-Sie sollten den feuchten, weißen Sand so viel als möglich bei Seite
-schaufeln und das Fahrzeug auf diese Weise befreien.
-</p>
-
-<p>
-Mors vermutete nämlich, daß nicht die ungeheure Masse des Planeten
-es sei, welche das Weltenfahrzeug herniedergezogen, sondern elektrisch-magnetische
-Ströme, die unter der noch dünnen Kruste des Jupiter
-ihr Wesen trieben.
-</p>
-
-<p>
-Alle legten mit Hand an, selbst Nelly schaufelte unverdrossen und
-in vier Stunden war rund um den &bdquo;Meteor&ldquo; herum eine Rinne gegraben.
-</p>
-
-<p>
-Die Flut war noch immer nicht zurückgekehrt, aber sie mußte
-sicherlich nach einigen Stunden kommen.
-</p>
-
-<p>
-Mors hieß jetzt alle seine Leute wieder auf den &bdquo;Meteor&ldquo; hinaufsteigen
-und sich in das Innere des Fahrzeuges begeben. Dann wurde der
-Magnet, der bis dahin nach oben gerichtet war, möglichst gesenkt, sodaß
-er sich auf die Sandfläche richtete.
-</p>
-
-<p>
-Im nächsten Augenblick erhielt das gewaltige Fahrzeug einen
-mächtigen Ruck. Man hörte den Sand knirschen und im nächsten Augenblick
-schnellte das Weltenfahrzeug in die Höhe.
-</p>
-
-<p>
-Terror war ganz außer sich vor Freude, als er dies bemerkte, dagegen
-schienen die Inder eher traurig, als freudig bewegt zu sein.
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug schwebte einige hundert Meter empor, aber
-dann erhielt es wieder einen Ruck und neigte sich langsam nach unten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Jetzt weiß ich es, weshalb wir hier so gebannt bleiben,&ldquo; sprach
-Mors zu Terror und dem Professor. &bdquo;Wir befinden uns wieder über der
-dünnen Kruste, welche die magnetischen und elektrischen Strömungen
-deckt. Dadurch werden wir hinabgezogen. Jetzt müssen wir vorsichtig
-manövrieren, daß wir wieder auf dem Sande landen. Auf den anderen
-Boden dürfen wir nicht hinunterkommen, denn dadurch würden wir
-der ungeheuren Anziehungskraft ausgesetzt bleiben. Der Sand schützt
-uns, denn der leitet keine Elektrizität. Also wollen wir uns wieder am
-Rande dieses seltsamen Meeres niederlassen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das geschah denn auch und nach kaum einer halben Stunde lag
-der &bdquo;Meteor&ldquo; auf einer Sanddüne, die sicherlich nicht von den Wogen
-bespült wurde.
-</p>
-
-<p>
-Die Situation war klar.
-</p>
-
-<p>
-Kam man mit dem Weltenfahrzeug über die sonderbaren Felsformationen
-des Planeten, so wurde der Riesenmagnet nutzlos. Man mußte
-also, um fliegen zu können, immer in der Nähe des Meeres bleiben.
-</p>
-
-<p>
-Aber auch das genügte nicht, denn, als man nach einer Weile emporstieg,
-gelangte das Weltenfahrzeug höchstens fünfhundert Meter
-über die Oberfläche des Jupiter.
-</p>
-
-<p>
-Dann schienen die geheimnisvollen Ausstrahlungen wieder zu
-wirken und trotz aller Anstrengungen mußte man wieder auf die Sanddüne
-hinunter.
-</p>
-
-<p>
-Terror war über diese Ereignisse ziemlich niedergeschlagen und
-meinte, man könne den Planeten nimmer verlassen.
-</p>
-
-<p>
-Aber Mors und der Professor waren anderer Meinung.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir dürfen nie den Mut verlieren,&ldquo; sprach der erstere. &bdquo;Es ist ja
-richtig, daß wir augenblicklich nicht hochsteigen können. Aber möglicherweise
-tritt doch ein Ereignis ein, welches uns die Abfahrt gestattet.
-Wir sind mit Vorräten versehen, wir können also warten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte einen geschützten Platz gewählt, wo das Weltenfahrzeug
-zwischen zwei kolossalen Sanddünen ruhte.
-</p>
-
-<p>
-Er vermutete nämlich, daß hier ungeheure Stürme tobten, Orkane
-von fürchterlicher Wut.
-</p>
-
-<p>
-Dort, wo man sich befand, war das aber nicht zu befürchten, und
-so konnte man geschützt die Umgebung betrachten.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor und Mors verließen den &bdquo;Meteor&ldquo; und erstiegen die
-nach dem Lande zugewendete Sanddüne. Von da aus betrachteten sie
-mit Fernrohren die Stachelpflanzen und die wunderbaren Erscheinungen
-am Himmelskörper.
-</p>
-
-<p>
-Der kurze Tag, die kurze Nacht, die Phasenbildung der vier Monde
-und deren Erscheinen und Verschwinden war so großartig, daß man
-gar nicht wußte, was man alles bewundern sollte.
-</p>
-
-<p>
-Dazu kamen fürchterliche elektrische Entladungen in den Wolkenmassen,
-die von Zeit zu Zeit das ganze Firmament bedeckten. Dann
-schien es, als ob sich eine ungeheure graue Masse über Land und Wasser
-herabsenkte.
-</p>
-
-<p>
-Mors und seine Begleiter waren so in Erstaunen versunken, daß sie
-gar nicht auf die Mannschaft achteten.
-</p>
-
-<p>
-Die Normannen nahmen alles mit Gleichmut hin und meinten,
-der Luftpirat, der so viel geleistet, würde das Fahrzeug schon wieder aus
-dieser fremden Welt hinwegführen. Auch einige Inder zeigten sich
-gleichmütig, aber die anderen standen immer zusammen, zischelten und
-flüsterten. Sie schwiegen aber, wenn jemand in ihrer Nähe vorüberging.
-</p>
-
-<p>
-Von Zeit zu Zeit stiegen sie auch auf die Plattform und von dort
-auf die Düne, denn Mors hatte jedem seiner Leute freigestellt, die Umgebung
-des Weltenfahrzeugs in Augenschein zu nehmen.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich bemerkte man dort, wo die merkwürdigen Felsen aufstiegen,
-etwas Sonderbares.
-</p>
-
-<p>
-Aus einem der Kegel, die kleinen Kratern ähnlich sahen, stieg
-plötzlich eine mächtige Wassersäule wie ein riesiger Springbrunnen empor.
-</p>
-
-<p>
-Gleichzeitig begannen die Gewässer in den nahe befindlichen großen
-Felsenringen zu schäumen und zu sprudeln.
-</p>
-
-<p>
-Mors und dem Professor waren diese Erscheinungen nicht fremd.
-</p>
-
-<p>
-Solche gab es auch auf der Erde, auf der Insel Island und in den
-Felsengebirgen Nordamerikas, man pflegte solche Wasservulkane mit
-dem Namen Geyser zu bezeichnen.
-</p>
-
-<p>
-Hier schienen sie in wahrer Unzahl vorhanden zu sein und das
-ganze Land, so weit das Auge reichte, zu bedecken.
-</p>
-
-<p>
-Diese Wasservulkane waren es wohl auch, welche im Ruhezustande
-den elektrischen und magnetischen Strömen einen Ausgang gewährten,
-so daß sie ihre verderbliche Anziehungskraft auf alles Metallene ausüben
-konnten.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder dagegen, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Wasservulkan
-gesehen hatten, betrachteten diese Erscheinung mit ehrerbietigem
-Staunen.
-</p>
-
-<p>
-Das hatte seine Gründe.
-</p>
-
-<p>
-Auf indischen Bildern werden nämlich die Gottheiten sehr häufig
-auf den heiligen Bergen dargestellt und zwar auf einem Thronsessel, um
-den rings umher Wolken aus der Erde emporsteigen.
-</p>
-
-<p>
-Diese Malereien aber erinnerten merkwürdigerweise an solche Geyser,
-weil der Dampf auf den indischen Bildern scheinbar stoßweise aus
-der Erde kam.
-</p>
-
-<p>
-Da glaubten die Inder, abergläubisch wie sie nun einmal waren,
-daß sie sich jetzt in dem Lande befänden, von welchem ihnen ihre
-Priester so oft erzählten, nämlich im himmlischen Paradiese.
-</p>
-
-<p>
-Hier wohnte Brahma, kein Zweifel, der Göttergeist lebte hier zwischen
-diesen wasserspeienden Kratern und dort, wo Wolken die Aussicht
-versperrten, mußte sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Paradies
-befinden.
-</p>
-
-<p>
-Alle Furcht war bei den Indern verschwunden, sie dachten jetzt gar
-nicht mehr daran, auf die Erde zurückzukehren.
-</p>
-
-<p>
-Hat doch nach dem indischen Glauben der Gestorbene eine ungemein
-lange und mühselige, gefahrreiche Reise durchzumachen, ehe er in
-das Paradies gelangt. Wenn er irgendwie gesündigt hat, wird er nach
-dem Volksglauben der Inder verwandelt, als Katze, als Hund, als Schlange,
-dann muß er immer und immer wieder die mühselige Erdenwanderung
-von neuem beginnen.
-</p>
-
-<p>
-Vielleicht fühlten sich diese Männer nicht ganz von Sünden frei,
-genug, sie dachten gar nicht daran, dies seltsame Land zu verlassen, sie
-wollten gleich hier bleiben und zu ihrem mächtigen Gott Brahma ins
-Paradies eingehen.
-</p>
-
-<p>
-Nun gehörte einer von ihnen, der auch bis jetzt den Sprecher gemacht,
-und der, wie er oft betonte, von fürstlichem Blute abstammte,
-zur Priesterkaste der Brahmanen. Dieser Mann war es, der seine Gefährten
-in diesem Aberglauben bestärkte.
-</p>
-
-<p>
-Er zweifelte gar nicht daran, daß man sich im Paradies befand und
-gab zuerst seine Absicht kund, hierzubleiben und die Seligkeit des Jenseits
-zu genießen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Brahma wird uns mit offenen Armen aufnehmen,&ldquo; sprach er zu
-den Indern, die ihm willig zuhörten. &bdquo;Die Gottheit wohnt hinter diesen
-Felsen, denn es sind die heiligen Tempel, die den Göttersitz umgeben.
-Wir wollen ihnen nahen und dann sind uns die ewigen Freuden beschieden.
-Das Geschick hat uns hierhergeführt, wo Brahma auf uns wartet.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Es waren freilich nur wenige der Männer, die so fanatisch veranlagt
-waren, daß sie alles, was der ehemalige Priester sagte, für volle
-Wahrheit nahmen. Die anderen mochten freilich noch einige Zweifel
-hegen.
-</p>
-
-<p>
-Darum kümmerten sich aber diejenigen, welche an das Paradies
-glaubten, nicht im mindesten und waren fest entschlossen, die ewigen
-Freuden zu erringen.
-</p>
-
-<p>
-Aber dazu gehörte noch eins. Man mußte dem mächtigen Gott
-Brahma ein Opfer bringen.
-</p>
-
-<p>
-Der ehemalige Brahmanenpriester wußte auch hier Rat. Er kannte
-die ganzen alten Bücher und heiligen Schriften, nämlich die sogenannten
-Veden.
-</p>
-
-<p>
-Da erzählte er den Männern, die seinen Worten wie einem Evangelium
-lauschten, folgendes:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es war einst ein Brahmane, der wurde durch einen Zufall mit
-einem Schiff auf das Meer geführt. Dort entstand eine ungeheure Windhose,
-die das Schiff in die Höhe riß und es nach langer, langer Fahrt
-nach dem Lande der Glückseligkeit brachte. Das ist dieses Land hier
-gewesen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die Worte des Mannes verrieten freilich, daß er wenig von der
-Beschaffenheit eines Weltenfahrzeuges wußte, denn man hätte fragen
-können, wie diese Kunde von dem Ereignis auf die Erde gekommen
-war.
-</p>
-
-<p>
-Aber danach fragten die Inder nicht, denn ihre alten Ueberlieferungen
-galten ihnen als etwas, an dem nicht gezweifelt werden durfte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, sie gelangten nach jenem Lande,&ldquo; fuhr der Brahmane fort,
-&bdquo;und als sie da ankamen, erkannten sie, daß sie sich im Reiche der Gottheit
-befinden mußten. Sie wollten Brahmas Paradies nahen, aber die
-Dampfwolken versperrten ihnen den Weg. Da gedachten sie einer alten
-Vorschrift unserer heiligen Bücher und sie opferten ein Weib, welches
-sich bei ihnen befand. Und so wie das Blut dieses Weibes den heiligen
-Boden tränkte, wichen die Dämpfe und die Männer gingen in das irdische
-Paradies, wo sie mit Jauchzen
-und Frohlocken empfangen wurden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Es waren noch vier Männer, die sich um den Brahmanen drängten
-und seinen Worten lauschten, Leute, die nach dem Paradies förmlich
-lechzten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Und das Opfer?&ldquo; fragten sie, als der Mann schwieg.
-</p>
-
-<p>
-Der Brahmane deutete auf Nelly, die gerade ahnungslos nach der
-Plattform schritt.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ist es nicht wie damals?&ldquo; flüsterte er. &bdquo;Sind wir nicht auch
-hierhergelangt und befindet sich nicht auch ein Weib unter uns? Laßt
-uns dies Mädchen opfern, denn Weiber sind nicht würdig, in Brahmas
-Paradies zu gelangen. Auch ist sie eine Ungläubige.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was aber wird der Mann mit der Maske dazu sagen?&ldquo; fragte ein
-zweiter.
-</p>
-
-<p>
-Der Brahmane schien schon ganz verzückt zu sein, seine Augen
-glänzten in unnatürlichem Feuer.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Mag er sagen was er will,&ldquo; erwiderte er. &bdquo;Wenn wir uns im Paradies
-befinden, denken wir nur an die ewige Glückseligkeit. Brahma aber
-wird alle diejenigen, die nicht seine Diener sind, aus seinem Reich ausschließen.
-Wir werden allein zum Antlitz der Gottheit gelangen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-So kam es, daß sich die fünf Männer mit einander verbanden.
-</p>
-
-<p>
-Ihren anderen Genossen trauten sie nicht recht, auch gehörten
-diese einer niederen Kaste an, während die Verschwörer alle aus der
-Priesterkaste oder doch aus der Kriegerkaste stammten.
-</p>
-
-<p>
-Sie sprachen einen seltsamen Eid und zwar eine unheimlich klingende
-Formel. Wurde ein solcher Eid gebrochen, so verlor derjenige,
-welcher ihn brach, jedes Anrecht auf die himmlische Glückseligkeit.
-</p>
-
-<p>
-Die fünf Männer flüsterten zusammen, aber ihr Plan war bereits
-gefaßt. Die Abergläubischen waren fest davon überzeugt, daß dort hinter
-den sonderbar gestalteten Felsen und Hügeln das indische Paradies
-lag.
-</p>
-
-<p>
-Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sie ihr Unternehmen ins
-Werk setzen konnten. Sie wollten an jenen glücklichen Ort gelangen
-und hatten insgeheim den Tod der ahnungslosen Nelly beschlossen.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-6">
-<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br />
-Der Geyser-Ausbruch.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Tag auf Tag ging vorüber, ohne daß sich etwas Besonderes ereignete.
-</p>
-
-<p>
-Am Horizont zeigten sich zuweilen die Wogen des rätselhaften
-Ozeans, dessen blaue Linie aber niemals bis zu den Sanddünen vorrückte.
-</p>
-
-<p>
-Freilich war die erste Landungsstelle, wo das Weltenfahrzeug strandete,
-ziemlich weit entfernt und die mochte von Zeit zu Zeit vom Ozean
-überflutet werden.
-</p>
-
-<p>
-Alles deutete darauf hin, daß die neue Welt hier erst in der Entwicklung
-begriffen war.
-</p>
-
-<p>
-Es gab grauenvolle Stürme, die mit entsetzlicher Wut tobten. Stürme,
-die es begreiflich machten, daß hier kein höherer Pflanzenwuchs
-vorhanden war. Jeder Baum wäre durch diese fürchterlichen Orkane
-entwurzelt worden, aber die zähen, stachligen Graspflanzen beugten sich
-nur und schienen durch den Ansturm desto festeren Halt zu bekommen.
-</p>
-
-<p>
-Die Fische und sonstigen Lebewesen im Meere wurden durch die
-Wut der Stürme gar nicht berührt, sondern tummelten sich lustig in der
-klaren Tiefe.
-</p>
-
-<p>
-Die ungeheuren Sanddünen schützten das Weltenfahrzeug und
-wenn das Wetter ruhig war, konnte man zuweilen in einiger Entfernung
-die Ausbrüche der Geyser beobachten.
-</p>
-
-<p>
-Am großartigsten sah es aus, wenn von den Felsen kochende Gewässer
-herabrieselten und wunderbar gefärbte Dämpfe in die Höhe stiegen.
-Dann glich die Landschaft in der Tat einem übernatürlichen Ort,
-auf dem zahllose Wunderfontänen emporsprudelten.
-</p>
-
-<p>
-Die fünf Inder aber, welche sich mit einander verschworen hatten,
-waren mehr als je überzeugt, daß sie sich hier an der Schwelle des
-himmlischen Paradieses befanden, in dem sie sich durch das geplante
-Opfer Eintritt verschaffen konnten.
-</p>
-
-<p>
-Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sich Nelly allein aus der
-Umgebung des Weltenfahrzeugs entfernte. Dann wollten sie den Eingang
-in das vermeintliche Paradies erzwingen.
-</p>
-
-<p>
-Man gewöhnte sich allgemach an die sonderbare Welt und es kam
-oft vor, daß die Insassen des Weltenfahrzeuges eine Strecke landeinwärts
-wanderten.
-</p>
-
-<p>
-Mors warnte seine Leute, daß sie sich nur nicht in die Nähe der
-Geyser begaben, damit nicht etwa ein größerer Ausbruch Unheil anrichte.
-</p>
-
-<p>
-Wenn es dunkel wurde, verschwanden die Wolken, dann leuchteten
-die Monde und die Sterne in schier überirdischem Glanze.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor meinte sogar, der Anblick der Geyser sei bei Mondbeleuchtung
-viel großartiger als bei Tage, da dann immer Wolkenmassen
-das Firmament verhüllen, und Nelly teilte seine Meinung.
-</p>
-
-<p>
-Mors setzte jetzt unablässig seine Beobachtungen fort. Er trachtete
-danach, eine Stelle zu finden, wo sich größere Sandmassen befanden.
-</p>
-
-<p>
-Am liebsten hätte er eine Wüste auf dem Planeten gefunden, denn
-der die Elektrizität hemmende Sand hätte ihm dann die Rückkehr in
-den Weltenraum gestattet.
-</p>
-
-<p>
-Aber derartiges war nicht zu finden, und so mußte Mors schon
-seinem guten Glück vertrauen. Wohl aber hatte er Terror angewiesen,
-bei Gelegenheit kleine Aufstiege zu machen und zu sehen, ob irgend wo
-die Anziehungskraft des Planeten minder heftig wirkte.
-</p>
-
-<p>
-Terror tat dies gern, denn er sehnte sich sobald als möglich von
-dem unheimlichen Weltkörper fort, er hatte nicht die geringste Lust,
-hier sein Leben zu beschließen.
-</p>
-
-<p>
-Das war nicht etwa Furcht, denn die kannte Terror nicht, aber er
-meinte, man könnte anderes verrichten, als hier in dieser fremdartigen
-Welt das Dasein zu vertrauern. Abenteuer wollte er haben, hier erschien
-ihm alles zu eintönig.
-</p>
-
-<p>
-Der Abend nahte, als Nelly wieder nach dem Reich der Geyser
-hinüberwandelte. Sie hatte das schon öfters getan und konnte sich gar
-nicht daran satt sehen, besonders gefiel es ihr, wenn im Mondschein die
-natürlichen Fontänen emporsprudelten.
-</p>
-
-<p>
-In gemessener Entfernung von diesen Geysern hielt sie an und
-setzte sich auf einen Stein, um in Muße das grandiose Naturschauspiel
-betrachten zu können.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich vernahm Nelly Schritte und sah fünf Leute von der Besatzung
-herankommen.
-</p>
-
-<p>
-Sie ahnte nichts Schlimmes, wußte sie doch nicht, daß es die fünf
-Verschworenen waren, die nach Brahmas Paradies trachteten.
-</p>
-
-<p>
-Schon war die Sonne verschwunden und mit ihr wie gewöhnlich
-die Wolkenmassen. Die Monde des Jupiter begannen wieder zu glänzen.
-</p>
-
-<p>
-Beim Umblicken hatte Nelly auch gewahrt, daß das Weltenfahrzeug
-wieder einmal in die Höhe stieg. Jedenfalls machte Terror wieder
-Schwebeversuche.
-</p>
-
-<p>
-Sie sah noch hin und hatte den Indern den Rücken zugekehrt, als
-sie plötzlich fühlte, wie sie von kräftigen Armen umschlungen wurde.
-Erschrocken wendete Nelly den Kopf und da sah sie in fanatische Gesichter,
-in schier überirdisch blickende Augen.
-</p>
-
-<p>
-Sofort überkam sie die Ahnung, daß ihr Gefahr drohte, sie schrie
-laut auf.
-</p>
-
-<p>
-Sie konnte nur einen einzigen Schrei tun, da sich gleich darauf
-eine Hand auf ihre Lippen preßte. Dann wurde sie emporgehoben und
-die fünf Männer schleppten sie nach den wasserspeienden Kratern hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Nur ein einziger Mann hatte den Schrei vernommen und auch nur
-gedämpft, aber er ahnte, daß hier jemand in Angst aufschrie.
-</p>
-
-<p>
-Es war Kapitän Mors, der sich nicht auf dem Weltenfahrzeug befand.
-</p>
-
-<p>
-Er stand in der Nähe der Sanddünen und beobachtete die Bewegungen,
-die das Fahrzeug machte.
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte nämlich bemerkt, daß der &bdquo;Meteor&ldquo;, wenn er hoch
-stieg, immer erst die Spitze nach oben wendete, dann aber wieder von
-der unheimlichen Macht hinuntergezogen wurde. Diese Bewegung wollte
-er genau beobachten, um sie vielleicht bei Befreiungsversuchen verwenden
-zu können. Jetzt aber wurde er durch den fernen Hilfeschrei
-unterbrochen.
-</p>
-
-<p>
-Im nächsten Moment rannte der Luftpirat mit gewaltigen Sprüngen
-nach den Geysern hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Hier waren überall Felsen, die seine Gestalt verbargen. Er strengte
-alle Kräfte an, um rasch vorwärts zu kommen und erreichte bald den
-Platz, wo seine Leute sonst die Naturerscheinung zu beobachten pflegten.
-Aber dieser Platz war heute leer.
-</p>
-
-<p>
-Mors sah nach den Geysern hinüber und da glaubte er in den
-Strahlen des Mondes etwas Bewegliches zu sehen. Wieder rannte er vorwärts.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich blieb er betroffen stehen.
-</p>
-
-<p>
-Er sah Seltsames.
-</p>
-
-<p>
-Zur Linken und zur Rechten gewahrte er die Wasserkrater und
-zwischen denselben sah er eine Menschengruppe.
-</p>
-
-<p>
-Zwei der Inder hielten eine Gestalt fest, die eine dünne weiße Hülle
-trug.
-</p>
-
-<p>
-Es war Nelly.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder hatten das Mädchen auf einen Felsblock gelegt und
-zwar so, daß die Arme und Füße herabhingen. Ein Mann hielt die beiden
-entblößten Arme Nellys fest, ein zweiter die Füße.
-</p>
-
-<p>
-So war die halbenthüllte Brust frei und emporgereckt, und neben
-ihr stand der dritte der Männer, der ehemalige Brahmane.
-</p>
-
-<p>
-Die Linke preßte er auf den Mund Nellys, damit sie nicht schreien
-konnte. In der Rechten aber hielt er eine jener dolchartigen Klingen, wie
-sie die Inder immer mit sich führten.
-</p>
-
-<p>
-Seitwärts aber knieten die beiden letzten Inder auf dem Boden
-und streckten die Arme flehend nach der Stelle aus, wo leichte Dämpfe
-auf einem Wasserkrater emporstiegen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Brahma, Brahma,&ldquo; riefen sie mit halblauter Stimme. &bdquo;Höre das
-Flehen deiner treuen Diener. Sieh, wir bringen Dir ein Opfer dar, ein
-junges Mädchen. Das Blut des Opfers soll fließen und uns das Paradies
-öffnen. Brahma, öffne uns Deine Arme, Deine treuen Diener sehnen
-sich nach Deinem Anblick.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors wußte in wenigen Augenblicken, was hier geschehen sollte.
-</p>
-
-<p>
-Diese Inder befanden sich im Banne des finsteren Aberglaubens,
-sie wollten Nelly töten, um sich Einlaß in ein hier vermutetes Paradies
-zu verschaffen.
-</p>
-
-<p>
-Der unheimliche Brahmane wartete nur, bis das Gebet seiner Gefährten
-zu Ende war. Nun hob er das Messer und wollte die Klinge in
-Nellys Brust stoßen.
-</p>
-
-<p>
-Wenn Mors jetzt noch einen Augenblick zögerte, war das junge
-Mädchen verloren.
-</p>
-
-<p>
-Mit furchtbarem Satz schwang sich der Luftpirat über den nächsten
-Steinblock.
-</p>
-
-<p>
-Der Brahmane wollte den tötlichen
-Stoß führen, als ihn die eiserne Faust des Maskierten im Genick packte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was tust Du!&ldquo; schrie der Luftpirat mit mächtiger Stimme, indem
-er den Aufheulenden weit hinwegschleuderte.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden anderen Inder ließen Nelly los und prallten zurück. Sie
-kannten den Kapitän, seine Kraft und Entschlossenheit. Sie kannten
-auch seine fürchterlichen Waffen.
-</p>
-
-<p>
-Auch die Betenden sprangen empor und schauten verdutzt auf
-Mors, der so unerwartet unter ihnen erschienen war.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat aber kam nicht dazu, Aufklärung zu fordern.
-</p>
-
-<p>
-Denn in diesem Augenblick begann es zu sausen und zu brausen,
-man hörte ein Zischen und Schäumen.
-</p>
-
-<p>
-Von den Felsen sprudelte Wasser herunter und aus den Rissen am
-Boden quoll es empor. Gleichzeitig begann es im Innern des nahen
-Geysers seltsam zu poltern und zu grollen.
-</p>
-
-<p>
-Das Wasser stieg so schnell empor, daß die fünf Inder im Nu bis
-an den Gürteln im Wasser standen.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber hatte Nelly, die ohnmächtig geworden war, emporgehoben
-und hielt das schöne Mädchen in seinen Armen. Hinter ihm zischte
-und brauste es, aus dem Geyser aber stieg eine Wassersäule.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt,&ldquo; schrie
-Mors mit furchtbarer Stimme.
-</p>
-
-<p>
-Der Zuruf galt den Indern, denn trotz ihres unheimlichen Aberglaubens
-wollte Mors diese Leute erhalten.
-</p>
-
-<p>
-Er selbst aber sprang schnell entschlossen auf den Rand eines Felsenringes,
-in dessen Innern das Wasser langsam emporstieg.
-Er wußte ja, was kommen würde. Das Wasser, welches bis jetzt emporgedrungen
-und nur eine mäßig warme Temperatur besessen, begann
-jetzt zu kochen.
-</p>
-
-<p>
-Aber die Inder hörten nicht auf die Stimme des Kapitäns, wenigstens
-nicht die drei, welche das Opfer vollziehen wollten.
-</p>
-
-<p>
-Nur die beiden, welche gebetet hatten, erreichten noch im letzten
-Augenblick einen Felsblock, an dem sie hinaufkletterten und sich anklammerten.
-Der Brahmane und seine beiden fanatischen Genossen
-wälzten sich schreiend in den heißer und heißer werdenden Fluten.
-</p>
-
-<p>
-Mors hatte jetzt mit sich selbst zu tun, denn es galt ja, den kochenden
-Wassermassen auszuweichen.
-</p>
-
-<p>
-Seine eiserne Kaltblütigkeit kam ihm da sehr zu statten.
-</p>
-
-<p>
-Mors lief, Nelly tragend, immer auf dem Rand des ausgedehnten
-Felsenringes herum.
-</p>
-
-<p>
-Er mußte immer in Bewegung bleiben, denn das Wasser sprudelte
-bald hier bald dort. Kochende Massen schossen von den Felsen herunter
-und zeitweise war alles in Dämpfen eingehüllt, so heiß, so glühend,
-daß man kaum zu atmen vermochte.
-</p>
-
-<p>
-Mors hörte, wie die beiden Inder, die sich gerettet hatten, laut
-schrieen und jammerten.
-</p>
-
-<p>
-Sie flehten zu Brahma, aber als von diesem Gott keine Hilfe kam,
-wurden die Männer in ihrem Aberglauben schwankend. Sie schrieen
-jetzt zu Mors, daß er ihnen helfen solle.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist besser, als wenn Ihr zu Euren Göttern schreit,&ldquo; rief der
-Luftpirat. &bdquo;Haltet Euch nur an den Felsen fest und deckt Euch gegen
-die Wassermassen. Dann werdet Ihr schon mit dem Leben davonkommen.
-Aushalten, der Ausbruch geht schon vorüber.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors irrte sich nicht.
-</p>
-
-<p>
-Es dauerte allerdings eine Stunde, ehe die entfesselten unterirdischen
-Gewalten zu toben aufhörten.
-</p>
-
-<p>
-Dann verstummte das Brausen und Zischen wie mit einem Zauberschlag,
-der Geyser schleuderte keine Wassermassen mehr empor und die
-eben noch überschwemmte Strecke wurde trocken, das emporsprudelnde
-Wasser durch die Felsspalten wieder in das Innere der Erde zurückströmte.
-</p>
-
-<p>
-Am Boden aber lagen drei grauenvoll entstellte Körper, die drei
-Inder, welche im siedenden Wasser ein schreckliches Ende gefunden
-hatten.
-</p>
-
-<p>
-Nelly war wieder zu sich gekommen und befand sich in den Armen
-des Kapitäns.
-</p>
-
-<p>
-Anfangs schrie sie laut auf, da sie glaubte, daß sie sich noch in der
-Gewalt der Inder befände, die sie der Gottheit opfern wollten.
-</p>
-
-<p>
-Dann aber erkannte sie ihren Retter.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie sind plötzlich über mich hergefallen,&ldquo; stammelte Nelly. &bdquo;Ich
-konnte nur einmal schreien. Dann wurde mir der Mund zugehalten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Finsterer Aberglauben war es,&ldquo; sprach Mors. &bdquo;Sie wollten Euch
-einer Gottheit opfern, um in ein hier vermutetes Paradies zu gelangen.
-Drei dieser Männer sind vom Verderben ereilt worden, und die beiden
-anderen werden ihre Strafe für ihre Unbesonnenheit und ihren Aberglauben
-später erhalten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Nelly bemerkte erst jetzt, daß ihr die Inder die Kleider abgerissen
-hatten und wollte vor Scham vergehen. Mors aber blickte gar nicht auf
-die reizvolle Gestalt, sondern rief nur den beiden noch immer zitternden
-Indern zu, daß sie ihm so schnell als möglich folgen sollten.
-</p>
-
-<p>
-Dann zog der Luftpirat seinen blauen Uniformrock aus und deckte
-ihn als Kavalier über Nellys entblößte Arme und Schultern. So führte
-er die noch immer heftig Zitternde, von den beiden ganz niedergeschlagenen
-Indern gefolgt, zurück zur Sanddüne.
-</p>
-
-<p>
-Dort war inzwischen das Weltenfahrzeug wieder nieder gegangen
-und die Besatzung wunderte sich sehr, als Mors, Nelly und die beiden
-Inder in einem solchen Aufzug zurückkehrten.
-</p>
-
-<p>
-Nelly eilte rasch schamglühend in das Weltenfahrzeug, um sich
-mit neuen Kleidern zu versehen, während Mors hastig das eben erlebte
-Abenteuer erzählte.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden abergläubischen Inder, welche den Tod ihrer Gefährten
-mit angesehen hatten, mußten bittere Vorwürfe über sich ergehen lassen.
-</p>
-
-<p>
-Terror aber brachte dem Kapitän eine besondere Nachricht.
-</p>
-
-<p>
-Es war ihm gewesen, als hätte sich die furchtbare Anziehungskraft
-des Jupiter weit weniger geäußert als sonst und da entschloß sich Mors
-noch einmal in die Lüfte zu steigen.
-</p>
-
-<p>
-Er verschob es aber bis zum Tagesanbruch und als die Sonne erschien,
-kamen auch die gewaltigen Wolkenmassen, die tagsüber regelmäßig
-das Firmament bedeckten.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich machte sich im Osten ein seltsamer roter Schein bemerkbar.
-</p>
-
-<p>
-Terror sah ihn zuerst und benachrichtigte Mors und den Professor
-von der neuen Erscheinung.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist die rote Wolke,&ldquo; rief van Halen. &bdquo;Das ist jene ungeheure
-Masse, die über dem Jupiter schwebt und die in ihrem Innern jedenfalls
-die fürchterlichen elektrischen Entladungen birgt. Kapitän, rasch, wir
-müssen nach der Düne hinunter.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors gab sofort ein Signal nach dem Lenkraum, um Terror zu
-bestimmen, daß er den &bdquo;Meteor&ldquo; wieder nach seinem geschützten Ankerplatz
-brächte.
-</p>
-
-<p>
-Aber seine Finger berührten noch den Druckknopf, als das Weltenfahrzeug
-plötzlich wie von einer furchtbaren Kraft hin- und hergeschüttelt
-wurde.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Zu spät, zu spät!&ldquo; schrie der Professor, als er durch das Guckloch
-sah, daß alles rings herum blutrot leuchtete. &bdquo;Kapitän, wir sind in die
-rote Wolke des Jupiter geraten!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Von dem, was jetzt vorging, hatten die Insassen des Weltenfahrzeuges
-später nur noch eine unbestimmte Vorstellung.
-</p>
-
-<p>
-Es war ihnen aber zu Mute, als würde mit ihnen buchstäblich
-Fangeball gespielt. Der &bdquo;Meteor&ldquo; schien sich in der Gewalt ungeheuer
-boshafter Kobolde zu befinden.
-</p>
-
-<p>
-Bald wurde er hierhin, bald dorthin geworfen. Bald richtete er sich
-mit dem Vorteil, dann wieder mit dem Hinterteil in die Höhe. Einige
-Male schien es, als sollte das Fahrzeug Kopf stehen.
-</p>
-
-<p>
-Dazu vernahm man außerhalb geradezu entsetzliche Töne.
-</p>
-
-<p>
-Vermutlich waren es elektrische Entladungen, welche in der roten
-Wolke tobten. Aber man konnte diese fürchterlichen Entladungen nicht
-mehr als Donnerschläge bezeichnen. Nein, das war etwas anderes. Das
-waren gräßliche, gigantisch schmetternde Töne, sie waren so fürchterlich,
-daß man glaubte, es müsse alles in Trümmer gehen.
-</p>
-
-<p>
-Selbst Mors gab alles verloren und erwartete den Augenblick, wo
-der &bdquo;Meteor&ldquo; in Atome zertrümmert werden mußte.
-</p>
-
-<p>
-Aber das wunderbare Fahrzeug hielt, es trotzte den entfesselten
-Elementen, kein Bolzen gab nach, alles blieb in bester Ordnung.
-</p>
-
-<p>
-Van Halen, Nelly, die Inder und Normannen bewahrten ihre Fassung.
-Kapitän Mors gab ihnen ja ein heldenhaftes Beispiel.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat bekam es sogar fertig, nach dem Lenkraum zu gehen
-oder vielmehr zu kriechen. Dort traf er Terror, der sich zwischen seinen
-Maschinen festgebunden hatte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hält der Magnet noch?&ldquo; war Mors&rsquo; erste Frage.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, Kapitän,&ldquo; lautete die Antwort. &bdquo;Der Magnet ist noch in Ordnung,
-aber ich denke, es geht jetzt alles in Trümmer!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich meine, wir haben das Schlimmste schon überstanden,&ldquo; erwiderte
-Mors.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wie meint Ihr das, Kapitän?&ldquo; stotterte Terror.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das will ich dir sofort sagen,&ldquo; erwiderte der Luftpirat. &bdquo;Die rote
-Wolke, diese sonderbare Erscheinung, kann möglicherweise zu unserer
-Rettung dienen. Die schrecklichen, entfesselten elektrischen Kräfte können
-uns möglicherweise in den Weltenraum hinausschleudern.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-In diesem Moment vernahm man ein lautes Surren und Summen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; schrie Terror freudig auf. &bdquo;Ihr habt recht. Der Magnet
-arbeitet. Das Weltenfahrzeug befindet sich in voller Fahrt!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die furchtbaren schlingernden Bewegungen hatten aufgehört.
-Mors stürzte zu dem Schieber, der die starke Glasscheibe verdeckte.
-</p>
-
-<p>
-Er sah hinaus in den Weltenraum.
-</p>
-
-<p>
-Noch gewahrte man den Jupiter als ungeheure, leuchtende Scheibe.
-Man sah die Wolkenmassen und in diesen den unheimlichen roten
-Fleck, dieses geheimnisvolle Rätsel des Riesenplaneten.
-</p>
-
-<p>
-Aber die fürchterliche Naturkraft hatte die Weltenfahrer gerettet.
-</p>
-
-<p>
-Wie es kam, daß sie so weit in den Weltenraum hinausgeschleudert
-wurden, konnte niemand sagen. Aber der Magnet wirkte. Mit rasender
-Schnelligkeit schoß der &bdquo;Meteor&ldquo; vom Jupiter hinweg und seine
-Spitze richtete sich auf die ferne Erde.
-</p>
-
-<p>
-Terror stieß einen Jubelruf aus und rannte, nachdem er sich losgebunden,
-in den Beobachtungsraum, um das fast Unglaubliche zu verkünden.
-</p>
-
-<p>
-Mors aber blieb im Lenkraum und ruhig, als wäre nichts geschehen,
-lenkte er sein wunderbares Fahrzeug zurück zur Mutter Erde.
-</p>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p>
-Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
-J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
-von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 161-196. Moderne Zusätze und Anmerkungen
-wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige
-Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten.
-</p>
-
-<p>
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
-Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
-Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-</p>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
-Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-***** This file should be named 56067-h.htm or 56067-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
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-
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