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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 19:44:45 -0800 |
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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 40: Die Empörung im Weltenfahrzeug - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56065] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - 40. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. - Preis 10 Pf. (15 Heller.) - - - - - Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. - - - - - Die Empörung im Weltenfahrzeug. - - - [Illustration: Ein grauenvoller Anblick bot sich den Eintretenden - dar. Die Körper der beiden Männer wurden in furchtbarem Wirbel - von der unheimlichen Maschine umhergeschleudert.] - - - Druck- und Verlags-Gesellschaft - Berlin - - - - - Die Empörung im Weltenfahrzeug. - - - - - 1. Kapitel. - Das seltsame Licht. - - -Dichter Nebel bedeckte Land und Meer. - -Die grauen Massen lagerten sich schwer über die schäumenden Wogen, sodaß -das Auge nicht in die Weite zu schweifen vermochte. - -Auch auf der geheimnisvollen Insel des Kapitän Mors lagen die Nebel und -dieser Umstand brachte es dahin, daß die Wachsamkeit, die auf der Insel -herrschte, verdoppelt wurde. - -Allerdings hatte man keine Schiffe gewahrt und auch kein Zeichen eines -feindlichen Angriffes bemerkt. Dagegen hatte Kapitän Mors, der stets und -ständig Erkundigungen in der Welt einzog, einiges erfahren, was ihm zu -denken gab. Es schien, als ob wieder mal ein Angriff auf die -geheimnisvolle Insel geplant wurde. -- - -Die Nacht war vorüber und der Morgen dämmerte. Durch die Nebelmassen -schritt der stolze Mann, der das lenkbare Luftschiff und das -Weltenfahrzeug erbaut und hier auf der Insel wie ein König in seinem -Reiche herrschte. - -Kapitän Mors inspizierte die Wächter, die er hier und dort am -Klippenstrand der Felseninsel aufgestellt hatte und ließ sich von ihnen -Bericht erstatten. - -Soeben nahte er einem hohen Klippenrand, dort stand im Schutz einiger -gewaltiger Felsblöcke eine Männergestalt, die sich zum Schutz gegen die -feuchtkalten Nebel in eine große Decke eingehüllt hatte. - -Es war einer der Inder, einer der treuen Gefährten des Kapitän Mors. Er -trat an den Wächter heran. - -»Ist etwas vorgefallen?« fragte er mit jenem freundlichen Ernst, den er -stets seinen Leuten zeigte. - -Kapitän Mors erwartete eine verneinende Antwort, denn der Nebel -versperrte ja jede Fernsicht, die Antwort setzte ihn daher in einiges -Erstaunen. - -»Gesehen habe ich was, Kapitän,« lautete der Bescheid des -Wachehaltenden, »und zwar gegen Morgen. Als sich der Morgenwind erhob, -blies er tüchtig in die Nebelmassen und trieb sie ein wenig auseinander. -Da habe ich einige hundert Meter von der Insel ein sonderbares Licht -gesehen, es war ein bläulich-grüner Schimmer, der zuweilen aufzuckte und -dann wieder verschwand. Es wiederholte sich noch mehrmals.« - -»Also ein Schiff,« meinte Kapitän Mors ruhig. »So scheinen die Gerüchte, -die ich vernommen, doch auf Wahrheit zu beruhen. Nun, mögen meine Gegner -nur kommen, sie finden einen heißen Empfang, ich würde diesmal keine -Schonung kennen. Wenn sie mich reizen, will ich ihnen mal meine Macht -zeigen.« - -»Nein, Kapitän, ein Schiff war es nicht,« fuhr der Wächter fort. »Der -Wind hatte die Nebelmassen völlig verjagt und da hätte ich ein Schiff -sehen müssen, ja selbst einen Gegenstand, der nur so groß wie ein Boot -gewesen wäre. An der Stelle, wo das Licht aufflimmerte, sah ich nichts -als die Gewässer, welche im regelmäßigen Kommen und Gehen gegen unsere -Felsenküste brandeten. Das war ja eben das Sonderbare.« - -»So, so,« erwiderte Kapitän Mors gedehnt, »und Du hast Dich nicht -getäuscht?« - -»Nein, Kapitän, denn ich habe das Licht immer wieder beobachtet, bis es -endlich verschwand. Im Meere gibt es ja viele Geheimnisse und da wollte -ich Euch schon fragen, ob es nicht ein ungeheures Tier gewesen sein -kann. Gibt es doch sogar elektrisch leuchtende Fische. Könnte da nicht -irgend ein solches Riesentier aus den Tiefen des Meeres emporgestiegen -sein?« - -»Ich bezweifle es,« erwiderte Kapitän Mors. »Allerdings gibt es große -Fische, die eine Art natürlicher Leuchtapparate besitzen, aber dies -Licht ist doch zu schwach, um in solcher Entfernung bemerkt zu werden. -Auch würden derartige Seeungeheuer, die in ungeheuren Tiefen leben, -alsbald den Tod finden. Schade, daß ich das Licht nicht selbst gesehen -habe, aber ich werde jetzt meine Maßnahmen darnach treffen.« - -Kapitän Mors blieb noch eine ganze Weile bei dem Wächter und beide -Männer blickten auf das Meer, aber die Nebelmassen zogen sich immer -dichter und dichter zusammen. - -Der Mann an der Seite des Kapitän Mors schien öfters zusammenzuzucken, -er zitterte krampfhaft und Kapitän Mors schien dies bald zu bemerken. - -»Fühlst Du noch immer die krankhaften Zuckungen in Deinem Körper?« -fragte er plötzlich. »Ich habe diesen Zustand auch bei Deinen Gefährten -beobachtet, welche die Fahrten im Weltenfahrzeug unternahmen.« - -»Allerdings, Kapitän,« klang es zurück. »Zeitweise ist es, als ob die -Glieder völlig gelähmt seien, es gibt Stunden, in denen man sich kaum -bewegen kann.« - -»Seltsam,« murmelte Kapitän Mors. »Weder ich, noch Star oder Terror -haben etwas von diesen Anfällen bemerkt, auch die Töchter des Ingenieurs -und der Astronom sind von solchen Anfechtungen verschont geblieben. Es -scheint, daß nur die Inder unter den Fahrten im Weltenfahrzeug leiden. -Das kommt wohl daher, daß sie aus einem tropischen Lande stammen, und -ihre Körper weniger widerstandsfähig sind, als die der Europäer.« - -»Ich glaube es auch, Kapitän, aber wir werden uns daran gewöhnen. Wir -werden aushalten, bis wir bei den Fahrten im Weltenraum dieselbe -Widerstandskraft besitzen. Der Mensch gewöhnt sich ja an alles.« - -»Das ist richtig,« antwortete Kapitän Mors, »aber ich habe keine Lust, -die Gesundheit meiner getreuen Anhänger zu vernichten. Dabei bin ich -doch auf meine Inder angewiesen. Nun vielleicht wird sich auch hier Rat -schaffen lassen.« - -Das verdächtige Licht zeigte sich nicht mehr und die Nebel blieben. Die -Sonne vermochte nicht, diese grauen Massen zu durchbrechen, es schien, -als hätte eine böse Fee die Insel und das ganze weite Meer verzaubert. - -Kapitän Mors sprach nicht über die Beobachtung des Inders, aber er ließ -alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln treffen. - -An den meisten Stellen war ja die Insel völlig unzugänglich und bot den -Anblick einer kolossalen Felsenmasse. - -An den wenigen Stellen aber, wo eine Landung möglich schien, wurden -sonderbar aussehende Apparate aufgestellt, die von zuverlässigen Leuten -bedient wurden. - -Das waren Zerstörungsapparate, welche dem Erfindungsgenie des Kapitän -Mors ihre Entstehung verdankten. - -Diese Apparate konnten auf ziemliche Entfernung hin zerstörend wirken, -sie konnten gepanzerte Schiffe vernichten. Kapitän Mors hatte keine -Lust, ein Betreten seines Reiches zu dulden. - -Er gab den Männern, welche die Zerstörungsapparate bedienten, Vollmacht, -daß sie nach ihrem eigenen Gutdünken handeln sollten, gebot aber, wenn -irgend möglich, das Hauptquartier, wie er sein Heim auf der Insel -nannte, beim Erkennen verdächtiger Gegenstände benachrichtigen zu -wollen. - -Der Vormittag verging ruhig. - -Alle Männer auf der geheimnisvollen Insel beobachteten das Meer, soweit -es eben der durch die Nebelmassen gehemmte Blick erlaubte. - -Auch die Männer des Kapitäns meinten, daß irgend ein Anschlag geplant -sei, der möglicherweise mit besonderer Heimtücke in Szene gesetzt werden -würde. - -Am Nachmittag begann sich der Wind, der sich völlig gelegt, wieder zu -erheben, er wurde stärker und stärker und entwickelte sich allgemach zu -einem Sturme. - -In kurzer Zeit schlugen die Wellen mit fürchterlicher Gewalt gegen das -Klippenufer, es war ein großartiges Schauspiel, wie der Sturm die -Nebelmassen durcheinander schleuderte. - -Die Bewohner der Insel kannten solche Naturereignisse. Die dichten Nebel -waren gewöhnlich die Vorboten schwerer Stürme, die sich zuletzt zu -wahrhaft rasenden Orkanen steigerten. - -Das schien auch diesmal der Fall zu sein, denn der Wind nahm derartig -zu, daß sich die majestätischen Stämme der Kokospalmen wie dünne -Grashalme bogen, daß die Kronen der Palmen beinahe den Erdboden -berührten. - -Aber für die Bewohner der Insel war nichts zu besorgen. - -Alle Gebäude waren fest errichtet und an Stellen erbaut, wo sie gegen -den wütenden Sturm Schutz fanden. Die Häuser an der Haupteinfahrt -bestanden aus Stein und konnten selbst dem wütendsten Orkan Trotz -bieten. - -Fürchterlich war das Tosen des rasenden Gesellen, das Geheul und Gebrüll -der Brandung, die Wellen schlugen an die Felsenküste, als wollten sie -die Klippen zertrümmern. - -»Wenn Feinde von uns draußen sind, geht es ihnen schlecht,« sprach -Ingenieur Star zu Kapitän Mors. »Mögen sie nun nahen, wie sie wollen, -der Orkan verdirbt ihnen den Spaß. Selbst wenn sie unter dem Schutze des -Nebels die teuflischsten Anschläge geplant hätten.« - -Mors gab keine Antwort, aber er teilte offenbar die Ansicht seines -Gefährten. - -Es durfte sich niemand aus den Häusern wagen, der Orkan schleuderte -alles zu Boden. Nur der Luftpirat verließ einige Male sein -Hauptquartier, dieser eiserne Mann trotzte selbst der Gewalt der -Elemente. - -Der Abend kam und der Orkan wütete mit unverminderter Gewalt fort, die -Nebelmassen aber waren jetzt völlig verschwunden. - -Der Sturm hatte sie hinweggefegt und nun bot die See ein Bild, wie man -es selten zu schauen vermochte. - -Haushohe Wogen jagten daher, und schlugen mit fürchterlicher Gewalt -gegen die Klippen, die ihnen den Weg versperrten. - -Ein salziger Sprühregen flog weit landeinwärts und die Uferfelsen waren -mit weißem Schaum bedeckt, so daß es aussah, als ob Schnee gefallen -wäre. - -Da brauchte niemand Wache zu halten. Aber die Leute, welche an der -Hafeneinfahrt wohnten, sahen bis spät in die Nacht auf die See hinaus -und betrachteten mit nie ermüdendem Staunen das prächtige Spiel der -entfesselten Naturgewalten. - -Um Mitternacht vernahm Kapitän Mors den Zuruf der beiden Ingenieure, die -jetzt in dem steinernen Hause wohnten. - -»Kapitän, Kapitän,« rief Terror, indem er an die Tür klopfte. »Wir haben -eben draußen auf der See ein grünlich-blaues Licht gesehen. Es ist -gerade, als ob da ein Fahrzeug von den empörten Wogen hin- und -hergeschleudert wird. Aber merkwürdiger Weise ist kein Schiff zu -erblicken.« - -In wenigen Augenblicken stand Kapitän Mors am Fenster. - -Da sah er auch den seltsamen Lichtschimmer, der ab und zu aufblitzte. Er -zog an der Klippeninsel vorüber und es schien, als wolle er jene Stelle -erreichen, wo die Felsen direkt senkrecht aus dem Meere emporstiegen. - -»Es wird etwas von den Wogen dahingetrieben,« sprach Kapitän Mors, »der -Wächter, den ich heute morgen sprach, dachte an einen riesigen Fisch, -aber das halte ich für ausgeschlossen, ich muß das unbekannte Ding für -Menschenwerk halten.« - -Mors hatte das Fenster aufgerissen. - -Zu sehen war nichts mehr, man vernahm nur das Brüllen der Wogen, das -gräßliche Sausen und Heulen des Sturmes, das Knarren und Aechzen der -Palmen, die sich unablässig unter den anstürmenden Orkanstößen neigten. - -So ging die Nacht vorüber und gegen Morgen brach sich die Gewalt der -Elemente, der Orkan tobte nicht mehr, aber die Wellen brandeten noch mit -aller Macht gegen die Steilklippen. - -Auf der geheimnisvollen Insel pflegte man nach solchen furchtbaren -Stürmen immer die Küste abzusuchen, da es nicht selten vorkam, daß -alsdann Trümmer angeschwemmt wurden. - -Oft genug fand man Eingeborenen-Canots von den benachbarten Inseln oder -vielmehr die Trümmer dieser sonst ziemlich seetüchtigen Fahrzeuge. - -Es war jetzt hell genug geworden, aber ein feiner Regen rieselte -hernieder. - -Kapitän Mors, die Ingenieure und einige Inder hüllten sich in ihre -wasserdichten Regenmäntel und machten sich daran, den Klippenstrand der -geheimnisvollen Insel zu umschreiten. - -Unwillkürlich verfolgte Kapitän Mors den Weg nach dem nordöstlichen -Strand und wendete sich der Stelle zu, wohin das blaugrüne Licht -getrieben wurde. - -Einer der Inder, ein junger, sehr leichtfüßiger Mann, war eine Strecke -voraus und erstieg gerade mit großer Behendigkeit die Klippen. - -Da richtete sich der Mann plötzlich empor. - -»Kapitän, Kapitän,« schrie er, mit den Armen gestikulierend. »Kommt -rasch, rasch, hier ist etwas Seltsames zwischen die Klippen geklemmt und -da sind auch Menschen!« - -Es war kein Wunder, daß dieser Zuruf Kapitän Mors und dessen Begleiter -zur größten Eile veranlaßte. - -Sie rannten um die Wette, klommen an den Klippen empor und schauten in -eine Art Bai hinunter. - -Diese war ganz von Klippen angefüllt und dort lag in der Tat etwas -Merkwürdiges. - -Es erschien fast wie ein riesiger Fisch von ungeheuren Dimensionen, wie -ein gestrandetes Ungeheuer, an dessen Seiten die Wogen brandeten. - -Gischt und Wogenschaum gingen über das sonderbare Ding hinweg, so daß es -nur selten den Blicken sichtbar wurde. - -»Das ist kein Meeresungeheuer,« rief Kapitän Mors plötzlich. »Das ist -Menschenwerk, ein Fahrzeug, welches sicherlich aus Metall hergestellt -ist. Nein, ich täusche mich nicht, das ist ein Unterseeboot.« - -»Von dem ist das geheimnisvolle Licht ausgegangen,« ergänzte Terror. -»Kapitän, die dort hatten nichts Gutes im Sinne. Es war auf uns -abgesehen, das Unterseeboot wollte jedenfalls die Bewohner unserer Insel -angreifen. Jetzt ist das Ding gescheitert und die Wellen werden es -allmählich in Stücke zerschlagen.« - -»Das mag sein,« erwiderte Kapitän Mors. »Aber jetzt müssen wir sehen, -daß wir die Menschen dort auf die Insel schaffen. Das gebietet die -Menschlichkeit, selbst, wenn diese Leute feindliche Absichten hegen. Was -dann mit diesen Leuten geschehen wird, werde ich noch bestimmen. Sie -befinden sich jetzt in größter Not und sind dem Untergang nahe.« - -Es war in der Tat ein großes Unterseeboot, welches der furchtbare Sturm -zwischen die Klippen getrieben hatte. - -Da lag es festgeklemmt und ragte gleich einem kolossalen Ungeheuer aus -den Wogen empor. - -Seine Lage aber brachte es mit sich, daß eine Anzahl Menschen, die sich -zweifellos im Innern befunden hatten, eine hoch aus dem Wasser -emporragende Klippe erreichen konnten. - -Da hockten sie in verzweifelter Lage, bis auf die Haut durchnäßt, Gischt -und Wogenschaum ging über sie hinweg, und die Brandung drohte diese -Leute mit sich fortzureißen und ihre Körper an den zackigen Klippen zu -zerschmettern. - - - - - 2. Kapitel. - Die Mannschaften vom Unterseeboot. - - -Kapitän Mors legte beide Hände an den Mund, so daß sie gleichsam ein -Sprachrohr bildeten. - -»Haltet aus!« schrie er mit mächtiger Stimme, die den Donner der Wogen -übertönte. »Klammert Euch fest, es kommt Hilfe!« - -Auf der geheimnisvollen Insel befanden sich nicht nur Zerstörungs-, -sondern auch Rettungsapparate. - -Kapitän Mors schickte den schnellfüßigen Inder nach dem Hauptquartier -mit dem Befehl, daß einer der Rettungsapparate herbeigeschafft werden -sollte. - -Dieser war ganz nach der Art erbaut, wie man solche an den europäischen -Meeresküsten verwendete. Es war ein Raketenapparat mit Stricken und -Körben, die mittels Rollen auf dem Seil bewegt werden konnten. - -Es dauerte noch eine halbe Stunde, aber dann war der mit dem -Rettungsapparat beladene Wagen zur Stelle. - -Zuerst wurde eine Art Mörser auf die Klippen gestellt, und mit einer -Rakete geladen. - -An diese Rakete war ein dünnes Tau befestigt und Kapitän Mors feuerte -den Mörser so geschickt ab, daß die lange Leine bis zu der von den -Schiffbrüchigen besetzten Klippe hinüberflog. - -Die gestrandeten Mannschaften begriffen sofort, was da vorging und -mochten ähnliche Rettungsapparate kennen. - -Sie ergriffen die Leine und zogen sie an, auf diese Weise zogen sie ein -dickes, an die Leine gebundenes Tau zur Klippe hinüber. - -Das Ende dieses sehr festen und widerstandsfähigen Taues wurde an den -Felsen befestigt, und so war eine Verbindung zwischen der Klippe und dem -festen Lande hergestellt. Man brauchte nur noch den auf Rollen laufenden -Korb hinüberzusenden, um die Schiffbrüchigen einen nach dem andern auf -die geheimnisvolle Insel zu holen. - -Da das Tau in etwas abschüssiger Richtung nach der Klippe hinabführte, -rollte der Rettungskorb leicht hinunter. - -Zwei der halberstarrten Männer stiegen ein und wurden mittelst einer -Leine, die am Korb befestigt war, von den Indern auf den Felsenstrand -der Insel herübergezogen. - -Dort reichte man ihnen sofort wollene Decken, während der Rettungskorb -schon wieder nach der Klippe hinunterrollte. - -Auf diese einfache Art und Weise wurden im Verlauf von kaum einer halben -Stunde die sämtlichen zehn Männer, welche sich auf der Klippe befanden, -auf die Insel gebracht. - -Kapitän Mors betrachtete die Geretteten, die vor Kälte und Nässe fast -erstarrt waren und sich in einem ganz jämmerlichen Zustande befanden. - -Je zwei Inder faßten einen der Geretteten unter den Arm, da sie -dieselben nur auf diese Weise aufrecht zu erhalten vermochten. - -Nun ging es landeinwärts, nach einem der in den Klüften erbauten -Gebäude, in denen die Schiffbrüchigen einstweilen Unterkunft finden -sollten. - -Dort wurden sie ihrer triefend nassen Kleidung entledigt und ihnen -einige warme, behagliche Lagerstätten hergerichtet. - -Die Leute ließen alles mit sich geschehen, ganz wie kleine, hilflose -Kinder, sie waren zu Tode erschöpft und nicht imstande, einen Laut -hervorzubringen. - -Todmüde mußten sie sein, da sie alsbald in eine Art Totenschlummer -verfielen und regungslos zwischen den wollenen Decken lagen. - -Kapitän Mors bestellte sofort eine Anzahl seiner Inder als Wächter. - -Er gab ihnen den Befehl, die Geretteten zu bewachen und wenn sie das -Bewußtsein erlangten, belebendes Getränk und Speisen zu reichen. - -Zugleich aber sollten ihn die Inder von dem Erwachen der Geretteten -benachrichtigen. - -Darauf begab sich der Luftpirat in das Hauptquartier zurück, nachdem er -vorher die Stelle des Schiffsbruchs besichtigt hatte. - -Das große Unterseeboot war schon halb zertrümmert und Kapitän Mors war -überzeugt, daß es in wenigen Stunden der Wut der Wellen zum Opfer -gefallen sein würde. - -Der Rest des Tages verging, und es kam die Nacht, Kapitän Mors erhielt -zeitweise Nachrichten, aber es wurde ihm gemeldet, daß die -Schiffbrüchigen noch immer in totenähnlichem Schlafe lägen. - -Erst am nächsten Morgen wurde gemeldet, daß sie erwacht seien und daß -man ihnen Speise und Trank gereicht hätte. - -Kapitän Mors begab sich sofort in das Gebäude, welches den Gestrandeten -zum Aufenthalt diente. - -Die zehn Männer waren bei voller Besinnung, saßen auf ihren Lagerstätten -und blickten mit einiger Neugier, vor allen Dingen aber auch mit einer -gewissen Scheu auf den Mann mit der Maske. - -Sie mochten vielleicht an ihr zukünftiges Schicksal denken und über -dasselbe in Sorge sein. Kapitän Mors aber las in den Augen dieser -Männer. - -»Es war auf mich abgesehen, kein Zweifel,« murmelte er. »Das galt mir! -Diese Männer haben jetzt Sorge, daß ich sie zur Verantwortung ziehen -möchte. Sie fürchten für ihr Leben.« - -Der Maskierte trat näher und heftete seine Feueraugen auf die geretteten -Mannschaften. - -Er war überzeugt, daß sich kein Offizier darunter befand, sondern daß er -nur die gewöhnliche Besatzung des gescheiterten Fahrzeuges gerettet -hatte. - -»Nun?« fragte Kapitän Mors mit eiserner Strenge, während seine -durchdringenden Augen auf den Leuten hafteten. »Wie kommt Ihr denn -hierher? Was hattet Ihr am Strande meiner Insel zu tun?« - -Kapitän Mors hatte die Leute französisch angesprochen und sah sofort, -daß er verstanden wurde. - -»Ja, was können wir dafür,« erwiderte einer der Männer, der jetzt das -Wort ergriff und den die andern wohl stillschweigend als den Sprecher -betrachteten. »Wir sind Matrosen und Mechaniker, wir mußten gehorchen. -Wir haben gar keine Ahnung gehabt, um was es sich handelte, als wir von -Saigon hierher beordert wurden. Unsere Offiziere, die haben es freilich -besser gewußt, sie hatten geheime Befehle empfangen. Aber die Offiziere -sind tot. Als das Unterseeboot gegen die Felsen stieß, wurden sie, da -sie sich im vorderen Räume nahe der Torpedokammer befanden, buchstäblich -zerquetscht. Wir befanden uns im Achterteil des Fahrzeuges und konnten -uns, da der Metallrumpf auseinanderklaffte, im letzten Moment auf die -Klippe zu retten.« - -»Wie hieß das Fahrzeug?« fragte Kapitän Mors. - -»Der »Fliegefisch«,« schallte es zurück. »Das Unterseeboot gehörte zur -Flotte, die die Häfen Tonkins besetzt hält, dort war die Order gekommen -und da wurde der »Fliegefisch« in die Südsee dirigiert. Wir sind hier -schon eine Woche herumgefahren, ehe uns das Unglück ereilte.« - -»Das war also das seltsame Licht,« murmelte Kapitän Mors. »Dies rührte -vom Unterseeboot her, das zur Spionage abgesandt worden war. Also hatten -es auch mal die Franzosen auf mich abgesehen. Nun, es ist ja ein -vergebliches Bemühen. Die Offiziere des Unterseeboots sind tot und die -gerettete Mannschaft kann nicht dafür, daß die Vorgesetzten das Fahrzeug -an diese Küste schickten. Was soll ich mit den Leuten anfangen? Gesehen -haben sie nichts. Ich hätte fast Lust, sie mit einem Eingeborenenboote -über kurz oder lang nach Australien zu senden. Aber, das ist auch eine -zweifelhafte Sache. Weiter hinten wohnen noch kannibalische Stämme, da -könnten die Leute in die Hände der Menschenfresser fallen.« - -Star trat heran. - -»Freilassen dürft Ihr sie nicht, Kapitän,« flüsterte er. »Wenn sie auch -nicht viel gesehen haben, können sie doch über manches, was hier auf der -Insel vorgeht, Auskunft geben. Ihr wißt ja, was Ihr gesagt habt, wenn -ein Fremdling die Insel betritt, so bleibt er zeitlebens ein -Gefangener.« - -»Nun, das werden wir sehen,« meinte Kapitän Mors. »Vorläufig kann ich -noch keine Entscheidung treffen. Die Männer werden aufs schärfste -bewacht, sonst aber mit allem versehen, was sie nur bedürfen. Das Haus -hier werden sie unter keinen Umständen verlassen, wenigstens nicht ohne -meine Erlaubnis.« - -Damit wendete sich Kapitän Mors zur Tür. - -»Hört, hört, Herr,« rief ihm der Wortführer der Geretteten nach. »Was -geschieht mit uns? Hat man unseren Tod beschlossen?« - -»Ich lasse nicht nutzlos morden,« gab Mors zurück und verließ -unmittelbar darauf das Zimmer. - -Das war freilich ein schlechter Trost und die Schiffbrüchigen schienen -über ihr Schicksal in Unruhe zu geraten. Sie flüsterten zusammen und -warfen besorgte Blicke auf die bewaffneten Inder, die wie Statuen ihr -Wächteramt verrichteten. - -Am nächsten Morgen wurde Kapitän Mors gemeldet, daß ihn die Geretteten -wieder zu sprechen wünschten. - -»Sie haben sich alle gut erholt,« meinte Star, der diese Botschaft -brachte. »Es sind alles kräftige, stattliche Kerle. Sechs von ihnen -stammen aus der Normandie, die anderen vier sind Irländer. Sie verstehen -übrigens sämtlich etwas von der Mechanik und vom Ingenieurwesen, das -habe ich durch allerhand Fragen herausbekommen. Wenn sie Gefangene -bleiben, können sie uns möglicherweise gute Dienste leisten.« - -»Das wird sich finden,« erwiderte Kapitän Mors. »Mein Entschluß ist noch -nicht gefaßt. Ich werde jetzt mit den Leuten sprechen.« - -Eine halbe Stunde später stand Kapitän Mors vor den Geretteten, die mit -scheuen Mienen auf den Mann schauten. - -Sie trauten offenbar dem Frieden nicht und meinten, das Abenteuer möchte -übel enden, sie fürchteten, daß Kapitän Mors den Befehl zu ihrer -Hinrichtung geben möchte. - -»Nun, was begehrt Ihr?« fragte der Maskierte. »Was habt Ihr für ein -Anliegen?« - -Der Sprecher der Schiffbrüchigen war ein Irländer, der sich Wilkes -nannte. - -Er schien auf dem Unterseeboot als Steuermann gedient zu haben und war -offenbar ein sehr geschickter Mensch, der Kapitän Mors gute Dienste -leisten konnte. - -»Ich wollte eine Bitte an Euch richten, Herr,« begann Wilkes in recht -demütigem Tone. »Wir wissen, daß wir uns auf einer Insel befinden, auf -die man schwer hinauf, aber wohl noch schwerer hinunterkommt. Wir sind -alles Leute hier, die was gelernt haben und viel von der Technik und dem -Ingenieurwesen verstehen. Ihr wißt sicherlich, daß nur solche Leute zum -Dienst auf den Unterseebooten zugelassen werden.« - -Kapitän Mors neigte den Kopf, als Zeichen der Zustimmung. - -»Dienen tut keiner gern,« fuhr Wilkes fort. »Aber heutzutage muß man ja -froh sein, wenn man nur Beschäftigung findet. Der Dienst auf dem -Unterseeboot ist schwer, aufreibend und gefährlich. Da es nun mal das -Schicksal so gefügt hat, daß wir hier auf dieser Insel stranden sollten, -so bitte ich Euch im Namen meiner Kameraden, uns gewissermaßen in Eure -Dienste aufzunehmen. Wir wollen uns nützlich machen, so gut wir können, -wir versprechen fleißig zu arbeiten und das, was wir gelernt haben, zu -Eurem Nutzen anzuwenden. Dafür bitten wir nur, daß uns das Leben -geschenkt wird. Wenn wir diese Gewißheit haben, sind wir schon glücklich -und zufrieden.« - -Kapitän Mors war nie grausam und die Unterwürfigkeit dieser Leute machte -auf ihn einen gewissen Eindruck. - -Aber, es kam auch noch etwas anderes hinzu. Ihm war eben ein Gedanke -durchs Hirn gezuckt. Blitzartig, wie alle jene Entschlüsse, die der -Luftpirat faßte. - -Kapitän Mors plante nämlich eine neue Reise mit dem Weltenfahrzeug. - -Da hatte er aber bei seinen letzten Fahrten zu seinem Verdruß bemerkt, -daß die Inder, seine treuen Gefährten, unter den ungewohnten Strapazen -litten. - -Jedenfalls war es ihre Konstitution und die Gewöhnung an das tropische -Klima, welche die Folgen der seltsamen Reisen so nachteilig auf sie -wirken ließ. Die Inder kränkelten und es zeigten sich bei ihnen seltsame -Nervenzuckungen. Es war zweifellos, daß sie sich an die abenteuerlichen -Fahrten im Weltenraum erst gewöhnen mußten. - -Da Star oder Terror aber abwechselnd auf der Insel zurückbleiben mußten, -so hatte Mors nur einen einzigen Mann, der ihm bei der Bedienung der -Maschinen zur Hand gehen konnte, das war aber völlig ungenügend. - -Zwar hatte er noch die beiden Töchter des Ingenieurs als Gehilfinnen zur -Verfügung, aber das waren doch nur Mädchen, und Kapitän Mors dachte viel -zu edel, als daß er die beiden, die so treu an ihm hingen, mit schwerer -Arbeit überbürdet hätte. - -Da kam ihm der Gedanke, das Angebot der Mannschaft des Unterseeboots zu -benutzen. Das waren Leute, die er gebrauchen konnte, die verstanden, mit -Maschinen umzugehen, die waren zäh und widerstandsfähig, das hatten sie -schon bei der Strandung auf den Klippen bewiesen. - -Prüfend sah er sie an und musterte sie mit seinen feurigen Augen. - -»Wenn ich ein Uebriges tun würde?« sprach er langsam. »Wenn ich Euer -Leben schone, Euch mit allem Nötigen versehe, und Ihr für Eure Dienste -außerdem eine besondere Belohnung erhaltet?« - -»O, dann könnt Ihr mit uns machen, was Ihr wollt,« rief Wilkes -hocherfreut. »Dann tun wir für Euch, was Ihr nur verlangt, dann gehen -wir, wenn es nötig ist, mit in die Hölle.« - -»Es ist gut,« erwiderte Mors mit schnellem Entschluß. »Ich nehme Euch -beim Wort. Zwei von Euch werden auf dieser Insel zurückbleiben und mir -gewissermaßen als Geiseln für Euer Wohlverhalten dienen. Diese Männer -werden bewacht, aber sie sollen nichts entbehren. Acht von Euch will ich -zu einer geheimnisvollen Reise mitnehmen und zusehen, ob Ihr mir -wirklich so nützlich seid, wie Ihr es versprecht. Seid Ihr das, so könnt -Ihr auf meinen Dank rechnen. Eurer Los ist dann gesichert, Ihr könnt -später im Ueberfluß leben, Ihr braucht nichts zu entbehren. Ihr könnt -nach längerer Prüfung sogar unter meine Gefährten aufgenommen werden. -Wenn Ihr das wollt, so sollt Ihr mir den Eid der Treue leisten.« - -»Wir wollen es, wir wollen es,« riefen die Leute, wie aus einem Munde, -während sie förmlich jubilierten. »Wir haben es ohnehin schlecht genug -gehabt, unsere Offiziere waren Tyrannen, da sind wir drangsaliert und im -Unterseeboot härter wie Gefangene gehalten worden. Diese Knechtschaft -haben wir satt, wir wollen Euch treulich dienen, Euch überall hin -begleiten. Wir schwören es, wir gehen mit Euch, selbst in die Hölle.« - - - - - 3. Kapitel. - Auf der Reise in unbekannte Fernen. - - -Acht Tage nach dem Scheitern des Unterseebootes war alles in Ordnung. - -Das Weltenfahrzeug wartete nur auf seine Besatzung, um sich in die Lüfte -erheben zu können. Die Gestrandeten aber hatten ihre Kräfte wieder -erlangt und erklärten sich immer wieder bereit, Kapitän Mors bis in die -entferntesten Gegenden zu begleiten. - -Sie hatten ihm Treue geschworen und willig den furchtbaren Eid -geleistet, der sie mit den Gefährten des Maskierten vereinigte. - -Wohin es ging, wußten sie freilich nicht, das hatte Kapitän Mors ihnen -nicht gesagt, er hatte nicht einmal vom Weltenfahrzeug gesprochen. - -Wohl aber ließ er die Leute durch Star und Terror aushorchen und die -Männer gaben willig über alles Auskunft. - -Da kam es denn heraus, daß sie von Kapitän Mors wenig genug wußten. - -Ihre Offiziere hatten zu ihnen gesagt, daß man die Geheimnisse einer -Felseninsel ausspüren wollte, auf der ein Mann sein Wesen trieb, den man -als den größten Feind der Menschheit bezeichnete. - -Ferner hatten die Leute einige Geschichten von dem lenkbaren Luftschiff -gehört, welches hier und da auf Erden auftauchte und allgemein als der -Schrecken des Erdballs bezeichnet wurde. - -Aus den Reden der Männer ging hervor, daß sie auf eine Reise mit dem -lenkbaren Luftschiff rechneten, ja, daß sie sich auf eine solche -wunderbare Reise freuten. - -Star und Terror waren Menschenkenner und beobachteten die -Schiffbrüchigen unablässig. Sie suchten über deren Charakter ins Klare -zu kommen. - -»Kapitän,« sprach Terror, als er am siebenten Tage dem Luftpiraten -Bericht erstattete. »Die sechs Männer aus der Normandie sind offenbar -recht zuverlässig und gut zu gebrauchen. Ich denke, sie werden uns noch -die besten Dienste leisten. Die vier Irländer sind noch geschickter als -die Franzosen, aber sie erscheinen mir verschmitzter und wortkarger. -Denen ist nicht so zu trauen.« - -»Sie haben den Treueid geleistet,« erwiderte Kapitän Mors. »Sie sehen, -daß sie nicht von mir tyrannisiert werden. Ich glaube, sie werden ebenso -gute Dienste leisten wie die Leute aus der Normandie, indessen werden -zwei von den Irländern zurückbleiben. Die beiden anderen nehme ich mit, -darunter Wilkes und Penn. Der eine ist Steuermann, der andere -Ingenieurmaat auf dem Unterseeboot gewesen. Ich will diese Männer zum -Bedienen der Maschinen im Weltenfahrzeug verwenden.« - -»Na, die werden staunen,« meinte Terror, der diesmal Kapitän Mors auf -die Fahrt im Weltenraum begleiten sollte. »Sie glauben nämlich, daß es -eine Fahrt im lenkbaren Luftschiff ist, und da werden sie sich nicht -wenig verwundern, wenn wir sie in das metallne Fahrzeug führen. Davon -haben sie übrigens nicht das geringste erfahren. Sie wissen gar nicht, -daß wir ein Weltenfahrzeug besitzen.« - -»Desto besser,« erwiderte Kapitän Mors. »Sie sollen ja ohnehin bei Nacht -und Nebel das Weltenfahrzeug besteigen und vorerst, außer dem -Maschinenraum, wenig von dem Innern des Weltenfahrzeuges zu Gesicht -bekommen. Du wirst natürlich das Kommando über diese Männer übernehmen -und sie allgemein in die Handgriffe und das Wesen der Maschinen -einweihen. Die Leute sind jetzt völlig bei Kräften und wir wollen in -übernächster Nacht emporsteigen. Der Professor und die Töchter des -Ingenieurs sind bereits benachrichtigt. Der Astronom ist ganz glücklich, -daß er wieder die Wunder der Sternenwelt betrachten darf; van Haalen -kann die Zeit der Abfahrt kaum erwarten.« - -Am übernächsten Abend war alles bereit. - -Zwei der Irländer sollten zurückbleiben, was sie nur sehr ungern taten, -sie baten und flehten, daß sie an der Reise teilnehmen durften, aber -Kapitän Mors blieb hier unerbittlich. Er wollte nur acht Männer von den -Geretteten mit sich nehmen. - -Die Inder blieben diesmal sämtlich zurück, Kapitän Mors ließ nicht -einmal den treuen Lindo an der geheimnisvollen Fahrt teilnehmen. - -Das geschah aus Sorge um die Gesundheit der Inder, die ja unablässig -kränkelten und oft die seltsamsten Nervenzuckungen zeigten. - -Bei den Europäern war dies nicht der Fall und Kapitän Mors hoffte, daß -die neuen Mannschaften genau solche Widerstandsfähigkeit zeigen würden, -wie Star und Terror und seine übrigen europäischen Begleiter. - -Das sollte die bevorstehende Reise zeigen. - -Um Mitternacht wurden diese acht Leute abgeholt und von Kapitän Mors und -einigen Indern nach dem großen Felsenkrater geführt, in dem die Halle -für das große Weltenfahrzeug erbaut war. - -Die Leute machten große Augen, als sie den riesigen Metallkörper -gewahrten. - -»Ist denn das das lenkbare Luftschiff?« hörte Kapitän Mors den einen -murmeln. »Wenn es das ist, so sieht es sonderbar genug aus. Das hatte -ich mir ganz anders vorgestellt. Als einen Metallkörper, der mit einem -ungemein leichten Gas gefüllt ist, mit Anbauten. Aber das Ding sieht ja -aus, als solle man ins Innere hineinsteigen.« - -Das Erstaunen der Männer wuchs, als sie durch die luftdicht zu -verschließenden Doppeltüren in das Innere des Fahrzeuges steigen mußten. -Sie rissen die Augen weit auf, als der Maskierte sie in den sogenannten -Maschinenraum geleitete. - -Da war der Lenkapparat, da standen die sonderbaren Maschinen, die auf -den riesigen Diamanten montiert waren. Maschinen, wie sie die Männer -noch nie gesehen hatten und deren Anblick ihnen Rufe des Erstaunens -entlockte. - -Der Professor, die beiden Mädchen und Terror befanden sich schon an Bord -des Weltenfahrzeugs und Kapitän Mors hatte von den Zurückbleibenden -kurzen Abschied genommen. - -Nun schloß er die Türen und begab sich mit Terror nach dem Lenkraum, wo -die acht Leute vom Unterseeboot ganz verdutzt die wunderbaren Maschinen -beguckten. - -»So, das ist Euer künftiger Wirkungskreis,« sprach Kapitän Mors. »Hier -werdet Ihr beschäftigt. Hier, Terror, ist mein Ingenieur, der wird Euch -nach und nach in alles einweihen. Ihm sollt Ihr helfen und alle seine -Befehle und Weisungen getreulich erfüllen. Auf gute Behandlung, auf -reichliche, ja luxuriöse Verpflegung könnt Ihr rechnen. Nun tut Eure -Pflicht, wie Ihr es gelobt habt und denkt an Euren Eid, dann werdet Ihr -über nichts klagen können.« - -Kapitän Mors setzte den Lenkapparat und den Riesenmagneten in Bewegung. - -Man vernahm das Surren und Brummen der Maschinen, zu gleicher Zeit stieg -das Weltenfahrzeug majestätisch in die Höhe. - -»Sagt, Kapitän,« rief Wilkes im maßlosesten Erstaunen, »ist denn dies -hier das lenkbare Luftschiff, welches Euch so berühmt gemacht hat?« - -»Nein,« erwiderte Kapitän Mors. »Es ist das Weltenfahrzeug. Ich besitze -zwei Fahrzeuge, die ich erbaut habe, das lenkbare Luftschiff, welches -auf der Insel zurückgeblieben ist. Damit bewegte ich mich im Luftkreis -der Erde. Aber dieses Fahrzeug hier ist der »Meteor«, welcher den -Weltenraum durchfliegt. An Bord desselben tut Ihr jetzt Eure Dienste.« - -Die Männer waren sprachlos vor Staunen, aber sie zeigten sich willig, -besonders waren es die Leute aus der Normandie, die sich rasch in das -Rätselhafte und Geheimnisvolle zu finden wußten. - -Sie zeigten sich sehr geschickt und griffen überall zu, auch die beiden -Irländer blieben in ihren Leistungen nicht zurück. - -Wilkes und Penn aber wechselten zuweilen bedeutungsvolle Blicke und -benutzten jeden Augenblick, wo sie sich unbeobachtet glaubten, um leise -mit einander zu flüstern. - -Kapitän Mors weihte die Leute in die Handhabung der Maschinen ein; aber -er verriet ihnen noch nicht alle Geheimnisse des Weltenfahrzeuges. - -Er zeigte ihnen die Maschinen, ferner die Instrumente, welche anzeigten, -an welchem Ort sich das wunderbare Fahrzeug befand. Er erklärte ihnen -den Höhenmesser und die Maschine, welche die Entfernungen angab, er -zeigte den Staunenden, mit welch rasender Geschwindigkeit sie jetzt von -dannen sausten. - -Kapitän Mors erntete Bewunderung, denn diese Leute verstanden die -Wissenschaft eines Ingenieurs zu schätzen. Kapitän Mors erschien ihnen, -wie der König der Ingenieure. - -Die alleinigen Ausnahmen machten Wilkes und Penn, die fanden, wie alle -Irländer, bald ihre Ruhe und Gleichgültigkeit wieder. - -Sie betrachteten all dieses Sonderbare hier mit der Miene von Männern, -die sich in alles zu finden wissen und machten sich im übrigen ebenso -nützlich, wie ihre anderen Gefährten. - -Kapitän Mors bemerkte mit innerer Zufriedenheit, daß die Leute unter den -veränderten Verhältnissen nicht im mindesten zu leiden schienen. - -Bei den Indern hatten sich jedesmal Störungen gezeigt, wenn eine solche -Reise angetreten wurde. Da klagten sie über Kopfschmerz, über Schwindel, -über fürchterliches Ohrensausen. - -Die Leute aber hier, welche im Unterseeboot gearbeitet, zeigten sich -lustig und guter Dinge und meinten, daß solche Reise etwas Wunderbares -sei und daß sie an dieser Fahrt großes Vergnügen empfänden. - -Kapitän Mors wollte diesmal im Weltenfahrzeug den ganzen Erdball -umkreisen, aber außerhalb der Luftzone die Fahrt unternehmen. - -Da gedachte er nochmals die magnetischen Strömungen zu studieren, ferner -wollte er die seltsamen Geschöpfe beobachten, die an den Grenzen des -Luftozeans einstmals von ihm entdeckt wurden. - -War diese Rundfahrt vollendet, so wollte Kapitän Mors den Riesenmagneten -der Erde zuwenden und dann mit furchtbarer Geschwindigkeit zum Trabanten -unserer Erde, zu dem noch so viele Rätsel bergenden Monde fliegen. - -Die ersten zwei Tage und Nächte gingen ohne Störungen vorüber. - -Die neue Mannschaft wechselte mit Wachen und Schlafen ab, so daß immer -vier Mann im Maschinenraum beschäftigt waren. - -Ebenso wechselte Kapitän Mors mit Terror im Wachen und Schlafen ab, die -beiden Männer bedienten die geheimnisvollen Maschinen, während das -Weltenfahrzeug mit furchtbarer Geschwindigkeit durch die Räume sauste. - -Am dritten Tage wurde Kapitän Mors wieder durch Terror abgelöst und -betrat den Maschinenraum, in dem die Hälfte der neuen Mannschaft -hantierte. - -Wilkes war da, auch Penn und noch zwei von den Franzosen. - -Als Kapitän Mors hereintrat, schwenkte Wilkes seine Mütze. - -»Ein Hoch für den Luftpiraten!« schrie er, während seine drei Genossen -mit dröhnender Stimme in den Ruf mit einstimmten. - -Kapitän Mors sah die Leute befremdet an. - -Er wunderte sich nicht darüber, daß sie seinen Beinamen kannten, denn -der war ja über die ganze Erde verbreitet. Er staunte nur, daß sie ihn -mit solchem Beifall empfingen. - -Da trat Wilkes auf ihn zu. - -»Ja, so ist es, Kapitän, wir haben Euch so genannt, denn wir wissen ja, -daß Ihr Euch selber so genannt habt, und da werdet Ihr nicht böse sein. -Aber ich hätte Euch einen Vorschlag zu machen.« - -»Nun, was willst Du?« fragte Kapitän Mors, der auch jeden der neuen -Mannschaft mit Du anredete. »Was hast Du für ein Begehr?« - -»Kapitän, in diesem neuen Fahrzeug seid Ihr ja ein Herr der Welt,« rief -Wilkes, der große Begeisterung zeigte. »Mit diesem sonderbaren -Wunderwerk könnt Ihr Euch ein Königreich erobern. Dann braucht Ihr bloß -Eure Zerstörungsmaschinen anzuwenden und morgen ist ein Fürstentum Euer, -vielleicht Neu-Seeland oder eine andere große Insel. Mit Euren -Erfindungen werdet Ihr es so weit bringen, daß Euch der ganze Erdball -Tribut zahlen muß, daß Ihr die Geschichte der Völker bestimmt, daß sie -Euren Weisungen gehorchen müssen. Wir wollen dann alle Eure Befehle -ausführen.« - -»Das heißt also, ich soll gewissermaßen ein Unterdrücker werden?« meinte -Mors mit großer Ruhe. - -»Ja, das ist der Welt Lauf,« schrie Wilkes, dessen Augen seltsam -funkelten. »Es ist ein altes Sprichwort, wer die Macht besitzt, der hat -auch das Recht. So ist es auf Erden immer gegangen. Der Starke hat seine -Kraft benutzt, und den Vorteil davon gezogen. Wir haben Euch Treue -geschworen, Kapitän, und wir helfen Euch ein Fürstentum zu erobern. -Allerdings werdet Ihr Widerstand finden, aber den sollen die -Zerstörungsmaschinen besiegen. Also, hört auf meinen Vorschlag. Laßt die -Himmelsräume sein, auf den Sternen und Planeten ist nichts zu holen. Da -ist alles tot und starr, so habe ich es wenigstens in der Schule -gelernt.« - -»Das ist ein Irrtum,« erwiderte Kapitän Mors kalt. »Irren ist -menschlich. Ich habe die Beweise, daß im Weltenraum das regste Leben -herrscht, daß sich auf anderen Planeten intelligente Bewohner befinden. -Ich habe die wunderbaren Fahrzeuge, mit denen sich diese uns an Kultur -überragenden Bewohner bewegen, mit eigenen Augen gesehen.« - -Wilkes starrte den Kapitän einen Augenblick überrascht an. - -Aber das dauerte nicht lange. - -»Ach laßt doch die fernen Welten, Kapitän,« rief er. »Die Erde liegt uns -ja näher. Ich habe bereits erkannt, welche Macht Ihr besitzt, bin ich -doch selbst Ingenieur und mit diesem Fahrzeug hier könnt Ihr in der Tat -alles erobern. Wie wäre es mit Neu-Seeland? Das könnten wir uns im Nu -unterwerfen. Ihr könnt dort wie ein König herrschen und wir möchten dann -auch eine Rolle spielen. Wir helfen Euch, Kapitän, wir gebrauchen die -Zerstörungsmaschinen und werfen jeden Widerstand zu Boden.« - -»Das will ich nicht,« erwiderte der Maskierte. »Ich bin nicht der Mann -dazu, der blühende Gemeinwesen vernichtet und Kultur zerstört. Ich bin -kein Vernichter, ich will Kultur schaffen, aber nicht als Mordbrenner -und als gesetzloser Räuber erscheinen.« - -»Oho,« rief Wilkes. »Ihr seid doch der Luftpirat. Ihr habt oft genug -tollkühne Ueberfälle verübt. Ich habe manches gelesen. Ihr habt doch die -Schätze aus großen Bergwerken hinweggeführt, Millionen, ja Milliarden -erbeutet.« - -»Ja, aber nur zu bestimmten Zwecken,« erwiderte Mors. »Wenn Du -aufmerksam mein Leben und meine Taten verfolgtest, so würdest Du gehört -haben, daß ich die erbeuteten Reichtümer zur Linderung der Not und des -Elends benutzte.« - -»Ich hätte alles für mich behalten,« meinte Wilkes. »Ich hätte die -riesigsten Summen zusammengebracht und in Ueppigkeit und Schwelgerei -gelebt. Man lebt auf Erden nur einmal und soll sich das Dasein so -angenehm als möglich machen. O, wie oft habe ich die beneidet, die sich -jeden Wunsch erfüllen konnten. Nur der Reichtum macht glücklich.« - -»Die Ansichten sind eben verschieden,« erwiderte Kapitän Mors kurz und -energisch. »Im übrigen wiederhole ich Dir, daß ich nimmer als Vernichter -und Zerstörer auftreten werde.« - -Er trat an die Maschinen und prüfte die Instrumente, er machte sich -verschiedene Notizen und schritt dann zu dem nebenliegenden Arbeitsraum, -um dort die Berechnungen niederzuschreiben. - -Die beiden Franzosen waren am Lenkapparat beschäftigt, den sie -bedienten. Wilkes und Penn aber zogen sich nach dem Hintergrund zurück, -wo sie durch die mächtigen Maschinenapparate völlig verdeckt wurden. - -»Na, was sagst Du dazu,« meinte Wilkes zu dem anderen Irländer, dem er -alles anvertraute. »Ist dieser Kapitän Mors nicht ein kompletter Narr. -Er hat die Mittel in der Hand, um sich die ganze Welt zu erobern und -benutzt sie nicht? Nun, wenn er so dumm ist, dann müssen eben andere -Klugheit zeigen. Weißt Du, Kamerad, solche Gelegenheit kommt nicht -wieder. Jetzt wollen wir uns die Herrschaft über die ganze Erde -verscharren.« - -»Still, sprich leiser,« mahnte Penn. »Die anderen könnten es hören.« - -»Ach was, die müssen mittun,« rief Wilkes, indem er seine riesige -Gestalt reckte und streckte. »Das ist eine Kleinigkeit. Du sollst sehen, -die sind nebst den anderen Feuer und Flamme. Denen werden wir alles -Mögliche versprechen. Ich aber will die Macht des Mannes mit der Maske -besitzen. Der Narr, als er mir vorhin mein Anerbieten abschlug, da war -ich fest entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Wir sind -hier acht Männer und der hat nur den einen, den Terror zur Verfügung. -Der Sterngucker und die beiden Mädchen können ihm nicht das geringste -nützen. Mein Entschluß steht fest. Wir bemächtigen uns der Herrschaft, -wir wollen dieses wunderbare und unwiderstehliche Fahrzeug zu unseren -Zukunftsplänen benutzen.« - - - - - 4. Kapitel. - Die Meuterei beginnt. - - -Kapitän Mors ahnte nichts von dem Unheil, welches sich vorbereitete. - -Er hielt die Mannschaft des Unterseebootes für Leute, die ihm später die -besten Dienste leisten konnten und dachte nicht daran, daß die zwei -Irländer eine Verschwörung vorbereiteten. - -Wilkes und Penn waren auch schlau genug, um sich nichts anmerken zu -lassen. - -Aber sie begannen ungesäumt ihre Wühlarbeit, und da galt es, die sechs -Franzosen auf ihre Seite zu ziehen. - -Diese letzteren waren mit ihrer Lage ganz zufrieden und meinten, daß sie -ein wahres Herrenleben führten. - -Wilkes und Penn aber verstanden es, diese Leute anderen Sinnes zu -machen. - -»Der Maskierte ist halb verrückt,« sprach Wilkes bei jeder Gelegenheit. -»Der ist schon dem Wahnwitz nahe. Der führt das sonderbare Fahrzeug -irgendwo hin ins Weltall, dorthin, wo keine Wiederkunft möglich ist, wo -es durch Naturgewalten vernichtet wird. Dieses prächtige Fahrzeug könnte -uns aber auf Erden die besten Dienste leisten. Damit kann man sich ein -ganzes Land erobern, da können wir die Herren spielen und das üppigste -Leben führen. Mit diesem Fahrzeug können wir die ganze Welt in Schrecken -setzen. Was soll uns die verrückte Fahrt in unbekannte Räume des -Weltalls. Nichts damit, wir bleiben auf der Erde. Verlaßt Euch darauf, -Kameraden, bald befinden wir uns in dem Besitz des wunderbaren -Fahrzeuges.« - -Die Franzosen erinnerten den Irländer an den Eidschwur, den man -geleistet, aber Wilkes lachte nur darüber. - -Er entwickelte solche Schlauheit und solche List, daß er die Franzosen, -wenn auch nicht überzeugte, doch allgemach auf seine Seite brachte. - -Er sagte in berechnender Weise, daß das bevorstehende Unternehmen des -Maskierten mit dem Untergang aller enden müsse. - -So waren wieder zwei Tage vergangen, die Rundfahrt um die Erde -vollendet. Das Weltenfahrzeug hatte bereits die Reise zum Trabanten der -Erde begonnen. - -Kapitän Mors hatte im Benehmen der Mannschaft nicht das geringste -Verdächtige bemerkt, sondern nur gesehen, daß die Irländer und die -Franzosen ihre Pflicht taten. - -Wilkes und Penn zeigten sich besonders lernbegierig, und da sie großes -Geschick und vortreffliche Kenntnis des Ingenieurwesens besaßen, hoffte -Terror, sie bald zum Gebrauch der geheimnisvollen Maschinen -heranzuziehen. - -So erfuhren diese beiden immer neue Geheimnisse der Maschinen und -Kapitän Mors ahnte nicht, daß er damit die Verschwörung zur Reife -brachte. - -»Jetzt wissen wir genug,« flüsterte Wilkes am Abend des dritten Tages -seinem Gefährten Penn zu. »Mehr brauche ich nicht zu wissen. Jetzt kann -ich dieses wunderbare Fahrzeug selber lenken. Nun kann es losgehen. Wenn -der Maskierte schlafen geht, brechen wir los und wenn der Terror uns -hindernd in den Weg tritt, wird er niedergeschlagen. Wenn der neue -Morgen kommt, müssen wir die Herren des neuen Weltenfahrzeuges sein. -Dann geht es zur Erde zurück, dann wollen wir selber mal Luftpirat -spielen.« - -Es war Mitternacht und Kapitän Mors, der um elf Uhr von Terror abgelöst -worden war, lag im festen, ruhigen Schlummer. - -Anita und Lucy Long halfen dem Astronomen, da sie sich in jeder Weise -nützlich zu machen suchten. Professor van Haalen war für diese Hilfe -sehr dankbar und hatte den beiden jungen reizenden Geschöpfen -verschiedene notwendige Beobachtungen übertragen. - -Plötzlich hörte Kapitän Mors, wie jemand hart an die Tür seiner -Schlafkajüte klopfte. - -Sofort fuhr er in die Höhe. - -»Was gibt es?« rief der Luftpirat mit dröhnender Stimme. »Wer ist da -draußen?« - -»Ich bin's, Kapitän, ich,« tönte Terrors Stimme. »Soeben bin ich mit -Mühe und Not dem drohenden Tode entronnen.« - -Kapitän Mors stand im Nu an der Tür. - -Herein stürzte Terror, der die eiserne Tür sofort hinter sich -zuschmetterte. - -»Empörung, Empörung!« stieß er hervor. »Die neue Mannschaft rebelliert -und die beiden Irländer sind die Rädelsführer. Im Maschinenraum haben -sie mir plötzlich die Forderung gestellt, daß ich mich der Verschwörung -anschließen sollte und als ich mich weigerte, sind die beiden Irländer -wie toll auf mich eingedrungen. Ich hatte keine Waffe zur Hand. Da mußte -ich flüchten. Die Kerle haben aber sofort die Türen hinter mir versperrt -und nun sind sie im Besitz des Maschinen- und des Lenkraumes.« - -Kapitän Mors war natürlich sehr überrascht, aber er verlor die -Besonnenheit keinen Augenblick. - -Was da vorgefallen war, entzog sich freilich seiner Kenntnis, aber der -Maskierte beschloß die äußerste Energie zu gebrauchen. - -»Wo ist der Professor und die beiden Mädchen?« fragte er. - -»Die schlafen in den unteren Räumen,« erwiderte Terror. - -»Gut,« entgegnete Mors. »Ich komme mit, wir müssen sie sofort wecken.« - -(Man vergleiche hier immer den Plan des auf der Rückseite abgebildeten -Weltenfahrzeuges). - -Kapitän Mors eilte mit Terror eine der eisernen Treppen hinab, die nach -den unteren Räumen führte. - -Diese waren durch bewegliche Metallschieber von der Außenwelt getrennt -und in verschiedene Abteilungen geteilt, in denen sich die Vorräte, die -Reserveteile für die Maschinen und auch die verschiedenen Schlafkabinen -befanden. - -Zu seinem Erstaunen fand Kapitän Mors im Mannschaftsraum zwei der -Franzosen, die in festem, ruhigem Schlummer lagen. - -»Also sind es nur sechs, die sich an der Empörung beteiligen,« sprach er -zu Terror. - -»Wer weiß denn,« erwiderte dieser. »Die können ja auch darin eingeweiht -sein.« - -»Das wird sich finden,« meinte Mors. »Ich halte gerade die beiden hier -für biedere Männer, für echte Bewohner der Normandie, deren Herzen ohne -Falsch sind. Jedenfalls wollen wir sie hier einschließen, sodaß sie sich -nicht mit den Meuterern vereinigen können. Wecke Du den Professor, ich -werde die Schwestern aus dem Schlummer rufen.« - -Die Räume hier bestanden ja alle aus Metall und konnten wie Stahlkammern -verschlossen werden. - -Kapitän Mors sperrte die beiden schlafenden Franzosen ein, steckte den -Schlüssel zu sich und rannte dann nach der Schlafkammer der beiden -jungen Mädchen. - -Diese kleideten sich hastig an und erschienen in kürzester Frist, ebenso -der Professor. - -»Das ist ja eine schöne Geschichte,« meinte van Haalen, der nur an seine -gestörten Beobachtungen dachte. »Können Sie den Verschwörern nicht zu -Leibe gehen, Kapitän? Unter diesen Umständen ist ja Energie geboten.« - -»Ganz richtig,« erwiderte Kapitän Mors. »Aber wir befinden uns im -Weltenraum. Da kann ich nicht in den Maschinenraum vordringen. Das ist -unmöglich, denn dadurch würde ich den Raum luftleer machen. Es bliebe ja -bloß der Fall übrig, daß ich eins der Fenster zertrümmerte, aber damit -würde das Unheil noch größer. Höchst wahrscheinlich haben auch die -Verschwörer die Metallschieber geschlossen. Wie mir Terror sagte, ist -die Tür bereits versperrt. Sie können vorerst über das Fahrzeug -verfügen.« - -»Ist es nicht möglich, ihnen mit irgend einer Waffe beizukommen?« fragte -der Professor. - -»Die beiden Irländer würden sich vorsehen,« lautete die Antwort des -Maskierten. »Ich glaube, die Franzosen sind nur irre geleitet, diese -Leute können Schonung beanspruchen. Aber nun merken Sie auf, Professor. -Wir müssen Vorsichtsmaßregeln treffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach -werden die Verschwörer und das können nur die beiden Irländer sein, -Vorbereitungen treffen, um unsere Vernichtung herbeizuführen. Was sie da -tun werden, weiß ich noch nicht, aber das beste ist, daß Sie und die -beiden Mädchen in den Schlafkabinen bleiben und sich dort mit den -vorhandenen Riemen an die in dem Schlafraum befindlichen Handgriffe -festbinden. Ich sage das für den Fall, daß sich mit dem Weltenfahrzeug -etwas Unvorhergesehenes ereignet.« - -»Meine Instrumente,« rief van Haalen, der jetzt nur an die Fernrohre -dachte. »Wenn die Instrumente zertrümmert werden, ist der Schaden -unersetzlich.« - -»Wir werden sie sofort festschrauben,« erwiderte Mors tröstend. »Tun Sie -nur, was ich gesagt habe. Terror und ich werden zu handeln wissen. -Binden Sie sich fest, damit Sie auf alles vorbereitet sind. Das ist die -Hauptsache.« - -Anita und Lucy Long wollten den Kapitän bei seinem Vorhaben -unterstützen, ihm helfen und wenn nötig mit ihm gegen die Empörer -kämpfen. - -Aber Kapitän Mors schlug dies ruhig, aber entschieden ab. - -»Ihr beide seid tapfer und mir treu ergeben,« sprach er zu den jungen -Mädchen. »Das weiß ich. Aber unter den obwaltenden Umständen könnt Ihr -mir nicht von Nutzen sein. Begebt Euch in Eure Schlafkabine und bindet -Euch fest. Alles andere ist jetzt meine Sache.« - -Er eilte, von Terror gefolgt, nach den oberen Räumen und sicherte -zunächst die astronomischen Instrumente. - -Diese wurden an dem Boden festgeschraubt, alle Vorbereitungen waren dazu -vorhanden. - -Ferner wurden die Schutzkapseln über die kostbaren Gläser gestülpt und -damit die wertvollen Fernrohre gegen jeden Unfall gesichert. - -Hierauf eilte Kapitän Mors nach dem Arbeitsraum, der an die -Maschinenkammer grenzte. - -Sein erster Blick galt den dort hängenden Instrumenten. - -»Ganz wie ich es mir dachte,« sprach er. »Sie versuchen das -Weltenfahrzeug zu wenden und nach der Erde zurückzukehren. Aber sie -handhaben die Maschinen falsch. Sie gebrauchen den Lenkapparat nicht -richtig. Sie handeln --« - -Kapitän Mors stampfte mit dem Fuß auf, daß der Boden dröhnte. - -»Was tun sie denn, Kapitän,« fragte Terror besorgt. »Sie beschädigen -wohl das Fahrzeug?« - -»Bis jetzt noch nicht,« knirschte Kapitän Mors, »obwohl dieser Fall auch -noch eintreten könnte. Sie lenken das Weltenfahrzeug nicht richtig! Wenn -wir diesen Kurs einhalten, kommen wir auf den sogenannten toten Punkt, -wo sich die Anziehungskraft der Erde und des Mondes ausgleicht. Ich -allein kenne die Manöver, die dort nötig sind, um über die gefährliche -Stelle hinauszukommen. Wenn ich nicht in die Maschinenkammer gelange, -wird das Fahrzeug an diesem toten Punkt für alle Ewigkeit festsitzen.« - -»Schöne Aussicht,« meinte Terror. »Was meint Ihr, Kapitän, wollen wir -mit den Meuterern verhandeln? Sie müssen ja sehen, daß sie der -Handhabung des Fahrzeuges nicht gewachsen sind. Da werden sie wieder zur -Besinnung kommen.« - -»Ja, das will ich,« erwiderte Kapitän Mors und schlug mit der Faust -gegen die Eisentür, daß es dröhnte. - -Sofort ließ sich Wilkes Stimme vernehmen. - -»Was gibt's denn?« schrie er in einem Tone, der bewies, daß er sich als -Herr der Situation fühlte. »Was wollt Ihr denn, he?« - -»Macht auf,« donnerte Kapitän Mors, »öffnet auf der Stelle.« - -Ein Hohngelächter gab Antwort. Wilkes und Penn lachten wie die Tollen. - -»Das glaube ich wohl,« schrie der erstere. »Aber wir müßten ja Narren -sein, wenn wir die Macht, die wir jetzt besitzen, aus den Händen lassen -sollten. Das fällt uns nicht im Traume ein. Wir gebieten jetzt über das -Weltenfahrzeug.« - -»Wahnwitzige!« rief Kapitän Mors. »Ihr versteht nicht dieses wunderbare -Fahrzeug zu führen, dazu bin nur ich imstande. Oeffnet und ich will -sehen, ob ich noch Gnade walten lassen kann. Der Rausch hat Euch -gewissermaßen betört, der Sinnenrausch, daß Ihr ein solches Fahrzeug -lenkt. Aufgemacht, ich fordere es auf der Stelle!« - -»Wenn tausend Teufel kämen, würde ich der Herr des Wunderfahrzeuges -bleiben,« schrie Wilkes. »Penn und ich, wir sind einig und die andern -hier gehorchen uns, denn sie sehen ja jetzt, daß wir auf Erden Schätze -erwerben, daß wir die mächtigsten Leute des ganzen Erdballs werden -können. Also spart Eure Worte! Wir haben die Macht und diese wollen wir -benutzen.« - -Kapitän Mors trat zurück, denn er wußte, daß die schwere Eisentür nur -mit Anwendung größter Gewalt gesprengt werden konnte. - -Er wollte sich überlegen, was zu beginnen wäre, unterdessen aber -berieten die beiden Rädelsführer da drinnen, wie sie sich des Maskierten -entledigen könnten. - -Kapitän Mors hörte ein Wispern und Zischeln und da ahnte er, daß Unheil -drohte. Rasch verließ er den Arbeitsraum, um Terror zu warnen, während -das Hohngelächter von neuem aus dem verschlossenen Maschinenraum -herübertönte. - - - - - 5. Kapitel. - Furchtbare Stunden. - - -Terror erwartete Kapitän Mors im Beobachtungsraum. - -»Nun?« fragte er. »Haben sie sich besonnen? Wollen die Tollen -nachgeben?« - -»Nein,« erwiderte Kapitän Mors. »Der Sinnestaumel hat sie gefaßt, sie -bilden sich ein, daß sie die Herren der Welt wären. Freilich sind es nur -zwei, die beiden Irländer, sie haben die Franzosen betört, diese waren -brave Leute und haben sich nur zu der Meuterei hinreißen lassen. Aber -jetzt gilt es Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Die Elenden da drinnen -wollen uns vernichten.« - -Terror stellte keine Frage, denn er wußte, daß Kapitän Mors allein zu -handeln pflegte. Er folgte dem kühnen Manne nach einem kleineren Raume. - -»Hier binde Dich an,« befahl Kapitän Mors. »Benutze die Riemen und die -Handgriffe. Binde Dich aber so an, daß Du Dich noch bewegen kannst und -triff nur Vorsichtsmaßregeln, daß Du nicht gegen die Wand geschmettert -wirst.« - -»Und Ihr, Kapitän? Was wollt Ihr tun?« fragte Terror, indem er der -Weisung nachkam. - -»Ich halte mich an den eisernen Handgriffen fest,« lautete die kurze -Antwort. »Das genügt mir, aber spute Dich, der Professor und die beiden -Mädchen sind gewarnt, sie haben Vorsichtsmaßregeln getroffen. Sie -befinden sich in gepolsterten Kammern, da kann ihnen kein Leid -zustoßen.« - -»Aber wir könnten ja auch nach den gepolsterten Schlafkammern -hinabgehen,« meinte Terror. »Das wäre sicherer.« - -»Allerdings,« erwiderte Mors. »Aber verschiedene Umstände zwingen uns, -hier oben zu bleiben. Die Empörer könnten sich zeigen, um zu sehen, was -aus uns geworden ist. Da müssen wir schnell zu Hand sein und zupacken. -Bist Du fertig? Nun, so ist es gut. Es war auch die höchste Zeit. Du -siehst, jetzt beginnt es, was ich vorausgesehen.« - -Das Weltenfahrzeug begann furchtbar zu schwanken. - -»Sie verändern das Gleichgewicht des Fahrzeuges,« rief Terror. - -»Gewiß,« erwiderte Mors, indem er mit eiserner Kraft die metallenen -Griffe packte. »Wir werden gleich auf dem Kopf stehen.« - -Das war auch der Fall. - -Jedenfalls hatten die Meuterer in der Maschinenkammer Vorsorge -getroffen, daß sie bei dem Manöver, das sie jetzt mit dem Weltenfahrzeug -vornahmen, keinen Schaden erlitten. - -Dagegen wollten sie dadurch Kapitän Mors und dessen treue Begleiter -verletzen oder gar vollkommen vernichten. - -Die Handhabung mit dem Riesenmagnet und eine besondere Benutzung der -Maschinen gestattete, das Schwergewicht des Fahrzeuges zu ändern und so -stand urplötzlich das unterste zu oberst. - -Dieser Plan der beiden Empörer legte von teuflischer Schlauheit Zeugnis -ab. Sie wollten, daß Kapitän Mors und seine Begleiter durch diese -plötzliche Umdrehung des Fahrzeuges mit den Köpfen gegen die metallenen -Decken schmettern sollten. - -Die sechs Männer in der Maschinenkammer hatten sich jedenfalls dagegen -gesichert und festgebunden. Jetzt ließen sie das Fahrzeug wieder -blitzschnell herumdrehen. - -Diese Manöver wiederholten sich noch zwei-, dreimal, mit geradezu -furchtbarer Schnelligkeit, es war ein Zeichen, daß die Empörer vieles -von Kapitän Mors gelernt hatten. - -Sie verstanden mit der Maschine, welche die Schwerkraft des Fahrzeuges -und das Gleichgewicht veränderte, vortrefflich umzugehen und so wälzte -sich das Weltenfahrzeug noch zweimal herum, sodaß Kapitän Mors und -Terror mit den Köpfen nach unten schwebten. - -Terror aber befand sich an den Riemen festgebunden in völliger -Sicherheit und Kapitän Mors hielt sich an den metallenen Handgriffen so -fest, als sei er mit ihnen verwachsen. - -Das Weltenfahrzeug schwankte jetzt wie ein Schiff im wildesten Sturme, -bis es allmählich das Gleichgewicht bekam und nun wieder mit furchtbarer -Geschwindigkeit durch den Weltenraum dahinraste. - -Kapitän Mors überzeugte sich mit einem Blick, daß Terror nicht verletzt -sei. - -»So, das wäre vorüber,« meinte er. »Jetzt will ich zusehen, ob die -Empörer den Maschinenraum öffnen.« - -»Wenn es geschieht, Kapitän, es sind sechs gegen einen und das -schlimmste ist, daß unsere elektrischen Waffen in einem Schrank des -Maschinenraums aufbewahrt werden.« - -»Das ist allerdings fatal,« sprach der Maskierte. »Das erschwert mein -Vorhaben. Würden sie die Tür öffnen und hätte ich den elektrischen -Revolver zur Hand, so würde ich die Waffe unnachsichtlich gegen die -beiden Rädelsführer gebrauchen.« - -»Wenn die Kerle die Waffen finden,« rief Terror besorgt, »dann werden -sie dieselben gegen uns gebrauchen.« - -»Das mag sein,« erwiderte Mors. »Aber, dieser Schrank ist versteckt und -in die eiserne Wand eingelassen. Sie werden ihn nicht so leicht finden. -Außerdem trage ich den Schlüssel in meiner Tasche.« - -Terror war in großer Sorge und meinte, die Meuterer möchten doch den -Schrank öffnen, die elektrischen Waffen finden und sich dann derer gegen -den Luftpiraten und dessen Anhänger bedienen. - -War dies der Fall, so wurde die Situation eine geradezu verzweifelte. - -»Das Auffinden der Waffen wäre allerdings ein schwerer Schlag,« sprach -Kapitän Mors, als Terror nochmals Bedenken äußerte. »Aber das alles ist -nicht so schlimm wie der Gedanke, daß die Empörer durch ihre -Unbesonnenheit das Weltenfahrzeug auf den sogenannten toten Punkt -bringen. Sie wissen nicht, wie man diese gefährliche Zone passiert und -da werden sie selbst ihr Todesurteil unterschreiben, aber zugleich auch -das unsere.« - -»So wollen wir ihnen doch zurufen,« meinte Terror, der sich inzwischen -von den Riemen befreit hatte. »Wir werden ihnen zuschreien, daß sie -durch ihren Wahnsinn das Verderben heraufbeschwören? Vielleicht geben -sie dann nach und merken, daß sie sich ins Verderben bringen? Dann -könnten wir die Oberhand über das Fahrzeug bekommen.« - -»Ich fürchte, sie werden die Nachricht mit Mißtrauen aufnehmen,« -erwiderte Mors. »Aber versuchen kannst Du es immerhin. Gehe an die -Eisentür der Maschinenkammer, denn ich sehe, daß die Leute nicht öffnen. -Versuche, was Du willst, aber ich fürchte, Du wirst wenig Erfolg haben. -Sollte sich während der Zeit das Weltenfahrzeug wieder drehen, mußt Du -Dich rasch an den Handgriffen festhalten. Zur Vorsicht kannst Du Dir -noch einen Riemen um den Leib binden.« - -Terror tat, wie ihm geheißen und sicherte sich nach Möglichkeit gegen -das Umschlagen des Fahrzeuges. - -Es konnte ja sehr leicht möglich sein, daß die Meuterer das vorherige so -gefährliche Manöver noch einmal wiederholten und er hatte keine Lust, -sich den Schädel an der Eisendecke des Weltenfahrzeugs zu zerschmettern. - -Mors blieb einstweilen im Beobachtungsraum und öffnete dort ein kleines, -angeschraubtes Kästchen. - -Dort lagen einige seltsam aussehende, patronenartige Gegenstände, die in -einer glänzenden Metallhülle steckten. - -Mors nahm zwei derselben heraus und steckte sie in die Tasche, -unterdessen hatte Terror die Unterhandlung mit den Meuterern im fest -verschlossenen Maschinenraum begonnen. - -»Wahrhaftig, der ist ja noch ganz lebendig,« schrie Wilkes drinnen. »Das -ist der Terror. He, hallo, wo ist denn der Maskierte? Warum hat sich der -nicht gemeldet?« - -Terror war klug genug, um die Antwort schuldig zu bleiben, denn er -hoffte vielleicht, daß man Kapitän Mors für tot hielt, oder daß die -Meuterer doch wenigstens an eine Betäubung oder eine schwere Verletzung -glaubten. - -»Von dem Maskierten spricht er nichts, Penn,« rief Wilkes drinnen seinem -Genossen zu. »Der hat jedenfalls was abbekommen. He, holla, aufgepaßt!« - -Terror ahnte, daß das Fahrzeug noch einmal den furchtbaren Saltomortale -schlagen würde, und er klammerte sich krampfhaft an den eisernen -Handgriffen fest, während Kapitän Mors seinem Beispiel folgte. - -Die Vorsichtsmaßregeln der beiden Männer vereitelten aber das -heimtückische Vorhaben der beiden Rädelsführer. - -Endlich gewannen die beiden das Gleichgewicht wieder. - -»Wahnsinnige,« rief Terror, als er sich wieder in der natürlichen Lage -befand. »Wißt Ihr denn nicht, daß Ihr der gefährlichen Zone zutreibt, -dem sogenannten toten Punkt, wo sich die Anziehungskraft der Erde mit -der des Mondes ausgleicht? Ihr kennt nicht die Art und Weise, wie man -die Maschinen bedienen muß. Oeffnet, Ihr Tollhäusler, sonst muß das -Fahrzeug bis in alle Ewigkeit in jener gefährlichen Zone schweben.« - -Wilkes und Penn stutzten anfangs, aber dann brachen sie wieder in lautes -Hohngelächter aus. - -»Wir sind doch keine Kinder,« schrieen sie. »Wir lassen uns doch nicht -durch solche Mätzchen fangen! Nichts damit. Wir sind nicht so dumm und -lassen uns nicht ins Bockshorn jagen, das sind bloß listige Reden, damit -wir den Maschinenraum öffnen. Aber wir denken nicht daran, wir befinden -uns ganz wohl und können auch zu einer Vorratskammer. Ihr aber werdet -früher oder später vom Teufel geholt, wir sind jetzt die Herren des -Weltenfahrzeuges!« - -Da half alles nichts, Terror mußte zurück und wutschäumend den Meuterern -freies Spiel lassen. - -Er hörte, wie sie drinnen herumhantierten, und verhielt sich völlig -still. Er lauschte auf das, was die Rebellen sprachen. - -Den vier Franzosen schien gar nicht wohl zu Mute zu sein, wenigstens -vernahm Terror, wie sie verschiedene Einwendungen erhoben, wie sie -meinten, man solle auf die Warnung des Herrn des Weltenfahrzeuges -achten. - -»Unsinn,« schrie Wilkes. »Laßt Euch doch nicht zum Narren halten. Der -möchte bloß herein und uns das Handwerk legen! Da seht Ihr ja seine -Ohnmacht. Derjenige, dem die Maschinenkammer gehört, der ist Herr der -Lage. Dabei bleibt es. Also wollen wir alles weitere abwarten. Wir -können die da draußen verlachen. Vielleicht hat sich der Terror noch -erhalten, aber es scheint wohl, daß der Luftpirat schwer verletzt oder -gar tot in einer Ecke liegt.« - -»Schade wäre es um die hübschen Mädels,« meinte Penn, der schon vordem -nach den Schwestern geschielt hatte. - -»Ach was,« brüllte Wilkes, »wenn wir die Macht haben, die wir später -besitzen werden, können wir über die schönsten Frauen und Mädchen der -ganzen Erde verfügen. Inzwischen wollen wir uns hier mal die Maschinen -näher betrachten. Hier aus dem großen Apparat in der Ecke kann ich noch -nicht klug werden. Den muß ich mal genauer untersuchen.« - -Terror wußte, was die Empörer mit diesem Apparat meinten. Es war eine -seltsam aussehende Maschine, die in der Nähe der eisernen Treppe stand, -welche nach der Vorratskammer im Achterteil des Fahrzeuges -hinunterführte. - -Wozu dieser Apparat diente, wußte Terror auch nicht, Kapitän Mors hatte -nie darüber gesprochen. - -Die Maschine war auch noch nie in Gebrauch gewesen. - -Er nahm sich schon vor, Kapitän Mors danach zu fragen, als er etwas -anderes hörte, was seine Seele mit Hoffnungslosigkeit erfüllte. - -Die Meuterer hatten nämlich den verborgenen Wandschrank gefunden. - -Deutlich vernahm Terror, wie sie dort hantierten, wie sie darüber -sprachen, was wohl darinnen enthalten sein mußte. - -Einen Schlüssel fanden sie natürlich nicht und so entschlossen sie sich -kurz dazu, den Schrank aufzubrechen. - -Terror schlich sich zu Kapitän Mors hinüber. - -»Es ist alles vorbei,« sprach er leise zu dem Maskierten. »Sie brechen -den Schrank auf, da werden sie unsere fürchterlichen Waffen finden. Dann -greifen sie uns an und dann werden wir ohne Gnade vernichtet.« - -»Zuletzt werden wir uns sichern,« erwiderte Kapitän Mors. »Auch die -anderen eisernen Türen sind verschließbar. Da werden wir den Empörern -das Vordringen unmöglich machen.« - -Terror seufzte leise, denn er hatte wenig Hoffnung, er meinte wohl, dies -Abenteuer würde das letzte des Kapitän Mors sein, und der berühmte -Luftpirat mit seinen Anhängern ein schmähliches Ende finden. - -Die Meuterer besaßen jetzt die Waffen und an dem Jubelgeheul, welches -Wilkes und Penn ausstießen, erkannte man, daß die beiden geschickten -Männer wohl wußten, welche fürchterlich tödlichen Waffen sie in die -Hände bekommen hatten. - -Sie wußten das schon von der Insel her, dort hatte man öfters von den -elektrischen Revolvern gesprochen. Sie wußten, daß diese fürchterlichen -Geschosse alles zerstörten. Sie konnten damit sogar die eisernen Türen -sprengen. - -Alle diese Gedanken stürmten auf Terror ein, sodaß er ganz nach der -sonderbaren Maschine zu fragen vergaß, von der die Meuterer vorhin -gesprochen hatten. - -Kapitän Mors zeigte jetzt eine Tollkühnheit sondergleichen. - -Er schlich sich noch einmal nach dem Maschinenraum hinüber, obwohl ihn -Terror dringend zurückzuhalten suchte. Er lauschte noch einmal auf das -Stimmengewirr, welches er da drinnen hörte. - -Dann kehrte er zurück, nachdem er die eine Verbindungstür hinter sich -geschlossen hatte. - -»Es wird wenig nützen, Kapitän,« meinte Terror betrübt, »wenn die -Kanaillen die elektrischen Geschosse gegen die Tür senden, wird sie -zunächst aufspringen.« - -»Ich habe verschiedenes vernommen,« erwiderte Mors. »Zunächst bin ich -überzeugt, daß nur die beiden Irländer die gefährlichen Waffen an sich -genommen haben. Den Franzosen dagegen haben sie diese Waffen nicht -gegeben. Es ist dies für mich ein Beweis, daß die übrigen Männer nur -irregeleitet und verführt worden sind, daß sie sich durch Versprechungen -auf eine glänzende Zukunft verlockt zum Treubruch hinreißen ließen. -Wären nur die beiden Irländer nicht, so würden die Franzosen bald zu uns -zurückkehren. Aber die beiden Rädelsführer sind zum äußersten -entschlossen. Ich aber auch. Auch ich werde jetzt gegen die Meuterer -vorgehen, koste es, was es wolle.« - -»Aber, Kapitän, Ihr habt ja keine Waffen. Die befinden sich ja alle in -der Maschinenkammer,« meinte Terror halb verzweifelt. - -Die Augen des Maskierten funkelten wie glühende Kohlen. - -»Und ich muß doch hinein,« sprach er. »Geschehe, was da wolle. Hier,« er -zog die metallisch glänzenden Patronen hervor, »diese Sprengpatronen -sollen mir dazu dienen, die Tür nach dem Maschinenraum zu öffnen.« - -»Dann werdet Ihr sofort von den Geschossen der elektrischen Revolver -begrüßt,« rief Terror. »Nein, das geht nicht. Das wäre Euer Verderben! -Mit Eurem Tode, Kapitän, ist aber alles zu Ende.« - -»Haltet mich nicht zurück,« erwiderte Mors. »Es wäre völlig vergeblich. -An den Instrumenten sehe ich, daß wir uns bereits dem toten Punkt -nähern, ich muß das letzte aufbieten, um mein Fahrzeug aus dieser -gefährlichen Zone zu retten. Halte mich nicht zurück, Terror, es hat -keinen Zweck. Du weißt, wenn ich einen Entschluß gefaßt habe, so kann -nichts auf der Welt denselben erschüttern. Handeln muß ich. In den -nächsten Stunden wird die Entscheidung fallen.« - - - - - 6. Kapitel. - Der tote Punkt im Weltenraum. - - -Terror fügte sich in das Unvermeidliche, denn er kannte ja den -rätselhaften Mann zur Genüge. - -»Jetzt müssen wir eine kleine elektrische Batterie herstellen,« sprach -der Maskierte. »Es befinden sich einige an Bord des Weltenfahrzeuges, -aber auch diese stehen in der Maschinenkammer. Es ist, als hätte sich -alles gegen uns verschworen. Aber ich werde das Schicksal zu zwingen -suchen. Vorwärts, Terror, gehen wir an die Arbeit.« - -Glücklicherweise waren einige Ersatzteile für die elektrische Batterie -vorhanden. Aber, es verging doch geraume Zeit, ehe die beiden Männer das -Nötige herstellen konnten. - -Bald fehlte es an Drähten, bald an einem Isolator, aber endlich wurde -doch etwas zusammengebracht, was als elektrische Batterie zur Not dienen -konnte. - -Die Zeit war aber rasch verflossen. - -Kapitän Mors legte eben die letzte Hand an das Werk, als das -Weltenfahrzeug wieder unregelmäßige Bewegungen machte. - -»Sie wollen uns wieder auf den Kopf stellen,« rief Terror, indem er nach -den Handgriffen faßte. - -Mors aber sprang zu den Instrumenten. - -Deutlich sah Terror, wie der Maskierte zusammen zuckte. - -»Was gibt es?« rief er hinüber. - -»Das Gefürchtete ist geschehen,« erwiderte Kapitän Mors. »Wir befinden -uns auf dem toten Punkte.« - -»Eine schöne Bescherung,« murrte Terror, indem er sein Entsetzen -möglichst zu verbergen suchte. »Da können wir jetzt einen neuen -Weltkörper bilden und solange das Fahrzeug zusammenhält, wird es an -dieser Stelle zwischen Erde und Mond schweben, als ein riesiger -metallner Sarg, in dessen Innern wir allmählich zu Staub verfallen.« - -»Unsere Lage ist in der Tat fürchterlich,« erwiderte Mors, indem er -unablässig die Instrumente beobachtete. »Durch die Unbesonnenheit der -Meuterer sind wir in diese schreckliche Lage gebracht worden und Du -siehst an den Instrumenten, daß sich das Fahrzeug völlig unbeweglich -verhält.« - -»Gibt es kein Mittel, um den »Meteor« aus dieser furchtbaren Lage zu -befreien?« fragte Terror hastig. - -»Vielleicht,« erwiderte Mors. »Du erinnerst Dich wohl, daß Du mit -Verwunderung die Maschine betrachtetest, die im Lenkraum neben der -Treppe zur Vorratskammer steht. An diese eigenartige Maschine, von der -eine Menge Drähte nach einer Art eisernen Galgen laufen, auf dem ein -ungeheurer Brennspiegel angebracht ist?« - -»Ja, Kapitän,« erwiderte Terror. »Ich habe ja schon mehrmals danach -gefragt, aber Ihr habt nie eine Antwort gegeben.« - -»Nein, diese Maschine habe ich für Notfälle aufgestellt, es ist das -Resultat langer Arbeit. Diese merkwürdige Maschine, deren Zweck Du Dir -nie erklären konntest, dient dazu, die sogenannte Sonnenenergie -aufzuspeichern.« - -»Sonnenenergie,« wiederholte Terror, ohne zu wissen, was dies bedeutete. - -»Ja, die Kraft, die der Sonnenball ausströmt, eine Kraft, so -fürchterlich, daß sie jeder Beschreibung spottet. Diese Kraft wäre wohl -imstande, das Weltenfahrzeug aus der gefährlichen Zone herauszureißen -oder vielmehr herauszutreiben, aber --« - -»Nun?« fragte Terror, als Mors schwieg. - -»Wenn jemand die Maschine in Tätigkeit setzt, so bringt sie ihm den Tod, -es gibt kein Mittel, um sich der Wirkung zu entziehen. Die Kraft, welche -in der Maschine durch den Brennspiegel aufgespeichert ist, würde den, -der sie in Gang setzt, sofort vernichten.« - -Terror richtete sich hoch empor und seine treuherzigen Augen blitzten. - -»Wenn wir nur da drinnen wären, Kapitän,« sprach er ernst, »dann würde -ich es sein, der die Maschine in Tätigkeit setzt. Ja, Kapitän, dann -würde ich mich für das allgemeine Wohl opfern.« - -»Treue Seele,« sprach Mors sichtlich gerührt. »Diese Antwort habe ich -erwartet. Aber ich will es nicht. Ich will kein solches Opfer. Du sollst -nicht sterben. Wenn das Ende kommt, so enden wir eben vereint, wie wir -auch gelebt haben. Aber da wir uns jetzt auf dem toten Punkt befinden, -so will ich die Tür zum Maschinenraum öffnen, mag kommen, was da will. -Ich muß hinein! Ich empfinde es als Schmach, daß ich, Kapitän Mors, von -dem Maschinenraum meines Weltenfahrzeugs ausgeschlossen bleibe. Ich muß -und wenn eine Horde Teufel da drinnen sitzen sollte.« - -Terror war außer sich, er beschwor Kapitän Mors förmlich, dieses -Vorhaben zu unterlassen, oder wenn es denn einmal sein sollte, ihm, -Terror, den Vorrang zu gestatten. Aber es war alles umsonst. - -»Halte Du nur die Batterie,« sprach der Kapitän, »ich werde die Patronen -an die Tür der Maschinenkammer setzen, dann wird die Pforte gesprengt, -gleichviel, was daraus entsteht. Sei vorsichtig, vermeide jedes -Geräusch. Ich werde mich zu Boden werfen und die beiden Rädelsführer im -plötzlichen Aufspringen anzugreifen suchen. Vielleicht kann ich sie -überraschen.« - -»Ich glaube es nicht,« erwiderte Terror traurig. »Es sind zu -verzweifelte Kerle, sie werden auf alles gefaßt sein.« - -»Das bin ich auch,« erwiderte der Luftpirat. »Auch ich bin zum -Aeußersten entschlossen. Nun wollen wir sehen, wer die Oberhand gewinnt! -Ich oder die Meuterer.« - -Mors trat vorsichtig an die Tür des Maschinenraumes. - -Man hörte die Meuterer, er vernahm, wie sie mit einander sprachen, wie -sie Hoffnungen für die Zukunft austauschten. - -Hauptsächlich sprachen Wilkes und Penn, die anderen verhielten sich -auffällig ruhig. Es mochte ihnen gar nicht wohl zu Mute sein. - -Dabei sprachen sie auch über den Umstand, daß sich das Weltenfahrzeug -nicht von der Stelle bewegte. - -»Was mag nur dahinterstecken?« hörte Mors deutlich Wilkes reden. »Das -Ding bewegt sich wahrhaftig nicht, da müssen wir irgend etwas an den -Maschinen versehen haben. Penn, Du hast vorhin da hinten an der -geheimnisvollen Maschine herumgepusselt, dadurch wirst Du wohl irgend -eine Stockung in der Bewegung hervorgerufen haben, denn anders ist das -gar nicht möglich.« - -Der Angeredete verwahrte sich aber ganz entschieden gegen diese -Behauptung. - -»Angeguckt habe ich das Ding, aber nicht berührt,« sprach er. »Aber -vielleicht dient es dazu, das Fahrzeug weiter zu bewegen. Man könnte es -ja mal probieren.« - -Gleich darauf vernahm Mors, wie sich die beiden Meuterer an der -geheimnisvollen Maschine zu schaffen machten. - -Er vernahm ein Knicken und Knacken, zweifellos setzten die Männer die -Hebel in Bewegung. - -Anfangs wollte Kapitän Mors ihnen zurufen, aber er wurde bald anderer -Meinung. Eine eiserne Energie leuchtete jetzt aus seinen funkelnden -Augen. - -Leise, ganz leise neigte er sich hinab und legte die eine Sprengpatrone -in die rechte Ecke der Türnische, während er die zweite Patrone in der -gegenüberliegenden Ecke unterbrachte. - -Hierauf ergriff er die beiden dünnen, glänzenden Kupferdrähte, welche zu -der kleinen elektrischen Batterie führten. - -Diese Drähte zog er mit größter Vorsicht durch kleine Oesen, welche an -abgeplatteten Enden der metallisch glänzenden Patronen angelötet waren -und befestigte sie rasch, so daß die Verbindungen zwischen den beiden -Drähten hergestellt waren. - -Unmittelbar darauf legte sich Kapitän Mors flach auf den Boden nieder -und zwar so, daß er durch die etwas vorspringende Wand, hinter der sich -die Tür befand, gegen die Wirkung der Patronen geschützt wurde. - -Dann winkte er Terror, der in einiger Entfernung stand und die kleine -elektrische Batterie bewachte. - -Der treue Gefährte verstand das Zeichen seines Kapitäns und machte eine -bittende Gebärde, als wolle er den Tollkühnen von einem gefährlichen -Entschluß zurückhalten. - -Aber Kapitän Mors wiederholte den Wink, energischer, als zuvor und da -mußte Terror mit schwerem Herzen gehorchen. - -Er drückte auf den Knopf der kleinen Batterie und im nächsten Augenblick -sah man zwei blaue Funken blitzschnell auf den Drähten entlangfahren. - -Ein dumpfes, dröhnendes Krachen ließ sich hören. Die beiden -Sprengpatronen hatten ihre Wirkung getan. Sie explodierten gleichzeitig -und übten einen furchtbaren Druck auf die versperrte Pforte. - -Ganz vermochten sie dieselbe freilich nicht zu öffnen, aber die Eisentür -wurde doch so verbogen, daß sie etwas klaffte, daß ein Mann mit beiden -Händen in die entstandene Spalte zu fassen vermochte. - -Es war aber sehr fraglich, ob dieses Krachen drinnen gehört worden war. - -Im selben Augenblick, wo Kapitän Mors die Sprengpatronen wirken ließ, wo -er sich mit tollkühner Verwegenheit dem Tode aussetzte, hatte da drinnen -ein wahrhaft höllischer Lärm begonnen, der die Explosion der beiden -Sprengpatronen völlig verschlang. - -Kapitän Mors war ein wenig betäubt, aber er bewahrte seine Energie, -blitzschnell sprang er auf die Füße. - -»Die Sonnenenergie-Maschine,« murmelte der Maskierte. »Sie haben sie in -Tätigkeit gesetzt. Jetzt hat die furchtbare Wirkung dieser Maschine -begonnen.« - -Gleichzeitig setzte er die beiden Hände in die entstandene Spalte der -eisernen Tür. - -Nun gebrauchte Kapitän Mors seine ganze Riesenkraft, er riß an der Tür, -er wollte die schon halbgeöffnete Pforte vollends aufreißen. - -Freilich mußte er gewärtigen, daß das Verderben über ihn hereinbrach, -daß die beiden Rädelsführer die elektrischen Waffen gegen ihn -abfeuerten. Er mußte damit rechnen, daß er in Stücke zerrissen wurde. - -Aber Kapitän Mors fragte nicht danach. Grimmiger packte er zu, ein Ruck -und noch ein furchtbarer Ruck, Kapitän Mors prallte zurück, aber die -eiserne Tür war offen. - -Im Maschinenraum aber tönte ein wahrer Höllenspektakel. Es war, als ob -das ganze Weltenfahrzeug in Trümmer gehen sollte. - -Durch dieses fürchterliche Stöhnen und Stampfen klang jetzt greuliches -Geschrei, fürchterliches Gezeter. - -Kapitän Mors stürzte in die Maschinenkammer. - -Links seitwärts gewahrte er flüchtig die Gestalten der vier Franzosen. - -Sie lebten und hatten sich angstzitternd in einen Winkel geflüchtet. -Dort waren sie zwischen den Apparaten zusammengekrochen und hielten die -Hände vor die Augen, um nicht das Entsetzliche sehen zu müssen. - -Kapitän Mors aber stand vor der Sonnenenergie-Maschine. - -Wilkes und Penn, die beiden Rädelsführer, hatten sich damit zu schaffen -gemacht. Sie hatten an den verschiedenen Hebeln gerissen, an den Rädern -gedreht, ohne zu ahnen, daß dort in der fürchterlichen Maschine der Tod -lauerte. - -Nun war das Verderben über sie hereingebrochen. - -Grausig war dies Bild, welches jeder Beschreibung spottete. Die -fürchterliche Sonnenenergie-Maschine befand sich in voller Bewegung. - -Die Drähte, welche Kapitän Mors angebracht, um die, durch die -Brennspiegel aufgespeicherte Kraft in die Maschine zu leiten, wirbelten -herum. Sie hatten die Gestalten der beiden Rädelsführer gefaßt und diese -wurden mit schrecklicher Gewalt herumgeschleudert. - -Sie schwebten in der Luft und stießen gellende, kreischende Töne aus, um -sie herum aber brauste es wie in einem fürchterlichen Wirbel, da war es, -als ob unablässig Blitze einschlugen. - -Gelbe, leuchtende Strahlenbündel schossen nach allen Richtungen, es -sauste und brauste, es zischte und knatterte, es sprühte und donnerte, -als ob man sich tatsächlich in der Hölle befände. - -Die beiden Schurken hatten sich in der Tat der elektrischen Waffen -bemächtigt, aber sie kamen nicht dazu, die Waffen zu gebrauchen, sie -kamen auch nicht dazu, sie gegen Kapitän Mors zu kehren. Diese Männer -befanden sich bereits in den Banden des Todes. - -Entsetzlich war das Schicksal, welches ihnen widerfuhr, aber das -Schicksal war ein wohlverdientes. Die grauenvolle Gewalt befand sich in -voller Tätigkeit, die Sonnenenergie-Maschine riß die beiden Rädelsführer -buchstäblich in Stücke. - -Es war ein geradezu fürchterliches Bild, so entsetzlich, so furchtbar, -daß selbst Kapitän Mors wie angewurzelt stand. Es war ein Bild des -Grausens, der Vernichtung, es war ein Ende mit Schrecken. - -Fürchterlich war das Tosen der Maschine, Kapitän Mors sah ein -Schauspiel, welches jeder Beschreibung spottete. - -Die Körper der beiden Männer nahmen allmählich unheimliche Formen an, -sie veränderten sich rasch und zeigten allmählich die Gestalt von -Mumien. - -Dabei wurden sie noch immer von den Drähten gefaßt und mit -fürchterlicher Gewalt herumgeschleudert. Man sah, wie die zuckenden -Blitzstrahlen die Körper der Männer allmählich vernichteten. - -Kapitän Mors warf sich jetzt rasch zu Boden, es drohte eine neue Gefahr, -da die elektrischen Revolver, welche die beiden Rädelsführer in ihre -Gürtel gesteckt, sich jetzt entluden. Die schrecklichen Geschosse -platzten, richteten aber verhältnismäßig wenig Schaden an, man sah nur -große Beulen an den metallenen Wänden. Die Körper der beiden Männer aber -waren jetzt zu Kohle verwandelt. Sie zerfielen in Stücke, die -unheimliche Gewalt schien sie allmählich in Asche zu verwandeln. - -Kapitän Mors kroch jetzt auf allen Vieren zu den zitternden Franzosen -hinüber. - -Wohl waren dies geschickte, erfahrene Leute, die schon manches Mal die -Maschinen des Unterseeboots in Tätigkeit gesetzt hatten, aber diese -fürchterliche Kraft hier war ihnen völlig fremd. Sie erschien ihnen als -etwas Grausiges. Die Kraft war von geradezu zerstörender Wirkung. - -Immer schrecklicher war das Schmettern, das Toben, das Zischen, das -Krachen, aber die Maschine schien jetzt nicht mehr von innen, sondern -nach außen zu wirken. - -Es war so, als ob die menschlichen Körper die entsetzliche Kraft -angezogen hätten, und als ob diese unheimliche Energie jetzt, nachdem -die Menschenkörper zerstört waren, wieder den Gesetzen ihres Erbauers -gehorchte. - -An dem hohen Stahlgerüst drehten sich die dort befindlichen Schwungräder -mit unheimlicher Geschwindigkeit. Man hörte das stoßweise Arbeiten der -Kolben, die an der Maschine angebracht waren und das Weltenfahrzeug -wurde jetzt von einer furchtbaren Gewalt gerüttelt und geschüttelt. - -Ja, Mors hatte recht gehabt. Diese fürchterliche Maschine brachte dem, -der sie in Bewegung setzte, den Tod. - -Das Schicksal aber hatte es gewollt, daß die Meuterer den Tod fanden, -daß sie es waren, welche ohne es zu wollen, die Sonnenenergie-Maschine -in Tätigkeit setzten, daß sie durch ihr wohlverdientes Ende den einzigen -Weg zur Rettung des Weltenfahrzeuges ermöglichten. - -Immer furchtbarer wurden die Stöße, so daß die vier zitternden Franzosen -in der Ecke laut heulten und schrieen. - -»Es ist alles zu Ende,« riefen sie klagend. »Jetzt ist alles aus und -vorbei. Das Fahrzeug geht in Stücke, nun werden auch wir in Atome, in -Fetzen zerrissen.« - -Kapitän Mors achtete nicht auf die jammernden Meuterer. Er hatte andere -Dinge im Sinne. Er sprang jetzt zu den Instrumenten hinüber, welche die -Bewegung des Fahrzeuges anzeigten. - -Da erschien auch Terror in der Türe. - -Angstvoll spähte der treue Mann nach dem Kapitän umher und meinte, er -würde wohl nur noch die Fetzen von dem Luftpiraten gewahren. - -Ein Freudenschrei entrang sich seiner Brust, als er Kapitän Mors -wohlbehalten bei den Instrumenten stehen sah, die der Luftpirat mit -seinen funkelnden Augen beobachtete. - -Noch standen die Zeiger still, noch war das Weltenfahrzeug nicht in -Bewegung. Noch ruhte es unbeweglich in der gefährlichen Zone, welche -Kapitän Mors als toten Punkt bezeichnet hatte. - -Aber immer fürchterlicher arbeitete die unheimliche Maschine, die jetzt -ganze Ströme von elektrischen Lichtstrahlen auszusenden schien. Es war -die Sonnenenergie, welche jetzt durch die Zylinder und Kolben der -rätselhaften Maschine hindurch zuckte. - -Kapitän Mors stand unbeweglich. Wenn die Kraft der Maschine unwirksam -blieb, war die letzte Hoffnung verloren, dann blieb das Weltenfahrzeug -bis in alle Ewigkeit festgebannt an diesem gefährlichen Platze. - -Plötzlich leuchteten seine Augen auf. - -Der eine Zeiger vibrierte, er schwankte ein wenig hin und her, zitterte -und zuckte, und nun begann er sich plötzlich langsam zu drehen. - -Ein seltsamer Ruf entrang sich der Kehle des Luftpiraten. - -»Das Weltenfahrzeug bewegt sich,« stieß er hervor. »Der »Meteor« fliegt, -die Sonnenenergie hat die gefährliche Zone überwunden. Wir sind wieder -in Bewegung.« - -Augenblicklich riß er den Hebel herum, der den Lenkapparat in Tätigkeit -setzte und die Instrumente bewiesen, daß das Fahrzeug einen riesigen -Bogen beschrieb. Es gehorchte wieder den Händen und dem Willen seines -genialen Erbauers. - -»Kapitän,« rief Terror, »es ist aber gerade so, als wäre alles in -Trümmer gegangen. Das Fahrzeug knickt und knackt in allen Fugen.« - -»Ja, wir müssen zur Erde zurück,« entgegnete Kapitän Mors. »Es muß erst -untersucht werden, ob der »Meteor« Schaden genommen hat. Einstweilen -hält noch alles zusammen, ich höre nirgends Luft entweichen.« - -Da sah Terror die zitternden Franzosen. - -Wütend stürzte er sich auf sie, um seinen Grimm an ihnen auszulassen, -während die vier Männer, deren Sinne von dem Geschehenen ganz verwirrt -waren, unter Heulen und Jammern um Vergebung flehten. - -Terror war so wütend, daß er Anstalten machte, die vier Franzosen -tatsächlich in die andere Welt zu schaffen, als ihn ein Zuruf des -Maskierten daran verhinderte. - -»Laß sie, Terror,« rief der stolze Mann. »Sie sind irregeführt, -verleitet durch die beiden Irländer, welche ein so fürchterliches Ende -fanden, die tragen die Schuld an allen Geschehnissen.« - -»Aber, sie haben sich empört, Kapitän,« versetzte Terror wutschnaubend. -»Sie haben ihren Eid gebrochen. Sie verdienen den Tod in der schlimmsten -Gestalt.« - -»Nein, ich will Gnade walten lassen,« erwiderte Mors. »Ich habe, als ich -an der Tür lauschte, deutlich gehört, daß diese Männer Wilkes und Penn -von ihrem Begehren abzubringen suchten. Sie sind nur den Verlockungen -erlegen und haben das Treiben der Rädelsführer zu lange geduldet. Strafe -sollen sie empfangen, aber ihr Leben wird geschont, und wenn sie sich -künftig treu zeigen, so will ich ihnen Verzeihung angedeihen lassen. Die -anderen beiden aber, die wir unten schlafend trafen, die sind ganz -unschuldig, die haben sich an der Meuterei nicht beteiligt.« - -Die Franzosen warfen sich Kapitän Mors zu Füßen und versicherten hoch -und teuer, daß sie Wilkes und Penn durch fabelhafte Versprechungen zur -Untreue verlockt hätten, sie schwuren, daß sie künftig die treuesten -Diener, ja selbst die Sklaven des Maskierten sein würden. - -Mors aber drehte den Riesenmagneten dem Monde zu, dessen bleiches Licht -durch eine Fensterluke hereinstrahlte. - -Der »Meteor« wendete sich der Erde zu und mit furchtbarer -Geschwindigkeit sauste das Weltenfahrzeug dahin, der Erde, dem Ozean und -der geheimnisvollen Insel entgegen. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 85-122. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten, obwohl sich -im Text ein entsprechender Hinweis findet. Der entsprechende Rücktitel -mit dem Plan des Weltenfahrzeuges findet sich in Band 42. - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 40: Die Empörung im Weltenfahrzeug, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56065-8.txt or 56065-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56065/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. 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Kapitel.</span><br /> -Das seltsame Licht. -</h2> - -<p class="first"> -Dichter Nebel bedeckte Land und Meer. -</p> - -<p> -Die grauen Massen lagerten sich schwer über die schäumenden -Wogen, sodaß das Auge nicht in die Weite zu schweifen vermochte. -</p> - -<p> -Auch auf der geheimnisvollen Insel des Kapitän Mors lagen die -Nebel und dieser Umstand brachte es dahin, daß die Wachsamkeit, die -auf der Insel herrschte, verdoppelt wurde. -</p> - -<p> -Allerdings hatte man keine Schiffe gewahrt und auch kein Zeichen -eines feindlichen Angriffes bemerkt. Dagegen hatte Kapitän Mors, der -stets und ständig Erkundigungen in der Welt einzog, einiges erfahren, -was ihm zu denken gab. Es schien, als ob wieder mal ein Angriff auf die -geheimnisvolle Insel geplant wurde. — -</p> - -<p> -Die Nacht war vorüber und der Morgen dämmerte. Durch die -Nebelmassen schritt der stolze Mann, der das lenkbare Luftschiff und -das Weltenfahrzeug erbaut und hier auf der Insel wie ein König in seinem -Reiche herrschte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors inspizierte die Wächter, die er hier und dort am -Klippenstrand der Felseninsel aufgestellt hatte und ließ sich von ihnen -Bericht erstatten. -</p> - -<p> -Soeben nahte er einem hohen Klippenrand, dort stand im Schutz -einiger gewaltiger Felsblöcke eine Männergestalt, die sich zum Schutz -gegen die feuchtkalten Nebel in eine große Decke eingehüllt hatte. -</p> - -<p> -Es war einer der Inder, einer der treuen Gefährten des Kapitän -Mors. Er trat an den Wächter heran. -</p> - -<p> -„Ist etwas vorgefallen?“ fragte er mit jenem freundlichen Ernst, den -er stets seinen Leuten zeigte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors erwartete eine verneinende Antwort, denn der Nebel -versperrte ja jede Fernsicht, die Antwort setzte ihn daher in einiges Erstaunen. -</p> - -<p> -„Gesehen habe ich was, Kapitän,“ lautete der Bescheid des Wachehaltenden, -„und zwar gegen Morgen. Als sich der Morgenwind erhob, -blies er tüchtig in die Nebelmassen und trieb sie ein wenig auseinander. -Da habe ich einige hundert Meter von der Insel ein sonderbares Licht -gesehen, es war ein bläulich-grüner Schimmer, der zuweilen aufzuckte -und dann wieder verschwand. Es wiederholte sich noch mehrmals.“ -</p> - -<p> -„Also ein Schiff,“ meinte Kapitän Mors ruhig. „So scheinen die -Gerüchte, die ich vernommen, doch auf Wahrheit zu beruhen. Nun, -mögen meine Gegner nur kommen, sie finden einen heißen Empfang, -ich würde diesmal keine Schonung kennen. Wenn sie mich reizen, will -ich ihnen mal meine Macht zeigen.“ -</p> - -<p> -„Nein, Kapitän, ein Schiff war es nicht,“ fuhr der Wächter fort. -„Der Wind hatte die Nebelmassen völlig verjagt und da hätte ich ein -Schiff sehen müssen, ja selbst einen Gegenstand, der nur so groß wie -ein Boot gewesen wäre. An der Stelle, wo das Licht aufflimmerte, sah -ich nichts als die Gewässer, welche im regelmäßigen Kommen und Gehen -gegen unsere Felsenküste brandeten. Das war ja eben das Sonderbare.“ -</p> - -<p> -„So, so,“ erwiderte Kapitän Mors gedehnt, „und Du hast Dich -nicht getäuscht?“ -</p> - -<p> -„Nein, Kapitän, denn ich habe das Licht immer wieder beobachtet, -bis es endlich verschwand. Im Meere gibt es ja viele Geheimnisse -und da wollte ich Euch schon fragen, ob es nicht ein ungeheures Tier -gewesen sein kann. Gibt es doch sogar elektrisch leuchtende Fische. -Könnte da nicht irgend ein solches Riesentier aus den Tiefen des Meeres -emporgestiegen sein?“ -</p> - -<p> -„Ich bezweifle es,“ erwiderte Kapitän Mors. „Allerdings gibt es -große Fische, die eine Art natürlicher Leuchtapparate besitzen, aber dies -Licht ist doch zu schwach, um in solcher Entfernung bemerkt zu werden. -Auch würden derartige Seeungeheuer, die in ungeheuren Tiefen -leben, alsbald den Tod finden. Schade, daß ich das Licht nicht selbst -gesehen habe, aber ich werde jetzt meine Maßnahmen darnach treffen.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors blieb noch eine ganze Weile bei dem Wächter und -beide Männer blickten auf das Meer, aber die Nebelmassen zogen sich -immer dichter und dichter zusammen. -</p> - -<p> -Der Mann an der Seite des Kapitän Mors schien öfters zusammenzuzucken, -er zitterte krampfhaft und Kapitän Mors schien dies bald zu -bemerken. -</p> - -<p> -„Fühlst Du noch immer die krankhaften Zuckungen in Deinem -Körper?“ fragte er plötzlich. „Ich habe diesen Zustand auch bei Deinen -Gefährten beobachtet, welche die Fahrten im Weltenfahrzeug unternahmen.“ -</p> - -<p> -„Allerdings, Kapitän,“ klang es zurück. „Zeitweise ist es, als ob die -Glieder völlig gelähmt seien, es gibt Stunden, in denen man sich kaum -bewegen kann.“ -</p> - -<p> -„Seltsam,“ murmelte Kapitän Mors. „Weder ich, noch Star oder -Terror haben etwas von diesen Anfällen bemerkt, auch die Töchter des -Ingenieurs und der Astronom sind von solchen Anfechtungen verschont -geblieben. Es scheint, daß nur die Inder unter den Fahrten im -Weltenfahrzeug leiden. Das kommt wohl daher, daß sie aus einem tropischen -Lande stammen, und ihre Körper weniger widerstandsfähig sind, -als die der Europäer.“ -</p> - -<p> -„Ich glaube es auch, Kapitän, aber wir werden uns daran gewöhnen. -Wir werden aushalten, bis wir bei den Fahrten im Weltenraum -dieselbe Widerstandskraft besitzen. Der Mensch gewöhnt sich ja an -alles.“ -</p> - -<p> -„Das ist richtig,“ antwortete Kapitän Mors, „aber ich habe keine -Lust, die Gesundheit meiner getreuen Anhänger zu vernichten. Dabei -bin ich doch auf meine Inder angewiesen. Nun vielleicht wird sich auch -hier Rat schaffen lassen.“ -</p> - -<p> -Das verdächtige Licht zeigte sich nicht mehr und die Nebel blieben. -Die Sonne vermochte nicht, diese grauen Massen zu durchbrechen, -es schien, als hätte eine böse Fee die Insel und das ganze weite -Meer verzaubert. -</p> - -<p> -Kapitän Mors sprach nicht über die Beobachtung des Inders, aber -er ließ alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln treffen. -</p> - -<p> -An den meisten Stellen war ja die Insel völlig unzugänglich und -bot den Anblick einer kolossalen Felsenmasse. -</p> - -<p> -An den wenigen Stellen aber, wo eine Landung möglich schien, -wurden sonderbar aussehende Apparate aufgestellt, die von zuverlässigen -Leuten bedient wurden. -</p> - -<p> -Das waren Zerstörungsapparate, welche dem Erfindungsgenie des -Kapitän Mors ihre Entstehung verdankten. -</p> - -<p> -Diese Apparate konnten auf ziemliche Entfernung hin zerstörend -wirken, sie konnten gepanzerte Schiffe vernichten. Kapitän Mors hatte -keine Lust, ein Betreten seines Reiches zu dulden. -</p> - -<p> -Er gab den Männern, welche die Zerstörungsapparate bedienten, -Vollmacht, daß sie nach ihrem eigenen Gutdünken handeln sollten, -gebot aber, wenn irgend möglich, das Hauptquartier, wie er sein Heim -auf der Insel nannte, beim Erkennen verdächtiger Gegenstände benachrichtigen -zu wollen. -</p> - -<p> -Der Vormittag verging ruhig. -</p> - -<p> -Alle Männer auf der geheimnisvollen Insel beobachteten das Meer, -soweit es eben der durch die Nebelmassen gehemmte Blick erlaubte. -</p> - -<p> -Auch die Männer des Kapitäns meinten, daß irgend ein Anschlag -geplant sei, der möglicherweise mit besonderer Heimtücke in Szene -gesetzt werden würde. -</p> - -<p> -Am Nachmittag begann sich der Wind, der sich völlig gelegt, wieder -zu erheben, er wurde stärker und stärker und entwickelte sich allgemach -zu einem Sturme. -</p> - -<p> -In kurzer Zeit schlugen die Wellen mit fürchterlicher Gewalt gegen -das Klippenufer, es war ein großartiges Schauspiel, wie der Sturm die -Nebelmassen durcheinander schleuderte. -</p> - -<p> -Die Bewohner der Insel kannten solche Naturereignisse. Die dichten -Nebel waren gewöhnlich die Vorboten schwerer Stürme, die sich -zuletzt zu wahrhaft rasenden Orkanen steigerten. -</p> - -<p> -Das schien auch diesmal der Fall zu sein, denn der Wind nahm -derartig zu, daß sich die majestätischen Stämme der Kokospalmen wie -dünne Grashalme bogen, daß die Kronen der Palmen beinahe den Erdboden -berührten. -</p> - -<p> -Aber für die Bewohner der Insel war nichts zu besorgen. -</p> - -<p> -Alle Gebäude waren fest errichtet und an Stellen erbaut, wo sie -gegen den wütenden Sturm Schutz fanden. Die Häuser an der Haupteinfahrt -bestanden aus Stein und konnten selbst dem wütendsten Orkan -Trotz bieten. -</p> - -<p> -Fürchterlich war das Tosen des rasenden Gesellen, das Geheul und -Gebrüll der Brandung, die Wellen schlugen an die Felsenküste, als wollten -sie die Klippen zertrümmern. -</p> - -<p> -„Wenn Feinde von uns draußen sind, geht es ihnen schlecht,“ -sprach Ingenieur Star zu Kapitän Mors. „Mögen sie nun nahen, wie sie -wollen, der Orkan verdirbt ihnen den Spaß. Selbst wenn sie unter dem -Schutze des Nebels die teuflischsten Anschläge geplant hätten.“ -</p> - -<p> -Mors gab keine Antwort, aber er teilte offenbar die Ansicht seines -Gefährten. -</p> - -<p> -Es durfte sich niemand aus den Häusern wagen, der Orkan schleuderte -alles zu Boden. Nur der Luftpirat verließ einige Male sein Hauptquartier, -dieser eiserne Mann trotzte selbst der Gewalt der Elemente. -</p> - -<p> -Der Abend kam und der Orkan wütete mit unverminderter Gewalt -fort, die Nebelmassen aber waren jetzt völlig verschwunden. -</p> - -<p> -Der Sturm hatte sie hinweggefegt und nun bot die See ein Bild, -wie man es selten zu schauen vermochte. -</p> - -<p> -Haushohe Wogen jagten daher, und schlugen mit fürchterlicher -Gewalt gegen die Klippen, die ihnen den Weg versperrten. -</p> - -<p> -Ein salziger Sprühregen flog weit landeinwärts und die Uferfelsen -waren mit weißem Schaum bedeckt, so daß es aussah, als ob Schnee -gefallen wäre. -</p> - -<p> -Da brauchte niemand Wache zu halten. Aber die Leute, welche an -der Hafeneinfahrt wohnten, sahen bis spät in die Nacht auf die See -hinaus und betrachteten mit nie ermüdendem Staunen das prächtige -Spiel der entfesselten Naturgewalten. -</p> - -<p> -Um Mitternacht vernahm Kapitän Mors den Zuruf der beiden -Ingenieure, die jetzt in dem steinernen Hause wohnten. -</p> - -<p> -„Kapitän, Kapitän,“ rief Terror, indem er an die Tür klopfte. „Wir -haben eben draußen auf der See ein grünlich-blaues Licht gesehen. Es -ist gerade, als ob da ein Fahrzeug von den empörten Wogen hin- und -hergeschleudert wird. Aber merkwürdiger Weise ist kein Schiff zu erblicken.“ -</p> - -<p> -In wenigen Augenblicken stand Kapitän Mors am Fenster. -</p> - -<p> -Da sah er auch den seltsamen Lichtschimmer, der ab und zu aufblitzte. -Er zog an der Klippeninsel vorüber und es schien, als wolle er -jene Stelle erreichen, wo die Felsen direkt senkrecht aus dem Meere -emporstiegen. -</p> - -<p> -„Es wird etwas von den Wogen dahingetrieben,“ sprach Kapitän -Mors, „der Wächter, den ich heute morgen sprach, dachte an einen -riesigen Fisch, aber das halte ich für ausgeschlossen, ich muß das unbekannte -Ding für Menschenwerk halten.“ -</p> - -<p> -Mors hatte das Fenster aufgerissen. -</p> - -<p> -Zu sehen war nichts mehr, man vernahm nur das Brüllen der Wogen, -das gräßliche Sausen und Heulen des Sturmes, das Knarren und -Aechzen der Palmen, die sich unablässig unter den anstürmenden Orkanstößen -neigten. -</p> - -<p> -So ging die Nacht vorüber und gegen Morgen brach sich die Gewalt -der Elemente, der Orkan tobte nicht mehr, aber die Wellen brandeten -noch mit aller Macht gegen die Steilklippen. -</p> - -<p> -Auf der geheimnisvollen Insel pflegte man nach solchen furchtbaren -Stürmen immer die Küste abzusuchen, da es nicht selten vorkam, -daß alsdann Trümmer angeschwemmt wurden. -</p> - -<p> -Oft genug fand man Eingeborenen-Canots von den benachbarten -Inseln oder vielmehr die Trümmer dieser sonst ziemlich seetüchtigen -Fahrzeuge. -</p> - -<p> -Es war jetzt hell genug geworden, aber ein feiner Regen rieselte -hernieder. -</p> - -<p> -Kapitän Mors, die Ingenieure und einige Inder hüllten sich in ihre -wasserdichten Regenmäntel und machten sich daran, den Klippenstrand -der geheimnisvollen Insel zu umschreiten. -</p> - -<p> -Unwillkürlich verfolgte Kapitän Mors den Weg nach dem nordöstlichen -Strand und wendete sich der Stelle zu, wohin das blaugrüne Licht -getrieben wurde. -</p> - -<p> -Einer der Inder, ein junger, sehr leichtfüßiger Mann, war eine Strecke -voraus und erstieg gerade mit großer Behendigkeit die Klippen. -</p> - -<p> -Da richtete sich der Mann plötzlich empor. -</p> - -<p> -„Kapitän, Kapitän,“ schrie er, mit den Armen gestikulierend. -„Kommt rasch, rasch, hier ist etwas Seltsames zwischen die Klippen -geklemmt und da sind auch Menschen!“ -</p> - -<p> -Es war kein Wunder, daß dieser Zuruf Kapitän Mors und dessen -Begleiter zur größten Eile veranlaßte. -</p> - -<p> -Sie rannten um die Wette, klommen an den Klippen empor und -schauten in eine Art Bai hinunter. -</p> - -<p> -Diese war ganz von Klippen angefüllt und dort lag in der Tat etwas -Merkwürdiges. -</p> - -<p> -Es erschien fast wie ein riesiger Fisch von ungeheuren Dimensionen, -wie ein gestrandetes Ungeheuer, an dessen Seiten die Wogen brandeten. -</p> - -<p> -Gischt und Wogenschaum gingen über das sonderbare Ding hinweg, -so daß es nur selten den Blicken sichtbar wurde. -</p> - -<p> -„Das ist kein Meeresungeheuer,“ rief Kapitän Mors plötzlich. „Das -ist Menschenwerk, ein Fahrzeug, welches sicherlich aus Metall hergestellt -ist. Nein, ich täusche mich nicht, das ist ein Unterseeboot.“ -</p> - -<p> -„Von dem ist das geheimnisvolle Licht ausgegangen,“ ergänzte -Terror. „Kapitän, die dort hatten nichts Gutes im Sinne. Es war auf uns -abgesehen, das Unterseeboot wollte jedenfalls die Bewohner unserer -Insel angreifen. Jetzt ist das Ding gescheitert und die Wellen werden es -allmählich in Stücke zerschlagen.“ -</p> - -<p> -„Das mag sein,“ erwiderte Kapitän Mors. „Aber jetzt müssen wir -sehen, daß wir die Menschen dort auf die Insel schaffen. Das gebietet -die Menschlichkeit, selbst, wenn diese Leute feindliche Absichten hegen. -Was dann mit diesen Leuten geschehen wird, werde ich noch bestimmen. -Sie befinden sich jetzt in größter Not und sind dem Untergang -nahe.“ -</p> - -<p> -Es war in der Tat ein großes Unterseeboot, welches der furchtbare -Sturm zwischen die Klippen getrieben hatte. -</p> - -<p> -Da lag es festgeklemmt und ragte gleich einem kolossalen Ungeheuer -aus den Wogen empor. -</p> - -<p> -Seine Lage aber brachte es mit sich, daß eine Anzahl Menschen, -die sich zweifellos im Innern befunden hatten, eine hoch aus dem Wasser -emporragende Klippe erreichen konnten. -</p> - -<p> -Da hockten sie in verzweifelter Lage, bis auf die Haut durchnäßt, -Gischt und Wogenschaum ging über sie hinweg, und die Brandung -drohte diese Leute mit sich fortzureißen und ihre Körper an den zackigen -Klippen zu zerschmettern. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br /> -Die Mannschaften vom Unterseeboot. -</h2> - -<p class="first"> -Kapitän Mors legte beide Hände an den Mund, so daß sie gleichsam -ein Sprachrohr bildeten. -</p> - -<p> -„Haltet aus!“ schrie er mit mächtiger Stimme, die den Donner der -Wogen übertönte. „Klammert Euch fest, es kommt Hilfe!“ -</p> - -<p> -Auf der geheimnisvollen Insel befanden sich nicht nur Zerstörungs-, -sondern auch Rettungsapparate. -</p> - -<p> -Kapitän Mors schickte den schnellfüßigen Inder nach dem Hauptquartier -mit dem Befehl, daß einer der Rettungsapparate herbeigeschafft -werden sollte. -</p> - -<p> -Dieser war ganz nach der Art erbaut, wie man solche an den europäischen -Meeresküsten verwendete. Es war ein Raketenapparat mit Stricken -und Körben, die mittels Rollen auf dem Seil bewegt werden konnten. -</p> - -<p> -Es dauerte noch eine halbe Stunde, aber dann war der mit dem -Rettungsapparat beladene Wagen zur Stelle. -</p> - -<p> -Zuerst wurde eine Art Mörser auf die Klippen gestellt, und mit -einer Rakete geladen. -</p> - -<p> -An diese Rakete war ein dünnes Tau befestigt und Kapitän Mors -feuerte den Mörser so geschickt ab, daß die lange Leine bis zu der von -den Schiffbrüchigen besetzten Klippe hinüberflog. -</p> - -<p> -Die gestrandeten Mannschaften begriffen sofort, was da vorging -und mochten ähnliche Rettungsapparate kennen. -</p> - -<p> -Sie ergriffen die Leine und zogen sie an, auf diese Weise zogen sie -ein dickes, an die Leine gebundenes Tau zur Klippe hinüber. -</p> - -<p> -Das Ende dieses sehr festen und widerstandsfähigen Taues wurde -an den Felsen befestigt, und so war eine Verbindung zwischen der Klippe -und dem festen Lande hergestellt. Man brauchte nur noch den auf -Rollen laufenden Korb hinüberzusenden, um die Schiffbrüchigen einen -nach dem andern auf die geheimnisvolle Insel zu holen. -</p> - -<p> -Da das Tau in etwas abschüssiger Richtung nach der Klippe hinabführte, -rollte der Rettungskorb leicht hinunter. -</p> - -<p> -Zwei der halberstarrten Männer stiegen ein und wurden mittelst -einer Leine, die am Korb befestigt war, von den Indern auf den Felsenstrand -der Insel herübergezogen. -</p> - -<p> -Dort reichte man ihnen sofort wollene Decken, während der Rettungskorb -schon wieder nach der Klippe hinunterrollte. -</p> - -<p> -Auf diese einfache Art und Weise wurden im Verlauf von kaum -einer halben Stunde die sämtlichen zehn Männer, welche sich auf der -Klippe befanden, auf die Insel gebracht. -</p> - -<p> -Kapitän Mors betrachtete die Geretteten, die vor Kälte und Nässe -fast erstarrt waren und sich in einem ganz jämmerlichen Zustande befanden. -</p> - -<p> -Je zwei Inder faßten einen der Geretteten unter den Arm, da sie -dieselben nur auf diese Weise aufrecht zu erhalten vermochten. -</p> - -<p> -Nun ging es landeinwärts, nach einem der in den Klüften erbauten -Gebäude, in denen die Schiffbrüchigen einstweilen Unterkunft finden -sollten. -</p> - -<p> -Dort wurden sie ihrer triefend nassen Kleidung entledigt und ihnen -einige warme, behagliche Lagerstätten hergerichtet. -</p> - -<p> -Die Leute ließen alles mit sich geschehen, ganz wie kleine, hilflose -Kinder, sie waren zu Tode erschöpft und nicht imstande, einen Laut -hervorzubringen. -</p> - -<p> -Todmüde mußten sie sein, da sie alsbald in eine Art Totenschlummer -verfielen und regungslos zwischen den wollenen Decken lagen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors bestellte sofort eine Anzahl seiner Inder als Wächter. -</p> - -<p> -Er gab ihnen den Befehl, die Geretteten zu bewachen und wenn -sie das Bewußtsein erlangten, belebendes Getränk und Speisen zu reichen. -</p> - -<p> -Zugleich aber sollten ihn die Inder von dem Erwachen der Geretteten -benachrichtigen. -</p> - -<p> -Darauf begab sich der Luftpirat in das Hauptquartier zurück, -nachdem er vorher die Stelle des Schiffsbruchs besichtigt hatte. -</p> - -<p> -Das große Unterseeboot war schon halb zertrümmert und Kapitän -Mors war überzeugt, daß es in wenigen Stunden der Wut der Wellen -zum Opfer gefallen sein würde. -</p> - -<p> -Der Rest des Tages verging, und es kam die Nacht, Kapitän Mors -erhielt zeitweise Nachrichten, aber es wurde ihm gemeldet, daß die -Schiffbrüchigen noch immer in totenähnlichem Schlafe lägen. -</p> - -<p> -Erst am nächsten Morgen wurde gemeldet, daß sie erwacht seien -und daß man ihnen Speise und Trank gereicht hätte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors begab sich sofort in das Gebäude, welches den Gestrandeten -zum Aufenthalt diente. -</p> - -<p> -Die zehn Männer waren bei voller Besinnung, saßen auf ihren -Lagerstätten und blickten mit einiger Neugier, vor allen Dingen aber -auch mit einer gewissen Scheu auf den Mann mit der Maske. -</p> - -<p> -Sie mochten vielleicht an ihr zukünftiges Schicksal denken und -über dasselbe in Sorge sein. Kapitän Mors aber las in den Augen dieser -Männer. -</p> - -<p> -„Es war auf mich abgesehen, kein Zweifel,“ murmelte er. „Das galt -mir! Diese Männer haben jetzt Sorge, daß ich sie zur Verantwortung -ziehen möchte. Sie fürchten für ihr Leben.“ -</p> - -<p> -Der Maskierte trat näher und heftete seine Feueraugen auf die -geretteten Mannschaften. -</p> - -<p> -Er war überzeugt, daß sich kein Offizier darunter befand, sondern -daß er nur die gewöhnliche Besatzung des gescheiterten Fahrzeuges -gerettet hatte. -</p> - -<p> -„Nun?“ fragte Kapitän Mors mit eiserner Strenge, während seine -durchdringenden Augen auf den Leuten hafteten. „Wie kommt Ihr -denn hierher? Was hattet Ihr am Strande meiner Insel zu tun?“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors hatte die Leute französisch angesprochen und sah -sofort, daß er verstanden wurde. -</p> - -<p> -„Ja, was können wir dafür,“ erwiderte einer der Männer, der jetzt -das Wort ergriff und den die andern wohl stillschweigend als den Sprecher -betrachteten. „Wir sind Matrosen und Mechaniker, wir mußten -gehorchen. Wir haben gar keine Ahnung gehabt, um was es sich handelte, -als wir von Saigon hierher beordert wurden. Unsere Offiziere, die -haben es freilich besser gewußt, sie hatten geheime Befehle empfangen. -Aber die Offiziere sind tot. Als das Unterseeboot gegen die Felsen stieß, -wurden sie, da sie sich im vorderen Räume nahe der Torpedokammer -befanden, buchstäblich zerquetscht. Wir befanden uns im Achterteil des -Fahrzeuges und konnten uns, da der Metallrumpf auseinanderklaffte, im -letzten Moment auf die Klippe zu retten.“ -</p> - -<p> -„Wie hieß das Fahrzeug?“ fragte Kapitän Mors. -</p> - -<p> -„Der „Fliegefisch“,“ schallte es zurück. „Das Unterseeboot gehörte -zur Flotte, die die Häfen Tonkins besetzt hält, dort war die Order gekommen -und da wurde der „Fliegefisch“ in die Südsee dirigiert. Wir -sind hier schon eine Woche herumgefahren, ehe uns das Unglück ereilte.“ -</p> - -<p> -„Das war also das seltsame Licht,“ murmelte Kapitän Mors. „Dies -rührte vom Unterseeboot her, das zur Spionage abgesandt worden war. -Also hatten es auch mal die Franzosen auf mich abgesehen. Nun, es ist -ja ein vergebliches Bemühen. Die Offiziere des Unterseeboots sind tot -und die gerettete Mannschaft kann nicht dafür, daß die Vorgesetzten -das Fahrzeug an diese Küste schickten. Was soll ich mit den Leuten -anfangen? Gesehen haben sie nichts. Ich hätte fast Lust, sie mit einem -Eingeborenenboote über kurz oder lang nach Australien zu senden. -Aber, das ist auch eine zweifelhafte Sache. Weiter hinten wohnen noch -kannibalische Stämme, da könnten die Leute in die Hände der Menschenfresser -fallen.“ -</p> - -<p> -Star trat heran. -</p> - -<p> -„Freilassen dürft Ihr sie nicht, Kapitän,“ flüsterte er. „Wenn sie -auch nicht viel gesehen haben, können sie doch über manches, was hier -auf der Insel vorgeht, Auskunft geben. Ihr wißt ja, was Ihr gesagt habt, -wenn ein Fremdling die Insel betritt, so bleibt er zeitlebens ein Gefangener.“ -</p> - -<p> -„Nun, das werden wir sehen,“ meinte Kapitän Mors. „Vorläufig -kann ich noch keine Entscheidung treffen. Die Männer werden aufs -schärfste bewacht, sonst aber mit allem versehen, was sie nur bedürfen. -Das Haus hier werden sie unter keinen Umständen verlassen, wenigstens -nicht ohne meine Erlaubnis.“ -</p> - -<p> -Damit wendete sich Kapitän Mors zur Tür. -</p> - -<p> -„Hört, hört, Herr,“ rief ihm der Wortführer der Geretteten nach. -„Was geschieht mit uns? Hat man unseren Tod beschlossen?“ -</p> - -<p> -„Ich lasse nicht nutzlos morden,“ gab Mors zurück und verließ -unmittelbar darauf das Zimmer. -</p> - -<p> -Das war freilich ein schlechter Trost und die Schiffbrüchigen schienen -über ihr Schicksal in Unruhe zu geraten. Sie flüsterten zusammen -und warfen besorgte Blicke auf die bewaffneten Inder, die wie Statuen -ihr Wächteramt verrichteten. -</p> - -<p> -Am nächsten Morgen wurde Kapitän Mors gemeldet, daß ihn die -Geretteten wieder zu sprechen wünschten. -</p> - -<p> -„Sie haben sich alle gut erholt,“ meinte Star, der diese Botschaft -brachte. „Es sind alles kräftige, stattliche Kerle. Sechs von ihnen stammen -aus der Normandie, die anderen vier sind Irländer. Sie verstehen -übrigens sämtlich etwas von der Mechanik und vom Ingenieurwesen, -das habe ich durch allerhand Fragen herausbekommen. Wenn sie Gefangene -bleiben, können sie uns möglicherweise gute Dienste leisten.“ -</p> - -<p> -„Das wird sich finden,“ erwiderte Kapitän Mors. „Mein Entschluß -ist noch nicht gefaßt. Ich werde jetzt mit den Leuten sprechen.“ -</p> - -<p> -Eine halbe Stunde später stand Kapitän Mors vor den Geretteten, -die mit scheuen Mienen auf den Mann schauten. -</p> - -<p> -Sie trauten offenbar dem Frieden nicht und meinten, das Abenteuer -möchte übel enden, sie fürchteten, daß Kapitän Mors den Befehl zu -ihrer Hinrichtung geben möchte. -</p> - -<p> -„Nun, was begehrt Ihr?“ fragte der Maskierte. „Was habt Ihr für -ein Anliegen?“ -</p> - -<p> -Der Sprecher der Schiffbrüchigen war ein Irländer, der sich Wilkes -nannte. -</p> - -<p> -Er schien auf dem Unterseeboot als Steuermann gedient zu haben -und war offenbar ein sehr geschickter Mensch, der Kapitän Mors gute -Dienste leisten konnte. -</p> - -<p> -„Ich wollte eine Bitte an Euch richten, Herr,“ begann Wilkes in -recht demütigem Tone. „Wir wissen, daß wir uns auf einer Insel befinden, -auf die man schwer hinauf, aber wohl noch schwerer hinunterkommt. -Wir sind alles Leute hier, die was gelernt haben und viel von -der Technik und dem Ingenieurwesen verstehen. Ihr wißt sicherlich, daß -nur solche Leute zum Dienst auf den Unterseebooten zugelassen werden.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors neigte den Kopf, als Zeichen der Zustimmung. -</p> - -<p> -„Dienen tut keiner gern,“ fuhr Wilkes fort. „Aber heutzutage muß -man ja froh sein, wenn man nur Beschäftigung findet. Der Dienst auf -dem Unterseeboot ist schwer, aufreibend und gefährlich. Da es nun mal -das Schicksal so gefügt hat, daß wir hier auf dieser Insel stranden sollten, -so bitte ich Euch im Namen meiner Kameraden, uns gewissermaßen -in Eure Dienste aufzunehmen. Wir wollen uns nützlich machen, so -gut wir können, wir versprechen fleißig zu arbeiten und das, was wir -gelernt haben, zu Eurem Nutzen anzuwenden. Dafür bitten wir nur, -daß uns das Leben geschenkt wird. Wenn wir diese Gewißheit haben, -sind wir schon glücklich und zufrieden.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors war nie grausam und die Unterwürfigkeit dieser -Leute machte auf ihn einen gewissen Eindruck. -</p> - -<p> -Aber, es kam auch noch etwas anderes hinzu. Ihm war eben ein -Gedanke durchs Hirn gezuckt. Blitzartig, wie alle jene Entschlüsse, die -der Luftpirat faßte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors plante nämlich eine neue Reise mit dem Weltenfahrzeug. -</p> - -<p> -Da hatte er aber bei seinen letzten Fahrten zu seinem Verdruß -bemerkt, daß die Inder, seine treuen Gefährten, unter den ungewohnten -Strapazen litten. -</p> - -<p> -Jedenfalls war es ihre Konstitution und die Gewöhnung an das -tropische Klima, welche die Folgen der seltsamen Reisen so nachteilig -auf sie wirken ließ. Die Inder kränkelten und es zeigten sich bei ihnen -seltsame Nervenzuckungen. Es war zweifellos, daß sie sich an die abenteuerlichen -Fahrten im Weltenraum erst gewöhnen mußten. -</p> - -<p> -Da Star oder Terror aber abwechselnd auf der Insel zurückbleiben -mußten, so hatte Mors nur einen einzigen Mann, der ihm bei der Bedienung -der Maschinen zur Hand gehen konnte, das war aber völlig -ungenügend. -</p> - -<p> -Zwar hatte er noch die beiden Töchter des Ingenieurs als Gehilfinnen -zur Verfügung, aber das waren doch nur Mädchen, und Kapitän -Mors dachte viel zu edel, als daß er die beiden, die so treu an ihm hingen, -mit schwerer Arbeit überbürdet hätte. -</p> - -<p> -Da kam ihm der Gedanke, das Angebot der Mannschaft des Unterseeboots -zu benutzen. Das waren Leute, die er gebrauchen konnte, -die verstanden, mit Maschinen umzugehen, die waren zäh und widerstandsfähig, -das hatten sie schon bei der Strandung auf den Klippen -bewiesen. -</p> - -<p> -Prüfend sah er sie an und musterte sie mit seinen feurigen Augen. -</p> - -<p> -„Wenn ich ein Uebriges tun würde?“ sprach er langsam. „Wenn -ich Euer Leben schone, Euch mit allem Nötigen versehe, und Ihr für -Eure Dienste außerdem eine besondere Belohnung erhaltet?“ -</p> - -<p> -„O, dann könnt Ihr mit uns machen, was Ihr wollt,“ rief Wilkes -hocherfreut. „Dann tun wir für Euch, was Ihr nur verlangt, dann gehen -wir, wenn es nötig ist, mit in die Hölle.“ -</p> - -<p> -„Es ist gut,“ erwiderte Mors mit schnellem Entschluß. „Ich nehme -Euch beim Wort. Zwei von Euch werden auf dieser Insel zurückbleiben -und mir gewissermaßen als Geiseln -für Euer Wohlverhalten dienen. Diese Männer werden bewacht, -aber sie sollen nichts entbehren. Acht von Euch will ich zu einer geheimnisvollen -Reise mitnehmen und zusehen, ob Ihr mir wirklich so -nützlich seid, wie Ihr es versprecht. Seid Ihr das, so könnt Ihr auf meinen -Dank rechnen. Eurer Los ist dann gesichert, Ihr könnt später im -Ueberfluß leben, Ihr braucht nichts zu entbehren. Ihr könnt nach längerer -Prüfung sogar unter meine Gefährten aufgenommen werden. Wenn -Ihr das wollt, so sollt Ihr mir den Eid der Treue leisten.“ -</p> - -<p> -„Wir wollen es, wir wollen es,“ riefen die Leute, wie aus einem -Munde, während sie förmlich jubilierten. „Wir haben es ohnehin -schlecht genug gehabt, unsere Offiziere waren Tyrannen, da sind wir -drangsaliert und im Unterseeboot härter wie Gefangene gehalten worden. -Diese Knechtschaft haben wir satt, wir wollen Euch treulich dienen, -Euch überall hin begleiten. Wir schwören es, wir gehen mit Euch, -selbst in die Hölle.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br /> -Auf der Reise in unbekannte Fernen. -</h2> - -<p class="first"> -Acht Tage nach dem Scheitern des Unterseebootes war alles in Ordnung. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug wartete nur auf seine Besatzung, um sich in -die Lüfte erheben zu können. Die Gestrandeten aber hatten ihre Kräfte -wieder erlangt und erklärten sich immer wieder bereit, Kapitän Mors bis -in die entferntesten Gegenden zu begleiten. -</p> - -<p> -Sie hatten ihm Treue geschworen und willig den furchtbaren Eid -geleistet, der sie mit den Gefährten des Maskierten vereinigte. -</p> - -<p> -Wohin es ging, wußten sie freilich nicht, das hatte Kapitän Mors -ihnen nicht gesagt, er hatte nicht einmal vom Weltenfahrzeug gesprochen. -</p> - -<p> -Wohl aber ließ er die Leute durch Star und Terror aushorchen -und die Männer gaben willig über alles Auskunft. -</p> - -<p> -Da kam es denn heraus, daß sie von Kapitän Mors wenig genug -wußten. -</p> - -<p> -Ihre Offiziere hatten zu ihnen gesagt, daß man die Geheimnisse -einer Felseninsel ausspüren wollte, auf der ein Mann sein Wesen trieb, -den man als den größten Feind der Menschheit bezeichnete. -</p> - -<p> -Ferner hatten die Leute einige Geschichten von dem lenkbaren -Luftschiff gehört, welches hier und da auf Erden auftauchte und allgemein -als der Schrecken des Erdballs bezeichnet wurde. -</p> - -<p> -Aus den Reden der Männer ging hervor, daß sie auf eine Reise mit -dem lenkbaren Luftschiff rechneten, ja, daß sie sich auf eine solche -wunderbare Reise freuten. -</p> - -<p> -Star und Terror waren Menschenkenner und beobachteten die -Schiffbrüchigen unablässig. Sie suchten über deren Charakter ins Klare -zu kommen. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ sprach Terror, als er am siebenten Tage dem Luftpiraten -Bericht erstattete. „Die sechs Männer aus der Normandie sind offenbar -recht zuverlässig und gut zu gebrauchen. Ich denke, sie werden uns -noch die besten Dienste leisten. Die vier Irländer sind noch geschickter -als die Franzosen, aber sie erscheinen mir verschmitzter und wortkarger. -Denen ist nicht so zu trauen.“ -</p> - -<p> -„Sie haben den Treueid geleistet,“ erwiderte Kapitän Mors. „Sie -sehen, daß sie nicht von mir tyrannisiert werden. Ich glaube, sie werden -ebenso gute Dienste leisten wie die Leute aus der Normandie, indessen -werden zwei von den Irländern zurückbleiben. Die beiden anderen nehme -ich mit, darunter Wilkes und Penn. Der eine ist Steuermann, der -andere Ingenieurmaat auf dem Unterseeboot gewesen. Ich will diese -Männer zum Bedienen der Maschinen im Weltenfahrzeug verwenden.“ -</p> - -<p> -„Na, die werden staunen,“ meinte Terror, der diesmal Kapitän -Mors auf die Fahrt im Weltenraum begleiten sollte. „Sie glauben nämlich, -daß es eine Fahrt im lenkbaren Luftschiff ist, und da werden sie -sich nicht wenig verwundern, wenn wir sie in das metallne Fahrzeug -führen. Davon haben sie übrigens nicht das geringste erfahren. Sie wissen -gar nicht, daß wir ein Weltenfahrzeug besitzen.“ -</p> - -<p> -„Desto besser,“ erwiderte Kapitän Mors. „Sie sollen ja ohnehin bei -Nacht und Nebel das Weltenfahrzeug besteigen und vorerst, außer dem -Maschinenraum, wenig von dem Innern des Weltenfahrzeuges zu Gesicht -bekommen. Du wirst natürlich das Kommando über diese Männer -übernehmen und sie allgemein in die Handgriffe und das Wesen der -Maschinen einweihen. Die Leute sind jetzt völlig bei Kräften und wir -wollen in übernächster Nacht emporsteigen. Der Professor und die -Töchter des Ingenieurs sind bereits benachrichtigt. Der Astronom ist -ganz glücklich, daß er wieder die Wunder der Sternenwelt betrachten -darf; van Haalen kann die Zeit der Abfahrt kaum erwarten.“ -</p> - -<p> -Am übernächsten Abend war alles bereit. -</p> - -<p> -Zwei der Irländer sollten zurückbleiben, was sie nur sehr ungern -taten, sie baten und flehten, daß sie an der Reise teilnehmen durften, -aber Kapitän Mors blieb hier unerbittlich. Er wollte nur acht Männer -von den Geretteten mit sich nehmen. -</p> - -<p> -Die Inder blieben diesmal sämtlich zurück, Kapitän Mors ließ -nicht einmal den treuen Lindo an der geheimnisvollen Fahrt teilnehmen. -</p> - -<p> -Das geschah aus Sorge um die Gesundheit der Inder, die ja unablässig -kränkelten und oft die seltsamsten Nervenzuckungen zeigten. -</p> - -<p> -Bei den Europäern war dies nicht der Fall und Kapitän Mors hoffte, -daß die neuen Mannschaften genau solche Widerstandsfähigkeit -zeigen würden, wie Star und Terror und seine übrigen europäischen -Begleiter. -</p> - -<p> -Das sollte die bevorstehende Reise zeigen. -</p> - -<p> -Um Mitternacht wurden diese acht Leute abgeholt und von Kapitän -Mors und einigen Indern nach dem großen Felsenkrater geführt, in -dem die Halle für das große Weltenfahrzeug erbaut war. -</p> - -<p> -Die Leute machten große Augen, als sie den riesigen Metallkörper -gewahrten. -</p> - -<p> -„Ist denn das das lenkbare Luftschiff?“ hörte Kapitän Mors den -einen murmeln. „Wenn es das ist, so sieht es sonderbar genug aus. Das -hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Als einen Metallkörper, der mit -einem ungemein leichten Gas gefüllt ist, mit Anbauten. Aber das Ding -sieht ja aus, als solle man ins Innere hineinsteigen.“ -</p> - -<p> -Das Erstaunen der Männer wuchs, als sie durch die luftdicht zu -verschließenden Doppeltüren in das Innere des Fahrzeuges steigen mußten. -Sie rissen die Augen weit auf, als der Maskierte sie in den sogenannten -Maschinenraum geleitete. -</p> - -<p> -Da war der Lenkapparat, da standen die sonderbaren Maschinen, -die auf den riesigen Diamanten montiert waren. Maschinen, wie sie die -Männer noch nie gesehen hatten und deren Anblick ihnen Rufe des -Erstaunens entlockte. -</p> - -<p> -Der Professor, die beiden Mädchen und Terror befanden sich -schon an Bord des Weltenfahrzeugs und Kapitän Mors hatte von den -Zurückbleibenden kurzen Abschied genommen. -</p> - -<p> -Nun schloß er die Türen und begab sich mit Terror nach dem -Lenkraum, wo die acht Leute vom Unterseeboot ganz verdutzt die wunderbaren -Maschinen beguckten. -</p> - -<p> -„So, das ist Euer künftiger Wirkungskreis,“ sprach Kapitän Mors. -„Hier werdet Ihr beschäftigt. Hier, Terror, ist mein Ingenieur, der wird -Euch nach und nach in alles einweihen. Ihm sollt Ihr helfen und alle -seine Befehle und Weisungen getreulich erfüllen. Auf gute Behandlung, -auf reichliche, ja luxuriöse Verpflegung könnt Ihr rechnen. Nun tut -Eure Pflicht, wie Ihr es gelobt habt und denkt an Euren Eid, dann werdet -Ihr über nichts klagen können.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors setzte den Lenkapparat und den Riesenmagneten in -Bewegung. -</p> - -<p> -Man vernahm das Surren und Brummen der Maschinen, zu gleicher -Zeit stieg das Weltenfahrzeug majestätisch in die Höhe. -</p> - -<p> -„Sagt, Kapitän,“ rief Wilkes im maßlosesten Erstaunen, „ist denn -dies hier das lenkbare Luftschiff, welches Euch so berühmt gemacht -hat?“ -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte Kapitän Mors. „Es ist das Weltenfahrzeug. Ich -besitze zwei Fahrzeuge, die ich erbaut habe, das lenkbare Luftschiff, -welches auf der Insel zurückgeblieben ist. Damit bewegte ich mich im -Luftkreis der Erde. Aber dieses Fahrzeug hier ist der „Meteor“, welcher -den Weltenraum durchfliegt. An Bord desselben tut Ihr jetzt Eure -Dienste.“ -</p> - -<p> -Die Männer waren sprachlos vor Staunen, aber sie zeigten sich -willig, besonders waren es die Leute aus der Normandie, die sich rasch -in das Rätselhafte und Geheimnisvolle zu finden wußten. -</p> - -<p> -Sie zeigten sich sehr geschickt und griffen überall zu, auch die -beiden Irländer blieben in ihren Leistungen nicht zurück. -</p> - -<p> -Wilkes und Penn aber wechselten zuweilen bedeutungsvolle Blicke -und benutzten jeden Augenblick, wo sie sich unbeobachtet glaubten, -um leise mit einander zu flüstern. -</p> - -<p> -Kapitän Mors weihte die Leute in die Handhabung der Maschinen -ein; aber er verriet ihnen noch nicht alle Geheimnisse des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Er zeigte ihnen die Maschinen, ferner die Instrumente, welche -anzeigten, an welchem Ort sich das wunderbare Fahrzeug befand. Er -erklärte ihnen den Höhenmesser und die Maschine, welche die Entfernungen -angab, er zeigte den Staunenden, mit welch rasender Geschwindigkeit -sie jetzt von dannen sausten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors erntete Bewunderung, denn diese Leute verstanden -die Wissenschaft eines Ingenieurs zu schätzen. Kapitän Mors erschien -ihnen, wie der König der Ingenieure. -</p> - -<p> -Die alleinigen Ausnahmen machten Wilkes und Penn, die fanden, -wie alle Irländer, bald ihre Ruhe und Gleichgültigkeit wieder. -</p> - -<p> -Sie betrachteten all dieses Sonderbare hier mit der Miene von -Männern, die sich in alles zu finden wissen und machten sich im übrigen -ebenso nützlich, wie ihre anderen Gefährten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors bemerkte mit innerer Zufriedenheit, daß die Leute -unter den veränderten Verhältnissen nicht im mindesten zu leiden schienen. -</p> - -<p> -Bei den Indern hatten sich jedesmal Störungen gezeigt, wenn eine -solche Reise angetreten wurde. Da klagten sie über Kopfschmerz, über -Schwindel, über fürchterliches Ohrensausen. -</p> - -<p> -Die Leute aber hier, welche im Unterseeboot gearbeitet, zeigten -sich lustig und guter Dinge und meinten, daß solche Reise etwas Wunderbares -sei und daß sie an dieser Fahrt großes Vergnügen empfänden. -</p> - -<p> -Kapitän Mors wollte diesmal im Weltenfahrzeug den ganzen Erdball -umkreisen, aber außerhalb der Luftzone die Fahrt unternehmen. -</p> - -<p> -Da gedachte er nochmals die magnetischen Strömungen zu studieren, -ferner wollte er die seltsamen Geschöpfe beobachten, die an den -Grenzen des Luftozeans einstmals von ihm entdeckt wurden. -</p> - -<p> -War diese Rundfahrt vollendet, so wollte Kapitän Mors den Riesenmagneten -der Erde zuwenden und dann mit furchtbarer Geschwindigkeit -zum Trabanten unserer Erde, zu dem noch so viele Rätsel bergenden -Monde fliegen. -</p> - -<p> -Die ersten zwei Tage und Nächte gingen ohne Störungen vorüber. -</p> - -<p> -Die neue Mannschaft wechselte mit Wachen und Schlafen ab, so -daß immer vier Mann im Maschinenraum beschäftigt waren. -</p> - -<p> -Ebenso wechselte Kapitän Mors mit Terror im Wachen und Schlafen -ab, die beiden Männer bedienten die geheimnisvollen Maschinen, -während das Weltenfahrzeug mit furchtbarer Geschwindigkeit durch die -Räume sauste. -</p> - -<p> -Am dritten Tage wurde Kapitän Mors wieder durch Terror abgelöst -und betrat den Maschinenraum, in dem die Hälfte der neuen -Mannschaft hantierte. -</p> - -<p> -Wilkes war da, auch Penn und noch zwei von den Franzosen. -</p> - -<p> -Als Kapitän Mors hereintrat, schwenkte Wilkes seine Mütze. -</p> - -<p> -„Ein Hoch für den Luftpiraten!“ schrie er, während seine drei Genossen -mit dröhnender Stimme in den Ruf mit einstimmten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors sah die Leute befremdet an. -</p> - -<p> -Er wunderte sich nicht darüber, daß sie seinen Beinamen kannten, -denn der war ja über die ganze Erde verbreitet. Er staunte nur, daß sie -ihn mit solchem Beifall empfingen. -</p> - -<p> -Da trat Wilkes auf ihn zu. -</p> - -<p> -„Ja, so ist es, Kapitän, wir haben Euch so genannt, denn wir wissen -ja, daß Ihr Euch selber so genannt habt, und da werdet Ihr nicht -böse sein. Aber ich hätte Euch einen Vorschlag zu machen.“ -</p> - -<p> -„Nun, was willst Du?“ fragte Kapitän Mors, der auch jeden der -neuen Mannschaft mit Du anredete. „Was hast Du für ein Begehr?“ -</p> - -<p> -„Kapitän, in diesem neuen Fahrzeug seid Ihr ja ein Herr der Welt,“ -rief Wilkes, der große Begeisterung zeigte. „Mit diesem sonderbaren -Wunderwerk könnt Ihr Euch ein Königreich erobern. Dann braucht Ihr -bloß Eure Zerstörungsmaschinen anzuwenden und morgen ist ein Fürstentum -Euer, vielleicht Neu-Seeland oder eine andere große Insel. Mit -Euren Erfindungen werdet Ihr es so weit bringen, daß Euch der ganze -Erdball Tribut zahlen muß, daß Ihr die Geschichte der Völker bestimmt, -daß sie Euren Weisungen gehorchen müssen. Wir wollen dann -alle Eure Befehle ausführen.“ -</p> - -<p> -„Das heißt also, ich soll gewissermaßen ein Unterdrücker werden?“ -meinte Mors mit großer Ruhe. -</p> - -<p> -„Ja, das ist der Welt Lauf,“ schrie Wilkes, dessen Augen seltsam -funkelten. „Es ist ein altes Sprichwort, wer die Macht besitzt, der hat -auch das Recht. So ist es auf Erden immer gegangen. Der Starke hat -seine Kraft benutzt, und den Vorteil davon gezogen. Wir haben Euch -Treue geschworen, Kapitän, und wir helfen Euch ein Fürstentum zu -erobern. Allerdings werdet Ihr Widerstand finden, aber den sollen die -Zerstörungsmaschinen besiegen. Also, hört auf meinen Vorschlag. Laßt -die Himmelsräume sein, auf den Sternen und Planeten ist nichts zu -holen. Da ist alles tot und starr, so habe ich es wenigstens in der Schule -gelernt.“ -</p> - -<p> -„Das ist ein Irrtum,“ erwiderte Kapitän Mors kalt. „Irren ist -menschlich. Ich habe die Beweise, daß im Weltenraum das regste Leben -herrscht, daß sich auf anderen Planeten intelligente Bewohner befinden. -Ich habe die wunderbaren Fahrzeuge, mit denen -sich diese uns an Kultur überragenden Bewohner bewegen, mit -eigenen Augen gesehen.“ -</p> - -<p> -Wilkes starrte den Kapitän einen Augenblick überrascht an. -</p> - -<p> -Aber das dauerte nicht lange. -</p> - -<p> -„Ach laßt doch die fernen Welten, Kapitän,“ rief er. „Die Erde -liegt uns ja näher. Ich habe bereits erkannt, welche Macht Ihr besitzt, -bin ich doch selbst Ingenieur und mit diesem Fahrzeug hier könnt Ihr -in der Tat alles erobern. Wie wäre es mit Neu-Seeland? Das könnten wir -uns im Nu unterwerfen. Ihr könnt dort wie ein König herrschen und -wir möchten dann auch eine Rolle spielen. Wir helfen Euch, Kapitän, -wir gebrauchen die Zerstörungsmaschinen und werfen jeden Widerstand -zu Boden.“ -</p> - -<p> -„Das will ich nicht,“ erwiderte der Maskierte. „Ich bin nicht der -Mann dazu, der blühende Gemeinwesen vernichtet und Kultur zerstört. -Ich bin kein Vernichter, ich will Kultur schaffen, aber nicht als Mordbrenner -und als gesetzloser Räuber erscheinen.“ -</p> - -<p> -„Oho,“ rief Wilkes. „Ihr seid doch der Luftpirat. Ihr habt oft genug -tollkühne Ueberfälle verübt. Ich habe manches gelesen. Ihr habt -doch die Schätze aus großen Bergwerken hinweggeführt, Millionen, ja -Milliarden erbeutet.“ -</p> - -<p> -„Ja, aber nur zu bestimmten Zwecken,“ erwiderte Mors. „Wenn -Du aufmerksam mein Leben und meine Taten verfolgtest, so würdest -Du gehört haben, daß ich die erbeuteten Reichtümer zur Linderung der -Not und des Elends benutzte.“ -</p> - -<p> -„Ich hätte alles für mich behalten,“ meinte Wilkes. „Ich hätte die -riesigsten Summen zusammengebracht und in Ueppigkeit und Schwelgerei -gelebt. Man lebt auf Erden nur einmal und soll sich das Dasein so -angenehm als möglich machen. O, wie oft habe ich die beneidet, die -sich jeden Wunsch erfüllen konnten. Nur der Reichtum macht glücklich.“ -</p> - -<p> -„Die Ansichten sind eben verschieden,“ erwiderte Kapitän Mors -kurz und energisch. „Im übrigen wiederhole ich Dir, daß ich nimmer -als Vernichter und Zerstörer auftreten werde.“ -</p> - -<p> -Er trat an die Maschinen und prüfte die Instrumente, er machte -sich verschiedene Notizen und schritt dann zu dem nebenliegenden -Arbeitsraum, um dort die Berechnungen niederzuschreiben. -</p> - -<p> -Die beiden Franzosen waren am Lenkapparat beschäftigt, den sie -bedienten. Wilkes und Penn aber zogen sich nach dem Hintergrund -zurück, wo sie durch die mächtigen Maschinenapparate völlig verdeckt -wurden. -</p> - -<p> -„Na, was sagst Du dazu,“ meinte Wilkes zu dem anderen Irländer, -dem er alles anvertraute. „Ist dieser Kapitän Mors nicht ein kompletter -Narr. Er hat die Mittel in der Hand, um sich die ganze Welt zu erobern -und benutzt sie nicht? Nun, wenn er so dumm ist, dann müssen eben -andere Klugheit zeigen. Weißt Du, Kamerad, solche Gelegenheit kommt -nicht wieder. Jetzt wollen wir uns die Herrschaft über die ganze Erde -verscharren.“ -</p> - -<p> -„Still, sprich leiser,“ mahnte Penn. „Die anderen könnten es hören.“ -</p> - -<p> -„Ach was, die müssen mittun,“ rief Wilkes, indem er seine riesige -Gestalt reckte und streckte. „Das ist eine Kleinigkeit. Du sollst sehen, -die sind nebst den anderen Feuer und Flamme. Denen werden wir alles -Mögliche versprechen. Ich aber will die Macht des Mannes mit der -Maske besitzen. Der Narr, als er mir vorhin mein Anerbieten abschlug, -da war ich fest entschlossen, die Sache -selbst in die Hand zu nehmen. Wir sind hier acht Männer und der -hat nur den einen, den Terror zur Verfügung. Der Sterngucker und die -beiden Mädchen können ihm nicht das geringste nützen. Mein -Entschluß steht fest. Wir bemächtigen uns der Herrschaft, wir wollen -dieses wunderbare und unwiderstehliche Fahrzeug zu unseren Zukunftsplänen -benutzen.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br /> -Die Meuterei beginnt. -</h2> - -<p class="first"> -Kapitän Mors ahnte nichts von dem Unheil, welches sich vorbereitete. -</p> - -<p> -Er hielt die Mannschaft des Unterseebootes für Leute, die ihm -später die besten Dienste leisten konnten und dachte nicht daran, daß -die zwei Irländer eine Verschwörung vorbereiteten. -</p> - -<p> -Wilkes und Penn waren auch schlau genug, um sich nichts anmerken -zu lassen. -</p> - -<p> -Aber sie begannen ungesäumt ihre Wühlarbeit, und da galt es, die -sechs Franzosen auf ihre Seite zu ziehen. -</p> - -<p> -Diese letzteren waren mit ihrer Lage ganz zufrieden und meinten, -daß sie ein wahres Herrenleben führten. -</p> - -<p> -Wilkes und Penn aber verstanden es, diese Leute anderen Sinnes -zu machen. -</p> - -<p> -„Der Maskierte ist halb verrückt,“ sprach Wilkes bei jeder Gelegenheit. -„Der ist schon dem Wahnwitz nahe. Der führt das sonderbare -Fahrzeug irgendwo hin ins Weltall, dorthin, wo keine Wiederkunft möglich -ist, wo es durch Naturgewalten vernichtet wird. Dieses prächtige -Fahrzeug könnte uns aber auf Erden die besten Dienste leisten. Damit -kann man sich ein ganzes Land erobern, da können wir die Herren spielen -und das üppigste Leben führen. Mit diesem Fahrzeug können wir -die ganze Welt in Schrecken setzen. Was soll uns die verrückte Fahrt in -unbekannte Räume des Weltalls. Nichts damit, wir bleiben auf der Erde. -Verlaßt Euch darauf, Kameraden, bald befinden wir uns in dem Besitz -des wunderbaren Fahrzeuges.“ -</p> - -<p> -Die Franzosen erinnerten den Irländer an den Eidschwur, den man -geleistet, aber Wilkes lachte nur darüber. -</p> - -<p> -Er entwickelte solche Schlauheit und solche List, daß er die Franzosen, -wenn auch nicht überzeugte, doch allgemach auf seine Seite -brachte. -</p> - -<p> -Er sagte in berechnender Weise, daß das bevorstehende Unternehmen -des Maskierten mit dem Untergang aller enden müsse. -</p> - -<p> -So waren wieder zwei Tage vergangen, die Rundfahrt um die Erde -vollendet. Das Weltenfahrzeug hatte bereits die Reise zum Trabanten -der Erde begonnen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors hatte im Benehmen der Mannschaft nicht das geringste -Verdächtige bemerkt, sondern nur gesehen, daß die Irländer und -die Franzosen ihre Pflicht taten. -</p> - -<p> -Wilkes und Penn zeigten sich besonders lernbegierig, und da sie -großes Geschick und vortreffliche Kenntnis des Ingenieurwesens besaßen, -hoffte Terror, sie bald zum Gebrauch der geheimnisvollen Maschinen -heranzuziehen. -</p> - -<p> -So erfuhren diese beiden immer neue Geheimnisse der Maschinen -und Kapitän Mors ahnte nicht, daß er damit die Verschwörung zur -Reife brachte. -</p> - -<p> -„Jetzt wissen wir genug,“ flüsterte Wilkes am Abend des dritten -Tages seinem Gefährten Penn zu. „Mehr brauche ich nicht zu wissen. -Jetzt kann ich dieses wunderbare Fahrzeug selber lenken. Nun kann es -losgehen. Wenn der Maskierte schlafen geht, brechen wir los und wenn -der Terror uns hindernd in den Weg tritt, wird er niedergeschlagen. -Wenn der neue Morgen kommt, müssen wir die Herren des neuen Weltenfahrzeuges -sein. Dann geht es zur Erde zurück, dann wollen wir selber -mal Luftpirat spielen.“ -</p> - -<p> -Es war Mitternacht und Kapitän Mors, der um elf Uhr von Terror -abgelöst worden war, lag im festen, ruhigen Schlummer. -</p> - -<p> -Anita und Lucy Long halfen dem Astronomen, da sie sich in jeder -Weise nützlich zu machen suchten. Professor van Haalen war für diese -Hilfe sehr dankbar und hatte den beiden jungen reizenden Geschöpfen -verschiedene notwendige Beobachtungen übertragen. -</p> - -<p> -Plötzlich hörte Kapitän Mors, wie jemand hart an die Tür seiner -Schlafkajüte klopfte. -</p> - -<p> -Sofort fuhr er in die Höhe. -</p> - -<p> -„Was gibt es?“ rief der Luftpirat mit dröhnender Stimme. „Wer ist -da draußen?“ -</p> - -<p> -„Ich bin’s, Kapitän, ich,“ tönte Terrors Stimme. „Soeben bin ich -mit Mühe und Not dem drohenden Tode entronnen.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors stand im Nu an der Tür. -</p> - -<p> -Herein stürzte Terror, der die eiserne Tür sofort hinter sich zuschmetterte. -</p> - -<p> -„Empörung, Empörung!“ stieß er hervor. „Die neue Mannschaft -rebelliert und die beiden Irländer sind die Rädelsführer. Im Maschinenraum -haben sie mir plötzlich die Forderung gestellt, daß ich mich der -Verschwörung anschließen sollte und als ich mich weigerte, sind die -beiden Irländer wie toll auf mich eingedrungen. Ich hatte keine Waffe -zur Hand. Da mußte ich flüchten. Die Kerle haben aber sofort die Türen -hinter mir versperrt und nun sind sie im Besitz des Maschinen- und -des Lenkraumes.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors war natürlich sehr überrascht, aber er verlor die -Besonnenheit keinen Augenblick. -</p> - -<p> -Was da vorgefallen war, entzog sich freilich seiner Kenntnis, aber -der Maskierte beschloß die äußerste Energie zu gebrauchen. -</p> - -<p> -„Wo ist der Professor und die beiden Mädchen?“ fragte er. -</p> - -<p> -„Die schlafen in den unteren Räumen,“ erwiderte Terror. -</p> - -<p> -„Gut,“ entgegnete Mors. „Ich komme mit, wir müssen sie sofort -wecken.“ -</p> - -<p> -(Man vergleiche hier immer den Plan des auf der Rückseite -abgebildeten Weltenfahrzeuges). -</p> - -<p> -Kapitän Mors eilte mit Terror eine der eisernen Treppen hinab, -die nach den unteren Räumen führte. -</p> - -<p> -Diese waren durch bewegliche Metallschieber von der Außenwelt -getrennt und in verschiedene Abteilungen geteilt, in denen sich die Vorräte, -die Reserveteile für die Maschinen und auch die verschiedenen -Schlafkabinen befanden. -</p> - -<p> -Zu seinem Erstaunen fand Kapitän Mors im Mannschaftsraum -zwei der Franzosen, die in festem, ruhigem Schlummer lagen. -</p> - -<p> -„Also sind es nur sechs, die sich an der Empörung beteiligen,“ -sprach er zu Terror. -</p> - -<p> -„Wer weiß denn,“ erwiderte dieser. „Die können ja auch darin -eingeweiht sein.“ -</p> - -<p> -„Das wird sich finden,“ meinte Mors. „Ich halte gerade die beiden -hier für biedere Männer, für echte Bewohner der Normandie, deren -Herzen ohne Falsch sind. Jedenfalls wollen wir sie hier einschließen, -sodaß sie sich nicht mit den Meuterern vereinigen können. Wecke Du -den Professor, ich werde die Schwestern aus dem Schlummer rufen.“ -</p> - -<p> -Die Räume hier bestanden ja alle aus Metall und konnten wie -Stahlkammern verschlossen werden. -</p> - -<p> -Kapitän Mors sperrte die beiden schlafenden Franzosen ein, steckte -den Schlüssel zu sich und rannte dann nach der Schlafkammer der -beiden jungen Mädchen. -</p> - -<p> -Diese kleideten sich hastig an und erschienen in kürzester Frist, -ebenso der Professor. -</p> - -<p> -„Das ist ja eine schöne Geschichte,“ meinte van Haalen, der nur -an seine gestörten Beobachtungen dachte. „Können Sie den Verschwörern -nicht zu Leibe gehen, Kapitän? Unter diesen Umständen ist ja -Energie geboten.“ -</p> - -<p> -„Ganz richtig,“ erwiderte Kapitän Mors. „Aber wir befinden uns -im Weltenraum. Da kann ich nicht in den Maschinenraum vordringen. -Das ist unmöglich, denn dadurch würde ich den Raum luftleer machen. -Es bliebe ja bloß der Fall übrig, daß ich eins der Fenster zertrümmerte, -aber damit würde das Unheil noch größer. Höchst wahrscheinlich haben -auch die Verschwörer die Metallschieber geschlossen. Wie mir Terror -sagte, ist die Tür bereits versperrt. Sie können vorerst über das Fahrzeug -verfügen.“ -</p> - -<p> -„Ist es nicht möglich, ihnen mit irgend einer Waffe beizukommen?“ -fragte der Professor. -</p> - -<p> -„Die beiden Irländer würden sich vorsehen,“ lautete die Antwort -des Maskierten. „Ich glaube, die Franzosen sind nur irre geleitet, diese -Leute können Schonung beanspruchen. Aber nun merken Sie auf, Professor. -Wir müssen Vorsichtsmaßregeln treffen. Aller Wahrscheinlichkeit -nach werden die Verschwörer und das können nur die beiden Irländer -sein, Vorbereitungen treffen, um unsere Vernichtung herbeizuführen. -Was sie da tun werden, weiß ich noch nicht, aber das beste ist, daß Sie -und die beiden Mädchen in den Schlafkabinen bleiben und sich dort -mit den vorhandenen Riemen an die in dem Schlafraum befindlichen -Handgriffe festbinden. Ich sage das für den Fall, daß sich mit dem Weltenfahrzeug -etwas Unvorhergesehenes ereignet.“ -</p> - -<p> -„Meine Instrumente,“ rief van Haalen, der jetzt nur an die Fernrohre -dachte. „Wenn die Instrumente zertrümmert werden, ist der Schaden -unersetzlich.“ -</p> - -<p> -„Wir werden sie sofort festschrauben,“ erwiderte Mors tröstend. -„Tun Sie nur, was ich gesagt habe. Terror und ich werden zu handeln -wissen. Binden Sie sich fest, damit Sie auf alles vorbereitet sind. Das ist -die Hauptsache.“ -</p> - -<p> -Anita und Lucy Long wollten den Kapitän bei seinem Vorhaben -unterstützen, ihm helfen und wenn nötig mit ihm gegen die Empörer -kämpfen. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors schlug dies ruhig, aber entschieden ab. -</p> - -<p> -„Ihr beide seid tapfer und mir treu ergeben,“ sprach er zu den -jungen Mädchen. „Das weiß ich. Aber unter den obwaltenden Umständen -könnt Ihr mir nicht von Nutzen sein. Begebt Euch in Eure Schlafkabine -und bindet Euch fest. Alles andere ist jetzt meine Sache.“ -</p> - -<p> -Er eilte, von Terror gefolgt, nach den oberen Räumen und sicherte -zunächst die astronomischen Instrumente. -</p> - -<p> -Diese wurden an dem Boden festgeschraubt, alle Vorbereitungen -waren dazu vorhanden. -</p> - -<p> -Ferner wurden die Schutzkapseln über die kostbaren Gläser gestülpt -und damit die wertvollen Fernrohre gegen jeden Unfall gesichert. -</p> - -<p> -Hierauf eilte Kapitän Mors nach dem Arbeitsraum, der an die -Maschinenkammer grenzte. -</p> - -<p> -Sein erster Blick galt den dort hängenden Instrumenten. -</p> - -<p> -„Ganz wie ich es mir dachte,“ sprach er. „Sie versuchen das Weltenfahrzeug -zu wenden und nach der Erde zurückzukehren. Aber sie -handhaben die Maschinen falsch. Sie gebrauchen den Lenkapparat -nicht richtig. Sie handeln —“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors stampfte mit dem Fuß auf, daß der Boden dröhnte. -</p> - -<p> -„Was tun sie denn, Kapitän,“ fragte Terror besorgt. „Sie beschädigen -wohl das Fahrzeug?“ -</p> - -<p> -„Bis jetzt noch nicht,“ knirschte Kapitän Mors, „obwohl dieser -Fall auch noch eintreten könnte. Sie lenken das Weltenfahrzeug nicht -richtig! Wenn wir diesen Kurs einhalten, kommen wir auf den sogenannten -toten Punkt, wo sich die Anziehungskraft der Erde und des -Mondes ausgleicht. Ich allein kenne die Manöver, die dort nötig sind, -um über die gefährliche Stelle hinauszukommen. Wenn ich nicht in die -Maschinenkammer gelange, wird das Fahrzeug an diesem toten Punkt -für alle Ewigkeit festsitzen.“ -</p> - -<p> -„Schöne Aussicht,“ meinte Terror. „Was meint Ihr, Kapitän, wollen -wir mit den Meuterern verhandeln? Sie müssen ja sehen, daß sie der -Handhabung des Fahrzeuges nicht gewachsen sind. Da werden sie wieder -zur Besinnung kommen.“ -</p> - -<p> -„Ja, das will ich,“ erwiderte Kapitän Mors und schlug mit der -Faust gegen die Eisentür, daß es dröhnte. -</p> - -<p> -Sofort ließ sich Wilkes Stimme vernehmen. -</p> - -<p> -„Was gibt’s denn?“ schrie er in einem Tone, der bewies, daß er -sich als Herr der Situation fühlte. „Was wollt Ihr denn, he?“ -</p> - -<p> -„Macht auf,“ donnerte Kapitän Mors, „öffnet auf der Stelle.“ -</p> - -<p> -Ein Hohngelächter gab Antwort. Wilkes und Penn lachten wie die -Tollen. -</p> - -<p> -„Das glaube ich wohl,“ schrie der erstere. „Aber wir müßten ja -Narren sein, wenn wir die Macht, die wir jetzt besitzen, aus den Händen -lassen sollten. Das fällt uns nicht im Traume ein. Wir gebieten jetzt -über das Weltenfahrzeug.“ -</p> - -<p> -„Wahnwitzige!“ rief Kapitän Mors. „Ihr versteht nicht dieses wunderbare -Fahrzeug zu führen, dazu bin nur ich imstande. Oeffnet und -ich will sehen, ob ich noch Gnade walten lassen kann. Der Rausch hat -Euch gewissermaßen betört, der Sinnenrausch, daß Ihr ein solches Fahrzeug -lenkt. Aufgemacht, ich fordere es auf der Stelle!“ -</p> - -<p> -„Wenn tausend Teufel kämen, würde ich der Herr des Wunderfahrzeuges -bleiben,“ schrie Wilkes. „Penn und ich, wir sind einig und die -andern hier gehorchen uns, denn sie sehen ja jetzt, daß wir auf Erden -Schätze erwerben, daß wir die mächtigsten Leute des ganzen Erdballs -werden können. Also spart Eure Worte! Wir haben die Macht und diese -wollen wir benutzen.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors trat zurück, denn er wußte, daß die schwere Eisentür -nur mit Anwendung größter Gewalt gesprengt werden konnte. -</p> - -<p> -Er wollte sich überlegen, was zu beginnen wäre, unterdessen aber -berieten die beiden Rädelsführer da drinnen, wie sie sich des Maskierten -entledigen könnten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors hörte ein Wispern und Zischeln und da ahnte er, -daß Unheil drohte. Rasch verließ er den Arbeitsraum, um Terror zu -warnen, während das Hohngelächter von neuem aus dem verschlossenen -Maschinenraum herübertönte. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br /> -Furchtbare Stunden. -</h2> - -<p class="first"> -Terror erwartete Kapitän Mors im Beobachtungsraum. -</p> - -<p> -„Nun?“ fragte er. „Haben sie sich besonnen? Wollen die Tollen -nachgeben?“ -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte Kapitän Mors. „Der Sinnestaumel hat sie gefaßt, -sie bilden sich ein, daß sie die Herren der Welt wären. Freilich sind es -nur zwei, die beiden Irländer, sie haben die Franzosen betört, diese waren -brave Leute und haben sich nur zu der Meuterei hinreißen lassen. -Aber jetzt gilt es Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Die Elenden da drinnen -wollen uns vernichten.“ -</p> - -<p> -Terror stellte keine Frage, denn er wußte, daß Kapitän Mors allein -zu handeln pflegte. Er folgte dem kühnen Manne nach einem kleineren -Raume. -</p> - -<p> -„Hier binde Dich an,“ befahl Kapitän Mors. „Benutze die Riemen -und die Handgriffe. Binde Dich aber so an, daß Du Dich noch bewegen -kannst und triff nur Vorsichtsmaßregeln, daß Du nicht gegen die -Wand geschmettert wirst.“ -</p> - -<p> -„Und Ihr, Kapitän? Was wollt Ihr tun?“ fragte Terror, indem er der -Weisung nachkam. -</p> - -<p> -„Ich halte mich an den eisernen Handgriffen fest,“ lautete die kurze -Antwort. „Das genügt mir, aber spute Dich, der Professor und die -beiden Mädchen sind gewarnt, sie haben Vorsichtsmaßregeln getroffen. -Sie befinden sich in gepolsterten Kammern, da kann ihnen kein Leid -zustoßen.“ -</p> - -<p> -„Aber wir könnten ja auch nach den gepolsterten Schlafkammern -hinabgehen,“ meinte Terror. „Das wäre sicherer.“ -</p> - -<p> -„Allerdings,“ erwiderte Mors. „Aber verschiedene Umstände zwingen -uns, hier oben zu bleiben. Die Empörer könnten sich zeigen, um -zu sehen, was aus uns geworden ist. Da müssen wir schnell zu Hand -sein und zupacken. Bist Du fertig? Nun, so ist es gut. Es war auch die -höchste Zeit. Du siehst, jetzt beginnt es, was ich vorausgesehen.“ -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug begann furchtbar zu schwanken. -</p> - -<p> -„Sie verändern das Gleichgewicht des Fahrzeuges,“ rief Terror. -</p> - -<p> -„Gewiß,“ erwiderte Mors, indem er mit eiserner Kraft die metallenen -Griffe packte. „Wir werden gleich auf dem Kopf stehen.“ -</p> - -<p> -Das war auch der Fall. -</p> - -<p> -Jedenfalls hatten die Meuterer in der Maschinenkammer Vorsorge -getroffen, daß sie bei dem Manöver, das sie jetzt mit dem Weltenfahrzeug -vornahmen, keinen Schaden erlitten. -</p> - -<p> -Dagegen wollten sie dadurch Kapitän Mors und dessen treue Begleiter -verletzen oder gar vollkommen vernichten. -</p> - -<p> -Die Handhabung mit dem Riesenmagnet und eine besondere Benutzung -der Maschinen gestattete, das Schwergewicht des Fahrzeuges zu -ändern und so stand urplötzlich das unterste zu oberst. -</p> - -<p> -Dieser Plan der beiden Empörer legte von teuflischer Schlauheit -Zeugnis ab. Sie wollten, daß Kapitän Mors und seine Begleiter durch -diese plötzliche Umdrehung des Fahrzeuges mit den Köpfen gegen die -metallenen Decken schmettern sollten. -</p> - -<p> -Die sechs Männer in der Maschinenkammer hatten sich jedenfalls -dagegen gesichert und festgebunden. Jetzt ließen sie das Fahrzeug wieder -blitzschnell herumdrehen. -</p> - -<p> -Diese Manöver wiederholten sich noch zwei-, dreimal, mit geradezu -furchtbarer Schnelligkeit, es war ein Zeichen, daß die Empörer vieles -von Kapitän Mors gelernt hatten. -</p> - -<p> -Sie verstanden mit der Maschine, welche die Schwerkraft des Fahrzeuges -und das Gleichgewicht veränderte, vortrefflich umzugehen und -so wälzte sich das Weltenfahrzeug noch zweimal herum, sodaß Kapitän -Mors und Terror mit den Köpfen nach unten schwebten. -</p> - -<p> -Terror aber befand sich an den Riemen festgebunden in völliger -Sicherheit und Kapitän Mors hielt sich an den metallenen Handgriffen -so fest, als sei er mit ihnen verwachsen. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug schwankte jetzt wie ein Schiff im wildesten -Sturme, bis es allmählich das Gleichgewicht bekam und nun wieder mit -furchtbarer Geschwindigkeit durch den Weltenraum dahinraste. -</p> - -<p> -Kapitän Mors überzeugte sich mit einem Blick, daß Terror nicht -verletzt sei. -</p> - -<p> -„So, das wäre vorüber,“ meinte er. „Jetzt will ich zusehen, ob die -Empörer den Maschinenraum öffnen.“ -</p> - -<p> -„Wenn es geschieht, Kapitän, es sind sechs gegen einen und das -schlimmste ist, daß unsere elektrischen Waffen in einem Schrank des -Maschinenraums aufbewahrt werden.“ -</p> - -<p> -„Das ist allerdings fatal,“ sprach der Maskierte. „Das erschwert -mein Vorhaben. Würden sie die Tür öffnen und hätte ich den elektrischen -Revolver zur Hand, so würde ich die Waffe unnachsichtlich gegen -die beiden Rädelsführer gebrauchen.“ -</p> - -<p> -„Wenn die Kerle die Waffen finden,“ rief Terror besorgt, „dann -werden sie dieselben gegen uns gebrauchen.“ -</p> - -<p> -„Das mag sein,“ erwiderte Mors. „Aber, dieser Schrank ist versteckt -und in die eiserne Wand eingelassen. Sie werden ihn nicht so leicht -finden. Außerdem trage ich den Schlüssel in meiner Tasche.“ -</p> - -<p> -Terror war in großer Sorge und meinte, die Meuterer möchten -doch den Schrank öffnen, die elektrischen Waffen finden und sich dann -derer gegen den Luftpiraten und dessen Anhänger bedienen. -</p> - -<p> -War dies der Fall, so wurde die Situation eine geradezu verzweifelte. -</p> - -<p> -„Das Auffinden der Waffen wäre allerdings ein schwerer Schlag,“ -sprach Kapitän Mors, als Terror nochmals Bedenken äußerte. „Aber das -alles ist nicht so schlimm wie der Gedanke, daß die Empörer durch ihre -Unbesonnenheit das Weltenfahrzeug auf den sogenannten -toten Punkt bringen. Sie wissen nicht, wie man diese gefährliche -Zone passiert und da werden sie selbst ihr Todesurteil unterschreiben, -aber zugleich auch das unsere.“ -</p> - -<p> -„So wollen wir ihnen doch zurufen,“ meinte Terror, der sich inzwischen -von den Riemen befreit hatte. „Wir werden ihnen zuschreien, daß -sie durch ihren Wahnsinn das Verderben heraufbeschwören? Vielleicht -geben sie dann nach und merken, daß sie sich ins Verderben bringen? -Dann könnten wir die Oberhand über das Fahrzeug bekommen.“ -</p> - -<p> -„Ich fürchte, sie werden die Nachricht mit Mißtrauen aufnehmen,“ -erwiderte Mors. „Aber versuchen kannst Du es immerhin. Gehe -an die Eisentür der Maschinenkammer, denn ich sehe, daß die Leute -nicht öffnen. Versuche, was Du willst, aber ich fürchte, Du wirst wenig -Erfolg haben. Sollte sich während der Zeit das Weltenfahrzeug wieder -drehen, mußt Du Dich rasch an den Handgriffen festhalten. Zur Vorsicht -kannst Du Dir noch einen Riemen um den Leib binden.“ -</p> - -<p> -Terror tat, wie ihm geheißen und sicherte sich nach Möglichkeit -gegen das Umschlagen des Fahrzeuges. -</p> - -<p> -Es konnte ja sehr leicht möglich sein, daß die Meuterer das vorherige -so gefährliche Manöver noch einmal wiederholten und er hatte -keine Lust, sich den Schädel an der Eisendecke des Weltenfahrzeugs zu -zerschmettern. -</p> - -<p> -Mors blieb einstweilen im Beobachtungsraum und öffnete dort ein -kleines, angeschraubtes Kästchen. -</p> - -<p> -Dort lagen einige seltsam aussehende, patronenartige Gegenstände, -die in einer glänzenden Metallhülle steckten. -</p> - -<p> -Mors nahm zwei derselben heraus und steckte sie in die Tasche, -unterdessen hatte Terror die Unterhandlung mit den Meuterern im fest -verschlossenen Maschinenraum begonnen. -</p> - -<p> -„Wahrhaftig, der ist ja noch ganz lebendig,“ schrie Wilkes drinnen. -„Das ist der Terror. He, hallo, wo ist denn der Maskierte? Warum -hat sich der nicht gemeldet?“ -</p> - -<p> -Terror war klug genug, um die Antwort schuldig zu bleiben, denn -er hoffte vielleicht, daß man Kapitän Mors für tot hielt, oder daß die -Meuterer doch wenigstens an eine Betäubung oder eine schwere Verletzung -glaubten. -</p> - -<p> -„Von dem Maskierten spricht er nichts, Penn,“ rief Wilkes drinnen -seinem Genossen zu. „Der hat jedenfalls was abbekommen. He, holla, -aufgepaßt!“ -</p> - -<p> -Terror ahnte, daß das Fahrzeug noch einmal den furchtbaren Saltomortale -schlagen würde, und er klammerte sich krampfhaft an den -eisernen Handgriffen fest, während Kapitän Mors seinem Beispiel folgte. -</p> - -<p> -Die Vorsichtsmaßregeln der beiden Männer vereitelten aber das -heimtückische Vorhaben der beiden Rädelsführer. -</p> - -<p> -Endlich gewannen die beiden das Gleichgewicht wieder. -</p> - -<p> -„Wahnsinnige,“ rief Terror, als er sich wieder in der natürlichen -Lage befand. „Wißt Ihr denn nicht, daß Ihr der gefährlichen Zone zutreibt, -dem sogenannten toten Punkt, wo sich die Anziehungskraft der -Erde mit der des Mondes ausgleicht? Ihr kennt nicht die Art und Weise, -wie man die Maschinen bedienen muß. Oeffnet, Ihr Tollhäusler, sonst -muß das Fahrzeug bis in alle Ewigkeit in jener gefährlichen Zone schweben.“ -</p> - -<p> -Wilkes und Penn stutzten anfangs, aber dann brachen sie wieder in -lautes Hohngelächter aus. -</p> - -<p> -„Wir sind doch keine Kinder,“ schrieen sie. „Wir lassen uns doch -nicht durch solche Mätzchen fangen! Nichts damit. Wir sind nicht so -dumm und lassen uns nicht ins Bockshorn jagen, das sind bloß listige -Reden, damit wir den Maschinenraum öffnen. Aber wir denken nicht -daran, wir befinden uns ganz wohl und können auch zu einer Vorratskammer. -Ihr aber werdet früher oder später vom Teufel geholt, wir sind -jetzt die Herren des Weltenfahrzeuges!“ -</p> - -<p> -Da half alles nichts, Terror mußte zurück und wutschäumend den -Meuterern freies Spiel lassen. -</p> - -<p> -Er hörte, wie sie drinnen herumhantierten, und verhielt sich völlig -still. Er lauschte auf das, was die Rebellen sprachen. -</p> - -<p> -Den vier Franzosen schien gar nicht wohl zu Mute zu sein, wenigstens -vernahm Terror, wie sie verschiedene Einwendungen erhoben, -wie sie meinten, man solle auf die Warnung des Herrn des Weltenfahrzeuges -achten. -</p> - -<p> -„Unsinn,“ schrie Wilkes. „Laßt Euch doch nicht zum Narren halten. -Der möchte bloß herein und uns das Handwerk legen! Da seht Ihr -ja seine Ohnmacht. Derjenige, dem die Maschinenkammer gehört, der -ist Herr der Lage. Dabei bleibt es. Also wollen wir alles weitere abwarten. -Wir können die da draußen verlachen. Vielleicht hat sich der Terror -noch erhalten, aber es scheint wohl, daß der Luftpirat schwer verletzt -oder gar tot in einer Ecke liegt.“ -</p> - -<p> -„Schade wäre es um die hübschen Mädels,“ meinte Penn, der -schon vordem nach den Schwestern geschielt hatte. -</p> - -<p> -„Ach was,“ brüllte Wilkes, „wenn wir die Macht haben, die wir -später besitzen werden, können wir über die schönsten Frauen und -Mädchen der ganzen Erde verfügen. Inzwischen wollen wir uns hier mal -die Maschinen näher betrachten. Hier aus dem großen Apparat in der -Ecke kann ich noch nicht klug werden. Den muß ich mal genauer untersuchen.“ -</p> - -<p> -Terror wußte, was die Empörer mit diesem Apparat meinten. Es -war eine seltsam aussehende Maschine, die in der Nähe der eisernen -Treppe stand, welche nach der Vorratskammer im Achterteil des Fahrzeuges -hinunterführte. -</p> - -<p> -Wozu dieser Apparat diente, wußte Terror auch nicht, Kapitän -Mors hatte nie darüber gesprochen. -</p> - -<p> -Die Maschine war auch noch nie in Gebrauch gewesen. -</p> - -<p> -Er nahm sich schon vor, Kapitän Mors danach zu fragen, als er -etwas anderes hörte, was seine Seele mit Hoffnungslosigkeit erfüllte. -</p> - -<p> -Die Meuterer hatten nämlich den verborgenen Wandschrank gefunden. -</p> - -<p> -Deutlich vernahm Terror, wie sie dort hantierten, wie sie darüber -sprachen, was wohl darinnen enthalten sein mußte. -</p> - -<p> -Einen Schlüssel fanden sie natürlich nicht und so entschlossen sie -sich kurz dazu, den Schrank aufzubrechen. -</p> - -<p> -Terror schlich sich zu Kapitän Mors hinüber. -</p> - -<p> -„Es ist alles vorbei,“ sprach er leise zu dem Maskierten. „Sie brechen -den Schrank auf, da werden sie unsere fürchterlichen Waffen finden. -Dann greifen sie uns an und dann werden wir ohne Gnade vernichtet.“ -</p> - -<p> -„Zuletzt werden wir uns sichern,“ erwiderte Kapitän Mors. „Auch -die anderen eisernen Türen sind verschließbar. Da werden wir den Empörern -das Vordringen unmöglich machen.“ -</p> - -<p> -Terror seufzte leise, denn er hatte wenig Hoffnung, er meinte -wohl, dies Abenteuer würde das letzte des Kapitän Mors sein, und der -berühmte Luftpirat mit seinen Anhängern ein schmähliches Ende finden. -</p> - -<p> -Die Meuterer besaßen jetzt die Waffen und an dem Jubelgeheul, -welches Wilkes und Penn ausstießen, erkannte man, daß die beiden -geschickten Männer wohl wußten, welche fürchterlich tödlichen Waffen -sie in die Hände bekommen hatten. -</p> - -<p> -Sie wußten das schon von der Insel her, dort hatte man öfters von -den elektrischen Revolvern gesprochen. Sie wußten, daß diese fürchterlichen -Geschosse alles zerstörten. Sie konnten damit sogar die eisernen -Türen sprengen. -</p> - -<p> -Alle diese Gedanken stürmten auf Terror ein, sodaß er ganz nach -der sonderbaren Maschine zu fragen vergaß, von der die Meuterer vorhin -gesprochen hatten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors zeigte jetzt eine Tollkühnheit sondergleichen. -</p> - -<p> -Er schlich sich noch einmal nach dem Maschinenraum hinüber, -obwohl ihn Terror dringend zurückzuhalten suchte. Er lauschte noch -einmal auf das Stimmengewirr, welches er da drinnen hörte. -</p> - -<p> -Dann kehrte er zurück, nachdem er die eine Verbindungstür hinter -sich geschlossen hatte. -</p> - -<p> -„Es wird wenig nützen, Kapitän,“ meinte Terror betrübt, „wenn -die Kanaillen die elektrischen Geschosse gegen die Tür senden, wird sie -zunächst aufspringen.“ -</p> - -<p> -„Ich habe verschiedenes vernommen,“ erwiderte Mors. „Zunächst -bin ich überzeugt, daß nur die beiden Irländer die gefährlichen Waffen -an sich genommen haben. Den Franzosen dagegen haben sie diese Waffen -nicht gegeben. Es ist dies für mich ein Beweis, daß die übrigen Männer -nur irregeleitet und verführt worden sind, daß sie sich durch Versprechungen -auf eine glänzende Zukunft verlockt zum Treubruch hinreißen -ließen. Wären nur die beiden Irländer nicht, so würden die Franzosen -bald zu uns zurückkehren. Aber die beiden Rädelsführer sind -zum äußersten entschlossen. Ich aber auch. Auch ich werde jetzt gegen -die Meuterer vorgehen, koste es, was es wolle.“ -</p> - -<p> -„Aber, Kapitän, Ihr habt ja keine Waffen. Die befinden sich ja alle -in der Maschinenkammer,“ meinte Terror halb verzweifelt. -</p> - -<p> -Die Augen des Maskierten funkelten wie glühende Kohlen. -</p> - -<p> -„Und ich muß doch hinein,“ sprach er. „Geschehe, was da wolle. -Hier,“ er zog die metallisch glänzenden Patronen hervor, „diese Sprengpatronen -sollen mir dazu dienen, die Tür nach dem Maschinenraum zu -öffnen.“ -</p> - -<p> -„Dann werdet Ihr sofort von den Geschossen der elektrischen -Revolver begrüßt,“ rief Terror. „Nein, das geht nicht. Das wäre Euer -Verderben! Mit Eurem Tode, Kapitän, ist aber alles zu Ende.“ -</p> - -<p> -„Haltet mich nicht zurück,“ erwiderte Mors. „Es wäre völlig vergeblich. -An den Instrumenten sehe ich, daß wir uns bereits dem toten -Punkt nähern, ich muß das letzte aufbieten, um mein Fahrzeug aus -dieser gefährlichen Zone zu retten. Halte mich nicht zurück, Terror, es -hat keinen Zweck. Du weißt, wenn ich einen Entschluß gefaßt habe, so -kann nichts auf der Welt denselben erschüttern. Handeln muß ich. In -den nächsten Stunden wird die Entscheidung fallen.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br /> -Der tote Punkt im Weltenraum. -</h2> - -<p class="first"> -Terror fügte sich in das Unvermeidliche, denn er kannte ja den rätselhaften -Mann zur Genüge. -</p> - -<p> -„Jetzt müssen wir eine kleine elektrische Batterie herstellen,“ -sprach der Maskierte. „Es befinden sich einige an Bord des Weltenfahrzeuges, -aber auch diese stehen in der Maschinenkammer. Es ist, als hätte -sich alles gegen uns verschworen. Aber ich werde das Schicksal zu -zwingen suchen. Vorwärts, Terror, gehen wir an die Arbeit.“ -</p> - -<p> -Glücklicherweise waren einige Ersatzteile für die elektrische Batterie -vorhanden. Aber, es verging doch geraume Zeit, ehe die beiden Männer -das Nötige herstellen konnten. -</p> - -<p> -Bald fehlte es an Drähten, bald an einem Isolator, aber endlich -wurde doch etwas zusammengebracht, was als elektrische Batterie zur -Not dienen konnte. -</p> - -<p> -Die Zeit war aber rasch verflossen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors legte eben die letzte Hand an das Werk, als das -Weltenfahrzeug wieder unregelmäßige Bewegungen machte. -</p> - -<p> -„Sie wollen uns wieder auf den Kopf stellen,“ rief Terror, indem er -nach den Handgriffen faßte. -</p> - -<p> -Mors aber sprang zu den Instrumenten. -</p> - -<p> -Deutlich sah Terror, wie der Maskierte zusammen zuckte. -</p> - -<p> -„Was gibt es?“ rief er hinüber. -</p> - -<p> -„Das Gefürchtete ist geschehen,“ erwiderte Kapitän Mors. „Wir -befinden uns auf dem toten Punkte.“ -</p> - -<p> -„Eine schöne Bescherung,“ murrte Terror, indem er sein Entsetzen -möglichst zu verbergen suchte. „Da können wir jetzt einen neuen Weltkörper -bilden und solange das Fahrzeug zusammenhält, wird es an dieser -Stelle zwischen Erde und Mond schweben, als ein riesiger metallner -Sarg, in dessen Innern wir allmählich zu Staub verfallen.“ -</p> - -<p> -„Unsere Lage ist in der Tat fürchterlich,“ erwiderte Mors, indem er -unablässig die Instrumente beobachtete. „Durch die Unbesonnenheit -der Meuterer sind wir in diese schreckliche Lage gebracht worden und -Du siehst an den Instrumenten, daß sich das Fahrzeug völlig unbeweglich -verhält.“ -</p> - -<p> -„Gibt es kein Mittel, um den „Meteor“ aus dieser furchtbaren -Lage zu befreien?“ fragte Terror hastig. -</p> - -<p> -„Vielleicht,“ erwiderte Mors. „Du erinnerst Dich wohl, daß Du -mit Verwunderung die Maschine betrachtetest, die im Lenkraum neben -der Treppe zur Vorratskammer steht. An diese eigenartige Maschine, -von der eine Menge Drähte nach einer Art eisernen Galgen laufen, auf -dem ein ungeheurer Brennspiegel angebracht ist?“ -</p> - -<p> -„Ja, Kapitän,“ erwiderte Terror. „Ich habe ja schon mehrmals danach -gefragt, aber Ihr habt nie eine Antwort gegeben.“ -</p> - -<p> -„Nein, diese Maschine habe ich für Notfälle aufgestellt, es ist das -Resultat langer Arbeit. Diese merkwürdige Maschine, deren Zweck Du -Dir nie erklären konntest, dient dazu, die sogenannte Sonnenenergie -aufzuspeichern.“ -</p> - -<p> -„Sonnenenergie,“ wiederholte Terror, ohne zu wissen, was dies -bedeutete. -</p> - -<p> -„Ja, die Kraft, die der Sonnenball ausströmt, eine Kraft, so fürchterlich, -daß sie jeder Beschreibung spottet. Diese Kraft wäre wohl imstande, -das Weltenfahrzeug aus der gefährlichen Zone herauszureißen -oder vielmehr herauszutreiben, aber —“ -</p> - -<p> -„Nun?“ fragte Terror, als Mors schwieg. -</p> - -<p> -„Wenn jemand die Maschine in Tätigkeit setzt, so bringt sie ihm -den Tod, es gibt kein Mittel, um sich der Wirkung zu entziehen. Die -Kraft, welche in der Maschine durch den Brennspiegel aufgespeichert -ist, würde den, der sie in Gang setzt, sofort vernichten.“ -</p> - -<p> -Terror richtete sich hoch empor und seine treuherzigen Augen -blitzten. -</p> - -<p> -„Wenn wir nur da drinnen wären, Kapitän,“ sprach er ernst, „dann -würde ich es sein, der die Maschine in Tätigkeit setzt. Ja, Kapitän, dann -würde ich mich für das allgemeine Wohl opfern.“ -</p> - -<p> -„Treue Seele,“ sprach Mors sichtlich gerührt. „Diese Antwort habe -ich erwartet. Aber ich will es nicht. Ich will kein solches Opfer. Du -sollst nicht sterben. Wenn das Ende kommt, so enden wir eben vereint, -wie wir auch gelebt haben. Aber da wir uns jetzt auf dem toten Punkt -befinden, so will ich die Tür zum Maschinenraum öffnen, mag kommen, -was da will. Ich muß hinein! Ich empfinde es als Schmach, daß -ich, Kapitän Mors, von dem Maschinenraum meines Weltenfahrzeugs -ausgeschlossen bleibe. Ich muß und wenn eine Horde Teufel da drinnen -sitzen sollte.“ -</p> - -<p> -Terror war außer sich, er beschwor Kapitän Mors förmlich, dieses -Vorhaben zu unterlassen, oder wenn es denn einmal sein sollte, ihm, -Terror, den Vorrang zu gestatten. Aber es war alles umsonst. -</p> - -<p> -„Halte Du nur die Batterie,“ sprach der Kapitän, „ich werde die -Patronen an die Tür der Maschinenkammer setzen, dann wird die Pforte -gesprengt, gleichviel, was daraus entsteht. Sei vorsichtig, vermeide jedes -Geräusch. Ich werde mich zu Boden werfen und die beiden Rädelsführer -im plötzlichen Aufspringen anzugreifen suchen. Vielleicht kann ich -sie überraschen.“ -</p> - -<p> -„Ich glaube es nicht,“ erwiderte Terror traurig. „Es sind zu verzweifelte -Kerle, sie werden auf alles gefaßt sein.“ -</p> - -<p> -„Das bin ich auch,“ erwiderte der Luftpirat. „Auch ich bin zum -Aeußersten entschlossen. Nun wollen wir sehen, wer die Oberhand gewinnt! -Ich oder die Meuterer.“ -</p> - -<p> -Mors trat vorsichtig an die Tür des Maschinenraumes. -</p> - -<p> -Man hörte die Meuterer, er vernahm, wie sie mit einander sprachen, -wie sie Hoffnungen für die Zukunft austauschten. -</p> - -<p> -Hauptsächlich sprachen Wilkes und Penn, die anderen verhielten -sich auffällig ruhig. Es mochte ihnen gar nicht wohl zu Mute sein. -</p> - -<p> -Dabei sprachen sie auch über den Umstand, daß sich das Weltenfahrzeug -nicht von der Stelle bewegte. -</p> - -<p> -„Was mag nur dahinterstecken?“ hörte Mors deutlich Wilkes reden. -„Das Ding bewegt sich wahrhaftig nicht, da müssen wir irgend -etwas an den Maschinen versehen haben. Penn, Du hast vorhin da hinten -an der geheimnisvollen Maschine herumgepusselt, dadurch wirst Du -wohl irgend eine Stockung in der Bewegung hervorgerufen haben, denn -anders ist das gar nicht möglich.“ -</p> - -<p> -Der Angeredete verwahrte sich aber ganz entschieden gegen diese -Behauptung. -</p> - -<p> -„Angeguckt habe ich das Ding, aber nicht berührt,“ sprach er. -„Aber vielleicht dient es dazu, das Fahrzeug weiter zu bewegen. Man -könnte es ja mal probieren.“ -</p> - -<p> -Gleich darauf vernahm Mors, wie sich die beiden Meuterer an der -geheimnisvollen Maschine zu schaffen machten. -</p> - -<p> -Er vernahm ein Knicken und Knacken, zweifellos setzten die Männer -die Hebel in Bewegung. -</p> - -<p> -Anfangs wollte Kapitän Mors ihnen zurufen, aber er wurde bald -anderer Meinung. Eine eiserne Energie leuchtete jetzt aus seinen funkelnden -Augen. -</p> - -<p> -Leise, ganz leise neigte er sich hinab und legte die eine Sprengpatrone -in die rechte Ecke der Türnische, während er die zweite Patrone in -der gegenüberliegenden Ecke unterbrachte. -</p> - -<p> -Hierauf ergriff er die beiden dünnen, glänzenden Kupferdrähte, -welche zu der kleinen elektrischen Batterie führten. -</p> - -<p> -Diese Drähte zog er mit größter Vorsicht durch kleine Oesen, -welche an abgeplatteten Enden der metallisch glänzenden Patronen -angelötet waren und befestigte sie rasch, so daß die Verbindungen zwischen -den beiden Drähten hergestellt waren. -</p> - -<p> -Unmittelbar darauf legte sich Kapitän Mors flach auf den Boden -nieder und zwar so, daß er durch die etwas vorspringende Wand, hinter -der sich die Tür befand, gegen die Wirkung der Patronen geschützt -wurde. -</p> - -<p> -Dann winkte er Terror, der in einiger Entfernung stand und die -kleine elektrische Batterie bewachte. -</p> - -<p> -Der treue Gefährte verstand das Zeichen seines Kapitäns und -machte eine bittende Gebärde, als wolle er den Tollkühnen von einem -gefährlichen Entschluß zurückhalten. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors wiederholte den Wink, energischer, als zuvor -und da mußte Terror mit schwerem Herzen gehorchen. -</p> - -<p> -Er drückte auf den Knopf der kleinen Batterie und im nächsten -Augenblick sah man zwei blaue Funken blitzschnell auf den Drähten -entlangfahren. -</p> - -<p> -Ein dumpfes, dröhnendes Krachen ließ sich hören. Die beiden -Sprengpatronen hatten ihre Wirkung getan. Sie explodierten gleichzeitig -und übten einen furchtbaren Druck auf die versperrte Pforte. -</p> - -<p> -Ganz vermochten sie dieselbe freilich nicht zu öffnen, aber die -Eisentür wurde doch so verbogen, daß sie etwas klaffte, daß ein Mann -mit beiden Händen in die entstandene Spalte zu fassen vermochte. -</p> - -<p> -Es war aber sehr fraglich, ob dieses Krachen drinnen gehört worden -war. -</p> - -<p> -Im selben Augenblick, wo Kapitän Mors die Sprengpatronen wirken -ließ, wo er sich mit tollkühner Verwegenheit dem Tode aussetzte, -hatte da drinnen ein wahrhaft höllischer Lärm begonnen, der die Explosion -der beiden Sprengpatronen völlig verschlang. -</p> - -<p> -Kapitän Mors war ein wenig betäubt, aber er bewahrte seine Energie, -blitzschnell sprang er auf die Füße. -</p> - -<p> -„Die Sonnenenergie-Maschine,“ murmelte der Maskierte. „Sie haben -sie in Tätigkeit gesetzt. Jetzt hat die furchtbare Wirkung dieser Maschine -begonnen.“ -</p> - -<p> -Gleichzeitig setzte er die beiden Hände in die entstandene Spalte -der eisernen Tür. -</p> - -<p> -Nun gebrauchte Kapitän Mors seine ganze Riesenkraft, er riß an -der Tür, er wollte die schon halbgeöffnete Pforte vollends aufreißen. -</p> - -<p> -Freilich mußte er gewärtigen, daß das Verderben über ihn hereinbrach, -daß die beiden Rädelsführer die elektrischen Waffen gegen ihn -abfeuerten. Er mußte damit rechnen, daß er in Stücke zerrissen wurde. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors fragte nicht danach. Grimmiger packte er zu, -ein Ruck und noch ein furchtbarer Ruck, Kapitän Mors prallte zurück, -aber die eiserne Tür war offen. -</p> - -<p> -Im Maschinenraum aber tönte ein wahrer Höllenspektakel. Es war, -als ob das ganze Weltenfahrzeug in Trümmer gehen sollte. -</p> - -<p> -Durch dieses fürchterliche Stöhnen und Stampfen klang jetzt greuliches -Geschrei, fürchterliches Gezeter. -</p> - -<p> -Kapitän Mors stürzte in die Maschinenkammer. -</p> - -<p> -Links seitwärts gewahrte er flüchtig die Gestalten der vier Franzosen. -</p> - -<p> -Sie lebten und hatten sich angstzitternd in einen Winkel geflüchtet. -Dort waren sie zwischen den Apparaten zusammengekrochen und -hielten die Hände vor die Augen, um nicht das Entsetzliche sehen zu -müssen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors aber stand vor der Sonnenenergie-Maschine. -</p> - -<p> -Wilkes und Penn, die beiden Rädelsführer, hatten sich damit zu -schaffen gemacht. Sie hatten an den verschiedenen Hebeln gerissen, an -den Rädern gedreht, ohne zu ahnen, daß dort in der fürchterlichen -Maschine der Tod lauerte. -</p> - -<p> -Nun war das Verderben über sie hereingebrochen. -</p> - -<p> -Grausig war dies Bild, welches jeder Beschreibung spottete. Die -fürchterliche Sonnenenergie-Maschine befand sich in voller Bewegung. -</p> - -<p> -Die Drähte, welche Kapitän Mors angebracht, um die, durch die -Brennspiegel aufgespeicherte Kraft in die Maschine zu leiten, wirbelten -herum. Sie hatten die Gestalten der beiden Rädelsführer gefaßt und diese -wurden mit schrecklicher Gewalt herumgeschleudert. -</p> - -<p> -Sie schwebten in der Luft und stießen gellende, kreischende Töne -aus, um sie herum aber brauste es wie in einem fürchterlichen Wirbel, -da war es, als ob unablässig Blitze einschlugen. -</p> - -<p> -Gelbe, leuchtende Strahlenbündel schossen nach allen Richtungen, -es sauste und brauste, es zischte und knatterte, es sprühte und donnerte, -als ob man sich tatsächlich in der Hölle befände. -</p> - -<p> -Die beiden Schurken hatten sich in der Tat der elektrischen Waffen -bemächtigt, aber sie kamen nicht dazu, die Waffen zu gebrauchen, -sie kamen auch nicht dazu, sie gegen Kapitän Mors zu kehren. Diese -Männer befanden sich bereits in den Banden des Todes. -</p> - -<p> -Entsetzlich war das Schicksal, welches ihnen widerfuhr, aber das -Schicksal war ein wohlverdientes. Die grauenvolle Gewalt befand sich in -voller Tätigkeit, die Sonnenenergie-Maschine riß die beiden Rädelsführer -buchstäblich in Stücke. -</p> - -<p> -Es war ein geradezu fürchterliches Bild, so entsetzlich, so furchtbar, -daß selbst Kapitän Mors wie angewurzelt stand. Es war ein Bild des -Grausens, der Vernichtung, es war ein Ende mit Schrecken. -</p> - -<p> -Fürchterlich war das Tosen der Maschine, Kapitän Mors sah ein -Schauspiel, welches jeder Beschreibung spottete. -</p> - -<p> -Die Körper der beiden Männer nahmen allmählich unheimliche -Formen an, sie veränderten sich rasch und zeigten allmählich die Gestalt -von Mumien. -</p> - -<p> -Dabei wurden sie noch immer von den Drähten gefaßt und mit -fürchterlicher Gewalt herumgeschleudert. Man sah, wie die zuckenden -Blitzstrahlen die Körper der Männer allmählich vernichteten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors warf sich jetzt rasch zu Boden, es drohte eine neue -Gefahr, da die elektrischen Revolver, welche die beiden Rädelsführer in -ihre Gürtel gesteckt, sich jetzt entluden. Die schrecklichen Geschosse -platzten, richteten aber verhältnismäßig wenig Schaden an, man sah nur -große Beulen an den metallenen Wänden. Die Körper der beiden Männer -aber waren jetzt zu Kohle verwandelt. Sie zerfielen in Stücke, die -unheimliche Gewalt schien sie allmählich in Asche zu verwandeln. -</p> - -<p> -Kapitän Mors kroch jetzt auf allen Vieren zu den zitternden Franzosen -hinüber. -</p> - -<p> -Wohl waren dies geschickte, erfahrene Leute, die schon manches -Mal die Maschinen des Unterseeboots in Tätigkeit gesetzt hatten, aber -diese fürchterliche Kraft hier war ihnen völlig fremd. Sie erschien ihnen -als etwas Grausiges. Die Kraft war von geradezu zerstörender Wirkung. -</p> - -<p> -Immer schrecklicher war das Schmettern, das Toben, das Zischen, -das Krachen, aber die Maschine schien jetzt nicht mehr von innen, -sondern nach außen zu wirken. -</p> - -<p> -Es war so, als ob die menschlichen Körper die entsetzliche Kraft -angezogen hätten, und als ob diese unheimliche Energie jetzt, nachdem -die Menschenkörper zerstört waren, wieder den Gesetzen ihres Erbauers -gehorchte. -</p> - -<p> -An dem hohen Stahlgerüst drehten sich die dort befindlichen -Schwungräder mit unheimlicher Geschwindigkeit. Man hörte das stoßweise -Arbeiten der Kolben, die an der Maschine angebracht waren und -das Weltenfahrzeug wurde jetzt von einer furchtbaren Gewalt gerüttelt -und geschüttelt. -</p> - -<p> -Ja, Mors hatte recht gehabt. Diese fürchterliche Maschine brachte -dem, der sie in Bewegung setzte, den Tod. -</p> - -<p> -Das Schicksal aber hatte es gewollt, daß die Meuterer den Tod -fanden, daß sie es waren, welche ohne es zu wollen, die Sonnenenergie-Maschine -in Tätigkeit setzten, daß sie durch ihr wohlverdientes Ende -den einzigen Weg zur Rettung des Weltenfahrzeuges ermöglichten. -</p> - -<p> -Immer furchtbarer wurden die Stöße, so daß die vier zitternden -Franzosen in der Ecke laut heulten und schrieen. -</p> - -<p> -„Es ist alles zu Ende,“ riefen sie klagend. „Jetzt ist alles aus und -vorbei. Das Fahrzeug geht in Stücke, nun werden auch wir in Atome, in -Fetzen zerrissen.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors achtete nicht auf die jammernden Meuterer. Er -hatte andere Dinge im Sinne. Er sprang jetzt zu den Instrumenten hinüber, -welche die Bewegung des Fahrzeuges anzeigten. -</p> - -<p> -Da erschien auch Terror in der Türe. -</p> - -<p> -Angstvoll spähte der treue Mann nach dem Kapitän umher und -meinte, er würde wohl nur noch die Fetzen von dem Luftpiraten gewahren. -</p> - -<p> -Ein Freudenschrei entrang sich seiner Brust, als er Kapitän Mors -wohlbehalten bei den Instrumenten stehen sah, die der Luftpirat mit -seinen funkelnden Augen beobachtete. -</p> - -<p> -Noch standen die Zeiger still, noch war das Weltenfahrzeug nicht -in Bewegung. Noch ruhte es unbeweglich in der gefährlichen Zone, -welche Kapitän Mors als toten Punkt bezeichnet hatte. -</p> - -<p> -Aber immer fürchterlicher arbeitete die unheimliche Maschine, die -jetzt ganze Ströme von elektrischen Lichtstrahlen auszusenden schien. -Es war die Sonnenenergie, welche jetzt durch die Zylinder und Kolben -der rätselhaften Maschine hindurch zuckte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors stand unbeweglich. Wenn die Kraft der Maschine -unwirksam blieb, war die letzte Hoffnung verloren, dann blieb das Weltenfahrzeug -bis in alle Ewigkeit festgebannt an diesem gefährlichen -Platze. -</p> - -<p> -Plötzlich leuchteten seine Augen auf. -</p> - -<p> -Der eine Zeiger vibrierte, er schwankte ein wenig hin und her, zitterte -und zuckte, und nun begann er sich plötzlich langsam zu drehen. -</p> - -<p> -Ein seltsamer Ruf entrang sich der Kehle des Luftpiraten. -</p> - -<p> -„Das Weltenfahrzeug bewegt sich,“ stieß er hervor. „Der „Meteor“ -fliegt, die Sonnenenergie hat die gefährliche Zone überwunden. Wir -sind wieder in Bewegung.“ -</p> - -<p> -Augenblicklich riß er den Hebel herum, der den Lenkapparat in -Tätigkeit setzte und die Instrumente bewiesen, daß das Fahrzeug einen -riesigen Bogen beschrieb. Es gehorchte wieder den Händen und dem -Willen seines genialen Erbauers. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ rief Terror, „es ist aber gerade so, als wäre alles in -Trümmer gegangen. Das Fahrzeug knickt und knackt in allen Fugen.“ -</p> - -<p> -„Ja, wir müssen zur Erde zurück,“ entgegnete Kapitän Mors. „Es -muß erst untersucht werden, ob der „Meteor“ Schaden genommen hat. -Einstweilen hält noch alles zusammen, ich höre nirgends Luft entweichen.“ -</p> - -<p> -Da sah Terror die zitternden Franzosen. -</p> - -<p> -Wütend stürzte er sich auf sie, um seinen Grimm an ihnen auszulassen, -während die vier Männer, deren Sinne von dem Geschehenen -ganz verwirrt waren, unter Heulen und Jammern um Vergebung flehten. -</p> - -<p> -Terror war so wütend, daß er Anstalten machte, die vier Franzosen -tatsächlich in die andere Welt zu schaffen, als ihn ein Zuruf des Maskierten -daran verhinderte. -</p> - -<p> -„Laß sie, Terror,“ rief der stolze Mann. „Sie sind irregeführt, verleitet -durch die beiden Irländer, welche ein so fürchterliches Ende fanden, -die tragen die Schuld an allen Geschehnissen.“ -</p> - -<p> -„Aber, sie haben sich empört, Kapitän,“ versetzte Terror wutschnaubend. -„Sie haben ihren Eid gebrochen. Sie verdienen den Tod in -der schlimmsten Gestalt.“ -</p> - -<p> -„Nein, ich will Gnade walten lassen,“ erwiderte Mors. „Ich habe, -als ich an der Tür lauschte, deutlich gehört, daß diese Männer Wilkes -und Penn von ihrem Begehren abzubringen suchten. Sie sind nur den -Verlockungen erlegen und haben das Treiben der Rädelsführer zu lange geduldet. -Strafe sollen sie empfangen, aber ihr Leben wird geschont, und -wenn sie sich künftig treu zeigen, so will ich ihnen Verzeihung angedeihen -lassen. Die anderen beiden aber, die wir unten schlafend trafen, die -sind ganz unschuldig, die haben sich an der Meuterei nicht beteiligt.“ -</p> - -<p> -Die Franzosen warfen sich Kapitän Mors zu Füßen und versicherten -hoch und teuer, daß sie Wilkes und Penn durch fabelhafte Versprechungen -zur Untreue verlockt hätten, sie schwuren, daß sie künftig die -treuesten Diener, ja selbst die Sklaven des Maskierten sein würden. -</p> - -<p> -Mors aber drehte den Riesenmagneten dem Monde zu, dessen -bleiches Licht durch eine Fensterluke hereinstrahlte. -</p> - -<p> -Der „Meteor“ wendete sich der Erde zu und mit furchtbarer Geschwindigkeit -sauste das Weltenfahrzeug dahin, der Erde, dem Ozean -und der geheimnisvollen Insel entgegen. -</p> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 85-122. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten, obwohl sich -im Text ein entsprechender Hinweis findet. Der entsprechende Rücktitel -mit dem Plan des Weltenfahrzeuges findet sich in Band 42. -</p> - -<p> -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 40: Die Empörung im Weltenfahrzeug, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56065-h.htm or 56065-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56065/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. 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